Ar. 89. BbonneraentS'Bedlngnngen; ?IbomtementS• Preis vrünmnerando: Merteljährl. ZM Ml� monatl. 1,10 Ml, wöchenllich W Pfg, ftei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pffl. Post- ?lllonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisllste. Unter Kreuzband lür Dcutichland und Oesterreich. Ungarn 2 Mar!, sjtr da? übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänematt tollani. Italien, Luzemburg. Portugal, umänien, Schweden und die Schweiz, OWjelnt Llgllch aofitr Montag». 29. Jahrg. Die TnlertlonS'fiebOtir Beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- gelle oder deren Raum«0 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins Und Bersammlungs-Anzeigen L0 Pfg. „Alelne Mnzcxgtn", das settgedruckie Wort 20 Psg.(zulässig gfellgedrmlte Worte), jedes wettere Wort l0 Pfg. Stelle ngesuche und Echlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes wettere Wort S Pfg. Worte über 15 Buw- staben zählen für zwei Worte. Ansero!? für die nächste Nummer müssen bis i» Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Verlinev Volksblotk. Zcntralorgan der rozialdcmokratifdien Partei Deutfchlands. relegramm- Adreff« .Loiialtimolmu Redabtion: 8 Cd. 68, Ltndcnstrassc 69* Fernsprecher: Amt Morttzplan, Nr. 1383. Sxpedttiom 8M. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt Moriftplah, Nr. 1384. Der Untergang der„Titanic�'. Eine ungeheure Schiffskatastrop� hat„beide Welten" in Erregung versetzt. Der riesigste Ozeanfahrer, das komfor- tabelste Passagierschiff der Welt, der Dampfer„Titanic" der englischen White-Star-Linie ist Sonntag Nacht mit einem schwinimenden Eisberg zusammengestoßen und mit dem weit- aus größten Teil seiner nach Tausenden zählenden Besatzung gesunken. Schon am Montag meldete der Telegraph den Zu- sammenstoß. Allein die beteiligte Gesellschaft verschwieg, sei es aus Absicht, sei es aus Mangel an Information, das Ent- setzliche, daß von den 2300 Menschen, die der schwimmende Riesenpalast beherbergte, zwei Drittel mit dem sinkenden Schiffskörper in die Tiefe hinabgezogen wurden. Die New Uorker Vertretung der White-Star-Linie verkündete vielmehr triumphierend: Alle Pasiagiere sind gerettet. Am Dienstag doch mußte die Katastrophe in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit zugegeben werden. Noch ist man im Unklaren darüber, wie groß die Zahl der Opfer ist, die der Ozean mitsamt dem Wunderschiff verschlungen. Allein daß es sich mindestens um 1200— 1300 Tote handelt, kann nicht länger bestritten werden. Tie Geschichte der Schiffsunfälle ist damit um die kolossalste Katastrophe bereichert ivorden, die sich in der Neuzeit wenig- stens, jemals abgespielt hat. Die Tragödie ist um so erschütternder, als sämtliche Passagiere in der frohen Zuversicht die Reise angetreten hatten, daß ihnen an Bord eines solchen Riesenschifses, das unter enormen Kosten und mit allen Schikanen der modernen Technik erbaut und mit dem erlesensten Luxus ausgestattet worden war, nichts geschehen könne. Man war davon über- zeugt, daß dies schwimmende Mirakel, das mit einem Auf- wand von 32 Millionen erbaut worden war, um den größten Konkurrenzgesellschasten den Sieg abzugewinnen, nach menschlicher Berechnung allen Elementargewalten gewachsen sein werde. War doch nicht nur für den Komfort der Passa- giere, vornehmlich natürlich der ersten und zweiteü Klasse, das Menschenmöglichste getan, fondern war doch auch das Schotten- System derartig ausgebaut, daß nach den Verheißungen wenigstens ein einziger Hebeldruck genügte, um sämtliche Ab- teilungen des Schiffes wasserdicht voneinander abzuschließen. Und in der Tat bürgt dies Schotten-System, sofern es wenigstens richtig funktioniert, die Sicherheit unserer moder- nen Passagierdampfer. Wenn trotzdem Katastrophen ein- traten, so lag das daran, daß die mit Maschinenkraft zu schließenden Verbindungstüren entgegen der Vorschrift lange Zeit nicht probeweise geschlossen worden und deshalb ein- gerostet waren, so daß sie im Augenblick der Gefahr versagten. Bei dem funkelneuen Riesenschiff dürfte es an einem salchen Versagen der Sicherheitsvorrichtungen kaum gelegen haben. Vielmehr ist anzunehmen, daß der Zusammenstoß mit dem Eisberg dem Schiffskörper so ungeheure Verletzungen beige- bracht und den ganzen Organismus derartig erschüttert hat, daß alle technischen Vorkehrungen dieser elementaren Kata- strophe gegenüber versagten. Die Gefahr, die der Schiffahrt zu gewissen Jahreszeiten durch in Bewegung geratene Eisfelder und abgestürzte polare Gletscherteile fbrohen, die mit der Meeresströmung vom Norden ihren Weg nach dem Süden nehmen, ist nur zu be- kannt. Diese Gefahr ist um so größer, als die schwimmenden Eisberge und Eisfelder nur zum kleinsten Teile aus dem Wasser hervorragen und mit dem Vielfachen ihrer über die Wasserfläche emporragenden Massigkeit unterhalb des Wasser- spiegels dem Auge verborgen bleiben. Im Nebel und zur Nachtzeit werden diese bösartigen Feinde der Schiffahrt bei forzierter Fahrt selbst bei den stärksten Scheinwerfern erst so spät entdeckt, daß sich die Gefahr des furchtbarsten Zusammen- stoßes nicht mehr vermeiden läßt. Die White-Star-Gesellschaft und der Kapitän des ge< sunkenen Schiffes dürften insofern an der entsetzlichen Kata- strophe nicht unschuldig sein, als die„Titanic" ihre Fahrt unternommen hatte, um den Geschwindigkeitsrekord der Ozeaniiberquerung unter allen Umständen zu brechen. Des- halb soll das Schiff auch die direkteste, nämlich die nördlichste Linie genommen haben. Bei einer solchen Route aber mußte es in der jetzigen Jahreszeit damit rechnen, auf Eisfelder und Eisberge zu stoßen, selbst wenn deren Vorhandensein nicht bereits, wie anzunehmen, durch andere Schiffe gemeldet worden wäre. Aber das Geschäftsinteresse der Gesellschaft überwog wieder einmal alle Rücksicht auf die Passagiere, trotz- dem sich in diesem Falle der„Titanic" auch zahlreiche Multi- Millionäre anvertraut hatten, trotzdem allein an Diamanten- fracht das gesunkene Schiff einen Wert von mehr als 100 Millionen geführt haben soll. Dabei sollen freilich fast alle Passagiere der ersten und zweiten Klasse gerettet worden sein, während die Zwischen- deckspassagiere und die Schiffsbesatzung ihren Tod in den Wellen gefunden haben sollen. Nach einer anderen Lesart sollen die geretteten 800 Personen hauptsächlich aus Frauen und Kindern bestanden haben. Das spricht dafür, daß die Katastrophe doch nicht mit einem Male über die schwimmende Stadt hereingebrochen ist. Die Meldungen besagen ja auch, daß zwischen dem Zusammenstoß und dem Sinken der „Titanic" vier Stunden gelegen haben. Um 10 Uhr 20 er- folgte der Zusammenprall und um 2 Uhr 20 Min. schlugen die eisigen Fluten über dem Wunderwerk der modernen Schiffstechnik zusammen. Hätte sich die Katastrophe auf eine kürzere Zeit zusammengedrängt, so würde das Deck des der Vernichtung geweihten Riesendampfers noch viel furchtbarere Szenen erlebt haben: den schauerlichen Kampf der Totge- weihten untereinander, die in den Dilirien der Todesangst jedes menschlichen Gefühls spotteten. Von einem„Fiasko der Technik" sprechen einzelne Blätter. Mit Unrecht, denn die Technik, die sich lediglich dem Sicher heitsbedllrfnis anpaßte und nicht mehr vom Profitbedürfnis der Schiffahrtsgesellschaften beeinflussen ließe, würde sicherlich Fahrzeuge schaffen können, die auch einer solchen Katastrophe gewachsen wären. Auch ist ja aller Wahrscheinlichkeit nach die„Titanic" lediglich ein Opfer der kapitalistisch-rwalisieren den Rekordsucht geworden, die schon so manche Hekatombe von Menschenleben verschlungen hat. So tief aber auch das Mitgefühl sein mag, das den Opfern dieser gigantischen Katastrophe gebührt, so zeitgemäß ist doch auch die Erinnerung daran, daß erst wenige Jahre verflossen sind, seitdem ähnliche und noch viel gewalftgere Katastrophen bewußt und gewollt durch menschliche Bestialität heraufbeschworen wurden. Denn während des russisch-japanischen Krieges wurden zahlreiche Schlachtschiffe mitsamt ihrer tausendköpfigen Besatzung in den Grund gebohrt. Verschiedene solcher Riesenschiffe wurden bei Port Arthur versenkt. Die russische Kreuzerflotte von Wladr wostock fiel über die japanischen Transportschiffe her, die die Truppen nach Korea übersetzen sollten und versenkte mehrere der mit Menschen überfüllten Transportschiffe, bei denen Tausende und Abertausende ihren Tod in den Wellen fanden. Und als es gar zur Seeschlacht bei F u s h i m a kam, da fanden vieleTausende ihren Tod in den salzi gen Fluten des chinesischen Meeres. Ist es deshalb nicht ein schreiender Widersinn, wenn die gesamte bürgerliche Presse sich in sensationeller Bericht erstattung und melodramatischer Betrauerung der 1500 Opfer der„Titanic" nicht genug leisten kann, während gleichzeitig alle kapitalistischen Staaten, Deutschland voran, alles aufbieten, um marinistische Katastrophen vorzubereiten, denen gegenüber der Untergang des englischen Passagierdampfers schließlich nur ein Kinder- spiel sein dürfte?! »• • Ver(lmkang der fcitaftropke. Bis zur Stunde läßt sich die ganze Größe des furcht- baren Unglücks noch nicht überblicken. Die einlaufenden Tele- gramme schätzen die Zahl der Passagiere des„Titanic" sehr verschieden. Während in einzelnen Nachrichten berichtet wird, daß das Unglücksschiff 235 8 Passagiere und 900 Mann Be sa tz u n g an Bord hatte, wird in anderen Telegrammen die Gesamtzahl der an Bord befindlichen Personen auf 2200 geschätzt. Wahrscheinlich ist es aber, daß 1300—1400 Mensche» bei dem Untergang ihr Leben ein- gebüßt haben, während etwa 850 Personen, meist Frane» und Kinder, gerettet wurden. Die zuerst gehegte Hoffnung, daß außer von der„Carpathia" von verschiedenen anderen zur Hilfe geeilten Dampfern Ueberlebende gerettet wären, hat sich leider nicht bestätigt. St. JohnS(Neufundland), IS. April. Die Hoffnung, daß noch andere Passagiere als die an Bord der„Carpathia" befindlichen am Leben stnd, ist aufgegeben worden. Sämtliche Dampfer, die die Unglacksstelle kreuzten, haben die Suche eingestellt. Die Rettungsaktion. Sofort nach Eintreffen der Funkentelegrmnme, die über den Zusammenstoß mit dem Eisberg Meldung brachten, nahmen mehrere Dampfer ihren Kurs nach der Unglücksstclle. Der der „Titanic" nächste Dampfer„Carpathia" war jedoch ITO Seemeilen entfernt, so daß er erst mehrere Stunden später an der Unglücksstelle einttaf. Wie ein Funkentelegramm meldet, fand er von dem Dampfer keine Spur mehr; nur einige Schiffstrümmer kennzeichneten den Ort der furchtbaren Katastrophe. Bei Tagesanbruch wurden daUn die Insassen der ver- schiedenen Boote eingeschifft. Die Liste der Geretteten zeigt, daß an Bord der„Titanic" die größte Manneszucht geherrscht haben muß. Die Mehrheit der Geretteten sind Frauen, die Mehrzahl der geretteten Männer sind verheiratet. Spätere Telegramme melden über die Rettungsaktion folgende Einzelheiten: New York, 16. April.„Birginian" meldet, sie fei zu spät gekommen nnd habe keineGcrettetenvonder„Titanic" an Bord, auch.Harisian" hat keine Geretteten aufgenommen. Die Zahl der an Bord der„Carpathia" befindlichen Geretteten beträgt nach neuester Meldung 830. New Dort, 16. April. Um 11 Uhr 15 Minuten vormittags (amerikanische Zeit) traf hier ein Funkenspruchtelegrmnm von Kapitän B 0 st r 0 n von dem Cunard-Dampfer„Carpathia" ein, das auf 41 Grad 45 Minutene nördlicher Breite und 5V Grad 23 Minuten westlicher Länge aufgegeben ist. „Mit 833 Ueberlebende» an Bord habe ich Kurs noch New Dort genommen,«m dort die Geretteten zu landen, falls ick keine Gcgenorder erhalte. Da außerordentlich viel Eis südwärts treibt, halte ich New Dort für den besten anzulaufende» Hafen. Eine groß« Anzahl von Eisbergen sind in der Nachbarschaft der Unglücksstätte treibend gesichtet worden. Die „Carpathia" ist 23 Meilen lang durch Eisfelder ge« fahren» auf denen sich nngrheure Berge befanden." New York, 16. April. Folgende Depesche ist von Cap Nace auf Neufundland eingetroffen: Der Dampfer der Lehland-Linie „Cal i fornia n" ist an dem Ort, wo die„Titanic" sank, zurück- geblieben, um die Unglücksstelle abzusuchen. Die„Carpathia" fährt mit den Ueberlcbenden nach New Dort zurück. Der Zusammenstoß der„Titanic" mit dem Eisberge fand am Sonntagabend um 13 Uhr 23 Minuten statt. Der Untergang des Schiffe? erfolgte in der Nacht zum Montag um 2 Uhr 23 Minuten. London, 16. April. Im Bureau der White Star Line wurde festgestellt, daß sich unter den Geretteten der„Titanic" an Bord der„Carpathia" allePassagieredererstenKlasfc befinden. Das Schiff wird am Freitag früh in New Dort erwartet. New Dort, 16. April. Die White Star Linie erklärt, sie habe sichere Nachricht von der„Olhmpic" erhalten, daß die Zahl der von der„Titanic" geretteten 8K8 beträgt, mit denen die„Carpathia" am Donnerstag nachmittag in New Dort eintreffen soll. Die Litte der Geretteten. New Dort, 16. April. Die bisher erschienene unvoll- ständige Liste der Geretteten enthält u. a. die Namen der Herren Bruce Jsmay, des Präsidenten der Grand Trunk-Railway Charles HayS mit Frau und Tochter und der Damen Astor, Widener und der Gräfin Rothes. Unter den Geretteten mit nicht englischen Namen befinden sich der Tennisspieler K. H. Behr, Karoline Bystrom, Dr. Hensy, Herr und Frau Frauenthal, Fräulein A. Flegenheim, Fräulein Margarethe Froehlicher, Frau Samuel Goldenburg und Ella Goldenburg, Frau Hogeboom, Frau Ida Hippack und Fräulein Hippack. Die Herren Emil Meuchen und Gustav Lesueur. Frau Siegfried Lindstrom, Fräulein Manette Panhart, Frau M. Rotschitd, Frau Edith Rosenbaum, Oberst Stmonius, Emma Segesser, Frau Pauline Schabert, Herr und Frau Speddin, die Herren Max Stabelin, Abraham und Salomon. Herr und Frau Stengel, Herr Adolf Saalfeld, Herr Emil Tauffig mit Frau und Tochter und Frau DevillierS. London, 16. April. Unter den Geretteten der„Titanic" befinden sich ferner Anna Hamalainer und Sohn, Frau Jacobsohn. Fräulein Berta Lehmann, Frau Elisabeth Mellinger mit Kind, Fräulein Käte Büß. Die Hufnabme der Kataltropbe. New Dort, 16. April. Die Meldung vom Untergang der „Titanic" hat in New Jork ungeheuere Bestürzung und Aufregung verursacht. In großen Mengen schart sich das Publikum bor den Redaktionen der Zeitungen, um die letzten Nach- richten über die Katastrophe zu erfahren. Au« fast allen Teilen des Landes finden sich Verwandte und Angehörige der Reisenden ein, um Näheres über das Schicksal ihrer Anverwandten zu vernehmen. Die Bestürzung un Publikum ist um so größer, als man aus den gestern veröffentlichten Meldungen entnehmen mußte, daß alle Passagiere gerettet worden wären. Der Umschlag nach der anfänglichen Beruhigung und" den optimistischen Hoffnungen ist jetzt um so erschütternder. Schon in den ersten Nachmittagsstunden waren gestern Gerüchte im Umlauf, daß die„Titanic" gesunken sei, doch wurden diese von der White Star-Gescllschaft ausdrücklich dementiert. Die Gesellschaft versicherte, daß die„Tilanic" unter eigenem Dampf nach Halifax fahre. Nur gegen 6 Uhr mußte man vermuten, daß uicht alles in Ordnung war, als das drahtlose Telegraphenburean berichiete, daß alle Verbindungen mit der„Olympic" und den begleitenden Dampfern aufgehört hätten. London, 16. April. Das Eintreffen der Nachrichten von der großen Zahl der Opfer der„Titanic" hat eine unbeschreibliche Bestürzung hervorgerufen, die um so größer ist. als die Leiter d e r W h i t e S t a r L i n i e auf das bestimmteste versichert hatten. die„Titanic" könne nicht untergehe«, da ihre Räume vollkommen wassersicher seien. Die Aufregung unter den von der Katastrophe bettoffenen Familien, besonders wo es sich um Familien der Be- satzung oder der ZwischenbeckSpassagiere handelt, ist um so größer, als es sich bestätigt, daß nur Passagiere der ersten Klasse sowie Frauen und Kinder gerettet worden sind. Paris. 16. April. Den ganzen heutigen Tag über wurden die Bureaus der White Star-Linie in der Rue Scribe von einer ungeheuren Menschenmenge, unter der sich hauptsäch« lich Engländer und Amerikaner befanden, belagert. Alle versuchten Näheres über das Schicksal ihrer auf dem Unglücks- dumpfer befindlichen Familienmitglieder zu erfahren, jedoch konnte ihnen naturgemäß noch keinerlei genaue Auskunft gegeben werden. Die Direktion hofft jedoch, in 2 bis 3 Tagen einegenaue Lifte der Uebcrlebenden sowie der ertrunkenen Passagiere herausgeben zu können. öeneraktii'ektoi' Kallin Uber clas CInglüch. Infolge mehrfacher an ihn gerichteter Anfragen um Mit- teilung seiner Ansicht über die Ursache deS Untergangs des Dampfers „Titanie" äußerte sich der Generclldirektor Ballin einem Vertreter des„Wolffschcn Telcgraphen-Buraaus" gegenüber wie folgt: Im gegenwärtigen Augenblick ist es natürlich noch unmöglich, eine be- stimmte Ansicht über die Ursache des Unterganges der«Titanic" zu cinßern, man kann nur sagen, daß die Schiffahrtsgesellschaften auch aus diesem Unglück lernen werden, und daß sie au Hand dieser traurigen Erfahrungen trachten müssen, die weit- geheudjten modernen �-icherheitseinrichtunaen noch zu verbessern, die nach unserer Ansicht und nach der Ansicht der KlcrssifikationS- gefellschaften das bisher mögliche und erreichbare Matz von Sicher- heit schon geschaffen hatten. Daß die Katastrophe mit der Größe, der Geschwindigkeit und der Art des Schiffes an sich nichts zu tun hatte, liegt für jeden einsichtigen Menschen auf der Hand. Ebenso ist es meine feste Ueberzeugung, daß auf der„Titanic" alle modernen Sicherheitsvorrichtungen vor- Händen gewesen sind. Waruin sie nicht ausgereicht haben, das Schiff bor dem Untergang zu bewahren, ist eine Frage, die man im Augenblick noch nicht beantworten kann, sondern erst, wenn die genaueren Berichte über die Katastrophe vorliegen und von be- rufener Seite geprüft sind. Dann wird man daS Ergebnis auf das genaueste studieren, um, foweit das in Menschenkraft steht, Schlußfolgerungen für die weitere Verbesserung der Sicher- heilScinrichtungen daraus zu ziehen. Seilelclskanclgedungen cler Parlamente. Im Deutschen Reichstage hat der Präfident Kaempf fit der heutigen Sitzung der Trauer über das ungeheure Unglück beredten Ausdruck gegeben. Zu Beginn der Sitzung führte er unter tiefem Stillschweig«! aus:,„Bevor wir in die Tagesordnung ein- treten, glaube ich dem Schmerze darüber Ausdruck geben zu müssen, daß ein großes Schiffs unglück Hunderte von Menschen- leben, ja vielleicht mehr als tausend verschlungen hat. Ter Dampfer„Titanic", der englischen White Star« Linie gehörig, ist untergegangen und hat viele Menschenleben in seinen Schiffbruch hineingezogen. Wir sprechen unser schmerz- liches Bedauern aus über da» Unglück, daS in erster Linie daS englische STolf betroffen hat, in zweiter Linie all die Rationen, die Angehörige auf dem Schiffe haben. Sind wir doch nicht sicher, daß nicht auch unsere Nation unter dem Unglück schwer zu leiden hat. Ich danke Ihnen für den Aus- druck des Bedauerns und des Schmerzes, den Sie dadurch bewiesen m.habeii, daß Sie sich von den Plätzen erhoben haben." Im englischen Unterhaus« verlas Premierminister -A s q u i t h unter ticfetn Stillschweigen die Meldung der White "Star Line über den Untergang der„Titanic" und sagte dann: Ich bin betrübt, daß wir gezwungen sind, einem jener fürchterlichen Ereignisse gegenüberzutreten, die manchmal im Rate der Vorsehung beschlossen sind, die unsere Vorsicht zunichte machen, die die kühnste Phantasie sich nicht ausdenken kann, und die uns cnlpfinden läßt, wie arm unsere Worte sind, wenn wir in solchem Augenblick sagen wollen, was wir fühlen. Wir können nur unserer Belounderung dafür unvollkommenen Ausdruck geben, daß die besten Traditionen der See beobachtot worden zu sein scheinen, daß willig Opfer dargebracht wurden, um denen, hie am wenigsten imstande waren, sich selbst zu helfen, dst« größte Aussicht auf Rettung zu verschaffen, und daß wir tiefe« Mitgefühl mit denen haben, die so plötzlich ihrer liebsten und nächsten An- gehörigen beraubt worden sind. frühere Schiffdbataftrophen. Endlos ist die Zahl der Schiffskatastrophen, Tausende von Menschen haben bei dem Untergang von Schiffen ihr Leben ein- gebüßt, aber noch nie sind bei einem SchiffSuntcrgang soviel Menschen ums Leben gekommen wie bei dem der„Titanic. In der Zahl der Menschenopfer kommt dem letzten Unglück am nächsten der Brand und Untergang des BergnügungSdampferS„General S l o r u m" im New Aorler Hafen, bei dem im Juni 19CU über 1000 Menschen ihr Leben einbüßten. Im Jahre 1902 ertranken bei dem Untergang des englischen Dampfers„C a m o r t a" 73V Personen. Mit über 600 Ertrunkenen ist der Verlust des norwegischen Auswandererschifsez„N o r g u" zu buchen, dasLc Socialiste". Er ist Mitverfasser des Munizipalprogranims. Den Genogen der Internationale ist er auch durch seine Teilnahme an den internationalen Kongressen bekannt. Im vorigen Jahr hat er die französische Partei auf dem Jenaer Parteitag vertreten. politische dederlicbt. Berlin, den 16. April 1912, Das Reichseisenbahnamt. AuS dem Reichstag, 16. April. Landesrecht geht vor Reichsrecht! Und deshalb mußte. Da der preußische Eisenbahn- minister Breitenbach den Erwählten des Dreiklassensystems Rede und Antwort zu stehen hatte, der Titel„Reichseisen- bahnen" gestern v o n der Tagesordnung und der Titel„Reichs- eisenbahnamt" daraus gesetzt werden. Im Zeichen dieses Titels gab es eine Sitzung, die nicht gerade aufregend und ohne Höhen und Tiefen war— Flachland, auf dem die einzelnen Debatter ihre Wortkolonnen exerzieren ließen. Zunächst wandte sich Genosse U l r i ch mit guten und zahlreichen Gründen gegen die preußisch-hessische Betriebsgemeinschaft, durch die Hessen finanziell ganz außerordentlich geschädigt lverde, und forderte cHie Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens. Nach ihm befaßte sich Herr S ch w a h a ch mit der Frage einer internationalen Zusammenfassung des gesamten Verkehrs und regte, da Nationalliberale sowohl wie auch Kommerzienräte allzeit ein warmes Herz für Arbeiter und kleine Beamte haben und Herr S ch w a b a ch sogar Nationalliberaler und Kommerzienrat ist, eine gesetzliche Regelung der Ruhe- und Dienstzeit des Eisenbahnpersonals an. Der Fortschritllcr Haas, einer der Führer des badischen Liberalismus. wies in einer. Rede, die eindrucksloser blieb. als man Wohl erwartet hatte, auf die Gefährdung der Bahnen durch die übermäßig lange Arbeitszeit der Beamten.hin,>vas dem Eisenbahnamtspräsidenten Wacker- zapv Gelegenheit zu der gemütvollen Bemerkung gab, Kgß der Eisenbahndienst für die Beamten gesundheits- schädigend sei, lasse sich nicht bestreiten, aber durch eine Ver- kürzung Her Dienststunden werde daran nichts geändert. Der Zentrtaftlichen Interessen die Hauptaufgabe der Organisation sein?nuß, und meinte, daß der Werkmeisterverband für das Buchbindergewerbe diesen Grundsätzen entspricht.— In der Diskussion versuchte ein Redner, für den Deutschen Werkmeisterverband, der seinen Sitz in 'TstGl-cke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Lerlagsanstal« Düsseldorf hak«nd sich der Gunst der Prknzstxcke und der Be« Hörden rühmt, Propaganda zu machen, hatte damit aber keinen Er- folg. Der Verlaus der Versammlung bewies vielmehr, daß man allgemein mit dem Referenten einverstanden war und in dem Werkmeisterverband für das Buchbindergewerbe und verwandte Be- rufe die zuständige und zweckentsprechende Organisation erblickte» Deutrches Reich. Zum Kampf tu der Frankfurter Metallindustrie. Frankfurt a. M., 16. April.(Privattelegramm des.Vorwärts".) Auf Anregung von Arbeitgeberseite wurden Verhandlungen ein- geleitet zwischen den beiderseitigen Kommissionen, jedoch ohne Or« ganisationsvertreter. Nach dreimaligem stundenlangen Verhandeln wurde darauf am Montag abermals vertagt, jedoch stellten die Arbeitgeber den Kommissionsvertretern eine weitere Verhandlung in Aussicht. Leber daS Ergebnis wird beiderseitig Stillschweigen bewahrt. Inzwischen bemühen sich die Unternehmer, durch Inserate in auswärtigen Blättern Arbeitswillige anzulocken und durch das System der schwarzen Listen Abreisende zu boykottieren. Die Listen der Adler-Werke enthalten 2995 Namen, der Firma Mayfarth u. Co. 535 Namen, der Firma Fries Sohn 431 Namen fein säuberlich nach dem ABC mit Angabe des Beruf? geordnet. Die Listen sind in Druck gelegt und tragen das Altenzeichen: Zu Nr. 67 s/1g12, 56 und 46. Zuzug van Metallarbeitern jeder Art, Holzarbeiter«, Lackierer« rmd Sattlern ist unbedingt fernzuhalten. Die orgauifierten Schuhmacher von Barme« reichten vor einiger Zeit an die Unternehmer Lohnforderungen ein. Obgleich die Löhne erbärmlich schleckt find und seit 6 Jahren keine Erhöhung mehr staltgefunden hat, lehnte die Sckuhmacherinnung mit 27 gegen 16 Stimmen die Bewilligung jeglicher Erhöhung ab. In einer am Sonntag abgehaltenen Versammlung nahmen die Gehilfen zu diesem, jedem sozialen Empfinden Hohn sprechenden Entscheid Stellung und beschlossen einstimmig, am Dienstag, den 16. April die Kündigung einzureichen, um durch einen Lohnkampf ihr« berechtigten Forderungen durchzusetzen. Ausland. Der österreichische Transportarbeiterverbanb berichtete«ruf seiner Generalversammlung zu Ostern über folgende Steigerung der Mitgliederzahlen: 1364: 1433; 1966: 6736; 1369: 9649; 1811: 16 436. Ueber die Hälfte der Mitglieder sind in Wien, die Mit- gliederzahl in der Provinz ist infolge dcS Separatismus und Ratio. nalismus zurückgegangen. )?iis der frauenbewegune� Das Erwachen der japanischen Frauen. Dem Parlamente von Japan lag vor kurzem ein Antrag auf Aufhebung des für Frauen und Jugendlichen bestehenden Verbots der Teilnahme an politischen Versammln»- gen vor. Auf Verlangen� der Regierung wurde er einem Ausschuß zugewiesen, aber von diesem einstimmig abgelehnt. Der Be- richterstatter im Plenum brachte die«ruck im Abendland nicht ganz unbekannten Redensarten von„Vernachlässigung der Haushaltung, Störung des Hausfriedens, Zerreißung der Familie" und der- gleichen vor, die von dem Antragsteller, Hine, entschieden bekämpft wurden. Dieser betonte, man dürfe die Frauen Japans nicht mit den„unverschämten Frauenzimmern Europas und Amerikas" ver- gleichen. Sie feien vielmehr fügsam und gelehrig. DaS gehe schon daraus hervor, daß die meisten japanischen Staatsmänner sich mit Wissen und Zustimmung ihrer Frauen Konkubinen hielten. Welche amerikanische oder europäische Frau würde sich das gefalle« lassen? Dieser Lobgesang konnte den Antrag ebensowenig retten, wie der Hiniveis eines anderen Redners darauf, daß daS Verbot auS der Zeit des Saigon-Aufstands(1877) stamme, und daß darin Frmie« auf eine Stufe gestellt wurden mit„Räubern, Spitzbuben, Brand- stiftern und Liberalen". Es blieb bei der Ablehnung. Trotz dieser politischen Rechtlosigkeit wird von manchen Seiten der japanischen Frau großer Einfluß zugeschrieben. Wie.Daily News" berichten, weisen viele Kenner des fernen Osten« der Krau in Japan die überragende Stellung zu. Ihr Einfluß fei zwar, weil auf das Innere des Hauses beschränkt, verborgen, aber um so wirksamer. Ein sehr erfahrener Diplomat erklärte, keine Umgestal- tung von größerer Tragweite könne ohne Zustimmung der Frauen durchgesetzt wenden. Diese aber sei bei dem konservativen Charakter der puppenhaftem von den Weltereignissen wenig berührten Frauen nur sehr schwer zu gewinnen. Um so interessanter ist eS, daß trotz des Widerspruchs der Herren Gesetzgeber sich nun eine geistige Selbständigkeit auch in diesen dunklen Winkeln zn regen beginnt. Den Anstoß gab die Aufführung einer japanischen Uebersctzung von Ibsens„Nora oder ein Puppenhcim", die in weiblichen Kreisen Sensation erregte. Eine Frauenzeitschrift,„Seito", widmete dem Drama eine ganze Nummer. Die UnWürdigkeit der einem Haustier gleichgestellten, rechtlosen und allein auf den hintenherum wirkenden HaremSeinflnß angewiesenen Frau wird mehr und mehr anerkannt. Am Ende wird es wohl auch nicht möglich sein, neben den zum vollen Bürger- recht zugelassenen Frauen Chinas und Amerikas die japanische Frau dauernd als bloßes Werk- und Spielzeug des Mannes zu behandeln. (Siehe auch 2. Beilage.) KctzU Nachrichten. Zu dem Untergang der„Otanie". London, 16. April.