Nr. 67. flbonncmenls-Bedlngungfn; Abonnements• Preis bränumerando: Lierteljährl. ZM M!., monotb 1.10 Mb, wöchentlich 28 Psg. srei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. SonniagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt' 10 Psa. Pos». «lbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-geitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabormements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luzemburg. Portugal. niwien, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. Die TnfertionS'Gebü!)r vctriigt für die sechsgcspaltene Kownel- geile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versanntrlungs-Anzeigen 30 Pia. „Klein- Sirreigen", das settgedrume Wort 20 Pssg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg Stellengesuche und~~ IN o* lMMW dldjelnt IZgNch inßcr ClontagJ. Berliner Volksblnll. Zentralorgan der fozialdemokratlfdien Partei Deutfchlanda. Itellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über ISBuch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Rümmer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Ttiegrarnm- Ndresi« „StfzlaUtmolirat Berlin". Redaktion: 8M. 68. Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikpla«, Nr. 1S8S. Mittwoch, den 20. März 1912. Expedition: 8M. 68» tindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Mar ichplatz, Nr. 198t. Der Pyrrhussteg der Zechenherre». Als König Pyrrhus die Römer in zwei Schlachten ge- schlagen hatte, fühlte er sich derartig geschwächt, daß er klagend ausrief:„Noch ein solcher Sieg und ich bin verloren!" Wie der Draht aus Bochum meldet, hat dort die Revierkonferenz nach vielstündiger Verhandlung beschlossen, den Streik abzubrechen. Schweren Herzens, aber mit Bedacht müssen die Bergarbeitervertreter der drei Verbände einen solchen Be- schlusi gefaßt haben. Leicht ist er ihnen sicherlich nicht ge- worden, denn trotz aller Siegesnachrichten der den Gruben- baronen und ihren Handlangern dienstbaren Presse stand noch immer mehr als die Hälfte der unter Tage Beschäftigten, also der wirklich in Frage kommenden Arbeiter im Streik. Aber auf der anderen Seite waren nach der beispiellosen Kampagne, die von den Grubenherren, allen Parteien der Reaktion ein- schließlich des Zentrums und der wackeren christlichen Gewerk- vereinler gegen die im Lohnkampf stehenden Arbeiter geführt worden war und täglich mit immer wilderem Ungestüm ge- führt wurde, auch die Chancen des Erfolges nicht so sicher, daß es angemessen geschienen hätte, den Kampf bis zu den letzten Konsequenzen durc�uführen. So brachen die Streikenden den Kanipf ab. Ob die hochmütigen Grubenbarone, deren eiserne Stirn durch die lakaienhafte Hilfsbereitschaft der Regierung und die erbärmlichen Streikbrecherdienste des christlichen Ge- Werkvereins noch gestählt wurde, aus diesem Kampfe eine Lehre ziehen und wenigstens gewisse Zugeständnisie machen werden, bleibt abzuwarten. Wie dem aber auch sei: der Kampf, der am 19. März abgebrochen wurde, wird eines TageS wieder aufflackern, wenn das Grubenkapital fortfahren wird, den brutalen Herrenstandpunkt den Arbeitern gegenüber heraus- zukehren. Und neben diesem Kampf gegen das Unternehmer- tum wird auch der Kampf gegen diejenigen nun erst recht mit Leidenschaft entbrennen, die vor allem dem Grubenkapital diesen kurzlebigen Triumph bereitet: der Kampf gegen den christlichen Verband, der sich unter der unsäglich perfiden Leitung jener sogenannten Arbeitervertreter der Zentrums- Partei den traurigen Ruhin erworben hat, die Rolle einer ins Riesenhafte vergrößerten Streikbrechergarde zu spielen. Nicht den Kameraden der Streikenden gilt dieser Kampf, nicht dem katholischen Grubengefährten und Arbeitsgenossen, fondern der Irreführung dieser Arbeiterschichten durch eine skrupel- lose, den politischen Zwecken des Zentrmns sklavisch dienst- Pflichtige Führerschaft. Wie für die Grubcnherren selbst, wird deshalb auch�Dr die Giesberts, Brust. Jmbusch und Konsorten der Abbruch des Streiks nur ein fragwürdiger Pyrrhussieg sein. Mit je größerem Recht die christliche Leitung die Niederwerfung der Lohnbewegung als ihr Werk betrachten kann, um so furcht- barer muß die Lawine von Empörung gegen sie anschwellen. die sie dereinst begraben wird. So wenig das Bündnis zwischen dem Zentrum und der nationalliberalen Zechcnpartei auf die Dauer den Politischen Zusammenbruch des Zentrums in Rheinland-Westfalen zu hindern vermag, so wenig, ja noch weniger wird der christliche Verband seine Lebensdauer da- durch verlängern können, daß er offenkundig auf den Charakter einer ernsthaft e h r li ch e n Arbeiter- organisation verzichtete und sich zur Streik- brechergarde für die hohnlachenden Gruben- b a r 0 n e erniedrigte. Daß die Christen, wie man im Ruhrrevier die Firma Giesberts. Brust und Jmbusch getauft hat, in der Tat ein Hauptverdienst daran haben, daß sich die Streikenden vom alten Verband, von der Hirsch-Dunckerschen und der polnischen Organisation nach nur neuntägiger Dauer des Streiks zum Abbruch des Kampfes veranlaßt sahen, das soll ihnen nicht streitig gemacht werden. Selbstversiändlich soll damit nicht gesagt werden, daß der christliche Verband an sich eine solche Macht repräsentiert hätte, daß er einen Ausstand zu ver- eitel» in der Lage gewesen wäre. Die, wie Herr Jmbusch am Dienstag im Landtag selbst zugab, nur 40000 christlich organisierten Bergarbeiter wären gar nicht in der Lage gewesen, den Ausstand aus eigener Kraft zu durchkreuzen, sintemalen ja zahlreiche christliche Arbeiter nur widerstrebend der Parole ihrer Verbandsleitung folgten oder auch in offener Rebellion sich ihr widersetzten. Aber die Christen, womit wir immer die Führer und nicht die irre- geführten Arbeiter meinen, leisteten gleichwohl dem Scharfmachertum geradezu unschätzbare Dienste! dadurch, daß sie zuerst daS wüste Geheul über den Terror der Streikenden anstimmten, dadurch der gesamten kapitalistischen Presse die wunderbarste Gelegenheit gaben, die sogenannte öffentliche Meinung gegen die Streikenden einzunehmen, und die Regierung veranlaßten, das Streikrevier sofort mit einer Unzahl fremder Polizeimannschaften und bald auch Soldaten zu überschwemmen. In frecher Verdrehung des für jeden Gewerkfchafts- Praktiker ganz unverkennbaren Tatbestandes haben die christ- lichen Vertreter im Reichs- und Landtag so gefolgert:„Der Streik gewann an Ausdehnung nur, weil der Terror wirkte, weil sich auch christliche Arbeiter in ihrer Streikbrecherfreiheit bedroht fühlten: als die Presse die terroristischen Taten ent- hüllte, als Gendarmerie und Militär in genügender Zahl an- rückte, da schwand die Furcht der Eingeschüchterten und schnellte die Zahl der Arbeitswilligen in die Höhe." Daß bei einem Streik von mehreren Hunderttausenden kleinere Exzesse vorkommen, ist selbstverständlich. Jeder Christ weiß das und auch jeder einigermaßen orientierte kapitalistische Kuli weiß, daß die Streikexzesse, die auf die nur zu begreifliche Empörung der Streikenden gegenüber den Streikbrechern zurückzuführen sind, gerade in den Ländern am zahlreichsten und schwersten sind, in denen der Einfluß des Sozialismus auf die GeWerk- schaftsbewegung am geringsten ist. Es liegt deshalb eine un- geheuerliche Tartüfferie und Perfidie darin, von solch beiläusi- gen Entrüstungsausbrüchen Streikender ein großes Wesen zu machen. Zudem war das, was von den Regierungsvcrtretern und mit womöglich noch breiterem grinsenderem Behagen von den Rednern der Christen vorgebracht wurde, kaum der Rede wert Was die Polizeibulletins des Herrn v. Dallwitz wert sind, das hat ja die Entlarvung der Moäbiter Polizeimärchen, die an Gerichtsstätte vorgenommen wurde, hinlänglich bewiesen. Was aber die Christen im Wetteifer mit Grubendirektoren und sonstigen Zechenoffizianten vortrugen, das war mehr oder minder apokryphes Brief- und Zettelmaterial, das nicht das Geringste bewies. Auf noch wurmstichigeres Tatsachen niaterial gestützt, schrien und brüllten Grubenherrcn und Christliche um die Wette nach Gendarmerie- und Militärschutz, bis schließlich im Ruhrrevier die Zahl der Behelmten iiben Hand nahm und die beabsichtigte Einschüchterung der Unor ganisierten erreicht war. Unter den Streikenden befanden sich ja auch viele Tausende von Unorganisierten, die nur in dem instinktiven Gefühl der Solidarität und aus Empörung gegen die Knechtung an dem Streik teilgenommen hatten. Diese Unorganisierten setzten sich zum guten Teil aus Ele menten zusammen, deren Persönlichkeits- und Staatsbürger bewußtsein noch außerordentlich wenig entwickelt ist. Und da sie nun nicht nur in der nationalliberalen und Zentrums presse des Ruhrreviers täglich die Beteuerungen der Verrucht heit und Erfolglosigkeit des Streiks lasen, sondern auch durch den massenhaften Aufmarsch von Polizei und Militär ein dringlichst darüber belehrt wurden, daß der herrschende Staat sich gegen die Streikenden wendet, klappten sie zusammen und wanderten wieder zur Grube. Das war der Wohl beabsichtigte Zweck des Polizei- und Militäraufgebots im Streikrevier, und als das in der Dienstagdebatte des Abge 0 r d n e t e n h a u se s der Genosse L e i n e r t nachdrücklichst feststellte, als er betonte, daß es nicht in erster Linie auf den sogenannten Schutz der Arbeitswilligen abgesehen sei, sondern darauf, den Streik kaput zu machen, da ließ in überströmender Begeisterung ein konservatives Mitglied des Alkgeordnetenhauses ein unvorsichtiges„Sehr richtig" dem allzu sorglosen Gehege seiner Zähne entfliehen. Die ganze Stimulierung der sogenannten öffentlichen Meinung durch die Scharfmacher, und Zcntrumspresse, das enorme Aufgebot von Gendarmen und Soldaten im Ruhrrevier ist es gewesen, das die Slusbteitung des Streiks verhinderte. Daß es soweit kommen konnte, daran trägt aber der christliche Gewerkverein das Hauptverdienst und dies Verdienst wird ihm von den ins Sklavenjoch zähneknirschend zurückkehrenden Bergknappen und all denen, die mit ihnen sympathisieren, nie vergessen werden! Die Rede L e i n e r t s im Abgeordnetenhause führte den Christen ihre Sünden noch einmal in wuchtiger Gedrängtheit vor. Vorher konstatierte er die Tatsache, daß die national liberale Partei des Abgeordnetenhauses durch ihren Sprecher Dr. F r i e d b e r g, der sich würdig erwiesen habe, ein Direk- tionsmitglied des Zechenverbandes zu werden, gezeigt habe, daß sie sich frei von jeder Verantwortung gegenüber den Wählern der plebejischen dritten Klasse fühle. Die einzige Direktive für ihr Verhalten sei der Gesichtspunkt der Ver- mehrung der Dividende gewesen. Tie C h r i st c n aber seien es � gewesen, die zuerst und am lautesten nach Polizei und Militär geschrien hätten. Sie hätten wohl nicht anders ge- dürft, da ja wohl Abmachungen des Zentrums mit den nationalliberalen Gruben Herren von der Wahl her bestanden hätten. Auch das blöde Gerede über den Kontraktbruch isertigte Leinert schlagend damit ab, daß er nachwies, daß ja auch die Christen 1889 und 1905 in dem durch die Kampffituatirm einfach gebotenen Kon- traktbruch absolut kein Haar gefmaden hätten. Das einer gelben Organisation alle Ehre mach/ende Verhalten der Christ- lichen erscheine um so sonderbarer., als der christliche Führer Effert doch schon 1909 einen Kgmpf mit dem Grubenkapital auf Sein oder Nichtsein angekündigt habe. Und wenn die Christen jetzt mit den Grubenkoipitalisten und allen Schars- machern um die Wette nach dein Schutz der Arbeitswilligen schreien, so sei es gerade das Org�n der christlichen Bauarbeiter gewesen, daß noch unlängst die Streikbrecher mit Vaterlands- Verrätern auf eine Stufe gestellt habe. Der ganze schwarz- blau-nationalliberale Mischmasch habe sich als nichts anderes erwiesen, als die parlamentarische Hintzegarde des Grubenkapitals. Nach Leinert nahm sich dieses Grubenkapitals zunächst der Konservative Herr G e s ch e u und dann der nationallibc- rale Abgeordnete K n u p e an. Der erstere, ein persönlich durchaus honoriger Mann, dessen ganzes Wesen aber vollge- sogen ist von den Vorurteilen der Klasseninstinkte der privi- legierten Kaste. Der Nationalliberale war feines Zeichens Bergwerksdirektor im Arnsbergischen und das sagt ja wohl schon genug. Er sprach pro domo, er verfocht ureigenste per» sönliche Interessen, immerhin aber in geschäftsmäßig nüch- terner Form. Der Moabiter Polizerminister Dallwitz, der dann wieder zur Freude und Herzensstärkung des Gruben- kapitals sein Sprüchlein herunterkrähte, erzählte allerhand Polizeigeschichten, um die Scharfmacherlegenden zu stützen. Den Schluß machte Herr B r u st, der berüchtigste Ober-. schieber christlicher Bergleute und er übertraf an Scharf- macherei, im Erzählen gruseliger Anekdötchen, im Schimpfen und Verleumden der verhaßten Sozialdemokratie alle Schars- macher, die Herren Minister nicht ausgenommen. Er sagte beispielsweise, daß man nicht mit Unrecht vermute, daß die sozialdemokratischen Streikführer mit den englischen Unter- nehmern verhandelt hätten, um Streikunterstützung zu er- halten. Er meinte weiter, daß eine starke Vermutung be- stehe, daß sozialdemokraftsche Gewerkschaftsführer den Streik nur angezettelt hätten, um den Börsenleuten dabei zu einer besseren Konjunktur zu verhelfen. Daß unsere sechs Land- tagsgenossen dies unsinnige Geschwätz durch entsprechende Zwischenrufe beantworteten und Herrn Brust als Jrrsin- nigen und Deliranten, als reif für die Zwangsjacke bezeich- neten, wird nmn ihnen schwerlich verübeln können. Im übrigen freilich ließen sie den endlos tristen Schwatz mit heiterer Gelassenheit über sich ergehen. Nicht so die Zen- trumspartei selbst, der allmählich bei den schweißtreibenden Delirien ihres Mannes bange zu werden begann. Zweimal entsandte sie einen Mann zu Herrn Brust, der ihn zum Auf- hören ermahnte. Genosse Hoffmann glossierte diese ver- gebliche Intervention mit beißendem Spott. Als unter dem lauten Bravo und da capo— weniger seiner Freunde als der Sozialdemokraten— Herr Brust endlich abgetreten war, wurde schleunigst der übliche Schluß der Debatte beantragt, just als Genosse Liebknecht an die Reihe gekonimen wäre. Auch das Zentrum stimnite für Schluß der Debatte, trotz der unsinnigen Provokationen des von ihm losgelassenen Redners. Genosse Liebknecht charakteri» sierte diese unverfrorene Schlußmacherei gebührenderweise als unerhörten Skandal. Es traf sich gut, daß der Abbruch des Streiks zeitlich zu- sammenfiel mit jener ebenso blöden wie unverschämten Scharf. macherrede, durch die ein Zentrumsabgeordneter und söge- nannter Arbeitcrvertreter die Streikenden sinnlos gehässig insultiert hatte. Die ganze streikbrecherische Aktion der Zen- trumschristen erhielt dadurch noch einmal das ihr gebührende Relief. Der Pyrrhussieg der Grubcnbarone wird dem Zen» trum, wird den Christlichen teuer genug zu stehen kommen! Der lldbruch lies Streik!. So wären also die mutigen Bergarbeiter noch einmal niedergerungen! Ihrer Widersacher waren zu viele. Das großmächtige Grubenkapital nimmt keine Rücksicht auf die um ihr Recht kämpfenden Bergarbeiter. Es kennt nur den starren Despotenstandpunkt, dem selbst die Staatt-- männer sich beugen müssen. Wehe dem Minister, der' ernst- den Versuch gemacht hätte, sich vermittelnd zwischen den Pan nen einzumischen. Der Handelsminister Möller hat seinen Grevel im Jahre 1905 init seinem Sturz büßen müssen. Bis zum letzten Augenblick haben auch diesmal die (brubsngetlviltigen ihren Herrenstandpunkt gewahrt. Auch noch die vsrt.'linder.teii Forderungen beantworteten sie mit der höhnischen Erkh.mmg, daß allgemeine Lohnerhöhungen mit Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse der einzelnen Reviere ummöglich seien, daß Ueberschichten bei steigender Konjunktuu nicht entbehrlich seien, und daß sie die gesetzlich den Uvternnhmern zur Last fallenden erhöhten Anforderungen der Reichsversicherungsordnung nicht tragen könnten. Neben diesem mächtigen Gegner stand die Treu- losigkeit der Christlichen. Ihre früheren Zu- sicherlingen, sich in die Reihen der Kämpfenden zu stellen, dielten sie nicht. Nach leeren Ausflüchten kani der offene Verrat. Dazu der mächtige wirtschaftliche Druck der Grubenherren: die And rohung der Strafschichten, die Kündi- gung der Werkswohnungen. Nur wer die große Wirtschaft- iichc Abhängigkeit kenn s, in die die Bergherren die Berg- arbeiter zu zwingen wusch m, kann ermessen, von wie großem Einfluß das auf die Lohnbewegung sein mußte. Die drei vereinigten Bergarbeiterverbände hatten diese Schwierigkeiten nicht giiring geschätzt. Doch zu oft schon mußten sie die Bergarbeiter zur Zurückhaltung mahnen, da der Kampf zu wenig Ehvncen versprach. So erst bei Ein- führung des Zwangsarbc itsnachweises. Damals schon stieg der Groll bei den Bergarbeitern hoch, doch den Verbands- leitungen gelang es noch lsinmal, den Kampf zu ungünstiger Zeit nicht ausbrechen zu lassen. Jetzt erschien die Situation günstig. Die Konjunktur war äußerst gut. Die Unzufriedenheit fcer Bergarbeiter hatte durch die jahrelangen Schikanen den Höhepunkt er- reicht. Tie Bergleute drängten energisch zum Kampf. In allen anderen Industrien hatten sich die Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen erkäippft. Nur der Bergmann mußte die Lebensmittelteuerung' ohne Lohnerhöhung ertragen. Seit Jahren schon hatte d.ie Organisation den Bergarbeitern keine wesentlichen VerbesscLUngen der Lohn- und Arbeits- bedingungen verschaffen können. Hätte in dieser Situation die Verbands leitung wiederum eine zuwartende Stellung ein- genommen, die Mitglieder t raren über die Verbandsleitung hinweg zum offenen Kampfe geschritten. Es hätte viele wilde, völlig undisziplinierte Streiks gegeben, deren Aus- sichtslosigkeit von vornherein feststehen mußte. Am Montag früh vorigeif Woche setzte der Streik nicht allzu stark ein. Aber schon ldie Mittags- und Abendschicht zeigte große Beteiligungsziffcwn. Und am Dienstag war die Zahl der Streikenden eine� so hohe, daß der Erfolg des Streiks verbürgt erschien. Doch die Machinationen der Gegner verfehlten ihre Wirkung nicht. Am Montag und Dienstag in dieser Woche sank die Zahl der Streikenden sehr rapide. Nur 150 000 Streikende wurden am Dienstag noch gezählt, nur etwa 45 Proz. der Belegschaiten. Eine Fortführung des Streiks unter solchen Umständen mußte den Erfolg zweifelhaft er- scheinen lassen, so sahep sich die Verbandsleitungen der drei Verbände gezwungen, den Stand des Streiks einer Vcr- trauensmännerkonferenz zu unterbreiten. In dieser Vertrauens männerkonferenz der drei Verbände, die Dienstag in Bochum stattfand und die von 577 stimmberechtigten Delegierten besucht war, stimmten 349 für die Fortsetzung des Streifs, 215 für die Beendigung. Da also eine Zweidrittelmajorität für die Fortsetzung des Streiks nicht erreicht worden war. beschloß die Konferenz den Abbruch d e s S t r e i k s. , Tie Delegierten, die für die Aufhebung des Streiks sprachen, wiesen auf die Haltung der Polizei, auf die Hal- tung der bürgerlichen Preise, auf den Streikbruch der Christlichen und auf die Drohung der Bergherren hin, wodurch der Streik immer mehr abflauen mußte. Die Presse habe die Bergarbeiter verwirrt gemacht durch falsche Zahlen. falsche Gerüchte und durch Verleumdungen gemeinster Art. Besonders die Z e n t r u m s p r e s s e und der G e w e r k- verein christlicher Arbeiter hätten das Menschen- möglichste geleistet, um die Bergarbeiter den Grubenbesitzern auszuliefern. Die gleichen oder noch stärkeren Wirkungen hätten die Werksdrohungen gehabt. Wenn auch die größte Zahl der im Streik Befind- lichen aus Wochen noch aushalten würde, so sei an einen rechten Erfolg kaum zu denken. Tie streikenden Berg- arbeiter geben den Streik auf. Sic wissen, in welcher Weise die Organisationen in Zukunft zu arbeiten hätten: Stärkere Organisationen, bessere Auf- klärung �er Bergarbeiter sei dringend notwendig. Troß der Stärke der Bergarbeiterverbände habe die noch herrschende Zersplitterung unter den Bergarbeitern wesentlich zum Mißlingen des Streiks beigetragen. Selbstverständlich war die Stimnmng über den Abbruch dcS Streiks eine sehr geteilte. Am allerwenigsten waren diejenigen Vertrauensleute für eine Aufliebung des Streiks, die aus stark bestreikten Revieren kamen: das war deutlich an« Abstimmungsresultat erkennbar. Wenn trotzdem auch sie zum Teil für Aufhebung des Streiks stimniten, so deshalb, um den Streik nicht weiter abflauen zu lassen. Den Kamps, so meinten sie, habe man in allen Bezirken gemeinsam begonnen, man solle ihn jetzt auch gemeinsam aufheben. Bemerkenswert ist, daß die Delegierten durchaus keine Niedergeschlagenheit zeigten. Sie erkannten klar und offenen Auges die Situation. Sie sprachen sich so ans und handelten so, wie es sich für organisierte Arbeiter ge» bührt. Mancher erklärte: Der Streik sei aufgeschoben, nicht ausgehoben! Nach reichlicher Diskussion machte die Konferenz eine Pause. Tie Unterhaltung an den Tischen wird sehr lebhaft geführt. Da ertönt die Glocke des Vorsitzenden. Lautlose Stille! Husemann gibt das Abstimmungsresultat be- kannt, das mit großer Ruhe entgegengenommen wird. Nach Husemann spricht H u e, der folgende Resolution unter- breitet: „Tie heutige Nevierkonfcrenz der drei Bergarbeiterverbände protestiert mit Entrüstung gegen die Ueberschwemmung des Streikgebiets mit Polizisten, Gendarmen und Militär und gegen die im Anschluß an diese ungerechtfertigte Mahregel vielfach ein- getretene Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der streiken- den Bergleute durch Bertreibung und Verhaftung der gesetzlich gestatteten Streikposten, durch Aufhebung von StreikburcauS, surch Vcrsammlungsverbote, unbegründete Bcrsammlungsauf- lösungcn, durch das Verhindern der Verbreitung aufklärender und beruhigender Druckschriften an die Streikenden und an die übrige Bevölkerung durch Bedrängung und Einschüchterung der Streikenden und der übrigen Volksteile, durch außerordentlich rücksichtslos borgehende Polizcimannschaften, durch die die aus rein wirtschaftlichen Gründen unternommene Lohnbewegung der Bergleute in unerhörter Weise niedergedrückt worden ist. Von der arbeiterfeindlichen Presse wurde mit Erfolg alles daran- gesetzt, um durch sensationellste Aufbauschung auch der kleinsten Zwischenfälle, sogar durch freie Erfindung von Nachrichten über vorgekommene Unruhen die öffentliche Meinung gegen die Strei- kendcn aufzuhetzen. Die aus der Luft gegriffenen Nachrichten der für die Arbeiter ungünstigen Ziffern über die Streik- beteiligten kann die über ein großes Gebiet verteilte Masse der Streikenden irreführen und nach und nach so auseinanderreißen, daß es nicht mehr möglich ist, den Kampf mit Aussicht auf Erfolg weiterzuführen. Die Konferenz hat deshalb beschlossen, den Streik sofort aufzuheben und fordert die Kameraden ausi diesem Beschlutz zu folgen. Die Konferenz erklärt, daß nur die rigorosen Maßregeln gegen die staatsbürgerlichen Rechte und die systematische Irre- führung und Verhetzung der öffentlichen Meinung durch die arbeiterfeindliche Presse es vermocht haben, den Kämpfenden ihren Erfolg aus der Hand zu schlagen. Hierzu hat die wüste Streikbruch hetze der Führer des sogenannten christlichen Gewerkvereins, die sich als größere Arbeiter schädlinge erwiesen haben als die Gel- ben, ein Bedeutendes beigetragen. Dieses skanda- löse Gebaren hat die christlichen Streikbruchführer der Ver- achtung aller ehrlichen Arbeiter überwiesen. Die Konferenz fordert alle Bergarbeiter aut, durch Stärkung der an diesem Kampfe beteiligten Organisationen dazu beizutragen, daß wir möglichst bald auf dem Kampfplatze erscheinen können." Die Konserenz ging in völliger Ruhe und Einigkeit aus- einander. Von den streikenden Bergarbeitern ist zu hoffen, daß sie einmütig, wie sie die Arbeit niedergelegt haben, nun auch die Arbeit wieder aufnehmen. Manche Niederlage haben die Gewerkschaften ertragen müssen, ohne deshalb den Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen auch nur zurückstellen zu müssen. Der Sieg der Gewerkschaften führt über schwere Hindernisse. Manche stolze Feste des Kapita- lismus fiel nach wiederholtem, starkem Ansturm der organi- sierten Arbeiter. Auch für die Bergarbeiter wird die Zeit kommen, wo die Zwingburg der Bergherren fall e n wird. Stärkung drr Organisation, Gcschlosicnhcit »nd Einigkeit im Handeln sind die nächsten Ausgaben, um dieses Ziel erreichen zu können. «« » Die Versammlungen der Bergarbeiter. Dortmund, IS. März.(Privaitelegramm des„Vorwärts".) Im ganzen Ruhrrevier fanden heute Versammlungen statt, in denen über die Konferenz berichtet wurde, die den Abbruch des Streiks beschloß. Die Versammlungen verliefen ruhig und stimmten den Gründen der Revierkonferenz zu. Etwas stürmisch ging es zu Anfang in der von etwa 3i)0t1 Bergarbeitern besuchten Versammlung in der Robertsburg zu D o r t m u n d zu. Es wurde gegen den Abbruch des Streiks protestiert. Nach einer längeren Aus- spräche wurde jedoch die Resolution der Konferenz gutgeheißen. Im Dortmunder Revier stand der Streik am günstigsten für de» alten Verband. Ter anfängliche Protest ist daher sehr leicht zu verstehen. In der Essener Versammlung wurde besonders betont, daß die Streikenden sich morgen beim Streikburcau zu melden haben, um dann geschlossen erhobenen Hauptes zu den Zechen zu gehen. Sieg der Streikenden in Lothringen. Saarbrücken, 19. März. fPrivattelegramm deS„Bor- wärtS".) Ter Streik auf den Zechen Saar und Mosel ist mit einem vollen Erfolg der Arbeiter beendet worden. ES ist eine Lohncrböbung von 46 Pfennigen zugestanden worden, so dast der Turchschnittslohn von 1W7 wieder erreicht ist. Auch wurde die Erfüllung kleiner Forderungen zugesichert. Der Stand des Bergarbeiterstreiks in Sachsen. In L u g a u im OelSnitzer Bezirk haben Dienstag früh beim Schichtwechsel abermals große Scharen von Bergleuten ihre Ab- Meldung gegeben. Die Streikbcteiligung wird auf 70 Proz. an- gegeben, das sind von 10 400 Arbeitern etlva 7000. Zwei Werke haben vollkommen geschlossen und haben den Rest ihrer Belegschaft an andere Gruben abgegeben. In Zwickau streiken von 13 000 Bergarbeitern nahezu 8000. Auf Keftners Schacht sind beim Abendschichtwechsel nur sechs Arbeiter angefahren. Auf den Ver- einSglückwerken, die eine Belegschaft von 300 Mann zählen, sind Dienstagabend nur 30 angefahren; auf Gottesschacht sind nur 40 Streikbrecher vorhanden. Auf dem Bertrauensschacht, der bisher in drei Schichten arbeitete, wurden nur zwei Schichtwechsel gefahren. Die öffentliche Meinung ist auf Seiten der Bergarbeiter. Die bürgerliche Presse erkennt rückhaltlos an, daß die Kampfführung der Bergleute durchaus von Ruhe und Besonnenheit getragen sei. Auch von öffentlichen Personen, selbst von Geistlichen und Gendarmen, wurde das ausgesprochen und zugleich bemerkt, es sei ein großes Unrecht, daß die Grubenbesitzer den Bergleuten die Lohnerhöhung verweigern, da doch feststehe, daß die Lohnerhöhung allein, wenn die Bergherren nicht einen Extraprofit herauszuschlagen beabsichtigen, ben Preis der Kohle um nicht ganz 30 Pf. pro Tonne steigern würde. Die Grubenbesitzer bestreiten in Eingesandts in bürgerlichen Blättern die Richtigkeit der vom Ministerialdirektor Wahl« im Landtag gegebenen Darlegung, daß die Bergarbeiterlöhne seit 1907 bis 1910 ununterbrochen gefallen seien. Ein Wert hat der Belegschaft bekanntgegeben, daß allerdings bis zum Jahre 1310 der Lohnrückgang pro Arbeiter und Jahr 40 M. betragen habe, daß aber allein im Jahre 1911 der Lohn um 51 M. gestiegen sei. Die Bergarbeiter erklären, davon nichts gemerkt zu haben. Sonstige Strciknachrichten. Zabrze, 19. März. Eine Bewegung der Schlepper vom Her- m a n n s s ch a ch l hat in ziemlichem Umfange auf die P e r e m b a- sch ächte übergegriffen und scheint sich aui den Georgschacht aus- dehnen zu wollen, während auf dem Westfelde alles ruhig ist. Bei der gestrigen Nachtschicht fehlten auf dem Hermannsschacht 319 von 084 und auf den Pcrembaschächten 233 von 084 Mann. Heute früh fuhren auf dem Hcrmannsschacht 581 von 777. auf den Peremba- schachten 255 von 702 und auf dem Georgschacht 95 von 590 Man» ein. Hannover, 19. März. Wie aus Barsinghausen gemeldet wird, ist die S t r e i k l a g e gegen gestern unverändert. Aus Hannover sind 20 Schutzleute eingetroffen, die auf die verschiedenen in Betracht konimenden Orte verteilt sind. Biickeburg. 19. März. Heute nachmittag fanden in verschiedenen Orten des Fürstentums stark besuchte Versammlungen des fiskalischen G e sa m t koh l« n b e r g w« r k s in Ober- k i r cb e n statt, in denen über das Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem Arüeiterausschuß und Bcriretern des Borgamts be- raten wurde. Tie von dem Bergamt zugestandene Erhöhung deS Schichtlohnes um 10 Pf. ab 1. April wurde als unzureicbend bezeichnet und dann mit etwa Fünfachtel Mehrheit der Streik endgüktkg beschlossen. Die Gesamtbelegschaft beträgt etwa 2500 Arbeiter. Ter Streik in Nordfrankreich. Valcncicnnes, 19. März. Die Delegierten der Syndikats- abteilungen haben den Streik beschlossen. Man werde versuchen, ihn zu einem Generalstreik zu machen. Tie Bergleute des Gebietes von A b s c o n stimmten gleichfalls für den Streik: sie fordern den achtstündigen Arbeits- tag, und nach 25 Jahren Arbeit eine Pension von 2 Frank täglich. Valencicnncs, 19. März. Ter Streik der Berg- arbeiter breitet sich über das ganze Revier aus. Von 13 000 streiken 6500 Mann. In Böhmen. Prag, 19. März. In B r ü x sind bei der Nachmittagsschicht von 730 Bergleuten 034 nicht angefahren. Zunt Schütz der Arbeitswilligen ist Gendarmerie aufgeboten worden. Im Tep- litzer Gebiet wird der Ausstand für den 31. März angekündigt, falls die Forderungen unbeantwortet bleiben. Doch hält ein Teil der Arbeiterschaft diesen Zeitpunkt für zu weit hinausgeschoben mit Rücksicht auf die der Lösung sich nähernde Strciklage in Deutschland und England. Im Kladnoer Revier haben die Grubenbesitzer be- schlössen, eine Lohnerhöhung vom 1. April ab in Aussicht zu stellen. Das Minimallohngesetz in England. London, 19. März. Unterhaus. Premierminister Asquith brachte heute bei stark besetztem.Hause den Gesetzentwurf über den M i n d e st l o h n in der K o h l e n i n d u st r i c ein. Er erklärte, daß er diese Maßregel nur mit großem und aufrichtigem Wider- st r e b e n vorschlüge, aber eine schnelle Annahme des Gesetzent- Wurfes sei absolut notwendig zum Pesten des Landes, und die Re- gierung habe zu einem Gesetz erst ihre Zuflucht genominen, als jede Hoffnung auf eine Beilegung des Streiks durch Vergleich ge- schwunden war. Er erläuterte dann den Gesetzentwurf, der fest- setzt, daß den unter Tage Arbeitenden ein Mindest. lohn gezahlt werden soll. Dieser Lohn soll von dem Augen- blick an zahlbar sein, wo die Arbeiter ihre Arbeit wieder auf- nehmen, und soll durch Bezirksausschüsse festgesetzt wer- den. Die Bezirksausschüsse wstrdcn auch Bestimmiingen auszu- arbeiten haben, um die Regelmäßigkeit der Arbeit zu sichern, während der Arbeiter berechtigt sein würde, den Ar- beitgeber wegen des Mindcstlohnes zu verklagen. Andererseits enthält der Entwurf keinerlei Strafbestim- m u n g e n. Der Arbeilgeber hat dem Arbeiter unter Tag nicht weniger Lohn zu zahlen, als in dem Entwurf bestimmt werden wird. Indessen wird der Entwurf den � Grubenbesitzer nicht zwingen, seine Kohlengrube zu öffnen, ebensowenig wie den Ar- beiter dazu, einzufahren. Ein Zwang wird also nach keiner Seite hin ausgeübt werden. Auch ist der Entwurf nur eine vor- übergehende Maßnahme, die drei Jahre lang in Kraft bleiben wird. Er, ASquith, glaube und hoffe, daß der Eni« Wurf Erfolg haben werde. Aber das ist alles, was vom Paria- ment augenblicklich verlangt wird. Die Stellung des Parlaments würde durch diese Maßnahme gefestigt sein, wenn es, waS der Himmel verhüten möge, zu anderen und abweichenden Maßregeln gezwungen sein würde, um die Industrie und das Volk gegen Lähmung und Rot zu schützen. Bonar Law erklärte es für möglicb, daß daS von der Re- gierung vorgeschlagene Mittel gegen die herrschende Notlag« sich als weit gefährlicher herausstellen könnte, als die Notlage selbst. In dem Entwurf sei keine von den Bürgschaften gegen eine Verminderung der Kohlenförderung vorgesehen, die ASquith den Grubenbesitzern versprochen habe. Die Lage sei die, daß die Berg- arbeiter, rganisation sa mächtic, gewesen sei, daß sie einen Druck aus die Regierung und daS Parlament ausüben konnte, um ihre Forderungen durchzusetzen, und dadurch, daß das Hans den Eni- wurf annehme, würde es jeden anderen Handelszweig, der eine starke Organisation besitze, auffordern, seine Aiacht zur Errei- chvng desselben Erfolges zu gebrauchen, und die Bildung neuer Organisationen hervorrufen? wo sie augenblicklich noch nicht beständen. Ramsah Macdonald erklärte, jedermann wünsche den Streit unter Bedingungen beigelegt zu sehen, die von den Gruben- besitzern verwirklicht und von den Arbeitern angenommen werden konnten. Wenn der vorliegende Entwurf dies erreiche, so würde die Arbeiterpartei ihre Unterstützung dazu geben. Obgleich sie für die Auft'.ahm« von gewissen Bürgschaften in den Entwurf eintrete, würde sie doch alles tun, was in ihrer Macht stehe, um die Durchdringung des Gesetzes noch in dieser Woche zu sichern. Line mitogene Staatsahtion. Vor einiger Zeit erschienen in der Buchhandlung Vor« w ä r t s mehrere Beauftragte der Polizei, um nach den vorhandenen Exemplaren der Gedichtsammlung»Von unten auf", heraus- gegeben von Franz D i e d e r i ch, zu fahnden und die Exemplare in Beschlag zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft glaubte in mehreren der in die Sammlung aufgenommenen Gedichte auf» rührerische Tendenzen entdeckt zu haben, denn sie eröffnete nach der Beschlagnahme des Werkes gegen den Genossen Weber als Verleger ein Strafversohren wegen Uebertretung der 88 Hl und 130 des Strafgesetzbuches. In schreiendem Widerspruch zu den Anschauungen der ver- schiedensten bürgerlichen Lileraturkenner stand natürlich auch der Beschluß des AmtsgeiichreS. das die Beschlagnahme versngle. DaS eigenartige Kulturdokument lautet: Beschluß. Auf Antrag der StaatSanwallschaft wird die Beschlagnahme der Druckschrift„Von unten auf". Ein neues Buch der Freitzeit, ge- sammelt von Franz Di-derich, Berlin. 1911, Verlag Buchhandlung Vorwärts sHanS Weber), bestehend aus 2 Bänden, beschlossen, soweit folgende Gedichte darin enthalten sind: Band I S. 287 1. Der Tag wird kommen. Band I S. 309 2. Ten Reichen. Band II S. 72 3. Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Band II S. 70 4. Die Arbeiter an ibre Brüder. Band II S. 79 5. Die Internationale. Band II S. 87 6. Gesang der Arbeiler: Weh« der Welt. Band II S. 91 7. Am Ausgang des Jahrhunderts. Band II S. 90 8. Selbstgespräch eines Proletariers. Band II S. 237 9. Ackitzehiilcr März. In den Gedichten werden die einzelnen Klassen der Bevölkerung zueinander in Gegensatz gebracht, die R e i ch e n und die Armen, die Besitzenden und die Richtbesitzenden. die Arbeiter und die Angehörigen anderer sozialer Schichten. Die Besitzenden werden als Bedränger. Drohnen. Ausbeuter, die Ar- beiter als Bedrückte, Geknechtete. Ausgebeutete, Bienen bezeichnet, deren Lohn für ihr mühseliges Arbeiten und Schaffen geistige und körperliche Knechtschaft sei. Unter falscher und übertriebener Schilderung seiner Lage wird der Arbeiterstand aufgefordert, sein Joch abzuschütteln und oie Ketten der Knechtschaft zu sprengen. Dabei ist nicht an den Kampf mit geistigen Waffen oder auf wirtschaftlichem Bode» gedacht, vielmehr wird unter Hinweis auf die Macht, die die Klasse der Arbeiter in ihrer Gesamtheit in den Händen hat, zu gemalt- famer Befreiung von den Banden angereizt; der Revolution wird zugerufen, wiederzukehren. Die aufrührerische Eigenschaft deZ Inhalts der Gedichte wird noch gesteigert durch die in das Werk einge- st r e u t e n Bilder, die entweder geschichtliche Aufstände wiedergeben oder in anderer Weise die Auflehnung des Volkes gegen die bestehende Ordnung darstellen oder das Elend an Angehörigen des Arbeiter st an des ver- anschaulichen sollen. Bezeichnend ist auch Das Bild in Bd. II S. 272, das die Füsilierung von Aufständischen wiedergibt. Nicht ohne Absicht in gleicher Hinsicht sind auch die Ueberschriften der Unterabteilungen des Werkes gewählt, so bei den Gedichten oben Nr. 1 und 2:„Ich Bm das Schwert", bei den Ge- dichten Nr. 9;„Opferblut— Heldengut", bei den Gedichten Nr. 3— 8: .Massenschritt". Das Gedicht Nr. 4 wendet sich an die Soloaten mit der Aufforderung, den Gehorsam zu verweigern; die Gedichte enthalten danach die Tatbestandsmerkmale des§ 139 des Strafgesetzbuchs, in einem Falle, dem des Gedichts Nr. 4, die des 8 III des Strafgesetz- buches. Die sie enthaltenden Teile der Sammlung unterliegen ge- mätz§ 94 der Strafprozehorvnung,§ 20 des Prehgesetzes der Einziehung und sind deshalb zu beschlagnahmen. Berlin, den 19. Dezember. König!. Amtsgericht Mitte, Abt. 125; gez. Manns. Für richtige Abschrift: Berlin, den 9. Januar 1912. gez.(Unterschrift), Sekretär. Inzwischen scheint die Anklagebehörde sich bei einigen Sach- verständigen über den hohen literarischen Wert der Gedichtsamm- lung Auskunft geholt zu haben, denn das. was wir im voraus wubten, ist eingetroffen. Die Oberstaatsanwaltschaft mutzte auf die eingelegte Beschwerde gegen die Beschlagnahme das Werk wieder freigeben. Dem Verleger ging gestern das folgende Schreiben der Staatsanwaltschaft zu: Das gegen Sie wegen Pretzvergehens betreffend das Buch: Diederich„Von unten auf" geführte Vorverfahren habe ich ein- gestellt. Die beschlagnahmten Exemplare werden den Stellen, bei denen sie beschlagnahmt sind, alsbald wieder zugehen. P r e u tz, Oberstaatsanwalt. Bei etwas besserer Kenntnis der Literatur hätte sich die Staatsanwaltschaft die unausbleibliche Blamage nicht zugezogen. Handelte es sich doch bei den beschlagnahmten Ge- dichten um Werke von Pfau, Herwegh. Freikigrath u. a. Und auch die staatsgefährlichen Bilder sind Reproduktionen von Werken der berühmtesten Meister, wie Menzel. Meunier, Klinger, Cran«, D o r e, David, F i d u s usw. Aber was weitz davon die Polizei und Staatsanwaltschaft? Und oaS ist immerhin ein mildernder Umstand in dieser kläglich vorbeigelungenen Staatsaktion. vet Krieg. Tie Friedrnsbkdingungen. Koiisinntinopel, 18. März. Vom Ministerium deS Aeuhern wird amtlich erklärt, datz während des letzten diplomatischen Empfanges die Botschafter der Mächte keine amtliche Erklärung in bezug auf die italienischen Friedensbedingungen abgegeben hätten. .— Nack ergänzenden Mitteilungen wird in der Antwort Italien? an die Mächte nicht von der Anerkennung der Annexion, sondern "von der Souveränität Italiens über Libyen gesprochen. Ferner soll es darin heißen, Italien werde die persönliche religiöse Frei- hrit der Muselmanen anerkennen, sei auch unter Umständen zum Verzicht auf die italienische Post in der Türkei und zur Zahlung einer Entschädigung für Me Staatsdomänen bereit. Russische Truppenbewegung. Konstantinopel, 19. März.(Meldung des Wiener K. K. Te- legr.-Korresp..Bureauz.) Wie auf der Pforte erklärt wird, dauern die russischen Truppenkonzentrationen an der Kaukasusgren ze fort. In amtlichen Kreisen glaubt man, Nutzland wolle die Pforte einschüchtern, um die Zurückziehung der türkischen Truppen aus dem persischen Gebiet zu erzwingen. Nach anderen unkontrollierbaren Meldungen soll neben einer italienischen Flottenaktion im ägäischen Meere, die nach Ablehnung der Friedensbedingungen durch die Türkei erfolgen würde, auch eine Aktion der russischen Flotte hergehen. Ein solches Vorgehen Rußlands würde natürlich die internationale Lage gewaltig verschärfen und die schon oft vorausgesagte Erhebung der kleinen Ballanstaaten zur Folge haben. Italienische Kriegsschiffe im Archipel. Wien, 19. März. Wie die„Neue Freie Presse" erfährt, sind in Wien Meldungen eingetroffen, deren Richtigkeit autzer Zweifel stehe. Danach soll sich ein starkes italienisches E s k a d r e, bestehend au» mehreren Schlachtschiffen, Kreuzern und kleineren Einheiten bereits im Archipel befinden. Sie wurden am 17. d. M. bei der Insel TenedoS in der Nähe de» Dardanelleneinganges ge- sichtet und befinden sich in einer derartigen strategischen Position. datz sie innerhalb seehs bis zehn Stunden sofort zur Aktion gegen die Häsen von Smyrna, Saloniki und gegen die Dar- d a n e l l e n vorgehen können. Von der Arbeit der Kriegsgerichte. Rom. 10. IMärz.(Eig. Bei.) Von Zeit zu Zeit gelangt Kunde von der Arbeit der Kriegsgerichte nach Italien und man er- fährt dabei wirklich recht merkwürdige Dinge. So ist unlängst ein Selondeleutnant Ga d o l i n i unter Anklage gestellt worden, weil er sich momentan pon der ihm anvertrauten Patrouille entfernt hatte. Er war auSgesandt worden, um die feindlichen Stellungen auszukundschaften und kehrte mit seinem Peloton nach der Aus- kundschaftung zurück, als ein feindlicher Schutz einen Soldaten tötete. Der Leutnant überzeugte sich, datz dem Soldaten nicht mehr zu helfen war, ordnete den Transport der Leiche ins Lager an und begab sich dann im Laufschritt zu seinem Hauptmann, dem er den Verlauf der Auskunijschaftung und den Verlust des Soldaten mel- dclc. Tarauf ging er wieder zu seinem Pelown, mit dem er inS Lager zurückkehrte. Und wegen dieses Herganges wurde er wegen Feigheit unter Anklage gestellt, weil der General Cappella sein Vorgehen in diesem Sinne beurteilt hatte. Die Soldaten und die Vorgesetzten sagten mit großer Entschiedenheit aus, datz der An- geklagte nur seine Pflicht getan hätte und wiesen auf sein tapferes Verhalten in drei früheren Gefechten hin. Trotzdem forderte der Vertreter der Anklage 20 Jahre Gefängnis, wobei er dem jungen Offizier mildernde Umstände zugebilligt sehen wollte: im anderen Falle hätte er die Todesstrafe durch Schutz in de» Rücken fordern müssen. DaS Gericht sprach den Leutnant frei, immerhin ist es aber ungeheuerlich genug, datz derartig ehrenrührige und ver- nichtendc Anklagen einfach durch die Phantasie der Vorgesetzten erhoben werden können. Ein„Kampf um Tripolis" in München. Zu schlimmen Ausschreitungen wäre es am Sonntagabend beinahe gekommen auZ Anlatz eines Vortrages, den der Wiener Aftikaforscher O. C. Artbauer vor sehr zahlreichem Publikum über die tripolitanischen Kämpfe hielt. Wir haben über den Vor- trag, der von Artbauer auch in Berlin gehalten wurde, vor kurzem berichtet. Der Redner geißelte scharf die Massenhinrichtungen von Eingeborenen durch die Italiener. Das ging der sehr stark im Saale vertretenen italienischen Kolonie arg wider den Strich und sie protestierte mit unausgesetzten Rufen und ohren- betäubendem Pfeifkonzert. Nur mit Mühe gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Nach dem Vortrage wartete Jungitalien vor dem Versammlungslokal auf den Redner, doch hatte sich dieser bereits durch eine Seitentür entfernt. Sie Revolution in China. Japan und die Anleihe. Tokio, 19. März.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Es bestätigt sich, datz Japan das Angebot, sich an der chinesischen Anleihe zu beteiligen, angenommen und die Speeiebank mit seiner Vertretung im Anleihesyndikat beauftragt hat. Maßnahmen gegen die meuternden Soldaten. Hongkong, 19. März.