Nr. es. Ndonnementz-Keckingungen: Wonnemcnts- Preis vräniuncrando: Vierteljährig SM Mk, monatig I.lv Mt, wöchentlich 2s Pfg. frei WS Halls. Einzelne Ziununer 5 Pfg. Sonntags, Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- NbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonncmeMs nehmen ant Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Aumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Insertion;-Sebüh? beträgt für die sechZgefpaltene Kolonel- gelle oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Vcrfammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „KUtne Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pig., jedes wertere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Erpedition ist bis 7 Uhr abends geölliiet. Crichflnt täglich inStr nontagj. Verlinev Volksblnkk. Zentralorgan der roztaldcmohratifchcti parte» Deutfchlands. Telegramm- ildrrfs« „SfzUlddiiolirat RtrOiT, Rcdahtion: 8 öd, 68, Lindcnstrasae 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Sxpedittom 8M. 68, Lindenatraeae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1684. Die engiiiche Minimallohnvorlage. London, 20. März.(Eig. Ber.) Die Minimallohnvor- läge für Untertagsarbeiter im Kohlenbergbau, die gestern vom Premierminister im Unterhaus eingebracht wurde, bezweckt vor allen Dingen, die streikenden Bergarbeiter zu bewegen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Ob dieses Ziel erreicht wer- den wird, ist noch eine Frage. Aber jedenfalls beweist die Porlage, daß sich die Regierung bemüht hat, den Bergarbeitern entgegenzukommen, was die Mehrheit der konser- vativen Organe veranlaßt, von einer schnöden Kapitulierung der Regierung vor den Bergarbeitern zu schreiben. Zwangs- bestimmungen enthält die Vorlage nichts das Recht, zu streiken oder auszusperren, wird nicht angetastet. Wohl aber wird der Grundsatz aufgestellt, daß der festgesetzte Minimallohn von dem Arbeitgeber bezahlt werden muß. Dieser Minimal- lohn bildet bei allen künftigen Lohnkontrakten eine still- schweigende Voraussetzung. Der Arbeiter kann, wenn ihm ein geringerer Lohn bezahlt wird, die Differenz auf gericht- lichem Wege eintreiben. Das Gesetz hat rückwirkende Kraft', der Minimallohn tritt mit der Annahme des Gesetzes in Kraft, obwohl er zu der Zeit noch nicht festgesetzt worden ist. Man will also die Bergarbeiter bewegen, die Arbeit so früh als niöglich wieder aufzunehmen. Die Vorlage soll nächsten Camstag zur Annahme gelangen. Wird das Gesetz angenommen, so kann in Zukunft in Großbritannien keine Grube in Betrieb genommen werden, in der nicht den Untertagsarbeitern der festgesetzte Minimal- lohn gezahlt wird. Tie Höhe des Minimallohns wird von gemeinschaftlichen Distriktsämtern festgesetzt werden, die sich dns einer gleichen Zahl Arbeiter- und Arbeitaebervertreter lufammensetzen. In einem Anhängsel zur Vorlage, die aus cchs ziemlich verwickelten Klauseln besteht, werden für 21 Reviere gemeinschaftliche Distriktsämter festgesetzt. In den meisten Fällen werden jedoch wohl die schon bestehenden Eini- gungsämter die Funktion der Distriktsämter versehen. Der Vorsitzende eines Distriktsamts soll nach der Vorlage eine un- abhängige Person sein, die von beiden Parteien gewählt wird. Kommt es zu keiner Einigung über die Person des Vor- sitzenden, so ernennt das Handelsministerium eine passende Person. Der Vorsitzende handelt als Schiedsrichter er hat die ausschlaggebende Stimme, wenn sich die Parteien nicht einigen können. Er kann also einen Minimallohn festsetzen, der dann fortan ebenso rechtlich bindend ist, als hätte ihn das Distriktsamt beschlossen. Das Distriktsamt beschließt auch die Statuten, die die Anwendung des Minimallohns bestimmen. Es muß darin festgelegt werden, daß alte und invalide Ar- bciter den Minimallohn nicht beziehen können. Ferner müssen sie Bestiinmungen entlfalten über die Regelmäßigkeit und Wirksamkeit der von dem Arbeiter zu leisteirden Arbeit. Der Arbeiter soll des Minimallohns verlustig gehen, wenn er diesen Bestimmungen nicht nachkommt, außer in Fällen, in denen er den Bestimmungen nicht nachkommen kann(abnorme Arbeitsstellen, Mangel an Wagen usw.). Die Regelung der Handhabung des Minimallohns wird also den Distrikten an- heimgestellt, was auch in Anbetracht der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse und Bräuche nicht gut anders möglich war. Tie gemeinschaftlichen Distriktsämter müssen vom Hau- delsministerium anerkannt werden. Dieses kann die Be- dingung stellen, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer getrennt als Parteien stimmen müssen und daß der unabhängige Vor- sitzende den Ausschlag bei Streitigkeiten geben muß. Das Distriktsamt kann einen besonderen Minimallohn(verschieden von dem allgemein gültigen) und besondere Statuten für gewisse Gruben und gewisse Arbeiter festsetzen. Das« Amt bat auch das Recht, den Distrikt in kleinere Bezirke einzu- teilen oder sich mit anderen gemeinschaftlichen Tistriktsämtern zu einer größeren Körperschaft zu verbinden. Minimallöhne und Statuten können jeder Zeit mit Genehmigung beider Parteien verändert werden. Im andern Falle bleiben sie ein Jahr lang in Kraft und ihrer Abänderung muß eine Kündi- gungSfrist von drei Monaten nach Ablauf des Jahres voran- gehen. Es könnte nun der Fall eintreten, daß sich die eine oder die andere Partei weigert, ein Distriktsamt zu bilden. Für diesen Fall ist vorgesehen, daß das Handelsministerium nach 11 Tagen eine Person ernennt, die an Stelle des Distriktsamts handelt. Sollte ein Amt fünf Wochen nach dem Jnkraft- treten des Gesetzes den ersten Minimallohn und die Statuten nicht geregelt haben, so soll der Vorsitzende des Amtes diese Pflichten erledigen. Die Frist kann jedoch auf gemeinschaft- liches Verlangen der beiden Parteien oder auf Antrag des Vorsitzenden verlängert werden. An Stelle eines Vorsitzen» den können auch drei gewählt oder ernannt werden, deren Mehrheitsbeschluß bindend ist. Alle Kohlengruben und Eisen- bergwerke, in denen Eisenstein flözartig gelagert auftritt, unterstehen dem Gesetz, das auch nuv für unterirdisch be- schäftigte Arbeiter, nicht für die Obertagsarbciter und Gruben- beamten gilt. In der sechsten Klausel wird bestimmt, daß das Gesetz d r�e i Jahre in Kraft bleiben soll, es sei denn, daß das Parlament anders beschließt. Es scheint, als ob die Regie- rung mit dieser Bestimmung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will. Einmal will sie ihre nervöse Gefolgschaft trösten und dann will sie den Konservativen, die Aussicht haben, in drei Jahren am Ruder zu sein, ein Bein stellen. Das hat auch schon den Zorn konservativer Blätter hervorgerufen, die sehr wohl wissen, daß sich das zähe und stets kampfbereite Bergvolk eine Errungenschaft nicht ohne weiteres wieder nehmen läßt. Die liberale Presse setzt eine süß-saure Miene auf, während der größte Teil der konservativen Presse die Vorlage als Schwindel(sbum) bezeichnet und nach Zwangs- gesetzen gegen die Gewerkschaften schreit. In bürgerlichen Kreisen ist niemand mit der Vorlage zufrieden. Man hat das unbequeme Gefühl, daß man einen nicht wieder gut zu machen- den Schritt getan hat, der in sehr kurzer Zeit zu großen Umwälzungen im wirtschaftlichen Leben Großbritanniens führen muß. Schon regen sich die Eisenbahner— man spricht von einem Kampf im Monat Mai— und auch die Trans- Portarbeiter schicken sich an, eine Minimallohnbewegung ein- zuleiten. Die Frage ist jetzt: Werden die Bergarbeiter die Mini- mallohnvorlage annehmen und zur Arbeit zurückkehren? Die nationale Konferenz der Bergarbeiter berät augenblicklich über diese Frage. Sie werden jedenfalls verlangen, daß ihre Minimallohntarife für Hauer sowie der Minimallohn von 5 Schilling für andere erwachsene Untertagsarbeiter und der Anfangslohn von 2 Schilling für Knaben der Vorlage ein- verleibt werden. Ob sie darauf bestehen werden, ist noch nicht sicher. Sollte die Vorlage nicht. die Wiederaufnahme der Arbeit bringen, so wird die Regierung, wie Herr A s q u i t h in seiner Rede zur Vorlage andeutete, schärfere Mitte zur Anwendung bringen. Welcher Art diese Mittel sein wer den, ist nicht bekannt.� Verfcbärfung der poUtifcben Situation. London, 21. März.(Privattelegramm des„Vorwärts'.) Die Ablehnung der Minimallohnvorlage durch den Berg. arbeiterverband hat die Regierung in eine kritische Situation ge- bracht. Denn dadurch wird der Zweck des Gesetzes, die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit zu erreichen, illusorisch. Man spricht. davon, daß die Regierung das Gesetz zurückziehen wolle. Das wäre eine schwere moralische Niederlage. Auf der anderen Seite sind die Konservativen nach Prüfung des Wortlautes des Rc goerungsgesetzentwurfeS zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Bill keinerlei Garantien für die Grubenbesitzer enthält. In ihrem Namen wird daher Balfour, der plötzlich wieder aus der Versenkung auftaucht, heute den Vorschlag machen, den Gesetz- entwarf auf 6 Monate zu vertagen, was einer Ab- lehnung deS Regierungsvorschlages gleichkommt. Di« Regierung wird sich mithin gezwungen sehen, die Z u s a tz a n t r ä g«, die von den Vertretern der Arbeiterpartei namens deS Verbandes der Grubenarbeiter eingebracht werden, anzunehmen oder evtl. die Arbeiterpartei zwingen, gegen das Gesetz zu stim- men, was wahrscheinlich dessen Fall und den Sturz der Regierung bedeuten würde, Die Unterhausdebatte. London, LI. März. Das Unterhaus war heute in allen Teilen dicht besetzt und zwar sowohl wegen der Debatte zur zweiten Lesung der Mindestlohnbill sowie wegen der Tatsache, daß B a l- f 0 u r namens der Opposition die Ablehnung der Bill beantragen wollte. ES ist das erstemal, daß Balfour seit seinem Rücktritt von der Führerschaft der Opposition an den Debatten des Hause? teil- nimmt. Bei seinem Eintritt in das Haus wurde er allgemein mit lautem Beifall begrüßt. In Begründung seines Antrages, die Mindestlohnbill abzulehnen, erklärte Balfour, niemand sei mit der Bill und ihrer Lösung der schwierigen!Zage zufrieden, und eine schwere V er antwortung ruhe auf dem Haus«. Das Land habe niemals einer so bedenklichen KrisiS gegenüberge- standen, wenn er auch die ernsten Bemühungen des Premier- Ministers Asquith, den Frieden herbeizuführen, anerkenne, so habe doch die Regierung niemals sich und das Haus mehr getäuscht. In ihrem Hauptzweck würde die Bill fehlschlagen, und für die Regierung liege daher keine Berechtigung vor, den Versuch zu machen, diese ungeheure Umwälzung in einer Woche durch das Haus zu er- zwingen. Die Opposition werde sich bemühen, die Meinung des Hauses bei der zweiten Lesung auf die Probe zu stellen, aber wenn die zweite Lesung angenommen würde, werde die Opposition ihr Bestes dazu tun, daß die Politik der Regierung erfolgreich sei. Sollte aber die Regierung geschlagen werden, so brauchte deswegen das Haus nicht aufgelöst zu werden, da das Land nicht die allgemeine Verwirrung einer Wahl zu den Schrecken' des Streiks hinzutreten lassen könne. Er beantrage die Ablehnung der Bill aus den klaren Gründen einer nationalen und stattsmännischen Politik. Balfours Rede deutet darauf hin, daß die Opposition die späte- ren Stadien der Bill nicht obstruieren wird und daß die Lords sie annehmen werden. Premierminister Asquith erklärte, die Rede BalfourS sei würdig der kritischen Gelegenheit. Wolle er aber durch seinen An- trag auf Abweisung. der Bill der Meinung Ausdruck geben, daß ge- setzliche Regelung unnötig sei? Balfours Rede entbehre vollkonr- men praktischer Hinweise. Die in der Bill enthaltenen Vorschläge seien mit denen identisch, die den beiden Parteien vor drei Wochen von der Regierung unterbreitet worden seien. Die Regierung hätte sich vollkommen unparteiisch gehalten. Asquith schloß, wir haben durch jede Art von Ueberredung versucht, die Parteien zu einer Einigung zu bringen. Es ist uns nicht gelungen, und die Stockung im Kohlenbergbau dauert an. Wir können nicht zugeben, daß die industrielle Bevölkerung des Landes aus Mangel an Kohle notleidet. Ist nicht darum eine g e- setzliche Regelung notwendig? Er, Asquith, bitte daher das Haus, die Bill anzunehmen, nicht als Teil eines dauernden. Gesetzgebungswerkes, sondern als provisorischen und zeit- weiligen Notbehelf gegen den augenblicklich herrschenden Notstand. Die Bill sei eine notwendige Vorstufe zu allen weiteren Schritten, die— was Gott verhüte— vielleicht noch getan werden müßten.__ lisch dem Kampf Im Kuhrreoler. Auch om Donnerstag ging die Arbeftsaufnahme im all- gemeinen glatt von statten. Einzelne Grubenverwaltungcn lassen allerdings ihren Rachegefühlen freien Lauf, die Mehr- zahl aber ist zufrieden, wenn sie ihre alten, eingearbeiteten Leute wiederbekommen. Ob die angedrohten sechs Strafschichten von d«n Zechen- Verwaltungen cinbehalten werden, läßt sich noch nicht sagen. Die„Kölnische Zeitung" wußte zu melden, daß der Zechen- verband beschlossen habe, die Zechenverwaltungen generell anzuweisen, die sechs Strafschichten in Abzug zu bringen; von anderer Seite wird diese Nachricht jedoch bestritten. Einige Zechenverwaltungen gaben bekannt, daß, wenn der Christliche Gewerkverein dies beantragen würde, vom Abzug der Strafschichten Abstand genommen würde. Fest steht jedenfalls, daß einige Zechen die Strafschichten nicht ein- behalten werden. Streikjustiz im Galopptempo! Die auffallende Erscheinung, daß schon am Sonnabend voriger Woche und in den ersten Tagen dieser Woche in Castrop, Herne, Dortmund. Bochum Streiksünder zur Aburteilung gelangt find, findet jetzt eine eigenartige Erklärung. In Bochum ist festgestellt, daß den in Untersuchungshast be- findlichen Streiksündern(wahrscheinlich allen) ein Formular zur Unterschrift vorgelegt wird, wonach der Unterschreibende auf die ein wöchentliche Frist verzichtet, die nach der Straf» Prozeßordnung zwischen der Ladung und der Hauptverhandlung liegen muß. In den meisten Fällen wiffen die Leute nicht, welche Bedeutung der Verzicht auf dieses Recht hat, und so kommt eS denn, daß die Leute binnen wenigen Tagen abgeurteilt werden, ohne auch nur Gelegenheit oder Zeit gehabt zu haben, sich nach Zeugen oder einem RechlSbeistand umzusehen. Viele wiffen auch nicht einmal, daß sie das Recht haben, Beweisanträge zu stellen. So ist eS denn zu verstehen, daß z. B. am Mittwoch ein junger Pole von der Bochumer Strafkammer zu drei Monaten Ge- fängnis verurteilt werden konnte, nur auf das Zeugnis eines einzigen Kriminalschutzmanns hin, während für die Tat, deren er bezichtigt war, etwa 10 Zeugen in Frage kamen, von denen kein einziger geladen war. Der Angeklagte, der auS der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, wußte anscheinend nicht einmal, daß er die Ladung von Zeugen beantragen könne. Denn obwohl er unter Tränen beteuerte, daß er nicht gesagt: Werft mit Steinen, sondern: Werft nicht mit Steinen. stellte er keinen Beweisantrag, verzichtete sogar auf Befragen des Vorsitzenden auf das Recht der Revision. Vielleicht hat er sich dazu auch durch den Antrag des Staatsanwalts bestimmen lassen, der S Monate Gefängnis beantragt hatte. Auf diese Weise fällt eS nicht schwer, schnell eine Reihe gerlchtS- notorischer Fälle von Belästigung von Arbeitswilligen zu erzielen. Anner Giesberts. Große? Leiden ist dem herrlichen Sohn von Strehlen, Herrn Giesberts, in den Gefilden Saarabiens, in der ehemaligen christlichen Hochburg Dudweiler am 3. März widerfahren. Er war gekommen, die christlichen Kumpels scharf zu machen gegen die bösen Engländer und die noch schlimmeren Altverbändler. Doäj schon vor Anfang seiner Rede wurde sein Referat vereitelt. Ein christlicher Kamerad sagte nämlich zu ihm:»Sic(die Christlichen) hätten ihn schon oft genug gehört und soll er leinen Bandwurm, den er aufrollen wolle, bei sich behalten. Besser sei«S, er höre die Kumpels an. um zu wissen und in Berlin zu sagen, wie es ihnen in Wirklichkeit gehe." GieSbertS erklärte, unter diesen Umständen nicht sprechen zu wollen, ließ aber doch dann seinen Bandwurm los. Wenn dies schon am grünen Holz in Dud- Weiler passiert, wie soll eS am dürren in RH-inland-Westfalen werden. Armer„christlicher" Arbeitswilligenvermittelungsverein! Deine Mitglieder gehen und die Führer sitzen weinend au den Wassern Babylons. Der Streik im Zwickauer Kohlenrevier. Zwickau, 21. März.(Privat-Telegramm des.Vorwärts'.) In Zwickau ist der Streik bis zu dieser Stunde unausgesetzt gewachsen. In den Streikbureaus des Bergarbeiterverbandes haben sich bisher über bOOO organisierte und rund 8009 unorganisiert� Streikende gemeldet. Im Laufe des Streiks hat die O r g a n i s a t 0 n zirka 500 Mitglieder neu gewonnen. Die Zahl der Streikenden ist jedoch nicht vollständig in die Listen eingetragen. Viele haben die Meldung beim Streikbureau nur darum unterlassen, weil sie als Unorganisierte keine Unterstützung beziehen können. In Wirk- lichkeit wird die Ziffer der Streikenden auf beinahe SOOO anzugeben sein. Auf einzelnen Schächten ist die Kohlenproduktion ganz wesentlich zurückgegangen. Ein großer Schacht hat seinen Koksofen eingestellt, weil ihm die Kohlen mangeln. Die Werke der- uchen jetzt mit Schreckschüssen die Arbeiter einzuschüchtern. Auf dem .Falkschacht' ist durch Anschlag bekanntgegeben worden, daß die- jenigen, die bis Sonnabend die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, für immer aus der Belegschaftsliste gestrichen werden. Auch andere Werke versuchen diese Manipulationen. Auf den.Arnim- chächten' droht man den Arbeitern mit Abzug der sechs Schichten. Heute ist Genosse Sachse im Streikrevier eingetroffen. Mittags fand eine Revierkonferenz statt, in der beschlösset! wurde, nochmals zu versuchen, auf gütlichem Wege mit den X WerlSbefitzern auZeinanderzukommen. Die ArbeiterauSschüsie wurden beauftragt, beim Bergamt in Freiberg nochmals eine Bermittelungsverhandlung nachzusuchen. Im An- schluß an diese Konferenz fand im Saale und in dem grohen Garten des Lokals„Beloedere" der erste Generalappell der Bergarbeiter statt. Im Saale standen über 2000 Bergarbeiter Kops an Kopf gedrängt. Dort sprach Genosse Sachse. Er schilderte zunächst die Ursache des Streikabbruchs im Ruhrgebiet und liest seine Rede ausklingen: Run erst recht streikt hier; es must dazu kommen, dast die Bcrgherren den berechtigten Wünschen der Arbeiter Entgegen- kommen zeigen. Im Garten, wo etwa 5000 Bergarbeiter versammelt waren, sprach der Bezirksleiter Strunz und der Redakteur Genosse Barth. Die Versammlungen nahmen die Be- schlüsse der Konferenz einstimmig an. Die Versammlung löste sich dann in aller Ruhe und Ordnung auf. Die Anerkennung der Oeffentlichkeit und auch der Polizei über das ruhige Verhalten der Streikenden spricht am besten daraus, dast vor dem Lokal für diese ungeheure Menschenmenge nur ein einziger Schutzmann postiert war. Terrorismus gegen Streikende. In welch brutaler Weise die Grubenherren ihre Gewalt unä ihren Hast gegen die Streikenden geltend machen, beweist folgender Fall: Auf dein Kästnerschacht arbeiteten seit langer Zeit Vater und Sohn. Der Sohn besuchte die Bergschule seit beinahe vier Jahren und steht in-kurzer Zeit vor dem Steigerexamen. Als der Streik Montag ausbrach, schloß sich auch der Vater an und streikte bis Mitte der Woche. Darüber war die Werksleitung so in Wut ge- raten, daß sie sich mit der Leitung der Bergschule in Verbindung setzte und erreichte, dast von dort aus dem Vater und dem Sohne die Pistole auf die Brust gesetzt wurde: entweder der Vater fährt wieder zur Grube oder der Sohn fliegt aus der(von den Werks- Unternehmern ausgehaltenen) Bergschule heraus. Die Bewegung in Frankreich. Paris, 21. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Am Mittwoch trat in L e n s der Exekutivausschust der Na- tionalen Föderation zusammen, um das endgültige Ergebnis der über die Streiksrage erfolgten Urabstimmung festzu- stellen. Es erklärten sich danach 122 942 Stimmen gegen die unverzügliche Proklamierung des Ausstandes, während Gl 682 Stimmen für den sofortigen Streik waren und 9736 Arbeiter sich der Stimme enthielten. Wenn auch diese Ab- stimmung erkennen läßt, daß die Mehrzahl der Bergarbeiter in Denaiit von einer sofortigen Arbeitsniederlegung nichts wissen will, so hielt der Exekutivausschuß es doch für ange- bratcht, eine Mahnung zur Disziplin an die Arbeiter ergehen zu lassest. Sonntag vormsttag waren die Delegierten aller Lokal- organisationen des Beckens von Anzin in Denain versanunelt. Becant, der Sekretär der Organisationen, erstattete Bericht über eine Beratung, zu der das Exekutivkomitee der Nationalen Föderation am Freitag zusammengetreten war. Mau nahm dann eine Resolution an, in der der gegen das Exekutivkomitee erhobene Vorwurf der Unschlüssigkeit scharf zurückgewiesen und im Gegenteil auf die Tatsache hingewiesen wurde, daß bestimmte Gewerkschaften der Forderung des Mi- nimallohnes nicht die genügende Beachtung schenkten. Nachdem somit von einem sofortigen Ausstande keine Rede mehr zu sein schien, fand am Abend des letzten Sonntags zu Denain eine allgemeine Bergarbeiterversammlung statt, in der Becant über die Sitzung vom Vormittag berichtete ' und die hier gefaßte Resolution verlas. Wider Erwarten wurde sedoch in der Versammlung schroffer Wider- s p r u ch laut, und als man nach lebhafter Erörterung zur Abstimmung schritt, wurde mit ansehnlicher Stimmenmehr- hcit der A u s st a n d beschlossen. Am Montag abend ergab sich, daß auf 5 Schächten von 2280 Bergarbeitern 1650 im Ausstande waren; int Loirebecken streikten Dienstag von 5051 Bergarbeitern 2219. Ter Generalrat der alten Gewerkschaften des Pas de Calais stellt fest, daß der Ausstand entgegen den Beschlüssen des zu Angers abgehaltenen Kongresses ausgebrochen war und sprach sein B e da u e r n über die Disziplinlosigkeit aus. Streik in Amerika. Clkveland, 20. März. Nach einer Konferenz der Weich- kohlengrubenbesitzer und der Bergleute erklärte der Präsident der Bergarbeitergcwerkschaft, daß der A u s st a n d in den Weichkohle n minen, der auf 500 000 Berg a r b e i t e r sich erstrecken werde, am 1. April beginnen würde, falls die Forderungen der Arbeiter nicht erfüllt werden. Wilkesbarre(Pennsylvanien), 20. März. Die U n a b hängigen Grubenbesitzer kündigen an, sie seien bereit, die Forderungen der Arbeiter der Anthrazit kohlengruben zu erfüllen. „Finanzrefurm" ist für die Spritfabrikanien gar nicht die Liebes gäbe als solche— und die Herren Agrarier schauen seitdem mit einer gewissen Berechtigung spöttelnd dem Streit zu, ob die süddeutschen ob die ostelbischen Brenner größeren Vorteil von' ihr haben—/ das Wichtigste ist für sie die durch Gesetz geschützte BeHerr schun des Marktes und Auslieferung der Konsumenten Solange diese Gesetzesbestimmungen nicht fallen, verlieren die Spritinteressenten nichts und ihr Wehren gegen den Fall der Liebesgabe ist nichts als agitatorische Mache. Argumen ticrt doch das Junkerorgan sehr, hübsch, man dürfe nicht der Opposition diesen Stein des Anstoßes nehmen, sonst würde sie sich hernach gegen andere Bestimmungen des Gesetzes wenden, die den Agrariern noch viel wichtiger sind. Ehe den Brennern ein Schaden entstehen kann, kommt die Zentrale mit Gegenmaßnahmen schon zuvor. Sie erhöht die Preise; d. h. den Konsumenten wird eine neue Verbrauchsabgabe aufgehalst, die in ihrer Höhe den Brennern die fortfallende Liebesgabe ersetzt, den Konsum aber stärker als die Liebesgabe drückt. Geht nun infolge der Preissteigerung der Konsum zurück so wird auch der Steuerertrag reduziert. Nur die Brenner ver lieren nichts. Den süddeutschen kleineren Brennern soll die Liebesgabe abgelöst werden. Sie erhalten für ihr„Opfer eine bare Entschädigungssumme. Den norddeutschen Brennern entsteht ein anderer Vorteil. Die süddeutschen Spritfabriken konnten stch gegenüber den großen im Norden Deutschlands nur durch ihr relativ großes Kontingent halten. Wird ihnen die Liebesgabe genommen, so erliegen sie der Konkurrenz der preußi schen Produzenten. Tie Konzentration der' Schnapsfabrikation würde zunehmen, das Monopol befestigt und die Preisfestsetzung in noch höherem Maße der Willkür der Spirituszentrale aus geliefert sein. Die Sozialdemokratie fordert daher neben der Aufhebung der Liebesgabe die Beseitigung der geltenden Brannt Weinbesteuerung überhaupt. Ein StaatSmonopp auf Grund des durch Gesetz begünstigten Monopols der SpirituS zentrale würde nur die Macht der Schnapsunternehmungen stärken, anstatt sie aufzuheben. Ganz unabhängig aber davon, sollte jeder einzelne den Fusel- Produzenten den Tribut an Geld und Gesundheitszerstörung ver- weigern. Auf die Erhöhung der Preise muß die Verschärfung des Branntweinbohkotts die Antwort sein! ver Krieg. Aufhebung der Ciebesgabe und erhöhnng der ßranntweinpreife. Während sich die reaktionären Parteien in tragisch abgetönten Wortengegen die geplanteAufhebung derLiebesgabe wenden, überrascht die Spirituszentrale durch die kurze, einfache Mitteilung, daß sie die Spirituspreise um 8 M. erhöht habe. Stehen wirklich beide— die geplante und die vollzogene— Maßnahmen in keiner Beziehung, wie von den Interessenten behauptet wird? Das Wesen der Liebesgabe und ihr Nutzeffekt für die Agrarier besteht darin, daß den Brennern, und vorzugsweise den landwirt- lichen Schnapsfabrikanten, ein Extraprofit von 40 bis£>0 Millionen Mark jährlich gesichert wird. Wird die Liebesgabe aufgehoben und dantit die höhere Steuer für die gesamte Branntwein- Produktion eingeführt, so muß das Mehr der Steuer, gleich- bleibenden Konsum vorausgesetzt, dem Staate zufallen. Dieser Fall würde auch ratsächlich eintreten, wenn der Konsum gleich- bleiben würde. Und dafür wieder ist die Voraussetzung, daß die ohnehin sehr hohen Preise nicht weiter erhöht werden. Tie Spiritusproduktion ist aber durch die Spirituszentrale vertrustet. Vertrustung heißt Bindung der Produktion. Bc- schränkung der Erzeugung bedeutet für den Konsum Verteuerung der Preise. Solange die Möglichkeit der Vertrustung weiter be- stehen bleibt, sind Preisgestaltung, ErzeugungL- und Verbrauchs- Iwhe und damit Steuereinnahme nicht mehr das Resultat des freien Konkurrenzspicls, sondern können von der Spirituszentrale willkürlich beeinflußt werden. Daran ändert auch nichts, daß der SpirituSring ein direktes Produkt der Gesetzgebung ist, die durch den BergällungSzwang für industrielle Brennereien und die Begünstigung der landwirtschaftlichen Spritfabriken erst künst- lich das Monopol schuf. Seit 18SS, dem GründungSjahr, ist die Politik der SpirituSzentrale dahin gegangen, die Produktion ein- zuschrnnken, die Preise zu erhöhen und die GesetzgcbungSmaschine ihren Zwecken dienstbar zu machen. Der letzte entscheidende Sieg >oar die blauschwarze Branntweinsteuergesetzgebung von 1909, deren Pläne von der Zentrale entworfen und von der Regierung unbesehen geschluckt wurden. Das Wertvollste dieses Stückchen» Große Truppensendung nach Afrika. Rom, 21. März. Die 25900 Mann, die jetzt nach Afrika abgehen, bedeuten keine Verstärkung der dortigen Streitkräfte, sondern sind lediglich dazu bestimmt, den auf Ende März zurückgerufenen Jahrgang 1883 zu ersetzen. Jtalienfeindliche Demonstration in Kairo, Rom, 21. März. Nach einer Meldung aus Kairo wurde in der dortigen Oper eine Vorstellung gegeben, deren Erträgnis für die Opfer des Bombardements von Beirut bestimmt sein sollte Bei dieser Vorstellung kam es zu antiitalienischen Kundgebungen. i wurde ein orientalisches Drama gegeben. Der Vorstellung wohnten unter anderem bei Mohammed Ali, der Bruder des Vize- königs, die Minister und andere höhere Beamte. Zwischen den einzelnen Akten wurden Lieder vorgetragen. Eines dieser Lieder enthielt die wildesten Schmähungen gegen Italien und wurde von den Versammelten mit demonstrativem Beifall aufgenommen. Die italienische Kolonie in Kairo ist über dieses Vorkommnis sehr auf gebracht und hat die italienische Regierung aufgefordert, bei Eng land Vorstellungen zu erheben.„ Die Revolution in China. Die Mächte machen Schwierigkeiten wegen der Finanzierung der Republik. London» 21. März. Das Reutersche Bureau erfährt aus Peking: In einer Zusammenkunft der Gesandten der sechs Mächte, die an den finanziellen Verhandlungen mit der republika- nischen Regierung beteiligt sind, wurde der Beschluß gefaßt, b e i Juanschikai gegen Tangschaoyis mockuo operandi in der An leihefrage Einspruch zu erheben und eine endgültige Erklärung über die chinesische Finanzpolitik zu erhalten. Auch soll Nachdruck darauf gelegt werden, daß von China, da die sechs Mächte zur Unterstützung bereit sind, ein N a ch w e i s für seine Zuverlässigkeit gefordert wird. Die kaufmännischen Kreise drücken ihr Bedauern darüber aus, daß eine derartige Stockung noch geschaffen worden ist. als die Krisis schon für überwunden gehalten wurde. Neugestaltung der Verwaltung. Peking, 21. März. Juanschikai hat bestimmt, daß die Vize- könige und Gouverneure der Provinzen des Nordens und die Höchftkommandierenden der Provinzen des Südens während der UebergangSzeit den Titel eiges Chefs der provisorischen Re- gierung der Provinzen führen sollen.— Die Provinzen sind bei Juanschikai schon dahin vorstellig geworden, daß die G o u v e r- »eure durch das Volk gewählt werden sollen. Er hat ihnen geantwortet, daß diese Frage späterhin durch die Nationalversammlung entschieden werden wird. Gegenwärtig werden die Gouverneure durch den Präsidenten ernannt. politiscke debertlcbt. Berlin, den 21. März 1912. Für und wider Arbeiterinteressen. Aus dem Reichstag, 21. März. Wirf die Katze wie du willst, sie fällt doch immer wieder auf die Füße. Die Wahrheit dieses alten.Spruches erweisen auch buntscheckige und weit abschweifende Reichstagsdebatten, wie die des gestri- gen Tages eine war: aus ihnen kristallisiert sich doch als Kern immer wieder die Stellung der verschiedenen Parteien für oder gegen die Arbeiterinteressen. Nachdem zu Beginn der Sitzung der Nationalliberale Dr. B L t t g e r und sein Fraktionskollege Dr. I u n ck eine Reform des gesamten Patentrechts verlangt hatten, die auch vom Ministerialdirektor Caspar zugesagt wurde, verbreitete sich Genosse S i l b e r s ch m i d t, der be- känntlich einer der tüchtigsten Führer der deutschen Gewerk- schastsbewegung ist, über die Frage der Berufsgenossenschaf. ten hauptsächlich im Baugewerbe. Er wies darauf hin. daß die Kontrolle zur Verhütung der Unfälle bei weitem nicht ausreiche und daß vor allem eine gesunde Fortentwickelung des Bauarbeiterschutzes dadurch gehemmt werde, daß die Materie der reichsgesetzlichen Regelung entzogen sei. Na- türlich bestritt der Ministerialdirektor Caspar, daß der Ar- beiterschutz ini Baugewerbe zum Stillstand gekommen sei. Ter fentrümler Astor und der Nationalliberale Schulen- u r g redeten einer Benifsgenossenschaft für den Detail- Handel das Wort. Herr Behrens hielt eine Berufsge- 'nossenschaft für Gärtner für notwendig und im Gleichklang schöner Seelen fanden sich der Konservative v. G r a e f e und der schwarze Blockbruder Dr. Dahlem in der Klage über die Schädigung der Landwirtschaft durch„allzu strenge" Un- fallverhütuitgsvorschriften der Berufsgenossenschaften. Der Zentrumsarbeiter K o ß m a n n betonte, daß die Revi- sionen der Berufsgenossenschaften deshalb nutzlos seien, weil sie vorher bekanntgemacht würden. Die sozialpolitische Debatte schlug heftigere Wellen, als sich Herr Becker- Arnsberg(Z.) über die stets schlechter werdende Rechtsprechung des Reichsversicherutigsamts beklagte und sie wuchs sich zu einem Zweikampf zwischen Zenttum und Sozialdemokratie und zu einer allgemeinen Diskussion über die Reichsversicherungsordnung aus, als die Genossen Molkenbuhr und Hoch mit gewandtem Griff den Zen- trumsherren die arbeiterfreundliche Maske vom Gesicht rissen und sie trotz Stränbens und Zappelns in Einzelheiten fest- nagelten. Daß der Junker Graf W e st a r p die Gelegenheit benutzte, auf die reaktionärsten Paragraphen der Reichsver- sicherungsordnung hinzuweisen, versteht sich am Rande. Aber selbst er konnte der Rechtsprechung des Reichsversicherungs- amts in allen Fällen keinen Geschmack abgewinnen und Herr H e ck s ch e r wußte einen Fall beizubringen, der auf allen Seiten helle Empörung weckte. In das Gebiet der Reichsversicherungsordnung fiel auch die Anfrage des Geitossen Hoch, wie sich eine Auffor- derung der preußischen Regierung an ehemalige Offiziere. sich für Beaintenstelleit in den Reichsversicherungsämtern zu melden, mit der Zusage des Staatssekretärs ver- trage, daß Offiziere derartige Posten nicht bekleiden sollten. Ter Genosse Hoch fand dabei die Unterstützung sogar des Herrn Giesberts vom Zentrum, der für die Oualifi- kation der kleinen Leute für diese Stellen eine Lanze brach und der Ministerialdirektor ritt einen ledenlahmen Gaul von Ausreden vor. Tani) trat der Wilhelmskanal in der Rede des Fort- schrittlers Hoff über seine Ufer und plätscherte und plät- scherte.... Abends 8 Uhr nationalliberaler Bierabend. Fortsetzung der Reichstagsdebatte heute 1 Uhr. Kulturdebatte«. DaZ Abgeordnetenhaus seGte am Donnerstag die General» debatte über das ElementarunterrichtSwesen fort. Als erster Redner legte Genosse Hirsch in eindringlicher Darstellung die Forderungen dar, die die Sozialdemokratie nicht nur an ein Volksschulwesen, da» dem sozialistischen Ideal entspricht, zu stellen berechtigt ist, sondern bereits an den Gegenwartsstaat. Unser Genosse wies die schön» ärberische Darstellung energisch zurück, als ob nun bereits der Lehrermangel behoben sei; er geißelte die jeder gesunden Pädagogik hohnsprechende übermäßige DurchschnittSklasienfrequenz. er brand- markte das System des HütewesenS, wie überhaupt der ländlichen und gewerblichen Kinderarbeit. Den Junkern und ihren Freunden, die durch Zwischenrufe das Los der armen Hülekinder gewissermaßen alS Idyll und permanente Sommerstische darstellten, riet er, doch ihre eigenen Kinder einmal dazu herzugeben oder selbst die Kühe zu hüten. Auch die Vorstöße gegen die Wahl- und Gewissensfreiheit der Lehrer wieS Hirsch in schärfster Form zurück. Dabei rechnete unser Genosse auch kräftig mit dem unglcmb» kicheit Zentrumspädagogen Dr. Heß ab, dessen kindische Witzchen und vreisten Denunziationen er dem Gelächter aller Einsichtigen preisgab. Er beleuchtete nicht minder unerbittlich den unsäglichen Mlliardrn- ulk dieses genialen Statistikers, wie die beispiellose wissenschaftliche Rückständigkeit und fanatische Intoleranz dieses Musters eines Kreis- ichulinspeltorS. Namentlich die Zitierung einer katholischen Kathederleuchte von der Universität Münster, die in wahrhaft grotesker Weise daS Innere der Erdkugel als Fegefeuer und Hölle beschrieb, bereitete Herrn Heß und der übrigen schwarzen Garde bitterböse Minuten. Die Ausführungen des nationalliberalen Abg. Hackenberg, eines liberalen Geistlichen, der nach dem Genossen Hirsch zunächst da« Wort erhielt, wirkten sympathisch, nicht nur wegen der form» vollendeten Art seines Vortrages, sondern auch wegen deS Inhalts. Daß wir in vieler Beziehung von ihm abweichen, bedarf keiner be» sonderen Erwähnung. Aber das hindert unS nicht, anzuerkennen, daß Herr Hackenberg von dem ernsten Bestreben beseelt ist, auch den ozialdemokratischen Schulforderungen Verständnis entgegenzubringen, und daß aus seinen Worten warme Liebe für die schulpflichtige Jugend und die Lehrer herausklingt. Seine Anregung, man dürfe nicht jeden Lehrer zur Erteilung von Religionsunterricht zwingen, verdient die weitgehendste Beachtung. Von einem ganz