(W. T. B.) Die Liste der gerettete» Passagiere der„Titanic" enthält noch folgende, möglicherweise deutsch« Namen: Frau Mathilde Weiße und Fräulein Susanne Webber; fernex die Passagiere zweiter Klasse: Baron Drachsted. Hanna Abelson, Ada Doling, Else Doling und Emilie RuV. Hierzu 3 Beilagen v. UnterhaltungZbl. it. 89. 29. Zahrgavg. I Stilijf des„üoraitlo" Kerlim öolbtlnlt. Mw-ch. 17. Jpril 1912. Rcid�stag. »8. Sitzung. Dienstag, den 16.«pril 191». nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Präsident des ReichSeisenbahnamtes SB a ck- r z app. Präsident Dr. Kaempf: Bevor wir in die Tagesordnung ein- treten, glaube ich dem Schmerze darüber Ausdruck geben zu müssen, dag ein grotzes Schiffsunglück Hunderte von Menschen- leben, ja vielleicht mehr als tausend verschlungen hat. Der Dampfer.Titanic", der englischen White Star Linie ge- chong, tft untergegangen und hat viele Menschenleben in seinen Schisibruch hineingezogen. Wir sprechen unser schmerzliches Bedauern aus über das Unglück, das in erster Linie das eng- lriche Volk betroffen hat, in zweiter Linie all die Nationen, die Ungehörige auf dem Schiffe haben. Sind wir doch nicht sicher, daß nicht auch unsere Nation unter dem Unglück schwer zu leiden hat. �ch danke Ihnen für den Ausdruck des Bedauerns und des Schmerzes, den Sie dadurch bewiesen haben, das; Sie sich von den Platzen erhoben haben. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Reichshaushaltsetats. Sie setzt ein mit der Beratung des Reichseisenbahnamtes. Abg. Ulrich ,Soz.): Nahezu 590 000 M. sind für dieses Amt angefordert. Es lohnt sich daher, die Frage aufzuwerfen, was das Institut des Reichs- eiienbahnamtes eigentlich leistet. Es gibt Kreise, die es für ein totgeborenes Kind halten. Eigentlich ist es in Wirklichkeit ein Amt ohne Amt, eine Behörde, die sehr wenig tun kann, weil sie ihre Aufgaben zu «ngbegrenzt auffagt. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß das Reichs- encnbahnamt entsprechend den Bestimmungen der Berfassung eigent- lich eine Behörde mit ganz besonderer Initiative lein sollte, die dahin wirken müstte, dag wir R e i ch s e i s e n- bahnen im weitesten Sinne des Wortes erhalten, und daß ihr Aufsichtsrecht in jeder Hinsicht ausgebildet wird. Bisher hat das Amt zur Entwickelung eines Reichseiienbahnwesens so gut wie nichts getan. Das ist am deutlichsten in die Erscheinung getreten in der Zeit, wo mit den verschiedenen Einzelstaaten über die Frage einer Betriebsmittelgemeinschaft und der dann glücklich zustande ge- brachten Güterwagengemeinschast verhandelt wurde. Damals hätte � der Misere der Behandlung der Einzelstaaten durch Preußen durch das Eingreifen des Amtes ein Ende gemacht werden können, aber davon hat man nichts vernommen. Das völlige Versagen des Amtes scheint mir ei» Symptom dafür zu sein, daß seitens der m Frage kommenden Beamien überhaupt keine Neigung be- steht, den durch die Reichsverfassung festgelegten Gedanken des Reichseiienbahnwesens zu propagieren. Man stellte dem großen Bruder Preußen die kleinen Brüder einzeln gegenüber und suchte so für Preußen ganz unzulässige Vorteile herauszuholen. Ich halte diese Entwickelung für eine recht unglückliche. Besonders bei dem Abschluß der Eisenbahnverträge mit Hessen und Baden hat die Absicht vor- geherrscht, möglichst eine Einheit in der Richtung der preußischen Auffassung herbeizuführen. Am schlechtesten ist dabei Hessen weg- gekommen. Aber Versuche des preußischen Geheimrats Kirchhoff in seinem Buche„Die deutsche Eisenbahngemeinschaft" das wegzuleugnen, scheitern an den feststehenden Ziffern und daran, daß man nun in Hessen selbst anfängt zu begreifen, daß dieser erste Vertrag, den Preußen mit einem Kleinstaat abgeschlossen hat, für Hessen außer- ordentlich unglücklich gewesen ist, nicht bloß in der Richtung, daß man die Hoheilsrechte nicht genügend gewahrt hat, das wäre uns höchst gleichgültig— sondern weil Hessen fast jeden Einfluß aus die Gestaltung des Eisenbahnwesens innerhalb seiner Landesgrenzen verloren hat. Der ganze verkehrspolitische Einfluß des Landes ist so gut wie eliminiert, und man fühlt in Hessen, daß der dominierende Faktor der Gemeinschaft sich sehr wenig um die Interessen des hessischen Volkes kümmert. Im preußischen Abgeord- netenhause hat man sich über die Klagen Hessens beschwert. Aber die Eingeseiften haben wohl noch da? Recht, darüber zu klagen, daß das Messer gar schartig ist und den Raseur zu ersuchen, etwas mehr Mensch- lichkeit zu üben.(Heiterkeit.) Hier sollte das Reichseisenbahn- an»t dem Kleinstaat zu Hilfe kommen(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), vor allem angesichts der großen finanziellen Belastung, die Heffen aus diesem Vertrage erwachsen ist. Das Ein- greifen des Amtes ist um so notwendiger, weil durch die Klagen Das I�ärcben vom k>üknerstaU. Den modernen Kunst-Snobs, den ethischen und aesthctischen Dandys und allen denen gewidmet, die proletarische Tendenz in einem Kunstwerk bercchtigterweise hassen. Es war einmal ein Hühnerstall, ohne Hahm Es loar unleugbar ein behaglicher Stall, frisch gestrichen, grün mit weiß, mit einem Lcghäuschen in Rokokostil, durch ein abfallendes Dach mit vergoldeter Kuppel vor Regen geschützt, kurzum ein Stall, worin sich jedes wohlerzogene Huhn glücklich fühlen konnte. Dieser elegante Stall stand an der Sonnenseite eines jeden Tag gepflegten, geharkten und berieselten Gartens. Inmitten eines Rasenbeetes mit Geranien und Veilchen befand sich dort eine rich- tige Fontäne. Zu Füßen eines marmornen Ritters, schön und imposant wie einer aus der Siegesallce, spritzte das Wasser nach vier Richtungen hin. Morgens, mittags, abends: immer war es eine Lust für die Augen. Ausgenommen für die Hühner, denn die flogen auf, sobald es dunkel wurde. Zweimal am Tage herrschte außergewöhnliche Erregung in dem Stall. Dann kam eine Dame über den 5liespfad hcranspaziert. Sie trug einen Turban und einen Napf mit Hühncrfutter. Sie l)atte Puppenhändchen, die sie jeden Morgen von ihrem Friseur maniküren ließ. Sie hatte elfenbeinerne Zähne, bis auf die Weis- heitszähne. Die waren aus Gold. In den Ohren prangten Dia- mantcn und wenn sie ihre Finger in den Futternapf steckte, um den Hühnern Mais, Gerste und Hanfsamen zu streuen, erglänzten ihre Ringe so stark, daß die Hühner es nicht aushalten konnten und die Aeuglein lichtscheu schlössen, wenn sie danach blickten. Aber sie blickten nicht danach. Sie blickten mit gierigem Hunger nach dem täglichen Brot, und wenn sie so geschlemmt hatten, daß sie nicht mehr konnten, legten sie sich in die Sonne und sprachen zufrieden ihr Dankgebet. Auch Hühner beten. Auf Ehrenwort. Wer es nicht glaubt, kann kein wirklich Gläubiger sein. Zweimal am Tage, wie ich schon sagte, kam die Dame mit den Puppenhündchen, den, Turban und den Ringen über den Kiespfad, um die Hühner zu füttern. Beim letzten Gang öffnete sie das Leg- Häuschen und entnahm die Eier dem reinlichen Stroh. Es waren herrliche, frische Trinkeier, weil die Hühner keine Gelegenheit hatten, schlechte oder sündige Sachen zu schlucken. Und die Dame aß sie gern. Sogar mitten im Winter, wenn die Hühner nicht nicht legten, kaufte sie niemals fremde Eier, weil sie es mit Recht verabscheute, Eier, um die sich ein Hahn bemüht, zu verspeisen. Auf diese Weise waren die Dame und die Hühner sehr glücklich. Die Dame aß. Die Hühner legten. An jedem Sommertag begaben sich die Hennen abwechselnd in Leghäuschen. Hessens die anderen Staaten davon abgehalten worden find, sich der preußisch-hessischen Gemeinschaft anzuschließen, so daß eS zu einer allgemeinen Betriebsmittelgcmeinschaft nicht gekommen ist. Der preußisch-hessische Vertrag muß geändert werden. Wenn man be- hauplet, der Bertrag könne überhaupt nicht gekündigt werden, so mutz das Amt darauf sehen, daß diese Ewigkeitsdauer beseitigt wird, die einfach gegen die guten Sitten verstoßen würde. Jnter- essant ist, daß der später abgeschlossene Vertrag mit Baden tatsächlich dem entgegenkomnit, was in Hessen seit Jahrzehnten gefordert worden ist. Dieser Vertrag ist der hessischen Zweiten Kammer er st durch die Veröffentlichung des Geheim rats Kirchhoff bekannt geworden.(Hört! hört I) Die Geheimhaltung des Vertrages läßt sich nur so erklären, daß man damals schon die UnHaltbarkeit des hessischen Vertrages erkannt hatte. Das Reichseisenbahnamt sollte daher eingreifen, um das, was für Baden möglich gewesen ist, auch für Hessen zu erreichen.(Sehr richtig I) Das Reichseisenbahn- amt darf nicht vom Reichseisenbahnamt selbst totgeschlagen werden. Es muß dafür sorgen, daß eine einheitlich große Betriebs- Mittelgemeinschaft für das ganze Reich durchgesetzt lvird auf Grund der Gleichberechtigung aller Kontrahenten. Sämtliche Eisenbahnen müssen vom Reich erworben werden, schon im Interesse einer ein- heitlichen deutschen Gesamtverkehrsregelung. Das wäre sehr wohl durchzuführen, wenn wir nur einiges ablassen wollten von den Ausgaben für Marine und Kolonien. Eine weitgehende Ermäßigung der Personen- und Gütertarife wäre auch nur möglich, wenn der gesamte Verkehr vom Reich geregelt würde. Das Reichseisenbahnamt muß sich an die Spitze der deutschen Eisenbahnverkehrsbehörden stellen und dafür sorgen, daß auf den Standpunkt der Gleichberechtigung aller Eisen- blahnen besitzenden Bundes st aaten gemeinsam einheit- lich gearbeitet wird im Interesse der Nation.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schwnbach(natl.): Gegen eine Aufhebung des Reichseisen- bahnamts Hai sich seinerzeit auch der Abg. Singer sehr energisch ausgesprochen. Gewiß, die Befugnisse, die wir dem Amte wünschen, hat es nicht, aber der Kreis seiner Aufgaben ist doch noch ein recht bedeutsamer. Ich möchte fragen, wie weit die Verhandlungen gediehen sind über eine Vereinheitlichung des Personen- und Gepäckverkehrs im internationalen Verkehr. Dringend notwendig ist eine Erleichterung der Abferti- gungsvorschriften beim Zollverkehr. Es soll eine Vereinbarung jetzt herausgekommen sein, die mit einem großen Teil der jetzigen Zollplackcreien aufräumt. Redner befürwortet weiter einen Antrag auf Vorlegung eines Gesetz- entwurfs, durch den die Dienst- und Ruhezeit des deutschen Eisenbahnpersonals reichsgesetzlich geregelt wird. Wir sireben an ein einheitliches deutsches Eisenbahnwesen mit Einschluß Bayerns, das sich durch seinen Ausschluß selbst schädigen würde. Preußen muß sich an die Spitze dieser Einheitsbewegung stellen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Schirmcr(Z.) stimmt der nationalliberalen Resolution betreffend die Dienst- und Ruhezeit der Eisenbahner zu. Die Haupt- fache sei die Verkürzung der Dienstzeit auch im Interesse der Sicher- heit des Verkehrs. Abg. Dr. Haas(Vp.): Das Reichseisenbahnamt hat seine Haupt- aufgäbe, die Wahrung der allgemeinen Verkehrsintercssen, in der Praxis nicht durchführen können. Es müßte doch jedenfalls gegen den Konkurrenzkampf zwischen deutschen Eisenbahnen, gegen den einzelstaatlichen Geist Front zu machen. Der Vereinheitlichung stehen wir sympathisch gegenüber. Der Eisenbahnwagenverband hat sich vortrefflich bewährt. Für den Verkehr genügen zwei Klassen. Reichseisenbahmen über das ganze Reich werden wir nicht mehr bekommen können, dagegen ließe sich eine Reichseisenbabngemefnschaft durchführen. Geradezu gefährlich für die Betriebssicherheit ist die Zulassung einer bis Ikstiindigeu Arbeitszeit der Lokomotivführer. Hier müßte das Reichseisenbahnamt eingreifen und vor allem dafür sorgen, daß diese Beamten einen wirklichen Ruhetag in der Woche haben und einen arbeitsfreien Tag, vor dem eine arbeitsfreie Nacht liegt und dem eine arbeitsfreie Nackit folgt.(Sehr richtig I links.) Das Aint würde sich damit ein großes Verdienst um unsere tüchtigen Beamten und um die Betriebssicherheit erwerben. iBravo I) Präsident des Reiseisenbahnamts Wackerzapp: Die Tätigkeit des Amts wird sehr unterschätzt, da sie wenig nach außen in die Erscheinung tritt. Seine Anordnungen erscheinen als Anordnungen des Bundesrats oder der einzelnen Verwaltungen. Aber diese Erlasse beruhen auf den Erhebungen des Reichseisenbahnamts resp. auf seiner vermittelnden Tätigkeit. Was den Geineinschafts- vertrag Preußens mit Hessen anlangt, so ist von keiner der betei- Sie kakelten, kakelten entsetzlich, kakelten mit Schmerz und Ucberzeugung, kakelten nervös und aufgeregt, kakelten, daß die Nachbarn neidisch aufhorchten, kakelten bei jeder neuen Schöpfung. Sie kakelten und legten weiße, ovale, große und kleine Eier. Sie legten Eier mit dicken und dünnen Schalen. Und wer am meisten kakelte oder wer die größte Anzahl im Verlauf einer Saison legte, nannte sich Dichter, zog den anderen in Stimmungsaugenblicken die Federn aus und bemächtigte sich des meisten Futters. Bei regnerischem Wetter, wenn sie sich gesättigt, sprachen sie über die Schönheit, die Gestalt, die Struktur, die Zeichnung, die Färbung, die äußerliche Vollkommenheit der Eier. Ein Huhn, das schon seit Jahren die vortrefflichsten Eier produzierte, ein Huhn von Ansehen und Erfahrung in der Oologie, gab dann seine wohlausgedachten Ansichten zum besten: „Glaubt mir," sagte es,„das höchste Ideal bleibt immer: reine, wohlgebaute, nicht zu aufgeblasene, nicht zu grobschalige Eier zu legen. Wir müssen uns an die Tradition unserer Ahnen halten, die uns schon in der griechischen und römischen Architektur sowie in der Renaissance begegnet. Habl das Ei des Eies wegen lieb! Liebt es seinen unbefleckten Glanzes, seiner zarten Farbe, seiner Herr- liehen Form wegen. Ein Ei, wie ich es mit Lust und Leidenschaft lege, ist ein Kunstgegcnstand, loorauf die Küken bis ins dritte und vierte Geschlecht stolz sein werden... Niemand opponierte. Die Theorie, das Ei des Eies wegen lieb zu haben, billigten alle, wennschon über die Form Meinungsverschiedenheiten herrschte, iveil es auch perverse, wunderliche Hühner gab, die kleinere, rundere, kokettere oologische Kriterien vorzogen. Da, als es wieder Frühjahr wurde, geschah etwas Sonderbares. Die Henne mit Ansehen und Erfahrung wurde brütisch. Sie kakelte nicht mehr, wurde aus extatischer Eingebung ein- siedlerisch, nahm die Eier unter ihre Flügel und versuchte stunden- lang das Allerhöchste zu erreichen. Die anderen Hühner blickten erstaunt und bewundernd zu. Auch der Marmorritter blickte. Und die Dame belächelte das Mirakel. Der einzige, der nicht erstaunt war, nicht bewunderte, nicht blickte, nicht lächelte, war ein Eindringling, ein gemeines, ordinäres, schlecht gefüttertes Bauernhuhn, das eines Tages über den Garten- zäun geflogen kam, ohne das Eigentumsrecht der Dame zu rcspek- tieren. Gewöhnt, sein Futter auf den umliegenden Weiden zusammen- zupaschen, naschte es von den Gerstenkörner», die neben dem statt- lichen Hühnerstall, neben das Leghänschen in Rokokostil, gefallen loa reu. Es hörte von dem Wunder der brutseligen Henne und benahm sich unverschämt. „Kollegen," sagte es und verschluckte sich dabei fast an einem zu grpßen Maiskorn--- selten fand es solche Leckerbissen„KÄe ligten Regierungen bisher die Anregung an das Reich gelangt, ver- mittelnd einzugreifen.(Hört I hört! rechts.) Geheimgehalten sind die Verträge mit Hessen und Baden nicht, sondern sie sind in der p r e u ß i s ch e n G e s e tz e s s a m m l u n g p u b l i- ziert worden.(HörtI hört! rechts.)— Ueber den internationalen Reiseverkehr ist ein neues Uebereinkommen geschaffen, daS die Bestimmungen einheitlich und größtenteils im Anschluß an die bestehenden deutschen Bestimmungen regelt. Ein Entwurf zur Regelung der Haftpflicht für Frachtschäden liegt vor. Die Frage der R u h e z e i t der Beamten hat uns eingehend beschäftigt. Ein Bedürfnis zu einer reichsgesetzlichen Regeliing kann ich nicht anerkennen. Daß eine Gefährdung der Betriebssicher- heit nicht vorliegt, habe ich im vorigen Jahre statistisch nach- gewiesen. Die Mitteilungen ans Veamtenkreisen, auch wenn sie richtig sind, beweisen nichlH für eine Ueberbürdung des Per- sonals. Lange Schichten kommen nur bei leichtem Dienst vor. Solche Mitteilungen über zu lange Dienstzeit müssen also, wenn sie Wert haben sollen, ergänzt werden durch die Mitteilung der Dienstpflichten. Gegen eine Ueberbürdung spricht auch die Tatsache, daß die meisten Unfälle in den ersten vier Dienst- stunden vorkommen und die fernere Tatsache, daß der Gesundheits- zustand des Eisenbahnbetriebspersonals durchaus kein besonders schlechter ist. Die reichsgesetzliche Regelung wäre auch nicht zweck- mäßig. Einen Vorteil für die Beamten würde sie kaum bringen, und die notwendige ständige Fortbildung wäre bei einer gesetzlichen Regelung sehr erschwert. In der Schweiz ist man init den Erfolgen der dort geschaffenen gesetzlichen Regelung der Arbeitszeiten wenig zufrieden. Man verlangt eine mildere Handhabung und direkt die Möglichkeit, die gesetzlichen Be- stimmungen in bestimmten Fällen überschreiten zu dürfen. Auch ist die Betriebssicherheit nach dieser gesetzlichen Regelung in der Schweiz nicht besser, sondern schlechter geworden, während in Deutsch- land die Zahl der Unfälle zurückgegangen ist. Die Regelung des Dienstes auf den deutschen Bahnen ist im großen und ganzen befriedigend. Eine Nachprüfung, ob die praktische Handhabung Härten im einzelnen gezeitigt hat, hat ergeben, daß Erleichterungen im Interesse des Personals erfolgen können. Vorschläge in dieser Rich- tung liegen den Verlvaltungen zur Prüfung vor. Die Verkürzung der Dienstzeit um nur eine Stunde für das Betriebspersonal würde die beteiligten Verwaltungen 45 Millionen kosten. Bei allein Wohlwollen für die Beamten mutz die Frage also vorsichtig behandelt werden.— Den Bestrebungen auf Vereinheitlichung des Eisenbahnwesens steht das Amt mit großem Interesse gegenüber. Aber es darf nicht außer acht gelassen werden, daß die deutschen Eisenbahnen schon jetzt eine weitgehende Einheitlichkeit in den Betriebseinrichtungen besitzen. Vor allem wird zu prüfen sein, welche Richtlinien bei weitergehenden Einigungsbestrebungen zu gellen haben. Zunächst werden solche Bestrebungen von den beteiligte n'B undeSstaatens elhst ausgehen müssen, zumal sie wichtige Hoheitsrechte dabei aufgeben müssen. Wer daS große Ziel der vollen Zusammenschweißung der deutschen Bahnen in zufriedenstellender Weise erreichen will, kann es nur in der Weise, daß er auf den früheren Plan des Fürsten Bismarck zurückgreift und für die Uebertragung der Bahnen auf das Reich eintritt.(Hört! hört!) WeShalb diese Lösung auch gegenwärtig absolut unmöglich sein soll, vermag ich nicht einzusehen. (Hört I hört I rechts.) Zugunsten des Reichs würden die Bundes- staaten eher auf ihre Hoheitsrechte verzichten können, wie das bei verschiedenen Verwaltungszweigen bereits geschehen ist. Aber Sie wissen alle, aus welchen Gründen seinerzeit der Bickmarcksche Plan gescheitert ist. Daß er heute mit Aussicht auf Erfolg wieder auf- genommen werden könnte, muß ich angesichts der Stimmung, die bei den Erörterungen hierüber in verschiedenen Bundesstaaten hervor- getreten ist, entschieden bezweifeln. Abg. Dr. Will(Elf.): Daß die größte Zahl der Unfälle in die ersten Stunden der Dienstzeit fällt, beweist nichts gegen die Behauptung der Ueberbürdung des Betriebs- Personals, sondern spricht gerade dafür. Nach einer zu kurzen Pause sind die überbürdeten Beamten noch nicht ge- nirgend ausgeruht und erst wenn wieder Gewöhnung an den Dienst eintritt, wenn der Beamte gewissermaßen aufwacht, kommen weniger Unfälle vor. Die 45 Millionen für eine Stunde Dienstzeit- Verkürzung können die Eisenbahnverwaltungen bei ihren großen Ueberschüssen wohl ertragen.(Sehr richtig!) Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Die Bestimmung, daß, wenn ein Monarch fährt, neben dem Lokomotivführer imincr ein R e- gierungsrat sitzen muß, sollte beseitigt werden. Sitzt doch auch kein höherer Beamter neben dem'Chauffeur im kaiserlichen Automobil. Den Anträgen auf reichsgesetzliche Regelung der Dienst- und Ruhezeiten des Personals stimmen wir zu. Die Erfahrungen in der Schweiz beweisen nichts dagegen; wir müssen legen, es gibt noch etwas auf der Welt außerhalb eures Stalles, und wenn ich es sagen darf: i ch beunruhige mich beim Loswerden eines Eies nur darüber, ob es auch einen Hahnentritt hat! Sonst brütet man faule Eier aus, Windeier— keine Küken... „Tendenziöses Geschöpf!" sprach die ethische Henne empört, während der Eindringling beim Herannahen der Dame mit dem Turban, den goldenen Weisheitszähnen und dem Futternapf schnell über den Zaun nach den Weiden zu entwich. Das ist das Ende des Märchens von dem Hühnerstall— ohne Hahn._ Heinz Sperber. Kleines feuilleton. Sonnenfinsternis und drahtlose Telegraphie. Die Frage, ob die Sonne auf die Fortpflanzung der Hertzschen Wellen, der Träger der drahtlosen Telegraphie, von Einfluß ist, war bisher ein ungelöstes Problem. Wie A. de la Baume-Pluvimel in der Zeitschrift der französischen astronomischen Gesellschaft mitteilt, wollen nun die Physiker die Sonnenfinsternis vom 17. April dazu benutzen, um ge- naue Versuche in dieser Hinsicht anzustellen. Man weiß bereits, ohne den Grund dafür genau angeben zu können, daß die Hertz- schen Wellen sich bei sonst ganz gleichen Bedingungen während der Nacht leichter fortpflanzen als während des Tages. Ist nun die Verschiedenheit in der Intensität der Tag- und Nachtsignale allein dem Einfluß der Sonnenstrahlen zuzuschreiben? Man will ver- suchen, diese Frage dadurch zu beantworten, daß man die Ver- schiedenheit in der Intensität der Signale mißt, die am 17. April vor der Sonnenfinsternis und im Augenblick ihres Höhepunktes empfangen werden._ Notizen. — Vorträge. Zur Beobachtung der am Mittwoch, den 17., stattfindenden Sonnenfinsternis wird die Urania-Sternwarr« bereits vormittags 11 Uhr für das Publikum geöffnei werden. Um II'/« Uhr wird Prof. Schwahn einen Vortrag unter Vorführung von Lichtbildern über den Verlauf der Finsternis in ganz Deutschland halten. Die Finsternis beginnt 12 Uhr 8 Minute» und endigt 2 Uhr 47 Minuten. — Im Lessing-Museum(Brüderstr. 13) spricht Donners- tag, den 18. April, abends 8 Uhr, Prof. Daniel I a c o b y über Friedrich v. Salle t. Eintritt frei. — Theaterchronik. Im Theater des Westens gelten von jetzt ab für die Aufführungen der„S ch ö n e n Helena" die gewöhnlichen Preise. — Eine Riesen st ation für drahtlose Tele- g r a p h i e wird nach der„Umschau" in Neumünster errichtet werden. Sie wird drei Tünne von je 150 Meter Höhe erhalten, die später auf sieben vermehrt werden sollen. eben die Dienstzeiten besser regeln, oIS das in der Schivei� offenbar geschehen ist. Was die Löhne anlangt, so sollten wenigstens im gleichen Wirtschaflsgebiet gleiche Löhne gezahlt werden. Klar- heit muß geschaffen werden über den Umfang, in welchem eine Einschränkung des Streikrechts und Koa- litionSrechts zugestanden werden kann. Ich persönlich meine, daß in einem Elektrizitätswerk das Streik- und Koalitionsrecht aus dem Grunde, daß das Werk auch für die Eisenbahnen Kraft und Licht liefert, nicht eingeschränkt werden darf, ich bitte aber darüber auch um eine Erklärung der Verwaltung. Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. (Hernach Etat des ReichSjnstizamtS.) Schluß 6V4 Uhr._ Hbgeordmteiihauö. 48. Sitzung, Dienstag, 16. April, mittag? 12 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Lentze, v. Breitenbach. Der Ei�enbahnetat. Abg. Graf v. d. Groeben(k.) gibt seiner Befriedigung über die günstigen Betriebs- und Wirtschaftsergebnifse Ausdruck. Eine all- gelneinedeutscheEisenbahnge meinschaft läge nicht im Interesse Preußens; das deutsche Verkehrswesen ist auch jetzt schon sehr weit vereinheitlicht. Wir müssen unser Preußen stark erhalten. Der internationale Durchgangsverkehr mutz ge- fördert, der Verkehr auf dem flachen Lande verbessert werden. Die Unfallstatistik zeigt eine erfreuliche Abnahme der Unfälle. Auf unsere Eisenbahnbeamten sind wir stolz. Den Erlaß des Ministers gegen jede Beteiligung an sozialdemokratischen oder streikfreundlichen Bestrebungen undVer- einen billigen wir durchaus, denn die Sicherheit des Verkehrs mutz erhalten bleiben.