Kr. TS. Bbonnemcnts-Bcdlngungen: aSormemenö• PreiZ Stänumcronbo; LierteljShr!. 5,SO SRI, monolL 1,10 SRt, wöchenllich 28 Pfg, frei WZ Haus, Sinzeine Nunnner o Pfg, Sonntags- nunnner rnil iiiuftrierter Sonntags- Beilage.Die Nene Weil' 10 Pfg, Post- Slbonnemmit 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mar! pro SRonat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Täncmarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 89. Jahrg. Dte TnlerflonS'Gebfllp vcträgt für die sechsgespallenc Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und aewerlschastllche Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen ZO P'g, „Kleine Hmcigen", das sestgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fetlgedruille Worte), jedes weitere Wort 10 Pjg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort �"Z Pfg, jedes wettere Wort b Pfg. Worte über 15 Buch- [laben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müiscn bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Di« EFpcdttion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, £rfd)(lnt tZgNch auBtr tilontags. Devlinev Volksblatt. Zentralorgan der fozlaldemokratlfcben partet Deutfcblands. Telegramm- vdreff« „Sozialdcmckrat Rcrlia". Das ßanditentum und die Geiellfcbaft. Paris, 26. März.(Eig. Ber.) Die fortgesetzten Schreckenstaten der Automobilräuber geben der bürgerlichen Presie den Anlag zu Betrachtungen unO Forde- rungen, die.bei aller Verschiedenheit der Gesichtspunkte und Ten- denzen doch die Unfähigkeit gemeinsam haben, dem Problem des Verbrechertums, das der bürgerlichen Gesellschaft gestellt- ist, auf den Grund zu gehen. Der vulgäre Radikalismus, der geistig von der Hand in den Mund lebt, mag sich oamit begnügen, es zu einer Verwaltungs- oder gar zur blohen Personenfrage herabzudrücken — als ob daS mit den Grundschädcn der kapitalistischen Kultur zusammenhängende Ucbcl beseitigt werden könnte, wenn Herr Lepine, für dessen professionelles Genie und administratives Gc- schick hier durchaus keine Lanze eingelegt werden soll, seinen Platz einem anderen Polizei fachmann einräumen würde. Gesetzt selbst den utopischen Fall, Sag im Bourgeoisstaat ein moderner, sozial- politisch erleuchteter Polizcipräfekt ernannt werden würde, der einen Hauptteil seiner persönlichen Kräfte und materiellen Macht- mittel nicht dem Schutze des kapitalistischen Profits, seiner Nutz- nießer und seiner Werkzeuge oor den politischen und gcwerkschaft- lichen Bestrebungen des in den Klassenkampf eingetretenen Pro- letariatZ widmen wollte und müßte, so bliebe doch das Verbrechen als soziale Masscnerscheinung seinen besten Bemühungen uner- rcichbar. Die großbürgerliche Presse freilich macht es sich leicht, indem sie über die.falsche Humanität" zetert, die oas Verbrecher- tum begünstige. Wenn je der Beweis erbracht war, daß man mit der Verschärfung des Vergeltungsprinzips dem Verbrechertum nicht beikommt, so gerade in den letzten Jahren, seitdem wieder fleißig guillotiniert wird. Die Argumcnticrung dieser Blätter läuft zu- letzt auf dasselbe hinaus, was die ganz oder halbklerikalen Fei- tungen aus den blutigen Geschehnissen folgern möchten: die Rot- wcnoigkeit einer verstärkten.Autorität", deren Schützer in einer Kette, die vom lehrenden Pfaffen bis zum Henker geht, den geord- neten Gang der Gesellschaft regeln. Nun zeigt die Geschichte ver- gangenci Epochen, daß einerseiis viel interessierte Schwarzmalerei und andererseits tendenziöse Entstellung der Wahrheit in diesen, auf die Erzeugung einer sozialen Panik berechneten Predigten steckt. Nachgewiesenermaßen war die Sicherheit in Paris und auf den Landstraßen zur Zeit Ludwigs XIV., da die Kirche noch das Ge- müt der Mafien beherrschte und die staatliche Justiz an Grausam- keit doch wohl die ausschweifendsten Wünsche der autoritätswüt'gstcn Zeitgenossen übertraf, noch weit geringer. Man darf auch nicht übersehen, daß das Entstehen der Großstädte das Verbrechertum konzentriert und die Entwicklung des Nachrichtenwesens in der Presse den Eindruck, den ein einzelnes Verbrechen auf die Gesellschaft machen kann, ungeheuer verstärkt hat. Gleichwohl ist sicher zuzu- geben, daß die letzten Jahrzehnte eine Zunahme besonders de? jugendlichen Verbrechertums zeigen. Wie ist dies zu erklären? Natür- lich haben die Reaktionäre dem seichten Rationalismus Oer Bour- geoisdemokratie gegenüber ein leichtes Spiel, der sich und der Welt eingeredet hall mit weltlichem Moralunterricht und Aufklärung die Nation zur Praxis eines humanitären SolidariSmus zu führen. Aber die sittliche Verwilderung der Großstadtjugend hat wahr- haftig nichts damit zu tun, oaß dieser keine.Religion" einge- trichtert wird. Sie ist die natürliche Frucht der Ausbreitung der Prostitution, die mit ihren bürgerlich-honettcn und ihren illegalen Nutznießern ganze Stadtviertel beherrscht, des Wohnungselends und der Verlassenheit der Proletarierkindcr, der Trostlosigkeit der Existenz, wie sie die heutige Gesellschaft der arbeitenden Jugend darbietet, Oes Alkoholismus, der verrohenden Presse, die in der Regel die einzige geistige Nahrung der jungen Leute gerade im kritischen Pubertätsaltcr ist und das in der Weltstadt, wo das kapitalistische Schmarotzertum der ganzen Welt zusammenströmt, das tausendfach dargeboten« Schauspiel dcS schrankenlos genießen- den Müßiggangs, des niedrigsten Materialismus und ZyniSmuS. Wenn eine unberatcne Jugend sieht, wie ein skrupelloser Erfolg- jäger durch dreisten Gestnnungsverrat zur Höhe Oer Macht im Staat emporsteigt und von der herrschenden Klasse gleich einem Heros gefeiert wird, wenn jeden Augenblick irgendeine Eiterbeule der Gesellschaft aufplatzt und die triumphierende Gier nach Gold und Macht jede höher« Regung zum betrügerischen Vorwand oder zur Selbstdüpicrung zu stempeln scheint, was Wunder, wenn sich in den hoffnungslosen Massen die gleichen Triebe— nur in bru- talcren. weniger kultivierten Formen— kunogeben? Wohl ist nichts einfältiger als die Spicßcrheuchelci. die etwa in Deutsch- fand muckerisch über das„entartete" Frankreich die Augen ver- dreht. Im französischen Proletariat ist ein über seine Wege oft nicht klarer, aber uncntwurzclbarcr, stürmischer Idealismus lebendig, kerngesund ist die Masse des mühselig für des Lebens Not- dnrfi schaffenden Landvolkes, dem der bürgerliche Staat die Lasten eine»[Aq zum Wahnsinn steigernden Militarismus auflä�, noch ist auch eine breite Schicht geistig Arbeitender: Gelehrter. Lehrer, Künstler in selbstlosem Dienst für oie großen Gegenstände der Menschheit tätig— aber wie schwer gelingt es der Stimme aus dieser stillen Welt, den wüsten Lärm der Jagd um Reichtum und Scheinwürde zu durchdringen! Und dann noch eins! Die Gewalttätigkeit ist wieder zu so- zialcn Ehren gekommen. Vielleicht sind es künstliche Gewitter, die der Gesellschafj durch die Glieder zucken. Der Syndikalist und spätere Monarchist Sorcl schreibt..Reflexionen über die Gewalt". der sanfte Maurice Maeterlinck einen Hymnus über das Boxen, bei allen Buchhändlern sind die Schaufenster mit Werken über den.unausbleiblichen" nahen Krieg gefüllt. Aber auch der Lunipenproletarier, der Entartete entzieht sich nicht dem allge- meinen Gesetz der sozialen Psyche. Der Streikbrecher schießt Streikend? nieder, der parasitische Verbrecher, der unter anderen Umstände!' vielleicht ein kleiner, scheuer Dieb geblieben wäre, wird »um Wegelagerer und Mörder. Die Unredlichkeit einiger Bour- gcoiszeitungen hat das Schlagwort von den„anarchistischen" Ban- diten gefunoen, weil die Angehörigen der Verbrecherzunft, um ihren Unternehmungen einen romantischen Anstrich zu verleihen, gelegentlich mit dem Phrasenschatz einer jammervollen, anarchistisch- individualistischen Schwachsinnsliteratur kokettieren, obgleich sie doch weit weniger als die berühmten Straßenräuber des 18. Jahr- Hunderts, wie Mandrin und der deutsche Sonnenwirt, auf irgend- eine Zugehörigkeit zu den revolutionären Bestrebungen ihrer Zeit Anspruch erheben dürfen, da jene sich doch mit Vorliebe an den Vertretern und Werkzeugen des absolutistischen Schinderstaats ver- griffen, wogegen sie ihre Opfer ohne jeoe Sentimentalität unter Proletariern und Angestellten suchen. Mit dem Anarchismus, der die Menschheit— wenn auch auf falschem Wege— einer freiheitlichen und gerechten Ordnung zuführen will, haben die Desperados des Banditentums nichts zu schaffen. Wohl aber ist in ihrer Geste per— in erkrankten Naturen ausgelöste— Antrieb erkennbar, der henziitage von„Energieprofessoren" als der Menschheit wert- vollste Mitgift gepriesen wird. Vielleicht könnte der Völkerpsycho- löge auch zu der Ansicht kommen, daß die beispiellose Tollkühnheit der Pariser Verbrecher die ins Milieu der Entartung übersetzte Gloire-Eitelkcit, aber auch die Bravour ist, die der französischen Aviatik ihre erstaunlichen Erfolge gebracht hat und mit Recht als ein Vo-zug des französischen Temperaments gerühmt wird, weil sich eben der gezüchtete historische Typus der Rasse unter ver- schiedenen sozialen Bedingungen verschieden durchsetzen muß. Im Verbrechertum von heute sind sicher Kräfte vorhanden, die ein sozialer Heilungsprozeß der Gesamtheit nutzbar machen könnte. Der Widersinn und oie Ucbcrlebtheit der kapitalistischen Ordnung aber geben sich auch in der überhandnehmenden Verwüstung dieser Kräfte kund, die sich nun gegen sie selbst richten. Darin und in der forftchreitcndcn Anpassung des Verbrechertums an den tech- nischen Fortschritt zeigt sich eine grotesk« Widerspiegelung des ökonomischen Prozesses, der die Produktivkräfte zur Rebellion gegen die Produktionsform treibt. Auch oie Geschichtsperiode vor der bürgerlichen Revolution hat diese innerliche Zersetzung gesehen, das Verfaulen der herrschenden Schichten und die Revolte des an. schwellenden Heeres der Gesetzlosen— bis das zur Herrschaft reifgewordene Bürgertum die Diktatur seines Gesetzes aufrichtete. So wird auch der Räuber mit dem Revolver nur zugleich mit dem legalen Profitmacher überwunden werocn. Der Kampf für die Zivilisation kann nicht gegen den»bleichen Verbrecher" allein aus- gefachten werden. Die kergarbeitesdeivegling. Die englischen Bergarbeiter bleiben fest. London, 29. März.(Privatdepesche des„Vorwärts.") Lügen haben kurze Beine. Gestern wußte die bürgerliche Presse— der Maugel einer Arbeiterpresse wird immer unerträglicher— nicht genug Nachrichten � in die Welt zu setzen, die dahin gingen, daß die Bergarbeiter in ihrer großen Mehr- heit zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit seien und den Moment nicht erwarten könnten, wo die Gruben geöffnet werden. Heute muß sie selbst zugeben, daß alles Lug und Trug war. Die Bergarbeiter stehen wie die Mauer und sind entschlossen, das Resultat der Abstimmung abzuwarten, von deren Ausfall— und von ihm allein— die Fortdauer des Streiks abhängt. Nie war die Solidarität und Kampf- entschlossenhcit der gesamten englischen Arbeiterklasse größer und die Hoffnung der Regierung, die Bergarbeiter mit Gewalt oder List um den Kampfpreis zu bringen, wird sich nicht erfüllen. Die Urabstimmung hat bereits begonnen. Sie soll womöglich am Dienstag beendet werden, so daß das Ergebnis am Mitt- ivoch vorliegt. Heute erhält die Mindestlohnbill die Unterschrift des Königs. Ein erheblicher Teil der Grubenbesitzer soll nach dem Eingreifen der Regierung dem Prinzip deS Minimal- lohn es zugestimmt haben. Die DistriktSämter. die die verschiedenen Lohnsätze festsetzen sollen, werden wahr- scheinlich Anfang nächster Woche zusammentreten. Vertreter der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter sind schon in Unter- Handlungen, um baldigst die Distriktsämter erstehen zu lassen. Der Lergarbeiterstreik im böbmikcken LraunKoKlenrevier. Aussig, 28. März.(Eig. Ber.) Wie immer in solchen Kämpfen zwischen Arbeit und Kapital, stellt sich der Staat mit seinen Gendarmen auf die Seite der Unternehmer. 399 Streikende wurden bereits verhaftet, und es ist nicht zu erreichen, daß einer der Verhafteten freigelassen wird. Mit Gewalt soll der Streik zuungunsten der Bergarbeiter entschieden werden. Die Wirkungen des Streiks werden nicht nur darin sichtbar, daß die Jndustrieunternehmungen vielfach durch den Kohlenmangcl in der Produktion Einschränkungen eintreten lassen, vor allem leidet das Transportgewcrbe. Be- trächtliche Mengen von Kohlen gehen den Elbeweg. Dieser Transport hat nun völlig aufgehört, und die Schiffseigner entlassen ihre Bootsleute, wobei sie in vielen Fällen den Leuten den Lohn vorenthalten. Da es sich um reichsdcutsche Unternehmungen und ebensolche Arbeiter handelt, kann ihnen hier kaum zu ihrem Rechte verhelfen werden, trotzdem die � Leute nun vielfach aller Mittel so sehr entblößt sind, daß sie ' nicht einmal die Reise in die Heimat antreten können.— Mit diesen Arbeitern sind die sogenannten„Kohlenkarrer", die � Elbeschiffsverladcr, arbeitslos, die eben erst(im Winter � können sie diese Tätigkeit nicht ausüben) die Arbeit begonnen hatten. Es handelt sich um mehrere hundert Mann. Auch der Kohlentransport auf der Aussig-Teplitzer Eisen- I bahn, die das Streikgebiet der ganzen Länge nach durchzieht, � ist selbstverständlich lahmgelegt.— Das Kohtenverkaufs- bureau der österreichischen Mannesmann-Röhrenwerke in Komotau hat bekanntgegeben, daß es die Kohlenliesennig einstellt. Einigungsvcrhandlungen. Tcplitz, 28. März.(Eig. Ber.) Hier hat der Bergrat Hcißler . Unterhandlungen über die Beilegung des Kampfes eingeleitet. Bis i jetzt ist aber kaum entschieden, wie diese Verhandlungen geführt . werden sollen, ob zwischen dem Streikkomitee und den Vertretern der Grubenbesitzer oder zwischen den beiden Gruppen der Bergbau- gcnossenschaft. Allerdings haben bisher die Grubenherren immer erklärt, daß sie als Gruppe I der Bergbaugenossenschaft nicht kom- Petent seien, mit der Gruppe II zu diskutieren. Doch wird die Bergbehörde versuchen, das im Genossenschaftsgesetz vorgesehene Einigungsamt einzurichten, dessen Kompetenz dann nicht bc- stritten werden kann. Ein solches Einigungsamt funktioniert der- zeit in Mähr.-Ostrau zur Beilegung der Lohndifferenzen. Der Streik in Sachsen. Der Streik im Zwickauer Kohlenrevier ist zwar seit Sonnabend nicht mehr gewachsen, hat aber auch keine Verminderung erfahren. Die Hoffnungen der Grubenherren, daß der Kampf von seinem Höhepunkt ebenso rasch zurückflutet. wie im Ruhrgebiet, sind zu Wasser geworben. Sogar die den Grubenherren dienenden Blätter müssen jeden Tag von neuem bestätigen, daß der Stand des Streiks noch unverändert ist. Die Grubenherren sind wütend, daß ihr eindringlicher Appell an die Behörden, doch das Streikgebiet mit Gendarmerie zu überschwemmen, nicht nur nicht den geringsten Erfolg gehabt hat, sondern daß die Gendarmerie, dis bisher noch kein Mittel fand, sich die Langeweile zu vertreiben, sogar noch ver- mindert worden ist. Die Disziplin der Streikenden ist so fest, daß es noch nicht zum allergeringsten Zwischenfall kam. Tie öffentliche Meinung hat sich fast restlos auf Seite der Strei- kenden gestellt f bis weit in die Kreise des großen Bürgertunis spricht man verurteilend über das schroffe Verhalten der millionenschweren Grubengewaltigen. Selbst die große Ruhe der bürgerlichen Blätter kann für ein heimliches Sympathisieren mit den Streikenden gedeutet werden. Auf den Schächten sieht es schlimm aus: teilweise sind schon die Verbaue zu Bruch gegangen, ohne daß sie hätten wiederhergestellt werden können. Die Kohlenproduktion ist so schwach, daß die Bedürfnisse selbst der benachbarten Industrie nicht mehr bc- friedigt werden können. Einzelne Fabriken haben die Produktion beschränkt, um nicht teuere Kohlen aus anderen Revieren beziehen zu müssen. Alle Anzeichen sprechen für die günstige Situation des gegenwärtigen Streiks, und d'ü! Stimmung der Streikenden ist sehr gehoben. DaS Achtstundengesetz in Frankreich. Pari», 29. März. Die Deputiertenkammer setzte heute die Beratung deS Gesetzentwurfs über die Arbeitsdauer in Bergwerken fort Der Berichterstatter D u r a f o u r wieS auf die moralischen und sozialen Vorteile deS Gesetz- entwurfes hin. Minister für Arbeit und soziale Fürsorge Bour- g e o i s forderte eine Anwendung dcS Gesetzes auf alle Berg- arbeiter, meinte aber, die Zahl der Fälle, in denen das Gesetz nicht Anwendung zu sinden brauchte, müsse vermehrt werden. Er schloß mit dem Wunsche, daß der Gesetzentwurf noch vor den Ferien angenommen werde. iler russische lilerikalismu! am Pranger. Noch nie hat die russische orthodoxe Kirche einen solchen Ein- fluß auf die Staatsgewalt ausgeübt, und zugleich noch nie hat sie einen solchen moralischen Tiefstand, einen solchen Grad der Zer- setzung und Korruption erreicht, wie unter der„glorreichen" Re- gierung Nikolaus II. Stets ein Instrument der VolkSunterdrückung und der Volksverdummung, hat sich die russische Geistlichkeit in den Jahren der Gegenrevolution als die wichtigste Bundesgenossin der junkerlichen Reaktion gezeigt, als deren Sachwaltcrin sie sich an die Spitze der„schwarzen Hundertschaften", der Pogromorganisationen der Regierung stellte, das Volk durch eine unerhörte Hetze fanati- sierte und alle Scheußlichkeiten des Galgenregimcs sanktionierte. Mit derselben Bereitwilligkeit, mit der sie die unschuldigen Opfer der Zarenregierung an den Galgen geleitete, segnete sie oie Banner der„ecktrussischen" Pogromorganisationen, verbündete sie sich offen mit der Polizei und den Gendarmen, stürzte sie sich bei den Duma- Wahlen in die Agitation zugunsten der Regierungsparteien, und trat sie in der Duma des Staatsstreichs als die tatkräftigste Bc- fürworterin der volksfeindlichen, chauvinistischen Politik der Re- gierung auf. Die vereinzelten auftechten Männer unter der Geist- lichkeit wurden ihres Amtes entsetzt oder verbannt, und die Herr- schaft über die orthodoxe Kirche geriet immer mehr in die Hände rücksichtsloser Streber, die im Priesterrock die Funktionen der geist- lichen Polizei der Regierung ausübten. Der Lohn für diese Judas- rolle der russischen Geistlichkeit blieb natürlich nicht aus. Die Re- gierung im Berein mit der dritten Duma bewilligte für das geist- sich? Ncssort jährlich immer größere Kredite Ulli» bcrstäxste seinen vinfkutz auf die gesamte Verwaltung. Der Etat des geistlichen Ressorts beläuft sich gegenwärtig auf 48 Millionen Rubel; der Be- sitz der Kirchen und Klöster, der bereits in den neunziger Jatzrcn nach amtlichen Angaben einen Wert von 116 Millionen Rubel repräsentiert hat, steigt infolge reicher Zuwendungen mit jedem Jahre; der Einflujz der Geistlichkeit aus die Schule, die Presse, die innere Verwaltung wird von der Zentralrcgierung auf jede Weise verstärkt. Anderseits zeigt es sich allerdings, daß die breiten Schich- ten der Bevölkerung sich infolge dieser Evolution der Geistlichkeit immer mehr von der orthodoxen Kirche abwenden, zu verschiedenen Sekten übergehen und die offiziellen Vertreter des Christentums auf dieselbe Stufe stellen wie die besoldeten Agenten des Staates — die Verwaltungsbcamtcn, die Polizisten, die Lockspitzel der Rc- gierung. Eine tiefe Irreligiosität, verbunden mit einem heftigen Abscheu vor den Vertretern der Staatskirche, dringt in daS Volk ein. das jetzt erst seiner geistigen Emanzipation entgegengeht. Die Früchte dieser Zirchenfeindlichen Bewegung dürften sich schon bald zeigen, vorläufig aber beherrscht der kriegerische KlcrikalismuZ das Feld, der, vielleicht in Voraussicht der nahenden Kämpfe, das zer- schlisscne Mäntclchen des offiziellen Christentums selbst von sich wirft, im Bunde mit den brutalsten Gewalten des PolizeistaateS gegen die„Zweifler" und„Ungläubigen" ins Feld zieht und im übrigen nur das eine Ziel verfolgt— den geistigen Aufstieg des Volkes durch eine wütende Rassenhetze, durch das Aufpeitschen der niedrigsten Instinkte der rückständigen Elemente des Volkes niederzuhalten. Das hier geschilderte Bild wäre unvollständig, würde nicht noch das wüste Bachanal in Betracht gezogen werden, das seit cini- gen Jahren unter der Mitwirkung einzelner Geistlicher und „Wundertäter" am Zarcnhofe stattfindet. Zar Nikolaus II. hat stets verschiedene Abenteurer,„Propheten",„Wahrsager" zu sich herangezogen und sie zu seinen Günstlingen gemacht. Dieser Hang zum Mystischen paart sich bei ihm mit einem krankhaften Streben nach geistlichen„Offenbarungen", und so kam es denn, daß die widerlichsten Elemente der Geistlichkeit, Streber, Abenteurer, Betrüger sich an den Zaren herandrängten. Man braucht nur die Namen I l l i o d o r und R a s p u t i n zu nennen, um eine Vor- sicllung von dicseni Treiben zu gewinnen, das in der letzten Zeit einen trankhaft-pathologischen Anstrich angenommen hat. Dieses Bachanal hat namentlich unter dem„Wundermönch" R a s p n t i n einen solchen Charakter angenommen, dass streng monarchisch gc- siiinte Kreise gegen den„holsteinischen Dcgenerantcn"— wie ein cchlrussischer Abgeordneter den Zaren genannt hat— zu revoltieren beginnen. Rasputin, ein ungebildeter Bauer aus einem sibirischen Gouvernement, ist der erklärte Liebling der Kaiserin und der Günstling des Zaren, auf den er einen fast unbegrenzten Einfluß ausübt. Nebenbei veranstaltet er unter der Mitwirkung der Damen aus den höchsten Kreisen die wahnsinnigsten Orgien und nimmt mit der Kaiserin und anderen hysterischen Weibern aus der Hos- gescllschaft„Wundcrkurcn" vor, die ob ihres offensichtlichen Er- solgcs den Glauben des schwachsinnigen Zaren an die„Heiligkeit" Nasputins noch mehr gefestigt haben. Bei der halb orientalischen Despotie, die trotz allen europäischen Flickwerkcs im Staatswesen, die Grundlage der russischen„Verfassung" bildet, ist es begreiflich, daß der Abenteurer Nasputin die einflussreichste Person im Staate geworden ist und die Minister wie Schulbuben abkanzelt. Stolypin brachte ihm Huldigungen dar, und'Kokowzew wagt es nicht, seinen Befehlen entgegen zu handeln. Alle diese Tatsachen sind dem ganzen Lande bekannt und haben, wie der Oktobristensührer G u t s ch k o w sich in diesen Tagen anläßlich der Rasputin-Jnterpcllation in der Duma ausdrückte, im Verlaufe weniger Jahre das vollbracht, was weder die revolutionäre, noch die kirchenfeindliche Propaganda aus- zurichten vermochte. Diese G ü n stl i n g s w i r t sch af t, die an die schlimmsten Zeiten des IL. Jahrhunderts mit ihren Birons, Potemkins usw. erinnert, ist es, die jetzt die regierungstreuen Parteien gegen Rasputin, mit anderen Worten gegen den Zaren- Hof mobil gemacht haben. Es ist die Furcht vor dem mächtigen Abenteurer, die Unsicherheit der eigenen Existenz vor den Wahn- sinnsausbrüchen des Zaren und den Intrigen höfischer Cliquen, die sogar die lainmfrotnmcn Oktobristen veranlasst hat, ihre Jnter- pcllation wegen der Rasputin-Affäre einzubringen. Sie würden nichts dagegen einzuwenden haben, daß in Zarskoje Selo Orgien gefeiert werden; sie würden sich auch damit abfinden, daß die blaublütigen Adelsgeschlechter durch die„Wunderkuren" Rasputins mit Plebejervlut„infiziert" würden; aber sie sträuben sich mit Händen und Fussen dagegen, daß die Zarengünstlinge auch den privilegierten besitzenden Gesellschaftsklassen gegenüber dieselben Rcgierungsmethoden zur Anwendung bringen, die lediglich den Arbeiter!,, den Bauern und den„Fremdstämmigen" gegenüber als eine„staatliche Notwendigkeit" erscheinen. Und endlich fürchten sie, daß solch- Affären, wie die Jlliodor- oder Rasputin-Affärc, die Monarchie und die Kirche vor dem Volke in einer Weise kam- promittieren könnten, die diesen, für die zahlungsfähige Bourgeoisie so notwendigen Institutionen, einen guten Teil ihrer Festigkeit rauben würden. Die jetzt aufgebrochene Eiterbeule, die den C z e n- st o ch a u c r K l o st e r s k a n d a l wirkungsvoll ergänzt, zeigt zur Evidenz,>vie schwankend und hohl das Gebäude ist, das die Drei- cinigkeit der Konterrevolution, Absolutismus, Kirche und Kapital, auf dem blutenden Rücken der Völkerschaften Russlands auf- gerichtet hat.