N-.71. Bbonnsroents-Bedlngnngen: notmemtnti- Preis vränumerando: LierteljShrl. ZA» Mk., vwnaL. 1,10 Ml, wöchentlich 2S Pfg. frei ini Hau», Einzelne Nulmner S Pfg. Sonntag»- nunnner mit illustrierter Sonntagsbeilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ?lbonneincnu 1,10 Mark vro Monat. Eingetragen in die Posi-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sü Dänemark, nehmen an: Belgien, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Vschkwt tZglich«illa woivg». 39. Jahrg. VIe Iirierflonz-GeMlhr ietrigt für die sechZgespaltcne Kownel- gelle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerklchastliche Vereinsund VersauunlungS-Anzeigen M Pfg. „Uleine Hnirigm", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan zeigen das erste Bort 10 Pfg., jedes wertere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buch- 'taben zählen für zwei Worte. Inserate ■ür die nächste Nummer müsten hiS st. £ Uhr nachmittags in der Expedition ~" peditwn ist abgegeben werden. Die hiS 7 Uhr abends geof Verlinev Volklsbl�kk. XentYnXovqnn der fozialdemohrati feben partd Deutschlands. Xelegramm> Ad reffet �Soz>S!lIew«l!kU StklW". R-ectskrlon: KM. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISSZ« Sonntag, den Ä4. März 1913. ir j. Sxpcdttion: ÖM. 68, Lindctietrasse 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Werbet neue Anhiinger! Mit ganz vorzüglichem Erfolge hat sich in den ReichStagAvahl-. kämpfen die Sozialdemokratie geschlagen. 4'/« Millionen Wähler und 110 Mandate zeugen davon, wie wenig historischen Sinn unser« Gegner ent- wickeln, wenn sie von der Sozialdemokratie als einer.vorüber- gehenden Erscheinung" sprechen. Im Gegenteil! Immer mehr bricht sich in den breitesten Schichten des Volkes die Erkenntnis Dahn, daß einzig und allein die Sozialdemokratie es ist, die die Interessen der Ausgebeuteten und Unterdrückten bei jeder Gelegenheit vertritt. Der Stimmenzuwachs von einer Million gibt für diese Tatsache das best« Zeugnis. Nicht zuletzt ist das Gebiet Grotz-BerlinS an dem ge- waltigen Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen beteiligt. Hunderttausende Berliner Wähler haben durch ihre Abstimmung dokumentiert, daß sie sich eins fühlen mit den politi- schen und wirtschaftlichen Forderungen unserer Partei; sie haben vor der Wahlurne flammenden Protest erhoben gegen das ganze System geistiger und physischer Unterdrückung. Jetzt nach den Wahlen gilt es. die vielen Tausende neuer An« Hänger zu zielbewußten Sozialdemokraten heranzubilden. Die nimmer müde Agitation unserer Genosien wird auch hier nicht versagen; wissen wir doch, daß jeder neue über- zeugte Anhänger unserer Partei ein dauernder V e r l u st für den auf Ausbeutung der Massen aufgebauten Klassenstaat ist. Der „Vorwärts" ober ist bei dieser Werbearbeit eines der unentbehrlichsten Hilss- »Uttel; ihm liegt eS ob. die verworrenen Fäden des wirtschastlichen und politischen Lebens aufzuhellen, die inneren Ursachen der allgemeinen Un» Zufriedenheit den Lesern zur Erkenntnis zu bringen und sie in die Gedankengänge der sozialistischen Lebre ein- zuführen. Um dieser großen und schönen Aufgabe aber gerecht werden zu können, bedarf der.Vorwärts" der eifrigen Mithilfe der alten Kampfgenossen. Sie haben die Pflicht, durch unausgesetzte Werbearbeit neue Abonnenten dem.Vorwärts" zu gewinnen, damit ihm die Verbreitung wird, die er nach den Hunderttausenden in Groß-Berlin abgegebennen sozialdemokratischen Stimmen haben müßte. Und die Zeiten sind wahrlich dazu angetan, die Werbearbeit zu erleichtern. Scheinbar wirkungslos ist der Millionenprotest der sozialdemokratischen Wähler verhallt. Die Regierung trifft als politischer Ausschuß der reaktionären Klasse keine Anstalten, den Forderungen der übergroßen Mehrheit des deutschen Volkes entgegenzukommen. Als aber in den letzten Tagen gelegentlich des Bergarbeiter st reiks im Ruhrgebiete die geborenen Gesetzgeber deS Herrenhaus«« gewaltsame Unterdrückung deS Aufstandes verlangten, da war dieses reaktionäre Unterfangen unserer Regierung ein zwingender Befehl. Unter dem Segen der Zentrums- pfaffen, unter dem Jubel der Scharfmacher wurden Infanterie» Kavallerie und Maschinengewehre in das Streikgebiet entsandt. Und daS, trotzdem bereits ein Heer von über 6000 Schutzleuten und Gendarmen gegen die streikende Arbeiterschaft mobil gemacht worden war. Fast alle gegnerischen Blätter, vor allem die sogenannte unpolitische Presse, konnte ssch nicht genug tun in der s ch w i n d e l h a f t e n Schilderung der angeblich von Streikenden verübten Ungesetz- lichkciten. Allein diese schmähliche Tatsache muß unsere Genossen enipornen, die neugeworbenen Wähler zu Lesern des.Vor- wärtS", zi� Mitgliedern der sozialdemokratischen Organisarionen zu machen. Steht doch jetzt nach den Wahlen die Sozialdemokratie mehr noch als zuvor im Brennpunkt des gesamten politischen Lebens. Den ReichStagSverhandlungen geben die 119 erwählten Vertreter de? arbeitenden Volkes Leben und Inhalt. Aufgabe deS „Vorwärts" aber ist eS, seinen Leserkreis zu unterrichten über die verschiedenen Unterströmungen, die das gewaltige Ringen um Volksrechte beein- trächtigen und hindern. Zwar klein an Zahl, aber groß an politischer Macht ist der dem Volke entgegenstehende reaktionäre Klüngel. Parteigenossen! Ist e» Euch ernst mit dem unermüdlichen Ampf gegen die Reaktion? So sorgt dafür, daß den Volks- genossen Erkenntnis und Klarheit über deren politische Ziel« zuteU wird. Diese Einficht kann aber nicht durch Unterstützung der gegnerischen Presse gewonnen. sondern nur durch weitere Ausbreitung des.Vorwärts" erreicht werden. Je größer die Zahl der Leser de«.Vorwärts" ist, um so besser und vollkommener kann er seiner Bestimmung nachkommen. Der Bestimmung: rücksichtslvs und furchtlos die Lebrnsinteressen deS arbeitenden Voltes zu vertreten! Werbet neue Anhänger für Euer Kampfblatt I yolkzschule und Reaktion. Die Debatten, die in den letzten Tagen im preußischen Abgeordnetenhause über unser Volksschulwesen gepflogen wilrden, verrieten jedem Kenner der Verhältnisse und jedem Aufmerksamen die Leidenschaftlichkeit, mit der gegeowärtig fast mehr denn je der Kampf um die Volksschule geführt wird. Auch hier ist es die Sozialdemokratie, sind es die so- zialistifchen Bestrebungen, die den Mittelpunkt des Kampfes bilden. Das trat auch äußerlich mit unverhülltester Deut- lichkeit hervor. Ein ehemaliger Lehrer, Genosse Heinrich Schulz, hat die sozialistischen Forderungen au die Volksschule in einer umfangreichen, von uns bereits früher gewürdigten Schrift niederbiegt. Und diese Forderungen des ehemaligen Lehrers und jetzigen sozialdeniokratischen Abgeordneten sind von der pädagogischen Presse mit einer Verständnis- vollen Sachlichkeit und einer Anerkennung besprochen worden, die das Scharsmachertum in die lebhafteste Besorgnis versetzte. Eine sozialistische Schrift, die den Beifall und das Interesse der größten Lehrerorganisation findet— welches Schrecknis für unsere Staatserhaltenden, die doch die Lehrerschaft gar zu gern dazu, benutzten, uni wenigstens die heranwachsende Jugend gegen die Weltanschauung des Sozialismus einzu- nehmen! So begreiflich diese Empörung der scharfmacherisch- pfäffischen Kreise auch war. so begreiflich war andererseits auch die vielfach zustimmende Beurteilung, die das Buch unseres Genossen gefunden hat. Waren es doch die Forde- rungen der fortgeschrittensten, p fl i ch t g e t r e 11- esten Lehrerkreise selbst, die in dem Buch des so- zialistischen Lehrers ihren Ausdruck fanden, waren es doch die Erziehungsideale der hervorragendsten Pädagogen der letzten Jahrhunderte überhaupt, die in diesen: Buche in einer den modernen Verhältnissen entsprechenden Formulierung vor- getragen wurden! Die Lehrerschaft und ihre Presse hätte ihre anerkanntesten Theoretiker und ihre ureigensten Forderungen und Ideale schnöde verleugnen müssen, wenn sie den Postu- laten widersprochen hätte, die von Heinrich Schulz in seinem sozialistischen Schulprogramm eingehend und in strengster logischer Gliederung entrollt wurden! Die Mehrheit der deutschen Lehrerschaft fordert bei- spielsweise längst die Einheitsschule. Sie fordert, daß die Volksschule nicht wie heute eine Armen- und Proletarier- schule bildet, sondern die für alle Schüler vorhandene Vor- bildungsstufe. An diese gemeinsame Volksschule für alle soll sich das höhere Schuiwesen organisch angliedern, der- gcstait, daß jeder Befähigte ohne Unterschied seiner Herkunst und der sozialen Stellung und Vermögenslage seiner Eltern die höhere Schule absolvieren kann. Die sächsische Zweite Kammer hat ja denn auch bereits beschlossen, daß sich künftig in Sachsen an die Volksschule die höhere Schule angliedern solle, in der auch die Söhne des Proletariats und oller Minderbemittelten ihren Fähigkeiten gemäß höherer Bil- dung teill)aftig zu werden vermögen. Unsere besitzende Klasse in Preußen, unsere Junker und das mit ihnen aufs engste versippte Zentrum, wissen freilich ganz genau, daß diese erzieherischen Ideale der großen Pädagogen, zu denen sich auch der vorgeschrittenste Teil der Lehrerschaft bekennt, nicht durchführbar sind, ohne zugleich große soziale Umwälzungen hervorzurufen. Die herrschende Reaktion ist sich nur zu klar dessen bewußt, daß die Einräumung des Rechte- auf Bildung an die befähigten Kinder der proletarischen Klasien nichts anderes bedeutet, als ein Einbruch in die ökonomischen und politi- schen Privilegien unserer herrschenden Klassen überhaupt. Wird sich doch in der Praxis nur zu bald herausstellen, daß bei einer vernünftigen Er- ziehungsmethode die Begabimg keineswegs etwas Spora- disches und Außergewöhnliches ist, sondern daß jedes nor- male Kind bei einer rationellen Entwickelung der ihm inne- wohnenden besonderen Fähigkeiten durchaus Anspruch hat auf den Zutritt zu den höheren Schulen. Dem pädago gischen Bedürfnis würde sich dann aber die materielle Unterstützungsbedürstigkeit dieser proletarischen Anwärter auf höhere Bildung zugesellen, würde also die Auftollung der unbequemen sozialen Fragen auf dem Fuße folgen. Und das ist ja das Schreckliche! Das. was unsere besitzenden Klassen und ihre pfäffischen Klopffechter als Todsünde fürchten und verabscheuen. Wenn es noch gälte, hier und da der Dekoration wegen an den Handwerker, oder Prole- tariersprößling, als einem weißen Raben, eine ganz seltenen und infolgedessen wenig kostspieliegen Ausnahme- e r s ch e i n u n g, ein Stipendium zu gewähren, so würden ja auch die Herren Konservativen, Freikonservativen, das Zentrum und der zu diesem Reaktionsblock neigende Teil der Liberalen mit sich reden lassen. Da es sich aber um pädagogische Forderungen handelt, die gerade bei konsequent pädagogischer Durchführung ganz außerordentlich weittragende soziale Konsequenzen nach sich ziehen könnten, fühlt sicki die gesamte Reaktion durch das Vorgeben der wirklich ehrlichen und wissenschaftlich konsequenten Lehrerpresse aufgescheucht wie ein Ameisenhaufen, in dem man mit dem Stocke herumstöbert. Daher der wilde Borstoß des ultramontqnen Kreisschulinspektors Dr. Heß, daher die fulminante Rede des konservativen Herrn Heckenrot, daher der geradezu geifernde Denunziations- ausbruch des Zentrumsgrafen Strachwitz, daher das ganze Entrüstungsgeheul der blauschwarzen Reaktion samt ihrer Anhängsel! Aber auch das wüsteste Entrüstungsgeschrei all dieser Verteidiger des beschränkten Untertanenverstandes und der gottgewollten kapitalistischen Ausbeuwng wird die Tat- fache nicht zu verdunkeln vermögen, daß faktisch die soziali- stischen Volksschul- und Erziehungsziele sich durchaus decken mit jenen pädagogischen Idealen, für die gerade der vorgeschritten st e Teil der Lehrer s e l b st jederzeit eingetreten ist!.... Leider trugen die Reden der fortschrittlichen Landtagsabgeordneten eher dazu bei, diese unbestreitbare Tat- fache zu verdunkeln, als in das gebührende Licht zu setzen. Die Herren Kopsch, Schepp, Ernst, oder wie die freisinnigen Land- tagsredner heißen mögen, standen in dieser Beziehung an prinzipiellem Bekennermut und pädagogischer Konsequenz und Einsicht weit hinter der Lehrerpresse zurück. Daß die Herreu sich trotz der Tatsache, daß es unter � den Lehrern einen immerhin nicht geringen Prozentsatz von über- zeugten Anhängern der Sozialdemokratie gibt, zu dcni jämmerlichen Zugeständnis bequemten, das frei- lich kein Lehrer Sozialdemokrat sein d ü r f e ist für eine fortschrittliche Partei unglaublich beschämend! Daß die freisinnigen Herren Lehrer im preußischen Abge- ordnetenhause bemüht sind, gerade für den Fortschritt die möglichste Propaganda zu machen, kann ihnen natürlich kein Mensch verdenken. Aber daß sie für die Lehrer das Recht preisgeben, sich zu einer politischen Auffassung nicht nur im geheimen, sondern auch öffentlich zu bekennen, die augenblicklich schon von reichlich einem Drittel der Gesamtbevölkerung geteilt wird, verrät eine klägiiche Rechnungsträgerei gegenüber den Scharfmachern und der von ihnen aufgehetzten Regierung, die man bei einer ehr- lichen freisinnigen und fortschrittlichen Partei für u n m ö g- l i ch halten sollte! Wie auf dem Gebiete pädagogischer Forde- rungen, so bleibt auch auf dem Gebiete selbstverständlicher politischer Konsequengen der Freisinn im preußischen Abge- ordnetenhause meilenweit hinter> dem vorgeschrittenen Teile der Lehrerschaft selbst zurück! Und eine politische Oppositionspartei sollte doch wohl einen ganz anderen oppo- sitionellen Wagemut entwickeln, als die Fachpresse einer Beamtenkategorie, die dank der brutalen Anmaßung der Re- aktion, aber auch dank der jämmerlichen Feigheit derbürgerlichenOpposition ohnehin zur äußersten Vorsicht gezwungen ist! Es ergibt sich also das wahrhast groteske Faktum, daß die Lehrerschaft als solche und ihre Presse in ihren pädagogi- schen Forderungen und in ihrer Beurteilung der sozialen und politischen Rechte des Volkes und der Lehrerschaft weit radikaler waren, als ihre fortschrittliche Ver- tretung im preußischen Abgeordneten- Hause! Sollte das daran liegen, daß die freisinnigen Redner im Abgeordnetenhause selbst Lehrer und Rektoren sind und sich deshalb vor einer Maßregelung der durch die unglaubliche fortschrittliche Zaghafttgkeit nur gestärkten Re- aktion fürchten? Dann brauchten bei solch kitzlichen Fragen ja nur freisinnige Vertreter zu sprechen, die sich nicht im Beamtenverhältnis befinden und infolgedessen der Maßrege- lungsgefahr entzogen sind. Oder aber: Trifft das Näherliegende zu. daß der Fortschritt auf pädagogischem Ge- biete rückständiger als die Mehrheit der Lehrer und die maßgebende pädagogische Presse ist? Bei genauerer Prüfung der fortschrittlichen Darlegungen und der fortschrittlichen Redner muß man in der Tat zu dem Resultat gelangen, daß die fortschrittliche Lehrerschaft selbst längst dem zaghaften Pattonat und der zuweilen nur zu dis- kreditierenden Bevormundung durch die freisinnigen Redner des Abgeordnetenhauses entwachsen ist! Wer innerhalb der Lehrerschaft für einen rüstigen Fortschritt der Volksschule und für eine energische Verwirklichung der pädagogischen Ziele der modernen Lehrerschaft eintritt, sollte sich deshalb ernstlich überlegen, ob die Fortschrittliche Volkspartei auch künftig noch als Vor- kämpferin selbst der ureigensten Lehrerforde- rungen in Frage kommen kann! Keine Busilcht auf Steuererleichterungen. Die Hoffnung, daß aus den KommisfionSberatungen deS Ab- geordnetenhauses über die Novelle zu den Steuergesetzen schließlich doch noch etwas für die Minderbemittelten herauskommen werde, ist nach dem Gang der Verhandlungen der letzten Sitzung auf Null gesunken. Der Finanzminister hat auf die Frag«, ob die Regierung bereit sei, Anträgen zuzustimmen, die Einnahmeausfälle herbei- führen, rund heraus erklärt, sie sei völlig außerstande, das Gesetz anzunehmen, wenn ihr nicht daS an Einnahmen gegeben wird, was sie vorher gehabt hat. mit Ausnahme der Erleichterungen, die sie selbst vorschlägt. Daß diese Erleichterungen nicht nennenswert find, ist bekannt. Ebenso sicher aber ist es, daß die Mehrheit des Land- tages von einer stärkeren Heranziehung der Wohlhabenden und Reichen zugunsten der Arbeiter und deS Mittelstandes nichts wissen will. So ist es denn kein Wunder, daß die Kommission, die schon 'rüher eine Reihe sozialdemokratischer und fortschrittlicher Anträg- 1" »f üBgelelJni Ha!, ädl Freikag einen recht KescheiLenen� nakkoka!« liberalen Antrag verwarf, der wenigstens verheiratete Personen mit einem Einlommcn von 900 bis 1050 M. steuerfrei lassen wollte. Nur die Linke stimmte dafür, das Zentrum, dessen Vertreter den Mund nicht voll genug nehmen können, wenn eS sich darum handelt, die Arbeiter mit schönen Redensarten abzusipeisen, hat es fertig gebracht, auch diesen Antrag im Verein mit den beiden konservativen Parteien abzulehnen. Seine Verwirklichung würde noch Ansicht des Ministers 6 bis 0% Millionen kosten. Für die Reaktionäre Grund genug, ihn rundweg z»l verwerfen! Ueberhaupt nimmt das Zentrum in der Steuerkommission ganz dieselbe zweideutige Haltung ein, die wir von jeher an ihm gewohnt sind. Es stimmt gegen alle Anträge auf Erleichterungen, weil es angeblich das Kinde rpnivileg weiter ausbauen und die Mittel hier für zur Verfügung haben will. Tatsächlich hat es auch einen An trag auf Ausdehnung des Kinderprivilegs eingebracht, und zwar soll bei Zensiten bis zir 2190 M. für jedes Kind eine Ermäßigung um eine Stufe, für Zevsiten von 2100 bis 6500 M. für je zwei Kinder eine Stufe Ermäßigung eintreten, und die Grenze, bis zu der Abzüge zulässig find, von 9500 auf 12 500 M. erhöht werden Nun würde aber dieser Antrag einen Einnahmeausfall von 2216 Millionen für die Stantskasse bedeuten, und die Summe würde von Jahr zu Jahr um etwa 10 Proz. steigen. Es besteht also nach der bestimmten Erklärung der Rogierung und nach der Haltung der Parteien nicht die geringste Aussicht auf Annahme, und die Ar bciter würden demzufolge, da das Zentrum früher alle Anträge, die die Interessen der llnbenrittelleu wahren wollten, zu Falle gebracht hat, ganz leer ausgehen. Weitere Anträge auf?lusdchnung des Kinderprivilegs sind auch von anderen Parteien gestallt. Die Sozialdemokraten beantragen für Zensiten, deren Jahreseinkommen 3000 M. nicht übersteigt, für jedes Kind eine Ermäßigung um eine Stufe. Die Fortschrittler wollen, daß bei Zensiten bis 3000 M. für jedes zweite und jedes weitere Familienmitglied eine Ermäßigung um eine Stufe eintritt, und die Freikonservatilven verlangen eine Ermäßigung um eine Stufe für Steuerpflichtige unter 1200 M. bei Vorhandensein eines Kindes oder eines anderen Familienangehörigen. Der sozial demokratische Antrag würde nach Berechnung des Ministers 23 bis 24 Millionen, der fortschrittliche 17 Millionen, der freikonservative 5 Mllroneu Einnahmeausfall verursachen. Ob einer dieser Anträge angenommen wird, wird sich erst am Dienstag zeigen. Bis dahin ist die Zhbstimmung ausgefetzt. Von allgemeinem Interesse ist! noch die Ablehnung eines frei konservatiiven Antrags auf Eirrfühtung einer Junggesellen- st euer, und zwar sollten sich hiernach für unverheiratete über 30 Jahre alte Männer mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mar? die Steuersätze um 10 Prvz. erhöhen, vorausgesetzt, daß sie nicht gesetzlich zur Unterhaltung von Familienangehörigen ver pflichtet find. Ter finanzielle Efftki dieser Maßnahme würde nur etwas über sine Million ausmachen. Die Regierung verzichtete großmütig auf diese Mehreinnahm,', nicht auS grundsätzlichen Be denken, sondern wegen der techniscken Schwierigkeiten, die sich bei der Verwirklichung de? Gedankens der Junggesellensteuer ergeben. Das neue Programm der christlichen Gewerlifch ästen. Mehr noch als von feiten büqzerlicher Harmonieapostel ist stets von der Kirche auf die«Gemeinsamkeit der Interessen zwischen Unternehmer und Arbeiter hingewiesen worden. Keine päpstliche oder bischöfliche Kundgebung zur sozialen Frage, worin dieser Standpunkt nicht auf daL entschiedenste betont und worin nicht zugleich das Bedenkliche, Gefährliche und Verwerfliche geschildert wurde, durch gemeinsame Arbeitsniederlegung den wirtschaftlichen und sozialen Frieden zu störar. ES sei nur erinnert an die be- kannte Stelle aus der sogenannten Arbeiterenzyklika Leos Xlll. aus dem Jahre 1891. wo eS bezüglich der Arbeiter- ausstände heißt:.Dieses Vorgehen, das in der Gegenwart immer häufiger wird und immer weiteren Umfang annimmt, fordert die öffentliche Gewalt auf, Gegenwehr zu ergreifen, denn die Aus. stände gereichen nicht bloß den Arbeitgebern mitsamt den Arbeitern zum Schaden, siebenach- teiligen auch empfindlich Handel und Industrie, überhaupt den ganzen öffentlichen Wohlstand, außerdem geben fie erfahrungsgemäß Anlaß zu Gewalt- tätigkeiten und Unruhen und stören fo den Frieden." Der Jesuitenpater Lehmkuhl, der im klerikalen Reiche als eine besonders hervorragende Leuchte auf dem Gebiete der Sozialpolitik gilt, hat dem Streit im Jahre 169b eine besondere Schrift:„A rbe i tsve r t rag und Streik" gewidmet, worin er von der moralischen Seite den Ausstand jils Müßiggang der Arbeiter, nach der rechtlichen als Selbsthilfe, nach der moralisch-rechtlichen als Erzwingung von Rechtsverhältnissen, nach der wirtschaftlichen als Stockung der Produktion und Mehrung der Armut, für die allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnisse als bedrohliche Schärfung des Klassengegensatzes und Steigerung de? Klassenhaffes kennzeichnet. Und ein airderes in sozialpolitischen Dingen angeschenes Mit- glied der Gesellschaft Jesu, Heinrich Pesch, äußert sich in den „Stimmen von Maria Laach"(1907 Heft 2) dahin, daß es zwar dem einzelnen Arbeiter gestattet sei, die Arbeit niederzulegen, nicht aber einer größeren Anzahl Arbeiter gemeinsam. Wenn die ganze Arbeiterschaft eines Landes streiken wolle, habe die Wirt- schaftliche Produktion ihr Ende erreicht; wo sich der Ausstand auf ein für das Leben der Volkswirtschaft un- entbehrliches Produktionsgebiet beschränke, werde der Wohl st and des ganzen Volles aufs schwer st e geschädigt und in seinem Fortbestande gefährdet, und selbst lokale und partielle Streiks von geringerem Umfange könnten bei häufiger Wiederholung die Volkswirtschaft durch fortgesetzte Be- unruhigung in ihren Fundamenten erschüttern und den Wohlstand des Volkes auf das empfindlichste treffen. Diese Stellung der Kirche zum Streik erklärt es auch, weshalb sie Anspruch macht auf die Beaufsichtigung und Mitleitung der wirt- schaftlichen Organisationen der katholischen Arbeiter. Die Kirche will und kann ihrem Wesen und ihrer Lehve nach die Entscheidung nicht aus der Hand geben, ob bei einem Streik die rcligiös-sitt- lichen Gesetze, wie sie sie verkündet, nicht verletzt, ob die Jnter- essen von Staat und Gesellschaft nicht geschädigt werden; sie will und kann ihrem ganzen Wesen nach die Entscheidung darüber nicht dem beschränkten Laienverstande ihrer Gläubigen überlassen. Die katholischen Fachabteilungen haben sich diesen Ansprüchen der Kirche gefügt, die christlichen Gewerkschaften haben sich lange widersetzt, weil sie als Konkurrenzorganisationen gegenüber der sozialistischen Bewegung von selber klassenkämpferischc Gewohnheiten annehmen mußten. Aber schließlich sind doch die christlichen Gewerkschaften vor der Kirche zurückgewichen. Sie haben zivar nicht in aller Form dem Streik abgeschworen, aber sie werden in Zukunft sich nicht mehr an bedeutenderen Ausständen beteiligen. Am 14. März hat der Abgeordnete Schiffer im Reichstage den„Weitblick" des christlichen Gewerkvereins gerühmt, weil er fich dem Ausstande fernhielt. Und weiter sagte er: „Der Wsverksse'reln Rift sich auch 5ct ungeheuren Vekan?- lvortung bewußt, die ein die nationale Industrie so schwer schädigender Streik den Arbeiterorganisationen und deren Führern auferlegt. Der Gewerkverein hat die Jnter- essen der heimischen Bcrgwerksindustrie. die Interessen der anderen deutschen Industrien, namentlich der Eisen- und Textilindustrie, er hat die spezifisch deutschen wirtschaftlichen und staatlichen Interessen überhaupt trotz aller Verleumdungen und An- feindungcn nach besten Kräften wahrgenommen. Er hat das auch in seiner Eigenschaft als Arbeiterorganisation getan, weil er eben von der Ueberzeugung durchdrungen ist, daß diese Interessen ebenso sehr Arbeiterinteressen als allgemeine Interessen sind." Und der Abgeordnete Giesberts hat am 4. Aiärz im Reichstag als„schwerwiegendsten" Grund für die Abseitsstellung der Christlichen die Interessen der deutschen Industrie und das Wohl der Allgemeinheit angegeben, und am 14. März hat er sich im selben Sinne noch ausführlicher in folgen- der Weife geäußert. „Ein Bergarbeiierstreik ist etwas anderes als ein Streik in anderen Berufen, beispielsweise bei den Zigarrenarbeitern und bei den Schneidern. Wenn die Bergarbeiter in den Streik treten, so hat das zur Folge, daß hunderttausende Arbeiter anderer Be- rufe brotlos werden.... Wenn für die Industrie die Kohlen ausbleiben, so hatdas für sieunmittel- bare schlimme Nachwirkungen.... Ein Bergarbeiter- streik ist also für die Volkswirtschaft ganz anders zu bewerten als ein Streik eines anderen Berufes.... Sie(zu den Sozialdemokraten) mögen sich ja von dieser Ver- antwortung frei wissen, weil der Kumps gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung eine Ihrer Hauptaufgaben ist, wir aber, die wir auf dem Boden der heutigen staatlichen Ord- nung stehen, sind von der Verantwortung durchdrungen, welche ein solcher Streik für andere Berufe hat." WaS andere für einen Vorteil betrachten würden, daß nämlich die Bergarbeiter wegen der folgenreichen Wirkungen eines Berg- arbeitcrauSstandeS am besten ihre gerechten Forderungen durchsetzen könnten, das nutzen diese„Arbeitervcrtreter" gegen den Bergarbeiterausstand aus. Je günstiger die Dinge für die Berg- arbeiter liegen, desto weniger sollen sie die Möglichkeit eines Aus ftandeS haben. Die christlichen Gewerkschaften lassen also die Sache der Arbeiter im Stich— weil die Kirche als Anwalt der herrschen- den und besitzenden Klasse nicht will, daß die Arbeiter die Gestal- tung ihres Geschickes in die eigene Hand nehmen. Die Haltung. die die sogenannten Arbeitervertreter des Zentrums im Reichstage dem Bergarbeiterausstand gegenüber eingenommen haben, ist dem- nach die Kapitulation der christlichen Gewerk- fchaften vor den Herrschaftsansprüchen der Kirche. Die gemeinsamen Anweisungen", die Ende 1910 die deutschen Bischöfe den beiden Richtungen im chrjstkatholischen Ge- Werkschaftslager auferlegt haben, tragen ihre Früchte. Die christ- lichen Gewerkschaften haben jetzt endlich ein klares, unzweideutiges Programm. ES lautet: Unternehmerschutzl Die Dergarbeiterbeivegnng. Tie englischen Bergarbeiter. London, 22. März.(Gig. Ber.) Die Minimallohuvor- lage wird nicht das Ende des Kampfes bringen. Das steht augenblicklich ziemlich sicher fest. Die gestrigen Debatten im Parlament waren nichts als ein akademisches Geplänkel gegen- über den Entscheidungen, die heute im Parlament gefallen sind. Herr Asquith hat sich geweigert, ein Amendement der Arbeiterpartei, in den« gefordert wurde, wenigstens die Minimallohnsätze von 5 Schilling und 2 Schilling(die für Schichtlöhner und Knaben) der Vorlage einzuverleiben, an- zunehmen. Damit hat er es den Bergarbeitern unmöglich gemacht, die Vorlage anzuneh� men und wieder zur Arbeit zurückzukehren. Auf der Bergarbeiterkonferenz, die am Mittwoch stattfand und die sich mit der Minimallohnvorlage befaßte, wurden zwei Resolutionen von höchster Wichtigkeit angenommen. Die erste verlangte, daß die geforderten Minimallöhne für Schicht- löhner und Knaben, die zweite, daß die Minimallohnliste der Hauer der Vorlage einverleibt werden müsse. Die erste Resolution wurde einstimmig angenommen, die zweite nur nach langer Debatte mit über 100 OOV Stimmen Mehrheit. Man nahm nun allgemein und mit Recht an, daß die Berg- arbeiter schließlich der Vorlage zustimmen würden, wenn sich die Regierung herbeiließe, wenigstens die Lohnhöhe der Schichtarbeiter und Knaben im Gesetz anzuerkennen. Das hat die Regierung nicht getan. Durch diesen Beschluß hat sie, wie sich der Präsident der Bergarbeiterföderation Edward heute im Parlament ausdrückte, die Türe zu einer unmittel- baren Einigung zugeschlagen, die gestern noch offen zu stehen 'chien. Definitiv wird die Bergarbeiterföderation wahr- cheinlich zu der Vorlage erst Stellung nehmen, wenn sie Ge- setz geworden ist, waS jetzt nicht vor Montag oder Dienstag geschehen wird. Was aber die Stellung der Bergarbeiter ein wird, darüber kann kein Zweifel bestehen. Gewiß be- deutet die Minimallohnvorlage einen gewaltigen Fortschritt in der sozialen Gesetzgebung, aber den Bergarbeitern bietet ie doch in ihrer jetzigen Gestalt wenig greifbare Vorteile. Die Arbeiter wollen sich nicht den Schiedsgerichten anvertrauen, die in allen Fällen, wie die Dinge nun einmal liegen, die Mimmallöhne festsetzen würden und das, ohne von dem Ge- etz eine Direktive erhalten zu haben. Stach welchem Grund- atz soll der Vorsitzende der gemeinschaftlichen Tistriktsämter ne Löhne festsetzen? Nach den Lehren des Manchestertums oder nach der Anschauung der Bergarbeiter, daß der Minimal- �ohn ein auskömmlicher Lohn sein muß? Wie leicht könnte es vorkommen, daß der Schiedsrichter die Minimallöhne so estsetzte. daß den Arbeitern der Lohn als eine Beeinträchti- gung ihrer Lebenshaltung vorkäme. Die Bergarbeiterver- reter können es nicht wagen, ihren Mitgliedern nach diesem gewaltigen Kampfe nur den Schatten eines Sieges anzu- bieten. Was werden nun die drastischeren Maßregeln sein, die Herr AsguitH letzten Dienstag ankündigte? Wird er nun mit Gewalt versuchen, das zu schaffen, was er mit seiner Regierungskunst nicht vermocht hat? Aus den Reden einiger Minister könnte man schließen, daß die Regierung die Politik der Provozierung, den„Schutz der Arbeitswilligen" versuchen wird. Damit wird sie aber auch wenig ausrichten. Denn die Inorganisierten, die Arbeitswilligen, bilden unter den Unter- tagsarbeitern die verschwindende Ausnahme. Und daß die organisierten Bergarbeiter ihrer Föderation untreu werden, daran glaubt sie doch wohl selbst nicht. Man kann jedoch nicht wissen, was Regierung und Bourgeoisie zu glauben fähig sind. Sie haben in den letzten Wochen ihre Unwissenheit in betreff ber modernen Entwicklung der englischen Arbeiterbewegung und des Geistes, der sie beherrscht, so glänzend an den Tag gelegt, daß sie zu allen Selbsttäuschungen fähig scheinen. Vertagung des MinimallohngesetzeS. London, 23. März.(Privattelegrcnnm des„Vorwärts".) Die Verhandlungen über die Regierungsvorlage im �arlaWNtt hie für Mottfckg astgefetz! SakM. sin» Berfa g! SörSOK. te Surch die Weigerung der Regierung, die Mindestforderungen der Bergarbeiter, zwei und fünf Schilling Minimallohn der Vorlage einzuverleiben, die Vorlage den Bergarbeitern unannehmbar geworden ist. Montag früh wird eme Konferenz der Regierung, der Unternehmer und der Arbeiter stattfinden, um zu sehen, ob die Unternehmer die angedeuteten Mindestforderungen annehmen. Aus bester Quelle erfahren wir, daß die Annahme der Forde« rung durch die Unternehmer»novahrscheialich ist. Sollte die Rc- gierung dann ihre Vorlage im Parlament weiter vertreten, so wird die Bergarbeiterorganisation wahrscheinlich eine Urabstimmung über die Vorlage vornehmen lassen, Die Bewegung in Deutsiciilanci. Tos Ende des obersohlesischen Bergarbeiterstreiks. In N e u d o r f hielten am Freitag die streikenden Berg- arbeiter von der Hildebrand- und der Friedensgrube eine von mehr als tausend Personen besuchte Versammlung ab. Ge- nosse Biniszkiewicz schilderte eingehend die Ursachen der wilden Streiks und mahnte die Bergarbeiter zur Wie- deraufnahme der Arbeit, da der Streik aus- sichtslos sei. Die Versammelten beschlossen gegen drei Stimmen, so geschlossen, wie sie in den Streik gingen, die Arbeit wieder aufzunehmen und eine Zeit abzuwarten, bis die Knappen in Öberschlesien den Kampf aus der ganzen Linie aufzunehmen. Zugleich tagten in Zaborze, Poremba und Z a- brze die Arbeiter der fiskalischen Luisengrube und faßten nachstehenden Beschluß: „Die am 22. März versammelten streikenden Bergarbeiter der Königin Luisengrube beschließen, den Streik vorläufig abzubrechen, weil der größte Teil der oberschlesischen Berg- arbeiter nicht streikt. Die Versammelten wollen die bevorstehen- den Beschlüsse der Organisationen abwarten. Beschließen die Organisationen den Kampf, dann sind wir bereit, ihn sofort von neuem aufzunehmen. Die Versammelten sind davon überzeugt, daß hauptsächlich der Mangel an einer einheitlichen Organisation den vorzeitigen Streik hervorgerufen hat und ihn ebenso schnell zu Ende führen mußte. Die Versammelten geloben, ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, daß die Organi» s a t i o n g e st ä r k t wird, damit in Zukunft ein Kamps um ein besseres Dasein günstig verlaufen kann." In allen diesen Versammlungen versuchten Anhöngec und Angestellte der polnischen Berufsvereinigung für sich Stimmung zu machen. Die Versammelten wollten jedoch von diesen Herren nichts wissen. Charakteristisch sind die Berichte der oberschlesischen bür- gerlichen Presse, in der behauptet wird, im ganzen Revier hätten nur etwa 600 Bergarbeiter gestreikt; tatsächlich standen gut 2000 Knappen im Streik. Die Landräte der Kreise Katto- witz und Zabrze ordneten in den bestreikten Orten Beschrän» kung der Wirtschaftskonzessionen an. In Neudorf und An- tonienhütte mußten die Schänken den ganzen Tag, in Zaborze und Poremba von 5 Uhr ab geschlossen sein. In den beiden erstgenannten Orten, die im Kreise Kattowitz liegen, wurden von diesem Verbot alle Gastwirte getroffen; im Kreise Zabrze wurden dagegen mit der Beschränkung nur drei Gastwirte bedacht, die ihre Lotale den Arbeitern zu Versammlungen hergeben. Noch zu bemerken ist, daß die Arbeiter, die nun wieder in die Grube fahren wollen, aber zum Teil zurückgewiesen werden, keineswegs mutlos sind. Streikjustiz. Dortmund, 22. März.(Eig. Ber.) Das Landgericht Dortmund begann heute mit der Aburteilung der„Streikverbrecher". Zwei Streikende wurden zu sechs Wochen, respektive zwei Mo» naten Gefängnis verurteilt, weil sie einen Arbeitswillige» durch das Wort„Streikbrecher" beschimpft, sowie ihn getreten und mit einer Hundepeitsche geschlagen haben sollte» Di« Unter» suchungShaft wurde aufgehoben. Die Christlichen auf internationalen Pfade». Unter den Vorwürfen, die die christlichen Arbeiterführer gegen den Ausstand der Ruhrbergleute erhoben haben, spielt der„S Y in p a t h i e st r e i k" eine bedeutende Rolle. Der Bergarbeiterausstand, so hieß es. sei unternommen worden auf Betreiben des alten Verbandes, um den ausständigen Bergarbeitern in England den Erfolg zu sichern, um zu verhüten. daß deutsche Kohle nach England geschafft werden könne. So etwas werde der gut national gesinnte Gewerkverein der christlichen Bergleute, dem die heimische Industrie an erster Stelle stehe, nicht mitmachen. Demgegenüber ist eS interessant zu wissen, daß die Christ- lichen selber ernstlich an der Herstellung einer Organi» sation der chri st lichen Arbeiter aller Länder gearbeitet haben. Herr Schiffer, der im Reichstage mit dem Schreckenswort vom„Sympathiestreik" besonders eifrig operiert hat. gab im Jahre 1908 ein Schriftchen zur Förde- rung der internationalen Verbindung der christlichen Textil» arbeiterorganisationen heraus, worin es hiefe: Im Zeitalter der organisierten Großindustrie, des Weltverkehrs und des Welthandels in einer Zeitperiode, der namentlich im Wirtschaftsleben der Stempel des Großen aufgc- drückt ist, in einer Zeit, die internationale Be.rständi- gungen auf den verschiedensten Gebieten als fast alltägliche Erscheinungen aufweist, kannauchder Gedanke der Annäherung der Arbeiterorganisationen der verschiedenen Länder nicht von der Hand ge» wiesen werden. Im Juli 1900 fand im Anschluß an eine Vesammlung christlicher Textilarbeiterverbände Westdeutschlands eine internationale Konferenz christlicher Tex» tilarbeiter statt. Diese Konferenz, auf der Herr Schiffer das große Wort führte, faßte folgenden Beschluß: Bei wichtigen yewerlichaftlichen Ereignissen, bei Ausstände» usw. verpflichten sich die einzelnen Organisationen, den°»S- ländischen Bruderverbänden Mitteilung zu machen, die dann ihrerseits gehalten find, moralische und möglichst auch materielle Unterstützung zu leiste» vor ollem aber bei Streiks Zuzug fern, zuhalten. Auf einer zweiten Konferenz dieser Art. die im September 1901 stattfand, wurde ein Kartellvertrag unter den Textil. arbeiterorganisationen der beteiligten Länder abgeschlossen. der 1907 erweitert und in neuer Fassung festgestellt wurde. Bezüglich der Unterstützung der Verbände bei Streiks sagt der Vertrag: Bei Ausstände» und Aussperrungen tritt dann eine gegen» seitige Unterstützung der Verbände ein, wenn die Situation der- art schwierig ist, daß die beteiligte Organisation den Kampf nicht allein durchzuführen vermag... Derjenige Verband, der die Unterstützung anderer Organisationen üezw. eine Beihilfe auS der internationalen UnterstützungSlasse beansprucht, ist gehalten. denselben möglichst vier Wochen vorher über Ursachen und Aus» dehnung des AusstandeS Bericht zu erstatten. Man sieht, die national gesinnten Christen konnm auch lnterngtionaj sein, wenn es iv ihren Gram patzt. Moralische irnb materielle Unterstützung bei Streiks, Fernhalten von Zu- zug, Beihilfe aus der internationalen Unterstütznngskasse— ja." was bleibt denn da noch übrig bis zur Verweigerung von Streikarbeit und, wenn die Not an den Mann geht, bis zum Sympathiestreik. Grundsätzlich können die Christlichen, die sich ihren ausländischen Bruderorganisationen zu moralischer und materieller Unterstützung bei Arbeitskämpfen verpflichtet haben, doch auch gegen einen Sympathiestreik nichts ein- wenden. Es sei noch daran erinnert, daß die christlichen Berg- arbeiter sich 1906 und 1907 an den allgemeinen internatio- nalen Bergarbetterkongressen und die christlichen Textil- arbeiter sich 1906 am internationalen Textilarbeiterkongreß in Züri chbeteiligt haben, bis ihnen hier begreiflich gemacht wurde, daß man mit Organisationen, die der Arbeiterzer- splitterung wegen geschaffen seien, nichts zu tun haben wolle. Die christlichen Textilarbeiterverbände haben dann ihre eige- nen internationalen Kongresse abgehalten. 