anderen.Geiste" ist sein Amtsbruder, Abg. H e ck e n r o t h sk.), beseelt, ein Mann, der nicht nur polittsch auf dem äußersten Flügel der Rechten steht, sondern der auch auf kirchlichem Gebiet ein extremer Fanatiker ist. Von dem Wesen der Sozialdemokratie hat er keine Ahnung, die Volksschule ist ihm nicht in erster Linie Bildungsanstalt, in den Lehrern erblickt er Beauf» tragt« hes Klassenstaats, die auf Befehl bald rechts, bald links ein» chwenken müssen, und die Religion ist ihm ein Mittel zur Unter» jochung der Massen, der Kamps gegen die Sozialdemokratie erscheint ihm dsi wesentlichste Aufgabe der Christenheit. Zwischen beiden Geistlichen sprach ei» Schulmann, der Ab- geordnete E r n st(Vp.), der die Angriffe gegen die Lehrer abwehrte und für den Religionsunterricht in den Volksschulen eintrat. Die Fortschrittler können stch, wie sie daS in den letzten Tagen wiederholt dokumentiert haben, nicht zu der programmatischen Forderung der Beseitigung deS Religionsunterrichts aus dem Lehr- plan der Volksschule aufraffen, sie sind für eine Trennung von Schule und Kirche nicht zu haben, sondern bleiben, wie immer, auf halbem Wege stehen. In die Debatte griff auch der Kultusminister ein, um an der Hand von Zahlen zu beweisen, was Preußen alles für die Volks- chule tut. Daß sich die Verhältniffe in den letzten Jahren gebessert haben, ist von unserer Seite niemals bestritten worden, aber da« ändert nicht« an der Tatsache, daß noch viel, recht viel zu tun übrig bleibt, ehe die Volksschule ihres Aschenbrödelcharakters entkleidet ist. Nach einigen Klagen des Abg. Nissen über die Zustände in NordschleSwig und einer Attacke des immer komischer werdenden Abg. Heß(Z.) gegen Sozialdemokratie und Liberale wurde die Debatte auf Freitag vertagt._ Bethniann Hollweg und Tirpitz. Zur Ministerkrise läßt sich'die„Post" von einer, wie sie liehauptet,„vorzüglich unterrichteten" Seite schreiben, daß die Meldungen über Unstimmigkeiten und die bevorstehenden Ver- änderungen in den höchsten Regierungsämtern, trotz beharrlicher aintlicher Lcugnung. einen tatsächlichen Hintergrund haben. Allerdings von einer„akuten Kanzlcrkrisis", die den unmittel- bar bevorstehenden Rücktritt Bethmanv Hollwegs und seine Ersetzung durch Tirpitz im Gefoge habe, könne keine Rede sein. „Wenn man überhaupt von einer Kanzlerkrists sprechen will, so muß man den Begriff doch erheblich weiter fassen. ES kann nicht in Abrede gestellt werden, dah die Stellung des Kanzlers in der kaiserlichen Gunst nicht mehr so fest und unerschütterlich ist, wie sie es noch bei Abschluß des deutsch-fran- zösischen Marokkovertrages war. Der jämmerliche Ausfall der Reichstagswahl hat den Kaiser ziemlich peinlich berührt, und der Kanzler hat nicht vermocht, den Eindruck gänzlich zu verwischen, daß die Regierung an dem Ausfall der Wahl doch nicht so ganz unschuldig sein könne. Diese Auffassung ist dann durch das politische Chaos verstärkt worden, welches nach den Wahlen und nach dem Zusammentritt des Reichstages bei uns Platz gegriffen hat, und das schlechterdings nicht zu überbieten ist. Schließlich haben auch einige mehr persönliche Fragen zu dieser Ent- Wickelung der Dinge beigetragen, zu denen man vielleicht auch die ArtundWeife rechnen kann, w i e Herr v. Bethmann-Hollweg die ihm unbequem gewordenen Mitarbeiter zu beseitigen für gut befindet.... Das alles hat zu- fammengewirkt, um die Stellung des Kanzlers, wenn auch nicht unhaltbar zu machen, so doch nicht wenig zu erschüttern. Wenn trotzdem von einer akuten Kanzlerkrisis nicht gesprochen werden kann, so liegt das vor allem daran, daß für eine solche der unmittelbare äußere Anlaß fehlt, und daß die Frage der Nachfolgerschaft eine so schwierige ist. Unter den höheren Reichsbeamten befindet sich tatsächlich niemand, dem eine be- sondere Eignung für diesen durch die Sünden der Vorgänger außerordentlich schwierig gewordenen Posten nachgerühmt werden kann, und die Ernennung des Staatssekretärs v. T i r p i tz zum Reichskanzler, die an sich viele Gründe für sich haben würde, kann schon aus der einfachen Erwägung heraus für aus- ge-schlossen gelten, daß Herr v. Tirpitz als Kanzler ein Programm bedeuten würde, das aus die deutsch- englischen Beziehungen doch manche bedenklichen Rückwirkungen zu zeitigen vermöchte.... Sind die Gerüchte über eine bestehende Kanzlerkrise zurzeit also gegenstandslos, so dürften sie in der Tat ihr Ziel treffen, wenn sie von einem in näherer Zeit bevorstehenden Rücktritt des Staatssekretärs des Aeutzeren sprechen. Herr v. Kidcrlen-Waech ter trägt sich nicht erst seit gestern mit der Ab- ficht, aus seinem Amte zu scheiden, sondern er ist im Laufe des Winters schon mehrere Male drauf und dran gewesen, seine Ent- lassung aus dem Staatssekretariat nachzusuchen." Es wird dann ausgeführt, daß Kiderlen-Waechter nie be- sonders fest in der Gunst des Kaisers gestanden habe, und daß auch seine Beziehungen zum Reichskanzler nicht immer un- getrübt waren. Der Kanzler betrachtet das Gebiet der Aus- wältigen Politik als eine Domäne, deren Bewirtschaftung seiner„Staatskunst" bedürfe. Besonders die Frage der deutsch-englischen Beziehungen werde vom Reichskanzler als Steckenpferd geritten, und die in dieser Hinsicht geführten Verhandlungen haben„teilweise unter einer ziemlich brüsken Umgehung des Staatssekretärs" stattgefunden. Das alles hätte Kiderlen-Waechter amts- müde werden lassen. Inwieweit auch das Schicksal des Herrn Mermuth mitbestimmend auf die Rücktrittsabsichten gewirkt habe, könne dahingestellt bleiben, aber dessen Behandlung habe weit über die Kreise der höheren beamteten Persönlichkeiten hinaus eine tiefgehende Verstimmung gegen den Kanzler erzeugt. Schließlich meint der Mitarbeiter der„Post" sogar, daß die Entscheidung über die Krise wohl schon gefallen sei, sonst piirde beb Kaiser jetzt nicht seine Reise nach Korfu antreten. . Nach unseren Informationen trifft diese Vermutung sticht zu»' die Krise ist nicht beendigt; das Duell Bethmann Hollweg— Tirpitz ist nur etwas hinausgeschoben, weil der Kaiser reisen möchte._ Das Reichstagspräfidium bei Hofe. TonnerStqg mittag waren die drei Reichstagsprästdenten bei Wilhelm IL Nach dem Bericht hat der Kaiser dem Präsidenten seine besondere Befriedigung über die rasche Beilegung des Kohlenarbeiter st reiks ausgesprochen. Er hoffe, daß der Streik keine allzu große Schädigung für die deutsche Volkswirtschaft gebracht habe. Nach einem Hinweis auf die schweren Arbciterkämpfe in England sprach der Kaiser dann die Hoffnung au§. daß es bald gelingen werde, die neue Wehrvorlage im Reichstage zur Annahme zu bringen. Nach anderen Berichten berührte Wilhelm IL auch die Flottenrede Churchills und wies aus die Richtigkeit der seit zehn Jahren von Deutschland verfolgten Flottenpolitik hin- Das Gespräch war sehr einseitig. Eine lebhaste Diskussion konnte sich nicht entwickeln, da die empfangenen Herren sich allzu große Reserve auferlegten., So unterließen sie eS, darauf hinzuweisen, daß der Streik z u- gunsten derZechenherren beendigt worden ist, woran neben dem Verrat der klerikalen Regierungspartei die Entsendung des Militärs die Schuld trägt. Ebenso wenig haben die Herren Wilhelm IL darauf aufmerksam gemacht, daß die bon ihm irrtümlicherweise für richtig gehaltene deutsche Flottenpolitik zu dem Rüstungswahnsinn geführt hat, der eine beständige Bedrohung des europäischen Friedens darstellt. Trotzdem die Herren dies alles unterließen, haben sie aufs neue gezeigt, daß diese Art Empfang nur ein höfischer Hul- d i g u n g S a k t ist ohne jeden politischen Sinn, der ihn rechtfertigen könnte. Die beiden Fortschrittler. die dem Präsidium angehören, haben übrigen» um den Empfang nicht nachgesucht. Herr P a a s ch e scheint sich da allein bemüht zu haben. Als die Herren Kaempf und Dove aber gefragt wurden, ob sie trotz der Abweisung, der sie Herr v. BethmannS Haltung ausgesetzt hatte, der Einladung Folge leisten würden, haben sie zugestimmt. Jinmerhin hat die Haltung der Sozialdemokratie also so viel bewirkt, daß diesmal sich nicht da» Präsidium an den Kaiser, sondern der Kaiser oder Herr v. Bethmann in seinem Nebenamt als Oberhofzermonienmeister sich an das Präsidium bemühen mußte._ Ter 21. März 1871. Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Reich, in Wirklich- keil ein komisch gemischter Staatenbund mit Separatkonzessionen und royalistischer Spitze, ohne daß das Volk gefragt worden wäre, in Versailles durch eine Fürstenfeierlichkeit neu gebore»� Erst danach wurden die Verträge den Kammern der einzelnen Staaten zur Ratifikation vorgelegt. Die vor Versailles erfolgte Anfrage des freikonfervativen Führers Friedenthal im norddeutschen Reichstag, ob das deutsche Volk nicht ein Oberhaupt bekommen werde und ebenso der dreißigköpfige DeputationSzug unter Lasters Führung nach Versailles waren nichts weiter als reichlich schlecht inszenierte Komödien. Das deutsche Volk sprach zum ersten Male in seiner neuen reichlich schäbigen Einheit am 8. März 1871, bei den Wahlen zum ersten deutschen Reichstag. Am 21. März 1871 wurde der erste deutsche Reichstag eröffnet. Als Vertreter der sozialdemokratische» Arbeiterbewegung Deutschlands saßen Bebel. der in Glauchau-Meerane gegen den bürgerlich demonstrierenden Schulze-Delitzsch glatt siegte, und Schraps— in Zwickau- Crimmitschau gewählt, zwischen den frisch begeisterten Patrioten, Trotzdem die Wahl für die selbständig denkende Arbeiterbewegung in die unangenehmste Zeit fiel, brachte sie doch 101 927 Stimmen. Rund 3 Proz. der überhaupt abgegebenen Stimmen. Es entfielen 82 SSÜ aus die Lassalleaner und 88 975 auf die Eisenachcr. Die Lassalleancr brachten drei ihrer Kandidaten in die Stichwahl, in der sie zusammen unterlagen. Die Eisenacher konnten Bebel und Schraps in den Reichstag senden. Die einzige wirkliche Arbeiterpartei, die Sozialdemokratie, hat a m e r st e n Tage im deutschen Reichstage gesessen, sie ist heute die stärkste Partei Deutschlands! Der Dreiundneunzigste. Deutschland verbraucht wie irgendein anderer parlamen- tarisch regierter Staat sehr viel Minister. Der soeben ab- gehalfterte Mermuth ist seit dem Antritt der Regierung durch Wilhelm Ii. der D r e i u n d n e u n z i g st e! Mit anderen Worten, Wilhelms II. Regierung braucht im Durch- schnitt alle vier Monate einen neuen Minister. Angesichts der Tatsache, daß in diesem Beruf die Nachfrage das Angebot fast inimer überflügelt, muß es verwunderlich erscheinen, wie eifrig gerade unter Bethmann Hollweg, der als Drei- undachtzigster an die Regierung kam, das kündigungslose Ent- lassen der Minister gepflegt wird. Die Dienstmädchen.oder richtiger die Köche der deutschen Steuer- und Reichspolitik scheinen wirklich nicht allzuviel zu taugen— oder sind's andere Gründe? Unter Bethmann Hollweg wurde die„Homogenität"— ein philosophisches Wort— des Ministeriums zehnmal von neuem hergestellt. Es verschwanden: Kriegsminister v. Einem, Kultusminister Holle, durch Tod, Kolonialsekretär Dernburg, Kolonialsekretär v. Lindequist, Mi- nister des Innern v. Moltke, Landwirtschaftsminister v. Arnim, Finanzminister v. Rheinbaben, Minister des Auswärtigen v. Schön, Justizminister Nieberding, Reichsschatzsekretär Mermuth. Bethmanns Positron soll auch wacklig sein. Dem können wir bestimmt widersprechen. Der philosophische Reichskanzler geht erst als Hundertster! Das wäre das einzige Ganze, was von ihm erreicht werden möchte. Der Arbeitsplan des Reichstages. Die gestrige Meldung verschiedener Blätter, wonach im Seniorenkonvent des Reichstags vereinbart worden sei, die Reichs- tagsverhandlungen erst am 29. April wieder aufzunehmen, ist un- richtig. Es ist auch mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Fertigstellung des Etats kaum Anzunehmen, daß der Reichstag einem etwa auf Verlängerung der Osterferien gerichtet« Antrag der Regie-- rung zustimmen würde. Oeftermch. Abschaffung des Zahlenlottos. Der Finanzminister hat dem Abgeordnetenhause eine Vorlage auf Ersetzung des Zahlenlottos durch die Klassenlotterie eingebracht. Das Zahlenlotto soll allmählig eingeschränkt und dann aufgehoben werden, wenn die Klassenlotterie 20 Millionen Ertrag liefert._ Illustrierte Interpellationen. Unter den mehreren Dutzend Interpellationen, die in jeder Sitzung des Abgeordnetenhauses, auch der Landtage, eingebracht werden, sind immer etliche, die fragen, was die Regierung gegen einen solchen Willkürakt tun wolle, wie es die Konfiskation des folgenden Artikels, Flugblattes, Buches sei.(In Oesterreich gibt es-keine mündliche Begründung der Interpellationen und eine Besprechung nach der Beantwortung ist selten.) Nun kann der konfiszierte Text wieder abgedruckt werden, den» er ist als Be« standteil der Parlamentsverhandlungen immunisiert gegen die Konfiskationsbazillen. Auf diese Weise mußte sogar das Kommunistische Manifest und— Wilhelm Busch'„Heiliger Antonius von Padua" freigemacht werden. Nun hat der Oberste Gerichtshof festgestellt, daß auch einer Interpellation beigefügte Bilder nicht mehr verfolgt werden dürfen, was einen wirksamen Schutz der politischen Witzblätter gegen Zensurwillkür bedeutet. Pfäffisches. Im Abgeordnetenhause wurde darauf aufmerksam gemacht, daß im Gegensatz zur strengen Fernhaltung aller anderen Schüler- Vereinigungen die marianischen Kongregationen ge- züchtet werden und daß der Erzbischof Nagl von Wien den Kaiser bestimmt hat, das Protektorat über den Eucharistischen Wblt- kongreh im September zu übernehmen, sowie den inneren Burghof zu einer klerikalen Demonstration herzugeben. franhrdcb. Der Flieger als Reklamekandidat. Marseille, 21. März. Ter bekannte Aviatiker Bedrines, der bei den Kammerwahlen im Departement Aude durchgefallen war, hat sich nunmehr entschlossen, die Kandidatur der nationalen Partei in Aix en Prvvince, die er anfangs ausgeschlagen hatte, doch anzunehmen. Er hat bereits angekündigt, daß er morgen in Salon mit seinem Aeroplan erscheinen wird, um mit der Wahl- Propaganda zu beginnen. Englanck. Churchill über die deutsch-englische Flottenverständigung. London, 20. März. Unterhaus. Im Laufe der Debatte ergriff der Erste Lord der Admiralität Churchill das Wort und führte etwa folgendes aus: Murray Macdo- nald hat die Regierung aufgefordert, eine Politik energischer Flotteneinschränkungen einzuschlagen.� Ich muß daran er- innern, daß Campbell Banner man einen sehr ernsten Versuch in dieser Richtung in den ersten zwei Jahren seiner Amtstätigkeit gemacht hat. Man hätte glauben sollen, daß nach dieser Einladung nicht durch Worte, sondern durch Taten ein Nachlassen oder wenigstens keine Erhöhung des Flottenprogramms der nächststärksten See- macht eingetreten wäre. Das Bauprogramm dieser Macht wurde jedoch erweitert, so daß in dem Jahre, in dem wir nur zwei Schiffe bauten, die nächststärkste Macht mit dem Bau von vier Schiffen begann. Das ist der Standard zlvei Kiele gegen einen, aber von der umgekehrten Seite. (Heiterkeit.) Ich wünschte, ich könnte mich zu dein Glauben bekehren, daß eine plötzliche Einschränkung von unserer Seite Bestrebungen beseitigen wird, die wir beklagen. Aber ich glaube nicht, daß es geschehe,! würde. Wenn dem so ist, so kann die Admiralität ihrerseits nicht viel tun, um den Wettstreit in den Rüstungen zu verringern. Trotzdem kann sie jedoch drei Dinge tun: Wir können aus unseren Marinedis- kussionen und aus unserer Flottenpolitik Elemente der Un- gewißheit und des Argwohns entfernen. Ich hoffe, das Haus wird einsehen, daß ein Versuch vorauszuschauen und die zu- künftige Lage vorherzusehen, die Wirkung haben wird, die Ungewißheit in unserer Flottenpolitik zu beseitigen, so daß die Notwendigkeit vermieden wird, alljährlich lange und ins einzelne gehende Begründungen und beständige Bezugnahme auf die Baupläne per anderen Mächte anzustellen. Seit einiger Zeit sind Verhandlungen im Gange zwischen England und Deutschland für den Austausch von Informationen über die Flotten, und ich versichere das Haus, daß wir sicherlich sehr froh sein werden, wenn die Verhandlungen zu einem befriedi- genden Ergebnis gelangen. Wir haben in unserem Flotten bauprog ramm durchaus nichts zu verbergen. Wir sind immer bereit und werden immer bereit sein, wissen zu lassen, welche Schisse sich im Bau be- finden und— in allgemeinen Umrissen— wann diese Schisse voraussichtlich vollendet sein können, vorausgesetzt natürlich, daß wir von der anderen Seite in gleicher Weise informiert werden. Lee fragte, den Minister unterbrechend, ob beabsichtigt sei, diese Mitteilung irgendeiner fremden Macht zu machen, bevor sie dem Parlamente gemacht worden sei. Minister Churchill antwortete: Nein, ivas wir vermeiden möchten, ist die Vermutung, daß sich andere Schiffe im Bau bc- finden, als diejenigen, die in den regulären amtlichen Be- richten ausgewiesen sind. Das Haus weiß, daß in früheren Jahren hierdurch Argwohn und Mißstimmung der- ursacht worden ist. Es würde ein großer Vorteil sein, wenn dieses Element des Argwohns aus den maritimen Beziehungen der beiden Großmächte ausgeschaltet werden könnte, und wir würden auf diesem Wege eine sehr große Strecke zurücklegen, falls uns entsprechende Möglichkeiten von der anderen Seite gewährt würden. Ich hoffe. daß»vir imstande sein werden, den Argwohn zu beseitigen, und schließlich ist es, weim wir unseren Anspruch auf die vor- herrschende Stellung zur See geltend machen, wie wir es zu tun beabsichtigen, auch unsere Pflicht, uns so zu verhalten, daß die anderen Nationen fühlen, daß die Großmacht und die Verantwortlichkeit, die für uns eine Notwendigkeit sind, in einer Art werden angewendet werden, die für keinen eine Drohung ist und eine Fürsorge für alle (trust sield for all).(Lauter Beifall.) Das Unterhaus hat den Mannschaftsbestand d e r F l o t t e, wie er im Etat vorgesehen ist, einstimmig genehmigt._ Die Anklage gegen Tom Mann. London, 21. März. Der Arbeiterführer Tom Mann wurde heute dem Polizeigericht in Salferi vorgeführt unter der Beschuldigung, Soldaten zumUngehorsam aufgereizt zuhaben. Eine Bürgschaftsleitung wurde abgelehnt und Tom Mann aus eine Woche in Untersuchungshaft zurückgeschickt. Das Vorgehen der Regierung scheint, wie man uns aus London schreibt, als ein Beruhigungsmittel für die wilden Streilenten der Scharfmacher gedacht zu sein, die absolut haben wollen, daß die großartige und ruhige Bcrgarbeiterbewcgung ein« Demonstration des in England nur in kümmerlichen Ansätzen vorhandenen Syndi» kalismus ist. Marokko. Ein ernstes Gefecht im Mulujagediet. Paris, 21. März. Wie aus U d s ch d.a gemeldet wird, fand am 18. März zwischen der aus 1500 Mann Futztruppen, Reiterei und Artillerie bestehenden Kolonne des Majors Pinoteau und dem durch die UIed El Hudji verstärkten Stamme der Beni Urain auf dem rechten Muluja-Ufer ein überaus heftiges Gefecht statt. Erst nach sechsstündigem Kampfe zogen sich die Marokkaner, die be- irächtliche Verluste erlitten hatten, aus dem Gebiete des Muluja zurück. Die Franzosen hatten� zehnTote. Eue der parte!* Weitere Gemeinde-Wahlsiege in Schlesien. In Peterswaldau wurden in der drittenAbteilung einMandat behauptet und ein neues erobert. Die Gegner erhielten 119, unsere Genossen 385 Stimmen.— In WeigelSdorf wurde ein Genosse gewählt. Damit zieht der erste Sozialdemokrat in die Gemeinde- Vertretung ein.— In Rausse, Kreis Neumarkt, wurde ein zweiter Sozialdemokrat gewählt._, Eine mißglückte syndikalistische Quertreiberei. Paris, 14. März.(Eig. Ber.) Der Gewerkschaftskongreß in AmienS hat bekanntlich erklärt, daß die Arbeitskonföderation alle Arbeiter ohne Unterschied ihrer politischen, religiösen oder philo« sophischen Meinungen vereinigen will. Dieses Prinzip der Neu- tralitäl steht aber freilich für manche Syndikalisien nur auf dem Papier— nämlich für jene, die im Syndikalismus ein Mittel sehen, die sozialistische Partei zu unterminieren und die Arbeiterschaft dem anarchischen KonfusioniSmus zuzuführen. Als nun der sozialistische Parteitag in Lyon eS zurückgewiesen hatte, die Genossen Compöre- Morel und CheSquisre wegen ihrer im Parlament am 2. Dezember vorgebrachten Erklärungen gegen die von den heutigen Konföderationsleilern bevorzugte Taktik der„direkten Aktion", der Sabotage usw zn verurteilen, erklärte� die„Bataille Syndicaliste", die sozialistische Partei habe damit der C. G. T. den„Krieg erklärt" und in Paris wurde eine Agitation unternommen, die darauf hinauslief, die der Partei angehörenden Gewerkschaftsmitglieder zum Austritt zu bewegen. Die Unredlichkeit dieser Agitation wird durch die Tatsache beleuchtet, daß sie den Parteitagsbeschluß, der ausdrücklich die Autonomie der Gewerkschafts- organisation anerkennt, nach ihrem Bedürfnis umlog; ihre demago- gische Ordinärheit durch den widerlichen Skandal, der vor ein paar Tagen i» einer Versammlung von Gemeindewählern eS dem Genossen Compöre-Morel unmöglich machte, zugunsten der Partei« kandidaten zu reden. Die als„Syndikalisten" verkleideten Anarchisten möchten also das Neutralitätspnnzip durch eine gegen die sozialistische Partei gerichtete Ansnahmeverordnung einschränken und von allen „Meinungen" nur diejenige mit dem Bonn belegen, die den derzeit im Konföderätionskomitee vorherrschenden Tendenzen die in der Ge« Werkschaftsinternationale vorherrschenden vorzieht. Der erste Angriff dieser Gruppe ist indes ohne Mühe abgeschlagen worden. Für die gestern von den Propagandisten der Parteidesertion einberufene Versammlung hatte die„Bataille Syndicaliste" ihre Freunde zusammengetrommelt. Allzustark besucht war die Versamm- lung nicht, es waren zwischen 200 und 300 gewerkschaftlich organi- sierte Parteimitglieder da, sie fand allerdings in dem von den Arbeitervierteln weit entlegenen Stadlzentrum statt. Vermutlich aber hat die große Mehrheit der sozialistischen Gewerkschaftler das Gezänk satt. Uebrigens auch die Mehrheit der gestrigen Versammlung. Sie spendete nämlich dem Genossen Fiancelle, dem Sekretär der Chauffeurgewerkschaft lebhaften Beifall, als er gegen das Klüngelwesen in der Arbeiterbewegung sprach und nahm eine von ihm eingebrachte Resolution an, die erklärt: Die versammelten sozialistischen Gewerkschaftler nehmen den Kongreßbeschluß von Lyon zur Kenntnis, der die früheren auf die Gewerkschastsorganisationen bezüglichen Kongreßbes-blüsse. die die Autonomie der gewerkschast- lichen und politischen Organisation der Arbeiterklaffe fortbestehen lasten und rufen:„Hoch die Arbeiterorganisation". Die betrübten Lohgerber der„Bataille Syndicaliste" geben heute ihrem Aerger dadurch Ausdruck, daß sie von einer Mittfasten-Resolu- tion sprechen, die dem Fastnachtskougreß gefolgt sei. Diese Unan- ständigkeit wird wahrhaftig dadurch nicht geringer, daß sie sich gegen den Führer des bestorgaiiisierten aller Pariser Ausstände ricktet. der mit vollem Recht gestern auf den Vorwurf des Reformismus— Fiancelle ist ein alter GueSdist— antworten konnte:„Der Reformist, der ich bin, hat in seinen Aktiven mehr Streiktage als die be- deutendsten revolutionären Förderationen der C. G. T." Seiverklckaftlickes. Berlin und Umgegend. Ter Lohnkampf der Herrenmaßschneider. Die Zahl der Firmen, die den neuen Tarifvertrag anerkennen ist noch immer im Steigen begriffen. Bis gestern waren es 2S0 Firmen— unter ihnen 9 Mitglieder des Allgemeinen Arbeit geberverbandes—, die unterschrieben haben, und sie beschäftigen L819 Arbeitnehmer. Während jener Verband nach außen hin noch keine Neigung zeigt, dem Kampf ein Ende zu machen, erwächst für ihn eine Gefahr daraus, daß die lokale Organisation der Arbeit gebet vor dem Abschluß eines korporativen Tarifvertrages steht und damit allen ihren Mitgliedern einen ruhigen Fortgang der Arbeit sichern wird. Größtenteils haben die lokalorganisierten Firmen als einzelne die Vereinbarungen unterschrieben, und wie weit die Sache im übrigen gediehen ist, ergibt sich aus folgendem Schreiben, das gestern auf Anfrage des„Arbcitgeberverbandes selbständiger Schneidermeister Berlins" dessen Vorsitzenden zugesandt wurde Herrn Karl Bieten. Unter höslichcr Bezugnahme auf unsere wiederholten Ver� Handlungen und das von Ihnen überreichte Statut bitten wir Sic, uns nun die Mitglieder Ihrer Organisation zu bezeichnen und zu erklären, ob dieselben, soweit sie bisher den Vertrag noch nicht anerkannt haben, bereit sind, den Vertrag anzuerkennen. Im Falle diese Mitglieder sich weigern sollten, den Vertrag an- zuerkeirnen, machen wir darauf aufmerksam, daß dieselben dann von Ihnen nicht mehr vertreten werden können und sich zu ent? scheiden haben, ob sie künftig zu Ihnen gehören wollen oder nicht. Sobald in dieser Hinsicht Klarheit über den Bestand Ihrer Mitglieder geschaffen ist, sind wir bereit, den Vertrag mit Ihnen in aller Form korporativ abzuschließen mit der Maßgabe, daß dann für Ihre Mitglieder alle Verhandlungen ausschließlich mit Ihnen geführt werden. Der Vertragsabschluß würde sich in gleicher Weise erledigen, wie dies mit dem„Adav" geschieht. Des weiteren bitten wir Sie, uns mitzuteilen, ob Sie bereit sind, an der Tarifierung der noch nicht tariflich geregelten Gc- schäfte mitzuwirken. Ihrer gefl. Rückäußerung sehen wir entgegen. Hochachtungsvoll (folgt Unterschrift) Wie wenig man im zentralen Arbeitgeberverband oder in dessen hiesiger Ortsgruppe mit der nötigen Umsicht zu Werke geht, deweist die Tatsache, daß von seiner Seite gestern an die Ortsver- waltung des Schneiderverbandcs der Wunsch nach einer Abschrift des bei den Frankfurter Verhandlungen von den Arbeitgebern selbst vorgelegten Ultimatums gerichtet wurde. Es handelt sich hierbei um eine umfangreiche Tarifvorlage oder eigentlich um zwei Vor lagen, denn der Tagschneidertarif kommt auch in Frage, und die Herren wissen nun offenbar nicht einmal mehr, was sie damals eigentlich für. Angebote gemacht haben. Auf feiten der Ortsver waltung dcS Schneiderverbandes fühlte man sich nicht veranlaßt, dem Wunsche zu willfahren, und zwar mit Rücksicht auf die brüske Form, die die Berliner Arbeitgeber sich in Frankfurt a. M. von ihren Münchener Kollegen den Arbeitnehmern gegenüber diktieren ließen. Im übrigen ist nach dem, waS uns mitgeteilt wird, in den letzten Tagen festgestellt, daß die Firma Hermann Hoffmann bei einer großen KonfektionSfirma Ulster herstellen läßt, die die Kund- fchaft mit den hohen Preisen für Maßarbeit bezahlen muß. In derselben Weise soll es auch die Firma Wolf u. Keller machen. Solch« Machenschaften müssen, da sie ja doch der Kundschaft auf die Dauer nicht verborgen bleiben können, dazu führen, daß man sich eben lieber gleich der Konfektion zuwendet. Andererseits wird aber auch der Schneiderverband dafür sorgen, daß die betreffenden Arbeitgeber verhindert werden, solche Dinge zu treiben, und zwar dadurch, daß die Konfektionsschneider solche Arbeit zurückweisen. Die Vertrauensmänner der Herrenmaßschneider hielten am Mittwoch wiederum eine Versammlung ab, in der über den Stand des Streiks berichtet wurde. In der Diskussion wurde dann sowohl seitens der Streikenden, wie seitens der zu den neuen Bedingungen Arbeitenden an di� Verwaltung die Aufforderung gerichtet, unter den vorliegenden Umständen auf keinen Fall nachzugeben, sondern den Kampf mit ganzer Kraft fortzusetzen. Es bedurfte übrigens dieser Aufforderung eigentlich nicht, denn in der Verwaltung herrscht ganz dieselbe Auffassung wie unter den Mitgliedern. Der Streik in der Kartonindustrie. Zwischen den Parteien ist eine Verständigung nicht zustande gekommen. Es mußte das Einigungsamt des Gewerbegerichts einen Schiedsspruch fällen. Der nach vielstündigem Beraten entstandene Schiedsspruch enthält in der Hauptsache die folgenden Bestim. mungen: Die Arbeitszeit beträgt für das männliche Personal 52)4 Stunden, für das weibliche Personal 50 Stunden pro Woche. An den Tagen vor den hohen Festtagen: Ostern. Pfingsten, Weih- nachten und Silvester, ist Schluß der Arbeitszeit um 2 Uhr mittags. Tic Lohnfrage fand folgende Regelung: Es betragen die M i n i ni a l l ö h n e für Zuschneider, Ritzer und Kaschierer nach dreijähriger Berufstätigkeit pro Woche: im ersten Jahre 22 M., im zweiten Jahre 24 M., im dritten Jahre 27 M., nach dieser Zeit ol M. Minimallöhne für Hilfsarbeiter pro Woche: im Alter von 17 Jahren 16 M., von 18 Jahren 13 M., von 20 Jahren 20 M., von 21 Jahren 22,50 M., nach dieser Zeit 25 M. Minimal loh n c für Lohnarbeiterinnen: im ersten Viertel- jähr der Berufstätigkeit der freien Vereinbarung überlassen, im zweiten 10 M. pro Woche, im dritten 12 M., im vierten 14 M., nach dieser Zeit im ersten Jahre 16 M., von da ab 18 M. Akkordlohn für Arbeiterinnen: Die Akkordsätze für Hand- arbeitet sind um 10 Proz., die für Maschinenarbeiter nm 714 Proz. zu erhöhen. Arbeiten, für die ein verhältnismäßig niedriger Preis gezahlt wird, sollen mehr berücksichtigt werden. Für die Heimarbeiterinnen gelten die gleichen Akkord- sätze für gleiche Artikel wie für die Wcrkstattarbeiterinnen. Für den ans den betreffenden Betrieben zu entnehmenden Leim wird eine Vergütung von 6 Proz. gewährt. In besonderen Bestimmungen werden. den Arbeitern dem Bürgerlichen Gesetzbuch(§ 616) entsprechende Vergünstigungen zugesprochen. Bestehende, über den Tarif hinausgehende höhere Löhne, sowie bestehende bessere Arbeitsbedingungen dürfen nicht verschlechtert werden. Alle, die den im Tarif festgesetzten Lohn bereits beziehen, er- halten eine Zulage von 1 M. pro Woche. Die zur Besorgung der Geschäfte des Verbandes gewählten Vertrauensleute können wegen dieser Tätigkeit nicht entlassen werden. Ter Schiedsspruch sieht weiter eine aus den Parteien zu bil- dende Schiedsinstanz vor. Des weiteren wird der„Paritätische Facharbeitsnachweis für Buchbinder und verwandte Gewerbe" an- erkannt. Der Vertrag läuft bis 30. September 1915 und sieht eine vierteljährliche Kündigungsfrist vor. Wird diese nicht ausgesprochen. dann läuft der Vertrag ein Jahr weiter. Maßregelungen wegen der Lohnbewegung dürfen nicht vorgenommen werden. Den Aus- ständigen werden die alten Plätze zugesichert. Der Schiedsspruch wurde gestern einer Versammlung vorgelegt. Von mehreren Rednern fanden einzelne Bestimmungen keine Zu- ftimmung, eine größere Anzahl Redner empfahl die Annahme des Schiedsspruches. Die geäußerten Bedenken führten zu lebhaften Auseinandersetzungen. Schließlich konnte auch von den Opponenten übereinstimmend mit den Befürwortern der Annahme des Schieds sprucheS, der große Erfolg, der in dem durch einen scharfen Kampf erzielten Tarifvertrag liegt, zugestanden werden, so daß die Abstimmung die einstimmige Annahme des Schieds- spruches ergab. Das Resultat der Abstimmung wurde mit leb- haftem Beifall entgegengenommen. Die Unternehmer haben in einer zu derselben Zeit abgehal- tenen Versammlung dem Schiedsspruch ebenfalls zugestimmt, so daß die Arbeit am heutigen Freitag wieder aufgenommen wird. Eine Lohnbewegung der Wagenlackierer wurde durch eine sehr stark besuchte Versammlung dieser Berufsgruppe, die am Donners- tag im Gewcrkschaftshause tagte, vorbereitet. Klotz vom Verband der Maler begründete die Notwendigkeit cinxr Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der bei Kleinmeistern und in Ka- rosseriefabriken beschäftigten Wagenlackierer. Bei den Kleinmeistern sind die Verhältnisse besonders ungünstig. Die Arbeitszeit beträgt im allgemeinen 9 Stunden, in manchen Werkstätten aber auch 10 Stunden täglich. Der Stundenlohn bewegt sich zwischen 50 und 75 Pf. und beläuft sich im Durchschnitt auf etwa 63 Pf. Es bedarf keines Beweises, daß ein solcher Lohn bei den heutigen Leben mittelpreisen nicht ausreichend ist. Ein großer Uebelstand in den Kleinbetrieben ist das Ueberwuchern der Lehrlingshaltung. Es ist festgestellt, daß in einem Betriebe mit 8 Gehilfen 18 Lehrlinge, in einem anderen Betriebe mit einem Gehilfen 7 Lehrlinge gehalten werden.— In den Karosscriebetrieben sind die Verhältnisse etwas günstiger. Hier besteht im allgemeinen die 53stündige wöchentliche Arbeitszeit, auch sind die Löhne besser wie bei den Kleinmcistcrn. Doch ist eine Verbesserung auch hier am Platze. In der Haupt- fache wird es sich für die Karosseriebetriebe darum handeln, daß anstatt der jetzt bestehenden losen Vereinbarungen ein fester gemein samer Tarif äbgoschlossen wird unter Mitwirkung der übrigen für diese Industrie in Frage kommenden Berufsgruppen(Stellmacher, Schmiede usw.) Natürlich sollen auch die Kleinmeister zum Ab schlutz eines Tarifvertrages veranlaßt werden. Als Grundlage des Tarifs für Groß- und Kleinbetriebe wird vorgeschlagen: 52stündige wöchentliche Arbeitszeit mit der Maßgabe, daß an Sonnabenden eine Stunde und vor den hohen Festen zwei Stunden ftüher als sonst Feierabend ist. Der Mindestlohn für Lackierer soll 70 Pf., für Ausgelernte im ersten Gehilfenjahre 65 Pf. betragen. Wo Akkord- arbeit herrscht, soll ein Akkordtarif unter Zugrundelegung dieser Lohnsätze, die zu garantieren sind, aufgestellt werden. Für Ueber- stunden sollen 25 Proz., für Nacht- und Sonntagsarbeit 50 Proz. Zuschlag gezahlt werden. Wo die geforderten Löhne bereits bezahlt werden, soll eine Erhöhung um 3 Pf. pro Stunde eintreten. Der paritätische Arbeitsnachweis soll in erster Linie benutzt werden. Die Versammlung stimmte dem Ta�ifvor schlage zu und be auftragte die Ortsverwaltung des Verbandes wegen Abschlusses eines Vertrages mit dem Vorstande und dem Gehilfcnausschutz der Lackiererinnung, sowie mit den übrigen Organisationen der in den Karosseriefabriken beschäftigten Arbeiter in Verbindung zu treten. Die Unternehmer dieses Industriezweiges gehören dem Verbände der Metallindustriellen an. Die Müllkutscher, Schaffner und Berladearbeiter der Wirt- schaftsgenossenschaft Berliner Grundbesitzer G. m. b. H.. für die seit mehreren Jahren ein Tarifabkommen zwischen der Firma und dem Transportarbeiterverband besteht, beauftragten im Februar ihren Arbeiterausschuß, in Anbetracht der Teuerung bei der Direk- tion um Bewilligung einer Teuerungszulage vorstellig zu werden. Auf einen diesbezüglichen schriftlichen Antrag des Ausschusses trat die Direktion mit diesem in mündliche Verhandlungen ein. Dem Ausschuß wurde hierbei erklärt, daß die Gesellschaft geneigt sei, dem Wunsch ihrer Arbeiter Entgegenkommen zu zeigen. Seitens der Direktion wurde nun in der vergangenen Woche den Arbeitern die Mitteilung gemacht, daß von der Gesellschaft jedem Arbeiter, welcher in einem festen Dienstverhältnis steht, eine einmalige TeuerungS- zulag« nach folgender Grundlage bewilligt worden sei: 12 M. für diejenigen, welch« bis 2 Jahre, 18 M. über 2 Jahre und 24 M. über Jahre tätig sind. In Frage kommen nahezu 300 beschäftigte Personen. Die gesamte Teuerungszulage wurde am vergangenen Freitag bei der Löhnung mit zur Auszahlung gebracht und beträgt insgesamt 5070 M. Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Pinner Nächst, Rungestr. 22—24, dauert unverändert fort. Ueber die Firma G r o ß m a n n, Adlershof, Moltkestr. 2, ist die Sperre ver- hängt. Desgleichen machen wir auf die Sperre über die Firma ' a m a n n u. Co., Michaelkirchstr. 15, erneut aufmerksam. Bei der am Sonnabend, den 16. März er., abgehaltenen Tele- giertenwahl zum Verbandstag wurden abgegeben 826 gültige Stimmzettel. Es erhielten: Bend ig 626, Burger 589, Valerius 405, Hannig 382, Vollmerhaus 375, Mat- ting 311, Schmolle 290, K e ß l e r 218. E b e l 202. B l a f f e r t 154, Fischer 141, Hoff mann 137 und Börner 1 Stimme. Verband der Schuhmacher. OrtSvcrwaltung Berlin. veutfehes Reich. Tic Porzellanfabrikanten ziehen die Aussperrung in die Länge. Nachdem die am 9. und 10. März in Hof st B. stattgehabte Konferenz von Vertretern der Arbeiter und Unternehmer zur Bei- legung der Aussperrung sich auf Einigungsvorschläge verständigt hatte, wurden die Vorschläge den beiden Organisationen zur Ent- cheidung vorgelegt...