Nr. 80. nbonneiDtnte'&dinaungen: Aboimement»• Prkt» Utflnumenutbot VicrteljShrl. S�O MI, monall 1.10 MI, wöchenllich 23 Pfg. frei in» Haus. Einzelne Nummer ki Pfg. Sonntag». imnuner mit illustrierter Sonntags. Bestage»Die Neue Well'>0 Pfg. Post. Monncmcnll 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zellungs. Prersliste. Unter Kreuzband für Deillschland und Oesterreich. Ungarn s Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Auinänicn, Schweden und die Schweiz. 29* gafyrg* DU TnterflonS'GebQIir betragt für die fechsgespaSene Kolons. zeste oder deren Raum«0 Pfg, für politische und aewerlschaftliche Verein». und Versammlungs.Anzeigen 30 Pfg. „Klefne Hmefgcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zuläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Siellengejuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort I& Pig, jedes weitere Wort 5 Pfg. Wort« über IS Buch- 1 laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags In der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Crfchttot Lg«» außer tnontasa. S. Verlinev VolksblAkk. Zcntralorgan der fozi�tdcmokratifchcn Partei Peutfchtande Telegramm- Adrcffe: „SMiaMemblifat Berti#", Redaktion: 6Cfl. 68, Lindcnetrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Expedition: 831. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr« 1384. Oer»iailer ivollte absanken! Aus Wien wird uns geschrieben: Eine höchst rührende Szene soll sich Freitag im Schön- brunner Schloß zugetragen haben. Der Kaiser soll den ungarischen Ministerpräsidenten in den beweglichsten Wendungen gebeten haben, doch nachzugeben, weil er sonst... hier brach der kaiserliche Redner ab, weil ihn Graf Khuen- Hedervary daran hinderte, das Schreckliche auszusprechen, aber die ..Geste", die Franz Josef gemacht haben soll, war deutlich: sie besagte, daß er, wenn die Ungarn nicht nachgeben, abzudanken gezwungen wäre. Diese Möglichkeit erweichte den harten Sinn der ungarischen Regierung; Graf Khuen berief seine Ministerkollegen telephonisch zum Ministerrat nach Wien, wo ungesäumt beschlossen wurde, die Bitte des Kaisers zu erfüllen, nämlich auf die berühmte Resolution zu verzichten. Daraufhin ist der neue Vertrag zwischen König und„Nation" in einem Handschreiben nieder, gelegt worden, in dem der Kaiser die„Nation" auffordert, ihm das Regieren zu„erleichtern", ihm also seine„kon stitutionellen Herrscherrcchte" nicht weiter zu bestreiten, weil er sonst seinen Herrscherpflichten nicht nachzukommen vermöchte. Also bis auf weiteres: Alles gerettet! Der Anlaß zu diesem merkwürdigen Vorgang, in dem die Kabinettsfrage der Kaiser stellt, ist noch in Erinnerung: es handelt sich um eine Resolution, die in Ungarn bei der Verhandlung der Wehrreform beschlossen hätte werden sollen und deren Sinn dahin ging, daß die Einberufung der Ersatz reservisten, die jetzt,»venu es„besondere Verhältnisse" nötig macken, zulässig ist, nicht angewendet werden dürfe, wenn der Reichstag die gewöhnliche Aushebung der Rekruten ver weigert hat. Das Rekrutenbcwilligungsrecht der Parlamente geht nämlich in Oesterreich- Ungarn, wenigstens in der Theorie, recht weit: es muß nämlich nicht bloß jedes Jahr die Zahl der auszuhebenden Rekruten bewilligt werden, sondern alljährlich azich die Aushebung - selbst; die jährliche Ergänzung der Armde ist also an ein all- jährliches Gesetz gebunden. Nun hat die Erlangung dieser Bewilligung sehr oft ihre Schwierigkeiten: weil ja beide Par- lamente nicht selten durch Obstruktion arbeitsunfähig gemacht Werden. In Oesterreich hilft man sich dann mit dem§ li. mit einer sogenannten kaiserlichen Verordnung, die an die Stelle des sonst nötigen Gesetzes tritt; in Ungarn, dessen Verfasiung Ordonnanzen ausschließt, muß man mit der Aus- Hebung eben warten, hat schon einmal zwei Jahre warten müssen. In Ungarn ist auch der Fall denkbar, daß der Reichstag die Aushebung überhaupt verweigert, daß das betreffende Gesetz einfach abgelehnt wird, weil ja der be- rühmte Konflikt zwischen Krone und„Nation" in Ungarn, wie man aus der Erfahrung weiß, sehr leicht praktisch werden kann. Wohl ist es in der letzten Vergangenheit zu einer unmittelbaren Ablehnung noch nicht gekommen: dennoch war der Konflikt unter der Regierung Fejervary- Kristoffy. die ganz eingestandenermaßen gegen den Reichstag regierte und sich von der offenen Ztiederstimmung immer nur durch eine Schließung des Parlaments retten konnte. nicht weit. Damals ist auch zur Füllung der Lücken, die durch den Mangel neuer Rekruten entstanden, die Einberufung der Ersatzreservisten erfolgt; offensichtlich eine Umgehung des Gesetzes, das unter den besonderen Uniständen sicherlich nur besondere Umstände der auswärtigen und da- durch militärischen Lage meint, also die Verstärkung der Armee auf einen halben Kriegszustand iin Auge hat, keines- Wegs damit ein Mittel beisteuern will, um die Armee- verlvaltimg vom Parlament unabhängig zu machen. Um vi« Kergsrbeiterdemgung. Sage geht, daß er sich nicht nur nicht bemühen werde, Konflikte mit Ungarn zu vermeiden, viel eher beflissen sei, sie bervorzurufen. Auf das Geheiß vom Belvedere rückte auch Wiener�effe/�e�östeneil�sche�R�giemng und, namentlich! �(fininunfl.im nordwestböhmischen Bergarbeitersträk ver gemeinsame Kriegsminister, der als das eigentliche Lussig, L. April. Heute fanden m Turn im Hause der Union Erekutivorgan der Belvederc-Ansichten anzusehen ist. Selbst- � der Bergarbeiter Verhandlungen zwischen dem Stre.kkomitee und verständlich wurde auf diese Weise die Resolution auch für den dem Settionschef Hamann vom Mmistermm für öffentliche Ar- Kaiser unannehmbar und das Ergebnis war die Demission i bellen statt. Dieser übermittelte dem Streikkomitee die Zugestand. der ungarischen Regierung. Nun kam Khuen am Freitag! der Werksbesitzer, mit denen er gestern in Aussig konferiert nach Wien, um dem Kaiser zu melden, daß er keine �üe. Nach längeren Beratungen wurden diese, w,e folgt, fest- Aussicht sehe, die Krise einer Lösung zuzuführen. In I gestellt: Lohnerhöhungen, verschieden nach den einzelnen Schachten, dieser Audienz soll sich nun die Szene abgespielt haben.! von Ill bis 30 Heller pro Schicht. Hinsichtlich der Alterszulage wird die alles umgestürzt hat. Während bis dahin die! diese für Arbeiter, die zwei Jahre auf einem Schachte arbeiten. ungarische Regierungspartei_ auf dem Standpunkt zu verharren schien, und zwar sehr nachdrücklich zu verharren schien, daß von jener Resolution nicht abgegangen werden könne, ist daraufhin von dem nach Wien telephonisch ein- berufenen ungarischen Ministerium der bedingungslose Verzicht auf die Resolution beschlossen worden, so daß die Regierung Khuen von neuem ernannt werden konnte. Die Schilderung der Szene geht ersichtlich von Khuen selber aus und ist so kostbar, daß sie verdient, im vollen Wortlaut genossen zu werden. Danach habe, der Kaiser, wenn Khuen nicht nachgebe, mit der Abdankung gedroht, und zwar verlies das Gespräch zwischen dem Kaiser und seinem Ministerpräsidenten folgendermaßen: Der Kaiser: Sie wisien, ich war immer konstitutionell ge- finnt. Ich habe den Aufschwung und das Emporblühen Ungarns immer mit Freude gesehen und Ungarn hatte nie einen befleren Freund als mich. Ich bin sechzig Jahre auf dem Thron und fünf- undvierzig Jahre konstitutioneller König von Ungarn. Jetzt aber will man mir plötzlich meine Herrscherrechte antasten, man will mir meine Rechte nehmen, man tritt mir mit Mißtrauen entgegen. Wenn diese Resolution nicht beseitigt wird, so bleibt mir— Sie kennen ja die Verhältnisse— nichts anderes übrig, als.. Der Kaiser machte hier in sehr bewegter Stimmung eine Handbewegung...... Gras Khuen-Hedervary erhob sich von seinem Sitze und rief:»Majestät, um Gottes willen I..." Der Kaiser: Das ist nicht der Moment für Sentimentali- täten— es ist nun einmal so. Ich habe mir die Sache reiflich überlegt. Mir bleibt nichts anderes übrig. Damit muffen Sie unbedingt rechnen. Die Resolution muß aus der Welt geschafft werden, und das muß rasch geschehen, das muß gleich geschehen, s 0 n st i st e S zu spät. Der Kaiser war tief bewegt, als er diese Worte sprach; Graf Khuen ermaß sofort die Wichtigkeit des Augenblicks und sagte, daß er den Beschluß des Ministerrates binnen vierundzwanzig Stunden unterbreiten werde. Erschüttert verließ Graf Khuen den Audienzsaal. Unter dem Eindruck des Ereignisses beschloß daS Kabinett bann, die Resolution fallen zu lassen. Ungemein rührend, nicht? Die Schwarzgelben sind auch sehr gerührt, aber ini Innern mögen sie wohl denken, es sei doch recht eigentümlich, daß ihr„guter Kaiser" sie verlassen wollte, weil er mit den Ungarn in Krieg geraten sei. Wobei sie auch daran denken werden, was für ein Gewächs jene Mehrheit des ungarischen Reichstages ist, vor der der Kaiser kapitulieren wollte— denn vom dynastischen Standpunkt wäre die Abdankung nichts anderes—, daß sie ein Produkt des erbärmlichsten Wahlprivilcgs, der gemeinsten Korruption und des elendesten Wahlschwindcls ist. Und dielleicht auch denken, daß während des Konflikts gar gräßlich bramarbasiert worden ist, jener verstockten Mehrheit nicht weniger als die Zerschmetterung durch die Wahlrechtsbewegung eben eine solche Ausspielung in Zukunft unmöglich zu machen. � angedroht ward. Und vielleicht werden sie am Ende so ketzerisch sollte jene R solution. und zwar sollte sie in besonders feier- uyd meinen, wenn ein Kaiser abdänke, weil er mit einem licher Weise von beiden Häusern des Reichsrats beschlossen Parlament in Konflikt kam, könnte sich auch die allgemeine werden. Praktisch hätte sich die Resolution natürlich Erwägung einstellen, ob man überhaupt einen Kaiser nicht bewähren können, denn da jene Einberufung ein Akt der militärischen Bcfehlshabergewalt ist, der Gegenzeichnung der ungarischen Regierung nicht bedarf, so hätte die Resolution die Einberufung auch nie hindern können. Denn die Ver- Weigerung der Rekruten wäre die Teklarierung eines offenen Kollfliktes. und in einem solchen Konflikt würde sich die Krone von einer Resolution, die für sie selbst Rechtskraft nicht be- ansprucht, sie auch nicht bindet, natürlich nicht hindern lassen. zu tun und zu verfügen, was sie für richtig erachtet. Aber l und sicheren Schivierigkeiten weil der Resolution eine praktische Bedeutung nicht zukam, � Jahre nicht selten hilf- und war sie umsomehr eine Demonstration; freilich gegen den Kaiser, weit mehr im Hinblick auf die Zeit, die nach ihm konimt.... Ursprünglich dürfte Graf Khuen-Hedervary die Geschichte mit der Resolution ausschließlich zu deni Zwecke ersoitncn haben, uni in ihr der Kosinthpartei einen Preis für das Auf- geben der Obstrukl'on zu bieten. Auch unterliegt es keinem Ziveifel. daß der Kaiser gegen die Resolution zuerst nichts eingeivendet hat; er mag, was bei dem alten Mann kein Wunder ist, dem Grafen Khuen, dessen Absicht keineswegs auf eine Einengung der Kronrechte in Ungarn ausgeht, soiveit ver- traut haben, daß er ihm nichts vorschlagen iverde, was geeignet wäre, seine Befugnisse über das geltende Recht hinaus ein- zuschränken. Der Konflikt entstand erst, als sich der Thron- s 0 I g e r ins Mittel legte, der nicht mit Unrecht annahm, daß die Resolution vornehmlich gegen ihn zielt, von dem die braucht... Bei dem alten Manne, der mit zweiundachtzig Jahren in Oesterreich- Ungarn regieren und diese Staaten der ewigen Fragen in Ordnung halten soll, sind solche Regungen nicht unbegreiflich. Der Unverstand liegt vielleicht darin, daß man einen alten Mann, dessen Lebens- und Geisteskraft von der Last der Jahre natürlich nicht unberührt geblieben ist, dazu zwingt, immer weiter zu regieren, obwohl das Regieren hier zu Lande seine großen aufgibt, denen zwciundachtzig ratlos gegenüberstehen werden. nicht gerade Aber daß man derlei Ausbrüche des Unmutes aller Welt er zählt, und zwar zu dem Zwecke erzählt, um sich im Parlament eine bessere Situation zu schaffen, ist wieder ganz wunderbar. Aber warum hat die Möglichkeit, der alte Kaiser könnte abdanken, die Welt gar so erschüttert? Chaos dann nicht hereinbrechen, es einem von 4 auf 6 Kronen monatlich erhöht, bei fünfjähriger Arbeit von ö auf 8 Kronen und bei zehnjähriger Tätigkeit von 8 auf 10 Kronen. Ledige Arbeiter erhalten, tvenn sie die gleichen Fristen auf einem Schachte gearbeitet haben, die Hälfte dieser Zulagen; bisher hatten sie solche überhaupt nicht. Die übrigen Forderungen werden die vom Parlament dieser Tage beschlossene Enquete be- schäftigen, wie Sektionschef Hamann versprach. Daraufhin beschloß das Streikkomitee, den Streikenden den Vorschlag zu unterbreiten, die Arbeit wieder aufzunehmen. Es ist ein von den Unternehmern gestelltes Verlangen, daß die Arbeit am Donnerstag, den 4. April, wieder beginnt.— Morgen finden im ganzen Revier Versammlungen statt, denen folgende Resolution vorliegen wird: „In der Einigungskonferenz, die am 2. April seitens des Streikkomitees der verbündeten Organisationen einerseits und dem Sektionschef Herrn Homanu vom Ministerium für öffent- liche Arbeiten— dieser als Bevollmächtigter der Unternehmer— andererseits, in Turn tagte, haben sich beide Teile in den grund- legenden Punkten auf die seitens der Unternehmer gemachten Zugeständnisse geeinigt. In Konsequenz dessen empfiehlt das Streikkomitee nach ge- wissenhafier Prüfung aller Umstände den Belegschaften in den Revier-Bergamtsbezirken Komotau, Brüx und Tcplitz, eingedepk des Erreichten, Solidarität und Disziplin zu wahren und Don» nerstag früh, das ist am 4. April, die Arbeit wieder aufzunehmen. .. Diejenigen: Forderungen� die derzeit unerfüllt geblieben sind, werden in allernächster Zeit, insbesondere aber die Frage des Minimallohnes- in der vom Parlament beschlossenen Enquete be- handelt werden müssen. In Erwägung aller dieser Umstände empfiehlt das Streik- komitee die seitens der Unternehmer gemachten ZugestäntMisse den Bergarbeitern zur Annahme. Sektionschef Hamann gab dem Streikkomitee die verbindliche Erklärung, daß er intervenieren wird, damit wegen dieses Streiks niemand aus der Zlrbxit eist- lassen wird. Die erreichten Zugeständnisse werden detailliert auf jeder einzelnen Grube publiziert werden. Gleichwohl empfiehlt da? Streikkomitee den Bergarbeitern, die Zugeständnisse sich durch den sofortigen Beitritt zu einer Gewerkschaftsorganisation zu sichern." Brüx. 3. April. Die Bergarbeiterversammlungen de» hiesigen Reviers haben die Zugeständnisse der BergwerkSbesitzer ange» n 0 m m e n und werden morgen den vollen B et rieb wie» der aufnehmen. » Im Steinkohlenrevier von K l a d n 0 in Böhmen wurden am Sonntag 40 Versammlungen abgehalten. Die Referenten, zum großen Teil Anhänger der gewerljchaftszersplitternden tschecho- slawischen Sozialdemokratie, mutzten äußer auf die Kapitalsknechi- schaft der Regierung auch auf die Schwäche der Organisation hin» weisen, so daß der Streik überall abgelehnt wurde. * Auch in Ostböhmen, in dem unweit, von Trautenau gelegenen, an das mittelschlcsische Kohlengebiet grenzenden Schwadowitzer Re» vier, haben die Arbeiter um Lohnerhöhung lMinimallohn für För- derer 3 Kronen bis 4,S0 Kronen) und die Achtstundenschicht nach- gesucht und der Direktion Termin bis zum 9. April gestellt. Slrciltjuiliz. Dortmund, 2. April. Einen Mann ergreift der Zorn, Wenn er betrachtet, wie die Pfennigfeelen, Die Buben, oft im Ueberflusse schwelgen (Eig. Ver.) anderer Kaiser kommen, und den würden die Völker mit der selben Inbrunst zu lieben haben und würden mit derselben Innigkeit vcnichern. daß sie ihn lieben; woher und warum dennpch das allgemeine Erschrecken? Schließlich kann Franz Josef nicht ewig regieren; warum sollte es also nicht aus- zuhalten fein, daß er mit zweiundachtzig Jahren das Regieren aufgibt? Sollte in dem Erschrecken nicht am Ende ein bißchen Furcht vor dem sein, was danach kommt? Sicher ist, daß das Erschrecken, Franz Josef könnte abdanken, für Franz Ferdinand nicht gerade schmeichelhaft ist.... Und stolz herabsehn auf den Hungerleider, Der mit dem letzien Hemde unierm Arm Langsam und seufzend nach dem Leihhaus.wandert. O fehl mir doch die klugen, fallen Leute, Wie sie mit einem Walle von Gesetzen Sich wohlvcrwahret gegen allen Andrang Der schreiend überläst'gen Hungerleider! 1: f jft. Weh dem, der diesen Wall durchbrichtl Bereit sind Richler, Henker, Stricke, Galgen.— So heißt cS in Heines.Ratcliff". Inzwischen hat die kapsia« listische.Kultur" weitere.Fortschritte" aemacht. Heute wird der Streik an sich schon schwer bestrast, allerdings aus Anlaß Es würde doch das' geringfügiger Streik vergehen! Wofür eS sonst 10 Mark Gelb« würde einfach ein strafe gibt, dafür setzt eS leicht 2 bis 4 Monate Gefängnis, wenn" der Slreik im Hinlergrund vorbeimarschiert! Darüber helfen keine Redensarten hinweg. Am Dortmunder Landgericht wurde erklärt, eS müsse auf strengere Strafencn. Was hat sich denn nun aber seit>er kritischen Zeit des vorigen SommerS zugetragen, das eine Erhöhung unserer Fric- denspräsenzstärke um 30 000 Mann und des Ausgabeetats des Reiches um 100 Millionen jährlich erforderlich macht? Nicht das geringste. Die„Riesenarmee" besteht auch heute noch ungeschwächt. Zum anderen ist nicht einzusehen, warum unsere Flotte jetzt weniger sähig wäre, im Verein mit der Küftenbefesti- gung die deutschen Küsten u:ü> Häfen wirksam zu verteidigen, als im vorigen Jahre. Allerdings haken unsere Gegner in- zwischen sehr eifrig den Bau neuer Kriegsschiffe betrieben. Aber bat man denn im Reiche etwa die Hände in den Schoß gelegt? Ein Kriegsschiff nach dem anderen haben auch wir auf Grund des letzten aufgestellten Klottenplanes inzwischen vom Stapel ge- lassen Und wenn Frankreich uns neuerdings das Gespenst der Vermehrung seiner Kadres wieder einmal an die Wand gemalt hat, so hat dies bei seinem Unvermögen, sie auszufüllen, ebenso wenig zu bedeuten, wie das im ersten Artikel erwähnte drohende Geschrei der vom KricgSminister Millerand hypnotisierten Zuschauer auf der Parade von Vincennes. Wer in Krankreich die Dinge nur einigermaßen nüchtern zu beurteilen vermag, wird alles daran setzen, daß eS nicht z u einem Kriege mit uns kommt, daß seine Landsleute unsere Ucberlegenheit weiter respektieren. ?dein, unter dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit, Deutsch- lands Gegenwart und Zukunft zu schützen, i st die neue, alle ihre zahlreichen Vorgänge- innen seit 1887 in den Schatten stellei de Wehrvorlage nie und nimmer zu begründen. Sie läßt sich aber sehr wohl aus detr perffulichen Eigeunun derer erklären, die sie in den Reichs tcigSvcrhand hingen im November des verflossenen Jahres angeregt, und�der anderen. die den unseligen Gedanken mit unerhörter Frivolität aufgegriffen haben, um ihn zu verwirkliäen. Nur damit neue glänzende persönliche Geschäfte gemacht wenden können, sollen die deutschen Bürger wieder alljährlich mehr als hundert Millionen hergeben. In richtiger Beleuchtung zeigte die Nimmersatten die Flui von Sensationen, die in der Presse der endgültigen Abreise des deutschen Kaiser nach Korfu voran- ging, und die an der Börse ein erneutes Fallen der Kurse be- wirken sollten und auch bewirkt haben. Der General von Wartenberg ist militärischer Mit- irbeiter an verschiedenen liberalen Zeitungen. Da seine Ar» tikel immer von der fortschrittlichen Presse als von einer mili» tärischen Autorität stammend bezeichne: wurden, darf man jetzt gespannt sein, wie sich die liberalen Blätter dazu Verhalten werden. In der Hauptsache haben sich die fortschrittlichen Blätter bis jetzt nur mit der Deckungs frage beschäftigt und deshalb wird ihnen der Artikel ihres militärischen Sachver- ständigen einige Kopfschmerzen bereiten. Im übrigen be- itätigt der General von Wartenberg nur das. was die sozial- demokratische Presse schon immer beharptet hat. Die bayerische Regierung und das Jesuitcngesetz. Herr v. Bethmann Hollweg kündigt auf die Anzapfungen libe- :aler Blätter an, daß er über die eigenartige Interpretation deS s 1 deS Jesuitengesetzes durch die bayerische Regierung die be- kannten Erwägungen anstellen lassen wird. Die„Nordd. Allgem. Zeitung' bringt nämlich an der Spitze ihrer Rr. 80 folgende Notiz: .Nach Mitteilungen der Presse hat die bayerische Regierung neuerlich Bestimmungen über die Handhabung des§ 1 des Jesuiten» zesetzeS erlassen. In einem Teil der Presse wi-d daran die Behauptung geknüpft, daß diese Bestimmungen mit dem Sinn des Reichsgesetzes ind der dazu ergangenen Beschlüsse des Bundesrats in Widerspruch tänden. Ob das der Fall ist oder nicht, wird Gegenstand der Prüfung für diejenige Stelle sein müssen, welche verfassungsmäßig zur Ueberwachung der Ausführung der Reichsgesetze berufen ist." Ostelbische WaHlpraknken. Im Wahlkreise Labiau-Wehlau wurde lurz vor der Stichwahl stner Anzahl Arbeiter von den Konservativen Geld angeboten, um sie zu bewegen, konservativ zu stimmen. Gegen eine Reihe dieser Stimmenkäufer ist Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Königsberg erstattet worden. Nun scheinen zwar die gesetzlichen Bestimmungen über Wahlstimmenkauf dem Laien durchaus klar und verständlich zu sein, nicht aber den StaatSanlvälten, denn die Staats- anwaltschaft in KönigSbergihot bisher nicht vermocht, einen der konscr- vativen Gesetzesverletzer zu fassen. Die Verfahren wurden meist vald eingestellt, zum Teil mit Begründungen, die recht interessant sind. So heißt-s in der Antwort der Staatsanwaltschaft auf die Anzeigen gegen den Gemeindevorsteher Walter in Dettmitten wegen ZtimmenkaufS: „Ich habe da« Verfahren eingestellt. Der Beschuldigte hat vor der ReichStagSstichwahl mit dem Arbi ter Friedrich Petschkuhn darüber gesprochen, wie dieser und seine sozialdemokratischen Parteigenossen in der Stichwahl wählen würden, ihm auch zu» 8eredet, für den konservativen Kandidaten zu immen und unter seinen Parteigenossen in gleichem Sinne zu agitieren. Er hat ihm dabei eine Vergütung von 4 biSSM., die nach der Wahl gezahlt werden sollte, in Aussicht gestellt(II). Nach der Be- hauptung de« Beschuldigten sollte dies eine Vergütung für die ge- wünschte AgitationSarbeit Petschkuhns sein, während Petschkuhn (also der Zeuge!) die Sache so aufgefaßt hat, daß ihm das Geld für den Fall zugesagt sei. daß er selbst entweder seine Stimme dem konieroativen Kandidaten gebe oder sich der Abstimmung enthalte. Ob das eine oder das andere zutrifft, kann dahin- gestellt bleiben.. Gewöhnlich wird auf die beeideten Zeugenaussagen vor Gericht sehr großer Wert gelegt und der größte Teil der Verurteilungen stützt fich auf solche«uSsagen. In diesem Falle dagegen wurde die Anficht des Zeugen nicht weiter gewürdigt, denn sonst hätte das Verfahren kaum eingestellt werden können. Auf eine andere Anzeige wegen Stimmenkauf», die gegen den Gutsbesitzer Schneller in Schallen gerichtet war, schreibt der Staats- anwalt: .Ich habe das Verfahren eingestellt. Der Beschuldigte hat seinem Kämmerer Kuhrau vor der Reichstagsstichwahl b M. gegebenEig. Ber.) In Rom haben sich zwei organi- sierte Parteigenossen, der Gymnasiatdirektor Bonfiglio und der Gemcindeschullehrcr D' A m a t o, im Duell geschlagen. Anlaß des Zwistes war ein Konflikt während der letzlcn Parteiversammlung. der ein Nachspiel in der Presse hatte. Beide Genossen haben sich nicht daran gekehrt, daß das Duell ein mittelalterlicher Brauch ist und seine geringe Bestrafung ein Klassenvorrecht darstellt, das wahr- hastig ein Sozialist nicht für sich in Anspruch nehmen sollte. Genosse D'Amato wurde leicht am Arm verwundet, worauf die kavaliermäßige Prügelei mit der Versöhnung endete. Ein Linkenverein der schwedischen Sozialdemokratie. Mit dem Wachstum der schwedischen Sozialdemokratie und ihrer parlamentarischen Vertretung ist innerhalb der Partei immer mehr die Bcsürchlung laut geworden, daß die Partei sich allzu sehr in die Reformarbeit verliere und dadurch von ihren eigentlichen Zielen ab- gelenkt werde. Eine Anzahl Genossen, die dieser Ansicht ist, hat nun einen„Sozialdemokratischen Linkenverein." gegründet, der innerhalb der Partei einen Stützpunkt für das gegen den Opportunismus gerichtete Sireben bilden, und den Genossen Gelegenheit zu gegenseitigem Meinungsaustausch über die gesellschaftlichen Probleme und die Stellung des Soziali«- muß zu diesen Problemen geben will. Der Verein hat sich am 28. März konstituiert, und eS wurde ein Jnterimsvorstand gewählt, dem die Genossen Karl Lindhageu, Richard Sandler, Fredrik Ström, Jvar Vennerström und Karl Vinberg angehören. Wir können uns nicht vorstellen, daß mit dieser Vereins- gründung der Geschlossenheit der Partei und dem Parteifrieden sonderlich gedient wird, Gegen den Justizmord der russischen Regierung. Dom Protest der Internationale gegen das Justizverbrcchen an den russischen Dumaabgcordncten hat sich nun auch die englische Labonr Party angeschlossen. In Verbindung mit der Agitation zugunsten der Befreiung der unschuldig verurleilten Dumaabgeordneten hat sich in England ein Komitee gebildet, das sich eine planmäßige Agitation gegen die Scheußlichkeiten des Zarismus zur Aufgabe stellt. Eine Delegierten- konferenz von 22 Tradeunions und anderen Organisationen, hat dieses Komitee beauftragt, eine Reihe von Meetings zu organisieren und Flugblätter und Broschüren herauszugeben. Das Komitee stellt sich allen Gruppen zur Verfügung, um ihnen Material aus Anlaß der Gewalttaten der Zarenregierung zu verschaffen. Die oben genannte Delegiertenkonferenz nahm eine Resolution an, die ihren Abscheu ausdrückt aus Anlaß der Qualen der politischen Gefangenen in Rußland, ferner auS Anlaß der Unterdrückung der elementarsten. Freiheiten der kleinen Nationalitäten und endlich anö Anlaß des grauenhaften Vorgehens der russischen Regicrung gegen die persischen. Patrioten. Anstellung eines Sekretärs für das BilbungSwefen in Leipzig. Die ArbeitcrbildungSbesircbungcn in Leipzig haben an Umfang so zugenommen, daß sich die Anstellung eines besoldeten Sekretärs notwendig machte. Eine Versammlung von Partei- und GewcrffchaftSgenosscn nahm am 2. April dazu Stellung und wählte zum Sekretär den Genossen Gustav H e n n i g- Leipzig, den bisherigen Vorsitzenden des Bildungsausschusses. Tie sozialdemokratische Stadtverorbnctenfraktion in Breslau, die im vorigen Fahre dem städtischen Etat ihre Zustimmung gab, hat bei der Generalabstimmung durch den Genossen L ö b c eine Erklärung abgeben lassen, daß die Fraktion in diesem Jahre nicht für den Etat stimmen kann. Die Ablehnung wird in der Hauptsache begründet mit der Verweigerung der städtischen Turnhallen an die Arbciterturncr und daß die Errichtung der kommunalen Arbeitslosen» Versicherung im'vergangenen Jahre nicht einen Schritt vor- wärts gegangen ist. polueillebes, Gcrlchtliclics uT\»« Christliche Duldsamkeit. Bei der Beerdigung des durch einen Unglücksfall um? Leben gc« kommenen Genossen F o g i n s I i aus Kochlowitz O.