Ur. 83. HbonncmcntS'Bcdingungfn: �IbonneinentF- Preis vränuuierando: Kisrteljährl. 3,30 SRT, monatl. 1,10 Mt., wvcheiMch 28 Pfg. frei ins Hau'. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemors. Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, WUMättien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Insertion!-Ledllhr keträgt für die fechsgespaltene Kolonel.' zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pf,. „Uleine Mnzetgen", das settgednickie Wort 20 Pfg. szuläsfig ZfcUgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etellengesuche und Schlafftellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Wort«. Jnserale für die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition zeben werden. Die Expedition pis 7 Uhr abends geöffnet, ilt kklchelnl ftiglich llllver Mglitzz», Berliner Volltsblntk. Zentrzhrgan äer rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblands. Telegramm-Adreffe: „Sozia�emobrat Berti«"« Redaktion: SOI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS8Z. Sonntag, den 7. April 1913. Expedition: 8 Cd. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984» Merstehungstag. In den Tagen schrankenloser Lassalle-Vergötterung feierte rtn Osterartikel des„Neuen Sozialdemokrat" einmal den Verfasser des Offenen Antwortschreibens als den Messias und den Heiland für das erlösungsbedürftige Proletariat. Der Vergleich war nicht nur wenig geschmackvoll, sondern er stand auch mit der historischen Wahrheit in hartem Wider- fpruch, denn mit der offiziellen christlichen Osterlegende hat die moderne Arbeiterklasse in keiner Gestalt etwas zu schaffen. Niemand freilich wird leugnen können, daß bei den herrschen- den Klassen die Osterbotschaft auf taube Ohren stößt und daß im Proletariat ein so starker Auferstehungsdrang, eine so machtvolle Erlösungssehnsucht lebendig sind, wie in keiner Klasse der Weltgeschichte vordem, aber gleichwohl schlägt sich nur schwer die Brücke zu dem christlichen Ostern. Leichter sicherlich zu dem urchristlichen Ostern in seiner imverwässerten Form, denn wir wissen heute, daß jener gali- läisck/e Rebell, der seinen Stamm zum Kampf aufrief und durch Spruch des römischen Prätors den Kreuzestod erlitt, wie manch anderer Aufrührer seiner Zeit, blutwenig zu tun hat mit dem zivilisierten und frisierten Christus der theolo- gischen Verballhornung, daß er mit dem Schwert kam, und nicht nnt dem Palmzweig, daß er die Tat predigte und nicht das Dulden, daß er ein Erlöser auf der Barrikade und nicht auf der Kanzel warl Dunkle Schwärme von gedrückten Pro- letariern waren es ja auch, aus deren dumpfer Lichtsehnsucht sich der Kern der urchrisllichen Lehre kristallisierte, und auf kommunistischer Grundlage, anknüpfend an den primitiven Kommunismus der Essäersekte, erhoben sich die ersten christ- lichen Gemeinden, Heim- und Zufluchtsstätten von Bauern und Proletariern, von Lepten, die diesschts und jenseits dieser Welt nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hatten. Aber als das Christentum zur herrschenden Macht und zum Stützpfeiler anderer herrschender Mächte geworden war und sich Thron und Altar zu einer Zweieinheit verschwistert hatten, da sonderte seine Legendenbildung fast alle proletari- schon, sicher olle revolutionären Gärstoffe aus und die christ- lichc Lehre wurde zu der von Nietzsche so gegeißelten und der- höhnten„Sklavenmoral", die das Untertansein der Obrigkeit tvrkündete und dem auf die rechte Backe Geschlagenen das eifrige Hinhalten auch der linken pries. Mögen sozialistische Theologen oder theologische Sozialisten voin Schlage etwa des Schweizer Pfarrers Kutter noch so sehr mit Engelszungen den Sozialismus als die Verwirklichung des Christentums feiern, in Wahrheit trennt die moderne Arbeiterklasse ein Abgrund von diesem Christentum, wie es Karl Marx schon einst tn schlagkräftigen Sätzen ausgedrückt hat: „Die sozialen Prinzipien des Christentums erklären alle Niederträchtigkeitsn der Unterdrücker gegen die Unterdrückten entweder für gerechte Strafe der Erbsünde oder sonstiger Sün- den, oder für Prüfungen, die der Herr über die Erlösten nach seiner Weisheit verhängt. Die sozialen Prinzipien des Christen-- tum» predigen die Feigheit, die Selbswcrachtung, die Erniedri- gung, oie Unterwürfigkeit, die Demut, kurz alle Eigensckiaften der Kanaille, und das Proletariat, das sich nicht als Kanaille be- handeln lassen will, hat seinen Mut, sein Selbstgefühl, seinen Stolz und seinen Unabhängigkeitssinn noch weit nötiger als sein Brot. Die sozialen Prinzipien des Christentums sind duckmäuserig und das Proletariat ist revolutionär." So ist's, und just in dem Unterschied zwischen dem prole- tarischen Auferstehungsdrang und der christlichen Osterlegende kommt jener klaffende Zwiespalt zum Ausdruck. Die Oster- legende ist die Erlösungslegende, aber sie ist gleichzeitig eine Legende, die alle Tatkraft lähmt und dem Gesesselten die Ketten noch schwerer macht. Schon wo im alten Testament, bei den Propheten, die Messiasverkündigung auftaucht, ist sie ver- knüpft mit der Mahnung, daß alles Heil von Gott komme und daß die Menschen in ihrer Kleinheit nichts wider das Schicksal vermöchten. In diesem Evangelium der Lauheit und Kraft- armut hat das neue Testament den Schlußstein mit der Oster- legende eingefügt: der liebe Gott schickt seinen eingeborenen Sohn auf die Erde und läßt ihn den Kreuzestod sterben, auf daß die Menschheit erlöst werde. Diese erlösungsbedürftige Menschheit aber rührt selbst nicht einen Finger dazu. Diese Abkehr von der Tat ist es, die der modernen Ar- beiterklasse die christliche Osterlegende als eine Botschaft in fremden Zungen erscheinen läßt, denn das Proletariat des zwanzigsten Jahrhunderts ist fiebernd vor Lebensmut und sprühend vor Tatkraft. Tief in ihm wurzelt die Erkenntnis, daß kein Erlöser, der von außen kommt, ihm die Ketten ab- streifen wird, sondern daß es sie mit seinen eigenen Fäusten zerbrechen muß— in seiner Brust sind seines Schicksals Sterne! Ter christlichen Osterbotschaft gläubig nachhängen hieße für die Arbeiterklasse, sich weiter geduldig unter Säbel und Knute ducken und im blassen Scheine einer wesenlosen Hoffnung die Hände in den Schoß legen. Aber diese Ar- beiterklasse wartet nicht, bis ein lichter Engel am Osternwrgen den Stein von ihrer dumpfen Gruft wälzt, sondern sie ar- beitet unverdrossen daran, den Stein selbst wegzuwälzen und sich selbst den Ostermorgen zu schaffen, der Finsternis in Licht verwandelt, und deshalb, weil sie der Befreiung durch die eigene Kraft so sicher ist, ist sie voll des rechten proleta- rischen Osterglanbens und voll der rechten proletarischen Osterzuversicht. Für all die vielen Millionen, die heute im Zeichen des Kapitalismus mühselig und beladen sind, können die christ- lichen Osterglocken nicht mehr sein als ein tönend Erz, aber die Sturmglcken der sozialen Revolution, das sind die jubeln- den Ostergockcn fiir diese Millionen und Abermillionen!. Die ßergarbeiterbewepng. Die 8tmhjurtizrmtraUleure. Dortmund, 4. April.(Eig. Set.) Immer intensiver arbeitet die Streikjustizmaschine. Am' Landgericht wird von über 700 Streik„verbrechen" geredet. Nach Ostern soll sich eine zweite S 0 n d e r st r a f k a m m e r am Dortmunder Landgericht mit den Streiksachen beschäftigen. Auch das �Schöffengericht hilft jetzt mit. Dabei lassen sich Vergleiche ermöglichen, wie die verschiedenen Kammern urteilen.— Streikbrecher rangieren höher wie die Polizeiwachtmeister! Für daö Wort Streikbrecher beantragte der Staatsanwalt in einem Fall 4 Wochen Gefängnis, für die Beleidigung des Wacht- Meisters:„Wenn der kommt, kriegt er paar auf den Balg!"— 3 Wochen! Die Beamtenherrlichkeit verblaßt also mählich vor der Majestät des Streikbrechers. In einer Wirtschaft entstand zwischen Streikenden und Streik- blechern eine Auseinandersetzung über die verschiedenen Organi- sationen. Ein Streikbrecher forderte einen Streikenden auf, mit nach Hause zu gehen. Das wurde abgelehnt. Der Streikbrecher schimpfte darauf: Du Lump!, worauf die Antwort kam: Wenn ich ein Lump bin, dann bist Du ein Schweinehund! Der Streikbrecher zog dann einfach seinen Revolver und knallte los. Ein Streikender wurde in einen Finger getroffen. Ein anderer, besoffener, Streik- brechet saß schlafend vor der Haustür. Als die Schüsse fielen, er- wachte er und wollte zum Angriff herbei; dabei fiel ihm ein langes Messer aus der Tasche, das er in die Hand nahm. Die Streikenden sahen das, sie liefen dazu und einer rief: Was, der will uns mit dem Messer bearbeiten? Darauf entstand eine Keilerei und die beiden Streikbrecher bekamen ordentlich Prügel. Schließlich wurde den Streikbrechern Messer und Revolver und den Streikenden ein Stock abgenommen. Und nun— was kam danach? 4 Streikende kamen auf die Anklagebank. Einer erhielt 2 Wochen Gefängnis, einer 3 Monate, der dritte 6 Wochen und der letzte 4 Monate und 1 Woche! Stolz und frei, aber als Retter des Profits und des Vaterlandes laufen die beiden Revolver- und Messerhelden herum! Vor der regulären Zweiten Strafkammen am Dortmunder Landgericht wurden zu gleicher Zeit folgende Streiksachen vcr- handelt. Weil er einen Streikbrecher„zu nötigen versucht" haben soll, wurde ein Bergmann angeklagt, der, auf einen verbotenen Bahn- Übergang zielend, sagte:„Wissen Sie nicht, daß man den Weg nicht gehen darf? Ich werde Sie anzeigen!" Der Mann wurde frei- gesprochen. „Pfui! solch eine Schweinerei!" rief eine Bergmannsfrau einem Streikbrecher zu. Sie gab an, daß ihr erzählt worden sei, der Betreffende sei mit ihrem Mann Liebesabenteuern nachge- gangen. Die Frau wurde freigesprochen. Einem Streikbrecher sollte zugerufen worden sein:„Du kriegst Haue, wenn Du aus dem Haus kommst." Urteil: 2 Wochen Ga- fängnis. Zwei Bergmannsfrauen sollten zu Streikbrechern gesagt haben: Früher gings ihnen so schlecht und jetzt spucken sie große Bogen. Die Frauen wurden freigesprochen. Zum lveiteren Vergleich noch folgende Fälle vom Dortmunder Schöffengericht. Weil er„Lump und Streikbrecher!, stelle doch die Arbeit ein", gerufen haben soll, erhielt ein Bergmann zwei Wochen Gefängnis. Ein anderer„Verbrecher" soll gerufen haben:„Streik- brechet, halte doch den rechten Weg ein!" Ebenfalls zwei W 0 che n. Weil er einen Streikbrecher mit Steinen beworfen haben soll, erhielt ein Streikender 10 Tage Gefängnis. Die eigentliche Streikkammer in Dortmund kommt schon bei diesem ersten Vergleich schlecht weg. Aber fiir„befangen" halten sich die Richter nicht. Zum ferneren Vergleich teilen wir noch mit, daß am Schöffen- gericht zu gleicher Zeit ein Fuhrunternehmer wegen gefährlicher Körperverletzung— er hatte seinen„Knecht" zu Boden geworfen und ihn derart getreten, daß der Arbeiter zum Arzt mußte— 60 Mark Geldstrafe erhielt. Dem Unternehmer wurde die„große Erregung" zugute gehalten! Und nun wieder zur Streik sonder kmnmer. Eine Frau war beschuldigt, einigen Streikbrechern Pfeffer in die Augen geworfen zu haben. Die Frau gab an, daß es eine andere Frau, die sie nicht-kenne, getan habe. Diese Angabe wurde durch eine Zeugin bekräftigt. Die Streikbrecher bezeichneten zum Teil die Angeklagte als die Täterin, auch ein Schulkind bezeugte es. Der Staatsan- walt hielt eine erregte Rede, weil der Mann der Angeklagten als „Leiter des Streikbureaus" bezeichnet worden war, sprach von„ver, brecherischer Energie" und beantragte 10)4 Monate Gefängnis; das Gericht erkannte auf 7 Monate. Ein Antrag auf Haftentlassung wurde auch dann abgelehnt, als 600 Mark Kaution für die kranke Frau angeboten wurden! »» * Die freiwilligen„Lohnaufbesserungen" für die Bergarbeiter in Oberschlesien. Wie die einzelnen Grubenverwaltungen durch die bürger-- liche Lokalpresse mitteilen lassen, haben sie sich entschlossen, vom 1. April ab„Lohnaufbesserungen" eintreten zu lassen, die aber, genauer betrachtet, so gut wie star nichts bedeuten und jeden Augenblick widerrufen werden können. Allen Gruben voran geht die Verwaltung der Vereinigten Königs- und Laurahütte, die erst„w p h I w 0 l l e n d" prüfen will, wo eine Aufbesserung am Platz ist. Die f i s- k a l i s ch e n Gruben inKönigshütte und die K ö n i g i n L u i s e g r 11 b e in Zabrze haben eine Schichtzulage von 5t) Pf. bewilligt; jugendliche Arbeiter erhalten 2t) Pf. und für die Gedingsätze ist eine„w ohlwollende" Regelung zugesagt. Auf den fiskalischen Welses ch ächten wird für regelmäßiges Anfahren eine Prämie von 5 bis 6 Mk. monatlich gezahlt. F ü r st v. P l e ß hat eine Aufbesse-. rung von 1t) Proz.„z u g e s a g t". Die Kattowitzer Aktien- gesellschaft erhöhte den Schichtlohn um 2t1 bis 5t) Pf. Die SchaffgotscheVerwaltung hat das Schleppergedinge um 2 P f. pro K a st e n erhöht-und hat die„A bsich t", das Häuergedinge zu„regeln". Graf Ballestrem zahlt eine Prämie von 12 Proz. für regelmäßiges An- fahren. Graf Henckel von Donnersmarck gewährt eine Regel mäßigkeits Prämie von 7� Proz. mit der Bedingung, daß alle Schichten Verfahren werden. Alle Zugeständnisse der Grubenherren sind„freiwillig e", auf die der Arbeiter ein klagbares Recht nicht hat. Für die zahlreichen in oberschlesischen Gruben beschäftig- ten Ausländer kommen die Zulagen oder Regelmäßig- keitsprämien überhaupt nicht in Frage, weil diese nur dann gezahlt werden, wenn sie an ihren Nationalfeier- tagen auch einfahren. Und dazu werden sich die Ausländer schwerlich verstehen. Im allgemeinen bedeutet aber das„Ent- gegenkonrmen" der Grubenherren so gut wie gar nichts. Wer die oberschlesischen Verhältnisse"kennt, weiß, daß dort mehr wie in anderen Bergwerksbezirken eine Schicht ge- bummelt wird, weil den Arbeitern dort noch die gewerkschaft- liche Disziplin fehlt. Und deshalb haben es die Grubenherren leicht mit ihren Zugeständnissen: der größte Teil der Ar- beiter kommt vorläufig nicht in den Genuß derselben. T-as wissen die Grubenherren sehr genau. w• * Wiederausnahme der Arbeit in England. London, 6. April.(W. T. B.) Die Konferenz des Grubenarbeiterverbandes hat die Empfehlung des Exekutw- komitees, daß die Arbeit zwecks Beendigung des Streiks am Montag oder Dienstag wieder aufgenommen werden soll, angenommen. Die Rmlutisn in China. Tic provisorische Verfassung. Peking, 4. April.(Meldung der„Agence d' Extreme Orient".) Zu derselben Zeit wie die Verständigung zwischen Peking und Nanking über die Frage der Zusammensetzung des Kabinetts. hat man sich auch über die provisorische Konstitution verständigt, die einerseits dazu bestimmt ist, die republikanische Konstitution von Nanking, andererseits die 19 Punkte der von den Mcmdschus ge- währten Verfassung zu ersetzen. Die neue Verfassung, zu der sowohl die Versammlung von Nanking wie Duanschikai und da» neue Kabinett ihre Zustimmung gegeben haben, ist in 7 Kapitel mit 56 Artikeln eingeteilt worden. Die wesentlichen Punkte lauten: Die Rcgierungsgewalt teilt sich in die ausübende Gewalt, in die gesetzgebende und die gerichtliche. Die'ausübende liegt in den Händen des Präsidenten und der Minister, die gesetzgebende in denen de» provisorischen Parlaments, dex Minister und des Präsi- denten, die gerichtliche in denen der Gerichtshöfe. Alle Bürger ohne Unterschied der Rasse und Religion sind gleich. Niemand kann anders als gemäß den Gesetzen verhaftet oder gerichtlich verfolgt werden. Das Haus ist unverletzlich. Die Berufe sind frei. Die Bürger haben Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit, sowie das Recht der Freizügigkeit und des Wohnrechts im ganzen Reiche. Das Briefgeheimnis darf nicht verletzt werden. Religion und Glaubensbekenntnis sind frei. Die Bürger haben das Petitions- recht. Das provisorische Parlament besteht aus 121 Abgeordneten, die im, Verhältnis zur Einwohnerzähl von folgenden Provinzen gewählt werden: Den 18 Provinzen des eigentlichen Chinas, den 3 Provinzen der Mandschurei, der inneren und äußeren Mongolei und Tibet. Turkestan wählt nur einen Abgeordneten. Das provisorische Parlament hat nicht das Recht der Initiative» aber es genehmigt das Budget, die Steuern, die Anleihen, erteilt seine Genehmigung zu den Verträgen und zur Erklärung von Krieg und Frieden, und kann der Regierung den Wunsch ausdrücken, ihre Gesetzentwürfe zu unterbreiten. Wenn das provisorische Parlament glaubt, daß der Präsident den Sturz der Republik beabsichtigt, kann es ihn in Anklagezustand versetzen, wenn ein Fünftel der Mitglieder anwesend sind und wenn der Anklage von Dreiviertel der Mit- glieder zugestimmt wird. Ebenso kann es die Minister in Anklage- zustand versetzen, wenn Dreiviertel der Mitglieder anwesend find. unb wenn der Vorschlag die Zustimmung von Zweidnticl von ihnen findet. Die Abgeordneten erfreuen sich der parlamentarischen Immunität. Der Präsident der Republik wird durch das Parlament gewählt. Er hat das Einspruchsrecht gegen die Beschlüsse des Parlaments, das jedoch wirkungslos bleibt, wenn Zwcidrittel der Mitglieder ihre Beschlüsse aufrebht erhalten. Ter Präsident ist der Epes des LandhcereS und der Marine. Er gibt die Gesetze bekannt, erklärt Krieg und schliesst Frieden mit Genehmigung des Parlaments. Er präsentiert die Gesetzentwürfe dem Parlament. Das Ministerium ist dem Parlament verant- wortlich und zeichnet die Beschlüsse des Präsidenten gegen. Die Richter sind unabhängig und unabsetzbar. Gerichtssitzungen sind öffentlich. In 10 Monate wird das provisorische Parlament das endgültige Wahlgesetz bearbeiten und das Parlament wird zu- sammentrcten, um die endgültige Verfassung sestzusetzew- Eoldatcn als Kolonisatoren. Ucber einen bemerkenswerten Vorschlag der Versorgung aus- gedienter Mannschaften durch Kulturarbeit wird dem„Peuplc" aus Peking berichtet. Bei Beendigung der Revolutionskämpse gab es etwa 1 Million Kämpfer und Tmnsportpersonal, ausgebildete Soldaten und Freiwillige, auf beiden Seiten. Namentlich in Süd- china hatt die Revolutionsarmec viele Arbeitslose und Notleidende eingestellt, deren Entlassung für die öffentliche Sicherheit bedenklich erschien. Daher hat der General Hu-Din dem Präsidenten Duanschikai einen Plan vorgelegt, der schon nach Beendignung des Taiping-Auftstandes(1866) sich bewährt hat, übrigens aus der alt- römischen Geschichte wohlbekannt ist; Ansiedlung der„arbeitslos" tucrdciüxn Soldaten auf unbewohntem Gebiete. Nach dem Taiping- Aufstand lourdcn Soldaten aus der südlichen Provinz Huang nach der nordöstlichen Sin-Kiang in Turkestan gesandt und haben sich als Bauern sehr gut bewährt. Hu-Uin weist daher auf die unge- heurcn unbebauten Landstriche hin, die es noch heute tn Dur- kcstan und der Mongolei gibt, auf denen neue Ansiedler in 1 bis 2 Jahren sich eine unabhängige Existenz gründen könnten. Zugleich würden sie eine ausgezeichnete Grenzwehr bilden. Sei es auch im Winter in Turkestan kälter als i» China, so hätten doch die Ersahruligen der sechziger Jahre gezeigt, daß das unbedenklich sei. Ebenso lvenig hätten die in das kalte Tibet gesandten Truppen gelitte». Statt die Leute abzudanken solle man sie also als Koloni- satorcn verwenden. Den Soldaten würden Kauflcute folgen, so daß sich jene noch wilden aber sehr fruchtbaren Boden bergenden Steppen bald mit Chinesen oller Klassen bevölkern würden, Russland und die Anleihe. Petersburg, 6. April. Rußland hat sich dem Vier- mächtckonsortium für die Ausgabe der Anleihe zur Reorganisation Chinas angeschlossen und die Bedingung gestellt, daß die Anleihe in keiner Weise die Handelsinteresscn Rußlands in der Mandschurei, Mongolei sowie im westlichen China verletzte, und daß die Anleihe- bedtngungen nach ihrer Ausarbeitung durch die Finanzgruppen den interessierten Regierungen zur Begutachtung vorgelegt werden. Sie belgischen Gewerkschaften. Unser belgischer Korrespondent schreibt: Der letzte GelverkschaftSkongreß zu Weihnachten 1910 hat per- fügt, daß für de» am IL. April stattfindenden außerordentlichen Kongreß neuerdings ein Bericht auszuarbeiten und vorzulegen ist. Die, er nunmehr erschienene Bericht gibt über die komplizierten gewerkschaftlichen Perhältnissc Belgiens ein auZführlich-S. durch reichliche Beifügung statistischer Tafeln und von Diagrammen plastisch hervortretendes Bild. Die Schwierigkeiten einer Darstellung des Gewerkschaftslebens Belgiens, soiveit e« sich„m Gruppen handelt, die der Arbeiterpartei angehören oder nur schlechthin das Prinzip des KlofienkampseS an- erkennen, bestehen nicht»ur in den sozusagen normalen Hindernissen der Saumseligkeit. Indifferenz usw. der verschiedensten Gruppen. Material zu liefern, Fragebogen zu beantworten usw., sondern in der Tatsache der Organi satt ons formen selbst, die sich zwar er- freulicherweise in der letzten Zeit immer inehr von, zentralistischen Prinzip inspirieren loffe», aber vorläufig eben doch noch von starken lokalisitsche» Tendenzen beherrscht sind. So muß der Sekretär Bergmanns vermerken, daß»och iminer eine Reihe lokaler Gewerkschaften sich weigern, ihrer Föderation oder dein Zentral- verband anziigehoren. und damit nicht die Möglichkeit haben, der GewerkschaftSkommissio» angeschlossen und ihren Mitglieder» beigezählt zu werden. So gehören die Maler von C o u r t r a l. M c ch e l n und Gent, die Transport- arhciter vo» L ii t t i ch u. a. bis heute nicht ihrer Zentrale an. Andererseits ist zu bemerken, daß sich die belgischen Gewerk- schasten je nach ihrer Zugehörigkeit zur Partei oder Gewerkschaft«- kommission gruppieren. Man unter, cheidet sonach Gewerkschaften, die der„Gelvcrkschaftskommission der Arbeiterpartei und der lln- abhängigen Gewerkschaften"— dies ihr voller Titel— an- gehören, und solchen, die der Arbeiterpartei oder auch beiden Instanzen angeschlossen sind. Außerdem aber gibt es Berufsorganisationen in Belgien, die weder der Partei noch der Gewerkschaftskoinmission angegliedert sind, Wie die Bergarbeiter des Borinage— fast 8000 au Zahl—, die zwar auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, aber unter den von der Kommission ausgewiesenen organisierten Arbeitern nickt angeführt werden können.(Die£>400 Bergarbeiter des L ü t t i ch e r Beckens wieder sind wohl der Partei, aber nicht der Kommission angeschlossen und erscheinen damit»ur in der Gruppe der der Partei an- gegliederten Organisationen.) Die der Gewerkschaftskommission angeschlossenen Gruppen zeigen folgende» Fortschritt seit dem Jahre isvö: W08....... 54 184 Mitglieder 1900....... 42 401 1007....... Sb 840 1908....... 67 412 1909....... 73 361 1910....... 68 084 1911....... 77 204 Der Niedergang, de» das Krisensahr 1910 brachte, ist also mehr als ausgeglichen, indem dos Jahr 1911 einen Mitgliederzuwachs vo» über 8300 Personen gegenüber de», Jahre 1910 anzeigt, also den Mitgliederstand von 1909 um zirka 3800 überragt. Die größere Mitgliederzahl uiiter den erwähnten drei Gruppen entfällt auf die der Gewerkschaftskommission angeschlossene. Unter diesen 77 204 Mitgliedern befinden sich noch 5193 Mitglieder, die sich auf 19 Organisationen verteile», die weder ihrer Föderarion noch der Zentrale angeschlossen sind.— Di- Gesamtzahl der Mitglieder der der GeworkschastSkomniission angeschlossenen Gruppen könnte in- de« eine weit Höhere sein, wem, nicht die von, Gewerkschaftssekretär gerügte Unsitte herrschte, daß verschiedene Organisationen nicht für die volle Zabl ihrer Mitglieder die Bei- träge a n d i e K o m m, s s, o>, zahlen. Die größte Zahl der organisierten Arbeiter unter der der Kom- Mission angeschlossenen Gruppe entfällt auf die Metallarbeiter- orga»isation(22 000 effektive Mitglieder. Beiträge an die Kommission wurden nur für 14 000 gezahlt). Dan» kommen die Bergarbeiter mit 12 400 Mitglieder». Und zwar sind dies die Gruppen der Becken von C Harleroi, des„Centre", von Flein alle, des Basse» S a m b r e und von P a l ij r a g e s. Die Bergarbeiter deS Lütticher Becken« sind wie erwähnt nur der Partei, die vom Borinage über« Haupt nicht angeschlossen. Doch sind Bestrebungen am Werk, dl« hassen lassen, daß auch diese Organisatimeu sich dem moderne» OcganisationSgedsulcn nicht wester verschließen und sich der offiziellen Vertretung der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter anschließen. Die Gruppe der Steinarbeiter umfaßt an 12 000 Organisierte, die Textilgruppe zirka 14 700, die Holzarbeiter 4700, Bau- arbeiter 4000, Tabakarbeiter 2800, Hafenarbeiter 2000 usw. Die Mitgliederzahl der der Partei(aber nicht der GewerkschastS- kommission) angegliederten Gruppen belauft sich auf 6340 Personen. Insgesamt sind in Belgien sonach rund 92 600 Arbeiter ge- lverkschaftlich organisiert, die auf dem Boden deS Klassenkampfes stehen. Sie gruppieren sich folgender- maßen: Der Gewerkschaftskonnnission angeschlossen...... 77 204 Der Partei angeschlossen............ 6540 Verschiedene Berussgruppen(Buchdrucker, Diamantarbeiter- Vereinigung, sozialistische Lehrer usw....... 1 201 Bergarbeiter des Borinage, weder der Partei noch der Kommission angeschlossen......., 7 790 Insgesamt; 92 735 Auch über die ch r i st I i ch e n Gewerkschaften enthält der Bericht deS Sekretärs eine Zusammenstellung. Diese christlichen Organisationen sind keine Kampfgruppen, sondern„gelbe" Bereiue. die jedem ernsten Klassenkampf fern sind nnd sich der Protektion von Klerus, Unternehmertum und Regierung erfreuen. Der Ernst ihrer Bestrebungen kennzeichnet sich schon damit, daß ihre Beiträge lächerlich niedrig sind, daher nicht Kampfzwecken, sonder» Unterstützungen aller Art dienen, die mit dem Lebenskampf der Gewerkschaften um bessere Existenzbedingungen so gut wie nichts zu tun haben. Die von den gelben Organisationen veröffentlichte Statistik über ihre Mitgliederzahl kommt auf dem Wege eines schwindelhaften Manövers zu dem Resultat von 71000„christlich organisierte» Arbeitern". Nach Abzug von wider- rechtlich zugerechneten Organisationen und Richtigstellung anderer schwindelhaftcr Berechnungen ergibt sich eine Gesamtzahl von 43 300 in christlichen ,.BerilfS"orgaiiisationen vereinigten Arbeitern. Unter den christlichen„Berufsorganisationen" befinden sich auch die der Spitzenarbeiterin ncn Flanderns. Die Zahl der in der Spitzeniiidustnc beschäftigten Frauen beträgt nach der offiziellen Statistik 47 300. Ein Bruchteil von ihnen ist in der Textilgruppe der christlichen Gewerkschaften organisiert, die alles in allem 10000 Personen umfaßt.. Die GewerkschastSpresse in Belgicu verfügt über 23 Blätter, die in einer jährliche» Gesamtauflage von rund 1 434 800 Exemplaren erscheinen. Diele Blätter erscheinen in französischer und flämischer Sprache, ein Teil von ihnen doppelsprachig. TaS Blatt der Gciverk- schaftSkommifsion. das„Journal de« CorrespondaiiecS" läßt in bezug auf seine Verbreitung oder wenn man will, auf seine Bezahlung durch die Gewerkschaften viel zu wünschen übrig.— Neben diese» und anderen Mängeln, die der Bericht der Gewerkschaftskommission aufzeigt, deutet er aber auch auf unleugbare und erfreuliche Fort- schritte der belgischen Gewerkschaftsbewegung, die sich nicht nur im Sinne eines numerischen Aufschwungs, sondern ebenso im Durch- und Hinaufarbeiten zur modernen Organisationsform kundtut. Politische ücbcrlicbt Berlin, den 6, April 1912. Fürst Bülow über die Revolution. Die Presse bringt zurzeit einige Aeußerunge», die Fürst Bülow im Jahre 1903 dem ehemaligen französischen Marine- und Unter- richtSminister Lockroy gegenüber gemacht haben soll und die sie gewissermaßen als Sensation betrachtet. Für einen Sozialisten nicht nur, sondern für jeden Menschen von historischer Bildung bieten die Aeußerungen BülowS durchaus nichts Originelles oder überragend Geistreiches. Denn wenn auch Fürst Bülow Ansichten äußert«, die in vorteilhaftem Gegensatz stehen zu dem hohlen Geschwätz unserer DurchschnittSstaatSmänner. ja selbst zu den geistreichelnd flachen Causcrien deS Reichskanzlers Fürsten Bülow, so enthalten sie doch auch nichts. waS die Durch- schnittSeinsicht eines halbwegs unterrichteten modernen Menschen überträfe. Im Gespräch über T a i n e und dessen Werk über die Grundlagen des modernen Frankreich äußerte nämlich Fürst Bülow; „Er hat Ihre Revolution nicht verstanden, er sieht in ihr nur verbrecherische Motive oder niedrige Gründe, er scheint zu glauben, als sei die Umwälzung nur von einem kleinen Haufen Besessener oder von Schurken hervorgerufen. Das heißt die Menschen verkennen, da« ist eine Trade st ieruna der Geschichte. Selbstverständlich ist da«, wa« sich 1793 ereignete, nie zu billigen lgemcint ist die Hinrichtung König Ludwig« XVI.), aber man muß anerkennen, daß im Wohlfahrtsausschüsse und daß im Konvent auch Männer wirkten, die nicht nur von u n a n r a st- barer� Redlichkeit waren, sondern auch Organisatoren und Staatsmänner e r st e n R a n g e s. Das sieht Taine nicht oder das will er nicht sehen und damit schwächt er sein Werk. Wir verlieren das Vertrauen zu. seinem Urteil. Und dann muß ich ihm," ergänzte Bülow,«noch einen Vorwurf machen: er berücksichtigt nicht die ökonomische Situation und die ökonomische» und administrativen Ursachen. Die Sozialisten gehen zu weit, wenn sie be- haupten wollen, daß alle Revolutionen einzig und allein ökonomischen Ursprungs seien: nein, bei allen Umwälzungen spielt auch das Ideal seine Rolle. Aber wenn»um bei der Beurteilung einer Krise, die ein ganzes Volk durchwühlt, die ökonomischen Ursachen vernachlässigt, verkennt man die große Rolle, die die materiellen Jnteresien bei den Ereignissen spielen," Tic französische Revolution, meinte Fürst Bülow weiter, sei durchaus kein lokales Ereignis, sondern ein europäisches Geschehnis gewesen. Sick habe die alte Welt umgeformt, die alte Ge» sellschaft erneuert.„Wirallc, wir leben vonihr. Alle zivilisierten Nationen leben von ihr." Auch über Bebel soll Bülow ein leidlich objektives Urteil gefällt haben. Er nannte ihn einen„ganz Herborragenden Redner", „einen Mann, der durch Arbeit und Denken zu einem Gelehrten geworden" sei. Daß der vertraulich plaudernde und dadurch der offiziellen Borniertheit ledige Reichskanzler immer. hin noch seine politischen Scheuklappen trug, beweist allerdings die an sein Urteil über Bebel anknüpfende Bemerkung, daß ein großer Teil der andern sozialdemokratischen Führer von mindcrcm Idealismus beseelt und darum nur bei der Partei sei, weil er von ihr direkt oder indirekt materielle Vorteile habe. Daß derlei historische Urteil eines deutschen Staatsmannes Er- staunen und je nachdem auch Entrüstung auszulösen vermögen, ist nur ein Zeugnis für die unglaubliche Beschränktheit, die bei uns „führenden" Staatsmännern entweder innewohnt oder zum mindesten doch während ihrer Amtstätigkeit geheuchelt werden muß. Schon der Hohenlohe der Memoiren war eine Uebcrraschung an Intelligenz und Freimut. In welchem Lichte der Ketzerei würde erst ein Bülow erscheinen, wenn er gleich dem Onkel Chlodwig einmal ungeschminkte Memoiren erscheinen ließet Hausiniann gegen Tirpift. In der Zeitschrift„März" veröffentlicht Conrad Haußmann einen scharfen Angriff gegen Herrn von Tirpitz. Set doch Tirpitz der eigentliche Hintermann dcö Flotten Vereins gewesen. Und habe doch der Flottcnverein, dies Instrument des Herrn von Tirpitz, als Houptwerbemittcl für die Flottenagitation jeit 17 Jahren die„Ausbreitung der Furcht und Abneigung vor England" geflissentlich betrieben. Das Riesendefizii bor der Reichs- finanzreform» die Halbmilliardenschröpftmg durch die blauschwarze Steuerreform und die wrrchicnde internationale Gereiztheil seien die Frucht der F l o tt e nv c r ei n s ag i ta t io n und der Drausgängerei deV Herrn von Tirpitz gewesen. Durch die Forderungen des Herr» von Tirpitz sei auch der Appetit des K r i e g s m i n i st e rs Herrn von Heeringen für die L a n d m a ch t erregt worden. Militarismus und Marinis. inus teilten sich nun in das�Gieschäst. Und um die Rivalität zwischen Wasser- und LandmilttarÄmuS zu beseitigen und beide auf Gedeih und Verderb zu verbünden, Hobe man nunmehr den Flottenvereia in einen Weh rvcrein umgewandelt: „Seinen Bannerträger erblickte der Wehrverein in Herrn v. Tirpitz und überschwemmt Deutschland wieder mit e n d- losen Drucksachen. Zum äußeren Zeichen, daß die Rüstungsagitatton. die Herr v. Tirpitz organisiert hat. überall Lärm machen will, wird eine Zeitschrift„Ueberall" lanciert und mit einem tendcuziöscn Titelbild nnd mit englandfeind« lichcn Artikeln pensionierter und unpen- s i o n i e r t e r Marinefcdcrn ausstaffiert. Die Märznummcr des„Ueberall" gibt einen Hagel von Geschossen gegen England von sich wie ein Maschinengewehr. Man erstaunt über die Z ü g e l l o s t g k e i t dieser Umtriebe nnd die Sk r upel lo s i g ke i t des Preßkonzerns. dessen Autoritäten und Materiallieferanten in der Preßabteilung des Morineamts sitzen. Das Geld bringen die Inserate. Die eben zitierte Nummer hat 16 Seiten Inserate der Schichauwerke und von Friedrich Srupp!!" Wenn sich Herr Haußmann auch des weiteren darüber ent» rüstet, daß die„patriotische" Propaganda des Flotten- und Wehr- Vereins von den Lieferanten von Rüstungsmaterial dergestalt unterstützt werde, und daß dies Vorgehen eine„Des- organisation des öffentlichen Dienstes" darstelle, so verkennt er doch, daß nicht nur unser ganzes weltpolitisches Rüstungswesen. sondern auch unjere ganze Weltpolitik und die Gestal» tung unserer Kolonialpolitik im Grunde nichts darstellen als ein kapitalistisches Geschäft, das nur einem kleinen Kreise von Kapitalisten zugute kommt. Und wenn Herr Haußmann nicht nur der auswärtigen, sondern auch der inneren Politik auf den Grund gehen wollte, wird er ebenso einwandsfrei zu ermitteln vermögen, daß auch unsere ganze innere Politik, unsere ganze Steuer- und sozialpolitische Gesetzgebung lediglich die Interessen einer kleinen Minorität von kapitalisti- s ch e n Beutepolitikern ans den Leib geschnitten fftl Mag also auch im Falle des Herrn von Tirpitz und seines Flotten- und Wehrvereins daL Profitinteresse des Panzerplattenkapitals beson» dcrs kraß hervortreten, so stellt doch auch diese Spezialität der kaph» talistischcn Beutepolitik die allgemeine Regel dar! Konservative Vcrleinnduugssucht. Die persönliche Verleumdung der politischen Gegner ist bei den rechtsstehenden Parteien ein beliebtes Kampfmittel. Im Wahlkreis« Koltbuö-Sprenibcrg erzählte ein konservativer Stimmzettelverteiler. Maschincnführer Brenzel, auf den Dörfern, der sozialdemokratische Kandidat Giebel habe schon Gefängnisstrafe wegen sittlicher Ver« sehlungen verbüßt und sei auch jetzt während der Zeit der Stichwahl wieder eingesperrt. ES gelang den Mann zu stellen, und da eS ganz gut ist. wenn von Zeit zu Zeit einmal ei» solcher konservativer Ver« lcumdcr dingfest gemachr wird, klagte Giebel wegen Beleidigung. Das Schöffengericht Spreu, derg stellte fest, daß sich dieser Brenzel, der nicht nur konservativ, sondern auch Vorsitzender rineS Krieger- Vereins ist, die beleidigenden Behauptungen glatt aus den Fingern gesogen habe, um Stimmung gegen den sozialdemokratischen Kandi- daten zu machen. Giebel begnügte sich mit dieser Konstatternng sc» wie der bedauernden Zurücknahme der Beleidigung und der Neben» nähme der Köllen durch den Verleumder. Ei»»»bequemes Bekenntnis. Die reaktionäre Presse registriert höchst mißmutig das. Bekenntnis eines Münchener Professors, daß er bei den letzten Wahlen aus taktifckwn Gründen sozialdemokratisch gewählt habe. Und obendrein war öS nicht ein einfacher Professor, sondern der Rektor der technischen Hochschule in Münch e n, Professor Dr. Günther, der da in der Zweiten bayerischen Kammer ungeniert erklärte:„auch ich habe bei den letzten Wahlen aus taktischen Gründen sozialdemokra- tisch gewählt." Die reaktionäre Presse macht die krmnpf- lmstesten Anstrengungen, dies Bekenntnis des München« Hochschulprofcssors und Rektors zu travestieren. Das JJciv' zigcr Tageblatt" beispielsweise meint, der Bekennermut Günthers bringe„weder Tod noch Verfolgung", denn die parlamentarische Immunität hebe ja die Wirkung des Be» kcnntnisses ans. Auch wir vermögen in dem Bekenntnis des Münchener Professors einen Heroismus und ein Martyrium natürlich nicht zu entdecken: aber wir müssen doch gestehen, daß uns das Vorgehen Günthers immerhin Achtung abnötigt» wenn wir sein Verhalten vergleichen nicht nur mit der Aengst» lichkeit des liberalen und selbst freisinnigen Wählerwms über» lsaupt, sondern auch der übertriebenen Vorsicht der. frei sinnigen Parlamentsvertreter, na» montlich aber derer, die sich in einer amtlichen Stellung befinden. Besäße nur ein einigermaßen er» h-blichcr Teil der freisinnigen Wähler, ja selbst nur der Parla» mcntsvertretcr, den Mut, den der bayerische Abgeordnete trotz seiner Eigenschaft als Hochschulrektor bekundet hat. so würde auch den von Natur aus ängstlichsten Seelen gar bald die Furcht vor dem behördlichen Terror ausgetrieben werden. Denn sobald die Acngstlichkcit der Beamten verschwände, wurde auch der terroristischen Anmaßung der Staatsbehörde» ein Ziel gesetzt sein!_ Vereinsgruppen und selbständige Berei« nach 5 de« ReichövcreinS- und Versammlungsgesetzes! So hat eben ein Landgericht m Dresden entschieden und durch dieses Urteil eine wesentliche Beeinträchtigung des Ver- oinSlebcns proklamiert.