Kr. 70. Ndoimemenk-Veckwglingen: Abonnements- Preis vränumerando: Bierteljährl. Z�0 Ml., tnonatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 2» Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nununer 5 Psg, Sonmags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Psa, Post- »lbonnemenU 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich> Ungarn 2 Mar!, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. cklchelvt tZglich auScr montags. Verlinev Volksblcztk. Zcntralorgan der fozialdcmohrati fd?en Partei Deutfchlands. Die TnferHonS'Gebüfjr Pehrägt für die sechsgcspaltene Kolonel. geile oder deren Raum 00 Big., für politische und gewerkjchastlichc Vereins- und VersaminlungS-Anzeigen-A Pfg. „Uleinc i/Znreigcn", das settzedrucktc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 sctlaxdrinlle Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über 15 Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Jnscrnle fiir die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Rdreff« „SoziaStUnwItm Roriin". Redaktton: SRI. 68, Lindcnatrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Die Hnfpriklje des iliilitarismus. Tie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gibt heute Einzelheiten über den Inhalt der Wehrvorlagen bekannt. Den wesentlichen Inhalt ihrer Darlegungen faßt das W. T. B. folgendermaßen zusammen: Die Vorschläge der Heeresverwaltung bezwecken eine schnelle Durchführung und Ergänzung des Friedenspräsenzgesetzes von 1911 durch Aufstellung zweier Feldartillerieregi-� m enter bei den Divisionen 37 und 39. Ferner von zwei! neuen preußischen Armeekorvs unlcr Verwendung der drillen Divisionen bei dem ersten und vierzehnten Armeekorps. Neu geschaffen sollen ferner werden eine siebente Armeeinspektion, vierzehn dritte Bataillone. ein Infanterieregiment für Sachsen, ein Kavallerieregiment für Preußen und die Einrichtung einer Maschinengewehrkompagnie bei jedem In- fanterieregiinenl. Die Gcsamwcrwehrung der Friedens- Präsenzstärke beträgt 29 tXX) Mann Gleichzeitig ist eine Er- höhung der Mann schafislöhne vorgesehen. Die Vorschläge der Marineverwaltung bezwecken eiu drittes aktives Geschwader unter Verwendung des vor- handenen Reiervefloltenflaggschlffes und der Materialrcierven, so- wie durch allmählichen Neubau von drei Linien» schiffen, zwei kleinen Kreuzern und Mehr- indien st Haltung von drei Linienschiffen, drei großen und drei kleinen Kreuzern, Die jähr- liche Personalvermehrung des Flotlengei'etzes wird bis 1920 um durchschnittlich 75 Offiziere und 1KCK) Mann verstärkt. Der Gesamtbcdars für die HccreS- und Flottcnvcrstärkung beträgt für 1912 97 Millionen Mark und für das nächste Jahr 125 Mill. Mark. Diese Angaben entsprechen ungefähr dem, was bisher schon über den Umfang der Heeresvermehrung bekannt ge- worden ist. Das stehende Heer soll um nicht weniger als 29 0t)0 Mann vermehrt, also auf die Stärke von ungefähr % Millionen M e n' ch e n gebracht werden. Ein solches Heer repräsentiert eine Rüstung, die allmählich ihren Träger ersticken muß. Tie Lasten, die durch sie der Nation auferlegt werden, sind derart, daß Volkswohlfahrt, Volksgesundheit und 5iultursortschritt naturnotwcndig erdrosselt werden müssen. Wenn Rüstungsausgaben wirklich Versicherungsprämien wären, so wären sie schon jetzt höher als das, was angeblich gesichert werden soll. Das militärische Prinzip, das für alle deutschen Heeresvorlagen ausschlaggebend ist, besteht darin, eine starke. sir und fertig organisierte und stets marschbereite Armee gegen Frankreich zur Verfügung zu haben, das infolge seiner gerin- gcren Bevölkerungszahl und seiner kolonialen Verbindlich- keiten wegen die Stärke seiner Heeresorganisation in die Re- servisten und Reserveorganisationen legen muß. Daneben rechnet man in Teutschland, trotz aller Liebedienerei gegen das Knutenreich aus polizeilichem Gebiet und trotz aller dy- nastischen Freundschaften, mit der Möglichkeit eines Kampfes an der Ostfront. Als weiterer strategischer Grund der ins Ungemessene steigenden Heeresreformen kommt das bei der Heeresleitung und im Offizierkorps bis zur Verblendung an- gebctete Dogma von der alleinseligmachenden Offensive. Offensive um jeden Preis, strategische und taktische Offensive. das ist jetzt das A und O der neudeutschen Militärweisheit, deren beredtester und gefährlichster Vertreter der Clausewitz- Ueberwinder General von Bernhards ist. Tie Schriften dieses und anderer vom Offensivkoller befallener Säbelrassler haben natürlich das Echo bei gleichgestimmten und wahlver- wandten Seelen in Frankreich geweckt. Mit den Aeußerungen dieser französischen Chauvinisten und Militaristen geht die deutsche„nationale" Presse hausieren, um die Notwendigkeit der deutschen Wehrvorlagen zu begründen. Sie verschweigen fein säuberlich, daß die aggressiven Broschüren französischer Militärs wie des Obersten Boucher erst von unseren d eut- schon Rüstungshetzern und Kricgsanbetern provoziert sind! Aber da nun einmal in Teutschland das Prinzip der un- bedingten Offensive als unerschütterliche Wahrheit anerkannt ist, wird auch die Rüstung darauf zugeschnitten, denn es bedarf zu seiner Durchführung eines starken, stets marschbereiten Heeresorganismus, Dadurch gehen aber Rüstungssieber und Kriegsgefahr ständig zusammen, und keine bürgerliche Partei, selbst nicht der linke Flügel des Liberalismus, wagt es. sich gegen die Theorie der Offensive und gegen Rüstungswahnsinn aufzulehnen. Dadurch tritt für uns Sozialdemokraten die � Forderung der Miliz mehr und mehr aus dem Nebel der Theorie in das helle Tageslicht praktischer Notwendigkeit. Bei der neuen Wehrvorlage läßt sich in ihren Einzel- hciten wieder das alte, unehrliche Spiel wie bei den früheren Heeresvorlagen beobachten. Die neuen Forderungen wer- den für notwendig erklärt, weil die früheren Vorlagen -.Lücken" offen gelassen haben. Damals ließ man 32 In- fanterieregimenter mit zwei Bataillonen bestehen, jetzt kann man dank dieser„Lücke" 14 neue Bataillone als dritte zur Komplettierung fordern. Und dabei wirft bei dieser Vor- läge schon eine neue ihre Schatten voraus. Bleiben doch immer noch Regimenter obne dritte Bataillone! Aehnlich liegt es mit der Artillerie. Zwei neue Regi- n.enter verlangt die jetzige Wehrvorlagg. Aber da zwei neue Armeekorps und zwei neue Divisionen geschaffen wer- den sollen— das deutsche Heer wird dann aus 25 Armeekorps(nach 1871 waren es 15) und 50 Divisionen Expedition: 8Rl. 68» L-indenstrasse 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. �bestehen—, die Division aber nach den geltenden taktisch-'— und durchaus nicht die knappe Mehrheit, wie einige Lon- doner Blätter wissen wollen— entschied sich für das stärkere und deutlichere„muß". Die Einwände, die von feiten der Arbeiter gegen die Minimallohnvorlage gemacht werden, sind in der Hauptsache folgender Art. Trotz langer Verhandlungen ist es den Vertretern der Arbeiter und Arbeitgeber nicht ge- lungen, sich über den Minimallohn zu einigen. Das Gesetz kann daran nichts ändern. Nähmen die Arbeiter daher das strategischen Gesetzen 2 Artillerieregimenter haben muß, wir zurzeit aber nur deren 94 haben, verlangt nian jetzt 2 neue Regimenter. Es bleibt dann eine„Lücke", mit deren Hilfe man dann später die Notwendigkeit der 4 fehlenden Regi- menter fordern kann. Ueber weitere Einzelheiten wird noch zu reden sein. Beachtenswert ist ferner, daß das Ministerblatt die Forderungen für den Luftmilitarismus nur nebenbei er-, Gesetz- an und kehrten sie zur Arbeit zurück, so würden, wie wähnt. Der Aeroplankoller in Frankreich wird aber auch die Dinge nun einmal liegen, in allen Fällen die Vorsitzenden bei uns anstecken, so daß es nur zu wahrscheinlich ist, daß der vorgeschlagenen gemeinschaftlichen Distriktsämter die Höhe der Wehrvorlage noch weitere Luftflottenforderungen folgen des Minimallohns festsetzen. Damit können sich die Arbeiter werden. j jedoch nicht einverstanden erklären. Nichts könnte den Vor- Das Prinzip der Offensivbereitschaft ist dann auch auf sitzenden daran hindern, durch seinen Schiedsspruch die vor- die Marine übertragen. Die Schaffung eines dritten Ge- bandenen Errungenschaften der Arbeiter wieder aufzuheben. schwaders und die Erhöhung des Mannschaftsbestandes sollen! Ein großer Mangel der Vorlage ist auch, daß sie eine Auf- diesem Zwecke dienen. Gibt es doch Marinestrategen, die da teilung der Distrikte�gestattet, die schließlich zur �Zerstörung 97 Millionen Mark 127 114 die Ausgaben zu- offiziöse Organ die meinen, daß ein rücksichtsloser Angriff zur See die starke Flotte Englands in Grund und Boden rammen, mindestens aber gewaltig erschüttern könne. Die Kosten iverden von dem offiziösen Organ folgender- maßen beziffert: Der Gesamtmehrbedarf für diese Verstärkung des Heeres und der Flotte stellt sich für 1912 auf rund...... 1913, in welchem Jahre der höchste Kostenbetrag erreicht wird, aus rund..... 1914 auf rund...... Der Anteil der Flotte beträgt 1912 rund....... 15 1913 rund....... 28 1914 rund....... 38 und erreicht im Jahre 1916 seine Höchstiumme mit. 48 In den Jahren nach 1914 werden sammen kaum niedriger sein, da ja das Zahlen sonst sicherlich nicht verschwiegen haben würde. Wohl aber ist Pausend gegen eins zu wetten, daß die Ausgaben sich im Gegenteil noch beträchtlich erhöhen werden. Hat doch der Militäretat die immanente Tendenz, sich noch weit über die Ausgabensteigerung durch neue Wehrvorlagen hinaus zu der- mehren, was ein Blick in die Militäretats der verflossenen Jahre und Jahrzehnte nur zu deutlich beweist. Auch haben unsere Offiziösen wohl schon deshalb auf die näheren An- gaben der Ausgaben über die nächsten Jahre hinaus der- zichtct, weil in absehbarer Zeit eine neue Flottenvorlage zu erwarten ist. gar nicht zu reden von den noch ganz unabsch- baren Ansprüchen des Luftmilitarismus! Leider teilt die„Nordd. Allg. Ztg." über den Schiffbau- plan nur mit, daß 1913 und 1916 je ein Linienschiff mehr in Bau gegeben werden soll— wann das angeforderte dritte neue Linienschiff gebaut werden soll, wird nicht der- raten. Die Ankündigung, daß endlich auch die gerade von der Sozialdemokratie so oft und so energisch geforderte Er- höhung der Mannschaftslöhnung erfolgen soll, ist natür- lich nur eine schlechte Verbrämung der neuen enormen Ansprüche unseres Militarismus. Denn wenn es auch die Regierung so darstellt, als würden die laufenden Einnahmen und der Mchrertrag aus der Aenderung der Branntweinsteuergesetzgebung zur Deckung der rund 130 Mill. jährlicher neuer Militärausgaben ausreichen, so ist das mehr als zweifelhast. Herr Mermuth ist ja gerade deshalb ge- gangen, weil er diesen Optimismus nicht zu teilen vermochte. Hinter der neuen Militärvorlage bergen sich also neue Lasten, weitere Rüslungsbestrebungen und Kriegsgefahren. Die Ant- wort der Sozialdemokratie auf diese ins Uferlose gehenden Forderungen des Imperialismus und Militarismus kann nur ein rücksichtsloses Nein sein. Die Dergsrbelterbwegung. Die Krise iu Großbritauuieu. London, 21. März.(Eig. Ber.) Die Weigerung der Bergarbeiter, die Minimallohnvor- läge in ihrer jetzigen Gestalt anzunehmen, hat mit einem Schlag den Bestand der Regierung in Frage gestellt und die politische Krise herbeigeführt, die ich in einem meiner letzten Berichte voraussagte. Die Bergarbciterkonserenz nahm gestern nach �/sstiiiidiger Sitzung folgende Resolutionen an: „1. Ter Borstand rät der Konferenz, der Erklärung zuzu- stimmen, daß ein Gesetz, das nicht die Festsetzung eines Minimal- lohncS von wenigstens 5 Schilling den Tag für alle Schichtlöhner und 2 Schilling den Tag für 14jährige Knaben bestimmt, den Arbeitern nicht annehmbar sein wird. 2. Diese Konferenz ist der Ansicht, daß die Vorlage die Mini- mallohnliste für Hauer in jedem der einzelnen Distrikte enthalten muß, und fordert die Arbeiterpartei auf, ein Amende- ment zur Einbeziehung dieser Lohnsätze einzubringen. 3. Die weitere Erwägung der Vorlage wird dem Exekutiv- auSschuß, verstärkt durch die die Föderation vertretenden Paria- mentsmitglieder, übertragen, zwecks Einbringung solcher Ab- ändcrungsanträge, die die Vorlage in Uebcreinstimmung mit den der Solidarität der Bergarbeiter führen muß.� Bisher war es die Politik der Bergarbeiterföderatiou, dahin zu wirken, daß die zwischen den Revieren besteheuden Ungleichheiten so weit wie möglich ausgeglichen würden. So strebte man eine Ausgleichung der Lohnsätze und eine allgemeine Regelung der Kündigungsfristen und Vertragsfristen an. Tie Vorlage würde diese Politik des Ausgleichs und der Zusammenzichuug unmöglich machen und die Bergarbeiter nur zersplittern. Aus diesen und anderen Gründen sind die Arbeiter, die anfangs der Minimallohnvorlage wohlwollend, aber kritisch gegen- überstanden, jetzt entschieden gegen die Annahme eines Mini- mallohngesetzes, das nicht auch zu gleicher Zeit die Höhe der Minimallöhne festsetzt. Man will aus den oben angeführten Resolutionen herauslesen, daß sich die Arbeiter eventuell auch damit begnügen würden, wenn die Forderungen der ersten Resolution(Minimallöhne der Schichtarbeiter und Knaben) der Vorlage einverleibt würden. Nach der Haltung der Delc- gierten zu urteilen, die sich augenblicklich in London aufhalten und eben erst mit den streikenden Arbeitern in Berührung gekommen sind, ist dies aber keineswegs sicher, obwohl die Trennung der Forderungen für diese Auffassung zu sprechen scheint. Die Vorlage erreicht also nicht ihren Zweck: sie wird die Arbeiter nicht bewegen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Es fragt sich nun, ob die Regierung mit dein Entwurf weiter gehen oder ihn fallen lassen will. Drückt sie die Vorlage durch, so iverden aller Wahrscheinlichkeit nach die Berg- arbeiter nicht eher wieder zur Arbeit zurückkehren, alsbisdieVorsitzendenderDi st rikts- ämter die Mini mallöh 11 e fe st gesetzt haben. Herr Asquith drohte bei der ersten Lesung:„Wenn eine der Parteien oder beide Parteien die Vorlage verwerfen, so kann es notwendig werden, daß die Regierung neue und drastischere Maßregeln trifft. Die Voraussetzung scheint jetzt zu bestehen: denn weder die Bergarbeiter noch die Kohlen- besitzer sind mit der Vorlage einverstanden. Welcher Art diese drastischen Maßregeln sein sollen, ist unbekannt. Jedenfalls werden sie verschieden sein von dem Rezept, das die Scharf- macher so laut und beständig anpreisen. Denn man kann nicht gut anuehmen, daß die liberale Partei Selbstmord bc- gehen will. 66 liberale Parlamentsmitglieder(darunter der Premierminister und mehrere seiner Kollegen) verdanken ihre Wahl den Stimmen der Bergarbeiter. Bezeichnend für die herrschende kritische Lage ist die große Tätigkeit, die auf ein- mal von den Wahlagenten der Parteien entfaltet wird. Der kritische Zeitpunkt ist Freitag abend bei der endgültigen Ab- siimmung über die Minimallohnvorlage. Die Regierung lehnt die Festsetzung des Mluimaklohiis ab! Londin, 22. März. Unterhaus. Nachdem gestern die Mini- mallohnvorlage mit 348 gegen 225 Stimmen in zweiter Lesung angenommen worden war— auch die Iren und die Ar- beiterpartei stimmten für das Gesetz— begann heute die Spczialdcbatte. Ministerpräsident Asquith erklärte da- bei das Amendement für unannehmbar, welches eine» Minimallohn von fünf Schilling für die Arbeiter unter Tage festsetzt. Er erklärte, er sei nicht geneigt, die Löhne durch eine Parka- mentSakte festzulegen. Ein solches Verfahren wäre auch gefährlich für die Arbeiter; denn wenn das Parlament der Meinung Ausdruck gebe, daß fünf Schilling ein angemessener Minimallohn sei, so würde die Neigung sich bemerkbar machen, diese Summe als Maximallohn zu behandeln. Der Führer der Konservativen Bonar Law unterstützte die Regierung in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Amende- ment King(liberal), durch welches der Minimallehu auf fünf Schilling festgesetzt werben soll. Enoch Edwards, Präsident des BergarbeitervcfibmidcS, drückte seine Enttäuschung über die Haltung der Regierung aus. Er hätte gehofft, daß die Bill, wenn sie jenen Lohnsatz enthielte, sich von selbst dem gesunden Sinn beider Teile empfehlen würde. Durch die Ablehnung des Amendements würde das Haus eine Gefahr heraufbeschwören, die sich als sehr schwer erweisen könnte. Der liberale Grubenbesitzer Markham forderte die Regierung auf, das Amendement anzunehmen. Die Diskussion des Amendements King gab zu sehr beweg- ten Debatten Anlaß. Mehrere Mitglieder der Arbeiter- Partei erklärten, die Ablehnung des SOnendeinents würde die Beilegung des Streiks verzögern. Ramsah Macdonald er- ! klärte, das Hans wolle ein Gesetz schassen zu dem Zweck, den Aus- Beschlüssen der Föderation bringen wird."„__________ �_______________ Ueber die zweite Resolution entspann sich eine längere 1 stand zu beendigen, und e» müsse den Wünschender Ar- Diskussion. Der Vorstand hatte iin ersten Teil der Resolution beiter in vernünftigem Matze entgegenkommen. das Wort„sollte" vorgeschlagen; die Mehrheit der Delegierten) Tr gab zu verstehen, daß die Bergleute bereit sein würden, auf die Im Forderung der Einfügung einer Lohnskala in die Bill zu berzichien, unter der Voraussetzung� daß der Minimallohn von fünf Schilling c i n g c f u g t �werdc. Staatssekretär G re h fragte darauf, ob Macdonald ermächtigt sei, im Namen der Bergleute zu sprechen, und betonte, wenn die Bergleute die Forderung der Ein- ftigung einer Lohnskala in die Bill fallen ließen, bliebe nur noch die Frage des Minimallohns von fünf Schilling strittig. Er schlug vor, daß tveitcrc' Verhandlungen über diese Frage zwischen Arbeit- gcbern und Arbeitern angeknüpft würden. Doch betonten er und Asquith, daß die Regierung nicht gewillt sei, irgend welche Zahlen in die Bill einzufügen. Nach weiterer Diskussion in dem dicht gefüllten und erregten Hause wurde das Amendement King abgelehnt, nachdem man übereingekomincn war, daß die Angelegenheit noch einmal vorgebracht würde. Dem Vernehmen nach finden jetzt zwischen Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeiter V c r Handlungen statt. •» » Der Streik in Deutfchland. In Sachsen. Zwickau, 22. März.(Privattelegranim d�s„Vorwärts"'.) Zwickau er Revier wächst der Streik sortgesetzt. Tie Schreckschüsse der Bergherren haben nicht die erwartete, sondern die entgegengesetzte Wirkung gehabt. Auf dem Falk sdhacht hat der Streik iveitere Ausdehnung erfahren. Aus Arnim, wo man den Arbeitern drohte, ihnen die 6 Straf scknchtcn abzuziehen, haben Freitag früh von den restlichen 300 Mann Belegschaft 2.50 die Arbeit eingestellt. Aus diesem Werk trägt man sich mit dem Gedanken, den Betrieb nun ganz einzustellen. Auf ollen Zwickauer Schächten sind Freitag früh bedeutend weniger Arbeiter angefahren. Das Streik« burean, das Tonnerstag die Namen von 5134 Streikenden in seinen Listen hatte, konnte Freitag schon 5400 melden. Die nationalen Arbeiter beginnen jetzt unter den Streikbrechern zu agitieren, um ihre Organisation zu stärken. Sie haben aber in einer Zusammenkunft, die von Pastoren und Landrichtern geleitet war, zugeben müssen, daß in Zwickau die niedrigsten Löhne von oanz Sachsen gezahlt werden. Auch die Werke liefern ndue Belege für die Notwendigkeit der Bergarbeiterforderungen. Auf einem der größten Werke wurden im vorigen Jahre durchschnittlich 327 Schichten pro Person Verfahren. Eine Arbeiterkategorie, die man benutzt. um der Oesfentlichkeit loeiszumachen, daß die Löhne der Bergarbeiter recht hoch stehen, bat durchschnittlich im letzte» Jahre 300 Schichten verfahren. Das sind mehr Schichten, als das Jahr überhaupt Tage hat. Einige Arbeiter haben darunter über 400 Schichten verfahren. Aus dieser über- mäßig angestrengten Arbeitsleistung geht am besten die Not- löge der Bergarbeitcrschaft hervor. In Obcrschlesien. Nirgends ist die Gefahr für wilde Streiks größer und die Situation dafür günstiger, als gerade ig Ob er. sich l e sie n.mit seiner außerordentlich bunt zusammengewürfelten Arbeiterschaft. Tic ständigen Lohnkürzungen und nicht zuletzt auch die Bevormundung und schlechte Behandlung der Ar'- deiter durch Beamte sind die Ursache, wcShalb bei jeder sich nur. einigermaßen bietenden Gelegenheit ein Streik von unorganisierten � Leuten ausbricht. Tis jetzigen Verhältnisse aber Mise«» daß die a.llgemei»e.-�E,kitter>ui>s e r g a r v e i t e. r n einen sehr hohe n- G r a d o r r« i chr hat. Die Organisationen sind nicht mehr in der Lage, den Streik �einzudämmen. ErnimmtvonTagzuTagzu. Der Haupt- -herd che« Arbeitseinstellungen ist der Bezirk Zaborze. m dem sich zahlreiche Gruben neben der fiskalischen Königin-Louise-Grube befinden. Wie immer bei solchen wilden Streiks hat dieser aus der Königin-Louise-Grube seinen Anfang genommen und dann sind die Belegschaften der Abwehr-, Hildcbrandt-, Ludwig S> glück-, Myslowitz-, T r a u sch o ll se g e n-, Paulus- Friedens. Wolffgang- und Knurow-Grubc gefolgt. Auf einzelnen dieser Gruben streikten bis über 50 Proz., auf wenigen Gruben dagegen nur 2 5 Prozent. Auf der FricdcnSgrube streikt etwa drei Viertel der Be legschaft, auf der fiskalischen K ö n i g i n- L o u i s e- Grube dagegen ruht die Arbeit fast vollständig. Auf dem Krugschachi h a t der Betrieb vollständig e i n g e st e l I t werden müssen. Nachdem der Streik gegen den Willen der Organisationen eine so große Ausdehnung angenommen hat, gab der alte Bergarbeiter. Verband und die polnische Berussvereinigung, nachdem die ein zelncn Belegschaften sich dafür erklärt hatten, den Streik frei, woraus an allen Orten sofort Streikkomitees gewählt wurden. Obwohl die Ruhe der Streikenden eine geradezu m u st e r H a s t e ist und noch keine Ausschreitungen bor- gekommen sind, sind eine große Anzahl von Grube nbeamten als P o l i z e i b c a m l c verpflichtet worden. Tie Polizei der hält sich sehr reserviert, zieht aber Gendarmen auS allen Gegenden nach dem Streikgebiet zusammen. Der Amtsvorsteher von Zabrze hat gegen die Wirte, wo die Versammlungen der Strei kcnden staitfinden, die Polizeistunde auf n ach uiit tags 5 Ubr festgesetzt. Tiefe Maßnahme erregt natürlich Verbitterung. Ob der Streik weitere Ausdehnung annehmen wird, oder ob es die Grubeuverwaltungen verstehen werden, durch Entgegen kommen die Wünsche der Arbeiter Zu befriedigen, und dadurch einen Riesen streik abzuwenden, der für den ober- s ch l e s i s ch e n I n d u st r i e b e z i r k unabsehbare Folgen haben ni u ß, bleibt abzuwarten. Mit Rücksicht auf diese Folgen bot die Königliche Berg-Jnspektion bereits mit den Arbeiteraus- schüssen der fiskalischen Gruben verhandelt, die bis jetzt aber er- gcbnislos verliefen, weil die Zugeständnisse zu gering waren. Zurzeit streiken in Lberschlesien etwa 18 000—20 000 Berg- arbeiter. Im Lugau-Oelsnitzer Revier. Die Streikbewegung nimmt fortgesetzt zu. Donnerstag gingen wieder zahlreiche Meldungen von neuen Strei- tenden ein. Unter den königstreuen Knappen herrscht große Errc- gung. Die Knappen haben auf verschiedenen Gruben Forderungen eingereicht, da sie ebenso wie die' anderen schlecht bezahlt wären und unter den traurigen Verhältnissen leiden. Streikjustiz im Ruhrgebict. In Ergänzung unserer gestrigen Mitteilung über die Beschleunigung in der Aburteilung der Streiksünder können wir beute noch folgendes mitteilen.' Tic Amtsgerichte des Bezirks sind angewiesen worden, den in Haft befindlichen Streiksündern eine Erklärung s- f r i st zur Änflageschrist von nur 24 Stunden zu gewähren, und dem Angeklagten einen Revers, der den Ver- zicht auf die einwöchige Eiirlassungsfrist enthält, zur Unter- fchrift vorzulegen. Die deutsche Justiz kann also recht schnell arbeiten, namentlich wenn es sich nicht gerade um einen �Fürsten Eulenburg handelt oder um die Ermittelung der Mörder Herr mann s. Und sie arbeite� nicht nur schnell, fondern auch gut, im Sinne der Scharfmacher wenigstens. Für ganz nichtige Verfehlungen sind geradezu drakonische Strafen verhängt worden..) Das Mißverhältnis zwischen dem Strafdelikt und der Strafe sstringt in den meisten Fällen in die Augen. Für einfache Ehrverletzungen lan Arbeitswilligen') werden mehrere Mona te Gc- fä�ngnis erkannt. Diese außerordentlich hohen Strafen werden verhängt, weil die Angeklagten„Pfui!" oder„Streik- brecher" lwgs überhaupt nur die Konstatierung einer Tat- fache, keine Beleidigung im gesetzlichen Sinne ist) gerufen hatten. Auf jede Silbe kam in t also ungefähr e in M o n a t Gefängnis. Dabei ist die H ö ch st st r a f c 3 Monate Gefängnis. Der ärgste Terrorismus der Unter- nehiner geht straffrei aus, gegen streikende, die den ver- räterischen Arbeitswilligen ein Pfui des Unwillens entgegen- schleudern, wird auf G c f ä n g u i s erkannt. Sie werden ehrlos gemacht, weil sie in gesetzlich gestattetem Kampfe ihrer begreiflichen Erregung Ausdruck verliehen. Gercchtig- keit des Klasfcnstaates! Wir sind überzeugt, daß diese Urteile durcki ihre Schwere aufreizender wirken werden, als es die schärfste Kritik an ihnen vermöchte. Tie Arbeiter werden es nicht vergessen, daß die Beschleunigung der Strafprozesse zuerst in der U ii t e r n e h in e r p r e s s e augeregt worden ist. Auch die drakonische Strenge, entspricht durchaus den Anschauun- gen der nach einem Zuchthausgesetz schreienden Unternehmer. Treihitttdert Anklagen wegen Streikvcrgchcns. Bochum, 22. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Am Böchumer Landgericht sind jetzt schon 300 Anklagen wegen Streikvergehens eingereicht worden. Drei Staats- a n w ä l t e sind eigens mit der Abfassung der Anklagen be- schästigt. Auch eine neue Schreibmaschine hat man zur Be- wältigung der Arbeit angeschafft. Der Streik in Böhmen. Prag, 22. März. Die Streikbewegung in den Kohlen- revieren Hai g e st e r n zugenommen. Die größte Ausdehnung hatte sie im Brüxer, Duxcr und Biliner Revier, wo der Betrieb auf 25 Werken eingestellt werden mußte. Einzelne Arbeits- willige wurden von Streikenden mißhandelt. Größere D e m o n- str'ationen der Streikenden kamen u. a. in Maltheuern vor; die Gendarmerie zerstreute die Demonstranten. Da die maßgebenden Kohlengewerkschaften den Forderungen der. Arbeiter, gegenüber einiges Entgegenkommen zeigen, so ist eine baldige Einstellung des Streiks zu erwarten. In Kladno ist der Betrieb normal. Mit Gruß die gewesenen Mitglieder der Sozialdemrckvatischen Fraktion der 2. Duma. G. Belonssoff. G. Aler,ntky. Lei' Krieg. Gerüchte über italienische Angriffe. Paris, 22. März.(P.-C.) Die telegraphischc und telephonische Verbindung mit Rom ist durch von der römischen Regierung ge- handhabte rigorose Zensur beinahe unmöglich gemacht wor- den., Alle Telephongcspräche zwischen den Journalisten werde» streng überwacht. Doch ist trotzdem soviel durchgesickert, daß man für heute in Rom ein Borgchen der italienischen Flotte erwartet. Man spricht in eingeweihten italienischen Kreisen von einer Blockade des Hasens von Saloniki und von einer Flottcndemon st ratio» vor Smyrna. Wie es heißt, soll die italienische Flotte vor den Dardanellen konzentriert.sein, s�ie Regierung verweigert über die Aktion der Flotte jede Auskunft, selbst.die Blätter,.die sonst von ofiiziöser Seite inspiriert sind, tappen vollständig im Dunkeln. Wie in politischen Kreisen erklärt wird, will dex König bereits am Sonntag Kaiser Wilhelm bei seiner ZusämmcnkuNst mit ihm von dem Er- in KenütniS setzen. Wilh gebniZ der, siottenaktion Die i. Duma und der{uftizmord. Erklärung der gewesenen Mitglieder der sozialdrmokratischrn Fraktion der 2. Duma G. Bclonssoss und G. Alexinsky an die sozialdemokratische Fraktion der 3. Duma. Teure Genossen! Aus den Zeitungen haben wir erfahren, daß die Interpol- lationSkommisfion der dritten Reichsduma Eure Interpellation be- treffend unsere Fraktion in der zweiten Duma abgelehnt hat. Es ist dieS für uns keine Ueberraschung. vielmehr würde es uns wundern, wenn die Mehrheit der jetzigen Reichsduma— der Duma der Großgrundbesitzer und Kap'talisien— das Verbrecken der zarischcn Regierung und die Gewalttat, die sie gegen die Ver- treter der Arbeiterpartei begangen hat, enthüllen wollte. Dieses Verbrechen, diese Gewalttat, bildet ja die Grundlage der Existenz der dritte» Duma und indem die Regierung die Türen der Kasc- matten hinter den sozialdemokratischen Deputierten schloß, öffnete sie die Tore des Taurischen PalasreS für die jetzige Mehrheit, die aus Schwarzhundertleutcn, aus Pogromisien und ausbeuterischen Oktobristen besteht. Aber indem wir es für ganz natürlich erachten, daß die Ser- vilität dieser sauberen Gesellschaft der dritten Duma und ihr Selbsterhaltungstrieb sie zwingen, durch ihre treuuniertänige Zu- stimmung die Taten der Arengewalt zu verdecken, erklären wir wieder und Wieoer, daß die Kommission, indem sie die Interpellation in unserer Angelegenheit ablehnte, zu gleichen, wenn nicht größeren Lügen Zuflucht nimmt wie die Regierung. ES ist eine absolute Lüge, daß unsere Fraktion nicht für eine „militärische Verschwörung", sondern für irgendein anderes Ver- brechen gerichtet wurde, wie es die Kommission erklärt. Es ist allen bekannt, und die Regierung bat es selbst in ihrer feierlichen Erklärung betont, daß unsere Fraktion der berüchtigten militäri- schen Verschwörung beschuldigt wurde. In dem Manifest vom it. Juni stand es: ..Endlich wurde eine in der Geschichte einzig dastehende Tat � vollbracht. Ten gerichtlichen'Behörden gelang eS. eine Verschwö- rung eines ganzen Teils der ReichSduma gegen den Staat und die zariscke Gewalt zu enthüllen." Jetzt aber, nach den Enthüllungen des gewesenen Agenten der LchraNa BbleSlmv Bradsky, erwies sich die Verschwörung als keine militärische, sondern als eine polizeiliche, und nicht als eine Ver- schwörung der Fraktion gegen den Absolutismus, sondern als eine Verschlvörung des Absolutismus gegen die Vertreter der Arbeiter- klaffe. Wir beide Unterzeichneten waren Mitglieder des Komitees der sozialdemokratischen Fraktion der zweiten Duma. Und wir be- baupten auf das entschiedenste, daß kein einziges Mal während der Täligkcit unserer Fraktion, weder in ihrem Komitee noch in den allgemeinen Sitzungen, die Frage der Veranstaltung dieser mystischen Verschwörung weder gestellt noch diskutiert wurde. Diese Frage konnte auch nicht von den sozialdemokratischen Tepu- lierten gestellt werden, weil die sozialdemokratische Partei keine Organisation der„Verschwörung", sondern eine Klaffenorganisa- tion der?lrbcitermassen ist, die für ihre ökonomische und politische Befreiungskämpfen. Verschwörungen sind nicht unsere Sache. denn die Sozig'deniokratie basiert alle ihre programmatischen und takiischen Grundsätze auf der Selbständigkeit der Arbeiterklasse, indem sie durch, die Zwischenstufe der demokratischen Staatsordnung den Sozialismus anstrebt. Verschwörungen, das ist Sache jener. die am 3. Juni 1907 die Volksmaflen gewalttätig ihrer politischen Rechte beraubten und sie einer Handvoll Räuber auslieferten. Also wiederholen wir. die Frage, die als Grundlage für die Inszenierung eines Prozesses unserer Fraktion diente, von uns weder gestellt noch diskutiert wurde und es auch nicht werden konnte. Bei der Besprechung des Berichts über die Ablehnung der Interpellation, oder bei einer anderen entsprechenden Gelegenheit, verleset Genossen, diese unsere Erklärung von der Dumatribüne. politifebe(leberliclrt. Berlin, den 22. März 1912. Noch immer Reichsamt d» s Innern« Aus dem Reichstag, 22. März. Wieder zieht ein langer Reigen von Rednern vorbei, von allen Parteien, von allen Temperamenten, von allen Stil imbegabungen— und immer noch wird das Reichsamt des Innern behandelt. Und wieder sind es wichtige soziale Fragen, die neben Kindereien ivie das„wandernde Geheimnis" des Antisemiten W e r n c r- Gießen zur Debatte stehen. Genosse Legien geißelte die Verwendung einer übermäßig grofen Zahl von Ausländern beim Bau des Kaiser« Wilhelm- Kanals und wies auf die Steigerung der Anfallziffer hin, Gc- nosse Haupt nagelte den Unfug der Abonncntcu- dersicherung fest und wurde dabei ungeachtet dessen, daß die Zentrumsprcssc diesen Unfug kräftig mitmacht, von dem Zentrümler Dr. M a r c o u r unterstütz. Genosse Büchner beschäftigte sich in einer groß angelegten Rede mit der Säug lingssterblichkeit, in der Deutschland leider neben Rußland den Rekord unter allen europäischen Li ndern hält, und gegen Ende der Sitzung rollte Genoffe Hofrichtcr die Be- deutung der Wohnungsfrage auf und verlangte ein Reichs- Wohnungsgesetz. Außerdem sprachen zu den verschie'wnen Titeln noch die Herren Graf Westarp(k.), Arendt(ik.), Paasch?(natl.), der warme Worte des Lobes für die nationale Gesinnung des Genosse Büchner fand, Keinath(natl.), H.eyn(Vp.) und verschiedene andere.