-S. hielt der Kaplan Gröhlich folgende Trostrede: „Heute seid Ihr hier zahlreich erschienen. Ich weiß nicht, ob deshalb, um den Toten zu ehren oder nur aus Neugierde. Ich will hier den Toten nicht richten, da er nur das Opfer räuberischer Wölfe, sozialdemokratischer Agi- tatoren geworden ist, die nur des Geschäfts wegen arbeiten und sogar hier in Kochlowitz Kalender verteilt haben,- um die Parochianen aufzuhetzen. Was haben sie ihm gegeben oder geholfen, diese falschen Propheten! Sie e n t- rissen dem Verstorbenen dieRuhe der Seele und den heiligen Glauben. ES wäre gut, wenn die Frau und die Freunde des Verstorbenen den Kampf gegen die Kalender und die Sozialiften auf- nehmen und sich Mühe geben, das wieder gut zu machen, was die bösen Sozialisten verdorben haben." Diesen Erguß christlicher Nächstenliebe kritisierte unser polnisches Brudcrblatt, die'„ G a z e t a Nt o b o t n i r z a" mit einigen kräftigen, aber durch an» zutreffenden Bemerkungen, durch die sich der Herr Kaplan beleidigt fühlte und Strafantrag stellte. Die Verhandlung fand am Montag vor der B e u t h e n e r Straf- kämmet statt. Der Herr Kaplan gab zwar zu. daß seine'„Trost- rede" im wesentlichen richtig in der„Gazeta Robotnieza" wieder- gegeben sei, jedoch bestritt er ganz entschieden, die Kraftworte gegen die Sozialdemokratie gebraucht zu haben, was jedoch von einer großen Anzahl von Zeugen widerlegt wurde. Nach langer Verhandlung, bei welcher es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Staatsanwalt und Verteidiger kam, verurteilte das Gericht den Genossen Mieezkowski als Verantwortlichen der„Gazeta Robotnieza" zu 100 M. G e l d st r a f e mit folgender Begründung: Das Ge- richt hält es für erwiesen, daß der Herr Kaplau die in dem Arrikel abgedruckten Aeußcrungen getan hat. Es war das Recht des Angeklagten, sich in seiner Zeitimg dagegen zu wehren, weil er sich beleidigt fühlen konnte. Der Wahrhettsbeweis sei im großen und ganzen erbracht, aber die Form sei be- leidigend. Mit angeklagt waren zugleich auch Genosse Bienieckiewicz und zwei ander« Genossen wegen Druck und Verbreitung des als Flug- blakt herausgegebenen inkriminierten Artikels. Alle drei wurden freigesprochen. WaS nutzt sozialdemokratischen Redakteuren die Erbringung des Wahrheitsbeweise«, wenn die Richter doch immer verurteilen wegen der Form. Im Falle de« Kaplans Gröhlich war die. Gazeta Ro- bottncza" wirklich nicht über das Maß der Abwehr hinausgegangen, wenn man die klobigen Angriffe de» duldsamen Pfaffen am offenen Grabe in Betracht zieht. GcwerkfcbaftUcbea. Die Gimgungsverbaiidlungen im 8d>neicler- gcwerbe. Die Verhandlungen in Jena unter Mitwirkung der Un parteiischen führten zu der Annahme eines Vermittelungs- Vorschlages, nach dem die Wiederaufnahme der Arbeit spätestens am Dienstag nach Ostern erfolgen muß. Die Einzelverhand lungen des Schiedsgerichts dauern fort. Das Ergebnis der Verhandlungen wird vertraulich gehalten. Die Verhandlungen lverden voraussichtlich am Sonnabend beendet werden. In Elberfeld und in Barmen haben Versamm> lungen der ausgesperrten Schneider beschlossen, den Einigungs� Vorschlägen zuzustimmen; die Arbeit ist Mittwoch morgen denn auch überall aufgenommen worden. Bei einer Firma in Elberfeld und einer in Barmen bestehen noch Differenzen. Berlin und Umgegend. Lohnbewegung in de» Wagen- und Karofferiefabriken. Die Organisationen der in den Wagen- und Karofferiefabriken beschäftigten Arbeiter sind übereingekommen, gemeinschaftlich eine Lohnbewegung dieser Branche durchzuführen. An der Bewegung sind d,e Verbänoe der Holzarbeiter, der Metallarbeiter, der Maler und Lackierer, der Sattler und der Schmiede beteiligt.— Eine am Dienstag abgehaltene, sehr stark besuchte Versammlung der Ar- beiter in den Wagen- und Karofferiefabriken beschäftigte sich mit der Aufstellung der Forderungen für die gemeinsame Lohnbewegung. Der Iteferent Sie ring führte unter anderem aus: Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Wagen- und Karofferiefabriken sind sehr verschieden. Die Lohnbewegung, welche im vorigen Jahre in einigen Betrieben durchgeführt wuroe, hat Verbesserungen in diesen Betrieben gebracht. Dadurch sind aber die Verhältnisse der ganzen Branche noch verschiedener geworden. Durch die jetzige Lohn- bewe�ung sollen nun für die ganze Branche möglichst gleichmäßige Verhältnisse in bezug auf Lohn und Arbeitszeit sowie die sonstigen maßgebenden Bestimmungen geschaffen werden.— In den Wagen- und Karosseriefabriken sind 1647 Arbeiter beschäftigt, und zwar 636 Schmiede und Schlosser, 472 Holzarbeiter, 369 Lackierer, 239 Sattler, Von allen Arbeitern sind 785 in Lohn, 862 in Akkord beschäftigt. 89 Proz. aller Arbeiter sind organisiert, die Durch- sührung der Bewegung kann also keine Schwierigkeiten machen.— Die Arbeitszeit ist gegenwärtig in 2 Betrieben eine 53%ftünbige, in 3 Betrieben eine 52stündige und in den meisten Betrieben eine S3stündige. Die Stundenlöhne gehen in manchen Fällen bis zu 45 Pf. hinab und erreick>en in Ausnahmefällen eine Höhe bis 96 Pf. und 1 M. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß die Arbeiter von den großen Gewinnen der Unternehmer sehr wenig bekommen haben. Die Forderungen, welche- dem Arbeitgeberverband für das Wagenbaugewerbe eingereicht werden sollen zum Zweck des Ab- schlusses eines Tarifvertrages sind von den in Frage kommenden Branchen der Arbeiter aufgestellt. Ihre wesentlichsten Punkte sind: eine wöchentliche Arbeitszeit von 51 Stunden, und zwar täglich 81h Stunden. An den Tagen vor den hohen Festen wird die Arbeit um 1 Uhr mittags beendet. Als M i n d e st st u n d e n- löhne werden gefordert für Stellmacher 75 Pf. sselbstän- dige), 68 Pf.(Helfer und nichtselbständige). Für Schlosser und Schmiede 86 Pf.(Schirrmcister). 76 Pf.(Feilbänker und Schlosser), 66 Pf.(Stockgesellen). Für Lackierer 75 Pf., für Sattler 85 Pf.(perfekte). 75 Pf.(sonstige). Für alle Arbeiter wird eine Lohnzulage von 5 Pf. pro Stunde gefordert mit der Maßgabe, daß durch diese Zulage die vorstehenden Mindestlöhne erreicht werden müssen.— Kolonnenakkord soll nicht zulässig sein. Für Akkordarbeiter sollen besondere Tarife vereinbart und der Stundenlohn garantiert werden.— Die benötigten Arbeitskräfte sollen von den Arbeitsnachweisen der betreffenden Branchen ent- Nammen werden. Für jeden Arbeiter wird ein Urlaub unter Fort- zahlung des Lohnes gefordert. Der Urlaub soll betragen nach ein- zähriger Beschäftigung einen Werktag, nach ziveijähriger Beschästi- gung zwei Werktage und so fort.— Auf Grund der Forderungen soll ein Tarif mit Gültigkeit bis 31. März 1914 abgeschlossen werden. Nach einer kurzen Diskussion erklärte sich die Versammlung mit den aufgestellten Forderungen einstimmig einverstanden sowie mit dem Vorschlage der Kommission, die Forderungen dem Arbeit» gcberverbande sofort einzureichen, mit dem Ersuchen um Antwort bis zum 9. d, M. Sollte der Arbeitgeberverband wider Erwarten nicht zu Verhanolungen mit der Kommission bereit sein, dann werden die Forderungen den einzelnen Firmen eingereicht. Die Auswahl der Firmen sowie die dann zu befolgende Taktik bleibt der Kommission überlassen, welche die Führung der Bewegung hat. Schließlich wurde den Versammelten noch nahegelegt, daß sie, um die Bewegung zu begünstigen, von jetzt ab keine Ueber- stunden mehr machen. Streik im Admiralspalast-Bad. Die Bademeister und Masseusen haben am Montagmittag im .Admiralspalast", dem Bade der Lebewelt, die Arbeit niedergelegt. Grund dafür waren unerlrägliche Drangsalierungen und An- gebereien bei der Direktion von seilen des Oberbademeisters D e t t l o f f. Dieser war früher, als die Bademeister und Masseusen noch ihren Sonderverein halten. Vorsitzender des- selben. Nach dem Zusammenschluß mit dem Verband der Gemeinde- und Staaisarbeiter suchte er einen Posten in dieser Organisation zu ergattern. Als dies nicht gelang, kehrte er schließlich dem Ber- bände den Rücken. Jetzt ist er soweit gekommen, daß er gedroht hat. alle die im Admiralspalast beschäftigten alten Kollegen heraus- zubringen, weil diese seine Autorität nicht genügend respektieren. Zwei davon sind tatsächlich auch schon vor kurzem auf Veranlassung des D. entlassen worden. Den letzten Anstoß zu der Arbeitseinstellung gab eine Anordnung der Direktion, wonach dem D. vom 1. April ab auch noch ausschließlich die Kasse der Nollegen anvertraut werden sollte. Im Admiralspalast-Bad. wo die sogenannte«Creme' der Gesellschaft verlehrt, wird nämlich ebensowenig wie in anderen Bade- anstalten den Bademeistern und Masseusen irgendwelcher Lohn gezahlt. Die von den Badegästen gegebenen Be- dienungs- und Trinkgelder werden nun, zusammengetan und zu gleichen Teilen unter dem Personal verteilt. Diese Kasse wollten seine Kollegen dem D. unter keinen Um- ständen überantworten. Die Angestellten waren sich darüber hinaus einig, daß ein Zusammenarbeiten mit D. überhaupt nicht möglich ist und forderten die Entlassung desselben. Alle dahingehenden Vorstellungen fruchteten aber bei der Direktion nichts.' Daraus traten die Bademeister und Masseuien in den Streik. Die Direktion des Admiralspalast-Bades hätte ollen Anlaß, geordnete Arbeitsverhältnisse zu schaffe». Da gibtS keinen vernünftigen Raum für die Kleider der Angestellten, keinen Aufenthalts- und Speiseraum; die Mahlzeiten müssen vielmehr in den Bade- räumen verzehrt werden. Versprochen worden ist schon einmal die Einrichtung eines solchen Raumes. aber ausgeführt wurde es nicht. Das scheinen Dinge zu sein, um die man sich in dem«Elite'-Bad keine Kopsschmerzen macht; im Gegenteil, man sieht seine Aufgabe darin, den Angestellten das Leben so sauer wie möglich zu machen. Ob es den Ausständigen gelingen wird, dagegen erfolgreich an- zulämvsen, bleibt abzuwarten.___ nahm den Tarif mit 265 Stimmen an. 185 Stimmen hatten sich dagegen ausgesprochen._ Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Pinner Rachs. Rungestr. 22/24 dauert fort. Das Verbandsbureau ist heute Donnerstag bis 8 Uhr, am Ostersonnabend bis 3 Uhr und am dritten Feiertag nur bis 1 Uhr mittags geöffnet. Die OrtSverwaltung. Achtung, Gastwirtsgehilfe»! Die im Betriebe«Original-Hacke- peter', Ed. Martin, Münzstr. 26, ausgebrochenen Differenzen sind am 2. April nach zweistündigem Streik zur Zufriedenheit der Organisation beigelegt. Die Sperre ist aufgehoben. OrtSverwaltung Berlin I, Verband der Gastwirtsgehilfen. Ein Wohltäter. Der Besitzer deS Weinhauses Trarbach, der sich bor einiger Zeit durch eine reklamehaft bekanntgegebene Spende für tapfere Polizei- organe in Positur setzte, geizt auch als Wohlfahrtsunlernehmer nach dem Lorbeer. Er lanzierte eine Notiz in die dienstivillige Presse— darunter die«Nordd. Allg. Ztg.'— in der er sich als humanen Mann herausstreicht, die Kellner dagegen als unersättliche Leute denunziert, die gewissermaßen durch einen hinterlistigen Ueberfall die Anerkennung unverschämter Forderungen zu erzwingen suchten. Daß der bei ihm ausgebrochene Streik die Folge provokatorischer Maßnahmen sei, davon weiß er natürlich gar nichts zu berichten. Als sein Lokal gerade mit Gästen gefüllt war, habe man mit «hinterlistiger Tücke' die Forderung erhoben, er, der souveräne Herr Chef, solle mit dem„sozialdemokratischen Verbände' verhandeln und. als er das natürlich«energisch abgelehnt',«im offenen Vertragsbruch daS Lokal verlassen'. Und zum Beweise für seine Hochherzigkeit und� offene Hand macht er prablend bekannt, er zahle neben freier Station 25 M., sage und schreibe: fünfundzwanzig Mark! Gehalt. Weil«verhetzte Leute' das Essen«prinzipiell als schlecht' bezeichnet hätten, habe er sich bereit erklärt, anstatt der freien Beköstigung 46 M. zu gewähren Dann tariert der Besitzer des feinen Wemhauses den Wert der von ihm gelieferten Beköstigung selbst auf 1,33 M. pro Tag. Das soll mit dem Gehalt von 25 M. eine fürstliche Entlohnung sein— weit häufig bis zu 16 M. Trink- geld pro Tag abfielen. Die von der Firma als rühmlich heraus- gestellten Tatsachen sind der beste Beweis für die unhaltbaren Arbeitsverhältnisse im Gastwirtsgewerbe. Dachdecker! Jn Nowawes befinden sich die Dachdecker und Hilfsarbeiter im Ausstand. Zuzug ist fernzuhalten. Zentralverband der Dachdecker. Gau Osten. veutfckes Reich. Tie„Viktoria" in Magdeburg boykottiert! Die bei der Versicherungsgesellschaft«Viktoria' in ihrer In- kassostelle in Magdeburg beschäftigten Einkassierer haben den Kampf ausgenommen, zu dem sie durch das rücksichtslose Auftreten der Direktion dieser«Volks'versicherungsgesellschaft gezwungen worden sind. Die Forderungen dieser Angestellten sind durchaus berech- tigt, denn sie fordern lediglich das, was die Direktion vor kurzer Zeit den Einnehmern ihrer Hamburger Jnkassostelle schon zuge- standen hat, nämlich eine gleich hohe Gehaltsaufbesserung und einen gleichen Schutz gegen die rücksichtslosen Entlassungen wegen angeblich ungenügender Akquisition. Trotz dieses Anerkennt- nisses über die volle Berechtigung der in Magdeburg erhobenen Forderungen hat die Direktion durch ihren Magdeburger Vorsteher jede Verhandlung in schroffster Weise zurückgewiesen und den Einkassierern gedroht, ihre Vertrauensmänner würden �entlassen, wenn die Forderungen nicht sofort und bedingungslos zurückgezogen werden. Damit aber die Direktion erfährt, wie die arbeitende Bevölke- rvng über solche Handlungen der„Viktoria" denkt, haben die organisierten Magdeburger Arbeiter über, die Magdeburger In- kassostelle der„Viktoria" den Boykott verhängt. Der Boykott- beschluß fordert die Einwohner Magdeburgs und Umgegend auf, bis zur Beendigung- des Kampfes keinerlei Versicherungsanträge bei der„Viktoria" zu stellen. Die Sympathien der Arbeiterschaft liegen also unverhohlen auf der Seite der kämpfenden Angestellten. Zur Lohnbewegung im Hamburger Hafen. Der Hafenbetrieb-sverein hat eingewilligt, Verhandlungen mit den Arbeitern zu führen. Die Arbeiter sollen Kommissionen er- nennen. Verhandlungstermine werden noch festgesetzt. Former- und Gieffereiarbeiter-Bewegung im Industrie- bezirk Stuttgart-Estlingen. Anfang März dieieS Jahres traten die Arbeiter der Eisen- gießereien im Stuttgart-Eßlmger Jndustriebezirk in eine Bewegung. Sie verlangen eine Revision der Emigungsbedingungen vom Jahre 1966. Diese sind den heutigen Zeilverhältnissen nicht mehr ent- spreckiend und es wurden deshalb in drei Versammlungen eine An- zahl Aenderungen vorgeschlagen. Verlangt wurde: die Einführung der 54-Arbeitsstundenwoche, Prozentbezahlung für Ueberstunden, au» für Akkordarbeiler, eine bessere Fassung der Bestimmungen über die Akkordarbeit, Einführung von MuidestlöHnen, Regelung der Aus- schußgußfrage sowie eme Entschädigung für Arbeiterausschußmitglieder, wenn sie durch diese ihre Tätigkeit Zeilversäumnisse haben. Die Forde- rungen werden durch den Meiallarbeiteroerband den, Verband Metall- industrieller in Württemberg übermittelt. Es fanden bis jetzt zwei Verhandlungen statt, die erste nur zwischen den Vertretern der beiden Organisationen, die zweite unter Hinzuziehung von fünf im Arbeitsverhältnis stehenden Arbeitern. Die Verhandlungen haben leider bis jetzt kein völlig zufnedenstellendes Ergebnis gehabt. Ueber die Frage der Ueberzeilarbeil und der Akkordarbeit und der Ent- schädigung an Arbeiterausichußmitglieder wurde eine Verständigung erzielt, die wohl beide Teile akzeptieren können. Auch über die Frage des AiisschlißgusseS wurde teilweise eine Verständigung er- reicht; doch ist die Sache noch nicht endgültig erledigt. Die Lohn- frage unterliegt auch noch weiteren Verhandlungen und es ist fraglich, ob eS überhaupt gelingt, hier zu einer für beide Parteien annehmbaren Form zu kommen. Die schwierigste Frage ist die der Verlllizung der Arbeitszeit geworden. In der ersten Ver- Handlung schien es, als ob es nicht ausgeschlossen wäre, eine Form zu finden, über die man sich verständigen könnte. I» der zweiten Verhandlung erklärten jedoch die Industriellen: Ueber die Arbeits- zeilve»kürzung könnten sie überhaupt nun nicht mehr verhandeln, da durch die Mctallarbeiterbewegling in Frankfurt a. M. die Frage der Arbeitszeitverkürzung eine Angelegenheit der süddeutschen Gruppe des Gesamtverbandes geworden wäre und sie allein nun nicht mehr zuständig wären. Es wird nun abzuwarten sein, ob die Versuche, über diese Frage mit der süddeutschen Gruppe zu verhandeln, von Erfolg sein werden. Die Gießereiarbeiter im Stuttgarter In- dustriegebiet sehen bei ihrer vorzüglichen Organisation der Sache mit aller Ruhe entgegen. Husland. Ein Riesen-Zimmererstreik.• Die.Times' melden aus New Jork vom 1. April: In Ch ikago sind 15 666 Zimmerleute zur Eikämpfung von Lohn- erböhnngen in den Ausstand getreten. Bauarbeiten im Werte von 146 Millionen Mark sind von dem Ausstand betroffen. Tie orga- nisierten Zimmerlcuie in Desmoines haben ebenfalls die Aiveil niedergelegt. Die Bewegung droht sich auszubreiten. Soziales. Zur Ausführung des HanSarbeitsgeseheS vom 26. Dezember 1911, das am 1. April in Kraft getreten ist, ist vom Handelsminister und dem Minister des Innern unterm 16. März 1912 an die Regierungspräsidenten eine Anweisung er- gangen. Der durch das Gesetz neu geschaffene Begriff des Haus- arbeiters ist danach kein wirtschaftlicher, sondern ein gewerbepoli- zeilicher, insofern durch daS Gesetz über den Rahmen der bestehen- den reichsgesetzlichen Vorschriften hinaus eine behördliche Regelung auch für diejenigen Betriebe ermöglicht werden soll, welche keine fremden Personen im Arbeitsverhältnis beschäftigen. Unter den Begriff des Hausarbeiters fallen auch, soweit sie nicht nach§ l Absatz 1 Satz 2 ausgenommen sind, abweichend von 8 119b der Gewerbeordnung solche Personen, die nicht für bestimmte Gewerbe- treibende arbeiten, sondern mit der Anfertigung gewerblicher Er- Zeugnisse auf Borrat und unmittelbar für den Verbrauch beschäftigt sind. Andererseits sind solche Personen, die für bestimmte Ge- werbetreibende außerhalb der Arbeitsstätten der letzteren mit der Anfertigung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt sind(§ 119b der Gewerbeordnung), dann keine Hausarbeiter im Sinne des Gesetzes und daher den für diese vorgesehenen Bestimmungen nicht unter- warfen, wenn sie ihrerieits wieder in lyren Werkstätten oder Ar- beitsstuben Lohnarbeiter beschäftigen. Sie werden jedoch von den Vorschriften des Gesetzes über die Beschäftigung von Hausarbeitern insoweit erfaßt, als sie selbst noch solche beschäftigen. Sogenannte Zwischcnmeister, die in ihren Werkstätten oder Arbeitsstuben aus- schließlich zu ihrer Familie gehörige Personen beschäftigen, gelten insowesi gemäß§ 1 Absatz Nr. 1 des Gesetzes als Hausarbeiter. Beschäftigen sie außerdem noch Hausarbeiter, so unterliegen sie gleichfalls den für die Beschäftigung von Hausarbeitern vorgesehe- nen gesetzlichen Bestimmungen. Der Begriff ber Beschäftigung in Familienbetrieben im Sinne des 8 1 Absatz 1 Nr. 1 setzt nicht das Vorhandensein eines gewerblichen Arbeitsvertrages und auf Seiten des Beschäftigten nicht die Eigenschaft eines gewerblichen Arbeiters voraus. Als beschäftigt gelten die Familienangehörigen vielmehr schon dann, wenn sie bei der Arbeit tatsächlich helfen. Die Kompli- ziertheit dieser Anweisung beruht auf der Unklarheit des Gesetzes selbst. Und diese rührt von der Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge und der Abneigung her, den Mißständen im Heimarbeits- gewerbc ernstlich auf den Leib zu rücken. Huö Induftrie und Dandel Kohlensyndikat und Fiskus. Scharfe Kritik an der Stellung des preußischen FiskuS zum Rheinifch-Westfälifchen Kohlensyndikat übt der Borstand des Bundes der Industriellen in folgender Entschließung: „1. Der Bund der Industriellen bedauert, daß die für die kohlenverbrauchende Industrie empfindlichen Preis- erhöhungen des Rheinisch-Westfälischen KohlensynoikatS da- durch mit ermöglicht worden sind, daß der preußische Staat als Kohlengrubenbesitzer seinen Einfluß auf den Kohlenmarkt fast völlig zugunsten desSyndikatsaufgegcben hat. Der preußische Handelsutinister hat m seiner Rede vom 31. Januar im Abgeordnetenhaus zwar betont, daß durch das Abkommen des preußischen Kohlenfiskus mit dem Syndikat die fiskalischen Jnter- essen gewahrt seien. Demgegenüber wäre es jedoch im Interesse oer Kohlenverbraucher, insbesondere der vielfach unter hohen Roh- stoffpreisen und unter der Preispolitik der Rohstoffsyndikate lei- denden verarbeitenden Industrie erwünscht, daß der Staat als Kohlengrubenbesitzer seinen Einfluß auf den Kohlenmarkt nicht ein- schrankt, sondern eher erweitert, um der monopolistischen Entwicke- lung der Kohlensyndikate wirksam entgegenzutreten, nötigenfalls auch unter Hintansetzung fiskalischer Gesichtspunkte. .„ � � �®er Industriellen stellt ferner mit Bedauern fest, day die ohnehin überaus große uno beständig steigende A u S- fuhr deutscher Kohle noch durch sehr niedrige Aus. f u h r t a r i f e der deutschen Eisenbahnen gefördert wird. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie leidet darunter, daß ein immer größerer Teil der deutschen Kohlenförderung an das Ausland zu Preisen ab- gegeben wird, die niedriger als die inländischen Kohlenprei se sind, und daß diese Ausfuhr obendrein zu Fracht- sätzen erfolgt, die zum Teil wesentlich niedriger als die Frachten für den inländischen Äohlenbezug sind. Es erscheint unter diesen Umstände» doppelt befremdlich, daß der preußische Handelsminister am 4. März im Abgeordnetenhaus eine weitere Ausdehnung der Kohlenausfuhrtarife in Aussicht gestellt hat. Angesichts dieser Ber. Hältnisse richtet der Bund der Industriellen vom Standpunkte der deutschen kohlenverbrauchenden Industrie an die Verwaltungen der deutschen Eisenbahnen die Bitte, die Frachtsätze für den inlän- dischen Kohlenverbrauch niedriger als für die zur Ausfuhr be. stimmte Kohle zu stellen, zum mindesten aber von der angekündig» ten weiteren Ausdehnung der Ausfuhrtarife für Kohle abzusehen, damit das Inland nicht schlechter gestellt ist als das Ausland.' In welcher Weise die Eisenbahntarife die Ausfuhr von Kohle fördern, dafür gibt die Zuschrift des Bundes der Industriellen (nach dem„Berl. Tagebl.') folgende Beispiele: „Ein Doppelwagen Steinkohle von Duisburg nach Emden- Außenhafen(266 Kilometer) kostet nach dem für die Kohlenausfuhr bestehenoen Ausnahmetarife nur 37 M. Fracht. Auf die gleiche Entfernung kostet der Doppelwagen deutsche Steinkohle für den inländischen Verbrauch 64 M. Fracht, und englische Steinkohle oder böhmische Braunkohle für den inländischen Bedarf sogar 69 M. Fracht.— Für die Strecke Duisburg— Hamburg kostet ein Doppel. wagen deutsche Steinkohle 57 M. Fracht. Auf der gleichen Strecke (367 Kilometer) nach Industriegebieten im inneren Deutschland kostet ein Doppelwagen deutsche Steinkohle 86 M., ausländische Kohle sogar 93 M. Fracht." Die Konsumenten leiden unter einer solchen Tarifpolitik; die Produzenten stecken den Profit mit Hilfe der Regierung ein, die außerdem durch ihren Beitrftt zum Syndikat noch dessen Aus- beuterpraktiken mit staatlichem Nimbus umgibt. (Siehe auch 1. Beilage.) Letzte Nachrichten* Zum englischen Bergarbeiterstreik. London, 3. April.(W. T. B.) Der Exekutivausschuß des Bergarbeiterverbandes wird morgen hier eine Sitzung abhalten zur Feststellung der Ergebnisse der tlbstim. mungen Es ist die Frage ausgeworfen worden, ob der Exekutiv- ausschuß die Befugnis hat, die Wiederaufnahme der Ordnung an- zuordnen, wenn eine geringe Mehrheit für die Fortsetzung des Streiks vorhanden ist. Eine Verbandsbestimmung hierüber gibt es nicht, und es wäre deshalb möglich, daß man sich in diesem Falle zur Einberufung einer nationalen Konferenz entschlösse. Schneefälle in Oesterreich. Wien, 3. April.(P. C.) Aus allen Teilen deS Reiches, be- sonders aus den Alpenländern, laufen Nachrichten über starken Schneefall und Frostwetter ein. In Tirol liegt der Neuschnee auf den Bergen mehrere Zentimeter hoch. Auch aus den südlichen Län- dern kommen Meldungen über niedrige Temperaturen. Brand eines Güterbahnhofs. Paris, 3. April.(P. C.) Einer Meldung aus A l a i«(Süd. frankreich) zufolge ist heute vormittag der Güterbahnhof der kleinen Station von Saint Cecil d'Anborge von einer heftigen Fcucrsvrunst heimgesucyi worden Fast alle Gebäude und Lager- schuppen wurden ein Raub der Flammen. Neun beladene Güter- wagen wurden vollständig in Asche gelegt. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen� nur ein Arbeiter wurde leicht verletzt. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Oie Tarifbewegung der Militärsattler beendigt. Es ist der Torifkoinmiision bei den neuerlichen Verbandlungen mir den Arbeitgebern gelungen, die nachträglich geäußerte» Wünsche der Arbeiter in der Hauptsache zu verwirklichen. Im übrigen sind an dem Tarif nur unwesentliche Aenderungen vorgenommen ivorden. Die wichtigste Eriungeiischasl ist die Festieyung eines Mindestlohnes, «in Punkt, dem schon aus prinzipiellen Gründen eine besondere Be- beutung zukommt. Eine am Mittwoch staltgefundene Versammlung_____ Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Bert'». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsaustalt Paul Singer S: Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen».UnterhaUungsbl. Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge. Bologoje(Gouv. Nowgorod), 3. April.(W. T. B.) Auf der hiesigen Station fand ein Zusammenstoß zwischen einem Dienst. und einem Lokalzug statt, wobei 2 Personen getötet und 6 verletzt wurden. Kr. 80. 29. IahrMg. 1. KeilM kü.AmSck" Knlim PUlnft Ksvaetstas. 