___ Dk Revolution In Cblna. Reue Unruhen. Pcling, 29. März. Wie das Reutersche Bureau meldet, sind in Nanking ernstliche Unruhen ausgebrochen. Soldaten haben heule ausgedehnte Plünderungen vorgenommen. Schanghai, 2g. März. Die Unruhen i n S u t s ch a u sind wahrscheinlich dadurch entstanden, daß chinesische Soldaten an dem Besuch eines Theaters, in das sie, ohne Eintrittsgeld zu zahlen, einzudringen versuchten, verhindert wurden. Tie Soldaten plün- dcrten und beraubten verschiedene Häuser des Bezirks, in dem eine grosse Anzahl Fremder lebt; mehrere Häuser wurden nieder- gebrannt._ politifcbc Oeberfkht; Berlin, den 29. März 1912. Das Zentrum und die Ostmarkenzulagen. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß bis zur dritten Lesung de? Skats eine VerstänSigung mit dem Zentrum über die BeiLehaliung der Ostmnrkenzulagen erreicht wird. Viel bemerkt lvurde, daß am Donnerstag, kurz vor der entscheidenden Abstimmung im Reichstage, der Adlatus des Reichskanzlers. UnkerstaatSsckretär Wahnschaffe, sehr eingehend mit Herrn Spahn verhandelte. Für die zweite Lesung allerdings ohne Erfolg, denn so ganz unmotiviert kann das Zentrum doch uicht umfallen. Die Grundlage für den Kuhhandel wird folgende sein: Der Staatssekretär hatte betont, die im Osten gezahlten Zulagen seien lediglich eine Entschädigung dafür, daß die Be- muten in gemischtsprachigen Gebieten erheblich mehr Arbeit hätten. Daran will daS Zentrum nun anhaken, um diese Zulagen auch für die Postbeamien in den Reichslande» zu bekommen. Natürlich runss die Zulage dann auch in den Teilen Schle-Zwig-Hvlsteins bezahlt werden, in denen ein Teil der Bevölkerung dänisch spricht, und vermutlich sollen sie auch die Postbeamten in den masurischen und wendischen Gebiekeit erhalten. Damit meint man den Zulagen den Charakter der besonderen Lehrer, ja allerdings keine Sozialdemokraten si'it dürften 1 Der Freisiwl in Preußen könnte also vom bayerischen Liberalismus noch mancherlei lernen._ Wahlrechtsänderungen in Lippe. „.,.- Der lippische Landtag bat heute die Vorschläge der von ihm Vergunsirgungeu aus politi,chen Rücksichten genommen zu haben und zur Vorprüfung eingesetzten Kommission über die WaylrechtSänderung eS kann als sicher gelten, daß für diesen Kuhhandel sich cine Mehr-> angenomm.n. Durch den Widerstand der Konservativen ist die an- heit im Reichstage finden wird. Die prcnstifche Regierung nnd die Heimatlosen Nordfchlcswigs. Sechsrmdvierzig Jahre sind verflossen, seit Preußen seine große' Tatze aus Schlcswig-Holstcin legte, aber noch immer haust die preußische Verwaltung in dem nördlichen Teile dieser Provinz wie in einem eroberten Lande. Eine der skandalöseste» Maßnahmen. der preußischen Regierung ist die Hetze gegcni die Heimatlosen. � Diese Heimatlosen— einige Tausend an der Zahl— sind in der Mehrzahl arme Arbeiter. Ihre Väter kamen nach dem Kriege 1864 aus Dänemark ins Land. Bis 1898 waren die. Söhne dieser Ein- gewandertem weil sie im Auslände geboren waren, nicht dänische ReichSanxchörige. sie sind aber auch nicht preußische Staatsangc- hörige.(Seit 1898 erkennt Dänemark die im Auslände Geborenen als dänische Staatsangehörige an.) Sie haben einfach keine Heimat- Zugehörigkeit. Die preußische Benvaltung kann mit ihnen, machen, was sie will. Am bekanntesten ist wohl der Fall Egholm gcwor- dem der auch jetzt wieder von sich reden macht. Ter Arbeiter Mads Egholm hat mit Unterbrechungen schon ein Vierteljahr im Ge- sängnis gesessen; w<4 er der Ausweisungsorder der Regierung in Schleswig nicht gefolgt ist. Er ist in Nordschleswig geborene hat hier ununterbrochen gelebt, ist mit den Gebräuchen des Landes vertraut und hat feine Familie recht und schlecht ernährt. Aber er ist nicht preußischer Staatsangehöriger. Er will nun der Aus- Weisungsorder nicht folge!-; denn wo soll er hin? Er ist auch nicht dänischer Staatsangehöriger— er ist heimatlos. Er hat nichts der- brachen; was irgendwie nach dem Strafgesetz strafbar ist, die R» gierung bestraft ihn einfach auf Grund des§ 182 des Gesetzes über die allgemeine LandcSverwaltung vom 39. Juli 1883. Eden, erst hat Egholm das Gefängnis verlassen, da erhält er schon wieder eins Verfügung der Regierung zu Schleswig, daß gegeu ihn eine Strafe von 390 M. eventuell 4 Wochen Gefängnis festgesetzt worden istz weil er der Aufforderung vom 23. März d. I., das preußische Staatsgebiet innerhalb 24 Stunden zu verlassen, nicht nachgekommen ist. Wenige Stunden nach Ablauf dieser Frist erhielt Egholm eine zweite Aufforderung das Land innerhalb 24 Stunden zu verlassen unter Androhung einer neuen Strafe von 399 M. oder 4 Wochen Haft. Da Egholm das Land, wo er geboren ist, nicht verlassen will,. wird er bald wieder im Gefängnis sitzen. Ob die preußische Regierung gar kein Gefühl hat für das Kc- hässige, das in diesen Massnahmen liegt? gestrebte Reform des KlassenivablrcchtS allerdings vereitelt worden, aber es konnten doch einige Verbesserungen erreicht werden, die für � die Arbeiter nicht ganz unwichtig sind und woran cS in manchen Bundesstaaten noch lehlr. So ist die Vorschrift, daß jeder Wähler die lippische Staate- an geHörigkeit haben müsse, beseitigt worden. DaS Gesetz bcstimnii: Wahlberechtigt ist auch derjenige über 25 Jahre alte männ- liche Angehörige eines anderen deutschen Bundesstaates, welcker seinen dauernden Wohnsitz während der letzten drei Jahre vor der Wahl im Fürstentum Lippe gehabt hat. Daneben bleibt jeder wahlberechtigt, b-c sich bis zum Tage der Wahl die Staatsangehörigkeit verschafft. Vollständig auf- gehoben worden ist die Bestimmung, daß Personen, die Armen- Unterstützung empfangen haben, nicht wählen können. Auch in Beziehung ans die Wahrung des Wahlgeheim» n i s f e s ist der Landtag über die entsprechenden Bestimmungen deS RcichStagSwahlgesetzeS Hinausgegange», indem er über die Beschaffen- heit der Urnen Vorschriften erlassen bat. Es heißt jetzt im Gesetz: DaS Wahlrecht wird in Person durch Abgabe emeS Stimm- zettelS ausgeübt, welcher von dem Wäbler vor der Abgabe un- beobachtet in einem Sonderraum des Wohllokals in einen amtlich abgestempelten Umschlag zu legen ist. Ter Stimmzettel muß von weißem Papier und darf ebenso wie der Umschlag mit keinem äußeren Kennzeichen versehen und nicht unterschrieben sein. Die Umschläge sind von dem Wahlvorstand ohne Prüfung deS Inhalts in eine Urne zu legen, die so geräumig sein muß, daß die Um» schlüge durcheinander fallen können. Schließlich ist im Gesetz noch bestimmt, daß die Wahlhandlung der 3. Klasse mindestens 8 Stunden dauern mutz. Gewählt wird in den drei Klassen direkt. Was noch fehlt, da» ist die Beseitigung der Klassenwahl. Dazu wird eS aber wohl noch mancher Arbeit bedürfen._ Gemeine Ehrabschneiderei. Gestern stand die„Deutsche Tageszeitung" im Reichstag am Pranger. Daß sie wider besseres Wissen in perfider Weise die persönliche Ehre ihrer politischen Gegner ailgreift, wurde in unwiderleglicher Weise nachgewiesen. Selbst der sonst so wortgewandte Oertcl konnte nur ein paar Perlegenheitsworte stammeln, den moralischen Mut, bas Schmähliche der Handlungsweise seiner Leute einzugestehen, brachte der literarische Klopffechter der Agrarier natürlich nicht auf. Heute verübt die„Deutsche Tageszeitung" noch eine viel ekelhaftere Niederträchtigkeit. In einem Bericht ihres Pariser Korrespondenten, eines Individuums, das selbst unter den Leuten des Herrn Oertel durch seine Verleumderische Gehässigkeit hervorsticht, wird behauptet, der Häuptling der Pariser Automobilräuber, der überhaupt noch nicht festgestellt ist, sei ein eifriges Mitglied der sozialdeüia- t r a t i s ch e n Partei und ein Bertrauensmann der sozial- demokratisch organisierten Erdarbeiter, wobei der Kerl natiir- lich wissen muß, daß die Pariser Erdarbeiter im Gegensatz zur französischen Partei stehen und eine anarchistisch-syndi- kalistische Gruppe darstellen. Doch das ist Nebensache, und darüber würden wir noch kein Wort verlieren, denn wir sind es schon gewohnt, daß in der„Deutschen Tageszeitung" syste- matisch und absichtlich Anarchismus, Syndikalismus und So- zialdemolratie identifiziert wird. Aber diese Lüge ist für den Oertelmann nur das Sprungbrett, um sich zu folgender Ge- meinheit aufzuschwingen: „Man sieht also auch in diesem Falle, daß die Sozialbcmo- kratie die beste Lorschule zur Begehung von Eigentumsverbrechen und Mordtaten bildet." Der das geschrieben hat, ist ein verleumderischer Lump. Herr Oertel, Mitglied des Tentsck>:n Reichs Auf den Pfaden des geplanten Znchthausgesefces. Findige Elberfelder Richter haben sich daran gemacht, daS drohende Zuchthausgesetz gegen die Eircikposten schon vorweg. zunehmen und auf Grund der bestehenden Gesetze das Streik- postenstehen mit Gefängnisstrafe zu bedrohen, obgleich das Delikt noch nicht begangen ist und infolgedessen natürlich auch noch nicht irgendwelche auf Grund des bestehenden Rechts zu bestrafende Unzuträglichkeiten sich dabei ereignen konnten. In Solingen sind Schneider ausgesperrt. Die Ausgesperrten haben natürlich das gesetzliche Recht, Streikposten zu stehen, denn vorläufig existiert das ersehnte Verbot des Streikpostenstehens noch nicht. Die aussperrenden Firmen aber hatten Vertrauen zu den prcussi» schö» Richtern. Sie klagten gegen die Ausgesperrten vor dem Landgericht Elberfeld, und dieses hat die"olgende „Ein st weilige Verfügung"- erlassen: „In Sachen 1. der Firma G. Artmeier, offene.Handels, gesellschasr, 2. der Firma S. Gaertucr, 3. der Firma W. Oppen» heimer. sämtlich in Solingen, Aniragstellerinnen, vertreten durch die Rechtsanwälte Esch und Dr. MauLf_in Elberfeld, gegen (folgen von 1 bis 31 die Nennen von 29 schneidern, einem Buchdrucker und unter Nr. 21 die Ortsgruppe<-o>»/,-gen des Vcr» bandeö der Schneider und Schneiderinnen) An»�igSgegner, hat das Königliche Landgericht, Zivilkammer 3, am 23. März 1912 für Recht erkannt: Im Wege der einstweiligen Verfügung wird gemäß ZZ 933, 949, 899 der Zivilprozessordnung den Antragögegnecn zu 1 bis 31 unter Androhung einer H a f t st r a f e bis zu sechs Monaten für jeden Fall derZuwider» Handlung, vor dem GcschästSlokale der An» t r a g jt e l l e r i n n e ii,» a m e n t l i ch z u mehreren Personen, als Posten zu stehen und ins» besondere hierbei durch Ansprechen, Nachziehen, Anfassen und ähnliche Massnahmen die Passanten von dem Betreten der Geschästslokale der Nntragstcllerinnen ab» zuhalten. Ter AntragSgegnerm zu 21, vertreten durch ihren Vorstand. den Vorsitzenden...... wird gleichfalls unter Androhung der oben erwähnten Strafen für jeden Fall der Zutoiderljaiidlung untersagt, den Vorerwähnten Postendic ist vor' den Geschäfte- lokalen der Antragsicllerinnen weiter za unterhalten.— Teil Antragsgegncrn werde» die Kosten dieses Verfahrens auferlegt. gez. Crigee. Gerecke. von Wehren. Ausgefertigt: gez. Thomas, Gerichtsschreiber des 5kg I. Landgerichts. Beglaubigt: Esch, Rechtsanwalt." ES ist klar, daß diese„Einstweilige Verfügung" direkt nn» gesetzlich ist. DaS Gericht laiin nur einstweilige Verfügungen er» .„.■■■,-.-■.......... lassen mit der Wirkung, daß Strafe angelroht wird, wenn es sich ffl-■ u"t iic Erfüllung eines Vertrages Hände t oder um die Unter. WM Blatt eineAblaaerilNgsstatte der niediigitenepchmahungen �-su, ig rechtswidriger Handlungen. Vorläufig ist das Ctreik- '.st. iL Kollegen sind emaime? w u r 9 t g. postcnsteheu noch eine rechtlich erlaubte Hindlung. Mit dem Ar- »„-.».r-lfrf,.... beitsvertrag hat das Strcikpostcnstehcn gar nichts zu tun; die Sturm im bayerischen Landtag. � Arbeiter sind ausgesperrt, und selbst wenn sie streikten, so wüid.m In der oayenichen Aoaeordneteutaunner ging eS am �-reitag Streikenden die-— wieder' IMMM hatte 0,...,.——......—...„o 452, 133 der Gewerbeordnung zur Seite r enttnal lebt stmnnich zu. Der gentriimSabgevrdnete H e ld stcheii. Tie Aufstellung von Posten, um Arleitswillige oder Ar» in-einer Versammlung in �wandott ausgeführt, bcitsuchende von de: Tatsache des Streiks oder der Ausspctrung MWMMDMMsMWMMMs sM zu unterrichten, hängt mit dem| ein Mann von Ehre der liberalen Partei nicht mehr angehören dürfe. Darauf gab der Abg. Dr. Günther namens der Liberalen in der FteitagSsitzung die Erklärnng ab, daß der Aög. Held vom Zentrum für sie künftig parlamentarisch un d gesellschaftlich nicht mehr existiere. Als der Präsident bebanpkete, eine solche Erklärnng überschreite daS Maß deö Zulässigen und sei noch nicht dagewesen, rief Dr. Günther: Auch eine solche Ursache war noch nicht da! Die Rechie«nd daS Zentrum erhoben großen Lärm und verließen zum größten Teil den Saal. Erst nach längerer Zeit gelang es dem Präsidenten, die Ruhe wieder soweit herzustellen, daß Dr. Günther in seiner Rede fortfahren konnte. Wenn sich das Zenirum und die Rechte so sehr über die aller- hängt mit dem Arbeitst ertrag selbst in keiner Weise zusammen, also fehlt hier jede reck tliche Grundlage, gegen Streikposten vorzugehen. Aber auch recht-widrig ist das Streik- postenstehen an und für sich nicht, und es fällt sonach die andere Möglichkeit, durch einstweilige Verfügungen das Postenstehen zu verhindern. Der gute Wille der Richter, de» Unternehmern ent» gegenzukommen, ist anzuerkennen, aber die Obergerichte werden sich doch wohl dazu verstehen müssen, Entscheidungen zu inhibievcn, denen jede rechtliche Grundlage fehlt. Eine beschädigte Stantsstiitze. dingS nicht ganz gewöhnliche Erklärnng der bayerischen Liberalen Aus Köln wird-.nS geschrieben: Kür- ich brachte ein Berlin«: einrüsten, so sei doch daran erinnert, daß eS seinerzeit gerade daS Wochenblatt eine Mitteilung, wonach in Köln ein JnduiirieLec Zentrum war, daS den parlamentarischen und gesellschaftlichen und Königlicher Kommerzienrat. der bei der größten Kölner Bank Boykott über ein ihm unbequemes ParlamentSmirglied verhängt einen Blankokredit von vier Millionen Mark hatte, v e r- hatte. Als derzeit der Abgeordnete Eigl, der bekannte„Vaterlands"-'chwicgen und auf Befragen energisch bestritten Sigl. im Abzeordnetenhause das Wort ergriff, verließ daS Zentrum anderen �Bnnkeil. Verpflichtimgen zu haben. deinonstrativ den Saal. Aus der Rede des liberalen Führers Günther verdient hervor- gehoben zu werden, daß er die v. Hertling, daß Beamte! dürfen, lebhaft bekämpfte. Dadurch würden die Beamten degradiert bezeichnet wird. Dieser Kommcrzienrat Wablew ist ein sehr llrotz- dem habe der Herr noch vei einer Bank 3!~ Millionen, bei einer anderen eine Million Schulden gehabt. Jetzt bringt die„Frankfurter 's?®Ü?,2ClL?t.«,ent.J?fW?r5 Zchtuug" einen Artikel, worin die obigen Angaben im allgemeinen rie Erk.amng deS Munsterprandenten bestäügl und als der„Königliche Kommerzienrat" der K-stnxr leine Sozialdemokraten fein Industrielle, Finanzmann und Großgrundlestyer K a rl Wa h l e n � z».... vi.» CTl n. v» f CTN l„.. t\____......... l»■. c...«> si /»-,»:. und zu Persönlichkeiten zweiter Klasse herabgedrückt. Leider hat eS der Liberalismus im Reiche und in Preußen jederzeit, und noch in den allerletzten Tagen, nicht nur an einem Protest gegen die Auffassung der Regierung. die sich mit der deS Freiherrn von Hertling deckst fehlen, sonder» selbst durch den Mund fortschrittlicher Ab- geordneter in servilster Krichcrei versichern lassen, daß Beamte, z. B. frommer und„staatserhattender"'Mann. Als er seit, Kölner Kirpferwerk dem Betrieb übergab, ließ er den Neubau durch einen katholische n Gel st liche n einsegnen, und bei der Kölner Reichstagsstichwahl prangte sein Name unter einem fulminanten Aufruf zugunsten des Herrn Trimborn. Herr Wahlen gehört zu der Gruppe Kölner Großgrundf ückspekulanten klerikaler Observanz, an deren Spipe die millionenschwerei» ZentrumSleute: Zilkcns, Erben'Röckcrath-Bachem und Erden Trimborn stehen, Die Kaserncntragödic von Osterode. Nur dürftige Einzelheiten über das Drama, das sich in der Kaserne des 18. Infanterieregiments zu Osterode ab- gespielt hat, dringen in die Oeffcntlichkeit. Den Mannschaften ist selbstverständlich streng verboten, der Außenwelt irgend- welche Mitteilungen zu inachen, und das Offizierkorps hält sich dank des traditionellen Kastengeistes erst recht verpflichtet, nichts über die tieferen llrsachcn der gegen den Hauptmann Reetsch unter den Mannschaften bestehenden Verbitterung ver- lauten zu lassen. Die heute vorliegenden Nachrichten be- 'tätigen, daß der erschossene Hauptmann. ein sehr strenger Vorgesetzter gewesen ist. Ter Musketier Ehmerslcben, der aus Bernburg in Anhalt stammt, wird als ein sehr tüchtiger Soldat bezeichnet. Er sollte vom Hauptmann sogar zum Gefreiten vorgeschlagen werden; in einer Zuschrift aus Osterode an das„B. T.">vird er als ideal veranlagter Mensch geschildert, der die Strenge, unter der die Kompagnie auf dem Exerzierplatze und in der Kaserne zu leiden hatte, am Hauptmann rächen wollte. Diese Angaben bestätigen das Urteil, das wir gestern über diese Kasernentragödie gefällt habvn. Es ist das mili- taristische System mit seinen überspanntem kulturfeindlichen Forderungen, mit seinem Drill, mit seinem sich von den oberen Kommandostellen auf die niederen vermehrenden Drucke, der auf dem„genicinen Mann" mit der größten Harte lastet— kurz, die ganze militaristische Kasernen- erziehung, die wieder zwei Totenopfer aus ihrem Schuld- kouto hat. Oeftcrmcb. Parlament und Staatsarbeiter. Unsere Genossen im österreichischen Abgeordnctenhause haben es durch Resolutionen des Hauses, die sie beantragt hatten, erreicht, daß jetzt den Arbeiterinnen des Tabak in oilopols außer dem alljährlichen Erholungsurlaub, bei Entbindungen ein achttägiger Wöchnerinnenurlaub gewährt wird— natürlich außer der durch die Krankenversicherung vorgeschriebenen Wöchnerinnen- ruhe. Auch wird„gnadenweise" den vor 1907 lin welchem Jahre die PenfionSvorschristen in Kraft traten) nach zehnjähriger Dienst- �89 in Dresden, wurde der„Allgemeine Deutsche Sattlerverein" gegründet und ging die Zeitung in den Verlag der Zentralorganifation über, die damals 950 Mitglieder zählte und ein Ver- inögen von 4,00— vier— Mark aufwies. Im Juli 1892 wurde das Organ umgetauft und erhielt den Namen„Sattler- und Tapezierer-Zeitung". Doch 1896 wurde das Verhältnis mit dem Tapeziererverbande gelöst. In Rücksicht auf eine Verschmelzung beider Organisationen, die an der Abneigung der Tapezierer scheiterte, wurde der Titel bis zum Juli 1900 fortgeführt und von da ab in „Sattler-Zeitung" umgeändert. Jahrelang war die„Sattler- Zeitung" das offizielle Organ der französischen und der schweizerischen Bruderorganisationen, weshalb sie einigemal in deutschem, französischem und tschechischem Texte herausgegeben werden mußte. In launiger Weise schildert der damalige Redakteur Joh. S a s s e n b a ch seine Erfahrungen mit dem vielsprachigen Organ. Bis zur Verschmelzung der Verbände der Sattler und Portefeuiller ini Juli 1909 wurde der Titel „Sattler-Zeitung" beibehalten, um dann in„Sattler- und Portefcuiller-Zeitung" umgewandelt zu werden. Seit dieser Zeit hat sich die Organisation kräftig eniwickelt und ist die Auflage des Verbandsorgans ständig im Steigen begriffen. Verlin und Clmgcgend. Achtung, Bauanschläger! Der neue Tarifvertrag ist von der Kommusioii der Arvengebcr sowohl wie der Arbeitnehmer unter» zeichnet und tritt somit am t. April in Ärasl. Am Donnerstag nächster Woche findet eine Veriammlung slait, wo die Tarifverträge ausgegeben werde». Dculscher Metallarbeitcr-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Hartgumlniarbcitcr! Tie Firma Matthaey, Schlcsische Straße LL. ist nach wie vor gesperr!. Die Kollegen werden ersucht, für möglichste Verbreitung dieser Mitteilung zu sorgen. Deutscher Meiallarbeitcr-Verband. Orisverwallung Berlin. Die Bautischler sind mit der Verarbeitung des amerikanischen Pitchpineholzes, das sich immer mehr auch in der Tischlerei ein- fuhrt, unzufrieden, weil die Unternehmer für die Verarbeitung dieses Holzes keinen Zuschlag zum bisherigen Preise bewilligen wollen. Die Arbeiter haben zum Beispiel beim Abputzen und Kehlen des Holzes große Muhe und erwarten deshalb einen Zu- schlag von etwa IS Proz. Ueber Verhandlungen, die deswegen mit den Unternehmern gepflogen Warden, berichtete Reiche in einer Versammlung von Vertrauensmännern der Bautischlercien, die am Donnerstagabend in Boekers Lokal, Weberstraß'e, stattfand. In der Schlichtungstommission wurde ein Streitfall verhandelt, aber man konnte sich nicht einigen. Die Bedeutung der Frage wurde von beiden Seiten anerkannt, denn es ist leicht möglich, daß das amerikanische Holz sich weiter einbürgert, besonders für Fenster- arbeiten. Es ist dauerhafter und soll auch im Verschnitt vorteil- hafter sein, als das deutsche Kiefernholz, das jetzt zur Verwendung kommt. In einem neuen Tarifvertrage müßte jedenfalls diese Neuerung berücksichtigt werden. Bis jetzt ist verhältnismäßig wenig Pitchpineholz zur Verwendung gekommen. Die Kommission der Arbeiter sammelt noch Material in dieser Frage und Reiche forderte die Vertrauensmänner auf, dazu beizutragen. Die Versammlung beschäftigte sich dann noch mit den Schäden des Systems der Frühlings- oder Zwischenmeister im Bautischler- gewerbe. Diese Zwischenmeistcr sind aller Verantwortung lcdig, erfüllen die Vorschriften für Einrichtung von Bautischlereien nicht, sie arbeiten unter den Tarispreisen, das Ueberstundenwesen blüht bei ihnen, und sie liefern schlechte und leichtfertige Arbeit. Reiche verlangte, daß dem Verbände sofort Mitteilung gemacht werde, wo Zwischenmeistcr auftreten. Auch die Gehilfen, die bei solchen Meistern arbeiten, müßten festgestellt werden. Die Bekämpfung dieses Schadens im Gewerbe sei durchaus notwendig. Der Kutscherstrcik bei dem Fuhrherrn Klicmt hat gestern vor- mittag mit einem Erfolg für die Streikenden geendet. Herr Kliemt, der anfänglich keine Zugeständnisse machen wollte und glaubte, mit Arbeitswilligen oder den Gespannen anderer Betriebe seinen Fubrbetrieb ausrcchierhalten zu können, hat einsehe» müssen, daß er sich hierin getäuscht halte. Nachdem die Kutscher Berlins am Donnersiag Kenntnis von dem Streik ihrer Kollegen bei Kliemi erhielten. weigerten sie sich, solche Aufträge zu fahren, welche fast regelmäßig von der bestreikten Firma erledigt werden. AuS diesem Grunde konnten der Firma K l l e m t bei längerer Dauer des Streiks wegen Nichterfüllung ihrer Fuhrverträge unangenehme Schadenersatzansprüche seitens ihrer Kontrahenten erwachsen. Gestern früh erklärte sich Herr Kliemt zu Verhandlungen mk, Verlierern des Transportarbeiter-Vcrbandes und einer Konimission seiner Kutscher bereit. Er bewilligte jeden zurzeit, beschäfliglen Kutscher l,SV M. Mehrlohn pro Woche. Der Anfangslohn beträgt anstatt bisher 22,50 M. in Zukunft 24 M. Bei längerer Bcschäfligungs« dauer nach 1 Jahr 25.50 M., dann steigend in 3 Jahren bis zum Höchstlobn von 28,S0 M. Für das Füttern der Pferde an den Sonntagnachmillagen erhalten die äu jour habenden Kutscher an- statt bisher 1,50 M. in Zukunfi 2 M. Außerdem haben die Kutscher der Reihe noch jeden zweiten Sonntag völlig frei. In Fällen, wo die Kutscher für Warenhäuser an sreigcgebcnen Sonntagen Geschäfts- wagen fahren müssen, sollen hierfür 3 M. Vergütung bezahlt werden. Die Kutscher erklärten sich einstimmig bereit, diese Zu« geständnisse anzunehmen. Die Arbeil wurde sofort einmütig wieder illfgenommen._ Zur Zigarrenarbeiterbewegung in Groff-Berlin. Der energisch betriebenen Kontrolle seitens des Deutschen Tabak- arbeiterverbandes ist es gelungen, zwei Zigarrengeschäftsinhabern den Mißbrauch des grünen Plakats nachzuweisen. Infolgedessen wurden die grünen Plakate eingezogen bei S ch w a n t e s. 0., Koch- hannstr. 5, sowie bei I s g a k s 0 h n, NO., Pasleurstr. 3. Diese Herren haben ihre Waren nach wie vor von unlarifierten Firmen bezogen und somit das in sie gesetzte Vertrauen schwer ge- täuscht. Arbeiter, Parteigenossen! Kauft nur dort Eure Zigarren, wo man von Firmen bezieht, die ihre» Arbeitern einen angemcficnen Lohn zahlen. Fragt überall nach den grünen Plakaten, unterschrieben Alwin Schulze. Beachtet die Veröffentlichungen der tarifierten Firmen in der Sonntagsbeilage des„Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Di» Arbeiter der Mineralwasserfirma Dr. Frohmann Nachf. L. Ladisch, N.. Bergslr. 