Ur. 85. klbonnemenwkeälnMgen: Abonnements> Preis vränumeranto: «ierteljährl. 3�0 Wk. vwnatl. t.lv Mti. wöchentlich 33 Psg. frei ms Hans. Einzeine Nuimner 5 Pfg. Sonntags- itiirnrnci mit illustrierter Sonntags- Beitaae �Die Neue Welt' tv Pfg. Post. »tbonnemenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiluirgs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien, Dänemark, bolland. Italien. Luxemburg, PorMg-l, " nänicn,«chweden und die Schweiz. 39. Jahrg. CrtAdDt täglich außtr montag». Verlinev Volksblakk. vle snserNons.Sebilhp beträgt fitr die fechSgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschafllichc Pereins. ttnd Versannnlungs-Anzeigen 30 Pfg. ,.I?Uin- Hnzcigen", das settgedruiste Wort 20 Pfg. fzuläfstg Lfctlgedrua'le Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlnsstellenan- zeigen das erste Wort 10 Ptg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Luchstaben zählen für zwei Worte. Insemie für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpeditw» ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zfelegramm- ilb-�ff« „Sozialiitniokral Rtiiia". Zentralorgan der foztaldemokrati fchen Partei Deutfchlande. Redaktion: 8M. 68, Lindcnatrassc 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1983, Freitag, den 13. Zlpril 1913. Expedition: 8M. 68, I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1981. Urbeiterprogramm und kevolutionsprozeiie. Vor fünfzig Jahron, am 12. April 1862, hielt in Verlin, im Handwerkerverein der Oranienburger Vorstadt, Ferdinand Lassalle seinen Vortrag„über den besonderen Z»sainmenhang der gegenwärtigen Geschichtsperiode mit der Idee des Ar beiterstandcs", der dann, unter dem Titel„Arbeiterprogramm" gedruckt, eine der wirksanisten Agitationsschriften der be ginnenden deutschen Arbeiterbewegung geivordcn ist und noch heute zu den besten Mitteln der Einführung in die Gedanken Welt des deutschen Sozialismus, insbesondere in seine histori scheu Gesichtspunkte, gehört. Dadurch ist das„Arbeiterprogramm" in der Folge höchst bedeutungsvoll für unsere Partei geworden und marschiert in vorderster Reihe unter jenen Lassalleschen Agitationsschriften, deren Lektüre vor wenigen Jahren August Bebel einmal der heranwachsenden Generation vor allem in ein dringlichen Worten ans Herz legte als Anleitung zum theore tischen Studium, der sozialistischen Lehre. Jedenfalls gilt das für das„Arbeiterprogramm" in höherem Grade als für das „Offene Antwo tschreiben" von 1863. Dieses überragt Him wiederum das„Arbeiterprogramm" im Hinblick auf iiiiniittel bare Wirkung weitaus. Sofort zündend hat das„Arbeiten Programm" unter den Zuhörern des Lassalleschen Vortrages nicht gewirkt. Dafür standen die Berliner Maschinenbauer 1862 noch zu sehr im Banne der fortschrittlichen Lehre und Politik. Lassalle selber hat sich offenbar über die Empfang- lichkeit der Versammlung für seine Ausführungen, die bereits die Rottvcndigkeit einer selbständigen Arbeiterbewegung nahe legten, keinen großen Illusionen hingegeben; denn er erklärte sich für seinen Vortrag reich belohnt, wenn es ihm geglückt lväre, auch nur zwei oder drei seiner Zuhörer mit der Idee des Ardeiterstandes, die ihm faktisch niit dem Klassenkampf, beul proletarischen Emanzipationskanipf identisch ist, zu erfüllen. Wenn der sofortige Erfolg tatsächlich nicht größer gc- Wesen sein mag, so hat dagegen weiterhin dieser gedauken- reiche Vortrag Lassalles zahllosen Arbeitern die geschichtlichen Voraussetzungen des proletarischen Freiheitskampfes näher- bringen Helsen. Lassalle selber hat später einmal den Inhalt des„Arbeiterprogrannns" zusammengefaßt als eine auf vieruudvierzig Seiten zusammengedrängte Philosophie der Ge- schichte, beginnend mit dem Mittelalter und gehend bis auf die heutige Zeit. Tatsächlich kann man aus der kurzen Abhandlung mehr über den wirklichen Gang der historischen EntWickelung lernen, als aus manchem dickleibigen Geschichtswerke, das an der Oberfläche haften bleibt. Wenn Lassalle von Philosophie der Geschichte spricht. so erinnert das daran, auf die Tatsache hinzuweisen, daß auch das „Arbeiterprogramm" hier und da Spuren des philosophischen Idealismus aufweist, den Lassalle nie ganz losgeworden ist. Das hat ihn aber nicht gehindert, den wirtschaftlichen Triebfedern der geschichtlichen Bewegung.auf den Grund zu kommen und die herrschenden Ideen oder Prinzipien aus die ökonomischen Verhältnisse zurückzuführen. In manchen Punkten berührt sich das„Arbeiterprogramm" eng mit dem„Kommunistischen Manifest". Wie es von diesem ergänzt wird, so kann wiederum das„Arbeiterprogramni" vielfach zur Erläuterung des„Kommunistischen Manifests" dienen. durch das sich Lassalle zwar des öfteren angeregt zeigt, durch das sich aber hinwiederum der Anfänger weit leichter hindurchfindet, wenn er aus dem Lassalleschen„Arbeiterprogramm" eine Vorstellung mitbringt, wie die verschiedenen GesellschaftSzustäude seit dem Mittelalter sich voneinander unterscheiden und auseinander cntivickelt haben. Die Lassallesche Kennzeichnung des niittel- alterlichen Feudalismus mit seiner Herrschaft des Grund- besitzes ist in ihrer Kürze und Klarheit klassisch, und das gleiche gilt für die Schilderung des Enipor- kommeus von Handel und Industrie, das � die Zersetzung der mittelalterlichen Staats- und Gescllschafts- ordnung zur Folge hat und in gewaltigen sozialen Uni- wälzungen den Sturz von Adel und Geistlichkeit anbahnt, che noch in der großen französischen Revolution die neue bürger- liche Gesellschaft zur Vollendung gelangt. Diese gipfelt in der Kapitalsherrschaft, die zwar das adlige Privileg, die aus- schließende Herrschaft und Steuerfreiheit des feudalen Grund- besitzes beseitigt, aber dafür neue Vorrechte des Besitzes an die Stelle setzt, so die Ausschließung der Besitzlosen vom Wahlrecht, so die Abladung der öffentlichen Lasten auf die Masse durch das System der indirekten Steuern. Aber auch diese bürgerliche Periode ist im Begriff, durch eine neue Welt- Periode abgelöst zu werden, deren Anbruch man schon überall beobachten kann, und deren herrschendes Gescllschaftsprinzip die weder an die Bedingung des Grundbesitzes noch des Kapitalbesitzcs gebundene freie Arbeit sein wird. Neben den vielen Vorzügen des„Arbeiterprogramms" soll nun keineswegs verschwiegen werden, daß auch erhebliche Ausstellungen an der Lassalleschen Geschichtsbetrachtung zu mache u sind. Von positiven Angaben darin kann nicht unwidersprochen bleiben besonders die irrige Auffassung des großen deutschen Baucrnkiicges als einer innerlich »»«ktioiiären Bewegung. In Wahrheit war vielmehr die deutsche Volksbewegung von 1525 eine großartige Vorläuferin der späteren bürgerlichen Revolutionen, in der schon alles das erstrebt worden ist, was wir 1789 zum Siege gelangen sehen. Von negativen Mängeln ist besonders zu konstatieren, daß überhaupt bis zur französischen Revolution hin die Politischen Geschehnisse ungebührlich hinter den wirtschaftlichen und gesell schaftlichen Umwälzungen zurückgesetzt worden sind, woraus sich unleugbar in verschiedener Hinsicht ein schiefes Bild ergibt. Am empfindlichsten ist das gänzliche Schweigen über die speziell englischen Geschehnisse vor der in dustriellen Revolution, die in wesentlich anderem Lichte erschienen � wäre, wenn Lassalle sie im Zusammenhang mit der großen englischen Revolution betrachtet hätte. Wenn aber auch gesagt werden niuß, daß Lassalles Ausführungen in qeschichtswissenschaftlicher, wie auch in dieser oder jener anderen Hinsicht keineswegs der Weisheit letzten Schluß darstellen, so bleibt es doch dabei, daß das „Arbeiterprogramm" von den großen Grundzügen der modernen gesellschaftlichen Entlvickelung ein glänzendes Gc sanitbild gibt und ihre allgemeine Richtung auch in der Gegen- wart deutlich erkennen läßt, mit einleuchtenden Gründen dar tut, daß auch mit der bürgerlichen Gesellschaft die geschichtliche Entwickelung nicht zu Ende, sondern eine neue Umwälzung bereits eingeleitet ist, die unter der anfänglichen Form einer Herrschaft des vierten Standes aller Klassenherrschaft ein Ende machen und an die Stelle des Ausbeutungssystems der freien Konkurrenz ein System der allgemeinen Solidarität, der Gc nieinsamkeit und Gegenseitigkeit, setzen wird, unter dem die Menschheit insgesanit zum höchsten Glück gelangen wird. Diese ihre Kulturmission legt Lassalle der Arbeiterklasse in packenden Worten ans Herz, die noch heute nichts von ihrer Frische und ihrem Eindruck verloren haben. Aktuell ist das„Arbeiterprogramm" auch insofern noch immer, als es eindringlichst die Wahlrcchtssrage aufrollt und sonach dem „Offenen Antwortschreiben" präludiert mit dessen Forderung einer Agitation zur Erringung des allgemeinen Wahlrechts. In diesem sieht Lassalle das formelle Mittel zur Durchführung der Befreiung der Menschheit. Wie das„Arbeiterprogramni dem Dreiklassensystem eine eingehende Würdigung zuteil werden läßt,' so betont es die Bedeutung des allgemeinen Wahlrechts, ohne doch in Illusionen über die unmittelbaren Wirkungen dieses politischen Kampfmittels zu verfallen. Nachdrücklich stellt Lassalle unter Hinweis auf die französischen Erfahrungen von 1818 und 49 fest, daß das allgemeine Wahlrecht keine Wünschelrute sei, die vor momentanen Mißgriffen schützen könne. Aber er steht in ihm das einzige Mittel, das auf die Dauer von selbst wieder die Mißgriffe ausgleiche, zu denen sein momentan irriger Gebrauch führen könne. Er vergleicht es darum mit jener Lanze, die selbst die Wunden wieder heile, die sie schlage. Auf die Dauer müsse beim allgemeinen Wahl recht der gewählte Körper das getreue Ebenbild sein des Volkes, das ihn geivählt. Und so stellt Lassalle die allgemeine Maxime auf:„Das Volk wird daher jederzeit das allgemeine und direkte Wahlrecht als sein unerläßliches politisches Kampf- mittel, als die allerfundanientalste und wichtigste seiner For- derungen betrachten müssen." Von aktuellem Interesse ist auch im„Arbeiterprogramm" und den damit zusamnienhängeuden Erörterungen die Art, wie Lassalle die Worte Revolution uyd revolutionär gebraucht. Bekanntlich gehen die Gegner des kämpfenden Proletariats bis auf den heutigen Tag damit hausieren, daß die Sozial dcmokratie eine Umsturz-, eine Revolutionspartei sei, wie sie sich ja selbst als revolutionär bezeichne. Dabei glauben diese Herrschaften, oder geben doch vor zu glauben, daß die Sozial- demokratie, wenn sie sich als revolutionär kennzeichne, sich damit zu der Absicht bekenne, bei erster Gelegenheit gewaltsam Revolution zu niachen, während tatsächlich das ominöse Wort nur besagen will, daß die Sozialdemokratie eine soziale Revolution, eine gesellschaftliche Umwälzung, näm- lich die aus dem Kapitalismus in den Sozialisnius, zum Ziele hat. Daß dies der Sinn des Wortes revolutionär im Munde deutscher Sozialisten sei, hat Lassalle schon im Anschluß an sein„Arbeiterprogramm" andauernd betont und in einer Weise, die für jeden unbefangenen„Wahrheitsfreund" vollkommen schlüssig ist. An das„Arbeiterprogramm" schloffen sich für Lassalle wiederholte Gänge zum Kadi, weil es dem strebsamen Staatsanwalt v. Schelling beliebt hatte, in dem Vortrage besonders auch die Tendenz einer gewaltsamen Revolution zu entdecken. Zum Beweis berief sich der Staatsanwalt auf die Stellen des„Arbeiterprogramnis". wo von Revolution die Rede war. Freilich hätten eben diese Stellen den juristischen Scharfsinn des Herrn v. Schelling mit der Nase darauf stoßen müssen, daß Lassalle unter Revolution keineswegs bloß die Revolution im juristischen Sinne der Gewaltanwendung verstehe, sondern auch und vor allem die großen wirtschaftlichen Uni- wälzungen der letzten Jahrhunderte, die der französischen Revolution vorausgingen und ihre Voraussetzung waren. Eine Revolution machen zu wollen erklärte Lassalle ausdrücklich für eine Torheit unreifer Menschen, die von den Gesetzen der Geschichte keine Ahnung hätten. Für ebenso un- reif und ebenso kindisch erklärte er es freilich auch, eine Revolution, die sich bereits einmal in den Eingeweiden einer Gesellschaft vollzogen habe, zurückdämmen und sich ihrer recht- lichcn Anerkennung widersetzen oder einer solchen Gesellschaft oder einzelnen, die sich bei diesem Hebanimcndienst beteiligten, den Vorwurf machen zu wollen, daß sie revolutionär seien. Ist die Revolution darin in der Gesellschaft, in ihren tat- sächlichen Verhältniffen. so muß sie. da Hilst nichts, auch heraus- konimen und in die Gesetzsammlung übergehen.* Herr v. Schelling machte zu einer Hauptstütze seiner An- klage"„die niehrfach wiederkehrenden Hinweisungen auf eine dcninächst bevorstehende soziale Revolution". Als Lassalle am 16. Januar l863 wegen des„ArbeiterprogrammS" vor Gericht stand und jene Verteidigungsrede hielt, die unter den: Titel„Die Wissenschaft und die Arbeiter" gedruckt ist, da war es ihm ein leichtes, zu- nächst einmal nachzuweisen. daß er gar nicht von einer bevorstehenden, sondern von einer„bereits eingetretenen sozialen Revolution" gesprochen habe. Weiter aber machte er gar kein Hehl daraus, daß er sehr häufig das Wort revolutionär und Revolution gebrauchet Diese Worte vermöge nun der Staatsanwalt nicht zu lesen, ohne geschwungene Heugabeln vor seiner Phantasie zu sehen. Demgegenüber konstatiert nun Lassalle, daß das Wort bei ihm einen anderen wissenschaftlichen Sinn habe und definiert diesen also: „Revolution heißt Umwälzung, und eine Revolution ist somit stets dann eingetreten, wenn gleichviel ob mit oder ohne Gc- walt— auf die Mittel kommt es dabei gar nicht an— ein ganz neues Prinzip an die Stelle des bestehenden ZustandcS gesetzt wird. Reform dagegen tritt dann ein, wenn das Prinzip des bestehenden Zustandes beibehalten und nur zu milderen oder konsequenteren und gerechteren Folge- rungen entwickelt wird. Aus die Mittel kommt es wiederum dabei nicht an. Eine Reform kann sich durch Insurrektion und Blutvergießen durchsetzen und eine Revolution im größten Frieden." Als geschichtliches Beispiel für eine„in der fried- lichsten Weise sich vollziehende totale Revolution" führt Lassalle die Entwickelung der modernen Großindustrie an. Indessen die einleuchtenden Gründe Lassalles hinderten nicht, daß auch die Richter die Heugabeln blitzen sahen, wenn sie von Revo- lution hörten, und Lassalle büßte die juristische Begriffsstutzig- keit mit seiner Verurteilung zu vier Monaten Gefängnis. Jni Oktober 1863 hatte dann das Kammergericht in Sachen des ..Arbeiterprogramms" Gelegenheit, zu beweisen, daß es noch Richter in Berlin gebe. Auch hier, in seinem zweiten Revo- lutionsprozeß, predigte Lassalle tauben Ohren, als er seine Auffassung vom weiteren Sinne des Wortes Revolution aus- einandersetzte und jene berühmten Lapidarsätze über die soziale Revolution der Zukunft hinzufügte, von deren Bevorstehen er sich überzeugt erklärte:„Sie wird ent- weder eintreten in voller Gesetzlichkeit und mit allen Segnungen des Friedens, wenn man die Weisheit hat. sich zu ihrer Einführung zu entschließen beizeiten und von oben herab— oder sie wird innerhalb irgendeines Zeitraumes hereinbrechen unter allen Konvulsionen der Gewalt, mit wild wehendem Lockenhaar, erzene Sandalen an ihren Sohlen." Wenn Lassalle aber auch vor dem Kammcrgericht erzielte. daß seine Strafe aus 109 Taler Geldbuße herabgesetzt wurde, so waren doch die Juristen, auch die vom Kammergcricht, bei ihrer Heugabelvorstellung von der Revolution geblieben. Das bewies Lassalles letzter Revolutionsprozeß. Als er ani 12. März 1864, des Hochverrats beschuldigt, wieder vor dem Kammergericht erschien, mußte er sich erneut gegen die?ln- klage, den Arbeitern Berlins die Revolution im juristtschen Sinne gepredigt zu haben, durch Wiederholung seiner wissen- schaftlichen Auffassung vom Wesen der Revolution vor- tcidigen. Der Oberstaatsanwalt wollte aus Lassalles Haltung im Jahre 1848/49 den Schluß ziehen, daß er auch jetzt ein Revolutionär im damaligen Sinne des Wortes sei; aber sein Gegner fertigte ihn damit ab. daß er die Frage der Mittel für eine Frage der Praktischen Zeit- umstände, nicht der Prinzipien � erklärte:„Meine Gesinnungen und Prinzipien, meine Herren, sind dieselben geblieben. In der Tat, ich verfolge so gut wie im Jahre 1849 ein neues Gesellschajtsprinzip... Aber die Frage der Mittel hängt von der politischen Konjunktur ab, von dem, was praktisch ist unter gegebenen Umständen. In den Jahren 1848 und 1849 war man bei den damaligen praktischen Umständen zu ganz anderen Mitteln aufgelegt als jetzt. In bezug auf die Frage der Mittel, in bezug auf die Frage, ob und in wiefern Gewalt anzuwenden sei, behalte ich mir vor: m i ch jederzeit nach den jedesmaligen praktischen Umständen zu entscheiden. Es gibt nichts Schieferes, als hier eine Parallele ziehen zu wollen." Als ob all das nicht sonnenklar wäre, sah Lassalle sich nach ein paar Monaten genötigt, seine Anschauung in einer Zuschrift an die„Kreuz-Ztg." nochmals auseinanderzusetzen— mit den nämlichen Worten, die er vor dem Kammergericht gebraucht hatte: anders als mit der damaligen Alternative könne er die Frage nach den Mitteln gar nicht beantworten, weil er in ihrer Wahl nicht allein vom eigenen Willen abhänge, sondern davon, wie sich die Träger der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung verhielten— ob diese bei ihrer negativen Stellung zu dem gebieterischen, unbedingten politisch-sozialcn Bedürfnis der- harrten oder nicht. Wie zu Lassalles Zeiten, so ist die Stellung der deutschen Sozialdemokratie zur Revolutionsfrage geblieben. Bebel konnte ans dem ersten Jenaer Parteitag konstatieren, daß er. und ebenso Liebknecht, von vornherein den gleichen Stand- Punkt wie Lassalle in dieser Hinsicht vertreten habe, dahingehend, daß Revolutionen nicht gemacht werden.„Wenn Revolutionen entstehen, dann sind immer diejenigen schuld, die dem not- wendig aus der gesellschaftlichen und staatlichen Entwickelung hervortretenden Bedürfnis der großen Masse mit Gewalt ent- gegentteten und ihm nicht gerecht werden." So entspricht auch die Bebelsche Definierung der sozialdemokratischen Vorstellung vom Begriff revolutionär, da ß er sich in den Ziele», nicht in den Mitteln dokumentiere, dur chaus der Auffassung, hie Lassalle schon im„Arbeiterprogramm".und den anschließenden Kontra- Versen vertreten hat. Daraus �ättan sich die antisozialistischen Weisen seit einem halben Jahrhundert belehren können, wie ihre Gegner tatsächlich gesonnen, dotz es nicht an uns liegen wird, wenn die geschichtliche Entiokfclung wieder die Gestalt von großen Katastrophen annähme. Die ivahren Feinde einer friedlichen Entwickelung sind die reaktionären Gewaltmenschen. die da wähnen, durch mechanische Machtmittel der Geschichte ehernem Muß Trotz bieten zu köiwen. DaS Rad der Ge- schichte wälzt sich deshalb doch hin, und sich selbst hat es zuzuschreiben, wer darunter komnit, iveil er sich in den Weg zu werfen versucht hat, anstatt die Reibungen und Wider- stände möglichst zu beseitigen. Das sind Wahrheiten, die Lassalle schon vor fünfzig Jahren den herrschenden Klassen gepredigt yat. Aber für sie ist er auch sonst ein Prediger in der Wüste geblieben. Sind doch noch heute sogar Leute, die sich salomonische Weisheit zutrauen, selbst darüber zu Tode erstaunt, daß die Sozialdemokratie auf historischer Grundlage steht, und doch würde die bloße Lektüre von Laffalles „Arbeiterproaramm" darüber belehren. Aber sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und Hörem nicht. Es ist die alte Geschichte von der Verblendung herrschender Klassen, deren Uhr am Ablaufen. Sie sind unempfänglich für die Lehren der Vergangenheit, von der Lassalle im„Arbeiter- Programm" gesagt, daß sie richtig verstanden, die Bedeutung der Gegenwart aufschließe und die Umrisse der Zukunft vorauszeige. In dieseni Sinne ist Lassalle ein rückwärts gewandter Prophet gewesen und sein„Arbeiterprogramm" eine geschichtsphilosophische Leistung, auS der noch heute für den Freiheitskampf des Proletariats reicher Nutzen zu ziehen ist.__ eine{eparatlsflfcfte GegenHandldatnr. Aus Wien wird uns geschrieben: II. Wie ist nun diese Gegenkandidatur zu erklären— denn trotz aller Versallssymptome, die wir an der tschechoslawischen Sozialdemokratie wahrnchmen, ist dieser Ueberfall, wie man die separatistische Gegenkandidatur nennen muß, eine so un- sozialdemokratische Sache, daß er auch von Separatisten un- faßbar erscheint. Die Gegenkandidatur will sich damit recht- fertigen, daß sich die deutsche Partei gegen die tschechische Ar- beiterschaft nicht so verhalten habe, wie es die Pflichten einer Bruderpartei vorschreiben. Nun wollen wir gar nicht leugnen, daß es auch in Wien in dem letzten Jahre anders ge° worden ist, daß insbesondere alle Parteibcziehungen mit der tschechisckien Organisation aufgehört haben, wollen auch zu- geben, daß in und außer Jlium gesündigt worden ist. Aber durch wessen Schuld? Wer hat in Wien ein Ver- hältnis, das durch lange Jahre das beste war, in schier un- begreiflicher Leichtfertigkeit gestört und ins Gegenteil ver- zerrt? Das wird der unbefangene Geschichtsschreiber fest- stellen: die Störer waren die Separatisten: und wenn die deutschen Organisationen mit ihnen nun alle Beziehungen abgebrochen haben, so ist es ihre Schuld allein! Wie war es denn früher in Wien? Einmal hat es hier überhaupt nur Sozialdemokraten, nur Sozialdemokraten schlechtweg, ge- geben, und die Unterscheidung der sozialdemokratischen Ar- beiter nach Nationen und ihre Sonderung in nationale Par- teien ist ausschließlich das Werk der Tschechen. Dafür gibt es einen unwiderleglichen Beweis: man braucht sich nur zu erinnern, daß in Wien im Jahre 1897 von den fünf Kan- didaten der fünften Kurie der eine der Genosse Anton Nemec war. jener Nemec, der sich seither zum Erzevangeliften des Separatismus entwickelt hat. Wohl beachtet: das war nicht etwa eine Zählkandidatur, die man der tschechischen Partei zugebilligt hätte, sondern damals gab es in Wien eben nur e i n e Sozialdemokratie, und da der Genosse Nemec damals einer der tüchtigsten Agitatoren der internationalen Sozial- dcmokratie war— war er doch nicht lange vorher noch ebenso ein Deutscher wie ein Tscheche—. so wurde er in einem der aussichtsreichsten von den fünf Wahlbezirken, die Wien im Gebiete des allgemeinen Wahlrechtes hatte, mit der Kandi- datur bekleidet. Daß mit der Verbreitung unseres Wirkens und durch die immer fortschreitendere Nationalisierung des Staates die ursprüngliche Einheit der österreichischen Sozial- demokratie nicht aufrecht erhalten werden konnte, und daß die Teilung in autonome Gruppen, die sich allmählich zur Scheidung in selbständige Gruppen entwickelte, unaufhaltsam werden mußte, ist natürlich nicht zu bezweifeln: aber das rechtfertigt noch lange nicht den tfchechischen Separatismus in Wien, der schon längst vorhanden war, bevor er zur Spren- gung der Partei gedieh. Nachdem nämlich die alten und echten Internationalen, die einftmals die Wiener tschechische Bewegung geleitet hatten, entfernt worden waren, wie es z. B. dem seither verstorbenen Genossen Krapka geschah, und wie nach und nach die neue Richtung in der tschechischen Partei aufkam, die das Tschechische über das Sozialdemokratische stellt, trat die Tendenz auf, in allem und jedem, wie man es nannte,„selbständig zu werden". Anfänglich sollte die Sprache ein Werkzeug des Sozialismus sein, das Nationale sollte nur soweit gelten, als es der Sozialdemokratie dient: nun wurde das Sozialdemokratische zum Werk- zeug des Nationalen, und während die tschechische Agitation zuerst nur das Mittel sein wollte, um der Sozial- demokratie Anhänger zu werben, wurde allmählich die So- zialdemokratie zum Mittel und ist es jetzt vollständig, um dem nationalen Tschechentum in Wien exaltierte Bekenner zuzu- führen. Dazu war natürlich vor allem notwendig, daß in Wien die Einheit der Partei geleugnet, ihre Einheitlichkeit an allen Punkten beseitigt wurde. Mit der selbständigen poli- tischen tschechischen Organisation begann es, setzte sich in der Forderung nach eigenen tschechischen Ortsgruppen der Gewerk- fchaften fort und ruhte nicht eher, bis jede Gelegenheit, daß deutsche und tschechische Arbeiter zusammenkommen, grllnd- lich beseitigt war. Nicht einmal in den: proletarischen Touristenverein durften die tschechischen Arbeiter gelassen werden: auch diese Gemeinsamkeit vertrug der pathologische Drang der Tschechen nach„Selbständigkeit" nicht. Dennoch hat es die deutsche Partei gegeniiber den Tschechen an Freund- schaft nie fehlen lassen. Sie hatten Sitz und Stiinme in unserer politischen Organisation, waren in der Landespartei- Icitung vertreten, bei allen größeren Aktionen wurden sie ge- fragt, sie berieten und beschlossen mit: die Separatisten sinv nicht imstande, auch nur eine Tatsache anzuführen, die ihre Felonie rechtfertigen, ja nur entschuldigen könnte. Es ist auch nicht mehr als eine zu ihrer Abkehr von der internationalen Sozialdemokratie ersonnene Lüge, daß es die deutsche Sozial- demokratie an proletarischer Treue für die Kulturbestrebungen der tichechischen Genossen hätke mangeln lassen. Daß wir nicht alle ihre chauvinistischen Bocksprünge mitmachen konnten und nicht mitgemacht haben, ist selbswerständlich: aber daß die deutsche Partei mit ihrer Unterstützung immer zur Stelle war, wenn den Tschechen irgendein Unrecht geschah, kann nie- mand leugnen, dem es um die Wahrheit ernstlich zu wn ist. Wir haben ihnen geholfen, als ihnen das Recht bestritten ward, in ihrer Sprache in Versammlungen zu reden— der Genosse Adler hat sich dabei vier Wochen Arrest geholt—, wir haben die Unzukömmlichkeiten und Ungesetzlichkeiten, die gegen sie bei der Volkszählung, bei der Errichtung von Privat- schulen verübt werden, mit aller Energie gebrandmarkt: wir haben ihnen mit Vergirügen unsere Arbeitgrheime zu tschechi- sehen Theatervorstellungen zur Verfügung gestellt: wir haben das alles getan, obwohl wrc uns nicht im unklaren waren, daß wir den Gegnern damit billige Vorwände zu Angriffen Wider uns liefern. Ihren.Kulturansprüchen hat die deutsche Partei die werktätige Hilfe nie geweigert: mit ihrem nun immer offenkundiger auftretenden Nationalismus, mit einer Tendenz, die die hehren Gedanken des Sozialismus zur plumpen nationalistischen Propaganda mißbraucht, können wir natürlich nichts zu schaffen haben. Und daß sich die Wiener Arbeiterschaft, nicht bloß die deutsche, sondern auch große Teile der tschechischen, zur entschiedenen Abwehr ge- sammelt hat, als der frevle Versuch gemacht wurde, die Seuche des gewerkschaftlichen Separatismus auch nach Wien zu ver- schleppen, die Einheit des proletarischen Lebens in Wien in Frage zu stellen und damit die Kraft des Wiener Proletariats an ihrer Wurzel anzugreifen: das ist so selbstverständlich, daß es keiner Erklärung bedarf. Deshalb täuscht sich auch nie- mand in Wien über die wahre und eigentliche Natur dieser separatistischen Gegenkandidatur: daß sie ein nationa- l i st i s ch e r Vorstoß ist, mit dem sich die Tschechoslawen, ivenigstens in Wien, gradaus von der internationalen. Sozial- demokratie lossagen. Und wenn darüber noch der leiseste Zweifel bestehen sollte, so haben die Separatisten dafür gesorgt, daß er ver- schwinde: sie haben sich nämlich zu dem Ueberfall �egen die Sozialdemokraten mit den Tschechisch- Bürger» l i ch e n v e r b u n d e n. Es ist, obwohl es geleugnet wird— weil die Geschichte so zweideutig ist, daß auch die separa- tistischen Arbeiter stutzig werden könnten—, ein förmliches Konipromiß und dessen eingestandener Zweck, die Tschechen in Wien„zu zählen". Die Tschechen— worin nun jeder Klassengegensatz ausgelöscht ist, worin das Sozialdemokra- tische keinen Platz mehr hat, daß sich in Wien, wo die gemein- ame Abstimmung für die sozialdemokratischen Kandidaten, die Arbeiter zu zählen haben— das ficht die Separa- tisten nicht an. und an der Zählung von S o z i a l d e m o- k r a t e n haben sie Kein Interesse. Die Tschechen wollen ie zählen— das.Nationale geht ihnen über das Proletarische. Man muß nun die Struktur des Wiener Tschechentums kennen, um zu begreifen, was für Gemeinsamkeit hier vörge- piegclt wird. Was von dem Wiener Tschechentum nicht proletarisch ist, ist reaktionär, arbeiterfeindlich bis in die Knochen. Die bürgerliche Hauptschicht sind tschechische Klein- S ewerbetreibende, die christlichsozial und Scharsmacher ärgster 'rt sind: und mit ihnen sollen tschechische Arbeiter nun die Gemeinsamkeit vorstellen! Und angeführt wird das Wiener bürgerliche Tschechentum von klerikalen und feudalen Adligen — auch eine Schicht, die sich zur proletarischen Gemeinsamkcrt vortrefflich eignet. Daß ein wahrhaftiges Kompromiß vor- liegt, geht daraus hervor, daß der separatistische Kandidat, der die tschechischen Stimmen in allen Bezirken sammeln soll — es ist der Abgeordnete Tomaschek. der einstmals ein wackerer proletarischer Kämpfer war, nun aber in der natio- nalistischen Flut ganz versunken ist—, in allen Arbeiterbezirken auch der gemeinsame Kandidat der Bourgeoisie ist, weshalb sich auch das Wiener Separatistenblatt jedes wie immer gearteten Angriffes gegen das tschechisch-bürgerliche Lager längst und peinlich enthält. So ist die separatistische Gegenkandidatur ein Gleichnis der traurigen Entwickelung geworden, die die tschechoslawische Partei zum schmerzlichen Bedauern der gesamten Weltinter- nationale genommen hat. Den Zusammenhang mit den Ar- beitsbrüdern der anderen Nationen verlieren sie und geben ihn auf. und den Zusammenhang mit der bürgerlichen Welt ihrer Nation suchen sie und haben sie gefunden! Daß sich, was innerlich schon längst der Fall, nun auch äußerlich voll- zieht, daß sie. nachdem sie die Internationale in Oesterreich ruiniert haben, nun zum offenen Kampf gegen die Bruder- partei ausholen, wird wohl die Erkenntnis über die tschecho- lawische Sozialdemokratie allerorten reifen lassen. Und viel- leicht ruft die Größe ihres Verfalls die Antriebe zur Umkehr hervor._ Der AaWampf In Serbien. Man schreibt uns aus Belgrad: Am Sonntag, den 14. April, sinden in Serbien die allgemeinen Wahlen statt, bei denen alle 166 Parlamentsmitglieder gewählt werden sollen. Diese Wahl ist da? wichtigste politische Ereignis im Staatsleben, da das Parlament(Skupschtina), beim Fehlen einer Ersten Kammer und auf Grund des parlamentarischen Re- gierungssystemS, der