— Natürlich handelt es sich ,nn einen sozialdemokratischen Verein! In ganz Sachsen ist unsere Partei gleich», äßig organisiert. Die Grundlage des organi- satorischtn Aufbaues ist der sozialdemokratische Verein des einzelnen Reichstagslvahlkreises. Da das Gebiet meistens sehr groß ist. glic- dert sich der Verein in lokale Gruppen mit lokaler Verwaltung. Letztere ist jedoch in ihrer gesamten Tätigkeit an die Vorschriften des Kreisstatutcs gebunden, dessen Bestimmungen unterworfen nnd hat sich nach den Instruktionen de? Kreisvorstandes zu richten. Ein besonderes Statut haben die einzelnen Gruppen infolgedessen selbst- verständlich nicht. Die Zentralisation für den ganzen Wahlkreis ist streng durchgeführt, die Beschlüsse und Anregungen des Kreis- Vorstandes sind maßgebend für die Tätigkeit der lokalen Bcrwal- tung, die also in der Hauptsache eine ausführende Instanz ist. Stach diesem Schema arbeiten in ganz Sachsen die fozialdemokrati schech Organisationen. Ta fiel eI einer Amis'hauplmannschaft ein. eine dieser Vereins- Kruppen als„selbständigen Berein" zu erklären. Sie verlangte von der Verwaltung die Einreichung eines Statutes usw. Die vier Verlvaltungsmitglieder weigerten sich, dem Verlangen zu entsprechen und beriefen sich darauf, daß die Gruppe, der sie vorsj-chen, nur ein Teil deS Reichs tagslvahlkreises ist. Daraus folgten Straf- Mandate, wogegen die vier Genossen richterliche Entscheidung be- ontragten. Da» Schöffengericht erkannte auf Freisprechung. indem es sich der Auffassung der Angklagten anschlosi. Dabei be- ruhigte sich die Behörde jedoch nicht,— und nun kam die Sache bor da» Dresdener Landgericht. Obwohl die Angeklagter nach- weisen konnten, daß die Auffassung der Amtshauptmannschaft mit den Verhandlungen in der damaligen Reichstagskommission im Widerspruch steht, und von einer Selbständigkeit der Gruppen nicht die Rede sein kann, wurden sie zu 3 bis 6 M. Geldstrafe ver- urteilt. Das Gericht erblickte die„Selbständigkeit" schon darin, daß die Gruppenverwaltung Versammlungen und Vergnügen ar- rangiere, sowie Mitglieder ohne weiteres aufnehme. Selbstverständlich wird dieses Urteil angefochten und eine letzt- instanzliche Entscheidung darüber herbeigeführt werden; das ganze Vorgehen der Behörde zeigt aber, daß die bekannte Nadelstich- Politik in Sachsen trotz aller gegenteiligen Versicherungen der Hiegierung fortgesetzt wird. Kapitalistisches Christentum. Während der letzten Tage des Streits im Ruhrrebier wurde in Lünen ein streikender Bergmann von dem Bor- sitzenden deS christlichen Gewerkschaftskartells erschossen. Der Erschossene wurde von seinen Kameraden mit ollen Ehren zur letzten Ruhe geleitet, auch der Genosse Demtröder legte einen Kranz am Grabe nieder, wobei er dem durch Christen- band Getöteten einige Worte widmete, die den amtierenden Geist« tichen in grosse Aufregung versetzten. Er rief die Polizei herbei, die jedoch an dem Geschehenen auch nichts»»ehr ändern konnte. Jetzt hat aber nachträglich der Genosse Demtröder folgenden Echreibebrief erhalten:„Lünen. 28. März 1912. Herrn Expedient Demtröder, Wohlgeboren, Lünen Mit Rücksicht auf die am vergangenen Sonntag, den 24. d. Mts., bei der Beerdigung Weisterinaim auf dem evangelischen Friedhos sich abspielenden Vorgänge benachrichtigen wir Sie hiermit. dah Ihnen der Zutritt zu denhiesigen evangelische,» Friedhöfen der evangelischen Kirchenge in einde Lüne»» fortan untersagt i st. Das PreSbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Lünen. I. A.: Frey, Pfarrer, zurzeit Vorsitzender. Dasselbe PreSbyterium erlätzt außerdem in der„Lüner Zeitung" folgende Bekanntmachung; «Den Mitgliedern der hiesigen Zahl st eile des Deutschen Bergarbeiterverbandes ist, sofern sie im geschlossenen Verband, mit Emblemen oder Fahnen erscheinen, der Zutritt zu den Friedhöfen der evangelischen Nirchengemeinde Lünen bis auf weiteres nicht gestattet. Lünen, den 1. April 1912. Das PreSbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Lünen." Die Parteinahme der Kirche wird lediglich dazu beitragen, daß sich die Arbeiter in immer größeren Scharen von diesem kapitalistische» Christentum abwenden._ Oberschlcsische Auswcisungspraxis. Gerade»och zur rechten Zeit, um bei der Beratung de» Staals- ongehörigkeiiÄgesetzeS berücksichtigt werden zu können, kommt aus Oberschlesten die Kunde von einem neuen Fall, der zeigt, wie in Preußen die Fremden schutzlos dem Gutdünken der Polizei überantwortet sind. Am 9. Februar d. I. wurde die russische Staatsangehörige Pawinska, welche feit sechs Jahren in Krakau ihren Wohnsitz hat, in MyZlowitz verhaftet. Die Mjährige Frau soll revolutionäre Schriften nach Deutschland eingeschnmggelt haben. Der Ehemann der inhaftierten Frau übergab die Verteidigung einem Rechtsanwalt. Am lö. Februar erhielt er vo» diesem sollendes Schreiben: „In der Strafsache gegen Ihre Ehefrau teile ich Ihnen mit, daß Ihre Ehefrau mangels Beweises heute au» der Haft ent- lassen worden ist. Hochachtungsvoll(Name unleserlich)." Der alte Mann wartete vergebens auf. seine Frau bis zum 23. März. Er fuhr dann nach Kattowitz u»id traf in der Eisenbahn den Genossen BiniSkiewicz, dem er sein Leid klagte. B. ging an, 25. März nach der Polizeiwache in Kattowitz und erkundigte sich, ob die Frau im Kattowitzer GesängmS sei; er wurde aus den uäch- sten Morgen zum Sekretär Nowak bestellt, der die ausländischen Angelegenheiten bearbeitet. Tort erfuhr er, daß die Frau in Kattowitz zwecks Feststellung ihrer Staatszugehörigkeit festgehalten werde. B. wandte sich sofort an den Rcchtsamvalt Dr. Schda, welcher an den Regierungspräsidenten in Oppeln folgendes Gesuch richtete: „Eilt sehr! Auf Anordnung Euer Hochwohlgeboren wird Krau Marys Pmvinska aus Krakau seit dem 9. Februar 1912 in Kwischenhaft gehalten, um die Staatsangehörigkeit derselben fest- zustellen. Indem ich eine Berteidigungsanzeige der Genannten überreiehe, beantrage ich unverzügliche Entlassung meiner Man- dantin aus der Hast. ES liegt nicht der geringste Anlaß dafür vor. daß die Jnhaftierie sich hier im Jnlande als lästig gezeigt hätte. Die Inhaftierung entbehrt danach der rechtlichen Grund- läge. Soweit Anlaß zu einer Ausweisung vorhanden sein sollte. pebe ich namens der Verhaftelen die Erklärung ab, daß dieselbe rn das österreichische Gebiet abzufahren wünscht und insbesondere einem Transport über' die russische Landesyrenze widerspricht. Dies wird damit begründet, daß der Ehemann der Inhaftierten lind auch sie selbst ihren Wohnsitz in Krakau haben. Der Ehe- mann hat auch einen zur Deckung der Reiseloste» für die Jnhaf- ticrte und eventuell auch für einen amtlichen Begleiter für die- selbe erforderlichen Betrag bei mir hinterlegt, so daß ich hiermit die Erklärung abgebe, daß ich für die Reisekosten persönlich auf- komme. Sollten Euer Hochwohlgeboren glauben,»ncinen Anträgen nicht entsprechen zu können, so bitte ich diese Eingabe als Be- schwerde aufzufassen und dieselbe alsbald der zur Beschlußfassung zuständigen Behörde zu übermitteln. Schließlich ersuche ich anzuordnen, daß die Polizeiverwaltung mir den mündlichen Verkehr mit der Juhaftierten gestattet. Die Polizeiverwaltung hat dies bisher abgelehnt, weil die Jnhaft- . nähme nicht auf ihre Anordnung erfolgt ist. gcz. Dr. Seyda, Rechtsanwalt." Auf dieses Gesuch erhielt der Anwalt folgenden Bescheid: Oppeln, den 29. März 1912. Ihre Eingabe vom 27. d. M. betreffend die Frau Marys Pawinska erledigt sich dadurch, daß die Genannte bereits am L7. d. M. aus dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen worden ist. gez. Unterschrift. . Genosse B. ging sofort wieder zum Sekretär Nowak und bat ««, Auskunft, uack» welcher Grenze die Frau gebracht wurde, er . Srhielt jedoch zur Antwort, daß dies Dienstgeheimnis sei. Personen, welche ständig am Bahnhof stehen, sagte» aus. daß an» 27. März, abends um 8 Uhr. eine alle Frau unter Schluchzen und Schreien zu dem Zuge nach SoSuowitz— Rußland— gebracht wurde. Es ist somit anzunehmen� pgß pip Frgl» fccu russischen WKrMi»ung erklominen haben, würden auf die sog. Sparherd- zi»niner(also nur eine Wohnküche!) zurückgeworfen worden.... Trotzdein haben sich die sozialdemokratischen Geincinderäte, ui» die zeitiveilige Lahmlegung des Gomeinderats zu verhindern, zu Ver- Handlungen bereit erklärt. Diese sind an dem ver- bissenen Festhklten der"Mchrheitj an der Belastung der breiten Massen gescheitert." Die Fraktion ruft die Wähler güf, Über die Jiushelleunehrheit ihr Urteil zu fälle»». frankmeb. Tie Wohnungspolitik der Pariser Gemeinde. Aus Paris wird uns geschrieben: Die Sozialisten der Gemeindevertretung von Paris haben einen bedeutsamen Erfolg auf- zulveise». Ain Dienstag hat der Gemeinderat ihren Ailtrag, eine Anleihe von 200 Millionen Frank zum Bau bil- l i g e r Wohnungen zu verwenden, einstimmig a n g e- n o in m e n. Dieser Beschluß ist das Ergebnis einer geschickten und energischen Kampagne, in der sich besonders Genosse Brunei, der Urheber des Entwurfs, ausgezeichnet hat. Als vor einem Jahr die Sozialisten»nit ihrem Antrag hervortraten, wurde ihnen von den bürgerlichen Parteien der Vorwurf der Wahldemagogie an den Kopf goliwrfen. Der Seinepräfekt fand den Antrag gleichfalls zu Iveitgehend und ivollte es mit halbschlächtigen Maßnahmen ver- suchen, indes haben die aufsehenerregenden Beispiele der Woh- nungSnot und dcS brutalen Hausherrnegoismus in den letzten Monate» auch die bürgerlichen Parteien nachdenklich gemacht und schließlich lvird die heilsame Furcht vor den Wählern— der Gcmeinderat hat ja jetzt seinen Abschied genommen— das ihrige beigetragen haben. Der Beschluß lautet in seinen entscheidenden Stellen folgender- maßen: Der Seinepräfekt wird eingeladen, von der Regierung für die Gemeinde die Autorisation zu einer Anleihe von 200 Millionen Frank zu erwirken, die von 191S an in 75 Jahren zurückzuzahlen und mit höchstens 3,80 Proz., die Prämien inbegriffen, zu ver- zinsen ist. Diese Anleihe soll zum Bau billiger Wohnungen soüvie zur Erwerbung oder Assanierung schon besteheiider Gebäude dienen. — Leider gelang den Reaktionären insofern eiirc Verschlechterung, als sie ein Amendement durchdrückten,»oonach mindesten» 50 Mil- lionen von der Gemeinde dem Konsortium der Gesellschaften für billige Wohnungen— also einer Privatunternehinung— zur Verfügung gestellt werden sollen.— Im Artikel IV deS Beschlusses wird die Höhe des Zinses für die Wohnungen verschiedener Größe abgegrenzt. DaS Maximum wird»räch dem Gesetz von 1006 be- stimmt, das Minimum folgendermaßen: Für 4 Räuine 400 Fr. für Familien»nit höchstens 2 Kiirdern, 800 Fr. für Familien mit mehr Kindern. Für Wohnung mit 3 Räumen sii»d die betr. Ziffern 333 und 250 Fr., zwei Räume können nur der ersten Gruppe um mindestens 233 Fr. vermietet werden. Der Zins soll»nit Rücksicht auf die Kosten der Anleihe und der Verwaltung ohne Gelvinn und Verlust für die Stadt bemessen werden. Erleichterungen sind für kinderreiche Familien und für solche, die erwerbsunfähige Mit- glieder haben, vorgesehen. Es ist also jetzt die Möglichkeit für ein großes, gemeinnütziges Werk geschaffen. Freilich müssen die Freunde einer redlichen' Woh- nungSreform die Auge» offen halten und besonders darauf achten, daß das Hintertürchen des Artikels 3 mit seinem„mindestens" nicht zu»veit geöffnet»oird. Im Beschluß ist»ichlS darüber gesagt, daß die Gemeinde selbst die. Wohnungen errichten muß und darauf setzt der„Temps" seine Hoffnung, indem er von der Regierung erwartet, daß sie„sozialistische" Experimente der Kommune verhindern werde. Im übrigen steht er dem Beschluß mit einem Wohlwollen gegenüber, das sick» durch die vom A»llcihegcschäft zu erwartenden Profite der Großsinanz. erklärt. England. Der Kampf um die Preß- und Redefreiheit. AuS London wird UNS vom. 4. April geschrieben: Tic englische Regierung verflucht jetzt im stillen wohl die Stunde, in dxr sie sich iiii'ch die Panik au der LwMÄcll BeMgyng der ssaä? unLekäMest Autlmikitäristett hak Hinreisen lassell. Die Staatsaktion ist noch gar nicht abgeschlossen, denn die Sache Tom M a n n s und einiger anderer Angeklagten schwebt noch vor dein Gericht, aber das klägliche Fiasko der Regierung ist nicht mehr gutzunrachen. Ein obskures Manifest an die Soldaten, das so»»st kaum einem Dutzend„Tominies" zu Gesicht gekommen»väre, bildet nun seit Wochen den Mittelpunkt öffentlicher Diskussioir und»vird ohne Ztoeifel in jeder Kaserne lebhaft debattiert. Darf die Regierung, dürfen die Regierungen überhaupt von den Sol« daten verlangen, bei Streiks und sonstigen Unruhen„einzuschrei. teil"? Die Antwort galt bisher als ein Axiom, aber plötzlich ent. deckt»nan, daß die Meinungen darüber sehr geteilt sind, nicht nur beim allgemeinen Publikum, sondern auch im Parlament und selbst unter Juristen. Gleichzeitig tvächst und»vächst die Proteftbelvegimg gegen die Verfolgungen und zwar sowohl bei denen, die die antimilitaristischen Anschauungen bekämpfen,»nie bei denen, die sie teilen. So laut und nachdrücklich ist die Agita- tion geivorden, daß die Regierung nicht mehr in der Lage ist, sie zu ignorieren. Die Regierung hat sich selber für geschlagen er» klärt, als sie vor einigen Tagen das Urteil gegen den Herausgeber des„Syndikalist" Guy Bowman von 0 Monaten Zwangsarbeit auf 6 Monate einfaches Gefängnis und die Strafe der beiden Trucker von 6 Monaten Zwangsarbeit auf 1 Mou«i einfaches Ge- fängnis herabsetzt». Angesichts der energischen Protestaktion war dieser Entschluß der Negierung ohne Zweifel ein Zeichen der Furcht. Im Untsrhause hat der Kronantoalt Jsaacs den Ver» urteilten gewisscrinaßen in den Mund gelegt, gegen das Urteil an den Bcrufungsgerichtshof zu appellieren, mit dem ftillschwxigenden Hinlveis. daß die Berufung tvohl erfolgreich sein dürfte. Allein die Gefangenen verzichteten darauf und lehnten es ab, der Re- gierung die Demütigung zu ersparen, aus eigenen Stücken das Urteil herabsetzen zu müssen. Das schivächliche Zurückiveichen der Regierung, die weder den Mut gehabt hat, das Urteil in seiner ganzen Brutalität aufrecht. zuerhalten. noch den viel größeren Mut. die Verurteilten ohne weiteres auf freien Fuß zu setze», hat die Protestbewegung nur von neuem angefacht. Gestern fand im Londoner Opernhause eine sehr große und eindrucksvolle Deinonstration statt, bei der die her. vorragendsten Führer der Arbeiterbewegung, darunter die Ab- geordneten K e i r H a r d i e. L a» s b u r y und O'G r a d y, ferner Bernhard Shaw, dieser unerbittliche Aufdecker bür- gerlicher Heuchelei., die Hauptredner waren. Keir Hardie kündigte an. daß die Arbeiterpartei bei der zweiten Lesung dcs Militär- etats den Antrag einbringen werde, daß jeder Soldat bei seiner Einschwörung ausdrücklich darauf aufmerksam ge» macht werden solle, daß er sich verpflichtet, unter Umständen auch auf streikende Arbeiter zu schießen, ferner einen weiteren Antrag, der jedem Soldaten gestattet, sich durch eine Gewissenserklärung von dieser Berpfkich- tung zu befreien. Alle Redner, unter denen sich auch zwei radikale Abgeordnete befanden, betonten, daß die Agitation nicht nachlassen dürfe, bis dieses Attentat gegen die Preß- und Rede. freiheit zurückgeschlagen sei. denn sonst werde eS bald mit alle» bürgerlichen Freiheiten., auf die die Engländer so stolz sind, vorbei sein. Die einstimmig angeiwmmene Resolution fordert die so» fortige Freilassung der Verurteilten und der vor Gericht Stehe». den sowie die Widerrufung deS Gesetzes vom Jahre 1797� auf (äüinfc dessen dsit Verfolgungen vorgenommen wurden. PtrTitn. Wie die Zarenschergen Hausen. Aus Brüssel wird unj gemeldet: Dem Internationalen Sozialistischen Bureajj sind folgende Dokumente zugegangen:* Der russische Konsul in Täbris hat den Redakteur des Blattes „Ferverdin", M o h m u d A ch e re f Z a dje h, verhaften jlasseir und ihn eigenhändig gepeitscht, indem er ihm sagte, daß er Artikel gegen Rußland geschrieben habe. j Ferner ließ ex den Direktor der Zeitung, Habib Apa- zadeh, und noch etliche andere Persönlichkeiten verhaften und einsperren. Der Generalkonsul von Rußland Nekrassoff hat den notori, schen Reaktionär Mofakhir el Molk und Hadji Mirza Reza, Sohn des Eheriekmedar, zum Vermittler zwischen Konsulat und Bc- völkcrung ernannt. Mofakhir el Molk regiert im Namen Rußlands und begibt sich jeden Abend zum Generalkonsul, um ihm Bericht zu erstatte» und seine Instruktionen zu empfangen. Als der russische Generalkonsul Nekrassoff, um die Tatsachen zu entstellen und die öffentliche Meinung Europds zu täuschen. seine gefälschten Berichte nach Teheran schickte, begab sich eine Gruppe von Persern zu dem englischen Konsul Mr. Nabino und zum türkischen Konsul Khakid Bey, um sie zu bitten, den beiden Regierungen die Wahrheit über die Vorkoinmnisse mitzu- teile». Der detaillierte Bericht der Deputation wurde vom eng, tischen und türkischen Konsul gebilligt und den Persern die Zu. sicherung gemacht, daß sie die Wahrheit ihren Regierungen bereits mitgeteilt haben und weiter mitteilen»vcrdcn. Einige Tage darauf erfuhr der russische Konsul, daß der englische und türkische Konsul jan ihre Regierungen berichtet hatten,»oaS ihm sehr wider den Strich ging. Boll Wut suchte oder fabrizierte er falsche Dokumente, uin durch sie glauben zu machen, daß der englische und türkische Konsul an der Agitation gcgen Rußland beteiligt gewesen seien. Er ließ die Gefangenen zu Erklärungen zlvingen. in denen die beiden Konsuln beschuldigt wurde», das Polt gegen die Russen auf« gehetzt zu haben. Die Russen ljoben außerdem ihre Gefangenen gezwungen, sich zu angeblichen strafbaren Handlungen zu bekennen und andere der Mitschuld anzuklagen. Alle Antworten auf das Verhör wurden ihnen diktiext. Marokko. Die Marokkaner wolle« vom Protektorat nichts wissen. Paris, 5. April. Wie aus Fez gemeldet wird, hat die Nach« richt von der Unterzeichnung de« Protektorats« Vertrages bei der Bevölkerung eine kühle Aufnahme ge« funden. Im LandeSinnern ist die Unterzeichnung noch nicht bekannt. Da die Gärung unter den S t ä n» m e n schon jetzt eine allgemeine i st. so hält man es für möglich, daß die An« kiindigimg des Protektorats die Lage noch verschliinmert. Die Militärbehörden treffe» bereits die erforderlichen Maß- nah in e n. General Dide ist mit einer Kolonne von Suk el Arba nach dein Zemmnrgebiet aufgebrochen. Im Palast des Sultans hat die Unterzeichnung de« Protektoratsvertrages einen ziemlich schlechte» Eindruck hervorgerufen. 6c wcvh rchaftUchea. Hn die or�anifierte Hrbeiterfchaft Deutschlands. Nachdem die Aussperrung in der deutschen Porzellan- Industrie sowie der Ausstand im Ruhrbcrgbau beendet sind, schlichen wir hiermit die Sammlungen für diese Kämpfe und ersuchen die Organisationen und Gewcrkschaftskartelle, die ein- gegangenen und noch eingehenden Unterstützungsgelder, ent- sprechend der Resolution des Kölner G e w e r k s ch a f t s- kongresses betr. Strcikunterst ützung an denKassierer der Generalkommission Hermann Kube, Berlin 80. 16, Engel- ufer 15, IV oder auf Konto Nr. 7936, Hermann Kube, Post- scheckamt Berlin, einzusenden. Berlin, 3. April 191:2. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Stukkateure. Nachdem am t. April die Stukkateure die Arbeit eingestellt haben, da der Tarif am St. Marz abgelaufen war, beeilen sich die Unternehmer, in der ülMfentlichkeit die Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Die Innung, d!? sich an einem Vertragsabschluß nicht beteilige» will, hat ebenso, wie es der Verband der Baugeschafte in einem Zirkular tat, ihren Mitgliedern mitgeteilt, daß die Stukkateure entgegen der sonst üblichen Gepflogenheit die Arbeit eingestellt haben, ehe die Ver- Handlungen beendet sind.— Demgegenüber muß festgestellt werden, daß die Verhandlungen am 23. März als ergebnis- los abgebrochen wurden. Und zwar nicht von den Ar- beitern, sondern den Unternehmern. Nicht die Forderungen der Arbeiter«nicht erst diskutieren konnten".„Jedes Verlangen nach sondern die Hartnäckigkeit der Unternehmer, die den Entwurf der Arbieter„nicht erst diskutieren konnten".„Jedes Verlangen nach Verkürzung der Arbeitszeit ist unverantwortlich, unbillig und un- haltbar." Und so hat man denn den Unternehmern geraten, die Forderungen der Arbeiter aus halbstündige Arbeitszeitverkürzung und 53 Vf. Lohnerhöhung in ihren Geschäften nicht zu bewilligen, als ob die Arbeiter überhaupt Neigung hätten, mit einzelnen Firmen abzuschließen. Einer nicht bestreikten Firma sucht man durch Materialsperrc beizukommen und der Verband der Bau- geschäfte hat, wie üblich, seine Mitglieder unter Anführung nn- wahrer Behauptungen ersucht, die Unternehmer der Stuckbranche bei der Ausführung von Arbeiten nicht zu drängen, da es im Interesse der Bauherren selbst liegen muß, die Forderungen der Stukkateure abzuweisen.— Die Unternehmer befolgen jetzt die erhaltene Anweisung, diejenigen Arbeiter, die ihre Arbeit nicht ganz beendet haben, zu verklagen. Aber auch das wird nichts an dem Ausgang der Bewegung ändern. Die Arbeiter des Bau- gcwerbes werden gebeten, von dem Lohnkampf der Stukkateure Kenntnis zu nehmen. Die Lohnbewegung der Kellner bei der Aschinger« Gesellschaft bat mit einer Tarifvereinbarung zwischen der Firma und dem Verband deutscher Gast Wirtsgehilfen ge- endet. In der Nacht zum Karfreitag waren die beteiligten Ange- stellten der Firma Aschinger in den„Jndustrie-Festsälen" ver- sammelt, um den Bericht der Verbandsvertreter entgegenzunehmen. Z e i s k e machte die Mitteilung, daß eine Verständigung auf folgender Grundlage zustande gekommen sei: Ein A n fa n g s g e ha l t von 50 M. pro Monat, nach einem Jahr 52 M., nach 2 Jahren 60 M. Die bisher gewährte Kost fällt damit weg. Abgaben für Bruch oder dergl. werden nicht er- hoben. Der sogenannte Placeurdienst, den bisher die Kellner um- sonst verrichten mußten, fällt weg. Reviertvechsel tritt mit Aus- nähme der Oberkellner für alle ein. An Ruhepausen wird jede Woche ein voller Ruhetag gewährt. Maßregelungen wegen Zugehörigkeit zur Organisation finden nicht statt. Ferien bis zu 14 Tagen, im Jahre kann auf Ersuchen jeder Angestellte erhalten; der Lohn fällt für diese Zeit weg. Nach 4 Jahren Dienstzeit er- hält jeder Angestellte 14 Tage Ferien bei Weiterzahlung des Lohnes. Der Vertreter für das Hilfspersonal lZapfer, HauS- diencr, Gläserspüler usw.) Riemann, konnte von einem Erfolg nicht berichten. Die Löhne der Gläserspüler und Hausdiener seien aber gänzlich ungenügend und es könne nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese eine Ausbesserung erfahren. Die Bereitwillig- keit, auch hier eine tarifliche Regelung vorzunehmen, habe der Generaldirektor L o h n e r t bekundet. Nur sei er zurzeit nicht in der Lage(weil unvorbereitet), hierüber zu verhandeln. Bezeichnend für das Erwachen des Selbstbewußtseins der Kellner ist es, daß die Verbandsvertreter es durchaus nicht so leicht hatten, die Annahme des Vertrages seitens der Beteiligten zu er- reichen. Die Kellner vom„R h e i n g o I d" hatten von vornherein ans eine Besserstellung gegenüber ihren Kollegen aus den anderen Aschinger-Betrieben verzichtet. Auch die Ankündigung der Firma, ein„G e n e s u n g s h e i ni" für invalide Angestellte zu gründen, machte keinen Eindruck auf die Versammelten. Die Auffassung, daß die Arbeiter nicht Wohltaten zu empfangen, sondern Rechte zu beanspruchen haben, bricht sich auch hier Bahn. Schließlich wurde aber dem Ratschlage der Verbandsvertreter entsprechend der Vertrag gegen 15 Stimmen angenommen. Seine Wirksamkeit erstreckt sich auf nahezu 500 Angestellte. Im„Pschorrl>aus"-Charlottenburg ist es ebenfalls gelungen, die bisher gewährte Kost für die Kellner abzuschaffen. Die dort beschäftigten 44 Kellner erhalten an deren Stelle in Zukunft neben einem Lohn von 12 M. eine Kostentschädigung von 45 M. pro Monat. Weitere kleinere Verbesserungen im Arbeitsverhältnis sind ebenfalls erreicht worden. Achtung, Schuhmacher! Zum Streik bei der Firma Pinn er Nachs.. Rungestr. 22/24, ist mitzuteilen, daß nunmehr Verhandlungen eingeleitet worden sind. Doch dürften diese voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Ob dieselben ein positives Ergebnis zeitigen werden,-muß abgewartet werden.— Zu der Bewegung in de» Besohl- und Reparaturwerkstätten Berlins bemerken wir, daß am kommenden Mittwoch in den Zahlabenden der sozialdemokratischen Wahlvereine ein Flugblatt zur Verteilung gelangen wird, wodurch die Parteigenossen ersucht werden, die Schuhmachergehilfen in ihrem Streben nach besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Alle politisch organisierte Kollegen wollen daher an den Zahlabenden teilnehmen, um etwaige notwendige diesbezügliche Anregungen oder Ausklärungen geben zu können. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Raucher, Arbeiter, Parteigenossen! Mehr als je ist es not- wnedig, daß Ihr, um die Lage der Zigarrenarbeiter bessern zu Helsen, bei Euren Zigarreneinkäufen nach den grünen Plakaten fragt. Diese sind nur dann echt, wenn dieselben unterschrieben sind mit Alwin Schulze. Beachtet die Veröffentlichungen der Tarif- firmen in der Sonntagsbeilage des„Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Deutsches Reich. Zur Frage eines Zentraltarifes für das deutsche Lithographie- und Steindruckgewerbe. Wir berichteten bereits, daß eine Gauleiterkonferenz des Ver- Landes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe am 10. März beschlossen hatte, auf der Grundlage der nach dem großen Kampf mit dem Schuyverband Deutscher Sieindruckereibesitzer abgeschlossenen losen„Vereinbarungen über die Lohn- und Arbeits- bcdingungen" einen festen Tarifvertrag für daS gesamte deutsche Liihographie- und Sleindrnckgcwerbe schassen zu Velsen, � der den Frieden im Gewerbe garantieren soll.— Dieser Beschluß wurde dem Schutzverband Deutscher Steindruckerechesitzer mirgeteilt, der hierzu am 16. März in seiner Ausschußsitzung, die sich aus dem Vor- Verantv. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.; stände des ArbeitgeberschutzverbandeS und sämtlichen Kreisvertretern zusammensetzt, Stellung nahm. Entgegen der vorangegangenen Erklärung der Vorstandsvertreter des Arbeitgeberschutzverbandes hat jedoch diese Ausschußsitzung den Abschluß eineS Zentraltarifes abgelehnt. In Nr. 14 des Gehilfenorgans.Graphische Presse" wird nun diese ganze Frage chronologisch behandelt, und dabei werden auch die Briefe veröffentlicht, die der Hauptvorstand des Gehilsen- Verbandes dem Arbeitgeberschutzverband als Antwort gegeben hat. Zur Begründung des ablehnenden Standpunktes des Arbeitgeber- schutzverbandeS werden hauptsächlich drei Punkte ins Treffen geführt: 1. die Veröffentlichung des Beschlusses der Gauleiterkonferenz des Gehilfenverbandes: 2. die Stellung der Arbeiter zur Haft- Pflicht und 3. die Begründung des Gehilfenbeschlusses, die die Prinzipale vor den Kopf gestoßen habe. Zu 1 sagt der Brief des Gehilfenverbandes an den Schutz- verband, daß die Kreisvertreter des Schutzverbandes vor Statt- finden der Gauvertretersitzung der Gehilfen die Sache s o weiter ge- sprachen hätten, daß die Gehilfen davon erfuhren. Nachdem die Sache soweit bekannt war und sich die Gauvertretersitzung des Gehilfenverbandes dafür ausgesprochen hatte, im Interesse des Friedens im Gewerbe einen Zentraltarif herbeiführen zu Helsen und beschlossen worden sei, daß die Gauleiter in den Mit- gliederkreisen entsprechende Aufklärung bringen sollten, habe man es auch für zweckdienlich geHallen, in der„Graphischen Presse" eine entsprechende Notiz über diesen Plan zu bringen, um nicht von den Gehilfen der Geheimnistuerei bezichtigt zu werden. Außerdem könne man nicht verstehen, warum denn die A l l g e m e i n h e i t der Gehilfen und Prinzipale von einem geplanten Projekt nichts erfahren soll, das doch nur als gut zu bezeichnen ist.'»Denn es sollte durch diesen eventuellen Tarifabschluß die stetige Beunruhigungspolitik aufhören, was von feiten der Prinzipale und auch im Prinzipalsorgan „Deutsches Steindruckgewerbe" so oft gewünscht wurde. Durch diese Bekanntgabe habe man also die Sache nur fördern wollen. Zu 2 sagt der Brief des Gehilfenverbandes an den Arbeitgeber- schutzverband: «Ihr zweiter Ablehnungsgrund,«daß von un§ die Eingehung einer Haftpflicht für Verletzung der getroffenen Vereinbarungen abgelehnt wird", ist ebenso vollständig deplaciert. Ueber diese Sache ist offiziell überhaupt nicht gesprochen worden, sondern nur so ganz nebenbei. Klarheit über diese Sache hätten erst die Tarifverhandlungen ergeben." Zum dritten Ablehnungsgrund sagt der Brief des Hauptvor- standes des Gehilfenverbandes an die Zentrale des SchutzverbandeS deutscher Steindruckereibesitzer: «Wenn Sie weiter schreiben, daß unsere Bekanntmachung mit ihrer Begründung die Prinzipale vor den Kopf gestoßen habe, so werden Sie wohl selber die drei formulierten Voraus- setzungen am besten beurteilen können. Denn hunderte von Be- schwerden gegen die getroffenen Vereinbarungen sind seitens der Gehilfenschaft nach Abschluß der Friedensvereinbarungen geltend gemacht worden, selbst den beiden Zentralen wurden zur end- gültigen Erledigung über hundert übergeben. Wie aber und in welcher schleppenden Weise werden die Beschwerden erledigt? Trotzdem im§12 der getroffenen Vereinbarungen steht, daß sich die beiderseitigen Instanzen zur Beilegung von Differenzen mit„l u n l i ch st e r Beschleunigung" zu ver- ständigen haben. Wie aber sieht diese.„Beschleunigung" aus? lDie folgenden Sätze beziehen sich auf einen schon vor b'/z Wochen anhängig gemachten Beschwerdefall, für dessen Er- ledigung so gut wie noch gar nichts geschehen ist. Sodann heißt es in dem Brief weiter): Ferner wird allgemein§ 6 der getroffenen Vereinbarungen durchbrochen. Denn wo bisher für Bronzedruck eine Entschädigung gezahlt wurde, lehnen Sie(als Zentrale) und Ihre Mitglieder jetzt jede Zahlung dafür mit dem Hinweis ab, weil Maschinen vorhanden seien, wird jetzt nichts mehr gezahlt. Ob die Maschinen«staubfrei" sind oder nicht, wird nicht untersucht! Das ist eine ganz direkte Verletzung des Vertrages, wofür wir das nötige Material bereits lieferten und noch weiter liefern werden.— Sodann weigern sich verschiedene Ihrer Herren Prinzipale entgegen dem klaren Wortlaut des Z 12 der Vereinbarungen, mit unseren Orts- bezw. Kreisvertretern zu verhandeln. Alles soll über Berlin gehen, wird von den Prinzipalen erklärt, und dies wird von der Zentrale gehusdet, trotzdem Sie in Ihrem Organ am 15. Februar schreiben:.daß der Schutzverband unter allen Ilmständen dafür eintreten würde, daß die getroffenen Verein- barungen auch gehalten werden usw."— Wir könnten noch eine ganze Reihe Fälle anführen und deshalb sagen wir: Ist es an« gesichts der Maßnahmen vieler Prinzipale nicht verständlich, wenn eine große Unzufriedenheit unter den Gehilfen Platz greift über die Einhaltung der Vereinbarungen und über die Art der Erledi- gung von Streitfragen? Und daher ist der Wunsch der Gehilfen- voll und ganz berechtigt, daß die Beschwerden gerechter und schneller erledigt werden sollen, und daß vor allen Dingen die getroffenen'Vereinbarungen loyaler eingehalten werden möchten, so daß in Zukunft so viele Beschwerden überhaupt nicht mehr er- hoben zu werden brauchen." Die.Graphische Presse" kündigt an, daß sie in besonderen Artikeln über die Menge von Beschwerden und Verstößen seitens der Prinzipale gegen die getroffenen Vereinbarungen und die Art ihrer Behandlung durch die Schutzverbandsfunktionäre nunmehr zu berichten gezwungen sei. Der Brief des Gehilfenverbandes an den Arbeitgeberschutzverband sagt weiter: „Der Effekt der ganzen Angelegenheit jedoch ist— und darauf kommt esan—, daß die Kreisvertrerersitzung d e S Schutzverbandes Deutscher Steindruckerei- besitzer einstimmig abgelehnt hat, mit der Gehilfenschaft in Verhandlungen zur Herbei- führung eines allgemeinen Zentraltarifes für das ganze deutsche Lithographie- und Steindruck- gel» erbe einzutreten, der die Ruhe im Gewerbe garantiereu sollte, und damit wird sich die Gehilfen- s ch a f t abzufinden wissen!" Nachdem das Gehilfenorgan„Graphische Presse" die einzelnen Punkte noch näher besprochen hat, schließt der Artikel wie folgt: „Alles in allem ergibt sich ans dem hier veröffentlichten Brief- Wechsel und unseren Randbemerkungen dazu die Haltlosigkeit der drei Gründe, die den Schutzverbandsausschuß zu seiner Haltung in Sachen eines Zentraltarifs veranlaßt haben sollen. Der Nach- weis, daß diese„Gründe" in keiner Weife stichhaltig sind, ist aber gleichbedeutend mit dem aktenmäßigen Nachweis, daß der Schutzverband denAbschluß einesZentraltarifeS unmöglich machte, daß er also die Sicherung des Friedens im Gewerbe wieder einmal vereitelt hat. daß er durch die ständige Ansammlung neuen Zündstoffes ununterbrochen neue Ent- ladungen vorbereitet. Er will der Friedens- ftörer im Gewerbe bleiben, der er bisher ge- wesen ist! Die Gehilfenschaft wird sich damit abzufinden wissen I"_ Tie Einigungsverhandlungen im Schneidergewerbe. Die örtlichen Vertreter sind zu den Verhandlungen in Jena zu- gegen, und die Beratung der einzelnen Tarife unter Mitwirkung der Unparteiischen macht gute Fortschritte. Für einzelne Orte ist das Zugeständnis von 5 Proz. Lobnzulage überschritten worden. So wurde für Berlin auf der Grundlage von 8 Proz. Lohnzulage ver- handelt und für München auf der Grundlage von S Proz. Besonders München war ja der Stein des Anstoßes. Da der nun aus dem Wege geräumt ist, erscheint der Weg zur Einigung geebnet. Bei den Verhandlungen am Karfreitag wurden die gesamten Unternehmer des Leipziger Damenschneidergewerbes durch den Vor- stand des allgemeinen Deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergcwerbp ausgeschlossen, weil deren Vertreter sich den Einignngsverhandlungen böswilligerweise entzogen haben.— Die Unparteiischen beschlossen, die Leipziger örtlichen Organisationen seien angewiesen, einen Tarifvertrag für Damenschneider auf der Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Büchdr.it Verlagsanstalt Grundlage deS NeunstundentageS abzuschließen und einen Zeit- und Stücklohntarif auszuarbeiten, wobei jedoch der Stücklohntarif nur im bisherigen Umfange angewendet werden dürfe. In der Bc- gründung wurde gesagt, daß der Neunstundentag bereits in den Großstädten überwiegend eingefiihrt sei, und daß dies auch bereits in Dresden geschehen sei, wo im allgemeinen die gleichen Wirtschaft« lichen Verhältnisse gelten. Es konnte also kein stichhaltiger Grun!» vorgebracht werden, für Leipzig von dieser Gepflogenheit abzuweichen. Von deni Abschluß der Verhandlungen berichtet Wolffs Tele» graphen-Bureau: Jena, 6. April. Das Schiedsgericht im Schneidergewerbe hat heute nach fünftägiger Verhandlung die in Rest gebliebenen Orte erledigt und noch eine Reihe Bestimmungen getroffen. Tie neuen Tarife treten mit Wiederaufnahme der Arbeit in Kraft. Hinsicht» lich der Schaffung eines zukünftigen Reichstarifver» träges wurde zwischen den in Frage kommenden Organisationen vereinbart, innerhalb der nächsten drei Monate unter dem Vorsitz der Unparteiischen zur Beratung dieser Frage sich wieder zusammen- zufinden und in der Zwischenzeit die Angelegenheit durch Formu- lierungsanträge vorzubereiten. Durch Wiederaufnahme der Ar- beit zu Beginn der nächsten Woche ist die Bewegung endgültig beigelegt. » �» Die Vertrauensleute der Schneider nahmen am Sonnabend in den„Arminhallen" den Bericht von den Verhandlungen in Jena entgegen und erklärten sich mit dem Ergebnis derselben einver- standen. Am Dienstag früh 10 Uhr wird in einer Versammlung in demselben Lokal den Streikenden Bericht erstattet werden. Achtung, Maschinisten und Heizer! Im gesamten Nordostse«. kanalgebtete sind Lohnforderungen bei den in Frage kommenden Firmen gestellt. Bei der Tiefbaufirma„Deutschland" aus Halle an der Saale haben die Lokomotivführer, Maschinisten und Heizer. soweit sie in Stundenlohn standen, in der vergangenen Woche auf der Baustelle Levensau bei Kiel einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Monats- und Wochenlöhner hatten ebenfalls schon einige Tage früher ihre Kündigung eingereicht. Zuzug von Maschinenpersonal nach dem Nordostsee kanal ist deshalb strikte fernzuhalten. Husland» Die Ekodawerke in Pilsen(Böhmen) sind für Dreher ge» sperrt. Die Firma hat in der letzten Zeit einige allere Arbeiter entlassen, weil sie bei der Krc>'enkasse wohl nicht nach ihrem Wunsch gewählt haben. Die Fu...a bemüht sich jetzt, in Deutsätz» land Eisendreher zu werben. Es wird vor Zuzug gewarnt. kommunales. Der Einfluß der Berliner Kanalisation aus den Gesund- heitsstaud der Berliner. Die Berliner städtische Deputation für die Kanalisation und die Güter Berlins hat in ihrem letzten Verwaltungsberichte den Zusammenhang zwischen der allgemeinen und der Typhussterblichkeit mit der Anzahl der an die Kanalisation angeschlossenen Grundstücke für den Zeit- räum von 1879— 1996 graphisch dargestellt. Sie hat dadurch den klaren Beweis geliefert, daß, wo die Kanalisation aus der Höhe der Zeit steht und allgemein durchgeführt wird, die Anzahl der allgemeinen und der typhösen Erkrankungen im besonderen sich bedeutend verändert und der Prozentsatz der Typhusstcrblichkeit fast auf Null herabsinkt. Im Jahre 1870 entbehrten nicht weniger als 14 618 Berliner Grundstücke den Anschluß an das städtische Beschleusungssystem: aber schon 15 Jahre später, 1885, nur noch 4596. 1870 kommen in Berlin auf 1696.Kopfe 6,77 Typhustodesfälle, 1885 nur noch 0,16, und im Jahre 1969, wo bereits alle bewohnten Grund- stücke an dem Kanalnetz Anschluß hatten, denn nur bei 33 war es noch nicht der Fall, bat sich die Zahl der durch Typhus hervorgerufenen Todesfälle auf 1999 Einwohner bis auf 9,94 herabgemindert, mit anderen Worten: es hat einerseits die Zahl der Typhuserkrankungen gewaltig abgenommen, und andererseits kommt die Krankheit, wo sie austritt, nicht mehr in einer so bösartigen Form zum Ausbruch, so daß sich auch ihre Prognose außerordentlich günstiger gestaltet hat. Wie wohltätig aber eine den modernen Anforderungen der Hygiene entsprechend? Beschleusung auf die allgemeine Sterblichkeit wirkt, also nicht nur in betreff des Typhus, sondern in betreff der allgemeinen Gesundheitsverbältnisse, zeigt die Tatfache. daß sich in Berlin diese Verhältnisse seit 1879 um volle 5 9 Proz. gebessert haben und daß diese Besserung in ganz auffälliger Weise genau parallel mit dem vermehrten Anschluß der Berliner Grundstücke an das Kanalisationsnetz geht, Letzte Nachrichten. Beendigung des englischen Bergarb eiterftreiks. London, 6. April.