— Tic zu der Titeln verlegten Resolutionen betr. Abonnentenversicherung, Bekämpfung der Tuberkulose usw. wurden angenontmen. Heute 11 Uhr Weiterberatung des Weichsamts des Innern. Der Unterrichtsminister als Büttel der Polizei. Das Abgeordnetenhaus hielt am Freitag eine Dauersitzung ab, in der zunächit die Generaldebatte über das Elementaruntcr- richtswesen beendet wurde. Bemerkenswert war die Schärfe, mit der sich der Nationalliberale Dr. v. Campe gegen den Abg. Heß vom Zentrum wandte. Freilich wäre es v'.rfchlt, daraus etwa auf eine Linksschwenkung der Nationalliberale» in Schulsragen schließen zu wollen, die Schärfe war vielmehr ein. Echo auf die maß- los überhebende Art, in der Herr Heß einen Mann wie Hackenberg abgekanzelt hatte. Den Sozialdemokratin, die daS Bedürfnis fühlten, auf die Provokationen des Abg. Heß vom Tage vorher zu erwidern, schnitt die Mehrheit— darunter auch das gesamte Jen- trum— wieder einmal das Wort ab! Recht lebhaft ging es beim Kapitel„Schulaufsicht" zn. In ihrem Bestreben, die Statsberatung möglichst zu beschleunigen, waren die Mehrheitsparteien dahin übereingekommen, die sozial- demokratischen Anträge auf Einführung d'S PerwaltungSstreitver. fahrens gegenüber den Zwangsverfügungen der Schulaufsichtsbehör- den und auf Aufhebung der ZwangSverfügungcn wegen Erteilung von gewerbsmäßigem Unterricht, ohne Erörterung der Unterrichts- kommijjion zu überweisen. Hierfür stsmmteu auch die Sozialdemc- kratm, nachdem sie sich vorher vergcchissext Hahlen, daß rS ihn�n trotzdem erlaubt sei, das zur Begründüng ihrer Anträge erfarder- jfiche Material vorzutragen. Dieser Ausgabe unterzog sich Lieb- I n e cht in einer einstündigen Rede, die eine fulminante Anlläge gegen die preußische UnterrichtSverwaltung, daS„verwahrloseste preußische Ministerium" bedeutet. Die Bestrebungen deS Mini. steriums, die Volksschule zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. kritisierte unser'Redner nicht minder scharf, wie den mit ungesetz- liehen Mitteln geführten Kampf gegen die Erteilung von Turn- und Gesangunterricht an die Arbeiterjugend. In jedem parlamentarisch regierten Lande würde ein Minister, der. sich über die Gesetze und über Entscheidungen höchster Gerichtshöfe hinwegsetzt, unmöglich sein. Ein preußischer Kultusminister aber darf es getrost wagen, ReichSgerichtSurteile, die ihm auS politischen Gründen unbequem sind, zu mißachten; weiß er doch, daß die sogenannte Volksvertretung ihn deshalb nicht nur nicht tadelt, sondern daß sie in ihrer großen Mehrheit den RcchtSbruch billigt. Mit Recht betonte Liebknecht, daß die Verwaltung nur aus Voreingenommenheit und Gehässigkeit handelt, eine Bemerkung, die trotz de- Ordnungsrufs, die sie ihm einbrachte, durchaus berechtigt ist. Man darf eben im preußischen Dreiklassenparlament die Wahrheit nicht sagen. Geradezu kläglich war die Art, wie der Minister sich verteidigte. Einigen persönlichen Ausfällen gegen Liel knecht folgt« ein Recht- � fertigungsversuch, durch den sich der Minister in Wirklichkeit nur noch mehr hineinredete und in Form einer Selbstbeschuldigung den schlüssigen Beweis dafür erbrachte, daß ihm der RcchtSstandpunkt gleichgültig ist. Liebknecht wollte erwidern, aber ein Schluß- antrag hinderte ihn daran. Bei einigen weiteren Etatstiteln gab eS wieder die üblichen Angriffe auf die Sozialdemokratie. Graf S t räch w i tz(Zcntr.) verlas eine Bierrede über die„blutige" Revolution, zu der Moabit und die Bewegung im Ruhrgebiet Vorübungen gewesen seien, und machte die Schulverwaltung wegen ihres nicht entschieden genug gc- führten Kampfes gegen die Sozialdemokr:tie für da»„Blutbad" verantwortlich, das unsere Genossen nach Ansicht diese? gräflichen Scharsmachers anzurichten im Begriff sind. Ter Minister nahm diese Rede ernst und verteidigte sich gegen den Vorwurf mangel- hafter Sozialistenbekämpfung. Vielleicht nahm er sie auch nicht ernst, sondern erwiderte nur, weil der Unsinn auS gräflichem Munde stammt. Be! dem Kapitel.LreiZschulinspektcren" wiederholte Abg. v. W oy na(freik.) mit etwas anderen, aber nicht klügeren Worten, was sein gräflicher Freund vom Zentruw geschwatzt hatte. Fast scheint eS, als ob beiden ihre Reden von ein und derselben Stelle geliefert werden. Natürlich gelangte der in Bereitschaft gehaltene Schlußantrag zur Annahme, bevor ein Soz-.aldemokrat die Stellung seiner Freunde zur Frage der Schulinspektion darlegen konnte. Die Mehrheit deS Hauses steht iu der Sache selbst auf einem reaktionären Standpunkt, sie lehnte einen Antrag der Fortschrittler auf Beseist- gung der geistlichen OrtSschulinspektion ab; dagegen wurde cw freikonservativer Antrag, der aus nationalen, schultechnischen»der schulwirtschaftlichen Gründen Kreisschulin pektoren im Hauptamt verlangt, der Budgetkommission überwiesen. Sonnabend: Fortsetzung der Beratung deS KultuSetatS. Bayern und die Erbschastösteuerfrage. In der heutigen Sitzung der bayrischen Kammer der' Abgeordneten ergriff der neue klerikale Ministerpräsident Freiherr von Hertling das Wort, um in längeren Ausfüh- rungen auf eine Anfrage' des Abgeordneten Casselmann, des Führers der Liberalen, zu antworten, der Auskunft über die Stellung des bayrischen Ministeriums zur Erbschaftssteuer- frage gefordert hatte. Ministerpräsident von Hertling er- klärte nach telcgraphischer Meldung auS München;. Dr. Casselmmin hat gewünscht, ich möchte mit voller Offenheit sagen, wie es kürzlich in Berlin zugegangen, und welche Stellung die bayerische Regierung zur Frage der Erbanfallsteuer cinge- nommen hat. Ich komme diesem Wunsche mit um so größerer Be- reitwilligkcit nach, als mir daran liegt, den Gerüchten mit voller Klarheit entgegenzutreten, die seit acht Tagen durch die Blätter lausen. Es ist nicht so, daß ich als Triumphatoc heimgekehrt bin Heiterkeit), es ist nicht so, daß ich den Sieg über Bethmann Holl- weg davongetragen habe, es ist nickt so, daß mein Schuß Herrn Mermuth getötet hat. Die Sache liegt ganz anders. Ich berufe mich zum Teil auf die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und will die Ausführungen des Blattes noch ergänzen. Die Verhandlungen im Bundesrat sollten einen durchaus vertraulichen Charakter haben. Das war unsere Absicht, als wir am Abend auseinandergingen. Am anderen Tage kam dann das Entlassungsgesuch des Herrn Mermuth. Da war es nicht mehr möglich, vollkoinmencs Schweigen zu beobachten; denn nun hatte die öffentliche Meinung Grund, sich aufzuregen. Die Situation war die: Man war im Bundes- rat ei nst immig der Ansicht, daß die Einbringung der früheren Erbanfallsteuer zur Deckung der Wchrvorlagcn mit Rücksicht auf die Stellung der Sozialdemokratie zur Wchrvorlage ein politi- scher Fehler sein würde und keinen Erfolg haben würde. Das war die Stellung der Reichsleitung und zu dieser Stellung der Reichsleitung haben sich die Bundesstaaten bekannt. Die Erb- anrallsteuer von 1909 stand jetzt gar nicht mehr zur Diskussion. Ich ivar also gar nicht mehr in der Lage, die Erbansallsteuer zu be- kämpfen; denn sie war nicht vorgeschlagen, ebenso wie einige andere Regierungen ihre Stellungnahme allgemein dahin präzisierten, daß sie der früher eingebrachten Erbanfallstcuer. wenn die politische Lage es gestattete, auch jetzt zustimmen würden. Aehnlich habe auch ich mich ausgesprochen. Ich kann jetzt an der Stellung, die ich früher persönlich zu der Erbanfall st euer eingenommen habe, nicht mehr festhalten, nach- dem die bayerische Regierung die Steuer im Jahre 1909 konzediert hat.(Bravo! links.) Wenn die Erbanfallstcuer zur Diskussion�ekommen wäre, so würde sie an dem Widerspruch Bayerns nicht gescheitert sein. Es fragte sich also, welche ander« Einnahmequellen zu öffnen seien, und man konnte zweifeln, ob es für die Jahre 1912 und 1913 möglich sein würde, neue Einnahmequellen zu öffnen. Es fehlten uns immer noch ausreichende zahlenmäßige Unterlagen. Es ist bekannt geworden, daß die ursprünglich 89 Millionen, dann auf 129 Millionen tarierten Ucberschüsse des vorigen Etatsjahres jetzt schon auf 229 Millionen angegeben würden.(Hört! hört!) Man konnte die Frage erheben, ob sich die Ueberschüsse nicht doch als be- deutender herausstellen, und man mußte der Meinung sein, daß die Aufstellung des Etats korrekturfähig, und daß es infolgedessen nicht nötig sein würde, schon jetzt neue Einnahmequellen zur Deckung der Wchrvorlage zu öffnen. Die bayerischen Vertreter haben eine durchaus reservierte Stellung eingenommen und sich dahin ausgesprochen, daß, wenn die Reserven aus den Ucbcrschüssen nichl ausreichten, wir natürlich dazu übergehen mühten, neue Ein« nahmcquellen zu befürworten. Der Vorschlag, für diesen Fall die Abschaffung der sogenannten Liebesgabe ins Auge zu fassen, ist nicht von Bayern ausgegangen, sondern von einer norddeutschen Regierung, und dieser Vorschlag ist von zwei andere n Rcgicrun. gen unterstützt worden. Wir bayerischen Vertreter haben gesagt, daß wir wohl auf diesen Boden treten könnten, voraus- gesetzt, da�ß die'Sönbcrrechte der süddeutschen Brenner intakt bleiben würden.(Bravo! im Zentrum.) ES ivar im Bundesrate, als man sich über die Möglichkeit einigte, auf diesem Wege die notwendigen Mittel zu beschaffen, die Meinung maßgebend, daß man durch Aufhebung der Liebesgabe eine alte von liberaler Seite erhobene Forderung erfüllen werde... Danach hat also Herr von Bethmann Hollweg die defini- tive Stellungnahme der Negierungen der deutschen Bundes- staatcn zu den Wermuthschen Vorschlägen gar nicht abge- wartet, sondern in demütiger Anerkennung seiner gott- gegebenen Abhängigkeit von den Konservativen und Kleri- kalcn schon vorher die ausgearbeiteten Steuerpläne zurück- gezogen. Ein prächtiger, folgsamer Kommis jener dienst- beflissenen Sorte, die ihre Oualitätsmängcl durch schmieg- same Unterwürfigkeit auszugleichen sucht. Eine Erklärung des sächsischen Fsinanzministers. Wie das bayrische, hat sich auch das sächsische Ministerium heute veranlaßt gefühlt, seine Stellung zur Erbschaftssteuer- frage darzulegen. Nach telegraphischer Meldung aus Dresden gab in der Zweiten Kammer der Finanzminister v. Scydc- Witz außerhalb der Tagesordnung folgend« Erklärung ab: In oer vorgestrigen Sitzung dieses Hohen Hauses habe ich auf eine an die StaatSregierung gerichtete Anfrage die Er- ilärung abgegeben, daß die sächsische Regierung bei der Minister- ionferenz in Berlin am 14. d. Mts. sich dafür auSgc« sprachen hat, zur ieilweisen Deckung der Wehr« vorlagen auf die Erbschafts st euer zurück- zukommen. In dieser Erklärung und einer Veröffentlichung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat ein Teil der außer- sächstschen Presse einen Widerspruch erblicken zu müssen geglaubt. Dieser Widerspruch besteht nicht. Sachsen hat sich nicht nur bei Vorberatung, sondern auch in der Mini st er. '«nfcrenz am 14. d. MtS. auf den Standpunkt gebellt, daß für die Kosten der Wehrvorlagen,'soweit sie nicht out vorhandenen Etatsmitteln bestritten wekden können, i n der Erbanfallstcuer Deckung zu suchen ist. Tie sächsische Regierung hat sich aber gegen eine Vcrquickung der Reichscrbschaftsstcuer mit den einzelstaatlichen Vermögenssteuern ausgesprochen, weil auf dies« Weise eine gleichmäßige Einführung dieser Steuer im ganzen Gebiet des Reiches nicht zu erreichen gewesen wäre. Nach eingehenden Beratungen hat sich indessen die sächsische Regierung den Bedenken nicht verschließen können, welche gegen die Einbringung der Erbansallsteuer im jetzigen Moment geltend gemacht wurden, und sie hat bei dieser'Sachlage in Ermangelung eines besseren Auswegs dem von anderer Seite gemachten Vorschlage zugestimmt, daß zur Beschaffung der er- forderlichen Mitlel der Wegfall der sogenannten„Liebesgabe" herangezogen werde._ Tas Etatsnotgesetz ist jetzt dem Reichstag zugegangen. Es ermächtigt im z 1 den RcickiSkanzler ganz allgemein, bis zur gesetzlichen Feststellung des Reichshaushaltsetats für daS Rechnungsjahr 1912 alle Ausgaben zu leisten, die zur Erhaltung gesetzlich bestehender Einrichtungen und zur Durchführung gesetzlich beschlossener Maßnahmen erforderlich find, serner die rechtlich begründeten Verpflichtungen des Reiches zu er'üllen und endlich Bauten, für die durch den Etat eines Vor- jahreS bereits Bewilligungen stattgefunden haben, fortzusetzen. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß das EtatSnotgesetz in doppelter Hinsicht von der bisherigen Uebung abweicht. Das Rot« gesetz hat sich bisher auf zwei Monate erstreckt. Diese Frist hat sich aber unter Umständen olS zu kurz erwiesen und steht auch mit den totsächlichen Berhältniflen in Widerspruch. Sodoun haben die Notgesetze bisher eine große Zahl von Einzelbestimmungen enthalten. Es erschien zweckmäßig, statt dessen den Reichskanzler allgemein zur Fortführung der Verwaltung auf der bestehenden Grundlage zu ermächtigen. Neben dem Eiatsnotgesetz für das Reich ist auch ein Notgesetz für die Schutzgebiete auS dem gleichen Grunde und in derselben Art dem Reichstag zugegangen. Geheime und direkte Wahl. Im Abgeordnetenhause hat Abg. Dr. Friedberg mit Unterstützung der nationalliberalen Fraktion folgenden Wahl- rechtSantrag eingebracht: Die königliche StaatSregierung wird ersucht, einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher für die Wahlen zum Abgeordnetcnhause— unter Beibehaltung des Systems eines ab- gestuften, plutotratische Auswüchse vermeidende» Wahlrechts und unter Beseitigung der Bestimmungen des Gesetzes vom 29. Juni 1893, die den Grundsatz der Bemessung des Wahlrechts nach der Steuerleislung im Gemeindcbezirk verletzen— die geheime Stimmabgabe und die direkte Wahl einführt. Ter Seniorenkonvent des Reichstages beschäftigte sich am Freitag abermals mit dem Ersuchen der frei- konservativen Partei, zu den Beratungen des Seniorenkonvents zugelassen zu werden, nachdem zwei Abgeordnete sich der Fraktion haben zuzählen lassen. Die Herren B a s s e r m a n n und Grobe« erstatteten Bericht über die Prüfung der Frage in den Akten des Reichstags. Danach sind allerdings Abweichungen von der Regel seit 1893 bis 1905 vorgekommen. Auf diese Ausnahme berufen sich die Freikonscrvativen. Der Seniorenkonvcnt konnte sich nicht ent- schließen, eine neue Ausnahme zu machen. Da die Geschäftsord- nungskommission des Reichstags mit einer Revision der Geschäfts- ordnung beschäftigt ist, wünscht der Seniorenkonvcnt, daß die Ge- schäftsordnungskommission die Frage, wieviel Mitglieder des Hauses eine Fraktion bilden können, vorwegnehme, und dann als Teilbericht eventuell zunächst dem Seniorenkonvcnt und dann dem Plenum unterbreiten solle. Nach den' Entscheidungen der Geschäfts� ordnungSkommission wird dann die Frage, ob die Freikonservativen eine Fraktion bilden, in dem beabsichtigten Sinne entschieden werden. Dann machte der Präsident die Mitteilung, daß auf die Tages- ordnung morgen(Sonnabend) die Zuckcrkonvention mit Belgien und das Notgcsctz zum Etat, dck der Etat nicht zur rechten Zeit fertig wird, gebracht werden. Bon der Zuckerkonvention sowie vom Notgcsetz soll eventuell die zweite Lesung am morgigen Tage vorge- nommen werden. Der Scniorenkonvent hält daran fest, daß die Osterferien am 29. März deginnen sollen. Die Ferien laufen bis zum 18. April. Bis zu den Ferien wird der Etat des Reichsamts des Innern, der Poftetat und die Rcichsdruckerei, wenn möglich, erledigt werden. Junkerlicher Terrorismus. In den Orten Deersheiin und Berssel im Wahlkreise Halber- stadt-Wernigerode hielt der Abgeordnete des KreiicS. Genosse Brandes, dieser Tage zwei Versammlungen ab. In den beiden Orten donii- nieren zwei Herren v. Gustedt, die in ihrem konservarivcn Selbst- bewußtiein natürlich glauben, daß sich niemand ihrem Willen und ihren Wünichen widersetzen darf. Der eine der Herren ist in DeerS- heim AmtSvorsteher. Als er von der geplanten Versammlung der Roten erfuhr, hängte er in den amtlichen Aushängekastcn folgende Bekanntmachung: .Warnung an die auf dem hiesigen Rittergut in Arbeit stehenden Leute I An der politischen Lersanunlung der llmsturzpartei im Januar Hierselbst hasten sich mehrere Angestellte des Ritterguts beteiligt und haben dadurch bewiesen, daß sie Anhänger deS Umsturzes sind(!) oder doch wenigstens ein Interesse au dieser Betvegung haben. Dasselbe wird von denjenigen angenommen, die sich an weiter hier smtlsindenden derariigen aufrührerischen Bersamm- lungen beteiligen, und cS wird daher eindringlich gewarnt, solche Veriommliingen z» besuchen. Mißachter dieser Warnung haben sich die Folgen ihrer Handlungsweise selbst zuzuschreiben. Die Verwaltung des Ritterguts DeerSheim." Welcher Art die angedrohten Folgen sind oder sein würden, ist natürlich niemandem zweifelhaft. In dem anderen Orte war man noch offenherziger; dort ersparte man den Leuten daS Nachdenken und erklärte kurz und bündig: Wer zur Versammlung geht, braucht am Montag nicht mehr zur Arbeit zu kommen. Alle Erzählungen über konservativen TerroriSmuS sind aber selbstverständlich nach wie vor in däS Reich der Fabel zu ver- weisen! Ein Beispiel zur Nachahmung. Unter dieser Uebcrschrifc schreibt daS dänische orthodoxe.Kristelig Dagblad"st„Ein Beispiel zur Nachahmung ist von den Sozial- demolralen im Deutschen Reichstage gegeben worden. Unter der Verhandlung über den dem Reichstage vorgelegten Ges.tzentwurf über das StaalSbürgerrecht hatte H. P. Haussen, wie früher er- iräbnt. gegen die Verfolgungen, denen die Heimatlosen in Nord» schleSwig von seilen der Behörden ausgesetzt sind, eine kräftige Ein- spräche erhoben. Seine eingehende Darstellung des Unrechts, das dabei friedlichen Bürgern immer wieder zugefügt wird, und die Beispiele, die er anführte, erregten,>vie seine Rede überhaupt, ein nicht geringes Aussehe». Unter dem Eindrucke dieser Rede haben die Sozialdemokraten im Reichstage einstimmig beschlossen, Haussen einen Sitz in derzurvcraiung d-SGeietzentwurss gebildeten Kommiisionanzu- bieten, ohne Rücksicht daraus, daß Haussen sonst nicht zu ihrer Partei gehört, und H. P. HanSsen hat daS Anerbieten angenommen und ist in die Kommission eingetreten, Ivo er also jetzt eine er- wünschte Gelegenheit bekommen wird, daS begangene Unrecht näher zu beleuchten. Dieser Zug. gereicht den deutsche» Sozial- demokraien zur Ehre und legt dafür ein Zeugnis ab, daß sie einen iveilere» Horizont haben, als es sonst bei politischen Parteien de» Fall zu sein pflegt. Ob wohl etwas AehnlichcS z. B. im dänischen Reichstage denkbar wäre?"_ Ter Prozeß gegen die„Jeunessc Lorraine". In Metz begann heute vormittag vor der �Strafkammer die auf zwei Tage bemessene Verhandlung wegen Tötung des Hoboisten. Sergeanten Maasch vom hiesigen Jnfanterie-Rcgimcnt Nr. 139, der in der Nacht vom II. Dezember v. I. durch ein Mitglied der inzwischen aufgelösten„Jeunessc Lorraine" auf der Straße erschossen wurde. Ter Täter, der neunzehnjährige Schreiber Ludwig Martin. gestand nach anfänglichem Leugnen, den Schuß abgegeben zu haben, jedoch ohne die Absicht, zu. töten; er habe lediglich einen Schreckschuh abgegeben. Die Anklage lautet gegen Martin, die beiden SaiNain, den Geschäftsführer Karl Geny und den Elektriker Lück, der. sich in Begleitung des Maasch befand, auf Beteiligung an einer Schlägerei, in die sie nicht ohne ihr Verschulden hineingezogen tvutden und durch die der Tod des Maasch verursacht wurde(§ 227 des Strafgesetzbuchs), ferner gegen Martin auf Tragen einer geheimen Waffe und fahrlässige Tötung des Maasch und gegen die beiden Samain sowie gegen Geny auf gemeinschaftliche vorsätzliche körpe» Ii che Mißhandlung de« mit ihnen angeklagten Lück. franhmeh. Wahlreform-Auferstehnug? Paris, 19. März.(Eig. Ber.) Die Wahlrcsorm, die in der vorigen Woche in den letzten Zügen zu liegen schien, hat sich gestern plötzlich erhoben und eimgc große Schrille vor- wiirtS gemacht. Die Artikel 21 bis 23, die die Austeilung der Mandate und Stimmreste mittels einer Kombination der „Prämie" für die absolute Mehrheit, der departcmeniälen „Ilpparentements" sowie der regionalen Zusannnenrechnung regeln, wurden mit rund 280 gegen rund 210 Stimmen angenommen. Die Minderheit wäre noch etwas größer gc- wescn, wenn nicht einige Reformgcgner dabei ertappt worden wären, als sie auf den Bänken der Pro- portionalisten AbstimmungSkarten sticbitzten. Aber sie müßte genügen, um das Gesetz unizubringcn. wenn die Regierung dabei bliebe, es nur mit einer„republi- kanischcn"— d. h.„radikalen" Mehrheit anzunehmen. Gestern ging sie indes plötzlich tvicder mit der ivirklichen Mehr- heit, die sie in der vorigen Woche verleugnet hatte. Man kann nicht sagen, daß die Situation dadurch klarer geworden ist. Sicher kann die Regierung jetzt das ganze Gesetz in der Deputiertenkammcr durchdrücken, wenn sie will, und daß der Senat es iverfcn sollte, erklärt heute sogar die„Lantcrne" für eine kindische Annahme. Aber es ist auch klar, daß das Ministerium, wenn es sich die Radikalen zu Feinden macht, überhaupt keine Mehrheit hat und bei der nächsten Schwierig- keit zu Falle gebracht werden wird. General Breton kom- mandiert: Pardon wird nicht gegeben. CngwnÄ. Ein Tendenzurteil. London, 22. März. Der Journalist G u y B o w m a n ist zu neun Monaten und die Drucker Gebrüder B u ck sind zu-je sechs Monaten Zuchthaus verurteilt worden, lveil sie in der Zeitung„S h n d i c a I i st" einen offenen Brief an die britischen Soldaten publiziert hatten, in welchem diese aufgefordert werden, nicht auf dieStreikenden z u schießen, wenn es ihnen befohlen wird. Das Urteil ist für englische Verhältnisse wenigstens der neueren Zeit unerhört. Es zeigt, daß die englische Bour- geoisie und ihre Justiz genau wie die kontinentale das Prin- zip der Prcßfreihcit wie alle anderen Prinzipien in d«n Wind schlägt, sobald sie ihre 5llasseninteressen gefährden. Sek wecken. Ein Minister gegen die Flottcnagitation. Der Kültusminister Fridtjuv Berg beantwortete am Dienstag in der zweiten Kammer die von unserem Genossen B r a n t i n g eingebrachte Interpellation gegen die vom„Panzerbootsverein" in die Schulen getragene Agitation und Geldsammlung für das neue Kriegsschiff, dessen Bau die Regierung vorläufig verhindert hat. Der Minister hatte im ganzen Lande bei den Schulbehörden Um- fragen veranstaltet, um festzustellen, wie weit das Uebel um sich gegriffen hat. Dabei stellte sich allerdings heraus, daß eS nur wenige Schulen und höhere Lehranstalten sind, in denen auf An- regung oder unter Mitwirkung der Lehrer Sammlungen veranstaltet, oder eine derartige Agitation betrieben wurde. Der Minister er- klärte entschieden, daß die Hineinziehung politischer Streitfragen in die Schulen auf leinen Fall als zulässig angesehen werden könne. Scharf wandte er sich auch gegen die von dem Forschungsreisenden Sven Hedin herausgegebene Schrift„Ein Warnungswort", die in einigen Schulen als Lesestoff benutzt worden ist, die aber tat- sächlich eine parteipolitische Streitschrift darstellt, welche nach Meinung des' Ministers im hohen Grade geeignet ist, Verhetzung und Verbitterung zu erzeugen, zumal Hcdin in dieser Schrift politisch anders denkende Leute beschimpft und die demokratische Entwjckeluua dA'Ätztti? K>W zu vetipotten sucht.— Noch' dein Minister nahm B r a n t i g das Wort und betonte unter anderem, daß die starke Mehrbeit des schwedischen Volkes sich mit den vom Minister hervor- gehobenen Grundsätzen einverstanden erklären könne. pertien, Zu Kreuze gekrochen. Teheran, 21. März.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.) Db gestern überreichte Antwort der persischen Regierung auf die russisch. englische Note vom 28. Februar erklärt die Annahme desVorschussesvon vierMillionenMark und der von den zwei Mächten festgesetzten Bedingungen über Ver- zinsung, Garantie, Kontrolle und Verwendung des Geldes. Die Note erklärt weiter, die persische Regierung werde ihre Politik mit den Prinzipien dcS Abkommens von 1997 in Einklang bringen, und nehme Kenntnis von den Versicherungen, die in der Einleitung des Abkommens ausgesprochen sind. Nachdem der frühere Schab, und dessen Bruder Pcrsien verlassen hätten, sollen die Mujahids aufgelöst und die anderen irregulären Truppen allmählich ausgebildet und in die reguläre Armee aufgenommen werden. Die Organisation einer brauchbaren, den Bedürfnissen des Landes entsprechenden Armee werde den Hauptpunkt des Programms des Kabinetts bilden. Ueber die militärische Organisation werden die beiden Gesandt- schaften in freundlichem Meinungsaustausch in Kenntnis gesetzt werden. Ueber Mohammed Ali ist ein Abkommen zustande ge- kommen, da? den Gegenstand einer besonderen Note bildet. Stach diesem Beweis ihrer guten Absichten erhofft die persische Regierung die Unterstützung der beiden Mächte bei der Aufnahme der für die Reformen nötigen Anleibe und bei der baldmöglichsten Räumuna persischen Gebiets von fremden Truppen. CCIrhd. Aus der Hexenküche des WahlkampfcS. Genosse Parvus schreibt unS aus Konftantinopel: Das„Komitee", oder die Regierung— das ist jetzt gleich— scheut kein Mittel, um sich eine Majorität zu sichern. Die Be- amtcn, die nicht wagen, anderer Meinung zu sein als die Regie- rung, die einfach indifferent bleiben, die es unterlassen, für die Re- gierungsparici Sckstepperdicnste zu leisten, werden vom Dienste gejagt. Nachdem man einige Oppositionsführer ins Gefängnis geworfen, andere zum Militärdienst eingezogen hat, fährt man mit der Konfiskation oppositioneller Zeitungen fort und verbietet die oppositionellen Versammlungen. Man scheut aber auch vor Mitteln nicht zurück, die das Gesetz direkt verletzen. So wurde Genosse D. Vlachoff, als cr in einer Provinzstadt Mazedoniens eine Wähler. Versammlung abhalten wollte, am Bahnhof von einem halben Dupend notorischer Strolche angehalten, die. auf ihre Knüppel hiri. weisend,„im Namen der Bevölkerung" ihn baten umzukehren. Das geschah am hellichten Tage angesickts der Polizei, die den müßigen Zuschrucr spielte. Genosse D. Vlachoff wandte sich an den Kck niakam— preußisch: Landrat— doch dieser zuckte bloß die Achseln. Kein Zweifel, daß die Lumpen, die man, mi: Knüppeln belvaffnet gegen unseren Genossen aufrücken ließ, von irgendeiner Seite be� zahlt. wurden. Obwohl nun allerdings die Versammlung nicht hat abgeholter, werden können, so hat doch die Taktik des„Komitees" diesmal ihren Zweck verfehlt. Denn angesickts dieser Programm- taktik des„Komitees" bemächtigte sich der Bevölkerung eine tiefe Erbitterung, und ein Protest gegen dieses Vorgehen, der an die Regierunz gerichtet und in die Presse gegeben wurde, fand zahl- reiche Unterschriften. Ein anderes vom Komitee beliebtes Mittel, das Wahlschicksal zu korrigieren, ist eine neue Einteilung der Wahlbezirke. War schon bei der Einteilung der Wahlkreise mit Gewalt darauf hingearbeitet, türksch« Majoritäten nationalen Minderheiten gegenüberzustellen' so werden jetzt bis in die kleinsten Sektionen die tollsten Kom- binationen durchgeführt, um Komiteemehrheiten zu sichern. Ungefähr in einem Monat sollen die Wahlen abgeschlossen werden. Wir werden sehen, was aus dieser Hexenküche herauskommt. Arbeiter, Parteigenossen! Die Spirituszentrale hat die Preise wieder erhIHÜ Die einzige Antwort darauf lautet: Uerschärfnng des Schnspsdoykotts! GewerKlcKaftlicdes. Sie mögen frob fem, daß fie das Leben haben! Herr Adam Stegerwald, Generalsekretär der Christlichen, hat in der letzten Zeit verschiedentlich über die Stellung der christlichen Gewerkschaften zu den politischen Kämpfen ge- sprachen. Er sagte in seinen Reden u. a.: „Die christlichen Gewerkschaften sind gegründet worden zu dem Zwecke, um den gläubigen katholischen und evangelischen Arbeitern eine Organisation zur Verfolgung ihrer gewerkschaft- liehen Interessen zu bieten, in der den einzelnen Mitgliedern keinerlei Anschauungen oder Handlungen im privaten oder öffcnt- lichen Leben, insbesondere auch in Angelegenheiten des wirtslbaft- lichen Gebietes zugemutet werden, die unvereinbar sind mü den Glaubens- und Sittenlehren der katholischen bezw. evangelischen Kirche, so wie sie in diesen von der zuständigen Autorität gelehrt werden. Auf diesem Boden haben die christlichen Gewerkschaften stets gestanden und werden sie in Zukunft stehen." Tas heißt mit anderen Worten: Tie christlichen Gewerk- schaften stehen als Organisationen„im Einklang mit den Singer-Nähmaschinenfabrik in Wittenberge rühmen. Seit dem g. März streiken, wie bereits berichtet, 40 Maschinenformer. Aus Anlast dieses Streiks hat die Direktion fast sämtliche Arbeiter des Betriebes entlassen. Obgleich die Direktion den ausgesperrten Ar» beitern erklärt, hat, datz sie nicht wisse, weshalb die Maschinen- formcr nicht zur Arbeit gekommen sind, weist die Direktion jede Verhandlung zur Aufklärung über die Ursachen der entstandenen Differenzen schroff zurück. Die Maschinenformer hatten eine Be- dingung der Direktion, wonach eine Erhöhung des Akkordpreises bei einer bestimmten Arbeit erst gezahlt werden soll, wenn eine von der Direktion festgesetzte Leistung bewirkt ist, nicht anerkennen wollen. Dem Gicßermcister wurde durch eine Kommission Kenntnis von dem Beschluß der Arbeiter gegeben. Als auf Befragen der Arbeiter durch den Meister, ob sie mit den von der Direktion ge- stellten Bedingungen zufrieden seien, diese es verneinten, wurden sie entlassen. Die Direktion ließ sich auf keinerlei Verhandlungen ein. Den Ausgesperrten wurde der Rat erteilt, sie mögen auf die Maschinenformer einwirken, damit sie die Arbeit wieder auf- nehmen. Die hinausgeworfenen Maschinenformer erklärten sich in einer Versammlung, an der auch der Giestermeister teilnahm, bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn der erhöhte Akkordpreis auch dann gezahlt wird, wenn sie ohne eigenes Verschulden die von der Grundsätzen der katholischen Weltanschauung"— ganz � Direktion gestellten Bedingungen nicht erfüllen können. Der im Sinne der bösen Osterkonferenz. Gleichzeitig stehen sie � Giestermeister erklärte, daß es in seiner Hand liege, von Fall zu aber nach den Worten Stegernxilds auch in: Einklang mit den! stall zu entscheiden, die Direktion bestehe nicht unbedingt auf der Grundsätzen der protestantischen Weltanschauung, sie stehen also im Einklang mit zwei sich widersprechenden Welt- onsebauungen! Noch mehr: eine Organisation, die stets im Einklang mit irgendeinem Prinzip bleiben will, muß auf dem Boden dieses Prinzips fußen, sonst ist auch der negative Einklang, der lediglich in der Vermeidung von Konflikten be- steht, auf die Dancr unmöglich. Demnach müssen also die christlichen Getverkschaften auf katholischem Boden, gleichzeitig aber auch auf protestantischem Boden stehen, d. h. katholisch und protestantisch zugleich sein. Tie„Kölner Korrespondenz" bemerkt zu dieser Hal- tung Stegerwalds: „Die kircblidic Autorität bat die interkonfessionellen christ- lichen Gewerkschaften als solche nicht verworfen, und in in- formierten katholischen Kreisen weiß man auch warum. Aber die christlichen Gewerkschaften sollten sich büten, daraus eine prizipielle Billigung des interkonfessionellen Standpunktes her- zuleiten! Sie sollten sich überhaupt mit der praktischen Arbeit begnügen und das Philosophieren lassen. Besonders sollte Adam Stegerwald bei seinem Leisten bleiben und nicht versuchen, eine Position theoretisch zu verteidigen, die nicht haltbar ist! Warum nehmen sich die christlichen G"werkschaften kein Beispiel an den Bachcmiten auf dem Gebiete des Zentrumsstreits? Die Bache- miten wissen, daß ihre Idee eines Reformzentrums zusammen- bricbt. sobald man sie näher betrachtet. Darum lassen sie sich auf prinzipielle Erörterunacn wohlweislich nicht ein. Wir raten den Gewerkschaftlern der M.-Gladbackcr Schule, es ebenso zu machen. Sie mögen froh sein, daß sie das Leben haben!" Kerlin unck Tlmgeg-enck. Zur Zigarrenarbejtcrbewcgung in Groß-Berlin. Es ist all- gemein bekannt daß ein Teil der Industrien, deren leichte Be- weglichkeit infolge einfacherer Produktionstechnik eine größere ist, als beispielsweise die der Schwerindustrie, diesen Umstand für sich ausnutzt, um die Löhne zu„nivellieren". Den Rekord in dieser Richtung schlägt die Tabakindustrie. Dies macht sich namentlich in Berlin geltend. Wir haben hier am Orte eine ganze Anzahl Großfirmen, die zwar in Berlin noch firmieren, aber wenig oder gar nicht produzieren. Die„Löhne sind ihnen zu hoch". Deshalb nimmt man Sack und Pack und trollt sich mit seiner Produktion von dannen. I« weiter, je besser. Nur billig muß man pro- duzieren, billig um jeden Preis! Und werden die Hessen schwierig, so macht man nach Baden oder ins Elsaß, Und wollen die Päse- Walker auch schon Ansprüche stellen ans Leben, so sieht man es schließlich den Zigarren auch nicht an, wenn man sie in Graudenz herstellen läßt. Wenn man nur bloß aus Berlin fortkommt. Das heißt nicht mit den Läden. Die Laden bringen das Geld. Aber die Käufer werden manchmal schwierig. Sie fragen nach Tarif- löhnen, grünen Plakaten usw. Man kümmert sich eben auch um solche Fragen heute. Ja. und was soll den» Herr K a p h u n darauf sagen. Den Herr-im-Hause-Standpunkt erkennen diese Leute ja doch nicht an; davon kann man ihnen ja doch nicht reden. Da macht man es eben wie die Grüneberg, F. Neumann und die größeren L o e s e r u. W o l f f. Man zieht! Erfüllung der bedingten Leistung; die Arbeiter sollten sich im Laufe der nächsten Tage wieder zur Arbeit melden. Als die Arbeiter dies am anderen Tage taten, erklärte der Gictzermeister: Sie haben mir zum zweiten Male die Arbeit verweigert, jetzt wird niemand mehr eingestellt. Die Direktion war auch jetzt wieder nicht für die Ar- beiter zu sprechen und ließ der Arbeiterkommission sagen, daß sie sich auf keinerlei Verhandlungen einlasse. Auch dieser Vorgang ist der Direktion genau bekannt. Trotz alledem erklärt der erste Di- rektor, er wisse nicht, aus welchem Grunde die Arbeiter die Arbeit eingestellt haben, er müsse wegen Mangel an Material in den ein- zelnen Abteilungen den Betrieb schließen. Ernste Differenzen im Töpfergetverbe. Im Breslauer Töpfergewerbe sind ernste Differenzen ausge- brachen. Hier haben die Ofensetzer und Ofenformer am 1. Januar d. I. ihre am 1. April ablaufenden Lohnverträge gekündigt und den Unternehmern eine neue verbesserte Tarifvorlage überreicht. Die Unternehmer machten aber weder im Januar noch im Februar Miene, sich der Gehilfenkommission gegenüber irgendwie über die eingereichte Vorlage zu äußern. Vielmehr bearbeiteten sie die Oeffcntlichkcit in dem Sinne, daß ein Töpferstreik zum 1. April ausbrechen werde, und sie veranlahten den Vorstano des Kachel- ofenfabrikantenverbandes, schon unterm 5. Februar an seine Mit- glieder ein Geheimzirkular abzusenden, worin vor allem vor Ein- stellung von Breslauer und Schweidnitzer Töpfern— auch hier stehen die Töpfer in einer Lohnbewegung— so lange gewarnt wurde, bis die Bewegung in diesen Orten beendigt sei. Es war den Unternehmern Breslaus darum zu tun. ihre Frühjahrsbauten möglichst schnell fertig zu stellen, was sie durch möglichste Verschlep- pung der Tariffragc zu erreichen hofften. Nunmehr ist die Bewegung der Breslauer Töpfer durch ein anderes Ereignis plötzlich in Fluß gekommen. Die gleichfalls im Töpferverbanoe organisierten Töpferhilfsarbeiter in Breslau stehen ohne jeglichen Tarifvertrag da, sie werden ganz nach Willkür ent- lohnt und zeigen nunmehr das berechtigte Verlangen nach einem Tarifvertrag. Sie arbeiteten eine Vorlage mit 45 Pf. Mindest- stundcnlohn aus und sandten diese den Unternehmern zu. Diese lehnten aber die Vorlage brüsk ab und schlugen auch jedwede Ver- Handlung mit den Töpfcrhilfsarbeitern aus. Ja, deren Organi- sation wurde von den Breslauer Unternehmern überhaupt nicht anerkannt. Die Folge dieses rigorosen Vorgehens der Breslauer Töpfer- meister war selbstverstänolich die Proklamierung des Generalstreiks der Töpfcrhilfsarbeiter. Und nun erklärten sich die Ofensetzer Breslaus solidarisch und beschlossen, sich von unorganisierten Ar- beitswilligen auf den Bauten nicht bedienen zu lassen, womit der Solidaritätsstreik der Ofensetzer perfekt wurde. Dies geht nun den Breslauer Töpfereiunternehmern Wider den Strich, und sie nennen die Solidaritätskundgebung der Ofensetzer einen..Tarifbruch". Weiter setzen sie die Unternehmcrverbände oes TöpfergewerbcS(den Kachelofcnfabrikantenverband und den Verband der Töpfer- und Lfcnsetzmcister Deutschlands) in Be- wegung, und der letztgenannte Uniernehmerbund hat auch bereits an die Breslauer Lohnkommission der Töpfer die Aufforderung gerichtet, die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu ver- anlassen, da ihr Vorgehen„Tarifbruch" sei. Wie fein doch das Unternehmertum zu unterscheiden weiß, Mache und dazu angetan wäre, die Kräfte der Straßenbahner unnütz zu zersplittern, wurde von den Gründer» erwidert, daß nicht sie— die Gründer— die Zersplitterer wären, sondern die» jenigen Straßenbahner, die jetzt noch in ihren Berufsorganisationen verblieben. Man verlangte von diesen Straßenbahnern, daß�fie der neuen„Organisation" beitreten sollten. Daß die Gründung gelber Tendenz ist, geht wohl am besten daraus hervor, daß eine Anzahl von Konferenzteilnehmern mitteilten, fie hätten sich zur Teilnahme an der Konferenz erst die Genehmigung ihrer Direktion eingeholt. Charakteristisch war aber die Vornahme der Wahlen. Als einer der Hauptmacher der Gründung in den Vorstand ge- wählt wurde, erklärte er, wenn die„Organisation" einen Kampf- charakter trüge, dürfte er ihr nicht beitreten, denn was sollte da sein Direktor sagen. Erst als der bereits gewählte Vorsitzende unter allgemeiner Zustimmung der Mehrheit der Konferenz die Erklärung abgab, daran wäre nicht zu denken, nahm Herr Ritter aus Witten, so heißt dieser Held, die Wahl an. Diejenigen Straßenbahner, die ehrlich bestreb: sind, ihre wirtschaftliche Lage zu heben, mögen sich von den gelben Häuptlingen, die in der nächsten Zeit zu ihnen kommen werden, nicht einfangen lassen. Für sie muß es genügen, daß sie wissen, daß jene Kreaturen nur die Geschäfte ihrer Ausbeuter betreiben. Eigenbrödelei ist bereits genug in der Straßenbahnerbewegung vorhanden, so, daß es wahr- haftig einer neuen Gründung mit gelbem Einschlag nicht mehr he- durfte. Wer von den Straßenbahnern sich organisieren will— und das müssen wohl alle Straßenbahner wollen—, der schließe sich der Sektion Straßenbahner, Mitgliedschaft im Deutschen Transportarbeiterverbande, am_ Keine Aussperrung der Glasarbeiter in Weistwaffer. Bei der Firma Gelsdorf in Weißwasser hatten die Glasarbeiter am 24. Februar wogen LohnabzM die Arbeit eingestellt. Der Unternehmerverband hatte darauf am ö. März in 15 Werken 351 Arbeiter zum 23. März gekündigt, und zwar mit der ausdrück- lichen Mitteilung, daß die Kündigung als zurückgezogen gilt, wenn der Streik bei der Firma Gelsdorf beendet wird. Die Arbeiter der genannten Firma aber dachten nicht daran, den Lohnabzug ruhig hinzunehmen. Der Verband der Glasarbeiter beschloß, daß in allen Werken, in denen Arbeiter ausgesperrt werden sollten, auch die übrigen Arbeiter am 23. März die Kündigung einreichen solltem Dieser Beschlutz bewirkte, datz die Unternehmer sich zu Verhandlungen bereit erklärten; anfänglich hatten sie eS rundweg abgelehnt, mit der Organisation zu verhandeln; sie wollten die Organisation überhaupt nicht anerkennen. Beide Parteien nahmen den von der Kommission ausgearbeiteten Tarif an. Der Tarif gilt bis zum 1. März 1914. Mit dem Abschluß des Tarifvertrages ist ein folgenschwerer Kampf vermieden worden. Den Industriellen aber wurde gezeigt, daß sie den Arbeitern nicht fortgesetzt mit Aus- spcrrungen drohen können._ Letzte Nachrichten* Demission des österreichischen Kricgmiuisters. Wien, 22. März.