Pr. 91. RbonnementS'RedlngQiwn: WBoimcmcntS- PrciS nönumcianbo: Sicricliäflü.;i.30 OTf.. monaU. 1,10 SRI, wöchentlich SS$jg. frei ins Haus. Einzelne Summet 5 Pfg. Sonntags- »unimer mit ülumncnet Sonntags- Beilage..Die Neue Welt" lv Psg. Poii- Sibonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post< Zeiiuugs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen un; Belgien, Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. CiMKlnt täglich auOtr fflsntiai. Nerlinev Volksblskt. DI< tnRrtlons* GebOfir beträgt für die scchZaespaltcne Kolonek- »eile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gcwcrlfchaftliche Vereins. und BerfammIungS-Anzeigen 80 Pfg. „Illelne Sn-eigen", das settgcdruckie Wort 20 Pfg.(zulässig Sfetigedru-Ne Worte), jedes iveite-e Wort lv Pig. Stellengesuche uild Schlasstellenou- zeigen das erste Wort>0 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über tä Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserat« sür die nächste Nummer wüsten bis b Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werdcir Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. lelegtatran-Hbteffe: „tolMtinoknt Rtrllt". Zcntralorgati der fozialdemokrati fchcn Parte» Deutfcblande. Redaktion t SAl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz. Nr. 1984. Arbeiter! Gestaltet die Maifeier zu einem machtigen Protest gegen das Mettrüsten zu Master und zu Lande! Li» tägliches flrbeiterblatt in Cngland. London, 16. April.(Eig. 23er.) Vor etwa einem Jahre veröffentlichten die Londoner Buch- drncker während ihres Streiks eine täglich erscheinende Zeitung. den„Taily Herald"(„Der tägliche Herold"). Als das Blatt am Ende des Ausstandes sein Erscheinen einstellte, ver- Sicherte die Redaktion ihren Lesern, daß der„Daily Herald" >ald»vieder als Tlrbeitertagbkatt erscheinen werde. Manch einer mag damals ungläubig den Äopf geschüttelt haben: man denkt an frühere Prophezeiungen ähnlicher Art. Aber die Londoner Buchdrucker und die übrigen Gewerkschaften, die das Projekt unterstützten, ließen sich nicht abschrecken. Zur großen lieber- raschnng aller ungläubigen Kopfschütkler erblickte der„Daily Herald" aesteni, am 13. April, das Licht der Welt. Das Blatt hat sich offenbar als Richtschnur den Leitsatz erkoren: Wer vieles bringt, wird jedem etivas bringen. Es will alle Richtungen in der Arbeiterbewegung zu Worte kommen lassen. In einem Einführungsartikel schreibt die Redaktion: „Au keine bestimmte Sektion der Bewegung gebunden, ist der „Daily Herald" das trgan aller Pbase» der wirtschaftlichen. politischen und sozialen Tätigkeit. Während wir die Politik und da« Programm der Arbeiterpartei im Unterhause im allgemeinen untersliitzen, beanspruchen wir doch nicht, uns mit ihr zu identifizieren, und behalten nnS da« Recht vor, ihre Handlungen zu krttisieren, so oft eS die Pflicht erheischt. Die Gewerkschaften werden im„Herald" einen beständigen und furchtlosen Vertreter ihrer Grundsätze finden, der ihnen auch sür die schnelle Verbreitung offizieller An- fichtcn und' Instruktionen von größtem Nutzen sein wird. Ver- tccter des Sozialismus und des industriellen Unionismus werden ebenfalls in unseren Spalten Gelegenheit finden, ihre Ansichten offen auszudrücken. Kurzum, wir treten für die absolute Freiheit in Gedanken und Tat ein, unbehindert von Parteibanden irgend- welcher Art." Daß die Arbeiterschaft Großbritanniens ein eigenes Organ dringend benötigt, darüber können nach den Ereignissen des Bergarbeiterstreiks keine zwei Meinungen bestehen. Dieser Kampf hat wohl mehr als jedes andere Ereignis dargetan, wie wenig sich die Arbeiter auf die bürgerliche Presse verlassen können. Ter„Herald" selbst geißelt die Verlogenheit und Voreingenommenheit der„arbeiterfreundlichen" liberalen Presse in einem Leitartikel, in dem er namentlich die jüngste Arbeiterpolitik der liberalen Blätter(„Westminster Gazette", „Daily News",„Daily Chronicle") bloßstellt. Der Artikel schließt mit den Worten: „Vielleicht ist es aber dennoch gut. daß der Arbeiter Gelegen- beit hatte, ihre Freundschaft(d. h. die der liberalen Presse) auf die Probe zu stellen. Es wird ihm zur Erkenntnis verhelfen, daß zwisitien den liberalen und konservativen Zeitungen, wenn eS daraus ankommt, ebenso wenig Unterschied besteht, als zwischen den liberalen und konservativen Kapitalisten, und daß da», was die Arbeiterschaft braucht, eine Zeitung wie auch eine Partei ist. die sie i h r e i g e n nennen kann." Lange hat es gedauert, ehe es die britische Arbeiterschaft zu eiitem eigenen Organ bringen konnte. Kleine Länder, in denen die Arbeiterbewegung noch in den Kinderschuhen steckt, sind dem Mutterland der Arbeiterbewegung aus diesem Ge- biete vorausgeeilt. Jedoch I besser spät als nie. Ein gut ge- leitetes Arb-iterblatt wird der proletarischen Be- weaung Großbritanniens, in der es augenblicklich so mächtig gärt, unschätzbare Dienste leisten. Aber auch_ der kontinentalen Arbeiterpresse wird es äußerst nützlich sein. Bisher waren wir in großem Maßstabe in bezug auf Nachrichten über die britische Arbeiterbewegung auf die biirger- lid)c Presse angewiesen, deren Mitteilungen über diesen Gegen- stand bei alle» wichtigen Anlässen durch parteipolitische Rück- sichten gefärbt sind. Jetzt haben wir wenigstens ein Blatt. das die Ereignisse und Ansichten der Arbeiterwelt aus zuver- lässiger Quelle bezieht. Das ist eine und durchaus nicht die einzige Erwägung, die uns veranlaßt, den„Daily Herald als den jüngsten Sprößling der Arbeiterpresse der Welt herz- lich zu begrüßen. llllz den fahresberithten der preußischen Gewerbeauffichtsbeainten für 1911. In dem soeben erschienenen letzten dieser Jahresberichte sind folgende Gegenstände eingehender behandelt worden: 1. Umfang der Nachtarbeit; 2. Mitgabe von Arbeit nach Hause; 3. Die Lohnzahlung an Minderjährige; 4. Tie Sorge für das Entweichen der Arbeiter bei Feuers- ausbruch; b. Tie Gesuiidheitsvcrhältniffe in den Zementfabriken; 3. Wie ist für die Befriedigung dcL Lcsebedürfnisscs der ge- werblichen Arbeiter gesorgt? Infolge dieser Vermehrung der eingehend zu behandelnden Gegenstände hat der Umfang des Buches zugenommen; ob auch der Wert des Inhalts,, ist eine ändere Frage. Denn die Gewetbe- aufsichtsbeamten können heute solche Fragen nicht mehr so be- handeln, wie z. B. vor 14 Jahren der damalige Berliner Re- gierungs- und Gewerberat Tr. v. Rüdiger die Frage in betreff der wegen der schlechten Gesundheitsverhältnisse, der Zement- arbeitet nötigen Maßnahmen behandelte, der damals in seinem Bericht über das Jahr 1897 Seite 78 für die?lrbeiter in Zement fabrikcn, Zementmüller und-Verpacker eine zehnstündige Maximal- arbeitszeit ausschließlich der Pausen vorschlug und beantragte. Heute können Wohl die Gewerbeaufsichtsbeamten mitteilen, welche Beobachtungen sie gemacht haben: aber Vorschläge oder gar An- träge zur Beseitigung bemerkter Uebelstände zu machen, ist ihnen heute nicht gestattet. Das ist wohl auch der Hauptgrund, lvarum die Arbeiter in diesen Betrieben heute, nach 14 Jahren, noch unter denselben Gesundheitsschadigungc» leiden, nämlich einerseits furchtbare Hitze von 59 bis 69 Grad C. vor den Schacht- und den Drehöfen und andererseits Entbehrung jeden Schutzes gegen die kalte Zugluft, sowie starke Verunreinigung der Atniungsluft durch Zementstaub beim Mahlen und Verpacken des Zementes und beim Reinigen der Kanäle, bei ungenügendem Lohn und zum Teil über- mäßig langer Arbeitszeit. Manche Uebelstände können nirgends in Abrede gestellt werden, wie die große Hitze, denen die Brenner vor den Etagen- öfen und den Drehöfen ausgesetzt sind. Als größte Staub- quelle sind die Rohmühlen anzusehen. Obgleich sie meist mit Staubabsaugungsvorrichtungen versehen werden, sind sie gewöhn- lich nicht gut imstande und arbeiten daher nicht zu voller Zu- friedenheit. Im allgemeinen sind die Einrichtungen und Apparate der Betriebe in den westlichen Gegenden besser als in den öst- lichen, und dort halten die Gewerbeaufsichtsbeamten auch die be- stehenden gesetzlichen Bestimmungen für ausreichend. So erklärt der Beamte im Bezirk Danzig das Verpacken mit Schaufeln wegen des dadurch erzeugten StaubeS für unzulässig. Hier fehlt auch ein besonderer Spciseraum. Bei den sieben Zcmcntfabriken im S t c t t i n e r Bezirk klagen die Aufsichtsbeamten über die große Hitze, der die Arbeiter beim Ziehen. Kracken und Kohlcnaufgeben an den Dietzschcn Ocfen aus- gesetzt sind. Dabei setzt das Kracken die Arbeiter unter Umständen starker Rauchgasentwickelung aus und erfordert erhebliche Kraft- anstrengung. Bei den Drehöfen ist die Hitze womöglich noch größer. Bei b Grad C. Außenwärme fand man zwischen den Drehöfen und den Mhltrommeln bis 38 Grad C. Da wegen der Transport- arbeiten nicht alle Türen dauernd geschlossen gehalten werden können, sind die Arbeiter beim Betreten der Oefen und Verlassen dem schroff st en Temperaturwechsel ausgesetzt. Daher ist der Arbeiterwechscl stark. Auch in den 3 Fabriken im Bezirk Potsdam mit 1396 Ar- beitern ist dieser sehr stark; wie 5 zu 3. Auch sie haben, wie fast alle Zementfabriken, zwölfstündige Tag- und Nachtschichten. Ter Zustand der Entstaubungsanlage ist oft ungenügend, weil die Ver- schlösse an den Röhren und selbst an den Kugelmühlen oft undicht sind. Die Staubgefahr ist besonders groß beim Ausräumen