ausschlaggebende Faktor für die ganze Staats- Politik ist. Die sozialdemokratische Partei Serbiens nimmt auch an dem Wahlkampf teil. Seit ungefähr zehn Jahren ihres Bestehens tellte die Partei nur in einigen städtischen Wahlkreisen ihre Kandidaten auf. Die Zahl ihrer Stimmen wuchs ständig, im Parlament wurde aber die Partei nur durch einen Abgeordneten vertreten, der in Kragujewaz. wo sich eine große staatliche Waffen- fabrik befindet, gewählt wurde. Jetzt zun, erstenmal beteiligt sich die Partei auch in sechs ländlichen Wahlbezirken(es sind deren 21). Seit zwei Jahren, nachdem die städtischen Partei- und Gewerk- schaftsorganisationen befestigt wurden, dehnte sich die Parteiaktion auch über das Land aus. Bei den proletarisierten Volksmassen fand man einen sehr günstigen Empfang. Uobcrall wurden Bildungsvereine oder politische Organisationen gegründet, durch die die sozialistische Presse und Literatur erfolgreich verbreitet wurde. Erst nachdem diese Organisationsarbeit einen festen Boden gefunden hatte, konnte man mit der Sicherheit an die Aufstellung sozialistischer Kandidaten auch in den ländlichen Wahlkreisen gehen. Allen früher hie und da aufgetauchten wilden Kandidaturen ist von der Partei energisch entgegengetreten. Die sechs Wahlkreise, in welchen unsere Partei mitbeteiligt ist, sind solche, in denen die Industrialisierung schon ziemlich weit vorgeschritten ist und wo die Gefahr vorhanden ist, daß bei dem Fehlen der sozialdcmokrati- schen Kandidaten die Arbcitermassen in das Schlepptau der bürgcr- lichen Parteien geraten. In den ländlichen Wahlkreisen besteht eine Listenwahl: 6 bis 12 Abgeordnete werden nach dem Proporz- Verhältnis gewählt. Die Zahl ist von der Menge der Wahl- berechtigten in dem betreffenden Bezirk abhängig. In den Städten ,. aber. aüZgectsmmen BekgraS, So vier, KajAuseSnz und Mfch. wo je z.wei Abgeordnete listenmäßig gewählt werden, besteht die Einzel- wähl- Ein erbärmliches, heilloses Bild läßt sich in dem Wahlkampfe betrachten. Nie bis jetzt ging es in den bürgerlichen versamm- lungen so stürmisch zu, nie wurden die angesehensten Politiker von der Äerve ausgeschrien und von der Tribüne weggetrieben, nie befanden sich die bürgerlichen Parteien in einem solchen Zer« setzungsprozeß, wie es diesmal der Fall ist. Und da gibt es keinen Unterschied zwischen regierenden und oppositionellen Parteien. In Serbien nämlich bestehen vier verschiedene bürgerliche Parteien: eine konservative und eine nationallistisch«, von Hause aus bis Vertreter des Dr'rfwuchers, die Ueberbleibsel des ehemaligen persönlichen Regiments, die sich, um die Existenz aufzubewahren» jetzt im ganzen Lant'e koaliert haben; dann noch eine alt- und eine jungradikale Partei, �wei Teile ein und derselben Partei, die groß geworden ist in dem Kampfe g-gen die Willlürherrschaft der Bureaukratie und für die parlamentarische Herrschaft, die sich aber spaltete, als sie den Sieg«robert hatte. Obgleich sich die Jungen die Demokraten nennen, haben sie sich seit drei Jahren mit den Alten koaliert, mit diesen die gemeinsame Politik getrieben, so daß es sehr schwer wäre, einen programmatischen Unterschied zwischen diesen beiden radikalen Parteien herauszufinden. Zwar ist der Kampf zwischen ihnen jetzt sehr erregt, aber nur deshalb, weil die Alten unmittelbar vor der Wahl die Jungen aus der Regierung ausgestoßen haben, um die eigenen Wahlaussichten zu verbessern. Die allgemeine Erregung der Volksmassen über die ganz« bürgerliche Politik findet ihre Erklärung in den veränderten Wirt- schaftlichen Existenzbedingungen dieser Massen. Seitdem in Mitteleuropa die Schutzzöllnxrei und das Agrariertum die Ober- Hand gewonnen hat, hat sich in den balkanischen Agrarstaaten als Abwehrmaßregel die Tendenz„der ökonomischen Emanzipation" durch die Entwickelung der eigenen Industrie herausgebildet. Man schuf die neuen Zolltarife mit wahnsinnig hohen, prohibitiven Zoll» sätzen, man gab den Kapitalisten lukrative Konzessionen, man schenkte ihnen die Staats- und Gemeindegüter, ließ ihnen die Steuern nach, verbilligte die Verkehrstarife, gewährte ihnen bei den Lieferungen für die öffentlichen Körperschaften hohe Profite, stellte ihnen sogar das Geld aus der Staatskasse zur Verfügung, unterdrückte auf ihren Wunsch die Arbeiterbewegung— kurz und gut, in den letzten Jahren sind die Balkanstaaten nichts anderes als Anstalten für die künstliche Züchtung von Kapitalisten. Tie Furcht vor dem Kapitalmangel war schnell überwunden. Denn sobald die wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen für die Ge» winnung großer Profite geschaffen waren, floß das europäische Kapital stromweise nach dem Balkan. In der kurzen Zeit ent- standen in Belgrad neben den einheimischen große ausländische und internationale Geldinstitute, das Land wurde mit Geld über» schwemmt; in allen Ecken und Enden fing man mit dem Bau der Eisenbahnen an; eine Menge von neuen Kohlen-, 5bupfer- und Bleigruben wurden eröffnet; die kapitalistische Axt verwüstet die Urwälder; kurz, die großen kapitalistischen Unternehmungen blühten überall auf. In diesem sehr rasch vor sich gehenden Prozeß der wirtschaftlichen Umwälzung befindet sich die ganze Balkan» Halbinsel. Was waren die Folgen davon? Die Zerstörung der alten Idylle des Agrarstaates. Gemeinsam mit dem Eindringen de» Kapitalismus wurde der bürgerliche Nationalismus wach. Ma» fühlt sich in den jetzigen Staatsgrenzen zu eng; rnan sieht, daß eine volle wirtschaftliche Entwickelung nur durch Verschiebung der Staatsgrenzen möglich ist; man schreit nach dem Ausgang„an das freie Meer" als nach einer Lebensfrage. Das zu erreichen, spannt man die ganze Kraft an, um den Militarismus groß zu machen. Gemeinsam mit der Bourgeoisie regen sich auch die Wirtschaft» lich Minierten und durch den schweren Druck der indirekten Steuern überbelasteten Massen des Proletariats. Da aber diese ganze Entwickelung zu rasch vor sich geht, so daß sie nicht von der Umwälzung in dem Bewußtseinsleben der Bevölkerung bgeleitet werden kann, so sehen die Massen das Uebel nur in der Schlechtig» keit der Führer; durch ihr wütendes und zorniges Auftreten in den Versammlungen geben sie ihren Unwillen kund. Es ist in diesen Tagen die historische Aufgabe der Sozial» demokratie, die dunkle Unzufriedenheit der proletarisierten Massen in die klare politische Stellungnahme zu verwandeln, sie von den bürgerlichen Parteien abzutrennen, ihren Kampf gegen den heran» wachsenden Kapitalismus zu organisieven, die bestehenden Klassen» gegensätze durch den Klassenkampf zum Ausdruck zu bringen. An diese wichtige Arbeit ist unsere Partei mit boller Kraft und mit klarem Zielbewußtsein herangetreten. Es ist erwähnens- wert daß die heutige Wahlagitation genau nach deutschem Muster eingerichtet ist. Roch immer wirkt der glänzende Sieg der deutschen Sozialdemokratie und mit ihm die Ueberzeugung. daß nicht zum mindesten dieser Sieg der strammen Organisation der Partei zu verdanken ist. Wir haben an diesem glorreichen Exeuipel gelernt und wir geben uns die Mühe, wenigstens im sozialistischen Eifer unseren deutschen Genossen nachzuahmen. Eine solche Agitation, wie sie jetzt von unserer Partei getrieben wird, hat die Welt in Serbien noch nicht gesehen. Ueber eine halbe Million Flug- und andere Druckschriften sind unter den Massen verbreitet; die Agitatoren reisen von Dorf zu Dorf, von Haus zw Haus; die Versammlungen werden überall abgehalten und der ungeahnte Zustrom der Massen setzt die Bürgerlichen in Entsetzen. Ein richtiger Orientale bleibt starr vor dem unglaub» lichen Schauspiel: die versklavten Frauen in den Dörfern nehmen massenhaft an den sozialistischen Versammlungen teil, verlange» von ihren Schulkindern, ihnen die Zeitungen und die AgitationS» broschüren vorzulesen und fordern auch für sich— das Wahlrecht! Leider wird sich diese politisthe Umwälzung in dem Wahl« auSfall nicht so deutlich zeigen können, wie sie sich schon jetzt in der Zunahme der Organisationen und der Verbreitung der Presse zeigt. Denn— Serbien hat kein allgemeines Wahlrecht. Wahl» berechtigt ist nur derjenige Bürger, der in der Wahlgemeinde drei Jahre wohnt, da eingebürgert ist und mindestens einen Betrag von 15 Frank an direkten Steuern zahlt. Durch diese Bestimmungen sind die Arbeiter größtenteils politisch entrechtet. Und eben des« halb wirkt die sozialistische Hauptforderung in diesem Wahlkampf: das allgemeine Wahlrecht für alle Männer und Frauen, so außerordentlich stark auf die Massen und sondert sie von den bürgerlichen Parteien ab, die vom allgemeinen Wahlrecht nichts wissen wollen. Neben dem Wahlrecht stellt die Partei in den Vordergrund des Interesses: die Schaffung und Sicherstellung der Arbeiterfchutzgesetzbung. die Ab» schaffung des Militarismus und den Zusammenschluß aller Balkanstaaten in eine föderative Republik. Da wir aber jetzt zum erstenmal vor die großen Massen treten, so wird in jeder Versammlung planmäßig das Endziel der Sozialdemo- kratic, die Vergcsellschaftlichung aller Produktionsmittel, ausführlich besprochen. Weit davon entfernt, durch diese Betonung des End- ziveckes unsere Agitation zu schwächen, erreichen wir gerade durch sie am besten unsere Aufgabe in diesem Wahllampfe: die prolc- taiischen Massen dem Einfluß der Bourgeoisie zu entreißen. Denn nichts ist so gut geeignet« ein« unüberbrückbare Scheidegrenze gMschen Sozialdemokratie und den bürgerlichen Parteien zu ziehen und die politische Gleichartigkeit der Bürgerlichen zu demonstrieren, als die allgemeine sozialistische Stellungnahme, das Endziel. Bei den proletarisierten Mafien findet eS das Verständnis und die Begeisterung, und sind sie dafür gewonnen, so sind sie für den Klassenkampf gewonnen, so gehen sie der bürgerlichen Welt eichgültig verloren. Eine Vermehrung der proletarischen Klassen- kämpser wird sicher die jetzige Wahlbewegung mit sich bringen. politilcbe Qeberficbt. Berlin, den 11. April 1912. Zur Krise in der nationalliberalen Partei. Die Tagesordnung für den Bertretertag der Nationalliberalen, der am 12. Mai, vormittags 10 Uhr, in Berlin in den Kammer- sälen, Teltower Straße, stattfindet, lautet: 1. Eröffnung durch den Zentralvorstand, Wahl de? Bureaus, 2. BegriitzungSaiisprache, 8. Aenderung der Parteisatzungen. Dem Bertretertage geht am 11. Mai eine Sitzung des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei voraus. Die Verhandlungen sind öffentlich, die Presse aller Parteien hat gegen Ausweiskarten Zutritt, die vom Zentralbureau ausgegeben werde». Die Frist bis zum 12. Mai wird von dem linken wie dem rechten Flügel der nationalliberalen Partei mit Eifer dazu benutzt, ihre Mannen zum Kampf zu sammeln, so daß sich voraussichtlich auf dem Parteitag die Jungen und die Alten wie zwei feindliche Heere gegenüberstehen werden. Der„Mannheimer Generalanzeiger", das Leiborgan BassermannS, fordert bereits die Friedberger und Fuhr- männer auf, gefälligst aus der Partei auszutreten. Das Blatt schreibt: „Der Vertretertag erwartet, daß alle diejenigen Einzel- Mitglieder, Organisationen und publizistischen Organe der Partei. die mit ihren politischen Anschauungen die genaueste und sinn- gemäßeste Vertretung dieser volkstümlichen, daher entschieden Uberal und großzügig sozial gerichteten, nationalliberalen Politik nicht vereinbaren können, eS als eine Pflicht der politischen Reinlichkeit und Gewissenhaftigkeit betrachten, sich und ihre anders gerichteten Bestrebungen nicht mehr, in einer irreführenden, unberechtigten und die Geschlossenheit der Partei fortdauernd gefährdenden Weise alS nationalliberal zu bezeichnen." Dem rechtSnationallrberalen, nach den Konservativen hinüber- schielenden Flügel paßt natürlich diese Aufforderung nicht. Er erklärt diese Zumutung offen für eine Unverschämtheit der Baffermänner. So schreiben die„Hamburger Nachrichten": „Das ist doch eine ganz unerhörte Zumutung, die hoffentlich gebührende Zurückweisung findet. Kein einsichtiger Patriot kann sich darüber täuschen, daß. wenn die nationalliberale Partei den Mannheimer Ratschlägen folgen wollte, sie sich auf eine schiefe Ebene begäbe, auf der sie keinen Halt mehr fände und lehr bald soweit herab- glitte, daß sie nicht nur das Lob de«„Genossen" Scheidemann ebenfalls ernten, sondern wahrscheinlich auch sehr bald Zustimmung zu dessen Pariser Aenßerungen bekunden würde, in denen er be- kanntlich den Wahlsieg der sozialistischen Partei als Bankrott des deutschen Nationalgefühls bezeichnete und hinzufügte,«ine Re- gierung, die sich derartigen Kräften gegenübersehe, könne sich auf keinen Krieg einlassen: die regierenden Klassen sollten sich in acht nehmen: wenn sie alles auf die letzte Karte eines europäischen Kriege» setzten, würden sie die allgemeine Revolution herausbeschwören." �„Wir erwarten, daß die DemaSkierung des„Mannheimer Generalanzeigers" diejenigen Folgen nach sich ziehen wird, die ,»m Interesse deS nationalliberalen Partei zu wünschen sind." Prozeutpatriotismus. Den auf neue Kolonialerwerbungen erpichten imperialistischen Panzerplatten- und Kanonenpatrioten genügen die von der Regierung geplanten Heeresverstärkungen noch nicht: sie fordern im Interesse deS„teuren Vaterlandes" bezw. ihres Profits weitere Rüstungen. Allen voran marschiert natürlich in dieser Hinsicht die„Rheinisch- Westfälische Zeitung", das Organ der Zechen- und Eisenwerksbesitzer, daS seinen Forderungen folgende niedliche Begründung anhängt: Tirpitz oder Bethmann l Diese Frage aus der März-Krisen- woche scheint noch ungelöst zu sein. Und doch kann eS kein Schwanken geben. Wir können wohl zu wenig, aber niemals zu viel rüsten. In dem unausbleiblichen Zukunftskrieg können wir siegen oder untergehen. Siegen wir. so werden wir darüber nicht klagen, daß wir etwa drei Schiffe zuviel oder zwei überflüssige Armeekorps haben. Unterliegen wir aber den besser gerüsteten Feinden, so fällt die volle geschichtliche Schuld auf jene, die die deutsche Rüstung um drei Schiff« und zwei Armeekorps verkürzten. Di« Jahre 1866 und 1876 im Vergleich unserer Bewehrung und jener der Oesterreicher und Franzosen ergeben unwiderlegbare Tatsachen. Aus ihnen kann auch Herr Bethmann Hollweg lernen, denn au« ihnen spricht der Geist Bismarcks, der Preußen groß und Deutschland einig machen konnte, weil er dem Fachmann. dem Kriegsminister, dazu verHolsen hatte, die Wehrkraft auf de» höchstmöglichen Stand zu bringen. Zwei Armeekorps und eintge Schiffe mehr spielen für die Kohlen« und Eisenmagnaten keine Rolle— vorausgesetzt, daß die breite dumme Masse die sich alljährlich auf Hunderte von Millionen Mark belaufenden Kosten zahlt._ Was steckt dahinter? Was hinter der angeblichen Aufhebung der Liebesgabe steckt, darüber läßt sich cm Fachmann in der„Kölnischen Volkszeitung" wie folgt aus: .... Die Beseitigung deS Kontingents unter gleichzeitiger Beibehaltung des im Gesetze von lSLS eingeführten Durchschnitts- brandeS und des BergällungSzwangeS überliefert alle Sprit konsumierenden Kreise noch mehr wie bis- her der Willkür der Spirituszentral«. Die Spiritus- zentrale selbst konnte ihre Macht- und Monopolstellung nur da- durch erreichen und erringen, daß in dem neuen Branntweinsteuer- gesetze der Durchichniitsbrond und vor allen Dingen der Ver- gällungSzwang eingeführt wurde.... Die Spiritus zentrale wird von der Reickisregierung begünstigt, weil sie als Vorstufe zum Staatsmonopole dienen soll. Alle an der Spiritus- zentrale beteiligten Kreise habe» Interesse daran, jetzt möglichst hohe Dividenden herauSzuwirt- schaften, um beider geplanten Einführung des SiaatSmonopoleS... auf Kosten der Steuer- zahler ungezählte Millionen Abfindungen zn erkalten." Die Dividenden der Spritwerke bewegen sich jetzt zwischen 12 bis 26 Proz. Eine Abfindung nach solchen Sätzen würde der gemeinen, adligen und fürstlichen Schnapsbrenner natio- nale Gefühle um mindestens 1000 Proz. steigern und das gewöhnliche Pack müßte berappen. Priesterskandale. Die„Rheinische Zeitung" berichtet über das plötzliche Ver- schwinden eines katbolsschen PfmrerS aus dem Kreise Rh ein back- Der Geistliche soll wegen sittlicher Verfehlungen, bei denen junge Pensionäre, 18— 15 jährige Knaben, und das Dienst» mädchen deS Pfarrer» eine Rolle spielen, von seiner kirchlichen Be- Hörde in ein Kloster außerhalb der Grenze interniert worden sein. Schon in einer früheren Stellung soll sich der Pfarrer Mich« Verfehlungen schuldig gemacht haben. Trotzdem wurde er nicht nur zum Seelsorger bestellt, sondern auch von der Re« gierung zum Lokalschulinspektor ernannt— von der nämlichen Regierung, die jeden Sozialdemokraten grundsätzlich als sittlich unfähig erachtet, in der Schulverwaltung zu sitzen. Und die Kirche, der die Vergangenheit des Geistlichen bekannt war, hat die Anstellung als Schulinspektor ruhig geduldet. Die Regierung hat mindestens fahrlässig gehandelt bei der Prüfung der Qualifikation des Mannes. Die Fälle, daß die Kirche Geistliche der strafenden„weltlichen" Justiz entzieht, häufen sich, ebenso die Fälle, wo Geistliche, die Sittlichkeilsvergehen begangen haben, nachher wieder in Aemter ge- setzt werden, wo sie auf Grund der gerade in der katholischen Kirche so ungeheuerlich großen Macht eine ständige Gefahr für die ihnen anvertrauten„Schafe" bilden. Die Kirche beansprucht für ihre Geist« lichen ein Ausnahmerecht und verdainmt den. der eS wagt, einen Priester vor Gericht zu ziehen. Der Vatikan hat erst vor wenigen Monaten durck sein Motuproprio den Bannfluch erneuert, der denjenigen trifft, der einen Priester anklagt. DaS in Donau- Wörth erscheinende, bischöflich approbierte fromme Blättchen schrieb dazu: „Fluch jenen Lippen, die eine heimliche Sünde deS Pfarrers ans Licht ziehen oder sogar ein etwaiges großes AergerniS des Seelsorgers anderen mit- teilen."(„Schutzengelbriefe" Nr, 68.) Es sei auch daran erinnert, wie die Kirchcnbehörde im Falle M ü n st e r e r und im Falle Scheuer dem Staatsanwalt eine N-sse gedreht hat, und wie in der Affäre Palme rt sich heraus- stellte, daß der Geistliche bereits früher SittlichkeitSver- brechen verübt hatte, aber dennoch wieder auf eine Gemeinde losgelassen worden war. In der Erzdiözese Köln, wo der ein- gangS erwähnte Fall spielt, sind ähnliche Fälle gleichfalls früher vor- gekommen: Tin Geistlicher hatte sich in einem Knabenkonvikt sittliche Versehlungen zuschulden kommen lassen. Nachdem er einige Zeit im Auslände war, wurde er in eine Vikarstelle an der rheinisch- holländischen Grenze gesetzt. Ebenso hatte der Pfarrer Ritzen- hoff, der von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgt wurde, schon vor der neuen Tat Sittlichkeitsverbrechen begangen, die die kirchliche Behörde aber nicht abgehalten hatten, ihn wieder in eine Pfarrerstelle zu setzen._ Vom Spielteufel. Im lieben deutschen Vaterlande werden dem Spielteufel durch die staatlichen und die behördlich sanktionierten Lotterien weit- gehend« Konzessionen gemacht. Sie genügen aber offenbar der Spielleidenschast noch nicht, und so müssen denn die auölänidischen Spielhöllen zu Hilfe genommen werden. Einer, den vermutlich die Erinnerung an Mwaro oder Monte Carlo noch schwer drückt, �ent- rüstet sich nun über die Summen, die die deutschen Spieler in den ausländischen öffentlichen Spielbanken lassen. Er rechnet aus, daß die Deutschen an der französischen R Wiera jährlich 12 Millionen, in Monte Carlo 30— 36 Millionen, an der italienischen Riviera, besonders in San Remo, 12 Millionen, in den Spiel- danken an den italienischen Seen Jahr für Jahr etwa fünf Mil- lionen lassen. Im ganzen verlieren nach den Ausführungen dieses Kenners der Verhältnisse die Deutschen jählich 64 Millionen in ausländischen Spielbanken! Der Verfasser der Zuschrift im„Lokal-Anzeiger" fragt:«Ist diese freiwillige Steuer, zudem in fremde Taschen, wirklich not- wendig!". Sollen hier unsere Reichssteuerkünstler ein neues Feld ihrer Tätigkeit ausfindig mache,:? Möglich ist schon, daß die All- deutschen die Idee aufgreifen, die bekanntlich allem Fremdländischen gegenüber feindlich gesinnt sind und vor wenigen Tagen sogar den kindlichen Vorschlag durch die alldeutsche Presse gehen ließen, die Firmenschilder mit fremdsprachigen Bezeichnungen zu besteuern. Die Herren aber mit dem vollen Portemonnaie weCben sich trotz alledem nicht abschrecken lassen, das Geld, das im Vaterlande erst durch den Schweiß deutscher Avbeiter zusammengebracht wurde, dorthin zu bringen, wo ihnen ihr Vergnügen winkt. Ein schwarzer Schwindel. Anfangs Januar verbreitete die ZentrumSkorrespondenz eine kurze Nachricht, nach der der Zentrumskandidat für den Reichs- tagswahlkreis Weiden, Dr. Pfleger, beinahe daS Opfer eines Unfalles geworden wäre Es seien auf der Straße zwischen Leuchtenberg und Weinberg(Oberpfalz), die das Auto des Dr Pfleger passieren mußte, 86 bis 76 Zentimeter hohe Steine und ein mit Nägeln beschlagenes Stirnblatt gelegt gewesen. Außerdem seien große Löcher in die Straße gegraben gewesen, die mit Schnee überdeckt waren; nur der Vorsicht des Chauffeurs sei es zu danken, daß kein Unglück passierte. Diese Nachricht hatte auch die „Fränkische Tagespost" übernommen und von einem gemeinen und niederträchtigen Anschlag auf einen Reichstagskandidaten gesprochen und bedauert, daß man den Täter nicht feststellen konnte. Nun hatte die Z e n t r u m s p r e s s e die Unverfrorenheit, den Vorfall politisch auszuschlachten und die Tat kurzer- Hand den Sozialdemokraten zuzuschreiben, ohne auch nur den Schein eines Beweises dafür zu haben. Der schwarze„Ober- Pfälzer Kurier" brachte einen Artikel mit der Ucberschrift:„So- zialde molratische K a m p s e S w e i s e", in der die Ge- schichte von den großen Steinen, es war sogar von„Granitblöcken" oie Rede, sowie von dem Stirnblatt(Zugjoch) und natürlich auch von den in die Straße gegrabenen Löchern aufgetischt war. Es war sogar von einem„Mord an schlag" die Rede, der den Sozialdemokraten in die Schuhe geschoben wurde. Es hatte näm- lich am Tage des Vorfalls in Leuchtenberg eine ZentrumSversamm- lung stattgefunden, in der Dr. Pfleger referierte, und es sollte dort von Sozialdemokraten gelärmt, gepfiffen und die Per- sammlung roh gestört worden sein. Die schwarze„Amberger Volkszeitung" und andere Zentrumsblätter druckten den Berleum- dungsartikel nach. Einige Tage darauf brachte die.Fränkische T a g e s p o st" einen A b w e h r a r t i k e l, in dem sie feststellte. daß w e d e r L ö ch e r in die Straße gehauen noch ein Stirn- blatt hingelegt war und daß nicht„Granitblöcke", sondern S ch o t t e r st e i n e auf der Straße lagen und daß es gänzlich un- wahr sei, wenn die Zentrumspresse behaupte. eS hätten neben der Straße am Waldrand die Täter(„Genossen" hieß eS in der Zentrumspresse) gestanden und„höhnisch gelacht". Insbesondere wies es die„Fränkische Tagespost" energisch zurück, daß die Sozialdemokratie etwas damit zu tun habe. Im Schluß- satz hieß eS,„da sich somit die ganze Nachricht als nichts anderes als eine elende und niederträchtige Verleumdung der Gemeinde Leuchtenberg herausstellte, so beabsichtigt diese, sich in einer öffentlichen Erklärung gegen die ihr von dem Zentrums- kandidatcn und seinen Helfershelfern angetane Schmach und Herab- setzung zu wenden". In diesen, Satz erblickte der jetzige Abgeordnete Dr. Pfleger eine Beleidigung seiner Person; er strengte deshalb gegen den per- antwortlichen Redakteur der„Fränkischen Tagespost", Genossen Schneider, Beleidigungsklage an. In der Verhandlung vor dem Nürnberger Schöffengericht behauptete Dr. Pfleger, er sei nicht der Veranlasser des fraglichen Artikels in der Zentrumspresse. Er habe„ach dem Vorfall weder von„Granitblöcken" noch von einem „Stirnblatt" gesprochen, sondern lediglich erzählt, daß Steine auf die Straße gelegt waren; den Presseäußerungen, die„ach dem Vor- fall folgten, stehe er fern. Die Steine, die aus der Straße lagen, schätzte er auf 35 Zentimeter. Durch eine umfangreiche Zeugenauf- „ahme wurde festgestellt, daß keine Löcher und kein Stirn- blatt auf der Straße lagen. Wohl alle Zeugen waren Z e n- t r u», s l e u t e, einer dieser Zeugen ging kurz vor dem Auto des Dr. Pfleger über die«steine, ohiieetwasbesondereswahr- zunehmen:«r glaubte, die Steine seien von SKulkindern hingelegt geivese». Ohne daß an der Straße eKSaS aufgeramml wurde, passierte die Stelle ein P o st w a g e a! Von anderen Zeugen wurde bekundet, daß die Steine Faust gräße gehabt hätten. Der Gerichtsvorsitzende warf dazwischen, daß die> Steine doch von halb- wüchsigen Burschen oder Trunkenbolden hingelegt sein könnten. Niemand hat an der Straße Leute stehen sehen; auch von dem„höhnischen Lachen" wußte keiner der Zeugen etwas! Dr. Pfleger, der angab, daß erstark kurzsichtig sei, hatte von einem„großen Lärm" in jener Versammlung gesprochen, er hätte „so ctivas„och nie gesehen". Mehrere VersammlungSbesuchee (Zentrumsleute) gaben an, daß es ruhig war und daß sie von einem besonderen Lärm«ichtS hörten. Einige wußten nur, daß es in einer Ecke etwas laut herging, es wurde„geschnattert", „die ganze Versammlung", so sagte ein Zeuge, was s ch w a r z". Genosse Schneider wurde zu 160 M. Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde gesagt, Dr. Pfleger habe nicht hinter der falschen Berichterstattung der Zentrums« zeitungen gestanden. Wären die scharfen Ausdrücke der „Fränkischen Tagespost" nicht gegen Dr. Pfleger, sondern gegen die Z e n t r u in s p r e s se gerichtet gewesen, so hätte ein« Strafe nicht erfolgen dürfen. Es ist also jetzt gerichtlich festgestellt, daß die Zentrumspresse erbärmlich log und eine B a g a» t c l l e, die, loie der GcrichtSvorsitzende sagte, von halbwüchsigen Burschen oder Trunkenen verursacht sein konnte, fürchterlich auf« bauschte, um. ohne jeden Beweis, die Sozialdeurokratis verdächtigen zu können. Snglancl. Die Home-Rule-Bill im Unterhaus. London, 11. April. Unterhaus. Premierminister A s q u i t h brachte heute die irische Home-Rule-Bill ein. Das Haus war dicht besetzt, aber doch nicht so stark, wie bei der früheren Eindringung der Borlage in den Jahren 1866 und 1893. Redmond, der Führer der irischen Nationalisten. Carson, der Führer der irischen Unionisten, Bonar Law, Führer der Kon« servativen, und Premierminister Asquith wurden bei ihrem Ein« tritt in das HauS von ihren Anhängern laut begrüßt. Bei de« Einbringung der Bill, welche„Bill der Regierung von Irland" (government of Ireland bill) genannt wird, erklärte Asquith, er möchte das Haus ersuchen, zu erwägen, wie sich die Lage fiir oder gegen die Home-Rule-Bill durch die Ereignisse seit 1893 ge» staltet habe. Das Verlangen der Iren nach Home-Rule habe alle politischen Veränderungen seit 1893 unverändert überdauert. Asquith betonte dann den gewichtigen Charakter der für Home-Rule eintretenden irischen Stimmen und beschäftigte sich mit den Ein« Wendungen der Unionisten von Ulster gegen die vorgeschlagene Aenderung. Er bätte niemals die Kraft und Entschiedenheit ihres Widerstandes gegen Home-Rule unterschätzt, und die Regierung habe . sie bei der Abfassung der Bill wohl gekannt. Aber die Regierung könne einer relativ geringen Majorität, namentlich wenn für die Wahrung ihrer desonderen Interessen gesorgt worden sei. der un« geheuren Majorität ihrer irischen Landsleute gegenüber kein Veto« recht einräumen. Asquith fuhr fort: Home-Rule für Irland ist der erste Schritt zu einer umfassenderen Politik der Befreiung des RcichSparlamentS von der Notwendigkeit, sich mit rein örtlichen Angelegenheiten der verschiedenen Teile des Vereinigten König« reichs zu befassen, und zur Uebertragung dieser Angelegenheiten auf deren Sondervertreter. Das irische Parlament wird aus einem Senat und einem Hause der Gemeinen bestehen, doch wird die höchste Autorität des Reichsparlaments unbeeinträchtigt bleiben. ASquit fuhr fort: DaS HauS der Gemeinen wird auS 134 Mit« gliedern bestehen, von denen 69 Ulster vertreten werden. Es ist sehr erwünscht, daß auch Vertreter der Minorität in Irland m den Senat kommen, der aus 40 Mitgliedern bestehen wird. Mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse Irlands wird der Senat zum erstenmal von der Rcichsregierung für ein« bestimmte Zahl von Jahren ernannt werden, doch werden diese Mitglieder in einem geivissen Turnus ausscheiden und ihre Plätze durch von der irischen Exekutive ernannte Mitglieder ausgefüllt werden. Da» irische Unterhaus wird nur die Befugnis zur Gesetzgebung über Fragen, die ausschließlich Irland betreffen, besitzen. Für den Schutz der religiösen Gleichberechtigung werden besondere Be- stimmungen getroffen. Der Lordleutnant von Irland, der an der Spitze der irischen Exekutive stehen wird, wird die Vollmacht haben, gegen jedes Gesetz auf Anweisung der Reichsregierung sein Veto einzulegen oder dessen Geltung aufzuschieben. Bei MeinungS- Verschiedenheiten zwischen Senat und Gemeinen werden die beiden Häuser eine gemeinsame Sitzung abhalten, gemeinschaftlich be« raten und abstimmen. Asquith fuhr lveiter fort: Irland wird nur 42 Vertreter im Westminster-Palace haben. Das irische Parlament wird die Machtbefugnis besitzen, innerhalb gewisser Grenzen die Reichssteuern herabzusetzen oder aufzuheben und die Verbrauchsabgaben zu ändern. Asquith kam dann auf die finanzielle Frage zu sprechen und sagte, augenblicklich bestehe in der irischen Ver» waltung ein Defizit von 1)4 Millionen Pfund Sterling. Bei der Bill sei der Zeitpunkt zugrunde gelegt, wo eS kein Defizit mehr geben lvürde. Inzwischen würden aber alle Steuern weiter an den Reichsschatz gezahlt werden und eine Summe in Höhe der irischen Berwaltungskosden werde vom Reichsschatz an den irischen Schatz gezahlt. Ferner werde im ersten Jahre an Irland eine Summe von 666 606 Pfund Sterling überwiesen werden, die sich jährlich um 66 666 Pfund verringern werde, bis der Betrag von 260 666 Pfund Sterling erreicht sei. Irland werde die Zinsen aller Ersparnisse in seiner Verwaltung erhalten. Asquith schloß, indem er die Unterstellung entschieden zurück« wies, daß die Regierung die Bill unter dem Druck der Nationalisten eingebracht habe und daß sie den Ueberzeugungen der Nationalisten ihre persönliche und ihre politische Ehre ausgeliefert hätte. Die Regierung habe diese Bill eingebracht als die Verkörperung ihrer ehrlichen und überlegten Meinung.