(P. C.) Das offiziöse„Neue Wiener Jour- nal" bringt die Meldung, daß der Kriegsministcr General der In- fanterie, Ritter von Auffenberg, seine Demission bereits gegeben habe._ Die auswärtige Politik in der französischen Kammer. Paris, 22. März. sW. T. B.) Die Besprechung der Jnter- pellation über die auswärtige Politik wurde heute fortgesetzt. Jaures erklärte, die marokkanische Angelegenheit� habe zwischen den lateinischen Mächten Verstimmung erzeugt und Frankreich in ein heikles Verhältnis zur Welt des Islams gebracht. Jaures verlangte Deutschland gegenüber eine offene und rücksichts- volle Politik. Der Redner wünscht Klarheit über die inter- nationalen wirtschaftlichen Unternehmungen. P o i n c a r s er- klärte, er habe nitch gesagt, datz diese gemeinschaftlichen Unternehmungen aufhören sollten, da doch der Vertrag vom 4. November dieselben vorsehe. Jaures fragte dann weiter, ab man die großen Banken überwache. Poincare stimmte mit JaureS darin übcrein, daß die finanziellen Kräfte � einen Teil der modernen Diplomatie ausmachten. JaureS erklärte dazu, daß die Tätigkeit der Großbanken sich nicht im Dunkeln abspielen dürfte und fragte, ob sich bei der Marokkoangelegenheit nicht geheime Geschäfte mit Deutschland abgespielt hätten. Poincare antwortete darauf, daß er keine geschäftliche Verbindung kenne, die im Auftrag der Regie- rung eingegangen worden wäre. Jaures fragte darauf, ob nicht außerhalb der offiziellen Diplomatie derartige Geschäft« gemacht worden wären, was von C a i l l a u x verneint wurde. lBewegung.) Jaures verlangte dann Klarheit über den Inhalt der Anfrage dcS Abgeordneten Poudcre und bemerkte, solange nicht eine Entente zwischen Frankreich, England und Teutschland zustande gebracht wäre, man immer auf eine Verwickelung gefaßt sein müsse. Driant: Und Elsoß-Lothringen!(Lärm!)— Jaures: Die Wiederherstellung des Rechts, die Sie erwarten, würden weder aus neuen gewaltsamen Verbindungen, noch aus neuen vertraglichen Verbindungen hervorgehen. Das Bündnis mit Rußland hat nicht ausdrücklich als Grundlage die Erhaltung des Statusquo gehabt, Rußland hat uns nur die Hand zu einem Werke des Friedens ge- reicht. Die Elsässer haben bewiesen, datz es nicht in dem Vermögen irgend einer Macht steht, die Erinnerungen sowie die Sympathien, die aus ihrer Verbindung mit Frankreich erhalten geblieben sind, aus ihrem Gedächtnis auszulöschen; sie haben ebenso bewiesen, daß sie auf die Arbeit und die Durchsetzung der Demokratie und der Freiheit in Eurova rechneu. lZwischenrufe, Lärm.) Tie Republik sollte sich nicht zu einem Wer! der Gewalt wovon Sie(zur Rechten) träumen, hergeben. Sie liefern den Militaristen jensertS der Grenze Vorwände.(Heftiger Widerspruch, mehrere Abgeord- nete der Rechten beschimpfen JaureS.) Jaures schließt mit den Worten:„Wir wollen keine Eroberungspolitik." Nach ihm spricht Poincare und das von der Regierung ge- forderte Vertrauensvotum wird mit 413 gegen 81 Stimmen ange- nommen. Ersatzwahl für Hertling. Münster, 22. März.(W. T. B.) Tos vorläufige Ergebnis der Rcichstagswahl in M ü n st e r- C ö s f e l d ist folgendes: Gcwäblt wurde Geheimer Medizinalrat Dr. Gcrlach l Zentrum) mit 20 819 Stimmen. Zersplittert waren 153 Stimmen. Die Nationalliberalen. Freisinnigen und Sozialdemokraten hatten Stimmenthaltung proklamiert. Getoählt haben 50 Prozent. Der Brand in Tokio. Nokobama, 22. März.(P. C.) Die gestrige FeucrSbrunst in Tokio hat einen Schaden von mehr als 1� Millionen Mark an- gerichtet. Das Feuer sprang infolge des heftigen Sturmes bald auf den Stadtteil Susaki, das zweite Gcishaviertel. über. Die einzige Brücke, die zu dem von drei Seiten von Kanälen umgebenen Stadtteil führt, wurde schnell ein Raub der Flammen. In der entstandenen Panik wurden viele Personen zerdrückt. Zahlreiche andere ertranken in den Kanälen, lieber 900 Häuser, darunter eine Volksschule, sind vollständig zerstört. In einer Nctzfabrik er- folgte eine Kcsselcxplosion. durch die zahlreiche Arbeiter ums Leben kamen. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: xh. Glocke. Beri'n. Druck m Verlag: Porwärts Buchdr. u, Verlagsanstalt Paul Singers CohBcrlin LW. Hierzu 4 Beilagen».UnterhattungSbl. Auf diese Weise glaubt man auch den Unbequemlichkeiten mit � der Organisation aus dem Wege gehen zu können. Aber da geht es wenn es sich � uirT das" Ünwrnehmerfell' handät! Äls'im Jahre'1906 hl,» rnH h»hi Sw,h»o»i in hör vThttd-htiArh OrnheX iipfi-rniT wn. in Breslau die Töpfer wegen Lohnaufbesserung im Streik stanoen, wie mit dem Swinegel in der plattdeutschen Fabel. Ueberall, wo- hin der Unternehmer kommt, klopft die Organisation an seine Fabriktore. Sie ist„all do". So ist es auch im Falle Kaphun. Der Konsument ist heute eine Macht geworden, und er wird sie je länger, je mehr ausnutzen. Er wird nicht nachlassen, in den schönen Läden mit den obigen dringlichen Fragen aufzuwarten. Und das mögen sich die L o e f e r u. Wölfs, Kaphun, Mar- tienzen usw. gesagt sein lassen. Nach diesen Antworten wird man sich zu ricbten wissen. Arbeiter, Raucher! Fragt in allen Läden, Gastwirtschaften, Kantinen, wo Zigarren verkauft werden, nach den grünen Plakaten, unterschrieben Alwin Sckulze. Beachtet die Liste der tarifierten und vereinigten Firmen in der Sonntagnummer des„Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbciter. Lohnbewegung der Cafs-Angestellten. Die Sperre über das Cafe Leitmever, Petersburger Straße 91, ist aufgehoben. Ter Inhaber, Herr Leitmeyer, hat die Forderungen der Organisation anerkannt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Zweigvcrein Cafeangestellten. Die Fleischermeister Neuköllns versuchen jetzt ihr Heil mit Ent- lassungen von organisierten Gesellen, was jedoch wenig hilft, da sie immer wieder organisierte bekommen. Einige Meister sind eifrige Agitatoren für den nationalen gelben Gescllenbund geworden. Be- sonders ist es der Fleisckjcrmeister Hermann Wilhelm, Fricdel- straße 23, der sich der gelben Bewegung sehr annimmt. Als er seinen organisierten Gesellen entließ, war dessen Berbandsbuch aus sonderbare Weise abhanden gekommen. Dem Vcrbandsvertreter, oer in dieser eigenartigen Sache um Auskunft vorsprach, wurde die Tür gewiesen und ihm mit dem Hausfriedensbruchparagraphen ge- droht. Tie Jnnungsführer haben alle Hände voll zu tun, um die Meister, die einsehen, daß es besser ist, zu bewilligen, als es zu ernsteren Konflikten kommen zu lassen, von diesem Vorhaben abzu- halten. Viele Meister, die von der Kundschaft gefragt werden. warum sie noch nicht bewilligt babcn, erklären, um d.c Kundschaft zu täuschen, die Bewegung sei abgebrochen. Das iit jedoch unwabr. ES wird den meisten im Laufe der Zeit weiter nichts übrig bleiben, als Farbe zu bekennen. DeutckcKes Reich. Tie Differenzen in Singers Nähmaschinenfabrik zu Wittenberge. Aus Eigensinn über 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Straße gesetzt zu haben, kann sich die Dircktion der bekannten da riefen dieselben Brcslaucr Unternehmer, die heute über „Tarifbruch der Gehilfen" zetern, den Osenfabrikantenvcrband nm Hilfe an, und dieser sperrte in 47 Orten Deutschlands die Töpfer in den Ofenfabriken aus, obwohl alle diese Orte über abgeschlossene Lohntarife verfügten. Tas fanden die Breslauer Unternehmer ganz in der Ordnung, und keiner von ihnen fand in der Aussper- rung mehrerer Tausend Ofenformer einen Tarifbruch der Unter- nehmer. Heute, wo sie mit ihrer eigenen vor Jahren geübten Taktik geschlagen werden sollen, jammern sie über Tarifbruch und schreien ihre Verbände um Schutz gegen den„Terrorismus der Arbeiter" an. Tie Breslaucr Töpfer und Hilfsarbeiter stehen aber in dem ihnen aufgedrungenen Kampfe fest. Hinter ihnen steht ihre Organisation, der Zentralverband der Töpfer. Möglich, daß die Unternehmer im Töpfergeiverbe das Vorkommnis zu einem all- gemeinen Vorstoß gegen den Töpferverband benutzen möchten. Die Situation ist gespannt und kann bald Ueberraschungen bringen. Für den Töpferverband ist der Weg vorgezeichnet: Er unterstützt seine Breslauer Verbandsangehörigen.— Zuzug von Töpfern und Töpferhilfsarbeitern nach Breslau ist streng fernzuhalten. Eine neue gelbe Sumpfpflanze. Unter den Straßenbahnern in Rheinland und Westfalen wurde seit einiger Zeit im geheimen von Unternehmerlicblingen Propaganda für einen Straßenbahnerverband, der nur Straßenbahner aufnimmt, gemacht. �)iese Agitatoren wußten den Standesdünkel, der leider unter den Straßenbahnern vorhanden ist, für ihre Zwecke auszunützen. Unter dem Ausschluß der Ocffcntlichkeit fanden einige Vorkonferenzen statt, in denen beraten wurde, wie man am besten die Straßenbahner für den neuen Verband einsangen könnte. Am 2 0. März tagte dann in Oberhausen eine Konferenz, an der aus 44 Orten Vertreter teilnahmen. Die Verhandlungen waren wohl öffentlich, doch hatte nur die bürgerliche Presse Zu- tritt; einen Vertreter unserer Parteiprcsse ließ man nicht zu. Die Konferenz beschloß nach längeren Beratungen� einen Straßen- l'ahncrverband auf„Paritätischer" Grundlage zu gründen. Ter Verband führt den Namen: Allgemeiner Deutscher Straßen- bahncr-Verband und hat seinen Sitz in Duisburg. An Ein- tritlsgeld soll! M. erhoben werden. Der monatliche Beitrag be- trägt 50 Pf. Der Verband soll die Lebenslage der Straßenbahner heben und die Bildung fördern. Religion und Politik sind angev- lich ausgescklossen, jedoch will man Einfluß auf die Gesetzgebung erwirken. Einigen Mitgliedern von der freien und christlichen Ge- werkschaftsbcwegung. die darauf hinwiesen, daß das ganz« nur ih. 7o. 29. MM-, i leiidje des„Nörlmrls" Kriiner AllisdlM. s-1»". K-»« Reichstag. 88. Sitzung. Freitag, den 22. März 1012, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische: Dr. Delbrück. Die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Innen» wird fortgesetzt beim Kapitel Kanalamt. Abg. Legien(Soz.): Die Lage der Arbeiter am Rord-Ostseekanal hat sich trotz der hier im vorigen Jahre erhobenen Klagen nicht g e- bessert. Wiederum sind von Agenten zahlreiche ausländische Arbeiter herangeholt, obwohl einheimische in genügender Menge vorhanden waren. Im vorigen Jahre führte der Vertreter des ReichsamtS des Innern aus, datz 7l) Proz. der beim Kanalbau be- schäitigten Arbeiter deutsche Staatsbürger seien. In einem längeren Artikel der„Sozialen Praxis* ist dann nachgewiesen, daß diese Be- hauptung irrtümlich sei. Aber auch die deutschen Arbeiter werden aus allen Teilen des Reiches herangeholt, ohne Berück- sichtigung der einheimischen Arbeiter, damit durch deren Heran- ziebung nicht die Löhne in den Bezirken des Kanalbaues in die Höhe gehen. Auch die Mißstände in den Baracken find nicht gebessert worden. Hätte das Kanalamt den guten Willen, so könnte eS da sehr leicht Besserung schaffen. Ferner hat sich die U n f a I l g e f a h r beim K a n a l b a u ge» steigert. ISIv kamen 17 Unfälle vor, von denen vier tödlich ver- liefen, ISN passierten 4V Unfälle, darunter IS mit tödlichem AuS- gang. sHört l hört l bei den Sozialdemokraten.) Das zeigt, daß nicht diejenige Sorgfalt angewendet wird, die die Unfälle auf das Mindestmaß herabmindert. Ein weiterer Mißstand ist. daß das Kanalamt verlangt, alle Arbeiter, die nicht einen eigenen Hausstand haben, sollen in den Baracken wohnen. Dazu hat das Kanalamt kein Recht. Die Baracken sind nicht errichtet, um die Arbeiter zu kasernieren, sondern um dem Wohnungsmangel abzuhelfen. Wenn die Arbeiter in den anliegenden Ortschaften Unterkunft finden und ihre Pflicht beim Bau tun,>0 kann das Kanalamt nicht verlange», daß sie in den Baracken wohnen. Ich bitte den Staatssekretär dringend, hier für Abhilfe zu sorgen. Ueberaus ungünstig sind auch die Verhältnisse der Arbeiter bei den Baggerarbeiten. Wenn sie sich an die Unternehmer um Besserung wenden, so erhalten sie die Antwort, die Unternehmer arbeilen mit Unterbilanz, sie seien bei der Vergebung der Arbeiten vom Kanalamt getäuscht worden. Gewiß war die Täuschung nicht absichtlich; aber die Vorarbeiten wurden so be» schleunigt, daß sie nicht genügend durchgeführt waren und die Unter« nehmer hatten nicht genügend Zeit, die ihnen vom Kanalamt gegebenen Unterlagen nachzuprüfen, so daß sie ihre Angebote auf Grund dieser unrichtigen Unterlagen des KanalamtS machten. Bei den dadurch ent- stehenden Differenzen hat daS Kanalamt vor den Schiedsgerichten unrecht bekommen. Da sollte eS nun auch nicht kleinlich sein und den Unternehmern Abfindungssummen bieten, die in gar keinem Verhältnis zu dem Schaden stehen. Es sollte vielmehr den vollen Schaden tragen, da» liegt im Interesse der Unter- nehmer wie der Arbeiter.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor v. JonquiöreS: Bei Beginn des WinterS wurden 64 Proz. inländische und 36 Proz. ausländische Arbeiter beim Kanalamt beschäftigt. DieS Verhältnis ist völlig normal.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ja- wohl, wir können die polnischen Arbeiter beim Kanalbau nicht ganz entbehren. Daß die Unfälle sich im Jahre ISll von 17 auf 46 gesteigert haben, ist gar kein Wunder, denn in diesem Jahre sind die Bauten, speziell die Kunstbauten, z. B. an der BrunSdütteler Schleuse, er- heblich vorgeschritten. Daß bei(KKK) Arbeitern 40 Unfälle besonders viel sind, vermag ich nicht anzuerkennen.— Der Baracken- zwang für die Arbeiter war von Anfang an in Aussicht genommen und ohne ihn wäre die Durchführung des Baues gar nicht möglich.— Der Vorredner bemängelt auch zu Unrecht die Vor- arbeiten bei den Submissionen. Die Unternehmer hatten die übliche vierwöchentliche Frist, die zur Nachprüfung völlig genügt. Wenn sie sich bei ihren Berechnungen geirrt haben, so kann das Kanalamt deswegen keineNachforderung bewilligen. Daß die Schiedsgerichte zum Teil gegen daS Kanalamt entscheiden, b e w e i st n i ch t S; sie lassen sich vielfach vom BilligkeitSstandpunkt leiten. Auch ist natürlich nicht jede technische Einzelheit in den Submissionsbedingungen ganz zweifels« frei dargestellt. Ein Obrrbaurat legt die Vorgänge bei dem gestern erwähnten Dammbruch an der Holtenauer Schleuse dar. Abg. Waldstein(Vp.): Der 4. Deutsche SeeschiffahrtStag hat einstimmig eine Resolution angenommen, die auf die erheblichen Rieines Feuilleton Die Frau in HauS und Beruf.(Ein Rückblick.) Wenn du dich dem länglichen Hundestall näherst, der auf Befehl Er. Majestät des Kaisers einen schier romanischen Anstrich hat, so erblickst du zunächst zwei groß« blaue himmelanstrebende Kandelaber, die dir die Sehn- sucht nach Hellas wecken und den Wunsch, zu wissen, wie sie eigent- sich angesteckt werden.— Du trittst ein und näherst dich der Kasse. Dann wagst du dich hinein: ein wildes Chaos bietet sich deinem Blick. Zunächst tritt eine LoSverkäuferin auf dich zu und flüstert selbstgefällig lächelnd: du könntest das große Los ziehen. Darauf sagst du: bei ihr nicht— und schreitest in die Mitte des Saales. Siehe, dort liegt in einem Kofen ein weibliches Exemplar des ge- meinen Hausschweins. Sieben Ferkel zuckeln dem armen Tier die Milch aus der Brust. Ringsherum stehen die Leute und verkneifen sich die Symbolik. Nebenan stolziert ein Puter— dieses eitle Tier ist das einzig Männliche, das die tückische Kommission ausgestellt hat,— daneben «ine Brutanstalt, die klar und eindringlich die Entbehrlichkeit der Frau demonstriert. Ringsherum breiten sich die verschiedenartigsten Dinge au«: Kinderbadewanncn— hdie Ausstellungskommission ersucht uns, mitzuteilen, daß Kinderbadcwannen laut Verfügung 187 des Herrn von Jagow nicht mehr ausgestellt werden dürfen und von ihr auch nicht ausgestellt worden sind)— in geflochtenen Strohkörben pran- gen schmackhafte Frldfrüchte(das tun Fcldfrüchte in solchen Fällen immer), wächserne Krankenschwester» betreuen ebensolche schlaf- kranke Neger, ein Krankenpfleger versichert:..Das, was Sie hier sehen, ist eine sogenannte Baracke. Sie kann jederzeit abgebrochen werden," aber es bleibt bei der leeren Drohung. In der Abteilung:„das gerupfte Schneehuhn" darfst du die herrlichen Kopfbedeckungen schauen, die bei besonderen Anlässen dem Schmock Seufzer der Bewunderung— Zeile 1ö Pf.— entringen. Auch«ine retrospektive Abteilung ist da; schon deswegen, weil in «>ne historische kein Mensch gehen würde. Die Frau in HauS und Berus! In diesem HauS hat sie jeden- falls einen Beruf: wie rührend, wenn die schwieligen Hände arbeit- famer Frauen in Crepe de Chinc-Kleidcrn das Geld für den Kine- matographen einsammeln!— Die Missionen haben ausgestellt: bcrdmsche Neger laufen— o tröstlicher Gedanke— jetzt in protestan- tischen Baumwollhosen herum, und korpulente Pfaffen bringen den Chinesen das Wort bei:„Du sollst nichts haben als zwccn Schuhe und einen Stecken". Den Stecken haben sie.— Auch ist-in kleines Zimmerchen da— die Ausstellung berücksichtigt eben a l l e s—, in dt» der.Arbeiterinnen gedacht ist. Die 8oZntab-llen v-nrlen Störungen der Schiffahrt im K ai s er» W i l h e l m- Kanal hinweist und als Grund dafür die zu geringe Zahl der Lotsen anführt. Die Verhältnisse sind in der Tat unhaltbar und es wäre dringend notwendig, daß noch in diesem Etat eine Reihe neuer Lotsenstellen eingesetzt würde. Der Widerstand dagegen soll nicht beim Kanalamt, sondern beim Reicbsamt des Innern liegen. Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich lege entschieden Verwahrung dagegen ein, daß das Hemmnis gegen die Abstellung der vom Vor- redner gerügten Mängel in meiner Person liegen soll. Der Präsident des Kanalamts ist befugt, so viel Hilfslotsen einzuberufen, daß allen Erfordernissen des Verkehrs, der gerade in letzter Zeit sehr gestiegen ist. entsprochen werden kann. Damit hat sich der Nautische Tag auch ein- verstanden erklärt; seine Resolution bezieht sich nur auf die Ver- gangenheit. Abg. Legien(Soz.): Der Herr Ministerialdirektor sagte, zu Beginn deS Winters habe die Zahl der inländischen Arbeiter 64 Proz. betragen. Ich weiß nicht, von wann er den Beginn des WinterS rechnet. Er wird ja wissen, daß ausländische Arbeiter in Preußen vom De- zember ab nicht zugelassen sind. Vielleicht gibt er unS das Prozentverhältnis während deS Sommers einmal an.— Daß Unfälle bei einem so gewaltigen Bau vorkommen können, gebe ich zu. Aber ihre Zahl würde nicht so groß sein, wenn das Kanalamt darauf dringen würde, daß die UnfallberhütungS- Vorschriften in den Betrieben aushängen und wenn es vor allem ihre Durchführung kontrollieren würde. Man kann bei unseren heutigen Verhältnissen die Zahl der Unfälle auf ein geringes Maß herabdrücken, wenn man die gute Absicht hat, de» Interessen der Arbeiter zu dienen.(Sehr wahr I bei den Sozial« demokraten.) Ein Recht, die Arbeiter zu zwingen, in Baracken zu wohnen, steht dem Kanalamt nicht zu. Die Kanalarbeiter haben genau dieselben Rechte, wie sie allen anderen Arbeitern nach der Gewerbeordnung zustehen. Im übrigen werden wir dafür sorgen, daß im nächsten Jahre auch das Kanalamt der Budget- k o m m i s s i o n überwiesen wird. Dann wird sich durch Vorlegung der Akte» ergeben, auf welcher Seite in dem von mir vorgebrachten Falle das Recht liegt. Ministerialdirektor v. Jonquisres: Meine Zahlen über die aus- ländischen Arbeiter beziehen sich auf den 1. Oktober. Im Winter sind 80 Proz. inländische Arbeiter. Daß die UnfallverhütungSvor- schriften nicht aushängen, ist mir nicht bekannt. Wenn eS unterlassen ist, so ist dies ein Versehen. Die Pflicht, hierfür zu sorgen, liegt zwar in erster Linie der Tiefbauberussgenossenschaft ob. Wir werden aber nochmals die Organe der Kanalverwoltung anweisen, daß sie auch ihrerseits die Einhaltung dieser Vorschriften kontrolliert. Der Barackenzwang war seinerzeit in dem Programm über die ganzen Arbeiterverhältnisse beim Kanalbau vorgesehen. Dagegen ist hier nichts eingewandt worden. Nach einigen Bemerkungen deS Abg. Waldstein(Vp.) schließt die Debatte. DaS Kapitel wird genehmigt. Auf Antrag des Abg. Hoch wird die vom Abg. W a l d st e i n erwähnte Petition deS NautikertageS dem Reichskanzler zur Berücksichtigung übergeben. ES folgt das Kapitel AuffichtSamt für Privatvcrficherunz. Hierzu liegt eine Resolution Albrecht(Soz.) und«&« »offen vor, die Vorlegung eines Gesetzentwurfs verlangt, durch den die sogenannte Abonnentenversicherung verboten wird. Abg. Haupt(Soz.): ES ist in diesem Hause schon wiederholt über den Unfug dieser Abonnentenversicherung gesprochen worden. Zu- erst 1908 bei Beratung des Gesetzes über den Versicherungsvertrag. Da war es namentlich der Abg. GieSbert», der sich auf das entschiedenste gegen diesen Unfug aussprach. Ihm passierte allerdings das Mißgeschick, daß mein Parteifreund Hengsbach bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen konnte, daß auch die Zentrums- presse diesen Unfug mitmache. Der Staatssekretär des Reichs« justizamteS erklärte damals:„Ich bin der Ansicht, daß anständige literarische Unternehmen sich mit solchen Sachen nicht beschästigen können. ES würde sicherlich wohltätig wirken, wenn auS den Reihen der Presse dieser Ansicht kräftiger Ausdruck gegeben würde. Da nun fast sämtliche bürgerlichen Blätter auS Geschäfts- rücksichten diesen Unfug mitgemacht haben, so ist eS schließlich nur noch die sozialdemokratische Presse, die nach dem Wort des Herrn Nieberding zu den anständigen literarischen Unter- nehmungen zu zählen ist.(Sehr gut l bei den Soz.) Damals erklärte der Staatssekretär, daß, wenn sich nicht andere Abhilfe erzielen lasse, nichts übrig bleibe, als den Weg der Gesetzgebung zu be- treten. DaS war vor vier Jahren. Inzwischen hat die Regierung aber nichts auf diesem Gebiete unternommen, während doch die Verhältnisse nicht besser, sondern schlimmer geworden sind. Eine ganze Anzahl Verleger erklären, daß sie trotz inneren Widerstrebens, durch die Konkurrenz gezwungen, diesen Unfug mitmachen gerade abgestaubt, als ich da war und in der Abteilung für H-.im- arbeit war Großreinemachen, und konnte dieselbe nicht gezeigt werden. Eine Abteilung wird schmerzlich vermißt: die Frau im häuS- lichen Beruf oder in einem beruflichen Hause. Ueber dem Ganzen aber schweben die Protektorate höchste: Per- sönlichkeiten, Erinnerungen an Besprechungen, Kommissionen, Sub- kommissionen und Kommissionskommissionen. Es hagelte Zeitungsartikel. Die Frau Vorsitzende:„Wie anders würde das Lebcnsglück sich herausarbeiten, nachdem der Schmetter- lingsstaub der Flittertvochen abgestreift und die klare Wirklichkeit ihre Forderungen stellt... Z. B. kann bei allgemeiner Verwendung eines Blechmessers beim Kartoffelschälen durch Schonung des Eiweißes unter der Schale sich die Summe feststellen lassen, die er- spart wird... Zeit und Geldeinteilung kann aber nur eine dazu erzogene Frauenkraft gut bewältigen, und nur ihr wird Kind und Dienerschaft sich beugen." Gerade dem sozialdemokratischen Frauen wird mit Recht eine unerhörte Behandlung ihrer Dienerschaft vor- geworfen. Die„Deutsche Frauenwelt" aber wird in ihrem Rückblick schreiben:„Von der Etsch bis an die Wesel, von der Maas bis an den Veit hallt es wider von Stimmen des Beifalls. Und wenn sich, leider GottcS, auch von bekannter vaterlandsloscr Seite Hohn und Spott über das große Unternehmen ergießen, so trifft dieses uns nicht, denn wir bürgerlichen Frauen sind nach eingeholter Gcnehmi- gung bei der Ortspolizeibehörde der festen Ucberzeugung und geben derselben auch donnernd Ausdruck: Unser ist der Sieg! Gott ist mit'der deutschen Frauenwelt!— Abonnement, 1,40 M. monatlich. Beschwerden wegen unregelmäßiger Zusendung sind an die Expc- dition zu richten." Aus den Tagen der Kommune. JuleS Clarctie, der Leiter der Comedie Jranxaise, der den Bürgerkrieg als Augenzeuge mit- erlebt hat, erzählt in den„Annales" eine Anzahl bisher noch nicht bekannt gewesener Geschichten auS den Kommunetagcn. Während der„roten Woche", der Niederwerfung der Revolution, wurden die Kommunekämpfer, die dem Militär bewaffnet entgegengetreten waren, vor die Militärkommissionen geführt und einem summari- schen Gerichtsverfahren unterworfen; jeder Revolutionär betrat dann das Kabinett eines Obersten, um sein unanfechtbares Urteil, das Leben oder Tod bedeutete, zu vernehmen. Ein Oberst, der in dem Tirektionszimmer eines Theaters Recht sprach, war nicht wenig überrascht, als ihm eines Tages ein Mann vorgeführt wurde, den er schon tags zuvor zum Tode verurteilt hatte. Die Beine des Mannes waren mit Binden umwickelt, und es stellte sich heraus, daß er im Kose des Theaters mit anderen Pergrteilten müßten. Der„Essener Volks zeitung", einem Zentrums- blatt. blieb es vorbehalten, die Einführung dieser Versicherung als. eine soziale Tat zu bezeichnen.(Hört! hört! b. d. Soz.) Nach 1908 hat sich der Reichstag noch 1909 und 1911 mit der Materie beschäftigt. Beide Male wurden Anträge des Z e n t r u in s angenommen, wonach die Regierung einen Gesetzentwurs vorlegen sollte, der die Abonnentenversicherung in Verbindung mit der Heraus- gäbe von Zeitungen und Zeitschristen nicht mehr zuließe. 1911 wurde auch ein Antrag Bassermann angenommen, der die Regierung aufforderte, eine Denkschrift über den Unfug der Abonnentenversicherung herauszugeben. In all diesen Debatten wurde die Abonnentenversicherung als grober Abonnenten betrug, unlauterer Wett- bewerb, Schwindel. Verstoß gegen die guten Sitten dargestellt, da sollte man doch meinen, daß die Klinke der Gesetzgebung schneller in Bewegung gesetzt würde. Aber 1903 ant- wartete die Regierung, die Erwägungen sind noch nicht ab- geschlossen, 1911 lautete die Antwort, die Erörterungen sind noch nicht abgeschlossen. Im nächsten Jahre wird es vielleicht heißen: die Erwägungen schweben, dann die Er- örterungen schweben, und im übernächsten Jahre wird uns dann vielleicht mitgeteilt, eine Entscheidung ist bisher noch nicht erfolgt. Zu erwähnen ist auch, daß die Postbehörde mit dem Bestellgeld auch die Versicherungspräinie für die Abonnentenversicherung ein- zieht. DaS dürste für den Postetat noch von Interesse sein.— Ministerialdirektor Caspar hat hier am 20. März erklärt, in nennenswertem Umfange seien Mißstände überhaupt nicht vor« gekommen. Beim Aufsichtsamt für Privaiversicherung seien nur zwei Klagen eingegangen und die seien nicht begründet. Das zeugt von einer solchen W e l t f r e m d h e i t auf einem Gebiete, wo Tausenden uud Zehntausenden die Groschen aus der Tasche gezogen werden, wofür sie gar nichts bekommen, daß man an das Wort er- innert wird: waS nicht in den Akten steht, existiert nicht. Die meisten bei der Abonnentenversicherung in Betracht konimenden Personen sind viel zu unerfahren, um ihre Ansprüche im Rechtswege geltend zu machen. In einem Falle war jemand in? Betrieb tödlich verunglückt, alle Bedingungen für die Auszahlung von 1000 M. waren vorhanden. Da erschien nach acht Wochen:iil Vertreter deS Verlages bei der Witwe uud bot ihr eine Abfindung*** 100 M. an. sonst laufe sie Gefahr, gar nichts zu bekommen.(Hört hört I bei den Sozialdemokraten.) Ein Bundesratsvertreter, nament- lich wenn er juristisch vorgebildet ist. wird uns vielleicht sagen, nqch den bestehenden Gesetzen ist er zu solchem Anerbieten berechtigt gewesen. Wie die Dinge>0 liegen, nützt kein Herumreformieren an der Abonnentenversicherung, sondern das Uebel muß an der Wurzel aus- gerottet werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Caspar hat am 20. März v. I. auch versucht, die großartigen Leistungen der Abonnentenversicherung herauszustreichen; die Summen, die den Versicherten auS der Tasche g ez ogeu sind, hat er da- bei nicht angeben können. Um wieviel Hoffnungen und Millionen die Versicherten betrogen sind, entzieht sich seiner Kenntnis. Mit der Begründung deS Ministerialdirektors, einzelnen seien Beträge ausgezahlt, könnte man auch jede Lotterie verteidigen.(Sehr richtig! bei öen Sozialdemokraten.) Alle maßgebenden Kreise haben sich gegen die Abonnentenversicherung ausgesprochen, vor allem der Verein deutscher Zeitungsverleger. Zu unserem Vorgehen werden wir nicht etwa durch Kon« kurrenzrücksichten unserer Presse veranlaßt. Wo diese einmal Ein- gang gefunden hat, sorgt sie für Aufklärung, und die Abonnentenversicherung hört dann bald auf. Also nicht eigensichtige Motive bewegen unS, sondern als berufene Vertreter der ärmeren Klassen fühlen wir uns verpflichtet, dafür zu sorgen, daß nicht unter dem Deckmantel der Wohlfahrt für die ärmeren Klassen einzelne Unternehmer sich die Taschen füllen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Delbrück: Nachdem im vorigen Jahre die Resolution Bassermann hier angenommen war, die eine Denk- schrift über Abonnentenversicherung verlangte, habe ich mich an die Regierungen um Material gewandt. ES ist fast vollständig ein- gegangen; ich werde nun bald an die Bearbeitung der Deiilschrift gehen und hoffe, daß wir dann zu einer Verständigung darüber kommen werd«, ob ein gesetzliches Eingreifen notwendig ist. Abg. Dr. Marcour(Z.): ES handelt sich hier nicht um eine Parteisache. Alle Parteien sind hier einig und nur ganz vereinzelte Blätter von bürgerlichen Parteien betrerben diese Ver« sicherung notgedrungen wegen der Konkurrenz der parteilosen Blätter. Ich freue mich, daß nun endlich eine Denkschrift über diesen Gegen- stand uns vorgelegt werden soll. Ferner möchte ich die Aufmerk- samkeit deS AufsichtSamtS für Privatversicherung auf die Volks- Versicherung lenken, die nicht mindere Schäden zeitigt, wie die Abonnentenversicherung.(Sehr richtig!) Abg. Werner(Antis.): Auch wir verurteilen die Abonnenten' Versicherung. Besondere Aufmerksamkeit sollte das Amt der Fusion von Versicherungsgesellschaften zuwenden. füsiliert worden war. Er war aber nur verwundet worden und oie Gendarmen hatten ihn zwei Stunden nach der„Erschießung" als„lebende Leiche" gefunden. Der Oberst wollte nicht härter sein als das Schicksal und ließ den vom Tode Auferstandenen frei. Drei Stunden darauf wurde der Mann noch einmal vorgeführt: ein Pförtner hatte ihn zur Anzeige gebracht und ihn der Polizei übergeben. Um ihn zu retten, schickte der Oberst ihn ins Gc- fängnis nach Versailles, indem er den General in einem Empfehlungsschreiben bat, dem auf so wunderbare Weise geretteten Manne die Freiheit wiederzugeben. Der Brief ging jedoch verloren und wurde erst ein paar Tage später, glücklicherweise aber noch zur rechten Zeit, gefunden; die Familie des Revolutionär» hatte die Hoffnung, den jungen Mann wiederzusehen, schon aufgegeben. Ter hier erwähnte Oberst sah sich ein paar Tage später einem anderen hochdramatischen„Falle" gegenüber: Man brachte ihm einen alten Herrn, der sehr vornehm aussah und freimütig er- klärte, daß er für die Kommune gekämpft habe, während sein Sohn, der mit ihm zugleich verhaftet und eingeliefert worden war. aussagte, daß er(der Sohn) von den Kommunarden nur als Geisel zurückbehalten worden sei und mit der Kommune selbst nichts zu tun gelabt habe. Der Richter nahm nun den Sohn be- sonders ins Verhör, und der junge Mann gestand, daß er von seinem eigenen Vater, einem zweiten Brutus, den Kommunarden über« geben worden sei; er sei dann freigelassen worden und habe den Vater auf Schritt und Tritt begleitet, um mit ihm zu sterben oder ihn zu retten. Ter Oberst war von dieser Erzählung so er- griffen, daß er die beiden Männer freiließ und auf sein Richter- amt, dem er sich nicht gewachsen fühlte, verzichtete. Notizen. — Theaterchronik. Im Neuen BolkS-Theater (Neue freie Volksbühne) wird am Montag„Der Königs- leutnant* von Karl Gutzkow zum ersten Male aufgeführt. — Zeitschristenschau. Der„Pan", der von Alfred Kerr gegründet war und nach dessen Austritt vom Verleger bugsiert wurde, geht in einen neuen Verlag über und wird vom 1. April ab wieder von Kerr geleitet. — DaS Ende deS französischen Wander- theaterS. DaS„ambulante Nationaltheater" deS Direktors Gömier, daS im Frühling mit Lokomotiven und Rollwagen auszog. um der Provinz gute Theaterkunst zu vermitteln, hat ein rasches Ende gefunden. Am Dienstag kam alles unter den Hammer. Die Lokomotive» und die Garderobe- und Logenivagen, der Zeltapparat die Kostüme und Dekorationen. Für alle zusammen wurden 130 000 Fr.«löst. Die Herstellungslosten hatten 650000 Fr. be- ttagen. Ministerialdireltor Ca-?par crwi�rt, daZ AufsichtSamt habe eS an dieser Kontrolle nicht fehlen lasse«. Damit schließt die Debatte. Die Resolution Albrecht wird a n g e n o m in e n. Damit sind die Fortdauernden Ausgaben er- ledigt. Es folgen die Einmaligen Ausgabe n. Beim Titel Beitrag zilr Herausgabe des„Deutschen Hand- >v e r k S b l a t t§ 8000 M.. befiirfcwrtet Abg. Lützel(iiatl.) eine Resolutio« auf größere Förderung des .