der Staubkammern, beim Reinigen der Kanäle und beim Einschaufeln des Zements in die Säcke. Die Hitze ist am größten am unteren Ende der Schachtöfen. Einrichtungen gegen den Zug sind entweder gar nicht getroffen oder ganz unzulänglich. Daher ist die Zahl der rheumatisch Erkrankten groß. In dem Bericht aus dem Bezirk Magdeburg heißt es: „Zu besonderen Bedenken geben in der Zementfabrik in erster Linie diejenigen Arbeiten Anlaß, welche in stauber füllten Arbeitsräumen ausgeführt werden müssen. Wenn auch die Ärankenkassenstatistik nur mit Vorsicht zum Vergleich heran- gezogen werden kann, so ist es doch kaum einem Zufall zu- zuschreiben, daß gerade dir Fabrik, welche die mangelhaftesten Einrichtungen zur Staubbcseitigung besitzt, in der Nachlveisung auch weitaus am ungünstigsten abschneidet." Dasselbe gilt von den Stellen mit regelmäßig sehr starker Hitze. Die an den Dietzeschen Oefen beschäftigten Leute müssen während der alle drei Stunden stattfindenden Arbeit des Ziehens nahe am Ofen arbeiten und können sich dabei vor der strahlenden Hitze des Ofcninhalts nicht schützen. Besondere Aickleibcräume hat von den 4 Zementfabrilen nur eine. Zu dem starken Slrbeitcrwcchsel in den 3 Zementfabriken des Bezirks Merseburg bemerkt der Aufsichtsbeamte:„Der starke Arbcitettvcchsel ist anscheinend daraus zurückzuführen, daß in der Fabrik sehr niedrige Löhne gezahlt werden." Es be- findet sich also iy diesen Betrieben, die an hie Atmungsorgane be- sonders» starke Ansprüche' stellen,' eine Arbeiterschaft von allgemein verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit. Es zeigen sich denn auch bei diesen Arbeitern außer Hauterkrankungen an Händen, Armen und Füßen durch infolge von Gewebscntzündungen ent» standene Geschwüre, Augenbindchautentzündungcn und von Krank- hciten der Atmungsorgane hauptsächlich Luftröhrenentzündung sowie, verursacht durch den jähen Temperaturwechsel bei der Be- schäftigung bald an den Ocfen, bald auf dem Transport, viele rheumatische Erkrankungen. Vorkehrungen gegen den Zug sind entweder gar nicht getroffen oder ganz unzulänglich. Ebenso- wenig gibt es wirksame Entstaubungsvorrichtungcn, nicht einmal im Verpackungsraum beim Einschaufeln des Zements in die Säcke. Selbst der Umfang der sogenannten W 0 h l s a h r t s- einrichtungen. Bad, Wasch- und Anlleidcräume, entspricht trotz der Mahnungen der Gewerbeaufsichtsbeamten nicht billigen Anforderungen. Im Bezirk Schleswig kam im Jahre 1999 bei einem Ar. beitcrbestand von 399 Arbeitern in den 4 dortigen Zemcntfabrikcn ein Zuzug von 4697 und ein Abzug von 4638 Arbeitern vor; also ein ganz enormer Arbeiterwcchsel. Infolge der vielen Klagen der Arbeiter über die furchtbare Hitze vor den-Oefen hat der Beamte genaue Messungen täglich vor zwei Feuerlöchern und zwei Sinter- zonen an der Süd- und Nordseite vom 26. Juli bis zum 9. Sep- tember 1911 täglich um 2 Uhr mittags in einer Entfernung von 2 Meter vom Feuerloch in Kopfhöhe vorgenommen, in welcher Entfernung er vor den Schaulöchern immer 5 bis 19 Minuten und beim Feueril vor dem Feuerloch 15—20 Minuten sich aufzuhalten hat. Die Messungen ergaben in dieser Zeit bei einer Außenluft. temperatur von mindestens 17 Grad, höchstens 32 Grad C. und einem Durchschnitt von 23,3 Grad C., vor dem Feuerloch an der Nordseite mindestens 35 Grad C. und höchstens 61 Grad C.. im Durchschnitt 47,6 Grad C.. vor dem Feuerloch der Südseite mindestens 36 Grad C., höchstens 64 Grad C. und im Durchschnitt' 57,3 Grad C., auf der Nordscite der Sintcrzone am.wenigsten 49 Grad, am höchsten 63 Grad und im Durchschnitt 52.3 Grad E.. endlich an der Südseite der Sintcrzonc, der heißesten' Stelle für den Arbeiter, mindestens 52 Grad, höchstens 79 Grad und im Durchschnitt 62 Grad E. In dieser furchtbaren Hitze mutz der Arbeiter an den Sonntagen bei der Wechselschicht sogar 24 Stunden hintereinander die Bedienung der Oefen besorgen! Man hat wohl den Arbeitern dazu Ledermasken angeboten, aber da diese die Transpiration behindern, sind sie nur lästig bei der Arheit. Hier sollte die Aufsichtsbehörde doch Iveuigstens für Vermeidung solcher 24stü»diger Wcchselschichtcn sorgen. Beim Ziehen der Oefen können Masken zweckmäßig zum Schutz gegen den heißen Staub benuüt werden. In den Drehofenbrtrieben müss-s die Lager stündlich geschmiert werden, und hierbei steigt die strahlende Hitze bisweilen bis 89 Grad C.; oft werden die Ausschaufler vor den Ocfen auch großen Temperaturunterschieden ausgesetzt. Die Berichte von Lüneburg. Hannover. Arnsberg, Minden, Osnabrück. Stade. Münster. Wiesbaden, Köln und Koblenz bringe» ganz ähnliche Schilderungen über den schrecklichen Zementstaub, die furchtbare Hitze und den schroffen Temperaturwechsel, unter dem diese Arbeiter leiden. Auch spricht dabei der eine oder andere Berichterstatter, z. B. der Lüneburger, sein„besonderes Bedenken" gegen diese Art der Arbeiterausnutzung aus; aber mit diesem Bedenken glaubt er sich saldiert zu haben. Mögen dafür die Arbeiter und Arbeitervertreter sich nicht dabei beruhigen 1 HiaroMto in flufrubr. Aufstand im Muluja Gebiet.— Unruhen in der Schanja-Ebcne. Revolution in Fez ii Zllr Zeit de�' Marokkohändel im Sommer vorigen Jahres operierten die Alldeutschen Wirrköpfe und die kapitalistischen Kriegshetzer mit der;„schwarzen Gefahr". Sie wiesen immer und iinmer wieder acst die angebliche militärische Stärkung Frankreichs durch die Einperleibung Marokkos hin. In drei Artikeln hat damals der„vorwärts" nachgewiesen, daß die Annerio» Marokkos e'jne Periode unaufhörlicher.Mmpfe heraufbeschwören werde rind daß an eine Einstellung von Marokkanern in die französische Armee auf lange hinaus nicht gedacht werden könne. Diese Boraussage ist durch die Ereignisse nun bestätigt worden. Der französische Gesandte Regnault hat in diesen Tagen in Fez feierlichst das fvanzö- fische Protektorat proklamiert. Aber just zur selben Zeit mußten französische Trqppen sich in der Schanjaebene mit aufständischen Marokkanern herumschlagen, und im Maluja- gebiet kam es zu verlustreichen Gefechten zwischen Franzosen und Eingeborenen. Und jetzt lodert in der Hauptstadt des Landes, in Fez. das Feuer des Aufstandes in hellen Flam- wen auf. Das sind alles Gegenden, die Frankreich schon militärisch besetzt hatte. Welche Kämpfe stehen ihm aber noch bevor, wenn es an die Unterwerfung der Berberstämme im Atlasgebirge und im Süden und Osten Marokkos heran- gehen wird. Sind dies doch Stämme, die nicht einmal den Sultan als ihren Herrn anerkannten. Wie groß wird erst ihr Widerstand gegen deNj ungläubigejn europäischen Er- vberer sein! Die einzelnen Vorgänge schildern die folgenden De- Neschen: Paris, 18. Aprtl.„Echo de Paris" zufolge ist in Fez eine Meuterei unter den eingeborenen Soldaten ausgebrochen. Gegen einen Offizier der französischen MilitSrmission soll ein Attentat verübt worden sein. Ein drahtloses Telegramm be- stätigt die Meuterei in Fez und lautet: Truppen meutern, telegraphische Verbindungen sind ab- geschnitten. Ein weiteres drahtloses Telegramm des englischen Konsuls in Fez berichtet, daß tatsächlich ein Teil der eingeborenen Truppen und der Bevölkerung meutere. Die französische Garnison in Fez besteht aus 1500 Mann. Paris, 18. April.(Meldung der Agence Havas.f Ueber die L o r f ä l l e i n F e z ist ein Telegramm des Ge- sandten Regnault eingetroffen, in welchem erklärt wird, daß die Unruhen der Soldaten aus der Tatsache herzuleiten seien, daß man den Truppen ihren seit dem 1. Februar beträchtlich erhöhten Sold in ihrem eigenen Interesse nicht voll ausbezahlten, sondern einen Teil als ihre Ersparnisse zurückbehalten wollte, um sie vor den unangenehmen Folgen ihrer leichtsinnigen Lebens- weise zu bewahren. Eine Delegation scheriftscher Truppen habe sich daher zum Sultan begeben, um gegen die an- gekündigten Maßnahmen Verwahrung einzulegen. Siebzig Soldaten hätten, ohne Antwort abzuwarten, gemeutert, und ein Teil der Bevölkerung hätte ebenfalls an den Unruhen teilgenommen. Regnault habe sofort im Verein mit der Garnison von Dardebiagh die notwendigen Matznahmen getroffen und General Moinier habe der Garnison von Mektnes Befehl erteilt, fünf Kompagnien nach Fez zu entsgnden. In MekineS seien acht Kompagnie», eine Schwadran und eine Abteilung Artillerie zurückgeblieben.— Der Ministerpräsident hat heute früh seine Kollegen über die Lage in Fez unter- richtet. Er steht mit Regnault in beständiger raoiotelegra- phischer Verbindung, ebenso wird Millerand von Moinier auf drahtlosem Wege auf dem laufenden gehalten. Tanger, 18. April. Nach hier eingetroffenen Nachrichten wird der Sultau in seineu, Palast in Fez durch die Meuterer dalagert. Mehrere JnstruktionSoffizicre und JnstruktiouS- Unteroffiziere sind getötet. Die Gesandtschaft und das Konsulat sind unversehrt. Der Kampf dauert noch an; ein Teil der Hilfstruppen aus Mekiues ist angekommen. Ein Deutscher in marokkanischer Gefangenschaft. Tangrr, 17. April. Nachrichten aus Mogador besagen, daß der Deutsche SteinwachS, der im S u s g e b i e t eine ForschungS- reise unternommen hatte, noch immer von den KiSmas ge- fangen gehalten wird, die ihn nur gegen Lösegeld freigeben wollen. Die Kämpfe in Fez. Paris, 18. April. Aus Fez wird von heute gemeldet: Der Kampf hat heute morgen in den Straßen von Fez von neuem begonnen und ist bis zur Stunde noch nicht beendet. Mehrere Franzosen wurden verwundet. Das Telcgraphenbureau hatte einen heftigen Angriff auszuhalten. Die Beamten verteidigten sich tapfer. Man rechnet darauf, daß die ersten Truppcnverstärknngen schon morgen eintreffen und daß es sodann möglich sein wird, des Ausstandes Herr zu werden. Eine Anzahl der Mitglieder der französischen Kolonie sowie die Sonderberichterstatter der französischen Presse slüch- tcten in das französische Konsulat, in den Palast des Sultans, in das dem Gesandten Regnault zur Verfügung gestellte Haus sowie in die Wohnung des Arztes Dr. Fametans. D i e Konsuln von Deutschland und England sind mit ihren Familien in ihren Häusern geblieben. Der fran- zösische Konsul befindet sich in der Telefunkenstation. Ein Beamter der'letzteren, namcnS Rcvous, wurde leicht verwnn- dct und mußte in daS Krankenhaus gebracht werden.