(W. T. B.) Der Beschluß der Konferenz des Bergarbeiterverbandes, die Arbeit wieder aufzunehmen, wurde mit 440 gegen 125 Stimmen angenommen. Wahlerfolge der Jungtürken. Konstanttnopel, 6. April.(P.-C.) Aus allen Teilen des Landes laufen Nachrichten über Wahlerfolge der Jungtürken ein. Nach den bisher vorliegenden Resultaten läßt sich mit Sicherheit annehmen, daß in der neuen Kammer vier Fünftel der Abgeordneten MitgliedOf des Komitees für Einheit und Fortschritt sein werden. Türkische Siegesmeldung. Kairo, 6. April. �Meldung der Agcnce Havas.) Ein Telcgram« von Enver Bey besagt, daß die ottomanischen Truppen am 2. April bei Der na die italienischen Vorposten, die aus drei Bataillonen bestanden, angegriffen, sie aus ihren Berschanzungen geworfen und 30 Mann getötet haben. Weiterhin meldete Enver Bey, daß die bei Benghasi aufgestellte türkische Artillerie am 1. April einen italienischen A eroplan zerstört und den Piloten, Leutnant Roberts, getötet hat. Brandstiftung und Lynchjustiz. St. Antonio, 6. April.(P.-C.) In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend wurde die zum größten Teil aus Blockhäusern bestehende Ortschaft Hockten durch eine Fcnersbrunst fast vollständig ein- geäschert. Der Brand ist auf den Racheakt eines Negers zurückzuführen, der vor einigen Wochen wegen verschiedener Ge- walttättgkeiten in dem kleinen Gefängnis von Hockley interniert worden war. Vor einigen Tagen war es dem Schwarzen geglückt. unbemerkt zu entkommen. Gestern nacht gelang es ihm, eine der Holzhütten in Brand zu setzen. Das Feuer griff infolge des herrschenden Sturmes mit rasender Schnelligkeit um sich, und in kaum einer Stunde war der größte Teil der Niederlassung in Asche gelegt. Einer Anzahl Männer, die sich an die Verfolgung des Täters gemacht hatten, gelang es, den Neger noch in derselben Nacht auszuspüren. Die crrcglen Einwohner machten mit dem Täter kurzen Prozeß, indem sie ihn ohne jedes Verhör an dem nächsten Baume aufknüpften. Paul Singer& CojTBerlin SW..'~ Hierzu 5 Beilage«» Nr. 82. 29. Zahrgavs. t ScilM des Jotmätts" fnliiict lilMiitt. Zotttttag, 7. April l912. Zm Parteitag der polnischen Genoffen. In den Ostertagen findet in Posen der Parteitag der polnischen Parteiorganisation im Deutscher Reiche statt. Beachtet man das Ergebnis der Reichstagswahlen, so findet man, dah in den polnischen Provinzen eine starke Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen zu verzeichnen ist. Es stieg diese Zahl in Westpreusten von rund 20 300 auf 28 300, in der Provinz Posen von 6500 auf 13 000, in Obcrschlesien(Regierungsbezirk Oppeln) von 16 300 auf 37 400. Es ist unmöglich festzustellen, wie viele polnische und wie viele deutsche Proletarier unter diesen sozialdemokratischen Wählern sind, aber immerhin ist es wohl be- rechtigt aus den Zahlen zu schließen, daß auch unter den Polen im Deutschen Reiche die sozialdemokratische Idee Verbreitung findet, daß das Eis gebrochen ist. Dies um so mehr, als bekanntlich in Kattowitz-Zabrze es gelungen ist, unseren Kandidaten, den Genossen Biniszkiewicz, in die Stichwahl zu bringen. Dieses erfreuliche Resultat zeigt, daß für die„Polnische Sozialistische Partei", die ein Bestandteil der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist, ein sicher schwer zu beackerndes, jedoch durchaus nicht aussichtsloses Arbeitsfeld vorhanden ist. Der Parteitag in Posen steht somit vor der Aufgabe, ein wichtiges Werk zu fördern. Um so bedauerlicher ist, daß eine Anzahl Anträge, die zu diesem Parteitage gestellt sind, peinlich auffallen müssen. Da ist z. B. der Antrag Nr. 27 der Parteigenossen aus Schiff- beck:„Der Parteitag wolle beschließen, daß auf dem Parteitag der Gesamtpartei beschlossen wird, die deutsche Partei möge überall, wo polnische Parteivereine bestehen, keine polnischen Arbeiter als Mitglieder aufnehmen, sondern sie der P. P. S. zuweisen." Aehn, lich lauten die Anträge 26 und 28 aus Posen und Hamburg. Es handelt sich da um sonderbare Entgleisungen, da es selbstverständ- lich Parteigenossen polnischer Nationalität nicht verwehrt werden kann, an den Organisationen der Gesamtpartei sich zu beteiligen. Besonders jene polnischen Arbeiter, die sich vorübergehend in deutschen Städten aufhalten, tun zweifellos gut daran, wenn sie sich an dem regen Leben der deutschen Parteiorganisation beteiligen, um Cr- fahrungen zu sammeln, die sie später bei ihrer Rückkehr nach der Heimat im Interesse der Bewegung verwerten können. Noch peinlicher berühren die Anträge 31 und 43, die dahin zielen, den Genossen Caspart zu verunglimpfen, ihn wegen seiner „schmutzigen und empörenden Parieitätigkeit gegen die P. P. S. zu brandmarken. Hier ist ein wunder Punkt berührt. Genosse Caspari veröffentlichte im„Correspondenzblatt der Gewerkschaften" einen Artikel, in dem er von„separatistischen Ten- denzen" sprach. Es handelt sich um einen Antrag, der aus dem Dresdener Gewerkschaftstage gestellt war:„Zum Zwecke der Agi- tation unter den polnischen Arbeitern wird eine polnische Gewerk- schaftskommission aus fünf Mitgliedern mit einem Vorsitzenden ernannt." Der Antrag kam überhaupt nicht zur Beratung, da er keine genügende Unterstützung fand. Genosse Caspari setzte nun im„Correspondenzblatt" auseinander, daß der Plan im hohen Maße bedenklich sei, weil er gar zu leicht den ersten Schritt auf der Bahn zum Separatismus nach tschechischem Muster sein könnte. Diese Auffassung ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Auch bei den Tschechen begann es ja mit einer solchen„Harmlosig- keit". Niemand leugnet, daß die gewerkschaftliche Agitation und Propaganda unter den polnischen Arbeitern in Deutschland in polnischer Sprache betrieben werden mutz. Die Gewerkschaften tun auch nach dieser Richtung ihr möglichstes: sie unterhalb das polnische Gewerkschaftsorgan„Oswiata" in Posen und außer- dem den„G o r n i k" für die polnischen Bergarbeiter. Ebenso kann man sicher sein, daß die Generalkommission jeder zweckmäßigen Anregung, diese Agitation und Propaganda noch wirksamer zu ge- stalten. Gehör schenkt. Etwas anderes aber ist es, wenn eine be- sondere Zentralstelle geschaffen werden soll. Das würde bedeuten, daß die polnischen Mitglieder der Gewerkschaften unter einer be- sonderen Zentralinstanz stehen, ein besonderes Ganzes bilden und das eben ist bedenklich. Zwei andere polnische Genossen, Podembski und Mieczkowski, haben dann im„Correspondenzblatt" behauptet, Genosse Caspari sehe Gespenster, die Befürworter jenes Antrages hätten durchaus keine separatistischen Tendenzen, der Antrag sei durchaus harmlos, bezwecke einzig die Gewerkschaftsbewegung unter den Polen zu fördern. Indessen knüpften sich daran Auseinandersetzungen in der „Gazeta Robotnicza". in denen Genosse Caspari der Ver- leumdung, des Hakatismus und aller sonstigen Todsünden geziehen wurde. flu; dem Strelhgebiet. Von unserem Korrespondenten. Manchester, 3. April. Unter der Bergbevölkerung ist von dem Elend und der Not. von denen die Zeitungen voll sind, wenig zu bemerken. Die Ar- beiter selbst sind guten Muts. Von den Krämern und Wirten hört man, daß das Geschäft während des Streiks verhältnismäßig wenig nachgelassen hat. Mit dem Verkehr auf den Eisenbahnen und Straßenbahnen ist es dagegen traurig bestellt; in der Volk- reichen Gegend um Bolton. Atherton, Pendlebury laufen nur ein Viertel der gewöhnlichen Züge. Ohne Zweifel ist die große' Genossenschaftsbewegung den Arbeitern eine starke Waffe im Kampfe gewesen. Es hat gerade gut gepaßt, daß die Entleerung der Gewerkschaftskassen mit der Auszahlung der Ge- nossenschastsdividcnde zusammengefallen ist. Aber unter der großen Bevölkerung des Industriegebiets, die von der Hand in den Mund lebt, unter den Tagelöhnern. Erdarbeitern. Dock- arbeitcrn, herrscht große Not. Tausende Kinder werden auf Kosten der Gemeinde verpflegt. Der älteste Sohn des Genossen Greenall, der ein Beamter des Schulvorstandes ist. erzählte mir, daß er täglich 300 bis 400 Kinder in dem Orte Pendlebury mit Frühstück und Mittagessen zu versorgen habe. Die unver- heirateten Arbeiter haben hier an den Arbeiterklubs einen Halt, wo täglich eine warme Mahlzeit, die die Mitglieder selbst zube- reiten, umsonst verabreicht wird. Alle Bewohner versichern, daß noch nie ein Streik so ruhig verlaufen sei wie dieser; die letzten b Wochen seien ihnen wie ein langer Sonntag vorgekommen. Wohin man auch kommt, überall herrscht unter den Berg- arbeitern die größte Erbitterung gegen die Presse. Einige Ar- beiter. mit denen ich sprach, lesen überhaupt keine Zeitungen mehr, die, wie sie sagen, doch nur Lügen enthalten. Und diese Arbeiter haben vollständig recht. Es ist unbeschreiblich, was die bürgerliche Presse während dieses Kampfes zusammcnge- schwindelt hat, um die Arbeiter zu spalten oder zu verwirren. ein iünßeppf S.chn des ßLespflep G r e e y g l l erzählte mir vxn Die Reizbarkeit, die die„G a z e t a Robotnicza" im ge- gebenen Falle an den Tag legt, wird nur erklärlich, wenn man weiß, daß Genosse Caspari, der früher zur Redaktion der„Gazeta Robotnicza" gehörte, auch noch aus anderen Gründen mit dieser Redaktion in Konflikt geriet, aus Gründen, die mit der prinzipiellen Haltung der polnischen Organisation im Zusammenhang stehen. Hier sei nur eine Episode erwähnt. Auf den internationalen sozialistischen Kongressen bilden die Polen eine besondere Delegation. Auf dem Kongreß in Kopenhagen waren vertreten: die Sozialdemokratische Partei Galiziens, die P. P. S. in Deutschland und drei in Russisch-Polen wirkende Or ganisationen: nämlich die Sozialdemokratische Partei Russisch- Polens und Litauens und zwei Organisationen, die entstanden in folge der Spaltung der P. P. S. Der eine Teil, der als „Lewitza" bezeichnet wird, nähert sich sozialdemokratischen Grund- sätzen, der andere, der sich als„revolutionäre Fraktion" bezeichnet, hält an der Taktik der„Expropriationen" fest und verfällt mehr und mehr in anarchistische Praktiken einerseits und in nationalisti- scheu Eifer andererseits. Nun bildeten die Delegierten Galiziens, diese„revolutionäre Fraktion", und die Genossen aus der P. P. S in Deutschland eine gemeinsame Sektion. Diese gab dann einen Bericht heraus, in dem es heißt:„Die Bestrebungen der polnischen sozialistischen Parteien aller drei Landesteile gehen dahin, die Ein heit und staatliche Unabhängigkeit Polens zu erkämpfen." Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine solche Erklärung nicht von den polnischen Genossen aus Deutschland unterschrieben werden kann, da diese im Jahre 1006 ausdrücklich das Erfurter Programm als für sie bindend anerkannt haben, das einen Kampf für die Herstellung eines polnischen Staates nicht kennt. Erst vor einigen Wochen teilte das Internationale Sozialistische Bureau mit, daß die P. P. S. in Deutschland fälschlich in Zusammenhang mit dieser Erklärung gebracht wurde. Die Sache ging indessen weiter Unter den polnischen Sozialisten in Amerika entstand der Plan, ein gemeinsames Bureau der„Polnischen Sozialistischen Partei in den drei Landesteilm und in Amerika" zu bilden, ein Plan, der eifrig von der„Revolutionären Fraktion" aufgenommen wurde.—( nosse Caspari trat nun dafür ein, daß die polnischen Genossen in Deutschland gut tun würden, jede Gemeinschaft mit dieser„revo lutionären Fraktion" abzubrechen und diese Angelegenheit au ihrem Parteitage zu besprechen. Die Redaktion der„G a z e t a Robotnicza" verhinderte jedoch die Veröffentlichung seines Artikels über dieses Thema. Das führt zu dem Schlüsse, daß augenscheinlich immer noch bei einem Teile der polnischen Genossen der Einfluß jener anarcho- nationalistischen Richtung sich bemerkbar macht und auf diesen Ein fluß ist wohl auch der Konflikt mit Caspari zurückzuführen. Wir haben das Vertrauen, daß die polnischen Genossen au ihrem Parteitage dafür sorgen werden, alles zu vermeiden, was von neuem das gute Einvernehmen zwischen ihnen und der Gesamt- Partei stören könnte. Denn nichts wäre beklagenswerter, als die Wiederkehr jenes �Zustandes in den Jahren 1901 bis 1906, wo die polnische sozialistische Organisation sich im scharfen Konflikt zu der Partei befand, zum größten Schaden der polnischen Bewegung. Wirkt der Parteitag in diesem Sinne, dann wird er zweifellos der Sache der polnischen Proletarier einen guten Dienst leisten. Die Iltyliftenverglftungen vor Gericht. Bei der gestrigen Verhandlung sind als Vertreter der am Er- scheinen behinderten Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. Joffe die Rechtsanwälte Bredereck und Dr. Fabian als Verteidiger ein- getreten. Der Beginn der Verhandlung verzögert sich aus unbekanntem Grunde bis 10% Uhr. Alsdann wird in der Beweisaufnahme fortgefahren. Der als Zeuge vernommene Schankwirt I saa ck aus der Dan ziger Straße erhielt Mitte Dezember den Besuch des ihm von früher her bekannten Angeklagten Zastrow. Dieser bot ihm unter der Angabe, er wolle seine Fabrik auflösen. Sprit zu dem billigen Preise von 1,70 Mk. an. Auf die Frage, ob es auch guter 96proz. Kartoffelspiritus sei, antwortete Zastrow, es sei S5proz. Kartoffel- spiritus. Jsaack kaufte dann 3 Ballons mit 179 Liter Inhalt, die am 21. Dezember geliefert wurden. Die Rechnung darüber war von Scharmach ausgestellt; da aber darauf die Ware als„Spiri- tus" angegeben war, ließ sich Jsaack eine neue Rechnung auf Sprit ausstellen, da er ja solchen gekauft habe. Als dann die Nachrichten über die Todesfälle kamen, hat Jsaack telephonisch bei Scharmach angefragt, ob er denn etwa die Ballons verwechselt oder etwas in den Sprit hineingetan habe. Scharmach erklärte, daß dies nicht der Fall sei und er sich doch nicht einer Nahrungsmittelfälschung schuldig machen werde. Jsaack hat die drei Ballons sofort in zwei einer Bergarbeiterversammlung, die vorige Woche in Pendlebury stattfand und die nach seinem Zeugnis sehr ruhig und ordentlich verlief. Am nächsten Tage machte die kapitalistische Presse daraus eine große Radauversammlung. Aehnliche lügenhafte Berichte sind von der Presse im ganzen Lande systematisch veröffentlicht worden. Doch nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Gewerkschafts- beamten lassen den Pressevertretern ihren Unwillen deutlich fühlen. Als ich heute von dem Vorstand des Bergarbeiterver- bandes von Lancashire empfangen wurde, hatte ich Gelegenheit zu hören, wie ein Vorstandsmitglied die Journalisten, die sich am Eingang des Lokals an ihn herandrängten, zum Teufel wünschte. Wie ich in einem vorhergehenden Bericht erwähnte, möchten sich die Unternehmer von Lancashire möglichst schnell mit ihren Ar- beitern ins Einvernehmen setzen. Sie einigten sich daher schon heute mit den Arbeitern in einer in Manchester abgehaltenen Sitzung über die Person des Schiedsrichters, der im Distriktsamt den Vorsitz führen soll. So bereitwillig zeigten sie sich, daß sie ihre eigene Liste der in Vorschlag zu bringenden Personen fallen ließen und sich für eine von den Arbeitern vorgeschlagene Person aussprachen. Der ernannte Schiedsrichter ist ein Amtsrichter der Grafschaft, zu dem die Arbeiter das größte Vertrauen haben und der sich, wie mir ein Vorstandsmitglied versicherte, in allen seinen Entscheidungen stets der größten Unparteilichkeit befleißigt. Nach der Sitzung hatte ich eine Unterredung mit dem Präsi- deuten des Bergarbeiterverbandes von Lancashire, dem Genossen Greenall. Er ist ein alter Gewerkschaftsbeamter, der den Bergarbeitern nun schon 30 Jahre treu gedient hat. Aber trotz seines schneeweißen Haares macht er einen frischen und jugend- lichen Eindruck. „Unsere Taktik, im Kampfe auszuharren," so hob er an. „hat sich vollständig bewährt. Unsere Arbeitgeber möchten sich jetzt mit uns so schnell wie möglich einigen. Sie ssehen, daß unsere Leute im Ernst sind und werden sich hüten, sie durch einen zu hartnäckigen Widerstand gegen unsere Forderungeu herauszu- fordern. Die Kampflust der Bergarbeiter Lancashieres ist noch lange nicht erschöpft." �Glauben Sse, daß map die Arbeit wieder aufnehmen wird?" �halbvolle Spiritusfässer, die Sprit von der Spritbank enthielten, ausgegossen. Bei Jsaack verkehren sehr viele Asylisten, Frauen kommen nicht in das Schanklokal. Bei Jsaack werden vorwiegend „Nordhäuser Stenn" und„Schlesischer" getrunken. Zu diesen Schnäpsen wurde folgende Methode in Anwendung gebracht. In ein Faß von 120 Liter Inhalt wurden 16 Liter Sprit und der Rest Leitungswasser gegossen;„Schlesischer" bestand lediglich aus solchem Gemisch von Sprit und Wasser, zum„Nordhäuser" wurde noch Zuckerkuleur hinzugesetzt. Bei Jsaack haben sehr viele der verstorbenen Asylisten den todbringenden Schnaps getrunken. — Auf eine Frage des Rechtsanwalts Bredercck erklärt der Zeuge, daß die Schnäpse den Leuten gut geschmeckt haben, er selbst habe auch wiederholt davon gekostet und nichts Auffälliges wahrgcnom« men.— Frau Jsaack erklärt auf Befragen des Justizrats Dr. Jvers» daß früher niemals Kunden in ihrem Lokal ckrank geworden seien; dies sei erst in größerer Anzahl nach den Weihnachtstagen geschehen. Da bekamen verschiedene Leute gelbe Flecken im Gesicht, das Weiße im Auge wurde gelb, die Leute klagten über Sehstörungen und be- haupteten, daß das Licht im Laden ausgemacht worden sei, da es ja plötzlich so dunkel sei. In dem Schanklokal wurde nach der Be- kundung der Zeugin auch„grüner Schnaps" ausgeschänkt; bei den Leuten, die diesen getrunken, ist nichts passiert.— Rechtsanwalt Bredereck stellt durch Befragen fest, daß schon 5 Tage solche Methyl- alkoholschnäpse verschänkt worden waren, ehe die ersten Krankheits- erscheinungen sich zeigten. Das Jsaacksche Lokal ist täglich von 600 bis 800 Personen besucht worden, die Tageskasse betrug durchschnitt- lich etwa 120 bis 130 M., an Feiertagen stieg sie ausnahmsweise wohl auch bis zu 250 M. Auf Ersuchen des Landrichters Dr. Kricner läßt sich der Sachverständige Dr. Baurat noch ganz ein- gehend über die Herstellung des Methylalkohols aus. Er verneint die Frage, ob zu den Hölzern, aus denen er hergestellt wird, auch Eberesche gehört. In einem an das Gericht gelangten Schreiben ist dies behauptet worden. Der Sachverständige widerlegt weiter die von der Verteidigung vermutete Möglichkeit, daß bei der Fabri- kation Grünspan in das fertige Produkt hineingekommen sein könnte. Bei dem chemischen Prozeß werde jede Spur einer Ver- unreinigung ausgemerzt. Der an Scharmach gelieferte Methyl- alkohol sei so rein gewesen, wie er überhaupt nur hergestellt werden könne.— Rechtsanwalt Dr. Wcrthauer beantragt zur Widerlegung der Ausführungen dieses Sachverständigen den Methylalkoholfabrikanten Dr. Johannes Behrens in Bremen zu laden. Die Verhandlung wird hierauf abgebrochen und auf Mittwoch, 9 Uhr, vertagt. »'i Zu unseren Bemerkungen über die Art der Verteidigung im Prozeß Scharmach wird uns über die Absichten der Verteidigung aus dem Bureau des Rechtsanwalts Werthauer geschrieben: „Durch die Verteuerung des Spiritus sind Industrielle auf den Gedanken geführt worden, Ersatzmittel zu bringen. Diese Ersatzmittel werden von sich heftig konkurrierenden Firmen fort- gesetzt in den Fachblättern veröffentlicht. Ein solches Ersatzmittel ist Methylalkohol. Die großen Fabriken haben diesen Methyl- alkohol ballonweise an kleine Kaufleute abgegeben, ohne auf die angebliche Giftigkeit hinzuweisen. Die Verhandlung soll ermitteln, wer die Schuldigen sind, welche durch Fahrlässigkeit den Tod der bedauernswerten Opfer hervorgerufen haben und wodurch der Tod bewirkt ist. In einer Ministerialkonferenz war, nachdem zunächst Fleischgift behauptet worden ist, plötzlich von einem Polizeisach- verständigen behauptet, der Methylalkohol sei schuld, und darauf ist die Anklage gegen einige Personen erhoben, aber nicht gegen die eigentlichen Lieferanten, auch nicht gegen alle bekannt gewordenen Destillateure. Eine Voruntersuchung ist trotz der Wichtigkeit und Schwierigkeit der Sache nicht vorgenommen. Die Anklage ist zum Teil so überstürzt zugestellt, daß den Angeklagten nicht einmal die Hauptanklage zuging und selbst die kurzen Fristen zwischen Ladung und Termin nicht eingehalten sind. Die Königliche Staatsanwalt- schaft hat an die 50 Sachverständigen geladen, von denen sie an- nimmt, daß sie die Theorie, welche in der Ministerialkonferenz von dem Polizeisachverständigen vertreten ist, dartun. Sie hat den Scharmach in Untersuchungshaft genommen und zugleich wegen der durch.diese Sachverständigen insbesondere verursachten Kosten gegen den noch nickst verurteilten Angeklagten' dessen Vermögen beschlag- nahmt. Nach Ansicht der Verteidigung ist die Theorie, welche die Polizei vertritt, unrichtig, indem nicht der Methylalkohol, sondern andere noch aufzuklärende Umstände die Schuld an der Sache tragen; aber selbst wenn Methylalkohol schuld wäre, ist zu berück- sichtigen, daß die hier in Betracht kommenden Angeklagten kleine Leute sind, welche nicht die eigentlichen Schuldigen sind, und die Entrüstung über die Verursachung des Todes einer großen Anzahl von Personen direkt dazu verführend, die Frage, ob die richtigen Angeklagten auf die Anklagebank gebracht sind und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft und Polizei richtig ist, dahin zu beein- flussen, daß die gerechte Entrüstung über die Tat die vorstehende Frage verwischt. Dies geschieht auch in dem vorerwähnten Artikel Ihrer Zeitung. Die Fragen, welche fortgesetzt beanstandet werden, haben den Hauptzweck, darzutun:.. a) Wer sind die Lieferanten und in welchem ungewöhnlich großem Umfange ist in ganz Berlin der Methylalkohol, wenn „Ja..Nach den Resultaten der letzten Abstimmungen zu urteilen, wird die Mehrheit für die Fortsetzung des Kampfes nicht groß genug sein, um eine Fortsetzung des Streiks zu rechtfertigen. Sie wird aber groß genug sein, um den Arbeitgebern im ganzen Lande Respekt einzuflößen und wird somit günstig auf die Eni- scheidungen der Distriktsämter wirken." „Wird nach diesem Kampfs wie vielfach behauptet wird, Ruhe im Bergbau eintreten?" „Wir werden weiterkämpfen. Die erste Angelegenheit, die in Lancashire nach dem Streik zu regeln ist, ist die Reorganisation des Verbandes. Unsere Ortskassen haben bisher von dem wöchent- lichen Beitrag von 6 Pcnce nur 3 Pence an die Zentralkasse ab- geführt. Das muß anders werden. In Zukunft wird der ganze Beitrag an die Zentralkasse abgeführt werden müssen wie in Derbyshire, Dorkshire und anderen Grafschaften, wo man äugen- blicklich noch 5 oder 6 Wochen Streikunterstützung zahlen kann." „Und sind Ihre Mitglieder �nit dieser Zentralisation des 5kassenwesens einverstanden?" i> „In allen Versammlungen, in denen ich gesprochen, herrschte darüber volle Einstimmigkeit. Die Mitglieder wollen einen starken Kriegsfonds, den wir bald nötig haben dürften, wenn wir uns an die Erhöhung der Minimallöhne machen werden."> � Wir sprachen dann noch über die Haltung des Parlamen- tariers W a l s h, eines Mitgliedes des Verbandsvorstandes, der mitten im Kampfe die Parole der Verbandskonferenz, den Mit- gliedern zu raten, für die Fortsetzung des Kampfes m stimmen, heftig kritisiert hat. Genosse Greenall versicherte mir, daß Walsh jetzt selbst einsehe, daß er unrecht getan habe. Die bürgerliche Presse habe ihn gelobt und da habe er wie so mancher andere der jüngeren Leute den Kopf verloren. Wenn Walsh den Arbeitern geraten hätte, gegen die Wiederaufnahme der Ar- bcit zu stimmen, so würde er jetzt von derselben Presse, die ihn jetzt als den klugen, vernünftigen und ehrlichen Mann feiert, als ein verantwortungsloser Hetzer hingestellt werden. „Was uns hier not tut," erklärte mir Genosse Greenall .zum Schluß,„ist eine eigene Presse. Ja, wenn wir 80 Tageszeitungen hättxne wie unsere deutschen Gxnojsen...1" auch kn Herfchlcterlec FöM, geTicfe'tl ffiörüen, fcft ha! Feit Nutzen davon gehabt? b) Tind die hier�auf die Anklagebank gebrachten Personen überhaupt die schuldigen? c) Ist die polizeilich aufgestellte Theorie von der tödlichen Wirkung des Methylalkohols wissenschaftlich unhaltbar? Die Arbkit als Hkilmittkl für lungkaltidtude. steht in der Lungenheilstätte Grabowsee in hohen Ehren. Die Hausordnung, die den Patienten bei ihrer Aufnahme als Willkommen überreicht wird, sagt im 8 1:.Den in der Gene- sung Vorgeschrittenen wird als Kur Arbeit bezw. Teschäftigung verordnet." Wenn einem, Patienten dieses Heilmittel nicht schmecken will, so wird er auf die folgende Bestimmung verwiesen, die an der Spitze der Hausordnung den 8 l einleitet:„Die Kranken sind verpflichtet, den Anordnungen der Aerzte, Schwestern sowie der sonstigen. Angestellten, wenn sie sich in Ausübung ihres Dienstes befinden, Folge zu leisten. Die pünktliche Befolgung der K u r v o r s ch r i f t c n und der Tageseinteilung wird jedem zur Pflicht gemacht." Es versteht sich von selber, dast auch die Arbeits- Zuweisung zu den Kurvorschriften gehört, die pünktlich befolgt werden sollen. Wem das nicht paht, dem winkt der 8 st der letzte in der Hausordnuiilg, folgendermaßen:„Jeder grobe Verstoß gegen diese Ordnung berechtigt die Anstalt zur Entlassung des Kranken." Die Vorschrift über die den Patienten aufzu- erlegende Arbeit war in der Hausordnung, die früher galt, nicht so allgemein wie jetzt gefaßt. Noch im Jahre 1910 sagte sie ganz unzweideutig:„Die Kranken haben sich, soweit es zur Förde- rung ihrer Gesundheit nötig ist, auf ärztliche Anordnung auch an leichten Arbeiten zu beteiligen," Also leichte Arbeiten sollten es damals sein, die man den Patienten zur Förderung ihrer Gesundheit verordnen wollte. Es ist zweifellos, daß es Arbeiten gibt, die auf einen Lungenkranken gesundheitfördenid wirken können. Und jeder Kranke, der das ganz natürliche Bedürfnis hat, sich irgendwie zu beschäftigen, wird für Zuweisung einer geeigneten Tätigkeit dankbar sein. Schon damals aber wurden in Grabowsee den Patienten auch Beschäftigunigen zugemutet, die bei einem Lungenkranken wohl kaum, ein Mensch der sie mal selber probiert hat, für leicht halten wird. Ter„Vorwärts" stellte im Sommer 1910 öffentlich fest, welche Arbeiten von den Insassen der Anstalt Goabowsee ausgeführt werden mutzten. Da wurde nicht etwa nur Gartenarbeit verrichtet, sondern auch Holz gesägt und gehackt, große Baumstubben ausgerodet, Bretter von 8 bis 10 Meter Länge trans. porticrt, Tischlerarbeit geleistet usw. Leichter als solche Beschäftigungen war den Patienten d i e Arbeit, den Inhalt von Papier- körben samt Kehricht aus den Pavillons und dem Garten auf einen Hundewagen zu laden und nach der Abladcstelle zu schaffen. Aber daß diese Tätigkeit, bei der begreiflicherweise Schmutz ausge- wühlt wird, gesundheitfördernd gewirkt hätte, können wir nicht gut annehmen. Der Chefarzt Dr. Schulteö antwortete in einer Zu- schrift an uns und„berichtigte", daß die Ausführung von Stukkateur- arbeit, die wir gleichfalls erwähnt hatten, nicht dem betreffenden Patienten„zugemutet", sondern freiwillig von ihm übernommen worden fei. Alles übrige, was wir sonst noch über die Patienten- beschäftigung angegeben hatten, bestritt er mit nicht einer Silbe. Wer damals erwartet hatte, daß die für jene Zustände ver- antworttichen Personen durch die Veröffentlichung der Patienten- klagen sich zu einer Aendcrung ihrer Grundsätze bewegen lassen würden, der kannte die Anstalt Grabowsce schlecht. Wie viel oder wie wenig sich seitdem im einzelnen geändert hat, das möge man aus den folgenden Mitteilungen ersehen, die uns jetzt wieder von Patienten gemacht worden sind. Die Angaben beziehen, sich teils auf den Herbst ISIl, teils auf den Winter 1911/1L. Im Herbst wurde als Heilmittel für genesende Lungenkranke die Spatenarbeit verordnet, die bei den Erdansschachtungen für einen, am Seeufer zu erbauenden Eisschuppen zu leisten, war. Zwei Mann mußten die Böschung bis znr Tiefe von etwa drei Meter ausschachten, zwei andere hatt-'n dst Aufgabe, die Erde in Karren die Böschung hinaufzuschaffen. Von Zeit zu Zeit ließ sich an der?lrb«itsstelle ein Arzt blicken, der die Runde machte und zusah, wohl um die Wirkung der Arbeit zu beobachten. Ob mal einer der Aerzte an sich selber die Wirkung probiert hat, weiß uns keiner unserer Gewährsmänner zu sagen. Einem der zur Arbeit kommandierten Patienten, der in Gegenwart eines inspizierenden Arztes nicht arbeitete, soll dieser gesagt ihaben: „Wem die Sache nicht paßt, der wird ja sehen—!" Eine andere Arbeit war die, daß ischlacke auf den Hundewa gen geladen, draußen vor der Anstalt auf den Weg ge st reut und m i t hölzernen Handrammen festgestampft werden mußte. Uns wird>gesagt, daß beim Auf- und Abladen Staub aufgewirbelt worden sei, der von beigemengter Asche herrührte. Wenn das zu- trifft, so nehmen wir an, daß es den Aerzten der Lungenheilstätte nicht bekannt war. Wer sich durch Aschenftaub belästigt fühlte, hätte gut daran getan, das sofort zu melden und den Bescheid abzuwarten. Dasselbe gilt von dem Transport alter Mauer- und Dachsteine, sogenannter„Klamotten", der einigen Patienten verordnet wurde. Der an den Steinen noch an- haftende Mörtel, der unter den Händen abbröckelte, soll Staub er- zeugt haben. Zu den Schmutzarbciten, die wir für unbedenklich halten, gehört auch die Ausräumung und Wegfchaffung von Hundestreu. Ei» Anstaltsangestellter, vermutlich einer derjenigen, denen, nach 8 1 Folge zu leisten ist, wollte einigem Patienten, diese Arbeit zu- muten. Er holte sich ein« deutliche Absage, gegen die er dann nichts nntcknahm. Minder widerwärtig war die im Winter verordnet« Arbeit, am gefrorenen See das Rohr zu schneiden und zu binde n. Mancher wird meinen, daß doch auch das für Insassen einer Lungenheilstätte kaum empfehlenswert sei. Aber die Aerzte würden ihm wahrscheinlich antworten, das verstehe er eben nicht. Auch die Hilfsarbeiten bei der Eisernte, die dem See- abgewonnen wurde, gehörten zu den Mitteln, die der Kur dienen sollten. Von der Wirkung solcher Kurmittel denken die Aerzte sicherlich sehr hoch, sonst würden sie sie ja nicht verordnen. Für die Patienten aber sind Arbeiten der oben geschilderten Art manchmal eine Quelle der Unzufriedenheit, die einen etwaigen Nutzen wieder aufheben kann. Erkennen doch die Aerzte selber an, daß auch ein gewisses Wohlbehagen der Kranken zu den Kurmitteln gehört. Die Hausordnung sagt im 8 2:„Zum Kurerfolg ist nicht nur gute körperliche Pflege der Kranken, sondern vor allem auch ihre u n- gestörte seelische Ruhe notwendig." Wir kennen Personen, denen in Grabowsee die„seelifche Ruhe" durch die ihnen, als Kur- mittel verordnete Arbeit manchmal sehr erheblich gestört worden ist. In diesem Zusammenhang kanten wir auch zur Sprache bringen, daß nach wie vor a u ch d i e Beköstigung eine ständige Quelle der Unzufriedenheit ist. Es soll zugegeben werden,, daß es für eine Answltsvcrwaltung schivcr möglich ist, in diesem Punkte alle zu- frieden zu stellen. Wenn es aber zum Beispiel vorkommt, daß Patienten im Speck Maden zu bemerken meinen� so kann das selbst dem Aiispruchpslosesten den Appetit und die Laune verderben. Zum Trost für Unzufriedene bestimmt die Hausordnung im A 8:„Etwaige Beschwerden wolle man beim Chefarzt vor- bringen." Aber bei Unzufriedenheit mit der zugewiesenen Arbeit werden Beschwerden meist nicht viel Aussicht auf Erfolg haben, weil es sich hier ja um Verordnungen der Aerzte handelt. Es kann sich jetzt auch keiner mehr darauf berufen, daß ihm nur leichte Arbeiten verordnet werden dürfen. Die jetzige Hausord- nung spricht unzweideutig von Arbeit schlechthin, so daß jeder Patient auch, zur Leistung schwerer Arbeit sich verpslichlct und bei Verweigerung einer ihm zu schwer scheinenden. Arbeit sich über seine Entlassung nicht wundern darf. Mit Entlassungen ist man ja in Grabowsce ohnedies rasch bei der Hand, zum Beispiel dann, wenn einer die Unzufriedenen zu einer gemeinsamen Geltend- viachung ihrer Klage anregt und ihre Unterschriften, sammelt. Wir wissen zwar nicht, wieso das unter die„Agitation in religiöser, ßozialer und politischer Richtung" rubriziert werden kann, die durch die HckusörVnuiH„strengflietiS nntsrsagt" ist. Aver w Gra�Mee wird auch das als„Agitation" gerügt, die eine„sofortige strafweise Entlassung Zuwiderhandelnder zur Folge haben" kann. Em der frauenbei-vegung. Tos Franenwakilrecht, ein Erziehungsmittel. Die Unwissenheit und die Unfähigkeit der Frau sind die wich- tiasten Argumente, die gegen das Frauenwahlrecht ins Treffen geführt werden. Ihre Gleichgültigkeit gegen die Vorgange des öffentlichen Lebens werden ihr so oft als Memgel an Wissen und Fähigkeiten ausgelegt. Man vergißt vollständig daß man doch nicht erwarten kann, saß ein Mensch mehr wird, als seine Erziehung aus ihm zu machen versteht und zu bilden bestrebt ist. Gewiß können einzelne alle Hemmnisse der Erziehung überwinden und aus eigener Kraft ein größeres Maß an Wissen erwerben, aber diese Ausnahmen bestätigen doch immer die Regel. So sind auch die Frauen, die heute vielfach schon unter ganz anderen Verhältnissen leben, als ihre Mütter und Urgroßmütter, doch noch immer von den Gedanken ersiillt, die jene dachten. In allen Staaten, wo die industrielle Entwickelung vorwärts schreitet, finden wir tausende Frauen, die nicht mehr daheim arbeiten können, die der Enge des häuslichen Lebens schon entfremdet wurden und die doch noch immer meinen, daß sie nicht wissen dürfen oder wenigstens nicht zu wissen brauchen, was außer dem Kreise ihrer Familie vorgeht. Erst allmählich lernen die Frauen die Umwandlung, die ihre Wirtschast- liche Existenz erfahren hat, auch geistig zu vollziehen. � Diese geistige Umwandlung geht aber nur so langsam vor sich, weil niemand außer den Frauen selbst ein Bedürfnis hat, diese geistige Erziehung zu fördern. Aber auch in den Seelen dieser Frauen lebt mehr der dunkle Drang, die Sehnsucht nach dieser geistigen EntWickelung, als das klare Bewußtsein über den Wog und das Ziel dieser geistigen Umwandlung. Wohl stellen in den meisten Kulturstaaten die Parteien auch heute schon gern die Frauen in den Dienst der Wahlagitation, aber wenn die weibliche Mithilfe auch wertvoll ist, so kann sie doch nie die Entscheidung herbeiführen. Ganz anders wäre es natürlich, wenn die Frauen ein Wahlrecht hätten. Dann könnten sie die Macht des Stimmzettels einsetzen und sie würden mehr Beachtung finden, als sie heute erhalten. Zielbewußt arbeitet heute ja nur die Sozialdemokratie an der politischen Erziehung der Frauen, weil sie schon durch die gewerkschaftlichen Kämpfe immer wieder zur Kenntnis der der- änderten Stellung der Frau im wirtschaftlichen Leben kommt. Alle anderen Parteien benutzen die Frauen wohl zur� Wahlagitation, aber sie arbeiten weder an ihrer politischen Aufklärung, noch sind sie bereit, ihre Macht zur Erringung des Fvauenwahlrechts einzu- setzen. Wird das Frauenwahlrecht einmal erobert sein, dann iverden ja alle Parteien zu den Frauen kommen und um ihre Freundschaft buhlen. Das Wahlrecht kann aber den Frauen nur nützen, wenn sie durch die Kämpfe um das Wahlrecht politische Schulung und Erziehung erlangt lfaben. Deshalb sind die Frauen- tage, die großen Demonftrationen für das Frauenwahlrccht so wert- voll für den Befreiungskampf der Frauen. Nicht nur weil hunderte und tausende Frauen aufmerksam auf den Tag des Frauenwahl- rechtes werden, sondern weil auch in den bewußten Käinpferinnen für die politische Gleichberechtigung der Frauen neue Erkenntnis und neue Leidenschaften erweckt werden. So erweist sich das Frauenwahlrecht schon als Kampfobjekt als:ein iveitwirkendes Erziehungsmittel, das den Frauen immer lebhcffter vorwärts Hilst. (Siehe auch S. Beilage.) (Hocben-8pfelplati der Berliner Cbeater. Könlgl. Opernhaus. Sonntag: Der Rosenkavalter. Montag: Carmen. Nachmiltags 2'/. Uhr: Hansel und Vretek. Puppenfee. Dienstag: Der Traum. Mittwoch: Das Rheingold. Donnerstag: Der Rosenkavalicr. Freitag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Königskinder. Sonntag: Die Zaubcrflöte. Montag: Der Rosentavalicr.(Ansang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der grotze König. Montag: 1812. Dienstag: Der große König. Nachmiltags 3 Uhr: desgleichen. Mittwoch: Freund Fritz. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: Der große König. Sonnabend: 1812. Sonntag: Freund Fritz. Montag: Der große König.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Viel Lärm um Nichts. Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Turandot. Mittwoch: Ein Sommernachts« träum. Donnerstag: Penthefilea. Freitag: George Dandtn.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend und Sonntag: George Dandtn. Montag: Viel Lärm um Nicht».(Ansang 7'/, Uhr.) Kainmerspiele. Sonntag und Montag: Eine glückliche Ehe. Dienstag: Lauväl. Mittwoch: Der Arzt am Scheidewege. Donnerstag: Eine glück. Itche Ehe. Freitag: GygeS und sein Ring. Sonnabend: Frühlings Er- wachen. Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Eine glückliche Ehe.(Ansang 8 Uhr.) Lessiug- Theater. Sonnlag: Das Friedenssest. Montag: Gudrun. Dienstag: Der Biberpelz. Mittwoch: Das Friedenssest. Donnerstag: John Gabriel Bortman. Freitag: Gudrun. Sonnabend und Sonntag: Das Friedenssest. Montag: Klein Eyois.(Ansang 8 Uhch Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bummelstudenten. Abends: Kroße Rosinen. Montagnachmittag 3 Uhr: Die Logenbrüder. Abends bis Montag: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag und Montag: Jubith. Dienstag: Unter dem Schwert. Mittwoch: Judith. Donnerstag und Freitag: Unter dem Schwert. Sonnabend und Sonntag: Judith. Montag: Das Familien- tind.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Montag. nachmittag 3 Uhr: Die Zauberslöte. Allabendlich: Ein ausgelegtes Geschäft. (Ansang 8 Uhr.) Kiirfiirsten-Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die verkaufte Braut. Abends: Tiefland. Montagnachmittag 3 Uhr: Tiesland. Abends: Der Schmuck der Madonna. Dienstagnachmittag 3 Uhr und abends bis Donnerstag: Der Schmuck der Madonna. Freitag: Das goldene Kreuz. Der Dorsbarbicr. Sonnabend und Sonntag: Der Schmuck der Madonna. Montag: Das goldene Kreuz. Der Dorjbarbier.