4. April 1912. Die fliyllttenvergiftungen vor Serlcht. Sechster Tag. Am gestrigen Sitzungstage wurden Beweisanträge nach der Richtung hin gestellt, daß Methylalkohol ohne schädliche Nachwirkung wiederholt getrunken sei und daß die Todesfälle der Asylisten nicht auf Methylalkohol, sondern auf Genickstarre zurückzuführen seien. Ein Gerichtsbeschluß über diese Anträge erfolgte noch nicht. Auffällig ist die späte Vorbringung des Antrages über die Genickstarre als Todesursache. Hat das Beweisthema auch nicht viel Wahrscheinlichkeit für sich, so dürfte dem angebotenen Beweis trotz der bestimmten entgegengesetzt lautenden Sachverständigenaussagcn doch wohl stattgegeben werden. Die Allgemeinheit hat das lebhafteste Interesse an voller breitester Klarstellung der Ursachen des furchtbaren, plötzlichen Todes so vieler Personen. Ausgedehnte Zeit in der Verhandlung nehmen die lang- atmigen Erörterungen der Verteidiger über ihr und ihrer Kollegen Verhalten ein. Mehrere Male mußte der Vorsitzende die Erörterung von Ouisquilien durch Wortentziehung ab- schneiden. Einer der Verteidiger erhielt abermals eine Ordnungsstrafe von 100 M., weil er eine Suggestivfrage(eine Frage, die durch ihre Form die Art der Beantlvortung dem Zeugen oder Sachverständigen nahelegt) stellte, und nach der Ablehnung solcher Frage durch den Vorsitzenden nach Ansicht des Gerichts eine grobe Ungebühr beging. Die auch in der letzten Sitzung beliebte Art des Vorgehens der Verteidigung beweist von neuem, wie berechtigt unser in« gestrigen Blatt dagegen im Interesse der Freiheit zweckdienlicher Verteidiguug erhobener Protest war. Ueber die Verhandlung informiert der nachstehende Bericht. Nach Eröffnung der Sitzung bemerkt der Vorsitzende Land- gerichtsrat Brieskorn: Ich habe folgendes zu bemerken: In der Presse sind über das Verfahren gegen den Rechtsanmalt Dr. Jaffe objektiv unwahre Tatsachen behauptet worden. Diese Berichte sind tendenziös gefärbt. Die Vorgänge, wie sie sich wirklich abgespielt haben, können aus dem Protokoll ersehen werden.(Sollte sich diese Bemerkung auf den Prozeßbericht selbst beziehen, so verwahrt sich unser Berichterstatter gegen den Vorwurf einer tendenziösen Dar- stellung der Tatsachen.). Alsdann erbittet sich Rechtsanwalt Dr. Werthauer das Wort zu einer Reihe von Anträgen. Er beantragt unter anderem Be- Weiserhebung darüber, daß l. im Zentralgefängnis zu Gollnow die Stuhlfabrik Pilz, Nachfl. Rieß, Stühle polieren läßt und damit 20— Zt) Leute dauernd beschäftigt sind; 2. daß hierzu ein Spiritus verwendet wird, welcher zum Polieren be- stimmt ist, aber fortgesetzt von den Gefangenen getrunken wird; 3. daß viele Monate hindurch ein Teil der Gefangenen den Spiritus getrunken haben, ohne daß Krankheit oder Tod eingetreten ist und trotzdem sie als Ernährung nur die Gefängniskost hatten; 4. daß mehr als Dutzende Gefangene wegen des Trinkens des Spiritus disziplinarisch bestraft sind und die Direktion in einem Falle den Favrikau-ten ersucht hat, Strafantrag wegen Diebstahls ?u stellen, weil einige Gefangene aus Wohlgeschmack an den zur Ver- ügung stehenden Mengen eine ganze Kanne voll(etwa 10—14 Liter) enthielt, mittels Erbrechen eines Schrankes entwendet hatten, als der Arbeitssaal ohne Aufsicht war und diese ausgetrunken haben; 6. daß die Mengen mehr als 150 Gramm pro Tag waren, welche mehr als ein Dutzend Gefangene getrunken hatten, ohne daß ein Nachteil entstanden ist; 6. daß nach Verbüßung der Disziplinar- strafen das Trinken fortgesetzt wurde; 7. daß der hier fragliche Polierspiritus Methylalkohol mar. Ferner beantragt der Verteidiger, 22 Gastwirte aus der Stromstraße und Salzwedelerstraße als Zeugen vorzuladen. Diese sollen bekunden, ob sie diejenigen sürd, welche der Staatsanwaltschaft als Lieferanten von Methylalkohol bekannt sind. Verteidiger gegen Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Werthauer fährt dann fort: Ich habe noch einen Antrag zu stellen: Der Verteidiger des Angeklagten Zastrow, Justizrat Jvers, hat, als diesseits beantragt wurde, den Schrank aus dem Privatzimmer des Angeklagten Scharmach zu beschaffen, damit dieser wieder eingeräumt werde, unterbrechend erklärt: „Scharmach solle doch lieber die ganze Sache einräumeir."— Bor- sitzender(unterbrechend): Soll das ein Beweisantrag sein? Rechts- anwalt Dr. Werthauer: Ein Prozeßantvag! Darf ich nun fort- fahren? Borsitzender: Bitte! Dr. Werthauer: Scharmach fühlt sich nicht schuldig, kann deshalb ein diesbezügliches Geständnis nicht ablegen und fühlt sich durch das an ihn gestellte Ansinnen, da das- selbe nicht gerügt worden ist, in seiner Stellung als Angeklagter, da er bei der verantwortlichen Vernehmung, das, was er zu sogen hatte, gesagt hat, beeinträchtigt. Da bisher eine Inschutznahme Ilii Cancafyire. (Von unserem Korrespondenten.) Manchester, 1. April. Lancashire ist die Wiege so vieler politischer und Wirtschaft- licher Bewegungen des englischen Bürgertums und der englischen Arbeiterklasse. Lancashire ist auch die Wiege der Bergarbeiter- föderation Großbritanniens. Es waren die Bergarbeiter dieses gewaltigen Industriegebietes, die den großen Gedanken, die ge- samte Bcrgarbeitcrdevölkerung des Jnselreichcs zu einem Verband zusammenzuschmieden, in die" Tat umsetzte. Wenn die Arbeiter Großbritanniens die Preiskämpfer des Proletariats gewesen sind, so sind die Arbeiter Lancashires als die Champions unter den Preiskämpfern zu bezeichnen. Das gilt be- sonders für die Bergarbeiterschaft. Kein Teil des Bergarbeiter- Heeres kämpft mit solcher Zähigkeit und Ausdauer, als die Knappen von Lancashire. In den letzten Jahren haben sie im Kleinkampfe mit der Unternehmerschaft Tausende von Pfunden geopfert, so daß ihre Kassen heute nach einem Kampfe von mehr als 4 Wochen geleert sind. Und dennoch sind sie bereit, den Generalstreik fort- zusetzen. Man hat allgemein Schottland und Wales als die Re- viere hingestellt, wo der Kampf am heftigsten geführt werde, wo die Arbeiterschaft am unversöhnlichsten sei. Nach den bis jetzt vor- liegenden Berichten über die Urabstimmung, die entscheiden soll, ob der Kampf fortzusetzen ist oder nicht, scheint es aber, daß sich in Schottland und Wales die Mehrheit der Arbeiter für die Wieder- aufnähme der Arbeit entscheiden wird. Hier in Lancashire ist die Stimmung sehr entschieden für die Fortsetzung des Kampfes. Eine Delegiertenkonferenz beschloß am Sonnabend, den Mitgliedern des Verbandes von Lancashire zu empfehlen, die von der nationalen Konferenz gestellte Frage mit Nein zu beantworten. Der Prä- sident Green all ist ein eifriger Befürworter dieser Politik; ebenso energisch dagegen sind der Sekretär A s h t o n und das Parlamentsmitglied Walsh. Walsh wird augenblicklich von der bürgerlichen Presse als ein Heros behandelt, weil er bei der Beratung der Minimallohnvorlage im Parlament erklärte, er werde das Minimallohngesetz anerkennen, weil ihm seine Bürger- Pflicht über seine Pflicht als Gewerkschaftler gehe. Derselbe Walsh erklärte vor zwei Jahren auf einem Arbeiterkongreß, er werde das ungerechte Osborneurteil mißachten und wenn er ins Gefängnis wandern müsse. Auf der am letzten Samstag abge- haltencn Delegiertenkonferenz wurde ihm tüchtig der Kopf gc- waschen. Ich begab mich heute morgen nach einer Bergarbeitcrversamm- seitens des Gerichts nicht erfolgt ist, beantrage er nachträglich solche r>a er sich in feiner Verteidigung durch Zulassung dieser Aufforde rung beschränkt fühle. Ferner beantragt der Verteidiger, eine Stelle aus„Hapers Handbuch der pharmazeutischen Praxis" zur Verlesung zu bringen. Er wird wiederholt vom Vorsitzenden unter brocken, der hervorhebe, daß diese Stellen nach seiner Meinung schon gestern verlesen worden sind. Er verlange, daß genau ange geben werde, welche Stellen gemeint seien. Als Dr. Werthauer hierbei eine Zwischenfrage stellt, ruft der Vorsitzende mit erregter Stimme: Ich bitte mich nicht zu unterbrechen. Die Leitung der Verhandlung habe ich ganz allein. Dr. Werthauer: Darf ich vorher eine Bitte aussprechen? Vorsitzender: Nein, ich bitte mir erst zu antworten. Dr. Werthauer: Ich kann vorher keine Antwort geben wenn mir nicht erst das Wort zu einer Bitte gegeben wird. Vorsitzender: Ich lehne dies ab und bitte um Antwort. Dr. Werthauer Darf ich erst eine Bitte aussprechen? Vorsitzender: Ich bitte erst um Antwort. Dr. Werthauer: Ich verlange jetzt, daß mir jedesmal wenn ich unterbrochen werden soll, dies durch die Worte:„Ich will Sie jetzt unterbrechen" vorher mitgeteilt wird. Dies ist nach der Strafprozeßordnung zulässig. Borsitzender: Die Strafprozeßord- nung schreibt dies nirgends vor, ich kann Sie unterbrechen, wenn ich es, bezw. das Gericht, für angebracht halte. Dr. Werthauer Ich bitte--- Vorsitzender(unterbrechend): Ich entziehe Ihnen jetzt das Wort, die Leitung der Verhandlung haben wir. Das geht nicht so weiter. Es wird hierauf die im Saale anwesende Stenographin, die einen besonderen Platz vor dem Richtertische eingenommen hat, vom Vorsitzenden als Zeugin vernommen. Es ist dies ein Frl. Schwanke. Vorsitzender: Für wen nehmen Sie das Stenogramm auf? Zeugin: Für Herrn Landrichter Dr. Kriener. Ich habe von diesem den Auftrag erhalten, die Zeugen aussagen mitzustenographieren. Vorsitzender: Alles stenographieren Sie wohl nicht mit? Zeugin: Nein, nur die wichtigsten Punkte Vorsitzender: Hat jemand von den Richtern mit Ihnen gesprochen? Zeugin: Nein. Vorsitzender: Ich will durch diese Fragen lediglich allen grundlosen Vermutungen die Spitze abbrechen. Landrichter Dr. Kriener: In der Presse steht, daß ich Sie beeinflußt hätte, das ist natürlich unrichtig(hat auch, soviel uns bekannt, nicht in der Presse, sicher nicht im„Vorwärts" gestanden). Ich habe die Steno graphin auf meine eigenen Kosten im Interesse der Rechtspflege und um gute Berichte zu haben, angenommen.— Von den Rechtsanwälten Dr. Puppe und Dr. Jaffe werden eine große Reihe von Fragen an die Zeugin gerichtet, die sich auf den Umfang und die Genauigkeit ihres Stenogramms beziehen. Abermals Verteidiger gegen Verteidiger. Auch hierbei läßt der Verteidiger des Zastrow, Fustizrat Franz Jvers, verschiedene Bemerkungen gegen seine Mitverteidiger fallen; unter anderem bemerkt er:„Da hört doch alles auf!"— Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Der Justizrat Jvers hat hier eben geäußert:„Da hört doch alles auf." Ich bitte mich dagegen in Schutz zu nehmen und den Justizrat Jvers in gastz energischer Weise darauf hinzuweisen, daß solche Bemerkungen höM unpassend sind. Rechtsanwalt Dr. Puppe: Es ist hier er- wähnt worden, daß die Presseberichte angeblich objektiv unwahr seien. Ich beantrage deshalb, den Vertreter der Presse darüber zu vernehmen, daß die Berichte objektiv richtig sind, daß vielmehr der Vorsitzende den Kollegen Jaffe mißverstanden hat.— Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Hat die Stenographin auch den Auftrag erhalten, die Erklärungen der Verteidiger zu stenographieren?— Vorsitzender Ich lehne das ohne weiteres ab. Kann die Zeugin Schlvanke cnt- lassen werden?— Landrichter Kriener: Die Dame wird hier nicht mehr erscheinen.— Dr. Werthauer: Ich widerspreche der Egtlassung der Zeugin!— Vorsitzender: Ich beurlaube die Zeugin. Fräulein, Sie können stehen! Rechtsanwalt Dr. Puppe tritt gleichfalls für die Richtigkeit des Presseberichts ein und bittet, bevor der Vertreter der Presse der- nommen wird, das Protokoll einsehen zu dürfen. Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück, nach deren Be endigung der Vorsitzende verkündet: Die Vernehmung des Presse Vertreters wird abgelehnt. Das, worüber er vernommen werden soll, steht mit dieser Strafsache in keinem Zusammenhang. Der Antrag, die Verteidiger gegen den Juslizrat Dr. Jvers in Schutz zu nehmen, wird abgelehnt. Es liegt kein Grund dazu vor; nach unserer Auffassung schützen sich die Herren Verteidiger ausreichend, und einer Ungebühr hat sich Justizrat Dr. Jvers nicht schuldig ge- macht. Dagegen möchte ich als Vorsitzender Herrn Justizrat Dr. Jvers ersuchen, in seinen Bemerkungen etwas vorsichtiger und zurückhaltender zu sein.— Justizrat Dr. Jvers: Jawohl! Autrag auf Protokollberichtigung. Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Ich beantrage, das Protokoll zu be- richtigen, da der Bericht der Presse richtig und das Protokoll nicht richtig ist. Ich beantrage ferner, sämtliche anwesend gewesenen Sachverständigen zu vernehmen, welche bestätigen werden, daß meine Bemerkung gestern sich nicht gegen den Vorsitzenden, sondern gegen den Staatsanwalt richtete. Ich beantrage, das Protokoll zu lung, die in einem Orte unweit Manchester abgehalten wurde. Es war eine Bclegschaftsversammlung, die darüber entscheiden sollte, ob die Arbeit wieder aufzunehmen sei. Am Eingang des Versamm- lungslokals wachten die vier Kontrollwiegemeister der Zeche(das GeWerk hat zwei Fördcrschächte und arbeitet in zwei Schichten) darüber, daß kein Unberufener in den Saal komme. Einige Mit- gliedcr der„British Socialist Party" verteilten den Aufruf der B. S. P. an die Teilnehmer der Versammlung. Im Gespräch mit einem alten Genossen, einem Eisenbahner, erfuhr ich, daß die Sektion der B. S. P. in dem Orte, die schon 150 Mitglieder habe, in schnellem Wachstum begriffen sei. Ein Häuflein Berichterstatter der Presse Manchesters hatte sich am Eingang versammelt und begehrte Einlaß, wurde aber ziemlich unsanft zurückgewiesen. Gegen die Presse herrscht zurzeit eine große Erbitterung unter den Bergarbeitern. Die ganze bürger- liche Presse hat sich in diesem Streik gegen die Arbeiter verbündet. die jetzt nichts mehr bedauern, als das Fehlen einer Arbeiterpresse in Großbritannien. In diesem Orte zumal war das Thema sehr aktuell. Genosse Northcote hatte einige Tage zuvor in der Nachbarschaft einen Vortrag über den Stand der sozialistischen Be- wegung gehalten und mit Lichtbildern graphisch dargestellt, wie mächtig entwickelt die Arbeiterpresse auf dem Kontinent ist. In der letzten Zeit ist es den Pressevertretern in den Bergarbeiter- dörfern recht übel ergangen; an einigen Orten hat man die un- schuldigen Berichterstatter, die in den weitaus meisten Fällen per- sönlich mit der Arbeiterschaft sympathisieren, sogar mißhandelt. Unsere Reporter faßten die Sache von der humoristischen Seite auf und schlugen sich nach kurzem Aufenthalt scitwäris in die Büsche. Ein junger Bergmann mit großen treuherzig dreinschauenden braunen Augen, mit dem ich zuerst sprach�war offenbar des Kampfes müde. Bei der letzten Verteilung der Streikunterstützung, die die Kasse erschöpft habe, so erklärte er mir, habe man nur 2t!> Schilling bekommen. Anders stand es mit den alten Grauköpfen, mit denen ich ins Gespräch kam. Diese waren samt und sonders für den Kampf bis aufs Messer. Ein alter Kontrollwiegemeister erklärte mir seinen Standpuirtt.„Es ist falsch," sagte er,„jetzt den Kampf abzubrechen, wo wir so nahe vor dem vollständigen Siege stehen. Die Presse will uns glauben machen, wir hätten mit dem Minimal- lohngesetz alles gewonnen. Wir Arbeiter wissen es besser. Was nützt uns das Prinzip, wenn wir den Minimallohn nicht in Hand- grciflicher Gestalt in Schilling und Pence vor uns haben? Wir sollten im Kampfe ausharren, bis wir wissen, wie hoch der Mini- mallohn in jedem Distrikt ist. Und wir können ausharren auch ohne Unterstützung, wie wir es oft getrm haben. Ich bin über- verlesen; ich habe schon gestern den Antrag auf Berichtigung des Protokolls schriftlich eingereicht. Ich bitte die Verhandlung aus- zusetzen, bis mir der Beschluß über die Ordnungsstrafe zugestellt ist. Vorsitzender: Die Berichtigung des Protokolls lehne ich ab.— Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Ich bitte dann um Gerichtsbeschluß. Ich bitte nochmals um Ausfertigung des Gerichtsbeschlusses, da ich mich in meiner Verteidigung beschränkt fühle und der Pressebericht objektiv richtig ist. Ich bemerke außerdem, daß das Protokoll nichts über die verschiedenen Wortentziehungen und Wortunterbrechungcu enthält.— Vorsitzender: Ich möchte zunächst einmal wissen, wie Sie zu dem Protokoll gekommen sind. Das Protokoll ist noch gar nicht abgeschlossen.— Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Das Protokoll ist ein Bestandteil der Akten und die Akteneinsicht ist mir gestattet. Ich habe den Protokollführer um Einsichtnahme ersucht und er hat mir das Protokoll gezeigt. Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück. Der Vor-t sitzende verkündet: Das Gericht hat eine Berichtigung des Protokolls abgelehnt, und zwar aus dem Grunde, weil die Berichtigung des Protokolls nicht Sache des Gerichts, sondern Sache de,- Vorsitzenden und des Gerichtsschreibers ist.— Ueber alle übrigen Anträge der Verteidi- gung wird das Gericht später im Zusammenhang beraten. Außer- dem hat das Gericht eine dienstliche Aeutzerung des Gerichts- schreibers veranlaßt. Dieser hat folgendes erklärt: Als ich nach Beendigung der Sitzung nach Hause gehen wollte, traf ich im Saale mit dem Rechtsanwalt Dr. Jaffe zusammen und kam mit ihm ins Gespräch. Dr. Jaffe erklärte dabei, daß seine Bemerkung sich nicht auf den Vorsitzenden, sondern auf den Staatsanwalt bezogen habe. Ich entgegnete ihm, daß nach meiner und der Ansicht des Gerichts der Vorsitzende gemeint war. und ich zog daS Protokoll, welches ich zur Vervollständigung mit nach Hause nahm, hervor und las dem Dr. Jaffe nur die betreffende Stelle des Protokolls auf der entsprechenden Seite vor. Dabei konnte der Verteidiger auch eine andere Seite des Protokolls wohl sehen. Ich betone auSdrück- lich, daß ich eine Einsicht in das Protokoll nicht gestattet habe. Sind die Todesfälle ans Genickstarre zurückzuführen? Von Rechtsanwalt Dr. Jaffe wird folgender Antrag gestellt: Wir beantragen als Zeugen bezw. Sachverständige zu laden: 1. Exzellenz Fischer, Professor an der Universität zu Berlin, der be-� künden soll, daß Methylalkohol, welcher ebenso wie Aethylalkohol zu den primären Alkoholen gehört und somit nur quantitativ, nicht qualitativ von Dutzenden anderer Alkohole verschieden ist, an Giß- tigkcit von den anderen Alkoholen sich nicht unterscheidet; 2. Dr. Ro- bert Cohn, Dozent an der freien Hochschule in Berlin, darüber, daß „Spritol" identisch ist mit Methylalkohol, und daß die Inserate der „Pharmazeutischen Zeitung" über„Spritol und Spritogen" vom Jahre 1911 sehr leicht- Drogisten in der Meinung bestärken konnten und auch bestärkt haben, daß Methylalkohol tatsächlich nicht giftig ist; 3. den Physiologen Professor Dr. Zuutz, der bekunden wird, daß Methylalkohol auch nach seiner jetzigen Ansicht nicht giftig ist und daß die Krankheiten und Todesfälle im Asyl offenbar aus „Meningitis cerebo-spinelis cpickemica", d. h. auf Genickstarre, zu- rückzuführen seien. Schließlich wurde noch beantragt, den Geheim- rat Fröhlich aus dem Ministerium des Innern zu laden, der be- stätigen muß, daß man selbst im Ministerium des Innern nicht mit der Vcrgiftungsniöglichkeit durch dem Genuß von Methylalkohol ge» rechnet hatte. 1 Die Beschlußfassung über diese Anträge wird vom Gericht einst» weilen ausgesetzt, ebenso die Beschlußfassung über einen weiteren Antrag der Verteidigung, sämtliche 4>i Acrzte des Rndolf-Birchow- Krankenhauses zum Beweis dafür zu laden, daß es ihnen bis dahin nicht bekannt war, daß Methylalkohol giftig sei. Hierauf wird. *• in der Zeugenvernehmung fortgefahren. EiMge Zeugen sind vorgeladen worden, weil sie bekunden sollen, daß Schormach bei einer Gelegenheit geäußert haben soll: er habe eine Erfindung gemacht und werde nun entweder reich oder komme ins Gefängnis. Die Zeugen wissen aber Bestimmtes nicht darüber zu bekunden, sie haben nur Unbestimmtes gehört.> Längere wissenschaftliche Ausführungen macht der Sachver- ständige Nervenarzt Dr. Rudolf Foerster aus Charlottenbura, der in der Münchencr medizinischen Wochenschrift eine Abhandlung „Ueber die Wirkung des Methylalkohols" veröffentlicht hat. Er be- kündet u. a., daß er schon 1910 über Methylalkohol gearbeitet hat. Infolge der Schwierigkeit, zu erklären, warum der Methylalkohol in einigen Fällen schädlich wirkt, in den anderen nicht, ist er noch nicht zn einem bündigen Resultat über die Giftigkeit gekommen. Auch die letzten Verhandlungen haben diese Unklarheit Wissenschaft- lich noch nicht geklärt. Er habe jedoch wegen der nicht vorauszu- sehenden Wirkungen des Methylalkohols schon 1910 es als gefähr- lich, mindestens als schädlichkeitsberdächtig bezeichnet. Wie die der- schiedene Wirkung des Methylalkohols auf die Menschen zu erklären, stehe noch nicht fest; nicht unmöglich sei es, daß von Menschen, die stark transpirieren, der Methylalkohol vielleicht ebenso ausgeschieden wird, wie der Aethylalkohol. Jedenfalls sei der reine Methylalkohol zeugt, daß wir hier in Lancashire unter dem Druck des Streiks die ganze Angelegenheit innerhalb einer Woche regeln können." Ein Beamter des Verbandes zeigte mir die Kehrseite der Medaille.„Das Minimallohngesetz," so Hub er an,„ist keineswegs so schlecht, wie es hier dargestellt wird. Auf alle Fälle wird cS uns nichts helfen, uns zu sträuben. Wenn wir uns nicht gleich anschicken, unsere Vertreter ins Distriktsamt zu schicken, so wird ein Regiernngsvertreter unsere Löhne festsetzen. Der Widerstand gegen das Gesetz ist also vergebens. Es fragt sich nun, ob wir mehr erzielen können, wenn wir während der Verhandlungen im Ausstand verharren. Man spricht davon, daß die Fortsetzung des Streiks einen Druck ausüben werde. Einen Druck auf wen? Auf die Regierung? Die hat ihre Gefolgschaft schon auf eine zu harte Probe gestellt, als daß wir noch mehr von ihr erwarten könnten. Einen Druck auf die Arbeitgeber? Denen wäre die Fortsetzung des Streiks gerade recht. Sie haben bor und während des Streiks gewaltige Profile gemacht, und je länger der Streik dauert, um so länger wird die Periode hoher Kohlenpreise andauern, die unbc- dingt folgen muß. Aber setzten wir den wahrscheinlichen Fall, daß es uns in Mittelengland gelingt, uns in kurzer Zeit mit den Kohlenbesitzern im Distriktsamt über die Höhe der Minimallohn- ätze zu einigen. Sollen dann die mittelenglischen Distrikte warten, bis die Angelegenheit nach Wochen in Wales, Schottland und Nord- cngland geregelt ist? Das wäre gefährlich. In einzelnen Landes- teilen würden dann wahrscheinlich die Arbeiter, deren Minimal- lohn geregelt ist, die Arbeit wieder aufnehmen. Aus der diszipli- nierten Armee der Föderation würde in kurzer Zeit ein Mob und die Föderation, an der wir jahrelang gebaut haben, müßte neu organisiert werden. Das Wichtigste für uns ist jetzt, unsere Truppen, ebenso geschlossen wieder zur Arbeit zurückzuführen, wie sie in den Kampf traten." „Welche Mehrheit wird entscheiden, ob der Ztoupf fortgesetzt werden soll?" „Darüber hat sich die national» Konferenz nicht ausge- prochen. Aber Sie können sicher sein, daß man den Kampf ab- brechen wird, auch wenn keine Zweidrittelmehrheit für den Schritt vorhanden ist." „Und tvcrden die Arbeiter dem Befehl der nationalen Kon- erenz, die diese Woche stattfindet, in jedem Falle Folge leisten?" „Dessen können Sic sicher sein." Unter anderen Dingen erfuhr ich hier, daß diese Versammlung d,e erste seit dem Anfang des Streiks sei. So stark ist das Gefühl der Solidarstät bei diesen Knappen von Lancashire, daß es wäh- rend eines Streiks keiner VcrsaimMngen bedarf, um die Kämpfer zusammenzuhalten. Ä hTsi fdi«Mtcij anzusprcckicn.— Ncchis>niwast Dr. Alsberg richtet a» diesen T-achvcrständigcii eine große Reibe von Fragen, die das Ziel l>abcn, festzustellen, od nicht die Möglichkeit vorliegt, daß der Methylalkohol erst durch die Essenzen, die die Äastivirtc zusetzen, so stark giftig wird. Ter Suchverstimdigc glaubt dies nicht, kann auch Bestimmtes darüber nicht äußern, da er nicht weiß, um welche Essenzen es sich handelt.— Als Ncchtsanwalt Dr. Alsberg noch weiter durch Fragen dieses Thema erörtert zu haben wünscht, er- klärt der Vorsitzende, daß diese Fragen schon l'eantwortct sind, und als Tr. Alsberg näher begründet, weshalb ihm die genaue Bcant- wortung wichtig erscheine, entzieht ihm der Borsitzende daS Wort, Suggestivfragen? Tann kommt es wieder zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen dem Vorsitzenden und der Verteidigung. Rechtsanwalt Dr. Joffe: Ich habe noch einige Fragen zu stellen: Herr«ackversiändiger, Sic haben sich ja mit diesen Dingen beschäftigt. Es gibt bekanntlich drei Arten von Altohol. Das ist doch richtig?— Ter Vorsitzende unterbricht hier in energischem Ton und ersucht den Verteidiger, derartige Suggestivfragen nicht an den Sachverständigen zu richten.— Rcchtsainvalt Dr. Jaffe: Ich mutz micv gegen den Vorwurf verwahren, daß ich suggestive Fragen stelle. — Ter Vorsitzende erklärt nochmals, daß solche Fragen mit der Einleitung: ,.es gibt bekanntlich" und dergleichen nicht am Platze seien.— Rechtsanwalt Tr. Joffe: Ich verwahre mich energisch da- gegen.— Vorsitzender(erregt): Sie haben sich gar nicht energisch zu verwahren. Ihnen steht die Beschwerde nach allen Dimensionen zu! Tie Sache ist erledigt!— Dr. Joffe: Für mich ist die Sache lauge nicht erledigt. Da» ist eine unbegründete Beschuldigung.— Hierauf erbeben sich die Mitglieder des Gerichtshofes wie ein Mann und ziehe» sich zn längerer Beratung zurück. Es verkündet der Vorsitzende dann folgenden Beschluß des Gerichts: Rechtsanwalt Dr. Jaffe wird wegen Ungebühr in der Sitzung in eine Geldstrafe von 100 3)J. genommen. RcchtSanivalt Dr. Joffe beantragi: 1. Das Protokoll zu der- lese»: 2. den Vorgang, der zn dem Beschlüsse des Gerichts geführt bat, zn protokollieren, insbesondere die Bemerkung, daß der Ver< teidiger suggestive Fragen stelle; 3. ihm die Ausfertigung des Ge- richtsbefchlnsfes zuzustellen und bis dahin die Verhandlung auszu- setzen, auch den Beschluß zn begründen. Vorsitzender: Tie Verlesung des Protokolls lehne ich ab. Die Begriindung des Beschlusses ergibt sich aus dem Protokoll, ein An- spruch auf Ausfertigung deS Beschlusses besteht nicht, sondern nur ein solcher auf Abschrift.