— In Paris war heute das Gerücht verbreitet, daß der General Moinier. der Oberbefehlshaber der französischen Truppen, in FeS verwundet worden fei. Diese Nachricht wird als falsch angesehen, da noch heute Depeschen von ihm hier eintrafen. Der Eindruck in Paris. Paris, 18. April. Die Abendblätter geben der durch die Mel- düngen aus Fez hervorgerufenen Beunruhigung lebhaften Ausbruck. „Journal d e s D e b a t ä" meint, so ernste Nachrichten habe man aus Zcz nicht erwartet. Wenn auch verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit, wie die Ermordung d c S französischen Inst ruktionSoffiziers Guillasse und die Ucberfälle aus zwei Unteroffiziere der französischen Mili. tär Mission, zeigten, daß in der Bevölkerung von Fez eine ziemlich erregte Stimmung herrsche. Angesichts der gleichzeitig unter den Berberstämmen des Gebirges östlich nnd slidlich von Fez zutage tretenden Gärung müsse man sich fragen, ob die Treibe- rcieit, welche diese Gärung hervorgerufen haben, wirklich, nur rein lokaler Natur seien. Ueber die noch vor einigen Tagen cingctroffc- neu Nachrichten, welche von Herzlichkeit des Sultans Mulay Hafid und des Großwcsirs El Mokri gegenüber dem Gesandten Regnault sprachen, könne man jetzt nur die Achseln zucken.—„Steele" liefet an die ösfentliZe Ncinuntz Frankreichs die Mahnung, KM- silütigkeik zu, veKaUell. Die MekSun'M SuS Fez, dürsten NelleW von denjenigen, welche Fez durch eine große militärische Expedi- Jim, in enge Verbindung mit Algerien bringen wollen, als eine Be- stptigung der Richtigkeit ihrer Auffassung angesehen werden. Hchfentlich werde die Regierung gerade jetzt, wo eine besondere An- strewgnng n'otwcndig erscheine, um West- und Südmarokko im Zaume zu halten, sich nicht noch vom Osten her in ein gefährliches Aden- teuer einlassen,'. � Der Krieg. Die Antwort der Pforte auf die Friedeusvorschläge. Kowstantinopel, 17. April. Der Ministerrat beriet heute über die Antwort der Pforte auf die Mitteilungen der Mächte. Wie eS heißt, wird die Antwort eine ausführliche Begründung der Haltung der Pforte enthalten, die lediglich geneigt sein soll, Italien wirtschaftliche Vorteile in Tri- politanien auf der Basis ausdrücklicher Auer- kennung der Hoheitsrechte der Türkei zuzu- g e st e h e n. Die türkische Thronrede. K-nstantin-pel, 18. April. Um 2 Uhr nachmittags wurde das Parlament feierlich eröffnet. Der Großwesir verlas die Thronrede, welche außer der inneren Politik und den Vorfällen in Kreta und an der persischen Grenze folgendes besagt: Der zu Unrecht und im Gegensatz zu den Verträgen von Italien begonnene Krieg dauert trotz des allseitig geäußerten Wunsches nach Frieden an. Auch wir wünschen den Frieden. Aber kein an- derer Frieden kann den Krieg beenden als der, welcher unsere Souveränitätsrechte tatsächlich unversehrt aufrecht erhält. Die Thronrede spricht dann noch von Reformen und von den Kämpfen in Arabien; sie gedenkt des ermordeten Fürsten von SamoS und endigt mit der Versicherung, daß besonders das Heer- wesen weiter ausgebaut werden solle. Italien droht wieder mit einer Flottenaktion. Paris, 18. April. Mehreren Blättern wird aus Rom ge- meldet, daß Italien, da der Mißerfolg des Vermitte- lungsschrittcS der Mächte in Konstantinopel als unvermeidlich angesehen wird, entschlossen fei, in kurzem eine entscheidende Aktion im Archipel zu unternehmen. Der„Figaro" will wisien, daß das italienische Geschwader, an dessen Bord sich ein zahlreiches Landungskorps befinden werde, sich mehrerer, nahe am Dardanelleneingang gelegener Inseln, wie Lesbos, Lemnos, Jmbros usw., bemächtigen werde. Man macht sich auf starken Widerstand seitens der Türken gefaßt, doch sei die italienische Regierung überzeugt, daß die gewaltige Ueber- legenheit ihrer Flotte diesem Widerstand ein rasches Ende bereiten werde. Im Besitz jener Stützpunkte würden die italienischen Streit- kräfte die Türken ernstlich beunruhigen, ihren Handel behindern und auch den Handstreich gegen die Dardanellen vorbereiten und so die Türken zum Friedensschluß zwingen können. Die italiemschc Flotte vor den Dardanellen? Paris, 13. April. Die Agence Havas meldet aus Kon st an- t i n o p e I, daß die italienische Flotte bei 5kumkalesi a m Eingang der Dardanellen eingetroffen, sei. Ein italienisches Schiff soll gesunken sein. London, 18. April. Ein Lloydtelegramm meldet, daß Kanonendonner am Eingang der Dardanellen gehört wird, daß ein Angriff der Italiener stattfinde, doch ist eS unmöglich, etwas Gewisses zu erfahren. Konstantinopel, 18. April. Nach einer hier verbreiteten Nach- richt sind heute früh 27 italieirifche Kriegsschiffe am Eingamg der Dardanellen erschienen und haben daö Bombardement auf die Festung Kumkalcsi eröffnet. Ein aus der Festung abgefeuertes Geschoß soll ein italienisches Kriegsschiff getroffen haben. Eine Räubergeschichte. Tripolis, 18. April.(Meldung der Agenzia Stefani.j Heute früh wurde eine Kompagnie der Truppenabteilung von Tadjura eine Proviantkolonne, die aus Tripolis kommen sollte, entgegen- gesandt. Plötzlich traf die Kompagnie auf eine Bande von hundert Räubern, die in der Oase Raubzüge machen wollte. Die Kompagnie griff sofort die Räuber an und zerstreute sie. Dabei wurden sechs Räuber getötet und einer verwuirdet. Der Befehlshaber von Tad- jura, der sofort von diesem Kampfe benachrichtigt worden war, sandte eine Kompagnie Askaris und eine Abteilung von Ein- geborenen aus Gharian aus, die versuchen sollten, den Räubern den Rückzug abzuschneiden. Dabei trafen sie auf türkische Reiter, von denen sie einen töteten und die übrigen zerstreuten. Später stießen sie auf eine Abteilung von dreihundert Arabern und einigen Türken. Die Aslaris griffen den Feind mit großer Heftigkeit an und suchten ihn, unterstützt von den Eingeborenen aus Gharian, zu umzingeln. Zwei Stunden lang wurde erbittert gekämpft; endlich wandte sich der Feind zur Flucht, verfolgt von den Askaris, die ihm fortwährend Verluste beibrachten. Die Verluste des Feindes betragen gewiß nicht weniger als fünfzig Tote und hundert Ver- wundete. Die Askaris hatten zwei Tote und sechs Verwundete. Meuternde Reservisten ans dem Kriegsschauplatz. Rom, 1ö. April.(Eig. Ber.) Wir haben schon wiederholt hervorgehoben, daß di« verspätete Entlassung der Reservisten zu Aeußerungen der Unzufriedenheit Anlaß gegeben hat. Das Kam- mando, das natürlich über diese Sache viel mehr wußte als wir berichten konnten, hat aber aus der Sache keinerlei praktische Folge- rungen gezogen. So ist denn das Unvermeidliche eingetreten: ein Teil der Füseliere des 4. Regiments hat am ö. d. M. gemeutert. Wie der„Avant!" erfährt— die anderen Zeitungen schweigen vollständig—. verbreitete sich am Abend des S. im Lager bei Hamangi das Gerücht, daß das Regiment nach Suadi bcn Aden oder nach Zanzur marschieren solle. Diese Nachricht rief große Entrüstung hervor, besonders unter den Soldaten der 7. Kompagnie, die sich zusammenrotteten und laut ausriefen:«Wir wollen nach Hause, wir haben das Recht, entlassen zu werden." Zu ähnlichen Kundgebungen war es auch früher gekommen, wobei die Offiziere beschwichtigend eingegriffen hatten. Diesmal dagegen wendete sich ein Leutnant Bosio in heftigster Weise gegen die Soldaten, wobei es zu einer Szene kam, die man gut tut, im Interesse der Soldaten nicht näher auszumalen. Am Tage daraus wurden 18 Soldaten der 7. Kompagnie verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich auch zwei Korporale und ein Feldwebel, die sich geweigert haben, den Vorgesetzten die Namen der Soldaten zu nennen, die an der Meuterei beteiligt waren. Zwei Soldaten sind angeklagt, zum be- waffncten Widerstand gegen die Vorgesetzten aufgereizt zu haben. Das Kommando wußte seit langer Zeit, daß die schon am 1. April nominell entlassenen Reservisten des Kricgslcbens müde waren; warum hat man nicht durch beschleunigte Entlassung die drohende Mcutemng verhütet? Die Strafe», die der Verhafteten harren, werden in keiner Weise die übrigen Reservisten abschrecken, ihre Unzusrirdanheit an den Tag zu legen. Man hat der Achusd dieser Leute sZon allzuviel zugemutet f Die Revolution In Cblna. Das internationale Kapital finanziert die Republik. London, 17. April. Rußland und Japan teilten, wie das Reutersche Bureau erfährt, der englische» Regierung offiziell mit, daß sie die Aufforderung zur gleich hohen Teilnahme mit England, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten an einer Anleihe zur Re, organisation Chinas in Höhe von KOMillionen Pfund(1200 Millionen Mark) annehmen. Das An- leiheabiommen soll für die Souderinteressen Rußlands und Japans in der Mongolei, Mandschurei und in dem westlichen China in keiner Weise präjudizicrcnd sein. Es wird ferner mitgeteilt, daß Japan die Dokohama Specic-Bank und Rußland die Russisch- Asiatische Bank zur Vertretung der betreffenden Regierung aus- ersehen haben. Es wird alles versucht werden, um möglich bald eine Konferenz der sechs Finanzgruppen zur Erörterung der Einzelheiten der Anleihe stattfinden zu lassen. Ob die Konferenz in London oder auf dem Kontinent stattfinden wird, ist noch nicht entschieden. Die Hauptbcdingungen, die Japan und Rußland für ihren Eintritt in die Gruppe machen, werden kaum einem Wider- spruch begegnen, während, obgleich die Verhandlungen zwischen den verschiedenen beteiligten Interessengruppen im Fortschreiten begriffen sind, ein Weiterkommen unwahrscheinlich ist, bis die Frage der belgisch-englischcn Anleihe ihre Erledigung gefunden hat. Es wird gemeldet, daß keine weiteren Summen außer der bereits an China vorgeschossenen Summe von einer halben Million Pfund auf die große Anleihe hin ausgezahlt werden. Die Höhe der Anleihe, obgleich sie auf rund 60 Millionen Pfund angegeben wird, steht nock) nicht endgültig fest.