(Ansang �l|� Uhr.) Kleines Theater. Sonntag und Montagnachmittag 3 Uhr: Angele. I. Klasse. Sonntagabend: Lottchcns Geburtstag. Gentz und Fanny EIßler. Hockenjos. Montag, Donnerstag und Sonnabend: Tanzmäuse. Dienstag: LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny EIßler. Hockenjos. Mittwoch: Und das Acht scheinet In der Finsternis. Freitag und Sonntag: Lottchens Geburtstag. Gentz und Fanny Elßler. HockenjoS. Montag: Und das Licht scheinel in der Finsternis.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntagnachmiltag 3>/. Uhr: Der Vogelhändler. Abends: Der liebe Augustin. Montagnachmittag 3'/, Uhr: Der Vogelhändler. Abends bis Freitag: Der liebe Augustin. Sonnabend: Der Vogelhändler. Sonntag und Montag: Der liebe Äugustln.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmiliag 3 Uhr: Der Probekandidat. Vlbends: Kyritz- Pyritz. Montagnachmittag 3 Uhr: Der Probe- tandidat. Abends: Lady Windermeres Fächer. Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: Kyritz-Pyritz. Mittwoch und Freitag: Lady Windermeres fächer. Sonntag: Der Pfarrer von Kirchseid. Montag: Lady Windermeres ächer.(Ansang 3 Uhr.) Schiller-Theatcr Edarlotteuburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Don Carlos. Abends: Die Jüdin von Toledo. Montagnachmitlag 3'/. Uhr: Der Pfarrer von Kirchseid. Abends: Der scharfe Junker. Dienstagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Der schaffe Junker. Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: Die Jüdin von Toledo. Freitag: Der schaffe Junker. Sonntag: Lady Windermeres Fächer. Montag: Die Jüdin von Toledo. (Ansang 8 Uhr.) Friedrich- WilhelmftädtischeS Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3'/, Uhr: Johannisseuer. Abends desgleichen. Montagnachmittag 3>/z Uhr: Das Leutnanismündel. Montag und Dienstag: Husarenfieber. Mittwoch und Donnerstag: Ernesto Sllcanc». Frettag und Montag: Husarenfieber. Sonnabend und Sonntag: Ernesto Wcancs.(Ans. 8 Uhr.) Siestdenz- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Abends: Alles sür die Firma. Montagnachmittag 3 Uhr: Ein Walzer von Chopw. Bis aus weiteres täglich: Alles sür die Firma. (Ansang 8 Uhr.) Theater iu der Kiiniggrätzer Straste. Sonntag- und Montag- nachmittag 3 Uhr:"Ein Fallissement. Täglich abends: Die süns Frankfurter. (Anfang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag und MontagnachmUtag 3'/, Uhr: Wiener Blut. Abends Sonntag bis Freitag: Die schöne Helena. Sonn- abend: Der sidcle Bauer.(Ansang 8 Uhr.) Thalia> Theater. Allabendlich: Antolicbchen. Sonnabend: Mein Leopold.(Ansang 8 Uhr.) LustsPielhauS. Sonntag- und Monkaznachmlttag 3 Uhr: Die Damen des Regiments. Allabendlich: Das lauschige Nest.(Ansang 8 Uhr.) Neues Opcretteii-Thcater. Sonnlaz- und Montagnachmitlag 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntagabend: Der Mädchenmartt.(Ansang VI, Uhr.) Abends täglich: Der Mädchenmartt.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Francillon. Abends: Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend. Montagnachmittag 3 Uhr: Mein Baby. Abends bis Freitag: Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend. iLonnabeiid: Francillon.(Ansang 8 Uhr.) Rosr-Theatcr. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Der Ge- fangene von Zenda. Sonnlag, Montag, Mittwoch und Freitag l Es gibt nur ein Berlin. Dienstagnachmittag 3 Uhr desgleichen. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Montag: Der Gefangene von Zenda. Sonntag: Es gibt nur ein Berlin.(Ansang 8 Uhr.). Luise»- Theater. Sonntagnachmittag: Faust. Montagnachmittag: Robert und Bertram. Dienstagnachmittag: Alles durch die Liebe. Ansang 3 Uhr. Allabendlich: Ich lasse Dich nicht.(Ansang 8 Uhr.) Neues BolkStheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntag- und Monlagnachmiltag 3 Uhr: Der Meister. Abends, Mittwoch, Freitag und Sonntag: Der Königsleutnant. Dienstag und Donnerstag: Der Meister. Sonnabend: Nathan der Weise.(Ansang 8'/, Uhr.) Eafino-Theatcr. Sonntag, und MontagnachmUtag 3'/, Uhr: Unsere lieben Frauen. Abends täglich: Die lustige Strohwitwe.(Ansang 8 Uhr.) Merropol- Theater,«onntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Dorothea. Die ileineu Lämmer. Allabendlich: Die Nacht von Berlin. Sonnabend: Trilby.(Ansang 8 Uhr.) FolieS Eapriec. Allabendlich: Der Polizeihund. DaS Broadway- Girl. Sein letzter Wille.(Ansang 8'/, Uhr.) Herrufeld- Theater. Allabendlich: Wie man Männer bessert. Der Hausieuscl. Sonnabend: Die letzte Ehre. Die Meycrhains.(Zins. 8 Uhr.) Apollo- Tbenrer. Sonntag- und Montagnachmitlag 3ll, Uhr und abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Die größte Sünde. All» abendlich: Menschenrechte.(Ansang 81/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntag- und Montagnachmittag 3'/, Uhr: Groß« Vorstellung. Täglich: Gala-Vorstcllung.(Ansang 7>/, Uhr.) Zirkus Tchnmann. Sonntag- und Montagnachmittag 3>/, Uhrt Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstcllung.(Ansang 7'/, Uhr.) ZirknS Sarrasaui. Sonntag-, Montag- und Dienstagnachmittag 3 Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstellung.(Ansang VI, Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täg- lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Earl-Haverland-Theatcr. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 7ft, Uhr.) Intimes Theater. Täglich: Der Brandsttster.(Ansang 8'/. Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Steichshallen-Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Kölligstadl. Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Urania- Thrarer, Taichenstr. 48/49. Täglich: Wcltbäder an europäischen Küsten.(Ansang 8 Uhr.) Dienstagnachmittag 4 Uhr: Von Meran zum Ortlcr. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Em aller Melt. Älenn wir nicht besser wären als die Gesetze..• Josef Luitpold schreibt aus Wien der„Frankfurter Zei- tung":„Der Z 36 des österreichischen Vereinsgesetzes verbietet den Frauen jede politische Vereinigung, aber 20 000 österreichische Ar- bciterinnen haben sich bereits politisch organisiert. Viktor Adler gedachte jüngst dieser Tatsache in einer Rede und machte dabei die prächtige Bemerkung:„Ja wenn wir nicht besser wären alsunsereGesetze...!" „Wenn wir nicht besser wären als die Gesetze...i" Der Satz ist knapp und scharf— der Wappenspruch alles revolutionären Höhestrebens. Wer war besser, Sokrates oder die Gesetze, die ihn den Schierlingsbecher leeren hießen? In ihr Nichts sind diese Ge- setze zerfallen, aber ewig in die Zeiten hinein strahlt die Hoheit des hellenischen Weisen. Und weiterhin der unabsehbare Zug der Un- sterblichen, die Forscher, die Denker, die Künstler, die lebenstüchtigen Menschen alle! Die Erde galt als Scheibe, sie wiesen die Kugel- gestalt nach. Die Sonne, hieß es, steht stille, sie riefen: Und sie bewegt sich doch! Als Lästerer und Ketzer wurden Spinoza und Galilei, Comenius und Wagner von den Hütern der Gesetze ver- schrien. Aber sie waren besser als die Gesetze, und die Gesetze ver» sanken vor ihnen wie die Schatten vor der Sonne im Zenit. Wenn nicht immer wieder Menschen kämen, die besser sind als die Gesetze, gäbe es keine Zukunft. Die Zukunft ist eigent- lich völlig ungesetzlich. Sie stellt für den Kodex den Antichrist dar. Darum gibt es so viele Paragraphen, die den Fortschritt bei Strafe verbieten Einfach verbieten. Der Paragraph müht sich redlich, die Entwicklung abzuschaffen, aber am Ende schafft die Entwicklung den Paragraphen ab. Soll nicht alles beim alten bleiben, so müssen die Menschen besser sein als die Gesetze. In Oesterreich arbeiten 35 000 Kinder in der Nacht. Wenn sich die Gesetzgeber und die Richter dieses Landes zu Bette legen, bleiben 70 000 magere Kinderhände regsam, spinnen und spulen, schleißen Federn und kitten Schachteln schier bis in den fahlen Morgen. Stellt euch diese 70 000 blassen und vertränten Wangen vor, diese Stätte des grauenvollsten Schaffens. E s i st gesetzlich. Ungesetzlich ist es, wenn wir empört aufschreien und den Kleinen zu ihrem Schlafe verhelfen wollen. Aber dieser Wille zur Ungesetzlichkeit, er sei geheiligt! Denn wenn wir so schlecht blieben wie unsere Gesetze, käme die Schlecht ig- keit niemals aus der Welt." Opfer des Klettersports. Während einer Ferientour in der Sächsischen Schweiz ist am Karfreitag der Oberlehrer am hiesigen Friedrichs-Wilhelins- Gymnasium, Professor Dr. Hans D i m m l i n g, vom S ch r a m m st e i n bei Schandau abgestürzt und bald darauf seinen schweren Verletzungen erlegen. Professor Dimmling machte mit mehreren Herren von der Schrammsteinbaude aus eine Tour trotz des Regenwetters und Sturmes, der im Ge- birge herrschte. Durch den Regen war der Boden im Gebirge aufgeweicht und sehr schlüpfrig. Gegen abend befand sich die Gesellschaft auf einem Abhang, der 50 Meter ganz steil abfiel. Infolge des gewaltigen Sturmes verlorProfessor Dimmling das Gleichgewicht und stürzte den steilen Abhang hinab. Ein anderes Touristenunglück wird aus L a i b a ch ge- nieldet. Sieben Gymnasiasten unter Führung des Professors C e r k vom Laibacher Staatsgymnasium wurden auf einer Tour auf den H o ch st u h l, einem 2400 Meter hohen Berg in Ober-Krain, von einem Schnee st urm über- r a s ch t. Der Professor stürzte ab, die Gymnasiasten konnten sich in eine Schutzhütte reuen, von wo sie telegraphisch um Entsendung einer Hilfsexpedition ersuchten. Diese, aus Landwehrsoldaten unter Führung dreier Offiziere bestehend, brachte sie wohlbehalten nach Laibach zurück. Später gelang es, die Leiche des Professors zu bergen. Ein dritter tödlicher Absturz wird aus Innsbruck ge- meldet. Der Referendar Fritz Sailer aus Stuttgart, der mit 15 Gefährten eine Skitour zur A s ch e r h ü t t e und zum Rotpleißkops niachte, ist am Donnerstag bei der Abfahrt unterhalb der Ascherhütte abgestürzt. Er erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er nach kurzer Zeit st a r b. Schneestürme im östlichen Europa. Aus Lemberg eingetroffene Nachrichten besagen, daß i« Ost-Galizien durch äußerst heftige Schnee stürme wahrend der letzten drei Tage zahllose Telegraphen- und Telephon- leitungen zerstört worden sind und der gesamte Telegraphen- und Telephonverkehr unterbrochen ist. Die Personenzüge treffen, soweit sie überhaupt verkehren können, mit vielstündigen Verspä- tungcn ein. Der gewöhnliche Güterverkehr ist zurzeit auf allen Strecken ganz eingestellt. Lemberg selbst ist von der Umgebung fast völlig abgeschnitten, so daß die Versorgung mit Lebensmitteln bereits Schwierigkeiten macht. Der durch den Sturm und die Schneemassen angerichtete Schaden ist außerordentlich groß. Auch in R u s s i s ch- P o l e n hat ein starker Schneesturm großen Schaden angerichtet. Die Eisenbahn- züge erlitten Verspätungen; viele Telegraphenlinien sind beschädigt. Auf der Eiscnbahnstrecke Zbaraz-Tarnopol hat der Schneesturm ein schweres Eisenbahnunglück verursacht. Eine von Tarnopol abgesandte Hilsslokomotive fuhr in voller Fahrt auf einen im Schnee stecken gebliebenen Zug aus. Dabei wurden 20 Personen schwer und fünf leicht verletzt. Der Kapitalismus in Japan. Die Kapitalsanhäufung macht auch in Japan Fortschritte. Be- sonders seit dem Kriege, den Japan mit Rußland führte, entwickelte sich das Land der aufgehenden Sonne wirtschaftlich sehr rasch und damit steigerten sich die Kapitalsanhäufungen. Ein japanisches Blatt, die„Tokio Jiji", hat ermittelt, daß es gegenwärtig 1018 Per- sonen in Japan und in den Kolonien gibt, deren jede ein Vermögen von mehr als eine Million Mark hat. Vor zehn Jahren gab es erst 441 Japaner, die ein so großes Vermögen besaßen, so daß sich die japanischen Milliönäre in zehn Jahren um 130 Proz. vermehrt haben. Nach der jüngsten Zählung hat Japan mit Formosa jetzt öl Millionen Einwohner, so daß ans je 60 000 Ein- wohner ein Millionär kommt. Der Reichste unter diesen Krösussen ist Baron Mitsui, dessen Vermögen zwischen 400 und 800 Millionen Mark geschätzt wird. Also auch im fernen Osten zeigt sieb der Einfluß des Kapitalismus deutlich. Der großen Volks- mafle, die arm ist, stehen wenige gegenüber, die eS verstehen, das Mark der Nation auszusaugen, sich zu den Beherrschern von Millionen wirtschaftlich Abhängiger aufzuschwingen. Diese sind in Japan durchschnittlich ärmer als anderswo und sie müssen unter schlechten Löhnen und dürftigen Ernährungsverhältnissen ihr Leben fristen, während die Reichsten unheimlich schnell ihren Besitz zu steigern wissen._ Ausdehnung der Mississippi-Ueberschwemmung. Die letzten Meldungen aus dem Mississippigebict berichten von einer immer größeren Ausdehnung der Ueber- s ch w c m m u n g. 6000 Quadratmeilen Landes sind überflutet und weitere 1S00 Quadratmeilen Landes stehen in Gefahr, über- schwemmt zu werden. 17 000 Menschen sind heimatlos geworden. Am Donnerstag wurden acht Leichen dem Wasser entrissen. Die Fluten haben bei Kairo zwei Schutzdämme weggerissen, so daß die Stadt Kairo jetzt bollständig unter Wasser steht. Tausende von Häusern sind vom Wasser überflutet; augenblicklich sind 400 Arbeiter damit beschäftigt, die eingestürzten Damme wie- der aufzurichten. 22 große Fabriken in der Nähe von Kairo sind gleichfalls von den Fluten überschwemmt worden, die Gas- leitung ist vollständig zerstört. In Reu-Maprid kam es zum Dammbruch, das Wasser ist hier stellenweise acht Fuß hoch. In Marion, einer Stadt mit S000 Seelen, steht alles unter Wasser, ebenso in E a r l, wo der Fluß sämtliche Deiche durch- brachen hat. Die Stadt H ick mann, wo gleichfalls alle Dämme brachen, gleicht einer Insel. Große Gefahr besteht auch für die Sicherheit von Franzis in der Nähe von Memphis, da man be- fürchtet, daß die Fluten auch dort die Dämme durchbrechen könnten, wodurch weitere 2000 Ouadratmcilen Landes überschwemmt und etwa 2 6 0 0 0 0 M'e n s ch e n in eine gefährliche Lage gebracht werden würden. Die Bevölkerung ist bereits aus der Stadt entflohen und kampiert auf Hügeln in der Umgebung. Kleine Notizen. ArVeiterrifiko. In der letzten Nacht wurden in der Schlesien- grübe bei Bcuthen(O.-Schl.) die galizischen Grubenarbeiter G i v o s d e k und Z a j u r durch Kohlensturz verschüttet und g e- tötet.— Aus der Grube Viktoria bei Saarbrücken wurde ein Maschinenschlosser, der mir Reparaturarbeiten an einer Maschine be- schäftiqt war, von emem Treibriemen erfaßt und in das Räder- werk geschleudert. Dem Unglücklichen wurde der Kopf v o m R u m p f e a b g c r i s s e n. Ans Seenot gerettet. Inder Nahe der Halbrnsel Hela an der Ostsee ist am Sonnabend der Schleppdampfer „Adle r" gestrandet, durch die Rettungsstation Großendorf der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wurde die aus vier Personen bestehende Mannschaft mit dem Raketen- apparat gerettet. Wieder ein Schiilerselbstmord. In S ch l e i z hat fich der Schüler der vierten Seminarklasse G ö e p e I aus Gera erschossen, weil er die Reife für die dritte Klasse nicht erlangt hat. Schweres Bootsunglnck auf dem Chiemsee. Wie die„M. N. N." aus Prien am Chiemsee melden, kenterte am Freitagnachmittag bei schwerem Sturm ein Segelboot des Schlachtenmalers Nou- band, das mit vier Personen besetzt war. Obwohl sofort zwei kleine Dampfer zu Hilfe eilten, sind zwei der Insassen, Baron Ferstet j n n. aus Wien und die Tochter des Professors Roubaud, ertrunken. Schreckenstat eines Wahnsinnigen. Am Sonnabendmorgen feuerte in einem Wahnsinnsanfalle der in der Ouickbornstratze in H a m- bürg wohnhaste Bureauvorsteher Freckmann auf seine Ehe- f r a n, seine beiden Töchter im Alter von acht und elf Jahren und seinen sechsjährigen Sohn Revolverschüsse ab. Die ältere Tochter erhielt einen Schuß durch den Kopf und war sofort tot. Die Ehefrau und die jüngere Tochter wurden durch Schüsse in den Unterleib bezw. Kopf lebens- gefährlich, der sechsjährige Sohn an der rechten Schulter weniger schwer verletzt. Schließlich brachte sich Freckmann selbst einen tödlichen Schuß durch d e n K o p f bei. A&wwi, /d*w C�n�oiSA» iWMSvißA'» Ma8saiislallG.Birku.Co.,iii.li.B.Jünohen. Bei uns erschienen: Siiddentsche Volksbücher: H-tt i- Kampffmeyer: Wwischauung und Sonaldemolmtie. Aus dem Inhalt: Vom Werden der Weltanschauung.— Das Wesen der Sozialdemokratie.— Ethik und Sozialdemokratie. — Religion, Materialismus und Sozialdemokratie. Paul Kampffmeyer: SoMidemolttutit und Kirchentum. AuS dem Inhalt: Kirche und Staat im klerikalen System.— Vom kirchlichen Staat zum Sraatskirchentum.— Die zusammenbrechende klerikale Herrschaftsmacht.— Los vom StaatStirchenturm.— Entstaatlichle freie Kirche und sreier sozialer Staat.— Religion ist Privatsache. H-ft»- Eiigelberl Sehüekiug: Das Cleud der preußischeu Derlvaltuug. Aus dem Inhalt: Burcaukratte, Amtsgeheimnis und Amtsverschwiegenheit.— Die Verwaltung durch Konservative und Zentrumslcutc.— Die preußische Gemeindeveriassung.— Demokratie. Kultur und Berivaltung.— Der Zweck des Zweckverbandsgesetzes.— Zum flWialdcmokratischen Kommunalprogramm für Preußen. Preis jedes HesteS 40 Pf. Früher erschienen: Di*. Fritz Brupbacher: Kindersegen und kein Ende? Preis 30 Pf. Rudolf Franz: Die schötlsteu Märchen für die uationale Kindemelt Reich illustriert. Preis 4 M. Rudolf Franz: Adrtchnnug. Politische Verssutztritte. Reich illustriert. Preis l M. Wilhelm Sehröder: Handbuch der soziaidemokratisehen Parteitage Gebunden Preis 7 M. oqo,.«. 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Greulich ist am 9. April 1842 in Breslau als der Sohn proletarischer Eltern geboren. Er verlor mit 13 Jahren schon den Vater und mufjte sich kümmerlich mit der nun allein verdienenden Mutter durchschlagen. Er besuchte während 8 Jahren die dortige Volksschule und machte hierauf eine b jährige Lehrzeit als Buch- bioder durch. Die 14 stündige tägliche Arbeitszeit vermochte ihn nicht vom eifrigen Studium guter Bücher abzuhalten, wobei er zu- nächst ein„liberaler Politiker" wurde, der im Jahre 1868 die neue preußische Aera mit Jubel begrüßte. Tie Wandcrjahre führten ihn durch Oesterreich und Süddeutsch- land nach Reutlingen in Württemberg. Hier beteiligte er sich rege am Vcreinsleben und machte auch die Waffenübungen der noch stark republikanisch gefärbten Demokraten mit. Der dortige Arbeiter- verein schickte Greulich im September 1566 nach Stuttgart zum Ver- einstag der deutschen Arbeitervereine, wo er mit Bebel, Fricdr. Alb. Lange und anderen bedeutenden Männern bekannt wurde und der Redakteur des demokratischen„Beobachters", Karl Mayer, ihm den Rat gab. zu seiner weiteren Ausbildung in die Schweiz zu gehen, den er denn auch einige Wochen später befolgte, um sich direkt nach Zürich zu wenden. Diese Ucbersiedelung Greulichs in die Schweiz erwähnt auch Bebel im ersten Bande seiner Mc- moircn, wobei er feststellt, daß er(Greulich) in Zürich„fast gleich- zeitig mit mir und zwar als Schüler Karl Bürklis und Johann Philipp Beckers zum Sozialisten wurde". In Zürich arbeitete Greulich als Buchbinder. Er schloß sich sofort dem sozialdemokratischen Verein„Eintracht" an, machte ver- schicdcne Untcrrichtskurse mit. Er heiratete die Lehrerin Johanna Kaufmann, an der er eine wackere Lebensgefährtin und tüchtige Mutter seiner sieben Kinder gewann. Als in Zürich die erste Sektion der Internationale, im August 1867, gegründet wurde, wurde Greulich als Sekretär neben dem Präsidenten Karl Bürkli gewählt. Ein Jahr darauf schloß sich auch die Zcntralorganisatwn der deutschen Arbeitervereine in der Schweiz, die eine Zeitlang dcn.Schulze-Delitzschcn Bestrebungen gefolgt loar, der Internationale, also der Sozialdemokratie, an. Ter Beschluß des Nürnberger VereinStages von 1868, betref- send die Gründung von Gewerkschaften, vcranlaßte Greulich, der den Verhandlungen in Nürnberg beigewohnt hatte, sich mit Feuer- eifer und schönen Erfolgen auf dieses Gebiet zu iverfen, so daß nacheinander zahlreiche Gewerkschaften für die verschiedenen Berufe und an vielen Orten entstanden. ' Ende 1869 wurde Greulich Redakteur der neugegründetcn „Tagtvacht", in welcher Stellung er bis zum Eingehen derselben im Jahre 1880 verblieb. Einige geschätzte statistische Arbeiten brachten Greulich im Jahre 1864 eine Anstellung im statistischen Bureau des Kantons Zürich, in dem er bald zum Ehcf avancierte. Im Jahre 1887 wurde der heute noch bestehende Schweizerische Arbcitcrbund gegründet, der das erste Arbeitersekrctariat mit der Wirksamkeit für die gesamte Arbeiterschaft des ganzen Landes schuf und Greulich als den Chef wählt«, so daß er in diesem Jghre auch sein 26 jähriges Jubiläum als Arbeitersetretär feiern kann. In dieser Stellung hat Greulich eine Riesensumme agitatorischer und organisatorischer Arbeit zur Förderung der schweizerischen Arbeiter- belvcgung in Wort und Schrift geleistet. Sein« größte Schrift ist die über Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenfürsorge, die zu dem besten gehört, was die bezügliche Literatur aufweist. Eine kleinere Schrift über die Wandlungen in der schweizerischen Volkswirtschaft verdient ebenfalls Erwähnung. Greulich, der schon anfangs der siebziger Jahre durch Naturalisation Schweizer Bürger geworden, hat auch als Parlamentarier eine vielseitige und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Seit 1890 ge- hört er dem zürcherischen Kantonsrat, seit 1892 dem Großen Stadt- rat in Zürich und seit 1902, mit Unterbrechung von 1906 bis 1908, dem Nationalrat an. So kann unser Jubilar an seinem 70. Geburtstage mit Stolz Ostereier. „Entschuldigen Sie." redete er mich an,„was ist das?" Es war gegen Abend, so um die Zeit, wenn die Theater an- sangen. Das elektrische Licht war überall angezündet, warf silberne Streifen über den blinkenden Asphalt und jedes Auto schien auf zwei Goldsäulcn hcranzuglcitcn. „Was das ist?" sprach ich erstaunt, ich stand vor einem Kon- ditorladen mit Ricscnosterciern:»Das sehen Sie doch wohl!" „Entschuldigen Sie," wiederholte er,„ich habe eine sehr lang« Reise hinter mir und bin leider mit vielen Dingen moderner.Kultur nicht recht vertraut... Würden Sie mich nicht darüber aufklären?" „Das sind Ostereier," antwortete ich höflich und ein wenig argwöhnisch. Er hatte den Rockkragen bochgeschlagen. ein weicher Hut hing ihm über die Ohren— seine Augen sah ich kaum—, er war einen halben Meter größer als ich— ein magerer, ungewöhnlicher Mann mit unsicherer, fast fraulicher Stimme. „Ostereier, Ostereier," sprach er mir nach, als ob er das Wort zum erstenmal in seinem Leben vernehme:.... ich sehe sie überall, aber ich verstehe den Zweck nicht.. „Herr," sagte ich freundlich— zweifellos war er ein Ausländer: „morgen ist der erste Sonntag nach Frühlingsvollmond, morgen ist Ostersonntag..." „Verzeihen Sie." lächelte er,„ich möchte gern etwa? näheres darüber wissen..." „Herr," rief ich ungeduldig— es gibt eine Grenze, nicht wahr?—.„morgen feiern wir das Fest der Auferstehung Jesu!" „Danke J�ynen!" sprach er fast flüsternd,„aber die Eier...?" „Sie scheinen aber wirklich lange außerhalb der Zivilisation gelebt zu haben," bemerkte ich verblüfft. „Das habe ich." lächelte er und schritt neben mir her.„Stört es Sie, wenn ich Sie etwas begleite?" Ich hatte nichts dagegen einzuwenden. Wir gingen durch die belebte Straße. Ueberall war Polizei zur Hand. Und dann inter- essicrte mich dieser naive Sonderling mit seinen seltsam-liebcvollen Augen, Traumaugcn. Kinderaugen, Augen in denen zwei kleine, wundersam zarte Scelenflaminen brannten. „Waren Sie noch nie in Berlin?" fragte ich, weil er sich still verhielt. „Nie," sagte er. „Eben erst angekommen?" „Ja." antwortete er unachtsam, weil wir an einer Kaserne vor- heikamen, wo gerade die Schildwachen abgelöst wurden. „Was ist das für ein Gebäude� was sind das für Männer.?" fragte er und stand still. und Befriedigung auf ein an Arbeit im Dienste der Arbeiterschaft reiches Leben zurückblicken, die ihm denn auch die herzlichsten Glückwünsche mit d«m Ausdrucke der Dankbarkeit darbringt und damit die Hoffnung verbindet, daß es ihm. der heute noch geistig und körperlich frisch und elastisch ist, gegönnt sein möge, noch recht lange seine Kräfte dem Freiheitskampfe des schweizerischen und internationalen Proletariats zu widmen. Der 18. Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Holland. Amsterdam, 6. April.(Eig. Ber.) Der diesjährige Parteitag der S. D. A. P. tagt am 7, 8. und 9. April zu Leiden. Auf der Tagesordnung stehen 67 Anträge, welche sich auf folgende Punkte beziehen: Bericht des Parteisekretärs; Bericht der Kammerfraktion; die Redaktion des Zcntralorgans„Hot Volk" und dessen wöchent- licher Beilage der marxistischen Richtung„Het Weckblad"; das von einer Kommission entworfene neue Parteiprogramm; die Pro paganda; die Wahlrechtsdemonstration in 1912;, finanzielle Berichte; Partei und Gewerkschaftsbewegung; Mitgliedschaft der Gr wcrkschaft; Jugendorganisation; Einfuhrzollgesetz: Fraueporganisa- t!on; Unterricht; Genossenschaften; Organisation; Abstinenz; Frauenarbeit; Militarismus; die Zeitschrift„de Nieuwc Tyd'; Kampfprogramm. Dem Jahresbericht des Parteisekretärs über 1911 entnehmen wir, daß die Abteilungen von 220 auf 253, deren Mitglieder von 9992 a»f 12 582 gestiegen sind, welcher AnWachs an erster Stelle der Agitation ftür die Volkspetition für das allgemeine Wahlrecht zu verdanken sei. Sei auch dieser Zuwachs nicht unbedeutend, so sei er doch durchaus nicht genügend, auch nicht für Amsterdam, wo die Mitgliederzahl von 2068 auf 2658 gestiegen ist. Zur Bestäti gung dieser Ansicht verweist der Parteisekretär auf die im Ver- hältnis zu der Anzahl der Parteimitglieder große Anzahl der in den Gewerkschaftsverbänden, die bei der Gcwerkschastszentrale(dem N. V. V.) angeschlossen sind, organisierten Arbeiter. Die Gemeinderatswahlen in 191 l hatten' als Resultat, daß die Zahl der von der S. D. A. P. unterstützten Gemeinderatsmit- (stiebet von 120 auf 172 im ganzen Lande stieg, während 4 ab» tretende nickt wiedergewählt wurden. In die Zahl der Partciblättcr kam keine Veränderung. Neben „Het Volk" bestehen 19 WoslMnblätter in der Provinz. Zum Schlüsse bemerkt oer Jahresbericht, es sei nicht schwer, neue Mitglieder und hier und da eine kleine neue Abteilung zu gründen; doch die neuen Mitglieder müßten auch festgehalten und die neuen Abteilungen bleibende werden. In 1913 stehe die Partei wieder vor den allgemeinen Kammerwahlen und sie müsse nicht aNein behalten, Uws sie besitz«, sondern auch die Stimmenanzahl und die Zahl der Abgeordneten müsse vergrößert werden. Die finanzielle Uebersicht ergibt an Einnahmen 24 702,80)4 Gulden, worunter an Mitgliederbciträgen 5588,06)4 Gulden, gegen 4930,1754 Gulden in 1910; an Ausgaben 24 553,3)4 Gulden. AuS den Organisationen. Am vorigen Sonntag fand in Tuttlingen die Gene- ralvcrsani mlung des 9. württembergischen Reichs- tagswahlkrcises statt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete das Stichwahlabkommen zwischen dem Par- teivorstand und der Fortschrittlichen Volks- Partei. Krcisvorsitzender Fl eig lvarf einen Rückblick auf die Rcichstagswalst. Die Arbeit sei eine aufopfernde und ausgiebige gewesen und hätte zu einem guten Erfolg geführt, wenn nicht die Berliner Stichwahlparole gekommen wäre, die ein weiteres agita torisches Eindringen in die Zentrumsortc vereitelt habe. Partei sekretär W a S n c r berichtete ausführlich über die dem Stichwahl- abkommen vorausgegangenen Verhandlungen zwischen Partcivor stand und Landesvorstand sowie über eine Konferenz vom 11. März in Berlin. Der Kandidat des Kreises M a t t u t a t betonte, es müsse alles geschehen, um den Wahlkreis durch Ausbau der Organi- sationcn. Gründung neuer Mitgliedschaften und Schaffung einer Bezirkspresse besser vorzubereiten. Gegen ein Stichwahlabkommcn mit der Volkspartei in diesem Wahlkampf wäre nichts einzuwenden gewesen, wenn man vorher die Wahlkreise selbst hierüber gehört hätte. Das sei nicht geschehen, und deshalb müsse das Vorgehen des Partcivorstandes als nicht angebracht gerügt werden. Die Volksparteiler hätten dadurch Verrat begangen, daß sie ausspreng- ten, die sozialdemokratische Kandidatur sei zurückgezogen; außerdem seien gemeine Verleumdungen verbreitet worden, habe man doch u. a. behauptet, unser Kandidat habe sich bestechen lassen. Das alles wäre vermieden worden, wenn man nicht über die Köpfe der Parteigenossen hinweg die Stichwahlparole ausgegeben hätte. Nach längerer Debatte gelangte eine Resolution zur An- nähme, in der u. a. gegen das vom Partcivorstand mit der Fort schrittlichen Volkspartei für den 9. Wahlkreis abgeschlossene Stich Ich blickte ihn etwas furchtsam an. War er vielleicht nicht zu- rechnungsfähig, war er verstört oder hielt er mich zum Narren? „Gott im Himmel, eine Kaserne! Soldaten!" brach ich los. „Was ist eine Kaserne?" fragte er. ungefähr wie mein Söhn- chen mich bei solchen Gelegenheiten zu fragen pflegt. Ich verlor die Geduld. „Herr," schnauzte ich ihn an,„wenn Sie auf diese Weis« fort fahren..."— bei dem freundlichen Glanz seiner Augen schmolz mein Zorn wi« Schnee in der Sonne. Rein, in der Tat, er war in gutem Glauben. Wahrscheinlich hatte ich es mit einem Natur- menschen zu tun oder mit einem alten Herrn, der sehr einsiedlerisch gelebt hatte.„Herr," fprach ich sanfter,„eine Kaserne ist das vor- treffliche Heim, die nicht genug zu preisende Wohnstätle junger Leute, die die Ehre genießen, königliche Uniform zu tragen und die, wenn es nötig wird, ihr Blut auf dem Altar des Vaterlands opfern. Es kann Ihnen doch nicht unbekannt sein, daß es zu den vornehmsten christlichen Tugenden gehört, das Schwert zu ziehen, wenn der Feind an der Grenze steht.. „O! Ich danke Ihnen," sprach er mit einem Lächeln, als ob er nichts davon begriffe, aber zu wohlerzogen wäre, um sich das noch einmal auseinandersetzen zu lassen. Zum zweitenmal machte er vor einem Laden mit Ostereiern. prächtigen, mit Ueberraschungen angefüllten Eiern, Hühnern aus Schokolade und Osterhasen Halt. „Also morgen, Sonntag...?" sprach er vor sich hin. „Morgen feiern wir das Fest der Auferstehung Jesu," erklärte ich mit der ruhigen Unerschütterlichkeit eines Dorfschulmeisters, der den Kindern den Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ deutlich zu wachen weiß. Wir spazierten weiter durch die Querstraßen der Friedrich- straße. Aus dem Trottoir lustwandelten Frauen mit geschminkten Gesichtern, eingesunkenen Augen und baumelnden Täschchen in der Hand. Sie blickten uns an und lachten. Einige von ihnen benahmen sich frech. „Was sind das für Frauen?" fragte der Fremde. „Prostituierte," sagte ich, nahm seinen Arm, denn auch ein paar dieser Dämchen standen still. „Prostituierte?" wiederholte er, und in seinen Augen lag ein solch ehrlicher Mangel an Verständnis, daß ich ihm zu Hilfe kam. „Das sind Frauen," sprach ich mit gedämpfter Stimme, es genierte mich, einen so unangenehmen Gcsprächsgegenstand zu be- rühren,„die die Gebote der Ehrsamkeit so schandvoll übertreten, daß sie unter Kontrolle der Sittenpolizei stehen! Denken Sie mal an, Herr Doktor..."— irgend etwas in meinem Innern zwang mich, dem ernsten Fremdling einen Titel zu geben—,„denken Sic mal. daß wir hier in Berlin tausende solcher Frauen haben, Taufende, die sich allwöchentlich bei der Polizei melden müssen, um sich untersuchen zu lassenl Wir tun alles, um diesen Krebsschaden,, wahlabkommen auf das entschiedenste protestiert wird, da letzteres die Agitation?- und Organisationsarbeit im Wahlkreis aufs schwerste beeinträchtige und die den bürgerlichen Parteien gegenüber schon vorher ungünstige Situation noch weiter verschlechtere, da das Ab- kommen nur geeignet sei, Verwirrung und Uneinigkeit in die prolc- tarischen Kreise zu tragen. Die Kreisgcneralversammlung fordert, daß künftig ein derartiges Vorgehen unter allen Umständen unter- bleibt, da es den demokratischen Grundsätzen widerspricht. In einem zweiten Teil der Resolution, der auf Wunsch Wasners gc- trennt zur Abstimmung kam, verlangt die Generalversammlung, daß der Landcsvorstand möglichst bald eine Landesversammlung ein- beruft, um den Streitigkeiten innerhalb der Partöi in Württcm- berg ein Ziel zu setzen. Der erste Teil der Resolution wurde mit allen gegen eine Stimme, der zweite Teil einstimmig angenommen- M a t t u t a t ersuchte hierauf dringend, ihn von der Neichstagskandidatur im 9. Wahlkreis zu entbinden. Von verschiedenen Rednern wurde hervorgehoben, daß davon gar keine Rede sein könne, Mattutat habe sich im ganzen Wahlkreis derart eingelebt, daß ihm diese Tätigkeit kein Parteigenosse abnehmen werde, der auch bei uns auf weitere Fortschritte rechnet. Einstimmig beschloß die Generalversammlung, die Kandidatur Mattutat auch weiter beizubehalten. Zum Parteizwist in Württemberg. Die„Schwäbische Tagwacht" in Stuttgart bringt in ihrer Nummer vom 4. April den Parteiversammlungsbericht der Stuttgarter Organisation vom 20. März. Der Landesvorstand fügt dem Bericht folgende Bemerkung an: „Der vorstehende Bericht, der in seinem Hauptinhalt von Stuttgart aus in einer Reihe von Parteiblättcrn des Reiches veröffentlicht wurde, der ferner bereits von der bürgerlichen Presse ausgeschlachtet wird, zeigt den Parteigenossen im Lande, wie sich die Verhältnisse in Stuttgart seit der letzten Landesvcr- sammlung entwickelt haben. Die Darstellung verschiedener Vor- gänge steht mit der Wahrheit in schroffstem Widerspruch. Die Art, wie hier einzelne Parteigenossen angegriffen und verdächtigt werden, ist bis jetzt nicht erreicht worden. Um die Parteigenossen des Landes zu informieren, hat der Landesvorstand beschlossen, auf Sonntag, den 14. April, eine Konferenz der zuständigen Partei- instanzen einzuberufen, zu der auch die angegriffenen Genossen eingeladen werden. Wir ersuchen die beteiligten Parteigenossen, Erklärungen gegen diesen Bericht nicht einzusenden, um weitere Schädigungen von der Partei fernzuhalten." Die Parteileitung Stuttgart hat der„Tagwacht" folgende Erwiderung eingesandt: „Dem Vcrfammlungsbericht des Sozialdemokratischen Per- ein? Stuttgart vom 29. März d. I., veröftentlicht in Nr. 80 der „Schwäbischen Tagwacht" vom 4. April, hängt der Landesvorstand der Sozialdemokraten Württembergs eine Kritik an, in der u. a. behauptet wird:„Die Darstellung verschiedener Vorgänge steht mit der Wahrheit in schroffstem Widerspruch. Die Art, wie hier einzelne Parteigenossen angegriffen und verdächtigt werden, ist bis jetzt noch nicht erreicht Ivorden." Die Parteileitung Stutt- gart protestiert entschieden gegen eine derartig« beweislose Per- dächtigung der Stuttgarter Partcigenossenscbaft. Stellt der Landesvorstand vor der gesamten Parteigenosscnschaft die Be- hauptung auf, daß die Darstellung verschiedener Vorgänge«mit der Wahrheit in schroffstem Widerspruch" stehe, so hat er auch vor der gesamten Parteigenossenschaft den Beweis für diese seine Behauptung zu erbringen— wc»n er kann!" Vertagte englische Parteitage. Infolge des Bcrgarbeitcrstreiks und der dadurch verursachten Desorganisation des Eisenbahnvcr- kehrs sind die Jahreskonferenzen der I. L. P. und der B. S. P. (oie durch die Verschmelzung der S. D. P. mit einer Anzahl un- abhängiger lokaler Organisationen und einiger Ortsgruppen der I. L. P. entstandene neue sozialistische Partei), die während den Osterfeiertagcn stattfinden sollten, auf Psingsten vertagt worden. Die Konferenz der I. L. P. findet in Merthyr Tidvyl (Wales), die der B. S. P. in Manchester statt. paUzeütebes, Ocriehtllcbcs ulw. Polizei-„?lufzeichnungcn". Gegen den H 130, Aufreizung zum Klassenhaß, soll auf Grund von„Aufzeichnungen" der Ueberwachendcn der Gauleiter des Fabrikarbciterverbandes, Genosse Podemski- Bcuthen, in einer öffentlichen politischen Versammlung verstoßen haben. Nach dein „Polizei-Stenogramm" soll Podemski folgendes gesagt haben: „Fragen wir einmal ein Kind, das eine Stiefmutter hat und von dieser schlecht behandelt wird, ob es Haben will, daß die Stiefmutter noch lange leben soll. Gewiß werden wir von dem Kinde die Ant- wort erhalten: Nein, sie soll nicht lange leben! Auch wir haben wogegen sich jedes christliche Gemüt aufbäumt, zu beseitigen, aber ach, die Zahl dieser Geschöpfe nimmt täglich zu..." „O! Ich danke Ihnen," sagte er und nickte. Ich behielt das Gefühl, als ob er nichts gehört hätte oder mit seinen Gedanken bei ganz anderen Dingen weilte. Und das mußte der Fall sein, denn eine Sekunde später faßte er mich an den Arm, um ein drittes Schaufenster mit buntgefärbten Ostereiern um ein Osterlamm aus Palminbutter, in einer Milch- und Sahnen-Niedcrlage bewundern. „Das mit den Eiern.. begann er aufs neue. „Bedeutet Auferstehung," sagte ich gereizt. Eine Laterne an der Straßenecke zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Wieder begann er mit der fragenden Neugier meines wiß- begierigen Söhnchens: „... Ist das da, wo alle die Menschen hineingehen, eine Kirche?" „Nein!" betonte ich mißgestimmt— das gütige Leuchten in seinen Augen entwaffnete mich:„Sehen Sie den» irgendwo einen Turm?... Da? ist ein Obdach!" „Ein Obdach? Ein Obdach?". „Ein Obdach," rasselte ich wie der redegewandte Führer einer Touristen-Rundfahrt,„ein Obdach ist der Zufluchtsort für Männer und Frauen, die keine Unterkunft haben. Von christlicher Liebe getrieben, halten wir Pritschen in erwärmten Sälen für jeden ohne Ausnahme bereit. Denn die Steine und der Asphalt bieten keine menschliche Schlafgelegenheit! Und wie sehr dieses Obdach einem lange empfundenen Bedürfnis entspricht, geht aus der Tatsache her- vor, daß wir hier im Winter 40 000 bis 50 000 Arbeitslose haben.." „Ich danke Ihnen," flüsterte er mit einem herb-eigenartigen Lächeln. Doch blieb mir das Gefühl, daß ich an seinen Gedanken vorbeigeredet hätte, oder daß er für humanitäre Einrichtungen, wie dieses Obdach, kein Empfinden besäße, denn noch mit dem gleiche» Lächeln auf den Lippen schritt er in einen Krämcrladen und sagte zu dem erstaunten Verkäufer: „Geben Sie mir. bitte, eine Mandel Ostereier..." «Die iverden nicht mandclwcise verkauft." sagte ich,„sondern per Stück." Er kaufte eins und nahm eS in die Hand, als ob er ctivas Köstliches gefunden hätte. Mitten auf der Straße konnten wir nicht weiter. Dort ivaren sie mit schweren Eisenhämmern beschäftigt, das Granitbett unter dem Asphalt aufzubrechen. Die Funken schlugen aus dem Stahl und der Qualm der Fackeln umwehte unser Gesicht. „Wer sind die Leute?" fragte er. immer mit dem Osterei in der Hand,„wer sind die Leute, die die harte Arbeit verrichten?" „Goit, haben Sic noch nie Proletarier gesehen?" fragte ich jetzt, nicht mehr durch den warmen Glanz seiner Augen besänftigt. Kr zuckte scheu mit den Schultern, schüttelt« verneinend den leittc Muilcr mehr und wenn cZ einmal zum Kriege kommen sollte, so werden wir nicht aus Liebe, sondern aus Mutz für unsere Stief- mutier in diesen ziehen, damit einmal alles der Teufel holt. Wir sind Kinder und wolle» gleiche Stücke Brot haben, aber nicht solche, wie es jetzt der Fall ist. Sollte es dieserhalb zum Kriege kommen, so werden wir die Bajonette gegen die Stiefmutter wende n." Obwohl Genosse Podemski schon in der Vorvernehmung darauf ganz bestimmt hinwies, daß er solchen Unsinn nie und nim- mer geredet, dah sein Vortrag ganz anders gelautet habe und dah die Polizeiaufzeichnungen jeder Logik ent� b e h r e n, erhob die Staatsanwaltschaft doch Anklage wegen Auf< reizung zu„Gewalttätigkeiten". Vor der Strafkammer in G l e i- w i tz fand die Verhandlung statt. Trotzdem die Aussagen der beiden überwachenden Polizisten nicht übereinstimmten, behaupteten beide, die Sätze seien so gesprochen worden, wie sie von ihnen niedergeschrieben worden sind. Andere Entlastungszeugen behaupteten bestimmt, daß die Rede wesentlich anders gelautet habe. Vor allen Dingen war sie viel logischer in ihrem Aufbau. Der Staatsanivalt tvollte, wie in den meisten Fällen, den widersprechenden Aussagen der Kriminalpolizisten mehr Glauben schenken, als den bestimmte» Aussagen der Entlastungszeugen. Ganz geheuer schien ihm aber die Glaubwürdigkeit der„Polizei- Stenogramme" doch nicht zu sein, denn er beantragte 10 0 M. Geldstrafe. Das Gericht mochte sich wohl von der„Zuver- lässigkeit" der Aufzeichnungen der Polizisten überzeugt haben, denn es sprach den Genossen Podemski mit folgender Begründung von Strafe und Kosten frei: Der Bericht der Polizei i st keine Grundlage zur Verurteilung. Es fehle jede Lo- gik in den Sätzen. Offenbar liegt gar kein Zu- sammenhang der einzelnen Sätze vor, daher konnte man den Bericht der Polizisten überhaupt nicht verwenden. Schon aus diesem Grunde muhte Freispre- ch u n g erfolgen. Daher erübrige es sich auch, zu prüfen, ob der Tatbestand des§ 130 Strafgesetzbuches erfüllt sei oder nicht. Hoffentlich ist der öffentliche Ankläger das nächste Mal bei „Polizei-Stenogrammen" etwas vorsichtiger und erhebt nicht so schnell Anklagen, die später wie ein Kartenhaus zusammenfallen und den Staatssäckel unnötig belasten. 