„Deutschen Handiverlsblatts" durch Erhöhung des Reichs- Zuschusses auf 10 000 M.. sowie durch unmittelbare Unterstützung durch Verbreitung deS Blattes innerhulb der Staatsbehörden. Abg. Paiili-Hagenow ik.s: Wir danken der Regierung für die Erhöhung des Titels don 6000 auf 3000 M.. halte» sie aber auch nicht für genügend und stimmen der Resolution zu. Der Titel und die Resolution werden angenommen. Es folgt der Titel: Beitrag zu den Unterhaltungskosten einer An- st all für die Bekämpfung der Säuglings st erblich- k e i t im Deutschen Reiche— 60 000 M. Abg. Büchner sSoz.): Es wird der Regierung nicht unbekannt sein, daß in Deutsch- land seit einer ganzen Reihe von Jahren ein Rückgang der tÄ e b u r t e n z i f f e r zu verzeichnen ist. Deutschland steht außer Rußland und Oesterreich in der Säuglingssterblichkeit an e r st e r Seile. sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vorläufig ist unsere Säuglingsfürsorge noch in den Anfängen. Behörden und Kommunen suchen ihre Ursache aufzudecken und stellen Mitte< zu ihrer Bekämpfung bereit. Berlin allein hat nahezu eine halbe Million in den Etat zu diesem Zweck eingestellt. Als wir vor Jahrzehnten 30 000 M- hierzu forderten, wurden wir von den bürgerlichen Parteien verlacht und ver- höhnt. lSehr wahr i bei den Sozialdemokraten.) Die Anstalt, für die hier 60 000 M. ausgeworfen sind, bekämpft die Säuglings- sterblichkeit nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch. Es ist mit ihr Entbindungsanstalt sowie Säuglingsmuster- h e i m verbunden. ES'werden S t i l l p r ä m i e n für Mütter ausgesetzt, und es hat sich herausgestellt, daß SO Proz. der Mütter in der Ilage sind, ihre Kinder selbst zu stillen, wenn sie nur genügend Ruhe, Pflege und Nahrung haben. Für die Anstalt in Charlotten- bürg werden auch 200 000 M. Zuschuß von der privaten Wohl« nitigkeit geleistet. Dos hängt jedenfalls damit zusammen, daß sie unter dem Protektorat der Kaiserin steht. Wir meinen, daß das Reich dieKosten für diese An st alt zu übernehmen hätte. Sie sollte dem Reichsgesnndheitsamt unterstellt werden. Im Interesse des Volkswohls ist der Staat verpflichtet, zur Stärkung der Nation genügend Mittel aufzubringen. Alles Maierial für eine gute Säuglingspflege sollte den schon bestehenden Säuglings- und Multerheimen zur Verfügung gestellt werden. Wir sind bereit, im nationalen Interesse auf diesem Gebiete alles zu bewilligen. sSehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das ist wichtiger als neue Schiffe und Kanonen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Trotzdem die Sterblichkeit in Deutschland etwa? zurückgegangen ist, starben noch nahezu eine halbe Million Kinder in einem Jahre. Das bedeutet einen Raubbau an unserem Volks- vermögen. Wenn in den Großstädten ein geringer Rückgang der Säuglingssterblichkeit zu verzeichnen ist, so liegt dos zweifellos an dem Rückgang der Geburtenziffern. Am höchsten ist nach einer Statistik von 43 Städten mit zusammen 13'/, Millionen Einwohnern die Säuglingssterblichkeit in dem früheren R i r d o r f mit 44 Proz., am niedrigsten in Wiesbaden mit 14 pro Tausend. Diese Tatsache beweist, daß das soziale Elend der Eltern, die Unterernährung, schuld �an der großen Säuglingssterblichkeit ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Unzählig sind die Frauen, die durch die Arbeit in der Fabrik, durch das Sieben am Waschfaß sich schwere Unterleibsleiden zuziehen. Nach dem Gesetz sollen die Frauen sechs Wochen vor der Niederkunft nicht beruflich tätig sein. Aber die Frauen verschweigen vielfach ihren Zustand, weil sie den L o h n a u s f a l l nicht ertragen können. Fast 4 Millionen Frauen sind inr Haupt- beruf tätig, nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. TaS Wort:„Die Frau gehört ins Haus", kann heute nur noch jemand gebrauchen, der die Verhältnisse nicht kennt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Leider haben wir in Deutschland noch keine a ch t st ü n d i g e Arbeitszeit für die Frauen, zehn, elf und zwölf Stunden dar' der Arbeitgeber noch arbeiten laßen. Vom Kaiscrin-Viktoria-Haus ist im Jahre 1900 eine Festschrift herausgegeben worden, in der als ein Grund für die hohe Säuglings- sterblichkeit auch das Auwachsen d e r I n d u st r i e angegeben ist, weil die Frauen in die Fabriken geführt werden und so das Selbststillen der Mütter. unterbunden wird. 1890 wurden in Berlin noch SO Proz. der Kinder gestillt, 1895 nur noch 13 Proz. und 1900 sogar nur noch 32, SO Proz., also weniger als ein Drittel. Auch der Vorstand des vaterländischen Frauenvereins, an dessen Spitze hochklingende Namen stehen, hat ein Merkblatt herausgegeben. worin den Frauen das S e lb st st il l e n ans Herz gelegt wird. Von den Flaschenkindern heißt es da. sterben 6 bis 7 mal so viel, als von den Brustkindern. Jeder Tropfen Muttermilch, so wird in diesem Merkblatt den Frauen zugerufen, macht das Kind widerstandssähiger gegen Krankheit. Für die Arbeiterfrauen ist das aber nur Theorie. Die Arbeiterfrauen und Mädchen müssen ihre eigenen Kinder in Pflege geben und sich selbst als Ammen verdingen, das Kind, das sie selbst unter dem Herzen getragen, geben sie fort, um ihre Kraft anderen zu geben für klingendes Geld. Da hat der Dichter recht, wenn er sagt:„es trinkt das fremde blasse Kind die reinste Milch von unseren Frauen i doch wenn sie groß geworden sind, sind sie zu stolz, uns anzuschauen".(Sehr wabr! bei den Sozialdemokraten.) Von den mir Kuhmilch ernährten Säuglingen sterben sechs- mal so viel, von den mit Milchsurrogaten ernährten sogar sieb zehn mal so vielmals von den mit Muttermilch ernährten. Das sind erschreckende Zahlen, die die Regierung wohl veranlassen sollten, dielen Dingen näher nachzugehen. Teilt man die Einwohner einer Stadt in Reiche, den Mittelstand und die Armen und Notleidenden, so zeigt sich auch der Unterschied in der Säuglingssterblichkeit; in dem reichen W e st e n Berlins beträgr sie nur 5,2 Pro,;., in den Berliner Arbeiter- viertel» dagegen 42 Proz.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die W o h n u n g s v e r h ä l t n i s s e spielen eine große Rolle. Die Wohnräume, in denen gewaschen und HeimarbeE getrieben wird, sind die Brutstätten der Säuglingssterblichkeit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Frauen wissen, daß da? Deutsche Reich nichts für sie übrig bat. Man macht wohl Tierschutzgesetze, tagelang haben wir hier über Seuchengesetze gesprochen, aber alle unsere Anträge zum Schutze von Mutter und Kind haben Sie stets abgelehnt, so noch bei der Reichsversicherungsordnung den Antrag, Still- Prämien zu gewähren. Sogar das Zentrum, in dem so viele Geistliche sitzen, lehnte diesen Antrag rundweg ab, obwohl doch die Arbeiter selbst zwei Drittel der B»iträge zu den Krankenkassen zahlen. Der Arbeiter bringt gern Opfer im Interesse seiner Frau und Kinder. Sie aber haben mit der Ablehnung unserer Anträge Ihre Menschenliebe bewiesen und sich einen Denkstein gesetzt, der Ihnen nicht zum Ruhme gereicht. Der Abg. Erzberzzer soll unlängst in einer Versammlung gesagt haben, sie hätten unsere Anträge ab- lehnen müsien, um die Sittlichkeit hoch zu halten (Lachen bei den Sozialdemokraten); man solle sich nur eine Dienst- inagd denken, die ein uneheliches Kind habe und sich auf K o st e n der Krankenkasse ins Bett lege: das gefalle ihr dann so gut, daß die Sache im nächsten Jahre wieder passiert und noch öfter.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir erwarten von der Regierung, daß sie unsere Anregung be- nutzt. Eine Fülle praklischer und theoretischer Aufgaben liegen vor, deren Lösung sie nicht den Kominunen überlasten darf, sondern sie muß eine Zentrale schaffen, damit die Errungenschaften der Wissen- schaft allen zugute kommen. Auch eine Lehrerin, die Mutter wird, darf nicht aus dem Dienst gejagt werden. Eine Frau, die selbst einmal Mutter gewesen ist, kann mindesten? ebenso gut Pädagogin werden, wie eine, die nicht Mutter war. Ich bitte also die Regierung im Auftrage meiner Fraktion in Zukunft mehr für Mutter und Kind zu tun.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Heyn(Bp.>: Die Säuglingssterblichkeit ist in unserem Vaterlande' traurig groß, und loaS nicht genug betont werden kann, sie war vor 80 Jahren geringer, sie ist seitdem gestiegen, trotz der Fortschritte der Wissenschaft.(HörtI hört! links.) Die Säuglingssterblichkeit in Preußen und Deutschland ist größer wie in anderen Ländern und speziell auch auf dem Lande sehr groß. Es ist auch nicht richtig, wenn man sagt, durch das Weg- sterben schwächlicher Säuglinge wird die Rasse verbessert. Die Er- fahrnng zeigt vielmehr, daß schwächliche Säuglinge sich später sehr kräftig entwickeln können und daß kräftige Säuglinge durch ungenügende Ernährung und Pflege siech werden. Die preußischen Provinzen mit größter Säuglingssterblichkeit zeigen auch die größte Kindersterb- lichkeit in den nächsteu Jahren. Wir sollten nicht eine Wirtschafts- Politik treiben, die die Ernährung und Erzeugung von Kindern weiten Bevölkerungskreisen gefährlich und un- möglich macht. Dadurch würden lvir uns versündigen an der Zukunft unseres Volkes.(Sehr richtig! links.) Das Unrecht, das die ReichsversicherungSordnung insbesondere inbezug auf die Säug- lingsfürsorge auf dem Laude begangen bat, muß baldigst wieder gut gemacht werden. Sehr wichtig ist eine bessere Ausbildung der Hebammen in Kinderpflege- und Säuglingsheimen. Solche Heime sind in allen großen und größeren Städten eine Notwendigkeit, namentlich auch für die Pflege der unehelichen Kinder und ihrer Mütter. Ferner müssen gesetzmäßig B e r u f s p o r m ü n d e r für alle unehelichen Kinder geschaffen werden. 60 000 Mark sind für alle diese Auf- gaben nur ein Tropfen auf den heißenjStein. Möge es der Re- gierung gelingen, im nächsten Jahre die Summe mindestenZ zu verzehnfachen.(Bravo! links.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Ich bin den beiden Vorrednern für ihre Ausführungen sehr dankbar, namentlich auch Herrn Büchner, daß er mit so w a r m e m nationalen Empfinden dafür eingetreten ist, daß man der Gefahr, die in der Säuglings- sterblichkeit für ein gesundes nationales Volksleben liegt, energisch begegnet. Es handelt sich hier um eine ernste Frage, an der keine Partei vorübergehen kann. Wir müssen alles tun, um die Ursachen der Säuglingssterblichkeit zu beseitigen. Die Hauptsache ist aber die weite st gehen de Aufklärung der Mütter über die Ge- fahren, die dem jungen Leben drohen, und über die Mittel, wie sie das Kind vor diesen Gefahren schützen können.(Bravo!) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich begrüße eS mit besonderer Freude, daß ein solches Institut aus der privaten Wohltätigkeit heraus ge- schaffen worden ist, daS Erfahrungen sammelt, die segensreich über das ganze Reich ausgebreitet werden können. Solche Lehrinstitutc sollten auch in den Provinzen errichtet-werden. Damit schließt die Debatte. Abg. Erzberger(Z.): Herr Büchner hat mir einen unsinnigen Ausspruch in den Mund gelegt. Ich habe bereits im Dezember erklärt, daß ich diesen Ausspruch nicht getan habe; das Zitat ent- stammt zweifellos der sozialdemokratischen Presse.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Es hat auch im Mainzer Zentrumsblatt gestanden!> Der Titel wird bewilligt. Zum Titel„Förderung der Erforschung und Be- känipfung der Tuberkulose" begründet Abg. Kcinath(natl.) eine Resolution, die einen Gesetzentwurf verlangt, der zur erfolgreichen Bekämpfung der Tuberkulose die Bereitstellung weiterer Geldmittel und gesetzliche Maßnahmen vor- sieht, welche die Desinfektion verseuchter Wohnungen sicherstellen. Der Titel wird bewilligt; ebenso die Resolution und der Rest der einmaligen Ausgaben. Im Außerordentlichen Etat werden 4 Millionen Mark gefordert zur Förderung des Klein Wohnungsbaues. Hierzu liegen Anträge der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Nationallibcraleu und Polen vor, die meist ein Reichs- w o h n u n g s g e s e tz verlangen, der Antrag A l b r e ch t(Soz.) auch N o r m a t i v b e st i m m u n g e n für die Beschaffen heil der Wohnungen und der Durchführung derWohnungS- i n s p e k t i o n sowie Schaffung eines ReichSwohnungS- amts. Die Kommission beantragt Einsetzung einer Kommiision von 21 Mitgliedern zur Beratung aller Initiativanträge zur Wohnungö- frage. Abg. Hofrichtcr-Köln(Soz.): Die Wohnungsfrage ist eine Frage von großer sozialer Be- deutung. Bis wert in die Kreise deS Mittelstandes machen sich die sanitäre» und sittlichen Gefahren der Mißstände des Wohnungswesens bemerkbar. Vor allem besteht ein Mangel an brauchbaren Kleinwohnungen, der sich zum Teil zur Wohnungskalamiiät ausgewachsen hat. Die Mieten sind zu teuer, die Wohnungen viel- fach ungesund. Nicht alle Erhebungen geben ein richtiges Bild, nament- lich die der HauS- und Grundbesitzer sind vielfach irreführend. Richtig sind mir Erhebungen, die neben der Zahl der Wohnungen aucq AnSkunfl geben über den Kubikinhalt der Zimmer, über die Zahl der Bewohner, ihr Aller, ihr Geschlecht, ob sie zur Familie gehören, ob die Räume auch als Arbeitsräume benutzt werden, über die sanitäre Beschaffenheit, über die� Höhe der Miele und ihr Verhältnis zum Einkommen der Mieler. Solche Erhebungen ergeben e n l f e tz- liche Bilder über die sanitären und sittlichen Ge- fahren des Wohnungselends nicht nur in große» und größeren Städten, sondern auch in kleinen O r t e u und auf d e in platten Lande. Ich erinnere an das bekannle Wort des Kaisers: Im Osten sind die V i e h st ä l l e zum Teil besser als die Wohnrä um e. Ich möchte mich nicht in die Schilderung von Elendsbildern im einzelnen verlieren, ich verweise z. B. auf das bekannle Elend in der Heimindustrie. Die preußische Regierung, der man sonst kein Uebermaß sozialer Einsicht nachsagen kann(Sehr richlig! bei den Sozialdemokraten), erklärte seinerzeit in der Begründung zu ihrem Eniwurf eines WohnungSgefeyeS:„Nach der Slatiftik und sonstigen Ermittelungen kann nicht bezweifelr werden, daß im Wohnuiigswcsen weiter Bevölkernngskreise auch außerhalu der Jndustnebezine erhebliche Miß stände herrschen, die zum wesentlichen Teil sehr ernster Natur sind."— Der Zentrumsabgeordnete I a e g e r stellt in seinem Buch über die Wohnungsfrage den Satz auf:„Der Mietspreis steigt verhällniSmäßig. je kleiner und je schlechter die Wohnung ist." Die zu hoben Mieten drücken die Lebenshaltung herab. Die Bevölkerung unterliegt einer doppelten Ausbeutung, der durch die Agrarier und durch die H a u s a g r a r i e r. Für die Masse der Bevölkerung kommt für die Wahl der Wohnungen nicht die Größe der Familie in Frage, sondern lediglich der P re i s. In Berlin wohnl die Hälfte der Bevölkerung in Wohnungen mit nur einem heizbaren Zimmer. Auch Kellerwohnungen bestehen hier noch in großem Maße. Sehnlich siehl eS in anderen Slädten aus. Die Räume sind überfüllt, und dazu kommen noch E i n l o g i e r e r, die von den Familien aufgenommen werden. In Essen ist festgestellt, daß Tag- und Nacht- logierrr in der Benutzung desselben BettcS sich abwechseln. Das ist im g a n z e n R u h r g e b i e t der Fall. In solchen überfüllten Räumen wächst unsere Jugend auf. Wenn Sie über die Verrohung der Jugend klagen, so vergessen Sie ja nicht, daß dieser Sumpfboden ungesunder WohnungSverhästnisse die Ursache davon ist. Hier ist viel gesündigt worden. Uns Iverfen Sie immer vor. lvir zerstören die Familie. Kann denn unter solchen Verhältnissen sich überhaupt ein Familienleben entwickelnd (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Kranke und Gesunde sind wahllos zusammengepfercht in diesen Räumen. Ist da die große S ä u g l i n g S st e r b l i ch k e i t, die heute hier beklagt wurde, zu verwundern? Auch die Tuberkulose findet in solchen über- füllten Wohnräumen ihren besten Nährboden, und alle Maßnahmen zur Bekämpfung scheitern an diesen Wohnungsverhältnissen. Mit rührender Sorgfalt wacht die Regierung darüber, daß die Ge- sundheit des Volkes nicht gefährdet wird durch die Ein- fuhr ausländischen Büchsenfleisches. Noch in dieser Woche hat der Staatssekretär alle diese Maßnahmen wie eine Löwin ihre Jungen verleidigt. Würde die Regierung nur einen Teil dieser Sorgfalt der Wohnungssürsorge zuwenden, so würde für die Volksgesundheit mehr erreicht werden. Der Staats- sekcetär hat erklärt, er wende der Frage seine Aufmerksamkeit zu. Das allein nützt aber nichts. Solche Erklärungen sind auch schon 1904 auf dem Wohnungskongreß abgegeben, auch dort erklärte der Ilnterstaatssekrelär, sein Chef sehe die Wohnungsfrage für eine K u 1 t u r s r a g e e r st e n R a n g e s an. Was ist aber in den seither verflossenen acht Jahren geschehen. Man hat sich beschränkt, Baugenossenschaften der Arbeiter des Reichs zu unter- st ü tz e n und zu fördern. Sympathieerklärungen allein nützen eben nichts, eine Wohnungsinfpektion ist nötig, und vor allem muß man für ausreichende und preiswürdige Wohnungen Sorge tragen. Dazu ist ein gesetzliches Eingreifen notwendig. Der Staatssekretär sagt stets, es ist Sache der Einzelstaaten und der Kommunen. Gewiß ist das Reich ohne die Mitwirkung der Kommunen nicht in der Lage, Grundlegendes zu schaffen. DaS entbindet das Reich aber nicht von der Verpflichtung gesetzlicher Schritte. Einzelne Bundesstaaten sind auch mir gesetzgeberischen Maßnahmen vorgegangen, aber Preußen hat völlig versagt. Im Lande des Dreiklassenwahlrechts ist das kein Wunder: hier zeigt sich, daß veraltete Gesetzesbestimmungen sich zu einer Gefahr in sittlicher und in sanitärer Hinsicht aus- wachsen. Auch die Städte sind belastet mit dem Dreiklassenwahlrecht und außerdem noch mit dem HauSbefitzerprivileg. Dadurch kommt eS, daß Hausbesitzerinteressen im Brennpunkt der gesamten Gemeindepolitik stehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Nun verweist man auf die Baugenossenschaften. Aber denen sind sehr enge Grenzen gezogen. Aus die Bauordnungen, den Be- bauungsplan, die gesamte Bodenpolitik der Gemeinde haben sie ja gar keinen Einfluß. Ferner wird aus die A r b e i I e r k o l o n i e n bestimmter industrieller Werke verwiesen. Nun, die Arbeiterlolonieu im Ruhrgebiet sind entblößt von allen Kulturerrungeiischaften. Sie sind durch und durch feucht. Zudem ist ihr Besitz an die Tätigkeil in einem bestimmten Werte geknüpft. Wenn also alle Stellen versogt haben, die man als Träger der Wohnungsreform in Anspruch nimmt, so muß das Reich selbst gesetzgeberisch eingreifen.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Tie Grundursache der WohnungSmisere ist die ungesunde Spekulation, welche die Bodenpreise in die Höhe getrieben hat und ebenso die Mieten. Darunter leidet ebenso wie der Arbeiter auch der Mittelstand. Die Rechte und das Zentrum reden immer von der Hilfe für den Mittelsland. Wenn ei ihnen damit ernst, müssen sie dafür sorgen, daß diese hohen Boden- und MietS- preise wieder beseitigt werden.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Besonders groß ist die WohnungSmisere in F e st u n g e it. Wenn einmal das FestungSgelände verkauft wird, sollte das Kriegs- miniiteriuin nicht nur darauf sehen, möglichst viel Geld heraus- zubekommen, sondern der betreffenden Stadt die Möglichkeit einer weitanSblickenden WohnimgSpolitik geben.(Seht gut! bei den Sozialdemokraten.) In Köln hat das Kriegsministerium die Stadt direkt zu einer engeren Bebauung, wie sie einer gesunden Wobnungs- Politik widerspricht, gezwungen, indem es drohte, sonst das Gelände der Privatspekulation zu überlassen.«Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Von hoher Bedeutung in serner die Frage des ErbbaurechtS. Schon 1907 wurde eine Denkschrift hierüber versprochen, 1910 wurde sie wieder für de» Herbst oder nächsten Winter in Aussicht gestellt. Ich möchte jetzt erneut fragen, wann wir nun endlich die Denkschrift bekommen werden. Ich bitte Sie, unserer Resolution zu- zustimmen und hoffe, daß wir nun endlich bald ein Reichs- wohnungSgesetz bekommen, das eine wirklich gesunde Woh- »ungSpolitik gewährleistet.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf». Posadowskq(b. k. F.) kritisiert die E r h ö h u n g des Zinsfußes der Versicherungsanstalten für Darlehen an gemein- nützige Baugesellschaften von 3 auf 8'/z Prozent. Das Reichs- versicherungsaint sollte dafür sorgen,' daß die bereit« ge- gebenen Darlehen zum alten Zinsfuß belassen werden, weil ionst der Zweck der Dorlehne illusorisch gemacht würde. Auf dem Gebiete de« Wohnungswesens ist zum Teil von Gemeinden und einzelnen Industriellen Mustergültiges geschaffen: aber dringend notwendig ist ein Gesetz, welches die Mindestforderungen f e st l e g t. Wenn die Einzelstaaten nicht solche Gesetze erlasieu, so ist eS Pflicht des Reickies. zwingende gesetzliche Bestimmungen zu treffen. Ter Staatssekretär sagte, die Frage wird erwogen, man wolle aber noch das Gutachten de« Jurislentages hören. Ich war der Meinung, daß das ReichSjuslizamt wohl in Vrr Lage sein sollle, gesetzliche Borschläge auszuarbeiten. Den Klein- Wohnungsbau wird maii nicht fördern, wenn man nicht daS Großkapital dafür interessiert. Dies kann aber nur ge- schehen, wenn die gesetzlichen Bestimmungen über Erbpacht verbessert werden.— Der Zusammenhang zwischen WohnungS- Verhältnissen und Tuberkulose ist vielfach studiert, nicht aber der zwischen W o h n u n g s v e r h ä l t n i j s e n und Ver- brechen. Wenn daS geschähe, könnte daS Reich, der Skaat und die Kommunen an manchen Ausgabeposten erheblich sparen. Die Wohnungsfrage ist eine Kulturfrage ersten Ranges, an deren Lösung alle mitarbeiten sollten.(Lebhaftes Bravo'.) Hierauf vertagt daS HauS die Weiierberatung auf Sonnabend 11 Uhr: vorher ElatSnotgesetz und Zuckerkonvention. Schluß 7 Uhr.___ Die bcaunschmiMhe ßlahlreform In einem neuen Stsäium. Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Die Wahlrechtskominission des Landtages hat soeben ihren Be- richt über die Wahlrcformvorlagc erscheine» lassen. Der Landtag«- Präsident wollte daran sogleich die Beratung knüpfen und die Wahlrcform noch vor Ostern unter Tack und Fach bringen. Der Landtag war jedoch anderer Meinung. Es ging ihm, wie manchen Leuten vor dem Zahnziehenlasseil, er crvat sich noch eine Gnaden- frist bis nach dem Osterfest. In der naiven Art, in der man im Braunschweigischcn Landtage Politik treibt, meinte einer der Ver- treter der Geistlichkeit: An die Beratung würde sich eine wüste Agitation der Sozialdemokratie im ganzen Lande knüpfen, was die österliche Wcihcstimmung schwer beeinträchtigen könne. Man sieht daraus, daß es dem Landtage vor seinem eigenen Machwerk graut. Man hätte kaum glauben sollen, daß eine solche Jammer. reform, wie die WahlrechtSvorlage der Regierung, noch ver- fchlechtcrt werden könne. Aber die Wahlrechtskominission, in der der Oberbürgermeister der Stadt Braunschwcig tonangebend war, hat es wirtlich fertig gebracht. Auch keine einzige Aendcrung in der Richtung der Demokratisierung des Wahlrechts, dagegen nicht unlvesentlichc Verschlechterungen de« RegicrungscntiourfcS! An den 18 Vertretern der privilegierten Bcrllfsstände hat auch die Kommission festgehalten. Sie seien der Ersatz für die fehlende Erste Kammer. Da aber in der Ersten Kammer der Groß- grundbcsitz eine besoichcr« starke Vertretung habe unh auch in den Landtagen otjnc Erste Kammer einen besonderen Einfluß ausübe, müsse er innerhalb der privilegierten Berufsstände stärker vertreten sein. Ein reizendes Ärgumcnt! Tic Kommission hat deshalb der hohen Vurcaukratie ein Mandat abgenommen und es den Groß- grundbcsitzcrn zugeteilt, so daß jetzt die l8 Privilegierten in 7 Großgrundbesitzer, S hohe Beamte, 4 Großindustrielle und 2 cvaitgclifche Geistliche zerfallen. Ten Geistlichen will die Kommission deshalb das Privilegium lassen, weil in allen Ersten Kammern die Geistlichkeit vertreten sei. Tic Schule könne jedoch keine besondere Berufsvcrtretung verlangen, da sonst jeder Stand, schließlich gar auch noch die Ar- bcitersckmft, kommen und eine BcrufSvertretung verlangen könne. Tic Bcrufsvertrctung solle aber das aristokratische Element im Landtage sein und seiner allzu starken Demokratisierung vorbeugen. Man denke, in einem Dreiklassenlandtage glaubt man auch noch, ein besonderes der Demokratisierung entgegenwirkendes Element nötig zu haben! Wer noch geglaubt haben sollte, die braunschweigischen Landtagsgrötzen seien vielleicht doch etwas besser als ihr Ruf, der muß hierdurch allein schon eines anderen belehrt werden. Etwas ganz Neues will die Kommission in die Wahlreform hineinbringen, das sich selbst im preußischen Landtagswahlrecht komisch ausnehmen würde. Der zu wählende Abgeordnete soll nämlich im Wahlkreise wohnhaft sein müssen. Damit er nun nicht ciwa kurz vor der Wahl zum Schein dorthin übersiedelt, verlangt 'die Kommission, daß er mindestens ein Jahr lang im Wahlkreise gewohnt haben mutz, bevor er wählbar ist. Tie Kommission be- mäntelt den Zweck dieser ganz beträchtlichen Verschlechterung zwar damit, daß sie behauptet, der Abgeordnete müßte über alle Einzel- heilen seines Wahlkreises unterrichtet sein, in Wirklichkeit will sie es jedoch nur verhindern, daß ein ländlicher Kreis einen in Braun- schweig wohnenden sozialdemokratischen Führer in den Landtag schickt. Wohlgemerkt wird diese Beschränkung nur den aus den allgemeinen Wahlen hervorgehenden Abgeordneten auferlegt. Tie Mandate der privilegierten Berufsstände sind nicht an einen be- stimmten Wohnsitz gebunden. Da verrät sich also der Pferdefuß ganz deutlich. In der Wahlrechtsvorlagc der Regierung wird das Wahlrecht unter anderem von einem dreijährigen ununterbrochenen Wohnsitz im Herzogtum Braunschlveig abhängig gemacht. Die Staats-, Kirchen-, Gemeinde- und Schulangestcllten brauchen dagegen nur ein Jabr im Herzogtum gewobnt zu haben. Dieses ulkige Polizisten-, Küster- und Nachtlvächterprivilcgiuin hat die Wahl- rechlskom Mission verteufelt ernst genommen. Sie hat sogar die tiefgründige Spekulation angestellt, daß man unter Schulangestcllten auch die Lehrer an Privatschulen verstehen könnte. Wie schrecklich, wenn solche Privatmenschcn ein Privilegium erhielten. Deshalb soll statt Schulangestellten Gemeindeschulangestelltcn gesetzt werden. Ein Unrecht aber hat die Wahltommission gut gemacht, sie hat zu den privilegierten Nachtwächtern die Briefträger gesellt und auch die Angestellten des Reiches in die Bevorrcchtung kuneingezogen. Aus alledem sieht man. mit welch kleinlichem Geiste die Wahl- rcchtsiommission an die Wahlreform herangetreten ist. Keine einzige großzügige Verbesserung. Dafür reaktionäre Löcher- flickcrei. Dessenungeachtet Waren von den sieben Mitgliedern der Wablrechtskommission nur die vier städtischen izwci Bürgermeister, ein Bankier und ein Gymnasiallehrer) für die Wahlreform, die drei agrarischen Mitglieder haben ihrer Unterschrift ein ckiss beigefügt zum Zeichen, daß sie von einer Wahlrechtsreform überhaupt nichts wissen, sondern es beim alten belasten wollen, trotzdem die Agrarier statt bisher mit 4. künftig mit 7 bcrufsständischen Mandaten bevorrechtet werden sollen. Mus Induftrie und Findel* Kalifundc in Nordamerika? Bereits mehrfach find in diesem Winter Nachrichten über angeb- liche Kalisuude in Nordamerika verbreitet worden. Bisher wurden sie aber stets immer wieder dementiert. Jetzt kommt die neue Meldung aus New Uork, daß in einem ausgetrockneten See in der Wüste Mohave fSüdkalifornien) mächtige Lager löslicher Kalisalze entdeckt sein sollen. Ihre Größe wird auf etwa 1l> Millionen Tonnen geschätzt d. h. etwa drei Viertel des UmfangS der deutschen Lager, die noch rund 5000 Jahre den Weltbedarf decken können. Infolge der hohen Preist, durch die da» Syndikat sein .naiürliches' Monopol ausnutzt, finden dauernd Bohrungen nach Kalisalzen in autzerdeutschen Ländern statt. Sie sind aber blsllnig ohne Erfolg geblieben. In Holland stietz man wohl auf Kaliialze, aber infolge starker Verwässerung hat dieser Fund keine Bedeutung. Neben Deutschland verbrauchen die Bereinigte» Staaten am meisten Kalisalze zu Düngezwecken sinSbes. für Bauin- woll-, Tabak- und Obstbau, weniger sür den Getreidebau). Von Il.bä Millionen Doppelzentnern der deutschen Ausfuhr im Jahre IVU entfielen allein 6,43 Millionen auf die nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Diese haben daher ein besonderes Interesse daran, sich vom deutschen Markt be- freie» zu können-, ein Interesse, das um so größer ist. als erst in diesem Jahre die letzten Außenseiler sich dem Kalisyndikat anschließen und die für die amerikanischen Abnehmer früheren günstigeren Verträge lösen mußten. Sollte sich die Nachricht über die Kalifunde bewahrheiten, so würde Teutschland, die einzige Fundstätte von Kali, aus feiner Monopolstellung verdrängt werden. DaS Kalisyndikat hätte dann nicht mehr die Möglichieü, dieses Monopol bei der Preisgestaltung in voller Höhe auszunützen._ Ludwig Loewe n. CT». Akt.-Ges. Wie wir schon berichteten, zahlt Loeive in diesem Jahre 18 Proz. Divideildc5 Kilometer) und die Linien Wittcnbergplatz �-Kuriürstendamm und Wittenbergplatz— Hohen> zollcrndan-.in s2 8 Ktlometer» eröffnet werden. 1916 bezn». 1918 werde» die Ost- dezw. die Westendlinien vollendet sein. 1918 wird dos Streckennetz 83.5 Kilometer betragen sdie den Gemeinden gehörigen Linien angerechnett. Die Einnahmen der Ge- sellichafl aus Fahrgeldern belaufen sich auf 8,167 Millionen Marl. Die DurchfchniltSeinnahme betrug auf einen Fahr- gast 13,95 Pf. Die Betriebseinnahmen betrugen 8,292 Millionen Mark, die Betriebsausgaben 3,993 Millionen Marl. Der Rein- gewinn stellte sich auf 3,244 Millionen Mark, der bei kommunalem Betrieb der Hochbahn, wie wir Sozialdemo- traten ihn fordern, dem Stadtsäckel zufallen könnte. Jetzt fallen davon 2,444 Millionen sdas sind 5� Proz. des Aktienkapitals von 42,5 Millionen) den Aktionären als Dividende und 59 699 M. dem Aufsichtsrat als Tantiemen zu. Als vertragsmäßige Abgaben an die Stadtgemeinden werden nur 189 927 M. verzeichnet. Sie SemeinSewshIbewegung. Friedrichsfclbe. Morgen, Sonntag, soll endlich die Eni- scheidung fallen, ob von der dritten Abteilung auch weiterhin ein bürgerlicher Vertreter ins Gemeindepartament gesandt werden soll. Sicher werden unsere Gegner alle Anstrengungen machen, um ihren Kandidaten durchzubringen. Um den Sieg an unsere Fahne haften zu können, müsten die Genossen mit größtem Eifer ans Werk gehen und den letzten Mann zur Wahl heranholen. Be- reite am Vormittag, VjO Uhr, werden wir noch ein letztes Flug- blatt von den Bczirkslokalen aus zur Verbreitung dringen und sofort nach Beginn der Wahlen unsere Tätigkeit im «chlepplokal, Schulz, Lindcnpark, in vollem Um- fange aufnehmen. Kein Genosse darf dabei fehlen, damit das Wahlresultat, welches abends 6Vj Uhr in den Bezirks- lokalen bekanntgegeben wird, recht glänzend ausfällt. Also auf in den Kampf; es gilt den Gegnern das Mandat zu entwinden und unserem Kandidaten Otto Frentzcl zum Siege zu ver- helfen. 3!einickcndorf-Ost. Morgen, Sonntag, nachmittags von 1 bis 5 Uhr, findet die G e m c i n d e v c r t r c t c r w a h l für den 3. Wahlbezirk, umfassend das östlich der Sonntagsrraße bis zum Grünen Weg und der Kühlweinstratze ausschließlich dieser beiden Straßen belegene Gebiet des östlichen Ortsteils, und zwar: See- straßc 18 bis 45 von der Justusstraße bis zur Benkesrraße, Justus- stratze 6 bis 53, Gesellschafts-. Aegir-, Neptun- und Benkestraße, Pankower Allee 26 bis 59, Albert-Frcitagitraßc, Epensleinstratze, Schwartz-, Provinz-, Holz- und Papieritratze, Grüner Weg, aus- schließlich 2 und 11, Granatcnstraße, Hausottcrstraße 29 bis 87, Jsarstraße, verlängerte Koloniestraße. Bürger-, Winter- und Hoppe- straßc, Hausotterplatz. Kamele-, Herbst- und Sommerstraße, ver. länaertc Sommerstraße, Nordbafc*-, Scebcck- und Frühlingstraße, Schonholzer Weg 29 bis 31. Wiirestr. 11 bis 59, Maschdorfsstr. 15 bis 98 und Amcndestr. 16 bis 94. statt. Gewählt wird in der Turnhalle der 4. Gemeindcschule, Hoppestr. 7. Die Wahl beginnt um 1 Uhr nachmittags und wird piinktlich um 5 Uhr geschlossen. Unser Kandidat ist der Genosse Buchhalter Carl Schänder g. Genossen! Tie Sonntagswahl gibt Euch Gelegenheit, nicht nur selbst Eure Stimme abzugeben, sondern auch sür regestc Wahl» beteiligung zu agitieren. Wilhelmsruh. Sonntag, den 24. März, findet von 12 bis 4 Ubr die Gemeindewahl in der dritten Klasse statt. Kandidat der Sozial- demokratie ist der Genosse Gastwirt Milbrodt. Wahllokal ist das Restaurant.Seebad', Jnh. Pötsch. Kronprinzenstr. 4. Die Parteigenossen und die mit uns sympathisierenden Wähler wer- den ersucht, alle lässigen Wähler aufzurütteln. Ferner werden die Genossen ersucht, möglichst schon vor Beginn der Wahlhand- lung anwesend zu sein. Wahlergebnisse. Hohcnlelimr-Wildau. Bei der Wahl zur dritten Klasse wurde unser Genosse Paul Scholz mit 194 gegen den von„mehreren VaterlandSfrcunden"(lies gelber Sumpf Schwartzkopssj ausgestellten Kandidaten Helbig, auf den 192 Stimmen entfielen, gewählt. Trotz. dem noch in letzter Stunde die Gegner unsere bisherigen Ver- treter in der verlogensten Weise belämpsten, hat die organisierte Arbeiterschaft doch bewiesen, daß sie nur in den Vertretern der Sozialdemokratie diejenigen Leute erblickt, welche die Interessen der Allgemeinheit voll und ganz wahrnehmen. Die dritte Klasse ist also wieder vollständig durch unsere Genossen besetzt. Zeuthen. Bei der am Donnerstag stattgefundenen Stichwahl wurde unser Genosse K a l i c s mit 82 Stimmen gegen den Post- Verwalter Kneisel, auf den 79 Stimmen(darunter 29 Forensen) entfielen, gewählt. Noch kurz vor Toresschluß machten die Gegner verzweifelte Anstrengungen, um uns durch Abgabe fast aller Papier- stimmen zu schlagen. Grünau. Bei der am 29. d. M. stattgehabten Wahl zur Gc- mcindevertrctung ist der Sammelkoiididat des Grundbesitzer-, Bürger- und Bcaintenvereins gegen unseren Kandidaten gewählt worden. Von 754 Wählern haben 397 ihr Stiinmrecht ausgeübt. Es erhielten der bürgerliche Kandidat 213 Stimmen und unser Genosse Franz 184(stimmen. Nur durch den in schärfster Form angewandten Tcrrorismus aus die zahlreiche Beamtenschaft haben unsere Gegner noch einmal daS Feld behaupten können. Am Frei- lag. den 29. d. M.. findet die Ersatzwahl für die dritte Abteilung statt. Hier kann ein Nichtqngescsscncr gewählt werden. Tie Ge- nossen werde» aufgefordert, energisch in die Agitation einzutreten. Die Aussichten für diese Wahl sind für un« sehr günstige. Bei intensiver Arbeit muß es unS gelingen, den Kandidaten der Sozialdemokratie durchzubringen. Großbestcn. Bei der am Mittwoch, den 29. d. M., stattgefunden neu Gciiicindetvahl in der dritten Klasse erhielten von 74 abgc- gebene» Stimmen der Kandidat des GrundbcsitzcrvereinS 5l, unser Genosse Hermann Schulze 23 Stimmen. In der zweiten Klasse erhielt Genosse Schramm eine Stimme. Tic sich gegeniiberstchenden zwei bürgerlichen Kandidaten vereinigten auf sich 12 bezw. 9 Stimmen. Buch. Die am Mittwoch, den 29. März, stattgcfundcne Ge- meindcvertrcterwahl brachte uns nicht den erwünschten Erfolg. Trotz der günstigen Mahlzeit von 5 bis 8 Uhr sind doch ein Teil unserer Wähler nicht erschienen und haben so den Sieg des Gegners gesichert. Es wurden für unseren Genossen Hermann Gcslng 49, für die Bürgerlichen Hartmann 65 und Daniel >7 Stimmen abgegeben. Es fehlten nur 4 Stimmen, um in die Stichwabl zu kommen, trotz der abkommandierten Beamte». Da unsere Genossen sich das erstemal an der Gemeindcwahl beteiligt baben, stehl zu erwarten, daß bei nächster Gelegenheit eine bessere Agitation eintreten wird, um auch hier in die Gemeindevertretung Bresche zu legen. Ladeburg(Oberbarmm). Bei der am Mittwoch stattge- fundcncn Gcmeindcvertrctcrwahl der zweiten und dritten Klasse ist es uns leider nicht gelungen, unseren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. In der dritten Klasse wurde der bürgerliche Kandidat mit 27 gegen 22 auf unseren Kandidaten, Genossen Noack, entfallende Stimmen gewählt. �Zus aller Älelt. )VIcm Rock und meine Richtung. In der Partcipresse lesen wir die folgende humorvolle Schilde- rnng des Genossen Scheide mann über seine verflossene Vize- präsidcntcnherrlichleit: Zu einein halbwegs anständigen Raritätenkabinett habe ich alleweil die unentbehrlichsten Utensilien beisammen. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß ich im stillen schon daran denke, dem Castanschcn Panoptikum Konturrenz zu machen. Nein, wirklich nicht. Wenigstens vorläufig noch nicht. Ich binde mir aber aus keinen Fall die Hände sür alle Zukunft. Zunahst habe ich eine reichhaltige Autograpbcnsammlung. Ich bekam im Lause weniger Wochen, an die ich mit Vergnügen zurück- henke, allerlei Zuschriften. Man hat mich beglückwünscht und ver» flucht. Einer hat mir geschrieben, daß ich und alle Juden auf- gehängt werden müßten. Ter Jüngling hat auch mich sür einen Juden gehalten. Einige offenbar kränkliche Menschen, denen ich von ganzem Herzen gute Besserung wünsche, haben Gedichte auf mich gemacht. Das hat mir sehr wehe getan. Allen anderen, die die Verse lesen, wird es nicht besser gehen. Am frcundlicbstcn hat es offenbar eine junge Dame mir mir gemeint. Sie erbat sich brieflich von mir eine Gefälligkeit: ich sollte ihr eine Locke schenken, dann wollte sie mir auch gefällig sein.