(Es war von einer so un- geheuren Summe, wie 200 Millionen Pfund die Rede.) Die Summe werde von den Bedürfnissen Chinas abhängen. Da das Geld u. a. zur Reorganisation des HeereS und der Flotte ber- wendet werden soll ist die Notwendigkeit einer wirk, samen Kontrolle nicht nur in finanzieller Hin, sicht betont worden. Dies ist aber eine Frage, die noch zu regeln bleibt. Juanschikai gegen den Abfall der Mongolei. Petersburg, 18. April. Wie der Petersburger Telegraphen- Zlgentur aus U rga gemeldet wird, telegraphierte Juanschikai der mongolischen Regierung, er lehne die Einmischung von Mittelspersonen in den mongolisch-chinesischen Streit ab. Er forderte den Hutuchta auf. der Unabhängigkeit zu entsagen, und teilte ihm mit, er habe zu Verhandlungen Bevollmächtigte nach Urga entsandt. Die mongolische Regierung ist nach wie vor nicht geneigt, mit China unmittelbar zu verhandeln. In Urga ist eine r u s s i s ch- m o n go li sch e Gesell, s ch a f t zum Zweck der Errichtung eines Warendepots zum kom- missionsweisen Verkauf von Waren russischer Fabrikanten an ver, schiedenen Orten der Mongolei gegründet worden. Unter den Gründern befinden sich fünf mongolische Minister. Heeresvermehrung in Japan. Tokio, 16. April.(Meldung der Agence d'Extreme Orient.� Auf die Anfrage eines Abgeordneten hat der Kriegsminister er- klärt: Der Zweck des japanischen Heeres ist der Schutz des Landes und die Verteidigung der nationalen Interessen. Die geforderte Heeresvermehrung hat ihren Grund darin, daß auch die anderen großen Völker ihre Heere vermehren. In Korea werden in Zukunft zwei Divisionen, in der Mandschurei mit Einschluß vcn Formosa eine Division stehen. Mehr könne er aus strategischen Rücksichten nicht sagen. politiscke(leberlicbt. Berlin, den 18. April 1912. Justizetat. Aus dem Reichstage, 18. April. Gewöhnlich gleicht die Debatte im Reichstag einem unablässig niederströmenden trostlosen und grauen Landregen. So ivar es auch heute, als der Zentrumsmann Belzer den Reigen der Redner zum Justizetat eröffnete, nachdem der Staatssekretär Dr. Delbrück der Bereitwilligkeit des Reichskanzlers, die nationalliberale Jesuiten-Jnterpellafion„an einem noch näher zu bestimmenden Tage" zu beantworten, Ausdruck gegeben hatte. Aber dann brach für eine Weile die«sonne durch's Gewölk und das erfreute daS Herz, mochte diese Sonne auch einen nationalliberalen Schatten werfen. Der Straßburgcr Professor v. C a l k e r nahm nämlich in einer gar nicht pro- fessoralen Art die verschiedensten Dinge unter die Lupe, die mit der Justizverwaltung in Zusammenhang stehen, fand manches treffende Wort und schlug zuweilen die Herzens- töne des echten Idealisten an, aber er ist eben doch ein Idealist und Ideologe von einer seltenen Welt» fremdheit, der von Klassenjustiz nichts weiß und von ver- schtedenem andern auch nichts. EL war ja im ganzen weniger das, was er sagte, als das, wie er es sagte, was ihn die Aufmerksamkeit des Hauses fesseln ließ. Dann unterstützte der Fortschrittlcr D o v e in verschiedenem die gestrigen Aus- führungen des Genossen S t a d t h a g e n. Unlängst hat sich der Staatssekretär Kraetke seiner lauten Stimme als eines Zeichens seines guten Gewiffens bei der Verteidigung der Beamtenrechte gerühmt. Wenn wirklich die mehr oder minder laute Stemme für oder gegen die Güte einer Sache spricht, dann ist eS mit der Sache der Justiz in Deutschland spottschlecht bestellt, denn Herr L i s c o. der Staatssekretär für Klassenjustiz, flüsterte seine Paragraphen- haften Ausführungen geradezu in den Saal. Zum Teil verschanzte er sich gegen die erhobenen Angriffe hinter dem Wall der Unzuständigkeit, zum anderen Teil stellte er die Justiz als ein Kind hin„kein Engel ist so rein". Mit etwas schwererem Geschütz bollerten der Kon- servative H o l t s ch k e und der duellbegeisterte Reichsparteiler Merlin gegen die Sozialdemokratie— unter dem Feldgeschrei:„ES gibt keine Klassenjustiz l" Zwischendurch hatte der Pole v. Laszewski eine Resolution setner Fraktion begründet, die Tagegelder fiir Schöffen und Geschworene fordert, und es tadelt, daß in den östlichen Landesteilen Polen selten zu diesen Aemtern berufen würden. Darauf vertagte sich das Haus auf Freitag 1 Uhr zur Fortsetzung der Beratung._* Beamtenwünsche und Scharfmacherei. Wie wenig die preußische Eisenbahnverwaltung trotz der fort- gesetzten Renommisterei des Ministers den berechtigten Forderungen der Beamten und Arbeiter Rechnung trägt, lehrt die am Donnerstag fortgesetzte Beratung des Etats. Ein ganzes Füllhorn von Wünschen aller Art wurde von den Rednern der verschiedenen Parteien aus- geschüttet, fast keine Beamtenkategorie ist mit ihrer Lage zufriedcw Auf alle einzelnen Wünsche an dieser Stelle einzugehen, ist unmög- lich. Als charakteristisch aber sei hervorgehoben, daß die Vertreter der bürgerlichen Parteien in Uebereinstimmung mit der «egkmmg eS q!5 eteaS ganz SelvstberstündlHeZ Befragten, daß die Beamten und Arbeiter cme Besserstellung ihrer Existenz nm den Preis ihrer staatsbürgerlichen Rechte erkaufen müssen. Herr v. Savigny sZ.). der eine Kodifizierung dcS gesamten BcamtenrcchtS forderte, erklärte auSdrüFlich sein Einverständnis mit den Bemühungen des Ministers, sozialdemokratische Bestrebungen vom Bcamtenheer fernzuhalten, er bezeichnete jede nach außen erkennbare Hinneigung zur Sozialdemokratie als unvereinbar mit dem Dienste des Beamten. So tief ist das Zentrum also glücklich gesunken, daß es die Regierung zu scharfmacherischem Borgehen auffordert. Noch toller treibt cS Abg. v. W o y n a tft.), der fich als Gegner aller Beamtenorganisationen bekannte, nicht etwa nur als Gegner der Gewerkschaften. Er will nichts davon wiffen, daß die Beamten durch ihre Organisationen ihre Wünsche vorbringen. Petitionieren sollen sie auch nicht, und so dürften denn die Forderungen der Arbeiter und Beamten überhaupt unberücksichtigt bleiben, wenn es nicht die Sozialdemokraten wären, die fich ihrer immer und immer wieder annehmen. In demselben Ton ging eS weiter, und Herr v. Breite nbach, der natürlich alle Wünsche ablehnt, hatte eS leicht, sein scharf- macherischeS Borgehen zu verteidigen. Daß er in seiner Rede irgend einen neuen Gedanken geäußert hätte, wird er selbst nicht zu be- haupten wagen. Alle« ist seiner Meinung nach in seiner Verwaltung aufs beste bestellt, kein Arbeiter oder Beamter hat Grund zum Klagen. Daß es Beamte gibt, die anderer Ansicht sind, bewies in eingehender Rede Abg. D e l i u Sv äschereien der Len- gesellschaft kam cS zu ernsten Arbeiterunruhen. Zur Unterdrückung des Aufstandcs wurde Militär aufgeboten. Die Soldaten machten von der Schußwaffe Gebrauch, tötete« 107 Arbeiter und verwundeten 80. Serbien. Der Wahlkamps und die Sozialdemokratie. B e l g r a d. IS. April.