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die provisorische Regierung in Kanton hat beschlossen, die rneu- ternden Truppen aus den Regierungsforts der Danes-Jnsel in der Nähe von Whampoa zu vertreiben. Chinesische Kanonenboote be- schießen die Forts, die das Feuer erwidern. Ein britischer Fluß- dampfer meldet, daß die Kanonade sehr heftig sei. politiscbe(leberllcdt. Berlin, den 19. März 1912. Bcthmann Hollweg amtsmüde? Im Reichstag kuisierte am Dienstag mit aller Bestimmt- heit das Gerücht, daß der Reichskanzler sich ernstlich mit dem Gedanken trägt, endlich aus seinem Amte zu scheiden. Mit ihm will auch der Staatssekretär des Aus- wältigen Amtes, Herr V. Kiderlen-Waechter zurücktreten und als Botschafter nach Konstantinopcl gehen. Sicher ist jedenfalls, daß innerhalb der Reichsregierung eine Krise herrscht. Ob aber auch der Philosoph von Hohenfinow gehen wird, ist zweifelhaft, denn ist es auch um seine Philosophie mißlich bestellt, so versteht er doch das Klebenbleiben vorzüglich. Kaligcsetz und Statistisches Amt. Aus dem Reichstag, 19. März. Zu Beginn der ersten Tienstagsitzung— denn die vorgestrige Drohung des Präsidenten mit einer Nachtsitzung wurde schrcckensvollc Wirk- lichkeit— ging Genosse Dr. Cohn noch einmal auf die Forderung des öffentlichen Anschlags der Durchschnittslöhne in den Kaliwerken wie auf die Frage der Propagandagelder ein. Er wies nach, wie die Verstaatlichung des Kaliprodukts gleichermaßen im Interesse der Erhaltung der Bodenschätze, im Interesse der Landwirtschaft, wie auch im Interesse der Arbeiter liege. Der Redner benutzte die Gelegenheit, dem preußischen Minister Dallwitz eins auszuivischen, der vor- gestern im Dreiklasscnparlament, vom Präsidenten nicht behelligt, den Genossen Sachse wüst angerüpelt hatte. Unkel staatssekrxtär Richter bestritt, daß der Bund der Landwirte Kali- Propagandageldcr zu Wahl- Zwecken verwendet habe, und Herr G o t h e i n zählte die Bedenken der Fortschrittlichen Volkspartei gegen eine Ver- staatlichung auf. Nachdem sich dann noch Graf Westarp von dem Genossen Hoch hatte belehren lassen müssen, daß der Antrag der Kommission nicht etwa das ganze Gesetz über den Haufen Wersen, sondern nur einen unhaltbaren Para- graphen beseitigen wolle, wurde die Debatte geschlossen und der Antrag der Kommission angenommen. Zum Titel Statistisches Amt verbreitete sich Genosse Schumann an der Hand eines guten Materials sehr ausführlich über Lohn- und Arbeitsverhältnisse in ein- zelnen Betriebszweigen, so im Binnenschiffahrtsgewcrbe, im Transportgcwerbe, wo auch die Antomobilchauffcure Vo�i dem um den marstallbraunen Anstrich so besorgten Polizei- Präsidenten nicht vor 16— 24stündigcr Arbeitszeit geschützt würden, und bei den Straßenbahn-Gesellschaften. Er zitierte dabei Verträge von Straßenbahnen, die tatsächlich die Hörigkeitsverhältnisse deS achtzehnten Jahrhunderts in das zwanzigste übertragen. Nach kurzen Ausführungen des Abgeordnelen S i t t a r t(Z.) und des Geheimrats Caspar kam Herr Schulzc-Gaevernitz zu Wort. Er hat den Marxismus zu verschiedenen Malen totgeschlagen, nur daß leider der Marxismus heute lebendiger ist denn je. Im Reichstag enttäuschte diese prosessorale Fortschrittslcuchte erheblich. Was er zur Begründung eines Antrags zur Herbei- führung von statistischen Erhebungen über die Zahl der Land- Wirte, die an den Getreidezöllcn ein Interesse haben, sagte, war zwar nicht neu, aber im wesentlichen richtig— nur wirkte die Art des Redners, sein falsches fatales Pathos und sein selbstgefälliges Lächeln, einigermaßen peinlich. Nach einer kurzen Replik des Herrn Dr. O e r t e l wurde die nächste Sitzung auf 8 Uhr abends anberaumt. Es muß weiter geredet werden... Zur Deckung der sogen. Wehrdorlagen. Die„Nordd. Allg. Zeitung" vorn Mittwoch schreibt: „Die Entschließungen des Bundesrats über die Deckung der Wchrvorlagen werden von einein Teile der Presse parteipolitisch auszunutzen versucht, um eine Unterwerfung de-Z Reichskanzlers unter den schwarzblauen Block zu erweisen. Damit wird ein altes und abgestandenes Gericht aufgewärmt. Als neue Beilage erscheint die Behauptung, die Entschließungen bedeuteten einen Sieg Bayerns über den Reichskanzler. Wir stellen demgegenüber, zum Teil in Wiederholung früherer Mitteilungen, folgendes fest: 1. Man war im Bundesrat einstimmig der Ansicht, datz die Einbringung der früheren Erbschaftssteuer zur Deckung der Wehr- vorlagen mit Rücksicht auf die Stellung der Sozialdemokraten zu den Wehrvorlagen ein politischer Fehler sei und nicht einmal Erfolg verspreche. _ 2. Man war ferner einig darin, daß eine mit einzelstaatlicher Besitzstener verquickte Reichserbschaftssleuer starken Bedenken für das Reich und für die Bundesstaaten unterliege. 3. Ueber die Aufhebung der Liebesgabe waren im Reichs- schatzamt Vorarbeiten ausgestellt. Dieser Plan war bis zu seiner Verösfentlichnng weder direkt noch indirekt mit irgend einer Partei besprochen worden. 4. Den Vorschlag, durch die Aufhebung der LiebeSgabe die erforderlichen Mittel zu beschaffen, hat Bayern weder gemacht noch inspiriert. Er ist von norddeutscher Seite ausgegangen und nach eingehender Diskussion von allen Staaten akzeptiert worden. 6. Der vom Reichskanzler mit aller Entschiedenheit betonten Anssasiung, datz die Kosten der Wehrvorlagen nicht ohne die Er- schlietzung neuer Einnahmen gedeckt werden könnten, sind auch diejenigen Staaten, darunter auch Bayern, beigetreten, welche die gegenwärtige Finanzlage des Reiches günstiger beurteilen, als eS der Reichskanzler tun zu können glaubte." Schließlich spricht die„Nordd. Allg. Ztg." noch ihre Verwunde- rung darüber aus. daß eine Agitation gegen die Aufhebung der sogenannten Liebesgabe einsetzen konnte, nachdem diese Liebesgabe ein Jahrzehnt lang Agitationsstoff gegen die rechtsstehenden Par- teien abgegeben habe. Von Wichtigkeit ist in obiger Auslassung der„Nordd. Allg. Ztg." der Hinweis, daß die„Kosten der Wehrvorlagen nicht ohne die Erschließung neuer Einnahmen gedeckt werden können". Die iiigrarkottservativen und die Aufhebung der Liebesgabe. Die großen Strategen der konservativen Partei tun so, als sei es ihnen höchst schmerzlich, daß die Negierung von der Einbringung einer neuen Erbschaftssteuer absehen und die Kosten der geplanten Heeres- und Flottenvermchrungen teilweise durch eine Aufhebung der Branntwein-Liebesgabe decken will. So schreibt die parteiamtliche„Konservative Korrespondenz": Was den übrigens sehr überraschend kommenden Vorschlag der Verbündeten Regierungen wegen Abschaffung des Brannt- Weinsteuerkontingents selbst anlangt, so entspricht es nicht den Gepflogenheiten der konservativen Partei, zu Gesetzentwürfen Stellung zu nehmen, ehe sie nicht im vollen Wortlaute vorliegen. Dies ist hier um so weniger angängig, als es sich nicht um eine politische Parteiftage, sondern um eine Angelegenheit Wirtschaft- licher Zweckmäßigkeit handelt, bei der alle Begleitumstände sorg- fältig und sachlich zu prüfen sind. Wir werden daher warten müssen, bis die vom Bundesrate vorgeschlagene Abschaffung des Branntweinsteuerkontingents mit einer näheren Begründung und einer ziffernmäßigen Darlegung des zu erhoffenden sinanziellcn Ergebnisses versehen worden ist. Der in der offiziösen Verlaut- barung bisher allein angeführte Umstand, eine an sich nur durch Sachunkentnis und Gegnerschaft gegen die Landwirtschaft be- gründete ForderungdeSLiberalismus aus dem letzten Wahlkampfe erfüllen zu wollen, kann ernstlich kaum dazu dienen, auf der anderen Seite eine befriedigte Stimmung auszulösen oder bei ihr die Empfindung zu- rückzudrängen, daß hier die Landwirtschaft vorzugsweise belastet werden soll. Die fortgesetzte Be- umuhigung eines Gewerbes, das bereits jetzt mit Abgaben über- lastet ist, wie kein anderes, und dessen Erhaltung im Landes- kulturinteresse von der größten Wichtigkeit ist, dürfte aber auch m nicht landwirtschaftlichen Kreisen schwer empfunden werden. Das ganze Geschwätz hat lediglich den Zweck, den Anschein zu erwecken, als würde dem Patriotismus der Konser- vativen zugemutet,„zum Schutze unserer nationalen Macht- stellung" ein großes Opfer zu bringen und willig eine Steuer zu übernehmen, die die Landwirtschaft schwer schädigt. Ein allerliebster Mumpitz: denn die meisten der ostelbischen Großbrenner haben heute von der Liebesgabe keinen oder doch nur noch einen sehr geringen Nutzen, da sie fast alle an die Spirituszentrale angeschlossen sind, und diese, was die Preisfestsetzung anbetrifft, nahezu unumschränkt zu schalten und zu walten vermag. Wie verlautet, hat denn auch die Spirituszentrale nach dem Bekanntwerden des Auf- hcbungsplancs sofort ihre früheren Preisnotierungen zurück- gezogen, um schon für die inzwischen einlaufenden Be- stcllungen höhere Preise zu verlangen. Die bisherige Liebesgabe geht also den ostelbischen Großbrennern nicht ver- lorcn, sie wird vermittels der Spirituszen- trale einfach den Konsumenten aufgebürdet. Und selbst, wenn das nicht im vollen Maße gelingen sollte, hat doch der ostelbische bczw. norddeutsche Großbrenner insofern ein beträchtliches Interesse an der Aufhebung, a l s ihm dadurch in noch weit größerem Umfang als bisher der süddeutsche Spiritus markt ausgeliefert wird. Vermag doch schon jetzt der süd- deutsche Kleinbrenner nur schwer gegen den norddeutschen Großbetrieb zu konkurrieren. Das ganze Geplärre der „Konservativen Korrespondenz" hat also wahrscheinlich nur den Zweck, die Konservativen als die großen Patrioten hinzustellen, die großherzig die schwersten Opfer für das teuere Vaterland tragen. Vielleicht auch gedenken die ge- schäftsgeriebenen Herren, für die Slufhebung der Liebesgabe irgend welche einträglicheren Entschädi- gungen auf anderen Gebieten zu fordern. Herr Mermuth im Lichte der klerikalen Presse. Die klerikale Presse vermag es sich nicht zu versagen, dem durch klerikale Intrigen aus dem Reichsschatzamt hinaus- gedrängelten Staatssekretär Mermuth nachträglich noch einige derbe Fußtrite zu versetzen. In einem Artikel, der nach Erzbergerscher Mache duftet, leistet sich die„Märkische Volkszeitung" allerlei schöne Enthüllungen über Mermuths bisherige schädlichen Einflüsse auf die Regierung, und zwar besteht nach der Ansicht des Zentrumsblattes die Schädlichkeit darin, daß Mermuth sich wiederholt den enormen Heeres- und Flottenforderun- gen der Herren v. Heeringen und v. Tirpitz widersetzte. Das würdige Zentrumsorgan weiß durch Aufklärung„von besonderer Seite"(allem Anschein nach: Erzberger) darüber zu berichten: Zweifellos ist Herr Werrnuih zwar kein schöpferisches Finanz- genie, wohl aber einer der tüchtigsten Finanzmänner, die das Reich seit langer Zeit gesehen hat. Selbst sein ärgster Gegner wird das dankbar anerkennen. Doch ebenso zweifellos ist es, daß Herr Mermuth bei seinen Kollegen in den Reichsämtern und auch bei den preußischen Ministern keine allzu großen Sympathien ge- n o ß. Das datiert längst vor Herrn Wermuths Staatssekretär- zeit her, und der Graf im Bart, Herrn Mermuths Vorgesetzter im Reichsamt des Innern, könnte manches Interessante ausplaudern über Meinungsverschiedenheiten, die er schon mit dem sehr be- deutenden, aber auch sehr schwierigen Mann durchzufechten ge- habt hat. Es ist ja schon höchst charakteristisch, daß Herr Mermuth, nicht wie sein Vorgänger, Herr Sydow, Mitglied des preußischen Ministeriums wurde, die preußischen Minister fürchteten feinen Einfluß und Herr von Bethmann ganz gewiß auch; es ist ja genau ebenso charakteristisch, daß es so eingerichtet wurde, daß der Reichsschatzsekretär fast niemals persönlichen Vor- tragbeim Kaiserzuhaltenhatte. Trotzdem hat wohl nie ein Staatssekretär einen solchen Einfluß auf die gesamte Leitung der Politik ausgeübt, wie gerade Herr Mermuth. Daß Herr von Einem gehen mußte, ist sein Werk, wenn es auch offiziös geleugnet wird, ebenso wie der bekannte Konflikt zwischen Hemn von Tirpitz und ihm bestritten wurde; ein Konflikt, dessen Be- stehen jedem Einsichtigen niemals zweifelhaft war. Ter Chef des Marineamts hat den Tropfen„Wermuth" in seinem Freuden- becher gar oft bitter geschmeckt, und auch Herr von Heerinaen wird nicht allzulaut das Lob des ach so sparsamen Mannes gesungen haben..,, Die Differenzen zwischen dem ReichSmarinemnt«mV de« Schatzamt, ba§ ist der eigentliche Ausgangspunkt der endgültigen Krise, nahmen besonders scharfe Formen an, als Herr von Tirpitz nach den Erfahrungen des letzten Sommers die neue Marine- Vorlage, die ursprünglich eine viel größere Fas- sung hatte, für notwendig hielt! Damals verbündeten sich Auswärtiges Amt und Schatzamt zum Kampf gegen Herrn von Tirpitz; damals hielten Herr von Bcthmann und endlich einmal auch Herr Mermuth dem Kaiser Vortrag: Der Reichskanzler fürchtete, für den europäischen Frieden könne die Flottenvorlage gefährlich sein, der Staatssekretär wollte die Finanzen schützen. Beide hatten unrecht: die Flottenvorlage ist eine Notwendigkeit, was Herr von Bethmann auchspäter einsah, des Viscounts Haldane Besuch beruhigte ihn über die Konsequenzen; seitdem zog sich der Reichskanzler etwas von Herrn Mermuth zurück. Diesem aber war zweierlei geglückt: die Flottenvorlage zu ermäßigen und die vorläufige Zusage zu erhalten, die gesparten Ucberschüsse— im Etat sorgsam versteckt— sollten nicht zur Deckung der Kosten der Wehrvorlage herangezogen werden. Das Stichwahlabkommen. Der Parteivorstand hat gestern eine Erklärung veröffentlicht, deren Schlußsatz durch ein Versehen des Preffebureaus im.Vorwärts falsch wiedergegeben worden ist. Der Satz muß richtig lauten, wie er auch in der übrigen Parteipresse zum Abdruck gekommen ist .Die Einzelheiten des Abkommens sollten allerdings im beiderseitigen Einverständnis bis zum Abschluß der Stichwahlen nicht veröffentlicht werden'._ Abgeordnetenhaus und Arbeiterbildungsschule. Als am vergangenen Mittwoch unser Genosse Hoffmann dem Abgeordnetenhaus Mitteilung machte von der.„Redneraka- demie", die der Bundeshäuptling Diederich Hahn in den Räumen des preußischen Parlaments abgehalten hat, kündigte er zugleich an, daß wir Sozialdemokraten künftig das gleiche Recht in Anspruch nehmen würden, wobei der konservative Führer Herr v. Pappenheim ihm zurief:„Ist es Ihnen abgelehnt? Kommen Sie auch!" Infolge dieser freundlichen Aufforderung des Herrn v. Pappenheim ist der Versuch selbstverständlich sofort gemacht wor- den, indem Genosse Borchardt folgendes Schreiben an den Prä- sidenten des Abgeordnetenhauses richtete: Berlin, 15. 3. 1912. Sehr geehrter Herr Präsident! Da nach dem Ergebnis der Debatte über den Etat des Ab- geordnetenhauseS am 13. cr. die Benutzung einzelner Zimmer des Hauses durch Abgeordnete für Abhaltung von Stedncr- oder Vortragskursen als allgemeine Uebung aller Parteien angesehen werden darf, so erlaube ich mir, ebenfalls um Ueberlassung eines Zimmers für eine Reihe von zehn Vorträgen, die ich im Auftrage der Berliner Arbeilerbildungsschule zu halten gedenke, ergebenst zu ersuchen. Die Vorträge sollen stattfinden vom 15. April cr. an an sämtlichen folgenden Montagen iausgenommen natür- lich den Pfingstmontagl, also bis einschließlich den 24. Juni, abends von 8� bis 10 Uhr. Zugelassen wird nur eine Teil- nehmerzahl von höchstens 30 Personen. Der Saal 18 würde besonders gut dazu passen, seiner Größe wegen, wie auch, weil sich dort eine Tafel befindet. Hochachtungsvoll Julian Borchardt(Berlin). Aber o weh! Herr v. Pappenheim scheint seinen Einfluß auf die Führung der Geschäfte im Hause verloren zu haben. Denn mit großer Geschwindigkeit kam vom Präsidenten der folgende ab- lehnende Bescheid: Eure Hochwohlgeboren haben durch das an mich gerichtete gefällige Schreiben von gestern den Wunsch ausgesprochen, daß Ihnen für eine Reihe von 10 Vorträgen, die Sie im Auftrage der Berliner Arbciterbildungsschule zu halten gedenken, ein Saal im Geschäftsgebäude des Abgeordnetenhauses überlassen werden möge. Ich erwidere darauf ergebenst, daß die Erfüllung dieses Wunsches meines Erachtens mit der Zweckbestimmung des Ge- schäftsgebäudes des Hauses der Abgeordneten nicht vereinbar sein würde. Wenn Sie aus der Rede des Herrn Abgeordneten Hoff- mann vom 13. d. Mts. den Schluß ziehen, daß„die Benutzung einzelner Zimmer des Hauses durch Abgeordnete für Abhaltung von Redner- oder Vortragskursen als allgemeine Uebung aller Parteien angesehen werden darf", so kann ich dieser Auffassung nicht beitreten. Uebrigens ist weder mir noch dem Di- rektor des Hauses etwas davon bekannt, daß früher von Abgeordneten Rednerkurse in den Räumen des Hauses abgehalten worden sind. Der Präsident Dr. Frhr. v. Erffa. Aus den letzten Worten dieser Antwort geht hervor, daß Herr Dr. Hahn— mit teutschem Manncsmut— seine Rednerkurse heimlich abgehalten haben muß, d. h. er muß die Räume des Hauses benutzt haben, ohne dem Präsidenten oder auch nur dem Bureaudirektor den wahren Zweck seiner Veranstaltung mitzu- teilen. Solche Schleichwege verschmähen wir Sozialdemokraten natürlich. Wir sagen offen heraus, was wir wollen, und werden dann, wie Figura zeigt— abgewiesen. Was uns aber nicht das Vertrauen zu dem alten guten Wort rauben soll, daß ehrlich schließ- lich doch am längsten währt. Es wird sich wohl noch Gelegenheit finden, es im Abgeord- netenhause durchzusetzen, daß die ehrlichen Leute nicht hinter die Schleicher zurückgestellt werden. Tie Notwendigkeit der Erschließung neuer Steucrquellen wird in den„Berliner Politischen Nachrichten" noch einmal, an- scheinend offiziös, mit allem Nachdruck betont. Es wird hervor- gehoben, daß die Einnahmen des Reiches nicht weiter in dem Maße steigen werden, wie in den letzten Jahren, um so weniger, als ein Ausfall bei der Zuckerstener zu erwarten ist. Die Darlegung schließt: „Alle diejenigen Kreise, die die kommenden Wehrvorlagen als eine Notwendigkeit ansehen, werden im Interesse des Zustande- koinmens der letzteren gut tun, den Standpunkt, daß neue Ein- nahmen für die Deckung ihrer Kosten unnötig seien, zu verlassen, und sowohl im Interesse der Stärkung oer Wehrhaftigkeit des Vaterlandes, wie der Gesundung der Reichsfinanzen den Weg zur Deckung durch neue und durch alte Einnahmen zu beschreiten." Das klingt sehr mutig, wird aber dem Zentrum nicht entfernt imponieren, nachdem der Kanzler mit der Preisgebung Mermuths gezeigt hat, wie sehr er bereit ist, die Wünsche der Zentrums zu erfüllen._ franhrncb. Die Wissenschaft und die Polizei, Paris, 17. März.(Eig. Ber.) Die fianzöfische„Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften" hat ein neues Mitglied erwählt— den Polizeipräfekten L ö p i n e. Vermutlich haben die praktischen Leistungen dieser Persönlichkeit auf dem Gebiet sozialer Wohlfahrt, als da sind: Verhinderung von Arbeiter- demonstrationen, Einsperrung von Streikposten usw. den gelehrten Akademikern nicht minder Wohlgefallen, als seine theoretischen An- schauungen, die er erst kürzlich in Reden ausgesprochen hat, z. B daß der Zehnstundentag zum Laufen führen würde und daß es so viele Verbrecher gibt, weil zu wenig gestraft wird. Für diese Ge- sellschaft ist soziale Wissenschaft noch immer.Polizeiwissenschaft". Das Wahlreformgesetz. Paris, 19. März. Die.Deputiertenkammer hat gestern mit 286 gegen 245 Stimmen den vom Minister des Inneren Steeg be- fürworteten Artikel des WahlreformgesetzeS angenommen, wonach in jedem Departement bezw. Wahlkreis mehrere Listen sich verbinden können. Die Gegner der Wahlrcform hatten diesen Artikel seit Wochen leidenschaftlich bekämpft. Spanien. Bergarbeiterschutz. Das Amtsblatt veröffentlicht die Ausführungsverordnung zu dem Ende 1910 erlassenen Gesetze betreffend die Regelung der Arbeit in Bergwerken. Es bezieht sich auf den eigentlichen Bergbau, ferner auf Torfstecherei, Gewinnung von Baumaterialien, Bauhöfe, Salz gewinnung aus See- oder Mineralwasser. Die Arbeitszeit wird darin auf zehn, unter der Erde auf neun Stunden beschränkt. Jugendliche unter 16 Jahren und weibliche Personen jeden Alters dürfen nicht zu unterirdischer Arbeit verwandt werden, Knaben auch nicht zur Beförderung von Material unter der Erde oder zur Arbeit unter Verwendung von Explosivstoffen. Arbeiterinnen unter 18 Jahren dürfen nur mit Sortieren und Reinigen, nicht mit Laden oder Transport von Material beschäftigt werden.— Jetzt fehlt nur noch, daß das bescheidene Schutzgesetz auch durchgeführt wird. Marokko. Ermordung eines französischen Offiziers. Fes, 19. März. Der französische Jnstruktions- offizier Guilasse wurde während einer Uebung von einem eingeborenen Soldaten getötet. Der Mörder wurde von den anderen scherifischen Soldaten halb tot geschlagen. — Der Mord stellt, wie die„Agence Havas" meldet, einen ver- einzelten Fall(?) von Fanatismus dar. Der Offizier, der dem zweiten Schützen-Regiment angehörte, war von sehr ruhiger Natur. Hrnenha. Für Schaffung einer Buudes-Einkommenstener. Die Parteiversammlung der demokratischen Kongreß- Mitglieder beschloß Einbringung einer Vorlage aus Besteuerung aller Einkommen von 5000 Dollar(20 000 M.) an. Die Steuer soll mindestens 53 Millionen Dollars bringen und den Ausfall aus der beabsichtigten Aufbebung des Zuckerzolls decken. Da das Oberbundesgericht schon einmal die Einkommensteuer als verfassungs- widrig, mithin ein solches Gesetz als ungültig bezeichnet hat, will man die Steuer durch Amendement zum Gesetz betr. Besteuerung der Korporationen, die das Gericht schon als verfassungsmäßig anerkannt hat, einführen. Doch ist es zweifelhaft, ob das Obcrbundesgericht, daS schon so manchen Fortschritt durch Berufung auf die völlig ver- altete Verfassung des Bundes hintangehalten hat, das zulassen wird. Die gründliche Umgestaltung der Bundesverfassung, die wie ein Kinderkleidchen das Leben des längst zum Manne gewordenen Volkes der Vereinigten Stauten einschnürt, wird immer mehr als dringende Aufgabe anerkannt, die im Notfall eine Revolution lösen wird.—_ Die Jugendbewegung der Arbeiterschaft. An die proletarischen Eltern war der Ruf ergangen, sich ein- zufinden in den Volksdersammlungen, die gestern abend an 23 Stätten in Berlin und den Vororten abgehalten wurden. Es galt, den Eltern die Wege zu weisen, auf denen sie ihre Kinder, die heranwachsende Jugend, dem Ziele cntgcgenzuführen haben, das jedem für die Bestrebungen der klassenbewußten Arbeiterschaft begeisterten Vater, jeder proletarisch empfindenden Mutter als leuchtendes Ideal vorschwebt. Nicht, daß die Eltern der Arbeiter- jugend lässig wären in der Erfüllung ihrer erzieherischen Pflichten, nicht, daß man sie erst erinnern müßte an die Aufgaben, die jedem Vater, jeder Mutter als etwas Selbstverständliches erscheinen. Aber d�n Vätern und Müttern, die Tag für Tag in der Tretmühle kapitalistischer Fron ihre Kräfte aufreiben, bleibt meist nicht Zeit und Gelegenheit, diejenigen Mittel und Wege zu finden, die den heranwachsenden Sohn, die aufblühende Tochter vor schädlichen Ein- flüffen schützen und eine Entfaltung der Kräfte gewährleisten in der Weise, daß der jugendliche Nachwuchs sich nicht etwa im späteren Leben gleichgültig verhalte gegen die Ideale, für deren Verwirk- lichung Vater und Mutter gelebt und gestrebt haben. Von allen Seiten drängen sich falsche Freunde an die Arbeiter- jugend heran. Sie alle geben vor, daß ihnen das Wohl der Jugend am Herzen liege. In Vereinen und Veranstaltungen der ver- schiedensten Art suchen diese falschen Freunde die Jugend des Proletariats einzufangen. Auf den ersten Blick erscheint das, was sie der Jugend bieten, wohl barmlos, vielleicht gar nützlich. Doch wenn je das Wort:„Ter Schein trügt", berechtigt war, so in diesem Falle. Nicht um harmlose Geselligkeit, gute Unterhaltung oder Verbreitung gediegener Bildung ist es jenen Leuten zu tun. Was sie in dieser Hinsicht bieten, ist nur Mittel zum Zweck. Mittel zu dem einen Zweck: Die Jugend des Proletariats abzudrängen von dem Wege, den die Eltern wandeln und sie hinüberzusühren auf jene Seite, wo hurrapatriotische Verblödung, Knechtseligkeit und Stumpfsinn als Tugenden gelten. Wer sich durch die Lockun- gen jener falschen Jugendfreunde betören läßt, der hilft selbst die Ketten schmieden, mit denen die mächtig vorwärtsstrebende klassenbewußte Arbeiterbewegung gefesselt werden soll. Die Gegner des klassenbewußten Proletariats wissen recht gut, daß die Jugend bestimmend ist für die Gestaltung der Zukunft. Deshalb sind sie bemüht, den Nachwuchs des Proletariats für sich zu gewinnen und gegen die Bestrebungen der Arbeiterschaft ein- zunehmen. Die Schule— Volksschule und Fortbildungsschule— soll es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, dem„unheilvollen Einfluß des Elternhauses" entgegenzuarbeiten. So wollen es die Feinde der Arbeiterklasse und so geschieht es leider. Die Kinder sollen den Eltern, soweit diese im Lager der modernen Arbeiter- bewegung stehen, entftemdet werden. Was die Schule in dieser Richtung beginnt, das soll fortgesetzt und vollendet werden an der schulentlassenen Jugend, und hier setzen dann die Bestrebungen jener Leute ein, die unter dem Aushängeschild von Bildung, Ge- selligkeit, Sport und dergleichen die Arbeiterjugend zur Militär- sÄwärmerei, zum Hurrapatriotismus, zur Unterwürfigkeit, zur Unfreiheit, mit einem Wort: zu Verrätern an den idealen Be- strebungen der Arbeiterbewegung„erziehen" wollen. Und diese Verblödung der Arbeiterjugend wird unterstützt und gefördert durch die Behörden. Ein Millionenfonds ist vorhanden, aus dem Geld- zuwendungen an solche Vereine gegeben werden, welche die Jugend systematisch vom Wege der modernen Arbeiterbewegung abdrängen. Aber nicht genug damit. Solange die klassenbewußte Arbeiter- schaft in der Lage ist, auf ihre Jugend in ihrem Sinne einzuwirken, sind alle Bestrebunaen, den Nachwuchs der Arbeiter in das Lager ihrer Gegner zu führen, vergebens. Damit die Arbeiterfeinde un- gestört ihr Ziel erreichen können, wird die proletarische Jugend- bewegung geknebelt. Nicht genug damit, daß das Vereinsgesetz den jungen Leuten bis zum 13. Jahre verbietet, sich in Vereinen und Versammlungen politisch aufklären und bilden zu lassen. Polizei und Gerichte haben es durch sehr anfechtbare Auslegung gesetzlicher Bestimmungen fertig gebracht, solche Vereine der Arbeiterjugend zu verbieten, die, weit entfernt von politischen Bestrebungen, nur Ein Gendarm erschossen. Warschau, 19. März.(P. C.) Wie aus Kielce gemeldet wird, wurde auf dem Bahnhofe von Malagosza ein Gendarmerie- Unteroffizier gerade in dem Augenblick, als er einen jungen Mann verhaften wollte, von diesem durch vier Rebolvcrschüsse ge- tötet. In der allgemeinen Verwirrung gelang es dem Mörder, _____________ zu entkom m e n.______ Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Bervn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstatt Paul Singer LEo�BerlinLVV. Hierzu 4 Beilagen u.UntcrhaltungsbU der Pflege edler Geselligkeit, der Verbreitung von Wissen und Bildung im besten Sinne des Wortes dienten.— Die Behörden und die Feinde der Arbeiterbeloegung, sie stehen zusammen, um der klassenbewußten Arbeiterschaft ihren jugendlichen Nachwuchs zu entreißen und einen im wahren Sinne des Wortes unheilvollen Einfluß auf die Kinder des Proletariats auszuüben. Die Gefahren, welche von jener Seite der Arbeiterjugend und damit der Arbeiterbewegung selbst drohen, sind nicht in jedem Einzelfalle zu erkennen, denn die kapitalfrommen, hurrapatrioti- schen Jugendverderber zeigen meist nicht ihr wahres Gesicht. Des- halb war es die Aufgabe der gestrigen Versammlungen, die prolc- tarischen Väter und Mütter aufmerksam zu machen auf diese Ge- fahren. Sie zu warnen vor jenen Veranstaltungen, die in Gestalt von Vereinen oder Wohlfahrtsbestrebungen in letzter Linie kein anderes Ziel verfolgen als das: Die Kinder des Proletariats zu Gegnern der Ideen zu machen, die im Eltcrnhause herrschen; die Arbeiterjugend zu willenlosen Knechten des kapitalistischen Aus- beutertums zu erziehen. Was Vater und Mutter hochhalten, das sollen ihre Söhne und Töchter in den Staub treten. Die Kiirdcr der klassenbewußten Arbeiter sollen in feindlichen Gegensatz zu ihren Eltern gebracht werden. Das wollen jene Leute, welche bei anderer Gelegenheit mit ftommem Augenaufschlag auf das Gebot verweisen: Du sollst Vater und Mutter ehren! Doch trotz Bedrängung und Bedrückung mancherlei Art gt die Arbeiterschaft noch lange nicht wehrlos gegen die auf Verdummung ihrer Jugend gerichteten Bestrebungen. Vertreter der klaffen- bewußten Arbeiterschaft sorgen dafür, daß wahre Bildung und Auf- klärung unter der Jugend verbreitet, daß der Sinn für alles Schöne und Gute, für alles Große und Erhabene in ihnen geweckt und ge- fördert werde. Arbeiter-Jugendheime bieten oen jungen Leuten eine Stätte, wo Geist und Gemüt angeregt werden durch edle Ge- selligkeit, durch Unterhaltung mancherlei Art, durch guten Lesestoff und durch Belehrung von sachkundiger Seite. Von diesen Einrich- tungen Gebrauch zu machen im Interesse ihrer Kinder, auch das wurde den Besuchern der Versammlungen ans Herz gelegt und die Anregungen, welche die Redner nach dieser Richtung gaben, fielen auf guten Boden. Referenten in den Versammlungen waren die Genossen Büchner. Oskar Cohn. Davidsohn. Däumig. Eichhorn. Gradnaucr. Grunwald. Henke, Adolf Soffmann. Langhammer. Hellmut Leb- mann. Liebknecht. Peters. Pieck, Ritter, Rosenfeld, Schenk, Heinrich Schulz. Ströbel. Waclawiak, Weber, Mathilde Wurm, Zretz. Wohin wir kamen, da sahen wir überfüllte Versammlungen. Selten nur war ein Saal nicht voll besetzt. Vor den Eingängen standen Polizeiposten. Im Vorortsgebiet sahen wir die Polizer wieder einmal als Ueberwachende in der Versammlung selbst. Der Zweck des polizeilichen Aufgebots war augenscheinlich kein anderer, als aufzupassen, daß nicht etwa ein Jugendlicher den Ver- such mache, von der vereinsgesctzlich verbotenen Frucht zu naschen. Doch, unnötig war die Sorge. Unsere Genossen hatten selber Vor- kehrungcn getroffen, um junge Leute, die in Unkenntnis ihrer Rechtlosigkeit etwa eine Versammlung hätten besuchen wollen, vor der„Uebertretung" zu bewahren. War es doch unsere Absicht, in erster Linie zu den Eltern zu sprechen. Die waren denn auch der Einladung in großer Zahl gefolgt. Was die Referenten über die polizeilichen Schikanierungen unserer Jugendbewegung sagten, wurde mit Entrüstung beantwortet. Die treffenden Kennzeichnungen jener Bestrebungen, die auf Korruption und Verdummung der Ar- beiterjugend abzielen, fanden überall entschiedenste Verurteilung. Volles Verständnis wurde den Darlegungen über die Jugend- bewegung der Arbeiterschaft entgegengebracht. Nicht vergebens war der Appell an die Eltern, wie an alle erwachsenen Arbeiter, ihre Kinder und ihre jungen Freunde den aufklärenden, bildenden und geselligen Veranstaltungen für die Arbeiterjugend zuzuführen und so mitzuhelfen, daß uns die Jugend und durch d,e Jugend die Zukunft gehört.„ �. Die nachstehende Resolution wurde rn allen Versammlungen einstimmig angenommen. Die am 19. März in 23 Versammlungen versammelten Männer und Frauen protestieren gegen die behördliche Be- kämpfung der proletarischen Jugendbewegung. Sie verurteilen in gleicher Weise die im„vaterländischen Geiste" betriebene Jugendpflege des Staates, der Gemeinde und aller möglichen Wohltätigkeitsvereine. wie die polizeilichen Versuche, der freien Jugendbewegung Fesseln anzulegen. Die Versammelten geloben, in HauS und Werkstatt dahin zu wirken, daß die Arbeiterjugend sich allen Bestrebungen der bürgerlichen Jugendbewegung fernhält und mehr noch als bisher alle für die Arbeiterjugend getroffenen Veranstaltungen besucht und unterstübt. Letzte Nachrichten. Die Nachtsitzung im Reichstag. Zu Beginn der Sitzung kam e? zu stürmischen Szenen. Präsi- dent K a e m p f erklärte in bezug auf eine Stelle in der Rede de? Genossen Cohn: „Ich bin der Meinung, daß der Herr Abg. Cohn mit seinen Angriffen gegen den Staatsminister des Innern nicht hat sagen wollen, daß der Herr Minister einen des Meineides überführten Schutzmann im Amte erhalten habe. Aus diesem Grunde habe ich ihn wegen dieser Aeuherung nicht unterbrochen." Darauf sprach Staatssekretär Dr. Delbrück. Er wendet sich heftig gegen die Ausführungen des Abg. Cohn und sagt im Laufe seiner Rede u. a., er könne den Mitgliedern des Reichstages ein verfassungsmäßiges Recht zur Kritik an der Tätigkeit eines Ressorts eines Bundesstaats nicht zuerkennen. Es entsteht darauf große Unruhe. Zurufe bei den Sozial- demokraten: Wir lassen uns von einem preußischen Minister nicht beschimpfen. Die Konservativen rufen im Kaserssenton: Ruhe da drüben!, worauf aus den Reihen der Sozialdemokraten die Ant- wort kommt: Hier ist doch kein Herrenhaus, hier ist der Reichstag! Von der Rechten erschallt der Ruf: Eine nette Volksvertretung! Staatssekretär Dr. Delbrück fährt fort: Es ist nach Lage der Verhältnisse vollständig ausgeschlossen, daß wir in preußischen Ressorten Beamte, die schwerer Verbrechen überführt sind, Pflicht- widrig in ihrem Amte halten. Aus mehrere von rechts kommende Zuruft: Und der Herr Präsident? erklärt Präsident Kaempf: Meine Stellung deckt sich vollkommen mit den Reutzerungen des Herrn Staatssekretärs. Hierauf tritt das Haus in die Beratung der Tagesordnung ein. Die Sitzung dehnte sich bis 1412 Uhr aus und bringen wir die Ver- Handlungen, in denen Genosse Ouarck über die herrschende Fleisctz- teuerung sprach, morgen. Ein Erfolg der englischen Bergarbeiter. London. 19. März.(W. T. B.) Im U n t e r h a u s e ist die Mindestlohnbill in erster Lesung einstimmig angenommen. Man glaubt allgemein, daß die Bill am Sonnabend Gesetz werden wird. 9,. 67. 29. i.i w i|eil(ijje heg„Amlirts" Kerliner Ngldsbllltl. Englands flottenpolM. Lord Churchill führte in der Rede, mit der er am Montag die Debatte über den Flottenetat im Unterhause einleitete und deren Anfang wir gestern wiedergegeben haben, weiter folgendes aus.- Der tatsächliche Standard der Neubauten, den die Admiralität in den letzten Jahren verfolgte, war eine Ueberlegenheit von 60 Pro z. in Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern der Dreadiwughtklasse verglichen mit der deutschen Flotte gemäß dem geltenden Flottengesetz. Andere, höhere Standards gelten für kleinere Schiffe. Wenn Deutschland an dem geltenden Flottengesetz festhielte, so glauben wir, daß dieser Standard, abgesehen von unerwarteten EntWickelungen anderer Länder, einen geeigneten Maßstab für die nächsten vier bis fünf Jahre abgeben würde, soweit die Dreadnoughtklasse in Be- tracht kommt. Weiter hinaus zu spekulieren ist müßig. Indes will ich keineswegs so verstanden werden, daß das Berhältnis von 16 zu 10 als ausreichende Ueberlegenheit über die nächststärkste See- macht betrachtet werden dürfe, soweit die britische Seemacht als Ganzes in Betracht kommt. Selbst wenn wir eine Armee be- säßen, die zweidrittel so stark wäre, als die Armee der stärksten Armeemacht, könnten wir damit nicht zufrieden sein. Meine Er- klärung ist in viel größerer Beschränkung aufzufassen. Wir können gegenwärtig an einem so mäßigen Standard festhalten infolge unserer großen Ueberlegenheit an Kriegsschiffen und Panzerkreuzern der Vordreadnoughtperiode, nämlich von der King- Edwardsklasse sowie mindestens acht Panzerkreuzern, die von anderen Schiffen der gleichen Bauzeit gänzlich unerreicht sind. Da diese Schiffe aber allmählich an Gefechtswert verlieren, wird unter Verhältnis in Neubauten über den 60-Prozent-Standard steigen müssen. Jede Vermehrung, die Deutschland in der Zahl neuer Schiffe vornimmt, muß die Abnahme des Gefechtswertes unserer älteren Typen beschleunigen, erfordert daher besondere Maßnahmen unsererseits. Wann wir also diesen Standard auf das geltende deutsche Flottengesetz anwenden— zwei Schiffe pro Jahr— und wenn wir uns sorgfältig gegen un- vorhergesehene EntWickelungen anderer Länder sichern, so erscheint es notwendig, abwechselnd vier und drei Schiffe der Dreadnoughtklasse die nach st en sechs Jahre hindurch zu bauen. Das ist das Mindeste, was den 60-Prozent-Standard erhalten wird, und das halten wir bei Auf- stellung des jetzigen Etats im Auge. Wenn wir uns jetzt, wie es den Anschein hat, der Vermehrung der deutschen Neubauten um zwei Schiffe in diesen sechs Jahren gcgenübersehen. würden wir vorschlagen, jener Vermehrung durch ein höheres Verhältnis der Ueberlegenheit zu begegnen, indem wir vier weitere Schiffe während der gleichen Periode bauen und sie über sechs Jahre ver- teilen. Der Entwurf unserer Neubauten, den ich unter aller Re- ferve mache, würde folgendermaßen aussehen: Vier, fünf, vier, vier, vier, vier gegen zwei, drei, zwei, zwei, drei, zwei oder anderenfalls, wenn Deutschland drei Schiffe baute: Fünf, vier, fünf, vier, fünf, vier gegen drei, zwei, drei, zwei, drei. zwei. Ich will indessen klar machen, daß auf eine etwaige Ver- zögerung oder Verminderung der deutschen Bauten, sobald sie deutlich wird, hier in ge- wissen Grenzen weite, volle entsprechende Re- duktionen alsbald folgen werden. Wenn zum Bei- spiel Deutschland eins oder sogar zwer Schiffe aus seinem jährlichen Progranim fallen läßt, werden wir, falls nicht anderwärts eine gefährliche EntWickelung eintritt, sofort unsere entsprechende Quote fallen lassen, und jede Verringerung des Tempos Deutschlands würde natürlich in größerem Maßstabe von uns nachgeahmt werden, freilich in gewissen Grenzen, weil wir in gewissem Grade die Bauten anderer Mächte in Betracht zu ziehen haben. Aber nehmen wir das nächste Bei den Streikenden im Rubr- revier. i. Ankunft. Ob ich für Ihr Blatt hinfahren möchte, um einige„Stim- mungsbilder" zu schreiben? Gern und mit der größten Bereit- Willigkeit. Ich habe in diesen Spalten schon soviel über„Kunst" gesprochen, daß es mir nur angenehm sein kann, mich einmal wieder mit dem„vollen Menschenleben", das für den Berliner Aestheten kaum vorhanden, zu beschäftigen. Nun sitze ich hier in meinem kleinen Hotelzimmer im Herzen des Ruhrreviers. Die Lampe brennt schlecht. Jeden Augenblick schwankt und erzittert der Tisch durch das Vorbeirasseln eines Zuges. Bevor ich zu schreiben be- gönnen, habe ich den Raum ein wenig gelüftet, denn darunter be- findet sich oas Wirtszimmer, und der Dampf und Qualm scheint durch die Ritzen des Fußbodens gezogen zu sein. Nun schweben Rutzflockcn durchs Zimmer. Auf den weißen Kissenbezügen meines Bettes, auf meinen Notizen und Papieren liegen sie. Draußen ist es still geworden. Von den Schornsteinen und Fabriken, von den schwarzrauchigen Mauern und schmutzigen Straßen sieht man nichts mehr. Zehn Uhr. Es würde alles wie ausgestorben sein, wenn nickst am Bahnhof rangiert würde, und wenn man von unten nicht reden und lachen hörte. Um diese Zeit beginnt das nervöse Nacht- leben, das sorglose, sich um nichts bekümmernde, Berlins— hier in den schlecht beleuchteten Straßen blickt man auf. wenn ein Schritt ertönt. Um 6 Uhr heute früh bin ich in der Absicht, etwas langsamer die Gegend zu bereisen, mit einem Bummelzug von Oberhausen abgefahren. Es war ein tottrauriger, grauer Rcgcnmorgen mit fahlen, sich auf das Land, die Häuschen, die Fabrilungetüme und Schornsteine herabdrückenden Wolken. Langsam regnete es und die Tropfen spritzten an die Coupefcnster. Die schlammigen Land- trege lagen verlassen. Manchmal, ganz flink, wie etivas, das nicht in diese eintönige, melancholische Reihe von Jndustriegebäuden ge- höre, flog ein frischgrünes Stückchen Wiese mit Hühnern, die beim Vorbeistampfen des Zuges auseinanderstoben, sonderbar fröhlich aufblitzend, vorüber. Aber sofort darauf wieder das matte Feuer eines Eisenwerkes oder der vom Regen träg niedergcprehte Qualm eines Schornsteinkolosses. Sogar die blassen Tampfinassen der Fabriten senkten sich bleiern aus den plumpen, schwarzen, gleich- mäßig-düsterqn. drohenden Boden mit seinen Bergen von Schlacken und Eisenabfall und Kolliwagen und Quadern von„Stempeln" zum Stützen der Flöze in den Gruben. Hier überall war der Streik ausgebrochen. Man sah und fühlte das. Wo sonst um diese Zeit ein ziemlich lebhafter Betrieb in der Bahnhofsumgebung war, wo man sonst Bergarbeiter warten sah. um in die Zechen über- führt zu werden, wo die Wege nie so menschenleer waren, weil die Frühschicht um 8 Uhr beginnt und es noch eine Menge„Kumpels" gibt, die nicht in den Arbeitcrkolonien der Gruben wohnen, dort herrschte an diesem regnerischen Morgen, in Oberhausen, Alten- essen, Gelsenkirchen. Herne. Dortmund, und wo nicht alles, eine seltsam beklemmende Einsamkeit. Ob man links oder rechts aus idem Coupefenster sah, die Monotonie der„Landschaft", die von keinem Touristen besucht wird, weil hier die„Schönheit" mangelt. worüber man später, von der Reise zurückgekehrt, mit der Begeiste- rung des-Naturkenners" redet, wovei man-Ansichtssammlungen" Jahr 1913, wo Deutschland drei, England fünf Schiffe bauen will! Angenommen, wir machten beide ein Jahr Ferien, um im Buch des nationalen Mißtrauens ein Weißes Blatt einzufügen, angenommen, Deutschland würde in diesem Jahre keine Schiffe bauen, so würde es sechs bis sieben Millionen Psund Sterling sparen. Aber das ist nicht alles; wir würden unter gewöhnlichen Umständen den Bau unserer Schiffe beginnen, wenn Deutschland den der seinigen begonnen hat. Die drei Schiffe, die Deutschland nicht bauen würde, würden automatisch fünf britische Ueberdreadnoughts beseitigen, das ist mehr, als die Deutschen im wirklichen Kriege erhoffen dürften. Was die indirekten Ergebnisse selbst eines Jahres anbetrifft, so wären sie einfach unermeßlich, nicht nur für die beiden großen Bruderorganisationen, sondern auch für die ganze Welt der arbeitenden Menschheit, unermeßlich in Hoffnung und Glanz. Die Deutschen werden an Seemacht durch eine Vermehrung nichts gewinnen und durch eine Verminderung nichts verlieren. Dies ist ein vollkommen einfacher Plan, nach dem ohne diplomatische Verhand- lungen, ohne Feilschen und ohne die geringste Beschränkung der souveränen Freiheit beider Mächte diese hitzige, ko st spielige Rivalität zur See für eine Zeit abgestellt werden kann. Ich bin überzeugt, daß es besser ist, dies ganz ein- fach und offen der Beurteilung durch die Parla- mente und das Volk zu unterbreiten. In betreff der kleineren Fahrzeuge fordert die Admiralität zwanzig Zerstörer, die möglichst bald vollendet sein sollen, und 700 000 Pfund Sterling für Unterseeboote, deren Zahl nicht an- gegeben wird, weil sie den Typ genau erkennen ließe. Die kleinen Kreuzer bilden einen neuen Charakterzug des Programms. Es wird beabsichtigt, zu einem kleineren Typ zurückzukehren und acht Schiffe einer neuen Klasse zu bauen, anstatt wie bisher vier „Chathams" und eine„Blonde". Der neue Typ ist zu bezeichnen als leichter Panzerkreuzer. Diese Schiffe sind bestimmt zur Be- gleitung der Kriegsflotte und stark und schnell genug, um Zer- störer einzuholen und zu vernichten, die Flotte vor einem Tages- angriff durch Zerstörer zu schützen und allgemein den Zwecken der Beobachtung und Aufklärung zu dienen. Minister Churchill erörterte dann das Problem der O e l- feuerung und der Luftschiffahrt. Eine Anzahl Aero- plane zur Ausbildung und zu Versuchszwecken werden hauptsächlich in England gekauft. Einige davon sind dem besonderen Bedürfnisse der Flotte angepaßt. Obwohl der gegenwärtige Etat keine Gel- der für lenkbare Luftschiffe einstellt, darf man nicht annehmen, daß diese Angelegenheit nicht Gegenstand unablässiger Aufmerksamkeit sei. Churchill fuhr fort: Es ist unmöglich zu sagen, ob unsere hauptsächlichen Rivalen so schnell bauen können als wir. Es ist jedenfalls sicher, daß sie tatsächlich nicht so schnell bauen. Es ist ebenfalls richtig, daß wir große Schiffe im Laufe eines ein- zigen Jahres bauen, bewaffnen und ausrüsten können. Die wach- sende Vermehrung des Mannschaftsbestandes der fremden Flotten macht es notwendig, unseren Mannschafts- bestand zu verstärken. Wir als Nation befinden uns in der Defensive. Es ist undenkbar, daß wir auf Deutschland oder eine andere europäische Macht einen unvermuteten Angriff machen. Abgesehen von der moralischen Seite, was würde es nützen? Wir haben kein Mittel, einen solchen Angriff, selbst wenn er erfolgreich wäre, auszunutzen und den Krieg au einem schnellen Abschluß zu bringen. Wir sind auf die Defensive angewiesen. Die Folgen einer Niederlage zur See wären für uns so viel größer als für Deutschland und Frankreich. Unsere Position ist im hohen Grade künstlich. SSir beziehen unsere Nahrungsmittel über See. Wir haben eine sehr kleine Armee und können die Unabhängigkeit und die Lebens- interessen eines großen kontinentalen Staates nicht bedrohen und könnten keine Invasion gegen einen kontinentalen Staat ausführen. Diese Tatsachen rechtfertigen die mari- time Suprematie Englands. Wir betrachten die Stärke unserer Flotte nicht von dem Gesichtspunkt des Handels, vorlegt, wiederholte sich Links und rechts lagen dieselben schwer-� fälligen, qualmenden Fabrikschornsteine, dieselben� eisernen Ünge- tüme von Fahrstühlen, dieselben trübseligen Arbeiterkolonien, die- selben Berge aus Stein und Grus, die nicht mehr zum Abbau der Flöze zu verwenden waren, dieselben Stapel von Schalhölzern und Stempeln— dieselbe Menge Turmspitzen. Schornsteine und Turmspitzen. Unzählbare Schornsteine, un- zählbare Turmspitzen. Wo sich nach einer Strecke Flachland wieder die Schornsteine in die grauen, fahlen Wolken zu bohren begannen, begann auch gleich wieder das Spiel der Turmspitzen. Bei Gelsen- kirchen glaubte man einen Augenblick, daß es mehr Kirchen als Fabriken fciem... Darüber sann man nach. Den ganzen Kampf zwischen Organi- sterten und„Christlichen" hatte man symbolisch vor Augen. Die beiden größten Mächte der modernen Zeit, das Proletariat und die heilige römische Kirche, die sogar vor ihren eigenen„christ- lichen Organisationen" bange geworden, stehen sich in diesem un- ermeßlichen Industriegebiet gegenüber. Bei diesem Streik ist die Lohnbewegung, das Ringen zwischen Kapital und Arbeit, in den Hintergrund geraten. Hier handelt eS sich nicht mehr um den Sieg der Kohlenbarone oder den Sieg der Organisierten des Dreibunds: Hier handelt es sich um die Herrschaft Roms. Rom spielt va banque. Rom hat verlangt, daß sich die„christlichen Organisationen" nicht an Arbeitseinstellungen beteiligen sollen. Rom wünscht die Rück- kehr zur„gelben" Gewerkschaft, Rom erachtet es in seinem Jnter- esse liegend, gegen eine Verbesserung der Lebensbedingungen zu kämpfen. Die katholische Presse hat seit Tagen darauflosgelogen, hat Krawalle phantasiert, hat von dem nicht zu ertragenden Terro- rismus der Sozialdemokraten gesprochen, hat nach Militär gerufen — und das Militär ist gekommen. Genau wie zur Reichstagswahl- zeit und mit noch größerer Dringlichkeit eilten die Geistlichen um- her, um die Männer, und besonders die Frauen, zu bestimmen. In einzelnen Fällen— ich hatte am gestrigen Abend davon erfahren— Ivar von solchen Vertretern Gottes den Gattinnen der Rat erteilt, ihren Männern den... Beischlaf zu verweigern, bis sie wieder „arbeitswillig" geworden. In einer der Kirchen ist für die Arbeits- willigen gebetet worden. Im Jahre 1912. Im Frühjahr 1912, während das erste zögernde Lenzesgrün an dürren Baumzweigen sproßte.... Ueber diese Dinge grübelte ich voller Aerger und Bitterkeit. In einem„Stimmungsbild", wie bürgerliche Dichter sie zu Dützen- den produzieren, Stimmungsbilder über den„erwachenden Mor- gen", das„stürmische Meer", ein„Abend in der Nähe des Glet- schers" usw.