1903 fand in Zürich die bekannte internationale Konferenz christlicher Gewerkschaftsführer statt, wo Herr Schiffer den Bischöfen sein:„Bis hierher und nicht weiter!" entgegenrief. Er hat nachher Abbitte für das Wort getan. Die Christlichen haben sich, um der Aufhebung zu entgehen, den Jesuiten in Rom unterworfen. Und ihr schäbiges Verhalten den Ruhr» bergleuten gegenüber bringt den Nachweis, daß sie nichts sind als die getreuen Knechte des Zentrums und der Kirche. Zur Bergarbeiterbewegung in Frankreich. Aus Paris wird uns unterm 21. März berichtet: Von 6308 Bergleuten im Becken von Anzin sind heute noch 4182 ausständig: der Streik ist also in der Abnahme be- griffen und wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß ihm keine lange Tauer mehr beschieden sein wird. Der allge- meine Wirrwarr spiegelt sich in zwei Aufrufen wieder, die der Exekutivausschuß auf der einen Seite und das Syndikat von Anzin auf der anderen Seite erlassen hat. In dem Auf- ruf, den der Exekutivausschuß der nationalen Föderation per- öfsentlicht bat, heißt es: .Die Bergarberter von ganz Fvankreich haben ihr« Taktik auf einem gemeinsamen Kongreß festgelegt. Wenn sie sich jetzt un- fähig erweisen, die in voller Freiheit gefaßten Beschlüsse zu halten, so geben sie damit ein trostloses Beispiel der Schwäche und des Mangels an Zielbewutztsein. Alle ihre Kraftanstrengungen in der Zukunft würden vergeblich sein, ihre Feinde hätten daS Recht, ihrer Belanglosigkeit zu spotten, und man kann sicher sein, daß sie von diesem Recht rücksichtslos Gebrauch machen werden. Auf keinen Fall werden daher die Bergarbeiter wollen, daß an ihrer Unfähigkeit und Disziplinlosigkeit dereinst das große Be- freiungSwerk scheitert. Wie eS seiner Pflicht entspricht, fordert der ExekutivauSscbuß die Bergarbeiter auf, sich nach den in Angers gefaßten Beschlüssen zu richten und daS AbstimmungS- resultat, das den Ausstand in der gegenwärtigen Zeit verwirrt, zu respektieren. Kein Bergarbeiter darf dem Referendum ent- gegenhandeln." Aus der Antwort, die hierauf daS Syndikat des Beckens von Anzin veröffentlicht hat, geben wir folgende Stelle wieder: „Was werden die Bergarbeiter in diesem Zeitpunkte tun? »■»Sind sie nicht gleich un« von demStreben durchdrungen, sich mit den Kameraden der übrigen Kulturländer solidarisch zu erklären und j jicgen ihre Unterdrücker, gegen Regierung und Kapitalismus, den Kampf aufzunehmen? ES ist in hohem Grade zu bedauern, daß der ExekutivauSschuh sich weigert, den Nationalen Ausschuß zu- kammenzuberufen. wo doch mit Sicherheit anzunehmen ist, daß dieser Ausschuß die durch den Streik von Anzin geschaffene Lage berücksichtigen und die in Angers gehaßten Beschlüsse aufheben wird... Treten wir erst nach einigen Monaten in den Kampf, dann wird«S zu spät sein, weil dann die englischen und die deut. schen Bergarbeiter längst die Arbeit wieder aufgenommen haben." So daS Syndikat von Anzin. Erwähnt sei noch, daß der Vorsitzende der Gewerkschaft von Anzin, Genosse Lef6vre, der gleichzeitig Bürgermeister von Denain ist, sich geweigert hat, für die ins Streikgebiet entsandten Truppen Quartier zu besorgen. Pari«, 23. März. M. T. 99.) Der Vollzugsausschuß des inter- nationalen Bergarbeiterverbande» richtete an die Bergleute von Anzin die Aufforderung, den gegenwärtigen Streik aufzu- geben, da aus ihm keinerlei Borteile erwachsen könnten. Wie au« C a r m a u x gemeldet wird, beschäftigte sich das Bergarbeiter. syndikat mit dem Plan, den Gesamtausstand für deu 1. Mai zu proklamieren, um die Deputiertenkammer zu zwingen. die Forderungen der Bergleute noch bor den Ostcrferien in Beratung zu ziehen. ES heißt, die eingeschriebenen Seeleute und Hafenarbeiter hätten beschlossen, die Streikbewegung dadurch zu unterstützen, daß sie da» Löschen ausländischer Kohle verhinderten. Tie Streiks in Böhmen. Prag, 23. März. Gestern nachmittag ist ein R ü ck g a n g d e r Streikbewegung infolge von Zugeständnissen der Grubenbesitzer eingetreten. Der Ausstand im Teplitzer Re- vier dürfte bereits beendet sein. Alle anderen Gewerkschaften er. klären sich zu den w e i t e st g e h e n d e n Zugeständnisse« bereit. Die Gewerkschaft Brucher Werke, wo sich der Herd des AuSstondSgebieteS befindet, erklärte sich in einer Kundgebung zu Zugeständnissen bereit, falls in allen Schichten die Arbeit bis Dienstag wieder aufgenommen wird. In Steiermark. Die Direktion der Oesterreichischen Alpinen Moniangesellschaft hat beschlossen, den Arbeitern eine Lohnerhöhung von unge- fähr 5 Proz. zuzugestehen. Tie Entscheidung darüber, ob die Ar- beiter mit diesem Zugeständnis«inverstandcn sind, wird in den heute und Montag stattfindenden Bergarbeiterversammlungen fallen. Bevorstehender Streik in Spanien. Madrid, 23. März. In Bilbao macht sich Kohlen- mangel bei den Hochöfen fühlbar. Man hat beschlossen, den Betrieb einzuschränken, was eine Verringerung des Ar- beitspersonals zur Folge habe« würde. Die Bergwerks- bcsitzcr von Astatrien teilten der Regierung mit, daß sie die von den Bergarbeitern geforderten L o h n e r h ö h n n- gen nicht bewilligen könnten. Ter G e s a m t a u s- st and scheint unmittelbar bevorzustehen. Vor dem Streik in den Vereinigten Staaten. New S«rk, 23. März. Die Kohlenpreise steigen weiaer, da zum 1. April eine Arbeitsein st ellung der Anthracit- und der Weichkohlengruben erwartet wird. Nach einer Meldung auS Chicago stellen Agenten der Bundes- regierung Untersuchungen an über einen angeblichen Kohlentrust in Illinois. Rem Kork, Pcnnsylvanien und ande- ren südlichen Staaten. Da» hat auch Roosevell bei dem letzten großen Streik getan, und e» wird als ein Mittel angesehen, das der Regierung die Möglichkeit zum Einschreiten geben werde. Eleveland(Ohio), 23. März. Den Zechenbesihern und den Grubenarbeitern ist es bisher nicht gelungen, eine Einigung zu erzielen. Die Verhandlungen sind auf Dienstag ver- tagt worden. Die Angestellten haben bis jetzt alle von den Minen- besitzern vorgeschlagenen Vergleiche abgelehnt. Sei' Krieg. Die gesperrten Dardanellea. Konstantinopcl, 23. März.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.» Korresp.- Bureaus.) Bisher sind in den Dardanellen zwei Reihen von je 40 Kontaktminen gelegt worden. Wie verlautet, sind gleich noch dem Legen der Minen vier explodiert, ohne jedoch Schaden anzurichten. Konstantinopel, 23. März. Die Hamburg- Amerika- Linie hat ihren Dampfer.Cincinnati' angewiesen, vor der Einfahrt in die Dardanellen umzukehren, weil sie die an Bord befind- lichen Passagiere nicht der Minengefahr aussetzen will. Rußland und die Türkei. Konstantinopel, 23. März. Die Minister berieten gestern bei dem Großwestr über die Lage.— Infolge Erklärungen zwischen dem russischen Minister des Auswärtigen Ssasonom und dem türkischen Botschafter in Petersburg wurden, wie die Zeitungen melden, die türkischen Truppen au« dem von den Türken Nivahiicharkie benannten persischen Gebiet zurückgezogen. Auch die russischen Ab- teilungen sollen auS dieser Gegend zurückgezogen sein. Der Grund der russischen Konzentrationen habe darin gelegen, daß die Türken in Revahncharkie eine Volkszählung begonnen haben. Kriegskouterbande. Rom, 20. März.(Eig. Ver.) Der vor einiger Zeit im Hafen von Trapani beschlagnahmte englische Dampfer.ReScuer" ist am 18. d. M. durch eine besondere Kommission daraufhin untersucht worden, ob seine Ladung als Kriegsmaterial im Sinne der inter- nationalen Abmachungen zu betrachten sei oder nicht. In dem außerordentlich umfassenden Raum des Schiffes wurden zwei Ge- birgskanonen gefunden, vier Mitraillekanonen, 1000 Mausergewehre. 1300 Gewehre der Fabrik Martini. 1130 Bajonette, 3 Millionen Kar« tatschen für die Mitrailleusen, 8000 Schrapnell». 4 Kisten mit Balistiti» und viel anderes Material. Außerdem transportierte der Dampfer 80000 Unterhosen und Hemden, 30 000 Paar Strümpfe, 4 Nähmaschinen usw. Der Kommandant hat erklärt, daß bei einer englischen Bank 400 000 Lire deponiert worden find, um den Besitzer de» Dampfers im Falle des Untergangs oder der Kaperung des Schiffs zu ent« schädigen. Weiter hatte die türkische Regierung 52 000 Lire für den Transport bezahlt. Das Material sollte auf der Küste zwischen Sliten und Misurata ausgeschifft werden, wo man auf die Empfang- nähme vorbereitet war. Der Plan scheiterte an der Ueberwachung der Küste durch italienische Kreuzer. Sie Revolution In China. Kampf der Fremde» für das Frauenwahlrecht. Schanghai, 23. März. In Schanghai ist man über daS lang- käme Arbeiten der Nationalversammlung sehr verstimmt. Namentlich der Frauen hat sich eine bedenkliche Erregung er- griffen, da da» F r a u e n st i m m r e ch t noch immer nicht Gesey geworden ist. Gestern drangen zahlreiche Frauen in den Palast, in dem die Nationalversammlung ihre Sitzungen abhält, ein, zerbrachen die Fensterscheiben und jagten auch den Mitgliedern der höchsten Gesetzgebung einen großen Schrecken ein, indem sie sie zwangen, die Sitzung fortzusetzen. Erst nachdem da» sofort requirierte M i l i t ä r eingetroffen war, konnte die Ruhe wieder hergestellt und in die Be« ratung eingetreten werden. poUtifcke deberficbt, Berlin, den 28. März 1912. Abschluß der sozialpolitischen Debatte«. Aus dem Reichstag, 23. März. Der Etatsnot soll durch ein besonderes Gesetz abgeholfen werden, das den Reichshaushalt vorläufig regelt, ehe das neue Rechnungsjahr beginnt. Aber der Notgesetzentwurf ist nicht ganz so harmlos formaler Natur, wie es heute der neue Staatssekretär des Reichsschatzamtes glauben machen wollte. Herr Kühn kün- digte in diesem Zusammenhang die grundsätzlichen finanz- politischen Erörterungen für die Beratung der Rllstungsvor- lagen an, und er benutzte die Gelegenheit, um seinem Vor- gänger eitrige Worte der Erinnerung zu widmen. Da in- dessen der Entwurf der Regierung eine allgemeine Er- mächtigung zu Ausgaben geben will, so ivurde auf Antrag der Fortschrittler, dem Genosse Molkenbuhr ausdrücklich beitrat, die Vorlage zunächst an die Budgetkommission ver- wiesen. Die Zuckerkonvention hingegen wurde sofort in zwei Lesungen erledigt, nachdem sie noch eine interessante Debatte veranlaßt hatte. Gras Schwerin- Läwitz ver- trat die ablehnende Haltung der unentwegten und nimmer- satten Agrarier. Demgegenüber konnte Genosse B e r n st e i n zahlernnäßig nachweisen, tvas von der angeblichen Schädigung und Opferfreudigkeit der Zuckerindustrie zu halten ist. Unsere Zustimmung zur Konvention erklärte er aus dein Grunde, weil wir unter keinen Umständen die Rückkehr der alten ver- traglosen Zeit und der Prämienwirtschaft wollen. Unsere Forderung auf Herabsetzung der Zucker st euer wurde auch von dem Nationalliberalen Sieg und vom Fortschrittler Dr. D o o r m a n n nnterstiitzt. Herrn Dr. Arendt ist die Konvention nahezu so unannehmbar wie seinem gräflichen Nachbarn. Aber seine Anregung, die zweite Lesung und damit die Wirksamkeit der Konvention noch aufzuschieben, hat wenig Erfolg. Er findet zwar noch einige Unterstützuirg bei dem Welsen M e d i n g und bei dem Nationalliberalen Kley«, aber Abgeordneter Dr. Spahn sprach die Zustimmung des Zentrums aus. Der vom Grafen ä ch w e r i ir unternommene Versuch einer Polemik gegen die Sozialdemokratie wurde vom Genossen Wurm unschwer zurückgewiesen. Tann wurde endlich und wirklich der Etat des Reichs- amts des Innern erledigt. Herr Dr. F a e g e r vom Zentrum verlangte ein Reichswohnungsgesctz. das die Einzelstaaten zu lebhafter Tätigkeit zwingen soll. Der Staatssekretär Dr. Delbrück erklärte sich bereit, an den Arbeiten einer Kommission energisch mitzuarbeiten, deren Einsetzung be- antragt ist. In der weiteren Debatte macht Genosse Fischer- Hameln noch aus besonders schlimme Fälle im Wohnungs- elend aufmerksam. Alle Anträge und Resolutionen gehen an eine besondere Kommission, in der die Regierung»un ihren. Willen zur Tat bekunden kann. Die Generaldebatte des P o st e t a t S beginnt mit einer Rede des Genossen Z u b e i l. Der Redner unserer Fraktion brachte in ausführlicher Rede die zahllosen Beschwerden und I Klagen der Postbeamten und Postunterbeamten bor. An vielen Einzelfällen konnte er nachweisen, wie unsozial, un- gerecht und willkürlich die Postverwaltung verfährt. Es war eine deutliche Sprache, in der Genosse Zubeil redete! � Die Fortsetzung der Generaldebatte findet am Dienstag statt, nachdem zuvor die Zuckerkonvention und einige Wahl- Prüfungen erledigt sind._ Die geistige Höhe des Junkerparlaments. Die Verhandlungen über den Kullusetat, die am Sonnabend fortgesetzt wurden, zeigen wieder einmal, aus einer wie erstaunlich geistigen Tiefe das preußische Dreiklassenparlament steht, eine geistige Tiefe, die nur noch durch die Brutalilät übertroffen wird, mit der man die Slimine der Wahrheit, die Stimme des Sozialismus, zu unterdrücken bemüht ist. Zur Debalte stand zunächst ein nationalliberaler Antrag, der die Aufwendung höherer Mittel zur Beseitigung der über- füllten Klassen fordert, und ein fortschrittlicher Antrag, der die Beseitigung der Halbtagsschulen verlangt. Nichts wäre natür- licher gewesen, als daß sich die Beratung dieser Anträge zu einer Kritik unseres gesamten Volksschulwesens gestaltet hätte. Da» war auch die Absicht des von der Sozialdemokratie be- stimmten Redners, des Genossen Borchardt, der um so mehr Grund dazu hatte, weil an den Tagen vorher die Mehrheit uns das Wort abgeschnitten hatte, nachdem eine Reihe von Abgeordneten das sozialdemokratische Schulideal lächerlich zu machen sich bemüht hatten. Herr v. E r f f a, der neue Präsident, den anscheinend der Ruhm KrvckierS nicht schlafen läßt, war anderer Meinung, er ver- tritt die Ansicht, daß eine solche Debatte unzulässig ist. Genosse Borchardt ließ sich nicht irre machen, er versuchte, da» zu sagen, was zu sagen ihm nötig schien. Aber schließlich mußte er der präsi- dialen Gewalt weichen. Herr v. Erffa entzog ihm nach drei- maligem Ruf zur Sache das Wort und die Mehrheit billigte dies Verhalten ihres Präsidenten— ein neuer Beitrag zum Kapitel der Redefreiheit im Junkerhause. In der Sache selbst lehnte daS HauS den fortschrittlichen An- trag ab, den nationalliberalen überwies eS der Budgetkommission. Weitere Anträge, die die Erleichterung deS Universitätsbesuchs der Volisschullehrer bezwecke», gingen an die Unterrichtskommission. Den Clou des TageS bildete die Besprechung der staatlichen Jugendpflege nebst den dazu vorliegenden Anträgen auf Ausgestaltung dieses neuen Systems der Sozialistentötung. Die sozialdemokratische Fraktion hatte beantragt, daß das Geld ohne Rücksicht auf die poli- tische Stellung verwendet werden soll zum Schutz von Kindern gegen Mißbrauch. Ausbeutung und Mißhandlung, insbesondere aber auch zugunsten der fteien Jugendbewegung. Dieser Antrag erschien den Gegnern fast als Hochverrat. Einer nach dem andern wettert gegen die böse Sozialdemokratie, die den Kindern die Religion und die Vaterlandsliebe au« dem Herzen reißen wolle: alle Fälschungen des Reichsverbandes wurden gegen uns in» Feld geführt, im KriegervereinSton ging es gegen den.Erzfeind", die.Umstürzler", die„Vaterlandsverräter" und wie die geschmackvollen Namen sonst noch heißen, lo». Den Bogel schoß der Zentrumsabgeordnete Kesternich ab, der alle Nummern der„Arbeiterjugend" einer eingehenden Prüfung auf ihren gefährlichen Inhalt hin unterzogen hat und einen Zitatcnsack auf den Tisch des HauseS legte, der an den bekannten Zitatensack des Herrn v. Köller erinnert. Abgeordneter Kesternich ist zwar von Beruf Lehrer, aber daS hindert ihn nicht, Heine. Schubart. Bischer und andere Gerstesheroen nicht zu kennen und deren Geistesprodukte als von der Sozialdemokratie bestellt und für die Sozialdemokratie geschrieben zu bezeichnen. Der Vertreter der Sozialdemokratie wird erst am Dienstag zu Worte kommen._ Bayerns Anteil au der HeereSvermehruug. Wie Wolffs Telegraphenbureau aus München meldet, be- absucht igt die bayerische Heeresverwaltung anläßlich der HeereSver» stärkung die nachstehenden Maßnahmen auszuführen: Bei der In- fanterie soll eine Anzahl von Bataillonen auf höhere Etat» gebracht werden. Zwei Bataillone werden auS dem diesseitigen Bayern in die Pfalz verlegt. Die der Grenze benachbarte dritte Division wird dadurch schon im Frieden auf ihre volle Anzahl von Bataillonen gebracht. Bei sämtlichen Jnfanterieregimentern, denen bisher noch keine Maschirrengewehrkoinpagnie zugeteilt war, sollen Maschinen- gewehrkoinpagnien errichtet werden. Die Zahl der Stellen für Majore und Hauptleute beim Stabe von Jnfan- terieregimcntern soll vermehrt werden, um über die, zur Besetzung von Stabsoffizierstellen bei MobilmachungSsorma- tion benötigten Offizier« zu verfügen. Beim fünften Chevaux- legerS-Regiment in Saargemünd wird eine fünfte Eskadron er- richtet. Die fünf Artillerieregimenter sollen die zurzeit noch fehlenden sechsten Batterien erhalten, die Batterien niederen Etats auf mittlere Etats gebracht werden,. Mit Rücksicht auf den 99edarf an Offizieren im Mobilmachungsfall ist beabsichtigt, bei der Feldartillerie die Stellen für sechs Oberstleut- nants und für sechs weitere Hauptleute beim Stabe zu etatifieren. Die Futzartilleriebrigade wird in drei Re. gimenter zu je zwei Bataillonen gegliedert. AIS Standorte sollen zugewiesen werden: dem ersten Regiment München und Neuulm, dem zweiten Regiment Metz, dem dritten Regiment Ingolstadt. Jede? Regiment erhält eine Bespannungiabteilung. Die Etat» der schon bestehenden Bespannungsabteilungen werden erhöht. Bei den Pionieren wird ein viertes Bataillon gebildet. Zwei Kompagnien werden neu errichtet. Außerdem tritt je eine Kom- pagnie de» 1. und 2. Pionierbataillons zum vierten über. Als Standort ist zunächst Ingolstadt und später Bermersheim in Aus- ficht genommen. Bei den Verkehrstruppen werden die Etat» erhöht. Das Telegraphenbataillon erhält eine 3. Kompagnie und eine eigene BespannungSabteilung. Eine Fliegerkompagnie wird neu errichtet. Bei den Pionierbataillonen sollen vier Kompagnien auf- gestellt werden. Endlich werden vier Landwehrinspektio. nen errichtet mit den Sitzen in München, Nürnberg, Würzbnrg und Landau. Die Verhandlungen über die durch die geplanten Maßnahmen bedingten weiteren Aenderungen in der Unterbrin- gung der Truppen sind noch nicht abgeschlossen. Die Durchführung der beabsichtigten organisatorischen Maßnahmen verteilt sich aus die Jahre 1Sl2 bis 1914. Diese Angaben, die etwas detaillierter sind, als die gestrigen summarischen Mitteilungen der„Norddeutschen Allgemeinen Ztg.", lassen schon eher einen Schluß zu auf den Umfang der Berstärkun- gen und die Art, wie die Truppenorganisationen ausgebaut oder durch neue Formationen ergänzt werden soll. Ein allerdings sorg- sam verschwiegener Hauptgrund für die Neugestaltung der Dinge ist, wie au» den Angaben für daS bayrische Kontingent hervorgeht. die Verbesserung der AvaneementSverhält- nisse im Offizierkorps. Die jetzig« Vorlag« sieht eine ganze Anzahl höherer Kommandostellen, dann aber sehr zahlreiche Stabsoffizier- und Haiiptmannsstcllen bor. Damit soll wieder ein- mal ein kräftiger Zug in die stockende Beförderungsmaschine gc- bracht werden. DaS Ganz« läuft also aus die Vermehrung der Ver- sorgungSstellen für die Söhne-ine» hohen Adels und für die de« Offizierrocks für würdig erachteten Bourgeoissprößlinge hinaus, wa» sich noch genauer nachweisen lassen wird, wenn die Wehrvor. lagen in ihrem ballen Umfang« beröfientlichk werden. Die Er-kSo hat die Adresse eines Briefes folgende Susschristi»An Josephs TuVfVitrm Spr nf tm(Mipnenirth ait S<*r Ao'fioir- CO�CfJC, f&x******** ti**.**<**.*r�fi\ xx**!**.**•&**.*.*** höhung der MannschaftSlöbnung ist im Gegensatz zu der weitgehew den Fürsorge für die Qsfizierkaste ein sehr dürftiger Akt aus. gleichender Gerechtigkeit. Wie der Bund der Landwirte die kleine Provinzpresse kauft. Ein interessantes Beispiel dafür, welche Mittel die gegen den groben Materialismus der heutigen Zeit donnernden Leiter des vom Kalisyndikat subventionierten Bundes der Landwirte anwenden, um sich die Gunst der kleinen agrarischen Provinzpresse zu erhalten, weiß die«Franks. Ztg." zu erzählen. Wie ihr aus einer Vertrauens- männerversammlung der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Bergzabern berichtet wird, hat dort der Vorsitzende, Hauptlehrer Cronauer, den Versammelten folgendes Schriftstück im Original vor- gelegt: Berlin, den 4. Februar 1910. An den Verlag des«Tageblatts für die Südpfalz' in Bergzabern(Pfalz). Wir teilen Ihnen hierdurch ergebeust mit, daß der Bundes- vorstand auch für das Jahr 1910 für die Zwecke Ihres geschätzten Blattes 1200 Mark Subvention bewilligt hat. Unsere Kasse ist angewiesen, Ihnen den Betrag zu übersenden. Hochachtungsvoll! Der IL stellvertretende Direktor v. Kiesewetter. Bund der Landwirte Berlin SW. 11, Dessauer Straße 7. Abteilung Tagebuch Nr. 361. Das nationalliberale«Tageblatt für die Südpfalz' war 1909 in anderen Besitz übergegangen, sollte aber, laut Zusicherung des neuen Verlegers, nationalliberal weitergeführt werden. ES soll sich aber durch agrarische Hetze ruhmvoll hervorgetan haben, was man ohne weiteres glauben wird, da der Bund ihm sonst die Zuwendung aus seinem Korruptionsfonds, die cS 1909 erhalten hatte, 1910 nicht abermals bewilligt hätte. Man sieht, wie berechtigt die Bündlerpresse ist, über den„materia- listischen Geist unserer Zeit' zu jammern und sich als die Vertreterin des hehrsten Idealismus hinzustellen. Agrar-Nationalliberalismus. Durch Gründung deS liberalen Bauernbundes suchten die Nationalliberalen dem Bunde der Landwirte beizukommen. Im Großherzoglum Hessen sind jedoch Nationalliberale und Bund der Landwirte ein Herz und eine Seele. Ter nationalliberale Abg. Winkler bedauerte jüngst in der Zweiten hessischen Kammer, daß sich nicht die nationalliberale Kammerfraktion längst mit der der Bündler verschmolzen habe, da man doch vollkommen einig sei. Stach dem Bericht der national- liberalen.Wormser Zeitung", deS Organs des immer noch national- liberalen Freiherrn v. Hehl, der nur im Reichstag als.Wilder' ge- führt wird, hat sich im rheinischen Dorfe Wintersheim ein «nationalliberaler Verein mit dem Wirt schaftS- Programm des Bundes der Landwirte'— gebildet. Das ist eine sehr offenherzige aber die einzig richtige Signatur des hessischen Nationalliberalismus. Der hessische NationalliberaliSmus ist vollständig identisch mit dem Bunde der Landwirte. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß von den vier in Hessen als nationalliberal gewählten Reichstagsabgeordneten nur einer, der Abgeoednete Heck tAlsfeld-Lauterbach). vollgültiges Mitglied der nationalliberalen ReichstagSfraklion geworden ist; der Abg. S t r a ck- Friedberg wird als Hospitant geführt und die hessisch-nationallibe- ralen Abgg. Frhr. v. Hehl und Dr. Becker(Alzey-Bingen) laufen als.Wilde' im Reichstag herum. Im Kürschner ist Frhr. v. Hehl als«Mitglied der hessischen nationalliberalen Partei' und Dr. Becker als«Mitglied des nationalliberalen Vereins Alzey' ein« getragen. Das nationalliberale Firmenschild wollen die beiden Herren also nicht entbehren. Zentrums-TerroriSmus. Vom Schöffengericht in Düffeldors-GerreSheim wurde der ZentrumSanhängcr. Arbeiter Nnlon Overdick aus Urdenbach bei Düsseldorf wegen Mißhandlung zweier sozialdemokratisch gesinnter Ardeiter zu 46 M. Geldstrafe verurteilt. Sein wegen desselben Vor« falls angeklagter Bruder wurde mangels genügender Beweise frei- gesprochen. Overdick halte am Stichwahltag spät abends in Urden- bach zwei auf dem Nachhausewege befindliche Sozialdemokraten, darunter eine» alten Mann mit grauen Haaren, an einer dunklen unbewohnten Stelle überfallen und erheblich mißhandelt und mit den Worten:„Du roter Hund, mach, daß Du nach Hause kommst," beschimpft., In Düsseldorf siegte bekanntlich am Stichwahltage der Sozial- demokrat, Genosse Haberland, daher die beispiellose Wut der Schwarzen im schwarzen Urdenbach, die schon vorher die beiden Mißbandelten in einem Lokale bedroht hatten. Der vorbestrafte Overdick fand äußerst milde Richter. Tas lübische Staatsbudget wurde in der Zeit vom 13. bis 22. März in fünf Bürgerschafts- fitzungen beraten. Es schließt mit einem Feblbetrag von 7ö3 696,18 Mar! ab. Von den sozialdemokratischen Mitgliedern der Bürger- schaft wurden zahlreiche Anträge gestellt, die namentlich eine Ver- besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der städtischen und staat- lichen Arbeiter bezweckten. Die Bürgerschaftsmehrheit lehnte die sozialdemokratischen Anträge auf Errichtung einer Arbeiterkam in er sowie die Einführung der einheitlichen Volksschule ab. Dasselbe Schicksal erfuhr ein Antrag unserer Genossen, welcher die Vornahme der Bürgerschafts- wählen a» einem Sonnlag forderte. Angenommen wurde dagegen der Borschlag der sozialdemokratischen Bürgerschaftsmitglieder, zur S i ch e- riing deö Wahlgeheimnisses Wahlknverts und Isolier- räume zu benutzen. Der Senat wilrdy aufgefordert, im Bundesrat gegen die von Hamburg und Sachsen kommenden Versuche auf Verschlechte- rung des bestehenden Koalitionsreckis durch einen stärkeren so- genannten Arbeitswilligenschutz Stellung zu nehmen, zumal sich gerade in Lübeck die Streikbrecher als ganz gemein- gefährliche Elemente erwiesen haben. Zur Deckung des Fehlbetrages wurde ein zehnprozentiger Zuschlag auf die Einkommen- steuer für alle Einkommen von über 1200 M. verlangt. Unsere Ge« nassen beantragten, diesen Zuschlag erst von 2000 M.' an zu erheben und ihn progressiv zu gestalten, was jedoch von der Bürgerschafts- mehrheit abgelehnt wurde. Schließlich gelangte das Budget mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten zur Annahme. Ein klerikales Kulturdokument aus dem„Rechts- staate" Bayern. Ein Wagenwärtergehilfe in Unsernherrn(so heißt die Ort- schaft) bei Ingolstadt hatte, nachdem er von seiner ersten Frau rechtskräftig geschieden war, seine jetzige Frau geheiratet. Er soioohl als seine Frau sind katholischer Konfession. Der katholische Pfarrer Schröder in Unsernherrn schrieb nun an den Wagenwärtergehilfen bezw. seine Frau drei Briefe, in denen er ihre Ehe als Bigamie, als sündhaftes, Aergernis erregendes Verhältnis bezeichnete und sie zur Lösung des „Verhältnisses" unter Androhung des Ausschlusses von den Sakramenten und vom kirchlichen Begräbnis aufforderte. In diesen Briefen wird die Ehefrau mit ihrem vorehelichen Namen angeredet. Reisch(Klement Kornprobst) Unsernherrn Der Wagenwärtergehilse verklagte den Pfarrer wegen Beleidi- gung. Das Schöffengericht Ingolstadt eröffnete jedoch das Hauptverfahren mir wegen der obigen Briefadresse und sprach den Pfarrer vom Vergehen der Beleidigung ftei— unter Auferlegung der Kosten auf den Wagenwärtergehilsen. In den Urteilsgründen heißt es:«Da nach den staatlichen Gesetzen und nach der gesell- schaftlichcn Sitte die Ehe des Klägers als rechtmäßig anerkannt ist, steht der Ehefrau des Klägers das Recht zu, den Namen deS Mannes zu führen, aber auch das Recht gegen Dritte, als Eheftau behandelt zu werden. Wer ihr die Rechte einer Frau, darunter das Namens- recht abspricht, ihr diese Rechte verweigert, verletzt ihr Recht auf äußere Achtung. Aber auch der Kläger selbst hat ein Recht darauf, daß seine staatlich und gesellschaftlich anerkannte Ehe als solche be- handelt wird, und wer das verweigert, verletzt auch sein Recht auf äußere Achtung. Die Verletzung des Rechts auf äußere Achtung war für Kläger und seine Frau kränkend. Das wußte der Beklagte auch. Seine Handlungsweise erfüllt daher den Tatbestand eines Vergehens der Beleidigung nach K 185 des Strafgesetzbuches. Der Angeklagte hat jedoch durch seinen Verteidiger vorbringen lassen, daß er nicht anders schreiben konnte und durste; er hätte sonst gegen die Ge- Wissenspflicht und die Amtspflichten verstoßen. Das Gericht hielt dieses Vorbringen für zu- treffend und kam zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte lediglich nach den Vorschriften seiner Vorgesetzten gehandelt hat, daß ihm infolge Bestehens solcher Vorschriften das Bewußt- sein der Rechtswidrigkeit seiner Handlungs- weise fehlte(!) und daß ihm auch die Absicht der Beleidigung fehlte. Deshalb wurde der Angeklagte frei- gesprochen und die Kosten der Klagspartei überbürdet." Wie man sieht, versteht eS die Rechtsprechung in Bayern, sich dem gegenwärtigen Regierungskurse geschmeidig anzupassen!— Der Rechtsbeistand des Wagenwärtergehilfen, Rechtsanwalt Kohl- München, hat gegen dieses Urteil Berufung an die Strafkammer Eichstätt eingelegt._ Genosse Dr. Oskar Cohn schreibt unS: Beim Beginn der Abendsitzung des Reichstages vom 19. März hat der Herr Staatssekretär Dr. Delbrück, auf das eifrigste unterstützt von dem Geschrei der Rechten, einen Angriff gegen die parlamentarische Redefreiheit des Reichstages und gegen den Prä- sidenten Dr. K a e m p f gerichtet. Er kleidete ihn in die Form einer Verteidigung seines preußischen Tpezialkollegen vom Ministerium des Innern, des Herrn v. Dallwitz. Dieser hatte, ohne vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses unterbrochen oder gar gerügt zu werden, von dem Abg. Genossen Sachse gesagt, er habe in seiner Reichstagsrcde zum Bergarbeiterstreik«den traurigen Mut gehabt", über Polizeibeamte«Beschimpfungen auszusprechen". In der Mittagsitzung des �Reichstages vom 19. März habe ich die Ge- lcgenheit benutzt, an Stelle des Genossen Sachse, der nach Bochum berufen war, dem Herrn Minister v. Dallwitz auf die Beleidigung Sachses zu antworten. Bei dem Zwischeniall Kaempf— Delbrück war ich nicht an- weseno; schon ehe die Abcndsitzung anberaumt war, hatte ich das Referat in einer der Protestvcrsammlungen wegen der Jugend- bewegung übernommen. Ich konnte daher dem Herrn Staats- sckretär Dr. Delbrück nicht antworten, werde es aber bei der nach- sten Gelegenheit tun, die sich dafür bietet. Der Oeffentlichkeit glaube ich es aber jetzt schon schuldig zu sein, von den Tatsachen, worauf sich meine von dem Herrn Staatssekretär so übel ver- merkte Aeußerung jiber den Herrn Minister deS Innern stützten, wenigstens die eine sogleich mitzuteilen, die ich im Reichstage schon angedeutet habe. Es handelt sich dabei um folgendes: In der Strafsache 140. O. 530. 09 hat£>08 Schöffengericht Berlin-Mitte am 23. November 1909 den Angeklagten wegen Ueber- tretung der Polizeistunde zu 5 M. Geldstrafe verurteilt, im übrigen aber folgendes ausgesprochen: „Der Schutzmann Modrach hat sich in seinen Aussagen in schwerwiegende Widersprüche verwickelt.... Diese Widersprüche in der Bekundung des Zeugen Modrach sind es aber nicht allein, die den Gerichtshof zu der Ueberzeugung gebracht haben, der Zeuge sage wissentlich die Un» Wahrheit.... Unter diesen Umständen muß angenommen werden, und der Gerichtshof hat dies angenommen, daß der Zeuge Modrach die Anzeige bezüglich der Beleidigung wider besseres Wissen gemacht hat. Eine tatsächliche Feststellung in dieser Hinsicht konnte also gegen den Angeklagten nicht getroffen und er mutzte dieserhalb freigesprochen werden. Die Kosten, die durch die Ver Handlung und Beweisausnahme und durch die hierdurch notwem big gewordene Verteidigung des Angeklagten entstanden sind, sind auf Antrag des Angeklagten dem Anzeigenden Modrach gemäß § 501 der Strafprozeßordnung auferlegt worden." Die Kosten der Verteidigung hat der Schutzmann Modrach ab- bezahlt. Auch ist er in ein anderes Polizeirevier ver- setzt worden, und vielleicht hat man»hm— hier unterbrach mich Herr Präsident Kaempf am 19. d. M.— im Herbst 1910 in Moabit und jetzt im Sireikgebiet die Erhaltung von Ordnung und Sicher- beit und den Schutz der„nützlichen Elemente" anvertraut. frankrcicb. Ein neuer Rochette-Skandal. Paris, 20. März.(Eig. Ber.) Die Untersuchung der Affäre des Gründungsschwindlers Rochette, die von einer parlamentari- schen Kommission unter dem Vorsitz Jauräs vorgenommen wird, wird vermutlich weitere Beweise für die versuchte Beeinflussung der Justiz und für die Vcrschwisterung des bourgeoisen Staates mit der bourgeoisen Preßkorruption an den Tag bringen. Bekannt- lich ist Rochette seinerzeit in dem Augenblick verhaftet worden, als er dem«Petit Journal" gefährlich zu werden drohte. Man er- innert sich auch noch der merkwürdigen Intervention Lepines und der dunklen Rolle, die der Polizeibeamte Durand, Teilhaber eines Bankhauses, spielte, das unmittelbar vor der Katastrophe durch Abstoßung von Rochstte-Aklieu einen Riesengewinn zu machen ver- stand. Jetzt aber hc-ndelt es sick nicht um die Machenschaften gegen Rochette, sondern im Gegenteil um eine Intervention zu seinen Gunsten, bei der aber wiederum Privatinteressen den Aus- schlag geben. Als nämlich Rochette sirafgerichtlich verfolgt wurde, bewilligte ihm das Gericht Ausschub auf Aufschub, bis die Ver- jährungsfrist um war. Gestern fühlte nun JaurcS dem General- anwalt Fabre auf den Zahn, der erst erklärte, an den Aufschüben seien nur die prozessualen Schliche Rochettes schuld, aber schließlich bekannte, daß er mit dem Präsidenten der Appellkammer überein- gekommen sei, die Vertagung zu bewilligen. Zugleich lehnte er eS mit Berufung auf sein Amtsgeheimnis ab, darüber aus« zusagen, ob er mit einem früheren Ministerpräsi- deuten eine Unterredung über die Affäre Rochette ge- habt habe— selbst in dem Fall, daß ihn dieser der Schweigepflicht entbinden wolle. Es ist kein Geheimnis mehr, wer dieser frühere Minister- Präsident ist. Es ist Herr Monis, und die UntersuchungSkom- Mission, die anscheinend gern den Skandal vertuscht hätte— die bürgerliche Politik steht ja jetzt im Zeichen des gegenseitigen Ver- gebens und Bcrgessens—, mußte sich, da JaureS mit seinem Rück- tritt vom Vorsitz die Gefälligen in die Gefahr brachte, vor der Oeffentlichkeit als Mitschuldige zu erscheinen, bequemen, Herrn Monis für heute vorzuladen, worauf Jaurcs seine Demission zurücknahm. Aber Monis spielte in dieser Angelegenheit nicht die Haupt- rolle. Er ivar vielmehr seinem Kollegen von der Finanz. Herrn C a i l l a u r, gefällig. Im«Figaro" erzählt ein Eingßweihter die abenteuerliche Geschichte im Deiaik. AIS Herr Monis den General» prokurator zu sich bitten ließ, um ihm die Order zu geben, auf den Präsidenten der Appellkammer zugunsten der von Rochette ver- langten Aufschübe cinzutvirken, tat er dies aufl die Bitte Caillaux', der wiederum im Interesse eines offiziösen Journalisten intervenierte, der� in Rochette einen freigebigen finanziellen Helfer gefunden hatte. Der Generalanwalt, erzählt der„Figaro", leistete lange Widerstand, aber gab schließlich nach. Er hat ein Protokoll über seine Unterredung mit den zwei Ministern aufgezeichnet, das er mit den Worten schließt, daß er an diesem Tage dietrefsie Erniedrigung seiner ganzen Karriere erfahren habe. Wer der Journalist ist. der sich von dem wegen Betrug ver- folgten Rochette aushalten ließ, pfeifen längst die Spatzen von den Dächern. Herr Bcrenger hat nicht nur die„Action" mit großen Kosten zu einem Blatt großen Stils ausgestaltet, sondern ver- einigt noch drei andere Tagesblätter ohne Leser in seiner Hand. Und Herr Berenger, oer Briand bis zu seinem Fall� Landsknecht?- dicnstc geleistet hatte, wurde mit erstaunlicher Anpassung Caillaux journalistischer Leibhusar.... Herr Monis hat heute morgen vor der Untersuchungsion:- mission die Aussage verweigert mit einem überreichen Ausguß von Sentiment und Ethik. Er schulde es sich und seinen Mitarbeitern, über nichts zu sprechen, was diese in seinem Kabinett gesagt haben könnten. Und niemals werde er seine Hand dazu bieten, neue Skandale zu erregen— in der jetzigen äußeren und inneren Situation des Landes. Lieber werde er still dulden... Das war das rührende Vorspiel zur heutigen Kammerdebattc, in die JaureS entscheidend eingriff. Soziales. Ein neuer Vcrschlepvungsversuch der Firma Siemens u. Halskr. Nachdem am Donnerstag, wie wir schon berichtet hatten, das Ablehnungsgesuch gegen die Gewerbegerichtsbeisitzer Behrendt und Zernicke für unbegründet erklärt worden war, hatte sich gestern die 5. Kammer des Gewerbgerichts mit den Ablehnungsanträgen des Vertreters der Firma Siemens u. HalSke, Dr. jur. Burhannc, gegen die Beisitzer Wilckr, Zeidler, Körsten und Weitzel zu befassen. Gegen diese hatte bekanntlich der Vertreter der Beklagten die Be- sorgnis der Befangenheit eingetvandt, weil sie Mitglieder einer freien Gewerkschaft und der sozialdemokratischen Partei seien. Tas Gericht kam auch in diesem Falle zur Zurückweisung deS AblehnungsgesucheS, da es die abgelehnten vier Beisitzer nicht für befangen erachten konnte. Die Begründung, welche Mogistratsrat Wölbling vortrug, deckt sich im wesentlichen mit der vor; unS schon in Nr. 69 des„Vorwärts" wiedergegebenen. Nunmehr stellte Dr. Burhanne den Antrag, de» Termin für die materielle Entscheidung der Klage noch nicht festzusetzen, da er beabsichtige, wegen der Zurückweisung seiner AblehnungSanträgc Beschwerde beim Landgericht einzureichen. Magistratsrat Wölbling behielt sich seine Entscheidung über die Terminssestsetzung vor. Mißglückter Versuch der A. E. G.. Handlungsgchilfea dem ungünstigeren Gewerberecht zu unterstellen. Einen zähen Kampf um die Qualifizierung ihrer alS„Werk- stattschreiber" bezeichneten Gehilfen führt die Allgemeine Elek- trizitätsgesellschaft, die in der letzten Sitzung der 1. Kammer des Berliner Kausmannsgerichts wiederum in zwei Streitsachen d,c gewerbegerichtliche Zuständigkeit dieser Art Gehilfen�vertrat. Trotzdem das Kaufmannsgericht sick wiederholt auf den Standpunkt ge- stellt hat, daß es sich um kaufmännische Angestellte handelt, stellt die A. E. G. ihre sogenannten„Werfftattschreiber" als Gcwerbegehilfen ein uno ignoriert die für Handlungsgehilfen obligatorische Mindest« kündigungsfrist von vier Wochen. Die beklagte Gefellsckaft hatte zur Verhandlung einen größeren Zeugenappara: aufgeboten, um zu beweisen, daß eS sich bei den beiden Klägern tatsächlich um gewerbliche Angestellte handelt. �So waren u. a. die beiden Werkmeister vorgeladen, denen die Kläger als„Schreiber" zugeteilt waren. Die stundenlang«, sehr ein- gehende Beweisaufnahme ergab, daß die Kläger keineswegs nur eine reine Abschreibetätigkeit entwickelten; sie hatten Akkord- und Lohnzettel zusammenzuzählen und in Listen einzutragen, statistische Tabellen anzustellen, bei Unfallverletzungen Protokolle aufzu- nebmen und kurze Korrespondenzen mit Stellenbewerbern zu er- ledigen. Der Kläger K. hatte auch bei Anfertigung der Sammel- listen über die Akkordzettel AdditionS-, Multiplikation«- und Prozentrechnungen vorzunehmen. Ter Vertreter der Gesellschaft bemühte sich, dem Kaufmanns- gericht darzulegen, daß die Tätigkeit, wie sie d,e Kläger ausübten, eine rein technifch-gewerbliche fei. Aeußerlich dokumentiere sich das schon dadurch, daß die Kläger im Rahmen des FabrikationSbetriebeS arbeiteten, der von der kaufmännischen Abteilung der Gesellschaft räumlich völlig getrennt sei. Letzterer befinde sich in einem ganz anderen Gebäude. Es sei auch ganz unerfindlich, warum Rechnen dem Gehilfen kaufmännische Signatur geben soll. Der Werk- meister selber müsse viel mehr rechnen, und mancher Monteur habe viel schwerere Aufgaben rechnerisch zu lösen, als der Buchhalter im kaufmännischen Betriebe. Die kurzen Mitteilungen an Stellen- belverber haben die Kläger in privatem Auftrage der Werkmeister geschrieben, eS geschah das ohne Wissen und gegen den Willen der Direktion.. Trotz dieser Ausführungen kam da» KauftnannSgericht m,t Recht nach langer Beratung in beiden Fällen zur Verurteilung der Gesellschaft. DaS Gericht fei zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Kläger kaufmännische Qualität hätten und deshalb al» Hand- lungsgehilfcn anzusehen seien. Sie haben mit der technischen An- fxrtigung der Ware nichts zu tun. Hetzte Nachrichten« Südamerikanisches. Buenos Aires, 23. März.(W. T. B.) Au» A s u n c i o n wird gemeldet, der Sieg der Revolutionäre und die Flucht de? Präsidenten bestätigen sich. Die Zahl der Qpser in dem Kampf bei Asuncion soll 600 übersteigen. Brand unersetzbarer Altertümer. Braunschweig. 23. März.(W. T. B.) Heute abend brach in der Antiquitätenbandlung von'Karl Lohr Großfeuer au», das bald einen gewaltigen Umfang annahm, da eS in den aufgespeicherten Altertümern, Möbeln usw. reiche Nahrung fand. Gegenstände von sehr großem Werte, kostbare Fürstenberger und andere Porzellansachen wurden vernichtet. Auch da? alte aus dem 15. Jahrhundert stammende HauS dürfte voranSsschtlich verloren fein. Der Schaden ist groß. Schwarze Blattern. Krakau, 23. März. iP.