(Eig. Ber.) 1 Was wir hier vorausgesagt haben, hat sich voll erfüllt? die Wahlen haben der Sozialdemokratie einen glänzen« den Erfolg gebracht. Allein in den sechs ländlichen Wal)l« kreisen, wo die Partei an dem Wahlkampf teilgenommen! hat. hat sie zwei Mandate erobert und 21 000 Stil» m e n auf sich vereinigt. Der frühere Parteiabgeord- nete Genosse K a z l e r o w i t s ch ist wieder gewählt, neui gewählt ist der Parteivorsitzende Genosse L a p t s ch e w i t s ch. Tie bisherige Sttmmenzahl der Partei hat sich v e r d r e i. facht. Bei dem allgemeinen Wahlrecht hätten wir sichev über 50 000 Stimine» erhalten. DaS siegreiche Vordringen der Sozialdemokratie in die breitesten Volksschichten ist die hervorragendste Erscheinung dieser Wahlen. Jetzt wird der Ruf nach dem allgemeinen Wahlrecht noch kraft- voller erschallen. Die Regierung hat wieder eine knappe Mehrheit ge, Wonnen. Das hat sie aber nur einer betrügerischen Proporz- Wahl zu verdanken. Während ein Regierungskandidat schon mit 2000 Stimmen gewählt werden konnte, brauchten bei diesem Säkwindelwahlsysteill die sozialdemokratischen Kandidaten sechsmal soviel, also 12 000 Stimmen, um gewählt zu werden. Doch sind wir mit dein Wahlausfall ganz zufrieden. Zu dem großen materiellen Zuwachs unserer Organisation und unserer Presse gesellt sich jetzt du große moralische Effekt des Wahlerfolges. stlexiko. Dl« Antwort du die Bereinigten StMeff. Mexiko, 18. April. In seiner Erwiderung auf die Note der V c r« i n i g k e» Staaten, durch die di« mexikauffche Rc- gierung verantwortlich gemacht wird für jede künftighin vorkam- wende schlechte Behandlung vo» amerikanffchen Bürgern, be» streitet der mexikanische Minister des Aeußeren der Regirrung von Washington das Recht. Mexiko eine Berinahnung zu erteilen, da diese nicht im mindeste» begründet fei. Der mexikanische Minister bestreitet weiter, daß die Regierung von Mexiko vcrant- wortlich sei für Gewalttaten, die i» dem von der Empörung er- griffenen Gebiet begangen toorden sind, übernimmt aber die v o l l e Verantwortlichkeit für jeden de» Ausländern zugefügteil Schade», für den di« mexikanische Regierung verantwortlich gemacht werden tonn«. Der Minister fügt hinzu, daß den Führern der Aundestruppen Borsicht aneuipfohlen worden sei, mir eine gute Behandlung der freindeu Kriegsgesajigeneu sicherzustellen, GewcrkfcbaftHched. Sin Pendant zur Streikjustiz im Ruhrgebiet. Mitte Februar hat die Arbeiterpresse über die Aus- schreitungen der Arbeitswilligen der Wiesbadener Steinmühle sowie auch über ihre Schießerei auf die Ausgesperrten und Streikposten berichtet. Ein Ausgesperrter war von vier Arbeitswilligen überfallen und mit Schlägen traktiert tvorden, und als er flüchtete, schössen sie mit Revolvern nach ihm. Zwei Tage darauf ivurde ein Streikposten von zwei Arbeits» willigen mit Ochsenziemern mitzhandelt, dabei drohten sie: „Die anderen kommen auch noch ran". Das war mittags. Nachmittags S'/s Uhr, als acht Arbeitswillige die Nachtschicht antraten, fielen diese ohne weiteres über drei Streikposten her, auch machten sie von dein Revolver Gebrauch, wobei einer der Streikposten angeschossen wurde. Die bürgerliche Presse versuchte damals, den Sachverhalt ulnzulügen und den S t r e i k p o st e n die Schuld und die Schießerei aufzulügen. Aber mit dem besten Willen konnte die Staatsainvaltschaft keine iilage gegen die Streikposten konstruieren. Dagegen haben die angeschossenen Streikposten und noch ein von den Arbeitswilligen mißhandelter Aus- gesperrter Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch das Verfahren„wegen Mangels eines öffentlichen Interesses" eingestellt. Sie begründet dies wie folgt: 1. Fall: gegen den Arbeitswilligen Wilhelm Schulz: „Wenn Wilhelm Schulz in seiner begreiflichen Erregung über die gegen seinen Bruder erhobene Beschuldigung Ihnen mit Schlagen bedroht und dabei auch von„Auseinandecscdlagen der Hirnschale" gesprochen hat, so ist nach Lage der Sache nicht wahr- sckeinlich, daß er sich dabei bewußt war,»n Ihnen die Furcht vor Tötung zu erwecken." 2. Fall: gegen den Arbeitswilligen Vincenz Schiche und Genossen: _„Das Verfahren gegen den Gärtner Vincenz Schiche wegen gefährlicher Körperverletzung habe ich eingestellt. Nach den eigenen Angaben des Schiche hat dieser allerdings mit dem Revolver nach Ihnen geschossen und sie auch am Kopfe getroffen. Eine strafbare Handlung ist aber um deswillen zu ver- neinen, weil Schiche nach den Feststellungen sich in Notwehr be- funden hat." Daraits folgt eine längere Begründung der nach staats- anwaltschaftlicher Deduktion angenommenen Notwehr, worauf cS dann heißt: „Zum mindesten konnten sie(Schiche und Genossen) des Glaubens sein, daß sie in Notwehr handelten, da an den vorher- gehenden Tagen bereits Mißhandlungen stattgefunden hatten." Mißhandlungen hatten tatsächlich stattgefunden, aber Mißhandlungen der Streikposten durch Arbeitswillige! Sagt eine Bergarbeiterfrau in verständlicher Erregung zu einem Streikbrecher„Streitbrecher", so erhebt der Staats- anwalt„im öffentlichen Jntcressc" Anklage und beantragt Wochen- oder gar monatelange Gefängnis- st r a f e n. Fällt eine Horde Arbeitswilliger über Streikposten her und erhält einer der Streikenden einen Schutz an den Kopf, so liegt kein öffentliches Interesse zur Er- Hebung einer Anklage vor. Wer da nicht zu der Erkenntnis kommt, daß die Staatsanwaltschaft die„objektivste Behörde der Welt" ist, der mutz das seinem sehr beschränkten Laien- verstände über deutsche Rechtspflege zugute halten. Berlin und Qmgegend. Unzufriedene Friedhofsarbeiter. AuS den Beriammlungsberichten der Berliner Stadtsynode wissen wir, daß die Anlage der drei Friedhöfe in Mühlcnbeck, Stahnsdorf und Ahrensfelde ein großer Reinfall der Synode war. Um nun den Dalles elwas zu vermindern, scheint der Vorstand sonderliche Wege gehen zu wollen. Im Oktober 1911 wurde für die Abteilungen Baumschule und Topfpflanzen ein neuer Ober- gärtner eingestellt. Da die Gärtnerei sich nun selbst er- halten soll, so muß natürlich soviel als möglich heraus- Bewirtschaftet werden. Der Obergärtner. Herr M ü h l n e r. verlängerte also die Arbeitszeit. Die Gehilfen sollen anstatt wie früher 19 Stunden. jetzt täglich 11 Stunden arbeiten. An eine höhere Bezahlung denkt aber die Synode oder ihr Obergärlner nicht. Die Arbeiter, die den fürstlichen Lohn von 3,89 M. täglich bekommen, erhalten für die 11. Stunde sage und schreibe 28 Pf. Die Ueberstunden werden also schlechter bezahlt als die reguläre Arbeitszeit. Die Krone setzt der Herr Obergärtner Mühlner seinem Verhalten auf, indem er den Gehilfen, die die Arbeit niederlegten, drohte, sie mit allen gesetzlichen Mitteln wegen Kontraktbruch zu verfolgen, ob- gleich in diesem Betrieb keine Kündigung besteht. Die Friedhofs- gärtner und Arbeiter sollten die Lehre aus diesen Vorgängen ziehen. Auch den Kirchenbehörden gegenüber ist eine starke Organisation notwendig. Vielleicht ist die Verlängerung der Arbeitszeit auch eine Eigenmächtigkeit des Herrn Obergärtners M ü h l n e r. In Steglitz und im letzten Jahre in Erfurt bei der Finna I. C. Schmidt ist Herr Mühlner durch seine Taten, die auf demselben Gebiete liegen, den Arbeitern unliebsam bekannt geworden. Auch die Unzufriedenheit der Berliner Friedhossarbeiter hat durch seine Matznahmen eine so bedrohliche Höhe erreicht, daß jederzeit unliebsame Weiterungen eintreten können. Es liege sicher auch im Interesse der zuständigen Stellen, den Hern, nicht un- gehemmt in dieser Weise walten zu lassen. Es wäre gut, wenn »hm etwas auf die Finger gesehen wird. Achtung, Schuhmacher? Ter Streik bei der Firma Pinner Nachfl., Rungcstraße 22—24, hat durch erneute Verhandlungen, welche unter Mitwirkung einer Kommission des Verbandes Berliner Schuhfabritanten stattfanden, seine Erledigung gefunden. Zwar konnten bei weitem nicht alle Forderungen durchgesetzt werden, doch war das Ergebnis für die Kollegen und Kolleginnen als annehmbar zu bezeichnen. Es wurde deshalb beschloffen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Jedoch konnten aus betriebstechnischen Gründen nicht olle Arbeiter und Arbeiterinnen sofort wieder eingestellt werden. Herr B o r i n s k i(Inhaber der Firma) verpflichtete sich aber, be- vor nicht alle Streikenden eingestellt sind, keine neuen Arbeits- kräfte anzunehmen.— Wir ersuchen, dies beachten zu wollen. Zu gleicher Zeit machen wir nochmals aufmerksam, daß die Firmen Hamann u. E o., Michaelkirchstraßc 18, und Großmann, Adlershof, Moltkestraße 2, gesperrt sind. Zentralverband der Schuhmacher Lrtsverwaltung Berlin. Die Sektion der Gips- und Zementbranche des Deutschen Bau- arbeiterverbandes(Zweigverein Berlin) hielt am 17. d. M. in den Arminhallen ihre Generalversammlung ab. Den G e- schöftsbericht für das erste Quartal 1912 erstattete Heese. Die Mitgliederzahl betrug am Schluß des Jahres 19U 2210, zurzeit hat die Sektion 2269 Mitglieder aufzuweisen. Zwei Branchen- Versammlungen und eine Generalversammlung wurden abgehalten. Die Konjunktur war im verflossenen Quartal ein« überaus flaue, was sich besonders in den hohen Arbeitslosenziffern äußerte. Im Januar lagen 312 Neumcldungen von Arbeitslosen vor. dazu kamen die noch vom Dezember 1911 übernommenen 206, so daß insgesamt 518 Arbeitslose gezählt werden. 63 Airbeitsstellen waren aber nur zu besetzen. Im Februar kamen zu den 263 vom Januar über- nommenen noch 314 Neumeldungen hinzu; besetzt wurden 122 Lerantw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Jnseraienteil verantw.; dfsene Skekken. Für März öetbkWben 245 Arbeitslose, zu benen 491 Neumcldungen hinzutraten, während nur 64 offene Stellen zu besetzen waren. Tiefe Zahlen dürften die Arbeitslosigkeit aber noch gar nicht in vollem Umfange darstellen, da der Arbeitsnachweis leider nicht genug funktioniert und viele Arbeitslose cS unterlassen, sich dort zu melden. Die Arbeitslosigkeit erfaßt 39 Proz. der gc- schntcn Mitglieder. Eine Besserung der Konjunktur ist im Sommer zu erwarten, da besonders mehrere Geschäftshäuser im Innern der Stadt erbaut werden sollen. In Anbetracht der großen Arbeits- losigkeit war es ein Akt größter Unkollegialität, daß trotz Ermahnung zahlreiche Ueberstunden geleistet wurden. Gegen diesen Mißstand sind geeignete Schritte in Aussicht genommen. Den betreffenden Kollegen erteilte die Versammlung einstimmig eine Rüge. Redner tritisierte dann noch die sogenannte polnische Bcrufs- bereinigung, die eifrig Arbeiterzersplilterung treibe und sich nicht scheue, den Staatsanwalt anzurufen. Ueber die Stellungnahme zur Maifeier referierte ebenfalls Heese. Die Sektion wird auch in diesem Jabre wie bisher den 1. Mai feiern, und zwar findet die Versammlung am 1.?Nai in den„Sophiensälen" statt. Es loird auf eine rege Beteiligung gehofft. Von denjenigen, welche aus irgend einem Grunde nicht feiern können, wird es als Ehren- Pflicht vorausgesetzt, daß sie zu dem Maifonds beisteuern. Wo gefeiert wird, soll dies möglichst geschlossen geschehen. Die Feiern- den und auch die Arbeitslosen sind verpflichtet, die Versammlung am 1. Mai zu besuchen, da nur solche Anspruch auf eventuelle Unter- stützung baben. lieber die Unterstützungsfragc selbst wird noch eine om 28. April stattfindende Versammlung zu beschließen haben.