- Die Einigungsvorschläge lauteten dahingehend, daß die beiden Firmen, deretwegen die Aussperrung von den Unternehmern unter- nommen wurde— PH. Rosenthal u. Co. in Selb�(Bayern! und Porzellanfabrik Kahla, A.-G., in Hermsdorf in Thür.— sich verpflichteten, keine Streikarbeit mehr zu übernehmen. Ferner sollten bei bevorstehenden Differenzen die Leitungen der beiden Lrgani- ätionen sich vorher zu verständigen versuchen. Der Unternehmer- verband erkennt das Recht der Arbeiter und Arbeiterinnen, sich im Porzellanarbeiterverband zu organisieren und durch ihn ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten, an. Sämtliche Streikenden und Ausgesperrten werden bedingungslos wieder an ihre alten Arbeitsplätze eingestellt. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Die Einstellung der einzelnen Gruppen der Arbeiter hat� nach- einander mit Rücksicht auf die technischen Umstände zu erfolgen. Diejenigen Arbeitskräfte� die längere Zeit nicht eingestellt werden können, erhalten hierfür zur Hälfte vom Porzellanarbeiterverband, zur anderen Hälfte vom Unternehmerverband eine Unterstützung ür die Zeit von Beginn des Friedensschlusses bis zur Wiederein- stellung, wobei die Höhr der Entschädigungen von den beiden Ver- bandstcitungen festgesetzt wird. Aber neben diesen Fragen, die sich aus der Aussperrung er- geben, beschäftigte sich die Konferenz noch mit der alten Forderung er Porzellanarbeiter an die Unternehmer, den Neunstunden- a g einzuführen. Trotzdem schon bei ftüheren Gelegenheiten die vereinigten Unternehmer eine ernste Prüfung dieser Forderung zu- gesagt hatten, blieben die Arbeiter bisher ohne jeden Bescheid über die Entschließung der Unternehmer. Darum richteten die Arbeiter- Vertreter auf der Hofer Konferenz noch folgende Anfrage an die Unternehmerorganisation:„Ist der Schutzverband deutscher Por- zellanfabrikanten bereit, eine Erklärung abzugeben, daß der Arbeiter- und daß die Verhandlungen hierüber bis zum 1. Januar 1913 derart gefördert sind, daß die Beantwortung durch den Schutzverband zu diesem Zeitpunkt auf Anftage er Arbeiterorganisation erfolgen !ann?" Auf diese Frage wollten die Unternehmer in einer am 14. März tattfindenden Sitzung des Aufsichtsrats ihrer Organisation eine Antwort finden, und zugleich sollte in dieser Sitzung auch Stellung zu den Einigungsvorschlägen genommen werden. Aber dabei chicncn den Unternehmern wieder Bedenken gekommen zu sein, und sie beschlossen, noch im Laufe dieser Woche eine besondere Generalversammlung ihrer Mitglieder abzuhalten, die sich dann über die Aufhebung der Aussperrung schlüssig werden sollte. Die Leitung des Porzellanarbeiterverbandes wurde sich bereits am 13. März klar, daß den Einigungsvorschlägen der Hofer Kon- fcrenz des lieben Friedens willen beizutreten sei. Sie teilte das auch der Gegenpartei mit. Die Unternehmer aber lassen sich Zeit. Ihnen kommt es auf eine Woche mehr oder weniger nicht an. Und während sie wahrscheinlich zur Vornahme der Aussperrung eine Generalversammlung nicht nötig hatten, müssen sie jetzt zur Bei- legung der Differenzen eine haben. Diese Verschleppungstaktik der Unternehmer läßt aber zur vollen Genüge erkennen, was an ihrem der Oeffentlichkcit gegenüber so laut bekundeten Friedensverlangcn ist. Die Porzellanfabrikanten wollten den Krieg von Anfang an, und sie denken auch jetzt noch, die organisierten Porzellanarbcitcr klein zu bekommen. Deswegen ziehen die Unternehmer den Friedensschluß hinaus und merken dabei nicht, daß sie sich selbst dadurch am meisten schädigen; denn die Ausgesperrten werden den Kampf schließlich doch noch länger aushalten können, als die Unter- nehmet annehmen._ Ausstand beim Norddeutschen Lloyd. Zweihundertfünfzig Schiffbauer der technischen Abteilung des Norddeutschen Lloyd traten wegen Lohnforderungen in den Aus- stand._ Hua Induftne und ftendeL Ter Fürstentrust. Seit einer Reihe von Jahren sind die vornehmsten und reichsten Familien, im besonderen des agrarischen Uradcls, nicht mehr mit ihren Bodenrenten zufrieden, sie haben begonnen, in Industrie- werten zu spekulieren, dem Umfange ihrer Vermögen angemessen, natürlich gleich im entsprechenden Maßstabe. Mit dem Riesen- vermögen einiger der uradeligen Familien entstanden nach und nach zwei Bankinstitute als Zentralen der industriell-modernen Fürsten- betätigung. Es sind die Handelsvcreinigung A. G. und die P a l ä st i n a b a n k A. G. Welche Rolle die Geldkräfte der Handelsvereinigung, des F ü r st e n t r u st s, in Teutschland spielen, sei einmal daran dar- gestellt, ans welchen Wirtschaftsgebieten und in was für Gesell- fchaften ihre Macht in erster Linie konzentriert ist. Zu den Unter- nehmungen des Fürstentrusts gehören unter anderem die Allgemeine Omnibusgesellschaft Berlin, Deutsche Levantelinie, Dampfschiffs- reederei Union, Seetransportgesellschaft, Levantekontor, A. G-, Kohlenbandelsgesellschaft Wulff u. Co., Niederlausitzer Kohlenwerkc, Preußische Feucrvcrsicherungsgesellschaft, Deutsche Post- und Eisen- lmhuverkehrsgesellschaft, Portlandzementwerke Saale, A. G. für Seilindustric vorm. Wolff, Berliner Terrain- und Bauaktiengescll- schast, Bosivau u. Knaucr G. m. b, H., Theater- und Saalbauecktien- gesellschaft, Hansahaus G. m. b. H., Exzelsiorhotel A. G., Deutsche Hotclgesellsckaft, Neue Baur und� Betriebsgesellsckaft, Passagekauf- haus A. G., Passagebetrieb G. m. b. H., W. Werchcim G. m. b. H., Rheinischer Hof G. m. b. H., Thaliatheater, Elberfeld, Gesellschaft für Jnnenbaukunst in. b. H„ Atlas, Gesellschaft für Reiseverkehr, Erzelsior, Weingroßhandlung, Favorite Tampfwäscbarci G. m. b.H,, Alliance Druckerei und Vcrlagszentrale G. m. b. H., Theater- und Konzertbctriebe G. m. b. H., Hohenzollerndamm G. m. b, H., Braun- kohlengetverkschaft Alwine, Braunkohlengewerkschaft Elzergruben, Zagorianer Kohlengewerkschaft, Kaliwerke Friedrichshall, Kaliwerke Sarstedt, Kaliwerke Reichskrone, Richard, Bensdorf und Burggraf. Das ist so ein ungefährer U eberblick über die industriellen Interessen des Fürstentrusts. Es darf aber nicht an- genommen werden, daß die vielen Unternehmungen voneinander unabhängig sind. Wie die einzelnen Unternehmen nun wieder in- einandergefiigt, aneinandergehängt und übercinandergebaut sind, dafür nur ein Beispiel: . Das Exzelsiorhotel in Berlin gehört der Theater- und Saalban A. G., deren Aktienmajorität von BoSwau u. K n a u e r kontrolliert wird. Die Anteile der Boswau u. Knauer- gesellschaft befinden sich in den Händen der Berliner Bau- und Terrainaktiengcsell schaft, deren Aktien sich wieder zum Teil im Machtbereich der Handclsvercinigung A. G. befinden, die selbst aber auch nur wieder ein Unternehmen der industriell so stark beschäftigten Fürsten ist. Daß die Favoritewäsckwrei die Wäsche für die Hotels deS Fürstentrusts wäscht, die AUianccdruckerei Truckarbciten für die ein- zelnen Unternehmungen der Fürsten zu erledigen hat, die Atlas- gesellschaft für Reiseverkehr an den �chiffahrtsgesellschaften des Fürstentrusts engagiert ist und die Gesellschaft für Jnnenbaukunst mit Ausstattungsarbeiten für andere Fürstentrustunternehmen bc- schäftigt wird, ist selbstverständlick. WaS aber daS Wesentliche ist, in allen Aktiengesellschaften reguliert eine kleine Aktienmajorität den Kurs des ganzen Unternehmens, die Aktiemninorität ver- schwindet im großen Publikum. Aber die Fäden der Aktienmajorität laufen zum Kopf des Fürstzentrusts. Geht etwas schief, wird neues Geld gebraucht, werden für irgend eines der Dutzende von Fürsten- truswntcrnehmen neue Aufträge notwendig, dann wird eben wieder wcitergegründet. fusioniert und entfusioniert. So.arbeiten" agrarische Magnaten Deutschlands! Letzte ffathHchten« Entsetzliches Familicndrama. Wien, 21. März.(Preß-C.) In der Stephanstraße hat sich heute nachmittag ein furchtbares Familiendrama ereignet. Dort wohnt seit einiger Zeit der Reisende Teixner mit seiner auS Frau und zwei Knaben bestehenden Familie. Die Eheftau des Reisenden litt schon' seit mehreren Jahren an Melancholie. In einem Plötz- lichen Anfalle ihres alten Leidens öffnete sie heute das Fenster ihrer im vierten Stock belegenen Wqhnung und sprang mit ihrem jüngsten Sohne, der etst drei Jahre alt ist. auf die Straße hinab. Auf die Aufforderung der Mutter hin, unternahm auch der zweite Sohn, der im Alter von 9 Jahren steht, den Sprung in die Tiefe. Alle drei sind ihren Berlebunkirn erlegen. Der bedauernswerte Mann befindet sich augenblicklich auf einer Geschäftsreise in Rumänien und hatte für morgen seine Rückkehr angekündigt. Unfall in der französischen Kriegsmarine. Toulon, 21. März.(W. T. B.) Eine Schaluppe des Schul- schiffes„Duguay Trouin" kenterte gestern bei den HhereS-Jnseln mit 12 Mann an Bord. Zwei sind ertrunken. Der Zustand der meisten anderen ist ernst._ Der Bergarbeiterstreik in Böhmen. Teplitz, 21. März.(Pr. C.) Auf 30 Schächten de? hiesigen Grubenbezirks befinden sich gegenwärtig 5000 Bergarbeiter im Ausstande. Zu der Grubenkatastrophe in Nordamerika. Mac Curtin(Oklahama), 21. März.(W. T. B.) Heute früh sind 14 weitere Bergleute geborgen worden. Als die Explosion ein- trat, hatten sie sich schnell einen Weg zur Lustpumpe gebahnt und am Eingang zu dem Raum einen Vorhang gezogen, der die giftigen Gase ausschloß. Klopfen am Luftschacht führte dann zu ihrer Eni- deckung.(Vergl.„Ans aller Welt".) Anarchie in Paraguay. Buenos Aires, 21. März.(Telegramm der„Agence HavaS'.) In Paraguay hcrfcht vollkommene Anarchie. Seit mehreren Mo- naten streiten sich die Parteien um die Vorherrschast. Jetzt be- lagern die Revolutionäre und Radikalen, die Anhänger(Sondras, Asuncion. Gestern lam es in der Umgebung der Hauptstadt zu einem heftigen Kampf, bei dem es auf beiden Seiten zahlreiche Tote und Verwundete gab. Ter Kampf blieb unentschieden. Ter frühere Präsident Oberst Jara trifft mit zahlreichen Streitkräften im Innern des Landes Vorbereitungen, ebenfalls in den Kampf«inzu- treten. verantw. Redakteur:»lbert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: xh.Glocke.Beriin.Drucku.Verlag:VorwärtZBuchdr.ll VerlagSanftalj Paul Singers Co., Berlin SV/. Hierzu 4 Beilagen«.llnterhalti'nzsbl. Nr. KS. ZS.ZahrMs. 1. Itildjt ilrs Joruiitls" Ittlinn WsdlÄ. ktt'ckg. 22. m\ 1912. Reichstag. 32. Sitzung. Donnerstag, den 21. März 1S12, nachmittags 1 Uhr. Am Dundesratstische: Dr. D e l b r ü ck. Die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern ioird fortgesetzt beim Kapitel Patentamt. Abg. Dr. Böttger snatl.): Die Patentgebühren find in Deutsch- land sehr unsozial. Für ein IS jähriges Patent mutz man bei uns SOlZl) Dt. zahlen, in Amerika für 17 Jahre nur 117 M. Das bedeutet eine grotze Mehrbelastung der deutschen Industrie gegenüber der ausländischen. Ein fiskalisches Borgehen ist um so unnötiger, da das Patentamt über S Millionen Mark Ucberschüsse macht. Dringend notwendig ist auch der Schutz des Erfinderrechts der Angestellten. Abg. Dr. Junck snatl.) regt an, eine Verständigung mit England anzustreben, um den dort eingeführten Ausführungs- zwang von Patenten wieder abzuschaffen, der viel schlimmer wirke, als ein Schutzzoll. Ferner regt er an, das gesamte Vorprüfungs- und Anmeldewesen der Patente einer umfassenden Revision zu unter- ziehen; bei dem gegenwärtigen System haben sich grotze Mitzstände herausgestellt. Ueberhaupt sei es höchste Zeit, das gesamte Patentrecht zu revidieren. Direktor im ReichSaint des Innern v. Jonquidres: Eine Re- Vision deS PalentgesctzeS ist dringend nötig und Vorarbeiten dazu sind lange im Gange. Sie soll verbunden werden mit einer Revision des Warenzeichengefetzes. Damit schlietzt die Diskussion; das Kapitel wird bewilligt. Es folgt das Kapitel Reichsverfichcrungsamt. Abg. Silbcrschmidt(Soz.): Die Berichte der Berufsgenossenschaft sind der Oeffentlichkeit nicht zugänglich, obwohl sie ein grotzes Interesse für die in Frage kommenden wirtschaftlichen Organisationen haben. Es ent- spricht nicht der Bedeutung der Berufsgenossenschaften, datz sie eine solche Geheimniskrämerei mit den Berichten treiben und es wäre ein verdienstvolles Werk der Regierung, in entsprechender Weise auf die Berufsgenoffenschaften einzuwirken. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Baugewerbe vollzieht sich seit einer Reihe von Jahren eine EntWickelung dahin, datz an Stelle des Holzes immer mehr die E i s e n k o n st r u k t i o n Eingang findet. Die damit be- schäftigten Arbeiter unterstehen der Eisen- und Stahlberufsgenoffen- schaft, deren Unfallverhütungsvorschriften auf die Arbeitsbedingungen in den W e r k st ä t t e n eingerichtet find und auf die gefahrvolle Aufrichtung der Eisenkonstruktion nicht zutreffen. Wie notwendig hier besondere Vorschriften sind, zeigte z. B. der G e r ü st e i n st u r z beim Bau des Hamburger Bahnhofs, durch den nicht nur die an der Eisenkonstruktion beteiligten Arbeiter gefährdet wurden, sondern alle in der Nähe befindlichen Arbeiter, und auch e i n Eisenbahnzug mit Passagieren. Die Bauberufs- genoffenschaft hat vor einigen Jahren schon den Erlatz besonderer Unfallverhütungsvorschriften für die mit Eisenkonstruktion beschäftigten Arbeiter angeregt. Im Bericht des Reichsversicherungsamtes von 1009 heitzt es: die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Jetzt, nach drei Jahren, ist man auch noch nicht weitergekommen. Die ReichSrcgicrung möge sich doch endlich beeilen, damit dkese Arbeiter zu dem notwendigen Schutz kommen. tZustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bei den Streikenden im Ruhrrevier. Essen, Montag, den 18. März. III. Seine Majestät der Streikbrecher! Heute morgen ganz früh machte ich in der Nähe der Marken- kontrolle einer großen Zeche, aber nicht zu nahe, weil in diesem Belagerungszustand das Terrain einer jeden Grube dem einer Grenzfestung gleich zu achten ist und man bei zu neugieriger Bc- obachlung Gefahr läuft, als Spion verhaftet zu werden— heute morgen also machte ich, sagen wir mal, in einem von gesunden Ver- stand und bürgerlicher Höflichkeit vorgeschriebenen Abstand, zum erstenmal in meinem Leben mit der gesellschaftlichen Bedeutung, der Größe, der Unantastbarkeit und der niemals vermuteten Wür- digkeit des Streikbrechers Bekanntschaft. Ich kann nur. seit mir diese Erfahrung geworden, jedem Genoffen, dessen Eitelkeit bis heute nicht befriedigt wurde und der das stille Verlangen hegt, es nach dieser oder jener Richtung hin zu Ansehen zu bringen, den wohlgemeinten Rat geben, es bei einem Streik im Ruhrrevier ein paar Wochen als Streikbrecher zu versuchen. Hier harrt wirtlich ein ganz neues Feld der Befriedigung und Belohnung der an- ständigen arbeitenden Klasse, die zufrieden ihre Pflicht erfüllt und die auf einige größere Auszeichnungen, als sie bis heute Brauch sind, ein Recht besitzt. Zu den unvergänglichen Vorgängen dieses Streiks wird der kommende Geschichtsschreiber unweigerlich die taktvolle Tat der preußischen Regierung zu rechnen haben, die zwar spät, aber nicht zu spät das Versäumte gut zu machen suchte. Den langen Titelrcihen, wie„Herr Geheimrat",„Herr Wirklicher Inten- danturrat",„Herr Kommerzienrat",„Herr Geheimer Regierungs- rat",„Herr Hofat" usw., die mit vollem Recht— denn der Klassenkampf kann doch nicht alles wegmähen— den allerintelligentesten Vertretern der Bourgeoisie verliehen werden, ist jetzt für den besten Teil der Arbeiterschaft der beneidenswerte Titel„Herr Streik- breck�r" oder„Herr Arbeitswilliger" hinzugefügt worden. Und diesmal hat die Obrigkeit keine halbe Arbeit geleistet; denn, wenn Sie mich auf Ehre und Gewissen fragen: der„Herr Streikbrecher" ist von dem Moment an, wo er seinen Titel erobert, ein Mann, der, wo er sich in der Oeffentlichkeit zeigt, mit Prunk und Ehren empfangen wird, wie man sie sonst nur sürstlichen Besuchern zu erweisen pflegt. Wenn man in Berlin den Presseball besucht, kann man Hunderte» von Herren begegnen, die unter der Last ihrer Orden nicht mehr aufrecht gehen können. Diese Herren bilden die Bierde des Staates. Aber weil wir so viele dieser Zierden sehen, lacken wir darüber. Und schließlich werden diese Abzeichen doch nur an Ausnahmetagen getragen. Bei dem Titel„Herr Streik- brecher" lacht man nicht, so wenig wie man lacht, wenn der Krön- Prinz der Türkei eine Ehrenkompagnie abschreitet. Das ist ein Zeremoniell, wobei das zynischeste Individuum den Hut zieht und ergriffen ist.....# Um sieben Uhr an diesem Montagmorgen sollte eine Elektrische eine Anzahl„Arbeitswilliger" nach einer der Zechen fahren. Weil in der aechc keine Mittagschicht und keine Nachtschicht arbeitete— die Zahl der Arbeitswilligen genügte kaum, um die Morgenschicht einfahren zu lassen— und weil wir versuchen wollten, die„offi- giellcn" Zahlen zu kontrollieren, fuhren wir mit derselben Elek- krischen mit �er Motorwagen und der Anhänger waren voll von verschiedenen Arten von Arbeitern. Erst an der Haltestelle, am Lechenterrain, würden wir sie zählen können. Wir hatten die Stadt schnell hinter uns und glitten auf dem Landweg mit seinen blätterlosen Bäumen dahin. Es war ein stiller Frühjahrsmorgen. Ueber den Weidttl jjwg ein stiberocr Hauch. Bis zum Jahre 1996 wurden in den Revisionen der Bauberufsgenossenschaften aus der Revision einer Bau- stelle mehrere gemacht, indem so viele Revisionen gezählt wurden, als Arbeiterkategorien auf der Bau- st eile beschäftigt waren.(Hört l hört I bei den Sozial- demokraten.) Das ergab natürlich ein ganz falsches und täuschendes Bild, als ob die Berufsgenossenschaften einen großen Fleiß auf die Re- Visionen verwendeten. Das Reichsamt des Innern hat im Jahre 1997 eine Aenderung veranlaßt, so datz die Revisionen eines Baues auch nur als e i n e Revision gezählt wurden. Aber seit 1919 ist das Reichs- amt des Innern wieder zur alten Liebe zurückgekehrt, so datz die Berichte wieder in einer den Berufsgenossenschaften genehmen Weise frisiert werden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen verlangen, datz wieder zur richtigen Zählung zurückgekehrt wird. Auch der Umfang der Revisionen ist durchaus un- genügend. Im Jahre 1998 wird berichtet, datz das Reichs- versichernngSamt nach langen Verhandlungen mit den Bau- berufsgcnossenschaften es endlich erreicht hat, datz 99 Proz. aller revisionSpflichtigen Betriebe einmal im Jahre revidiert werden. Wer die Situation auf den Bauten kennt, wird darüber klar sein, datz das bei weitem nicht ausreicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist daher geradezu komisch, datz die Berufs- genossenschaften sich dazu„nach langen Verhandlungen" bereit er- klärten. Aber diese mit großer Mühe erhaltene Errungenschaft wird durchaus nicht innegehalten, im Jahre 1919 wurden bei der mecklenburgischen Bauberufsgenossenschaft nur(52 Proz. der Betriebe revidiert, bei der sächsischen 59 Proz., bei der thüringischen 53 Proz., bei der w ü r t t e m b e r g i s ch e n 56 Proz., bei der bayerischen 33 Proz. und bei der Tiefbau- b e r u f s g e n o s s e n s ch a f t gar nur 25 Proz. Wer die Gefahren gerade im Tiefbau kennt, wird zugestehen, daß das Reicks- versicherungsamt hier ein dankbares Gebiet hat, um die Berufs- genossenschaften anzuhalten, wenigstens das damals getroffene Ab- kommen einzuhalten, um Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich wende mich dann zur Frage der Unsallvcrhütungsvorschriften im Baugewerbe im allgemeinen. Die Hessen-Nassauische Berufsgenossenschaft beab- sichtigt eine Aenderung dieser Vorschriften, die von den Bauarbeitern als eine erhebliche Erweiterung der Unfallgefahr angesehen werden mutz. Es handelt sich um die Vorschriften für die äußerst gefährliche Arbeit des UeberdiehandmauernS. Jeder Laie kann die Gefährlichkeit dieser Arbeit beobachten, wenn er an einem Bau vorübergeht, die immer gefährlicher wird, je hastiger die Produktionsweise wird, und am gefährlichsten ist in den Jahres- zeiten, wo das Wetter die Arbeiter in ihrer Bewegungs- freiheit beschränkt. In dem alten Entwurf der hessen-nassnuischen Vorschriften befand sich eine Schutzbcstimmung gegen die Gefahr des Herabstürzcns beim UeberdiehandmauernI, die aber in dein neuen in Bearbeitung befindlichen Entwurf fehlt. Das Fehlen dieser Bestiinmung ist nur eine Einzelerscheinung in der ganzen Tendenz des HcmmenS, des Zuriickhaltens, des B r e m s e n s gegenüber einem ausreichenden Arbeiter s.chutz, die seit einiger Zeit in allen Bauberufsgenossenschasten zu ver- zeichnen ist, und der bedauerlicherweise das Reichsversicherungsamt nachgibt. Bis 1998 hielt das Rcichsversicherungsamt Schutze Vorschriften gegen die Gefahren des UeberdiehandmauernS für not- wendig. Ja, man dachte sogar an ein Verbot des Ueberdiehand- mauerns. Inzwischen ist das ReichSversicherungSamt aber zu der An- ficht gekommen, daß die Gefahren uicht so groß find. Ein Beweis für die Aenderung in den Anschauungen ist, datz zum Beispiel in An den Sträuchern sproßte schon Grün, wie man es in Berlin noch nicht sah. Und eine Herde Schafe mit einem friedlichen Hirten und einem wachsamen Hund zog über eins der Felder. Hurra, der Lenz! Hurra, der junge Sommer!... In all der Frische und Munterkeit loar uns fast der Zweck unseres Ausflugs entfallen— es geht doch nichts über das erste Frühlingsgrün, nichts über die lieben„Mähschnütchen" Hunderter folgsamer, sich gegen keine Will- kür auflehnender Schafe!—, als wir die Haltestelle erreichten. Wirklich ereichten. Man brauchte den Schaffner nicht danach zu fragen, man brauchte sich nicht als Fremder in der Gegend erkennen zu geben: an einem Baum hielten vierundzwanzig Infanteristen mit zwei Unteroffizieren, und an diesem Baum stiegen wohlge-- zählte einundzwanzig„Christliche" oder„Arbeitswillige" oder, um es in gutem Deutsch zu sagen, 21 Streikbrecher aus. In der Elektrischen lvaren sie inkognito gewesen, hatten sie keine Ab- zeichen oder andere Eitelkeitsbeweise getragen; sobald sie das Straßenpflaster beschritten, traten sie offiziell, jedoch lieblich-diskret, auf. Die paar Mann Streikposten der Organisierten wichen ehr- erbietigst zur Seite, ein Schutzmann stand stramm und zugleich— unser Militär ist für Empfangsfeierlichkeiten, wie diese, ausgezeich- net vorgebildet— rief der längste Unteroffizier mit einer Stimme, die die singenden Vögel zum Schweigen brachte:„Antreten! Ge- wehr über!", und nachdem er die einundzwanzig Streikbrecher hatte vorbeischreiten lassen, rief er noch einmal:„Vorlvärts! Marsch!", lvas die Infanteristen mit einem Schwung, der an den Parade- marsch erinnerte, hinter die einundzwanzig herschreitcn ließ. Mit der Begeisterung von Schulbuben gingen auch wir in gehöriger Entfernung mit. Es war. wie ich schon sagte— kann man jemals genug von der schönen Natur da draußen erzählen?— ein ruhiger Frühlingsmorgen. Wir zogen unter einem Eisenbahnviadutt hindurch und hinter einer schwarzen Strecke Erdboden, worüber ein Taubenschwarm auf und nieder flatterte, kam die Zeche mit ihrem Fahrstuhlgetüm in Sicht. Aber auch noch über einen anderen Landweg her nahten zehn Streikbrecher, von einer zweiten Jnfanteristcntruppe eskortiert. Weil am Eingang zum Zechenterrain Schildwachen auf und ab schritten, weil mitten auf dem Fahrweg ein berittener Offizier angesetzt kam, einen Moment später wieder acht Mann Infanterie erschienen und an einer Wegkrümmung die kleinen Flaggen der Lanzen von neun Kürassieren sichtbar wurden, wähnte man einen Augenblick, törichterweise, daß man sich auf einem Manöverterrain befände. Aber keineswegs! Dies alles, diese ganze Heeresmacht. Infanterie und Kavallerie, tvar zur Ehre der einunddreißig„Ar- beitswilligen" zusammengebracht. Als der Offizier an den Truppen vorbeiritt, riefen diese— und es erklang hell und fröhlich durch den Lenzmorgen—:„Hurra!" und die christlichen Kumpels salurPrten allergnädiglichst. Langsam zogen sie in den Zechenein- gang, und ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß die Schildwachen aus Freude über den hohen Besuch die Gewehre präsentierten. Etwas später tauchte wieder der Schafhirt mit seinem Hund und seiner«chafherde vor uns auf. Der Hund kläffte. Die Schafe blärrten. Ein Dutzend von ihnen sträubte sich dagegen, bei der Herde zu bleiben. Der Hirt winkte mit dem Stab. Der Hund raste darauf zu, jagte sie beißend und knurrend zurück. Diese Schafe... dock) ich möchte lieber nicht abirren und zu meinem Thema, dem christlichen Streikbrecher, zurückkehren. Als sie in der Zeche verschwunden waren, schössen plötzlich drei Herren mit Stöcken auf mich und meinen Führer zu. „Wer sind Sie? Was wollen Sie hier?", schnauzte uns einer von ihnen ungemütlich an. „Warum fragen Sie uns danach?" antwortete ich. „Sind Sie Arbeitswilliger?", examinierte er streng. „Nein, Privatier..." „Dann fordere ich Sie auf, sofort dieses Terrain zu verlassen! Hier ist Zecheirterrain!" Und noch ehe wir ein Wort antworten konnten, kommandierte er noch eimnal:„Ich fordere Sie zum zweiten Mal aufl" Bayern das landesgesetzliche Verbot des UeberdiehandmauernS neuerdings von der bayerischen Regierung wieder aufgehoben worden ist. Seit 1895 bemühen sich baugelverbliche Arbeiterorganisationen, durch sachgemäße Darstellungen die Unfallgefahren im Baugewerbe der Reichscegierung nahezulegen und reichsgesetzlichen Schutz zu bc- kommen. Seit 1992 betätigen sich auch die christlichen Bau- arbeiterorganisationen in der gleichen Richtung. Es gab eine Zeit, wo auf dem Gebiete des Bauarbeiterschutzes wirkliche Fort- schritte erzielt wurden; das war, als Gras P o s a d o s w l y noch in der Reichsregierung saß. Dann aber ist eine Stockung und jetzt sogar ein Rückschritt im BailarSeiterschutz eingetreten. Das ist ein Erfolg der Bemühungen der Unter- nehmerverbände. Der Verband der deutschen Bau- berufsgeuossenschaften, der Jnnungsverband deutscher Baugewerks- meister, der deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe und ge- legentlich auch deutscher Handwerker- und Gewerbetage haben den Reichstag mit Gegen Petitionen gegen die F o r d e- rungen der Arbeiter bestürmt. Dabei sind es eigentlich immer dieselben Personen, die in all diesen Verbänden ihren Einfluß in der Richtung ausüben. In diesen Petitionen wird immer wieder behauptet, datz die Frage des Bauarbeiterschutzes eine p o l i- tische Frage sei. daß diese Frage von den sozialdemokratischen Organisationen zu einer politischen Machtfrage gestempelt werde. Gegenüber diesem Ansturm der Unternehmerverbändc ist das Reichs- VersichernngSamt anscheinend nicht wider standsfähig genug gewesen(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), denn es ist ein langsames Zurückweichen von den früher von ihm selbst niedergelegte» Grundsätzen zu beobachten. Der Bauarbeiterschutz stockt, wie ja überhaupt die Sozialpolitik im Deutschen Reiche gegenwärtig ins Stocken ge- raten i st. Das wird die Bauarbeiter darüber belehren, daß sie wirksamen Schutz nur dann zu erwarten haben, wenn die gesamte Arbeiterbewegung und die Mehrheit deS Parlaments hinter ihnen stehen.. Eine gesunde Fortentwickelung des BauarbeiterschutzeS wird vor allem dadurch unmöglich gemacht, daß die Materie� der reichsgesetzlichen Regelung entzogen ist. So kommt nun hier der ganze Jammer der kleinstaatlichen Gesetzgebung zum Ausdruck, der es verhindert, datz eine einheitliche groß- zügige Sozialpolitik getrieben werden kann. In den Einzellandtagen ist nicht der geeignete Boden für sozialpolitische Tätigkeit, sie sind mehr H e r r s ch a f t s i n st r u m e y t d e r B e- sitzenden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Anregung des Reichsversichernngsamts, die llnfollgefahrcn durch bildliche Darstellung zu erläutern, ist bisher von den Bauberufsgenossenschasten völlig unberücksichtigt geblieben. Wir möchten die Herren vom Reichsversicherungsamt ersuchen, diesen guten Gedanken nicht fallen zu lassen, sondern darüber hinaus noch vorzuschreiben, datz in die ll n f a l l v e r h ü t u n g s v o r s ch r i f t e n selbst solche bildlichen Darstellungen aufgenommen werden, die den Bauarbeitern auf der Arbeitsstelle viel anschaulicher die Unfall- gefahren vor Augen zu führen geeignet sind. Ferner sollten in die ilufallverhütungsvorschriften auch Bestimmungen aufgenommen werden über die Hygiene an den Arbeits st ätten. Ich will aber auch nicht unterlassen, zu betonen, daß gewisse Fortschritte im Bauarbeiter schütz immerhin zu ver- zeichnen sind. Das hat auch das Organ des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes anerkannt. Es wird da ein Zurückgehen der U n- fälle, besonders der Todesfälle konstatiert und hervor- gehoben, datz dies ein erfreulicher Erfolg der Lauarbeitcrschutz- bcwegung ist. Besonders weist das Blatt daraus hin, datz dieser „Komm mit," winkte mein Kamerad. � „Waren das Polizeibecunte?", fragte ich eingeschüchtert. „Nein," setzte er auseinander:„Steiger der Zeche..." �"■ „Wenn ich das gewußt hätte, würde ich ihnen geantwortet haben!" sagte ich. „Das würde Ihnen nichts geHolsen haben," erklärte er:„Seit Ausbruch des Streiks hat jeder Zcchcnbcainte polizeiliche Vollmacht bekommen..." „Soo," erwiderte ich— und ich bekam noch mehr Ehrerbietung vor den einundreißig Streikbrechern, die wir hatten einziehen sehen. Kavallerie, Infanterie, Gendarme, Polizei und Zcchenbeamte mit polizeilichen Rechten und das alles für die„Herren Arbeitswilligen": wirklich solch ein Galaempfang war bcneidenstvert... Schweigend gingen wir unseren Weg zurück. Hinter uns blökten langlveilig gütig, aufregend zahm, die Schafe, das Fahr- stuhllaufrad begann sich zu drehen. Die Frühschicht der Zeche fing an zu arbeiten. « An der anderen Seite des Viadukts begegneten wir den neun Kürassieven, deren Fähnchen wir gesehen hatten. Die Sonne ließ die Helme aufflammen, als ob Hochöfenfeuer darin glühten, der Wind blies in die kleinen Flaggen, daß es eine Lust war. Sie hatten vermutlich die paar Mann Streikposten der Organisierten vom„öffentlichen" Wege vertrieben, ritten nun in die Zechenkeltuna zurück. „Ich glaube," sagte mein Kamerad, der sogar zu dieser frühen Morgenstunde mit Herz und Seele über die strategischen Interessen der deutschen Armee nachdachte:„ich glaube, daß unser Generalstab nicht dankbar genug für diesen Streik sein kann. Denn nun, Ivo das Militär erst einmal in den Zechen gewesen ist, werden die Vorieile für Kriegszeitcn nie mehr vergessen iverden. Nehmen Sie doch mal an, Sperber, daß eine Schildwache da oben vom Fahrstuhl aus die ganze Gegend überschauen kann, ivährend ganze Regimenter auf der ersten oder zweiten Sohle verborgen liegen..." „Geben Sie lieber acht," fiel ich ihm in die Rede:„da wird ein Organisierter oder ein Verbrecher von der Polizei trans- portiert!" „Nein," sprach er lachend:„das ist so sicher wie zweimal zwei vier, ein Christ, der heute nacht unten gearbeitet hat und nun unter Bedeckung in seine Wohnung gebracht wird..." Ter Niese von einem Schutzmann zog mit dem kleinen, mageren, scheuen Arbeitswilligen ins Dorf. Wir taten dasselbe. Denn vor dem dortigen Wirtshaus wartete unsere Elektrische. Es wurde ein kurzer eigenartiger Spaziergang, ein Spaziergang in freundlich-blinkcnder Sonne, an Sträuchern entlang, die ihre Lenzesfrcude ausschricn. an Häuschen tenlang, deren Scheiben das junge Sonnenlicht widerspiegelten, an Vöglein vorbei, die auf schwarzen Baumzwcigen tschilpten. Pfiffen, spektakelten, zwitscher- ten, und schon Zwciglcin und Federchen im Schnabel trugen für die Nester, die sie irgendwo in Gottes schöner Welt bauen wollte!?. Es war ein Spaziergang, um vor Behagen zu summen— besteht nicht der Grundton unserer Lcbcnsanschallung aus unverwüstlichein Optimismus, aus nicht zu zerstörenden Idealen?—«der man summte nicht und fühlte sich nicht ganz wohl neben dem mageren Streikbrecher und dem korpulenten Schutzmann auf der sonnige" Landstraße. Auf dem Streikburcau hatte ich gestern abend erst das Plakat gelesen:„Das Ansammeln oder Stehenbleiben auf der Straße von mehr als drei Mann ist polizeilich verboten. Dies ist streng zu beachten. Die Streikleitung." Wo nun der christlielie Kumpel mit seiner uiiiforinicrtcn Begleitung erschien, wiche» die streikenden Kumpel, di«' miteinander im Sonnenschein plauderten, in den Schatten der Häuser zurück. Sie sagten nichts. Sie riefen nichts. Sie blickten nur. Und die Frauen blicklen. Und die Kinder blieben mit den Murmeln in der Hand stehen And blickten Und ein altes Frauchen mit weißen Haaren stand in der Haustür und blickte. Alles blickte. Jeder blickte. Es tvar, als ob es in diesen; Jpgenblick Wm ÜllM Lenzessonm. lHli mü«enzesgr«». Fortschritt mit den Bemühungen der Organiscilionen zu verdanken ist, die die Bauarbeiter gelehrt hat, dem Leben einen höheren Wert zuzumessen, ihm einen höheren g e i st i g e n und s i t t- lichen Inhalt zu geben, ihre Menschenrechte mehr zu er- kennen. Das gegenwärtige Zurückweichen im Bauarbeiterschutz mutz in den Arbeitern das Gefühl wachrufen, datz sie von der Regierung vernachlässigt, ungerecht behandelt werden und auf ihren eigenen Schutz angewiesen sind. Wollen Sie, datz auch diese Schicht der Arbeiter sich als gleichberechtigt fühlen soll, dann möchte ich dem Reichsversicherungsamt dringend ans Herz legen, dafür zu sorgen, datz ich solche Klagen, wie gegenwärtig, in Zukunft nicht mehr vor- zubringen brauche. sLebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Astor(Z.> befürwortet eine Resolution, die die Errichtung einer besonderen B e r u fs g en o sse n sch a f t für den Detail- Handel fordert. Die Lagereiberufsgenossenschaft, in welche die kleinen Handelsgeschäfte jetzt einbezogen sind, ist ursprünglich gar nicht für diesen Ziocck gedacht worden; es entstehen daher dauernd Differenzen zwischen dieser Berufsgenosscnschaft und den Detaillistcn, denen viel zu hohe Beiträge von der Lagereiberufsgenossenschaft auferlegt werden.— Die gesetzlichen Vorschriften über die Rück- lagen der Berufsgenossenschaften sollen 1913 dem Reichstage zur erneuten Beschlutzfassung vorgelegt werden. Dazu sind aber uinfaffende Erhebungen notwendig. Ich bitte die Regierung um Auskunft, wie es damit steht. Ministerialdirektor Caspar; Die Sachverständigen-Konferenz, welche die Regierung über den zuletzt erwähnten Punkt zu hören be- abstchtigt, konnte bis jetzt noch nicht zusammentreten. Der A r b e i t e r s ch u tz im B a u g e 10 e r b e ist keineswegs zum Stillstand gekommen, wie der Abg. S i l b e r s ch m i d t meinte, er wird vielmehr in der bisherigen Weise gefördert. Die Zahl der Revisionen ist auf Drängen des ReichsversicherungsanileS dauernd vermehrt worden.— Bei dem lieber dichandmauern sind nur 163 Unfälle von im ganzen über 43 609 vorgekommen; das Einbauen der Gerüste, die diese Unfälle verhüten sollen, ist ebenfalls nicht un- gefährlich, daher ist die Frage nicht so einfach zu beantworten, wie der Abg. Silber sch midt meinte; jedenfalls kann das Ueber die- handmauern nicht einfach verboten werden. Abg. v. Graefe jk.j: Vorschriften der Berussgenossenschaften, d:e sich als unpraktisch erwiesen haben, sollte» zurückgezogen werden, z. B. die der landwirtschaftlichen Berufsgenosfenschaften be- züglich der Dreschmaschinen.