(Lebhafter Beifall bei den Ministeriellen.) Asquith sprach zwei Stunden. Hierauf erklärte Carson im Namen der Opposttion die Bill für lächerlich und phantastisch und bezeichnete die in d« Bill ge, gebenen Bürgschaften als Täuschungen. Marofeho. Der Widerstand gegen das Protektorat wachst. Udschda, 16. April. Eine Schar von etwa 2660 Angehörigen des Stammes Beni Narain(im Muluja-Gebiete) machte gestern bei Tagesanbruch bei Mahiridja am Flusse Hammam, etwa 11 Kilometer von Debdu entfernt, einen äußerst heftigen Angriff auf eine RekognoszierungSabteilung unter dem Oberbefehl des Oberstleutnants Feraud. Feraud ging energisch zur Offftifibc über, zerstreute die Harka und verfolgte sie etiva 16 Kilometer weit. Die Harka ließ zahlreiche Tote auf dem Kampfplatz. Die Franzosen sollen cttva 26 Tote gehabt haben, darunter einen Offizier und vier Unteroffiziere, und 63 Verwundet� darunter drei Offiziere und einen Unter« vff'zier. GewerfelchaftUchea. Die feindlichen freunde. Zwischen den Verbänden der christlichen und der Hirsch- Dunckerschen Metallarbeiter sind vor einiger Zeit vertraglich— unter Brief und Siegel— Freundschaftsversicherungen fest- gelegt worden. Man kani überein. sich nicht„persönlich" zu bekämpfen. Hinter der Sache steckte die„Gesellschaft für soziale Reform", die ja gern so tut, als ob sie etwas täte. Bei dem Bergarbeiterstreik— und auch schon bei den Reichstagswahlen— war der Freundschaftsbund be- denklich am Wackeln. Daß die Hirsch-Dunckerschen die„christlichen" Verrätereien beim Bergarbeiterstreik nicht als edle Helden- taten taxieren, wird von den Christen sehr übel vermerkt. Da die Zentrumschristen die Hirsch-Dunckerschen nicht vor den Zentrumskarren spannen konnten, haben sie kein Interesse an der Verbrüderung. Der„Deutsche Metallarbeiter", das Blatt der Zentrumschristen, schreibt in der Rummer 14 vom b. April: „Solange die auf Betreiben der Gesellschaft für soziale Reform zustande gekommenen Vereinbarungen zu Recht bestehen, müssen wir uns ganz entschieden die— man verzeihe den Ausdruck— grobklotzige Sprache verbitten, die dieses Blatt(der„Gewerk- verein") gelegentlich der Vorgänge im Ruhrrevier gegen die christlichen Gewerkschaften anzuschlagen beliebten... l. Die christlichen Gewerkschaften verzichten auf Vereinbarungen, die nicht beachtet werden." Nun wissen die Hirsch-Dunckerschen Bescheid. Rom und die Zentrumschristen wollen immer ihren Nutzen bei einem Ding haben. Im vorliegenden Fall sollen die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvercinlcr nichts sagen, was den Zentrums. christen nicht gefällt. Sonst geht die dünne Freundschaft aus dem Leint. Verlin und Umgegend. Zur Aufklärung. Zu Ostern beendeten wieder Tausende von Handlungslehrlingen ihre Lehrzeit und viele junge M ä d ch e u treten als jugendliche Angestellte in kaufmännische Geschäfte ein. Da ist es Zeit dafür zu sorgen, daß diese jungen Leute nicht jenen kaufmännischen Bereinen zum Opfer falle», von deren Anhängern die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft ständig bekämpft und beschimpft wird. Heute kann man leider immer noch sehr oft beobachten, daß auch Arbeitersöhne und -tochter, die als Handlungsgcbilfcn tätig sind, sich aus Unerfahren- heit von jenen arbeiterfeindlichen Vereinen ins Schlepptau nehmen lassen. Die Arbeiter sollten daher nicht die Gelegenheit ver- säumen ihre Kinder und Geschwister aufzuklären, daß, soweit sie als männliche und weibliche Handlungsgehilfen tätig sind oder in, Versicherungsgewerbe beschäftigt werden, nur der Zentral- verband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen als Organisation in Frage kommen kann. Dieser Verband kämpft für die Verbesse- rung der wirtschaftlichen Lage seiner Berussgenossen, und zwar Schulter an Schulter mit den Arbeitern anderer Berufe. An- Kleidungen nimmt entgegen: Zentralverband der Handlungs- gchilsen und Gehilfinnen Teutschlands, Bezirk Berlin; Geschäfts- stelle C. 25, Münzstraßc 20 II. Ter Fleischermeister Wilhelm Fischer Neukölln, Ziethenstr. 51, bestreitet in Nr. 85 des„Vorwärts", daß er einem Verbandsver- treter erklärt habe:„Tie Beschlüsse der Innung seien ihm mehr wert als seine Parteizugehörigkeit". Wir bemerken hierzu, daß Herr Fischer dies im Beisein des Bezirksführers, der wegen des Tarifs verhandeln wollte, erklärt hat, die Be- hauptung also nicht aus der Luft gegriffen ist. Auf dem letzten Zahlabend ist dies Herrn Fischer vom Unterzeichneten vorgehalten worden, und er hat nicht den Mut gehabt, dies in Gegenwart der Parteigenossen zu bestreiten! Ebenso wie Herr Fischer nicht bestreiten kann, daß auch er einer von denen ist, die sich zehn Jahre schämen würden, wenn die Gesellen eine zwölfstündige Arbeitszeit erhalten. Auch von den anderen im„Vorwärts" an- geführten Gründen hat Herr Fischer auf dem Zahlabend nichts gesagt, obgleich ihm ziemliche Vorhaltungen wegen seines Stand- Punktes gemacht worden sind. Ja. er mußte sich sogar von dem Fleischermeister I o ch m a n n sagen lassen, daß er im Irrtum sei. wenn er glaube, eine zwölfstündige Arbeitszeit sei nicht möglich; es liege nur an den guten Willen, in seinem Betriebe fahre er sehr gut damit. Die Behauptung, daß er durch die zwölfstündige Arbeitszict ruiniert würde, ist unzutreffend. Bedauerlich ist daß Herr Fischer, der seit acht Jahren Mitglied der Partei ist und ein Freund der Jugendbewegung, sich tveigert, organisierte Gesellen zu beschäftigen und die private Stellenvermittelung unterstützt, ja sich sogar weigert, mit der Organisation zu verhandeln. Das ist nicht der Standpunkt eines Parteigenossen. Herr Fischer demon- striert am 1. Mai für den Achtstundentag, und seine Gesellen läßt er am liebsten 10 Stunden arbeiten. Wenn Herr Fischer glaubt, durch diese„Erklärung" die verlorenen Kunden wieder zu ge- Winnen, so wird er sich täuschen. Die Parteigenossen haben ihm am Mittwoch unzweideutig zu verstehen gegeben, wie sie über ihn denken trotz seiner achtjährigen Mitgliedschaft. Bevollmächtigter des Verbandes der Fleischer. Paul Bergmann, Der Streik im Nowawescr Dachdeckergcwerbe ist jetzt in ein neues Fahrwasser eingetreten. Die Unternehmer haben den von den Arbeitern vorgelegten neuen Vertragsentwurf, der eine drei- jährige Tarispcriodc sowie einige Verbesserungen bezüglich Arbeitszeit und eine steigende Erhöhung des Stundenlohnes für Gesellen auf 75 Pf., für Hilfsarbeiter auf 55 Pf. und für un- geübte Arbeiter auf 50 Pf. vorsah, nach längeren Verhandlungen abgelehnt und einen eigenen Tarif ausgearbeitet, den sie den Ar- beitern aufzwingen möchten. Sie haben damit den Beweis er- bracht, daß es ihnen nicht um das Zustandekommen eines den be- rechtigten Wünschen der Arbeiter Rechnung tragenden, den Frieden im Gewerbe sichernden Tarifvertrages zu tun war, sondern ledig- lich darum, die Arbeiter durch langwierige Verhandlungen so lange hinzuhalten, bis es ihnen gelungen wäre, die notwendigsten Ar- beiten fertigzustellen, um dann den Arbeitern ihren Willen zu diktiereiV Diesen Plan haben die Arbeiter nun durch die Arbeits- einstcllung zum Scheitern gebracht und sehen der weiteren Ent- Wickelung der Dinge mit Ruhe entgegen. Schon jetzt haben die Ar- beitcr einen teilwcisen Erfolg errungen, da einer der beiden Haupt- sächlich in Betracht kommenden Unternehmer, der Dachdeckermeister Müller, am Donnerstag die Forderunge» bewilligt hat. veutfckes Reich. Ein Streik der Kellner ist im G o t h a e r V o l k s h a u s aus- gebrochen. Der an sich recht bedeutungslose Fall— in genanntem Betriebe arbeiten selbst an Sonntagen nur 3— 5 Mann— wird von der bürgerlichen Presse dermaßen aufgebauscht, daß sich eine genaue Darstellung notwendig macht. Die Verhandlungen, die zwischen der Verwaltung des Volks- Hauses und dem Verband der Gastwirtsgehilfen seit längerer Zeit schwebten, endeten mit einer Verständigung bis auf einen Punkt. Die Kellner verlangten einen Minimallohn von 50 Pf. pro Stunde bei täglicher Abrechnung; die Volkshausverwaltung wollte diesen Lohn wohl garantieren, aber bei monatlicher Aufrechnung. In der letzten Sitzung, die vor dem Konflikt stattfand, erklärte noch der Vertreter des Verbandes, der Vorsitzende der Erfurter Verbands- filiale, der die Gothaer Mitglieder angeschlossen sind, man wolle versuchen, mit den Zugeständnissen, die die Volkshausgesellschaft gc- macht habe, auch ohne formellen Tarifabschluß wenigstens für ein Jahr auszukommen. Die Zustimmung der Mitglieder seiner Filiale müsse er aber erst dazu einholen. Tie Gastwirtsgchilfen lehnten aber den Vorschlag ab, und auf Wunsch der Gehilfen sollte sich eine außerordentliche Sitzung des Gothaer Gcwerkschaftskartells mit der Frage befassen. Die Sitzung hat stattgefunden, und das Kartell Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.jT wählte eine Kommission, die die ganze Sache eingehend nachprüfen sollte. Seit dieser Zeit war Ruhe über den Wassern. Da erschien am Vorabend des Osterfestes der Erfurter Filialleiter des Gastwirts- gehilfenverbandes und forderte abends gegen 0 llhr vom Vorsitzenden der Gesellschaft die Unterschrist zu einem Tarifvertrag, den er gleichzeitig vorlegte. Da dies abgelehnt wurde, so wurden die Ge- sellschafter zusammengetrommelt und abends gegen 0 Uhr konnte endlich die ganz unvorbereitete Sitzung beginnen. Nach mindestens 1 1? stündiger Beratung einigte man sich dahin, daß die Volkshaus- gesellschaft auch die Garantielöhne bei täglicher Ab- rcchnung bewilligte, sie wünschte aber, zumal da gar kein Tarifformular in Reinschrift vorhanden war(man hatte ja eben erst neue Forderungen beraten und bewilligt), daß die Tarisunter- Zeichnung auf 8 Tage verschoben würde. Man erklärte sich auch bereit, diese Abmachung schriftlich zu bescheinigen. Gesellschafter und Gewerkschaftsvertreter traten zu einer kurzen getrennten Rück- spräche auseinander. Als nun die gemeinsame Sitzung fortgesetzt werden sollte, präsentierten die Gastwirtsgehilfen einen neuen Ver- trag mit Forderungen, die während der ganzen Verhairdlungen noch nicht erwähnt worden waren. Der Erfurter Verbandsvertreter erklärte:„Wenn Ihr diesen Vertrag nicht unterschreibt, so stellen die Gehilfen morgen(ersten Feiertag) die Arbeit ein!" Die Gesellschafter erklärten darauf:„Unter diesen Umständen müssen wir für diese Nacht jede weitere Verhandlung ablehnen." Dadurch ließen sich die Gastwirtsgehilfen aber nicht verblüffen. Noch ehe sie überhaupt an diesem Tage in die Verhandlungen ein- getreten waren, hatten sie sich in der Druckerei der Erfurter „Tribüne" ein Flugblatt folgenden Inhalts anfertigen lassen: Volks Haus Gotha. Achtung! Hier wird gestreikt I Achtung! Schon seit Anfang November 1911 stehen die organisierten Gastwirtsgehilfen zwecks Abschlusses eines Lohntarifs mit der Geschäftsleitung in Unterhandlung. Es war uns nicht möglich, Forderungen, die in Privat- betrieben schon bewilligt und in anderen Volkshäusern um die Hälfte höher sind, zu erhalten. Unter den jetzigen Verhältnissen ist es vorgekommen, daß Familienväter mit 45— 75 Pf. Tagesverdienst zufrieden sein mußten. Es werden mit Vorliebe Nichtorganisierte beschäftigt, wäh- rend wir oft viele Arbeitslose haben. Durch das halsstarrige Verhalten der Geschäftsleitung wurden wir zum letzten Mittel, dem Streik, getrieben. Wir bitten die Arbeiterschaft um Unterstützung unserer Sache. Es lebe die Solidarität! Verband der Gastwirtsgehilfen Die Streikleitung. Es braucht wohl kaum versichert zu werden, daß die Bchaup- tungen dieses Flugblattes unrichtig sind. Am schlimmsten ist die Behauptung, daß Familienväter mit einem Tagesverdienst� von 45 Pf. hätten zufrieden sein müssen. Der einzige vollbeschäftigte Tageskellner hat einen garantierten Monatsverdienst von 120 M. In Wirklichkeit hat er stets mehr Verdienst. Dazu kommt aber noch die volle freie Kost. Die anderen Kellner sind nichtfachmännische Aushilfskellner, die in ihrem Beruf arbeiten und nur während der Abendstunden bei Versammlungen, Konzerten usw. und an Sonntag- abenden tätig sind. Ein zweiter Kellner, der nur die Sonntage voll arbeitet, hat nie unter 8 M. und fast ausnahmslos zwischen 10 und 14 M. an diesen Tagen verdient. Die Durchschnittsverdienste der übrigen, nur wenige Abendstunden beschäftigten Kellner betrug je nach Leistung zwischen 4,25 und 2,70 M. pro Schicht. Eine am Dienstag tagende Sitzung des Gewerkstbaftskartells verurteilte das Vorgehen der Gastwirtsgehilfen auf das ent- schiedenste. Der anwesende Gauleiter des Verbandes erklärte, diese Arbeitsniederlegung sei ohne seine Kenntnis und ohne sein Einverständnis erfolgt. Der Berliner Zentralvorstand des Gast- wirtsgehilfenverbandes ließ durch den Mund des Gauleiters gleich- falls erklären/daß er Viesen Streik entschieden mißbillige und keine Kenntnis davon gehabt habe, sonst hätte er ihn zu verhindern ge- sucht. Eine am Abend desselben Tages einberufene, sehr stark be- suchte öffentliche Versammlung sprach der Volkshausverwaltung einstimmig ihr Vertrauen aus und mißbilligte das Vorgehen der Kellner. Mittwochabend ist der Streik vollständig beendet worden. Der Vertreter des Gastwirtsgehilfenverbandes veröffentlicht folgende Erklärung: „Nach näherer Prüfung kann der Inhalt des Flugblattes, das von den streikenden Kellnern des Volkshauses zu Gotha gegen dieses herausgegeben wurde, nicht aufrechterhalten werden. Verband der Gastwirtsgehilfen. Gau wachsen- Thüringen. Th. Engel." Die Einigung kam auf folgender Grundlage zustande: Samt- liche Kellner werden sofort wieder eingestellt. Sie nehmen die Arbeit zu den von der Volkshausgesellschaft dem Verband vor Aus- bruch des Streiks zugestandenen Bedingungen wieder auf.— Wir haben eine ausführliche Darstellung des Falles gegeben, weil sich der Reichsverband sicher diesen fetten Bisscu von den „45 Pf.-Tagelöhnen" in„sozialdemokratischen Betrieben" nicht ent- gehen lassen wird, und weil die Sache unseren agitatorisch tätigen Genossen, wie auch den Getverkschaftsführern und-beamten, die mit Unternehmern wegen Lohnkämpfen zu verhandeln Haben werden, noch hunderte Male um die Ohren geschlagen werden dürfte. Diese sind nun über den wirklichen Sachverhalt unterrichtet. Lohnbewegung im Hamburger Hafen. Die Forderungen der Seeleute, die dem Verein Hamburger Reeder und den einzelnen dem Verein nicht angehörigen Reedereien zugegangen sind, lauten in der Hauptsache: 1. Für die große Küstenfahrt ist die Heuer mit derjenigen für die transatlantische Fahrt gleichzustellen; 2. auf allen Hamburg-Altonaer Schiffen und auf allen Fahrten beträgt der Ueberstundenlohn 50 Pf., der bis zu 30 Minuten mit einer halben und über 30 Minuten mit einer vollen Stunde be- rechnet wird; 3. in das Beköstigungsweken ist der Mannschaft Einblick zu ge- währen darüber, was für Proviant an Bord geliefert und wieviel für den einzelnen Mann berechnet wird. Zur besseren Kontrolle wird eine Menagekommission eingestellt, die aus einem Mitglieo des Deckpersouals, einem Mitglied des Maschinenpersonals und einem Offizier besteht; 4. Vertretung der Seeleute in der Beschwerdekommission; 5. Einsetzung einer Schlichtungskommission zur gütlichen Regelung von vorkommenden Differenzen; 6. Festlegung der Kündigungsfrist. Die Kürschner(Zurichter und Futterarbeiter) in Weihenfels überreichten am 14. März den Unternehmern einen Entwurf für einen neuen Tarifvertrag. Da die Unternehmer die VerHand- lungen in die Länge zogen, legten 150 organisierte Kürschner, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, nach Ablauf der vierzehntägigen Kündigungsfrist am 6. April die Arbeit nieder. Die im Gewerk- verein Organisierten, etwa 40, hatten eine Woche später gekündigt und werden diese am 13. April die Arbeit niederlegen. Verlangt wird eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 914 Stunden, wie solche und eine kürzere in anderen Orten für Kürschner schon seit Jahren besteht, sowie eine dementsprechende Erhöhung des Tarifs bezw. des Lohnes. Winzerbewegung im Rheingau. Ein Teil der Weinbergsarbeitcr im Rhctngau hatte an die Weingutsbesitzcr die Forderung auf Erhöhung der Akkord- und TajjetöHne gerichtet. Die Weingutsbesitzer haben durch das neue Weingesetz ihre Prosite ungeheuer erhöht, tvähreud die Löhne der Winzer die gleichen geHiebe» sind. Die Arbeit in den Weinbergen wird im Frühjahr meist im Akkord vergeben; ein Winzer, der die Bestellung eines Weingutes oder eines Teiles desselben übernimmt, hat alle nötigen Arbeiten: Hacken, Schneiden, Heften usw. bis zur Weinlese für einen bestimmten Akkordlohn, berechnet nach Morgen Th- Glocke. Bert' n. Druck u. VerlagTVorwärts Buchdr. u, Verlagsanstalt oder Rebstöcken, zu verrichten. Daneben wird für besondere Ar- beiten ein Tagelohn bezahlt, der sich seither auf 2,50— 2,80 M. belief, während bei Attordqrbeiten in 11— 12stündiger Arbeitszeit ein Tagesverdienst bis 4,50 M. erzielt werden konnte. Die Winzer befinden sich seit langem in großer Abhängigfeit von den Weingutsbesitzern. Sehr viele sind die Htipothekenfchuldner der Unternehmer. Die meisten Winzer find als Besitzer kleiner Weinparzelleu im Herbst darauf angewiesen, daß ihnen der Untex- nehmer das bißchen Ertrag vom eigenen Stück abnimmt und sofort in bar bezahlt. Dabei werden natürlich stets die niedrigsten Preise gezahlt, während der große Weingutsbesitzer die derart zusammengekauften Weine später mit seinen eigenen zu recht hohen Preisen an den Mann zu bringen weiß. Die in den letzten Jahren ge- gründeten Winzeryeiwssenschaften, die den direkten Verkauf dieser kleinen(unbekannten) Weine der Tagelöhner und Winzer betreiben scllen, werden von den großen Besitzern und Händlern in der schärfsten Weise bekämpft. Die Rheingau-Winzergenossenschaft, eine Zentrumsgründung ist vor einigen Jahren nach erheblichen Unterschlagungen ihres Direktors schmählich zusammengebrochen. Dem gewerkschaftlichen Organisationsgedanken standen die Winzer im Rheingau bisher fremd gegenüber. Die katholischen Geistlichen wußten mit ihren bekannten Mitteln alles fernzuhalten, ums das„gute Einvernehmen" zwischen Gutsbesitzer und Winzer stören könnte. In diesem Frühjahr nun erhoben die Winzer in verschiedenen Orten Lohnforderungen. Der Sommertagelohn soll auf 3,50 M., der Wiutertagelohn, soweit ein solcher in Betracht kommt, aus 3 M. erhöht werden. Die Arbeitszeit soll im Sommer von 7—11 und 1— 6 Ubr mit zwei halbstündigen Frühstücks- und Vesperpausen; im Winter von 8— II Uhr und 1—5 Uhr mit zwei Pausen von je 20 Minuten festgesetzt werden. Die Akkordlöhne scllen ebenfalls entsprechend um 25— 50 Proz. erhöht werden. Die Weingutsbesitzer nahmen in einer Versammlung, die vor Ostern in Rüdesheim stattfand, zu den eingereichten Forderungen Stellung und beschlossen, sie nicht zu beantworten, da, wie f e st- gestellt, die Winzer mangels eine�r Organisa- tion doch nicht imstande seien, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Kapläne hatten mittlerweile im Interesse der Gutsbesitzer dafür gesorgt, daß in einigen Weindörfern die „aufsässigen" Winzer in die Pferche der christlichen Organisation hineingetrieben wurden. An einen Winzerstrcik ist daher im Rhcingau nicht zu denken. Entgegen den zahlreichen irreführenden Meldungen bürgerlicher Blättäc ist festzustellen, daß die Arbelt nirgends eingestellt wurde. Dagegen sollen in verschiedenen Wein- bergen einige hundert Rebstöckä voit den über ihre Ohnmacht er- bitterten Winzern zerstört worden seien. In Hochheim a. M. hatte» die Winzer mit der Arbeit in den Domanialwelnbergen nicht rechtzeitig begonnen, nachdem sie ebenfalls eine 25— öOpav zentige Lohnerhöhung gefordert hatten. Die Wembaudirektion tieß die nötigsten Arbeiten jedoch von Winzern verrichten, die aus Rheingaudörfern rasch herangeholt wurden. So war auch hier die Bewegung ohne Erfolg. Ehe die Winzer nicht die Notwendigkeit straffer gewerkschaftlicher Organisation begriffen haben, werden sie eine Verbesserung ihrer Lebenslage nicht erreichen können. HusUnd. Tie italienische Arbeiterkonfederation im Jahre tvlt. Das Zentralorgan des italienischen Arbeiterbundes verösfenl- licht soeben den Bericht des Direktionsausschuffes über das Fahr 1911. Danach stieg die Zahl der der Konsedcratwn angeschlossenen Gewerkschaftsmitglieder im Berichtsjahre um 28 000. Ter Mit- gliederbestand war in den letzten vier Jahren: 1908: 262 006; 1909: 302 952; 1910: 356 420; 1911: 384 446. Nach der Schätzung des Genossen Rigola, der den Bericht des Ausschusses verfaßt hat. sind das vier Fünftel aller organisierten Arbeiter Italiens überhaupt. Die früheren Mißhelligkcitcn zwischen den nationalen Fedc- rationen(Zcntralverbändciij und. den lokalen Arbeitskammernstzu vergleichen etwa mit unseren Gewerkschaftskartellen) sind im AI'- nehmen begriffen. Zurzeit gehören 52 Arbeitskammern und 20 Fc- derationen dem Bunde an. lieber Streits und Aussperrungen wird gesagt, daß bei diesen Kämpfen die Unterstützung der Konsederation(also der Gesamtarbeiterschaft) nur noch in wenigen Fällen in Anspruch ge- nommen worden sei, daß die Verbände finanziell und auch sorist immer mehr in die Lage kämen, ihre Kämpfe aus eigenen Kräften zu fiihren. So hätten die Bauarbeiter ihren großen Kampf in Bo- logna selbständig geführt, ebenso die Textilarbeiter, Metallarbeiter usw. Selbst der große Agrarstreik von Forrarese, der die ganze Provinz in Mitleidenschaft zog, sei von den Beteiligten allein durch- geführt worden. Am 22. Januar wurden auf Veranlassung der Konfederation im ganzen Königreich Versammlungen abgehalten, die zu den hohen Lebensmittelpreisen Stellung zu nehmen hatten. Ferner sprachen sich diese Versammlungen ftir das allgemeine Wahlrecht mit dem Proportional Wahlversahren auS. Eine für den April geplante internationale Kundgebung in Rom, an der die italienischen und österreichischen politischen und ökonomischen Arbeiterorganisationen teilzunehmen beabsichtigten, mußte wegen der österreichischen Wah- lcn unterbleiben. Dagegen wurde am 26. März, am Jahrestag der Erhebung Roms zur Hauptstadt Italiens, eine Manifestation der sozialistischen Partei und der Gewerkschaften in Rom glänzend durchgeführt. Schließlich der Generalstreik von 24 Stunden als Protest gegen den Beutezug nach Tripolis am 27. September. Dieses Mal sei es nicht bloß die reaktionäre Presse gewesen, die sich bemühte, den Streik zu bekämpfen, sondern auch Blätter und Po- lititer der radikalen und selbst der sozialistischen Partei. R i g o l a will den 24stündigen Proteststreik nur mit großer Vorsicht ange- wandt wissen, aber das gute Recht, durch einen 24stündigen Gene- ralstreik gegen die Eroberungskriege der herrschenden Klasse Protest eluzulegen, müsse dem Proletariat, das die Kosten des Krieges zu tragen habe, auf jeden Fall zustehen. Hetzte Nachrichten. Die Home-Rule-Bill im Unterhause. London, 11. April.(W. T. B.) Im Namen der Nationalisten begrüßte Redmond die Bill als ein großes Werk, das ge- eignet sei, die Absichten der Regierung zu verwirklichen, wenn die Bill am 25. April der irischen Nationalisten-Konventwn zur An- nähme unterbreitet werde. Er werde der Konvention dringend empfehlen, die Bill gutzuheißen. M a c d o n a l d begrüßte die Bill im Namen der Arbeiterpartei.(Siehe auch unter England.)_ Bcrgarbeiterbcwegung in Mähre». Mähr.-Ostrau, 11. April.(P.-E.) Die heute zwischen den Grubenbesitzern und den Vertretern der Berg- a r b e i t e r stattgefundenen Beratungen sind ergebnislos ver- laufen, sie sollen jedoch morgen fortgesetzt werden. Sollte dann keine Einigung Zustandekommen, so ist der Streik im hiesigen Revier unvermeidlich.__ Drei Arbeiter verschüttet. Pose», 11. April.(P.-C.) Aus Meseritz wird gemeldet, daß in einem Kiesschacht bei Lewitz drei Arbeiter verschüttet wur- den. Einer wurde tot, die beiden anderen lebensgefähr- lich verletzt geborgen. Der Schachtmeister konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Opfer des Sturmes. Pol«, 11. April.(P.-C.) Der in der letzten Nacht hier wü- tcnde Sturm hat vier Menschenopfer gefordert. Eine Fischerbarke des Fischers Julina, an deren Bord sich außer dem Besitzer dessen beide Söhne Anw» und Jörg sowie ein Matrose befanden, ist ge- kentert. Alle vier Personen sind ertrunken. jßaul Singer Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage««.ÜnterhaltnngSdl. Nr. 83. R.ZahtMg. t. KeilM des Amiills" KMer VxlkÄM kreila� April 1912. Der Krieg. Festsetznng der Italiener auf dir Karawanenstraße«ach Tunis. Rom, 11. April. Die amtlich gemeldete Besetzung eineS strategisch bedeutsamen Punktes bei Zuara verwirklicht einen schon lange gefaßten Plan der Italiener, der bisher auS verschiedenen Gründen unausgeführt bleiben mußte. Zuara wird als besonders wichtig angesehen, weil es der Knotenpunkt der großen Karawanen straße ist. Man glaubt auch nunmehr die Einfuhr von Konterbande von der nahen tunesischen Grenze unmöglich gemacht zu haben. Das bei Sidi Said gelandete Korps besteht aus einer ganzen Division unter dem Befehl des Generalleutnants Garrioni, dem das 30. und 6V. sowie Teile des 23. und 37. Infanterieregiments an- gehören, die teilweise frisch von Italien gekommen, teilweise aber auch von den Laufgräben bei Tripolis hergenommen worden find. Außerdem gehören dem Korps an: zwei Maschinengewehrzüge, eine Batterie Feldgeschütze, eine Batterie vom 10. Festungs-Artillerie- regiment sowie ein Bataillon eryträischer ASkari, die von Massaua mit dem Transport des Grafen Cavour eingetroffen sind. Die Kevoiutioit In Giiina. Beschwerden der fremden Konsuln gegen eine« chincfischeu Minister. London. 11. April. Die.Times' melden aus Peking vom 10. d. M.: DaS diplomatische Korps hat gestern über eine Meldung der Konsuln in Schanghai beraten, die das Per- halten des Militärgouverneurs der Chinesenstadt in Schanghai T s ch e n t s ch i m e i, der kürzlich zum Kabinettsmini st er er- »annl wurde, zum Gegenstand hatte. Danach hat Tschentschimei wohlhabende Chinesen aus dem Gebiete der europäischen Nieder lassung gelockt, um sie draußen zu verhaften. In einzelnen Fällen haben derartige Verhaftungen sogar in dem Bereiche der europäischen Niederlassung stattgefunden. Die Gesandten haben die Konsuln in Schanghai ermächtigt, geeignete Abwchrmaßregeln zu ergreifen, und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß Tschentschimei der Schutz der europäischen Niederlaffung entzogen werde, wo er selbst aus Furcht vor der Verfolgung der Chinesen nachts Zuflucht zu nehme» pflegt Agrarier und Kapital. In den beliebtesten Schlagworten unserer Junker und Junker- genossen gehört, daß die Landwirtschast der segensreichste und not- toendigste Erwerbszweig eines Volkes fei, daß nur sie die echten Tugenden freier Männer unzweifelhaft züchte, während in allen anderen Erwerben und Bernsen leicht unlautere, großkapitalistische Interessen sich breit machen konnten. Gegen die.Answüchse' des Bank« und Börsenwesens verschwenden sie daher ein überlautes Pathos, bei dem die eigene Einfachheit, Bescheidenheit und Echtheit ins Licht gerückt werden. Nun sind wir gewiß keine Freunde der kapitalistischen Spekulatton und all ihrer Konsequenzen; aber nicht, weil wir uns an einer Form be sonders stießen, sondern weil wir grundsätzlich den Kapitalismus in allen seinen Spielarten bekämpfen. Vor unseren Augen findet Gnade weder das Kapital, das agrarischen, noch das industriellen und kommerziellen Zwecken dient. Immerhin sehen wir aber mit de» politischen Vertretern des Handels eine infame Heuchelei in den Worten unserer Agrarier. Sie wettern gegen das Handelskapital und treiben doch ganz dieselben Praktiken. Ja. von unseren Börsen« jobbern wird den Agrariern mit Recht vorgeworfen, daß es nicht einmal immer die selbst vom Standpunkt des nicht- agrarischen Kapitalisten ans einwandfreien Manöver sind. Zwei Tatsachen, die in diesen Tagen bekannt geworden find, mögen das wiederum belegen. Der Bund der Landwirte verkügt über eine besondere genossenschaftliche Organisatron, deren Spitze die Genossen- schaftliche Zentralkasse des Bundes der Landwirte bildet. Ihrem Aufsichtsrat gehören Dr. Roesicke, Frhr. v. Wangenheim. Diederich Hahn u. a. an. Diese Zentralkasse befitzt, nach der „Frankfurter Zeitung', ein eigenes Vermögen von 300 000 Mark Reserven und 1680 300 M. Geschäftsguthaben. Neben zwei Millionen Mark wirklichen Kapitalsverfügt sie über eine Haftsumme von kleines feuilleton. Die Auktion BcgaS. Am 16. d. MtS. wird im Berliner Kunst- auktionShauS, Zimmerftraße 13, die Versteigerung deS BegaSschen Nachlasses beginnen. Fünfundzwanzig Arbeiten in Marmor oder Bronze und etwa fünfzig gipserne Modelle und Abgüsse geben das Material. Wenn man diese Stücke bedächtig anschaut, besonders die Modelle kleinen Formats und dazu die Bildnisbüsten, möchte man beinahe glaubcu, daß dieser intime Begas einmal wieder höher geschätzt werden wird, als wir das heute tun, die wir seine große» Denkmäler nur allzu genau kennen. Begas ist in der Tat ein Opfer seiner Aufträge geworden. Daß er sich unterkriegen ließ, bleibt seine Schuld, beweist auch, daß in seinem künstlerischen Organismus Mängel und Schwächen enthalten waren. Immerhin, Begas hat zu allen Zeiten, auch noch in seiner letzten Periode, über eine starke plastische Sinnlichkeit verfügt. Der Naturalismus dieser Frauenleiber war wirklich einmal revolutionär; die Geste dieser Figuren zeigt oft ein schön gebändigtes Temperament und ist gar nicht immer im üblen Pathos befangen. Es lassen sich von dieserKunst Linien ziehen nach rückwärts zu Rauch und Schadow, nach vorwärts zu Engelmann etwa. Büsten wie die von Menzel werden immer bleiben. Daneben will auch ein Idealismus, wie er sich in der Büste von L a s s a l I e auslebt, als Symptom der Zeit begriffen sein. Die Auktion wird den Gipsabguß dieser Büste, die Ende der sechziger Jahre geschaffen wurde, und deren marmornes Original der Familie Lassalle gehört, zum Verkauf bringen. Mit dem Gips« obguß zugleich ivird das Reproduktionsrecht vergeben werden. Es wird also künfttghin irgendjemand nach dieser BegaSschen Lassalle- Büste Abgüsse in jeglicher Größe und in den verschiedensten Materialen vertreiben können. Kann man zu einer Operation gezwungen werden? Eine inter- essante Entscheidung, die in ihrer prinzipiellen Bedeutung in das moderne Wirtschaftsleben eingreifen kann, ist am Sonnabend vor dem höchsten Schiveizer Gerichtshofe, dem Bundesgericht in Lausanne. gefällt worden. Es handelt sich um die Frage, ob ein durch einen Betriebsunfall arbeitsunfähiger Arbeiter, der durch eine Operation geheilt werden könnte, gezwungen werden kann, sich dieser Operation zu unterziehen. Bor einiger Zeit erlitt in Basel ein Arbeiter einen Unfall, der ihn arbeitsunfähig machte; der Arbeitgeber wurde ver- urteilr, dem Arbeiter eine Pension zu zahlen. Gegen diese Entscheidung legte der Fabrikherr bei der höheren Instanz Be- rukung ein und machte auf Grund der Aussagen medizinischer Sach- verständiger geltend, daß der Arbeiter durch eine Operation geheilt werden könnte und dann in kurzer Zeit wieder vollkommen arbeitsfähig fein würde. Der Arbeiter lehnte eS jedoch ab. sich dieser Operation zu unterziehen, worauf die Berufungsinstanz ihn zum Verlust der Pension verurteilte. Jetzt mußte sich das Bundes- aericht als letzte und höchste Instanz mit dem Fall beschäftigen. DaS urteil, das am Sonnabend verkündet wurde, gibt dem Arbeiter recht. stellt die Verpflichtung zur Weiterzahlung der Pension fest und legt 16 124 000 Mark. Diese Haftsummen sind nicht wirklich eingezahltes Kapital, sondern bezeichnen nur die Grenze, bis zu welcher die 2V2 beteiligten Mitglieder hasten. Da nun natürlich die Zentralkaffe mit dem gesamten Kapital einschließlich der Haftsummen arbeitet, ergibt sich, daß die Verbindlichkeiten der Kasse viel größer sind als ihre wirkliche Leistungsfähigkeit. Ihr Kapital ist zum größten Teil nur nominell; ihm entsprechen keine wirklichen Grundlagen. Die Finanz« künste, aus nichts etwa? zu machen, beherrscht also der Bund der Landwirte genau so wie das von ihm geschmähte unproduktive Börsenkapital. Die 292 Mitglieder der Zentralkasse, alles landwirt- schaftliche Genossenschaften, stehen dabei zum Teil mit sehr hohen Haft- summen zu Buch. Darunter befinden sich Gesellschaften von sehr Zweifel« haster Leistungsfähigkeit. Bei einer Anspannung des Kredits würden sie sich sehr leicht ais zahlungsunfähig erweisen, denn eingezahlt werden die Haftsummen ja nicht. Besondere Unterstützung dieses Systems, das vom privat- kapitalistischen Standpunkt ans als unsolide zu bezeichnen ist, leistet sich die Preußische Zentral-Genossenschafts« lasse, ein Institut, das sich vonseiten des preußischen Staats be- sonderen Schutzes erfreut. Trotzdem die Preußenkafse genau weiß, welche Bedeutung die Haftsummen haben, gibt sie hohe Beleihungen darauf. Auch mit der F l ü s s i g l e i t der Mittel, die jetzt der Reichs« bankpräsident bei den Banken mit aller Kraft zu heben sucht, hapert er bei der Genossenschaftskasse recht sehr. Verbindlichkeiten von 8,670 Millionen Mark stehen nur etwa 800 000 M. flüssige Ein- lagen gegenüber. Vielleicht sucht Herr Howenstein auch hier einmal zu bessern. Von einer kapitalistischen Betätigung in ähnlichem Genre be- richtet das„Berl. Tagebl.' Kürzlich ist ein Verband der Güterinteressenten Deutschlands gegründet worden. Das Ziel des Verbandes ist.die Errichtung einer Bank zugunsten de? ländlichen Grundbesitzes, welche der finanzwirtschastlichen Stärkung der Landwirte durch Gewährung eines ausgiebigen Kredits und Be- schaffung sogenannter zweiter Hypotheken dienen soll'. Erwartet wird, daß die Bank«die Verhältniffe des ländlichen Bodenkrediis und die Bewertung des ländlichen Grundbesitzes wesentlich beeinflussen muß'. Die Aufgabe der Bank wird also darin gesehen, die Bodenverhältnisie und ihre Bewertung— selbstverständ sich preissteigernd I— zu beeinflussen. Andererseits aber soll die Bank das Kreditbedürfnis der Landwirte befriedigen, das ja gerade durch die Bodenpreissteigerungen so� dringend geworden ist. Die agrarische Zollpolitik hat im wesentlichen die Verteuerung deS Bodens verursacht, unter der die Käufer von Grundbesitz nun selbst leiden. Interessant sind auch die Nebenabsichten der Gründer. Sie hegen den Plan, eine Zeitschrift ins Leben zu rufen und suchen bereits jetzt Jnseratenaufträge zu erwerben. Auch werden Firmen— von Kaufleuten und Industriellen!