(Beifall rechts.) Abg. Schmedding(Z.): Die Staatsbahnen sollen sozialpolitische Musterinstitute sein, deshalb können sie nicht rein kaufmännisch be- trieben werden. Der Rückgang der auf Grund der Haftpflichtgesetze bezahlten Entschädigungen ist statistisch nachgewiesen; er läßt auch erkennen, daß die Unfallgefahr in Preußen geringer ist als irgend- wo. Die Eisenbahngemeinfchaft würde das Budgetrecht der Einzel- staaten beeinträchtigen, ein deutsches Eisenbahnparlament böte neue Reibungsflächen.— Die Wärterhäuschen sollten besser ausgestattet werden.— Wir wünschen nicht, daß die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn im fiskalischen Sinne ausgenutzt werde. Der Redner hebt die staatliche Fürsorge für die Eisen- bahner hervor und bedauert es, wenn sich die Beamten von un- ruhigen Elementen zu immer neuen Petitionen usw. hinreißen lassen. Es mutz auf das grotze Ganze auch Rücksicht genommen werden. Wir verlangen, daß die Zeitungen aller staats- erhaltenden Parteien auf den Bahnhöfen feilgehalten wer- den, die„Germania" und„Köln. VolkSztg." verlangt man öfter vergeblich.(Beifall im Zentrum.) Abg. Marco(natl.): Die Frage der Eisenbahngemeinschaft mutz sehr vorsichtig behandelt werden. Wir teilen die vom Minister in der Kommission geäutzerten Bedenken. Für den Kohlenbergbau wären selbstentladende Güterwagen ein großer Vorteil. Bei der Atagengestellung wird der I n d u st r i e nicht immer in der nötigen Weise entgegengekommen. Wer mit der Bureaukratie hierbei zu tun hat, macht sehr bittere Erfahrungen. Immerfort wird den Zechen gedroht, daß sie keine Wagen bekommen, wenn sie nicht auf alle Bedingungen und oft ganz willkürliche Forderungen einzelner Beamten nicht eingehen wollen. Der Redner bringt dafür zahlreiche Belege vor.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach bedauert, daß Abg. Schmedding nicht mehr als Berichterstatter über den Eisenbahnetat fungiert.'(Bravo! im Zentrum.) Der Ausfall infolge des Ruhrrevier st reiks wird wettgemacht durch die Mehreinnahmen, die im März 14 H Millionen mehr betrugen als im März 1611. Die Mehreinnahme gegen den Etatsansatz betrug 164 Millionen. Die Rente st etat auf 7,13 Proz. in diesem Jahr.(Hört! hört!) Durch die Steigerung der Löhne wird natürlich der Betriebskoeffizient steigen. Wir müssen also im Etatisieren vorsichtig sein.(Sehr gutl) Unser ausgezeichnetes Personal muffen wir vor Ueberanstrengung bewahren; wir haben es doch auch um 18 666— 26 666 Mann vermehrt. Von einem Aivgenmangel, wie z. B. 1666, kann keine Rede sein. Wir konnten der Verkehrsvermehrung im Ruhrrevier und Oberschlesien um 26. ja 22 Proz. standhalten, nur im Spätherbst bestand ein ganz un- gewöhnlicher Wagenmangel. Aber ein starker Uebelstand ist auch die koloffale Ueberforderung der Wagen, wodurch die Wagen festgelegt werden, ohne dann auch ausgenutzt zu werden. Die Ab- bestellungen können die Mattsetzung nicht wieder beseitigen. Auch die Zunahme der Zahl der ins Ausland gehenden Wagen bilden eine grotze Schwierigkeit, und unsere außerordentlichen Schwierig- keitsn werden nicht anerkannt. Auf das ganze Jahr berechnet, wird auch ein Ausgleich erzielt. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, mutzten für 126 bis 146 Millionen Mark Wagen bestellt werden. Das können wir nicht, denn wir haben den Wagenpark 1911 wieder um 5 Proz. vermehrt und am 1. April d. I. für 18 Millionen Mark Wagen bestellt. Wir wollen den Dispositionsfonds zum Teil für Wogenbeschaffung vcrivenden. Das ganze Risiko außerordentlicher Zeiten darf doch nicht von den Unternehmern auf den Staat abgewälzt werden! Die Beschwerde, daß wir mit den Ausgaben zurückhalten, ist unrichtig, denn sie waren um 37 Mil- lionen Mark höher, als veranschlagt, so daß der gesamte Mehr- Überschutz 127 Millionen Mark beträgt.— In erster Linie will ich immer ein V e r k e h r s minister sein, wenn ich auch als Staats- minister die finanzielle Wohlfahrt des Staates mit berücksichtigen mutz. Auch ich betrachte, wie Bismarck, die Eisenbahnen in erster Linie als V e r k e h r s i n st i t u t und nicht als melkende Kuh und werde in diesem Sinne mein Ressort nie in rein fiskali- schein Sinne verwalten.(Lebhafter Beifall.) Mg. Dr. v. Woyna(fk.): Die höchste Aufgabe der Eisenbahn- Verwaltung scheint uns zu fein, die Kraft und Bedeutung unseres Staates zu fe st igen, auch insbesondere nach autzen hin. Das Eisenbahnzentralamt sollte durch die Tarifpolitik auch die heimische Industrie bevorzugen. Durch die Art der Z u- lassung des Zeitungsverkaufs auf den Bahnhöfen werden die rechtsstehenden Parteien benachteiligt, wir fordern gleiches Recht.(Lachen links.) Bei der Gepäckausgabe herrscht ein ganz ungehöriger, in Preußen so oft beklagter N n t e r 0 f f i z i e r s t 0 n. Die Beamten der Wagengestellung richten sich nach ihren Vorschriften, aber diese sind teilweise ver- altct. Hier sollte Remedur geschaffen werden. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Die Annahme der Verkehrszunahme auf 3'ch Proz. ist viel zu gering, sie beträgt häufig doppelt so viel. Warum schätzt man bewußt so gering? Wir sind doch noch auf der Höhe der Konjunktur! Auch die Kriegs- gefahr von 1611 kann das nicht entschuldigen, denn die ist heute ebenso groß oder gering wie damals, und auf Elementarereignisfe kann man nicht einen Etat bauen. Auch die Rente wird viel zu niedrig angegeben, denn sie wird nicht vom vorhandenen Schuld- kapital, sondern vom statistischen Anlagekapital, jenen 16,7 Willi- arden, von denen aber schon 3 Milliarden getilgt sind. Die falschen Angaben sollen nur die notwendige Herabsetzung der Tarife als un- möglich erscheinen lassen, wie dies ja auch der Minister heute erklärt hat. Die Ansammlung der kolossalen Ueberschüsse geschieht den Steuerzahlern zum Nachteil. P r e u tz e n will aber auch nicht teilen und verwirft deshalb die deutsche Eisenbahngemein- fchaft. Warum hört man gar nicht auf den Ministerialdirektor a. D. Kirchhoff? Von pensionierten Ministern und Mi- nisterialdirektoren kann man oft mehr lernen, als von aktiven. (Sehr gut! links.) Wo bleibt die längst versprorhene Reform Iber verkehrsfeindlichen F a h r k a r t e n st c u e r? Aber man opfert eben der Parteipolitik im Reiche Grundsätze und Per- soncn, die an früher verkündeten Grundsätzen festhalten. Die Fahrkartensteuer ist ein Bestandteil der Reichsfinanz- reform und deshalb soll an sie nicht gerührt werden!(Sehr wahr! links.) In der 4. K l a s s e sollten überall Aborte einge- ha'ul und Raucherabteile elngerichtel werden. Bekommen Mir auch Schlafwagen 3. Klasse, wie in Norwegen? Im Vieh- transport bestehen Mängel, namentlich zu lange Tränkungsfristen (36 Stunden!) und Ueberladung. auf die der Berliner Tierschutz- verein aufmerksam gemacht hat. Wenn dem Abg. v. Woyna die rechtsstehende Presse zu wenig auf den Bahnhöfen ausliegt, so mag das an ihrer— Anziehungskraft liegen(Sehr gut! links), zu beschtveren hatte sich über Engherzigkeit der Verwaltung nur die Linke.(Zustimmung links.) Die unwürdigen Zustande bei der Zollabfertigung an den Grenzen sollten gründlich beseitigt werden. — Der Etat mutz künftig früher vorgelegt werden; was im Reiche möglich ist, mutz auch in Preutzen möglich sein.(Beifall links.) Mittwoch 11 Uhr: Fortsetzung. Schlutz 4% Uhr._ 18. Parteitag der Sozlaldernoliratlkljen Arbeiterpartei Hollands. Leiden, 9. April. Der Vormittag des dritten SitzungStages ist wieder zum größten Teile der Redaktion von„Het Volk" gewidmet, nur der Schlutz dem neuen Programm. In seiner endgültigen Fassung lautet nunmehr Das neue Programm. „Die Entwickelung der Gesellschaft hat zur kapitalistischen Pro- duktionsweise geführt, in welcher die Masse der Produzenten von den Produktionsmitteln geschieden ist. Diese sind für ihre Be- sitzer das Mittel, um Gewinn zu erzielen aus der Arbeit der Ar- bester, die zur Befriedigung ihres Lebensunterhalts verpflichtet sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Zwei Klassen, das Proletariat und die kapitalistische Klasse, stehen so in fortdauerndem Interessen- gegensatz einander gegenüber. In diesem System zwingen Konkurrenz und Gewinnsucht zu fortwahrender Verbesserung der Technik zur Ersparung von Ar- beitslohn. Es führt zur Aufhäufung von Reichtum bei der kapitali- stifchen Klasse, gegenüber Armut, Unsicherheit der Existenz und Abhängigkeit, abmattender, geisttötender und ungesunder Arbeit von Männern und Frauen, unmäßig langer Arbeitszeit neben Arbeits- losigkeit, Kinderarbeit, Vernichtung des� Familienlebens und Rück- gang des körperlichen Widerstandsvermögens beim Proletariat; zu fortwucherndem Pauperismus und Prostitution. Alkoholismus und Missetat. So fällt die Arbeiterklasse, wo der kapitalistische Gewinn- Hunger nicht durch ihren Widerstand bezähmt wird, zunehmender Entartung und Elend zur Beute, nur beschränkt durch die natür- lichen Grenzen menschlicher Entbehrung und durch die Anforde- rungen des kapitalistischen Interesses selbst. Das Mitzverhältnis zwischen der zunehmenden Produktivität der Arbeit und-der ge- ringen Kaufkraft der Masse und das Fehlen gesellschaftlicher Regu- lierung der Produktion leiten stets wieder zu Krisen im Betriebs- leben, die diese mit dem Wesen der kapitalistischen Waren- Produktion verbundenen Tendenzen noch verschärfen. Dies verursacht Widerstand beim Proletariat, das sich organi- siert, sowohl in Gewerkschaften als auf politischem Gebiete, und dabei mehr und mehr zu der Einsicht seiner Aufgabe kommt, um den Kapitalismus als System zu bekämpfen und�dix Leitung der Gesellschaft von der kapitalistischen Klasse zu übernehmen. In ihrem Kampfe um politische Rechte und soziale Reform jedoch stößt die Arbeiterklasse, solange sie die Gesellschaft nicht beherrscht, auf die Uebermacht der herrschenden Klasse, die nur notgedrungen, unter dem Einfluß der wachsenden Macht des Proletariats, dessen Forderungen entgegenkommt und dabei nicht weiter geht, als die Handhabung ihrer Herrschaft und das Wesen des kapitalistischen Systems es zulassen. Inzwischen schafft die kapitalistische Entwickelung sellsst die ökonomischen Vorbedingungen für ein neue? Produktionssystem, nicht auf Ausbeutung einer Klasse durch eine andere beruhend, fondern auf gesellschaftlichem Besitz und Verwaltung der Produk- twnSmittel, deren Zweck es nicht ist, Gewinn für einzelne zu er- zielen, sondern Befriedigung der Bedürfnisse aller. Die Konkurrenz, im Bunde mit dem Fortschritt der Technik, zwingt immer mehr zur Produktion im großen, verringert die ge- fellschastlich« Bedeutung des Kleinbetriebs und macht die kleineren Unternehmer vom Großbetrieb abhängig oder zu Lobnarbeitern. Obgleich dieser Prozeß der Betriebskonzentration sich in den landwirtschaftlichen Betrieben bis heute nicht in derselben Weise zeigt, wie im Handel, Verkehr und in der Industrie, sieht man auch darin die Macht des Kapitals zunehmen, sowohl durch die Ausbreitung des Pachtsystems, als auch durch den wachsenden Einflutz industrieller Unternehmungen in der Land- Wirtschaft und die Bewegung nach Monopolisierung des Marktes durch das Großkapital. Wo weiter der agrarische Kleinbetrieb sich neben dem größeren Betrieb hält oder ausbreitet, erfolgt dieses unter Entbehrung und Ueberarbeit derer, die hier ihre Existenz suchen, daß es mit dem allgemeinen Drang nach einem höheren Lebensstandard in der ArbeitenNässe auf die Dauer unvereinbar ist. Ueberdies wird durch die Entwickelung des Fabrikwesens ein stets größerer Teil des eigentlichen agrarischen Betriebs auf das Gebiet der Industrie übergeführt. Bei weiterer Entwickelung des Großbetriebes bringt die Kon- kurrenz den Gewinn in Gefahr, was zu zunehmender Ausdehnung des kapitalistischen Monopols und Beschränkung des Gebietes der Konkurrenz führt. Mehr und mehr kommen Erzeugung und Ver- kehr unter die Herrschaft des Bankkapitals; die Gewinnevzielung wird unabhängig von jeder Funktion in Produktion und Tausch. Der Kapitalist verliert dadurch die Bedeutung des Betriebsleiters und wird nur zum Parasiten an der Volkswohlfahrt. Der Betrieb wird auf einem Fuße eingerichtet, daß er für Uebernahme durch die Gefellschaft reif ist. Hiermit ist die Grundlage gegeben, auf der das System der fozialistischen Erzeugung gegründet von der aus es auf die Erzeugung für die Allgemeinheit ausgedehnt werden kann. Inzwischen werden verschiedene Betriebe aus privater in öffentliche Verwaltung übergeführt, während auch durch das Genossenschaftswesen das Gebiet des Privatbetriebes beschränkt wird. Mit der zunehmenden Möglichkeit des Sozialismus geht Hand in Hand ein wachsender Drang, gepaart mit Macht, um ihn zu verwirklichen. Di« ungeheure Vermehrung des Reichtums und des Luxus der Kapitalisten lassen auch die Arbeiter höhere Lebens- forderungen stellen, während das Hinauftreiben der WoHnnngs- mieten als Folge der Anhäufung der Bevölkerung in großen Städ- ten und die Preisbewegung ihre Lebenslage drücken. Durch und im Klassenkampf sowie als Folge der Erhöhung des Lebensstan- dardS, den ein Teil des Proletariats sich zu erobern weiß, steigen seine Bedürfnisse immer höher, ohne befriedigt werden zu können. Die Gegensätze innerhalb der kapitalistischen Klasse treten in den Hintergrund, je nachdem der Andrang der Arbeiter nach neuen Rechten und Reformen gefährlicher wird für die Gesellschaft und das kapitalistische System selbst. Diez äußert sich in der Bildung von Unternehmerverbänden gegenüber der Gewerkschaftsorganisa- tion der Arbeiter wie auf politischem Gebiete. Die Kapitalmagna- ten an der Spitze der riesenhaften Kapitalszentralisationen, die durch ihre Verfügung über Rohmaterialien. Transportwesen und Betriebsmittel die ganze Gesellschaft tributpflichtig machen, wissen Verlvaltung und Gesetzgebung ihrem Verlangen dienstbar zu machen und treiben die Regierungen auf den Weg des Im- perialismus und der kolonialen Politik mit der hiermit verknüpf- ten fortschreitenden Erschwerung der Militärlasten und zunehmen- den Spannung in den internationalen Beziehungen. Zu gleicher Zeit wächst auch die Macht der Arbeiter gegen den Kapitalismus. MstZier Betriebskonzentration geht ein zunehmen- des Uebergewicht des Proletariats der Zahl nach. Als neues Ele- meist entwickelt sich in ihm der„neue Mittelstand", Techniker und Beamte des Großbetriebs, welche, was die Existenzunsicherheit und Abhängigkeit vom Kapitalisten betrifft, den Arbeitern gleich stehen. Daneben ki7«�nen Gruppen in Betracht, deren Interessen, wenn nicht direkt dem Kapitalismus entgegengesetzt, doch nicht bei der Handhabung desselben beieilig! sind. Da? Proleteta! er- hält im und durch den Klassenkampf eine Erfahrung, eine wissen- schaftliche und politische Bildung, eine gesellschaftliche und sittliche Hebung und eine Ausdehnung und Verstärkung seiner Organisa- tion, welche es nicht allein in den Stand setzen, den Widerstand der herrschenden Klassen zu brechen, sondern es auch reif für die Aufgabe machen, deren Platz einzunehmen. � Es ist bei diesem Streben unbesiegbar, weil es dabei seine historische Aufgabe er- füllt, die ganze Gesellschaft von einem System zu erlösen, das ökonomisch veraltet und sittlich verurteilt ist. Das Proletariat kann den Widerstand der kapitalistischen Klasse gegen die lieberführung der Betriebsmittel von privatem in gesellschaftlichen Besitz nur durch Eroberung der politischen Macht brechen. Zu diesem Zwecke haben sich über die ganze Welt die Arbeiter, die zum Bewußtsein ihrer Aufgaben im Klassenkampf gekommen sind, organisiert. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei in den Niederlanden stellt sich zum Ziele, das niederländische Proletariat in einer selbständigen politischen Partei zur Teilnahme an diesem inter- nationalen Kampfe der Arbeiterklasse zu organisieren. Sie strebt nach Einheit des proletarischen Klassenkampfes und unterstützt so- viel wie möglich jede ökonomische oder politische Bewegung der Arbeiter zur Erzielung besserer Lebensbedingungen auf solche Weise, daß dadurch ihr Klassenbewußtsein und ihre Macht gegen- über der besitzenden Klasse gestärkt werden." *• « In der Sitzung am DienStagnachmittag wurden Organisa- iionsangelegenhesten behandelt und eine Resolution in bezug auf die Zollgesetzgebung. Diese wurde nach einem Referat des Ge- nossen F. M. W i b a u t und längerer, aber heftiger Diskussion mit allen gegen eine Stimme angenommen. Vorsitzender Genosse W. H. Sß liegen schloß mit einem ermunternden Worte den Parteitag, der unter dem Gesang der Internationale auseinanderging. Hus der Partei. Der Austritt Enrico Ferris. Rom, 13. April.(Eig. Ber.) Wie bekannt, schwebt gegen Enrico Fern ein Ausschlußverfahren bei der römischen Parteisektion, bei der er organisiert ist. Ohne nun die Entscheidung der betreffenden Kommission abzuwarten, hat Ferri am 12. d. MtS. der Sektion seinen Entschluß mitgeteilt, aus der Partei auszutreten,»aus Protest gegen die fanatischen und persönlichen Polemiken der leitenden Partei- organe". In diesen Worten liegt offenbar eine Anspielung auf den „Avanti". der in sehr scharfer Weise gegen Ferri vorgegangen ist. Uebrigens unterliegt es keinem Zweifel, daß Ferri ans der Partei ausgeschlossen worden wäre, da er sich zweimal in gröbster Weise gegen die Parteidisziplin vergangen hat, nämlich durch sein Votum für das Annexions dreket und dann durch Annahme der Kandidatur von Gonzaga, nachdem die dortigen Parteiorganisationen seine Mandatsniederlegung gefordert hatten. Immerhin ist der Austritt als ein Akt der Folgerichtigkeit zu begrüßen, den Ferri sich selbst und der Partei schuldig war._ Wird der Parteitag von Reggio Emilia vertagt? Rom, 13. April.(Eig. Ber.) In der ersten Hälfte des Juni soll der i t a l i e n i s ch e P a r t e i t a g in Reggio Emilia zusammen- treten und noch immer hat der Parteivorstand die Tagesordnung nicht bekannt gegeben. Diese Verzögerung hat den Verdacht aus- kommen lassen, daß der Vorstand den Parteitag bis zum Oktober verschieben wolle. Gegen diese Möglickkeit haben nun die Partei- i'ektionen von Mailand und Bergamo Einspruch erhoben. In Mailand mochte sich sogar eine Minderheitsströmung geltend, die die lokale Parteisektion auffordern wollte, im Falle der Ber- zögerung selbst den Kongreß zu organisieren. In dieser Strömung kommt deutlich die Mailänder Tendenz zum Ausdruck, alles in Mailand zu zentralisieren und sich selbst dem Parteivorstand überzuordnen._ Von der österreichischen Arbciterturnbewegung. Zu Ostern fand in Aussig an der Elbe der von 37 Vertretern einzelner Vereine besuchte erste Bundesturntag der österreichischen Arbesterturnvereine statt. AuS Deutschland waren die Genossen Wildung und Backhaus gekommen. Bis 1966 hatten die österreichischen Arbesterturner dem Deutschen(Leipziger) Arbeiterturnerbund angehört. Die Mitglieder- zahl ist von 11 938 auf 17 686 angewachsen, die sich auf 299 Vereine verteilen. Ueber 12 666 davon sind politisch oder gewerkschaftlich organisiert. Die„Arbeiter-Turnzeitung" hat eine Auflage von 16 666 erreicht. Als Angestellte des Bundes sind die Genossen Böhme und Nase tälig. Es wurde gewünscht, auch die Zeitung von Leipzig völlig unabhängig zu machen. Ein Antrag über die Art der Erteilung des Turnunterrichts an Jugendliche wurde von den Vertretern der Jugendorganisation als tn dieser Form nicht wünschenswert bekämpft und darauf abgelehnt. Der Bundesbeitrag ist auf 86 Heller festgesetzt. poliseilickes, ßcrichtlidiea ukw. WaS Breslauer Richter als Berrufserklärung ansehe». Durch den bei der Eisenbahnverwaltung in Breslau beschäf- tigten Lackierer Hugo Anderschewsky, der im Nebenberuf in Breslauer Tanzlokalen Musik macht, wurden im Februar 1912 25 Eisenbahnarbeiter plötzlich entlassen, weil sie von Anderschewsky der Eisenbahnbehörde als Mitglieder des Trans- portarbeiter-Berbandes oder als solche, die mit diesem i n Beziehung stehen, denunziert wurden. Die Erbitterung gegen den Denunzianten war in den Kreisen der BreSlauer Arbeiterschaft recht groß. Auf Drängen einiger Genoffen setzte sich der Vorsitzende deS Breslauer Musikerverbandes. Genosse Schumann, mit dem Inhaber deS Lokals, wo Anderschewsky spielte, in Verbindung und stellte diesem vor, daß die Weiterbeschästigung desselben zu Miß- Helligkeiten führen könne. Ausdrücklich beronte aber Genosse Schumann der Frau des Besitzers gegenüber:»Wenn Sie unter diesen Umständen dem Anderschewsky gesetzlich die Stellung kündigen, dann liegt das im Jnteresie des Geschäfts, und ich will durchaus keinen Druck ausüben, sondern nur in f r i e d- licher Art einer Störung des Geschäfts vorbeugen." Nach Rück- spräche mit dem Letter der Kapelle wurde dem Denunzianten unter Angabe des Grundes gesetzmäßig gekündigt. Der Entlassene machte hiervon dem Staatsanwalt Mitteilung und dieser hatte natürlich nichts Eiligeres zu tun, als seine Filtige über Anderschewsky, durch dessen Angabe 25 brave Arbeiter brotlos geworden find, auszubreiten. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht ergab den geschilderten Sachverhalt, des- halb fand auch der Amtsanwalt nichts Strafbares an dem Vorgehen des Genossen Schumann. Anders das Gericht. Dieses sah in dem Vorgehen Schumanns den Tatbestand der Verrufs- erklärung und erkannte auf eine eintägige Gefängnis- st r a f e, weil er in nicht mißzuverstehender Weise dem Besitzer deS Lokals die Berhängung des Boykotts in Aussicht stellte. In der Berufungsverhandlung wird sich zeigen wie die Richter der Strafkammer den§ 153 der Gewerbeordnung auslegen werden.__ Die Streikjustiz gegen die Arbeiterpresse. Mit der außergewöhnlichen Beschleunigung, die gegenwärtig die Prozesse gegen die Streiksünder generell auszeichnet, wurde'auch eine Jiistlzaktion gegen die»Essener Arbeiterzeitung" durchgeführt. Am ersten Tage des Streiks brachte unser Eisener Partelorgan in Telegrammform die Mitteilung, daß neben anderen auch Hunderte Berliner Schutzleute ins Streilgebiet entsandt seien. Anknüpfend an die Tatsache, daß in Groß-Berlin schon manche Mordtat ungesühnt geblieben. weil die Täter nicht entdeckt wurden, erhielt diese Nachricht die Ueberschrift: Freiheit für die Berliner Mörder. Ueber den Sinn dieser Spitzmarke konnten um so weniger Zweifel obwalten, well im Leitartikel derselben Rümmer der„Arveiterzeitung' evenfavs auf die Entsendung Tausender Polizisten ins Ruhrgebiet hingewiesen wurde, wodurch für andere Städte eine Entblöstung von Polizeimannschaften und demgemäß verringerte Sicherheit herbeigeführt werde. Offenbar ist die erwähnte Telcgrammnotiz auS dem übrigen Text gerissen an die Berliner Polizei gesandt worden, diese las daraus, daß die ins Ruhrgebiet entsandten Berliner Schutzleute allesamt Mörder seien und stellte Strafantrag. Die Essener Polizei hielt acht Tage nach Erscheinen der Notiz Haussuchung in der Redaktion der Arbeiterzeitung nach dem Verfasser des Telegramms, fand aber nichts. Wenig mehr als eine Woche danach wurde die Sache bereits verhandelt, war aber so wenig vorbereitet, daß sie der Vertagung bis zum 13. April verfiel. In diesem Termin operierte der Staats- anwalt nun. wie vorauszusehen, mit den M o a b i t e r Vor- gängen, wobei bekanntlich der Arbeiter Herrmann von zwei unentdeckt gebliebenen Schutzleuten niedergeschlagen und getötet wurde. Aus diesem Anlaß habe die gesamte sozialdemokratische Presse die Berliner Schutzleute Mörder genannt und der sozialdemokratische Parteivorstand habe sogar LOW M. Belohnung für die Entdeckuug der Mörder ausgesetzt. Jetzt sollte durch Auffrischung dieses Ausdrucks der Berliner Polizei wieder mal eins ausgewischt werden, obwohl gar nicht feststehe, ob im Falle Herrmann nicht etwa nur Totschlag vorliege. Der Staatsanwalt beantragte wegen der Schwere der Beleidigung sechs Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung des angeschul- digten Redakteurs, Genossen N e u m a n n. weil dieser bei der Jnler- Nationalität der Sozialdemokratie leicht im Auslande unterkommen könne! Diesen Argumenten gingen der Angeklagte und die Verteidigung so energisch zu Leibe, daß das Gericht sich genötigt sah, nach längerer Beratung selbst die Zweifel daran anzuerkennen. Die Notiz sei aber doch geeignet, des Streikes wegen, Beunruhigung zu erregen und in ihrem Doppelsinn liege zweifellos eine Beleidigung der Berliner Schutzmannschaft, weswegen Bestrafung erfolgen müsse. Erkannt wurde auf SlX) M. G e l d st r a f e und Publikation des Urteils in Essen und Berlin. Die Nachprüfung dieses Urteils auf dem Wege der Revision ist bereits eingeleitet worden. Iiigenclbewegiiiig. „Sozialdemokratische Spitzel im Kampfe um die Jugend.' Unter dieser vielversprechenden Ueberschrift bringen die„Berliner Neuesten Nachrichten" in ihrer Morgenausgabe vom 11. April die sensationelle Mitteilung:„daß die Sozialdemokratie beschlossen hat. die nationale Jugendbewegung bespitzeln zu lassen." Diese Ent- deckung hat ein Soldschreiber der„Berliner Neuesten Nachrichten' gemacht als er einen Vortrag des Genossen Dr. Karl Liebknecht hörte, den dieser jüngst im Hofjägerpalast in der Hasenheide in Berlin gehalten hat. Nach dem Bericht dieses Journalisten soll nun Liebknecht folgendes gesagt haben: „Wir werden die von unserem Genossen Büchner geleitete Jugendbewegung schon weiter zu führen wissen, daß s i e d e m Hurrapatriotismus nicht anheimfällt. Wir werden nickt aufhören zu hetzen und uns in Beleidigungen ergehen müssen, damit wir eine Anklage gegen uns bewirken und dann den Beweis führen können, daß die mit den l'/s Millionen staatlicherseits errichteten Jugendvereine politische Bereine sind und auch solchen Charakter tragen. Außer einigen proletarischen Jugendlichen, welche in solche Vereine hinein« geschickt werden, um Material zu sammeln, sollen die proletarischen Eltern sich hüten, ihre Kinder in solche Bereine zu schicken.' Es hieße unseren Genossen verletzen, wollten wir auch nur einen Augenblick annehmen, daß er diesen oder auch nur ähnlichen Unfinn geredet habe. Der Inhalt der ganzen Notiz ist einfach frei erfunden. Um aber der Verleumdung einen Damm zu setzen, wollen wir aus- drücklich feststellen, daß Genosse Liebknecht nicht ein einziges Wort über die Bespitzelung der bürgerlichen Jugendbewegung ge- äußert hat!