— 7a der Verteidiger Gcrichtsbeschlusi zu haben tminscht, zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Ter Vorfitzende verkündet sodann: Das Gericht lehnt die Anträge ab. Was in das Protokoll aufgenommen wird, hat lediglich der Vor- sitzende zu bestimmen. Die Aussetzung der Verhandlung ist ge- setzlich nicht begründet und Ivird cbensallö abgelehnt. Ein Anspruch auf Ausfertigung des Beschlusses steht auch nach der Ansicht des Gerichts dem Verteidiger nicht zu, sondern nur auf Abschrift. Hierauf wird die Beweisaufnahme fortgescht. Sic erstreckt sich zunächst auf eine den Scharmach belastende Bc- merkung, die dieser bei Gelegenheit eines Besuches der Zeuginnen Frau Grebe und Frl. Will, man» in Gegenwart des Angctlagtcn Meve» gemacht haben soll. Es wird behauptet, daß bei diesem Besuch Schar mach unter Hinweis auf mehrere im Hofe stehende GlaSballonS gesagt l�ibc: er hoffe in der nächsten Zeit gute Ge- ichätic zu machen: Mcye» sc: nicht Kaufmann genug. Da die «pirituoprcise jetzt so hoch seien, müsse man auf Eriatznüttcl sinne» und er habe solche gefunden. Dabei soll das Wort Methylalkohol gefallen sein und Scharmach soll»och hinzugesetzt haben: wenn man eine geringe Menge nehme, so könne es nicht schaden. Diese Dar. stcllung stützt sich auf eine protokollarische Aussage, die die Zeugin Wichinaim bei ihrer Vernehmung vor dem Äwiminalkommißar Toussaint gemacht hat.— Tie Zeugin Frau Grebe bekundet da- gegen vor Gericht, daß Meyen nicht gewußt habe, daß es sich um Methylalkohol handele. Das Wort„Mclhnlalkohol" sei bei jenem Besuch bei Schacmach nicht gefallen, Eäxirmgch habe nur von Spiritus vini gesprochen und gesagt, er hoffe in der Zeit gute Ge- schäfie zu machen. Die Zeugin hat nachher, als sie erfuhr, daß Fräulein Wichman» von Methylalkohol gesprochen, ihr Erstannen darüber ausgedrückt und von dem Fräulein das Zugeständnis er- halten, daß sie nicht ganz richtig ausgesagt habe. Die Wichmann hat dies dann auch auf Veranlassung ihres Vaters brieflich dem Kriininolkomniistar Toussaint mitgeteilt.— Die hierauf vernommene Zeugin, Stütze Wichmann, bestätigt dies. Sic erklärt, daß allerdings von Methylalkohol bei jenem Besuch bei Sckxrrinach nickt die Rede gewesen sei. Auf Befragen deS Justizrats Dr. Jvers bekundet das etwas verschüchterte Mädchen, daß es bis dahin das Wort Methylalkohol noch nie geHort gelabt habe und es erst auö der Zeitung kennen gelernt hahe.— Trotz uielfackwr Bemühungen des Rcbeiiklägcrs Rechtsanwalts Bahn und de« Justizrats Dr. Jvers ist aus der Zeugin nicht herauszubekommen, wieso sie bei ihrer Vernehmung vor dm.itriminalkommissar Toussaint zunächst Falsches aussagte.— Kriminalkommissar Toussaint erklärt hierzu: Frau Grebe habe zur Entlastung des Angeklagten Metten sich ans das Fräulein Wichmann berufen. Er habe diese ganz ruhig vernommen und in keiner Weise ihr irgend etwas suggeriert. Er sei sehr erstaunt geivcscn, daß das Fräulein, welches den Meyen entlasten sollte, ihrerseits von Methylalkohol sprach und damit den Meyen belastete. Die Zeugin sei nicht aufgeregt gewesen, sondern habe ihre Autsag« ganz ruhig gemacht.— Diese Aussage wird von einem hei der Aussage zugegen gewesenen Kriminalbeamten bc- stätigt. Kriminalkommissar Toussaint gibt auf wiederholten Vor- halt vom Verteidigertischc die Möglichkeit zn, daß das Wort „Methylalkohol" auch zuerst von ihm bei der Vernehmung des Frä»- lein Wichmann gebraucht sein kann.— Tie Zeugin Wickmann wird vereidigt, nachdem her Vorsitzende sie nochmals auf den zlvcifelloS vorbaudcnen Gegensatz zlvischen ihrer heutigen und der früheren ?ln-?sage aufm-rkfai» gemacht bat. Die Zeugin erklärt, daß sie von niemand beeinflußt ivorden sei. Eine Zeugin Frau Thon hat bei dem Angeklagten Zastrow eine von diesem, lvis er angab, von einer neuen Sorte«prit verfertigte Sylvcstcrbowlc mit ausgetrunken. Sie hat etwa 7 Glas Kognak und nachher ii~7 Glas Bowle getrunken und will keine Bc- schwerden davon gehabt haben. Die Verhandlung wurde alsdann auf heute um S Uhr vertagt. Hus Induftm und Handel. Pinffufj des Streifs der englischen Kohlenarbeiter ans den Llohlenmarkt in Rußland. Nach einem Bericht des Kaiserliche» Konsulats in Eharkow wird in Petersburg und dessen weiterer Umgebung ausschließlich englische Kohle verwendet, die im Frühjahr und Herbst in großen Mengen auf dem Wasserwege sehr billig eingeführt wird. Der Streik der englische» Koblenarbeiter ist daher nicht ohne Rückmirkung auf Petersburg geblieben: der Preis von 18 bis 10 Kopeke» pro Pud Kohle ist bereits auf 3l) Kopeken gestiegen, und man befürchtet für das Frühjahr ein weiteres Steigen der Preis«. Denn selbst, wenn der Streik bald zu Ende kommt, wird die Pro- duktio» zunächst in England verbraucht und an die Abnehmer in Italien, Spanien und Frankreich verkauft werden, diö regelmäßig, und nicht wie Rußland periodisch, englische Kohle beziehen. Die russische Regierung ist daher mit dem Rate der BergindustrieUen Südruhlands— Produgol— in Verbindung getreten, und es soll in den nächsten Tagen eine Beratung über die Frage der Lieferung von Donezkohle nach den baltischen Häsen im Frühjahr dieses Jahres stattfinden. Bereits in allernächster Zeit sollen Probe- Partien von Donezkohle nach Petersburg abgesandt werden. Vor einigen Tagen haben bereits die Weickselbahncn STOOVll fud Kohlen im Donczbassin angekansi, da infolge de» englischen treiks die Kohlenprcise auch im Dombrovacr Gebiete sehr gestiegen � Wie da» Kaiserliche Konsulat in Kiew mitteilt, macht sich der Nicscnstrclk der englischen Bergwcrksarbciter auch auf dem Kiewer Äohlenmarkt mehr oder minder fühlbar, zumal gerade jetzt größere Kohlenposten für die demnächst zu eröffnende Schiffahrt auf dem Dnjepr gebraucht werden und der Abschluß von Lieferungs- koniraktcn behufs Vervollständigung der unantastbaren Vorräte an Koble auf den Südwestbahnen bevorsteht: auch werden zurzeit bc- deutende Kohlenlieserungcn von feiten verschiedener industricUcr Unternehmungen in Auftrag gegeben. Das Donczer Bergwerks- gebiet dürfte kaum imstande sein, die ständig wachsende Nachfrage nach Kohle aus den eigene» Beständen zu decken. Unter diesen Um- ständen hat das Syndikat„Produgol" den Preis schon um 1'ch Kopeken pro Pud erhöht, und ist ein weiterer Prcisaufschlag noch in diesen Tagen zu erwarten. Mehrere Kohlcnabschlüsse für Kiewer Fabrikanlagen sind dem Vernehmen nach bereits sogar zum Preise von HVi Kopeken pro Pud, d. h. um 3 bis Z'/s Kopeken höher als sonst, zustande gekommen. Spiritus in Oesterreich. Die österreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, der da« I p i r i t u S k a r t e l l jährlich 500 000 Kronen rein abwirft, hat nun' die größte österreichische Spiritusindustrie, die der Prager Firma F. X. Brosche Sohn erworben. Sie mußte die Aktien, die zuletzt 14 Proz. Dividende brachten, mit 2<)c> Proz. bezahlen. Aber sie tut das gern, denn man rechnet mit der Einführung des Spiritus- Monopols im Jabre 1917 bei der Neuregelung des wirtschaftlichen Verhältnisses mit Ungarn und wenn dann die ganze Industrie „in einer kraftvollen Hand vereinigt ist"— dann Gnade dir, armer Staat, und euch, noch ärmeren l. k. Steuerzahlern. So rechnen die Banlgewaltigen wenigstens._ Kinotrust. Von der F i l m i n d u st r i e-?l k t i e n g e s e l l s ch a f t war kürzlich eine Mitteilung in die Presse lanciert worden, wonach die deutschen Fabrikanten von Films: Mcßter, Mutoftop und Bioskop, zu einer Einigung mit ihr gelangt seien. Diese Angabe entspricht, wie der Verband deutscher Lichtbrldtheater mitteilt, nicht den Tat- fachen, da die von der Fiag geforderte Garantie, den deutschen Film- markt nicht zu monopolisieren, nicht zu erlangen war. Damit bleibt die Fiag nunmehr auf den Vertrieb ausländischer Films beschränkt, und sie wird, um ihr Programm der Vertrustung des Filmhandcls durchzuführen, gegen die inländischen Außenseiter Front machen. Die Sachlage würde sich also dahin zuspitzen, daß die Fiag den von ihr beziehenden Theatern vorschreibt, die Fabrikate der deutschen Außenseiterfirmen zn boykottieren, um ihren eigenen(auSlandi- scheu) Films das Monopol zu sichern. Das wäre dann eine seltsame Abart des Schutzes der nationalen Arbeit. Wirkungen der Ostmarkenpolitik. Das„Berl. Tagebl." berichtet: In dem heißumstrittenen Kreise Gnesen. in de», die Ansiedelungskommission fast zwei Drittel der Kreisfläche in ihren Besitz gebracht bat, sind die Preise für Grund und Boden ungemein in die Höhe gegangen, wie nachstehender Fall beweist: die Äastwirtichast in Tziekanowitz. zu der 30 Morgen Acker gehören, wurde vor 13 Jahren für löOOOM. verkauft. Jetzt erwarb der Rentier Lipowicz das Grundstück für 60 000 M.; das ist ein Ge- winn von 400 Proz._ Warenhausgewinne. Das größte Wiener Warenhaus. Gernegroß, ist als Aktien- gesellschast zu öffentlicher Rechnungslegung verpflichtet. So erfährt man, daß der Reingewinn 1 46S 000 Kronen betrug. ES werden 10 Proz. Dividende verteilt�__ Soziales. Prämien für KassenSctriiger. Der zuletzt in Weißenlee ivohnhaft« Zimmermeister Ernst Krug schuldete der OrtSkrankcukasse deS MaurergcwerbeS 1261 M. an Bei- trögen und Eintrittsgeldern. Hierauf wurden 281 M. gezahlt. Der Rest von 980 M. war uncintreibbar. Stach§ 82b de« Kranlenver- sicherungSgefetzes werden Arbeitgeber, welche den von ihnen be- fchäftigten Personen auf Grund des 8 53 deS KrankenversicherungS- gefctzcs Lohnbeträge in Abzug bringen, diese Beträge aber in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen oder die Krankenkasse zu schädigen, den Krankenkassen vorenthalten, mit Gefängnis bi« zu ö Jahren bedroht. Neben der Gefängnis- strafe kann aus Geldstrafe bis zu 3000 Mark sowie auf Perlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann ausschließlich auf Geldstrafe erkannt werden. Krug wurde auf Grund dieser Straf- Vorschrift angeklagt und dieser Tage auch verurteilt. Wie hoch war die Strafe, die der Staatsanwalt beantragt« und zu der die 4. Strafkammer des Landgerichts Berlin I verurteilte? Ganze 20 Mari Geldstrafe. Als mildernd wurde die Unbestraflheit und das Geständnis de« Angeklagte» angesehen. 980 Mark unterschlagen ab_ 20._ Strafe__ macht 960 Mark Gewinn. Muß die Niedrigkeit solcher Strafe— unsere Leser wissen, daß das keineswegs der erste Fall ist— nicht geradezu wie eine Prämie auf Unterschlagung von Arbeitergroschen und Kassiiigeldern wirken? Bom Kindermarkt in FriedrichShasen. In Friedrichshafen(Württemberg) fand am letzten Freitag wieder wie alljährlich der„Kindermarkt" statt. Hunderte von Kindern im Alter von 11 bi» 14 Jahren, Knaben«nd Mädchen, trafen mit Sonderdampfer ein. Am Landungssteg warteten bereits die Bauern auf die Kinderschar, um„Arbeitskräfte" zu dingen. Unter den Käufern kam es fast zn Schlägereien, wenn einer dem andern einen nahezu abgeschlossenen Vertrag durch ein höheres ?l»gcbot an Lohn gefährdete»nd den schon fast erkauften Buben wieder abspenstig machen. wollte. Wie ein bürgerliches Blatt bc- richtet, mußten 30 Kinder zurückgewiesen werden, die das elfte Lebensjahr noch nicht erreicht hatten oder deren Schulzeugnis nicht in Ordnung war. Die Zurückweisung durch den„Verein zum Wohl« der sogenannten Hütekinder und jugendlichen Arbeiter über- baupt" blieb übrigens Formsache. Sie kamen unter anderen Führern an und wurden auch alsbald verdungen. Die Kinder kommen aus den Tiroler Bezirksl)auptmannschaftcn Merän, Landeck, Jmmst und Rcuttc, zumeist aus den Tälern um den Arlbergstock. Tic Bevölkerung dort lebt in großer Dürftig- koit; der rauhe, steinige Boden ernährt die Menschen nicht. DaS ganze 10. Jahrhundert hindurch fanden bereits diese Hütekinder- »Änderungen nach Württemberg, Baden und Bayer» statt. In Tcttnang. Ravensburg. Wangen, Waldsee, Kempten, Weingarten wurden früher Kindcrmärktc abgelsalten. Heute findet nur noch in Friedrichshasen ein Kindermarkt statt. In früheren Zeiten mußten die Kinder den werten Weg zu Fuß zurücklegen. Heber- nachtet wurde in Ställen und Scheuern; der Lebensunterhalt ivurdc von mildherzigen Menschen den Kindern verabreicht. Heute bringen Extrazügc und Sonderdampfer die Kinder nach Jriedrichshafen. Die Kleinen verhandeln selber mit den Bauern über den Dienst- vertrag. Hat sich«in Dienstherr mit dem Kind geeinigt, so er- scheinen beide vor dem Führer, wo der Vertrag endgültig abge- schlössen wird. Der Führer mischt sich nur ein, wenn der Lohn gar zu gering ist oder der Bauer im üblen Ruf bczw. auf der schwarzen Liste des Vereins steht. In diesem Jahr« waren es zwölf Bauer», denen der Markt gesperrt war, weil die Behandlung und Beköstigung drr Kinder als gar zu übel befunden war. Die Kinder müssen Vieh hüten, aber auch andere landwirtschaftliche Arbeiten verrichten, weil erwachsene Dienstboten zu dem Lohn, den der Bauer zahlen will, schivcr zu haben find. Die Kinder müssen in der Regel beim andern Dienstperfonal schlafen, die Knahcn bei den Knechten, die Mädchen in der Mägdckammer. Daß diese Unterbringung für die Kinder große sittliche Gefahren in sich birgt, bc- darf keiner Erläuterung. Dazu kommt die überlange Arbeitszeit, in der Regel auch eine Belastung mit Arbeiten, denen der kindliche Körper nicht gewachsen ist. Vom Schulbesuch sind die Kinder in Württemberg, Bayern und Hohcnzollcrn entbunden. Nur Boden hat den Schulzwang auch ftir diese armen Kinder eingeführt. Pfarrer Schöpf in Schwann, der seinerzeit selber Hütckind war, hat den obengenannten„Verein zum Wohle der Hütekinder" ge- gründet, um den Kindern eine verläßliche Begleitung mit auf die Reise zu geben und einer zu starken Ausnützung ihrer Arbeitskraft entgegenzuwirken. Die vielen Prozesse, die für die Kinder gegen Dienstgeber geführt werden müssen, die den Zlermstcn ihren Lohn unrechtmäßig kürzen oder ganz vorentlmltcn wollen, legen Zeugnis ab von dem elenden Schicksal, das nur zu vielen der Kinder bc- reitet ist. Im Sommer besucht der Obmann des Vereins, zurzeit Pfarrer Oloim von Landeck, die rund 70 Gemeinden, in denen die Kinder untergebracht sind. Am 28. Oktober ist die Dienstzeit aus. Die Kinder sammeln sich wieder in Fricdrichshasen, sie werden von hier aus wieder in ihre Heimat befördert. Ter Kindermarkt in Friedrichshafen ist ein Schandfleck für die heutige Gesellschast und Wirtschaftsordnung. Die Armut der Eltern und der Borteil der Bauern wirken zusammen, daß sich dieser Sklavenmarkt bis in die Jetztzeit erhalten hat. Die Rc- gicrungcn könnten einiges zur Linderung des harten Loses der Kinder tun, z. B. durch Vorschriften über das Maß der Arbeit, Arbeitszeit, Schaffung von abgesonderten Schlafräumcn usw. Aber auch dieses wenige unterbleibt. Wann endlich wird die Negierung znr Beseitigung des Kinderelend« auf dem Lande die Finger rühren? Warum veröffentlicht sie die Enquete über Kinderaus- bcutung ans drm Lande»och nicht? Sicherung de» Lohne« für die Frau. DaS Reichsgericht hat schon zweimal Gelegenheit gehabt, zu der Frage Stcllung zu nehmen, ob die Gläubiger Anstellung»««- träge ansccktcn können, die einen Teil der Lohnforderung des Schuldners für seine Frau oder Familie sichern. Das Reichsgericht hat erklärt, daß solche Verträge nicht gegen die guten Sitte» vcr- stoßen, sondern gerade den sittliche» Zweck haben, der Familie ein menschenwürdiges Leben zu gönnen. In Betracht zu ziehen ist hierbei, daß der Lohnbetrag von jährlich 1500 M.. den die Zivil- Prozeßordnung an sich schon als unpfändbar bezeichnet, bei den heutigen wirtschaftliche» Verhältnissen nicht ausreicht, der Familie eines Kaufmanns oder sgnst irgendwie geschulten Angestellten ein angemessenes Auskommeil zu gönnen. In seiner Entscheidung vom 3. März 1908(VII. 286/07, abgedruckt Band 69 Seite 59) hat das Reichsgericht deshalb den Satz ausgesprochen:„Alißcrdem aber ist an der bereits vom erkennenden Senat zum Ausdruck gebrachten Erwägung festzuhalten, daß die Gläubiger eines Schuldners lejncn von der Rechtsordnung anerkannten Anspruch darauf haben, daß dieser seine Arbeitskraft zu ihre» Gunsten in einer Weise ver- wertet, die es ihnen ermöglicht, zum Zwecke ihrer Befriedigung auf das, lvaS sich als Gegenleistung darstellt(den Lohn), Zugriff zu nehmen." Diese Stellungnahme hat da? Reichsgericht am Dienstag auch in einem Fall aufrechterhalten, in dem der Ehemann 1500 Marl erhielt und die Frau 10 500 M. Die Einzelheiten sind fol- gende: Der Beklagte, der Kaufmann Sch., war bei einer Suppen- würsel-Gcsellschaft H. u. S. in Berlin angestellt. Da» Verhältnis wurde gelöst und die Gesellschaft machte gegen Sch. eine Forderung in Höhe von 18 000 M. geltend. Sch. trat einer neugcgründcten Suppenwürfel-Gesellschaft bei, in die seine Frau auch Rezepte ein- brachte. Sch. wurde als Geschäftsführer angestellt; er erhielt eine Vergütung von 1500 M. jährlich, seine Frau dagegen hatte mit für seine Tätigkeit an die Gesellschaft einen jährlichen Anspruch von 10 500 M. Frau Sch. sollte für die Gesellschaft mit tätig sein und ihren Mann vertreten: doch wurde ihre Tätigkeit nicht zur Vcr- tragsbcdingung gemacht. Diesen Vertrag hat die frühere GeschästShcrrin, die Glänbi- gcrin tcs Sch., ivcgcn Ungültigkeit und Verstoßes gegen die guten Sitten angefochten. Sie ist mit ihrer Klage vom Landgericht uns vom Kamniergcricht z« Berlin abgewiesen worden. Beide Gerichte haben sich auf die Rechtsprechung de» Reichsgerichts berufen und ausgeführt, daß weder ein Verstoß gegen 8 623 Absatz 2 des Bür- gerlichcn Gesetzbuches(Verletzung eines Schutzgesetzes), noch ein Verstoß gegen die guten Sitten vorliege. Die Regelung habe ans- drücklich die Sicherstcllung der Familienverhältnisse des Beklagten bezweckt. Ohne diese Regelung wäre der Vertrag des Beklagten mit drr Gesellschaft überhaupt nicht zustande gekommen. Auch wegen der geltend gemachten Schcinuatur kann der Vertrag nicht angefochten werden, denn er ist in der ernsten Absicht geschlossen, den Gläubigern den Zugriff zu dem Verdienst des Mannes un- möglich zu macheu. Die Tatsache, daß Sch. bei?lbschlpß des An- stellnngsvcrtragcs keine weiteren Schulden gehabt hat, kann die Nichternstlichkeit des Vertrages nicht erweisen. Das Reichsgericht hat das Nrteil de« KammcrgerichtS bestätigt und die von der Klägerin eingelegte Revision zurückgrwirsea, Sie Tarifverträge In cler IholrinMtrie. Die vom Deutschen Holzarbeiterverband abgeschlossenen Tarif- vertrage haben in» Jahre 1011 wiederum sowohl hinsichtlich ihrer Menge, als auch der Zahl der in ihr Geltungsbereich fallenden Personen eine bedeutende Zunahme erfahren. Am Schlüsse des Jahres>910 waren 679 Tarifverträge für 112 602 Personen in Kraft. Von diesen galten 520 für 89 643 Personen noch am Schluß de« Jahre» 1911. In diesem Jahre wurden aber 428 Verträge für 42 87!r Personen abgeschlossen. so daß am Jahresschluß 1911 0 48 Verträge sttr 132 026 Personen in Kraft waren. ivelchc sich auf 1 3 690 Betriebe verteilen. Von diesen Verträge» kommt die große Mehrzahl, nämlich 653. die für 107 4VS Personen gellen, auf die Bau- und Möbeltischler. Die Bürsten- und Pinselmacher haben 17 Ver» träge für 3095� Personen, die Drechsler 21 Verträge für 1415 Perionen, Stock- und Schirm macher 9 Verträge ftir 1204 Personen, Stellmacher 32 Personen für 1818 Personen, Korbmacher 85 Verträge für 99» Personen usf. In der Liste der Tarifverträge sind alle im Verband vereinigten Berufszweig« vertreten. Der Deutsche Holzarbciterverband legt bei seiner Tarifpolilik einen ganz besonderen Wert aus die Verkürzung der Ar- b e i t S z e i t und er hat auch auf diesem Gebiet sehr wesentliche Erfolg« erzielt. Abgesehen von einigen wenige» Verträgen für Einsetzer und Parkettleger sind in allen tariflischcn Abmachungen Bestimmungen bezüglich der Arbeitszeit enthalten. Die nachstehende tlebersichr gibt die kürzeste innerhalb der Vertragszeit zu erreichende Arbeitszeit wieder und zwar für die je am Schluß des Jahre» 1910 und 1911 in Kraft befindlichen Vertrage. Hiernach beträgt die vertragliche ArbeitSzoit: «undcn 1911 1910 pro Woche Personen Proz. Personen Proz. 48- 51... 29 633 22,6 23116 20.S 511/2-54... 59 413 45,4 5 3 66 1 47.S 54'/z— 57... 31 890 24.4 27 002 24,1 57'/s-60... 9867 7,5 8192 7,8 über 60,., 100 0,1 95 0,1 Demnach Kai nur em sehr kleiner Teil der unier dem GeliungZ- üereich eines Tarifverlrages fallenden Holzarbeiter eine Arbeitszeit von mehr als 57 Stundein Die Zahl der Personen mit der kürzesten Arbeitszeit ist in erfreulichem Wachstum begriffen. Eine Arbeits- zeit von Stunden wöchentlich sahen 2 Verträge für 145 Personen vor. Der wichtigste Vertragskontrahent des Deutschen Holzarbeiterverbandes ist der A r b e i t g e b e r» S ch u tz v e r b a n d für das deutsche Holzgew erbe. Von den am Schluß des Jahres 1911 in Kraft befindlichen Verträgen waren mit ihm 126 für 71 670 Arbeiter abgeschlossen. Bekanntlich war das Streben des Arbeitgeber-Schutzverbandes seil der Jnaugurierung der großzügigen VertragSpolitil im Jahre 1907 darauf gerichtet, für alle Verträge einen gleichen Ablaufstermin herbeizuführen. Diese Sehnsucht nach dem sogenannten„Reichstarif' war mit die wichtigste Triebfeder für die große Aussperrung, die damals in Berlin und einer Reihe anderer Städte durchgeführt wurde. Die Unternehmer hatten sich aber hinsichtlich der Widerstandskraft de-Z Deutschen Holz- arbeiterverbandes getäuscht. Nicht nur, daß sie beim Friedensschluß im Mai 1907 den Arbeitern wesentliche Zugeständnisse machen mußten, sie mußten sich auch darein finden, daß. als im folgenden Jahre wiederum die Verträge für eine Reihe von Städten zur Erneuerung standen, für diese ein anderer Ablaufstermin fest- gelegt wurde. Seilher läuft jeweils Milte Februar eines jeden Jahres in einer Gruppe von Städten der Vertrag ab. Anfangs wurden die Verträge je für drei Jahre abgeschlossen. Seit dem Frühjahr 1911 ist auf Verlangen des Deutschen Holzarbeiterver» b.mdcö die vierjährige Verlragsdauer als Norm angenommen worden. Dadurch ist erreicht, daß die einzelne Gruppe nicht über- mäßig groß wird, und daß auf absehbare Zeit der Einführung des „Reiaisiarifs' im Sinne des Arbeitgeber-Schutzverbandes ein Riegel vorgeschoben ist. Dagegen ist eS dem Deutschen Holzarbeiterverbande gelungen, den„Rcichstarif' in dem Sinne einer größeren Vereinheitlichung des Inhalts der Verträge wesentlich zu fördern. Bei den Tarif- Verhandlungen des Jahres 1910/11 haben die Verbandsvorstände einen„Mustervertrag" vereinbart, der viele Bestimmungen enthält, welche den Arbeitern so günstig sind, daß das Bekanntwerden des Mustervertrages im Unternehmerlager helle Entrüstung ausgelöst bat. Tie Dresdener Gcneralversamnilung des Arbeilgebcr-Schutz- Verbandes im Jahre 1911 hat diesen Muslervertrag auch abgelehnt. Nichtsdestoweniger wird er von den Holzarbeitern in seinen wesent» lichcn Teilen in der Regel als Unterlage für die Formulierung der Forderungen benutzt und es ist zu erwarten, daß er sich allmählich durchsetzt. Aehnlich ist es mit einigen anderen Vereinbarungen. Schon im Jahre 1907 haben die Zentralvorstände ein Muster regulativ für paritätische Arbeitsnachweise und Regeln für die Klasseneinteilung der Städte hinsichtlich der Arbeitszeit vereinbart. Beide Vereinbarungen sind von der Generalversammlung des Arbeitgeber-Schutzverbandes abgelehnt worden. Sie sind aber damit nicht ans der Welt geschafft, sondern gelten dem Holzarbeiterverband als Richtschnur für seine Be- strebungcn auf den fraglichen Gebieten, die ihrer Verwirklichung immer näher kommen. Im Spätjahr 1912 werden voraussichtlich wieder größere Ber- tragSocrhandlungen in der Holzindustrie beginnen. Am 15. Februar 1919 laufen nämlich die Verträge in der umfangreichsten Städte- gruppe ab. Zu dieser Gruppe gehört Berlin und mehr als 50 andere Städte in welchen insgesamt etwa 50 000 Personen in Betracht kommen. Den Kern dieser Gruppe bilden die Städte, die an der Aussperrung im Jahre 1907 beteiligt waren. ES bleibt abzuwarten, ob es die Unternehmer etwa gelüstet, das Spiel von damals zu wieder- holen._ Hu 9 aller Melt. Oie Protektoren cler allein seligmackenclen Kircbc. Im September wird es in Wie n hoch hergehen. Der e u ch a r i st i s ch e Weltkongreß, der im Jahre 18S1 zum ersten Mal in Lille stattgefundeu hat, in den letzten Jahren in London. Köln, Montreal und Madrid, soll ln diesem Jahre mit besonderem Pomp in Wien inszeniert werden. Der Klerilalismus, der seit der Niederlage der Christlichsozialen bei den Wahlen im Juni v. I. seine Macht wanken fühlt, will im religiösen Gewände die Seelen wieder gewinnen. ES sollen 240 Bischöfe nach Wien kommen und 20 000 Priester werden beordert, um Meffe zu lesen und Beichte zu hören. Aus der yanzen Umgebung von Wien und aus Wien selbst sollen einige hunderttausend Schul- linder zusammengebracht werden, die, wie offiziell mit- geteilt wird, im Schwarzenberggarteu auf einmal die Kommunion empfangen sollen. Um die Manifestation noch großartiger zu machen, soll der Schulbeginn bis nach dem Kongreß verschoben werden. Im ganzen Reiche sind Adel und Klerus an der Arbeit, die Vorbereitungen zu dieser politisch-klerikalen Demonstration zu treffen. Die ganze Demonstration wird mehrere Millionen kosten, und es war die Frage, wer die Kosten zahlen werde. Denn daß weder der Adel noch der Klerus mehr als ihr Protektorat dazu beitragen werden, war von vornherein klar. Nun hat die„Arbeiter-Zeitung" den Schleier von dem Geheimnis weggezogen. Die Kosten für die klerikale Demonstration lv erden von reichen Juden getragen werden, die in den Adels stand erhoben werden sollen, wofür sie die entsprechenden Summen für den eucharistischen Kongreß ausbringen müssen. Die„Arbeiter-Zeitung" nennt vier jüdische Millionäre, mit denen nian bereits handclSeines wurde. Der Direktor des Wiener Bankvereins Bernhard Popper. Herr Reitzes,«in auf 100 Millionen Vermögen geschätzter Privatier, der Chef der Kohlenfirma David B e r l' und der Chef der Firma Grab, die alle, je nach den gezahlten Beträgen gewöhnliche„Edle" oder„Barone" werden sollen. Aber diese vier sind nicht die einzigen, sondern eS ist ein förmlicher Markt etabliert worden, wo Adelstitel an die Meistbietenden versteigert werden— zu Ehren der heiligen römischen Kirche. Untergang eines Dampfers. 