— aufgefordert, ihr Interesse für den neuen Verband durch hohe Beitragszahlungen <500 bis 6000 M.) zu bekunden. Zum Geldgeben sind natürlich auch diese Leute gut._ Die Bergarbeiterbewegung. Die Zechenbesiher gebe» kein Pardon! Bekanntlich wollen die Zechenherren denjenigen Streikenden den Abzug der sechs Strafschichten erlassen, die laut Revers- Unterschrift erklärten, nur aus Furcht und gezwungen gestreikt zu haben. Mancher arme Schlucker und weniger feste Charakter ließ sich gewiß verleiten, durch seine Unterschrift sich selbst zu verleugnen. In welchem Umfange das geschehen ist, und wieviel den Zechenherren dieses„Entgegenkomnien" gekostet hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Von dem aber solcherart gesammelten Terrorismusmaterial wird die Oeffentlichkeit jedenfalls noch etwas zu hören bekommen. Der christliche Gewerkverein der Bergarbeiter hatte dann in einer Eingabe an den Zechenverband ersucht, auch den Mitgliedern dieses Vereins, die gestreikt haben, aber den für sie schmach- vollen Revers nicht unterzeichneten, die Kontraktbruchstrafe zu erlassen. Der Vorstand des Zechenverbandes hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Zechen nicht zu empfehlen, diesem Ersuchen des Gewerkvereins stattzugeben. Dieser Be- schluß war als selbstverständlich vorauszusehen. Und den christlichen Führern ist es nun nicht vergönnt, feurige Kohlen auf das Haupt ihrer„Feinde" sammeln zu können. dem Fabrikherrn die Kosten deS ganzen Rechtsstreites auf. In der Urteilsbegründung führt der höchste Schweizer Gerichtshof aus, daß kein Bürger gezwungen werden könne, sich gegen seinen Willen operieren zu lassen, denn ein solcher Zwang würde einen Eingriff in die Rechte der persönlichen Freiheit m sich schließen. Die ältesten Brieffrankierungen. Ueber den Ursprung der Brief- frankierung in Frankreich(und wahrscheinlich der Brieffrankierung überhaupt) macht ein Mitarbeiter des.Figaro' anläßlich des bevor- stehenden Jubiläums der Briefmarkcnkunde interessante Mitteilungen: Man schreibt die Erfindung der Briefmarke oder des FreimachungS- zettels einem Justizbeamten namens Billayer zu. Dieser Villayer erhielt 1663 die Erlaubnis, in Paris eine Stadlpost einzurichten und Briefkästen anbringen zu lassen. Den Parisern wurde das durch folgende Anzeige angekündigt:„Die Personen, die den Wunsch haben sollten, von einem Stadtteil nach einem anderen zu schreiben, könnten versichert sein, daß ihre Briefe treu bestellt würden, wenn sie daran sichtbar ein Zcttclchen mit den Worten:„Traglohn bezahlt!' befestigten.' Solche Zettelchen erhielt man im Justizpalast, bei den Pförtnern der Klöster und der Kirchen- schulen, bei den Gefängnisivärtern usw.; sie kosteten'einen Sou. Der Dichter Loret schrieb eine amüsante gereimte Epistel über die neuen Briefzettelchen; die Verse lauten in deutscher Prosa- Übersetzung:.Zur Bequemlichkeit des Publikums soll bald, aber nur für Paris, eine neue Einrichtung getroffen werden: die Anbringung zahlreicher und großer Kasten an Straßen und Gassen, welchen man selbst oder durch seinen Diener Briefe wird anvertrauen können; man wird zu jeder Tageszeit Benachrichtigungen. Botschaften oder Briefe hineinwerfen dürfen, die eigens dnz» angestellte Leute dort abholen werden, um sie niit Sorgfalt und Aufmerksamkeit durch die ganze Stadt zu tragen für Neffen, für Vettern, die nicht zu nahe wohnen, für Schwiegersöhne, für Schwiegerväter, für Klosterfrauen und Gevatterinnen, für Johann, Martin. Wilhelm und Lukas, für Geistliche, für Advokaten, für Händler und Händlerinnen, für galante Herrlein und galante Dämchen, für Freunde und Vermittler, kurz, für Leute aller Art. Die, welche weder männliche, noch weibliche Stützen, weder Diener, noch Dienstmädchen haben, werden auf diese Weise, wenn sie weitab wohnende Freunde benachrichtigen wollen, eine große Erleichterung haben können. Im übrigen sage und verkünde ich, daß man. wenn man eine Antwort zu haben wünscht, sie auf dieselbe Weise wird erlangen können. Und wenn man wissen will, wieviel das Ueberbringen eines Briefes tosten wird— eine Sache, die man wohl beachten muß. damit niemand betrogen wird—, so sagen wir, daß man alles für einen flachen Sou haben kann." Man konnte sich die Antwort sickern, wenir man zu dem ersten Zettelchen mit dem„port pay6u noch ein zweites hinzufügte. Das Rückporto wurde also auch gleich miterfunden. Eine unterirdische Postbah». Die Beförderung der Post durch die vom Verkehr überlasteten Straßen Londons erfordert zurzeit etlva 1000 Postwagen und einen Kostenaufwand von einer Million Mark im Jahre. Um diese Kosten zu verringern und um besonders eine raschere Beförderung zu ermöglichen, plant die Loudaner Posi» Christliche Werbeagenten für die Zechenherren. Riesige Summen Geldes werden von einer Anzahl Bergwerke deS Ruhrgebiets für das Anwerben von billigen und willigen Arbeitskräften jährlich verausgabt. ES gibt Bergwerke im Ruhr« gebiet, die ununterbrochen Agenten unterwegs haben. Goldene Berge werden den Arbeitern versprochen, die sie aber nie zu sehen bekommen. Dieses Geschäft deS LeutewerbenS für die Bergwerksunternehmer betreiben jetzt Agitatoren des.christlichen' Gewerkvereins der Bergarbeiter. Auch ein katholischer Geistlicher übt sich darin. Die ultramontane„Fuldaer Zeitung'(Ausgabe vom 28. März 1912) brachte folgendes Inserat: .Dauernde Beschäftigung gegen hohen Lohn finden Arbeiter im Alter von 16 bis 40 Jahren.— Arbeitsuchende erfahren näheres beim Bergmann Franz Bischof. Die Lohn« und Arbeitsverhältnisse sind in Fulda, wie überhaupt in Hessen, die denkbar schlechtesten und so glaubte der„Christen- führer' Bergmann Franz Bischof aus Botttop einen guten.Fisch- zug" machen zu können. Denjenigen, die sich auf dieses Inserat meldeten, teilte Bischof mit, daß er kein Agent sei, sondern sich nur auf der Durchreise befände. Nach dem Grunde befragt, warum er denn Arbeiter anwerbe, erklärte Bischof: .ES sind bis jetzt viele„Note" dort in Bottrop gewesen; diese sind ober beinahe heraus. Die letzten.Noten' sollen heraus- fliegen und dafür neue Arbeiter eingestellt werden, die sich aber christlich organisieren müssen. Der Lohn beträgt 6,30 bis 6,60 M. Wer an meinen Angaben bezüglich des Lohnes usw. zweifelt, der mag sich an den katholischen Pfarrer Neuhaus in Boy(Bottrop in Westfalen) wenden, der wird die nötige Auskunst geben, sowie auch für Logis und alles weitere sorgen." Der Bergmann Franz Bischof aus Bottrop ist eine Lokalgröße des christlichen Gewerkvereins. Auch wird er von diesem als Redner benutzt, um die Bergleute für die Streikbruchziele des Gewerkvereins zu begeistern. Einige Arbeiter, die sich nun mit einer Anfrage an den Pfarrer wandten, erhielten von dem geistlichen Herrn folgende Antwort: Botirop-Boh, 31. 3. 12. Mein lieber Herr... vorausgesetzt, daß Sie reckt gesund und noch im besten Alter stehen, können Sie hier jeden Tag auf Zeche Arenberg-Fortsetzung Arbeit erhalten; der Lohn ist ja nicht sofort so hoch, über 4 M., und steigt bei Geübten bis 6 M. Kommen Sie erst ohne Familie, um sich passende Wohnung, vielleicht mit Land und Stallung, zu suchen. Falls Sie ein halbes Jahr hier sind, zahlt die Zeche die Reise, legt sie auch erst aus, auf Wunsch, und hält sie zunächst vom Lohn ab, gibt aber später zurück. Kostgeld und Wäsche beträgt 66— 60 M. pro Monat. Manche lassen sich Fleisch von Hause kommen und haben halbe Kost, was viel billiger ist. Hier ist ein kräftiger christlicher Gewerkverein und Arbeiterverein. Schreiben Sie Karte, wann Sie kommen und wie viele mitkommen, damit Ihnen Logis besorgt wird, und ob Sie ganze Kost wünschen. Sie fahren bis Essen oder Alten- essen; von da mit der elektrischen Bahn bis Horst, wo Sie aus- steigen bei Wirt Hollmann, da den Koffer stehen lassen können und ihn von hier mit Karre abholen. Sie gehen von Horst nach hier(Boy) Vs Stunde und können bei mir einkehren. Bringen Sie recht viele brave Leute mit. Besten Gruß I NeuhauS, Pfarrer.' Bringen Sie recht viele brave Leute mit l Wunderbar I So weit ist es also gekommen mit der ultramontanen Skrcikbruchhcrrlichkeit. Durch die Streikbruchparole konnten die.Roten' nicht vernichtet werden, so liefert jetzt der christliche Gewerkverein den Unternehmern „gute brave Leute", die an die Arbeitsplätze der„Roten' gestellt werden und die selbstverständlich in den christlichen Gewerkvcrein eintreten müssen. Die Ausbeute war aber selbst in dem stammen Fulda sehr gering. Auch eine mit großem Tamtam einberufene Versammlung, auf die durch Plakate die ganze Bevölkerung Fuldas aufmerksam gemacht wurde und in der neben dem Herrn Bischof auch noch der Arbeitersekretär Stieler aus Gladbeck die nöttge .Aufklärung' über den Streik verbreiteten, brachten keinen besseren Erfolg. Vierzig Versammlungsbesucher hatten sich eingefunden, und in der Diskussion mußten die Herren noch ein kleines Privatissimum über sich ergehen lassen, das ihnen der Bezirksleiter Reddigau vom Verwaltung nach dem„Prometheus", die Anlage einer Untergrund- bahn, die ausschließlich dem Postverkehr dienen soll. Zur praktischen Erprobung soll zunächst eine über 10 Kilometer lange Strecke zwischen Hauptpost, Hauptpaketpostamt und einigen anderen Post-' ämtern gebaut werden. Der Tunnel wird 2,3 Meter Durchmesser erhalten und zwei Gleise von 0,6 Meter Spurweite aufnehmen können. Die auf diesen Gleisen fahrenden kleinen Motorwagen werden elektrisch angetrieben und erhalten selbsttätige Steuerung, so daß keine Bedienungsmannschaften mitfahren müssen. Die Höchst« geschwindigkeit der Wagen fall etwa 66 Kilometer in der Stunde betragen, und das wird ausreichen, um auf der Probestrecke stündlich 36 000 Postsäcke an ihren Bestimmungsort zu schaffen. Notizen. — Eine„Orchideen- Aus st ellung' der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft findet von Freitag, den 12., bis einschließlich Sonntag, den 14. April, im Abgeordnetenhause(Prinz-Albrecht-Str. 6) statt. Sie ist von 10—7 Uhr geöffnet. — Eine Ausstellung des Instituts für angewandte Psychologie findet int Aulagcbäude der Universität(Kaiser- Franz-Josefs-Platz, ehemalige kgl. Bibliothek) am 12. und 13. April von 2—6 und Sonntag, den 14. April, von 11—2 Uhr statt. Sie ist allgemein und unentgeltlich zugänglich. — Kunst chronik. Der Salon von Paul Cassirer eröffnet am Freitag eine neue Ausstellung, die Bilder Paul CozanneS, Por- trätS, Landschaften und Stilleben enthält. Außerdem sind Werke von Maria Slavona und G. H. Wolff, von Degas, Sisleh, Lieber- mann, Slevogt vertreten. — Bühnenchronik. Emmh D e st i n n wird in der Komischen Oper als Gast auftreten und zwar Sonnabend, 27. April. im„Tiefland", am 29. April in»Der verkauften Braut" und am 1. Mai in der„Toska". — M u s i k ch r o n i k. Franz v. B I o n, der frühere Dirigent deS Berliner Tonkünstlerorchesters, wird im nächsten Winter wieder in Berlin konzertieren. Er wird ein eigenes Orchester gründen und in verschiedenen Stadtteilen abwechselnd spielen. DaS Programm soll im Genre der ehemaligen Bilse-Konzcrte gehalten sein. — Holbein im Lande der Barbaren. CineS der berühmtesten Gemälde Holbcins, das„Porträt der Margarete Wyatt", ist an einen großen.Kunstsammler' nach New Dork zun, Preise von 1 Million Mark verkauft worden. Es ist YieS das erste Gemälde Holbeins, das nach Amerika geht. — Eisenlager in Pennfhlvanien. Im Herzen des Staates Pennsylvanien(200 englische Meilen von Philadelphia und von PitSburg) sind gewaltige Ablagerungen reinen Eisenerzes auf- gefunden worden, deren Umfang auf weit über eine Milliarde Tonnen geschätzt wird. Für die Stahlindustrie Amerikas ist diese Entdeckung von der allergrößten Bedeutung, um so mehr, als die Lager inmitten der Gebiete der Stahlindustrie liegen. Man vergleicht die Be- deutung dieser Entdeckung mit der ersten Auffindung von Gold im Jahre 1L1S. Bergarbeiter-Verband hielt. Wie die ultramontanen Herten den Zechenherrm Liebesdienste leisten, ist einfach rührend. QtrdkjuÜiz und kein Ende. Dortmund, S. Apm'. Mit verstärktem Eifer arbeitet die Justiz des KlafsenstaateS an der„Beruhigimg' der Bergarbeiterschoft. Seit dem DienStag„arbeiten" in Dortmund am Landgericht zwei Sondcrstreikkammcr». Kostspielig und schwer ist der Apparat, der oft bei den einfachsten„Vergehen" in Szene gesetzt wird. Sieht man doch an die hundert Zcuaen im Flur und in den Gerichtssälen. Daß ein Dutzend Zeugen bekunden sollen, ob das Wort„Streik« brecher" gefall«» ist oder ob jemand den Mund zu einem„Pfui" bewegt hat, ist nichts besonderes mehr. Oft muh eine Sache dann uoch vertagt werden, weil der Gendarm X. D. nach Mecklenburg oder wohin abgereist ist und der Staatsanwalt„nicht verzichten" will. Man schießt mit Kanonen, um einem Sperling da» Zwitschern zu verleiden. Die verurteilten Streik,, Verbrecher" sind ja durch die Bank arme, ausgebeuteltr Grubenproletarier, bei denen das Industriekapital derart„segensreich" gewirkt hat, daß der Staat kaum je zu seinen Gerichtskosten komnren wird. Die Zechenkapitalisten werden die Kosten ja nicht tragen, also fallen sie der Allgemeinheit zur Last. Die Allgemeinheit— das ist aber zum größten Teil wieder das schaffende und ausgebeutete Proletariat! In letzter Zeit mehren sich die Fälle, wo die„beleidigten" Streik- brecher den Strafantrag zurücknehmen. Dann versucht der Staats- anwalt,„aus§ 153 der Gewerbeordnung' doch noch anzuhaken, wenn der„Arbeitswillige" fest bleibt. In einem Falle, wo der Streikbrecher überdem auch nicht aufrechterhalten konnte, daß ein be« stimmter Angeklagter gerufen habe und wo aus diesem Grunde auch„auS§ 163" nichts zu machen war, sondern Freisprechung erfolgen mußte, wurden dem Streikbrecher die Kosten aufgehalst, weil er mit der Anzeige„grob fahr« lässig" gehandelt hatte, wie eS in der Urteilsbegründung hieß. Der Staatsanwalt hatte gemeint:„Wie kamen Sie denn dazu, den Mann zu beschuldigen? Sie setzen fich selbst der Gefahr au«, wegen falscher Anschuldigung angeklagt zu werden." Mithin nahm der Staatsanwalt an, daß der Streikbrecher die Anzeige wissentlich falsch gemacht habe! Hier noch einige Fälle aus den letzten Dortmunder Gerichts« tagen: „Du Lump willst weiter arbeiten? Du sollst eher der« recken I" Urteil: 6 Wochen Gefängnis. Da sich der Angeklagte nicht in den Förmlichkeiten der Verhandlung zurechtfinden konnte und oft dazwischen sprach— wofür doch wieder die mangelhafte Volksschule, wo eS keine Rechtskunde gibt. verantwortlich ist— erhielt er noch eine sofort zu vollstreckende Haftstrafe von einem Tag. Vier Bergleute sollten Streikbrecher beleidigt und einen miß« handelt haben. Strafanträge fehlten. Einer der vier Angeklagten gab zu, einen Schlag gegeben zu haben. Urteil: drei wurden frei« gesprochen, der eine erhielt— vier Monate Gefängnis. Ein Bergmann erhielt wegen Beleidigung und Bedrohung vier Monate Gefängnis. Wer einen Streikbrecher geschossen hatte, wurde nicht aufgeklärt. Viel Wahrscheinlichkeit sprach dafür, daß der Schuß von einem Streikbrecher abgegeben war. Ein Steiger wurde auf dem Wege zur Zeche angehalten und erhielt einen Stoß. Der Steiger schoß, woraus ein Bergmann sagte. er werde seine«Knarre" holen und den Steiger über den Haufen schießen. Zwei Bergarbeiter kamen deswegen auf die AnNagebank. Urteil: 1 Monat und 2 Wochen Gefängnis. Einem wurden drei Wochen der erlittenen Haft angerechnet, so daß noch eine Woche zu verbüßen war. Trotzdem widersprach der Staatsanwalt der Haftentlassung wegen„Fluchtverdacht"! DaS Gericht be« schloß die Aufhebung der Haft. Ein betrunkener Bergmann warf mit Steinen nach einem Gendarm, der Streikbrecher transportierte. In einem Hof wurde ein Sckulkind am Kopf getroffen. Der Angeklagte hat auch nach einem Kutscher geworfen, als ihm dieser nicht mit auf den Wagen nehmen wollte. Bei der Verhaftung hat sich der Betrunkene einem andern Gendarm widersetzt. Die Trunkenheit wurde festgestellt, eS soll aber keine sinnlose gewesen sein. Der Staatsanwalt beantragte — ö Monate, das Gerichte erkannte auf 5 M o n a t« Gefängnis und 8 Wochen Haft. Bei einer angeklagten Frau wurde erwiesen, daß die Frau eines Streikbrechers die Angeklagte selbst mit„Schwein" bezeichnet hat. Deshalb kam die Angeklagte mit 30 M. Geldstrafe davon. Sechs Angeklagte hatten einen Streikbrecher mit einem Gummi« schlauch und einem kleinen Teschin geschlagen und mit Steinen ge« warfen, die aber nicht trafen. Der älteste soll der„Anstifter" ge- Wesen sein. Urteil: Der„Anstifter" erhielt sechs Monate Ge» f ä n g n i s, drei andere je z w e i M o n a t e und die beiden letzten je drei Wochen. Bemerkenswert ist noch, daß ein Bergmann deshalb angeklagt worden war, weil er in einer Art gepfiffen haben soll, daß es wie Pfui geklungenhabe! Ungeahnte Möglichkeiten liegen da ja verborgen. DaS Gericht hatte aber kein Verständnis für diese neuartige Form eines StteikverbrechenS, eS sprach den pfeifenden Bergmann frei. Ein neuer Einigungsversuch im westsächsischen Kohlenrevier. Trotzdem der Stand des Streiks im Zwickauer und Lugau- Oelsnitzer Revier unverändert ist, haben die Streikenden sich aber« ,nalS entschlossen, einen VermittelungSversuch anzubahnen. Die sächsische Regierung hotte bereit» vor Ausbruch des Streiks durch den Ministerialdirektor Dr. W a h l e sich erboten, wenn die gesetzliche EinigungSinstanz, das Kgl. Bcrgamt, versagen sollte, ihrerseits als Vermittelungsorgan an der Beilegung des Streiks mitzuwirken. Da der Einigungsversuch des Bergamts in der Osterwoche an den Berg- Herren gescheitert ist. hat am Donnerstag eine gemeinsame Revier- konferenz beschlossen, die von der Regierung angeborene Hilfe zur Vermittelung in Anspruch zu nehmen und anzufragen, ob der Minister des Innern bereit ist, eine Deputation der Streikenden zu emp- fangen. AlS Mitglieder dieser Deputation haben die Streikenden in dieser Konferenz gewählt: den Vorsitzenden des Bergarbeiterverbandes. Reichstagsabgeordneten Sachse, die Bezirksleiter des Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Reviers, Strunz und Krause, sowie je ein Mitglied der beiden Zentralstreikkomitees. Die Deputation hat die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage der Streikenden und die Situation des Kampfes zur Kenntnis der Regierung zu bringen und anzufragen, ob seitens der Regierung Geneigtheit zu einem Ber« mittelungSversuch besteht. Einigungsverhandlungen im amerikanischen Bergarbciterstreit. New Jork, 11. April. Eine Kommission, bestehend au« vier Delegierten der Bergarbeiter und vier Vertretern der Grubenbesitzer ist zusammengetreten, um über die Beilegung des Streiks zu beraten. Die Grubenbesitzer haben sich teilweise bereit erklärt, den Acht- stundentag sowie eine zehnprozentige Lohnerhöhung zu bewilligen, doch bestehen die Arbeitnebmer auf Anerkennung ihrer sämtlichen Forderungen. Man hofft jedoch, daß die Kommission eine Basis finden wird, auf der eine Einigung beider Parteien zu ermög- lichen ist. 18. Rirtellag der Sozialdemoliratischcn Arbeiterpartei Hollands. Leiden, 7. April 1912. Erster Tag. Der diesjährige Parteitag der S. D. A. P. findet in der Uni- versitätsstadt Leiden statt. Beim Eintritt in die Verhandlungen werden auf wiederholtes Andringen des Vorsitzenden Vliegen und entgegen der Bekämpfung des Genossen Fortuyn der Abteilung Amsterdam VI die vorliegenden Anträge betr. das Verhältnis von Partei und GeWerk- schaftsbewegung an eine vom Parteivorstand und dem der Gewerkschaftszeutrale bereits ernannte gemeinschaftlich« Kam- Mission verwiesen, welche ihre Ernennung an erster Stelle den während des Streiks der Seeleute im letzten Sommer zutage ge» tretenen Meinungsverschiedenheiten verdankt. Auch bei der nunmehr folgenden Besprechung des Jahres- berichts bezw. der Parteileitung und der Kammerfrakiion gibt der Seeinannsstreik das Haupttuoment ab neben der erfolgten Weigerung seitens des Parteiführers Genossen. P. I. Troelstra, als Referent in öffentlichen Versammlungen aufzutreten, wo der Genosse Whnkoop, Vorsitzender und Propagandist der S. D. P.(der neuen Partei) als Diskussionsredner gegen ihn zugelassen werde. Die betreffende Kritik, welche sowohl die Vormittags- wie die Nachmittagssitzung ausfüllt, erfolgt in sehr gemäßigter Weise fast ausschließlich von feiten der marxistischen, die Verteidigung der Haltung der Partei dahingegen von der revisionistischen Richtung und, insbesondere was den Secmannsstreik betrifft, in der aller- schärfsten Weise von den Gewerkschaftsbeamten. Betreffend den Seemannsstreik weist Genosse Zadelhoff-Dor- drecht darauf hin, daß der Porteivorstand den Antrag des Vorstands« Mitgliedes, Genossen Wibaut, die Streikenden zu Amsterdam gleich denen zu Rotterdam zu unterstützen, verworfen hatte, obwohl er in seinem Beschlutz«usdrücklich erklärt hatte, daß«r dem elfteren ebenfalls sympathisch gegenüberstehe und hoffe, daß auch er gewonnen werde.(Der Amsterdamer Streik stand unter der Leitung der syndikalistisch gesinnten, der zu Rotterdam unter der der sogenannten „modernen", das heißt zentralistischen, beim N. V. V. angeschlossenen Organisation. Der Berichterstatter.) Redner hofft, daß die Partei in ähnlichen Fällen in Zukunft ihre Unterstützung nicht versage. Der Parteivorstand habe sich zuviel mit dem N. V. V. identifiziert. Die Motive des letzteren könnten nicht immer für die Partei maß- gebend fein. Die Sozialdemokratie umfasse mehr als den aus- schlietzlichen politischen Parlamentären Kampf. Ihre Aufgab« sei es an erster Stelle, Einheit in die Arberterbewegung zu bringen. Bei solch einem großen Stück Klassenkampf, wie der Seemannsstreik, falle die organisatorische Scheidung der Arbeiter nicht ins Gewicht. Die ganze herrschende Klasse zeigte völlige Einheit und scharte sich an die Seite der Hafenkapitalisten. Diesen gegenüber standen die tapferen Seeleute, und die Partei habe, aus dem Bewußtsein der Klassengemeinschaft heraus, unterstützen müssen. Auf Grund deL sozialdemokratischen Prinzips sowohl, als auch aus taktischen Rück- sichten hätte die Partei pekunäre Unterstützung verleihen müssen, obwohl die Amsterdamer Streikenden unter der von jedem Sozial- demokraten als verkehrt erachteten syndikalistischen Leitung standen. In der Nachmittagssitzung werden neben wenig be- deutender Kritik auf die Kammerfraktion und deren Beantwortung seitens derselben auch einige Bemerkungen gemacht betreffs der Diskussionsverweigerung seitens des Genossen Troelstra mit dem Genossen Wynkoop von der S. D- P., die eigentlich nur von dem Genossen Fortuyn-Amsterdam als ungehörig verurteilt wird, wobei dieser Redner vom Parteivorstande eine Aus- iprache dahin gewünscht hätte, daß jeder Genosse, der die Debatte verweigere, von den Parteiabterlungen al« Redner nicht angesucht werden dürfe. Statt dessen habe der Parteivorstand die DiSkussionSfreiheit den Referenten als etwas, was dies« per. sönlich angehe anheimgegeben. Genosse Troelstra habe sich hiermit über die Partei gestellt. Der übrige Teil der Nachmittagssitzung ist dem SeemannSstreik gewidmet. Die lange und ziemlich erregte Debatte brachte die verschiedenartigsten Meinungen über daS Verhältnis von Partei und Gewerkschaft zum Ausdruck. Da, wie Genosse Wilbaut zu Anfang seiner Rede konstatiert hatte, die Angelegenheit des Seemannsstreiks sich, anstatt zu einer Beratung über die Tätigkeit des Parteivorstandes, zu einem Anfall der Parteimehrheit auf deren Minderheit ausgewachsen hatte� oen er in seiner Rede beantwortet«, ergriff, zur Verteidigung der Mehr- heit deS Parteivorftande» noch Genosse Spi«ck mann-Rotter- dam, Mitglied desselben, das Wort, und konstatierte, daß die übergroße Mehrheit der Partei die Stellungnahme des Vorstandes billige. Selbst wenn von der ernannten Konimission zur Beratung des Verhältnisses zwischen S. D. A. P. und N. V. V. eine bestimmte Haltung angenommen wird, so denke der Parteivorstand nicht daran, infolge eventuellen Beschlusses deS N. B. V. oder eines Motive desselben, in ökonomischen Konflikten, welche einen politischen Cha- rakter annehmen, nach dessen Willen Beschlüsse zu fassen. Der Parteivorstand könne sich aber nicht vorstellen, daß er je eine andere Stellung einnehmen müsse, als das N. V. V., mit dem er selbst» redend stets in Kontrakt trete. Die Kommission sei eben ernannt, um Konflikten zwischen beiden Körpern vorzubeugen.— Da in der gemeinschaftlichen Beratung zwischen N. V. V. und Parteivorstand die Minderheit des letzteren der Ansicht gewesen sei, daß der Se«- mannsstreik einen politischen Charakter angenommen habe, und daß deshalb Unterstützung Pflicht sei, der N. V. V�Vorstand aber sich dahin geäußert habe, daß er eine eventuell von feiten der Partei organisierte Unterstützungsbewegung als eine praktisch feind. liche Stellungnahme gegenüber dem N. V. V. an- sehen müsse, beschloß der Parteivorstand, diese zu unterlassen und die bekannte Erklärung abzugeben. Dieser Beschluß sei aber erst nach dem Weggange des N. V. V.-VorstandeS gefaßt worden, also'selbständig. Nach dieser Erklärung zieht Amsterdam VI ein zu Anfang der Beratungen beantragtes Mißtrauensvotum gegen den Partei- vorstand zurück. Der Vorsitzende Genoss« Vliegen erklärt, daß, da ein sonstiger Antrag nicht vorliege, die Haltung des Vorstandes vom Parteitage gutgeheißen werde; dasselbe sei mit der Tätigkeit der Kammerfraktion der Fall. Dann vertagt sich der Parteitag bis Montagmorgan. 