— wer zählt die schönen Geistcsschöpfungen von heute und morgen?—, ist es künstlerisch verfehlt, wenn der tendenziöse Pferdefuß sichtbar wird. Hat es nicht ein Klassiker so wunderbar richtig gesagt:„Bilde. Künstler, rede nicht!"... Aber ach, mrt reinen Stimmungsbildern, lediglich mit Beschreibung, kommen wir nicht aus. Sicher nicht in einer Jndustriegegend, wo dre größten Dichter von heute keine zwei Sähe für die„Gartenlaube� oder das „Unterhaltungsblatt" der„Deutschen Tageszeitung dichten könnten Hat der Dichter nicht Sonne, Mond, Sterne. Sommer- und Winterkandschaft nötig?... Besingt er nicht philosophisch schön das eigene herrliche Seelenleben?... Gibt es keinen Too. keine Unsterblichkeit? Nicht traurige Liebe und Einsamkeit?... Und wird alles dies fast Traditionelle, das für Bau und Inhalt des geringsten Sonetts Lebensbedingung ist, in der Gegend der Hoch- öfen, Zechen, Kohlen, Eisen, Maschinen, Fahrstühle und Fabrik. sckornsteine gefunden? Wirken nicht sogar die sonst so dichterisch inspirierenden Kirchtürme häßlich und materialistisch im Qualm sondern von dem unserer Freiheit. WirdürfeneSniemalS dahin kommen lassen, daß die Flotte einer ein- zelnen Machtuns in irgendeinem Augenblick mit begründeter Aussicht auf Erfolg angreifen könnte. Wenn dies„insulare Arroganz" ist, so ist es zugleich die erste Bedingung unserer Existenz. Es wird keine Schwierigkeit machen, Vorkehrungen zu treffen, die uns ermög- lichen, unsere Stellung zu erhalten und so schnell als notwendig den entsprechenden Spielraum für unsere Sicherheit zu gewährleisten. Diese Maßregeln werden auch keine übermäßigen und unverhält- nismätzigen Ausgaben herbeiführen. Es ist nur nötig, einen größeren Bruchteil der vorhandenen Flotte auf einen höheren Stand der Indienststellung und damit zu größerer Bereitschaft zu bringen. Wir beabsichtigen, die Organisation der Flotte vollständig zu ändern. Die Schiffe für den Schutz des Königreichs (home defence) werden in eine erste, zweite und dritte Flotte eingestellt, die acht Kriegsgeschwader zu je acht Schiffen bilden- sollen, zugleich mit den Kreuzergeschwadern, den Flottillen und sämtlichen Hilfsfahrzeugen. Jede dieser drei Flotten bildet eine Verwaltungseinheit und hat einen bestimmten Standard der In- dienststellung(cornrnission). Die erste Flotte wird vier Kriegs- geschwader von Schiffen in voller Indienststellung samt einerw Flaggschiff umfassen und wird folgendermaßen gebildet: die Kriegs- schiffe der ersten und zweiten Division der Heimatflotte werden das erste und zweite Kriegsgeschwader. Die atlantische Flotte wird auf die Heimathäfen anstatt auf Gibraltar basiert und wird drittes Kriegsgeschwader. Dieses Geschwader wird im Laufe dieses Jahres aus acht Schiffe gebracht. Das vierte Kriegs- geschwader wird gebildet aus denKriegsschiffen, die jetzt im Mittelmeer stationiert sind, tritt an Stelle der atlantischen Flotte, wird auf Gibraltar basiert und nötigenfalls auf acht Schiffe gebracht. Die zweite Flotte besteht aus zwei Geschwadern niit den dazu gehörigen Kreuzern auf dem Niveau der gegen- wärtigen dritten Division, das heißt, die Schiffe bedürfen zur Mobilisierung keine Reserven, die Hälfte der Mannschaften ist stets an Bord, die andere Hälfte in Schulen und Baracken an Land. Diese Schiffe kosten in bezug auf die Besatzung und die Erhaltung praktisch ebensoviel als die Schiffe in voller Drenstbereitschaft. Sie sind aber insofern im Nachteil, als sie allein mit einer Stamm- Mannschaft an Bord fern von den Heimathäfen kreuzen könnten. wenn ein kritischer Augenblick eintritt. Sie müssen in einem fol- chen Falle erst die Heimathöfe« anlaufen, um den Rest der Mann- schaft an Bord zu nehmen. Es wird vorgeschlagen, die vorhandenen elf Kriegsschiffe der dritten Division auf sechzehn zu erhöhen und sie in ein fünftes und sechstes Kriegsgeschwader einzuteilen. Eins dieser beiden Geschwader wird sich stets in den Heimathäfen be- finden und daher bereit sein, sich sofort in Bewegung zu setzen. Das zweite Geschwader wird gemeinhin sich in dem gleichen Zustande der Bereitschaft befinden und nur während eines Teils des Jahres kreuzen.— Die Bildung dieser zweiten Flotte findet sofort statt, wird aber die volle Geschwaderstärke erst nach mehreren Jahren erreichen, sosern die Umstände nicht eine Beschleunigung nötig machen. Die dritte Flotte soll aus zwei Kriegsgeschwadern mit Kreuzern bestehen und wird im Frieden wie die gegenwärtige vierte Division bemannt sein, das heißt mit reduzierter Stamm- Mannschaft. Es ist also eine wirklich« Mobilisierung erforderlich, bevor diese dritte Flotte vollständig in See gehen kann. Bei aller Beschleunigung werden daher immer einige Tage vergehen, bis sie schlagfertig ist. Es wird beabsichtigt, eine neue Klasse der Flotten- reserve,„die mittelbare Reserve", zunächst aus 5000 Msann zu bilden. Wir werden also im Mobilmachungsfalle eine Flotte von 57 beziehungsweise 65 Kriegsschiffen haben gegenübereinerZahlvon38dernächftstarken Seemacht. Dies Verhältnis von 57 zu 38 wäre ausreichend, wenn die Ziffern allein entschieden. Die Neuorganisation ließe sich leicht weiterentwickeln; es wäre ganz einfach, die Geschwader auf neun und später auf zehn Schiffe zu vermehren. Es liegt dies jedoch jenseits der Periode von vier oder fünf Jahren, die den äußersten Horizont unserer Flottenpolitik darstellt. Wir bilden dieses Jahr die siebente Zerstörerflottille, im nächsten Jahr«die achte, vielleicht die neunte im Jahre 1915. Die unmittelbaren und Rußgewirbel, im Dampf und Gerase des Fabrikgebiet», daS im Lenz und Herbst gleichmäßig abstoßend ist?... Bei Herne ragte, scheinbar auf dem Terrain einer Zeche, eine hübsche Kirche auf. Der Kirchturm war höher, als die ihn umrin- genden Schornsteine. Ich wähnte, ein Kreuz zu sehen, ein Kreuz. bedeckt und verwettert von demselben Ruß, der mein Hotelzimmer durchschwebte, ein Kreuz über dem Dampfgewölk. Unten dicht daneben befand sich eine Wirtschaft. Vor den geschlossenen Türen standen zwei Gendarmen mit Gewehren in der Hand— es mögen auch Infanteristen gewesen sein. Aus der Ferne weiß man nicht genau, ob man ein Kreuz sieht, woran Christus starb, Gendarmen oder Infanteristen. Aber auch zwischen den Eisenbahnwagen be- wegten sich Soldaten, den Mantelkragen hochgeschlagen, um beim ständigen Regen etwas trocken zu bleiben. Nun war alles komplett. Nun fohlte nichts mehr an, Symbol der Zeit: Fabrikschornstein, Turmspitze, bewaffnete Macht. Nun wußte man, daß man mitten im Streikgebiet war, wo die Kirche ihre Gläubigen„beschützen" ließ, daß man an der Stelle angekommen, wo man im Zeichen des Kreuzes das verbrecherische moderne Proletariat verhindert, für seine Menschenrechte aufzukommen.... Schornsteine— Turmspitzen., Moderne Zeit— Mittelalter. Ein erwachter Teil der Menschheit— der geistliche Dämpfer. Die Maschine, die heute noch manchem Elend bringt, aber die Erlösung für die Zukunft ist— die hartnäckigste Reaktion. Der Fortschritt der Industrie— das mit Menschenleben! spielende Rom. Die wirklichen Christen, die mit Kraft und Aufopferung für ihre Gemeinschaft arbeiten— die Kirchtürme und die kleinen, ver, blendeten, mit jämmerlichen Mitteln wühlenden Diener der Kirche« » i Im Zuge, in einem der anderen Coupes dritter Klasse saß eifl Franziskanermönch in weißer Kutte. Er unterhielt sich mit den Passagieren über den Streik, sprach mit Entrüstung über die schändlichen Taten der Organisierten. In der Nähe von Hamm, erzählte er, hotte man einem christlichen Bergmann, der für Frau und Kinder„ins Loch" zu kriechen wünschte. Ohren und Nase abgeschnitten und den Verwundeten so „laufen" lassen.... Ein Mitreisender mit der blauen Narbe emeS Kumpels auf der Wange, ein„Organisierter" fragte, wo das geschehen sei. „In der Nähe von.Hamm," sagte der Frvlnziskaner, „Haben Sie das selbst gesehen?" „Nein." „Wenn Sie es nicht gesehen haben, warum erzählen Sie dvnv solche Märchen?" „Ich habe es von glaubwürdiger Seite." „Von wem?" „Wenn i ch es erzähle, dann i st eS so," antwortete der Franzis, kaner. „Das ist einfach gelogen I" sprach der Organisierte empört. Darauf enstand eine peinliche Stille. Und ich blickte wieder nach draußen. Schornstein auf Schornstein, Kirchturm auf Kirchturm. Fahr« stuhl auf Fahrstuhl flogen an meinem Coupefenster vorüber. Wo viele Kirchen waren— oder war das Einbilsdung?— bewegte sich manches Fahrstuhlaufrad. wo man wenig Turmspitzen sah und viele Schornsteine, stand alles still, wie am Sonntag. Draußen war der Regen stärker geworden— drinnen im Coupe nebenan erKgp« das GeraM empoxter Stivimen.' Kosten dieser- Mastregeln werden nicht grast se!n> Der stauptsäch- liche Betrag entfällt auf die Vermehrung des Mannschaftsdestandes. !Dic Vermehrung unter dem jetzt geltenden deutschen Gesetz beträgt 3600 Mann, dagegen fordern wir. ich denke mit großer Mäßigung, eine Vermehrung von durchschnittlich nur 2000 Mann. Wenn anderwärts weitere Vermehrungen stattfinden, werden wir es für notwendig erachten, beträchtliche Vermehrungen zu fordern. Nach der anderthalbstnndigcn Rede Churchills erklärte Lee, iic Rede Churchills beweise, daß die Admiralität entschlossen sei, eine klare, stetige und resolute Pol.tik in bezug auf die©erstreit- kräfte Englands gor verfolgen. Churchill habe absolut klar gemacht, daß in Zukunft eine gewaltige Erhöhung der Ausgaben Englands für die Flotte stattfinden müsse. Die Voranschläge seien basiert auf der Annahme, dast keine Erhöhung in den veröffentlichten Bau- Programmen der auswärtigen Mächte eintrete. In diesem Fall wäre ein offenes Wort das beste. Lee schloß: Da die Macht zur See für uns eine Lebensbedingung ist, so glaube ich nicht, daß irgendein Verständiger sagen kann, wir trieben es darin zu weit. Sicherlich kann nicht behauptet Iverden, daß wir das Tempo for- eieren. Der einzig mögliche Zweifel ist, ob für das allernotwendigste mit unserer vollkommenen Sicherheit zu vereinbarende Minimum gegenwärtig genügend gesorgt wird, und ich glaube, es wird gerade nur eben erhalten, und wir nehmen keine provozierende Stellung ein. Ich fasse die Politik der Admiralität dahin auf, daß wir eine! Ueberlcgcnheit von 60 Proz. über die nächststärkste Macht behalten, wenn die fremden Mächte an ihren Flottenprogrammen festhalten, daß aber, wenn diese Programme irgendeine Erweiterung erfahren, unsere Antwort in der Anwendung des Grundsatzes bestehen wird: «Zwei Kiele gegen einen". Lord Beresford erklärte, der erste Paragraph der dem Flottenetat beigegebenen Denkschrift sei eine indirekte Drohung und Herausforderung gegen Deutschland. Churchill hätte das, was zur Verteidigung des Reiches notlrendig sei, auch darlegen können, ohne Deutsch- land zu erwähnen oder unnötige Aufregung zu verursachen. Dies sei nicht das Mittel gewesen, den Frieden zu wahren oder zu einer Einschränkung der Rüstungen zu gelangen. Mm der partcü Aus den Organisationen. Eine außerordentliche Kreisgeneralversamm- tung des 10. württembergischen Reichstags ivahl- treiseS(Göppingen) beschäftigte sidk mit der letzten Reichstagswahl und den Differenzen, die sich zwischen den Kandidaten Genossen Dr. L i n d e in a n n, der„D o n a u iv a ch t"- Ulm, des Heilbronuer „Netkar-Echo" einerseits, der Kreisleining und der Redaktion des Göppinger Parteiorgans, der„F r e i e n V o l k s z e i t u n g" andererseits herausgebildet haben. Die Versammlung war stärker besucht als je eine zuvor: 142 Delegierte waren anwesend. Vom Landes- vorstand waren die Genossen Hildenbrand, WaSner, Frey und Fischer anwesend, vom Landesausschutz die Genossen Göhrin g- Ulm und Stubenrauch-Feuerboch. Das Referat hatte der Kreis- Vorsitzende Schepperte. Genosse Lindemann legte seine Stellung ausführlich dar. Die vier Mitglieder des Landesvorstandes nahmen in der Diskussion das Wort. Als vom LandeSausichutz Genosse Göhring-Ulm, der auf der letzten Landesversammlung den An- trag auf Entlassung der«Tagioacht"-Redakteure gestellt hat. den ab- weienden Genossen Westmeyer angriff, unterbrachen ihn stürmische Zurufe. Die Versammlung mußte auf eine Viertelstunde vertagt werden. Mit allen gegen 8 Stimmen gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die heutige Generalversammlung spricht dem Kreisvorstand und der„Freien Volkszeitung" für ihre tatkräftige Führung des WahlkamvfeS ihre volle Anerkennung aus. Sie erachtet es als vornehmste Aufgabe der Partei, ihre Ideen in völliger Ueberein- stimmung mit dem Programm überall zum Ausdruck zu bringen." Eine tveitere Resolution, die zur Annahme gelangte, lautet: „Die Parteigenossen des 10. württembergischen Wahlkreises bedauern das Siichwahlabkommen deS Parteivorstandes mit der Fortschrittlichen Bolkspartei insoweit, als dadurch unsere Genossen in 16 Kreisen, wo wir mit dem Freisinn in Stichwahl standen, verpflichtet wurden, die Wahl des fortschrittlichen Kandidaten durch Dämpfung des WnhlkampfeS zu sichern." Macdonnld über die Aufgabe der sozialistischen Akademiker. In einer Ansprache, die Genosie R. Macdonald bei Uebernahme Um elf Uhr an diesem ersten Tag war ich auf dem Streikbureau eines Bezirks, wo nach Schätzung ungefähr 00 Prozent streikten. Ich wiederhole ungefähr, denn wie mir persönlich schien, war es den Organisierten durch den Terrorismus von Polizei. Gendarmen, Infanterie und Kavallerie unmöglich gemacht, zu kontrollieren, wie- viel Arbeitswillige sich zur Frühschicht anmeldeten. Man war von „offiziellen" Ziffern abhängig. Streikposten wurden nicht geduldet. Zn der näheren Umgebung der Zechen galt jeder Spaziergänger als ..staatsgefährlich". War es unter solchen Verhältnissen möglich den Alarmnachrichten bürgerlicher Zeitungen über Abnahme des Streiks Glauben zu schenken? Man erzählte mir auf dem Streikbureau, daß man sich unter einem wirklichen Belagerungszustand befände, aber unter einem sehr einseitigen, da niemand daran dächte, den Arbeitswilligen Revolver und andere Waffen wegzunehmen. Im Besitz des Bezirksleiters befanden sich zwei mit scharfen Patronen geladen« Revolver, womit auf Organisierte geschassen worden war. Auch sprach man mit tiefster Entrüstung über einen Vorfall auf einer Versammlung in Maßen in der Gegend von Urma, wo ein Leutnant, der vermutlich zuviel Dekektivgeschichten gelesen hatte, mit einem Säbel in der einen und einem Revolver in der anderen Hand, gefolgt von 60 Mann Soldaten, in das ruhige Versammlungslokal eingedrungen sei und ohne weiteres gerufen hatte:„Im Namen Seiner Majestät fordere ich Sie auf. sofort den Saal zu räumen, sofort auseinanderzugehen!" Wenn der Referent nicht die Geistesgegenwart besessen hätte, zu sagen:„Bleibt ruhig sitzen oder entfernt Euch langsam! Seid besonnen!" würde es zu einer Kata- Atrophe gekommen sein. Während man mir so das Eine und Andere erzählte, stand das Telephon keinen Augenblick still. Jeden Moment teilten andere Streikbureaus Berichte mit und jede Minute kamen Kumpels aus der Umgegnd, um Instruktionen zu holen. Darüber und über eine Versammlung auf der Zeche Radbod, der ich mittags beiwohnte, er- zähle ich Ihnen morgen. Dortmund. 16. März, Heinz Sperber. kleines femüewn. Der Kampf um den Friedhof. Aus Konstantinopek wird uns geschrieben: Tie Toten haben es gut: sie brauchen keinen Mietzins zu zahlen. Aber in der kapitalistischen Zeit wächst die Grundrente auch aus den Gräbern, und wenn die Zeit der Ge- winneinheimsung gekommen ist, dann werden die Friedhöfe um- geschaufelt, und die Toten werden exmittiert, um der lebenden Plusinacherei Platz zu machen. Ich will mich durchaus nicht zum Anwalt der Toten machen. Ich bin vielmehr der Meinung, daß die Toten und das Tote viel zu viel Platz in unserem Leben einnehmen. Hinler jeder Gestalt von Fleisch und Mut sehe ich Gespenster, die bis in die dunkelsten Zeiten hinabrcichen', hinter jeder frischen Tat die tote Hand, die sie zurückhält. Doch das ist meine persönliche Ansicht, die mit den dramatisch bewegten und religiös verklärten Ereignissen, die ich zu schildern habe, nichts zu tun hat. Als die türkische Regierung den Plan faßte, den armenischen Friedhof von Pancaldi/ einem Stadtteil von Konsiantinopel, niederzureißen, um die Straße zu erweitern und Zinshäuser zu bauen, da erhob die armenische Geistlichkeit Protest dagegen. Sie berief sich auf ihr Privateigentum und sagte dem armenischen Volk«:„Wehe, die Gräber unserer Toten sollen entweiht werden!" der Präsidentschaft der Fabier- Gesellschaft der Universität Manchester bielt, forderte der Leiter der Arbeiterfraktion des Unterhauses die studierten Sozialisten auf, in die Arbeiterbewegung selbst einzutreten.„Bisher waren die Studierenden eher störend. Sie kamen von der Universität mit den akademischen Bllcherphrascn, und nach einem oder zwei Monaten klagen sie, daß für sie lein Platz in der Bewegung ist. Ihr könnt euch selbst einen Platz s ch a f f c n I Ohne euch ist die Bewegung unvollständig. Aber kommr nicht zur Arbeiterpartei und fordert, datz sie anders Iverde, so datz ihr hineinpatzt. Nehmt die Bewegung wie sie ist. Seht, Ivo sie schwach ist, und habt ihr euch fähig gemacht, sie zu ändern, so ändert sie. Ihr werdet eine kurze Zeil bindurch Entmutigung fühlen, aber auf die Dauer wird eure Arbeit Anerkennung finden.'Die Arbeiter sind so ofl getäuscht worden, datz sie jedem niißlrauen, der auf anderem als ihrem Wege in die Bewegung kommt. Dieses Mitz- trauen kann nur durch opierwilligen und unermüdlichen Dienst der akademischen Männer und Frauen überivunden werden." Bekanmlich ist in England, entsprechend dem wesentlich beruf- lichen und teilweise noch zünftlerischen Charakter eines großen Teils der Arbeiterbewegung, der Gegensatz zwischen dem Arbeiter der „schwieligen Hand" und dem aus theoretischem oder sonst ideellem Interesse zur Arbeiterschaft getriebenen Angehörigen anderer Schichten schroffer als anderwärts. Zum Teil darum, weil die englischen Ar- beiterorganisationen früher ganz und heute noch überwiegend die Arbeilerschiqtcn höherer Art' vertreten, die natürlich keiner fremden Unterstützung bedürfen, während der Angehörige höherer Schichten, den Mitleid und andere ideale Motive leiten, sein Interesse nalur- gemäß den Bedürftigsten und zur Selbsthilfe Unfähigen am meisten zuwenden wird. Immerhin haben unter dem Einfluß der sozialisti- säien Erkenntnis und mit der wachsenden Teilnahme auch der niederen Arbeiterschichten an der Organisationsarbeit alle diese äußerlichen Gegensätze an Schärfe bedeutend verloren. Austritt eines Abgeordneten aus der sozialdemokratischen Duma- sraktion. Da? bisherige Mitglied der sozialdemokratischen Dumafraktion T. B e l o u s s o w hat dieser Tage seinen Austritt aus der Fraktion erklärt. Als Grund führte er an, er habe sich in den letzien zwei Jahren vollkommen ftemd in der Fraklion gefühlt. Zugleich drückte er den Wunsch auS, sein Austritt ans der Fraktion möge nicht der- öffciitlicht werden. Die Fraktion reagierte auf diese? merkwürdige Verhalten IhreS früheren Mitgliedes durch den Beschluß, sein Ausscheiden auS der Fraktion unverzüglich zu veröffentlichen, u. a. weil sie die Grenzen der weiteren Evolution ihres früheren Mitgliedes absolut nicht ab- sehen könne, welches jahrelang in einem ihm vollkommen fremden Kreise zu weilen vermochte und diesen in einem Augenblick verlasse, der ihm zweifellos aus rein persönlicben und keineswegs aus prinzipiellen Gründen als günstig erscheine. Zugleich forderte die Franion den� Abgeordneten Beloussow auf, unverzüglich sein Mandat niederzulegen, da er u. a. auch mit sozialdemo- kratischen Stimmen gewählt wurde und bis zuletzt Hand in Hand mit der sozialdemokratischen Fraktion in der Duma gearbeitet habe. Achnliche Erfahrungen wie mit Beloussow hat die Frattion der russischen Sozialdemokratie schon vor etwa zwei Jahren mit ihrem früheren Mitgliede Tschilikin gemacht, das. obgleich nicht als Kandidat unserer Partei gewählt, sich bei seinem Eintritt in die Duma der sozialdemokratischen Fraktion angeschlossen hatte. Diese trüben Er- fahrungen werden unsere russischen Genossen bei den nächsten Wahlen sicherlich veranlassen, sich die Leute sorgfälliger anzusehen, die in die Reihen ihrer parlamentarischen Vertretung aufgenommen werden wollen. Versammlungen. Für die Darmarbeitcr und-Arbeiterinnen hatte der Fleischer- verband am Freitag eine Versammlung einberufen, um ihnen den Wert der Organisation vor Augen zu führen. Der Referent Bergmann verwies darauf, daß der Zentralverband der Flei- scher eine Sektion der Darmarbeitcr eingerichtet hat, die auch eine verhältnismäßig starke Mttgliederzahl hat. Daneben gehört ein Teil der Darmarbeitcr anderen Organisationen an und ein nicht unerheblicher Teil ist nicht organisiert. Diese zu gewinnen und eine einheitliche Organisaton zu schaffen, ist notwendig, um die Lohn- und Arbeitsverhältnisse dieses BerufszweigeS zu bessern. Große Traurigkeit bemächtigte sich des Volkes:„Wehe um die armen Seelen, wehe um die verfolgte Kirche!" Die türkische Re- gierung ließ die Seelen aus dem Spiele und verhandelte über den Preis. Das Besitzrecht der armenischen Kirche selbst wurde übri- gen? angezweifelt. Lange übten sich der türkische Kanzleimensch und der arme- nische Kirchcnmensch im Geduldspiel der gegenseitigen Vcrhinde- rungen, doch da die Kirche sich auf die tote Seite legte, bereitete ihr osfenl'ar das Abwarten keine Schmerzen. Da schickte die Re. gierung eines Tages Leute, um die Mauer niederzureißen. Sie wollte vie vollendete Tatsache auf ihrer Seite haben, Doch sie rechnete nicht mit der ideellen Macht deS Glaubens. Kaum wurde der erste Hackeuschlag an der Friedhofsmauer getan, da lief die fromme armenisch« Bevölkerung in hellen Haufen zu- sammcn. Die Kinder und die Frauen waren die ersten am Platze. Die Handwerker und die Händler der umliegenden Straßen zogen eiligst mit. Mit Windeseile verbreitete sich das Gerücht über das ganze Stadtviertel, und von allen Seiten sah man die Armenier in höchster Aufregung dem alten Friedhofe zuströmen. Unter Verwünschungen und Jammergeschrei eiferten die Frauen zum äußersten Widerstand an. Die Priester vereinigten sich mit dem Volke und wurden zu dessen Anführern. Ihre schwarzen Sutanen huschten wie dämonische Gestalten unter der Masse. Steinalte Geistliche, wahre biblische Patriarchenköpfe, dielten Ansprachen an die Gemeinde, um sie zum Märtyrium für die heilig« Sache anzu- eifern. Plötzlich stürzte alles zur Friedhofsmauer, viele warfen sich zu Boden, und in einer wahren Orgie religiöser Verzückung erhoben sich Schreie von allen Seiten: sich lieber niedermetzeln lassen, als daß auch nur noch ein Stein von dem geheiligten Platze gerllbrt werde! Dw zog die Regierung noch im letzten Augenblick ihre Leute zurück. Wie von Zauberhänden wurde die zerstörte Mauer vom Volke im Nu wieder aufgerichtet. Und noch bis in die späte ?!acht blieben viel« Religionscifrige am Platze, um Wache zu halten, daß nicht wieder ein Sakrileg geschehe. Zwei Tage später traf ich mit canem armenischen Archiman- driten zusammen. Schmunzelnd strich er sich mit den wohl- gepflegten Fingern den wohlgepslegten breiten Bart und sagte mit der milden, weichen Stimme, wie sie den Priestern eigen ist — nur in den Augen funkelte eS listig:„Schon habe ich den Scheck in der Tasche. Den Scheck über 22 000 türkische Pf und, die der Staat für unseren Friedhof zahlt." Die Kirch? ihrerseits fand ein? Formel und tat einen Spruch, die den Bann lösten und die Seelen der Toten wie der Lebenden von der Gefahr befreiten, die ihnen drohte. Heute ging ich am armenischen Friedhof in Pancaldi vorbei. Die Toten wunden exhumiert. Doch war alles sttll. Nichts regte sich. Einige Raben kreischten in der Entfernung.� Hier und da standen Frauen ans dem Volke an den offenen Gräbern, in denen früher die Gebeine ihrer Lieben ruhten. Sie wischten sich mit dem Tuchzipfel Tränen aus den Augen. Es war mir, als wenn der Geruch der Verwesung sich dicht am Boden breitete.. x. Humor und Tatire- Deutscher Stolz. Gott sei Dank, es ging ein Schuß daneben, und gerettet ist Emanuel. Dreimal hoch soll nun derselbe leben! auch der Teutsche stimmt m das Gebell. Den auf dem städtischen Schlachthof befchäfkiglen DarmarhrldMi gelang es seinerzeit, mit Hilfe des Verbandes wesentliche Verbesserungen ihrer Lage zu erreichen. Auch die weitgehende Aus- beutung jugendlicher Arbeitskräste— selbst Schulkinder waren darunter— ist schließlich beseitigt worden, nachdem sich die Oefsent- lichkeit damit beschäftigt hatte. Wenn auch bei einigen Firmen der Darmbranche erträgliche Verhältnisse herrschen, so gibt es doch noch andere Firmen, wo Mochenlöhne von 17 bis 18 M. gezahlt werden und namentlich in hygienischer Beziehung arg« Mißstände herrschen. Es ist dies ein Punkt, der dringend der Verbesserung bedarf. Das Reinigen und Bearbeiten der Därme ist eine nicht nur wenig appetitliche, sondern auch ungesunde Beschäftigung. Es ist deshalb notwendig, die Arbeitsräume so einzurichten, daß die gesundheitsschädlichen Einflüsse der Arbeit nach Möglichkeit der- hindert werden. Ebenso notwendig ist es, daß den Darmarbeitern ausreichende Löhne gezahlt werden. Alles das können sie jedoch nur erreichen, wenn sie sich der Organisation anschließen, JJiis aller Melt. Ein verunglückter Militärballo«. Bei einer Hebung oberhalb des Kronenburger Exerzierplatzes im Elsaß riß am Dienstagvormittag daS Haltetau eines b e« in an nten Drachenballons der Straßburger Festungs- Tclegraphenabteilung aus noch nicht aufgeklärter Ursache. Der ziemlich starke Südwest trieb den Ballon in der Richtung gegen Bischheim, als plötzlich die nachschleifende Stahltrosse mit einer Hochspannungsleitung in Berührung kam, so daß infolge des Kurzschlusses der Ballon Feuer fing und bei der Bischheimer Cisenbabnwerksiätte aus beträchtlicher Höhe abstürzte. Der Ballon ist verbrannt, die beiden Insassen trugen schwere Verletzungen davon. Oberleutnant Clorer vom Infanterie- Regiment Nr. 132 erlitt neben einem Schädelbruch einen Arm- und Beinbruch sowie starke Quetschungen und vielleicht auch innere Ver- letzungen. Sein Zustand ist fast hoffnungslos. Das Befinden des Obcnleutnants Röwer, der einen Armbruch davontrua, ist ver- hältnismäßig gut._ Tie Explofionskatastrophe in TexaS. Nach den heute vorliegenden Telegrammen ist die Wirkung der Explosion in San Antonio noch furchtbarer, als zuerst an» genommen wurde. Die Zahl der umgekommenen Personen beträgt nach den bisherigen Feststellungen fünfundzwanzig. Der Lokomotivschuppen und die Kupferschmiede wurden völlig z e r» stört. An anderen benachbarten kleineren Gebäuden wurden eben- falls große Zerstörungen angerichtet. Die im Schuppen be« findlichen übrigen Lokomotiven wurden zertrümmert. In der Grobschmiede wurden allein fünfzehn Leichen auf- gesunden, die teilweise in Dachspalten oder zwischen Maschinenteile eingeklemmt waren. Der vordere Teil der exlodierenden Lokomotive wurde auf ein in einiger Entfernung befindliches Haus geschleudert, durchschlug das Dach, zerstörte dwi Zimmer und blieb im Erdgeschoß liegen. Kleine Notizen. Selbstmord im Gefängnis. Die Kriminalpolizei in Köln hat einen Schneider mit Namen Opladen wegen Stttlichkeits» Verbrechens verhaftet. Der Mann hatte ein Holzbein, in dem er einen Revolver verborgen hielt. Gestern morgen wurde er er« schössen in seiner Zelle autgefunden. Vergarbcitcrlos. Auf dem Schacht Oskar der Grube PcterShosen in H u l t s ch i n sind am DienStag drei Bergleute verschüttet worden. Alle drei wurden getötet. Neue Opfer des Methylalkohols. AuS Czernowitz wird ge« meldet, daß gestern in Alt> Zuczka drei Ortsbewohner nach dem Genuß von Schnaps unter Vergiftungserschetnungen ge« storben sind. Ein vierter ringt mit dem Tode. Man nimmt Ver« giftunz durch Methylalkohol an. Kampf mit Sträflingen. Drei kürzlich auS dem StaatSgefängniS zu Nebraska(Nordamerika) entwichene Sträflinge wurden am Montag von der Polizei in ihren Schlupfwinkeln überrascht. Die Verbrecher setzten jedoch ihrer Verhaftung lebhasten Widerstand entgegen und bei dem sich entspinnenden Feuergesccht wurden schließlich alle drei Sträflinge niedergeschossen. Sie waren sofort tot. Und zugleich in tröstlicher Erwägung ruft er bei so ktäglichem Gefecht stolz mit patriotischer Bewegung: ach, wie schießt ihr Italiener schlecht! Seht dagegen uns, daS Volk der Dichter, febt, wie sicher man in Deutschland schießt! (blotadens mir auf Streikgelichter, Könige schont sogar der Polizist.) _ Franz. Nottzca. — In Sachen der Schiller st ist nng fand am Sonntag in Berliu eine Sitzung von einer Art Schiedsgericht statt, das sich selber konstituiert hatte.(Die Stiftung halt« bekanntlich daS Schieds- gericht abgelehnt.) Man war darüber einig, daß die Schillerstiftung in sehr vielen Fällen Gelder satzungswidrig ausgegeben hat: an Un- berechtigte, Undcdeutende und Unwürdige. Da an dem guten Glauben und Willen der StisttingSverwalter nicht gezweifelt wurde, iprach man die Erwartung au«, daß sie nunmehr das ihnen ander« traute nationale Gut sayungSgemäß nur zur Förderung der wirk« lichen Begabimg verwenden. — Der SiegeSzug des KinoS. Da» Residenz« Theater wird diesen Sommer einem kinematographischen Gast« spiel(daS ist das neueste) die Pforten öffnen. Auch da? Neue königl. Operntheater ist an einen Kinematographen- Unternehmer vermietet. Man spricht von erziehlichen und wissen- schafllichen Vorführungen. Indes muß man da nicht zu viel erwarten. die Hauptsache ist bisher immer noch das SensationSdrama nach Pari, er Zuschnitt gewesen. Ein königl. Kino ist ober immerhin etwas Neues. — Di« Bühnenschrift st eller gegen den Kien» topp. Der Verband deutscher Bühnenschriftsteller. der ja die Kon- kurrenz de? KinoS an seinen eigenen Mitgliedern spüren mag, be- ichätiigte sich in einer besonderen Sitzung mit den Gesadren de» KinoS für die Theaterintcre,, einen. Es wurde ein auStührlicher KrtegSplait entworfen. Man will alle Bühnentente(vom Dichter bis zum Sckiau'pieler) verpflichten, nicht für da? Kino tätig zu sein. Man wünscht einen Einfuhrzoll auf ausländische Film«(waS ja ziemlich töricht ist, da dadurch die heimische Produktion nicht getroffen wird und daS senltmeittale Sensationsstück ebenso gut bei uns gemacht werden kann). Auch tollen in einer öffentlichen Protest« Versammlung die Auswüchse der Kinotheater festgenagelt werden. — Die Ausstellung„Die Frau in HauS und Beruf" ist am Fteitag, den 22 März, bis 10 Uhr abends geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt von 7 Uhr ab öO Pf. — Die Sammlung für Amundsen, deren Erträgnis die Schulden der Expedition decken soll, hat nach einer Meldung au» Kristiania die gewünschten 70 000 Kronen gebracht. DaS Koutitee fordert daS Publikum nunmehr auf, die nationale Samnt« tung für die Nordpolcxpedtnon zu umerstützeit, für die außer den 200 00V Kronen, die das Storlhing bewilligen soll, noch 100000 Kronen fehlen. Berliner Credit-Haus 3 Big" Kommandantenstr. 67. c Alkoholfreie Getränke Spranz Abraham ßamt. Messina-u.Römertrank-Kell. y i, Schlegelst. 9, Fernsp. III, 7727 $!■§! d Seiter- u. Limonad.-Fabrik , Thaeretr. 44, T. A. 7. 8176. Schutze, Em'V cbt-rs tr. 15a, T. 7,111 25. alkohol- Getränk. Berlin 0,Ha)ialfll.4 � Arbeiter-Beklelduna J .ti a fljr f Zossenerstr. 32 •r ci* 1 a*.« Bergirannsl.SS Hamburger Laden, Cbarl.,W«Il»l. 69 J. Kasin erg�Äst RoterLadentSchoneb ,ll»npuitr.l08 � Bäckereien, Konditor.*� tSiottner's GroBbäckerei Geschäfte In Berlin, Charlottenburs, SchSneberg, Wilmersdorf. Adlershof er Bäckerei, H. ZogTUiL Max Backer, Ramlerstr. 38. Bäckerei und Konditorei Wilh, T oerlitf. Mariannenstr. 5. !?!:>U Beyer, Thornerstr. 6. ßrot-l-abrik„Vorwärt8" Hermann tTllrich, KOgenick. �rotfaörik'Var";.« Brotfabrik Buch!& Sohn, Willy Delor. Prenzlauer Allee 42. Hermann Carl, Eixdf., llerm&uutr. 231 Herrn. Eder, Scbonenschegtr. 1 Enoel's Landbrot Heinersdorfer Mühle TerkfutslL: Kolosissl.», Rodfairniit 2, I.üd«ri>»tiS,8rki>e!dMer,I tL8»i»»- ■niadtnlr. 42. I'snknw, Florwlr, 60. Vitt. fWl WsIfcnsM�fsSir. 4. Verkauf in Sliiohgcscbäften Berlins Bekassl leneltn. d. Flakst«. lischer, Gürlitzerstr. 55. PsIktMleisitr. 20. Küptsirlienlt. 172. W. Gerlach, Sehotelij. Sfdmtr. 0/7. te Biese, Neoi ■ II Hl BerlioenUS. Alfred Graf. Bcusselstr. 24. Karl Glesmann, Wittstockstr. 7. iL Glück, Wilhelmshavenerstr. 61. Angnst Hühner, Schwedlerstr.52. August Hautk, CSpenick. ßskotisdüÜe's BiOltlädiEfei , zrs Oe»cHfifte ] In allen Stadtteilen Berlins| und In Rixdorf. ' Augubt Kamniel, Pauk�tr. 46. L. Klerzkowskl, Wiehortatr. I Kilics-Grob backerei, Boßestr. 8. H. Krause, Tefleierktr. S2 o. Trifutr. 43. Kroker, Rixdorf, Nansonstr. 83. Carl Landahn, weberstr. 30. Landbrot-Bdrk.,Srhul;..Fr..Bacliholi. Landbrot- GpoRbAckerei O. Senf, Ndjf. Krug, Waldstr. 4 Hermann LebeltTTTussTuenätr.yö Alfred Lier, Wielefstr. 36. lltttataitt Bnittäfefil F.. Martin, Oleimstr. 55. flsstav Mfihlitcjih, Rhlnowerstr. 2. IlMir.Brolr Derlia, Kopciii' k, Kiri.horit dt. B. Moak. WsglekslisiM 'rtüNaamann,ÖI'lenhureer8tr.21. Herrn. Froell, Konnendamm. Aliiin Quandt, Tilslt.ietr. 6g. Bäckerei„Nordstern" Inh.: Oost. Müller Fillsleni. Terschied. Stadtteilen Albert Pfeazig, GrStzatr. 10. Paul RiSmann, Turineratr. 26. älax Ro.plceh, Meraelerstr. 65. Conrad Richter Brotfabrik Nied.-Schönhausen Niedert in all. Stadtteil. Berlins Max Sander, Dunkeretr. 23. JOttoSzillatÄÄi O. B™n o! NO. Sikorskl.WeifeiHt.Hrfamdorfzrsir.ll Staehr's BSckerei, N. Trlftstr. 60. Paul Stenzcl, Baumscbulenweg. tlBslaT Tauplla, Prinzen- Allee 81, Thoma's bew. BBdcerei Ackerstr. III. Gerichtatr. 84. Ö. VodL Welriensee 1 SFilial. Haupt tfescIi.Scdsnst. long Jos. Wagenknuciit, Clogaaertl. Ii. Albort Wiese, Koloniestr. ZI. Heinrich Wittler Pupmictel-. Sckwmbrot- 1 Siuons- brol Fabrik. I. II, 3213. Maislr. 7. YerlaulsiltlL 1. tll.Gegend. urot-Berlloi Badeanstalten 1 Arkona-Bad, Anklamer-btr. 84. Augnata-Bad, KÖpenlck.-Str. 60,61 int lanilsbcnrcrstr. 107 Goilnowstr. 41. r%rti t-r Bad, MünzstraSe 2. Kas�enlieferant. [Cfllral-Säll Anzen�ub'rflr. 23. R 1B o.Hsd.i blllbg WilsiersdarftratOlt'Ol Erscheint 2 mal wfichentlich.. Kuranstalt langjfihr. I. Assistent d. ehemal weltberühmt. Ja kobi- Heilanstalt ß5rl[z Z. t Co. gaste Radeeinrichtnsgeo tos M 13.50 ai. /Soliden Ksoden Teiliig. geatalt). lllostr. Freisbrorch. 160 Seilen gratis n. franko. J.Zaruba& Co-Hambupg C- ( Bandapen, Gummlw.) Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A.£.. Brunnenstr. 167. Liepe, SchSneberg, Gnnewaldftr.30. Meyer, P., Ri., Berlinerstr. 49—50. J. Ca. PoIImann, Utkriogmlr. 60. Wende, A., Tuo7t?k«8<1 PpipHa Ä Seydelstraß© 15. IVCILIIC, H. Lief. allerKassen Frltx Reibe, Scliöneberg. Uaaptstr. 18 Fr.Schaltet AdlershoLBiamarckitS Zargmbag�CTkei ( Beerdifl.-Anst., Sargm.} A. Butti�orndorfST'strr�S�� BPir phnr P»ixd., iiohenzoliernpl.il . mm Buckow a. Rlxd. Urankcimaiii. M flick»u�uo. 170 Uiekel, Fr., Gr. Hambnrgerst. S7 G. Lehmann, FHewalkeralt.l B. OerielUlr. Moldt, Fritz, Rixd., Reuterplatz. Gast. Nobert, Potsdnmerstr.llSa H. Petcrmeler, atrolitzerstr. 8. Peter�chleg/HHIh�Zoiiseneratrn. I BeleuchL-Gccengt. J D,,n7alT5"Tr'TRKc!orr,,V DUiläBI, n. KaiB.Friedr.-St.49 [nrll!iiffleiflL.�reMr.St\ Büttner, A., Danzigerstr. SS. Sfhrammar,H.,Bichi.xrd0sLii8. Vettin, H. -B�küid�73 Bertram, Nord'-n, Maxsir. 17. Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. Wecker, A..{|!2lllenilaiilill Z. £ c° Qettfedepn u. Betten Rellfedern Ton aelbstgeachl. Gusra |Max flaDskneüit, WM MQggelheimeratr. 8 BerlinerJTlTxT�rermann�r!!� A.Hanipel,F.i.,Ber;8U.44-45.He!ai5'ang Carl Henze, Aodreantr. 55. Eeinigtog. t Blephpjuärepeleiä�BleplL� Erstes Lohtannin- Bad tagl. fr.ihkoehnng, kain Fztrakt.»all alr 70 7l.LieI.xKai« Neü-t«lloa.W.6,8 ad Frankfurt. Gr.Frkft.8tr. 126. eferant sinitl. Krankenkaaaon w. Akt.-Brauer.Potsdam. Big. Vi64erl. Berlin SW, Tempclhofer Ufer. 15 lirzaAeBbttrg t. H.,Wilkeland®rfer»l.l 10 Spez. Potsd. Stangenbier■ �eTpstrT�TTTFn t Feinst. Caramelbfer tani KW« 1 feinste Qualitätsbiere. ]rauerei l'iellerljerg Versand, nnd I'ilsenerRior. Brauerei Tivoli Fruchtatr. 87 Caramel-W eifsbier fut alkoholfrei, orfriichend, bekönnlieh. Berliner Wcißb.-Braucrei E.Willner QpotGpjans Hallbier. Sckönk.-iüoc! 30.7.01,5003. C.Habels Brauerei hell— Habeibpiu— dunkel. W. Hilsebein A.-G Lagerbier nnd Malzbier Herapel, EM Müllerstr. 188 d. Kahlenberg, A., Llebeiyzlderal 45 Unser Goldbier ist nicht nur ein Erfrischungagetrluk, sondern auch ein Gesundhelltbler ersten Ranges. Berliner Dnionj-Brayerel, Berlin S. Bertha Kerfaold, CanszüSylvastr. 100 Janiszowshl, Felix, Esenbalmslr. 7. Alb.Keil,Ckarlbg.,Kat3zi-Friedrichat.20 CT anpont Brunnenstr. 63 » liflUI ulla PeUrskutgcralr. 11 Gustav Mai, Schönhaus. Allee 177. Menzel.K.Rixdorf, Hermannst 124 F. Müller, Danzigerstr. 27. H.Peuski, Scbvedoustr. 10, Eck. Bads tr. Ww.Rutschke, Ri. Hermannst.62 Th. Sdiirbei, N. Stettinerstr. 8. C.Sommer. Wniig«lsL4i,AmtIY 12000 Aug. Trothe, Wrangelstr. 11. Thledtke, Rixdorf, Hermannst.64. Aug. Wandelt, Rixd., Bergstr. 96. H. Zinke, XoxavM.Fritdr.■ E-Fritgltnl. Buttep, Elep, Käse D �festmann 1. Geschäft: Mohrenstr. 37a. 2. Geschäft: Gr. Frankf.-Str. 115. Bei Vorzeigung 5% Rabatt. Paul Zutermann Konfektiomb««»— Cianjszeztr. GS c Damenkleidepstoffe D ISutlerbandluug [. F. Assmann 20 Filialen in Berlin O. OskarBeckc 11 OesohUfte Dresdenerst. 97, Blücherstr. 11 Reichenbergerstr. 18 u. westl. Vororte. Vorzugspreise. luntrock, W. ��2. Drei Kronen D.5£ohn isdier. Emst fried. Göseke, 7 Filialen. I 1 T 40 Filialen ® In Berlin und Vororten Holl Mmm 0rai8o°tr' Adler-Drogerle, O.gMüggelstr.S. Artelt, Kurt, Ri.,Rcuter8tr. 43/44 Apoth.Paul Frank, Slraßmaangtr. 41. ApaUi.LiEdeuberg,S?reUlx.Slr.74Kord-Mk. Arnold Ncfaf., Cksrlbg., Leibnüatr.. 26 Relnh. Assmus, Gerichtstr. 10. Becker, C. Litthauerstr. 6. Gustav Bersug, Weidenweg 80. Berger, Box. Rummelsbg., Sonntagglr. 8. Hfh Rrrsfinf Schönhauser Alle 134», 010. DulClillS, l'aukow, berliner 817.46 Sämtl. hygienische Bedarfsartik. Centrai-Drogerie, DrüniiieimersLSl. A. Diepow, fauroggenerstr. 12. Phori Mav Kopernikusstr. 17. LUlll» Jual Warschauer8tr.21. Edison-Drogerlen, O.-Schöneveide. AügüstHöltzieSe. Kerston, Osbr� Wörth.r-Btr. 22 a. Kosmal la, E., 4gÄt. Pasl Llndxer, Strelitzerstr. 65. ButterhandlnngFritzMath. I r 48«igen« Dotäilgesckärt« ! Nordstern B�rUnNmNO. Schönefeldt, Britz. Chausseest. 51 Schröter, LI- stellen. Schulz, Arthur, Ri.Hermannst. 65 Ühly&Wolfram Franz Fischer Fraakrcnaazste 148, SaiEll, Gaamiartiktl:: viikr. Btdltaaag. Friedrich, Paul, O, Gärtner« tr. 29. Germania-Drogerle, MöekeraiL 83. Germ an ia-Drog.Spand. Wilhelms tr Älfr. Gotting, rrÄer Günther, LiweaDrogerie'SSlnimil.S? Haeberlein. TrepL, GraoU-Booeheilr. Hansa-Drogerle, N. Haumerst.SS. F. Hotop, Ifaaa-Drog., Cfasaatt. 0. Klahn, H.,Ri., Kiijer-Friedritb«tr.2ll Knuetek-DroLH.™�-».. Kottkes Drogerie, BannicbsIesTeg. Kröning«Adler-Drogerle,Baml4ntr.7. G.Lehrmatm, Grünberger Str.116 P.Lehrke,K»'.ibn«!rDuiin81-82�,irfliai Max I. lecke, O. 34, Ebertystr. 25. Ewald Lodite,WilbeIaibaveaenti. 20 Luiacn-Drog., Friedricbi(.BerliieriL22 Alfr. Marsch, Colmstr. 37. Hellt, Felix, Memclerstr. 16 a. Oehmke, Reioickead., FroviatW. 82. Otto Opitz, Bomholmerstr. 16. Ramien, Otto, Landsbg. Platz 1. Rathaus Drogerie, Ei. Dcoanatr. 24. Arno Reif, Weberstr. 30. i vopm.Lemcka , Ri.E»U.Friedr.81r.242 Vereinigte 48 Pommerscbe Terkads Meiereien iieiieii. Stettiner Butterhalle InTahdenstr 128 Stetthier Btlmbcf TrücETstr�fl7 Ecke Mäaekebergentr, f Cacao, Chocolade) Alttaanj,Ki'iaic:-G.ab.,Ludoweritr.l6. F IflltkV 1�1 Filialen i.all XjJ llaA, Vi., Stadtteilen. Ferd.Hahii,Berlla.Perlenb«rMT«l71a KPaehlke.S'-hiHiagalr.lO.KeiiflUrea. Frinzenstr. 103 Franz Schönbeck, Oleracköaevaida Fr Schlussnums, Liebaueratr. 22. Hugo Schultz, Müllerstr. 166a. Hyg.Gummiw., Photogr.-Artikel- r.SänderhaufACo.Gr.Ptukf.Str.8g. Herrn. Vincent, Rixd. ,Bergstr.i31. Weriier-Drogcrle, BriltRadowerst 5a. Wcddlng Drogerie, Genteratr. 37. WeUsbach 6 Fiicher.BellealliaacuttS Zobel, Georg, N, Ackerstr 60. Aln, O., Ri., Kaiser-FriedrichatrA Otto Anders, Brunnenstr. 109. W. Allner, Mulackstr. 24. Otto Bellg, O. Grüner Weg 42. I Die Fabpikate der „Sarottl" Chokoladcn- o.CacaolndDttrle- Aktlcngeacllscbaft lind überall erhältlieh. Neu: Slmpll-Sdiokelade Bonbonhaus Fr. Schröder Spandau, Filialen i.all. Stadttl. SEÄS�WärKTäüörb�ä�ggrH»«! Seiffort, Erich, ' �Onff Andreaaatr. 36 J. Uullll Bezugsqu. f. Händler. �rotWERO� Gold Silber Kupfer Schokolade• Kakao In drei Preislagen. Die verschiedenen Sorten sind untereinander gleichwertig und unterscheiden sich, nie die deutschen Edelweinc, nur durch ihr Aroma. C.Volgt,GrSfe8t.27fEckeürbanst. Fordern Sie ÄXC 44 i'_ I, V'., Z"' Aiz.jix V uc 4'«a(4ii U.ajb.&t Herrn. Braun, Landabg. Allee 149. Brenneke,C.,wrangeift°.24 G. Bpenneke, Stkitb. Illw iso. G. Brucklacher, Willy Erpel, Turmstr. 29. Flaek, E., Spsndao, ScböieTtldintl. 34. LPillrr Wilmeradorferatr. 1022 uIIIeI Haua- u. Küchengeräte Carl Jung, Stromstr. 31. lungöluth. HensanDSti. 172. Kantner Nf.,O.SchöQeaeidf,KJisoBBtr. 10 Vinco Beiaickeal., Reaidenzitr. 100 UlUOD Werkzeuge. Ad. Ku nzc, Riidf..K äherFriedr icbi tr. 1 78 H. Rockstroh, wÄ«. Llncke, Rixdorf, Friedelstr. S. E.Lübrke Nf.E.Stunn. SamsritentlS PüBl iDck&Äe�er. E. Menzel Nchf.. äopenhagmerslr. 4. FranzPfelfer.O.Frankf. Allee 139. teorjRilnoÄSS-J Rühlmann.P., Müllerat. tOb.E.Seeet. C. Scfiroder Gr.Fni»?f?nrr?lr.l02. Mai mm Sellach, Th., Ri., Hermauustr. 48. XVeUch,tr.Z3. ArtbllrVikigkilf.�- f Fskppä�..«äbinncobT� Bauin,BwU,Schöueb.,Herbertst.l ßrennabor SÄ't Falirrafl-lellilaiiJ Lolmiaiiii Neue Schönhauser-Str. 11. Luisenbrauerei WelßenaeBe t lockiiH BraM: EerllU W esenlber� FahrradhaoiSüd.Ost Kr icheobergent 121 Tarl FIHIInr Itelnlokend.-Str. 10«, Iflll IflllllLl Chausseestr. 81. Rüper, Carl, fetenbg.-SU xd.Frlt.AUee Roland K1",o�nmb�rvH-"and SrhaHA Grüner Weg III. Otliaue, WoiA- u. Malzbier. Schulz, Herrn., Schönleinstr. 23 yefeiDiBrcDerEiTEOlcnia.llWg?. �ClBappen h a n d I u n a« n Ir.BLürenS�ffl�TrärTTürirTÄlTreä?. Brager, J., Rixdorf, Bergstr. 57. Bräuer, F.» 0. 12Proskauerst,I2 Klein Wiih«»"«»tr. ist, aViLIII,»»Nil. Oberl.aum 1. Klemmer W., S,aa(UarScbiia» aide rat. 82 A.Kunstinann,Su»i«ea,FrirattriL67 Dingel, Fritz, Eisenbahnstr. 5. A. R. Mey or fd cht., Scklrsitclmtr. 14, Willy Hünstennann, Gled;ucbstr.48. W. Sdiuster Nf., X. andersir. 28. Fäpberaian, Wäschep. H. BERGMANil Birkenstr. 63 über 40 Filialen in Groü- Berlin Victoria-Brauerei Vlctoria-Saazepbrlu c Damenkonfektion Bad Friedrichshain, L-° Irb.AIlrilS» i Baden stall, Hasenheide 18. „ Junrbrunnen-Bad Baumsch ulen weg, Khfkelttir. 177�78 Balser-Frlodricha-Had l barlj-Blf. SC U l*'An*taltMLöser" —---- Rosentalers tr, 70. National-Bad, Brunnenstr. 9. Bad Ostend M.Ä" Oit-Bad, Puliisadenstr. 76. Bad Pankow, Wollankstr. 26. Passage- Bad Reform-Ead, Wiener Str. 6t. Weissbier, C. Breitöaupt, Balisa Jonatr.97. Tel.-A. VII, 2634. Kpflnze) Dakar Alb.rtan, MOIIeratr 41 Fr.Ahrendt.Bozbg. Neue Fibabofjtr 31 Blumen-Beeker, 0. Frukfartar.Uleti 3.' Caaper, Charl., Knimmestr 30 EDe3ir,Rii4�Kai«.Frii!dt.5l.30, Berg, i.i6. Klrliard 5'elsch, Prinzea-Allco 30 Paul Gross. LiadeuUyO'onrirKluu) i R. Gruner, Kopenliagenerstr, 9. S. Grossmann. Und Lirg.rstr. 3|' Menkes Blimeabtu, Hasleaffrhtr. u Otto Hinz. UrauustraSe 8. Cohn, Oeschw., liergmsnnstr. 