52, haben ihre Tätigkeit ein- gestellt. Der Unternehmer hält es für richtig, trotz der bestehenden Teuerung den Familienvätern die Woche 3— ä M. weniger Lohn zu zahlen, als allgemein üblich ist. Die Arbeiter, welche im Deut- schen Transportarbeiterverband organisiert sind, versuchten durch Verantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.i einen Vertreter eine gegenseitige Verständigung herbeizuführen. Dies lehnte jedoch der Arbeitgeber mit dem Bemerken ab, daß er sich keine Vorschriften darüber, was er zahle, machen lasse. Im übrigen finde er es unerhört, daß die Löhn« in den Mineralwasser- fabriken gleiche sein sollen; er bekäme für jeden Preis Arbeiter. Ob die Firma mit zugelaufenen Leuten den Betrieb aufrecht- erhalten kann, darf bezweifelt werden; die Qualität der Ware wird sicherlich dadurch nicht gehoben. Der Betrieb ist für organisierte Arbeiter gesperrt. Die in der Getränkeindustrie und im Transportarbeiterverband organisierten Arbeiter sind im Besitz eine grau-grünen Kontroll- karte, die allmonatlich abgestempelt wird. Wir ersuchen, hierauf besonders zu achten. Die Branchenleitung der Mineralwasserarbeiter und-Kutscher des Deutschen Transportarbciterverbandes. Berichtigung. In der gestrigen Notiz über die Wahl im Buch- binderverband haben sich mehrere Fehler eingesckilickien. Genosse Klar erhielt nickt 1557, sondern 1757 Stimmen. Ter neugcwählte Vorsitzende heißt nicht Würzburger, sondern Würzberge r. Die Flcischcrmcisrer Neuköllns versuchen immer mehr, die Kund- sckaft zu läuscken. Viele erklären ihren Kunden, die nack dem Tarif fragen, bei ihnen sei alles geregelt. Sie wollen angeblick Löhne zahlen bis zu 40 M. pro Wocke, sträuben sick aber sehr, einen Lohn von 13 M. pro Woche lariflick zu vereinbaren. Andere wieder er- klären, durck Jnnungsbcscklnß seien sie gezwungen, den Tarif nicht anzuerkennen, sie müßten sonst eine Vertragsstrafe von 1000 M. zahlen. Die Herren ivisien jedoch sehr gut, daß diese Strafe nickt ein- klagbar ist und ihr Gerede ist weiter nichts als eine Irreführung. Die Innung bat bis jetzt noch nickt den Versuch gemacht, von denen. die sick auck verpflicklel, später aber den Tarifvertrag unterzcicknet haben, die 1000 M. einzuzieben. Viele Fleischermeister möckten gern zwei Fliegen mit einer Klappe lchlagcn, die Kundsckait behalien und den Tarif nicht anerkennen, was ihnen jedoch schwerlich ge- lingen wird. Differenzen der Kellner mit dem Braucreiausschanf König- stadt. Die gestxige Erklärung der Direktion der Brauerei König- stadt ist insofern unrichtig, als feststeht, daß das in dem obengc- nannten Ausschank investierte Kapital, das der Brauerei König- stadt ist, daß sie also ein Interesse an dem Unternehmen hat. Die fortgesetzten Verhandlungen mit dem Ockonom Herrn Liebing zeitigten nur das Resultat, daß er die Forderungen der Kellner jetzt mit dem Einwand, er wisse noch nicht, wie der Sommer aus- falle, ablehnte. Merkwürdigerweise scheint Herr Liebing den Streit auf die Spitze treiben zu wollen, er lehnte nämlich nicht nur ab, auch nur einen Vermittclungsvorschlag zu mackx'n, sondern hat sich bereits gestern eine Anzahl Kellner vom Stellenvcrmittler Peitsch zum Vorstellen schicken lassen. Verband Deutscher Gastwirtsgehilfen. Deiitlcbes Reich. Der Töpfcrverband im Jahre Ter Verband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands kann auch für das Jahr 1011 über eine umfang- und erfolgreiche Tätig- keit berichten. Allerdings waren die im Berichtsjahre statt- gefundenen Streiks und Lohnbewegungen nicht von dem Umfange des Vorjahres. Der Grund liegt darin, daß während der Krisen- jähre der Töpferverband mit Abwchrbcwegungen zu tun hatte, und nun im ersten Jahre der besseren Prosperität slOlO) die Arbeiter diese benutzen, ihre Tarife zu verbessern. So kam es, daß im Jahre 1910 rund die Hälfte aller Verbandsmitglieder(5557) an Bewe- gungcn und Streiks beteiligt waren. Diese Arbeiter schieden bei den Bewegungen des Jahres 1911 ohne weiteres aus, da die abzuschließenden Tarife durchweg länger als auf ein Jahr festgelegt werden. Trotzdem hatten auch die Bewegungen des Jahres 1011 einen recht erheblichen Umfang. Es fanden im Berichtsjahre 87 Lohnbewegungen und Streiks in 158 Orten mit 3174 Beteiligten statt. Davon waren 2750 Verbands- Mitglieder, 64 Bewegungen wurden aus dem Verhandlungswege erledigt, davon endeten 58 erfolgreich, die übrigen 6 hatten teil- weisen Erfolg. Angrifisstreiks fanden 13 statt, davon endeten 10 erfolgreich, 3 hatten teilweisen Erfolg. 10 Abwehrstreiks endeten in 6 Fällen mit Erfolg, 1 hatte tcilweisen und 3 keinen Erfolg. Das Resultat der gesamten 87 Bewegungen ist folgendes: 605 Mitglieder erreichten 2258 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 1901 Mitglieder 4498 M. Lohnerhöhungen pro Woche. Für 1156 Mitglieder wurden sonstige Verbesserungen in den Arbeits- bcdingungen herausgeholt. 22 Mitglieder wehrten 72 M. Lohn- kürzungen pro Woche ab und 726 Mitglieder sonstig« Verschlcch- terungcn. Tarifverträge wurden in 76 Fällen für 1882 Mitglieder ab- geschlossen, darunter 18 erstmalig, außerdem 6 Bezirkstarife. Die Gesamtkosien der Streiks und Lohnbewegungen betrugen 32 350 M. Die Kassenverhältnisse haben sich erbeblich verbessert. Ter Be- stand der Hauptkasse war am Schluß des Rechnungsjahres 1910: 172 072,85 M. Die Gcsamteinnahme im Jahre 1011 betrug 245 880,61 M., die Gesamtausgabe 110 063,52 M., so daß das Jahr 1911 mit einem Bestand in der Hauptkasse von 308 798,94 M. abgeschlossen hat. Außerdem befanden sich noch in den Lrtskassen am Jahresschluß II 202,52 M Hauptkassengelder. Von besonderen Ausgabeposten seien noch erwähnt: Agitation (darunter Gehälter an vier angestellte Gauleiter) 21 407,26 M., Unterstützung an die ausgesperrten schwedischen Töpfer 6025,37 M., an die ausgesperrten Tabakarbeiter aus der Hauptkasse 3410,20 M., Krankenzuschüsse 61 497,25 M., Wander- und Reiseunterstützung 11 460,45 M., Umzugsunterstützung 4890 M., Hinterblicbenenunter- stlltzung 8435 M., Fachorgan 19 219,44 M. Tie Arbeitslosenunter- stützung ist erst im vierten Luartal 1011 in Kraft getreten und be- trug sür diese Zeit 10 384,05 M. Ein abschließendes Urteil darüber, wie sich die im Töpferverband neu eingeführte Arbcitslosenunter- stützung im allgemeinen bewähren wird, ist auf Grund dieser spär- lichen Erfahrungen noch nicht möglich; bemerkt sei, daß die Arbeits- losenunterstützung für das laufende erste Quartal 1912 sich be- deutend höber stellen wird, als im vierten Quartal 1911. Die Mitgliederzahl hat auch im Jahre 1911 wieder einen wenn auch bescheidenen Ausschwung zu verzeichnen. Sie betrug am Schlüsse des Jahres 1010 11 547 Mitglieder, am Schlüsse des Jabres 1911 dagegen 12175 Mitglieder. Das bedeutet eine Zunahme von 623 Mitgliedern, ein angesichts des nur noch geringen Rekru- tiernngsgebieteS des Verbandes recht beachtlicher Agitationscrsolg. 14 Verwaltungsstellen wurden im Berichtsjahre neu errichtet; die Zahl der örtlichen Verwaltungsstellen betrug am Jahresschluß 234. Der Streik der BreSIaucr Speditionskutscher und MöbeltranS- porteure hat nach zweitägiger Dauer mit einem Siege der Arbeiter geendet. Die Aushelfer erhalten wöchentliche Zulagen von 3—6 M., die fest angestellten Arbeiter 1,50 M. Am Mittwoch früh wurde die Arbeit in vollem Umfange wieder aufgenonimen. Lohnbcwciiung in der Metallindustrie. In Frankfurt a. M. sind die Arbeiter von 4 großen Maschinenfabriken, Adlerwerke vorm. H. Kleyer, Pokorny u. Milte- kind, Fries Sohn und Mayfahrt u. Co., in eine Bewegung um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen getreten. Der Kampf gilt in der Hauptsache der Einführung der bsstündigcn wöchentlichen Arbeitszeit. Die 4 Betriebe haben bisher eine Arbeitszeit von 57 Stunden wöchentlich, während in den meisten Geschäften der Metallindustrie in Frankfurt eine kürzere Arbeitszeit ühlich ist. Die Berechtigung der Forderung auf Arbeitszeitverkürzung ist also schon allein dadurck bewiesen. Neben der ArbcitSzeilverkürzung wird natürlich auch eine Neuregelung der Löhne verlangt, und zwar sollen alle in Arbeit' stehenden Arbeiter zunäckst den der Arbeitszeitverkürzung entsprechenden Lohnausgleich, ferner eine Lohnerhöhung von mindestens 3 Pf. erhallen. Als Grundlage des EinstcllungSlohncs werden folgende Sätze in Borschlag gebracht: Für gelernte Arbeiter bis 21 Jahre 45 Pf., über 21 Jahre 50 Pf., Th. Glocke. B-xi'n. Druck U.Verlag! Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstatt l für angelernte Arbeiter bis zu 21 Jahren 42 Pf., über 21 Fahre 45 Pf., für Hilfsarbeiter bis zu 21 Jahren 40 Pf., über 21 Jahr« 43 Pf. Für Former und Gießereiarbeiter sollen die vor 6 Jahren vereinbarten Lohnsätze um 5 Pf. pro Stunde erhöht werden. Bei Akkordarbeit muß der Stundenlohn garantiert werden. Die Akkordsätze selbst sollen ebenfalls einer Neuregelung unterzogen werden. Diese Forderungen wurden vor einigen Tagen den Firmen eingereicht. Sie haben geantwortet, daß sie nur nach Zurückziehung der Forderungen auf Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung ver- handeln würden. Dies lehnten die Arbeiter selbstverständlich ab. In Betracht kommen ungefähr 6000 Arbeiter, die zum größten Teil organisiert sind. Am Freitag treten die Arbeiter der Adlerwerke vorm. H. Klever und der Firma Mayfahrt u. Co.— zirka 3800 Beschäftigte — in den Streik. In überfüllten Betriebsversammlungen nahmen die Arbeiter dieser Firmen am Mittwochabend zu der ablehnenden Haltung der Direktionen Stellung. Mit 2606 gegen 122 Stimmen wurde der Streik beschlossen. Die Ar- beiler der weiteren zwei Firmen, bei denen eine Lohnbewegung im Gange ist, werden in den nächsten Tagen wohl ebenfalls den Streik- bcschluß fassen. Sie treten dann— da sie längere Kündigung haben— kurz vor Ostern in den Streik. Die Gärtner befinden sick seit einigen Wochen wieder, wie schon seil Jahren in der Früdjabrszcit, in Bewegungen zur Aufbesserung ihrer Arbeits- und Lohnverbältnisie. Beleiligl sind diesmal in Norodeutichland außer Berlin die Orte: Königsberg i. Pr., Stettin, Hamburg, Lübeck, Flensburg. Wesel, Ruten. Ruten, Rostock, Harburg a. E.. Hannover: in West- und Süddeuuchland: Köln a. Rh., Velbert(Rhld.). Essen a. Rnbr, Duisburg, Barmen, Remscheid, So- lingen. Frankfurt a. M.. Wiesbaden, Mannheim. Waiblingen; in Miiteldentsckland: Päd Elster, Leipzig und Großotiersleben. Die christliche Strcikbruchtaktik sckießt immer üppiger ins Kraut. Auch bei dem Kampf in den Speckiteinfabriken in Lauf bei Nürnbergs feiert sie Triumphe. In einem Betrieb befanden sich ganze dre Christtichorganisierte, dornnter der VcNrauciismailn des Christlichen Keramarbeilerverbandes, den der Fabrikarbeiterverband trotz der minimalen Zahl der Christlichen zu den Unterbandlungen beiziehen wollte. Aber der brave Mann wußte nichts Besseres zu tun. als dem Unlernehmer über die Vorlommniiie in der Versammlung des Fabrikarbeiterverbandes, die zur Einleitung der Bewegung Stellung nahm, brühwarm zu berickren, und zwar eckt christlich gefärbt und entstellt. Daß die sreiorganisierlen Arbeiter von diesem Helden nichts mehr wissen wollten, kann man ihnen nicht verdenken. Nim trat aber der christliche Arbeitersekrelär Schwarz aus Weiden in Aktion. Er fischte die im Betrieb steheiigebliebeiien Nichtorganisierten zusammen, nahm sie in seinen Verband auf, trat selbst mit den Unternehmern in Unterhandlung und brachte in unglaublick kurzer Zeil einen Tarif fertig, der sich gewaschen hat. Z. B. belrägt der Anfangslohn 36 Pf., während in den Konklirrenzfabriken in Nürnberg sckon 45 Pf. bezahlt werden; die Frauen erhalten einen Höckstlohn von 25 Pf., in Nürnberg 31 Pf. Da die Streikenden mit solcken„Zugeständnissen" nicht zu- frieden sind, drohte Herr Schwarz, daß er, wenn sie die Arbeit nicht ous der Basis„seines" Vertrages aufnehmen würden, die Betriebe mit„feinen Leuten" aus der Oberpfalz überschwemmen werde. So sinken die Christlichen immer mehr zu Unternehmcrknechten herab. Ausland. Die Hafenarbeiter von Gent streiken. Etwa 1400 Arbeiter feiern. Der gegeiiwürtige Sireil muß als eine Ki sie iür den Genler Hafen belrackl'el werden, da zu befürchten ist, daß ei» Teil des Holzhandels auf Brügge oder Ostende übergehl. Lztztc l�acbrkbten. Eine antisemitische Verlcumdiing. Wien, 29. März. Heute begann vor dem Bezirksgericht die Verhandlung in der Ehrcnbeleidigungstlage des Rechtsvertreters des auf einer Skitour in den Alpen anfangs Februar verschwundc- nen sozialdemokratischen RcichsratSabgeordnctcn Silberer gegen die verantwortlichen Redakteure der christlichsozialen„NeichSpost" und anderer Zeitungen, die behauptet hatten, Silberer sei nicht ver- unglückt, sondern nach Unterschlagung von Porteigcldern ins Aus- land geflüchtet. Der Richter verwies einige Fälle an das Schwurgericht und vertagte die Verhandlung gegen die Redakteure der „ReichSpoft" bis nach der Vernehmung einer in New Fork befind- lichen Zeugin, die, wie die„Rcichspost" gestern schrieb, den Ab- geordneten Silberer dort gesehen haben soll. Protestversammlung schweizerischer Sozialdemokraten. Genf, 29. März.(P.-C.) In Neufchatel fand heute ei»« große Sozialistcnvcrsammlung statt, in der gegen den Besuch Kaiser Wilhelms in der Schweiz im August d. I. lebhaft protestiert wurde. Ein Teil der sozialdemokratischen Partei beabsichtigt sogar, sich der Schwcizerreise des deutschen Kaisers mit allen parlamentarischen Mitteln zu widersetzen. Tie amerikanische Bergarbciterbewcgung. Elcvcland, 20. März.(W. T. B.) Die Arbeiter in den Weich- kohlengrubcn haben ihre ursprünglichen Forderungen aufgegeben und verlangen jetzt nur noch fünf Cents pro Tonne mehr als die gegenwärtigen Lohnsätze ihnen gewähren. Die Grudenbesttzcr be- faßten sich heute nachmiltag mit diesem Vorschlage. ES ist Aussicht vorhanden, daß eine baldige Einigung erreicht wird. Chinesisches. Schanghai, 20. März.(Meldung des Rcutecschen BurcauS.) In Su tschau ist die Ruhe wiederhergestellt, da die Mehrzahl der Plünderer die Stadt verlassen hat, um die Beule untereinander zu teilen. Die schwarzen Pocken. Eschwcge, 20. März. IP.-C.) Auf einem Gute im RegierungS- bezirk Erfurt sind die schwarzen Pocken ausgebrochen. Die llrankheit wurde vorerst bei einigen polnischen Saisonarbeitern eines Rittcrgutpächtcrs in der Näh? des Torfes Großburschla fest- gestellt. Tie Erkrankte» wurden sofort in das Krankenhaus von Eschwcge eingeliefert. Alle übrigen Arbeiter und die mit den Kran- kcn in Berührung gekommenen Personen mutzten sich einer Schutz- impsung unterziehen und werden streng isoliert gehalten. Neuer Unfall aus der Warschan-Wicner Be' n. Warschau, den 20. März. gegen verdor- denen Kaviar, Hutnadeln und unästhetischen Autofarbcn, unver- welklichc Lorbeeren! um die Schiäsen gewunden hat, der Ansichts- karten mit Nacktkultur mit Beschlag belegen läßt, und plötzlich das Schwert gegen den Volkskrebsschaden„Bar" gezogen, keinerlei prinzipielle Einwände gegen diese abstoßenden, minderwertigen und demoralisierenden Vorführungen zu machen hat. Wenn ich das an dieser Stelle veröffentlichte, boabsichtige ich natürlich leineswcgs einen„Appell" an den guten Geschmack unb die außergewöhnliche Intelligenz des Herrn v. Jagow zu richten. Im Gegenteil. Hier offenbart sich nur ein Fall jener sonderbaren doppelten Moral, die schon jeder von uns und zum Langweilen oft demaskiert hat. Un- sittlich, gegen die»„gesellschaftliche Ordnung" verstoßend. Feind von Kirche und Staat, ist alles, was sich gegen die bürgerliche Anarchie auflebnt. Sittlich heißt alles, womit kapitalistische Interessen ver- knüpft sind. Sittlich ist die Verleihung von Schutz an christliche Streikbrecher im Ruhrgebiet, sittlich das Schachern an der Börse. Sittlich ein Kohlensyndikat. Sittlich das Auftreten von Unter- nehmern die für ein teures Entree. schwankend von 30 bis 4 M., während' hundertvie'rundvierzig Stunden junge Männer auf Rädern fahren lassen, um das Publikum durch abgerackerte Mcnschenkörpcr zu ergötzen, wogegen ein Stiergefecht als ziemlich harmloses Spiel erscheint. Dieses Auspowern von„Mannschaften" mit starken Waden, Lungen und Hcrzen, dieses Ausnutzen von Menschenmatmial mit Nummern auf dem Rücken, dieses Spciu- lieren auf die krankhafte Veranlagung eines Publikums, das selten wegen seiner unmoralischen Auffassungen verprügelt wird, dieses Äufteizen. der allerbrulalsten Leidenichaftctz. dieses Vernichten, ge- bei der Kälte ihm einen Schnaps zurecht zu machen. Er sei zu diesem Zweck in die Küche gegangen und habe, wie er erst später entdeckt, die Weingeistslafche nüt der Flasche Methylalkohol ver- wechselt und daraus den Schnaps bereitet. Erst nachdem er und Redomske den Schnaps getrunken hatten, der ihm sehr gut be- komme» sei und Redomske sich entfernt hatte, habe er gesehen, daß er die Flaschen verwechselt hatte. Er habe dann telephonisch bei Redomske angefragt, ob er gut nach Hause gekommen sei und als dies bejaht wurde, habe er das Buch von Hager zur Hand ge- nmnmen und daraus ersehen, daß man Methylalkohol unter Umständen als Ersatz für Sprit benutzen könne. Er habe am nächsten Tage von Methylalkohol einen Cherry Brandy gemacht, und zwar wieder Vj Methylalkohol,% Wasser und Zusatz von Essenz. Das ganze Quantum von etwa 200 Gramm habe er allein an einem Tage ausgetrunken und es sei ihm gut bekommen. Nach einigen Tagen sei Zastrow bei ihm gewesen, dem habe er seine Erfindung des Spirituscrsatzes erzählt', er habe einen Kognak und einen Rum von Methylalkohol in der Zusammensetzung von Vi Methylalkohol. % Wasser mit Essenz gemacht und beide hätten das Quantum ohne Schaden zu leiden ausgetrunken. Auch mit seinem Bruder Franz aus Preuß.-Stargard habe er solchen Schnaps getrunken und wenn dieser ihm nachher auf einer Postkarte mitgeteilt, daß er einen „Brummschädel" habe, so sei dies nicht auf den Schnaps, sondern auf die anderen vielen Getränke zurückzuführen, die sie an jenem Tage genossen. Liechtsanw. Dr. Jaffe stellt im Anschluß hieran einen umfangreichen Beweisantrag. Ter �Staatsanwalt habe jede Leiche auf das peinlichste unter- suchen Ihnen, aber er hat es doch an Her Prüfung der Frage fehlen lassen, wie mau.über Methylalkohol nicht nur in Laienkreifen, sondern auch in Fachkreisen, in den Kreisen der Mediziner dachte bis zu der Zeit, wo sich das Unglück ereignete. Er beantrage des- halb noch folgende Zeugen und Sachverständige zu laden: Exzellenz Professor Ehrlich- Frankfurt a. M., Sanilätsrat Dr. Wilhelm Wechselmann, dirigierender Arzt der dermatologischcn Abteilung des Rudolf- Virchow- Krankenhauses Dr. med. Aronson, Dr. Alfred Wolff-Eisner, Professor Dr. Adolf Magnus-Levy und Exzellenz Fischer, Professor der Chemie an der Universität zu Berlin. Die zwei erstgenannten Sachverständigen sollen bekunden, daß Methyl- alkohol auch von Aerzten mehrfach zu therapeutischen Zwecken, ur- fprünglich aber zur Auflösung des bekannten Mittels gegen Lues, des Ehrlich-Hata„Salvarsan's" verwendet worden ist. Die übrigen Sachverständigen werden bekunden, daß Methylalkohol bis in die neueste Zeit hinein nicht als giftig angesehen worden ist, bezw., daß die Kenntnis von der cventl. Giftigkeit des Methylalkohols bis zu den hier in Frage kommenden Fällen nicht Gemxingut der medizinischen Wissenschaft war und seine absolute Giftigkeit selbst auch jetzt noch zweifelhaft erscheint. Der zu 8) benannte chemische Sachverständige werde bestätigen, daß die Giftigkeit des Methyl- alkohols eine variable Größe sei und nur besonders erhebliche Quantitäten eine giftige Wirkung haben können. Staatsanw. Dr. Gutjahr widerspricht diesem Antrage; denn er habe über die hier angeregte Frage den Geh. Rat Prof. Dr. Arthur Hefftcr, Direktor des pharmakologischen Instituts, als Sach- verständigen laden lassen, der ausreichende Auskunft zu geben im- stände sei. Der Antrag treffe auch nicht ganz das Schwarze. Es komme nicht so sehr darauf an, festzustellen, ob Methylalkohol früher als giftig oder nicht giftig angesehen wurde, sondern es frage sich, ob der Angeklagte nicht wissen mußte, daß man Methyl- alkohol nicht zu Gcnuhmitteln verwenden darf. Er werde Beweis 'dafür antreten, daß zahlreiche Vergiftungsfälle an Methyl in Doutschland, in England, Schweden, Amerika, Rußland vorgc- kommen sind, daß diese Tatsachen in der medizinischen Literatur bekanntgegeben worden sind und daß ein Arzt weiß, daß �iethyb alkohol giftig ist. Rechtsanw. jir. Joffe: Der Staatsanwalt treffe mit seinen Ein Wendungen auch nicht das Schwarze. Es komme nicht darauf an, ob in Rußland, in Ungarn oder sonstwo Todesfälle vorgekommen sind, sonder» darauf, wie»»an in Fachkreisen darüber gedacht har. Die Erörterungen in der Medizinischen Gesellschaft, die in der Klinischen Wochenschrift veröffentlicht sind, haben zum Ausdruck gebracht, daß man über den Methylalkohol doch nicht ausreichen? informiert war und die Aufmerksamkeit erst durch die Ereignisse, die eingetreten sind, erregt worden ist. Der Staatsanwalt habe hier einen großen Kongreß von Sachverständigen aufgeboten, es komme doch aber auf das subjektive Moment an und es sei wichtig festzustellen, wie man bis zu der kritischen Zeit über das Methyl dachte. Rechtsanw. Dr. Puppe unterstützt den Antrag Jaffe. Der Staatsanwalt habe Ausführungen gemacht, aus denen sich die pro zessuale Notwendigkeit der Beweiserhebung ergebe. Da von der Anklagebchörde bereits ein Sachverständiger vorgeladen sei. der das Gegenteil bekunden soll, müsse der Verteidigung das Recht bleiben, sunder Menschen für eine Prämie von 10 000 bis 1000 M., dieses Begünstigen der Interessen von Sportpalast-Aftionärcn und Jahr- räderfabriken— heißt Sport, Sport... Donnerstag abend, beim Schluß dieses unwürdigen, ein rich- tiges Bild der gesellschaftlichen Degeneration gebenden Vergnügens war der Saal des Sportpalastes brechend voll. Unten inmitten der Rennbahn, rund ums Büfett bei einem Glase Wein und einer guten Zigarre saßen die Besucher, die 25 M. bezahlt hatten. Die konnten das Absteigen und Massieren der Fahrer in der Nähe ge- nießen. Oben befanden sich die„billigeren" Plätze, wo man beim Glase Bier das monotone Ringen der Renner beobachten konnte. Taufende von Köpfen drängten sich im Schatten der Balkone, Tausende von Menschen mit Herz und Verstand, die aufgeregt auf den Stühlen standen, wenn der eine oder der andere der Fahrer einen Vorstoß unternahm, die schrien, pfiffen, in die Hände klatschten oder empört„Schieber" riefen. Auf die Waden der „Favoriten", genau wie im Grunewald oder in Strausberg, aber ohne offiziellen Totalisator, wurde gewettet. Und bei den» Lärm, dem unaufhörlichen Suminen der Stimmen, wenn die Militär- kapeve nicht spielte, beim Qualm der Zigarren, radelten die Fahrer todmüde, wahnsinnig-abgespannt, nur durch ihre Nerven Hochgehalten. Wenn sie abgelöst wurden, fiel es ihnen schwer, von» Rade zu steigen, wie sehr die Sportblätter auch von„erstaunlicher Frische" reden niögen. Wenn sie von ihrer Maschine befreit waren, lagen sie oft wie Kadaver auf den Matratzen, uin sich für neues blödsinniges Trainpeln durch Massieren ausrüsten zu lassen. Von meinem Platz aus gesehen, glich der Kampf um den..Sieg", das mitleiderregende Drehen»nid Wenden der Acht über die.Bahn mit ihrer Einrahmung aus„Mitmenschen" dem traurigen Treiben in einer Tretmühle— und einem Symbol. Hier wurde die grausam-körperliche Anstrengung als etwas „Seltsames" betrachtet. Jahraus, jahrein gibt es dasselbe in anderer Form auf den Straßen, in den Fabriken und Gruben. Jahraus, jahrein zerstört das Proletariat seine physische Kraft— jahraus, jahrein tritt ein großer Teil unter kapitalistischer Suggestion die Tret- inühlcn. Tie eine Hälfte faulenzt, die andere arbeitet. Die eine hat ihre Freude an dem, was der Untergang des anderen... Um zwölf Uhr ertönte ein Pistolenschuß, war das Vergnügen zu Ende. Man schleppte Kränze von frischen Blumen herbei. Kränze und Blumen, die heutzutage bei Jubiläen, Kunstdarbietungen, Geburten und Todesfällen geschenkt werden. Und die Militärkapelle spielte Volkshymnen zur Ver- herrlichung der ausgemergelten Sieger und der 4283 Kiloineter, die von Jagow vielleicht als ein Beweis steigender Volkskultur betrachtet werden. Hurra! Hei II 0 Sperber. zu diesem Punkte durch Ladung weiterer Sachverständiger Stellung zu nehmen.. � r,. Justizrat Dr. Jvcrs: Ich stelle den Antrag, den Polizei- Präsidenten v. Jagow als Zeugen darüber zu vernehmen, wann er Kenntnis von der Giftigkeit des Methyls gehabt hat. Erst nach- dein die Angeklagten vier Wochen ii» Hast gesessen hatten, hat der Polizeipräsident, dieser tüchtige Bcaintc, der doch auf alles aufpaßt, eine Verfügung über die Giftigkeit des Methylalkohols erlassen. Das Gericht behält sich die Beschlußfassung vor. Aus der weiteren Vernehmung des Angekl. Scharmach ergib! sich, daß dieser eigentlich stolz auf seine Erfindung des Spiritus» ersatzes durch Methylalkohol war und, wie er behauptet, mit ver- schiedenen Personen Methylschnäpse getrunken habe, ohne irgend- welchen körperlichen Schaden zu erleiden. Er bezog Methylalkohol von der Firma I. D. Riedel und später auch von der Firma Kahlbaum. Ter Preis für das Kilogramm Methylalkohol stellte sich auf 1,10 M. bis 1,28 M., reiner Sprit lostet 1,80 M. und mehr. Als Verkäufer des„Spritersatzes" kommen die Angeklagten Zastrow und Meyer in Betracht. Scharmach behauptet, daß er mit dem ihm bekannten Zastrow seine Idee, Methylalkohol zu verkaufen, be- sprachen habe. Zastrow habe sich angeboten, Methylalkohol für ihn zu vertreiben. Zastrow behauptet, daß Scharmach nicht von Methyl- alkohol, sondern nur von„Spiritusersatz" gesprochen habe, was Scharmach aber bestreitet.