19. Parteitag der Sozialdemoliratie Ungarns. An historischer Stell«, im alten ReichstagSgebäude in B u d a- pest, tagte während der Osterfeiertage der diesjährige Parteitag der Sozialdemokratie Ungarns. Der Umstand, daß Ungarn sich zurzeit in großen politischen Wirren befindet und niemand weiß. was die nächsten Monate in der Politik der herrschenden Klassen für Veränderungen hervorbringen werden, die Tatsache, daß die heutigen Führer der feudalen und bürgerlichen Parteien und all die anderen„großen" Staatsmänner Ungarns mit ihrer politischen Weisheit bereits zu Ende sind und noch viele andere intcressanie Nebenumstände, so die Einstellung Khuens als des famosen Königs- retters und die Drohung, daß der König abdanke, wenn die konigS- getreue Majorität an seinen Rechten zu deuteln wagt, alles dies hat im politischen Ungarn das unterste zu obcrst gekehrt und alle diese feudalen, klerikalen und bourgeoisen Kreise, die stets bestrebt sind, daS Wahlrecht zu hintertreiben, sehen endlich mit Schaudern und Entsetzen, daß aus diesem Chaos kein anderer Ausweg, keine an- dere Rettung ist, als die Verwirklichung des allgemeinen, gleick,«». geheimen und direkten Wahlrechts. Noch sind die Herren ängstlich bemüht, das Wahlrecht so lange zu hcntertreihcn. solange es nur möglich ist, aber sie wissen, daß ihr schnödes Spiel zu Ende geht und wenn alle Zeichen nicht trügen, sie bald klein beigeben müssen. In dieser gärenden Zeit, in diesem wirren Durcheinander von politischen Charakterlosigkeiten und hinterlistiger Augstmeierei der feudak-bürgerkichsü Clique 6ot den Volksrechten, gelssatt kken die Tagungen des Parteitages doppelte Bedeutung. Wie ein großer mäch- tiger Akkord des Ausdrucks des VolkswillenS, wie ein Nachhall an jene gewaltige Demonstration am 4. März, da Hunderttausende für das Wahlrecht demonstrierten, kam nun am Parteitag der kraftvolle Willen des Volkes um die Erringung des Wahlrechts mit unverminderter Kraft weiterzukämpfen, zum Ausdruck. Zum erstenmal seit dem Bestände der ungarländischn sozial- demokratischen Arbeiterpartei nahm auch ein Vertreter der n: ächtigen deutschen Bruderpartei, Genoss« Otto Braun, an den Tagungen teil. Ueber die Verhandlungen des Parteitages geht uns folgender Bericht zu: Genosse Karl Teszärsz als Präsident begrüßte die Vertreter der Bruderparteien, in erster Linie Genossen Otto Braun(Stür- mische Hochrufe), den Vertreter der deutschen Sozialdemokratie, den österreichischen Reichstagscrbgeordneten Genossen Leopold W i- n a r s k y und Genossen B u k s e h, den Vertreter der kroatischen Sozialdemokratie. Als Erster sprach nun der Vertreter der deutschen Sozialdemokratie, Genosse Otto Braun, aus dessen oft von starkem Beifall unterbrochenen Rede wir folgendes entnehmen. Ich freue mich, daß mir der ehrenvolle Austrag gewovden, Ihnen, den Vertretern der ungarländischen Bruderpartei, die herzlichsten brüderlichen Grüße des in der sozialdemokratischen Partei verein- tcn klassenbewußten Proletariats Deutschlanos zu übermitteln. (Hochrufe.) Trennen uns auch Grenzen, Sprache und Sitten, so fühlen wir uns doch eins in dem Streben nach Verwirklichung der höheren Menschheitsideale, des Sozialismus. Wir kennen keine nationaleu Eifersüchteleien, keinen�llationalitätenhaß. Der von der kapitalistischen RegierungSclique aus eigennützigem Profitinteresse und imperialistischer Ländergier geschürte Chauvinismus prallt wir- kungslos ab von dem klassenbewußten Proletariat, das von dem Geiste wahrer Jnternationalität und weltumspannender Volksver- brüderung erfüllt ist. Ueberall, wo der Kapitalismus sich entwickelt, da reckt und streckt auch der Riese Sozialismus seine kraftstrotzenden Glieder. Ich komme auS einem Lande, wo es der Kapitalismus zur höchsten Entfaltung gebracht hat. Die wirtschaftliche EntWickelung Deutschlands in den letzten vier Jahrzehnten steht beispiellos da in der Kulturwelt. Nicht zuletzt durch die Intelligenz und die Tatkraft seiner Arbeiterschaft. Wo s o der Kapitalismus in höchster Blüte steht, da ist auch der Sozialismus auf dem Marsche. Nach Millio- neu zählen seine Anhänger, die durchdrungen von unerschütterlicher Siegeszuversicht mit UeberzeugungStreue und Opfermut den Kampf zur Befreiung der Menschheit von kapitalistischer Unkultur führen. Nicht Ausnahmegesetze, nicht Polizeiwillkür noch Klassenjustiz haben den Siegeszug des Sozialismus in Deutschland aushalten können. Als vor fünf Jahren in einer verlogenen Wahlhetze eS gelungen war, uns die Hälfte der Reichstagsmandate zu entreißen, da jubelte die bürgerliche Welt. Der 12. Januar, der Tag der Reichstags- wählen, hat die Sieghaftigkeit der sozialistischen Idee wieder auf das glänzendste bewiesen. Gewiß, wir sind noch nicht am Ziel. Aber wir haben doch wieder eine Etappe auf dem unaufhalffamen Siegeszuge erreicht. Wir sehen mit Freuden die Früchte unserer unermüdlichen OrganisationS- und AgitatwnstStigkeit reifen. Gerade der diesjährige Wahlkampf hat es gelehrt, was ein« schlag- fertige Organisation, eine gut ausgebaute und weitverbreitete Presse und ein« gefüllte Kasse für den proletarischen Befteiungs- kämpf bedeutet. Nachdem ich unsere« herrlichen Wahlsieges gedacht. der Sie alle mit ebenso stolzer Freude erfüllt wie uns— denn unsere Siege sind auch Ihre Siege und Ihre Er» folge sind auch unser« Erfolge(Brausender Beifall)—. glaubte ich doch auch etwas den Schleier lüften zu müssen, hrnter dem sich das Geheimnis unsere? Erfolg«? verbürgt. Uns deutschen Sozialdemokraten begegnet im Auslande oft die der- wunderte Frage, wie es komme, daß wir bei unserer gewaltigen Organisation, bei der großen Zahl der Vertreter in den parlamen« tarischen Körperschaften, doch so verhältnismäßig geringen politi«. o- scheu Einfluß auf die Geschicke unseres Landes ausüben, kurz, so wenig politische Macht haben. Nun. so ganz gering ist unser fluß nicht. ES ist aber nicht nur auf die halb-absolutistische Junker- regierung in Preußcn-Deutschland zurückzuführen, sondern findet vielmehr auch darin seine Begründung daß die Entwickelung der deutschen Arbeiterbewegung so weit vorgeschritten ist, daß nicht mehr um mehr oder weniger Einfluß, oder um mehr oder weniger politische Macht gekämpft wird, sondern in Deutschland wird zwi- scheu dem klassenbewußten Proletariat und den beamteten und unbeamtetcn Vertretern des Kapitalismus bereits um die politische Macht gerungen. Da sind hüben wie drüben klein« Konzessionen mehr und mehr ausgeschlossen. Der kleinste wirtschaftliche Kampf wird zum politischen Machtkampf. E» toben daher in zahlreichen Kulturstaaten heftige Wahlrechtskämpfe. Ebenso wie Sie hier in Ungarn für ein gerechteres, für ein ehrliches Wahlrecht kämpfen, führen die Arbeiter Preußens, die Vormacht Deutschlands, seit Jahren einen zähen Kampf gegen das niederträchtigste aller Wahlshsteme, das elende Dreiklassenwahlshstem. da» die Besitzlosen entrechtet und der Fälschung der Volksmeinung, dem Volksbetrug. Tür und Tor öffnet. Der Wahlrechtskampf verkörpert den Kampf um die politische Macht zwischen den Vertretern der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung und den proletarischen Vorkämpfern für eine gerechtere Wirtschaftsordnung, ftir eine höhere Kultur- stufe. Die Bourgeoisie weiß, daß es bei diesem Kampf um ihre Ausbeuterexistenz geht. Sie setzt daher der stürmischen Forderung des arbeitenden Volkes nach mehr Recht den zähesten Widerstand entgegen und wird darin unterstützt von ihren junkerlichen und agrarischen Mitinteressenten, die sich in ihren Privilegien bedroht und in der schamlosen Ausbeutung des Volkes gestört sehen. Doch das Proletariat mutz, will es feine geschichtliche Mission erfüllen, diesen Widerstand brecben. ES wird ihn allen Schikanen und Dvangsalierungen zum Trotz brechen und sich die Rechte erzwingen, die man ihm brutal vorenthält. Das klassenbewußte Proletariat ist satt der Helotenrolle, die ihm seine kapitalistischen Ausbeuter zu- weisen. Es erfüllt seine Pflicht der Gesellschaft gegenüber und fordert daher von dieser gebieterisch sein Recht mitzubestimmen über sein Geschick. Die machtvolle Empörung der britischen Transport- und Verkehrsarbeiter gegen die kapitalistische Ausbeutung, die im vorigen Jahre das Wirtschaftsleben in England lahmlegte, das gi- gantische Ringen des zum Klassenbewußtsein erwachten englischen Grubenproletariats, das in den letzten Wochen die Welt in Atem hielt, der durch christlichen Verrat und die preußische SoldateSka zum schnellen Abbruch gebrachte gewaltige Lohnkampf der Ruhr- bergleut« in Deutschland hat wieder einmal aller Welt gezeigt, daß das ganze komplizierte kapitalistische Wirtschaft»««- triebe auf der willigen Mitarbeit des Proleta- riateS beruht. Dieses darf nur einmal nicht mehr wollen und der ganze goldglänzend« Grundbau der bürgerlichen Gesell- schaftsordnung. m dessen oberen lichteren Hallen die Nutznießer des kapitalistischen Profits sich in üppigem Lebensgenuß und in schwelgerischen Daseinsfreuden ergehen, während das rastlos schaffende Proletariat Im Dunkel des Kellergeschosses sein licht- und freudeloses Dasein dahinschleppt. fallt in sich zusammen. Die Regierungsweisheit der Herrschenden, die Kanonen, statt Volks- rechte gewährt, wird und kann die Völler nicht dauernd nieder- halten, sondern wird sie nur zu kraftvollerem Widerstand gegen das wahnsinnige, verbrecherische Wettrüsten aufstacheln. Europa starrt in Waffen, ein Zustand, der auf die Dauer unerträglich wird. an dem die Völker sich im Frieden verbluten, der zur vernachlässi- gung aller dringenden Kulturaufgaben führen muß. ES ist dies aber auch ein Zustand, der die brutalen Raubtiergelüste des vom Taumel des Imperialismus ergriffenen Kapitalismus aufftachelt und dadurch fortgesetzt die Gefahr eines mörderischen Weltkrieges heraufbeschwurt. Das sozialistische Proletariat aller Kulturländer will aber keinen Krieg, es will den Frieden und wird daher wie bisher seinen ganzen Einfluß, seine ganze Macht für die Erhaltung dcS Friedens einsetzen. Deshalb bekämpfen die Sozialisten aller Länder auch grundiätzlich den Militarismus zu Lande, zu Wasser und In der Luft, wo er nunmehr auch bereit» feine verderbliche Tätigkeit entfaltet. Das Volk braucht nicht mehr Soldaten, Ma- schinengeevehre und Kriegsschiffe, sonders e» fordert«ehr Recht?, Fre!Hett und©rol. Indem sch Ihnen nochmatt herzNchen«ruh entbiete, wünsche ich Ihren Beratungen den besten Erfolg und wünsche, datz sie von demselben Gefühl brüderlicher Solidarität, das uns alle umschließt, erfüllt sein möchten. Wie unsere Losung, so sei auch die Ihrige immerdar: Nieder mit dem Kapita» liSmusi Hoch die revolutionäre Sozialdemo» kratie! Hoch die proletarische Internationale! (Stürmischer, nicht endenwollender Beifall.) Mit stürmischem Beifall begrüßt ergreift nun der österreichische ReichstagSabgeordnete Genosse Leopold Winarsky das Wort. Er sagte in seiner die Kongreßteilnehmer oft zu leidenschaftlichen Bei- fallskundgebungen hinreißenden Rede ungefähr folgendes: Wir österreichischen Sozialdemokraten sind in engerer Verbindung mit Ihnen als die Sozialdemokraten anderer Länder, denn obzwar wir in zwei berschtedenen Ländern stnd, sind wir dennoch vereinigt ourch denselben Militarismus und gemeinsam ist in beiden Staaten der- selb« Absolutismus. Deshalb wirkt alles, was in Ungarn geschieht, sehr stark auf uns ein. Wir verfolgen mit größtem Interesse von Parteitag zu Parteitag den Aufschwung der sozialdemokratischen Partei Ungarns und freuen uns herzlich des Fortschrittes der Partei, daß ihre Machtmittel stärker werden und ihr politischer Einfluß im Wachsen begriffen ist. Mit gesteigertem Interesse ver- folgen wir jeden Schritt, den Sie im kraftvollen Kampfe ums all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht führen, denn auch wir haben ein Interesse daran, daß Ungarns Volk zu seinen Rech- ten, in erster Linie zum Wahlrecht kommt. Wir in Oesterreich sind im großen ganzen darüber bereits hinaus. Der ungarische König hat dem ungarischen Volk sein Wort nicht eingelöst, aber die öfter- reichische Arbeiterschaft hat sich das Wahlrecht errungen. Gewiß. der Erfolg in der Wahlrechtsfrage ist nur ein halber Erfolg, denn noch andere große Aufgaben sind noch ungelöst. Bei der Arbeiter- fchutzgesetzgebung, den Fragen der Volkscrnährung starren uns noch große Hindernisse entgegen. Auch wir haben noch Wahlrechts- fragen zu erledigen. Zwar haben wir im Parlamente das allgs- meine Wahlrecht, aber in den Erbländern, in den Versammlungen der kleinen Tyrannen, ist das allgemeine Wahlrecht noch nicht durchgeführt.(Referent weist nun des längeren auf die österreichischen Zustände hin.) Wir fühlen uns auch auf Schritt und Tritt ge- hindert, bis Sie ebensoweit sind. Solange jenseits der Leitha und der March das Volk kujoniert wird, solange sind eben auch wir be- hindert. Sie haben es sehr schwer in Ihrem Kampfe. Jetzt stehen Sie sogar einem Königsretter als Wahlrechtsgeber gegenüber. Ihre Beratungen sind eben deshalb für uns sehr wichtig, denn es hängt viel dabei vom weiteren Schicksale unserer Kämpfe ab. Besonders wichtig aber ist die? im gegenwärtigen Moment, da in einem Lande, das mit Ungarn in enger Verbindung steht, in Kroatien der Absolutismus herrscht.(Pfui-Rufe.) Die Reaktion in Kroatien, die Einsetzung eines königlichen Kommissars, sind Dinge, die in nwdernen Staaten heutzutage nur äußerst selten vorkommen. In Oesterreich-Ungarn ist es leider nicht unbekannt, was es zu bedeuten hat, wenn die Verfassung von oben suspendiert wird. Diese Politik ist gefährlich und eben dies« ungarischen Politiker, die soviel von den Beistrichen der Gesetzgebung wissen wollen, sollten an die Geschichte Ungarns in den letzten Jahren denken. Sie ver- gessen die Lehren der Geschichte und werden die Folgen am eigenen Leibe erfahren müssen, wie dunun und sehr gefährlich sie vorgehen. Eine der vornehmsten Aufgaben des ungarländischen Proletariats muß es sein, Protest einzulegen gegen die Reaktion des Absolutis- inus in Kroatien. Wir Sozialdemokraten sind berufen dazu, Ord- nung zu schaffen, die Gegensätze auszugleichen zwischen den Völ- kern. Nur auf dem Wege brüderlicher Vereinigung können wir vorwärtskommen. Im Auftrag» der kroatischen Bruderpartei begrüßt Genosse Wilhelm B u k s e Y(Zagrab) den Parteitag. Wir haben ein ganz eminente» Interesse an Ihrem Kampfe. Wir hofften, daß wir in der Periode der kapitalistischen Prosperität die Wunden der Wirt- schaftlichcn Krise heilen konnten. Neues Erstarken der Orgamsa- tionen, neuer Kampfesmut liehen uns das Beste hoffen. In diesem Bestreben wurden wir überrascht durch die Installierung des Abso» lutismus— man spricht von einer dauernden EtMierung deS Khuen-Cuvaj-Regimes. Die allernächste Zukunft wird zeigen, wie- viel Energie die bürgerlichen Parteien aufbringen werden. Der UkaS des neuen Banus, seine zwei Reskripte— in einem wird die Unantastbarkeit der verfassungsmäßigen Rechte des Volkes betont, im zweiten der Absolutismus in Kroatien eingeführt— beweisen zur Genüge die Absichten der Kreatur KhuenS. Infolge dieser Zu- stände ist die politische Aktion und Organisation unmöglich. Die gewerkschaftliche Betvegung wird heute noch toleriert— was der morgige Tag bringt, das liegt noch im Dunkel. Die Presse ist ge- knebelt. Von vier Parteiorganen werden wir nur die täglich er- scheinende„Slobodna Riec' halten können. 5000 Kronen haben wir dafür sicherstellen müssen. Das ist die Antwort der kroatischen Ar- deiter auf den Anschlag gegen die Presse. DaS deutsche„Volksrecht", das serbische„Rpabo Hapoga", das gewerkschaftliche Organ„Radnicka Borgba" mußten geopfert" werden. Das Streikrecht ist in Gefahr, aber es ist überflüssig zu sagen, daß wir daran nicht rühren lassen. Die Arbeiterschaft wird streiken und kämpfen. Wir werden den 1. Mai feiern, auch wenn es im Schatten eines Bajonettenwaldes vor sich gehen muß. Das klassenbewußte Proletariat war immer an erster Stelle im Kampfe für die Rechte und Freiheiten des Volkes. Wir find an Kerker und andere Verfolgungen gewöhnt und die fozia- listische Arbeiterbewegung wird auch den neuesten Absolutismus überleben. Gegen die Herrschaft der feudalen Grafen, der Khuen, TiSza, Andr�ssy, Peacevic, Erdödy, Jankovic, dreht sich Euer und unser Kampf um politische Rechte. Im Interesse unserer Freiheit tvünschen wir Euch den Sieg im Wahlrechtskampfe. Wir sind die ersten Opfer dieses Kampfes, wir hoffeb auf Eure tatkräftige Un. terstützung gegen den Absolutismus und wünschen in diesem Sinne besten Erfolg zu Euren Beratungen.(Ueberaus lebhafter Beifall und Eljenrufe.) Vor der Tagesordnung sprach gegen den Absolntismus in Kroatien Dr. Sigmund Kunfi(Parteileitungsmitglied). Er empfiehlt dem Parteitage die Annahme folgender Resolution: „Der am 7. April in Budapest tagende Parteitag der ungar- ländischen sozialdemokratischen Partei brandmarkt mit Entrüstung die gejctzverletzende und Verfassungsbruchpolitik der ungarischen Regierung, die mit der Suspendierung der kroatischen Verfassung sich zum unverhüllten Absolutismus bekannte. Der Parteitag protestiert namens der ungarländischen Arbeiterklasse gegen diesen gegen die Freiheit der Volksrechte und Bildung gerichteten Schurkenstreich und gibt seiner Sympathie für das kroatische Volk Ausdruck und stellt fest, daß der Raub der kroatischen Ver- fassung und die Proklamierung der Gewaltherrschaft an Stelle des Rechts nicht das Werk des ungarischen Staates, des ungari- scheu Volkes, sondern auSscklließlich der vereinigten Dkaffia der feudalen Herren und der GeschäftSpolitikcr ist. Der Parteitag stellt fest, daß die Suspendierung der kroatisck>en Verfassung eine Offenbarung desselben RegierungSshstemS ist, das in dem in engerem Sinne genommenen Ungarn ein geschworener Feind der Polksrcchte und der allgemeinen Freiheit ist." (Langanhaltende Eljenrufe und Zustimmunaskundaebungen.) Präsident Karl Tefzarsz stellte fest, daß die Resolution vom Parteitag einstimmig angenommen wurde. 13. Nerbandstag des Zentralverbandes der Slaser. Dredden, 10. April. lieber die Einftihrung der Krankenunterstützung und von Sterbegeld referierte zu Beginn der heutigen Sitzung Verbandskassierer Schwerdt- Karlsruhe. Der Wunsch auf Einführung der Krankcnunterstützung sei unter den Mitgliedern sehr alt, er kehre bei jedem Perbandstag in verstärkter Weise wieder. Datum habe sich der Vorstand entschlossen, eine Vorlage zu unterbreiten. Ohne Beitragserhöhung wäre aber die Einführung der Krankcnunterstützung unmöglich. Für die Krankenunterstützung ist eine jährliche Ausgabe von 21 000 M. und für das Sterbegeld 1900 M. veranschlagt. Zur Deckung disfer SuSgabu» lchlägt des Vorstand die Echöhun« btß fijfc&n- beitrage? um 10 Pf., von 80 auf 70 Pf., vor. Diese 10 Pf. müssen voll an die Hauptkasse abgeführt werden. Nach dem Vorstands- entwurf soll die Krankenunterstützung auf die Dauer von drei- zehn Wochen gewährt werden und wöchentlich 3 M. bis 0.1b M., je nach der Dauer der Mitgliedschaft, betragen. DaS Sterbegeld soll in der Höhe von 20 bis 55 M. gewährt werden. DaS Referat zeitigte eine längere Debatte, in der lebhaft für und gegen die Einführung der Krankenunterstützung plädiert wurde. Die Gegner der Einführung betonten, mit der Kranken- Unterstützung würde dem Verband ein Ballast aufgebürdet, der wie eine Bleikugel an der Organisation hänge. Auch würde der KampfeScharakter des Verbandes dadurch vermindert. Die Freunde der Krankenunterstützung sehen in dieser mit ein gutes Mittel, die Mitalieder dem Verbände zu halten. Für die Einftihrung der vorgeschlagenenen neuen UnterstutzungSzweige sprächen Delegierte aus Ulm, Leipzig, Breslau,. Hannover, Freiburg i. Br., Berlin, Stuttgart und Bremen. Dagegen erklärten sich Delegierte von Nürnberg. Hamburg, Dresden, Zwickau, Chemnitz, Saar- brücken und der Ausschußvorsitzende S ch i e b e l- Leipzig. Bei der A b st i m m u n g waren im Prinzip 22 Delegierte für und 13 Delegierte gegen die Einführung der Krankenunter- stützung und des Sterbegeldes. Die zur Beratung der Vorstandsvorlage eingesetzte Kom- Mission, die im Prinzip für die Erweiterung der Unterstützungs- zweige war, unterbreitete nun ihre Svezialvorschläge: Redu- zierung der Unterstützungssätze der Vorstandsvorlage und Er- höhung der Streikunterstützung. Die Vorschläge der Kommission stießen auf teilweisen Widerspruch. Bei der Abstimmung wurde die Vorlage des Vorstandes mit den Krankenunterstützungssätzen der Kommisston, 3 bis 5 M. pro Woche, angenommen. Ueber die Reichsverstcherungsordnung hielt Arbeitersekretär Böttger- Mannheim ein sehr instruktives Referat. Der Verbandstag stimmte diesen Ausführungen, die eine Kritik der Reichsversicherungsordnung bildeten, durch ein- stimmige Annahme einer entsprechenden Resolution zu. Der VerbandStag nimmt in ihr davon Kenntnis, daß bei der Beratung und Beschlußfassung der Reichsverstcherungsordnung die Vertreter aller bürgerlichen Parteien versagt haben, und es der Sozial- demokrati» allein überlassen blieb, die Rechte der Arbeiterschaft zu wahren. Daraus ergebe sich die logische Kon- sequenz, daß die Delegierten ihre agitatorische Tätigkeit so ein- richten, daß neben der Stärkung der wirtschaftlichen Macht auch unsere politische Position immer mehr gefestigt wird. Zur Beratung der BerschmelzungSfrage wird beschlossen, da diese Frage schon wiederholt auf Verbands- tagen erörtert wurde, nur einen Redner für und einen gegen die Verschmelzung sprechen zu lassen. Für die Verschmelzungsfreunde sprach Klotz- Darmstadt, der sehr wirksam und geschickt die Vorteile einer Verschmelzung mit � dem Holzarbeiterverband hervorhob. Die Berufsverwandschaft der Glaser mit den Holz- arbeitern sei so eng, daß sich schon allein hieraus die Notwendig. keit einer Verschmelzung schließen lasse. Nur große, alle Berufs- schichten einer Industrie umfassende Organisationen könnten die Interessen der Arbeiterschaft wirksam wahren. Klotz legte eine Resolution vor, in der er eine Urabstimmung über den An- schluß an den Holzarbeiterverband verlangte. L e i p n i tz- Leipzig nahm das Wort gegen die Ver- schmelzung. Der Glaserverband habe seine Leistungsfähigkeit be- wiesen und könne sie auch weiter zeigen. Bei dem Holzarbeiter- verband würden die Glaser fast verschwinden. Bezüglich der Finanzen und der Unterstützungen könne sich der Glaser- mit dem Holzarbeiterverband messen. Es wird dann sofort über die Angliederung an den Holz- arbeiterverband abgestimmt. Für den Anschluß stimmten 14, da- gegen 20 Delegierte, einer enthielt sich der Abstimmung. Die Resolution Klotz wurde dann mit 21 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Gegen die Verschmelzung und gegen die Resolution Klotz hatten gestimmt: die Vertreter von Berlin, Chemnitz, Breslau, Leipzig. Halle, Hamburg, Bremen, Hannover, Köln, Düsseldorf, Saar- brücken und Freiburg i. Br. Dafür hatten sich erklärt: die Dele- gierten von Zwickau, Plauen, Dresden, Aena, Erfurt, Darmstadt, Mannheim, Worms, Stuttgart, Ulm, Nürnberg und München. Die weiteren Arbeiten des Verbandstages werden in einer Abendsitzung erledigt. Zum Punkt NeichStarif im Glasergewerb« legte Eichhorn- Karlsruh« in dieser Abendsihung eine Reso- lution vor, in der der Verbandstag den Abschluß eines Reichstarifs ablehnt. In dem Abschluß lokaler Tarifverträge wird ein größerer Vorteil für die Arbeiterschaft er- blickt. Der Hauptvorstand erhält den Auftrag, in diesem Sinne zu wirken und auch eventuell angeregte Verhandlungen über den Abschluß eines Reichstarifs abzulehnen. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Der Verbandstag beriet dunn die zum Statut vorliegenden Anträge. Die Zahl dieser Anträge ist sehr zahlreich; sie riefen längere Erörterungen hervor. Von den gefaßten Beschlüssen seien hervorgehoben: Mitglieder, die länger als vier Wochen krank sind, können vom Beginn der Krankheit an auf Ersuchen vom Bei- trag entbunden werden. Die Streikunterstützung wurde um 3 M. pro Woche erhöht. Die verheirateten Kollegen erhalten nun 15 M., die ledigen 12 M.(bisher 12 und 9 M.) pro Woche. Die Karenzzeit hierfür wurde auf 20 Wochen festgesetzt.—. Die Arbeitslosen Unterstützung bleibt in der bisherigen Form bestehen.— Bei den Bestimmungen über den Verbandstag wurde festgelegt, daß zu dessen Befugnisse auch die Vorschläge zur Wahl ver Delegierten zum Gewerkschaftskongreß gehören. Ein Antrag, die Institution des Ausschusses aufzuheben, wurde abgelehnt: Annahme fand folgender Antrag:„Zur Beratung und Beschlußfassung über größere Streiks und Aussperrungen wählt der Verbandstag einen Beirat, der sich aus acht Mitgliedern zusammensetzt. Die Wahl der Mitglieder des BeitratS hat in jeweils vom VerbandStage zu ernennenden Zahlstellen zu er- folgen." Als Orte, die die Wahl der Beiratsmitglieder vorzu- nehmen haben, wurden bestimmt: Berlin, Leipzig, Hamburg, Chemnitz, München, Stuitaart, Köln und Freiburg i. Br. Die Bestimmungen über das Verhalten bei ArbeitSein- stellungen wurden dahin abgeändert, daß die Abstimmung über eine Arbeitseinstellung oder über die Fortführung von Streiks eine geheime sein muh. Sie gelten dann als beschlossen, wenn mindestens zwei Drittel der Versammlungsteilnehmer dafür gestimmt haben. Zur Frage der Arbeitsver Mittelung wurde eine Resolution angenommen, in der zur Errichtung von örtlichen Arbeitsnachweisen aufgefordert und die Schaffung eines Zentral. arbeitsnachweiseS verlangt wird. Sitz des Vorstandes bleibt Karlsruhe, Sitz des AuS- fchusses Leipzig. Sitz der Preßkommission Mannheim. Zum Internationalen Arbeiterkongreß wird Ver- bandsvorsitzender Eichhorn und zum nächsten G e w d r k- schafttsko�ngreß Eichhorn und B ö t t g e r- Mannheim delegiert. Damit waren die Arbeiten deS Verbandstages erledigt. Der nächste VerbandStag findet 1915 in Erfurt statt. Jiiis der Partei. Die Greulich-Feler in Zürich. Ungefähr 1200 Genossen und Gcnossiuneu aus Zürich und zahlreichen anderen Orten der Eckyveiz begingen am Dienstag- abend in der großen„Stadthalle" die Feier des 70. Geburtstages unseres Genossen Greulich, der sich mit seiner Familie einschließ- lich der Enkelkinder dazu eingefunden hatte und in bester Stim- «Mg war. Genosse Lang feiert« de» Jubilar ab» de» Sitte- | gründet und jahrzehntelangen erfolgreichen Führer der schweize- tischen Sozialdemokratie, von dem das Wort Goethes gilt:„Mensch sein heißt Kämpfer sein!" Er hat es verstanden, sich jugenoliche Begeisterung und Hoffnungsfreudigkeit zu bewahren, so daß er auch ein wirksamer und überall begrüßter Förderer der Jugend- bewegung ist und sein kann. Genosse Lang überreichte sodann dem Jubilar als Geburtstagsgeschenke ein prächtiges Oclgemälde, ein« Tabakdose und eine goldene Uhr, die ihm noch viele glückliche Stunden zeigen möge. Kraft der Majestät deS Volkes ernannte ihn Lang zum Ehrendoktor des Volksrechts, von dem er mehr ver- steht als 70 Professoren zusammengenommen. Genosse Dr. Studer übermittelte die besten Glückwünsche namens der Leitung der schweizerischen sozialdemokratischen Partei, Grimm namens der sozialdemokratischen Nationalratsfraktion, Pfüger nantrssß'�rs schweizerischen GrütlivereinS und Rimathe namens des Gewerkschaftsbundes. Dieser teilte zugleich mit, daß aus vielen Orten der Schweiz und des Auslandes zirka 90 tele- graphische Glückwünsche und Briefe eingelaufen, von denen er mehrere verlas oder erwähnte. Zum Schlüsse betrat der Jubilar, Genosse Greulich, selbst das Podium, von stürmischem, anhaltenden Beifall begrüßt, um für die Glückwünsche zu danken und seiner Freude Ausdruck zu geben, daß er diesen Tag noch erlebte. Nach einigen Reminiszenzen wandte sich Greulich gegen die von der Sozialdemokratie„Eni- täuschten", deren einer jetzt(Redakteur Pechota von der Winter- thurer„Arbeilter-Zeitung") unsere Reihen verlieh, um in das freisinnige Lager überzutreten. Das kann nur ein Mann, der nicht durchdrungen ist von unfern hohen Idealen und der daher den Glauben an die Zukunft verliert. Im Gegensatz dazu sieht Greulich überall die Saat aufgehen und herrliche Früchte tragen, wie die großen Kämpfe des Proletariats in England und die schleunige Erledigung des Minimallohngesetzes sowie andere Fort- schritte und Erfolge beweisen. Greulich schloß seine mit jugend- sicher Begeisterung vorgetragene Rede mit den Worten:„Solange eine Ader in mir pulsiert, werde ich dabei sein. Ich bin der Eure und bringe mein Hoch der Weltarbeiterbewegung, nicht nur der nationalen. Die Arbeiterbewegung aller Länder, sie lebe hoch!" Nicht endenwollender Beifallssturm durchbrauste die Halle. Der unvergeßliche Abend wurde eingerahmt durch gelungene Liedervorträge der Arbeitermännerchöre und durch Musikvorträge. Die neueste Verleumdung. Der„Hannoversche Courier" und andere bürgerliche Matter verbreiteten eine Notiz, in der in verlogener Weise über eine Ver- sammlung berichtet wird, die die Austrägerinnen des„V o r- wärt 8" dieser Tage abgehalten haben. Unter anderem wird in dem Bericht gesagt, die Genossin Philipp habe behauptet, daß Verhandlungen niit dem„Vorwärts" wegen einer TeuerttngS- oder Lohnzulage gescheitert seien. Genosse Scheidcmann(als Dezernent des Parteivorstandes in Presseanaelegenheiten) habe er- klärt, das Austragen des„BortväfltS' fei nur«ine Ncbenbe- fchäftigung,„wodurch sich die Frauen nur in den Stand setzten, mehr für Kleidung und Vergnügungen auszugeben". Weder hat Genosse Scheidsmann eine solche Aeußerung getan, noch hat die Genossin Philipp oder irgendeine andere Rednerin in der er- wähnten Versammlung eine ähnliche Behauptung aufgestellt. Der Berichterstatter hat sich seine Behauptung glatt aus den Fingern gesogen. Die Verhandlungen selbst sind noch in der Schiväw Wir empfehlen im übrigen dem„Hannoverschen Courier" und allen seinen Nachdruckern, doch einmal ihren Lesern mitzuteilen, was s i e für Austrägerinnenlohn zahlen und was der«Vorwärts" zahlt. Sie werden sich allerdings hüten. »egriffsstutzig! Da»»Berliner Tageblatt" entrüstet sich über den SuS- schluß des ehemaligen Parteimitgliedes Gerhard Hildebrand in Solingen. Wir verstehen den Schmerz und würdigen ihn. Er ist für den vom Ausschluß Betroffenen wie für die Wehklagenden bezeichnend.»Dieses eklige Ereignis" tut dem Mosseblatt nicht allein „in der Seele leid", es verliert darob auch die Fähigkeit klar zu denken. ES hängt nämlich den Ausschlußgründen deS Solinger Schiedsgerichtes folgende« geistreiche Schwänzchen an: Das Spruchkollegium des evangelischen OberkirchenrateS argu« mentiert ganz ähnlich, wenn es Ketzer wie Jatho aus ihren Lemtern drängt. Man ersieht aüS dem sozialdemokratischen Urteile wie die Dogmatiker von rechtS und links einander gleichen wi« ein Spatz dem Sperling. Wir wollen hier nicht dem»Berliner Tageblatt' noch einmal auseinandersetzen, wie wir über den Fall Jatho denken. Wir habeu das seinerzeit in aller Ausführlichkeit dargetan. Wir wollen das mosaische Mosseblatt in seinem heroischen Kampfe für evangelische Gewissensfreiheit nicht stören. Wir wollen auch darauf verzichten, ihm den Unterschied zwischen den Dogmen einer Kirchen- gemeinfchaft und dem Programm einer politischen Partei klar zu machen. Aber an eines fei das voll und ganz und unentwegte libe- rale Blatt erinnert: E» gab eine Zeit, sie liegt gar nicht lange zurück, da fand das»B. T.". daß ein gewisser liberaler Abgeordneter namens Eickhoff sich Seitensprünge vom liberalen Programm er- laubte. Damals gab das„Tageblatt" dem»Ketzer' sehr deutlich zu verstehen, daß er die Tür der Partei von draußen zumachen solle. „Adieu Herr Eickhoff I" war damals ein Artikel des»B. T.' betitelt. Wo saßen denn da die»Dogmatiker'? polireiUcbea, Serlcbrllcbeo ufw* Der beleidigte Polizeiminister. Wegen Beleidigung des PolizeiministerS v. Dali Kitz stand am Donnerstag vormittag Genosse Karl OkonSky als Verant- wortsicher der ,.V o l k s w a ch t" vor der 1. Strafkammer in B r e s- lau. Der Minister fühlte sich beleidigt durch einen Artikel, der als Antwort erschien auf seine bekannte Rede im Abgeordneten- hause, in der er diejenigen Beamten Lügner, Heuchler und Eid- brechet nannte, die bei der letzten ReichStagSwahl sozialdemokratisch gewählt haben. Interessant bei der Vorgeschichte des Prozesses ist, daß der Justizminister die Staatsanwaltschaft Breslau um nach- drückliche Beschleunigung des Verfahrens gegen OkonSky ersucht hall Diesem Ersuchen ist die Staatsanwaltschaft auch prompt nach- gekommen. Am 12. Februar erschien der inkriminierte Artikel, am 9. März suchten 13 Kriminalbeamte in den Räumen der Redaktion, Expedition und Druckerei der Volksmacht" nach dem Manuskript. Anfang April wurde dem Genossen Okonsky die Anklage zugestellt und der Termin für den 11. April angesetzt. Gerichtshof und Staatsanwalt waren der Mein-ung, daß es eine Wahlfreiheit für Beamte nicht gebe und v. Dallwitz durch den Artikel schwer beleidigt worden sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen den bisher unbestraften Genossen OkonSly 0 Monate Ge- fängnis und mit Rücksicht auf die Tatsache, daß noch eine Anklage gegen ihn schwebt(eS handelt sich um eine kleine belanglose An- gelegenheit), die sofortige Verhaftung, weil Fluchtverdacht vorliegt. Genosse Dr. Frank- Mannheim, der Verteidiger des Genossen Okonsky. wieS darauf hin, daß der Artikel direkt durch die klobigen Angriffe des Ministers auf die Beamten hervorgerufen worden sei. Weiter machte er interessante staatsrechtliche Ausfüh- rungen über die Beamten. Nach reichlich einstündiger Beratimg erkannte das Gericht auf drei Monate Gefängnis. In der Begründung des Urteils heißt es: Das Gericht lehnt es ab. in eine Prüfung der Frage einzutreten, ob die Rede des Ministers unberechtigte Angriffe gegen die Beamten enthält. Das Gericht ist aber trotz alledem zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Artikel grobe Beleidigungen gegen den Minister enthält, die mit Gefängnisstrafe zu sühnen sind. Der Minister hat in seiner scharfen Rede die Beamten im.allgemeinen nicht beleidigt, sondern nur die- jcnigen treffen wollen, die äußerlich anders scheinen wollen, als sie innerlich sind. Wenn ein Beamter dem König die Treue gelobt, aber auf der anderen Seite eine Partei unterstützt, deren Ziel die Republik ist, dann muß gesagt werden: Dem Manne fehlt das rechte BerltäudniS ftu die MW(inel Beamten. Lc\ pzi�crst r_ 182-37 Königstrasse A N am Bahnhof HUx anderplatz. wertheim 1 � G.M-B.H Fleisch Schmorfleisch...... Pfund 90 Rinderkamm und Querrippe 70 pr. Rinderbrust u. Fehlrippe pm. 80?f. Gulasch prd. 70, Gehacktes 60 p, Pökelhrusl 90 pr. Pökelzunge 1.30 Frischer Schinken im'""und 80 pf. Kamm und Schuft p�nd 80, 85?,. Schweinekoteletles prd. 90, 95?,. Schweinebauch..... p,u°d 70?,. Schulterblatt � 4 PfundsÄ 75?,. Eisbein(Dickbein)... p,u„d 65?,. Schinkenhaxen gepskeit, p,und 50?,. Kleiufleisch....... p,und30p,. Rückenfett und Liesen p,d. 65?, Kalbskeule 1.00 Kalbskamm n. Bug pm. 80. 