9. Dombrowsky��'.tÄll LliiWö Bluson, Köcke Kleider Danzigerstr. 24 50 fem Co. Scböneberg Hauptal.26, Tobias Le win, Schneidermeister Badstr. 44, 1. Spz. Mahunfortigung l.agrr in Wtafela p, Kminnn all,: Art E. Fplodplch, ________ Blnmenatr. 70. Dampf w.W eiö.Stem.Hi.. üergm. 132 Dampfwäscfaerel MERK IJ,R A. Bachmann, Fraolfnrler-AllM 47. öaüipfwäsdisfßi Wie Är' Dampf» asit;a>istaü~ „Sppeenixo" | Berlin SO., Försterstr. 5-6 lladellofls»a.chel Billig,,, Pralwl Grcilawalder- Str. 30 C.AhIers&Co.,är(if; SeeRschhandluna. C.Dittmann ���'.4-. Weidenweg 79, auch WUd und Geflügel. Grünauerstr. 8 SVOOieg* Wiid u.Geflügel. SeeflsoHo vom Fangplatz Preislisten gratis Hans Runkel WZ' ßirh W�rrl/f Brunnenstr. 146 klllli. HiüllRi Räucherw., Wurst. Wernes p|er&|*ÄÄ ( Fleischep. u. Wupatn,.) HermannrnSrecStl�eTzcrstrT? JbI. fimaDiewitz A. Barthmuß, MarkgrafendamB 33. Wpnr]i0« Tegel, Brunowatr. 55 . UClfiCl. ff. Fleisch- b. Warsiwtren. Ridi. Becker, Memelerstr. 74-76. Behls, Rixdf., Hermannstr. 13. Block, Otto, Prenzlauer Allee 52. BlQmleln, J., ßixl.H&rcsehstr. 14/16. A. Uilzer, Rüdersdor ferstr. 32. August BlrnstelnDiinkerstr.78. ßcsüslEienert 9. Eduard Schmied, Lübbenerst. 15 Max Schubert MQ156f'"tr- Ulbert Schucht�/Ä1" E. Steeger, Fleisch. Emannclkirchstr.ZS Stelnlcke, Warschauorstr. 25. Tli�iloicor Invalidenstr. 153 z uaieisvl Ecke Ackerstr. UJoffMQw Landsbergerstr. 118 VVCyliGl ff.Fieisch-u.W arstw. VVestheimer�Ä" Stargard,Fleiscl!-Zeotrale,.Siargarder4t.62 WTatirhp Rixdorf, 48. . IdUUie Pannierstrailo 26. ff. Fleisch- u. Wurst w. Lichtenberg, IFrankfurterChaussecS ki.« Wilhelm Behr Wurstfabrik, Speck- nnd Schinkensalzerel. Berlln-Schör.ebcrg.Kolocueiu 1.57-58 Beste nnd billigste Bezugsquelle f. WiedorrerkSnfer. Thürlug. Fleisch- n. IVnrzt-Fabr. F. Sommermann, Boxh&geiierit.3 g E.Trapp.Marsttentrale.WaldfBseritr.ia Max TUmmel,Christburgei'Str.24. Vor! UntA Naunynstraße 17 Ivan unie ff. Fleuch- i.Wuntw. Wilh. Vogel Bar- Josef Weber. Raumers tr. 24. Weiß, Georg, Elsenalr. 40, T.jV.IY 10585 O. Welluitz, Nannynslr. 66. E�gki�Ql ff.FleUcb-u.Wuretw. ■ YvljlXul Weidenweg 67. Emil Wilhelm, Grauastr. 33. WietoDSSwankeBÄÄ. kauft man Fleisch und *" Wiipct out und billlo? '38/18 tauiBpjBänquox 'nmsnoa-tSinM'n-gasiaiJ mj K VV outora, 0., friedrich»bergi|lJR Nord-Deutsche fTeiach-Zenlralc F. Zimmtraiaiifl, Sceslr. 73, Gulueaiti. 40 Paul Zwarg, Lar.daberg. Alice 136. F.rnst Ziffer, Oderbergerstr. 87. W'ilh. Ziegler, Senmcstr. 20. SragrodtT��Tänteuffelstr. 39. P. ßuckwftz Eigaerstr. 106. Spcz.-Gesch. f.Fleisch-u.Wurstw. Anton Buchheim, Alleislemtntr. 12. A. Beutele, Thaerstr. 21. Durge, O., Finowstr. 5. Daniel, J., Ri., Hermannstr. 147. DanzigerFieisch-Centraie Danziger Straße 14 Dannenberg, Neue Hucbstr. 6. Rieh. Deckert, Wie�tr- PTBreyocker, Prinz Eugenstr. 21. Job. Durzynski, Kopenukus- r. 1 IKaanst Wrangelstr. 54 tinOSalff. Fleuch- u. IVorslw. ITil�rrr11- Fabrik faiar r IV ant- o. Flciseharar. Warst, Speck, Schinken kauf. Sie a.beitea u. billlgstea bei Anton Fehlau, Gonthardtst. Stadtbahnb-Ecka Königsgrab., Andr.-St.47, Lands- bergerst. 98, Königsbergerst. 8, Landsb.-Allee30,Rixd.,Bergilr.l6. Franx Fritsch.De utscb- Kronast. 1. Flzisch- u. Worst-CEntralB Frankfurter-Allee 182 Eralt a. biiligsie Botagigoallo dei Osten. C. Gerlach Warth/»//.' 70. H.Gerndt,8preDgerBtl7,GiBg.S8Boaatr Fr. Geriach. Tauroggeuerstr. 1 a. Rob.Gleue, weißeas ee.Gaat.4doiretr.lS PauIGnAdig, Britz, Rudowerstr. 14 Gottlieb, Kcinickdf., Ajaeudest.lOO OttoOrubeHoÄ?. Gusinde, Rieh. STl Gehttmanii'sS�icfetu»8«: O. Oleich. Rixdorf, Haheoxolienpl. 7. Hempe, K., Hermannstr. 58. BlttarflBelDtt�Ä�Ä GoorijJfelnold�Marlenburg� Oeorg Meiter Behl« Branueh*. IL Tiiirlnget Waritw, I. Gesch., iailreustl.tO, BIineulr.73a ■>nst iT�ne�nnr�nrns�T�r W. Hoppe FrladrlcksliagaD,Friedrlclizt58 Ernst Ibather, Wiesenstr. 11. Jakobtk�cbnargciferf, Breitcitr. 34. Albert Jähncrt Janik, C. K6p/7i/ktr' Fritz JentsdifÄ�-lf. L.Iniior,Flastr.,idlsribof,Bianuckal.3rdj|r.3I-32. Merker, P. ÄT 0 llülUp ff. Fleisch- u. Wurstw. UilhÜliur Großbecrenstr. 78. R.Müller, Pankow, WolIanksLlOl Neubauer, O., Kottbus.-Damm 24 Karl Petrichg�Ä Heinfeld, Spandau, Neaneistersl.r. 9 iJosß!na.inllail!l.,fSeF«frnk7. C Glas u. Porzellan G. Krüger, Weißenburgerstr. 78. Oberländer A. Wiiborn, Bruncenstr 16. V.flnkelinann,WUhelminen8tr.28. Oberschöncwclde, Rathenaustr.27. Weiner, H., Greifawalderstr. 33. Zum Kutwinke! S. Kobls, Chausseestr. 85. L KaffeB-SpezialBesch.�} Schönhauser Allee 70 d. Oskat Hrösdie__ IRauers Eüschungen I werd.r.spars&m. Haasfranen bevonagt! | Nur C 54 NeueSchgnhauser8tr.2 c Kaffee-Suppogate ( Kaptofleln. GemSse) Paul Henkel SwiRntr«a" c Kaufhauaep D l Äisxsriäef ä Co., ßaöslf. 55. B. IßDSiS a Co. LanAdÄ- CK Db. Schöneweide •ilUI l£dmipuiz. Und Modew. mtLKirsitsoßt5"1"8�"18"-16' Ecke Goltzstr. I Wßiß g Co., Frigilrl[}!s!!P.ggn. ( Kohlen, Kok», Bplknttä) Paul Bieger, Kniproderstr. 113. Aug. BraatZinMoabM � Ferd. Gräning -■TüPpstr. 11. Telcpfa. VII 7924 PilnntA Grüntiiaiorstr. .IldlltC Plätze 22-25,111.4163 J. Mannheim. ÄtTn.l Slemon, A. R-, Koblazbbt. Wedding £ Kolonialwaren") A�n�RrTtlumrabg�oaütagsIrTß. Heinrich Arndt, Fennatr. 49. Theodor Anthofner, Solmsstr. 22. Babel& Hauke, IVllsD&ckeritr. 38. G, Bärend, Schöaeberg, Colcnocoitl.Tt im Etat Äfm _ BenaewlbiFr.,Bnchhol2, Berlinerskitt Zuncke,8cbüneberg.EisfQ&eber«tr.60-61 j Bruno Block, Nonnendamm. ( Alex Borgmaan, Jagowstr. 16. Grammoph., Sppechm.)[?"''°'? �?�.,krl°zll.°äl.r,.lr.2» J K.Broszuleit.Friedrichshg.Schemwebetr.S W.Becker, Chlbg.,Wilinersdorferstl 27 Hoyer, Ä., BaSaÄi. c Haap-Aptlkel Einnl Spezial-Haar-Haus Chausseestr. 121. Hob. Kortmann, Sohönwilferstr. 26. r llilrfnr Vehs aof U5«r-Artit.50i0Esb. I. fnllüllil Zionskirchstr. 44. II.Nixdorf.PnalcfarterllllllT.So.oRili. Albert Fose, Fennetr, 16. ßOIigOWSkiselfen�DP�on. Vitnntck Spandau, Schönew.St. 92 il'JtlißllA, Emaille, Gla«, FonellaD,Lamp. 10Ö(S!lCtl.!{arlGGarS�.�e/scfm. laniiow.Hoil c Wilmersd-Str. 120. Lampen. Buclach, Franz, O., Goßlerstr. 28. Georg Burow, Stromstraße 39. Job. Ciecior, Neue Hochstr. 32/84 A. Durin, Schönflieflerstr. 10. I R. Ehrig, Licbenwaldorstr. 47. GustavEIgenrtorf ,0. Müggelst 20. Arthur Enke, Amsterdamers!. 10 ll.Fißliaillack.ÄdÄt A. Fiedler, Köpemcl, Moggclb.SL 41. L. Friedrich, Mariendorf, Bergit 15. Fritz Oernil, Beusselstr. 76. >V. Gebring, Kciiiicl:eiilf.,Buiileatit.I3t II. Goerllch, Eeitickcnd', Pmlautr.54, Ilermaan Gensch, Adalberts tr. 19. Goetsch, Ernst P.LBck,rrealauor St. 4, Madeist. 15 Richard Oroggert, Wismarplatil Max Hanheiser, Göbenstr. IG. Albert Haube, Dunkeretr. 83. Heinldie.Wllh., Markgrafend. 27. Heinrich, R.bb�T' läDllll Heppen-Aptlkel J Andreaaatr. 37, Knvtltsi-hcbDlis H.Bock, Biiilorr, Kaiser Frledticlutr.10. Manazln England "" iSto....... *KoUb liiain78,0raal7ittr. 182. Bäte, Wische, Crsvattea. Olttmcr, Ackerstr.»8a, Hntgcschäft. Topkel. Artilleriestr. 4 Rieh. Jahn, Treptow, Grätzerstr. 6 Einil Jäger E. Klahn, Frankfurter Allee 28. Krause, Wllh., Ri., Herm.-St. 168. Äd.kunteeFÄ- Gg. Kurach, Britz, Rudoworstr.95. Ad. Mahnke"SSfÄ.5 A. Nltschpan, Bergraa nnstr. 11. A.Samuel, O.Mirbaohat.62,8cMrne, S/-hnl7 Ocur Bi- Bergstr. 141. OtilUlZ, UÜWsRi. üeraaniutr. 171. �Ttpfencfpl A Wionerstp.14 B. ajJlClIgCljH.niiteu.achirme Waizenegger.j ,Fe!er»durgerilr.43. B.Zellor,0.-Scaea(*.,wUheliBlBeihIeL14a f Hepran-u.Knabengapd.) 0''frhpl Wi.reifabr., Larnlabg.- F.ilEOll!! Allee 130, Spz. Roll.- Hchink..h'u8schiiik..Sc]ilnleiisps; t OaoarRöhr�riedrichshagen i'rimu Wurst- u. Fieischwaren ümerikan.Verkaulshallen J Badstr. 26, Ecke .JtSSher Prinzen-Allee. Besser, Julius. Ri., Bergstr. 12. E. Eh mann, Kud., Bergstr. 88. Hiiraburs-StcglitziflOB. Zieionacki, Oranienatr. 21. I.et ke 4 Sluperki, Scbönh.-Allee 79• llannno Q Rixd., Bergstr. 44-45 mariua, Ü. fvnige v. ilAö»riu»eiderei. Raltzig, Ad., Franhf. Allee 107. Kv8I!C5.I!»X��S Lager fertig und nach Maß. 77 iCoUviisvFllsmm 77 »» August Schega*« Scbacbmann, Louis. Brianenitr.il. BerlhSdiweriner, Wrangelstr.SS (�Hnte, Müfaen u. Pnlzw.y .SasilÄaS Brumienstrafie 53, Badstr. 65 �Suthaus Norden Chaosseestr. 55. Ecke WShlartitr. Beiße, Rud., Chausseestr. SK. Casper, Ed., Rixd., Bergstr. 139. M. Grund Bron�ft 177 Hermann Haase.lnvslidenst 129. Haneon Ri*d., Berliner Str. H, ndliotfil, Osten, Koppenstr. 18. Jncob, Oskar, Schönh.-AIlce 104. Fritz Milbner, Schiiemannstr. 11. Paul Imhoff, Ramlerstr. 19. Ggrlaoh, Liegnitzor Str. 81. Kakao-Würfel „Sarottl** 5 Pfg. überall in haben Willy Knobe�r Kohle, W., Lichieaberg, Bsteaiir. 50. Kraatz.Ocorg.Schönholzeratr.ll. Kramer, RIch..O,Kroaprlazaiisti.37/3t Kühn, Oswald, Müllerstr. 131. W. Lange, Fi'iedrichshg.,Kuneat.lL Lange, H., Rixdorf, W aiteratr. 16. G L. Liese, Cöpenick, Schloßstr. 8. Rieb. Llsse, Ackerstr. 132. Lips, Chamissoplatz 8 Herrn. Loews, Tegel, Berlbentr. 13. Dossier, G., Warschauer Str. 6. Luckner.Feilz,Rixd.,Weiehaelat.7 Martini, Erich, Rixd., Allerstr. 39. KariMercier,Hutton8t.3 Michaelis, Paul s°orXu� Mewes, Adolf, Warechauerstr.65. Max Moysibh, WilhelmshaT. St. 46. Hanl Mulack, Mariannenstr. 8. HMiillorkebeatifWar.öe/oR. .mlillcr Togelerst. 1 II 7002. Miillns f. Rottbnser Damm 31 inullcl, II. Bern.SUSb.Knsiebceketlt A. Flaadto, Oder berger Str. 65. Prlebe, E., Boxhag.-Chaussee 22. R, Publnitinn,Woldenbergerst.S2 Carl Quast, Prinzen-Allee 15. A. Ramhold, Prinzen-Allee 18. Carl Robra, LangbansBtr.68 a.148. Willy RohDß Runge, Otto, Hl., Hermannst. 66. A. Sägebarth. Fehrbelliaer 8tr.21. Schäfer, H., Neue Hochstr. 6. Schneider, F., Rlid-.Ksiier-FrieLSLTI Schelfler, Carl, Badstr. 16. Fritz Scheel, Schwedterstr. 47. Schlenttaer, Emil, Huttenatr. T. Gg. Feist, Nkl., Weseratr. 4. Wllh. Schröder, Brunnenstr. 47. Wilh, Schröder, Schönholzerstr.28 Wllh. Schulze, Ri., Bergstr. 96. Adolf Schulz. Matternstr. 9. fl. SClUüßißr WoBU�rsH�'öl'*'* Joh. Schulze Äa'Ä, Rudolf Spreniberg, Wöptherstr.l. P. Simund, Rixdf., Zietbenstr. 46. Wiib. Thomas, Höinichend.-Str. 54. Otto Tück, Gubenerstr. 11. Ulbrlcfa, F., Ri., Wathestr. 13 1 69 fntz isiai HS"r° Ernst Wilde, Baatisnstr. 1. Wernlcke, Oher-Schönewelde. HOMfiHtralß f-Ro-entalertor" Weinbergsweg 27 f Korbwar.» Metznei 1 w. i. Hansa c-cht8s,raß#23 Tel. III 130» 'DaiiiC-.-Roniekiion Soabit. Gebr. Wsumann RestatjJ.JS— Wagner, P�d�Äw. O. Naefe Färberei v. ehem. Wäscherei! 1 f. Herren- u. Damengardor. 1 Läden In allen Stadtteilen ( Berlin, Rixdorf, Schöneberg Riedel, B.HB™a6nnstr- DnriDll7S)TH Prenzl. Allee 29 nUUülVaKU Tel. Est. 3206. Wilhelm Röder, Stettinerstr. 14 R Rothe, Boxhagener Chaussee 11 Ottomar Rudolph, Gärtnemr.n. Scbiwck.K.yPalilsudensc.l, Ecke. Otto Schreiber h"!5.e"f.riat En ocrgerstr. i. . Schauer, Huttenstr. 70. A.81etT»rt,S4.8cliöaeweide,Berlini 1.127. E. Schenbeti, Reinieteo H.. Uusait. 9. Hut-Engr.-Lagor,Boxh..tiartter»l.24. MM Moiispol Mü"irafle A. Lomal tre,WiIandrf.,Berlia8Mt.!32l Mütz.-Moldenhauer.HatilteafUS.I. Panama-Jakob Brack?" Rieck, Em. ��.»3'. Schoerr, Herrn., Wllmerad.-St. 46. l'riast-HStß.�iÄmlTt1 Ucsefran F Kottbuser- w Üf ScSr, Damm 18/19. KlnderwagTl [etzners Roa�Xer.67. Q Krnnkenfcedart«artlk. 1 Flacher, Willi., N, �«rinoBiüDd.-ät. 115 Lange, A. E., Brunnenstr. 167. Lederwaren 3 Car! Freael bpez. faeep.. Mappen, PortemoBBaiesnaw. R.Oenehr,I;jnimel'ba:g,Schil!er3tr 31 Wilh. Langner, AW Koffer-ScliDlzß�ri Fortsetzung siebe ohctiste Fortsetzung de» Bezugsciuelleii-Verzeichnisse». Richard KurlzkeKCbm r Wienerstr. U i Eig. Werkst. i. Hause C.Richter, Kisdorf, Friedelstr.49, Beb. folgt, Banaschnhtr. 87. Hg. Fabr. Olli Wehnertsr.'.;;:":, c Lehranstalten Zuschneide-Schule des Deutsch. Zuschneider- Verbandes, e. V., BERLIN, Mauerstr. 86 88, T. 1 3401 Budolf Maurer Friedrichstr.fiSa, Ecke Mohrenstr Strahlendorffs Handels- Akademie. Beuthst. 10 u. 11, 1.,II.,in.£tage Größtes Institut Berlins Ausführl. Lehrpläne umsonst. �LlnoleumjuNjWach� ������STic�rfe�Tjnoreuin luflou Rixdorf, Bergs tr. 62. Hantcrh WeiSenaee, Berliner- IIdlll9V.II AIlee 228, Tapeten. Rausch, Rieh. Niederlage Warschauersir. 6 Msnufakturwaren � MPetersb.-St.SS •• Modewarenh. F. Pflugmacher, Colonnenstr. 48. ÄLPadwÄ�ÄSieit PDontnor Mansteinstr. 17, . nefllflör Steinmetzatr. 27 foklxinila■ Mariannenstr. 14. MlUP m 17 Ü Barktb., Harbeiiekeit. mUlClUHL, H. utruh DoroibtenpL StliDEiilBr. Emil h-?�« Walter Seidel, Beusselstr. 26. Thieke,\achf., Prinzenstr. 10. B. Wendler, Heinickendorferst. 64 Reinhold Werner, Tegal.Treakotralr.lO. B. Zyczynski, Ri. Pannierstr. 59. Sehwanke, Rixdf.,Hermann8tr.229 »ig. Tiachlereia.Tapezierwerkat. Wendland, Ern8tSwin#müni Möbelfabrik- c MSbelmagazina 1 TisehIeraistr.,L«iiMi- Cfer II am Oraaieiplatz. Berliner MnnlAn" äekerstr.IlO.o. Möbelhalle, tllUllnU.IiralideaiUll. Daehne, F., Ri., Reue J onasstr.36. A. Dohmann, Stromstr. 44. StraBe 121. Bar- u. Teilzahl. Reinickend.- StraSe 114. Jos. Werner ( MSbel-Transport � P.EnderslSäeläenöänr'nifTsrTTtr. Robert Frenze), Cöpenickentr. 101. Krüger, Riidorf,Hennumslt.!54,T.518. I I«.«. Ritterstr. 96, IV., 4196 J, Lulljc Billigste Preisberechng. Paul Schur,(ra.b.H.,Dirk»eMir.Bg.82. Wilh, liahhert, C £ Mehlhandlungen � TBftcEmSn�EarT�e�rmgH!!� Bethke, Georg, Rixd.tElbeat.SS.Kaia.-Fhe&r.-St.Ci "Weßerstr. 189, Friedelstr. 23 Treptow, Grätz-Straße 64. ordasc Bordasch. G-, Ri-, Kais.-Frdr.-St.29 C. Bosse, Reinickendorferstr.29. Jul. Conrad, Rheinsbergerstr. 44. Bernhard Danne,Kutani8D&11.50-51. C. E. Fink, N, Pankstr. 92. neerma, n., xvi., xicnuaniisi HeiodeaSEj [Frese, Emst'ftö'"! Gaege, Otto ��Vu�g."" Paul Gaege, Spandau. Ino U aiilro M ehl-u.Kolonialw. JUS.naUKC Bergmannstr. 95. Hearma,H.,Ri., Hermannstr.172 .""-" W. 59.80, 144, -81141 Karl Huhn, Schererstr. 9. Korn, ilitfo M ....... lHTall(islI28,T.A-Nord8383 TU-a-ri9Sutlii.HaiptbabDb. B. Krüger, Sehöceb.,HauptBtr.l53 E. Kunze, Cbari-, Knobeisd.-St. 16 Lenz& Jagmann, Winsstr. 53, Posenerstr.lS.Stralauer-AlleelS. Lfldtke, H., Fruehtstr. 67. Gat-Meyer, Helmb.-St. 19,Witt»l-St.I. C. Neugebauer Ober-Schöneweide llietKli i Rabsalil. äViös Otto Novack NachtoL Spandau. A Geppert, Paul, Zossenerstr. 32. Gericke, Fritz, Müllerstr. 145. Gleiser, A.,«"5"«" B B. fiebert, Möbel0- Fabrik, fl Grill, Reiaiekeidorf, Scbinvebentr. 15. Wilb. Mm ltTrei- Stallsehreiberstr. 57, Bar- und Teilzahinng, Verkauf i. Fabrikgeb. Hopp, Jul., Brunnenatr. 153. König, A Ri., B«rlin»nitr. 102. Herrn. Kogel riSSäSgk Küchenmö he l BertinerKüchenmöbel-Fabrik NeueKönigst. 31-32, T. VII 4746 |lSÄe4e.KD"mumer 83/85 1 I anno MeivScliwedter St. 2. Lange, mdA t.d.Kast. AUeee L. Lazarus, Petersburger Str.62. Lfiddecke. R.. Ri.. Bergstr 4. Misch Itiegmund Dr6ed.-Sl.16 \nchTeilzhlg. Hugo Moh, W. 57, Poindamerstr. 82e. Rebsch, E.y Spaodaa. C.Reiher NathL.Veteranenst. 21. Emil Huflar Tischler-InnungsmeisUr Prinzenstr. 54 Schmidt, OttoS.riÄ Siebehy,». Gn;.frr A. Schuster, Ob. Schbne*eiile,Edisoiul5J Wilhelm Slotawa Turmstr. 81, Waidenserstr. 34 c Molkareien D ( Optiker~ Bar3S3�Ioaüit�lürm8tr�4r Dase, PauL N, Müllerstr. 174. Groß, Paul, warschauerstr. 66. Hasler, Gollnowstr. 18. Ktssenlief. E. Riek, Münzstr. 14-15. Schubert, Carl, Ri., Bergstr. 148, WienstruÄjSpandatLPot«� oH'rocEnöwI�ajcS�ermaäMtrreg. SeldlerLouis�RLjBergstr�B. Pfandlethen M. Ptanilleibe z Molkerei Jord-WeitlÄ»0 Milchkuranstalt am Viktoriapark Kreuzbergstr. 27-28, T. A. VI. 1070 Kinder- und Kurmllch. Milch Schmidt Rixdorf Rertnannslr. 53, Hermannstr. 95-05. Schweirerhof", M.i.r.i nnd Milchkuranstalt. Emd.ner Str. 48.:: Tel. D. 2585. ff« c Musikalien J Niemeyer, Brückenst E.KöpeBickent.76 Crhali Frankfurter- Allee 73b Uiiliulli Frankf.-Chanssee 115. c Musikinstrumente Kirst, Rieh-, Brunnenstr. 45. D tanHlagSKSS _ kreis. Pinto A Co., Köpenickerst. 105,6. Lorenz Rahme), Oranienstr. 181 Lorbeer, Müllerstr. 14. Mu?slK- Hau» c ii acen Hanert- Größtes Spezialgeschäft der Branche. Spittelmarkt 14a. Reetz, Spandan, Hareistr. 21. Schnfitke, Otto, Ri.,Bicbardappe. c Puppen P. R. Zierow, { Resterhandlungen-™) LoiseFrömel, Greifswalderstr. 199. Carl Joch, NO, Palisadenstr. 97. PaulincPreistlng,BeiiickeDdfent.l3J, Borth. Schreiber, Seile Königitr. 35. �����wra�SchuhmJ Ernst Adam, Friedriehshagen. Anhalt, E., Andreasstr. 13. Baumgart, H., Hanteuffelstr. 28. UlIK Dnt Warschauerstr. 81 ndut DIJ Rumburg, Mozartstr. 5. Damaschke. InTalidenstr. 144. J, Deuzig Ndlf., Chausseestr. 26 Eiler*, AuhaItstr.4,Lind.ustr.ll2 Fleor, Friedr., Sparr-Str. 17. Formanowlt5,Yortk«tr.53iT90/JUb.) OttoOrütscb, Chausseestr I2u 67. Goldmann, SpiBdtD,Scbbnvtldenl84. Heinri dl. Johann, Petersb.-Str.36. H- Jetzlaff, Badstr. 54.__ Fabrikmarke für haltbarste Filzschuhe |l|. Ii und Pantoffeln. P. Lange, Nowawes,Prieatorstr.20 Horm. K ärmer, Cöpeniek. G. Kramer, Wüm., Berlinrestr. 181. Fledr. A. Lange, LaBdebergentr. 68. Paul Lehmann, Friedriehshagen. Ernst Müller, Teltowerstr. 59. Nehring.Cbsrlbg.,Kais.-Asgista-Alle«fl C. Neumann. Faikensteinstr. 97. Petersohn, Olk., Müllerstr. 155. O Plaumann, Jagowstr. 20, 5°/� Reetz, Max|pÄnh5n- G.Recfaenberg.Scköiebg.AkuieiutA Schmidt, Gebr., Fennstr. 69. libDbwareBhaindeilVeiteDiJuA Schwersenzer, Tunnstraßc 48. Alb. Seeger, Ww., Lortzingstr. 6 Sommer, Wilh., N, Schöiili.-Allee 85. ATrcttiii,Friedriclishag.,Friedrich8tr.23. Witt,Spand., Neuendorferstr 99. � Schlrwa a, Stfloke�) Girod, F., Spandau, Pot8d.Str.19. Lyehenerst.S.Eig-FabriUte. Jehnichen, Rixdorf, Eais.Friedr.-Str, 18 M. Lerche, Schöneberg, Kollonnenstr.62 A.RIeke.Badstr.l 1, Bezüge billigst Herrn. Rosenky, W. Mansteinstr. 4. G. Schleussner, Warschauerst. 86. c Seifen J Gustav Gambal, Kantatr. 64. Heidke, Paul, Burgsdorfstr. 13. �Teppiche u. Sordinen) J. fl. Schulz Weg 10 L ���T�uer-Megezln�� West mann Mohrenstr. 37 a. Gr. Frkf. Str. 115. fuhren u. Goldweron � Oscar Aldag,Cbarl.,Krumme8t.29. J. Behrendt, Wrangelatr. 52. Otto Brauer, Müllerstr. 164. zpa K.L.Hir«ck, fr. Trsnk MaxEliermann.Cfcarl.Sebriag jlr. 1 6. Brüggemann, Eciiickeodorferstr. 81. Bürger, Jnl., Müllerstr. 6. Max Busse W.Ei»olt,CbarI.,WilBer»ii8rferstr. III. Elllnghauien, Gebr., Grtierwcg 4«. Fenskc, S., Kottbusserdamm 96 P.Fisdier, SO.,Michaelkirchatr.6 I Cohharrlt Charlottenburg, J. CrcUndrUlBerlinerstr. 124. George, Adolph, Badstr. 65. Ernst Gräber, Brnnnenstr. 75. H.fikSMkä.�.�� H. Kamtnler, Chart., KrummeBtr.28 3�.Sa*i©lBru;�.n,tr- Knlebuscb, W., Frft. ChaoaseoSl E. Knntfa, Boikagn, Soiitsgstr. 3 B.LechternianR,DreyH-£.Wil,Dtekent Lehmann, Alb., Frankf. Allee 40. T»hmann, WUh., Kotth. Damm 25 SM ynltxow, Job., Müllerstr. la. Emil Quade HSauptnsetr.%. Carl Schlewlntky, Koppenstr. 4. R.Schmelz, be?|icrhset?i43 Willy Schmidt, kr>«5«»».kbrii!-lr.I3. iGDitw uiflii Hs�sn Schönemann, Ri.,Berl.-Str.7S. F, Schönwitz, Beri. O., Gosslertlr. 27 W.$chultzBoihigea,5,e>eBibibofstr.3! Schumacher, 0.,TegeI,BerI.-St.5a. Schulz, Osw., Frankf. Allee 24. Gust.Schoder, Oranienstr.155-56. VCIandnl Swinemünderstr. 86 . jIEIIUcI Ecke Lortzingstr. Max Storch, Elbingers tr. 100. M. Tomechna Nchf-, Briekesstr. 16. Paul Trenk, CharL, Spand.-Str. 32. A.Trenner, Wilhelminh, Hioptstr. 18. Troxa, W., Frankft. Allee 185._ Dhreii- o. ßoldwareo-Indüstrie Berlin 220, Lindenstr. 16. Beste direkt.Bezugsquelle! Katalog gratis. Yersand nach aaBerhalb, billigste Preise. R. Welie, Nowawes, Priesterst.74 f\A Rixdorf, _ f■ j Berlineratr.44. Zabel Nchf.,0h8rlbg., Berlineritr.118. ) Willig, Zabel Nchi C Versicherungen �Deutschland" Berlin Ärbeiterveriichemng— Schützen- Sterbe ka&sen versiehe rg._ „Friedrich Wilhelm" Berlin WS« Behrenstr 58—61 Lebens-, Slerbekassen-iLArbciierrersithg. Mit n. ohne ärztl. Untersuchung. Jahres-fMonaU-, Wochenbeiträge ,Iduna' zu Halle a. 3. Berlin, Cbarlottenstr. 82 Volks- und Lebensversichernng. I Spandau Wilh. Herrn. Lesser Kal«ul64 Schöneberg loloailSl Bei jedem Einkauf Rabattm ��VeüIe�iköi�T�rachUäft�� I SVLgfO 60 Filialen in allen Stadteilen.\ Conrad 0roß,iei'tin»t,»n Oranien.tr. 207. c Waschmittel D Verlangen Sie „Edelweiß" Krone aller Waschmittel. ( WelE-, Wollw., Trikot,| Ahlscher, Oust.. Chorinerstr. 75. H. Barts, Schönhauser Allee 107. Bredow, Otto, Ri„Hermann8tr.56 M. Gardeis Ä�sJfo B Georgi, Ernst s�TJ Hoffmann, Carmen Sylvastr. 6 Hoppe, E., Scharnweberstr. 52. Julius John fcÄr f: Jonas, Hermann ufe"e"Bewi" lnnrlfftr H �x(�or'» JUIlUKCr, n. Hermannstr.l?«. Carl Klein, Höchstestr.lO, N O. 18. Robert Kutsche, Gubenerstr. 56. Krtebel, Schöneberg, Leuthenst.5 A. Kaesler, Caprivistr. 6. Ch. Loewy.few�» Heyer�ersältrsl. 1 2,(Arteiterhemiien) Nachmann, Müllerstr 13 U, Kou-liel. Fr. Oliwetzkl, Alt. Iskobstr. 137. Schaefep, M. Schaefer S.W. Holimannstr. 43 K W. Maaasenstr. 17. S chrom, Lina, Mirbaehstr. 81. Otto Seelisch, Kochhanstr. 8. Hermann Meyer, SehiTelbeiier 8t 3Y. ].Stein Remickeudf. W.ScharuTeberst. 116 Ad. Schäfer Nchf. SO. Admlralstr. 4. L. Schneider, Weberstr. 61. I Tffhönnn Elisabethkirchstr. 15 fl. ISüldUlJt Wäsche, Bettfedern. Thurow.O., CharIbg.,Cau.rstr.U L. Vierarm, Zionskirchatr. 34. E.Voigt, Beiiiekeadorf, ABsadMtr.IOl. Albert Vogt C Wild u. GefIDg«! D i Luders, H.,gsaSI Nolle, K, Sünon-Dachatr. 13. Bettinger, E., Kalii-Ecks. WickltDir. Elle m.Weyle, likiriabr.. Geriektitr. II. GroSd..ZurSonre', P.Frendenberg. Martin, Bruno, Ri-, Hermannipl,5. laiaMlfl lynUU BvllU Eiaitlverk.i.Engr.-Frtii C. Dittmann nerKto.«. P. Hildebrandt&,erk Schmidt, E», Spandau, Harelst.ld Zastrow,Landsberger-Allcel47.FUclie. Zahn-AteHä��"™� E.Bade, N. Sehönhiuaer Allee43,I. Hollbrndi, Herrn., FukitS.gegr. 1871 Heräd.H., 81-»«»r» 97, a. B-ualal.Fl. Jordan, Akfr.,FeaK»lr. 61, gagr. 18SA Körber,0.,M,rle>ü«rk,(d4ai>«e»tr.306 V/iffo MSV Muakaner.tr. IS TT lUC| fflai£ek« HuMfleliti. Todes-Anzeigen Sozialdemokrat. Vatuverein für den 9. Kerl. Reiebstagsvalilkreis. Den Mitgliedern Hiermit zur Nachricht, dab unier Genosse, der Schneider August Siewertseu Alte Jakobstr. KS gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Luisen-Wrchhoses in der Hermannstratze aus statt. I>«i- Vorstand. SozialdemoMcherWablverein des 6. Herl. Beichstags- Wahlkreises. Nachruf. Am 15. März verstarb unser Genosse, der Gastwirt Mir Sehade Werststrah« 18. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am Man- tag, den 18. März, stattgesunden. 227/2 Der Borstand. Allen Berwandten, freunden und Bekannten die traurrge Nach- richt, daß am Montag, den 18. d. MtS., nach langen schweren Leiden mein inniggeliebter Mann. unser guter Sohn und Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Schriftsetzer Paul Handke Im Wer von 30 Jahren der- starben ist. Dies zeigt ttefbetrübt im Namen der Hinterbliebenen an Frau Hartha Handke geb. KelPin, Lychener Stratze 125. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nach- mittags 2l/t Uhr. von der Kapelle des PhtlippuS-Apostel-Friedhoses nach dem städtischen Friedhos. Seestraße, Ecke Müllerstraße, statt. OMaMeillMsederWakIiferelii des 6. Beri. fieiehslags-Walilkreises. Todesanzeige. Am 18. Mär, verstarb unser Genosse, der Zimmerer Borfigstraße 13. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet in Gransee statt. 226/20 Der Borstand. Am 17. März, vormittag? lO*/, Ubr, starb nach kurzem, aber schwerem Leiden mein lieber, un- vergeßlicher Mann Willielm Weiher im 30. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbettübt an grau Franziska Weiher geb. Märtin Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- Halle des HimmeIsal?rtS-5tzirchhoscs, Nordend, aus statt. Sozialdemokratiselier WahJvereln des 6. Beri. Beiehstags-Wahlkrelses. Am 18. März oerstarb unser Genosse, der Echristsetzer Paul Handke Lychener Str. 124. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnelsiag, den 21. März, nach- mittags 2,li Uhr. von der Leichen- Halle des städtischen Friedhojes, Müllerstraße, Ecke Seeslraße. aus statt. 227/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am 18. März oerstarb unser lieber Mitarbeiter, der Schriftsetzer Paul Handke. Wir werden ihm ei» ehrendes Andenken bewahren. Vorwärts Buchdruckerei Paul Singer& Co. Zentralverband der Masehinisteo imd Beizer sowie Bernfsgenossen Deutschi. Verwaltungsstelle GroB-Berlin. Am Montag, den 18. Mä'.z, verstarb unser Mitglied, Kollege Otto Eckhardt Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Nazareth-Fried- hoses, Reinickendors-W., Berliner Straße, auS statt. 145/ö Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am 18. März, vormittags g>/, Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser lieber Mi- arbeiter, der Schriftsetzer Paul Handke im Mter von 30 Jahren. Durch sein ruhiges und koste- giales Wesen hat sich der Ber- itorbene während seiner Tättgkeit im Geschäft die Achtung aller Kollegen erworben. Sem Andenken werden wir stets in Ehren halten. Das Personal der Borwärts- Buchdruckern ?3ul Singer& Co. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Kapelle des PhilippuS-Apostel-Friedhofes nach dem städlischen Friedhos, Scestraße, Ecke Müllersttaße. statt. Danksagung. ür die vielen Beweise inniger Teil- nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer herzensguten Mutter sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Sparverein.Vorwärts", dem Wahl- verein, dem Rauchklub„Humor" und den Kollegen der Firma Graueri unseren herzlichsten Dank. S03b E. Hentschler nebst Kindern. Sozialdemokratischer Wahlverein für Treptow-Baumscholenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Remhold Kutzner am 17. d. M.. abendS IG/, Uhr. im Alter von 48 Jahren plötzlich verstorben ist. 201/12 Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. d. M.. nachmittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle deS Gemeinde- Friedhoses, Neue Zkrug-Zlllee, a»S statt. »er Vorntand. Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollege, der Tischler Otto'rüik Kopenhagener Str. 45, im Alter von 33 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 20. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Kethsemane-KirchhoseS in Nord- end aus statt. 80/14 Die Ortsverwaltung. Am 18. d. M. enlschlies sonst unser geliebter Vater. Großvater, Schwiegervater, Bruder, Onkel Julius(Zuttmaim tun vor seinem 70. Geburtstage. Beerdigung: Weißensee, Freitag 12 Uhr, Jüdischer Friedhos. Im Namen der traueiriden Hinterbliebenen K94b Veit» fünttmann. Am 18. März verstarb plötzlich meine liebe Frau und Mutter Posa Holzel. Heinrich Hölzel, Stukkateur, nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhall« des Heilig- Kreuz-KirchhoseS, Mariendors, auS statt. 24538 Für die zahlreichen Kranzspenden und rege Betelligung bei der Beer- digung meiner lieben Tochter, Mutter und Großmutter fau Marie Rehfeldt Ar sagen wir hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Mit- gliedern des Deutichen Holzarbeiter- Verbandes und den Kollegen und Kolleginnen der Firma Ernst Jakob unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Gei-tl-ud Bähde. 3]iUilliUililil!llilillUllliltlllllUIUUIlllUUUlllHUllll!lllllliilllllllllillllIllllllllllilllliliill||||ii||illillllu WESTMANN I Mohrenstrasse 37a(nahe Jerutalerner Strasse)~ Grosse Frankfurter Str 115(nahe Andreasstr)=; Aus Abteilung I und II Spezial-Angebofe! S Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner Neben, unvergeßlichen Frau, unserer Tante und Schwägerin Emma Angnate Heinrich geb Kumetat lagen wir allen unseren herzlichsten Dank. 68526 Im Namen der trauernden Hmterbltebeneo t Der ttesbetrubte Gatte Hormann Heinrich. älckituna! Orts- Krankenkasse der Tisckter, Spandau. General-Versammlung am Mittwoch, den 27. März 1312, abends 8 Uhr, Im Lokal von Emil Schubert, Kurstr. 21. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 271/20 2. Bericht der RechnungSPrüsungS. kommission. 3. Vortrag über die ReichSoerfiche» rungSordnung. Res.: Herr Härtung. 4. Diskussion. 5, VeischiedeneS. Der Voratand, Karl M arzilger, Borfitzender. Möbeltischlerei, Spez. Speise- und Herrenzimmer, Osten Berlins, 20 Jahre bestehend, 12 Hobelbänle und Naschinen, soll in eine Genossenschakt umgewandelt werden. Tüchtige Tischler mit 500— 1000 M. Bareinlage wollen ihre Offerten unter„Oenossensehatt" bei der Filial, Erpedition des.Vor» wärtS", Große Frankfurter Etr. 120, einreichen. Hoilelie teils PARIS, teils BERLIN= zum Teil bis zur Hälfte ermässigt! D [Elnsesnunss-n.PrfltunfiKleliler. Bouillonwürfel beste QaaL, im Geschmack wie frische Fleischbrühe; 100 St. M. 2.- boi 500 St M. 1.75.* 61to Reichel, TesImmsTreeermpnl Extra- Ab teil ung I. Gesch.; BerlinW.. Vohren- StraBe 37a(2. Hau»»on der Jerutalerner StraBe). II Gesch.: Berlin NO., Grole Frankfurt. Str. IIB(2. Hau»| von der AndraattlraBe). Sehrzr.Auaw.fert. Kleider, 1 Hüte, Handschuhe, Schleier etc. v. einlaohslen bis»am I hochelegaat Genre z. äußerst j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: StaSanfcrtigang in 10 bis 12 Stunden. iiiiiiiniiiiimininiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiuiHflmnniiiiiniiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiuiiiiiiiitii Lerantwortlichcr Redakteur: Ulbert«ach». Berlin. Für de« Lnseratenteil veranw.: Tb-«locke, Berlin,»ruck«.Verlag: vorwärt» Bulbdruckerei u.«» elagäanstalt v-ul Singer«.«*, Btrtia SW. Dr. 67. 29. Zshrgevg. eilqc des Mmch. 2� M lSIZ. vie StreikinterpellationeD im vreiklsllenhauie. 40. Sitzung. Dienstag, den 19. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Sydow, v. Dallwitz. Die Tribünen sind sehr stark besetzl. Der nationalliberale Antrag auf Befreiung der Dissi- dentenkinder vom Religionsunterricht wird unter Zustimmung aller Parteien der U n t e r r i ch t s l o m m i s f i o n überwiesen. Vie Lergai'beiterstreiK-InterpeUationen. Erster Redner in der Besprechung ist Abg. v. Tranipczyiiski(Pole>, der feststellt, dah die Haltung der Regierung die Unternehmer in ihrem rücksichtslosen Herren- standpunkt bestärkt habe. Er weist dann nach, datz selbst nach ReichsgerichlSurieilen von wirklicher Einschränkung der Freiheit der Arbeitswilligen gar uicht gesprochen werden könne. Die T a t a r e n n a ch r i ch t e», die uns gestern Minister v. Dallwitz vorlaS, rechticrtigen diese kolossalen Polizei- mastnahmen nicht. Man löst Belegschaftsvcrsammlungen auf, weil polnisch gesprochen wird. Im Widerspruch zum Gesetz verbietet man polnische Streikversammlungen. Bei der Beratung des ReichsvercinSgesetzes bat Herr v. Bethmann Hollweg solche Schikanen fanatijiertcr Polizeidchörden als aus- geschlossen erklärt. Die polnische Organisation wird durch solche Polizeiverbote in ihrer Arbeit zur Aufrechterhaltung der Ordnung gehindert.(Sehr wahr! links.) Abg. Lcincrt(Soz.): Die nationalliberale Partei hat zwar im Reichstage die Scharfmacherei verlassen, aber hier hat gestern Herr Dr. fr r i e d- b e r g eine Rede gehalten, die ihn ohne weiteres befähigt, Direktionsmitglied im Zeche»verband zu werden (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.), und die uns die Gewist- heit gegeben hat, dast die nationalliberale Partei die Vertretung des Zechenkapitals als ihre eigentliche Aufgabe betrachtet. Dast gestern hier in Schal fmachcrei geschwelgt worden ist, das ist kein Wunder. Die bürgerlichen Parteien dieies Hauses befinden fich ja in gottgewollter Abhängigkeit von den Wählern der ersten Klasse, und auf die der dritten Klasse, zu denen muh die Bergarbeiter gehören, nehmen sie keine Rücksicht. In unverbliimtcstcr Weise hat auch die Slaatsregierung das Zcchenkapital gestützt und geschützt; aber ob der Polizei ton, der gestern hier gegen die Arbeiter an- geschlagen wurde, zur Verinehrung der Dividenden in dem er- wartenden Bkaste beitragen wird, das must erst die Zukunft lehren I Es ist gar kein Zweifel daran möglich, dast die Berg- arbeiterlohne gesunken sind. Wenn nur die Christlichen mitmachen würden, hätte das Zentrum kein Wort gegen den Streik zu sagen. Aber so must das Zentrum in unqualifizierbarer Weise auf diejenigen schimpfen, die höhere Löhne auch für die christlichen Arbeiter erkämpfen wollen, must es auch nach Polizei und Militär rufen, damit der Kampf in einem Blutbad» erstickt und damit auch die christlichen Grundsätze des Zentrums zum Aus- druck gebracht werden I(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) An den ungeheuren Millionen gewin neu wollen die Arbeiter teilnehmen, die in den letzten Jahren bei sinkenden Löhnen gemacht wurden, nicht erst an dem Gewinn, der von der Kohlen- Preiserhöhung am l. April erwarter wird. Die Lohnbewegung ist schon seit 1909 im Gange und sie ist, wie Herr v. L ö w e n st e i n im Zcchcnverbande hervorgehoben hat, von dem christlichen Gcwerk- verein eingeleitet worden.(Hört! hört I bei den Soz.) Aber die Dinge haben sich so entwickelt, dast es jetzt dem christlichen Gewerkoerein. der noch im Oktober 1911 an der Lohnbewegung teil- genommen hat, aus politischen Gründen, wegen der Abmachungen deS Zentrums mit den nationallibcralen Zechcnhrrren bei der letzten Reichstagswahl nicht mehr erlaubt ist, einen Lohn- kämpf durchzuführen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Faielei von einem Sympathiestreik für die englischen Bergarbeiter ist nichts als eine Behauptung ohne jeden Hintergrund. Die Lohn- bewegung hat ja lange vorher begonnen, ehe an einen Streik in England überhaupt gedacht wurde. In den Reden des christlicheu Führers Steger wald finden sich denn auch die ausgesprochensten Widersprüche darüber. Ilm„Gründe' zur Rechtfertigung eines vcr- räterischen Verhaltens des christlichen Gewerkvereins ist das Zentrum vie verlegen gewesen. Wenn man dem deutschen Kohlenbergbau wirklich neue Absatzgebiete erobern wollte, müstteu die Forderungen der deutschen Bergarbeiter so rasch wie möglich bewilligt werden, um während des englischen Streiks dieie Absatzgebiete zu besetzen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So loenig Sie aber nachweisen lönnen. dast der deutsche Bergarbeiterstrcik auf internationalen Abmachungen beruht, so grost ist allerdings unsere Vermutung, dast die Nichtbcwilligung der Forderungen im Ruhr- revier auf internationale Abmachungen der Zechenbesitzer zurückzuführen ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, ver- legeneS Gelächter rechts, im Zentrum und bei den National- liberalen.) Steigende Löhne in einem Lande müssen notwendigeriveise Lohnsteigerungen in anderen Ländern nach sich ziehen. Um daS zu verhindern, bestehen che» die internationalen Ab- machungen des Kapitals.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Selbst der christliche Bergarbeiterverband kann nicht sagen, dast dies- mal unberechtigte Forderungen gestellt worden wären. 1905 forderte die Siebenerkoinmisiion unter dein Vorsitz des christlichen Führers Franz Effert noch mehr, nämlich den Miuimallohn, gegen den das Unternehmertum noch viel energiscder kämpfte. Sehr bezeichnend ist die Hin- und Hcrschiebuug der Zuständigkeit des Zechenoerbandes. Er ist zuständig, immer, wenn es sich darum handelt gegen die Arbeiter etwas zu tun, aber sofort sunzuständig, wenn etwas für die Arbeiter getan werden soll. Die Zuständigkeit des Zechen- verbände« für gemeinsame Lohnfragen aller Zechen wird bciviesen durch die Mitteilung der„Frankfurter Zeitung' über die geheimen Abmachungen der Zechen, wonach im Akkord arbeitende Bergleute nicht über einen bestimmten Lohn hinauskam in en dürfen, sondern wenn dos geschieht, an schlechtere Arbeit verlegt werden müssen. Tut das der Steiger nicht, so wird er rücksichtslos entlassen.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Da ist es eine Brüskierung der Bergarbeiter, eine widerwärtige Heuchelei, zu behaupten, dast der Zechenverband für Lohn- fordeningen nicht zuständig sei. Und die Arbeileraiisschüsse? Sie selbst, die NationaUiberalen, Konservativen und Frei- lonservaliven haben doch unter Zustimmung des Zentrums in der Kommiiston für das Berggesetz die Bestimmung durchgebrachl, dast Lohnforderungen der Arbeiter die Arbeiterauöschüsje gar nickis angehen.(Hünl hört! bei den Sozialdemolraien.) Der Minister mutzte erst angerufen werden, um zu erklären, er habe nichts dagegen, wenn Lohnforderungen in den ArbciteraitSschüssen der fis- kalischen' Zechen besprochen werden, aber die Privatzechen lassen da? nicht zu, und wo eS doch geschieht, ist die ganze Verhandlung inchts weiter gewesen als..... eine genssenc Komodie, damit sich die Zechenherrcn nachher auf die öffentliche Meinung berufen können. Der christliche Sekretär Im dusch hat allerdings zu diesen, Zechenverband noch daS Vertrauen, datz er den Forde- rungen der Bergarbeiter entgegenkommen wird. Höher gehts nicht mehr! Wo find denn die so oft behaupteten Versprechungen der Zechen, datz sie Lohnerhöhungen eintreten lassen werden? Der Minister sagt selbst, auf bindende Versprechungen könnten sich die Zechen„natür- lich" nicht einlassen! Es wurde absichtlich darauf hingearbeitet, in- dem»mir die Bergarbeiter nicht als Menschen behandelt, ihre Tätigkeit in dieser Lohnbewegung nrcht beurteilt, als ob sie aus berechtigten Gründen hervorgehe, die Bergleute zu erbittern und zu empören, ihnen wieder einmal die ganze matzlose Verachtung zeigen die man den Arbeitern im Ruhrrevier immer zum Ausdruck gebracht hat.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, Gelächter und Ohorufe bei der Mehrheit.) Was der M i n i st e r und Abg. Friedberg über Arbeiter- ausschutzsitzungen vorbrachten, das Ivaren nicht etwa Protokolle, die von den Ansschutzmitgliedern mit unterschrieben waren, sondern lediglich Mitteilungen der Zechenl(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Das, was dem Minister und was von Herrn Friedberg, was in den Zentrums- und nationalliberalen Blättern aus den Zechcnbureaus mitgeteilt wurde, auch das, was Abg. Friedberg gestern über die Vorgänge auf den Zechen Achenbach und Deutscher Kaiser gesogt hat, ist nichts weiter als Schwindel.(Oho I und Gelächter bei der Mehr- beit.) In der Arbeiterausschustsitzung auf Deutscher Ltaiser am 9. März erklärte der Betriebsdirektor Sebald, die Löhne seien schon auf die Höhe von 1907 gestiegen, im allgemeinen könne er sich aber nicht auf Verhandlungen über die Lohnfragc ein- lassen. Die ArbciterauSschutzmitglieder entgegneten, wenn Wünsche und Beschwerden vorgcbrachr werden sollten, mühte auch die Lohn- frage besprochen werden. Da sich der Betriebsdirektor darauf nicht einlassen wollte, wurde die Sitzung abgebrochen und er forderte den Arbeiterausfchutz auf, dafür zu sorgen, datz am Montag nicht die Räder still- ständen. Die AuSschutzmitglieder erwiderten, datz sie in- folge dieser Behandlung des ArbeiterausschusseS den Streik nicht aushalten könnten.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Bericht des Abg. Friedberg über Achenbach stammt aus der Dortmunder Zentrums-.Tremonia". Da nehmen die Nationalliberalen ihre Waffen her! Der Arbeiterausschuh auf Achen- bach soll auf die Frage nach seinen Wünschen geantwortet haben: Keine! und auf die weitere Frage, warum gestreikt werde: Weil auf anderen Zechen auch gcstreilt wird. Einer Belegschaftsver« s a m m l u n g der Zeche Achenbach ist aber von sämtlichen Ausschust Mitgliedern erklärt worden, dast an diesen, vom Abg. Friedberg hier wiederholten Behauptungen kein wahres Wort ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man spricht so viel über den Kontraktbruch. Nun, die Streiks von 1889 und 1905 sind ebenfalls unter Kontraktbruch begonnen worden und damals waren die christlichen Arbeiter einig, dast ohne Kontraktbruch ein Streik im Ruhrgebiet überhaupt unmöglich sei. Aber es kommt doch darauf an, ob nicht das ganze Arbeitsverhältnis, die ganze Bc- Handlung der Arbeiter nur ein einziger Kontraktbruch der Zechen ist (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts und bei den Nationalliberalen), ob nicht gerade der Kontraktbruch der Zechen- Herren mit dem Kontraklbruch der Arbeiter beantwortet werden mutzte! Herr v. H e y d e b r a n d hat auf einer konservativen Bersamm- lung in Schlesien gesagt, dast wir heute vor Zustünden stehen, wie 1789 und dast die Revolution im Anzüge sei. Nun, die Strafkammer des Landgerichts Naumburg hat in seinem Urteil gegen Hosfmann erklärt, datz gegenüber den Angriffen der Gegner der Sozialdemokratie die historische Tatsache konstatiert wurde, datz die französische Revolution durch den Ilebermut und die Sittenverderbnis der Großen und die Rechtsverletzungen des Adels veranlaßt worden ist.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Insofern kann Herr v. Heydebrand allerdings unsere heutigen Zustände als ähnliche bezeichnen!(Sehr gut! linkö.) Herr Jmbusch, der Sl.-Eeorgsritter, der die Sozialdemokratie totschlagen möchte, hat zum Beweis des revolutionären Charakters dieses Streiks den Schlustsatz deS Märzgefallenen- Artikels des„Vor- w ä r t s' von vorgestern zitiert:„Und so begrüstt heute durch die Tat Deutschlands Arbeiterklasse die Toten der Revolution. Wie flammende Holzstötze, angefacht zu ihrer Ehre, leuchtet der Brand im rheinislb-westsälischen Kohlenrevier zu den stillen Gräbern im Friedrichshain hinüber.' Wenn Herr Jmbusch eiwas ehrlicher im Zitiere» gewesen wäre, hätte er auch den Satz vorher verlesen müssen:„Anders führt heute die Arbeiterklasse ihre gewaltigen Kämpfe um die Freiheit. Weit umfassender ist das Ziel und andere Wege führen dahin.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Aber die damals Gefallenen haben uns den Kampfplatz, auf dem wir unsere Schlachten schlagen, frei gemacht.'(Rufe der Sozialdemo- kraten: Da§ waren die damaligen Nationalliberalen!) Ist es denn ein Verbrechen, der Märzgefallenen, der Märtyrer für unsere Neckte, zu gedenken?(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ein christlicher Prediger bat die Märzgefallenen gerühmt — und s o spricht Herr Jmbusch von ihnen l Bon politischen Gründen der Lohnbewegung der Bergarbeiter kann gar keine Rede sein, sie will nur daS wirtschaftliche Ziel höherer Löhne erreichen. Aber politische Gründe sind zweifellos vor- banden für die Haltung des ch r i st l i ch e n Gewcrkvereins der deutsche» Bergarbeiter.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aus Rache für den Verlust von Bochum sollen wir diesen Streik entfacht habe»? Wir wissen doch schon, datz ReichStagsinandate nicht durch Streiks, sondern mit dem Stimm- zettel erkämpft werden.(Sehr gut I bei den Sozialdemo- kraten. Heiterkeit.) Selbst wenn wir den Streik gewinnen, würde Bochum doch nicht darum schon gleich sozialdemokratischer Besitz iverden.(Abg. Jmbusch sZ.s ruft: Später auch nicht!) Ob die von Ihnen den nationalliberalen Zechenbaronen zugeführten christlichen Arbeiter sich in dieser Gesellschaft immer wohl fühlen werde», wird die Ziiknnfr lehren.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wäre die politische Situation so wie 1907, wo das Zentrum von der Regierung als anti nationale Partei hingestellt wurde—, sicher würde» die christlichen Gewerkvereinler Seite an Seite mit uns gegen die nationalliberalen Grotzkapitalisten kämpfen. Aber durch das Motuproprio des Papstes von 1903 ist ja den christlichen Gewerkvereinen das Streiken verboten und die christlichen Aeiverkickiasten werden vo» der Kirche nur so lange geduldet, so lange steals Antistrcilvereine gelbe Tendenzen verfolgen, wie die katholischen Fackobteilungen. Um nichts anderes handelt es sich bei dieser Stellung der christlichen Gewerkschaft zu den Berg- arbeiterforderungcn. DaS Zentrum greift nach der Herrschast, und nicht nur Staatssekretär Mermuth, sondern noch ganz andere Dinge sollen ihr zum Opfer fallen. Diese Herrschafispolitik deS Zentrums durften die christlichen Arbeiter nicht durchkreuzen und deS- halb sind sie gezwungen worden, an der Seite der Unter- n e hm e r zu stehen.(Sehr wahr! bei den Soz.) FrühcrhateS einmal GicSbertS in der„Weststdeutschen Arbeiter-Ztg.' als die Aufgabe der christlichen Gewerkschaften bezeichnet, datz über dem rheinisch- westfälischen Industriegebiet die Zentrumsflagge wehe, daS wollen Sie auch einzig und allein mit Ihrer Haltung beim Streik erreichen. 1908 hat der christliche Bergarbeiterführer Franz H ü s k e s erklärt:„Mit einem Kapital von 1500 Millionen Mark kann die deutsche Industrie auf Jahre hinaus r st i n i e r t werden. Es mutz mit brutaler Offenheit gesagt werden, datz wir des Bettelns und Bittens müde sind.' Und Johann Effert, der Führer-des Streiks von 1905, sagte 1909:„Allgemein herrscht unter den Berg- lenten die Ueberzeugung, datz der erbitterte Kampf um Sein oder Nichtsein koinmen iv i r d und komtsten muß!'(Hört! hört! b. d. Soz.) Heute freilich schreibt der christ- liche„Bergknappe" allerdings ganz anders. Heute wird gesagt, dast die Arbeiter an hohen Kohle»preisen interessiert sind. Daraus folgt aber nicht, dast die Unternehmer auch inter« essiert sind an hohen Löhnen!