-E.i In den letzten Tagen mehren sich die Fälle von schwarzen Blattern in der hiesigen Stadt. In der� Anstalt für obdachlose Kinder wurden allein 18 Fälle konstatiert, von denen zwei tödlich verliefen. Streik amerikanischer Textilarbeiter. Paosai»(New Jersey). 23. März.(W. X. B.) Ueber 2500 Angestellte der hiesigen Kammgarnspinnereien sind jetzt in einen Streik eingetreten und verlangen höhere Löhne. Der Streik wird von der Arbeiterunion geleitet, welche auch den erfolgreiche:: Streik in Lawrence(MassackusettS) durchgeführt hat. Bewegung herrschst auch, wie gemeldet wird, hier und in Patcrson unter den 5000 Seidenarbeitern, die. wenn ihnen nicht eine Lohnerhöhung Vv»»«-V£11 u Vi.-" cm_ jc..___ iL V.• CTTi« V V___.Y.___ _______ gewährt wird, für die nächste Woche mit dem Ausstand drohen. Berantw. Redakteur: Awert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlar Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u L erl�rnfiält�PäülSinger 4 Co., Berlin 5W. Hierzu �Beilagen. it. 71. 29. 1 StilM des Jotiüärts" Kerl« KellisM 5stlk?ilg, 24. Mörz 1912. Reichstag* 84. Sitzung. Sonnabend, den 23. März INI 2, vormittags 11 Uhr. Hm BundeSratstische: Dr. Delbrück, Kühn. Huf der Tagesordnung steht zunächst das Etatnotgesetz. Reichsschatzselretär Kühn: Ich habe die Ehre. Ihnen zum ersten Male in meiner gegenwärtigen Stellung einen Etat vorzulegen. Das Gesetz ist rein formaler Natur, das finanzpolitische Erörterungen ausschließt. Ich will mich um so mehr solcher Erörterungen enthalten, als wir ja in einigen Wochen bei der Beratung der Rüstungsvorlagen solche Verhandlungen aus breitester Grundlage pflegen werden. Eines aber zu sagen ist mir nach den Ereignissen der letzten Tage Herzens- dedürfnis, und Sie können, wenn Sie wollen, auch darin ein Stückchen Programm sehen: es bedauert niemand leb- hafter als ich den Abgang des Mannes, der vor mir an meiner Stelle gestanden h a t und der die all- gemeinen Richtlinien der Finanzpolitil des Reiches meines Erachtens für alle Zukunft in mustergültiger Weise festgelegt hat. (Bravo I) Abg. Bassermann(natl.): DaS Gesetz gibt im Gegensatz zu früheren Etatnotgesetzen der Regierung eine allgemeine Ermächtigung, Ausgaben zu leisten und nicht nur für ein, zwei Monate. Wir wollen für diesmal nicht Widerspruch dagegen erheben, wünschen aber, daß daraus kein Präzedenzfall gemacht wird. Abg. Fischbeck(Vp.): Uns scheint dieser Umstand doch so wichtig, daß wir die Ueberweisung der Vorlage an die B u d g e t k o m- Mission beantragen. Abg. Molkenbuhr sSoz.) schließt sich diesem Hn- trage an. Das Etatnotgesetz geht an die Budgetkommission. Es folgt die erste Beratung der Zuckerkonvention. Reichsschatzsekretär Kühn: Wir haben bei der Verlängerung der Konvention Rußland einige Zugeständnisse machen müssen. Ich kann mir denken, daß einmal die Zeit kommt, wo die Konvention derart mit Vergünstigungen für Rußland bepackt ist. daß sie für unS jeden Wert verliert.(Sehr richtig! rechts.) Augenblicklich ist dieser Moment noch nicht gekommen, der Vertrag hat sich nur etwas verschlechtert. Andererseits ergibt sich der Vorteil, daß für weitere fünf Jahre die Konsumenten vor der Gefahr hoher Zuckerpreise bewahrt sind. Abg. Gras v. Schwcrin-Löwitz(I.): Ich freue mich, daß der Herr Schatzsekretär anerkannt hat, daß die deutschen Interessenten für das Zustandekommen der Konvention große Opfer bringen müssen. Hätte die Regierung unter allen Umständen an ihrem Standpunkt festgehalten, so hätte Rußland nachgeben müssen. Die Regierung hat die Interessen der Interessenten besser zu kennen ge> glaubt als diese selbst, sie hat jedenfalls au» internationaler Cour- roisie nicht als Störenfried auftreten wollen. Trotzdem fällt es einem Teil meiner Freunde s ch lo e r, der Konvention die Rati- fikation zu verweigern, was zweifellos da» Ansehen der Regierung im Ausland schädigen würde. Der andere Teil wird mit mir gegen die Konvention stimmen.(Bravo I rechts.) Abg. Bernstein(Soz.): Der Vorredner hat der Regierung den Vorwurf gemacht, daß � sie bei den Verhandlungen auf die Bedürfnisse der Jnter- e s s e n t e n keine Rücksicht genommen habe. Es scheint, daß der Vorredner als Interessenten nur die Zuckerfabrikante« und die ZuckrrhSndler betrachtet, aber nicht die Millionen und Aber« Millionen deutscher Zuckerverbrauch est.(Sehr gut l links.) Zu den Zuckerverbrauchern gehört auch die zucker- verarbeitende Industrie, die viele deutsche Arbeiter beschäftigt. Run sagt der Staatssekretär, die deutsche Zuckerinduftrie müsse bei dieser Verlängerung der Konvention große Opfer bringen. Man sollte meinen, daß die deutsche Zuckerindustrie durch die Konvention große Verluste erleidet und sich augenblicklich sehr schlecht steht. Allerdings haben die Rübenbauern unter einer schlechten Ernte schwer gelitten. Aber diese Minderernte und die Minderproduktion hat der Zuckerindustrie eine Preissteigerung von 10 Mark für den Doppelzentner gebracht. Diese Stelgerung ist größer als der Prozentsatz, um den die Ernte geringer geworden ist, so daß also die Zuckerindustrie in diesem Jahre ein ganz ausgezeichnetes Geschäft niacht.(Sehr richtig! links.) Die Zuckerindustrie beschäftigt insgesamt nur 29000 Arbeiter und zwar zumeist ungelernte Arbeiter, die die denkbar schlechte st e Bezahlung erhalten, während die Zahl der in der zuckerverarbeitenden Jndustne beschäftigten Ar- Hlcxander fjerzcn» 1812— 2 5. März- 1912. Aleranrder Herzen, der vor hundert Jahren in Moskau ge- borcne Sohn eines russischen Bojaren und einer deutschen Mutter bürgerlichen Bluts, war einer der stimmächtigcn Ankläger, die den verrotteten politischen und sozialen Zuständen in Europa der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erwuchsen, und in ihm vcr- iörpcrte sich ein wesentliches Stück der Frühgeschichte des Sozialis- mus in Rußland. Als politischer Wecker und Dränger ist er für Rußland etwa das gewesen, was Börne für Deutschland war, und er glich ihm auch darin, daß er aus dem selbstgcwählten Exil im Auslände her in die Geschicke seines Heimatlandes eingriff. Zwei Strömungen kennzeichnen die Geschichte des erwachenden Rußlands. Tie eine wächst heran unter den Einwirkungen der westeuropäischen Kultur; sie geht darauf aus, die russische Zurück- geblicbcnheit aus den Adern des westlichen Fortschritts zu be- reichern. Tie andere empfindet diesen Blutzusatz als Schädigung der eigenen Wesenheit und sucht das Slaventum abzudämmen gegen das fremde Europäertum. Herzen gehört der ersten Strömung an. Bis in die reife Manneszeit hinein steht sein Leben unter dem Bann, den Paris und Frankreich als Wiege der Revolution auf alle freiheitlich Hoffenden in Europa ausüben. Dann aber, als diese Hoffnungen im großen Jahre 1848 enttäuscht zusammen- brechen, flüchtet Herzens Denken sich gläubig zur russischen Kultur zurück. Den Ausweg zu neuem sozialen Hoffen findet er in jener Sphäre russischen Lebens, die von allem Europäertum gänzlich un- berührt blieb. In den russischen Bauerngcmcinden meint er ein sozialistisches Urelement unverderbt erhalten zu sehen und setzt sich dafür ein, es als ein Vorbild für alle im Sinne neuzeitlicher sozialistischer Wünsche weiterzuentwickeln. Diese Anschauung Her- zens konnte aber weder im Osten noch im Westen Europas eine Macbt werden.. �, Herzen? Vater, ein reich begüterter Fürst Jakowleff, war ,n den Anschauungen der Auftlärungszeit aufgewachsen: französische Lehrer machten ihn zum Voltairiancr. Er war ohne Zweifel ein fester Charakter. Die Mutter seines Sohnes lebte an seiner Seite, ohne ihm angetraut zu sein. Sie war ihm, dem Aristokraten, der aus Standesgründen ein legitimes Ehebündnis vermied, aus Stutt- gart nach Moskau gefolgt, und er. hielt das Gelöbnis, sie nie ver- lassen zu wollen, in unverbrüchlicher Treue. Der Sahn wuchs unter seinem Einfluß in den Bahnen westeuropäischer Bildung auf. Der Dezemberaufstand von 1825 wirkte mächtig auf ihn ein. In den Lebenserinnerungen(sie sind vor einigen Jahren im Verlage von Wiegandt u. Grixhen in Berlin in zwei staxken Bauden deutsch heiter viel größer ist. Es liegt hier also ein Interessengegensatz vor. Aber es ist eine maßlose Uebertreibung, zusagen, daß durch die Zugeständnisse an Rußland die deutsche Zuckerindustrie irgendwie ernstlich geschädigt werden könnte. Die Zuckerpreise werden vom Weltmarkt bestimmt und die zeitweise Fernhaltung deS russischen Zuckers kann vielleicht für den Augenblick eine unangenehme Konkurrenz vom heimischen Markt fernhalten, aber aus der Welt schaffen läßt sich der russische Zucker nicht und daher auch nicht der Druck. den er aus den Weltmarktpreis notwendigerweise ausüben muß.(Sehr richtig! links.) Wir stimmen der Konvention zu, weil der vertragslose Zustand uns die alte Prämienwirt- schaft wiederbringen würde, von der wir froh sind, daß wir sie los geworden sind. Ein Teil der Rechten will die Konvention ablehnen. Gegen wen soll sich diese eigentümliche Demonstration richten? Auf Rußland wird sie keinen Eindruck machen, und auch beim deutschen Volk wird sie wirkungslos bleiben, denn gerade die breiten Massen des Volkes hätten unter der Ablehnung zu leiden. Im Interesse dieser Zuckerkonsumenten liegt auch, daß die Zuckersteuer möglichst bald herab- gesetzt wird.(«ehr richtig I links.) Die Herabsetzung sollte schon 1909 erfolgen, wurde dann auf 1910 ver- tagt und nun ist der Zeitpunkt wiederum bis zum Jahre 1914 herausgeschoben. In diesem Jahre sollen wir eine Besserung der Finanzlage haben als Folge der letzten Reichsfinanzreform. Wir fürchten, daß bei den großen Forderungen, die jetzt für Heer und Marine verlangt werden, 1914 rn diesem Hause keine Mehrheit für die Herabsetzung ver Zucker st euer vorhanden sein wird. Jedenfalls werden wir abwarten, ob die Regierung ihr wiederholt gegebenes Versprechen einlösen wird oder nicht.(Bravo' bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sieg(natl.): Auch wir meinen, daß dieses Versprechen der Regierung gehalten werden müsse. Zur Verlängerung der Kon- vention ist unsere Haltung geteilt. Ein Teil meiner Fraktion wird sie a n n e h m e n, ein anderer ablehnen. Ist es richtig, daß Rußland die Konvention dauetnd bricht und auf dem Seewege Prämienzucker nach England ausführt? Staatssekretär Kühn: Es handelt sich lediglich um Ge rüchte. Sollten sie sich bewahrheiten, dann werden wir dieser Ihn gehung der Konvention durch Rußland nachdrücklich entgegen- treten. Abg. Dr. Doormann(Bp): Die Konvention ist noch immer besser als ein vertragloser Zustand und daher nehmen wir sie an. Abg. Dr. Arendt lRp-): Wir bekämpfen die Verlängerung, die wir gegen diese Bedingungen von Rußland haben erkaufen müssen, meinen aber auch, daß ein vertragloser Zustand noch schlimmer wäre. Redner beantragt, die zweite Lesung heute noch nicht vorzunehmen. An dem Zustandekommen vor dem 1. April habe nur Rußland ein Interesse. Die Konvention laufe sonst noch bis zum Herbst 1913; bi» dahin könne eine für uns günstigere Vereinbarung erzielt werden. Abg. Dr. Spahn(Z.): Wir werden dem Abkommen z u stimmen, weil wir nicht die Hoffnung teilen können, daß bei neuen Verhandlungen mehr zu erreichen fein wird. Abg. v. Meding(Welse): Die Konvention ermöglicht Rußland feine Schutzzollpolitik für Zucker weiter zu treiben. Ich wundere mich daher, daß gerade die Herren von der Linken für die Konvention eintreten. Sollte die Konvention angenommen werden, so hat die Regierung die Pflicht, ihr Versprechen auf Heruntersetzung der Ver braucksabgabe für Zucker einzulösen. Abg. Graf Schwcrin-Löwitz(k.): Herr B e r n st e i n hat die deutsche Zuckerprämienwirtschaft verurteilt— darin stimme ich ihm zu—, hat es aber als ganz nalürlich angesehen, daß Rußland diese Prämien Wirtschaft in schärfstem Maße betreibt. Das ist kein sehr vater- ländischer Standpunkt.(Sehr richtig I rechts.) Für die Herabsetzung der Zuckersteuer bin auch ich immer eingetreten. Abg. Kleve(natl.) spricht gegen die Konvention. Wäre das Zentrum in Mitteldeutschland gewählt(Heiterkeit), so würde eS einen anderen Standpunkt einnehmen als jetzt. Der Zuckerindustrie in Mitteldeutschland geht eS zurzeit sehr traurig. An der Prämien- Wirtschaft liegt uns nichts, aber sorgen Sie zuerst dafür, daß auch Rußland sein Prämiensystem aufgibt. Abg. Wurm(Soz.): Wenn wir den Einfluß auf Rußland hätten, den Sie uns zutrauen, würden wir nicht nur mit der Zuckerprämienwirtschaft, (andern mit n och manchem anderen dort aufräumen. Sehr gut! b. d. Soz.) Graf Schwerin-Löwitz wird ja durch seine Verbindung mit dem altrus fischen Verband mehr Einfluß auf die russische Regierung haben. Die ganzen Zustände sind erst entstanden durch die früher bei uns betriebene Zuckcrprämicnwirtschaft. Für die Beseitigung der Zuckerstcuer treten die Herren erst ein, nachdem ihnen durch das Eingreifen �»es Auslandes unmöglich gemacht ist, die Zuckerprämienwirtschaft fortzuführen. Wir Sozialdemokraten sind von Anfang an für die erschienen), sagt er von jenem erschütternden Erlebnis, daS ihm für immer den Weg wieS: „Eine neue Welt war in mir aufgegangen, und ich fühlte bald, daß dieselbe fortan den Mittelpunkt meiner geistigen und moralischen Existenz bilden werde; ich fühlte, daß' ich niemals auf der Seite der Sieger, der Helden des Kerkers, der Kartätschen und der Galgen stehen werde. Pastels(des Führers der Dekabristen) Hinrichtung machte dem Traumzustande meiner kindlichen Seele für immer ein Ende; fortan war ich im Schlafe und im Wachen mit politischey Gedanken erfüllt." Ein französischer Lehrer, ein abter Jakobiner, führt ihn mit maratistischcn Erinnerungen in die Geschichte dex französischen Revolution ein. Mit dem gleichalterigen Freunde Ogarew, der ihm fürs ganze Leben verbunden blieb, berauscht er sich an den revolutionären Gestalten der Jugcnddramcn Schillers. Die Pläne des Vaters, den Sohn in die militärische, dann in die Beamten- laufbahn hinzugeben, scheitern an dem Widerstände des hartwilligen Sprößlings: als Student der Naturwissenschaften bezieht er die Universität Moskau. Als die UnivcrsitätSzcit endet, weigert Herzen sich mehr als je, in den Staatsdienst einzutreten. Es gab damals für Herzen kein geistiges Band mehr, das ihn an das herrschende System fesseln konnte. Ueber alle eingewurzelten Vorurteile und überlieferten Glaubenssätze hatte er sich hinaus- gearbeitet. Mit dem individualistisch gefärbten Liberalismus der Zeit war er fertig. Er war reif für eine neue, von Grund auf andere Weltanschauung, und die gab ihm nun der Saint- Simonismus mit seiner Auffassung von der Menschheit als einem„kollektiven Wesen, das sich entwickelt". Das soziale Problem ricbtete sick» vor ihm auf. Zuerst 1832 kamen ihm Saint-Simoni- stische Schriften in die Hände.„Feierlich und poetisch erschienen", wie er sagt,„inmitten der vom Geiste der Bourgeoisie erfüllten Welt diese begeisterten Jünglinge. Sie proklamierten einen neuen Glauben, in ihnen lag eine Macht, in deren Namen sie vor ihren Ricbierstuhl die alte Weltordnung fordern durften." Herzen, ge- waffnet mit der neuen Lehre, gab sich diesem Richteramte hin. Die Forderung der freien Rechte der Persönlichkeit für jedermann, der Herstellung des Gleicbgewichts zwischen Persönlichkeit und Gesell- schaft, der leidenschaftsfreien Erforschung der Dinge durch eine realistische Betrachtungsweise— diese Forderungen der Saint- Simonisten haben das Denken und Wollen Herzens im Kern be- wegt und gelenkt. Die Stellung, die er dem Leben und Werden gegenüber einnahm, hat er später in einer Reihe erzählender Schriften lehrhaften, moralistischen Zwecks gekennzeichnet in einer typisch zu verschiedenen Malen wiederholten Gestalt. Ter Saint-Simonismus, mit Glut erfaßt und an die Freunde weitergegeben, ließ bald das russische Verhängnis über Herzen herxitzhrcchen. Im Ssmmxr 1834 tvuidL SS mit Ogaxew unfc volle Steuerfreiheit des Zuckers, dieses notwendigen Nahrungsmittels eingetreten. Das Volk wäre dann in der Lage, für dasselbe Geld wie jetzt das doppelte Quantum zu sich zu nehmen und damit eine Kräftigung sich zu gönnen, die es notwendig braucht; gerade die ärmeren Kreise müssen ja heute noch bitteren Zichorienkaffee trinken. Den Ar- beitern der Zuckerindustrie geht es nicht gerade glänzend. Sie haben Löhne von 3 M. b i s 3. 3 0 M.. ihr Durchschntttsjahres- verdienst beträgt 593 M.(Hört, hört! b. d. Soz.) Wollen wir die Zuckerindustrie, den Zuckerrübenbau heben und dem Volke billigen Zucker verschaffen, so müssen wir mit scharfem Schnitt sämtliche Zuckersteuern aufheben.(Bravo! b. d. Soz.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Bogt-Hall(kons.) und Koch(Vp.) schließt die Debatte. Die Konvention wird i v z w e i t c r Lesung angenommen. Hierauf wird die zweite Lesung deS � Etats des Reichsamts deS Inner» beim außerordentlichen Etat: Förderung des Kleinwohnungsbauß fortgesetzt. Abg. Dr. Jaeger(Z.)(auf der Tribüne unverständlich) be- gründet eine Resolution des Zentrums auf Vorlegung eines Reichs- Wohnungsgesetzes, durch welches die Einzelstaaten veranlaßt werden, allgemeine Vorschriften zur Verbesserung der Wohnverhältnisse der minderbemittelten Volksklassen zu erlassen, die Ausführung dieser Vorschriften durch besondere Aufsichtsbeamte zu sichern; Geldmittel für den Kleinwohnungsbau zu beschaffen; die Bauordnungen be- Hufs Erleichterung und Verbilligung des Kleinwohnungsbaus um- zugestalten, insbesondere in den Jndustriegegenden besondere staat- liche Kommissionen einzusetzen zur Förderung einer sozialpolitisch gesunden Besiedelung in Stadt und Land. Ferner wünscht die Resolution Erhebungen über die bisherigen Wirkungen des E r b- b a u r e ch t s. Staatssekretär Dr. Delbrück verteidigt daS Rundschreiben deS Reichsversicherungsamts an die Versicherungsanstalten betreffend Heraufsetzung des Zinsfußes ihrer Darlehen. Das Rundschreiben war notwendig, da nach dem Gutachten von Sachverständigen ernste Besorgnis vorhanden war, daß bei einzelnen Versicherungsanstalten bei der bisherigen Anlage der Kapitalien Deckung für die Renten der Versicherten nicht vorhanden sein würde. Doch sollen Kündi- gungen von Darlehen, die zu weniger als 3'ch Proz. ausgeliehen sind, nicht erfolgen und die Auszahlung ,von zu einem niedrigeren Zinsfuß zugesicherten Darlehen soll auch weiterhin er- folgen. Die Vorwürfe, die man aus einzelnen Entscheidungen allgemein hergeleitet hat, daß das Reichsversicherungsamt Mangel an sozialem Geiste zeige, sind ganz unbegründet.— Ueber die Fragen der Wohuungsfürsorge habe ich vor kurzem ausführlich gesprochen. Ich werde natürlich gern bereit fein, an den Ver- Handlungen Ihrer Kommission,, wenn sie gewählt werden sollte, teilzunehmen, um mit Ihnen gemeinsam die Grundsätze zu er- ßrtern, nach denen wir den zweifellos bestehenden Mißständen auf dem Gebiete des Wohnungswesens entgegentreten sollen. Abg. Götting(natl.) empfiehlt die Förderung des Klein- Wohnungsbaues besonders durch die bei den Sparkassen und den großen Lebensversicherungsgesellschaftcn lagernden Kapitalien. Abg. v. Morawski(Pole): Es gibt reiche Polen, die gern Geld für den Kleinwohnungsbau hergeben würden. Aber es wird ihnen verboten.(Hört! hört! bei den Polen.) � Abg. Fischer-Hannover(Soz.): Das Wohnungswesen ist das traurigste Kapitel, das aufgc- schlagen werden kann. Es bestehen auf diesem Gebiete noch geradezu schreiende Miß stände. Hier wäre Zeit und Gelegenheit, dafür zu sorgen, daß genügende Kleinwohnungen gebaut werden. Statt dessen müssen wir sehen, daß der Zinsfuß der Landesversichc- rungsanstalten für die Hergabe von Darlehen zum Wohnungsbau von 3 auf 3(4 Proz. erhöht wird. Das ist im höchsten Grade bedauerlich. Sie mögen allerlei Palliativmittel ergreifen, um das Wohnungswesen zu bessern. Eine gründliche Aenderung wird erst die sozialistische Wirtschaftsordnung bringen.(Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schirmer(Z.): Da können wir lange tvarten. Weshalb bekämpfen die Sozialdemokraten eigentlich die Bodenreformcr?/ Redner regt die Einführung einer Mictverlustversicherung an, damit es künftig kein Risiko mehr ist, kleine Wohnungen zu bauen. Damit schließt die Debatte. Alle Anträge und Resolutionen zur Wohnungsfrage gehen an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern. Der Etat des Reichsamts des Innern ist damit erledigt. Es folgt die S. Lesung des Postetats. Hierzu liegt eine Resolution Behrens(wirtsch. Vg.) und Schiffer- Borken(Z.) vor auf Besserung der Arbeits- anderen eingekerkert. Schwere Vergehen konnte man den Ver- ljafieten nicht nachweisen, aber man drohte mit Tod und lebens- länglicher Zwangsarbeit in Sibirien und verurteilte die Angeklag- tcn nach langer Haft zur Verbannung nach einer sibirischen Grenz- stadt. Zwangsweise mußte Herzen als Kanzlist Staatsdienste leisten. Erst 1838 wurde ihm durch Verwendung des russischen Thronfolgers ein neuer Aufenthaltsort in der Nähe von Vifaskau angewiesen. Dort— in Wladimir— mußte er eine offizielle russische Zeitung redigieren. Ein Jahr später wurde ihm. der sich inzwischen gegen den Wunsch der Verwandten in entschlossener Selbsthilfe mit einer Cousine verheiratet hatte, die Rückkehr nach Moskau gestattet, und die bedeutete für ihn das Verwachsen mit dem jungen literarischen Rußland, das damals seinen Kampf um Hegel ausfocht und dessen bedeutendster Kopf der Kritiker Be- linski war. den man den russischen Lcssing genannt hat. Herzen und Ogarcw entschieden sich für die radikale Hegelsche Linke. Aus'den Gefahren, die aus der lebhaften Hingabe an diese Be- wegung erwachsen konnten, wurde Herzen durch die bangende Vor- ficht des Vaters gerissen. Er ließ sich zur Uebersiedlung nach Peters- bürg und zur Annahme einer staatlichen Stellung bestimmen. Aber ehe noch ein halbes Jahr verflossen war, verfiel er der geheimen politischen Polizei. Er wurde daraufhin 1841 nach Nowgorod ver- wiesen. Dort hatte er die Kontrolle zu führen über die— unter polizeilicher Aufsicht Stehenden, und er konnte nun seine unzähli- gen Erfahrungen über die Zustände im Zarenreich die neue hinzu- fügen, daß er, der selbst polizeilich Beaufsichtigter war, allviertel- jährlich den Bericht der Polizei über sich selbst attestieren mußte. 1842 gelang es ihm, sich aus dem Staatsdienst zu lösen, und nun warf er sich in Moskau in die literarische Bewegung und in die Kämpfe zwischen Slawophilen und Westlingen. Neben rein lite» rarischen, der scharf aufpassenden Zensur gemäß unpolitischen Studien wagte Herzen damals in dem Roman„Wer i st schu l d?" die Schilderung russischer Zustände, und in der Erzählung „Doktor Krupow" schuf er eine bittere Satire gegen die russische Beamtenwelt. Sein Inneres drängte ihn zu offenem, lautem Bekennen, es wollte, den schroffen Kampf. In Rußland hätte der erste Schritt die Selbstvernichtung bedeutet. So blieb nur der Weg ins Ausland, und den trat er, als 1846 sein Vater starb, mit Mutter, Frau und Kindern an. In einem Abschiedsbriefe schrieb er: „Ich reiße mich los von meinem Volke, und doch bleibe ich bei ihm, in dessen ganzem Leben ich nur das bittere Weinen des Prolc- tariats und den verzweifelten Mut seiner Freunde mitfühle. Ich opfere alles der Menschenwürde und dem freien Worte. Hier im Auslände bin ich euer unzensurierfes Wort,' euer irejxs Organ."--. Verhältnisse 5er Arbeiter Mb HMMberter bei Set 31 e 5 Eh I s Post. Abg. Zubeil(Soz.): Noch nie war bie Unzufriebcaheit unter den Postbeamten so groß wie jetzt nach der angeblich so segensreichen Besoldungs- reform. Selbst in Zentrumskreisen beginnt es jetzt zu dämmern und man sieht ein, welche große politische Dumm- heit man mit der ganz unzulänglichen Besoldungsreform gemacht hat. Vor allem die U n t e r b e a m t e n sind schlecht weggekommen. — Nun zu den einzelnen Klagen und Beschwerden. Die Bezüge der D i ä t a r e sind in Anbetracht der jetzigen teuren Zeit v i e l z u niedrig und zwar nicht nur für Berlin. Um zu erkennen, ob ein Diätar sich zur Anstellung als Beamter eignet oder nicht, ge- braucht die Postverwaltung ein Probejahr und drei Diätarjahre. Diese Jahre werden nicht einmal angerechnet. Der Post- etat bietet ja ein erfreuliches Bild, rein vom fiskalischen Stand- punkt betrachtet. Aber es ist kein Kunststück, Ueberschüsse zu er- zielen, wenn man einen Druck nach unten ausübt und die Beamten kärglich besoldet. Wir haben uns seinerzeit gegen das System der gehobenen Stellen gewandt, weil wir gegen Streberei und Korruption sind. Nun ist das System geschaffen worden und wir haben auch gehobene Ilnterbeamtenstellen bekommen. Aber es gibt 17 000 gehobene Unterbeamte, die noch keinen Pfennig aus dem dafür geschaffenen Fonds bekommen haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man muß sich wohl bei den Vorgesetzten lieb Kind machen, um aus diesem Fonds bedacht zu werden?? Es ist die alte Ge- schichte. Vor den Wahlen wird von den bürgerlichen Parteien den Postbeamten das Blaue vom Himmel versprochen und Tausende von Beamten erwarten von diesem Reichstag Unter stützung in ihrem Kampf um eine angemessene Besoldung. Im vorigen Jahre habe ich auch eine Reihe von Klagen vortragen niüssen. Es ist auch eine Untersuchung eingeleitet worden, aber nicht um die Mißstände zu beseitigen, sondern um festzustellen, wer mir das Material zur Verfügung gestellt hat. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Prinzipiell sind wir gegen das Gratifikationsunwesen. Aber wenn es Gratifikationen nun einmal gibt, dann müssen sie nach gerechten Mundsätzen verteilt werden und nicht nach der Willkür der Lorgesetzte«. Wenn durchaus gespart werden soll, dann möge oben gespart werden, aber nicht bei den Unterbeamten. Weniger Faulenzer, aber »ichr angemessene besoldete Arbeitskräfte. Die Geldbestellung am Sonntag ist ja glücklicherweise beseitigt. Aber die Geldbrief- träger haben nicht etwa einen freien Tag bekommen, sondern werden ani Sonntag mit anderen Llrbeiten beschäftigt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In vielen Fällen beträgt die Ar- beitszeit der unteren Beamten mehr als 69 Stunden loöch entlich. Die Beamtenschaft hegt aber den dringenden Wunsch daß die Arbeitszeit in der Woche niemals über S7 Stunden hinausgehen möge. Wie ruinös die lange Dienstzeit für die Unter- bcamten ist, beweist die Ste r b e sta t i st i k. Die meisten st e r b e n zwischen dem 3 0. und SO. Jahre. Daher ist es so wichtig, die Ansangsgehälter zu erhöhen, da die Unterbeamten in den Ge- nuß des Höchstgehalts selten kommen. Die häufigsten Krank- heiten der Postbeamten sind Lungenkrankheiten, Magen- und Darm- tatarrhe. Die Ursache der letzteren insbesondere liegt in der U n- rcgelmäßigkeit der Pausen, wodurch die Bcamten viel- fach gezwungen sind, ihr Mittagessen herunterzuschlingen. Also in der Besoldung und Dienstzeit der Uuterboamten müssen andere Zustände geschaffen werden. Das wird die Dienstfreudigkeit der Beamter« erhöhen. Mit der Teuerung steht die Erhöhung der Beamtengehälter in gar keinem Verhältnis. Das Hot selbst ein hoher Beamter zugegeben. 24 Proz. des Einkommens müssen die B«lmten vielfach für ihre Wohnungen ausgeben. Die kleinsten Wohnungen find bekanntlich die teuersten. Daher find die Wohnungsgeldzuschüsse für die Unterbeamten viel zu gering. Der größte Teil der Frauen der Postunterbeamten muß bis in die Nacht arbeiten, um einen Ausgleich zwischen Ein- nahmen und Ausgaben der Familie herbeizuführen. Infolge dieser Zustände ist die Zahl der Erkrankungsfälle sehr groß. Besonders wird darüber von den Beamten deS Amte» C 1 und 2 geklagt. Der Postdirektor dieses Amtes kann Kranke offen- bar nicht leiden. Ein Postbeamter Schulenburg meldete sich wiederholt krank, wurde aber von dem liebenswürdigen Direktor immer abgewiesen. Als er endlich den erbetenen Urlaub erhielt, war er bor Beendigung des Urlaubs eine Leiche.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Postillone sind im August, September und Oktober so angestrengt, daß sie innerhalb 24 Stunden nur 3 Stunden Pause haben. Manchen Postdirektoren und Oberpostsekretären sollte Dies Ziel hat Herzen wie ein Bahnbrecher verwirklichen sollen. Seine Arbeit— eine Tat von Belang in der revolutionären Bewe- gung Rußlands— setzte 18S4 unter polnischer Beihilfe mit der Gründung einer ersten russischen Druckerei«n London ein, die mit der Herstellung zenfurfreier politischer Flugschriften für den Ver. trieb in Rußland begann und nach ein paar Jahren zu europäischer Bedeutung gelangte durch die Begründung der Wochenschrift K o lo- iol— Tie Glocke.— Wanderjahre in Frankreich, der Schweiz, Italien waren dieser Londoner Arbeit vorausgegangen. Herzen hatte revolutionäre Erhebungen in unmittelbarer Nähe erlebt: in Rom den Anfang, in Paris das Ende. Die russisch« Regierung hatte 1848 Herzens Heimkehr gefordert: Er gehorchte aber nicht. Den Versuch der Regierung, ihn durch Beschlagnahme seiner Güter zu ruinieren, durchkreuzt« er mit Hilfe des internationalen Hauses Rothschild, aber die von Rußland geförderte Ausweisung aus Paris, war nicht zu hindern. Schweres persönliches Schicksal brach über ihn herein, und zwei seiner Kinder gingen bei einer Schiffskata- strophe zwischen Marseille und Nizza zugrunde, und auch seine Frau starb. Ten Ertrag seiner Erfahrungen in den Revolutions- jähren hatte Herzen in dem 1359 erschienenen Buche»Vom andern Ufer" niedergelegt. In dieser Schrift vollzog er, ent- mutigt durch die Ereignisse, den Bruch mit dem lange gehegten Glauben an die Führerschaft des westlichen Europa im Kampf um die neue freiheitliche Kultur: hier nun stellte er Rußland als das Heilsland der europäischen Berjüngung dar. Die Bedeutung des Kolokol, der 18S7 gegründet wurde, hing eng zusammen mit den Hoffnungen, die nach dein Tode Nikolaus l. 18ö5 und dein Ausgange des 5lrimkrieges au die Herrschaft des neuen Zaren Alexander geknüpft wurden. Die russische Autokratie war damals in ihren Grundfesten gefährdet und begann ein Pack- tieren. Mit Ogarew an der Seite begann Herzen«inen schonungs- losen Krieg gegen den Sttllstand und die Verrottung, die in all ihren Betrügereien, Nichtswürdigkeiten. Verbrechen mit furchtbarer Offenheit enthüllt und gebrandmarkt wurde. Die Verbreitung der Wochenschrift in Rußland geschah am hellen Tage, und man ließ ihr von oben her freies Spiel. Die zanstische Regierung duldete das Organ, weil sie nicht imstande war. der wogenden Bewegung zu trotzen und dann noch au» dem ganz besonderen Grunde, weil ihr finanzieller Bankerott sie zwang, hie Hauptforderung, die Auf- Hebung der Leibeigenschaft, auS eigenstem Bedürfnis zu unter- stützen. Herzen hing dieser Forderung seit seinen Moskauer Tagen an. Der preußische Regierungsrat Haxthausen hatte damals in die hegelianisch kämpfenden Gruppen des jungen Rußlands seine Ent- deckung des auf Selbstverwaltung beruhende» Urprinzips der rusfi- schen Landgemeinde getragen. Er selbst sah dar«» ein Bolliverk gegen das Vordringen revolutionärer Ideen, aber Herzen beutete Sie Entdeckung für seine sozialistischen Zukunftswünsch« auS. Jetzt brachte er auch dies alte Ziel in den Kämpfen des Tage».energisch in S«n Vordergrund, und fein Ungestüm, das auch Bakuninj M;t, die Vetlssallung KniggesUmgängmitMenschenzur Ver- fügung stellen(Heiterkeit, damit sie lernen, mit den Beamten i» höflicheren Formen umzugehen. Der Staatssekretär und seine Räte sollten häufiger unangemeldet die Postämter inspi- zieren. Die Berechtigung meiner Klagen wird ja immer obge stritten. Ich toeiß genau, daß, wenn ich nachher fertig bin, wieder der Herr Staatssekretär hier auftreten wird, oder seine rechte Hand(große Heiterkeit) und sich gegen mich wenden wird. Aber ich habe doch die Genugtuung erlebt, daß im Laufe der Jahre so manche meiner Beschwerden Erfolg gehabt haben. An manchen Stellen scheint allerdings alles spurlos vorüberzugehen. So sind die alten Klagen aus den Posläiuter« SW. 68 und in der Köpenicker Straße immer noch nicht verstummt. Anstatt die Unterbeamten menschenwürdig zu behandeln, verlangen die Vorgesetzten, daß ihnen alle Meldungen in streng militärischer Haltung erstattet werden. Das scheint ja notwendiger zu sein. Besonders kraß sind die Mißstände auf dem Postamt SW. 48. Es sollte in ein Postamt 2. Klaffe umgewandelt werden und da Häven sich der Postdirektor und der Postinspektor dieses Amts so weit erniedrigt, zur Geschäftswelt zu gehen und sie zu bitten, möglichst viel Briefe auf dem Postamt 48 aufzugeben. Vier höhere Beamte haben eine halbe Etage für sich und nichts zu tun. Der Postdirektor besieht sich meistens das Leben auf der Friedrichstraße.(Unruhe rechts.) Es ist meine Pflicht. die Klagen der llnterbeamien hier vorzutragen und ich tue es, auch wenn es Ihnen unangenehm ist, mit der erforderlichen Gründlich- keit.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Bahn- Postamt in Straßburg wird über eine löftüudige Arbeitszeit geklagt. Die Markenberkäuferinnen auf den großen Postämtern wünschen, daß ihre Bezüge von 2,75 M. aus 3 M. den Tag erhöht werden. Es ist unwidersprochen durch die Presse gegangen, daß Postbeamte in Prozessen gegen die Postverwaltung sich, solange sie im Dienstverhältnis stehen, keines Rechtsanwalts bedienen dürfen. Ist das richtig? Wenn es der Fall wäre, wäre das Unter- beamtentum ja vogelfrei. Weiter eine heikle Frage an den Staatssekretär. Eine Reihe von Postbeamten find wegen Annahme van Schmiergelder« bestraft worden. Trotzdem werden heute noch der betreffen- den Firma Lieferungen übertragen. Ein bitteres Unrecht ist 40 Wagenbegleitern gesöhehen, indem ihnen 15 M., die sie zwei Jahre hindurch pro Monat bezogen hatten, bei Inkrafttreten der Beamtenbesoldungserhöhung in Höhr von 270 M. wieder abgezogen wurden. Wir müssen verlangen, daß diese zu Unrecht abgezogenen 270 M. den 40 Beamten wieder ausgezahlt werden.— Viel geklagt wird über die Qualität der Kleider der Unterbeamten, die einem Kommerzien- rat Sachs zur Anfertigung übergeben werden, der sie aber alle in der Heimindustrie herstellen läßt. Hier hätten die Herren der Rechten Gelegenheit, ihre Mittelstandsfr«undlich- k e i t zu beweisen, indem sie dafür eintreten, daß die Kleider an Handwerker gegeben werden.— Für Durchführung der Vor- schriften sorgt angeblich ein großes Auftichtspersonal. Wie es da- mit in Wirklichkeit bestellt ist, habe ich neulich selbst auf einem Paketamt beobachtet. Die Bcamten spielten Fangball mit den Paketen. An der Wand hing ein Plakat: Pakete dürfen nicht ge- warfen werden. Aber der zur Kontrolle anwesende Postdirektor nahm einem Beamten ein Paket aus der Hand und sagte:.Ach was, nicht geben, immer schmeißen, schmeißen!" (Heiterkeit und Hört! hört!) Dann noch ei« Postkuriosum. Ein Kollege von uns verzog von Berlin nach Steglitz. Er wunderte sich, daß er von da ab lein« Postsachen mehr erhielt. Schließlich stellte sich heraus, daß die Sachen als unbestellbar zurückgingen, trotzdem sie nach Steglitz, wo et wirklich wohnte, adressiert waren, nur weil sein Postbezirk zu Friedenau gehört. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Redner tritt des weiteren dafür ein, daß die aufstrebende Stadt Beeskow bessere Postbestellung erhalten möge.— Damit sind die Wünsche und Beschwerden erledigt, die ich vorzubringen hatte. Solange der jetzige Staatssekretär an seiner Stelle steht, wird freilich für die Unterbeamtenschast nicht viel Gutes herauskommen. Er hat es in seiner Dienstzeit bis heute nicht verstanden, sich die� Liebe seiner Unterbeamten zu erwerben. Seine einzige Tätig- keit ist, nach oben zu blicken und dort den Dank für seine Sparsamkeit entgegenzunehmen. (Lachen rechts.) Wenn Sie(nach rechts) gerecht fein würden, würden Sie die Briefe, die auch Ihnen sicher von Po st unter- beamten zugchen, einer eingehenderen Durchsicht unterziehen. Aber freilich, Sie brauchen die Unterbeamtenschast nur bei den Wahlen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Damals haben Sie die Unterbeamten auf den E i d verwiesen, den sie dem Kaiser geleistet haben. Aber die Postunterbeamten stehen heute auf dem Standpunkt, daß sie gegenüber einer Verwaltung. arbeit verspüren ließ, wuchs, je mehr der Reformeifer de» Zaris- mus sich auf der ganzen Linie der Aufgaben verringerte. Als Staat, Adel und Bourgeoisie hatten, was sie haben wollten, wandte sich das Blatt. Der Kolokol verlor die Gunst der„öffentlichen Meinung", und als er 1863 begeistert für die Sache der aufständi. schen Polen eintrat, schlug eine nationalistische Hetze seinen Ein- fluß zu Boden. Ein Hinsiedjen trat ein; 1865 wurde er nach Genf verlegt und wenig später ging er ein. Als Herzen 1870, erst 58 Jahre alt, starb, war er ein auch in Rußland von der Entwicklung der revolutionären Anschauungen überholter Mann. In der sozialistischen Bewegung des westlichen Europa» hatte er nie eine Rolle gespielt. Karl Marx wieS ihn ab als den„Halbrussen und ganzen Moskowiter Herzen", der den „russischen Kommunismus nicht in Rußland entdeckt habe, sondern in dem Werke d«S preußischen RegierungSratS Haxthausen". In Rußland aber begann schon in den Jahren des Kolokol-Kampfes die ökonomisch tiefer dringende Kritik der jungen Generation sich in gewissenhaftem Prüfen von seinen utopisttschen Ansichten und Zielen abzulösen. Tschernischewsky war damals an der Arbeit, und dieser vom Zarismus schmählich unterdrückte Kämpfer- geist hat den Grund bereitet, auf dem die revolutionäre Bewegung Rußlands weiter wuchs. D. Kleines feuitteton. Theater. Schillertheater 0.: Lady WindermereS Fächer, Drania von Oskar Wilde. Die« Drama, mit dem Wilde vor zwanzig Jabren al« Bühnenschriflsteller erfolgreich debütierte, segelt. wenn auch die paradoxe Eigenart d«S Wildefchen Witze» im Dialog sich schon kräftig regt, ivaS die Koinpontion anlangt, noch ganz im Fahrwasser deS Sardouschen Komödienstils. Raffiniert erklügelt, wie die Voraussetzungen der Situation, ist auch die mit einem beträcht- lichen Einschuß Won Tbeatersentimentalität versetzte Lösung. Eine Dame der englische»«ristokralie, die nach einem Eheslandal ein paar Jahrzehnte in Europa herumabenleuerte. kehrt auf die Nachricht von der Heirat ihrer Tochter nach London zurück in der Hoffnung, durch vermittelung des reichen Schwiegersohnes unter anderem Namen sich in den feinen Kreisen zu rehabilinerm. Sie schröpft den Lord nach Kräften; und da er hohe Summen sür sie zahlt, gilt er als Liebhaber. Seine tugcndstreng« Frau, die ihre Mutter längst gestorben glaubt, erfährt von diesem Klatsch, und dennoch trotz ihrer zitternden Empörung besteht der Lord, der aus lauter Zartgesiihl(!) den Sachverhalt nicht klarlegt, darauf, die Fremde einznladen. Die erst so unnahbare Lady will fich rächen für diesen Schimpf, indem sie Untreue mit Untreue vergilt. Aber die, die sie sür ihre Rivalin hält, wird plötzlich ihre Beschützerin und lenkt den verdacht de« Gatten, der den Fächer feiner Frau im Zimmer eine» seiner Freunde findet, höchst effektvoll die fük die Nnferbeawtei keick Herz hak, nrchk der- pflichtet sind, ihren Eid zu holten(Unruhe rechtssi sie wissen, daß sie die besten Vertreter ihrer Interessen beider So- zialdemokratie finden.(Bravol bei den Sozialdemo- kraten.). Präsident Kaempf: Ich glaube. Sie oe leidigen die ge- samte Unterbeamtensdjaft, wenn Sie ausführen, daß dieie uicht Lust habe, ihren Eid zu halten. Wegen dieser Aeußerung rufe laj Sie zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr. (Vorher Wahlprüfungen.) ' Schluß 5 Uhr._ Hus der parte!