8o2ia!e3. Von de» Delegationskosten zu Krankenkassenkongressen. Zu dem allgemeinen Krankenkassenkongreß, der zum 30. April 1911 nach Berlin einberufen worden war, entsandte auch die Orts- krankenkasse zu Beuthen(O.-S.) Delegierte. Als die Absicht dieser Delegation dem Magistrat bekannt geworden war, erlieh er als Aufsichtsbehörde an den Vorstand eine Verfügung, durch die er ihm untersagte, die Delcgationskosten aus Kassenmitteln zu entnehmen. Die Kasse focht die Verfügung an und erzielte auch beim Bezirks- ausschuh ihre Aufhebung. Das Oberverwaltungsgericht als Revisionsinstanz hob jedoch das Urteil auf und wies die Klage des Kassenvorstandes endgültig ab, indem es die Verfügung des Magistrats für gerechtfertigt er- klärte. Begründend wurde ausgeführt: In Frage komme Z 29 Absah 3 des 5brankenverficherungsgesetzes, wo bestimmt sei:„Zu andern Zwecken, als den statutenmähigen Unterstützungen, der statutenmäßigen Ansammlung und Ergänzung des Reservefonds und der Deckung der Verwaltungskosten dürfen weder Beiträge von Mitgliedern erhoben werden, noch Verwendungen aus dem Ver- mögen der Kasse erfolgen." Entscheidend sei nun vorliegend, ob die Delegationskostcn etwa zu den Berwaltungskosten gerechnet werden könnten. Das sei von Fall zu Fall zu entscheiden. Nach Ansicht des Senats könnten sie nur dann als Verwaltungskosten angesehen werden, wenn auf dem Kongreß Gegenstände beraten würden, deren Beratung den Krankenkassen die ordnungsmäßige Erledigung der ihnen gesetzlich zugewiesenen Geschäfte ermöglichen sollten und dazu nötig und zweckmäßig seien. Ohne weiteres scheide dafür aus der Hauptpunkt der Tagesordnung des fraglichen Kongresses:„Die Reichsversicherungsordnung nach den Beschlüssen der 16. Lesung der Kommission des Reichstags." Wenn der Bezirksausschuß nun wegen des zweiten Punktes der Tagesordnung des Kongresses, der Beratung der Familienversichcrung, die Verfügung des Magistrats aufgehoben habe, so habe er sich eines Irrtums schuldig gemacht. Denn es liege nichts dafür vor. auch in der Einladung nicht, daß auf dem Kongreß beabsichtigt gewesen sei, durch die Beratung der Familienversicherung den Krankenkassen die ordnungsmäßige Er- ledigung der ihnen gesetzlich zugewiesenen Geschäfte hinsichtlich-der Familienangehörigen zu ermöglichen. Bei freier Beurteilung komme der Senat zu der Ansicht, daß bei der Beratung der Familienver- sicherung auf jenem Kongreß eine solche Absicht nicht bestanden habe. Die Verfügung des Magistrats sei deshalb gerechtfertigt. (Berichte- Zeitung Ein klerikales Kulturboknment aus dem„Nechtsstaate" Bayern. In Nr. 71 brachten wir einen Bericht über eine Beleidigung»- klage, die ein Wagenwärtergehilfc gegen den Pfarrer Schröter von Kopf, und wie das Echo einer bizarren Grotte, wie der verirrte Ruf in einem Wald hoher mächtiger Bäume erklang es von seinen Lippen: „Proletarier?... Proletarier?" „Proletarier," sagte ich, fest entschlossen, ihm keine weitere Auskunft zu geben:„Proletarier sind Esel, die nichts besitzen, die uns Dank schulden für die Mühe, daß wir sie� arbeiten lassen, für die Last, daß w i r ihnen Essen schaffen usw." „O! Ich danke Ihnen..." Mühsam verfolgten wir unseren Weg über das Trottoir, wäh- rend uns die Hammerschläge in die Ohren dröhnten. „Das hier mit dem Turm ist eine Kirche," sagte ich „Was tut man da?" fragte er diesmal so zerstreut, daß ick nicht mehr an mich halten konnte und wütend ausrief: „Donnerwetter— beten!" „O," sagte er, entsetzt durch den Klang meiner Stimme, und das Osterei entfiel seiner Hand:„Warum?" „Können Sie nicht behalten," sagte ich ärgerlich,„daß morgen das Fest der Auferstehung Jesu ist?" Ich bückte mich, um die Stückchen des zerbrochenen Schokolade- eis von der Kirchenschwelle aufzuheben— aber als ich wieder auf- blickte, um sie dem Fremden in die Hand zu geben� war er in der belebten Straße verschwunden. Sonderbar... Scbade. Er hatte liebe, sanfte Augen, Heinz Sperher. Xkinee f culUeton» Die Sonnenfinsternis vom 17. April. Seit langem haben sich che Astronomen nicht so eingehend und fast aufgeregt mit einer Finsternis beschäftigt, wie mit der, die am 17. April zu erwarten ist. Es wird ihnen bei dieser Gelegenheit geradezu ein Spiegel vorgehalten, aus dem sie ablesen sollen, welche Zuverlässigkeit ihre bisherigen Berechnungen beanspruchen können. Wenn der Mond so nahe oder so weit von der Erde absteht, daß eine vollständige oder nur eine teilweise Verfinsterung der Sonne durch ihn zu erwarten ist, kommt es nickst so sehr darauf an, ob die Vcrdeckung des Tagesgestirns eine etwas größere oder kleinere oder ob die Dauer der vollständigen Verfinsterung einige Zehntel Sekunden früher oder später eintritt oder beendet ist. Auch dann werden selbstverständlich möglichst sorgfältige Berechnungen im voraus angestellt, namentlich im Fall einer vollständigen Verfinste- rung, weil von ihrer Dauer die Ausnutzung wissenschaftlicher Be- «backtunger. abhängig ist. Steht der Mond aber gerade in einer Aschen Entfernung von der Erde, daß er die Sonnenscheibe vielleicht gerade für eine ganz kurze Zeit völlig zu verdecken imstande ist. lo Unsernhcrru(bei Ingolstadt) angestrengt hatte. Der Wagenwärker- gehilfe, der von seiner ersten Frau rechtskräftig geschieden ist, ging eine zweite Ehe ein. Er sowohl wie seine zweite Frau sind katho- lischer Religion. Da die Eheleute nicht kirchlich getraut sind, schrieb Pfarrer Schröter an die Frau Briefe, in denen er ihre Ehe als sündhaftes, ärgcrniserregcndes Verhältnis bezeichnete und die Frau zur Lösung unter Androhung des Ausschlusses von den Sakramen- tcn und vom kirchlichen Begräbnis aufforderte. In der Adresse und Anrede war die Frau mit ihrem vorehelichen Namen bezeichnet. In der schöffengerichtlichen Verhandlung erklärte der Pfarrer, daß er nach seinen kirchlichen Vorschriften nicht anders handeln durfte, und aus diesem Grunde sprach das Schöffengericht Ingolstadt den Pfarrer unter Ueberbürdung der sämtlichen Kosten auf den Wagen- Wärtergehilfen von einem Vergehen der Beleidigung auch frei. Das Landgericht Eichstätt gab nun der Berufung des Wagen- Wärtergehilfen statt und verurteilte den Pfarrer wegen zweier Ver- gehen der Beleidigung zur Geldstrafe von 20 Mark oder 2 Tage Haft mit der Begründung, daß durch die Adresse eine Ehren- kränkung des staatlich anerkannten Ehelebens vorliege. „Ein Fall politischer Justiz", Wegen Richterbeleidigung hatten sich vor der Detmolder Strafkammer der freisinnige Reichstagsabgeordnete Dr. Neumann- Hofer und der Redakteur der liberalen„Lipp. Landeszeitung" zu verantworten. Beide wurden zu je 500 M. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung sollte in einem Artikel der genannten Zeitung enthalten sein, der die dieser Mitteilung vorangestellte Ueberschrift trug, und in dem gegen eine Urteilsbegründung Front gemacht war. Im Februar vorigen Jahres fuhr der Abg. Dr. Neumann- Hofer mit einigen Freunden bei Nacht und Nebel auf die Agitation. An einer abschüssigen Stelle wurde dem Chauffeur eine Handvoll Schmutz ins Gesicht geworfen, so daß er die Steuerung fahren ließ und das Automobil in den Straßengraben rannte. Erheblich ver- letzt wurde niemand. Die Polizei ermittelte als Täter einige junge Landwirte,-die sich an jenem Abend in einer öffentlichen Versamm- lung in konservatwem Sinne betätigt hatten. Das Schöffengericht verurteilte einen von ihnen, der schließlich den Wurf eingestand, zu einer verhältnismäßig geringen Geldstrafe. Vorsitzender Richter war ein Herr, der sich bei jeder Gelegenheit eifrig für die konser- vative Partei ins Zeug legt. In der schriftlichen Begründung des Urteils fand sich später ein Passus, den die als Zeugen vernom- menen Abg. Neumann-Hofer und Redakteur Staercke auf sich be- zogen. Es war darin die Rede von Sensationsmacherei, politischer Reklame, Erregung verschiedener Volks- und Berufsstände gegen- einander, Zeitungen entsprechender Qualität, sog. Zeitungswahrheit usw. Darauf erschien in der„Luw. Landesztg." ein längerer Artikel, in dem u. a. gegen Herrn?asche(den Amtsrichter) die öffentliche Beschuldigung erhoben wurde, daß er es über sich ver- niocht habe, einer Urteilsbegründung eine politische Polemik gegen ihm unliebsame Zeugen einzuflechten und dadurch selber den drin- genden Verdacht erweckt habe, daß sein Gerichtsurteil parteipolitisch beeinflußt sei. Die Staatsanwaltschaft hielt ein öffentliches Jnter- esse für vorliegend und ihr Vertreter beantragte gegen den Reichs- tagsabgeordneten Dr. Neumann-Hofer 6 Wochen Gefängnis und gegen den Redakteur Staercke 3 Wochen. Neumann-Hofer soll sich dadurch strafbar gemacht haben, daß er als Besitzer der Zeitung ausdrücklich sein Einverständnis mit der Veröffentlichung des Ar- tikels zu erkennen gegeben hat. Das Urteil wurde nach zehnstün- diger Verhandlung gefällt, und die Begründung besagt, daß ver- leumderische Beleidigung nicht angenommen sei, daß aber die Schwere des Borwurfs einer bewußten Rechtsbeugung eine hohe Geldstrafe rechtfertige. Von einige-m politischem Interesse ist, daß der Vertreter des beleidigten Amtsrichters gegenüber diesen libe- ralen Pretzsündern, die sonst ziemlich zahm sind, mit Argumenten operierte, wie man sie sonst nur gegenüber Sozialdemokraten an- wendet. Er meinte, eine solche Kritik bedrohe die festesten Staats- stützen in ihrem Bestände und führe zu einer Demoralisation schlimmster Art._ Für die fMenden Bergarbeiter Deuticblands gingen bei der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend ein: Arbeitskutscher bei Tabbert 11,15. Tischlerei Olm 4,10. 143. Bezirk 3. Kreis 5,—. Tischlerei Leciewski 10,—. Tischlerei Klempau 10,—. A. E.-G., Voltastratze, Abt. G. F. 5, Wotschke 20,—. Märzkranzüberschuh der Metallarbeiter und-arbeiterinnen bei E. Jakob 16.20. Skattisch CHIttbg..K>ctz 3,—. Firma Wreschner 15,—. Bezirk Südost des Bau- arbeitcrverbandes 15,—. Geburlstagsseier Il lBätz 6,—. Diener bei A. W., Rosenthaler Straße, 25,—. Löchelt 2,—. Verband der Buchbinder, Zahl- stelle Berlin, 1000,—. Verband der Böttcher, Zahlstelle Berlin. 200,—. Rauchklub.Geselligkeit' 5,—. Sonntag u. Gers 10,—. A. Karicl 5,—. Mchlkuischer bei I. Raschle 11,—. F. Schulz-Werner 1,—. Buchh. Vorwärts 1. Rate 20,—. Redaktion d..Vorwärts" 208,—. Bez. 167b 4. Kreis 5,—. Holz- arbeiterkoinmission„Norden" 11,00. Märzkranzübcrschutz und Sechierkasse der Wurstfabrik W. Behr 13,75. Märzlranzüberschutz der Sektion Darm- arbeiter 1 1,55. Firma Adols Espig 5,40. Kroncnsabrik Guggenbüchler 5,00. Organisierte Korbmacher bei Schmidt u. Brückmann 10,00. Hochzeitsseier tritt die Frage ein, ob die Verfinsterung überhaupt eine vollständige oder nur eine partielle sein wird. Der Unterschied ist dann weit erheblicher, und um diesen seltenen Fall handelt es sich eben jetzt. Nachdem die Berechnung bereits abgeschlossen war, wurde sie einer neuen Kritik unterzogen, die einen erheblichen Fehler nachwies. Nach dieser neuen Ermittelung würde zwar die Finsternis eine voll- ständige sein, aber nur innerhalb eines Streifens von 200 Meter Breite. Tie Astronomen werden also ihren Beobachtungsort sehr genau wählen müssen, wenn sie diese Finsternis in ihrer Voll- ständigkeit beobachten wollen. Der beste Platz dazu wird an der portugiesischen Küste sein, und zwar zwischen den Orten Penafiel, etwa 30 Kilometer östlich von Oporto, und Carvez. Hier wird die vollständige Finsternis voraussichtlich 1/� Sekunden dauern(!). lieber den Grosj-Londoner Personenverkehr bringt der Bericht des Englischen Handelsamtes folgende interessante Zahlen. Demnach betrug im Dezember 1910 die gesamte Streckenlänge der Eisenbahnen in Groß-London 662 englische Meilen mit insgesamt 609 Stationen. Die Anzahl der beförderten Personen erreichte für das Jahr 1910 1566 Millionen gegen 972 Millionen im Jahre 1903. Von� dieser Gesamtzahl entfielen 425 Millionen(1903: 291 Millionen) auf Lokal- bahnen, 764 Millionen<1903: 394) auf Straßenbahnen und 337 Mill. <1903: 287) auf Omnibusse. Demnach hätten also die Straßen- bahnen die größte, die Omnibusse die geringste Zunahme zu ver- zeichnen.� Zieht man die Bevölkerungszahl in Betracht, die sich in dem Zeitrann« von 1903— 1910 von 6,7 Millionen auf 7,2 Millionen erhöhte, so ergibt sich, daß im Jahre 1903 auf jeden Einwohner 145 Fahrten pro Jahr entfielen, 1910 dagegen schon 219. Die Zu- nahine der Fahrteuzahl beträgt also mehr als 50 Prozent, überragt demnach die der Bevölkerungszahl ganz beträchtlich. Zur Vervollständigung des Bildes ist noch zu bemerken, daß in obigen Zahlen der gewaltige Vorortverkehr der Hauptbahnen, sowie die'Beförderungsleistungen der etwa 11 000 Droschken unberücksichtigt geblieben sind. Tljeatcr. Friedrich-Wilhelm städtisch. Schauspielhaus. Johannesfeuer", vielleicht das beste, weil stimmungsreichste Drama, das uns Hermann Sudermann gegeben hat, wurde nach längerer Pause wieder einmal aufgeführt. Nichts an ihm ist verblaßt. Es ist ein Stück echter Natur, es sind geschaute Men- schen und urständige Verhältnisse, die hier zu einer aus der Tiefe altheidnischer Symbolik und der Herzen, die miteinander im Kampf liegen, emporsteigenden Handlung gestaltet sind. Selten sahen wir eine genutzreichere Darbietung am gleichen Ort als diese. Alwin Neuß hat das Drama in Szene gesetzt. Es lag echte Mittsommer- nachtsstimmung über dem dekorativen Beiwerk; und diese Stim- miing übergoß auch die Leistungen der Darsteller mit dichterijchem Seumeftr. 3.55. Holzbearbeltungssabrik Klapproth«.Hoppe 5.00. Modell« sabrik Moldenhauer u. Söhne 32,25. Modellsabrit Borrmann u. �Körting 6,00. Tischlerei Kaiser 20,00. Bezirk 408, Kreis 4, durch W. Thiede 15,00. Tapezierer bei Gcrlach 3.00. Möbelsabrik Hülsenbeck. Kroll» go. 30,60. Möbclsabrik„Ostend" 31,70. Tischlerei Stern u. seliger 10,00. Märzlranzüberschutz bei Stock u. Co., Mariendors 24,05. Liste 2, Genosse Goge 14.20. Mechan.W-rkstatt Auerg-s-llschast 20,00 Kesttn. WaidmannSWst 5 OCLw-r rote Arbeiterabstinenten vom Rhein 4,—. M. S. �,05. Frau Lu, M. Forst« Hamburg 5.-. Verein.Fidele Brüder" 5.50. Arbeiter-AthI-tenbuni, Deutschlands 50,—, 211 Möbelsabrik Schwarz, Neukölln 20,—. Geburts- ''ranke 3.-. E. A. L. CHIttbg 5.-. Bezirk Norden der Stell. macher 10,25. Pächter Alb. Krause 15.—. Tischlerei A. Zahn 20,—. Maler bei Linke. Sechserkasse der organisierten Tischler der Auer-Gesellschajt 6,—. Beamte der A. O.-K.-K. Charlottenburg 45,50. Patienten der yeil- statte Grabowsee 28.— 630 Buchdruckerei O. v. Holten 23,55. Tischlerei Miles u. Neumann 20,—. Marzkranzuberschutz der Ber- liuer Beloet-Fabrik 54,60. 224 Firma Brosei u. Wagener 12,10. Verband der Transportarbeiter, Bezirk Grotz-Berlin. auf Listen: 2276 DistriktSkommission 5,— 2317 18,50. 2318 11.-. 2319 18,95 2320 4,2d. 2327 Ueberschutz vom Kranz der Rtärzgesallenen von den Leitergerüst- dauern 16 95 2347 Handelshilssarbettcr des Warenhauses Greisenhagen 20,— 2367 1— 2407 Von der Versammlung der Bau- und Arbeits- kutscher Schönhauser Vorstadt 3,25. 2454 9,30, Summa 108,20.- 220 Holzbearbeitungsfabrik Klapproth u. Hoppe, 2, Rate 7,—.«12 Buch- druckcrei H Klockow 10,20. 611 Buchdruckerei Grunwald u. Kasimir 9,0o. Buchdruckerei Drewitz 17,—. Möbelsabrik„Linde" 10,—. Metallarbeiter bei Bäsch witz 21 25 A Gaul 5,—. Kcttner 2,—. G. Obuch 10,05. Verband der Schuhmacher. Zahlst. Steglitz 16,-. R. Hoppe. Tütensabr, 3.—. März- seier d. 419. Bez 5 Kreis 5,—. A. E Sandow 4,—. M. Pseil-Trockenberg 3,—. 260 Bautischlerei Kühn 10,50. Tischlerei Karl F. Müller 19,05 251 Tisch- sabrik Haas- 20.25 Tischlerei A. Rösler jun. 20,—. 219 Tischlerei Salz- mann u. Sohn 13 25, Tischlerei C. Meißner u. Co. 5.—. 230 Goldlelsten- sabrik Zander 23,05. Dreherei W. Krüger 14,—. Stammtisch zur„Alten Burenkneipe" 12,05. 601 Buchdruckerei JaMszewski 9,40. Verein der Bild- Hauer, Zahlstelle Berlin 100,—. Skatklub der roten Kaufleute 4.—, 602 Buchdruckerei G. Eichler 11,—. Buchdruckerei H. S. Hermann 242,45. 216/17 Stocksabrik Bernhard Noa 34,75. 618 Buchdruckeres Beyer».Böhme 16,40. Gastwirtsgehilsen Jndustrie-Festsäle 6.-. Buchdruckers Pag u. Garleb G. m. b. H. 56,85. Sechserlasse der Schleiser bei Mehlich 10.—. Tischlerei Siebert u. Schwefinger 28,—. Buchdruckerei Mosse aus Listen 76,85. 255 Tischlerei Hecht 15,45. Arb. d. Elektrischen Blockstation 17,—. Buchdrucker bei Bartholdy u. Klein 12,—. 242 Stocksabrik Goldmann 3,—. 241 Stocksabrik Ludwig u. Co. 34,—. Möbelsabrik Karl Meitze 20,—. 613 bis 617 Buchdruckerei O. Elsuer 82,50. Klempnerei Siegert 4,20. 631 Akzidenzabt. b. Ullstein u. Co. 9,80. 605 Buchdruckerei Berg u. Schach 5,60. Verband der Sattler, Ortsverwaltung Berlin, aus Listen 32.50. Sechserkasse Tischlerei Salzmann 10,—. 2163 Firma P. Schröder 3,40. Verband der Sleinarbeitcr aus Liste 428 9,30. 430 1,—. 441 1,A>. 453 8,90. Verband der Metallarbeiter aus Liste: 1151 Kall. Schulz 0,50. 1222 Schöning 36,25. 1254 Guthmann 35,80. 1255 desgl. 35,50. 1256 Brüggemann 13,50. 1262 Adam Schneider 11,30. 1263 desgl. 14,65. 1171 Sommerseld 10,50. 1286 Sielast 14,55. 1287 desgl. 8,20. 1288 Hugo Harlmann 12,10. 1289 Haubach u. Co. 69.-. 1297 Klempner Bertram für Bergarbeiter Westfalens 2,—. 130t Grauert 34,25. 1335 Gerhardt 13,85. 1413 Alex Wolfs u. Co. 17,35. 1424 Nachtwey 1.—. Summa 330,30. Bierkasse bei Krebs u. Co. 25.—. 3. Bezirk Boxhagen-Nummelsburg 10.—. F. Z. 2,—. 223 Vergoldcrci Deichmann 10,40. Möbelsabrik I. Groschkus 48,—. 222 Koldleislensabnk A. Raube 12,—. 1 Georg Kausmann 12,—. Märzkranzüberschutz von den Arbeitern und Arbeiterinnen der D. G. A.- Auergesellschast 155,60. Verband der Transportarbeiter, Bezirk Grotz-Berlin aus solgende Listen: 2179 Personal der Elsenbein- Handlung Th. Frank G. m. b. H. 16,00. 2222 1,—. 2236 2,45. 2244 Bartz u. Co., Bergstratze 11,30. 2259 Rollkutscher vom Anhalter Bahnhof 14,50. 2262 3,—. 2266 Spedition Schütte u. Nöllc, Brunenstratze 6,25. 2294 5,20. 2300 Wäschekutscher 4,60. 2337 Konsum Siemens u. Schuckert 8,70. 2361 2,—. 2386 Oberlcitungsabt. der Gr. Berliner Stratzenb. 6,30. 2395 10,90. 2408 Droschkenchausteure des Progrcss Lob. Garag- 47,05. 2412 3,50. 2416 Betrieb Eschmann 2,75. 2440 10,55. 2456 Geschästsdiener der Papierindustrie 3,45. 2467-.50. 2161 3.40. 2210 5,45. 2213 3.—. 2215 Kollegen d. Firma Gebr. Huff, Johanniterstratze 8,50. 2223 Kollegen d. Firma Dierterl, Spedition 3,90. 2254 9,25. 2375 Packerei Gebr. Israel, Ritlerstr. 11 9,25. 2377 1,50. 2378 von d. organisierten Stratzenbahnerli 6.50. 2413 Betr. Hecht, Pseiser u. Co.—.70. 2448 Packer. Lag.-Arb. u. Hausd. d. Firma Ashelm 12,25. Sa. 223,70. Sechserkasse bei Krebs u. Co. 10,—. Sparverein„Freundschast" 5,50. Goldstcin durch Jarn 5,—. 2229 1,10. 215 Neumatin, Hennig u. Co. 5,65. 619 Alliauec-Druckerei» 8,45 M. In Summa 4328,20 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, find an A. Körsien, 80. 16. Engelufer 15 I, zu senden. Alle Sammlungen und noch ausstehenden Listen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, an den Wochentagen vormittags von 9— 12'/z llhr und nachmittags von 4— 7V2 Uhr oder in den Bureaus ihrer Gewerl- schaft abzuliefern. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend. Marktbericht von Verlin am 4. April 1918, nach Ermittelung des köiiigl. Polizeipräsidiums. Markthalle 11 preise. sKleiiihandel) 100 Kilogramm Erblen, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Speis cbohnen, weitze, 35,00—56,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00—12,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindsleisch, Bauchslcisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40— 2,60. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,10—2,40. Aale 1,60—3,20, Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60—3,20. Blei- 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00. Schimmer. Vor allem gaben diesmal die beiden Vertreterinnen der jugendlichen Mädchengestalten Vorzügliches. Marie Schick als Trude war von rührender Kindhaftigkeit und Lissi Nordau erschöpfte die Leidenschaft des„Notstandkindes" Marikke. In Paul Kaufmann steckte die Derbheit des littauischen Bauernguts- besitzers Bogelreuter. Fritz Delius war als Baumeister Hart- wig sein unnachgiebiger Widerpart. Eine das ostpreußische Idiom sicher beherrschende Gabe war der Hilfsprediger Haffke. den Erich Dahl verkörperte. Dazu Clara B e r g e r als Weszkalnene und Georgine S 0 b j c s k a(Frau Vogelreuter):— ein Ensemble wie aus einem Guß! e. k. Musik. Am Karfreitag führte in der„Neuen Welt" der Berliner Volkschor das Oratorium„Judas Maccabäus" von G. F. Händel auf. Wir haben uns sowohl über die Leistungen des Volkschores wie auch über den Eindruck, den heute Aufführungen Händelscher Werke machen, schon so oft ausgesprochen, daß kauni mehr etwas zu sagen übrigbleibt. Aber eines immer wieder her- vorzuhcben, liegt uns doch am Herzen. Von vornherein gibt es für moderne Kunstpflege kaum eine ungünstigere Situation, als die Vorführung eines solchen Oratoriums— wcnns doch wenigstens eine Oper wäre!— und gerade des„Maeeabäus". Daß da die Israeliten erst niedergeschlagen und dann siegesfroh usw. sind, und daß uns dies in Versen gesagt wird, vor denen alle Grazien aus- reißen können, interessiert uns an sich keinen Deut. Die Musik gegenüber heutigen Ansprüchen primitiv, mit dem vielberusencn „Elefantentriti", mit Arienspielereien von anno dazumal, mit endlosen Wiederholungen wie bei Liedertafeleien,� ohne die Er- frischung einer reichen Detailarbeit I— und doch erschüttert sie uns mit ihren groß-gewaltigen Zügen so, daß wir nachher schwer noch für eine andere Geschmack haben würden. Deutlicher als in solchen Fällen, wird der Gegensatz zwischen zeitlich Beschränkten und Un- beschränkten kaum jemals zu spüren sein. Dirigent Dr. E. Zander gebraucht bei Händel, soweit wir uns erinnern, stets die abkürzenden, aber sonst möglichst die da- malige Musitpftcgc charakterisierenden Bearbeitungen von F. C h r y- s a n d e r. So gut er daran trotz der heftigen Gegnerschaften gegen Chrhsanders Walten tun mag, so sehr würde uns doch der Ver- such interessieren, einmal auch eine andere Fassung zu bringen,: entweder eine überlieferte oder eine der modernisierenden Neu- bcarbeitungen von Robert Franz. Der Aolkschor braucht noch eine Verstärkung seiner Frauen- stimmen. Im übrigen ersetzte �dcr Chor wieder das, was ihm begreiflicherweise abgeht, durch Stärkenuancen und durch Energie. Die vielen einzelnen Mitwirkenden zu nennen, würde nur eine Programmabschrist sein. Aber wenigstens sei noch den Solisten des Altes und des Basses ihre sorgfältige Stimmbehandlung nach- gerühmt, (©ielje Wochen-Spielplan.) Freie Nolksbuhne: Sonntag, 7. April, nachmittags 3 Uhr. ArneS Schauspielhaus. 3. Abteilung sGruppc 9—13): Das Leben ein Traum. Thaliatheater. 6./7. Abt.(Kruppe 96.-39): Der Raub der Sabine rinnen. Herrnseld-Theater. 11. Abt.(Gruppe 46—48): Simson und Dellla. Extravorstellung Lcssing-Xhcatcr': Einsame Menschen. Montag, 8. April, Freie Volksbühne: Neues Schauspielhaus. 10. Abt.(4t bis 44): Das Leben ein Traum. Thalia-Theatcr. 12./13. Abt.(54 bis 57): Der Raub der Sabine« rinnen. Herrens eld-Thcater. 5./6. Abt.(21 bis 23): Simson und Delila. Lcssing-Theater. 1. Abt.(Gruppe 1 bis 4): Wenn der junge Wein blüht. Neue Freie BolkSbühne. Sonntag, den 7. April und Montag, den 8. April, nachmittags 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Judith. Kammcrspielhaus: Lanzelot. Nachmittags 3 Uhr: Neues Volks-Theater. Der Meister. Hochschule in Charlottenburg: Geo- graphie und Liebe. Schiller-Theater 0.: Der Probe- kandidat. Schiller-Theater Charlottenbg. 7./4.: Don Carlos. L./4.: Der Pfarrer von Kirchseld. Metropol-Thealer: Die Leinen Lämmer.— Dorothea. Tnanon-Theater: Francillon. Neues Operetten- Theater: Der Graf von Luxcniburg. Theater in der Äöniggräher Straße: Ein Fallissement. Kleines Theater. Angele.— Erster Klasse. Abends 8 Uhr: Neues Volks-Theater: Der Königs- leulnant. Abends 8>/z Uhr: Neues Volks-Theater. Mittwoch und Freitag: Der Königsleutnant. Dienstag und Donnerstag: Der Meisler. Sonnabend: Nathan der Weise. Hochschule in Charlottenburg: Sonn- abend: Geographie und Liebe. Sejijller-IIieslero.Hhea� Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probekandidat. r Sonntag, abends 8 Uhr: Kyritz-Pyritz. Montag, nachm. 3 Uhr: Der Probekandidat. Montag, abends 8 Uhr: I-adyWindennercs l'uchcr Dienstag, abends 8 Uhr: _ Kyrltz-Pyritz. Sehiller-Tlieater Sonntag, nachm. 3 Uhr: Don Carlos. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Montag, nachm. 3 Uhr: Der Plarrcrvon Kirchtcld Montag, abends 8 Ubr: Der scharfe Junker. Dienstag, nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Dienstag, abends 8 Uhr: Der scharte Junker. Luiscn-THeater. Sonntag 3 Uhr: Faust. 8 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Montag 3 Uhr: Robert und Bertram. 8 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Dienstag 3 Uhr: tllles durch die Liebe. 8 Uhr: Ich lasse Dich nicht. kerlinei- TbieMer. Abends 8 Uhr: Grotze Nosine»». Abends 8 Uhr: vis 5 ft'Msurter. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. Stg. u. Mtg. 3>/, U.: Wiener Blut. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonntag und Montag 3'/« Uhr: Her Vogelbäniltor._ Nesidenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Mrma. Schwank in 3 Akten von M Hennequin und G. Mitchell. Osterniontag und folgende Tage: Alles für die Firma. Oitersonntag 3 Uhr: Kümmere Dich»in Amelie. Ostermontag 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Metropol-Theater. An beiden Feiertagen nachm. 3 Uhr: vorolbos. Bio iltvinon Lämmer. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Dia Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Urania. Wissenschaftliches Theater 8 Ulir: Weltbäder an curopäiscben Küsten. (Von Hamburg bis Lissabon.) Montag 4 Uhr: Ton Meran zum Ortler. 8 Uhr: Weitbäderan curopäiscben Küsten. Dienstag 4 Uhr; Ton Meran zum Ortler. 8 Uhr: Weltbäder an europäischen Küsten. OSE=THEATE Große Fr anksurl er Str. 132. Nachmittags 3 Uhr:», Der Gefangene v. Zenda. II Abends 8 Uhr: Es gibt nur ein Berlin. Gr. Revue in 6 Bild. v. F. W. Hardt. Musik von Artur Steinke. Montag 3 Uhr: Der Gefangene von Zenda. 8 Uhr: Es gibt nur ei» Berlin. Dienstag 3 Ubr: Es gibt nur ein Berlin. 8 Uhr: Der Ge- fangcne von Zenda._ Trianou-Theater. An beiden Osterfeicrtagen, Ans. 8 Uhr: Der Ehemann am Fenster. Hieraus: Ein angebrochener Abend. 1 Theater An allen drei Osterfeiertagen: Die Novitäten = Nie man---- Männer bessert 2 Akte von Anion u. Donat Herrnfeid mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Ner ßausteufel. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus 11—2(Theaterkasse) folies cspriee. An allen 3 Feiertagen: Die Sailbti-GcWager Der Poiizeiliimtl. as Broadway-Girl. 1. und 2. Osterseiertag je 2 große Vorstellungen nachmittags 3>/z Uhr(halbe Preise) Abends ab 3 Uhr TaS sensationelle neue Progr. mit Hellini. Königstadt-Kasino. Ecke Hvtzinarkt- u. Alexanderstraßc Bom 1. bis Iii. April: D.auserwähltc Riesenprogramm Unter anderem: Die heiratstullige Uliwe. Große Posse mit Gesang in 1 Akt. Lassno-l'iHsa�S� Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Das glänzende Aprilprogramm mit Crete Ciallns. Allabendlich Lachstürme l Der Posse nschlagcr Die lustige StrolMwe. Nachm. S'l, Uhr: Unsere lieben Frauen. Mus Busch. I Sonntag, 7. u. Montag, 8. April, an beiden Osterfeiertagen: Je 2 pSe aitordeatlielie Gala-forstelluip nachm. S'/j Uhr u. ab. 7'/, Uhr. Nachm. 3'j2 Uhr zahlen Kinder unter lOJahren a. all. Sitzplätzen halbe Preise(Galerie volle Pr.) Nachm. 3'l2 Uhr— abends T'/aUhr:| In sämtlichen Vorstellungen:" „Die Hexe". Großes Volks-Manege-Schauspiel in 7 Bildern. Nachm. 3'/j Uhr: Die Pantomime ohne Kürzung— genau die Aufführung wie abends. In sämtlichen Vorstellungen: Jack Joyce der berühmte amerikanische Cowboy und Pferdebändiger. Oie größte u. neueste Sensation: Jtvanoff (Looping tbe Loop a. schwingenden Trapez). In sämtlichen Vorstellungen: Vorführen und Reiten der bestdressierten Schul-, Freiheits- und Springpferde. Sämtliche Clowns mit den neuesten Witzen u. Spaßen. In sämtlichen Vorstellungen: Großes Gala-Programm. Jltänner-Chor öberspree" (M. d. D A.-S.-B. Gau Berlin.) Dirigent: Herr R. Bübring. Heute erster Osterfeiertag; Großes Konzert Spree-Garten Treptow, /VUfwirL-AnHf»« Berliner Elite-Orchester(18 Künstler) 1 V III. W II KCUUC. Amanda Wähner, Opernsängerin. Eintritt 50 Pf. Anfangt 7 Uhr. Nach dem Konzert Baül im�estsaal des Etablissements Alt-TreptowlO/13 gegenüber der Sternwarte Landsberger 40/41. Carl CifermanDs„Clytium" I. Feiertag: Konzert: Gtsangverem Siingerkran;. Großer Ball. 2. und 3. Feiertag: Entree frei. Achtung,«ercine! Stelle meinen 2000 Personen fassenden Naturgarten mit erstklassigen Spezialitäten(Franz Sob anski), 1000 Personen großen Saal ab Pfingsten gratis zur Verfügung. sowie Männergesangverein„«»«««»» ' Liedertafel Berlin-West M. d. A.-S.-B. Ohormeister; Fritz Stempel Sonntag, den 7. April(I. Osterfeiertag) im großen Saale der Viktoria- Brauerei, Lützowstr. 111/112 KONZERT unter Hitwirkung der Konzertsängerin Frau Elisabeth Christian(Alt) und der Kahntschen KUnstler- kapelle. Anfang 7 Uhr. Eintritt 60 Pf. TANZ. Nach dem Konzert: 60/15 000000000000000000000000000000001 j Gesangverein nNi)U~ErW8Cl)f' (M. d. D, A.-S.-B.) Chormeister Heinz Bleil' T Sonntag, den 21. April 1912, im großen Saale der Dranerel Friedrichshain: HKKKK KONZERT.€€€«« Aur Aufführung gelangt u. a.: Andreas Hofer, Oratorium für Männerchor, Soli und Orchester in 3 Testen von Rod. Werner. Mitwirkende: 1056b» Frau Betst Schot(Sopran). Kammersänger Herr Gustav Franz (Barston). Das Berliner Sinfonie-Orchester(vierzig Musiker), Dirigent Maximilian Fischer. Saalöffnung 5'!, Uhr, Ansang des Konzerts 7 Uhr. Eintrittskarten im Vorverkauf 1,00 M., an der Kasse 1,85 M. Nach dem Konzert Freitanz. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Billetts sind in folgenden Geschäsien zu haben: N. Beyer, Vcrterancnstr. 11 , Fabian, Koioniestr. 72 „ Gesche, Dunckerstr. 1 „ Gottschalk, Zionskirchstr. 18 Driesener Str. 20 „ Henkel, Stralsunder Str. 17 „ Janihki, Neue Hochstr. 17 . Juhl, Badslr. 45 „„ Schönhauser Allee 116 „ Koch. Aikerstr. 6/7 „ Maffert, Strelitzer Str. 23 „ Mapchczack, Freienwalder' Straße 11. N. Nebah, Korsörer Str. IL „ Otto, Graunstr. 4 , Prinz, Brunn enstr. 25 „ Schurke, Tegeler Str. 2 „ Weber, Gleim str. 29 v. II O. Bindig, Wallncr- Theater< Straße 7 , Hrfi, Slraßmannftr. 33 , Järsch, Kopernitusstr 17 SO. Horsch, Engcluser 15 LcPs.Neid O I cPs,NeichenbergerStr.lt9a S. Schleicher, Annenslr. 44 SW. Fritschc.TempelhofcrUserla An allen drei Feiertagen Anfang 3 Uhr nachmittags Braipte Osln-Piogn. Sonntag, den 1. und Montag, den 2. Feiertag mittags 12 Uhr Letzte Vorträge des Horm Dr. Oskar Bongard „Die Kronprinzenreise nach Ceylon u. Indien" mit zahlreichen vom Kronprinzonpaare aufgenommenen Lichtbildern und kinematographischen Vorführungen. GewinmUcbe Preise.'XXX ScbtUer die ilftltte. Während der drei Feiertage je 2 Vorstellungen, nach- 1 mittags 3— 7 Uhr(kl. Pr.), abends 8—11 Uhr. Gastspiel Cerlrude Barrison Karl Hollitzer Das Geisterfenster und das große 1 April-Programm| mit 10 neuen Attraktionen I Während der Osterferien vom 1. bis 14. April inkl. Volkstage! Jederm. 1 Kind frei. Jedes I Kind erhält ein Geschenk 1 uÄ: Das Riesenpaar I Brünhild und Dusorc | Deutschland u. Frankreich I Pp um 110 mm größer Li als Machnow. Cjn die größte Frau, die 01C je gelebt. Beide lebend zu sehen Ohne Extra-Entree. 1 V olkstli ea ter. TcukOIln, Hermannstraße 20. Sonntag, 7. April: Die Sünde des Priesters: Schausp. in 4 Akten v. A Steinmann. Montag, 8 April: »ein Leopold. BolkSstück mit Gesang in S Akten von L'Arronge. kieiehskniien-Iiiesler. Stettiner Silnger Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllerftrafie. Burleske von Meysel. Ansang: 1. U. 2. Feiert. 7 Uhr. 3. Feiertag. VI, Uhr.' föteoler Alexanderplatz— Unter den Linden— Wedding, Reinickendorfer Straße 14 Moritzplatz—Hasenheide. Von heute an: Zfrkus A. Schumann Oster-Sonntag und Oster-Montag; je 2 große Festvorstellungen nachm. S1/» Uhr u. abends r'/a Uhr. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein eigenes Kind unt, 10 Jahren auf allen Sitzpl. frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halben Preis. In allen Vorstellungen: DM- 5 Anroras 5 TBS die besten Radkünster sowie alle übrig. Attraktionen. In allen Vorstellungen, nachm. und abends: Das Motorpferd in 5 Akten mit noch nie dagewes. Effekten. Nachmittags endet das Ausstattungsstück mit dem 4. Akt: Auf d. Trabrennbahn!. Weißensee. Dienstag, 9. April, abds. VI, Uhr: Große Qala-Extra-Vorsfellung. IlttüS 1 Hotiensciionbausen. 1. and 2. Osterfeiertag Großes Militärkonzert sowie am 2. Feiertag ■V Großer Ball. CM 219/19 Pfitzner, Oekonom. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Sonntag, den 7. April(1. Feiertag), nachm. 3 Ubr: Maria Stuart. Abends 8 Uhr: Das Mädchen ohne Ehre. Montag, den 3. April(2 Feiertag), nachm. 3 Uhr: Glückliche Heirat. Abends 7 Uhr: Ein Sohn des VolkeS. Kasseneröffnung 10 Uhr. 27/28 vis-A- tIb Auflstellungsballen Täglich: Konzert r.'/»ö Ubr oaobm. dl» 2 Uhr trüb Kalte und warme KOohe in Liverpool am 29. Mlirz 1912. Einzige ausführliche Original- Aufnahme dieses klassischen Hindemisrennens. Außerdem: Festspiele erlesenster Llcbtblldkanst in sonst nirgendwo gezeigter Abwechselung und Boichhaltigkeit. DT 7 Union-Theater- •*•«*•:: Zeitung:: Osterfestnummer. IT in den Ausstellungs- HLA hallen am Zoo. Täglich bis 8 Uhr abends: Ununterbrochene Sondenrorfiihrungen Der kinematoppliiseiie Flugplatz. Admiiälspalatil 1 Am Belniiof RkdridUteisM 3 ' Heute Ostersonntag u. morgen Ostermontag,-tzDK nachmittags u. abends: Yvonne Das neue mit Sensalie- 1 nellom Erfolg aufgeführte| Eisballett. Aufierdem abends; Die kleine Waizerkönigin| Charlotte. Der Weltmeister Bror Meyer. Wiederauftreten von Geschw. Schlosser Pushballspiel u. viele andere kllnstlarisch- sportliche Darbietungen. Restaurant I. Ranges. Mittags: SeUittsehuhkorsobJiisik Geöffnet von 10 Uhr ab, bis 6 Uhr u. von 10'/, Uhr halbe Kassenpreise. Tagesbilletts berechtigen zum Aufenthalt bis 8 Ubr abends. An beiden Feienagen, mittags von 1—4 Uhr: Fediners zu 3 M. oder ä la carte in der Wein abteilang j der Elsarena bei freiem Eintritt. arrasaml Sebönhaiiser Allee. Telephon: Nord 4100| Während aller drei Osteh- fciortaffe täglich: Je 2 Galavorstellungen 2 nachm. 3 Uhr u. T'/j Uhr: I mit d. gr. humoristischen| Novitäten-Programm. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Galerie 40 Pf., III. Platz 70 Pf., 11. Platz l.aOM,, I. Platz 2 M., Parkett 3 M. Logonsitz 4 M. Schliilt der SaiNon 14. April. Pat�pbon-Opcr T1ERUARTEKHOF. Auin ersten Male in Deutschland. Dienstag— Mittwoch— Donnerstag, abends 8 Uhr: t.'ariam. Orig.