(Sehr gut I bei den Sozial- deinokraten.) Im gemeinsamen Interesse der Arbeitgeber und Arbeiter läge es, nach dem„Bergknappen", während des Streiks in England neue Absatzgebiete zu gewinuen. Aber die Erfüllung der Forderungen zu diesem Zweck wird nicht gefordert I Da ist das Organ der gelben Gewerkschaften im Ruhrgebict, der .Werkverein', aufrichtiger gewesen, als er den christlichen „Bergknappen" aufforderte, es möchten sich doch die christlichen Ge- Werkvereinsmitglieder u i ch t zum Streik verleiten lassen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der nationalliberale Abg. Dr. Friedberg bezeichnete den Streik als vollkommen unberechtigt. Haben Sie denn schon einmal einen Nationalliberalen gehört, der einen Streik als berechtigt erklärte? So etwas gibt es ja gar nicht. Die Nationalliberalen sind besonders im Nuhrgebiet die aller» schärfsten Feinde der Arbeiter, die man sich denken kann, da ist es ja kein Wunder, datz man hier die Arbeiter in matzlosester Weise beschimpft, damit die Zechenbarone wieder Bcrwauen zur Arbeiterfreundlichkeit der nalionalliberalen Partei bekommen.(Sehr richtig I bei den Sozialdem., Lachen bei den Natl.) In der ganzen Gewerkschaftsbewegung des Deutschen Reiches sind noch niemals die Ziele der Gewerkschaften so vergessen worden, als in dem Augen- blick, wo der christliche Gewerkverein sich an den Minister wandte, damit Polizei und Militär heran- geholt werde, um die Arbeilsbrüdcr zu erschießen.(Lautes Lachen rechts und im Zentrum.) Ich will Sie ruhig auslachen lassen(er- neutes Lachen rechts); wenn das Lachen in der Ocssentlichkeit be- kannt wird, dann wird man auch die Gründe dieses Lachens würdigen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten; erneutes Lachen rechts.) ES erscheint mir wenig würdig, über diese 200 000 kämpfende Arbeiter zu lachen, wenn schon Blut genug geflossen ist.(Verstärktes Lachen rechts und im Zentrum. Abg. Dr. Liebknecht sSoz.j: DaS ist das Drciklaffcnhaus, eine Schande DentschlandS!— Glocke des Präsidenten.) Die gestern von der rechten Seite und vom Regierungstisch gemachten Angaben über den Umfang des Streiks sind schon deshalb unzutreffend, weil sie von den Zechen stammen.(Widerspruch rechts.) Der Abg. Strosser sagte: 18 000 seien am Montag mehr emgefahrcn, der Handelsminister sprach von 11000 und der Minister des Innern von 9000. Das zeigt doch schon die Unzuverlässigkeit der Berichte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.— Uuter lebhaften Hört! Hört l- Rufen der Linken stellt der Redner aus Berichten der Unternehmerprcsse fest, dast dort vielfach mehr Bergleute als wieder eingefahren angegeben, als überhaupt in der Belegschaft vorhanden sind.) Diese Berichte, die absichtlich gesälscht sind, werden der Oeffentlichkeit übergeben, um darzulegen, dast die Aus- dehnung des Streiks nicht so grost sei, tatsächlich befinden sich aber die Zechen in großer Not und die Deutsch-luxemburgische Bergwcrksgesellschaft hat lchon keine Kohle mehr. Vom christlichen Gewerkverein ist Streikbrecherarbeit in demselben Augenblick propagiert worden, wo das Blart deschristlichenBerg- arbeiterverbandeS schreibt, der Streikbrecher sei dem Vaterlandsverräter gleich zu achten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister des Innern hat sich zum Schutzpatron der Streikbrecher und deS christlichen Gcwerlvereins aufgeworfen. Ich gönne ihnen diesen Schutzpatron, sie werden ihn nickt lange behalten können und sehr bald gegen ihn auftreten müssen. Es ist ein wunderbares Schauspiel: den christlichen Ge- werkverein Arm in Arm mit den Kirdorfs, StinneS und den anderen Scharfmachern zu sehen, obwohl Herr Kirdorff berspiels- weise in einer Rede die christlichen Gewerkschaften noch als viel gefährlicher als die sozialdemokratischen hingestellt hat. Der christliche Gewerkverein hat keine Ursache, sich auf jene Seite zu schlagen, denn bei günstiger Gelegenheit wird er ja d�ch forlgejagt, wie man einen Hund fortjagt.(Sehr wahr I bei den Soz.) Es ist recht wenig christlich, Militär und Polizei nach dem Rührgebiet zu rufen. Jetzt verlangen Sie, dast die Polizei- beamten und Soldaten auf Vater und Sohn, Mutter und Tochter schießen sollen. Ihre Mitglieder wollen daS auch nicht mehr mitmachen. Der Sohn des christlichen Vertrauensmanns Walther hat schon erklärt, dast er eine derartige Verletzung der Arbeiter» inter essen nicht mehr aushalten könne und des- halb in de» alten Verband übertrete.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie verlangen angeblich den Schutz der Arbeits- willigen, die tieferen Beweggründe sind aber nicht der Schutz der Arbeitswilligen, sondern mit Polizei und Militär soll der Streik kaput gemacht werden.(Sehr wahr! rechts. HörtI hört! b. d. Soz., Abg. H o f f m a n ii(Soz) ruft: Jetzt haben Sie sich v e r s ch n a p p t!) Die christlichen Gewerkschaften liefern jetzt im Rnhrrevier durch die verlogenen Berichte ihrer Presse Material für eine neue ZuchthauSvorlage, aber die christlichen Gewerkvereine sollten doch daran denken, wie oft ihre eigenen Mitglieder und Beamte» wegeil angeblicher Streikexzesse zu schweren Gesängnisstrasen verurteilt worden sind. In ihrer Presse wird aber über Exzesse streikender Bergarbeiter etwas zusammengeschwindelt, was auf keine Kuhhaut geht. Zeutrumsblätter haben vorgedruckte Zettel herausgegeben:„Ich Endesunterzeichneter erkläre hiermit, dast ich gern bereit bin. zur Arbeit zurückzukehren. w e n n g e n ü g e n d e r p o l i z e i l i ch e r und militärischer Schutz gewährt wird."(Hört I hört I bei den Sozial- deinokraten.) Damit soll einer neuen Zuchthausborlage vor- gearbeitet werden, die dann auch die Jnstimmnng des Zentrums sindeu soll zum Schaden auch der christlichen Gewerkvereine. Der Minister sagte, dast auch die Streikenden Anspruch auf Schutz hätten. In den Kundgebungen der Regierungspräsidenten in Arnsberg und Münster ist aber davon keine Rede. Da wird nur gegen die Streikenden vorgegangen. Polizei und Militär werden zu der falschen Meinung gebracht, dast sie lediglich gegen die Streikenden vorgehen müstteu, und die nationalliberale und Zentrumspresse suggeriert den Beamten, die Streikenden wären Verbrecher und Gesindel. Die Polizeitaten im Nuhrgebiet reihen sich würdig an den Taten von Moabit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich bewundere den Mut der Regierung, dast sie diesen durchaus gefälschten lügnerischen Pvlizriberichtm Glauben schenkt. Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Sie � von den Polizeigerichten sprf Ordnung.(Laute Zurufe beiden.* berichte, nicht Gerichte!*) DaS ist etwa ich den Ordnungsruf zurück. nicht in dieser Weise ch rufe Sie zur aolraten:.Polizei- eres, dann nehme üHift. Sdtttrt{S03., fortfahrend): Vier Menschen sind schon von den Genoarmen e r s ch 0 s s e n worden, davon sind drei Arbeitswillige ge- W e s e n. Besonders kraß liegt der Fall, wo zwei Arbeitswillige in Wattenscheid gemordet sind von dem Gendarmen Clemens. Die beiden Arbeitswilligen standen in einem Haus- flur, der Gendarm kam angeritten und hat diese beiden Menschen erschossen. sLachcn rechts.' Abg. Hoffmann(Soz.) ruft: Da wagen Sie es zu lachen, da schämen Sie sich nicht? Ist denn die Schanr zu den Hunden entflohen?— Zu- stimmung bei den Sozialdcmolraten.) Der Gendarm ist dann v 0 nr Pferde g e st i e g e n, er hat die Toten aufgehoben und keinen Revolver bei ihnen gefunden, sondern nur ein langes Messer. Im Polizeibericht steht aber:„Der Gendarm hat ztvei Schüsse bekommen, einen in den Kopf und einen in den Helm, er liegt schwerkrank im Krankeuhause'. Wenn ein Gendarm vom Pferde steigt, die Toten aufhebt und dann wieder ivegreitet, so soll er schwerverwundet im Krankenhause liegen, das ist doch ein starkes Stück. sSehr richtig I bei den Sozialdemo- traten.) Das hat man nur berichtet, um zu vertuschen, daß hier nichts weiter vorliegt, als ei» regelrechter Mord an zwei Arbeitswilligen. (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) So wird dort geWirt- schaftet. Die Schutzleute dringen einfach grundlos auf die Leute ein. In einem Bezirk hat man nicht Iveniger als fünf G e- tvehrkolben der Schutzleute auf den Menschen k a p n t geschlagen. sHörl l hört I bei den Sozialdemokraten.) bll Verwundete sind dabei liegen geblieben. Im Reichstage wurde die Kaltblütigkeil der Behörden gerühmt. Ja, es ist in der Tat zu bewundern, mit welcher Kaltblütigkeit die Behörde Gesundheit und Leben der Streikenden bedroht. Als auf der Zeche „Tremonia" 2000 bis 3000 Menschen ruhig an der gegenüber- liegenden Wand standen, um die Streikbrecher bei ihrer Ausfahrt zu sehen, ritt die Polizei mitten in die Menge. Die 3000 Menschen wurden in eine enge Unterführung hineingetrieben, mit Polizeihunden gehetzt und die Schutzleute schlugen mit Säbeln ans die Menschen ein, die gar nicht imstande waren, in der kurzen Zeit durch die Unterführung hindurchzukommen. Die Gendarmen sind in die Häuser gegangen und haben gefragt, ob nicht A r b e i t s iv i l l i g e zu beschützen wären. Auf diese Weise wollten sie Aufläufe hervorrufen. Diele Polizeitaren hat der ch r i st l i ch e G e w e r k v e r e i n aus seinem Konto.(Lachen i. Zentrum.) Diese Polizeiraten sind hervorgegangen aus der Tätigkeit der Führer des christlichen Gewerkvercins unter der Devise: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Glanben Sie, daß cS beruhigend wirkt, wenn 30 Schutzleute iu eine Versammlung stürmen, die Leute auseinander treiben, die durch die Fensler Flüch- lenden mit der Waffe bis in die Felder weitet ver- folgen und sie dort niederschlagen! Der Abg. Sachse ist gestern vom Minister des Innern in der gröblichsten Weise b e- schimpft worden. Er hat erklärt, die Schutzleute, die in solcher Weise aufgetreten seien, wären Bluthunde. Damit meinte er diejenigen, die so aewirtschaftet haben, ivie ich eS eben schilderte. Nach allem, was ich im Ruhrgebiet gesehen habe, kann ich nur das, was mein Freund Sachse im Reichstag gesagt hat, Buchstabe für Buchstabe unterschreiben. Ich kann solche Leute auch nur als Bluthunde bezeichnen. Vizepräs. Dr. Porsch: Ich kann nicht dulden, daß Sie Beamte hier Bluthunde nennen. Ich rufe Sie zur O r d n u n g.(Beifall rechts.) Abg. Leincrt(Soz., sortfahrend): Statt ans die gefälschten Polizeiberichte so viel Gewicht zu legen, hätte der Minister alle. Veranlassung, die Alten nach- zusehen, um festzustellen, welche AmtSverbrechen von der Polizei begangen worden sind. Kriminalbeamte gehen unter die Streikenden, um sie zu Exzessen zu verleiten. Die Kriminalbeamten S ch e f f l e r und Trenkb aus haben sich als Vagabunden verkleidet, unter die Streikenden gemischt und sie aufgereizt, damit die Polizei einhauen konnte.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) Zielbewußt ist man daraus ausgegangen, aus jeder Zeche ein Moabit zu machen. Die christlichen Vertrauens- männer haben sich mit Revolvern bewaffnet, um ihrerseits der Polizei bei der Herbeiführung von Krawallen zu helfen. Die Revolver und Totschläger, die mein Freund H 0 s f- mann auf den Tisch de§ Hauses niederlegt, sind christlichen Streikbrechern in Hamm abgenommen worden.(Abg. Hoff- mann(Soz.) legt auf den Tisch des HauseS mehrere Revolver, schwere mit Eisen ve schlagen« Stöcke und Messer nieder, die von den Abgeordneten eingehend be- sichtigt werden. Vizepräsident Dr. Porsch erkundigt sich besorgt, ob auch die Revolver nicht geladen seien, und rät zur Vorsicht.) Warum wird denn im Zechengebiet so gehaust? Weil die Polizei und die Zechenbefitzer eine Interessengemeinschaft haben. Am vorigen Freitag ist in Bochum in einem Prozeß festgestellt worden, daß der Zeckenverband sich die Mitgliederliste des von ihm verfolgten Steigerverbandes dadurch verschafft hat, daß er die Polizei mit mehreren hundert Mark be- stachen und so die Polizei zum Amtsverbrechen passiv und aktiv verleitet hat.(Hört! hört! links.) Um solche Amisverbrechen sollte sich der Minister kümmern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)' Die Arbeiterkolonicn im Nuhrgebiel sind entblößt von allen Kulturerrungen schasten, die sonst in Städten und Dörfern vorhanden sind. Wenn dazu noch die schleckten Lvhnverhältiiisie kommen, so ist es kein Wunder, daß die Arbeiterschaft sich wehrt. Hier hätte die Regierung alle Ver- anlassung, im Interesse des Menschentums einzugreifen, um diesen Lohnsllaven auck einen Anteil zu geben an den Schätzen der Kultur. Die Regierung wußte doch schon lange. daß ein Streik bevorstebe. Da war es ihre ver- fluchte Pflickt und Schuldigkeit, vermittelnd einzugreifen. (Sehr richtig! links.) Wenn der Abg. S t r 0 s s e r sich gegen eine solche Vermittlertätigkeit auSsprack, so hat er wohl ganz die Worte vergessen, die der Kaiser im Jahre 1880 an die Vertreter der Zecken ricktete und in denen er es als notwendig beze:ck»e:-. den Arbeitern Gelegenheit zur Formulierung ihrer Wünsche zn gebe», damit so schwere Lohnkänipfe vermieden werden. Aber� diesen Standpunkt des Kaisers teilt nicht einmal Abg. Dr. Frie d öerg, denn sonst hätte er nicht von Verhetzung und unfähigen Führern gesprochen. Als 1905 der Minister des Innern im Liuhrgebiek erschien, da haben ihn die Grubcnbarone stehe» lassen und gemeint: Der Minister kau» uns sonst was. (Hört! hört! bei den Sozialdeinokraten.) Der Abg. v. Zedlitz wüiisckie den Arbeitern eine Niederlage. Auf diese Scharimachercien pfeifen die Bergarbeiter. Sie fordern ihr Recht und das wird ihnen auck kein Minister des Innern streitig machen können. Auck über die Beschimpfungen der Streikenden, die von reckls bis zu den National- 'liberalen herüber zum Ausdruck g-ckommen sind, werden die Arbeiter zur Tagesordnung übergehen; sie wissen ja. daß es die b e r r l i ck st e Aufgabe des M i n i st e r S des Innern ist. als Schutzpatron der Streikbrecher aufzutreten. Sie geben darauf die Antwort, die gestern aus einem Kranz auf dem März- friedhof zu lesen war: Verlaß, Euch mir aus Eure blanken Waffen Und führt der Welt ein neues Blutbad aufl Wir spotten Eurer Uebcrmackt und Tücke Und gehen ruhig unseren Siegeslauf! Wer find Sie denn, daß Sie>0 austreten gegen die Berg- arbeiter? Wer gibt Ihnen die Befähigung dazu, sich hjer aufzuspielen als Richter über den. sUtlUrckanipf Daß Sie nun zufällig Ab- geordnete sind'ein es st ehe 11 gebliebenen, rück- ständigen P a r l a utf nil S, daß Sie nicht abhängig sind von dem Gehudel der drWllMsffe. das an Sie nickt heranreicht mit seinen Stimmen, da? ist doch nicht die Befähigung dafür, nun diese Arbeiter, diese Wähler dritter Klaffe, in so hundsgemeiner Weise zu beschimpfen.(Lärm und Pfuirufe auf der Rechten.) Vizepräsident Dr. Porsch: Ich kann nur annehmen, daß sich diese Worte auf Mitglieder des HauseS beziehen und ich rufe Sie deshalb zur Ordnung, zum zweiten Mal.(Laute Rufe auf der Rechten:„Zum dritten Mal schon!*) Nein, zum zweiten Mal, der erste Ordnungsruf ist zurückgenommen worden.(Abg? Hoff- m a n n(Soz.): Die Herren können eben nicht bis drei zählen I— Heiterkeit.) Abg. Leinert(Soz. fortfahrend): Die Beschimpfung-n von Ihrer Seite reichen an die Arbeiter gar nicht heran. Sie haben sich milder Regierung gezeigt als nichts weiter als eine parlamentarische Hintzegarde des Grußenkepitals. (Unrube rechts, lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Geschcr(k.): Also, die Polizei lügt, die Presse lilat, die Arbeitswilligen lügen, nur Herr Leinert sagt die Wahrheit. (Heiterkeit.)" Kein Wunder, wenn den maßlos beschimpften Beamten die Galle überläuft.(Sehr wahr!) Wir heißen die Haltung der Regierung gut und danken den Behörden für ihr Bor- gehen. DaS Milltäranfgedot war ein kalter Wasserstrahl. Die Frage des Schutzes der Arbeitswilligen schreit geradezu nach einer gesetzlichen Regelung. Die Streikenden werden die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen müssen und wenn sie etwas erreichen, dann durch die Großmut der Zeche n.(Lebhaftes Sehr richtig!> Die christlichen Gcwerk- schasten sind keineswio? eine Machensckaft des Zentrums. Möge bald die Ucberlegung zurückkehren und der Streik beendet sein!(Lebhafter Beifall rechts.) Minister d-S Innern». Dallwitz erklärt, dem gestrigen Ver- langen der Sozialdemokraten nachkommen und nähere? über die Bombenattentate mitteilen zu wollen. Das gehe aus einem Bericht des Regierungspräsidenten in Arnsberg her- vor. Bei einer Bombe lag ein Zettel:„Du elender Streikbrecher, es dauert nicht lange, so fliegen Dir die Gedärme heraus.* (Lebhafte Unruhe. Pfuirufe rechts.) Der Regierungspräsident telegraphier» heute, daß letzte Stacht an drei Wohnungen von Arbeitswilligen außen angelegte Sprengpatronen unter starler Sachbeschädigung explodiert sind. An allen drei Stellen sei vorher angeklopft worden, um die Arbeitswilligen herauszulocken, die Täter seien nicht ermittelt.(Lebhaftes Hört I hört! rechts. — Zurufe der Sozialdemokraten: Polizeispitzel haben das gemacht!— Abg. GronowSki[Z.]: Der Minister hat die Bombe hingelegt I(Heiterkeit.)) Wenn Abg. Sachse im Reichstag über die preußische Polizei spricht, für die der Landtag zuständig ist, so kann der Minister sich im Landtag seiner Beamten annehmen, die dock durch da? Wort„Bluthunde* beschimpft sind.(Zustimmung rechts.) Diese Auffassung teilt auch die kompetente Stelle, der Reickstagspräsident, denn er bot den Abg. Sachse zur Ordnung gerufen. Wann denn hätte Militär herangezogen werden müssen, wenn nicht jetzt? Meine Angaben beruhen ans amtlichen Be- richten vereidigter, glaubwürdiger Personen. Damit erledigt sich die Charaklerisierung der Polizeiberichte, die sich Abgeordneter Leinert erlaubt hat. Bei dem vom Abgeordneten Leinert besprochenen Fall bandelt es sich um einen Fußgendarm. (Große Heiterkeit bei der Mehrheit, die von den Sozialdemokraten in scharfen Zurufen kritisiert wird.) Die Streikenden haben ihn, mit einer Blendlaterne ins Gesicht geleuchtet und ihn durch drei Schrot- schüsse im Gesicht und an der Brust verletzt. Er hatte nur noch die Kraft, zwei Pistolenschüsse auf seine An- greiser abzugeben.(Hört I hört I rechts.) Diese Darstellung verdient doch erwaS mehr Glauben als die de? Abg. Leinert. Das Militär ist da, um AuMckreilungcn zu verhüten, ein Totmachen dcS Streiks durch das Militär ist gar nicht denkbar. Das „Berliner Tageblatt* ist den Sozialdemokraten vielleicht glaub- haster als die amtlicken Berichte(Heiterkeit): danach sind schon jetzt nach acht Tagen 13 Streikende zu Strafen von eine m Monat bis zu einem Jahre verurteilt worden. In einer Ortsckaft sind in der Nackt vom 12. März 125 Fensterscheiben, 21 Gasloternen und 6 elettrische Lampen zer- Irümmert worden.(Hört! hört!) Das sind die Folgen der Ver- hetzung. Bezeichnet dock beispielsweise die„Essener Arbeiterzeitung* die Schutzleute als Mörder.(Pfuirufe.) Der Leiter des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandeö nennt die Polizei Blut- h u n d e, und andere Reichstagsmitglieder bezeichnen die Schntzleute in Zwischenrufen als B e r b r e ck e r. Da ist es kein Wunder, wenn sich die Streikenden zu Unbedachtsamkeiten hinreißen lassen, die not- gedrungen zur Heranziehung von Militär führen müssen.(Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen, erregte Zurufe der Sozialdemokraten, die aber in der Unruhe unverständlich bleiben. Abg. Kntche(natl.): DaS vom Abg. Friedberg verlesene Protokoll ist in Gegenwart der Arbeitervertreter im Arbeiterausschuß ausgenommen, vorgelesen, genehmigt und unterschrieben worden. Die Bebauptimgen des Adg. Leinert über geheime Abmachungen der Zecken über die Löhne find aus den Fingern ge- sogen. DaS Kohlensyndikat hat. als die Preiserhöhung beschlossen war, eine Lohnerhöhung angekündigt. Wir haben mit unserem Arbeiterausschutz über die Forderung verhandelt. Unrichtige Mcl- düngen der.Zechenpresse* über den Stand des Streiks kömieu nur auf Druckfehlern oder Verwechselung der Belegschaft über und unter Tage beruhen. Der Steigerverband ist ganz sozialdemokratisch.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Sein Vorsitzender Werner hat doch die Instruktion über die sozialdemokrarischen Sichcrhcitsmünncr ausgearbeitet.(Abg. Dr. Liebknecht: Und deshalb ist der Verband sozialdemokratisch?) Sozialdemokratische Steiger werden selbstverständlich nicht beschäftigt. Der Streik hängt unbedtuat mit der Londoner Konferenz zusammen. Ob er ein Sympathiestreik oder ein Nützlichkeitsstreik ist, das ist ja ganz gleichgültig. Die Veckürzung der Sckichtdauer bei mehr als 22 Grad Temperatur bedeutet eine weitere zehn- prozentige Lohnerhöhung. Zum Beweis des TerroriSmu« der Streikenden, die Frauen und Kinder vorschieben sollen, verliest der Redner ei»ige Briefe von Arbeitswilligen und deren Frauen, worin auch von Kummer und Sorge die Rede ist. (Abg. Liebknecht: Ja. bezahlen Sie diese Leute so schlecht? Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann habe ich da m e h r oder weniger gleichlautende Eingaben(Aba I Rufe bei den Sozialdemokraten) von ckristlicken Bergarbeitern über den Terrorismus. Unglaublich verlogen schreibt die„Bergarbeiter- Zeiiiiiig* und die sozialdenwlratische Provinzpresse über angebliche Mißstände im Bergbau. Der Redner verliest eine begeisterte Schilderung der Zustände in Westfalen durch einen 0 b e r- ck l e s i s ch c n Polen, dessen Unverdäckligkeii durch de» Abdruck der Schilderung in der„Bergarbeiler-Zeiinug* ausgesprochen sei. Rheinland-Westfalen ist in der Fürsorge für die Arbeiter vor- bildlich siir ganz Deutschland.(Beifall.) Abg. Spinzig(sk.): 1905 war die öffentliche Meinung mit den Streikenden, diesmal nur die der Sozialdemokraten und eines Teils des Freisinns. Treu und Glauben wird auch im Zukunftsstaat ge- halten werden können, also ist der Kontralrbruch verwerflich. Der Streik ist ideell und materiell unberechtigt. Jeder Arbeiter hat nach unserer Meinung das Recht, die Konjunktur auszunutzen, aber ohne Gewalttaten gegen andere.(Lebhafter Beifall rccktS.) Abg. Kindlcr(Vp.) wünscht ein Eingreifen der R e- gierung zut Beendigung des Streiks. Man kann sich eben immer noch nicht daran gewöhnen, daß die Arbeiter das KoalitionSreckt haben. Hätte man die Lohnforderungen erslllll. hätten die Arbeiter auf die anderen Forderungen verzichtet. Ob Militär nötig war, können wir nicht beurteilen, aber M a- schinengewehre kaum. Auch wir sind gegen den Terror und wünschen eine starke Regierung, die vorbeugend wirkt.(Beifall links.) Abg. Brust(Z.) erkennt die Ausführungen des Ministers rückhaltlos an und bezeichnet das Vorgchrn de? Abg. Leinert als das eines wilden Ebers. Der Streik dien» nur sozialdemokratische« Partei« interessen. Die Zechenbesttzer hatte« ausdrücklich ein« Lohnerhöhung mit der Erhöhung der.Kohlenpreise in Aussicht gestellt. Lemerts Rede war auf den Ton des Jungbrunnens von Dresden gestimmt. Die ruhige, anständige Art, die die übliche Gepflogenheit dieses HauseS ist, kennt er nicht.(Beifall rechts und im Zentrum; Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Sticht der christliche Eewerkverein, sondern die Arbeits- willigen haben nach Miliiär geru'en. Wir vermuten, daß die sozialdemokratischen Beraarbeitersührer mit den englischen Unter- nehmern verhandelten, um Geld zur ttntcrstZtzimg des deutschen Berg- arbeitcrstrciks zn erhalten, damit der deutsche Bergbau dem englischen nicht Absatzgebiete abnehmen kann.(Hörr! hön l im Zentrum und rechts. Pfuirufe der Sozialdemokraten.) Starke Vermutungen gehen dahin, daß die sozialdemokratischen Bergarbeiterführer durch den Streik den Börsenleuten eine bessere Kon- junktnr verschaffen wollen, daß sie die Aktien, deren Kurse sinken, nachher mit großem Gewinn verkaufen Kinnen. (Lachen der Sozialdemokraten. Abg. Leinert: Nehmen Sie sich in Acht, daß Sie nicht nach Dalldorf kommen I) Ich will das Ihren Führern nicht vorwerfen, aber Vermutungen dürfen doch nicht nur Sie haben I Die Sozialdemokraten sagen, wir haben nach Militär gerufen, das auf Va:er, Mutler und Tochter schießen soll. Die Sozialdemokratie zieht Mutter und Tochter auf die Straße, die Genossen verstecken sich hinter diesen unschuldigen Wesen.(Stürmische Rufe der Sozial- demokraten: Gemeinheit I) Sie haben das Volk jetzt und in Moabit auf die Straße gehetzt.(Abgeordneter Dr. Liebknecht: Lüge! Unverschämtheit!— Vizepräs. Dr. Porsch ruft den Abg. Dr. L i e b k n e ch t zur Ordnung. Abg. Liebknecht(soz.): Das ist ja Z e d l i tz N r. 2 1 H 0 f f m a n n: Dazu ist er zu dumm!) In sozialdemokratischer Art könnte man sagen, der sozialdemokratische Verband habe den Streik im Ein- vernehmen mit den Zechen organisiert, damit diese ihre Kohlen loswerden.(Abg. Hofsmann: Phantasien eines Üebergeschnapplenl) 1905 waren auf dem sozial- demokratischen Bureau Waffen vorbanden und es wurden Schießübungen abgehalten. Die Herrschaften wollten offenbar auf die eigenen VerbandSgenosien schießen, die empört darüber waren, daß man sie in den Streik gehetzt hatte.(Zuruf der Sozial- demokraten: Den Sie mitgemach: haben! Als der Redner von den jetzt vorgefallenen Drobung-n gegen Arbeitswillige spricht, fragt ihn Abg. Hoff mann: Mensch, können Sie dabei ernst bleiben?) Sie glauben natürlich nur, was Ihre Revolver- und Petroleum« j 0 u r n 0 l i st e n schreiben. Die Arbeiter suchen sich durch Kranken- scheine vom Streik zu drücken.(Abg. Hosfmann: Sie sollten auch schnell einen nehmen!) Die Sozialdemokratie will immer bei Streiks politische Geschäfte zu machen suchen. (Abg. H 0 f s m a n n: Hören Sie doch aus, Ihren Parteigenossen wird schon schlechtl("Heiterkeit.)» Und wie benehmen Sie sich als Arbeitgeber', baben Sce nich: die sechs»Vorwärts*- Redakteure hinausgeworfen, ohne sie zuhören? Die brutalsten Scharfmacher könnten nickt anders bandeln als der „Vorwärts*. Der Abg. Richard Fischer bat den„Vorwärts*- Druckern gesagt:„Wir lassen uns nicht in? Geschäft hineinreden, wer sich nickt fügt, kann die Koasequenzen ziehen. Die Organisation gebt uns gar nichiS an. Wem cS nicht paßt, kann ja gehen.* (Hört! hört!) DaS ist die Srbeiterfreundlichkeit der sozialdemokratischen Führer, die allerdings die Sorgen der Arbeiter nur aus dem Redaktionsbureau kennen. (Lebhafte Zustimmung.) Der Redner fordert zum Schluß den HandelSmimstcr aus, darauf zu ackten, daß Sozialdemokraten aus dem Ruhrrebier die Arbeiter im Saarrevier zum Streik aufhetzen. Er schließt mit einer endlosen Verlesung persönlicher Angriffe gegen den Redakteur der»Bergarbeiter-Zeilung* Otto H u e und verzichtet ans weitere Verlesungen nur infolge der Mahnungen des Präsidenten und der iimner lebhafter werdenden Acußcrungen von Ungeduld auf allen Seiten des HauseS. Unter großer Heiterkeit des HauseS bietet Abg. Hoffmann ver- schiedenen bürgerlichen Abgeordneten einen Streikbrecher- k n ü p p e l aus dem Rubrrcvier an, damit sie den Abg. Brust mit dem Knüppel von der Tribüne verjagen mögen. Ein Schluß- a n t r a g wird angenommen.(Hort 1 hört I bei den Sozialdemo« kratcn.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) szur Geschäftsordnung): Unter dem Geheul der Scharfmacher(Lärmende Ohorufe rechlü) hat der Polizei- minister Enthüllungen über angebliche Bombe natten täte vor- gebrockt. Ich hätte gern...(Präsident Dr. Frhr. b. E r f s a mahnt den Redner, zur GeschäftSordming zn sprechen.). Es ist im Hanse üblich, daß jeder, dem das Wort abgeschnitten wird, in kurzen Worten seine Meinung ausdrücken darf.(Stürmische, lärmend« Rufe rechts und im Zentrum: Oho I Der Lärm bricht säst bei jedem Wort, das der Redner, vom Präsidenten immer wieder nnterbrochcit, sprechen will, von neuem aus.) Ich sage ja nur, ich hätte gern die Gelegenheit benutzt, um noch einmal der Stimm« der Wahrheit und Menichlichkeit in diesem Hause Ausdruck zu geben(Tosendes Ge- lächter rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen), um die Heuchelei und Brutalität zu brandmarken... Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Da« ist gleichkallS nicht zur Geschäftsordnung.(Lärmender Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Liebknecht: Es wird sehr schwer fallen, auch nur im entfernlesken das, was zu sagen ist. in der Form einer Geschäfts- orduungsbemcrkuilg zu sagen»md auch den JudaS I s ch a r io t genügend zu kennzeichnen, der hier seinen ArbcitSbrüdern in den Rücken gefallen ist.(Stürmische lärmende Zurufe ans dem Zentrum und recht?: Wer ist das?> Sollten Sie denn wirllich nicht wissen, iven ich meine?(stürmische Rufe: Nein, wer ist es?) Abg. Hossmai!»(auf den neben dem Redner stehende« Übg. Btnst zeigend): Er steht ja daneben. Präsident Dr� Frhr. v. Erffa: Ich weiß nicht, wen Sie gemeint haben. Meinen sie ein Mitglied des Hauies? Abg. Dr. Lieblnrcht: Jawohl doch l(Abg. B r u st lächelt V»- gnügt.) Präsident Dr. Frhr. v. Sris« ruft den Abg. L i e b k n e ch t zur Ordnung. Abg. Dr. Liebknecht sagt unter den orkanartig anschwellenden und jeden andern Sckall verichlingenden. im Chorus auögcstoßenen Rufen: GeickaftSordnung! Geschäftsordnung!, daß durch den Schluß der Besprechung die Antwort auf die Geschichten von den unglaublichen Polizeibomben, die der Minister vorgebracht habe, unmöglich gemacht werde. Aber meine Rede ist auch gar nicht mehr notwendig, denn durch diese Debatte hat sich dieses Haus so deutlich wie möglich gelennzeicknet. Dieses Hans hat damit seiner selbst gespottet. cS hat sich als eine wahre Schande(von hier an verschlingt der ungeheuere Lärm der Rechten und des Zentrums sowohl die Stimme des Redners. als die des Präsidenten, der diese Aeußerungen Liebknechts rügt. (Von der Rechten ertönen stürmische Rufe: jiiauSI mit dem K e r l I raus!) Abg. GicSbrrts(Z.) erklärt in der sofort, als er bnS Wort er- hält, wieder hergestellten Ruhe, er habe den vom Abg. Leinert besprochenen Artikel in der„Wvstdentschen Arbeiter-Zettnng*. daß die ckristlicken Gewerkschaften den Auftrag hätten, hie Zentrumspartei zu stärken, nicht geichriebcn. Abg. Leinerr(Soz.): Ich habe mich an eine in Gegenwart G i e s b e r t S von dem früheren Landtagsabg. Dr. Franken auf der Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik zu Mann- heim gemachte Mitteilung gehalt:,,. welcher Milteilung GieSben-Z damals nicht widersprach. HörlI hörtl bei den Sozial- demokraten.) Abg. GicSbcrts(Z.): Ich bin damals Herrn Franken sofort entgegengetreten.(Hört! hört! im Zentrum.) Abg. Leinert(Soz.): Sofort hat daS GiesberlS keineswegs getan.(Lebhaftes Hört! hört! links.) Daum find die Streikinterpellationen erledigt. Da? vom Herrenhaus herübergekommene Knappschafts- g e s e tz wird der Handelskommission überwiesen. Mittwoch 11 Uhr: Kultnsetat.- Schl»b ö'/« Uhr. Reicbetacj» SH. Sitzung� Dienstag, de« 1«. MSrz 1V12, nachmittags 1 llhr. tha vnndeSratStische: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung deZ Etats des Reichsamts des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Ausfnhning deS KaligesetzeS mit den dazu gehörigen Resolutionen. Abg. Dr. Cohn sSoz.): In der Resolution der Kommission wird verlangt, daß die Durchschnittslöhne in den betreffenden Kaliwerken durch einen öffentlichen Anschlag bekannt gegeben werden sollen. Der Vertreter der Verbündeten Regierungen meinte gestern, da? sei nicht zulässig, eö widerspreche der im Gesetz festgelegten Geheimhaltungs- Pflicht der Verteilungsstelle, ß 34 des Gesetzes spricht aber nur eine Verpflichtung der Verleilungsstelle aus, die.geschäftlichen Maßnahmen'' der Kaliwerke geheim zu halten. Darunter fallen die Löhne n ich t. Sonst dürfte auch das ReichZversicherungsamt nicht die be- russgenossenschaftlichen Feststellungen über die Durchschnittslöhne Veröffentlichen, denn auch ihm liegt eine solche Geheimhaltungspflicht ob. Herr Behrens hat die Veröffentlichung der Durchschnittslöhne im.Rcichsarbeilsblatt' empfohlen. Aber so wertvoll der Inhalt dieses Blattes ist, so wird eS doch nur von wenigen Interessenten- kreisen gelesen, so dast also das Ziel, die Arbeiter" und die Ocffent- lichkeit im weitesten Maße über diese Verhältniffe aufzuklären, nicht erreicht würde. Was die Propagandagelder anbelangt, so ist zuzugeben, daß, nachdem das reinigende Gewitter im vorigen Jahre über die Verleilungsstelle niedergegangen ist, sich diesmal die Diskussion in wesentlich ruhigeren Bahnen bewegt hat. Wir müpen aber der- langen, daß politische Organisationen ganz dabei aus- geschaltet lvcrden, sonst besteht keine Möglichkeit, zu kontrollieren, in wie weil bei der Propaganda für das Kali nicht auch für die politischen Zwecke der Vereinigung Propaganda gemacht wird. Im anderen Falle können die sozialdemokratischen Organisationen, besonders nachdem sich bei der letzten Wahl gezeigt hat, daß auch sehr viele bäuerlichen Stimmen für uns ab- , gegeben worden sind, ebensogut Propagandagelder in Anspruch itehnien. Wir wollen gern die Zusage abgeben, daß wir fleißige Propaganda betreiben werden, also nur heran mit den K a l i g e l d e r n. iHeiterkeit.) Herr B ä r w i n k e l äußerte ge- wisse Bedenken darüber, ob der Bund der Landwirte die Bc- dingungen erfülle. Ich kann ihn beruhigen. Der Bund der Land- Wirte ist keine p o l i i t i s ch e Organisation, so hat der Berliner Polizeipräsident entschieden und nach ihm das Amtsgericht Berlin Mitte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dasselbe Gericht hat den Ncichsverband gegen die Sozialdemokratie als nicht politischen Berein >n das LereinSregister eingetragen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokralen.) Andererseits iverden natürlich Radfahrervereine usw. ohne weiteres als politisch erklärt. Bedenklich ist ferner die Tätigkeit der Verteilung« st elle bei der Quotenübertragung. Im Herbst 1911 hat sie festgestellt, daß bei etwa zehn Werken die Löhne unler den Durchschnitt gesunken waren. Aber sie hat nicht daraus die Konsequenz der Herabsetzung der Betciligungsziffer gezogen, sondern hat die Werke ermahnt, die Löhne nachzuzahlen. Nach dem Gesetz steht ihr eine solche Befugnis keinesfalls zu, und es geht nicht an, daß eine ausführende Ver- waltungSbehördc sich zur Herrin des Gesetzes macht.(Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Die einzigen Schutzbestimmnngen für die Arbeiter, die im Kaligesetz bestehen, dürfen nichi im Verwaltung« Wesen cskamotiert werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch über die Art der Ouoiei'.überlragungew haben die Arbeiter zu klagen; in- folge gesetzwidriger Uebertragung sind Arbeiter ent» lassen worden und erst ein halbes Jabr später erhielten die Arbeiter durch einen Zufall Kenntnis.von der Uebertragung, das zeigt, wie notwendig die von der Äudgctkommission geforderte sofortige Anzeige der Ouolenübertragniigen bei der Bergbehörde und ihre Veröffentlichung ist. Herr B ä r w i n k e l hat sehr zu Unrecht den Zusammenhang zwischen Quotenübertragung und Arbeitcrentlassungen bestritten und dadurch— gewiß unabsichtlich— die Werke geradezu angereizt, den Arbeitern die Entschädigung vorzuenthalten, indem sie den Zusammenhang zwischen den Entlassungen und den Ueberlragungen einfach ableugnen. Gegen die Idee der Verstaatlichung der Kaliindiistric ist auS dem Hause ja kein Widerspruch laut geworden— freilich hat Herr G o l h e i n»och nicht gesprochen. Die private Llaliindustrie hat ihre Unfähigkeit zur Ueberwindung der anarchischen Pro- d il k l i o n vollständig erwiesen. Die Verstaatlichung der Kali- industrie ist notwendig im Interesse der Erhaltung der Bodenschätze; weiter liegt sie im Interesse der Landwirtschaft, speziell in dem der klemen Landwirte, die das Kali am teuersic» erhalten, weil sie den großen Verbänden und Orgnnisationcil nicht angeichlosien sind, die auf dem Wege der Nabalte daS Kali billiger bekommen. Die Verstaatlichung der K a l i i n d u st r i e liegt aber auch i m I n t e r e s s e der Arbeiter. Wäre ihr Effekt lediglich der. den Staat zu beffcren Löhnen zu zwingen und dazu, daß das vor L2 Jahren gesprochene Wort, die staatlichen AnNalten sollen soziale M u st e r a n st a l t e» sein, zur Wahrheil würde, so wäre das schon Grund genuD�ür die Verstaailichung einzutreten. Gegen« wärtig haben die staatlWcn Werke vicl'ach schlechtere Löhne als benachbarte private Werke. Das ist geradezu ein öffentlicher Skandal. sLebbafteS Sehr richiig! bei de» Sozialdemolratcn.) Auch den Unfug, den Arbeitern das Wahlrecht nehmen zu wolle», niacheu die staatliche» Kaliwerke mit. Die Regierimg lrat ja schon 189 t für das Bcrgwerksmonopol ein; auch die österreichische Regierung erklärte in der Begründung ihrer Novelle vom Jahre 1999, daß dem Slaat als Hüler des Ge- meimvoblS die Pflicht erwachse, die Verfügung über die Mincralschätze wieder an sich zu nehmen. Herrn Golhcin, der der Vcrstaatlichungsidee wahrscheinlich widersprechen wird, verweise ich auf die.Franlsuricr Zeitung", welche sagte, wenn überhaupt ein Monopol, so kann es nur eins des Reiches sein, nicht aber des Pcivaikapitals. das nur ivenigen zugute kommt. Auch gesundheitlich liegt die Verstaatlichung im Jntcrcffc der Arbeiter. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß der Kali- bcrgbau nicht enlsernt so gcsährlich sei, wie der Kohlenbergbau. Auch im Kalibergbau kommen Arbeitsstellen mit einer Temperatur bis zu 35 Grad vor und die Kaliveueilungsstelle hat iieuerdmgS Abteuf un gen bis zu 1209 Meter Tiefe zugelassen. Von der VeNlaatlichung erwarten lvir einen größeren gesundheitlichen Schutz der Arbeite?; natürlich können wir nicht jeder Verstaatlichung zustimmen, sondern es müssen bestimmte Garaiilien für die Land- winschast und Arbeiterschaft geschaffen werden. Die Lohnbewegung nn Nilbrrevier zeigt, daß der Druck der privaten Industrie, die auf" Kosten der Arbeiter wirtschaften will, zu Explosionen führen kann, die doch jeder vermeiden will, der wünscht, daß eine friedliche Verständigung zwischen Ar- beit und Kapital slatlfiiidct. Auch deshalb muß man der Vcrstaatlichungsidce freundlich gegenüberstehen. Freilich ist jetzt nur vom Kali die Rede, aber in Vertretung meines Kollegen Sachse, der heule im Sftlhrrevicr sein muß. spreche ich dzes auch für die Arbeiter im Kohlenbergbau aus. Bei dieser Gelegenheit lann ich nicht daran vorheigehen, daß der preußische Minister des Innern im preußischen Abgeordnetenhaus sich gestern herausgenommen hat. dem Kollegen Sachse nachzusagen, er habe den traurigen Mut besessen, Beschimpfungen der Polizcibeamtcn auszusprechen. Derartige Beleidigungen Wirten recht eigentümlich im Munde eines Ministers, der an der Spitze einer Behörde steht, m der einzelne Mitglieder eine« Verbrechen»� öffentlich überführt sind. Gerade dieser Minister sollte sich hüten, über Beleidigungen der Polizei zu sprechen.(Lebhafte Zustände bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Ich wäre m der Lage, selbst aus meiner geringen Praxis ihm eine ganze Menge von Fällen über Vergehen von Polizeibeamten nachzu- weisen. So habe ich ein Aktenstück über den Meineid eines Schutzmannes; in dem Falle wurde der Angeklagte, eben weil der Eid de? Schutzmannes ein Meineid war, freigesprochen und die Kosten des Verfahrens dem Schutzmann aufgebürdet.(Zuruf rechts: Kali.) Die Kaliwerke stehen ja nicht unter dem Minister des Innern, sondern unter dem Handelsminister, der sich diese Angriffe gegen den Kollegen Sachse ja nicht zu eigen gemacht hat. Im übrigen muß ich es dem Kollegen Sachse überlasten, darauf zurückzukommen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Unterstaatssekrelär Richter bestreitet gegenüber den gestrigen Ausfübrungen des Abg. Bell, daß die Auslegung des Kaligesetzes, wonach die Besitzer an der holländischen Grenze für ihre holländischen Grundstücke das Kali teurer bezahlen müssen als für ihre preußischen, dem Kaligcsetz und dem Vertrag mit Holland widerspreche. Doch werde die Regierung wohlwollend prüfen, wie sich die unleugbare Härte, die das Gesetz für die Besitzer an der holländischen Grenze. habe, vermeiden lasse.— Herr Abg. Cohn ging auf die Pro- pagandagelder ein. Ob der Bund der Landwirte politisch ist oder nicht, kommt dafür nicht in Betracht. Daß er übrigens in das Vereinsregister eingetragen ist, beweist nicht, daß die Berliner Polizeibehörde ihn nicht für politisch hält; sie kann gegen die Eintragung eines Vereins, der wirtschaftliche Zwecke ver- folgt, Widerspruch erheben, wenn sie ihn für politisch hält. Im übrigen werden die Propagandagelder nur nach den Grundsätzen des Gesetzes und den Bestimmungen des Bundesrats verteilt. Wer in diese Bestimmungen Politik hineinträgt, bringt ein ihnen fremdes Element hinein. Ich habe nur zu prüfen, ob die Gelder, die das Reichsamt des Innern zur Verfügung stellt, auch wirklich zur Propaganda verwendet werden. Zu Wahlzwecken kann der Bund der Landwirte Propagandagelder schon deshalb nicht ver- wendet haben, weil jetzt erst die Gelder für 1919, selbst- verständlich nach Prüfung der Rechnungen, zur Auszahlung gelangen. Auch die Propagandagelder, die da? Institut für da? Gärungsgewerbe erhallen hat, hat der Vor- redner getadelt. Wenn solch' wissenschaftliches Institut keine Pcopagandagelder erhalten soll, behalten wir sie am besten gan, in der Tasche. Mit den Entschädigungen der Arbeiter zufolge der Ouotennbertragungen hat die Verteilungsstelle nichts zu tun, diese Enlschädigimgen sind lediglich Sache der Werke. Abg. Gothcin(Vp.) befürwortet zunächst, statt Mülheim(Elsaß) Straßburg oder mindestens Colmar als elsässische Frachtcn- ausgangsstaiion zu wählen; dies liege im Interesse der süddeuiichen Landwirtschaft. Die Durchschnittslöhne müssen veröffent- licht werden; freilich darf diese Maßnahine nicht überschätzt roerden, denn viel ist mit dem Durchschnittslohn für den Arbeiter nicht an- zufangen. Wo die Löhne unter dem Durchschnittslohn sind, sollte man nicht gleich zu Ouolenübertragungen greifen, da dadurch auch die Arbeiter geschädigt werden. Selbstverständlich müssen die Ouoten- Übertragungen den Arbeitern zur Kenntnis gebracht werden. An den Prvpagandageldcrn sollte auch der Landesverband der landwirtschaftlichen Kreisvereine Elsaß-Lothringens beteiligt werden. Zu den Annehmlichkeiten gehört die Verwaltung eines solchen Fonds geiviß nicht. Vereine, die nebenbei politische Zwecke verfolgen, sollten jedenfalls nicht beteiligt werden.(Sehr richtig! links.) Wenn wirklich der Polizeipräsident von Berlin den Bund der Landwirte für einen unpolitischen Verein erklärt hat, so hat er damit bewiesen, daß er an politischer Farbenblindheit leidet.(Sehr gut! und Heiterkeit links.) Der von den Propaganda- geldern angesammelte Refervefonds ist eigentlich iin Gesetz gar nicht vorgesehen. Nun verlangt man, daß ein Teil der Kaligelder in die Reichs- Kasse fließe. Das wäre aber eine indirekte Steuer. Wenn Herr Hoch das bestreitet, so müßte er zugeben, daß auch die Vrailnlioeinsieuer keine indirekte Steuer ist. Was das Reichs- Monopol angeht, so sind wir nicht prinzipielle Gegner der Monopole, sondern sind der Meinung, daß da, wo sich ans natür- lichen Gründen ein Privatmonopol gebildet hat, das Reichs- m o n o p o l v o r z n z i e h e n ist. Hier ist aber die Entwickelung zum Privatmonopol leine natürliche gewesen, sondern eine Folge der Gesetzgebung. Hunderte von Millionen sind infolgedessen in unrentablen Werken angelegt worden. Man lann heute nicht genug warnen vor dem Ankauf von Kaliwerten. Herr Hoch meinte Spekulationsgewinne würden natürlich bei der Verstaatlichung nicht entschädigt werden. Aber wer entscheidet, ob im einzelnen Falle ein Spekulationsgewinn vor- liegt. Wer die Verstaatlichung ernstlich wollte, durfte dem Kaligesetz nicht zustimmen. Außerdem liegt ein großes Risiko in der Ver- staatlichung der Kaliwerke, da steis die Gefahr vorliegt, daß auch außerhalb Deutschlands Kali gefunden wird. Und glaubt Herr Hoch wirklich, daß ein Reichsmonopol ohne Bureau kratie möglich ist. Ohne Bureaukratie kann eine Staatsvenvalllliig nicht verwalten und auch im sozialistischen Staat werden Sie Exzesse der Bureau- kratie haben, vor allem, wenn Sie so bleiben wie Sie sind. Sie verlangen ja jetzt immer am meisten an Papier und Druckerschwärze in Form aller inöglichen Denkschriften. Nun so bald loird ja das Monopol nicht kommen. Wir können das ruhig abwanen, einstweilen haben wir genug zu lrauern an denFolgen des Kaligesetzes.