—�Rechtsanw. Dr. Puppe: Auch sein Klient Redomske behaupte, i>aß in seiner Gegenwart nie von Methylalkohol gesprochen worden sei. Scharmach bestätigt dies. Es sei richtig, daß er dem Redomske gegenüber nur von„Spiritusersatz" gesprochen, oder gesagt habe:„Ich habe einen neuen Sprit."— Rechtsanw. Dr. Puppe: Redomske habe selbst keinen Methylalkohol gekauft oder verwendet, sondern sei nur angeklagt, den Berkauf von zehn Litern Methylalkohol an einen Schankwirt Bold vermittelt zu haben., Die weitere Vernehmung des Angeklagten! Scharmach bezieht sich eingehend auf die Geschäftsverbin'dung, in der er mit Zastrow und Meyer gestanden hat. Er behauptet, daß er gar keinen Anlaß gehabt habe, irgend etwas zu verheimlichem denn er habe gar keinen Ziveifel gehabt, daß seine Erfindung einwandfrei sei. ES kommt bei diese» Erörterungen auch zur Sprache, daß Scharmach eines Tages einen Selbstmordversuch, gemacht habe. Er hat, wie behauptet wird, versucht, schnell einen Schnaps mit Methylalkohol zu vermischen. Der Angeklagte bestreitet dem Selbstmordversuch; er habe im Gegenteil ack oculos demonstrieren wollem daß der Genuß des Methylalkohols nicht schade. Aus Befragen der Ver- teidigung gibt Scharmach der sich nicht klar mehr erinnert, was er dem Zastrow und dem Meyer in bezug auf diesen, Spritersatz ge- sagt habe. zu. daß er zu jener Zeit viel getrunken habe, auch Methyl- alkohol. Der Angeklagte Zastrow, der früher Landwirt und dann in verschiedenen Stellungen tätig war, bestreitet, daß er von Methyl- alkohol je etwas gehört habe, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Zeitungs- Nachrichten über die Vergiftunge:» erschienern Er fei eines Tages an dem Laden des ihm bekannien Scharwach vorbeigekommen und sei mit ihm ins Gespräch gekommen über Spiritus. Da habe Scharmach zu ihn» gesagt, er könnte ihm Sprit zu 1,50 M. liefern. Aus seine erstaunte Frage, wie denn dies möglich sei, habe Schar- »nach geantwortet:„Ja, das kann auch nur Scharmach machen!" Der Angeklagte versichert, daß den Vertrieb alsdann in gutem Glauben übernommen habe. Er habe geglaubt. Scharmach habe den Sprit vielleicht auf Auktionen billig gekauft. Ter Angeklagte Meyer war Reisender der Firma Moldenhauer, von welcher Scharmach fortgesetzt Waren bezog. Der Angeklagte er- klqrt, daß er den, Scharmach von der besten Seite und als prompten Zahler gekannt habe. Im Gespräch habe ihm dieser gesagt, daß, er billigen Sprit liefern könne und Meyer nebenher eine ganz gute Provision verdienen könnte, wenn er aus seiner Tour zu seilten Kunden, sich mit dem Verkaufe befassen würde. Das liabe er dann auch getan, ohne eirie Ahnung davon zu haben, daß es sich um einen giftigen Stoff handeln könnte. Von Methylalkohol habe er leine Ahnung gehabt. Auch der Angeklagte Reboulske bestreitet jedwede Schuld. Er habe das Wort Methylalkohol überhaupt nicht gehört gehabt und habe sogar später noch das Wort immer falsch als„Mittehyl" aus- gesprochen. Scharmach habe ihm eines Tages gesagt, er habe einen neuen Sprit, den er doch einmal kosten solle. Er habe dann ein Fläschchen vollgefüllt, sie hätten, beide getrunken� und er konnte sich überzeugen� daß es nicht anders schmeckte als anderer Sprit. Aus seine Frage, ob er denn auch diesen neuen.Sprit in unbedenklicher Weise herstelle, habe Scharmach ein Buch geöffnet und ihm gezeigt, daß dort extra stand: kann etxntuell auch zu Likören vertvcndct loerdern Dann sei später einmal der Schankwirt Boldt in Gegen- Wart des Scharmach an ihn mit der Frage herangetretem ob er ihm vielleicht 10 Liter Sprit zum Verschüeiden von Rum, überlassen könne. Da er selbst kein Interesse daran hatte und Scharmach ihm kleines femUeton. Die Ausgrabungen von Tcndraguru. Im Museum für Natur- künde sind die ersten Proben der gewaltigen Dinosaurier auZ- gestellt, die seit einigen Jahren im Tendragurugebiet in Deutsch- Ostafrika ausgegraben werden. In unzähligen Kisten liegt das reichhaltige Material verpackt, das die Expedition in»nehrjähriger Arbeit dem heißen Boden abgerungen hat, und harrt der Zusainnien- setzung, der wissenschaftlichen Verarbeitung und der Auferstehung in besseren und größeren Räumen, als sie unsere längst veralteten Museumseinrichtungen gewähren. Ein Teilnehmer der mit staatlichen Mitteln ailSgeriisteten Expedition, Herr Dr. Ed. H e n n i g, führte uns am Donnerstag in der llrgnia in anschaulichster Weise die Arbeiten vor Augen, die zu so überaus reichen Siesultaten führte»,, nachdem einmal zufällig die riesigen Knochen frei zutage liegend, gefunden worden waren. Land und Leute wurden mit Hilfe zahlreicher farbiger Aufnahmen vor uns lebendig; wir sahen die Neger an der Arbeit, wir gewannen Einblicke in die geologischen Verhältnisse; die Funde selbst, wie sie aus dem Boden herausgeholt, wie sie verpackt und von Trägern zur Küste gebracht und aufs Schiff verfrachtet wurden, wurden uns im Bilde vorgeführt. Das Tendragurugebiet liegt im südlichen Teil unserer oft- afrikanischen Kolonie, einige Tagereisen von dem kleinen Hasen Lindi entfernt. Es ist ein init Buschwald bestandenes welliges Plateau, dos einst Meeresboden»var. Die Kolosse der Vorzeit, die durch die Ver- lvittcrung jetzt wieder zutage getreten sind, müssen in der ältesten Kreidezeit(vor 5—10 Millionen Jahren) hier einzeln und in Rudeln eines natürlichen oder geioaltsainen Todes gestorben sein, wenn sie ihrer Beute oder ihrer Nahrung an, Meeresnser nachgingen. Die Funde stammen aus verschiedenen Eiitwickelungsepochei», sie liegen in Schichten von 150—300 Metern übereinander und verteilen sich auf ein bisher untersuchtes Gebiet von einein Breitengrade. In der mehrjährigen Arbeitszeit, die in den regenlosen Monaten von Mar bis Dezeinber, zuweilen mit einer Arbeitcrzahl bis zu 800 Main»,» vor sich ging, konnten in zahllosen Stücken' viele Exemplare von l2 größeren und einigen kleineren Arten geborgen"werden. Die Knochen sind recht gut erhalten, aber immer zerstückelt, aber auch so immer noch so schwer, daß bis zu 16 Leuten zum Transport eines einzigen Vonnöten lvarcn. Der Diplodoeus, der im Museum für jNaturkunde firn Abguß seine unerhörten Riesenmaße darbietet, wird von den deutschen AnS- grabungen„och übertroffen: eS sind doppelt so hohe, 30 bis 35 Meter lange Dinosaurier gefunden worden! Eine Vergleickunig der in Belgien und Amerika gemachten Funde ans der gleichen Kreidezeit eröffnet interessante Perspelriven in die Geschichte der vorzeitlichen Tiergeographie und Entwickelnng. Leider sind die Schädel nur seilen mit gefmidcn worden, aber um den Gesnintcharakter der Tiere fest- furdufile, 5as; c r sa Sen Sprit liefern konnte, keive, er.5cn Pokdt an Echaruiach verwiesen. Von einer„Veriuittlung" könne, doch gar ?eiiic Rede sein. Ter letzte Angeklagte Dalilc hat ciiien> Ballon des Schormach- scken„Sprits", der ihm von Meyer angeboten worden war, bezogen. irr bestreitet entschieden, daß er' irgcndwrlcten Verdacht gegen die Ware gehabt habe. Die Vernehmung der Angeklagten, ist, hiermit beendet. tre- werden, svdaiu, einige Zeugen vcruomnieir, deren Aussage sich au* die dem Airgeklagten Scharillach vorgeworscue Uebertretung bezieht,«charmach soll Medikamente, Tees usw. in einem Schrank s.incc- Zimmers aufbewahrt haben», deren Feilhaltung nur in Apo- j beten gestaltet ist. Diese Beweisaufnahme ist ohne allgemeines Interesse. Tic Sitzung wurde schließlich auf heute V Uhr vertagt. Sozialeo» Vorficht bei der Wahl von Lehrstellen? Bei der jetzt wieder erfolgten Schulentlassung sollte für alle Väter, die eine Lehrstelle siir ihre Söhne suchen, folgender stall von Interesse sein, der vor der Kammer b des Gewerbegerichts zur Verhaiidluiig stand. Ist Vertretung des Steindruckcrlehrlings G. klagte dessen Vater gegen die Lithographische Anstalt Robert Kühn n.(so. lstnhabcr Paul Rotecki) aus Lösung des Lchrvertrages und Autstellung einer Bescheinigung über die bisherige Zeit der Lehre. Der Sohn des G. war am lt. März 1910 bei der genannten Firma in die Lehre getreten, ein halbes Jahr später hatte der Beklagte das Geschäft übernommen, ohne daß gegen die llebernahnie des Lchrverhältniffes Einwendungen erhaben wurden. Erst im August 1919 llagtc Herr G. auf Lösung des Vertrages, da der Inhaber, Herr 5t,. nicht Fachmann sei und der Sohn in dessen Geschäft keine fachgemäße?iusbildung erfahre. Ter Oberdrucker B., der als Zeuge austrat, Zagte jedoch aus, daß G. sich im Geschäft des R. schon mrhe.Kenntliche erworben habe, als es bei anderen Lehrlingen im Durchschnüt der Fall fei. Daraufhin wurde die Klage am 2. Sep- teniber 1911 Abgewiesen. Seit Ii Wochen ist nun aber jener B. selbständig. Sein Nachfolger bei der Firma Robert Kuhn u. Co. soll nickt die Berechtigung zur Ausbildung von Lehrlinge» besitzen, auch nicht dazu geeignet sein, da er den G. mehrmals mit Schimpf- loortcn bedacht i aben soll. Deslfolb wurde die Kl ige erneuert. Vei dieser Sachlage folgte der Beklagte dem Rat des Gerichts und willigte i» eine Lösung des Lehrverhälniisses. Von Interesse ist dabei der von ihm geäußerte Wunsch, der Lehrling G. solle Irenigpens noch solange im Geschäft bleiben, bis der �Beklagte einen anderen Lehrling gefunden habe, denn er könne sich an dessen Stelle keinen ArbcitSdurschen für 29 M. einstellen. Dr. aus läßt sich er- kennen, daß die Lehrlinge im Geschäft des Herrn R. in der Haupt- fache als billiger Ersatz für teuerere Arbeitst rüste dienten, während ihre fachliche Ausbildung nebensächlich war. Diese Wahrnehmungen kann man ja leider i» vielen Betrieben machen. Deshalb ist jedem, der eine Lehrstelle für seinen Sohn oder Pslegebefohleneu sucht, zu raten, bei der Wahl derselben recht vorsichtig zu sein. „Fräulein Frau" vor dem Kanfmannsgericht. Verheiratete Frauen finden erfahrungsgemäß schwerer Stellung als Verkäuferin wie junge Mädchen. Aus diesem Grunde suchen ort stellnngsuchende Frauen zu verheimlichen, daß sie verheiratet sind. Eine solche„Fräulein Frau" erschien als Klägerin vor der 2. Kammer des Berliner.Kallfinauilsgerichtv in der Person einer Frau Hulda B., die gegen den Zlerschwareiihändlcr Berthold Fenncr Klage auf Gehaliszahlung erhob. Frau B. war erste„Mcmscll" bei», Bellagten, der, als sein Sozius flüchtig wurde, das Geschäft schließen mußte uiid von diesem Tag an der Klägerin Gehalt verweigert. Er bestreitet erstens ihre Haudluiigsgehilfeneigenschaft und wendet des weiteren ein, Klägerin hätte sofort anderweitig Stellung gefunden, wenn sie nicht verheiratet wäre. Auch er hätte sie nicht angenommen, wenn er das gewußt hätte. Klägerin habe aber bei der Anstellung geflissentlich verschleiert, daß sie„Frau" sei. Im letzten Zeugnis, das sie vorzeigte, ist sie mit„Fräulein" bc- zeichnet, im Fleischerinnungsbuch steht„Mamsell", einen Ehering habe sie auch nicht getragen; wie solle also der Arbeitgeber Ivissen, daß er eine Verheiratete vor sich habe? Wie der Beklagte weiter ausführt, habe er die Klägerin gleich am ersten Tage zur Sicherheit gefragt, wie er sie nennen solle, worauf sie erwiderte:„Bitte, reden Sic mich mit„Fräulein" an."— Frau B. gibt auch zu. daß sie sich in ihrer gesckstftlichcn Tätigkeit mit Borliebe„Fräulein" anreden lasse. Berheivilicht will sie aber dem Prinzipal ihren Ehestand nicht haben. Eine andere Tätigkeit habe sie inzwischen trotz größter Beiuühllng nicht gefunden, für welche Behauptung die Klägerin auch Beweis antreten wollte. Das Kaufmanlisgericht hielt diesen Beweis nicht für notwendig, foiidern unterstellte es als wahr, daß es der Klägerin als einer verheirateten Frau bisher nicht möglich loar, andere Stellung zu finden. Zlvecks Entscheidung der Frage, ob Klägerin als kauf- niännische oder gewerbliche Angestellte anzusehen sei, faßte das Gc- richt den Beschlus«, ein Gutachten der„Acltcsten der Kaufmannschaft" einzuziehen. Da die Mamsell Waren verkauft, ist sie unseres Er- achtens unbedenklich Handlungsgehilfiu. zustellen, sind alle Anhaltspunkte vorhanden. Diese gewaltigen Nepti- lien sind z. T. furchtbar bewaffnete Raubtiere, es sind solche daruillcr, die ans vier und zwei Beinen sich bewegten. Bon ganz besonderem Interesse loar die liebenswürdige Schilderung, die der Vortragende von den zur Arbeit verwendeten Bantiistäinmen cnlwarf. Er charakterisierte sie als höchst anstellige, intelligente Leute seinige suchten ans den Knochen sich die Tiere bildlich zu rekoiistrlilercn), mit denen rech: gut auSznkominen war. Er lobte ihren Arbeitseifer und ihre Zuverlässigkeit auch auf isoliertem Posten imd zeigte andererseits, wie sie große Kinder sind, die zum Europäer aufblicken, von dem sie Rat und Hilfe erwarten. Diese erste große reinwissenschaslliche Expedition, die in eine unserer Kolonien entsandt ivurde, hat also nicht bloß in hervorragender Weile ihren Zweck erreicht, sondern auch ein Vorbild gegeben, wie der schwarze Mann zu behandeln ist. Ein Dichter als Kolonisator. Der den Lesern deS„Vorwärts" wohlbekannte spanische Schriftsteller B la S e o I b g n ez. der vor einem Jahr nach Argentinien gegangen ist, um dort Ackerbaukolonien zu gründen, hält sich jetzt in Paris auf. Er hat einem Redakteur seine Pläixe dargelegt. Blasco Jbanez hatte während einer Vor- trägS reise im Jahre 1998 wahrgenomiiien, wie viel aus dem argentinischen Boden bei rationeller Agriknltnr, besonders bei guter Bcwäfferulig, noch herauszuholen wäre. Er hat, als er den Roman „Die Horde" schrieb, landwirtschaftliche Studien gemacht, die ihn bc» fälsioen, ein landwirischaftliches Großunternehmen zu leiten. Ein an die verelendeten Bauern der Provinz Valencia gerichteter Aufruf führte ihm zahlreiche Kolonisten z». zu denen sich in Argentinien selbst eine kosmopolitische Menge gescheiterter Existenzen ans allen Klassen gesellte. Einer unter Blasco Jbanez' Tagelöhnern ist ein Baron und ehemaliger preußischer Gardehauptmann, ein anderer ein diplomierter Architekt aus Oesterreich. Zwei Städteanlagen: Cervantes in Patagonicn und N n e v a- V a l e n c i a bei EorrienteS nahe vom Parana bieten den Ansiedlern freundliche Wohustättcn dar. Die erste zählt£>9 Häuser. Jeder Kolonist be- kommt ein Hau-?, Arbeitsinstrumente, Vieh und ein Grundstück. Die Ernte wird wegen der Entfernung der Märkte genielnsam ver- kaust.— Man sieht, es handelt sich um kein tommiinistischeS Ervcrimciit, sondern um Kleinbetrieb unter Anwendiiilg gc- nossenschaftlicher Formen.— Blasco Jbanez ivill die Literatur leinesivcgs ausgeben, vieliuehr gerade seine Erlebnisse in der neuen Welt in einer Roman-Tetralogie künstlerisch verarbeiten. Der erste Band;„Die Arche Noa" soll das Leben auf einem Ans- wandcrcrschiff,„Babel" die Weltstadt Bncnos-Aircs und ihren wilden Daseinskampf.„Die Erde für alle" die Rückkehr der dort Gescheiterten aufs Land darstellen. Der Schlußband:„Wald- iv eben" wird im Gebiet von EorrienteS, an der Grenze von Paroyuan spielen. Ivo sich noch merkwürdige Spure» der einstige» jesnt, ischei, Herrschaft erhalten habe». Hiis Itaduftm imd Kandel. Die weltwirtschaftliche Bedeutung des Pauauiakanals. Itcbcr die Verschiebungen! des Welthandels durch die Eröffnung des Panauialanals. die am 1. Januar üstsi crsolgcn soll, äußerte sich Professor Dr. Wiedenifcltz(nachher„Köln. Ztg."): v. Lcsscps. der Erbauer des- Sueztanais, gründete 1883 die französische Panama-Gcsellschast mit einem Aktienkapital voi:> 843 Millionen Frank. In 12 Jahrew sollte der Kanal fertig sei». Ende der achtziger Jahre krachte ober das llisternchmcn zusammen, nachdem IM? Milliarden verbraucht worden, iparen. Eine zweite französische Gesellschaft mit 13 Millionen! Dollar, im Jahre 1894 gegründet, trat erst nach 10 Jahrew afseichundig hervor.„Der spa- nisch-anwriianische Krieg mußte crsr den Jiuperialisiiülis in den Vereinigten Staaten wecken, bis der Panamatanal zur Bedeutung einer nationalen Idee gelangte." 1994 kaufte man den. Franzose» das Werk für 49 Millionen Dollar ab. Ter Kanal, der eine Länge von 79 Kilometern und eine Tiefe von 9 Meter« haben wird, ist cinschissig. Tic Fahrzeit wird über 14 Stnndeu. bcanspruchem Was den Verkehr Deutschlands und EnAlands mit Ostaficn und Australien anbetrifft, so bedeutet die Ponamastraßc gegenüber der Snezsiraße nur dann einen! Porspriong, wenn dos Ziel der Schisse nördlich von Sydney liegt. FahrzSchfte nach der Westküste Amerikas werden dagegen einen ganz crheblVsiew Weg sparen. San Franziska z. B. wird in der halben Zeit zu erreichen sein. Ten größten Vorteil wird natürlich Amerika selbst iwech den Kanal erlangen. Nicht nur, daß Ost- und Westküste Amerikas einander näher rücken, auch für den Wettbewerb in O st a s i e n e»Zangt Amerika gegenüber Westeuropa einew gewaltigen. Vorsprung. Alle Häfen nördlich von Shanghai liegen, dem- amerikanischen. Einfluß günstiger als der umsrige von Hamburg aus. Dem steht aber gegentzb-r, daß im heutigen! Sccfrachtcnverkehr tausend Seemeilen, mehr oder weniger keine so große Rolle spielen. Hingegen bedingt' die Durch- schleus ung großes Risiko und höhere Versicherungsprämie. Für die Tcgelschifsahrt kommt der Kanal zudem der Windstille wegen' �gai; nicht in Frage. Das wesentlichste aber ist, daß die bisherigen durch Kulturländer mit wichtigen Zwischenstationen führen.„Ein Tampscr von Hamburg nach Yokohama wechselt die Ladung so häusig und völlig, daß am Ziel oft kein Stück der ersten Fracht mehr vorhanden ist. Die Straße durch den Panamakanal hat aus der einen Seite nur das verhältnismäßig kleine WirtschastSgebiet von Wests ndicn, auf der andern aber die große leere Wasscrwüste des Stillen Ozeans."_ Erweiternng des A. E.-G.-Konzerns. Die A. E.-G. errichtet eine weitere Filiale in Bern. Die Neueinrichtung soll nach der„Voss. Ztg." der A. E.-G. Gelegenheit geben, sich über die Fortschritte der Elektrisizierung der Gotthard- bahn leichter auf dem laufenden zu holten, da nach dem abge- schlosseiieu Vertrage für die deutsche Industrie die Möglichkeit einer Beteiligung bei der Elektrifizierung der Bahn vorgesehen ist. Die gestrige Börse reagierte ans diese Nachricht mit einer Erhöhung der A. E.-G.-Kurse um 3 Prozent.__ Bergmanu-Werkt. Tie vom der Deutschen. Bank offiziell angekündigte„Anlehiiung" der Bergmann-Werke wird an die isiemens-Äruppc cr- folgen. Wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, finden Ende dieser und in der nächsten Woche Sitzungen, statt, in denen die Bank- krnsorten mitz der AufsichtSrat der Bergmann-Elektrizitätswerke über die Anlehnung dieser Gefellschaft an die Siemens-Gruppe be- raten sollen. Die Geldbeschaffung für Bergmann würde dann durch das Konsörtlum in seiner bisherigen. Zusammensetzung erfolgen. Vermutlich wird der Eintritt eines Mitgliedes der Sicmen�-Gruppe in den Vorstand der Bevgmamr-Wcrkc erfolgen� Ob auch die Sic- nienH-SchiUckcrt-Wcrke G. in. b.H. kapitalistischen Einfluß auf die Bergmann-Werk« nimmt, ist noch ungewiß. Die Börse nahm diese Nachricht gestern mit einer Erhöhung der Sicmervs u. Halskc-Kurse um 4'/h Proz. auf. Die Kurse der mit Siemens alliierten. Schuckcrt- papicre stiegen um 2% Proz. Thyssen in Luxemburg. Der luxemburgische Staat steht im Begriff, seine letzten. Erz- konzessioneu zu vergeben. Die inländischen Hiittemvcrke hatte» daher ein Syndikat zum Erwerb dieser Konzessionen, gebildet! und dem Staate für die Ausbeutung der 584 Hektar großen Erzfelder eine 59 Jahre lang zu zahlende jährliche Rente von 729 M. pro Hektar, die später auf 899 M. erhöht werden, sallte, geboten. Nun hat der Großindustrielle August Thyssen iGewerkschaft„Deutscher Kaiser") ein Uebergcbot von 29 Proz. gemacht. Er bietet dem luxem- biirgischen! Staate 999 M. für den, Hektar während 59 Jahren und erklärt sich bereit, die Klauseln des Staates betreffend Verhüttung der Erze im luxemburgischen. Lande selbst anzunchmen. Außerdem übernimmt er folgende Verpflichtungen: 1. aus die Dauer von 59 Jahre» der Großherzoglichen Staatsregicruny jährlich 17 Ton- neu auf den. Hekiar gemahlene Thomasfchlacken zu den, Vorzugs- preise von 148 M. für 10 Tonnen, zur Verfügung zu stellen; 2. keinen Kostbetrieb einzurichten, und K o n s u vrv e r e i»e weder unmittelbar, noch mittelbar z» unterstützen,; 3. vorzugsweise Theater. München er Theater. Karl Stern hei in 5 silhouetten- Haftes moralisches Schattenspiel: ,D i e K a s s e t i e", die durch den Regisseur Alb. S t e i n r u ck dem Generalintendanten S p e i d e l empfohlen war, hat im Residenztheater den Anstoß zu einem Theoterikandal von unerhörter Heftigkeit gegeben. Die schwarze Presse benutzte den willkommenen Anlaß, zu einer Jntendantenkrisis zu blasen; sie hat seit langem ein scbeeles Auge auf Speidel, der das lmbcstreitbare Verdienst hat, mit Thonia, Wedelind, Rnedercr, Paul, Bahr den Modernen Einlaß in das Hofschausisiel gewährt zu haben. Sternheims Stück ivurde in der ganzen Müuchener Kritik mit Hohn behandelt, nur die„Münch. Post" iah darin die noch un- verstandenen Anzeichen eines neuen deutschen Lustspiels. Die Krisen- gerückte sind übrigens erledigt, da Speidel vom Prinzregenten gc- halten wurde. Das einzige Opfer wird vielleicht der Regisseur Alb. Steinrück sein.„Die Kassette" wurde nach dem Premierenslandal ofort abgesetzt. Da? Urteil der Berliner über die an der frommen Isar für ein.elendes, im stinkenden Sumpf watendes Machwerk" erklärte Komödie lautete bekanntlich viel milder. Melcbior Lengyel, der erfolgreiche Autor des„Taifun", hat mit seinem Kompagnon zusammen daS Schauspiel„Die Zarin" geschrieben, das in Roberts rührigem Lustspiel- hau? zur llrmifführmig kam. Der Ungar, der die Konjunktur der amourösen„Spielereien einer Kaiserin" mit üblicher loyaler Ge- schichtSklitterimg auszunützen verstand, loußte, daß Ida R o l a n d, die in Bahrs Josefine Bonaparte triiimphiert, auch als Zarin gute Figur machen würde. Die Zeit für Historien ä I» Sardou scheint wirklich noch nicht überlebt zu sein. Notixen. — N e u e S a u S P o m p e j i. Die Ausgrabungen in Pompeji. die erst kürzlich eine Reihe interessanter Funde ergaben, sind jetzt wieder vom Gluck begünstigt gewesen. Man bat eben ein antikes HauS ausgegraben, dessen ganze Fassade mit Fresken und Götter- büsten geziert ist. Alles ist unter der Vcsnvasche wunderbar er- halte» geblieben und gibt jetzt beredtes Zeugnis von der griechisch- römischen hochentwickelten dekorativen Kunst. — Die Urftalsperre hat sich in dem heißen regcnloseu Sommer und Herbst 1911 auss beste bewährt. Sie saßt 45 Millionen Kubikmeter Wasser und bo» dieser noch im Frühjahr vorhandenen Wassermengc erfüllte sie die ganzen reichlich an sie im Sommer und Herbst gestellten Anforderungen und doch betrug ihr Bestand iin November noch 11 Millionen Kubikmeter, von da an stieg er wieder ans 14 Millionen Kubikmeter, sank aber bis zum 23. Dezember wieder ans II Millionen Kubikmeter. Seit dieser Zeit ist der Inhalt durch. die größeren Regenmengen wieder auf 49 Millionen Kubik- rneter gestiegen und es wird in kurzer Zeit die Füllung des ganzen Slaubcckens wieder erwartet. luxcurburgischc cinhcnlnschtz Bcainlew n»h Arbeilcc zu beschäftige� . 