85 p,. Kalbsbrust p,und 80, Spitze 95?, Kasseler Rippespeer 85p,.b. 1.00 Varsand-Abteiltingi Berlin W.66. Leipziger Str. 1SS/37 Die Firma A. 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Traubenrosinen....... Pfand 83 pt. 35, 45, 55 p& Amerikanische Aepfel. Pfund 23 Pf. 45, 55, 83 pf. Kalifornische Aepfel...Pfund 38 p, Butter und Käse Koch- und Backbutter.Pfand 1.30 Tischbutter............ Pfund 1.38 Tafelbutter.Pfund 1.43,'�tuck" 72 pr Bratenschmalz........ ptund 53 pr. Pflaumenmus....... Pfund 30 pt Briekäse............. Pfund 78 pf. Romatourkäse......... stock 28 pf. Limburger Käse... Emmenthaler Käse. Schweizer Käse... Münster-Käse..... Tilsiter Käse....... Camembertkäse....... Landkäse........... s Speisequark.......... Pfund 58 Pf. Pfund 1.15 Pfund 88 Pf. Pfund 78 Pf. Pfund 85 Pf. Stack 23 Pf. Stack 35 Pf. stock 10 Pf. Fische �nknlitn in««nzen Fischen ohne 1 9 haoeijau Kopf...... Pfund 10?, C„„L„ in ganzen Fischen ohne| A oeelacns ko?,...... p,und l ü?,. Schellfisch ra. 25, Rotzungen 20?,. Lachs in ganzen Fischen. Pfund 7 3?,. Zander pm.68, Stockfisch pm. 62?,. Lebende Plötzen— p,und 38?,. Lebende Karpfen.... p,und 58?,. Lebende Spiegel-Karpfen pm. 7 8?,. 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Breiteftraste. ist sür alle Berufe, als da sind: Stellmacher, Schlosser, Schmiede, Lackierer und Sattler, gesperrt und bitten wir, dort'Arbeit nicht anzu- nehme». 176/8 Agitationskowmisswu der Wagen« savrtten Berlins und Umgegend. |lr. 85. 29. Jahrgang. 2. KtilW i>cs.KmSrls" Kcrlim WsM fmlnz. 13. April 1913. Stadtverordneten-Oerfaminlang. 13. Sitzung vom DonnerAag. den. 11. April, nachmittags 6 Uhr. Nach Einführung des ncugewähltcn Siadtv. Rosc'notv findet zunech-t in gemeinschaftlicher Ziliung»rit dem Magistrat unter dem Vorsitz des Oberbürgerineisie.rs Kirschner die Wahl von ö Mitgliedern und 6 Stellvertretern der Abteilungen I und II des Berliner Bezirksausschusses statt. Turch Zuruf werden die bisherigen Inhaber dieser Posten wiedergewählt. � Tarauf tritt die Versammlung unter Vorsitz des Vorstehers M i ch e l c t in ihre Tagesordnung ein. Für die künstlerische Ausmalung der Slula des Köiiigstädtischen Gymnasiums, Elisabethstratzc 57/38, sollen 53 000 M. verausgabt werden. Ein von der Kunstdcpntation ausgeschriebener Wettbewerb hat zur Prämiierung von� 5 Künstlern geführt,' den ersten Preis erhielt der Maler und Radierer Prozessor Karl Köpping für seinen Entwurf mit dem Motto„Ter Garten der Jugend". Dieser Eni- wijrsi ist zur Ausführung in Aussicht genommeiu Professor Köpping verlangt 45 000 M.; die sonstigen. Unkosten sind aus 8000 Mark veranschlagt; 50 000 M. will die Kunstdcputation aus ihren Mitteln hergeben. Tie Versammlung wird ersucht, die Hergäbe der Aula und die Mitverwendung von 3000 M. aus den für Er» neuerüngSarbeiteni an dieser Aula schon im Etat sür 1010 bewilligten Mitteln zu genehmigen. Stadtv. Modler(iL L.): Es mutet uns in der Schuldeputation etwas eigenartig an, datz man sür die Aula einer Schule, die ziem� lich� versteckt liegt, einen solchem Auswand treiben will, währen'' sonst der Grünstist des Magisrratsdezcrnentcn. unsern. Wün die Schulgcbäude auch nur halbwegs würdig auszustatten, urt bcrzig einen Strich durch die Rechnung macht. Mit 53"" könnten wir zclm Aulen in einen würdigen Austand versetz wollen gern sür Kuiistzlvcckc viel Geld bewilligen, aber fr Antrag können wir uns nicht ohne weiteres erwärmen. Tl Mark können anderweit besser verwendet werden, als für alte Schulgcbäude; es müßte dann die ganze Schule restauriert werden, was vielleicht weitere 100 000 M. erfordern würde. Wir beantragen Ä u s s ch u ß d c r a t u n g. Oberbürgermeister Kirschner: Tie Kunstdcputation bedarf in der Regel der Zustimmung der Versammlung für die Verwendung der ihr zur Verfügung gestellten Mittel nick't; hier bandelt es sich um eine der statutarisch vorgesehenen Ausnahmen. Der Zweck der vorgeschlagenen Verwendung ist auch nicht die Ausschmückung einer Aula, sondern der, städtischerseits eine Slnrcgung zur Fördrrnng der Kunst zu geben. Die Frage, ob sich die 50 000 M. anderweit zweckmäßiger verwenden lassen, kann bei dieser Gelegenheit gar nicht aufgeworfen werden, für ihre Lösung wäre auch ein Ausschuß gar nicht zuständig. Sladtv. Dovc(A. L.) tritt dem Oberbürgermeister bei und bittet� um- Annahme der Vorlage. Stadtv. Dr. Nathan lJr. Fr.): In welche Lage käme die Kunst-- deputation, wenn die Auffassung des Kollegen Modler Platz griffe? Tie Deputation hat sich au den„Verein Berliner Künstler" ge, wendck; der hat das Ausschreibet veranlaßt. Da kann jndu' jetzt nicht so verfahren, wie Ki "ciif altes ist. schadet gar wird, braucht das Trcp; geschmückt zw werden. D d i e K u n st zu forde' Stadtv. Modler: Tqj Vorschlag verteidigen, w der Platz nicht, wo mach uigslädtischen Ghmnasiu. Ausschluß der Oe; große Publikum kommt d; anderen 300 Aulen an Stadtv. Monnnscn Mitglied der Kunstdepi! unserer Fraktion gcspr Aulen geht die Äunsldepu sür eine bestimmte Stelle Rodler will. Daß das Schulhaus wenn die Aula sckön ausgemalt licht auch noch besonders aus- putation hat auch die Aufgabe, ;lieder der Kunstdcputation ihren nicht; uns andern aber gefallt M. verwenden will. Im Kö- ile künstlerische Leistung unter sichkeit stattfinden, denn das fdahin. Schmücken Sie erst unsere ' -Dr. Nathan hat hier nicht als ldcrn als Vertreter seiner und Ausschmückung der anderen 300 �gar nichts an. Das Liunstwerk ist gewählt und entworfen; ein städtisches Gymnasium ist gewiß keine schlechte Stätte dafür. Der Antrag auf Ausschußbcratung wird mit geringer Mehrheit abgelehnt. Fn der. zweiten. Beratung erklärt Oberbürgermeister Kirschner, daß das Gymnasium in- guten baulichen. Würden sei Siadtv. Modler: Ich, habe auch nicht gesagt, daß es ab- bruchswürdig sei; wenn Sie aber ein solches Kunstwerk dort anbringen, muß das ganze Gebäude von Grund aus renoviert werden, und das wird eine Unsumme von Kosten nach sich ziehen Nach mehrfach wiederholter Abstimmung wird schließlich die B o r l a g e angenommen. Von der sozi der Antrag D „Tie Aersi Abgeordne Gesetzentwurf scheuen und sän Stadtv. Dr. -für die Berliner Bedeutung; er ifP] daß die Absendun das Abgeordneten Sympathie für Ab neue Gesetz etwas beitsscheuc und sab tischen Fraktion ist am 28. März folgen eingebracht worden: lrsucht den Magistrat, in einer an das zu richtenden Petition gegen den lusiibuiig der Armenpflege bei Arbeits- ährpflichtigen Stellung zu nehmen." �Soz.): Ter erwähnte Gesetzentwurf ist altung und Bevölkerung von größter tionär und mittelalterlich, ition der städtischen Körperschaften an nd geboten ist. Auch wir Haben keine ' aber das darf uns nicht hindern, das »sehen. Nach der Vorlage sollen Ar- l, welche sich ihrer Verpflichtung gegen sweisc zur Arbeit angehalten werden ihre Familie cntzi durch- Untervringnng in einem Arbeitshaus auf beliebige Zeit. Ist es überhaupt zulässig, einen solchen Zwang durch Landesgesctz einzuführen; ist der preußische Gesetzgeber dafür zuständig? Wir verneinen diese Frage; es handelt sich um eine strafrechtliche Materie, für die allein das Reich zuständig ist. Aus diesem Standpunkt standen auch bis vor kurzem alle Behörden in Deutschland. 1871 wupde das preußische Gesetz, das den Arbeits- zwan-a aussprach, ausdrücklich als mit dem Rcichsrccht in Wider- spruch stehend, aufgehoben. Freilich hat im Abgeordneten- Haufe Herr v. K a r d o r f f gemeint, man dürfe hier über ju- ristische Zwirnsfäden nicht stolpern.(Zustimmung des Stadtv. Barth.) Diese Z st st i m in u n g ist bezeichnend für den heutigen Liberalismus, fllnruhc.) Die so sprachen wie Herr v. Kardörff wissen ganz genau,-daß die juristischen Bedenken berechtigt sind, pudere bestreiten, daß in dem Entwurf über- k>aupt eine Strafe angedroht wird, weil dort nur von der„AuS- Übung des A r m.c np s l e g e" die Rede ist. Diese Auslegung stützt sich ledigl Name ist ein u für eine Schuld ausdrücklich von — es wird dam den Reichstag h- an den mit fei getraut. Um so Durch das Ges' die Verfassungen Wortlaut der Vorlage. Nur der Charakter der Zwangsarbeit als Strafe rch nicht verändert, auch wenn aar nicht cfchulden" in der Vorlage gesprochen wird ch nur dieser Ausdruck vermieden. An picrung die Vorlage nicht bringen mögen; Sozialdemokraten bat sie jicki nickt heran- t der preußische Landtag ihr Vertrauen. toü) die persönliche Freiheit, die beschränkt und befeitigk, ohnel ihn' zurück. daß der Richter mitspricht. Niemand kann, auch in Preußen, ohne den Richicr auch nur zu 1 M. Geldstrafe verurteilt werden. Hier aber trägt man kein Bedenken, das kostbare Gut der pßrsönlichc'n Freiheit den Verwaltungsbehörden anzuvertrauen— vielleicht kann es sich sogar um lebcnSlänaliche Freiheitsberaubung handeln! Wird die Bestimmung Gesetz, dann sind wir nicht mehr weit von russischen Zuständen entfernt: von der admini- sirat'.ven Einsperrung! Mit Reckt hat Oberbürgermeister K i r s ch n c r im Herrenhaus auf das Bedenkliche der Verquickung von Verwaltung und Justiz hingewiesen. Auch Kinder sollen einer Arbcitsanstalt überwiesen werden können, wenn sie ihrer llnterhaltungspfticht gegenüber de» Eltern nicht nachkommen; also eventuell auch 15-, 10- und 17jährige Kinder! Andererseits können Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und Streik die Vor- anssetzungcn sür das Gesetz liefern; der Wortlaut wenigstens steht dem nicht entgegen, und wir müssen befürchten, daß die Vorlage den Verwaltungsbehörden neue Mittel liefert, die Arbeiter- b c w e g u n g zu schikanieren, ja, die Arbeiterschaft unter ein Slusnahniegesetz zu stellen. Ist ein solches Gesetz überbaupt notwendig? Die Regierung rechnet auf die abschreckende Wirkung des Arbeitshauses. Die Wirkung deS betreffenden preußischen Gesetzes in den Jahren 1855— 1871 rechtfertigt diese Hoffnung nicht im geringsten. Wir hassen, daß unsere Bedenken in der Hauptsache auch von der Ver- sammlung geteilt werden. Das Gesetz geht direkt unter der Devise: „Zurück ins Mittelalter!" Im Namen der Bürgerschaft. im Namen des Rechts und der Freiheit protestieren wir gegen dieses Gesetz!.Weisall bei den Sozialdemokraten.) St»tM GiÄDiid(A. L.): In der überwiegenden Mehrheit haben "t'pioße Bedenken gegen die materiellen Bestimmun- rfs. Andererseits gebort die bicchtsfrage. um die es delt, nicht zur� Kompetenz dieser Versammlung; wir einem Beschlüsse in die Kompetenz der gesetzgebenden eingreifen. Die Frage, ob es sich um eine Reichs- »handelt, ist sehr strittig. 5 oder 0 deutsche Staaten haben Gesetze und eine Verletzung der Reichskompetenz ist darin .. nicht erblickt worden. Der berufene Kommentator Ols- hnUfen sieht die Materie als eine landesrechtliche an. Eine Bc- fckränkung der persönlichen Freiheit kann durck Gesetz, also auch durch Landesgesetz, vorgesehen werden. Hauptsächlich aber veranlaßt uns die ZweckmäßigkcitSfrage zu einer ablehnenden Stellung zu dem Antrage. Der Oberbürgermeister hat sich im Hcrrenhause lediglich über die Kompetenzfrage geäußert, ß 30l des Strafgesetzbuches hat in der Frage der Unterbringung iii eine Arbcitsanstalt durchaus versagt. Gegen die materielle Absicht des Gesetzes uns zu wenben haben wir gar kein Interesse angesichts der erschreckenden Zahl der festgestellten Arbeitsscheuen und säumigen Nährpslichtigen. Oberbürgermeister.Kirschner: Tie Zahl der.Arbeitsscheuen und derer, die den Verpflichtungen gegen ihre Familie nicht nachkom- me», ist fortgesetzt im Steigen, und alle Instanzen, die dazu imstande sind, haben die ernste Pflicht, mitzuwirken, daß diese traurige Erscheinung verschwindet.(Beifall.) Unsere Verwaltung hat sich in dieser Beziehung besonders im Obdach große Mühe ge- geben, jedoch ohne Erfolg. Tie Versuche müssen aber fort- ncictzt werden; man wird möglichst spezialisieren müssen; man wird sich namentlich der Jugend annehmen, aber gegen die Iv i r k l i ch Arbeitsscheuen auch mit aller Strenge und auch mit Straf c U vorzugehen haben.(Beifall.) Ich halte das für unbedingt nötwenöig, auch gegenüber denen, die immer predigen, daß es bloß Folgen des gcgentvärtjgcn Gesellschaflszustan- des seien, daß eine andere Gesellschaftsordnung diese Zustände von selbst beseitigen würde. Gewiß mögen die sozialen Verhältnisse viel dazu beitragen, aber deswegen soll man doch den Versuch nicht unterlassen, denjenigen, bei denen es möglich ist, den Segen der Arbeit, wenn auch zwangsweise, begreiflich zu machen. Dieses Gesetz aber kann ich nicht billigen. Auf das Detail einzugehen ist hier nicht der Ort; ich halte an der Ucbcrzeugung fest, daß die preußische lliegierung 1871 die Auf- Hebung des preußischen Gesetzes wohlüberlegt veranlaßte, und daß es ein Rückschritt ist, wenn sie 1012 unter künstlicher B c- g r ü n d u n g den alten Zustand wiederherstellen will. Es ist auch außerordentlich bedenklich, wenn im Wege des Verwaltungsver- � fahrcns über die Freiheit der Person abgeurteilt lverden soll. Aus diesen Erwägungen bin ich gegen daS Gesetz. Etwas anderes ist es mit einer Stellungnahme der Berliner Behörden gegen den Eni- Wurf. Ob besondere lokale. Verhältnisse vorliegen, welche die Pe- tition rechtfertigen würden, ist sehr zweifelhaft. Ein Ae- dürftnS, die Meinung der Berliner Verwaltung noch festzulegen, besteht nicht, denn über diese Stellung ist kein Zweifel: der Magi- sirat hat schon im vorigen Jahre auf Aufforderung der Regierung ein Gutachten abgegeben, die Regierung ist also durchaus infor- micrt. Vom Petitionsrecht soll man einen nicht zu häufigen Ge- brauch machen, sondern es für solche Fälle aufbewahren, wo ganz besonders vitale Interessen auf dein Spiele stehen. Stadtv. Goldschmidt lN. L.) stellt den Antragstellern nach der ausführlichen Erklärung des Oberbürgermeisters anHeim, den An- trag zurückzuziehen, eventuell behält er sich vor, Ausschuß- b c r a t u u g zu-beantragen. Die Vorlage würde Mißbräuchen Tür und Tor öffnen; den Stadt- und KrciSauSschüsscn eine solche Strafgcwalt zu geben, sei überaus bedenklich. Auch würden die wirklich Schuldigen init einem solchen Gesetz nicht getroffen. Stadtv. Dave: Entgegen der Ansicht des Liollegcn Galland möchte ich betonen, daß die„Schuld" nicht nur bei den Kreisen liegt, die durch die Vorlage getroffen werden sollen, sondern, daß an den beklagten Zuständen alle Klassen der Gesellschaft schuld sind. Will man Abhilfe schaffen, so darf doch der llicchtsboden keineswegs verlassen werden; die„juristischen Zwirnsfäden", von denen hier so wegwerfend gesprochen wurde, halten unser ganzes Recht zusam- mcn. Daß die Richter so vorsichtig im Gebranch von ihren Befug- nissen machen, liegt daran, daß sie sich bewußt sind, welche Gewalt sie eventuell in die Hände der Verwaltungsorgane legen; ich könnte aus meiner richterlichen Praxis krasse Fälle anführen. Helsen wird uns eine Petition freilich doch nicht; da sollten wir unser Pulver nicht unnütz verschießen. Die Antragsteller sollten den Antrag zurückziehen, nachdem festgestellt ist, daß Magistrat und Versammlung eine Mehrheit gegen diesen Gesetzentwurf aufweisen. Stadtv. Mommsen: Wir hätten kein Bedenken gehabt, dem Antrag Arons z u z u st i>» m c n. Auch mit der Annahme des An- träges erklären lvir uns ja nicht gegen jede Aenderung des be- stehenden Zustandes; lvir wollen aber nickst, daß man die Landes« g c s c tz g e b u n g vorschiebt, anstatt den richtigen Weg der Reichsgesetzgebung zu beschreiten. Die Kosten dieses neuen preußischen Gesetzes werden wieder die Berlinr Steuerzahler zu tragen haben, während die erhoffte Erleichterung der Armenkost sich bald als eine Illusion herausstellen würde. Ten geordnetirii Rechtsweg soll man nicht verlassen. Besteht wirklich ein ähnliches Gesetz in Haniburg, Wremen oder Oldenburg, so stiftet dort der Spruch der Verwaltungsbehörden vielleicht Segen; wir in Preußen haben aber allen Grund, unseren Verwaltungs- dchörden zu mißtrauen, nachdem wir den großen Gegen- satz zwischen dem platten Lande nebst den Kleinstädten und der Landeshauptstadt so sattsam kennen gelernt haben. Das erwähnte Magistratsgutachten sollte uns zur Kenntnisnahme gebracht werden; die Veröffentlichung würde die Sache wesentlich klären und fördern; eine Ausschußberatung hätte keinen Zweck. Oberbürgermeister Kirschner: Der Magistrat dürfte keine Bc- denke» haben, sei» Gutachten mitzuteilen. Stadtv. Dr. Otoscuseld: Nachdem der Oberbürgermeister erklärt hat, daß bereits geschehen ist, was unser Antrag erstrebt, ziehen wir Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Die Wünsche des SchtvesternpersonalS im Rudolf V i r ch o w- K r a n k e n h a n s bezüglich der Errichtung eines eigenen Schwestern-Speisehauses sollen jetzt dergestalt erfüllt werden, daß im Südflügel des Ver- woltungsgebäudes 2 Speisesäle nebst unmittelbar daneben gclege- nein KonversationSzimmer geschaffen werden- D-ruitlion und Tchwesternschast haben jick mit diesem Plan, der die Erbauung eines eigenen.Hauses überflüssig macht und anstatt 250 500 nur 25 000 Mark Kostenaufwand erfordert, einverstanden erklärt. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): In der �Vorlage finde ich u. c. nichts davon, daß auch erweiterte Schlafgelegenheit. wie die Krankenhausdeputation wünschte, für die Schwestern ge- schassen wird, denn sie sollen dockt nicht etwa in den Speisesälen oder in dem Konversationszimmer ihr Sckstafbedürfnts befriedP-en? Schon aus diesem Grunde ist II e b e r w c i s u i: g der Vortage an' einen A u s s ch u ß n o t w c n d i g. Tic Ablehnung des Pro- jekteö eines eigenen- Hauses, wie es die Krankenhausdepuiation verlangt hat. wurde vor etwa 4 Wochen vorn Bürgermeister auch damit motiviert, daß es einen schlechten Eindruck machen würde. wen» so bald in einem neuen Ärankenhausc so einschneideiche bau- liche Veränderungen vorgenommen werden müßten. Natürlich würde dieser Eindruck ein sehr ungünstiger sein; aber tatsächlich befriedigt dieses Haus auck weit mehr die Augen des Architekten als die Anforderungen des Hygienikers. Wie spotischlecht die Krankenhausdeputation vom Magistrat behandelt wird, dafür ist diese Vorlage wieder ei» Beweis. Aus die Zustimmung der Depu- tation kann sich der Magistrat für dieses sein neuestes Projekt nicht berufen. Welche Stellung der Magistrat zu dem schon 2 Jahre alten Projekt einnimmt, davon haben wir bis zn dieser Vorlage oder zu der Erklärung des Bürgermeisters von vor 4 Wochen nicht ein Wort gehört. Gegen eine derartige BniSikicrung legen wir nachdrücklich Verwahrung ein. Diesem unleidlichen Zustande wird erst die' Schaffung eines städtischen McdizinalrateS ein Ende machen Wenn der Magistrat eine Kommission ,'n Krankenhausfragen einsetzt, fügt es sich häufig, daß die Magistrats- Mitglieder der KraiikenhauSdeputation nicht dazu gehören Nur ein städtischer Mcdizinalrat wird sick im Magistrat den nötigen Re- spckt verschaffen. Ich beantrage lieber Weisung der Vor- tage an einen Ausschuß. Stadtv. Körte(Fr. Fr.) erklärt sich auch für Ausschußberatung, da die gelieferten Unterlagen für eine Entscheidung nicht aus- reichten. Früher seien allein für Inventar 30 000 M. als erforder- lich veranschlagt gewesen, jcvt solle die ganze Sache nur 35 M0 M. koste»! Den Stadtvaurat tresfc tein Vorwurf; das Bauprogramm sei eben ohne den richtigen ärztlichen Beirat aufgestellt worden. Damit sei das Erfordernis des städtischen Medizinalrats von neuem erwiesen. Bürgermeister Dr. Rcicke sucht cutsführlich die Vorlage zu recht- fertigen und die dagegen gerichteten Angriffe zu entkräften.� Di- vorgelegte Skizze zu verstehen sei ihm, einem Laien, ein Kinder- spiel gewesen. Die Beschwerde des Dr. Wehl über illoyales Ver- halten des Magistrats gegenüber der Ärankcnhausdeputation sei völlig unbegründet. Sladtv. Körte beharrt dem Bürgermeister gegenüber bei seinen Ausführungen, indem er dem größten Teil der Argumente des Kollegen Weyl auch seinerseits zustimmt. Stadtv. Weyl protestiert glcick dem Vorredner gegen den Vor- wurf, daß die Krairkenhausdeputation unwirtschaftlich arbeite. Di« Zentralküche sei auch tei» Beweis von Wirtschaftlichkeit.. Der Direktor des Virchow Krarrken-Hauies Hab« der Deputation erklärt. er stehe auf.ihrem Standpunkt; wunderbar, daß er anders denke, sobald er in den Dunstkreis des Magistrats gelange. Bei deck Vorwurf der Illoyalität müsse es leider bleiben. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Vom 10. bis 10. April d. I. tagt in N:r Universität der Fünfte Kongreß der Gesellschaft für experimentelle Psychologie. Zu den Kosten der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung, die auch die Hilfsmittel der experimentellen Pädagogik und Didaktik umfassen und zu Pfingsten anläßlich des Deutschen Lehrcrtage» wiederholt werden wird, soll eine Beihilfe von 1000 M. aus städtischen Mitteln gewährt werden. Stadtv. Heimann(Soz.): Es ist mir eine angenehme Pflicht, zum Ausdruck zu bringen, daß wir mit der Art, wie heute von uns Gelder für die Ehrung dreier wissenschaftlicher Vereinigungen gefordert werden, durchaus einverstanden sind und nur wünschen könne», daß diese Methode, im Gegensatz zu� der bis- her üblich gewesenen Festefferei, immer mehr Platz greifen möge. Die Beihilfe wird bewilligt. Für die Begrüßung des im August d. I. stattfindende» Deutsch-Ameritanische» LchrcrtagcS im Stadthause, für die Darreichung einfacher Erfrischungen und für eine Beisteuer zu den Kosten einer Festschrift über das Er- fiehungswesen von Groß-Berlin sollen ans dem Dispositions- quantum 2100 M. hergegeben werden. Die Bewilligung erfolgt ohne Debatte. Die R e i ch s p o ji- und Telegraphenverwaltung will von der Stadt ein Grund st ü ck von 2039 Quadratmeter an der Ebers- wolder Straße für 203 000 M. zum Bau eines Postdienst» gedandes erwerben. Tie Auflassung soll am 1. April 1013 erfolgen. Die Versammlung stimmt ohne Diskussion zu. Zu den Kosten der dem Deutschen Verein zur SchulgesondheitS- pflege gewidmeten Festschrift über die in Berlin der Schul» gesundheitspflege gewidmeten Einrichtungen, beantragt der Magi- strat, einen Beitrag von 1000 M. zu gewähren. Der Verein tritt vom 28. bis 30. November 1012 in den Räumen des Hygienischen Instituts der Universität zu seiner Jahresversammlung zusammen. Der Magistratsantrag wird ohne Debatte genehmigt. Das Reichsviehscuchengcsctz vom 20. Juni 1009 tritt mit dem 1. Mai 1012 in Geltung. Auch sür Berlin als Provinzialverband wird dadurch der Erlaß einer Vichseiuhcnentschädigungssatzuns nötig. Der Magistbat legt einen entsprechenden Entivurf bor, der ohne Diskussion genehmigt wird. Der 1011 auf Anordnung des. Potsdamer Rcgicrungspräsi- dentcn zwangsweise beseitigte Jungfcrnstcg bei Plötzensee soll neu gebaut werden, nachdem sich der Fiskus als Unternehmer des Großschiffahrtsweges Bcrlin-Stettin bereit erklärt hat, die Hälfte der Bautosten mit 30 000 M. zu tragen, wenn die Stadt die wegen des Abbruchs angestrengte Klage zurücknimmt, Die Versammlung erteilt ihre Zustimmung. Eine neue städtische Straßenbahnlinie soll von der Ehristianiastraßc über die neue Pntlitzbrücke»ach dir Ottostraße in Moabit geführt werden. Ter Kostenanschlag ist 1 1VO 000 M. Eine Debatte findet nicht statt; die Vorlage wird ge- N e h m i g t. Zur Errichtung von Gemeindcdoppelschulcn sollen Grundstücke an der Prenzlauer Allee 80, an der Grell st raßc und an der S t r a tz e 4a. Abt. XI. B,Pl. für je 75, 71, 02 M. pro Quadratmeter zum Preise von 400 050. 