(Bravo I bei der Volkspartei.) Abg. Graf Westarp(k.): Mit dem Gedanken de? Reichs- Monopols brauchen wir uns jetzt noch nicht zu beschäftigen. Eine Abänderung deS KaligesetzeS nach so kurzer Zeit seines Bestehens wünschen wir nicht; zunächst muß die Industrie einmal Ruhe h a b en. Die Verteilung der Propagandagcldcr wollen wir dem Rcichsamt de« Innern belassen. Den landivirtschaftlichen Vereinen sollrcn auch für Demonstrationsversuche Kaligclder zur Verfügung gestellt werden. In der Frage, ob der Bund der Landwirte ein politischer Verein ist, hat der Polizeipräsident gar nicht Stel- lung genommen dadurch, datz� er sich nicht gegen die Ein- lrogung in daS Vereinsregister ausgesprochen hat.'Er ist zu dieser Stellungnahme nur berechtigt, nicht verpflichtet. Abg. Hoch(Soz.): Herr Graf Westarp meinte, die Industrie müsse sich erst ein- leben in das Gesetz. Nach dem Antrag der Kommission zum§ 27 soll aber nur eine Bestimmung deo Gesetzes geänderi werden, die sich als unhallbar erwiesen hat. Herr Golhein hat ganz richtig darauf hingewiesen, daß der Reservefonds im Gesetz keine Grundlage hat. Daher muß eben diese Bestimmung des Gesetzes, die an seinem ganzen Aufbau nichts änderr, abgeändert werden. Im Gegensatz zu Herrn Gothein bin ich der Meinung, daß die Verhältnisse in der Kali- industrie vollständig reif sind zurVerstaatlichung. Daß aber ein Monopol, wie wir es wünschen, nicht unter dem alleinigen Einfluß der Bureaukratie stehen darf, habe ich gestern schon betont. Wie die Bureaukratie im ZukunftSstaat aussehen wird, darüber brauchen wir uns nicht zu streiten. Ich wünschte, wir erleben ihn beide noch, und ich habe das Zu- trauen zu der Objektivität deS Herrn Gothein, daß er dann sehr bald aus einem Saulus ein Paulus werden wird. Der Einfluß der Bureaukratie muß bei den Monopolen paralysiert werden durch einen entscheidenden Einfluß der großen Masie des Volkes, durch Mitwirkung von Arbeitervertretern. Von der Mitwirkung des von mir erwähnten Beirats, zusammen- gesetzt aus Vertretern der Regierung, des Reichstages und der Ar- beiter, verspreche ich mir ganz bedeutenden Nutzen für eine segens- reiche Wirkung des KalisyndikatS.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Die Resolution der Kommission wird angenommen. Als vierte Frachtausgangsstation wird Colmar i. Elf. bestimmt. Es folgt das Kapitel Statistisches ftmt DaS Kapitel der«nersüllt-« Hoffnm«g«! ist öer Teil de? Statistischen«mt«S, der sich mit der Erforschung der Arbeite» verhältniffe beschäftigt. Meist bekommt man die Antwort:»ES sind Erhebungen im Gange." In der Binnenschiffahrt ist die LrbeftSzett sehr an- geregelt. Die ersten Erhebungen in diesem Gewerbe sind schon im Jahre 188S angestellt. Das damals gesammelte Material ruhte 10 Jahre im Schöße deS RdichSamtS deS Inner«. Durch den Beirat für Arbeiter statt st ik wurden« e u« Er« Hebungen veranstaltet und Arbeitszeiten von 18, 24, 80, sti 40 Ttnude» frstsesteA. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auf die Frag« des Beirats antworteten 21 Arbeitgeberorgauisationen, daß eine gesetzliche Regelung der Sonntagsruhe nnd Arbeitszeit nötig sei. Ein Gutachten des Rei chSgel'undheitS- amts stellte fest, daß die U n f a l l g e f a h r in der Binnenschiffahrt viermal so groß ist wie in der Landwirtschaft� und fast doppelt so groß wie in den v e r s ch i e d e n« n I n d» st r i e». Der Beirat für Arbeiterstatistlk schlug eine gesetzliche Regelung vor, die eine Mindestruhezeit von 8 Stunden während der Fahrt und beim Löschen der Ladung von 19 Stimden verlangt. Aber Gesetz ist das nicht geworden. Was bei den �LSjährigen Erhebungen herausgekommen ist, zeigte die Erklärung des Ministerialdirektors vom 4. März: die Verhältnisse aus dem Rhein sollen demnächst eingehend untersucht und dann soll erwogen werden, ob eine Regelung auf dem A h e i n statffinden soll. Auf dem Stromgebiet des Rheins ist es den Arbeiter- organisationen gelungen, die gröbsten Mißstände zu beseitigen, und hier will man nun endlich auch seitens der Regierung vorgehen. Aber auf den anderen Wasserstraßen, auf der Elbe und Oder zum Beispiel, herrschen die allergrößten Miß« stände, und da soll nichts geschehen. Die Erklärung des Regierung«- Vertreters muß daher wie eine Verhöhnung der um menschen« würdige Arbeitsverhältnisse kämpfenden Arbeiter in der Linnen- schiffahrt wirken.(Zustimmung bei den Sozialdemoiraten) Hätte die Erklärung aber auch mehr erhoffen lassen, so wissen wir ja, wie wenig Wert Erklärungen von den als vorübergehende Erschcinvng Zu betrachtenden Regierungsvertretern bekznmeffen ist. Schon 1891 hat Minister v. Berlepsch eine Regelung der Verhältnisse im Verkehrsgewerbe versprochen. Im April 1992 erkannte der Staatssekretär die Dringlichkeit der Regelung der Ver- hältnissc im BinnenschiffahrtSgewerbe an und fügte hinzu, sie sollte in Angriff genommen werden, sobald die schwebenden Erhebungen abgeschlossen seien. Am 3. März 1999 und dann wieder am 13. März erklärte der Staatssekretär Dr. Delbrück, er wolle noch das Gutachten des ReichSgesundheitSamts abwarten, um weitere Schritte zu unternehmen. Und jetzt wird wiederum die so notwendige gesetzliche Regelung auf Jahre hinausgeschoben, wenn nicht der Reichstag dafür sorgt, daß diese schwer leidenden Arbeiter in der Binnenschiffahrt endlich zu ihrem Rechte kommen. Einen weiteren Beweis, wie langsam die Mühle» der Sozial« Politik mahlen, liefern die Erhebungen über die ver- Hältnisse im TranSportgewerde Diese Erhebimgen wurden 1992 begonnen und 1993 vorläufig abgeschlossen. Sie haben äußerst schwere Mißstände ergeben, Arbeitszeiten von im Sommer über zwölf Stunden für 91,9 Prozent aller Be- schänigten, 43 Proz. hatten mehr als 14, 19,4 Proz. m e h r a l s 16Slu n den Arbeitszeit.(Hört! hört I b. d. Soz.) Im Winter sind die Zahlen etwas niedriger. An einzelnen periodisch wieder- kehrenden Tagen zu Meßzeiten, Weinernte usw. erhöht sich diese Arbeitszeit um 6—6 Stunden.(Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) Der Deutsche Tran Sport arbeiter-Ver- band bar Kontrollerhebungen veranstalte:, die ein noch un- günstigeres Bild ergeben haben. ES kommt vor, daß Kutscher 36 Stunden hintereinander beschäftigt Verden, ohne daß danach eine genügende Ruhezeit folgt.(Hvrr! hört! bei den Sozialdemokraien.) In der L u d w i g s h a f e n e r W a l z m ü h l e wurde festgestellt, daß Kutscher bis 52 Stimden nircheinander im Dienst waren. Das spricht aller Menschlichkeit Hohn. Die Omnibus- kutscher in Berlin sind durchschnititich 16 Stunde« im Dienst und selbst im Automobilbetrieb bestehen noch Arbeits« zeiten von 16 bis 24 Stunden. Geg�n diese Gefährdung der Sicherheit de? Pubkikums hat der Polizeipräsident von Berlin, der so besorgt ist um den Anstrich der Auto« mobile, noch nichts getan.(Hört I hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Daher ist auch die Zahl der Anzeigen wegen nickt vorschriftsmäßigen Fabrens der Autokutscher nicht geringer, sondern größer geworden. Bei diesem nervenzerrüttenden Dienst kann man von diesen Leuten wirklich nicht oerlange», daß sie mit voller Aufmerlsamkeit nach so langer Arbeitszeit ihren Dienst verrichten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) 96 Proz. der Befragten arbeiten regelmäßig desSonntags, davon etwa ein Drittel regelmäßig 9 Stunden. Beim Geld- bcurel hört ja die chri-stliche Gesinnung der Unternehmer gewöhnlich auf. Ein weiterer Mißstand ist das Kost- und LoglSwcse«. Ich kenne die Logisverhältnisse der Fuhrleute In Rbeinlaud- Westfalen aus eigener Aiischaiiung. Da hausen 19, 12, 16 Leatr in einem Raum, der über ebner Schmiede sich befindet und rauch« erfüllt ist. Zwei, drei müssen in einem Bett schlafen, ein Ofen zum Trocknen der Kleider ist nicht vorhanden, für je 6 und 6 ein Hvndtuch, das alle 14 Tage gereinigt wird. Ueder 499 der Befragten haben ausgesagt, daß sie'im Stalle schlafen müssen.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Trotz all dieser Feststellungen solch menschen« unwürdiger Zustände ist nichts von der Regierung geschehen. Wenn sie zum Teil heme abgestellt sind, ist das allein dem Transport- arbeilerverband zu danken, der allerdings von der Eisen- bahnbehörde als ordnungsfeindlich in ihren Be- trieben nicht zugelassen wird.(HörtI hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Auch auf Speditionsbetriebe, die mit ihr im Vertragsverhältnis stehen, wirkt die Eisenbahnverwaltung ein, daß sie Arbeiter entläßt, die dem Deutschen Transport- arbeiterverband angehören. Und die Gerichte entscheiden, daß ein solches Vorgehen den guten Sitten nicht widerspricht. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Folge der längeren Arbeitszeit ist natürlich«i»e sehr bohe Unsallzifser, die sogar die im Bergbau erheblich übersteigt. Der Beirat für Arbeiierstatistik hat zur Behebung dieser Mißflände eine Mindestrnhezeit von neun Stunden vorgeschlagen sowie die völftze Freilassung von vier Sonntage ii im Bierteljahr. Aber auch davon ist heute nichts verwirklicht. In den Kontoren, b en En groSbetrtebe», be» f». genannten Saisonbetneben bestehe« besonder» für das Hilfspersonal. ichwere Mißstände, z. B. Arbeitszeiten von 8 Uhr früh Ii» 8 Uhr«acht». Auch hier müßte im Weg« der Verordnung»der Gesetzgebung Abhilfe geschaffen werden. Wie weit ist ferner die Bearbeitung der-Erhcbungen der Verhältnisse der Ange st eilten der Rechts- a n w ä l t e gediehen? lieber die Straßenbahnbetrieb.e beschloß der Beirut für Arbeiterstatistik schon 1996 Erhebungen anzustellen. DaS unter« blieb jedoch, weil die Einzelstaaten sie vornehmen wollten. Die so gewonnenen Ergebnisse speziell in Preußen sind aber ganz wert- los, denn sie stellen lediglich eine Aneinanderreihung der Dichfft« Pläne dar und lassen nicht erkennen, wieviel Dienst der einzelne zu leisten hat und wie oft sein Dienst über die im Dienstplan fest- gesetzte Zeit hinausgeht. So sollen Führer nach den Dienst» Plänen 3>/, stündige«rbeitSzeit haben, in Wirklichkeit haben sie oft 19-/, Stunde« Dienst.«rbeitSzeite» von 14, 15, 16 Stunde» keine Seltenheit. vertrag ist eine 18stündige Dienstzeit sestgesetzt.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter, die diesen Vertrag ge- schlössen haben, waren sich wohl nicht ganz klar, was sie taten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Verträge der Stragenbahner sind vielfach geradezu Sklavenordnungen und ver st oßen gegen die guten Sitten. Verlassen die Angestellten den Dienst nach sechs Monaten oder nach einem Jahr, so müssen sie beim Verlassen des Dienstes vielfach ein sogenanntes Lehrgeld herauszahlen. Zum Beispiel bei der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft ist das der Fall. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dove ersucht den Redner angesichts der Ge- schäftslage des Hauses nicht auf Einzelheiten der Verträge einzusehen. Abg. Schumann(Soz., fortfahrend): Die Verträge erhalten sehr erhebliche Strafbestimmungen bei den geringsten Dienstoergehen. Beamte, die von den Gerichten freigesprochen wurden, wurden von den Gesellschaften ge- zwungen. die Ncparaturkostcn sich von ihrem Lohn abziehen zu lassen. Selbst in das Familienleben der Ange st eilten greifen die Gesellschaften ein, im 20. Jahrhundert werden die Straßenbahner in die Verhältnisse der Gutsinsassen vom 16. Jahrhundert hinab- gedrückt. Das beweist, wie notwendig es ist, daß das ganze Arbeits- und Vertragsverhältnis bei den Straßenbahnen Deutschlands einer genauen Untersuchung unterzogen wird. Mit schönen Redensarten ist den im Transportgewerbe Beschäftigten nicht geholfen. Sie müssen fordern, daß ihre Wünsche endlich berücksichtigt und daß ernsthaft Schritte unternommen werden, um endlich diese miserablen Zustände zu beseitigen, damit auch die Straßenbahner in den Stand esetzt werden, ein menschenwürdiges Leben zu führen. iZebhafteS Bravo bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sittart Wilh. Schanfpielha»«. Fcldherrnhügel. Luisen. Die Rose von Japan. Rose. Mutter und Sohn. ivieuv- u Die Nacht von Berlin. Drianon. Das kleine Cass. Dhalia. Autoliebchen. Wintergarte». Spezialitäten. Cafino. Die lustige Strohwitwe. Ap u ii o. Sbezialitälen. Vaiiugr. Svezialitäten. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Der Hausteüscl. Königstadt- Kasino. An stdelcr Rechtsanwalt. Bruder Julius. Spezialitäten. Nejchsi>uNen. Stettiner Sänger. Ansang k>/. Nhr. gfolies Eapricr. Der Polizeihund. Das Broadway-Birl. Walhalla. Menschenrechte. Boigt. Badnr. 58, Gesundbrunnen. Maria Stuart. Ansang S'/j Uhr. Renes Bolkstheater. Der Meister. Belle-Zllliance. Frühlingsluit. Intimes. Der Brandstifter. », Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—«2 berliner Tliester. AbendS 8 Uhr: Grotze Rosinen. sdMiiilieMigMei'Änöe Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnt. 3'l4 Uhr: Der Vogelhandler. Theater des Westens. AbendS 3 Uhr: Wiener Blut. Sonnab. z 1. Mal: vis schöne Helena. Sonntag 3'/, Uhr: Wiener Blut. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M. Henneguin und G. Mitchell. Für dir deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-BaeckerS. Morgen u. folg. Tage: �Ileek.ii. Firma. Sonntag, 24. März, 3 Uhr: Der FrinzgemahL___ Jb „CLOU" Berliner Hanerstr. 82 Konzerts Haus. Zimmerstr. 90/91. Oroßes Doppel- Konzert!!! Mnsikc. d. Grde.-Füsil.-Regte. Obenn. Dlppel Masiko, d. 2. Qrde.-Dr»g.-Rogte, Oben». Penchkc und 1 1! Zlllertbaler nnd Tegtrnseer Sänger, Plattler und Jodler!! J Anfang Z Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Woehentssen nachm.: Promenaden-Konaert bei freiem Eintritt Luisen-Theater. Mittwoch: Tie Rose von Japan. Donnerst.: Eine leichte Person. tceitag: Eine leichte Person. onnabend nachm. 4 Uhr: Rot- käppche«. Abends: Die Rose von Japan._ Belle-illianee- Theater. >/.9 Uhr: Ffruhlingsluft. Donnerstag: Ii» bunten Rock. Bchiller-Thealer O.IÄ: Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Weg zur Ilölle. Donnerstag, abends 8 Uhr: liyrltz-Pyrlt*. Freitag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Imdy Wineierniere» iEtteiier Schiller-Theater ChV«rB' Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Probepfeil. Donnerstag, abend« 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Freitag, abends 8 Uhr: Per Weg zur Hülle. IOSE-THEATE Große Frankiurter Str. 132. Abends 8 Uhr: und Sohn. Schauspiel in SAN. v. CH.Birch.Pieiffer. Donnerstag und folgende Tage: Der Gefangene von Zenda. Mutter I Metropol-Tlieater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. ist. Schultz. Hill UlUOfL- Sfieofer Alexanderplatz Unter den Linden Moritzplatz Hasenbeide Wedding Heute 5 neue.... Programme. Toranzeige: Ton Sonnabend ab: Südpol-Expeilition des Kapitäns Robert Falcon Scott. Neu erschienen: Ü.T.Z. Dnion-Tlieater- mit Programm. Nur in den 5 Union-Theatern erhältlich. MMia Ein neuer Sensationserfolg Nie man fiiänner bessert. 2 Akte von Anton u. Donat Herrnseld mit den klutoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: iler lüausteufel. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus 11— 2(Tbcaterkasse) Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllcrftrafse. Burleske von Meyseb Ansang wochentags Sonntag 7 Uhr. Ab 8 Uhr AM- vorletzte Woche-MW der große« komische« Novitäten Oscar und Suzette moderne Tänzer IiO$ � O» 33 usw. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das Kleine Caf£. Admisblspakiss! Am fetabc* ftfcdrhfaäfeMcl Allabendlich: Tänze auf d. Eise. | Die kleine Charlotte. Wcltmciater Bror Meyer. Dm prächtige Eisballett j Alpenzauber. Nachmittags; Knnstlaui- Produktionen. Bis 6 Uhr und von 10*/, Uhr{ abends halbe Kassenpreise. Kirkns ♦♦♦ A. Schumann Heute Mittwoch 7'/, Uhr: Die besten Badbanstier 5 Herren Aurora 5 mit ihrem lebenden Roulette. Dir. Albert Schumann in seinen neuesten Kreationen sowie die Ibrifen neuen Spezialitltea. Um 9 Uhr: Das ach se groBem Beifall aufgenommene neueste und größte Ausstattungsstück Das Motorpferd in 5 Akten und der großen Schlußapotheose mit noch nie dagewesen. Ettekten. arrasaml SebODbaiisef 4Hee. Telephon: Nord 4100| Mittwoch, den 20. Man: j Nachm. 3 Uhr n. 7'/, Uhr: 2 Vorstellungen 2. In beiden Vorstellungen ein komplettes Abendprogramm mit der vollständigen Szene aus Sm� Wlld-Wcst-TM ittags i öf alle Preise. Galerie 49 PI., III. Plats 70 Pf., II. Platz 1,»« M., L Platz 2 Parkett| 3 M., Logensitz 4 M. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Mittwoch, den 20. März 1912: Ntarta Stuart. Trauerspiel in 6 Ausz. o. Fr. v. Schiller. Kassenerösfnung 7, Ansang 8'lt Uhr. Morgen: PublmannS Th.: Benefiz für Toni OuB: Maria Stuart. Lebend! Lebend! Hede das | Ein atavistisches Wunder.| Bas Mädchen mit dem Ulibnenkopf. Halb Mensch— halb Animal. Da» blaue Weib, ein Opfer wilder Barbaren. 1 Die Frau in der Kanne, Befreiung a, d-Wassorgrabl Ohne Extra-Entree! Urania. WiMenschaftlichea Theater. 8 Uhr: Der ßroßglockner, Gastein und die Saizburger Alpen. Zirkns Itnscli Mittwoch, dee 20. Mörz 1912: 71/, Uhr 7'/, Uhr tiala-Abend. Die Hexe". Großes Volks-ManegeschauspleL Die Orpingtons! ünhhertroffen. Kekordlaistong gymnastischer Kunst. Um VI, Uhr: Ringkampf. Jeder Abend enthält nnr erstklassige, hochinteressante Kämpfe! (Nähere Einzelheiton siehe im _ Programm.)_ Folies Capriee. Täglich 8'l4 Uhr: Die BaiFon-öchlager Der PolizeihoDiI. as Broadwaj-Girl. KöDigstadt-Kasino. EckeHolzmarkt- u. A cxanderstrntze . Täglich: Ein fibeter Rechtsanwalt«»d Braver JulinS. Außerdem Serstll. Glanznummern Ans, 8 Uhr. SonntagS'1,6 Uhr. Miltw., Sonnab., Sonnt.: Tanz. Casino-Theaier Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. wmr Novität! THfi Der llkne Menschlagtr Die lustige Ztrohulitwe. Posse von Misch und Jacoby. Sonnt. 31/,: Die Tochter d. Sträflings. j Germaiiia-Praciusäle " Chausseestr. 110. Carl Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige _ änger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Nachdem Freltmis«. — Vorzugskarten gelten.—- Morgen Donnerstag: Militär-Streichkonzert. Anschließend: F»milienkra*zche« obnt Nachzablunq. V Für den Jntzal« ber Jnicrate übernimmt die Redaktion dem Publik»« gegenüber keinerlei Verantwortung. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach», Berlin. Für de, Inseratenteil verantw.: Th.«lecke, Berlin. Druck«.Vertag: Vorwärts Buchdrucker«» u. Vertagsanjmtt£kuii Singer u-Mo, BerUn SW. »,.67 29. 3. KtilW des„Nomarts" KerlM VslksblM. Ziebevtkr Verbandstag der Gastloirtsgehilfen. Nürnberg, 18. März 1912. Ter Siebente Verbandstag des Verbandes deutscher Gastwirts- gehilfen beginnt morgen im hiesigen Herkulesvelodrom. Er hat eine sehr reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Neben den rein geschäftlichen Fragen(Tätigkeitsberichte usw.) stehen eine Reihe sozialpolitischer Themata auf der Tagesordnung, die auch über die Reihen der Gastwirtsgehilsen hinaus Jnteresie erwecken dürften. Die Gastwirtsangestelltcn gehören ja zu der Arbeiterkategorie, die unter den schlechtesten sozialen Verhältnissen zu leiden haben. Die sozialpolitischen Fragen im Gastwirtsgewerbc, wie Arbeiterschutz, Arbeitsnachweis, Rcichsversicherungsordnung, werden darum einen besonderen Teil der Verhandlungen des Verbandstages in Anspruch nehmen.„Tie wirtschaftliche und soziale Lage der Küchen an- gestellten" und„Ein- und Auswanderung der gastwirtschast- lichen Angestellten" bilden ebenfalls besondere Beratungspunkte. — Die Statutenberatung— wozu eine neue Vorlage unterbreitet ist— wird wohl den breitesten Raum der Beratungen beanspruchen. Hier sind es in der Hauptsache die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung, und die Frage der Beitragserhöhung, die eine leb- hafte Erörterung zeitigen werden. Nach dem Geschäftsbericht, der sich auf die Jahre 1919/11 erstreckt, hat die Mitgliederzahl des Verbandes in der Be- richtsperiode um 4316 zugenommen; sie stieg von 9572 auf 13 918. Neu eingetreten sind in derselben Zeit 14 697, wegen restierender Beiträge mußten aber allein 8344 Mitglieder gestrichen werden. Tie Fluktuation ist also ganz enorm. Die Zahl der aufgenommenen Mitglieder zeigt aber auch, daß die Agitation sehr intensiv be- trieben wurde. Dieser ist es auch zu verdanken, daß eine Reihe kleinerer Lokalvereine geschlossen zum Verband übertraten.— Die Zahl der Streiks und Lohnbewegungen vermehrt sich ständig. Im Gastwirtsgewerbe sind Streiks ja besonderer Schwierigkeiten unter- warfen, es zeigt sich aber auch hier immer mehr, daß die gastwirt- sckaftlickcn Angestellten die Möglichkeit der Anwendung dieses letzten Mittels einsehen, und daß sie immer mehr gewillr sind, im Notfall von ihm Gebrauch zu machen. Das Jahr 1911 hat Lohn- bewegungen mit und ohne Streiks in solcher Zahl und Ausdehnung gebracht, wie nie ein Jahr zuvor, und sie sind auch nicht ohne Er- folg geblieben. Mit den Verwaltungen der Gewerkschaftshäuser hat der Verband meist Verträge abgeschlossen. Tie Arbcitsverhält- nisse in Privatbetrieben sind vielfach unter aller Kritik und hat es sehr haricr Kämpfe der Angestellten bedurft, um bessere Zustände zu schaffen. Aber auck in Staats- und städtischen Betrieben bedarf vieles der Remedur. Diese Betriebe sind nichts weniger als Muster- betriebe. Dies ist um so schwerwiegender, als die Zahl der von öffentlichen Korporationen betriebenen oder subventionierten Unter- nehmungen sehr rasch steigt und die dort gebotenen Lohn- und Arbeitsverhältnisse von dem übrigen Unternehmertum natürlich gern als Entschuldigung für die bei ihnen ebenso schlechten Ver- Hältnisse gebraucht wird. Die Bahnhofswirtschaften haben sich ge- radezu zu Lehrlingsfabriken entwickelt. In städtischen Betrieben, wie Restaurationen in den Rathäusern, Theatern usw. erreicht die Ausbeutung der Angestellten oft Formen, wie sie nicht einmal in allen Privatbetrieben anzutreffen find. Nach dem Kassenbericht hat das Vermögen des Verbandes in der Berichtszeit um rund 33 990 Mark zugenommen. Das Vermögen der Hauptkasse stieg auf 129 398,15 Mark und das der Verwaltungsstellen auf 49 931,12 Mark. Die Hauptkasse verein- nahmte in den Jahren 1998/99 insgesamt 179 185 Mark, 1919/11 aber 228 966 Mark. Die Ausgaben betrugen in derselben Zeit 118 522 Mark und 299 313 Mark. Die Einnahmen stiegen um 34,5 Prozent, die Ausgabe» aber um 76,6 Prozent. Auch ein Zeichen der gehabten Kämpfe. SewerksckaftUckes. Berlin und Umgegend. Tarifbewegung der Bauschlosser und Kunstschmiede. Eine vollbesuchte Versammlung der Bauschlosser und Kunst- schmiede nahm Monlogabend im großen Saale der.Brauerei Friedrichshain" das Resultat der bisherigen Verhandlungen niir den Uuiernehmern entgegen. Handle berichleie. Es sei sehr schwer gewesen, nennenswerte Zugeständnisse zu erzielen. Nach langen und schwierigen Verhandlungen kam zwischen beiden Parteien eine Ver- siäudigung auf folgender Basis zustande: ,§ 4. Ter Miudestlohn beträgt vom 1. April 1912 ab 57 Pf., für die Auogelernten im ersten Gesellenjahre 59 Pf., im zweiten Jahre 52 Pf., im dritten Jahre 55 Pf.; vom 1. April 1913 69 Pf., im ersten Jahre 52, im zweiten Jahre 55 Pf.— Diejenigen, die durch diese Neuregelung nicht mindestens um 3 Pf. in ihrem Lohn aufgebessert werden, erhalten eine einmalige Lohnzulage von 3 Pf. bei Abschluß des Tarifs." Bezüglich dc� Arbeitszeit wurde es erreicht, daß am Sonn- abend nur acht Stunden gearbeitet werden soll. Außerdem wurde Stunde für das Aufräumen der Plätze zugebilligt. Die Schlosser holten verlangt, daß die Arbeit nicht vor 7 Uhr morgens anfangen und nicht nach 5 Uhr enden solle.'Das letzlere war jedoch nicht zu erreichen, es wurde nur zugestanden, daß, wo es möglich ist, die Arbeit um 5'/» Uhr beendet sein soll. Die Frage der Ueberstunden ist ivie bisher geregelt. Doch soll in Zukunft den Arbeitern recht- zeitig vorher mitgeteilt werden, auch lollen Ileberstunden nur in dringenden Fällen eintreten. Betreffs der Mindestlöhne für Kolonnen- führer und Hilfsarbeiter, ebenso wegen der Dauer des neuen Ber- träges konn« eine endgültige Regelung noch nicht erzielt werden. Handle empfahl, diese Zugeständnisse zu prüfen und danach entsprechend zu beschließen. In der Diskussion wurde der Passus über den Schluß der Arbeitszeit bemängelt und die Form als zu unverbindlich bezeichnet nud wurde die Kommission beauftragt, dicierbalb nocbmals zu ver- bandeln. Was die Abmachungen über die Ueberstunden betrifft, so wurden dieselben antgeheißen. Zu einer längeren Debatte führte die Regelung der Mindestlöhne. Den meisten Rednern waren die Zugeständnisse i* dieser Frage zu gering. Es wurde verlangt, daß die Kommission noch einmal mit den Arbeitgebern verhandeln �nöge. Mehrere Mitglieder der Kommission, u. a. auck Krüger und Handle, rieten den Anwesenden, den Zugeständnissen, auch wenn sie nicht voll befriedigten, doch zuzustimmen. Tie Versammlung lehnte diesen Vorschlag jedoch mit großer Mehrheit ab. Die Verhandlungen nehmen demnach ihren Fortgang. Tic Klempner und Monteure in der Bierdruckbranche streben eine Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch einen Tarifver- trag a». J» Vcrlrauensmänncrkonfercnzen wurde ein Entwurf aus- gearbeitet, der einer Versammlung der Klempner und Monteure zur Beratung' und Beichlußfosiung vorlag, die am Montagabend bei MerkowSki in der Andreasftratze stattfand. Dietrich vom Deutschen Metallarbeiterverband erläuterte den Entwurf und verteidigte die vor- liegende Fassung gegenüber mancherlei Wünschen auf weitere Ver- besserungcn. Tie Diskussion war sehr rege; bemängelt wurde unter anderem, daß für Hilfsarbeiter keine Verbesserungen vorgesehen sind. Die Hilfsarbeiter sind leider noch schlecht organisiert, doch soll ver- sucht werden, auch für sie Verbesserungen zu erreichen. Die wichtigsten Forderungen in dem Tarifentwurf lauten: Die tägliche Arbeitszeit beträgt 9 Stunden, an Sonnabenden und an Tagen vor den Festen soll eine resp. zwei Stunden früher Feierabend sein.— Überstunden dürfen nur im äußersten Notfall gemacht werden und sind bis 8 Uhr abends mit 25 Proz., nach 8 Uhr als Nacht- sowie SonntagSarbeit mit 59 Proz. Aufschlag zum Lohn zu bezahlen. Der Prozentaufschlag tritt erst nach neun- stündiger Arbeitszeit in Kraft. Es ist nicht gestattet, Ueberstunden machen zu lassen, sobald noch die Möglichkeit besteht, neue Arbeiter einzustellen. Der Mindest lohn beträgt für Klempner und Monteure 89 Pf. pro Stunde. Dieser Mindestlohn mutz, gleichviel ob Lohn oder Akkord gearbeitet wird, unter allen Umständen gezahlt werden. Für Arbeiten außerhalb der Werkstatt ist außer dem Fahrgeld ein Auf- schlag von 19 Pf. pro Stunde zu bezahlen. Die weiteren Forderungen betreffen die Regelung der Verhältnisse, wenn die Arbeitsstelle in weiterer Entfernung liegt. In bezug auf die Alkordarbeit wird verlangt: Alle Akkordpreise werden um 19 bis 15 Proz. erhöht. Der Preis über eine Arbeit muß. bevor die Arbeit tu Angriff genommen wird, vorher mit dem Arbeiter vereinbart werden. Entstehen bei Festsetzung von Akkordsätzen Differenzen, so ist mit einer von den Arbeitern gewählten Kommission zu ver- handeln. Dann folgen die in Tarifverträgen üblichen Bestimmungen. Gültigkeit soll der Vertrag bis zum 1. März 1914 haben. Die Versammelten gaben diesem Entwurf ihre Zustimmung und wählten für die einzelnen Betriebe Kommissionen, die den Unter- nehmern die aufgestellten Forderungen sofort unterbreiten sollten. Achtung, Tapezierer! Die Differenzen bei, der Firma Glaß, Lottumstraße 18, sind noch nicht geregelt; die Sperre besteht fort. Die Firma B a ch e r n i ck, Usedomstraße 21, ist wegen Tarisbruchs für Polsterer und Dekorateure gesperrt. Die Schlichtungskommisfion. Achtung! Wagcnsattler. In der Wagenfabrik von Gebr Wienicke, Nachfolger, Pankow, Breitestr. 17, haben sämtliche Sattler wegen erfolgter Aklordreduzierungen und damit verbundener Maßregelung des Vertrauensmannes die Arbeit eingestellt. Der Betrieb ist für Sattler gesperrt. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Deutsches Reich. Es geht auch ohne Zuchthausgesetz. In I n st e r b u r g ist ein Maurer wegen Bedrohung eines Arbeitswilligen zu der überaus hohen Strafe von 6 Monaten Ge- fängnis verurteilt worden. Die Maurer eines Baues hatten die Bausperre verhängt, weil einer ihrer Kollegen gemaßregelt worden war. Einer der Streikenden soll nun einen Arbeitswilligen mit Prügeln bedroht haben; und deshalb 6 Monate Gefängnis! Der Staatsanwalt forderte eine exemplarische Bestrafung. Dieser Ansicht schloß sich das Gericht an, indem es in der Urteils- begründung betonte, der Streik wäre ohne Anlaß vom Zaun gebrochen. Es hätte sich lediglich um eine frivole Kraftprobe ge- handelt, und es müsse für später ein warnendes Beispiel gegeben werden. Selbst ein Teil der ostelbischen bürgerlichen Presse macht dem Gerichtshof wegen dieses Urteils Vorhaltungen, und das will schon etwas bedeuten. So schreibt ein Blatt, das die Strafe für außer- ordentlich hart hält: „Mancher dürfte hier Vergleiche anstellen mit gewissen Schimpfereien und Bedrohungen, die sich ungestrafter und wilder ausleben und noch großartig in angeblicher Wahrnehmung so- genannter berechtigter Jmeresse begründet werden. Der Autorität unserer Justiz wird nicht damit genützt, wenn man dem Volke Ge- legenhcit gibt, solche Vergleiche anzustellen." Tamabschluft im Düsseldorfer Zimmerergewerbe. Einen recht annehmbaren Erfolg haben die Düsseldorfer inimerer durch ihre diesjährige Lohnbewegung erzielt. Für das iinmcrgewerbe bestand ein Tarifvertrag, der entgegen den sonstigen Abmachungen bereits am 31. März d. I. abläuft. Die in letzter Zeit stattgesundencn Verhandlungen haben zu einer Einigung ge- führt. Der Lohn, der zurzeit 68 Pf. beträgt, wird ab 1. April d. I. auf 79 Pf., ab 1. August d. I. aus 71 Pf., ab 1. April 1913 aus 74 Pf. und ab 1. April 1914 auf 76 Pf. für die Stunde erhöht, so daß die Lohnsteigerung während der Vertragsdaucr 8 Pf. für die Stunde beträgt. Ter bedeutendste Erfolg der Bewegung beruht indes darauf, daß die Arbeitszeit ab 15. März 1913 von 9�! auf 9 Stunden verkürzt wird. Im Baugewerbe, soweit Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter in Betrocht kommen, besteht in ganz West-, Mittel- und Süddeutschland kein Tarifvertrag, der für die sommernionatc die neunstündige Arbeitszeit vorsieht. Es ist den Düsseldorfer Zimmerern durch die diesjährige Bewegung ge- lungen, Bresche zu legen in die Bestrebungen des Unternehmer- Verbandes, eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit unter zehn Stunden nicht eintreten zu lassen. Der abgeschlossene Tarifver- trag hat Gültigkeit bis zum 31. Mörz 1915, so daß auch die Be- strcbungen der Scharfmacher im Baugewerbe, alle Tarifverträge auf einen bestimmten Datum ablaufen zu lassen, dadurch durch- kreuzt sind._ Erfolge des Glasarbcitcrverbandes i» Thüringen. Tie materiell am schlechtesten Gestellten der Glasarbeiter, die Glasheimarbeiter des Meininger Oberlandes, haben eine Lohn- bewegung hinter sich, deren Ausgang Erwähnung verdient. Die Christbaumschmuckarbeiter und Puppenaugenmacher in Lauscha und den umliegenden Orten waren bis vor einem Jahre so gut wie gar nicht organisiert. Unermüdlich arbeitete indessen der Glasarbeiter- verband an der Organisierung dieser Berufskategorie. Es gelang auch, eine größere Anzahl der Heimarbeiter zu organisieren. Heute sind die Unorganisierten im ganzen Bezirk seltene Äusnahmen. Dem agitatorischen Fortschritt folgte der pekuniäre Erfolg auf dem Fuße. Eine über den ganzen Bezirk ausgedehnte Lohnbewegung brachte den Heimarbeitern eine zchnprozentige Erhöhung der Preise, die zu bezahlen sich namentlich die schwerreichen Exporteure der Christbaumbranche anfänglich sträubten. Das half ihnen aber nichts. Sie wurden es gewahr, daß die armen und elend bezahlten Christbaumschmuckarbeiter ein mächtiger Faktor sind, wenn sie organisiert gemeinsam auftreten. So kam es, daß die Arbeiter einen Tarif zur Durchführung brachten, der ihnen eine 19prozentige Lohnerhöhung garantierte. Die Zahl der Arbeiter, die an dieser Errungenschast Anteil haben, beträgt rund 1599. Konventionalstrafe» bei Lohnbewegungen. Ein interessanter Prozeß hat nunmehr vor dem Oberlandes- gericht Augsburg seinen Abscbluß gefunden. Im Sommer vorigen Jahres traten die Schlossergesellen in Augsburg in eine Tarif- bewegung ein. Die in einer Innung vereinigten Schlossermeister beschlossen nun, mit der Organisation der Gehilfen zwar zu ver- handeln, aber unter keinen Umständen einen Tarif mit der Orga- nisation abzuschließen. Damit dieser Beschluß geHaften werde, ver- pflickiteten sich die Meister, je nach der Gebilfenzabl eine Konventional- strafe zu zahlen, wenn der gefaßte Beschluß nicht eingehalten wird. Der Schlossermeister Plabst protestierte zwar in der Meister- Versammlung, unterschrieb aber später doch den Revers. Die Ge- Hilfen traten infolge der ablehnenden Haltung der Meister in den Streik. Schlossermeister Plabst, der Arbeiten zu einem bestimmten Termin fertigzustellen halte, sah sich gezwungen, nachzugeben und unterschrieb den von der Gehilfenorganisation eingereichten Tarif. Die Schlofferinnung verlangte nun von dem ausgesprungenen Mitglied die Bezahlung der vereinbarten Konventionalstrafe in Höhe von 659 M.; als Plabst dies verweigerte, erfolgte gerichtliche Klage. Das Landgericht Augsburg(Zivilkammer) wies die Klage der Schlosserinnung kostenfällig ab, da die Vereinbarung auf Grund des§ 152 der Reichsgewerbeordnung erfolgt sei und jedem Be- teiligten es freistehe, von einer solchen Vereinbarung zurückzutreten. Auf den Rücktritt könne weder Klage noch Einrede erfolgen. Die Schlosserinnung hat gegen das abweisende Urteil Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt. Auch dieses hat nun die Klage unter Aufbürdung der Kosten auf die Klägerin abgewiesen. indem sich das OSerlaiidesgericht auf den Standpunkt der ersten Instanz stellte._ Die Treibriemensattlcr Hamburgs hatten den Unternehmern einen Tarifentwurf überreicht und um gemeinschafttiche Ver- Handlungen darüber ersucht. Die Unternehmer lehnten gemein- schaftliche Verhandlungen ab; nur vier waren bereit, mit der Or- ganisation in Einzelverhandlungen einzutreten. Die Vcrhand- lungen wurden unter Hinzuziehung eines Vertreters des Zentral- Vorstandes der Sattler und Portefeuiller und des Sekretärs des Jndustrieverbandes(Sitz Dresden) geführt. Erzielt wurden: Ein- sührung der 53stündigen, an Stelle der bisher üblichen 57» und 59- stündigen Arbeitswoche. Erhöhung des Mindestlohnes von 24 auf 27 M. für gelernte Sattler und Gerber und von 21 auf 23,59 M. für Hilfsarbeiter. 5 Proz. Lohnzulage am 1. April 1912, 3 Proz. am 1. April 1914 und 2 Proz. am 1. April 1915. Für Ueberarbeit gab es gar keinen oder nur einen sehr geringen Zuschlag, jetzt 29 Proz. und für Nacht- und Sonntagsarbeit 59 Proz. Wesentliche Verbesserung bedeutet die jetzt zu gewährende Vergütung für Montagearbeit. Bei Ncumontagen in der Stadt werden 5 Pf., bei alten Riemen 19 Pf. pro Stunde extra bezahlt, ebenso die Aus- gaben für Mittag- und Abendessen. In Deutschland werden 4,59 Mark, im Auslande mindestens 6 M. Tagesspesen vergütet. Die Akkordsätze werden mit den Arbeitern jeden Betriebes besonders geregelt. Eine gutbesuchte Versammlung der Arbeiter stimmte den Vereinbarungen zu.— Die Firma Gehrkens u. Co. will, wie sie den Organisationsvertretern erklärte, sich mit ihren Arbeitern ver- ständigen und noch mehr als die übrigen Unternehmer bewilligen, nur nicht die neunstündige Arbeitszeit einführen. Auch bei den Firmen Scholz und Karl Marx bestehen noch Differenzen.— Sosort nach Bekanntwerden der Lohnbewegung offerierte„Wwe. Müller, Hamburg" und eine Berliner Firma ihr reichsortiertes Arbeitswilligenheer; die Unternehmer lehnten aber das Angebot der Hintzegarde ab._ Kein Terrorismus. Die Textilfirma Karl Fleer u. Co. in M.-Gladbach-Rhehdt erließ an ihre Arbeiter die folgende Bekanntmachung: � „Hierdurch fordern wir sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen auf. falls sie irgend einem Verbände angehören, sich sofort bei demselben abzumelden, da wir nicht dulden, daß bei uns beschäftigte Personen einem Verband angehören. Alle bei uns in Arbeit stehenden Arbeiter und Arbeiterinnen haben sich innerhalb 8 Tagen schriftlich zu verpflichten, daß sie keinem Verbände angehören, widrigenfalls sofortige Entlassung erfolgt". Ausland. Lahmlegung der Bautätigkeit durch die danische Arbcitgebervereinigung. Die Erd- und Betonarbciter Kopcubagens stehen seit November vorigen Jahres im Streik. Die oft lviederholten Eint- gungsversuche des staatsangestellten Schlichtnngsmannes hätten wohl im Laufe der Zeit schon einmal zu einem Uebereinkommen führen können, aber damals setzten die Erd- und Betonarbciter, un- zufrieden mit den Einigungsvorschlügen, ihren alten Vorstand afr und wählten einige syndikalistische Mitglieder zu ihren Ver- trauensmännern. Die Unternehmer suchten die Uneinigkeit unter den Arbeitern auszunutzen und zu fördern, kokettierten mit den überrevolutionären Syndikalisten und machten ihnen zum Schein weitergehende Zugeständnisse als dem alten Vorstand. Als nun aber der syndikalistische Vorstand abgewirtschaftet hatte, die Erd- und Betonarbciter den alten wiederwählten und die Verbindung mit ihrer Zentralorganisation, dem Dänischen Arbeitsmannsver- band, wiederherstellten, traten die Unternehmer von ihren Zu- geständnissen zurück, und der Schlichtungsbeamte mußte von neuem eingreifen. Endlich, Ende der vorigen Woche, war es gelungen, einen Tarifvertrag zustande zu bringen, der die Zustimmung beider Parteien fand. Die Unternehmer im Erd» und Betonfach und mit ihnen die vielen kleinen Unternehmer in den Baugewerben waren froh, daß der langwierige Lohnkampf gerade noch rechtzeitig beendet war, um die Frübjahrsbauarbeit mit voller Kraft auf- nehmen zu können; aber das paßte den in der Arbeitgebervereini- gung herrschenden Jndustrieherren und Grotzkapitalisten nicht in den Kram, und deswegen machten sie die Durchführung deS Tarifvertrages der Erd- und Betonarbeiter davon abhängig, daß gleich- zeitig ein Konflikt in der Z e m e n t i n d u st r i e Jütlands be. ender werden sollte. Dort sind nämlich die Arbeiter der Zement» fabriken seit Anfang März ausgesperrt, und in dieser Industrie sind alle Einigungsvcrsuche gescheitert, soweit sie die Lohnhöhe in Frage kommt. Auch die letzten Verhandlungen, am Donnerstag, verliefen trotz aller Bemühungen des Schlichtungsbcamten ergebnis- los, weil die Unternehmer hartnäckig daran festhielten, daß der Stundenlohn in den Zementfabriken in den nächsten vier Jahren nicht über 34 Oere steigen soll. Die kleinen Unternehmer der Vau- gewerbe sind entrüstet darüber, daß ihre großindustriellen„Kol- legen" in der Arbeitgebervereinigung ihnen das Frühjahrsgeschäft verderben, aber sie find eben Hörige des Großkapitals und fühlen sich außerstande, den kapitalistischen Mächten Trotz zu bieten, ?Ziis Induftm und DandcL Kapitalzufuhr und Rentabilität im deutschen Bergbau. Im deutschen Bergbau läßt sich die Bewegung der Neumvestis. rungcn der letzten fünf Jahre als Spiegelbild für die günstigen Ergebnisse der Gesellschaften benutzen. Ein Vergleich der Reu- investierungen zeigt uns eine auffallende Steigerung in den Jahren 1999 und 1919. Diese Kapitalzufuhren wurden durch die im Jahre 1912 erforderlichen Verlängerungen des Kohlensyndikats und des Stahlwcrksverbandes veranlaßt. Die Gesellschaften wollten gerade zur Zeit der Verhandlungen ihre vergrößerten Betriebe vollendet haben, um mit entsprechenden Anträgen auf Quotenerhöhung an den Verband herantreten zu können. Andererseits kommt auch noch die günstige Wirkung des Kaligesetzes hinzu, das eine Zunahme der Neugründungen im Kalibergbau vcranlaßte. Wenn aus diesem Grunde die Kapitalzufuhr gerade des Vorjahres sehr hoch war, dann ist es auch nicht besonders auffallend, daß das folgende Jahr eine zwar bedeutende Summe für Neuinvestierungen der Montan- industrie aufzuweisen hat, die aber gegen das Vorjahr eine Ab- nähme zeigt; denn erstens hätten Neubauten und Erweiterungen, solange sie noch unvollendet sind, auf die Quotenerhöhung keinen Einfluß gehabt und zweitens würden die Verlängerungen der Ver- bände früher stattfinden, als bis mit einer Fertigstellung gerechnet werden könnte. Gegenwärtig liegen noch keine genauen Angaben vor, ob überhaupt eine Erneuerung dts Stahlwerksverbandes ge- lingen wird. Die Kapitalzufuhr innerhalb der letzten fünf Jahre für die deutsche Montanindustrie spiegelt sich in nachstehender Zu- fammcnstellung wider in Millionen Mark: 1997 1998 1999 1910 1911 Neugründungen... 38,27 28,93 46,68 16,54 754 Kapitalserhöhungen.. 79,79 82,18 93,15 15l'67 197'gl Summe der Neuinvest.. 109,96 110,26 139,83 168�21 11545 SMe steigende Entwicklung der deutschen Montanindustrie kommt auch in der Bewegung der Dividendenziffer zum Ausdruck. Für das letzte Geschäftsjahr 1310/11 hatten insgesamt IS7 Gesell- schaften des reinen Bergbaus ihre Bilanzen vergleichbar ver- öffentlicht, deren gesamtes Aktienkapital im letzten Jahre 1032,03 Millionen Mark betrug. Die 1310/11 ausgeschüttete Dividenden- summe dieser reinen Bcrgbauaktiengesellschaftcn belief sich auf 81,74 Millionen Mark. Gegen das Vorjahr hat sich demnach eine Steigerung von 73,85 auf 81,74 Millionen Mark bemerkbar ge- macht, die nach Prozent des Aktienkapitals berechnet eine Zunahme von 7,3 auf 7,9 Proz. beträgt. Für die Rentabilität im deutschen Bergbau sind auch noch die Ergebnisse der Aktiengesellschaften der Gruppe Hütten und gemischte Betriebe mit heranzuziehen. Die deutsche Schwerindustrie hat gleichfalls im letzten Jahre eine höher- Dividcndcnsumme als im Vorjahre zur Ausschüttung gebracht. In Prozent des jeweiligen Aktienkapitals berechnet, ergibt sich eine Zunahme von 9,4 auf 10,0 Proz. Faßt man die beiden ge- nannten Gruppen, den reinen Bergbau und die Hüttenwerke, zu- fammen, so haben diese 235 Aktienuntcrnehmungcn im letzten Ge- schäflsjahre durchschnittlich eine Steigerung ihrer Dividendcnziffer von 8,4 auf 9,1 Proz. erzielt. Die Rentabilität der Stein- und Braunkohlenbergwerke, sowie des Erz- und Kalibergbaus spiegelt sich in nachstehender Tabelle Wider: i'»n Aktienkapital Dividende Dividende schatten in 1000 Mark in Prozent '"W6" 1009/10 1910/11 1909/10 1910/11 1009/10 1910/11 Steinkohlenbergbau. Braunkohlenbergbau. 43 170 082 134119 16 458 17 469 9,7 9,5 Erzbergbau. 10 43 969 43298 2 218 2 863 5,0 6,6 Kalibergbau 26 168 045 168 195 4 840 7 433 2,9 4.4 Alle diese Gruppen mit Ausnahme de? Braunkohlenbergbaus haben eine Steigerung der Dividcndenziffer gegen das Vorjahr auszuweisen. Am stärksten ist die Zunahme im Erzbergbau. Auch der Kalibergbau hat eine Steigerung von 1,5 Proz. zu verzeichnen. Der Steinkohlenbergbau folgt mit einer Vergrötzerung der Divi- dende um 9,6 Proz. an dritter Stelle. Divldendcncrgcbnisse in der Schwerindustrie. Die Zahl und Ausdehnung der gemischten Betriebe hat be- sonders im letzten Dezennium kräftig zugenommen. Die Unab- hängigkeit voni Kohleumarkte garantiert diesen Betrieben eine selbst für die Verhältnisse der Montanindustrie ungewöhnlich hohe Rentabilität. Im letzten Jahre ist der durchschnittliche Dividenden- ertrag wieder ganz erheblich gestiegen. Die Bewegung von Aktien- kapital und Dividende bei den Gesellschaften, die in den Jahren 1993 bis 1911 ihre Bilanzen veröffentlichten, ergibt sich au» nach- stehender Zusammenstellung: Aktienkapital 492 532 493 131 40 543 43 542 8,2 8.3 «081 vxi-«"«HUMUU» Tt-lUl in Millionen in Millionen Dividende Gesellschaften 1908 1909 1910 1911 Die Bilanzen 83 83 72 78 des Mark 1130.87 1130.87 905.27 1348,33 Jahres 1903 Mark 102,23 84.59 81,45 135,39 spiegeln die in Prozent 9,0 7.5 9.0 10,0 Ergebnisse des Hochkonjunktnrjahres t907. Es»uiss daher auffallen, daß die im Jichrc 1911 ausgeschüttete Dividende durchschnittlich schon höher war, als die im Jahre 1903 verteilte. Für einen Vergleich von Rein- gewinn und Verlust in den beiden letzten Jahren lassen sich die Bilanzen von 74 Gesellichasten verwerten. Bei diesen gestalteten sich die Geschäflsergebnisse wie folgt: Jahr Zahl der Gesellschaften Aktien- Reingewinn kapital resv. Verlust in Millionen Marl 1909/10 1910/11 61 1179,18+149,13 13 29,30— 2,64 62 1 313,59+ 190,73 12 23,16— 2,52 Demnach ist der Reingewimiüberschuss von 146.49 auf 188.21 Millionen Mark gestiegen. In Prozenten deS gesamten Aktienkapitals ergibt sich eine Besserung von 12,1 auf 14,1 Proz. Borbcreitung eines Röhrensyndikats. Die bekannten Mannesmannröh renwerke A.-G. in Düsseldorf, deren Werke über die ganze Erde verstreut sind, suchen ihren Einfluß durch Verschmelzungen mit anoeren Betrieben weiter auszudehnen. Die Konzentration um die Manncsmannwcrke ist so stark, daß bereits davon gesprochen wird, Mannesmann strebe ein Verkaufsmonopol für den Röhrenmarkt an Einer künftigen Syn- dizierung der Röhrensabrikation wird jedenfalls stark vorgearbeitet. Die Mannesmannröhrenwerke arbeiten mit einem Aktienkapital von 30 Millionen Mark. Der Umsatz aller Werk? beläuft sich auf etwa 62 Millionen Mark. In den Betrieben sind rund 10 500 Arbeiter beschäftigt. Die kürzlich angegliederten Wittener Stahlröhrenwerke(3,5 Millionen Mark Ak« tienkapital) erzielten 1910 einen Umsatz von 5 46 Millionen Mark und beschäftigten etwa 800 Arbeiter. Die Aktiengesellschaft Balckc, Tellering u. Cie., deren Produktion die Mannes- mann ebenfalls zum Verkauf übernoimnen haben, verfügen über 6 Millionen Mark Aktienkapital. Jetzt werden in ähnlicher Weise noch die Wasscrgas-Schweißwerke A.