_ Die flsyliitCDvergifliingen vor Gericht. Elfter Tag. Die Sitzung eröffnet Landgerichtsrat Brieskorn im Schwur- gcrichtssaale des Landgerichts II in der Turmstraße. Die Akustik ist fast noch schlechter wie an der bisherigen Stätte. Der Kriminalwachtmcister Strelow hat eines Tages bei Zastrow eine Durchsuchung vorgenommen. Zastrow hat dabei sofort zugegeben, daß er für Scharmach Methylalkohol verkauft habe, doch habe er nicht gewußt, daß es sich nicht um Sprit handelt. Sobald er dies aus den Zeitungsnachrichten erfahren, habe er nicht nur alles weggegossen, sondern sei mich zu einem Schankwirt, der von ihm gekauft, gegangen, und habe ihm geraten, auch seinerseits alles wegzugießen. Es wird dann eine ganze Anzahl von Krankenschwester» und Aerzten aus dem Rudolf-Birchow-Krankenhause und dem Kranken- Hause Am Friedrichshain vernommen. Sie erläutern die Kranken- gcschichte der dort eingelieferten und zum Teil verstorbenen Ashlisten und bekunden, daß die meisten angegeben hatten, sie hätten Schnaps bei Jsaack bezw. in einem Schanklokal der Danziger Straße ge- trunken.— Auch der Hausvater vom Städtischen Obdach, Karl Schuster, bekundet, daß die meisten der erkrankten Asylisten nach ihrer Angabe Schnaps bei Jsaack getrunken hätten. Einige Auf- seher und Oberaufsehev madftcn die gleichen Aussagen. Staatsanwalt Dr. Gutjahr beantragt, aus verschiedenen Nummern der„Leipziger Drogisten-Zeitung". der„Deutschen Dro- gisten-Zcitung" und des„Drogenhändlers'� die Veröffentlichungen der preußischen Erlasse über die Verwendung von Spiritus zum Denaturieren an Stelle von Methylalkohol zu verlesen. Rechtsanwalt Dr. Wcrthaucr bittet, die Beschlußfassung über diesen Antrag zurückzustellen, bis die noch rückständige Beschluß- fassung über die Anträge der Verteidigung erfolgt sein wird. Landgerichtsrat Brieskorn: Es soll Donnerstag oder Freitag über alle nort unerledigten Anträge beraten werden Rechtsanwalt Dr. Puppe: Ich chatte, uns die vielen Schriften einzeln zu bezeichnen und zur Verfügung zu stellen. Vielleicht wird der Antrag schriftlich eingereicht, wie das auch uns aufgegeben ist. Nach der Mittagspause beantragt Rechtsanwalt Dr. Joffe als Verteidiger des Angeklagten Meyenf noch Herrn F. Kcmpke In Allcnstein als Zeugen zu laden. Dieser werde bekunden, daß Micthvlalkohol. ,n mäßigen Mengen genossen, nicht gesundheits- schädlich wirkt. Der Zeug« habe in den Jahren 18S1— 93 in Puppen in Ostpreußen eine chemische Holzdestillation gebaut und se, selbst Gesellschafter und Betriebsleiter derselben. Als solcher habe er unter anderen Produkten auch Methylalkohol fabrjziert und solchen selbst genossen. Auch seine Arbeiter haben davon getrunken, ohne ldatz sick bei irgendeinem Beschwerden oder Spuren von einer Ge- sundheitsbeschädignng gezeigt hätten. Der Verteidiger bittet gleich- zeitig, die verschiedenen Schriften und Bücher zu verlesen, deren Berlcsung er bereits beantragt habe.... Ter Gerichtshof beschließt, über den Antrag des Staatsanwalts erst Beschlutz zu fassen, wenn er der Verteidigung das dem Antrag zugrunde liegende Material unterbreitet haben wird. In der weiteren Verhandlung behauptet Staatsanwalt Dr. Gutjahr im Gegensatz zu einer früheren Behauptung des Rechts- anwalts Dr. Jaffe, daß nack seinen im Reichsamt des Innern eingezogenen Erkundigungen„Methylalkohol durch Reinigen trinkbar gemacht" nur in einigen Zolltarifen einiger englischen Kolonien als Genußmiitcl vorkommt, im übrigen aber in allen Zolltarifen als chemisches Produkt figuriert. Sodann wird der Ingenieur Pöschel vernommen, auf den sich Rechtsanwalt Bredercck wiederholt berufen hat zum Beweise seiner Behauptung, daß Methylalkohol durch Hinzutritt von Luft sehr leicht oxydiert und dadurch Formaldehyd und Ameisensäure produ. ziert wird. Herr Pöschel ist der Fabrikant der Taschcnfeuerzeuge, bti denen die Flamme durch Methylalkohol und Platinschwamm erzeugt wird. Ter Sachverständige erklärt auf Befragen LeZ Bor- sitzenden, daß er nicht Chemiker, sondern Ingenieur sei, oder, wie er sich bei einer späteren Gelegenheit ausdrückt, daß seine chemischen Kenntnisse mit denen des Dr. Jeserich natürlich nicht zu vergleichen seien. Herr Pöschel bestätigt, daß nach seinen bei seiner Fabrikation gemachten Erfahrungen Methylalkohol allerdings leicht oxydiere, wenn Luft hinzutritt: er bestätigt weiter auf Befragen des Rechts- anwalts Dr. Bredercck, daß er selbst einmal einen aus Methyl- alkohol hergestellten Rum in Tee genossen und daß ihm dieser Ge- nutz nichts geschadet habe. Auf die Frage des Landrichters Dr. Krrener, wie es denn mit der wiederholt in Aussicht gestellten praktischen Vorführung des Sachverständigen stehe, erwidert dieser, daß er dazu einer größeren Fläche bedürfe, bei der möglichst viel Luft zu dem Methylalkohol treten kann.— Dem Sachverständigen treten Herr Dr. Baurat und Gerichtschemiker Dr. Jeserich auf Grund der Ergebnisse der exakten Wissenschaft gegenüber laien- haften Anschauungen entgegen.— Sachverständiger Dr. Banrat setzt des längeren auseinander, daß der Kernpunkt der ganzen Sache in der Konstruktion des Feuerzeuges des Herrn Pöschel liege. Wenn Methylalkohol allein, oder in Verdünnung oder in Säure an der Luft stehen bleibe, so ändert er sich nicht: wenn aber Platin darüber kommt, so oxydiere er eben.— Dr. Jeserich schließt sich diesem Gutachten an. Durch einfache Lufteinwirkung sei eine Oxh- dation des Methylalkohols nicht möglich. Dr. Jeserich begründet diesen Ausspruch wissenschaftlich sehr eingehend und erläutert seine sehr sorgfältig mehrere Tage hindurch in dieser Beziehung ange- stellten Versuche vor den Augen des Gerichts an einem von ihm mitgebrachten Apparat. Es kommt über diese ganze Frage zu längeren vorwiegend wissenschaftlichen Erörterungen, an denen sich außer den Sachverständigen Dr. Jeserich, Dr. Baurat, Dr. Bürger, Regierungsrat Jnckenack, die Rechtsanwälte Brcdereck und Dr. Werthauer, sowie Staatsanwalt Dr. Gutjahr beteiligen. Zum Schluß der Sitzung kommt es noch zu Widersprüchen zwischen den Angeklagten Scharmach und Zastrow. Scharmach er- klärt auf eine Frage des Staatsanwalts, daß es eine eigene Idee Zastrows gewesen sei, 89 Proz. Methylalkohol mit 29 Proz. Aethhl- alkohol zu mischen, weil ohne diesen Zusatz der Methylalkohol nicht wie Sprit rieche.— Zastrow bestreitet dies ganz entschieden und weist das Bestreben Scharmachs, ihm einen Teil der Schuld in die Schuhe zu schieben, völlig zurück. Er sei 91 Jahre alt und auf diesem Gebiete noch nicht bestraft. Er bleibe mit aller Bestimmtheit dabei, daß ihm Sckarmach reinen Sprit verkauft habe. Scharmach bestreitet dies ebenso bestimmt. Die Sitzung wird hieraus auf heute 9 Uhr vertagt. Der erste Derbandstag der Hausangtstellttv. Am Dienstagmorgen begann der dritte Tag der Verhandlungen mit einem Referat von Luise Kühler-Hamburg über das Thema: Stellenvermittelung und Arbeitsvertrag. Die Darlegungen der Referentin stützten sich zum großen Teil auf Erfahrungen aus dem Arbeitsnachweis der Hamburger Orts- gruppe, die recht gute Erfolge mit ihrer eigenen Stellenvermitte- lung zu verzeichnen hat und in mancher Beziehung als Muster gelten kann. Der Nachweis für Dienstboten ist, wie die Vor- tragende zeigt«, nicht zu vergleichen mit den Nachweisen einer mo- dernen Gewerkschaft. Wie verschieden die Verhältnisse in jeder Beziehung liegen, zeigt sich schon darin, daß die Dienstboten die aiinstigste Lage des Arbeitsmarktes nicht einmal ausnützen können. Im Hamburger Nachweis war zum Beispiel die Dienstbotennot im vorigen Jahre sehr groß. Dort suchten 2S31 Hausfrauen nach Dienstboten, während nur 829 Mädchen sich meldeten, die Stellungen suchten. Wie würde jede andere Gewerkschaft eine solche Situation ausnützen! Die Hausangestellten müssen erst zum Verständnis der Lage der Dinge erzogen werden, sie müssen den Wert, die Kraft und Bedeutung einer gewerkschaftlichen Organisation erst kennen lernen. Zu bedauern ist nur, daß die Mädchen zu den eigenen wie zu den städtischen Nachweisen nicht daS rechte Vertrauen haben. In den Kreisen der organisierten Arbeiter fehlt es oftmals an Ver- ständnis, wenn es sich um den Verband der Dienstboten und seine Einrichtungen handelt. Frauen und Töchter der Arbeiter wenden sich an gewerbsmäßige Vermittler anstatt die Stellenvermittelung des Verbandes aufzusuchen, wo ihre Interessen wahrgenommen werden. Die Mädchen beklagen sich bitter über die lange Arbeits- zeit, die geringe Freizeit, das schlechte Essen, den ungenügenden Schlaftaum, und diese Klagen werden in den eigenen und paritäti- schen Nachweisen nach Möglichkeit berücksichtigt. Freilich müßten auch die Mädchen bei den Abmachungen mit den Herrschaften oder bei dem Abschluß eines Vertrages fest auf Erfüllung der Ab- machungen beharren. Leider lassen sich die Mädchen oft mit Leich- tigkeit überreden, von ihren Rechten wieder preiszugeben, was ihnen sogar durch Unterschrist zugestanden wurde. Noch immer machen die gewerbsmäßigen Stellenvermittler die besten Geschäfte, trotz des neuen Gesetzes gegen diese Vermittler. Aus der Praxis des Hamburger Nack>reeiseS gab die Referentin manche Anregung für die Leitung von Stellennachweisen; als sie aber aus Zweck- mäßigkeitsgründcn für die kostenlose Vermittelung auch für die Herrschaften eintrat, stieß sie auf Widerspruch bei den Dele- gierten. Mit Nachdruck sprach sich die Referentin für die Errich- hing eigener Stellenvermittelung in den Ortsgruppen aus, weil eine solche VermittelungSstelle für den Verband von außerordent- lichem agitatorischem Werte sei. Diese Frage spielte in der Diskussion die Hauptrolle. Die meisten Rednermnen hoben den Wert der eigenen Stellenvcrmitte- lung lobend hervor. Luise Zietz meinte, der Stellennachweis sei oft das Rückgrat der Organisation. Die Vorsitzende bemerkte, daß die Errichtung von eigenen Nachweisen schon durch das Eingreifen der Behörden die größten Schwierigkeiten erfahren habe und weiter erfahren werde, besonders da, wo städtische Nachweise bestehen. Auch andere Gründe sprechen dagegen, zum Beispiel die Schwierigkeit, geeignete tüchtige Leiterinnen für die Nachweise zu finden. Die Vorsitzende war der Ansicht, daß mehr noch als Stellennachweise die Rechtsauskunftsstellen der Ortsgruppen von der größten Wichtigkeit seien und der Ausbau der Auskunftsstellen von maßgebender Bedeutung für die Organisation werden kann. Der Antrag der Ortsgruppe Hamburg, daß kostenlose Stellennachweise für Mitglieder an den Orten errichtet werden, wo keine paritäti- schen Nachweise bestehen, wurde abgelehnt, aber vom Hauptvorstand versichert, daß nach Möglichkeit den geäußerten Wünschen nach Ein- richtung von Stellenvermittelungen Rechnung getragen werden soll. Für die am Vortage eingesetzte Statutenkommission berichtete Gertrud Hanna. Die Empfehlungen der Kom- Mission wurden durchweg angenommen; es handelte sich dabei zum Te,l um formale Aenderungen, um Wahlreglemenls, um die Krankenunterstützung und um Neuerungen geringerer Art, unter anderem, daß für eine Ortsgruppe ein Minimum von 19 Mit- gliedern vorhanden sein muß. Nach dem Bericht der Statutenkommission stand ein Referat von Helene G r ü n be rg- Nürnberg als 5. Punkt auf der Tagesordnung, das von den Delegierten noch recht aufmerksam an- gehört und eifrig diskutiert wurde. DaS Thema hieß: Fortbildung, Unterhaltung und Geselligkeit. Für die Fortbildung stellte die Referentin in die erste Reihe die Forderung der Einführung des obligatorischen Fortbildungs- schulunterrichts bis zum 18. Jahre auch für die Dienstboten, mit Berücksichtigung der HausHaltungSleHre. Diese Fortbildung sei um so wichtiger, als von den 1l4 Millionen Dienstmädchen in Deutsch- land JA Million Städterinnen sind, während der Rest aus �and- inädchen besteht. Was den Mädchen durch den Mangel an Schul« Unterricht verloren gegangen ist, könne freilich der Verband nicht mehr ersetzen; aber er müsse tun, was möglich ist, um auch den Dienstboten die Waffe der Bildung in die Hand zu geben. Die Frage der Arbeitszeit sei dabei sehr wichtig. Für den Ver- band gelte eS besonders, die jungen Mädchen heranzuziehen und sie systematisch zu bilden. Regelmäßige Vorträge empfahl die Ncfcrentl'n und machte Vorschläge. köaZ durch diese Vorträge dön Dienstboten an Belehrung geboten werden müßte. Ferner empfahl sie die Einrichtung von literarischen Abenden und kleinen Biblio- theken. Die Unterhaltungsabende sollten eine künst- lerische Gestaltung erfahren. Die Geselligkeit müßte stets in den Versammlungen und durch Vergnügungen gepflegt werden. Diese Vergnügungen hätten für die Dienstboten einen großen agitatorischen Wert. In derselben Weise wurden in der Diskussion diese Fragen behandelt. Es gelte, die Stellung der Hausangestellten in der Ge- sellschaft den Dienstboten zum Verständnis zu bringen und die Fäoen aufzudecken, die diese Bewegung verbinden mit der allgc- meinen Arbeiterbewegung. Man sollte sich mit den BildungSaus- schüssen der einzelnen Orte in Verbindung setzen und auch den Wanderbibliotheken Aufmerksamkeit zuwenden, um die Schund- literatur zu bekämpfen. Der Bildungshunger der Dienstboten wurde lebhaft betont. Zu diesem Punkt der Tagesordnung beantragte die Ortsgruppe Stuttgart, daß nach dem Maße der Notwendigkeit den einzelnen Ortsgruppen Mittel zur Verfügung gestellt werden, Nähabende für die Mitglieder einzurichten. Der Antrag wurde angenommen. Unter„Verschiedenem" als letzten Punkt der Tagesordnung wurde bestimmt, daß die geänderten Statuten vom 1. Juli d. I. ab in Kraft treten. Als Ort deS nächsten Verbandstages wurde Leipzig bestimmt. Der bisherige Vorstand und der Aus- schuß wurden wiedergewählt. Die Vorsitzende schloß den Verbands- tag mit dem Wunsche, daß nach drei Jahren zum Leipziger Ver- bandstag« sich die doppelte Anzahl von Delegierten einfinden möge als Folge einer fruchtbaren Verbandstätigkeit in den kom- wenden drei Jahren._ 11. Dttblmdstllg der Dachdecker. Im Volks haus zu Nürnberg traten gestern die Delegierten des elften Verbandstages zusammen. Es sind insgesamt 32 Delegierte erschienen. Außerdem ist vom Hauptvorstand D i e h l und Diel- Frankftirt erschienen. Der Ausschuß hat Meerlein- Berlin entsandt, für die Redaktion ist Genosse Hoch- Hanau anwesend. Genosse Silberschmidt- Berlin ist als Vertreter der General- kommission erschienen. Die Verhandlungen deS ersten Tages brachten nur die Berichte der Verbandsinstanzen, über die wir bereits das wesentlichste mitgeteilt haben. Im allgemeinen sind die Debatten so, daß der Zentralvorstand bezw. seine Tätigkeit ein uneingeschränktes Lob erhält. Rur im Falle der Leipziger Lokal- organisation war allgemein das Urteil der Delegierten, daß man ein energischeres Einschreiten erwartet hätte. Die Verhältnisse in Leipzig liegen ziemlich im Trüben, und der Vertreter der General- kommission erklarte sich bereit, hier die Vermittelung seiner Körper- schaft zuKusagen. Nach sehr langer Debatte wurde den Zentral- instanzen Decharge erteilt und oann in die Debatte über die Presse eingetreten. Bei dieser Frage spielte bereit? der von verschiedenen Seiten gestellte Antrag auf Anstellung eines eigenen Redakteurs hinein. Im allgemeinen kam es hier zu längeren Aus- einandersetzungen über die Haltung der„Dachdeckerzeiwng" zu den verschiedenen gewerkschaftlichen Fragen, wobei jedoch festgestellt wurde, daß die Redaktion meistens immer die richtige Linie zw treffen wußte. Kollege Di eh l- Frankfurt weist darauf hin, daß eS nicht die Unzufriedenheit ist, Was den Zentralvorstand bewogen hat, den Antrag auf Anstellung eines eigenen Redakteurs auS Kollegenkreisen zu stellen, sondern weil die Zustände im Zentral- bureau dringend auf eine Reform drängen. Genosse Hoch meinte- daß ihm die ganze Art der Aufrollung der Angelegenheit nicht ge- fallen habe; man hätte dabei etwas freundschaftlicher zu Werke gehen sollen. Einen Beschluß über die Anstellung faßte der Verbandstagi am ersten Tage noch nicht, sondern die Entscheidung darüber soll zurückgestellt werden, bis die übrigen Fragen erledigt sind. Der Verbandstag sah sich gleich am ersten Tag« gezwungen, Ucher- stunden zu machen, weil sonst die Fülle des vorliegenden Stoffes nicht erledigt werden kann._ Soziales« Heimarbeiterin oder Hansgewerbetreibende? Die Glüihsttumpfnäherin Marie V. nähte in ihrer Wohnung für eine Berliner Firma Glühsttümpfe. Lieferzeit war jeden Morgen zwischen 8 und 9 Uhr, Sonnabends LohnzahlungStag. Fräulein V. mußte die Arbeiten in ihrer Wohnung verrichten, da Platz in der Werkstube ihres Arbeitgebers nicht vorhanden war. Bis zum Jahre 1993 klebte die Firma für die V. Jnbalidenmarken. In diesem Jahre gab die V. die Arbeit bei dieser Firma aus und trat bei der Firma E. u. I. unter den gleichen Verhältnissen in Beschäftigung. Letztere Firma weigerte sich, Marken für die V. zu verwenden, da sie der Ansicht war, die Tätigkeit der V. sei nicht versicherungspflichtig. Frl. V. klebte nun selbst Marken, bis sie am IS. Juni 1919 invalide wurde. Der von der V. bei der LandeSv erst che rungsanstalt Berlin ge- stellte Antrag auf Gewährung der Jnvaltdearente wurde abge» wiesen, weil die Wartezeit nicht erfüllt gewesen sei. Die Landes- Versicherungsanstalt erklärte, daß zwar 332 Beitragsmarken nach- gewiesen, diese aber nicht angerechnet werden konnten, da Frl. V. als Glühstrumpfnäherin nicht als Heimarbeiterin, sondern al§ Hans- gewerbetreibende anzusehen sei, diese aber der Versicherungspflicht nicht unterliegen. Da Frl. V. am Tage der Ausstellung der Ouittungskarte Nr. 1(12. Januar 1993) daS 49. Lebensjahr über- gjritten hatte, war sie auch nicht mehr berechtigt, freiwillig der ersicherung beizutreten und Marken zu verwenden. DaS Schiedsgericht für Arbciterversicherung Stadtkreis Berlin verurteilte jedoch auf eingelegte Berufung die LandeSversicherungs- anstatt Berlin zur Zahlung der Invalidenrente. Aus den Gründen seien des allgemeinen Interesses wegen einige Sätze wiedergegeben: „Nach der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes ist die Beschäftigung in eigener Betriebsstätte als Ausfluß eines Arbeits- Verhältnisses im Sinne des 8 1 Jnvalidenversicherungsgesetzes anzn- sehen, wenn der Arbeitnehmer nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in persönlicher Abhängigkeit zu seinem Arbeitgeber steht. Die Klägerin war auf tägliche Kündigung angenommen. Sie mutzte regelmäßig an jedem Morgen die am Tage vorher fertiggestellte Arbeit abliefern und sich alsdann wieder so viel ArbeftSmaterial aus dem Geschäft mit nach Hause nehme«, daß sie den Tag über zu tun hatte. Es war ihr verboten, die Arbeit von anderen Per- sonen ausführen zu lassen. Dringende Arbeit, die ihr inS Haus gesandt wurde, hatte sie in bestimmter Frist zu erledigen. Auch ist es vorgekommen, daß sie, wenn sie morgens in die Fabrik kam, eilige Arbeit gleich dort fertig machen mußte; es wurde ihr dann ein Fensterplatz freigemacht.— Bei dieser Sachlage hat das Schiedsgericht die Ueberzeugung gewonnen, oaß die Klägerin durch das Arbeitsverhältnis in ihrer wirtschaftlichen und persönlichen Selbständigkeit ganz erheblich eingeschränkt war und sich von den an Betriebsstätte, Betriebsordnung und Betriebsstunden gebun- denen Arbeiten nicht wesentlich unterschied." Die Beitragsmarken wurden demzufolge als zu Recht ver- wendet angesehen. Gegen diese Entscheidung legte die Landesversicherungsanstalt gleichfalls Revision beim Reichsvcrsicherungsamt ein. Die Re- Vision wurde jevoch zurückgewiesen, weil die anefochtene Entschei- dung keinen Revisionsgrund darbot. Das Reichsversicherungsamt schloß sich vielmehr den Entscheidungsgründen des Schieds- gerichts an. Die feinen Unterscheidungen zwischen Heimarbeiter und Haus- gewerbetreibenden werden im gewöhnlichen Leben nicht gemacht. Nach den vom Ncichsversicherungsamt und auch in diesem Falle niedergelegten Grundsätzen gibt es äußerst wenige Heimarbeiter und Arbeiterinnen, die als versicherungspflichtig in Betracht kommen. Leider hat der Bundesrat von seiner Befugnis, die Ver- sicherungspslicht auf die Hausgetverbetreibenden einzelner Bran- chen auszudehnen, nur in zwei Fällen Gebrauch gemacht, indem die Hausarbeitex und Arbeiterinnen der Lextil- und Tabak- inbuftrie dem Versicherungszwange unterwo-rsen würben. Em von der sozialbcmokratischen Fraktion im Reichstage bei ber Beratung ber Rcichsversicherungsorbnung gestellter Antrag, bies« Arbeiter mtb Arbeiterinnen in bie Versicherung einzubeziehen, würbe von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Ein genossenschaftlicher Riesenbetrieb. Der Konsum-Bau- und Sparverein„Produktion" in Hamburg hat eben den Bericht für bas 13. Geschäftsjahr herausgegeben. Ein 1lX> Seiten starkes Heftchen, besten Inhalt allgemeines In« teresse beanspruchen barf. Es bietet viel mehr als einen trockenen Tatsachenbericht ber üblichen Art. Das Werkchen läßt einen tiefen Blick tun in biescs interessante unb einzigartige genossenschaftliche Riesenunternehmen der Hamburger Arbeiter. Einzigartig wegen seiner Vielseitigkeit, bie schon im Namen sich ausbrückt, burch bie Mitteilungen über bie praktische Tätigkeit jeboch unwiberleglich zeigt, welche Summe von Kraft ben Arbeitermassen auch auf biesem Gebiete ber Organisation innewohnt. Die EntWickelung ist enorm: Der erste Geschäftsbericht im Jahre 1839(bas Grünbungsjahrj sprach von 2859 Mitgliebcrn, am 1. Januar 1912 waren es 57 9301 Der Gesamtumsatz betrug im Jahre 1911 16 511790 M., gegen bas Vorjahr mehr 3 404 621 M. Der Durchschnittsumsatz auf das einzelne Mitglied zeigt allerdings kein erfreuliches Bild, denn er beträgt nur 259 M. Im Bericht ist festgestellt, daß 38 Proz. der Mitglieder Waren in der Genossenschaft nicht kaufen. Das ist ein wunder Punkt des sonst so mustergültigen Unternehmens. Es dürfte kaum einen zweiten modernen Konsumverein geben, bei dem das Verhältnis so ungünstig ist. Dazu kommt noch, daß der Pro- zentsatz der Nichtkäufer im letzten Geschäftsjahre noch genau so grost war wie im ersten. Während der Zwischenzeit hat er 36 bis 43 Proz. betragen. Pro Mitglied hat sich der Durchschnittsumsatz allerdings gehoben. Auf die Kaufenden berechnet beträgt er 422 Mark. Ueber die Ursachen des schlechten Verhältnistes zwischen der Zahl der Mitglieder und dem Gesamtumsatz macht der Bericht nähere Angaben nicht. Es scheint, als ob viele die Genossenschaft mehr als Spar- oder Bauverein denn als Konsumverein be- trachten.— Die Waren wurden am Jahresschluß in 125 Verkaufs- stellen umgesetzt. Davon waren 22 Fleischer-, 22 Brot« und 2 Grünwarenläden.— Der Verein hat im letzten Jahre in der Form sich verändert. Für den Verkaufsbetrieb und die Probuk- tionsbetriebe wurde eine„Handelsgesellschaft Produktion" ge- gründet. Die Ursache zu dieser Teilung ist, wie unsere Leser sich entsinnen, das der Genossenschaft sehr ungünstige Steuergesetz, das für Hamburg beschlossen und in Kraft getreten ist.— Der Reingewinn betrug 661 577 M. Er ist verhältnismäßig niedrig; die„Dividende" beträgt 5 Proz. In dieser Beziehung ist die Ge- nosscnschaft vorbildlich. Ein Zustand, wie er hier besteht, trägt zur inneren Stärkung der Genossenschaft bei, während alle Konsum- vereine mit hoher Rückvergütung mehr oder weniger Mangel an Kapitalskraft leiden. Unter solchen Umständen sind denn der Ausbau und die Iveitere EntWickelung sehr schwierig, oft überhaupt unmöglich. In Hamburg hat man von vornherein gesunde Grund- sähe befolgt und damit die Basis für die schnelle, riesige Ent- Wickelung geschaffen. Am 31. Dezember 1911 beschäftigte der Verein insgesamt 1100 Personen, an die 1 529 783 M. Gehälter und Löhne gezahlt wur- den. Das Arbeitsverhältnis ist vorbildlich und im Einvernehmen mit den in Betracht kommenden Gewerkschaften tariflich geregelt. Den Privatbetrieben kann es in jeder Beziehung zur Nachahmung empfohlen werden, besonders was die sozialen Einrichtungen an- langt. Im Bericht wird gesagt:„Von Anfang an war die Ge- nossenschaft bestrebt, den Lohn- und Arbeitsverhältnissen in Ge- meinschaft mit den gewerkschaftlichen Instanzen eine feste Rege- lung zu geben und die niederen Lohnklaffen, soweit nur immer die Umstände es gestatten, günstig zu gestalten."— In dieser Richtung kann allerdings ein großer Konsumverein manches tun, ohne das Geschäft besonders belasten zu müssen. Nämlich, wenn er die Gehälter der ersten Beamten nicht so wahnsinnig hoch hält, wie in gleichartigen Privatbetrieben, dafür aber unten mehr gibt. Das ist ein Ausgleich, der auch eine vernünftigere Wertschätzung der Arbeitskraft der einzelnen erkennen läßt.— In der Gefchäfts- gebarung des Vereins spielen eine Anzahl Fonds eine Rolle. Der Notfonds wird von den einzelnen Mitgliedern angesammelt und als Sparguthaben verwaltet. Der Ziveck ist, wie der Name sagt, den Mitgliedern in besonderen Notfällen materielle Hilfe zu gewähren. Am Jahresschluß hatten 22 326 Mitglieder 854 910 M. in diesem Fonds angesammelt; 12 378 entnahmen ihm im Laufe des Jahres 327 075 M., trotzdem erhöhte er sich um 172 123 Ni. Die Einzahlungen überstiegen also die Auszahlungen wesentlich. Man braucht nicht in das oft übertriebene Lob einer solchen Ein- richtung einzustimmen. Von einem gewissen sozialen Wert ist sie aber doch wohl. Sie würde es noch mehr sein, Ivenn aus den Ge- samtmittcln der Genossenschaft Zuschüsse geleistet werden könnten. — Ein Warcnvorschußfonds soll dazu dienen, vorüber- gehend mittellosen Mitgliedern den Weiterbezug von Waren zu ermöglichen. Derartige Vorschüsse werden auf Dividendenmarkcn gewährt. Eine Einrichtung, die in den meisten Konsumvereinen in etwas anderer Form besteht.— Der Bildungsfonds ist hauptsächlich zur Verwendung für genossenschaftliche Propaganda da. Die Bezeichnung entspricht nicht ganz dem Zwecke.— AuS dein Dispositionsfonds werden Unterstützungen an in Not geratene Angestellte gezahlt.— Die Sparkasseneinlagen erreichten die Höhe von 6 978 373 M. auf 20 321 Konten. Den Sparkassenverbindlichkeiten stehen zu 54 Proz. flüssige Mittjel gegenüber. Ein außerordentlich gutes Verhältnis. Sehr umfänglich sind die Betriebe der E�igenproduk- t i o n des Vereins. Der Umsatz in der Bäckerei betrug 1 740 558 M., gegen das Vorjahr fast 13 Proz. mehr. Es mußte eine zweite Bäckerei gebaut werden, die vor kurzem betriebsfertig geworden ist. Sie wurde mit 15 Doppelöfen versehen! Allein in der Bäckerei wurden 77 Personen beschäftigt, die ununterbrochen in drei Schichten abwechselnd arbeiten.