-Wtcdcrg. n. b. Op. Coniigue Parts ferner tägt. 3—7: Xonzortprogramm. Preise von SO Ps. aufwärts. Mi AndroaHstraUc 04. Jnh.: M. Wendt und A. Schatze. Montag, den 8. April (2. Ostcrseicrtag): Hoffmanns Sänger Dir. Fr. Panther und JCilitär-Streich-Konzert ausgesührt von der Kapelle des Königin Elisabetb-Garde-<Är.-Reg. Leitung: Kgl. Ober-Musifmeister 0. Brinkmann Anfang des Konzerts 0 Uhr, der Borstellung 7 Uhr. Im oberen Saal von S Uhr an: (Zroker Kall. Olvnntag, den (3. Os 9. April stcrfeiertag): Im oberen Saal von 5 Uhr an: QroKer Kall. Ie!'!'Well-!!ezt.,.Aili Teltowkanal" Gottlieb-Dunkel-StraSe (Släfie des Neuköllner Fricdhossf. Empschle den Genossen mein herrlich am Teltowkanal gelegenes Restaurant. llakteekache. Schuttheillhier. Hamburger Xiiche.— Solide preise. 28145__ Gustav Hergesell. Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Morgen zweiten Feiertag: CsnzlirZirnhen 1051b C. AIBIe. Achtung? Kollegen wohin? 2. Feiertag: TaUiVtlMÜgtU. tfohenstanfen-Slile KottbuHor Uauini 70. 1. u. 2. L stcrfeiertag: Gr. Gala-Festsoir�e der Leipziger Sänger. Eintritt 50 Pi. Nachdem: Tanz. Alhambra Wallner-Theaterstrage 15, Jeden Sonntag: Großer Ball Großes Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zumeltat. Markgrafen-Säle 84, Murkgrarcn-Iluniiu 84. .. An der«tmtauer Allee.---------- Jeden Sonntag: Gr. Kino-Vorstellung. Im Restaurant täglich mufttalische Iliiterhaltung. Aorzügtiche.Küche, st.Bierc u. Weine, Billard u. Kegelbahn Burgttieater-Kino und Coclcola SchOnhaiiHer residUlv, Allee 129 Säle für Hochzeiten u. Vereinsvergnügen. 4 hooheleg. Kegelbahnen. Rudolf Her?. Mentes Volksgarten Jnh. Walter Schröter Telephon: Amt Lichtenberg Nr. 164 Lichtenberg. Roederstr. 28/20 Verlängerte Landsberger Allee. Vom Alexanderptatz 15 Minuten. Linie 64. 67. 71. Linie Kurzestraßc— Hohenschönhausen. Vom 1. April jeden Dienstag, Donnerstag Frei-Tanz.~ Sonntags: Großer Ball SozialdemoftratlfcfKr OTahlverdn für den 6. Berliner Reichstags-ÜIahlhreis A AA ■■ Osterfeier am Sonntag, den 7. April 1912(1. Osterfeiertag), im Etablissement„Pharussäle", Müllerstraße 142. Mitwirkende: Hollfeldersche Konzertkapelle � Marga Heinrich, Konzertsängerin& Freiherr Hans von Wolzogen, Rezitator& Berliner Ulk-Trio. Nachdem: Großer Ball. Anfang 7 Uhr. Eintritt 40 Pf, 227/10* Das Komitee. A Branche der Elektromonteure. _ Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes._ Sonnabend, den 20. April, abends S'/j Uhr, in Happoldts Konzertsaal, Hasenheide 32 (Eingang von der Gräfestroße): Erster Kunst- Jübend Mitwirkende: Berliner Kammermasik-Verclnlgana;, Frau Paula Wein- bäum, Konzertsängerin, Herr Danegger, Mitglied des Deutochen Theaters. Nach dem Konzert: BALL« Saalöffnung 71/, Uhr. Kindern unter 10 Jahren ist Zutritt nicht gestattet. Eintritt SO Pf. Während dos Konzerts bleiben die Saaltären geschlossen. Billetts sind bei den Vertrauensleuten und in folgenden Geschäften zn haben! Zentrum; Ph. Hummel, Sophienstr. 5. Westen: A. Wiemers, Bülowstr. 58; G. Sengebasoh- Halensee, Karlsruher Str. 16. Nordwesten: Ed. Seitelmann, Oharitestr. 3; A. Kürbis, Luisensts. 26, Nachf. P. Freitag; K. Kasper, Schiftbauerdamm 12. Osten: P. Bähr, Stralauer Allee 47. SDdosten: D. Kimmol Nachf., Sebastionstr. 13; Tolke, Adalbert- Straße 15; P. Fröhlich, Muskauer Str. 1. Süden: A. Quandt, Gitschiner Str. 70; O.Reim, Urbanstr. 29; E. Wiersdorfl, Urbanstr. 6; H. Pieoher, Tempelherrnstr. 20: P. Reiß, Blücherstr. 60; Blücher Lichtspiele, Blücherstr. 61; 0. Bicko, Schönleinstr. 6. Steglitz: G. Fischer, Schloßstr. 102; Clement, Düppelstr. 7. 118/4* 1 A Castans Panoptikum Priedrichsfcr. 165 59/15 Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Corso-Varietä mit abwechslungsreichem Programm. Jb cifS 3? CLOU" Berliner Konzert"Haus. Mauerstr. 82 Zimmergtr. 90/81. Heute und morgen, 2. Feiertag: Gastspiel von Johann Strauß aus Wien mit»einer Kapelle und Musiko. d. 2. Grde.-Regts. z. F. Dirig. Oberm. Max firaf. Anfang i1/, Uhr.___ Anfang 4'/, Uhr. Heue Welt Arnold Schols. HaNcnhcldc 108/U4. II. u. III. Osterfeiertag; Im Riesen-Fest-Saai Großer Ball. II. Feiertag; Anfang 4 Uhr. Entree 50 Pf, HI Feiertag; Anfang 6 Uhr- Entree 40 Pf. mmmmmmmmm Albert Moerner, vormals Keller. 2. und 3. Feiertag im großen Saale? Große Reunion Anfang 4 Ehr. Anfang 4 Ehr.* ■MW Avis! Jeden Sonntag Reunion.~gMI WWMWWWWMWWWWll Restaurant Seebad 2. Gsterfeiertag große Sröffanngsfeier. e frei S 10656* Damen-Fre Entree i-Frcttanii t Kinemkolor ist wirklictie Farbeaphotographie Kein seöwarzer, beiß ßbermalter(eoloriert.) Film Kinemakolor zeigt ans die Veit lebend- farbenprächtig, plastisch. � N8UBS Königliches Opern-Theater| Vorführung: täglich v. 4—11 Uhr abends Sonntags ab 3 Uhr, Eintrittspreis von 50 Pf. bis 4— M. ist Kinemakolor Kinematographie in natürlichen Farben Patent Urban-Smith. Acbtnng! Gewerkschaften, Vereine! Aci.t»°st Königsbank- Festsäle 117 Große Frankfurter Str. 117 Sonnabende zu jeder Jahreszeit frei! Im Juni, Juli, August Sonnabende mit erstNasstger Herren- gesellschaft.— Bestellungen erbittet Amt Königstadt 1374. Kurt Breuer. Blttthner-Saal. Heute. I. Osterfeiertag: Richard-Wagner-Abend des Slüthner-Orehesters Dir.: Hofkapellm. E. v. StrauB. Solist: S. Alschausky(Posaune). Morgen, II. Osterfeiertag: Konzert des BlüthneraOrchesters. Dir.: Kapellm. Br. Weyersberg. Solisten: Belian(Gesang), Snoer(Harfe), Winter(Orgel). Anfang 7'/, Uhr. Entree 75 Pf. MeHReftauraDt Scddin-aall herrlich getegen im Seddin-See. Empfehle mich den geehrten Vor- stünden von chewerkschasten und Ver- einen zu Auitftügen und Dampfer- Partien(Anlegestelle) zu den k», lautesten Bedingungen. Freibad.«affeeküche. Fnsnze Kopps. Allen Parteigenossen. Freunden und Bekannten will ich hierdurch mein in der Oranienstratze 103 gelegenes Lokal In empfehlende Erinnerung bringen. Gleichzeitig möchte ich aus meinen allseitig bekannten und kräftigen ===]ftlttagstlfch hinweisen.— Saal und Vereinszimmer, bis 150 Personen lassend, sind zu vergeben. jflllnS ÜeyeP _ I. B.: Wwe. Klara Augnstin. Gtsangverem„Ufttfriuodjt" 2. Osterfeiertag im Gewerkschastshause (grober Saal): -Abend. Eintritt u. Tanz siel. Ansang 5 Uhr. Gäste herzlich willkommen. tgrogcr« Fa.milien- intritt u. Tanz siel. �.denclkurse Berlin, Xeanderstr. 3 Technikum, Bauschule. Direktor: Königl. Regie- rnngs- Baumeister s. D. Arthur Werner, Inhaber. Prospekte kestenfrel. GeMts-NkdeMg. Allen Freunden und Parteiaenosie» teile ich hierdurch mit, dab ich meine Restauratiou »-ch Kochftratze 3S, Ecke Jerusalemcr Strabe, oerlegt habe. Um geneigten Zuspruch bittet tiermsnn Kraatz (siüher Jerusalemer S trage 66). Gxeelsivi'-GielilspieldsuG mm\n Äb?5«-« Passage Vom 6. bis 12. April inkl. | Roscnmontag*• Drama in 2 Akten. Außerdem: Gräfin dSklTG Metternich» als Hanptdarstellerin in dem Sensations-Dreiakter J Der Unbekannte.! Germania-Prachlsäle JT. Chansaeestr. HO. Karl Rlctatev. Am 1. und 2. Osterfeiertag Paul Mantheys lustige Sänger Vollständig neues Programm. Anfang 0'/, Ehr. Nach d. Vorstellung: Tanz kränz eben. Am 2. und 3. Osterfeiertag Großer Ball. Vereine und Gewerkschaften! Sophienstr. 17/18 Sophien-Säle Empsehle meine Säle und Garten. 100—1500 Persoru« fassend, zur Abhaltung von Sommerseslen.— Roch einige Sonnabends urtö Sonntage im September, Oktober und November frei.* Joh. Heldrieh, Kaftwirt. Schmöckwitz. Es gibt nur ein„GaathanN zur Palme am Seddin I zee", Endpunkt der Grünnu-SchmSckwitzer Uferbahn, herrlich an der neuen Zugbrücke und am Walde gelegen. Vsreinen und Gesellschalten bestens empfohlen. An Wochentagen stelle Partien von mindestens 200 Personen Beteüigungdas gesamte | Lokal zur Verfügung. Hermann Peter. Fordern Sie bei Ihrem Zigarren-Händler der Tabakarbeiter-Genossenschaft Stuttgart. Verantwortlicher Redakteur: Ulbert«LachS. Berlin, gut de» Jnjerätentetl verantw.; TS. Giecke. Berlin. Druck U-Leriag: Vorwärt« ivuchdruderei g. vcrlagSaustalt Pauk Singer»«A, Sertu, SVL i,. 82 29 mm 3, Keilllge des„Ullmarts" Kerlim Uslksblatt. 7 w � 4. Gtlleralvtrsmmlong des Arbkiterabstineuteublludes. An den Verhandlungen der diesmaligen Generalversammlung im Berliner„Gewerkschaftshaus" nahmen lg Delegierte, 8 Gau- Idter und 7 Funktionäre des Vorstandes teil. Bei der Begrüßung hob Bundesvorsitzender N e u m a n n scharf bedauernd die man- gelnde Forcierung des Schnapsbohkottbeschlusses durch den Partei- vorstand hervor, die es mit verschuldet, daß der Boykott viel zu sehr in Vergessenheit gerät und eine Erneuerung des Bohkottbeschlusses durch den nächsten Parteitag in Chemnitz zu einer zwingenden Not- wendigkeit mächt. N e u m a n n- Berlin und Schliestedt- Remscheid werden zu Leitern der Verhandlungen, Fischer- .Hamburg, R e i n ha rd- Dresden zu Schriftführern gewählt. Auf der Tagesoodnung steht außer den Geschäftsberichten, den Anträgen zum Statut und Wahlen der besondere Punkt:„Unser Kampf gegen das Alkoholkapita I." Auf Antrag der Ortsgruppe Kiel wird noch der Punkt„Jugendbewegung" in die Tages- ordnung aufgenommen. N e u m a n n gab den mündlichen Ge- schäftsbericht, der sich auf die drei Jahre 1909 bis 1911 erstreckt. Die letzte Generalversammlung in Hannover beschloß die Ver- legung des Sitzes des Bundesvorstandes von Hainburg nach Berlin. Nach der Uebcrsiedelung übernahm Neumann ab 1. Oktober 1999 zunächst die Expedition und ab 1. Januar 1919 auch den Verlag der Zeitung. Tic Auflage der Zeitung ist zurzeit iMärz 1912) 1899. Die Reineinnahmen des Bundes betrugen 31 757,79 M., die Gesamtausgaben 39 356,89 M. Finanziell ist der Verband etwas besser gestellt wie früher. Die drei Jahre begannen mit einem Kassensaldo von 393,74 M. und schlössen mit einein solchen von 1794,64 M. Der gesamte Vermögcnsstand des Bundes steht auf 5374,19 M. Das Bild der Kassengebarung ist durchaus nicht ungünstig. Ter Mitglieder st and begann am 1. April 1999 mit 2949 und stand am 1. Januar 1912 auf 2474. Leider herrscht eine starke Fluktuation im Bund. Es erfolgten in der Berichtszeit 3534 Neuaufnahmen, denen 2971 Austritte gegenüberstanden. Er- freulich ist die Tatsache, daß von Neujahr 1912 bis jetzt, Ende März, ein klarer Mitgliedergewinn von 299 schon zu verzeichnen ist. Einen besonders starken Anteil an dem Zuwachs hatten die weiblichen und jugendlichen Mitglieder. Der Bundesvorstand hat eigens Ermäßigungen des Beitrages für diese beiden Mitglieder- gruppen beantragt, durch die er die sehr wünschenswerte Zunahme dieser Gruppen noch zu verstärken hofft. Die Zahl der Orts- gruppen ist ziemlich in die Höhe gegangen; es wurden 79 neue gegründet, 31 sind eingegangen. Wirklich arbeitende Ortsgruppen existieren 196, außerdem befinden sich in 35 Orten Mitgliedschaften und in 81 Orten Einzelmitglieder, so daß der Bund in zirka 229 Orten vertreten ist. Das Bild der Bewegung in den einzelnen Gauen ist ein sehr verschiedenartiges, einige gehen gut vorwärts, während andere stagnieren. Doch ist auch der Arbeitseifer der Gauleitungen sehr unterschiedlich, und ebenfalls werden Gauleiter in manchen Orten und Bezirken durchaus nicht genügend unter- stützt. Im ganzen hat die Agitation durch Vorträge in Versamm- lungen, die durch Partei- und Gewerkschaftsorganisationen einbe- rufen sind, zugenommen. Besonders erfreulich ist, daß eine ganze Reihe der Gaue soweit selbständig geworden sind, daß sie jetzt eigene Redner stellen können. An Flugblättern sind in der Be- richtsperiode zwei neue herausgegeben worden, das erste in der ?luflage von 299 999, das zweite in der Auflage von 199 999. Beide sind vergriffen und haben sicher ihre Schuldigkeit getan. Ein kleines, sehr gutes Flugblatt im Auftrage der Hausburger Ge- nassen hat merkwürdigerweise fast nur die Wertschätzung der Schweizer Genossen gefunden, die fast die ganze Auflage allein abnahmen. Ein sehr gut geschriebenes polnisches Flugblatt fand jetzt beim Bergarbeiterkampf reißenden Absatz. Neben diesen neuen Flugblättern wurden alte Flugblätter in einer Auflage von weit über 199 999 neugedruckt. Ein Jugendflugblatt und eine größere Broschüre werden jetzt nach der Generalversammlung erscheinen. Von der Zeitungskorrespondenz für die Arbeiterpresse sind im ganzen 15 Nummern herausgekommen. In das vom Preutzentag ausgegangene Kommunalprogramin ist von allen Anträgeii des Bundesvorstandes leider nur die Forde- rung der Trinkerheilstätten aufgenommen worden. Redner be- klagte, daß es an der moralischen Einwirkung durch die Gesamt- bewegung auf die Genossen zur Jnnehaltung des Schnapsboykotts vielfach sehr mangelt. Die Berichte einer ganzen Anzahl Gewcrk- schaftshäuser weisen im Jahre 1919 einen höheren Schnapskonsum auf als 1999, und 1911 einen noch höheren als 1919. In bczug auf das agitatorische Wirken der Abstinenten für die Arbeiterbewegung sticht besonders ein Fall in Burg auf Fehmarn hervor, wo durch Landarbeiter, die erst Abstinenten geworden sind, Partei und Ge- werkschaft erst Fuß faßten. Die Darlegungen des Redners, soweit sie sich auf mehr ge- schäftsmäßige Arbeiten des Vorstandes beziehen, sind für die Oeffentlichkeit von minderem Interesse. Neumann schloß seinen zlveistündigen Vortrag, indem er als Ziel hinstellte: Verbannung des Alkohols in die Arzueischränke der Apotheken und Verabfolgung nur noch auf ärztliches Rezept. Trotz aller Widerstände muß die Abstinenzbewegung vorwärts zu diesem Ziele hin. Abends um 8s-h Uhr wurde die Sitzung, die um 6 Uhr begonnen hatte, auf Sonnabend vertagt. Was bedeutet„RornfrancK" für Hausfrauen, die mit dem Wirtschaftsgeld genau rechnen? Nicht mehrund nicht weniger als die Erfüllung eines naheliegenden Wunsches.„RornfrancK" ermöglicht der Hausfrau, sich und ihrer F amilie ein gutes Raf feegetränK zu gönnen und trotzdem am Wirtschaftsgeld zu sparen.„RornfrancK" verspricht also viel; aber er hält das Versprechen.„RornfrancK" geht aus derselben Kornfrucht hervor, aus der unser nationales Nahrungsmittel, das Brot, gewonnen wird. „RornfrancK" ist Koggen-Malz- Kaffee. In ihm wird etwas durchaus Neues, Wertvolles geboten. Wer einmal„KornfrancK" getrunKen hat, ist ihm dauernd zugetan. 3 fruhlingzemscheo. Seit Wochen hat der Frühling bei uns seinen Ein- Uw gehalten und gleich einer gütigen Fee erweckt die lachende Frühlingssonnc die Natur zu neuem Leben. Ilebcrall grünt und iprießt es, die Knospen an den Baumen und Sträuchern schwellen und harren des Augenblicks, da die Sonne die nötige Kraft habe, ihre unscheinbaren Hüllen zu sprengen und sie zu ungeahnter Pracht zu enlsalten. Aber die flüchtige Wärme der kurzen Mittagsstunden genügt glücklicherweise noch nicht zu dieser Wandlung, denn gar manche zarte Knospe würde, vom eisigen Hauch des nächtlichen Frostes ge- troffen, das Licht des nächsten Tages nicht mehr er- blicken. Selbst der weit widerstandssähigere Mensch empfindet die in den Morgen- und Abendstunden eintretende Kühle höchst unangenehm und sucht gern das schützende Dach, die angenehm durchwärmte Wohnung aus..., Diese starken Temperaturschwankungcn zwischen den einzelnen Tageszeiten bieten vor allem hinsichtlich der Heizung grosze Schwierigkeit. Es ist mit einer großen zen- trolen He zungsanlage ganz unmöglich diesen«chwankun- gen innerhalb der Tagesstunden zu folgen. Bleibt eine der- artige Anlage im Bctriebe.so wird in den warmen Mittags- stunden die Wärme unangenehm empfunden und wird aus den weitgeöffneten Fenstern ungenützt entströmen. Unter solchen Umständen wird also die Anlage sür den Be- sitzer unwirtschaftlich arbeiten. Wer kann es diesem da- her verargen, wenn er den Icichtbegreiflichen Wunsch hegt, die Anlage sobald als möglich außer Betrieb zu setzen, um sie dann erst im Herbst wieder anheizen zu lassen. Tritt dann aber unvermutet, wie es bei uns bäufig vorkommt, ein länger anhaltender Witterungs. rückschlag ein, so werden die nun kalten Wohnungen ein höchst ungemüllicher AusenthaltSort fein. Der Hauswirt, der natürlich von Tag zu Tag auf ewe wärmere Witterung hofft, wird sich daher kaum ent- schließen, nochmals die Zentralheizung in Betrieb zu setzen. Er wird vielmehr seine Mieter damit zu trösten suchen, daß die unliebsame kühlere Witterung gewiß nur von ganz kurzer Dauer sein könne. Aber nicht nur die Zentralheizungen, deren oute Seiten hier nicht in Abrede gestellt werden sollen, bringen diese Unbequemlichkeit mit sich, sondern auch bei der in der letzten Zeit vielsach bevorzugten Ofen- Heizung ist das gleiche der Fall. Auch einen Zimmer- ofen heizt man nicht gerne wieder an. wenn man ihn erst einmal ausgehen ließ und damit gleichsam zu er- kennen gab, dag nun die wärmere Jahreszeit begänne, Man ist sroh, die lästige Arbeit des Fcucranmucheus und die damit verbundene Schmutzerei hinter sich zu haben. Wie soll man aber auch in einer Zeit heizen, wck es draußen bald kalt, bald warm ist? Beginnt man morgens damit, so wird das Zimmer endlich warm, wenn es der Sonnenwärmc wegen nicht mehr nötig wäre; heizt man aber, um am Abend ein warmes Zimmer zu haben, so ist dieses auch sür die Nacht er- wärmt, wo man es gar nicht benutzt, oder wo man aber weit lieber kühl schlicse. Kurz in diesen Uebergangszeitcn kann man mit ststem Brennmaterial kaum zusriedenstellend arbeiten. Das Ideal müßte eine Heizung sein, die ohne Schmutz zu Perursachen und ohne große Vorbereitung sosort, wenn man ihrer bedarf, in Tätigkeit treten kann, nach dem Löschen aber sosort mit der Wärmeabgabe aufhört und jederzeit betriebsbereit ist. Eine derartige, im wahren Sinne des Wortes ideale Heizung besitzen wir allein in der Gasheizung. Die Handhabung und Bedienung der Gasöfen und Gaskaminc ist die denkbar einfachste. Ein Handgriff genügt, um den Ösen in Betrieb zu setzen. Im gleichen Augenhlick beginnt auch schon seine.Heizwirkung. Bei der Gasheizung fällt also jegliche Anheizzeit gänzlich fort, denn mit Entzünden des Gasstromcs beginnt sofort die wärmende Wirkung des Osens, da dieser nicht erst selbst erwärmt zu werden braucht. Die Re- gulierung der Wärmeabgabe läßt sich in einfachster Weise durch bloßes Verstellen des Gashahnes bewirken, und man hat es also in der eigenen Hand, den Brenn- Materialverbrauch dem augenblicklichen Wärmebcdürsnis anzupassen und ihn aus ein Minimum zu beschränken. Um auch hinsichtlich einer peinlich genauen Regulierung von der menschlichen Unzulänglichkeit gänzlich unab. hängig zu sein, hat man sogenannte Temperatur- regulato«» geschaffen, die in weit genauerer Weise, als eine Menschenhand es vermag, jederzeit die gesorderte Temperatur einstellen. Diese Apparate verringern, so- bald die gewünschte Zimmertemperatur erreicht ist, die Gaszufuhr in der Weise, daß nur noch so viel Brenn- Material dem Osen zuströmt, als zur Erhaltung der sestgejetzten Raumtemperatur notwendig ist. Sie sind also gleicherweise ein unfehlbares Mittel, die Räume aus einer angenehmen, der Gesundheit zuträglichen � Temperatur zu erhalten und gestalten dabei die Heizung so wirtschaftlich, wie es nur möglich ist. Schließlich bisden sie aber auch einen wirksamen Schutz gegen un- .beabsichtigtes Ausströmen unverbranntcn Gases, denn sobald die Flamme aus iraendemem Grunde erlischt, schließt der Temperaturregler das Gasventil automatisch ab. Soll die Heizung abgestellt werden, so genügt wiederum ein einziger Handgriff, dieses zu bewirken. Im selben Augenblick hört auch jeder Gasverbrauch auf, und, da die Gasösen keine Teile besitzen, die zur Aujspeichermig einer größeren Wärmemenge besähigt wären, hört auch jede Wärmeabgabe aus. Die Kon- slruktion der Oesen ist eine derartig vollkommene, daß sie 85—95 Proz. der Wärmemenge des ihnen zuge- führten Gases zur Raumhcizung nutzbar verwenden, ein Resultat, das keine andere Heizung erreichen kann. Aus diesem Grunde ist auch die Gasheizung an und sür sich gar nicht so teuer, wie man in Anbetracht des im Verhältnis zu festen Brennstoffen hohen Gaspreises für gewöhnlich annimmt. Bei Berücksichtigung der großen Bequemlichkeit und unbedingten Sauberkeit, die sie bietet, ist sie sogar preiswert zu nennen. Das Verwendungsgebiet der Gasheizung ist ein unbeschränktes. In Verbinduiig mit Temperaturregn- latoren eignet sie sich ebensogut zur Dauerheizung ivie jede andere Heizungsart; besonders empfehlenswert ist sie aber sür wiche Räume, die nur zeitweise oder vor- übergehend geheizt tverdcn sollen, dann aber schnell wann sein sollen. Sie empfiehlt sich daher auch aus den eingangs erwähnten Grünben sür Häuser mit Zen- tral- bezw. Ofenheizung. Alle hinsichtlich dieser gcschil- derten Mißstände werden in dem Augenblick verschwinden, wo Gasösen oder Gaskamine in den hauptsächlichsten Auscnthaltsräumcn derartiger Wohnungen ausgestellt werden. Wie sich in diesem kalten Winter mehrfach zeigte, waren die vorhandenen Zentralheizungen den durch die außergewöhnliche Kälte erhöhten Anforderungen nicht gewachsen. In solchen Fällen wird ein Gaskamin der Retter in der Not sein und in schneller und be- quemer Weise die unzureichende Heizanlage unterstützen. Aber auch jetzt, wo die linden Frühlingslüste schon eine dauernde Heizung unnötig machen, wird er dazu bei- tragen, in den kühlen Morgen- und Abendstunden die Wohnung gemütlich warm zu machen. Er Wird aber auch in den für die nächste Zeit prophezeiten kästen Tagen zur, Erwärmung der Räume ausreichen, und man wird daher nicht nötig haben, die mit jeder anderen Heizung verbundene Arbeii und Schmutz erei wieder über sich er- gehen zu lasten Gerade in solchen Fällen werden sich der Wert und die Vorzüge des Gaskamins am besten zeigen. Rur hüte man sich, wenn man zur Anschaffung schreitet, davor, einen zu kleinen Osen zu kaufen. Der größere Osen wird nämlich,- bei allerdings höherem An- schaffungspreite, im Betriebe der billigere sein, weil er die ihm zugeführte Wärmemenge weit besser ausnützen kann, als ein kleiner überlasteter Ofen. Hinsichtlich der Anbringung unterscheidet man an der Wand hängende Gasöscn und stehende GaSkamine. Die erstercn sind, da sie leicht fein müsse», hmsichtlich des Materials gewissen Einschränkungen unterworfen, haben aber dem Gaskamin gegenüber den Vorteil, daß sie keine Bodenfläche beanspruchen, und die vorteilhafteste Raumausnützung gestatten, da sie bei großer Wärme- cntwickelung verhältnismäßig klein sind. Die stehenden Oesen bieten dagegen, sowohl hinsichtlich des zur Ver- Wendung gelangenden Materiales, wie in der äußeren Formgebung dem Raumkünstler und dem Architesteu den weitesten Spielraum zu künstlerifcher Betätigung. Die einschlägige Industrie toird, was die äußere'Aus- stattung betrifft, jedem Geschmack und jeder Anforde» rung gerecht, die zahlreichen im Gebrauche destndlichen Gaskaminc sind der beste Beweis für die große Bc- liebtheit deren sich heute schon die Gasheizung erfreut. In den Ausstellungsräumen und Berkaussstelleu der Gasgesellschast sind Gasradiator-Oefen, Gaskaminc und Gasheizösen, sowohl mit Reflektoren, wie mit offener Feuerung in großer Zahl von den einfachsten bis zu den kostbarsten Mustern ausgestellt und zu besichtigen. An Interessenten wird die reichillustrierte Broschüre„Der Gasheizosen" völlig kostenlos versandt. Man wende sich dieserhalb an die Vertriebsabteilung der Gasgesellschast. Gitschtner Str. 19, wo auch in allen Fragen des Gas- Verbrauchs bereitwilligst und kostenlos Auskunft erteilt wird. 4� Ausstellung: und Verkauf von Ciasapparaten SW. 68,'Kochstraße 18. Berlin, Scharrenstr. 11—13. Schöneberg, Gleditschstr. 47a. Schöneberg, Akazienstr. 28. Steglitz, Schloßstr. 121. Tempelhof, Berliner Str. 105. Wilmersdorf, Berliner Str. 36. Weißensee, Berliner Allee 241. Nieder-Schönhausen, Beuthstr. 9. Bssichligung frei. Auskunft und Kostenanschläge bereitwiiiigst und kostenlos, über Beleuchtungs-, Heizungs-, Warmwasssr-, Koch- und industrielle Anlagen. w ■D.St Ii Donnerstag, den It?. April, abend« 8'/, Uhr. im.Rosenthaler H»f". Rosenthaler Strafte II /IS(vis-a-vis der Stcinjtrakc): General- Versammlung TageSordnlllig: 1. Beschluftsasfung über de» etwa notwendig erscheinenden Uebertritt zu einer anderen Kasse� 2. Aendernngen der Satzunge». 3. Verschiedenes. aOT Dieser sehr wichtigen Tagesordnung halber ersuchen wir um daZ Erscheinen aller Mitglieder. Vorstond. 187/10 C. Butry, Stettiner Strafte 23. Sektion der Isolierer und Helfer. Dienstags 9. April(3. Osterfeiertag), nachm. 2 Uhr, bei>ViIKe, Sebastiaustraße 39: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht von der Jsoliererkonserenz. 2. Verschiedenes. ftmmiung: Gemütliches Beisammenfein wozu die Frauen unserer Kollegen sreundlichst eingeladen sind. IM« Sebtlonsleltanr- Sektion der Fliesenleger Trb™"!" Donnerstag, den 11. April, abends S'/a Uhr: Mitglieder-Versammlung im Gcwerkschaftshaus, Engclufer 15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Maifeier. 2. Berufsfragen. 3. Verschiedenes. 138/11 VI« Scktlonsleltnne. Terwaltang Itcrlin. Freitag, den Iii. Npril, abends 8 Uhr, im ti>eivvrl{»cliakt8l»an«e, Saal 4; General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Stichwahl eines Beisitzers. 2. Beratung der von der letzten Generalversammlung zurückgestellten Anträge. 3. Beratung der Anträge zum VerbaudStage. 4. Aufstellung der Kandidatenliste für die Delegierten zum Verbandstage. SfittgUeder-Versattimlntiseii Dienstag, den 9. April(3. Feiertag). Tischler. novirlf flctan III Vormittags 10 Uhr, in den lNraelltsSlQo Pvbllb UölCU III. de» Osten», Frantsurter Allee 131/152. Tagesordnung: 1. Unsere diesjährige Maiseier. L. Bericht von der Gaukonferenz. 3. Bericht von der letzte» Generalversammlung. 4. Verbandsangelegenheiten. Donnerstag, den 11. April: Westen und Südwesten. S Hasenhelde 52/33. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen rrans Wendel über:.England, Sani) und Senle". 2. Bericht von der Generaloersamm- lung. 3. VerbandSangelegenhettcn. �iidaeton l und II Abends 5'/, Uhr, gleich nach Feierabend, m ÜUllvalvU I UuU II. den«lanaz-n-S&Ien, Raunhnftr. 8. (lelan II Abends 61/, Uhr, in den Aval und Bürgschaftsdebitoren iL 28040765.57 Bankgebaude....«•• Sonstige Immobilien.... tz...> Passiva. Aktien-Kapital �»«»»»>..»» Reserven Kreditoren: a).iIostroverpflichtungen»•... b) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredit«......... e) Guthaben deutscher Banken u. Bankfirmen d) Einlagen auf provisionsfreier Rechnung: 1. innerhalb 7 Tagen fällig.... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig............ 3. nach 3 Monaten fällig..... e) sonstige Kreditoren 1. innerhalb 7 Tagen fällig..... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig............ 3. nach 3 Monaten fällig*••«• Akzepte nnd Schecks s) Akzepte........ b) noch nicht eingelöste Schecks... c) Aval und Bürgschafts- Verpflichtungen.. M. 28049705.67 Eigene Ziehungen........» davon für Rechnung Dritter..... Weiterbegebene Solawechsel der Kunden an die Order der Bank.... Talonsteuer- Reserve.....,.» Gewinn- und Verlust-Konto...... M. M. 18412457.09 80153374.23 158798248.08 1388895.84 398704.10 114775.- 160698623.02 43201742.86 134710681.58 10645493.01 9069636.57 2936779.— 18748179.65 4947381.24 19380474.70 7586151.73 50662187.33 41656638.83 18128884.— 334648938.16 74019808.10 398668446.25 14839976,24 368318.22 912141821.65 160000000.— 32000000.— 5473527.95 1961821.70 38700990.93 45983439.04 69396867.10 40090820.97 155331870.18 158735323.31 60109734.63 575784404.81 129577909.13 2663596.61 133330606.74 3446704.10 2048000.- 4765.— 980000.- 11146911.10 912141�21.65 Gewinn» und VerIust»Konto pro 1911. Holl. Geschäftsunkosten: Handlungaunkoston(einschließlich der Tantiemen an den Vorstand und die Oberbeamten im Betrage von M. 1 455 018.06 verteilt auf 171 Köpfe) Steuern............. Gratifikationen an die Beamten(Weihnachten. Abschluß, Teuerungszulage), Ehrengaben an Beamte, Zuwendung an die Pensionskssse und für wohltätige Zwecke.......... Abschreibung auf Immobilien u. Mobilien Talonsteuer-Reserve Gewinn-Saldo Verwendung des Gewinnes: 1. Dividende pro 1911 von 61/, Proz. M. 10400000.— 2. Tantiemen des Aufsichtsrats..« 280000.— 9156468.25 1174408.14 1699631.12 12030407.51 523276.73 860000.— 11116911.10 3. Gewinnvortrag 466911.10 BabeH. Provisionen ,».»»», Zinsen: a) Zinsen- und Wechsel-Konto.... b) aus dauernden Beteiligungen bei anderen Banken und Banknrmen. c) ans Valuten.......,. Gewinne ans Effekten Gewinne nus Finanzoperationen,.,, Diverse Eingänge.......,.» GewinnTortrag von 1910 24380595,34 8902820.60 9178431.67 1158097.90 761222.62 11097752.09 201 9621.76 1837239.49 32679.32 440482.08 �436��5.34 Achtung I Achtung! Allgemeine Orts-Krankenkasse Hpandaii. General-Versammlung am Montag, den 15. April 1912, abends 8 Uhr, Im Restaurant von Krause, Schönwalder Str. 2. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Rechnungsprüfung;. lommisston. 4. Dtskuiston. 6. Verschiedenes. 273/1 Der Vorstand. _ H. Appofdt, Vorsitzender._ Gemeinsame Orts- Krankenkasse für �tawawes und Umgegend. AM Montag, den 2».?lpril er., abends S1/, Uhr, findet im Lokale von Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 43. eine Ordentliche General-Yersammlung statt, zu der die Delegierten ergebenst eingeladen werden. 272/20 Tagesordnung: 1. Rechnungslegung sür das Jahr 1911. 2. Geschäftliche Mitteilungen. 3. Statutenänderung(§ 13 Abs.l Ziss.3). 4. Verschiedenes. Anträge zu dieser Generaloersamm- lung müssen zehn Tage vor derselben bei demVorsitzenden eingereicht werden. Der Vorstand bringt folgende Statutenänderung in Vorschlag: § 13 Abs. 1 tzifser 3 des Statuts soll folgenden Wortlaut erhalten: 3. im Falle der Erwerbsunsähig- feit vom Tage der Erkrankung an sür jeden Kalendertag die Halste de» im H 12 sestgesetzten durchschnitt- lichen Tagelohns als.Krankengeld. Nowawes, den 7. April 1912. K. WUk, W. Kcrsten, Schiistführer. Vorsitzender. ZiBarren- W. Herbst Fabriken"Vä MWä gegr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. BERI.IV SW., Ritterstr. 83 Erstklassige Ware. Zigarren- händlem bestens empfohlen. —— Tarifarbeit. + Haut- u. Harn- 1 leiden. Ehrlieh■ Hata, Schäden d. Quecksilb.— Konsultation frei! Blirtuntersuch., Fäden im Harn, etc. I! Teilzahlung gestattet!! ör.Hii!jiirK,Äh.pi;.Lib.-: f.a.».Panopt. Spr. 9-2,4-8, Sonnt! 1-12 Den Vorwärts-Lesern gewähre Rabatt. Sonder-Verkauf! S, Echter Pluscli- Teppiche PrlmaQualität(kein A.xminster) wundervolle Muster-Auswahl früher jetzt Größe ca. Mk. 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De« '''.4382�0 . 1006,85 5389,15 ab IlbschreibnnglO»/, von 6210,56 M.._ Warenkouto Warenbestände..... Kontokorrentionto(Debitoren) Auhenstände.,,» «afsatonto.... Barbestand»»>.» Bankkonto (Guthaben b.d.DresdnerDank 13839,75 Kauttouskonta Kautionen s.Gas u.Eiektrizität 420,— Summa 100052,13 zember 1910 Zugang.. 621.05 4708.10! 78337,82 4851,58 1234,52 Mitglieder-Gu thabenkonto M. eingezahlte GeschästSanteile 27715�— Mttglieder-DarlehuSkonto Darlehen der Mitglieder ein- fchliegl. ZinSguihaben der. selben, a 4»/,..... 29146,62 Koutokorrentkonto(Kredi< toren) Schulden....... 33585,75 Divtdendenkouto nicht abgehobene Dividende» 189,24 Reservefondskonto au» Gewinnverieilung pro 1906—1910...... 10407,38 Dispofttionsfondskonto aus Gcwinnverleiig. pro 1907—1910.... 6264 ZI Gewinn- und Berlnstkonto Reingewinn I 3. 2753,38 Summa 10905243 Die Mitgiiederzahl am 1. Immar 1911!. III Reu eingetreten,....... 42. Summa 153 Ausgeschieden durch Uebertragung.. 2 � Mitgliederzahl am 31. Dezember 1911. 151 Mitglieder.«Authaben(GeschästSanteilc) vermehrten sich w» Jahre 1911 um 7380 M. Die vastfummc, für welche alle«Aenosien zu« lammen am 31. Dezember 1911 auszukommen haben, beträgt 30 200 R. Dieselbe hat sich im«AeschästSjahre 1911 um 8000 M. vermehrt. Berlin, den 6. April 1912. „H o f f n a n g" Berliner Kchnclderei-Cienoseenschait eingetragene fflcnoffenschasf mit beschränkter Haftpflicht. Ttür den Borstand: Wilh. Kauth, E. Becker, I. Apel, M Schmidt, H. Slobhe. Ztznr den Aussich tS rat: Er. Kreil._ 10412 Bilanz, aufgestelit am 81. Dezember 1911. Aktiva. M. Bonk-Konlo...... 8023,05 Hans-Konto...... I,— KaS-Kauttons.Ronto.,. 100,— Debitoren-Konto.... 250,— Kassa-Konto...... 298,97 8675,02 Passiva. «SeschästSanteil-Konto... Reservefonds-Konto. 786,36 Zugang 123,88 HilssreservesondS-Konto.. Baufonds-Konto..... Diotdenden-Konto.,.. Gewinn........ M. 5926,50 910,24 87AO 266,59 177,32 1306,81 8675,02 Bestand am 1. Januar 1911; 170 Genossen: ausgeschieden 6 Genossen; neu ausgenommen 17 Genossen; mithin 181 Genossen. DaS Geschöftsguthaben der Genossen hat sich um 700 M. erhöht, die Ge'amthastsumme ebenfalls um 700 SR. Letztere bclies sich am 31. Dezember 1911 aus 10 650 M. 1047b Stralau, den 31. Dezember 191t. � Eing. Genossenschaft mltbesehr. Haftpflicht. Karl B ehrend. Max schuldig. Paul Itugctmaier» gi»i- ms WWnM Jnrärts" Gegründet 1879 Name ges gesch. Berlin'' Oranienstr.(Moritzplatz) 58 Kein Laden, Verkauf im Fabrikgebäude. Special! tat; Modernes Wohnzimmer, echt Nussbaum fourniert, M. 273.- M. 63.— I 1 Trumeau mit Stufe M. 36.— M. 84.— 1 1 Auezugtisch...... 30.— Eigene Werkstätten. 1 Kleiderspind. 4 Stühle 4 6 M.= 1 Vertiko........ M. 62.-' 1 Sofa M. 68, Umbat axtr. 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Schullokal: türenadierstr. 37, Hol geradezu 1. Lehrplan für das 2. Quartal 1912. Sonntaf: Nationalökonoinle. fDie GnmdbegriSe der theoretischen Xationalökonomie. 2. Teil.) Zusammenfassende Wiederholung des 1. Teils: Kapitalistische Wirtschaftsordnung. Ware. Gesellschaftliche Arbeit. Wert. Geld. Preis. Kapital.— 2. Teil: Mehrwert. Mehrwertsrate.— Arbeitskraft. Arbeitslohn.— Akkumulation, Konzentration. Zentralisation des Kapitals.— Die Grundrente.— Die Entwicklungstendenz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Vortragender: Mas Grunwald. Sonntag; Rednerschnle(mündliche und schriftliche Agitationsübungen). Der Ausdruck in Wort und Schrift.— Die Technik und Disposition der Rede und des schriftlichen Berichte.— Das Manuskript, die Registratur und die Bibliothek.— Praktische Uebungen über bestimmte Fragen aktueller Wirtschaftspolitik. Vortragender: Max Grunwald. Montag: Fortachrlttebiirsas.(Der historische Materialismus.) Unsinnige Anschauungen unserer Gegner darüber.— Was ist Geschiente? Die Unterlage der bürgerlichen Geschichtsauffassungen.— Die wahre Aufgabe der Geschichtswissenschaft ist; die sozialen Umwälzungen zu erklären.— Diese erklärt der historische Materialismus aus den Aenderungen der Produktion(aus den„ökonomischen Verhältnissen").— Die Anwendung des historischen Materialismus zum Verständnis der Geschichte.(Die gegenwärtige Umwälzung der Gesellschaftsordnung.) Vortragender: Julian Bor chardt 6/8* Mittwoch: Llteratargeachlclite(Wanderung durch die deutsche Literaturgeschichte.) Vortragender: Ernst Däumig. Donnerstag: Sozialpolitik.(Die Geschichte der sozialpolitischen Gesetzgebung.) Gründe und Anlässe für die Arbeiterschutzgesefczgebimg und die Arbeiterversicherung in Deutschland.— Ansätze im früheren Recht.— Pflicht des Unternehmers, Haftpflicht- gesetze.— Gehilfen-, Seemanns- und Knappschaftskassen; freie Hilfskassen.— Sozialpolitische Fürsorge in den Einzel- Staaten und den Kommunen vor der reichsgesetzlichen Arbeiter- Versicherung,— Die Arbeiterversicherung im Auslande, in Großbritannien, Oesterreich, Ungarn, Holland, Belgien, Dänemark, Schweden, Skandinavien, Rußland, in der Schweiz und in den nordamerikanischen Staaten. Vortragender: Georg Schmidt. Freitag: Ciewcrkschaf tstveaen.(Ans Theorie und Praxis der Gewerkschaftsbewegung.) I. Einleitungsvortrag: Die geschichtliche Entwicklung der deutschen Gewerkschaften. II. Grundsätze der freien Gewerkschaften. III. Gewerkschaftliche Schulung und Disziplin. IV. Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks. V. und VI. Kartelle und Ünternehmerverbände. VH. und VHI. T a r i f v e r ä g e. LX. und X. Die wichtigsten gewerkschaftlichen Strömungen des Auslandes. Vortragender; EmilDittmer. Sonnabend: CieBchlclitc.(Geschichte der deutschen Sozialdemokratie.) I. Vorgeschichte bis zur Gründung des Allgemeinen deutschen ___ Arbeitervereins. II. Lassalle und der Allgemeine deutsche Arbeiterverein bis zu Lassalles Tod. III. Die internationale Arbeiterassoziation. IV. Die Gründung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. V. Eisenacher und Lassalleaner.— Innere Kämpfe.— Verfolgungen.— Die Einigung. VT. Attentats- hetze.— Das Ausnahmegesetz.— Die erste Wirkung.— Sammlung und Auseinandersetzung mit Most-Hasselmann. VIF. Die Partei unter dem Ausnahmegesetz. VIII. Die Fesseln gesprengt— Innere Klärung; Erneuerung der Organisationen und des Programms. IX. Der Siegeszug der 90er Jahre.— Stellung der Partei zu den Genossenschaften und Gewerkschaften.— Beginn der taktischen Auseinandersetzungen. X. Das letzte Jahrzehnt. Vortragender; Emil Eichhorn. tJntcrrichtKbeginn: Freitag, den 12. April: Gewerkschafts wesen. Sonnabend, den 13. April: Geschichte. Sonntag, den 14. April: Xationalökonomie und Rednerschule. Montag, den 15. April: Fortschrittskursus. Mittwoch, den 17. April; Literaturgeschichte- Donnerstag, den 18. April: Sozialpolitik. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 8'/, Flip und endet um 10 F'hr. Der Sonntagskursus in Nationalökonomie beginnt um 9(Ihr, der in Rednersohule um ll'/s F'hr vormittags. Die reichhaltige Blbliotbck igt an den Unterrichtsahenden von 71/;— 8'/, F'hr, SonntagH von 10'/, bis 11'/, Ilbr geöffnet Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Circnndfcrslraße 37, Hof goratleza 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schnlz, Admiralstr. 40a; Renl. Barnimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kaczoi-ovreikl, Ravenestr. 6; Momeb, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Laranitf, Filcbtenberg-Bcrlin, RUtergntKtr. 