4. den. Bau von gesunden, und billigen. Arbeiter- und Beamten- Wohnmngeu aus Grund des Gesetzes vom 29. Mai 1996 in jeder Weise zu fördern. An dieses Gebot hält sich Thhssei» bis. zum 1. Juli 1912 gebunden. Für die Erfüllung sämtlicher Verpflichtung gen., insbesondere für die Zahlung der angebotene» Rente, über- nimmt die Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" in Hamborn, welche das Gebot mit unscrzcichnct hat, die Bürgschaft. /5us aller Alelt. Noch ein Unzufriedener. Unsere Negierenden, und die es werden sollen, können es nie- mand mehr recht machen. Zu den allergetrenesten Patrioten, die ihre warnende Stiinme erheben, gesellt sich sin Aprilheft deS „Türmer" ein Herr Günther v o n V i e l r o g g e. In einem Aufsatz„Das zu oft verwaiste Regiment" mokiert sich der Mann darüber, daß der Kronprinz als Kommandeur des Leibhusaren- Regiments in Langfuhr so oft durch Abwesenheit von seiner Garnison glänzt. Die vielleicht nicht ganz vollständige Berechnung des Autors über die Kommandeurstätigkcit des Kronprinzen seit der llcbernahme des Kommandos im September vorigen Jahres sieht so aus: „Unmittelbar nach seiner Ernennung begab sich der hohe Herr vier Wochen ans Reisen, vornehmlich u m zu jagen. Bald nach der Rückkehr in seine Garnison sahen wir ihn in Berlin, teils im Reichstag, wo er den Verhandlungeiz über die Marokko- frage beiwohnte, teils auf Flugplätzen. Anfang Dezember weilte er etwa acht Tage in Schlesien zur Abhaltung von Jagden auf seinen dortigen Besitzungen und Ende Dezember und Anfang Januar wieder in Berlin. Zwischen diese beiden letzten Urlaube fiel aber eine Krankheit, die ihn in Langfuhr während des Weihnachts festes nicht nur an da? Zimmer, sondern auch an das Bett fesselte. Allzu ernsten Charakiers ist diese Krankheit indessen wohl nicht gewesen. tfonst hätten die Berliner Blätter nicht alsbald nach den Festtagen berücklen lönncn, daß cr im Tiergarten fleißig dem Wiik.t erspart obliege. Ende Januar lam der Kronprinz aufs neue nm(' Berlin, un» den verschiedenen Festlichkeiten beiznwohnetn, die auS Anlaß des Geburtstages des Kaisers und der Taufe feineS vierten Sohnes dort stattfanden, und un» sich„ach diesen Festllchwiten sofort nach der Schweiz zu begeben. Wie in den früheren Jahren huldigte er hier mit seiner hohen Gemahlin mlfs eifrigste dem Wintersport; und wenn cr in Celerin�» vielleicht länger geblieben ist, als eS anfangs geplant»norden war, so ist dies anscheinend darauf zurück- zuführen, daß er eines Abends beim Eishockey ausglitt und sich eine G e s ch w>» l st an einer Wange zuzog. Am 9. März dieses Jahres sahen die Ersten Leibhusaren ihren Kommandeur end- lich wieder in ihrer Mitte. An diesem Tage gaben sie ihren bis dahin immer wieder aufgeschal'enen großen W i n t e r b a l l im „Danziger Hof". Eigentlich hat. sich der Kronprinz bis heute in der Führung des Regiments mehr arteten lassen, als daß»r es selber führte."__ Die Dummen werden nicht alle. Die kürzlich zur Ueberwachung anrüchiger Bankiers und bedenk« sicher Finanzgeschäfte errichtete neue Abteilung der Pariser Staats« amvaltschaft ist am Donnerstag zum erstenmal in Wirksamkeit ge« treten. Auf ihre Veranlassung wurde gegen eine von mehreren Personen vor einigen Monaten nrit dem Namen„Erödit Argentine" gegründete Hypothekenbank, die versucht hatte, Obligationen im Betrage von 19990999 Frank a»iSzugeben, die strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Die in Paris und in der Provinz bereits gezeicdneten Beträge von 499090 Frank wurden mit Beschlag belegt. Eine in der Bank vor- genommene Durchsuchung ergab, daß von dem angegebenen Aktienkapital von 5909900 Frank nur 2900 Frank vorhanden waren. Der Direktor der Bank hat die Flucht er« griffen._ Warnung vor Auswanderung. Zur kommenden Weltausstellung in San Francisco werden von AnSwandererbureauS in Deiitschland'Arbeitskräfte an- gelockt. Der Bürgermeister von San Francisco erläßt dagegen folgende Warnung: Nachdem gegenwärtig in San Francisco eine große Anzahl un» beschäftigter Mänuer und Frauen sich befindet, von denen viele hier» her gelockt wurden durch falsche und irreführende Be»richte. die man über das ganze Land verbreitet und in denen man von einem Mangel an Arbeitskräften für die kommende Ausstellung spricht; und nachdem diese Verhältnisse die Interesse» unserer Mitbürger schädigen und, sollten sie nicht baldigst abgestellt werden, die Stadt selbst ernstlich in Mitleidenschaft gezogen werden kann, wird hiermit erklärt, daß nach den, Gutachten dieser Verwaltimg das gegenwärtig verfügbare Arbeitsangebot mehr als genügend ist, um irgendeine Nachfrage nach Arbeit wie für eine fernere Zu» lunft zll befriedigen,»md wird hiemit jeder Arbeitsuchende gewarnt, nach San Francisco zu kommen, da er Gefahr läuft, in seinen Erwartungen bitter ent» täuscht zu werden und daS Elend der Arbeitslosigkeit unter den be» rcitS Anwesenden nur zu vergrößern. Unser Partciblatt„Vorwärts der Pazifilküste" schreibt dazu: Wir aber schicken folgende Einladung an unsere Brüder im Osten und Europa: Wer findet, daß die Eisenbahnkönige darben und seine paar ersparten Taler brauchen, der komme nach Westen. Wer die Hyänen der ArbeitSvermittelungsplätze großfüttern will, der komme nach Weste»». • Wer Töchter hat, die gerade alt genug sind, um für die kam» mende Weltausstellung die nötige Ware zu liefern, der komme nach Westen. Wer ein Vergnügen daran findet, mit 399—490 LeidenSgenossen in feuergefährlichen, schmutzigen Buden zu schlafen, hiesige Fünf- und Zehu-Centö-Mahlzeiten zu fressen, der komme nach Westen. Wer sich von der Polizei den Schädel verschlagen lassen will, wie man es den Oalländer Genossen im eigenen Heim getan, der komme nach Westen! Wir glauben nicht, daß ein deutscher Arbeiter bei dieser Sach' läge Lust hat, dieser„freundlichen Einladung" Folge zu leisten. Kleine Notizen. Ein Schnlerstreik. An den beide»» ruthenischen Gymasien in Lemberg veranstaltete am Donneretag ein Teil der Schüler einen D e m o n st r a t, o n S st r e i k, weil der Schüler der Lehrer- bildungsanstalt C z a r n y i wegen de« Verkaufs von Korrespondenz- karten mit den Bildnissen der Anführer des AufslondeS si, der Ulraine relegiert worden war. Czarnyi hatte nach der Relegation Selbstmord verübt. Schwerer Lanustfall. Bei dem Neubau einer Kirche in der nngarischen Ortschaft ModoS stürzte das Dach ein Sechs Maurer ivurde» lebensgefährlich verletzt. Ein Schiff in Sccnot. Der britische Dampfer„Foxley" ist auf auf der Fahrt von Jquique nach Rio de Janeiro am lg. März an den Sir John Marlborough-Jnseln gescheitert. Ej» Boot mit dem Kapitän, einem Osfizicr und z'.vei Ingenieuren ist j»» P u n t a A r c n a S in Chile angekommen. Anstalten zur Rettung der übrigen sind getroffen worden. Theater* Sonnabend, 30. März 1912. ülnjang 3 Uhr. Zirkus Tarrasani. Große Vor» stelliing. ?l>ifallg 3'/, Uhr. Neues Zchnuspielhaus. Heiligen- Wald. Berliner. Der Talisman. Ansang 1 Uhr. Lnise». Inccwittchen und die sieben Zwerge. Rose. Frau Holle. Urania. Von Mcran zum Ortlcr. Aiisimg 7 Uhr. Sgl. LpcrnhauS. Siegfried. ?!nsang Tl. Uhr. Sgl. Schauspielhaus. Der große jlönig. Deutsches. Viel Lärm unl Nichts. Leising. Das AricdcnSscst. Zirkus Busch. Gnla-Vorftcllung. Zirkus Sarrasani. Gala- Vor- stcllung. Zirkus Schumann. Gala-Vor- slcllnng. Havcrlanv. Spezialitälcn. Ansang 8 Ubr. Urania. Snubcustrasie 48/4S. Der Grogglockner, Gastcin und die Salzburger Alpen. Hörsaal: Ingenieur A. Keßncr: Drahl- und Vlcchwarcnindchtric. kiviin che Dvcr. Die Hexe. SSestcn. Die schöne Helena. «leine?. Loltchens Geburtstag. G. u. F. Glsiler. HockenjoS. Rvniggräncr Ttrasic. Die sänf Franlsnrtrr. Neues Schanipielbaus. Das ,>ami>icntind. tinrsurftcuoper. Der Fünsuhrtee. Neues. Der liebe Auguslin. Residenz. Alles für die Firma. Lusrspirlhaus. DaS lauschige Nest. Berliner. Große Rosinen. Neues Drerctren. Eva. Schiller O. LindermcreS Fächer. Srti- l> liarlottenburg. Der icharsc Junker. «ricdr., Vüilh. Schauspielhans. Husarcnfieber. Luise«. Die Rose von Japan. Rose. Der Gesangcne von Zenda. Ntrtroi v Die Nacht von«erliu. Triauo». Der Ehemann am Fenster. Der angebrochene Abend. Tlialia. Autoliebchcn. LSiiitrrgartcii. Spezialitäten. (kasiuo. Tie lustige Strohwitwe. iiU'u»ii. Los Nr. 33. Spezialitäten. Va an>. Svezialitäten. Herruseld. Wie man Männer bessert. Ter HauSteusel. Reichsuunr». Stettiner Sänger. rlnfang 8'!, Uhr. Folie? Eavrice. Der Polizeihund. Voigt. Geschlossen. Walhalla. Menschenrechte. 'iujang S'l, Uhr. Neues 3. Qpernthrater. Postillion von Lonjumcau. Neues VolkStheatcr. Der Meister. Belle-Alliauce. Zapfenstreich. Sternwarte» Jnvalidenftr. 57— 62. Sehiller-TheaterO.lS: Sonnabend, abends 8 Uhr I»ad}�\Vliidcriiiere» Filchep Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der l'rubckandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Kyrlta-Pyrlta. Montag, abends 8 Uhr: Kyrlta-PyrUa. Schiller-Theater c~n" Sonnabend, abends 8 Uhr Zum erstenmal: Der scharfe Junker. tLonniaz, nachm. 3 Uhr: I>»a Carlos. Sonntag, abends 8 Uhr: Der scharfe Junker. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Sonnt.3'/, Uhr � Der Vogelhändler. Theater des Westens. 8 Uhr: Tie schöne Helena. Sonntag 3'/« Uhr: Wener Blut_ Resideuz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die syirma. Schwank in 3 Akten von M.Hcnncgnin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-BacikerS. Morgen u. folg. Tage: Alles k.ii. Firma. Belle-Alllance-Tiieater. 8'/, Uhr: ZaPfcnstreiÄ. Sonntag nachm. Uhr: Im bunten Rock. Abends 8 Uhr: Die Tollarprinzessi». Luiseu-Theater. Sonnabend nachm. 1 Uhr letzte .'tindervorstcllung: Sncewittchen. Abends: Tic Rose von Japan. Sonntag nachm. 3 Uhr: Alles durch die Liebe. Abends 8 Uhr: Robert und Bertrani. osc-mÄre Große Frankfurter Str. tS2. Nachmittags t Uhr: Frau Holle. Abends 8 Uhr: Ter Grfaiigenc von Zcuda. Sonntag 3 Uhr: Tic Grille. 8 Ubr: Ter Gefangene v. Zenda. Metropol-Tlieaier. Abends 6 Uhr: Rauchen gestattet. ßis Nacht von Berlin! Große IahrcSrevue in 7 Bilder» von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Morgen nachmittag 3 Uhr: Doroldea. Die kleinen Lämmer. • v. r■■' A Sonntag, den 31. März, nachmittags 2Va Uhr, im Konzertsaale der Brauerei Friedrichshain(Lipps), am Königstor: Große Jugendfeier für die schulentlassene, arbeitende Jugend. MitwiFkende Frau Klara Zetkin(Festrede).— Herr J. Klein vom Deutschen Theater(Rezitation).— Herr K. Tobias(Orgel).— Herr P. Weschke(Posaunenquartett).— Vereinigte Thilosche ChSre unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Thilo. .- Der Eintritt ist frei. Ranclicn ist nicht gestattet. Auch darl während der Vorträge im Saaie nicht serviert werden. ä ch ürania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Von Heran zum Ortlcr. 8 Uhr: Oer Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Hörsaal Ingenieur Kellner 8Uhr: Draht- und' Blechwaren-Industrie. Ab 8 Uhr Vorlcstter Tag der grosteu komischen Novitäten mit Oscsr und Suzette moderne Tänzer LtO*><». 3S usw. Sfflifl Ein neuer Sensationserrolg Ale man Berliner Theater. Abends S Uhr: Große Rosine«. Abends d Uhr: Die 8 Frankfurier. ianncr bessert. 2 Akte von Anton u. Dona! Herrnscld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Oer hausteufel. Ansang 8 Uhr. Blllettvorverkaus I t— 2(Theaterkaffc) Kelehshallen-Ihealer. bitctUncr Silngcr Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllerftrasie. Burleske von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Voigt-Theater. Geiundbrunne» Badstraße 88. Morgen Sonntag, den 31. März, »achmittagS 3 Uhr: Maria Ttuart. AbcndS 7 Uhr: Glückliche Heirat. Kalsencröff». 10 Uhr. Äni. 3 n. 7 Uhr. Montag, t. April: Benefiz für Lina und Karl Niocllcr: Gin Sohn des Aolkes. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Der Ehemann am Fenster. Hierauf: Gin angebrochrner Abend. Lenstsr. Das rreilie Geheimnis. | Aclla. die schönste Tänzerin Rußlands. Schneider-Duncker und das große März- Programm! Polles Caprice. Täglich 8'/, Uhr: DU Saifon-Scblager Der Polizeihund. as Broadway-Girl. j /inlksbahca I Allabcndlfcli: Tänze auf d. Eise. [Die kleine Charlotte. Woltmeiater Bror Meyer. Das prächtige Eisballett Alpenzauber. Nachmittags: Kunstlauf- Produktionen. Bis 6 Uhr und von 10'/< Uhr abends halbe Kassenpreise. fH) H Zirkus Kusch| Sonnabend, den 30 März 1912 JKIitc-biala- Abend. 7'/. Uhr t'l, Uhr I beginnt die Vorstelhing mitj der Pantomime „Ols Darauf das jgroUe tiala-Prosramm. Um Q'/i Uhr: King'kampf. Vorletzter Tag der großen Entschcidungskämpfe. Morgen Sonntag; Ä groBc V'-orstelUmgcn.| Sozialdemokratisch. Wahlvereini Charloüenburg. Sonntag, den 31. März, abends 7 Uhr:> \ MusiUaliseher UnterhaUungsHbet�d im Volkshausc, llosinonstr. 3. 915h j Eintritt 30 Pf. Nachher TANZ gegen 40 Pf. Nachzahlung. G Ciirüuau Allen Parteigenossen, Ereundon und Bekannten teile ich hierdurch mit, daß ich das Lokal von<». Tilndcnhayn, l�riedrichstr. 2, käuflich übernommen habe und bitte um geneigten Zuspruch. Ott© Herzog. Älrkns A. Sclmmaim Heute Sannabend 7,U Uhr: Oranilo Soir6c Highlifb 5 Aurorsis 5 mit ihrem lobemlen Roulette sowie Dir. Albert Schumann in. seinen neueston Kreationem und die Spezialitäten. Um S» Uhr; Beginn des bis jetzt unübertroffenen, einzig dastehenden Ausstattungsstückes Das Motorpferd Sonntags: 2 Vorstellungen 31/, und f'/j Uhr. In beiden Vorstellungen; Ida» Tlotorpfcrd. arrasanil SÄteer Allee. Telephon: Nord 4100 I Sonnabend, den 30., und| Sonntag, den 31. März jv I ZVorstellungen 2 Nachm. 3 Uhr n. 7'/» Uhr. s Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen, j. halbe Preise. (in jod. Vorst, ein kompl. Programm mit allen Attraktionen. U. a.: giegr Wild-WeattM) \'orverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen Billottvcrkaufsstellen von| A. Wertheini. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Novität Tögsid�S Uhr. prr litlit Pofftgschlagtr pic lllßige Struljniitiüf. Posse von Misch und Aarobh. äonnt. 3'/.: Trudchens Sonmerreise. Königsladl-Kasino. Ecke Holzmarkt-«. Al cxandcrstraße Täglich: Ein fideler Rechtsanwalt und Bruder JulinS. Außerdem Serstll. Gtanznnmmcrn Ans. 8 Ubr. Sonntags �.5 Uhr. Miltio., Sonnab., Sonnt.: Tanz. 'l �-.v'*■ (ZLLCN A FTS�VER LEG UNO. Meinen werten Freunden und meiner verehrten Kundschaft zur gefälligen Kenntnisnahme, daß ich mit dem heutigen Tage den Original- Hackepeter Ton Mttnzstralle 28 mc!, Münzstraße 20, Ecke iUisEr-wniieim-siif.iie, in mein vollkommen neu eingerichtetes und mit allen technischen Neuerungen versehenes Lokal verlegt habe.- Für die mir bisher bewiesene treue Kundschaft bestens dankend, bitte ich, mir die alte Anhänglichkeit auch in meinem neuen Unternehmen zu bewahren. Hochachtungsvoll iVliSlTitlÄl« Seldan-MänteB, kmibhi, Absalten-Palatots. Kcstfim-RSeke Baumg Einsal-Verkdyf direkt sk Fabrik! Kel Vorzclfltang dieses Inserats an der Kasse werden o0/',, Rahatt verniitci Hapsvoateissi&tz H'• Eta3®- K«?n «a SM w yur*■®*�7„ Morgen Sonntag bis 6 L'hr abends geölFuet. fgc�rägßbcr LTnter(inHndS?ahn!io£) ö MS? '�WßW' Zettnngs-Ansgabesteile» und Ittserateu-Auuahme. Z?�nti'»i!>: Zllbcrt H a b n i s ch. Zluguststr. 50, Nngang Joachimstratze. 2. Wahlkreis, W.: Gust. Schmidt, SKrchbachftr. 14, Hochparterre. S. und SW.: Hermann Werner, Gneiscnauftr. 72. S. Wahlkreis: St. F r i P, Prinzenstr. 31, Hof rechts Part. 4. Wahlkreis: Oft e n; Robert B e n g e l s, Gr. Franksurterstr. 120. — Züchard H a ck e l b u I ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis. S ü d o st e n: Paul B ö p n>. Launpervlatz li/15. 5. Wahlkreis: Leo glicht, Jmmanuclkirchstr. 12(Hof). C. Wahlkreis(Moabit): Karl ülttöctä, Salzwedclerstr. 8. Weddiiijc: I. Hönisch, Nazaretbkirchstraßc 4S. liosenthaler und«raaieaharger Vorstadt: Wilhelm B ll I! m II n II. Rhcinsbcrgerstr.»7, Laden. VesaneldraanSn: F. Trapp, stcttinerstr. 10. bfehiin kanser Vorstadt: Karl ÄiarS, Grcifcnhagcner Str. 27. Adlershof: Karl Schwarzlose, Hosfmannstr. g. Alt-t»'lienieke: Wilhelm Dürre, Käpenickeritr. 6. Ii an i>> seh>> i e n»~e x: H. Hornig, Maricntbalcrstr. 13, I. liei'iian. ttöntgeiital. Lenerniek, iüeliönon' und Seliva- hrtiek: Heinrich Brase, Mühlensir. 5, Laden. Bohnsdorf und Falkenberg:'Alois Laus, BohnZdorj, Ge» nossenschastshaus.Paradies". Charlottenbnrjs: Gustav scharnb erg, Sefenheimerftraße 1 Eiebwalde: O s 1 a r Mahle, Stubenrauchstr. i>ö. Erkner: Ernst H o f f w a n n, Friedrichshagener Chaussee. Ercdcrsdorf-Petershagen: E. H ö s c l b a r t h, Petershageir Eriedeaan-i!»tegIit-.Siideiide-t«r<..v-Elekterfelde-Eai.k- �itzi: H. B e r u i c c, Alscnflr. 5 in stcglip. Eriedrlehshagen: Ernst Werkmann, Köpcnickcr Straße 18. Grünau: Franz Klein. Fried richstr. 10. «Johannisthal: P i e I i ck e, Kai'cr-Wilhelm-Platz 6. Karishorst: Slichard Stüter, plodelslr. 9, II. Ittfnigs-Wnstcrbauscn: Friedrich'3 au mann, Bahnhosstr. 13. KUucnick: Emil W 1 ß I e r, Kielzersir. 6, Laden. Eiclitenberg, Erlcdrichsfcldc. Uohonschünhausen: Otto S e i k c l, Warteubergslraße 1(Laden). Bahlsdorf, Kaulsdorf: P. Hcßberg, Kaulsdorj, Ferdinand- slraße 17. Mar icndorf: Nugust 2 e i p, Chausseestr. 296. Hos. SlarlenfÄde: Einil W einert, Dorsstr. iL Ä'j.'ucnhagen: Gustav L e y � Woltershaße. >leder-!üebönerreide: G e h r t, Britzerstr. 6. X otvarvcs: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. Gber-SSehiinevreide: Alfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17 II. Eankotv-XiederMebimhausen: R i ß m a Ii n, Mühlenstr. 30. Ileinickcndorf- Ost, Wilhclmsrub und Schönbolz: P. E u r s ch, Provinzstr. öS, Lade». Bixdorf: M. Heinrich, Neckarstr. 2, im Laden; R o h r, Siegsried- straße 23/29. tlnininelsburg, Ikoxhagen: Zl. N o s e n I r a n z. M-Bo�Hagen öS. Schöncbcrg: Wilhelm Biiumlcr, Martin Lutherstr. 69. im Laden. hpandau, Xounendamni, Staaken, Scegelcld und Ealkenhagcii: Koppen, Drciiestr. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslust, llerntsdorf nnb Iteinickcndorf- West: Paul Stienajt, Borsigwalde, Zläuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n-o w, Teltow. Berliner Str. 16. Teiupclbof: Joh. K r o h n, Borussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. W cUJcnsec: K. Fuhrmann, Sedanstr. 10ö, parterre. Wilniersdorf-IIalensee'üiehinargendorf: Paul Schubert, WiHclmsaue 26. ILentben, Ettersdorf: Ernst Hüttig, Zeuthen, Dorsstr. IS. Sämtliche Parteilitcratur sowie alle wissenschastlichcu Werke werben gelicsert. M Ilmenau fÄÄÄ kurort, Sauatorium. Sommerjr., Winiersportpl. Auss. Prosp. m. Woh- nungsnachw. frei d. d. Badevcrtret. f? Ist der Andrang zu unserem neuen Geschättshause, das als eine Sehenswürdigkeit Berlins allseitig anerkannt wird. 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So wird gemeldet, daß die Vertreter des Nord- deutschen Llopd und der Hamburo-Amerika-Linie aus dem Auf- sichtsrat der vom Fürstcnkonzern beherrschten Deuts ch e n ü e-- vänte-Linie A.-G. ausscheiden. Der vorgegebene Grund ij. auch hier, daß die Fürstengruppe„in einer jeden Widerspruch außer acht lassenden Weise ihre» Willen durchsetzen will"� und irj.t „Schroffheit dem eigenen Einfluß Geltung zu verschaffen weiß'". Die letzten Differenzen entstanden durch die Frage, wie der Kapital bedarf von 3 Millionen Mark zu decken scp7 Die Fürste�gruppe ver- langte die?lusgabc neuer Aktien. Da. die Emission der Anteilscheine an die einzelnen Aktionäre je nc/ch ihrem A�icnbesitz erfolgt, würde der Einfluß der Fürstengruppe, noch verstärkt werden. Tic Vertreter der beide» großen Schiffahr tsgesellschaften verlangten da- her die Aufnahme einer Anleihe, dre an dein jetzigen Majorität�- Verhältnis nichts geändert haben Vohrde. «•«••••tMiM* Die aite Firma Schuhwarenhaus Carl Stiller hat zu ahnlich laufenden Firmen keinerlei Beziehungen. Man achte genau auf Strassen- namen und Hausnummern! Zentrale und Versandabteilung: jerusalemer Strasse 32-35 Ecke Leipziger Strasse Potsdamer Strasse 2 Tauentzlen-Strasse 19a Frledrich-Strasse 75 Könlg-Strasse 25 u. 26 Schöneberg, Hauptstr.146 Neukölln, Bergstr.25u.26 Rosenthaler Strasse 5 Charlotlenburg: Wilmersdorfer Strasse 45 Oranien-Strasse 161 Grosse FrankfurterStr.123 12.50 Spezlal-Verkauf: Tauentzlen-Strasse 7b April 1912: Chausseestrasse 114/15 Für das Osterfest Neue preiswerfe Fruhjahrs-Modelle in Damen-Halbschuhen und Stiefeln Die grofse Damen-Mode! Wesfs mit Schwarz! Elegante Schnür Stiefel mit ff. 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Da jede Getreideart keimfähig ist, so gewinnt man durch das Mälzungsverfahren aus jedem beliebigen Getreide Malz und durch den anschließenden Röstprozeß Malzkaffee. Außer dem Weizen ist Roggen, das deutsche Brotkorn, das wertvollste Getreide, dann kommt Gerste, schließlich Hafer, Mais etc. In der gleichen Folge bewegt sich auch der Wert des betreffenden Malzes. Ursprünglich wurde Malz hauptsächlich zum Bierbrauen verwendet, und der volkstümliche Ausdruck „Gerstensaft" läßt schließen, daß vorzugsweise Gerstenmalz, wenigstens für die bekannteren Biersorten gebraucht wurde. Wenngleich Roggenkaffee der am längsten bekannte Getreidekaffee ist, so wurde doch bis vor kurzem zur Herstellung von Malzkaffee meistens Gerstenmalz genommen, einmal, weil es infolge seiner Verwendung zu Brauzwecken bereits in großen Mengen hergestellt wurde, und ferner, weil man nach den seitherigen Erfahrungen und mit Hilfe der üblichen Fabrikationsmethode sehr großen Schwierigkeiten begegnete, aus der wertvollen, hülsenfreien Roggenfrucht Malzkaffee herzustellen. Spczialhauö(ür wenig gcira Acne, fast neue Jackett-Anzüge. Rock- Anzüge. Getzrock- An- züge.Tmoking-Anzüge. Frack- Anzüge, Sommer- Paletoto, Beinkleider(auch f. korpulente Herren), sowie Krltncr-Jackettö, -Fracks. schwarze Tuchhose». Dieselbe» sind teils ans Seide gearbeitet und nur kurze Zeit getragen, kansl man spottbillig bei Weingarten, 28 Eckballs Ritterstr.(sriihcr 20 Jahre Gitschiner Str.). Litt« sut 8trsöe uint kiausnummsr zu»cbten. AerrsnmoüsA nach Matz, lZsutsods u, engl, Stoffe,?l»- zug 40 M. Paletots 3« M. 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März, vorm. 10 Uhr: Kuß erordentl. Versamtnlung der irliiitärbranche in den„Arminhallcn", Kommandantcustrastc 58/59. Tagesordnung: Stellungnahme zu dem Ergebnis der Tarifverhandlnng. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 156/16 Tie Tariffommissio«. A. A.: A. Itlcdcl. Die elegantesten Herren-Moden lerüg und nach Mass et halten Sie in der Mass'Schneiderei L KURZBERO Rosenihaler Sir.40-41, Hackesch. Markt Frankfurter Allee 104, Ecke Erledenstr. Reinickendorfer Str. 4, Weddingplatz Jluf Wunsch in Wochen-Raten. von 1.©@ an Worin unterscheidet sich mein Reste <5M a an 2 M Damentuctie�. per Meter...... von Kostümstoffe�r'6 Muster. per Meter von Se!f;EnplüschVe�r� Nord, 80 cm breit, perMtr. M- Vnilo zu Kleidern fülle 130 cm breit O M. per Meter...... von � an Samt und Seide usw. zu sehr billigen Freisen! Pl'ßfn'lc i-d.iieuest. r d.Ulülb Fasson«, in engl. Stoffen etc.,. von an Kostüme engl Stoffen u Kammg Auswahl in M. 