— Unter„Verschiedenes" wurde zunächst mitgeteilt, daß sich der neue Sektionsvorstand aus folgenden Personen zusammensetzt: Otto Heese, erster Vorsitzender; Wilhelm Lemm, zweiter Vorsitzender; Wilhelm Hoppe, erster Schriftsührer; Friedrich Günther. zweiter Schriftführer: Wilhelm N e u m a n n, Adolf Krämer und Ernst S ch i e f e l b c i n, Beisitzer. Dann berichtete Heese über die Lohnbewegung der Stukka- teure. Wo sich Arbeitswillige dieser Branche zeigen, soll dies um- gehend der Verwaltung mitgeteilt werden. Auch ist auf die Arbeits- berechtigungskarte zu achten, die nur in geringer Zahl ausgegeben worden sind; wer diese Karte nicht aufweise» könne, sei als Arbeits- williger zu betrachten. Ferner ist auch jedes Ansinnen der Bau- leitung, Arbeiten der Streitenden auszuführen, strikte zurückzu- weisen. Die dadurch in Mitleidenschaft gezogenen Kollegen können ebenso wie 1997 Unterstützung beantragen.— Ueber den in der letzten Generalversammlung an den Vorstand verwiesenen Antrag, den sich zur Wiederaufnahme meldenden Kollegen die Buße, welche ihnen wegen Nichtleistung der Streikbeiträge im Jahre 1910 auferlegt worden ist, zu erlaffen resp. zu ermäßigen, teilte Heese mit, daß der Vorstand den Antrag nicht befürworten könne. Nach kurzer Diskussion schloß sich die Versammlung gegen eine Stimme diesem Standpunkt an. Deutsch«» Reick). Eine Arbcitstvilligenlieferung. Um den Streik in der Görlitzer Waggonfabrik zu brechen, hat die bekannte Arbeitswilligenfirma K a c z m a r e k- Berlin ein Sortiment von 76 Mann dieser dem Staate nützlichen Elemente nach Görlitz befördert. In den Zeitungen sucht die Fabriklcitung„gesunde Arbeiter, nicht über 49 Jahre"; im Arbcitswilligentrupp befanden sich Leute jeglichen Alters, von 29 bis 79 Jahren. Einer von der Truppe, der unter der Vorspiegelung, daß in Görlitz keine Lohndifferenzen vorliegen, sich von Kacz marek hatte anwerben laffen, gab eine anschauliche Schilderung von den Erlebnissen vor und während der Fahrt und nach dem-Eintreffen in dem Betriebe der Waggon- fabrik in Görlitz. Danach ist die Kerntruppe des Kacz marek schon auf dem Görlitzcr Bahnhof in Berlin gegen organi- sierte Holzarbeiter tätlich vorgegangen. Im Wartesaal wurde ein Angestellter der Zahlstelle Berlin des Holz- arbeiterverbandes durch Schläge mit einem Bierseidel erheblich am Kopfe verletzt, so daß er sich auf der Unfallstation verbinden lassen mußte. Die anwesenden Polizeibeamten weigerten sich zunächst, auf Ersuchen eines Holzarbeiters den Täter, als welcher Kaczmarek angegeben wurde, festzustellen. Erst auf besonderen Einspruch eines Führers der Gelben, der jedenfalls aus Konkurrenzneid sich auf dem Bahnsteig befand, wurde die Fest- stellnng des Täters bewirkt. Kurz vor der Abfahrt habe einer der „Helden" gesagt:„Wer jetzt den Zurückzieher macht, kriegt Stauke!" Unterwegs stellte sich heraus, daß die Arbeitswilligen mit Gummiknüppeln, Schlägern, Messern und Dolchen bewaffnet waren und.sich über die beffere Hand- habung dieses„Handwerkszeuges" gegenseitig belehrten. Der so schmählich getäuschte Arbeiter, der vor dieser Gesellschaft ein Grauen empfand, wollte nach seiner Ankunft in Görlitz wieder seine Papiere zurückhaben, um so schnell als möglich aus dem Be- reich dieser Leute zu kommen. Kaczmarek verweigerte die Herausgabe der Papiere. Wenn er, der fremde Arbeiter, nicht ein Pfand hinterlasse oder nicht das Reisegeld zurückerstatte, käme er mit heiler Haut nicht heraus. Er, Kaczmarek, brauche nur den Rücken zu drehen, und„schon ist die Sache erledigt". Dann würde er, der Fremde, sein Leben lang an diese Fahrt denken. Da die schon vorher drohende Haltung der Kaczmarek- Garde immer ernst- hafter wurde, hat der Arbeiter unter dem Druck dieser sür ihn gefährlichen Situation seine Uhr als Pfand gegeben, worauf er ohne Papiere gehen konnte. Erst im Laufe des Tages wurden ihm auf telcphonische Beschwerde eines Genoffen aus der Redaktion unseres Görlitzer Parteiblattes bei der Werksleitung die Papiere wieder ausgehändigt. Die Uhr heraus- zugeben, weigerte sich. Kaczmarek. Nach den Angaben dieses fremden Arbeiters sollen die Arbeits- willigen pro Woche 39 M. und freie Station erhalten, während den eigenen Arbeitern von der Firma Einstellungslöhne von 27 und 28 Pf. pro Stunde gezahlt werden. Zuzug von in der Holz- und Metallindustrie tätigen Ar- heitern, von Malern und Anstreichern, gelernten und ungelernten Arbeitern ist aus Görlitz streng fernzuhalten. Die Metallarbeiter der Schiffswerft von F. Lemm in Boizenburg a. Elbe haben dieser Firma den heutigen Teue- rungsverhältnissen entsprechende Forderungen auf Erhöhung der Löhne unterbreitet. Die Firma hat zwar mit einer Kommission der Arbeiter unterhandelt und später auch mit dem Bezirlsleiter deS Metallarbeiterverbandes, aber so geringfügige Zugeständnisse gemacht, daß eine Verständigung nicht erzielt wurde. Auf 3!-4 Jahre verteilt, wollte die Firma 3 Pf. Lohn zulegen! Tic Arveiter baben ihre habere Forderung so weit revidiert, daß auf 2!-4 Jahre 4 Pf. Lohnerhöhung kommen, erfuhren aber damit eine Abweisung. Die Folge davon war der Streik. Wir ersuchen dringend, den Zu- zug von Boizenburg fernzuhalten? Die Bezirksleitung des Deutschen Melallarbeiterverbandes. Bon den Verhandlungen im Hamburger Hafen. Am Mittwochabend sind die zwischen Vertretern des Hafen- Betriebsvereins und Vertretern des Transportarbeiterverbandes gepflogenen Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen in den Stauereibetrieben zu einem Abschluß gelangt. Die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit wurde in der Art er- ledigt. daß eine Kommission bestimmt wurde, der auch drei Ver- trcter des Transportarbeitcrvcrdandes angehören, die eine Ver- kürzung der regelmäßigen Arbeitszeit von 19 auf 9 Stunden vorbereiten soll. Diese Vorbereitung und fh.Gl«cke,Berl'N. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. it verwgsanstalj ErhcSung über iiie Möglichleik eliktt BerMMg 5tt StScifejeif muß binnen Jahresfrist geschehen sein. r Lohnerhöhungen wurden zugebilligt je 10 Pf. Jirö Tag oj 1 Mai 1912, ab 1. Januar 1913 und ab 1. Januar 1914. ijur etwa 30 bis 40 namentlich ausgeführte Artikel, deren Verstauung besonders gesundheitsschädlich ist. wie Schwefel. Kampfer. Guano und andere, wird ein besserer Lohnzuschlag gewahrt; er soll von nun an 8 Pf. pro Stunde betragen.„..„. � Die Funktion der für den Arbeitsnachweis bestehenden Bc-� schwerdekommission wird etwas erweitert; ihr Wird eine gewisse Zuständigkeit bei Lohndiffcrcnzen eingeräumt; sie kann bei Lohn- diffcrenzen vermittelnd eingreifen. Am Sonntag werden din Hamburger Schaucrlcute«n einer Versammlung zu diesen Ergebnissen der Verhandlung Stellung nehmen. Huslnnd. Warnung vor Auswanderung«ach Amerika! Ein Beauftragter des Frcsno Building Tradcs Eouncil ick Freno lKatisornien) bittet einen Verwandten in.Harburg, für weit- gehende Verbreitung dieser Warnung Sorge zu tragen: „Ich erlaube mir. Dich offiziell zu benachrichtigen, daß die Arbeitsverhältnisse hier so erbärmlich sind, wie die Welt eS wobl selten gesehen hat. Unter dem Vorgeben, daß hier Taufende von Arbeitern aller Gattungen für den Bau der Weltausstellung in San Franzisco gebraucht werden, werden Tausende von Ar- beitern verführt, nach hier auszuwandern. Nachdem die Schiffs- und Eisenbahngesellschaftcn, die Hotels und Vermietungskontorc die armen Teufel ausgeraubt baben, stehen sie. ohne der Sprache mächtig zu sein, und ohne Mittel auf der Straße. Wir müssen Taufende mit Essen und Schlafgelegenheit versorgen, und die Gefängnisse. Kranken- und Irrenhäuser sind mit diesen Unglück- lichen gefüllt. Selb st morde kommen täglich dutzendweise vor!— Es sind die Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschoften, die durch verführerische Zeitungsreklame schuld daran sind.— Wir vcreiniglen Gewerkschaften und Sozialisten bitten Euch, diesen Bericht soviel wie möglich bekannt zu machen." Hetzte IVacbricbtcn. Grofffruer in Halens«. Gestern abend kurz nach 10 Uhr wurde die gesamte Wflmers- dorfcr Feuerwehr nach der Johann-Eeorg-Straße 8 auf Halcnseer Gebiet gerufen, wo in der Fabrik chemisch präparierter Papiere von Senzig u. Mellis, G. m. b. H-, ein Großfcucr ausgebrochen war. Bei Ankunft der Löschzüge brannte der zweite und dritte Stock der Fabrik lichterloh. Die Flammen fanden an den Papiervorräten überreichliche Nahrung und konnten nur langsam eingedämmt werden. Nach einstündigcr Löschtätigkeit konnte die Hauptgefahr als beseitigt gelten. Der angerichtete Schaden ist er- h c b l i ch. Ueber die Ursache des Feuers konnte noch nichts er- mittelt werden. Mit den Nachlösch und Aufräumungsarbeitcn hatte die Wilmecsdorfcr Wehr bis in die späten Nachtstunden hinein zu tun. Unfälle sind bei den Löscharbeiten nicht vorgekommen. Die Brandstelle war von einer großen Menschenmenge umlagert. Zum Untergang der„Otantc". New Jork, 18. April.