(Sehr richtig! rechts.) In bezug auf die Notwendigkeit einer besonderen Detaillistenberufsgenossen- schuft stimme ich dem Vorredner zu. Wo sind denn die Widerstände gegen die Erfüllung dieses berechtigten Wunsches? Abg. Schulendurg(natl.j tritt ebenfalls für eine besondere Detaillistenberufsgenossenschaft ein, die auch von einechtationalliberalen Resolution verlangt wird. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) schlietzt sich diesem Wunsch an und verlangt autzerdcm die Errichtung einer besonderen Berufsgenossen- schaft)llr die Gärtner, die jetzt in 43 landwirtschaftlichen Berufs- genosscnschafteit verteilt seien. Redner empfiehlt eine von seiner Partei eingebrachte entsprechende Resolution. Abg.�®V. Dahlem(Z.) bringt Beschwerden der nassauischen Klein- oauern über die harten Bestimmungen der landwirtschaft- lichen Berufsgenossenschafren zur Sprache. Abg. Kohmann(Z.): Die Arbeiter haben nicht sowohl über zu Wenige Revisionen zu klagen, wie der Abg. Silberschmidt meinte, sondern darüber, datz die Revisionen den Arbeitgebern vor- her bekannt sind. Dann wird natürlich alles in Orb- nung gebracht, speziell an den Stellen, wo dann revidiert wird. Silberschmidt verlangte mehr llnfallverhütungsvorichriften. Wichtiger ist ihre Einhaltung. Das wird aber vielfach verhindert durch das herrschende Antreibersystem und im Bergbau durch die niederen G e d i n g e s ä tz e, durch welche die Arbeiter gc- zwungen werden, nur darauf zu sehen, möglich st viel zu fördern ohne Rücksicht auf den Schutz ihres Körpers. Sehr zu klagen haben die Arbeiter ferner über die lange Dauer des Rente»Verfahrens. Dreiviertel Jahre, in keine tschilpenden Vöglein, keine goldblitzenden Scheiben mehr gäbe: es gab nur einen verlegenen„Christlichen" und einen Schutzmann, dem die Sonne einen feurigen Federbusch auf den Helm malte, wie weiland Phaeton hinter den sich ausbäumenden Pferden seines Wagens. Da sagte ein Kumpel mit der Ironie eines Berliner Droschken- kutschers, wobei er stramm salutierte:„Seine Majestät, der Streik- brecher!" Und hinter dem Rücken des Polizisten wagte er es.... mit mehr als Drei in der Frühjahrssonne sein Pfeifchen! weiter zu rauchen. Heinz Sperber. Weitere Feuilletons über den Streik im Ruhrrevier werde ich nicht schreiben. Ganz unerwartet hat heute, Dienstag, die Streik- keitung den Streik aufgehoben. Ich unterbreche meine Reise und kehre nach Berlin zurück. Ich sprach mit Otto Hue und mit anderen und kann zum Schluß nur noch ertlären, datz jeder hier guten Mutes der Zukunft entgegensieht. Verloren ist die Feld- fchlacht nicht. Im richtigen Moment ist man zurückgewicken, nur zum bessereu Sprung auszuholen. Das Notwendigste wird jetzt sein, die christlichen Kumpel durch Argumente zu überzeugen. Und Wenn Rom das auf lange Zeit hin verhindern will, wird es die Re- gierung bitten müssen, mit jeder Belegschaft, zu jeder Morgen-, Mittags- und Nachtschicht, Militär, wo möglich mit Maschinenge- Wehren, einfahren zu lassen.... kleines feuilleton. Die Mark Brandenburg in Farbenphotographie. Ein Wunder- schönes Werk beginnt soeben zu erscheinen: In 20 Lieferungen a 1,25 M. bringt die VerlagLanstalt für Farbenphotographie Naturaufnahmen aus der Mark heraus. Um die Mngcl vorwegzu- nehmen: Der Text scheint— nach der ersten Lieferung und den Namen der professoralen Mitarbeiter(Bodo Eberhardt, Votz-- Richard Nordhausen) zu schlietzcn— nichts zu taugen. Auch„ge- reicht es zur besonderen Ehre, mitteilen zu dürfen, datz Ihre Majestät, die Kaiserin und Königin Auguste Viktoria geruht hat, die Widmung dieses Werkes entgegenzunehmen". Aber das Werk ist trotzdem gut. Unter Leitung des Direktors Franz Goerke(Urania) werden die Blätter ausgewählt. Gleich in der ersten Lieferung gibt es prachtvolle Aufnahmen. Sckstotz Nheinsberg, der Werbellinsee. Eingang zu Schloß Sanssouci... Zum Greifen scharf, noch ein klein wenig zu bunt vielleicht— aber nun das wichtigste: Wiie verhält sich diese fast naturgetreue Wiedergabe zur Malerei?— Gar nicht!— Es sind inkommensurable Größen. Aber diese Photographie geht bereits ihre eigenen Wege. Sie ist, im Gegensatz zur Malerei, ganz objektiv, nur anschaulich— aber eben dadurch erreicht sie, was der trockne, kitschige Bcgleittext nicht kann: sie regt an. Tu mutzt so ein Bild lange ansehen, Tu wirst das tun, was sonst der Maler tat—: ergänzen, umfassen, zu ver- stehen suchen. Wolken siehst Du. weiße, wattige Sonnenwolken. kurzes GraS und immer wieder diese unendlich schöne, stille, ge- schwungene Uferlinie des Sees. Und Rheinsberg... Du mutzt. wenn Du das Bild siehst, weiter denken, an den lauen Sommer- wind, an ein Rascheln, es ist reichlich warm, das Sonnenlicht zwinkerte durch alte Bäume— aber ferne, auf den Hügeln, lag es ausgegossen— und neben Dir stand die, die Du nie vergessen wirst. So lasse» Dich diese Bilder schwer atmen: Heraus aus der Stadt! Heraus!— Du beginnst, die inner« Schönheit einer jungen Birke zu verstehen, eines Schattens, Du wirst eins nut der 9totur, und weitzt plötzlich was das ist: Frühling!— K. 1. Um den Neubau des Berliner Opernhauses. Der Berein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin, der zugleich führender Vorort aller deutschen Kunstgewerbevereine ist, befaßte sich am Mittwoch rn einer außerordentlichen Versammlung mit dem Neubau des Opern» manchen Fällen sogar fünfviertel Jahre müssen die Leute warten, bis sie in den Genuß der Rente kommen. Abg. Bccker-Arnsberg(Z.): Die Rechtsprechung des ReichSver- sicherungsamls hat sich immer mehr verschlechtert. Die Rentenkürzungen mit der Begründung, der Verletzte habe sich zum Beispiel an den Verlust einer Hand oder eines Beines„gewöhn t", nehmen immer mehr Ueberhand. In dieser Auslegung des Begriffs einer„vermutlichen" Veränderung der Verhältnisse liegt direkt eine Gesetzesverletzung. Die Rekurse der Berufsgeiiossenschaften haben immer mehr Erfolg, die der Versicherten immer weniger. Eine solche R e n t e n q u e t s ch e r e i ist absolut unberechtigt. Die ge- werblichen Berufskrankheiten, wie z. B. der Milzbrand der Bürsten- arbeiter, solltenjjder Unfallversicherung unterstellt werden.(Bravo! im Zentrum.) Ministerialdirektor Caspar teilt auf eine Anfrage des Vorredners mit, datz die neue Kranken- und Unfallversicherung voraussichtlich am 1. Januar 1913 in Kraft treten werde. Der Milzbrand der Bürsienarbeiter werde bereits als Unfall behandelt. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): ES macht einen recht merkwürdigen Eindruck, wenn Redner sich hierher stellen und sich über Mißstände beklagen, die es noch vor wenigen Monaten abgelehnt haben, die Beseitigung dieser Mißstände durch Gesetz herbeizuführen. So hatten wir bei der Reichsversicherungsordnung beantragt, datz gewerbliche Krankheiten als B e r n ss u n f ä l l e entschädigt werden; aber die Herren vom Zentrum haben dagegen ge- stimmt.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist sehr bezeichnend, datz die Herren mit ihren guten Ansichten imnier dann herauskommen, wenn sie wissen, datz das keine weitere Folge hat, aber in dem Augenblick, wo es sich darum handelt, die Konsequenz aus ihren Reden bei der Abstimmung zu ziehe», dagegen stimmen.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) So hat sich Herr Behrens darüber be- schwert, datz die Gärtner in der landwirtschaftlichen Berufs- genossenschast schlechter gestellt sind, als gewerbliche Arbeiter. Sie haben es aber selbst abgelehnt, als wir beantragten, datz landwirt- schaftliche Arbeiter den gewerblichen gleichgestellt werden; vor allem das Zentrum ist mit aller Entschiedenheit gegen diese unsere Forderung aufgetreten und hat die Schlechter- stellnng von Millionen landwirtschaftlicher Arbeiter durchgesetzt. (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Interessant waren die Klagen des Herrn aus dem Saarrevier, der mitteilte, wie Revisionen in den königlichen Bergwerken immer vorher angekündigt werden. Das ist ja begreiflich, denn die Re- Visionen werden zun, Teil von königlich preußischen Polizei- b e a m t e n ausgeführt. In Betrieben, die Eigentum des preutzi- schen Staates sind und da sowohl Arbeitgeber wie Aufsichtsinstanz unter derselben Leitung stehen, ist es selbstverständlich, datz der kontrollierende Polizeibeainte dem königlichen Bergwerksdirektor nicht gern Verlegenheiten bereitet, zumal dieser im Range höher steht. Was da? Verlangen nach einer besonderen Berufs- genossenschast für die Detaiklisten anbelangt, so will ich zugeben, datz eine ungerechte Verteilung der Lasten innerhalb der Lageret- und Kellerei-Berufsgenossenschaft besteht. Das ist aber nicht notwendig damit verbunden, daß die Detaillisten mit in dieser Berussgenossenschaft sind, sondern ist eine innere Angelegenheit dieser Berufsgenossenschaft. Bei Bildung einer besonderen Berufs- genoffenschaft für Detaillisten würden die Verwaltungskosten für diese sehr hoch werden. In der Schorn st einfegerei- Berufsge n offen schaft betragen z. B. die Verwaltungskosten auf je 1666 M. Lohnsumme 5,20 M., in der L a g e r e i- B e r u s s g e n o s s e n s ch a f t nur 1,67 M. Man sollte also viel- mehr darauf dringen, datz eine gerechtere Verteilung der Lasten innerhalb der Lagerei- und Kellerei-Berufsgenosjenschasten stattfindet. (sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Hcikscher(Vp.): Die Reichsversicherungsordnung ist Hauses. Nach einer überaus lebhasten Diskussion, in der die klein« liche Opportunität gewisser Kreise der Baubureaukratie, aber auch der energische Unwille und das freudige Selbstgefühl der frei- schaffenden Künstler und ihrer Freunde zum Ausdruck kam, willigte die ungewöhnlich gut besuchte Versammlung, in die nachstehende, von Dr. Peter Jessen eingebrachte Resolution:„Das deutsche Kunst- gewerbe bedarf der Uebung an monumentalen Aufgaben unter Leitung der stärksten Kräfte der Gegenwart. Es mutz deshalb wünschen, datz bei einer so bedeutenden öffentlichen Aufgabe, wie das neue königl. Opernhaus in Berlin, allen deutschen Architekten Gelegenheit gegebe» werde, wetteifernd ihre Eignung als Führer des Kunstgewerbes zu erweisen. Der Verein für deutsches Kunstgewerbe schlietzt sich daher der auf einen allgemeinen Wettbewerb gerichteten Kundgebung der architektonischen Fachkreise an." Cochonnerien. Aus Paris wird uns geschrieben: Am Brettel- rühm und an der Sensationsprcsse kann auch ein urgesunder Mutterwitz kaput gehen. Mrm hat dies bei dem vielgenannten Pataud gesehen, der zuerst der energische Beamte einer gut gefügten Gewerkschaft war, aber durch das um ihn herumsurrende Reporter- tum und die Ehrenstrapihen des Cafekonzerts um alle vernünftig« Wertung seiner selbst gebracht, sich in der Königsrolle eines un- erquicklichen syndikalistischen Karnevals zu gefallen begann. Der schwere Ernst des Gewerkschaftskamp ss wurde zu einer Chantant- nummcr zerblaseN. Pataud war Schnittlauch auf allen Bettel- suppen der Kabarettsatire. Ein paar Jahre hielt das vor. Wenn irgendwo in einem Cafe die elektrische Leitung ausging, schnen Gäste und Kellner mit schlagfertigem Witz:„Pataud! Pataud!" Pataud beschrieb in einen, dicken Buch haarklein, wie die soziale Revolution aussehen werde. Dann versickerte seine Berühmtheit. Die lveitere Reklame zog nicht mehr— Pataud als Weinagent, Pataud als Theaterautor— und heute denkt kein Mensch mehr an den Popanz, der zum Harlekin gsnxirden war.... Dafür ist jetzt eine neue Tagesberühmtheit seines Schlages da: C o ch o n, der Sekretär des Mietersyndikats. Auch er hat mit ein paar herzhaften Taten begonnen, auch er hat den fröhlichen Pariser Volkswitz von der Natur als Mitgift bekommen— dock auch ihn treibt der RuhmeSteuftl schon in eitle und geschmacklose Fasckings- Narretei. Eine Mieterorganisation gegen Zinsgeier— vortrefflich! Eine„direkte Aktion" für Obdachlose gegen eine herzlose und ver- zopfte Bureaukratie— ausgezeichnet! Aber sckon beginnt Cockon das Mittel mit dem Zweck zu verwechseln, die Intervention für auslogierte Proletarier und dem Michael Kohlhaastrotz für das Recht des Mieters in die Kunst, Hausherrn und Hausmeister giftig zu niackien, umzuformen. Wie Pataud einst aus einem Haudegen des Klassenkampfs eine lustige Person für alle Welt wurde, so ist Cochon jetzt ein fideles Schmeincken, das reich und arm vergnügt über den Grund i>es Nachbarn laufen sieht. Da hat z. B. Herr Gandillot» der ein ehedem sehr heiterer Komödienmacher war und jetzt ein behäbiger Rentier ist, mit seinem letzten Hausherrn einen Krach gehabt. Er hat eine neue Wohnung bezogen, Ae alte steht leer. Wie kann er nun dem alten Hausherrn gründlich und straflos die Laune verderben? Herr Gandillot schreibt einfach an Cochon, der dem Drachen schon das Nötige besorgen wird. Und es geschieht nach Wunsch. In der leeren Wohnung in dem fashio- nable» Haus wccdcu nicht nur einige so recht in Elcndslumpen gekleidete Proletarierfamilien einquartiert, sondern obendrein am Sonntag ein„Empfang" veranstaltet, zu dem das ganze Mieter- syndikat und was sonst will eingeladen ist. 3600 Menschen steigen mit � schmutzigen Stiefeln über die gepflegten Flurtcppiche, füllen stundenlang Wohnung und Garten, singen im' Chor und bringen Hoch- und Niederrufe auf alles mögliche aus.— Datz Herr Gan- dillot derlei für witzig hält, zeigt, daß seine Erfindungsgabe nicht mehr auf der alten Gcschmackshöhe steht; datz alberne Senlations- zeitungen das Spektakel mit Wort und Bild ausmalen, erklärt ihr Geschäft und ihr geistiges Niveau— seltsamer ist es aber, datz auch Journalisten, die für ein Arbeiterpublikum schreiben, voll Sympathie und Anerkennung für den„generösen" Herrn Gandillot sind, der vielleicht keine baren zehn Frank übrig gehabt hätte, wenn seine jetzigen.Käste" an seine Tür geklopst hätten. Kie Herren bereits reformbedürftig, bor allem müßten auch in ber Land« Wirtschaft Unfallverhütuiigsvorschriften emgesuhrt werden. Bedauerlich ist. daß das große Werk der Netchsverstcherungsordnung nicht in, richtigen sozialen Geist durchgerührt wird, besonders wir bei den Rentenkürzungen ganz bureaukratlsch vorgegangen. So heißt eS in einem Bescheide, ein Mann, der beide Berne verloren hatte, habe sich an daS Fehlen der Gliedmaßen gewöhnt. (Lebhaftes Hört! hört! links.) Dieser Fall spricht Bande,-i-ie besten Gesetze werden nichts zur Versöhnung der Arbeiter beitragen, wenn sie nicht in sozialem Geiste ausgeführt werden.(Leb- Haftes Sehr richtig! links.). Abg. Becker- Arnsberg(Z.): Bisher stand ich bei der Kritlk der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts stets allem.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.)— Der Abg. Molke n b u h r warf mir vor, mein Wunsch, die Berufskrankheiten in die Unsallversicherung einzubeziehen, sei mir nicht ernst. Mich dagegen zu verteidigen lehne ich ab.(Zustiinmung im Zentrum.) Auch die Aerzte, Dr. Mugdan z. B., haben ausgeführt, datz sie bei den Berufskrankhetten nicht ent- scheiden können, wie weit sie wirklich als solche zu bezeichnen seien. Deshalb konnten wir die Berufskrankheiten vir Reichsversicherungs- ordnung nicht aufnehmen, sondern mutzten dem Bundesrat die Ermächtigung geben, solche Berufskrankheiten, die aL- solche klar von der medizinischen Wissenschaft bezeichnet werden, der Unfallversicherung zu unterstellen._ Nicht einmal dieser ab- geschwächte Antrag fand in der kionimisston eine Mehrheit. Wie sollte es denn dann bei dem weitergehenden sozialdemolratischen Antrag der Fall sein? Aber die Sozialdemokraten I ch retz en stets nicht nach rechts und links, sondern immer nur in d, e M t t t e; sie wollen eben systematisch das Zentrum bei seinen Arbelterwahlern verdächtigen.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Hoch(Soz.): Die Darstellung des Abg. Becker ist von A bis Z unrichtig. unwahr.(Unruhe im Zentrum.) Eben weil der Begriff der Ge- Werbekrankheit schwer zu destnieren ist. haben wir dies Wort m unserem Antrag vermieden und Entschädigung für diejemgen Schäden verlangt, die der Arbeiter i n f o l g e d e r A r b e l t er- litten hat. Der Regierungsvcrtreter erklärte, die Regierung lehne grundsätzlich die Ausdehnung der Unfallversicherung auf d,e Gewerbe- krankheiten ab. Wenn das Zentrum, das unseren Antrag nieder- stimmte, der Regierung trotz ihrer grundsätzlichen Ablehnung die Ermächtigung zur Einbeziehung von Gewerbekrankheiten in die Unfallversicherung geben will, so ist das nur ein Spiel mit Worten. (Sehr richtig I bei den Soz.) Das Zentrum hat sich anfangs be- müht, mit uns und mit den Fortschrittlern die Rcichsversicherungs- Ordnung mehr den Wünschen der Arbeiter anzupaffen; später hat es sich auf die Seite der Nationalliberalen und Konservativen geschlagen und das, was in der ersten Lesung GuteS geschaffen war, wieder beseitigt. Deswegen haben wir vor dem Volke gezeigt, wie das Zentrum und seine Arbeitcrselretäre die Interesse» der Arbeiter verraten haben. Das Zentrum wird schon die Früchte seiner volkSverräterischen Tätigkeit einheimsen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Vor' der Regierung ist es stets umgefallen, wenn es sich um die Rechte der Arbeiter handelte; die Regierung unter daS Joch gezwungen hat das Zentrum nur. wenn neue Steuern in Frage kamen; wir aber werden allen Einfluß geltend machen im Jnterefle der Arbeiter.(Lebhafte Zustimmung be» den Sozial- demokraten.) Auch an der schlechten Rechtsprechung de» Reichs- versicherungsamteS sind Herr Becker und seine Freunde schuld. Was Herr H e ck s ch e r anführte, sind olle Kamellen, denn solche Sachen haben wir leider sehr zahlreich seit vielen Jahren erlebt. Wir haben deshalb beantragt, dem'Verunglückten in allen Stadien des Verfahren? zu gestalten, auch seinerseits ärztliche Gut- achten denen der Berussgenossenschaft entgegenzustellen. Auf Antrag Trimbornist dann die Bestimmung hineingekommen, datz dem Gericht Cochon und Gandillot mag ja ihre Vereinigung zu einer Komödien- firma amüsieren. Aber auf jeden, der den furchtbaren sozialen Ernst des WohnungSelends bedenkt, kann die Verquickung des Kampfs gegen diese Schmach mit einem Riesenulk nur peinlich wirken. Der Bauer ist kein Spielzeug. Und der Obdachlose noch weniger. Theater. Münchener Theater..Psyche» Erwachen' nennt Wilhelm Weigand, der in letzter Zeit mehrfach erfolgreich hervorgetretene Münchener Dichter, sein dreiaktigeS Schauspiel, daS im Schmispielhauie sehr beifällig aufgenommen wurde. Im Gegen- satz zu seinen früheren Nur-Milieu-Malerstücken versucht Weigand diese Münchener Maler- und Steliertragilomödie mit sittlichen Problemen zu belasten. Er wägt die privilegierte Künstlennoral gegen Menschentum und Cbaraktcrzucht ab und beweist an der Hand einiger grobgesdmiyter typischer Malcrmodelle, datz eS besser ist, ein freiresignierter Lebenskünstler als ein begabter Schweinehund zu sein. Im übrigen entlehnt er sein Hauptmotiv— wie einer seine Ge- liebte nackt von einem Freund beobachten läßt— dem nicht ganz unbekannten Hebbelschen„Gyges". Dem„begabten Schweinehund" Prof. Geiger stand Frl. Hedwig(Typ des zu Freiheit und Selb- ständigleit erwachenden neuen Weibes) ganz nackt Ganzakt. Der „freiresignierte Lebenslünstler" Kollege Wilferth sieht hinterm Bor- hang zu. Hedwig erfährt Geigers„Dummheit", rast, verzweifelt an Gott und Menschheit, zerschneidet das auf 46 000 Mark von Herrn Geiger geschätzte kompromittierende Bild:„PsycheS Erwachen" und wird zunächst— Krankenpflegerin bei Wilferth; Mutter, später—? Besser als die stofflichen Reize sind in dem Stück die kunstkrilischen Räsonnements. Weigand, der Kunstsammler und Mäcen, ist ja vom Bau. Lina Lossen vom Berliner Lessing-Theater ließ als Hedwig ziemlich kalt._ m. .' Notizen. — Theaterchronik. Die verschobene Aufführung des Schwankes„Der Vielgeliebte' findet Sonntag, den 24. März, im Friedrich-Wilhelmstädtifchen Schauspiel- Hause statt. — Musikchronik. In der Komischen Oper ist infolge technischer Schwierigkeiten die für Freitag, den 22. März, angesetzte Premiere der Operette„Die Hexe" von Richard Jäger auf Montag, den 25. März, verschoben worden. — Der Dank der Arbeiter. Auf den Sarg des früheren Direktors des k. k. Hofburgtheater» in Wien. Max vurckhard. wurde auch ein Kranz von der Wiener GewerkschaftSkommission niedergelegt. Die Inschrift gedenkt deS Mannes, der den Arbeitern daS Bnrgrheater(durch die Einrichtung von Sonmagnachinittags- Vorstellungen) erschloffen hat. — Literarisches Gewissen und moralischer Schwachsinn. Ein junger Pariser Literat, der ein Großneffe der George Sand und ein Abkömmling des Marschalls von Sachsen ist. wollte vor einiger Zeil einen Zuhälterroman schreiben. Um nun die Echtheit der Milieuschilderung und die Psychologie zu er- reichen, zog er mit einer Borstadtprostituierten zusammen. Er ver- liebte sich aber so nachhaltig in sie, datz er auf einen Akrobaten. mit dem sie ihn betrog, einige Revolverschüsse abfeuerte. Da diese keinen Schaden anrichteten, verurteilte ihn das Gericht nur zu sechs Monaten Gefängnis und billigte ihm obendrein auch die be- dingte Verurteilung zu. was im Hinblick auf den festgestellten Schwachsinn des jungen ManneS ganz gerechtfertigt war. — Das internationale Schachturnier in San Sebastian ging am Mittwoch nach über vierwöchiger Dauer zu Ende. Den ersten Preis von 5006 Fr. gewinnt mit emem Schluß- stand von 12'/z Points Rubinstein aus Warschau. Rudolf Spielmann(München) und Niemzowitsch(Nutzland) teilen bei dein gleichen Stand von 12 den zweiten und drinen Preis. 3066 und 2000 Fr. Den vierten und letzten Preis von 1506 Fr. gewann Dr. Tarrasch(Nürnberg), nur durch einen halben Point getrennt, mit einem Schlußstand von 11'/» anheimgegeben wird, ebentuel auf Kosten des Arbeiters ein Gutachten eines Arztes einzuholen. Diese Befugnis besteht schon jetzt, aber es wird davon kein Gebrauch gemacht. Ich richte daher die Bitte an die Regierung, datz sie dem Schiedsgericht nahe legen möge, solchen Forderungen der Arbeiter möglichst entgegen- zukommen. Ich bedauere aber, daß wir nicht den Zwang dazu in das Gesetz gebracht haben und stelle fest, daß dies an der Haltung des Zentrums gescheitert ist. Das Zentrum hatte die Führung bei der Reichsverstcherungs- orduung und hat in der ersten Lesung der Kommission bewiesen, dah es in der Lage gewesen wäre, eine Reihe Verbesserungen zugunsten der Arbeiter in die Reichsversicherungsordnung zu bringen. Erst durch den Umfall des Zentrums sind die Verbesserungen wieder beseitigt worden. Es ist dann bei den Beratungen der Versicherungsordnung von uns die Befürchtung ausgesprochen worden, dag man ausgediente Osfiziere in wichtigen Stellen bei den Versicherungsämtern unter- bringen würde. Der Staatssekretär Dr. Delbrück hat damals sein Wort gegeben, dag auf keiner Seite diese Ab- ficht gehegt würde. Unsere Anträge, Borkehrungen gegen diese Möglichkeit zu schaffen, hat die Mehrheit der Kommission mit Rücksicht auf dieses Versprechen abgelehnt. Kaum ist aber das Gesetz unter Dach und Fach, da wird das Wort des Ministers gebrochen. (Präsident Kaempf: Ich bitte, doch nicht von einem Wort- b r u ch des Ministers zu sprechen, Sie können dasselbe auch in parlamentarischen Ausdrücken sagen. Heiterkeit.) Ja, ich weiß nicht, welchen Ausdruck ich da gebrauchen soll, in fremden Sprachen zu sprechen, ist doch hier nicht erlaubt.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die preußische Regierung hat an die Regierungspräsidenten folgendes Rundschreiben erlassen:„Es ist in Ausficht genommen, bei einem Teil der Vecsicherungsämter v e r a b- fchiedete Offiziere zu beschäftigen.(Hörll hört! b. d. Soz.) Für den Erwerb der Befähigung dazu ist mehrjährige Vorbereitungszeit in Aussicht genommen, die auch bei Krankenkassen zurückzulegen ist. Ich ersuche Sie. mir solche Krankenkassen im dortigen Bezirk nam- Haft zu machen, die geeignet und bereit sind, solchen ver- abschiedelen Offizieren Gelegenheit zu ihrer Ausbildung zu geben." (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich frage die Herren von der Regierung, ob sie denn der preußischen Regierung keine Nachricht gegeben haben, was der Herr Staats« sekretär versprochen hat. Ist das ein loyales Zusammenl arbeiten der Behörden, wenn hier so bestimmte Erklärungen ab> gegeben werden und unmittelbar darauf das Gegenteil geichieht? Wir erwarten, daß der Staatssekretär über dieses bedenkliche Vor- gehen in Preußen Aufschluß gibt.(Bravo I bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Graf Westarp(f.): Auch wir sind mit der Rechtsprechung, wie sie Herr H e ck s ch e r vorgeführt hat, nicht einverstanden. Es liegt hier eine Ueberspannung eines an sich richtigen Grundsatzes vor. Man sollte lieber das Geld, das für ganz kleine Renten aus- gegeben wird, für die wirklich schweren Unfälle verwenden.— Die Behauptung, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter bei der Versicherung benachteiligt sind, weise ich zurück. Die Verschieden- artigkeit der Bestimmungen ist begründet in der Eigenart der land- wirtschaftlichen Betriebe, in dem Naturallohn usw.(Sehr richtig! rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Der Ver- gleich des Herrn Molke nbuhr zwischen der Schornsteinfegerei- und einer Detaillistenberufsgenossenschaft war verfehlt, die letztere würde bei weitem mehr Mitglieder, also auch geringere VerwaltungS« kosten haben. Abg. Bccker-Arnsberg(Z.): Den Anregungen deS Herrn Hoch kann iw zustimmen. Eine Besetzung der Versicherungsämter mit verabschiedeten Offizieren würde sowohl den Versicherungen der Re« gierung wie dem Gesetz selbst widersprechen.— Meine Schilderung vov'den Vorgängen bei der Beratung der Bestimmungen über die Gewerbekrankheilen als Unfälle entspricht genau den Kommissions- hqrschten des Herrn Hoch im„Vorwärts". Die Regierung kann natürlich den von uns angeregten Paragraphen nicht aus- führen, bevor nicht das Unfallversichcrungsgesetz in Kraft getreten iit.— Weiter ist auf unseren Antrag die Bestimmung in das Gesetz gekommen, daß ein vom Arbeiter bezeichneter Gutachter vom VersicherungSamt unter allen Umständen zu hören ist. Mmisterialdirektor Caspar: Herr Hoch hat dem Minister Delbrück Wortbruch vorgeworfen. Ich habe sofort veranlaßt, daß der Minister benachrichtigt wird. Nach meiner Er- innerung ist eine solche bestimmte Zusage von dem Minister nicht gegeben' worden. Es ist nur gesagt, daß den Offizieren kein Vorrecht für diese Stellen� gewährt werde. In dem preußischen Erlaß steht extra, daß die Offiziere sich die nötige Qualifikation durch jahrelange Erfahrungen erwerben sollen. Eine Zusage, daß pensionierte Offiziere von solchen Stellen überhaupt ausgeschlossen werden sollen, kann vernünftigerweise gar nicht gegeben worden sein. Seine Anficht, daß Offiziere nicht bevorzugt werden sollen, hat der Minister immer nachdrücklichst zur Geltung gebracht. (Bravo l rechts.) Abg. Graf Westarp(k.): Osfiziere und Militäranwärter dürfen nicht zurückgesetzt werden; auf eine solche Zurücksetzung kommt die Tendenz der Reden der Herren Sozialdemokraten hinaus, und dem treten wir entgegen.(Beifall rechts.) Abg. GieSbertsS Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschirrsattler Leoi'g Rohr Brauerei Patzenhoser, Alt-Moabit verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. 0. MtS., nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Moabiter Krankenhauses aus nach dem Neuen Johannis- Kirchhose in Plötzensee statt. 1S6/i2 Die Ortsverwaltung. Deutseder Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Am 18. März verstarb unser Mitglied, der Bauarbeiter Lrich pundiich (Bezirk Osten II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. März, nachm. 3 Uhr. von der Halle des Zentral» FriedhoseSin Ahrensselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/3 Der Vorstand. Am 20. März entschlief nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Vater, Echwleger« und Großvater, der Sattler Oottlieh Hanke im Alter von 69 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. März,„ach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des alten St. Thomas-Kirch- hos», Neukölln, Hermannsttaße, aus statt. Onlrar Hanke, Claatav Hanke, Bellermannstr. 81. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unsere wntggeliebte Tochter Helene E5oe?ek nach schwerem Leiden trotz aller Mühe und ärztlicher Hiise im 13. Lebensjahr janst entschlafen ist. Dies zeigen die tiefbctnibttn Eltern an. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Sorauer Straße 24, auS nach dem neuen Michacls- kirchhos, Mariendorser Weg, statt. . BR�W �■■1 A» � W C? VI ■MMH fl. werweim V �eipxigerstr.iZZ-I? königstmsseAW VersancNAbteilungi Berlin W. 66, Leipziger Str. 132/37 Die Firma A. WertHeim hat zu ahnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehungen Roscirtb4krstr.28-3i Oratmnsfrassc 52-55 Soweit Vorrat 'Preiswerte Lebensmittel Inseriertes Obst, Gemüse und Fische Werden nicht zugesandU Frisch. Fleisch Pa. ScKmorfleiscH 95 Pf Fehlrippe und Brurt.. Pfund 75 Pf- Kamm u. Gulasch Pfd. 70 Pf. Gehacktes...... Pfund 60 Pf. Talg roh. Pfund 45.""Ö 55 Pf- Pökelzunge.... Pfund l.SO Pökelbrust...... Pfund l.OO Eisbein(Dickbein).... Pfund 65 Pf- Frischer Schinken im"pfSSd SO Pf- Schweinekamm u. Schuft 85 Pf- Schweinekotelettes Pfund 95»- Rückenfett. Pfund 65, 70 Pf. Kalbskeule ÄÄnd l.OO Kalbskamm p{�f 75. tfut�O Pf. Kalbsbrust Pfd. 80, spitze 95 Pf Hammelkeule 85 pf- Kasseler Rippespeer 80 bis 95 pf Renntierfleisch Keule Rücken Blatt Ragout Pfd 90 70 50 15 Pf. Wilde Kaninchen sl l.OO V.__> FteischWaren Obst«. Gemüse r Rotwurst.......... Pfi 45, 70 pf. Landleberwurst........ Pfd. 85 pf. Feine Leberwurst...... Pfd. 95 Pf. Pasteten-Leberwurst..., Pfund 1.10 Jagdwurst............. pfd. 90 Pf. Bauernmettwurst mit Knoblauch. 1.00 Teewurst.............. pfd. 1.10 Sedami- nnd Zervelatwurst Pfd. 1.20 Zervelatwurst in Fettdarm... Pfd. 1.35 Plockwurst............. Pfd. 1.25 Mausschinken � 2"'-3 Pf4'ch� 1.15 Schinkenspeck!°s 95 Pf. Landschinken � � Pfund*0 1.20 Delikatess- W ürstchen Doae 12 Paar 1.50, Dom i Paar 80 Pf. Delikatess-Sülze ca- 1Pfund 80 Pf. C_U l— 1. tafelfertig zum Warmmaohen 1 A(\ SenmKen Dos. von ca. 6-9 Pfd., Pfund Blut- Apfelsinen.. Dtz. 45, 55, 83 pf. Apfelsinen....... Dtz, 35, 45, 60 pf. Zitronen............... Dtz. 28 pf. Ananas............ Pfund 68, 85 pf. Amerikanische Äpfel.. pfund 18 pf. Krachmandeln........ Pfund 75 Pf. Traubenrosinen...... Pfund 75 pf. Haselnusskeme...... Pfund 85 pf. Waünusskerne........ Pfund 1.35 Peu-a-Nüsse pfd. 75, Datteln pfd.85 pf. Rom. Pflaumen pfd. 1.40, Kiat« 78 pf. 1.38 Sellerie grosse Knollen.. Stück 25, 30 Pf. Kanarische Kartoffeln Pfand 14 Pf. Malta-Kartoffeln...... Pfund 10 Pf. Blumenkohl grosse ESpfe Kopf 25, 30 Pf. Kopfsalat........... 2 K-pfe 25 Pf Radieschen.......... 2 Bund 10 Pf. Schwarzwurzeln..... 2 Pfund 25 Pf. Frische grüne Gurken stck. 48, 52 Pf. Artischocken......... stück 25 Pf. Ständiger Verkauf: Haushalt" Kakes /csr feine Speise-Schokolade 1 g fk Paket ca. 1 Pfund Pf. Pfd. JL»Zf 1/ Spezialmischung iVlfc Za;o5UtckJf™c� 95?/. Trumpf ise-SchokoIade f Pfd. X. 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März 1912. Hbgeordmtenbaus. 42.'Sitzung. Donnerstag, den 21. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. T r o t t z u S o l z. Zu einem Antrag des Abg. Dr. M i z e r s k i(Pole) auf Ein- fiellung eines Strafverfahrens gegen den Abg. K o r f a n t h be- antragt Abg. v. Brandenstein sk.) Ueberweisung an die Geschäfts- ordnungskommission, weil dies e Anträge nicht mehr rein schematisch angenommen, sondern jedesmal, selbstverständlich ohne jeden Unterschied der Partei und der Sache, in der Kom- Mission geprüft werden sollen. Das Haus beschließt demgemäß. Der Etat des Vottsschulwesens. Zweiter Tag. Abg. Hirsch(Soz.): Die gestrige Rede des Abb. Dr. Heß war, abgesehen von den Ausfällen auf die liberalen Lehrer, ein fortgesetzter Angriff gegen die Sozialdemokratie. Wenn Herr Heß meinen Freund Borchardt als einen parlamentariichen Anfänger bezeichnet hat, so ist die Nichtigkeit dieser Tatsache nicht zu bestreiten. Aber ein parlamentarischer An- fänger kann sehr gute und ein alter Parlamentarier braucht deshalb noch nicht sehr weise Reden zu halten. Auch das parlamen- tarische Alter schützt vor Torheit nicht.' s i g werden. Weitere Ersparnisse könnte man durch die Be- seiligung der Schulen für konfessionelle Minderheiten machen. (Sehr lvahr I bei den Sozialdemokraten.) Eine genaue Rechnung, selbst auch nur Schätzung der Kosten, ist unmöglich. Die Frage iit in der Tat nicht, ob die Verwirklichung unseres Schulideals eine Milliarde mehr oder weniger kostet, sondern ob wir imstande und willens sind, die für die Volksbildung erforderlichen, eines Knlturstaates angemessenen Aufwendungen zu machen. Nehmen wir an, daß die Kosten drei Milliarden wären— das wäre nur der zehnte Teil des von Professor Delbrück berechneten Jahreseinkommens aller preußischen Staats- bürg er zusammen. Ja, ist Ihnen der zehnte Teil des Ein« kommenS der preußischen Staatsbürger zu viel iür die Bildung der Jugend des Volles? Rechnen Sie unsere Ausgaben für Militär. Marine und Kolonialpolitik, für kirch- liche Zwecke und für Bekämpfung der Polen— wenn Sie das alles sparen, dann haben Sie Geld in Hülle und Fülle, um unsere Volksbildungsforderungen zu erfüllen.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Ich würde Herrn Heß sehr gern auf das Gebiet seiner Neugier folgen, wie es im sozialdemokratischen Z u k n n f t S st a a t ausseben werde. Aber der Präsident wird nicht der Meinung sein, daß der sozialdemokratische Z u k u n f t S st a a t zu dem Kapitel ElcmcntarnnterrichtSwesen des Ecats gehört. Und wenn doch Herr Heß am Schluß prophezeit hat, daß eS zu dem Zuknnstsstaate gar nicht kommen werde, ja, warum ist er dann so neu- gierig wie es in einem Staate aussieht, den es nach seiner Mei- mmg niemals geben wird.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es'gibt Leute die mehr fragen, als lausend Weise beantworten können.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Wollte ich darauf eingehen, so würde da« Zentrum über den Mißbrauch der Zeit des Hauses durch die Sozialdemokraten schreien I UebrigenS haben wir mit der Kritik der heutigen Volksichulzustände so ungeheuer viel zu tun. daß wir die Eiörterung dcS Zukunftsstaates einstweilen ruhig vertagen können. Ich halte eS mit Goethe: Das Drüben kann mich wenig kümmern. Schlägst Du erst diese Welt in Trümmern, Die andere mag danach entstehn. Bevor ich mich dieser Kritik aber zuwende, möchte ich dem Abg. Heß noch den Dank meines Freundes Schulz aussprechen für die vorzügliche Reklame, die er für sein Werk gemacht hat.