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ZL: Gustav Rose, Vorsitzender. iolides Möbelgeschäst liesert bürgerliche WohiiU!igscilirid)tungen sowie ein- zelne Möbel gegen mätzige Zinsvergütung bei kleiner AuzaKIung u. geringen monatlichen Teilzahlungen.'Anfragen unter Postlagertarlc 33, Postamt 103. Kein Hbzablungogerdhäft. Verantwortlicher Redalteur; Zllbert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckeret». VerlagSanstalt Paul Singer u.Eo� Berlin LVV, Neukölln...ä-°! 9!eukölln. Liste derjenigen Fleischermeister, die den Tarif des Zentralveröandes der Fleischer unterschristlich anerkannt haben. C. Fonfara(Wurstsabrik), Berlin cr " Strotze 27 P. Lukascheck, Berliner Str. 28 A. Reifland, Berliner Str. 23 H. Jochmann, Zietenslr. 41 M. Kaiser, Zielenstr. 23 P. Wonneherger, Weisestr. 24 F. Schieide, Welsesir. 51 K. Gerlach, Warlbcslr. 70 G. Saft, Wartheslr. 58 Th. Pahnfce, Warthestr. 73 W. Friedmann, Warthestr. 7 P. Jünger, Bürknerstc. 5 F. Klein, Kotlbuser Damm 12 Nachstehende gleischermeisler. die zurzeit leine Gesellen beschöstigen, haben ebenfalls ihre Zustimmung ertlärt: ll. Fiehmino, Tbomasstr. 36 H. Burok. Weichselplatz 4 0. Perseke, Hermannstr. 169 C. Beste, Hcrmaimslr. 232 B. Riedel, hermannstr. 46 M. Riese, shaltstr. 20 G. Seidel,(tägerslr. 7 M. Meier cSmc.), SBcfcrftr. 168 W. Krager, Hertzbcrgstr. 21 0. Schönbrunn, Rtchardstr. 61 W. Rademacher, Hobrechlstr. 19 J. Orth, Emser Slr. 26 H. König, Rogatslr. 40 E. Schilde, E. Immrich Herrsurlhslr. , Nogalslr. 14 23 1 M. Falkner, Donau str. 7 288/18 Aus verschiedene Anfragen diene zur Antwort, datz diejenigen Flci'cher- meistcr, die ertlären, bei ihnen sei alles geregelt, ihre Äundschasl nur täuschen wollen. Auch die Ausrede, sie seien durch JnnungSbcschlutz gebunden, ist nicht stichhallig, denn die Konventionalstrase von 1000 Mark verstötzt wider die guten Stilen und ist nicht einllagbar. S!ei»tv>»lH«zrbaiK«1«!er Berlin NO., Aisabethstr. 11. Teleph.-Aml: Königsladl Nr.»24. Msdel-Kn Zsbor. 2576L» Nr. 76. 29. Zayrymß. Partei- Hngclegenbciten. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die Fortsetzung der Vcrbands-Gencralversammlunq findet am Sonntag, den 31. März 1912, mittags 12 Uhr, in den „Concordia-Festsälen", Andreasstr. 61, statt. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über das Stichwahlabkommen des Parteivorstandes. 2. Erledigung der von den Kreisen gestellten Anträge. 3. Beschlußfassung über den Bezirks Maifonds. Zu der Generalversammlung werden neue Delegierten- und Gaslkarten ausgegeben. Die alten Karten verlieren ihre Gültigkeit._ Der Aktionsausschuß. Sechster Wahlkreis. Wie alljährlich, findet auch in diesem Jahre am Karfreitag eine Fußpartie des Wahlvereins statt. Treffpunkt im Cais Türk sfrüher Pein), Kolonie Grunewald. Hubertusbader Str. 8. Zu erreichen mit der Straßenbahn Ring 8 über Moabit bis vor die 5ür. Mit dem Nordring oder der Stadtbahn bis Haleusee oder Bahnhos Grunewald. Abmarsch spätestens ' lO'/ä llhr durch den Grunewald nach Brauerei Pichelsdorf. Die Gesangvereine das sechsten Kreises werden ersucht, sich an der Partie zu beteiligen. Challottcnburg. Am Sonntag, den 31. März, abends 7 Uhr. veranslallei der Wahlverein einen musikalisch-deklamatorischen Unter- Hallungsabend im Volkshause. Rosiuenstr. 3. Milwirkende: Herr Kühne. Frl. Mia Friich. Herr Kapellmeister Hötzel. Eintrittskarten zu 33 Ps. an den bekannten Stellen. Nachher Tanz gegen 43 Pf. Nachzahlung. Stralau. Der Wahlverein veranstaltet am Sonntag, den 31. März, abends S Uhr. in den Markgrafensälen einen Lichtbildervortrag von Herrn Oskar Bolle:„Streifzüge durch die Mark Brandenburg". Da der Vortrag in verschiedenen Vereinen reichen Beifall gefunden hat. wollen die Genossen für einen regen Besuch der Vorstellung agitieren. _ Der Bildungsausschuß. Berliner jVadmcbten. Weibliche Parlamentsgäste. Parlamentsverhandlungen sollen nach der Verfassung öffentlich sein. Was heißt das? Doch wohl, daß jeder Mensch, der sich angemessen beträgt und nicht mehr zu den Kindern zu zählen ist, den Verhandlungen in dem dazu bestimmlen Zu- Hörerraum, soweit Platz vorhanden ist, beiwohnen darf. Die- selbe wohlweise Einrichtung sehen wir verfassungsgemäß bei den ordentlichen Gerichten. Man will damit dem Verdacht vorbeugen, daß hinter verschlossenen Türen vor einem bestimmten Interessentenkreise etivas vorgeht, was das Licht der Oefsentlichkeit zu scheuen hat. Somit charakterisiert sich die Bestimmung als ein Zugeständnis an das Recht des Volkes, an das Urteil der öffentlichen Meinung. Trotzdem werden weite Kreise immer noch von der stummen Teilnahme bestimmter Verhandlungen ausgeschlossen. Das sind die Frauen. Das Wort von der gesetzgewollten„Oefsentlichkeit" wird also derart eingeschränkt, daß es seiner Bedeutung nach nicht mehr zutrifft. Bei den Gerichten finden wir diesen Brauch der Beschränkung auf das männliche Geschlecht aller- dings nicht. Hier stellen Frauen in der Zuhörerschaft sogar einen sehr hohen Prozentsatz. Bei Sensationsprozessen sind es vorwiegend Frauen aus sogenannten besten Kreisen, die sich um Platzkarten reißen. Auch in den Logen der großen gesetzgeberischen Parlamente sieht man sehr häufig Frauen. Meistens sind es freilich Frauen, die lediglich ein neugieriges persönliches Interesse durch enge Beziehungen zu Abgeord- neten und für die Bedeutung der Verhandlungen wenig oder gar kein Interesse haben. Man kann da auch nicht selten kaum den Kinderschuhen entwachsene Backfische solcher Art beobachten, die in dem„hohen Hause" wirklich nichts zu suchen haben. Ganz anders in den> Stadtparlamenten. Hier hat sich in zahlreichen Gemeinden— Berlin ausgenommen — durch jahrzehntelange Gewohnheit vielfach der Brauch ein- gebürgert, das weibliche Geschlecht überhaupt nicht zuzulassen. Das steht im Mißverhältnis zur Zeit, zur Entwickelung unseres modernen politischen Lebens. Die Frau ist von der praktischen politischen Gleichberechtigung sicher noch weit ent- fernt, aber ihre offene Stellungnahme zur Politik kann nicht mehr übersehen werden. Das Heer der erwerbstätigen Frauen wird zur Steuerleistung herangezogen nach gleichen Normen wie der Mann. Weshalb da, solange sie nicht in Parlaments- würden mitraten und mittaten dürfen, für sie nicht das Recht gelten soll, wenigstens anzuhören, was Männer in„öffent- licher" Sitzung verhandeln und beschließen, ist unerfindlich. Man hat vielleicht früher unter Berücksichtigung der engen Schranken, in welche die Frau jahrhundertelang verwiesen war, sich gesagt, daß Frauen beim Erscheinen im Parlament nur ein Interesse der Neugier oder Eitelkeit haben können. Die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Das Interesse ist ein echtes politiscl>es geworden, ist diktiert von dem ernsten Streben, mitzuwirken an Gesetzen, die für das weibliche Ee- schlecht oft mindesters ein ebenso großes berechtigtes Interesse haben als für das männliche Geschlecht. Alle anderen Gründe, die etwa für den Ausschluß der Frauenwelt aus der„Oeffenl- lichkeit" der Parlamentsverhandlungen herangezogen werden, müssen vor dem politischen Kern ins Hintertreffen rücken. Frauen halten heute ihre eigenen politischen Versammlungen, ihre eigenen Kongresse mit völlig parlamentarischer Geschäfts- ordnung ab. Was würden wohl die Männer sagen, wenn es zu ihnen vor der Tür hieße: Ihr seid nicht gleichberechtigt... Ihr habt draußen zu bleiben!? Das fällt der modernen Frauenbewegung nicht im Traum ein. Man weiß, daß man auseinander angewiesen ist und zusammenarbeiten soll zum Wohle des großen Ganzen. Daher umgekehrt auch gleiches Recht her für die Frauen, vorläufig wenigstens im öffentlichen Zuhörerraum eines jeden Parlaments. Unsere deutschen, politisch reisen Frapen aus dem Volke sind bereits so bis- zipliniert, daß sie an solchem Orte selbst einen Kröcher oder Oldenburg nicht mit faulen Aepfeln bewerfen würden. Eine neue Strastenbnl,»linie eröffnet die Große Berliner Straßenbnkm am 1. April. Die neue Linie erhält die Nummer 63 und verbindet den Görlitzer Bahnhof mit Writzensee Die Linie geht von diesem Bahnhof über die Adalbert- und Alidrensstroße, also auch den Schlesischen Bahnhof, den Straußberger und den Landsberger Platz, das Königstor und die Greifswalder Straße Z. Ktilaßk te, Amiirls" Strlimr AllisdlM. Agnngbknd. 36 Marz l!)!?. bis zum Schloß in Weitzensee. Die Fahrzeit beträgt wochentags sil, Sonntags 33 Minuten. Der erste Wagen geht vom Görlitzer Bahnhof 6,28, der letzte 3,58. Sonntags geht der letzte 11,24 Uhr. Von Weißensee geht der erste Wagen werktags 6,17, der letzte 3,47, sonntags 11,21 Uhr. Die Wagen verkehren alle 15 Minuten. Die Arbeiten an der Unfallstelle der Untergrundbahn gehen rüstig vorwärts. Der Zufluß von Spreewasser an den Durchbruchstellen scheint infolge der fortgesetzten Bemühungen die Staudämme im Tunnel zu dichten und zu stärken bezw. zu erhöhen, etwas nach- gelassen zu haben. Die Kreiselpumpen, die etwa 43 033 Liter aus der überschwemmten Untergrundbahn stündlich berausbefördern, ent- ziehen dem Tunnel jetzl bedeutend mehr Wasser als zufließt. Gestern früh waren bereits sämtliche Bahnsteige der Bahnhöfe vollständig frei von Wasser, so daß sie überall betreten werden konnten. Auch die tiefliegenden Bahnsteige am Spittelmarkt und Hausvogteiplay liegen jetzt trocken. Langsam aber dauernd nimmt das Wasser ab. In dem Tunnel an der Voßstraße, sowie am Wilhelmplatz und an der Friedrichstraße ist das Wafier am meisten zurückgegangen. Da noch inehrere Pumpen ausgestellt und montiert werden sollen— man spricht von vier Slück � dürfte die Bauleitung die Situation auch bei einem Wachsen des Zuflusses beherrschen, und der Betrieb der Untergrundbahn dürfte schneller wieder aufgenommen werden, als anfänglich angenommen werden konnte. Die Ermittelungen nach der Ursache des Wassereinbruches haben bis jetzt ergeben, daß an der gefährlichsten Stelle, nämlich mitten in der Spree eine Senkung des Spreebettes erfolgt ist, wodurch die eine'Ecke der Spundwand nach dem Oberlauf der Spree zu-sich in einer Ausdehnung von etwa vier Meter um zwei bis drei Meier senkte und das Wasser einfließen konnte. Dadurch entstanden natürlich Risse, durch die schließ- lich immer mehr Wasser eindringen konnte. Es muß nun zunächst die Aufgabe der Bauleitung sein, diese Risse zu verstopfen, das eingedrungene Wasser fortzuschaffen und die alten Spundwände zu verstärken. Man hofft, diese Arbeiten noch vor Ostern ausführen zu können, falls kein Hochwaffer eintritt oder durch Bildung von neuen Riffen neue Schwierigkeiten entstehen. Jeden- falls scheint aber die Gefahr einer weiteren oder neuen Ueber- schwemmung der Untergrundbahn beseitigt zu sein. Die in Tätigkeit befiiidlichen Pumpen und die bereits angelieferten Lokomobilen und Pumpen können eventuell 133 333 Liter in der Stunde schaffen. Entsprechen die aufgeführten Dämme auch weiter den an sie gehegten Erwarlungen in bezug auf Festigkeit und Dichtigkeit, dann kann der Betrieb der Untergrundbahn, auch ohne daß der Spreetunnel voll- ständig trocken gelegt ist, wieder gefahrlos aufgenommen werden Der anfänglich auf Millionen geschätzte Schaden dürfte unter diese» Umständen sich ganz wesentlich verringern. Kinder verlangt! Vor einer Woche berichteten wir, daß in Lichtenberg, im Hause Kronprinzen st r. 23, in einem Fenster des Grünkram- geschäftes von Gcdeike folgendes Plakat aushing:„Kinder zum Etikettsknoten sofort verlangt I" Noch an dem- selben Tage, an dem wir diese Mitteilung gebracht hatten, wurde das aufsehenerregende Plakat dem Publikum aus den Augen gerückt und vom Fenster weggenommen. Der Zustand aber, daß durch das Gedeikesche Grünkramgeschäst schulpflichtige Kinder die Möglichkeit erhalten, Erwerbsarbeit zu treiben, dauert leider fort. Es ist inzwischen festgestellt worden, daß von chier schon seit langem Familien der Nachbarschaft regelmäßig sich diese Heim arbeit geholt haben, die dann größtenteils von Kindern ausgeführt wurde. Das Ehepaar Gedeike hat gewußt, daß nicht etlva nur Er Wachsens sich damit abmühen wollten, an kleinen Warenetiketts dünne Fäden zu befestigen und diese zusammenzuknoten. Das Plakat verlangte ja auch, wie schon gesagt, ausdrücklich„K i n- der zum Etikettsknoten". Erwachsene geben sich ohnedies selten dazu her, für d e n Lohn zu arbeiten, der da gezahlt wurde. Für Fertigstellung von 13 3 3 Etiketts, d. h. für eine Arbeit, die einige Stunden erfordert, geben Gedeikes nur 16 bis 2 3 P s. In manchen Familien haben sogar Kinder, die noch in den ersten Jahren des schulpflichtigen Alters standen, an dieser Be- schästigung teilgenommen. Die fertigen Etiketts mutzten am Morgen vor 7 Uhr abgeliefert werden, und man sah um diese frühe Stunde die erwerbstätigen Kinder, eines nach dem anderen, ihre Säckchen durch die Krouprinzenstratze tragen und mit ihnen im Hause Nr. 23 verschwinden. So war es bisher, aber seit Verösfentlicbung unseres Artikels wird die Ablieferung in einer weniger aufsehenerregenden Weise besorgt. Rätselhaft ist, daß gegen diese Tinge, die seit langem ziemlich allgemein in der Nachbarschaft bekannt waren, in der ganzen Zeit niemand eingeschritten ist. Wir der werfen die Erwerbsarbeit schulpflichtiger Kinder grundsätzlich und wünschten, daß sie unterschiedlos verboten würde. Feststellen wollen wir aber, daß schon nach den wirklich nicht allzu weit gehen den Vorschriften des jetzt geltenden Kinderschutzgesetzes manches der für Gcdeike arbeitenden Kinder gar nicht für ihn hätte beschäftig! werden dürfen. Eltern dürfen ihre Kinder in der eigenen Woh nung für einen fremden Arbeitgeber nur dann arbeiten lassen, wenn die Kinder mindestens zwölf Jahre alt sind. DaS Leichenbegängnis des verstorbenen Abgeordneten Träger fand gestern unler zahlreicher Beteiligung auf dem Dreifaltigkeils-Fried bofe statt. Abgeordnete aller Parteien erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre und legten als Zeichen ihrer Verehrung Kränze am Grabe nieder. Auch die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichs tags und des Landtags waren zahlreich vertreten. Tie Erfolge der SäuglingsfUrsorgestellen Berlins wurden von Dr. Tugendreich, dem leitenden Arzt der Für- sorgcslelle V sPankstraßel, gerühmt in einem Vortrag, den er au' Veranlassung der„Hauptstelle für Mütter- und Säuglingsfürsorge in Groß-Bcrlin" hielt. Er zeigte, was bisher die Gesetzgebniig zum Schutz von Mutter und Kind zu tun versucht hat, und was für diese in der sogenannten„offenen" Fürsorge die Gemeindeverwaltungen und die Vcreinstäiigkeit leisten. Ter Wert der„offenen" Fürsorge. bei der— im Gegensatz zu der„geschlossenen", der Fürsorge durch Anstaltspflege— die Mutter mit ihrem Kinde z u sammen in dem eigenen Heim bleibt, sei bisher nicht genug gewürdigt worden. Ein großer Vorzug sei schon, daß sie der Mutter und dem Kinde die Familie lasse-, überdies erfasse sie auch eine sehr viel größere Zahl Kinder als die„geschlossene" Fürsorge und könne mit wenig Geld mehr als diese tun. Die„offene" Säuglingsfürsorge durch die von der Stadt Berlin eingerichteten FürsorgesU den habe bereits dazu beigetragen, die Säuglings- Isterblichkeit in Berlin um einiges z u mildern. Bei den Angaben, die der Skefcrcnt hierüber machte, unterließ er, das ungünstige Ergebnis des Jabres 1311 zu erwähnen, dessen Sommer leider wieder eine starke Mehrung der Säuglingssterbefälle gebracht hat. Im„Vorwärts" ist bereits dargelegt worden,-daß für die Be- urtcilung des vermutlichen Erfolges der Sänglingssürsorgestellen die ganz außergewöhnlichen Sterblichkeitsberhältnisse dieses überaus heißen Sommers außer Betracht bleiben müssen. Tugendreich sieht, wie die meisten Säuglingsärzte, den wirksamsten Schutz der Säug- j linge darin, daß sie von den Müttern mit der Brust ernährt werden. Die Mütter hierzu zu bringen, ist ihm die wichtigste Auf- � Klempnermeister Ono aus > gäbe der Sau gling? ssu-sorgestell en. Tie Stillprä mieu freilich, I vormittag auf dem Dache des Hauses Ebörlystr. 46 mi! AuSbefferungS» die cS den Müttern erleichtern sollen, ihre Kinder zu stillen, sind! arbeilen beschäftigt. Gegen Uhr rutschte er aus und sonder- ' bekanntermaßen nur gering. Referent sagte, in Berlin sei- barcrwcije riß das Seil, an dem er sich befest' gt halte, so daß er in der gewöhnliche Betrag der Stillprämie pro Tag 33 bis 43 Pf.. pro Woche 2,13 bis 2,83 M.; der höchste Betrag gehe in vereinzelten Fällen bis 80 Pf. pro Tag. bis 5.60 M. pro Woche. Wir glauben zu wiss-en, daß der Durchschnitt noch nicht über 33 Pf. pro Tag liegt. Leider erfuhr man nicht, wie hoch im letzten Jahr die Zahl der mit Stillprämien unterstützten Mütter war. Csie ist, wie im„Vorwärts" schon gerügt wurde, diesmal auch in dem Jahresbericht uoer die Säuglingsfürsorgestellen, den die Waisendeputation ihrem-5er» waltungsbericht beiqegeberi hat, nicht mitgeteilt worden. Ueber die Dauer des Erfolges äußerte Referent sich nicht selw oe- riedigt. Er mußte hier zugeben, daß in der Zeit nach dem Saug- lingsalter der Einfluß sozialer Schäden die Gesundheit auch der durch die Fürsvrgestelleu gegangenen Kinder starr gesahr- det. Nur durch eine Fürsorge auch für die Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren könne der Segen der Fürsorgestellen bewahrt werden._ Eine Trägerstraße in S ch ö n e b e r g hat anläßlich de? Heim» ganges von Atberl Träger der Scböneberger Magistrat gettern be» schlössen. Die von der Houptstraße gegenüber der Bennigsensteatze nach links abgehende neue Straße, welche in das nach dem mirncr» gültigen Bebauungsplane jetzt neu zu erschließende W'.llmannsche Gelände führt, soll den Namen Trägerstraße erhalten. Der„Gemeinniitzige Verein für Milchausschank zu Verl in iE. V.)" hat mit Hilfe des Vorstandes der Ortskcankenkaffe für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker zu Berlin in dem eigenen neuen Verwaltungsgebäude der Kaste, Klosterstraße 71, zwei Ausschaukstellen für Milch, Kakao, Kasiee. Bouillon errichtet; und es muß gesagt werden, daß dieses Beispiel der Kasse viele Nachahmung finden möge. Trotz der kurzen Zeit des Bestehens dieser Einrichtung findet sie allgemeine-iner» kennung..,... So gut nun die„gemeinnützige Tätigkeit des Vereins für Milchausschank ist— werden doch die kranken Mitglieder, die sonfl gezwungen waren, in den benachbarten Kneipen ihr m.Agebrachtes Frühstück zu verzehren, davon abgehalten, und genießen jetzt oa» viel frischere und nahrhaftere Getränk, die Milch—, so mutz doch gesagt werden, daß diese Gemeinnützigkeit nicht aus Kosten der An- gestellten betrieben darf. Für eine ununterbrochene Arbeitszeit von sieben Stunden in den Räumen einer Krankenkasse ist eine Ent» lohnung von pro Arbeitstag(Sonn- und Feiertage werden nicht miibezahlt) von 1,53 M. und 5 Proz. von der Einnahme, von zirka 45—53 M.. keine angemessene. So erfrmNich also die,e Ein- richtung zu begrüßen ist, so müssen, um den ganzen Betrieb als mustergültig erscheinen zu lassen, auch die AngestellierMerczaumsss andere werden. Ergänzmigsantrag der Hochlmhngesellschaft. Die neue Schnell» bahnlime der Hochbahngesetlschaft. die vom Gleisdreieck uver den Nolleildorsplatz zum Wittenberg-Platz geführt werden soll, berührt in der Gegend der Zwöls-Apostel-Kirche aus eine kurze' strecke von 73 Meter Schöueberger Gebiet. Tie zwischen der Stadigememde chöneberg und der Hochbabngesellschast geführten Verhandlungen ier die erforderliche Zutlimmilna haben eine Eiiliguiig nicht er- geben. Bei der zuständigen Behörde ist infolgedessen j>'." ein An« wag der Gesellichasl aus Erteilung der Zustimmung im Oege deS Ergänzungsverfahren s eingegangen. Ein Sieg des Herrn Polizeipräsibenten. In Moabit hatten sich eine Anzahl Eltern, welche ihre Kinder nicht Vereinen über» lassen wollten/in denen der Byzantinismus hohe Blüten treibt. zu einer Spielvereinigung Nord-West zusammengetan. Die Ver- einigung bezweckte die Pflege des Spiels, des Jugendwanderns und der körperlichen Uebuugen. In letzter Zeit erhielten nun die Leiter der Spielvereinigung Strafandrohung über Strafandrohung auf Grund der verstaubten Verordnungen von 1834 und 1833. Eine Versammlung der betreffenden Eltern nahm am 28. März dazu Stellung und beschloß, um die Leiter vor ungerechten Strafen zu schützen, die Auflösung der Vereinigung. Folgende Resolution wurde angenommen:„Die. am 28. März 1312 im Moabiter Gesell- schaftshaus tagende Mitgliederversammlung der Epielvereinigung Nord-West nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den Straf» androhungen des Polizeipräsidenten an die Leiter der Spiel» Vereinigung. Sie bestreitet auf das. entschiedenste, daß das Wirken dieser Vereinigung einen Turnunterricht im Sinne der Miuisterial» Verfügung darstelle. Die Hauptziele waren die Pflege des Spiels und Wanderns, daneben zur Gesundung und Kräftigung der Kin» der leichte körperliche Hebungen.-Die Versammlung protestiert auf das energischste gegen jede Einmischung in die elterlichen Rechts der Erziehung. Um den jetzigen Leitern die hohen uugc...hten Strafen zu ersparen, erklärt sich die Versammlung mit der Auf» lösung der Spielvereinigung Nord-West einverstnaden, gelobt aber, ihre Kinder weiter in dem bisher gepflegten Sinne zu erziehen. damit der von den Gegnern von der Auflösung erhoffte Erfolg zunichte werde." Aus dieser Resolution ersieht man wieder die Bestätigung des Sprichworts, daß die Kraft, die stets das Böse will nur das Gute schafft. Die Eltern werden durch derartige Schikanen immer verbitterter und die treibenden Kreise sind weiter denn je davon entfernt, die Kinder der arbeitenden Klassen zu ge- Winnen. Zu der Flucht de? Generalkonsuls von Eostarica wird nach mit- geteilt, daß das Amtsgericht Bcrlin-Mitte über das Vermögen des verschwundenen Kaufmanns Hugo Wilhelm Alwin Müller den Konkurs eröffnet hat. Zum Konkursverwalter ist der Kaufmann Hardegen vom Luisenufer 44 ernannt worden. Müller, der seine Geschäfte bis vor einem Jahr in der Kommandantenstraße 62 betrieb, wird von der Strafbehörde steckbrieflich verfolgt. Er ist am 14. Januar 1872 zu Marienhütte geboren. 1.70 Meter groß und kräftig gebaut, hat volles, weißblondes Haar, blonde Augenbrauen und rotblonden Spitzbart, blaue Augen, eine spipe Nase, ein vollständiges Gebiß und ein faltiges Gesicht. Er spricht mit schnarren- der Stimme und pflegt einen Kneifer mit goldener Fassung zu tragen. Nach einer gestern nachmttig eingetroffenen Meldung hat sich Müller nicht ins Ausland geflüchtet. Vielmehr ist von ihm selbst gestern der Polizei die Mitteilung gemacht worden, daß er sich im Sanatorium Wolters dorfer schleuse befinde. Ein Gerichtsarzt ist bereits zu seiner Untersuchung nach dem Sa- natorium entsandt worden. Auf dem Wege zur Beerdigimg vom Schlage getroffen wurde gestern naebmutag die 56 Jahre alte Frau Auguste des Dachdecker» mcisters Müller aus der Kolberger Straße 31. Die Frau wollte einer verstorbenen Freundin, einer Rentnerin ans der Ravenüstraße, die letzrc Ebre erweisen uiid begab sich mit einem Kranze in der Hand zum Dankesfriedhof in Reinickendorf. Als sie gerade an das Tor des Friedhofes angekommen>var, Ivnrde sie voin Schlage ge- rührt nnd fiel ohnmächtig zn Boden. Andere Trauernde nahmen sich der Frau gleich an und brachten sie in ihre Wohnung. Ebe sie aber mit ibr dort ankamen, war die Frau bereits verschiede». Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Bemerkens» wert ist. daß die Frau immer gesund war und nie über Krankheits- erscheiiilingen zu klagen batte. Ein inutmahlicher KindeSmord beschäftigt die Kriminalpolizei. Als ein Ehepaar aus der Uferstraße 10—-11 gestern abend gegen 11 llhr heimkehrte, fand es im Hausflur ein Paket liegen, das die Leiche eines neugeborenen Mädchens enthielt. DaS täte Kind war in braunes Packpapier eingewickelt. Die Revierpolizei ließ es nach dem Schauhause bringen. Die Mutter ist noch nicht ermittelt. Ju seinem Beruf tödlich verunglückt ist der 53 Jahre alte der Schreinerstr. 