„Ich bin wirklich nicht so", schrieb sie und nannte sich„Röschen von Bayern". Da ich weiß, daß es kein Röschen ohne Dörnchen gibt— ich bin verheiratet—. so suchte ich das bayerische Röschen zu vergessen und kaufte mir cinligcj Glas Siechen. Tie stammen ja auch aus Bayern und haben keine Dornen. Dann erhielt ich aus Sachsen eine reizende Ballonmütze mit einer Aufschrift, die keinen Zweifel darüber auskommen ließ, daß sie wirklich für mich extra angefertigt worden war. Aus Stargard in Pommern schickte mir einer aus der zahlreichen Familie der Schulzen einen feuerroten Zylinder, der, vom Portier getragen, vor jedem Panoptikum, Flohzirkus oder ähnlichen Kunst- oder wissenschaftlichen Instituten, berechtigtes Aufsehen machen müßte. Inmitten meiner Raritäten nimmt er sich ein wenig zu protzig aus. Der Clou meiner Sammlung ist unbestreitbar mein Gchrock. Ich werde ihn von nun ab wirklich nur noch ausnahmsweise bei ganz besonderen Anlässen tragen. Er hat auf alle, die ihn gesehen haben, jedenfalls erheblichen Eindruck gemacht. Freilich gingen die von ihm gegebenen Beschreibungen einigermaßen auseinander. Der eine schildert ihn als einen neuaufgcbürstcten altmodischen Rock aus Urgroßvaters Zeiten. Ein anderer hat ihn gesehen als einfachen modernen bürgerlichen Rock. Wieder ein anderer schwur seinen Lesern hoch und heilig, ich hätte mich in dem gutsitzenden Gchrock recht stattlich ausgenommen. Das hat mir sehr wohl getan und triumphierend habe ich es meiner Frau gezeigt. Dann hieß es, ich hätte mich in einem Rock vorgestellt, der dem besten Schneider- meister Berlins alle Ebre machen würde. Und endlich schrieb die Zentrumspreffe unter Hinweis auf meinen Rock, daß niemals«in millionenschwerer Graf so elegant dagesessen hätte, wie ich in dem kostbaren, wie wir gesehen haben,„altmodischen",„modernen", „neuaufgcbürstcten" Rock. Daß ein solcher Rock, der überdies in mindestens einem Dutzend tiefempfundener Gedichte besungen worden ist, seinen Wert für' jede Raritätcnbudc hat, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen. Dann kommt mein„blütenweißcs Hemde" als Hauptstück in Betracht. Aber vielleicht ist es besser, von dem Hemde vorläufig zu schweigen. Ich brauche ja schließlich meine Geschäftsgeheimnisse nicht zu verraten. Im Vertrauen gesagt: das Hemd war gar nicht weiß, sondern zart bläulich und mit schwarzen Pünktchen betupft. Bedauerlich ist es auf jeden Fall, daß ich meine politische„Rich- tung" nicht so ausstellen kann, wie sie geschildert worden ist. Das gäbe eine Zugnummer ersten Ranges. Einer bat behauptet, daß ich in dieser Beziehung eigentlich ein unbeschriebenes Blatt sei. Herr Bossermann hat sein großes Ehrenwort dafür verpfändet, daß er mich für einen gemähigten Revisionisten gehalten habe, von dem er hätte annehmen dürfen, daß er mit Wonne ein Kaiscrhoch aus. bringen werde. Ein anderer schrieb, ich sei ein bekannter Revisionist, stände aber nicht ganz rechts. Wohlwollend beurteilte mich ein Journalist als eine versöhnliche Natur. Einer dekretierte; er ist ein gemäßigter Radikaler, von der Couleur Molkenbuhr. Wieder ein anderer wußte eS noch besser: ich sei ein„zartsinnigcr" Genosse, aber doch ein bekannter Radikaler. Eine andere Lesart: er ist einer der „schärfsten" Sozialdemokraten. Am besten konnten mich diejenigen politischen Naturforscher, die den Herren Spahn und Hcydebrand am nächsten stehen:„er ist einer der radikalsten Genossen", der„ruppigsten einer unter seines- gleichen", ein„knallroter MajestätSbeleidigcr", dieser„gräßliche Genosse". Wie meinen Rock, so hat man also auch meine„Richtung" mit geradezu pbotographischer Naturwahrheit geschildert�— oh. die Herren kennen mich sehr genau und sie haben mich sorgsam studiert, bevor sie die Federn in die Tinte tauchten. Das beweisen auch die -Schilderungen meiner Haartracht. Ich bitte meine näheren Freunde, nicht so niederträchtig zu lachen! Einer, der mir gewiß sehr gut gesinnt ist, hat geschrieben, daß ich stets sorgsam frisiert sei. Ein anderer hat erzählt, daß ich mein blondes Haar gescheitelt trage. Einer, der mich offenbar schon in der Nähe gesehen hatte, der mir aber nicht wehe tun wollte, schrieb: ich hätte einen„etwas gelichteten Scheitet". Das kann, ich nun freilich nicht bestreiten: der Scheitel ist wirklich etwas gelichtet. Deshalb macht es mir auch einige Schwierigkeiten, den Scheitel immer richtig in die Mitte zu kämmen. Aber dieser Scheitel gehört ja, streng genommen, nicht zu den Raritäten. Ich werde als Ersatzstücke für ihn meiner Sammlung die fünf verschiedenen Löckchcn, die mir junge Damen im besten Manncsaltcr„auS Liebe" zugeschickt haben, einverleiben... Zwei schwere Bauunfälle. In der Würzburger Straße in K l e i n- Z s ch o ch e r bei Leipzig stürzte am Freitagvormittag ein« a u g e r ü st zusammen. Zeh« Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Zwei von ihnen wurden schwer, vier andere leichter verletzt.— Ein zweites Bauungliick ereignete sich in E n g e l S d o r f bei Leipzig. Wie von dort gemeldet ivird. stürzte ein ErweiterungSneubau der BetriebSwerlstätte der Eisenbahn ein, wobei acht Personen unter den Trümmern begraben wurden. Die Rettungsmannschaft brachte drei schwer und vier leicht Verletzte ans Tages- licht, während ein Verschütteter nur als Leiche geborgen werden konnte. Die Verunglücklen wurden mittels Automobils nach dem Leipziger Krankcnhause geschafft. Die Streitenden alS Helfer. Daß die preußische Taktik, die Forderungen streikender Arbeiter mit Entsendung von Militär und Maschinengewehren zu beantworten, die einzig richtige ist, zeigt ein Vorgang, der sich beim englischen Bcrgarbeiterstreik abgespielt hat. Wie ein Telegramm meldet, brach in dem Bergwerk voir Ran dolph inDysarl Feuer auS. Der Berg Werksbesitzer wandte sich an die streikenden Arbeiter mit der Bitte um Hilfe- leistung. Die Bergarbeiter eilten herbei und beteiligten sich lebhaft an den Löscharbeiten. Da die Gruben völlig mit giftigen Gasen gefüllt sind, ist der Schaden bisher nicht zu übersehen, dürfte jedoch ziemlich beträchtlich sein. Auch ein Beweis, wie notwendig das?tiedersäbcln Strci» kender ist._ Kleine Notizen. verschwundener Dampfer. Der Hamburger Dampfer „Augsburg" von der Deutsch-Australischen DampsschiffahrtS-Gesell- schaft. am 2. Februar mit einer Ladung Petroleum von New Aor! nach Kapstadt abgegangen, ist bisher dort noch nicht ein- getroffen und auch von keiner Zwischen st ation gc- meldet worden. Man vermutet, daß ihm«in Unfall passiert ist. Er bat 3 9 Mann Besatzung an Bord. Tödlicher Betriebsunfall. Auf dem Ostbahnhof in Hanau wurde ain Donnerstagabend der 2ljährige Rangierer Grauel beim Ueberschreitcn des Gleises von einem Eilgütcrzug erfaßt und auf der Stelle getötet. Das Grubenunglück i» Nordamerika� Nach den jetzt vorliegenden Meldungen sind bei der G rub e n c xp l o si o n in Mac Eourtin 116 Bergleute eingeschlossen worden. 26 Arbeiter konnten gerettet werden, während bisher 8t Leichen geborgen wurden. Die Verunglückten sind größlemeils Deutsche, Polen und Ungarn. tscler -m Arbeitsnachweis So! I. roen, Amt Nor' Verwaltungsstelle Berlin Nr. 1239. CharitHstrnsic 3. Hauptbureau: Hof in. Amt Norden. Nr. 19S7 Montag, den 25. März 1912, abends 8 Uhr: Versammlung der Schmiede, Kettelichmiede und flutogenichweiner im Lokale von Schulz(Mendts Festsäle), Münzstraße 5!r. 17 ■W(Eingang Königsgraben)."TPU Tagesordnung: 1. Bericht. 2. Wahl der Branchenkommisfto«. 3. Verbands- augelegeuheiien. i. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung verlangt zahlreiches Erscheinen. Erwerbslose(Kranke). Wegen O.nartalsschlust und der Osterfeiertage finden die Zahlungen der Unterstützung wie folgt statt: Für die Woche, welche am 30. und 31. März beendet ist, wird am Freitag, den 29. März, gezahlt. Für die Woche, welche am 1. April beendet ist, wird am Sonn- abend, den 30. März, gezahlt. Am Montag, den 1. April, bleibt das Bureau geschlossen. Für die Woche, welche am 1. April beendet ist, wird am Mitt- voch. den 3. April, gezahlt. Für die Woche, welche am 5. und 6. April beendet ist, wird am Donnerstag, den 4. April, gezahlt. Für die Woche, welche am 7. und 8. April beendet ist, wird am Sonnabend, den 6. April, gezahlt. Am Karfreitag und am zweiten Osterfeiertag bleibt das Bureau den ganzen Tag geschlossen. Am Dienstag, den 9. April, wird die laufende Unterstützung bis 12 Uhr gezahlt, nachmittags bleibt das Bureau geschlossen. Da sämtliche Bücher wegen Ouartalsschlns; eingezogen werden, ersuchen wir die kranken Kollegen, ihre Unterstützung bis zuin 30. März abbeben zu lassen. Ausgeschlossen davon sind diesenigen Kollegen, welche sich in Krankenhäusern oder Heilitänen b finde> und ihre Ilnlersiüyuiig erst nach Beendigung der Krankheit abheben. 114/6_________ I>lc OrtsvenvaUane. JfnttnlDctbniiii w MMiMr»»«» ijenn foniit Kmissgriivllci! ptiitfdftnitb Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, 24. März, mittags piinktlidil'>Ul,r, in den Arminhallen, Kommaiidantenftr. 5S— SN: AuBeronlentlicItf Geoeralvefsammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Anträgen zu dem Berbandslage zu München. Erscheinen sämtlicher dienstfreien Mitglieder ist notwendig. � Mitgliedsbuch legitimiert. O 145/10_ l>ie YcrwaUnng. Sozialdemokratischer Wahloerein Keukölln. Dienstag, den 26. März, abends 8'/z Uhr: (ieneral-Versammlung in Baptschs Festsäle, Hermannstr. 49. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Aufstellung der Kandidaten zu den bevorstehenden Stadtvcrordnetenwahlen. 3. Anträge.— Verschiedenes. 236/19 �UtgUedsbnch legitimiert! Zahlreiches Erscheinen erwartet__ Ter Vorstand. Achtung! Tarifbewegung der Fleischergesellen in Neukölln. Dem konsumierenden Publikum zur gefl. Kenntnis, daß nachstehende Fleischermeister den Tarif anerkannt haben: 0. Fontara(Wurstsabrik), Berliner Stragc 27 A. tieislaml, Berliner Str. 23 l). Solle, Hcrmaiinstr. 232 B. Riedel,'Hermannstr. 46 H. Jochmann, Zietcnstr. 41 P, Wonneberger, Weifestr. 24 K. Gerlach, Warthestr. 70 G. Saft Warthestr. 58 Th. Pohnke, Warthestr. 73 W. Friedmann, Warthestr. 7 P. Lukascheck, Berliner Str. 28 E. Sehilde, Herrfurthstr. 23 C. immrich, NogaMt. 14 H. Riese, Falkstr. 20 G. Seidel, Jägerstr. 7 M. Meier i/Wwc.). Wescri'tr. 168 W. Karger, Hertzbergttr. 21 0. Schönbrunn, Richardstr. 61 H. Burck, Weichselplatz 4 P. Jünger, Bürknerstc. 5 W. Rademacher, Hobrechtstr. 19 F. Klein, Koltbuser Damm 13 Jos. Orth, Emser Str. 26 F. Schilde, Wcisestr. 51 Nachstehende Fleischermeister, die zurzeit keine Gesellen beschäftigen, haben ebenfalls ihre Zustimmung erklärt: s M. Falkner, Donaustr. 7 288/13 Zontralverbaml der Fleischer. Berlin NO., Etisabethstr. 11. Teleph.-Amt: Königsladt Nr. 3024. lleftr«»n tedermann" Möbel auf Kredit bei Zahlung einer Monatsrate laut Vereinbarung: und bequemster Abzahtnng komplette Wo tnungs-Einrlchtungen sowie einzelne Höbelstücke, Poisteru/aren, farbige Küchen Portleren. I�orrlinon Lcib u vettwaevbe Steppdecker, Teppiche. W«" Ulliwllf Betten, Kronen, Kinderwagen usw. »n modernster Ausführung. 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März 1912 finden im Restaurant R o c z y k i, Panlow, Kreuzitratze 3/4, d'e(fr- gänziingswahlen der Vertreter zur Generalversammlung sür das Jabr 1912 statt. 272/6 Es wählen die Herren Arbeitgeber non 11—12 Uhr vormittags vorn im fleincn Zimmer 2 Vertreter. Die Arbcitnehmcrmitglieder im grogcn Saal von 10— 1 Uhr vormittags 45 Vertreter. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Mitglieder,' welche grotzsäbrig und im Besitze der bürger- tichcn Ehrenrechte sind. Als Legitimation genügt sür die Herren Arbeitgeber die letzte Quittung über gezahlte Kasscnbeiträge, sür die ArbeiwebmerMitgliedskarte oder Mit- gliedsbuch. Panlow, den 22. März 1912. Der Borstand. Otto Rigmann, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Stadt Schöneberg. Rechnungsabschluß 1911. Ginnahme. M. 1. Barbestand vom 1. Jan. 127351,78 2. Zinsen...... 18561,61 3. Beiträge...... 1045108,10 4. Ersatzleistung für gewährte Ärankenunter» stützungen..... 6959,07 5. Ersatzleistung von Sc- russgenossenlchasten. 6351,93 6. Aus verlausten Wert» pavteren usw....— 7. Aufgenommene Darlehne. durchlfd. Pasten 4142,18 8. Sonstige Einnahmen. 6829,73 Summa 1215304,40 Ausgabe. t. Für ärztl. Behandlung 2. Für Arznei und sonstige Hellmittel..... 3. Krankengelder: a) an Mitglieder. b) an Angehörige. 4. Unterstützung an Wöch- ncrinnen..... 5. Sterbegelder.... 6. Kur- und Vcrpstegungs- koslen in Heilanstalten 7. Ersatzlcistg. für gewährte Krankenunterstützung. 8. Zurückgezahlte Beiwäge 9. �ür Kapitalanlagen. 10. Zurückgezahlte Darlehne 11. Verwaltungskosten: a) persönliche,. h) sächliche.,. 12. Sonstige Ausgabe». 103199,39 141820,10 388643,47 13333,12 21993,00 15202,67* 183460,53 8988,05 2274,12 132886,44 7023,89 101664,63 47738,90 5929,97 Summa 1172158,30 Summa der Einnabmsn Summa der Slusgaben 1215304.40 1172158.30 Bestand am 1. Januar 1912 43146,10 Die Stärkung d. Reservefonds betrug: 132427,98 M. Erkrankungssälle d.männl. Mitgl. 6453 . weibl.. 5151 KrankheilStage d. männl. Mitgl. 132644 . weibl.. 144090 Sterbesölle der mannt. Mitglieder 119 .. weibl.. 39 Die durchichnittliche Mtgliederzahl betrug am Schlutz des Jahres 1911 23725, die des Borjahres 21640, mit- hin mehr: 2085. 272/5 Ter Vorstand. Teppiche 130X900: 5 bil 19 X 165X230: 10,60 bis 40 Ä 9(0X300: 82 bil 61 iK 250X330; 52 dl» 120 5« 300X400: 67 bil 186 X Garvinenftaus Bernhard Tchwartz Wallslr. 13(dreizehn) Stoffe Reste, Coupons sind aus den Fabriken eingetroffen,„Neuheiten" Mtr.2, 3. 4 M. Xuchlagcr Koch �Seeland G.m.b.H., GertraudieDStr. 20-21; PeS" verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag; vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u.To., Berlin LVie. Dt. 70. 29. Jahrgang. eilagt des LmNs" jteliner Dülhliliilt. Zonnabtnd. 23. Mar; 1912. Mgeorclnetenkaus. Ü3. Sitzung. Freitag, den 2 2. März, 11 Uhr vorm. Am Mi.nijtertisch: v. Trott zu Solz. Etat des Bolksschulwesens. 3. Tag. Abg. Kurzawski(Pole): Die Wunde, die dem polnischen Volke durch die völlige Ausschaltung der polnischen Sprache als Lehrgrgenstand und die Ginführung der deutschen Sprache im Religionsunterricht geschlagen wurde, wird nie vernarben. Dadurch wird die Religion geschädigt. Die polnisch-katholischen Lehrer werden unerhört tyrannisiert und überdies werden viel zu wenige angestellt. Selbst Bismarck hat einmal erklärt, daß es unsinnig ist, jemandem die Muttersprache nehmen zu wollen. Abg. Dr. Schepp(Vp.) wendet sich zunächst gegen die Bcein- flussung der Städte dahin, daß sie den Lehrern keine höheren Orts- zulagen gewähren. Der von der Rechten beeinflußte Neue preußische Lehrerverein hetzt gegen den alten, wodurch übrigens auch die Friedensverhandlungen zwischen Rektoren und Lehrern erschwert werden. Heckenroths Angriffe sollrcn bloß die Auf- merksamkeit davon ablenken, daß der Neue preußische Lehrerverem in der Schulaufsichtsfrage nicht mit den Konservativen übereinstimmt. Wenn die Angriffe des Abg. Heß unwahr sind, müßte der Minister die Lehrer in Schutz nehmen, andernfalls müßte er gegen die Lehrer einschreiten, wenn er sich nicht am Ende sagt: Um Persönlichkeiten wie Dr. Heß bekümmere ich mich nicht!(Sehr gut! links.) Die ganze Rede des Abg. Heß sollte nur die Sozial- demokratie als schlimm st es Ucbel hinstellen, um dann sagen zu können: Seht, und das unterstützen die Lehrer!! Statt aber diese Behauptung zu beweisen, hat er Müdigkeit vor- geschützt. Das Vorgehen des Abg. Heß verstößt gegen die guten Sitten.— Als der Redner im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen zitiert, daß Abg. Heß der«Pädagogischen Zeitung" Schnoddrigkcit und Frechheit vorgeworfen hat, wird er vom Pra- sidenien Dr. Frhrn. v Erffa zur Ordnung gerufen. Auf den lebhaften Einspruch der Linken zieht der Präsident den Orb- nungsruf zurück, hält aber die Rüge wegen des Ausdrucks„Ver- stoß gegen die guten Sitten" aufrecht. Abg. Dr. v. Campe(natl.) weist die persönlichen Ausfälle des Abg. Heß gegen v. Hackcnberg zurück. Dieser habe sich wenig- ftens ernstlich bemüht, in den Gedankengang der Sozialdemokratie einzudringen und einen berechtigten Kern herauszw schälen. Teshallb haben ihn die Sozialdemokraten auch ruhig an gehört.— Das Zentrum vertritt hier den Standpunkt der katholischen Kirche, will aber uns verwehren, den des Staates zu vertreten. Der Redner weist auf die welfische Agitation unter den Schulkindern hin und bespricht dann Standes fragen der Lehrer. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Borchardt(Sog., zur Geschäftsordnung): Ich habe mich nicht gegen Dr. Hetz zu einer persönlichen Bemerkung gemeloet, weil ich gegen ihn nichts mehr persönlich sagen will. Es bleibt ja nur Lungenhaschee von ihm übrig. Präs. Dr. Frhr. v. Erffa: Das ist ein ganz unparlamentartscher Ausdruck. Abg. Borchardt(Soz.. fortfahrend): Zur Geschäftsordnung will ich bemerken, daß Dr. Heß wieder mehrere Anfragen an die Sozialdemokraten gerichtet liat, die sich auf meine Rede bezogen, daß er aber durch seine Abstimmung für den Schluß der Debatte die Antwort mir unmöglich gemacht hat. Er wird nun vielleicht wieder draußen verkünden lassen, daß die Sozial- demokratie ihm die Antwort schuldig geblieben sei. Die sachliche Antwort auf seine Fragen wird ihm aber bei anderer Gelegenheit noch erteilt werden. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Zum Titel Unterrtchtsvcr waltung liegen zwei sozialdemokratische Anträge vor, die die Regierung ersuchen, noch ,m Laufe der jetzigen Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den gegenüber den Zwangsverfügungen der Schul- auffichtsbehörden das Verwaltungs st reitverfahren zu- gelassen wird, und die weiter eine Aufhebung derZwangö- Verfügungen verlangen, die von SchulaufsichtS wegen ergangen sind wegen Erteilung von gewerbsweifem Unterricht an nicht mehr volksschulpflichtige Jugendliche und wegen Erteilung von nicht- gewerbsweifem Unterricht an Jugendliche wegen Abhaltung von unpolitischen Vorträgen vor Jugendlichen usw. Auf Antrag des Abg. Winckler(k.) werden unter Zustim- mung des Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) beide Anträge der Unterrichtskommission zur Vorbcratung überwiesen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich halte es für notwendig, in Verbindung mit den vorliegen den Anträgen auf die Politisierung der Volksschule einzugehen. Im Gegensatz zu den Versicherungen der Regierung ist die Politisierung der Volksschule eine bctoiesene Tatsache. Meine Freunde Hirsch und Borchardt haben schon dargelegt, oah die ganze Art deS Unterrichts auf die Förderung ein- seitiger politischer Ziele in der Voltsschule hinausläuft. Ganz abgesehen davon ist aber ein unmittelbares Hineintragen der Partcipolitik in die Volksschule in immer stärkerem Maße zu verzeichnen. Besonders in Wahlzeiten tritt dieses Verfahren sehr in die Erscheinung. Aus der Fülle des mir vorliegenden Materials will ich nur wenige Fälle hier vortragen. Jni M ü n st e r l a n d e ist in einer Schule von dem Hauptlehrer a n die Schüler der BolkSkalender des Rcichsvcrbandcs gegen die Sozialdemokratie verteilt worden(Hört, hört! bei den Sozial demokraten), ein von Lügen und Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie strotzendes Blatt. Ebenso sind � in anderen evangelischen Schulen die Jugend blätter des Rcichsverbandcs gegen die Sozialdemokratie von den Leh rern an die Kinder verteilt worden. Ein Lehrer in einem w e st> sälischen Ort hat bei der GemeinderatSwahl die Kinder seiner Klasse bei den Witwen vorsprechen und sie bitten lassen, dem Herrn Lehrer ihre Vollmacht zur Wahl zu gebe». Im Februar 1012 fand ein katholischer Lehrer in einer westfälischen Schule im Papierkorb ein Exemplar der„B e r g a r b e i t e r z e i t u n g', in dem das Frühstück eines Jungen eingewickelt gewesen war. Der Junge wurde einem hochnotpeinlichen Verhör unterzogen, und es wurden ihm wegen dcS Hi neinschleppenS einer sozial« pc in akratischen Zeitung in die Schule schwere V o r h a l t u n g e n a e m a ch t.(Hört, hört! bei den Sozialdcmo- kraren.) In einer katholischen Schule Westfalens er- klärte der Lehrer den Kindern, die Sozialdemokraten wollen nicht arbeiten und sind nicht zufrieden, man sollte sie vor die Kanonen binden und totschießen. (Hört hört! bei den Sozialdemokraten.) Während der Wahl sind auch die Kinder bielfach 5ur F l u gb la t t v e r t e i l u n g für die ..Rechtsparteien" verwandt worden. Ich habe noch eine Fülle von Material ich' habe aber hier nur diese einzelnen Fälle mitgeteilt. weil sie typisch sind für das Hineintragen der Partcipolitik in die Volksschule im ganzen Staatsgebiet. Im schroffen Gegensatz zu dieser Politisierung steht das Ver halten der Untenchtöverwaltung gegenüber dem wirklich un° politische,, Unterricht der von Arbeiterturn- vereinen, Gesangvereinen und anderen Arbeitervereinen der Jugend'erteilt wird. Die Untcrrichtsverwaltung führt den .»ampf gleichmäßig gegen die Arbeitcr-Jugcndbewegung und gegen die polnischen Organlsationcn. Der Kultusminister hat im ver- gapgenen Lohre erklärt, datz er ewe Zi rkulgxpexfügung erlassen habe, durch die die Praxis der Schulaufsichtsbehörde in Einklang gebracht werden solle mit der bekannten Reichsgerichts- entschcidung vom Juni 1910. Damals waren schon Dreivierteljahre nach der Reichsgcrichtsentscheidung verflossen. Bis heute haben wir aber die Verfügung noch nicht kennen gelernt. Warum werden solche allgemein interessierenden Verfügungen nicht der O e f f e n t- lichkeit zugänglich gemacht. Der Minister hätte dazu um so mehr Veranlassung gehabt, als er die Behörden rechtfertigen mußte gegen die Anklage, mit der die Erörterungen des vergangenen Jahres schlössen, daß nämlich die Behörden unbewußt in der schnödesten Weise Recht und Gesetz brechen. Der Minister hat nun erklärt, daß er sich der Reichsgerichtsentscheidung nicht anschließen könne, sondern an dem Standpunkt festhalte, daß auch der Unter- richt an der Fortbildungsschule als ein solcher zu betrachten sei, für den ein privater Unterricht als konkurrierender Ersatz in Be- tracht kommen könnte. Dieser Standpunkt ist aber rechtlich völlig unhaltbar. Es ist eine grobe BrüSkicrung des Rechts, daß das Kultusministerium sich der Rcichsgerichtsentscheidung nicht fügt, um so das Reichsgericht zur Revision seiner Auffassung zu veranlassen. Niemals dürfte sich ein„Untertan" einen solchen Rekord an Mißachtung der Rechtsprechung leisten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister geht aber noch hinaus über das, was er zu Unrecht als sein Recht beansprucht. Die Rechts- läge ist nach dem Reichsgericht so, daß nach der Kabinettsorder von 1834 die Qualifikation für Schulleiter privater Schulen oder für gewerbsmäßigen Hausunterricht in den Gegen- ständen der öffentlichen Schulen gefordert wird. Nur wenn ge- werbsmäßig Unterricht erteilt wird, sei die Schulaufsicht zuständig. Es wird aber gar nicht geprüft, ob gewerbsmäßiger Unter- richt vorliegt. Einzelvorträge, z. B. unseres Genossen D ä u m i g über:„Eine Wanderung durch Afrika", oder wenn ein Arbeiter mal ein paar Hungen zeigt, wie man turnt, werden als solch gewerbsmäßiger Schulunterricht betrachtet. In Oberschlesien sind Exekutivstrafen von 300 M. für jeden Fall verhängt worden, wo ein Mann einen Kinderchor in der Kirche dirigiert hat. Alles Belehrende soll da Unterricht sein. Da darf man schließlich mit Kindern nicht mehr stpazierengehen, reden, spaßen!(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Weshalb fordert der Minister nicht gleich von allen Eltern in Preußen einen Unterrichtserlaubnis schein?(Abg. Hoff- mann: Kommt ja nochl) Sie alle wissen ganz genau, daß dieses Vorgehen der Schulaufsicht unberechtigt und nur aus politi- scher Verblendung oder Voreingenommenheit zu erklären ist. In den weitaus meisten Fällen wird dem Turnnxirt in Ar- beitervereinen kein Entgelt gezahlt, von Gewerbsmötzigkeit kann keine Rede sein. Aber alle Eingaben, die darauf hinweisen, sind vergeblich und die Strafverfügungen gegen die Arbeiterturnvereine häufen sich gemäß dem Geheimcrlaß vom 7. 8. 1907 in unerhörter Weise.(HörtI hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Zugehörigkeit zur Sozialdemo- kratie wird als unvereinbar mit der Fähigkeit zum Unterricht erklärt. Wir fühlen uns turmhoch erhaben an moralischer Fähig- keit zur Erziehung über jene, die mit widerrechtlichen Erlassen gegen uns vorgehen. Das ist nur ein weiterer Beweis dafür, wie der Klassenstaat gegen die wichtigste Kulturbewegung unserer Zeit vorgeht.(Sehr tvahrl bei den Sozialdemokraten.) In den Instruktionen des Ministers wird„jugendlich" mit „minderjährig"— unter 21 Jahren— identifiziert und der „Unterricht" an Personen bis 21 Jahren der Schulaufsicht rechts- widrig unterstellt. Und dafür werden Exekutivstrafen von tausen- den Mark verhängt, tvie im Fall Groniecki 8000 M., so daß der Unglückliche ins Ausland getrieben wurde. Die Ver- waltung nimmt sich heraus, die Leute einzusperren, die solchen infamen Strafbefehlen der Kultusverwaltung nicht nachkommen.(Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.— Der Kultusminister sieht den Vorsitzenden, Vizepräsidenten P o r s ch, groß an.) Die Kultusverwaltung will gegen Recht und Gesetz die Arbeiterunterrichte ausrotten. (Vizepräsident Po rsch: Das dürfen Sie nicht sagen.) Es gibt go wisse Grenzen; aber die Krone in diesem Vorgehen hat die Unter richtSvcrwaltung errungen. Die Lieder sollen wer weiß wie go fährlich sein. Die Informationen vom Ministertisch kennen wir. Die Hammcrsteinaktcn sind noch nicht vergessen, die Unzuverlässige keit der Informationen des Kultusministers, namentlich auch da, wo Polen in Frage kommen, werden wir noch nachweisen. Nun sieht der Minister die Zuständigkeit der Schulaufsicht nur für die Dauer der Fortbildungsschulpflicht gegeben, aber in Ober- s ch l e s i e n wird sie trotzdem bis zum 21. Jahr erstreckt und auf meine Eingabe deswegen an den Kultusminister, diese Verfügungen aufzuheben und den Bestraften Ersatz zu leisten, hat der Minister erklärt, er habe keine Veranlassung, einzuschreiten— obwohl er doch selbst hier diesen Zustand als nicht mit seiner Rechts. Überzeugung übereinstimmend erklärt hat. tHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister behauptet einfach, der Ge sangsunterricht, den er bestraft, sei ein E r s a tz u n t e r- richt, weil auch in den Fortbildungsschulen des Bezirks Oppeln Gesangsunterricht erteilt werde. Der ist aber f a k u l- tativ, er wird vielleicht nicht besucht! Dem Minister ist es ganz egal, ob fakultativ oder obligatorisch. ES ist aber überhaupt gar nicht richtig, daß dort nur in den Fortbildungsschulen in den Städten Gesang gelehrt werde, während die verfolgten Gesangper- eine gerade auf dem Lande sind! Und jedenfalls geht die Fort- bildungSschulpflicht nicht bis zum 21. Jahre. Obgleich Groniecki sich verpflichtet hat, Leute unter 18 Jahren nicht mehr in seinem Unterricht z* dulden, sagt die Verfügung, daß die Duldung von jüngeren als 18jährigen Leuten„u n b e st r i t t e n" sei, und wenn ich näher danach frage, sagt der Minister einfach:„Es steh t fest." ES sind gar keine Feststellungen getroffen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die von mir erbetene Spezialisierung der Aw lässe der Bestrafungen Gronicckis wurde vom Minister a b g c> lehnt, obgleich die Aufgabe gestellt ist, die neue Rechtslage infolge des Reichsgerichtsurteils anzuwenden. Im Fall Groniecki bandelt eS sich um eine Gesamtstrafe von über 6000 M. mit der Wirkung der Vernichtung einer Existenz und der Vertreibung eines Mannes aus Deutschland. Und d a hat man die Nachprüfung durch Akteneinsicht mir versagt. Das Kultusministerium steht als ein absolutistischer Block da, keine andere Kontrolle als die ganz unzureichende dieses Hauses; es kann auf die Oeffcntlichkeit pfeifen. Und trotzdem verbannt es noch die ganze Schulaufsicht in die D u n k c l k a m merk Hört dieses gesetzwidrige Treiben nicht auf, so wird man energisch versuchen müssen, den Minister zivilrechtlich hast- bar zu machen. DaS Strafgericht, das VerwaltungSstrcitver- fahrcn— sie alle sind nicht zuständig. Es handelt sich um eine Ehrensache des Ministeriums. Hier hat keine Partei außer den Polen uns bei unseren schweren Anklagen unterstützt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)� Man verfolgt, je nachdem,� die Lehrer, die Besitzer der beige stellten Lokale, und allen diesen Schulaufsichtsversügungen steht man hilflos gegenüber. Die Stadtgemcinden werden ebenfalls ver- folgt. Dem.V o I t s ch o r in Berlin hat man die Schul- lokale abgetrieben, während sie der Deutsche Turnerbund benützcn darf. Am 24. Februar 1912 hat der Berliner Polizcipräsi- d c n t dem Restaurateur Heide die Duldung eines..Ersatzunter richts"vortrags ohne Unterrichtsschein bei 100 M. Geldstrafe namens des Provinzialschulkollegiums verboten. Kein Wort über das Alter dex nicht zu unterrichtenden.Personen, die selbst nach des Ministers Erklärung nur nicht unter 18 I a h r e n sein dürfen. Kein Wort darüber, ob der Betreffende gewerbsmäßig„unterrichtet. Dem Vortragenden selbst ist der„Unterricht" durch einen Vortrag bei 100 M. Geldstrafe, eventuell 10 Tagen Hast verboten worden. Gerichtet war das an unseren Kollegen Hoffmann(Heiterkeit), der natürlich sich ans Gesetz, nicht an die Ungesetzlichkeit des Erlasses gehalten. Glauben Sie. daß Abg. Hoffmann gcwerbs- mäßig unterrichtet hat? Das Ministerium selbst weiß, daß das nicht der Fall ist, kümmert sich aber den Teufel ums Gesetz. Möge die Unterrichtskommission unsere Anträge und diese Fälle genau prüfen. Verlangt der Minister auch von den Vor- tragenden und unentgeltlichen Gclegenheitsturnwartcn oder-diri- genten der patriotischen Turn- und Gesangvereine Unterrichtsscheine? Die Lehrlinge der Eisenbahnwerk- stätten werden laut„Kreuzzeitung" turnerisch unterrichtet. Wacht da auch die Schulaufsicht wie bei allen Arbeiterveranstaltungen? Ist da schon einmal beim Fehlen des Unterrichtsschcins eine Zwangs- strafe verhängt worden, wie das ohne Mahnung oder Aufforderung zur Beschaffung des Unterrichtsscheins uns gegenüber stets ge- schieht? Mißt die Verwaltung mit zweierlei Maß oder will sie alle mit der gleichen Rute züchtigen? >> Aber die Verwaltung weiß, daß die Verfügungen nur hervor- gehen aus politischer Voreingenommenheit und Gehässigkeit.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Porsch: Ich rufe Sie zur Ordnung! Abg. Dr. Liebknecht(Soz., fortfahrend): Daß sie hervorgegangen sind aus Gewissenlosigkeit!(Zustim- mung bei den Sozialdemokraten.— Lärm rechts.) Vizepräsident Dr. Porsch: Ich rufe Sie zur Ordnung! Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Das Kind muß beim rechten Namen genannt werden! Den Jnswnzenzug hat man uns entzogen. Wir habe» keinandcres Forum als dieses hier!(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden ztoar sicher im nächsten Jahre dieselben Klagen wieder erheben müssen, denn dieses Haus will keinen reinen Tisch machen. Hier muß mit eisernem Besen ausgekehrt werden, denn in dieser Frage hat sich das Kultusministerium, dem Polizeiministerium zum Trotz, ge- zeigt alS das vcrwahrloscste preußische Ministerium!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Großer Lärm bei der Mehrheit.) Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Abg. Liebknecht zum 3. MalzurOrdnuna. � � Kultusminister v. Trott zu Solz: Was will Abg. Dr. Lieb- knecht mit diesem, unter erzogenen Menschen ungc- wohnten Ton. mit seinen immer wieder vorgebrachten Be- lcidigungen erreichen? Auf mich machen sie keinen Eindruck. (Bravo! rechts.) Er wird ja in seiner Partei selbst sehr ver- schieden eingeschätzt. Wer liest denn seine Reden? Dazu sind ihrer zu viele und sie sind zu lang.(Sehr(jut! bei o« Mehrheit.— Abg. Liebknecht: Ach. Herr Minister, ant- Worten Sie lieber!— Vizepräsident Porsch: Sie sind ruhig angehört worden, hören Sie auch den Herrn Minister ruhig an!) Es ist meine Pflicht, den sozialdemokratischen Angriffen auf die Schule entgegenzutreten, das geschieht auf dem Boden des Gesetzes und bedeutet kein Hineintragen der Politik in die Schule. Sie(zu den Sozialdemokraten) schicken Flugblätter in die Schulen, worin den Kindern gesagt wird, daß sie nichts von dem glauben sollen, Ivas ihnen da gesagt wird.(Rufe der Sozial- demokraten: Wo? Wann?) Ich werde Ihnen diese Flugblätter zeigen.— Ich halte mich durchaus an das Reidhsgerichtserkenntnis, habe es aber erst nach drei Monaten bekommen. In dem Erkenntnis ist vom Alter nicht die Rede, die Fortbildungs- schulpflichtigen fallen darunter. Unsere Auffassung von der Ge- werbs Mäßigkeit wird vom Oberverwaltungsgericht sanktio- niert. Wir warnen die Leute, die keinen Unterrichtsschein haben, Unterricht zu erteilen, erst dann, wenn sie nicht folgen, werden Exekutivstrafen verhängt. Uebrigens mußte Abg. Liebknecht mehrere Jahre zurückgehen, um Material zu finden. Der Herr in Oberschlesien ist bereits gestorben.(Heiterkeit rechts.) Die„harmlosen" Gesangvereine in Oberschlesien betreiben großpolnische Propaganda und erklären sogar in ihren Statuten: Politik ist nicht ausgeschlossen.(Hört! hört! bei den Nationallibeoalen und rechts.) Meine Herren(zu den Sozialdcmo- kraten), nicht wir greifen Sie an, sondern Sie uns. Ihren Ver- suchen, die Jugend an sich zu ziehen, werden wir entgegen- treten, so lange wir die Mittel dazu haben.(Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien. Entrüstete Rufe bei den Sozialdcmo- kraten.) Abg. Tourneau(Z.): Durch die Anstellung hauptamtlicher, also weltlicher Kreisschulinspektoren, denen übrigens viel eher katholische als evangelische Schulen unterstellt werden, wird der Einfluß der Kirche auf die Schule zurückgedrängt. Dafür müßte anderweitig Ersatz geschaffen werden. Abg. Graf Strnchwitz(Z.): Die Sozialdemokraten wollen immer mehr die Lehrer für sich gewinnen. In Hannover wurde in den Schulen ein Flugblatt von den Sozialdemokraten verteilt, worin gesagt wird, daß die Schule durch kleine überfüllte Lehrzimmer die Gesundheit der Schüler beeinträchtigt, bloßes Aus- wendiglernen von Gebeten sei ihre Fortbildung und den Himmel würde das Volk sich schon auf Erden bereiten. Die Schulaufsichts- behörden müssen diese Bestrebungen mit Feuer und Schwert ausrotten. Bedauerlich ist es, daß sich der Minister nicht äußert über die bekannte Aeußerung auf dem Lehrerkongrcß in Hannover:„Besser, der junge Mann geht in einen sozialdcmokra- tischen Jugcndverein, als in gar keinen." Die„Päd. Ztg." hat das gar nicht abfällig kritisiert. Unsere chr i st l i ch«na t io na le schule darf der Sozialdemokratie nicht auSge- l i e f e r t w e r d e n. Es hat sich gezeigt, daß die Sozialdemokratie kein überwundener Standpunkt ist. Keine Schwäche in der Schulaufsicht! Abg. Graf Strachwitz(Z.): Unsere Armeewürde eine Revolution blutig niederschlagen. Aber wenn unsere Lehrer die Jugend sozialdemokratisch erziehen wür- den, könne auch die Armee oder ein starker Mann nicht aus- reichen. Möge sich die Staatsregierung da nicht däuschen und nicht alles laufen lassen, wie es geht.(Beifall rechts und im Zentrum.) Kultusminister v. Trott zu Solz: Die heftigen Angriffe der Sozialdemokratie aus mich zeigen, wie unberechtigt die Klage des Abg. Graf Strachwitz über mangelnde Bekämpfung der Sozial- demokratie ist. Ich habe auch erklärt, daß ein Sozialdemokrat nicht Lehrer sein kann«. In der Verurteilung deS hannoverschen Lehrertags geht Graf Strachwitz zu weit. Der vom Grafen Strach- Witz mit Recht auss schärfste kritisierte Hamburger„Roland", der gegen Vaterlandsliebe und Königstreue schreibt, ist von dem cnt- lassenen Bremer Lehrer Heinrich Scharrelmann- hcrausgc- geben. Die preußische Lehrerschaft hat damit nichts zu tun. (Beifall.) Ein Schlußantrag wird a ngc n o m m e n.- Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) persönlich: Dem Minister werde ich bei anderer Gelegenheit antworten. Er hat behauptet, ich hätte die Unwahrheit gesagt in bezug auf den ins Ausland getriebenen Groniecki, von dem er sagt, es komme eine Rcmcdur nicht in Frage, weil er gestorben sei. Ich habe von Groniecki Briefe er- halten vom 14. Januar...(Vizepräsident Porsch: Das ist nicht persönlich.) Ob das Stimmen aus dem Hades(der Unter- Welt) sind, weiß ich nicht. Es ist unrichtig, daß dieser Mann schon gestorben sei und durch die betreffende» Aeußcrungen des Ministers wird die Gesamtrede des Ministers charakterisiert. Abg. v. Woyna(sk.) begründet einen Antrag, möglichst viele Kreisschulinspektorcn im Hauptamt anzustellen und zwar Vit dcx xxtsxdekllÄev Notwehr gegeu die Sozial. demokratie, gegen d i e Polen und Dänen. Die Mit- Wirkung der G e i st l i ch e n ist unentbehrlich. Was eine Handvoll Bildungsproletarier will, ist uns gleichgültig, aber wenn die Sozialdemolratie und sogar Lehrervereine die Schule angreifen, mutz sch ä r f st e r Kampf die Parole sein- Abg. Hoff(Vp.): Der Rektor Peters- Kiel, dessen Aeutze- rung in Hannover Graf Strachwitz so heftig angriff, ist einer der uni die Jugendpflege verdientesten Männer. Ich wollte, wir hätten mehrere solche! Der Redner begründet dann einen fortschrittlichen Antrag auf Beseitigung der geistlichen Orts- schulaufsicht. Es ist doch fraglich, ob die Kirche, die dem Staat das Recht der Schulaufsicht bestreitet, geeignet ist, sie auszuüben! Abg. Dr. v. Campe(natl.): Wir sind in erster Linie für den fortschrittlichen, in zweiter für den freikonservativen Antrag, die sich doch nur im Deinpo unterscheiden. Abg. Tourncau sZentr.): Wir bitten um Ablehnung des freikonservativen Antrags. Die geistliche Schulaussicht mutz das Eindringen des Unglaubens in die Schule verhindern. Ein Schlutzantrag wird angenommen. Der fortschrittliche Antrag wird abgelehnt gegen Fort- schrittler, Sozialdemokraten und die wenigen anwesenden National- liberalen; der freikonscrvative Antrag geht an die Budget- k o m m i s s i o n. Sonnabend kl) Uhr: Fortsetzung. Schluß 5Vj Uhr._ paHamentanfches» Die Kolonialctats in der Budgetkommission des Reichstags. Bei der Weiterberatung des Etats für Kamerun wurde in der Freitagsitzung die starke Einfuhr von alkoholischen Getränken und die Gefahren und Folgen des Schnapskonsums für die Einge-- borenen besprochen. Eine vom Abg. Gothein gestellte Resolution fordert, datz auf die Einschränkung des Alkoholverbrauchs hinge- wirkt werde, zunächst durch Erhöhung des Zolles und der Lizenz- abgaben. Im Verlaufe der ErSrterungen kam der Staatssekretär nochmals auf den„Herrenstandpunkt" zu sprechen, der angegriffen worden war. Er halte an diesem Standpunkt fest, der aber nicht der des Sklavenhalters zum Sklaven, sondern des Vaters zum Kinde sein müsse. Die Eingeborenen in den Kolonien seien Kinder, er habe ihnen d«her in Samoa auch keinen Schnaps ge- geben. Der Meitze möge so viel trinken, wie er vertragen könne, der Schwarze aber nicht. Abg. Ledebour erklärte zu diesen Darlegungen, datz der Herre�standpunkt in den Kolonien nicht den vom Staatssekretär gewollten idealen Charakter habe, sondern in der Praxis der brutalsten Ausbeutung und Unterdrückung der Eingeborenen diene. Man solle örch nicht den Zauber vormachen wollen, als ob die Weitzen als die väterlichen Freunde der Ein- geborenen in die Kolonien gehen. Dtc Resolution Gothein wurde angenommen.— Die Beratung de-- Etats für Togo führte zu einer Debatte über christliche und mohacmedanische Propaganda unter den Eingeborenen. Abg. Ledebour fragte an, ob die vor einigen Jahren unter gröblicher Bcschwindeluisg der Eingeborenen zustande gekommenen Landkäufe wieder gutgeniacht worden sind. Dr. Solf erklärte, datz 40 000 Hektar Land an die Eingeborenen zurückgegeben worden sind._ Wahlprüfungskommission. Die Prüfung der Wahl des Abg. Brande?(Soz.) wurde am Freitag beendet. In zwei Wahllokalen in Halberstadt sollen die Wahlzellen so beschaffen gewesen sein, daß die Wähler beob- achtet werden konnten. Dieser Einwand ist bereits bei der-amt- lichen Ermittelung des Wahlresultats erhoben worden. Der vom Wahlkommissar berufenen Kommission gehörte auch der bürgerliche Stadtverordnete Ger lach an. Dieser gab sofort zu Protokoll, datz er— vermutlich in amtlichem Auftrage— die Wahlzellen aller Bezirke in Halberstadt vor Beginn der Wahlhandlung in- spiziert und in Ordnung befunden habe. Hätte man nun das Resultat in diesen beiden Bezirken für ungültig erklärt, dann hätte der Abg. Brandes noch immer eine Mehrheit von 46 Stimmen gehabt. Der Referent(natl.) verlangte nunmehr, datz dem Ge- wählten auch die Stimmen der Wähler— 181 an der Zahl— ab- gezogen werden sollen, die nicht zur Wahl gegangen sind. Damit hätte der Abg. Brandes dann keine Mehrheit mehr gehabt. Diesem Verlangen trat der sozialdemokratische Kor- referent ganz entschieden entgegen. Der vom Referenten gestellte Antrag auf Beanstandung der Wahl wurde abgelehnt und die Wahl dann gegen die Stimmen der Nationalliberalen für gültig erklärt.— Gleichzeitig für gültig erklärt wurde die Wahl des Abg. Sperlich(Z.), der im Wahlkreise Glatz mit großer Mehr- hcit gewählt wurde._ Marktbericht von Berlin am 21. März 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Speis ebohnen, weihe, 35,00— 55,00. Sinsen 40,00—80,00. Kartoffeln(KleinhdI.) 8,00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Bulter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,60— 6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,40. Aale 1,80—3,00. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00._ Witterungsüberflcht vom 28. Mörz 1918. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin srranks.a.M. München Wien LS V Ö a c a if 748 745 750® 749SW 753SS 755!OSO Wetter 4 wolkig 4!bedeckt 3wolkig 7iwolkig 2 bedeckt 1 Bedeckt -UI Sei «5> Stationen taparanda etersburg Scilly Aberdeen Paris ZS «ü e3 KZ 753 S 757jSO 745;® 7430910 747SW Setter 4 bedeckt 3bedeckt 7wolkig Sbedeckt 5 bedeckt t". S? w Wetterprognose für Sonnabend, den 23. Mörz 1912. T Etwas kühler, teilweise heiler, jedoch sehr unbeständig mit Regen- schauern und frischen südwestlichen Winden. W W il) ? «0 tzEEEch-S« Unserem Parteigenossen und« früheren Bezirkssührer Anton s® Grylewicr und seiner jungen Frau Anna geb. Breuer unsere 'i: herzlichsten Glückwünsche zu© ihrer Vermählung. W Die Parteigenossen deS G \33g. Bezirks.$ Todes-Anzeigen für den I. Herl. REichslags-MlTO. Frankfurter Viertel Bez. 280. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Transport- arbeiter Wilkelm Grulrns Blumenstr. 46, gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung sind et ani Montag, den 25. März, nachmittags 3st,Uhr. von der Halle des Zentral- snedhoss in Friedrichsseide aus statt. Um rege BetcUiguug ersucht 214/12 von Vorstand. Berichtigung. Die Beerdigung des Kaufmanns �dolf Letzel I Wrangelftr. 59, findet nicht um! 3 Uhr, sondern um 8 Uhr statt. IleUi' Transporlarheiter-Verliaiii Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Möbel- packer Wilkelm Grulms am 16. d. Mls., im Aller von 59 Jahren verstorben ist. Di« Beerdigung findet am Mor> den 25. d. Mls.. nach- mittags 3'/, Uhr, von der Seichen- Halle deS Zentral-Fricdhojes in Friedrichsjelde aus statt. Den Mitgliedern seimer zur Nachricht, dag unser Kollege, der Kuischer Reinhold Jakob am 18. d. MtS. im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. Mls.. nach« mittags 2'/, Uhr, von der Seichen- Halle des Nazareth> Kirchhofes Reinickendors-West aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 62/18 Der Borstaud. Allgemeine Ortskrankenkasse zu Berlin. Am Mittwoch, den 20. d. M., verschied nach kurzem, schwerem Seiden unser verehrter Bureau- Vorsteher Herr liU8lsv Riedel im Alter von 57 Jahren. Der Dahingegangene, welcher seit 22. Dezember 1834 in un- seren Diensten stand, war ew Borbild treuester Pflichterfüllung. dessen Andenken wir für immer in Ehren halten werden. vor Vorstand. «. P i e h I. Vorsitzender. Die Beerdigung findet am Montag, den 25. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Seichen- Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide auS statt. 272/3 Nach schwerem Seiden ist am Mittwoch, den 20. März, unser Bureauvorsteher Gustav Riedel im Alter von 57 Jahren verstorben. Wir haben in dem Dahin- geschiedenen einen pflichttreuen, ehrenwerten Kollegen verloren. Seinem Andenken Ehre: Die Angestellten der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Berlin. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 25. März, nachmittags 5 Uhr. von der Halle des Zentral- Friedhoses in Friedrichsselde aus statt._ 272/4 SozialdeniokratisEhepWatilyerEiii Treptow-Baunischulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Kohlen. träger 201/13 Karl Wandke am 19. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 24. d. Mls.. nach- mittags 3 Uhr, vom Kohtenplatz Bnumschuleiistr.-30/31 nach dem Treptower Gemeinde- Friedhos. Neue Krug-Allee, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht vor Vorstand. ÄmIllEmiiIlMeti.Sädlvei'eiü Kreis(iieilertiapiiim Bezirk WciBensee. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Maurer Karl Kanies am 20. März im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. März, nachm. 3>/, Uhr, von der Seichenhalle des All-Weigenseer Friedboss, Falken- bcrger Sttage, aus statt. Um rege Bcleiligung ersucht 18/4 Ter Borstand. Am Mittwoch, den 20. d. M., verschied nach schwerem Leiden unser Werkmeister, Herr Oottlieh Hanke. Wir verlieren in dem Dahingegangenen einen tteu bewährten Mitarbeiter, der mit unermüd- lichem Eiser und stetem Interesse aus seinem Posten stand. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 748b L-anigc, Herker dt Co., Koffersabrik. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schlosser Rermilnu Priedeimitii am 19. März au Blinddarm- culzündung gestorben ist. � Die Leerdigung sindct am «onnabend, den 23. März, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Zcntral-Friedhoscs in Zriedrichsfetde auS statt. Ferner starb unser Mitglied der Gürtler Rleliitt'd Scliöuwalder am 20. März an Magenleiden. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. Mäiii, nach, mittags 3'/, Uhr, von der Seichen- balle deS Emmaus-KirchhoseS w fllixdors aus statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet ll4/8 Die Ortövcrwaltnng. Dentscher Ceditnrbtiter- Uklband. Filiale Berlin. Am 19. März verstarb unser Mitglied, der Färber iNax Kierscli Die Beerdigung findet heule Sonnabend. nachmittag 4 Uhr, aus dem Rizdorser Gemeinde« Friedhof, Mariendorscr Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 197/4 Die QrtSverwaltung. Allen Verwandten, Bekannten, Genossen und Genossinnen die traurige Nachricht, daß am Mitt- woch, den 20. März, früh 2 Uhr, nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann.�unser Herzens- guter Vater, der Steindrucker Franz Weise im Alter von 59 Jahren verstorben ist. Dies zeigt ttefbetrübt im Namen der Hinterbliebenen an Frau Welse nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zenttal-Fried- hoseS in Friedrichsselde auS statt. _________ der Litbographeo. SteioilrucKer u. verw. Berufe. (Deutscher Seoefelder-Bund.) Am 20. März verstarb unser Kollege und Mitglied, der Stein- drucker Franz Weise im Alter von 59 Jahren an einer Lungenentzündung. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FricdhoseS in Friedrichsselde auS statt. 109/7 Die Verwaltung der fillale I. Knaben-... �üiislitigs-ßarderofce fertig; n. nach Hall am billigsten und reellsten in der Fabrik Koppcnstr. 85, part., | 2 Minuten v. Schles. Bahnhof Karl Hustädt. Herren-Garderobe nach Maß. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, datz mein lieber Sohn, unser guter Bruder und Schwager, der Kutscher Rdnkold Jakob Gerichtftratze 43 infolge eines Unfalls pkötzllch der- stv'ben ist. Dies zeigen liefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. März, nach- mittags 2'/, Uhr, aus dem Nazareth- Friedhos in Reinickendors-West statt. Verbsnd der Sanier und Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. Die Beerdigung deS Kollegen C-eorg Rohr findet am Sonntag. den 24. d. Mls., von der Leichenhalle deSMoabiter Kranken- Hauses aus nach dem Heitands- Kirchhof in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 156/13 Die Ortsverwaltung. Aenderungen ohne Berechnung! .-WEST] i 09 mofwcnsir3?° SrTihnkjurtersir. TIS. SchicRe.[eiche Kosfüme TonUgl. Schnitte, beste Verarbeitung, tadellose stekke..» MODELLE! Ä'Ä'iÄ Ein Ausnahme- Ansebot! Ftaiijflbrs- Ulster Uebcsgangs- Mäntel, neueste Modelle, sonst ..... � dis 21. 28. 39. 46. 55 M. bii diese Woche 12. 16'/,. 25. 32, 36 M. Gestreiftes Fresko« KostOm auf Seide,«»» s>» 20 M« Eecbtxeit.EiDkaalm d. Feste empitbleBswertl Duchesse-Taffetmäntel Z»™™ 18.Ma Modelle ron 25 bis 200 M. 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Lehrmann, Grünberger ötr.116 P. Lehrte, KottbaicrDammS 1-82, Farfüoi Mai Lleoke, O. 34, Ebertystr. 35. Ewald Lochte, Wilhelm, havtaerslr. 20 Luisen-Drog., Friedrichsf.Bertiaer(t.22 Alfr, Marsch, Culmstr. 37. Nellü, Felix, Memelerstr. 16 a. Dehmke, iieinitkend., ProTiuiti. 82. Otto Opitz, Bornholmerstr. 16. Ramien, Otto, Landsbg. Platz 1. Rathaus-Drogerie, Ri. Doasulr. 24. Arno Reif, Weberstr. 30. worm.Lemck« ,LK«is.Friedr.Slr.242 Meyer,?' Ppinzenstr. 103 Alfred Hoffmann Franz Schönbedr, Oherschöaeweide. Fr Schlussnuss, Liebauerstr. 22. Hugo Schultz, Müllerstr. 166 a. Hyg.Gummiw., Photogr.-Artikel- P.SünderhaufACo.Gr.mnkf.Str.89. Herrn. Vincent, Rixd., Bergstr.131. i Werder-Drogerie, Britz.Rndowerst. 5a. I Wedding Drogerie, Genterstr. 37. Welssbach& bischer, BeiieaiUaneezt 23 Zobel, Georg, N, Ackerstr 50. , Ecke Münchcbcrgeratr. Cacao, Chocolade � A?tSans)irraütc3önb.,Lir.dower8ir.i6 Filialen i.ail- Stadtteilen. Fefd.Hahn,BerliÄ,PerienbBrfier8t72a c Eisen- ii. Stahlw., Waff. D P. 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Stadtverordneten der zweiten Ab- teilung.— Am morgigen Sonntag setzt in den Bezirken die Hausagitation resp. die persönliche Rücksprache mit den Wählern der zweiten Abteilung ein.— Die Ausgabe des hierzu notwendigen Materials ersolgt heute von 6 bis 7 Uhr abends von solgenden Stellen aus, und zwar für den ersten Bezirk bei Brunzel, Reuter- straße 46, zweiten Bezirk bei Zibell, Elbestr. 8, dritten Bezirk bei Wolf, Kirchhofstr. 41, vierten Bezirk bei Schröder, Nogatstr. 33/34, fünften Bezirk bei Fischer, Weisestr. 14, sechsten Bezirk bei Müller, Mainzer Straße 14.— In Anbetracht unserer großen Sache bitten wir, diese Tätigkeit recht gewissenhaft auszuführen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Neukölln. Zu der morgen, Sonntag, den 24. März, nachmittags stattfindenden Theatervorstellung„Tie beiden Lconoren" von Paul Lindau sind noch Billetts in den Parteispeditionen und bei den Ge- nosien Pfeifer, Hermannstr. 4g, Fischer, Weisestr. 14, Meier, Prinz- Handjcrh-Str. 3, Germnecker, Kaiser-Friedrich-Str. 232, zu haben. Ter Bildungsausschuß. Steglitz. Am Sonntagmorgen 8 Uhr findet auf Grund der öffentlichen Stimmabgabe bei der Gemcindevertreterwahl eine Hausagitation zur Gewinnung von Wahlvercinsmitgliedern und.Vorwärts"abonnenten statt. Die Genossen und Genossinnen wollen sich rechtzeitig in den Bezirkslokalen einfinden. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattvertcilung. Bezirk 8 und 8z bei Lcnski, Ghausseestr. SS. Sämtliche Genossen der übrigen Bezirke, auck die Genossen vom Osten bei L. Wrotnicki, Ringstr. 17, Ecke Holbeinftraße. Der Vorstand. Tempclbof. Sonntag, den 24. März, vormittags 8 Uhr, von den Bczirkslokalen aus wichtige Flugblattverbreitung. Treptow-Baumschulenweg. Morgen, Sonntag früh 8�4 Uhr: Flugblattverbreitung von sämtlichen Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Die Versammlung am Dienstag, den 26. März, kann unvorhergesehener Umstände halber nicht stattfinden. Am Sonntag findet aber trotzdem eine anderweitige Flugblatt- Verbreitung statt, an der die Mitglieder des Konsumvereins regen Anteil nehmen mögen. Tie Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Mvrgen, Sonntag, von 8 Uhr ab: Flug- blattverbreiwng zur Gemcindevertreterwahl im 3. Bezirk(alle öst- lich der Sonntagstraße belegenen Straßen; also die Provinzstraße mit ihren Seiten, und Nebenstraßen). In Betracht kommen Teile des 1. und 2., ferner des 6., 7., 8., S. und 10. Wahlvcreinsbezirks. Die Bezirksleitung. Niederschönhausen-Norbend. Am Dienstag, den 26. März, abends SM Uhr, bei Ulitz,„Schwarzer Adler", Blankenburger Straße 4: öffentliche Versammlung. Thema:„Ter Kamvi gegen wirtsckiaftlichc Ausbeutung". Referent Genosse MiruS-Berlin. Dazu am Sonntag, 8 Uhr, von den bekannten Stellen: Hand- zettclverbreitung. Die Bezirksleitung. Grofi-Besten. Am Sonntag, den 24. März 19012, nachmittags 2 Uhr. in Körbiskrug. Lokal von Halfpap: Generalversammlung de? Wablvereins. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Bericht von der Kreis-Generalvcrsammlung. S. Bericht der Gcmeindcvertreter. 4. Maifrage. S. Verschiedenes. Berliner Nachrichten. Arbeit. Oben im Norden der Stadt schaffen Hunderte an einem Riesenwerk. Gewaltige Steinauadern türmen sie dort zu massigen Bogenwölbungen. Gerippte Eisenpfeiler verankern sie in tief aufgewühltem Erdreich. Holz und Stahl, Beton und Ziegel geben das Material für die sich an die nördliche Weichbildgrcnze der Riesenstadt schiebende Hochbahnstrecke. Unermüdlich singt dort die Arbeit ihr Lied. Tie Herde der Feldschmieden hauchen züngelnde Flammen. Hämmer dröhnen. Nictmaschinen rattern. Spaten knirschen im kiesigen Grunde. An gewaltigen Steinblöckcn wuchten Dutzende von Armen. Das klingt und klirrt Stunde um Stunde. Und fast zusehends wächst der gewaltige Bau. Wer täglich des Weges kommt, kennt bald einzelne der Leute, die dort schaffen; wenigstens dem Aussehen nach. Tie Graubärte sind selten. Was dort sich miiht, steht meist in der Blüte seiner Kraft. Breitschulterige Monteure in blauen Blusen fügen mit geschickten Griffen Teil an Teil der schlangenartig sich hinziehenden Eisenkonstruktion. Auf schmalen Trägern, die Pfeilcrkrönung mit Pfcilerkrönung verbinden, schreiten sie behende mit staunenswerter Gewandt- heit dahin. Von einem hochgelegenen Platz aus, der im Geviert nur nach Ouadratdezimetern zählt, verrichten sie ihre Arbeit: hämmern sie, feilen sie, schrauben sie. Und rings um sie her braust ein wüster Lärm: Gebläse fauchen, Räder rat- tern, Maschinen stampfen. Hacken, Sägen. Aerte und anderes Arbeitsgerät decken den Boden. Die Fcldschmieden hauchen ihre Glutdämpse zu dem emsig sich Mühenden empor. Tie tausend Gefahren des Arbeiterrisikos sind wach, formen sich zum Bilde, das sich unvergeßlich dem Auge des angsterfüllten und doch bewundernden Besckiauers einprägt. Ter aber, dem diese Angst und diese Bewunderung gelten, achtet ihrer nicht; achtet auch nicht der Gefahren, die ihn umdräuen. Mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit übt er seine Pflicht aus; seine handwerkliche Gewandtheit triumphiert über alle Schwierig- keiten der Arbeit. Und wie der eine, so auch die andern. Jeder in seiner beruflichen Spezialität. Wie eine Ameisenschar umlauern und umlaufen diese Menschlcin mit ihren vielsältigcn�Han- ticrungen den wachsenden Riesenbau. Innner mehr Stein- bogen wölben sich. Immer mehr Eisenpfciler wachsen aus der Erde Ihr roter Mennigeanstrich läßt sie weithin leuch- ten. Hunderte von Armen sind in planmäßiger Bewegung. Rechts und links sausen und huschen die Wagen der Elek- irischen vorüber. Tie Rauchfahnen stöhnender Ringbahnloko- Motiven wölken im Norden den Horizont. Staub und Ruß durcbwirbeln die Lust. Aber aus den grauen Schleiern der werktätigen Stunde leuchten weiß die massigen Steinbogcn an den Straßenübergängen und flammen rot, wie Fackeln, die Kolonnen der Eisenpfeiler, die die Arbeit hier im Norden der Millionenstadt aufgepflanzt hat. »Der Berliner Magistrat als Landwirt." Zu dieiem Thema schreibt uns ein städtischer Arbeiter:„Unter diesem Titel bringt der .Vorwärts" am 20. d. M. eine Notiz über den Meiereibetrieb Berlin». Bei dieser Gelegenheit möchte ich den VorwärtSlesern die nicht mehr neue, doch vielleickit unbekannte Tatsache unterbreiten, daß sowohl der Meiereibesitz wie auch der Betrieb der Meiereien ans bta Rieselfeldern im Laufe der Zeit vergrößert und verändert .ourden; der wichtigste Bestandteil der Meiereibetriebe, die Arbeiter und Arbeiterinnen der Rieselfelder, aber immer noch unter den alten und verrosteten Bestimmungen der Gcsindeordnung von Anno Toback zu leiden haben. Aber nicht genug, daß der Magistrat die Rieselfeldarbeiter und-arbeiterinnen unter diesem verschimmelten Ausnahmegesetz schmachten läßt und alle Verbesserungsvor- schläge der Organisation der Gemeindearbeiter und auch der sozialdemokratischen Fraktion unter den Tisch wirft, be- steht auch noch ein Ausnahmezustand für die Rieselfeld» arbeiter und-arbeiterinnen gegenüber den andern städtischen Arbeitern und Angestellten. Um dieses zu beweisen, nur wenige Beispiele: Der Magistrat hat für alle städtischen Betriebe schon seit langen Jahren Arbeiterausschüsse eingeführt, nur für die Rieselfeld- arbeiter und-arbeiterinnen nicht. Alle städtischen Betriebe haben für die Arbeiter und Angestellten nach bestimmten Karenzzeiten Er- holungsurlaub von 3—10 Tagen bewilligt. Die Arbeiter und Ar- beiterinnen der Rieselfelder müssen aber darauf verzichten, weil sie nach Ansicht der Verwaltung immer in der.frischen reinen Luft" und darum nicht erholungsbedürftig sind. Mit Verlaub! Frisch mag die Luft aus den Rieselfeldern öfrer sein, aber das.rein" möchte ich stark anzweifeln. Und schließlich liegt die notwendige Erholung nicht allein an der frischen Luft, sondern auch Ruhezeit tut dem Arbeiter not. Das wissen übrigens die Beamten der Verwaltungen ganz genau; denn sie selbst sind in jedem Jahre längere Zeit erholungsbedürftig, obwohl sie meist ihren Dienst in dieser.frischen und reinen" Lust verrichten. Alle städtischen Arbeiter und Angestellten der städtischen Betriebe, welche verheiratet sind und unter 2000 M. jährlich der dienen, haben im vergangenen Winter infolge der Teuerung eine Teuerungszulage in Höhe von 40 M. bekommen. Den Arbeitern und Arbeiterinnen der Rieselfelder aber wird diese Teuerungszulage vor» enthalten. Warum? Weil sie als Deputat Kartoffeln anpflanzen dürfen, aber im vergangenen Jahre nichts geerntet haben; weil sie sich auch Gemüse ziehen dürfen, welches aber im vergangenen Sommer meist verbrannte. Für die Rieselfeldarbeiter besteht demnach die Teuerung so gut wie für alle übrigen Schichten der Bevölkerung: der Magistrat enthält ihnen jedoch die Teuerungszulage vor. Das tut ein kommunaler Arbeitgeber, der eS fertig bringt, den Rieselfeld arbeitern seit etwa zwei Fahrzehnten— trotz der inzwischen be- deutend veränderten Lebensbedingungen— den Jammerlohn von 1,20 M. pro Tag im Winter zu zahlen." Zentralfundburcau für Grost-Berlin. Der Polizeipräsident gibt bekannt: Der Minister des Innern hat auf Grund des§ 2 des Gesetzes über die Polizewerwaltung vom 11. März 18S0— Gesetzsammlung S. 265— durch Beschluß vom 12. März d. I. die ortspolizeiliche Zuständigkeit hinsichtlich der Fundsachen in den Gemeinden Charlottenburg, Lichtenberg, Boxhagen-Rummclsburg, Stralau, Neukölln, Schönebcrg uijd Deutsch- Wilmersdorf vom 1. April d. I. dem Königlichen Polizei- Präsidenten von Berlin übertragen. Zugleich hat der Minister die Vorschrift in§ 6z der Dienstanweisung betreffend die Polizei� liche Behandlung der Fundsachen vom 27. Oktober 1899 in gleicher Weise, wie dies für den Stadtkreis Berlin bereits geschehen ist, auch für die übrigen in dem obigen Beschlüsse aufgeführten Gc- meindebczirkc dahin abgeändert, daß vom 1. April d. I. ab der Auszug aus dem Fundverzeichnis in den Geschäftsräumen der tn Frage stehenden Vorortspolizeiverwaltuygen npr während eines Zeitraumes von zwei(statt von vier) Wochen auszuhängen ist Vom 1. April d. I. hört demnach die Tätigkeit der staatlichen Fundburcaus in Charlottenburg, Schönebcrg, Neukölln und Lichten berg auf. Die Geschäfte werden zugleich mit den Geschäften des Fundbureaus für den Stadtkreis Berlin von dem neu errichteten Zentralfundamt für den L a n d e s p o l i z e i b e z i r k Berlin übernommen. Die Geschäftsräume des Zentralfundamts befinden sich in dem Dienstgebäude am Alexanderplatz, Zimmer 32z Die Polizeireviere üben ihre bisherige Tätigkeit in Fundsachen weiter aus. Die Abgabe gefundener Gegenstände kann bei jedem Polizeirevier im Landespolizcibezirk Berlin erfolgen, unabhängig davon, ob der Gegenstand im Bezirk des in Anspruch genommenen Polizeireviers gesunden worden ist oder nicht. Die Verzeichnisse der Fundsachen werden in den Geschäftsräumen des Zcntralfund- amts und der Vorortspolizeiverwaltungen ausgehängt. Zu dieser Bekanntmachung müssen wir bemerken, daß wir wiederholt in unserem Blatte auf die Unzuträglichkeiten hinge� wiesen haben, welche die bisherige Zersplitterung des Funkwesens für Verlierer wie für Finder mit sich brachte und Abhilfe durch Zentralisierung verlangten. Es ist erfreulich, daß mit der Ein richtung eines Zentralfundbureaus für den Landespolizeibezirk Berlin den bisherigen Unzuträglichkeiten ein Ende gemacht worden ist. Bemerkt sei, daß Gegenstände, die im Bereiche der Eisenbahn- Verwaltung gefunden werden, von dem Fundburcau der Eisenbahn- dircktion aufbewahrt werden. Neue Postämter in Grotz-Berlin. Verschiedene neue Post- ämtcr werden am 1. April in Groß-Berlin eingerichtet. Post- Zweigstellen mit Pakctannabmc und Telegraphenbetrieb werden folgende neu eingerichtet: Berlin d>. 49, Berlin-Pankow 2 und Charlottenburg 8. Das neue Postamt Berlin hs. 49 kommt in das Haus Müllerstr. SS.\ und wird dem Postamt K 65 in der Nazarethkirchstraße zugeteilt. Berlin-Pankow 2 wird sich Berliner Straße III befinden und wird dem Postamt Pankow in der Wollankstraße zugeteilt, das vom 1- April an die Bezeichnung Berlin-Pankow 1 führt. Beide Postämter werden werktags von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags geöffnet. Sonn- und Feier- tagS geschlossen. DaS Postamt Charlottcnburg 8 kommt in das Haus Kcplcritr. 43 und wird dem Postamt Charlottenburg 1 zugeteilt. Es ist von 8 bis 8 Uhr geöffnet, für Pakete und Wertbriefe bis 7 Uhr nachmittags. Sonn- und Feiertags ist es geschlossessn. Bei der Postzwcigitcllc Berlin-Schönebcrg 5 in der Grunewaldstr. 4l wird eine Paketannahmestelle eingerichtet, die von 8 Uhr vor- mittags bis 6 Uhr nachmittags geöffnet ist. Auf dem Bahnhof in Großbecren wird endlich eine Posthilfsstcllc unter der Bezeichnung „Großbccrcn Bahnhof" eingerichtet. Kinder verlangt! ErwcrbSarbcit der Kinder ist immer noch ein lohnendes Geschäft für diejenigen, die keine Bedenken haben, von der Arbeitskraft der Kinder zu profitieren. Das sogenannte Kinderschutzgcsctz ist leider so unvolltommen, daß es noch einen sehr reichlichen Spielraum läßt, Kinder in allerlei ErwerbSzweigcn zu beschäftigen. Tie Meinung, daß solche Verwendung und Aus- Nutzung von Kindern als höchst bedenklich anzusehen und aus Gründen der Gesundheit wie der Erziehung unbedingt zu ver- werfen sei. findet in den Kreisen der Arbeitgeber und auch der Eltern noch lange nicht allgemeinen Beifall, weil in diesem Punkte den meisten das Gewissen durch Sitte und Gesetz noch nicht hin- reichend geschärft worden ist. Die Gegner dieses Standpunktes können sich ja auch darauf berufen, daß das Kinderschutzgesetz. das — wie gesagt— die Erwerbsarbcit der Kinder nicht gänzlich unterdrücken will, ihnen recht gibt. Darum wird dann auch die Nachfrage nach Kindern, deren Arbeitskraft verwertet werden soll, und ebenso daS Angebot solcher Kinder, noch immer mit einer Ungcnierthcit betrieben, wie wenn das alles, sofern es nur im Rahmen des Kinderschutzgesetzes bleibt, etwas ganz Selbstverständliches wäre. Ein Leser unseres Blattes hat in einem entrüsteten Schreiben uns darauf aufmerksam ge- macht, daß in Lichtenberg durch ein öffentlich a u s g e- hängtes Plakat nach Kindern verlangt wird, die erwerbs- tätig sein wollen. Daraufhin haben wir uns persönlich überzeug:, daß im Hause K r o n p r i n z e n st r. 2 0 in einem Fenster des Grünkramgcschäftes von Gedcike tatsächlich ein Plakat aushängt, das so lautet:„Kinder zum Etikettsknoten sofort verlang t." Hiergegen wird.leider kaum etwas zu tun sein, wenn bei der Beschäftigung der Kinder die Vorschriften des Kinder- chutzgesetzes, des ach! so weitherzigen, beachtet werden. Die Kinder- schutzkommisjion, die immer wieder Uebertretungen dieses Gesetzes feststellt, macht nicht selten die Erfahrung, daß Eltern und gelegentlich wohl auch Arbeitgeber von den Vor- schriften des Kinderschutzgesetzes wenig oder nichts wissen. Wir hoffen, daß die Persönlichkeit, die Kinder zum Etikettsknotcn sucht— ob die Inhaberin des Grünkram- geschästes es selber ist, entzieht sich unserer Kenntnis—, ganz genau weiß, wie weit zu gehen das Gesetz ihr erlaubt. Ueber die wichtige Frage des Alters und der Arbeitszeit der von ihr beschäftigten Kinder ist uns bisher nichts bekannt geworden, und es ist uns auch nicht so ohne weiteres möglich, näheres hierüber zu ermitteln. Der Einsender jenes Schreibens hat nur sehr bestimmte An- gaben über die Höhe des Lohnes gemacht, der den Kindern gezahlt wird, sowie des Verdienstes, den die Arbeitgebcrin davon habe. Wir müssen annehmen, daß er auch sonst noch manches über die Lage der für sie arbeitenden Kinder weiß. Bedauerlicherweise hat er es aber unterlassen, eine genaue Wohnungsangabe beizufügen, so daß wir ihn bisher nicht auffinden konnten. Daher müssen wir b'.S auf weiteres es uns versagen, seine Mitteilungen hier wiederzugeben. Zuschriften ohne genaue Angabc der Woh- nung des Einsenders müssen wie anonyme be- handelt und unbenutzt beiseite gelegt werden. Vielleicht fühlt der Verfasser jenes Briefes durch diese Zeilen sich veranlaßt, uns nachträglich noch zu melden, wo er wohnt. Oder kann sonst jemand uns über die Etikettsknotcrei, die Kinder ver- langt, etwas mitteilen?_ Im Fundburcau erschossen. Ein Unglücksfall, dem durch die Unvorsichtigkeit eines Angestellten ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereigneie sich Donnerstag nachmittag auf dem Fundbureau des Schlesischen Bahnhofs. In diesem Fundbureau, das in den Räumlichkeiten des Bahnhofs untergebracht ist, werden an jedem Abend umfangreiche Reinigungsarbeiten vorgenommen. Für diesen Zweck ist die Reinmachefrau Ernestine Bormann aus der Münchc- bergcr Straße 31 angestellt, die auch am Donnerstag in dem Bureau anwesend war. Als nachmittags um 4 Uhr in der Dienst- tätigkeit der Beamten ein Schichtwechsel erfolgt war, ergriff der kurz vorher eingetretene Angestellte des Bureaus, Preuße aus Treptow, einen als Fundobjekt eingelieferten Browningrevolver, um ihn einem seiner Kollegen zu zeigen. Er entfernte das Pa- tronenmagazin, ließ jedoch unvorsichtigerweise eine Kugel im Lauf des Revolvers stecken. Frau Bormann hatte inzwischen an einem Tisch in der Mitte des Zimmers Platz genommen, um ihren Kaffee zu trinken. Preuße berührte nun aus Unvorsichtigkeit den Abzug- bahn des Revolvers, der sich plötzlich entlud. Die Kugel drang der ganz ruhig Kaffee trinkenden Frau Vormann mitten in das Herz, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Leiche der Frau wurde von der Polizei beschlagnahmt, während Preuße sistiert und nach dem Polizeipräsidium gebracht wurde. Wegen einer heftigen Gasexplosion wurde die Feuerwehr gestern abend lurz nach 8 Uhr nach der Elsasser Straße 39 gerufen. Der ExplosionSherd lag im zweiten Stock des Vorderhauses, in der Wohnung einer studentischen Vereinigung, die gerade im Umzug ist. Beim Abschrauben einer GaSlampe hatte sich in der Decke eines ZimmerS ein Verschluß deS Gasrohres gelockert, sodaß das Gas ausströmte. Als der Couleurdiener der Verbindung den Gasgeruch bemerkte, be» ging er die Unvorsichtigkeit, das Zimnier mit einem offenen Licht zu betreten. Die ausgeströmte Gasmenge entzündete sich an diesem Licht und kam zur Exvlosion. Der Couleurdiener erlitt erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen und mußte nach dem Krankenhaus gebracht werden. Seine Frau kam mit leichteren Ver- letzungen davon. Feuer ist bei der Explosion nicht entstanden. AuS dem Zuge gefallen. Am gestrigen Freitagmorgen gegen 7 Uhr wurde auf den Gleisen dcz.Nordrings zwischen den Stationen Gesundbrunnen und Wedding ein junger Mann in besinnungslosem Zustande aufgefunden, der schwere äußere Verletzungen aufwies. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo festgestellt wurde, daß er außer einer klaffenden Kopfwunde, mehreren Rippen- brüchen, auch schwere innere Quetschungen erlitten hatte. Unter den Bemühungen der Aerzte gelang es schließlich, den jungen Mann, der als der 18jährige Friseurgehilfe Hermann Wahrer aus der Liesenstr. 