25 1, Geld- Sendungen an den Kassierer H. König«, Berlin S. 59, Hasenheide 66, zu senden. Per Vorstand. von 200 bis lOOOO Marli Moderne Wohnzimmer Moderne Schlafzimmer Moderne Speisezimmer Moderne Herrenzimmer -------- Moderne Salons--------- Mod. buntfbg. Kücheneinrichtung, VoIlBiandia o Ausslattnna von Pensionaten, Villen, Hotels usw. OHnaUoe Zoblnngsbedlngnngcn. Barzahlung 50/o Rabatt! B.ilehtlguns ohno Kaufewang crwümcM. Direktor Verkauf an dae Prlralpubllkum. Freie ZoseodaBg durch eigene Geapanne für Groas- Berlin. Qekoalla MObcl können beliebig Innge frei lagern. Versand durch g.na Deuleehland frachtfrei. G ei e geshelt sk An(e in gebraucblcn und lurtlckgeaetitea Uöbeln. Berliner NDIüllüe..tlorden' Inh. Rieh. Thiele 1Z8 Imütatr. 128 EckeBorsigstraße, via-ä-vis Stettiner Bahnhof. 1. Geschält: Ackerstrasse 120 � Speicher u. 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Anfang 6 Uhr. Er- öffnung 5 Uhr. Eintritt 30 Pf. Schöneberg. Heute, ersten Osterfeiertag, veranstaltet der sozialdemokratische Wahlverein einen Kabarettabend in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8. Die Leitung liegt in den Händen des bewährten Rezitators Fritz Richard vom Deutschen Theater und baben ihre Mitwirkung zugesagt die Konzert- sängerin Frl. Jos. Kraus, Frl. M. Forescu vom Neuen Operettentheater und Operettensäuger Herr Wilhelm Karzin. Anfang des Konzerts um 6 Uhr. Eintritt 50 Pf., Garderobe 10 Pf. Rauchen ist im Saale verboten. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt. Programme werden am Eingange des Saales verteilt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Bernau. Am ersten Osterfeiertag, abends 7 Uhr, findet im Lokal des Herrn Franz Salzmann, Basdorfer Straße, ein Volks- liederabend statt. Mitwirkende: Herr Lederer-Prina-Berlin, Frl. Meta Klotnika-Berlin, Frau Elsa Kühne-Berlin, Herr Wilh. Scholz- Berlin. Musik Herr Albert Liebisch-Bernau. Grünau. Mittwoch 6'/g Uhr Flugblattverbreitung. 8'/, Uhr Mitgliederversammlung bei Franz. Donnerstag Kuwertverbreitung. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Tempelhof. Der Zahlabend findet nicht am 10., sondern am 17. d. Mts. statt. Trcptow-Baumschulenweg. Der Zahlabend für die Bezirke 5 bis 12 ist diesmal gemeinschaftlich im„Sportrestaurant", Elsen- straße 115/110.__ ßerliner JVacbncbtcn. Um Ostern. Der Streit um das Osterfest ist wieder einmal entfacht; endlich wird vielleicht an die Stelle des beweglichen Festes ein feststehender Termin treten. Aber bis dahin streitet man sich um Ostern, wie damals, in der Mitte des 2. Jahrhunderts, ehe das Konzil zu Nicaea das Fest auf den ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond legte und damit die jetzige Veränder- lichkeit schuf. Für die Berliner und Brandenburger bringt freilich Ostern angenehmere Gebräuche als den Ofterstreit. Sie halten es durchweg mit dem Osterhasen, dem einzigen Vierfiitzer, der Eier legt, die neuerdings nicht nur aus Schoko- lade, Marzipan oder Zuckerguß zu sein Pflegen, sondern festere und brauchbarere Gestalt annehmen. Auch auf dem Lande ist das Aufsuchen der angeblich vom Osterhasen ins Gras gelegten bunten Ostereier ein HauptvergNügen der Kinder zu Ostern. Man spielt in einzelnen Gegenden auch die Ostereier aus, indem zwei Kinder die Spitzen von zwei Ostereiern gegenein- anderstoßcn; wessen Ei ganz bleibt, der bekommt das des Gegners hinzu. Ganz vereinzelt haben sich auch noch die Osterfeuer erhalten, die in heidnischer Zeit der Frühlings- göttin zu Ehren angezündet wurden. Aber in der Mark Brandenburg hat sich nur wenig von den alten Bräuchen ge- halten, und der flammende Holzstoß, über den die Mädchen und Burschen des Dorfes jauchzend hinübersprangen, ist ver- fchwunden, wie sein Bruder vom Johannistag. Verschwunden ist bis auf geringe Spuren die früher gleichfalls um Ostern geübte Sitte des Todaustreibens, offenbar der Rest eines alten Frühlingssestes, bei welchem der Winter oder Tod in Gestalt einer Strohpuppe im Umzüge durch das Dorf ge- führt wurde, um schließlich verbrannt oder ins Wasser ge- warfen zu werden. Allenfalls findet man in der Mark noch die alte Sitte des Osterstiepens. Das Stiepen wird durch Kinder vorgenommen, die am Ostermorgen, mit Birkenruten bewaffnet, von Haus zu Haus ziehen, um Bekannte und Ver- wandte, die noch schlafen, aus den Federn zu„stäupen", wo- für die Betreffenden sich mit Ostereiern oder Süßigkeiten los- kaufen müssen. Teilweise wird der Brauch auch von den Knechten an den Dorfmädchen oder umgekehrt geübt, und in einzelnen Gegenden ist das Stiepen nicht Ostern, sondern Pfingsten und Neujahr üblich. Es ist eine von den wenigen Ostersitten, die sich in Brandenburg noch erhalten haben. Berliner Asylvercin für Obdachlose. Im Monat März nächtigten im Männer-Asyl 15 337 Personen, wovon 7151 badeten, im Frauen- Asyl 2095 Personen, wovon 697 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer Wiesenstr. 55/59, für Frauen Kolberger Str. 30. Sonntags-Ladenschluß im Berliner Nahrungsmittel-Handel. Das am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretene Ortsstatut über die Einschränkung der Sonntagsarbeit hat zur Folge gehabt, daß möglichst viele Krämer auf die von ihnen geführten Nahrungs- und Genußmiitel großen Wert legen. Die Einschränkung der Sonntagsarbeit findet bekanntlich auf den Handel mit Nahrungs- und Genußmittel keine Anwendung. Das Berliner Polizei- Präsidium vertritt nun die Auffassung, daß unter diese Vorschrift nur diejenigen kaufmännischen Betriebe fallen, welche ausschließlich Artikel dieser Art vertreiben. Dagegen erachtet die Polizei alle die Geschäfte von der Vergünstigung ausgeschlossen, die neben Nahrungs- und Genutzmitteln auch andere Waren verkaufen. Diese Auffassung hat das Polizeipräsidium auch den Geschäften gegenüber geltend gemacht, bei denen der Vertrieb anderer Artikel außer Nahrungs- und Genußmittel nur nebensächliche Bedeutung hat. Die Berliner Handelskammer hat gegen diese Auffassung beim Polizeipräsidium Einspruch erhoben und auf erfolgten abweisen- den Bescheid beim Minister für Handel und Gewerbe eine Eingabe eingereicht, in der darauf hingewiesen wird, daß es in Groß-Berlin kaum ein der Nahrungsmittelbranche angehöriges Detailgefchäft gäbe, welches nicht Nebenartikel führ«. Ganz allgemein führen derartige Detailgeschäfte neben den Nahrungs- und Genußmitteln noch Lichte, Soda, Seife, Vogelfutter usw. In der Eingabe wird die Ansicht vertreten, daß durch die enge Auslegung der Bestimmung feit»? des Polizeipräsidiums die günstige Ausnahmestellung, die dem Nahrungs- und Genußmittelhandel«ingeräumt worden sei, fast völlig wieder beseitigt werde. Das Polizeipräsidium hat mittlerweile Schritte getan, um die Frage zur gerichtlichen Ent- scheidung zu bringen. Wie die Dinge in unserem Rechtsstaat liegen, heißt das:«s wird eine Frage, über die sich die Juristen nicht einige« können und über die guch giis dxsn Wvrstgilj dex in Frage kommenden Bestimmung nicht ohne weiteres Klarheit zu gewinnen ist, dadurch entschieden, daß ein Detaillist angeklagt wird. Stellt sich der Gerichtshof auf den Standpunkt des Angeklagten, so wird er freigesprochen, wenn nicht, so wird er verurteilt. Es zeigt sich hier wieder einmal so recht drastisch der Mangel eines objek- t i v e n Verfahrens in unserer Gerichtspraxis, durch das alle der- artigen neuen Fragen von prinzipieller Bedeutung zur Entscheidung gebracht werden müßten, ohne daß der Staatsbürger Leidtragender ist. Liegt dann eine maßgebende Gerichtsverhandlung vor, dann hat sich natürlich jeder danach zu richten. In einer Hinsicht muß der Stellungnahme der Berliner Handelskammer zugestimmt werden, nämlich in dem Sinne, daß zunächst ein Detaillist angeklagt und dieser Prozeß mit möglichster Beschleunigung durchgeführt werde, damit unnötigen Massenanklagen vorgebeugt wird. Im Interesse der Angestellten wäre es jedenfalls zu wünschen, wenn die strengere Auffassung des Polizeipräsidiums die gerichtliche Sanktion finden würde, da ja dann für die Mehrzahl der Berliner Geschäfte die erweiterte Sonntagsruhe mit einem Schlage ge- geben wäre. Trinkerkinber als Verfrommungsobjekte. Die Tätigkeit des Zellerhauses, des vor sieben Jahren von der Oberin Zeller ge- gründeten Berliner Rettungsheims für Trinkerkinder, erregte schon seit längerer Zeit unser Bedenken. Wir hatten uns in den ersten Jahren des Bestehens dieses Institutes für seine auf große Schmie- rigkeiten stoßende EntWickelung erwärmt wegen des guten Kerns, der in der Idee der erzieherischen Rettung von Kindern trunksüch- tiger Eltern steckt; haben deshalb auch seinerzeit dafür gestimmt, daß dem Zellerhause aus städtischen Mitteln eine namhafte jähr- liche Beihilfe gewährt wurde. Seit Jahresfrist sind aber in der Heimverwalwng, die schon immer stark mit der Kirche liebäugelte, ganz unverfroren Einflüsse hervorgetreten, um die etwa 80 stän- digen Zöglinge des Zellerhauses völlig in den Bann der Kirche zu zwingen, also durch einseitige Erziehung zu unfreien, heuchle- rischen Menschen zu kneten. Die bisherige Verwaltung, die in der Hand eines Berliner Magistratssekretärs lag, ist an dieser Ent- Wickelung nicht ganz unschuldig. Sie glaubte von Anfang an, die Kirche mit ihrem allerdings ja sehr starken Einfluß nach oben hin nicht entbehren zu können, und muß nun mit bittersten Gefühlen sehen, daß Frömmler und Heiligmacher sich in das unter größten Opfern an Zeit und Arbeit gebaute warme Nest setzen. Der lang- jährige„geistlich« Freund des Hauses", Konsiswrialrat und Prinzenerzicher Goens, ist bei Hofe persona gratissima, und als es gelungen war, die Gattin des„gottgewollt abhängigen" deutschen Reichskanzlers zur Kuratoriumsvorsitzenden zu gewinnen sowie das Heim dem Hofe schmackhaft zu machen, wußten Kenner solcher Ver- Hältnisse im voraus, wohin von nun an der Kurs geht. Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los. Nicht so sehr verwunder- lich ist es daher auch, daß nach einem Bericht der„Berliner Morgen- post", die in diesem Falle gut informiert zu sein scheint, an die Leitung der vor drei Jahren vom Zellerhause begründeten, im Berliner Rathause abgehaltenen sogenannten Mütterkonferenzen von kirchlicher Seite, womit mir der Militäroberpfarrer Goens gemeint fein kann, das Ansinnen gestellt worden sein soll, die öffentlichen Sitzungen dieser Mütterkonferenzen in Zukunft mit Gebet zu eröffnen und zu schließen. Dies wurde von dem bis- herigen Leiter des Zellerhauses rundweg abgelehnt und trug dazu bei, daß ihn das Schicksal der Absägung ereilte. An Ansehen wird durch diese Verfrommungsbestrebungen das Heim nur verlieren. Das Wasserbauamt in Köpenick gibt bekannt: Unter Ausflüglern und wassersporttrcibenden Leuten ist eine Unsitte stark verbreitet, die darin besteht, daß sie auf ihren Ruheplätzen am Ufer unserer schönen Wasserstraßen Papier und Speisereste zurücklassen, was den Reiz des Landschaftsbildes nicht gerade erhöht. Es liegt im Interesse des Publikums selbst, daß sie ihren Frühstücksplatz so verlassen, wie sie ihn vorzufinden wünschen, nämlich sauber und reinlich. ES sehe also jeder darauf; dann wird diese Unsitte bald beseitigt werden. Wir können uns der obigen Mahnung nur anschließen und um Beachtung ersuchen._ Hiebe von einem frommen Erzieher. Daß in der Erziehung die Hiebe unentbehrlich seien, ist eine Ansicht, an der besonders die Frommen nicht gern rütteln lassen. Im„Vorwärts" ist früher einige Male berichtet worden, daß sogar im Konfirmandenunterricht der Pastor seine Erziehungsarbeit nicht ohne Hiebe zu bewältigen vermochte. Heute wird uns eine Prügelaffäre bekannt, die sich in dem Knabenhort der Ja- kobikirche(Oranienstraße) abgespielt hat. Ein Schüler H., der im Hort sich gegenüber dem Erzieher Mathes ungehörig benommen hatte, wurde von diesem bestraft. Herr Mathes gab dem Jungen ein paar sogenannte„Kopf- stücke", die er, der Erzieher, gewiß für eine nur mäßige Züchti- gung gehalten haben wird. Als H. aus dem Hort heimkehrte, zeigte er sich sehr aufgeregt und klagte üher die Schläge. Am anderen Morgen schien der Mutter sein Zustand so besorgniserregend, daß sie einen Arzt herbeirief. H., der jetzt im elften Lebensjahr steht, hat als Kind von 4 Jahren eine Schädelverletzung erlitten. Noch im Herbst vorigen Jahres mußte an ihm, weil er- neute Schmerzen im Kopf aufgetreten waren, eine nochmalige Ope- ration ausgeführt werden. Aus der Verletzung, die H. bei jenem Unfall erlitten hat, erklären die Eltern auch manches in dem Ver- halten ihres Sohnes. Der Hortleiter Dick wußte von den Folgen des Unfalles, weil die Eltern ihn informiert hatten. Er hat ihnen versichert, daß auch der ihn vertretende Erzieher Mathes davon gewußt haben müsse. Die Eltern sind empört darüber, daß Herr Mathes ihren Sohn an den Kopf geschlagen hat. Sie zweifeln nicht, daß durch die„Kopfstücke" die Er- krankung des Knaben herbeigeführt worden sei. In dieser Ansicht werden sie bestärkt durch Aeußerungen des zu Rate gezogenen Arztes, die sie so verstanden haben. Pastor Hochmeister von der Jakobikirche, dem die Mutter die Angelegenheit vortrug, zeigte sich ungläubig. Als sie fragte, wer denn die entstandenen Arztkosten ersetzen werde, antwortete er, so rasch gehe das nicht. Inzwischen hat der Hortleiter die Eltern benachrichtigt,'daß man sich bereit finden lassen wolle, ihnen die Kosten zu'ersetzen. Die Eltern wollen, wie wir hören, sich hierhei beruhigen. Sie sind aber entschlossen, den Knahen nicht wieder in den Knabcnhort der Jakobikirche zu schicken. Er hatte diese Stätte der Pflege von Frömmigkeit und Gottesfurcht überhaupt erst seit fünf Wochen besucht. Eine neue städtische Straßenbahn soll in der nächsten Zeit vom Gesundbrunnen nach dem kleinen Tiergarten sOttoftraße) gebaut werden. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich am nächsten Donnerstag mit diesem vom Magistrat beschlossenen Projekt be- fchäftigen. Die Bahn soll im Anschluß an die schon bestehenden städtischen Straßenbahnen erbaut werden und von der Kristiania- ftraße auf dem Gesundbrunnen ausgehend, das Rudolf Virchow- Krankenhaus berühren und von da über die neuerbaute Putlitzbriicke nach der Straße Alt-Moabit, Ecke Otlostratze am kleinen Tiergarten führen. Die Gesamtlänge der Strecke wird sich auf etwa 6>/z Kilo- meter belaufen. Die Untersuchung der Theaterbillettschiebungen, über die wir WhrfqH bepichjet?n, wich«ÄSK Anschein lisch noch wxitere KMe ziehen. Alle Personen, die bisher vernommen wurden, find vor- läufig wieder auf freiem Fuß gesetzt worden. Ein Teil ist ge- ständig, sich durch die geschilderten Machenschaften einen rechts- widrigen Vermögensvorteil verschafft zu haben. Gegen alle ist bei der Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren anhängig gemacht worden. Die Angelegenheit ist aber noch nicht abgeschlossen. Es werden immer noch mehr Leute unter dem Verdacht der Schiebungen vernommen. Es ist auch nicht das erste Mal, daß sich die Kriminal- Polizei mit derartigen Durchstechereien beschäftigt hat. Bis jetzt war es aber nicht möglich, den strengen Nachweis zu führen und die Schuldigen zu fassen, weil die Geschädigten mit der Anzeige immer zu spät kamen. Jetzt wurde aber im Neuen Theater an einem Abend sofort festgestellt, daß das Haus ausverkauft war und sogar Leute wegen Ueberfüllung abgewiesen worden waren. Trotzdem ergab sich am anderen Tag, daß eine erhebliche Anzahl Ein- trittskarten, die durch die Kasse nicht verkauft waren, zurückkamen. Das Tegeler Eiswerk niedergebrannt. Am Freitag früh sind die Kristall-Eiswerke Tegeler See in der Uferstrahe in Tegel, deren Besitzer der Handelsrichter Hugo Fournier ist, vollständig nieder- gebrannt. Als gegen Z44 Uhr morgens die Gespanne des Werkes vorfuhren, um die Eisvorräte zum Transport nach Berlin in Empfang zu nehmen, begab sich der Inspektor in den 150 Meter langen und 25 Meter tiefen Speicher, um die einzelnen Abteilungen desselben zu öffnen und die Ausgabe der Ware zu überwachen. Als der Beamte auch den Boden des Speichers aufschloß, schlugen ihm zu seinem Entsetzen helle Flammen entgegen, die infolge der Zugluft mit rasender Schnelligkeit um sich griffen. Als die sofort benachrichtigte Feuerwehr von Tegel, Reinickendorf, Waidmannslust und Borsigwalde eintraf, stand der ganze Speicher bereits in hellen Flammen und die Wehren mußten sich darauf beschränken, die um- liegenden Grundstücke, insbesondere das Tegeler Seeschloß, zu schützen. Der Eisspeicher wurde mit seinem Inhalt ein Raub des verheerenden Elementes. Der Schaden ist ein bedeutender, jedoch durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des Brandes ist auf Kurz- schluß der elektrischen Leitungen zurückzuführen. Mordversuch aus verschmähter Liebe. Gestern nachmittag um ff/z Uhr feuerte der Arbeiter Andreas Kaminski in dem Lokal von Engel, Am Schlesischen Bahnhof 4, auf die Arbeiterin Anastasia Radinska aus Dittburg mehrere Revolverschüsse ab. Eine Kugel drang dem jungen Mädchen in den Kopf und verletzte eS schwer. I« einem Krankenwagen brachte ein Schutzmann die R. nach dem Krankenhause am Friedrichshain. Kaminski hatte die Absicht, die Radinska zu töten, weil sie das Verhältnis, das sie seit Jahren mit ihm unterhalten hatte, nicht mehr fortsetzen wollte. Der Täter, der geständig ist, wurde festgenommen, nacki dem 45. Polizeirevier ge« bracht und nach seiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium der Staatsanwaltschaft I wegen versuchten Mordes vorgeführt. Ein Mord in der Görlitzer Straße. Von ihrem Schwager«r» schlagen wurde gestern nachmittag die 50 Jahre alte Kutscherfrau Ernestine Herrlich, verwitwete Kaste, geborene Sauer aus der Görlitzer Straße 39. Der Mörder ist der am 31. Juli 1856 zu Stavenow gebürtige Kutscher Ferdinand Mikow aus der Görlitzer Straße � 43. Die Suche nach dem Täter hat ergeben, daß � dieser nach dem Morde in verschiedenen Kneipen gewesen ist und einige Schnäpse getrunken hat. Er äußerte dabei zu Bekannten, daß er sich das Leben nehmen werde und jetzt sich Mut antrinke. Mikow ist mittelgroß und kräftig und hat eine dunklen buschigen Schnurr- bart und O-Beine. Er geht breitbeinig und mit gebeugtem Oberkörper. Bekleidet ist er mit einem dunklen Jackettcmzug und einer Deckelmütze. Auf die Ergreifung des Mörders hat das Berliner Polizeipräsidium eine Belohnung von 500 M. gesetzt. Das Brandunglück in der Saarbrückcr Straße hat jetzt ein Todesopfer gefordert. Im Krankenhaus am Friedrichshain ist in der Nacht zum Karfreitag der neun Jahre alte Knabe Kurt Ewert, der, wie berichtet, während des Brandes aus einem Fenster des dritten Stocks abstürzte, seinen Verletzungen erlegen, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. Im Befinden des gleichfalls verunglückten Feuerwehrmannes I a h n k e ist im Laufe deS gestrigen Tages eine kleine Besserung eingetreten. Der Taubstummen-Spar- und Lotterieverein„Vorwärts" ersucht uns mitzuteilen, daß von den sieben Mitgliedern vier dem Wahl« verein angehörten, zwei seien jetzt eingetreten. Das berechtigt ihn aber noch lange nicht, eine Veranstaltung zu treffen, die als Partei« Veranstaltung hingestellt wird. Die sozialdemokratische Taubstummen« Sektion hatte deshalb alle Ursache, vor der von dem genannten Ge- selligkeitsklub arrangierten Veranstaltung zu warnen, da jede Kon- trolle fehlt. Kavelbrand auf der Untergrundbahn. Am Karfreitag nachmittag wurde die Feuerwehr nach der Neubau st recke der Unter« grundbahn hinter dem Spittelmarkt gerufen, wo in voriger Woche die große Ueberschwemmung eintrat. Diesmal war an der Ecke der Wall- und Neuen Roßstraße im Untergrundbahn« tunnel ein Kabel in Brand geraten. Der sich entwickelnde Qualm drang durch einen Lichtschacht auf die Straße, so daß die Anwohner an ein größeres Feuer glaubten. Die Gefahr konnte von der Feuerwehr aber in kurzer Zeit beseitigt werden. Der Betrieb der Hoch- und Untergrundbahn erlitt durch den Brand keinerlei Störungen. Drei größere Brände beschäftigten die Wehr in der Nacht zum Karfreitag in der E l i s a b e t h st r. 10,� M i tt e l st r. 64/65 und am Molkenmarkt 1. An der ersten Stelle stand eine Lackiererei, an der zweiten eine Bäckerei und an der letzten ein einstöckiges Fachwerkgebäude, in dem sich Werkstätten befanden, in Flammen. Ueberall mußte längere Zeit Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. Zwei schwere Automovilunfälle ereigneten sich am Karfreitag in der Friedrichstraße und in der Luisenstraße. In der Friedrichstraße wurde der 36 Jahre alte Kaufmann Paul Steinhardt aus Reinickendorf von einer Automobildroschke überfahren und an beiden Beinen schwer verletzt. Der Verunglückte fand in der Charitö Auf- nähme.— Nach demselben Krankenhaus kam auch die 23jährige Stenotypistin Frida Fischer aus Hermsdorf, die in der Luisen- straße unter die Räder eines Automobils geriet. Fräulein Fischer hat hauptsächlich Kopfverletzungen davongetragen. Unglückliche Liebe hat wieder zwei Männer in den Tod getrieben. Auf einer Bank in der Kaiser Friedrichstraße zu Neukölln fand ein Schutzmann den 20 Jahre alten Graveur Paul Schönfiisch aus der Berliner Str. 76/77 bewußtlos auf und brachte ihn nach der nächsteu Unfallstation. Dort stellte man fest, daß er sich mit Lysol ver- giftet hatte, wandte die ersten Gegenmittel an und brachte ihn nach dem Buckower Krankenhaus. Dort starb der junge Mann aber bald an den Folgen der Vergiftung. Der Grund zum Selbstmord ist in Liebesgram zu suchen.— Aus dem gleichen Anlaß hat sich der 41 Jahre alte Melker Karl Kemper aus der Schlegel- straße 4 das Leben genommen. Seitdem dieser von einem Mädchen, mit dem er lange Zeit hindurch verkehrte, die Absage erhalten hatte, war er schwermütig. Gestern sagte er zu dem Wirt, bei dem er wohnte, er solle ihn nicht wecken, er werde erst später aufstehen. Als er sich aber um 3 Uhr immer noch nicht hatte blicken lassen, öffnete dieser die Tür gewaltsam und fand jetzt seinen Gast mit durchschossener Schläfe tot auf dem Fußboden liegen. Die Kinemakolor- Lichtspiele im Krollschen Etablisse« m e nt sollten am Sonnabend 4 Uhr eröffnet werden. Es hatten sich auch zahlreiche geladene Gäste eingefunden, denen indessen die un- angenehme Nachricht wurde, daß sich wegen eingetretener Störungen in der elektrischen Anlage die geplante Eröffnnngsvorstellung nicht ermöglichen lasse. So unangenehm das den Gästen, namentlich in Anbetracht des äußerst einladenden Ostcrwetters, auch sein mochte— noch viel unangenehmer dürfte es den Leranstaltern der Lichtspiele selbst gewesen sein. Die Eröffnungsvorstellung soll nunmehr am Sonntagnachmittag 6 Uhr vor sich gehen. Der MSniicrchor„Norden" veranstaltet am ersten Osterfeiertage ein Friihlingskonzert in den Germania-Prachtsälen, Chausseestr. 110. Mitwirkende: Kahnt'S Solisteuvcrcinigung. Herr O. Wiemcr, Rezitator. Anfang deS Konzerts 7 Uhr pünktlich. Einlaßkarten nur im Vorverkauf— 50 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Der Mänucrchor ssichte-Georginia 1879, Chormeister P. A. Joseph, Mitgl. d. A.-S.-B., veranstaltet am 2. Osterfeiertag in der Brauerei Friedrichshain einen heiteren Lieder- und Vortrags- abend. Mitwirkende: Frl. Marianne Geher tLieder zur Laute), Herr Matthias v. Erdberg iRezitation). Kassencröffnung 5 Uhr, Anfang präzise Uhr. Entree 60 Pf. Licdertexte am Saal- cingang gratis. Stenographische Ausstellung. Der Deutsche Arbeiter-Stenotachh- graphenbund veranstaltet am 7. und 8. April im GewerkschastShause eine stenographische Ausstellung. Neben stenographischen Sachen werden auch die inodernen Hilfsmittel(Schreibmaschine) zur Schau gestellt. Die Ausstellung ist an beiden Tagen von 9—11 und von 2—4 geöffnet,_ Vorort- JVacbncbten. Lichtenberg. Eine etwas kabenjämmerliche Stimmung scheint im Magistrate Elast gwordcn zu sein. Die Konstatierung, daß ohne gesetzmäßig zustande gekommenen Etat gewirtschaftet wird, ist die Ursache. Das „Amtsblatt" übt sich mit mehr gutem Willen als Geschick in dem Versuche, so etlvas wie eine Entschuldigung für das ungesetzliche Vorgehen des Stadtverordnetenvorstehers, der bürgerlichen Stadt- verordneten und des Magistrats zu konstruieren. Zu einer ord- nungsmäßigen Erledigung sei keine Zeit gewesen! Solche Bc- hauptung vergewaltigt die Wahrheit. Wir haben schon darauf hin- gewiesen, daß die Etatsberatung im Rahmen der am 28. März ab- gehaltenen Stadtverordnetenversammlung erledigt werden konnte. Man zog es vor, ohne einen ordnungsgemäß beratenen und ge- nehmigtcn Etat zu arbeiten. Allerdings, es ist nicht das erste Mal, daß die Herrschaften versuchen, sich niit souveräner Verachtung über die Geschäftsordnung und gesetzlichen Bestimmungen hinweg- zusetzen. Vor wenigen Wochen gab es ein ähnliches Schauspiel. Der Stadtverordnetenvorsteher erklärte— im Einverständnis mit der bürgerlichen Majorität— eine Vorlage, die ein großes Straßen- bahnprojckt Ur Verbindung mit Straßenfestsetzungen und Grund- stücksaustausch im alten Rittergut für angenommen, obwohl die von unseren Genossen verlangte zweite Lesung noch ausstand. Erst der später lebendig werdende Horror vor den möglichen rechtlichen Folgen brachte die Vorlage nach einigen Wochen noch einmal auf me Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Und dann war hie Sache in ein paar Minuten erledigt. Den Einwand des Zeit- mangels— für die Beachtung der Gesetze— hält man selbst für so wackelig, daß noch ein anderer Nothaken retten soll. Schüchtern meint das Amtsblatt, die in Frage kommende Bestimmung der Geschäftsordnung sei nicht ganz klar gefaßt. Ei— eil Da ist gar nichts zu zweifeln und nichts zweideutig! Nachdem die Beschlußfähigkeit der Versammlung angezweifelt worden war. mußte das Faktum festgestellt werden und mit der Konstatierung der Beschluß- fahigkeit war die Versammlung eben zu Ende. Eine neue konnte nur auf Grund ordnungsmäßiger Berufung rechtsgültige Beschlüsse fassen. Es ist ober gar keine Versammlung berufen worden. Somit entbehren die später gefaßten Beschlüsse der gesetzlichen Grundlage und rechtlichen Bindung. Dos schwant den Inspiratoren des Amts- blattes auch wohl, darum suchen sie sich und andere zu trösten. Für den Fall, daß die Aufsichtsbehörde Veranlassung nehmen sollte, den Etat für ungültig zu erklären, werde materiell an dem bestehenden Zustande nichts geändert. Die Behörde könne kein Chaos herauf- beschwören, müsse sich damit begnügen, der Stadwerordnetenver- s u.nm lung Indemnität zu erteilen. Heilige Einfalt! Was die Aufsichtsbehörde nicht alles können soll! Sie wird sich selber über die ihr zugeteilte Allmacht wundern, mit einem.Gnadenakt" gesetz- liche Bestimmungen zu ersetzen. WaS die Folgen der geschaffenen Situation sein könnten, dafür nur ein Beispiel, wobei wir an dem Hauptsündenpunkt anknüpfen. Der Rechtsanspruch der Gemeinde auf Gebühren hat zur Voraussetzung, ihre Festlegung durch ein Ortsswtut und einen ordnungsmäßig genehmigten Etat. Solche Voraussetzung fehlt in diesem Falle und sie kann durch kein anders als das gesetzliche Mittel erfüllt werden. Mit Redereien und Selbstbeschwichtigungen kommt man über die geschaffene fatale Lage nicht hinweg. Schließlich könnte noch der bekannte Treppenwitz zu seinem Rechte kommen. Vielleicht verweigert nachher der Herr Stadtverordnetenvorsteher oder einer der Herren Magistratsmit- glieder, aus deren Kreisen ja auch der Stadt da» Geschenk der Zu- rückerstattung der Kosten, die vor Jahrzehnten die Herstellung der Bürgersteige verursachten, beschert worden ist, die Gebührenzahlung, indem man sich auf den Mangel eines rechtsgültigen Etats beruft. Nach den bisherigen Erfahrungen darf man mit solchen Ueber- raschungen rechnen. Da das Amtsblatt schließlich, mit oder ohne Auftrag, von„un- durchsichtigen Gründen" für das Verhalten unserer Genossen orakelt, sei, ihm wohl nicht zur Freude, nochmals folgendes fest- gestellt: Unsere Genossen hatten beantragt, die kleinen Einkommen nach den fingierten Sätzen von 4 M. von dem Kommunalsteuer- zuschlag zu befreien. Das Soll hierfür war mit 15 000 M. einge- setzt. Der Antrag wurde abgelehnt. Dann beschloß die zufällige Mehrheit— von den bürgerlichen Herren fehlten neun— Kanalgebühren herabzusetzen, wodurch den Interessenten eine Ersparnis von 30000 Mark erwächst. Ein Versuch, diese skandalösen Beschlüsse unwirksam zu machen, entsprach nicht nur einem Recht, sondern einer ganz selbstverständlichen Pflicht unserer Genossen. Man durfte auch hoffen, bei einem vollbesetzten Hause eine Majori- tät zu finden, die das Geschenkgeben an die interessierten HauS- besitzer nicht mitmachen würde. Gesetzwidriges Verhalten hat die Probe auf das Exempel bisher allerdings verhindert, dafür aber auch eine Situation geschaffen, in derem Schöße böse Folgen schlummern. Das Beispiel mit dem Vorgehen des„Plattenver- eines", das der Stadt schon viel« Tausend Mark gekostet und wer weiß noch kosten wird, eröffnet reizende Perspektiven! Neukölln(Rixdorf). Aus den, Magistrat. Dem Erlaß eines Nachtrags zur Droschken- ordnung vom 16. Februar 1905 wird nach dem vorgelegten Ent- wurf zugestimmt.— Der Festsetzung der Ausnahmen von der Bor- schrift des ß 139 o der Gewerbeordnung über Mindestruhzeit und Mittagspause der Angestellten in offenen Verkaufsstellen und der Ausnahmetage mit Neunuhr-Ladenschluß für das Jahr 1912 wird in dem Umfange der für den Ortspolizeibezirk Berlin getroffenen Bestimmungen zugestimmt.— Die im Entwurf vorgelegte BesoldungS- ordnung für die Lehrpersonen an den städtischen Knabenmittelschulen wird genehmigt.— Der Magistrat tritt dem Beschluß der Stadt- verordnctenversammlung vom 23. März 1912 wegen Erhöhung der Positionen Kapitel Titel 15 der Ausgabe Nr. 8s, Ferienkolonien und 8o Kindervolksküchen um je 2000 M. bei.— Unter Aufhebung des Beschlusses vom 20. Dezember 1911 wird die Einteilung des Damm« wegeS unter Erhaltung der Bäume in zwei je zirka 5,25 Meter breite Bürgersteige, zwei je 9,5 Meter breite Fahrdämme und eine 10 Meter breite Mittelpromenade beschlossen.— Der Magistrat genehmigt die neue LustbarkeilSsteuerordnung in der vom Dezernenten vorgelegten Fassung.— Der Magistrat erklärt sich unter der Voraussetzung, daß die Wahl des Stadtrats Dr. Glücksmann zum Ersten Bürgermeister in Guben bestätigt wird, mit dessen Austritt am 17. Mai d. I. ein- verstanden.— Zum stellvertretenden Borsitzenden des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts wird der Assessor Dr. CaSdorf ge- wählt.— Der Schwimm-Union Reukölln e. V. wird zu dem die ein- nationalen Schwimmfest am 7. Juli d. I. ein gestiftet.— Der Magistrat tritt dem Beschlüsse der Verkehrs deputation vom 26. März 1912 betreffend Uebertragung der Rechte der„Berolina" aus dem Vertrage über den Betrieb der Trinkhallen auf die Vereinigte Deutsche Kiosk- und Berliner Trink- Hallen-Gesellschaft m. b. H. mit den dort gestellten Bedingungen ge- nehmigend bei.— Der vom städtischen Vermessungsbureau nach den Entwürfen des Stadtbauinspektors Best gefertigte Bebauungsplan Abteilung I(nordöstlicher Stadtteil) wird genehmigt.— Dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, den Jahresbeitrag für den Ber- liner Asylverein für Obdachlose auf 2000 M. zu erhöhen, tritt der Magistrat bei. Demokratische Wichtigtuerei. Herr Ingenieur Kussicke schickt uns folgendes eigenartige Schreiben:„Gemäß§ 11 des Preßgesetzes erbitte Aufnahme folgender Berichtigung zu Artikel„Neuköllner Ver- sammlung der Privatangestellten usw." in Nr. 81: Unwahr ist, daß die Demokratische Partei ihre eigenen Kandidaturen damit zu recht fertigen suchte, daß den Lehrern und Beamten nicht die Möglichkeit gegeben sei, offen für die Sozialdemokratie einzutreten. Wahr ist: daß ich als Redner der Demokratischen Vereinigung in der Diskussion allgemein ausgeführt und in einer persönlichen Erklärung nach dem Schlußwort nochmals festgestellt habe, wer marxistisch denke und fühle, den wollen wir nicht beeinflussen; wir wollen vielmehr die demokratisch Denkenden sammeln, welche mcht Marxisten sind, sondern auf dem Boden unserer Gegenwartsforde- rungen stehen." Die Zuschrift berichtigt nichts Wesentliches. Wenn wir von ihr Notiz genommen haben, so geschah das nur zu dem Zweck, um zu zeigen, wie sehr die Herren von sich reden machen wollen. Weiftensee. Auz der Gemeindevertretung. Eingeführt wurden unsere nossen Fuhrmann, Schlemminger und Taubmann. Gegen Wahlen in der ersten und zweiten Abteilung waren Proteste gelaufen, es wurden jedoch sämtliche Wahlen bis auf die des Herrn Kohler für gültig erklärt. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß man sich mit der Wahl des Herrn Kohler nochmals beschästigen wird, da von einem Teil unserer Genossen der 8 62 der Land- gemeindcordnung falsch aufgefaßt wurde. Hiernach sind diejenigen gewählt, welche die meisten Stimmen haben und auch die Hälfte aller Stimmen. Herr Kohler hat von drei zu wählenden Vertretern 68 Stimmen erhalten, ein vierter Kandidat 66 Stimmen. Die absolute Mehrheit war 66, mithin war ein Teil unserer Genossen der Meinung, daß zwischen den beiden letzten Stichwahl stattzu- finden hat. Tatsächlich ist nach der Landgemeindeordnung Herr Kohler gewählt. Ein Antrag auf nochmalige Verhandlung über die Gültigkeit der Wahl ist von unseren Genossen gestellt, da die Wahl nur mit einer Stimme Mehrheit für ungültig erklärt wurde. Außer einigen kleinen Vorlagen wurde dann noch die Damm- und Bürgerstcigvegulierung der Roelckeftraße von der LanghanS- bis zur Pistoriusstraße beschlossen. Ober-Schöneweide. Der Amtsbezirk der Gemeinde ist durch Verfügung deS Ministers ab 1. April 1912 mit dem Amtsbezirk Wuhlheide(dem von der Stadt Berlin angekauften Terrain) zusammengelegt worden, nachdem schon der Kreisausschuß einen dahingehenden Beschluß faßte. Bekanntlich hat die Gemeindevertretung von Ober-Schöne« weide im entgegengesetzten Sinne beschlossen, in Ansehung der Tat- fache, daß durch diese Maßnahme der Vertretung die Bestimmung über Polizeiangelegenheiten entzogen wird, welche nun einem Amtsausschuß zusteht. Es ist wirklich erstaunlich, wie von den maßgebenden Instanzen die Selbstverwaltung der Gemeinden respektiert wird. Herzfelde. Aus der letzte» Gemeiudevertreterfitzung. Zunächst wurden die Zaunarbeiten und die Lieferung zum SchulhauSneubau der Firma Grabert für 739 M. übertragen. Die Leitung der Knabenschule soll der mit dem 1. April d. I. angestellte Rektor Ziechert, die Leitung der Mädchenschule der Hauptlehrer Siedentop übernehmen. Neu- eingestellt sind für die hiesige Volksschule vier Lehrkräfte: Rektor Ziechert, Lehrer Baier, Merke und Streitfahrt. Die Schuldiener- stellung wurde dem Nachtwächter Albert Henze gegen freie Wohnung und Heizung übertragen. Die Heizungsentschädigungen für die Lehrerwohnungen wurden pro Wohnung auf nur 50 M. fortgesetzt; der Rektor erhält dagegen 100 M. Heizungsentschädigung. Die Ver« tretung beschloß, weitere Bureaurämne zu beschaffen. Zu diesem Zwecke wird da« jetzige Sitzungszimmer zu Amtsräumen Verwendung finden; außerdem wird noch ein Bureauraum für die Gemeinde- Verwaltung geschaffen werden. Die Gemeidevertreterfitzungen werden von jetzt an im neuen Schulhause abgehalten werden. Der Vor sitzende gab sodann zur Kenntnis, daß ein endgültiger Vergleich mit Gromottka erzielt worden sei, da sich derselbe mit einer Ent schädigung von 1000 M. einverstanden erklärte.— Die Wahl zur 2. Abteilung der Gemeindevertretung, die von dem Bauunternehmer Schönebeck angefochten worden war, ist gegen sechs Stimmen für ungültig erklärt worden, ob wohl nicht ein einziger triftiger Grund zur Un- gültigkeitierkllärung vorlag. Dagegen wurden die Wahlen der 1. und 3. Abteilung mit allen Stimmen für gültig er- klärt. Klugerweise hatte man die neugewählten Vertreter an der ersten Gemeindevertretersitzung in der neuen Periode nicht teilnehmen lassen, da in diesem Falle die Wahl der 2. Abteilung unbedingt für gültig erklärt worden wäre. Nun arbeiten aber die ganz rechts stehenden Bürgerlichen mit allen Mtteln und dem größten Terro- rismuS daran, daß die erzreaktionären alten Verordneten O. Mann und Brummund wieder die Vertretung„zieren" sollen. Tegel. Der Gesangverein„Immergrün" veranstaltet am 1. Ofterfeier- tag in Trapps Festsälen(Jnh. M. Gamm) ein großes Konzert. Als Mitwirkende sind gewonnen: Lisa Meirowitz(Sopran), Rud. Uschmann(Violincello), am Klavier: Friedr. Uschmann. Der Eintrittspreis ist auf 60 Pf. festgesetzt. Da der Verein bei allen Parteiveranstaltunaen bereitwilligst nntwirtt, wird auf einen guten Besuch auch der Parteigenossen gerechnet. Lichtenrade. Die Objektivität der Behörden erfährt manchmal eine eigen« artige Beleuchtung. Besonders haben auf dem Lande die Herren Amtsvorsteher manchmal ganz eigenartige Vorstellungen von ihren amtlichen Funktionen. Unsere Lichtenrader Genossen haben u. a. die Orte Dahlewitz und Rangsdorf agitatorisch zu bearbeiten. Bei- nahe wäre es ihnen gelungen, dortselbst eine Versammlung zustande zu bringen. Ein Grundstück war gemietet und alles Erforderliche in die Wege geleitet. Da die Versammlung unter fteiem Himmel stattfinden sollte, bedurfte dieselbe der Genehmigung der Behörde. Die Behörde ist in diesem Fall der Amtsvorsteher Sprekermann. Hauptmann und Gutsbesitzer in Rangsdorf. Als Gutsbesitzer hat der Herr Hauptmann ziemlich weitgehenden Einfluß und eine nicht zu unterschätzende Macht. Die schönen Waldungen von Rangsdorf mit dem idyllischen Waldsee sind sein Eigentum. Ueberall kann er Tafeln aufstellen mit der Inschrift: DaS Betreten de« Walde« oder Weges ist bei Strafe verboten. Von diesem Recht wird der weit- gehendste Gebrauch gemacht, zum Leidwesen des fröhlichen Wanderers. Der Herr Gutsbesitzer ist nun scheinbar der Meinung, daß seine Machtbefugnisse noch so weit gehen, auch als Behörde dieselben absolutistische» Grundsätze zu betätigen. Sozialdemokratische Versammlungen wurden aus allen möglichen Gründen verboten bezw. nicht genehmigt. Suf eingelegte Beschwerde mußte sich der Herr Amtsvorsteher bescheinigen lassen, daß sein Vor- gehen ein unzulässiges war. Nicht genug damit, versuchte der Herr zu allem Ueberfluß auf den Grundstücksbesitzer einzuwirken, daß er den Sozialdemokraten sein Grundstück für Versammlungen nicht zur Verfügung stellen sollte. Da das eine Ueberschreitung der Amts- befugnisse ist, wurde bei dem Landrat Beschwerde eingelegt. Prompt wurde diese abgelehnt. Nicht in aller Form. Der Herr Landrat er- teilt« keine direkt« Antwort. E» wurde deshalb bei dem Regierung?