* Gemeindewahlsiege in Westpreuße«. In K r a k a u und W e ß l i n k e n bei Danzig eroberlen unsere Genossen bei der Gemeindevertreterwahl je ein Mandat in der 3. Abteilung, ebenso in Neudorf bei Graudenz. Außergewöhnlich gut schnitten die Genossen in W e i ch s e l m ü n d e ab. Sie ge- wannen mit großer Mehrheit sowohl das Mandat der 3. wie das der 2. Abteilung. Da sich einer der dortigen Gemeindevertreter unlängst unserer Partei anschloß, zählt Weichselmünde drei Sozial- dcmokraten in der Gemeindeverwaltung. Die deutsche Sozialdemokratie Böhmen» hält Sonntag ihren Landesparteitag in Bodenbach ast. Dem Tätigkeitsbericht entnehmen wir folgende Angaben: Die Reichs- ratswahlen von 1911 ergaben für die Kandidaten der deutsch- böhmischen Sozialdemokratie 165 515 Stimmen gegen 168 818 im Jahre 1907. Der Verlust lastet vollständig auf dem Gebiet östlich der Elbe. Bei 40 Proz. der gültigen Stimmen erhielt die Partei nur 16 Proz. der Mandate! Es sind Ende 1911 vorhanden 34 122 Parteimitglieder gegen 29 195 in 1910, das sind 15,5 Proz. der si aldemokratischen Wähler. Sowohl die Gewerkschaften als die Genossenschaften haben doppelt soviel Mitglieder als die politische Partei. Die Mitgliederzahl der Frauenorganisation be- trägt 6298 gegen 4157 Mitglieder, die der Jugendorganisation 6201 gegen 6014 im Vorjahre. Das Bildungswesen leidet sehr unter dem Mangel größerer Städte und der Zersplitterung des Volkes in zahllose Jndustriedörfer. Die Parteipresse um- faßt ein Tageblatt(den„Vorwärts" in Reichenberg), zwei dreimal wöchentlich erscheinende Blätter in Aussig und Teplitz, vier zwei- mal wöchentlich herausgegebene in Warnsdorf, Bodenbach, Karls- bad und Asch und drei Wochenblätter in Trautenau, Saaz und Krumau im Böhmerwold. In den Gemeindevertretungen der Dorf- und Marktgemeinden hat die Partei 956 Vertreter sitzen. Gegen de« Anarchosoziolismus hat fich das National- komitee der nordamerikanischen Partei aus- gesprochen, indem es mit 43 gegen 6 Stimmen entschied, daß nie- inand, der die Taktil der direkten Aktion befürwortet, als Organi- sator oder Redner der Partei dienen könne. Der Beschluß dürfte wohl das Ausscheiden Haywoods, gegen dessen anti- parlamentarische Taktik mehrere Mitgliedschaften Stellung genommen halten, auS dem Nationalkomitee zur Folge haben. Die«eue Stadtverordnetenversammlung von Kopenhagen, in der die Sozialdemokratie mit ihren 21 Vertretern genau die Hälfte der Mandate in Händen hat, trat in der verflossenen Woche zu ihrer ersten Sitzung zusammen und wählte gegen die Stimmen der Antisozialisten unseren Parteigenossen Lamm zu ihrem ersten Borsitzenden._ poUzcUUhea, öerCditllche« ukw« Breslauer Justiz. In drei aufeinander folgenden Prozessen stand am Donners- tag Genosse Darf als Verantwortlicher der Breslauer„Volks- wacht" vor der durck ihre harten Urteile bekannten 1. BreSlauer Strafkammer, deren Vorsitzender der schon öfter im Reichstage ge- nannte Landgerichtsrat M u n d r y ist. Im ersten Fall fühlte sich der Amtsvorstehcr von Deutsö�Lissa beleidigt durch eine„Volks- wacht"-Notiz. Dieser hatte einen Vortrag der Genossin War- t-enberg über:„Frauenleiden und deren Verhütung" verboten, mußte aber da? Verbot später auf erhobene Beschwerde zurück- nehmen. Weil nun die„Bolkswacht" der Notiz ein Zitat des Ministers des Innern bei Beratung des Vereinsgesetzes voransetzte, wonach er jede schikanöse Auslegung des- selben durch Beamte für strafbar erklärte, ver- urteilte die Strafkammer Genossen Darf zu 5 0 M. Geldstrafe. Der Vertreter der objektivsten Behörde der Welt hatte sogar zwei Monate Gefängnis beantragt. Demnach ist es in Breslau strafbar, Ministerworte zu zitteren. Im zweiten Fall war in der„Bolkswacht" dem Magistrat von L a n d ei h u t ein leiser Vorwurf gemacht worden, daß et für einen alten Arbeiter, dem die Invalidenrente verfagt worden war, überraschend auf fich selbst. Sie opfeN die zurückeroberte Situation, damit der Tochter der Weg, den sie einst gegangen, erspart bleibe. und scheidet von der Dankbaren, die beschämt erfahren, wie wenig ihre eigene Tugend gegen Anfechtung gesichert ist, ohne daß sie sich ihr als Mutter zu erkennen gibt. DaS Drama, das unter Lindaus Direktton im Deutschen Theater gespielt wurde, schien trotz aller Unnatürlichkeiten das Publikum b'er stark zu interessieren. Hervorragend war Else W a s a in der Titelrolle, während Gertrud Dettmann mit der Figur der mütter- lichen Demimondaine nicht viel anzufangen wußte. Unter den witzelnden Salonleuten zeichnete sich Reinhold Kästlint sehr ge- schickt in guter Haltung durchgeführter Darlington au». du Humor und Satire. Dreiklassenorthographie. Die Reden des Zentrums- abgeordneten Heß zum KultuSetat haben mehrere Mitglieder ver- schiedener Parteien veranlaßt, das Wort gehässig von nun an mit e zu schreiben. Die Tücke de» Objekts. Im Vestibül de» Abgeordneten- haufeS ist eine Tafel, an der die KommiffionSs«Hungen angeschrieben werden. Während alle anderen Kommissionen alle paar Tage sitzen, liest man da, daß sich die Kommission für daS Gesetz über die S r b e i t S s ch e u e n bis zum— 18. April vertagt bat und das gleich nach der Konstituierung. DaS wehrfähige Zentrum. Der neuen Wehrvorlage wird unter der Bedingung zugestimmt, daß einige der neuen Panzer« schiffe nach den größten Ruhrzechen, einige der neuen Reginienter aber Stinne«, Kirdorf, Thyssen genannt werden und für die Maschinen- Sewebrabteilungen die öl» suite- Stellung der Abgg. Behrens» Becker- rnsderg und Brust zugesagt wird. Notize«. — Die Freie Hochschule Berlin gibt soeben ihr neues Programm für das FiühjahtS-Ouartal heraus, daS in 58 Vortrags- reiben von zumeist 5 oder S Doppelstunden wieder Fragen der Wettanschauung. Kunst, Literatur. Volkswirtschaft, Naturwissenschaft, Medizin, Technik u. a. behandelt. Die Vorlesungen beginnen sämtlich in der Woche nach Ostern. DaS Programm wird kostenlos ausgegeben in allen städtischen Leseballen, in öffentlichen Bibliotheken und in sämtlichen Filialen von Loeser u. Wolff. — Vorträge. In der Urania in der Tanbenstraße wird am Donnerstag, abends 8 Uhr. Herr Dr. Edw. Hennig. einer der Teilnehnrer der Tendaguru-Expedilion über die„AuS- grabungen vorweltlicher" Riesenreptilicn in Deutsch-Ostafrika" einen Vortrag mit Lichtbildern halten. ES bandelt sich um die vom Berliner geologisch-paläontologischcn Museum entsandte Expedition, die seit drei Jahren im Süden unserer afnka«nschen Kolonien Ausgrabungen der dort entdeckten fossilen Dinosaurier der Kreidezeit ausgeführt hat, mchi genügend gesorgt liaile, und das; diesei ans GrRN darüder den Strick dem Hungertode vorgezogen habe. Die Behauptungen cnt- iprachen nicht ganz der Wahrheit. Ter Mann hatte, wie das Gericht feststellte, vorläufig noch 8 M. wöchentlich Kranken- geld und die Aussicht, in Jahresfrist die Invalidenrente zu erhalten. Urteil: SV Mark. Als dritter im Bunde fühlte sich der Amtsvorsteher von Ober- Adelsdorf, Kreis Goldberg, beleidigt. Dieser hatte eine Ver- sammlung unter freiein Himmel verboten, nachdem ihm der Be- sitzer des Grundstücks erklärt hatte, daß er sein Grundstück zu der fraglichen Versammlung nichl hergebe. Dieses Verbot tvar unbe° rechtigt. Die„Volksmacht" kritisierte das Verhalten und be- hauptete, der Amtsvorsteher habe den Besitzer zu sich bestellt. In Wirklichkeit hatte der Amtsvorsteher den Besitzer des Grundstücks nur selbst aufgesucht. Antrag des Staatsanwalts: 300 M. Geldstrafe. Urteil: 60 Mark. Vor Eintritt in die Verhandlungen hatte Genosse Darf auf Grund der Erfahrungen in früheren Prozessen gegen sich und andere Redaktionskollegen der„Volksmacht" den Vorsitzenden, Landgerichtsrat Mundrh, der das Wort von den ehr- losen Schweinehunden auf diejenigen Beamten prägte, die in sozialdemokratischen Zeitungen vorsprechen, und noch zwei andere Richter wegen Befangenheit abgelehnt. Die Verlesung der A b l e h n u n g s gr ü nd e wurde vom Vorsitzenden nicht gestattet! Eine schnell ge- bildete neue Kammer erklärte auf Grund der dienstlichen Aeusse- rung der abgelehnten Richter, wonach sie nicht befangen sind, diese scldswerständlich auch für unbefangen. Hierauf erklärte Genosse Darf:„Ich habe zu den drei Pro- zcssen keine Beweisanträge gestellt, keine E n t- lastungszeugen laden lassen, da das nach meinen Er- fahrungen vor dieser Kammer gar keinen Zweck hat. Im letzten Prozeß regte sich der Herr Vorsitzende über die Eni- lastungszeugen nur auf und ihre Aussagen wurden im Urteil nicht berücksichtigt. Ich halte deshalb jede Verteidigung für zwecklos und mag mit Ihnen(zu den Richtern) nicht verhandeln. Ebenso bitte ich meinen Herrn Verteidiger, sich in dieser Verhandlung jede Mühe zu sparen, da hier doch so wie so alles zwecklos ist. Ich will es den Richtern über- lassen, in Gemeinschaft mit dem Herrn Staats- anwalt allein das zu finden, was sie für Recht halten." Die Prozeßführung des Vorsitzenden, der während der Ver- Handlung und auch in der Urteilsbegründung alles persönlich Vev- letzende vermied, stach im Gegensatz zu früheren Prozessen gewaltig ab. Immerhin sind die Strafen, da es sich hier nur um Lappalien handelt, sehr hoch._ Ein eigenartiges Urteil.* Wegen Beleidigung eines Polizcibeamtcn wurde Genosse Pierenkämper vom B o ch u m e r„V o l k s b l a t t" zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Dem Beamten war der Vor- wurf gemacht worden, in einem Prozeß als Zeuge einen Falscheid geleistet zu haben. Das Schöffengericht Bochum hatte den Wahr- heitsbeweis dafür erbracht erklärt, daß der Beamte in drei Fällen die Unwahrheit gesagt und hatte den Angeklagten freigesprochen. Der Staatsanwalt legte gegen dieses Urteil Berufung ein. Obwohl in der erneuten Verhandlung weiteres Material zum Wahrheitsbeweis erbracht wurde, kam das Gericht zu einer Ver- urteilung, weil der Wahrheitsbeweis nicht erbracht fei. Nachklänge vom Wahlkampf. Der verantwortliche Redakteur der„Norddeutschen V o l k S st i m m e" in Bremerhaven, Genosse W. B a r tz, wurde tMgen Beleidigung eines bürgerlichen Blattes, der„Norddeutschen Mtung" in Bremerhaven, zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. Das MUt hatte sich durch verschiedene Polemiken während des letzten Mihlkampfes„beleidigt" gefühlt. Hus InduCtnc und FtandeL Bon der Groß-Berliner Terrain- und Bauspekulatio». In der letzten Zeit hat eine Reihe von Krachs auf dem Grund- stllckSmarkte bei den Interessenten große Unruhe hervorgerufen. Schon den ganzen Winter hindurch hielt die Unruhe an und sie ist in dieser Woche durch den Bankerott der Firma MoSlcr u. Wersche vermehrt worden. Die Kurse der Terrainpapiere zeigen dem- entsprechend andauernd ganz erhebliche Rückgänge. So find, um nur einige Gesellschaften herauszugreifen, feit Anfang Januar ge- fallen: die Allgemeine Boden-A.-G von 116 auf 100, Berlin-Nordost von 245 auf 218, lkement-Bou-G von 820 auf 770, Neue Boden- A.-G. von 142 auf 126. Nordpark-Terrain von 1940 auf 1810 usw. Die Kursrückgänge dienen aber doch dem in den Großbanken fun- dierlen Großkapital, das dadurch seinen Einfluß auf dem Grundstücks- markt erweitert. Zum Teil sind die Banken allerdings die Ursachen der Preistreibereien in GrundstückSwerten gewesen und sie haben die dortigen ungesunden Verhältnisse mit hervorgerufen. Trotzdem ziehen sie auS den jetzigen Krachs den Vorteil. Auch bei der erwähnten Pleite von MoSler und Wersche wurde aus den Gläubigerversammlungen sofort berichtet, daß die Banken so gut wie ganz gedeckt seien und keinen Schaden erleiden würden. Welcher Art sind nun die Beziehungen von GrundstückSgesellschaften und Banken? Die Ursachen der hoben Bodenwerlsteigcrnngen in den Städten liegen in der Ansammlung großer Arbeitermassen. Für sie mußte Raum und Obdach geschaffen werden. Abgesehen von dem Sonder- charakter de« Grund und Bodens stellt auch er eine Ware dar, deren Preis sich nach Angebot und Nachfrage regelt. Je größer das Be- dürfnis nach Arbeiterwohnungcn wurde, um so höher konnte der MietSprei« gesteigert werden. Und da der Preis des Bodens nichts weiter darstellt als die kapitalisierte MietSrente, stieg auch der Preis der Grundstücke. Auch die noch nicht bebauten Grundstücke, soweit sie aber für die künftige Bebauung notwendig sind, haben an dieser Steigerung Anteil. Kapitalkräftige Personen oder Gesellschaften sind daher in der Lage, später verwendbaren Grund aufzukaufen und bis zum Zeitpunkt der Bebauung brach d. h. für sie zinslos liegen zu lassen. Da sich die Richtung der künftigen Ausdehnung einer Stadt nicht im voraus besttnimen läßt, wird der Entwickelung in der ge- wünschten Weise vorzuarbeiten gesucht. Die Terraingcsellschasten kaufen nicht nur das Land; sie legen auch Straßen an. überlassen den Gemeinden Raum für Schmuckplätze, unterstützen den Bau von Verkehrsmitteln und schaffen sonstige Anziehungsmittel für die Be- bauung der einzeln verkauften Parzellen. Als die Entwickelung unserer Städte zu den Riesenkomplexen begann, fiel die Werlsteige- rung noch dem Sinzelbefiyer wie zufällig in den Schoß. Heute rechnet jeder mit der Entwickelung in dieser Richtung. Neben den vielen privaten erwerbsmäßigen Spekulanten treiben daher be- sondere Institute solche �Geschäfte. Die Beschaffung für Kredit für Erwerb und Bebauung des BodenS, die Hhpothekenveriorgung. ist dabei die Hauptsorge. Mit dem zunehmenden Interesse für diese Art Geschäfte brachte die Spekulation immer wildere Blüten hervor. In dem Konkurrenzgetriebe erweiterte sich der Kauf aus immer größere Bodenflächen. Die Zahl der Gesellschaften wuchs äußerst rasch. Als Geldgeber beteiligten sich anfangs fast nur Private (darunter eine Reihe bekannter Fürstlichkeiten); dann wurden kleine Banken hineingezogen, denen die neuen Geschäfte aber sehr schlecht bekamen, und heute sind gerade die Großbanken stark in Grund- stückswerten interessiert. Ja selbst die Reichsbank gewährt Boden- gefellschaften leichten und großen Kredit. Zwar haben auch die Großbanken z. X. park bluten müssen. Eo erlitt der Konzern der Deutschen Bank einen Verlust im Betrage von 12 Mllionen Mark infolge seiner Beteiligung an der Terrain- und Bau-A,-G. Wie vielgestaltig die Beziehungen der Banken zu Terrain- gefellschaften sein können, zeigt ein Beispiel. Die Berliner Handels- gesellschaft beherrscht die Handelsgesellschaft für Grundbesitz, die Bahnhof-Jungfernheide-A,-G., die Bahnhof-Lichtenberg-Boden-A.-G� die Jndustriegelände-Schöneberg-A.-G.. die Westliche Boden-A.-G., die Terrain-A.-G. Bayerische Straße, die Gru«dstückS-A,-G., die Lichtenberger Terraingesellschaft, die Neue Berliner Grundstücks-A.-G., die Grunderwerbsgesellschast, die Grundstücksvcrwertungsgesell- schaft, die Monbijou-Grunderwerbsgesellschaft. Durch die Beteiligung der großen Banken ist die Kapitalzufuhr bei den Bau- und Terrain- gefellschaften in den letzten Jahren besonders groß gewesen. Nach einer Zusammenstellung von Calwer betrug sie 1S0S bis 1911 für Terraingesellschaften 193, 135, 132, 154, 177, 127 Millionen Mark. Die Hochtreibung der Bobenpreise und die starke Kredit- gewährung ohne genügende Deckung ist in der letzten Zeit durch die Erhebung der Reichswertzuwachssteuer öffentlicher bekannt geworden. Wohl haben sich die Spekulanten durch allerlei Praktiken der Be- stenerung zu entziehen gewußt. Die Finanznot des Reiches zwang aber zu scharfer Kontrolle und zur Hinderung möglicher Umgehungen der Steuer. Die„Schiebungen" auf dem Grundstücksmarkt haben dadurch neue Anregung erfahren, die schon vorher zu den ver- wickeltsten kapitalistischen Gaunertums gehörten. Huö der Frauenbewegung. Prämien für Menschenfang. „Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen." So denken jedenfalls jene Führer der chnstlichenArbeiterinnenorgani- sation, die im„Aufwärts"(Organ der katholischen Arbeiterinnen- vereine) einen spezialisierten Agitationsplan veröffentlichten, der heute, am 24. März, zur Aufführung kommen soll. Bereit? im vorigen Jahre war die Veranstaltung unseres sozialdemokratischen Frauen- tages, der bekanntlich auf den 17. März fiel, ihnen Veranlassung, eine Gegendemonstration großen Stils— wie sie sich ausdrückten — ins Werk zu setzen. Zunächst voller Entrüstung, daß der heilige Josephtag durch den Frauentag der„bösen Sozi" entweiht werde, kamen ihnen bald der„geniale" Gedanke, unter dem Protektorat des heiligen Joseph am gleichen Tage für ihren Verein Propaganda zu machen. Die Sache soll in diesem Jahre in noch größerem Umfang und planvoller Weise wiederholt werden. Zu diesem Zwecke hat eine gründliche Besprechung deS Vorstandes mit den Mitgliedern stattgefunden. Den Mütgliedern ist zur Pflicht gemacht, sich Adressen zu besorgen von Nichtorganisierten katholischen Arbeiterinnen, damit diese am St. Josephtag durch HauSagitation für den Verein gekapert werden. Da nun der St. Josciphtag in diesem Jahre auf einen Werktag fällt, mußte die Hausagitation aus diesem Grunde bis zum nächsten Sonntag, bis zum 24. März, verschoben werden. Flugschriften sollen an die aufs Korn genommenen Arbeiterinnen verteilt, durch freundliches Zureden sollen sie bewogen werden, dem Verein beizutreten. Diese Art der Agita- tion wäre nichts Absonderliches, die hätten sie uns glücklich ab- geguckt, absonderlich ist nur, wo und wann die Flugblätter verteilt und wer das freundliche Zureden besorgen soll. Auch darüber be- richtet der„Aufwärts": Nach der Messe und nach dem Nachmittags- Gottesdienst werden die Flugblater am Eingang der Kirche verteilt und die Geistlichen haben sich erboten, von der Kanzel herab zum Eintritt in den Verein aufzufordern. Doch die Regisseure des Ganzen scheinen trotz deS Aufgebots der Geistlichkeit und aller Protektoren des Vereins des Erfolges keineswegs sicher zu sein. Um den Eifer ihrer Mitglieder noch mehr zu spornen, stellen sie Prämien in Aussicht für jene Mitglieder, die die meisten Neuaufnahmen bringen. Ein Hcrz-Jesubild oder ein Bild deS heiligen Joseph soll diesen Eifrigen als köstlicher Zimmerschmuck zuteil werden, fall« ihr Mcnschenfang am 24. März ergiebig ist. Außerdem werden sie im„Aufwärts" zur Belohnung mit Petrus verglichen, der von Christus entsandt wurde,„um Menschen zu fangen". Ob diese für den Verein eingefangenen Mitglieder bei späteren Lohnkämpfen zum JudaS Jfchariot werden sollen, wie die Führer der christlichen Bergarbeiter im Kohlengräberstreik? Ein fein ausgeheckter Plan. Aber welch geistigen Tiefftand der Führer verrät diese Methode. Nicht weil sie durchdrungen sind vom Geiste der Organisation, nicht weil sie den Zusammenschluß aller Ausgebeuteten für eine soziale Lebcnsnotwendigkeit der Ar- beitenden halten, und es daher als höchstes Pflichtgebot aller Or- ganisierten betrachten, für den Ausbau der Organisation zu wirken, riefen sie die Mitglieder zur Propaganda auf, sondern Prämien stellt man ihnen für ihre Tätigkeit in Aussicht. Nicht Ueberzeugung von der Notwendigkeit des Zusammenschlusses will man den Fern- stehenden lehren, sondern von der Kanzel herunter soll der Geist- liche als Eintreibe! wirken. Ein neuer Beweis dafür, wie die christlichen Zersplitterungs- organisationen sich hemmend uni> schädigend dem Aufstieg der mo- dernen Arbeiterbewegung in den Weg stellen, wie sie die Uneinig- keit der Arbeiter schüren, um diese dadurch in der Machtlosigkeit gegenüber dem Kapital zu erhalten. Tie christlichen Organisationen bemühen sich, ihren Mitgliedern Anschauungen zu vermitteln, die für den modernen Klassenkampf unfähig machen. Diese Tatsache ist deutlich illustriert worden durch daS Verhalten der Christlichen beim Bergarbeiterstreik und wird aufs neue durch die von uns gezeichnete Agitationsmethode bewiesen. Für die immer größer und erbitterter werdenden LohnkämUfe bedürfen wir feste, einheitlich geschlossene Organisationen, in denen die Frauen und Männer des Proletariats gemeinsam kämpfend Seite an Seite stehen. AuS diesem Grunde müssen wir dieser Agitationsmethode eine fortgesetzte Aufmerksamkeit widmen und ihr eine um so intensivere, planmäßige, grundsätzliche Agitation ent- gegensetzen.- Nicht um Erhaschung von Prämien irgendwelcher Art, sondern auS Ueberzeugung, auS Idealismus agitieren die Frauen und Mäd- chen deS Proletariats für den Zusammenschluß ihrer Klaffe, Leseabende. Montag, den 25. März: 1. KreiS. Grfinstr. 21 bei Weihnacht. Referentin: Genossin Bloch. Hansaviertel. Flensburger Str. 24 bei Rothe. 2. Kreis. 1. Hornnr. 2 bei Saß; 2. Bülowstr. 58 bei Wiemer«; 8. Markgrafenstr. 88 bei Löhrich; 4. Blücherstr. 48 Eckt Fontane- Promenade bei Fröhlich. 3. Kreis. Gruppe 1„ 2., 6. bei Oskar Ende. Luisenufer 21. Gruppe 3, 4, 6, 7 bei Baum, Swllschreiberstr. 47. Gruppe 8, 9, 10 bei Döring, Köpnicker Str. 59. Bannischulcnlvcg. Abends 8'/z Uhr bei Kintzel. Ernftstraße Ecke Marienthalcr Straße. Vortrag: Genosse Wacherwieck:„Der Kampf um die Jugend".. Bohnsdorf. Abends 8>'/z Uhr im Lokal von Berkofzer(Villa Kahl). Vortrag:„Weshalb müssen sich die Frauen am Befreiungskampf der Arbeiterklasse be- teiligen?' Franz.-Buchholz. MendS S'/z Uhr im Lokal Kähne. Berliner Straße 39. Charlottenburg. Statt des Frauenleseabends findet eine öffentliche Frauenversammlung(S'/j Uhr im VolkshauS, Rosinenstr. 8) mrt Vortrag der Genossin Lungwitz statt..„ Friedenau. Montag, den 25. März, 8�/z Uhr, bei Mechelke, Handjerh- straße 31/31: Vortrag der Genossin Frida Schulte:„Betrach- tungen über den bürgerlichen Frauenkongreß". Köpenick. 8>/z Uhr bei Stippekohl, Schönerlinder Str. 6.. Lichtenberg. 1. Viertel bei Heine, Friedrich-Karl-Str. 11. 2. Viertel bei Wilh. Schulz, Kronprinzenstr. 47. 3. Viertel bei Simon, Wilhelmstr. 86. 4. Viertel bei Hoffmann. Möllendorfstr. 54/55. Vortrag über:„Die Frau und die Gewerkschaft". Referenten: die Genossen Rössel, Nitschke, Pause und Mirus. Pankow. Abends S1]* Uhr. bei Stark(genannt„Türkisches Zelt"), Breitestraße 14: Vortrag des Genossen Möbus-Pankow über „Die Entwicklung des Sozialismus". Reinickcndorf-Ost. Abends 6 Uhr, im Restaurant S a d a u, Residenz« straße 124. Reinickendorf-West. Abends 8 Uhr. bei Halmann. Scharnweber- straße 54: Vortrag des Genossen Max Kiesel über:„Friedrich Schiller". Rummclsburg. Bei Blume, Alt-Boxhagen 56, hält Genosse Zimmer» mann aus Karlshorst und bei Krüger, Tiirrschmidlstr. 40, Ge- nosse Klajus aus Berlin den Vortrag. Anfang pünktlich Va� Uhr. Stralau. Abends>/z8 Uhr bei Schmidt, Marlgrafendamm 5. Tegel. Abends 8'/a'Uhr im Jugendheim, Schlieperstr. 30. Vortrag des Genossen Kurt Heinig über:„Die Frau und der Sozia- lismus". Tempclhof. Im„Wilhelmsgarten", Berliner Str. 9, Bortrag des Genossen Oskar Ewald über das Erfurter Programm. Treptow. Bei Schmidt, Kiefholzstr. 22, Borttag des Genossen Renner über«Lungentuberkulose". Versammlungen— Veranstaltung«». Charlottendurg. Wir machen auf die morgen, Montag, 25. März, abends 8'/z Uhr, im VolkshauS, Rosinenstr. 3, stattfindende öffentliche Frauenversammlung aufmerksam. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Lungwitz. 2. Freie Aussprache, Genossinnen und Genossen, sorgt für einen Massen- besuch dieser Versammlung! Serickts- Leitung. Wie leicht man ins Verbrecheralbum kommen kann, zeigt ein lehrreicher und typischer Fall, der vor einiger Zeit ver- schiedene Instanzen bis hinauf zum Minister des Innern im Wege der Beschwerde beschäftigt hat. Gegen einen Agenten R. war ein Strafverfahren eingeleitet worden, weil er beschuldiat wurde, sich eines Lotterievergchcns dadurch schuldig gemacht zu haben, Daß er einen Handel mit Anteilscheinen von Prämienlosen gotverbsmäßig als Agent auswärtiger Firmen betrieben haben soll. Er betrieb diesen Handel längere Zeit und obgleich er polizeilich davor ge- warnt worden war. Als er eines Tages auf das Polizeipräsidium beschieden wurde, wurde er auf Veranlafsuig des amtierenden Kriminalkommissars für das Verbrecheralbum photographiert, er wurde gemessen und auch Fingerabdrücke sind von ihm abgenom- men woroen. Gegen dieses Vorgehen erhob Rechtsanwalt Dr. Wert- Hauer für R. Beschwerde mit dem Antrage: die angefertigten Photo- graphien und das Negativ der Photographie zu vernichten und aus dem Verbrecheralbum zu entfernen, auch die Fingerabdrücke zu ver- nichten und unkenntlich zu machen, ebenso die Maße des Herrn R. aus den Büchern zu streichen. Es wurde in der Beschwerde darauf hingewiesen, daß keinerlei Anlaß zu diesen polizeilichen Maßregeln vorläge, da der unbestrafte Angeklagte sich nicht irgendeines gemein- gefährlichen Delikts schuldig gemacht habe und es als Schmach und Schande empfinde, in dieser Weise als Verbrecher behandelt zu werden. Die Beschwerde beim Polizeipräsidium hatte keinen Er- folg. Es hieß in dem polizeilichen Bescheide:„Da R. seine straf- bare Tätigkeit längere Zeit fortgesetzt hat, ist die Aufnahme seiner Photographie angeordnet worden, damit diese den geschädigten Per- sonen vorgelegt und Dadurch die Identifizierung bewirkt werden kann. Die Befugnis der Polizeibehörden zu diesem Vorgehen ist durch die Entscheidung des Reichsgerichts vom 2. Juni 1899 sowie in Z 24 des Gesetzes betr. das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie anerkannt worden." Gegen diesen Bescheid legte Rechtsanwalt Dr. Werthauer Be- schwcrde beim Minister des Innern ein. Es wurde'darin dem Polizeipräsidium die Legitimation bestritten, eine Feststellung zu treffen, ob sich jemand der Beihilfe zum Vergehen gegen§ 283 des Strafgesetzbuches schuldig gemacht, nachdem die Staatsanwaltschaft als die vorgesetzte Behörde selbst die Entscheidung dem Gericht übertragen und überlassen habe. Die Berufung auf die Entschei- dung des Reichsgerichts vom 2. Juni 1899 sei völlig irrig. Diese Entscheidung erachte eine Anordnung der Polizeibehörde als denk- bar, welche dahin gehe, daß mit ZnchthauS vorbestrafte Personen sicki das Messen und Photographicrcn insofern gefallen lassen müssen, als die gemäß solcher Anordnung erfolgte gewaltsame Messung und Phototzraphicrung nicht den Tatbestand der widerrechtlichen Hand- lung im Sinne des§ 127 der Strafprozeßordnung erfüllt. Aus dieser Entscheidung ergebe sich klar, daß das Reichsgericht dabei an mit Zuchthaus bestrafte Verbrecher denke- Unbescholtene deutsche Personen in das Verbrecheralbum aufzunehmen und zu diesem Zweck zu photographieren, sei eine überaus einschneidende Matz- regel, deren Begründung durch einen Hinweis auf jene Reichs- gerichtSentscheidung völlig abwegig sei. Ganz unmotiviert sei ferner die Aufnahme der Fingerabdrucke. Diese hätten doch mit der Vor- legung der Photographie an Leute, welche Lose kaufen, nichts zu tun und können sich nur rechtfertigen gegen schwere Verbrecher, denen man Mordtaten. Einbrüche und dergleichen zutraut. Das- selbe sei der Fall hinsichtlich der Aufnahme der Maße und deren Eintragung in Bücher.— Auf diese ausführlich begründete Be- schwerde erhielt der Beschwerdeführer vom Minister des Innern (in Vertretung Holtz) den Bescheid, daß nach Prüfung des(&lch. Verhalts die in der Beschwerde gemachten Ausführungen zum Ein- schreiten im AufsichtSwege keinen Anlaß geben. Die Aufnahme der Photographie und der ErkennungSmerkmale des R. sei im kriminal- polizeilichen Interesse geboten und notwendig gewesen. Im übrigen sei die enogültige Einfügung der Photographw und der Karte mit den Maßvermerken und Fingerabdrücken in daS dem Publikum in besonderen Fällen zugängliche Album überhaupt noch nicht erfolgt. Sie hänge vielmehr, wie üblich, davon ab, daß ein rechtskräftiges. auf Strafe lautendes Urteil vorliege. Damit schließt die Geschichte. Zu bemerken ist noch, daß in der Sache, die schon länger als zwei Jahre schwebt, ein solches Ur« teil noch nicht vorliegt. Am Donnerstag stand wiederum Termin an. in welchem der Staatsanwalt 1300 M. Geldstrafe beantragte. während Rechtsanwalt Dr. Werthauer die volle Freisprechung de- antragte, eventuell aber noch eine Reihe von BeweiSanträgen stellte. Der Gerichtshof erachtete die Erhebung dieser Beweise für not� wendig. •• « Ist in der Tat ein kriminalpolizeiliches Interesse am Photo- graphieren in dem vom Minister des Innern behaupteten Interesse vorhanden— warum hat man noch nicht jene Schutilcute photogra- phiert, die beleidigt, mißhandelt, getötet haben? Liegt ein Recht zum Photographieren vor. so entspricht ihm die Pflicht hierzu Warum hat man den an dem Tod des Arbeiters Serrmannn schuldigen Schutzmann und die Schutzleute, denen Mißhandlungen nack- gewiesen wurden, noch nicht photographiert und von ihnen Finger- abdrücke genommen?_ eingegangene DrucUrcbviften. Märchenbgchlei« von Paula Debmel. M Pf., geb. 70 Pf.— Die Hexe von Tteiubronn. 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Goebel(Z.): Eine Erhöhung der Staatsbeiträge ist er- forderlich, damit die oberschlesischen Gemeinden die Ortszulagen der Lehrer erhöhen können. Abg. Dr. v. Campe(natl.): Es werden immer noch eine halbe Million Kinder in Halbtagsschulen unterrichtet, und wir haben noch viele Klassen mit 100 bis 170 Schülern. Mein Antrag ist also gerechtfertigt. Ein Regierungskommissar: Die Genehmigung zur Jagd müssen die Lehrer nur einholen, um vor unnötigen Ausgaben bewahrt zu bleiben. Abg. Graf Clairon d'Haussonville sk.) ist für den Antrag V. Campe und gegen den Antrag Hetz. Abg. Hoff(Vp.) begründet seinen Antrag. Bei den Ergänzungs- Zuschüssen des Staates und den Schullasten fahren die Bauern- gemeinden sehr schlecht, dagegen machen die Gutsbezirke ein glänzendes Geschäft dabei.. Abg. Busch(Z.) zieht den Antrag Heß wegen Aussichtslosigkeit zurück. Abg. Borchardt(Soz.) bespricht die ungeheure Belastung einzelner Gemeinden durch die S ch u l l a st e n. Man hat hier von 700 Proz., ja von 1000 Proz. von den Zuschlägen zur Einkommensteuer infolge dieser Belastung gesprochen. Das ist ein zwingender Beweis dafür, daß es so nicht weitergehen kann. Die Lasten der Volksschule müssen in anderer Weise verteilt und vor allem die Gemeinden entlastet werden. In einer Polemik gegen meine Ausführungen über die Aufwendungen des Staates für Studenten und Volksschüler hat der Abg. E). Hackenberg mich mißverstanden. Er meinte, ich behauptete, weil der Lämmergeier mehr verzehre als der Zaun- könig. dürfe sich der Zaunkönig über Untevernährung beklagen. Ich habe ja gar nicht verlangt, daß der Student vom Staate von nun an schlechter bedacht werden solle, sondern habe ausgeführt, daß eine Aufwendung von 20.15 M. für den Volksschüler zu wenig ist. Wir sehen, daß durch diese zu geringe Aufwendung auch die Gemeinden weit über ihre Kräfte angestrengt werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemqkraten.) Man muß aber bei dem Vergleich dieser Aufwendungen fragen, wselches Ziel der Volksschulunterricht denn eigentlich erreichen f o l l; ob es richtig ist, ihm als Grundsatz die Beugung der Schüler unter einen fremden Willen zu bezeichnen. Präsident Dr. Freiherr v. Erffa: DaS gehört nicht zum Kapitel Etaatsbeiträge. Abg. Borchardt(Soz.): Wir sind beim ersten Titel eines neuen Kapitels, und da ist .immer eine Generaldebatte über das Kapitel üblich.(Ohol- Rufe rechts. Nein! nein!) Präsident Dr. Freiherr v. Erffa: DaS ist nicht richtig; die Generaldebatte war am Anfang deS.'KapitelS Elementarschulwesen. Uebrigens haben Sie nicht mit mir über meine Anordnungen zu diskutieren, sondern sich ihnen zu fügen.(Bravo! rechts.) Abg. B-rchardt(Soz.): Ich bin durchaus bei der Sachf und werde mir gutwillig nicht das Recht nehmen lassen, diese Dinge zu sprechen wie andere Redner auch. Präsident Dr. Freiherr v. Erffa: Ich rufe Sie zur Sache. Abg. Borchardt(Soz.): Ich wiederhole, daß ich finde, durchauSbei derSachezu fein.(Rufe rechts: Unerhört!) Präsident Dr. Freiherr v. Erffa: Ich rufe Sie wegen fort- gesetzten Widerspruchs gegen meine Anordnun- gen zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Abg. Borchardt(Soz.): Ich bin der Ansicht, daß ich bei der Sache bin und werde mir das Wort nur mit(Oewalt nehmen lassen. Ich werde also meine Ausführungen fortsetzen, weil nach meiner Ueberzeugung jetzt eine Generaldebatte über da? Volksschulwesen stattzufinden hat. Ich habe also gesagt, daß der Abg. D. Hacken. b e r g mir, wenn auch in seiner vornehmen Weise, einen Vorwurf daraus gemacht hat, daß ich der Ansicht wäre, es schwebe heute noch vielen Volksschullehrern-' als Ziel des Unterrichtes die Beugung unter die Autorität eines fremden Willens vor. Präsident Dr. Freiherr v. Erffa: Ich rufe Sie zum zweiten. mal zur Sache und mache Sie auf die gcschäftSordnungs- mäßigen Folgen eines dritten RufeS zur Sache aufmerksam.(Bravo! rechts.) Abg. Borchardt(Soz.): Ich habe meine Meinung darüber schon gesagt, und will nur hinzufügen: Wenn es mir unmöglich gemacht wird, jetzt die Antwort zu erteilen, dann lade ich die Abgg. Heß, l). Hacken» berg und die anderen Herren hiermit in eine Versamm- lung ein, die am Dienstagabend in Schöneberg stattfinden wird. Dort werde ich die Antwort auf alle Anfragen des Abg. Heß ausführlich erteilen und mache ausdrücklich darauf auf- merksam, daß in unserer Versammlung volle Redefreiheit herrscht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen bin ich nach meiner Ansicht bei der Sache und werde mir das Wort nur mit Gewalt nehmen lassen. Ich fahre also fort: Abg. v. H a ck e n b e r a hat gesagt, wenn ich nur das heutige Ber. liner Volksschulwefen kennte, müßte ich wissen, daß meine Ansicht über viele Volksschullehrer... � Präs. Dr. Freih. v. Erffa: Ich rufe Sie zum drittenmal -> u r S a ch e und stelle die Frage an das Haus, ob dem Abgeordneten Borchardt das Wort genommen werden soll.(Dafür stimmen die Konservativen, Freikonservativen. daS Zen- t r um und die Ra t i o n a l l i b c ra le n.) Ich ersuche Sie, die Rednertribüne zu verlassen.(Lebh. Bravo! rechts.) Ihg Borchardt(Soz.): Sie werden die Wahrheit und unsere Antwort doch noch zu hören bekommen!(Lärm rechts.) Präs Dr. Freih. v. Erffa: Sie haben nicht mehr das Wort. Der Antrag Hoff wird abgelehnt, der Antrag v. Campe der Budaetkommisfion überwiesen. Abo Marx(Z.) beklagt es, daß die katholischen Volksschulen zu wcnia begünstigt und dort, wo viele katholische Kinder vor- banden seien statt katholischer Volksschulen Simultanschulen eingerichtet würden. Dagegen beweise man evangelischen Minderheiten viel mehr Wohlwollen. Ministerialdirektor v. Bremen: Wir lassen es an Wobl- wollen gegen die katholischen Minderheiten nicht fehlen, stoßen «ber manchmal auf katholischer Seite auf Schwierigkeiten. Ein Antrag Heß(Z.) auf Erhöhung der Entschädigungen der Lehrer für den Besuch der amtlichen Kreislehrerkonferenzen wird tzsr Budgetkommission überwiesen. Abg. Student(freik.) rügt es, daß in der Provinz Brandenburg noch immer viele Kinder in andere Gemeinden zur Schule gehen müssen. Die Abgg. Stanke(Z.) und Faltin(Z.) wenden sich scharf gegen die Ost markenzulagen der Lehrer, die T)ie Lehrer zur Streberei verleiten und die polnische Bevölkerung so auf- reizen, daß sie in das Lager der Nationalpolen und Sozial- demokraten übergeht. Abg. v. Campe(natl.) begründet einen Antrag auf Erleichterung des Universitätsstudiums der Lehrer. Wie im ganzen Volk ist auch unter den 120 000 Lehrern jetzt ein elementarer Drang nach Bildung und Vertiefung. Kultusminister v. Trott zu Solz: Eingehende Prüfung hat zu den Maßnahmen, die in dieser Richtung bestehen, geführt. Die Lehrerbildung ist höchst wichtig. Von ihr ist die Blüte unserer Volksschule abhängig. Es handelt sich bei diesen Maßnahmen immer um das Wohl der Schule. Durch ein Universitätsstudium müßte der Zweck erreicht werden, geeignete Lehrer für unsere Volks- und Mittelschulen zu liefern. Die meisten Lehrer, die an die U n i v e r- s i t ä t gehen, sind der Volksschuleverloren. Sie machen noch das Abiturium und gehen an höhere Schulen. Also, die Volks- schule gewinnt dadurch nicht; für unsere Bedürfnisse genügen die hochschulmäßig betriebenen höheren Lehrerkurse in Berlin, Posen und demnächst auch im We�en. Lassen Sie uns doch in diesen Kursen zunächst einige Jahre arbeiten, ohne mit neuen Projekten dazwischenzutreten und den Erfolg vielleicht zu gefährden. Wir brauchen nicht nur theoretisch, sondern praktisch gebildete, durch ihre Persönlichkeit zufriedenstellende Lehrer.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Wir gehen systematisch vor, bitte stören Sie uns nicht.(Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Tittrich(Z.) stimmt dem Minister mit Befriedigung zu. Die Lehrer brauchen das nicht; wir werden in der Unterrichts- kommission all das genau prüfen. Ahg. Dr. Tchepp(Vp.) begründet einen Antrag, den Lehrern das Hochschulstudium in ähnlicher Art wie in Sachsen, Hessen, Oldenburg usw. zu gestatten, damit sie die wissenschaftliche Eignung eventl. für das Seminarlehramt erlangen können. Abg. Graf Clairon d'Haussonville(kons.) äußert gleich dem Abg. Dittrich Bedenken gegen die Anträge. Abg. Dr. v. Schenckendorff(natl.) ersucht, aus dem 00 000 M.- Fonds für Handfertigkeitsunterricht den städtischen Handfertigkeits- schulen Beihilfen zu gewähren, da sie sonst durch Schülgclderhöhung die Volrsschüler berausdrängen müssen. Abg. Schmedding(Z.) stimmt zu. Die Anträge der Nationalliberalcn und Fortschrittler gehen an die Unterrichtskommission. Tie Jugendpflege. Zur Verhandlung steht die amtliche Denkschrift; zwei sozialdemokratische Anträge usw. auf Unterstützung der Veranstaltungen Dritter zum Schutz der Kinder gegen Mißbrauch, Ausbeutung und Mißhandlung. Ebenso ein Antrag Cassel(Vp.). Dafür sollen 1 500 000 M. gegen Rechnungslegung verwendet wer- den. ohne Rücksicht auf die politische Stellung der Veranstalter; der zweite Antrag fordert Verwendung des Jugendpflegefonds ohne Rücksicht auf politische oder religiöse Motive; inshesondere auch zugunsten von Veranstaltungen der freien Jugendbewegung und alljährliche genaue Rechnungslegung. Ein nationalliberaler Antrag wünscht genauere Rech- nungslegung des Jugendpflegefonds, namentlich auch Bezeichnung des Cbarakters der beschenkten Vereine. Ein konservativer Antrag wünscht Beistellung von Mitteln für weibliche Jugendpflege. Abg. v. Goßler(kons.): Alle nationalen Kreise haben das Vor- gehen der Regierung freudig begrüßt und die Sozialdemokraten haben sich höchlichst entrüstet über den Versuch der Wiedergewinnung der Jugend für Monarchie und Christentum. Wie gefährdet sich die Sozialdemokratie durch die staatliche Jugendpflege fühlt, zeigen auch die 23 Berliner Versammlungen vom Diens- tag. Für uns ist das ein Ansporn, so fortzufahren. Die Ausbildung des Charakters und Gemüts darf allerdings nicht zurückstehen hinter Wandern, Turnen und Sport.(Sehr richtig!) Die reli- giösen Jugendpflegeorganisationen auszuschließen, wäre verfehlt und überdies höchst ungerecht. Die Kirche ist doch hier vorangegangen. Wo bliebe bei ihrer Ausschaltung der ch r i st- 'liche Geist in der Jugendpflege?(Sehr wahr! rechts und im Zentrum.) Den Vereinen evangelischer junger Männer sollte bei Turnfahrten die gleiche Ermäßigung gewährt werden wie Turnvereinen. Auch ohne das Vorhandensein der Sozial- demokratie hätten wir di« Jugendpflege organisieren müssen. Aber bei den Anstrengungen und Erfolgen der sozialdemokratischen Jugendbewegung dürfen wir nicht die Hände in den Schoß legen. Die Richtungslinicn. die die Internationale sozialdemokratische Jugendkonferenz zu Stuttgart 1907 aufstellte, lassen keinen Zweifel an dem politischen, revolutionären Charakter der sozialdemokratischen Jugendbewegung, ebenso der Nürnberger Parteitag und der Bericht des sozialdemokratischen Parteivorstands an den Kopenhagener Kongreß. Und welchen Haß und welche Unzufriedenheit verbreiten die sozialdemokratischen Blätter. Autorität, Gottesfurcht wird zerstört. Herr Liebknecht hat selbst erklärt, der Gottesglaube müsse zerstört werden.(Abg. Liebknecht(Soz.) ruft in höchster Erregung: Kein Wort wahr! Blödsinn! Wo haben Sie das her? Reichsverbands- quatsch!