9 erkannt wurde, wieder zur Besinnung zu bringen. W. gab an, daß er gestern abend bei dem schönen Wetter von seiner Arbeitsstelle in der Hcrderstratze in Weißensee bis nach dem Ge- sundbrunnen zu Fuß gegangen sei. Dort habe er sich auf einem Rummelplatz aufgehalten und habe dann gegen 1412 Uhr einen Nordringzug bestiegen, um nach der Station Wedding zu fahren. Das Abteil dritter Klasse, das er benutzte, sei so besetzt gewesen, daß er unmittelbar an der Tür habe stehen bleiben müssen. Beim Passieren der Unterführung an der Hochstraße sei in dem Kupee plötzlich ein Gedränge entstanden und er sei so heftig gegen die Tür gedrückt worden, daß diese, die er in der Hast wohl nicht fest zugeschlossen habe, nachgab und er kopfüber auf den Bahnkörper gestürzt sei. Hier habe er dann bewußtlos die ganze Nacht hin- durch gelegen. Die Polizei steht diesen Angaben sehr skeptisch gegenüber. Würde tatsächlich ein Unglücksfall vorliegen, so hätten die übrigen Fahrgäste doch die Notbremse gezogen oder auf der nächsten Station Anzeige erstattet. Das ist aber nicht geschehen. Tie Behörde ist daher der Ansicht, daß es sich in diesem Falle um einen Selbstmordversuch des Wahrer handelt, für den die Gründe allerdings nicht bekannt sind. Der Friseurgchilfe wurde in be- denklichem Zustande nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause über- geführt._ Ein Kautionsschwindler wurde gestern von der Kriminalpolizei verhastet. In einem Lokal in dem Potsdamer Viertel erschien seit längerer Zeit ein junger, elegant gekleideter Mann, der sich bald durch seine Freigebigkeit das Herz der Büffctdame eroberte. Zwischen beiden entspann sich ein Liebesverhältnis, das bald durch die außerordentlich großen Zuwendungen des„Kavaliers" seiner Geliebten gegenüber dazu führte, daß diese ihre Stellung aufgab, um alle Vorbereitungen zu einer Jtalienrcisc zu treffen, die in den nächsten Tagen angetreten werden sollte. Gestern erschien nun plötzlich� in der Wohnung der Büffetdame ein Kriminalbeamter und beschlagnahmte alle Sachen, die schon zur Abreise verpackt in ihrem Zimmer aufgestapelt waren. So mußte sie mehrere Pracht- volle Kostüme, große Hüte mit kostbaren Pleureusen, drei Rohr- plattenkoffcr sowie andere Gegenstände, die ihr Geliebter ihr»ver- ehrt" hatte, wieder zu ihrem größten Erstaunen abgeben, weil ihr ga- lanter und freigebiger Liebhaber sich als ganz gerissener, schon lange gesuchter Kautionsschwindler entpuppt hatte. Dieser ist ein 24 Jahre alter Kaufmann Paul Hänel, der früher in der Kulm- straße wohnte, seit längerer Zeit aber keine feste Wohnung mehr hatte. Hänel mietete in der Königgrätzerstratze ein großes vor- nehmes Geschäftslokal und gab dem Hauswirt gegenüber an. em besseres Weinrestaurant eröffnen zu wollen. Er suchte auch in verschiedenen Zeitungen allerhand Angestellte für seine Wein- stuben, machte aber Kautionsstellung zur Bedingung. Viele Gr schäftsführer, Kellner usw. meldeten sich auch und wurden auS-�rch Hinterlegung von Kautionen in Höhe bon ZOO— 1000 SP?, von ihm engagiert. Diese Dumme steckte der Schwindler immer in seine Tasche und er konnte, da es so reichlich floß, auch gut den flotten „Kavalier" spielen. „Die Lhronik von Palästina." Der Verlag des obigen Werke? teilt uns zu der Mitteilung unter dieser Spitzmarkc in der Nr. 65 vom 17, März mit, daß der Buchhandlung bis jetzt bei Lieferung der bestellten Werke keine Klagen zugegangen seien. ES handelt sich nur um zirka 80 Exemplare, die gegen monatliche Raten von 1 M. verkauft seien. Der Gesamtpreis für das Werk sei deutlich und groß auf dem Bestellschein vorgedruckt und entspreche nach dem Urteil von gerichtlichen Sachverständigen dem tatsächlichen Werte des Buches. Auch sei zu berichtigen, datz die Buchhand- lungsfirma lediglich an ihrem eigenen Gerichtsstand klagen kann, und dort nicht täglich 3—4. sondern trotz des g rohen UnrfangsS ihres Geschäfts höchstens alle 3—4 Tage-ine einzige Klage zu vertreten sei, wobei auch die anderen Werke ihres Vertriebe? be- teiligt seien. Beim Fcnsterputzen schwer vmmglückl ist gestern vormittag der 26jährigc Hausdiener Juliu-Z Remus auS Rummelsburg, R-, der Bei der Hausverwaltung der Bank des Berliner ÄassenvereinS, Hinter der katholischen Kirche 2, augestellt war. war gestern vormittag gegen '/zw Uhr mit dem Reinigen der Fenster ds-Z BankgeBnudeS beschäftigt. ÄlS er in der Höhe der zweiten Etage, auf einer. Leiter stehend, arBeitete, stürzte er plötzlich infolge einer unvorsichtige» Be- wegung aB. Der Hausdiener schlug so unglücklich auf das Pflaster auf, dah er eine klaffende Kopfwunde, Bruch Beider Arme und innere Verletzungen davontrug. Ter Verunglückte erhielt auf der Unfall- siarioii am Spittelmarkt NotverBände und wurde dann in BesiimungS- losem Zustande nach dem Kranienhause Bethanien übergeführt. Der Raubüberfall auf den Chauffeur Grundmann beschäftigt noch immer die Kriminalpolizei. Wie jetzt feststeht, haben die Burschen dem Krastwaaenführer die Uhr mit Kette geraubt. ES ist eine dicke, silbern- Herrcnremontoiruhr mit gelbem Zifferblatt und glattem Goldrand und trägt die Fabriknummer 72 730, sowie außerdem noch die Reparaturnummer 1675. Die geraubte Kette ist ebenfalls dick und aus Silber gearbeitet und besteht aus langen Schaken, zwischen denen sich Spiralfedern befinden, so dah sie dehn- bar ist. Wahrscheinlich werden die Burschen versuchen, die Uhr zu veräußern oder zu versetzen. Unter Hinweisung auf die Be- lohnuug von 1000 M.. die auf die Ergreifung der Räuber aus- gesetzt ist, bittet die Kriminalpolizei alle Personen, die über den Verbleib der Uhr oder über sonstige Wahrnehmungen Mitteilungen machen können, diese umgehend abzugeben. Vermißter Geisteskranker. Spurlos verschwunden ist seit dem 19. d, M. der 67jährige Tischler Friedrich Äöbn aus der Gotenstr. 38 in Schöneberg. Ä. ist schon seit zirka zwei Jahren schwer nerven- leidend und konnte infolgedessen in letzter Zeit seinen Beruf nicht mehr ausüben. Am Dienstag früh kur, nach 9 Uhr entfernte sich der Tischler ans seiner Wohnung, ohne sich von seinen Angehörigen z» verabschieden und kehrte nicht wieder nach Hause zurück. Alle be- hördlichen und privaten Nachkorschnngen nach seinem Berbleibe sind Bisher vergeblich gewesen. Es wird angenommen, dah K. in eine», Anfalle geistiger Störung in Berlin oder UrngeBung planlos ninher- irrt. Bekleidet war der Vermißte mit dunkler Hose, grauer Winier» joppe, schwarzen Filzschnallenschuhen und schwarzem Hut. Die Leiche eines ManncS wurde am 17. d. M. aus der Havel bei Pichclswerder gelandet; man nimmt an. daß dieselbe etiva 14 Tage im Wasser gelegen haben mag. Der Mann ist zirka 80 Jahre alt, 1,75 Meier groß, hat dunkelblondes, dünne? Haar und Schnurrart und war bekleidet mit dnnkelcm Wmlcr- Überzieher mit schwarzseidenem Futter, dunkelgestreiftem Jackett, Hose und Weste, einer grünen wollenen Unterjacke, mit ivollenem grauem Hemd, Unterhose, schwarzen Schaftstiefel» und trug Bruchband. In, Ueberzieder befanden sich vier weiße Taschentücher, gezeichnet W. J. erner wurden bei der Leiche vorgefunden eine goldene Ubr mft ette, gezeichnet Weihnachten 1908. ein goldener Trauring, gezeichnet K H. 20. 7. 1908, ein goldener.Kneifer, ein größerer Geldbetrag sowie mehrere andere Gl genstände. Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei Zimmer 409 vormittag« sowie jedes Polizeirevier zu 1182 IW&O. 12 entgegen. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Freitag am Savignyplatz in Charlotlenburg. Dort wollte der Rad- sahrer Willi Jentzlch, Lützowstr. 85 wohnhaft, mit seinem Rad die Schienen kreuzen, wurde jedoch am Hinterrade Vau dem Vorder- Perron des Motorwagens 1210 der Linie 90 gestreift und stürzte so unglücklich zu Boden, daß er einen Schädelbruch und eine Gehirn- erschüttcrung davontrug. Der Verunglückte fand auf der nahen Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann nach dem Elisaboth- Krankenhaus geschafft. Wer ist der Tote? AuS dem Ruminclsburger See wurde vor- gestern nachmittag gegenüber dem Hause Haupijir. 9/10 zu Box. hagen-Rummelsburg die Leiche eines ungefähr 40 bis 50 Jahre alten ManncS gelandet, dessen Persönlichkeit sich bis jetzt noch nicht feststellen lieh. Die Leiche muh schon längere Zeit im Wasser ge. legen haben, da sie schon stark in Verwesung übergegangen ist. Der Tote ist 1,70 Meter groß, hat ein bartloses Gesicht und dunkles Saar Und trug einen BlaucN Jackettanzug, eine etwas dunklere ose und schwarze Gummizugstiekel. Die Leiche wurde nach der RummelSburger Fricdhofshalle gebracht. Vororr- I�aebricdtev. Lichtenberg. Neber die Säuglingssterblichkeit in Lichtenberg entspann sich in der letzten Stadiverordnetensitzung eine längere Diskussion. Der Arzt Dr. Lokofzer glaubte den Nachweis führen zu können, dah- die SterblichkcitSziffern i» Lichtenberg gar keinen Anlaß zu irgendeiner besonderen. Mahnahme gebe. Er benutzte die Zahlen eines JahreS — 1910— aus verschiedenen Gemeinden Groh-Äerlins, um nach» zuweisen, datz Lichtenberg mit seiner Säuglingssterblichkeit nickt an der Spitz- stehe, Weiheu'ee mit 189 Sterbefällen pro 1000 Neugeborenen im erste« SewnsjaBre überrage Lichtenberg, dos nur 160 Sterbefällc aufweise. Die Ziflern beweisen gar nichts. Bei so kleinen absoluten Größen, wie sie für Wcihensee in Betracht kommest, können verschiedene Umstände— z. B. Seuchen— für ein Jahr ganz abnorme Verhältnisse herbeiführen. Wcihensee zählt nur die halbe Einwohnerzahl Lichtenbergs, hat aber eine größere Geburtenziffer. Di- gute klimatische Lage eines OrteS cht- Lichtenberg kann die Zerstörungskraft widriger WohnungS- und ErnährungSvcrhältnisse nicht aufheben. In diesen Gründen sind die Ursachen der hohen Sterblichkeit in Lichtenberg zu suchen. Im Jahr lOiO kamen auf je 10 000 Einwohner Geburten: in Berlin 218, in Lichtenberg 273, in Wcihensee 284, in Grünewald 72. Daß die Geburlenhäufigkeit in den unbemittelten Sehichten am größten ist, darf als eine bekannte und unbestrittene Tatsache vorausgesetzt werden. AuS den Geburtenzissern ergibt sich die SäuglingSsterb- lichkeit; aber nur die Ergebnisse einer Reihe Jahre geben ein- wandfreie VergleickSwerte. Nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für den preußischen Staat starben von 1000 Lebend- geborenen im 1. LebenSjabre durchschnittlich pro Jahr in dein Jahrzehnt von 1881 bis 1890 im Staate bei den Ehelichen 190.6. bei den Unehelichen 855,8, in Lichtenberg aber bei den Ehelichen 281 und bei den Unehelichen 556. Die letztere Zahl ist von keiner Stadt und keinem Regierungsbezirke übertroffcn worden, nur bei den Ehelichen geht Brandenburg mit 283 und Stettin mit 297 über die Ziffern Lichtenbergs hinan». Für die Zeit von 1901—1909 ergeben sich folgende Durchschnitt«: Staat Eheliche 170,9, Uneheliche 812,5. Lichtenberg 212 und 408. Lichtenberg nimmt nuw einen etwas günstigeren Platz«in. Die Sterblichkeit ist größer bei den Ehelichen i» Breslau(214). Stettin(240). Frankfurt a. O.(235) und Liegnitz(241), bei den Unehelichen Mülheim a. Rhein(498)« Oberhausen(478). Bromberg,(443), Linden»Hannover ,(432), Kön'.gshülte(412), Spandau(456), Münster i. Wests.(528) und Dortmund(446). Alle anderen Städte bleiben hinter der Lichten- berger Ziffer zum Teil recht erheblich zurück. Eine energische Säuglingsfürsorge' kann hier viel, sehr viel bessern. Boxhagen- Rummelsbuvg. Etatsbersttung in der Gemeindevertretung. Einleitend bemerkte der Bürgermeister Dr. Hahn, daß der diesmalige Voranschlag ein etwas günstigeres Bild wie die letztjährigen darbiete. Wenn Rum- melsburg selbständig geblieben wäre, ließe es sich ermöglichen, mit einem Gemeindecintommenstcuerzuschlag von 130 Proz. statt wie in hcn letzten Jahre» 135. Prpz. den Voranschlag zum Ba- lancieren zu bringen. In Einnahmen und Ausgaben stellt sich der Gesamtvoränschlag auf.3.5.4 1 6 7 3 M-, gegen 3 434842 M.. im Vorjahre. Da nach deii, VeresnigUngSvertrage mit Lichtenberg auch ist Rummelsbura nur ein Einckommensteuerzuschlag von. 100 Proz. zu erbeben ist, so ist der Difserenzfehlbetrag von 30 Proz. gleich etwa 136 000 M. von Lichtenberg aufzubri, zen. D>e Sätze der Grundwertsteuer, die 3% Promille bei bebauten und 7 Pro- mille bei unbebauten Grundstücken betragen, desgleichen die Sätze der Gewerbesteuer, welche in der 1., 2. und 3. Klasse mit 250 Prozent und in der 4. Klasse mit 187,5 Proz. erhoben werden, bleiben nach dem Vertrag mit Lichtenberg 8 Jahre lang in dieser Höhe Bestehen. Die. Steuererträge sollen bringen: Gemeindeein- ?ommcnsi«n-r bei 100 Proz. Zuschlag 155 000 M. gegen 496 800 R. bei 183 Proz. im Vorjahre; Grundwertsteucr 570 000 M. gegen 556.839 M. im Vorjahre; die Gewerbesteuer ist auf 96 000 M. gegen 78 375 M. im Vorjahre festgesetzt. Die Erträge aus der Biersteuer sind mit 33 000 M., aus der Hundesteuer mit 20100 M., aus der Wertzuwachssteuer mit 88 000 M. und aus der Umsatzsteuer mit 200 000 M. veranschlagt. Pon der sonst üblichen Geueraldiskussion über Poranschlag und Verwaltung wurde diesmal in Anbetracht der am 1. April d. I. bevorstehenden Vereinigung mit Lichtenberg abgesehen und sogleich in die Beratung der einzelnen Kapitel des Voranschlages, der der Etatskommission bereits vorgelegen hatte, eingetreten. Da ein gemeinsamer Etat beider Orte nicht ausgestellt worden ist, so berät und beschlieht auch jede Gemeinde für sich ihren Voranschlag für 1912 und wird demzufolge auch die V e r w a l» t u n g der vom 1. April ab vereinigten beiden Orte für das Etats- jähr 1912—.abgesehen von der gemeinsamen Stadtverordneten- Versammlung und dem gemeinsamen Magistrat— auf Eirund und entsprechend der gesondert gehaltenen Voranschläge noch getrennt geschehe». Beim Kapitel„Wohlfahrtspflege" waren vom Lichten- bergcr Magistrat Einwendungen gegen die Erhöhung der Sätze für Bekämpsung der Scklvindsucht um 700 M.. der Ferienkolonie um 1000 M. uuo der Neueinsetzung von 1500 M. für Mittagskost an bedürftige Schulkinder mit der Begründung gemacht worden, datz dies des Guten zuviel seil! Nachdem unser Genosse John fich entschieden gegen die Herabsetzung dieser von der EtatSkom- Mission eingesetzten höheren Mittel gewendet und besonders in be- zug auf die rückständige Auffassung des Lichtenberger Magistrats dargelegt hatte, daß solche Gelder, die der Förderung der gesund- hcitlichen Verhältnisse und der Verhütung des vorzeitigen Eintritts der ErtverbSunfähigkeit unserer Einwohnerschaft dienen, der Ge- mcinde doppelt und dreifach durch MinderauSgabe» für Kranksn- hauspflege uno Armenuntcrstüyung wieder zugute kommen, wurde das Ansinnen des Lichten bergcr Magistrats einmütig zurück- gewiesen. Außer den ,500 M. für MittagSkost sind eingestellt 1500 M. für FrühstückStosi an bedürftige Schulkinder. 3300 M. für Badekarten(diese Dadekarten werden unentgeltlich an jeden Ein- wohner abgegeben; eS kostet ein Wannenbad, daS aus einer Ge- meindebadekarte bei den beiden im Orte befindlichen Badeanstalten genommen wirö, statt 40 nur 20 Pf,); serner 3000 M. zur Gewährung von fteien Lernimiteln, 1500 M. zur Bekämpfung der Kinder- slerblichkeit, 2500 M. zur Bekämpfung oer Schlvindsucht und 6000 Mark zur Unterbringung bedürftiger Kinder in Ferienkosonien und Heilstätieii. Die weitere.Beratung de« EtarS wurde hierauf auf Freitag, �e» 22. März, vertagt. Tie vo» der Großen Berliner strahenbähngefellschast beantragte Ausdehnung der istrahenba km- kemzession aus die Benutzung der Romintener, Simon-Dach- und Wilhelmstrahc wurde, nachdem von unserem Vertreter bezüglich dcS vorgelegten Vertrages verschiedene Bedenken geäußert waren. an die zuständige Kommission zurückverwiesen. In der anschließen- den nichtöffentlichen Sitzung wuroe beschlossen, dah am Freitag, den 29. März, die Wahl der vier unbesoldeten Stadträte, die nach dem VeroinigungSpertrage auf die Dauer von 6 Jahren von der Rum. melsburger Gemeindevertretung zu wählen find, stattfindet, Die Gewcindekommissi»» de« Abgeordnetenhauses hat die Ein- gemeindung von Boxhagen- Rummelsburg nach Lichtenberg am Freitagabend einstimmig beschlossen. Die Beratung im Plenum soll am Dienstag erfolgen, so daß daS Herrenhaus Ende diese« Monats seine Zustimmung geben kann. Die Vereinigung beider Gemeinden wird am 1. April dann ttfolgen können. Weihense«. KriegervereinSschmerze«. Tie Kricgervereine wollen zwar immer unpolitisch sein, wenn eS sich aber um die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften handelt, dann machen sie auch etwas in Politik, Ein„Herr Kamerad Hinze" hat jetzt z. B. an seine Mitglieder auf offener Postkarte eine lllnzahl Fragen zur Beantwortung gestellt, wonach er wissen möchte, ob der Betreffende gewerblicher Arbeiter, Gewerbetreibender oder selbständiger.Hand- werker, Beamter, Privatangestellter oder Landarbeiter ist oder Landarbeiter mit Landbesitz? Die weiteren Fragen lauten: Wür, den Die sich versichern a) gegen Aussperrung und s o z i a l de m o- kratischen Terrorismus?(Wochenbeilrag 10 Pf.) jixr Arbeiter und Privatangestellten— ja oder nein; h) gegen Bopkott durch sozialdemokratischen TcrroriLmuS(Wochenbeilrag 10 Pf.) — nur für Gewerbetreibende oder selbständige Handwerker; c) gegen Krankheit?; ck) gegen landwirtschaftliche Schäden? Im Anschluß daran wird gefragt, wieviel Wochen der Betreffende in oe» letzten drei Jahren als Arbeiter durch Aussperrung oder sozialdemo- kratischen TerrorißmuS brotlos gemacht worden ist. Endlich wird nach der Höhe des den Gewerbetreibenden oder Handwerkern durch sozialdemokratischen Bovkott verursachten Schadens gefragt? Diese Fragen sollen zur Einrichtung einer Kriegerversicherungs- und Für» svrgekasse dienen. Man könnte eber glauben, daß es sich hier um eine Matcrialiensammlung für die Erdrosselung des Koalition»- rechts der Arbeiter handelt. Hoffentlich fallen die Antworten nicht so„mager" aus. damit, die Milbe des Fragestellers den wohlvcr- dienten Lohn findet. Herzfelde. Tie letzte Sitzung der Gemeindevertretung Sesch'oß, die Liese- rung der Schulbänke usw. für das neue Schulgebäude in der Möllenstratzc der Firma Zelder u. Plathcn-Berlin zu übertragen. — Der Borsitzende teilte darauf mit, dah die Klage gegen die Gc° meinde Äälkbcrgc-RüdcrSdors betr. Zahlung eines Beitrages in Höhe von 1000 M. zu den hiesigen Schullasten vom KreiSauSschuh abgewiesen worden sei. ES wurde beschlossen, den Prozeß weiter- zuführen.— Sehr verstimmt scheint den Aorsitzenden, Gemeinde- Vorsteher, Jglcr, ein unlängst im hiesigen Lokalblatt publiziertes „Eingesandt" zu haben, das die„Prüfung" hier anzustellender Lehrer durck omige nicht gerade mit besonderen geistigen Qnali- täten ausgestattete Gcmeindcväter mit beißender Ironie geißelte. Er zog dagegen zu Feld« und betonte, dah„weitere Schritte in dieser Angelegenheit vorbehalten bleiben sollen"! Dem Verleger des betreffenden Btaitcs wurde angedroht, daß, sofern sich ein solcher Fall wiederholt, seinem Blatte die amtliche Publikations- Befugnis entzogen würde.— Darauf wurde die EiatSberatung zu Ende gefiihrt' und die Steucrzuschläge festgesetzt. An Eintömmen- steuern ivcrden 125 Proz. Zuschlag(im Vorjahre 120 Proz.) und an Realsteuern 190 Proz. lim Vorjahre 180 Proz.) für daS Räch- nungsjahr 1912/18 zur Erhebung gelangen. Kalkberge- Rüdersdorf. Ein Äutvmobilnnfall ereignete sich am TannerStag gegen Mttag auf der Berlin— Frankfurter Ehaussee in Tasdorf. Tort stieß daß Automobil des Prinzen Bernhard von Lippe mit einem anderen Kraftwagen zusammen. Letzterer wurde durch den heftigen Anprall vollständig zertrümmert. Die Insassen deS AutoS kamen ohne ernstere Verletzungen davon. Spandau. Rustwiesenankauf und WaldschlLchterei beherrschten völlig die fünfstündige Stadtverordnetensitzung am 21. März. Der Zündstoff, der auch durch die am Mittwoch unter Verschreibung des Boden- reformers Damaschke abgehaltene Protestversammlung gegen den Ankauf der Rustwiesen und den Verkauf von Stadtwald angehäuft war, drohdc wiederholt zu �explodieren. Der Verkauf der Ruft- wiesen war in der vorigen Sitzung mit 31 Stimmen, darunter die sozialdemokratischen, gegen 41 Stimmen angenommen worden. Ein Protest gegen die angeblich unkorrekte Fassung des Protokolls gab den Gegnern erwünschte Gelegenheit, sich den Unmut nochmals vom .Herzen zu reden. Sarkastisch meinte Genosse Pieck, es müsse, nachdem schon mehr als genügend über eine erledigt« Sache ver- handelt sei, wohl immer noch Leute mit schiveren Begriffen geben. Nach der Erklärung de« Oberbürgermeisters K ö l tz«, daß das Protokoll sich auch seiner Ueberzeugung nach mit den Anträgen und Beschlüssen decke, war der erste Zwischenfall abgetan. Die Debatte wurde aber sofort von neuem eröffnet durch die Mitteilung vom Eingang der Resolution über die Protestversammlung. Pom MagistratLtisch fiel die An'.heruog, die Prorcstversammlung habe wohl in der Hauptsache Propaganda für die Damaschkemänner treiben wollen. Der Mogistrat habe die Einladung ignoriert, weil es nicht seine Aufgabe sei, sich in öffentlichen Versammlungen zu verteidigen. Wie die Gegner des Wiesenankaufs arbeiteten, erhelle schon daraus, dah man in der Prntestversamnilung den Stadtvcr- ordneten Pieper, ehe er noch zum Reden gekommen, einfach nicdergebrüllt habe. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde nach Einspruch de« Genossen Pieper abgelehnt, weil cS sich ja bei der vorgelegten Protestresolution nicht bloß um den erledigten Ruit- wiqsenankauf, sondern um die im gegenwärtigen Stadium viel wichtigere Frage deS Waldverkaufs handelt. Stadtverord- neler Kantorowiez brachte die Verhandlungen auf eine bessere Höhe mit dem auch von unseren Genossen unterstützten Antrag, den für die geheime Sitzung reservierten kitzlichen Pxmkt des Wald- verschleihcs in voller Oeffentlichkeitzu verhandeln, was mit grohcr Mehrheit beschlösse,! wurde und in Zukunft auch bei ähnlichen Millionenprojekten wünschenswert ist. Der triumphierende Hinweis au« der„Fraktion Damaschke", deren Mit- glieder übrigens fast durchweg dem„Reichsentenverband" angc- boren, daß man sich mit öffentlicher Erörterung dem Druck der Protestversammlung füge, erfuhr beitere Zurückmdsung. Genosse Pieper erinnerte an den übereilten viel zu billigen Verkauf des JobarmiSstistgeländes.„W i r wollen kaufen." so betont der Redner,„wenn wir günstig kaufen können, aber wir dürfen keine Handbreit verkaufen, am aller- w e n i g st e n Wald." DaS rief den Stadtkämmerer auf den Plan. Er schilderte den Vorteil noch nicht des zehnten Teiles städtischen WaldbcsitzeS in so glänzenden Farben, als ob von den 9 Millionen Einnahme, die sich durch Unkosten um sicher zwei Millionen verringern werden, das Wohl und Wehe dcS Stadt- säckels abhängig ist. Um die Finanzsauce schniacklmftcr zu machen, führte er da« chronische Schreckgespenst der Erhöhung des Komniu- nalsteuerzuscklags vor und rief dem Genossen Pieper zu, ob etwa die Arbeiterschaft bereit sei, aus der ablebnenden Haltung der Fraktion die Konsequenzen zu ziehen und künstig höbere Kommunal- steuer zu bezahlen. Do« ist natürlich eine ziemlich problematische Rechnung, denn die vielleicht sieben Millionen Reingewinn macken den Kohl auch noch nicht fett, und schließlich wird sich wohl, um einer Stcuererhöhung vorzubeugen, noch andere Deckung finden lassen. Oberbürgermeister Költze bebandeltc das Projekt mehr vom Stand- punkte einer großzügigeren Entwicklung. Wenn man jetzt nicht zu- greife, schädige man diese Entwickluiifl. Er ftabc schließlich auch nichts gegen den Aufschluß deS fraglichen Waldgebietes zu Villen- kolomen, aus denen natürlich niemals ein„Wannsee" werden könne, aber das wäre für die«tadt ein schlechtes Geschäft. Daß der Mogistrat mit Krupp verbandelt habe, sei Erfindung. Er wisse überhaupt nicht, wer im Hintergrunde des Käufers stehe, und könne nur vermuten, daß ein industrielles Riesen- etablissemeni geplant sei. Auch Stadtverordneter Tr. Kantorowiez hieb in dieselbe Kerbe. Tie EntWickelung stehe nun mal nach einem modernen Schlagwort nickt still. Werspa zieren gehen w olle. solleeinehalbcMcilewciterlaufen! Recht interessant war die Erklärung deS bon den Damaschkianern angezapften Oberbürgermeister«, daß er allerdings in einer schwachen Stunde dem Bunde für Bodenreform beigetreten sei, aber sich nunmehr schleunigst empfehlen werden Genosse Pieck rieb eS den Liberalen unter die Nase, daß sie anderweit gegen die Wald- Verwüstung zetern, hier aber dem Dpeiulantcntum entgegen- kommen. So gab es denn drei Marschrouten: keine Handbreit Wald verkaufen, alle 800 Morgen noch dem Magistralsprosekt ver- schachern, nur zum Teil verkaufen! Bei dieser Stimmung fand der Antrag Sckob, die ganze Angelegenheit einer gemischten Kommission zu überweisen, mit großer Mehrheit Annahme. In diese Kommisston von sieben Mitgliedern wurde durch Zuruf auch Genosse Pieck gewählt. Di« übrigen mehr als 60 Punkte der Tagesordnung noch durchzupeitschen, bestand keine Neigung mehr. KrtefKasten der Redaktion. 3®. 100. 1. und 2. Nein— M. 8. 1284. 1. Kann nur beantwortet werden, wenn bekannt ist, in welchem Krad« Sie mit dem Erblasser verwandt waren, 2, di« 6, Sie können sosortig: HerauSzabc des Buches fordern von demjenigen, der im Besch de« Buche« ist.— A. SV. 09. Nein,— W. 04. 1. Für die länger al« 4 Jahre zurückliegende Zeit ist der Unterbaltsansvruch verjährt, jür die übrig« Zeit nicht. 2. Nur dann nicht, wenn der Verkehr mit einem anderen Mann innerhalb der gcsch- lichen SmpsSnaniszeit— das ist der ISl, bis 30S. Tag vor dem Tage der Geburt— stattgejunden hat. 3. Nein._ 100 8. Z. i. Kommt bärtass an. wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist. 2. 3 M, jährlich. Es kann Bc. sreiuug gewährt werden, 3. Wenn jojortige Meldung' erfolgt, find Nu. annehmlich, eilt» kaum zu erwarten.— Lotte. Einvierteljahrliche Kilndi- gung,— H.«. 52. l. Die Gründe sind cuSreicheud. Tie Beweisführung enchemt aber schwierig. 2. und S. Erst dann, wenn aus«lüra, da« Gericht eine einstweilige Verfügung erlassen Hot oder, soweit da? Kind in Frag« kommt, das VormundlchastSgericht einen Beschluß erlassen bat. 4, Entbehrliche Sachen kann der Hautwirt einbehalten. 5. Ja,— ®.». 262. 1„ 2..«. Soweit ersichtlich, ist Ihre Frau zahlungtpjltchtlg. S. T. 360. Abfindung ift nicht erreichbar. Die!l?ente wird auch hu Auslände gezahlt. Teilen Sie die Adresse der Versicherungsanstalt mit. - A. 8. 04. Nein.— M u. R. Antrag an bat Polizeipräsidium. Kosten ganz geringsügig.—«. O. 2«. Der Teil der Reichs. versichcrungSordnung, der die Versscherungspssicht enthält, ist noch nicht in Kraft getreten. Zeitpunkt nicht bcslimint.— M. M. Neir. — T. 10. 1. und 2. Nein. 3. Gebrüder Thonet. Berlin LW. 10, Leipziger Straße 89.— H. R. Rummcltzburg. Wissen wir nicht 12. C. T. Da wir biersür nur Prwatinttttute kennen, ist uns ein Nach. wei« nicht möglich, vielleicht wenden Sie sich an den Verband bei Schneider und Schneiderinnen, Tebastianstrasie 37/38.— P. F. 20. Wenden Sie sich an eines der einschlägigen Geschälte, deren Adressen im Ad.eßbmb 2. Band, Teil 4, Seite 322—323 verzeichnet sind,— I. S. 296. 1 Fünf. jährige Legislaturperioden, 2. Entscheidet die Bestimmungen bei Be. treffenden.— A. v. 1. Ja. Den Zeitpunkt erfahren Sie im dortige,, Konsumverein, dessen Miigliedlchajt Tw. wie in dem betresscnden Artikel ja schon betont ist, vorher erwerben müssen. 2. Don der Partei ist derorllgiz mcht geplant.— G. X. 200. Ein solches Institut mit nur weiblichen Aerzten ist un» nicht bekannt.— O. H. 1001. Der Briefkasten ist doch keine Rälielecke.— Griinberg 100. Kennen wir nicht. War jedenß.lls nur Geschäflsrellame. öriefkaften der Expedition. Patienien in Beelitz. Buch und anderen Heilstätten. Dlclenig-v unleeer«donuenten, die noch während de« ganzen nächsten Monat»"in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberwelfung v«. Frei. ezemplaren fosort ihr« Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung dt« ersten Nummern des neuen NonatS von der Post nicht gellesert werben. Alle Adressen müssen jede« Monat neu eingesandt werden. Höbe! aur Kredit! Sie erhalten bei ans: Stabe and Küche 2 Stuben and Küche und zwar: 2 Bettstellen von t Kleiderschrank 1 Spiegel 1 Spicgelsplnd !?!."?- 2 SutUhl2 I SS Mark I KUchenschrank ! Kiiehentisch 1 Küchersiuhl Anzahlung Wochenrate 1.50 M. 15 und zwar! 3 Bettstellen von 2 Matratzen 1 Kleiderspind 1 Witschespind 1 Trumeau 1 Sota, 1 Tisch 4 Stühle und 1 farbige Küche Anzal'lung Wochenrate Ä.50 JI. Mark WM Sebläl-, Speise-, Hefrea- M fföimziiflitiEr in Jeder gewanBCbten Art 1116 Lj von 40 Mark Anzahlung an. liicternng; an eh nach aniierhalb. Oebr. Liebet4; AlpYanzlarcir tÄl*>«»- vis der Holzmarktsfraße .-llCAallUCrSir. il"!> dir. a. Bahnh. Jannowitzbrücke| Bitte genau auf blaue Rlescnaohtidor zu achten'j Sonntag Ms S KJbr geöfTaet. 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Die Mitglieder- Versammlung der Zahlstelle Berlin fand am Senntagnachmittag im„Gewerkschastshaus" statt. Ter Vorsitzende H o d a p p stellte zuerst den Geschäfrsbericht, der bereits der vorigen Versammlung vorgelegen hatte, zur Diskussion. Die Beteiligung an der Tis- kussion war nur schwach und H o d a p p stellte fest, daß die Mit- glieder an der Tätigkeit der Verwaltung nichts auszusetzen fanden. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Anträge zu dem bevorstehenden Verbandstag in Mannheim, legte die Verwaltung, in Ilebercinstimmung mit den Vertrauens- männern, einige Anträge auf Aenderung der Statuten vor, wie sie sich aus der Vcrwaltungspraxis heraus als notwendig ergeben haben. Der Vorsitzende machte noch darauf aufmerksam, daß vielleicht Anträge auf Erhöhung der Beiträge den Verbandstag beschäftigen werden; er wandte sich gegen derartige Pläne, auch wenn sie nur eine fakultative Einrichtung von höheren Beiträgen bezwecken. Die Versammlung war der gleichen Meinung und nahm einstimmig einen Antrag an, der dahin lautete, daß Vorsorge ge- troffen werden soll, Delegierte zu wählen, die sich gegen jede Form einer Beitragserhöhung wehren würden. Mit den vorliegenden Anträgen zum Verbandstag erklärten sich die Versammelten ein- verstanden. Zur Delcgiertcnwahl wurden von der Vertrauens- männersitzung 46 Kandidaten aus der Gruppe der Brauerei- arbeiter und 3 Kandidaten aus der Gruppe der Mühlenarbeiter vorgeschlagen. Gewünscht wurde, daß auch ein Mühlenarbeiter »ebst Ersatzmann für den Verbandstag gewählt werde. Die Ver- lammlung erteilte der Kandidatenliste ihre Zustimmung. Unter i.Verbandsangelegenheiten" nahm Tröger das Wort, um die Versammlung über die Angelegenheit in der Bergbrauerei, wo bei der Zusammenlegung mit der Endersschen Brauerei drei kranke Arbeiter entlassen wurden, zu unterrichten. Im„Vorwärts" ist die Sache bereits zur Sprache gekommen. Tröger kritisierte das Ver- halten des Deutschen Transportarbeiterverbandes in dieser Frage und erklärte die Entladung der Arbeuer als nicht gerechtfertigt, weil in Widerspruch stehend mit den Rechten der Mitglieder nach dem Tarifverträge, mit den vom Brauereiarbeiterverband aufrecht- erhaltenen Gepflogenheiten in den Brauereien und mit einer Ent- scheidung des Einigungsamtes. Von der Verwaltung wurden einige Anträge vorgelegt, die Bureaustunden anders zu regeln, womit sich die Versammelten auch einverstanden erklärten. Danach ist das Bureau nur an Wochen- tagen, und zwar von 9— 1 Uhr vormittags und von 6H— 8 Uhr nachmittags für Besucher geöffnet. Die Auszahlung von Unter- stützungen findet nur in den Vormittagsstunden statt, aber Kollegen, die bereits wieder die Arbeit aufgenommen haben, können die ihnen noch zustehende Unterstützung auch in den Nachmittagsstunden er- heben. Der Arbeitsnachweis ist geöffnet vormittags von 9 bis 1 Uhr. Nach dieser Zeit eingehende Bestellungen werden den an der Reihenfolge befindlichen arbeitslosen Kollegen per Karte mitgeteilt. An den Tagen bor den vier Hauptsesten wird das Bureau um 1 Uhr nachmittags geschlossen. Die Versammlung bewilligte den kämpfenden Porzellan- a r b e i t e r n eine Unterstützung von 599 M. als erste Rate. Die Aufforderung des Vorsitzenden, die streikenden Bergarbeiter nach Kräften zu unterstützen, fand allseitige, lebhafte Zustimmung, und die Versammelten bewilligten eine sofortige Akontozahlung von 1999 M. auf die vorzunehmende Sammlung. Auch der Vor- schlag, für die Bergarbeiter Extramarken zu kleben, wurde mit großer Bereitwilligkeit aufgenommen, aber die Entscheidung dar- über konnte die Mitgliederversammlung nicht fällen und bleibt eventuell einer Generalversammlung vorbehalten. Nach Erledigung einiger weiterer Verbandsangelegenheiten, darunter der Bestätigung von Hapke als Gruppenleiter der Mühlenarbeiter, sebloh H o d a p p die Versammlung mit einem nochmaligen Hinweis auf den Kampf der Bergarbeiter, der die kräftigste Unterstützung erfordere. BrlefKafUn der Redaktion. Rich. 3. 1. u. 2. Darüber entscheidet der VormundschastSrichter nach freiem Ermessen. Ihre Bestellung erscheint ausgeschlossen! dagegen kann die Mutter bestelll werden, der auch das Vorschlagsrecht zustehi. 3. Nein. Die Testamentseröffnung hat durch das Nachlahgericht zu erfolgen.— P. N. IS. 1.. 3. u. i. Nein. 2. Fordern Sie unter Fristsetzung die Instand- setzung. Nach Ablaus der Frist Klage.— A. Z. 29. Die beiden Brüder sind zur Zahlung von etwa 15 M. und 19 M., Sie zur Zahlung von etwa 5 M. monatlich verpflichier.— Ernst 44. Nein, falls die Invalidität des Mannes bereits vor dein 1. Januar 1312 bestanden hat; andernfalls ja. — A. Z. 1. 1. sie erscheinen allein sordcrungsberechtigt. 2. Nein.— BBS Die alte Firma Schuhwarenhaus Carl Stiller hat zu ähnlich laufenden Firmen keinerlei Beziehungen. Manachfegenauauf Strassen* namen und Hausnummern! Zentrale und Versandabteilung: ]erusalemer Strasse 32-35 Ecke Leipziger Strasse Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Strasse 19a Friedrich-Strasse 75 König-Strasse 25 u. 26 Schöneberg, Flauptstr.146 Neukölln, Bergstr.25u.26 Rosenthaler Strasse 5 Charlottenburg: Wilmersdorjer Strasse 45 Oranlen-Strasse 161 GrosseFrankfurterStr.123 12.50 Spezial-Verkauf: Tauentzien-Strasse 7b April 1912: Chausseestrasse 114/15 iii le: Frühjahrs-Neuheiten Preiswürdige erstklassige Fabrikate! Für Damen: Chevrette-SdinOrstiefel mit LoAkapp« und amerikanischem Absatz. Sehr beliebte und bequeme Form, Äusserst preiswert....... 750 Boxkalf- und Chevreau-SdinOrstlefel, auch braun Chevreau, mit und ohne Lack* Q75 kappen und Derby-Schaftsdinltt......... 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Von anderen Rednern wurde die Anerkennung des Arbeitsnachweises ebenfalls als Hauptforderung aufgestellt. Auch wurde betont, daß man nur schriftliche Verträge mit den Unternehmern abschließen solle, da man sich auf deren mündliche Versprechungen nicht verlassen könne. Die Beratung endete mit einstimmiger Annahme der vom Referenten vorgelegten Resolution. Es heißt in ihr: Um den an die Arbeitgeber zu stellenden Forderungen für Abstellung von Mißständen und Erringung besserer Lohnverhält- nisse erwünschten Nachdruck und Erfolg zu verschaffen, erachtet der Verbandstag für angezeigt, neben dem eifrigen Bestreben, die Organisation durch rege Agitation mächtig und kampffähig zu gestalten, auf die unbedingt notwendigen Vorbedingun- gen für Lohnbewegungen hinzuweisen: 1. Korporativen Verhandlungen mit den Arbeitgebern— wenn möglich vor dem Gewerbegericht— ist stets der Vorzug zu geben und auf Abschließung schriftlicher Verträge mit speziali- sierter Aufführung der vereinbarten Punkte hinzuwirken. 2. Gegen das Paktieren mit anderen Gehilfen-Vereinigungen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, sofern für solidarisches Ver- halten die nötigen Garantien seitens derselben gewährleistet sind. 3. Bei lokalen(Betriebs-) Bewegungen ist der Vorstand der Ortsverwaltung vorher zu unterrichten und dessen Zustimmung einzuholen; letzterer hat möglichst alle in Betracht kommenden An- gestellten, einschließlich des Hilfspersonals, zu organisieren und sich in Zusammenkünften der unbedingten Einigkeit desselben zu versichern. 4. Bei Streiks, Sperren und Boykotts ist mit allen in Betracht kommenden Instanzen zu verhandeln, ehe endgültige Beschlüsse gefaßt werden können. S. Bei allen Lohnbewegungen, ob Arbeitseinstellungen oder Maßregelungen, sind die Bestimmungen des Streiks- und Unter- stützungSrcglements des VerbandSstatutcs aufs genaueste zu be- achten. Eine Reihe zu diesem Punkte vorliegender Anträge wurde dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen. In diesen wird u. a. verlangt, der Vorstand möge bei den gesetzgebenden Körperschaften um eine gesetzliche Regelung des LehrlingsweienL und der Arbeits- zeit petitionieren. Ferner soll beim Reichstag dahin gewirkt werden, daß in dllen Offizierskasinos des Deutschen Reichs, wo bisher zur Bedienung der Gäste Ordonnanzen tätig sind, diese durch fest an- gestellte Kellner mit Gewährung eines festen Monatsgehalts ersetzt werden. Mit dem Verband reisender Kaufleute soll der Vorstand Verhandlungen zum Zwecke eines Tarifabschlusses für Arbeiten der Hoteldiener anbahnen. Der Verbandstag schritt nun zur Etatutrnberatung. Der letzte VerbarrdStag sprach sich im Prinzip für die Einführung der Arbeitslosenunter st ützung aus und beauftragte .Hauptverwaltung und Ausschuß, dem nächsten Verbandstag eine Vorlage zu unterbreiten. Gleichzeitig solle auch eine Revision des StawtS vorgenommen werden. Bisher bestanden zwei Beitrags- klassen mit 43 und 33 Pf. Beitrag. Ter Entwurf sieht drei Klassen vor: I. Klasse für Kellner, Köche, Büfettiers, Portiers und Hotel- diener usw. 53 Pf.; 2. Klasse für Köchinnen, Kassiererinnen, Kell- nerinncn, Büfcttmamsells und Zimmermädchen 43 Pf.; 3. Klasse für das weibliche Hilfspersonal und andere Angestellte mit geringem Einkommen 33 Pf. Diese Sätze kommen einer Beitragserhöhung von 13 Pf. gteich. Für die doppeltbeschäftigten Mitglieder, d. h. Personen, die nur nebenberuflich im Gastwirtsgewerbe beschäftigt sind, soll eine besondere Klasse mit einem Beitrag von 25 Pf. ein- gesetzt werden. Es soll ihnen nur gewährt werden: Rechtsschutz, Streik- und Gcmaßrcgeltenunterstützung und Sterbegeld. Kran- ken- oder Arbeitslosenunterstützung würden diese Mitglieder, die auch im Hauptberuf organisiert sein müssen, also nicht erhalten. Bisher hatten die Doppeltbeschäftigten dieselben Rechte wie die übrigen Mitglieder. Um den doppeltbcschästigten Mitgliedern, die seit 1311 dem Verband angehören, ihre Rechte nicht zu beschränken, können diese in der bisherigen Beitragsklasse verbleiben, behalten also ihre Rechte, wenn sie dies korporativ innerhalb ihrer Filiale bis spätestens 1. Juli 1312 bei dem Vorstand beantragen.