— Große Bedeutung hat ferner die Schlächterei. Der Umsatz macht über 30 Proz. des Gesamtumsatzes aus und betrug 5 023 500 Mk. l Davon entfallen 435 744 M. auf andere Konsumvereine. Die Waren sind all- gemein als erstklassig in der Qualität anerkannt. Die Schlächterei beschäftigte 225 Personen, davon 81 in den Verkaufsläden. Die Arbeiten für einen Erweiterungsbau sind im Gange. Auch mit der Konscrvenfabrikation hat man begonnen, nachdem vorsichtige Versuche gute Resultate ergaben. Dieser Schlächtereibetrieb ist wohl einer der bedeutendsten in Deutschland.— Weiter macht der Bericht noch Angaben über die Kaffeerösterei, Mineralwasserfabri- kation. Schroterei, Kohlengeschäft; als Nebenbetriebe sind auf- geführt: Tischlerei, Klempnerei, Wäscherei, Montage. Jnter- essant sind die Angaben über den Fuhrpark. Am Jahresschluß waren 36 Brot- und Lastwagen, 31 Pferde und 10 Automobile mit drei Anhängern in Betrieb. Eine Berechnung ergibt, daß der Nutzungswert des Automobilbetriebes etwas vorteilhafter ist als der mit Pferden. Doch wird einer zweckmäßigen Kombination beider Beförderungsarten das Wort geredet, weil nur dann beide rationell genützt werden könnten. Einen großen Umfang nimmt auch der Baubericht ein. Im Berichtsjahre wurden 957 000 M. für Bauerei ausgegeben. Bis jetzt hat der Verein insgesamt 736 Wohnungen hergestellt, und 36 Läden befinden sich in eigenen Häusern. In Barmbeck machte die Vermietung der Wohnungen Schwierigkeiten, weil sie den Mit- gliedern zu teuer waren, trotzdem nur der Selbstkostenpreis be« rechnet wurde. Die Mieten mutzten infolgedessen um 40 bis 45 M. herabgesetzt werden.(!) Als Grund dieses Vorgangs wird angegeben: teures Areal und das Fehlen von Läden im Parterre, die mehr Miete bringen als Wohnungen. Der Bericht meint, die Erfahrung lehre, daß die Arbeiter gezwungen sind, auf bessere, hhgienisch gute und moderne Wohnungen zu verzichten, wenn der Mietpreis auch nur ein wenig höher ist als der für alte, schlechte Wohnungen.— Frontansichten, Querschnitte und Grundrisse ver- anschaulichen den Charakter der Häuser und Betriebe nach innen und außen.— Eine spezialisierte Berufsstatistik zeigt, daß die Mitglieder fast durchweg Arbeiter, Proletarier sind.— Eine„Vereinigung für genossenschaftliche Hauspflege" hat die Aufgabe, für zwanglose Ordnung und gesellige Unterhaltung zu sorgen sowie erzieherisch auf die Kinder einzuwirken.— Ein Mitgliederausschuß unterstützt die Verwaltung(Vorstand und Aufsichtsrat) in der Propaganda und Weiterentwickelung der Genossenschaft. Diese? Organ ermöglicht eine zweckmäßige Dezentralisation der agita- torischen Arbeit. Der Ausschuß bestand am Ende des Jahres aus 237 Personen. Man kann nur wünschen, daß die Tätigkeit dieser� großen, modernen Arbeitergenossenschaft Hamburgs anregend auf andere Orte und Bezirke wirken möge. 6ericbt9- Zeitung. Haltlose Anklage gegen einen Feuerwehrmann. Unter einem schweren Verdacht mußte sich gestern der Feuer- wehrmann Franz Giesel vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte ver- antworten. Der Angeklagte wurde beschuldigt, einem anderen Feuerwehrmann aus dessen Spind sechs Ztvanzigmarkstücke ge- stöhlen zu haben. In der Nacht zum 1. Februar dieses Jahres wurden dem auf der Feuerwache in der Köpcnicker Straße bcdiensteten Feuerwehr- mann Körner aus seinem Schrank sechs Zwanzigmarkstücke gestohlen. Der Bestohlene erstattete sofort am nächsten Morgen Anzeige. Der Brandmeister ließ die sämtlichen Mannfchaften antreten, die dann mit Hilfe eines Kriminalbeamten auf das peinlichste untersucht wurden. Diese Untersuchung, wie auch die Durchsuchung der sonstigen Räumlichkeiten, fiel völlig resultatlos aus. Erst etwa zwei Wochen später wurde von einem Feuerwehrmann Sch. eine Anzeige erstattet, in welcher dieser behauptete, er habe in der frag- lichen Nacht den Angeklagten beobachtet, wie er sich an dem Spind des Bestohlenen zu schaffen machte.— Die fraglichen Goldstücke hatten sich einige Tage nach dem Verschwinden in dem Bett eines anderen Feuerioehrmanncs wiedergefunden.— Auf Grund jener Anzeige wurde gegen den Angeklagten Giesel das vorliegende Strafverfahren eingeleitet. Der Angeklagte bestritt von Anfang jede Schuld ganz energisch und behauptete, von dem Anzeigenden völlig zu Unrecht angezeigt worden zu sein. Zu der gestrigen Ver- Handlung war vom Rechtsanwalt Dr. Schwindt ein umfangreicher Entlastuugsbeweis angetreten worden, da dem Angeklagten daran lag, völlig rehabilitiert auS dieser Sache hervorzugehen. Dem An- geklagten, der seit 23 Jahren im Dienst der Feuerwehr steht, wurde von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt. Es ergab sich ferner, daß er auch materiell sichergestellt ist, so daß auch nach dieser Rich- tung jedes Motiv zu der Tat fehlte. Schließlich ergab sich auch noch, daß das Geld erst nachdem der Angeklagte vom Dienst suspendiert worden war, wiedergefunden wurde. Das Bett war, während er sich noch im Dienst befand, wiederholt durchsucht worden, so daß der Angeklagte, da jede Möglichkeit, daß er das Geld noch nachträglich dort versteckt hatte, ausgeschlossen war, schon aus diesem Grunde nicht als Täter in Frage kommen konnte. Dagegen wurde dem Feuerwehrmann, der die Anzeige erstattet hatte, von mehreren Seiten ein sehr ungünstiges Zeugnis ausgestellt. Es wurde be- kündet, daß er ein dem Trünke ergebener Mensch sei, der auch schon wegen Trunkenheit im Dienste bestraft worden sei. Der Zeuge blieb, da er selbst der Tat für verdächtig erachtet wurde, auch unbeeidigt. Auf Grund dieses Ergebnisses der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung des Angeklagten, auf die das Gericht dann auch erkannte._ Ein Agitator des Bundes ber Landwirte. In einem Bcleidigungsprozetz des bekannten Führers des Bundes der Landwirte in Württemberg, Theodor Körner, gegen den volksparteilichen„Beobachter" in Stuttgart stellte der be- klagte Redakteur unter Beweis, Körner habe auf einer Agitations- reise einem Nationalliberalen gegenüber geäußert,' das Agitieren für den Bund der Landwirte sei sein Geschäft, dafür werde er mit 6000 M. bezahlt; wenn die Deutsche(nationalliberale) Partei ihm 7000 M. Gehalt gebe, dann arbeite er für diese. Der Beweisantrag wurde damals vom Gericht abgelehnt. Die Wiedergabe des Beweis- antrages im Gerichtsbericht veranlatzte Körner zu einer neuen Be- leidigungsklage gegen das genannte Blatt. Der beklagte Redakteur stellte Widerklage, weil Körner in einer öffentlichen Erklärung be- hauptet hatte, die Anschuldigung habe sich der Redakteur.aus den Fingern gesogen". Die Verhandlung vor dem Schöffengericht Stuttgart am 12. April fiel für Herrn Körner sehr unangenehm aus. Das Gericht sah den Wahrheitsbeweis für erbracht an und sprach den Redakteur frei. Die Widerklage des Redakteur? wurde gleichfalls abgewiesen. Herr Körner hat drei Viertel, der Redakteur ein Viertel der Kosten zu tragen. Marktbericht von Berlin am IS. April ISIS, nach Trmittewno des kömgl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel 100 Kilogramm Erbsen, gelbe,»um Kochen 34,00—50,00. Speisebohnen. weitze, 30.00— 66,00. Linsen 40,00-80.00. Kartoffeln-.......... 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1. 1,40—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,10-2,40. Aale 1,40—3.20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40-2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00—30,00. «»SS-SSSi Unserem Genossen 25S Hermann B e r g e r und seiner lieben Frau die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. vi» Genossen o. Genossinnen des Bez. 908, 8. Abt. ssasaeeeSSeee' o; HüSJHt Berliner"«•»— umor-ftüDftett Gg. Treuer aB KsstuieaellMU Damenhüte wegen Ausgabe der Fabrikation großer Räumungsvcrkaus in schick garnierten und ungarnicrtcn Hüten zu jedem an- nehmbaren Preis. 182/4 tysiW Migge, Brüekenstr. 1, Stadtbahnhof JannowitzbrOcke. Auch Teilzahlung! piur OlUb. ]Vlob*l-]Klfch Gr. Frankfurter Str. 45/48 Generalliilaia per 1. Mf. 1811. Aktiva. An Warenbestand.... , Bäckeremtensilie«..» , Gaskaution..... , Wechselgeld bestand lasse. , Kassenbestand.... . Gerichtskostenvorschuß. „ Burcauutensilien... „ Anteil b. Berl. Spar» u. Bauverein..... , Anteil bei der Westender Spar- und Wtrtschafts- genossenschast.... , Debitoren..... 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Seit gestern ruht fast die gesamte amerikanische Kohlen- Produktion. Rund 500 Ö00 Männer seiern; daß sie streiken, kann man nicht sagen. Die Arbeit wurde eingestellt, weil der zwischen den Zechenverwaltungen und den United Mine Workers of America(Amerikanischer Bergarbeiterverband.) vor drei Jahre,» erneuerte LoVnarif mit dem ol. März ablief und noch kein neuer zustande kam- In den Weichkohlenrevieren von West-Pennsylvania, In- diana, Illinois und Ohio kommt es voraussichtlich bald zum Friedensschluß zwischen den Zechen und den Arbeitern. Auf einer von beiden Parteien beschickten, in Cleveland abgehal- tenen Konferenz gestanden die Unternehmer die gestellten Lohn- forderungen teilweise zu. Es soll die Aufbesserung pro Tonne gesiebter Kohlen 5 Cents und ungesiebter Kohlen 3 Cents be- tragen; der Tagelohn soll um 5,26 Proz. erhöht werden. Bekanntlich hatten die Bergleute eine Erhöhung des Gedinges von 05 Cents auf 1 Dollar und 5 Cents per Tonne gefordert und die Zechenverwaltungen auf eine Reduktion von 95 auf 85 Cents gedrängt. Zweifellos werden sich die Weichkohlen- gröber angesichts der ihnen angebotenen Lohnerhöhung für die Wiederaufnahme der Arbeit erklären, die in ungefähr vierzehn Tagen erfolgen kann. Dahin sprachen sich wenigstens die Führer des Bergarbeiterverbandes aus. Falls das vorzunehmende Referendum der Weichkohlen- gröber den neuen Lohntarif genehmigt, wird dieser im wesent- lichen auch auf diejenigen, allerdings wenig belangreichen Wcichkohlenreviere im Süden, im Südwesten und in den Rocky Mountains, in welchen der geltende Lohntarif erst am 1. Mai oder noch später abläuft, Anwendung finden. Dagegen wäre eine Rückwirkung auf die keine organisierten Arbeiter be- schäftigenden Weichkohlengruben von West-Virginia und Kentucky nur dann zu erwarten, wenn es nicht bei der Arbeitseinstellung bliebe, sondern zu einem Ausstande käme. Weniger aussichtsvoll als in den Wetchkohlenrevieren ist die Situation im Hartkohlenbergbau. Die Hartkohlenproduktion wird kontrolliert von einem Ringe großer Eisenbahngesell- fchaften. Nun wäre die Lehigh Valley Coal Co., Eigentum der Lehigh Valley-Eisenbahn, zwar bereit, die Forderungen der Bergleute so ziemlich im ganzen Umfang zu bewilligen. Aber sie kann nicht angesichts der ablehnenden Haltung des Rings, in welchem neben der Philadelphia and Reading- Bahn, die Pennsylvania-Bahn und die Lackawanna-Bahn die erste Flöte spielen. Auch die unabhängigen, das heißt außer- halb des Ringes stehenden Kohlenzechen würden gerne Frieden schließen mit den Bergleuten, deren Forderungen sie als be- rechtigt anerkennen. Aber wehe der unabhängigen Zeche, welche durch die Tat bewiese, wie sehr die Bergknappen mit ihren Fordeningen im Rechte sind. Der kecke Unabhängige würde„ausgefroren" werden: die Bahnen würden ihm � die zum Transport seiner Förderung erforderlichen Waggons erst mit bedeutender Verspätung und auch dann '"'noch in ungenügender Zahl zur Verfügung stellen und die aufgegebene Waggonfracht mit absichtlicher Verzögerung be- fördern; kurz die betreffende Zeche in kurzer Zeit ruinieren. Gesetzlich ist es den Bahnen verboten, irgendeinen Artikel zu produzieren, den sie in den Handel bringen und auf den eigenen Linien befördern. Demnach dürften die Bahnen unter den obwaltenden Umständen auch keinen Kohlenbergbau treiben, sobald sie die Förderung nicht ausschließlich im eigenen Betriebe verbrauchen oder nicht auf anderen Bahnen verschicken. Aber ein gefälliges Gericht legte mit seinen rabulistischen Jnterpretationskünsten das Gesetz dahin aus, daß Bergbau- gesellschaften und andere Unternehmungen, deren sämtliche Attien einer oder mehreren Eisenbahngesellschaften gehören. ihre Erzeugnisse unter allen Umständen über die Linien der Mntterbahnen verfrachten dürfen. Daher gründeten die Eisen- bahnen eiligst besondere Aktiengesellschaften für den Kohlen- bergbau und„frieren" ihre nicht zum Ringe gehörigen Konkurrenten„aus", wenn diese nicht blindlings Order parieren. Und gerade diese ihre Allmacht mag die Kohlenbergbau treibenden Eisenbahnen auch ohne vorangegangenen Streik zum Einlenken bewegen. Wir stehen vor der Präsidentschafts- tve.hl. Und in der Zeit des schon eröffneten Wahlkampfes kommt es schon Demokraten und Republikanern einmal nicht darauf an, auch ein paar Eiseubahngesellschaften auf die Hühneraugen zu treten und ein durch gewundene Auslegungs- künstc zustande gekommenes Gerichtsurteil uminterpretieren zu lassen.? Einigungsverfttche in Sachsen. Die OrganiiationSleilung halte sich an das iächsiiche Ministerium deS Innern gewandt und dessen Nermiltelinig im Streik der Berg- arbeiier des Zwicknuer und Lugau-Oelrniiyer Bezirkes nachgesucht. Am Montag nachmittag hielt der iäa sische Minister Graf Vitzthum im Beisein einiger Geheimräte zunächst eine Konferenz mit Ber- tretem der Bergarbeiter ab; dieser Konferenz wohnte auch der Vor- sitzende des Bergarbeiterverbandes, Sachse, bei. Der Minister und seine Räte suchten auf Grund eines großen siahlenmaterials, da? sie von den Unternehmern erdallen hatten, den Nochweis zu er- bringen, daß die Bergarbeiterlöhne ständig gestiegen seien. Die Arbeitervertreter wiesen das Gegenteil nach und erklärten das teil- weise Steigen der Löhne durch Verfahren zahlreicher Ueberschichten, die durch die in den letzten Jahren besonders gute Koiijunktur not- wendig wurden. Ein positives Ergebnis hatte die Konferenz nicht. Die Vertreter der Negierung werden nun erst am Mittwoch mit Vertretern der Unternehmer konferieren. Beschwerde des polnischen Bergnrbeiterverbandes an die Kirchenbehörde. Wie polnische Blätter berichten, wird der polnische Berufs- Verband der Bergarbeiter gegen diejenigen Geistlichen die die Berg- arbeiter vor dem Streik warnten und sie vom Streiken abzuhalten suchten, dann aber später zur Wiederaufnahme ier Arbeit ermahnten, Beschwerde bei der geistlichen Behörde erheben. Günstiger Abschluß des Kampfes in Böhme«. Die Lohnbewegung der Bergarbeiter in Mährisch-Ostrau ist nun ihrem Abschluß nahe. Die Unternehmer haben nun vor ollem in der Lohnfrage Zugeständnisse gemacht, die eine erheb- liche Verbesserung gegen den bisherigen Zustand bedeuten. Die Vertrauensmänner der Arbeiter, die mit den Unterhändlern der Regierung die Verhandlungen führten, haben einem Abschluß der Lohnbewegung auf der Grundlage zugestimmt, ebenso die Konferenz der Delegierten der Arbeitergruppe der Berg- baugenossenschaft. Die endgültige Entscheidung liegt zwar in den 1 Versammlungen der Bergarbeiter selbst, die in den nächsten vier« zehn Tagen im ganzen Reviere stattfinden, doch ist anzunehmen, daß I auch diese Versammlungen die Zugeständnisse als das derzeit Er- reichbare akzeptieren werden. Damit ist dann im Mährisch-Ostrauer Kohlenrevier ein Kampf vermieden worden, der von noch größerer Bedeutung gewesen wäre, als der StrrrZ im nordwestböhmischen Revier; freilich ist dieser für die Arbeiter erfolgreiche Abschluß der Lohnbewegung vor allem möglich geworden durch den siegreichen Kampf in Nordwestböhme«. Keksnzene Richter? Am Montag sollte sich vor der zweiten Strafkammer des Dort- munder Landgerichts unter anderem auch ein Ehepaar aus Kastrop wegen öffentlicher Beleidigung und Vergehen gegen§ lbS der Gewerbeordnung verantworten. Der Verteidiger lehnte aber nicht nur die Richter der Streilkammer, sondern darüber hinaus alle Richter im Bezirk der fünf Landgerichte zu Dortmund, Bochum, Essen, Hagen und Duisburg wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Der Verteidiger erklärte, daß er den Ab- lehnungsantrag nicht aus persönlichen Gründen stelle, daß er auch wohl die formale Unzulässigkeit eines solch generellen Ablehnungs antrags kenne. Für den Fall, daß der Antrag deshalb abgelehnt werden sollte, beantragte der Verteidiger die Vertagung wegen nicht gewahrter LadungSfrist und behielt sich dann weiteres vor. Der Ablehnungsantrag wurde mit der Erklärung begründet, daß eine gewisse Besorgnis für die Unbefangenheit der Richter allein dadurch gegeben sei, daß sich der Streik im Bezirk abgespielt habe. Ein Gericht außerhalb des Streikgebiets biete größere Garantie dafür, daß die Erregung wegen des Streiks nicht irgendwelchen Einfluß auf das Urteil ausübe. Weiter führte der Ber- leidiger aus, daß von den ö genannten Gerichten in ähnlich liegenden Fällen Strafen verhängt worden seien, die nach seiner Empfindung sehr hart seien. Es sei selbstverständlich, daß sich kein Gericht gern selbst richtig stelle. Für Beleidigungen seien Gefängnisstrafen von s— 6 Wochen festgesetzt worden, nun könnten sich die Gerichte nur sehr schwer dazu verstehen, plötzlich auf Geldstrafen zu erkennen, das liege in der menschlichen Natur begründet. Die Richter an den Amtsgerichten seien aus den gleichen Gründen abzulehnen; eS sei zu befürchten, daß sich bei der bestehenden Organisation der Ge> richte die Amtsgerichte nicht in Widerspruch zu den höheren Gerichten setzten. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor formulierte dann zwei Gründe des Verteidigers: weil die Richter im Streikgebiet tätig seien und weil die Richter an den fünf Gerichten schärfere Strafen wie früher festsetzten. Der Verteidiger setzte hinzu, daß sich die Gerichte dadurch g» wissermaßen festgelegt hätten, und daß die Entfcheidungen der Amtsgerichte beeinflußt würden durch die Judikatur der übergeord netcn Landgerichte. Der Staatsanwalt erklärte, daß der Ablehnungsantrag»gegen die Grundauffassungen des Gerichtsverfassungsgesetzes" verstoße. Es solle niemand seinem»ordentlichen Richter" entzogen werden. Weil die Richter im Bezirk die Verhältnisse am besten kennten, könnten sie auch am besten urteilen. Richter, die nicht im Streikgebiet amtierten, seien weniger geeignet zum Urteilen. Die in Frage kommende Kammer de» Dortmunder Landgerichts habe auch oft auf Geldstrafen erkannt, nur dann sei auf»milde" Gefängnisstrafen erkannt worden, wenn es sich um Tätlichkeiten oder aufrührerische Redensarten gehandelt habe. Die auch viel in den Zeitungen vertretene Anschauung, daß die Strafen zu hart seien, sei»durchaus verfehlt". Der Staats anwalt sprach dann noch von»aufrührerischen Zusammenrottungen", von der„Wirkung der Maffensiiggestion", die man»nicht unterschätzen solle und von der bösen Tat, die»fortzeugend BöseS gebären müffe. Nach kurzer Pause wurde die Sache vertagt. Richtig ist, und wir haben es schon hervorgehoben, daß die jüngere Sonderkammer am Dortmunder Landgericht im all gemeinen nicht so hart urteilt wie die alte Streikkammer, indes hat die Sache doch ihren Haken. Als die Streik- kammer IIa jüngst als Berufungsinstanz verschiedene Urteile des Kastroper Schöffengerichts, die sehr hart waren— einen Monat Gefängnis!— nachzuprüfen hatte, blieben die Strafen bei stehen; die Berufungen wurden verworfen. Und an der I. Straf kammer wird es sogar ausfällig, wie oft das Gericht über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß hinausgeht. Oft steigt da die Empfindung auf, daß es eher zum Freispruch kommt, als daß von den hohen Gefängnisstrafen abgegangen wird. Mie Streikanklagen zuftande kommen. Die Frau eines Tagarbeiters aus Eickel, deren Mann»Williger war und während deS Streiks sogar noch Ueberschichten gemacht hatte, war trotzdem wegen Beleidigung Arbeitswilliger angeklagt. Als ihr Mann von der Grube heimkam, erzählte er, daß man ihn Streikbrecher geschimpft habe. Kurz darauf trat ein anderer Arbeits- williger in das Zimmer. Die Frau fragte diesen darauf:„Hast Du auch gearbeitet?" Auf die bejahende Antwort sagte die Frau scherz« weife:„Dann bist Du ja auch ein Streikbrecher wie mein Mann I" Diese Darstellung wurde von Zeugen bestätigt. Eine gute Freundin der Familie, nämlich die Mutter des zweiten Arbeits- willigen, hatte was von Strcikbrecherbeleidigung läuten gehört und lief straks zur Polizei. Der Staatsanwalt wollte die Sache noch nicht fallen lassen und beantragte 10 M. Geldstrafe. Tas Gericht kam jedoch zur Freisprechung. In K r a y bei Steele gerieten während deS Streiks einige Berg. leute in ihrer Wohnung in Streit, bei der die den Arbeitswilligen gelieferten Gummischläuche gegenseitig in Tätigkeit gesetzt wurden. Schließlich schimpften sie sich gegenseitig als„Streikbrecher" und„gelber Satan". Die Sacke kam zu Ohren der Polizei, die natürlich nicht wußte, daß sie ihren Schützlingen keinen gute» Dienst erwiesen hatte, denn die Geschichte wurde als Streitsache verhandelt. Die Strafkammer in Essen war aber in dieser Sache auffallend milde gestimmt und erkannte auf Geldstrafen von 20 M. Nur sechs Monat Gefängnis beantragte der Staatsanwalt gegen einen Streiksünder, der nichts anderes getan hatte, als einen Arbeitswilligen durch die Worte:«Du oller Bock, wihst Du auch noch zur Zeche gehen, wo niemand arbeitel!" Das Gericht erkannte aus einen Monat GefängmS. Der Angeklagte war nur mit einem Verweise vorbestraft._ Der iirieg. Die Friedensaktiou der Mächte. Konstantinopel, 16. April. Um 11 Uhr begaben sich die Ber- treter der Mächte zum Ministeriu» des Aeußern und unter-. nahmen den bereite angekündigten Schritt. Der russische Bevollmächtigte traf als erster ein, eS folgten ihm der deutsche, der österreichisch- ungarische, der englische und der französische Botschafter. Unzufriedene Reservisten. Nach Mitteilungen des. A v a n t i" herrscht unker den Mann- fchaften der JahreSklassen 1888 und 1883, die den Truppenverbänden des Expeditionskorps in Tripolis angehören, große Unzufriedenheit. Mtt der Rückbeförderung der Jahresklafse 1888 hat man zwar schon begonnen, die Zahl Ott Reservisten auf afrikanischem»»den ist aber immer noch sehr groß. Jedenfalls ist die Stimmung der Mann- fchaften, die über Gebühr ihrer Heimat ferngehalten werden, für einen Vorstoß WS Innere nicht günstig. Auch die Familien der Reservisten beschweren sich, daß ihnen deren Hilfe bei den Feld- arbeiten entzogen ist._ Die Revolution in China. Der Schutz der Deutschen im Anstände. Köln, Ib. April. Gegenüber den Klagen über ungenügenden militärischen Schutz der deutschen Interessen in China schreibt ein Berliner Telegramm der„Kölnischen Zettung": Ueberall, wo deutsche Kolonien in China bestehen, ist auch für aus« reichenden militärischen Schutz gesorgt. Außer den auf die ver- schiedenen Plätze verteilten Truppen find die kleinen Kreuzer und Kanonenboote bereit, dort einzugreifen, wo Deutsche gefährdet sind. Für den Notfall stehen auch noch Truppen der Besatzung von Tsingtau zur Verfügung. Daß Deutschland nicht mit einer so starken Truppen- macht auftreten kann wie etwa Rußland und Japan, ist in der geographischen Lage begründet. Aber die Tatsache, daß, abgesehen von einem traurigen Fall in Tientsin, im bisherigen Verlauf der ganzen Wirren kein deutsches Leben verloren gegangen ist, kann als Beweis dafür gelten, daß die getroffenen Schutzmaßregeln der Lage vollkommen entsprechen. Schon mit Rücksicht auf die finanzielle Seite der Sache hat man sich nicht entschließen können, noch größere Truppensendungen vorzunehmen. Em der frauenbeweefung« Lebensbilder führender Frauen. (F. N i g h t i n g a l e u n d I. E. B u t l e r.)» Auf dem ersten Abend des Vortragszyklus„Lebensbilder führen- der Frauen", veranstaltet vom Verein Frauenwohl, referierte zu» nächst Else Lüders über Florence Nightingale: Florence Nightingale wurde 1820 in Florenz ge- boren, weshalb sie auch Florence genannt wurde, und ist im Jahre 1910 gestorben. Als Schriftstellerin und Organisatorin für Kraulen- und Gesundheitspflege hat sie großartige Erfolge erzielt. In jeder Weise ist sie aber auch von günstigen Umständen unterstützt worden. Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter find treffliche Menschen gc- wesen, die ihrer Tochter eine gediegene Bildung haben zuteil wer- den lassen. Wohl haben bei ihr Genie und natürliche Neigung zu- sammengewirkt, aber vor allem hat doch die tiefe, wissenschaftliche Erkenntnis und vorzügliche Schulung dazu beigetragen, aus Ms. Nightingale das zu machen, was sie geworben. Mit 24 Jahren trat sie in ihren Beruf ein und erhielt in Kaiserswerth ihre Aus- bildung. Mehrere Jahre verbrachte sie in verschiedenen Ländern, wo sie in Hospitälern studierte. Im Krimkriege organisierte sie eine mustergültige Kranken- und Verwundetenpflege. Fast zwei Jahre blieb Ms. Nightingale auf dem Kriegsschauplatz und wirkte als Vorsteherin der Hospitäler in S k u t a r i und Balaklawa. Es ist das erstemal gewesen, daß eine Frau einen solchen Posten aus- füllte und mit einer solchen Ausgabe betraut wurde. Einen energi- fchen Kampf hat sie erst noch mit der Bureaukratie auszufechten ge- habt, um mit ihren Reformen und Anordnungen durchkommen zu können. Aus dem Krimkriege nach England zurückgekehrt, wirkte sie von nun an in hervorragendem Maße erzieherisch. Man wollte ihr eine Ehrengabe stiften für ihre großen Verdienste, die sie sich erworben. Der Kriegsminifter aber, ihr Freund, erklärte den Be- geisterten, daß sie nur Gaben zur Errichtung einer Pflegerinnen» schule annehmen würde. Dieser Plan stieß in England auf starken Widerstand und löste großen Spott aus. Man sagte, die Pflege- rinnnen, die da wären, seien ganz gut, wenn sie auch manchmal stark tränken, was ihnen nicht zu verdenken sei, da ja ihr Dienst schwer und langweilig wäre. Und tränke eine gar zu viel, so könnte man sie ja immerhin entlassen. Ja selbst der größte Chirurge von damals gab eine unglaublich rückständige Aeutzerung zum besten über die Qualitäten, die ein Pfleger zu seinem Beruf bedürfe. Der Plan ist aber doch verwirklicht und die Pflegerinnenschule errichtet worden, mit fünfzehn Schülerinnen, und zwar gegen den Willen der Aerzte. Allein die englischen Soldaten spendeten aus Dankbarkeit 80 000 Pfund Sterling hierzu. Die höchste Autorität, die MS. Nightingale in der Pflege an- erkannt hat, tvar die Wissenschaft. Ihre Reformen mußten hier» durch notwendigerweise mit den kirchlichen Gepflogenheiten auf dem Gebiete der Krankenpflege kollidieren, wo oft notwendige Funktionen hinter den festgesetzten Betstunden zurückstehen mußten und wo die schwarze Tracht vorherrschte, die im Widerspruch steht mit den Forderungen der hygienischen Wissenschaft. Der Pflcgedienst von Ms. Nightingale war weltlich organisiert, sie hat die Krankenpflege nicht als Buße oder Aufopferung zum Himmel, sondern als Wieg zu wirtschaftlicher Selbständigkeit angesehen. Die Trennung von Dienstbotenpflegerinnen und Berufspflegerinnen war ebenfalls eine ihrer neuen Reformen. Als Lehrerin der Gesundheitspflege und als Schriftstellerin für Humanität hat sie unermüdlich gewirkt. Einer ihrer Aussprüche war: Sie gebrauche das Wort Pflege, weil sie keine andere Bezeichnung habe, aber daS Wort Pfleg« enthalte mehr, als was man darunter gewöhnlich verstehe; Luft, Sonne, geeignete Kost, Erholung, freundliche Umgebung usw. seien not- wendige Bestandteile der Krankenpflege. Ms. Nightingale hat aber auch als Sozialpolitikerin eine frucht- bringende Tätigkeit entfaltet. Sie übte scharfe Kritik an den Hungerlöhnen der Arbeiterinnen, ist für kürzere Arbeitszeit ein- getreten, und hat bessere hygienisch und sanitär eingerichtete Av- beitsstätten gefordert mit der Begründung, daß die Gesundheit daS einzige Kapital des Arbeiters wäre. Ebenso hat sie die falsche Auffassung bekämpft, daß die End- bindung«ine Krankheit oder gar eine ansteckende Krankheit sei. Das Kindbettfieber könne durch Sauberkeit und antiseptische Maß- nahmen ausgerottet werden. So setzte sie auch durch, daß in Eni- binbungsanstalten Aerzte und Pflegerinnen mit keiner anderen Abteilung mehr in Berührung kamen. In ihren Schriften hat Ms. Nightingale als Hauptvermächwis eine Philosophie der Krankenpflege hinterlassen. Durch ihre hygienischen Schriften geht der Gedanke: vorbeugen ist besser als heilen. Noch mehr aber als im Kriege gegen Wunden, hat Ms. Nightingale im Kampfe gegen die Bureaukratie und Militärbehörden geleistet. 