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahlen, mit denen Abg. Borchardt letzthin nachgewiesen hat, wie verhältnismäßig wenig der Staat für die Volksschulen auS« gibt, sind von keiner Seite angezweifelt worden. Sie beruhen ja auf amtlichem Material. Die Schulstatistik vom 24. Mai 1911 stellt fest, daß, was ich auch zugebe, der Lehrermangel ab- genommen hat. Die Zustände haben sich in dieser Beziehung ganz wesentlich gebessert. Aber am 2. Oktober 1911 waren immer noch 383 Lehrstellen unbesetzt. ES gab immer noch 13 S4S Schulen mit zusammen 661 147 Kindern, die in cinklassigen Schulen unterrichtet wurden. Weiter 4197 zweiklassige Schulen mit 438 819 Kindern, und 4199 dreiklassige Schulen bei 2 Schulstcllen mit 578 173 Kindern; an sonstigen drei- und mehrklassigen Schulen waren vorhanden 19 189 mit über vier Millionen Kindern und an Halbtagsschulen 6352 mit 526 999 Kindern. Angesichts dieser Zahlen kann man von einer vollkommenen Beseitigung des Lehrermangels nicht sprechen. Und immer noch kommen auf einen Lehrer in der Stadt 49, auf dem Lande sogar 61 Schüler. Nach amtlicher Mitteilung waren am 1. Mai v. I. 7396 Schulen mit 1 219 000 Schulkindern überfüllt, darunter befanden sich Klassen, die eine Frequenz von 190 bis 150 Kindern aufwiesen. Besonders schlimm ist das im Osten; im Regierungsbezirk Posen beträgt die niedrigste Schülerzahl in einer Klasse 87 und auf den einzelnen Lehrer entfallen im Durch- schnitt 128 Kinder. Rechnet man auf jede Klasse 69 Schüler, so fehlen in den 23 Schulgemeinden nicht weniger als 33 Lehrer. Für Germanisierungsbestrebungen hat der Staat Geld übrig, nicht aber für die Erfüllung seiner Pflichten auf dem Gebiete des Bolksschulwesens. Aber selbst in der Provinz Brandenburg haben wir Zustände, die jeder Beschreibung spotten. So existieren im Bezirk Potsdam 124 Volksschulen, in denen auf einen Lehrer 89 Schüler kamen und im Regierungsbezirk Frankfurt a. O. sogar 227 solcher Volksschulen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Lehrziel der Volksschule wird vielfach nicht erreicht und selbst in Charlottenburg, wo das Volks- schulwesen anerkanntermaßen auf einer gewissen Höhe steht, haben knapp zwei Drittel der Volksschüler das Ziel der Volksschule erreicht. In einer Schrift deS Kölner Professors Adolf Weber über „Die Großstadt und ihre Probleme" werden trostlose Beispiele über die Erfolge Berliner Volksschulen angeführt. Auf die Frage, warum wir Ostern feiern, gaben von 23 Vierzehnjährigen 9 gar keine, 5 eine grundfalsche Antwort. Die Frage: Wie heißt der Stifter der christlichen Religion? beantworteten 9 Schüler init Dr. Mariin Luther, 2 Schüler wußten überhaupt nach achtjährigem Unterricht keine Antwort. Als Zeitgenossen W i l h e l ni s I. wurden Blücher, Gneis enau und der Große Kurfürst angegeben.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) 9 dieser Schüler, die die Volksschule verließen, wußten von Bismarck kein Wort und 2 kannten nicht einmal den Namen des Deutschen Kaisers. Wenn das die Erfolge in B e r l i n, in den nach Ihrer Ansicht wichtigsten Fächern sind, dann können Sie sich denken, wie es in den anderen Gegen- ständen und erst auf dem Lande aussieht.(Zuruf rechts: Viel besser!) Wer behauptet, daß die Schulen in den Großstädten weit schlechter sind, als die auf dem Lande, beweist nur, daß er nicht im- stände ist, objektiv zu urteilen, sondern nur durch die Brille der Parteileidenschaft. Ich kann es nur als leeres Gewäsch bezeichnen, wenn man immer und immer wieder davon spricht, daß in Preußen die Kulturaufgaben nicht leiden. Ich wähle absichtlich diesen meinem Geschmack nicht entsprechenden Ausdruck, weil der Berichterstatter der Budgetkommission die sozialdemokratische Behauptung von der Vernachlässigung der Kulturaufgaben als ein leeres Gewäsch bezeichnet hat. Das ist der Ton in der Kommission, in der die Sozialdemokratie nicht vertreten ist. Dieses Beispiel beweist Ihnen, die Sic behaupten, wir trügen zur Ver- rohung des Tones im Hause bei, daß wir hier im Hause verdorben worden.(Große Heiterleit links; verlegenes Lachen rechts.) Aus den von verschiedenen Parteien gestellten Anträgen geht hervor, daß auch andere Parteien den Lehrermangel empfinden. Die Verordnung, die die Regierung gegen den Mißbrauch der Hütekvidcr erlassen hat, enthält nicht ein Wort über die Dauer der Arbeitszeit und gestaltet, daß schon Kinder im elften Lebensjahre zum Hüten verwendet werden. Solche Kinder müssen körperlich und geistig zurückbleiben(Widerspruch rechts.) Sie sagen, was soll das den Jungen schaden? Wahrscheinlich haben Sie in Ihrem Leben nicht als Hütejunge gedient und Sie würden Ihre Kinder auch nicht als Hülekinder von Sonnenaufgang bis Sonnen- Untergang arbeiten lasicn. Der Schulunterricht wird dabei voll- ständig vernachlässigt, nicht einmal eine einigermaßen aus- reichende Sonntagsruhe haben die Kinder. Und da sollen die Kinder auf dem Lande wer weiß was lernen. Das System der Hütekinder muß aus erzieherischen und gesundheitlichen Gründen beseitigt werden.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Der' Redner bespricht dann die Ergebnisse der Erhebungen der von der Berliner Arbeiterschaft eingesetzten Kinder schütz- kommission; als er dabei die Regierung auffordert, Hand ans Werk zu legen und dafür zu sorgen, daß eine kräftige Jugend heran- wächst, die dereinst imstande ist, den Kampf ums Dasein zu bestehen. wird von der Rechten gerufen: Lauter Stubenhocker!— Dieser Zuruf ist bezeichnend für Sie! Ein GefäugniSlehrer Erfurt von P l ö y e n f e e hat auf der Lehrerverfammlung in Breslau 1898 ausdrücklich erklärt, daß unter den schweren Verbrechern viele sind, die in ihrer Jugend als K e g e l j u n g e n und Semmel- träger arbeiten mußten und dabei zu kleinen Dieb- stählen und Betrügereien verleitet wurden. Wenn die Re- gierung Mittel auswirft, um diesen unheilvollen Zuständen ein Ende zu machen, dann tut sie eintausendfach vernünftigeres Werk, als wenn sie Mittel vergeudet zur Bckänwfung der sozial- demokratischen Fugend.(Sehr richtig I bei de»'Sozialdemokraten.) Für die Schulgesundheitspflege muß mehr geschehen, es fehlt noch vielfach an Schulärzten, wodurch die rechtzeitige Heilung zum Beispiel skrofulöser Kinder verhindert wird. Die Ausgaben dafür rentieren sich sehr gut, denn aus gesunden Kindern werden später gute Steuerzahler. Der Staat muß die weniger leistungsfähigen Gemeinden hier- bei unterstützen, selbst wenn wir dadurch allmählich zur Staats- schule gelangen würden, deren Anhänger wir sind, freilich nicht in dem gegenwärtigen Klassenstaat. Warum bat man keinenLehrer zu den Vorberatungen über die Reform der Schulverwaltung herangezogen? Sozialdemokraten werden von Schnlkommissionen und Schulvor- ständen ferngehalten: statt der Elccrn der Kinder, die die Gemeinde- schule besuchen, entscheiden die Eltern über daS Bolksschulwcsen, deren Kinder in höhere Schulen geschickt werden. Die Lehrer schaltet nia» aus, denn sie könnten zu viel BerständniS ent- wickeln. Wie die Agrarier die Lehrer einschätzen, ist ja bekannt genug. Die Lehrer haben wie jeder Staatsbürger das Recht, auch eine eigene politische Ueberzeugung und ebenso gut wie ein Lehrer einmal vom richtigen Weg abirrt und konservativ wird, ebenso gut ist eS zu verstehen, daß ein Lehrer aus den richtigen Weg kommt und Sozialdemo- krat wird. Nickt gegen die Lehrer, die Sozialdemokraten sind und vom Minister als Heuchler bezeichnet wurden, ist ein Bor- wurf zu richten, sondern nur gegen'diejenigen, die durch ihren Terrorismus die wirtschaftliche Existenz aller derer unter- graben, die es wagen, wider den Stachel zu lecken. Eine Dienst- anweisung der Regierung zu K ö s l i n an die Kreisschulinspektoren fordert von den Lehrern so nachdrücklich Zurückhaltung, daß sie direkt darauf hinausläuft, daß sich die Lehrer überhaupt nicht politiich betätigen sollen. Nur für die Konservativen oder das Zentrum sollen die Lehrer agitieren, aber dafür bedanken sie sich. Von unserem Ideal, der wirklichen Volksschule, sind wir noch sehr weit entfernt. Auf dem Evangelischsozialen Kongreß in Danzig hat Geheimrat Muthesius erklärt, daß es unmöglich ist, das auszulöschen, was die Schüler aus d e m H a u s e an An- schauungen, Gedanken, Empfindungen und Gefühlen mitbringen. Sie aber glauben, daß Ihnen das gelingen wird. All Ihre Reden, daß die Schule eine königstreue, gottesfürchtige usw. Jugend heranbilden müsse, beweisen, daß Ihnen die Schule ein Instrument der Herrschaft der herrschenden Klassen ist, wie die Polizei, die Justiz usw. Wir fordern dagegen dievölligeTrennung von Schule und Kirche, Weltlichkeit de s 1l nterrichtS und Abschaffung desReligionsunterrichts. Diese Forderung erheben wir aus wahrer Religiosität.(Lachen rechts und im Zentrum.) Einflußreiche Pädagogen, die Bremer Lehrer und andere stehen auf dem gleichen Standpunkt wie wir. Wenn die Anschauungen des Herrn Heß, der u. a. behauptete, daß dort, wo die Religion aus der Schule verbannt sei, die leisten Analphabeten seien, bei uns in Preußen erst herrschen, dann werden auch wir bald mit einer größeren Zahl von Aual>>habeten gesegnet sein. DaS Zentrum möchte wohl am liebsten nach dem Buch des Professors Joseph Bautz von der königlichen Universität in Münster lehren, ivorin ganz genau die Einteilung der Hölle bis in alle Details ge- schildert ist. Wir bedanken uns für solche Weisheit; wir werden für wirkliche Bolksaufklärung sorgen. Verekelt wird die Religion den Leuten durch eine Partei, deren ganze Tätigkeit auf B e r- dummung, Ausbeutung und Unterdrückung des Volles gerichtet ist und die ihr gefährliches Handwerk unter dem Deckmantel einer Religion betreibt, die keine Religion ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Lachen im Zentrum.) Der Oberkonsistorialrat Frank in Danzig erklärt, daß d i e gegenwärtige Wirtschaftsordnung nicht christ- l i ch sei, daß vielmehr die S o z i a l d e m o k r a t c e die Ver- wirklichung der christlichen Grundsätze erstrebe und 1377 hat sogar Dr. Hitze anerkannt, daß es unberechtigt sei, den Sozia» lismus als unchristlich zu der werfen und das Privat- eigentum am Produktivkapital förmlich als christliche Einrichtung hinzustellen.(Zuruf vom Zentrum: Das hat er zurückgenommen!) So, wo und wann denn? Sie haben immer nur eine Aus- rede. Aber Sie beleidigen Herrn Hitze, wenn Sie behaupten, daß er sich von seinen früheren vernünftigeren Anschauungen zu Ihrem heutigen Standpunkt durchgemausert habe. Unser Schul- Programm ist von dem Mannheimer Parteitag der Deutschen Sozialdemokratie dahin zusammengefaßt worden, daß sich alle an der Erziehung beteiligten Parteigenossen dieser Aufgabe mit dem liebevollsten Ernst und der größten Gewissenhaftigkeit anzunehmen haben. So lange aber die Volksschule als Werkzeug der Klassenherrschaft mißbraucht werde, muß die heutige Erziehung den Tendenzen entgegenwirken, welche den Schulunterricht verfälschen und vergiften. Die Erziehung im Geiste der sozialistischen Weltanschauung erfolge nicht dadurch, daß man die unmündigen Kinder zum Auswendiglernen programmatischer Formeln zwingt, sondern durch zweckentsprechende Geistes- und Charakter- pflege das Verständnis der sozialistischen Theorien und die Bs- tätigung sozialistischer Gesinnung vorbereitet werde. Wir sind überzeugt, daß wir durch unsere Bemühungen in diesem Sinne der Menschheit, dem Volke einen weit größeren Dienst leisten als diejenigen, die Religion, Kirche und Schule mißbrauchen zur Aufrechterhaltung ihrer Herr- schaft und zur Verdummung des Volkes.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Hackcnbcrg(natl.): In den scheinbar u t o p i- schen Schulidealen steckt oft ein sehr berechtigter Kern. Die Fürsorge für die noch nickt schulpflichtigen Kinder ist ein durchaus gesunder Gedanke. Die Einheitsschule wird nicht nur von der Sozialdemokratie gefordert, den Tüchtigen aus allen Volkskreisen soll der Weg zu höheren Lebensstellungen geebnet werden. Wer die Schule kritisieren will, muß sie auch kennen, das aber habe ich beim Abg. Borchardt nicht gefunden. Man kann nicht sagen, alles was der Klassenstaat einrichtet, taugt nichts. Abg. Borchardt muß doch das hoch- stehende Berliner Schulsystem kennen. Unsere Lehrerschaft ist ängst- lich bemüht, gesunde Erziehungsmittel zu finden. Ohne Unter- ordnung unter die Autorität ist kein Gemeinschaftsleben inöglich, auch keine Erziehung. Auch Sie(zu den Sojialdemokraten) werden anerkennen müssen, daß die Eltern, das erfahrene Alter, das Gute, das Wahre und Schöne Autorität bleiben muß.(Sehr richtig I) Allgemein zu behaupten, daß unsere Erziehung auf der Furcht vor der Strafe und der Aussicht auf den Lohn beruhe,»ist eine Beleidigung unserer Lehrer, die die Kinder zu Charakteren erziehen wollen. Selbstverständlich tostet ein Student mehr Aufwendungen als ein Volksschiiler. Aber weil ein Lämmergeier weit inehr Nahrung verbraucht als ein Z a u n- könig, ist doch der Zaunkönig nicht unterernährt.(Sehr gut!) Bei allzuschwach besetzten Klassen würde der gegenseitige An- sporn der Schüler fehlen. Der Redner bespricht dann Lehrergehaltsfragen, weist es zurück, daß die liberalen Lehrer Gegner des Religionsunterrichts und Schrittmacher der Sozialdemokraten seien und wünscht, daß die dritte Turnstunde nicht aus Kosten de« deutschen Sprachunterrichts gehen soll. Möge nie der Tag erscheinen, da unserem Volksschulwesen eine verschuldete Rückstündigkeit nachgesagt werden muß.(Lebhafter Beifall.) Abg. Erust(Vp.) protestiert namens des Vorstandes des Deutschen Lehrervereins energisch gegen die Beschuldigung des Abg. Heß. Der gesunde Sinn der Lehrer wird der Sozial- demokra'tie das Eindringen unmöglich machen. Der Deutsche Lehrerverein steht hoch über diesen Angriffen. Für den haus- wirtschaftlichen Unterricht muß viel mehr geschehe». Es schien uns noch 21 200 Lehrer.(Hört! hört!) Kultusminister v. Trott zu Solz: Ich kann fast in allem dem Abg. Hachenberg zustimmen. Gewiß ist noch viel zu bessern. aber die StaatSfinanzen müssen berücksichtigt werden. Die über- füllten Schulen sind von 1995 bis 1911 von 9589 auf 7396 zurück- gegangen. Auf eine Schulstelle entfielen 1991: 64, 1996: 61 und 1911 7 57 Kinder, auf eine Klasse 54. 53 und 51. Auf 10 999 Ein- wohner kommen nur zwei Analvhavcten. Preußen steht auf dem Schulgcbiet an der Spitze in der Welt.(Lebh. Zustimmung.) Die Schul- Verwaltung beklagt sehr die Beschäftigung der Kinder während der Schulzeil zur Erwcrbsarbeit. aber zuständig dafür ist die Gewerbe- Verwaltung, das Reich. Die Unterrichisvcrwaltung wird da alles tun. was sie kann. Auf dem Lande ist es nicht so schlimm. � Die Beschäftigung als Hütekind ist gesundheitlich nicht schädlich, aber im Interesse des Schulbesuchs muß das Hütekinder Wesen nach Möglichkeit einzuschränken versucht werden. Die Ferien dürfen für Landarbeit nicht gekürzt werden Die Berufsarbeit von Kindern in der Schulzeit wird immer mehr eingeschränkt. Wir bevorzugen auch nicht das Land vor den Städten. Besondere Vorkehrungen für die Gesundheit der Kinder sind auf dem Lande nicht so nötig, die Kinder sind ja viel mehr in der frischen Luft als in der Stadt. De» Bedürfnissen der Kirche kommen wir bei der Küsterlehre weit entgegen. Die Landflucht der Lehrer geht erfreulicher- weise zurück. Wenn ein Lehrer in Not gerät und um Uuterstützuna ersucht, so hat /er Anspruch darauf; das ist kein Almosen/ Neue Fächer wollen wir nicht einführen, solidem die jetzt gelehrten ver- tiefen. Damit dienen wir der Jugend besser. lZustimmimg.) Der Minister erläutert dann die beabsichtigte Ausgestaltung der Lehrer- seminare und der Lehrerkurse. Abg. Heckenroth sk.): Die Landlehrer wollen gar keine kleinen Klassen. Die Landschulen sind gut. Die Kleinbauern können die Kinderarbeit nicht entbehren. Wir bitten, mit der F e r i e n a n s e tz n n g noch mehr die Landwirtschaft zu berück- sichtigen.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wir haben längst auf die bedauerliche Ausbeutung städtischer Kinder durch Eigennutz der Eltern, auch infolge der Not, hingewiesen. D i e Lehrer haben politische Freiheit, aber wenn sie Sozialdemokraten sind, handeln sie doch gegen den Treueid für den König. Sozialdemokratische Lehrer dürfen also nicht geduldet werden. Sie sprechen von Religiosität, aus der Sie die Abschaffung des Religion»- Unterrichts fordern? Bebel hat doch gesagt: Auf politischem Gebiet verlangen wir die Republik, auf religiösem den Atheismus, auf ökonomischem den Kommunismus.(Rufe bei den Sozialdemokraten: Wo hat Bebel das gesagt?) Den Lehrern soll der Hochschulbesuch erleichtert werden. Wo es notwendig ist, sind auch wir für hauptamtliche Kreisschulinspektoren. Die Geistlichen sind ebenso geeignet zur Schulinspektion wie Pädagogen und der- gleichen. Man könnte sie ja auch noch besser pädagogisch ausbilden. Die geistliche Ortsschulaufsicht ist den Lehrern, wie den Geistlichen unangenehm, aber im Dienste der Kirche und der Eltern üben sie die Geistlichen aus.— Die Bremer Lehrer und Herr Generalsekretär T e w s haben Beseitigung des Religionsunterrichts und Ersetzung durch einen allgemeinen Moralunterricht verlangt, aber der Vorstand des Deutschen Lehrervereins hat erklärt, datz diese Forderung der Gesinnung eines großen Teils der Lehrerschaft ent spricht. DaS ist höchst bedenklich.(Stürmische Zustimmung rechts/ Die Landlehrer sollten erklären, daß sie mit dieser D i s kreditierung der Schule nichts zu tun haben.(Bravo rechts.) Die Thesen des Hannoverschen Lehrerkongresses über die Jugendpflege können un» christliche und vaterlandstreu e M ä n n e r nicht befriedigen.(Sehr richtig I rechts.) Die Vergiftung der Jugend durch die Zeitschrift„Arbeiter- jugend" macht die einseitig tendenziöse christlich« nationale Jugendpflege nötig! Unserer Zeit mangelt es nicht an Freiheit, sondern an Zucht und Autorität. Lehrer, die die Sozialdemokratie anerkennen, müssen aus dem Lehrer verein herausfliegen. Die Lehrer müssen klares Zeugnis geben, daß sie keine Atheisten und Sozia- listenfreunde unter sich dulden wollen. Unser Schul- und Erziehungsideal ist, daß die Lehrer fest an der Seite der christlich- nationalen Bevölkerimg stehen.(Großer Beifall rechts.) Abg. Nissen(Däne) bespricht lokale Fragen. Abg. Dr. Heß(Z.): Auf die Rede des Abg. Hirsch einzugehen, liegt für mich leine Veranlassung vor. Er hat ja die Zukunsts- staatsfrage nicht beantwortet. Im„Generalanz. f. Hamburg- Altona" stand, daß in einer Nachbargemeinde Lübecks, wo die Sozialdemokratie die Mehrheit in der Gemeinde hat, nur 60 M. jährlich für Lehrmaterial, Schwämme uiw. bewilligt werden. Dort gibt's keine Waschgelegenheit und keine Schülerbibliothek. Die väterlichen Ermahnungen des Abg. Hackenberg verbitte ich mir. Es ist aufgefallen, daß Herr Hackenberg gegenüber dem Abg. Borchardt eine rührende Herzlichkeit hatte (Abg. �Hoffmann: Sind Sie doch nicht so neidisch!), wie der Vater gegenüber seinem Erstgeborenen.(Heiterkeit.) Der Redner verweist den� Nationalliberalen ausführlich ihr Benehmen gegen ihn, wirft der.Pädag. Ztg." Unterschlagung seiner Reden vor, nennt die Partei des Abg. Er» st.sozialdemokratische Volks- Partei" und erklärt, den Deutschen Lehrerverein nicht angegriffen zu haben. MerK-ffirdig ist die zustimmende Haltung der„Päd. Ztg." zu dem Satz:„Besser der junge Mann geht in einen sozialdemo- kratifchen Verein, als in gar keinen." Seine heftigen Ausfälle schließt der Redner mit einem HvmnuS auf die konfessionellen Lehrervereine. Freitag 11 Uhr: Kulturetat. Schluß i*U Uhr. Siebenter Verbandstag der Galtlnirtsgehilfkn. Nürnberg, 20. März. Zweiter Berhanblungstag. Die Debatte über die Geschäftsberichte füllte den ganzen Vormittag aus. Die Hoteldiener beschwerten sich weiter lebhaft, daß für sie zu wenig getan worden sei, was aber von der Hauptverwaltung energisch bestritten wurde. Nachdem 33 Redner ihrer Ansicht Ausdruck gegeben hatten, machte ein Schluß- antrag der Debatte ein Ende. Von den nun gefaßten Beschlüssen seien hervorgehoben: Im Verbandsorgan sollen politisch-wirtschäft- liche Vorgänge mehr als bisher behandelt werden. Um di« Agitation durch genügend befähigte, agitatorisch vorgebildete Funktionäre noch besser gestalten zu können, soll halbjährlich ein zur Ausbildung ge- eigneter Kollege im Zentralbureau als Hilfsbeamter beschäftigt werden. Anträge auf Teilung von Gauen und Neuanstellung von Beamten werden dem Vorstand als Material überwiesen. Er soll zusammen mit dem Ausschuß dem nächsten Verbandstag eine Vor- läge unterbreiten, in der ganz Deutschland in Bezirke eingeteilt ist, denen ein Bezirksleiter vorsteht. Annahme fand ein Antrag, eine regere Agitation unter den Hausdienern, 5tupferputzern und Küchen- angestellten zu entfalten. In gewissen Verwaltungen sollen eigene Sektionen der Hausdiener, Kupferputzer usw. gegründet werden. Dem Vorstand überwiesen wurde weiter ein Antrag, der den Vor- stand beauftragt,„dem Reichslage eine Petition zu übermitteln, in der die durch ihre Verschiedenartigkeit unhaltbaren Zustände der für Stellenvermittler vorgeschriebenen Gebührentarife geschildert werden und beantragt wird, durch eine Novelle zum Stellender- mittlergesetz den Gebührentarif für das Deutsche Reich einheitlich zu regeln."— Die Hauptverwaltung wurde entlastet. Ueber Lohnbewegungen im Gastwirtsgewerbe. referierte dann Zeiske- Berlin, der einleitend die Schwierig- leiten bei Lohnbewegungen im Gastwirtsgewerbe fchilderte. Der größte und schwerste Kampf des Verbandes in der Berichtszeit War der Streik der Hamburger Cafekellner im Jahre 1910. Ter Kampf galt der Anerkennung des Arbeitsnachweises der Gehilfen. Die Unternehmer wollten die Organisation der Angestellten sprengen. Diesen Zweck haben sie aber nicht erreicht. Haben die Gehilfen auch keinen vollständigen Sieg errungen, so gingen sie doch gefestigt aus dem Kampfe hervor. Im Jahre 1911 war die Zahl der jöewe- gungen bedeutend größer als 1910. In einer ganzen Reihe Städte, voran Berlin und München, wurden erfolgreiche Kämpfe geführt. In Berlin wurde siir 406 Beteiligte eine Lohnerhöhung von 103 136 Mark pro Jahr und Arbeitszeitverkürzung um 55 422 Stunden jährlich erzielt. In München wurde für die festangestellten Äellne- rinnen eine allgemeine Lohnerhöhung von 5 M. monatlich, im übrigen ein monatlicher Mindestlohn von 10 M. für bessere Geschäfte und 15 M. für Bi erwirtschaften erreicht. Auch für die Aus- hilfskellnerincian wurden wesentliche Verbesserungen durchgesetzt. Rund 1000 Kellnerinnen kamen diese Erfolge zugute, die um so höher anzuschlagen sind, da vor einigen Jahren die Kellnerinnen nicht nur ganz umsonst arbeiten, sondern auch noch hohe Abgaben zahlen mußten. Auch in anderen Orten wurden schöne Erfolge er- zielt und teilweise Verträge abgeschlossen. Freiwillig haben die Arbeitgeber nirgends eine Aufbesserung der vielfach miserablen Lohnverhälmisie vorgenommen. Sie waren vielmehr eifrigst be- müht, selbst die geringste Anregung für Aufbesserung der Löhne unverzüglich mit Maßregelung zu bestrafen. Da auch auf dem Wege der Gesetzgebung wohlwollende Stellungnahme gegen die Ent- lokmungsart der Gastwirtsgehilfen l M i n i m a l l o h n statt Trink- geld) fürs erste nicht z» erwarten steht, da ferner selbst Reich und Kommunen bei Verpachtung ihr gehöriger gastwirtichaftlicher Be- triebe ausnahmslos den Arbeits- und Lohnbedingungen des Per- sonals keine Beachtung entgegenbringen, einpftehlt der �Referent in einer von ihm vorgelegten Resolution, dem Mittel der selbst- Hilfe(Lohnbewegungen) tychr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Als Vorbedingungen für Bewegungen stellt der Referent eine Reihe Punkte auf, die aber mehr interner Natur sind. Vor allem müsse natürlich versucht werden, die Mitgliederzahl zu stärken, denn dies bedeute eine Zunahme der Macht des Verbandes. An das Referat schloß sich eine Debatte, die aber heute nicht mehr beendet wurde._ Hus der Frauenbewegung. Sexuelle Aufklärung. In der Monatsschrift„Deutsche Arbeit" entwickelt Dr. Alt- schul-Prag seine Anschauungen über sexuelle Aufklärung. Das für uns Bemerkenswerteste dieser Ausführungen ist wohl, daß Dr. Alt- schul erklärt: Zwischen den Kindern der besseren Kreise und den Proletarierkindern besteht ein großer Unterschied. Bei den beschränkten Wohnungsver- Hältnissen der mittellosen Familien— und es muß mit Nachdruck betont werden, daß diese die überwiegende Majorität ausmachen— find die Kinder in sexuellen Dingen sehr frühzeitig aufgeklärt, fast kann man sagen, zu sehr aufgeklärt, und der größte Teil der Lite- raturerzeugnisse über sexuelle Aufklärung paßt sonach bestenfall» nur für die Minderheit der besser situierten Kreise. Aber auch in dieser Minderheit gibt es soviele Schattierungen, soviele verjchie- dene Kindercharaktere, daß die Befolgung der fast ausnahmslos nach ein und derselben Schablone gearbeiteten Anweisungen für die sexuelle Aufklärung in einer großen Reihe von Fällen mehr schaden als nützen können. Dr. Altschul verwirft natürlich die alte Vogel-Strauß-Methode, das Storchmärchen, erkennt auch die Dringlichkeit der Aufklärung an, begründet durch die Umfrage Hechts, der feststellte, daß von 1843 Witurienten von Mittelschulen (unseren höheren Schulen entsprechend) der Hauptstädte 142 (7,7 Proz.) geschlechtskrank waren, und von 1886 Abiturienten aus Provinzmittelschulen 155(8,1 Proz.). Altschul fragt sich nur, ob die Aufklärung allein genüge, um hier Abhilfe zu schaffen, wo oft nicht einmal die Krankheit selbst genügend abge- schreckt habe. Dr. Altschul wünscht die Aufklärung streng getrennt in biologische Aufklärung(Aufklärung über das Werden der Lebe- Wesen) und Aufklärung über den eigentlichen Geschlechtsverkehr und die Geschlechtskrankheiten. Für die biologische Auftlärung tritt Dr. Altschul ganz entschieden ein, weist sie selbstverständlich der Schule zu, die gar nicht früh genug damit beginnen könne. Gegen die schematischen Aufklärungsschriften wendet er sich aber. Die Erziehung zur Natürlichkeit sei Hauptsache, keine übertriebene Prüderie solle geduldet werden, man gewöhne die Kinder an den Anblick des Nackten in der Kunst. Bei der Aufklärung über Ge- schlechtsverkehr warnt Dr. Altschul vor der Doppel schneidig- k e i t, besonders krankhaft veranlagten Kindern gegenüber. Um die Gesundheit und Moral der Jugendlichen vor den verderblichen Folgen außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu schützen, empfiehlt Dr. Alt schul eine Reihe indirekter Vorkehrungen. Als erstes Mittel nennt er die gemeinsame Erziehung der beiden Ge- schlechter, die in Amerika und anderen Ländern, wie Finn- land, Schweden, sich sehr gut bewährt hat, allerdings für Deutsch- land noch Experiment sei. Zweitens tritt er für eine zielbewußte körperliche Erziehung ein, Jugendspiele, Sport usw. Drit- tens gute Jugendliteratur, Bekämpfung der Schundlite- ratur. Die Geschmacksrichtung der Menge in gesundere Bahnen zu lenken sei, eine überaus schwierige, aber keineswegs aussichts- lose Ausgabe. Und zum Schluß kommt der Verfasser zur Bestätigung aller unserer sozialen Forderungen, nämlich die erwähnten Bestrebungen durch gesetzliche Matznahmen zu fördern, durch eine zweckbewußte Wohnungsreform, die Erlassung eines umfassenden Jugendfürsorgegesetzes, Jugendgerichte, eine zielbewußtere Ge- meindearmenfürsorge, Mütter- und Säuglingsschutz, obligatorische Fortbildungsschulen für die gewettbliche Jugend mit schularztlicher Aufsicht, die Bekämpfung der Trunksucht usw. Die Hebung des sozialen Elends sei unstreitig da? probateste Mittel.zur Hebung der Volksmoral._ Für das Frauenstimmrecht im Staate Ohio(Vereinigte Staaten von Nordamerika) erklärte sich jüngst ein Kongreß, der zur Be- ratung von Fragen der Staatsverfassung in der Stadt Columbus zusammengetreten und von 119 Delegierten beschickt war. An der Abstimmung über die Frage, die Verfassung so zu ändern, daß den Frauen die politische Gleichberechtigung gewährt wird, beteiligten sich 199 Delegierte. Davon stimmten 76 für die Gleichberechtigung. Dieser Beschlutz wird bei der nächsten Wahl den Bürgern zur W- stimmung unterbreitet werden. Ist der endgülttge Sieg auch noch zweifelhast, so bedeutet es doch einen Erfolg, daß die erstrebte Aenderung der Verfassung zur Abstimmung gestellt wird und bei der Wahlagitation eine große Rolle spielen kann. SozialeSi. Siemens u. Halske vor dem Gcwerbcgcricht. Gestern hatte die 5. Kammer des Berliner Gewerbe gerichts in anderer Besetzung über den Ablehnungsan trag zu entscheiden, den der Vertreter der Beklagten. Dr. jur. Burhenne, auch gegen die Arbeitnehmerbeisitzer B e h r e n d t und Z e r n i ck e gestellt hatte. Dr. Burhenne machte gestern nochmals geltend, daß auch diese beiden Beisitzer, ebenso wie die vier des voraufge gangenen Termins, Mitglied einer freien Gewerkschaft und des sozialdemokratischen Wahlvereins, ja sogar angestellte Beamte derjenigen Gewerkschaft seien, die an dem Ausgang des schwebenden Prozesses lebhaft interessiert sei. Bei diesem Prozeß handele es sich nicht um die Lohnsumme, die der Kläger ordere, sondern es sei ein Prozeß von politischer Bedeutung. Das beweise schon die Ueberschrift des Gut- achtens, welches der Vertreter des Klägers eingereicht habe, welche laute:„Ueber die gelben Gewerkschaften". Dieser Auf- sassung trat zunächst der Vertreter des Klägers, Adolf Cohen, entgegen. Tie Klage stütze sich einfach auf den § 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, welcher ausdrücklich die Kassen bezeichne, zugunsten welcher geschuldete Beiträge auf- gerechnet werden können. Ter gelbe Verein gehöre nicht zu denselben. Politische Prozesse vor dem Gewerbegericht zu ühren, habe man durchaus nicht beabsichtigt. Er ersucht, den Ablebnungsantrag zurückzuweisen. Nach der Beratung verkündete der Vorsitzende M a g i- tratsrat Wölbling folgenden Spruch: Das Ablehnungsgesuch der Beklagten gegen die Arbeitnehmerbeisitzer Behrendt und Zern icke ist für unbegründet erklärt. und zwar aus folgenden Gründen: Das Ablehnungsgesuch stützt sich unter anderem daraus, laß die beiden Beisitzer Angestellte einer freien Gewerkschaft eien und der Prozeß eigentlich zwischen dieser freien Gewerk- schaft und der Firma Siemens u. Halske geführt werde: es handele sich also um einen politischen Prozeß. Es werde weiter aufgeführt, in welchen Beziehungen �iese beiden Per- sonen auch zu der sozialdemokratischen Partei stehen, welche wiederum zu den freien Gewerkschaften Beziehungen habe. Es könne nun nicht verfattnt werden, daß solche Beziehungen vorhanden seien und ein gewisses Band die beiden Personen Wohl damit verknüpfe. Man müsse sich aber fragen, ob nach dem Gewerbegerichtsgesetz eine derartige Beziehung erheblich ei. In der Natur des Gewerbegerichtsgesetzes liege es, daß die Beisitzer den Verhältnissen, welche hier verhandelt werden, näher stehen, als es bei Berufsrichtern der Fall sein könne. Das Gewerbegerichtsgesetz schreibe gerade deshalb vor, daß die Beisitzer dem Gewerbe aiigehören müssen. Die Arbeit» geber- und Arbeitnehmerbeisitzer stehen allen Fragen, die hier verhandelt werden, etwas näher. Es werde sich wohl jeder Arbeitgeber und auch jeder Arbeitnehmer über eine solche Frage wie die vorliegende— ob der gelbe Verein eine Wohlfahrtseinrichtung ist— sein Urteil schon gebildet haben. Solcher Fragen gebe es ja viele, und jeder einzelne werde schon außerhalb des Gerichts dazu Stellung genommen haben. Das lasse sich nun einmal nicht vermeiden, und daher sei ja auch die Bestimmung getroffen worden, daß der Vorsitzende weder Arbeitgeber noch Ar- beitnehmer sein dürfe, also der Sache selbst etwas ferner stehen müsse. Bei den Arbeitnehmern müsse man nun damit rechnen, daß sie den freien Gewerkschaften und auch der so- zialdemokratischen Partei nahestehen. Aber unter den Ar- beiegebern gebe es doch auch Leute, welche ihrerseits die freien Gewerkschaften bekämpfen: ja selbst unter den Arbeitnehmern befänden sich oft Leute, welche dasselbe tun, so die Hirsch- Dunckerschen und die Christlichen. Wenn nian daraus Ab- lehnungsgründe herleiten wolle, dann würde das in vielen Fragen eintreten. Ob nun die Beziehungen zu den freien Gewerkschaften mehr oder weniger enge seien, sei auch un- erheblich. Es sei nicht anzunehmen, daß das Mitglied einer freien Gewerkschaft, das nicht angestellt sei, deren Interesse weniger wahrnehmen würde als ein Angestellter. Selbst wenn der Prozeß im wesentlichen von einer Gewerkschaft unterstützt würde, könnte das Gericht nicht zu dem Schluß kommen, daß einige seiner Mitglieder befangen seien. Bei der Aufstellung der Listen zu den Gewerbegerichtswahlen könne man genau sehen, in welcher Stärke die einzelnen Gruppen beteiligt seien. Wolle man nun die Mitglieder eieer Gruppe, die. pin Interesse an dem Ausgang des Pro- zesses habe, ausschließen, so würde das zu weit führen. Hierauf richtete Magistratsrat Wölbling an den Ver- fteter des Klägers die Frage, ob er damit einverstanden sein würde, wenn das Gericht doch eine andere Zusammensetzung erhalte. Mit Recht wies Adolf Cohen dieses Ansinnen mit der Begründung zurück,, daß dieses ein unangebrachtes Entgegenkommen gegenüber der Beklagten und zugleich eine Beleidigung für die abgelehnten Beisitzer sein würde. Er habe selbswerständlich keinen Einfluß auf die Zusammensetz- ung des ersten Gerichts gehabt, müsse nunmehr aber darauf beharren, daß die Klage vor diesem verhandelt werde. Am Sonnabend, den 23. d. M., wird nun über den Ablehnnngsantrag gegen die vier Beisitzer des ersten Gerichts Beschluß gefaßt werden._ Gerichts-Zeitung. Entschädigungsprozeß der Witwe Herrmann. Um das Opfer des Moabiter Polizeisäbels wurde gestern vor dem LandgeriM Berlin I weiter gestritten. Noch immer sind jene Polizisten nicht ermittelt, die im September 1916 während der „Moabiter Unruhen" den Arbeiter Herrmann niederschlugen. Noch immer wartet auch die Witwe des Erschlagenen auf die Entschädi- gung, die sie von dem Polizeifiskus oder eventuell von der Stadt Berlin fordert. In dem Prozeß, den sie um ihren Rentenanspruch führen muß, stand gestern wieder Termin an. Vertreten wurde � die Klägerin Frau Herrmann durch den Rechtsanwalt Kurt Rosen-''- seid, der verklagte Fiskus durch den Justizrat Fritz Neumann, für den der Assessor Kühne erschienen war. Für die Stadt Berlin tväi-> kein Vertreter anwesend. Das Gericht hatte früher gemeint, daß die Ermittelungen über die Nicdersäbeluiig Herrmanns, zu denen die Staatsanwaltschaft, veranlaßt durch den Prozeß um Moabit, sich entschlossen hatte, ein greisbare» Resultat bringen würden. Nachdem diese Hoffnung ge- täuscht worden war, ließ es sich nicht rechtfertigen, in dem Prozeß der Witwe Herrmann noch länger die Entscheidung hinaus- zuschieben. In dem gestrigen Termin führte Rechtsanwalt Roseufeld für die Klägerin aus, daß mindestens dem Grunde nach schon jetzt eine Entscheidung gefällt werden könne und müsse. Ausgereicht habe schon, was in dem Strafprozeß um Moabit durch die Beweis- erhebung festgestellt worden sei. Festgestellt sei, daß Herrmann in- folge einer von zwei Schubleuten verübten Ueberschreitung ihrer Befugnisse sein Leben eingebüßt habe. In dieser Hinsicht verweise er auf das Urteil, das die Strafkammer nach mehrwöchiger Verhandlung gefällt habe. Die Aussage der Eheleute Jordan habe damals ergeben, daß Herrmann, der ruhig aus der Beusselstraße in die Wielefstraße einbog, von einem Schutzmann einmal und dann noch von einem andern Sckutzmann zweimal mit dem Säbel ge- schlagen wurde, so daß er blutend zu Boden stürzte. Die Straf- kammer habe auch das als festgestellt angesehen, daß in dem Auge»- blick kein Anlaß zum Einschreiten vorlag, weil die Straße zu dieser Zeti menschenleer war und jener Mann ein harmloser Passant war. Die Polizei habe da weder für die öffentliche Ordnung noch für sich selber etwas zu fürchten gehabt. Wenn dessenungeachtet die beiden Schutzleute auf den Mann einschlugen, so sei das keine berechtigte Ausübung ihres Amtes mehr gewesen, Selbst weün er etwa vorher an einem Tumult teilgenommen hätte, so seien die Schutzleute nicht berechtigt gewesen, nachher noch auf ihn einzuschlagen, wie wenn sie ihm eine Züchtigung zuteil werden lassen wollten. Jene Fest- stellungen in dem Strafprozeß seien durch die Beweisaufnahme in diesem Zivilprozeß, die man eigentlich gar nicht mehr nötig gehabt habe, bestätigt worden. Das Ehepaar Jordan habe bekundet, daß Herrinann, während er ruhig seines Weges ging, ohne weiteres von zwei Schubleuten angefallen und niedergemacht worden