— Vizcpräs. Porsch: Sic haben nicht das Wort!) Und was geben Sie der Jugend dafür: Klassenkampf, historischen Mate- rialiSmus, Liederverhunzung— so sieht die sozialdemokratische Jugendpflege(Abg. Hoffmann: in Ihrem Kopfe! Heiter- keit.) aus. Und da wird die Beurteilung der sozialdemokratischen Jugendpflege durch den Hannoverschen Lehrcrtag allerdings sehr merkwürdig. Abg. Hirsch hat eine großartige Unkenntnis des Landes be- wiesen. Den Kindern schadet die Landarbeit gar nichts. Ich bin oft dabei, wenn die Kinder Rüben ziehen(Abg. Ho f f m a n n: Ihr e?)— meine nicht.(Aha! bei den Sozialdcmo- traten.) Das liegt in den Verhältnissen— da ist keine Ausbeutung dabei. Unseren Antrag bitte ich anzunehmen, denn für eine glück- liche Ehe ist es noch wichtiger, ob die Frau, als ob der Mann tüchtig und anständig ist. Die I u g e n d p f l e g e ist die wichtigste Aufgabe der Gegenwart, sie sollte Sache aller monarchischen. staatS- treuen Parteien sein! So wird unser Volk gemnden!(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. v. Kardorff(fl.) erkennt das nicht schematische Vorgehen der Regierung dankhar an. Die Jugendpflege darf von der Tages- ordnung der Oeffentlichkeit nicht verschwinden. Vielleicht wird später die Jugendpflege mit der Fortbildungsschule in einen organi- schen Zusammenhang gebracht werden müssen. Bedauerliche kon- fessionelle Reibereien sind leider nicht ausgeblieben, wie der Herren- hauSberickterstatter General v. Bissing erklärt hat. Es darf keiner- l«i konfessionelle Beschränkung eintreten. Die Kirche muß nicht überall mittun. Ja, ich stehe auf dem Boden der Hannoverschen Lehrerthesen. Die Jugendpflege darf i-n keiner Weise einseitig sein, nur sozialistische Helfer darf sie nAch t gebrauch e n. Di». Lehrer müssen für die Jugendpflege voWmldet werden. Es ist sehr bedauerlich, daß man hier die Lehrer wegen der Ent- gleisungen einzelner so gehässig angegriffen bat.(Lebhafte Zu- stimmung links.) Gegen die sinnliche und sittliche Verwahrlosung der gewerblichen Jugend haben wir noch gar nichts getan. Der Staat muß da an die Stelle des immer unpersönlicher werdenden Arbeitgebers treten. Wir haben hier eine schwere Versäumnis begangen.— Dem sozialdemokratischen Antrag über den Kinderschutz liegt ein außerordentlich gesunder Gedanke zugrunde, der ausgeführt werden sollte. Aber wir müssen selbst- verständlich- diesen Antrag ablehnen. Wir erkennen Ihre Motive an, aber Sie wollen, wie auch die Begründung durch Abg. Hirsch dieser Tage zeigte, immer Mißtrauen zwischen Arbeitgeber und Ar- beiter säen. Und das können Sie doch nicht verlangen, nachdem die bürgerlichen Parteien soviel für Sie gearbeitet haben, Sie auch noch finanziell unterstützen!(Heiterkeit.) Möge durch die Arbeit an der Jugendpflege eine Zeit kommen, wo nicht mehr d-r Kultus der Parteiprogramme getrieben wird.(Lebhafter Beifall bei den Freikonscrvativen und Liberalen.) Abg. Kesternich(Z.) begrüßt ebenfalls die Initiative der Staatsregierung, beklagt aber dann lebhaft die angebliche Eng- Herzigkeit kommunaler Schulbehördcn gegen konfessionelle Organi- sationen, z. B. der Berliner Schuldeputation.— Die Fortbildungsschulen können so lange nicht den Mittelpunkt der Jugendpflege bilden, als nicht die Kirche den nötigen Einfluß auf diese Schulen hat.(Beifall im Zentrum.— Hört! hört! bei den Sozialdcmo- kraten.) Die Jugendpflege muß christlich sein.(Abg. Ho ff mann: Christlich? Es gibt doch z. B. auch jüdische Kinder!) Herr Hoffmann, Sie sind der gewaltig st e Nebenpräs i- dent hier im Hause!(Abg. Hoffmann: Ich habe doch an Sie nur eine ganz bescheidene Anfrage gerichtet!) Die sozialdemokrati- schen Anträge lehnen wir ab, den auf Unterstützung der sozialdcmo- tratischen Jugendorganisationen wegen der Gotteslästereicn der „Arbeiter-Jugend", die z. B. als Probe rheinischer Poesie ein Gedicht abdruckt mit den Worten: Den Himmel überlassen wir Den Engeln und den Spatzen? (Zurufe der Sozialdemokraten: Aber, das ist doch von Heine?) Ja, Heinrich Heine, der paßt in mehrfacher Beziehung zu Ihnen. (Heiterkeit und Beifall bei der Mehrheit.— Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die„Arbeiter-Jugen d" will die Jugend mit einem infernalischen Haß gegen alles, was Ihnen nicht paßt, erfüllen.(Zurufe der Sozialdemokraten: Das machen Sie gerade so.) Ja, Sie sagen doch, Religion soll Privatsache sein! Die„Arbeiter-Jugend" flößt der Jugend auch den Klassen- und Vaterlandshatz ein. Sie schreibt, daß die Klassen- Herrschaft Justiz und Schule in ihren Dienst stellt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Redner verliest zahlreiche Zitare aus der„Arbeiter-Jugend", die, nach Ansicht des Redners, in ab- stoßend gemeinen Gedichten, schändlichen Machwerken erbarmungs- los der Jugend jedes Gefühl für die Fürsten aus dem Herzen reiße. Tarunter hebt er besonders erregt ein Gedicht des schwäbischen Dichters S ch u b a r t hervor(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) sowie Freiligraths Verse:„Wir hämmern jung das alte, morsche Ding den Staat". Voriges Jahr nannte Abg. Ströbel die Empfänger der Jugendpflegesubventionen Schnor- r e r, aber heute fordern die Sozialdemokraten selbst solche Gelder. (Zurufe der Sozialdemokraten: Wir schnorren dach nicht!) Wir alle fühlen uns eins mit dem antisozialdemokratischen Streben des Ministers im Interesse der christlichen Schule.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz., persönlich): Die mir vom Abg. v. Goßler zugeschriebene Aeußerung habe ichnieundnirgends getan. DienStag 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß Uhr, Hus aller mdt. Der Rocbrtapcllauf. Nur keine Mißverständnisse l Nicht von dem millionenschluckenden Ungeheuer eines Dreadnoughts ist die Rede. Nein, behüte! Sondern wir sprechen von jenen Hochstaplern, die vor wenigen Tagen hier in Berlin auf die Sandbank einer mehrjährigen Gefängnisstrase auf« liefen, unter wärmster Teilnahme der bürgerlichen Klatschprcsse. Natürlich auch ein leibhaftiger Graf war dabei: einer aus dem uralten Geschlecht der Metternich. Minder vornehme Hochstapler müssen sich erst einen gräflichen Namen beilegen, um besser in das Meer gewinnbringender Abenteuer segeln zu können, Graf Metternich bringt diese? wertvolle Hilfsmittel gleich mit. Im übrigen tut man ihm wahrscheinlich ein Unrecht, wenn man ihn für einen kommunen Schwindler hält, wie solche aus der bürgerlichen Sphäre zu den Höhen der vornehmen SpielflubS aufsteigen, in denen Offiziere, Millionärssöhne, Berufsspieler, Falschspieler nur Nuancen derselben Sumpffarbe sind. Zu den standeSgemäßsn Spielabenden der vornehmen Gesellschaft gehört mit Naturwendigkeit jener peinliche Rest, der hie und da doch die Gerichte beschäftigt. Graf Metternich ist mitgerissen worden; das Gericht hat ihn übrigens von der Anklage des FalschspielenS freigesprochen und ihn nur wegen eines an einem Kellner verübten Pumps zu acht Tagen verurteilt. Der arme Kerl I Von anderen Standesgenossen unterscheidet er sich wirklich nur dadurch, daß seine Wechsel, als sie brenzlich wurden, nicht be« zahlt wurden, die der anderen aber schließlich doch, wenn nicht anders durch Einheirat in eine genügend kapitalskräftige Familie.(Konfession Nebensache.) Auch diese Rettung versagte bekanntlich bei Metternich; er war nicht mehr flott zu machen. Geschieht ihm schon recht! Warum nützte er auch das bißchen standesgemäße Schwachsinn nur zu Geschäften aus, bei denen er übers Ohr gehauen werden mußte, und nicht zur landesüblichen Karriere im diplomatischen oder Verwaltungsdienst? Ein würdiger Prinz und Diener des Herrn« Von den Londoner Gerichten ist dieser Tage der Prinz Ferdinand Louis Maria von Braganza. ein naher Verwandter deS Exkönigs Manuel von Portugal, wegen s i t t« licher Verfehlungen zu zehn Jahren Zwangs« arbeit verurteilt worden. Der blaublütige Herr ist Priester und war vor einigen Jahren nach England gekommen, wo er in der Stadt Scotten KrareSborough als Seelsorger tätig war. Im Januar d. I. engagierte er als Pogen einen 15jährigen junge» Mann, mit dem der Prinz in einen intimen Per- kehr trat. Nach einiger Zeit verließ der Diener die Stadt und nahm eine Stellung in London an. Zwischen ihm und Braganza erfolgte ein Briefwechsel, der für den Prinzen außerordentlich kompro- iniiiierend werden sollte. Einer seiner Diener, der um das Ver« hälluiS wußte, entwendete die Briefe des jungen ManneS und er« stattete dann gegen den Priester Strafantrag wegen SittlichkeitS« vergehen._ Kleine Notizen. Im Schneesturm gesunken. DaS französssche Fischerboot „Aiglon" ist während eineS Schneesturme« in den isländischen Gewässern gesunken. Van der ans 19 Mann bestehenden Besatzung sind bisher zwei als Leichen angeschwemmt worden. Erdbeben in der Türkei. In Chimara wurden durch mehrere heftige Erdstöße einige Häuser zerstört. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Tödlicher Alisturz. Der russische Militärflieger Leutnant A l b o k r i n o lv stürzte während eines Passagierfluges in der Nähe von Sewastopol mit seinem Apparate ab. Ter Flieger und der Passagier wurden b e i d« t o t aiisgesundew �" .. N?rkt»ericht von Berlin am 22. März lSl2. nach Ermllteluna ™ 0 PoUKWräsidlumS. Markthallenpreise.(Kieinhandcll 100 Kilogramni Erblen, gelbe, zum Kochen 34.00—50.00. Sveilebobnen weiße, 35.00— 66,00. Linsen 40,00-80,00. Kartosseln(SUeinhbl.) 8,00-13 00 1 Nindsleisch. von der Keule l.K0-2,40. Rindfleisch. Bauchfle'iick Schweinefleisch 1,30-1.80. Kalbfleisch 1,40-2,�. Hammelflei ch O30—2L0. Butter 2,00-3,20. 60 Stück Eier 3.40—6.00. 1 Kilogramm K°A'>-n.tst0-2.ro. Aale ,.80-3,00. Zander 1.60-3.60. Hechle 1.40-260 SÄ Oft, � i'e0~3'20' Bleie 0,80-1.40. 60 Stück«reble Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, 24. März, nachmittags Z Uhr. Neue? Schauspielhaus. 6. Abteilung Gruppe 19— 2a): Das Leben ein intiim. Thaliatheater.»110. Abt. fGruppe 40—43): Der Raub Dt". Kabinerinnen. Herrnseld-Theater. S./7. Abt.(Gruppe 28—30): Kitnfon und Delila. Montag, 2S. März, abends 8 Uhr: NeueS Schauspielhaus. 14.(I.) Abendabt.: Das Familienkind. Reue Freie Volksbühne. Sonntag, 24. März 1912, nachmittags 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Judith. KammerspielhauS: Der Arzt ai Scheideweg. Nachmittags 3 Uhr: Neues Volks- Theater. Der zei brochene Krug. Fritzchen. Hochschule in Charlottenburg: J> Behandlung. Schiller-Thcater 0.: Der Probekandidat. Schiller-Theater Charlottenbg. Don Carlos. Metropol-Theater: Die kleinen Lämmer.— Dorothea. Trianon-Theater: Francillon. Neues Operetten- Theater: Der Gras Don Luxemburg. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Kleines Theater. Angele.— Erster «lasse. Abends 8 Uhr: ReueS VolkS-Theater: Der Meister. Rathaus: Humoristenabend. Abends 8>/- Uhr: ReueS VolkS-Theater. Montag und Donnerstag: Der Königsleutnant. Dienstag und Sonnabend: Der Meister. Mittwoch und Freitag: Der zerbrochene Krug.— Fritzchen. Hochschule in Charlottenburg: Sonn- abend: In Behandlung._ Sehiller-ThealerO.IS: Sonntag, nachm. 3 Uhr: Oer Probckandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Montag, abends 8 Uhr: Kyrltas-Pyrltz. Dienstag, abends 8 Uhr: l-ady Wlndermeres Fächer Urania. WiBsenBchaftliches Theater. 4 Uhr: Ans dem Leben des Meeres. 8 Uhr: er GroQglockner, Gastein nnd die SaUburger Alpen. Montag 8 Uhr: Oer GroDgiockner, Gastein and die Salzburger Alpen. Liebend! liebend! Hede, das Löven- eis. Sonntag, den 31. MSrz, in den Sophien-SLIen, SophienstraBe 17—18: M Lichtbilder-Vortrag Die deutsche ReYolution 1848-49. Mit 90 farbigen Lichtbildern nach Originalen von Augenzeugen. T Herren, die daran teilnehmen, Nach dem Vortrag m SM nXm zahlen 30 Ps. Eintritt SO Ps. Eröffnung 5',. Uhr. Ansang«-/, Uhr. 223/9 Die Billetts vom 28. Januar 1912 behalten Gültigkeit mädchen. Das Mädchen mit dem Slähnenkopf. Halb Mensch— halb Animal. Daa blaue Wölb. Die Frau in der Kanne. Ohne Extra-Entree! Schiller-Theater""Ä?- Sonntag, nachm. 3 Uhr: von vae-lo». Sonntag, abends 8 Uhr: —— Gräfin Lea. Montag, abends 6 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Mei'iiZljei'IiöliiUzlmMöe Abends 8 Uhr: Die S Frankfurter. Nenes Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe AugustiZ». Sonnt. 3'/4 Uhr: Der Vogelhändler. Theater des Westens. 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonntag 3'/, Uhr: Ein Walzertrau m. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet don Balten-BaeckerS. Morgen u. folg. T age: Allee t. d. Firma. Sonntag, 24. März, 3 Uhr: Oer Prinzgemahl._ Luisen-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Die Rose von Japan. Montag: Alle» durch die Liebe. Dienstag: Tie Rose von Japan. Mittwoch. 3. April: Ich lasse Dich nicht._ OSE-THEATE Grone Frantsurter Str. 132 Nachmittags 3 Uhr: Der Glödner vonNotrei Dame. Abends 8 Uhr: Der Gefangene von Zenda. «eil«- Alliance-Theater. Nachm.'/,4 Uhr: Der Raub der Tabtnertnnen. 8 Uhr: ArÜhli-rgslfift. Montag'/,9 Uhr: Die Jüdin. Relchshallen-Theater. Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllerstraste. Burleske von Meyseb Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Heute 2 Vorstellungen, nachmittags 3— 7 Uhr(kl. Pr.), I abends 8—11 Uhr. Das IGeister=l fenster. Das weiße Geheimnis. | Hella, die schönste Tänzerin Rußlands. Schneider-Duncker und das große März- Programm! Mfitropol-Ttiealer. Nachmittags 3 Uhr: Dorothea. Die kleinen Lämmer. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. vis Nacht von Berlin! Grohe JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In S�ene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Vorletzter Sonntag-ME Heute zwei grosse Vorstellungen, nachmittags 3'/, Uhr(halbe Preise) und abends ab 8 Uhr. In beiden Vorstellungen die großen komischen Attraktionen. Admiifebpalast Am itababof ftfedrkbäcou« Heute: jZVorstellungenZj nachmittags und abends: Das prächtige Eisballett| Alpenzauber. Außerdem abends: Weltmeister Bror Meyer. | Die kleine Charlotte.| Bis 6 Uhr und von 10"/, Uhr abends halbe Kassenpreise. Trianon-Theater. Täglich abendS 8 Uhr: Das kleine Caf6. 0ardeiabcrc5tra»8e 27 28 Tis• A- Tis AusstelJucgshallen Täglich: Konzert t.'/}5Ubr naobm bU2Ubr(rüh Kalte und warnta Kdeho : ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦■ ■ED Gesangverein„LIBERTt" Berlin M. d. D. A.-S.-B. O Chormeistor Herr P. A. JOSEPH. Sonntag, den 31. März 1912(Palmsonntag): K Frühjahrs-Konzert K im Etablissement Friedrichshain, Berlin, am Königstor. Mitwirkende: Frau Amalie Radwaner-Birnbaum(Violine). Herr Kammermusiker Ludwig Plafl(Posaunenvirtuose) mit seinem Posaunenchor(8 Künstler). Am Flügel: Herr Joseph und Herr G. Scholz. Ei.«. MW. Nach dem Konzert: TA N Z. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Sonntag, den 24. März 1012, int.Moabiter GesellschaftshauS«, Wielefstr. 24: ör. Lichtbilder-Vortrag. Wanderungen durch die Mark, vo» o8hw»«n«. I. DaS Rnppiner Land. Das Land zu Zeiten der alten Germanen und Wenden. Seine Kolonisation. Entstehung seiner heuttgen Boden« be'chaffenheit. Maientage im Lande Ruppin. Am Ruppiner See. Die Rnppiner Schweiz. RhemSberg. Der Stechlin. Gransee. H. In der Priegnitz. Havelberg. Wilsnack und die Wallfahrtskirche Die Plattenburg. Flugsandstreisen und Wiesenmoore. Zum Hünengrab von Seddin. Di« Burgen an der Grenze Mecklenburgs. Heiligengrabe. Witt stock! Zechlin und der Wummsee. Gesrlligks Ktisamwensem u. Tan;. 1/2» Eintritt 22 Pf. Räch dem Vortrage: Beginn 7 Uhr. Dirigent: »an d. Ories. i�ierMter-Säiiprliiiiiil Berlins d. Di Sonntag, den 24. Härn 1912: Xonzert-ilbenil.. Börners Jestsälen, Koppcnwtpafio 29. 588b* Mitwirkende: Panl Bauer, Konzertsänger; Emil Walkotte, Rezitator; Frl. Else Pleschel, Lieder zur Anfang 7 Uhr. Laute. Kassenöffnung 6 Uhr. BV Nachdem: Tanz."W ** CLOU" Berliner Konzert«Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Heute: 3 Kapellen. Musikc. d. 2. Qrde.-Regts. z. F. Dirig. Obenn. Grnl Musikc. d. Garde-Fuß- ArtL-Regta. Dirig. Oberm. Jelly und !!! Zillerlhaler und Tegernseer Sänger, Plattler und Jodler!!! Anfang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. Eicelsior- Lichtspielhaus Neukölln»KÄS Passage Vom 23. bis 29. März inkl.* Die rote Rose Pariser' Sittendrama in 2 Akten.— Außerdem: Die'.............."" Die Kosaken aus dem Hippodrom-Palast. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. DM- Novität: Der neue MkiWager Die lustige Ztrohililwe. Posse von Misch und Jaeoby. Sonnt. 3'/,: vis loehtoe d. Sträflings. L8 üllliniier mit 22 Pferden ab Sonntag, den 24. März, täglich am 3 nnd 5 Uhr. auf dem Sponplaiz Berlin 0., am Balmhol Stralau-Rminnelsliiirg. Dia wildesten ReiterkunststBcke, welche je in Berlin gezeigt wurden Preise der Plätze: MV. 0,50. 1,— und 2,—. Kinder und Militär die Hälfte. Zirkus Buscli. Sonntag, 24. Häirx: 2 pße Gala-Iforstellunp 2 nachm. 3'/, Uhr u. ab. 71/, Uhr. Nachm. 3'/, Uhr zahlen Kinder unterlOJahfen a.aU. Sitzplätzen halbe Preise(Galerie volle Pr.) Um 31/, Uhr und 71/, Uhr In beiden Vorstellungen: „Die Hexe" Großes Volks-Manege-Schauspiel in 7 Bildern. Nachmittags genau dieselbe Aufführung wie in der Abendvorstellung. In beiden Vorstellungen: Die Orplngtons. Vorführen und Reiten der bestdressierten Schul-, Freiheits- und Springpferde. Sämtliche Clowns mit den neuesten Witzen. Abends 71/, Uhr beginnt die Vorstellung mit der Pantomime „Die Uex©4'. Anschließend das ciroen- sische Programm. '1,1) Uhr Die grollen*1,9 Uhr Internationalen Ringkämpfe!| Kein Kampf wird wiederholt! I Nähere Einzelheiten Im Programm fl Folies Capriee. Täglich SV. Uhr: Die Baifon-öchlagcr Der Polizeihund. as Broadway-Girl. arrasam 8.. Telephon: Nord 4100| Sonntag:, 24. Slärs: IUI SM | GalaYorstellungen In jed. Vorst, das kompl. Sarras aniprogramm mit| der Szene aus £9� Wild-West' N achmittags zahlen Kin-< der auf allen Plätzen halbe Preise. Galerie 49 Pf., III. Platz I 70 PI, II. Platz 1,20 M., I. Platz 2 M., Parkett 3 M. Logensitz 4 M._ Voigt-Theater. Gelimdbruiuien Badstrahe 88. Heute Sonntag, den 24. Rärz, nachmittags 3 Uhr: Gäuseliesel. Abends 7 Uhr: AU»R'K» Stuart). Trauerspiel in 5 Ausz. o. Fr. o. Schiller. Kassenerössn. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr Ein»euer Sensalionserfolg Nie mai) Männer bessert. 2 Akte von Anton u. Donat Herrnfeld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Ner hsusleufel. Ansang 8 Ubr. BillettDorverkaus 11—2(Theaferkaste) MOIIerslralie 182-83 »Ä'Weddlnjplalz Heute bis Dienstag: Walcon Scott sowie das übrige neue Programm. Zirkus A. Schumann Sonntag, den 24. März 1912. 2 große Vorstellungen 2 nachm 3'/, Uhr u. abends 7'I, Uhr. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein eigenes Kind unt. 10 Jahren frei auf allen SitzpL Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halben Preis. Inheiden Vorstellung«!: 5 Aurora 5 die besten Radkllnsller mit ihrem lebenden Roulette, sowie die übrigen Spezialitäten. In beiden Vorstellungen das neueste, gröllte, nicht zu v bertreff. Ausstattungsstück der Gegenwart Das Motorpferd in 5 Akten. Nachmittags endet da» Ausstattungsstück mit dem 4. Akt: Auf d. Trabrennbahn i. Weillensee. Nißles Fest-Säle Oennewltzstraße 13* Jeden Sonntag: tanzkränzesten 12696 C. Xlßle. Königstadt-Kasino. Eckc Holzmarft- u. TU exanderstrahe Täglich; Ein fideler Rechtsanwalt und Bruder Julius. Außerdem SersM. Glanznummern Ans. 8 llhr. Sonntags'1,6 Uhr. Mittw., sonnab., Sonnt.: Tanz. Arnold llcholz Neue Welt Hasen- heldetOS Jede» Sonntag u. Donnerstag '»S" Großer Ball mit stark besetztem Orchester. 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Nach langen Kämpfen setzte er sich durch, wurde schließlich fast immun gegen die vielen Gifte, die das Kapital ihm eingab. Zwei Jahre nach Grün- dung des Verbandes in Hannover kam der erste„Prole- tarier" heraus. Er hatte einen passenden Namen. Sollte doch die Organisation, deren Fackel er war, die am meisten Ausgebeuteten, die unter den schlechtesten Verhältnissen seufzenden Lohnsklaven, die Fabrikarbeiter, sammeln und den Weg des Aufstieges zu einer menschenwürdigen Existenz führen. Zunächst war die Schar der Leser gering, nur 3000 erlabte die geistige Kost, feuerte sie zu eifriger Tat im Dienste der inodernen Arbeiterbewegung an. Langsam wuchs das Häuflein! 5 Jahre nach dem Jnslebentreten der Organi- sation zählte sie 5000 Mitglieder. Tann schritt der Knabe, wenn auch zögernd, schon kräftiger aus! 7 Jahre später, im Jahre 1900, sammelten sich 32 000 Mann unter dem Ver- bandspanier. Und dann stürmte der Jüngling weiter, kraftbewußt dem Ziele entgegen. Kaum von Pausen unter- krochen, schnellte die Zahl der Mitglieder auf 75 000 im Jahre 1903 enipor, dann ging es wieder mit noch größeren Schritten vorwärts. 1910 musterte der Verband 170 000 Getreue und nun. 2 Jahre später, ist die Zahl der Streiter auf fast 200 000 gestiegen. Wahrlich: eine prächtige, stolze und große Freude auslösende Entwickelung! Ter Kriegs- ionds ist nun auf 2 Millionen Mark angewachsen. Dieser Fonds und eine Fünstelmillion Kämpfer bilden eine Macht, die manchen Kampf vorweg unnötig macht. Immer größer werden die Erfolge, die der Verband auf dem Wege des Ver- Handelns erzielt. Sie werden weiter wachsen mit dem wei- tercn Ausbau und der inneren Stärkung des Verbandes. In den letzten 5 Jahren wurde für 150 000 Mann die Ein- führung besserer Arbeitsverhältnisse durchgesetzt. 2 Millionen Stunden Arbeitszeitverkürzung und 2�4 Millionen Mark Lohnerhöhung kann die Organisation allein für das Jahr 1911 auf der Habenseite buchen. Allerdings, es sind auch Opfer gebracht worden. 10 Millionen Mark hat der Ver- band bisher an Unterstützungen gezahlt. Aber das sind Opfer, die den Mitgliedern zugute kommen. ES sind ge- ... wissermaßen die Versicherungsprämien, die vor größeren Verlusten schützen. Jetzt steht der Verband vor uns als ein rüstiger Mann in den Jahren stolzer Kraft und Schaffenslust. Und er wird feilte Mitglieder zu größeren Erfolgen, zu neuen Siegen führen. Tie Gegner fürchten ihn! Wie unerbitlich er ihnen auf den Leib rückt, das bezeugt die Unteinehmerpresse, die sich plagt und müht, das Kapital von den Anklagen zu reinigen, mit denen der Verband und seine Organe fort- gesetzt gegen ihn vorgehen. Besonders das im vergangenen Jahr von dem Verbände herausgegebene Buch über die gesundheitlichen Gefahren in der cheinischen Industrie hat gewirkt wie ein Stoß in einen Ameisenhaufen. Zünftige und unzünftige Wissenschaftler niüssen aufmarschieren und durch Frisuren aus dem eklig unangenehmen, aber unangreifbaren Material des Verban- des die herausleuchtende Profitfratze etwas zu verschönern. Vergebliches Mühen! Die Gesetzgebung wird nicht umhin können, durch einen kräftigen Eingriff den grauenhaften Verwüstungen in der chemischen Industrie Einhalt zu tun. Auf diesem und allen anderen Gebieten wünschen wir dem Verbände besten Erfolg. Möge er recht bald das dritte Hunderttausend Mitglieder melden können! Tie Festnummer enthält mehrere fachliche Artikel und Erinnerungen. Letztere mit rührenden Schilderungen über den Opfergeist mancher Streiter aus den Kindheitstagen des um sein Dasein ringenden Verbandes. Ter eiftigsten einer, August Reinke in Hamburg, sah durch die Choleraepidemie sein junges, mit Liebe gepflegtes Werk in Trümmern sinken. Nur ein paar Getreue verschonte die Seuche. Sorgenschwer, aber ungeschwächt in seinem Tatendrang, rief er sie zu einer beratenden Sitzung zusammen. Bis spät in den Tag beriet man: dann ging man auseinander, und nach wenigen Stun- den war Reinke tot, der Seuche zum Opfer gefallen!— Zwei interessante Artikel der Genossen Bernstein und Umbreit beschäftigen sich mit dem Problem der ungelernten Arbeiter. Beide Verfasser kamen zu folgendem Urteil: Trotz der riesenhaften Zunahme der Arbeitsmaschinen hat die Zahl der gelernten Arbeiter zugenommen. Aber wenn auch die Maschine die Menschen als Produzenten nicht gleichmacht. sie verringert doch die Unterschiede, läßt mehr und mehr einen Durchschnitt herauswachsen. Tie Aufgabe des Ver- bandes ist es, zu verhindern, daß die Menschen nicht auch nur Maschinen werden, lediglich deren Diener sind, sondern daß der Siegeslauf der Technik die Arbeiter auf eine höhere Stufe des Kulturlebens hinaufführt. Dazu: viel Glück! Berlin und CXmgcgcnd. Ter Deutsche Holzarbcitcrvcrband, Gau Berlin, hält am 24. »nd 2ö. März in Berlin,..Gewerkschaftshaus", seine ordentliche Gaukonftrnez ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Bericht über die Tätigkeit des GauvorftandeS, Agitation, b) Lohnbewegungen, c) Kassenführung. L. Der Verbandstag in Berlin. 3. Beratung der Anträge. 4. Sonstige Verbandsangelegenheiten. Die Kon- ferenz beginnt heute vormittag 10 Uhr. Mitglieder haben zu dieser Konferenz Zutritt. Der Achtstundentag in den Grostbäckereien bürgert fich verhältnismäßig schnell ein. Während im Oktober Ivlv eine Brotfabrik in Berlin mit 24 Beschäftigten den Anfang machte, gelang es der Organisation der Bäcker und Konditoren bei der vor- jährigen Lohnbewegung, in fünf weiteren Großbetrieben, darunter auch einen, in Spandau, den Achtstundentag für etwa 119 Be- schäfligte einzuführen. Nunmehr hat auch die Dampfbäckerei Groß-Berlin", Firma H. Schwiering in Charlottenburg, Spreestr. 43/44, die in Char« lottenburg und Berlin eine Anzahl Filialen besitzt und welche 52 Bäcker beschäftigt, den Achtstundentag tariflich anerkannt. Die Bäckerei gehörte vordem der Firma A. 11 l b r i ch, mit welcher der Bäckerverband seit 1907 im Tarifverhältnis stand. Im Oktober vorigen Jahres ging die Bäckerei in die Hände des jetzigen Inhabers über, der den mit U l b r i ch abgeschlossenen Tarif für sich bindend erklärte. Dieser Tarif lief nun am 1. April ab, und bei den neuen Tarifverhandlungen gelang es, neben einer Lohnerhöhung von wöchentlich 1 und 2 M. den Achtstundentag festzulegen. Zurzeit arbeiten in 7 Betrieben über 200 Beschäftigte in Acht- stundenschichten, also wöchentlich nur 48 Stunden.(Daß die Konsum- bäckerei in Lichtenberg, die unmittelbar nach Eröffnung der Bäckerei den Achtstundentag einführte, sich unter diesen 7 Betrieben befindet, ist selbstverständlich.) Die Firma H. Schwiering zeigte ein weites Entgegenkommen und großes soziales Verständnis, wodurch die Verhandlungen wesent- lich erleichtert wurden._ Achtung, Schuhmacher! In dem Streik bei der Firma P i n n e r Nachf., Rungestr. 22/24, ist bisher noch keine Veränderung ein- getreten. Verhandlungen sind auch bisher noch nicht eingeleitet worden. Dagegen hat der Inhaber der Firma, Herr B o r i n s k i, welcher zugleich Vorsitzender des Verbandes Berliner Schuhfabri- kanten ist, eine schwarze Liste an die Schuhfabrikanten versandt, um zu verhindern, daß die Streikenden bei einer anderen Firma Arbeit erhalten. Früher soll Herr Borinski oft gesagt haben, wem es in seinem Betriebe nicht gefalle, könne ja wo anders hingehen; jetzt wurde wiederholt Streikenden bei anderen Firmen, welche Arbeitskräfte benötigten, erklärt, man könne sie leider nicht ein- stellen, weil man sonst Konventionalstrafe zahlen müsse! Aber das ist selbstverständlich kein Terrorismus, denn solcher existiert nur bei den Arbeitern. Zudem legte Herr Borinski stets Wert darauf, als großer Menschenfreund zu gelten. Damit steht nun freilich auch die Nichtanberaumung einer Verhandlung zwischen den beiden Organisationen wie sie bisher üblich waren, in grellem Widerspruch. Es beweist dies eben nur wieder, daß im gegenwärtigen kapitali- stischen Zeitalter alle idealen Anschauungen nur bis an den Geld- heutel reichen. Zu gleicher Zeit machen wir nochmals aufmerksam, daß die Firmen Hamann u. Co., Michaelkirchstr 15, und Großmann, Adlershof, gesperrt sind. Wir ersuchen, nach wie vor strengste Solidarität zu üben. Zentralverband der Schuhmacher. OrtSvcrwaltung Berlin. Die Tarifbewcgung der Fleischergesellen in Neukölln wird den Fleischermeistern immer unbequemer. Sie versuchen eS jetzt mit dem Trick, der Kundschaft, die immer mehr nach dem Tarif fragt, zu erklären, bei ihnen sei schon alles vor der Beweguug bewilligt, was jedoch nicht stimmt. Die Meister wollen wohl gern die Kundschaft behalten, jedoch weigern sie sich, den Tarif anzuerkennen. Viele erklären auch, daß sie ihren Gesellen mehr geben, als der Verband fordert, und glauben, damit fei für sie alles erledigt. Die Hoffnung der Fleischermeister, daß die Bewegung bald er- ledigt sei, wird sich nicht erfüllen. Im Gegenteil. Der Kampf wird schärfer werden. Der Verband wird jetzt den Kampf mit den einzelnen aufnehmen und versuchen, seine Forderungen straßenweise durchzusetzen. Oeutkestes Kelch. Ter Lohnkampf der Herrenmahschneider. Auf Anregung von Arbeitgeberseite hat sich in den letzten Tagen das Reichsamt des Innern, das ja dem gewaltigen Kampf im Kohlenbergbau ziemlich untätig zusah, bemüht, im Schneider- gewerbe Verhandlungen zustande zu bringen, und zwar mit dem Erfolg, daß die Zentralvorstäitde beider Parteien am Dienstag wiederum in Frankfurt a. M. zusammentraten. Es wäre jedoch unangebracht, aus dieser Tatsache schließen zu wollen, daß der Kampf nun binnen kurzer Frist beendet sein werde. Allerdings ist das der dringxnde Wunsch der Arbeitgeber, denn der Ministerial- direkwr Caspar erklärte dem Vertreter des HauptvorstandeS des SchneiderverbandeL, den er nach dem Reichstagsgcbäude ein- geladen hatte, daß die Sache Eile habe, da sonst das Ostergeschäft verloren gehe.— Es ist möglich, daß der Zentralvorstand der Arbeitgeber die Sachlage so auffaßt, als sei ein Friedensschluß auf Grundlage des Ultimatums der Arbeitgeber erreichbar. �.as�wäre bei der Stimmung, die in den Kreisen der streikenden und Ausgesperrten im ganzen ~aitde herrscht, ein Irrtum! In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Vertrauensmänner der Herren- Maßschneider Berlins betonte auch der Filialvorsitzende Kunze in seinem Bericht über die Lage, daß es sich nun nicht mehr um das Ultimatum handeln könne, sondern daß die Arbeitgeber in vollem Maße auf die durch den von ihnen herbeigeführten Kampf geschaffene Situation Rücksicht nehmen müßten, und diese Situation ist für die Arbeitnehmer außerordentlich günstig, nicht nur in Berlin, sondern auch im ganzen Reiche. So haben z. B. in Ham- bürg 295 Firmen, die rund 1200 Schneider bescbäftigen, bewilligt, während noch rund 1300 im Streik stehen. In Berlin ist die Zahl der nach den neuen Vereinbarungen arbeitenden Geschäfte 282, die der bei ihnen beschäftigten Schneider 2883, und als Streikende sind 2150 anzusehen, von denen jedoch ein großer Teil schon zu den neuen Bedingungen anderweitig Arbeit genommen hat. Der Redner hob auch hervor, daß ein Friedensschluß lediglich auf Grundlage zentraler Verhandlungen ausgeschlossen sei. Statt noch weiter zentralisiert, müßten die Verhandlungen mehr dezentra- lisiert werden, so daß eben die OrtSvertreter der beiden Parteien über die Tarife zu beraten hätten, und dies sei um so mehr not- wendig, als ja der Zentralvorstand der Arbeitgeber bei den letzten Verhandlungen allzu deutlich seine Unfäh'igkeit zu friedlicker Beilegung der Differenzen gezeigt habe. UebrigcnS liege auch die Befürchtung nahe, daß es sich bei den neuen Verhandlungen um einen Schachzug der Arbeitgeber handle mit dem Zweck, die Strei- senden in den Glauben zu versetzen, der Kamps wäre nun am Ende. Wie wenig die Berliner Ortsverwaltung an eine so schnelle Beendigung des Kampfes glaubt, gehe aus der Tatsache hervor, baß sie noch am Freitagabend den Beschluß faßte, den Streikenden mtt Rücksicht auf den Mietstermin bei der nächsten Auszahlung zu der regelmäßigen Unterstützung eine Extraunterstützung zu gewahren, die für die jungorganisierten 0 M., für die 2 bis 3 Jahre organi. sierten 9 M., für die 3 bis 5 Jahre organisierten 12 M. und für die darüber hinaus organisierten Streikenden 15 M. beträgt, sowie daß außerdem auch für die übernächste Woche schon ein Zuschlag zur Streikunterstützung in Aussicht genommen ist, dessen Höhe noch festgesetzt wird.— Ter Kampf wird also vorläufig mit unvermin- derter Kraft fortgesetzt. Es zeigte sich auch in der Diskussion, daß man in den Kreisen der«treckenden die Lage durchaus nicht anders beurteilt als in der Streikleitung. ES wurde noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß man die in der bürgerlichen Presse auftauchenden Nachrichten über die Lage mit größter Bor- ficht aufnehmen mutz und sich an das zu halten hat, was der„Vorwärts" berichtet., Die St!mmung in den Kreisen der Unternehmer kommt in den farivi T pS-'r- rty- 7*; J„ t„ Saitlftrfl 1,»V» <»". �- 1• � w. V* 4.' i WVvt illvi;* I l' Kundschaft warte-- was soll sie auch machen? Tas ist die Sorge. Teiliveise Ivird der Bedarf im Auslande, gedeckt und dann � ist auch zu befürchten, daß die armen Modeftlaven, die sonst ein halbes Dutzend Frühjahrsanzüge notwendig haben, nun vielleicht 1 mit der Hälfte sich begnügen und den Nest ersparen. Das hört man aus dem der Kundschaft gespendeten Lob heraus, das in Wirklichkeit ein schlecht verdecktes Flehen ist, den in Aussicht stehenden Friedens- schlutz abzuwarten und dann den ganzen Bedarf zu decken. Die Stimmung der Unternehmer beleuchtet fae Situation als so günstig für die Arbeiter, daß sie auf ein sehr w�i-gehendes Entgegenkommen rechnen dürfen.. �. In der am Montag, vormittags 10 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstratze 57/58, stattfindenden Versammlung wird den Kollegen ein ausführlicher Situationsbericht gegeben werden. Differenzen bei der Versicherungsgesellschaft Viktoria sind bei deren Zentralinkassostelle Magdeburg ausgebrochen. Die Einnehmer dieser Zentrale ssämtlich organisiert im Verband der Bureauangestellten) hatten an die Direktion der Viktoria die Forderung gestellt, die gleichen Arbeitsbedingungen, wie sie bei anderen Zentralen, namentlich in Hamburg eingeführt worden sind, auch in Magdeburg durchzuführen. Die Direktion der Viktoria hat jetzt den Angestellten einen ablehnenden Bescheid gegeben und gleichzeitig an- gedroht, dem Ausschuß der Angestellten sofort zu kündigen, falls die Forderungen aufrechterhalten würden. Daraufhin haben 27 von den 32 Beschäftigten sofort ihre Kündigung eingereicht.— Ueber den Betrieb der Viktoria in Magdeburg ijt die Sperre verhängt. Es wird davor gewarnt, Engagement bei der Viktoria in Magdeburg anzunehmen. Jedenfalls wird auch der Boykott über die Magde- burger Zentrale der Viktoria verhängt werden. Alle Anfragen in dieser Angelegenheit sind an den Verband der Bureauangestellten Deutschlands, Berlin, Kaiier-Wilhelmstr. 18a. oder dessen Ortsgruppe Magdeburg K. Lesse, Jakobstr. 37, zu richten. Die gefällige Polizei. Auf einigen Nebauten in Bütow haben die Maurer die Arbeil niedergelegt. Von aufwärts kommende Ersatzkräfte wurden gleich am Bahnhofe von Streikposten in Empfang geiiominen und nach Erstattung der Reisekosten zurückgeschickt. Da Belästigungen und Beschimpfungen Arbeitswilliger vorgekommen sind, warnt die Polizei die Streikenden vor„Ausschreitungen jeder Art"._ So konnte man in der hinterpommerschen bürgerlichen Presse dieser Tage lesen und in Wirklichkeit ist in Bütow gar kein Streik. Nur über den Bau eines Unternehmers ist die Sperre verhängt, da er die ab- geschlossenen Verträge nicht einhielt. Lediglich die Wut des Arbeit- gebers über das Abfangen der Streikbrecherzufuhr ist die Ver. anlassung, nach Polizei zu rufen, die auch wie stets bereit ist, und prompt die Unternehmerinteressen schützt. 159 Maurer und Bauarbeiter sind zu Lauenburg in Pommern in den Streik getreten, da friedliche Vereinbarungen und VerHand- lungen zu keinem Ziele führten. ES wird ein Minimalstundenlohn von 45 Pf. und Arbeitsverkürzung um 1 Stunde täglich verlangt. Beteiligt an dem Streik sind auch der Gewerkverein bet Bauhand- werker(Hirsch-Duncker). Einige Meister haben die Forderung bewilligt, so daß auf 5 Bauten mit 30 Mann die Arbeit aufge- nommen werden konnte. Achtung, Transportarbeiter! Im MöbeltranSportgewerbe in H a l l e a. S. bestehen Lohndifferenzen. Zuzug von Möbelräumern ist fernzuhalten. In der Schuhfabrik von M. Freundlich in Neustettin verlangten die Zeitlohnarbeiter, die unter 15 M. Lohn haben, 2 M., diejenigen, die 18 M. Lohn haben, 1,50 M. und diejenigen, die über 18 M. Lohn haben, 1 M. pro Woche Lohnzulage. Ter Fabrikant weigerte sich diese sehr bescheidenen Forderungen auch nur vom ArbeiterauSschutz schriftlich entgegenzunehmen. Auch die postalische Zustellung per Einschreibebrief wurde zurückgewiesen. Die Arbeiter reichten darauf die ftündigring ein. Besonders die Arbeiterpresse des Ostens wird gebeten, hiervon Notiz zu nehmen. da der Unternehmer in den dortigen Zeitungen Arbeitskräfte sucht. Der Fischereiarbeiterinnenstreik in Geestemünde ist nach mehrtägiger Dauer erfolglos beendet worden. Es zeigte sich, daß den Arbeiterinnen leider noch nicht jenes solidarische Kampfgefühl innewohnt, das zur siegreichen Durchführung eines Streikes not, wendig ist. So stieg die Zahl der Arbeitswilligen unter den Frauen so schnell, daß der Kampf abgebrochen werden mußte. KusUnd. Achtung, Metallarbeiter! Zuzug ist nach Budapest wegen Streik fernzuhalten. Wir ersuchen, Arbeitsangebote von dort ab- zulehnen. Deutscher Metallarbeiterverband. Tas siegreiche Ende des Setzerstreiks in Livorno. Rom, den 21. März 1912.(Eig. Ber.) Die Setzer von Livorno haben nach 63 lägigem Streik die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem sie einen bedeutenden Teil ihrer Forderungen durchgesetzt haben. Der Arbeitstag ist von 10 auf 9 Stunden herabgesetzt, der wöchentliche Minimallohn von 21 auf 24 Lire erböht worden. Der Akkordlohn pro 1000 Buchstaben, der bisher 30 Cent, betrug, steigt auf 40 für da« laufende Jahr, auf 44 bis 1915 und 46 für 1916. Mit diesem Jahre läuft der Tarifvertrag ab. SencKts-Teitimg. Tie Tragödie im Obdach. In der Methylalkohol-Affäre ist jetzt auch noch gegen den Drogisten Scharmach und den Schankwirt Otto Redomske aus Charlottenburg eine Nachtragsanklage erhoben worden. Scharmach wird noch beschuldigt, in seinem Geschäft gewisse Geheimmittel, deren Verkauf verboten bezw. nur den Apotheken gestattet ist, feil- gehalten zu haben. Ferner wurden bei der Haussuchung, bei welcher Scharmach übrigens in Gegenwart des RegierungSratS Professors Juckenack einen Selbstmordversuch unternommen hatte, mehrere starkwirkende Gifte vorgefunden, welche nach einer Polizei- Verordnung in besonderer Weise aufbewahrt werden müssen. Außerdem ist Scharmach auch noch wegen des Verkaufs von Methylalkohol unter falscher Deklaration an die Schankwirte Pflanna und Dahle nachträglich angeklagt worden. Hierbei handelt eS sich um diejenigen Fälle, in denen noch nachträglich durch Exhumierung der Leichen durch den Gerichtschemiker Dr. Jeserich als Todesursache Methylalkoholvergiftung festgestellt worden war. Der Angeklagte Redomske wird beschuldigt, an den Schank- Wirt Boldt 10 Liter Methylalkohol unter der Angabe, es sei Sprit, verkauft zu haben. Hierin erblickt die Anklage eine Beihilfe zuni Betrug ugd zum Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz. Redomske bestreitet ganz entschieden, gewußt zu haben, daß es sich um Methylalkohol handele. Von Rechtsanwalt Dr. Puppe sind deshalb mehrere Zeugen geladen worden, die bestätigen sollen, daß Redomske stets den aus dem billigen Sprit des Scharmach von ihm hergestellten Schnaps getrunken hatte, ohne irgendwelche Folgen zu spüren. Redomske will zu diesen Zeugen, als die Mit- teilungen über die Methylaftoholvergiftungen in der Presse standen, selbst Angst bekommen haben, daß sich bei ihm noch irgend- welche gesundheitliche Nachteile einstellen könnten. Tie Verhandlung der Sache wird in dem großen Schwur- gerichtssaal des alh�i Kriminalgerichtsgebäudes stattfinden. Ta ein kolossaler Andrang zu erloarten ist, werden voraussichtlich be. sondere Eintrittskarten für den Zuhörerraum zur Ausgabe ge. langen. Nachwehen einer Felddienstüvung. Wc�zcn angeblicher Beleidigung eines Offiziers mutzte sich gestern der Landwirt Christian Lindner aus Neukölln vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II verantworten.