„Evening Post" meldet: Bruce JSmay hat heute der White Star-Linic die ersten Berichte über den Untergang der„Titanic" gesandt. Die Direktion hat die Be- kanntgabe der Depeschen verweigert. Ter Vizepräsident der White Star-Linic erklärte»mr, daß diese Depesche von keiner Panik be- richtet hatte; er dementierte weiter, daß Jsmay vor der Landung an Bord des Dampfers-„Cedric" gehen würde.— Der Schatzamts-- sckretar Mac Vcagh hat einen Zolliutter angewiesen, das Senats- komitec, das die Ursachen der Katastrophe untersuchen soll, auf die „Carpathia" zu bringen, che diese den Hafen erreicht oder sobald sie sich innerhalb der Jurisdiktion der amerikanischen Zollbehörde be» findet. Washington, 18. April.(W. T. B.) Alexander, der Ob. mann des Repräsentantenhaus-Äomitees für die Handelsmarine, hat im Hause eine Resolution eingebracht, in der er die Einberufung einer internationalen SchiffahrtS- konferenz vorschlägt, um einheitliche gesetzliche Bestimmungen für die Sicherheit von Mannschaft und Paffagieren der Handelsschiffe in Erwägung zu ziehen. Die„Titanic"katastrophe im englischen Unterhause. London, 18. April. Handclsminister B u x t o n erklärte in Be» antwortung verschiedener Anfragen über das Unglück der„Titanic", daß das Handelsamt mit Rücksicht auf die wachsende Größe der Dampfer im letzten Jahre eine Revision der Vorschriften über die Rettungsboote in Aussicht genommen und mit der Untersuchung dieser Frage den Ausschuß sür Handclsschiffahrt betraut habe. Ter Bericht des Ausschusses habe das Handelsamt nicht zufrieden- gestellt und die Frage sei dem Ausschuß nochmals zur weiteren Untersuchung überwiesen worden. Der Handelsminister erklärte weiter, er wolle nichts über das Ergebnis der Untersuchung über den Untergang der„Titanic" voraussagen und auch nicht von Aenderungcn reden, die sich infolge der Katastrophe als notwendig erweisen sollten. Er wolle aber feststellen, daß bisher weder das Handelsamt noch die verantwortliche sachverständige Behörde der Meinung gewesen sei. daß jedes Schiff, gleichviel welcher Größe und Schottenausrüstung, unbedingt in seinen Rettungsbooten Platz sür alle an Bord befindlichen Personen haben müsse. Das Handelsamt habe der„Titanic" 969 Platze in ihren Rettungsbooten vorgeschrieben, sie hätten aber tatsächlich für 1178 Personen Platz gehabt. Die durch die Katastrophe geschaffene Lage. schloß der Minister, muß mit der größten Sorgfalt erwogen wer- den, nicht i» Ucberstürzung, sondern im vollen Lichte der Tatsachen. die die Untersuchung zutage fördern wird. Das Handelsamt ist sich vollkommen der großen Verantwortlichkeit bewußt, die es in dieser Angelegenheit tragt. Cooper fragte sodann: Ist es nicht Tat- fache, daß die atlantischen Dampfer Deutschlands und der Ver- einigten Staaten doppelt soviel Rettungsboote mitführen, als das britische Handelsamt für notwendig erachtet? Buxton antwortete: Ich glaube nicht, daß das der Fall ist, aber ich werde der Frage nach- gehen._ � Bestätigung des Bombardements der TardancllenfortS. Wien, 18. April. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Kon- staniinopcl: T-as Bombardement dauerte 2� Stunden. Die Türken hatten einen Toten und einen Verletzten. Durch einen Schuß von dem Fort Ertogul wurde ein italienischer Panzerkreuzer kämpf. unfähig gemacht. Die italienische Flotte dampfe dann nach dem Golf Gallipoli ab. Die Italiener bombardierten heute auch Samvs. Der Pariser Chausseurstreik beendet. Pari«, 18. April.(W. T. B.) Der seit dem 27. November 1911 bestehende Streik der Chauffeure ist beendet. Ans dem nisftschen Korruptionssumpf. Warschau, 18. April.(P.-C.) Auf Veranlassung der Militär- behörde wurden heute nach vorheriger Hausuntersuchung vier I n t en d a n t u rb e a m t e verhaftet. Die Beamten sollen sich bei den Lieferungen von Armccmatcrial Unterschlagungen in Höhe von mehreren Millionen Rubel schuldig gemacht habe«. KaulSingertEo..BerlinL5V. Hierzu 3 Beilagen».«utrrhaltungSbl. Nr. 91. 29. IahrMg. 1. KkilM des Joritiiitts" Serlim PiilMtt. Freitag, 19. April 1912. Reichstag» 40. Sitzung. Donnerstag, den 18. April 1912, nachmittags 1 Uhr. Am BundeZratstische: Dr. L i s c o, D e l 9 r N ck. Auf der Tagesordnung steht zunächst die nationalliberale I n t e r- Pellati on betreffend den Vollzug des Jesuitcngesctzes. Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt ans die Anfrage des Prä- fidenlen, der Reichskanzler ist bereit, die Interpellation zu beant- Worten; über den Zeitpunkt der Beantwortung werde ich mich mit dem Herrn Präsidenten verständigen. Dem Antrag der Wahlprüfungskommission, über die bei der Wahl des Abg. Dr. Becker-Heffen(natl.) nach den Behauptungen des Protestes vorgekommenen Unregelmäßigkeiten Beweis zu erheben, wird debattelos zugestimmt, ebenso dem Antrag Ablaß u. Gen.(Vp.), ein gegen den Abg. Bruckhofs sVp.) schwebendes Strafverfahren für die Dauer der Session einzustellen. Hierauf wird die zweite Lesung des Etats des Reichsjustizamts fortgesetzt. Abg. Dr. Bclzer fg.): Sehr bedauerlich ist, daß mit der Ver- zögcrung der Slrafprozeßreform nun auch eine Reform des S traf v o llz u g s ge se tz e s und die des Militärstraf- ge setzbuch es verzögert wird. Dem Antrag der Konservativen, der einen Gesetzentwurf zum Schutze der Jugend gegen Schmutz- und Schundliteratur verlangt, werden wir gern zustimmen. Gegen den Antrag Ablaß jedoch, der die Schaffung von Jugendgerichten und eines besonderen Verfahrens gegen Jugendliche wünicht, haben wir s e h r s ck iv e r e B e d e n k e n; eS wäre nur eine Teilreform, und zudem will der Antrag dem Staats- anmalt eine größere Befugnis geben. Dem können wir nicht zu- stimmen. Bei der Reform der Strafprozeßordnung muß unbedingt an der Forderung der Mittvirkung von Laien in der Berufungsinstanz sestgebalten werden; es wird keinen Reichstag mehr geben, der auf diese Forderung verzichtet(Sehr richtig!), und die Regierung sollte die in der Kommission geleisteten Vorarbeiten nicht unter de» Tisch fallen lassen.— Eine weitere große Reform, die uns bevorsteht, ist die der Zivilprozeßordnung. Sie liegt ja noch in weitem Felde. Auch bei ihr wird man an die Zuziehung von Laien denken müssen. Die Erfahrungen bei den Kaufmanns- und Gewerbegcrichten haben die Bedenken biergegen zerstreut. Aber noch vor der großen Reform wäre vielleicht eine Teilreform des Konkursverfahrens angebracht, vor allem, um den Zwangsvergleich zu beseitigen.— Immer enger werden auch die internationalen Rechtsbezichungcn. Notwendig ist vor allem die Schaffung eines internationalen LnstschiffahrtS- g e f e tz e S. Wie steht es ferner mit der Schaffung eines i n t e r- nationalen Wechsclrechtes?— Wünschenswert wäre eine Statistik über die öffentlichen Anklagen etwa in zwei Jahren. Eine solche Statistik würde dem Mißtrauen, das vielfach gegen die Staatsanwaltschaft besteht, begegnen. Wichtiger ist die Forderung der Tagegelder für Schöffen und Geschworene. Die Gebührenordnung für Rechtsanwälte ist revisions- bedürftig, vor allem aber ist eine Besserstellung der Rcchtsanwaltsgehilfen notwendig. Die Strafen im Strcikgcliet sind in der Tat teilweise zu hart. sHört l hört! bei de» Sozialdeniokratcn.) Die Erregung, die wäh- rcnd des Streiks im Ruhrrevier herrschte, sollte nicht als straf- verschärfend, sondern als strafmildernd ange- sehen werden.(Sehr richtig!) Redner geht des weiteren auf eine Reihe Einzelfälle ein und verlangt deren Prüfung durch daS Reichsjustizamt.— Die Anordnung der Unterbringung von Irren in eine Anstalt gegen ihren Willen sollte nicht Sache der Polizei, sondern der Stich ter sein, deren Anordnung an- fcchlbor sein müßte. Dunkle Stellen gibt es genug in unserer Justiz, aber so trübe wie Herr Stadthagen brauchen wir nicht zu sehen. Es gibt zwei leuchtende Stellen, das ist die Unbestechlichkeit unserer Richter und die Gediegenheit unserer RcchtSivissenschaft. (Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. v. Calker(natl.): Es ist mein lebhaftester Wunsch, daß wir sobald wie irgend möglich zu einer Reform der Straf- Prozeßordnung kommen. Auf jeden Fall müssen einzelne Aenderungen erfolgen. Das wichtigste ist eine Regelung�deS I u g e» d r e ch t s. Ich denke an die Heraufsetznng der Straf- Mündigkeit und vieles andere. Wie steht es weiter mit dem Gesetz betr. die Ä o n k u r r e n z k l a u s e l. Dringend notwendig ist eine Reform der j u r i st i s ch e n Vorbildung. Sie ist zwar heute Landesrecht, aber es wäre sehr erwünscht, wen« diese wichtige Materie durch Reichsgesetz geregelt würde. Ver 29. Rongreß für innere JVIedizin. O. P. Ter erst« Teil der Sitzung vom Mittwoch gehörte der Neurologie tLehre von den Nerven) an. Lange- Leipzig machte Mitteilung über die von ihm eingeführte Methode der Kockffalzinjektion in die Nerven bei Neuralgien, die jetzt allgemein mit sehr großem Erfolge angewandt werde. Die besten Wirkungen sieht er bei akuten Neuralgien, gleichgültig, ob bei Ischias, Gesichts- schmerz, Armneuralgie usw.. auch noch Influenza, Malaria, bei Amputationsstümpfen. Sehr gering sind die Wirkungen bei