130 Menschen«mgekommen. Wie ein Telegramm aus Melbourne meldet, ist hxr Dampfer„ K o o m b a n a", der ani 20. März von Port Hcdland in Nordwestaustralicn eine Reise nach den Nordhäfcn Australiens angetreten hat und von dem seither nichts nichr gehört wurde, während eines starken Orkans nr i t 50 Passagieren it n d 80 Mann Besatzung untergegangen. Trümmer des Schiffes wurden 50 See- meilen von Broome sNordwestaustralien) entfernt, nördlich der Insel Bcdout, gefunden._ Uebcrschwemmung des Mississippi. Der Mississippi, Nordamerikas gewaltigster Strom, ist über die Ufer getreten und hat meilenweite Strecken Land unter Wasser gesetzt. Die Ueberschwcmmuug ist die größte seit Menschen- gedenken. Zweihundert Meilen der Dämme sind bedroht. Bei H i ck m a n n(Kentuckys sind weite Gebiete überflutet und Tausende von Menschen obdachlos. Zweitausend Personen leiden in Hickmann Hunger und Not. Von Kairo in Illinois bis Helena in Arkansas verlassen die Bewohner der Niede- rungen ihre Häuser und schaffen ihr Hab und Gut auf die Höhen. Der Materialschaden ist allenthalben groß. Bisher sind zwei Todesfälle gemeldet. Menschenopfer einer religiösen Sekte. In Lafahette im nordamcrikanischen Staate Lousiana wurde am Dienstag eine Mulattin verhaftet, die eingestand, 17 Neger getötet zu haben, um ihren Göttern Menschen» o p f c r b r i n g e u zu können. Sie ist Priesterin einer großen religiösen Gemeinde, die es sich zur heiligsten Aufgabe gemacht hat, ihren Göttern zahlreiche Menschenopfer zu bringen. Wie es beißt, hat diese Sekte in der letzten Zeit 35 Menschen zu Ehren ihrer Götter hingeschlachtet. Kleine Notizen. Eine Tragödie. In der schlesischen Ortschaft Löwen bemerkten Passanten am Kanal ein k l e i n e s K i n d, das durch Zeichen zn verstehen gab, daß seine Eltern sich in den Kanal gestürzt hätten. Nach kurzen Bemühungen wurde die Leiche einer Frau und die eines Mannes aus dem Wasser gezogen. Man vermutet, daß der Mann sich ertränken wollte und daß die Frau, die ihn davon abzuhalten suchte, mit ihm ins Wasser gestürzt ist. Schwerer Unfall bei der österreichischen Marine. Während einer Hebung kenterte in der Nähe von Syrakus ein mit vier Mann besetztes Boot der österreichischen Kriegsmarine. Die Insassen stürzten ins Wasser und zwei von ihnen verschwanden sofort in den Wellen. Die beiden anderen konnten zwar nach größter Mühe noch lebend gerettet werden, doch verstarb der eine von ihnen nach kurzer Zeit. Ausbruch eines Vulkans auf den japanischen Inseln. Der Vulkan Miharayama auf der Insel Oshima befindet sich in heftiger Tätigkeit. Die Lava droht, die Dörfer zu ver- schlingen. Die Einwohner sind in Fischerbooten entflohen. Der letzte Ausbruch des Vulkans hat im Jahre 1868 stattgefunden. Tyuamitexplosion. Auf dem K a l i s ch a ch t Anhalt bei Jlberstedt explodierte» gestern abend aus noch unbekannter Nr- sache 13 Zentner Dynamit. Durch die Explosion wurde an den Gebäuden der Umgegend erheblicher Schaden angerichtet. Menschen sind nicht verletzt worden. Tic Autoapachc» machen Schule. Drei im Automobil ange- kommcne Männer drangen gestern in der Gemeinde Carnap bei Essen in ein Haus ein und raubten 2000 M. Sie entflohen dann im Kraftwagen. Es ist aber schon gelungen, zwei von ihnen zn verhaften. Es sind mehrfach mit Zuchthaus vorbestrafte Personen. ftiXwAHWM Xo�wv TRtt JMjfW «r o;"0 0"0 9f•! 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Berichtigung zur Rezension meines Werkes„Die Arbeiter- frage" mit besonderer Berücksichtigung der sozialpsychologischen Seite des modernen Groß- betriebes und der p sy ch o- p h y s i s ch e n Einwirkung auf die Arbeiter, Nr. 302 des„Vorwärts" vom 2 8. Dezember 1911. Es ist gewiß äußerst peinlich, sich mit einer Kritik zu beschäf- tigen, die den Kern der Sache nicht erfaßt und durch persönliche Gehässigkeiten eine Wirkung zu erzielen versucht. Dagegen sich zu wehren, kann zur Pflicht werden, um so mehr, als dieselbe tiefste Verstimmung unter den mir befreundeten intellektuellen Arbeitern hervorgerufen hat.„Psychopath",„Buchmacher", Verdächtigungen über die Absichten des Verfassers usw. usw. Was sollen solche un- würdigen Beschimpfungen? Ganz außerhalb des Rahmens dieser Besprechung liegt es aber, wenn der Kritiker auf die von mir veran- staltete� Arbeiterdilettantenkunstausstellung zurückgreift und ebenso auf Bücher, die bereits vor Jahren erschienen. Mich berührt ia eine derartige Generalabrechnung persönlichster Art, die als Bilanz meine Unfähigkeit ergibt, absolut nicht; wenn aber der Kritiker einen Genosien, der in einem meiner Bücher einen beachtenswerten Beitrag geliefert,„einen offenbar an Altersblöd- sinn leidenden Greis" tituliert, so ist dies beschämend. Wir alle hatten bisher noch nichts von Ernst Link gehört. Wenn er neue Wege weisen konnte, so hatte er zui; Zeit der Arbeiterdilettanten- kunstausstellung die Pflicht, solche öffentlich zu deklarieren und der Sache, der wir doch beide dienen, förderlich zu sein. Zur Sache selbst: Der Kritiker schreibt:„Die Fragestellungen waren so läppisch, daß selbst Arbeiter dagegen protestierten." Mag Herr Link zu mir kommen und ich will ihm beweisen, daß wohl noch nie eine Untersuchung solche seelischen Alterationen hervorgerufen. Es ist hier nicht meine Aufgabe, Herrn Link den tieferen Sinn der Fragen zu analysieren, und wenn er sich besonders über Frage 19 aufregt, also lautend:„Finden Sie Ihr Vergnügen mehr in der Familie oder im Wirtshaus?" usw. usw., so darf ich wohl darauf hinweisen, daß diese Frage auf Wunsch des bekannten Seelensorschers Prof. Forel aufgenommen wurde. Ein Funda- mentalirrtum ist es. wenn der Kritiker annimmt, daß mir die ganze moderne experimentelle Psychologie ein Buch mit sieben Siegeln sei. Die Autoritäten, auf die er sich beruft, würden über Ernst Link lächeln. Herr Link darf bei mir Originalbriefe der ange- zogenen Autoritäten einsehen. Da steht geschrieben:„Wenn Sie fragen, ob alle Ihre umfassenden wissenschaftlichen und literarischen Studien und Exzepte gänzlich beiseite bleiben sollen, so antworte ich nach bestem Gewissen: Ja. Je schlichter sich die Publikation selbst gibt, desto besser." Herrn Link ins Stammbuch: Wissenschaft in bezug auf das, was ist, mutz alle Voraussetzungen zurückweisen, sie will nur erkennen. Schließlich bedauert der Kritiker, daß sich fünftausend Arbeiter zur Beantwortung meiner Fragebogen her- gegeben haben. Dabei wäre zu betonen: Organisierte Ar- bester, die eben voll und ganz die Tragweite dieser Untersuchun- gen erkannt haben, wie auch der Bauarbeiter-, Textilarbeiter- und Metallarbeiterverband mir in schönster Weise entgegengekommen sind. Ja ich habe sogar eine Anzahl Bogen persönlich im Kon- serenzsaal des Metallarbeiterverbandes verteilt und die Arbeiter- fchast auf den Zweck hingewiesen. Der Schlußpassus des Kritikers lautet wie folgt:„So bleibt dem Leser über die nicht subjektiv gewollte, aber tatsächliche Verachtung unserer Klasse der Unwille, daß soviel ehrliches. Wollen und soviel echte Gedanken von Ar- heitern unnütz verpufft worden sind im Interesse eines sensations- bedürftigen Wissenschaftlers. Die Leftüre der„Arbeiterfrage" wird jeden Arbeiter sofort über die wissenschaftliche Qualität und die eigentlichen Absichten dieses Buchmachers aufklären." Solche Verdächtigungen sind eigentlich wohl nur beschämend für den Kritiker. Mag er deutlicher werden. Kritik üben, heißt möglichst objektiv die Bilanz ziehe«, welche sich aus dem Gelesenen ergibt, aber nicht hier und da Bruchstücke herausreißen, das Endresultat vollständig übersehen und auf die Persönlichkeit des Verfassers losschlagen. Das ist nicht vornehm und diskreditiert die Kritik. Meine Aufgabe war lediglich, zu untersuchen, ob die berufsmäßige Arbeit den Arbeiter auf die Stufe eines bloßen Mittels herabdrückt, ob im Verlauf derselben eine Depression oder Ucberwirkung der Seelenzustände zu kon- kleines feuilleton. Bolkskaleuder 1849. Dein Februar. Frankreich ist auf und davon, Napoleon griff nach dem Kaiserthro». Der März ist erschossen, er dachte zu frei, Er modert zu Rastalt auf einer Bastei. ES blühten dafür im April uns schon. Die Disteln und Nesseln der Reaftion. AufS schönste prangt alles in Pulver und Blei Im wunderschönen Monat Mai. Im Juni. Juli und gar im August Lag's drückend und schwül auf jeder Brust. September hat tüchtig abgemäht, Der Wind kam über die Stoppeln geweht, Und als das Laub fiel blutig rot, Waren alle Blumen der Freihest tot. Hermann Lingg. Dieses bisher unveröffentlichte Gedicht Hermann LinggS teilt Frieda Post in einer Skizze über„Hermann Lingg in den Revo- lutionsjahren" im Aprilhest der„Süddeutschen Monatshefte" mit. Der Dichter erlebte die 4Ler Revolution mit starker innerer Anteilnahme, von dem eine Anzahl bisher unbekannter Gedichte zeugen, als bayerischer Militärärzt. Als er 1349 noch Donauwörth mit aus- rücken mußte, um den Aufständischen im badischen Seekreis entgegen- zutreteen. wurde er flüchtig. Die Sympathie mit den Rastatter Opfern der Konterrevolution hatte Lingg zum Bruch mit seiner haltlosen Stellung getrieben. Aber den Auftegungen war er nicht gewachsen, er wurde einige Wochen später als geisteskrank in München ein- geliefert. Die»usnabme m einer Privatheilanstalt entzog ihn weiteren Folgen. AIS er sie 1859 verlassen konnte, begannen Jahre harter Bedrängnis für ihn._* Götterdämmerung im Buchhandel? Unter den Berliner Buch- Verlagen geht ein düsterer Geist um. Man raunt von kompletten Umwälzungen, Trusts und anderen Dingen. Man sieht, wie in Heines Belsazarballade. feurig und fur-vlbar das Schicksal deS soliden Verlagsgewerbes traditionellen Herkommens an die Wand geschrieben: ES wird ein Ende sein! Laßt euch an der Gänsehaut genügen, ihr Buchversasser jeden Kalibers, die wir euch über eueren Leib laufen machen. Schreibt keine Bücher mehr, ob dünn- ob dick- bändig. Alles ist ein nutzloses Ding; denn die Manuskripte würden euch im Pulle vermodern. Allerdings— falls sämtliche Verleger ihr schönes Talent im Pleitcmachen entdecken würden, dann wär's furchtbar traurig. Nämlich— und das ist de-5 Pudels Kern— erst kam Auguü Scherl mit seiner„Hinauflese-Bibliothek" in die Wochen. Und weil sie größtenteils au-Z alten Scharteken zusammengebaut wurde, so kam eS die Philosophen an der Zimmerstraße wahrlich nicht teuer, ihrer statieren ist oder lediglich eine haushälterische Wechselwirkung ausgelöst wird und darüber hinaus, ob etwa der Arbeiter durch die Maschine, die ihm grobe Arbeit teilwerse abnimmt, geistig ge- winnt, ferner welche Linien der seelischen Abnormisierung charakteristisch bei den drei untersuchten Arbeiterkategorien. Berg-, Textil- und Metallarbeitern, hervortreten, welche Gedankenreihen die Monotonie der Arbeit unterbrechen usw. usw., und wie alle diese Einflüsse nach der physischen, psychischen und charakterologischen Seite hin niederschlagen. Und da bin ich zu dem Resultat gekom- men, daß die moderne Technik eine ungeheure Demütigung des Menschen bedeutet. Solchen Verirrungen einer sittlich gewiß nicht hochstehenden Kultur muß immer wieder die schlichte Wahrheit entgegengehalten werden, daß jeder Mensch eine Seele hat, ein schlechthin Einziges und Unersetzliches. Meine Untersuchung ist die erste, die sich mit dem Seelen- leben der Arbeiter beschäftigt, und es galt nur, bescheidene Bau- steine herbeizuschleppen. Mögen Würdigere den Bau vollenden. Berlin, im Februar 1912. Adolf Leven st ein. (Aus Raummangel bisher zurückgestellt.) Entgegnung. Herr Adolf Levenstein ist über meine Besprechung seines Buches(vgl.„Vorwärts" vom 28. Dezember 1911) arg verstimmt. Das kann ich begreifen. Wies doch die Besprechung nach, daß L. nicht über die Qualitäten verfügt, die zur Erörterung sozial- wissenschaftlicher und psychologischer Probleme erforderlich ftitfi. Levensteins„Berichtigung" berichtet aber nichts, um mein UrMl zu entkräften. Das wenigstens konnte ich erwarten, daß L. meine sachlichen Einwände zu widerlegen versucht hätte. Der Hinweis, daß Fragebogen im Konferenzsaal des Metallarbeiterverbandes verteilt worden sind, daß eine„Autorität" die der Oeffentlichkeft bisher nicht bekannten Studien und privaten Auszüge Leven- steins schätzt u. iL genügen dazu nicht. Weshalb beantwortete Herr Levenstein nicht meine Fragen, wie er Reflexionen statistisch rubriziert, nach welchen Prinzipien er seine Einteilung des Prole- tariats in die intellektuelle, kontemplative, verbildete und Massen- schicht vorgenommen hat? Statt dessen begnügt sich L. mit der Wiedergabe aus dem Zu- sammenhang gerissener, von der Begründung gelöster, zum Teil noch ungenau zitierter kritischer Bemerkungen von mir. Ich habe die Sammlung von Arbeiterbildern und die Herausgabe von Me- moireu„an sich verdienstlich" genannt, nur den Mangel an kriti- schem Sinn bei der Redigierung gerügt. Ich habe nicht geschrie- ben:„Die Fragestellungen waren so läppisch, daß selbst Arbeiler ...," sondern:„Die Fragestellungen waren so läppisch and so wenig eindeutig, daß selbst Arbeiter dagegen protestierten." Das teilt L. selbst mit, und unklare Fragen werden noch nicht dadurch brauchbarer für die statistische Bearbeitung, daß sie seelische Alterationen(Aufregungen) hervorrufen. Nicht i ch habe L. einen Psychopathen genannt, sondern von ihm zitierte Personen haben sich dieses Wortes in ihrem uns verständlichen Unmut gegen L.s Fragen bedient. Da sich L. selbst Andeutungen und Urteile persönlicher Art erlaubt, steht ihm seine Entrüstung über meine Kritik um so schlechter. Ich mutz es ganz entschieden als höchst überflüssig zurückweisen, daß Herr Levenstein mich zu belehren sucht, wie man Kritik übt. Sie wird sich bei mir immer nach dem Charakter und Wert des Buches richten. Meine Besprecbung griff den Unterbau jeder Untersuchung, die Fragestellung und. die Methoden der Be- arbeitung, als verfehlt und unwissenschaftlich an. Da konnte ich mir die Kritik der„Resultate", die ja nun die„Berichtigung" ir ihrer Neuheit(von der Richtigkeit zu schweigen) mit umibertreff lichem Pathos zum Ausdruck bringt, im einzelnen sparen. Trotz. dem will ich das Fazit, in L.s eigenen Worten, nachholen. Man fasse sich vorher in Ernsi. Im Schlußkapitel stellt L. gegenüber:„Auf der einen Seite (Debet) die Unlustempfindungen----- auf der anderen (Kredit) die heilsame Wirkung der Gefühlswerte als Gegenge- wicht."•)(S. 404.) Die Bllanzrechnung(S. 403) sieht nun so aus: Debet Kredit Unlust bei der berufsmäßigen Arbeit........ Die Abbängigkeit empfanden drückend....... Denkprozeß bei der beruss- mäßigen Arbeit..... Kein Vergnügen in der Familie Keinen Einfluß und keine Hoff- nung auf d. polilische u.~Oe- wcrkschaftsbcwegung... An Gott glaubten nicht... Keine ctblfierende Auslösung im Walde....... Keine Einwirkung durch Lite- ratur........ Gleich gültig verbiclten sich folgenden Fragen gegenüber: Macht Jynen Ihre Arbeil Vergnügen?....... Was drückt Sie mehr: der ge- ringe Lohn oder daß sie vom Arbeilgeber abhängig sind? Denken Sie bei Ihrer Arbeit? 3153 1834 3737 243 968 2530 1396 786 831 524 >363 17396 Lust an der berussmäßigen Arbeit........ Die Abhängigkeit empfanden nicht drückend..... Vergnügen in der Mamille. Einfluß u. Hoffnung aus die politische u. Gewerkfchasts- bewegung...... An Gott glaubten.... Elhisiercnde Auslösung im Walde........ Einwirkung der Literatur. Saldo-Vortrag..... 707 814 1867 2530 668 3298 3815 3801 17300 „Bilanz: 55,5 Proz. Defizit auf Kosten der physischen und psychischen Energie."(S. 406.) Es ist schade, daß man die Wirkung dieser„Rechnung" durch Erläuterungen ab» schwächen muß. Man vergegenwärtige sich die Entstehung, die Gruppierung dieser Zahlen. Man gehe genau Posten für Posten durch. Der Mangel des Glaubens an„den lieben Gott"(so ist die Frage formuliert) eine„Schuld" auf Seiten der„Unlust- empfindungen"! Jeder, der gewohnt ist, ernsthafte Bücher zu lesen, wird die tiefe Verstimmung des Kritikers über solche Spielereien, die typisch sind für das ganze Buch, begreifen. Er wird sich auch nicht über die Form meiner Abwehr wundern, von der ich nichts hinwegzutun habe. Steglitz, den 24. Februar 1912. _ Ernst Link. _ Witterungsübersicht vom 3. April 1912._ Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M. München Wien Ba 8| »= i* 770MSRO 772 NNW NW Still 770 772 772 765 NNW Weller heiter wolkig heiter Nebel 5 wollig bchedeckt »w ü? W.O 1 1 1 — 1 1 Stationen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris Wetterprognose für Donnerstag, den 4. April ISIS. Etwa« wärmer bei ziemlich lebhasten südwestlichen Winden und wieder zunehmender Bewölkung; nachher leichter Regen. B-rliner Wetterbnrea«. •) Der Satz ist einschließlich der Gedankenstriche buchstäblich übernommen. voUsliebenden Bildungsstrebungen feierlichen Ernst mit pathetischem Wonschwall und pastörlichem Aligenaufschlag vor der Leserwelt jhres Lokalpapiers auszubreiten. Mögen sie sanft ruhen— die Bildungs schuster. Aber nun? Wanderer von Berlin, so ihr durch die Koch- straße entlangpilgeN, erhebt eure Augen zu den mit Rellamebildern beschmierten Bauzäunen des GrundstücksterrainS der Gebr. Ullstein. Von diesen Schlaumeiern soll der Menschheit großes Heil widerfahren. Diese Trias ist nahe daran, allen Geist an sich zu reißen. In ihren Retorten bereitet sie die modernen Homunculi, so da mit Bildung gespeist werden, um die Verleger von Pleitequalen zu befreien. Die Elite ihrer weit hinter Tarnopol hergeholten Para- celsusie beschentt nun die Lesewut unaufgeknöpftcr Bürgergänse mit belletristischen Eine Mart-Bändchen, für die gewissen Autoren angeblich„klotzige" Honorare bezahlt werden. Man will wissen daß Herr Felix Holländer, sonst Reklameches im Reinhardtschen Theaterzirkus, 40 000 M. für einen Roman einsacke. Und neben ibm noch so ein paar Lockköder, wie Gerbart Hauptmann— och leider!— an der Gebrüder Ullsleinschen Geschäftsangel.... Von dem mageren Happen, den andere Autoren abbekommen, schweigen natürlich alle bezahlten Reklametrompeter. Aber sieh da. schon taucht die Firma A. Wertheim als buchhäudlerischer Konkurrent auf mit dem festen Plan einer Fünfzig-Pfennig-Bibliothek. Was nun? An der Koch- und Zimnierstraße herrscht Bestürzung. Wie kommt A. Wertheim dazu, den Geschäftsrebbach zu unterminieren? Und man überlegt schon insgeheim, wie man einen Riesen- Literatur- verschleiß aufmachen soll. Stumm stehen alle Berliner Buchverlage, wie der Lohgerber. dem die Felle weggeschwommen find. Sie wollen nkchls mehr verlegen; sie wollen sich auf den Journalhandel werfen und den Scherl-Ullstein-Wertheim die Errettung der deutschen Literatur überantworten. Da kann es ja wirklich„schön" werden ans dem preußiich-berlinerischen Parnaß— Kreuzberg geheißen. Und von der 40 000 Millimeterhöhe dieses Berges werden die Heil- lumSbringer modernster Geisteskultur stolz hinabichauen auf leib- haftige Dichter- und Verlegerleichcn zu ihren Füßen. Und das dumme Publikum wird wieder die Rechnung bezahlen müssen. e. k. 1800 Jahre Frisuren. Sehr sorgfältig geflochtene, gut erhaltene Frisuren, wie sie vor 1800 Jahren die Gallierinnen getragen haben, wurden bei eine»! interessante» Gräberfunde ans Licht gebracht, über den der französische Archäologe Audollent berichtete. Es handelt sich um sechs Gräber, die vor einiger Zeit in Manre-de-Veyres(Puy-de- DSme) aufgedeckt wurden. Die Gegeüstände. die aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert stamme», sind äußerst zahlreich und treff- lich erhallen; sie lassen sicki nach AudollentS Eiiiteilung in drei Gruppen teilen. Die erste Gruppe besteht aus Tonwaren, rötlichen, ziemlich grob geformten Töpfen, und dann aus Gläsern, die von außerordentlicher Feinheit und Zartheit sind Die zweite Gruppe setzt sich aus den zahlreichen Beigaben zusammen, die mit de» Särgen in die Erde gelegt wurden: da gibt es elegante hölzeme Büchsen und allerhand Schmuckgegcnstände; besonders iuteresianr sind aus Weide geflochtene 'Körbchen, die mit Fnichteii gefüllt sind, um dem Toten auf seiner 1 Reise ins unterirdische Reich die nötige Nahrung zu geben. Diese Waflerftands-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor „ Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berbh . Magdeburg Wasserstaub Saale, Grochlitz H«v el, Spandau») . Rathenow») Spree, Spremberg») , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heiwron» Main, Wettheim Mosel, Trier am L. 4. am 110 76 III 74 96 217 296 426 232 278 103 186 141 seit 1. 4. omft ——8 $ —7 -13 +6 — 8 -3 +14 -1 +8 ») 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Nach telegraphsscher Meldung ist die Oder bei Ratibor bi» heut» morgen auf 488 oru gestiegen, d. i. 0,4 m unter AususernngShöhe, und noch in langsamem Steigen. Weintrauben, Nüsse, Aepfel, ja auch ein kleiner Kruchlkuchen sind gut konserviert. Das gleiche ist mit den merkwürdigen Coiffuren der Fall, die die dritte Gruppe bilden. Sie stammen aus den fünf Gräbern, in denen Frauen beerdigt waren, und sind sorgfällig geflochtene, in Locken gelegte Frisuren aus natürlichem Haar. Außerdem wurden noch leinene Gewänder, Tuniken, Gürtel, lederne Schuhe usw. zutage gefördert. Der Gelebrie hat die Ursachen studiert, durch die diese ungewöhnliche gute Erhaltung der Gegenstände hervorgebracht sein mag. Daß die Körper einbalsamiert waren, ist ausgeschlossen, denn sie zerfielen, als sie an die frische Luft gebracht wurden. Die Kon- servierung mußte durch besondere Eigentümlichkeiten dieser Gräber bewirkt sein. Audollent hat diese in den Kohlestsäuregasen gefunden, die sich in der Erde entwickelt hatten und bei den Ausgrabungen recht unangenehm aufgefallen waren. Sie mögen wohl die Kon- servierung hervorgerufen haben. Notizen. — D i e Ausstellung für Arbeitermöbel im Ge» werkschaflshause ist am Freitag und Sonntag geschlossen, von Montag an aber wieder zur gewohnten Zeit geöffnet. — Die internationale Hygieneaus st ellung in Rom wurde in ihrem ausländischen Teil eröffnest Besonders gut ist Deutschland vertreten. Im Zusammenhang mit der Ausstellung wird am 14. April eine Tagung des 7. internationalen Tuberlulose» kongresses in Rom beginnen. — Seotts Südpolarexpedition.„Central NewS� brachten einen Bericht, den Seott über seinen Vormarsch nach dem Südpol verfaßt hast Der Bericht ist mit Scotts Schiff„Terra Nowa* nach Akarova auf Neuseeland gekommen. Der Bormarsch von de« Winterquartieren, die sich am 81. südlichen Breilegrade be« fanden, nach dem Südpol erfolgte am 2. November 1911. Scott benutzte Motorschlitten und PonnieS. Am 4. Dezember geriet die Expedition jenseits des 83. Breitegrades u einen starken Schneesturm. In einer Nacht wurde die Schneeschichl 18 Zoll dick. Am 3. Januar 1912 war die Expedition bei 87 Grad 32 Minuten angelangt, dem südlichsten Punkte, dessen der Bericht Erwähnung tut. 150 Meilen vom Pol., Bon hier trat eine Abteilung die letzte Etappe des Marsches nach dem Pol an. Der Bericht schließt mit den Worten:„Da unsere Rücklehr sehr spät erfolgen muß, ist es mehr als wahrschemlich, daß fernere Nachrichten von uns im Laufe dieses Jahres nicht mehr ein- treffen werden." — Der Erzeuger des Erdgeruchs. Der kräftige Geruch, der vom Erdboden aufsteigt, wenn nach der laugen Winter» ruhe oder»ach einer mehr oder weniger großen Periode der Trocken» heit der Regen die ausgedörrte Scholle erquickt und erfrischt, wird von den im Boden befindlichen Kolonien eines Bastllns nameu» Cackotiu-ia odorifera hervorgebrocht. Wie viele ihresgleichen besitzen auw sie eine ungeniein zähe Lebenskraft, die die Trockenheit wohl zu schwächen, aber uichr zu untergrabe» vermag. Kaum aber, daß der Boden sich mir Feuchtigkeit gesättigt hat, leben sie energisch auf vermehren sich dadurch, daß sie sich längSseilig spallen. Dabei pro» duzieren sie eine SubstanZf die den würzigen Erdgenich verbreitet. Zbcutev. Donnerstag, 4, April 1912. Anlaiig 1 Uhr. Urania. Bon Abbazia bis Korsu. Ansang VI, Uhr. Agl.OpernhauS. Aeneralprobe zum Sinfonickonzert. «gl. Tchansp irlhauö. Geschlossen. Deutsches. Hamlet. Zirkus Busch. Eala-Borstellnng. Zirku» Sarrasan». Gala. Bor« stellung. Zirkus Schnmau«. Gala- Bor- sl-llu.» Havelland, alpezialiläten. Ansang 8 llbr. Urania. Taudcuftrasse 48/49. Weltbädcr a» eurovislchenKüstcu. «ammcrspiele. Fi ühling« �wachen. Lesstug. yedda Gabler. «oiniiche Qper. Nigoletta. Weste». Der fidele Bauer. «UinrS. Und das Licht scheinet in der Finsternis. Königgriitzer Ttrastc. Die füns Frantsurter. Neues Schauspielhaus. Ge- s chlossen. Kurfürstenoper. Der Schmuck der Madonna. Neue». Der Boaelhändler. nz. Geschlossen. LustiPtelhauS. Äesibrn» Geschlossen. inS. DaS groß« Ge- heimnis. Berliner. Spielereien einerKaiserin. Sie»es Cvcretien. Geschlossen. Schiller O. Windermere» Fächer. Sch u<>- Tharlatteudurg. Don Carlos. Friedr.. Wilh. Schauspielhaus. Johannisfelier. Luisen. Ich lasse dich nicht. vtose« ES gibt nur ein Berlin. Btetraual. TrUby. Triauo». Francillon. Thalia. Mein Leopold. Wintergarten. Spezialitäten. Eaftuo. Ein Weib aus dem Bolle. Btvouo. Spezialitäten. 99a<'ii|K. Spezialitäten. Herrnseld. Die letzte Ehr». Di« MeyerhainS. � Reichsaaiieu. Stettmer Sänger. Anfang S'l, Uhr. UolieS Kaprice. Der Polizeihund. Neues St. L Perutheater. Ge- fchlosfe», Voigt. Ein söhn de« BolleZ. Walhalla. Menschenrechte. Anlang 8-/, Uhr. Neuer Bolksthcotcr. Der Meister. Kituigstadt-Kafino. Spczialiiäle». Sternwarte, Inoalideuftr. S7— 82. Sehiller-ThealerO.Ä«: DonnelSlag, abend» 8 Uhr: Lady Winde i-niorcH Fttcher grcilag sKarsreilag): Geschloffen. Sonnabend, abends 8 Uhr , Lady W i ndern» e rew Fächer Sehiller-Töeater Ch�" DonnerSiag, abend» 8 Uhr: l>on Carlos. Freitag(Cailrtilas) abends 8 Uhr: Otatoriunj-Autlfibrung„Ellas". Sonnabend, abend« 8 Uhr: Der scharfe Jacikcr. Iii cmc® Theater. Adend» 8 Uhr: Der Vogelhiindler. treitag: Geschloffen. onnab. 8Uhr sowie Sonntag und Montag VI, Uhr: Der VopelhSndlw. Ab souillag täglich 8 Uhr: Der liebe Augusun. öerUner l'keater. Abend» 8 Uhr: 8plelesejön sines Ksisssin. Abend» 8 Uhr: Sie k frankluftsi'. Theater deS Westens. 8 Uhr: Ter fidele Bauer. Freitag 8 Uhr: Orator. EltaS. soniiab. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Ab Sonntag täglich 8 Uhr: Die schone Helena. Stg. u. Mig. S'/, U.: Wlesir Blut. Residenz-Theater. Dircltion Richard Alexander. »ründomierStag, Kalfreltag, Oster» sonnabend: Geschlossen. Ostcrsoiliiiag und jolgende Tage: Alles für die Firma. Ostersonntag 3 Uhr: Kümmere Dich um«mrlie. Ostermontag S Uhr: Ein Walzer Aon ixhopi«. Luiscn-Theater. Donnerstag u. Sonnabend: Ich lasse Dich nicht. Freitag: Dchlmld- Relodram-Aus- sührung: Be» Hur oder: Die Doge de» Mcsfias. Sonntag 8 Uhr: Faust. 8 Uhr: Ych laste Dich nicht._ Trianon-Theater. Abend« 8 Uhr: Francillon. IOSE-THEATE Groge Frantsurter Str. 182. Neu einstudiert: Es gibt«ur ein Berlin. Gr. Revue in v Bildern von F. W. Hardt. Musik von Artnr Steink«. Ansang 8 Uhr. srestag: Geschtaffen. Sonnabend und solgend« Tage: «s gibt»«r ei» Berlin. Castans?anopMum Friedriehstr. 185 SSSSS Neu eröffnet!........... Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Entree 50 Pf. 50/44 «MM Sonntag, den 7. April 1912(i. Osterfeiertag) KONZERT im groSen Festsaale der„Neaen Welt", Haienheide, Mitwirkende: Kammersängerin Elisabeth Boehm»an Endert, Kgl. Hof- opernsängenn.