-G. Gustav K u n tz e(1 Mil- lion Marl Kapital) angegliedert werden. Soziales. VersichcrungSgesellschafteu gegen mipartciische Richter. Vor dem K a u f m a n n s g c r i ch t in Halle a. S., so berichtet man uns von dort, kam es in der letzten Sitzung zu äußerst erregten Auseinandersetzungen zwischen dem G e- r i ch t s a s s e s s o r Hoffmann mtd dem juristischen Ver- tretec der bekannten großen V e r s i ch c r u n g s g e s e l l- s ch a f t„ I d n n a die in Halle ihren Sitz hat und über ganz Deutschland verbreitet ist. Während die Gesellschaft ihren sechs Aufsichtsrats- und Vorstandsmitgliedern— die Direktoren erhalten nebenbei Ministergchälter— im letzten Geschäftsjahr eine Tantieme von 140 525,30 M. zahlte, müssen die angestellten Stehkragenproletarier, die sich In- spektorcn nennen dürfen und permanent treppauf treppab laufen, uni Versicherungsabschlüne zu erzielen, in Not und Elend schmachten. Dies sah auch schließlich der Vorsitzende des Kaufmanusgerichts, Assessor Hoffmann, ein und erklärte die Ver- träge, die die Gesellschaft mit ihren Angestellten abgeschlossen hatte, als gegen die guten Sitten verstoßend. Die Inspektoren Und Agenten wurden allerdings mit Gehalt angestellt, sollten aber pro Monat ein bestimmtes Pflicht- p e n s u m machen; lieferten sie das nicht, dann erhielten sie eine Hungerprovision. So kam es, daß fast in jeder Kaufmanns- gerichtssitznng Termine gegen die große Jduttagesellschaft anstanden. An einem Tage waren es acht; m der letzren Sitzung „nur" vier. In der letzten Urteilsbegrimdung hatte nun Assessor Hoffmann der„wohllöblichen" Gesellschaft— in dem Aufsichtsrat befindet sich die Creme Halles— vorgeworfen. ihren Verträgen wäre die Täuschungsabsicht an die Stirn geschrieben. Die gezählte Provision charakterisiere sich als H u n g e r l o h n. Die Gesell- s ch a f t nütze die U u>v t s s e n h c i t der A n g c sie l l t c n aus. Darob große Entrüstung. Der Vertreter der Gesellschaft erklärte, er müsse Assessor Hoffmann wegen Besorgnis der Befangenheit ablehnen, da das letzte Urteil tendenziös abgefaßt sei und es im höchsten Grade die Objektivität vermissen lasse, die sonst von preußischen Richtern so sorgfältig gewahrt zu werden pflege. Der Richter habe die Gesellschaft diskreditiert, da er auch hektogrnphische Ab- schriften des Urteils an Beisitzer des Gerichts versandt habe; kurzum, er habe gegen die Gesellschaft„agitiert". Nach der Herbcirufung eines Ersatzrichters erklärte sich Assessor Hoffmann für nicht befangen. Es fiel ihm aber auch nicht ein, von den gegen die Jdunagesellschaft im Urteil erhobenen Vorwürfen etwas zurückzunehmen. Die Urteils- begründung sei im Einverständnis mit den übrigen Richtern abgefaßt und dann den Beisitzern aufWunschzugesandtlvorden. Einem Richter könne unmöglich das Recht genommen werden, das klar zum Ausdruck zu bringen, was festgestellt worden sei. Der Ablchnungsantrag scheine offenbar den Zweck zu haben, einen Druck auf das Gericht auszuüben. Man will jedenfalls einen Zwang ausüben und damit nachbohren, um durch die Ablehnung eine der Gesellschaft günstigere Entscheidung zu er- zielen. Gegen ein solches Tun müsse aber mit Entschiedenheit Verwahrung eingelegt werden. Das Gericht erklärte den Richter für nicht befangen. Der Vertreter der Gesellschaft machte aber geltend, daß er bei jeder weiteren Verhandlung einen neuen Ablehnungsantrag stellen werde. Denn die Gesellschaft habe bei dem Regiekungspräsidenten auch ein Disziplinar- verfahren gegen Assessor Hoffmann eingereicht. Aus formellen Gründen vertagte nun Assessor Hofsmann, nachdem er den Vorsitz wieder übernommen, die Verhandlung bis zur Erledigung der Disziplinarbeschwerde. Wird die kapitalkräftige Gesellschaft mit ihrem Vorstoß gegen den Richter, der einmal den Mut fand, auszusprechen, was ist, Erfolg haben? Wir wollen es abwarten. Von der unabhängigen Presse wird der noblen Versicherungsgesellschaft „Jduna" aber nichts geschenkt ivcrden, darauf kann sie sich verlassen. Deutschland gegen internationalen Arbritcrschutz. Bekanntlich besteht ein internationales Ucbereinkommen bc- treffend Verbot der Verwendung weihen(gelben) Phosphors in der Zündholzindustrie. Aus einem zwischen England und der dcnt- schon Regierung gepflogenen schriftlichen Verkehr ging nun hervor, daß letztere die Meinung vertrete, es sei Artikel I des lieberem- kcmmcns auf die Einfuhr von Mustersendungen von Zündhölzchen mit weißem Phosphor nicht anwendbar. Eine Umfrage des schweizerischen Bundesrats hat ergeben, daß neben Deutschland nur Holland und Luxemburg der Meinung sind, dieser erste Artikel des internationalen Ucbercinkommcns be- ziehe sich nicht auf Mustersendungen. England, Italien, Frank- reiche Spanien und die Schweiz halten dafür, daß dieses Verbot ohne irgendwelche Einschränkung die Einfuhr in die Vertragsstaaten und den Verkauf von Zündhölzchen mit weißem Phosphor treffe. Es ist in der Tat nicht einzusehen, weshalb die burcaukratischc Regierung von Bcthmann Hollwcg hier wieder eine Ausnahme machen will. Was für einen Zweck haben denn Mustersendungen der Phosphorzündhölzckcn nach einem Lande, in dem der Verkauf solcher Ware verboten ist? Der Vorgang zeigt aber wieder einmal die Halbheit und Un- aufrichtigkcit der amtlichen Sozialreform in Deutschland, die nach der schönen Ucbung der Echtcrnachcr Springprozcssion zwei Schritte vorwärts und einen wieder zurück macht, so daß der vcrmciMliche Fortschritt zur Illusion wird. ßm der frauetibewegim� Ter sozialdemokratische Frauentag in der Schweiz. Am Sonntag fanden an zaklrcicbcn Orten der Schweiz, so in Zürich, Winterthur. St. Gallen, Schafshauscn, Basel, Bern, Luzcru usw., sozialdemokratische Frauenversanimlungen mit Referaten über das Frauenstimmrecht statt, in denen folgende vom Schweige. rischen Arbciterinncnvcrband vorgeschlagene Resolution Annahme fand: In der Erkenntnis, daß die Entwicklung des Kapitalismus da? soziale Leben umgestaltet, indem die Frau der Häuslichkeit entrissen und zur produktiven Arbeiterin umgewandelt wird; daß die Zahl der erwerbstätigen Frauen in Industrie und Handel und Gewerbe von Jahr zu Jahr mehr zunimmt als die weibliche Bevölkerung selbst; daß durch die Umgestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse mit den neuen Pflichten den Frauen auch neue Rechte zu- kommen, die den Reckten der Männer gleich sind; daß nur Mit dem Besitze politischer Frauenrcchte für die weiblich? Arbeitskraft eine höhere Wertung eintritt, der eine höhere Entlohnung der männlichm Arbeitcrichaft nachfolgt; daß durch das öffentliche Wirken der Frau im Staat eine Hebung der Lebenshaitting zu erwarten ist; daß einzig mit Hilfe des organisicrren Frauenproletariats die Ausbeutung de» Menschen durch den Menschen dauernd be- seitigt wird; daß unter den politischen Parteien die Sozialdemokratie allein für diese Ziele kämpft; beschließt der zweite Schweizerische Frauentag: Die Vertreter der sozialdemokratischen Partei der Schweiz in den Behörden sind durch den näckstcn Parteitag zu verpflichten, bei allen sich bietenden Gelegenheiten energisch einzutreten für das gleiche Stimm- und Wahlrecht der Frau, wie es den Man- ncrn durch die Staatsverfassung gewährleistet ist. Uneheliche Kinder. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die unehelichen Kinder, die im allgemeinen der Klasse der begabten Menschen zugerechnet werden müssen, einen unverhältnismäßig großen Prozentsatz der Bestraften ausmachen. DaS ist der schlagendste Beweis dafür, daß unsere heutige Gesellschaftsordnung ihre Pflicht an diesen Unglück- lichen verfehlt, und ist Ursache, daß sich die kraftvollen Triebe dieser Menschenkinder gerade auf dem Gebiete des Schlechten, besser ge- sagt, des Gesehwidrigen, betätigen. Die, schmählichcrweise be- sonders durch die Kirche bedingte, Ausnahmestellung dieser 10 Proz. aller Neugeborenen in Deutschland und auch in Oesterreich, wo zirka 85 Proz. der Sträflinge der katholischen Religion angehören (Oesterreich ist doch vorwiegend katholisch), besteht trotz aller laut erhobener Klagen immer noch stark fort. Interessant ist es au» einer österreichischen Statistik, die die„Grcnzboten" veröffentlichen. absolut deutlich zu ersehen, daß das Vorwärtskommen des unehc- lichen Mädchens doch noch bedeutend viel schwerer ist, als das des unehelichen Knaben, waS zu einem großen Teil auf die größere Unbildung dieser Mädchen zurückgeführt werden muß. Wenn das Vorankommen dieser unehelichen Mädchen durch Schulung gesicherter wäre, könnten und würden sie nicht so viel ihren Weg in die Strafanstalten nehmen. Der unehelich geborene Mann hat bekanntlich bis jetzt weit mehr Chancen, sich im Leben eine größere Bildung anzueignen, steht dadurch den Fährnissen des Daseins gewaffncter gegenüber. Damit wollen wir also scharf zum Ausdruck bringen, daß einerseits die Ausnahmestellung, unter der leider noch alle unehelich Geborenen leiden, andererseits aber die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht, größere Gefährdung bedingen, und daß nicht nur der ehelich geborene Knabe dem ehelich geborenen Mädchen gegenüber, sondern auch der unehelich geborene Knabe dem unehelich geborenen Mädchen gegenüber besser gestellt ist, und daß daher für da» unehelich geborene Mädchen ganz b e- sonders gute Vorkehrungen von Staat und Gemeinde ge- troffen werden müßten, um so mehr, als hier die Kirche jämmcr- lich versagt. Von den 19 0 8 eingelieferten 5029 Gesamtsträflingen der er- wähnten österreichischen Statistik waren 4548 Männer und 481 Frauen. 640 Männer, gleich 14 Proz. dieser Gcsamtstatistik, und 106 Frauen, gleich 21,9 Proz., waren unehelicher Herkunft. Von den 19 0 9 eingelieferten 5170 Gesamtsträflingcn waren 4676 Männer und 494 Frauen. 715 Männer, gleich 15,2 Proz., und 112 Frauen, gleich 2 2,6 Proz. dieser Gesamtheit, waren unch?- licher Herkunft. Darunter aber befanden sich, sagt die Statistik im Jahre 1998: 841, gleich 18,4 Proz., männliche und 134, gleich 2 7,8 Proz., weibliche Analphabeten. Im Jahre 1999: 796, gleich 16,9 Proz., männliche und 136, gleich 27,4 Proz., weibliche Analphabeten. Weit interessanter aber noch gestaltet sich diese kleine llebcrsicht, wenn man erfährt, daß von den 1993 ein- gelieferten Sträflingen 557 Männer, gleich 12,2 Proz., und von den 1909 eingelieferten Sträflingen 637 Männer, gleich 1 3,5 P r o z., noch nicht vorbestraft waren. Dagegen waren von den 1903 eingc- lieferten Frauen 122, gleich 2 3,3 Proz., und von den 1909 cinge- lieferten Frauen 119, gleich 2 2,2 Proz., noch nicht vorbestraft. Daraus aber erhellt, daß zirka 75 Proz. der eingelieferten weiblichen Sträflinge, jedoch zirka88Proz. der eingelieferten männlichen Sträf- linge rückfällig waren, wozu noch zu bemerken ist, daß es sich' bei der Statistik, wie immer, in der Hauptsache um Eigentums- vergehen handelt. Es braucht hier wohl kaum hinzugefügt zu werden, daß sich den Frauen dafür bei Ausübung der Proftitution weit mehr Gelegenheit bietet al» den Männern, und Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Lescabcnde. Wilmcrsdorf-Halcnsce. Donnerstag, abends 31h Uhr, im Nestau- rant von Schilling, Lauenburgcr Str. 20/21: Vortrag des Ge- nassen Hilbik über den zweiten Teil des Erfurter Programms. Beiträge werden entgegengenommen. Gericdts-Geltung. Schadcnsklagc gegen das Prcsshefesyndikat wegen Boykotts. Der Verband deutscher Presshefefabriknnten in Berlin hat An- fang des Jahres 1906 über die Waren-Einkanfsgesellschaft m. b. H. in Berlin, die sich mit dem Vertrieb von Bäckcreiartikcln, Haupt- sächlich Hefe, befaßt, die Sperre verhängt. Er untersagte seinen Mitgliedern, Hefe an die Gesellschaft zu liefern. Die Folge davon war, daß die Wareneinkaufsgesellschaft die von ihr benötigte Hefe nicht mehr beschaffen konnte, Ende 1906 den Betrieb ciiistclltc und in Liauidation getreten ist. Sie hat nun auf Grund des Z 826 de» Bürgerlichen Gesetzbuchs Klage gegen den Hcfeverband erhoben, mir der Aufhebung der Sperre und Zahlung einer hohen Schadens- summe verlangt wird. Tie Klägerin behauptet, es sei die Absicht des Beklagten gewesen, die Klägerin völlig zu vernichten, das sei ihr auch gelungen. Die Mittel, die Vvm Beklagten zur Erreichung dieses Zweckes angewendet wurden, hätten gegen die guten Sitten Verstössen. Der Verband habe ein förmtiches Spionagcfystem ein- gerichtet, um die Bezugsquellen der Klägerin zu ermitteln. Der Beklagte habe aber auch weiter dadurch gegen die guten Sitten verstoßen, dqh er die Rosenthaler Prrsshefefabrik in Breslau, mit der jllägerin einen Lieferungsvertrag auf 10 Jahre abgeschlossen hatte, veranlaßt habe, keine Hefe mehr an die Klägerin zu liefern. Der beklagte Verband verteidigt sich damit, daß er sich gegenüber der Klägerin in Notwehr befunden habe. Die Klägerin und ihr Geschäftsführer hätten in scharfer Weise gegen das Hcfcsyndikat SteUuiig genommen und dessen Sprengung erreichen wollen. Der Beklagte bestreitet, die Absicht der Vernichtung der Klägerin gehabt zu haben, auch habe er die Rosenthaler Fabrik nicht zur Vcrwcige- rung der Lieferung veranlaßt. Das Landgericht I Berlin hat den Beklagten verurteilt, die Sperre aufzuheben und der Klägerin den entstandenen Schade» zu ersehen, insbesondere auch denjenigen, den sie durch Nichterfüllung des Licserungsvertragcs mit der Rosenthaler Fabrik erlitten habe. Im Gegenteil hierzu hat daS Kammcrgrricht die Klage abgewiesen. Zur Begründung der Abweisung wird ausgeführt: Die Sperre als solche war nach ständiger Rechtsprechung als erlaubtes Kampfmittel anzusehen. Ter Kampf ist aus beiden Seiten mit aller Energie geführt worden und nahm allerdings-Formen an, die das gewöhn- lichc Maß erheblich überschritten. Nach den von der Klägerin selbst angewendeten Kampfmitteln war aber der Beklagte zu energischen Abwchrmaßrcgeln berechtigt. Tie Maßnahmen de» Beklagten sind trotz scharfer Durchführunst immer noch als erlaubt anzusehen. Die Klägerin hat aber auch kein Anrecht darauf, gerade den Heschandcl weiter zu betreibet»; dieser, Hefchandel war nicht Vorbedingung für den Betrieb des klägcrischcn Geschäfts, wie sich daraus ergibt, daß sie au» den anderen Artikeln noch einen� erheblichen Verdienst erzielte. Bei der Mannigfaltigkeit des klägcrischen Warenvertriebs war die Sperre, die sich nur auf den Hefchandel bezog, nicht darauf gerichtet, den klägerifchen Geschäftsbetrieb überhaupt zu vernichten. Nur ein Zweig dieses Betriebes, wenn auch vielleicht ein erheb- licher, sollte unterbunden werden. Daß der Beklagte die Rosen- thaler Fabrik veranlaßt hat, die Erfüllung ihrer LicferungSvcr- pflichtung zu verweigern, ist durch die Beweisaufnahme nicht nach- gewiesen. Nachdem aber die Rosenthaler Fabrik selbst die Weiter- licferung an Klägerin eingestellt hatte, konnte es dem Beklagten nicht zum Vorwurf gemacht werden, wenn er sich bemühte, die Rosenthaler Hefe anderweit unterzubringen., Die von der Klägerin eingelegte Revision hatte am Sonnabend vor dem Reichsgericht den Erfolg, daß das Urteil des Kammer- gerichtS aufgehoben und die Sache zur anderwcitcn Verhandlung und Entscheidung an einen anderen Senat de» Kammcrgerichts zurückverwiesen wurde. Hierzu hat das Reichsgericht folgende Be- gründung gegeben: Es bestehen mehrfache Bedenken gegen den Boy- kvtt, insbesondere über die Massregeln, die gebraucht worden sino. Wenn die Behauptungen der Klägerin richtig waren, namentlich über das Spionagesystem, so hätte sich ergebe», daß den Beklagten ein Verschulden trifft und daß er doch in der Wahl der Mittel und. der Durchführung der Sperre das zulässige Maß überschritten hai+ Er durfte unter keinen Umständen unsittliche Mittel anwenden, wenn auch der Zweck noch so einwandfrei gewesen wäre. Insoweit sind die Bewcisanträge der Klägerin nicht bedenkensrei gewürdigt worden. Auch in der Sache der Rosenthaler Fabrik ist zu bean- standen, daß der Bewcisantrag der Klägerin nicht berücksichtigt worden ist. Arzttitel. Beilegung eines arztähnlichen Titels, durch den der Glaube erweckt wird, es handele sich um eine staatlich geprüfte Medizinal- Person, wurde dem Naturhnlkundigen Wanjek zu Kattowitz borge- warfen. Er sollte dadurch die Vorschriften der Gewerbeordnung ver- letzt haben. Die Uebertrctung wurde darin gesehen, daß er auf einem Schilde die Aufschrift hatte:„Privatgelchrtcr der physikalisch- diätetischen Therapie. Das Landgericht in Benthe,» sprach den An- geklagten mit der Begründung frei, daß der Ausdruck„Privat- gelehrter" genügend crlennen lasse, daß es sich nicht um eine staat- lich geprüfte Mcdizinalpcrson handele. Das Kaiiimcrgcricht verwarf dieser Tage die Rcdiston der Staatsanwaltschaft. Es führte aus: Das Rechtsmittel der Revision müsse hier an den tatsächlichen Feststellungen scheitern. Es sei eine rein tatsächliche Feststellung, wenn das Landgericht sage, die Be- zeichnung auf dem Schilde könne nicht den Glauben erwecken, es handele sich um eine staatlich geprüfte Mcdizinalpcrson, weil der Ausdruck Privatgelehrter das Gegenteil genügend erkennen lasse. Bmfhaftcti der Redaktion. M. T. 20. Zur Erhebung der Forensensteuer ist die Gemeinde be- fugt.— A. Kr. 0. Das ist unzuiäisig.— K. 100. 1. Etwa 3 M.. salls keine ehelichen Abkömmlinge vorhanden sind. 2. Ihre Frau kann alsdann intervenieren.— G.®. 20. Von der Ersatzkommisfion ist Erlaubnis ein- zuholen.— Tantalus. ES kann die öffentliche Zustellung beantragt werden.— Z 150. Ohne Kenntnis der Höhe Ihres Einkommens können wir die Frage nicht beantworten.— 1005. Unverständlich.— P. R. 1S7S. 1. u. 2. Ohne Kenntnis des Verwandschajtsverhältnisses und des Zinsjuszes nicht zu beantworten. 3. Ja.— R. P. 77. 1. 1200 Bcitrags- wochen. 2. Nach Leistung von weiteren 200 Bcitragswochcn. wovon pnndestens 100 Bcitragswochen auf Grund der Versicherungs Pflicht ge- leistet sein müssen, leben die Rechte aus den früheren Karten aus. 3. Lägt sich nur sagen nach Kenntnis der Anzahl der geleisteten Leitragswochcn. Jedenfalls ist die Versicherung im Hinblick auf"die etwa eintretende In- »aliditär zweckmässig. Bei versicherungspflichtiger Befchästigung besteht auch die Klebe pflich I.— P. P. 75. Ein Teilbetrag ja. Der zur Anschaffung der nötigen Kleidung notwendige Verdienst mutz belassen werden.— C. H. 1000. Wiederholen csie die Anfragen und geben Sie noch an, wo d-r�crste Ehcwohnüb gewesen ist.— C. H. 19. Sie sind zahlungspflichtig.— 1589. Die Praxis der Steuerbehörden in dem fraglichen Punkt ist verschieden. Persuchen Sie es mit einer Reklamation.— ®. 48. Rein.— M. u. R. I. 28. Wir Häven Ihre Zufchrijt dem Verbandsbureau überwiesen. Witternngsübersicht vom 19. März 1912. Etationen i. c ■tl g s| Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M.7 München Wien c 3 i? 745|D@D 740SO 743! SO SW SW 74ÄW Wetter 4!bedeckt 4>bedeckt Äwolkig vAegen Wiegen 1, wolkig iSK w5> Ctattoncn taparanda etersburg Scilly Aberdeen Paris 7621 SD 7SÄSO 744,© 73qONO 746WSW 2wolkenl- 2hedeckt 7avolrig ÄRegen öbedcckt Wetterprognose für Mittwoch, den 20. März 1912. Mild, zunächst vorwiegend trübe mit etwas Regen und lebhasten süd> westlichen Winden; später langsam ausklarend. B rliner Wetterbureau. Wasierstands-kstachrichten der LandeZanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau. Wasserstand M e m e I Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen „ Frailksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.—•) eisfrei. RttblUid litt Zltjiitidcr»nd SiiMkiiikniiiitli Nachstehende Firmen haben den Taris der Herrenmatzschneider nicht anerkannt: Adam.©., Leipziger Str. 28 Aiörechl u. Kucharowicz, Französische Str. 8 Ascher, Spittelmarlt Baum. S., Bchrenstr. 14/16 Behrend II. Rahr, Fricdrichstr. 166 Berg u. eoebl, Krausenstr. 3 Berget u. Kilta, Ebarlottenstratze Bister, Untdr den Linden 69 Bloch u. Co., FAedrichstr. 203 Böhling. Kanonierstr. 1 Bollmänn, Kaiscr-Wilhelmstr. 31 Borst, Markgrasenstr. 89/90 Bothmer u. Dünzer, Unt. d. Linden 13 Böttcher, Steglitz, Schlotzflr. 88 Braun, Steglitz Braun, Harlw., Französischestr. 49 Busse u. Gotzmann, Zimmerstr. 43 Byk, Sigm., Friedrichstr. 10 Cauanagh, Unter den Linden 3 Cohn, H., Kaiser-Wilhclinstr. 2 Cunow u. Co., Fricdrichstr. 90 Dohms, Gebt, Krausenstr. 2. David, H., Friedenau. Siglindcstr. 10 Didszun,©., Cbariottenburg, JoachimStbaler SW. 40 Ticgmann, A., Ziegelstr. 26 DIttmann, A., Friedenau, Jsoldcstr. 6 Dobberstein, Dresdener SW. 42 Ebcnstein, Unter den Linden 40/41 Ehrich. Albert, Mauerstr. 35 Ehrlich u, Danz, Mittelsw. 3/10 Ehrlich, Lllexanderstr. 2 Eising, Charlottenburg, Kantstr. 145 Ellrol, Jnh. Rud. Pabst, Unter den Linbcn 57 Engel, W.. Kloslerslr. 37 Eppendorf, Französischestr. 62 Esdcrs u. Dvckboff,(Äertraudtenstr. 8/3 Exiner, Charloitenstr. 73 Fabian u. tzrich. Unter den Linden 71 Faethe, Königgrätzcr Str. 83 Fntzkcssel u. Müntmann, Unt.d.Linden2 Fiicher, Ludwig, Unter den Linden 47 Fordan, Zimmerstr. 23 Förder. I., Kursürstendamm 20/21 Frank u. Eo., Französischestr. 49 Franz, Heinrich, Markgrasenstr. 67 Geduldig, JoachimStbaler SW. 9 Genkel u. Freitag, PotSdamerstr. 13 Genossenschaft, Erste Produktiv-, Kom< mandantenslratze Gerlon, Herm.,©erderschcstr. 5/6 Goldichmidt, Fricdrichstr. 150 Gollop, Louis, Unter den Linden 15 Graetz, Gebr., Nächst. Lust u. Türk- seid, Wallstr. 1 Gregcr. A., Aterandrincnstr. 73 Gricwisch, Fr, Unter den LinWrn 53 Grog u. Marlmann, Mohrensw. 58 Grüdcr, M., Wilhelinslr. 23 Gründler, Schühenstr. 53 Gumpcri, S.,' Steglitz, Albrechtsw. 8 Hacnsch, Krupp skr. B tganson. Paul, Ctrenadierstr. 22 Haustein, Oranienllr. 123 Hcckenbcrger u. Becker. Unter den Linden«8,43 Hcrpich Söhn-. Leipziger SW. 3/11 Herz, 2., Französische SW. 33 Herzberg, Gust., Zimmerstr. 24 Hcyder u. Jean Jaqucs, Unter den Linden 33 Hillmer, Dorotbecnsw. 54 Hinket, Französische SW. 19 Hossman», Hermann, Friedrich. stratzc 50/51 S alters, Wild., Lonisenstr 41. omuth, Charloticnburg, Kaiser- Friedrich-Str 48 Horwitz u. Co, Mohrensw. 25 Hrnclr u. Mallrski, Unter den Linden 20 JankowSki, Charloltcnburg, Bismarck- siratze 3 Jnry, Peter, Französische SW. 43 Jssland, Ernst, u. Sohn, Charlotten- slratze 48 Jockey-Kiub, Unter den Linden 75 Jodannsoiin, Neandcrstr. 25 Isert, Frlevrichstr. 113 Jürgens, Friedrichfw. 216 Katzenberger, Anbaltstr. 17 Keller u. Furch, Friedrichstr. 183 Kern u. Tschirbs, Charloitenstr. 88 Kirichstcin u. Co., Charloitenstr. 43 Knebel, Friedrichstr. 30 Kneilkmbler, Krausenstr. 63 jlopvcl lt. Hliscs, Dorolbccnstr. 42 Koppel, M, Kronenstr. 66/67 Koslowskp. Kanonierstr. 3 Koste u. Boldt, Mauerstr. 77 Kötz, Frauzösischesw. 52 Krause, Charloktciistr. 1 ftriewitz u. Borgward, Kanonierstr. 10 Kröha», Charloltcnburg, Wallstr. 30 Ucbcr die genannten Firmen wird die Sperre Der Schneider.la«>epk«-»»cj Sweikarbeil an und vermittelt solche. die Sperre verhängt. 163/4 Krule, M., Oranienburger SW. 4 Kühne, Ed., Friedrichstratze Kunz u. Kortzct, Neustädtische Kirch slratze 3 Kurta, Friedrichstr. 153a Levy, Unter den Linden 61 Lewithal, Mauerstr. 2, Lewke, Scydclsw. 31 Lewkowitz, Alexanderstr. 14a Licbcntbal, Hugo, Unter d. Linden 54/55 Lindemann, B. u.©estendors, Jnh. Zibbel, Dresdener SW. 56 Lingott, Gebr., Alcxandrinenstr. 67 Lippmann, Benno. Leipziger SW. 30 Lubahn vorm Stein, Schadowsw. 4/5 Lucht, Jägcrsw. 6g, 2 Tr. Lukas jr., Mohrenstratze Magnus, Unter den Linden 69 (Krakow) Mathias u. Schade, Besselstr. 11 Matz, Brüdersw. 13 Maurer, Rud., Friedrichstr. 65a Mayer, Freitag Nachs., Friedrich- stratzc 36a Mehl, Chausseeslr. 124 Meyer, Mohrensw. 9 Meyhöser, Friedrichstr. 187/183 Möller Söhne, Friedrichstr. 35 Müller, Arnold, Leipziger SW. 35 Müller, Fritz, Gr. Franksurter SW, 95 Müller, Otto, Oranienstr. 30 Musa, Fricdrichstr. 72 Nachmann, Alte Schützensw, 1 Nielsen u. Thulin, Charlottensw. 34 Nos u. Schulze, Unter den Linden 21 Pect u, Cloppenburg, Gertraudten- slr. 25/27 Pix, Alois, Markgrasenstr. 80 Pluskiewitz, Markgrasenstr. 22 Pockornh u. Görke, Fricdrichstr. 211 Prahst u. Lemke, Friedrichstr. 44 Pricbe, Luisensir. 27 Prince of Wales, Friedrichstr. 138 lliamb, Waldcmarslr. 39 Reinke, Charlotlenburg, Tauroggener Str. la Richter, Franz, Kanoniersw. 6, I Riethmüller, Molkcnmarkt 5 Romann, Krausenstr. 4/5 Rönsch, Charlottensw. 86 Rückcrt, Emil, Mohrensw, 53 Rüdiger u. Suhr, Ztosenthaler SW. 45 Rudolf, Gerwaudtenstr. 10/12 Rund u. Co.. Alcxanderstr. 37a Salzwedel, Mohrensw. 53 Sainter u. Hapvcck, Charlottensw. 53 Schachtel, Alcxanderstr. 50 Schaju», Kranienstr. 12 Schalin. Unter den Linden 52 Schimmler, Königgrätzer SW. 4 Schöndube, Fricdrichstr. 167/68 Schöising u.Lindncr, Krausenstr. 35/36 Schramm, Kochstr. 18 Schutineister, Dresdenersw. 4 Schulte, Jnh. Brodcrsen, Krausensw.71 Schulz, Gebr., Markgrasensw. 46 Schwarz, Lud., Fricdrichstr. 158 Sebastian u. Slorck, Mittelsw. 18 Scgall, Leipziger Str. 30 Setig. Arnold, Unter den Linden Scndke, Dorotbcenstr. 30 Siggcr u. Lorenz, Jägcrsw. 8 Sitzki, Markgrasenstr. 75 Skala, Unter den Linden 10 Slobinsly u. Grünmayer, Kochsw. 11 Sonnenschein, Jcrusalemer Str. 53 Spicher, Karl, Nicdcrwallstr. 26/27 Sleinberg, Joh., Jnh. Minak u. Stein- berg, Neustädt. Kirchsw. 15 Stclzner, Charlottensw. 48 Stephan, Französischestr. 13 Steuer, R., Komuiandanteiistr.«8 Stier, Karl, Oranienstr. 166 Stolzenberg. Oranienstr. 72 Tackmann, Jerusalemer Str. 9 Thiel, Unter den Linden bi TolkSdors(Englisch Eompaznie), Unter den Linden 66 I Torkler». Sohn, Französischefw. 13 Treitel, Werdersw. 8 Tributh, Friedrichstr. 214 Truntz u. Bob, Behrcnsw, 28 Tschirbs. Fricdrichstr. 54 Vandsburger, Friedrichstr. 7 Vortrefflich, Ftiedrichslr. 143 Wagner, Chausseestr. 8 Warenhaus für Armee und Marine Wellhaufcn, Neue Wilhelmstr. 2 Wcndt u. Redlich, Unter oen Linden 29 Weimer, Anton, Cbariottenburg, Knese- beckiwatzc 88 Wolff ii. Keller, Charlottensw, 28 Wölfl, M., Leipziger Sw. 105 Wölfl u. Schulz, Friedrichstr. 43a Woormann, D., Französische Sw. 46 II Zobel. Karl, Köpenicker Str. 124 Luttermann, M., u. Hätz, Behren- slratze 24 hiermit verhängt. ae-velt, Elsaflcr Stratzc 41, fertigt Ueber dessen Werkftätle wird hiermit VI« Ortaverwaltnng. � Haben Sie alott� ich fettige davon Anzup ad. nad.Mose, ,�„1. Jauerh. Zutaten .'"r. 3 S*"'k MoriU Labend, neue I lometmdeb. // iSlndlh fort tot| iten 1 ndA Michel-Salonbrikells M, 7.75 pro 1000 frei Gesotz 21/7* Koch, Rixdorf, Bcrgsw. 110 It. Extra billiger Gelegenheitskauf echt englischer Gummi-Mäntel für Herren u. Damen zu Ausnahme- Preisen Die regulären Verkaufspreise sind xoesentlich höher. Bei diesen aussergewöhnlich billigen Gelegenheitskäufen ist sowohl Umtausch wie Reklamation ausgeschlossen. Soweit die Vorräte reichen werden die Mäntel zu folgenden Preisen verkauft: II50 1350 1800 2100 2400 3000 3600 Die Herren-Mäntel i sind in den modernsten Farben ge- ! halte>. Die besseren Eiemplare bestehen�. Wolle aus reiner Die DamenMäntel haben modernst. Schnitt in geschmackvollste Farben. Die betieren Exemplare bestehen aus reiner Seide -... €mrelne Knaben- und Jünglings-fflänfel und liegen- Pelerinen sehr billig! BaenSohn Chausseestraße 29-30 Gr.Frankfuitei Straße 20 11 Brückenstraße 11 SchönebergjHaupt str, 1 0 Katalog Nr. 44(Neueste Moden) kostenlos und portofrei t Dr. SimmeK Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, S'Ä 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4, Teppicbe 130X200: 5 bis 19 SIC 165X230: 10,50 bis 40 iW 2C0X300: 22 bis 61 SU 250X350: 52 bis 190<« 300X400: 67 bis 186 SIC Garvinenhaus Bernhard SchwarU Wallstr. 13(dreizehn) Ug-rreii- M Herdzt »'»hrihen'»»"l w* gegr. 1862. Toi.: Moriteplatz 3873. BEKMKSW., Rittorstr.HS Erstklassige Ware. Zigarrenhändlern bestens empfohlen. —— Tarlfarbeft.—— Stoße Tamentnche für elegante Kleider, Paletots-c., Mir. 2,56, 3,56, 4,50 M. Tuchlager Koch& Seeland 6. m.d. H. Gertrauiltenstr.gfl-Zl/ptikirch� teppdecken betondcrs preiswert. Größte Auswahl. iStcohmiinckel, Wallstr. 78.• Frack- Verleih-Institut �rack-, Mchrock-, Smoking-Anzüge, für iedc Größe passend, in grosser Ans» BergüacliI.Boreliartlt, Friedrichstr 1 15 I, a. Oranienburg. Tor. Tel. Nord 7402. Aul Teilzahlung! Ohne Anzahlung I «ein Kassierer.• Teppiche, Gardinen, Stores, rorticron, Stepp-, Plttsch- und Uivandcckcn. Matzner, Hufelandstrafle 41, Bildergeschäst. Auch Teilzihfung! JMur Wllh. JW8bel-)«ifcb Gr. Frankfurter Str. 45/46 Lege-Muer, garantiert junge beste Leger a 2'/, M. empfiehlt F. SVegner, Berlin SO., ivtariannenstr. 44/4* Ojjpe Anzahlung Möbel auf Kredit bei Zabltin� einer Monatsrate laut Vereinbarung und mmmmmmmmmmmmmm bequemster Abiahlnng mmmm—mmmmmw—m* komplette Wo'inung.s-Elnrlctatungen sowie einzelne HöüelstQche. Polsterwar�n, farbige Küchen Portleren, O-e e-H I MO H reib u Bettwäeohe Steppdecker, Tepplehe.«"• UIIIOIIj Betten, Kronen, Klnderwese« uc«. in moderneler Auetühruni;. Ferner Garderobe für Herren, Damen u. Kinder Crdeete Auewehl neueeler Peeeone S.DORN MiMktekKk. 9 '— Hcke Alte SchönbausBi Strasse � Gneisenaustraße 10,� 4 H. Grau, billigste u. beste h Bezugsquelle für*" )Z«öbsl jeder Art. k r Kassa und Teilzahlung." Ohne jede Anzahlung j dfBBt � erstklassiges Fabrikat Pianos (9mal prämiiert Staats- • ifie medaiÜo) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer Tonfülle. § verkaufe — ich •o .1(Flügelton) gegen klelnenionatlicheTellzahlnng, o ohne Jeden Preisantschlag. 32/14* 2 Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Conrail Krause Kclitg., Auch Sonntags geöffnet. CS £ Cl Fuss-Schmerzen!�.(+ Ermüden Sie leicht, haben Sie Schmerzen!**"— �*• in der Uaeko, im Mittelfuss, am Ballen, anf der Sohle?— eo wenden Sie ejeh an das einzige Spezialgeschäft: Berlin W. 19. Fuss-Heil-Einiagen-Manufaktur Htst WIstsrktldttkraBe 45,»»he Wlstsrltldlplati, u»d Hechtalm Hotlssdorlplaii ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, beim Alten Freund. an der neuen Heerftrafle Donnerstag, den 21. März 1912, abends 8>/z Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung für das vierte Quartal 1911. 2. Beratung über die fernere Gestaltung unserer Kasse. 3. Kaffenangelegenheiten. 163/9 ttm zahlreiches Erscheinen ersucht Die Lokal vorn altnne. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Bureau: Melchiorftr. 28, Part, rilialn Dnvlin Arbeitsnachweis: Rückerstr. 9. 1 1llalt! Ilrillu. Fernspr.: Amt Norden, 6798. Fernspr.: Amt Moritzplatz, 4787. veut8ev irft ands. (Zahlsteile Berlin.) Sezirksversammlungen: 1. Bezirk: Mittwoch den 20. März, beim Kollegen Piotrowski, Berlichingergratze 14. s. Bezirk: Donnerstag, den 21. März, beim Kollegen Georg Wolffgraimn, Ackerstraste 6/7. 3. Bezirk: Mittwoch, den 20. März, beim Kollegen Anton Boeker, Weberstrafze 17. 4. Bezirk: Mittwoch, den 20. März, beim Kollegen Hermann Lüdtke, Dresdener Strafze 116. S. Bezirk: Mittwoch, den 20. März. leim Kollegen Paul Kastellan, Camphaufenstrage 18. S. Bezirk: Mittwoch, den 20. März, beim Kollegen Wilhelm Thiel, Rückertstrahe 7. IM" Anfang sämtlicher Versammlungen nachmittags 5 Uhr."WM 72/14 Die Ortsverwaltuiig. Achtung i Lackierer! �chtun� Heute Mittwoch, de» 29. März, abends S'/z Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Versammlung* der in de» WtlgciibmiliiiSlllttii n. Mnzriililckitttllicil beschäftigten Kollegen. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse unserer BernfSgenosscn in den Wagenbauanftalteu und in den Wcrkstellen der Kleinmeister. Referent: F r. Klo tz. 2. Beschlustfassung über den einzureichenden Lohntarif. Kollegen! Erfüllt Eure Pflicht und agitiert für einen guten Besuch der Versammlung! 127/3 Die Iektionsleiwng. Wunsch-Konzert beiorÄertcn:l i HäCkepetet*9 Große Frankfurter Str. 106*» Steinarbeiter. Freitag, den 22. März 1912, abends 8 Uhr, in den „Arininhallen", Kommandantenstr. S8— 59: Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Ausführungsbestimmungen und Fest« setzung des Einführungstermins der örtlichen Arbeitslosenunterstützung. 2. Stellungnahme zum Verbandstag und Wahl der Delegierten. 3. Verschiedenes. Damit die Versammlung präzise eröffnet werden kann, ersucht um zahlreichen und pünktlichen Besuch 171/s* Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 24. März» nachmittags 5 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstraße 27o: mit nachfolgendem(Zemütliclien keisaiNQiensein. Kollegen und deren Angehörige find freundlichst eingeladen. B. O. Würzburger Huhneraugenmittel von Dr. H. L'nger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pst Anweisung srei. Ohne Zweisei die bequemste u.wirksamfteHilfe. Der Schinerz ist in öMin. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäure u. indischen Hansextrakt) Dr Unger in WÜrzbUFg. Perlin(20 Pf.): Balomon- Apotheke, Charlottcnstraste 54.— llreif» Apotheke, Barnimstt. 33.— Wo nicht, zu Haben: stosen-Apolheke, WSrzburg. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen ANZEIGEN för die nächsteNummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. BorjäHrige eleganteHerrenanzüge und Paletots aus seinsten Magftosten 20— 10 Mark, Hosen 6— 14 Mark. Versandbaus Germania, Unter den Linden 21. 1288�* Gardinen! Steppdecken I Portieren I Tischdecken! austergewöhnlich billig I Vorwärtsleser 5 Prozent Rabatt extra I Gardinenhaus Brünn, Hacke» scher Markt 4(Bahnhos Börse). tsonntags geöffnet.' Herninnnplan 6 PsandleibhauS. Jedermanns allerbilligster Waren» einkauf. Riefenauswahl Pelzsachen. Hcrrenvaletols. Jackerianzüge. Geb» rockanzüge. Herrcnboien. Damen» fachen. Extradilliger Bcttenverkaus. Ztussteuerbelten.'BermietungSbett. Llussteiierwäsche. Bettwäsche. Reich» hnltige GordmenauSwabl. Portieren. Tepvichauswahl. Plüichtiilb decken. Steppdecken. Wandubren. Wand» bildcr. Schmucklachen. Taichenubren. Kettcnauswabl. Ringcauswabl. Fest» Geschenke. Warcnverkauj ebenialls qooiuitagS._ täO* Tevpietie!(seblerbatte) in allen Gröston, jast sür die Hülste deS WerteS Tcppichtager Brünn. Hackeichcr Marti 4, Babnbot Börse.(Leier deS .Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabalt.) Sonntags geöffnet!_* Glossen zu DveS GuyotS und Sigismund Laeroix'»Die wahre Ke» statt deS Christentums', von August Bebel. Preis 75 Pj., billige Ausgabe 30 Ps. Expedition Lindenstraste 69 Laden._ Monatsanzüge und Sommer» palctots von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockauzüge von 12.00, Fracks von 2,50, sowie sür korpulente Figuren. Neue Garderohe zu stauneud diltigen Preisen, aus Psandleiben per» sallcne Sachen kaust man am billigsten bei Rast, Mulackstratze 14._• PorivärtSteser erhalten süm Prozent Extrarabatt, selbst bei Ge» lcgcnbcitskäujen. 1181K� Teppiche, sarbsehlerhast, sür halben Preis._._ 'Gardinen, Stores, angeschmutzt, spottbillig._ Leinenportieren, entzückende, mit Sticksehlern._ Sofastoffreste, Moquette, staunend billig._ Teppich-Thomas, Oranienstr. 160, Lranicuplatz; Rosentalerstrage 54.* GaSkrone« ohne Anzahlung, Woche 1,00. Ricsenlager. Louis Böttcher(selbst). Betriebsleitung. Box- bagenerstraste zweiunddreistig. erste Etage.(Bahnverbindung Warschauer- slraj>e.)_ 102451* Teppiche in allen Grösten, enorm billig. Portieren, Diwandecken, EugroShaus Hermann Henoiv, Gerlraubtenstratze 18—19, I. Kein Laden. ,Vorwärts"leler 5 Prozent Rabatt._ 109>K* Monatsanzüge, Paletots. grosteS Lager, jede Figur, kaust man am billigsten beim Fachmann; jede Aenderung nach Wunsch. 5 Prozent billiger für Vorwärtsleser. Fürsten- zeli, Schneidermeister, Roientbaler» straffe 10. Fernsprecher Norden 5117. Teilzahlungen 0,50 wöchentlich: Gardinen, Portieren, Teppiche, Decken, Uhren, Bilder. Möbel, Polsterwaren. Betten, Wäsche, Kinderwagen, Herren- aardcrobe. Sende Vertreter. Messels Nachsolger, Warschaucrstraffe 80.* Teppiche(Farbenichler), Steppdecken, Gardinen. Tilchdecken, Tüll« bettdccken, Uebergardinen, Sosa- stossreste spottbillig Fabriklager Mauerhoff, Groffe Franklurterstraffe 9 Fiurcingang. BorwärtSIcsern zehn Prozent Sonntags geöffnet. 2488K* Leistliaus �Brunnen* und Per« ausgeschäst. Alles spottbillig: Betten, Stand 9,—, mit 2 Kissen 10,—. Prunnenstraffe 118, Ecke Usedomstraffe Milaigeschäfts-Einrichtn ngen k Milchverkaujsgcsäffe, Milchkannen, Milchmatze, Milchsiebe, Butter- Maschinen. EiSschränke billigst. Spezialsabrik Hermann Jordan. Michaclkirchstraffe 21. 36/3* Federbetten. Stand 10,00, 15,00, 22.00, seinste Brautbetten, Wäsche, Schmucksachen, Uhren billigst. Pjaud- leibhaus, Küfttinerplatz 7. 1089K* Gardinen, Stores, Portieren, Steppdecken. Teppiche. Einsegnungs- gescheuke. Psandleihhaus, Küstrincr- platz 7.__ Humboldt- Leihhaus! Existiert nur Brunnenftratze 58. Eckhaus Stral- sunderstratze. Hochelegante Kavalier- anzüge, Gehrockanzüge, Ulsterpaletots, Riescnauswahl, spotthillig. Riesen- arotzer Bettenverkaus. Brautbetten, Aussteuerwäsche, Steppdecken, Gar- dinenauswahl, Plüschportieren, Erbs- tüllstores, Prachttepiche, Massen- auswahl, Herrenuhren, Damenuhren, Uhrketten. Wanduhren, Schmucksachen, Spottpreise.__ 147ft* Wäschekredit. Wochenzahlunge» 1,00. Bettwäsche, Leibwäsche, Hauswäsche. Lcwin, Wäschesabrik, Hirten- stratzc 12. Postkarte.* Kauarienhähne, Zuchtweibchen, Neue Königstraffe 24, Seitenflügel.* Mädchenkleider, Knaben-, Bur- schenanzüge oerkault staunend billig Hirsch, Hochmeisterstratze 24. 46/9 Eilt k Landparzelle. Nähe Müggelsee, 74 Quadratruten, gezäunt, ver- kaust billig gegen bar Mentzcl. Steinmetzstratze 42(Westen). tzl47 Gaszuglampen 7,00, Gaszwei- kocher 3,50, Wallnertheaterstraffe 32. LesctiäktsverkSufe. Ecklokal billig zu verkaufen KnvbclSdorffstr. 44/45, Charlottcnburg. "Restauration, Babnhos Hermann- straffe, erjorderlich 1500.—, 28 Halbe Bier(Zweizehnlelbccherichank), Miete 1500,—. Slcinborn, Rotzstratze 18. (Nachmittags.)_ 46/7* Langjähriges Zigarrengeschäjt wegen Krankheit billig zu verkaufen. Wcißensce. Elsaffstraffe 9._ flSO* Milchgeschäft zu verlausen. Aus- kunft erteilt„Vorwärts*- Spedition. Nazarcihkirchstratze 49._ f86 Kohlengeschäft umständehalber sofört billig zu verlausen. John, Aiidrcasstraffe 47 II._ fSG* Restaüratiou. Goldgrube, wenig Meld ersorderlick. zu verkaufen oder verpachten. Erfragen: Brauerei En gelbardt, Pankow._ fl 34 Eckdestiltation. alles Geschäst, billig verläuflich. Schuhladen, Peters- burgerplatz 1. tz sNöbel. Möbel-Gelegenheitskäufc. gut gearbeitet, viele Gclegenbeitsmöbcl, lvclchc bedeutend unterm Preis sind. Bücherspind 68,—, Schreibtisch 48,—, Bettstelle 33,—, Trumeau mit Stufe 34,-. Garnitur, Sosa. 2 Sessel. Soia 45.—, Kleiderjpind 46,—, Herrenzimmer, Speisezimmer, Schlaf- zimmer, wundervolle Sachen, sehr billig. Kommen Sie erst vor Ihrem Einkauf zu mir, Sie sollen die Möbel nur besichtigen. Ehrlich, Alte Schön- hauserstraffe 32._ 111711* Möbel ohne Geld! Bei ganz kleiner Anzahlung geben Wirtichaslen und einzelne Stücke aus Kredit unter äutzerster Pretsnotierung, auch Herren- garderobe und Waren aller Art. Der ganze Osten kaust bei unS. Kressch- mann u Co., Koppenstratze 4. (Schlesischer Babnbos.)_ 1075K* Möbel• Lechner, Brunnen str. 7, am Rosenlbaler Tor, Spezial-Möbel- hauS. Aus Kredit und gegen bar. Groffe AuSwahl jeder Art. Stube und Küche, Anzahlung schon von 15 Mark an. Einzelne Möbelstücke, Anzahlung von 5 Mark an. Liefere auch nach auswärts. Borzeiger dieses Inserats erhält bei Kaus 5 Mark gutgeschrieben. Sonntag nur von 12— 2 geöffnet. NW. SW. s. 80. " Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für de» Inseratenteil verantw Finnahmettellen für„Kleine Anzeigen4' Berlin C. R. Hahnisch. Auguststr. 50. Eingang Joachimstraffe. W. G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. O. R. Hackelbusch. Petersburger Platz 4. Gustav Bogel. Koppe». straffe 82. St. Wengels. Gr. Franksurter Str. 120. KD. L. Zucht. Immanuellirchstr. 12. I. Renl.«armmstr. 42. X. W. Baumann. Rbeinsberger Str.67. F. Trapp. Stetttner Str. 10. Kart Maro. Greisenhagener Str. 27. I. Hönisch, Nazarelbkirchstr. 49. H. Bogel. Lortzingsir. 37. 31. Tie», Jnvalidenftr. 124 L. Technnd, Ruheplatzstr. 24. Karl Anders, Salzwedclerstr. 8. H. Werner. Gneiienaustr 72. Daehn. Hagclberger Str. 27. St. Frin. Prinzen str. 31 F. Lehmann. Kottbujer Damm 8. Paul Böliin. Lausitzer Platz 14 t P. Harsch, Engeluser 15. -k«IIer«kai. Karl Schwarzlose. Hoffmannftr. 9. Ba»ni«olti>lrnn«?x. H. Hornig, Marientbalerstr. 13, I. B«r«ijrn alckv. Paul Kienast, Räuschstr. 10. Oitarlattendtirx. Gustav Scharnberg, Seienbeimer Str. 1. t'rleelriclisikajjeii. Grnst Werfmaun, Köpcnicker Str. 13. Griinau. Kranz Klei», Friedrichsir. 10. Johannisthal. Pieticke. Kaiser- Wilhelm-Platz 6. Karlshorst. Richard Küter, Rödclstr. 9, II- iiöp«niek. Emil Wiftler, Kietzcrstr. 6, Laden. kichtonhOrjr. Cfto Seifet. Wartenbergitr. 1 Xlotier-tzschönowoiti«. Gehrt, Britzer Str. 6. ?s«»Hvan'«». Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7... O her- Schöno weide. Alfred Bader, Wilhelminenhosslr. 17 N. Dankow. tDtto Risimann, Müblenstr. 30. Beiniekendori. P. Gursch, Provinzjtr. 56, Laden. Uixdort. M. Heinrich, Neckarsn. 2. Conrad, Hermannjtr. 50. C. Rohr. Siegsriedftr. 28/29. Bnninieishnrg. 3l. Rosenkranz, All»Roxhagen 56. «ehöneher«. Wilhelm Bänmler, Marlin-LulHer-Str. 69 im Laden. Spandau. Koppen, Breiteslr. 64. tz»te«Iitz. H.«ernsee, Alsenjtr. 5. Teinpelhoi. Joh. Krohn. Borussiastr. 62. Treptosv. Robert Gramenz. Kiejbolzstr. 412, Laden. HVeittensee. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Schillert, König-Ehauffee 39» HVilnsersdori. Paul Schubert, WUbelmSaue 26. Hoj parterre Th. Glocke. Berlik. Druckst. Verlag: Vorwärt» Chaiselongue, nagelneu, 16,00. Herbst. Groffe Hamburgcrftraffe 13/14. Möbel, Küchen, fiebcnteilig.modeni, in allen Farben von 50 Mark an. Schlafzimmer, Speisezimmer, Herren- zimmer zu jedem annehmbaren Preis, auch gegen ZablungScrleichterung. Besonders billige Wohnzimmer, nutz- bäum. Brautleute sollten durch Le- sichttgung deS großen Lagers sich von den billigen Preisen überzeugen. Möbel-Zentrale, Chausseestraffe 123.* Metallbetten, zwei, modern, spottbillig verkäuslich. Zossener. straffe 10. Hutgeschält. 43/19* Alusiliinstrumente. Pianino, Hobes, kreuzsaitig, 120,— (eventuell Teilzahlung). Zander, Turmftrahe 8. 46/6 Stttler. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als direkt Fabrik bei Bilder-Bogdan. Weinmeifterstratze 2. 1005K* rsdrrSdsr. Herrenfahrrad, Damensabrrad, wie neu. 35,—. Holz, Blumen- straffe 44_ 1093K* Erstklassige Fahrräder, MonatS- raie 10 Mark. Louis Barth, Brücken- straffe 10a. Kein Laden. 1188K* Herrenfahrrad, Damensabrrad, modern, guterhalten, spottbillig. Groffe Franssurterftraffe 14, Hos, Keller.* Für 15. 18. 20, 22. 25 Mark sta- bilc Gebrauchsrädcr im Pjandleih- HauS Rosentbalerslratze 32(neben Warenbaus Wertheim). Vorwärts- leser erhallen Rabatt!_ 695b �Kontinentalrad, Herrenfahrrad, wie neu. 30,00, sowie Damensabrrad sofort Weberstraffe 42, Ouergebäude parterre. 46/11* �suf�esuclie. Platinabfälle. Silberallsälle. Rück- stände, Zahngebisse. Quecksilber. Me- lalle höchstzablend, Goldschmelze Nieper. Köpenickerstratze 20a(gegen- über Mantcuftelftraffe)._ 2995K Platinabfälle, per Gramm 5,75 Mark, Gold-, Silbersachen. Gebisse laust höchstzablend Goldschmied Bruckard, Mulackstratze 22, nahe Rolen- thalerstraffe. 2956b' Platinabfälle, Gramm5,75, Gold, Silber, Zabngebisse, Stanniol, Queck- silber kaust Blümel, Auguststraffe 19. Zahngebisse, Zahn bis 1,00, Pla- tinankauf, Geldkonlor Hollmann- straffe 30._ 690b Rtlantcn, ganz alt, und andere Bücher kausi Buchhandlung Augs. burgerstraffe 38. 1197K lMemckt. Unterricht in der englischen Sprache. Für Anfänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel. wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Ucbersetzungen an- gefertigt. G. Swienly- Liebknecht Cbarlottenburg. Stuttgarterplab 9 Gartenbaus III.__ 44K* kostensrei. Bin ginn 21. März, abends 81/, Uhr. Restaurant, Blankenscldestraffe' 10. Arbeiter- Esperantisten- Vereinigung Groff-Berlin. f56 Versdiiedeues. Kunststopferei von Frau KokoSky Schlachteniec. Kurstiaffe 8 III. �Friedrich-Wilhelm' General- azentur-Zahlstelle: 0. 112, Mainzer- straffe 24(Franksurter Slllee). Lebens. Versicherung, Sterbelasie, Kindcrver- sicherimg. Ausnahme bis 60. Lebens- jähr. Steuer abzugSsähig. 928K* Patentanwalt Wessel, Gisschincr- stratzc 94a.__ Patentanwalt Müller. Gillchiiier» straffe 81. 2439K* Patentanwalt Menzel, Berlin, Chaussecslraffe 5. 1100K* Vermietungen. Laden, groff und hell, mit Woh« nung, sür jedes Geschalt passend, per 1. April 1912 preiswert zu vcrniicten. GramcnS, HauSburgsttaffe 23. 