— TaS Unter st ützungsreglement wurde ebenfalls abgeändert. Neu hinzu kamen die Bestimmungen über die Arbeitslosen. Unterstützung, die nun eingeführt werden soll. Nach dem Entwurf soll die Arbxitslosenuntcrstützung nur im Winterhalb- jähr— Oktober-März— zur Auszahlung kommen, und 1 M. für die 1„ 3.75 M. für die 2. und 53 Pf. pro Tag für die 3. Klasse betragen. Als UntcrstützungSdauer sind sechs Wochen vorgesehen. Die sich an das Referat schließende Generaldebatte zum Statut ist ziemlich ausgedehnt. Sie wird morgen fortgesetzt. Soziales. Baupflcge in Hamburg. Die Hamburger Bürgerschaft hat am Mittwoch nach eingehen- der Beratung den Entwurf eines BaupflegegesetzeS mit großer Mehrheit angenommen. Es wird danach eine aus Mitgliedern des Senats und der Bürgerschaft bestehende Kommission eingesetzt, die daS Recht hat, gegen solche Bauten, die eine Verunstaltung des Stadtbildes bewirken, und gegen den unschönen Reklameunfug Ein- spruch zu erheben. Der Kommission wird ein aus 25 Sachverstän- digen bestehender Beirat zur Seite gestellt. Ein rechtlicher Einspruch gegen die Entscheidungen der Kommission ist nicht zulässig. Terror im Konkurrenzkampf. Die Gegner der Arbeiterbewegung zetern über TerroriSmuS und üben ihn selbst in der ungezügeltsten Weise. Im Konkurrenz. kämpf sind alle Mittel recht. Drohungen, Erpressungen, Bestechun- gen gehören dazu. Keine Waffe wird verschmäht, wenn sie nur Erfolg verspricht. Die Vernichtung des anderen ist des Wetteifers Ziel und Zweck. Allerdings, die Konsumenten haben keinen Vorteil davon, im Gegenteil, denn hat der Kapitalkräftigste die Konkurrenz hinausgebissen, dann diktiert er Preise, die den früheren Verlust reichlich wieder einholen. Aber nicht allein wirtschaftliche Ueber. macht, sondern auch Drohungen, solche sogar mit partikularistischem Einschlag, gehören zu den Konkurrcnzwaffen. In welchem Tone. um nicht zu sagen mit welcher Anmaßung, dabei vorgegangen wird, illustriert folgendes an verschiedene Firmen gelangte Rundschreiben: Titl. Betriebsleitung Wir nebmen Bezug auf die Unterredung, die unser Ingenieur Herr C. Müller mit Ihnen unter dem...... geführt hat. und bedauern ungemein, daß Sie von den... nicht abgehen wollen. Wenn wir auch anerkennen, daß Sie den... treu bleiben, s« müssen wir doch als einzige Spezialfabrik Bayern», mit Rück- ficht auf die Förderung der einheimischen Industrie, die von der Regierung gewünscht wird, Sie bitten, uns wenigstens mit an den Lieferungen teilnehmen zu lassen. Unser Fabrikat ist doch mindestens ebenso gut wie das von .... und es kann lediglich nur an Ihrer Person liegen, ob wir ins Geschäft kommen oder nicht. Wir legen ein Freikuvert bei und bitten Sie, uns Ihre An- schauung bekanntzugeben, da wir, falls Sie nicht geneigt sein sollten, die einheimische Industrie zu schützen, weitere Schritte zu unternehmen gezwungen wären. Wir sehen Ihrer umgehenden Rückäußerung entgegen und zeichnen Hochachtungsvoll (Jfaria-Zählerwerke). Also wenn nicht„umgehend Rückäußerung" erfolgt, und wenn man nicht geneigt sein sollte,„die einheimische Industrie zu schützen", dann werden„weitere Schritte" den Widerstrebenden Akores lehren. Das ist sehr deutlich-- eine Drohung I Wie würde man über Terror, Nötigung, Bedrohung und Erpressung zetern, wenn vielleicht eine Arbeiterorganisation in ähnlicher Weise in einem Schreiben an die Unternehmer Wünsche der Arbeiter be- gründete? Hus der frauenbewcgung. Die Frauenwahlrechtsbewegung in Oesterreich. Nachdem unsere Genossinnen in 14 Versammlungen in Wien und in zahlreichen in der Provinz für die politische Gleichstellung der Frauen demonstriert hatten, fand am 17. März ein»Frauen- st i m m r e ch t s t a g" der bürgerlichen Frauen statt. Delegierte der Frauenstimmrechtsvereine aus Mähren, Schlesien, Galizien und aus Laibach waren nach Wien gekommen, um mit dem Wiener Stimmrechtskomitee zu beraten. Abends fand eine öffentliche Versammlung statt, bei der alle Führerinnen der bürgerlichen Frauen und aucki einige Abgeordnete erschienen waren. Die Frauen einigten sich auf eine Resolution, in welcher die Beseitigung des Wortes.Frauensperson" aus dem K 33 des Vereinsgesetzes und die Ausdehnung des allgemeinen, akliven und passiven Wahlrechts für alle Vertrelungskörper auf die Frauen gefordert wird. Bon der Regierung wird die baldige Einbringung einer entsprechenden Vortage verlangt. Am selben Tage veranstaltete daS tschechische Frauen- stimmrcchtskomitee in Prag, daS sich an der Kundgebung in Wien nicht beteiligt hatte, eine Versammlung, die sich mit der Forderung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts für den böhmischen Landtag befaßte. Für ein durch einen Todesfall erledigtes Landtag- Mandat wird nach Aufforderung der Frauenorganisation des betreffenden Wahlbezirks(Limburg-Jungbunzlau) die Lehrerin Marie Tuma kandidieren. Die noch geltende böhmische LandtagSwahl- ordnung beruht auf dem Gemeindewahlrecht, und nach diesem haben die Frauen mit Ausnahme der zwei größten Städte Prag und Reichenberg, das direkte mit einem Steuer- oder Bildungszensus verbundene Wahlrecht. In einer Sitzung des Komitees für die böhmische Landtags- wahlreform wurde am Montag der Statthalter Fürst Thun befragt, in welchem Umfange das aktive Wahlrecht der Frauen erweitert werden soll. Der Statthalter antwortete, daß auch in den Städten Prag und Reichenberg den Frauen das Wahlrecht gegeben werde, und zwar soll es in den Landgemeinden wie in den Städten persönlich ausgeübt werden.— In den niederösterreichischen Städten Widhofen a. Abbs und Wiener-Neustadt wird der Unfug, daß wahlberechtigte Frauen nur m.ittels Vollmachten ihr Wahlrecht ausüben können, abgeschafft. Die in diesen Sädten wahlberechtigten Frauen— nur Steuerzahlerinnen— werden in Zukunft persönlich daS Wahlrecht ausüben. Kurios ist, daß derselbe niedcrösterreichische Landtag, der den Frauen Wiens das Wahlrecht vorenthält, selbst mitberaten muß bei einer Wahlreform, die den Frauen in Städten mit eigenem Statut daS direkte Wahlrecht einräumt. In Galizien wird, wie die Delegierten beim bürgerlichen Frauenstimmrechtstag berichtet haben, ein heftiger Kampf um das Landtagswahlrecht der Frauen geführt. Eine Gefallene. So nennt sich eine ältere Kellnerin, die in der Thorner Presse in knapper Form ihr Lebensschicksal schildert. Das Mädchen mag bei der„besseren" Gesellschaft im landläufigen Sinne als Ge- fallen« geächtet sein. Die Gesinnung aber, die aus ihrer Schil- derung spricht, stellt sie hoch über viele„bessere Damen", die sich mehr oder weniger offen, unter dem Deckmantel einer wohl- anständigen Ehe prostituieren. Die Kellnerin schreibt: „Kürzlich ist in hiesiger Stadt viel über die Hebung des KellnerinnenberufS gesprochen worden. Gestatten Sie mir, als Kellnerin in älteren Jahren meine Erfahrungen in meinem Berufe zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit darlegen zu dürfen. Man schob den Agenten und Wirten die Hauptschuld in die Schuhe. Zu. gegeben, daß ein Teil der Schuld auf diesen ruht, die Hauptschuld ruht jedoch in unserer sogenannten guten Gesellschaft. Als Beweis dien« Ihnen mein Lebensschicksal. Meine Mutter war Stuben- mädchen in feinem Hause. Der Sohn der Herrschaft wurde mein unehelicher Vater. Meine Mutter heiratete dann einen Fabrik- arbeiter. Meine Jugend war hart, und stete Entbehrungen ließen in mir den Wunsch nach Reichtum wach werden. Ich wurde Dienst- mädchen. Meine letzte Stellung war im Hause eines reichen jüdischen Industriellen. Frau und Tochter trieben in Toiletten unglaublichen Luxus. Bei meinen Sonntags-Ausgehtagen sah ich auf den Promenaden überall den Toilettenluxus. Hübsch war ich und jung, kein Wunder, daß ich nur heißes Sehnen empfand, es jenen gleich tun zu können. Woher konnte ich aber das nötige Geld dazu erlangen? Durch Arbeit niemals. Ich gab mich also wohl- habenden Herren hin. Von hier bis zur Kellnerin ist nur ein Schritt. Innerlich widerte mich mein Treiben an, aber die Ver- lockungen der Außenwelt waren zu mächtig. Wäre ich auf eine Stelle in einsamem Gutshofe gekommen, so hätte ich wahrscheinlich den Luxus der Gesellschaft nicht kennen gelernt und wäre vor der schiefen Bahn bewahrt geblieben. So wie mir geht es den meisten meiner Kolleginnen. Wir alle sind durch den Glanz der Umgebung ins Fallen geraten. Wo ist die Einfachheit heute zu finden? Im Theater muß„die Dame" von heute mit kostbarem Hut und Hermelinmantel Parade sitzen. Brillanten, Locken, Seide und Samt überall, wo ich hinschaue. Die Frau von heute vergißt, daß nicht das Acußere dem Menschen den Wert gibt, sondern daß der Wert des Menschen in seinem Innern liegt. Ich verurteile heute in ge- reiften Jahren diese Gesellschaftsordnung. Sie ist da« Grundübel und die Hauptschulo am Fall so vieler Mädchenjugend. Es war für mich bezeichnend, daß nicht eine der Rednerinnen des neulichcn Abends(des Thorner Vereins„Frauenwohl") hier einsetzte. Wer das Uebel an seiner Wurzel fassen will, setze hier ein. Nicht Worte, sondern Taten. Ein jeder ist berufen, mitzuhelfen. Kehret zur Einfachheit zurück, predigt Euren Töchtern von vornehmer wahrer EinfachhcitI Ihr tut Gutes Euch selbst und ladet nicht den Vor- Wurf auf Euch, die Sitten der zu Euch als Muster aufblickenden Töchter der Armut verderben zu helfen.„Jrauenwohl"— hier be- tätige dich! Es ist ein reiches Arbeitsfeld vorhanden." Mit Recht bezeichnet die Schreiberin vorstehender Zeilen die bestehende Gesellschaftsordnung als Grundübel auch de? Elends der Prostitution. Die Damenvereinigung„Frauenwohl" vermag hier nicht zu helfen. Die Retterin kann den Elenden, Verstoßenen, Ge- ächteten und Leidenden nur in der Sozialdemokratie erstehen. Sie will und wird die kapitalistische Gesellschaftsordnung in eine höhere Form überführen, in die sozialistische Gesellschaftsordnung. Gericdts- Leitung» Unbegreifliche Härte. In einer vom Vaterländischen Frauenvercin unterhaltenen „Krippe" in Friedenau starb ein Säugling, der sich dort in dauernder Pflege befand. Die Leitung der„Krippe" ließ der Mutter des verstorbenen Kindes die Aufforderung zugehen, für die Beerdigung zu sorgen und die Leiche sogleich aus den Räumen der„Krippe" entfernen zu lassen. Der Bote traf die Mutter, welche außerhalb des Hauses auf Arbeit war, nicht an und die anwesende Großmutter, Frau Ziemke, konnte in der Sache nichts tun. Nun veranlaßt� die Polizei die Ueberführung der Leiche nach der Leichenhalle des Friedhofes. Noch an demselben Tage erschien in einem Friedenaner Lokalblatt eine Notiz, worin von einer polizeilichen Beschlagnahme der Leiche die Rede war und von Frau Ziemke so aufgefaßt wurde, als solle den Angehörigen des verstorbenen Kindes Schuld am Tode desselben gegeben werden. Frau Ziemke, die in hohem Grade herzleidcnd, nervös und deshalb leicht erregbar ist, hatte wegen der Zeitungsnotiz eine lebhafte Auseinandersetzung mit dem Redakteur. Die Frau geriet dadurch in Erregung, die noch gesteigert wurde, da sie durch gewisse Wahrnehmungen, die sie bei einem Besuch in der„Krippe" gemacht hatte, zu der Annahme kam, das Kind sei dort schlecht behandelt, ungenügend ernährt und während der Krank- heit nicht fachgemäß gepflegt word.en. In ihrem erregten Zustande sprach Frau Ziemke vor der Haustür mit Nachbarn über den Vor- fall, wobei sie, wie man begreifen wird, ihre Zunge nicht im Zaum gehalten hat. So sagte sie. mit Beziehung auf die damals abge- haltenen Blumentage, für den Vaterländischen Frauenvercin seien 13 333 M. cingekommen, der Vorstand stecke das Geld in die Tasche, aber die Kinder in der„Krippe" würden schlecht ernährt und gepflegt, ihr verstorbener Enkel sei halb verfault gewesen. Zu der letzteren Bemerkung hat der Umstand Anlaß gegeben, daß das verstorbene Kind sich in ausgedehntem Matze wund gelegen hatte und die wunden Stellen sich an der Leiche durch blaue und rode Flecke auszeichnetcni Das Wundliegen des Kindes führt Frau Ziemke auf mangelhafte Pfleg« in der„Krippe" zurück. In dieser Hinsicht stützt sie sich auf eine festgestellte Aeußerung der Pflegeschwester, welche sagte, al) ihr das Wundsein der Kinder vorgehalten wurde: Sie sei schon vom Borstande gerügt worden, weil sie zu viel Salbe und Puder für die wundgelegenen Kinder verbrauche, Das Gespräch der Frau Ziemke zu ihren Nachbarn hörte eine in der„Krippe" beschäftigte Aufwärterin. Durch sie erfuhr es der Borstand des Baterländischen Frauenvereins. Anstatt sich über di' unbedachten Aeußerungen einer infolge krankhafter Erregung nicht zurechnungsfähigen Frau in vornehmer Ruh« hinwegzusetzen, stellte der Vorstand Strafantrag. Das Schöffengericht verurteilte Frau Ziemke zu der unglaublich harten Strafe von einem Monat Ge- fängnis. Infolge der von der Verurteilten eingelegten Berufung beschäf- tigte sich gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts II mit der Angelegenheit.— Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Roscnfeld, focht das ungeheuerliche Strafmaß an mit dem Hinweis auf die durch die ganze Sachlage sowie durch die Krankheit der Angeklagten erklärliche Erregung. Eine Freiheitsstrafe sei hier durchaus nicht begründet.- Das Gericht verwarf die Berufung mit der Begründung, die in! erster Instanz verhängte Strafe von einem Monat Gefängnis sei„ angemessen, denn die Angeklagte habe den Vorstand des Vaterlän-' bischen Frauenvereins schwer beleidigt. Dies harte Urteil hätte wohl nicht gefällt werden können, wenn die Richter die Umstände, vor allem den augenfälligen krankhaften Erregungszustand der Angeklagten hinreichend berücksichtigt hätten. Der Vorstand des Vaterländischen FrauenvereinS, der eine kranke Frau, die unter ungewöhnlichen Verhältnissen ihre Zunge nicht im Zaum halten konnte, ins Gefängnis bringt, hat sich durch diese Hand- lung keineswegs mit Ruhm bedeckt. DaS Alkoholkapital und die Unabhängigkeit der Presse. In der Alkoholgegner-Woche, die im August in Dresden ab- gehalten wurde, hatte Dr. jur. Hermann Popert(Hamburg, ausgeführt, die Unabhängigkeit eines großen Teils der Presse, mit Ausnahme der sozialdemokratischen, werde durch das Alkoholkapital gefährdet. DaS„Berliner Tageblatt" hatte darauf am 7. August u. a. erwidert, die Behauptung Poperts, zahlreiche deutsche Zei- tungen ständen im Solde der Vrauereiunion, fei, solange nicht Be- weise vorgebracht würden, eine Verleumdung. Dr. Popert klagte darauf gegen den verantwortlichen Redakteur des„Berliner Tageblatts", Arno Henig, wegen Verleumdung und verleumderischer Beleidigung bei dem Schöffengericht Hamburg. Am Donnerstag stand Termin an. Der Kläger hatte einen umfangreichen Beweis für seine Behauptung angetreten. Der Beklagte b e st r i t t nun- mehr, verantwortlicher Redakteur des Teils des„Tageblatts" zu sein, in dem die Notiz sich befand. Der Kläger monierte, daß der Beklagte erst' jetzt nach Ablauf der für Preßdelikte geltenden sechs- monatlichen Verjährungsfrist diesen Einwand erhebe. DaS Ge- richt mußte, da es den Einwand für erwiesen erachtete, auf Ein- stellung deS Verfahrens erkennen. Die vom Kläger herbeigesehnte Beweisaufnahme dürfte in einem demnächst zur Entscheidung gelangenden ähnlichen Prozeß gegen den„ZeitungSverlag" erfolgen. BertragSstrafen wegen Nichtansfperrung von Arbeitern find nicht einklagbar. In den wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind die crsteren in den letzten Jahren mehr und mehr dazu übergegangen, den Streik der Arbeiter durch die Aussperrung derselben zu parieren. Um diese Aussperrungen wirksam durchführen zu können, verpflichten die Arbeitgeberverbände ihre Mitglieder, bei Vermeidung einer regelmäßig ziemlich hohen Kon- ventionalftrafe den Aussperrungsbeschluß zu befolgen. Die Zahlung der Konventionalstrafe kann aber im Prozeßwege nicht erzwungen werden. Denn nach Z 152 Absatz 2 der Gewerbeordnung in Ver- bindung mit§ 344 des Bürgerlichen Gesetzbuch» ist eine solche ver- tragliche Strafbestimmung nichtig. Diese Rechtsansicht ist bereits von den Oberlandesgerichten Dresden und Stuttgart ausgesprochen worden. In gleichem Sinne entschied das Reichsgericht am Donners- tag einen Rechtsstreit, dem folgender Sachverhalt zugrunde lag: Als im Frühjahr 1813 der große Streik im Baugewerbe un- mittelbar bevorstand, beschloß der Arbeitgeberverband für das Bau- gewerbe zu Hannover in einer außerordentlichen Generalversamm- lung vom 14. April, die Geschäftsbetriebe am 15. April zu schließen und sämtliche Bauarbeiter zu entlassen. Diejenigen Mitglieder, die sich dem Beschlüsse nicht fügen sollten, wurden zur Zahlung einer Konventionalstrafe von 5 M. pro Tag und Arbeiter verpflichtet. Das Mitglied de« Arbeitgebervcrbandes K. kam dem Ausspcrrungsbcschluß nicht nach. Es wurde vom Verband gegen ihn eine erhebliche Kon- ventionalftrafe festgesetzt, deren Zahlung der Verband im Prozeß- wcgc von K. verlangt. Demgegenüber hat K. Widerklage auf Fest- stellung erhoben,.daß er dem Verband nichts schulde. Das Landgericht Hannover erkannte zugunsten des Verbandes Dagegen hat das Obcrlandesgericht Celle die Klage abgewiesen und der Widerklage entsprochen. Aus den Entscheidungsgründen des Oberlandesgerichts ist folgendes bemerkenswert: Der Klageanspruch muß an 8 lS2 Absatz 2 der Gewerbeordnung scheitern. Hiernach sind alle Verabredungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen gestattet. E ist ihnen aber der Rechtsschutz insofern versagt, als er ihnen die Klagbarkcit abspricht. Zwar ist in§ 1S2 nur von„Erlangung günstiger Bedingungen die Rede. Es ist aber bei der Auslegung der Bestimmung nicht am Wortlaute zu haften. Es sollten damit nicht nur Verabredungen zur Erlangung, sondern auch zur Ab- Wendung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen gemeint sein. Bei richtiger Auslegung des§ 152 besteht kein Zweifel, daß der Beschluß des klagenden Verbandes sich darstellt als eine Verabredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Dafür spricht der Zweck des Verbandes: Forderungen der Arbeiter zurüch zuweisen, wenn der Verband sie für unrichtig hält. Darauf, daß Beklagter trotz des Beschlusses nicht aus dem Verband ausgetreten ist, kann sich Kläger nicht berufen. Das Reichsgericht hat die gegen diese Entscheidung eingelegte Revision des Verbandes zurückgewiesen und das Urteil des Ober- landeSgerichts Celle damit bestätigt. Damit hat das Reichsgericht wiederum die stets vom uns der tretenc Ansicht als richtig anerkannt. Wird nunmehr endlich die Staatsanwaltschaft Anlaß nehmen, gegen die zahlreichen Ein- treibungsversuche solcher Vertragsstrafen wegen Erpressungsvcrsuchs und gegen die Eintreibungen wegen Erpressung vorzugehen? Keines Wegs allein im Baugewerbe, vielmehr in vielen anderen Industrien, z. B. in der Textilbranche, in der Metallindustrie und in den von Syndikaten beherrschten Betrieben kommen zahlreiche derartige Er- Pressungen vor. Das Magdeburger Schülerdrama. Im Herbst vorigen Jahres beging der Gymnasiast Walter Koch gegen seinen Oberlehrer Jsmer ein Revolvcrattentat, das damals viel Aufsehen erregte. Am Mittwoch hatte sich der jugendliche An- geklagte vor dem Jugendgerichtshos des Landgerichts Magdeburg wegen versuchten Mordes zu verantworten. Der Angeklagte ist am 21. April 1835 als Sohn des Versiche- rungsinspektor Koch geboren. Die zur Anklage stehende Tat be- ging er am 3. Oktober 1311, kurz nach dem Beginn der Michaelis- ferien. Wie seine Vernehmung ergibt, war er ein schlechter Schüler, der in der Ouarta und der Untertertia je einmal sitzen geblie- ben war und dem sein Oberlehrer Jsmer Andeutungen gemacht hatte, daß er Ostern 1312 auch wieder in der Obertertia sitzen bleiben würde. Seine schwachen Seiten waren besonders Mathe- matik und die neueren Sprachen. Tagegen wies er im Zeichnen ganz vorzügliche Leistungen auf und seine Fertigkeiten im Photo- graphicren, das er in seiner Freizeit betrieb, wurden als geradezu glänzend bezeichnet. Kurz vor Michaelis hatte er einen Tadel bekommen, der in das Klassenbuch eingetragen wurde. Er versuchte diesen � Tadel durch eine chemische Substanz aus dem Klassenbuch zu entfernen, weswegen ein Verfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Gleich nach Schuljchluß kaufte sich der �Angeklagte 25 Browningpatronen und setzte sich in den Besitz des Revolvers seines Vaters, angeblich um sich in den Ferien aus einem Gute bei Hildeshcim, wohin er mit seinen Eltern reisen sollte, einzuschießen. Zweimal hat dann der Angeklagte vergeblich versucht, den Direktor der Schule, Schirmer, aufzusuchen und ihn zu bitten, das Verfahren gegen ihn einzustellen. Er beschloß daher, direkt zu dem Oberlehrer Jsmer zu gehen und diesem seine Bitte vorzutra- gen. Am 3. Oktober fuhr er mit seinem Rade nach der Wohnung deS Oberlehrers, stellte es vor die Haustür, lud seinen Revolver mit 5 Patrone» und begehrte Einlaß. Die Wirtin des Oberlehrers, � die ihm öffnete, führte ihn zu dessen Zimmer, in dem er gleich, nach einem kurzen Gruße, mit ausfallend großen Schritten, auf den Lehrer losgegangen sein soll. Er hat dann Herrn Jsmer ge- beten, von dem Verfahren Abstand zu nehmen. Jsmer forderte ihn auf, Platz zu nehmen und trat an seinen Schreibtisch, um ein Notizbuch zu holen. In diesem Augenblick sah er, daß der Schüler einen Revolver in der Hand hatte. Der Lehrer ging auf Koch zu, worauf dieser den ersten Schuß auf ihn abfeuerte, der aber fehl ging. Der Lehrer stolperte dann über eine Teppichsalte und fiel zu Boden. Ein zweiter Schuß war inzwischen an der Uhrkette abgeprallt. Als Jsmer sich wieder aufrichten wollte, gab der An- geklagte den dritten Schuß ab, der Herrn Jsmer im Rücken an der oberen Schulter traf und schräg nach unten in die Brust ging. Es entstand ein Ringen zwischen den beiden, wobei der Angeklagte sagte:„Es hilft nichts, Herr Oberlehrer, Sie müssen dran!" Schließlich packte der Lehrer die Hand des Schülers, ließ sie jedoch bald wieder los, worauf der Angeklagte mit den Worten:„Nun ist alles egal!" sich einen Schuß in den Mund beibrachte und sich gleich darauf noch mit seinem Taschenmesser die Pulsader zu öffnen versuchte. Er ist dann noch einmal auf den Lehrer zu- getreten und hat ihm einen Schlag ins Gesicht gegeben. Der Angeklagte beantwortet die meisten Fragen des Vorsitzen- den überhaupt nicht oder mit„ich weiß nicht". Den Verhängnis- vollen Schuß auf feinen Lehrer gibt er jedoch zu. Er gibt an, den Revolver nur mitgenommen zu haben, um den Lehrer durch Drohung mit der Waffe zu zwingen, das Verfahren gegen ihn zurückzunehmen. Das Laden der Waffe erklärt er damit, daß eine Drohung mit einer ungeladenen Waffe ja doch keine Wirkung gehabt haben würde. Durch die Beweiserhebung wird der vorstehend geschilderte Tatbestand bestätigt. Mehrere als Zeugen vernommene Ober- lehrer bekunden übereinstimmend, daß der Angeklagte ein schwer zu behandelnder Schüler war. Er war periodisch anormal. Die Hauptschuld schieben die Lehrer auf die häusliche Erziehung, die völlig verkehrt gewesen sei und in dem Ilngeklagten ein grenzen- loses Selbstbewußtsein hervorgerufen habe. Der Vater des An- geklagten bekundet, daß beide Großväter des Jungen Alkoholiker gewesen seien. Sein Sohn selbst habe keine Neigung zum Alkohol gehabt. Er habe ihn häufig körperlich gezüchtigt, wenn er sich zu dummen Streichen habe hinreißen lassen und versäumt habe, seine Schulpflicht zu erfüllen. Er hätte gerne gewollt, daß sein Sohn Berechtigung zum Einjährigendienst erwerbe. Der Sachverständige Mcdizinalrat Dr. Kefcrstein hält den An- geklagten für geistig minderwertig. In der Untersuchungshaft hat er einmal, weil er sich einer Disziplinarstrafe nicht fügen wollte, neun Tage lang nur von Wasser gelebt. Der Oberarzt Ehrecke von der Irrenanstalt Nietlebcn hat den Angeklagten 6 Wochen in seiner Anstalt beobachtet. Der Sachverständige kommt zu dem Schlüsse, daß zwar moralische Minderwertigkeit, nicht aber geistige vorliege und somit auch nicht Unzurechnungsfähigkeit im Sinne des 8 51. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten des versuchten Mordes für schuldig und beantragt gegen ihn K Jahre Gefängnis. Der Verteidiger plädiert auf versuchten Totschlag. Nach cinstündiger Beratung erkannte das Gericht wegen ver- suchten Totschlages aus 4 Jahre Gefängnis. Kaum hatte der Vorsitzende das Urteil verkündet, als der Angeklagte seinen Kneifer nahm und diesen nach dem Vorsitzenden warf. Er brach dann in Weinen aus und wurde darauf abgeführt. Vorort- 1>iad)rid)ten. Neukölln(Rixdorf). Stadtverordnetenversammlung vom 21. März. Auf der Tages- ordnung standen mehrere Vorlagen über Veränderungen des Bc- bauungplanes. Einem trostlosen Straßenbild will der Magistrat dadurch ein Ende machen, daß er vorschlägt, die Baufluchtlinie der Richard st raße auf der südwestlichen Seite vom Denkmal bis zum Richardplatz weiter zurückzulegen. Danach soll diese Straße, welche sicher einmal eine wichtige Verkehrsverbindung nach?licder-Schöneweide-JohanniSthal wird, an der Berliner Straße mit 13 Meter Breite beginnen, um mit 23 Meter in den Richardplatz zu münden. Stadtv. V ö g e l k e wollte die Vorlage noch einmal einem Ausschuß überweisen, weil die neue Fluchtlinie einige Häuser jüngsten Datums anschneidet. Dem traten Ober- bürgermeister Kaiser und die Stadtvv. Emmeluth und W u tz k y(Soz.) entgegen, welch letzterer mit Recht betonte, daß hier beim zuständigen Ressort eine alte Unterlassungssünde vor- liege und nun endlich Remedur geschaffen werden müsse. Die Vorlage wurde daraus genehmigt. Zugestimmt wird der beantragten Verbreiterung der Straße 35c, welche jenseits der Teupitzer Straße an der Ring- bahn entlang führt, von 1b auf 13 Meter. Ein weiterer Magistratsantrag schlägt vor. den am 18. Oktober 1913 festgesetzten Bebauungsplan für das östlich der Ring- bahn belegene, durch die Kiesholzftraße bezw. durch die Gemarkung?» grenze mit Treptow, durch den Dammweg und die Anschlußbahn Neukölln-Nieder-Schöneweide begrenzte Stadtgebiet abzuändern, da vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten Ausstellungen erhoben worden sind. Der neue Entwurf vermindert das Areal für Straßen und Freiflächen von 38,2 auf 37 Proz. Die Vorlage wird zwecks näherer Prüfung vertagt. Die vorgelegte Liste der nach§ 24 der Städteordnung er- forderlichen Beisitzer und Stellvertreter zu den Wahlvorständen für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahleu wird genehmigt. Die Gebühren für die Benutzung der Schwemm- kanalisation werden für das Rechnungsjahr 1912 auf 2 Proz. des� Gebäudesteuer-Nutzungswertes festgesetzt. Um späterhin erneute Erd- und AsphaltierungSarbeiten zu umgehen, wird beschlossen, das zweite Anschlutzrohr für das Radialsystem Südost in der Grenzallee sofort mit aus- zuführen, zumal der Eisenröhrenpreis demnächst um 43 Proz. steigen dürfte. Zur Neupflasterung des MahbachukerS zwischen Kottbuser Damm und Schinkestraße werden 53 533 M. bewilligt. Durch den im Jahre 1937 gegründeten Grundstückserwerbs- fonds ist eine planmäßige Grundstückspolitik ermöglicht worden, welche in letzter Zeit dahin geführt hat, größere Straßen- durchbrüche in den engbcbauten Stadtbezirken in Angriff zu nehmen. Dadurch sind bereits 12,6 Millionen Mark festgelegt worden. Um die Pläne fortzuführen, sollen noch weitere 7,4 Millionen bereitgestellt werden. Die Versammlung beschloß daher auf Vor- schlag des Magistrats, für den genannten Fonds eine Anleihe von 23 Millionen Mark aufzunehmen. Gegen die Verlängerung des Vertrages für die Mieträume im Hause Bergstr. 15. wo die 2. Hilfsschule untergebracht ist, wendet sich Stadtv. Dr. Silb erste in lSoz.), der diese Räume als für Schulzwccke ungeeignet bezeichnet. Redner verlangt vom Magistrat, daß er endlich für Unterbringung der Hilfsschule in einem eigenen Vau Sorge trägt. Die Stadtvv. Koye und Winter sprechen für den Vertrag, woraus dieser gegen die Stimmen der Sozialdemokraten genehmigt wird. Der vorgelegte Entwurf eines Nachtragsvertrages mit der Großen Berliner Straßenbahn und der Südlichen Berliner Vorort- bahn wird auf Antrag des Stadtv. Conrad lSoz.j an die Ver» kehrsdcputation zurückverwiesen. Der Antragsteller wandte sich gegen die im Vertragsentwurfe enthaltenen iveitgehenden Zu- geständnisse an die Straßenbahn- Gesellschaft betreffend die Durchführung einer Linie am neuen Bahnhof Kaiser-Friedrich- Straße vorüber nach dem dahinter liegenden neu zu erschließenden Terrain. Im Einverständnis mit dem Vorstand der städtischen Spar- k a s s e will der Magistrat für letztere ein eigenes Verwaltung?- g e b ä u d e an der Ecke Berliner und Münchencr Straße errichten. Die dort stehenden bereits im Besitz der Stadt befindlichen großen Wohnhäuser sollen zu dem Zweck abgerissen werden. Die Stadtvv. G r ö p l e r und Conrad sSoz.) wandten sich gegen das kost- spielige, auf 1 Million Mark veranschlagte Projekt und beantragten ..................>'"-i Ii'i t.j..-.J kann man meine Konfektion nennen. Fasaona eind nach neuen künstlerischen Entwürfen, die Formen individuell, modern und in 24 verschiedenen Grössen hergestellt. Jedes Stück ist ein Ersats für die Massanfertignng. Die Preise sind dnroh Ausschaltung des Zwischenhandels beim Einkauf von Boh- stofi und dnroh Herstellung im eigenen Gross betriebe besonders billig Ulster 1- und 2-relhlg [85] i53| 491 M N 132 27 22 18 ; Hunderle i Anerken- S nungen Anzüge 1- und 2-relhig Gottlieb Weiss Scltöneberg» Hauptstrass© 161 Ecke Kaiser- Friedrich- Strassea v5fr�--r* v— vf"T■•'■' Leske& Lehrer 78 Kottbuser Damm 78 l Herren- u. Knaben-Bekleidung Ulster ein- und zweireihig Mark 26.- 30.- 34.- 38.- 42.- 46.- 50.- Poletots Mark 22.- 26.- 30.- 36- 40.- 44.- 48.- : VozQgllche Stoffe: : Neueste Dessins- Hervorragende Passform Lieferanten der Konsum-Genossenschaft Uebcrweisung der Vorlage an eine gemischte Deputation. Die Versammlung beschloß demgemäß. Es folgte hierauf eine nichtöffentliche Sitzung. Elternverein für Sport und Wandern. Sonntag, den 24. März: Ausflug nach den Rüdersdorfer Äalkbergen.- Treffpunkt: Bahnhof Neukölln morgens 8 Uhr. Nachzügler bis mittags 2 Uhr Ruders- dorfer Äalkbcrge, Restaurant zum Bergwerk. Fahrgeld 1,(X> M., Kinder untc� 10' fahren 50 Pf. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend 6 Uhr in der Kaiscr-Friedrich-Straße. Vor dem Hause 236 wurden eine Frau Schurig aus der Weserstratze und ein Kind von einem vom Dachsims herabfallenden Stück Putz so schwer verletzt, daß die Frau auf dem Wege nach dem Krankenhause verstarb, ivährcnd das Kind nach dem Krankcnhause gebracht werden mußte. Charlottenburg. Seefischvcrkauf in Charlottenburg. Der Umsatz in der Woche vom 11. bis 16. März.wgr größer als sonst. Es stand ein reichliches Angebot von Jslandfischcn zur Verfügung, wodurch der Kaufpreis gedrückt und die Kauflust angeregt wurde. Kabliau und Schell- fisch aus der Nordsee bewegten sich auf der gewohnten Preishöhe. Nach Plattfischen war seinerzeit weniger stark Nachfrage, da man mehr nach Kochfischen l Rundfischen) verlangte. Die Preise waren folgende: Schellfisch 20— 46, Kabliau 17— 35, Seelachs 20— 28, Langfisch 22, Merlan 25— 26, Rotbarsch 23— 25, Schollen 25— 26, Rotzuugcn 30— 42, Knurrhahn 30, Leinandcs 40, Makrelen 35. Sonntag, den 24. März, vormittags Hasenhcide 52..Jugendweihe". Vortrag von Bündigkeit«. Damen und Herren als Gäste sehr freireligiöse Gemeinde. 10>I, Uhr. im.Hossäger", Dr. 3. Wille:»Religiöse Mündigkeit' willkommen. Sillgcmcine Kranken, und Sterbekasfe der Metallarbeiter Eingeschriebene Hilsskasse 23, Hamburg). Filiale Berlin 7. Sonntag, 24. März, vormittags 10 Uhr, bei Preppernau, Pasewaller Straße 3; Versammlung._ eingegangene Druckfcbrifteii. Wahrscheinlichkeitsrechnung. Von O. Meißner. 80 Pf.— Lebens- weife und Lraaniiation. Eine Einsührung in die Biologie von P. Decgencr. 5 M.. geb. SM.— Tic staatsbürgerliche Freiheit und daS freie Ermessen der Behörde», von P. Oertmann. 80 Pf.— Pflanzen und Jäten in Kinderherze». 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Leitfaden der Völkerkunde. Von Dr. K. Weule. Mit einem Bilder- atlas von 120 Tafeln. In Leinen gebunden 4,50. Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut. Interessante Kriminalprozesse von kulturhistorischer Bedeutung. Band 6. Aus Gegenwart und Jüngstvcrgangenheit. Nach eigenen Er- lcbnisscn dargestellt von H. Friedländer. Eingeleitet von Justizrat Dr. E.scllo- Berlin. H. Barsdors, Berlin\V. 30. 3 M. In Originalband 4 M. Reichsvcrsichcrutigsordnuiig nebst Eiuführuugsgeset, mit Er- läuterungen. Von Dr. L. von Köhler, I. Biescnbcrger, H. Schäfser und Dr. D. Schall. Dritte Lieferung: Unsallversicherung. Preis 5,10 M. W. Kohlhammer, Verlag in Stuttgart. Kosmos. Handwciser sür Natursreunde, Hest 3. Herausgegeben vom Kosmos, Gescllschast der Naturfreunde(Geschäftsstelle: Fianckhsche Verlags- handiung. Stuttgart), Jährlich 12 Hefte mit süns Buchbeigabcu 4,80 M. Goethes lefcte Tage. Von einem Goethe-Freund. 40 Ps. Speyer u. Körner, Freiburg i. B. Hefles Volksbücherei. 661—66. 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Mißstände der Gegenwart. Bon I. Kolb. 175 Seiten.— Die neuesten kleinen Bilder aus dem Leben. Bon Dr. I. Adolf C. Konegen, Wien. Fachblatt für Holzarbeiter. Heft 3, März 1312. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbcitcr-Verband in Berlin. Erscheint am 15. jeden Monats. 1 M. pro Vierteljahr. Deutscher Holz- arbcilcr-Verband, Expedition Berlin 0. 2, Neue Friedrichstr. 2, Wasserstands-Nachrtchten der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiierburcau. ')-s- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. auf Kredit liefert an jedermann fmit weitester Rücksichtnahme bei Krankheitsfällen und Arbeitslosigkeit) bei bescheidenster Anzahlung Paul Neugebauer Nachf., Wilmersdorfor Str. 31, Charlottenburg. Zur Einsegnung"HW empfehle meinen vorzüglichen Festbraten als Kalbskeulen.. von 85 Pf. an Schmortleiseh... 85., prima Kassier... Pfd. 85 Pf. prima weiche Schlackwurst 1,00 M. Schweineschinken. Pfd. 75 PL Pökelkamm....„80 Kotelett.....„90 Rückenfett u. Liesen b. 5 70 Lammkeulen.. 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Heft 9: Warum mu8t Du Sozialdemokrat sein 7 Heft 10: Die Sozialdemokratie als Arheitgeberin und Unternehmerin. Heft 11: Die Landbevölkerung und die Sozialdemokratie. Preis für jedes Heft iO PI. + Wiigknltidkn I G. m. b. H. Bei Verdauungsstörungen, Appetit- mangel, verdorbenem Magen, Sodbrennen, Blähungen, Magenschwäche, Magenkrampf, Ucbel- keit mit Erbrechen, überhaupt Magcnbeschwcrdco jeder Art sind die berühmten M Keichel's V Mageniropfen von Überaus wohltuender, heilsamer Wirfung! i»MÄ«i,„i.eeMnÄv'r,i'Jelieo" Vo in den Drogerien.nicht erhältlich. bei vi!» Reichel, 80., fteendsluistr.«. Kaufhaus für Damen=Putz Neukölln, Berliner Str. SI-53 HERMANN SABOR Berliner Str. 51-53, Neukölln Eröffnung am Sonnabend, 23. März Modeiiite vom einfachsten bis elegantesten Genre$ Kinderhßte» Trauerhüte in größter Auswahl A««! Jeder Käufer erhält am Eröffnungstage ein elegantes Geschenk! 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