« Stadtpreis} Präsidenten formell die Elnkeitung des Ermittelungsverfahrens gegen den Amtsvorsteher beantragt wegen Ueberschreitung seiner Amts« befugnisse. Der Regierungspräsident lehnte die Einleitung des Er« mittclungsverfahrens ab, weil„d e r A m t S v o r st e h e r jede un- zulässige Einwirkung auf den Grundstücksbesitzer bestreitet" und daß. „wenn die Angaben als wahr unterstellt werden sollten, ein straf- rechtlicher Tatbestand nicht gegeben ist". Gegen diesen Entscheid wurde an den Minister des Innern Einspruch erhoben. Erst dieser Einspruch brachte einen teilweisen Erfolg. Wenn auch der Einspruch abgewiesen wurde, ist doch daS Ermittelungsverfahren eingeleitet worden. Festgestellt wurde, wie es in dem Antwortschreiben des Ministers des Innern lautet: „daß der Amtsvorsteher zu den im Juli und Dezember 1910 auf dem Grundstück des Herrn Jenz geplanten öffentlichen Ver- sammlungen diesem gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß ihm die Hergabe des Grundstücke? als Versammlungsplatz für jene Ver« sammlungen unerwünscht sei, und daß er ihn deshalb bitte, den Veranstaltern der Versammlung die Erlaubnis des Grundstückes zu verweigern." Der Minister des Innern kann daS Verhalten d«S Amts« Vorstehers nicht billigen. Im übrigen wurde die Beschwerde zurück- gewiesen. Obgleich also amtlich festgestellt ist, daß der SmtSvorsteher in durchaus unzulässiger Weise seine AmtSbefugniffe überschritten hat, scheint in dieser Sache vom Minister deS Innern gegen diesen Ueber- griff weiter nichts unternommen zu sein. DaS ganze Verhalten des Amtsvorstehers zeigt, welche Macht und weitgehende Rechte sich die untere Behörde anmaßt. Potsdam. Das Ortsstatut gegen bauliche Verunstaltung beschäftigt erneut Magistrat und Stadtverordnete, da das früher beschlossen« nicht die erforderliche Genehmigung erhalten hat. Erschwerend kommt für Potsdam dabei ein sogenanntes Publikandum vom 31. August 1787 in Frage, das folgenden Worlaut hat: „Auf ausdrücklichen Jmmediatbefehl Seiner Kgl. Majestät wird denjenigen Einwohnern zu Berlin und Potsdam, welchen auf Königl. Kosten Häuser erbaut worden sind, hierdurch bekannt gemacht, daß sie keineswegs die Freiheit haben, an der Fassade solaner Häuser Veränderungen nach ihrem Gutbefinden vorzu- nehmen. Es bleibt ihnen daher alles Ernstes untersagt, weder die Attiken, Vasen, Statuen, Gruppen oder andere Verzierungen daran wegzunehmen oder zu verändern, wie sich einige bereits er. dreistet haben, sondern alles in dem Zustande zu lassen, und zu erhalten, wie ihnen solches übergeben ist. Und wollen Se. Kgl. Majestät ferner, daß, wenn an einem solchen Ornament etwas schadhaft geworden ist, die unbemittelten Eigentümer, dieses so- gleich dem Oberhofbauamte anzuzeigen haben, welche» Sorge tragen wird, daß die Reparaturen ohne Anstand auf Königl. Kosten geschehen sollen." Darunter fallen nun in Potsdam eine ganze Anzahl Häufer. Gelder für Reparaturen gibt« natürlich feit Jahren nicht mehr aus der Hoftaffe. Diese Bestimmung ist aufgehoben. Dafür sind aber die anderen erschwerenden Bestimmungen geblieben, sie werden sogar seit Jahren mit besonderer Genauigkeit durchgeführt. Die letzte Wahlvereinsversammlung beschloß, d-ie Maifeier wieder gemeinschaftlich mit dem Gewerkschastskartell zu arvangie- ren. Fast einstimmig wurde ferner beschlossen: diejenigen Ge- nossen, welche gezwungen sind, am 1. Mai zu arbeiten, haben als Beitvag zum Maifonds eine Maimarke zu 50 Pf. zu kleben; die weiblichen Mitglieder unterstchen den Beschlüssen ihrer gewerk- schaftlichen Organisationen.— Der Besitzer des von der Arbeiter- schaft gesperrten Lokals.Viktoriagarten"(jetzt„Friedrichsgarten') versucht mit Unterstützung seiner Helfer, wieder Arbeiterschaft nach seinem Lokal heranzuziehen. Auch der dort«ingerichtete„Kien- topp" muß streng gemieden und die Sperre muß nach wie vor streng durchgeführt werden. Gelegentlich der bevorstcbenden Baum. blüte in Werder wollen auch die auswärtigen Radfahrer und Bo». sucher Pot»dam« die Arbeiterschaft im Kampfe unterstützen. Tiefwerder bei Spandau. Bei der Gemeindever�reterwahl siegte der sozialdemokra tische Kandidat, Genosse Klint, mit 17 Stimmen über den gegnerischen Kandidaten, ber nur 6 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Mit dem Genossen Klink zieht der zweite Sozialdemokrat in das Dorfparla- ment ein. RenUll«. Jugendveranstaltmige«. Die Frühlina«seier der arbeitenden Jugend findet am OsterdtenSwg($. April), abends 8"/, Uhr, tat Neuköllner Theater(Jnh. Wittenburg), Bcrgftr. 143, statt. In dem durchweg kanstlerilchcn Programm Wirten mit: Die Opern- und Konzertsöngerta Frau«lisabeth Kray, Herr Konzertmeister Hans Mahlte (Violine), Herr Kurt Lietzmann(Lieder zur Laute). Die Festrede hält ReichStagSabgeordnetcr Paul Gihre. Eintrittskarten für Jugendliche bi» zu 18 Jahren find unentgeltlich im Jugendheim, Jdealpassage 8, für Erwachsene- 30 Ps. bei Zirtel, Zigarrengeschäst, Jdealpassage 8, bei Karl Bergmann, Allcrstr. 48 und in den Speditionen Reckarstr. 2 und Siegfriedsw. 28/29, zu habe»._ «rbeiter-Samariterbnnd, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben tu dieser Woche: Schöneberg. 3. Abteilung Donnerstag bei Poschmann, Vorberg. stratze 9, abends 8'/. Uhr. Spandau. Jeden Mittwoch bei Pecziles, Pichelsdorser Straße 6, abends 8 Uhr. Friedrichshagen. Jede« Donnerstagabend 8 Uhr im Jugend» heim, Friedrichstr. 80, 2. Hof. N o w a w e s. Jeden Kreltag in der Fortbildungsschule, abend» 8 Uhr. Neu« Mitglieder können an den Lehrabenden eintreten. Briefkasten der Redaktion. Sic turtfttiche«prechstuude finde« Iluteapt«»« 09, vor» vier rrep»«« — Sahrftuhl—, wochrntä glich von 414 dt» 714 Udr abend»,«onvadend», von 414 bis 8 Uhr abend» statt. Jeder fstr den Bricstaftca bestimmten Anfrage ist ein Bachs, ade uad ctae Zahl al» Merlzeiche» betzafstgea. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen teilte«douvementSqnittung deigesügt ist, werden nicht»cantwvrtct. Eilige Kragen trage«a« i» der«»rrchstandc vor. I. R. Ebeling Rr. 8. 10. April— H. Ei. 81. Legen Sie un» doch bitte einmal da» Original vor.— F. D.«4. 1. LintsNberal 2. Arbeiter-Wandcrklub, Slalitzcr Straße 22 bei Wä hlifch. 3. Wenn Ein- kommen sal— H. P. 47. Mit Hilfe der Generalkommifston der Gewerk« fchaften ist e» vielleicht möglich, durch da» Jnternattonale Bureau eine solche Statistik zu erlangen. Wir haben diese nicht!— I. K. IVO. Morgen — 180 HI-Ruten, 1 □-Stute= 14,184 □-Meter.— M.». 30. ES ist möglich, daß Sie das bei der amerikanischen Botschaft erfahren, wir wissen es nicht.— F. G. 1887. Die Gesellschaft besteht seit 1907. Ueber Ge. schästsgebaren uns nichts bekannt.— Löschte 88. Bis 1893 in der Mitte zwischen Ostern und Pfingsten.—«. 3, R. Ii».„SanitätSwarte". Post. zeitungsliste 3164, alle 14 Tage Freitag« ohne Bestellgelb 2 M. vierteljährlich. A. P. 100. Wenn damit eine GesundheitSgesährdung verbunden ist: nein. G. Sch. 31. 1. Ja, wenn lieblose Bebandlung nachweisbar, ans Grund Allgemeinen Landrechts Erster Teil, Titel ö,§ 370 in Verbindung mit Art. 98 Einsührungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Z. Für den Weigerungsfall Klage._ WitterungSüberficht vom 6. April 1912. Station en Swinemde Hamburg Berlin Frankf.a.M. München Wien i§ Ii 753 NW 7571» Setter 756 764 SS 767:«© 759MNW 5 bedeckt 6 Ziegen 4bcdeckt fib-dcckt 7pcdcckt 6 bedeckt >4« tf» Stationen aaparanda etersburg Scilly Aberdeen Paris WSW 772 W 753© 77�W ZPetterprognofe für Sonntag» den 7. April 191«. Mild und zeitweise aufklarend, jedoch vorherrscheab wolkig mit Ziegen. fällen und ziemlich starken westlichen Winden. Berliner Wetterbure»». 734 735 Setter ssTchnee wolkeni , Dunst 5 wollig 2 bedeckt »II t' Sä. 8 1 10 13 12 Berliner Credit-Haus BT Kommandantenstr. 67."NE Franz Abraham Bamb. Messlna-u.Römertrank-Eell. N 4, Schlegelst.S, Fernsp. 111,7727 r.nif eh Selter-u. Llmonad.-Fabrik liulHD, Thaerstr. 44. T.A.7.8176. Schütze, Em Weberstr. 15 a, T. 7y 1 1 1 25. � i» Beil« alkohol- 3l. Mit 6�ö?»>tAS. CvIlOY G Filialen i. all- yjy lidA, VI., Stadtteilen. Ferd.Hahn, Berlin, Perlerskanienl.72« H.Paehlke.Sfhlllinqsir.lO.KoiiniBteii, Rillee-Großbäckerei, Bußestr. 8. Hroker, Rixdorf, Nansonstr. 33. Carl Laudahn. Weberstr. SO. Landbrot-B8 Triilutr. 66. Paul Stenzel, Baumschulenwcg. Onetav Tanplli, Prinzen- Allee 61. Thoma'i bew. Bäckerei Ackerstr. III. Gerichtstr. 84. F C. Vogt, Weillensöe B |3Filial.Hauptgesch.Sedarist.l06| Jos. Wagenknecht, Glogmersi. 17. Albert Wiese, Koloniestr. 34. Heinrich Wittler Fanfsreickel-. Schs artkrct- d. Staant- knl-Fikrit. T. ll, 1213. Msntr. 7. VerttafstioII. i.all.Gegeail. Grol-Berliaa Badennstulten Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. Augusta-Bad, Köpenick.-Str. 60/61 UI» F-S Laailabergeratr. 107 Gollnotvslr. 41. f�arttiT Bad, MOnzstraBe 2. V. tun IX- Kassenlicfcrant. [entral-Bad aJ�ä. 2-. Hansa-Bad, CIi!(tbg.Wilraer.sdorfer«t.60,'61 Erstes Lohtannin-Bad ligl. fr. Akkofkong, kein Extrakl. Wall- itr.79.71.ller.«.KtsxN»«-C(illot.ir.6/8 Bad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen Bad FrtedrIchahaln,LsndikAlleel63 Badeanstalt, Hasenheide 18. Junabrunnan.Bad Baumschulen weg, Kictkolutr. 1 77/78 KBlser-Friedrichs-Bad.Cbarl.a.Bkf. KgJp-Ansta'LjLÖSer" _ Eosentalerstr. 70. Natioual-Bad, Brunnenstr. 9. Bad Ostend».� Ost-Bad, Pallisadenstr. 76. Bad Pankow, Wollankstr, 26. Passage- Bad Ä"! Reform-Bad, Wiener Str. 65. Kuranstalt e"ä!�8 langjähr. I. Assistent d. ehemal weltberühmt. Jakobi-Heilanstalt MM- Pflauzenheilverfahren Atteste von Geheilten. Um-M SÜBSiS Schlesische Str. 81. V TIKtonit*- Bad Kottbuser Damm 75 FHedpfohWilhelmabatf Cbaueseeatr, U. Brauerei Tfefferberg Yersaud-nnd PilsenerBier. Brauerei Tivoli lÄu�rit Fruchtstr. 37 Ciirainel-Weifsbier fast alkoholfrei, erfrischend, bekömmlich, Berliner Weißb.-BrauereiC.Willncr. Die Fabrikate der „Sarottl" Chokolsdtn- a.Cacao-ladMtrle- Aktiengesellschaft sind Oberall erhiltlish, Nent Slmpll-Sdiokolado Bonbonhaus Fr. Schröder Spandau, Filialen i. all. Stadttl.| »chütz, V�arscliauerBtl�ggr!�� Seiffcrt, Erich, ÄÄ'! CQonff Andreasstr. 36 • 0 Uli II Bezugsqti. f. Händler. Deulsctie Bierliraüerei Li Berlin-Pischelsdorf Qrotcrjans Malzbier, schsah.-Allee i jo, t. m, 50«z. 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E,Degar,Ri![J.,Kais.I'riedr.St.ä9,Berg!t.58 Blcharit Fclsrh, Prinzen-Alice 30 Paul Gross, kindeast.OUiVorwanskoas) R. Gruner, Kopenhagenerstr. 6. S. Grassmann, I.ondsborgrrstr. 34. Haukes Blamcchoas, laaleaffelstr. 94. Otto Hinz, Graunstraße 8. Janiszewskl. Felix, Hstobakastr. 7. Aib.KeU,l/h«ritj.,K»i«er-Friedrlch8l.29 CT anpont Brunnenstr. 63 . LiOUI Clll Ps, srskargsrslr.il Gustav Mal, Schönhaus. Allee 177. M.Strotske. Neaktlia. Bsrasanslr.ltt F. Hüller, Danzigerstr. 27. H. Penski, Sckireileastr. 19, Eck.Badslr. Ww.Rutschke, Ri. Hcrmannst.62 Th. Sdiirbel, N. Stettinerstr. 8. C.Sommer, wrangsIst.44,ABtlV 12969 Aug. Trothe. Wrangelatr. 11. Aug. Wandelt, Rixd., Bcrgatr. 96. U.Zlake.lliTivM�tMi.- Kmututi Wesenberg f—— i, Clnarrenhandlunpen Fr.Behrend,Nf.,Fra«kfBritrAllce 27. Brager, J., Rixdorf, Bergstr. 67. Bräuer, F., O. 12 Proskauerst. 12 Kldn.Wilh.SKÄ'f* Klemmer W.t Spandau, ScWi*wMder8t.82 A.KMn8tmannAowawes,Priesle«t.B7 Llngel, Fritz, Eisenbahnatr. 5. A. R. 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Kopeehageneratr. 4. FtanzPfelfer.O.Frankf. AUee 139. _"| Rummelsburg __________., Schillerstr. 35 Rühlmann.P.�IüUerstAOb.E�Seest. C. SChPOdEP Gr.Frankfurlerstr.109. Max Sdiüliring Grflnta,erstt-" ..._______ Wattttr. 14. Sellach, Th., Ri., Hermannstr. 48. Wesch,€harltbg.,KaokelJdorlIitr.23. Arthur WeigeilC�' f Fahrräd., Hähnfgoh. j B auin�inU�'cbxJnebl�iTerSertstri Brennabor Faiirrad-leiiaDi lotimaDD Neue Schönhauser-Str. 11. Fahrradhaa8Süd-08tReichenbergers(.181 iarl Malier ÄraÄ146' ROjier.Carl, l'elersba-81 2 a d.Frtt.Alle« c Farbereien. wagohepTl H. BERGMAMM Birkenatr. 53 |über 40 Filialen in GroB- Berlin Sllnn unran Neukölln, Zeitzerat. 6 filien voran Telephon 1261, Dampf w.Welß. Stern, m.,BergsUS2 Bampfwäsdierel MERKUR A. Bachmann, Frankfurtet-Allca 47. DamptwaxdiEiEi llnelle f6uT- Groß-Dampfwäscherer „Spreenixe" Berlin SO., Forsteratr. 6-6 Tadellose Wascli«! Billigele Freieeil G. Knilick, Weifsens«« Fü.GostavAdolfsLl, WelleBkMgerel.41 Swlaemtnderstr. 56, Ifeddieistr. 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Herzog, Lichtenberg, Blumen- tbalslraße 9. »Niichewoff, Lichtenberg, Aürtelstr. 12 'Neuhoff, Slemickendorf• W., Eich- bornstt. 54. »Beständig, Reinickendors-V., Eich- bornstt. 94. »Adelt, Reinickendors» 0., Kopen- Hagener Stt. 1. *«5 �sonntagstt. 3. Wigand, Lhchener Stt. 13. Blaurock, Heinersdorser Stt. 15.»Genserowski, Steinstt 16. »nsterdem sämtliche Berkaufsstellen der Grosteinkaufogesellschast Hamburg sowie der»onsumgeuoffeuschaft Berlin n.»mg.— ZM- Alle mit einem» versehenen Firmen haben Ladengeschäfte.-WG Ika?RvI»vrZ Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Der Verirauensmann, Alwin Schulze, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. � � Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in ftzraae kommenden Fabrikanten taglich vormittzvgs von 11— 12 Uhr von Unterzeichneten! ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese arüneu Plakate von hier entnehmen können. 5,... � W/3 JlCVtf ItUf ttÖtttÖtttl* A.«chnlze. Große Hamburger Str. 18/19. verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag l Vorwärts Buchdruckerei».Verlagsanstalt Paul Singer».Co, Berlin LW. Nr. 82. 29. Jahrgang. 5. KnlM iics, Amiirls" Krrlim NsWM Zonntag, 7. Apck t9l2. Eua Indurtrie und f)andel. Zur Geschäftslage in Baumwollspinnereien und-Webereien. Die Lage in der Baumwollindustrie hat sich seit dem Beginn des Jahres ein iocnig gebessert. Nachdem die Rohbaumwolle am 12. Juni vorigen Jahres den höchsten Preisstand von 86�4 Pf. pro Pfund erreicht hatte, brachten die aus der sehr frühzeitigen Ernte 1911/12 stammenden reichlichen Zufuhren die Preise ins Wanken. Die neue Ernte war entgegen allen vorhergegangenen Prophezeiungen so ftühzeitig, daß noch 280 009 Ballen hiervon in dos mit dem 31. August abschließende Baumwolljahr 1010/11 ein- gerechnet werden mußten. Im Juli bröckelten die Preise langsam ab. Bremen notierte am 10. Juli 75% Pf., am 7. August 66% Pf. und am 31. August 66 Pf. Hierauf folgte infolge der großen Zu- fuhren ein rapider Preisfall. Innerhalb eines Monats sank die Bewertung um weitere IL Pf. pro Pfund. Mit 46% Pf. er- reichte diese am 14. Dezember ihren Tiefstand. Seitdem erholte sich der Markt und heute steht Baumwolle in Bremen auf 55% Pf. Der Preisfall wirkte auch ungünstig ein auf die Geschäftsergebnisse der Fabriken. Diejenigen Betriebe, welche mit dem 31. Dezember abschließen, mußten notwendig auf lagernde Rohwolle, Halb- und Fertigfabrikate Abschreibungen vornehmen. Gewinnrückgang und Verluste waren die Folge. Die Rohstoffversorgung für das nächste Jahr ist sehr reichlich. Die Anbaufläche in den Vereinigten Staaten ist um 5 Proz. gegen das Vorjahr vergrößert ivorden. Sie betrug 35 004 000 Acres. Nach Meldungen aus Liverpool vom 22. März waren bis dahin seit Beginn der Saison in Sicht 13 749 000 Ballen gegen 10 805 000 Ballen bis zur gleichen Zeit des Vorjahres und 0 012 000 Ballen 1309/10. Die Schähungcn der Gc samternte von 16 000 000 Ballen sind demnach nicht unbegründet. Jedenfalls ist die Ernte eine Rekordernte. Die höchste aller bisherigen Ernten der Vereinigten Staaten betrug 13,8 Millionen Ballen. Die Ver- sorgung in Bremen beträgt seit 1. September bis Ende März 2 240 002 Ballen gegen 1 598 202 Ballen für die gleiche Zeit des Vorjahres, 1395 138 in 1009 und 1710 483 in 1908. Es gibt also Baumwolle in Hülle und Fülle. Die B a u m w o l I n o t ist wieder einmal vertagt und der mit dem Auf und Ab des Wirtschaftslebens seit hundert Jahren sich regelmäßig wiederholende Zyklus /lieber- slutz an Baumwolle— niedrige Preise, planlose Spindelvcr- mchrung, Mangel an Baumwolle—, hohe Preise, Vergrößerung der Anbaufläche in den Vereinigten Staaten) kann von neuem be- ginnen. Die mangelnde Ordnung der kapitalistischen ProduktionS- weise tritt bereits wieder klar zutage. Die Baumwollverbrauchcr eilen, sick möglichst auf Jahre hinaus mit Baumwolle zu ver- sorgen. So sind Käufe bis zum Jahre 1016 auf dem Zeitmarkte abgeschlossen worden. Selbstverständlich Iveiß kein Mensch, wie die Ernten in den nächsten vier Jahren ausfallen werden. Nachdem die Frage der Rohstoffversorgung für das nächste Jahr zur Zufriedenheit der Interessenten gelöst ist, zeigt sich aber auch, daß die Baumwollnot nur eine der Ursachen der Misere in der Textilindustrie war. Unsere Kolonialinteressenten haben seit vier Jahren in der„Baumwollnot" ihr Süppchen gekocht. Sie suchten Dumme, indem sie die Baumwollnol als die Ursache des Daniedcrlicgcns der Industrie in allen Fachzeitschriften und in der Tagespresse hinstellten. Obwohl nun aber nahezu 4 Monate die Lage des Rohstoffmarktes günstig ist und für das nächste Jahr günstig sein wird, will die Hochkonjunktur noch immer nicht kommen. Die Spinnereien sind allerdings flott beschäftigt und auf Quartale hinaus verkauft. Da die deutschen Spinnereien den Inlandsbedarf bei weitem nicht zu decken vermögen, ist das kein besonderes Zeichen durchgreifender Besserung. In der Baumwollweberei sieht es aber noch immer sehr unbefriedigend aus, obwohl Besserung eingetreten ist. Ganz besonders die sächsische Baumwollweberei ist noch ungenügend be- schäftigt. In der Lausitz, dem Zittauer, Reichenauer, Hirschfelder und Neugersdorfer Bezirk stehen noch immer viele Stühle still und inuß noch vielfach auf nur einem Stuhl gearbeitet werden. Auch Chemnitz meldet schleppenden Geschäftsgang. Besser ist es in Bayern und Elsaß. Von da meldet man, daß alle Betriebe sehr stark mit Aufträgen versehen sind. Im Münsterland und Rheinland gibt es Betriebe, tvclche mit Ueberstunden arbeiten, andere lassen durch Warten auf Material erkennen, daß Aufträge fehlen. In Schlesien ist man seit 14 Tagen wieder zur vollen Beschäftigung zurückgekehrt. Die Ursachen der noch immer unbefriedigenden Lage sind Teuerung und Ungunst der Mode in Frauenklcidern. Sehr richtig bemerkt die Berliner Handelskammer, daß die vielen hundert Millionen Mark, welche das Volk mehr ausgeben muß infolge der Verteuerung der Lebenshaltung, denjenigen Industrien beim Absatz fehlen, welche die mehr entbehrlichen Gegenstände des Masscnkonsums herstellen. Dazu gehört die Baumwollindustrie. Hua der Frauenbewegung. Die New Jorker Frau. Bei manchen europäischen„Amerika-Kennern" steht die Legende von der bevorzugten Stellung der amerikanischen Frau noch ebenso hoch in Ehren, lvie etwa die Fabel von den billigen Lebensmitteln und den kolossalen Arbciterlöhnen in der heutigen amerikanischen Plutokraten-Republik. Aber bei sonst besser unterrichteten Leuten in Amerika selber glaubt man vielfach, die Gesetzgebung des Staates New Jork, dieses wirtschaftlich-kulturell fortgeschrittensten Staates der Union, werde auch den Frauen in besonders hohem Maße gerecht. Tatsächlich ist auch die New Dorker Frau nicht nur in bezug auf politische Rechte, sondern ebenso in manchen anderen rechtlichen Beziehungen uni nichts besser daran als der Rest der weiblichen Kulturmenschheit. Von der in jedem curopä- ischcn Kulturstaat unerhörten Recht- und Schutzlosigkcit weiblicher Arbeiter in Fabrikbetricben— man denke der hundert und mehr Opfer des„Trianglc"-Brandes!—, von ihrer unmenschlichen Ausbeutung, ihrer gewohnheitsmäßigen Mißhandlung in Streitfällen, der haufenwcisen Aburteilung weiblicher Streikposten zu langen Arbeitshausstrafen usiv. soll nicht tvciter die Rede sein; denn darüber haben die Riesenstreiks weiblicher Arbeiter, die New Fork in den letzten Jahren erlebt hat, vor aller Welt Aufklärung verbreitet. Aber nicht nur als Arbeiterin, auch als Weib schlechthin ist die so glücklich gepriesene New Aorker Frau schlimmer unter- drückt, als die Gegner ihrer politischen Gleichberechtigung wahr haben wollen. Eine New Uorker Anwältin, Frau Johnson Wood, hat dies vor nicht langer Zeit in einer Schrift im einzelnen nachgewiesen. Für Ehefrauen gilt beispielsweise noch immer die gesetzliche Be- stimmung, daß ihre häuslichen Arbeitsleistungen dem Mann in jedem Falle unbezahlt gehören, so daß die unglücklick)« Frau eines Tunichtguts, wenn sie sich und ihre Kinder ehrlich ernähren will, dies nicht etwa durch Aufnahme von Kostgängern oder irgendwelche Heimarbeit bewirken kann; sie muß vielmehr ihr Geld außerhalb des Hauses erwerben, wenn der Verdienst ihr gehören soll. Ver- cinbarte Ansprüche der Frau auf Bezahlung gewisser Arbeiten seitens ihres Ehemannes sind nicht einklagbar, wohl aber kann der Mann ähnliche Ansprüche an die Frau, wenn diese etwa In- haberin eines Geschäftes ist, dem er seine Arbeitskraft zur Ver- fügung stellt, gerichtlich einklagen, da ein derartiger Kontrakt vom Gesetze als bindend anerkannt wird. Das Gut, das beide Eheleute durch gemeinsame Arbeit erworben haben, gehört dem Manne. Im Todesfalle einer Frau, die kein Testament gemacht und keine direkten Nachkommen hinterlassen hat, fällt ihr ganzes Vermögen an den Mann; im umgekehrten Falle erhält die Frau nur ein Drittel der Hinterlassenschaft. Noch skandalöser ist das New Uorkcr „Recht" aber in bezug auf die Verteilung elterlicher Ansprüche. Die Frau, die sich von ihrem Manne gerichtlich trennen(nicht scheiden) ließ, muß ihre Kinder aufgeben; das Gesetz erkennt dem Manne in solchem Falle das Vorrecht auf die Kinder an. Sogar der geschiedene und für schuldig befundene Mann behält unter gewissen Bedingungen die Kinder, die Frau unter umgekehrten Umständen aber hat nicht einmal das Recht, die Kinder, die sie unterm Herzen getragen, je wiederzusehen! Das Frauenwahlrecht in Schweden. Wie bereits mitgeteilt lourde, soll den Frauen in Schweden das staatsbürgerliche Wahlrecht gegeben werden, und zwar im allgemeinen unter denselben Bedingungen, wie sie für das Wahlrecht der Männer gelten. Der Regierungs- entwurf zum Frauenwahlrecht enthält jedoch eine Reihe besonderer Bestimmungen für das Frauenwahlrecht, die sich allerdings daraus ergeben, daß auch dem Männerivahlrecht allerlei Einschränkungen anhaften. Aber diese Einschränkungen treffen die Frauen noch schwerer und bedeuten für sie ein noch größeres Unrecht als für die Männer. Ganz besonders gilt dies für die verheirateten Frauen. Hat der Mann in den drei letzten Jahren vor der Wahl nicht aus Heller und Pfennig seine Staats- und Gemeindesteuern bezahlt, so verliert nicht nur er, sondern auch seine Frau das Wahlrecht, aber sie sind beide ivahlberechtigt, wenn der Mann wegen allzu großer Armut überhaupt keine Steuern zu zahlen hat. denn nur durch Steuerschulden verlieren Mann wie Frau das Wahl- recht. Ebenso ergeht es der Frau, wenn der Mann in Konkurs gerät oder wenn er Armenunterstützung bezogen und nicht zurück- gezahlt hat. Arbeitslosigkeit, schlechter Geschäftsgang, Krankheit in der Faniilic, durch die der Mann sein höchstes Staatsbürgerreckst verlieren kann, treffen also in derselben Weise auch die Ehefrau. ja in nicht lvenigen Fällen kann es auch vorkommen, daß eine sehr solide und arbeitsame Frau ihr Wahlrecht einbüßt, weil der Mann ein liederlicher Mensch ist, der weder für die Familie noch für die Steuern sorgt oder einer, der betrügerischcrwcise Bankerott macht. Die verschiedenen Einschränkungen des Wahlrechts haben es bisher mit sich gebracht, daß gegen 300 000 schwedischer Männer im Wahlrechtsalter vom Wahlrecht ausges-bloffen waren, bei dem Frauenwahlrecht wird die Zahl der Ausgeschlossenen jedenfalls noch ein gut Teil größer Iverden. Will man dem entgehen, so muß man, um nicht den Frauen ein Vorrecht einzuräumen, die unbe- gründeten Einschränkungen, und vor allem die Steuerklauscl, all, gemein beseitigen._ Versammsungen— Veranstaltungen. Perein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 15. April, 8% Uhr abends, in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97, Reuter-Abend. Einleitenver Vortrag und Rezitation von Herrn Dr. Ernst Zander. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Zcntralvcrband der Hausangestellten. Montag, den 8. April, 2. Osterfeiertag, im„Königstadt-Kasino", Holzmarktstr. 72 1: Frühlingsfest. Mitwirkende: Frau Herta Schmid-Kayscr «Rezitation). Herr Hans Schmio-Kayser(Lieder zur Laute). Darauf gemütliches Beisammensein. Saalöffnung 6 Uhr. Beginn des Programms pünktlich 7 Uhr. Eintritt 50 Pf. I�N5ere Kleidmke IlefernKleidungsstücke, die in großen, den sozialen nnd modernen hygienischen Erfordernissen entsprechenden Sälen verfertigt werden. Infolge der vollendeten Maschinen- Technik wird die haltbarste und beste Arbeit geliefert. Unsere Einrichtung wendet sich gegen die die Gesundheit vernichtende Herstellungsart in schlecht ventilieiten Räumen, in denen vielfach ein Herd von Krankheiten entsteht. = Am Sonntag,= dem ersten Ostertag sind unsere vier Verkaufsstellen geschlossen! = Am Montag,= dem zweiten Ostertag nur von 12 bis 2 Uhr geöffnet! Unsere vier Verkaufsstellen sind: 11 Brücken-Straße II 29/30 Chaussee-Str. 29/30 20 Gr. Frankfurter Str. 20 Schöneberg, Hauptstr. 10 □ □ □ □ □ □ □ □ D □ □ □ □ □ □ | Haupt Katalog Nr.44kostenfrei\ Unsere HiD-AlitinwD sind ununterbrochen in vollem Betriebe Die Herstellung erfolgt zu den mit dem Verbände der Schneider vereinbarten Tariflöhnen Hochmoderne u. vornehme Anzüge nach Maß Hosen nach Maß Ulster nach Maß Paletots nach Maß aus erstklassigen deutschen, englischen und schottischen Stolfen in vorzüglichster Auslührung nnd von tadellosem Sit* iu vorteilhaften Preisen Unsere vier Verkaufsstellen sind: HBrUcken-Straßell 29 30 Chaussee-Str. 29/30 20 Gr. 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Wahlkreis i,> enteeeeeee� Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Äu 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 85 Küchen- Einrichtungen» 60 Sofas» grosse Posten Schreib- tische. Bücherschränke» Schlafzimmer» Herren- zimmer, Speisezimmer. Sdrlicli, Alte Schönhauser Sir. 32. Ziehung am 17. April, 193. Mfilitei Pfrt- lotterie 1200 garant, Gewinne, Gesamtwert M, 64000 Hauptgewinne: 7 kompl. bespannte Waffen W.M. 22450 1 Los 1 M., Porto und liste 20 Pf. 5 Lose nur M. 4.80 franko Porto u. Liste empfiehlt auch gegen Nachnahme Carl Heintze, Berlin TV, Unter den JLlnden 8. Bouillon- Würfel Vorzügl. Ware. Frei Nachn. lOOOSt. M.13.—, 500 St. 7.50, 200 St. 3.75, G.Drabn ACo., Wilmersdorf-Berlin, ■�Qn�mon wrtälha�t- duJ��ß�ckü�ÜiQru �cstmann: "" motirmstr. 37z Gr TmrUdurterstr 115. Am 9. April 1012 beginnt der grosse Saison-Verkauf zu sfnnnend billigen Preisen! 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April 1912 berstarb unser Mitglied, der Bauarbeiter August Krüger Gräfestr. 32, im 66. Lebensjahre. Ehre seinem Zlndenken: Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Kreuz. Kirchhoses, Mariendorf, Eisenacher Straße aus statt. 207/3 Um rege Beteiligung ersucht Ree Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Landsberg. Viertel. Bez.41v. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Haus- diener Rodert Klann Straßmannstr. 14, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. April, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Zentralsriedhofes in Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am Freitag, den 6. April, ver» schied nach kurzem, schweremLcidcn unser HilsSarbeiter Robert Klann. Wir betrauern in ihm, der seit Bestehen des Pressebureaus bei uns tätig ist, einen lieben, treuen Menschen. dta�ialdemokeattaclies Presse burenu. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. April, nach- mittags 2'L Uhr, von der Halle des städtischen Zentral-Friedhoses in Friedrichsfelde aus statt. Allen Bekannten und Ver- wandten die traurige Nachricht, daß mein lieber, guter Mann, einziger Sohn, Bruder, Schwager, Onkel, Enkel und Neffe Robert Klann im Alter von 23 Jahren am Freitagabend sanst entschlasen ist. Die trauernden Angehdrigen. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. April, nach« mittags 2'/, Uhr, von der Halle des städtischen Zentrai-FriedhojeS in Friedrichsseide aus statt. Arbeiter- Radlahr.- Solidarität Ortsgruppe.Berit«". (5. Abteilung). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Bundesgenosse Rodert Klann m 5. April er. abends 8 Uhr gestorben ist. Ehre seinem Andenre»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. April er., nach- mittag? 2'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Fried- richsfelde aus statt. Der Vorstand. Zentraltranken- und Sterbe- kasse d. deutschen Wagenbauer Berlin, Bezirk 8 sGesunddr.). Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer Max Schöning am 3. April verstorben ist. Die Beerdigung fand am Sonn- abend, den 6. April, nachmittags 4»;« Uhr, aus dem Friedhos der Sophien-Gemeinde, Freienwalder Straße statt. Ehre seinem Andenken: 257/11 Die Grtmrwelwng. Am 4. April verschied nach langem Leiden unser geliebter Vater, Schwiegervater, Großvater usw., der Tischler Hennaiill Schadebacb im 59. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Zfaeeaeete, Robert, Rndolt Schadebach. Beerdigung: Ostermontag 3 Uhr auf dem Jerusalcmcr Kirchhos, Neukölln, Hermannstraße. 10S7b Allen Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau und Mutter pauline Schrnok am 6. April Plötzlich gestorben ist. Wllhslm Schrnok nebst Kindern. Die Beerdigung findet am 9. d. MIs., nachmittags 4 Uhr, von der Halle deS Golgatha-Kirchhoss, BarsuSstraße, aus statt. 1079b Sozialdemokrat. Wahlverein sür den 4. Berliner ReichStagö- Wahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 174. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Zigarren- Händler Rustav Pade Marianncnstr. 23, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 7. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Thomas-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraße aus statt. 214/19 Her Verstand. Sozialilenioki'.Kreis-WalilYereiD Nieder-Barnim. Bezirk Lichtenberg. Den Genoffen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schlosser Maos Schmidt Finowftr. 35 verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet Diens- tag, den 9. AprÜ, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/10 Die Bezirksleitung Deotsetier Transpoflafheiter-Verhanil. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- diener 64/4 Gustav pade am 4. April im Alter von 38 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des ThomaS-KirchhoseS in Neukölln, Hermannstraße, aus statt, Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Droschkensührer August Kökeritz am S.April im Alter von 67 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet morgen Montag, den 8. April, nachmittags 51/, Uhr, von Der Leichenhalle deS Georgen-Kirchhoses in Weißensee, Rölkestraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer ttermann Reuter am 4. April im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Montag, den 8. April, nachmittags 2,l4 Uhr, aus dem Friedhof in Tcupitz statt. Die Bezirksverwaltung. Verein aller iflSehrütgieBereieD beseiräftigten Arbeiter UDd ArbeiterinneD Berlins. Hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schristgießcr Karl Rudolf am 5. April 1912 verstorben ist. Die Beerdigung findet am 9. April statt. Das Nähere wird noch bekannt gegeben. Iv52b Der- Vorstand. Zentral-Verband der Schiffszimmerer Deutschi. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß am 3. April unser Mitglied, der Bootsbaucr �einhold Görsdorf nach langen Leiden verstorben ist, Ehre seinem Andenken: �Die Beerdigung findet heute Sonntag(1. Ostcrseicrtag), nach- mittags 3 Uhr, von der Zeichen- halle in Friedrichshagen aus statt, Rege Beteiligung erwartet 269/4 Die Ortsverwaltung. Am Sonnabendmorgen 71/, Uhr entschlief sanst nach langem, schwerem Leiden mein innig- geliebter Mann, unser guter und treusorgendcr Vater, Großvater und Schwiegervater, der Parkett- leger Gustav Meyer im Alter von 59 Jahren. Dies zeigen an mit der Bitte um stille Teilnahme Oie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dicnsiagnachmittag 3'/, Uhr von Leichenhalle des neuen St. Jo- hannis-KirchhoseZ in Plötzensce auS statt. fleulseliei' Bauarbeiterverbanil, Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bau- arbeiter August Kruxer Bezirk Süden am 4. Aprü verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig-Kreuz-Kirch Hofes in Mariendors, Eisenacher Straße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/10 Der Vorstand. Deulseber Buebbiuder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Kollegin Erna Wolter am 5. Aprü verstorben ist Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am 8, April, nachmittags 2 Ubr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhoses Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 24/2 Die Ortsverwaltung. für die herzliche Anteilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres gulcn Vaters, deS Buchdrmk- Maschinenmeisters II«-mm im ff iiiler sagen allersciiS innigsten Dank. _ Agnes Müller nebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Test» nähme bei der Beerdigung memeS lieben Mannes sage allen Kollegen und Genossen meinen herzlichen Dank. Wwe. Dora Müller. Danksagung. Ffir die viele» Beweise herzlicher Teilnahme sowi« sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter Harle Rüttler zimÄm«. sagen wir allen Bekannten, Freunde» und Verwandten unseren herzlichst« Dank. Jallns Battier Hans Bnttler, Sohn. Neukölln, Johann-Hußstr. 7. Danksagung. Für die vielen wohltuenden ve« weise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung unseres lieben Sohne« Rricb Dreißig sagen wir allen Verwandten, Freund«, Bekannten und lieben Gästen unseren herzlichsten Dank. Wilhelm Drelfilg und Frau, Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meiner liebe» Frau Allee Schädel sage ich allen Teilnchmern.besonders Herrn Langosch sür die trofireichen Worte am Grabe, dem sozialdemokratischen Wahlverein und dem Gesangverein Männerchor Groß-Lichterseide, herzlichen Dank. BüH Sehädel nebst Kindern. Danksagung. Anläßlich deS Hinicheidens unsere» lieben Vaiers, Schwieger- und Groß- oaterS, des Eigentümers und Putzers frän? Heintze sind uns ungeahnt viele herzliche, wohltuende Beweise ausrichtiger Teil- nähme und eine überaus große An» zahl herrlichster Kranzspenden zu- gegangen, daß es uuS unmöglich ist, jedem einzelnen zu danken und sprechen wir deshalb auf diesem Wege allen lieben Freunden und Bekannten, insbesondere dem Bürger- meister Herrn Schmicdigen, sowie der Gcmeindeoertretung und den Beamten des Britzer Rathauses, dem Sozial- demokratischen Wahlverein Britz und deckt Deutschen Bauarbeiterverband, Sektion der Putzer, unsere« lies» gesühltestcn Dank aus. Berlin-Britz, den 6. April 1912. Die Hinterbliebenen Kinder. Vestmainisfi'aizei'iliagaM! j Extra-Abteilung 1 1. Gesch.; BerlinW., Mohren-| S1raBe37a(2. Haus von der I Jerusalemer StraBe). III. Gesch.; Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 115(2. Haus von der AndreasstraBe). I 1 Sehrgr.Ausw. fert. Kleider, j J Hüte, Handschuhe, Schleier 1 ■etc. v. einfachsten bis zum I ] hochelegant. Genre z.äußerst j niedrigen Preisen. 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M. schreibt: Mit den im vergangenen Jahre von Ihnen bezogenen Kartoffeln.Diamant' habe ich grobartigeu Ersolg gehabt, trotz der enormen Hitze waren bis S0 Stück mttlelgroße und sehr große an einem Stock.— Ich versende solang- Vorrat reicht, nur bei srostfretem Wetter, und können deshalb Bestellungen auch bei Kälte gemacht werden. Saatkartoffeln T-ophil Ztegler» Diamant 10 Pfund» Postkolli lüe Mk. Z.—, 20 Pfund für MI. s— in plombierten Säckchen mit bekannter Schutzmarke, und mache daraus aufmerksam, baff dieselben nicht durch meine Vertrelcr, sondern nur von mir direkt zu beziehen sind TkeopdU Ziegler, Erfurt 181. Wer-Sloff-hat! Fertige Anzug oder Paletot nach Mass, von 20 M. an, gute Zutaten, auf Roßhaar, 2 Anpr. Garantiert tadelloser Sitz. 48gb üVon meinem Stoff!! Anz. od. Paletot, neueste gute Stoffe von 40 M. an. Prenzlauer Str. Qjj II. ,(Alexanderpl.) �0 Gegründet 1898. ' Hföbel'Colm 58 Gr. Frankfurter Str. 58 unweit der KaiserstraBe. 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Wlenieke Xachilgr., Pankow, Breitestraffe, ist für alle Berufe, als da find: Stellmacher, Schlosser, Schmiede, Lackierer und Sattler, gesperrt und bttlen wir, dort Arbeit nicht anzu- nehmen. 176/8 Agitationskommission der Wagen- sabriken Berlins und Umgegend. Aclitung! Holzarlieiter. Lohn- Wegen Streit oder disserenzen sind gesperrt: Tischleret Soimster, Koper- niknsstras/e 23. Tischlerei Öttmann dt Co., Gubener Str. 41, Goidleistenfabrit Klinke, Köpenicker Str. 21. Bernfsvereln der Berliner l'arketteescliHtte, Char- lottenbiir», Uhtandstraf/e. Für Hartguuiini Arbeiter die die Firma nattkae;', Schle- fische Str. 32. Das Berliner Arbeitswilligen- veriiiittelniigsbureati d. gelben »Handluerkerschnvverbaiideö«. Arbeitsnachweis d.-S-tellmacher- innung und der BSagenfavri- kanten, Kaiser-Franz-Grenadier- Platz. Zuzug ist streng sernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Hnlzarbelterverbandes. Der heutigen Nummer Ses Vorwärts* liegt ein Prospekt der Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., be- treffend Bolnos Werke, bei. Lerantworlticher Siedatteur; Albert Wachs, Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th.Givcke. Berlin. Druck u. Verlag: Borivart» Buchdruckeret u. Verlagsanftalt Baul Singer u-vo, Lerli» SW.