— Am 24. Juli vorigen Jahres hielt der Leutnant von Hannecken vom Augusta- Regiment auf der Mariendorfer Feldmark eine Felddienstübung ab. Er geriet hierbei mit den Mannschaften auf einen dem Angeklagten Lindner gehörigen Acker, den dieser kurz vorher mit Luzerne bestellt hatte. Als L. mitten in seinem Acker eine aus 9 Mann bestehende Patrouille sah, wandte er sich an den Leutnant v. H., den er� nach der Behauptung des Offiziers, in unhöflichem Tone darauf auf- merksam gemacht habe, datz das Feld bestellt sei. Der Militär- fiskus solle sich doch eigenes Land kaufen oder auf dem Exerzier- platz derartige Uebungen vornehmen lassen. Der Offizier schickte daraufhin, nachdem der Angeklagte seinem Mißmut in ähnlichen Redensarten ausgedrückt hatte, einen Vizefeldwebel zu L. und ließ ihm sagen, er solle sich ruhig verhalten, da er ihn sonst feststellen lassen würde. Als L. aufgefordert wurde, seinen Namen an- zugeben, weigerte er sich, dies zu tun, so daß ihn der Feldwebel darauf aufmerksam machte, datz der Offizier das Recht habe� ihn festnehmen zu lassen. Der Angeklagte erwiderte hierauf: ,',Das ist für mich kein Offizier!" Wögen dieser Aeutzerung wurde gegen L. Anklage wegen Be- leidigung erhoben! Vor dem Schösfengericht Tempclhof behauptete der Landwirt, datz er mit jener Aeutzerung nur habe sagen wollen, datz der Offizier für ihn kein Vorgesetzter sei. Das Schöffengericht hielt diese Angabe für nicht widerlegbar und erkannte auf Frei- sprechung des Angeklagten. Auch die Berufungsstrafkammer, die sich auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin nochmals mit dieser Angelegenheit beschäftigen mutzte, schloß sich der Ansicht deS Schöffengerichts an und erkannte gleichfalls auf Freisprechung. Wird nicht gar noch Anklage erhoben werden, weil der Land- Wirt ohne militärische Genehmigung seinen Acker bestellt hatte? Wie ein Agrarier von der Justiz denkt. Aus Halle a. S. berichtet mcm uns: Der wohlhabende Gutsbesitzer Otto Hoffmann aus dem Nachbarorte Damninitz war am 4. Januar init seineni Kutscher Schulze über die Reinigung des Kutschwagens in Wortwechsel geraten. Der Gutsherr redete den 34jährigett Kutscher niit den Worten: „Du bist ein Dreckschwein!" an, und er soll dann c 5; noch, so behauptete der Kutscher, in Beziehung auf diesen die Kosenamen Lausejunge und Rotzjunge gebraucht haben. Der beleidigte Kutscher verließ sofort den Dienst und erhielt von Hoffmann auch seine Papiere eingehändigt. Hinterher denunzierte der Gutsherr den Kutscher aber wegen unbercch- tigten Verlassens des Dienstes und verlangte die Bestrafung des Mannes. Gegen das dem Kutscher übersandte Straf- Mandat erhob dieser vor dem Halleschen Schöffengericht Ein- spruch. Da Hoffmann vor Gericht zugeben mußte, seinen Kutscher beleidigt zu haben, erklärte der Amtsanwalt, wie Zeuge bei dieser Sachlage noch dazu konune, einen Straf- antrag wegen unberechtigten Verlajsens des Dienstes zu stellen? Hoffmann zuckte darauf mit den Achseln. Als aber dann die beantragte Freisprechung des Kutschers erfolgte, verstieg sich der Agrarier zu der Aeutzerung: „Solche werden immer freigesprochen." Der Amtsanwalt erblickte in diesen Worten eine Un- gebühr vor Gericht und beantragte gegen den Agrarier, der bereits den Gerichtssaal verlassen hatte, eine Geldstrafe von 20 Mark. Nachdem man den Jnkulpaten wieder in den Gerichtssaal geführt hatte, wurde er init 10 Mark bestraft. Darauf der Agrarier im höhnischen Tone: „Tanke schön, meine Herren, soll ich gleich zahlen?" Dann inachte er sich aus dem Staube. Darauf der Amtsanwalt protestierend:„Das ist doch aber stark: ich verlange eine höhere Bestrafung des Mannes. Als der Richter dann eine Bewegung inachte, den Agrarier doch nun laufen zu lassen, erhob sich der Amtsanwalt nochmals und sagte: „Als sich ein Arbeiter neulich bei einem Urteil bedankte, hat man ihn hier zu einer sofort zu vollstreckenden Haststrafc von einem Tage verurteilt; ich verlange, daß bei dem Gutsbesitzer dasselbe Strafmaß zur Anwendung kommt. Der nichts Böses ahnende Gutsherr schlenderte bereits die Straße entlang. Ter Amtsanwalt setzte es aber durch, daß er— sagen wir: zur Vermeidung von Klassenjustiz— durch Nachsendung eines Gerichtsdieners nochmals in den Gerichtssaal gebracht und dann tatsächlich zu einer sofort zu verbüßenden Haft- strafe von 24 Stunden verurteilt wurde. Der Agrarier machte ein verflucht dummes Gesicht, als er eingekastelt wurde, und das Publikum nahm regen Anteil an der tragikomischen Jagd zur Vermeidung der Klassenjustiz. Eine Beleidigung des„Kaiser? Nero". Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich vor dem Landgericht Weimar am 17. Januar der Weber Albin Reinhold zu vcrant- Worten. Doch hat das Gericht ihn von der ihm zur Last gelegten Straftat freigesprochen. Der Angeklagte war am Abeird des 14. September 1919 zu einer Frau K. gekommen und hatte diese angebettelt. Als Frau K. ihn abwies, sagte er:..Sie sind gerade so"wie..." Hierbei machte er verschiedene mißfällige und be- leidigende Aeutzcrungen über den Grotzherzog von Sachsen-Weimar, den König von Sachsen und den Kaiser. Zu seiner Entschuldigung gab der Angeklagte an, datz er sinnlos betrunken gewesen sei und überhaupt nicht den deutschen Kaiser, sondern„Kaiser Nero" ge- meint habe. Das Gericht hielt für erwiesen, datz der Angeklagte, ein„verkommener Landstreicher", sich an dem fraglichen Abend in stark angetrunkenem, wenn auch nicht in bewußtlosem Zustande befunden, und die Aeutzcrungen au« Aerger über die Frau K. und in Skandalierlaune getan hat, ohne die Absicht, einen der regieren- den Fürsten durch Worte der Mißachtung zu beleidigen._®i« weiterer Grund zur Freisprechung lag darin, datz von keiner Seite aus ein ordnungsgemäßer«trafantrag gestellt worden war. Gegen das Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Das Reichsgericht verwarf jedoch am Freitag die Revision. Kapitalistische Schwindeleien. Bier Kapitalistentppe haben sich gegenwärtig bor dem Landgericht Leipzig wegen kapitalistischer Umtriebe anrüchigster Art'zu verantworten. Ter erste Angeklagte, der Bankagent Hermann Rat- geber in Homburg v. d. H., zeichnet sich schon dadurch auS, daß er, der früher eine Viertelmillion besaß, sich für die Steuer geringer einschätzte, um, nach seinem eigenen Geständnis,«ucht so Hobe Steuern bezahlen zu müssen. Tic anderen Angeklagten sind der Kaufmann Romanus Ullrich in Berlin, der Bergwerksgewerkschafts- Vorsitzende Adolf LamberS in Grotz-Licktcrfelde und der Kaufmann Hermann Sittsar in Charlottenburg. Es ivaren ursprünglich noch 19 weitere Personen in Untersuchung gezogen worden; das Ver- fahren gegen sie wurde aber eingestellt. Die Genvinten werden beschuldigt, fälschlich bei der Behörde angezeigt zu haben, datz bei der im Jahre 1995 erfolgten Gründung der Gewerkschaft„Glück- auf", Leipzig, die Anteilzeichner ein Viertel der Anteile bar oder in Wertpapieren hinterlegt hätten. Weiter wird den Angeklagten fortgesetzte Bilanzverschleierung und eine um 75 999 M. zu hohe Einsetzung des Wertes eines Hausgrundstücks vorgeworfen. Um eine Dividenden- und Tantiemczahluiig zu begründen, sollen die Angeklagten im Jahre 1906 einen Gewinn von zirka 75 909 M. hcrausgcrechnet haben, obwohl eigentlich ein Verlust von zirka 39 909 M. zu verzeichnen war. Der Angeklagte Sittsar wird noch beschuldigt, eine Anzahl Anteilscheine ausgestellt zu haben lediglich zu dem Zweck, bestimmten Personen Zutritt zur Generalversamm- lung zu ermöglichen. Ter Angeklagte Ratgeber wird des Betruges gegenüber zwei Kaufleutcn in Dresden und Crimmitschau be- zichtigt. Er soll nach der Anklage diesen Äaufleuten wider besseres Wissen versichert haben, eine Bohrgewerkschaft in Galazien re- üsfiere gut; hierdurch haben sich die Kaufleute bewegen lassen, für 25 909 und 7599 M. Anteile zu kaufen, die wertlos sind. Die Gewerkschaft„Glückaus'-Lcipzig hat fortdauernd mit Verlust ge- arbeitet. Die Bilanz von 1919 weist einen�Verlust von 161 328 M. auf. Der Angeklagte Ullrich besaß die Stirn zu behaupten, die Gewerkschaft stehe nur deswegen so schlecht, weil sie durch Denun- ziation und Zeitungsartikel geschädigt worden sei.— Die Vcr- Handlung gegen die smarten Geschäftsleute wird etwa 14 Tage in Anspruch nehmen._ Slrbeitcr-Samariterbund. Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Berlin. L. Abteilung Montag bei Dase, Brunnenstr. 154, abends S'/, Uhr. S ch ö n e b e r g. 3. Abteilung Donnerstag bei Poschmann, Borberg- stratze 3. abends 8'/. Ubr. Spandau. Jeden Mittwoch bei Pecziles, Pichelsborser Straße 5, abends 8 Uhr. N o iv a iv e S. Jeden Freitag tn der Fortbildungsschule, abends 8 Uhr. Schöneweide. Jeden Montagabend 8'/, Uhr, Siemensstr. 12. Friedrichsbagcn. Jeden Donnerstagabend 81/» Uhr im Jugendheim, Frledrichstr. 69, 2. Hof. HA ItilWirtM ArboiUnachwe,.: MM Ii'"'' Amt Norden, Nr. t22S. CharitSftraste 3. Amt Norden, Nr. 1287 Dienstag, den S«. März 491ÜS, abends Uhr: Verssminlunx aller in der Gold- und Silberware»»- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im groste» Znalc deS GewerkachaftHhansea, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Stelluuguabme zu unserem Tarifvertrag. 2. Diskussion, S. Berbandsangelegenheiten. 114/9 Kollegen und Kolleginnen I Da In dieser Versammlung darüber ent- schieden werden soll, ob in diesem Jahr« der Tarifvertrag gekündigt werde» soll oder nicht, ist eS Ihre Pflicht, für einen zablrcichcn DersammlungS- besuch zu sorgen. Es mun jeder von Ihnen in dieser Versammlung an- wesend sein, damit die Arbeitgeber wissen, das; die Stellungnahme der Arbeiterschaft eine einheitliche ist. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 01« Ortsverwaltang. Zahlstelle Berlin. Verband der Sortierer und Kistenbekleber. Sonnabend, den 30. März 1912, abends' ,0 Uhr, im„Roseuthaler Hof", Nosenthaler Str. 11/12: Kombinintc Mitgliedn- NersWmliilig. Tagesordnung: t. Bericht Vau der Tarif- und Lohnbewegung der Zigarren- arbeitcr. Referent:.Alfvin Selinlse.— 2. Der Statmenentwurs. Anträge zur Aeneralversainmlung in Hamburg,— 3. Verschiedenes. SlUct Erscheinen Pflicht! 187/8* Am Eingang wird kassiert. vi« Ortsverwaltanff. vierter Wahlkreis. Dienstag, den 26. März 1912, abends 8V2 Uhr: 6 öffentliche Versammlungen „Süd-Ost", Waldemarstraße 75, Görlitzer Viertel. Graumanns Festsäle, Naunynstraße 27, Köpenicker Viertel. Comenius-Säle, Memeler Straße 67, Stralauer Viertel. in den Lokalen: Boekers Festsäle, Weberstraße 17, Frankfurter Viertel. „Elysinm", Landsberger Allee 40, Landsberger Viertel. Löwenbranerei, Frankfurter Allee 153-55, Petersburger Viertel. Tagesordnung in allen Versammlungen: habkil Vir im Reichslliz;> klmckii?" Referenten sind die Reichstagsabgeordneten: Büchner-Berlin. Haupt-Magdeburg, Henke-Bremen, Httttmann-Frankfurt, Schmidt-Meißen, Zubeil-Berlin. 214/18* Der Einberufer: P. Hoffman«, Königsberger Straße 28. Sonntag, den SU. März, abends 7 Uhr, tn den„Wilmersdorfer Feftiälcn" in Halensee, Johann-Georgstr. 1«: Versammlung ortrag von Frau vi-,«nltiuann:»Ter Wert der freien Stunden--. Nachdem: Vieinlltltede» SeUapinieiiueln._ 48/4 berband der Bureauangcltclltcn. Ortsgruppe Berlin. DaS Bureau und der Stellennachioeis bleiben am Montag, den Sie. März, geschlossen. Vom Dienstag, den S!«. März litis!, ab befindet sich da« Bureau ii Koisrr-Wilhelm-Str. 18». II. Ä-, Tel.:«önigfladt 6170. — GeOflnet von 9—5 Uhr.= Der Stellennachweis ist geöffnet von 10—1«Hr. »7/4* IMy OrtsverimUanj. zu Berlin. Mittwoch, den 3. April 1912, abends pünktlich SV» Uhr, ixa großen Saale der „Armlnhallen", Kommandantenatr. 58/50: Ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung für das Jahr 1911 durch den Rendanten. 2. Bericht des Rechnungsau.sBchusses bezw. Erteilung der Entlastung. 3. Abänderung des§ 10 des Kassenstatuts. 4. Verschiedenes. B e r 1 i n, den 23. MSrz 1912. 272/8 Der Torstand. Johannes Blens, Otto Wonltzkl, Yorsiteender. ßebriktführer. Verband der Sattler u. Portefeuiller ---------- örtsverwaltung 3erUn.------------- Bekanntmachung. Laut Beschluß der Generalversammlung vom 81. Fcbitiar d. I, finden die Telegierteuwahlen zum Berdandstag heute, Sonntag, den S!4. März, in der Zeit von 1« Uhr vormittag» bi» I Uhr«ach- mittags in folgenden Lokalen statt: Paul Greulich, X., Garteuftr. 46, iss/14 Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal III, Fritz Hoppe, Neukölln, Hcrmannstr. 40. Die Wahlhandlung wird um 1 Uhr nachmittags geschloffen. Es siebt den Mitgtiedern stet, da« ihnen am bequemsten gelegene Lokal zum Zwecke der Abstimmung auszusuchen. Zur Wahlhandlung zugelassen sind nur diejenigen Mitglieder, die nicht mehr als acht Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches bezw. der Mitgliedskarte. Bezugsberechtigte arbeitslose oder kranke Mitglieder, deren Mitglieds- bücher sich in Händen der Verwaltung befinden, legitimieren sich durch Vorzeigung ihrer Kontrollkarte. Jedes Mitglied, das au der Wahl teilgenommen hat. erhält eine» diesbezüglichen Stempel ins Mitgliedsbuch bezw. in die «arte. Das Relullat der Wahl wird am Mittwoch, den 27. März, im gewcrk- schastlichen Teil des„Vorwärts', sowie i» der in derselben Woche er- scheinenden Nummer der»Sattler- und Portesemllcr-Zeilung' bekannt ge- geben.' Eventuell notwendige Stichwahlen finden am DienStag. de» S. April, nachmittags 5—8 Uhr, in denselben Lokale» unter den gleichen Boraussetzungen statt. Tie Onsvcrwaltnng. gegen die MW w Dienstag, den 26. Mörz 1912, abends 8% Dljt: Adlershof: bei Lehmgruber, Bismarckstraße 60. Baumschttlenweg: i. d. Serpentin-Festsälen, Baumschnlenstr. 79. Grünau: in Bcllevue, Friedrichstraße 22. Hermsdorf: im Forsthaus. Augstue- Viktoriastraße 18. Johannisthal: im Biirgergarten, Parkstraße 9. Reinickendorf-Oft: im Seebad, Residenzstraße. Tempelhof: im Wilhelmsgarten, Berliner Straße 9. Treptow: im Viktoriagarten, Köpenicker Landstraße. Mittwoch, den 27. Marz 1912, abends 8Vl W: Ariedenan: im Kaiser-Wilhelmsgarten, Rheinstraße 64. Tagesordnung: Die neue Emkommenstenergesetznovelle— eine indirekte Lebensmittel-Vertenernng. Referenten: Fräulein A. Dietz, K. Giebel, M. d. R.. G. Kegel, W. Lamm, H.LammS, Frau G. Lodahl, A. Nollstadt, K. Schubart, Fr. Schulze. Arbeiter und Arbeiterfrauen I Protestiert durch Massenbesuch der Versammlungen gegen die neue Belastung, die Euch die preußische Regierung auferlegen will. Tie Propagandakommission für daö Genossenschaftswesen Grost-Berlius. Für die Gewerkschaften: 15. Brückner. K. Giebel. K. Iletzschold. K. Bitter. E. Wntzke. Für die Genossenschaften: K. Hildebrandt. R. Janker. M. Liichtenberg. A. Hirns. P. Müller. Für die sozialdemokratische Partei: E. Btfttke. P. BiUhl. A. Stadthagen. O. Wels. 103/13 Nehönclierg'. Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 36. März 1313, abends 8 Uhr,„Nene RathauSsäle", Meininger Straße 8: Mitglieder-Bersammlung. TagrSordnung: 1. Bortrag I Schult nnd Zulinnftsstliat im Dreiblassraparlamkat. Landtagsa" g!l. LorebSfllt. 2. LeretnSangelegenhetten. 3. VrrschlideiieS. DM- Die Abgeordneten des preusiischen Landtages find hiermit ebenfalls eingeladen. Jedem Redner in unbeschränkte freie Rede garantiert! In dieser Bersammlung wird Genosse Borchardi eingehend aus die Au«. sührungen des Abg. Hetz antworten. IS/S Gäste habe» freien Zutritt! DerJftu*,Mld" Ilmungs-Kranbeubasse der Tischler-Iunuug. Veusi'sl'VerssmmIuug der Vertreter dcr Äassenmitglieder und der JnnungSmitglieder am Dienötag, den 2. Zlpril er., abends 8 Nhr, im„Gewerk- ■chaftshntiä-', tliigeluser Nr. 15. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Ab- nähme der Jahresabrechnung pro IStl und Bericht der Revisoren. 3. Verschiedenes. 271/19 Der Borstand. Krankenkalic der Verwaltung Berlin. an Berlin H. 67), Donnerstag, den S8. Marz er., abends 8',. Uhr, GrnSe Bant- hnrger Str. 18/1S: 271/18 Austerordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Mitteilung des Polizeipräsidenten. 2. Statutenänderung. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand: L Georgelowitz. jmtglieder-Versammlttngen Montag, den 25. März 191Ä: Tischler, Bez. Süden Tagesordnung: 1. Bericht von der Eaukonserenz. 2. Bericht von der Geilerai- Versammlung. 3. Wahl von zwei Beitragsammlern. abends 8'/, Uhr, im Gewerkschastshau», Saal 1. Tagesordnung: 1. Das Jnnungswisen in der Gewerbeordnung. Reserent: Eladt- verordneter Genosse Ritter.— 2. Bertcht der Branchenkommission,— 3. Verschiedenes._ 80/17 Dienstag, den 26. März 1912: Jalonfiearbetter abendsZ8',,Uhr. bei«oeker.«tberstr. 17. Orts- Krankentasfe der Stellmacher. Montag, de» 1. April ISIS, abends 8'/, Uhr: Ordentl. General-Versammiung in den Tophiensälcn, Sophienstratze 18. Tages ordnung: 1. Ntchnungslegung sür das Jahr 1911. Bericht der Revisoren. 3. Er- gänzungswahl zum Vorstande: zwei Arbeitgeber, einen Arbeitnehmer. 4. Der Fall WenSky. 5. Antrag des Vorstände» aus Beitragserhöhung. 6. Aussprache resp. Beschlutzsassung über die Zentralisation der Orts- lrankcnlassen. 7. Verschiedene Kassen- angelegenheiten. 753b Der Borstand. M. W i e ch e r t, Vorsitzender. Freirelig/i6se Gemeinde Montag, den 25. März, abends 8 Uhr: == Beschließende Versammlung== in„Alt-Bcrllo'S Bhunenstraße 10. Tagesordnung: Kassenbericht, Vorstandswahl usw. Orts- Krantenkaffe der 272/7 Schuhmacher. Montag, den SS. März ISIS. abends 8'/. Uhr, im Lokal v. Boekcr Weberslr. 17: General-Versammlung der Vertreter. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1911. 2. Beschlutzsassung über Ab- änderung des S 59. 3. Antrag deS BolftandeS auf Bewilligung eines NuhcgehaltcS sür den Rcndanw» Hrn. Klaelte. 4. Stellungnahme zur Zen- traliflcrung der Krankcnkaffen. 5. Der- schiedene Kassenaiigclegenhciten. V er tretcr karte legitimiert A. Benvig, Vorsitzender. Franz Valerius, Schriftsührer. Tagesordnung: tagSabgeordneier Genosse Berlin. 3. Maifeier. 1. England. Land und Leute. Referent Reichs- Hermann Wendel. 2. Der Verbandstag in abends 8 Uhr im GewerkschafiShanS, Saal i -OOBVIIiegeV(SUbeUsloscnM): Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung, 2. Bericht von der Gaukonserenz. 3. Branchenangelegenheitcn. Mittwoch, den 27. März 1912: Bürsten- und Pinfelmacher , abends S'/j Uhr bei Preus?, Holzmarktstr. 65. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Branchenangelegenheite«. Lozeloler klo. l,nz..Buchholz, 23. März 1912. Ter Borstand. gez. Voigt. FrlUlku-Segräbulskaffe der m Schristgießereleu btschiist. Arbeiter Kerlius. Mittwoch, den 27. März. abend« 6 Uhr, im Lokal de» Koll. P. Zimmermann, Wilhclmslr. 2: General-Versammluno. Tagesordnung: 1. Borstandsbericht. 2. Kassen- bericht und Bertcht der Revisoren. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch der Mitglieder erwartet 288/l4_ Der vorstand. Gardinenhaus Bernhard Schwartz ÜÖollfti. 13(dreizebn) Nntergenndb.«ptttelmartt. SrstNaifia, Bezugsquelle für Gardinen Portieren Teppiche Vom einfachsten blS zum elegantesten: denkbar niedriatte Preis«. Umtauich berertwtlliast. Slusterord. Haltbarkeit sämtlicher Waren. stachmännrlter Rat dei Neueinrichtungen und Wohnungs-Wechsti. Orts-Krankenkasse öer SteioMer b. Littmgraptieii. Am TieuStag, den SV.März er., wird das Rafienlokal nach Sebiekier«tr. 5. vorn I verlegt und bleibt sür diesen Tag das Kassenlokal sür den Verkehr g e- schlösse nl' 7856 M. Stuhlmann, Borfitzender. Donnerstag, den 28. März 1912: Tisch-Branch-"Ä-Isf Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Branchenkommtjston. 4. Neuwahl der Kommission. 5. Verschiedenes. Alle in der Tischbranche beschäsligten Tischler, Polierer, Maschinen- arbeiter, Teilalbeiter und auch die ungelemten Hilfsarbeiter müssen er- scheinen, ebenso auch die Kollegen, welche dem Transportarbeitcr-Vcrband angehören. abends 8'/, Uhr. im Rosenthaler Hof, Rose». iVieUMaryer thalerftratze 11/12. Tagesordnung: 1. Bericht von der Gaukonserenz. 2. Bericht von der Genera Versammlung. 3. Branchenangelcgenhciten. c*i abends 8'/, Uhr, im Treppengelander-Branche- Kasino. Tagesordnung: 1. Wie hat jeder einzelne seine Arbeitskrast auszunützen? 2. Die Arbcitsvermittrlung in unserem Berus. 3. Ver- bands- und Branchenangeiegenhesten. Einfetzer abends 8 Uhr. bei MerkowSki, AndreaSstrahe SS. Tagesordnung: 1. Bericht von der Gaukonferenz. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangclegenhcilcn. Perlmutt-, Horn- und Steinnustarbeiter abends 6'/, Uhr, in Witte» Festsälen, S-bastlanstr. 39. Tagesordnung: 1. Vorting deS Genossen Klütz über: .Christentum und Sozialdemokratie". 2. Bericht von der Generalvcrsamn:- lung. 3. Bericht von der Gaukonserenz. 4. Verbands- und Branchen- angelegenheiten. Korbmacher S""'' Tagesordnung: 1. Bericht von der Gaukonferenz. 8, Bericht von der Generalversammlung. S. Branchenangelegenheiten. Bautischler. DonnerStag, den 28. März 1912, abendS 8'/, Nhr, bei Becker, Webersir. 17: Vertrauensmänner- Versammlung für Grost-Berlin. Tagesordnung: i. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeltgebern, betressS Mehr- arbeit bei Fenstern auS Pitchine. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiien. Mitttvoch, den 27. März 1912. abend? 8'/, Uhr bei Becker, Weberstr. 17: Kombinierte Versammlung der Ortsverwaltung mit der Kontroll- kommission. Mittwoch, drn 87- März. abendS 8'/, Uhr, im Rosinenftr. S, kl. Saal: , Voltshans- Mitglieder-Versammlung m Tagesordnung: 1. Bericht vom Gautag. 2. Ausstellung eineS Kandidaten zum Ver- bandstag. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Gewerkschastllche» und Ver- schiedeneS. 80/ IS* Zahlreiches u. pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. III ilei' Eabioteiie Berlin. t! Mittwoch, de» 87. Mär, 1018, abendS 8'/, Uhr: Mitglieder-Bersammlung in den.Resideuzsälen", Landsberger Str. 31. Tagesordnung: t. Die Lohn- und SlibeilsverhMnisse In der amerikanischen Schuh- induslrie. Referent: Reichstagsabgeordneier Simon. 2. Stellungnahm- der Kollegen und Kolleginnen zum Streik bei der Firma Pinner N«chf 3. Verschiedenes, ie9i7 Die OrtsTcrwaltuDg. Groß-Berlin. Bitte, diese Liste aufznbetvahren! Grok-Berlin. Kße dcrMM FadÄMc«, die de« ichltais der ZMtiudeitcr von WWerli« bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Karteigenostr«, Arbeiter, Interehenten, Raucher! Wer die Tabakarbeiter beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uvdt Solidarität! in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, Osten. 'Ltto Zrfjtruicr, Frankfurter Allee 7. 'Wilh. Klein, Am Oberbamn l. 'Zchulze. FriedrichSselder Straße 23. M. Haniiemann, Breslauer Str. 8. R. Fricke. Langeftr. 29, IV'. 'Paul Wotichke, AndreaSstr. 16. 'Hermann Tavid, Weidenweg 3. Helene Kolberg, Memeler Str. A. 'Paul Peterkon, Wcidenweg 83. Hermann Kasclow, Friedenstr. 7t. �ranz Krüger. Poiener Str. 2S. 'Ioh. Heiden. Wcidenweg 26. 'Vrnst voß. Voigtslr. 6. '«luftav Brösel, Fruchtstr. 83. Max Lerche. Tllsiter Str. 44. 'August«örlin. Rigaer Str. 46. ($. Tornow, Weidenweg 8. Johann Liebich, Memeler Str. 7. Otto Kogli«, Schreinerftr. 55. Anton Fröhlich. Langeftr. 56. Fr. Schubert, Romintener Str. 30. 'B. Spenkoch, Tilsiter Str. 90. Robert ZisowSki, Tilfitcr Str. 76 II. Rudolf Pohl, Kopcrnikusstr. 3 I. Adolf Löschte, ZU. Andreasstr. 6. Wilh.«löse. Martusslr. 27. 'Friedrich Kürschner, Fruchtstr. 61. 'GellingS, Grüner Weg 66. Otto Tternke. Krautslr. 1». 'Schencrniann, Proskaueritr. 39. Südosten. Adolf Tomann, Lausitzer Str. 7. 'Auguft Lefsvre, Adalbertsrr. IL. 'PH. Baehr, Raunhnstr. 24. . Bernh. Müller,Reichenbcrgerstr.141 'August Bogel, Admiralstr. 28. Koelpin. Admiralstr. 9. Wolsf, Görlitzer@tr. 57. Südeu. 'Wilh. Boerner, Ritterstr. 15. 'August Zech, Gitschincr Str. 53. »Gustav Schmidt, Gräsestr. 68. 'Gustav Lochmaun, Waffertorstr.49. Südwesten. Wwe. Lücke, Möckernstraße 116. Nordwesten. 'Richard Kiepert, Zwinglistr. 29. Otto Borntcssel, Waldstr. 39, III. 'Wilhelm Bundschuh, Birkenstr. 4L. 'Robert Kcr«, Stromstr. 25. Richard Schoppau, Wiclesftr. 46, 1. 'H. Hagedorn, Emdener Str. 47. 'Böscnderg, Rostocker Str. 21. 'Paul Müller, Beussclstr. 23. Julius Löbel. Beustelstr. 62. Norden. 'Wilh. Blanck. Ackerflr. 119. 'I. Stabrey, Gleimstr. 10. Rudolf Runge, Jnoalidenstr. 20. 'Emil Hersorth, Rügene, Str. 7, Eingang Putbuser Straße. 'Fran Luise Ruß. Soldiner Str. 69. 'Wachsmutb, Freienwald er Str. 9. Schubert, Norweger Str. 4. August Bausdorf. Soldiner Str. 14. 'Teglow, Hochslr. 2a. »Paul Mazanke. Pankstr. 24. 'HermannKornetiki.WolllncrSt.23 Kempers. Fehrbelliner Str. 57. 'A. Lindemann, Rheinsberg. Str. 37. 'Frit, Sperber, Ruppiner Str. 44. 'B. Moritz, Bernauer Str. 18. Llebrecht, Aeißenburger Str. 83. 'Julius Ricke, Saarbrücker Str. 7. 'Wilh. Klein, Müllerstr. 184. »Paul Opitz. Lynarslr. 2. 'B. Robrahu, GreisenhagenerStr.ls. 'Engelhardt, Schönhauser Allee 50a. Hellmaun. Schönhauser Allee 40a II. 'Frau Krause, Biesenthaler Str. 9. 'Oskar Klose. Reinickendorf erStr. 36. H. Bongardt. Gleimstr. 40. F. Zimmermann. TreSckowstr. 13. 'Krirdcmann. Stargorder Str. 74. Paul Raa, Malplaquetstr. 24. I. 'Wilhelm Ruh, Antonftr. 2. 'W. Göppuer, Maxstr. 13». August Schirmer. Jnoalidenstr. 2. 'Louio Hoffmaun. Gaudystr. 5. 'Robert Eckert. Kolberger Str. 15. »Robert Grcwe, Dieienstr. 19. 'P, Gortwoda, Stolpische Str. 44. 'Aichenbrenucr. Schliemannstr. 4. 'Ad. Kramer. Schwedter Sw. 18/19. 'Friedrich Schulz. Wiesensw. 60a. Albert Haspel, im Humboldthain. 'August Beutel, Biesenthaler Str. 24. »Eduard M öhl, Schönholzer Str. 11. 'H. Herderg. Gleimstr. 65. 'Karl Habersaath. Graunstr. 40. 'Gustav Hennig, Koloniestr. 129 »W. Pollwitz. Schliemannstr. 47. "A. Kaerger, Prenzlauer Allee 169. 'Paul Kneifel. Ackerstr. 131. 'Schlössers Nachf., Gerichtstr. 2. Jakob Götting.LiebenwaldcrStr. 5. •®. Stadlberg, Dunckerstr. 12. Paul Roack, Schönhauser Allee 56. 'Ernst Schulz, Bernauer Str. 2. 'Willy Scrre. Swinemünder Str. 55. 'Gustav Heuze, Stetiiner Str. 61. Otto Braun, Ruppiner Str. 14. 'Rod. Genzkow, riorpingstr. 24. 'W. Balzer, Ramlerstr. 12. Prager, Rupvmer Str. 25 I. Friedr. Berlin. Ackerstr. 130. Pflug. Reinickendorfer Str. 71. E. Htldebrandt, Rügen er Str. 26. 'H.Junghans,ReinickcndorserSt.106 'H. Ziehm, Bernauer Str. 48. «Semmler, Brunnenstr. 103/104. 'Schuhmaun, Boyenstr. 18. »Zöllner, Stettiner Str. 20. 'Weidner, Hochstr. 48. 'Hübner, Ruaener Str. 13. »Fröhlich, Reinickendorfer Str. 87. Marie Tulla. Gleimstr. 53. «Scheering. Brunnenstr. 90. Schubert, Norweger Str. 4. Nordosten. Marie Klotz, Palisadenstr. 101 pt. B. Loewiudorsf, Weinstr. 6 II. W. Ecken brecht. Höchstestr. 7 III. Otto Better, Höchstestr. 32. 'Jos. Krobisch. Büschingstr. 20. 'Max Poletz, Fried richSberger Str. 10 »Jakob Reul, Barnimstr. 42. 'Karl Müller, Rytestr. 38. 'A. Tierbach, WinSftr. 25. »Tb. Bernhöft, Greisswalder St. 207. »Gustav Piuner, Tresckowstr. 36. Georg Bürger, TreSckowstr. 38. »Heinrich Olle, Metzcr Str. 22. 'Wolter, Martenburger Str. 32. 'Richter, Landsberger Allee l45. 'Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. 'M. MoewuS. Weinstr. 29. 'Hugo Wache, Koppcnstr. 46. Blanzwtr», WoIdenbergerStr.1211. 'Galka, Elbinger Str. 41. Zentrum. «. Ehaim, Mulackftr. 11, 1. 'Otto Probst, Linienstr. 25. Vororte. Paul Roack, Köpenick. Kaiser- Wilhelmstr. 103. Rod. Hellmer. Adlershos Karl Janckc, Adlershos, Fricdenstr.16. »Rud. Otto. Adlershos. Sedanstr. 29. Bentert, Adlersbol, BiSmarckitr. 58a. Albert Schumacher. Lichtenberg, Sartinbcrgstr. 68. 'Fritz Ehlcrt, Britz. Rudower Str. 5. 'H. Trompa. Lichtenberg, Schorn. weberftr. 44. »Harting, Lichtenberg, Rummels- burgcr Str. 18. 'Kaiser, Lichtenberg, Möllendorss. straße 15/17. »Joh. Bobrowskt, Rummelsburg, Crossener Str. 17. 'Maserkopsf, Boxhagen, Weser ftr. 35. 'Schübe, Rixdors, Wigmannslr. 22/23. »Schulze, Rixdors. Sleiiimetzstr. 110. Gustav Becker. Rixdors. Jnnstr. 29. 'Alb. Schuster. Rixdors, Fuldaslr. 15. I. Gans, Rixdors, Friedelstr. 3 III. 'F. Ehlert, Rixdors, Hei manu str.226 'Gustav Earl, Rixdors» Prinz- Handjery-Str. 59. 'Bortmann, Rixdors, Emier Str. 90. 'Klein, Wilmersdorf. Ublandftr 128. 'Paul Witt. Steglitz. Düppelstr. 5. 'Rob.Stüvuer.Sleglitz.Schloßstr. 115 Lebmann, Rcinickendors-Osl, Thuner- straße 5. »Pieper, Spandau, Metzer Str. 12. 'Frau Ella Moos, Spandau, Fallen- Hagener Str. IL. »Otto Wille, Spandau. Birkenstr. 4. 'Wilh. Klemmer, Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Nölte,Spandan,SchuIzenstr.14. 'Turst.Spandau. PichclSdorser Str.23 Otto Kloose, Spandau, Feldstr. 5. 'Wilh. Klein. Tegel. BerliuerStr. 84 'Krüger, Tegel. Berliner Str. 39 pt. MiliuS, Pankow, Berliner Str. 90. 'Alb. Janike. Pankow. Mühlenstr. 38. 'Hudosch, Pankow, Kaiser-Friedrich- Straße 74. »Jaeobi, Weißensee. BerlinerAllee 179 Werner. Wcißcnicc, Sedanstr. 19 1. 'Hugo Jürgas. Weißensee, Hemers- dorscr Str. 55. 'Zirkel, Rixdors, Jdealpaffage 6. Moritz, FnedrichShagen, Dilhelnt- straße 59. 'H. Herzog, Lichtenberg, Blumen- thalstragc 9. 'Rischewoff, Lichtenberg, Slürtelstr. 12 'Reuhoff. Reinickendorf- V., Eich- bornstr. 54. 'Beständig, Reinickend ors-V?., Eich- bornstr. 94. »Adelt. Reinickendorf- O., Kopenhagener Str. 1. "Arnold Hamacher, Köpnicker Str. 155/156. H. K rebner. Mariannenvlatz 15, St. Rendschmidt, Kastanien-Allee 103 I, Kuukel. Manfteinstr. 14 I,'Heinr. Beyer, Elbinger Str. 18,'Schachmann. WinSftr. 12, H Kurnicker, Neue Königslr. 17, Max Otto, Templiner Str. 12 Part., Laser, Landsberger Str. 91, Puttlib. Schliemannstr. 23 1, Paul Juhl, Bcrlin»Pankow,»Roman Roste, Choriner Str. 5. Göder, Melanchtonstr. 13, I. Blauzwirn, Lothringer Str. 66/67 II,»Cypra, Earmen-Sylva-Ttr. 2,'Bohrend. Weißensee, Gustav-Adols-Sw. 17, Rethwisch, Wollmer Str. 42 II, Gorctzka, Chrislmensn. 34. Max Jacoby. Slrelitzer Str. 52 pari. 'AhrenS, Köpenick« Str. 165. Virchaw, kbrautstr. 26a.»Schulz, Libauer Str. l3.»Aldrecht. Hagenau« Str. 2.'Fiebig, Riticrilr. 55. Förster, Ober-Schönewcide, Siemensslr. 20 I. G. Beyer, Palisadenstr. 9b. Gärtner, Boxhagen-RummetSburg. Sonntaaftr. 3. Wigand. Lychener Str. 13. Blaurock, HeinerSdorjer Str. 15.'Gcuserowsti, Steinstr. 16. Autzerdem sämtliche Berkaufsstellen der Grotzeinkaufsgefellschaft Hamburg sowie der Konsumgeuoffenschaft Berlin u. llmg.— gM- Alle mit einem* versehenen Firmen habe» Ladengeschäfte.»MI Kaust nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: D«gp yertrauensmann, Alwin Schnee, Große Hamburqer Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und n a ch w e i s l i ch nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unsereni Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie. sofern sie von Tariffirmcn beziehen, diese grünen Stolote»°n«i-- entnehmen Der vertraur»°»MNI,. a.».md»,»,, Sfc ,8,,,. Leraniwortlicher Redakteui: Albert Wach�. werlin. Für den InserStentett detäntw.t Th. Glocke. Berltn. Druck ll. Vertag! Vorwärts Luchdruckerei ll. Pertogsan,lau Paul Singer u. E0., Berlin ZW.' » 7L 29 � 4. Keilllge des JotnW Kerliiler Wlksdllltt. Der yrauen-Cefeabend findet morgen Montag abend, den 25. Mär?, ftatt. Partei- Hnöfelegenbeitcn. Verband der sozialdemokratische« Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die Fortsetzung der. Verbandsgeneralversammlung findet am Sonntag, den 31. März 1912, mittags 12 Uhr, in den ,Concordia-Festsälen", Andreasstr. 64, statt. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über das Stichwahlabkotnmen des Parteidorstandes. 2. Erledigung der von den Kreisen gestellten Anträge. Zu der Generalversammlung werden neue Delegierten» und Gastkarten ausgegeben. Die alten Karten verlieren ihre Gültigkeit. Alle für den Verband der Wahlvereine bestimmten Briefe und Mitteilungen sind von jetzt ab zu richten an Theodor Fischer(Berliner Verbandsbureau), SW. 68, L in den st r. 69 IV. Alle Wert» und Geldsendungen sind zu richten an Emil Boeske(Berliner Verbandsbureou), SW. 68, Lindenstr. 69 IV. Telephon: Amt Moritzplatz Nr. 5923. Sechster Wahlkreis. Für den Wahlverein bestimmte Briefe und Mitteilungen sind von jetzt ab zu richten an Karl Fahrow, dl. 39, Neue H o ch st r. 23. Geld» und Wertsendungen an Hermann Müller, dl. 39, Neue Höchst r. 2 3, Telephon Amt Norden 2137. Der Vorstand. Neukölln. In der gestrigen Notiz muh es, wie unsere Genossen bereits bemerkt haben werden, anstatt Stadtverordneten in der zweiten Abteilung. Stadtverordnetenwahl usw. heißen. Schöneberg. Am Dienstag, den 26. März, abends 8 Uhr, in den Neuen Rathaussälen, Meiningerstr. 8, Wahlvereinsver- sammlung. Der Landtagsabgeordnete Julian Borchardt wird in einem Referat über Schule und Zukunftsstaat im Dreiklassenparlament den bürgerlichen Abgeordneten antworten, die hierzu eingeladen sind. Gleichzeitig wird der Refe- rent auf die Vorgänge im Parlament gegen die Sozialdemokratie zu sprechen kommen. Jedem Redner ist unbeschränkte freie Dis- kussion garantiert. Ter Vorstand. Wilmersdorf-Halensee. Der Wahlverein hält Dienstag, abends 8H Uhr, im Gesellschaftshause, Wilhelmsvue 112, seine General- Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen Berichte, Ab» rechnungen, Ersatzwahl eines Beisitzers und eines zweiten Biblis- thekars. sowie ein Vortrag des Genossen Reichstagsabgeord- neten Schöpflin: Die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe der Gegenwart. Der Vorstand. Steglitz. Am DienStag, den 26. März, abends 8H Uhr, bei Schellhase, Ahornstrahe, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: I. Bericht und Diskussion über die Gemeindevertreterwahl. 2. Be- richt von der Kreis- und Generalversammlung. 3. Sonstiges. Der Vorstand. Friedenau. Am Montag, den 2S. März, abends 7 Uhr, von den Bczirkslokalen aus wichtige Flugblattverbrertung. Der Vorstand. Zchlendorf(Wannseebahn). Dienstag, den 26. März, abends SM Uhr, WahlvereinSverfammlung beim Genossen Benno Mickley. Potsdamer Str. 25. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Max Schütte„Der Kultus des Krieges". 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreis- und Generalversammlung von Groß-Berlin. 4. Ver» einsangclegenheiten. 5. Verschiedenes. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Mariendorf. Dienstag, den 26. März, abends 8 Uhr, bei Preuß, Kurfürstenstr. 44. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vor- trag der Genossin R. Luxemburg. Verschiedenes. Friedrichshagen. Am Mittwoch, den 27. März, abends 8)4 Uhr. bei Lerche, Friedrichstr. 112 Mitgliederviersiammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen Ernst Däumig über Kamarillapolitik und persönliches Regiment in Preußen. 2. DiS- kussion. 3. Bericht von der Kreis-Gcneralversammlung. 4. Bericht von der Verbandö-Geweralversammlung. 5. Vereinsangelegen- heiten und Verschiedenes. Tasdorf-Riidcrsdorf-Kalkberge. Heute, Sonntag, den 24. März. nachmittags 3!4 Uhr, finden 3 öffentliche Versammlungen statt, und zwar in Tasdorf bei Rudolf, Berliner Str. 12, Rüders- darf bei Vollmann, Schloßstr. 36, Kalkberge bei Rcnneberg, Heinitzstr. 19. Tagesordnung: Di« Aufgaben des neuen Reichstags. Parteigenossen! Sorgt für Massenbesuch zu den Versammlungen. Reinilkendorf-West. Mittwoch, den 27. März, abends 8 Uhr, findet in der Aula der 5. Gemeindeschule, Auguste-Viktoria-Allee, ein hygienischer Vortrag statt. Thema: Die chronischen Beinleiden und ihre soziale Bedeutung(mit Demonstration). Vortragender: Herr Dr. N. Brann. Hierzu am Montag, abends 7 Uhr. eine Hand- zertelverbveitung von den bekannten Lokalen aus. Die Bezirksleitung. Tegel. Dienstag, den 26. März, abends 8% Uhr, Mitgliederversammlung in Trapps Festsälen(Gamm), Bahnhofstr. 1. Tages- ordnung: 1. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 2. Be- richt von der Vcrbands-Generalversainmlung. 3. Die letzten Ge- meindcvcrtreterwahlen. Die Bezirksleitung. Spandau. Dienstag, den 26. März, abends 8)4 Uhr, im Lokal von Gustav Borchardt, Secburger Str. 26, außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über Kommunalpolitik. 2. Der Ankauf der Rustwiesen und der Verkauf des Stadtwaldes und wie stellen sich die Genossen dazu. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Spanbau. Der 6. Vortragsabend des Genossen W. Picck- Berlin über: Deutsche Geschichte des IlX Jahrhunderts findet am Montag, den 2b. März, abends 8)4 Uhr, bei Madetzki, Bismarck- straße 8. statt._ Der Bildungsausschuß. Berliner Nachrichtens Nekrolog auf eine Mißgeburt. Nun hat sie ausgelitten, die bürgerliche Frauen-Aus- stellung am Zoo. Mit gewaltigem Tamtam ward sie ge- boren, mit Pauken und Trompeten wird sie heute zu Grabe getragen Es ist ein Begräbnis erster Klasse mit der Hof- eguipage im glanzvollen Leichenzuge. Protzig wie ein Fürstenkind meldete sie sich an. Fürstenkinder standen an der feenhaft geschmückten Wiege mit dem enthusiastisch ge- feierten Baby Ein Wunderkind»var es, sollte es sein. Und Wunderkinder leben nicht lange. Seien wir ehrlich froh, daß die zarte Maid mit dem-�ongreßhöcker keine alte Jungfer wurde. Vier Wochen wöreo fast zu viel dxs ErdenzAibers, I llnd die Kritik, die schon ihren Einzug in diese närrische Welt allen Tonarten begrüßte, ist ihr, wie es einem Fürsten- günstling geziemt, auch einen ehrenvollen Nachruf schuldig. Selten ist unverhohlener öffentlich zur Schau gestellt worden, daß der Titel„Frau" im Sinne der Ausstellungs- feen erst da anfängt, wo die Scheidegrenze liegt von dem „Weibe" aus dem Volke. Eine bessere sichtbare Verhunzung des Schlagwortes von der„alles umfassenden Schwestern- liebe" war kaum denkbar. Soll man darüber am Sterbetage trauern? Nicht doch, es war ein höchst lehrreiches Experi- ment. Greifen wir mal kühn hinein ins volle Menschenleben. Dicht bei dem verhätschelten Baby, inmitten des schillernden Glanzes moderner Kostbarkeiten, wie sie die Dame als Elixir braucht, saß am holzvertrockneten Webstuhl ein ebenso vertrocknetes altes Mütterchen, in bloßen Strümpfen, die Schlorren und den Futterkorb hinter sich, um den grau- haarigen Dutzendkopf ein rotes Tuch geschlungen. Das war echt, keine Mache, vielleicht das Echteste der ganzen Aus- stellung. Tausende, Zehntausende zogen schwatzend, lachend, spöttelnd vorüher, stellten Vergleiche an mit der Wunder- technik der elektrischen Webstühle daneben, wohl auch mit dem Unternehmergewinn durch eben diese Technik. Aber wie wenige mögen in demselben Augenblick daran gedacht haben, daß ungezählte Tausende im herrlichen Deutschen Reiche noch gefesselt sind an die gleiche körpermarternde, hirnzermürbende Tretmühle, noch an dem gleichen grauenhasten Elend kleben, wie es Gerhart Hauptmann in seinen„Webern" der Aus- beutersippe ins Gewissen reden läßt? Nein, nur ein inter- essantes Objekt war diese alte Frau und ihr hölzernes Dingsda: eine Sehenswürdigkeit wie in einem Museum, eine Marionette mit einer— Menschenseele. Und nur wenigen Denkenden, Fühlenden stand riesengroß über dem Marter- Werkzeug eine Zahl— der winzige, schmachvolle Arbeitslohn der figürlichen Darstellung des Weberelends. Weiter... da unten eine Arbeiterwohnung. Hatte sie kalte, verspät- tende Berechnung oder nur der Zufall dicht neben die üppigen Luxusräume der Gesellschaftsdame hingebaut? Und es war neben der glänzenden Wirklichkeit, die aus den Hungerlöhnen der Schaffenden für die Raffenden gesogen wird, nur der nicht mal gut geratene Typ einer Arbeiter- Wohnung, wie sie sein könnte, nur ein Märchen, eine Vision... Der Wechselbalg ist tot. Arbeiter haben an seiner prunkvollen Wiege zimmern müssen und machen morgen aus dem Haufen Holz einen Sarg. In die Versenkung mit ihm ... mit dem letzten Ueberbleibsel öffentlich ausgestellter bürgerlicher Geistes- und Herzenskultur. In Ehrfurcht ersterbend. Sonnabendvormittag.