2k sonders hierin könnten die Frauen in Deutschland Von ihr lernen,."si t Forderungen gegen den stark ausgebauten militärischen Beamtenstab und gegen sonstige Widerstände durchzudrücken. «." Ucber Josephinc Butler referierte Anna Pa p p r i tz. Ms. Butler war die Begründerin der Sittlichkcitsbewegung. Ms. Butler hat keine Schulbildung im eigentlichen Sinne Oes Wortes erhalten, sondern ist auf die Bildung angewiesen gewesen,- die ihr das Elternhaus zuteil habe werden lassen. Als Tochter eines Edelmannes und aristokratischo Dame ist sie tief religiös und Mit weiblich gewesen. In hohem Maße musikalisch, wollte sie die Musik zu ihrem Lebensberuf machen, doch machte die Heirat diesem Traum ein Ende. Ihr Mann war Dozent der klassischen Philo- sophie und Kunst an der Universität zu Oxford. Dort lernte sie einen Gelehrten kennen, den sie sehr hoch schätzte. Als sie nun eines Tages ein Mädchen traf, das verführt und dann verlassen worden war. bat sie jenen Gelehrten um Not und Unterstützung. Der aber habe ihr geantwortet: über solche Dinge sollte eine grau schweigen und nicht nachdenken. Das hat bei ihr Opposition aus. gelöst und den Gedanken in ihr wachgerufen, den Aermsten, Ver- lassenen ihres Geschlechts ihre Kraft zu widmen. So nahm sie eine Kindesmördenn nach Verbüßnng der Gefängnisstrafe als Dienst- niädchen zu sich. Bei einer Rückkehr in ihr Heim wurde sie Mver durch den Beriuft ihrer einzigen Tochter betroffen, fand aber nach- her noch die Kraft, ihren Mann, der völlig gebrochen war. wieder empor zu richten. Auf einer Reise über den Kontinent lernte Ms. Butler die dortigen sittlichen Verhältnisse kennen. England hatte /damals nur in 18 Garnisonstädten eine reglementierte Prostitution. Daher hatte Ms. Butler diese Verhältnisse bis dahin gar nicht kennen gelernt, aber auf dem Kontinent gewann sie Einblick in die Tiefen des Lasters, und es empörte sie aufs äußerste, daß unter der Aufsicht des Staates die Prostitution sich breit machte. Später kmn sie nach Liverpool, das damals schon eine große Fabrikstadt war und wo unsägliches Arbeiterelend herrschte, die sozial« Pflege aber tief im Argen lag. Dort lernte sie auch das„SÄ orkhaus" kennen, wo Verbrecher und Kranke, Mädchen und grauen, alt und jung beieinander hausten. ES gelang ihr, ein Siechenhaus für Kranke und ein Haus für Arbeiterinnen, die weder Heim noch Eltern hatten, zu gründen und sie aus dem„W o rkha u t" herauszunehmen. Spater unternahm sie zum zweiten Male eine Reis« nach dem Kontinent. Damals wurde in England der Gesetzentwurs vorgelegt, nach dem die AuS- dehnung der Reglementierung der Prostituierten auf das ganze Land erfolgen sollte. Aerzte und Frauen protestierten und riefen Ms. Butler zum Kreuzzug gegen dieses Gesetz auf. Bis dahin war Ms. Butler politisch und öffentlich noch nicht aufgetreten. Jetzt wo man sie rief, trat sie in die politische Arena, um in diese! Frage zu kämpfen. Sie erließ eine Flugschrift und gründete eine Krauenliga gegen die Reglementierung. In wenigen Wochen hatten sich viele Tausende von Frauen diesem Unternehmen angeschlossen, mehr, als in den letzten zehn Jahren in Deutschland sich für die Bestrebungen der bürgerlichen Frauen zusammengefunden haben. Alle Schmähungen, Drohungen, ja selbst Lebensgefahren hielten Ms. Butler nicht zurück. Der Erfolg war glänzend. 1878 hob das Parlament die Reglementierung auf. Vorher hatte Ms. Butler die abolitionistische Föderation gegründet. Da sich die Engländer bei der Kritik der Zustände inimer aus andere Länder beriefen, folgerte sie:„Dort muß ebenfalls gearbeitet werden 1" Sie bereiste jene Länder und in Belgien fand sie den Hauptplatz eines schwung- haften Mädchenhandels und brachte darüber flammende Artikel in die Presse. Dafsir erhielt sie eine Anklage, aber Ms. Butler der- teidigtc sich in Liverpool so glänzend, daß sie freigesprochen wurde. Der belgische Staat verklagte nun den in Betracht kommenden Re- dakteur; in dem Prozeß aber stellte es sich heraus, daß alle vorge- brachten Anschuldigungen auf Tatsacken beruhten. Viele hohe Personen, darunter solche von der Polizei, mutzten infolgedessen abtreten. Die Referentin P a p p r i tz schilderte zum Schluß die Person- lichen Eindrücke, die sie von dieser gütigen und schlichten Frau empfangen habe, als sie mit ihr zusammengetroffen s«i. Eine Frau im böhmischen Landtag? Für die Nachwahl im Landtagswahlbezirk Nimburg-Jungbunz- lau-Land kandidierte für die Jungtschechen und Nationalsozialen die Schriftstellerin Kunetnitzka, deren Wahl als gesichert gilt. DaS geltende Wahlgesetz schließt die Wahl weiblicher Abgeordneter nicht aus. ES bindet aber daS aktive Wahlrecht an den von den Arbeitern nur selten erreichten 8 Kronen-Zensus. «eke.«nd Diökutiertlnd„«fiNft«. Heule Mittwoch. S'J, Uhr, bei Neidhardt, Gorlihcr Str. 58: Sitzung. Vortrag. Käste willkommen. JOUeormcu i&w OfcfcM£! Achtung! Gesellschaften, Bereinen u. _.Gewerkschaften empfehle ich mein herrlich am Wasser, Äald und Bergen belegenes Zlusftuas- 1 lokal.— Billigste Dainpfervermietnng. Prospekt gratis.| Hochachtungsvoll isÄtt Roöert Voigt, Krampenburg. Nr. 227. Ohne Anzahlung! 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Ehre seinem Andenken l Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Michacl-KirchhofeS am Mariendorier Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratiseber Wal3i?ereln de« 6. Beri. Relchslags-ffafilkrelses. Am 15. b. Mts. verstarb unser Genosse, der Böttcher Rudolf Lebmann GIcimstr. 36. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Aprll, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem städtischen griedho! in Friedrichsseld« statt. Um rege Betclligung ersucht 227/19 Der Vorstand. Zllllaiilelnskraliaeder WaiilvereiD des 8. Beri. Reichstags-Valillmiises. Am Sonntag, den 14 April oer- starb unser Genosse, der Schlosser Oskar Manske (Malplaquetstr. 36.) Ehre seinem Andenke« l Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags i'L Uhr, aus dem neuen Razareth-Friedbos in Reinickendors-West, Kögclstrafic, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Remseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, da« unser Kollege, der Tischler Rlcbard Koschel RummeiSburg, Krossener Str. 24, mi Aller von 55 Jahren ge- starben ist. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnei stag, den 18. April, nachmittag» 4 Uhr, von der Halle de» Rummelsburger Gemeinde- Fi-tedhosc», Lückstraße, au» statt. ' UM rege Beteiligung eriuchi 82/4 Die Orttveiwaltiing. �enü'zj-Breill iier Bililimuer DeutsebU. Verwaltung Berlin. Am Sonntag, den 14. Zlvril, verstarb nach langer Kranlheit unser Milglied, der Holzbildhauer Kar\ Hollnecker im Alter von 28 Jahren. Kein Andenken in Ehren! Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Aprll,»och« mittag«'7,8 Uhr. aus dem Emmaus.fiüledbos In Neukölln, Hermannstrosie. statt. Um rege Bclestigimg ersucht 20/ö Vomtand. WIM der Blieb- untl Steliitiruckerei-Rilfsarbeiter ärbeiteriiioen BeutscbU. == Orisverwaitung Berlin.= Am 15. Avril starb plötzlich unsere Kollegin, dl« klnlegeriit km Höstennann im Alier von 41 Jahren. Ehre ihrem Audeiike»! TonnerSiag Die Beerdigung findet am _ den 18. kivril, noch« mittags V Uhr, aus dem Rix- bor er GcMklstdisiiedyof. Marien- dorscc Weg, statt. 27/10 vi« OrteverwaliitnB. A»i 15 Aprll verstarb»ach schwerem Leide» unsere allseitig geschötzte Mitarbeiterin, Frau knna Höstermann Die Verstorbene hüi sährklang als Vertraueiisperson Und Mit- alied dcS Aröeiserausschusses im Jutercfie d-S PerjonalS gewirkt und wird un» daher durch ihren liebenswürdigen, geraden Cda- raiier imd treue Kameradschast stets i» ehrendem Andenken bleiben. IlSSb «erlin. IS. April ISIS. Das Personal der Bnchdrnrkerei«ttv Llnnei«. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmtltogs'/,4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorscr Gemeinde-griedhoses, Mariendorser Weg, aus statt. lZevlsellSk Metaiiarbeifsr-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachrfi daß unser Mitglied, der Schlosser Herrn. Iscdammler am 13. d, Mts, an Lungenleiden gestorben Ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Aprll, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Neuen Sankt Pauls- Kirchhofes in Plötzensee aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Otto Schulze am 15. b. M. 115/12 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. April, nach. mittag« 5 Uhr, von der Leichen halle des Neuen Jakobi-KirchhoseS, Hermannstiaße in Rixdors aus statt. Ehre ihrem Andenke» k Reg« vetelltgung erwartet Di« Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Baler, Schmie- ger- und Großvater, der Metall- orehcr Otto Scliutte Lausttzer Straß« 40 im 60. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden gestorben ist. Di« tranrrndrnHinterblieienen. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmtttag b Uhr von der Leichenhalle des niuen Jakobi- Kirchhofes, Neukölln, Hermann- ftraße, aus statt. SOS Mp.Meii-ll.Mete 1 Mslem. Beriilsgenosseß. (E. H, 86 Hamburg.) Verwaltungsstelle Berlin A. Den Mitgliedern hierdurch zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Meißner am 14. Aprll verstorben ist. fhr« seinem Andenke«! ie Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. April, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle bes St. MarkuS-Kirchhose» in Wllhelmsberg aus statt. 289/14 Oie Ortsverwaltung. Hiermit zur Nachricht, daß mew lieber Mann, unser guter Baitr, der Schankwirt Rudolf Lebmann verstorben ist. 30S, Berta Lehmann geb. Engel nebst Kindern, Gleimsir. 36, Die Beerdigung findet a» Donnerstag, den 18. April, nach. mittag« 8 Uhr, vom Trauer« haute aus nach dem Zentral- griedhos' grledrichSselde statt. Am Sonntag, den 1«, April, verschied nach langem Leiden unser Sohn 5S Max im 22. Lebensjahre an Herzschwäche. Die» zeigen ttesbeirübt an itax Paetzoldt nebst Frau. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. April, nach« mittag« 4'/. Uhr, von der Ka- pelle de« Phltippus-Apostel-Fried- Poles aus dem slädttschen griedhos, Müller- Ecke Seestraße, statt, Am 15. April starb mein« liebe grau, unsere liebe Mutier Elise Sondermann geb. Blücher im 87. LebenSjadre. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am lS. Aprll. nachmiltag« 4 Uhr, von der Halle des PhtllppuS-Apostel- Kirchhoies aus aus dem städtischen griedhos, Seestraße, Ecke Müller- üi»pe, stait. öS ür dt» vielsachen Beweis« herz- licher Antelinehme bei der Beerdigung meine« lieben MaitneS und Vater« Alhert Karthun sagen wir allen Bekannten und Freunden unseren innigsten Dan!, Attna Karthun und Tochter, Danksagung. Für die zählreiche und liebevolle i Teilnahme bei der Beerdigung mei- nes geliebten Manne« sag- ich allen Beiciligten, insbesondere dem Blich. und Steindruckerei-HIlsSarbelter- und Arbeiierinnen-Verband. de» Kollegen uNd Kolleginnen Sek Firma Albiecht und RAster, den Kollege» der Ber- ; llner Musikalien- Druckerei und den Kolonisten der Laubenkolonio»See- IflrtB* meinen innigsten Donk, Wwe. Knnua KireiBel liebst Kindern, ös Mutter und Bruder. Danksagung. Allen Freunden, Bekannte« und Genossen, insbesondere meinen werten Kollegen sage ich sür die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner liebe» Frau meinen besten Dank. iiseb Bertram Schleinrich. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme und Blumenspenden ber der Beerdigung meiueS lieben Manne« 70S Gustav Jesche sage ich meinen innigsten Dank. Die tiesbetrnbte Witwe Danksagung. Für die zahlreiche Beieiligmig und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meiner lieben �rau und guten Mutter sage ich hiermit allen Be« lelligten mewen herzlichster» Dank. Eduard! Wantki. Extra- Abtellong I>. Gesch.: BerllnW.. Mohren- StraBe37a(2. Haus von der| Jerusalertier StraSe). | II. Gesch.: Berlin NO., GroSel Frankfurt. 8tr.118(2. Haus| van der AndreasttraBo). 1 Sehr ct. Answ. fort. Kleider, I Haie, Handschuhe, Schleier I Jetc. v. einfachsten bis zum I | hnchelegani Genre z. äußerst j niedrigau Preisen. Sonder-Äbteünng: Heefianrertisang in 10 bis 12 Stunden. Orts-Krankenkasse Friedenau. Geileral-Versmmlnng am Montag, den SS. Aprtl ISIS, abends 7'/, Uhr, im Reftaurant Kaiser. Wikhelm-Garten. Rhein« straße Nr. 65, 1 Treppe. Tagesordnung: t. Bericht des Borstande». 2, Abnahme der Lahresrechnung pro 1911. 3. Bericht ber Revisoren. 4. Bewilligung von Geldmitteln sür daS Genesungsheim. 5. Verschiedenes. 273/20 Etwaige Beschwerden, zu welchen die Einfichlnahme der Bücher und Beläge«rsorderlich ist, tonnen nur berückfichtigl werden, wenn dieselben schrijllich vor der«eneralversamnilung eingereicht werden. De»«orftand. Hensel, Hildebrandt, Vorsitzender. Schriftführer._ Firma Ctardiuenliaiu Bernhard Schwarte hat(sine Fti taten I Lager und Berkaus der Gardinen n. Teppiche gro« und betest: «ur Spinvler»hof Berlin «aUftrahe 1« tdreizehn). Eraok-Vni-kesIK-Innkttat. Frack., Gehrock«, Gmoting-Anzüge. sür jede Kröß« passend, tn groher Bus- Bei'gllZicbl.BoMllt. Friadrichstr.ns fia, Oranienburg, Tor Tel. Nord 7402. Orts-Krankenkasse der Gastwirte v.vem. Gewerbe zu Berlin. Belanntmachung. Die ordenll. Könsrgl-VösSWmIung der gewählten Kassenvertreter findet am Donnerstag, den SS. April ISIS, nachmittags 31/, Uhr, im Lokale des Herr« Schilling. Rosentha-er Str. 11/12, statt, Tagesordnung� 1, Bericht der RechnungSprüsungZ- kommisfion. 2. Abnahme und Besprechung des Jahresberichts sür das Geschäfts- jähr 1911. 3, Ersatzwahl sür daS ausgeschiedene Vorstandsmitglied Herrn Fritz Wolff, Arbeitgeber, mit der Amts- dauer bis zum 31. Dezbr, 1912, 4, Besprechung und eventuell Be- jchlußsassung zur Zentralisation der Krankenkassen Berlins. 5. Allgemeines. Berlin, den 2. April 1912. 273/7 Der Borstond. H. Poppe, Vorsitzender. 6. Braun, Schristsührer. Roberl Baurngarten Engro« Export|[ Haasvogtcl-Plalz 11 1. Etage(kein Leden) tohrSgüber UAtergrundbahnho!<> (an der Jerusalomer Straße) verkauft auch einzeln<» Paletots Kostüme Kostüm- Röcke j; Seiden- Mäntel Blusen' Bei Vorzeigung didses Inserats an dar Kasse werden 5 Proz. Rabatt vergütet «- Auch Sonntags geSlfnet— Bekanntmachung der Orts- Krankenkasse sür Franz. Kachhalz sKlanbtn- barg) und Heinersdorf. Die Herren Arbeitgeber und Mit- glieder der Orts-Krankenkasse werden hierdurch zu der am Dienstag, den SS. Aprtl, abends 7J/t Uhr, im Lokal d«S Herrn RoffaS statt- findenden Ersatzwahl für die auS- geschiedene» Delegierte« z»r Generalversammlung eingeladen. Die Herren Arbeitgeber wählen zwei Delegierte und zwar je einen jür Franz. Buchholz und Heinersdors. Die Wahl findet statt in der Zelt von 7'/,— 8 Uhr. Daran anschließend: Wahl von Arbeiinehmern und zwar 8 für Franz. Buchhol,, S für Blmiienburg und 1 sür Heiners- dors. Die Wahl findet stait in der Zeit von 8-3'/, Uhr. DaS Mitgliedsbuch legiiimiert. Nachdem: fsiibjsbss-KöngsZlvösgWmIlilig Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht des PrüsungsauSschusseS und Enllaftung. S. Feftietzung der Sntschäeigung sür die Hilfskraft im Ztzassenbureau. 4. Zlntrag des BorftandeS bettessend die Beivilligmig eines WobnungS geldzuschusses an den Rendanten. 5. Wahl von 2 BorstandSmitglledern (1 jür Franz. Buchholz, 1 für Blankenburg). 6. Beschlußsassung betreffend den Bei tritt der Orts-Krankenkass« sür Franz. Buckholz(Blankenburg) und Hemersdors zur„Freien Ber« einigung der Krankenkasse» der Provinz Brandenburg'. 7. Verschiedenes. JF. Voigt, Vorsitzender. Tcrwaltnng Berlin. Stock-». Zelluloidarbeiter. Donnerstag, den 18. April ISIS, abends 6 Uhr, i» dm Rittersälen, (Jnh. Bercht), Rittersttaße 75- Sraneben- V er fammtung« Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Bericht von der Gaukonserenz und Generalversammlung. 3. Branchenangelegenheitelt. Donnerstag, den 18. Aprtl ISIS, abends 8 Uhr, im MSrAfchen Hof, Admiraistraße 18o: NkksllMMlll«!!°lin in tn SHlMklilidllstck beschästigte« Arbeiter, Tischler, Polierer usw. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Gcwerkschaftokämpfe— Klassenkämpfe". Reserent: Kollege Jnl. Hildebrandt. L. Branchen« und Verbands- angelcgenheiten._ Einsetzer. Donnerstag, de» 18. April, abends S Uhr: Bezirks»Versammlungen für die Bezirke 1, L, S, 4 und 6 in den bekanntm Lokglm. Möbelpolierer.(SkM WeWste.) Donnerstag, de» 18. April, abends 6'/, Uhr, im Prälaten» Lehdersttaße 122: Sraneben» Vertammlung. 82/3_ Pte Ortsverwaltung. Steinarbeiter. Ureitag, de» 19. April, abcndS 8 Uhr: Kombinierte Uerfammlnug tm grosse» Saale des GewerkschaftshanfeS, Gngelnfer IS. Tagesordnung: 1. Bericht vom ersten Quartal. 2. Wahl der De- legierten zum Berbaudstage, 3. Stellungnahme zur Maifeier. 171/to» MT Die Mitgliedsbücher bezw. Karten find mttznhringe». Um vollzählige»»nd pünktliche» Erscheinen ersucht Ble Ort.Terwaltnng� Orts- Krankenkasse für da« Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter zu Berlin. Donnerstag, den 26. Aprtl 1912, abend» 8 Uhr: General-Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder und derArbeitgeber imGewerilsohatts- Hause(Saal 1), Engelnser 15. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahr eSrcchnung pro 1311 und Bericht der Revisoren. 2. Die Zentralisierung ber Ort«. krankcnkasscn Berlin» jür die tt« der ' astrie beschäftigten Pei.1o.len. Der VorBtnnd. ZentraleKranken-undSterbekaflederKntscher ««d verwandten Kernfsgenossen% Slllen Kassenmitgliedern zur Nachricht, daß eine 11311 AstßtrirdtMche Griicral- Nersmmliiiig am IS. Mai ISIS, abends 8>/, Uhr, in„Kellers Philharmonie-, Köpentcker Strasse S n, a n d« 1', WaUfir. 7S.» y&c/nt' tTrcimcUn* gw-4afQrP 3* � uStAtoar �e/ic�ufrieajsrp Wich*�, ÄSSSri« � Sclf>ar' 1 Utber&aM Mäntel. l;e.-ijjX© ÄO®*::*taSen Thcaten Mittwoch. 17. Aprit 1912. Anfang S'l, Uhr. Berliner. Ser Talisman. Ansang 7 Uhr. Vgl. Opernhaus. Der Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7-/, Uhr. Slfll. Schauspielhaus. 1812. Deutsches. Faust 1. Teil. Airkns Busch. Gala-Vorstellung. ZtrtuS Sarrafani. Gala° Vor- ftellung. Zirkus Schumann. Gala» Vor- ftellung. Havcrland. SPezialllSte». Anfang 8 Ubr. Urania. Taudcnstrafte 4Sf4S. Weltbädcr an europäischen Küsten. «ommcrspiele. Eine glückliche Ehe. Lessing. Das Friedenssest. Skoml'che Oper. Ein aufgelegtes Geschäft. Westen. Die schöne Helena. SklciueS. Tanzmänfe. «öniggraher Strafte. Die Ntnf Frankfurter. Pienes Schauspielhans. M-Heldel- . berg. «ursurstenoper. Der Schmuck der Madonna. Neues. Der liebe Augustin. Residenz. Alles für die Firma. LustspielhauS. Das lauschige Nest. Berliner. Glosje Rosinen. Neues Operet-en. Mädchenmartt. Schiller<». Windermeres Fächer. Schill-- Eharlottendurg. Die Jüdin von Toledo. Friedr.- Wilh. SchanfPielhanS. Husarensieber. Luise». Ich lasse dich nicht. Rose. 5X100 000 Teufel. Slletrono. Die Nacht von Berlin. Drinnon. Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend. Dchalia. Autoliebchen. Wintergarte». Spezialitäten. Kasino. Die lustige Strohwitwe. Apollo. Spezialitäten. Vaiinge. Spezialitäten. Herrufeld. Der Hausteufel. Wie man Männer bessert. ReichSliaUeu. Eine Hochzeit Inder Wüllerstrasie. Alisa, ig 8'/4 llhr. Foliev Caprice. Der Polizeihund. Walhalla. Berliner Allerlei. Voigt. Kater Lampe. Ansang S'/j Uhr. Reues Boltötheater. Der König?- leutnant. Ujinigstadt-Kafino. Spezialitäten. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—«2. Unanis. InvalicksnstrstZs 57— 82, 11'/, Uhr vorm.: Prof. Dr. P. Sohwahn:„Dor Verlauf der Sonnenfinsternis." Taubenstraße 48/49 irn Theater 8 Uhr: Weltbäder an europäischen Küsten. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonntag V/, Uhr:"Vlienee 8luf. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die �irma. Schwant in 8 Akten von M. Hermelsttin und G. Mitchell. Morgen u. folgende Tage: Alles für die Firma. Sonntag, 21. April, nachm. 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Luisen-Theater. Heute und folgende Tage: Ich lasse Dich nicht. OSE-THEATEI Sediller-Thealei O.iC«: Mittwoch, abends 8 Uhr: (.ady Windermeres FUeher Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Kompacrnon. Freitag, abends 8 Uhr: »er Kompasnon SeluHer-Tlieaier c".en Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der sebarfe Janker. Freitag, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Neues Theater. Abend? 8 Uhr: Der liebe Augusti«. Sonntag 3'/, Uhr: Der Vogel h Sudler. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. Abends 8 Uhr: v!e 8 frsnklui'ler. Grosie Franksurtei Str. 132. s LliendS 8 Uhr: SxlOOQOO Teufel. Große Au§stalt.-Posse mit Gesang und Tanz von Jacobson und Thalburg. Musik von Michaelis. Donnerstag: 5 X 100 000 Teufel. Das vereiote Riesenpaar I ESrunhild und! Dustsrc > Deutschland u. FrankreicUl i Hede,(las Löwenmadchenj halb Mensch— halb Animal lebend za sehen Ohne Kxtra-Entree. Metropol-Theater. AbendS 8 Uhr: Rauchen gestattet. llie Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schwitz. Ml-Ko bei Kroll früher Neues Kgl. Operntheater. Lichtspiele in wirklichen Naturfarben (Klnemabolor). Das ErSffnungsprogramm ist von der gesamten Presse glänzend besprochen Täglich von 4— 11 Uhr. Folies Caprice. Täglich«'/. Uhr: Die Baifon-öchlager Der Polizeihund. as Broadway-Girl. ßeichsitallen-Theater. Stettiner Sänger Zum S Eine Hochzeit in der Mnllerftrafte. Burlesk« von Meysel. Ansang: Wochentags 8 Uhr. 7 Uhr. Ab 8 Uhr (Sin sensationeller(Srfofg des gr. komischen Programms. Gavj Kerlin spricht von «sKUuL Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. DaS glänzende Rprilprogramm mit Orete tZnllnu. Allabendlich Lachstürme k Der Possenschlager Die lustige Ztrohuiiwe. mim. Ein Mädchenschicksal mit isla Nielsen in der Hauptrolle. Außerdem: Die Experimente des Gedankenlesers Jose de Labere auf der Fahrt Berlin-Grünau. Kinematographisohe Original- Aufnahme usw. usw. SchluS der Saison am 24. April. Zirkus Busch Heute Mittwoch, abends?>/, Uhr; Extra- Oalavorstellnng. Neu! The Avolos! Neu! gr, gymn. Neuheit an 6 Bam- busstangen. MD?- 1 sv a n o f f(Looping the Loop am schwing. Trapez). Jack Joyce, der ber. amerik. Cowboy. Amateur-Konkurrenz-Reiten! 50 M Belohnung, wer stehend auf dem Pferd« dreimal um die Manege reitet. Anmeldung im Bureau. Um 9'/, Uhr:„Die Hexe". Vorher das groBe Galaprogramm. Gastspiel Gertrude Barrison Karl flollitzer Das Geisterfenster und das große 1 April-Programm mit fO neuen Attraktionen! Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der Ehemann am Fenster. Hieraus: Ein angebrochener Abend. Brauerei Friedrichshain am Künigstor. Heute: Operetten- nnd Walcer- Abend I Johann Strauß ans Wien.! | Morgen Donnerstag: Johann StranB, Walzer-Abend. Anfang S'l, Uhr. Entroe SO, reservieii 76 Pf. Clou" Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 83 Zimmerstr. 90/91, Hente: Gr. Konzert. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze 58 Mittmoch, den 17. April 1912: Kater Lampe. Komödie in 4 Affen v. E. Rosenow. Freitag, 19. April: Dasselbe. Sonntag, 21. April, nachm 3 Uhr: Schlaft am Meer. Abends 7 Uhr: Kater Lampe. Mnsikc. d. 2. Grde.-Drag.-Begts. Dirig. Oberm. Peschke. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. 9V An allen Wochentagen nachmittags: MW Großes Promenaden-lionzept bei fpeiem Eintritt. Hente: Mahlin atin- Orchester. bei verstärktem Orchester" Hackepeter, Große Frankfurter Str. 106. Jeden I Hlttwoch: Initt ins WMMM Wunsch-Konzert' 1 Kammer-Liebtspiele Potsdamer Platz. Das hoch- iniepessante Ppogpamm! Graf Wolff Metternich mit seiner Gattin Zirkus A. Schumann Heute Mittwoch, den 17. April, abends 71/, Uhr; Gr. Extra- Vorstellung. Aea: Wen! Gastspiel der DoneKosaken mit ihren Origfnal- Steppenpferden. Um 9'/, Uhr das mit so großem Beifall aufgenommene Ausstattungsstück Das Motorpferd im neuesten Lustspiel Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarft- u. A: exanderstrahr D.aaSrrwählte Riesrnprogramm Unter anderem: Die heiratslustige Miwe. Große Posse mit Gesang in 1 All. Adtniralspalast am Bahnhof Priodriohstraße. Eis-Arena. AUabendl. d. sensat. EisbaUett „Yvonne". Die kLWalz.