— Anton Sistermans, Konzertsänger.— Das Nene Sinfonie-Orchester.[60(12 Zum Vortrag gelangt anter anderem: iHneSd-feSraff Chorwerk mit Orchester and Soli rTldlJUI« von Max Bruch. htlnfonle Xo. 5(C- moll) von Beethoven. Eintritt 75 Pfennig, Kinder 20 Pfennig. Anfang d'/s Chr. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. rinfwtfclraiifon ä. 60 Pf. in der Musikalienhandlung von Liilll lllORöriCU A. Stahl, Potsdamer Straße 39; in den Zigarrengeschäften von P. Mörsch, EngeluferlS; 6. Schulz, Kottbusar Tor; K. Bielefeld, Graefestraße 35; B. Böttger, Skalitzer Str. 107 und Zossener Str. 30; M. Kälterl, Yorck- Straße 40; M. Kümmerer. Elisabethuler 37; H. KCppe, TUsiter Straße 45; W. Kolbin, Bülowstr. 56: fi. Kuhrlog, Jahnstr. 1; H. Parske, Büschingstr. 2; A. Ren8ky,ÖhorinerStr.28; E.Schulz, Mitteuwalder Straße 2; W Seidel, Bergmannstr. 59; 6. Voigt, Elbinger Str. 77; in Neukölln; A. Abraham, Donaus tr. 25; W. Chast«, Schilierpromenado 28; P. Opitz, Pflügerstr. 74; A. Rietdorf, Psnnierstr. 40; Schöneberg; K. Schänbeok, Brunhildstr. 7; Charlotteaburg: F. Meyer, Hardenbergstraße 15, sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen. Für die Süngir; Sonntag, vorm. präzise 10 Uhr: Generalprobe. 99 CLO U tt Berliner Konzert«Haus. Mauerstr. 82 Zimmers tr. 90(91. Heute: Oroßes Konzert!!! Musüc. d. 5. Qrde.-Hegte. z. F. Dirig. Oberm. Tuchftlsch. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Borgen Karfreitag: Geschlossen. Sonnabend, den 6. April:(yJr. JliOIlZd't. kW ZM & föi 5M kM » m> IM Kinemakolor* bei ist die höchste Vollendung der lebenden Photographie, Kinemakolor ist wirkliche Farhenphotographie, kein schwarzer, kein überinaKer(kolorierter) Film. Kinemakolor zeigt uns die Welt in den Farben der Natur: lebend, farbenprictatig, plastisch. Täglich Vorstellungen von 4—11 Uhr abends, an Sonn» und Festtagen von 3—11 Uhr. * Kinemakolor ist die internationale Bezeichnung der naiurfarbigen Lichtspiele nach dem Patent Urban-Smith. iKZ m f&i �3 �5 m �5 �3 m �3 �3 M5 �3 WZ �3 �3 �5 Älrkns Bnseli Donnerstag. 4. April, abds. 7'/, Uhr: Gala- Abend t Die größte Sensation. Neuheit! Neu! Iwanoff Neu!(Looping the Loop am schwing. Trapez). zurzeit der tollkunste Luftakt, welcher jemals gezeigt wurde. Neu! Die auseezeichn. Reitor- fanülie! Neu! Orlar.do-Barenco. Neu! Miss Zefora, ohne Sattel- Reiterin. Neu! Herr Keorg Burkhardt- Foottit, Schul raiter. lack Joyce, d. berühmte amerik. Cowboy u. Pferdebändiger. Lasso- Arbeit i. höchst. V ollend. �„Die Hexe". Gr. Volks-Manege-Schauspiel. Sonntag, 7., Montag. 8. April, an beiden Osterf eiertagen: je 2 gr Gala-Vorstellungen. 3'/« u 7,(, Uhr: Kinder unt. 10 Jahren zahlen nachm. halbe Preise auf all. Sitzpl., Galerie volle Preise. In d. Nachm.-Vortt.: Die Hexe in voller Aufführung. Ab 8 Uhr; Bollständig neue» Programm Hermann Klink mit neuem Repertoir Grnesto Bellini (Iranla. WiaseonctiaftßcheB Theater. 4 Uhr: Tob Abbaxia bis Ctaata. 8 Uhr: Weltb3der an europSischen Küsten. {Von Hamburg bis Lissabon.) Zirkns ♦ ♦ ♦ A. Schumann Heute Donneretag 7ll, Uhr: Gr. 8porfevorBtelliiii£. 5 Auroras 5 mit ihrem lebenden Roulette. Auftr. von Frl. Oora Schumann. Dir. Albert Schumann sowie das übrige Sport-Progr. Um 9 Uhr: Beginn des mit so groBem Beifall aufgenommenen Ausstattungsstückes Motorpferd Am 1. und 2. Osterfeiertag! 9 Vorstellungen£ Nachm. 3'/, Uhr u. ab. 7'/, Uhr. Oer Vorverkauf für die Feiertage hat begonnen. Während der Osterf erien vom 1. bis 14. April inkl. Volkstage! Jederm. 1 Kind frei. Jedes| Kind erhält ein Geschenk| ll.MMe: 035 SiWW Brünhild und Dusorc ! Deutschland u. Frankreichs r« um 110 mm größer LI als Machnow. Pia die größte Frau, die JlB je gelebt Beide lebend zu sehen Ohne Extra-Entree. Gastspiel Gertrude Barrison Carl Hollitzer Das Geisterfenster mit und das große I April-Progrumm I 10 neuen Attraktionen! Metropol-Theater. Heute abend 3 Uhr: VR'Oh�. Schauspiel in 4 Aulzügen v.P. M. Porter. In Szene ges n. Direlt. Richard Schultz A» beiden Osterseiertagen, abdS.S Uhr: Die Macht von Berlin. arrasanil Seböiiliaiissr tliee. Telephon: Nord 4100 j Donnerst, 4. April, 7*/, Uhr: j Gala-Abend. Sonnabend, den 6. April bis Dienstag, den B.April 2 Vorstellungen 2 Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen Billettvorkaufsstoxlen von i A. Wertheim. Schluß der Saison: Dienstag, 9 April. Ailabtmdliuh; Tänze auf d. Eise. D. kl. Charlotte. Wltmstr.8. Meyer. I D.proht.EisbaIlett; Alpenzauner. I Nachm.: Kunstlauf-Produktionen. J Bis 6 Uhr und von KP/, Uhr abend« halbe Kassenpreise. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Heule und Sonnabend: Ei» Wetb au» dem Balle. An allen geieriagen 8 Uhr: Die lustige Strohwiwe. Nachm. 3>(, Uhr: Unsere lieben Fraue». Folies Capriee. Oer Oorfnwsibant. Komiker Schnitzt. An alten 3 Feiertagen:- 0er Polizeihund. Oas Broadwau-Girl. Voigt-Theater. Donnerstag, de» 4. April 1912: Gastspiel in Piililiitanns Tbeater, Ein SoIjb des Uslkes. SensationS-BolkSstück in L titten von Han» Müller und N. Berg. Kassenerössnung 7, Anlang S'l, Uhr. ReiGtisyien-Ttieater Htettinor EÜte- Anfang 8 Uhr. Konigstadt-Kasino, Ecke Hol, niarit. u. A exaiiderilrabe Vom l. bi» l«. April: D.auSerwähIte Rirsenprogramm Unter anderem: Die heiratstustige Wiwe. G�k�Memil�e�n�in�AI� Donnerstag, den 4. und Sonnabend, den S. April: Die Meyerhains üno Die letzte Ehre. An allen drei Dsterfelertogon: « Nie man � iflänner bessert und Der üausteufel. Ansang 8 Uhr. Billettvorvertaus 11—2(Theatertasse) Fnr Den Jnvalt der In erate Nbernimme die Redaktion dem Publikum gegeunder keinerlei Verantwortung. €€€€««* linieret Geuojiin(<■ ö Margarete Lorenz$ «s nebst ihrem jungen Mann w V die herzlichsten Glückwünsche« Ä zur Z>«»cd-«it. Die Genossen des 302. Wahl-- bozirks des 4. Kreises. J t&r €€€€«•«•-»SSSSSS� Un(crm früheren Bezirksführer Karl Jnstln und feiner lieben Braut die herzlichsten Glückwünsche zur heuligenVermählungsfeier. Die Genossen u Genossinnen d. SZ. Bezirks, 2. B. R.-W. AAAKAAAEOHGHSH! 1Ü&S' Anzeigen Bc ISozademokrireis-WalilvereiB Hieder-Barnim. (SBejirl Ober-Sckjöucweide.) Am 1. April d. I. verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied, der Dreher Max Qenzmer. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Ge- meinde-Kirchhofes aus statt. 241/1 Die Bezirksleitung Kreis Wer-Srnm. Bezirk Lichtenberg. Nachruf. Freitag, den 29. März, verstarb l unser Mitglied 14/6 Wilhelm Heckmann. Ehre seinem Andenken! Die Bezirksleitung. MsHereifl lier Biiisüer SeiitMM. Verwaltung Berlin. I Am Montag, den 1. April, ver- starb plötzlich unser Mitglied, der Steinbildbauer E�nnsi Dietz | im Alter von 45 Jahren. 6 Ehre seinem Andenken! Ü Die Beerdigung findet Freitag, i dcn 5. April, nachmittags 31/. Uhr, j auf dem Gnadcn.griedhof in der j larsuSftraße(Schillerpark) statt Um rege Beteiligung ersucht >29,4 Der Voratand.| und verwandter Berufsgonossen. Ortsverwaltung Berün. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, das/ der Kollege, Biersahrer 8!mon Blaszczak (Schultheiß II) I nach langem, schwerem Leiden am !2. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, I den 5. April nachmittags 4>/, Uhr, i von der Leichenhalle des Matthias- s itlirchhoses in Südende, Schöne- s berger Straße 146, aus statt. Rege Beteiligung erwartet ä 42/13 Der Borstand. ZeDtral-Rpanken-lJnterstiltzuflgs- »erein der Setimiede u. verw. Gewerbe Deutscht. DakIatvU« IV. Am Montag, den 1, April ver- starb unser Mitglied, der Gas- anslaltsarbeiter Karl Ltoeckel. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 4. April, nach- mittags 3 Ubr. von der Halle des neuen Jakobi-Äirchhoses, Neukölln, Hermannstraße, aus statt, 176/9 Um rege Beteiligung ersucht Tie OrtSverwaltnng. Seulsehsr Zauardeller- Verband (Zweigverein Berlin.) Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Adolf Runde (Bezirk Moabit) om 2. April verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, dcn S. i'rpril, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Beusselstr. 18, aus statt. 138/9 Der Borst and. ■ RUR,...rc-;,•virjHBWOBawaa« 5 Allen Verwandten, Freunden Sund Bekannten die traurige Nach- richt. daß mein lieber unoergeß- lich-r Mann und guter Vater Adolf Runde nach langem schweren Leiden am Dienstag sanjt entichlasen ist. Ties zeigt ticibetrüdt an Minna Bunde nebst Tochler. Die Beerdigung findet Freitag. nachmittags 4 Uhr, vom Trauer- B hause, Beusselstr. 18, aftS nach dem Ij Friedhos der Htilandsgemeinde. I Plötzinlee. statt. 1019b Allen Freunden und Bekannten S die traurige Nachricht, daß am g 2, April, vormittags 19'/-, Uhr, unier lieber Vater, Schwieger- uns Großvater, der Klempner Hennsim Ansorge an den Folgen eines Schlag- anfalls verstorben ist, Die Beerdigung findet am Freitag, den 5.'April, nachm. 4 Uhr, aus dem Zions-Kirchhoi in Nordend statt. 10L0b Die trauernden Hinterbliedene». Genoller und Freunden zur I Nachr.cht, daß der ehemalige Werkzeugmacher u. Lagcrverwakter Adolf Reißner 14 Jahre bei Stack, Berlin, Zeughos, tätig ge- wesen und die letzten 19 Jahre Molkereibesitzer in Lankwitz, Kaul- bachilraße 7, am 1. April im Groß-Lichterselder Krankenhanse nach kurzem, schwerem Leide» verstorben ist. 1994b DieS zeigen tiesbetrübt an Frau.Anna Reißner und Enkelkind, Gr.-Lichterselde-Ost, Luisenstr. 29. Die Beerdigung findet am Freitagstachmittaz 4 Uhr von der Halle des Freireligiösen Fried- doses, Berlin, Pappelallee 15/17, aus statt.___ Deutsciier Metallarbeiler-Verband Verwaltungsstelle Bertin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Varl 8lmonsen am 29. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 115/3 Die Ortsverwaltnug. Danstuagang. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spende» bei her Beerdigung meiner lteben Frau, unserer gulen Mutter, Frau Ida Veumnn n, sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie den Arbeitern des KohIensäurewerkS Rommenholler und dem lozialdemokrat. Kreiswahlverein, Bezirk Franz.-Buchholz und Herrn Lohne sür seine trostreichen«orte am Grabe der Entschlasenen unsern herzlichen Dank. Ernst Skcuniann nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tettnabme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters Beinririi Teache sage ich hiermit allen Verwandten, treunden und Bekannten sowie den ollegen und Kolleginnen der Firma F. Schuchhardt, dem Deutschen Metallarbeiterverband, dem Sozialdemokratischen Dahloerein des dritten Reichstaasivahtki elseS»nd dem Spar- verein Luisenstadt meinen innigsten Dank. Ww. Berta Tesche nebst Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme anläßlich der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich hiermit allen Freunden und Belannten. inb- besondere dem 135. Bezirk des Wahl- verein« und der Frauen-Sterbekasse der Wagenbauer, Bezirk 17, meinen besten Dank. 2751L Varl Stelnborn. ««g. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« tiiniggeliebten ManneS, unseres guten Vaters. Kdslf Poll sagen wir allen Verwandten und Bekannten, besonders dem Gesang- verein.Linde", dem Wahlvcrein, den Kollegen und dem Zeniralverband der Töpfer unseren herzlichsten Dank. Witwe Doli nebst Kindern. Danksagung. Für Vit oleleii wohltuenden Be- weise herzlicher Teilnabme und die reichen Kranzspenden dti den» Hin. scheiden unseres lieben, unoergeßlicheii Sohnes und Bruder« Paul Helbig sagen wir allen Freunden und Bc- kannten, besonder« seinen Kollegen von der Kgl. Hosbuchdruckerei Greve unseren herzlichsten Dank. Hermann Helbig und Frau. './.n.:3-r/r7. j u Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄäÄ 10—3. 6—7. Sonntags 10—13. 3—4 8. Wahlkreis. Zur Taßpartie am Karfreitag treffen sich öie Genossen und Genossinnen um vAO Udr im Cafe 7ürk(früher Pein, in Kolonie Grunewald, Hubertusbader Straße 8. Abmarsch spätestens Vstt ICht durch den Grunewald«aeh dem Sranerei-Kusschank i« Richelsdorf. Der Vorstand. Verwaltung Berlin. Urania- Vorstellung Taubenftraste 48/19 Sonntag, den 1. April 1912(1. Osterfeierkeg): — Von JVIeran zum Ortler........ Borlr.'g mit Lichtbilder». Der Phhsiksaal wird um t Uhr geöffnet. Die Vorstellung beginnt pünktlich 5 Uhr.— Billetts a 65 Pfennig inkl. Garderobe sind im Bureau, Engel- user Ztr. 14/15, zu haben. 81/11 Wegen der Osterfeiertage bleiben die Bnreans«nd Arbeitsnachweise am Sonnabend, den 6. April, von 1 Uhr ab und am Montag, den 8. April, und Diens- tag, dcn 9. April, den ganzen Tag geschloffen. Die Kasfierung der Beiträge erfolgt in allen Zahl- stellen am Sonnabend, den S. April, von 6 bis 8 Uhr abends. Die OrtSverwaltnng. Acfciurwj! Herrenpartlen! um jMiir Femspr. Spd. 322 Pernspr. Spd. 322. Wellfle i sch. Eisbein. frische Wurst wozu freundlichst einladet OttoSotiSM. Auch Teilzahlung!£ fiur«litt,. MSbet-Mkcb Gr, Frankfurter Str. 46/46 Teppiche 130X200: 5 biS 19 3e 165X239: 10,50 bi« 40 2f.0X300: 99 bi» 64 tK 259X350: 52 bis 190 M 800X400: 67 bi» 186« Garvinenhaus Bernhard Schwartz Wallst». 16(dreizehn) lleberll» z« luve» v—. lv AI Sit. Fabrik: hudsepaskl& Co, Barlin-Lichtenberg- „FREIER RUN»« MM- und ProdnktlsposseDsebaft freier Gest- ood Scbankwlrte Berlins und Umgegend Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Berlin. Bilanz 81. Dezember 1011. Aktiva. Kaffa-Konto.... Mobilien-Konto., Bank-Konto.... Brauerei-Anteil-Konio Brauerei-Konto.. Genoffenjchaster-Kunio . 146,21 . 121,98 24,19 . 300.— . 2834,95 .. 1200,68 M. Passiva. Mitgliederguthaben- Konto 2430.68 Reservesonds-Konto... 1052,01 Genossenschafter-Konto.. 736,38 Für Zinsgutschriften Gewinn- und Verlust-Konto 408,85 Ät. 4897.92 Mitgliederdewegung: Zahl der Mitglieder am 1. Januar 1911 117, Zugang—. Abgang 15. Mithin Mitgliederzahl am 31. Dezember 1911 102 Im Lause des GelchäsiS/ahrcS haben sich die Mtgiiederguthaben nm 5170 M. venulndert und die Hastsummen um 4500 M. verringert. Die Gesamthasisumme aller Mitglieder beträgt am Jahresschluß 2040 M. Berlin, den 27. Februar 1912. 103/18 Ferd. Matthe?. Iah. Greth. Berlinep Schweiz SchUlerwarte* Gosen er Berge Karfreitag und Ostern Dampfer-Eitrafabrten mit Busik von der Hecderffl\"oblllng..Tnnnowltz- brücke, SehnlthelS-HcHtnnrant. tttf Abfahrt: Vormittags 9 Uhr, nachmittags 29, Uhr. Fahrpreise: Hin und zurück vormittags 60 Pf., nachmittags Ostern: Vormittags 80 Vf. nachmittags 50 Ps. t- Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten will Ich hierdurch mein in der Oranienftraße 103 Lokal in empfehlende Erinneruna bringen. gelegenes Lokal In empfehlende Erinnerung bringen. Gleichzeitig möchte ich aus meinen allseitig bekannten und kräftige« MittagStisch hinweisen. Saal und BereinSzimmer, bis 159 Personen saffend, sind zu vergeben. «Pnliii« üleyer I. B.i Wwe. 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Das Erscheinen aller Wahlvereinsmitglieder ist dringend not- wendig. Der Vorstand. Ladcburg(Oberbarnim). Donnerstag, den 4. April, abends B'/a Ubr, bei Sommer: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die verflossene Gemeindevertreterwahl. Der Vorstand. ßerllncr Nachrichten. Politische Ostereier. Von Jahr zu Jahr hat die Ostercierindustrie sich mehr entwickelt. Erstaunlich ist die Erfindungsgabe, mit der die simple Eiform zu allen möglichen Dingen ausgenutzt wird. Längst hat auch die ursprüngliche Materie des Ostereis, der Zucker-, Marzipan- und Chokoladestoff, sich in dauerhaftere Bestandteile gewandelt. Wir sehen in den Schaufenstern Ostereier aus Pappe und Holz, Elfenbein und Metallen aller Art, selbst aus Gold und Silber, mit Juwelen besetzt oder gefüllt. So entstand eine eigene Geschenkindustrie, die vielen Tausenden neuen Verdienst brachte und weit über die Osterzeit hinaus ihr Absatzgebiet findet. Neben hoher Kunst, die sich in besseren Geschenkartikeln von Eisorm verkörpert, kommt auch der Humor zu seinem Recht. Der Geschäftswitz, der sich sonst über so ziemlich alles hermacht, was einträglich erscheint, hat leider noch nicht das politische Osterei fruktifiziert. Welche ergötzlichen Kombinationen von Mensch und Ei sich da er- geben! Unser herrlicher Reichsphilosoph als Eier-Solotänzer oder als Jongleur mit blau und schwarz gefärbten Eiern wäre ein zeitgenössisches Motiv für Oster-Ansichtskartcn. Auch King Heydebrand, wie er im Misthaufen nach nationalliberalen Umknickeiern mit der Forke fischt, würde keine üble Figur ab- geben. Oder man denke sich eine ganze Galerie bekannter Re- gierungsleuchten. deren Intelligenz damit angedeutet wird, daß sie sich eben aus dem Ei pellen. Will jemand aber ein Ei, womöglich ein Kuckucksei, im Bilde als faul bezeichnen, so braucht er bloß einen Jesuiten daneben zu malen. Kurzum, die politische Satire in Wipsenform könnte hier Triumphe feiern und würde deni Ostereiermarkt mal eine neue pikante Nuance geben. Dann höbe sich vielleicht auch wieder die Oster- kartenindustrie, die nicht mehr recht auf die Beine kommen will. Es ist ja vichtig, daß der Massenversand von Feiertags- karten, wie er einige Jahre hindurch auch zu Ostern Mode war, im Grunde genommen keinen Wert hat und unverdient der Postverwaltung einen hübschen Batzen Geld bringt. Für glücklichen politischen Humor im Ei darf man schon eher einen Sechser riskieren. Da bleibt immer etwas hängen, das doch nianchen, der die Eischale noch am Rückenende zu kleben hat, flügge macht und ihn in jenes Lager trägt, wo die Kampf- Hähne— rote Eier legen._ Die Steuereinschätzungen sind in den letzten Tagen den Steuerzahlern zugestellt worden. Uebereinstimmend gehen die Klagen dahin, daß mit ausgesuchter Knifflichkeit die Steuer- schraube angezogen wird. Am schärfsten werden hierbei die Arbeiter getroffen, die auch nicht entfernt die Abzüge machen können, wie Leute mit hohen Einkommen. Wir haben in der Nummer vom Sonntag, den 17. März in der 3. Beilage eine längere Abhandlung über Steuerfragen veröffentlicht, in der besonders die Veranlagung und die Abzugsfähigkeit dargelegt ist. Wir verweisen hiermit auf diesen Artikel. Nebenerwerb durch Heimarbeit wird immer wieder in Zeitungsinseraten angeboten. Solche Jnse- rate üben eine verlockende Wirkung besonders auf verheiratete Frauen aus, die neben der Besorgung ihres Hauswesens noch eine bar Geld bringende Beschäftigung treiben möchten, um dem Ein- kommen des Mannes vielleicht noch ein paar Mark pro Woche hin- zufügen zu können. Geschwind setzt die Hausfrau sich hin, schreibt einen Brief und meldet sich unter Chiffre so und so. Denn in der Regel nennen diese Angebote nicht die Firma, bei der der lohnende Nebenerwerb zu haben ist, sondern verlangen schriftliche Meldung bei einer Zeitungscxpedition. Die Antwort, die dann der hoff- nungsfreudigen Briefschreiberin durch die Post überbracht wird, ist manchmal eine große Enttäuschung für sie. Zwar ist Be- schäftigung reichlich vorhanden, und es wird auch ein ganz hübscher Verdienst in Aussicht gestellt, aber die Sache hat noch einen Haken, auf den die nach Nebenarbeit verlangende Hausfrau nicht vor- bereitet war. Bevor die Firma die versprochene Beschäftigung giht, die bar Geld bringen soll, soll die Arbeitsuchende selber bar Geld hergeben. Mitteilungen, die in letzter Zeit wieder an uns gelangt sind, berichten über solche Erfahrungen und klagen über die bereitete Enttäuschung. Wir halten es für unsere Pflicht, diese Ding« öffentlich zu besprechen, damit sie weiteren Kreisen bekamst werden und andere die Erfahrungen nutzen können. Leute, die nicht noch Geld drüber haben, können sich dann die Mühe des Brieffchreibens und die Ausgabe für Papier und Porto von vornherein sparen. Mehrere Personen klagen uns, daß sie durch eine Annonce der „Berliner Volkszeit.ung" enttäuscht worden seien. Die Annonce lautete: Gesucht sofort ZWO Arbeiterinnen für leichte Heimarbeit. Gefl. Angebote unter F. C. T. 504 an Rudolf»Joffe, Berlin SW. 19. „3000 Arbeiterinnen, für leichte Heimarbeit", das mußte natür- lich auffallen. Wer weiß, wie viele Tausende von Arbeitsuchenden daraufhin sich bei Rudolf Masse gemeldet haben mögen! Die- jenigen, die uns über den Erfolg ihrer Meldung berichten, haben aus Mülhausen im Elsaß von einer„Haarnetzfabrik C. Bauchet"(Engel-Dollpus-Stratze 1) die folgende, in allen Fällen gleichlautende Zuschrift erhalten: „Im Besitze Ihrer Anfrage betreffs Heimarbeit benachrichtige ich Sie, daß es sich um das Stricken von Haarnetzen handelt. Diese Arbeit ist sehr leicht zu erlernen und wirft einen hohen, ständigen Nebenverdienst ab dieselbe ist eine fortdauernde und werden die fertigen Netze von mir zu jeder Zeit gegen sofortige Kasse abgenommen. Zur Ausführung dieser Strickerei ist ein geringes Arbcitsmaterial nötig, welches ich siebst genauer An- Weisung und Muster gegen Voreinsendung von M. 2,— per Postanweisung liefere. Eine Rückvergütung dieses Be- träges, welcher kaum»«eine Auslagen für Material, Drucksachen, Porto usw. deckt, findet auf keinen Fall statt. Die Sache ist sehr reell und nicht mit Strumpfstrickcrei zu verwechseln, wo teuere Maschinen gekauft werden müssen, die hierzu nötige kleine Aus- gäbe von M. 2,— wird bei den ersten Ablieferungen zurück- verdient und kann die Netzstrickerci als ständiger Beruf statt nur im Nebenberuf betrieben werden. Sollten Sie geneigt sein, die Arbeit zu übernehmen, bitte ich um Einsendung obengenannten Betrages und werde ich dann sofort mit Näherem dienen. Hoch- achtend! Bouchet." Beigefügt war ein fertiggemachtes Postanweisungsformular, in das die Adresse des Herrn Bouchet und der Betrag von 2 M. eingetragen waren. Die Arbeitsuchende hatte nur noch nötig, sich als Absenderin darunterzuschreiben, die erforderliche Freimarke auszu- kleben und ihre 2 Mark herzugeben. Da die Post- anwcisungsformulare numeriert sind, so können wir aus den Rum- mern der Formulare zusammen mit den Datumsangaben der Briese ermitteln, wieviele Sendungen dieser Art der Herr Bouchet inner- halb einer bestimmten Zeit abgeschickt hat. Von den uns borge- legten Briefen ist der älteste vom 26. März, der jüngste vom 28. März, und beigefügt wurden am 26. März Postanweisung Nr. 1976� am 28. März bereits Postanweisung Nr. 2192. Hiernach hat Herr Bouchet in diesen 48 Stunden allein über 200 Arbeit- suchende mit seinen Postanweisungsformularen beglückt. Die Personen, die uns darüber berichten, haben sämtlich nicht geant- wortet. Wie viele mögen geantwortet und ihre 2 M. eingesandt haben? Gleichfalls in der Berliner„Volkszeitung" hatte eine andere Firma annonciert, die Frauen für leichte Heimarbeit suchte. Dies- mal hatte die annoncierende Firma sich sogleich genannt: es war „Josef Heller, Leipzig-Möckern, Völkerschlachtstr. 1", ein Geschäft für pharmazeutische Präparate und kosmetische Artikel. Eine Arbeitsuchende, die sich meldete, erhielt folgende Zuschrift: „Sehr geehrte Frau! Antwortlich Ihrer werten Zuschrift betreffs„Heimarbeit" teilen wir Ihnen mit. daß es sich um die Fertigstellung der von uns fabrizierten kosmetischen und hygienischen Präparate handelt. Wir haben resp. errichten in allen Verkehrszentren Deutschlands Versandstellen und wollen nunmehr unsere Fabrikation dadurch entlasten, daß wir die Fertigstellung der einzelnen Artikel in dem betreffenden Bezirke selbst vornehmen lassen. Die Ablieferung der Waren usw. würde dann an die betreffende Versandstelle zu den von uns fcstge- setzten Preisen zu erfolgen haben. Die Bezahlung ist eine ange- messene und gute, weil wir den Hauptwert nicht auf Billigkeit, sondern auf saubere und sorgfältige Ausführung legen. Wenn Sie sich für die sragl. Arbeit ernstlich interessieren, wollen Sie mit heifolgender Postanweisung 1,20 M. an uns einsenden. Wir lassen Ihnen dann Muster, Anleitung, Perdienftbercchnung usw. zugehen. Wir tun dies deshalb, weil sich auf unsere Inserate vielfach eine große Anzahl Leute meldeten, denen es gar nicht um einen Rebenverdienst zu tun war, sondern die es lediglich darauf abgesehen hatten, unser Material gratis zu bekommen. Dadurch entstehen für uns, außer der zwecklosen Korrespondenz, auch noch ganz bedutende Unkosten, die wir für die Folge ver- meiden wollen. Ein Risiko besteht aber für Sie schon deshalb nicht, weil wir diesen Betrag bei der ersten Lieferung in Abrcch- nung bringen, außerdem aber bleibt es natürlich Ihnen über- lassen, dieses Muster in Ihrem Bekanntenkreise zu verkaufen, wobei allerdings der von nns festgesetzte Normalpreis von 2,50 M. eingehalten werden mutz(Ihr Verdienst betrüge also 1,30 M.). Da es sich um einen hygienischen Gebrauchsartikel handelt, wird derselbe von joder Frau gern gekauft. Wir bemerken noch, daß bei regelmäßiger Tätigkeit der Wochenverdienst zirka 25 Wl. be- trägt, und sehen der Zusendung des Betrages entgegen, worauf Ihnen sofort das Material zugehen wird, so daß Sie schon An- fang kommender Woche beginnen können. Hochachtend Josef Heller, Fabrik kosmetischer Präparate. Leipzig-Möckern." Hier wird die Forderung, zunächst 1,20 M. einzu- senden, damit begründet, daß viele auf Inserate der Firma sich meldende Personen„es lediglich darauf abgesehen hatten", die Firma zu prellen. Die Arbeitsuchende, von der uns diese Zuschrift vorgelegt worden ist, hat es gleichfalls für das beste gehalten, nicht zu antworten. Die städtische Nachlaßstelle wird schon seit zwei Wochen von der Markthalle in der Grünthaler Straße nach derjenigen in der Tresckowstraße verlegt. Der Umzug soll, da recht er- hebliche Bestände vorhanden sind, sogar noch acht Tage dauern. Während des Umzuges sollte der Ausgabebetrieb der Nachlaß- stelle ruhen. Anscheinend ist die Bekanntmachung dieser Maß- nähme nicht genügend erfolgt. Armenkommissionsvorsteher haben Anträge gestellt für Nachlatzsachen(Leihmöbel und der- gleichen), die zum 1. April zu liefern waren. Im Vertrauen auf die Lieferungszusage wurden Wohnungen gemietet, die nun leer bezogen iverden mußten. Es ist kaum verständlich, warum der Umzug in einem solchen Schneckentempo von statten geht, wie das hier der Fall ist. Ueberhaupt werden über die Nachlaßstelle schon lange wegen Langsamkeit und schwerfällige Berwaltung Klagen geführt, die dringend der Abhilfe bedürfen. Die Besteigung des Stadthausturmes. Mit de/ besseren Jahres- zeit erfreut sich der Turm des neuen Stadthauses eines immer zahl- reicheren Besuches. An verschiedenen Tagen wurde die Besucherzahl von 400 Personen überschritten. Dabei wurde der zum obersten Turnigeschoß führende bequeme Aufzug stark benutzt. An Man- tagen und Donnerstagen von 11 bis 3 Uhr ist der Besuch und auch die Benutzung des Aufzuges kostenlos, an den anderen Wochen- tagen von 11 bis 3 Uhr werden dafür 20 Pfennige pro Person er- hoben. Gegen die Rechnung Dr. Silbergleits wendet sich der Propaganda- ausschuß„Für Groß-Berlin" mit folgender Erklärung: Gegen die Angriffe, die in der ersten Groß-Berliner Verbands« Versammlung gegen die vom Propandaausschuß„Für Groß-Berlin" veröffentlichten Zahlen erhoben wurden, legt der Propagandaausschutz Verwahrung ein. Der Direktor des Statistischen Amts der Stadt Berlin, Prof. Silbergleit, hat sich gutachtlich geäußert, daß die vom Propagandaausschuß aufgestellte bevölkerungsstatistische Behauptung, um richtig zu sei», folgendermaßen lauten müsse: „In Groß-Berlin wohnen 500 000 Menschen in Wohnungen, in denen, falls Küche und nicht heizbare Zimmer als Wohnräume nicht angeschen werden, jedes Zimmer durch- schnitt! ich mit 5 und mehr Personen besetzt ist." Dem ist zu entgegnen, 1. daß die von Prof. Silbergleit an- genommene Zahl 500 000 nur eine Schätzung ist, während die vom Propagandaausschuß vertretene Zahl 600 000 eine B e r e ch- nung darstellt, die auf der letzten für Groß-Berlin vorhandenen Wohnungsaufnahmd aus deni Jahre 1905 beruht. Zu der Annahme von Prof. Silbergleit, daß die Verhältnisse sich seit 1906 wesentlich gebessert haben, ist keine Berechtigung vorhanden. Eine kleine Besserung jedoch hält der Propagandaausschuß für möglich, andern- falls müßte es nicht 600 000, sondern 630 000 heißen. 