— In der Halle am Zoo drängt sich die Menge eleganter Damen.— Die große Warenschau im Erdgeschoß interesfiert mich nicht. Nach der Galerie will ich. wo man immerhin einiges Material über weibliche Berufsarbeit finden kann. Doch die Treppe ist gesperrt:' Ein Seil querüber. Dahinter hält ein Diener Wache. Davor drängt sich die Menschenmenge.— Hier geht eS nicht, also nach einer anderen Treppe.— Ich will die Halle durchschreiten. Da erfaßt mich der Strom elegant gekleideter Damen und Herren. Er zieht mich mit fort, ich mag wollen oder nicht. Niemand beachtet die sonst viel bewunderten kostbaren Kleider und Hüte. Wie hypnotisiert drängt und wogt die Menge nach einer Richtung. Suchend wenden sich aller Blicke nach der menschen- leeren Galerie. Da oben wird ein Damenhut sichtbar, umgeben von geneigten Köpfen, die teils auf männlichen, teils auf weiblichen Schulter» sitzen.— Unten die Menschenmenge gerät in Verzückung. Damen knixen, Herren dienern entblößten Haupte» und ein Dutzend Back- fische fingen mit dünnen Stimmen:.Fühl' in des Thrones Glanz siq hohe Wonne ganz."— In brünstiger Knechtseligkeit starrt alles nach dem Damenhut, der sich da oben auf der Galerie fortbewegt. Man steht den feinen Damen und Herren an, wie tief sie in diesem Augenblick bedauern, daß ihnen die Natur den Schwanz versagt hat, mit dem sie in Hundedemut wedeln könnten. Nicht ohne Schwierigkeit habe ich mich bis zur nächsten Treppe durchgearbeitet. Doch auch da ein Diener, ein Seil, davor die still harrende Menge. Ein Herr kommt eilig die Treppe herab, drängt sich durch die Menge und sagt mit vorwurfsvollem Tone:.Was stehen Sie denn hier, gehen Sie doch da drüben hin, da können Sie die Kaiserin sehen."—«Wir wollen die Ausstellung sehen, wegen der Kaiserin sind wir nicht hergekommen," antwortet jemand aus der Menge.— Entsetzte Blicke suchen die Verwegene, die es wagt, zu sagen, daß sie für die Ausstellung Interesse hat in diesem weihevollen Augenblick, wo— man denke I— die Kaiserin in den Räumen weilt. Eine halbe Stunde vergeht. Noch immer harrt das Publikum am Fuße der gesperrten Treppen. Doch man fängt an. zu murren. Immer lauter und vernehmlicher. Man verlangt hinauf- gelassen zu werden, da ja die Kaiserin schon fort sei. Doch der Diener am Absperrungsseil ist für alle Vorstellungen unzugänglich. Er schnauzt das Publikum an, als wenn er ein Schutzmann wäre. Der Mann fühlt sich in diesem Augenblick offenbar als Wächter an den Stufen deS Thrones. Gehoben von diesem Gefühl kann er selbst feingelleideten Damen gegenüber einen groben Ton an- schlagen. Lauter und immer lauter murrt die Menge..Wir wollen hinauf, die Kaiserin ist ja längst fort."— Auf der Treppe erscheint eine Dame:.Die Kaiserin ist fort, aber der Kronprinz wird noch erwartet".— Das Murren verstummt.— Wenn der Kronprinz er- wartet wird, dann ziemt eS dem loyalen Untertan, in Ehrfurcht er- sterbend am Fuße der Treppe zu verharren, und wenn er auch für seine Marl Eintrittsgeld nichts zu sehen bekommt. So vergeht wieder eine Viertelstunde. Da ruft ein Herr im Zylinder dem die Treppe bewachenden Diener zu:.Sie dal Auf- machen I" Das Seil fällt, die Menge strömt die Treppe hinauf und von Mund zu Munde geht'S: Der Kronprinz kommt nicht.— Schade. Drr Caf6fiskus. Da die Freudenhäuser in Preußen offiziell verboten sind, und der Fiskus aus geschminktem Fleisch keinen Zins ziehen kann, treibt es ihn. auf dein Potsdamer Platz ein Cafshaus zu errichten. Nicht gerade mitten in den Kreuzungspunkt der beiden mächtigen Ver- kebrsadern, die dM Watz schneiden, aber dpch dort, tpo dLreg eine von Süden her einmündet. Direkt vor der Freitreppe zum Potsdamer Hauptbahnhof, mitten zwischen den Zu- gängen zur Untergrund- und zur Wannseebahn: dort, wck heute noch immer der längst nicht mehr benutzte Friedhof umzäunt liegt, soll das Caf6haus stehen, davor Terrassew und Gärten. Ein reizendes Idyll. Es soll im Landhaus- stil gebaut sein, mit Oleandertöpfen und melkbaren Kühen- Man möchte meinen, daß der Fiskus die Akten vertauscht habe. Er wollte gewiß irgendwo im Grunewald oder an der Ostsee ein Sommerhäuschen bauen, und da hat die Registra- tur versehentlich Berlin W. darauf geschrieben. Oder, waS wollte der Fiskus sonst? Vielleicht mit Berlin ein Ge- schästchen machen, daß ihm der tote Kirchhof teuer abgekauft werde. Es muß wohl etwas Derartiges gemeint sein: denn daß das Caf6haus zum„Gackernden Hahn", die Rosenlaube im Zentrum des Berliner Verkehrs, ernstgemeint sei, kann! selbst ein Kenner des fiskalischen Preußen nicht ohne weU teres glauben. Eine Sachverständigenkommission, die sich mit deS Frage beschäftigte, hat sich gegen diese Verunstaltung der Städtebilder ausgesprochen. Mehr Fugendpflege auch für die Mädchen? Bei der Jugendpflege, die von der besitzenden und Herrschendeik Klasse an dem Nachwuchs des arbeitenden Volkes pro- biert wird, hat bisher das Interesse sich hauptsächlich auf die mann« liche Jugend gerichtet. Es war aber vorauszusehen, daß der über- schäumende Jugendpflegetaumel, den Preußens Regierung durch ihre Millionenspende zustande gebracht hat, sehr bald das Verlangen nach mehr Jugendpflege auch für die weibliche Jugend rege machen würde. Wieviel auch an ihr die bürgerlichen Jugend- pflegebestrebungen im stillen bereits gearbeitet haben, das wurde bezüglich des Tätigkeitsgebietes Groß-Berlin in einer Konferenz erörtert, die von dem Jugendpflegeausschuß des Ber- linsr Lehrervereins und des Vereins Berliner Volksschullehrerinnen zusammenberufen worden war.. Die Lehrerschaft Berlins und mehrerer Vororte widmet sich der Jugendpflege schon seit einer Reihe von Jahren. Schon ziemlich lange müht sie sich ab, die schulentlassene Jugend in den sogenannten Jugendklubs festzuhalten, nicht nur die Jungen, sondern auch die Mädchen. Ueber Jugend- klubs für Mädchen sprach in der von Leitern und Leiterinnen solcher Klubs besuchten Konferenz die Berliner Gemeindeschullehrerin Martha Gennrich, die zu den ältesten Mädchenklubleiterinnen gehört. Sie beklagte, daß der jetzt so sehr nach Betätigung drängende Eifer nicht schon viel stüher eingesetzt habe. Inzwischen habe die S o z i a l d e m o k r at i e, die andere Ziele verfolge. einenVor« Sprung gewonnen, aber den müsse man nun weit zu machen suchen. In der bürgerlichen Jugendpflege komme auch jetzt noch die fördernde Teilnahme der Regierung nur der männlichen Jugend zugute, wie wenn die weibliche Jugend, die doch durch die Wirtschaft- liche Etwickelung der letzten Jahrzehnte immer mehr gefährdet werde, nicht gleichfalls Berücksichtigung verdiene. DaS Vaterland brauche mehr als je Mütter, die nicht nur gesunde Kinder zur Welt bringen, sondern sie auch zur Vaterlandstreue und Gottesfurcht erziehen können. Von dem plötzlich erwachten allgemeinen Eifer, sich der männlichen Jugend anzunehmen, er- wartet Rednerin, daß er auch das Interesse für die weibliche Jugend steigern werde. Freilich findet sie es bedenklich, daß jetzt von der Jugendpflege so sehr viel geredet wird. Die Arbeit im stillen, wie sie bisher getrieben wurde, wäre ihr lieber. Sie fürchtet auch, daß die Jugend, weil man ihr zu viel biete, verwöhnt werden könnte. Für die Leiterinnen betonte Fräulein Gennrich, mehr als anderswo komme es hier auf persönliche Fühlung an. Sie schloß mit der Mkhrmng, sich uneigennützig in den Dienst der Fugend zu stellen und ein rechtes Vorbild zu sein. Hierzu wollen wir feststellen, daß Fräulein Gennrich selber nicht mal inmitten der Arbeiterjugend wohnt, der sie in persönlicher Fühlung ein Vorbild sein will. Sie amtiert an der 191. Mädchen-Gemeindeschule in der Görlitzer Straße, wohnt aber in Wilmersdorf. Nachdem die Bekenntnisse dieser Mädchenklubleiterin mit großem Beifall aufgenommen worden waren, sprach der Berliner Gemeindeschullehrer K a i n, der nicht Leiter eines KlubS, aber Mit« glied des Pflegeausschusses ist. Er äußerte Bestiedigung darüber, daß nun auch die Regierung sich der zunächst ohne ihr Zutun be- gonnenen Jugendpflege fördernd annehme. Die Regierung habe sich mit einem Hilferuf an alle verantwortlichen Erzieher deS Volkes gewendet, weil der Staat sich gegen die Unter, grabung seiner Autorität wehren müsse. Diese Fürsorge der Regierung müsse aber auch der weiblichen Jugend, nicht nur der männlichen zuteil werden. Durch die Jugendklubs solle den Mädchen die Familie ersetzt werden, die oft nicht mehy das sei, was sie früher einmal war. Dann kam eine Frau Elise v. Hopffgarten an die Reihö und pries eine allerneueste Gründung, den nach dem Muster deK „Pfadfinderbundes" soeben ins Leben gerufenen„Pfadfinde» r i n n e n b u n d". der an Sonntagen die Mädchen ins Freie führen will. Gemeinsame Spiele von„Mädchen aller Stände" sollen „das soziale Empfinden" stärken, sagte die Rednerin. Doch mußte sie sogleich hinzufügen, Vorsicht sei nötig, weil Mädchen noch schwerer als Knaben sich gewöhnen, mit Kindern anderer Stände zu spielen. Ja, ja, der Klassengegensatz! Auch die ,.Wandervog el"°Sache, über die die Berliner Ge« meindeschullehrerin R ö s ch k o w berichtete, ist schon für Mädchen nutzbar gemacht worden. Bisher haben aber an den Ausflügen sich wenig Kinder von G e m e i n d e schu l e n beteiligt, was Fräulein Röschkow aus den Fahrkosten erklärte, die oft 66 bis 99 Pf. betragen. Sie habe„oft von Gemeindeschulkindern gehört, daß sie sich das nicht leisten können." Das läßt sich denken. In der Diskussion wandte eine Lehrerin Wätzoldt ein, daß am Sonntag die Mädchen vormittags durch den Pfadfinderinnen. bund und abends auch noch durch den Klub zu sehr der Familie entzogen werden würden. Außerdem werde ihnen, wenn man sie am Sonntag wandern lasse, auch die Möglichkeit de» Kirchenbesuchs genommen. Diese Bemerkung wurde von den Versammelten durch Beifall unterstützt. Gegen das Bedenken, daß das Familienleben beeinträchtigt werde, wandten sich mehrere Redner und Rcdnerinnen. Unter ihnen betonte Lehrer Rose au» Tegel, daß man auch die Eltern an sich fesseln müsse, was z. B. durch Unterhaltungsabende zu erreichen sei. Um die„zer- setzenden Einflüsse" zu bekämpfen, will er auch eine ihm geeignet sch�WÄe Lektüre!hinxinhringeg» Elwas Wasser goß in den Wein dieser Begeisterung der Berliner Gemeindeschulrektor Z e I l m e r, der seit sieben Jahren einen Jugendklub für Mädchen hat. Gerade d i e Kinder, die wir— so sagte er— haben möchten, kriegen wir nich�t l Auch er wünschte, daß von den Jugendklubs möglichst wenig geredet würde. Kreisschulinspektor Häusler wieS hin auf die Schädigung der bisher von der Kirche und andererseits von den Turnern betriebenen Jugendpflege durch die sich plötzlich mehrenden Jugendklubs und empfahl gemeinsame? Vorgehen. Bitter sei ihm von kirchlicher Seite gesagt worden, jetzt solle wohl die Schule den Karren aus dem Dreck ziehen. Wenig hoffnungsvoll klang auch, was der Berliner Gemeinde- schulrektor Günther über die den Jugendklubs drohenden Schwierigkeiten sagte. Die Mädchen seien schon durch ihre Erwerbs- tätigkeit überlange in Anspruch genommen; die Hauptschwierigkeit sei aber der Wider st and derFamilien. Schon habe der„Vor- wärt?" die Eltern gewarnt, und vielleicht werde man erleben, daß es zu einem StreikderJugendlichen gegen die Jugendklubs komme. Daß die Jugendpflege jetzt bei den Reichen und sogar bei den Ofsizieren so viel Teilnahme findet, freut den Rektor Günther, weil er nach diesem„Schwinden des bisherigen Vorurteils gegen das Volk" eine bessere Würdigung auch der Volksschule erwartet. Die Klage, daß die Arbeiterfamilien vor den Jugendklubs gewarnt werden, wurde unterstützt von Fräu- lein S t e i n i ck, der Vorsitzenden des Verein? Berliner VolkSschul- lehrerinnen. Seien doch ganz planmäßig„sogar Flug- b l ä t t e r" zu diesem Zweck verbreitet worden.„Und die 23 V e r- sammlungen l" fügte ein entrüsteter Zuhörer hinzu. AuS der weiteren Diskussion, die sich noch geraume Zeit hinzog, seien hier nur noch zwei Proben wiedergegeben. Die Lehrerin K u h l k e will durch die Klubs die Mädchen auch dazu bringen, sich zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Wir müssen, sagte sie, sie hieran gewöhnen, sonst werden sie von anderer Seite hineingezogen. Wird das nicht als ein Mißbrauch der Jugendklubs zu„politischen" Zwecken angesehen wer- den? Ja, wenn es Unternehmungen von Sozialdemokraten wären! Eine andere Lehrerin rühmte die Bedeutung der Mutter. abende für das Gedeihen der Jugendklubs. Sie teilte mit, daß nach ihren Erfahrungen da, wo man Mutterabende habe, auch die Fugen dklubs Anklang finden.„W ir brauchen die Mütter!" rief sie aus. Hoffentlich werden die Mütter aus der Arbeiterklasse erkennen, wozu sie gebraucht werden. Man sieht jetzt mit aller nur wün- schenSwerten Deutlichkeit, in welchen Bahnen die Lehrer- schaftsichbewegt. Daß sie von allen diesen Bemühungen nicht viel Freude hat, dafür werden die Väter und Mütter der Arbeiter- familien sorgen. Ne werden ihre Töchrer wie ihre Söhne zu be- wahren wissen vor jeder von dort kommenden Beeinflussung, deren Wirkung die sein müßte, die Kinder den Eltern zu entfremden. Mütter und Väter, hütet Eure Kinder, schützt sie vor der Jugendpflege der besitzenden und Herr- schendenKlasse! An unsere Abonnenten. Wir bitten diejenigen unserer Abonnenten, die ihre Wohnung wechseln, dies rechtzeitig dem Spediteur oder der Botenfrau schriftlich unter genauer Angabe der neuen Wohnung mitzuteilen, damit in der Zu- ftellung des„Vorwärts" keine Unterbrechung eintritt. Die Hauptexpedition. Zur Errichtung de» Hagenbeckschen Tierparks in der Jungfern» Heide will der Berliner Magistrat«ine Million al» Darlehen geben, das hinter einer fiskalischen Hypothek eingetragen werden soll. ' DaS Geld soll unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen hergegeben werden, zunächst, daß bei mäßigen Eintrittspreisen auch dem Erholungs- und Bildungsbedürfnis der großen Menge Rech- nung getragen wird; daß der Tierpark innerhalb vier Jahren er- öffnet wird; daß dies Darlehen mit 4 Proz. verzinst wird; daß den Zöglingen aller städtischen Anstalten der Eintritt für 10 Pf.(ein- schließlich der geplanten größeren Schaustellungen) gestattet wird; daß der Stadt eine Beteiligung am Gewinn garantiert wird, falls eine spekulative Ausnutzung de? Unternehmens erfolgt. In diesem Falle soll Berlin nach IL Jahren IS Proz. deS Gewinns erhalten. Zur Bedingung ist ferner gemacht, daß die Jungfernheide, einschließ- lich deS Tierparks, nach Berlin umgemeindet wird. Unseres Wissens ist die Eingemeindung Plötzensees nach Berlin beschlossene Sache. DU Genehmigung des Hagenbeckschen Tier- parkS auf dem Terrain hatte Hagenbeck schon in der Tasche, als die Eingemeindung erfolgte. Berlin hatte da nichts mehr hineinzu- reden, nicht einmal darüber hatte es etwas zu sagen, auf welcher Stelle der Park errichtet werden soll. Hagendeck erfreut sich be- kanntlich der Fürsprache des Kaisers. Man darf es wohl auch auf diesen Umstand zurückführen, wenn der Staat zu dem Unternehmen Geld gibt und wenn nun die Stadt Berlin auch noch in den Beutel greift und hilft. Ter verschwundene Taubstumme, über den wir in Nr. 68 berich- teten, ist inzwischen zu seinen Angehörigen zurückgekehrt. Noch am Abend desselben Tage», an dem wir über das Verschwinden dieses Mannes, des Arbeiters Paul Krause, eine Notiz ver- öffentlicht hatten, fand ei sich in seiner Wohnung bei seinem Schwager Janicke(Kameruner Stragc 18) wieder ein. Krause selber kann unsere Notiz nicht gelesen haben, denn er vermag weder zu lesen noch zu schreiben. Auch eine andere Person kann ihm den Inhalt nicht mitgeteilt haben, denn Krause kennt nicht die übliche Taubstummensprache und nur seine nächsten Angehörigen wissen sich mit ihm zu verständigen. ES ist also, muß man an- nehmen, ein Zufall, daß Krause sofort nach Veröffentlichung unserer Notiz heimgekehrt ist. Die Kleidung, die er angehabt hatte, als ihn 14 Tage vorher die Polizei aus der Wohnung seines Schwagers herausholte, war jetzt beschmutzt und arg z e r- rissen, und der Hut fehlte. Krause hatte an den Handgelenken und auf den Handrücken sowie auf der Nase und an einem Ohr und an der Hinterseite des Halses Abschürfungen, die nicht mehr frisch waren. Er gab zu verstehen, daß er geschlagen worden sei. DaS Pergamentpapier mit seiner Adresse, das Frau Janicke ihm innen an seine Joppe angenäht hatte, war verschwunden. Krause wurde von ihr dahin verstanden, daß eS ihm abgerissen worden sei. In seinem Besitz fand sich jetzt ein Stück Brot und ein Tassenkopf. Rätselhaft ist, wo er inzwischen geweilt haben mag. Am zweiten Tage nach seiner Sistierung hatte man dem Vater auf dem Polizeipräsidium zunächst gesagt, der Sohn sei schon an das Untersuchungsgefängnis abgeliefert worden. Als aber diese Angabe sich als unzutreffend herausgestellt hatte, wurde eine Woche später dem Vater auf dem Polizeipräsidium die Aus- kunft gegeben, der Sohn sei schon am Tage nach seiner Sistierung wieder entlassen worden. Von dieser Eni- lassung an hat eS dann b i« zu seiner Heimkehr noch 12 Tage gedauert. Geld hatte Krause nicht bei sich, als er sistiert wurde. Wovon er inzwischen gelebt hat, ist unklar. Er gibt an, er habe Holz gesägt, aber kein Geld erhalten. Sonst pflegte er an der Zentralmarkthalle allnächtlich seinen Stand' ein- zunehmen, um sich gegen ein paar Nickel den Handlern nützlich zu machen. Man muß vermuten, daß er in dreser ganzen Zeit von dort weggeblieben ist. Ein Schankwirt, bei dem er sonst jeden Morgen nach Beendigung der Arbeit eine Tasse Kaffee trank, hat ihn die zwei Wochen hindurch nicht gesehen. Interessant ist. daß Krause, sowie er zu Hause eingetroffen war, zu verstehen gab. er werde am anderen Morgen in der Frühe wieder zur Markthalle gehen. Es scheint, daß er tatsächlich in der ganzen Zeit semes Fernbleibens gehindert war, diesem Erwerb nachzugehen. Den Taubstummen hierüber mit Erfolg zu befragen, ist sehr schwer, weil er nur ganz bestimmte Begriffe auezudrücken vermag. Eine peinliche Verwechselung ist dieser Tage im Virchow-Kran- kenhause passiert. Der Sattler G. aus der Neuen Hochstraße hatte am 6. März sein 2� Jahre altes Söhnchen ins Krankenhaus ge- bracht. Am Dienstag abend erhielt er durch einen Boten des Krankenhauses die Nachricht, daß der Knabe am Abend zuvor ge- storben sei. Die Eltern hegaben sich alsbald nach dem Krankenhause, um den zur Beerdigung erforderlichen Totenschein in Empfang zu nehmen. Der diensttuende Beamte konnte den Schein aber nicht inden und nach längerem vergeblichen Suchen stellte es sich heraus, aß ein solcher für einen 2�j(ihrigen Knaben Paul Gast gar nicht existierte, daß vielmehr ein anderer Patient gleichen Namens, ein 7gjähriger Wilhelm Gast, gestorben war. Durch ein„Versehen" waren in die Benachrichtigung von dem Ableben des Greises Alter und Vorname des Knaben eingetragen, und die Mitteilung dann statt an die Hinterbliebenen des Toten an die Eltern des Kindes adressiert worden. Die Verzweiflung schlug nun hell in jähe Freude um, als sie ihr Kind fast völlig wiederhergestellt gleich in Empfang nehmen konnten. Und auf dem Weg nach dem Krankenhaus hatten die Eltern schon erwogen, ob sie nicht gleich ein Särglein mitbringen sollten. Em schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern in der Oranien- straße 73. Dort waren Arbeiter einer Schilderfirma mit dem An- dringen eines GcfchäftsschildeS beschäftigt. Dabei stürzte der Ar- heiter Reinhold, in Baumschulenweg wohnhaft, rücklings von der Leiter und blieb blutüberströmt liegen. Er wurde nach einem Krankenhause gebracht. In voller Uniform aus dem Wasser gelandet wurde gestern' vor- mittag die Leiche eines Schutztruppensoldaten. Der Ertrunkene, der ein Taschentuch lose um den Hals geknüpft hatte, wurde fest- gestellt als der Gefreite Robert Gartmann von der 9. Kompagnie der Schutztruppe für Südwestafrika. Ob der Ertrunkene hierher kommandiert oder beurlaubt war, weiß man noch nicht, ebensowenig auch, ob ein Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt. Der tote Gefreite hatte den Säbel umgeschnallt. eS fehlte nur die Kopf- bedeckung. Die Leiche wurde nach dem Garnisonlazarett in Tempel- Hof gebracht. Schon wieder wird uns der Selbstmord eines Zwölfjährigen gemeldet. In der vergangenen Nacht erhängte sich der Schüler Ernst Reinhardt, der Sohn des Gastwirts R. aus der Bellermannstr. 81o. Der Knabe hatte sich eines kleinen Vergehens schuldig gemacht und er befürchtete, dafür vom Vater hart bestraft zu werden. In seiner Angst beging er Selbstmord. Während die Eltern vorn im Schank- lokal die Gäste bedienten, schloß sich der lebensmüde Knabe im Wohnzimmer ein und erhängte sich am Bettpfosten. Als einige Zeit darauf die Mutter nach der Stube wollte und dies« verschlossen vor- fand, schöpfte man Verdacht und ließ die Tür gewaltsam öffnen.' Zum Entsetzen der Eltern fand man nun den Knaben tot auf. Ein hinzugerufener Arzt vermochte nichts mehr auszurichten. Zusammengebrochen ist die Zigarettensirma Koghen. Der In- Haber der Firma ist seit einigen Tagen verschwunden. Die Passiven betragen nach vorläufiger Schätzung 1 209 000 M., denen so gut wie gar keine Aktiven gegenüberstehen. Ein geheimnisvoller Leichenfnnd beschäftigt seit gestern Morgen die Schöneberger Kriminalpolizei. Gegen 6 Uhr fand ein Kutscher der Firma Köhn in der Rudolstädterstraße, die einen Teil der früheren Ringbahnstraße bildet, auf dem Bürgersteig nahe dem Holzzaun, der den Lagerplatz der Firma Köhn umfriedet, den Leich- nam eines jungen Mädchens im Blute schwimmend auf. Der Kutscher benachrichtigte unverzüglich da» 8. Polizeirevier, dessen Vorsteher nach Prüfung der Sachlage die Mordkommission alarmierte. In kurzer Zeit erschienen der Vorsteher der Schöne- berger Kriminalpolizei, Steinmetz, mit den Kommissaren Sanders und Schmidt. Auch der Vertreter d«S Polizeipräsidenten v. Lüdinghausen, Regierungsrat v. Le Coq, begab sich auf die Meldung hin sofort an den Tatort. Die Ermittelungen, die sich sehr schwierig gestalteten, konnten bis zur Stunde noch kein ganz genaue» Re- sultat erzielen. Die Tote zeigt in der linken Schläfe ein« Schuß. wunde. Die Kugel hat die hintere Schädeldecke durchschlagen und ist dann in den Bretterzaun«ingedrungen. B»i der Leiche wurde ein mit fünf Kugeln geladener Revolver gefunden. Die Tote, die keinerlei Papiere bei sich führte, gehört offenbar den besseren Ständen an. Sie ist 1,70 Meter groß, hat blonde Haare und trug einen dunkelblauen Rock und Tmlle, sowie«in schwarz-weiß ge- musterteS Jackett. In der Tasche fand man ein Schlüsselbund mit zwei Schlüsseln für Schubschlösser. Bisher gelang es noch nicht fest. zustellen, wer die Tote ist. Für die Annahme, daß ein Selbstmord vorliegt, spricht der Umstand, daß di« rechte Hand den Revolver fest umklammert hielt. Außerdem zeigt die Richtung des Schußkanals, daß die Kugel von der rechten Schläfe aus in der Richtung nach oben durch den Hinterkopf wieder hinausführt, woraus hervorgeht, daß der Schuß in allernächster Nähe adgeieuert worden ist. DaS Haar an den Schläfen ist etwa» versengt, folglich muhte die Unbe- kannte aller Wahrscheinlichkeit nach die Tat selbst ausgeführt haben. Nach einer weiteren Mitteilung liegt zweifellos Selbstmord vor. Die Aufgefundene ist als das 25 Jahre alte, aus Klein-Wanzleben gebürtige Dienstmädchen Margarete Rosenberg festgestellt worden. daS bei einer Rentiere in der Auguste-Viktoria-Straße zu Schmargen- dorf beschäftigt war. DaS Mädchen unterhielt seit einiger Zeit ein Verhältnis mit einem Mechaniker. Weil ihr Geliebter zuletzt wenig Arbeit hatte, unterstützte sie ihn. so viel fie konnte. Um so schmerz. licher war eS für sie, als sie jetzt erfuhr, daß dieser ihre Opfer- Willigkeit nicht zu schätzen wußte, sondern eine Liebschaft neben ihr hatte. Seitdem sie dies gehört hatte, war fie sehr niedergeschlagen und ohne Zweifel hat dieser LiebeSgram ihr auch die Waffe in die Hand gedrückt. Ein tödlicher Automvbilunfall ereignete sich am Freitagabend im Osten Berlins. Gegen �8 Uhr verließ ein unbekannte» etwa 23jährig«S Mädchen in der Ebertystraße«inen haltenden Wagen der städtischen Straßenbahnlinie Görlitzer Bahnhof— Rudolf-Virchow» Krankenhaus und wollte sich nach dem Bürgersterg begeben, als ein Droschkenautomobil herannahte. Der Chauffeur vermochte den Kraftwagen nicht mehr rechtzeitig zum Stehen zu bringen, da» Mädchen wurde umgerissen und geriet unter das Auto, dessen Räder über die Unglücklich hinweggingen. Die Verunglückt« trug einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen davon. Nach Anle- gung von Notverbänden auf der Unfallstatlon in der Warschauer- straße sollte die Sehwerverletzte nach dem Krankenhause Friedrichs- Hain üoerführt werden, starb aber bereit» auf dem Transport dort- hin. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Perso- nalien des Mädchens, das anscheinend dem Arbeiterstande ange. hört, konnten bisher noch nicht festgestellt werden. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich am Sonnabend- nachmittag gegen 2 Uhr vor dem Haust Langestr. 32. Dort spielte daS vierjährige Töchterchen Klara des im obengenannten Hause wohnen- den ScbneiderS Böttcher auf dem Fahrdamm. DaS Kind bemerkte nicht, daß eine«utodroschke herannahte. Die lleine B. wurde zu Boden gerissen und vom rechten Borderrad überfahren. DaS Kind wurde nach der Unfallstation am Grünen Weg übergeführt, wo der Arzt eine schwere Verlesung de« Unterleibes, innere Verletzungen sowie einen Bruch de« linken Oberschenkel« konstatierte. Die Kleine wurde dann nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. BrtriebS-Erweiterung. Die Konsumgenossenschast Berlin und Umgegend hat mit dem heutigen Tage ihre zweite Bäckerei in Betrieb genommen. Als im April v. I. die Betrieb« eröffnet wurden, war allgemein die Auf- ässung vertreten, daß damit den Anforderungen, welche an die Konsumgenossenschaft gestellt werden, für eine längere Zeit voll- tändig genügt werden könnte. Die Entwicklung ging jedoch schneller vor sich als damals die größten Optimisten annahmen und schon nach wenigen Monaten stellte sich heraus, daß die Leistungsfähig- keit des Betriebes vollständig ausgenutzt würde. Es mußte deshalb ür die kommende Zeit auf Ersatz Bedacht genommen werden. Im Herbst wurden für die Bäckerei und das Zentrallager Erweite- rungSbaute-n in Angriff genommen, die jetzt so weit fertig sind, daß die Bäckerei in Betrieb gefegt werden kann. An ewigen Zahlen wollen wir unseren Lesern dce Entwicklung de» Bäckerei-Betriebes vor Augen führen: Im EröffnungSmonat— April 1911— wurden für 46 046 M. Brot und Backwaren hergestellt. Im Mai betrug der Umsatz schon 80 000 M.. im Februar d. I. 152 963 M. Im laufenden Monat wird der Umsatz noch etwas höher fem; damit wäre aber dann die Höchstgrenze der Leistungsfähigkeit er- reicht und könnten weitere Anforderungen nicht befriedigt werden, wenn jetzt nicht die zweite Bäckerei in Betrieb gesetzt würde. Seit Eröffnung der Bäckerei wurden für 1189523 Ma r k Brot und Backwaren hergestellt. Nunmehr stehen stir die Brot-Produktion 18 Doppelauszugöfen zur Verfügung. Für Konditoreiwaren werden außerdem in den nächsten Tagen noch einige Oefen aufgestellt, so daß dann die Mitglieder der Konsumgenossenschaft auch diese Waren aus ihren eigenen Betrieben beziehen können. In der Bäckerei werden zurzeit dauernd 42 Personen beschäftigt, außerdem jede Woche 20 Aushilfen. Gearbeitet wird in orei Schichten zu je acht Stunden. Zur Beförderung der Backwaren von der Zentrale nach den einzelnen Verkaufsstellen stehen sechs Automobile zur Ver- fügung. Am vorigen Sonntag fand eine Besichtigung der gesamten Be- triebsanlagen statt. Gegen 3000 Personen fanden sich ein die sich allgemein anerkennend über die Einrichtungen aussprachen und Förderung des Unternehmens gelobten. Ein Teil der Besucher wurde fosort im Kontor Mitglied der Genossenschaft, andere er- klärten ihren Beitritt im Laufe der Woche in den Äerkaufsstellen. Tie Versammlung des Verbandes der Laubenkolonien Berlins und Umgegend in den Sophien-Sälen Sophienftr. 18, beschloß, nach Anhörung des Lichtbilder-Vortragcs oeS Herrn Dr. Werner Hege- mann, nachstehende Resolution:„Die am 21. März 1912 in den Sophien-Sälen von zirka 1000 Personen besuchte Versammlung deS „Verbandes der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend" schließt sich den Ausführungen des Referenten Herrn Dr. Werner Hege- mann an. Sie erachtet es für nötig: 1. daß der in Groß-Berlin durchgeführten verhängnisvollen Trennung zwischen Wohnung und Hausgarten m Zukunft durch geeignete Bebauungspläne und Bodenpolitik entgegengearbeitet wird, 2. daß, solange das Ziel der Bereinigung von Wohnung und Hausgarteu nicht erreicht ist, durch Bereitstellung sticht erreichbaren Laubenkolonie-LandeS zu billigen Bedingungen und durch ausreichend« Spiel- und Sportplätze der Lusthunger der Groß-Berliner Bevölkerung befriedigt wird. Die Versammlung erwartet vom Zweckverband und den Kommunen Grotz-BerlinS, daß diese Forderungen anerkannt, aber auch erfüllt werden." Oeffenttiche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstraße 41. Geöffnet werktäglich von 5>4— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— 1 und 3— 6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 557 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Fünftes Berliner SechStage-Rennen vom 22. bis 28. März im Sportpalast, Potsdamer Straße. Auch diese Veranstaltung hat, wie alle seine Vorgänger,«ine nicht besonders erfreuliche Vorgeschichte. Schon im Januar geplant, wurde der Termin immer wieder ver- schoben und noch in den letzten Tagen war das Schicksal deS Rennen? unentschieden, da der Verband deutscher Radrennbahnen wiederum ein Verbot erließ und sich streng« an seine Statuten hielt. Gegen den Hauptteilnehmer des Rennen», Rütt, war Dis- qualistkation bis zum 23. März verhängt und wegen der fehlenden 24 Stunden droh:e die ganze Sache zu scheitern; doch konnte in letzter Stunde eine Einigung erzielt werden, so daß auch dieses Rennen seinen Anfang nehmen kann. Al» Teilnehmer sind 16 Paare zugelassen, die zum Teil aus alten Sechstage-Fahrern be- stehen, ja sogar erst vor ein paar Wochen ein solches in Brüssel bezw. Dresden beendet haben, lomst also den Beweis erbringen, daß ein SechStage-Rennen nicht diese übermenschliche Leistung sein kann, als welche sie von den Anhängern dargestellt wird. Da» Haupt- interesse der Besucher und Sportenthusiasten gilt den Mannschaften Rütt-Stol, Saldow-Lorenz und Moran-Root, die als Favoriten gefeiert und von ihrem Anhang als Sieger bezeichnet werden.— Die Bahn hat eine Länge von 166)4 Meter und scheint ßut fahr- bar zu sein. Nach der Vorstellung der Paare und«lner Be- grüßungsrunde begann um 12 Uhr nacht? da? Rennen. Der Anfang des Rennens war in bezug auf die Schnelligkeit der Bahn und die gute Zusammensetzung der Paare recht Viewer- sprechend. Ein flottes Temoo brachte die bisherigen Rekorde zu Fall.— Ueber den Verlauf oeS Rennen» werden wir am Schluß- tage einen weiteren Bericht geben. Gartenstadtsiedelung bei Berlin. Den Bemühungen der Deut- fchen Gartenstadt-Gesellfchaft ist eS endlich gelungen, alle Bedin- gungen für ein gemeinnütziges Gartenstadtunternehmen in un- mittelbarer Nähe Berlin» zu schaffen. TS ist daS Gut Falkenberg, dicht am Bahnhof Grünau, durch Option zu sehr günstigen Bedin- gungen gesichert worden. Ein Teil davon lst gleich fest gekaust worden, und eS soll noch in diesem Jahre in Genossenschaftsregie mit Einfamilienhäusern überbaut werden. Der Bebauungsplan. der die sehr verschiedenen Niveauverhältnisse deS Geländes in tech- nischer wie ästhetischer Beziehung geschickt ausnutzt und Wohnviertel für alle Bedürfnisse schafft, stammt vom Architekten HanS Ber- noulli. ES ist gedacht, genossenschaftliche MietSwohnungen, sowie Eigenbesitz unier Ausschluß von Spekulation zu scharfen. Anfragen beantwortet die Geschäftsstelle in Berlin-Schlachlenfee. An unsere Abonnenten! Am Dienstag, den 26. März, verleaen wir unsere Zeitungöspedition von der Etetttner Straße 10 nach der Bastianstr. 6. im Laden. Di« Hauptexpedition. Wer ist der Tote? DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 20. d. MtS. wurde am Mühlendammwehr die Leiche eines etwa sechzig Jahre alten ManneS gelandet. Er ist etwa 1,70 Meter groß. untersetzt, hat graueS Haar und ergrauten Vollbart, und war be- kleidet mit schwarzem Jackett, blaugestreiftem Sweater, zwei grauen Hosen, gelblichem wollenen Hemde und Unterhosen, grauen Strümpfen, Schnür, und Gummischuhen. Die Holen waren mit einem Strick um den Leib befestigt. Der Tote, der offenbar dem Arbeiterstande angehörte, hat mehrere Monate im Wasser gelegen. Die Leiche befindet sich im Schauhaus«, Hannoverschestraße 6. Arbciter-BilbungSschule. Der am 1. April fällige Unterricht in NaiurerkenntniS wird bereit« am 26. März abgehalten. Der am 17. März ausgefallene Unterricht in Rednerschule wird am 2. April nachgeholt. Zeugen, die gesehen haben, wie am 29. Februar, abend» 6'/� Uhr. auf dem Moritzplatz ein Radfahrer von der Straßenbahn. Linie 47. umgestoßen wurde, insbesondere der Droschkenführer, der Augenzeuge war. werden gebeten, ihre Adresse an Paul Stephan. Neukölln, Warthestt. 64, abzugeben. Verloren gegangen ist am Donnerstagabend eine Abrechnung für Arbeiterjugend und ein Wildlederbeutel mit 56,40 M. Inhalt entweder in der Andreasstraße oder in der Frankfurter Straße. Verlierer ist für Schaden haftbar. Der Finder wird um Abgabe im Jugendheim, Gr. Frankfurter Str. 126, gebeten. Vorort- JN aebriebtem Lichtenberg. Stadtverordnetensitzung. Schon bor Jahren ist von unseren Genossen beantragt. worden, ein OrtSstatut betreffend die K ra n k e n ve rs ich e r u n gSp f licht der Hausgewerbe» treibenden zu erlassen; eS sind auch bereit» von der Stadt. verordnetenverfammlung dahingehende Beschlüsse gefaßt worden, wonach der Magistrat ersucht wird, eine Vorlage zu machen. Trotz» dem ist diese besonders stir die weibliche Bevölkerung so außer- ordentlich wichtige Angelegenheit verschleppt worden� bis endlich jetzt durch die bevorstehende- Eingemeindung Rummels'burgs es sich notwendig macht, zu dieser Sache erneut Stellung zu nehmen, da « Rummelsburg ein derartiges Statut bereits seit Jahren befitzt. In der letzten Sitzung sollte nun zu einer Vorlage des Magistrats auf Erlaß eines Ortsstatuts betreffend Ausdehnung der Kranken- Versicherungspflicht auf die Hausgewerbetreibenden Stellung ge- nommen �werden. Damit endlich diese wichtige Angelegenheit er- ledigt würde, beantragte Genosie S e i k e l namens unserer Ge» nossen, der Vorlage sofort zuzustimmen, um so mehr, da dieselbe wörtlich dem in Rummelsburg eingeführten Ortsstatut entspricht; hinzu kommt noch, daß mit Inkrafttreten der neuen Reichs- versicherungsordnung, voraussichtlich am 1. Januar 1813, ja doch eine vollständige Neuregelung des Statut? erforderlich ist. Die bürgerlichen Herren hielten sonderbarerweise jetzt auf einmal eine eingehet�e Beratung für notwendig und so wurde die Vorlage der sozialen Kommission überwiesen. Die bereits schon einmal abgelehnte Benennung der hiesigen höheren Mädchenschule mit Cäcilienschule wurde diesmal� auf erneuten Antrag des Magistrats, nachdem von unseren Genossen auf das byzantinische Gebaren der Herren hin- gewiesen worden war, von den Bürgerlichen einstimmig beschlossen. Da inzwischen die Schule durch Erlaß auch noch die Bezeichnung „Lyzeum' erhalten hat, so besitzt Lichtenberg jetzt, wenn auch keine Volksbadeanstalt und keine Säuglings- f ü r s o r g e. so doch aber ein„C ä c i l i e n- L y z e u m".— Alsdann wurde in die Etatsberatung eingetreten. Von unseren Ge- nossen wurde mit Rücksicht darauf, daß der vorliegende Etat nur ein Provisorium bis zu der vollzogenen Vereinigung Lichtenbergs mit Rummelsburg bedeute und ja alsdann sowieso ein neuer Etat aufgestellt werden müßte, sowie ferner, daß wir auf alle unsere bisherigen Arbeiterforderungen bis zu diesem Zeitpunkt- vertröstet worden sind, von der Stellung einer großen Anzahl notwendiger Anträge Abstand genommen. Die Einkommensteuer ist, trotzdem der Magistrat 118 Proz. beantragt hatte, auf 180 Proz. festgesetzt. Genosse D ü w e I l beantragte, die unteren Normalsteuersätze von 4 M., welche mit 1b888 M. eingesetzt sind, nicht zu erheben, da davon gerade die Aermsten mit am meisten getroffen würden. Er wies nach, daß die Stadt sowieso schon die ärmere Bevölkerung zugunsten der bessersituiertcn benachteilige� was beispielsweise so recht auffallend bei den Zuwendungen für die Schulen zutage trete. Während für eine höhere Tochter 168 M. Zuschuß gezahlt werden, kostet der Stadt ein Schüler des Ghm- nasiumS gar 192 M., dagegen werden für den Volks- schüler nur 81,5 SN. gezahlt. Trotzdem wurde der Antrag von den Bürgerlichen geschlossen abgelehnt. Wie Herr Schachtel angab, sind die Steuern ein gutes Erziehungsmittel und folge- dessen könne man auch auf diese geringen Steuern nicht verzichten. Wähvend hier auf die 15 888 M. nicht verzichtet werden konnte, zeigten die Herren Hausbesitzer beim Kanalisationsetat, wie man in uneigennütziger Weise seinen eigenen Geldbeutel füllen kann. Der Beschluß der Etatskommission," wonach die Abgaben für die Röckner-Rotheschen Kanalisation 2?� Proz. und für die Berliner Schwemmkanalisation auf 2 Proz. festgesetzt werden sollten, wurde auf Antrag des Herrn Rott umgestoßen und dafür 2� Proz. beziehungsweise 1% Proz. Abgaben eingestellt, was, in Zahlen aus. gedrückt, zusammen ein Geschenk von 28880 M. an die notleidenden Hausbesitzer bedeutet. Nach einem solchen die Mehrheit der Bevölkerung geradezu provozierenden Beschluß beschlossen unsere Genossen, durch geschlossenes, demonstratives Verlassen der Sitzung die reaktionären Hausagrarier nebst ihrem würdigen Anhang unter sich zu lassen und damit die Beschluß. Unfähigkeit herbeizuführen. Während des Abzuges der 15 Mit- glieder zählenden sozialdemokratischen Fraktion hatte Genosse Düwell die Beschlußfähigkeit der Versammlung angezweifelt; es wurde außerdem festgestellt, daß ein Drittel der Bürgerlichen die Wahrung ihrer Interessen in guten Händen wußten und darum der Sitzung ferngeblieben war. Der Herr Bankdirektor P l o n z, der gegen den Willen einer recht beträchtlichen Minderheit auch in diesem Jahre als Stadwerordnctenvorsteher fungiert, nahm sich nun der bedrängten„Getreuen" väterlich an. Anstatt der Ge- . schäftsordnung entsprechend die Verhandlungen abzubrechen, „Murden nunmehr Boten und Telephon in Bewegung gesetzt, um aus der Zahl der Säumigen so viele Herren zu holen, bis die Zahl 25 erreicht war, und dann wurde nach einem kräftigen Imbiß die schwere Arbeit einfach wieder aufgenommen. Was kümmert den braven und unparteiischen Herrn Stadtverordnetenvorsteher auch die Geschäftsordnung; will er denn nichts anderes fein als der Geschäftsführer der— Hausbesitzermajorität? Ueber die Gültigkeit der Beschlüsse werden unsere Genossen den Herren die nötige Information erteilen. Neukölln fRixdorf). Die EratSberatnugen der Stadtverordnetenversammlung finden am Montag. Dienstag. Donnerstag und Freitag nächster Wockie» von nachmittags 5 Uhr an im Rathause, Berliner Str. 63, statt. Am Mittwoch, den 27. März, abends 8 Uhr, findet der Licht- bildervortrag des JugendauSfchusseS bei Bartsch, früher Hoppe, Hermannftr. 