sei. Be- achtung verdiene, daß dieses Ehepaar in dem Strafprozeß um Moabit anfänglich zur Belastung der Angeklagten gelaoen war. Erst im Laufe der Vernehmung habe sich dann ganz zufällig her» ausgestellt, daß diese Zeugen der Anklagebehörde in der Lage waren. Auskunft darüber zu geben, wie Herrmann zu Tode gekommen sei. Bezüglich der Frage, ob die Polizei zu der Zeit und an der Stelle einen Anlaß hatte, einzuschreiten, hob Rechtsanwalt Rosenseld hervor, daß nach den Bekundungen gerade dieser Zeugen die betreffende Stelle damals menschenleer war. Gewiß sei es auch da mehrfach zu Ansammlungen gekommen und mehrfach habe die Polizei die Menge vertrieben, aber nicht in dem Augenblick, wo Herrmann ruhig vorüber kam. Diese Aussagen des Ehepaares Jordan seien durch die Vernehmungen anderer Zeugen nicht entkräftet worden. Aus deren Bekundungen sei nicht zu erkennen, daß ihre Beobach- tungen sich überhaupt auf den Fall Herrmann bezogen. Ter Pfarrer Dietrich, der ebenso wie der Pfarrer Will vernommen worden sei, könne aus seiner Wohnung— das habe Rechtsamvalt Rosenfeld jetzt selber durch eigene Inaugenscheinnahme festgestellt — die fragliche Stelle gar nicht hinreichend übersehen. Taß sie zur fraglichen Zeit tatsächlich menschenleer gewesen sei, solle durch Ver- nehmung noch einer neuen Zeugin bewiesen werden. Nun könne eingewendet werden, auch das stehe nicht fest, daß die Beobachtungen des Jordanschen Ehepaares sich auf den Fall Herrmann bezogen. Gewiß, es wäre leichter für das Gericht, wenn die Schutzleute, die Herrmann niederschlugen, hätten ermittelt werden können. Leider seien aber alle Versuche gescheitert, und selber habe sich keiner ge- meldet. Aufsallen muffe es allerdings, daß die Ermittelungen so ergebnislos verlaufen seien. Es stehe fest, daß der Kreis der Schutz- leute, die in Betracht kommen können, nicht groß sei. Man dürfe annehmen, daß die Täter in den Kommandos der Leutnants Seegcr oder Horn zu suchen seien. Am ehesten sei noch von den Schutz- leuten Klawitter und Karrasch, die ja sonst über sehr genaue Beob- achtungen berichtet hätten, zu erwarten gewesen, dag sie über die Täler etwas wissen könnten. Aber auch ihre Vernehmung habe nichts ergeben. Zu der Frage, ob Herrmann etwa zweimal auf die Straße hinuntergegangen sei, berief Rechtsanwalt Rosenfeld sich noch auf das Zeugnis des Fräulein Erna Herrmann, der Tochter des Erschlagenen. Sie werde bekunden, daß das nicht zutreffe und daß sie ihren Vater, dem sie nachgegangen sei, im Hausflur schon blutend aufgefunden habe. Gegenüber diesen Ausführungen stellte Assessor Kühne als Ver- treter des verklagten Polizeifiskus sich ungefähr auf den Stand- Punkt, den in dem Strafprozeß um Moabit die Staatsanwaltschaft eingenommen hatte. Die Polizei sei berechtigt gewesen, einzu- schreiten, und auch in dem fraglichen Augenblick habe sie, wie sich aus den Bekundungen der Pfarrer Dietrich und Will ergebe, hin- reichenden Anlaß dazu gehabt. Was die Eheleute Jordan beob- achtet haben, könne sich nicht auf den Fall Herrmann beziehen. Es sei ihnen nicht einmal möglich gewesen, das Datum des betreffen- den Tages zu nennen. Assessor Kühne beantragte, die Klägerin abzuweisen. Rechtsanwalt Rosenfeld stellte fest, daß mindestens Frau Jordan das Datum des 27. September genannt hat, des Tages, an dem Herrmann niedergesäbelt worden sei. Das Gericht kam in dieser Sitzung noch nicht zur Verkündung eines Beschlusses. Die Verkündung soll erst in acht Tagen erfolgen. ** * Schnelle Justiz forderten die Freunde des Herrn Jagow im Herren- und Abgcordnetenhause, aber nur gegen Arbeiter. Sollte von Herrn Jagow zu ermitteln sein, ob der Täter sich inzwischen nach den Gefilden um Mexiko herum, die wegen Totschlags nicht ausliefern, gewendet hat? Nichts einfacher als festzustellen, welcher von den am 27. September ISIll tätig gewesenen Schutzleuten der- abschiedet ist und wo er sich aufhält.. Freilich, bis der Prozeß be- endet ist, könnte der Täter gut eine Reise um die Welt wiederholt vollendet haben. Warum ist schnelle Justiz gegen die Mitglieder der Behörde unmöglich, deren oberster Chef der Minister v. Dall- Witz ist? NichtWähler in Wahlversammlungen. Bernburg, 20. März. Eine Entscheidung von prinzipieller Be- dcutung hat das Schöffengericht Bernburg gefällt. Durch«tras- befehle des hiesigen Amtsgerichts hatten der Parteisekretär G. und der Kassierer Fr. Hierselbst, sowie der Lagerhalter H. in Neundorf Geldstrafen erhalten, und zwar G. 20 M., Fr. und H. je 10 M. Sie waren beschuldigt, am 19. Dezember 1911 und am 3. Januar 1912 politische Versammlungen in Großmühlingen und in Neun- dorf ohne die durch die§8 b, 0, 7, 8 und 9 des Reichsvereinsgesetzes vorgeschriebenen Anzeigen oder Bekanntmachungen veranstaltet ober geleitet zu haben. Da zu diesen Versammlungen auch NichtWahl- berechtigte und Frauen eingeladen und zugelassen worden waren, hatte die Herzogliche Kreisdirektion in Bcrnburg die Bestrafung der Genannten beantragt, da die Vergünstigung des§ 6 Absatz 2 des Vereinsgesetzes sich nur auf die Versammlung von Wahlberechtigten beziehe. Die Folge waren die erwähnten Strafbcfehle, gegen die die Bestraften schöffcngerichtliche Entscheidung beantragten. Das hiesige Schöffengericht kam nun zu einem freisprechenden Urteil. da e? nach§ 6 Absatz 2 des Vereinsgcsetzes einer Anzeige nicht be- dür�für Versammlungen der Wahlberechtigten zum Betriebe der Wahlen vom Tage der amtlichen Bekanntmachung des Wabltages bis zur Beendigung der Wahlhandlung, und daß sich das Recht der Teilnahme nach 8 1 Absatz 1 Satz 1 richte, und daß ferner eine Versammlung ihren Cbaraiter als Wählerversammlung nicht durch die Anwesenheit von Nichtwahlbcrechtigten verliere; durch die Be- stimmung in 8 ö, der nur die Anzeigepflicht regele, werde der 8 1 Absatz 1 nicht aufgehoben. Es sei zweifellos der Wille des Gesetzgebers gewesen, allen Wählerversammlungen, sobald sie nach amtlicher Ausschreibung der Wahl stattfinden, die Vergünstigung des 8 6 zuteil werden zu lassen, auch wenn nichtwahlberechtigte Personen an ihnen teilnehmen. Die Entscheidung entspricht durchaus dem Gesetz. Ein Polizeihauptmann als Bormund. Ein interessanter Zivilprozeß ist jetzt vor dem Landgericht Berlin III zur Entscheidung gelangt. Es klagte der Sohn des allen älteren Berlinern wohlbekannten Thcaterdircktors Ccrf, der s. Z. im damaligen Viktoriatheater die ersten großen Ausstattungsstücke aufführte, gegen seine Mutter, jetzige Frau v. Heeringen, auf Her- ausgäbe seines Erbteils von seinem Bater. Er behauptxt, erst lange Jahre nach seiner Grotzjährigkcit 18 090 M. erhalten zu haben, während die Gcsamterbschaft mindestens 2Vi Millionen Mark betragen habe. Denn für diesen Preis sei s. Z. das Viktoria- theater verkauft worden. Die vom Justizrat Lehfcld vertretene Be- klagte behauptete, kein Vermögen ihres Sohnes Fritz Cerf hinter sich zu haben. Der Prozeß förderte höchst eigenartige Tatsachen zutage. Es stellte sich s. Z. heraus, daß der Vormund des Klägers, Polizeihauptmann Hoppe, den größte» Teil des MüudclvcrmögenS unterschlagen hatte, und, als der Kläger zur Großjährigkeit gelangte, Selbstmord beging, um sich dem irdischen Richter zu entziehen. Es wurde auch das Konkursverfahren über das Vermögen des unge- treuen Vormundes eröffnet. Das Landgericht III wies die Klage ab und stellte fest, daß Kläger keinerlei gegenwärtige Ansprüche gegen seine Mutter habe. Hiergegen wird vermutlich Berufung ein- gelegt werden._ Hus aller Melt. Rerve bekommt eine halbe Million geschenkt. Paris, 10. März.(Eig. 50er.) Schon vor einigen Monaten hatte Gustav H e r v e von einem früheren Leutnant die Mitteilung erhalten, daß dieser ihm, solange seine Haft dauere zum Zeichen des Protestes monatlich 1000 Fr. zur freien Verfügung für revolutionäre Zwecke ausfolgen werde. Der Exleutnant hielt seine Zusage. Die in diesem Monat fällige dritte Rate wurde von Herve dem Streikfonds der schon über 100 Tage ausständigen Taxameterchauffeure übergeben. Gestern erhielt nun Herve von diesem Schenker einen Brief, der in der Form eines an Fallieres gerichteten Briefes, den Herve zu übermitteln gebeten wird, die Bekanntgabe eines noch weit größeren Geschenkes erhält. Herve hat, wofern er nicht doch noch einer Amnestie teilhaftig wird, was aber bei der derzeitigen chauvinistischen Stimmungsmache wenig wahrscheinlich ist, und wenn er nicht— was viel wahrscheinlicher ist— noch weitere Zusatzstrafen für seine Artikel einheimst, noch 48 Monate abzusitzen. Der Exleutnant aber stellt ihm jetzt eine halbe Million Frank zur Verfügung. Der interessante Brief, worin der ehemalige Militär dein Präsidenten der Republik die Geschichte seiner Be- kehrung zum Sozialismus erzählt, hat folgenden Wortlaut: Herrn Armand Fallieres, Grundbesitzer im Loupillon. (Loupillon ist die Weingegend, wo Fallieres sein Gut hat. An- merkung der Redaktion.) Ich habe erst bor kurzem die Ueberzeugung gewonnen, daß Sie ein großer Staatsmann sind. Ich hatte ehedem von einem Federfuchser namens Gustav Herve sprechen gehört, der von Deutschland bezahlt sein sollte, um unsere große Armee zu zer- stören und ihm unser schönes Frankreich auszuliefern. Sie haben ihn zu elf Jahren Gefängnis verurteilen lassen, und ich sprach: Das ist wohlgetan. Die Prozeßberichte, die in meinem Leibblatt, dem„Gaulois", erschienen, machten mich mit seinem Namen ein wenig vertraut. Als ich eines Täges vor einem Kiosk vorüberging, las ich dort in großen Lettern:„La Guerre Sociale", Chefredakteur Gustav Herve. Ich war neugierig, was dieser Ungläubige zu sagen hätte und blechte meine 10 Centimes. Ich begann zu lesen, und je weiter ich kam, desto mehr war ich erstaunt und interessiert, und schließlich rief ich: Ja, der Kerl hat vollkommen recht! Ich gab das Blatt mehreren meiner Kameraden weiter. Wir diskutierten darüber, und sie waren meiner Meinung, so daß wir jetzt ein Dutzend Offiziere sind, die die„Guerre Sociale" regelmäßig lesen. Also bm ich nicht, dank Ihnen, Herr Fallieres, r« v o l u t i o- närcr Sozialist geworden, ich, der Soldat, die vereidigte Stütze des Staats, der Ordnung, des Eigentums, der Familie, der öffentlichen Häuser und anderer Regierungseinrichtungcn? Hier sehen Sie die Wirkung von Einkerkerungen, als Vor- beugungsmittel gegen unwillkommene Meinungen betrachtet. Ob Herve im Gefäisgnis oder draußen ist, bedeutet nicht viel. Es sind nicht die Menschen, die dieser Bewegung fehlen. Was ihr fehlt ist der nervus rerum. Seine Bdajcstät das Geld— ein unumgängliches Ding in der heutigen Gesellschaft— selbst für Revolutionen. Nun, ich werde Ihnen das Geld liefern, und wir werden dann sehen, wer gefährlich ist: Herve in Freiheit ohne Pfennig, oder Herve im Loch mit 500 000 Fr. Da ich keine Familie habe, erlaubt mir mein persönliches Vermögen ein solches Experiment. Und nun, Herr Fallieres, glaube ich das bewiesen �u haben, was ich an die Spitze dieses Briefes stellte: Sie sind ein großer Staatsmann Nummer 22 Ex-Leutnant und Grundbesitzer. 50ei der Lektüre dieses Briefes wird man sich sicherlich nicht des Eindrucks ganz erivehren können, daß der idealistische Exleutnant die soziale Revolution noch etwas offiziersmäßig auffaßt. Eine halbe Million ist sicher ein schönes Stück Geld, und man kann damit eine revolutionäre Sache ohne Zweifel sehr fördern. Aber die Emanzipation des Proletariats hängt doch weniger, als der Ex- leutnant anzunehmen scheint, von der Opferwilligkeit ihrer Prose- lytcn aus den besitzenden Klassen ab. Wenn einer proletarischen Bewegung in einem großen, kapitalistisch entwickelten Land die Mittel fehlen, wie in Frankreich, wo der größte Teil der Einnahmen den geeinigten Partei aus der Deputiertensteuer besteht und die Arbeitskonföderation sich mit dem Budget eines mittleren Gewürz- krämers bescheiden muß, so ist das eben ein Beweis, daß ihr auch die Menschen fehlen— nämlich die zum Klassenbewußtsein erzogenen, ihrer Organisationspflichten gedenkenden Menschen, ohne die auch die großherzigsten persönlichen Opfer dem Ziel nicht näher führen können. Mit dieser Bemerkung soll natürlich die Löbens- Würdigkeit der Spende nicht im geringsten herabgesetzt werden. Daß diese in der Form des Protestes gegen Herves dauernde Ein- kerkerung auftritt, gibt ihr in einer Epoche, wo fast alle„Jntellck- Wellen" den Chor des banalsten Spießerpatriotismus mitheulcn, auch eine erhöhte moralische Bedeutung, und ihre Widmung an Herve ist eine schöne Ehrung dieses opfermütigen, sich immer mehr zu klarer Auffassung der proletarischen Bewegung durchringenden Kämpfers. Grubenkatastrophe in Nordamerika. Eine in seinen Folgen furchtbare Grubenexplosion wird aus M c C u r t i n im Staate Oklahoma berichtet. In einem Steinkohlenbcrgiverk nahe der Stadt kam es aus bisher unbekannter Ursache zu einer Explosion an- gesammelter Grubengase. Durch die Explosion ge- riet die Grube i n B r a n d, so daß den in der Tiefe Ar- beitenden der Rettungsweg abgeschnitten wurde. Nach der einen Meldung sollen 85 Bergleute von der Außenwelt abgeschnitten sein, während ein anderes Telegramm berichtet, daß l05 Bergleute den Tod gefunden haben. Bisher wurden vier Leichen geborgen, die so vollständig verbrannt sind, daß ihre Rekognoszierung nicht möglich lvar. Vor dem Schachte spielen sich entsetzliche Szenen ab. Fast jede Familie der kleinen Ortschaft hat unter den Verunglückten einen Angehörigen. Näuberuntvesen in Rnstland. In der Nikolajewskaja-Straße in Lodz übersielen bewaff» nete Räuber den Kassierer der Aktiengesellschaft Louis Geier, der eine zur Lohnzahlung an die Arbeiter bestimmte Summe von 20 000 Rubel bei sich trug. Während sich die Räuber bemühten, die Geldkassette zu sprengen, wurden sie von Arbeitern überrascht; und ergriffen die Flucht, wobei sie Revolverschüsse abgaben. Ein elfjähriger Knabe wurde verwundet. Einer der Räuber wurde bei der Verfolgung durch die Polizei getötet. Er war im Besitz von drei Schußwaffen und vielen Patronen. Kleine Notizen. Explosion einer Granate. Beim Verladen alter Granaten im Hüttenwerk Colon nowska in Oberschlesien schüttete ein Ar- beiter glühende Kohlen auf eine Granate, die noch nicht entladen war. Es erfolgte eine Explosion. Einem Ar- beiter wurde ein Arm und ein Bein, einem zweiten e i n Bein abgerissen. Der Zustand der Verletzten ist hoff- n u n g s l o s. LicbeSroman einer Berlinerin. Aus Neapel wird der „Tribuna" gemeldet, daß in einem dortigen Hotel gestern früh der der neapolitanischen Aristokratie angehörige 28jährige Marquese V o I p i c e l l i und die Berlinerin Josefine Adameit er- schössen aufgefunden worden sind. Dem Anschein nach habe Josefine Adameit den Marquis infolge eines Streits erschossen und dann sich s e l b st getötet. Zur Bomberrexplosio» in Oporto. Aus den Trümmern der durch die Bombenexplosion zerstörten Häuser wurden gestern abend zwei Lnnderleichen und Teile menschlicher Körper hervor- gezogen. Die Zahl der Toten ist nunmehr auf sieben gestiegen. Vermutlich liegen noch mehrere Opfer unter den Trümmern. Grosifcner in Tokio. Im Stadtviertel Doshiwara ist ein Großfcuer ausgebrochen, das sich infolge des Windes schnell verbreitet. Sieben hundert Häuser und viele Waren» Häuser sind den Flammen bereits zum Opfer gefallen. Lnefkaften der Redaktion. — P. 47, Nieder- Tchönhauscn. Sie können verausgabe fordern und schon jetzt die Feststellungsklage erheben. Fort- nähme gegen das Verbot bedenklich, eS könnte Bestrafung erfolgen. — W. W., Nowawes. Nichten Sie eine Strafanzeige an die Staats- anivalischast in Potsdam.— W. K. 87. Verjährung ist noch nicht ein- getreten.— R. D. 13. Für den Gesamtbetrag 4 M. jährlich.— G. P. 18. 1. Nein. 2. Können Sie ebenfalls in Anspruch nehmen.— O. R. 2. 1. Ja, 10 Stück. 2. 20 innerhalb zwei Jahren. 3. Durch Datierung. — A. IOO. 1. Das ist zweckmäßig, und zwar vor Ablauf des Monats. 2. Buchhandlung Vorwärts, Lindensw. 69, erteilt auf Nachfrage nähere Auskunft.— 20. 1880, Rostock. Wir halten Sie für verpftichtct, sür die Zeit bis zum Ersten zu zahlen. Weim der Anzug entbehrlich war, konnte er cinbchalten werden.— R. L. lOl. 5. Ihre Frau hat Anspruch. Wenden Ist sich an die Aufsichtsbehörde, den dortigen Magistrat. — O. K. 1234. 1. Sic haben das Recht, wegen Geisteskrankheit— sallS der Anstaltsarzt solche begutachtet— Aufhebung der Fürsorgeerziehung zu beantragen. 2. Sie sind bis zur Deckung der Gesamtsumme hastbar. xixrrrroDQcxxrojjo i x« ujuüwaaaciiiaaDnmnmrroTTYXirTiaaDacroxoxinGGacanQQaaaaDauQaaaQQDQmaOQücojDai�uuQani��rnnnrinnnnrir�TnrTr-% 5 billige Knaben-Tage! Schluß morgen Sonnabend. 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Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Ausführungsbestimmungen und Fest setzung des Einführungstermins der ärllichen Arbeitslosenunterslützung 2. Slellungnayme zum Beroandstag und Wahl der Delegierten k. Verschiedenes. Damit die Versammlung präzise eröffnet werden kann, ersucht um zahlreichen und pünktlichen Besuch miB* Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 21. März, nachmittags 6 Uhr» im„Englischen Garten", Alexanderstratze 27c: Uchtbllder-Vortrag mit nachfolgendem Gemütlichen Beisammensein. Kollegen und deren Angehörige find freundlichst eingeladen. ». O. Verband der Sattler u. Portefeuiller i Ortsvenualtung Berlin. Bekanntmachung. Laut Beschluß der Generalversammlung vom 21. Februar d. F. finden die Delegiertenwahle» zum Verdandstag am Sonutag, de» »4. Marz, i» der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr»ach, mittags in folgenden Lokale» statt: Paul Greulich, ks.» Gartenstr. 1«, 156/11 Gcwerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal lll, Fritz Hoppe, Neukölln, Hermannstr. 49. Die Wahlhandlung wird um 1 Uhr nachmittags geschlossen. Es steht de» Mitgliedern fiel, das ihnen am bequemsten gelegene Lokal zum Zwecke der Abstimmung auszusuchen. Aur Wahlhandlung zugelassen sind nur diejenigen Mitglieder, die nicht mehr als acht Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstände find, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches bezw. der Mitgliedskarte. Bezugsberechtigte arbeitslose oder kranke Mitglieder, deren Mitglieds- buch er sich in Händen der Verwaltung befinden, legitimieren sich durch Vorzeigung ihrer Kontrollkarte. Jedes Mitglied, das an der Wahl teilgenommen hat, erhält eine» dirsbeziiglichen Stempel ins Mitgliedsbuch bezw. in die Karte. Das Resultat der Wahl wird am Mittwoch, den 27. März, Im gewerk- schastlichen Teil des.Vorwärts', sowie in der in derselben Woche er- scheinenden Nummer der»Sattler- und Portcseuiller-Zeitung' bekannt ge- geben. Eventuell notwendige Stichwahle« finde» am DieuStag, den 8. April,«achmittags S— 8 Uhr, t« denselben Lokoleu unter den gleichen Voraussetzungen statt. Die Ortsverwaltung, Freireligiöse Gemeinde/ Sonntag, den 24. Mirz 1912, vormittags lO1/« Uhr, im„Holifiger", Hasenheide 52: � Jugendweihe\ der Kinder von Mitgliedern der Freireligiösen Gemeinde. Sonntag, den 31. März, vormittags IlN/» Uhr, bei Lipps, Am Friedrichsbain 16—23: Festrede Bmn« Wille:„Religiöse Mündigkeit" Vorspiel— Orgel und Violine—„Largo" von Händel. Eintrittspreis: Erwachsene 20 Pf., Kinder 10 Pf. Kleine Frankfnrter Straße 6, Sonntag vormittags lO3� Uhr: 7. April: Pestvortrag von Dr. Bruno Wille. 14.„ Dr. Bruno Wille;„Notwendigkeit und Preiheit, Schicksal und Zufall'. 21.» Hr. Wilh. Bölsche:.Neue Entdeckungen über das Staate- und Liebesleben der Tiere' Hr. Dr. M. Brie:„Goethes religiöse Ansichten". 55/5 Zum bevorstehenden V. Berliner fi-Cagc-IRcnncn vom 22. bis 28. März bis 28. 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Abt.: Tour wird am Start de- lannt gegeben. Start: Schilltgstr. 22. Samariter-SitzuDg am Tonnerstag, den 28. März, abends 8'/, Uhr, bei U-elunann, Stralauer Brücke 3. Der wichtigen Tagesordnung wegen ollzähliges Erscheinen der Samariter notwendig. 10/19 revpiells 130X200: 6 bis 19 SK 185X230: 10,50 bil 40« » 0X300; 22 biS 64 X 250X350; 52 bis 120 i* 800X400: 67 bil 186 StC Garvwenhaus Vernharv Schwartz Wallstr, 13(dreizehn) llsiuerväsede setzt uai blättert and sparsam, beste Tollkommen natürlich wie Plättwäsohe, ert nicht ab, stete sauber und sparsam, beste Ware, jetzt für Alle und Jedermann. Ials Ladenvergütnngbei Kauf von 4 Mk. i Mk, bei 7 Mk. 2 Mk. büliger, 20 Pf. Fahrgeld, außerdem ein Taschenfenerzeug od. Rasierapparat gratis. Kein La « Sitte Im eigenen Interesse uul Hsusnummer zu achten, U ÄS W. Herbst gegr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. BfcRMXsw., BltterBtp.83 Erstklassige Ware. Zigarrenhändlern bestens empfohlen. ——— Xa rifarbeit.» 129. Xerkant nur ins Pabrlkgebttnde! 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Vertag: Porwarl» Buchbruckerei».«eriagsanztatt Paut«inger u. iSo, ivertm ÖVV« st. 6» 39. wtW 3. Keilte des„Nsmiiets" Kerliner NslkslilM. � 22** m- IProtcftvcrfammlungcn gegen die Ausnahmebesteuerung der Konsumvereine. Dienstag, den 26. März 1912, abends 8Vz Uhr, in Adlershof, Lehmgruber, Bismarckstr. 60; Baumschulenweg, Serpentin-Festsäle, Baumschulcnstr. 79; Grünau, Bellevue, Medrichstr. 22; Hermsdorf, Forsthaus, Auguste-Viktoria- Straße 18; Johannisthal, Bürgergarten, Parkstr. 9; Reinickendorf-Ost, Seebad, Residenzstraße; Tempelhof, Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9; Treptow, Viktoriagarten, Köpenicker Land- straße. Mittwoch, de» 27. März 1912, abends 8'/, Uhr, in Friedenau, Kaiser-Wilhelms-Garten, Rheinstr. 61. Tagesordnung:„Die neue Einkommensteuergesetz- Novelle— eine indirekte Lebensmittelverteuerung". Referenten: Frl. A. Dietz, K. Giebel(M. d. R.), G. Kegel, W. Lamm, �H. Lamme, Frau G. Lodahl, A. Nollstadt, K. Schu- bart, Fr. Schulze. Arbeiter und Arbeiterfrauen! Protestiert durch Massen- besuch der Versammlungen gegen die neue Belastung, die Euch die preußische Regierung auferlegen will. Flugblattverbreitung hierzu am Sonntag, den 2 4. März, früh 8 Uhr. Die Propagandakommission für das Genossenschaftswesen Groß-Berlins. Für die Gewerkschaften: E. Brückner, K. Giebel, K. Hetz- schold, K. Ritter. E. Wutzke. Für die Genossenschaften: K. Hildebrandt, R. Junger, M. Lichtenberg, A. Mirus, P. Müller. Für die sozialdemokratische Partei: E. Böske, P. Brühl, A. Stadthagen, O. Wels. 'tiltD parte!- Hncfelecfenbeiten. Charlottcnburg. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen auS: Wichtige Flugblatlverbreitung. Steglitz- Friedenau. Heute Freitag, abends S'/a Uhr, findet bei Schellhase. Steglitz, Ahornstr. loa, der fünfte Vortragsabend des Genossen E. D ä u m i g über„Deutsche Literatur- geschichte" statt. Der Bildungsausschuß. Groh-Lichterfelde. Freitag, den 23. d. M., abends 8!4 Uhr, bei Wahvendorf, Bäkestraße 7: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Gemeindevertreterwahl. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Pankow. Parteigenosse», welche noch an der am Sonntag, den 24. März, stattfindenden Besichtigung der.Vorwärts"-Druckerei teil- nehmen wollen, treffen sich ftüh 8 Uhr bei Gaßmann. Schmidtftr. 19. Die Bezirksleitung. Hermsdorf, WaidmannSlufi und Glienicke. Sonntag, den 24. März, früh 8 Uhr, von den bekannten Lokalen aus: Flugblattverbreitung. Die Bezirksleitung. Bernau. Sonnabend, den 23. März er., abends 81/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Salzmann, BaSdorfer Straße. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. 2. Be- ?> t fchluß über die Maifeier. 3. Partciangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Birkeuwerder. Heute, Freitag, abends'/,S Uhr, findet beim Ge- nassen Feuerstack ein Extrazahlabend statt. Tagesordnung: Stellung- nähme zu der am Sonntag, den 24. März, stattfindenden Ersatzwahl zur Gemeindevertretung. Die Gruppenführer. Berliner JVacbricbteno Tie Stadtverordnetenversammlung fuhr gestern fort in der zweiten Beratung des S t a d t h a u s- Haltetats für 1912 und führte sie in ziemlich flottem Tempo zu Ende. Beim Etat der Gemeindeschulen kam es zu einem Meinungsaustausch über einige oft erörterte Mängel, auf die Genosse Wey! wieder einmal hinwies. Er beklagte, daß die Zahl der Sch u l ä r z t e zu gering ist und das Uebel der M i e t s ch u l e n noch immer fortdauert. Gegen seine Aus- führnngen erhoben sich nicht weniger als drei Mogistrats- mitgliedr, aber was sie zur Entgegnung vorbrachten, wirkte keineswegs überzeugend. Festnageln wollen wir die stolze Erklärung des Stadtrats S e l b e r g, daß Berlin durch seine Schulärzte— ganze 50 für 306 Schulen ein TZ o r b i l d für andere Städte fei. Ten Etar der P o l i z e r k o st e n nahm Genosse Rosen» seid zum Anlaß, erneut darauf hinzuweisen, wie wenig in Berlin die Polizei durch ihr Verhalten sich die Sympathien der Bevölkerung erwirbt. Auch die Rolle, die sie in neuerer Zeit in dem Kampf um die Arbeiterjugend spielt, wurde von ihm beleuchtet. Im Anschluß an die Geißelung der Spitzelwirtschaft überreichte Rosenfeld die Photo- graphie des neuesten Spitzels, der das Pech gehabt hat,- ent- larvt zu werden. Von den Freisinnigen ging auf das ganze Thema niemand ein; sie fürchteten wohl, durch eine Kritik der Polizei„oben" anzustoßen. Im weiteren Verlaus der Etatsberatung brachte beiin Etat der R i e s e l g ü t e r unser Genosse Mann zur Sprache. daß den Gutsarbeitern die Teuerungszulage ver- sagt worden ist. weil sie einen Teil ihres Lohnes in Form von Deputat erhalten. Er bat. eine nachträgliche Gewährung zu bewilligen. Auch bezeichnete er es als notwendig, den Rieselwärtern die Löhne aufzubessern. Oberbürgermeister K i r s ch n e r antwortete kühl ablehnend. Er stellte sich hier- mit in schroffen Gegensatz zu dem, was in der vorletzten Stadtverordnetensitzung der Bürgermeister Reicke auf eine ähnliche Anregung bezüglich der Teuerungszulage erwidert Vor der Schlußabstimmung über den gesamten Stadthaushaltsetat erklärte Genosse Bruns für die sozial- demokratische Fraktion, daß sie auch diesmal sich zu einem ablehnenden Votum genötigt sehe. Dieser Etat ver- körpcre wie die früheren, Prinzipien der Verwaltung, mit denen die Fraktion nicht einverstanden sein könne. Wieder seien in ihm die Interessen der minderbemit- leiten Bevölkerung nicht hinreichend berück- s i ch t i g t. Tie Freisinnigen begleiteten diese Erklärung mit höhnischen Zwischenrufen und nahmen dann in der Schluß- abstimmung den gesamten Etat an. Das übliche„Bravo", das sie sonst als Siegel dahinter zu setzen pflegten, blieb dies- mal aus. Ucbrigens war auch die Festsetzung der Gemeinde- Einkommen st euer auf nur 100 Pro z.— eine Leistung, auf die die Freisinnigen sonst immer ganz besonders stolz waren— diesmal sang- und klanglos vorübergegangen. Viel Freude haben sie wohl nicht mehr daran gehabt; sie fürchten nun selber, daß es das letzte Mal war. Berliner Verkehr: Post, Eisenbahn, Straßenbahn. Das Post- amt 7S wird am 23. März nach Dienstschluß aus dem Hause Rrausenstr. 31 nach den neuen Diensträumen im Hause Schützen- straße 53 verlegt.— Osterzüge gehen vom Siettiner Bahnhof vom 30. März bis 15. April nach Neustrelitz— Stralsund, Angermünde— Pasewalk— Stralsund, Eberswalde— Wriezen, Stettin— Belgard, vom Schlesischen Bahnhof nach Wriezen— Jädickendorf als Borzüge zu Schnell-, Eil- und Personenzügen. Sie verkehren in der Regel 10 Minuten vor den Hauptzügen und erreichen auf den Uebergangs- stationen die �Anschlüsse sicherer wie die Hauptzüge. Außerdem gehen Personenzüge an verschiedenen Tagen vom Stettiner Bahnhof um 10.45 nach Belgard und 11.24 nach Belgard, Stolp und Danzig.— Die Straßenbahn muß wegen Asphalnerungsarbeiten ihre Linien 58, 05, 00 und 07 vom 25. März an für etwa 3 Wochen vom Molkenmarkt durch die Spandauer Straße und Königstraße umleiten. Die betriebslos werdende Strecke ist ohne Haltestellen. Au uusere Abonnenten. Wir bitten diejenigen unserer Abonnenten, die ihre Wohnung wechseln, dies rechtzeitig dem zuständigen Spediteur oder der Botenfrau mitzuteilen, damit in der Zustellung des„Vorwärts" keine Unterbrechung eintritt. Die Hauptexpeditton. Die Benutzung von Diktiermaschineu empfiehlt das Eisenbahn- Zentralamt, welches diese Maschine mit gutem Erfolge versucht hat. In dem Bericht darüber heißt es: In erster Linie bieten die Diktier- Maschinen den Vorteil, daß die Aufnahme eines Diktats nicht mehr von dem Vorhandensein und der Bereitschaft eines Stenographen abhängig ist. Weiterhin gestatten sie eine jederzeitige Unterbrechung des Diktats und seine Fortsetzung nach beliebig langer Zeit. Aus letzterem Grunde dürften sich die Maschinen namentlich für die An- fertigung solcher größeren Schriftsätze fNiederschriften usw.) eignen. bei deren Feststellung auf Akten und sonstige Unterlagen zurück- gegriffen werden muß. Infolge dieses günstigen Ergebnisses hat Minister v. Breitenbach den Eisenbahndireklionen nahegelegt, Versuche mit Kr Diktiermaschine zu machen. Die umgetaufte Hempelstraße. An die Unterschlagungen bei der Borfigwalder Terrain-Aktiengesellschaft erinnert eine amtliche Bekannt machung des Amtsvorstehers von Wittenau. Bekanntlich hatte der Direktor Hempel von der genannten Gesellschaft große Unterschla gungen begangen und sich dann das Leben genommen. Nach H. war aber seinerzeit eine Straße in Wittenau benannt worden und nach Bekanntwerden wurde allgemein der Wunsch laut, die Hempelstraße umzutaufen. Dies ist nunmehr geschehen und der Amtsvorsteher von Wittenau teilt mit, daß die ehemalige Hempelstraße nunmehr Ernst- straße heißt. Der Jahrmarkt in der Petersburger und Warschauer Straße ist auch in diesem Jahre reichlich beschickt. Vor allem haben Böttcher, Stellmacher und Thüringer Steingutwarenhändler ihre Waren auf- gestellt. Bon einem Eisenbahnzug iberfahren und getötet. Beim Aus- steigen auf der Strecke wurde in der vergangenen Nacht ein noch unbekannter Mann von einem Eisenbahnzug überfahren und getötet. Ein Zug. in dem unter anderem auch mehrere Sachiengänger fuhren, blieb in der Höhe des Wilhelmufers auf der Ueberführung stehen, weil er keine Einfahrt in den Lehrter Bahnhos haue. Einer der Leute glaubte, daß er schon eingelaufen sei und aus dem Bahnhof halte. Er stieg aus und war gerade dabei, sein Gepäck aus dem Abteil herauszuziehen, als sich der Zug wieder in Bewegung setzte. Der Mann erkanllte jetzt seinen Irrtum und lief neben dem Zug her, um ihn auf dem Bahnhof wieder einzuholen. Hierbei aber wurde er von einem anderen Zuge gefaßt, überfahren und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Persönlichkeit des Verunglückten konnte noch nicht festgestellt werden. Zn vergifte» versuchten sich gestern infolge finanzieller Bedräng- nisse der Musiker Paul Pietsch und seine Geliebte, eine Arbeiterfrau Schulz, in der Gartenstr. 35. Beide nahmen beträchtliche Mengen Sublimat und wurden in besinnungslosem Zustande aufgefunden. Man schaffte sie nach einer Unfallstation und pumpte ihnen den Magen aus. Jetzt liegen sie im Krankenhaus Moabit in bedenk- lichem Zustande danieder. Eine Straßenräubcrin treibt gegenwärtig im Südosten der Stadt ihr Unwesen. Die Unbekannte, eine etwa 18jährige FrauenS Person, macht sich an Kinder, die zum Einholen fortgeschickt worden sind, heran und beraubt sie in der raffiniertesten Weise. Unter anderem sprach sie die achtjährige Tochter des Gastwirts Noack, Wesersir. 41. die sechs Mark in Papier eingewickelt in der rechte» Hand hielt, an. Sie fragte die Kleine, was sie in der Hand trage, und als das Kind Auskunft gab, überreichte sie ihm eine Handlasche und ließ sich das Geld geben. Nur eine Mark gab sie dem Mädchen wieder zurück. Die Tasche, die die RäuMrin einem anderen Kinde sortgenommen hatte, enthielt ein leeres Portemonnaie Die dreiste Diebin hatte sich auf diese Weise der verräterischen Tasche aufs einfachste entledigt. Im FeuerungSkessel verbrannt. DaS Opfer eines schrecklichen Um glücksfalleS wurde der Maschinenheizer Robert Felsch, Weißensee, Elsaß straße 08 wohnhaft. F. war bei der A. E.-G. in der Huttenstraße beschäftigt. Er hatte am Feucrraum zu tun und wollte den Feuerungskessel reinigen. Von unten rief er seinen Kollegen zu, nicht einzufeuern, doch war die Warnung nicht gehört worden. Während F. nun im Kessel reinigte, wurden oben glühende Kohlen eingeschüttet. Sie fielen auf F. und dieser wurde am ganzen Körper schwer verbrannt. Der Kopf, paS Geficht und die Brust wurden dem Aermsten fürchterlich zugerichtet. In bedenklichem Zustande mußte der Schwerverwundete nach dem Krankenhaus ge bracht werden. Beim Ziehen tödlich verunglückt ist der 59 Jahre alte Packer Wilhelm Grulms aus der Vlumcnstr. 40. Grulms half vor einigen Tagen bei einem Umzug in der Kaiserstr. 41. Als ein Wagen zum Torweg hinausfuhr, beging er die Unvorsichtigkeit, neben ihm her- zugehen, anstatt das Pferd vorn am Zügel zu führen. So geriet er zwischen Wand und Wagen und wurde so stark gequetscht, daß er jetzt im Krankenhause am Friedrichshain seinen Verletzungen er- legen ist. Ein KindeSmord ist in Groß-Lichterfelde entdeckt worden. Beim Passieren der Steglitzer Straße fand ein Invalide vor dem Grund- stück Nr. 77 mitten auf dem Bürgersteig ein Paket. Er öffnete es und fand zu seinem Entsetzen die stark mit Blut besudelte Leiche eines neugeborenen Kindes darin vor. Er inachte sofort der Polizei von seinem Fund Mitteilung. Die Untersuchung der Leiche durch den Polizeiarzt ergab, daß daS Kind ermordet worden ist Im Munde des Kindes steckten mehrere blutdurchtränkte Wattebausche und am HalS waren Würgmerkmale deutlich fichtbar. Ferner wurden an der Leiche Spuren, die von einem stumpfen, schweren Instrument herzurühren scheinen, wahrgenommen. Demnach ist daS Kind erwürgt und erschlagen worden. Die Nachforschungen nach der Mör- derin waren bisher ergebnislos. Der Karton kann nur wenige Minuten vor der Ausstndnng am Fundort niedergelegt worden sein. Das Palet enthielt außer der Leiche ein Stück graue Packleinwand, eine Damenreformhose und etwas graues Packpapier. Die Polizei vermutet, daß das Paket mit der Leiche von außerhalb nach Groß- Lichterfelde gebracht worden ist. Bon der Anklage wegen Vergehens wider die Sittlichkeit frei- gesprochen wurde der längere Zeit verhaftete Werkmeister Dohle. D. war angeklagt worden, sich an seinem eigenen jetzt zwölfjährigen Mädchen seit Jahren vergangen zu haben. Durch einen Sturz vom Gerüst schwer verunglückt ist gestern nachmittag der 51 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Keppner aus der Proskauer Str. 43. K. arbeitete auf einem Neubau am Küstriner Platz, und hatte aus dem Gerüst am Hofe im ersten Stock zu tun. Infolge eine» Fehltritts fiel er in die Tiefe und zog sich einen Bruch des reckten Beines und schwere innere Verletzungen zu. Man brachte ihn nach der RettungSwacke in der Koppenstraße und von dort nach dem Krankenhause am Friedrichshain. Der PolizeiprSsidrnt macht bekannt: Das Fundbureau wird von Abteilung V und die Bearbeitung der Generalien der Fund- fachen von Abteilung I vom 1. April 1912 ab abgetrennt. Von diesem Tage ab werden das auf den LandeSpolizeibezirk Berlin ausgedehnte Fundbureau(Zentralfundbureau) und die Bearbeitung der Generalien der Fundsachen der Abteilung X zugeteilt. Wegen einer Gasvergiftung wurde der 1. Löschzug nach der Lindenstr. 8 gerufen. Bei Ankunft der Feuerwehr war der Mann schon tot. In einem zweiten Fall, der auS der Melchiorstr. 15 ge- meldet wurde, gelang es durch Einflößen von Sauerstoff die Person zu retten.— Wegen eines größeren Preßkohlenbrandes wurde die Feuerwehr nach der Pintschstr. 