-Königin Charlotte. Weltmstr. Bror Meyer. Nachm.: Kunstlauf-Produktionen. Bis 6 Uhr und von 10'/, Uhr abends halbe Kassenpreise. Rostanrant 1. Ranges. Wein- und Bier-Abteilung. KM» Schluß diesjähriger Spiefsaison: Montag, 29. April bis dahin täglich: » Nie man � UiSnner bessert 2 Ültte von Anton u. Donat Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrolle». Hierzu die Novität: Der üansteufel. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus 11—2(Theaterkasse) arrasanll ÄMällM illee. Telephon: Nord 4100 i Hittwocb. 17. April:| 2 Gala*orstellungen 2 3 Uhr 7'!, Uhr Nachmittags zahlen Kinder anf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf an d. Cirous- kasse nnd an sämtUefaeu | Billettverkaufsstellen von| A. Weriheim Infolge andauernden Masaecan dränge« ist die Saison ois Senntag, LI. April, verlängert. Germania-Prachtsäle N., Chausseestr. 1 10. Cari Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige länger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem Preltans. — BorzugSkarten gelten.— l rwmm mmmmmmmmwmmmmmm.> gut de» Inhal« der Jnlerare übernimmt die Redaktion dem Pnblik«» gegenüber letnerlei Verantwortung. tz. Dswinx 4. Kl. 226. Kgl Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. April 1(11 vormittags, An« Jed« gnosea« ttoamier sind swsl fleleh hohe«•- vtBB«(efallea, und swar Je elaei auf die Lose glsloher.Sommer In den beiden Abtellsag« I and 11 gs'ur die Oewinne Uber 19« Mark sind den betreuenden Nummern In Klammern beigefugt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 47 308[400] 784 1873 94 2068 369 446 47 592 733 8164 634 68 810 994 4024 251 396 410 66[10001 636 £0X4 71 88 129 407 663 883 83 3037 49 222 41[400] B38 60 437 680 908 7X99 3X3 63 433 47 889 966 8 2X5 19 49 89 309 53(400] 8X2 28 90X8 66X 83 8X4 29 8X9 i 10283 430 64 9X 678 835 38 978 11090 X86 268 Uea 63X 669[400] 702 1X000] 120X3 64 XXO 88 368 Uoo 683 733 958 14097 X33 466 547 643 864[600] 65 (15030[4001 183 240 49 326 663 835 18X89 6X7 24 (862 035 17024 68[400] 240 703 68 870 18220 85 354 »69 658 826 943 19320 67 662 95 626 976 V 2O203 64 684 2 1263 67 69 3X4 403 41 224X2 621 •26 51 23401 18 24[400] 666 769 2 4275 460 763 25469 669 784 932 2 8390 762 800 2 7274 539 68 687 738 66[400] 77|1000) 28X11 361 62 410 88 643 646 ,72 29068 255 361 463 653 809 30349[400] 63 631 31026 141 491 620 602 62 9X7 1400] 40 3 2437 641 680 3 3364 79 582 718 34169 95 28X 82 367 429 68 60 618 883 3S06X 87 301 10 489 817 34 73 641 804 941 36118 211 21 543[400] 669 88 «55 3 7 038 137 466 539 41 748 71 917 43 64 38003 31 432 ,500) 42 591 727 93 911[400] 39006 9 178 389 «50 63 743 886 40085 200 602 71 876 41409 940 4 2002 66 152 •48 860 üsü 43123 372 414 671 737 829 4 4796 808 34 45220 701.6 844 924 43 4 8690 789 932 4 7371 642 «43 802[406] 65 4 8819[1000] 48357 407 5O205 14 49 362 624 51210 22 661 746 99 826 52079 174 234 68 300 530 693 902 5 3644 760 907 5 400 9 199 298 814 5 5078 313 96 471 631 1600] 58169 401 88 687 755 5 7077 699 963 58164 5 9028 73 419 877(400] 729 801 97 60245 75 460[400] 81062 353 631 763 996 62178 313[400] 663 6 3040 102 479 787 6 4004[400] 17 221 38 700 824 74 961 65311 68049 137 82 241 304 60 «73 858 933 67132 378 475 664 774 88 1400) 963 68062 128 240 635 6 9253[400] 768 70025 401 63 764 71070 305 67 662 626 730 72000 145 430 883 920 7 3007 118 849 7 4296 461 83 6S7 854 75136 68 202 67 564 76120 324 543 673 723 968 7 7023 104 741 45 7 8022 150 428 38 04/ 3ö40 7» 647 736[500] 98 851 86041 696 705 861 86 88[400] 81029 48 129 48 848 461 641 82379[400] 83313 27 706 926 84126 98 «3 722 8 5036 209 20 32 323 716 64»400) 914 86113 88191 876 638 634 41 94 TIS 637 88133 78 4M 371 [400] 748 63 807 90162 460[500] 663 949 91010 04 383 388 801 82211 666[400] 777 840 9 3676 867 78 944 94107 646 74 728 911 36 9 5261 430 602 777 9 8456 634 783 811 968[400] 98332 633 81 99082 284 309 624 656 833 929 100039 68 142 347 619 71 638 1 01019 287 321 923 84 1 02460 1400] 857 103131 56 88 413 859 104157 451 63 628 724 891 961 81 105063 265 334 844 63 707 830[400] 100131 634 87 766 76 1 07112 247 69 339 416 606 611 90 886[600] 188263 91 404 44 62 669 1 08067 668 729 73 11O002 171 230 489 699 012 84 97 111MT 71 483 660 767 112163 113007 142 633»13 41 938 114107 273 371 626 115091 281 423 67 13000] 69 605 746 68 907 110646 786 1400] 117113 567 404 698 616 869[3000] 118069 87 404 636 47 618 68 808 920 118044 49 11000) 198 678 901 25 120215 368 73 410 626 734 804[400] 87 121014 62[1000] 162 278 315 437 62 608 670[400] 608 38 122191 698 722 884 959 79 123648 833 935 124206 33 611 713 1 25043 127[500] 242 1 28202 66 949[400] 127214 429 784 1 28029 79 224-605 607 69 962 128096 149 446 793 130003 187 92 268 68 812 66 1 31164 655 801 112047 78 100 280 363 64 533 636 81 133186 267 34 490 603 841 934 1 34131 694 656 1 35092 664 83 86 666 1 38149 888 422 992 137008 47 407 16 536 931 138029 411 682 86 602 826[400] 138293 322 663 860 82 937 86 140122 30[400] 45 887 1 4 1 049 281[600] 314 [400] 28 603 13 829 142188 288 381 444 082 001 143191 226 436 649 144006 32 163 469 686 961 145062 212 324 512 48 656 146028 31 135 484 608 722[400] 147205 419 644 71 656 783 148077 222 980 149494 857 91 918 150103 277 668 667 756 86 964[400] 151614 97 972 152297 008 21 850 04 153212 463 900 86 154144 367 503 87 904 1 55327 672 651 740 1 56258 351 75 604 682 970[400] 157696 601 99 788 1 58512 61 626 67 732 619 830 158036 286 352 662 741 82 912 33 160179 248[600] 77 451 774 968 1 81158 82 620 790 1 62053 65 160 322 1 83222 601 843 �64728 879 065 165148 203 1600] 14 22 922 166469 167153 471 608 976 188407 800 1 88192 213 624 768 885 939 ___ 170439 769 1 7 1 274 339[56001 662 771 930 172017 148 67 424 565 92 075 911 173113 604[400] 703 1 74008 480 063 763 816 1 7 5032[400] 73[400] 273 644 640 88 881 978 176308 479 731 859 70[500] 177094 501 83 697 989 1 78013 28 131 292 364 999 179196 690 180066 694 802 181048 232 33 65 332 439 618 663 1 82448 606 41 62 660[400] 865 1 83691 776 913 89 1 84171 257 76 375 87 733 851 65 943 1 85329 445 646 83[500] 710 1 88066 73 298 324 591 721 187044 84 241 51 SOS 26 96 908 188170 301[600] 468 601 601 188161 818 473 698 681 870 f. ZIehang 4. KL 226. Kgl. Preuss. Lotterie. Uebang vom 15. April KU nachmittag». An» Jede««••(••• hamaur sind swsl gl«leb hon« wlane gel allem snd swar Js«law aat dls Lose idetehsr.lommsr In den beiden Ahtellsnrew I nnd II Nnr die Gewinne Uber ist Mark elnd den betreBenden Nummern tn Klammern beigefügt (Ohne Gewähr.)(Naehdruek verboten.) 293 673 1 003 74 294 704 38 2053 107 34 246 >74 663 846 8070 126 87 410 66 787 4038 145 313 636 8143 249 64 966[460] 96(4001 6076 605 861 803 33 7148 386 434 541[400] 817 fSOOO] 909 8176 232 370 451[600] SOS 60 716»3 8209 618 619 68 10421 77 716 821 921 74 11106 297 429 95 697 757 65 12238 604 701 08 13100 317 489 607 15 764 «26 972 1 4004 75 369 68 436 97 674 851 977 1 8074 231 481 620 90 982 18062 139 258 409 682 698(400] 746 884 916 1 7316 638[400] 604[16 000] 81 18043 103 981 19343 97 540 940 90 20982 820[400] 21141 938 2 2050 390 458 603 98 686 88 23116[600] 383 471 648 648 74 784 89 835 48 916 24127 88 316 801 25096 203 90 659 701 804 962 2 0446 722 76 2 7203 694 625 792 863 964 2 8323 81 667 700 807 913 2 9010 434 627 90 762 30293 744 940 3 1 089 447 62 666 604 910 3 2322 870 904 3 3034 438 647 843 8 4029 112 93 747[1000] 818 844 Ol 35 006 348 606 696 713 26 683 025 87 74[1000] 39091 131 249 621 600 707 3 7001 94 176 79 299 479 671 930 3 8087 178 428 679 749 39177 499 696 604 40299 393 690 761 41 498 708[400] 844 963 [600] 42036 322 739 930 43145 273 81 426 64 69 76 693 96 709 977 44173 401 772[400] 74 900 45173 260[400] 331 46211 83 636 705 964 94 47103 67[400] 319 620 748 908 4 9378 500 814 4 9099 551 797 837 8O081 607 51010 186 313 462[400] 670 736 [40 000] 52007 94 163 231 329 858 53168 54133 743 71 91 938 55111 643 723 71 802 56219 723 903 97011 26 42 391[1000] 630[400] 56 5 8459 626 025 59106 235 868 697 766 68 981 60099 177 484 723 988 6 1905 86 6 2330 498 63412 83[400] 549 638 39 818 033 6 4038 121 368 78 662 83[600V] 770 823 60054 254 08 442 62 69 650 99 728 866 912 63 66174 206 4P3 79 932 48 87 67 247 95 98 711 805 914 6 8049 138 72[1000] 75 623 760 399 963 6 9078[400] 151 610 36 70501 11 7 2244 513 853 7 8093 397 688 789 f400] 940 98 74142 329 659 747 377 7 5147 378 469 883 7 8041 75 568[600] 912 77030 396 704 78145 269 367 468 941 79173 262 658 947 80066[400] 267 442 53 646 661 994 8 1 067 96 144 309 45 712 92 837 936 82037 219 363 658 754 83269 697 837 924 8 4092 693 807' 85166 89 929 88111 83 468 567 962 87338 733£ 8172 79 355 456 1400J 698 SSI 991 89006 24 36 107 316«04 672 631 80003 342«66 696 72««»6 97» 011«»61«6 ««6 77 666 726 626 9 2021 394 612 644 9 8044[6001 136 244 323 404 611 60 666 636[400] 94064 19S 218 403 622 626 9 532? 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D»eck»•HerUa Bormdrr» iMx ße» nderei u C-rieioaunstctt Hnni S'noe: a Eo..'Berlin SW. »!» 3. te Jormiittü" Ittlinft Joltelil»!!. partci- Hngelegenbeiten. Tcmpelhof. Heute, Mittwoch: Zahlabend in den Bezirks- lokalen. Der Vorstand. Eichwalde. Donnerstag, abends von 1% Uhr an, wichtige Flugblattverbrcitung von Wittes„Waldschlößchen" aus. Die Bezirksleitung. Biesdorf. Mittwoch, den 17. April, abends SV, Uhr: Zahl- cchend bei Friedrich Haack, Marzahner Str. Die Bezirksleitung. KerUner JVacbrlchtcii. Sonnenfinsternis. Und die Sonne verfinsterte sich..» heißt es in der Bibel. Moderne Gelehrte, die nicht an biblischen Ueber- lieferungen kleben und die freie Forschung der Wissenschaft gelten lassen, haben nachgerechnet, daß zur selben Zeit, als sich das Drama des Christusmärchens zum Höhepunkt ent- wickelt haben soll, auf der Erde eine Sonnenfinsternis ein- getreten sein muß. Aber auch schon die Schriftgelehrten des Altertums und die Mönche des Mittelalters waren grundgescheite Leute. Es ist also gar nicht so unmöglich, sogar sehr wahrscheinlich, daß die ersten Schrittmacher der katholischenKirche die Entwickelung der Christussage, deren Kern ja bekanntlich schon längst vor der neuen Zeitrechnung beim ältesten Judentum zu finden ist, absichtlich in die Periode einer Sonnenfinsternis verlegt haben, um das llebersinnliche des Märchens der gläubigen Welt mundgerechter zu machen. Heute, wo ja die Leichtgläubigkeit auch noch von Millionen in Erbpacht genommen ist, sind wenigstens solche Fälschungen nicht mehr gangbar. Man weiß genau, wie eine Sonnenfinsternis entsteht, und kennt auf lange Zeit im voraus auf die Minute mit unfehlbarer Sicherheit den Zeitpunkt ihres Eintritts. Am 17. April mittags, für Berlin zwischen 12 Uhr 8 Minuten und 1 Uhr 20 Minuten, wird unsere Zone seit längerer Zeit wieder einmal dieses hochinteressante Schau- spiel erleben, daß der Mond sich zwischen Erde und Sonne schiebt, mithin die Scheibe des unserer Erde Licht spendenden Planeten für das Auge der Erdenbewohner verdeckt wird. Freilich gestaltet sich das Naturphänomen nicht zu einer totalen Verfinsterung, also zu einer vollständigen Bedeckung der Sonnen- scheide, sondern wir bekommen, wenn die Witternng über- Haupt den Anblick der Sonne zuläßt, nur eine sogenannte ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen, bei der ein schmaler Rand am Tagesgestirn vom Mondschattcn freibleibt. Die letzte Sonnenfinsternis, die in unserer Zone unter normalen Witterungsverhältnissen sichtbar gewesen wäre, trat im August 1887 ein. Schon in den frühen Morgenstunden war halb Berlin aus den Beinen. Auf den Anhöhen dicht an der Weichbild- grenze und auf den Dächern wimmelte es von Menschen, genau wie zur Zeit der Zeppelin-Begeisterung. Tagelang vorher hatte ein lebhafter Straßenhandel mit geschwärzten Glassfitckchen. durch die man ungefährdet in die scharfe Sonne sehen kann, eingesetzt. Und als der erwartete Tag anbrach, war nichts zu sehen, da die Sonne von den Wolken dicht bedeckt war, und Tausende waren um das Naturschauspiel gebracht. Aber die Situation wird trotzdem allen Beobachtern unvergeßlich bleiben. Kurz vor deni Eintritt der Totalität im August 1887, die immer nur wenige Minuten andauert, entstand eine beängstigende, alle Sinne erschauernde, unheimliche Ruhe in der Nawr. Die Vögel flogen ttef am Boden, suchten nach Ver- stecken. Die Temperatur sank rapide um mehrere Grade, das Firmament nahm ruckweise eine blauschwarze Färbung an, deutlich traten die Sterne hervor, am Horizont tauchte eine dunkelrote Lichtwelle auf. Es war auch ohne den vollen Effekt der Finsternis, der rings um die verdunkelte Sonne ein breites Flammenbündel gezeigt hatte, ein zauberhaft schönes Bild. Ist also der Himmel einigermaßen wolkenfrei, so wird sich diesmal die Sonnenfinsternis noch eindrucksvoller als vor einem Vierteljahrhundert gestalten. Die Klasscubesetzung der Gemeindeschulen Berlins ist von der Schuldepniation mit Beginn dieses Sommerhalbjahres so geregelt worden, daß künftig die höchste Besetznngsziffer für die Klassen Vlll, VII, VI, V nickt über 55 und in den Klassen lV. HI. IX I nicht über 50 sein soll. Bis zum Winterhalbjahr 1009/10 halte die Vorschrift gegolten, daß die höchste Besetzungsziffer in den Klassen I. II. III. IV nickt über 50, in V nicht über 55. in VI. VII. VIII nickt über 60 sein sollte. Nachdem dann für die drei untersten Klasse» eine Verringerung der Besetzungsziffcrn als notwendig erkannt worden war, wurde zunächst im Sommerhalbjahr 1910 die Höchst- besetzuug für Klasse VIII mit 55 bestimmt, worauf dieselbe Er- Mäßigung für Klasse VII im Sommerhalbjahr 1911 folgen mußte und jetzt für Klosse VI im Somnicrhalbjahr 1912 folgen muß. Hier- mit ist jener Plan zur Durchführung gelangt, und die Ge« meindesckulverivaltung kann nun wieder eine Weile auf ihren Lorbeeren ausruhen. Daß sie einst- weilen wieder mal genug getan zu haben meint, ergibt sich aus dem letztgenannten Jahresbericht der Schnldeputation, der das Schuljahr 1910/11 behandelte. Zu der Ankündigung, daß die Er- Mäßigung auf 55 schließlich auch der Klasse VI zuteil werden müsse, wird' dort der Zusatz gemacht:„Eine weitere Herab« setzung der Besetzung ist vorderhand nicht in Aussicht g e n o m m e n." Da find wir neugierig, wie lange es nun wieder bei 55 bleiben wird. Uebrigenö hat die ermäßigte Ziffer 55 für manche Klassen nur auf dem Papier gestanden. Auch na» Einführung dieser Ermäßigung ist eS immer wieder noch vor- gekommen, daß in manchen achten und siebenten Klassen die Be- setzung tatsächlich über 55 blieb. Man darf leider erwarten, daß es den sechsten Klassen bis aus weitere» ebenso gehen wird. Die Schulverwaltung versichert, das lasse sich nicht immer vermeiden. Mindestens tür die ackten Klaffen bot sie dieie Ueberichreitungen der Besetznngsziffer 55 selber verichuldct, indem sie schon iin Herbst l9lO nackträglick anordnete, daß flsr Aufiiahmeklasieit wieder die sri�ere Besetzungsziffer 60 zugelassen werden soll». Sie begründete das da- mit, daß erfahrungsgemäß ans jeder Aufnahmeklaffe etwa 5 Schuler noch von den Schulärzten zurückgestellt würden. Diese Erfahrung trifft nur nicht immer zu. Daraus erklärt es sich dann, daß z. B. im Winterhalbjahr 1911/12 wieder in einer recht erheb» lichen Zahl achter Klassen die Besetzung bis zu 57. 58, 59. ja in einem Fall noch bis zur volleo LO hinaufging. Wir wollen abwarten, zu welchen Höchstzifforw l9*r- diesem Sommerhalbjahr kommen wird, wenn erst die an jedenvHlib« jahresanfang üblichen, den Kindern aufgezwungenen Umschulungen beendet sein werden.__" 7' In Ertvartung der Baumblüte. Das Obststädtchen WerDmß» at» der blauen Havel rüstet sich zu seiner Hochsaison und überaA IUWW man die Erwartung des Blütcnzaubers. Die langaestreckte�Ickr Berg zu Tal reichenden Plantagen sind von den ObstzüchMMMl Fleiß und Sorgfalt gepflegt worden, und oun liegt es an det Nowr.; den zähen Eifer zu lohnen. Kirschbäume und Apfelbäume mit schweren Knospenbüscheln behangen und nur des Erweckens durch wärmende Sonnenstrahlen bedarf noch die zarte Blütenhülle, dann entfallen sich die roiaroren und weißen zarten Blütenblältchen— dann ist Baumblüte in Werder. Es ist ja immer schwer, den Pro- pbeten zu spielen, aber erfahrene Männer aus den Werdericken Obstzüchterständen wissen es zu. sagen, daß bei dem günstigen Witterungsumschlag über Nacht die Blülenpracht ihre Auferstehung feiern kann. Alle Kreise der Stadt Werder, die alljährlich gewohnt waren, für die Blütezeit den Ausflüglcrstrom aus Berlin und den Vororten nach dem hübschen Höhenstädlchen zu leiten, sind jetzt eifrig bei der Arbeit und treffen die Vorbereitungen, um den Blütenbefuchern eine angenehme Aufnahme zu sichern. Der nächste Sonntag kann schon eine zarte, duftige„Schneedecke" über die luftigen Bergböhen gebreitet haben und darum ist die Sorge nicht verfrüht. Natürlich wird auch diesmal, entgegen den Befürchtungen ängstlicher Gemüter, die Blütenzeil nicht ihres besonderen Zaubers entbehren. Der rauhe Winter hat immer noch genug Schonung gezeigt und an den Plantagen mit ihren weiläiligen Bäume» hat er nichts verdorben. Etwas hart ist in der Jnselstadt die Aprikosen- blüte mitgenommen worden, das tut aber dem Reiz der anderen Frühlingslinder keinen Abbruch. Wenn die Mutmaßungen nicht täuschen, wird diesmal sogar Werder auf eine lange Blülenperiode rechnen können. Dem Zwcckverband beabsichtigt die Gemeinde Reinickendorf einen Antrag auf Errichtung einer Walderholungsstätte in Schloß Schön- holz zu unterbreiten. Das Schloß Schönholz, das ein Bergnügungs- etablisiement ist und der Berliner Schützengilde gehört, wird dem Zweckverband zum Ankauf empfohlen, um dort iür die nördlichen Vororte, insbesondere für Neinickendorf. Nosentbal, Niederschöuhausen und Pankow eine Freifläche und einen öffentlichen Park zu schaffen. Die drei letztgenannten Gemeinden sind von Reinickendorf ersucht worden, den Antrag zu unterstützen. Nieder« schönhausen, das gegenwärtig in Eingemeindungsverhandlungen mit der Kolonie Schönholz steht, die dem Abschlüsse nahe find, hat ein starkes Interesse an dieser Neugestaltung der Dinge. Sollte dort eine Walderholungsstätte geschaffen werden, so würden die Ein- gemeindungsverhandlungen wahrscheinlich eine Unterbrechung er- fahren. Der VerbandSauSschuß des ZweckverbandeS wird am Mittwoch. 24. April, vormittags Vz12 Uhr, zu einer Sitzung im Magistratssttzungsiaale de« Berliner Rathauses zusammentreten. Aus der Tagesordnung stehen eine große Anzahl wichtiger Punkte, die zum Teil bereits lcbbaft in der Oeffenllichkeit besprochen sind. So wird zunächst die Anstellung eines Städtebauers den Aus- schuß beschäftigen. Landrat v. Achenbach und Oberbürgermeister Dominicus werden zu den vorliegenden verschiedenen Anträgen Be- richte erstatten. Wie verlautet, dürfte jetzt die Anstellung eines Städtebauers auf geringeren Widerstand stoßen. Oberbürger- meister Kirsckner lvird über die Erwerbung von Frei- flächen und die dazu notwendigen Verhandlungen mit dem Staat referieren. Die Geschäftsordnung der Zweckverbands- Versammlung wird im Entwurf von den Herren Bürgermeister Matling-Cbarlottenburg und Stadlverordnetenvorsteher Michelet- Berlin vorgelegt werden. Nicht weniger als acht Anträge und Peritionen sind beim Verband eingegangen, so die bereits bekannte Petition der Gemeinde Zehlendorf um Erwerbung und Erhaltung des Schlachtensees und der Krummen Lanke; ferner drei Anträge von Tegel, die sich mit dem Wohnen der Beamten beschäftigen; die Erhaltung des Waldstreifens zwischen Bahnhof Grünau und Teltow- kanal wird vom HauS- und Grundbesitzervercin Falkenberg-Alt- Glienicke beantragt: der Bezirksverein Halensee wünscht eine Schnellbahnverbindung nach dem Zentrum von Berlin, die Hand- werlskammer die Schaffung einer ZentralauSkunfsstelle für daS Ein- wohnermeldewesen._ Waldvernichtung durch die Stadt Berlin. Während bisher der Fiskus sich besonders durch seine Wald- Verwüstung einen Namen gemacht hat und der Zweckverband Groß- Berlin ins Leben gerufen wurde zur Erwerbung eines Wald- und Wiesengürtels um Groß-Berlin, müssen wir heule von einer Wald- Verwüstung berichten, die die Stadt Berlin treiben soll. Berlin be- sitzt in Buch einen prachtvollen Waldbestand. Dieser Wald ist seit 14 Jahren, so lange die Stadt Berlin Besitzerin ist, nach und nach erheblich verkleinert worden. Jetzt weiß„Die Mark", Organ für Touristik und Heimatkunde der Mark Brandenburg, die Meldung zu machen, daß Berlin dabei ist, den schönsten Teil des Bucher Walde» niederzuholzen. Das Blatt schreibt: „Nachdem der schöne zum Forsthaus führende GraSweg und zahlreiche Waldbäume der neuen Chaussee nach Schönerlinde zum Opfer gefallen find, nachdem für alle möglichen Feldbahngleise, Grabenregulierungen usw. Abholzungcn stattfanden und ein nicht unbeträchtlicher Teil des Waldes für Anstaltszwecke gesperrt worden ist. nachdem man auch allenthalben zwecks Nutzholzgewinnung den Forst schon seit Jahren gelichtet hat, ist man jetzt daran gegangen, jenes in seiner Eigenart dem Naturfreund besonders wertvolle Waldgebiet niederzulegen. Dort, wo ehe- mals des Wäldes innigster Zauber sich entfaltete, wo millionenfach unsere so nützlichen heimischen Singvögel, die fleißigsten Bertilgcr der Schädlinge unseres Walde?, ungestört ihre Nester bauen konnten, und wo auch in den heißesten Sommertagen erquickende Kühlung dem Wanderer ward.— dort klingt jetzt von früh bis spät die Axt. über Hunderte, ja Tausende von frischen Wurzelstümpfen schweift das Auge, das hier das stille Weben des Frühlings beobachten wollte. Aus dem Multerschoß der Erde steigen, wie seit ewigen Jahren, die Säfte wieder empor in jede Pflanze, in jeden Baum, hier aber an den Schnittflächen der Wurzelstubben findet der Saft die Lebensader zerrissen, er tritt an die Oberfläche und verblutet sich. Und klagt jene an, die hier unbarmherzig die Verwüstung anbefahlen. Er wird als Zeuge auch auftreten gegen jene, die behaupten werden, der Wald war krank, und eS war eine Notwendigkeit, ihn zu fällen. Immer weiter greift die Vernichtung um sich. Jetzt ist etwa der vierte Teil des umfangreichen Erlenbruchs ab- geholzt, aber noch ist kein Ende der Arbeiten abzusehen. Es scheint, als ob man den ganzen Laubholzbeftand hier entfernen will. Aber nicht genug damit! Man hat auch die Axt an die Pracht- exemplare gigantischer Tannen, dieser so seltenen Bäume unserer Mark gelegt, um Nutzholz zu gewinnen. Kreuz und quer liegen die rotbraunen Stämme am Boden, und jene merk- würdige Eichenruine, bisher in geheimnisvollem Tannendunkel des Waldes verborgen, ist ihres Slimmimgszaubers entkleidet, beraubt. Grell fällt der FrllhlingSfonne Schein auf den knorrigen Stamm und seine entstellte Umgebung; und auf die paar Buchen, die man vor- läufig hier noch stehen ließ. Die Erlen in dem stimmungsvoll- düsteren G-wässer bat man bereits im Vorjahre abgeholzt. Man muß hier zu der Ueberzeugung gelangen, daß der gesamte Wald der Vernichtung preisgegeben ist, trotz küminerlicher Aufforstungen und Anschonung neuer Bäumchcn durch die Stadt. Und wie ein Hohn ans alle Vernunft müffen angesichts dieser Waldschlächterei die mehr- fach im Walde und auch nahe der Abholzungsstelle beim Forsthause angebrachten Tafeln wirken: „Der Wold wird dem Schutze der Besucher empfohlen.' Warum wird der Bucker Wald derart vernichtet? Wir Nawr- freunde haben als steuerzahlende Bürger Berlins ein Recht. Antwort auf diese Frage zu verlangen. Also warum dieses Abschlachten städtischer Waldungen? Etwa um Torfstiche anzulegen, Wiesenland nutzbar zu machen oder Baugrund zu gewinnen? ES wäre doch ein jämmerliches Armutszeugnis unserer Stadt, wenn nur aus den beiden ersten Gründen die Abhotzungen vor sich gehen würden. [nnb der dritte Grund ist hinfällig; denn nie wird dieser �Moorboden Bauland werden können. Unberechenbar aber ist der ideelle Schaden, der hier erwächst. Nicht nur. daß die Vogelwelt 'hier für immer vertrieben ist und die Raupenplage bald überhand nehmen wird, auch der unangenehme Dust der Rieselfelder wird sich bald bis zu den Bucher Erholungsanstalten und WohlfahrtSstätten bemerkbar machen und die Luft verpesten. Schwer geichädigt wird dadurch die aufblühende Villenkolonie Buch, desgleichen Dorf Buch. Und mit ihm verliert auch der schöne Schloßpark seine Bedeutung für den Ausflugsverkehr. Hat die Stadt Berlin ein Recht zu solcher Entwertung eigenen und fremden Besitzes? Im Interesse der Berliner Bürgerschaft müffen wir fordern, daß die Waldverwüstungen eingestellt und die noch vorhandenen Waldbcstände geschont werden." Der Magistrat wird genötigt sein, öffentlich sich auf diese Fragen zu äußern._ Grausame Scherze. Scherze und Neckereien harmloser Art. wenn sie mrt« guten Bekannten gepflogen werden, sind Dinge, gegen die nichts euizu- wenden ist. so lange sie, wie gesagt, nicht die erlaubten Grenzen überschreiten. Enthalten sie obendrein noch Witz und Humor, so können sie zur Erheiterung angenehmer Stunden wesentlich bei- tragen. Aber Witz und Humor sind eben Eigenschaften, welche die Natur sehr ungleich verteilt hat und manch einer hat dabei gar nichts abbekommen. Das ist zu bedauern. schon im Interesse des Betreffenden selbst, aber zu ändern ist eS nicht und man muß sich dabei bescheiden. Es gibt aber auch Leute, die sich diese Selbstbcscheidung nicht auferlegen können und gcwalt- sam„witzig" und„humoristisch" sein wollen. Diese Sorte Menschen ist am Biertisch oder sonst in Gesellschaft zwar schwer zu erwägen, aber so lange sie bloß lästig fällt, geht es noch. Schlimmer wird die Sache schon, wenn diese Menschen ihre salz- und schmalzlosen Witze zum Schaden anderer produzieren,— dann werden sie ge- fährlich. Wir könnten über viele Fälle berichten, wo solche Witzereißer sich zum Schaden anderer und zwar der Acrnisten, der Arbeit- suchenden, betätigen. Da begeht irgend ein Bekannter sein Geburtstags- oder Hoch- zeitsfest u. dergleichen. Die beste Gelegenheit für den Witzbold, sein bißchen Gehirnschmalz in Anwendung zu bringen. Er gibt ein Zeitungsinserat auf. wie dieser Tage ein solcher Bursche im„Lokal- Anzeiger" es tat, wonach ein Hausdiener oder sonstiger Angestellter verlangt wird und als Adresse gibt er Name und Wohnung seines Bekannten an. Natürlich wird die frühe Bormittagsstunde zur Vor- stellung gewählt, um den Witz zu erhöhen und den Bekannten in unangenehmster Weise in seiner Morgenruhe zu stören. Und richtig: zur festgesetzten Zeit, meist auch schon viel früher, stellen sich in langer Reihe die Arbeitsuchenden ein. Die StellungS- losigkeit i» Berlin ist jahraus und jahrein groß, viele Hunderte armer Menschen lauern auf Beschäftigung. Sie rennen in Eile hin, um möglichst der erste zu sein, kommen oft aus entlegenen Stadt- vierteln, ja aus Vororten und opfern zwei, vier und noch mehr Groschen— vielleicht ihr letztes Geld, das sie für Brot nötiger gebraucht hätten— um dann, gleich ihren Schicksalsgenossen an£>rt und Stelle zu erfahren, daß sie einem gewissenlosen Rohling zum Opfer gefallen sind. Jawohl. Rohling I Wer so wenig Herz und Gefühl, so wenig menschliches Empfinden hat, verdient diese Bezeichnung vollauf. Würde er sich auch nur für einen Moment in die Lage eines der geprellten, in seinen Hoffnungen getäuschten Arbeitslosen versetzen, lo würde er wohl die Grausamkeit und Herzlosigkeit und nebenbei gesagt Stupidität einer solchen Handlungsweise selbst einsehen. Zwei FahrpreiSkuriosa auf der Stadtbahn werden uns berichtet. 