418 087 und 322 400 M. erworben und außerdem zum gleichen Zweck ein Teilgrundstück von 5525 Quadratmetern aus dem städtischen Besitz an der Ehristianiastraßc gegenüber der Zuniptjtraße her- ausgeschnitten werde». Ohne Diskussion tritt die Versammlung den Magistratsvor- schlagen bei. Schluß der öffentlichen Sitzung-�3 Uhr. Vierter Sundestag des Arbeiter-IchwimmerbNdts. Elberfeld, den 8� April ISIS. Wahrend der Osterfeiertage hielt der Arbei>er-Sck)winimerbund seinen Bundestag im„Boltshaus" zu Elberfeld ob. Bereits am SoniMLeiid Ivurde die Tagung durch ein BegrüßungSlied der Ar- beiterfängcr eingeleitet. Anwesend sind V7 Delegierte und die Mitglieder dcö Bundesvorstandes. Außerdem halten die Arbeiter- Turner, Arveiter-Siadfahrcr, Arbeiter-Athlete» und der Freie deutsche Rudcrvcrband se eine» Berheter entsandt. Zu Borsitzenden mit gleichen Siechten werden gewählt Massa- Berlin und.Harin-Elberscld, zu Lchrtftsührern Krummenohl- und Kerino Elberfeld, zu iSdandatsprufern werden bestimmt Ulrich» Leipzig, Äoteki-EIbcrftld, Schulz-Hamburg und Kulortz-Köln. Aus dem Gefchasisbericht des Vorstandes ist zu cntnehmcn, daß trotz aller �chwierigleilcn die EntWickelung dcS Bundes in erfreulicher Weise vorwärts gegangen ist. Die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder für den Bund wurde t» den letzten Geschäftsjahren fast ausschließlich von den Kreisen betrieben. Zu Beginn des Geschäftsjahres ZSIV hatte der Bund einen Rreis, jetzt sind eö deren vier. Die Mitgliederzahl stieg von 2824 im Jahre lö09 auf 5099 Ende 1911. In den letzten beiden Jahren war es uns möglich die Zahl der Vereine voir 2« auf 44 zu erhöhen und haben hierzu haupt>ächlich Kreis II und III beigetragen. Der Kassenbericht balanciert mit 8915,83 M. in Einnahmen und Ausgaben. Di« Arbeiterfchwimmerzeihmg erscheint zurzeit in einer Auf« löge von 4999 Exemplaren. Für die Kontrollkommission gibt Leh- inonn-Elberfeld den Bericht, der sich im wesentlichen init dem wegen Veranstaltung von Prcisschwimmcn ausgeschlossenen Schwimmvcrein„Welle"-Bcrlin beschäftigt. Di« Maßnahmen de? Bundesvorstandes und der Kontrolltommission in dieser Angelegen» Heit werde» gutgeheißen. Die Einführung einer Unfallunterstützungskasse wird im Prin- zip beschlösse», mit der weiteren Verfolgung dieser Angelegenheit wird eine Kommission von 7 Personen betraut. Ein Antrag ans Einführung einheitlicher Badcwäsche usw. und Vertrieb der Artikel durch den Bund wird ebenfalls angenommen. Ein Antrag auf Erhöhung der Bundesbeiträge wird nach hcfti- gcr Debatte angenommen. Zeitungsabonncment und Beitrag wird für die Zukunft zu- sammen erhoben. Der Punkt Zentralisation entfesselt ebenfalls eine lebhafte Auseinandersetzung, der Antrag wird mit großer Mehrheit ange- nommcn. Es darf also an jedem Ort nur noch ein Verein be- stehen. Die Berliner Einzclvercine müssen sich bis zum 1. Juli '912 zusammenschließen. Die verschiedenen technischen Anträge werden ebenfalls einer Kommission überwiesen. Nach einem Schlußwort des wiedergewählten Vorsitzenden Mass« wurde folgende Resolutton einstimmig angenommen: Resolution. Die heute In Elberfeld versammelten Vertreter der unterzeich- twten Arbeitcr-Spvriverbände müssen zu ihrem Bedauern konsta- tieren, daß fast zwei Drittel der bürgerlichen Sport- und Turn» vereine aus gewerkschaftlich oder politisch organisierten Arbeitern besteht. Sie glmchen diese Tatsache den betreffenden Organisatto» ncn nicht vorenthalten zu dürfen, die um so beschämender ist, als dies« Arbeiter als Wemeug in dem jetzt mit so großem Eifer bc- tricbenen patriotischen Jugendfang dienen müssen und nur diese Mitglieder die daran beteiligten bürgerlichen Verbände aktions- fähig erhalten. Wir erwarten daher von Partei und Gewerkschaft, daß diese mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, diesem un» würdigen Zustande ein End« zu machen, indem sie die Betreffen- den energisch auffordern, ihre sportliche Betätigung in den zustän- digen Arbetlerorgantsationen auszuüben. Arbetter-Gchwimmerbund. Arbeiter-Turnerbund. Arbeiter-Rad- fahrerbund. Arbelter-Äthletenbund. Freier beutscher Ruder- verband. Soziales. Ärankeniasscnverbände und Leipziger Aerzteverband. Von den großen Krankenkassenhauptverbänden werden»vir UM Veröffentlichung der folgenden Erklärung gebeten: Der Leipziger Aerzteverband verbreitet in der Oeffentlichkeit die Mitteilung, daß die Krankenkassen den Kampf gegen die Aerzte im stillen vorbereiten. Diese Behauptung ist wahrheitSwidrlg und irreführend. Die Krankenkassen wünschen nichts sehnlicher, al» mit den Aerzten in Frieden zu leben, um ungestört die ihnen vom Ge- sctzgebcr zugewiesenen bedeutsamen Aufgaben zu erfüllen. Die Verbände der verschiedenen Kassenarten, welche über 13 Millionen Versicherte uinfassen. und Arbeitgeber, Angestellte und Arbeiter aller Parteien in sich vereinigen, erklären einmütig, daß die Krankcnassen nach wie vor bereit sind, den für die Kassen tatigen Aerzten eine durch langfristige Verträge zu sichernde würdige Stellung und Bezahlung ihrer Leistungen zu gewährleisten. Di« untcrzeichnccten Verbände stellen aber fest, daß der Leip- ziger Verband seinerseits unmittelbar nach Verabschiedung der RetchSversicherungsordnung den Entschluß angekündigt hat, seine bekannten Forderungen bei den Krankenkassen mit de» Mitteln der Selbsthilfe durchzusetzen. Die grundlegenden Beschlüsse hier- über wurdeu bereits aus dem Stuttgarter Acrztetag am 22. bis 24. Juni 1911 gefaßt. Weiter haben am 18. Februar d. I. der Leipziger Verband und der AerztevereinSbund gemeinsam be- schlössen, daß zur erfolgreichen Durchführung der Forderungen alle örtlichen Organisationen nach den Weisungen des Leipziger Verbandes„gleichzeitig, geschlossen, glrichmästtg und einheitlich" gegen die Krankenkassen vorgehen sollen. Das kann nur die An» drohung de» Generalstreik« bei den Krantenkaffcn bedeuten! Trotz ihrer Bercttwilligkett, allen berechtigten Wünschen der Aerzte entgegenzukommen, sind die Krankenkassen in Wahrung der ihnen anvertrauten öffentlichen Interessen nicht in der Lage, die maßlosen Forderungen der im Leipziger Verbände vereinigten Aerzte zu erfüllen. Namentlich weisen sie entschieden zurück, daß. nachdem e» der Gesetzgeber mit guten Gründen abgelehnt hat. die freie Arztwahl den Kassen vorzuschreiben, der Leipziger Verband jetzt den Krankenkassen seine einseitigen Forderungen durch die rücksichtslose Ausnutzung seiner Machtmittel aufzuzwingen sucht. Als Träger der öffentlich-rechtlichen, im Interesse der all- gemeinen Wohlfahrt geschaffenen Krankenversicherung erwarten die Krankenkassen von den gesetzgebenden Stellen und von den Behörde», daß sie vor den Bedrohungen und Bedrückungen des Leipziger Verbandes ausreichend geschützt werden, und daß ihnen unter allen Umständen die Möglichkeit sichergestellt wird, die ihnen für einen großen Teil des deutschen Volke» übertragene Fürsorge in Krankheitsfällen ordnungsmäßig durchzuführen. Hauptverband deutscher Ortskrankenkassen, Dresden. Hauptvcrband deutscher BttriebSkrankenkasscn, Essen. Allgemeiner deutscher KnappschaftSvcrband, Berlin. Verband deutscher JnnungSkrankenkassen, Hannover. Zentrale für da» deutsche Krantenkassenwesrn, Berlin. Iiigenäbewegimg. Der Kampf des Zarismus gegen die Jugendpflege. Unser finnländischer Mitarbeiter schreibt uns: Die finnischen Arbeiterinnenorganisationen hatten eS sich angelegen sein lassen, sich der Kinder der Arbeiterklassen anzunehmen. Kinder unter schuh Pflichtigem Alter wie auch Schulkinder wurden in sogen.„Jhonne Lütto" oder Jdealverbände organisiert. Opferwillige Frauen be- schäftigten sich mit der aufwachsenden Jugend, deren Erziehung«- mängel beseitigt und denen wertvolle Kenntnisse für da« Leben ver- mittelt wurden. Diese Arbeit versprach einen schönen Erfolg und die Arbeiterschaft freute sich, die Jugend schon von Kindesbeinen an zielbewußt dem Leven«ntgegengeven zu sehen. Aber— den russischen Gewalthabern paßte diese Kulturarbeit nicht w den Kram. Der Generalgouverneur ließ die Organisationen erst gründlich bc- spitzeln und löst jetzt im ganzen Lande die Kinder- organisationen auf. Er hat dazu keinerlei gesetzliche Hand- habe, aber er gebietet und die Polizei jührt seine gesetzwidrigen Befehle auS. Natürlich leisten die Organisationen nach Möglichkeit Widerstand. Aber da fast die gesamle Administration auS den Kreaturen des GcneralgouverneurS besteht, wird man bei den Be- Hörden vergeblich Hilse suchen._ „Arbritrr-Jngend." Au« dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. S deS vierten Jahrgangs heben wir hervor: Die preußische Jugendpflege und ihre Früchie.— Wie ich vom Antisemitismus kuriert ivurde. lEchlutz.) Von Emil Unger. Rechte und Pflichten eines Lehrling». Von R. Vogler. — Der Hochofen. Von Felix Kautsky. sJllusiriert.) Der Pfad- finder. Von Karl OkonSkp.— AuS der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Walfischjagd. Don I. C. Sörensen.--- ThomaS Alva Edison, der Arbeiter.— Die Leipziger Messe. Von P. M. Grempe. sJllustriert.)— AuS der alten Edda. Von Otto Koenig.— Lehrlingsjtreiche. Von August Wysocki.— Allerhand Kurzweil. Hiid Induftrie und Handel. Nordamerika für den Pauamakanal. Aus Washington wird berichtet, daß dem Kongreß ein Antrag zugegangen ist, der von der Regierung verlangt, daß das Anti» trustgesetz auch auf ausländische Schiffahrtsgesellschaften an- gewandt wird. Und zwar soll all den Schiffen, die einem Trust, Kartell oder Pool angehören, das Anlaufen in amerikanischen Häfen verboten werden. Dieser Antrag richtet sich vornehmlich gegen den Atlaniischen Pool, item außer großen englischen Schiffahrtsgescllschaften auch:-z bar ,. Nord- deutsche Lloyd und die Hamburg- Amerika- Linre a.igciuircn. Während die Prozesse gegen die einheimischen Trusts'Mp«« Farce find, will man also die Sherman-Atte(das Antitrust-Msptztz. Gegen die lästigen ausländischen Konkurrenten anwenden. Eint ollardnrg» sehr probable Anwendungl Der Zweck der Hebung ist natitrl>ch.der, die amerikanischen Schiffahrtsgesellschaften gegen die eurapäüiMn zu unterstützen. Die Eröffnung de« Panamakanal» soll«im wesentlich vergrößerte ameritanische Handelsflotte vorfinden, damit fi» gegen die europäischen Flotte» günstig abschneidet, und damit der Bor- sprang der Amerikaner durch den Kanal für den Welthandel nicht durch größere Leistungsfähigkeit der europäischen Handelsflotten weit» gemacht wird. Unter den S ch i f f s b a u l ü n d r r n der Erde steht Nordamerika heute erst an dritter Stelle. Gleichzeitig wird gemeldet, daß der Ausschuß für die Handels» marine in den Vereinigten Staaten seinen Vorsitzenden beauslragt hat, Erhebungen über Pools, Abkommen und Kartelle europäischer SlviffahrlSgcsellschaften durch die amerikanischen Konsuln in Europa anstellen zu lassen. Begründet wird dieser Plan ebenfalls damit, daß es sich um Material für den Prozeß gegen den amerikanischen Schiffsring handele._ Fürstentrust und Hapag— Lloyd. Der Konflikt zwischen den Schiffahrtsinteressen deS Fürstentrusts und den beiden großen deutschen SchiffahrtSgesellschasten äußerte sich kürzlich in dem Austritt der Vertreter von Hapag und Lloyd aus dem AnfsichtSrat der vom Fürstentrust beherrschten Levantclinie. Er scheint sich weiter zu verschärfen. Der Fürstentrust bewirbt sich bei der Regierung um die Konzession für die Auswanderer» beförderung von Emden auS nach New Bork. Bisher war daS Auswanderer, geschäst* geradezu ein Monopol der beiden Gesellschaste». Nicht allein, daß 18 900 deutsch« Auswanderer über Hamburg und Bremen, den einzigen AuSwandererhäfen nach Nordamerika übersiedelten; den beiden Gesellschaften fällt auch durch besondere Abkommen mit der Regierung fast die gesamte Ver- schiffung von osteuropäischen Auswanderern(einschließlich der Be- förderung innerhalb Deutschlands) zu. Ob die Verbindungen de« Fürstentrusts bei der Regierung ausreichen, um die Konzesston zu erlangen, ist allerdings weniger fraglich, als ob der Fürstentrust kapitalkräftig genug sein wird, gegen Hapag und Lloyd zu kon- kurrieren. Hapag soll al» Gegenmaßnahme bereits vor einiger Zeit in Emdtn Grundstücke gekaufl haben, um durch eine Filialstanon der drohenden Konkurrenz zu begegnen I Nationale Wirtschaftspolitik! Die Ausfuhr von Roggen ist schon feit Monaten ganz außer- ordentlich stark forciert worden. In den letzten Wochen nimmt nun auch der Export von Weizen beträchtlichen Umfang an. DaS treibt die Preise hinauf, und so haben wir jetzt trotz der guten Ernte der letzten Jahre und auch de» letzten JahreS einen Preishochstand erreicht. Da zeigt sich wieder der.Segen" der Ausfuhrprämien. Selbst Rekordernten verschaffen un? keine niedrigen Preise mehr. Die nachfolgende Aufstellung zeigt das recht sinnenfällig. Sie registriert die Erntemengen in Millioiicii Tonnen und die Preise pro Ä'nnn. nol4> dem Durrfiirfmitt der betreffenden Aahre. Roggen Ernte Preis 9.90 132.3 19.96 135.1 9.60 151,9 9.62 160.6 9.76 193,2 10.74 186,5 11.35 176.3 19,51 152.3 10,87 168,3 - 191,9 .........— 195,9 Die Aolle sollen angeblich nur dazu dienen, den Prcisfall im Jnlande durch die Einfuhr billigen AuslandSgetrcideS zu verhindern. In der Praxis gestaltet e» sich nun so, daß deutsches Getreide mit Hilf« der deutschen Ausfuhrprämien sogar auf den Weltmarltprei« drücken kann, während gleichzeitig in Deutschland die Preise immer weiter hinaufschnellen. Und das deklariert man als— nationale Wirtschaftspolitik I_ Hus der frauenbetreefung. Da« Allzuweiblichc. „Ein Buch von neuer Erziehung und Lebensgcstaltung" ist der gespreizte Untertitel des Werkes mit der obigen gesuchten Aufschrift, gleich als wolle die Verfasserin, Frau Hulda Maurenbrecher, schon durch das Etikette die ideologisch-pädagogische Grundstimmung ihres Buches andeuten. In bürgerlichen Kreisen wird es gewiß beträcht- lichcs Aufsehen machen. Proletarierinnen dürften jedoch nicht allzu viel Gewinn von der icitüte haben. Gewiß, die Schäden der heutigen Mädchenerziehung und deren Folgen für die Frau als Berussarbeiterin, Gattin, Hausfrau und Erzieherin werden kräftig gekennzeichnet. Das dunkle Wort vom „Allzuweiblichen" bedeutet nämlich die Summe aller Mängel, die zusammen das Unsoziale im Fühlen und Leisten der Durchschnitts- frauen von heute ausmachen. Leider spricht das die Verfasserin nirgends klar und deutlich aus, wie auch kein Versuch gemacht wird, die bisherige Erziehungspraxis und die Zukunfsforderungen aus der verschiedenen geschichtlichen Situation zu erklären. Es er- scheint vielmehr so, als ob alle bisherige Erziehung wcsensfalsch gewesen sei, bis nun endlich das richtige Prinzip entdeckt worden ist! Auch die Mehrzahl der proletarischen Frauen steckt heute noch leider tief in kleinbürgerlichen Anschauungen; auch sie machen die von Hulda Maurenbrecher mit Recht bekämpfte scharfe Scheidung in der Erziehung von Knaben und Mädchen fchoir vor der körpcr- ljchen Reife mit- Und die schtvercn Schaden, die sich aus der Berkoppekung von HauSfraucnberuf, Erwerbsarbeit unS Kinder- crziehung ergeben, zeichnen sie noch mehr als die Kleinbürgerfrau. Aber seltsam: Obgleich hier Hulda Maurenbrecher das beste Bild für ihre Kritik a» der heutigen Familienform gefunden lxittc, ist doch das Kleinbürgerttim der Gegenstand ihres Buches. Auf das Proletariat wirft sie nur gelegentlich berücksichtigende Seitenblicke. Nun mag immerhin der proletarische Haushalt im allgemeinen sich heute noch prinzipiell nicht von dein kleinbürgerlichen unter- scheiden— wie kann die Verfasserin aber hoffen, das Kleinbürger- tum Iverdc auf ihre» Ruf hin sich von der bisherigen Arbeitsteilung zwiichen Mann und Frau lossagen und damit den Äst absägen, auf dem es sitzt? Und doch fordert sie diese Klasse recht eigentlich aus, die Kinder von frühester Jugend an Berufserziehern zu übergeben und die Einzclhoushaltungen genossenschaftlich zu zentralisieren. In der Kritik der heutigen widerspruchsvollen weiblichen Erziehung und der Stellung des Weibes in der Gesellschaft ist das Buch iinmerhin von beachtenswerter Konsequenz. Es müßte, um für das Proletariat ivirksain zu werden, gewissermaßen ins Proletarisch« übersetzt werden. Die Arbeiterklasse ist zunächst und am dringendsten interessiert an der Aenderung der kleinbürgerlichen Familienform in der Richtung zur Vergesellschaftung der lpuSlichen Frauenarbeiten; und Iver den Klassenkampf von beute versteht, ivurde hier die Kämpfer für solche Ideen zu gewinnen suchen. Versammlungen— Veranstaltunge». Verein für Franca und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 15. April. 8'/a Uhr, in Kellers.Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97: Reuler-Abend. Einleitender Vortrag und Rezi- tation: Dr. Ernst Zander. Gäste, Männer und Frauen, will- kommen.__ Gerichts-Zeitung. Ein 70jähriger Heiratsschwindler mit langem weißen Vollbart hatte sich gestern vor dem Straf- richter zu verantworten. Wegen wiederholten Betruges hatte die 1. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Land- gcrichtsdiretlors Bahr gegen den aus der Untersuchungshaft vor- ''ührten Privatier Paul Breitkopf zu verhandeln.— Der An- sagte/ welcher äußerlich einen sehr soliden und würdigen Ein- machte, hat schon' eine sehr ereignisreiche Vergangenheit sich. Er ist u. a. wegen ähnlicher Betrügereien in Wien K Jahren schweren Kerkers bestraft worden. Der Angeklagte iehauptet zwar, daß er sich niemals im Leben etwas habe zu- Pen kommen lassen. Er sei insofern das Opfer einer Per- »enverwechselung geworden, daß nicht er. sondern sein ..Zwillingsbruder", der aber leider nicht auffindbar ist, jene Vor- strafen erlitten habe.— Die Anklage behauptet jetzt, daß er trotz seiner 79 Jahre sich als Heiratsschwindler größeren Stils bc- tätigt habe. Er erließ selbst Inserate, in denen er sich als„wohl- habender Haus- und Fabrilbesitzer" ausgab, teils auch meldete er sich alif Inserate, in welchen„vermögende Damen in gesetzten Jahren" einen Lebensgefährten suchten, um mit diesem ein „spätes Glück" zu genießen. Auf diese Weise machte er u. a. die Bekanntschaft einer Frau A., die trotzdem sie selbst schon stark be- jährt ist, den Mut gefunden hatte, auf diesem Wege nochmals eine„junge Frau" zu werden. Der Angeklagte gab sich als Villenbesitzer in Wien und Ncustift aus und erklärte ferner, daß er Besitzer einer Fabrik in Neukölln sei. die ihm einen Gewinn von jährlich 12 999 M. bringe. Nach kurzer Bekanntschaft wurde feierlichst die Verlobung proklamiert. Als der alte Herr nach einiger Zeit, trotz seines angeblichen Vermögens, der jungen Braut erklärte, daß er sich augenblicklich in Geldverlegenheit be- finde, fiel ihr dies nicht weiter auf. Sie gab ihrem Zukünftigen so viel Geld, wie er nur verlangte, nachdem er ihr erklärt hatte, �'' uen. Nachdem Frau attc, wurde eines TagcS denn sie mußte zu ihrem scheu Schwindler in die t mehrere andere lohnende llte sich heraus, daß der che und alte Damen um st hatte.— Zu der Ver- Brustton der ehrlichsten heiligsten Gefühlen tief ititt, waren zwei volle ndlungstaae wurde der ZerichtSarzte« Dr. Marx im Unwohlsein befallen, den"mußte.— Der Staats- er wolle seinem Bruder eine nach und nach ettva 49 999 M ihr junges LiebeSglück schmählb Leidwesen erfahren, daß sie eiw Hände gefallen war, der zu gieß Bekanntschaften eingegangen wr Angeklagte auch noch mehrere teils recht erhebliche Beträge Handlung, in welcher der Angekl Uebcrzeuguug und anscheinend gekränkt, jede betrügerische A SitzungStage angesetzt. Am c Angeklagte, der nach dem Guta> an schwerer Arteriosklerose leidet/ so daß die Sitzung abgebrochen ti.. anwalt beantragte mit Rücksicht auf die schweren Vorstrafen des Angeklagten und die in Frage kommenden hohen Summen eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren. Das Urteil lautete auf 4 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von drei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. WitterungSüderftcht vom 1». April ISIS. «tattonen Swlnemde Hamburg Berlin Frants.a.M. München Wien 753 NO 757N 755, NW 759 S» 702 SW 7b7NW Wetter 3 wollig 2hellcr 3Iwoltia 3 halb bd. 5 wolkig �wolkig Wetterprognose für Freitag, Nachts wieder kalt, am Tage etwas veränderlich bei ziemlich Irischen Nordwest!! Niederschläge. B" WaiserstandS-N der LandeSanltalt für Gewässerkunde, mit. Wasserstand M e m e l, Tilsit Pregel, Jnsterdurg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frantsurt Warthe, Schrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , Dresden , Berby Magdeburg am 10.4. am 421 «S 282 270 223 216 68 64 64 86 —34 212 164 t woltenl 2 bedeckt 3, bedeckt 5 bald bd l'hciUt' pril ISIS. «ch heiter, aber noch i; keine erheblichen etterbureau. Berliner Netterbureau. Wasserstand Saale, Ärochlttz Havel, Svandaul , Rathenow') Spree, Sprcmberg') BecSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MaftmilianSat! » Kaub .. Köln 9k e llä r, Heilbron» Main, Wertheim Mosel, Trier seit g. 4. cm'j —4 0 —7 — 1 —4 —28 —6 —6 —3 +2 —5 J)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. ?oUUlitiiH für Kinder- UranUheUen cinichließlich 63/17 jiindernemnkrankheüeti halle ich täglich g— 10 Uhr Schönhauser Allee 53 ab. vi*, med. Schwalbe Kursürstendamm 39. Ausv« brilalio« For Pleur lich Moi n Ausgabe der Fa- schicke ungarniette ''s. an. Mitgebrachte sosort unentgelt- rert 182/2 Brflckeostr. 2 rlicKo). ÄrMer-RafllalirEr- Suod Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, de« 14. April: I. Stft.: 7 Ufir: Ä-Itcn. 1 Uhr: «chulzendors bei Tegel. Start: Bülowstr. 5S 1. Abt.: 6 Uhr: Luckenwalde sGe lelllchastshau»). 12'/, Uhr: Reu- Dabendorf lSeefchlotz). Start Schönleinftr. k. Z. Zlbt.: 7 Uhr: Oranienburgs Sandhaufen lWaldfchlog). IL Uhr: Birkenwerdcr tParadiesgarten). Start: Lausitzcr Platz 12. 4. Abt.: 8 Ubv: Hungriger Wolf. 1 Uhr: Alt. Landsberg(Luckas). Start: Küstriner Platz. o. Abt.: 1 Uhr: Schildow-Mönch mlihle. Start: Elysium. K. Abt.: 7 Uhr: KonigS-Muster bausen. 12V. Ubr; Zeuthen(AlbrcchtS- hof). Start: Oderberger Stratze 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Lanle(Stock- mann). IV, Uhr: Schönwaldc (Schulz). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: 5 Uhr: Luckenwalde. 11 Uhr: ?!cu-Dabcndors. Start: Levctzow> stratzc 21. 9. Abt.: IV, Uhr: Saatwinlel. Start: Schillingstr. 22. 11. Wl.: Am 17., 9 Ubr: Spitz. mühle. Start: Große Hamburger Straße 13._ 11-8 Donnerstag, den 18. Aprtl. abends LV, Uhr, findet bei L e h- mann. Stralauer Brücke 8, eine ouftcrordentt. Samariter Sitzung statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Samariter eine dringende Not wcndigleit.__ Reinickendorf. 1. Abi,, 1 Uhr: Stolpe. Start: Schillingstr. 1 2. Abt.. 10 Uhr- FrlcdrichShagen. Start:»Zum Senrseldcr", Hollander- straße. Orts-Krankenkafse des Maurergewerbes zu Berlin. Montag, den 22. April, abends S Uhr, findet im.GewerkschaftShanse«, Engeluser 1ö(Saal 3) General-Versamniliiiig der Vertreter der Kaficnniitgltedcr und der Arbeitgeber statt. Tagesordnung: 1. Vorlegung deS VerwaltungS- berichicS und RechnungSablchlusses pro lStl. 2. Bericht der PrüfungSlommtssion und Beschlußfassung über die Ab- nähme der(sahreSrechnung. 3. Antrag aus Bewilligung ein« Entschädigung für die Kassenmitglied« des ZlechnungsprüfungsauSichusfeS. 4. Acnderung d«§§ 13,»2, öS deS Kasfenstatut«. 273/3» S. Beschlußfassung über zu ge- währende Teuerungszulagen oder anderweitige Regelung der Eni- schädlgung für die Angestellten der Kasse. Berlin, 10. Aprtl 1912. Dei- Torstand. Ä. Selmig, A. Daehne, Schriftsührcr. Vorsitzender. Orts-Krankenkafse für das Tapezierergewerbe zu Berlin. Kenei'sl-Vei'ssmmlllog am Dienstag, den 1«. April er., abend« 8V, Uhr, bei llötrs, Beuthstr. 21, Jndustrie-Aeftsäle. Tagesordnung: I. RechenschastS. bericht. 2. Beschlußfassung über die Zlbnahme der Jahresabrechnung 1911. 3. Bekanntmachung der Befchlüfse deS Vorstandes. 4. Statutenänderung (Z 31), 5. Stellungnahme zur Zentralisation der Orts-Krankenkassen. ö. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen TageS- Ordnung und Beschlüsse, welche zu fassen find, bittet um Pünktliches Er- scheinen. 273/» J. A.: H. L o b i tz, 1. Vorsitzender. Verband der Sattler n. Porteteuiller Ortsvenvaltung Serlin. Treibriemensattler. Sonnabend, den 1Z. April, abends 8'/, Uhr. „Schulz' Prachtsälen", Münzstr. 17, Eing. Königsgrabl HranchenVersammlung. TageSordnun 1. Vortrag des Genossen Mitalrl« über.ikeue Wirtschaftsformen». — 2. Diskussion.— 3. Branchenangelcgenheitcn. Zahlreichen Besuch der Versammlung erwartet 1SS/19 VI« 0rai»cI»vl>Ivltiii>H/. I» 11 Tcrwaltnng Berlin. Ziehung am 27., 29, u. 30. April G IStrassburg. Münster eld-Lotterie I„„„. O»ZI. Porto und Liste LOSe* O ItIK. 30 Pfg. extra. 9339 Gel0-6ewlnna ohne Abzug Mark 250000 I7SOOO 118888 ttoooo Straub. Mamter-Losa».«.w. zu. haben in all. Lotteriagescbätten, Loseverkaufastellen nnd durch Lud. Müller& Co. Berlin C.» Breiteatraase 5 J. Stürmer Strassburg I.E., Langatr. 107] Montag, den 15. April 1912, pünktlich abends 8 Uhr, im Gewcrkschaftshause, Engolufer 14/15, Saal 4(Arbeilsloscnsaal), Eingang B, parterre: Zwanglose Aussprache sämtlicher jetzt llvsgetkrnten jungen Geselten d. Kerl. Hotzindustrik. Möbelpolierer. Montag, den 15. April 1912, abends 8'/, Uhr» in den„AndreaS-Festsälen",(Jnh. Borginanu), Andreasstr. 21: Krauche»-Uersammlung. Tagesordnung: 1. Acnderung unserer ArbeiiSvermütelung.— 2. Bericht von der Gau» konserenz.— 3. Unsere Maifeier. Maschinenarbeiter. Montag, den 15. April 191S. abends 8 Uhr, in„Boekcrs �estsälen", Weberstr. 17: Anftrerdtiitliiht Krinithrniitrsaiiiiiilliiiz. Tagesordnung: 1. Bortrag.— 2. Bericht von der Gaukonserenz.— 3. Maifeier. Drechsler, Treppengeländer- u. Lnxnsmöbelbranche. Montag, den 15. April'l91Ä, abends 8'/« Uhr, in„sfeuersteins Festsälcn", Alte Jakobstr. 75: Versammlung, TageSo rdnu n g: 1. Die vedeutnng der diesjährigen Maifeier.— 2. Stellung- »ahme hierzu.— 3. Verbands- und Branchcnangelegenheitcn. 31/18 Dlv Ortsvvr'U'nltnnU. Orts- Krankenkasse d-r Hobln; ntib Aiebmacher zu Berlin. Uonnabend. den 20. April 1912, abend« 8 Uhr, bei WollsttilSger, Adalbertstr. 21: tti-dontllcti« Geaalas-Valaaimnlaiig. Tagesordnung: 1. Verlesen der Protokolle. 2' Kassenbericht. 1114b 3. BertchldcSRechnungsauSschusieS. 4. Beschlußfassung über die Acrzte- Versorgung der Mitglieder für das Jahr 1913. 5. Besprechung über die Zentrali- satlon der Krankenkassen. «. Verschiedenes. B e r l i n. im April 1919. Der Borftand. I. A.: Rob. Schmidt, Vorsitzender. n. KkgräbnisbaffebtrFrdtr- ruridjtft Kertins(E. I M). Sonntag, den Ml. April, vorm. 10 Uhr. im Denierkschaftshaufc, Engclujcr IS(Saal 11): eaiialal-Valaaiiiliilaag. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom 1, Quartal 1912, 2. Abänderung des§ 32 de» Statut«, 3, Gclchästliches. llvbb Vv»- V«»r»t»nd. I. A,: Guatay Busse, Vorsteher. Parkstraße 2 empfiehlt seinen Saal und Garten zur Maifeier sowie zu anderen Festlichkeiten.* Telephon: Morttzplatz 10 141. lt. Weltmann blacstf. Stefan Esders BERLIN C Katser-Wllhelm-Strasse 41-42 Spandauer' Str. 70-71 •In- und zweireihig *26-37-45-52- 60-70-80 *22-26-30-36- 42-50-60-70- ■X Nur eigene Anfertigung! Vorzügliche Stoffe neuester Dessins. HervorragendstePassform Das Haus hat keine Zweig- Niederlassung in Berlin Michel-Salonbriketts M. 7.75 pro 1000 frei Gelaß. 21/7 Koch, Ripdorf. Bergstr. HO II Ziei.ung am 17. 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Die Nacht von Berlin! ©rohe JatneSreviie in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. N. Schultz. Iii« 14. JprÜ inkl. Volkstage I Todorra. 1 Kind frei. Jedes I Kind erhält ein Geschenk J Das vereiste ßiesenpaar Brünhild und Ousorc Deutschland u. Frankreich! Heile, das Löwenmädciienj halb Mensch— halb Animal lebend zu etelien Ohne Fxtra-Entree. 1 Polles Caprice. Täglich 8'/« Ubr; Die 8airon-8chlager Der Polizeihund. as Broadway-Girl. Ab 8 Uhr Ein sensationeller Erfolg der gr. komischen Programms. Gani Kerim spricht von V � K H« i. Nesideuz-Thcater. Dlrekllon Richard'Alexander. 8 Ubr: Alles für die äfirnta. Schwank in 3 Akten von M.Henneguin und G. Mitchell. Morgen u solgend« Tage: Alles für die Firma. Sonntag, 1k. April, nachm. 3 Uhr: Ein Walzer von Ehopin. Luisen-Theater. Heute und solgende Tage: )ch lasse Dich nicht. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Tie©rille. OSE-THEATE Kroge Frank!, nlet Str. 132. AbendS 8 Uhr: ES gibt nur ein Berlin. Gr. 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Kassenerönnung 10 Ubr. „CLOU" Zirkus Buscli Heute Freitag, abends F'/�Uhr; Humoristischer Gala-Abend. 1 w a n o f f(Looping the Loop am schwing Trapez). Jack Joyce, d. berühmte amerik. Cowboy u. Pfcrdobändiger. Vorführung und Meisterung der wildesten Pferde, Schläger, Steiger und Beisser. iBucking Horses.) Amateur-Konkurrenz-Reiten! 50 M. Belohnung, wer stehend auf dem Pferde dreimal um die Manege reitet. Anmeldung im Bureau. �■„Die Hexe".! Sonntag: 2 Vorstcllnngcn. g| Herein Ein neuer Sensatiouserroig Nie man Männer bessert 2 Akte von Anton u. Donot Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: ver tzallZteukel. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus tt— 2>Theaterkasse) airasaml Scliöiiliaüssr ftllee. Telephon: Nord 4100 I Zirkus A. 8cliuii)aiiii Heute Freitag, den 12. April, abends 7'/, Uhr: |W Elite-Abend."W 5 Anroras 5 mit ihrem lebenden Kui-uxnell. Auftr. von Frl. Bora Schumann sowie d. übrige neue Aprll-Progr, Um O Uhr: Beginn des mit so großem BeU. (all aufgenommenen Ausstattungsstückes Das Molorpserd Große Schlußapolheose mit noch nie dagewesenen Effekten. Die 100 Fuß hohe Fontaint lumineuse. Reiehshallen-Theater. Stettinci- Sänger Zum Schlug: '' zeit in der Eine Hochze Müllerftraste. Burleske von MeyseL Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. �ämirslspslsst um Bahnhof Friedrichstraße. Eis-Arena. AUabendl. d. sensat. UisbaUett „Yvonne". Die M.Walz.-Königin Charlotte Weltmstr. Bror Meyer. Nachm.: Kunstlauf-Produktionen. Bis 6 Uhr und von 103/4 Uhr abends halbe Kassenpreise. RcNtanrant 1. Kansres. Wein- und Bier-Abtcüimg. Berliner Konzerts Haus. Mauerstr. 82" Zimmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert!!! Musikc. d. 1. Grde.-Ulan.-Regts. Dirig. Oberm. Eoeser. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 ühr. An allen Wochentags» nachm.: Gr. Prouienadcn-lionxert bei freiem Eintritt. Heute: Musikc. d. Leib-Grde.-Hns.-Regts. Dirig. Obenn. Maaßbefg. | Freitag, 12. April, ab. 7!/a Uhr: Gala-Abend. Sonnabend und Sonntag Jo 2 Vorstellungeii 2 nachm. 3 Uhr u. T/j Uhr. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. I Vorverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen | BÜlettverfcaufsstallen von| A. Wertheim. Schluß der Saison Ylittwoch, 17. April. Konigsladt-Kasino. Sckeöoljmnrft« u. w exandcrstrahe Bon, 1. bis Ift. Jlvtil; D.auscrwühlte Rtcjeuprogramm Unter anderen,: Die heiratslukige Witwe. Grohe Boise mit Gesang In 1 Alt. Anr den Inuait ser e»'«-»"! überniinmi die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantioorrnnq. Inseratenteil verantw.: Th-Glscke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei o. Veriagsanjtalt Pau! Singer u. To., Berlin SW> Ar. 85. 29. ZahrMg. 