28. Otto iv.ir gestern die Tiefe hinabstürzte. Luf dein Hofe blieb er mii zerschmetterjen Gliedern bewutztlos liegen. Weil er noch Lebenszeichen von sich gab, brachle nian ihn init einer Kraftdroschke nach dem Krankenhaus am Fcicdrichshain. Hier konnte der Arzt aber nur noch den in- zwischen eingetretenen Tod feststellen. Eine Landplage für Bermietcrinnen. Der„Mieter mit dem eingewachsenen Nagel", der unzählige Wirtinnen beschwindelt und beftohlen hat, ist jetzt endlich unschädlich gemacht worden. Er ent- puppre sich als ein alter Bcrbrechcr, ein früherer Kaufmann Paul Magnus, Kr erst im vergangenen Jahre nach Verdühung einer 8� jährigen Strafe das Zuchthaus verlassen hatte. Magnus führte sich bei Zimmervertnieterinnsn unter den verichiedensten Namen ein, bald als Postbeamter, bald als Werkmeister, dann wieder als Ingenieur oder Elektrotechniker usw.. je nachdem er gerade in ..Kluft" Ivar. Er erzählte, daß er aus Bremen, Oldenburg oder irgendeiner anderen Stadt des Deutschen Reiches nach Berlin gc- kommen sei, und hier lohnende Beschäftigung gefunden habe, mietete ' ein Zimmer und stellte in Aussicht, daß er Dauermieter sein werde, wenn es ihm gefalle. Sobald er abgeschlossen und 2 M. angezahlt hatte, bat er zunächst um ein GlaS Wasser und dann um eine Schere. Diese brauche er, wie er sagte, weil ihm ein Nagel cingc- wachscu sei. Er könne nicht mehr gehen, ohne ihn erst wegzufchnn- den. Die Wirtinnen halfen dein guten Mieter gern aus und zogen sick> diskret zurück, um ihn die Operation ungestört vornehmen zu lassen. Nach einer Weile kam dann der neue Mieter aus dem Zimmer heraus, bedankte sich für die Schere und ging unter dem Lorwande weg, daß er dem Hotel durch den Fernsprecher mitteilen nnisse, wo er jetzt wohne, damit der Hausdiener ihm seine Sachen sofort bringen könne. Niemals kehrte er zurück. Zu spät sahen die Wirtinnen, daß er bei der„Operation" nicht nur ihnen, sondern, wo es möglich gewesen war, auch ihren anderen Mietern altes ge- stöhlen hatte, was er mitnehmen konnte. Der„Spezialist" hatte, wie sich, später ergab, sogar seine Kleidungsstücke eigens zurecht gemacht, um möglichst viel einstecken und verbergen zu können. Unzählige Diebstähle dieser Art hat Magnus nicht nur in Berlin und Vororten, sondern auch im Reich und der Provinz verübt. Gefaßt wurde der Gauner jetzt, als er wieder als Mieter auftrat. Er geriet an eine Farn, die er früher schon heimgesucht hatte. Diese erkannte ihn und ließ ihn festnehmen. Beim Tanzen vom Schlage gerührt wurde dieser Tage die Witwe Lange in Neukölln. Zu dieser von uns gebrachten Notiz werden wir von Aagehörigcu gebeten, darauf hinzuweisen, daß der Unfall sich auf eine!» Sliftungsfest eines Vereins zugetragen und daß Frau Lauge nur gegen Morgen mit einem ihr bekannten jungen Manne getanzt habe, nicht aber hintereinander, und dabei vom Schlage gerührt wurde.. Las fünfte Berliner Sechsiagercnue» im Sportpalast, Potsdamer Strohe, dos am 2ct. März seinen Anfang nahm, kam am £8, Mär.« zum Abschluß. Es waren folgende Preiie ausgesetz:: 10 ovo. so»). 1000. 3000, 2000, 1000 M. Erster wurife Nütl-Stol mit 4200,100 Kilometer! zweiter Lorenz- Saldow, Handbreite; dritter Moran-Roor; vierter Poulain-Miguel, dichtauf: fünfter Stabe- de Mara, 4 91.; sechster Großmann-Galwin, 6. Li.; siebenter Pavke- Schilling, 7 R.: achter Areod-Carapezzi. 8 R. Das Nennen, das sich vom Beginn an zu einem Kampf zwischen den Paaren Nütt-Stol, Moran-Root einerseits und Lorenz-Saldow andererseits zugespitzt hatie, mußte noch mit einem vierten Paar Poulain-Miguel rechnen. So traten zum Schluß Ltütt, Root, Lorenz und Poulain zun« End- kämpf über zehn Runden an und war hier für den Sieger noch estie Prämie von 100 M. gestiftet. Das Schlußergebnis war ein knapper Sieg Rütts über seine Gegner. Sein Sieg wurde von Beifall mid Pfeifen begleitet; auch in die Ehrenrunde der Amerikaner mischten sich laute"Pfiffe. Nugeteilten Beifall fanden die Paare Saldow- Lorenz und Poulain-Miquel. Der Verlauf des RennenS' bot wiederum eine Menge Zwischenfälle aller Art. Die aus 16 Paaren bestehenden Mannschaften schmolzen mehr und mehr zusammen, je näher man dein Ziele kam. Sturze aller Art, zum Glück keine allzu schweren, Ueberrundungen ufto. zwangen viele Paare zum Aufgeben. In den ersten drei Tagen ionrdc ein flottes Tempo gefahren, so daß die Weltrekorde bis über SO Kilometer(!) überboten wurden, um danu aber auffallend nachzulassen. Der dritte Tag brachte eine starke Sicbnng des Feldes; auch das Favoritenpaor Saldow- Lorenz entging nur einem glück- lichen Maichineudesekt seinem Schicksal, hielt sich dann aber macker vorn. Die 95. Runde brachte durch eine«« Mosscnsturz die Manu- schast Stellbrink- Rudel aus dem Rennen, da sich Stella bnnk eine Armvcrrenkung zuzog. Auch das Paar Rofellen- Ester ickeidel aus. Stabe- di Mara, die sich ebenfalls großer Sympathien erfreuen, werden überrundet und dann gibt es am Ende des vierten Tages ein Boxermatch zwischen den Anierikancru Moran und de Mara. Der fünfte Tag brachte häßliche Szenen anläßlich eines Sturzes- von Poulain; der seines Partners beraubte Miguel wird in unsportlicher Weise von Aütt- Slol und Moran-Noot gehetzt und überrundet; das Publikum nimmt Partei für die Leiden Fcauzosen und die Verlustrunde wird nicht anerkannt.— Da? besonders in den Nachtstunden sehr zahlreiche Publikum geizt nicht mit dem Oelde und zahlreiche Prämien bis zu lOO M. geben den Fahrern Gelegenheit, keine Rennen innerhalb de? Ganzen abzuhalten und sich in den Besitz der Goldstücke zii setze», während die Spender sich an den tollen'Jagden erfreuen— natürlich aus Spor'.interesie! Oefkentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bc- »ubung für jedermann, 80., Adalbertstraße 4t. Geöffnet werktäglich von 5H— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— 1 und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen z. B. 557 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold am Sonnsag, den 3l. März, liachmittags 5 Uhr, über „Weltanschauung und Himmelskunde" und am Montag, den Z. April, abends 7 Uhr, über:„Bolen aus den fernsten Himmels- räumen". Mit dein großen Fernrohr wird abwechselnd der Mond, Saturn und ein Doppelstern gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen allen Besuchern kostenlos zur Verfügung, mit denen beliebige Objekte beobachtet werden können. Vorort- iNadmebten* Lichtenberg. Stadtverord..etenschuug. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde von unseren Genossen folgender Protest zu Protokoll gegeben: „In der außerordentlichen Sitzung der Stadtvcrordncten vom22.März l912 wurde ein Anirag, die Zuschläge zur Einkoinmcnstener der Ein- kommen von 900 M. und weniger liicht mehr zu erheben und die im Etat beim Kapitel Einnahme der Stenerverwaltung aus dieser Erhebung in der Soll-Einnahine vorgesehenen 15 000 M. zu streichen, abgelehnt. Sodann beschloß eine Majorität, gegen den Antrag deö Etatsausschusies, der 23 4 bezw. 2 Proz. verlangte, die Kanalisations- abgäbe auf 2'/, bezw. 13'4 Proz. herabzusetzen. Ein Steuererlaß in der Höhe von 15 000 M. an die mit einem Einkommen von 000 M. und weniger veranlagten Zenjiten ivar verweigert worden; hierauf verzichtete mau jedoch aus KanalisationSgebiihren in der Höhe von 29 000 M. zugunsten der Hausbesitzer. Sodanu'bezweifelte der Stadtverordnete Düwell die Beschluß- fähigkeit der Versammlung. Das Bureau stellte die Beschluß- Unfähigkeit fest. Nach dein Protokoll der Sladtverordneiciiversamm- lung vom 22. März er. find am gleichen Tage nach Feststellung der Beschlußunsähigkeit aber doch noch Beschlüsse gefaßt worden, ohne daß eine neue geschäftSordnungsmäßige Ladung oller Mitglieder der Versammlung erfolgt war. Die Unlerzeichueten betrachten diese Beschlüsse als nicht ord- Nlingsmäßig zustande gekommen und legen hiermit Protest gegen deren Giiltigkeftserllärung ein. Die Unierzeichneten versichern, daß keinem von ihnen eine Ein- ladung zu einer zweiten, am 22. März abgehaltenen Stadt- verordiiercnsitzung zugegangen ist. Sie beantragen die Protokollierung der Erklärung und des Protestes." Anschließend daran wünschte Genosse Grauer, daß die Prolokolle der Sitzung den Stadtverordneten in Zukmifr vor jeder neuen Sitzung zugehen möchten. Dies wurde vom Stadtverordneteuvorsteher zugesagt. Anläßlich der Be- ranuig über den Bebauuligsplan ftr das Gebiet südlich der Bornitzstraße zwischen der Mvtlendorffstraß? imd der Straße 15 wurde vom Genossen Brühl gerügt, daß derartige wichtige Vorlagen nicht vorher den zuständigen Deputationen, in' diesem Falle der Baudeputaiien, vorgelegt werden und beantragte der- selbe, die Vorlage an den Magistrat zurück zu der- weisen, welchem Antrage alsdann auch zugestimmt wurde. Alsdann wurde der Bebauungsplan für den östlichen Teil des Gc- ländes der Terrain- Gesellschaft am Zentralviehhof, zwischen der Eisenbahn, der Scheffelstraße, den Straßen 133 und 147, der Röder- straße und der Wolfgangstraße� genehmigt. Bei der Festsetzung der Unterhaltungskosten für neue Straßen wies Genosse Grauer darauf hin, wie notwendig es sei, endlich ein Ortsstatut zu schaffen, wonach bei Umpflasterungen die Anlieger mit zu den Kosten herangezogen werden. Ileberhaupt sei es geboten, auch bei Verlehrsverbesserungen, wodurch die Hausbesitzer in erster Reihe den Vorteil haben, letztere ent- sprecheno zu den Kosten mir heranzuziehen; so sei es beispielsweise notwendig, durch Erlaß eines OrlssiatutS die Anlieger der Giirtelitraße zu verpflichten, zu den enormen Kosten der Verbreiterung der Eisen- babnbrücke mit beizutragen. Der Vertreter des Magistrats, Bürgermeister U n g e r, teilte mit, daß auch der Magistrat bereits zu dieser Frage Stellung genommen habe und jetzt eme besondere Uuterkommrssion die näheren Bestiznmungen ausarbeite, so daß in kurzer Zeit eine entsprechende Vorlage der Aersammlung zugehen werde. Der öffeni- lichen Sitzung, in der am Schluß noch einige in der Hauptsache sich mit Siraßenregulierungen befassende Vorlagen angenommen wurden, schloß sich noch eine geheime an. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 31. März, dormittazs iO'lf Uhr. bei Lipps. Am FriedrichshainSZ: Jugendweihe'. Festvortrag von Dr. Br. Bill«:„Religiöse Mündigkeit'.— Dame» und Herren als Gäste sehr imilkonunen. Allgeuieiue Kranken- und Sterbekassc der Metallarbeiter (Einzeichriehene Hilfskaise 29, Hamburg). Filiale Laumschulenweg. Sonnabend, den 30. März, abenos 6'/, Uhr, im Lokale von Kädmg, Lmun- schulenstr. 67: Mitglicderoeriainmtung.— Filiale Schöneberg, Sonnabend, den 30. März, abends 9 Uhr, bei Obst, Martin-Lutherstraßc 69: Bersammlimg. ««€€€€«««»SSSASSK» «T 8- Unserem früheren Abtcilmigl-->> «/ <1/ «> <9 lv «O % sührcr und Genossen tiiistsv Kutzner nebst Braut zur Vermählung die besten lIIäckwünsche. Dil Funicticnäre der 18. Ahl KLSSHC!«» OSESKZW Unseren« Venoisen % w Gustav Kutzner| nebst seiner jungen Ära» ch x-j die herzlichsten Gtuckwünsche O I zur Hochzeit wünschen O CiL Fraiiea vom Leseabend der 18. Abteilung. | Sozialdemokrat. Wahlverri« 2| jür den 4. Berliner'Reichstags. «lüahlkrei«. 1 Franksurter Viertel. Bezirk 310. K Leu Mitgliedern zur Nachricht. däß unser Genosse, der Zimmerer Wilde! m Grell q Fricdenstr. 47, gestoröen ist. Ehre seinem Slndenken! Die Beerdigung sinder heute, ... Sonnabend, den 30. März. nach. ! mittags IL', Uhr, von der Halle des Zeiilral-FriedhoseS in Fried- rtchjfcide ans statt. 214/16 Um rege Beteiligung ersucht Loo V«»r«i.ist»«l. M. tJ »MkSSHSe«« Die besten Glückwünsche zur Silberhochzeit Ä A dem Genossen u. der Genossin I llsio und Marie Tirpitz. i 5io ßenfififtAii Ra7 Siflu Vr. © V» Dio Genossen des Eaz. 545a, I Vj. 6. Kreis 9ü0b£ Verband der Branerei- und Kühlcnarbeiter und verwandter Bsrufsger, essen. Crisverwaliung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- s richt. Satz der Kollege �VZllisirn(irell iLr. Patzenbofer, Abt. l) � nach langerKranlheitoerjwrbc!: ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute, I nachmittags 4V, Uhr. von der i ücichenhalle des städtlichen Ge. I meinde.Friedhoses in Friedrich?- liclbe aus statt, 42/ ta stiege BeteUigung erwartet Sic Ortsverlsaltung. !Sözöllleffiokr.irEB-lfal!{fErelii| NietleF-Barßiiii. Bezirk Franz.- Buchholz.. Den Mitgliedern zur Nachricht,� j daß unsere Genossin läs I�eurnsnn nach langem, schwerem Leiden imS Alter von 46 Jahreil am Mittwoch. J abend v.'storbcn ist. Gijcc ihrem Zlndenkeu! Die Beerdigung findet ain> Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von: der hiesigen Leichenhalle ans statt, j Rege BeteUIguug ermatte� 240/20 Die Bezirksleitung] Am 27. März, nachmittags.J'i, Uhr, starb nach langem schweren Leiden unsere liebe, herzensgute Mutter, Großmutter und Schtv'.eger- muiter Ute Klara Knopp, geb. übreebt UN CO. Lebensjahre. Tie trauernden Söhne. Die Beerdigung silidrt heute. 30. März, nachmittags 2fl, Uhr, vom Trauerhause, FriedrichSselder Str. L2, aus nach dem Zentral- Friedhof in vmarorz Sozialdemokrat. Wahlverc für den 4. Berliner Ncichsrags Wahlkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk 266. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Martha Schulz Langestr. SO/ ICO, gestorben ist. Ehre ihrem Andeute»: Tie Beerdigung findet am Montag, den 1. April, unchniittagS 4 Uhr, von der Halle deS Zentral- sriedhoss in Friedrichsjelde aus statt. Uni rege Beteiligimg ersucht 214/17 VorKt&nd. iSoziali{eiSökratlsc!iJalil?erein| Cbarlolteuburg. 131. Gruppe. Den Parteigenossen zurNachricht,! \ dag unser Mitglied, lfrau 1�!�« Ms* Im 1 verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Dir Beerdigung findet am I öonnabend, den 30. März, nach- WtzWWI Leichen- 1 \ Halle in Friedrichsseide aus statt, j mittags 4 Uhr, v-'ii der Um rege Beteiligung ersucht j 250/12 Her Vorsitind.{ iaiileineifratissli.liililyEreiö M Mäsciiiiilslen srid km | sowie Berufs£cnosgcn Deutscht. Verwaltungsstello GroS-Bsrün. 81m Mittwoch, den 27. Mörz, [ verstarb unser Mitgiied, Aollege Kuc!. LukZZNK-, Ehre seinem Andei. kc«! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 31. März, nachintttagS S'ft Uhr, vom Iiaucvhauje, RummelSburg, Sonntagstr. 3 ans nach dem neuen Friedhos i» Friedttchsselde, NuvtmciSburger Straße, statt. l4S/!1 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die jDrtsverwaltuug. Lenirk Ten Parteigenossen zur Stach- richt, daß unser Mitglied, der Schlosser kudoli Suliling: ISonntagstr. 3, Bezirk 12) nach langem tstrankenlager im Atter von 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. März,»ach- mittags 3'/. Uhr, vom Trauer- Hause auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Qeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltuggsstelle Berlin. Todes- Auzcigcn. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser August Scheper am 27. März gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabcno, den 30. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen» balle de» Gen'.eindc-FriedhvseS in stttarzahn aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Eimi! Heisinger am 28, März an Sch.agansall. Die Beerdigung findet am Sonntag. den 31. März, nach- mittags 3'/i Uhr,, von der Leichen- balle de? 1 emeindi-FriedbefeS in Ober-Schönemeide aus statt. Ehre ivrem Andenken: Rege SScttiligung erwartet 114/19 Die Ortövrrwultung i Danksagong;. Für die herzliche Teilnahm« und die zahlreichen Kranzspenden bei drr Beerdigung meines lieben Mannes, VaterS, Schwieger- und Großvaters Albeit't Schürz sagen wir allen Verwandten und Bekannten, der„Kolonie Erholung", Sparveretn„Ewigkeit". 37. Abt. de.. WahloereinZ, den Meistern und Kollrgeir der Finna Emmerich u. Schöning, der Firma„Vogel" unseren berzlichsten Dank. lllöb Tie traneruden Hinterbliebeuen Danksagung. Für die vielen Äeiveiie herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz. spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders sagen wir alle,: Freunden und Bekannten sonne den Kollegen der 35. Rsbler- Inspektion und allen anderen, dem Berband der Gemeinde- und Staats. arbeiter, dem Sozialdemokr. Wahl- verei» Kreis Nieder-Barnim, Bezirk Wcißcnsee, unseren herzlichen Dank. 265SL Unaa!««.- nebst Frau und Töchtern. ljoliürbeller-VsrbANlj! Ten Mitgliedern zur Nachricht,� daß unser Kollege, der Tischler KulS�KV (Dotzigen'tr. 1) im Alter von 3T Jahren gc- ftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sinoet heute,! Souuabend, den 30. März. I nachmittags 4 Uhr, von der Halle i de! Samariter-Kirchhofes in! AhrenSielde aus statt. Abf. 3.15 Wriezener Bahnhof. 81/1 Dia Ortsvarwaltung. I>aahaiueung. Für die vielen Scive je herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz. spenden bei der Beerdigung unserer guten Mutter NtLb Auguste Langer, geb. Schoacberg sagen wie allen Bekannten. Ver- wandten und Freunden, sowie dem Rauch kluö„Freie Bahn", demZenital- Raucherbund und dem Tnuvetetn U. T. Ä. unseren innigsten Tank. Di» trsaornlle!! ttinterdliedenen. » Am Mttwoch, früh'1,2 Uhr, wurde durch einen plötzlichen Tod ineine liebe Frau, unsere liebe Tochter, Schwester, SSwteger- tochter, Schwägerin, Nichte und Eoujine, Frau 932b Margarete Barnack geb. Paperam im 24. Lebensjahre unS entrissen. Um stilles Beileid bitten vis traaennka Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Sonntag si',3 Uhr von her Leichen. halle des'neue,' Jakobi- Kirch, hose«, Hermannftraße, aus statt. Tantfagung. Für die Beweise herzlicher Teil- »ahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres liebcn Sohnes, des Mechanikers Emi! Wagner sagen lote allen Verwandten und Lelaniiten sowie meinem grebrlen Herrn Chef A. Werner, den Arbeitern mid dem.stoutorverional der Firma Werner, seinen Kollegen der Finna l Frister u. Roßmann. Abt. Schreib- muschinenbail, unjereu innigsten Eouls Wagner «eist Frau._ i Ein hartes Schicksal entriß uns T nach langem schweren Leiden auch 6 noch unseren dritten u d letzten I hofffimtg-uollen Sohn und Bruder, f den Buchdrucker Faul Hefbig | im 23. Lebeitöjahre. Ties zeigen schmerzerMt an Die ttesbett-ubten Eltern Hermann Helbifp u. Frau geb. VorwerK. Die Beerdigung findet am Montag, den t. Slprll, nach- mittag» 2 Uhr, vom Trauerhause /Lübbencr Str. 12) au» nach dem EmmanS-Kirchhos statt. 2020L vksstzede? TMsportarbeller-Yeilifflt Bezlrksverwailurg GrcB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fraise- lutschet Eouis Dehn am 27. b. MtS., im Aller von 67 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k �Die Beerdigung findet am tronntaz. den 84. o M, nach» mittags 4 Uhr, von der Leichen balle de»(ScmcindcsrleohoseS in Qber-Schöneweidc auS ftatt. 63/1 tele Bczlrksvcrwaltnng. n- Frack-Vcrlcih-Instltiit. Frack-, Gehrock-, Smoking-Anzüge, für jede Größe passeub, in grosier Llui« "TL"!. istz IM Mnlt, Frlcdrlchetr.llS I, a. Oranienburg. Tor T-t. Nord 7402. Wir csneu <5� ITlohrai&r. 3Z ö Ql rcankJiuLcrjtc. 115. in 50% MmZANMS an �odsile 1) tM'it. 1 ö30 st. Kostöme �ÄÄione 15.-, 20 23.-, 30.-. 45.-, 22... 60- ois 120. 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Ich richte daher an das Publikum die Bitte, sich durch Worte und Phrasen nicht irreführen zu lassen; es gibt effektiv kein grösseres Kredit- Unternehmen als das meinige; Zahlen beweisen, und ich kann mit solchen stets dienen! B. FEDER ♦ ♦ Brunnenstrasse 1 Frankfurter Allee 89 Kott buser Damm 103 !§»«>es3itsBsr bis 6 Uba* seöflnet. Wir haben in unserer Branche ein neues Verkaufssystem eingeführt, durch welches Sie viel Geld sparen. Gegen eine ümsatzgebühr von 10 Prozent hat jeder das Recht, Ware von der Desitschen Bekleidungsgesellschalt zu ihrem Selbstkostenpreis zu beziehen Die Feststellung des Selbstkostenpreises geschieht auf Grund des Einkaufspreises zuzüglich sämtlicher Geschäftsunkosten. Gemäß ihrer beim Gericht niedergelegten Statuten ist unsere Gesellschaft an obige Vertriebsart gebunden und infolge öffentlicher Bekanntmachung von Gesetzes wegen zu ihr verpflichtet. Um Jeden Zweifel! im Publikum zu beseiiegen, haben wir uns snf schlössen, demjenigen obige Belohnung zuzusichern, der uns den Uschweis erbringt, dalZ unser Siufzen groiler als der oben angegebene ist. OSs EeSehnnng heben isfir bei der Sank für Handel und Smlustrie� Depesitenkasse N, deponiert. Wir verkaufen z. B.: FALSCHES GELD ausgeben bedeutet ea unbedingt, venu Sie füc Ihre Kleidung tu hohe Preise bezahlen. P.s ist Ihnen bei der MonatsfrArderoben-Verkaufa-Gesellachaft Gelegenheit geboten, sich mit bochelcgfrnter Mass- Garderobe, die von feinsten Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur ganz kurze Zeit getragen •wurde, zu versehen. Dass solche Garderohen im Sita weit besser und im Tragen viel vorteilhafter wie billige Konfektion sind, braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden. Dia Versuch wird zu dauernder Kundschaft führen. Anzüge und Paletots 850 1250 13°° Mark Monatsgarderoben-Verkaufs-Gsseilsehafi BERLIN SO, Dresdener Str. 11, am Kottbuser Tor. 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Der Gesetzentwurf betreffend das Frauenstimmrecht ist gestern im Unterhaus mit 222 gegen 208 Stimmen abgelehnt worden. Die Arbeitszeit der Dienstboten. Die Frage nach der Arbeitszeit der Dienstboten besitzt die Eigenriimlichkeit, dast sie nur in negativer Form aufgeworfen wird. Während die positive Fragestellung nach der Länge des Arbeitstages forschen würde, fragt man ausnahmslos nur immer nach den Frei- stunden in einem Dienstverhälmis. Man fragt: Was soll nicht Arbeitszeit sein? Noch ungünstiger stellt sich die Sache dar, wenn man bedenkt, daß nicht etwa nach täglichen, sondern nach wöchentlichen, wenn nicht gar monatlichen Freistunden gefragt wird. DaS ist so selbstverständlicki geworden, das; eine Frage nach der täglichen Arbeitszeit in einem Dienst die höchste Verwunderung bei den Haus- frauen erregen würde. Die Hausfrauen nehmen ohne weiteres an, dag ihnen die ganze Zeit des Mädwens gehört, das sie gemietet haben, und die Mädchen haben noch nie recht gewagt, dagegen Ein- spruch zu erheben. Der Verband der Hausange st eilten widmet der frage der Arbeitszeit die größte Aufmerksamkeit. Mehr freie Zeit rauchen die Tienstbole», um überhaupt Anstrengungen machen zu können, ihre Lage zu verbessern, ihre Abhängigkeit zu verringern. Eine Siegelung der Arbeitszeit ist notwendig, scheint aber vorläufig nur aui dem Umwege der Festsetzung von freistunden erreichbar zu sein. Ter Verband fordert, daß in dieser Richtung feste Ab- machungcn getroffen werden und keinesfalls, die Gewährung der Freizeit dem Ermessen der Herrschaft überlasten bleibt. Und hier ist es die Aufgabe der Mädchen, ihre Rechte wahrzunehmen, wenn der sogenannte.Ausgang" bei der Vermiltelung eines Dienstes be- sprachen wird. In Bersin achten die Mädchen mit Recht immer mehr darauf, daß ihr Ausgang in bestimmter Weise festgesetzt wird, wenn sie mit ihren Ansprüchen auch noch recht bescheiden sind. Der Zentralverein für Arbeitsnachweis in Berlin, Abteilung iür Dienstboten, hat über den bewilligten Ausgang interessante Tabellen veröffentlicht, die sich auf die Vermittelung von Dienstboten im Jahre Ivll beziehen. Mit 4039 Dienstmädchen wurden folgende Abmachungen ge- troffen: Der Ausgang war bewilligt jeden zweiten Sonntag für......... 2059 Mädchen .. und einmal in der Woche für 580 jeden Sonntag für............ 726, , und einmal in der Woche für.. 03 einmal im Monat für........... 11 Summa 4039 Mädchen Nun darf man aber nicht übersehen, daß es sich bei dielen Ausgehtagen nur um die späten Nachmittags- und Abendstunden handelt, vielleicht von 4 oder ö Uhr nachmittags ab; also sind diese ?-reistuudeu wahrlich keine unbescheidene Forderung. Die Haus- rauen sträuben sich oft sehr gegen solche festen Abmachungen und versichern, daß ihre Dienstmädchen jederzeit Urlaub erhalten, wenn sie darum bitten. Damir ist aber den Mädchen nicht geholfen, denn die Bitte kann ebenso leicht vergeblich sein. Es kommt gerade darauf an, daß die Mädchen ein bestimmtes Recht auf Freistunden in An- spruch nehmen, um auf diesem Wege, wenn möglich, zu einer Rege- lung ihrer Arbeitszeit zu gelangen. Vorori- l�aebrickten. Neukölln(Rixdorf). Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung am Donners- tag wurde der vorgelegte Bebauungsplan für das östlich der Ringbahn belegene Stadtgebiet ohne Debatte genehmigt. Gegen den Nachtrags vertrag mit der Großen Berliner Straßenbahn und der Südlichen Vorortbahn, nach welchem in das neu zu erschließende Gebiet jenseits des projektierten Bahnhofs Kaiser-Friedrich-Straße eine Straßenbahnlinie verlegt werden soll, wendet sich Stadtverordneter Eonrad(Soz.): Es sei ganz un- 'gerechtfertigt, im vorliegenden Nachtrag die Vcrtrags-Gcscllsck?aften noch weiter abgabenfrei zu belassen. Abgaben erst nach 5 Proz. Reingewinn zu nehmen, sei ganz unverständlich. Dazu wolle man dann noch der Südlichen Vorortbahn einen Zuschuß von 100 000 M. geben. Das müsse ebenso bekämpft werden, wie der in Aussicht ge- nommcne ungenügende 15 Minutcnverkehr. Die Vorlage müsse ab- gelehnt werden.— Stadtrat Dr. Mann und Stadtv. K o y c be- sürworten die Annahme des Nachtragsvertrages, worauf die Ver- fammlung demgemäß beschloß. Dem Abschluß langfristiger Stromlieferungs- Verträge durch das städtische Elektrizitätswerk stimmt die Ver- sammlung zu. Hierauf wird die Etatsberatung fortgesetzt. Beim Titel Besoldungen werden für eine Revision des B e s o l- dungsplans der Beamten und Bedien st eten und für eine Erhöhung der A r b e i t e r l ö h n e vom 1. Oktober ab je 20 000 M. eingestellt.— Zu der vom Magistrat beantragten Anstellung auf Lebenszeit für eine Reihe von Beamten bemerkt Stadtv. Eonradn>d der geschäftsordnungS- mätzige Antrag auf namentliche Abstimmung vom Genossen Radike gestellt. Dabei spielte sich ein eigentümliches Schauspiel ab; der Gemeindevorsteher Dr. Beyendorf war sich über die Geschäfts- ordnung nicht klar. Dieselbe schreibt vor, die namentliche Abstim- mung mutz von vier Gemeindevertretcrn befürwortet werden. Ter Gemeindevorsteher wollte aber, daß die Majorität der gesamten Gemeindevcrtreter dazu notwendig wäre; nachdem dem Herrn aber der klare Wortlaut vorgehalten wurde, mußte er die Segel streichen. Der Protest wurde hierauf mit 9 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Der zweite Protest, von Barwig unterzeichnet, der gegen die Wahl des Herrn Bartelt Einspruch erhob, erfuhr das gleiche Schicksal. Als Gründe wurden angeführt, daß einige Tage vor der Hauptwahl vom Polizeibeamten Mcinke und von dem Redakteur des örtlichen Amtsblattes das Gerücht verbreitet worden sei, daß der Kandi- dat Hinze nicht wählbar sei. Durch dieses Gerücht hätte sich eine große Anzahl von Wählern beeinflussen lassen, ihre Stimmen nicht dem Kandidaten Hinze zu geben. Zweitens habe der Bahnmeister Piglosiwicz seine Untergebenen aufgefordert, zur Wahl zu gehen und dem Kandidaten Bartelt ihre Stimme zu geben. Er habe erklärt, daß von den betreffenden Beamten, welche sich nicht an der Wahl beteiligen, angenommen wird, daß sie sozialdemokratisch gesinnt seien. Vor der Stichivahl habe er die Namen der Beamten bekanntgegeben, welche sich bei der Hauptwahl ihrer Stimme enthalten hatten. Es sei klar, daß sich durch einen derartigen Druck viele Wähler haben beeinflussen lassen. 3. Bei der Agitation unter den Forensenstimmen-Jnhabern sei letztens mitgeteilt worden, daß Auskunft im RatHauS, Zimmer Nr. 10, eingeholt werden können. Durch einen derartigen Hinweis hätten sich sicher viele Forensen genötigt gesehen, ihre Stimmen einzuschicken, um mit der Gemeindebehörde und mit den maßgebenden Personen in gutem Einvernehmen zu bleiben. Ohne Zweifel seien auch hierdurch dem Kanidaten Bartelt eine Reihe von Stimmen zugefallen. Es sei anzunehmen, daß ohne diese Wahlbeeinflussungen der Kandidat Hinze gewählt worden wäre. Hier I>at nun der Rechtsausschuß durch den Mund des Gemeinde- Vorstehers Dr. Beyendorf eine recht sonderbare Erklärung abgegeben, indem er betont, die Zahl der hier in Frage kommenden Beamten wäre so gering, daß bei dem großen Stimmenverhältnis des Herrn Bartelt es gar nicht in Frage käme. Um den Gemeindevertretern von Geldsacksgnaden die Ablehnung auch dieser Protestgründe recht schmackhaft zu machen, mußten allerlei lendenlahme Gcrichtsent- scheidungen herhalten, die natürlich der Oesfcntlichkcit zur wei- teren Prüfung vorenthalten waren. Unser Genosse Radike wies auch hier wieder nach, daß der Rechtsausschuß weit vom Ziel vorbeigeschossen habe. Besonders scharf ging unser Genosse mit dem Bahnmeister Piglosiwiez ins Gericht, welcher 12 Arbeiter mit Disziplinarverfahren bedroht haben soll, wenn sie ihrer Wahlpflicht nicht genügen und für Bartelt stimmen. Aber alle diese Darlegungen konnten dem Starrsinn der Geldsackgemeindevertretcr nicht den geringsten Ab- bruch tun. So wurde«ich dieser Protest mit 9 gegen 5 Stimmen in namentlicher Abstimmung zurückgewiesen.'Der dritte Protest von Kamphauben fand dasselbe Schicksal, und so wurde vom Ge- Nossen Radike die Erklärung abgegeben, daß auf dem Klagewege die Wahl angefochten werden wird. Die Gemeindevertretung von Lankwitz scheine wohl von der Blamage, die sie sich vor vier Jahren geholt habe, noch nicht genügend kuriert zu sein. Unseren Genossen haben die Herren für die nächsten Wahlen unschätzbares Material in die Hand geliefert. Trcptow-Baumschuletltticg. Der Turnverein Jahn veranstaltet am Sonntag, den 81. März, nachmittags 3 Uhr, in der Gemeinde-Turnhalle, Kiefholzstr. 249, ein Schauturnen der 1. Männerabteilung. Eintritt frei. Um regen Zuspruch wird ersucht. Nach dem Turnen: Gemiitlickies Beisammen- sein mit Tanz in Serpentins Festsälen, Baumschulenstr. 73. Weistensee« Wahlen zum Kaufmanusgericht. Bei der Kaufmannsgerichtswahl wurden abgegeben für Liste 1(Dcutschnationale) 50 Stimmen— 3 Beisitzer, für Liste 2(Verein der deutschen Kaufleute) 30 Stimmen=- 1 Beisitzer, für Liste 3(Zentralverband) 24 Stimmen— 1 Beisitzer, für Liste 4(Leipziger) 13 Stimmen=- 1 Beisitzer. Bezeichnend war daS Vorgehen eines bekannten Mitgliedes des Vereins der Deutschen Kaufleutesinkens des Kurswertes der Papiere um 8323 M. und der Ausgaben fiir die Stahlkammer mit 0914 M. noch einen Ileberschuß von 4597,37 M. auf. Sodann stimmte die Versammlung der Nachforderung von verschiedenen Etatstiteln im Gesamtbeträge von 9457,07 M. zu. Einen von un- seren Genossen schon in der vorigen Sitzung eingebrachten Jnitia- twantrag, welcher besagt, bei Vergebung städtischer Arbeiten die hiesigen Arbeiter zu berücksichtigen, begründete Genosse Köhrich. stdedlier wies darauf hin, daß in diesem Winter Oranienburger Arbeiter arbeitslos gewesen seien und arg Hunger leiden mußten, während ausländische Arbeiter beschäftigt waren. Der im vorigen Jahre gestellte Antrag aus Errichtung von Arbeitslosenunter- stützuug sei leider abgelehnt worden, deshalb ersuche er dem vor- liegenden Autrag zuzustimmen. Die bürgerlichen Parteien hegten natürlich wieder Bedenken und so kam es zu einer längeren De- batte, au welcher sich unsere Genossen C. Schumann, Garlipp, Kaatz und nochmals Köhrich beteiligten. Hierauf wurde der Antrag mit 25 gegen 2 Stimmen angenommen. MLhlenbeck. Recht eigentümliche Schuleinrichtungen sind am hiesigen Orte vor» herrschend. Es wird nämlich alljährlich um diese Zeit in einem hiesigen Wirtshause von abends 8—10 eine Schulfeier genannt Eltern« abend abgehalten. Die Kinder werden, da dieser Feier der Charakter eines Schulbesuchs angelegt wird, verpflichtet, vollzählig zu erscheinen. Der Genosse Barsch bat schon iin vorigen Jahre mit Erfolg diesen Modus in zwei Gerichtsverhandlungen als nicht zu Recht bestehend abweisen lassen; dennoch wiederholte sich am 27. d. M. dasselbe. In der elften Nachtstunde konnte man das kleine Schulvolk meistens natürlich ohne Eltern jedem Unwetter und sonstigen Gefahren aus- gesetzt über Land wandern sehen, um ihre elterliche Wohnung aufzu- suchen, denn die Kolonien Woltersdorf und Buchhorst, welche auch zum Schulverband gehören, liegen ziemlich eine Viertelstunde vom Lokal entfernt. Erlauben sich aber die Eltern ihre Kinder fernzu- halten und begründen sie es damit, daß die Kleinen um diese Zeit ins Bett, anstatt auf die Straße oder ins Wirtshaus gehören, so hagelt es Strafmandate und um kein Geld loS zu werden oder Zeit zu Gerichtsverhandlungen zu vertrödeln, fügt man sich in? llnver- meidliche. Pflicht der Schulaufsichtsbehörde ist es, nunmehr sich einmal ernstlich dieser Sache anzunehmen. Spandau. Stadtverorbneten-Bersammlnng. Die Tagesordnung war auch diesmal wieder sehr reichhaltig. Den Anfang machte eine Vorlage des Magistrats, das Rltiergut Wansdorf, da-5 zu BeneselungZ- zwecken angekauft worden ist, in eigene Regie bewirtschaften zu lassen. Auf 5 Jahre soll ein Anstclluiigsvcrtrag mit dem jetzigen Overinspektor des Gutes abgeschlossen werden, mit halbjährlicher Kündigung. Heber diesen Punkt stritt man sich fast eine Stunde. Der eine Teil hatte wohl nichts gegen die Dauer des Vertrages einzuwenden, wollte aber, daß die Stelle ausgeschrieben wird, während der andere Teil mit der Beibehaltung des jetzigen Guts- inspektors einverstanden war, sich jedoch nicht auf 5 Jahre binden wollte. Genosse Pieper beantragte, die Worte..auf 5 Jahre" zu streichen und nur zu sagen„bis zur Berieselung". Damit er- klärte sich denn auch die Versammlung einverstanden und nahm die Vorlage in dieser Form an. Der Antrag, die Stelle auszu- schreiben, wurde abgelehnt. Etwas lebhafter ging es bei der Beratung der Magistratsvorlage zu, welche die Zustimmung der Stadtvcrordneten-Versammlung zu dem Verkauf von Forst- g c I ä n d e zum Preise von 4 M. pro Quadratmeter und der R u st wiesen zum Preise von 7 M. pro Quadratmeter an den Architekten Hemel forderte. Der Vertragsentwurf lag der Ver- sammlung vor, und der Berichterstatter der Spezialkommission, Stadtv, Hülsebeck, empfahl die Annahme desselben. Herr Hemel sei z>var nicht der eigentliche Käufer, sondern verhandele nur in anderem Auftrage. Was mit dem Gelände beabsichtigt werde, wolle Herr Heinel nicht verraten, habe aber die in dem Vertrage aufgenommene Erklärung abgegeben, daß Anlagen mit schädlichen Ausdünstungen nicht errichtet werden sollen. Wenn auch bei der Mehrheit im Prinzip keine Bedenken gegen den Verkauf des Geländes vorhanden waren, so hatten doch einige Herren wohl Gewissensbisse, einen so großen Waldkomplex(es handelt sich um über 2 Millionen Quadratmeter) leichthin preiszugeben. Stadtv. Bender versuchte es, die Grenzlinien so zu gestalten, daß das der Stadt verbleibende Hiirterland wenigstens nicht ganz die Verbindung zur Wasserstraße und damit an Wert verliere; sein Vorschlag wurde aber nicht angenommen, da erklärt wurde, daß der Kauf scheitern würde, wenn nicht das Gelände im Ganzen abgegeben werde. Stadtv. Dr. Baumert beantragte, einen Waldstreifen von etwa 50 Meter Breite zwischen dem Johannis- stift und dem zu verkaufenden Gelände zu erhalten. Am meisten schlug wohl sein Argument durch, daß die Spandauer Grundbe- sitzer dadurch schwer apschädigt werden, ivenn die Verbindung zu den umliegenden Wäldern nicht durch einen Waldsireifen her- gestellt werde. Im übrigen bezeichnete Dr. Baumert die An- schauungen der Bodenreformer, die auch im Spandauer Stadt- Parlament ihre Vertreter zu sitzen haben, als Wahnideen und Irr- lehren, ivas die Stadtverordneten K a t t e und Kirch scharf zurück- wiesen. Oberbürgermeister K o? l tz e sprach von einer Ncbenre- gicrung des Zweckverbcmdcs, die sich in einem von den Herren Exzellenz Dernburg, Oberbürgermeister Dominicus und Dr. Sude- tum gebildeten Propagandaausschuß etabliert babc. Diese Herren jagen nach seiner Ansicht utopischen Ideen nach, man würde aber auch ihnen, wenn sie es wollen, den Spandaucr Forst gern der- kaufen. Genosse Pieper setzte die Stellung der Sozialdemokraten zu solchen Vorlagen als bekannt voraus. Sie seien Gegner des Verkaufs und würden gegen denselben stimme». Wenn jetzt wieder Wald verkaust werde, bleibe bald gar keiner mehr übrig. Den Versicherungen, daß fortab kein Wald mehr veräußert werden könne, vermochte er keinen Glauben mehr zu schenken, denn daS gleiche sei bei der Veräußerung von Waldboden an das Johannis- stift auch gesagt worden, und nun koinme schon wieder diese Vor- läge. Stadtv. Dr. Kantorowiez griff unfern Redner heftig an. Für � die Arbeiter sei der Verkauf auch ein großer Vorteil, denn eS� sei zu erwarten, daß sich auf dem Gelände Industrie niederlasse und dadurch werde Arbeitsgelegenheit geschaffen. Diesem Herrn antwortete Genosse Pieper treffend, daß es ihn noch mehr wundere, daß Dr. Kantorowiez als Arzt den Standpunkt vertrete, Wald, die Lunge einer Stadl, zu verkaufen. Im übrigen sei ja noch gar nicht erwiesen, ob aus dem Gelände industrielle Antagcn errichtet toerden. Wenn Industrie sich in Spandau nieder- lassen wolle, gab« es noch genug anderen Grund und Boden. Es liege im Interesse der Stadt, die immer größer werde, so viel wie möglich, eigenen Grund und Boden zu behaften, damit man nicht später zu teuren Preisen wieder kaufen müsse. Tie Vor- läge wurde schließlich mit dem Antrage Dr. Baumerts angc- iwinmen. Von dem stark gelichteten Hause— es war mittlerweile 9 Uhr geworden— wurden dann im Eilzugstempo noch einige kleinere Vorlagen angenommen.— An die Brauerei Pichelsdorf und an Einwohner von Pichelsdorf soll Elektrizität zu denselben Bedingungen wie für die Spandauer Einwohner abgegeben werden. — Aus dem Reservefonds der Gasanstalt werden 10 000 M. zur Anschaffung von Gaszählern bewilligt.— Die Berechtigung der Erhebung des Wochenmarktstättegeldcs wurde wieder dem bis- berigen Pächter Robr übertragen, und zwar gleich für drei Jahre. Die Pachtsumme erhöht sich laut Angebot des Pächters von 0950 aus 8050 M. pro Jahr. Ter Anregung des Genossen Pieper, die Getderhebung durch städtische Beamte vornehmen zu lagen, wurde nicht stattgegeben.— Der große Rest der Tagesordnung wird eine Sitzung am nächsten Mittwoch beschäftigen. Beim Rathausban stürzte am Donnerstag nachmittag die Brandmauer zusammen. Bei dem Zusammenbruch wurden drei Etagen durchschlagen. Es war ein Glück, daß der Einsturz während der Vesperzeit der Arbeiter geschah, sonst wären sicher Menschen in schwere Lebensgefahr gekommen. Was die Ursache des Ein- jturzeZ ist, muß die Untersuchung ergehen. Jugcndveranstaltungen. Neukölln. Morgen Sonntag, nachmittags 2 Uhr, findet bc! Bartsch (srüher Hoppe,. Hennannslrafie 48. eine Jugendvcrsaimnlung statt. Frau Luise Zieh spricht über:„Der Arbeiterjugend Eintritt in das Leben". Junqe'Arbeiter und junge Arbeiterinnen! Kommt zahlreich in diese Ver- sammlung! Bringt Eure Kameraden und Freunde mit"! Arbeitereltern l Sendet Eure schulentlassenen Kinder, Eure Söhne und Töchter in diese Versammlung!_ SSitterungsüberficht vom 29. März 1912. Stvmemde.!75ÄW 1 5! heiter Hamburg 1 759)52® 2? �wolkig Berlin 759 NW Frants.a.M. TMÄD München.703© Wen 170033 öhelter Äwolkig 4 bedeckt 4 bedeckt Haparanda 737.NO Petersburg 732 sW Seilly 77191,_.M>. Nberdeen 750, WSW siwolkeul Obedeckt— 4 2®chnee 0 Phalb bb 7 Paris 709N 1 3 heiter' Wetterprognose für Sonnabend, den 39. März 1912. Ziemlich kühl, bei veränderlicher Bewölkung, mit ansangs noch starken, dann langsam nachlassenden tvestlichen Winden, geringe Niederschläge. Berliner Wetterbureau. der LandeSanstalt für Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby , Magdeburg Wafierstands-Nachrichten Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandauft . Rathenow') Spree, Epremberg') , BeeSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main. Kcrtheim Mosel, Trier am 28. 3. ern 115 80 103 76 101 245 320 438 250 352 93 195 208 seit 27. 3. om1) +1 —2■ +5 0 -10 —7 —4 +17 +6 —7 ;+15 i— 10 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. 78 Kottbuser Damm 78 Herren- u. 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Weiter wurde gesagt, die Mutter des Mäd- chens habe sich, nachdem sie erfahren hatte, was ihrer Tochter ge- schehen war, an den Pastor gewandt, und dieser habe der Mutter den Rat erteilt, über die Sache zu schweigen. Der Pastor habe gedroht, er werde das Mädchen nicht einsegnen. An einer anderen Stelle des Artikels heißt es dann: Gegen Peters sei Anzeige er- stattet, er sei auch verhaftet, aber am folgenden Tage gegen Kaution freigelassen. Seitdem habe eine Hetzjagd gegen das Mädchen be- gönnen, der Pastor habe es abgelehnt, das Kind mit anderen zu- sammen zu konfirmieren, er habe sie nur einzeln einsegnen wollen. In ihrem Schulentlassungszeugnis befind« sich der PassuS:.Zu tadeln wegen sittlicher Vergehen." Durch diese Bemerkungen über den Pastor fühlt sich Pfarrer Lehmann in KönigSwalde beleidigt. Das Konsistorium hat Straf- antrag gestellt, und unser verajttwortlicher Redakteur Albert Wachs mußte sich infolgedessen gestern vor der 11. Strafkammer des Land- gerichts I verantworten. Durch die Beweisaufnahme, die zum großen Teil unter Ausschluß der Oessentlichleit stattfand, wurde folgendes festgestellt. Emma St. kam als 12jährigeS Mädchen in den Dienst beim Ratsherrn Peters. Von Anfang an ging er mit unsittlichen Hand- greiflichkeitcn gegen das Kind vor, welches sich zunächst sträubte, schließlich aber den Ueberredungcn und Drohungen deS alten Wüst- lings unterlag. Als daS Kind 14 Jahre alt war, wurde es von Frau PeterS aus dem Hause gejagt unter der Beschuldigung, klein« Geldbeträge gestohlen und unterschlagen zu haben. Auch die un- sittlichen Handlungen des alten Ratsherrn gegen das junge Mädchen hatte die Frau entdeckt. Nun ging die Mutter des Kindes zum Pfarrer Lehmann. Wie dieser abs Zeuge angab, hat ihm Frau St. von der Diebstahlsbeschuldigung Mitteilung gemacht und gesagt, wenn ihre Tochter deswegen angezeigt'werde, dann müßten auch die sittlichen Verfehlungen des Ratsherrn in die Oeffentlichkeit kommen. Nach der Art dieser Verfehlungen befragt, habe die Frau nur von Dingen gesprochen, die nicht schwerwiegender Art waren, aber doch von ihm, dem Pastor, mit Entrüstung aufgenommen wurden. Er habe der Frau den Rat gegeben, bei dem Gendarm zu versuchen, ob die Anzeige wegen Diebstahls noch rückgängig gemacht werden könne. Ter Pastor selbst wollte mit dem Ratsherrn Peters sprechen und versuchen, ob sich nicht die ganze Angelegenheit ohne Aufsehen regeln lasse. Inzwischen solle Frau St. über dir ganze Sache Stillschweigen bewahren. Ehe Pastor Lehmann mit Peters reden konnte, erfuhr er durch den Gendarm, daß PeterS verhaftet worden war, und daß die ihm zur Last gelegten sittlichen Verfeh- lungen gegen das Kind doch schwererer Art waren, als der Pastor nach den Mitteilungen der Mutter angenommen hatte. Hiernach — sagt Pastor Lehmann— habe er die Sache ihren Lauf gehen lassen. Die Einsegnung deS Kindes habe er unter diese« Umständen nicht für statthaft gehalten. Denn— seiner Meinung nach— hätte das Mädchen die unsittlichen Angriffe nicht dulden dürfen,! Auf Beschluß des Gemeindekirchenrats und im Einverständnis mit der Mutter sei die Einsegnung hinausgeschoben worden.— Hieraus ergibt sich, daß der Pastor das Kind, welches sich, durch Drohungen eingeschüchtert, den unsittlichen Attentaten eines alten Lüstlings nicht widerstehen konnte, als Mitschuldige betrachtet. Diese Auf- fassung kommt auch zum Ausdruck in dem vom Lehrer ausgestellten und vom Pastor als Ortsschulinspektor unterschriebenen Zeugnis, worin es heißt:„Zu tadeln wegen sittlicher Vergehen."— Man verlangt also wohl, daß ein zwölfjähriges Kind moralisch stärker sei als der alte Ratsherr, der eine Respektsperson in KönigSwalde war. Jetzt ist er es allerdings nicht mehr, denn inzwischen ist er wegen Sittlichkeitsvergchen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Mädchen aber, welches wegen Diebstahl und Unterschlagung angeklagt war, ist freigesprochen worden. Der Staatsanwalt stellte die Aeußerungen de? Artikels über den Pastor Lehmann als eine so schwere Beleidigung hin, die mit 2 Monaten Gefängnis gesühnt werden müsse. Der Staatsanwalt liest aus dem Artikel allerdings etwas heraus, was gar nicht darin steht. Nach seiner Meinung soll gesagt sein: Wenn die Mutter schweige, dann werde die Tochter eingesegnet. Schweig« sie aber nicht, dann unterbleibe die Einsegnung. Gegen diese, dem klaren Wortlaut des Artikels widersprechende Auslegung wandte sich der Verteidiger» Rechtsanwalt Dr. Heine- mann. Er wies nach daß diese Annahme weder aus dem Sinn noch in dem Wortlaut des Artikels sich ergebe. Es stehe nur darin, der Pastor erteilte der Mutter den Rat, über die Sache zu schweigen.— Diese Angabe sei richtig, ebenso wie der darauffolgende Satz:„Er drohte damit, daß er das Mädchen nicht einsegnen werde." Der Passus in dem Schulzeugnis, welcher das Kind wegen sittlicher Ver fehlungen tadelt, che noch irgend etwas gegen das Kind feststand, verdiene doch gewiß eine scharfe Verurteilung. Alles, was in dem Artikel steht, entspreche den Tatsachen. Auch in der Form vermeide der Artikel jede Beleidigung, so daß die Freisprechung deS Ang« klagten geboten sei. Das Gericht faßte den Artikel ebenso auf wie der Staatsanwalt und verurteilte den Angeklagten wegen übler Nachrede zu einem Monat Gefängnis. Ein Kind wird in schamlosester Weise von einem Rentier und Ratsherrn, bei dem es Hausarbeit verrichtet, mißbraucht. Erst durch Eingreifen Dritter wird Strafverfolgung, Verhaftung und Bc- strafung des Verführers erreicht. Gegen das verführte Kind beginnt aber eine Hetzjagd. Es wird wegen angeblichen Diebstahls angezeigt, freilich schließlich freigesprochen. Im Schulzeugnis erhält die Gc- schändete das Zeugnis„zu tadeln wegen sittlicher Vergehen", weil sie schließlich den Angriffen des honorigen Wüstlings unterlag. Gemeinsame Konfirmation mit anderen wird ihr verweigert. � Der Vorwärts" gar, der diese Verhältnisse besprach und dadurch zum Schutz des verfolgten, ja sogar mit Fürsorgeerziehung bedrohten Mädchens und seiner Mutter beitrug, wird auf Antrag des Kon- sistoriums verfolgt und bestraft. Und das, weil das Gericht a»L der Wiedergabe einer Aeußerung des Pastors, der mit christlicher Liebe die Tat bedecken wollte, als er sie in ihrer ganzen Scheuß- lichkeit noch nicht erkannt hatte, entnahm, ihm sei in den Mund gelegt, die Mutter solle die Tat verschweigen, dann werde das Kind eingesegnet, sonst nicht. Eine solche Deutung ließ unser Artikel nicht zu. Aber gleichviel: das Kind ist nicht eingesegnet, ihm i st in das Schulzeugnis geschrieben„zu tadeln wegen sittlicher Verfehlungen", weil der Rentier, Ratsherr und.Herrschaft" den Widerstand des Kindes gegen die Schändung gebrochen hatte. Und gegenüber solchem Tatbestand stellt das Konsistorium Strafantrag, gelangt das Gericht zu einer Verurteilung! Von einem solchen Andenprangerstellen deS Kindes ähnelnden Schutz geschändeter Kinder durch die Stützen von Thron und Altar ist ein« strafrecht- liche Ahndung der Verführung an den verführten Kinder« nicht allzuweit. Desto notwendiger ist die Besprechung und Kritik der Sittlichkeitsverbrechen gegen Kinder. Bei ihr wissen wir uns, weit über die sozialdemokratischen Kreise hinaus, mit allen denen eins, denen die Bekämpfung nationaler und internationaler Mädchen- schändung und Mädchenhandels Herzenssache ist und die solche Ver- Wüstungen von Menschenglück nicht.nur mit den Lippen verurteilen. Von diesem Kampf werden uns Sirafanträge des Konsistoriunr? ebensowenig wie unseres Erachtens durchaus ungerechte Gericht.- urteile abhalten. Marktbericht von Berlin am 28. März 1912, nach Ermlttelun: des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreisc.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbse», gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speisebohnen, weiße, 35,00— 56,00. Linsen 40,00—30,00, Kartoffeln(Kleinhdt) 8.00— 13, On, 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,00—2,40. Rindfleisch, Bauchfleiül, 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,60. Hammelfleisch 1,30— 2,20. Buttkr 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,40— 6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,10—2,40. Aale 1,80—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,6(1. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebst 4,00—30,00. 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