2. Ob Küche und nicht heizbare Zimmer als Wohnräume anzusehen sind, ist ganz gleich gleichgültig. Als Zimmer werden sie von der Groß-Berliner Bevölkerung nicht angesehen. Und dem- entsprechend hat die Berliner amtliche Statistik auch stets die Ueber- völkerung durch einen Vergleich der Zahl der Bewohner mit der Zahl der heizbaren Zimmer ermittelt. Insbesondere enthält auch die von Professor Silbergleit herausgegebene Bearbeitung der Groß-Berliner Wohnungsaufnahme von 1905 lediglich die Belegung nach der Zahl der heizbaren Zimmer. 3. Das Wort„durchschnittlich" ist überflüssig, weil selbstverständ- lich. Wenn man sagt, daß in Deutschland jährlich auf jeden Ein- wohner 100 Liter Bier kommen, so meint man damit natürlich auch „durchschnittlich 10V Liter". Bisher ist in der amtlichen Berliner Wohnungsstatistik(und zwar durchweg von 1875 bis 1900— für 1905 ist der entsprechende Text leider noch immer nicht erschienen) ein wesentlich strengerer Maßstab für die Uebervölkerung angelegt worden, als dies der Aus- schuß„Für Groß-Berlin" getan hat. Insbesondere hat Geheimrat Böckh, der Vorgänger von Prof. Silbergleir, immer wieder im- nachsichtlich auf die Unzahl Menschen, die in Berlin in über- völkerten Wohnungen wohnen, hingewiesen; er berechnete sie auf 45—59 Prozent(der Ausschuß nur auf 15 Prozent.) Und auch die einzige Groß-Berliner Gemeinde, die die WoHrnrngSausnaHine von 1905 textlich verarbeitet hat, Schöneberg, hat in ihrem Verwaltungsbericht einen wesentlich strengeren Maßstab angelegt als der Ausschuß und berechnet dementsprechend den Anteil der Be- völkerung. der sogar in Schöneberg in übervölkerten Wohnungen wohnt, auf 25 Prozent. Aus den hier angeführten Gründen ist der Propagandaausschuß im Interesse der Wahrheit verpflichtet zu iviederholen: In Groß- Berlin wohnen 600 000 Menschen in Wohnungen» in denen jedes Zimmer mit fünf und mehrPer- sonen besetzt ist. Die kurierten Steinsehmeister. Der Verband der Stcinsetz- meister hatte vor einigen Jahren einen Ring geschlossen zur Aus- beutung der Gemeinden. Bei Submissionen verteilten die Ring- Unternehmer die Arbeiten unter ihre Mitglieder, wobei alle Mit- glieder an dem Gewinn insofern partizipierten, als die Angebote 10 Proz. Aufschlag erhielten, der zur Verteilung unter den Mit- gliedern gelangte. Diese unerhörte Bcwücherung der Gemeinden führte schließlich dazu, daß die Tiefbauvcrwaltuüg der Stadt Berlin beschloß, sich von dem Joche der Ringunternehmer zu be- freien, indem in Zukunft alle diese Unternehmer nicht mehr bei Vergebung von städtischen Arbeiten zugelassen wurden. Diese Maßnahme hat die Sprengung des Ringes zur Folge gehabt. Heute befindet sich der Verband in Liquidation. Es schweben noch einige Prozesse, die erledigt werden müssen, um diese unlautere Gründung endgültig zu begraben. Der Beschluß der städtischen Tiefbaudeputation war auf zwei Jahre gefaßt, die jetzt abgelaufen sind. In ihrer gestrigen Sitzung hat die Deputation beschlossen, die sich jetzt meldenden Unternehmer in die Unternehmerliste wieder aufzunehmen, da eine Gefahr, wie sie früher vorlag, nicht mehr besteht. Die Innung verlangte, in allen Fällen über die einzelnen Firmen bei ihr selbst Gutachten einzuholen bei Aufnahme wie bei Ausschluß. Dieses Ansinnen wurde aber entschieden zurückgewiesen. Die städtische Verwaltung wird ihre Maßnahmen selber treffen und sich nicht unter das Ver- dikt der Innung stellen. Die Steinsetzmeister werden vorläufig von ihrer Taktik geheilt sein; wiederholen sie ihr früheres Beginnen, so dürften die Herren sich wieder böse verrechnen. Ueber die Fürsorgeanstalten will der Vorsitzende des All- gemeinen Fürsorgeerziehungstages Pastor Seifsert in Straus- berg ein Jllustrationswerk herausgeben. Zu diesem Zweck hat sich der Herausgeber an die verschiedenen Kommunalver- bände gewendet mit dem Ersuchen, sich, durch Hergabe von Bildern und Beschreibungen ihrer Anstalten an dem Werke zu beteiligen. Verschiedene Kommunalverbände haben abge- lehnt. Auch der Kommunalverband Berlin will sich an dein Werke nicht beteiligen. Das Fürsorgewesen sei in �>er Ent- wickelung begriffen und die jetzigen Anstalten seien nicht so, um sie auf Jahre hinaus im Bilde festhalten zu lassen. Staat könne man mit den paar eigenen Anstalten nicht machen. Diese Meinung hatte man allgemein in der Waisendeputation. Bekanntlich verfügt die Stadt Berlin nur über die Anstalten Lichtenberg, Birkholz und Kleinbeeren; letztere ist für Mädchen bestimmt. Dem Herausgeber des Jllustrationswerkes möchten wir den guten Rat geben, die Hölle Mieltschin in dem Werke nicht zu vergessen und den Pastor Breithaupt als Peitschenschwinger auf das Titelblatt zu setzen. Ala nennt sich in abgekürzter Form die Allgemeine Luftfahrzeug- ausstellung, die gestern in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten eröffnet worden ist, und in der die Luftfahrzeuge der ver- schiedensten Systeme ausgestellt sind. Der Brückenbau im Zuge der Bornholmer Straße über die Ring- bahn kommt nicht vom Fleck, weil die Eisenbahnverwaltung Schwierig- ketten in den Weg gelegt hat. Das Projekt ist von den städtischen Behörden seit mehr als Jahresfrist beschlossen, das Geld ist be- willigt und das Projekt war genehmigt. In neuerer Zeit hat die Eisenbahnverwaltung in Rücksicht aus die bevorstehende Elektrisierung der Stadt- und Ringbahn eine andere Konstrukiion der Brückenbogen verlangt. Das hat zu einer erheblichen Umarbeitung des ersten Projekts und demgemäß zu einer großen Verzögerung des Brücken- bans geführt. Wenn das neue Projekt den Anforderungen der Eisenbahnbehörde entspricht, dürfte mit dem Bau begonnen werden können. Man hofft, im Laufe deS Jahres die Arbeiten beginnen zu können. Mit dem Bau der Brücke im Zuge der Sonnenburger und Schönfließer Straße sind ähnliche Schwierigkeiten entstanden, so daß auch diese Arbeiten nicht recht vorwärts kommen. Der„Lokal-Anzeiger" weiß zü melden, daß mit dem Bau dieser Brücke noch nicht hätte begonnen werden können. Das ist falsch. Es wäre besser, wenn der„Lokal-Anzeiger" einen Vertreter nach der Sonnenburger Straße entsendete und sich von der Inkorrektheit seiner Meldung überzeugte. Jeder Mensch sieht, daß die Brücke sich im Bau befindet. Ein internationaler Hochstapler wurde gestern von der Schöne- berger Kriminalpolizei festgenommen. Der Gauner erschien bei einer Witwe in der Motzstraße und mietete von derselben mehrere Räume, um dort seine Ärzdpraxis auszuüben. Er versuchte dabei, von der Frau einen größeren Geldbetrag zu erlangen, indem er angab, daß seine Einrichtung noch unterwegs sei und ein größerer Gelobetrag von seinem Vater für ihn auf der Bank lagere, den er nicht mehr abheben könne, da die Bank schon geschlossen sei. Ob- wohl der angebliche„Herr Doktor" sehr nobel und selbstbewußt auftrat, schöpfte die Vermieterin doch Verdacht und benachrichtigte das nächste Polizeirevier, von dem ein Beamter gerade eintraf, als der neue Mieter sich drücken wollte. Der Beamte nahm den Mann fest, in dem aus dem Polizeipräsidium der als internationaler Hochstapler signalisierte Ingenieur Karl Gulberg aus Schweden festgestellt wurde. Der-Verhaftete' gestand ein, in zahlreichen Fällen Vermieterinnen in Berlin, � Charlottenburg, Schöneberg, Martendorf und anderen Vororten um.erhebliche Beträge gc- schadigt zu haben, wobei er in der oben erwähnten oder in ahn- licher Weise zu operieren pflegte. Gulberg gab weiter an. daß er bereits seit Anfang vorigen Jahres in zaHrsichen Städten des In- und Auslandes und in GroßiBerlstr ge-neiusam mit dem schwedischen Kandidaten der Rechte,.MjMttad-'Sshuson. den Logis- schwinde! betrieben und seinen Lcb-enMMterhalt lediglich auf diese Weise bestritten habe. GulberAoatiflSfce dem Moabiter Unter« sychungsgefangnls zugeführt, WWW Oh Lcbcnsgrsahr ichlvebtcil boi-gcficrn uackimittag drei kleine Kinder bei einem Brande, der in der R c i ch c n b c r g c r Straße 120 auskam. Im Erdgeschoß des Hinterhauses waren gestern neue Porticrsleutc zugezogen. Als. die Portiersfrau gestern nachmittag mit dem Reinigen der Treppen beschäftigt war, holte der dreijährige Sohn der Familie Feuer aus einem Ofen, wobei Möbelstück« in Brand gerieten. In der Wohnung hielten sich außer diesem Knaben nock Kvci Geschwister auf. Zum Glück wurde die Gefahr von einer Nachbarin rechtzeitig bemerkt. Tie Frau schrie um Hilfe und hinzueilenden Hausbewohnern gelang es noch, die drei gefährdeten Kinder aus der brennenden Wohnung heraus- zuholen. Das Feuer wurde dann von der Feuerwehr gelöscht. Gasexplosion in einer Fabrik. Eine heftige Gasexplosion, bei der zwei Personen verunglückten, erfolgte gestern vormittag in der M a t h i e u st r a ß e 0 im Süden Berlins. Im ersten Stock des linken Seitenflügels befindet sich dort die Bronzefigurcnfabrik von Bruno K r o h u c. Als der Inhaber gestern vormittag mit einem seiner Gehilfen in der Werkstatt beschäftigt war. machte sich ein starker Gasgeruch bemerkbar. Ilm die Ursache zu er- gründen, schloß Herr Krohne den Hauptgashahn und leuchtete die Gasleitung mit eineni Streichholz ab. Hierbei trat dann die Explosion ein, denn es hatten sich an der Decke große GuSsnengen angesanimelt, die aus einem undichten Kugel- gclcnk ausgeströmt waren. Durch die Stichflammen wurden der Inhaber Bruno Krohne und ein Gehilfe Dulinski getroffen. Beide erlitten starke Verbrennungen in, Gesicht und an den Händen und mußten nach der nächsten Unfallstation gebracht werden. Durch den Luftdruck waren einige Rabitzwände eingedrückt und zahlreiche Fenster zertrümmert worden. Auch mehrere Türen wurden aus den Angeln gerissen und von den Wänden lösten sich große Stücke Puh. Feuer entstand bei der Explosion nicht. Vier andere Gehilfen der Fabrik, die in einem Nebenraum arbeiteten, kamen mit dem bloßen Schreck davon. 0>ii Npollotheater tritt in diesem Monat wieder Erucsto B c l l i n i auf, der sich auf dem Programm als ein telepathisches Phänomen bezeichnet. Bellini produziert sich als Errater von Ge-> danken. Er fordert auf, sich bestimmte Aufträge auszudenken, die Bellini ausführen soll und deren Ausführung sich im Saale er- mögliche» läßt. Du betreffende Person schreibt den Auftrag auf einen Zettel, den sie geschlossen einer fremde» Person übergeben muß zur Kontrolle darüber, daß kein Schwindel vorliege. Der Auftraggeber wird von Bellini an die Hand genommen und in Begleitung führt B. seine Aufträge aus. Erst nachdem das gc- schehen ist, wird der schriftliche Austrag. von dem Aufbewahrer verlesen, um zu kontrollicrcu, ob das Experiment stimmt. Herr Bellini machte den Eindruck, als ob er im Traumzustande herum- läuft. Seine Aufgaben löste er bewundernswert. Jedenfalls sind die Experimente äußerst interessant. Außer dieser Vorführung enthält daö Programm eine Reihe recht bemerkenswerter Attrak- tioncn. Vorort- f-teclmcdtem Friedenau. Die Beratung dcS Etats für das laufende Jahr nah», drei Sitzungen der Gemeindevertretung in Anspruch. Die Finanzlage des Ortes muß danach als außerordentlich günstig bezeichnet werden. Der Etat der ordentlichen Veuvaltung schließt mit einem Ilcberschuß von 180 000 M.(im Vorjahre 120 425 M.) ab. Eine Aenderung gegen früher ist insofern eingetreten, als für die Feuer- wehr, den öffentlichen Rettungsdienst, das Desinfettionswcsen, die Schulzahnpflege, das Krankentransportwesen, die Volksbücherei, die Kindersürsorge und ähnliche Posten, die bisher im Voranschlag der„Allgemeinen Verwaltung" erschienen, ein neues Kapitel:„Für gemeinnützige Einrichtungen aufgeführt wird. Ferner sind für Straßenbeleuchtung und Fondsverwaltung besondere Voranschläge erschienen. D'e Polizcivcrwciltuug erfordert einen Zuschuß von 136 557,60 M. Da vom 1. April an die Abschaffung der Nacht- Wächter geschlossen ist, werden von dem Termin an fünf Polizei- beamte eingestellt. In der Hochbau- und Baupolizei-Berwaltung ist«ine Mliiderciimahme von zirka 13 000 M. zu verzeichnen. Dies hängt damit zusammen, daß der Ort fast vollständig ausgebaut ist. Der Voranschlag„Für gemeinnützige Einrichtungen" erfordert «inen Zuschuß von 38 626 M., wovon auf das Feuerlöschwesei, allein 17 235 M. entfallen. Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose wird mit 2000 M., der Verein für Ferienkolonien mit derselben Summe unterstützt. Neben einer ganzen Anzahl Vereinchen, meistens religiösen Charakters, wird auch die Krippe des Vaterländischen Frauenvereins mit 1800 M. subventioniert. Aus Anlaß der schon in,„Vorwärts" besprochenen Beleidigungs- klagc der Krippe, gegen eine Frau, deren Enkclchcn in dem Institut verstorben war, verlangte Genosse Richter, allen diesen Vereinen den Zuschuß nur unter der Bedingung zu gewähren, daß der Gc- mcinde zu jeher Zeit das Recht der Kontroll« zustehe. Der An- trag wurde angelehnt. Das Kapitel„Grundeigentum" schließt mit einem Uebcrschuß von 60120,16 M. ab. Die ArmenvcrwaUung erfordert einen Zuschuß von 68 650 M. Der Etat der Ticfbauvcrwaltung, der mit 206 180,33 M. ab- schließt, erfordert einen Zuschuß von 12 880,33 M. Die Straßen- reinigung schließt mit 02 021.50 M. ab und erfordert 80 621,50 M. Zuschuß. Die Straßenbeleuchtung einen solchen von 107 061,38 M. Beim Slcueretat wurde zuerst konstatiert, daß Friedenau, im Gegensatz zu anderen Gemeinden, an eine Erhöhung des Ein- komincnstcuerzuschlagcs über 100 Proz. vorläufig nicht zu denken brauche. Vorgeschlagen ist, die Gcmcindegrundsteuer für bebaute Grundstücke von bisher 2,85 pro Mille des gemeinen Wertes auf 2,70 und für unbcvautc Grundstücke von 5.70 ans 5,40 pro Mille zu ermäßigen. Das bedeutet ein Geschenk an die Grundbesitzer van jährlich 27 000 M., dem die Herren selbstlos, wie sie nun ein- mal sind, freudig zustimmten. Anders verhielten sie sich, als Ge- nasse Oiichter beantragte, die Einkommen der Aermstcn, d. h. der- jcniqen, welche von 450 vis 000 M. jährlich verdienen, steuerfrei zu lasse». Unser Oieducr wies darauf hin, daß es hier viel eher angebracht sei, sich großmütig zu zeigen, noch dazu, da die Vcr- lvirtlichung seines Antrages fast �keinen Einnahmcausfall bringe, da jetzt schon die eingehenden Steuersummen von diesen Ein- kommen zum größten Teil in den Eintrcibungsgebühren drauf- gehen. Kattlüchelnd lehnten die Erkorenen der Dreiklasscnwahl den Antrag ah. DaS Ergebnis der Veranschlagungen gebt dahin, daß an Per- sonal-Eintmumensteucr gegen das Vorjahr 103 500 M., Betriebs- steuer 400 M. u.id Gewerbesteuer 11 500 M. mehr eingestellt sind, während sich die Grundsteuer um 1800 M. ermäßigt. Für die Umsatzsteuer sind wie im Vorjahre 90 000 M. eingestellt. Das vergangene Jahr brachte eine Mchr-Eiunahme von 07 000 M. Die Hundesteuer ist von 20 auf 30 M. erhöht worden und ist mit 30 000 M. eingestellt. Der VcrmögenSnachweis weist ein Reinvermögen von 3 413 000 Mark auf. Zum Schuletat wäre zu bemerken, daß das Schulgeld für auswärtige Schüler von 140 auf 180 M. erhöht worden ist. Die Einnahmen des ElettrizätSwerks sind mit 436 000 M. eingestellt, die Ausgaben mit 242 806 M., sodaß ein Uebcrschuß von 193 000 M. verbleibt. Dieses bedeutet bei einem investierten Kapital von 1 410 000 M eine Verzinsung von 13,5 Proz. In der außerordentlicheiVjVevwaltung ist der Rest der 8 000 000- M.-Anleihc mit IOOOOOOiM. zip Soll gestellt. Tic Gesamtrcservcn Schöucberg. Tragödie eines Ehepaares. In dem Hause Gustav-Müller- Straße 3t vergi'Uitaa sich der 60 Jahre alte Apotheker Hermann Hein und seine Ehefrau Klara gpborene Daniel, die 68 Jahre zählte. Man fand die Eheleute gestWrt morgen um S'/j Uhr tu ihrer Wohnung tot auf. Wie de« Befimd ergab, hatten sie Zyankali ge- nommcn. Nach einem hintcrlassenen Briefe haben sie in gegen- seitigem Einverständnis gehandelt. Als Grund dafür geben sie Nahrungssorgen an. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach der Halle in der Maxstraße gebracht. Steglitz. Tie stiemeinbcvertretung beschloß am Dienstag, die Gültigkeit der im März vollzogenen Gemeindeverordneienwahlen. Ein gegen die Wahlen der zweiten Abteilung eingelegter Protest wurde gegen die Stimmen der gesamten Linken als unerheblich abgewiesen. Darauf erfolgte die Einführung und Verpflichtung der Neu- resp. Wiedergewählten, unter denen sich auch Genosse Ah mann befand. Als regelmäßiger Sitzungsiag der Versammlung wurde wie bisher der Freitag nach dem Ersten eines jeden Monats bestimmt, der Sitzungsbeginn auf 6 Uhr abends festgesetzt. Durch einen großen Wasserrohrbruch wurde vorgestern am Ort eine erhebliche Verkehrsstockung hervorgerufen. Nor dem Grundstück Virkbuschstr. 83 trat plötzlich bei dem Hauptrohr ein Bruch ein, wo- durch mächtige Wassergarben ans der schadhaften Stelle heraus- schössen. Die Wassermengen überfluteten den ganzen Fahrdamm und machten ein Passieren unmöglich. Erst nach mehreren Stunden konnte dem Vordringen des Wassers ein Ende bereitet und der Defekt in dem Rohr beseitigt werden. Charlottenburg. Elternvcrcin für freie Erziehung. Dienstag, den 0. April. (dritter Osterfeiertag), nachmittags 3 Uhr. findet im VolkshauS, Rosinenstr, 3, für Mitglieder und deren Kinder eine Osterfeier, verbunden mit Rcigenaufführung und Ostcrcicrverteilung für die Kinder, statt. Der Vorstand. Lankwitz. Auf recht eigenartige Weise scheint sich der A m t s v o r st e h e r Dr. Beyendorfs Lorbeeren erwerben zu wollen. Am letzten Sonntag wollte der BildungSausschuß für die Schulentlassenen eine Feier veranstalten. Nachdem bereits alle Borbereitungen getroffen lvaren, erhielten ganz unvermutet Sonnabendnachmittag gegen 4 Uhr, der Gastwirt Schulz, bei dem die Feier stattfinden sollte, und ein ganz unbeteiligter junger Mann die amtliche Mitteilung, daß die Feier verboten sei, da der Jagend- und BildungSausschuß nach den Entscheidungen deö Gerichts ein politischer Verein und die von ihm beabsichtigte Feier als eine öffentliche Ver- sammlung unter vorzugSweiscr Beteiligung Jugendlicher an- zusehen sei. ES wurde angedroht, daß die Versammlung durch polizeilichen Zwang verhindert werden Ivürde, wenn sie trotzdem abgehalten werden sollte. In so später Stunde war es natürlich nicht mehr möglich, die Feier abzubestellen oder zu ver- legen. Am Sonntag wurde nun die Straße zum Lolal von Schulz auf beiden Seiten von Polizeibeamten bewacht. Pünktlich um 5 Uhr erschienen zwei Beamte im Lokal, um den Wirt auf das Verbot auf- merksam zu machen. Es wurde den Beamten mitgeteilt, daß man sich der Gewalt fügen müsse und auf die Abhaltung der Feier verzichte. Nach und nach fanden sich eine Anzahl Gäste ein, die sich über die behördlichen Maßnahmen unterhielten, derweilen sich die Kinder im harmlosen Spiel die Zeit vertrieben. Abends gegen 0 Uhr erschienen nochmals fünf Polizeibeamten und forderten die Anwesenden auf, den Saal zu verlassen. Später verlangten sie auch die Räumung der übrigen Lokalitäten. Gegen diese willkürliche Maßnahme des Amtsvorstehers wird natürlich Beschiverde erhoben. In allernächster Zeit wird sich außer- dem noch eine öffentliche Versammlung hiermit beschäftigen. Daß der Amtsvorsteher durch solchen reaktionären Tatendrang mit Erfolg die Bildungsbestrebungen der Arbeiterschaft nicht unterdrücken kann, soll er früh genug erfahren. Friedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Wie in den Gemeinden Box- Hagen-Numinelsburg und Ober-Schöncwcide, wollte auch unsere Gc- meindevcrwaltung noch in letzter Minude vor dem Inkrafttreten des Zivcckverbandes sich durch Vertrag mit der Ostbahngesellschaft eine Straßenbahnlinie sichern, auf deren Erlangung man später kaum rechnen durfte. Die Vorlagen lvaren in größter Hast aus- gearbeitet. Leider wurde die Angelegenheit als. Nachtrag zu einem vor rnchvercu Jahren bereits geschlossenen Vertrag verhandelt, wo- bei in wesentlichen Punkten die alten Vertragsbestimmungen her- angezogen waren, so daß man keinen klaren Ueberblick über die Tragiucite des Gesamtprojekts gewinnen konnte. Eins aber ging aus den Vcrliandlungcn deutlich hervor, nämlich, daß die Ostbahn- geselljchaft eine ganze Anzahl für die Gemeinde recht nachteilige Bedingungen gestellt hatte. Zum Teil setzte man sich darüber hin- Iveg mit der Motivierung, daß es nicht mehr Sache der Gemeinde, sondern des Zwcckverbandcs sein werde, sich später einmal mit der Straßenbahngesellschaft auseinanderzusetzen. Es wurde beschlossen, den Nachtragsbestimmungeii zuzustimmen, wonach eine Straßen- bahnlinie von der Tresckow-Allc« durch die Auguste Viktoriastraße und den Blockdammiveg bis zur Gemarkungsgrcnze von Rummels- bürg gebaut werden soll. Zum Schluß aber zeigte sich, daß das ganze Projekt im Grunde genommen gegenstandslos ist, Iveil die Gemeindevertretung von Riimmelsburg bekanntlich in ihrer Sitzung die Zustimmung zum Bau der Anschlußstrcckc nicht gegeben hat. Sieu-Zittau(Kreis Beeskolv). lieber die Gültigkeit der letzten Gcmeindcvcrtreterwahl hatte vor einigen Tagen die Gemeindevertretung zu entscheiden. Gegen die Wahl in der dritten Abteilung hatte der Kaufmann Hermann Müller Einspruch erhoben. Bekanntlich hatten unsere Genossen Emil Schulz und Heinrich Petter je 30 Stimmen, die bürgerlichen Kandidaten Müller und Grund 28 und 27 Stimmen erhalten. Die beiden letzteren hatten noch ein Dutzend Vollmachten als Wahl- Hilfe in der Tasche. Der Einspruch stützt sich darauf, daß der Protokollführer beim Namensaufruf zweier Witwen nicht den Namen des Herrn Müller als Vollmachtinhaber aufgerufen hatte, wodurch Herr Müller an der Stimmabgabe verhindert worden sei. Die Mehrheit der Gemeindevertretung stimmte dem Protest zu, trotzdem noch ein viel gröberer Berstoß des Wahlvorstehers zu ver- zeichne» war. Reinickendorf. Die Gemeindevertretung erklärte in ihrer letzten Sitzung die Wahlen zur Gemeindevertretung in der 3. und 1. Abteilung für gültig. Für die 2. Abteilung haben bekanntlich Stichwahlen statt- zufinden, stie auf den 10. April anberaumt wurden, von der Anfsichts- bchörde war einiger Bestimimmaen wegen die neue Friedhofs- ordnung für den Friedhof an der Graf-Rödern-Allee nicht genehmigt worden. Es wurde beschlossen, die verlangten Aenderungen, so- loeit sie rein formaler Natur waren, zu akzeptieren, diejenigen materieller Natur ober abzulehnen. Mit der Gemeinde Nieder-Schönhausen hatte der Gememdevorstand einen Bertrag vereinbart, der die Abgabe von Wasser an diese Gemeinde zum Preise von 12 Pf. pro Kubikmeter vorsieht. Der Bertrag wurde mit der Maßgabe einer füufuiidzwanzigjährigen Dauer genehmigt. Auf Veranlassung der Aussichtsbehörde wurde sodann noch beschlossen, die Zahl der regelmäßigen Kassenrevisioncn zu be- schränken, dafür jedoch unvermutete Kassenrcvisionen öfter als bisher vorzunehmen. Den Rest der Tagesordnung bildete die Genehmigung verschiedener Etatsiiberschreitungen. Nieder« Schönhausen. liebet die Gültigkeit der am 10. und II. März stattgefuudcncn Gemcindcwahlcn hatte die am Dienstag tagende Gemeindevcr- tretcrsitzung Beschluß zu fassen. Gegen die erste und zweite.Klasse lagen Einsprüche nicht vor. In der dritten Klasse wurde die Wahl des Genossen tzellrich als Nichtangesessener für gültig erklärt. Dagegen lag gegen die Wahl des Genossen H i c g c ein Einspruch vor, daß dieser nicht Hausbesitzer im Sinne der Landgemeinde- ordnung sei. Bürgermeister Abraham machte daraus aufmerksam, daß die Wahl Hiegcs für ungültig zu erklären sei, da er nur Nießbraucher des Hauses wäre, letzteres genüge jedoch nicht, um als Eigentümer zu gelben, es müsse daher eine Neuwahl stattfinden. Die Auffassung, daß der Herr Rühl nun als Vertreter gewählt sei. bezeichnete er als falsch. Nach kurzer Beratung, bei der die Oeffcnt- lichkcit ausgeschlossen wurde, erklärte die Vertretung gegen die Stimmen unserer beiden Vertreter die Wahl des Genossen Hicge für ungültig, cs� hat nunmehr eine Neuwahl stattzufinden. Nowawes. Die Kommission für Beschaffung billiger Lebensmittel macht bekannt, daß in den nächsten Tagen eine größere Sendung guter roier Eßkartoffclu eintrifft, die zum Preise von 4,35 M. pro Zentner durch den.Händler Albert Ziegener, Großdcerenstr. 31, ab- gegeben lverdcn; es werden bereits jetzt Bestellungen von diesem entgegengenommen. Der dem Genannten übertragene Verkauf von Weißen Kartoffeln zum Preise von 4,85 M. pro Zentner erfolgt auch weiterhin wochentäglich von 3 Uhr nachmittags ab. Der See- fischvcrkauf findet jeden Mittwoch, nachmittags von 3 Uhr ab, vor dem Geschäftslokal des obengenannten Händlers statt. Er- fordcrlichenfalls wird der Verkauf auch auf dem Domierstagmarktc fortgesetzt. Potsdam. Die Schulzahnklinik wird mit dem 15. April ins Leben treten. Die im Borjahre beschlossene ambulante Zahnbehandlung der Schul- linder wird»ach Ansicht der ilotadtverordneten zu teuer werden und iveniger wirtsam sein. Nach einer Umfrage bei den Eltern haben sich dieselben für 2ll2 Kinder gleich 46 Prozent bereitcrklärt, je l M. jährlich als Beitrag für die Zahnbehandlung in der Klinik zu zahlen. Die Klinik wird in der Gemeindeschule 4 in der Nauener Straße eingerichtet. Die Einrichtungskostcn mit 2000 M. sollen aus den Ueberschüsscn der Sparkasse bewilligt und die Unter- Haltungskosten(ausschl. des Zuschusses der Eltern) mit 1600 M. durch den Etat genehmigt werden.