1. Seit einiger Zeit verkehren direkte Züge zwischen Nieder- schöneweide- Johannisthal und Berlin- Potsdamer Bahnhof. Eine Fahrkarte zwischen diesen Stationen kostet für diese Züge 20 Pf. Der letzte Zug vom Potsdamer Bahnhof nach Niederschönewcide- Johannisthal fährt kurz vor 8 Uhr abends. Nach diesem Zeilpunkt kostet diese Strecke 30 Pf. und man hat außerdem die Unbequem- lichkeit des Umsteigens in Treptow. 2. Eine Arbeiter- Wochenkarte von Niederfchönewetde nach Jannowitzbrücke kostet 1,20 M. Löst man nun eine solche Karte von Niederschoneweide nach Schlesischen Bahnhof(60 Pf.) und eine zweite von dort nach Jannowitzbrücke(30 Pf.), so kostet die' ganze Strecke nur 90 Pf. Ich fahre selbst auf letztere Weise monatelang UN- beanstandet.' Ein entsetzlicher Unglücksfall, bei welchem ein Knabe den Tod fand, ein zweiter schwer verletzt wurde, hat sich gestern mittag um 12 Uhr vor dem Hause Weidenweg 60 zugetragen. Dort hatten sich die in diesem Hause wohnenden 5jährigen Knaben Viktor LawinSky und Erich Krombeck auf die herabhängenden Fäsier eines vorüberfahrenden FaßbierwagenS des Münchener Brauhauses gesetzt und fuhren ein kleines Stückchen mit. Als das Gesähtt vor dem Hause Weidenweg 60 vorüberfuhr, sprangen die beiden Kinder ab. Sie bemerkten nicht, daß von der entgegengesetzten Seit« deS an dieser Stelle ziemlich steilen Fahrdamm» ein Faßbierwagen der Firma. Gebr. Wanninger in ziemlich scharfer Fahrt herannahte. Die Kleinen versuchten über den Fahrdamm zu laufen und in diesem Augenblick rissen die Pferde des Wagens die Knaben um. Der Kutscher ver- mochte nicht mehr zu halten und so gingen Vorder- und Hinterrad über die Körper der unglücklichen Kleinen hinweg. Die Verunglückten wurden sofort nach der Unfallstation in der Warschauer Straße ge- schafft, doch verstarb Viktor Lawinsky, der einen Wirbelsäulenbruch erlitten hatte, bereits unter den Händen des ArzteS. Erich Krombeck hatte sehr schwere Verletzungen am Kopf und beiden Beinen erlitten und wurde auf Wunsch der Eltern nach deren Wohnung gebracht. Die Mehrbesetzung von Sttaßenbihnwage». Der Polizeipräsident gibt bekannt: Die Bekanntmachuna vom 9. Oktober 1907— Ild. bei Paraden, VolkSfest-n, Schau- stellungen und anderen großen öffemllchen Veranstaltungen; ck> bei größeren Leichenbegängnissen nach den in den Vororten belegenen Kirchhöfen auf denjenigen Linien, welche nach diesen Kirchhöfen führen, L. AnSonn-undFeiertagen: t. Inder Zeit von nachmittags 3 Uhr bis zum Betriebsschluß. 2. In der übrigen Zeit bei den unter A Ziffer 2. a— d erwähnten Vorkommnissen. Selbstmord eines Arbeitslosen. Am gestrigen DienZtagnach- mittag gegen 5 Uhr versuchte ein bisher unbekannt gebliebener Mann, der seiner Kleidung nach dem Handwerkerstand anzugehören scheint, seinem Leben durch Ertrinken ein Ende zu machen. In der Nähe der Technischen Hochschule stürzte er sich in den Landwehr- kanal, in dessen Fluten er versank. Ein vorübergehender junger Mann sprang in den RettungSkahn und vermochte den Unbekannten ans Land zu bringen. Der Selbstmörder wurde nach dem Kranken« Haus Westend gab rächt, ws et ig bedenklichem Zustande da« niederliegt. Vorort- Nacbricbtem Neukölln.(Rixdorf). Glänzender Sieg! Bci dcu gestrigen Stcrdtverordnetcnwahlcn Ijcit die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg erfochten, die Gegner sind kräftig aufs Haupt geschlagen. Das Resultat ist folgendes: 1. Bezirk. Die sozialdemokratischen Kandidaten erhielten 460 resp. 456 Stimmen, die Demokraten 87 resp. 86 Stimmen, die Kom- munalfortschrittler 186 resp. 180 Stimmen, die AltbürgerliäM 08 resp. 05 Stimmen. Gewählt sind die sozialdemokratischen Kandidaten Rob. Dichte und Max Alscher. 2. Bezirk. Die sozialdemokratischen Kandidaten erhielten 386 Stimmen, die Demokraten 38 Stimmen, die Kommunalfortschrittler 318 Stimme», die Altbürgcrlichen 104 Stimmen. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Kommunalfort- schrittler.' 3. Bezirk. Sozialdemokratische Kandidaten 367 Stimmen, De- mokratcn 20 Stimmen, Kommunalfortschrittler 147, Altbürgerliche 252 Stimmen. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Altbürgerlichen. 4. Bezirk. Sozialdemokratische Kandidaten 511 resp. 512 Stimmen, Demokraten 24 Stimmen, Kommunalfortschrittler 134 resp. 186 Stimmen, Altbürgerliche 37 resp. 36 Stimmen. Gewählt sind die sozialdemokratischen Kandidaten Aug. Vogel, Karl Ruhr und Gustav Zepmeisel. 5. Bezirk. Sozialdemokratischer Kandidat 727 Stimmen, De- mokraten 25, Kommunalfortschrittler 85 Stimmen. Altbürgerliche 100 Stimmen. Geioählt ist der sozialdemokratische Kandidat Dr. Fuerst. 6. Bezirk. Sozialdemokratische Kandidaten 466 Stimmen, De- mokraten 66 Stimmen, Kommunalfortschrittler 231 Stimmen, Alt- bürgerliche 107 Stimmen. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Kommunalfort- schrittler. Die Sozialdemokratie hat bis jetzt von den 11 Mandaten der 2. Abteilung in 3 Bezirken 6 Mandate beim ersten Ansturm erobert und steht in den übrigen 3 Bezirken mit 5 Kandidaten in aussichtsvoller Stichwahl. Tie sozialdemokratische Partei verfügt jetzt über 30 Mandate von 72 Stadtverordneten. Die Gegner haben in der Hauptwahl nicht ein Mandat erobert., Das ist die Quittung für den Wahlrechtsraub! Charlottenburg. Bomnährung der Mütter. Die Stadt Charlottenburg hat be- kanntlich dem Hauspflegeverein eine Summe zur Verfügung ge- stellt, aus der an unbemittelte oder wenig bemittelte Schwangere 4 Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beihilfen gewährt werden sollen, um sie für ihre Aufgabe des Selbststillens vorzubereiten. Die Beihilfe besteht meist in der Ver- abreichung eines kräftigen Mittagcssens oder in der Lieferung sonstiger Lebensmittel. Zu diesem Zwecke sind folgende Speisungs- stellen eingerichtet: Charlottenburger Ufer 16. Königsweg 54, Wilmersdorfer Stratze III, Berliner Straße 137 und Alt-Moabit 30. Meldungen werden von der Ernährungsabteilung March st r. 7k Dienstags und Freitags zwischen 10 und 11 Uhr vormittags möglichst 6 Wochen vor der erwarteten Entbindung an- genommen. Der Hauspflegevercin hat die Verpflichtung über- nommen, die von ihm gepflegten Mütter stets rechtzeitig vor dem Aufhören seiner Pflege an die nächste Säuglingsfürsorgestelle zu überweisen, damit diese in unmittelbarem Anschluß an die Tätig- teit des Hguspslegcvereins die weitere Fürsorge übernehmen kann. Schöneverg. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, die Mehrkosten für den Erweiterungsbau des Betriebsbahnhofes der Untergrundbahn zu bewilligen, da gleichzeitig wesentliche Verbesserungen damit ver- bunden sein sollen. Die Kosten belaufen sich auf etwas über 3000 Mark. Ferner wurde beschlossen, die Kunstdeputatio» um 4 Bürger- deputierte zu verstärken, da die künstlerische Ausschmückung des neuen Rathauses eine Hauptaufgabe der Deputation sein wird; gegen- wältig sind die bildenden Künstler nur durch einen Bildhauer ver- treten. Sin Dringlichkeitsantrag der Liberalen Vereinigung: Der Magistrat wird ersucht, die in den Monaten Mai und Juni statlfindende Ausstellung am Zoo für HauS- und Wohnungs- bau zu beschicken" wurde, da vom Stadtv. I a tz o w kurz begründet und vom Ober- bi'irgermcister Dominikus erklärt, daß der Magistrat einige seiner Mitglieder zu dem Kongreß delegiere, angenommen. Der öffentliche Teil der Sitzung war damit erledigt und sollte nunmehr in nichtöffentlicher Sitzung der Antrag des Magistrats um Zustimmung zum Erlaß eines OrlSstatuts über die Bedürsnisfrage bei Erteilung von Schankkonzessionen verhandelt werden. Da alle Fraktionen sich dagegen aussprachen, so wurde die Vorlage in öffent- licher Sitzung beraten. Oberbürgermeister Dominikus erklärte, der Uebelftand, daß die Zahl der Wirtschaften und ganz besonders die der Bars sich fort- gesetzt vermehre, wie cS in der Motz- und Speyerer Straße geschieht, daö Bayerische Viertel und jetzt bereits die Stadtparkgegend ebenfalls überschiveminl werde» sollen, mache es erforderlich, dagegen einzu- schreiten. Die Polizei sei nicht imstande, dem Einhalt zu gebieten. Es liege außerordentlich viel Material vor. um den Erlaß eines Orts- statuts zu rechtfertigen.— Linicus(Unabh. Frkt.) ist für Ablehnung der Vorlage, da sich keine Mißstände er- geben hätten und für die Hausbesitzer ein großer Ans- fall entstände. Selbst die Gastwirte seien nicht dafür, das beweise eine vorliegende Resolution des Verbandes der freien Gast- und Schanlwirle.— Salinger und Bamberg sLib. Frakt.j können sich nicht für das OrtSstatut erwärmen und halten einen Ausschuß für erforderlich, um über eine andere Form zu beraten. Die Gcwerbefreiheit dürfe nicht eingeschränkt werden, die freie Kon- knrrenz sei das richtige, um keine Monopole zu schaffen.— L u l a y (Liß. Vereinig.) hält die Machlbefiigniffe der Polizei für vollkommen ausreichend. Wo NnsilttichkeilSdelikle vorkommen, wisse man die Polizei schon zu finden:"n OrtSstatut sei verfehlt.— H e p n e r tkomm.-fortichr.) weist diesen einschneidenden Eingriff in die Gewerbefreiheit energisch zurück und meint, das Gastwirtsgewerbe würde nur in ganz lteinticher Weise schikaniert werden. Genosse O b st erklärt dem AuSschnßantrag zuzustimmen, um die notwendige Klarheit zu schaffen. Die Vorlage selbst sollte nur eine lleberrumpeiung sein. Der ordirnngsmäßige Weg sei nicht ein- gehalten. Der Magistrat glaubte wohl leichtes Spiel zu haben durch die plötzliche Eiubringung der Vorlage. Die Gastwirte feien durch die Finanzresorm schon auf da? äußerste belastet und nun wolle man deren Exsstenz noch mehr gefährden. Nicht auf die Durch- führung der Gewerbeordnung komme es an, sondern unr der Polizei, die schon init großer Macht ausgerüstet ist, erneut eine Gefälligkeit zu erweisen. In Wilmersdorf besteht ein derartiges OrtSstatut und da ist der Polizeipräsident lebhafr bestrebt, etwnS gleiches auch für Schöneberg zu schaffen. Für die Bequemlichkeit der Behörden mag eS gut sein, aber für die davon Betroffenen bedeutet eZ eine große Last. Die Resolution, die eingebracht wurde, sei von ehrenhaften Männern an- genommen worden/ die wohl ans große Erfahrungen im Gastwirts- gewerbe zurückblicken können und die ihr Fach verstehen. Diese Art Miltelsiandsfreundlichkeit des liberalen Magistrats müsse energisch znrückgewiese» werden, da einesteils Existenzen vernichtet werden und andernteils solche nicht aufkommen sollen. In den Ausschuß wurden die Genossen Mobs, Obst und Küter delegiert. Damit wurde die Sitzung geschlossen. Weistensee. Am Donnerstag, den 18. April, nachmittag? von 5—7 Uhr, finden in Heinersdors Neuwahlen zur Gemeindevertretung statt. Kandidat der Sozialdemokratie für die dritte Abteilung ist der Fabrikarbeiter Karl Schmidt. Die Genossen Berlin? und der Vororte, die mit Heinersdorfer Wählern zusammenarbeiten, bitten wir, ihre Arbeitskollegen auf die Wichtigkeit dieser Wahl aufmerksam zu machen, und sie zur Teilnahme an derselben zu veranlassen. Am heutigen Mittwoch, den 17. April, findet noch eine Flugblattverbreitung statt, an der auch die Genossen aus Weißensee teilnehmen müssen. Treffpunkt abends 7 Uhr bei Radd atz, TininSstr. 60. Der Vorstand. Bohnsdorf. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstatteten die Genossen Kreksch und Päblow Bericht von der Verbandsgeneral- Versammlung. Beide Redner verurieilien scharf das Stichwahl- abkommen des Parteivorstandes. Ferner hoben sie hervor, daß die Frage betreffs der BeitragSleistung zum Bezirks- Maifonds in dem zur Annahme gelangten Vorichlag, daß arbeilende männliche Mitglieder 1 M. und arbeitende weibliche Mitglieder 50 Pf. zahlen sollen, eine befriedigende Lösung gefunden habe. Zur Aufnahme in den Wahlverein meldeten sich sieben neue Mitglieder, von Berlin bezw. Neukölln wurden 37 Mitglieder über- wiesen. Hieraus berichtete Genosie Schiffte ans der letzten Gemeinde» veriretersitzung. Sein Antrag, die schon von früheren Verhandlungen bestehende Kommiifion zu beauftragen, mit dem Magistrat von Köpenick zwecks Weilerführung der Straßenbahnlinie Köpenick- Grünau— Bohnsdorf Verhandlungen anzubahnen, sei angenommen worden. Seine Begründung habe dieser Antrag in der schnellen Entwlckelnng der Arbeiterbaugenoffenschaft Paradies gesunden. Die seinerzeit ausgearbeitete neue Friedhossordnung sei zur nochmaligen Prüfung der Friedhofskommission überwiesen worden. Genosse Weißensee gibt bekannt, daß sich die Bohnsdorfer Jugend von der AdlerShofer Jugend- organisatton trennen und ein eigenes Jugendheim gründen werde. Der Obmann der Lokalkammission Genosse Wilke beklagte, daß einige Genoffen nicht streng die Lokal- liste beachten: da uns am Orte immer noch kein geeignetes Ver- sammlungslokal zur Verfügung stehe, sei es Pflicht der Genossen. streng auf die Durchführung des Lokalboykotls zu achten. JJür unsere Parteigenossen kommen am hiesigen Orte nur unser Ver- sammluiigSlokal, die Villa Kahl und die Stehbierhalle von Albert Bierbach'in Betracht. Ariedrichshagen. Aus der Gemeindevertretung. Gegen die Gültigkeit der Wahlen Gesclbrecht und Wolter in der 2.?lbteilung war vom Rechnungsrat Güttke und vom Rentier Goldmänn Einspruch erhoben worden, weil u. a. die Wählerliste nicht verlesen worden ist. Die Vertretung beschloß, sämtliche Wahlen zur Gemeindevertretung für gültig zu erklären. Hierauf teilte der Bürgermeister mit, daß Schöffe Dr. Wallburg sein Amt infolge Verzug nach Berlin niedergelegt habe; die Ersatzwahl soll in der nächsten Sitzung stattfinden. Eine längere Debatte entspann sich bei der Vorlage des Gcmeindevorstandes be- treffend Schmuckanlage am Müggelsee. Der Bürgermeister bemerkte hierzu, daß� die Gemeinde seit Jahren in der Seestraße zwischen Kaiserstetz und Wasserwerke eine Parzelle besitzt. Vor einiger Zeit hätten wir nun eine Nebenparzelle zugekauft mit der Absicht, einen Teil davon als Schmuckanlage zu verwenden und den Rest wieder zu verkaufen. Der Gemeindevorstand und die Tiefbaukommission schlagen aber nunmehr vor, den ganzen Platz als Schmuckanlage zu verwenden. Die Kosten hierfür betragen außer dem Grundstück 12 500 M. Im weiteren soll am See eine Hafenanlage zum An- legen von Booten usw. geschaffen werden. Mit der Ausführung der- selben wird eventuell der Unternehmer Basedow betraut werden, welcher gegen eine jährlich zu zahlende Vachtsumme die ganze An- läge anlegen und unterhalten will. Von den bürgerlichen Ver- tretern Harke und Wolter wurde empfohlen, die Parzelle wieder zu verkaufen, da' für die SchmuckanlageMnoch genügend Platz vor- handen wäre und die Gemeinde für diese Parzelle etwa 30 000 M. erhalten würde. Von unserer Seite vertraten die Genossen Barth und Miele die Ansicht, daß es Pflicht ker Gemeinde sei, für die Verschönerung des Ortes zu sorgen und daß es unverantwortlich wäre, auch noch die letzte Parzelle am See wieder in Privatbesitz übergehen zu lassen. Die Annahme des Projektes sei nur zu empfehlen, da durch diese Anlage gleichzeitig ein neuer Zugang zur Müggelsee-Eisbahn geschaffen werde. Betreffs der Hafenanlage schlugen sie vor, diese von der Gemeinde ausführen zu lassen. Dre Vertretung beschloß die Selzmuckanlage in der vorliegenden Form. Des weiteren soll mit Basedow nochmals verhandelt und in der nächsten Sitzung endgültig Beschluß über den Pachtvertrag gefaßt werden. Ein weiterer Antrag des Gemeindevorstairdes betr. Per- legung der Unfallstation vom MyliuSgarien nach dem Gemeindegrundstück neben dem Rathause fand ebenfalls Annahme. Die Kosten für die Neueinrichtung usw. betragen etwa 3000 M.� Genosse Miele betonte hierzu, daß mit der Errichtung der Unfallstatron -' v._ �: i:_~ i___.%___ i.„fr.!... yt. �. r � e r �__ � u s. � T uc« Si• sT? ,%• x x a gleichzeitig eine Zentralstelle geschaffen werde, welche die Vermitte lung von Schwerkranken ins Krankenhaus zu übernehmen habe; es sei vorgekommen, daß trotz ärztlichem Bemühen ein Schwerkranker erst nach 24 Stunden Aufnahme in ein Krankenhaus gefunden habe. Der Bürgermeister will sich betr. dieser Angelegenheit direkt mit den Herren Aerzten in Verbindung setzen, um ähnliche Fälle zu verhüten. Der'Vertrag über die Verpachtung der Kurparkwirtschaft wurde ohne Debatte angenommen. Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister bekannt, daß die Pensionierung des ersten Gemeinde- sekretärs Ploetz mit einem Ruhegehalt von 2800 M. von der Auf- sichtsbehörde genehmigt worden ist. An die öffentliche schloß sich noch eine längere geheime Sitzung. Pankow. J Tie Gemeindevertretung hatte in ihrer am Dienstag statt- gefundenen Sitzung über die Gültigkeit der beiden Mandate unserer am 3. März zu Gemeindievertretern gewählten Genossen Eichler und Fengler zu befinden. Von den Bürgerlichen wurde die Un- gnltigkeitserklärung der beiden Mandate beantragt. Ms Haupt- sächlichsten Grund hierfür bezeichneten sie das Stattfinden der Wahl an einem Sonntage, weil man doch keinem Bürger zumuten könne, sich auch noch an einem Sonntage zwei bis drei Stunden zu ver- säumen, um zu wählen. In namentlicher Abstimmung votierten dann 16 Bürgerliche für die Ungültigkeitserklärung, während der Gemeindevorstand sBürgcrmeister und zwei Schöffen), sowie unsere drei sozialdemokratischen Gemeindevertreter für die Gültig. keit stimmten. Reinickendorf. Bon einem KrastKagen uberfahren und schtver verkeffi wurde vorgestern abend gegen 8 Uhr der 20 Jahre alte Schlossergeselle Bernhard Parthner aus der Amendestr. 93. Der junge Mann kam die Rcsidcnzstraße mit dem Zweirad nach Berlin zu gefahren. Dicht hinter ihm folgte ein Kraftwagen. Dieser erfaßte ihn, als er vor ihm vorüber in die Amendestraße einbiegen wollte, warf ihn um, ging ihm über den Unterleib und verletzte ihn so schwer, daß er sofort nach der Charite gebracht werden mußte. Er erlitt eine Zer. reitzung innerer Organe und liegt bedenklich danieder. NowaweS. Der„Freie Männerchor" lM. d. U.-S.-B.) veranstaltek am Sonnabend, den 20. April, im Restaurant..Volksgarten" sein dies. jähriges Frühjahrskonzert unter Mitwirkung von Solisten des Bcr- liner Sinfonieorchesters. Da der Chor sich bisher bei jeder Gc- legenheit bereitwilligst in den Dienst der Arbcitersache stellte, so wird erwartet, daß die Arbeiterschaft die Veranstaltung durch zahlreichen Besuch unterstützt. Das bevorstehende Konzert verspricht einen seltenen Kunstgenuß. Beginn präzise 8!� Uhr. Programme im Vorverkauf 50 Pf., an der Abendkasse 60 Pf. Kinder unter zehn Jahren haben keinen Zutritt. Potsdam. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadt hat Be« schloffen, beim zweigleisigen Bau der Straßenbahn die Luiseiiftraße von 17 auf 20 Meter zu verbreilern. Potizei und Vertreter der Regierung verlangen aber eine Breite von 26 Metern. Die Kosten von 370 000 M. erhöhen sich dadurch um weitere 30 000 M. Stadt- verordneter Bernhard sprach seine Verwunderung über diese un- erhörte Forderung der Behörden aus. Diese Regulierung läßt sich übrigens nur zweifelhaft durchführen, da das notwendige Terrain vorläufig nur vor den städtischen Grundstücken zur Ver- sügung gestellt werden kann. Die Vorlage wurde mit 22 gegen 21 Stimmen angenommen. Die Anlegung einer Uferstraße von der Glienicker Brücke vis-a-vis Babclsberg wurde abgelehnt, die anderweile Aufsckließung des Terrains an eine Kommission verwiesen. Die Einrilblung einer Schul- zähnklinik wurde mit 27 gegen 20 Slimmen abgelehnt, trotzdem der Stadt dazu nur eine einmalige Ausgabe von 2000 M. ans den Ueberschüsien der Sparkasse zur Einrichtung der Klinik und 1600 M. jährliche Unterhaltungskosten erwachsen würden. Außerdem hatten sich 2112 Eltern der Gemeindeschüler verpflichtet, für die Be- Handlung ihrer Kinder einen jährlichen Beitrag von 1 M. zu zahlen. Stadtverordneter Bergemann fand es sonderbar, daß man wieder die Gemeindeschule vorziehe und bei den höheren Schule», deren Schülern doch eine Zahnpflege ebenfalls sehr not sei, die besser situierten Eltern bezahlen sollen. Von einigen anderen Stadtverordneten wurde eine ambulante Behandlung empfohlen, da sie von dieser Klinik eine unliebsame Konkurrenz der Zahnärzte be- fürchten. Trotzdem von einigen Stadtverordneren das Gegenteil bewiesen wurde und der Magistrat auf Grund der in anderen Städten gemachten Erfahrung von der ambulanten Behandlung ab- riet, wurde die Vorlage abgelehnt.— Zu einem Zusammenstoß zwischen Magistrat und Stadlverordneten kam es bei dem Magistrats- antrage, den Erlös des früheren Steuerhauses an der Marienstraße(21 887 M.) und die Wertzuwachssteuer(ca. 20000 M.) zur Deckung der Zinsen und Tilgungsraten der Grundstücksaiileihen zu ver- wenden. Die Zinsen und Tilgungsraten sind aus dem Mehr» erlös verkaufter Grundstücke aufzubringen, während der KauferlvS selbst zur außerordentlichen Tilgung bestimmt ist. Nun war im Vor- jähr der Verlaus nur gering, so daß jetzt 69 000 M. zu decken bleiben. üstadtv. Bernhard sieht darin den Anfang vom Ende der städtischen Bodenpolitik. Er erllärte sich gegen jede weiteren Ankäufe durch die Slodt. Oberbürgermeister Losberg verwahrte sich geaen den Ton Bernhards und verteidigte die städtische Boden- Politik. Die Bersammlung stimmte dem Antrage zu.<— Der allmähliche» Aufhebung der MichaeliScöt?n wurde zugestimmt. Die Stadt erspart dadurch lirka 30 000 M. an den höheren und mittleren Schulen.(Ob diese Einrichtung für die Gemeindeschulen praktisch»st, wagen wir zu bezweifeln.) Das städtische Wasserwerk soll nach WilhelmShorst weiter ausgedehnt werden. Die bisherige Inhaberin des Zentenfchen Grundstücks Auf dem Kiewitt will von ihrem Verkanfsvertrage zurücktreten. Nach dem Kaufe soll die dortige Fwßbadeanstalt von der Stadt aus- gebaut werden. Trotzdem der Magistrat den Wunsch be« fürwortete, hielt die Versammlung den Ankauf aufrecht. Das Brückenbauprojekt über die Havel im Zuge der Packhofstraße wurde der vorgerückten Zeit wegen nur zur Kenntnis der Versammlung gegeben. Die Gesamlkosten der Brücke sind aus 1 160 000 M. veranschlagt, zu welchen die Regierung eine Beihilfe von 600 000 M. zusagt, die Uebernahme der Unter» Haltung aber ablehnt. Auf der Freundschastsinsel soll daun eine S I a d t h a l l e, verbunden mit Pensionöhaus, errichtet werden. Eine Gefellschaft hat sich dazu bereits gefunden und soll für das zum Bau erforderliche Gelände der Stadt schon ein Angebot von 1 Mill. Marl gemacht haben. Die Stadt selbst muß aber, um den Brückenbau durchzuführen, mehrere Grundstücke in der Burgstraße an- kaufen. Kalkberge- Rüdersdorf. AuS der RüderSdorser Gemeindevertretung. Zunächst wurden in der letzten Gemeindevertretersitzung die neu» resp. wiedergewählten Verordneten durch den Vorsitzenden Clemens eingeführt und ver» pflichtet. Sodann gab der Vorsitzende zur Kenntnis, daß die Wahl des Herrn Hämmerling zum Schöffen der Gemeinde von der Auf- sichtsbehörde bestätigt worden fei.— Dem in der Grundwertfteuer- angelegenbeit mit der königlichen Berginspeklion eingegangenen Ver- gleich erteilte die Vertretung ihre Zustimmung. Nach diesem wird der Grundwert auf 217 620 M. festgesetzt und wird eine dem- entsprechende Grundwertsteuer zur Erhebung gelangen.— Mit allen Stimmen wurde beschloffen, die von der Firma M. Hempel ge- pachtete Gasanstalt von der Firma käuflich zu erwerben. Der Vorsitzende wurde beauftragt, mit der Gesellschaft hierüber in Verhandlungen zu treten und in der nächsten Sitzung vom Ergebnis derselben Bericht zu erstatten. Aus dem im Bau be- findlichen Wasserwerk Kalkberge soll Waffer für die Gemeinde Rüdersdorf entnommen werden, sofern Kaltberge aus der Rüder? dotier Gasanstalt Gas entnimmt. Die Angelegenheit soll durch den — Darauf kam die Brückenangelegen- Vorsitzenden geregelt werden. heit wieder zur Erörterung. Trotzdem der Streit zwischen der" Aktien gesellschaft für Beton- und Monierbau, die die Brücke erbaute, und der Gemeinde schon nahezu zwei Jahre währt, ist noch keine end« güllige Einigung in dieser Angelegenheit zustande gekommen. Die Unlosten, die der Gemeinde dadurch entstanden sind, find enorm. Die fragliche Firma will, wie der Vorsitzende mitteilte, das Wider- lager standhaft machen. Die Vertretung erklärte sich hiermit ein- verstanden, jedoch muß die Festmachung des Widerlagers in technischer Beziehung einwandfrei sein und die Firma für dessen Haltbarkeit Garantie leisten. Diese Festmachung soll jedoch aus Kosten der Aktiengesellschaft geschehen. Sollte letztere aber damit nicht einverstanden sein, wird das Schiedsgericht zur Entscheidung an» geruien werden. ewe neuartige ktauobaitfetfe <•>8? von ; Maschkraft. - Stück 20 Pf.— Jetzt überall erhältlich. Berliner Credit-Haus PBT Kommandantenstr. 67.'VR � Alkoholfreie Getränke*� Franz Abraham Hamb. Meesma-u.Römertrank-Kell. N 4, Schlegelst. 9, F ernsp. III, 7727 Thaerstr. 44. T. A. 7, 8176. Schütze, E., Wcberstr.\b£T17l 1 125. Bctie» alkoliol- frci« Ltttänk. �y| �y| Berlin 0,8nliairft.4 { Arbeiter-Bekleidung 1 FW7>«s t tr V Zon�enerstr. 32 •r«caa**.» Brrgm>mi«L96 Bunbarger Laden, Charl.Wsllst.fiS J�dT"BcC'n am KeTäIersir. 6 ■ a a sin e■*E.warsch»ii.si KoterLaden.SehCneb ,II»aptstr.I08 � Bickerelen, Konditor.� Biottner's fl GroBbäckerei Geschäfte In ■ Berlin, Chaplottenburn, Schdneberg, Wtime-sdopf. Adiershofer Bäckerei, M. Zijwiirit. Max Backer, Ramlorstr. 38. 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