48, statt. Schriftsteller M. Baege spricht über:„Unsere heutige Kennwis vom Ursprung des Menschen". Eintritt für Er- Wachsens 28 Pf., für Jugendliche unter 18 Jahren 18 Pf. Karten für Erwachsene sind bei den Zahlabendleitern, für Jugendliche im Jugendheim, Jdealpassage, erhältlich. Die Parteigenossen und-Ge- nossinnen wollen sich recht zahlreich an dieser Veranstaltung be- teiligen. Steglitz. Eine erschütternde Tragödie hat sich am gestrigen Sonnabend- nachmittag in der Leichenhalle des Steglitzer Friedhofe? vor den Augen vieler Hunderter von Leidtragenden abgespielt. Am ver- gangenen Montag hatte fich das 18 jährige Dienstmädchen Martha Stachowsky in der Wohnung ihrer Dienstherrschast vergiftet. Bei der Leiche wurde ein Zettel folgenden Inhalts gefunden: Jck> gehe in den Tod, weil mich mein Bräutigam, der Goltzstr. 33 wohnt, treu- los verlassen hat. Das junge bescheidene Mädchen war in der Nach- barschaft sehr beliebt, und so hatte fich am gestrigen Nachmittag ein großes Trauergefolge auf dem obengenannten Friedhofe eingefunden, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Als die Trauer« feier eben beginnen sollte und der Geistliche nach dem Altar schritt, durchbrach plötzlich ein gutgekleideter junger Mann die Menge. Mit den Worten„Hier ist mein Platz, bei ihr will ich sterben", zog der Fremde einen Revolver und schoß sich vor den Augen der entsetzten Zuschauer eine Kugel durch den Kopf. Di» nunmehr sich abspielende Panik war kaum zu beschreiben. Mehrere Frauen fielen in Weiw kämpfe und Ohnmacht, viele andere rannten hilferufend auS der Leichenhalle. Nur mit Mühe gelang eS, die Menge zu beruhigen und dann schickte man sich an, dem Selbstmörder Hilfe zu bringen. Dies war jedoch vergeblich. Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte nur noch den eingettetenen Tod konstatieren. In dem Lebensmüden wurde der 26 jährige Dachdecker Franke. Goltzstraße 83 wohnhaft, ermittelt. Es war dies der Geliebte des jungen Mädchens, der sie verlassen und dann wohl auS Reue über den Tod der von ihm Ver schmähten sich das Leben genommen hat. Tempelhof-Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. DaS Gewerbe- und da? Kauf- mannSgericht, welche auf Drängen der Regierung errichtet werden mutzten, haben dadurch eine Verzögerung erfahren, daß der Bezirksausschuß daS OrtSstawt nicht genehmigt hat. Einige Para. graphen lagen zur Aenderung vor. Der Herr Syndikus empfahl, den Beschwerdeweg nicht zu betreten, da sonst die Errichtung zu weit hinausgeschoben würde.— Ein alter Zankapfel, die Vergebung der Arbeiten zur Ausführung der Hausanschlüsse an die Kanalisation, bot dem Genossen Schmidt Gelegenheit, der Gemeinde zu empfehlen, die Arbeiten in eigene Regie zu übernehmen. Da? Anlagekapital sei gering und obendrein könne die Gemeinde etwa? verdienen. DaS ganze Verfahren verursache eine Aufregung unter den beteiligten Handwerkern. Der Vorsteher versprach, in eine Prüfung der von unserem Redner gegebenen Anregungen einzutreten. Für dieses Jahr müsse allerdings der mindeftfordernden Mariend orfer Firma der Zuschlag erteilt werden. In demselben Augenblick, wo er eine Tempelhofer Firma, die etwas teuere Preise habe, begünstige, schädige er hundert andere Tempelhofer Bürger, die Anschlüsse brauchen. Wünschenswert wäre, wenn dieser Gedanke deS Bürger- meisters in vielen anderen Fällen zum Durchbruch käme.— Auf dem Grundstück der Gebr. Schneider, Lokal„Zum Kurfürsten", welches für die Arbeiterschaft gesperrt ist, wird eine Badeanstalt er- richtet. Dem Pächter derselben soll gestattet werden. 2888 Kubik- meter Wasser freien Abschluß zu gewähren. Für ärmere Leute Freibäder zu gewähren, habe sich nicht erreichen lassen.— 088 M. wurden für die Errichtung eines Materialschuppens auf dem Felde bewilligt.— Die Moltkestratze, zwischen Metzplatz und Friedrich- Wilhelmstratze wird zu beiden Seiten Rasenstreifen erhalten. Ge- noffe Schmidt wünschte die Verlängerung derselben bis zum Hafen. — Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Festsetzung der Lohnsätze der Gemerndearbeiter. Mit einer Er« höhung des TagelohneS um 25 Pf. glaubte dt« Verwaltung allen Wünschen gerecht zu werden. Genosse Schmidt betonte, daß mit einem Tagelohn von 4 M. heute niemand eine Famili« ernähren könne. 27 Mark sei das allermindeste. Auch wünschte er die An. stellung der Arbeiter auf Wochenlohn, damit die Feiertage nicht ab- gezogen würden. Die Herabsetzung der Arbeitszeit auf neun Stun- den müsse ebenfalls durchgeführt werden, auch müsse man den Arbeitern, die jahrein jahraus tätig sind, einige Tage Ferien be- willigen. Alles dies treffe nicht bloß für die Straßenarbeiter, sondern auch für die Gärtner, Kanalisationsarbeiter, Maschinisten und Heizer zu. Der Bürgermeister hob hervor, daß die Gemeinde in dieser Beziehung nicht zurückgeblieben sei, selbst die Teuerungs- zulage sei beantragt worden, ohne daß die Arbeiter den Wunsch ge- äußert hätten! Daß auch der Herr Syndikus alles hervorhob, was zur Verherrlichung des Arbeitsverhältnisses beitrug, versteht sich von selbst. Aber keiner der Herren ging auf den Kern der Sache ein. Bemerkenswert waren noch die national-miserablen Ansichten des Dr. med. Richter, welcher kundgab, daß man mit 1688 M. ganz gut auskommen kann, die Gemeindearbeiter sich in bevorzugter Stellung befinden und die Leute froh sein könnten, wenn sie die gesunde Beschäftigung des Straßenkehrens ausführen dürften. Die bürgerlichen Herren schritten nicht einmal zur Abstimmung über die erweiterten Vorschläge der Sozialdemokraten. Genosse Frantz protestierte zwar dagegen, das half jedoch nichts. Die Ge- meindearbeiter haben nur in den Arbeitervertretern ihre Befür- worter; sie werden sich aber ihrer gewerkschaftlichen Organisation etwa? besser annehmen müssen, damit sie nicht wie die Kinder be- handelt werden.— In der nichtöffentlichen Sitzung wurde ein Vertrag mit der Großen Berliner Straßenbahn sowie der Südlichen Vorortbahn beraten. Ueber proletarische und bürgerliche Jugendbewegung referiert heute am Sonntag, den 24. März, nachmittags 2 Uhr, im Lokal von Graßl, Mariendorf, Chausseestraße 385, in einer öffentlichen Ver- sammlung Reichstagsabgeordneter P e u S- Dessau. Nach dem Vor« trag: Freie Diskussion. Die Herren Lehrer und sonstige Jugend- erzieher sind zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen. Pflicht der Eltern und der Jugend ist eS, vollzählig zu erscheinen. Steglitz-Friedenau. Die Schulentlassungsfeier, die der BildungSauSschuß in seinem Arbeitsplan für den 81. März vorgesehen hatte, ist fallen gelassen worden, weil der JugendauSschutz von Groß-Berlin an dem gleichen Tage, nachmittags pünktlich 3 Uhr, eine Schulentlassungsfeier in der Brauerei Friedrichshain veranstaltet. Wir ersuchen alle Ar- beitereltern, sich mit ihren schulentlassenen Kindern an der Feier zu beteiligen. Der Bildungsausschuß.. Nieder-Schöneweide. Ei» folgenschwerer Unfall ereignete sich gestern vormittag 18i4 Uhr an der TreSckowbrücke in Nieder-Schöneweide. Dort unterhält am Spreeufer die Firma Metallwerk Kretzer u. Busse einen Abladeplatz. Der Platzmeister Haß auS Neukölln, Walter- strahe. war mit mehreren Arbeitern und dem Schiffseigentümer Fr. Schulze aus Warnau a. H. damit beschäftigt, Kupferplatten auS dem Kahn nach dem Fabrikgelände ßu schaffen. Plötzlich brachen mehrere auf einen Prahm gelegte Balken. Die auf diesen gelegte Lowry kam dadurch ins Fallen und stürzte� in den Kahn hinunter, den Platzmeister und den Schiffseigner mit sich reißend. Der sofort zur Stelle gerufene Arzt Dr. Thomfen auS Nieder- Schöneweide konnte leider nur den Tod des Platzmeisters Haß feststellen. Der schwerverletzte Schiffer wurde in dem Krankenauto- inobil der Schultheih-Brauerei nach dem Elisabeth-Krdskranken- hauS befördert. Dort wurden außer Verletzungen am Kopf schwere innere Verletzungen festgestellt. Allgemeine Mißsttmmung erregte eS, daß sich in der Fabrik keine geeignete Transportgelegenheit bot, so daß der schwerverletzte Schiffseigner auf einer gewöhnlichen rundsprossigen Leiter wegbefördert werden mußte. «ttternngSüdersscht vo««8. Mär, ISIS. Gtotione» L. 2= o= Twtnemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien SZ 763 SSW 7SL 754 756 160 755 SSW SW SW SW WNW Vetter Äh-iter bedeckt L heiter 4 wolkig 6 bedeckt S Regen Haparanda!7b2i! ;.>kIer«blirgl76<>lSO Skilly 752 SW Ab-rdeen 752NW Pari» 759®S3 6 halb bd.- Gedeckt 5 bedeckt 8 heiter Sdedeckt Wetterprognose für Sonntag, de« Lt. März 1918, Zunächst vielfach heiter, nacht« kühl, am Tage mild« bei ziemlich leb. hasten südwestlichen Winden l jpäter wieder zunehmende Bewölkung mst etwa« Regen. Berliner Wetterdnxeau. Slngegangene DnicfcfcbHft«!!. Etnfübrung fit da» Recht, vo» Prof.?. Krückmamt. i M., geb. SM«.£ v. Mohr, Tübingen. Ws ist kbcn dkl luigehriirc Vorzug der Klil»iil-§cife, daß alles, was im Hause überhaupt zu waschen ist, mit dieser Seife ohne jedes Waschmittel gewaschen werden kann. Die einfachen Wäschestücke, wie Hemden. Taschen- tüchet. Bett- und Tischwäsche, Schürzen usw. selbstverständlich, aber was erstaunlich ist, das ist, daß man auch alle empsindlicheren Sachen, wie Wollsachen, seinere Spitzen und Gewebe, Gardinen usw. mit der Kavon-Seise waschen kann, ohne daß das sonst immer so ärgerliche Farbeverlieren, Einlausen, Verfilzen oder Verbleichen emtritt. Es ist einsach eine Pracht. Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuempfehlen, unbedingt einmal einen Versuch zn machen, und sie soll zu diesem Waschversuch empfindlichere oder besonders verschmutzte Sachen nehmen. Man wird die Wäsche nicht wiedererkennen, so schön ist sie geworden. Ein Stück Kavon-Seise(Preis 20 Pfennig) genügt zu diesem Versuch vollständig. Mt einem Stück Kavon-Seise kann man einen ganzen Haufen Wäsche.und andere Sachen waschen. �Achtung! Die Kavon-Seise gibt sofort Schaum. Starkes Ausdrücken wie bei anderen Seifen ist unnöttge Verschwendung! Bei richtiger Behandlung muß man mit halb so viel Seife wie sonst auskommen.)— Wer mit Kavon-Seise einmal gewasche« hat, nimmt keine andere Seife wieder. Nerbiind der Schneider»nd Schneiderinnen Zlachstthende Firme» habe» de» Tarif der Herrenmaßschneider»icht aaerfaitnt; Kriewitz u. Vorgward, Kanonierstr. 10 Kröhan, E harlottenburg. ZSallstr. M Kruse, M,, Oranienburger Str. 4 Kühne, Ed., Friedrichstraße Kunz u. Korizek, Neustädlische Kirch straße 3 Kurta, Friedrichstr. 153» Levy, Unter den Linde» S1 Lewith al, Maucrstr. 2 Leinte, Sehdelstr. 31 Lewtowitz, Sllexanderstr. 14» Liebenthal.Hugo, Unterd. Linden 64/55 Lindemann, B. u. Westendors, Jnh. Kibbcl, Dresdener Str. 56 Lingott, Gebr., Alcxandrinenftr. 67 Lippmann, Benno, Leipziger Str. 30 Lubahn vorm Stein, Schadowstr. Lucht, Jägerftr. 63, 2 Tr. Lukas fr., Mohrenstraße Magnus, Unter den Linden 63 (Krakow) Mathias u. Schade, Beflelstr. 11 Matz, Brüderstr. 13 Maurer, Rud., Friedrichstr. 65» Mayer, Freitag Nachs., Friedrich straße 36» Mehl, Chausseeslr. 124 Meyer, Mohrcnstr. 9 Ehrlid Eising� Ellrot, «dam,®, Leipziger Str. 28 vlbrecht«. Kucharowicz, Franzöflsche Str. 8 «scher, Spitt elmarkt Baum,€., Behren str. 14/16 Lehrend u. Rahr, Friedrichstr. 168 Berg a. Sehl, Krausen str. 3 Berger u. Kitta, Charlottenstratze � Bist«, Unter den Linden 69 Bloch u. Co., Friedrichstr. 203 Böhlwg, Zkanonierftr. 1 r' Bollmann, Kaiser-Wilhelinstr. 81 ' Borst, Markarasenstr. 89/90 Bothmer u. Düuzer, Unt. d. Linde» 13 - Böttcher, Steglitz, Schloßstr. 88 i Braun, Steglitz »raun, Hartw� Frlmzöfischestr. 49 Busse u. Goßmann, Zimmerstr. 43 ( Byk, Sigm., Friedrichstr. 10 s Cavanagh, Unter den Linde» 8 f Cohn, tz., Kaiser-Wilhelmstr. 2 ' Cunow u. Co., Friedrichstr. 90 sr Dahms, Gebr., Krausenftr. 2. David, H., Friedenau, Siglindestr. 10 Didszuu, W., Charlottenburg, FoachimSthaler Str. 40 Diegmann, A., Ziegelftr. 26 i Dittmann, A., Friedenau, Jfoldestr. 5 ! Dobberstein, Dresdener Str. 42 s Ebenstein, Unter den Linden 40/41 Ehrich, Albert, Mauersir. 35 ». Danz, Mittelstr. 9/10 Mexanderftr. 2 Charlottenburg, Kantstr. 145 Jnh. Rud. Pabst, Unter den Linden 57 Engel, JB., Klosterstr. 37 Eppendorf, Franzöfischestr. 62 ESder« u. Dyckhoff, Gertraudtenstr. 8/9 Exmer, Charlotten str. 79 abian u. Hrich, Unter den Linden 71 ethe, Königgrätzer Str. 83 aßkessel u. Müntmann, Unld.Linden2 ischer, Ludwig, Unter den Linde» 47 ordan, Zimmerstr. 29 örder, I., Kurfürstendamm 20/21 u. Co., Franzöfischestr. 49 1, Heinrich, Markgrasenstr. 67 Geduldig, JoachimSthaler Str. 9 Genkel u. Freitag. Potsdamerstr. 13 Genossenschaft, Erste Produktiv-, Kom- mandantenstraße Gerson, Herrn., Werderschestr. 5/6 Goldschmidt, Friedrichstr. 150 Kollop, Louis, Unter den Linde« 15 Graetz. Gebr.. Nächst. Luft u. Türk. seid, Wallstr. 1 Greger, A., Alexandrincnstr. 73 Griewijch, Fr., Unter den Linden 53 Groß u. Markmann, Mohrenftr. 58 «rüder. M.. Wilhelmstr. 23 Gründler, Schützenstr. 53 Gmnpert. S.. St«glitz, Albrechtstr. 8 Haensch, Kruppstr. 5 Hanson, Paul, Grenadierstr. 22 Haustein, Oranienstr. 123 Heckenberger u. Becker, Unter den Linden 48/49 t erpich Söhne, Leipziger Str. 9/11 erz. D.. Französische Str. 33 H-rzberg, Gust., Zimmerstr. 24 Heyder u. Jean Jogues, Unter den Linden 33 Hillmer, Dorotheenstr. 54 Hmkel, Franzöfische Str. 19 Wöstmann, Hermann, Friedrich« straße 50/51 alters, Wilh., Louisenstr 41. omuth, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich-Str. 48 orwitz u. Co., Mohrcnstr. 25 rncir u. Malirski, Unter den Linden 20 JankowSki, Charlottenburg, Bismarck- straße 9 Jarh, Peter. Franzöfische Str. 49 Jffland, Ernst, u. Sohn, Charlotten. straße 48 Aockeh-KIub, Unter den Linden 75 Johannsomi, Neanderstr. 25 Isert, Friedrichstr. 113 Jürgens, Friedrichstr. 216 Katzenberger, Anhaltstr. 17 Keller u. Furch, Friedrichstr. IM Kern u. Tschirbs, Charlottenstr. 88 Kirschstein u. Co., Charlottenstr. 43 Knape, O., Fasanenstr. 17. Knebel, Friedrichstr. 30 Kneubühlcr, Krausenftr. 63 Koppel u. Hlists, Dorotheenstr. 42 Koppel, M., Kronenstr. 66/67 Koslowsky, Kanonierstr. 3 Koste u. Boldt, Mauerslr. 77 Käß, Franzöfischestr. 52 Krause, Charlottenstr. 1 Ueber die genannten Firmen wird Meyhöser, Friedrichstr. 137/188 Möller Söhne, Friedrichstr. 35 Müller, Fritz, Gr. Frankfurter Str. 95 Müller, Otto, Oranienstr. 30 Musa, Friedrichstr. 72 Nachmann, Alle Schützenstr. 1 Nielsen u. Thultn, Charlottenstr. 34 Noö u. Schulze, Unter den Linden ai Peel u. Cloppenburg, Gertraudtenstr. 25/27 Pix, Alois, Markgrasenstr. 80 Plusiiewitz, Markgrasenstr. 22 Pockorny u. Görke, Friedrichstr. 211 Prahst u. Lemke, Friedrichstr. 44 oggener Str. 1» Richter, Franz, Kanonierstr. 6, I Riethmüller, Molkenmarkt 5 Romann, Krausenftr. 4/5 Rönjch, Charlottenstr. 86 Rückert, Emil, Mohrenftr. 53 Rüdiger u. Suhr, Rosenthaler Str. 45 Rudolf, Gertraudtenstr. 10/12 Rund u. Co., Mexanderftr. 37» Salzwcdel, Mohrenftr. 53 Samter u. Happeck, Charlottenstr. 53 Schachtel, Alexanderftr. 50 Schasus, Krausenftr. 12 Schaliu, Unter den Linden 52 Schimmler, Königgrätzer Str. 4 Schöndube, Friedrichstr. 167/68 Schöning u. Lindner, Krausenftr. 35/36 Schramm, Kochstr. 18 chulmeister, DreSdenerstr. 4 Schulte, Jnh. Brodcrsen, krausenstr.71 Schulz, Gebr., Markgrasenstr. 46 Schwarz, Lud., Friedrichstr. 153 ebastian u. Storck, Mittelstr. 13 egall, Leipziger Str. 30 Selig, Arnold, Unter den Linden Sendke, Dorotheenstr. 30 Sigger u. Lorenz, Jägerstr. 3 Sitzki, Markgrasenstr. 75 Skala, Unter den Linden 10 SlobinSky u. Grünmaher, Kochstr. 11 Spicher, Karl, Niederwallftr. 26/27 Steinberg, Joh., Jnh. Mnak u. Stein- berg, Neustadt. Kirchstr. 15 Stelzner, Charlottenstr. 48 Stephan, Franzöfischestr. 13 Steuer, R., Kommandantenstr. 48 Stier, Karl, Oranienstr. 166 Stolzenberg, Oranienstr. 72 Tackmann, Jerusalemer Str. 9 Thiel, Unter den Linden 51 Tolksdors(Englisch Compagnie), Unter den Linden 66 l Torkler u. Sohn, Franzöfischestr. 13 Treitel. Werderstr. 6 Tributh, Friedrichstr. 214 Truntz u. Boß. Bebrenstr. 28 Tschirbs, Friedrichstr. 54 Vandsburger, Friedrichstr. 7 Vortrefflich, Friedrichstr. 143 Warenhaus für Armee und Marine Wellhausen, Neue Wilhelmstr. 2 Wendt u. Redlich, Unter den Linden 23 Werner, Anton, Charlottenburg, Knese- beckslraße 88 Wolff, M.. Leipziger Str. 105 Wolff u. Schulz, Friedrichstr. 43» Woormann, D., Französische Str. 46 II gobel, Karl, Köpenicker Str. 124 Zuttermann, M., u. Haß, Behrenstraße 24 hiermit die Sperre verhängt. Die Schneider �o«epl» Gaczareck. Elsasser Str. 41, L-letler, Ggrtenstr. III, vorn II, fertigen Streikarbeit an und vermitteln solche. Ueber dessen Werkstätte wird hiermit die Sperre verhängt. Der Zuschneider Zioevotiiz- vom Warenhaus für Armee und Marine sucht die Kollegen in der Wohnung auf, und versucht Arbeit vom Waren- haus für Armee und Marine unterzubringen, während er behauptet, es sei seine eigene Arbeil. Wir warnen hiermit, von diesem Manne Arbeit an- zunehmen. 163/4 IM« Ortsverwaltnng. M'""im Kredit an jedermann (Dir überbieten Blies durch unsere solid Preise u. kolossale Auswahl Bequemste ZoblunMe Diskrete Kreditgewährung— Niedrige Raten. EinZ6in6Möb6lStÜCk6 Anzahl. v. 3 M.an Einzelne Zimmer Anzahl v. 10 m an Kompl. Einrichtungen Anzahl. v. 20 m»„ Elegante Einrichtungen in jeder Preislage. Alles auf Teilzahlung! Herren- Konfektion I Domen-Konfehtlon Jackett-Anzüge Rock-Anzüge Ulster Sommerpaletots Anzahlung v. 5 M. an Paletots Kostüme Kleider Kleiderstoffe Teppiche, Gtrdinen Anzahlung v. 5 M. an Selm Vonelgen die«»» Intertts« 4% Bsbsit „ Domen sparen Geld! Im Engros-, Export- und Osiail-Lager. mm 15-50 Iii. TocHaWsüJäBtßl"p,cF�o"d12-35 1. aar Hochelegante Modelle p,Iei»i» Etamln, Voile, Tuch u. Taktet' v«!»»»» PsiIsiiUfid unter Hentellusgeprels. Spezlal: Eztravelten für starke Daatte. 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M. fehlten dem sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Wenzel nur einige Stimmen an der absoluten Majorität. Kommenden Mitt- wach, den 2 7. d. M., nachmittags von 3 bisS Uhr, sindet bei Hertel, Zehlendorfer Stratze 5, die Stichwahl statt. Genosien, es ist eine Ehrenpflicht für uns. daß wir unserem Kandidaten zum Siege verhelfen. Tue daher jeder einzelne bis zu diesem Tage und am Wahltage selbst seine Pflicht. Es sei nochmals auf die heute, Sonntag, früh 8 Uhr statt. findende Flugblattverteilung aufmerksam gemacht. Treff- punkt des 3. und 8s.BezirkS bei Lenski, Chausseestr. 5S, die übrigen Genossen bei L. Wrotnicki, Ringstr. 17, Ecke Holdeinstrahe. Diens- tagabend 7 Uhr sindet von denselben Lokalen aus eine Kuvert- Verteilung statt. Niemand darf bei dieser wichtigen Arbeit fehlen. Karlshorst. Die Gemeindewahl findet heute von 12 bis 6 Uhr im.Fürstenhaus", TreSkow-Alle« 83, statt. Kandidat der Sozial- demokratic ist der Genosse Bruno Engel. Wir ersuchen alle Genossen, fich schon vor 12 Uhr im Wahllokal einzufinden, damit sofort mit den nötigen Arbeiten begonnen werden kann. Ein Schauspiel für Götter bieten unsere Gegner, die sich gegen- seitig der Vertretung von Sonderinteressen beschuldigen, zwischen- durch sich aber beschworen, wenigstens im Falle der Stichwahl einig zu sein, damit nur nicht die Sozialdemokratie den Sieg davon- trägt. Die Arbeiterschaft mus- bkreuz« alle» daransetzen, um die Pläne der' Gegner zu durchkreuzen. Sorge jeder dafür, daß endlich auch unser Ort in dem Gemeindeparlament in würdiger Weise ver- treten wird. Die Resultatvertündung mit anschließendem Beisammensein findet um 6� Uhr bei Feustel, TreSkow-Allee 75, statt. Rcinickendorf-Ost. Heute nachmittag von 1 bis 5 Uhr sindet für den 3. Kommunalwahlbezirk der dritten Abteilung die Gemeindevertreterwahl statt. Unser Kandidat ist der Genosse Carl Schönberg. Gewählt wird in der T u r n h a l l e der 4. Gemeindeschule, Hoppestr. 7. Den Wählern find amtliche Legitimationskarten zugestellt wor- den, die der schnelleren Abfertigung wegen am Wahltische vorzu- zeigen sind. Reinickendorf-Ost-West. Am Montag, den 25. März, nach- mittags von 1 bis 5 Uhr, sindet im Restaurant Kuhrmann, Haupt- straße 31/32, die Gcmeindevertreterwahl für die zweite Ab- teilung statt. Diese Abteilung wählt nicht in Wahlbezirken; es nehmen daher alle Wahlberechtigten des ganzen Orte« daran teil. Unsere Genossen haben folgende Kandidaten aufgestellt: Zigarrenhandler Franz Bahr, Berliner Straße 4. und Gast- wirt Heinrich Schiller, Eichbornstr. 60. Die Wahlen m dieser Abteilung beanspruchen das größte Interesse. Beteiligen sich doch außer unseren Genossen noch zwei bürgerliche Gruppen mit verschiedenen Kandidaten an der Wahl. Unsere Aussichten find unter diesen Umständen nicht ungünstig, wenn unsere Genossen ihre volle Pflicht und Schuldigkeit erfüllen. Nowawcs..Ueber Kommunalpolitik und Sozial- d e m o k r a t i e" sprach am Freitagabend in einer öffentlichen Ver- sammlung in den.Deutschen Festsälen" Reichstagsabgeordneter Dr. Ouarck. In einstündigem fesselnden Vortrage erläuterte Referent das sozialdemokratische Kommunalprogramm und zeigte an verschiedenen Beispielen, wie überall da, wo sich die Arbeiter» schaft in mühevollen Kämpfen die ihr gebührende Vertretung in den Gemeindeparlamenten errungen, eine Revolutionierung der bisherigen Verhältnisse stattgefunden habe. Weit mehr könnte noch im Jnterssc des Gemeinwohls getan werden, wenn nicht das schänd- liche Dreiklassenwahlrecht auch hier die Arbeiterschaft zur Machi- losigkeit zwingen würde. Darum sollte sie, wenn wieder einmal der Ruf zum Kampfe gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht er- geht, daar-n denken, daß sie auch in den Gemeindeparlamenten recht- los ist und daß mrt der Erringung eines gerechten Wahlrechts in Preußen gleichzeitig auch der erste Schritt zur Verbesserung des elenden Kommunalwahlrechts getan sein wird. Wie unter den gegenwärtigen Verhältnissen wichtige Forderungen der Volkswirt- schaft zugunsten von Einrichtungen für die besitzende Klasse zurück-� stehen müssen, das zeige sich auch in Nowawes. Trotzdem die Ar- beiterschaft bereits seit Jahren auf die Errichtung einer der wachsen- den Bevölkerungszahl entsprechenden Badeanstalt dringe, sei bis heute noch nichts getan; nicht einmal ein mit verhältnismäß'g wenig Kosten zu schaffendes Brausebad, das sich sogar sehr gut ver- zinsen würde, sei vorhanden. Zum Schluß gab Redner der Hoff- nung Ausdruck, daß die Arbeiterschaft auch bei der bevorstehenden Ersatzwahl mit einem glänzenden Siege abschneiden wird.— Nach dem Vortrage gab der Vorsitzende die Termine der Gemeindewahlen bekannt und bat, jedes Drängen im Wahllokal zu vermeiden, da alle diejenigen, die nach Schluß des Wahllokals anwesend sind, auch nach 7H Uhr ihr Wahlrecht ausüben können. Genosse Krautzpaul bedauerte, daß diesmal von einer Beteiligung an der Wahl zur zweiten Abteilung Abstand genommen wird. Der Vorsitzende er- widerte, daß das ein Beschluß der letzten Wahlvereinsversammlung sei, an dem sich jetzt nichts mehr ändern lasse. Nach einem noch- maligen dringenden Appell an die Genossen, für einen glänzenden Sieg unseres Kandidaten, des Genossen Hermann Ebel, zu sorgen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Siebruter Dtlballdstag der Gastwirtsgehllfen. Nürnberg, 22. März. Vierter BerhandlungStag. Die Statutenberatung wird fortgesetzt und gleich in die Spe- zialdebatte eingetreten. Einzelne Paragraphen riefen wieder längere Erörterungen hervor. Als Name der Organisa» tion wurde festgesetzt:.Verband der sbisher deutscher) Gast- wirtSgehilfen. Zugelassen sind all« im GastwirtSgewerbe beschäf- tigten Personen. Die Beiträge wurden nach der Vorlage der Kommission festgesetzt; sie betragen also in der 1. Klasse öl) Pf., 2. Klasse 40 Pf. und in der 3. Klasse 30 Pf. Die Mitglieder der niedrigen Beitragsklassen können in eine höhere Klasse eintreten. Arbeitsunfähige, noch nicht unterstützungsberechtigte Mitglieder können auf Antrag für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, aber höchstens 18 Wochen, von der Beitragszahlung entbunden werden. Zur Bestreitung der örtlichen Berbandsunkosten verbleiben den Verwaltungsstellen von den Eintrittsgeldern(die 1 M. für die 1. und 2. Klasse und öl> Pf. für die 3. Klasse betragen) 25 Pf., von Vf igen je 16 Pf. und von den Die besonderen Bestimmungen für Personen, die den 50 und 40 Pf.-Beiträl trägen 10 Pf. i im Gastwirtsgeiverbe nur nebenberuflich tätig sind sdoppelt be- fchäftigte) zeitigten wiederum eine lebhafte Debatte. Der Vorlag« der Kommission, die für diese Mitglieder eine besondere(25 Pf.' Klasse schaffen will, wurde auS den verschiedensten Gründen Wider sprachen. Die Mehrheit des Verbandötagcs beschloß aber im Sinne des Kommissionsvorschlages. Die Doppelt beschäftigten haben also einen Beitrag von nur 25 Pf. zu ent richten, bekommen aber keine Arbeitslosen-, Reise- oder Kranken- Unterstützung. Doch können diejenigen Doppeltorganisierten, die dem Verbände seit mindestens 1811 angehören, den bisherigen Beitrag(40 Pf.) weiterbezahlen, wenn dies durch Majorität dieser Mitglieder in den einzelnen Verwaltungsstellen beschlossen wird. Diesen Mitgliedern kann außer den Leistungen, die den Mitgliedern der 25 Pf.-Klasse zustehen(Streik- und Gemaßregeltenunterstützung, Rechtsschutz, Sterbegeld) Krankenunterstützung der 2. Beitragsklaste gewährt werden. Das Wahlreglement zum Verbandstag wurde abgeändert. Die Zahl der Mitglieder, auf die ein Delegierter entfällt, erhöhte der Verbandstag ganz wesentlich. Bisher konnten Verwaltungs- stellen mit 20 bis 100 Mitgliedern einen Delegierten wählen, nun müssen es mindestens 50— 150 Mitglieder sein. Der Einführung der Arbeitslosenunterstützung, die schon auf dem letzten Verbandstag prinzipiell beschlossen, wurde zugestimmt. Nach dem Vorschlag der Kommission soll sie nur im Winter gewährt werden. Dagegen wurde scharf opponiert, die Unterstützung müsse auch auf den Sommer ausgedehnt werden. Mit großer Mehrheit wurde aber beschlossen, die Arbeitslosenunter- stützung nur im Winterhalbjahr, Oktober-März, zu bezahlen, und zwar erst vom 8. Tage der Arbeitslosigkeit ab auf die Dauer von höchstens 6 Wochen. Die Höhe der Unterstützung beträgt in der 1. Klasse 1 M., 2. Klasse 0,75 Pf. und in der 3. Klasse 50 Pf. pro Tag. Voraussetzung für den Bezug der Unterstützung ist, daß das Mitglied mindestens 52 Wochenbeiträge bezahlt hat und während der letzten 26 Wochen nicht länger als 6 Wochen mit den Bei- trögen im Rückstände ist. Die Sätze für die Reise- und Krankenunter st ützung sind die gleichen tvie für die Ar- beitslosenunterstützung, doch wird die Reiseunterstützung nur auf die Dauer von 30 Tagen, die Krankenunterstützung LI Tage ge- währt. Alle drei Unterstützungen werden gegeneinander aufge- rechnet. Die Höchstsumme, die innerhalb eines Jahres bezogen werden kann, beträgt in der 1. Klasse 81 M., 2. Klasse 68,25 M. und in der 3. Klasse 45,50 M.— Die bisherigen Sätze der Streikunter- stützung wurden um ein geringe? erhöht. Das revidierte Statut tritt am 1. April 1812 m Kraft. Die neuen Bestimmungen für die UnterstützungSeinrichwngen und die Neuregelung der Beitrage gelten ab 1. Juli 1812. Die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung beginnt erst im Oktober 1913. Die Verhandlungen wurden dann auf Sonnabend vertagt, Wosserstands-Nachrtchte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin er Delterdureau. Wasserstand Memel, Xilstt Pregel, Jnflerburg Weichsel, Thor« Oder, Ratibor , Krasse» , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberz Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Berby , Magdeburg ,-it 2t. S. om') 0 0 —2 +4 0 —20 +4 +12 +28 •)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. NcutuUiA* NeuntlliBV NeuneitiCV Ntvhjiti 0V Neuheit t fi ¥ Neuheit! BT Neuhau I J Y Neuheit i 14 V Neuheit i■ V Ein- und zweireihige Ulster Nr. 187« Gestreifter Pbantasiestotf, mo- 4 O dorn rcrarbeitet.............. I O M. Neuheit i Elf NeuhettiLV N9uheltiP¥ In unseren Kleider- Werken hergestellte Zweireihige Jackett-Anzüge Nr 138. 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Die Beerdigung findet am Montag, den 2S, März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle dcS Bartholomäus-Kirch- iiofeS tn Weihensee, Falkeiibcrgcr Chaussee, auZ statt, 223/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. velllzetter iHolzarlieiier-ferbaDd Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Kollege, der Einsetzer Albert Siolp am 22. März, im Aller von 53 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 25, März, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Bartholomäuskirchhoses inWeitzen- sce, Fallenbergerslrafie, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/16 Die Ortsverwaltung. iSozialdeiDokratiseiierWatilTerel]) des |S. Beil ftelchslags-ffaliftrelses. Am 21. März oerstarb nnser Genosse, der Sattler tirSorK Rohr Birkenslrafie 31. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24, März, nachm. 3 Uhr, von der Halle des städtischen Krankenhauses Moabit, Eingang Birkenslrafie, aus nach dem Hei- landS-Friedhose, Plötzensee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/4 Der Borstand. Mni! der Bsed- und Steindniekerei-Bilfsarlieiter d. irbeiterinneo Deatsefilands. —- ONSverwaltung Berlin.------ Am Sonnabend starb nach schwerem Leiden unser Kollege Bermann Bsrgroth im Mer von 68 Jahren. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. März, aus dem Kirchhos der Luther-Gemetnde in Lankwitz statt. 27/7 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dafi mein lieber Mann und Onkel, der Droschkenkutscher timst Tscharntke im 63. Lebensjahre nach schweren Leiden verstorben ist. Dies zeigt tiesbetrübt an Wwe. Tncbarntke. Beerdigung: DienSlag 4'/« Uhr I von der Leichenhalle des Thomas- | Kirch hoscs. Danksagung. Für die herzliche Tektnahme bei der Beerdigung des Mechanikers (Hio Schlüter sagen wir aus diesem Wege allen Be- kannten und Freunden, sowie dem Personal der Deutschen Telephon- werke und dem Metallurbeitervcrbqnd unseren herzlichsten Dank. 2530L vi« Illnterbllei»«!»«,». OsuUctiök Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Schlosser Lrlch Voß am 21. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Gemeinde-Friedhoses in Nowawes aus statt. Rege Beteiligung erwartet 114/10 Die OrtSverwaltung. VeMderöMUHiellleii Ortsgruppe Grost-Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dafi unser Kollege Sustsv Riedel (Allgem. Ortslkänkenkassej am 20. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Man- tag, den 25. März, nachm. 5 Uhr, aus dem städt. Friedhos In Fricd- richSselde statt. 47/5 Die Ortsverwaltung. Angel-Verein„velpbin". Nach 26 jähriger Tättgkeit ver-, schied unser teurer Kassierer und Ehrenmitglied Herr 736b Vildelm GrQlms. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 3V,Uor, von der Halle des Zentrai-FriedboseS aus statt. Am 22. März verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, der Restaurateur 2ö28L Neinridi Schmidt Schönhauser Allee 27. DieS zeigt ttesbetrübt an stuise Schmidt geb. Lleblg nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mon- tag. den 25. Marz, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle des ZionS-KirchhoseS in Nordend aus statt. IllVälide�RlerzMgijte Die Beerdigung des am 21. März verstorbenen Steindruckers Hermann Bartel findet statt am DienSlag, 26. März. nachm.»Vi Uhr, von der Leichen- Halle de» St. Petri- ikirchhoseS, Friedenftrafie 84, aus. 784b Komitee. Danksalsung. Bei dem so jruhen Hinscheiden meineS�geliebten Mannes, unseres guten Sohnes, Bruders, Schwieger- sohneS, Schwagers und Onkels stnd uns von allen Seiten viele Beweise herzlicher Teilnahme sowie herrliche Kranzspenden zuteil geworden und sage hierdurch im Namen der Hinter- bliebcnen allen unseren innigsten Dank. Frau Martha Handke, geb. Kelpin, Lychener Str. 125. 7856 Danksagung. Für die liebevolle Teilnahm« und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines üeben MauneS Wilhelm Weiher sage ich allen Verwandten und Bc- kannten, sowie den Kollegen M. L. der St. E.-G. lBrunnenstrafie) meinen ausrichttgsten Dank. 2531L Witwe Franziska Weiher. Für die vielen Beweise herzlicher- Teilnahme bei der Beerdigung meiner! lieben Frau sagen wir alle unier.-n! herzlichsten Dank. 2527L i Hans Hölze! nebst Kinder».> Hiermit sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Verein»GambrinuS-, dem Verband der Lithographen und Steindrucker, dem Wahlverein des vierten Kreises und dem Genossen Melle für die trostreichen Worte am Grab« unseres Baters den besten Dank. 252SL fj'Sll Milde Mg lickl lliiidM Wir haben nnsere Kassensprechsttmde tren Hea« Jatob- straile 1-8 nach Wllheimstr. 48 n der l,-I?rtz«r Strafi« verlegt 7611» Prof. Dr. A. Blaschko. Dr. Max Jacobsohn. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben sodnes und unseres Bruders sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie den Wahlvereins, und VerbandSmitglie- der» unseren besten Dank. KaEolk Kann» und Kinder. Ich habe mich in 47/17 kaanusolialeiiweM bei Treptow Scheiblerstr. 6 als praktticher Arzt niedergelassen. Or. med. 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Die Geschäftslage im Gewerbe war im' allgemeinen nicht so günstig, wie erwartet wurde und lieh besonders in der Baubranche zu wünschen übrig. Das begünstigte das Bestreben derjenigen Unternehmer, die nur unter dem Zwange der Verhält- nisse die mit der Organisation getroffenen Vereinbarungen ein- halten, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Während die Vertragsfirmen durch die im Vertrage vorgesehenen Instanzen zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen angehalten werden konnten, muhte gegen die Nichtvertragsmeister in vielen Fällen durch Ar- beitseinstellung vorgegangen werden. Auch einige ganze Branchen haben Lohnkämpfe geführt.— Der paritätische Arbeitsnachweis weift eine starke Steigerung der Frequenz auf und hat eine Er- gänzung durch Einführung eines RegulativiS für die Vermittelung erfahren.— Die nie ermüdende Tätigkeit der Bezirks, und Branchenkommissionen hat neben der allgemeinen Agitation erheb- lich dazu beigetragen, dah die Mitgliederaufnahme ein erheblich schnelleres Tempo eingeschlagen hat. Der grohe Mitglicderverlust, den die Jahre 1907 und 1908 gebracht haben, ist nicht nur ausge- glichen, sondern der bisher höchste Stand am Jahresschluh 1999 (27 837 Mitglieder) ist erheblich überschritten, denn Ende 1911 hatte die Zahlstelle Berlin 29 Ä9 Mitglieder, und zwar 28 829 mänliche, 582 weibliche und 31 jugendliche. Nur langsam lieh die Arbeitslosigkeit nach. Nach den Arbeit?- nachweisberichten haben die Arbeitslosen von 3787 am 39. Dezember 1919 bis 1997 am 1. August 1911 abgenommen. Die Zahl der Beschäftigten hat sich aber nur um etwa 699 vermehrt. Die un- günstige Konjunktur hat viele Arbeiter aus der Berliner Holz. industrie hinausgedrängt. Eine starke Steigerung der Zahl der Beschäftigten begann erst im Juli und hielt bis Oktober an. In diesen vier Monaten waren 2399 mehr Einstellungen als Ent- lassungen zu verzeichnen. Am Jahresschluh waren in 2821 Be- trieben 32 187 Holzarbeiter beschäftigt, während 9123 Arbeitsplätze leer standen, das sind 22 Proz. der vorhandenen. Der gröhte Pro- zentsatz unbesetzter Arbeitsplätze war in der Bautischlerei, der niedrigste in oen Pianofabriken zu verzeichnen. Das Jahr 1911 zeigte eine mähige Befserung der Arbeitsgelegenheit, von der nur die Baubranche und die Stockarbeiter ausgeschlossen waren. Die Aussichten für 1912 sind keine ungünstigen, aber auf eine Hoch- konjunktur ist nicht zu rechnen. Zahlreiche Lohnkämpfe wurden im Berichtsjahre geführt. Im Gegensatz zu früheren Jahren überwogen die Bewegungen, welche zu Arbeitseinstellungen führten, die streiklosen Bewegungen. All- gemeine Lohnbewegungen hatten die Bodenleger, die Kistenmacher und die Koffertischler.— 63 Lohnbewegungen ohne Arbeitsniederlegung wurden geführt in 63 Betrieben mit 2313 Beteiligten. In allen diesen Fällen handelte es sich um Durchsetzung von Forde- rungen der Arbeiter. Außerdem wurden in 19 Betrieben mit 125 Beschäftigten Verschlechterungen abgewehrt.— Diesen 73 Lohnbewegungen ohne Streik stehen 115 Streiks gegenüber, an denen 291 Betriebe und 3925 Streikende beteiligt waren. In 65 Fällen mit 1227 Streikenden handelte es sich um Abwehr von Verschlechte» rungen. 59 Streiks in 136 Betrieben mit 1898 Beteiligten wurden geführt, um Forderungen der Arbeiter durchzusetzen.— Von drei Aussperrungen wurden 7166 Mitglieder betroffen. Die Mehrzahl — 6666 Ausgesperrte in 337 Betrieben— kommt auf die MaiauS. sperrung.— Die Gesamtzahl der Lohnbewegungen mit und ohne Streik beträgt 207, die sich auf 669 Betriebe und 12 719 Beteiligte erstreckten. Von den Streik? hatten 71 mit 1392 Beteiligten vollen, 15 mit 427 teilweisen, 23 mit 654 Beteiligten keinen Erfolg.— An Verbesserungen brachten die Streiks eine Arbeitszeitverkürzung von durchschnittlich 1,63 Stunden pro Woche für 127 Kollegen in 9 Betrieben und Lohnerhöhungen von durchschnittlich 2,39 M. pro Woche für 1148 Kollegen tn 96 Betrieben. Die Schlichtungskommission hatte sich mit einer großen Zahl von Differenzen zu beschäftigen, die infolge von Abzügen und zu geringer Bezahlung von neuen Mustern entstanden waren. Heber 559 Anträge hatten die Vertreter der Schlichtungskommission zu verhandeln. In 15 Sitzungen erledigte die Kommission 222 Fälle. DaS Einigungsamt erledigte 11 Streitfälle in 7 Sitzungen. Der paritätische Arbeitsnachweis hatte auch im verflossenen Jahre noch mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die obli- gawrische Vermittelung stieß sowohl in den Reihen der Arbeitgeber, als auch bei einem Teil der Arbeiter auf Widerstand. Beschwerden, die von beiden Seiten erhoben wurden, führten schließlich zur ge- meinsamen Aufstellung eines Regulativs. Die VermittelungS. tätigkeit hat erheblich an Umfang zugenommen, auch die Branchen. für die der paritätische Arbeitsnachweis zuständig ist, sind durch Hinzutreten der Kistenmacher vermehrt worden.— Der Arbeitsnachweis des Verbände» entfaltete eine befriedigende Tätigkeit. Die Veranstaltungen der Jugcndkommission deS Verbandes wurden im Winterhalbiahr rege in Anspruch genommen. Besonders die Versammlungen wurden besser besucht als im vorigen Jahre Die Kassenabrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe für die Hauptkasse mit 742 341,95 M., für die Lokalkasse mit 912 629,87 Mark. Für Unterstützungszwecke wurden ausgegeben: An Arbeits. lose 439 993 M., an Kranke 193 949 M.. an Streikende 152 617 M., an Gcmaßregelte 45 137 M., an die Mai-Ausgesperrten 68 338 M., Sterbegeld 12 955 M., sonstige Unterstützungen 14 214 M. In seiner mündlichen Berichterstattung gab Glocke eine all- gemeine Betrachtung der wesentlichsten Vorgänge im verflossenen Jahre. Er schloß mit einem Hinweise auf die scharfmacherischen Bestrebungen, die in letzter Zeit besonders im preußischen Herren- hause sowie im Zlbgeordnetenhause zum Ausdruck gekommen sind. Um derartigen Bestrebungen, wie Einschränkung des Koalitions- rechts usw., wirksam entgegentreten zu können, müssen alle Kräfte an den Ausbau und die Stärkung der Organisation gesetzt werden. Nachdem der Kassiere. Ingenieur-,! Techniker-,.Werkmeister-, Mon-I teur-AuSbilp., Maschincnlabora. I torium. sjgUgsMgnlIkUf8U8. 1 3 Prosp. trei E. 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