— Was geschieht nun mit den übrigen 54 Prozent der Schulkinder?— Die Errichtung einer Walderholungsstättr für Potsdam und Nowawes auf dem Brauhausberge wird angestrebt. Nach einem Vortrage des Prof. Dr. Lcnnhof-Berlin wurde eine Kommission gewählt, der unter anderem die Vorsitzenden der Ortskrankcnkasse beider Orte angehören. Jugendveranstaltungeu. Eharlottenburg. Slm Karfreitag: Ausflug nach Finkenkrug. Fahr- geld 3V Pf Treffpunkt pünktlich 7 Uhr am Wilhelmplatz(an der Bank). Proviant und Liederbücher sind mitzubringen.— Am zweiten Osterseiertag: Erste Spielpartie nach der Jungsernheide(Spielplatz am Königsdamml. Treffpunkt mittags 2 Uhr am Wilhelmplatz(an der Bank». Unkosten ent- flehen bci dieser Partie nicht. Daselbst finden auch Wettspiele statt, wobei eine größere Anzahl Preise verteilt �werden.— Wir bitten die hlesige Arbeiterichast, ihre schulenllaffenen Söhne und Tochter aus beide Veran- staltungen aufmerksam zu machen. Ob er- Schö» cweide. Am Karfreitag: Spielparti« nach Pserdebucht und Köpenick. Treffpunkt 1 Uhr nachmittags, Jugendheim. Klarastr. 2. Der JugendanSschuß. Serickts- Leitung. Tie leichtgläubigen Berlinerinnen. Am t0. Januar d. I. wurde litt Generalagent Kurt Plaia wegen Betruges, begangen in 3 Fällen, vom hiesigen Schöffengericht zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Plato sollte sich von jungen Damen, die er kennen gelernt hatte, Geld geliehen haben unter der Vorspiegelung, er wolle sie heiraten. Gegen das Urteil war Berufung eingelegt worden, über die jetzt von der 5. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt wurde. Der Verteidiger des Auge- klagten, Rechtsanwalt Dr. Donig, wies nach, daß weder von einem „Heircttsschwindel" noch von irgendwelchem„Betrug" di« Rede sein könne. In dem Hauptfalle, in dem der Angeklagte einem Mädchen den Betrag von 4000 Mk. unter der Vorspiegelung, er wolle sie heiraten,„abgelockt" haben sollte, stellte sich heraus, daß es sich hier um eine, von einer älteren Frau für ihr eigenes Geschäft bci einer Aktiengesellschaft gestellte Kaution handelte, für deren späteren Verlust der Angeklagte nicht im geringsten verantlvortlich zu machen war. Von einem„Anborgen" konnte erst recht nickst die Rede sein. Nachdem der Staatsanlualt in wichtigen Punkten die Anklage hatte fallen lassen, hob das Gericht das Urteil der ersten Instanz auf, sprach den Angeklagten in allen Fällen frei und legte die Kosten der Staatskasse auf._ Die chinesische Revolution in Tanzig. Die chinesische Revolution beschäftigte in eigentümlicher Ver- schlingung mit dem freisinnig hochgelobten Reichsvereinsgesetz dieser Tage die Strafkammer in Danzig. Eine Anzahl Genossen haben in Danzig seit einigen Jahren eine Vereinigung geschlossen, durch welche sie die Mittel zur Gründung einer Arbeiterdruckerci auf- bringen wollen. Diese Genossenschaft hielt am 26. Oktober 1011 eine streng geschlossene Zusammenkunft ab, in der sie sich als Spar- verein konstituieren, das Statut beschließen und die notwendigen Wahlen ausführen wollte. Trotz des absolut unpolitischen Charak- ters dieser Zusammenkunft sah das Polizeipräsidium darin eine öffentlickze politische Versammlung und schickte einen Kommissar nebst Schutzmann zur Ueberivachung. Diese folgten der Auffordc- rung des Genossen Bartel, als Leiter, zum Verlassen des Lokales nicht. Darauf wurde die Verhandlung vertagt und die Tages- ordnung in einem anderen Zimmer ohne die Polizei erledigt. Dann begaben sich die Teilnehmer wieder in den Saal, in dem die Bc- amten noch saßen. Dort begann eine humoristische Ulkdebatte, in der u. a. ein Genosse die Bemerkung machte, ob man mit Rücksickt auf die chinesische Revolution nicht auch die Durchführung einer solchen in Danzig erörtern könne. Darauf löste der Polizeikom- missar unter homerischem Gelächter die Versammlung auf. Zur Begründung meinte er, wenn er auch die Aeußerung scherzhaft auf- fasse, so könnten doch einige Anwesende sie ernst nehmen. Gegen- mber Zurufen, daß die Auflösung nicht gesetzlich sei, erklärte Ge- nasse Bartel, daß man sich doch der Gewalt fügen und das Lokal verlassen müsse. Es folgte eine Anklage gegen Bartel und sechs andere Genossen wegen Beamtenbeleidigung und Bergchen gegen das Bercinsgcscii. Bartel wurde beschuldigt, die Versammlung nicht angemeldet und den Beamten einen angemessenen Platz ver- weigert ju haben. Er sollte weiter die Beamten beleidigt haben, indem er ihre Anwesenheit für Hausfriedensbruch erklärte. Dann sollte er zu einer strafbaren Handlung dadurch aufgefordert haben, daß er nach der Auflösung zum Richtfortgehen aufgefordert habe. Ferner wurde ihm noch vorgeworfen, sich nach der Auflösung nicht rechtzeitig entfernt zu haben. Die bürgerlichen Zeugen bestätigten, daß eine rein private Zusammenkunft vorlag und Bartel ins- besondere nicht zum Dableiben, sondern ganz im Gsgentcil zum Fortgehen aufgefordert.hatte. Der Polizeikommissar Wilotzki be- schwor dagegen mit dem Schutzmann, daß Bartel wiederholt zum Dableiben aufgefordert habe. Dieser schroffe Widerspruch zwischen de» Zeugen blieb unaufgeklärt. Das Elericht stellte fest, daß eine öffentliche volitischc Versammlung nicht vorgelegen habe. Das Recht zur Ueberivachung lfatte die Polizei deshalb nicht. Wohl aber konitte sie, wenn sie schon einmal anwesend war, Handlungen auf Grund des Reichsvereinsgesetzes vornehmen. Etwaige Zu- Widerhandlungen seien dann auch nach diesem Gesetz zu bestrafen. Bartel wurde von vier Anllagepunktcn freigesprochen und nur wegen der angeblich nicht rechtzeitigen Entfernung verurteilt. Er wurde dann nach aus Anlaß der humoristischen Debatte wegen Beamtenbeleidigung bestraft. Seine Gesamtstrafe betrug 65 Mark. Ebenso hoch wurde der Arbeitersckrctär Grünhagcn bestraft, weil er die Bemerkung von der chinesischen Rcvoluiion machte und sich ebenfalls nicht schnell genug entfernt haben sollte. Die weiteren fünf Angeklagten erhielten je 15 Mark wegen nicht rechtzeitiger Entfernung. Na also, mit der chinesischen Revolution in Danzig ist's nichts, Die ist aufgelöst und hat Mb M. Strafe verursacht. Wahlfälschungen. 1. Ter Taglöliner Mathias Hagl wollte am lZ. Jaiuiar im Schulhause iu Milbertshafen wählen, wurde aber, da er nicht in der Wählerliste stand, zurii-igcwiese». Er begab sich ins Wirtshaus und erzählte dem Taglohncr Engelbert Reinhart den Vorfall. Rein- harr zeigte dem Sagl seine Karte und meinte, tvenn er absolut wählen wolle, dann solle er seine Wählerkartc nehmen, denn er sei unter Nr. 420 in der Wählerliste eingetragen. Hagl nahm die Karte zu sich, begab sich ins Schulhaus, gab auf den Namen des Ncinhart einen Stimmzettel ab und ging dann nach Hause. Als abends>-7 Uhr Neinhart doch noch fein Wahlrecht ausüben wollte, zeigte es sich, daß auf seinen Namen schon gewählt worden war. Die Recherchen ergaben den oben mitgeteilten Sachverhalt. Hagl hatte sich darauf wegen Wahlfälschung, Reinhart wegen Beihilfe hierzu zu verantworten. Das Landgericht München I verurteilte Hagl zu 1 Woche, Reinhart zu 5 Tagen Gefängnis._ 2. Der am Breslauer Stadttheatcr tätige Opernsänger Beeg wurde gestern wegen Wahlsel>wiudels zu 3 Tagen Gefängnis ver- urteilt/uwil er am Tage der Reickstagslvahl einen Vertreter zur Abgabe des Stimmzettels entsandt hatte. Der Vertreter wurde zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. In beiden Fällen liegt die Vermutung nahe, das; die Vcr- urteilten das Bewußtsein des Törichten und Strafbaren ihrer Hand- lungsweise nicht hatten. Versammlungen. Deutscher Mctallarbciterverbnnb. Eine Branchenversammlung der an Maschinen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, wie Hobler, Stoßer, Fräser usw., fand am Sonntagvormittag in den Musiker-Festsälen statt. Der Branchcnleitcr F r i e ß erstattete den Jahresbericht der Agitationskommission und besprach die zahlreichen kleinen und großen Kämpfe in der Metallindustrie, an denen die Maschinenarbeitcr und-arbeiterinncn beteiligt waren, oder die sie sür sich zu führen hatten. Unter den Angrisfsbewegunßen hob er die Tarifbcwcguilg in der Gclbmctallindustrie hervor, die manchen guten Erfolg brachte. Unter den AbwchrstreikS gedachte er bc- sonders der Kämpfe bei Ludwig Locwe, die schon vor einem Jahre derselben Differenzen wegen ausbrachen, lvie neuerdings wieder. 237 WcrkstattSbesprechungcn fanden im Berichtsjahre statt; überall herrschte das Bestreben vor, die Lage zu verbessern und die Akkord. preise zu erhöhen. Ter Redner rügte, daß in dieser Beziehung einem Beschluß der Branche nicht immer Rechnung getragen wor- den sei. Der Beschluß lautet dahin, daß in den einzelnen Betrieben, wo man eine allgemeine Erhöhung der Akkordpreise wünscht, ein Vertreter der Branche bei den Besprechungen hinzuzuziehen ist. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist ebenfalls in vielen Betrieben durch- gesetzt worden. Der Kampf gegen die Ucbcrstundcn stößt oft auf Schwierigkeiten bei Arbeitern, die noch nicht den Schaden der Ueberzeitarbeit begriffen haben.— 19 Kommissions- und 10 Ver- traucnsmännersitzungcn sowie 6 Branchenversammlungen fanden in der Berichtszeit statt. Die Zahl der Mitglieder hat sich ver- mehrt und ist von 14 386 im Jahre 1910 auf 16 9ö2 im Jahre 1911 gestiegen. Die Zahl der weiblichen Mitglieder des Verbandes, die meist dieser Branche zugehören, hat sich von 7487 im Jahre 1910 auf 7848 im Jahre 1911 vermehrt. In der Diskussion, die dem Bericht folgte, wurde hauptsächlich das Nebel der Ueberstunden besprochen. B c h r c n d von der Vcr- bandsleitung erklärte gegenüber verschiedenen Aeußerungen, daß man es nirgends den Arbeitern zur Pflicht machen könne, Ueber- stunden zu leisten. Im Gegenteil müßten die Ueberstunden, wenn irgend möglich, vermieden werden, besonders aber da, wo Tarif- Verträge bestehen. Häufig seien die Meister, die pro Stunde eine Mark erhalten, daran schuld, wenn Ueberstunden nötig erscheinen. Unter Verbandsangclegenheiten wurde über die„Notwendig- kcit" der Nachtschichten, die man nur für Ausnahmen anerkannte, viel diskutiert. Wo man Nachtschichten einführt, ist häufig noch nicht einmal die erste und zweite Schicht voll besetzt. Manche Fa- briken lassen Nachtschichten arbeiten der Reklame wegen. Die Arbeiter fürchten alle die Nachtarbeit, weil sie ihre zerstörende Wirkung für die Gesundheit kennen. Wo die Arbeiter zur Nacht- arbeit verpflichtet werden, sollen sie ihre Branchcnleitung sofort in Kenntnis setzen. Lebhaft besprochen wurde noch die Taktik großer Firmen, eine Reihe der besten Arbeiter als Wochenlöhner auf 14 Tage Kündigung zu engagieren, gleichsam als eine Art Versicherung gegen plötzlich ausbrechende Streiks und Aussperrungen. Die Arbeiter wollen ihr Augenmerk darauf richten und werden sich demgegenüber so ver- halten, wie es zweckentsprechend erscheint, um sich vor Schaden zu bewahre»; denn die besten Arbeiter sind in der Regel auch Vcr- bandsniitgliedcr, die keine Strcikarbcit verrichten dürfen. Die vorgenommenen Neuwahlen ergaben die Wiederwahl des Branchcnlcitcrs und der Agitationskommission, rcsp. die Ergänzung der letzteren durch zwei neue Mitglieder. BrUffaftcn der Redafctfoit. F. R. 3. 1. 27. September 1911. 2. Seit 26. September 1910. 3. und 4. Durch 2 erledigt.— H. N. 38. Sie können mit Wirkung zum 1. Mai austündigcn; spätestens am 15. d. M. mutz bei- Vermieter im Bciiu der Kündigung sein.— W. B. iilOO. Erkundigen Sie sich bei der spar- lasse. Jedcnsalls erscheint das unzweckmäßig.— H. M. 100. Daäjü zulässig, geschicbt aber äußerst selten.— ft.•£>. 1000. Wiederholen Sie die Ansragc und geben Sie noch an, wo der Vater unmittelbar nach Ein- gehung der zweiten EKc gewohnt hat.— B. 117. Das ist zulässig.—• O. T. 88. In der Regel nicht.— G. B. öZ. Ja, sofern das Ein- kommen der Frau mitveranlagt ist.— St. P. Hütte», cur Einziehung der llrteilsfordcrmig nebst den Vollstreckungslosten ist sofort zulässig; die Prozeßkosten müssen vorher scstgeseht werden.— A. D. 100. Erft wenn der EinnahmeauSsall eingetreten ist, kann deswegen Ermäßigung bc- ansprucht werden. DaS Fahrgeld ist in der Regel nicht abzugssähig.— V. P. 18. Bei einer Iahresmiete von mehr als 360 M., progressiv steigend bei höheren Meten.— R. M. Nr. 10. 1. Nein, das Einkommen des abgelaufenen Kalenderjahres. 2. Nein. 3. Lesen Sie den Artikel„Steuersragen" in der Nummer des„Vorwärts" vom 17. März.— Rixdorf 70. Die Klage hat Aussicht aus Erfolg — H. H. 40. 1. und 2. Rein.— O. B. Stockholm. Ohne Einigung mü der geschiedenen Frau erscheint ein neues Gesuch aussichtslos.— B. K. 100. Zwei Stuscn.— K. M. 1888. U. E. nein.— F. G. 40. Sie haben Anspruch auf die Halste deS Rcinverdienstcs. Falls Sie Ihre Behauptungen beweisen können, hat eine Klage Aussicht aus Ersolg.— Kl. B. 14. Für die Schriststücke können Sie Gebühren nicht verlangen.— C. M. 30. Die Veranlagung ist zu Recht crsolgt, wenn der Steuersatz dem mutmaßlichen Einkommen int Steuerjahr entspricht.— 31. B. 1880. Rein.— R.(ö. 110. t. nnd2. Rein. 3. Ja. 4. Wenden Sie sich an die Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69.— F. 2. 00. Nein, Sie können aber ans Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschast llagen. Die Klage ist durch einen Rechtsanwalt anhängig zu machen.— Beeltti. Einer für 3lllc. Der Versuch kann gemacht werden. Eine Verpflichtung dazu hat die Landcsvcrsichcrungsanstalt nicht.— H. T. 00. 1. Januar 1891. Marktbericht von Berlin am S. 3lpril 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. M a r k t h a l l c n p r c i s c. lKleinhandcl) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speiscbohnen, weiße, 35,00—56,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln sKIeinhdl.) 8,00—12,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,60. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,20—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 0,00—2,40. Aale t, 80— 3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,00. 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Breiteftrafte, ist sür alle Berufe, als da find: Stellmacher, Schloffer, Schmiede, Lackierer und Sattler, gesperrt und bitten wir, dort Arbeit nicht anzu- nehmen. 176/3 AgitatiouSkommisfio» der Wagen- sabriken Berlin« und Umgegend. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Lohn» disscreiizcn sind gesperrt: Tischleret Köper- nikuSstrafte 23. Tischlerei Ottmann A Co., Guüeuer Str. 44. Bautischlerei Hahn A Co., Dempelhof, Berliner Str. 101. Tstschleret Groß, Schlesische Strafte 30. Stockfabrit Boschwita, Brun- »en strafte 181. Bcrnfaveroln der Berliner Parkettgench&f te, Char- (Ottenburg, Uhlandstrafte. Für Hartguuimi- Arbeiter die die Firma Hatttaaey, Schlesische Str. 33. Das Berliner ArbeitSwilltgen- verinittelungsbureau d. gelben »HandwerkerschutzUerbandeS". Arbeitsnachweis b. Stellmacher- innung und der Wagenfabri» kanten, Kaijer-Franz-Grenadier« Platz. Zuzug ist streng fernzuhalten. vie Ortsvervaltuog öerlin des Deutseben Holzarbeiterverbandes. tLeramworUtcher mattellf.«Ibert-K-chS. Berlin. Für de» Snieralentctlv-rantw.-Th.Gt-cke.Berltn. Druck u. Verlag: iLorwar:» iouchdrucker« u. Lerwgsanjtalt U.ÜQ,»ttltaSW. Nr. 80. 39. Jahrg. ßriligt te JutniiitK'■ ZiM» flr Silitn md lllrllrii. 4. April 1912. Hus der frauenbevvegung. Die Puppe. Den meisten Müttern und vielen Vätern erscheint heute noch die Puppe als das selbstverständliche Spielzeug des Mädchens. Und doch sind dagegen soviele berechtigte Einlvändc zu erheben, dast man zum mindesten verlangen muh, die Puppe dürfe unter den Spiel- fachen des Mädchens nicht mehr an erster Stelle stehen. In ihrem kürzlich erschienenen Buche„Das Allzuweibliche" hat Hulda Mauren- brecher die Haupteinwände gegen die Alleinherrschaft der Puppe treffend zusanimengestellt. Eine der wichtigsten Anforderungen an das Spiel ist, bah es dem Kinde Gelegenheit zum eigenen Gestalten gebe. Daher die grohe erzieherische Bedeutung von Spielmaterialien wie Sand, Wasser, Holz, Papier. Lehm, Plastilina, Farben, Bausteinen. Die Puppe aber lästt sich nicht zerlegen und wieder zusammensetzen, ja oft nicht einmal baden, an- und ausziehen oder lammen. Das Wesen vieler Kinderspiele besteht in der Nachahmung der Umgebung, und gewih ist'das auch beim Puppenspiele der Fall. Aber hier beschränkt sich die Nachahmung einzig auf den Kreis der Tätigkeiten von Mutter und Kind, wobei noch zu bemerken ist, wie wenig Phantasie cS bedarf, das Alltägliche der Umgebung nach- zumachen. Den Jungen dagegen setzen seine Spiele und Spielsachen in Beziehung zu den weiten Gebiete« des öffentlichen Lebens, und so entsteht in ihni früh eine Art Bild der Welt mit ihrem Reichtum an Naturcrzeugnissen und Produkten menschlicher Tätigkeit, und die Teilnahme an den Dingen der sozialen Gemeinschaft reift init Selbst- Verständlichkeit in ihm heran, indes die Puppe des Mädchens Ge- danken nur auf zivei Dinge lenkt: das künftige Kind und die künftige Küche. So spielt sich das Mädchen in die engen Alltagssorgen hinein. Und e-Z wäre ganz falsch, dem gegenüber von der Erziehung zur „Mütterlichkeit" schwärmen zu wollen? denn die Pädagogik vermeidet es sonst gerade, Gefühle mit sexueller Färbung vor der körperlichen Reife noch besonders zu wecken und zu pflegen. ES ist auch keines- tvegs der Beweis zu erbringen, dah etwa daS kleine Mädchen von selbst nach der Puppe verlange: denn dieser Wille ist ja nicht frei, sondern steht unter dem Einflug der gesamten Umgebung. Hulda Maurenbrecher scheint allerdings ihre Forderung einer starken Einschränkung deS Puppenspiels mir allgemein-pädagogischen Gründen zu belegen. Man vcrmistr den Hinweis darauf, dah für eine kleinbürgerliche Gesellschaft, in der die Tätigkeit der Frau in der Tat auf das Haus beschränkt ist, die Puppe ein ideales Spielzeug für Mädchen ist. Die wirtschaftliche Revolution hat die Frau als Gefährtin. lhäufiger Konkurrenrinj neben den Mann auch im auherhäuslichen Produktionsprozeß gestellt, sie revolutioniert auch die Köpfe, und so entsteht— z. B. auch bei Hulda Maurenbrccher— der Wunsch nach einem Frauengeschlecht, das nicht nichr unter dem Fluch der„Minderwertigkeit" gegenüber den Männern steht, seiner„Allzuwciblichkeit". Diese Revolution verschont auch nicht das scheinbar so unschuldige Kinderspiel, denn daS Kind ist ja nach einem tiefen Worte„des Mannes Vater". Wer eine Zeit komme» sieht und sie ersehnt, in der auch die Arbeit der Frau nicht isolierte Hausarbeit, sondern organisierte öffentliche Arbeit ist, muh auch für unsere Mädchen Spiele verlangen, welche die Dinge und Organisationen deS sozialen auherhäuslichen Leben» zum Hintergrunvo haben. Ilnd die Puppe wird ihre Vorzugs- slellung unter den Mädchcnspielsachen notwendigerweise verlieren. Frau A. Fitossofowa, die älteste Borkämpfcrin der r u s s i- scheu bürgerlichen Frauenbewegung, ist im Alter von 75 Jahren am 30. März verstorben. Aristokratischen Kreise» entsprossen und an einen hoben Beamten lGcneralstaatsanwalt) verheiratet, entging ihr doch nicht das Schicksal, Ende der 80cr Jahre wegen ibrcr Propaganda verbannt zu werden. Nack ihrer Rückkehr unter Alexander II. widmete sie sich erneut den Bestrebungen der biirgcr- lichen Fraucnemanzipation. Versammlungen— Veranstaltungen. Lebensbilder führender Frauen. Unter diesem Titel ver- onstaltet der Verein Frauenwohl im April einen Vortragszyklus. Es werden behandelt neben Frauen der Vergangenheit von fübrcn- den Frauen der Gegenwart: Carry Chapmann Catt, Präsidentin des Weltbundes für Fraucnstimmrccht, und aus der deutschen Frauenbewegung: Helene Lange, Klara Zetkin lRcferentin M. Caucr), Minna Caucr. Als Referentinnen sind fast durchtvcg Frauen gewonnen, die durch ihr Wirken zu den Nachfolgerinnen der behandelten Führerinncn gehören, u. a.: Anna Popvritz, Frau Cauer, Else Luders, Frau Reginc Deutsch. Der Preis beträgt für Gäste 2 M., Einzclvorträgc 50 Ps. Versammlungen. Mißstände bei der Firma Tckiwarbkopss. Die Arbeiter der Firma Schwartzkopff. Schcringstratzc, sind sehr unzufrieden mit den Zuständen, die in diesem Betriebe herrschen, und es ist ihnen nicht möglich, durch den Arbeiterausschuh ihren Beschwerden Gehör zu verschaffcu, da die Rechte des Ausschusses sehr beschränkt sind und in Lohnsragen überhaupt nicht anerkannt werden. In einer gntbesuchtcn Betriebsversammlung, die am Dienstagabend in der Bockbraücrci. Chanssccstratze. stattfand, refe- rierte A. W u s ch i ck vom Deutschen Mctallarbcitervcrband über die Mihstände im Betriebe und kritisierte das Verhalten der Direktion gegenüber den zahlreichen Wünschen und Beschwerden der Arbeiter. Er legte seinen Ausführungen zum Teil das Protokoll einer Sitzung der Vertreter der Firma mit dem Arbeitcrausfchuh zugrunde. Alle wesentlichen Anträge des Ausschusses wurden einfach abgelehnt. s Von der Gewährung eines Urlaubs für Arbeiter, die das ganze , Jahr hindurch fleißig der Firma gedient haben, will die Direktion nichts wissen. Eine Erweiterung der Rechte des Ausschusses, bc- �sonders in bczug auf Lohnsragen, wird mit der Motivierung abgelehnt, dah dies.„den Statuten" widerspricht. Die Arbeiter wünschen eben eine Aenderung dieser Statuten. Sehr unangenehm berührt hat die Antwort der Direktion auf die Frage: Wo bleiben die Kantine n ü b e r s ch ü s s c? Die Direktion antwortete:„Eine Rechnungslegung über die Verwendung der Kantinenüberschüssc zu Wohlfahrtszwcckcn wird nicht beabsichtigt, die Direktion begnügt sich mit der Versicherung, dah nicht nur diese Beträge, son- dern ein erhebliches Vielfaches derselben unseren Leuten zugc- wendet wird."— Aber die Arbeiter begnügen sich nicht mit dieser Versicherung: sie wiederholen nicht nur diese Frage, sondern fügen noch die Frage nach der Verwendung der Strafgelder hinzu. Auf die Anregung, den Schnaps aus der Kantine zu verbannen, antwortete die Direktion:„Der Erlaß eines Schnnpsverbots wird nicht beabsichtigt, vielmehr den Arbeitern anheimgegeben, durch Eni- Haltung von Alkohol selbst einen Rückgang des Konsums hcrbcizu- führen." Wusch ick brachte eine lange Reihe von Beschwerden aus den einzelnen Abteilungen vor. Die Lohnverhältnisse lassen besonders bei den Hilfsarbeitern viel zu wünschen übrig. Er verlas eine Lohntabelle, die folgende Ziffern zeigt: 1 Arbeiter, vielleicht der älteste im Betriebe, erhält 32 Pf. Stundenlohn, 2: 35 Pf., 1: 37 Pf.. 9: 38 Pf.. 1; 39 Pf., 28: 40 Pf.. 18: 42 Pf.. 7; 43 Pf.. 3: 44 Pf.. 11; 45 Pf.. 5; 53 Pf., 1: 65 Pf. Dabei besteht eine sehr lange Arbeitszeit; 80 bis 90 Stunden pro Woche ist keine Selten- bcit. Die Kesselhcizcr und das Fcuerungsperfonal beklagen sich über unerhört lange Arbeitszeit; zum Beispiel müsscu die Feuer- lcute abwechselnd von Sonntag mittag 12 Uhr bis Montag früh 8 Uhr, also 18 Stunden hintereinander, arbeiten und ohne Lohn- Zuschlag. Ucbcrhaupt wird das Ueberstundensystcm sehr gefördert, leider ohne bei den Arbeitern auf energischen Widerstand zu stoßen. Mit recht eindringlichen Worten crmahnte der Redner die An- wcsendcn, gegen die Schäden der Ucberzeitarbcit, die er eingehend schilderte, den Kampf aufzunehmen. Alle Mühe um Verbesserung der Lage sei nutzlos, wen» die Arbeiter in diesem Punkte nicht selbst ein Einsehen haben.— Mancherlei Beschwerden werden geführt über die verhängten Strafen. In der Kcsscldreherci bestehen Strafen von 3 bis 300 M. für nicht gut geratene Arbeit. Nun sollen aber die technischen Einrichtungen in der Kesseldreherci nicht einem modernen Betrieb entsprechen; unter anderem sollen ganz alte Drebbänke vorhanden sein, so dah es schwer hält, stets gut geratene Arbeit zu leisten. Sehr schlecht wird die gesundheitsgefährlichc Arbeit des Kcsselschleisens und Policrens bezahlt, hier fehlt es auch an wirksamen Staubabsaupvorrichtungcn. Klagen aus vielen Ab- tcilungen zeigen, daß die hygienischen Einrichtungen vielfach mangelhaft sind, sogar an gutem Trinkwasser fehlt es, was um so mehr Unwillen erregt hat, als man für die Pferde Sorge trägt, dah sie gutes Wasser erhalten. Aus der Schmiede und aus der Gießerei wurden ebenfalls viele Beschwerden vorgebracht. Die Meister Schade und Grützmacher haben sich durch rigoroses Wer- halten sehr unbeliebt gemacht._ Der Referent wies ans die Nottvendigkcit einer besseren Organisation hin und forderte, dah die Arbeiter dafür ein- treten, die Stellung des Ausschusses zu b e f e st i g c n und seine R e ch t c z u erweitern. In der Diskussion wurde diesem Verlangen durchaus bei- gestimmt. Mau bestätigte von allen Seiten die Richtigkeit der Aus- führungen des Referenten. S ch I i n s k y vom Verband der Schmiede und Arndt vom Deutschen Transportarbcitervcrband sfür die Hilfsarbeiter) nahmen ebenfalls das Wort und wandten sich gegen mancherlei Mißstände, deren Beseitigung vielfach von dem einigen und geschlossenen Vorgehen der Arbeiter abhänge. Die Versammlung beschloh, zum Zeichen des Protestes den Arbeitcrausschuh zurückzuziehen und eine Kommission zu wählen, die der Direktiu» die Gründe zu dem verlangten Rücktritt des Aus- schusscs darlegen und zugleich Vorschläge zu einer Swtutcnändc- rung machen soll, damit die Rechte eines neuen Ausschusses er- Westert werden. In diese Kommission wurden gewählt je ein Ver- trcter des Setzmaschinenbaues, des Torpedobaues, der Schmiede, der Metallgießerei und der Hilfsarbeiter überhaupt. Ein weiterer Beschluß der Versammlung zielte auf eine» Boykott der Kantine, doch wurde die Angelegenheit vorerst noch den Vertrauensleuten überwiesen. Tie Versammelten hofften, dah die Direktion den Wünschen der Arbeiter mehr Entgegenkommen als bisher zeigen werde._ SmgegÄNgene Oruckfckrifren. Der Kardinal. Bekenntnisse eines Priesters. Von B. Rüttenauer. Drosch. 4 M. G. Müller, München. Vau allen Zweige». Sammlung deutscher Gedichte. Ausgewählt von H. Lorenz, H. Raydt und R. Rößger. 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Für de« Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«Serlag: Borwarts Buchdruckeret u. Berlagsanimt: Paul Singer u.Co„ Berlin LtV.