3. Seilage des JoriDfirts" Sttliatr WsdlR ß. Ml 1912. partci- Hngclcgcnbciten. Schönevcrg. Die Genossen und Genossinnen treffen sich heute Freitag, abends 7 Uhr, in den bekannten Lokalen, um an der Werbe- arbeit zur Gewinnung neuer Mitglieder sich zu beteiligen. Der Vorstand. Stralau. Heute Freitag, den 12. April, abends 8 Uhr. findet eme»Vorwärts�-Agitation statt. Am Sonntag, den 14. April, vor- mittags 8>/z Uhr. erfolgt die Einholung des Resultats. Die Genossen werden ersucht, sich vollzählig in den Bezirkslokalen einzustellen. Wilhelmsruh. Sonntag, den 14. April, findet ein Besuch der Arbeiterwohlfahrts-Ausstellung statt. Parteigenoffen und Genossinnen, die sich daran beteiligen wollen, treffen sich um 11 Uhr im Restaurant .Zur Wartburg". Der Bildungsausschufi. Grünau. Heute Freitag findet die Stichwahl zwischen unserem Genolsen M i tz n e r und dem Kandidaten des Grundbesitzervereins statt. Wir ersuchen die Arbeiterichaft Grotz-Berlins, die mit Grünauern zusammenarbeiten, auch solchen, die inzwischen aus Grünau verzogen sind, diese auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen, denn es konnnt auf iede Stimme an. Der Vorstand. Berliner I>focbricl)ten. Die Stadtverordnetenversammlung fiat nun— dank dem Dreiklassenwastlrecht— Herrn R o- s e n o w wieder, der bei den Stadtverordnetenwahlen des letzten Herbstes von den Wählern der dritten Klasse hinaus- geworfen worden war, aber jetzt durch die Hintertür der zweiten Klasse wieder h'i neingelangt ist. Bei seiner Einführung, die für gestern noch im letzten Augenblick als Nachtrag auf die Tagesordnung gesetzt worden war, hatten weder die ihn hineingeleitenden Kollegen noch der ihn begrüßende Vorsteher die für solche Gelegenheiten herkömmlichen Amtsketten angelegt. Hatten sie in der Eile keine Zeit mehr dazu gehabt, sie mitzubringen? Der größte Teil der Sitzung wurde in Anspruch ge- nommen durch die Beratung des Antrags der sozial- demokratischen Fraktion, der sich gegen den dem preußischen Landtag vorgelegten Gesetzentwurf über oie„Ausübung der Armenpflege bei Ar- beitsscheuen und säumigen Nährpflich- tigen" wandte. Man weiß, daß hinter diesem Gesetz, das die Armut zum Verbrechen stempeln will, sich etwas ganz anderes verbirgt als der Wunsch, gegen wirklich Pflichtvergessene und Arbeitsscheue einzuschreiten. Der An- trag forderte, daß die Stadtverordnetenversammlung sich über den Gesetzentwurf äußere und auch den Magistrat zu einer Stellungnahme anregen sollte, die in einer Petition ihren Ausdruck finden müßte. Genosse R o s e n f e l d kennzeichnete den reaktionären Charakter des geplanten Gesetzes, das den Schutz der persönlichen Freiheit preisgibt, indem es eine gefährliche Macht in dieHand derVerwaltungs- bchörden legt. Ein solches Gewaltmittel werde in seiner An- Wendung wie ein Ausnahmegesetz gegen« die besitzlose Klasse wirken. Auf Rosenfelds Appell an die Stadtverordnetenversamm- lung, dem Protest der sozialdemokratischen Fraktion sich ein- mütig anzuschließen, antworteten die Redner des Frei- s i n n s mit Ausführungen, bei denen sie mehr oder weniger sich des bewährten Rezeptes„zwar und aber, einer- seits und andererseits" bedienten. Entscheidend für den Gang dei Verhandlungen war die Erklärung des O b e r- bürgermeisters Kirschner, der im Herrenhaus sich gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen hat. Er tat das auch gestern in der Stadtverordnetenversammlung, aber für den Antrag, der den Magistrat zu einer Stellungnahme anrief, wollte er sich nicht erwärmen. Die Petition, die hier vor- geschlagen werde, sei gar nicht mehr nötig, weil schon im vorigen Jahr der Magistrat auf Ersuchen der Regierung sich in einem Gutachten geäußert und dabei unter Anerkennung der Notwendigkeit eines Vorgehens gegen Arbeitsscheue und säumige Nährpflichtige doch sich gegen dieses Gesetz aus- gesprochen habe. Im Hinblick auf diese Erklärung des Ober- bürgermeisters konnte schließlich die sozialdemokratische Fraktion den Antrag zurückziehen, weil der Zweck, eine Stellungnahme des Magistrats herbeizuführen, ohnedies erreicht schien._ Berlin im Winterkleid. Der April, der wie das Sprich- -vort sagt, macht was er will, hat auch diesmal eine wenig angenehme Ueberraschung gebracht. Die Frühaufsteher ent- deckten gestern morgen zu ihrem Erstaunen, daß die Rasen- flächen und freien Plätze noch einmal ein weißes Gewand angelegt hatten, das erst gegen Mittag unter den Strahlen der wärmenden Sonne dahinschwand. Dazu herrschte eine Temperatur, die zu der vorgeschrittenen Jahreszeit nur wenig paßte und selbst die gegen Wind und Wetter Abgehärteten in ihrem Fruhjahrsüberzieher gehörig frieren ließ. Dieser jähe Temperatursturz, der die Folge des von Norden heran- ziehenden Minimums ist. setzte bereits nachts gegen 12 Uhr ein. Bis dahin hatte es unaufhörlich geregnet, dann aber verwandelte die Kälte,— das Thermometer zeigte V Grad — die fallenden Tropfen in Schneeflocken, die die Straßen und Plätze vollkommen einhüllten. Im Tiergarten lag der Schnee stellenweise 8 bis 10 Zentimeter hoch und die grünen Sträucher. die hier und da schon Blüten tragen, hoben sich von dem iveißen Hintergrund ab. Auf den Straßen blieb der Schnee freilich nicht allzulange liegen, dafür sorgten schon die Sonne und— die städtische Straßenreinigung. Unter diesem Nachtfrost haben allerdings weder die Bäume noch die größeren Sträncher. sondern fast nur die Zierpflanzen und die ersten Frühlingsblumen gelitten. Mit dem Patriotenrummel auf den Freilichtbühuen wird es auch in diesem Sommer wieder losgehen. Die Vater- ländischen Festspiele in Bernau und an anderen Orten haben kaum die Unkosten eingebracht. Das hält die Patentpatrioten nicht ab, sich abermals auf diesem gnadenversprechenden Felde zu versuchen. Auf der Freilichtbühne in Picheiswerder an der Döberitzer Heerstraße soll ein Hohenzollern-Spektakelstück auf- geführt werden, an dem das beste ist, daß es seinem Verfasser den Preis von tausend Märkern eingebracht hat. Einen ebenso hohen Preis für eine andere Arbeit erhielt vom Fest- ausjchuß ein Berliner Lehrer. Man wird jetzt, wo der Weit- streit um die national zu imprägnierende Jugend in Rein kulwr gedeiht, voraussichtlich einen starken Einfluß auf Schüler ausüben, uni sie zum Besuch der Festspiele zu drillen. Wenn die Schüler diese Aufführungen, die kaum einen künstlerischen Wert haben und lediglich der HohenzoLernvergötterung dienen. nicht sehen, verlieren sie nichts. Es wird aber in solchen Fällen erfahrungsgemäß ein starker Druck auf ganze Klassen ausgeübt, und diesem Zwangspatriotismus kann sich der einzelne Schüler nicht immer ohne weiteres entziehen. Das Postamt 58 in der Danziger Str. 3 wird nicht, wie die Bewohner hofften, nach dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee in der Front der letzteren, sondern nach dem 2039 Quadratmeter großen Magistratsgrundstück in der Ebers- waldcr Straße neben der dortigen Gemeindeschule verlegt. Als Kaufpreis sind 100 M. pro Quadratmeter, also im ganzen 203 900 M. geboten. Die Markthalle in der Wörther Straße kommt für die Verlegung dieses Postamts nicht mehr in Frage. Die Postverwaltung muß natürlich in der Eberswalder Straße einen Neubau errichten, so daß die Verlegung frühestens im Jahre 1914 wird erfolgen können. Im Irrenhaus totgeschlagen? Ein Todesfall in der Irrenanstalt Herzberge, dessen Ursache der Aufklärung bedurfte, hat vor einigen Wochen die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Von der Angelegenheit haben wir erst Kenntnis erhalten, nachdem die von der Staatsanwalt- schaft angeordnete Beschlagnnhme der Leiche des Verstorbenen längst wieder aufgehoben worden war und schon die Beerdigung stattgefunden hatte. Wir wollen aber noch jetzt auf die Sache ein- gehen, weil aus ihr sich einige Lehren ergeben, die für manchen von Nutzen sein können. Der Verstorbene war ein 64jähriger Tischler Baden, den seine Angehörigen wegen einer Erkrankung an Bronchial- katarrh in das Urban-Krankenhaus gebracht hatten. Ali dort nach einigen Tagen die Aerzte an ihm ein« Geistesstörung zu bemerken glaubten, wurde verfügt, daß er aus dem Kranken- Haus zu entlassen und eventuell in einem Jrrenhause unterzubringen sei. Zu einer verheirateten Tochter des Kranken, die in Neukölln wohnt und dem Krankenhaus ihr« Adresse angegeben hatte, wurde ein Bote mit der Meldung ge» schickt, daß man bei dem Vater wegen Anzeichen von Geistesgestört- heit die Ueberweisung an eine Irrenanstalt für nötig halte. Der Bote legte ein Schriftstück vor, aus dem die bestürzte Tochter herauslas, daß sie durch Unterschrift sich zu erklären habe, ob der Vater in eine öffentliche oder in eine private Irrenanstalt gebracht werden solle. Da der Bote zur Eile mahnte— am Nachmittag war er bei ihr und noch vor Abend sollte die Ueberweisung e» folgen—, so entschied sie ohne Befragung der übrigen Ange- hörigen und genehmigte die Ueberweisung an eine öffentliche Irrenanstalt. Sie hat es später sehr bedauert, in ihrer Ratlosig- keit sofort unterschrieben zu haben. Auf diese Unterschrift hin wurde noch an demselben Tage der kranke Vater aus dem Krankenhause nach der Irrenanstalt Herzberge geschafft. Als am nächsten Sonntag vier erwachsene Töchter ihn dort besuchen wollten, konnte ihnen nur noch mitge- teilt werden, daß er bereits am Sonnabend früh, am 18. März um 149 Uhr gestorben sei. Eine schriftliche Todesnachricht war ihnen nicht zugegangen; sie traf erst am Montag früh, 48 Stunden nach dem Tod« des Vaters, bei der in Neukölln wohnen- den Tochter ein. deren Adresse der Anstalt Herzberge sogleich bei der Ueberweisung des Kranken mit übermittelt worden war. Im Bureau der Anstalt wurde den fragenden Töchtern über die TodeS» Ursache eine Auskunft gegeben, aus der sie nur entnahmen, daß der Vater seinem Bronchialkatarrh erlegen sei. Bei der Be- sichtigung der Leiche fiel ihnen auf, daß der Kopf ver» b u n d e n war. Auf. Befragen antwortete der Leichendiener, et komme in Irrenanstalten manchmal vor. daß Kranke sich selber verletzen. Am anderen Tage wollten zwei der Töchter die nötigen Gänge tun, um die Beerdigung vorzubereiten. ZZa die Kinder den Vater nicht auf Stadtkosten, sondern aus eigenen Mitteln be- erdigen ließen, so hatten sie alle Gänge selber zu übernehmen. Dabei erfuhren die beiden Töchter dann auf dem Standesamt Lichtenberg, daß inzwischen die Leiche beschlagnahmt worden sei, weil wegen einer Kopfwunde die Staatsanwalt- schaft eine Untersuchung eingeleitet habe. Die Töchter forderten jetzt im Bureau der Anstalt Herzberge nochmals Auskunft über die Todesursache. Nunmehr wurde ihnen gesagt, der Vater sei von einem anderen Kranken geschlagen worden. Hiermit mußten sie sich zunächst zufrieden geben. Als nach weiteren fünf Tagen die Nachricht kam, daß die Leiche freigegeben worden sei, fuhren zwei andere Töchter nach Herzberge hinaus und fragten nach dem Ergebnis der Untersuchung.„Sie werden eS schon noch erfahren!" antwortete man ihnen im Bureau. Im übrigen sollten sie, so drängte ein Beamter, sich nur beeilen, da- mit sie nach dem Standesamt kämen und alles Nötige erledigten. Die Töchter erkundigten sich dann bei der Lichtenberger Polizei nach dem Untersuchungsergebnis und hier erhielten sie den Be- scheid, der Vater sei von einem anderen Kranken mit einem Stuhl geschlagen worden. In der Todesbescheinigung soll, so versichern uns zwei Töchter, gestanden haben:„Bronchial- katarrh. Altersschwäche, Kopfwunde". Zwei Tage darauf wurde die Leiche noch auf dem Friedhof von mehreren Angehörigen be- sichtigt. Sie sahen deutlich die Spur der Kopfwunde, die sich als ein etwa 10 Zentimeter langer, anscheinend zugenähter Riß darstellte. Die Familie des Verstorbenen ist der Meinung, daß sie von der Anstaltsdirektion noch eine schriftliche Mitteilung über das Ergebnis der Untersuchung erhalten müßte. Bisher ist den Kindern keine hinreichende Auskunft darüber ge- geben worden, ob der alte Mann wirklich nur seinem Bronchial- katarrh erlegen ist oder ob etwa die Kopfwunde die letzte Ursache seines Todes war. Trotz der Ankündigung„Sie werden es schon noch erfabren!" glauben wir nicht, daß die Anstaltsdirektion sich noch besonders äußern wird. Richtig wäre es ja, wenn sie es doch noch täte. Aber in den Anstalten der Stadt Berlin liebt man nicht die Gesprächigkeit, sobald etwas Verdrießliches passiert ist. Die Familie Wird sich wohl zufrieden geben müssen mit dem, was zwei Töchtern in dem Bureau von Herzberge geantwortet wurde. Dem Eingeständnis, daß der alte Mann von einem anderen Kranken geschlagen worden war, fügte ein Beamter die entschuldigenden Worte hinzu:„Wir können doch nicht jedem Kranken einen Wärter hinstellen!" Die schweigsame Anstalts- direktion wird sich nicht wundern dürfen, wenn über diese Er- klärung, wie über das ganze, für die Familie noch keineswegs hinreichend aufgeklärte Vorkommnis mancher sich feine Gedanken mach� Am Schwurgericht des Landgerichts I beginnt am 1ö. d. M.«ine neue Tagung unter Vorsitz des LandgerichtSdirettors Delkeskamp. Dem Vernehmen nach wird der Raubmörder Trenkler in dieser Tagung noch nicht vor die Geschworenen kommen, seine Strafsache dürfte erst in der nächsten Tagung zur Aburteilung gelangen. Unter den größeren Strafsachen, über die diesmal zu befiuveu sein wird, befindet sich auch der Mordanichlag im Automobil, den Anfang Januar der Kassenbeamte Julius Triehe auf den Kassenvoten Johannes Klein ausgeführt hat. Termin zur Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht steht am 26. d. M. an. Beschlagnahmte Bücher. Drei hochbeladene Kraftdroschken mit unsittlichen Büchern, Bildern, Aktstudien und die zu deren Her- stellung benutzten Platten wurden durch die Zentralpolizeistelle zur Bekämpfung unzüchttger Bilder und Schriften bei einem alten Herrn im Westen Berlin? beschlagnahmt. Seit längerer Zeit tauchten bei kleinen Zeitungs- und Buchhändlern, die Nick Carter-, Sherlock Holmes-. Nat Pinkerton- und andere Detektivromane ver- treiben, unsittliche Bücher und Schriften auf, die die Polizei immer wieder beschlagnahmte. Es gelang aber lange Zeit hindurch nicht, die Vertriebsstelle dieser anstößigen Sachen ausfindig zu machen, bis diese jetztnach langen Nachforschungen bei einem biederen, alten„Rentner" in Berlin W. ermittelt wurde. Die Beamten der Zentrale nahmen daraufhin eine Durchsuchung der Wohnräume des Mannes vor, die wider Erwarten eine Unmenge dieser Bilder und Bücher zutage förderte. Nicht weniger als 46 große Pakete wurden beschlagnahmt und dem Gericht zur vorläufigen Begutachtung übergeben. Aus den Korrespondenzen des Mannes ersah man, daß dieser nicht nur ganz Berlin, sondern auch viele andere deutsche Städte und sogar das Ausland mit diesen Sachen überschwemmt und natürlich einen sehr gewinnbringenden Handel getrieben hat. Einige der beschlagnahmten Bilder und Aktstudien sind vielleicht an sich nicht unzüchtig, doch werden sie dadurch anstößig, daß sie durch die bezeichneten kleinen Händler der heranreifenden Jugend für geringes Geld zugänglich gemacht werden. Zweihundert weiße Ratten aus der Charitö gestohlen. Ein gewiß seltener Diebstahl ist in der königl. Charitö verübt worden. In den Kellereien eines der Bauwerke sind zahlreiche Ställe für Versuchstiere untergebracht. So hat das Institut für Krebsforschung stets größere Mengen weißer Ratten, die gleichfalls zu Versuchszwecken auf dem Gebiete der Krebsforschung dienen, in dem Kellerraum in Käfigen zu stehen. In einer der letzten Nächte wurden nun nicht weniger als zweihundert der Ratten von unbekannten Tätern entwendet. Die Diebe dürften versuchen, ihre lebende Beute bei Tierhändlern los- zuwerden. Die Lichterfelder Mädchenmordaffäre, welche schon zweimal das Schwurgericht des Landgerichts II beschäftigte und mit der Ver« urteilung des Täters, des früheren Eisenbahnanwärters Walter Ewig zu fünf Jahren Gefängnis geendet hatte, wird nunmehr voraussichtlich nochmals im Wege des Wiederaufnahmeverfahrens zur Verhandlung gelangen. Schon in den beiden Verhandlungen waren starke Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des E. geltend gemacht worden. Aus Betreiben der Verwandten des Verurteilten ist vom Rechtsanwalt Dr. Puppe dem Spezialarzt für Nervenkrankheiten Dr. S. Klempner Gelegenheit gegeben worden, den E. im Gefängnis einer nochmaligen genauen Untersuchung unterziehen zu können. Diese hat ergeben, daß Ewig sich offenbar zur Zeit der Begehung der Tat schon in einem Zustand der Störung der freien Willens- bestimmung befunden hat. Unter diesen Umständen dürfte der ge- stellte Wiederaufnahmeantrag von Erfolg sein. Bon einem tragischen Geschick ist Mittwochabend die Frau de? Tischlers Hensel aus der Tilsiter Str. 16 betroffen worden. Frau H. hatte mit ihrem LVzjähttgen Söhnchen Ewald ihren Mann nach der Lungenheilstätte in Beelitz überführt und war gegen Abend nach Berlin zurückgekommen. Als sie an der Ecke der Tilsiter Straße und de» Weidenwegs den Damm überschreiten wollte, riß sich daS Kind von der Hand der Mutter los und lief in demselben Bugenblick auf den Damm, als ein PserdeomnibuS der Linie 18 herannahte. Der Kutscher versuchte noch im letzten Augenblick die Pferde zurück» zureißen, doch war«S bereits zu spät. Das Kind geriet unter die Räder deS schweren GefkihrtS. die ihm über den Kops hinweggingen. Der Kleine, der nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde nach der Unfallstation in der Warschauer Straße geschafft, wo er unter den Händen des Arztes verstarb. Die unglückliche Mutter versuchte in ihrer Wohnung Hand an sich zu legen, wurde jedoch von den Nach- barn an ihrem verzweifelten Entschluß gehindett. Zu dem Mordanschlag in der Mariannenftraße wird mitgeteilt, daß der Steinmetz Alfred Aßmann ergriffen ist. Aßmann, der zuletzt für sich allein in der Eisenbahiistr. 13 wohnte, verging sich, wie wir mitteilten, an seinen eigenen Töchtern und verletzte am zweiten Feiertage seine Frau, die sich nach Aufdeckung seines Treibens mit ihren Kindern von ihm getrennt hatte, in ihrer Wohnung in der Mariannenstroße durch einen Revolverschuß. Die hiesige Kriminal- Polizei dachte gleich daran, daß sich Aßmann, der nach der Tat die Flucht ergriff und entkam, nach der Gegend seiner Heimat Senften- Hütte im Kreise Angermünde wenden könnte, und benachricktigte chleunigst alle Behörden in jener Richtung. Gestern morgen erhielt sie daraufhin die telegraphische Meldung, daß eö einem Gendarmen gelungen ist, Aßmann, der wegen Blutschande und versuchten Mordes verfolgt wurde, in Lichterfelde bei Hegermühle in der Gegend von Ebersivalde zu ermitteln und festzunehmen. Der Verhaftete wurde einstweilen dem zuständigen Amtsgericht zugeführt. Zu der Revolverschießerei in der Linienstraß« erfahren wir, daß die 45 Jahre alte Grünkramhändlerin Frau Alwine Gohlke, die von dem Arbeiter Hermann Neubert aus der Straßburger Straße durch zwei Schüsse an, Hinterkopf und am rechten Arm verwundet wurde, wiederhergestellt ist. Sie konnte gestern nachmittag da« Hedwig- Krankenbaus verlassen. Der Schutzmann Diball, der bei der Fest« nähme NeubertS einen leichten Streifschuß an der Hand erhielt, als unversehens die Waffe des Verhafteten losging, kam mit einer ganz geringfügigen Verletzung davon. Er konnte gleich seinen Dienst wieder aufnehmen. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich gestern mittag gegen 1 Uhr in der Prinzenstraße, Ecke Sebastianskaße. Dort verließ der Lehrer Johann Bauer aus Schmalkalden, der sich in Berlin zu Besuch auf- hält, den Vorderperron eines Motorwagen? der Linie 23 während der Fahrt. Er kam zu Fall und geriet mit dem linken Bein unter den Sckuitzrahmen. Mittels mitgeführter Winden wurde der Wagen angehoben und der Lehrer nach' 16 Minuten hervorgezogen. Bauer erlitt eine Wunde am linken Unterschenkel und wurde nach Anlegung eines Notverbandes nach dem christlichen Hospiz in der Oranien- straße gebracht. Wegen falscher Anschuldigungen in de» Tod. Ein tragischer vor- gang hat sich gestern abend in der Freienwalder Strage abgespielt. Die 22 Jahre alte Eheftau Luise Haffke, Freienwalder Str. 8 wohn- hast, war beschuldigt worden, Diebstähle ausgeführt zu haben. Man bezichtigte sie mehrerer Warendiebstähle und benachrichtigte auch die Kriminalpolizei. Gestern gegen Abend' mußte Frau H. zur Ver» nehmung erscheinen, dock, beteuerte sie dabei, ihre Unschuld. Es wurde auch eine Durchsuchung der Wohnung vorgenominen. die nichts Belastendes zutage förderte. Frau H. nahm sich die fälsch- lichen Beschuldigungen derart zu Herzen, daß sie den Entschluß faßte, aus dem Leben zu scheiden. Sie mochte, da ihre Unschuld noch nicht völlig nachgewiesen war, nicht mit dein Makel weiterleben und ver- jiflcle sich gestern abend mit Lysol. Die Unglückliche tranl ein olch großes Quantum von dem Gift, daß sie sterbend ins Virchow« Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Kurz darauf pellte sich die völlige Haltlosigkeit der Anschuldigungen heraus, Vorort- JSacbricbtem Reukölln.(Rixdorf). Eine mysteriöse Schicßaffäre vesSäftigt gegenlvZrtig die Kriminalpolizei. In der Nacht zum Mittwoch gegen 4 Uhr wurde der SchutzmannZposten in der Hermanustrasze von einen. Manne angesprochen, der stark blutete und den Beamte» bat, er möge ihn nach der nöchsten Unfallstation bringen, da er schwer verletzt sei. Der Schutzmann kam dem Wunsche des Unbekannten nach und führte ihn nach der Rettungswache, wo der Arzt feststellte, dost der junge Mann einen Schusz in die rechte Brust erhallen habe. Der Verletzte, der 81jAhrige Techniker Karl Spiest aus Berlin, Schönebcrger Str. 12b, gab an, dast er in einem Tempclhofer Lokale einen Mann kennen gelernt habe, mit dem er in Streit geraten fei, weil der Unbekannte in der Trunkenheit von ihm 20 Pf. gefordert habe. Der Techniker verweigerte die Zahlung und verliest nach einiger Zeit das Lokal. Auf der Straste wurde er von dem Fremden eingeholt und als er sich umwandle, feuerte dieser einen Revolverschust ab, dessen Kugel ihm in die linke Brustseite eindrang. Bisher ist eZ noch nicht ge« lungcn, des Täters habhaft zu werden. Der Verletzte wurde nach dem Britzer Krankenhause geschafft. Tegel. Ein Bubenstück, daS glücklicherweise ohne schwere Folgen blieb, ist an, Mlllwochmorgen in dem Hause Egellsstr. SS entdeckt worden. Al» die Bewohner morgens um S'/, Uhr ihre Wohnungen verlieben, um sich an die Arbeitsstätten zu begeben, machten sie die Eni- deckung, dast die Treppenläufer der ersten und dritten Etage voll- kommen verbrannt und die Stufen zum Teil angekohlt waren. Sie benachrichtigten sofort die Poltzei, die auf dem Treppenpodest der vierten Etage zwei geleerte Splritusflaschen entdeckte. Der Brand» stiller hat die Kokosmatten der Treppe mit dem gefährlichen Brenn- stoff begossen und dann angezündet. Zum Glück fastle das Holz des noch neuen Hauses nicht Feuer, so dast nur die Malten abbrannten. Da da» dichlbewohnte Haus nur den einen Ausgang besitzt, hätte der Streich leicht nainenloses Unheil anrichten können. Reinickendorf. Bei der am 10. April stattgefundenen Stichwahl für die zweite Abteilung der Gemeindevertretung erhielten der Bauerngutsbesitzer Müller 252, der Bankbeamte Nikolaus 231, der Bäckermeister Liebing iss und der Kaufmann Lerche Ivo Stimmen. Die ersteren Beiden sind somit gewählt. Spandau. Durch einen eigenartigen Umstand ist hier der Färber PioS! um den gröstten Teil seiner Nase gekommen. Er fast in einem Restaurant am Lindenufer. Während des Gesprächs wollte er plötzlich etwas vom Fustboden aufheben. Die bückende Bewegung verstand aber der neben dem Gast liegende Hund des RestaurateurS falsch; er sprang auf PioSk zu und bist ihm über dir Hälfte der Nase ab. Der Verletzte mustle sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Nowawes. Bei der Verlosung, welche gelegentlich de»«uschabend» am LS. März im Smgerschen Lokal vom BildungSauSichuh veranstaltet wurde, blieb der aus die Nummer SS gefallen« Gewinn—«in Wandbild— zurück. Der Besitzer des betreffenden Lose» möge sich daher beim Inhaber deS Lokals zweck» Aushändigung de» Ge- Winnes melden. Hiid aller(Reit. Der CKetterrturz. Allenthalben in Deutschlands Gauen hat der Wettersturz der retzten Tage der Landschaft ein winterliche» Gepräge gegeben. In der vergangenen Nacht hat— vor allem im südwestlichen Deutsch- land—«in starke» Schneetreiben eingesetzt, da» in Ber« bindung mit den heftigen Stürmen und der empfindlichen Kälte umfangreichen Schaden an den Kulturen anrichtete. In einzelnen Gegenden ist das Thermometer bis S Grad unter dem Ge- f r i e r p u n k t gesunken.— In der Gemarkung Dotzheim in der Nähe Wiesbadens wurde gestern morgen der 24 Jahre alte der heiratete Arbeiter Fuchs erfroren aufgefunden. Fuchs hatte sich auf dem Heimwege abseits vom Wege aus Ermüdung schlafen gelegt und erfror in der Nacht.—>uS Meseritz (Posen) wird gemeldet, dast durch den starken Sturm der Sohn des Landwirts Wojcik in einen See gestoben wurde und darin ertrank. Ungeheuerer Schaden ist durch Schneestürme und Hagelschlag auch in R u st l a n d in den letzten Tagen angerichtet worden. Be sonder» im südlichen Teil des Landes haben viele Städte und Dörfer schwere Beschädigungen erlitten. Am Schwarzen Meer ist die Schiffahrt seit mehreren Tagen vollständig unterbunden. In Südrustland konnte der Eisenbahnverkehr nur mit grohen Ver> spätungen aufrecht erhalten werden. In N i k o l a j e w sind ver- schieden« öffentliche Gebäude durch den Sturm schwer beschädigt worden. 39 Personen sind dem Unwetter zum Opfer gefallen._ Automobilunglück in Oporto. Ein schreckliches Unglück ereignete sich gestern morgen in Oporto. Ein AutomobilomnibuS, der dicht mit Passagieren besetzt war, saufte in der Nähe der Stadt eine steile Sirahe hinunter, als plötz- lich die Bremse versagte. Das Fahrzeug, dessen Geschwindigkeit sich infolge der steilen Fahrtrichtung kolossal erhöht hatte, stieh an einer Ecke mit einem ihm entgegenkommenden AutomobilomnibuS zu- sammen. Der Anprall war so stark, dast der erste Autobus um. kippte und einen Abhang' htnunterrolltr. Reu-n Personen wurden auf der Stelle getötet und sieben andere schwer verletzt. Die Paffagiere de» anderen Auto- mobilomnibusse» kamen mit dem Schrecken davon. furchtbare Srdbebenfeataftropbe ln Zentral- Hniertha. Wie ein Telegramm au» Mobile im Staate Alabama meldet, berichtet der Kapitän eines dort eingetroffenen Fracht- dampferS. dast am S. April durch eine Eruplton des Vulkans C h i r i q u i bei Bora del Toro in Panama viele Indianer« dörfer zerstört und Tausende von Menschenleben vernichtet worden. Einzelheiten über daS entsetzliche Unglück stehen noch au»._ Ein Aeroplanflug Peking— PariS. Seit einiger Zeit werden in Pari» Verhandlungen gepflogen, um für den Sommer dieses Jahre« einen Aeroplanflug Peking— Pari» zu veranstalten. Der.Matin' veröffentlicht in der letzten Nummer da» Ausschreiben für den Flug. Das Weit- fliegen soll im Monat August stattfinden und läng» der tran«- sibirischen Eisenbahn von Peking au» über Charbin, JrkutSk, TomSk, Moskau, Warschau, Wien. Trieft. Venedig. Genua, Marseille, Lyon, Part» führen. An Preisen stellt da« Blatt die Summe von Ivb 000 Fr. zur Verfügung und zwar sollen hiervon 100 000 Fr. auf den Steger, 26 000 Fr. auf den zweiten und je 10 000 Fr. auf die drei nächst- folgenden Flieger entfallen. Die nicht cB«»erde». Der wegen Vergehens gegen das Lotteriegesetz seit einigen Monaten im Pariser Untersuchungsgefängnis befindliche Bankier Z u e c o hat es trotz seiner Haft zuwege gebracht, ein neues Lotterieunternehmen zu gründen, daS ihm durch Aus- beutung leichtgläubiger Sparer an 1500 Frank täglich ein« bringt. Infolge der eingelaufenen neuen Klagen nahm die Polizei im Bureau ZuccoS eine Untersuchung vor, beschlagnahmte sämtliche Bücher und entließ die Angestellten des Bankier». Meine Notizen. Gefährliches Spielzeug. In P i e r u s z y c e bei vreitenfrld im Kreise Jarotschin vergnügten sich, wie die„Ostdeutsche Rundschau' meldet, Knaben damit, Löcher in Steine und andere Gegenstände zu bohren und diese durch Pulver zu sprengen, Als fie da« Pulver mit einem Streichholz entzündeten, hatte die darauf- folgende Explosion zur Folge, daß zwei Knaben eine Hand völlig weggerissen wurde. Außerdem trugen ste Ver- letzungen im Gesilbt davon. Eisenbahnunfall. Am Mittwochnachmittag versagt« bei der Ein« fahrt des Eilzuges Probstzella— München in den B a m b e r g e r Bahnhof die Bremse, und der Zug fuhr mit mäßiger Ge« schwindigleit durch die Station. Dank der Umsicht eines Turm- Wärters' gelang es, den Zug auf ein Gleis zu dirigieren, auf welchem nur eine Rangiermaschine stand. Diese wurde bei dem Zusammenstoß demoliert, die Maschine deS Eilzuges und ein Post« wagen stark beschädigt. Ein Zugführer, ein Schaffner aus Leipzig sowie ein O b e r p o st s ch a f f n e r auS Nürnberg wurden schwer verletzt. Ein spitzbübischer Kritiker. Die Pariser Polizei verhaftete einen gewissen George l e P r e v o st, der als Theaterrcporter mehrerer Blätter zu den Generalproben zugelaffen zu werden pflegte und die Gelegenheit benutzt hatte, um Schauspielerinnen«ert- volle Schmucksachen zu stehlen. Eingegangene DrucKfchrifte«.• Bon der„Neuen Zeit« ist soeben da» 28, Heft de» 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Helte» heben wir hervor: Partetkrisen. — Die Geschichte der grosten amertkanischen Vermögen, Von Fritz Kummer.— Goldproduktton und Teuerung, von Otto Bauer38/13 Der Borstaud. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden anlästlich des Hinscheidcns unserer einzigen lieben Tochter Halens jagen wir allen herzlichsten Dank. Protser, Bäckermeister, 1112b und Frau, Deutscher Bauarbeiter. verband. Zwalgverein Berlin. Sektion der Stukkateur». Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Stukkateur Tdeodor Seifert (Bezirk Weistensee) am 9. April im Alter von 41 Jahren an Lungen-, und Herzschwäche g«> swrben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet heute. 12. April, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle de« Bemeinde-Fried- Hosts, Rölkestraste in Weistensee, auä statt. Um rege Beteillamtg ersucht 138/14 ver VornMand. Verband der Brnaerel- nnd ntihlenarbelter und verwandter Berutagenoiaen. ZahlKtelte Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Flaschen- leller-Arbeiter Hermann Wrlt (Schullheist-Braueret, Abt. II) nach schwer« Krankheit ver- storben ist. Ehre feinem«ndenrenk Die Beerdigung erfolgt heute Freitag, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle de« städtischen Friedhosts in FriedrichSselde, Gndrunstraste, auS. Zahlreiche Beteiligung erwartet 42/16 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine? lieben Mannes sage allen Bekannten und Verwandten meinen herzlichsten Dank. Frau Ww. Sebmldt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lleben Mannes, SohneS, Bruders, Schwagers und Resten Bnbert Klann sprechen wir allen Verwandlen und Bekannten, insbesondere bin Genossen des vierten Berliner Reichstagswahlkreise«, den Kollegen der Buchdruckerei.Vor- wärt«-, dem Radsahrerbund»Soli- darilät-, insbesondere AbteU. 6, den Kollegen de« Transportarbeiter-Ver. bände«, dem Sparvcrein.Gemütlich. keit- und den Kollegen de« sozialhemo- kratischen Pressebureau«, insbesondere dem Genossen Eichborn für seine Irost« reichen Worte an der Bahre de« Eni- schlascnen unseren herzlichsten Dank au». Anen«te Klann 3»S und die Hinterbliebene» Danksagung. Für die vewetse herzlicher Teil- nähme bet der Beerdigung meine» lieben Manne», unsere« guten Vater«, Grostvater« und Schwiegervater«, de« Parkettleger« (Zustav iWeyer sagen wir allen Bekannten, Freunden und Verwandten unseren herzlichsten Dank. 45S Wwe. Meyer Ä. Danksagung. Für dst Beweise herzlicher Teil« nähme«nd zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Manne« und unsere« guten Vater« Itarl Rudolf sagen allen Verwandten und Be- kannten, der Geschästsleitung und dem Personal der Firma Berlhold A.-K., dem Verein aller in Schrift- gietzereien beschästigten Arbeiter usw., dem Verein.Jmmeshain-, den Kol. legen der Firma Labisch sowte den Sängern unseren herzlichsten Dank, Berltn-Baumschulenweg. 1115b Witwe Berta Rudolf und Kinder, schreib« ich nicht au«, dafür enthält ftdu Plktt des so beliebten Br.«ffltntr» Veilchrnsrifrnpnldrr» «es„Gowperle" eea ein reizende« Geschenk. VUdniga Fabrikant auch de« fiüsfigg» Metallputzmittel«„(Hntor: Sali Cntntr, Fabrik chrm..t«cha. Pro«. «öpplngt». Vertretung für Qroß-Berlin: 200/12' Max Haiscb, Neukölln, Terkavf nnr Ina FabrlkgeM 35 Lerantwörtltcher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Kür den Inseratenteil oerant«.: rh.GlOde.iBerlul. Druck>i.v«rlag. Borwärt, Buchdrucknre, n. Parla�Sanü-ft mm sie sparen üeldiir g f flflöbel K Möbelfabrik | H. Walter wuWilli Maaß, Sg 35| B kaufen. Verkauf nur im FabrA-gcbände— eigene H Tischlerei und Polstere).— AufWunsoh Teilzahlung. H 35■■ Permanente Musterzimmer-Ausstellung.■■ 35 rarssEiar