898K* Scklsksiellen. Schlafstelle. Frau Scheffler, Watt- straffe 4/5, rechter Seitenflügel II. tzii? Schlafstelle vermietet Lausitzer- straffe 20, vorn II linkS. tz95 Ftzietsxesueiie. Anständiges Mädchen sucht kleines möbliertes Zimmer nahe Görlitzer Bahnhof. Offerten A. Preisangabe, .Vorwärts", Lausitzcrplatz 14/15. Suche cinsach möbliertes Zimmer oder bessere Schlaistclle, Neukölln, Nähe Reuterplatz R. Rost, Berlin, Simconstraffe 29 bei Döge. 698b Zwei junge Damen wünschen 1. April möbliertes Zimmer. Nähe Görtitzer Bahnhos. Offerten I-..Bor- wärtS", Lausitzer Platz 14/15. flll Junger Mann sucht Ileiucs Zimmer zum 1. April Nähe Kotlbusertor. Offerten G. O. Postamt 26. 699b Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Junger Mann. 21, sucht Be- schästigung als Arbeiter oder Haus. diener. 3 Jahre Maurer gelernt. Offerten 0. 77 Postamt 21. t102 Rentenempfänger, Fahrstuhl» montcur, sucht leichte Beschäftigung. Lewin, Lichtenberg, Margareten- straffe 9. Stellenangehote. Presset: und Ouadroneur ver» langen Bergas Gebrüder, Ritter- straffe 81._ 6886 Jüngerer Laufbursche für den ganzen Tag findet dauernde Be- schästigung. Wilhelm Guttsmann, DrrSdcnerstraffc 75. 6d96 Polierlehrlinge, erstes Bierlel- jähr 4 M., jedes weitere Vierteljahr 1 M. mehr, so daff sie am Slhluff 15 M. bekommen, verlangen Riesel m Kömmer, Kopcrnilusslraffe 32._ Kinderschürzen-Nähci innen, weiff. Pretzier. Ebelingstraffe 3._ Blnseunaherin, Lehriräulein, Stepperin verlangt Hcinzc, Ro- minlenerftraffe 8.____ Tamenwäsche, Näherin, Lehr- Mädchen. 20 Mark Vergütung, Barth. Schwcdtcrstraffc 12 II. 6S6b Blusen Näherinnen im, Hallender, Bandclstraffe 7. auffcrm. 6866 Lehrfräulein für Lager, Kontor und Verkauf verlangt Jakob Klees. Fricdrichstraffe 12. 687h Mamsells aus Jacketts. Neue Brünstraffe 33. Ebel. 6916 Zlusfertigeriu verlangt Seiler, Muskauerstraffe 23.___+13 Sieglitz Austrägeriu für Bernsee, Alscnstraffe 5. Untertaillen übte, verlangt straffe 1. sucht Arbeiterinnen, ge- Geyer, Wörlher. 6816« Im Arveitsmarkt durch besonderen Trnck hervorgehobene Anzeige« kosten>;t» Pf. d/e Zeile. Sehrmädchen und junger Haus- diener für Blumenzeschäfi sosort gesucht Dukar.kldezu ta«, 2468L Müllerilr. 41. Luchdruckerei u. VerlagsaniiaU Paul Singer u. Ev., Perlin Nr. 67. 29. Jahrgang. 4. KMe drs Jomürtf ßttlintt WMlütt. Die Gemeindewaßlbewegung. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Heute, Mittwoch, den 20. März, nachmittags um 6� Uhr. findet im Lokal des Herrn Rudolf Möricke die Gemeindewahl für die dritte Abteilung statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist der Hausbesitzer Genosse Karl D u n k e r. Genossen, welche mit Schenkendorfer Arbeitern zusammen arbeiten, werden ersucht, dieselben auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Da die Wahlhandlung pünktlich geschlossen wird, werden die Genossen ersucht, rechtzeitig zur Wahl zu erscheinen. Schildow. Die Ergänzungswahlen für die dritte Wählerklasse findet heute, Mittwoch, den 20. März, nachmittags von 6— 7 Vi Uhr statt. Gewählt wird in dem Lokal von Iben. Kandidat der Sozialdemokratie ist der Genosse A u g u st M i e r s ch, Maurer. Bleibe keiner der Wahl fern, damit es uns gelingt, den Sieg zu erringen. Ladcburg. Heute, Mittwoch, den 20. März, finden am hiesigen Orte die Wahlen zur Gemeindevertretung statt. Die dritte Klasse wählt von 10— 12 Uhr vormittags, die zweite von 2 bis 3Z4 Uhr nachmittags. Kandidaten sind für die dritte Klasse Albert Noack, für die zweite Klasse die Genossen Christian Sch u l z e und Willy Soellner. Erfülle ein jeder seine Pflicht, damit es gelingt, auch in unserer Gemeinde wirkliche Arbeitervertreter ins Dorfparlament zu entsenden. Groß-Bcsten. Heute, Mittwoch, den 20. März, findet die Ge- meindewahl im Gasthaus von Wilh. Schulze statt. Die dritte Klasse wählt abends von 6— 8 Uhr, die zweite von 8 bis 8K Uhr und die erste Klasse von 8l-z— 8% Uhr. Kandidat der Sozialdemokratie für die dritte Klasse ist Genosse H e r m. Schulze, für die zweite Karl Thramm. Grünau.„Warum muh die Arbeiterschaft im Gemeindeparla- ment vertreten sein?" Ucber dieses Thema sprach in öffentlicher Versammlung Reichstagsabgeordneter Genosse Schmidt- Meißen. Der Vorttag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der Diskussion legten die Genossen B l u h m e und M i tz ne r an krassen örtlichen Ucbelständen dar, wie notwendig es ist, daß auch die Ar beiterschaft Vertreter in das Ortsparlament entsendet. Die Wahl findet heute, Mittwoch, den 20. März, nach mittags von 4— 8 Uhr, statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist der Restaurateur Genosse Johann Franz. Der Leseabend findet nicht, wie angesetzt, heute, sondern am Donnerstag statt. Wahlergebnisse. Nicderschöneweide. Der erste Sozialdemokrat zieht nun auch in unser Dorfparlament ein. Bei der gestern stattge- fundenen Gcmeindevertreterwahl siegt« der sozialdemokratische Kandidat Genosse Bengsch mit 382 Stimmen über den gegnerischen Kandidaten, der nur 103 Stimmen aus sich vereinigen konnte. Franz.-Buchh-lz. Bei der am Freitag, den IS. März, statt- gefundene» Gemeindevertteterwahl wurde unser Kandidat, der Ge- nosse August H i r t h e gewählt. Von 427 eingeschriebenen Wählern im erslen Bezirk übten 182 ihr Wahlrecht aus. ES erhielt Genosse Hirthe SS Stimmen, während auf den Bankbeamten Sielaff 18 und auf den Gärtnereibesitzer Rette 4S Stimmen entfielen. In der zweiten Klasse wurde Herr Moldenhauer ohne Gegenkandidat ge- wählt, während in der ersten Klasse von 16 eingeschriebenen Wählern fünf die Herren Veterinärarzt Dr. Fischer und kgl. Lotterieeinnehmer Jacobi zu Gemeindevertretern ernannten. Dabendorf bei Zossen. Bei der am Donnerstag stattgefundenen Stichwahl in der dritten Klasse wurde Genosse Rudolf Lau mit 35 gegen 28 Stimmen gewählt. Mit ihm zieht der erste Sozialdemokrat nach achtjährigem Kampfe in das Dorfparlament ein. In der zweiten Klasse unterlag unser Genosse Schulze mit S gegen nur 11 gegnerische Stimmen. Klein-Besten. Hier wurde in der dritten Klasse Genosse Julius P a a t s ch mit 16 gegen eine Stimme, die auf den Gegner enifiel, gewählt. In der zweiten Klasse steht Genosse Gustav Schmidt mit dem bürgerlichen Kandidat in Stichwahl. In der ersten Klasse erhielt Genosse Baurat eine, der gegnerische Kandidat zwei Stimmen._ Partei- Hngclegenbcitem Charlottenburg. Heute Mittwoch, abends S'/z Uhr: Oeffent- liche Kommunolwähler-Bersammlung bei Theten, Kaiser-Friedrich-Str. 4Sb. Friedrichöfelde. Zu einer wichtigen Parteiarbeit wollen sich die Genossen am Donnerstagabend 7 Uhr in den Bezirkslokalen ein- finden. Köpenick. Morgen Donnerstag, den 21. März, veranstaltet der Bildungsausschuß einen letzten Theaterabend in dieser Saison. Zur Aufführung gelangt die Operette„Die Fledermaus". Karten zu 80 Pf. beim Genossen Lefsvre. Grünstr. 18" Wilhelmsruh. Freitag, den 22. März, abends 8'/, Uhr. bei Milbrodl, Kronpnnzenstr. IS: Oeffentliche Gemeindewählerversamm- lung. Hierzu am Donnerstag, abends 7 Uhr. von den Bezirkslokalen aus: Flugblatlverbrettung. Potsdam. Heute(Mittwochabend) in allen Bezirkslokalen: Zahl- abend Die Brandenburger Vorstadt versammelt sich bei Schumacher. Alte Luijcnjtraße. � � Berliner Nachrichten» Bergarbeit bei Berlin. Das gewaltige Ringen der deutschen Bergsklaven um die Exl,tenz erinnert daran, daß wir auch dicht bei Berlin so etwas wie einen Bergbau haben. Die meisten Berliner Ein- wohner können sich von dem Leben und Treiben in den beut- schen Bergrevieren Wohl kaum eine richtige Vorstellung machen.-t.azu gehört, daß man Land und Leute genau kennt und die rauchenden Zechenschlote gesehen hat, die wie mächtige astlose Baumstänime zu Hunderten aus dem Kohlen-und Erz- boden wachsen. Aber die nicht zu wenigen heutigen Großstädte�, die aus den Bergbaurevieren beheimatet sind und zur deutschen Metropole pilgerten in der trügerischen Hoffnung, hier statt des schwarzen Goldes der Erde blinkendes Gold auf dem Straßenpslaster zu finden, leben und weben jetzt im Geiste wit� den fernen- Kämpfern gegen den Uebermut der Berg- könige und der ihnen Heerfolge leistenden regierenden Schwachmatikusse. Vor zwei und drei Jahrzehnten wanderte durch die Berliner Schulen ein ergrauter, im Frondienst kaput gegangener Bergmann, der den Schülern gegen mäßiges Ent- gelt ein Bergwerksmodell mit mechanischem Betrieb vorführte. Wie staunte da die wißbegierige Großstadtjugend! Eine ganz neue Welt tat sich ihr auf. und in manchem Brausekopf spukte wochenlang die Romantik des Unterirdischen nach. Hat sich was mit Romantik! Des Bergmannslebens ganzer Jammer hätte dazumal auch schon die Jugend gepackt, wenn es dem alten Fachmann erlaubt gewesen wäre, seine Vorführung zu würzen mit der Angabe der Schundzahlung im Bergarbeiter- berufe. Auch bei den sehr mäßigen Bergwerksnachbildungen, die man auf Berliner Gewerbeausstellnngen als ein Stück „Clou" zu sehen bekam, stand kein Wort, keine beredte Sta- tistik von Bergfron und Hungerlohn. Wer nun auf � einem Ausfluge nach der reizvollen landschaftlichen Szenerie bei Erkner einen Abstecher macht nach dem staatlichen Bergbau- betrieb in Rüdersdorf, darf das, was er als Laie hier sieht, nicht etwa auf eine Stufe stellen mit den weitverzweigten Bergwerksbetrieben in den Kohlenprovinzen. Hier bei Berlin handelt es sich lediglich um die am wenigsten charakteristische Form bergmännischer Handwerkskunst, um den rein ober- irdischen Abbau von Kalkgestein. Die wenigen kurzen Stollen, die an der Bergsohle in das Gestein getrieben wer- den zu Sprengzwecken, haben mit unterirdischem Betriebe nichts gemein. Man sieht also auch keine Einfahrten, und die oberirdischen langgestreckten Förderanlagen dienen nur der Materialförderung von der Sohle nach den Bergkuppen und von da zur Abfuhr, meist auf dem Wasserwege, nach dem Rüdersdorser Straßengebiet. Wenn auch ein derartiger Ab- bau noch genug Gefahren in sich birgt, so sind selbstverständ- lich die Gefahren durch Naturmächte bei der Arbeit„unter Tage" ungleich größer. Der richtige Bergmann kann stets sein Testament zurücklassen, ehe er in die Grube fährt. Er muß stets damit rechnen, daß er das Tageslicht zum letzten Male gesehen hat, und nur die Macht der Gewohnheit, der Zwang zum Daseinskampf stumpft das Gefahrgefühl ab. Massenunglücksfälle, bei denen Hunderte von Proletarier- leben durch„schlagende Wetter" und dergleichen Berggespenster vernichtet werden, sind in den Rüdersdorfer Brüchen ein Ding der Unmöglichkeit. Auch die Ausrüstung des Berg- mannes der Mark ist naturgemäß eine viel einfachere, denn er braucht so gut wie gar nichts von den sinnreichen Hilfs- Mitteln, wie sie bei der Arbeit tief unter der Erde nötig sind. Trotz dieser Grundverschiedenheit hat man auch in Rüders- dorf bis auf den heutigen Tag die patriarchalischen Berg- mannsbräuche. gewahrt, die freilich nur bei festlichen Ge- legenheiten einen äußeren Ausdruck finden. Dann ziehen die paar hundert, nach ihren Rangstufen geordneten Bergknappen in der kleidsamen Berufstracht mit Schurzfell und Hand werkszeug, Käppi und Federbusch, voran ihr eigenes Musik korps und im Gesellschaftsdreß die Bergbeamten, durch die Rüdersdorfer Straßen zum Festplatz, und man möchte bei diesem Festgepränge glauben, daß der Bergmannsberuf mit seinem herzigen„Glück auf!" einer der schönsten der Welt sein müsse. Die Wirklichkeit ist anders. Dort drüben in den Revieren des wirtschaftlichen Massenmordes zugunsten einer Handvoll Blutsauger hieß die Parole schon viel zu lange: Glück ab!_ Der Berliner Magistrat als Landwirt. Die Einrichtung städtischer Meiereibetriebe auf den Rieselgütern ist durchaus nichts Neues. Sowohl Berlin wie Kölln haben früher Meiereien besessen. Die Meierei Berlins befand sich, nach dem Vermögensverzeichnis des Magistrats im Jahre 1682, vor dem alten Georgentore, wurde aber bei Befestigung der Stadt verlegt und nahm etwa den Platz der heutigen Häuser Neue Königstraße 8—19 ein. Es be- fanden sich darauf außerdem mehrere Stallungen, Scheunen, Pferdegehege und ein Wohnhaus; ferner gehörten zu der Meierei 4 Hufen Acker, davon 85 Morgen Gerste- und Roggenboden, 31 Morgen Hafer- und 68 Morgen drei jähriges Roggenland, sowie etwa 53 Morgen Wiese. Die Meierei besaß 4 Pferde, 8 Kühe, 146 Schafe, 5 Schweine und 8 Hühner, und erbrachte in den Jahren 1756—1766 zirka 486 Taler jährlichen Reinertrag. Auch die Stadt Kölln besaß eine Meierei, die 1736 von dem Vorbesitzer. Friedrich v. Bartholdi, für 16 666 Taler durch den Magistrat erworben wurde. Sie lag unmittelbar vor dem Schlesischen Tor. ging später in den Besitz des Stadtrats Cuvry über und gab der Cuvrystraße, die über das Gelände dieser Meierei führte, den Namen. Der Besitz war viel größer als der berlinische. 155 Morgen Acker lagen hinter der Meierei, außerdem 134 Morgen Wiese und 26 Morgen Gartenland. Auf dem Terrain der Meierei befand sich ein Wohnhaus, ein Brau- Haus, ein Backhaus, eine Windmühle, ein Bleichhaus und zahlreiche Ställe. Wagenschuppen. Scheunen, Gerätekammern usw. An Vieh waren 1763 vorhanden: 16 Stück Rindvieh, 2 Pferde, 46 Schweine und für 15 Taler Federvieh. Der Ertrag war 755 Taler. Beide Meiereien, die berlinische wie die köllnischc, wurden später verpachtet und brachten da- durch wesentlich höhere Erträge für den Magistrat. Außer- halb der Stadt unterhielten Berlin und Kölln außerdem noch Meiereibetriebe in Treptow, Lichtenberg, Boxhagen, Reinickendorf, Woltersdorf usw., so daß die Ergebnisse der Meiereien früher einen wesentlichen Einnahmeposten im städtischen Etat ausmachten._ Die privaten Mädchenschulen sind nicht mehr lebensfähig, sie können ohne Unterstützung nicht mehr fortbestehen. In Berlin werden sie vom Magistrat durch jährliche Subventionen über Wasser gehalten. In Charlottenburg haben drei Privatschulen bereits ihre Pforten für immer geschlossen, am 1. April d. I. wird auch die höhere Mädchenschule von Fräulein Schmidt-Westend eingehen. Einige Anstalten haben so erbeblicbe Einbußen in ihren Einnahmen erlitten, daß sie Gefahr laufen, Schülerinnen zu verlieren. Der Magistrat Cbarlottenburg hat nun beschlossen, alle die Mädchen- schulen im Ort zu subventionieren, die bei der Aufnahme von Schülerinnen keine konfessionellen Rücksichten walten lassen, das heißt, auch Jüdinnen aufnehmen. Von der Unterstützung müssen drei Anstalten ausgeschlossen werden, darunter eine, weil sie auf staatliche Anerkennung verzichtet hat. Für die übrigen vier iApel, Klockow, Mittelstädt und Muchow) sollen insgesamt 45 000 M. als Beihilfe für 1912 in den Etat eingestellt werden. Hausbesitzer und Wohnungsamt. In der Stadtverordnetensitzung am 7. März hat Genosse Rosen- selb die Bestrebungen der Hausbesitzer charakterisiert und die Haus- besitzcr als großes Hemmnis auf dem Gebiete des Wohnungswesens bezeichnet. Diese Bemerkungen veranlaßten einem Wortführer der. Berliner Hausbesitzer, den Stadtverordneten Landsberg, zu der Erklärung, daß die Hausbesitzer ja selber für die Errichtung eines Wohnungsamtes seien. In der letzten Nummer des.Grundeigen- tum" veröffentlicht nun der Bund der Berliner Grund- und HauS- bcsitzcrvereine seinen Jahresbericht für 1912, der bereits in der Bundesversammlung am 29. Januar 1912 gegeben worden ist. In diesem Bericht wird erklärt, daß der Bund sich veranlaßt gesehen habe, in folgender Resolution öffentlich gegen die geplante Errichtung eines städtischen Wohnungsamtes Stellung zu nehmen: „Auf Grund eines in der Delegiertenversammlung des Bundes der Berliner Grundbesitzervereine vom 18. Oktober 1911 gefaßten Beschlusses spricht sich hiermit der Bund der B er- liner Grundbesitzer ganzentschieden gegen dieErrichtung des von den städtischenBehörden geplanten Wohnungsamtes aus. Die Berliner Hausbesitzerschaft steht auf dem Standpunkte, daß einerseits für die Beauffichtigung der Wohnugen schon völlig ausreichende ge- meinnützige Einrichtungen, wie Gewerbepolizei, Baupolizei und Armenpflege, vorhanden sind, andererseits die Schaffung des Wohnungsamtes den Etat der Stadt Berlin weiterhin äußerst bedenklich belasten würde, ohne daß mit Sicherheit weitere Erfolge zu erwarten wären." Wie angesichts dieses offiziellen Berichts Herr Landsberg seine Behauptung aufstellen kann, ist unerfindlich. Das Schnellbahnprojekt der Allgemeinen Elektrizitäts-Gescll- schaft, Gesundbrunnen— Rixdorf, ist nunmehr von den Aufsichts- behörden geprüft worden, so daß die Entscheidung des Ministers der öffentlichen Arbeiten über die prinzipielle� Zulassung dieser Bahn eingeholt werden kann. Dabei sind in Gemäßheit des§ 5 des Klein- bahngesetzes zugleich die in finanzieller Hinsicht erforderlichen Unter- lagen beizufügen. Wie verlautet, werden die Baukosten der Schnell- bahn durch Ausgabe von Obligationen aufgebracht werden. Wegen einer Explosion, hervorgerufen durch die Entzündung von Benzindämpfen und Celluloidgegenständen, wurde die Feuer- wehr am Dienstag nach der Glasgower Straße 31 alarmiert. Dort fand die Wehr den Heimarbeiter Koplin und seine Frau in der Küche verletzt vor. Beide wurden verbunden. Der entstandene Brand konnte schnell gelöscht werden. Wahrheit»der Dichtung? Ein noch nicht aufgeklärter Vorgang beschäftigt sowohl die hiesige als auch die Grunewalder Polizei- behörde. Am Sonntagabend erschien in dem Restaurant„Wald- Haus" im Grunewald ein 14 jähriger Knabe mit einer stark bluten- den Verletzung an der Brust. Er erzählte, ein Herr habe ihn Unter den Linden angesprochen und eingeladen, ihn auf einem Ausflug nach dem Grunewald zu begleiten. Dort sei der Unbekannte plötzlich über ihn hergestürzt und habe ihn mit einem scharfen Messer einen langen Schnitt in der Brust beigebracht. Obwohl die Polizei den Angaben des Knaben recht skeptisch gegenübersteht, hat sie doch Nachforschungen nach dem Täter in die Wege geleitet. Der letztere wird als ein etwa 30 jähriger Mann mit bartlosem Gesicht und blondem, lockigem Haar geschildert. Er soll mit grauem Gummi- mantel, braunem Hut und gleichfarbiger Hose begleitet gewesen sein. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern mittag in dem Hause Saarbrücker Straße 38. Dort befindet sich ein Neubau der Aschinger-ALien-Gesellschaft, in deren Torweg sich noch ein Gerüst befindet. Unter dieses hinweg fuhren gestern früh mehrere beladene Wagen mit Gemüse, ohne mit den Brettern in Berührung zu kommen. Als der 37 Jahre alte Kutscher Paul Pelz aus der Barnimstratze mit einem schwer und hoch mit Mohrrüben beladencn Wagen des Fuhrgeschäfts von Wandel in der Elisabethstraße 21 durch den Torweg fahren wollte, kam er mit der Ladung an das Gerüst. Mehrere Bretter, die dadurch herunterfielen, trafen ihn am Kopf und rissen ihn vom Bock. Dabei fiel er so unglücklich, daß er unter die Hinterräder seines Wagens zu liegen kam. Ein Rad ging ihm über beide Beine, während ihm das andere den Brustkorb eindrückte. Tot wurde er so unter dem schweren Fuhr- werk hervorgezogen. Ueber mehrere tödliche Unfälle verschiedener Art wird berichtet. Ein trauriges Ende fand der 33 Jahre alte frühere Arbeiter Adolf Dretzler aus der KöSliner Straße 17b. Seit Jahren schwer köpf, und lungenleidend, ernährte sich der alleinstehende Mann, der von der Armenunterstützung allein nicht leben konnte, durch einen Hausierhandel in Schankwirtschaften. Als er vorgestern abend 5% Uhr von einem Spaziergang heimkehrte, wurde er im dritten Stock ohn- mächtig, fiel die Treppe nach dem zweiten Stock hinunter, schlug mit dem Kopf gegen die Wand, zog sich einen Schädelbruch zu und ver- schied auf der Stelle.— Durch einen Sturz von seinem Wagen kam der 37 Jahre alte Kutscher Reinhold Jakob aus der Gericht- straße 43 ums Leben. Jakob war seit 5 Jahren bei der Kohlen- Handlung von Louis Schulz in der Heidestratze beschäftigt und er- nährte durch seinen Verdienst nicht nur seine Mutter, sondern auch einen 27 Jahre alten Bruder, der gelähmt ist und nicht arbeiten kann. Am Montag fuhr Jakob einen Kohlenwagen nach Tegel. Aus dem Rückweg schlief er auf dem Bock ein. Vor dem Hause 175 in der Müllerstraße kam der Wagen plötzlich ins Schleudern und Jakob fiel vom Wagen herab auf die Straße. Er schlug so unglücklich mit dem Kopf auf die Bordschwelle, daß er sich einen Genickbruch zu- zog. Man brachte ihn nach der Hilfswache in der Lindower Straße, doch konnte man dort nur noch seinen Tod feststellen. Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich am Montag- abend gegen 8 Uhr in der Neuen Königstraße. Dort versuchte vor dem Hause Nr. 53 der 24 jährige Kupferschmied Willy Heese, dessen Wohnung bisher unbekannt geblieben ist, unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 62(Richtung Weißen- see) das Gleis zu passieren. Obwohl der Führer alle ihm zu Ge- böte stehenden BrcmSmittel anwandte, wurde H. umgestoßen und geriet unter den Schutzrahmen. Um den Verunglückten zu be- freien, mußte der Waggon mittels Winden angehoben werden. Der Ueberfahrene, der schwere äußere und innere Verletzungen er- litten hatte, erhielt von zwei zufällig anwesenden Aerzten an Ort und Stelle Notverbände, verstarb aber berettS auf dem Transport nach dem Krankenhause Friedrichshain. Aus der Havel gelandet wurde vorgestern bei PichelSwerder die Leiche eines ungefähr 30 Jahre alten Mannes, der seinem Aeußeren nach den besser gestellten Ständen angehört hat. Der Tote ist 1,50 Meter groß, hat dunkelblondes, dünnes Haar und Schnurrbart und trug einen dunklen Winterüberzieher mit schwarzseidenem Futter, einen dunkelgestreiften Jackrttanzug, eine grauwollene Unterjacke, ein wollenes Hemd und Unterhose und Schaftstiefel. Vier Taschentücher, die er bei sich trug, sind W. I. gezeichnet. In einer goldenen Uhr befindet sich die Gravierung„Weihnachten 1908". Sein goldener Trauring ist„C. H. 20. 7. 1908" gezeichnet. Außer- dem hatte er noch einen goldenen Kneifer mit Futteral und ein Portemonaie mit 203,45 M. in seinen Taschen. Anscheinend hat die Leiche mindestens 14 Tage im Wasser gelegen. Das neue Frachtbriefmuster enthält bekanntlich sowohl Spalten für die Bestimmungsstation als auch für den Bestimmungsort. Für den Fall, daß beide voneinander ahweichen. ist ausdrucklich auf die Ausfüllung der Spalte„Bestimmungsort" hingewiesen; es darf danach eine Weiterbeförderung mit der Kleinbahn ohne ausdrückliche Vorschrift des Absenders nur dann stattfinden, wenn die Spalte „Bestimmungsort" vom Absender ausgefüllt ist oder der Empfänger rechtzeitig die Weitersendung bei der UebergangSstation beantragt hat. Die UebergangSstationen sind nun angewiesen worden, vom 1. April d. I. ab ohne ausdrückliche Vorschrift des Absender? oder Empfängers Sendungen, bei denen im Frachtdriefe unter dem Vor- druck„Bestimmungsort" eine Kleinbahnstation nicht angegehen ist, den Kleinbahnen nicht mehr zur Weiterbeförderung zu übergeben, sondern die Empfänger vom Eingang des Gutes zu benachrichtigen. Es liegt daher im Interesse der Versender, sofern sie die Zuführung der Sendungen nach Kleinbahnstationen wünschen, entweder im Frachtbriefe die Weiterbeförderung nach der Kleinbahn ausdrücklich vorzuschreiben ober wenigstens im Frachtbriefe unter den Namen der Bestimmungsstation in der Spalte„Bestimmungsort" den Namen der Kleinbahnstation, auf der das Gut dem Empfänger ausgeliefert werden soll, anzugeben. Für Empfänger, welche die für sie ein- gehenden Sendungen auf einer Äleinbahnstotion in Empfang nehmen wollen, empfiehlt es sich, die Eisenbahnübcrgangsstation entweder ein für allemal oder im Einzelfalle um Weiterbeförderung der Güter nach der Kleinbahn zu ersuchen. Ein betrübter Finder. Einen goldenen Pompadour mit 2000 Kronen und 20 M. deutschem Gelbe und einem Bund Schlüssel hatte eine Künstlerin in einem Auto beim Aussteigen am Anhalter Bahn- bof in der Sonntagnacht liegen lassen. Der Chauffeur, der den Schatz fand, lieferte das Geld auf der Wache in der Mittelftrahe ab. Die Verlusiträyrrin eilte mit dem ersten Zuge von Dresden hierher und nahm ihr Eigentum unversehrt wieder in Empfang. Dem ehrlichen Finder war ein Hundertkronenschein zugedacht, aber — der gesetzliche Finderlohn beträgt nur 31 M. und mehr erhielt der Finder nicht. Aus dem Umstände aber, daß einige Blätter den Fund mit 36 000 Kronen bewerteten, sind dem armen Finder recht unliebsame Dinge erwachsen. Der Chauffeur war durch schwere Krankheit in der Familie und Arbeitslosigkeit in wirtschaftliche Bedrängnis ge- raten. Nun melden sich alle Gläubiger, um— an dem Finderlohn teilzunehmen. Armer Finder! Verloren gegangen ist am Montagabend zwischen 1 und 8 Uhr auf dem Wege von Charlottenburg, Bismarckstr. 65, bis zum Bahn hos Friedrichstrahe, Schifsbauerdamm, ein Lederetui mit S70 M, Inhalt. Das Geld bestand aus einigen Hundert., Zwanzig- und Zehnmarkscheinen. Der ehrliche Finder wird höflichst gebeten, das Geld abzugeben, da es sich um einen Hausdiener handelt, der daS Geld auf seiner Tour einkassiert hatte und dafür haftpflichtig ist. Abzugeben bei Heise, Lhmstr. 5. Vorort- l�admckten. Neukölln(Rixdorf). Ungesetzliche und rigoros wirkende Maßnahmen übt die hiesige Steuerbehörde auf solche Steuerrestanten aus, deren Steuerrück. stände sich auf länger als auf das letzte Vierteljahr erstrecken. In mehreren Fällen ist es vorgekommen, dah Personen, die infolge ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse mit ihren Steuerbeiträgen längere Zeit in Rückstand gekommen sind, durch die Vollstreckungs behörde der städtischen Steuerkasse der ganze Wochenlohn beschlag� nahmt worden ist. Eine solche Praxis der Steuerbehörde ist ungesetzlich und bedeutet zugleich eine materielle Schädigung nicht nur des betr. Restanten, sondern auch die Herbeiführung eines Notstandes über dessen Familie. Und eS scheint, als ob die Steuerbehörde jeder Belehrung über ihr ungesetzliches Vorgehen bar ist, denn sonst hätte sie aus einer bereits vor längerer Zeit an sie gerichteten Eingabe eines solchen Restanten die nötigen Kons quenzen ziehen müssen. Statt dessen hat sie noch nicht einmal eine Antwort auf jene Eingabe erteilt. Vor uns liegt ein neuer Fall; wieder ist die Steuerbehörde in nachfolgendem Schreiben auf das Unerhörte ihres Borgehens aufmerksam gemacht worden: Neukölln bei Berlin, den 18. März 1912. An den Magistrat der Stadt Neukölln zu Händen des Herrn Stadtrat Allert. Am 14. März d. I. ist der Firma Woyst u. Frehtag, Aktiew gesellschaft in Berlin, Bernburger Str. 14, seitens der städtischen Steuerkasse, Vollstreckungsbehörde— Zahlstelle VI, Bez. 21, Nr. 1862— ein ZahlungSverbot und Uebcrweisungsbeschlust zu- gestellt worden, nach welchem wegen der Gesamtsteuerschuld des Zementicrers Johann F. aus Neukölln, Lichtenrader Str. 11 wohnhaft, im Betrage von zusammen 59,65 M. einschließlich 7,75 M. Kosten des Zwangsvollstreckungsverfahrens der Arbeits- lohn des Schuldners unbeschränkt beschlagnahmt und für die verstrichene Woche auch dem Schuldner in vollem Umfange gekürzt worden. Ich nehme an, dah die Steuerkasse inzwischen in den Besitz des Geldes gelangt sein wird. Dieses Verfahren, das übrigens, wie mir zur Kenntnis ge- kommen ist, von der dortigen Vollstreckungsbehörde in einer An- zahl anderer gleichliegender Fälle ebenso gehandhabt wird, ist ungesetzlich. Ich verweise hierbei auf die Bestimmungen in§ 850 Ziffer 1 der Zivilprozeßordnung und in§ 4 Ziffer 2 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1860 fLohnbeschlagnahmcgcsetz). Nach diesen Bestimmungen ist unbeschränkte Lohnbeschlag- nähme nur zulässig wegen Steuerschulden, die nicht länger alseinVierteljahr rückständig sind, während wegen älterer Steuerrückstände nur derjenige Lohnbetrag beschlagnahmt wer- den darf, der 1500 M. jährlich— oder 28,85 M, wöchentlich— übersteigt. Demnach durften dem Schuldner in der verstrichenen Woche nur 17,40 M., dos sind die Steuern für das Quartal Januar biz einschließlich März 1912, gekürzt werden und für die Zu- kunft nur der 28,85 M. wöchentlich übersteigende Betrag. Das gesetzwidrige Vorgehen der Vollstreckungsbehörde hätte aber zur Folge, daß dem Steuerschuldner für mindestens zwei Wochen überhaupt kein Lohn ausgezahlt werden würde. Die unmittelbare Folge dieses Vorgehens ist gewesen— was ich Herrn F. absolut nicht verübeln kann—, daß er zunächst seine Beschäftigung, die er mit vieler Mühe nach monatclangcr Arbeits- losigkeit erlangt hat, wieder aufgegeben bat. Die weitere Folge dürfte sein, daß Herr F. gezwungen tst, fiir sich und seine Familie die Armenverwaltung in Anspruch zu nehmen. Das gekennzeichnete Gebaren der dortigen Bollstreckungsbehörde läßt sich, abgesehen davon, daß es gesetzwidrig ist, auch vom Stand- Punkt der sozialen Fürsorge einer Großstadt nicht billigen. Ich ersuch« ergebenst, den zuviel eingezogenen Betrag Herrn F. sofort auszuzahlen, außerdem die in Frage kommenden Be- amten anzuweisen, daß sie sich mit den gesetzlichen Bestimmungen vertraut machen und nach denselben verfahren. Ferner erwarte ich eine Antwort auf meine Beschwerde, die mir in früheren Bcschwerdefällen, die ich namens der Betroffenen eingereicht habe, nicht erteilt worden ist. Herr F. hat mich zur Beschwerde bevollmächtigt. Hochachtend! C. Freier, Neukölln, Münchener Str. 16. Die Stadt Berlin hat seinerzeit dieselbe Praxis zu üben ge- sucht, sie ist jedoch, nachdem sie auf das Ungesetzliche ihres Vor- gchens aufmerksam gemacht wurde, bald zu einer den gesetzlichen Bestimmungen entsprechenden Handhabung zurückgekehrt. Ist die Neuköllner Steuerbehörde den klaren Bestimmungen de? Gesetzes gegenüber taub, oder zwingen sie die außerordentlich prekären Finanzverhältnisse schon zu ungesetzlichen Matznahmen. Wäre letzteres der Fall, so wäre es an der Zeit, daß die Stadt- derordnetenversammlung Mittel und Wege sucht, um die Finanzen Neuköllns zu sanieren. Reinilkendorf. Die Beratung de? diesjährigen EtatSvanmschlageS stand als einziger Punkt aus der Tagesordnung der letzten Gemeinde- Vertretersitzung. Eingeleitet wurde sie durch eine de- und wehmütige Elegie des Bürgermeisters mit dem untergelegten Text: .Wir haben kein Geld, wir haben kein Geld und hätten� doch io nötig." Leider sei es wieder einmal notwendig, die ertrag- abwerfenden Steuern sEinlommen-, Gewerbe- und Grund« und Gebäudesteuernj zu erhöhen, ohne daß es möglich wäre, den massenhaft andrängenden neuen An« forderungen gerecht zu werden. Nur das Notdürftigste konnte berücksichliat, viel Wünschenswertes mußte zurückgestellt werden. Da sich unter diesen leider auch so ziemlich alles befand, was unsere Genossen wiederholt im Laufe der Jahre gefordert hatten und was seinerzeit auch von der Mehrheit der Gemeindevertretung als dringend erforderlich erklärt worden war, konnte die Kritik unserer Genossen, in deren Aufttag Genosse K ö h n sprach, nicht sanft aus- fallen. Der inangelnden Fürsorge für die Bedürfnisse der ärmeren VolkSllassen stehe gegenüber im großen Gegensatze die liebe- volle Rücksichtnahme auf Wünsche und Forderungen der besitzenden Klasse. Von den bürgerlichen Mitgliedern der Gemeindevertretung war es daher ganz selbstverständlich, daß sie sowohl in der Generaldiskussion, als auch später bei der Be- ratung der EinzcletatS so gut wie gar nicht da« Wort nahmen. Sie wußten ihre Interessen beim Gemeindevorstand gut aufgehoben und überließen daher diesem die Diskussion mit den sozialdemokratischen „Dränglern und Nörglern". Sie schienen darüber einig geworden zu sein, so schnell als möglich über die für sie stets so unangenehm Situation hinwegzukommen. Bei der Beratung deS Etats„der Amts- und Gemeinde- Verwaltung" wurde auf Antrag der Finanzkommission beschlossen, die Weiterzahlung deS„VierzeitengeldeS" an die evangelische Kirchengemeinde einzustellen. Die Beratung dieses Antrages gab Anlaß zu einer unsere hiesige Gemeindeverwaltung charakterisierenden «zene. Genosse K o h n hatte für Annahme dieses Antrages plädiert. Die Mehrheit der Gemeindevertretung, die sich der Kon« seqnenz deS Antrages wohl kaum bewußt war, wußte nicht recht, wie sie stimmen sollte. Da erklärte der Fabrikbesitzer Becker:„Meine Herren, nehmen Sie den Antrag an, ich habe ihn gestellt und nicht d i e da" stnit einer bezeichnenden Handbewegung über seine Schulter nach unseren Genossen deutend). Er bestätigte damit, daß die Mehr- heil der Gemeindevertretung sich gar keine Mühe gibt, Anträge unserer Genossen auf ihre sachliche Berechtigung zu prüfen, sondern schon so gedrillt ist. sie ohne weiteres abzulehnen. Das gibt allerdings die Erklärung für so manche unerklärlichen Beschlüsse. Der Etatstitel, der in Einnahme mit 86 550 fim Vorjahre mit 94 000) M. und in Ausgabe mit 440 550(413 000) M. abschließt und mithin einen Zuschuß von 354 000 M. erfordert, wurde genehmigt. Der Etat der.Grundstücksverwaltung" schließt mit einer Einnahme von 198 800(331 000) M. und einer Ausgabe von 280 300(381 000) M. ab, erfordert mithin einen Zuschuß von 81 500 M. Beim Etat der Schnlverwaltung" stand mit zur Beratung ein Antrag der Vollsschullehrer. Sie forderten die Erhöhung der Ortszulagen von 600 auf 750 M., also noch um 150 M. weniger, als ihre Berliner Kollegen und die vieler anderer Berliner Vororte. Nur 11 000 M. Mehrausgaben pro Jahr hätte die Erfüllung dieser Wünsche beansprucht; aber obgleich sich unsere Genossen lebhaft für die Anträge ins Zeug legten, wurden sie von allen Bürgerlichen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab- gelehnt. Einem ganz gleichen Schicksal erlag der Antrag unserer Genossen auf Einstellung von Mitteln zur Errichtung der Pflicht- fortbildungSschule, deren Statut bereits vor zwei Jahren beschlossen wurde. Von unseren Genossen Domnick und Ohl wurde der Antrag aufs eingehendste begründet. Die Ausrede von den' fehlenden Mitteln entkräfteten sie durch den Hinweis auf die geradezu ungeheuerlichen Aufwendungen für die noch nicht 400 Schüler des Realgymnasiums; betragen doch hier die Ausgaben für jeden Schüler 234,47 M. pro Jahr, gegen etwa 100 M. für jedes die Volksschule besuchende Proletarierlind. Diese Differenzen wären nur zu rechtfertigen, wenn nicht die Kinder einer bevorrechteten Kaste, sondern die befähigteren unter den die Allgemcinschulen besuchenden Kindern aufs Gymnasium kämen, Während seinerzeit bei Begründung der höheren Schule die Re- gierung davon abgeraten habe und von vornherein erklärte, keine Zuschüise dafür leisten zu wollen, wurde dieSGymnasiumdoch begründet; zetzl aber dränge die Regierung auf Errichtung der Fortbildungs- schule, sie stellt erhebliche Zuschüise in Aussicht, und doch sträube sich der Gemeindevorstand gegen ihre Errichtung. Es waren so ziemlich die ältesten Ladenhüter, die der Bürgermeister Wille und der Bei« geordnete Reichhelm als Entgegnung hierauf hervorkramten. Die Besitzenden bezahlen die meisten Steuern, es sei daher be- rechtigt sie vor den ärmeren, nicht so viel Steuern zahlenden Bevölkerungsklassen zu bevorzugen. Und Herr Becker gab wieder eine Probe seiner nationalökonomischen Kenntniffe, indem er erllärt«, die Kosten de? Gymnasiums würden geringer, wenn die Gemeinde gezwungen sei» wird, mehr Volks« chulen zu bauen. Na, gegen solche— Weisheit kämpfen selbst die Gölter vergebens. Genosse Ohl wies nur noch darauf hin, daß die Besitzenden zwar höhere Steuern zahlen, aber aus der Tasche der Nichtbesitzenden, woher fließt denn der Wohlstand der Fabrikanten, der Grundbesitzer usw., kurz aller Be- itzenden. Ganz begreiflich sei ihm ja die Sorge vor jeder etwa zu- iveit gehenden Möglichkeit des Besuchs deS GynasiumS seitens der Proletarierkinder, denn noch immer sei der dümmste Arbeiter den Besitzenden der liebste. Verblüffend war die Behauptung deS Bei- geordneten Reichhelm, daß die Sozialdemokraten an den unleidlichen Zuständen in Reinickendorf schuld seien, denn sie haben nicht dafür gesorgt, daß die seinerzeit stattfindenden großen Versammlungen talt mit der WohnunaSpolilik und dem Zweckverband, sich mit dem Schulelend Groß- Berlins beschäftigen. Diese Idee ist einfach genial. Der Etat selbst wurde angenommen. Er schließt bei der Volksschule in Einnahme mit 77 600 M. (71000 M.), in Ausgabe mit 579 000 M.(522 000 M.), beim G y m n a s i u m mit 52 900 M.(40 600 M.) in Einnahme und 142 000 M.<127 550 M.) in Ausgabe und mit einem Zuschuß von 2000 M. an die private höhere Töchterschule. Es betragen somit die gesamten Einnahmen der„Schulverwaltung" 180 500 M. 111500 M.) und die Ausgaben 723 000 M.(650 000 M.). so daß ein Zuschuß von 592 500 SU.(539 300 M.) durch Steuern zu decken sind, das sind 222 Prozent des staatlich veranlagten Einkommen« teuersolls. Trebbin(Kreis Teltow). In der Stadtvcrordnctinsitznng wurde nach 4'/, stündiger Be« ratung der Kämmereikassenelat mit 13 gegen die 4 Stimmen unserer Genossen angenommen. Der Etat balanciert mit 110 000 M. Für die Badeanstalt in der neuen Schule sind 200 M. eingestellt. In der Zeit vom 27. Januar bis zum 31. Dezember 1911 wurden 572 Wannen« und 195 Brausebäder genommen. Vereinnahmt wurden dafür 334,75 M. Es wurde porgeschlagen. Abonnement?» karten einzuführen und fiir Wannenbäder SO Pf., für Brausebäder 15 Pf. zu erheben. Ter Bürgermeister glaubt, daß diesem Wunsche Rechnung getragen werden kann, weil man sich mit dem sonderbaren Gedanken trägt, die Wannenbäder in zwei Klassen zu scheiden. Die Abschaffung des BürgerrechiSgeldeS fand schon in der Etatsberatung«' kommission keine Mehrheit. Genosse Richter nahm Gelegenheit, den "erren wieder einmal unsere Auffaffung über diese reaktionäre lebührenerhebung darzulegen. Es kam dabei auch zur Sprache, daß dem Arbeiterturnverein„Vorwärts" in zwei Instanzen attestiert worden sei, daß die Behauptung, es handle sich um einen politischen Verein, unzutreffend ist. Hierauf wurden gegen die 4 Stimmen unserer Genossen folgende Steuerzuschläge festgesetzt: Einkommen- teuer 169 Proz,, Gewerbesteuer 185 Proz., Betriebssteuer 100 Proz., Grundwertsteuer 2 Promille. Gcnoffe Richter halte auch noch die Absetzung der Betricbssteuer beantragt, daS wurde aber, wie schon ftüher, abgelehnt. Nieder- Tchönhausen. AuS der Gemeindevertretung. Zur Einrichtung von Zeichensälen in der zweiten und dritten Gemeindeschule wurden die erforderlichen Mittel bewilligt. Hieraus wurde die Aufhebung der LmlSkautionen ür die Gememdebeannen beschlossen. Die Abrechnung über den Kartoffelverkauf weist eine Einnahme von 7176 M. und«ine AuS- jabe von 7280,30 M. auf. Die Enteignung der Wald-� und Hermann- »raße soll energisch durchgeführt werden. Die Entschädigungssumme beträgt iür die Waldstraß« 61 061.50 M., für die Hermannstraße 12 875 M. Der freiwilligen Feuerwehr wurde die Genehmigung zum Andringen einer Sirene auf dem Schulhause in der Blanken- burger Straße erteilt. Köuigs-Wusterhausen-Storkotv-BeeSkow. Durch mangelnde Berkehrözelegenheit auf der Eisenbahn Königs- Wusterhausen-Storkow-Beesrow werden, wie aus einer an uns ge- andten Zuschrift ersichtlich ist, über hundert in Wildau beschäftigt«, aber dort nicht wohnende Arbeiter feit Jahren zu stundenlangem Warten verurteilt. Auf dieser Strecke kommt früh Vzü Uhr ein Zug in Königs-Wusterhausen an, der nächste trifft aber erst um V»8 Uhr dort ein. Da die Arbeiter nun in Wildau um 7 Uhr auf der Arbeitsstelle fein müffen, so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Zug um Vs6 Uhr zu benutzen. Dadurch werden sie gezwungen, ihre Schlakzeitum eineStunde zu verkürzen und außerdem müffen sie sichnoch die Zeit bis 7 Uhr herumdrücken. Abends ist es dasselbe. Um Ve8 Uhr ist Feierabend, 8.'° Uhr können sie aber erst den nächsten Zug be- nutzen; es bliebe noch die Möglichkeit für die Arbeiter, die Zeit nutz- losen Wartens durch die Heimfahrt per Rad zu nutzen. Doch bei den unbeständigen Witterungsverbältniisen ist ihnen letzteres unmög- lich; sie iverden daher um die Möglichkeit gebracht. 2�/« Stunden mit ihrer Familie zusammen zu sein. Eingaben um eine günstigere Ber« legung der Züge sind, wie man uns mitteilt, von der Eisenbahn« direktion abschlägig beschieden worden. Mit dem in BeeSkow be- stehenden VerlehrSverein ist die Eisenbahndircltion zwecks besserer Verkehrsmöglichkeit in Verbindung getreten und ist auch dessen Wünschen entsprochen worden. Kann die königliche Eisenbahndirekiion den zahlreichen Arbeitern nicht ein gleiches Entgegenkommen be- weisen, wie einigen vermögenden Herrschaften, die die Bahn weit seltener wie diese benutzen und daher die ungünstige Verlehrmöglich- keit weniger hart empfinden? Potsdam- Stadtverordnetenversammlung. Da die Beratungen deS Etats noch nicht zum Abschluß gebracht wurden, ist die Festsetzung der Steuerzuschlage von der Tagesordnung abgesetzt. Nach längerer Debatte wurde beschloffen, bis zu drei Jahren der Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter bei den Sekretären aus dem Militär- anwärterstande anzurechnen; Anträge aus Ausdehnung dieser Ver» günstigung auf die Bureauassistenten wurden abgelehnt. Festgesetzt wurden die Etats: Bauwesen, Einnahme 80 300 M., Ausgabe 109 400 M.; Gartenverwaltung, Einnahme 485 M„ Aus- gäbe 31745 M. Stadtv. Herrmann beantragte die Uebertragbarkeit der einzelnen Positionen eines Titels(23 000 M.) zu streichen. Die Versammlung lehnte dies ab; sie hofft, daß der Rechmmgsprüstmgs- ausfchuß auf die Ueberschreitung von Rechken wachen wird. Mittel- schulen, Einnahme 89 270 M., Ausgabe 149 780 M. Bei der Mädchenmittelschule(Charlottenschule) ist ein Ausfall von 3460 M. an Schulgeld gegen das Vorjahr. Vermögensverwaltung, Einnahme 348 500 M., Ausgabe 282 500 M. Vom Kaufmanns- und Gewcrdcgericht. Beim KanfmannSgericht wurden im Jahre 1911 32 Klagen anhängig gemacht, und zwar von Kaufleuten gegen Handlungsgehilfen eine, und von HandlungS« gehilfen gegen Kaufleute 31. Der niedrigste Streitwert betrug 21 M., der höchste 37,80 M. Im ganzen haben 44 mündliche Ver- bandlungen stattgefunden, und zwar vor dem Vorsitzenden allein an 12 SitzungStagen 16, vor dem besetzten Gericht an 16 SitzungS- tagen 29. Beim Gewerbegericht wurden 88 Klagen anhängig gemacht, und zwar betrafen 12 Klagen Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer und 76 Klagen Arbeitnehmer gegen Arbeitgeber. Tie Höhe deS Streit» objekteS betrug 30 mal bis einschl. 20 M., 27 mal von 20—50 Mk., 21 mal von 50—100 M. und 9 mal mehr als 100 M. Der niedrigste Streit- wert betrug 3,35 M., der höchste 364,44 M. Das Verfahren bei den erledigten 85 Klagen dauerte weniger als 1 Woche in 63 Fällen, 1—2 Wochen in 15 Fällen, 2— 4 Wochen in 5 Fällen und 1—3 Monat in 3 Fällen. Im ganzen haben 117 mündliche Verhandlungen statt« gefunden, und zwar vor den Vorsitzenden allein an 13 SitzlingS» tagen 80, vor dem besetzten Gericht an 31 SitzungStagen 87 Ver« Handlungen. In 29 Fällen betrafen die Klagen rückständigen Lohn und in 57 Fällen Entschädigung wegen vorzeitiger Auflösung des Dienstverhältnisses.__ Lese- und Tiskutierklub„Südost". Heul« Mittwoch,&l, vhr, bei Neidhardt, GSrliyer Str. 56: Sitzung. Bortrag. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Zentralwahlvereiu für de» Reichstags- «ahlkreis Züllichau-Schwiedus« Krosscn- Sommerfeld.(Ortsverein Berlin.) Mittwoch, den 20. März, abend« 8'/, Uhr, bei tKetzner, Koppen- straße«7. Bersammlung._ Briefharten der Redahtfon. — R. M. 74. Anteilig ja.— Koch 24. Richtet sich nach ber Landes- Gesetzgebung für Hessen. Fragen Sie beim„Hessischen Volkssreiniir in Daimstadt, Bismarckstr. IS, an.— Rix. S. Darüber bestimmt das Ge- richt. Einen Anspruch aus Bestellung zum Vormund haben Ii« nicht. — Kluge. Der Kaus ist rechtsverbindlich. Zu der Anzeige können wir nicht raten.— Spreugel 4. Nur aus Ansraze find Sle zu der Angabe verpsüchlet.— A. Sch. 10. Ihr Anspruch erscheint begründet, tllage beim Amtsgericht Köpenick.— 88. Z. III. sie sind noch zahlungspstichltg. Ter damalige Artikel behandelte die Frag« der Lohnpsändung.— S. S. 1012. Sie find sür Ihr« Behauptung beweispfiichlig und können sich aus l.—®. 18. Ibre Angaben reichen Sprechstunde.— A. K. 110. Nein. Zeugnis der Ktndesmutler bezteheu.— aus. Kommen Sie in I für •>. ese Das selbsttätige Waschmittel. Unentbehrlich für jeden leinderretchan Haushalt. Vereinlachl und erleichtert das tägliche Waschen der Säugüngs- wäsche, macht sie und schneeweiß, selbst wenn' vorher stark vergilbt Bestes Desinfektionsmittel bei Krankheiten. Erprobt u. gelobt/ Nur in Originalpaketen, niemals los«. HENKEL& CO., DÜSSELDORF, Hlleinigc Fabrikanten auch der«llbeliebter / Henkels Bleich-Soda\ Verkaufsstellen durch Piakate erkenntlich. Fabrlk.Biledcrlace fltp Berlin and Tororte: Job. 8ehm«lor, Berlin stf. d, TleckatrnBe 11. Verantwortlicher Redälteur: Albert Wach«. Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» ivuchdruckerei u. BerlagSansmIt Paul Singer».Sa,»erlmSW.