10 alarmiert. Dort mußte kräftig ge- löscht werden._ Vorort- JNacbricbten* Charlottenburg. Eine Rede gegen die Sozialdemokratie hat, wie uns mitgeteilt wird, Professor Dr. Georg Dubislav. der Direktor der jungen Herderschule, am Donnerstag, den 14. d. M. bei der Feier der Abiturientenentlassultg und bei dem damit ver- bundenen Eintritt des Gymnasiums in eine Vollanstalt vor der ganzen Schule gehalten, deren Anfang etwa wie folgt gelautet haben soll: „Meine lieben Schüler! Zum erstenmal werden aus dieser Anstalt an dem heutigen Tage Abiturienten entlassen, die nun in das Leben treten und nicht mehr im Schutze der Schule stehen. Das ist ein ernster und bedeutender Augenblick, und da möchte ich Ihnen noch einmal an das Herz legen, daß gerade in der Groß- stadt tausend große Gefahren der jungen Menschen harren. Da sind vor allen Dingen die Sozialdemokraten, jene vaterlandsloscn Gesellen, die die heiligsten Güter unserer Nation verachten, und die für die Taten und das Schaffen unserer Väter nur Spott übrig haben. Schämen und verachten müßte ich mich, wenn ich mit einem Sozialdemokraten an einem Tisch sitzen würde. Die Luft, die sie atmen, ist verpestet...." Welchen Widerhall diese Worte bei einem Teil seiner Schüler gefnnden haben mögen, zeigt am besten die Kritik, die einer der- selben an die Bemerkung seines ehemaligen Lehrers knüpft. Der junge Mann schreibt uns: „Hunderte von Schülern lauschten andächtig den«regten Worten des kleinen, alten Herrn, der dann noch vom Rednerpult aus Eugen Richters Ansichten über die Sozialdemokratie zitterte. Hunderte von jungen, begeisterungsfähigen und warm schlagenden Herzen nahmen gläubig auf, was ihr verehrter Direktor sagte. Und doch— da war etwas, was sie nicht verstehen konnten. Stimm- ten denn die Worte des Direktors überein mit den Lehren jenes Nazareners, von dem ihnen immer so viel in der Religionsstunde erzählt wurde und der doch sagte:„Liebe Deinen Nächsten"? In einer Stunde, in der zum letztenmal der Lehrer zum Schüler spricht, in der junge Menschen aus dem sicheren Hafen der Schule und des Elternhauses auf das ungewisse, stürmische Meer hinaussegeln, und die ihip daher heilig sein müßte, hält er eine konservative Agita- tionsrcbe! Man denke sich nur in die Seele der Abiturienten hinein, denen diese Feier eine Weihestunde ihres Lebens bedeutet. Im goldigsten Lichte erstrahlt ihnen die Zukunft: sie möchten so gern einige freundliche Worte darüber hören. Anstatt sie beim Lebewohl noch herzlich zu ermahnen, tüchtige Männer zu werden, die ihren Platz im Leben ausfüllen, beschimpft der Direktor seine politischen Gegner. Natürlich wurde auch hier der alte Advokaten- kniff wieder benutzt, die Hypothesen von Eugen Richter als Tat- fachen hinzustellen und sie als Grundlage für Folgerungen zu be- nutzen. Der Herr Direktor kann sich das leisten, denn die Schüler, die ja noch kein eigenes Urteil haben können, glauben eS bedingungslos. Wie kann es auch möglich sein, daß der Direktor ihnen etwas Falsches sagen kann?I— Amüsant ist es, wenn Herr Professor Dubislav die Sozialdemo- kraten„vatorlandslose Gesellen" nennt; er, der das weit verbreitete „Elementarbuch der ftanzösischen Sprache, Ausgabe B" mit Bock verfaßt hat. das im Zeichen der Franzosenschwärmerei steht. In ihm wird Frankreich und sein Patriotismus verherrlicht; ja. es enthält sogar Gedichte, die die Kinder auffordern, für Frankreich zu leben und die sich für französischen Kanonendonner begeistern. Solche Herren pachten den Patriotismus nur dann, Weng es nötig ist, während die Sozialdemokraten, die das Nibelungengold der „heiligsten Güter unserer Nation" heben und wahren wollen, ihn besitzen I" Es bedurfte also nicht erst des reifen Urteils eines im Sturm des Lebens erprobten Mannes, um die Mahnworte des Professors Dr. Georg Dubislav an seine Schüler richtig zu bewerten. Daß des Herrn Rektors Worte eine solche Entgegnung von einem seiner Schüler ausgelöst haben, wird den Herrn gerade nicht befriedigen. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung geneh- migte in ihrer Sitzung vom Mittwoch zunächst entsprechend dem Antrage des Ausschusses die Vorlage betreffend Uebernahme einer Garantie für den Krüppel-, Heil- und Fürsorgeverein für Berlin- Brandenburg. Es handelt sich um die Uebernahme einer Garantie für die Verzinsung und Tilgung einer Amortisationshhpothek von 1 350 000 M-, welche der Verein aufgenommen bat, im Verhältnis von 8000 zu 02 500 M. Einen großen Teil der Sitzung füllte die Besprechung von Peil- tionen aus. Die Petitionen sind meist rein persönlicher Art. Bon allgemeinem Interesse ist eine Petition betreffend Errichtung eines Pfandbriefamtes, die dem Magistrat als Material überwiesen wurdx, eine Petition des Verbandes für handwerksmäßige und fach- gewerbliche Ausbildung der Frau betreffend Gewährung eines Bei- träges, und eine Petition von Hausbesitzervereinen gegen den Straßenhondel. Auch diese Petitionen gingen als Material an den Magistrat. Von den Vorlagen interessiert besonders die be- treffend Bewilligung von Beiträgen für die Jjugend- pflege, der die Versammlung mit Ausnahme der Sozialdemo- kraten zustimmt'-. Für unsere Fraktion erklärte Genosse Richter, daß v'i'- nack>r>i<- vor Gegner der Vorlage sind, da es sich nach einer Erklärung des Kultusministers nur um die Unterstützung von solchen Vereinigungen handele, die auf nationalem Boden standen. Wir liätten keinen Anlaß, Mittel zur Bekämpfung unserer eigenen Jugendorganisation zu bewilligen. Eine Reihe weiterer Vorlagen wurde Ausschüssen überwiesen. In nichtöffentlicher Sitzung beschloß die Versammlung dann mxh. dem Kämmerer und dem Syndikus neben dem etatsmäßigen Gehalt vom l. April 1912 ab eine persönliche ruhegehaltsfähige Zu läge von je 22S0 M. zu bewilligen. Tiefer von allen Stadtverord neten mit Ausnahme der Sozialdemokraten gestellte und vom Magd strat befürwortete Antrag wurde von den Sozialdemokraten aus prinzipiellen Gründen bekämpft. Unsere Genossen konnten sich nicht damit einverstanden erklären, daß acht Tage nach Abschluß des Etats plötzlich die Gehälter von Magislratsbeailiten einzig und allein aus dem Grunde erhöht locrden, weil man fürchtet, daß sie sich sonst um Stellen in anderen Gemeinden bewerben könnten. Im Grunewald erschossen hat sich gestern morgen der KK Jahre alte frühere Bergarbeiter Moritz Schrotberger aus der Schiller straße 49. Schrotberger verunglückte in Eisleben, wo er als Berg mann beschäftigt war und zog sich eine Lähmung des rechten Armes zu. Seitdem erhielt er Rentenunterstützung. Er zog jetzt zu einer Witwe Müller in der Kantstr. 119. Vor sechs Wochen heiratete er diese und zog mit ihr und deren vier erwachsenen Kindern nach der Schillerstraße. Gestern früh ging er nach dem Grunewald und schoß sich in der Nähe des Luftbades Eichkamp eine Kugel in den Kopf, die ihn sofort tötete. Spaziergänger fanden dort später seine Leiche nnd brachten sie nach dem Schauhausc in Schildhorn. Wilmersdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Am Mittwoch ging die zweite Lesung des Etats vor sich. Der Führer der konservativ nationalliberalen Mchrheitsfraktion, Stadtverordneter D r ö s e, gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß in der Frage der Erhöhung des Steuerzuschlages auf 119 Proz. auch der Magistrat zurückgewichen ist und es wie in den beiden letzten Jahren bei 199 Proz. belassen will. Auch empfand Herr Dröse das Bedürf- ms, eine Unklug heit, die er vor vier Wochen bei der ersten Lesung des Etats begangen hatte, ein wenig abzuschwächen. Damals wollte er zur Ersparung von Gemeinde schulbauten die Klassen stärker belegt wissen; und diese menschenfreundliche Absicht hatte dem konservativen Herrn einen Protest der Lehrerschaft des Ortes einge- bracht. In der Steuerfrage scheint die Mehrheitsfraktion aber doch nicht durchweg die Stimmung des Herrn Dröse zu teilen, denn ein anderer namhafter Vertreter dieser Fraktion, der rechtsnational- liberale Professor Dr. Leidig, meinte etivas beklommen, daß die gegenseitige Eifersucht der Groß-Berliner Gemeinden vom Uebcl sei und ein Zusammenwirken angestrebt werden müsse. Bekannt- lich ist der Mißerfolg einer nach dieser Richtung gegebenen Am regung wesentlich dem Widerstände der Wilmcrsdorfer Stadtver- oronelenmehrheit zuzuschveiben. Recht erbaulich war auch ein Streit, der sich zwischen den Herren Dr. Leidig und Dr. Edel cnt- spann. Dieser ist ein Mitglied der kleinen fortschrittlichen Fraktion; und er trat gleich dem Sozialdemokraten Schröder mit guten Gründen dem Verlangen entgegen, daß an dem von der Stadt Wilmersdorf übernommenen Joachimsthalschen Gymnasium eine Vorschule errichtet werde. In seiner Bosheit hielt Dr. Leidig dem Fortschrittler vor Augen, daß in Berlin, wo seine Partei im unbeschränkten Besitz der Kommunalgewalt ist, die parteiamtlich verworfene Politik des Vorschulunwesens eiftig gefördert wird. Dr. Edel geriet in Verlegenheit und antwortete, daß es in seiner Partei eben nicht üblich sei, sich um das Verhalten der Partei- genossen in anderen Gemeinden zu kümmern; und er kam dann auf den glücklichen Einfall, Herrn Dr. Leidig die Tatsache entgegenzu- halten, daß ja auch die nationalliberale Partei im preußischen Landtag« unter Friedbergs Führung wesentlich anders handle als- die von B a s s e r m a n n geleitete national- liberale R e i ch s ta g s f ra k t i o n. Unser Parteigenosse Riedel nagelte in feinest Ausführungen zum Etat' eine Aeußerung' des Stadtverordneten Dr. He r n i tz fest, aus der zu entnehmen war, daß die Mehrheitsfraktion sich unge- niert die Entscheidung darüber vorbehält, ob und wie viele Redner der Opposition bei wichtigen Gelegenheiten zum Wort komnien sollen. Riedel wies ferner nach, wie unpraktisch der einzig in Wilmersdorf geübte Brauch ist, den Etat nicht einem besonderen Ausschuß zu übertveisen. sondern aus der ganzen Versammlung drei Ausschüsse zu bilden, die dann die von ihnen durchberatenen Abteilungen einem Sonderausschuß zu überweisen haben. Weiter betonte er, daß die Anstellung eines StadtschulinspekwrS durchaus notwendig sei und fand hierin sogar bei dem Stadwerordneten L kidig Zustimmung. Nachdem Riedel dann davor gewarnt hatte, die durchaus nicht günstige Finanzlage der Stadt zu verschleiern, verurteilte er das Bestreben, an sozialpolitischen Einrichtungen zu sparen und abermals den Bau der B a deanstalt zurückzuhalten. In dieser Hinsicht ist der Magistrat nicht von Schuld freizusprechen. Die Mehrheit benutzte nämlich den Umstand, daß genaue Pläne noch nicht ausgearbeitet sind, sowohl die für die Badeanstalt ouSgc- worfene Summe als auch die für den R a t h a u s b a u und für den Bau einer Leichenhalle in den Etat gestellten Positionen vorläufig zu streichen. Unser Parteigenosse machte weiter den Magistrat auf die Ungehörigkeit aufmerksam, daß in Wilmersdorf Heimarbeiter und Portiers nicht der Versicherungspflicht unterstellt sind, wohingegen in Charlottenburg und Schöneberg für sie geklebt werden muß; auch rügte er das den Arbeiterturnern gegen- über beliebte Verfahren. Wir erwähnen noch, daß mit einer Sttmme Mehrheit ein« von dem Demokraten Moll gestellte Resolution Annahm« fand, in der dein Magistrat nahegelegt wurde, endlich dem Boykott der Frauen in der Armenpflege entgegenzutreten. Nach mehr als fünfstündiger Beratung fand die zweite Lesung des Etats ihr Ende. In geheimer Sitzung stimmte die Versammlung einem Antrage des Stadtverordneten P u m p l u n zu, ihn von seinem Mandat zu entbinden. Schöneberg. Der nächste VolkSunterhaltungsabend findet am Sonntag, den 2t. d. M., abends ö'/z Uhr, in der Aula der Hohenzollernschule, Bel�iger Str. 43 statt und ist dem Komponisten Richard Wagner gewidmet. Mitwirkende sind: Frau Claire Dux, kgl. Hofopernsängerin; Frau Dr. Boerlage- Reyers, Opernsänaerin; Frau Meyer- Heinze, Opernsängerin; Fräulein Alice Kuznitzki, Konzertsängerin; Grenze- bacbscher Frauenchor, Solistin Fräulein Paula Straube; Herr Willi Merkel, Opernsänger: Herr Alexander S-bwartz. Komponist und Kapellmeister; Herr Robert Erben. Kapellmeister. Eintrittskarten a 39 Pf. find zu haben in der Spedition, Martin- Luthe r-Str. 69 und in den Konsumläden Apostel-Paulus- Str. 40 und EberSstr. 23, sowie an der Abendkasse. Kassenöffnung 4'/, Uhr. Wannsee. Dir am Mittwoch stattgefnndene Gemeindevertreterwahl in der dritten Klasse hat eine endgültige Entscheidung noch nicht gebracht. Es hat Stichwahl zwischen dem bisherigen Vertreter, Baumeister Rappo, und unserem Genossen Maurer Wilhelm Jungermann stattzufinden. Der Termin zur Stichwahl wird noch bekannt ge- macht. Parteigenossen, agitiert eiftig, dann können wir auf den Sieg rechnen. Ober-Schöneweide. Die letzte Gemeiadevertreterfitzong hatte sich in der Hauptsache mit dem Erat für 1912 zu beschästigen. Di« Schwiengkett. ohne eine Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages den Anforderungen det Lehrer, Beamten und Arbeiter in bezug auf Gehalts- und Lohn- regulierung gerecht zu werden, wurde dadurch behoben, daß eine Summe von zirka 29 999 M. für diesen Zweck bereit gestellt wird. welche sich aus den Ueberschüssen eines Grundstücksverkaufes an die Benzin-LagerungSgesellschaft und Erhöhung des Einkommensteuer- arnndbetrageS zusammensetzt. Ueber die Verwendung soll die EtatSkommission nach Erledigung einer von der Lehrerschaft gegen die Gemeinde anhängig gemachten Streitsache beraten. Der Antrag unserer Genossen auf Anstellung des schon längere Zeit durch Orts- statut vorgesehenen besoldeten Schöffen führte zu erregter Debatte, wozu wesentlich die ablehnende Haltung des Gemeinde- Vorstehers beitrug, der einmal mit einem juristischen Hilfsarbeiter auszukommen glaubte und andererseits ein unleidliches Zusammen- arbeiten befürchtete. In der Abstimmung wurde der Antrag mit II gegen 7 Stimmen angenommen. Beim Titel..Armen- und Gesundheitswesen" wurde der durch den Genossen M u t h begrün- dcte Antrag auf Hinzuziehung von Frauen angc- nommen. Beim Titel„Volksschulwcsen" wurde erstmalig ein Betvag von 399 M. für Zahnpflege der Schulkinder eingestellt, wobei in Aussicht genommen ist, zunächst bei den Reueingeschulten Unter- suchungen und eventuell Behandlungen vorzunehmen. Beim Titel „Gemeindefriedhof" wurde der Antrag des Genossen Muth auf Ab» schaffung der Gebühre» für Reihengräber sowie ein weiterer, die jetzt geltende Einkommensgrcnze für Gebührenbefreiung von 099 M. auf 1599 M. heraufzusetzen, abgelehnt. Ein gleiches Schick- fal widerfuhr dem vom Genossen G r u n o Iv begründeten Antrag auf Streichung der 3599 M. betragenden Kirchcnbeihülfen. Die Beihülfe an den Vaterländischen Fraucnvcrcin wurde gegen die Stimmen unserer Genossen von 399 auf 499 M. erhöht. Der Antrag auf Absendung einer Petition an den Minister um Einführung des zweiten Teiles des Gesetzes zur Sicherung der Bauforderungen für de» Bezirk des Zweckverbandcs Groß-Äerlin wurde nach längerer Debatte angenommen. Der von unseren Genossen gestellte und auch von anderen Vertretern unterstützte Antrag auf Vermehrung der Zahl der Gemcind�ever- treter von 18 auf 24 wurde mit dem Zusatzantrag, die Schöffen- zahl von 4 auf 6 zu erhöhen, mit 13 gegen 4 Stimmen angenommen. Die Ortszulagen der Rektoren wurden von 999 auf 1299 M. cr- höht.— Mit den Arbeilen einer in Eisenbeton hergestellten Bc- festigung der Moorstrecke in der Sicmensstraße soll sofort bc- gönnen werden; die definitive Pflasterung der Straße wird jedoch im Hinblick auf große Rohrverlegungen der Stadt Berlin noch hinausgeschoben. Mariendorf. Ter Etatsberatung in der letzten Ecmcindcvcrtrctersitzung gingen zunächst längere Ausführungen des Gemeindevorstchers über den Voranschlag voraus. Danach sind die Finanzverbälinisse der Gemeinde keineswegs günstig zu nennen, wozu die Geschäfts- führung des vorhergehenden Gemeindevorstehers nicht unerheblich beigetragen hat. Um nur einigermaßen geordnete Verhältnisse her- beizuftihren, bedarf es zunächst einer vollständigen Reorganisation des Verwaltungsapparates. Es ist eine neue Anleihe von einer Million notwendig, wenn anders die Wetterführung der in Angriff genommenen Bauten usw. nicht in Frage gestellt werden soll. Ter Gemeindevorsteher betonte weiter, daß trotz der weiter vorgeschlagenen Erhöhung der Gemeindeeinkommensteuer von 199 auf 119 Proz. und der Erhöhung der Grundwertsteuer dcr Etat nur niit außerordentlichen Schwierigkeiten balanziert werden konnte. Seinen weiteren Vorschlag, zunächst einmal über den Etat eine Generaldebatte herbeizuführen, lehnte die bürgerliche Mehrheit gegen die Stimmen unserer Genossen ab mit der Begründung: sie kennen eine solche Generaldebatte von früher nicht. Beim Kapitel 1: Allgemeine Verwaltung, kritisierte Genosse Reichardt, daß bei der notwendigen Sparsamkeit die Ausgaben an Gehältern und Pensionen um 17 479 M. gestiegen seien und ver- langte Belegschaft hierüber. Dcr Gemeindevorsteher wies daraus hin. daß in diesem Jahre zum ersten Male Pensionen gezahlt werden müssen in Höhe von 8299 M., wovon der alte Gemeindevorsteher allein 6999 M. bezieht. Des weiteren wünscht er die Zustimmung für die Anstellung eines vereidigten Landmessers und eines Sekre- tärs, der sich nur mit Rechnungswesen und Etatsaufstellungen zu befassen habe. Beim Titel 2 verlangte Genosse Günther die Neu- regelung der Arbeitszeit der Nachtwächter, die am Tage noch Boten- gänge für die Gemeinde verrichten müssen und dadurch eine un- menschliche Arbeitszeit hätten. Der Gemeindevorsteher versprach diesen Zustand abzuhelfen. Tie allgemeine Vepwaltung verlangt einen Zuschuß von 33 439 M.— Bei der Einnahme der Kapital- und Schuldenverwaltung stellte Genosse Weber unter Hinweis auf den Turnverein Mariendorf, der von der Gemeinde ein zurückzu- zahlendes Kapital zum Turnhallcnbau bekam, den Antrag, dem Ar- bciterturnverein Mariendorf wenigstens eine Schulturnhalle zu überlassen. Ter Gemeindevorsteher lehnte den Antrag mit dem Hinweis ab, daß die Aussichtsbehörde dem nicht zustimme.— Bei der Armenverwaltung beantragte Genosse Günther, die im der- flossenen Herbst gegebene Notstandsunterstützung in Gestalt einer zehnprozentigen Zulage auch in diesen Etat einzustellen; das sei bei den heutigen Lebensmittelpreisen das mindeste, was man den Armen bei einer täglichen Untersttitzungssumme von 39— 49 Pf. gewähren müsse. Außerdem machte Redner die Anregung, daß bei gesünderen Finanzverhältnissen daran gedacht werden müsse, eine gründliche Reform des ArmenwohnungswesenS, das heute ein geradezu jämmerliches, beinahe menschenunwürdiges zu nennen sei, platzgreifen müsse, und zwar durch den Bau eines Spitals. Die Mehrheit stimmte dcr Beibehaltung der zehnprozentigen Erhöhung zu und erklärte sich auch mit der weiteren Anregung unseres Gc- nassen einverstanden. Bei den allgemeinen Aufwendungen der Armenverwaltung verlangte Genosse Reichardt die Beschleunigung der notwendigen Einführung der Generalvormundschaft. Genosse Weber forderte unter Zustimmung der Mehrheit bei der Unterbrin- gung von Fürsorgezöglingen äußerste Vorsicht und empfahl mit Rücksicht darauf, daß die Gemeinde keinen Einfluß auf das Für- forgeerziehungswefen Hab«, die Anwendung der Fürsorgeerziehung nur in den allernotwendigsten Fällen. Im weiteren verlangten unsere Genossen die Versicherung der Armenkommission während der Ausübung ihres Amtes. Dem wurde zugestimmt. Ter Armen- etat fordert einen Zuschuß von 33 399 M.— Bei der Schulvcrlval- tung bildete das Reformrealgymnasium Gegenstand einer langen Debatte. Für die geringe Schülerzahl muß die Gemeinde pro Kopf der Schüler nur an Lehrkräften 462 M. ausgeben, so daß die Ge- fcnntkosten ungefähr 1999 M. pro Schüler ausmachen, was nicht weniger als 19 Proz. unserer Gemeindeeinkommensteuer ausmacht. Wenn der Besuch so gering bleibt, werden später vielleicht Klassen mit 3 bis 4 Schülern vorhanden sein. Die Südender Vertreter bekundeten dabei einen sanderbaren Ortspatriotismus, indem sie erklärten: Die Südender Einwohner schicken ihre Kinder deswegen nach auswärtigen Schulen, weil das Gymnasium nicht mehr in der Nähe des Ortsteils Südende gebaut sei. Genosse Weber beantragte hierbei, die Freistellen am Gymnasium von 3 auf 19 Proz. zu er- höhen, damit intelligenten und befähigten Schülern der Gemeinde- schule der Besuch möglich gemacht werden könne. Dieser Antrag wurde im Prinzip angenommen und dem Kuratorium überwiesen. — Bei der„Volksschule" verlangte Genosse Weber zunächst die Er- höhung der Position„Zahnärzte" auf 1399 M., um mehr Sorgfalt auf die Zahnpflege verwenden zu können; auch verlangte Redner die Streichung von 849 M. für die Erteilung des katholischen Re- ligionSunterrichts. Während erstereS zur wohlwollenden Berück- sichtigung angenommen wurde, lehnten die bürgerlichen Vertreter die Streichung ab. Indessen wurde der weitere Antrag unseres Genossen, die Summe für Beschaffung von Lehrmitteln und Büchern für unbemittelte Kinder auf 699 M. zu erhöhen, nach eingehender Begründung angenommen.— Bei der Fortbildungsschule verlangte Genosse Reichardt, daß der Zeichenunterricht auch für ungelernte Arbeiter eingeführt wird. Dem wurde zugestimmt.— Beim Titel »Straßenverwaltung" beantragte Genosse Reichardt die Ausdehnung der Ferien auch auf die Straßenarbeiter. Der Gemeindevorsteher versprach nach dieser Richtung ein� Revision für alle Gemeinde- angestellten.— Bei„Insgemein" sprach Genosse Reichardt seine Verwunderung darüber aus, daß für die Errichtung des Gewerbe- gerichts, das im Prinzip zum 1. April d. I. beschlossen ist. keinerlei Ausgaben verzeichnet seien. Ter Gemeindevorstcher erklärte, daß cr bei seinem Amtsantritt keinerlei Borarbeiten vorgeftmden und infolge anderer brennender Fragen noch keine Zeit dafür gehabt habe. Er versprach aber die baldige Errichtung, die allerdings die Anstellung eines besoldeten Schöffen notwendig machen würde.— Bei der Steuerverwaltung stimmte die Vertretung der Erhöhung hat bereits wieder be- zu beschleunigen, findet Ter Preis für 19 Pfund der Gemeinbeeinkommensteuer auf 119 Proz. zu. Ebenso der Er- böhung auf 3 M. pro Mille des bebauten und auf 4,5 des unbebauten Grundbesitzes. Interessant war dabei die vom Gemeindevorsteher zur Begründung ins Treffen geführte Statistik. Danach haben physische Personen als Einwohner 19,8 Millionen Besitz an Grund- wert Solche Personen, die außerhalb wohnen, 18.4 Millionen, Gc- sellschaften außerhalb 19.76 Millionen und hiesige Gesellschaften 3 93 Millionen des Grundwertes. Dies zeig!, in welcher Weise am Ort Spekulation getrieben wird. Zum techluß erhob Genosse Reichardt die Forderung, die noch im Orte besonders zur Erhebung gelangenden indirekten Steuern baldigst zu beseitigen. Marienfelde. Fum besoldeten Gemeindevorsteher wurde in der bongen Gemeinde- vertrelers'tzuilg der Bürgermeister Dr. K l u m f a ß aus Briefen in Westpreußen gewählt. Am Mittwoch fand die Beratung und Beschluß- fasiupg über den diesjährigen Etat statt. Von einer Beratung kon.tte eigentlich nicht gesprochen werden, denn durch den gedruckt vor- lieaenden Entwurf ging nur ein„Blätterrauschen". Einnahme und Ausgabe balanziert mit 953 139 M. gegen 941 609 M. im Borjahre. Es sollen 119 Proz. Gemeindeeinkommensteuer und 3 M. pro Mille als Grundwerlsteuer vom bebauten und unbebauten Grundbesitz er- hoben werden. Als Gebühren für die Brauchwasserkanalisation ge- langen 4 Proz. des staatlich veranlagten GebäudesteuernutzungSwerlcs zur' Erhebung. Mahlsdorf an der Ostbahn. Zur Stichwahl in dcr zweiten Abteilung gibt die Bezirksleitung folgendes bekannt: Am Sonnabend, den 23. d. M., nachmittags von 3—8 Uhr, findet die Stichwahl zur Gemeindevertretung in der zweiten Abteilung statt. Dcr sozialdemokratische Wahlverein tritt einmütig für die Kandidaten de? Verbandes kommunalpolitischer Vereine, die Herren Grützner und Siewert ein, nachdem sich beide Organisationen über folgende kommunale Programmpunkte geeinigt haben: 1. tunlichste Vermeidung weiterer Steuererhöhungen: 2. keine einseitige Bevorzugung der Grundbesitzer bei der Festsetzung der Steuerlasten; 3. Vervollkommnung der Volksschule, vor allen Dingen Schaffung besserer Schulvcrhältnisse in Mahlsdorf- Süd, bis dahin Uebernahme deS Schülcrfahrgeldes auf die Gemeindekasse; 4. An- ftellung von Krankenpflegerinnen und Anschaffung von Kranken- traii«portmi!teln terch die Gemeinde; 5. Regelung der Beseitigung von Müll, Abwässern und Fäkalien; Reinigung und Instandhaltung der Straßen und Plätze durch die Gemeinde. Wir ersuchen deshalb alle Parteigenossen, auch diejenigen, welche auS irgendeinem Grunde bei der Hauptwahl nicht gewählt haben, am Sonnabend, den 23. d. M.. ihre Stimme für die Herren G r ü tz n e r und S t e w e r t abzugeben. Hermsdorf i. M. Ter Kartoffelverkauf dcr Gemeinde gönnen. Ilm die Abgabe der Kartoffeln die Bezahlung an die Gemeindekasse statt.. �. beträgt 9.49 M. Tic Abgabe erfolgt bis zu 39 Pfund. Der Ver- kauf findet nur Mittwöch und Sonnabend vormittag statt. Klosterfelde. Gemrindewahlsieg in der zweiten Klasse. Die am 17. Februar stattgefundene Gemeindevertreterwahl, in der unserer Genosse B ä h r in dcr zweiten Klasse gewählt wurde, hatte bekanntlich die Gemeinde- Vertretung für ungülttg erklärt. Am 12. März fand nun die Reu- wähl statt, in der auf unseren Genossen B ä h r 21, auf die Gegner 21 bezw. 3 Stimmen entfielen. Bei der am Mittwoch statt- gefundenen Stichwahl siegte Genosse B ä h r mit 24 gegen 23 Stimmen der Gegner. Germendorf bei Oranienburg. Bei' der Gewriudevcrtreterwahl der dritten Abteilung wurde Genofle Wilhelm Holz mit 38 Slimmen gewählt. Gegner waren nicht aufgestellt. Somit ist die ganze dritte Abteilung durch vier Sozialdemokraten vertreten. Zchenkendorf bei Königs-Wusterhause«. Bei der Gemeindevcrtrcterwahl der dritten Klasse wurde unser Genosse Karl Drucker mit 33 gegen 7 bürgerliche Stimmen gewählt. Somit zieht der dritte Sozialdemokrat in das hiesige Dorj- Parlament ein. Spandau. Protest gegen den Waldverkauf. Gegen den beabsichtigten Waldverkauf der Stadt Spandau sowie gegen den Ankauf der Ruft- wiesen an der Oberhavel durch die Stadt fand am Mittwochabend in den Bismarcksälen zu Spandau eine vom kommunalen Wahl- verein einberufene ProtIstversammlung statt. Der Referent Damaschke-Berlin verurteilte die Waldverkäufe und die Abficht der Stadt, an der Oberhavel eine Jndustriesiedelung zu schaffen. In der Diskussion wurde auch der Ankauf der Rustwiesen durch die Stadt scharf kritisiert, namentlich die Bestimmung, daß die Stadt beim Wiederverkauf auf jeden Verdienst verzichtet. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, in der gegen den Wald- verkauf und den Ankauf der Rustwiesen Einspruch erhoben wird. Die Bürgerschaft müsse bei solchen Millionenunternehmungeu vorher gefragt werden. Gegen den Ankauf der Rustwiesen wenden fich auch zwei Zu- schriflen, die uns aus-Parteikreisen zugegangen sind und m denen dargelegt wird, im Gegensatz zu der von uns veröffentlichten Zu- schnft eines Stadtverordneten, daß die Zustimmung zu dem Ankauf der Rustwiesen nicht im Interesse der Bürgerschaft gelegen sei. Einmal sei der Preis ein viel zu hoher und zweitens laufe die Beschlußfassung auf eine Begünstigung eines Spekulantenlonzerns hinaus. WaS die Versammlung deS kommunalen Wahlverein« betrifft, in welchem gegen den Waldverkaus protestiert wird, so sei bemerkt, daß unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung mit aller Entschiedenheit sich stets gegen den Waldverlauf gewendet haben.__ Jugendveranstaltungea. Ober-Schöneweide. Am Sonntag, den 24. März, wird von deu vt- suchern de« Jugendheim« da» Museum sür Meereskunde besichtigt. Treffvuntt: Jugendhelm. Klarastr. 2, nachmittags 2 Uhr. Tie Eltern der Jugendlichen sowie Freunde der Jugendbeweguno sind hierzu eingeladen.__ Jugendauslchuß. ßneffeaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen HeUftiUte«. Dlesenlge- unserer Abonnenten, die noch während d«S ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ucberwetsinig von Frei- ercmplare» sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern d«S neuen Monats von der Post nicht grliesei» werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werbt«, Eingegangene Druck rdmften. Von der„Reuen Zeit« Ist soeben da» LS. Hest deS 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt d«S HejteS beben wir hervor: Der Berg. arbeitcrstrcik.— Ter englische Vcrgarbcilerstrcit. Bon Th. Rothstein(London,. —»old, Papier und Ware. Von K. Kautsky.(Ichlutz.)— Zur Partei- läge in Italien. Von Oda Olberg.— Literarische Rundschau: Benjamin R. Tucker. Die Stellung de« Anarchismus zur Trustfrag-,«on«. Erfstti,,. — Zeltschristenschau. Feuilleton der.Neue» Zeit" Nr. 4S: Mythologie und Anthrovologre ,n der Kuliuraeschtchte. Von 3? Sommer. Hastz. Do» Diesenbach.— Büchcrschau: Aisous ftcpold, Memoiren eines Auges. Die„Reue Zeit" erscheint wöchciitiich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstalleii und«oiporlcurc zum Preise von Z.üS M. pro Luartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quarlal abonniert werden. Da« einzelne Hest tostet*6 Pf. «on der„Gleichheit-, Zeitschris» für die Jnt-reffe» der ArieUerwneu. Ist UNS soeben Str. 13 des S2. Jahrgangs zugegangen. Mai dem �nioU dieser Nummer beieZ» wir herbar! MSrzenftärNle� Bon R. Luxem- bürg.— Für Opfer der jUds-itjusliz im Zarenreich. Von Alexandra .«lollonlay.— Die Teuerung.(Für die Lese- und DiSkus sionZadende.) Von Kä!c Tunckcr.— Der deutsche Frauenkvngretz. Von Mathilde Wurm.— Berusssragcn vor de», bürgerlichen Frauenkongreh. Von g. Ii.— Die Frau in der Industrie und Landwirtichast Württembergs, l. Von m. uiw. Die..iHleichbeit" ericheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfcnniq, durch die Post bezogen beträgt der Aboiinemcntsprcis viertel- jährlich ohne Bestellgeld Sö Pj.; unter Kreuzband 85 Pf. Lahresabonnc- menl 2.60 M. m � � � �. Vom, Wahren Jacob" ist soeben die 7. Nummer des 29. Fahr- ganges im Umfang von 16 Seiten erschienen. Sie bringt ein gute? Porträt des verstorbenen Bergarbeiterdichters Heinrich Kamp che» und Zwei bisher»och unverössentlichteOi«dicht« desselben:»Der alte Bergmann" und:»Das Lied derArbeit". Aus dem sonstigen Inhalt der Nummer heben wir hervor! Zeichnungen: Nlärz-Zauber. Von H.(8. Jendsch.— Rinaldim in Nöten. Von Leo.— Politische Revue. Von H.<8. Leutzsch. RoMisch- Germanisches. Von H. G. Jentzich.— Belehrung. Von Erich Schilling u!w. Text: Der Nationalliberaie. Von Lehmann.— Schwarzburg-Rudol- stadt.— Die Revolution in Rudolstadt. Historiiche Skizze von Hani Flux. — Ein Konslikt und seine Lösung.— Die lustigen Klosterbrüder. Von Tobias usw. Der Preis der 16 Seiten starken Rummer ist 10 Pf. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. T ietz Nachs. G. rn. b. H. in Stutt» gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen._ «SitttrungSLberficht vom 21. Miirz 1912. Wetter ichncc 1 Wetterprognose für Freitag, de« SL. März 1912. Mild und teilweise heiter, aber veiänderlich, mit etwas Regen ziemlich starken südlichen Winden. Berliner Wetterburea Bi« C"» f* w 5, -1 1 8 1 6 und U. Marktbericht von Berlin am 2V. März 1912, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidinms. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Speis cbohnen, weihe, 35.00—56,00. Linien 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8.00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchflcilch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Tler 3,60—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,40. Aale 1,80—3,00. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40."00 Stück Krebs c 4,00—30,00. Wailerstands-Nachrichte» der LandeSanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea». Wasserstand M e m c I, Tilsit P r e g e l, Jnstcrvurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Kroffen , Franlsurt Warthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Vordamn« Elbe, LeitmcÄtz , Dresden , Berby , Magdeburg am 20, 3. cm 390 8 3t0 160 164 173 84 94 21' 48 —76 181 147 seit 19 3 ern1) —20 —9 —28 -6 —9 — 4 — 4 — 10 +1 _ 2 +5 —4 —3 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau i) . Rathenows Spree, Spremberg�j » Beeskow Weser. Münde» „ Minden Rhein, Maximilians au , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 20. 8. cm 112 88 92 68 107 185 272 370 203 234 94 179 192 seit 19. 3. cm1) +2 +2 +2 0 0 —1 +10 +4 +3 —1 +4 + 1 +36 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— � Unterpegel. Dingels 3 Preise-System Amct Wer hat jeder Garantie, Fertige reell ist geeignet|gd@H KSNA ZU SKKMZSU. reelle Garderobe vom Sehneidermeister aus erster Hand zu kaufen. l, Preis: ss. 28"? II. Preis; SB 36" I sr llI.P«l!;S=45 Hose � fio riUel.«wzÄ olZt» Vornehme�Jaßanferttgung�i� Ä. RilllJBl, SchüBidBrniSiStBr, 31 0[i9USS66Slri 31i �aäcUe iii.Freis; ssst Anzüge u. Paletots nacb Maß aar 5 M. Zuschlag. und vom Mallschneider gearbeitet billigst. □ □□ DDD □□□ Theater und Vergnügungen Freitag, 22. Mär, 1912. ?lusang 12 Uhr. Kgl. LperubauS. Sinsoniematinee. Änsaug 71/, Uhr. Kgl. Qpcriidous. Sinsoniekonzert. «gl. Schauspielhaus. Geschloffen. Teiitichcs. Penthesilia. Zirluc- Buich. Gala-Dorstellung. Zirkus Sarrasant.(Lala» Vor- ftelkuua. Haverland. Spezialiläte». Lvsjiug. Die Wildente. tiouillche cver. Die Hexe. Anlmig 8 Udr. Urania. Tandenftrahe 48/49. Ter Großglockner, Gasteiu und die Saizburgei Alpen. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Schillings: Naturschutz in den Kolonien. Ztrtns Schinna»«. Gastspiel de« Deutschen TheaierS: Jeder- mann. Kauiiiicripiele. Eine glückliche Ehe. Klvnics. Und daS Licht scheinet in der Finsternis. Königgrätier Strafte. Die jüns Fiaulsurter. Sirucs Schauspielhaus. Jamllten- kind. Neues. Der liebe Augustin. Residenz. Alles sür die Firma. Kiiriürsteuoper. Die verlauste Braut. Westen. Geschloffen. Lust'piclhaus. Die Damen dt» Regiments. Berliucr. Große Rosinen. Neues Lveretirn. Eva. Schiller«. Lady DmdermereS Fächer. Sch-(fbarlottenburg. Der Weg zur Hölle. Frirdr.> Wilh. Schauspielhaus. Lcutnanlsmündel. Luiie«. Eine leichte Person. Rose. Der Gesangeue von Zenda. Mceeoi-o.. Die Nacht von Berlin Triano«. Da« kleine Easö. Stbalia. Aulolicbchen. Wiiitergarie». Spezialitäten. Gasino. Die wslige Strohwitwe. slpouo. Los Nr. W. SpezmlUäten. ivailape. Soczialitäten. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Der Hausleuset. Königstadt- Kasino. Ein fideler Zicchlsnnwalt. Bruder Julius. Spezialitäten. ReichSiinUen. Stettwer Sänger. Ansang S'l, Uhr. Folies Eaprirr. Der Polizeihund. Das Broadwah-Girl. Walhalla. Menschenrechte. Boigt. Badnr. 58, Gesundbrunnen. Maria Stuart. Aniang 8'/, Uhr. Reue« Bolkstheater. Der zer- brochene Krug.— Fritzche». Bclle-Ztlliauce. FruhlingSlust. Jntlmes. Der Brandstister., Sternwarte, Jnvaiidenstr. 57— 62 SeflileFTIieaierOÄ: Freilag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: ldMiy Vl'Inävrmvrci,» Fttcher (sonnabend, abends 8 Uhr Kyrlu-Pyrits. Sonniag, naann. 8 Uhr: Der Probekandidat. Sonnlag. abends 8 Uhr; Kyrltz-Pyrlt«. SchillerTlieaiep D�c?»«rHüUe. Sonnabend, abends 8 Uhr vi«.1 lidin von Toledo. Sonniag, nachm. 3 Uhr: l)on CJarlo». Sonniag, abends 8 Uhr: _«Jr&fln l_ Königsiadt-Kasino. SckeHoizmartt- u. Ai exanderstraß« Täglich s Ein jideter Rechtsanwalt und Bruder Julius. Außerdem 6 ersttl. Glanznummern «ns, 8 Uhr. Sonntags'/.S Uhr. Muiw. Sonnab., Sonnt.: Tanz. berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. IdMiiillei'WgMkfMö Abends d Uhr: Vis S Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnt. 3'/, Uhr: Her Vogelhändler. Residenz-Theater. Direktton Richard NIcxander. Abends 8 Uhr: Alles für die �irma. Schwant in 3 Akten von M. Hennequin und K. Milchcll. Für die deutiche Bühne bearbeitet von Bollen-BaeckerS. Mvrgen u. folg, Tage: Alle» 1,6. flirma. Sonntag, 24. März, 3 Uhr: Vor Prinzgemahl. Theater des Westens. Heule: CiQKeliIo««en. Sonnabend 7'/, Uhr zum erstenmal: Die schöne Helena. Sonntag 3'/, Uhr: lliü Walzartrauw. Luisen-Theater. Freitag s Eine leichte Person. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rot- käppcheu. Abends: Tie Rose von Japan. Sonntag nachm. Z Uhr: Othello. Abends: Die Rose von Japan. !08c-7N�s Große Franttnrlet Str. 132. Abends 8 Uhr: Der Gefangene von Zenda. Sonnabend nachm. 4 Ubr: Aschen- brödel. Abends: Der Gefangene von Zenda. Sonntag 3 Uhr: Der Glöckner von Norre-Dame. Metropol-Ttieater. Abends 8 Uhr: Rauche» gestaltet. Die Nacht von Berlin! Kroße JahreSrevue in 7 Bildern von Iui. Freund. MusiPoon B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Brauerei friedriehshain 22—24 o Am Friedrichshain« 22—24 Sonntag, den 24. März 1912: Frühlings-Konzert der 60/7 Sänger-Abteilung I(Süd-Ost) (M. d. D. A.-S.-B.. Gan Berlin) Chormeister: Herr Paul Kurz. Unter Mitwirkung des Berliner TonkUnstler- Orchesters. virig.: Herr Franz Hollfelder. Nach dem Konzert; 1007 Herren, di« daran teilnehmen I OHL— zahlen 50 Pfennig nach.— T IT Kasseneröffnung 5 Uhr. Anfang des Konzerte 6 Uhr. BlUett 50 Pf., an der Kasse 60 Pf. Bauchen vor und während des Konzerts höflich Jl 99 CLOU" Ab 8 Uhr vorleftte Woche-HMI der großen komischen Novitäten Oscar und Suzette moderne Tänzer Ii09 No. 33 usw. Berliner Konzert«Haus. Mauerstr. 82 Zimmeretr. 90/91. Großes Konzert!"WZ Mosike. d. 1. Grde.-Ulan.-Regte. Oberm. liocser. und !!! Zillerfhaler and Tegernsecr Singer, Plattler and Jodler!! I Anfang S Uhr._ Anfang 8 Uhr. Heute abend Anfang 12 Uhr: Tage-Rennen Spoitpalast, Potsdamer Str. __«8. März. ■ KassenerSnnung 7 Ubr.—— Zirkus A. �ehnuRann Freitag, 22. März, abends 8 Uhr: Keine Zirkusvorstellung sondern Gastspiel d. Deutsch. Theater s Jeclermaim von Hugo v. Hoffmanhsthal. Regie Max Reinhardt. Morgen Sonnabend f/s Uhr; (■rande(SolrAe Highlife Die besten Radkiliistlcr 5 Herren Aurora 5 sowie alle übrigen Spezialitaten. Um U Uhr: Das Motorpferd in 5 Akten. arrasami iebliiteer Allee. Telephon: Nord 4100 1 Allabendlich 71/] Uhr: 1 Galavorstelluugen Sonnabend, Sonntag und Mittwoch: je 2 Vorstellungen. Galerie 40 Pf., III. Platz I 70 Pf,, II. Platz 1,20 M.,. I. Platz 2 M., Parkott 3 M., I Logensitz 4 M. Vorverkauf a. d. Circns- kasse und an sämtlichen | Billettverkaufsstollen von| A. Wertheim. Das |(ieister= fenster. J Das weiße Geheimnis. | Meli», die schönste Tänzerin Rußland«. Schneider-Duncker und das große März- Prograram! Umfeld M1 Sonntag, den 24. März 1912. im»Moabtter GcsellfchaftShauS�, Wtclefstr. 24: Gr. Lichtbilder-Vortrag. Wanderungen durch die Mark, von«skw boiic. Ein neuer .Concutinneorfnln»« �ttenacit. Maientage im Lande Ruppin. Am Rlp O�lliANUvAttlS�K Ruppiner Schweiz. RhcinSberg. Der Siechlin. Gransce. Ate man 1. Daö Ruppiner Land. DaS Land zu Zeilen der alten Germanen und Wenden. Seine Kolonisation. Entstehung seiner heutigen Boden» be'chnffenheit. Maientage im Lande Ruppin. Am Ruppiner See. Die tttönner bessert. 2 Alle von Anton u. Donat Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Der ftausteufel. Ansanz 8 Uhr. SJitkttromrtouj 11-3(Theaterfasse) AmBalmbofl Allabendlich: Tänze auf d. Eise. Die kleine Charlotte.| Weltmeister Die Plailenburg.' Flügiandstrelsen und Wicsenmoore. Zum Hünengrab! W Ur�k Bn DUür von Seddin. Die Burgen an der Grenze Mecklenburgs. Heillgengrabe. W Ul Ul IliUllJll »ittstock. � Zechlln und der Wummsee. 1»� �' I Nach de«-vortrage: GtstillgtS KktsliMiitttisetN tl. kltNZ. Beginn 7 Uhr._ 1/2* Eintritt SS Pf. II. I« der Prleguttz. Havelberg. Wilsnack und dl« Wallfahrtskirche. Platt, Lelle-ziliMee-Tdealei'. >/,S Uhr: Frühling s luft. Sonnabend: Im bnuten Rock. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: l)«s kieiae(stS. Das prächtige EisbaUett Alpenzauber. Nach mittags: Kunst laut- Produktionen. Bis B Uhr und von 10*/, Uhr abends halbe Kassenpreis«. UraniUs WiBsenschaftliohea Theater. 8 Uhr: Der GroOglockner, Oasfein nnd die SaUburger Alpen. Hörsaal Prof. Schillings 8 Uhr: Naturschutz in den Kolonien. SSIrkus Busch Freitag, den 22. März 1012: Ouln- Vorstellnng. Wegen Beendigung eines besonders wichtigen Ringkampfes muß die Pantomime ausfallen. Wir verweisen auf mündliche Äus� knnft im Zirkus. elephon Amt Nord. 840). in VI, Uhr: Beginn des zirzensisch. Programms. U.a.: Herr Georg Burkhardt■ Foottit, Schulreiter.— Die Orplngtons! Unübertroffen, Rekordleistung gymnastischer Kunst. ca. 9 Uhr; Ringkampf. Sonntag, den 24. März 1912: Nachm. 3'/. Uhz: Oie Hexe. �SIB Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Freitag, den 22. März 1912: Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Ausz. v. Fr. v. Schiller. Kassenerössnung 7, Ausang 8'/, Uhr. Voranzeige! Montag, I. Aprit: Benefiz sür Lina u. Karl Mocller: Gin Sohn des Volkes 1 liebend! liebend! Hede, da« Löwen- mädehen. Das Mädchen mit dem Milhnenkopf. Halb Mensch— halb Anlmal. Daa blaue Weib. Die Frau in der Kanne. Ohne Extra-Entree! Folies Capriee. Täglich 8'/. Uhr: Die Salfon-Scblagcr D er Polizeihund. as Broadway-Giri. ReicbshalleD-Iheater. Stettiner Sttngcr Zum Schluß: Eine Hochzeit t« der Müllerftrafte. € Burleske von Meysel. Ansang mm wochentags Sonnlag 7 Uhr. Cssino-Tkvs�si» Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Vtr Novität!-MU Der neue Posseuslhlitger Die lustise Stroh tviwe. Posse von Misch und Jacoby. Sonnt. 3'/,: Die Fechter d. Sir äflingt. Für den Inhalt der Jnierate übernimmt die Redaktion den, vndlttnm gegenndtr trillerte i Brranllvortung. Nnbanii derSchntidkr und Schneidcrinuci Nachstehende Firmen haben den Tarif der Herremnaßschneider nicht anerkannt: ?ldam, Leipziger Sir. 28 Albrecht u, Kncharowicz, Französische Itr. 8 Zischer, Spittelmarkt Baum, S., Bchrenstr, 14/16 Lehrend u, Rahr, Friedrichstr. 166 Berg u. Äfksi, Kraus enftr, 3 Berger u. 5titta, Charlotlcnstrsße visier, Unter den Linden 69 Bloch u. Co., Friedrichstr. 293 Bübling, Kanonierstr. 1 BoUmami. Skaiscr-Wilhclmstr. 31 Borst, Markgrasenstr. 89/90 Bothmer u. Dünzer, Unt. d. Linden 13 Böttcher, Steglitz, schloßstr. 88 Braun, Steglitz Braun, Hartw.', Franzöfischestr. 49 Busse u. Goßmann. Zimmerstr. 49 Byk. Zigm., Friedrichstr. 10" Cavanagh, Unter den Linde» 3 Cohn, H., Kaiscr-Wilhclmstr. 2 Cunolo u. Co., Friedrichstr. 90 Dahms, Gebr., Krausenitr. 2. David, H., Friedenau, Siglindestr. 10 Didszun, W., Cbarlottenburg, JoachiinSttzaler Str. 40 Dicgman», A., Ziegelstr. 26 Dittmann. A.,.Friedenau, Jsoldcstr. 5 Dobberstein, Dresdener Str. 42 Ebenstem, Unter den Linden 40/41 Ehrich, Zllbert, Mauersir. 95 Ehrlich u. Danz, Mittel'tr. 9/10 Ehrlich, Alcxanderstr. 2 Eifing, Charlottenburg, Kantstr. 145 Ellrot, Jnh. Rud. Pabst, Unter den Linden 57 Engel, W., Klosterstr. 37 Eppendors. Französischestr. 62 Esders u. Tychhoff, Gertraudtenstr. 8/9 Exilier, Charlottenstr. 79 Fabian u. Hrich, Unter den Linden 71 Facthe. Königgrätzer Str.«3 Faßtessc!».Müntniann, Unt.d.Lindenll Fischer, Ludwig, Unter den Linden 47 Fordan, Zimmerstr. 29 Förder, J.. Uursürslcndamm 20/21 Frank u. Co., Französischestr. 49 Franz, Heinnch, Markgrafenstr. 67 Geduldig, Foachimsthaler Str. 9 «Benkel u. Freitag. Potsdamerstt-. 13 Genossenschaft, Erste Produktiv-, Kom- mandantenstraßc Gerion, Herrn., Werdcrschektr. 5/6 Goldschmidt, Friedrichstr. 150 Gollop, Louis, Unter den Lmden 15 Graes, Gebr.. Nächst. Lust u. Türk- selb, Kallstr. I Greger, A., Alcrandrinenstr. 73 Griewijch, Fr., Unter den Linden 53 Groß u. Markmann, Mohrenstr. 58 Grüder, M.. Wilbclinslr. 23 ««ründlcr, Schützenstr. 53 '»umpert, S.. Steglitz, Albrechtstr. 8 Haensch, Kruphstr. 5 Hanson, Paul. Grcnadierstr. 22 Haustein, Oranienftr. 123 Heckenberger u. Becker, Unter den Linden 48/49 Herpich Söhne, Leipziger Str. 9/11 Herz. D., Französische Str. 33 Herzberg, Gust., Zimmerstr. 24 Heyder u. Jean Jogues, Unter den Lmden 33 Hillmer, Dorotbeenstr. 54 Hinkel, Französische Str. 19 Hoffmann, Hermann, Friedrichstraße 50/51 Holters, Wilh., Louisenstr 41. Homuth, Ckarlottenburg, Kaffer- Friedrich-Str. 48 Horwitz u. Co.. Mohrenstr. 25 Hrncir u. Malirski, Unter den Linden 20 Jankowski, Charlottenburg, Bismarck- straße 9 Jary, Peter, Französische Str. 49 Jffland, Ernst, u. Sohn, Charlotten- straße 48 Jockey-KIub, Unter den Lmden 75 Johannsonv, Neanderstr. 25 Isert, Friedrichstr. 113 Jürgens, griedt-ichstr. 216 Katzenb erger, Anbaltstr. 17 Keller u. Furch, Fitedrichstr. 183 Kern ii. TschirbS, Charlottenstr. 88 Kirichstein u. Eo., Charlottenstr. 49 Knebel, Friedrichstr. 30, Hueubühler, Krauscnflr. 69 Koppel u. Hlises, Dorotbeenstr. 42 Koppel, M., Kroncnstr. 66/67 Koslowskn, Kanonierstr. 3 Kasse u. Boldt, Mauerstr. 77 Kröhan, Char lottenburg, Dallstr. 30 Kruse, M., Oranienburger Str. 4 Kühne. Ed., Friedrichstraße Kunz u. Korizek, Neuflädttsche Kirch- straße 3 Kurta, Friedrichstr. 153a Levq, Unter den Linden 61 Lcwithal, Mauerstr. 2 Lemke, Schdclstr. 31 Lewkowitz, Alexanderltr. 14s Liebenthal, Hugo, Unter d. Linden 54/55 Lindemann, B. u. Wcstendorf, Jnb. Zibbel, Dresdener Str. 56 Lingott, Gebr., Alcxandrinenstr. 67 Lippmann, Benno, Leipziger Str. 30 Lubahn vonn Stein, Schadowstr. 4/5 Lucht, Jägersir. 69, 2 Tr. Lukas st., Mohrcnstraßc Magnus, Unter den Linde» 69 (Krakow) Mathias u. Schade, Besselstr. 11 Matz, Brüderstr. 13 Maurer, Rud., Friedrichstr. 65a Mayer, Freitag Aachs., Friedrich- straße 36a Mehl, Cbaussecstr. 124 Meyer, Mohrenstr. 9 Mcyhöfer. Friedrichstr. 187/188 Möller Söhne, Friedrichstr. 35 Müller, Arnold, Leipziger Str. 95 Müller, Fritz, Gr. Frankfurter Str. 95 Müller, Otto, Oranienftr. 30 Musa, Friedrichstr. 72 Rachmann, Alte Schützenstr. 1 Nielsen ir Tbulin. Charlottenstr. 34 Nos u. Schulze, Unter den Linden 21 Peel u. Cloppenburg, Gcrtraudtcn- str. 25/27 Pix, Alois, Markgrafenstr. 80 Pluskiewitz, Markgrafenstr. 22 Pockornh u. Görke, Friedrichstr. 2t 1 Prahft n. Lemke, Friedrichstr. 44 Priebe, Luffenstr. 27 Princc oi Wales, Friedrichstr. 188 Remke, Chorlottenburg, Tanroggcner Str. 1a Richter, Franz, Kanonierstr. 6, I Riethmüller, Molkenmarkt 5 Romann, Krausenstr. 4/5 Rönsch, Charlottenstr. 86 Rückert, Emil, Mohrenstr. 53 Rüdiger u. Suhr, Rolentbaler Str. 45 Rudolf, Gertraudtenstr. 10/12 Rund u. Co., Alexandcrstr. 37a Salzwedcl, Mohrenstr. 53 Santter il Happeck, Charlottenstr. 59 chachtcl, Mxandcrstr. 50 Verlposli 6. Birk u, Co., mliMOnclien. Schaius, Kralisciistr. 12 Schalin, Unter den Linden 52 Schimmler, Königgrätzer Str. 4 Schöndube, Friedrichstr. 167/68 Schöning u. Lindner, Krausenstr. 35/36 Schramm, Kochstr. 18 Schulmeister, Dresdenerstr. 4 Schulte, Jnh. Brodcrlen, Krausenstr.71 Schulz, Gebr., Markgrasenslr. 46 Schwarz, Lud., Friedrichstr. 158 Sebastian u. Storck, Mittclstr. 18 Segall, Leipziger Str. 30 Selig. Arnold, Unter den Linden Sendke, Dorotbeenstr. 30 Sigger u. Lorenz. Jägerftr. 8 Sitzki, Markgrafenstr. 75 Skala, Unter den Linden 10 Slobinsky n. Grünmaher. Kochstr. 11 Spicher, Karl, Riederwallstr. 26/27 Steinberg, Joh., Jnh. Minak u. Stein- berg, Neustadt. Kirchstr. 15 Stelzner, Charlottensti. 48 Stephan, Französischestr. 19 Steuer, R., Kommandanten str. 48 Stier, Karl, Oranienftr. 166 Stolzenberg, Oranienftr. 72 Tackmann, Jcrusalemer Str. 9 Thiel, Unter den Linden 51 Tolksdorf(Englisch Compagnie), Unter den Linden 66 I Torkler n. Sohn, Französischestr. 13 Treitel, Werdcrstt. 6 Tributh, Friedrichstr. 214 Trniitz u. Boß, Behrenstr. 28 Tschirbs, Friedrichstr. 54 Bandsburger, Friedrichstr. 7 Bortrcfflich, Friedrichstr. 143 Warenhaus für Armee und Marine Wellhauscn, Neue WUHelmftr. 2 Wendt u. Redlich, Unter den Linden 29 Werner, Anton, Charlottcnburg, Knese- beckstraße 83 Wolfs u. Keller, Charlottenstr. 28 Wolfs, M., Leipziger Str. 105 Wolff il Schulz, Friedrichstr. 49a Woormann, D., Französische Str. 46 II Zobel, Karl, Köpenickcr Str. 124 Zuttermann, M., u. Haß, Behren» straße 24 Käß, Französischestr. 52 Krause. Charlottenstr. 1 Kricwitz u. Borgward, Kanonierstr. 10 lieber die genannten Firmen wird hiermit die Sperre verhängt. Der Schneider.fosvpli Gaczareck, Elsasser Straße 41, fertigt Streikarbcit an und vermittelt solthe. Ueber dessen Werkstätte wird hiermit die Sperre verhängt. 163/4 Diäd, JÖetiin SV� Hr. 69. 29. Jahrgang. 4 Stillt dts.Amiick" Sttliiitt WMM ftfünj, 22. Pötj 1912. Stadtverordneten• Verfammlung. 11. Sihung vom Donnerstag, den 21. März, nachmittags L Uhr. Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5� Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen ehe- maligen Oberrealschuldircktor Dr. M a r c u s e. In den Ausschutz zur Beratung der Frage wegen Errichtung von Walderholungsstätten usw. sind von der sozialdemokratischen Fraktion die Stadtvv. Koblenzer, Schneider und Dr. Wehl deputiert. Zunächst wird die Wahl von 8 Mitgliedern in das Kuratorium für das städtische Rettungswesen vorgenommen. Gewählt werden Stadtvv. Hammerstein, Landsberg, Sachs(A. L.), Dr. Gelpcke, Dr. Ritter(Fr. Fr.), Dr. Wehl, Koblenzer(Soz.), Dr. Jsaac (N. L.i. Hierauf beginnt die Beratung des Stadthaushaltsetats für 1312. Stadtv. Bruns(Soz.) referiert namens des EtatSausschuffcs über die Spezialetais Gemeindeschulen, Polizeikosten, Feuerlöschwesen, Stratzenreinigung, Park- und Gartenverwaltung, Märkisches Museum, Stadt- bibliothek, Gehälter der Magistrats Mitglieder, Personalbesoldungsetat. Ruhegehälter, S t a- ti�stisches Anit, Verwaltung der Rathäuser und städtischen Bureaus, Geschäftsbedürfnisse und P r o z e tz k o st e n. Stadtv. Dr. Wehl lSoz.): Da wir in der S ch u l d e p u ta t i o n dank der Regierungspolitik nicht vertreten sind, können wir Wünsche und Klagen bezüglich des Gcmeindeschulwesens nur bei Gelegenheiten wie diesen zum Vortrag bringen. Es sind ja in der letzten Zeit manche Verbesserungen eingetreten, viele davon nur aus Drängen von unserer Seite, nachdem sie vorher verlacht und bespöttelt worden waren. Im Etatsaus- schütz haben die Frage des Schularztdien st es und die Misere der Mietsschulhäuser nicht die gebührende Beachtung ge- funden. Von einer Uebcrlastung der Schulärzte soll angeblich keine Rede sein; nur zweimal im Jahre häuften sich die Arbeiten, sonst hätten sie�fast nichts zu tun. Der Bericht über die Tätigkeit der Berliner Schulärzte für ISlll und 1911, erstattet von Sanitätsrat Paul Mayer namens des Vereins Berliner Schulärzte, schlietzt mit dem Hinweis darauf, datz das Arbeitsmatz der Schulärzte stark zugenommen habe uiü> über den ursprünglichen Rahmen weit hin- ausgewachsen sei; er betont, datz es notwendig sei, die Zahl der Schulen, die einem Schulärzte überwiesen sind, herabzusetzen. Das klingt doch anders, als was im Ausschüsse vom Magistratskommissar bekundet worden sein soll. Zurzeit sind 50 Schulärzte tätig, jeder bat 4520 Kinder zu beobachten(Hört! hört!). Jeder Schularzt hat 673 Schulanfänger zu untersuchen gehabt; 48 333 Schüler standen unter schulärztlicher Bewachung, es kommen also auf jeden Arzt 966. Ferner haben die Herren noch für die Hilfsschulen, für die Nebenklassen usw. Funktionen einzuüben. Datz bei so umfangreicher Tätigkeit für unsere Schuljugend nicht viel herauskommen kann, ist einleuchtend. Es ist Pflicht der Schulverwaltung, gerade jetzt, wo die Zahl der Schüler etwas zurückgeht, für Reform zu sorgen und diese Last für den einzelnen Schularzt möglichst zu reduzieren; die Erfolge werden dann nur noch besser werden.— Wir halten uns ferner verpflichtet, die Mietsschulmisere noch besonders zur Sprache zu bringen, weil sie auch in den vom Berliner Lehrerverein herausgegebenen Broschüren eine Rolle spielt.(Aha!) Ich nehme deren Angaben keineswegs unbesehen hin, ich kenne auch die darauf erfolgte Replik des Magistrats. Aber es bleibt doch charakteristisch, datz auch die Lehrer an diesen Mitzsiänden nicht glauben vorüber- gehen zu können. Es bestehen jetzt 5381 Schulklassen, von denen 5227 besetzt sind. 492 Klassen mit 19 000 Kindern hause» in MietSräume«, die ursprünglich für Wohnungs- oder gewerbliche Zwecke eingerichtet waren. Im letzten Sommer waren etwa 22 von insgesamt 304 Schulen in Mietsräumen. Es gibt tat- sächlich Schule», die seit mehr als zehn Jahren in Mietsräumcn untergebracht sind, und die auch jetzt keine Aussicht haben, in eigene Gebäude zu kommen. Ter Norden hat im Seitenflügel des Hauses Pankslratze 7 nicht weniger als 26 Jahre lang eine Mietsschule be- herbergt; man kann also sagen, datz ganze Generationen ihre Schul- zeit in unzureichenden Räumen zugebracht haben; normal einge- richtete Schulstuben, einen freien Sebulhos haben die betreffenden Kinder üe>»rhaupt nie kennen gelernt. Im vorigen Jahre hat die Tclnilverioaltnng dem Magistrat den Baubedarf in Höhe von fünf Millionen dargetan; davon strich der Magistrat schon drei Millionen, die Versammlung auch noch 800 000 M. In diesem Jahre sind 4 Millionen im Magistrat an Bauratc» gestrichen; der Etatausschntz strich nicbts mehr, weil wirklich zu streichen nichts mehr übrig blieb. Kann nun�in solchen Räumen ein gedeihlicher Unterricht erteilt werden,-ric Gesundheit der Schüler mutz da erheblich leiden < Widerspruch); fragen Sic nur die Schulärzte. Und ganz bedenklich stebt es mit der F c u c r s i ch e r h e i t. Auch mit der Heizung ficht es bistoeilen schlimm aus; in der Koloniestratze mutzte eine Mictsschule in diesem Wmter der strengen Kälte wegen auf längere Zeit geschlossen werden! Tie Ursache des Mitz- jtantcv liegt Aum Teil auch in der Langsamkeit der Förderung der Schulbauten durch unsere Bauverwaltuny. Vor einigen Jahren natte Stadtrat Buchow einen Plan aufgestellt, wieviele Grundstücke unter Jl cnickiichtiguiig der der Bebauung noch zu erschlietzenden ''legenden die>!-tadt sich zu Schulhäusern sichern mühte. Was in der Beziehung icitdem geschehen ist. weitz ich nicht, aber die Stadt- Verwaltung ,olltc doch nicht erst darauf warten, bis P o l i z e i u n d Regier» u g e Zuschreiten. Die Mehrheit der Versammlung handelt in diesen Frage» fiskalisch; nicht von der Notwendigkeit, I?11.- L" i�upunkt lätzt sie sich leiten. Das kann unseren Beifall nicht finden; ich bedauere, datz wir hier in der Dcffcntlichkcit daranf verweisen müssen. Sie unissen die Initiative ergreifen, dem Elend der Mictsschule» ein Ende zu machen. Ten Lehrern kann man es wirklich nicht übel- nehmen, wenn sie behaiipien. datz unsere Berliner Schul- Verwaltung an einem Mangel an Großzügigkeit und einem lieber« flutz an engherziger Bureaukratic leidet.(Oho!) Berlin, dessen Schulvcrwaltung so viel gepriesen wird, hat sich noch große Mühe zu geben, um nur hinter dem Durchschnitt nicht zurückzubleiben. «tadtrat Selberg: Das System der Schulärzte befindet sich in Berlin auf einer.vöhc wie in sehr wenigen Koinmunen Deutsch- lands. Die Zahl der Kinder für einen Schularzt sollte nach der nrsprünglicken Annahme 5000 betragen. Seit 1909 ist die Zahl der Schulärzte vermehrt worden und gleick>z«itig die Zahl der Schul- kinder zurückgegangen, also hatte die Schuldcputat ion keine Per- anlassung, die Zahl� der Schulärzte weiter zu vermehren. Die Schulärzte gehen tasächlich manchmal zu weit. Es wurde z. B. von ihnen verlangt, die Kinder mühten sämtlich gewogen und gemessen werben; das ist geschehen. Wenn die Kinder aber Untergewicht haben, so können doch nicht die Schulärzte den Mangel ausgleichen, sondern nur die Eltern. Tie Messung kann auch keinen Matzsiab für die Größe der Subsellien abgeben. Wer soll nun die Wägungen und Messungen vornehmen? Tic Aerzte wollen es nicht und die Lehrer lönnen es nicht.— Im allgemeinen ist das Berliner Muster vorbildlich für die anderen Kommunen. Stadtrat Buchow: Von 1906 bis 1910 ist die Zahl der Kinder in den Mictschulen von 32 000 auf 21 000 zurückgegangen. Für die im ganzen Weichbild fehlenden 62 Doppelschulen sind bereits 20 Grundstücke erworben. Von den fehlenden entfallen 13 allein� auf das Gelände nördlich der Ringbahn. Was die Mietschulen be- trifft, so sind die Ansprüche der Feuerpolizei in neuerer Zeit so gestiegen, datz wir Micthäuser überhaupt nicht mehr neu beschaffen, sondern vorziehen werden, die alten so lange zu behalten, bis die Schulen in eigenen Häusern untergebracht werden können. Stadtv. Barth(A. L.): An dem Umstand, datz die Sozialdemo- kraten nicht in der Schuldeputation sitzen, sind wir nicht schuld, wie auch Dr. Wehl anerkannt hat. Er hat denn auch sehr resigniert gesprochen. Die Herren sitzen doch aber in den anderen Verwal- tungsdeputationen und kommen da ausgiebig zum Wort und zur Geltung. Stadtv. Dr. Wehl: So etwas Ungewöhnliches wäre das Wägen und Messen der Schüler nicht; in England wird es auch so gehalten. Ich höre allerdings davon zum erstenmal. Ich spreche hier nur von der Tätigkeit der Schulärzte nach ihrer jetzigen Instruktion, und da kommen sich die Aerzte nach dem Bericht ihres eigenen Vereins überlastet vor. Gewiß hat das Bestreben, die Zahl der Mietschulen zu verringern, gute Früchte getragen, aber wir sind damit noch nicht zufrieden, wir wollen die Mietschulen in beschleunigtem Tempo vom Erdboden verschwinden sehen. Man mutz beizeiten an den Ankauf von Schulgrund st ücken und an die Errichtung von Schulhäusern auf Vorrat denken. Die Frequenz ist heute noch immer sehr erheblich; eine Herabsetzung um nur 1 Proz. erfordert schon drei weitere Doppelschulen. Wir Sozialdemokraten sind nie resigniert(Heiterkeit), wir gehen immer drauf und dran. Seit wir die Möglichkeit haben, in der geordneten Verwaltung unsere Wünsche usw. zur Sprache zu bringen, haben wir allerdings nicht mehr nötig, so viele große Reden zu halten; Beweis dafür ist ja die Tatsache, datz wir bereits heute in der zweiten Sitzung die Spegialberatung des Etats zu Ende bringen werden.— Um die Schulspeisungen, um die Ferienwanderungen, die Badeeinrich- tungen hat sich gerade unser verstorbener Kollege Borgmann die größten Verdienste erworben. Gewiß sind wir hier in der Minderheit und bedürfen Ihrer Zustimmung, aber der Werbekraft der Ideen des Munizipal-Sozialismus können auch Sie sich schließ- lich nicht entziehen. Stadtschulrat Dr. Fischer: Auch ich wünschte, wir könnten die Mietsschulcn loswerden; aber ihre vollständige Auf- Hebung wird in absehbarer Zeit nicht zu erreichen sein. Die Behauptung des Herrn Dr. Wehl, datz Tausende von Kindern in feuergefährlichen und unzulänglichen Räumen unterrichtet werden, kann ich aber nicht ohne Widerspruch lassen. In den Mietsschulen mit kleinen Räumen ist auch die Zahl der Kinder verhältnismäßig gering. Die im Rohbau für Fabrikzwecke bestimmt gewesenen Mietsschulen sind schon viel geeigneter und wir werden sie erst zuletzt ausgeben. Sämtliche Mietshäuser sind von der Feuerpolizei nachgeprüft worden, auch werden immer und immer wieder die sogenannten Feuerproben vorgenommen. Zu Befürchtungen ist keine Veranlassung. Der Etat der G e m e i n d e s ch u l e st wird nach den Anträgen des Etatsausschusses bewilligt. Stadtv. Dr. Rosenfeld(Soz.): Man kann zugeben» datz in den letzten Jahren Mißstände auf dem Gebiete des Polizeiwcsens in der kondensierten Form wie seinerzeit in Moabit nicht hervor getreten sind, aber das ist kein Verdienst der Polizei, sondern der Berliner Bevölkerung. Die Stadt Berlin mutz über 8 Millionen für die Polizei bezahlen. Herr v. Puttkamer hat in seiner be rüchtigten letzten Herrenhausrede einer Verstärkung der Polizei, auch der Berliner, das Wort geredet und Zuwendungen an sie nach Art der Ostmarkenzulagen empfohlen; er hat gleichzeitig die Polizeibeamten aufgefordert, noch schärfer gegen die Bevölke- rung vorzugehen; die Polizei in Moabit war ihm noch zu milde vorgegangen. Gegen solche Aeutzerungen müssen wir hier als Ver- tieter der Stadt Berlin ganz entschieden Widerspruch erheben. Die Witwe Hermann mutz noch heute um das bißchen Entschädigung kämpfen, das sie vom preußischen Fiskus verlangt; die Totschläger des Arbeiters Hermann sind noch heute nicht ermittelt. Höchst wahrscheinlich hat sich der Totschläger unter dem Kommando des Polizcileutnants Singer befunden; trotzdem also der Kreis, um den es sich handelt, sehr klein ist, sind die Ermittelungen nach dem Täter erfolglos geblieben. Noch heute geht die Polizei roh und brutal bei Verhaftungen vor. Datz auf den Polizeiwachen ge- schlagen wird, datz im Publikum der Glaube herrscht, datz die Schutzleute auf den Wachen sich an den Inhaftierten vergreifen, ist in einem Berliner Gerichtserkenntnis festge- st e l l t worden. Ganz besonders rücksichtslos geht die Polizei gegen die Jugendbewegung der Arbeiterschaft vor. Ein Polizeilcutnant ist vom Gericht mit 20 Dt Geldstrafe bestraft worden für das an einen jugendlichen Arbeiter gerichtete Wort:„Halts Maul, grüner Lümme l!" Gegen den von uns eingesetzten Jugcndausschutz wird dieselbe Polizeiwillkür aus- geübt; der Jugendausschutz sollte durchaus als politischer Verein gebrandmarkt werden, während er nichts Iveiter als belehrende Vorträge für die Arbeiterjugend veranstaltet. In gleicher Weise ivird gegen das„Jugendheim" für die Arbeiterschaft vorgegangen. Uebcrall greift die Polizei ein und sucht die Arbeit in diesen Ver- ancstaltungen zu stören. Die Behandlung der Arbeiterturn- vereine durch die Polizei ist bekannt. Das Reichsgericht hat ausgesprocbcn, das; bei Schulentlassenen das Verlangen eines Unter- richtscrlaubnisschcincs von dem Turnlehrer unzulässig ist; dennoch fährt die Polizei mit ihren Drangsaliernngen gegen diese Turn- vereine und ihre Lehrer unentwegt fort. Als Kollege H o f f m a n n bei den Jugendlichen einen Vortrag halten wollte, hat der Polizei- Präsident auch bei Hoffmann angefragt, ob er auch einen Unter- richtserlaubiiisschcin hätte. Hofsmann entgegnete, er antworte prinzipiell nur auf schriftliche Anfragen; diese Anfrage unter- blieb, aber auch Hoffmann wurde das Abhalten von Vorträgen untersagt! Soweit geht der Polizeipräsident; er setzt sich ein- fach über unser höchstes deutsches Gericht hinweg, ebenso wie die hreutzische Untcrrichtsverwallung, obgleich dies Verhalten direkt ungesetzlich ist. Freilich ist der Polizeipräsident nur das ausführende Organ der Potsdamer Aufsichtsbehörde, aber auch er darf doch nichts Ungesetzliches tun und müßte sich weigern, derartige Anordnungen auszuführen. Aber nichts davon. Wir müssen gegen solches Verhalten der Polizei Verwaltung Widerspruch erheben.— Die Polizei kann auch das Institut der P o l i z e i V i g i l a n t e n schlimmster Art noch immer nicht entbehren. Einer dieser Vertrauensmänner der Polizei ist erst vor kurzem nach zweijährigem Gefängnis aus der Strafanstalt entlassen worden! Tie Fälle, wo unschuldige Personen wegen Ber- dachte» des Raubmordes usw. verhaftet wurden, haben sich ge- häuft. In dem Falle des Raubmordes der Frau Hoffmann in der Blumentbalstratzc wurden zwei Personen verhaftet, die nach langer Untersuchungshaft wieder entlassen werden mutzten, weil gegen sie nicht das geringste vorlag. Sehr böse ist auch die Art und Weise der Pressebcnutzung durch die Polizei in solchen Dingen. Der Gewerkschaftsbeamte Schabel, der fast 60jährige Krankenpfleger Griehl mutzten wieder entlassen und das Verfahren eingestellt werden; in den betr. Zeitungsnotizen waren sie aber schon als völlig überführt hingestellt worden! Solche Polizeinotizen sollte die anständige Presse nicht aufnehmen, sondern in den Papier- korb werfen. Daß die Polizei sich auch heute noch der Spitzel im Kampfe gegen politische Parteien bedient, ist erst kürzlich festgestellt worden. Ein Kriminalbeamter Prawitz hatte unter dem angenommenen Namen Reimann 5 Jahre lang an der Redaktion und Expedition anarchistischer Blätter teilgenommen! Ich lege die Photographie dieses angenehmen Polizeibeamten auf den Tisch des Hauses nieder. Solches Verfahren der Polizei ist doch geradezu unerhört und eine Korruption atlrrschlimmster Art. Wir müssen aufs entschiedenste gegen die Ausübung der Polizei in Berlin Protest erheben. Wenn die Stadt Berlin die Polizeiverwaltung in Händen hätte, würden solche Zustände doch nicht möglich sein. Beim Etat der Parkverwaltung gibt auf eine Anfrage des Stadtv. Imberg(N. L.) Bürgermeister Dr. Reicke die Erklärung ab. daß die Vorarbeiten zur Vergrößerung des Biktoriaparks durch einen Teil des A u f m a r s ch g e l ä n d e s mit allem Eifer gefordert werden. Bezüglich des Baues eines Stadtbibliothekgebäudes erklärt auf Anfrage des Stadtv. Dr. L e v y I(A. L.) Bürgermeister Dr. Reicke» datz aus der Platzsrage jetzt eine Raumfrage geworden sei. Für das Gebäude sei Terrain des Jnselspeichers in Aussicht genommen; es seien prominente Persönlichkeiten über ihre Ansicht betreffs dcK notwendigen Raumes befragt worden. Das Referat über die städtischen Werke, Markt» hallen, Hafen- und'Speicheranlagen, Straßen» bahnen, über den Hoch- und Tiefbau, über die Auf» Wendungen für gemeinnützige Zwecke durch Vermittelung von Vereinen, über den Kunstfonds hat Stadtv. Grone- w a l d t(A. L.) übernommen. Im G a s e t a t ist der Rabatt für gewerbliches Ga� von 250 000 auf 200 000 M. herabgesetzt worden; im Tiefbauamt sollen für UmPflasterungen statt der geforder-- ten 600 000 M. nur 560 000 M. bewilligt werden. Für den Ber. liner Asylverein für Obdachlose ist eine Erhöhung des Zuschusses- für 1912 von 30 000 auf 40000 M. infolge einer Petition des Ver» eins beantragt. Zum Etat der Kanalisationswerke bemerkt Stadtv. Mann(Soz.): Die Rieselwärter sind von der Teuerungszulage ausgeschlossen und empfinden das sehr schmerzlich. Sie fangen mit 2,75 M. Tagelohn an, der von 5 zu 5 Jahren auf 3 und 3,75 M. steigt, daneben haben sie für etwa 30 M. Deputat. Die Gesamtsumme des Jahresverdienstes erreicht nur die Hälfte des für den Bezug der Teuerungszulage. bestimmten Maximums, es steigt allerhöchstens auf 1186 M. Noch schlechter als die Rieselwärter stehen die Tagelöhner und Hofarbeiter da; deren Löhne wurden vor kurzem auf 2 M. im Sommer, auf 1,50 M. im Winter erhöht; aber im Etat waren keine Mittel mehr vorhanden, und sie bekamen zunächst nichts. In der Hoffnung, wenigstens die Teuerungszulage zu erhalten, wurden sie getäuscht; auch auf die Lohnerhöhung müssen sie noch bis zum Inkrafttreten des neuen Etats warten. Bis dahin mutz durch die Gewährung der Teuerungszulage ein Ausgleich geschaffen werden. Wenn sie auch Deputat haben, so ist ihr Lohn doch so dürftig, und das Deputat, soweit es aus Gartenland besteht, hat in diesem dürren Sommer ihnen nur Arbeit, aber keinen Gewinn gebracht. Ihr ganzes Ein- kommen ist höchstens auf 800 M. zu berechnen. Die magistratlichc Auffassung bezüglich des Deputats ist allzu engherzig. Die in der vorigen Sitzung gegebenen gleichen Anregungen wegen des Irren- w ä r t e r p e r s o n a l s hat der Bürgermeister freundlich aufgenom- mcn; was für diese zutrifft, trifft doch in noch viel höherem Matze für die Arbeiter auf den Gütern zu. Oberbürgermeister Kirschner: Die Teuerungszulage hatte doch den Sinn, datz für die Verteuerung der Nahrungsmittel ein Aequi- valent geboten werden sollte; wer aber freie Station hat, wird von dieser Teuerung nicht betroffen, sondern die Stadt hat dafür auf- zukommen; er bekommt in den Nahrungsmitteln selbst das, was die anderen in Gestalt der Zulage erhalten. Das Gleiche gilt von jenen, die Deputate erhalten; es würde ungerecht sein, wenn man anders verfahren wollte. Eine längere Erörterung entsteht beim Hoch- und Tief- b a u e t a t. Stadtv. Modler(N. L.) bestürmt den Magistrat von neuem, die Beseitigung des scheußlichen Monstrums des Schwebebahn» galgens in der Brunnenstraße endlich energisch zu betreiben. Außer- dem tritt er nochmals ein für die Führung der Hochbahn in der Schönhauser Allee direkt im Zuge der Brücke über die Ringbahn; man brauche dazu die Brücke nur auf die Breite der Straße zu bringen, was nicht viel koste und die beabsichtigte Einschnürung überflüssig machen würde. Der Oberbürgermeister gibt die Erklärung ab, datz die Beseitigung des Galgens nunmehr ernstlich betrieben werden wird. Stadtbaurat Krause und Stadtrat Alberti suchen darzutun, datz der Wunsch des Stadtv. Modler betr. die Ringbahnbrückc unerfüll- bar ist, zumal eine rechtliche Verpflichtung, sich auf die Verbreite- rung einzulassen, weder für die Eisenbahnverwaltung, noch für die die Hochbahn bauende Firma bestehe. Im übrigen werden sämtliche vorangeführte EinzeletaiS durch- weg nach den Anträgen des Etatsausschusses bewilligt. Für die SteuerctatS ist Stadw. Liebenow(A. L.) zum Bericht» erstatter bestellt. Durch die Heranziehung von 4 Millionen aus der Abfindungssumme von 23 Millionen, die die.Große" an die Stadt gezahlt hat, ist es dem Ausschusse gelungen, noch einmal die Balance im Etat für 1912 ohne Erhöhung der Einkommensteuer über 100 Proz. hinaus herzustellen. Es soll hier bei 100 Proz. verbleiben, dagegen soll auch die im Vorjahre beschlossene Erhöhung der Realsteuern von 150 auf 165 Proz. beibehalten werden. Eine Diskussion entsteht nicht mehr. Nach den gefaßten Be- schlüssen balanziert der Etat in Einnahme und Ausgabe mit 349 902 917 M. Stadtv. Bruns(€>oj.): Meine Freunde lehnen auch in diesem Jahre den Etat ab.(Ahl und Heiterkeit bei der Mehrheit.) Wir haben sowohl im Etatsausschutz als auch in der Versammlung versucht, den Etat so zu gestalten, wie er unserer Auffassung entspricht; unsere Bemühungen haben leider nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Der Etah verkörpert aber auch die Prinzipien, nach denen die gesamte Verwaltung geführt wird. Meine Freunde sind mit diesen Prinzipien nicht einverstanden. Sie finden eine Einschnürung der Ausgaben, insbesondere für kulturelle Zwecke, der gesunden EntWickelung der Stadt Wider- sprechend. Auch finden wir die Interessen der minderbemittelten Bevölkerung nicht in dem uns ausreichend erscheinendem Maße be» rückfichtigt, insbesondere nicht in bezug auf die G e s u n d h e i t s» pflege, die Gemeindeschuleinricht t�n gen und auch in bezug auf die Wohnungsfrage. Diese Erwägungen ver» anlassen uns, den Etat abzulehnen. In der Gesamtabstimmung wird darauf der Etat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten endgültig genehmigt. Namens des sogenannten Pflasterausschusses erstattet Stadtv. Gericke(Fr. Fr.) Bericht über die Vorlage betreffs die Auswahl der im Etatsjahrc 1912 neu- oder umzupflasternden Straßen und Plätze, Tws Verzeichnis ist diesmal ganz erheblich beschnitten worden. Stadtv. Znbeil(Soz.) führt Beschwerde über die Geldver- schleuderung, die eine bloße UmPflasterung der Grünauer Straße bedeuten würde, wenn sie nicht gleichzeitig reguliert und der Fahr- dämm mit Rücksicht auf die Verkehrsbcdürfnisse verbreitert wird. Stadtbauvat Krause: Diese Verbreiterung ist bereits beschlossen. Stadtv. Zubeil: Aus der Vorlage geht das nicht hervor. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlagen ohne allge- meineres Interesse schlietzt die öffentliche Sitzung gegen H10 Uhr. In der nächsten Woche findet voraussichtlich keine Sitzung statt.__ Einseganesene DruchFchriftcn. Die Freien Gewerkschafte» in Gesetzgebung und Politkk. Von Dr. Sophie Klärmann. 3 M. Duncker u. tzumblot, Leipzig. Die Theorie der Bolkswirtschaft. Von P. Mahlow. Deutsch von Dr. M. Nachimfon. 293 Seiten. A. Kowe, Leipzig. „Tu sollst ein Segen sein". Roman eines Lebens von Helene Völk. 520 Seiten. Gutenberg-Verlag, Berlin W. 10. Allerlei Römisches und Jesuitisches. Bon R. Eckardt. 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