Neurasthenie und Hysterie, sowie bei Unfallverletzten. Die Methode ist völlig gefahrlos. Den Höhepunkt der Sitzung bildeten die Erörterungen über die Wirkung radioaktiver Substanzen, denen sich das Interesse der Forscher und Acrztc in der letzten Zeit in hervor- ragendem Maße zuwendet. Was zunächst das Radium anbe- trifft, so sind seine gewaltigen biologischen Wirkungen unbe- streitbar. Unbestritten aber ist noch nicht, inwieweit sich solche Wirkungen in Krankheiten therapeutisch verwerten lassen. Außer- dem untersteht noch der Diskussion, welche Form der Radium- Zuführung, ob Einatmung, Trink- oder Badekur, das beste Ver- fahren darstellt. Lazarus- Berlin teilt mit. daß die Harnsäure des Blutes durch Emanation nicht in spezifischer Weise beeinflußt würde und von den Velde n- Düsseldorf wies nach, daß die Blutgerin- nung durch Radiumemanation nicht anders beeinflußt würde, wie durch andere respirable Gase. Von ärztlicher Seite bestärkte Rümpel- Hamburg diese ablehnende experimentelle Untersuchung auf Grund seiner Beobachtungen an Gickstkrankcn und rheumatisch Krauken. Demgegenüber traten aber gewichtige Fürsprecher für die Heilwirkung der verschiedenen Radiumapplikationen auf. Eine Reihe von Badeärzten rühmten die erzielten Heilerfolge. Vom wissenschaftlichen Standpunkt untersyützte Straßburger- Breslau diese Auffassung. Auf ein hohes Niveau wissenschaftlicher Darbietung erhoben sich die Verhandlungen durch Mitteilungen, welche gleichzeitig aus drei führenden Kliniken(HiS-, Krau s- Berlin, v. Noord en- Wien) über die Wirkungen einer bisher unerprobten Substanz, das Thorium X, gemacht wurden. Dieses Präparat wird von den Auerschen Glühlichtwcrkcn gewonnen. Es ist so enorm radiaktiv, daß schon ganz verdünnte Lösungen die stärksten photographischen Wirkungen hervorrufe». Es grenzt ans Wunderbare, welch außer- ordentliche Veränderungen im menschlichen Körper nach Einführung des Thorium X hervorgerufen werden. Es wurde übereinstim- «end von Plesch und Gudzent-Berlin und von F alt a- Von einer Klassenjustiz kann keine Rede sein.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Eine bewußte Rechtsbeugung habe ich noch niemals gesehen.(Bravo! bei den Nationalliberalen,) Auch sind die Leistungen der Juristen nicht zurückgegangen, wohl aber sind die Anforderungen an die Kenntnisse der Juristen infolge der immer umfangreicher werdenden Gesetzgebung enorm gestiegen. Wie können diese Anforderungen besser erfüllt werden, als es heute geschieht? Hier sollte das R e i ch s j u st iz a m t mit Anregungen vorangehen. ES ist zuzu« geben, daß Professoren, die vor allem Ivissenschaftlich tälig sind, sich in ihrer dozentischen Tätigkeit nicht genügend Mühe geben. Vielfach sind die Vorlesungen in der Tat etwas langstielig.(Lebhaftes Sehr richtig! und Heiterkeit.) Eme wertvolle Ergänzung der Vorlesungen sind die Uebungen. Wir müssen so dozieren, daß die jungen Leute die Empfindung haben, sie lernen etwas, dann kommen sie auch. Und wenn sie mal nicht kommen, weil sie im Schwarzwald oder in den Vogesen herum- laufen, so schadet daS auch nichts.(Bravo I> Die Rcpititorien an sich schaden nichts, denn es ist gleich, wo jemand etwas lernt, wenn er es nur überhaupt lernt. Ein furchtbarer Schaden für unsere Rechtspflege aber sind die R e v i t i t 0 r e n, die auf den Mann, auf den Examinator dressieren.(Sehr richtig!) Natür- lich tragen die betreffenden Examinatoren mit Schuld daran. Es mutz so examiniert werden, daß ein solches Dressieren nichts nützt. Examinieren kann man nur dann, wenn man eine Materie beherrscht.(Sehr richtig I> Die Allgemeinbildung war früher eine viel bessere, beute drängt alles zum Brot- st u d i u m. Im ersten Semester sollte der junge Jurist nur ein Kolleg über Einführung in die Rechtswissenschaft hören, Der junge Abiturient weiß ja noch gar nicht, wie es im Staats- leben aussieht, sei» Lehrer weiß es ja meist auch nicht.(Leb- hailes Sehr richtig! und Heiterkeit.) Gegen das Verbindungswesen habe ich an sich nichts, aber die Verbindungen sollten den jungen Leuten nicht sagen, in den ersten Semestern seid Ihr für die Ver- bindung da, sondern sie sollten ihnen sagen: in der heutigen Zeit ist es nicht mehr angängig, daß junge Leute semesterlang nichts tuit. Gewiß sie sollen fröhlich sein und studentische Sitten Pflegen, aber es ist auch durchaus möglich, daneben noch etwas zu arbeiten. (Sehr gut!) Bei der Rekorm der Strafprozeßordnung wünschen alle Parteien ein Jugendgesetz. Für dieses Gesetz habe ich den besonderen Wunsch, Frauen als Schöffen zuzuziehen.— In der Gerichts- Verfassung wünsche ich das Laienelement in der Weise berück- sichligt, daß alle Kreise der Bevölkerung ohne Rücksicht auf Religion und politische Ueberzeugung zugezogen ivcrden. Dazu ist eS nötig, Gebühren für Schöffen und Geschworene festzusetzen. Nur durch diese Mitwirkung kann das Vertrauen in die Rechtspflege gesteigert werden.— Schleunige Justiz ist in jedem Falle gut. Im S t r e i k g e b i e t ist jetzt schleunige Justiz durchgeführt worden. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das war überhaupt keine Justiz!) Ob die Urteile zu hart waren, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, daß von deutschen Nichtern Klassenjustiz geübt wird.(Lebhafter Widerspruch bei den Soziaidemolraten.) Jedenfalls ist eine Beschleunigung des Verfahrens möglich. Dazu könnte auch eine Verbejierung des Vorverfahrens beilragen. Freilich sind das nur kleine Mittel. So lange wir die grundlegende Reform nicht bekommen, bleibt dem Staatssekretär als großes Mittel das der persönlichen An- r e g u n g e n. Wir wollen nicht an dem vertrackten Satz festhalten: Prot justitia., pereat mundus(Gerechtigkeit muß geübt werden, lvenn auch die Well darüber zugrunde geht), wir sagen vielmehr: Pias justitia, ns psroat mundus(Gerechtigkeit muß geübt werden. damit nicht die Welt zugrunde geht).(Bravo l bei den National- liberalen.) Abg. Dove(Bp.): Nachdem Sie soeben eine Generalbeichte eines deutschen Professors gehört haben(Heiterkeit), will ick vom Standpunkt eines alten deutschen Richters auS sprechen. Gleich dein Vorredner habe früher auch ich dem Abg. Stadt- Hägen das Bestehen einer Klassenjustiz bestritten. Doch da meinte ick, Stadthagen gehe von der Voraussetzung einer bewußten Rechtsbeugung aus. Das tut er aber nicht, er sagt vielmehr, der Richter ist das Produkt der kapitalistifcheirOrd» nung, ans der nichts Gutes entstehen kann. Tatsächlich bestehen Gefahren für eine tendenziöse Rechtsprechung und keineswegs bloß auf sozialem Klassengebiet. Auch wenn die Richter auS dem Volke gewählt würden, könnte Klassenjustiz vorkommen, sogar ver- schärfte Klassenjustiz. Denn diese Gefahr besteht in den Massen- bewegungen und Maffensuggestionen. So sind nach den Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. zu scharfe Urteile wegen Majcstäts- beleidigung verhängt worden, so mag auch jetzt die Judikatur im Slreikgebiet zu scharf sein. Ick treffe mich mit Stadthagen in dem, was er über die Notwendigkeit der Wien berichtet, daß Thorium X die Zahl der weißen Blutkörperchen vermindert, den Blutdruck beträchtlich senkt, den Stoffwechsel in einer bisher unbekannten Weise anregt, den Atmungseffekt und die Herzarbeit steigert. Von Krankheitszrfftänden wurde insbeson- dcre die Leukämie(der Mangel an weißen Blutkörperchen) in einer Weise beeinflußt, die sog.ar der schon bekannten Röntgenstrahl- Wirkung weit überlegen ist. Auch die unheilbare Blutcntmischung (perniziöse Anämie) ließ sich in einem Fall überraschend günstig beeinflussen. Die Kehrseite der Medaille ist freilich, daß die außer- ordentliche Menge strahlende Energie, die dem Patienten einver- leibt wird, auch Schädigungen herbeiführen kann. Mit Recht be- tonte unter allgemeinem Beifall F. K r a u S-> Berlin, daß hier eine Naturkraft gefunden sei, deren Verwendung zu Heilzwecken vor- läufig noch nicht in Betracht käme. Unbedingt notwendig sei das Studium dieser Substanz im Tierexperimcnt und vorsichtig tastende Versuche an kranken Meiffchen. DaS Programm wandte sich nunmehr den Blut krank- heiten zu. v. d. V e l d e n-Düsseldorf sprach über die Be- Handlung der H a e m 0 p h i l i e. Es ist dies bekanntlich die krankhafte Disposition mancher Menschen zu schweren. Manchmal töd- lick>en Blutungen. Es ist der neueren Forschung geglückt, festzu- stellen, daß diese Disposition dadurch zustandekommt, daß das Blut seine Gerinnungsfähigkeit verliert, v. d. Velde» hat die Mittel geprüft, die zur Erhöhung der Gerinnungsfähigkeit in Betracht kommen und hat festgestellt, daß dies durch Einspritzung von Koch- salzlösungen, Adrenalin und milchsaurem Kalk in die Venen mög- lich ist. Weitere Vorträge betrafen die Entstehung der Anämien. Es gibt eine schivcre Blutcrkrankung des Menschen, bei der dieser unter fortschreitender Blässe sicherem Ende entgcgensiccht, ohne daß es bisher gelungen wäre, ihre Ursache aufzuklären. Wohl jedes Jahr bringt neue Untersuchungen, welche das Dunkel zu erhellen suchen. Port- Göttingen berichtete, daß er durch lange fortgesetzte Einspritzung von Lezithin bei Tieren Anämie verursacht hätte. L üd k e-Würzburg hat aus Vakterienarten Fcttsäurcverbindungen. sogenaniste Lipoidsubstanzeu extrahiert, durch deren Einspritzung er Affen und Hunden künstliche Anämie verursachte. Nunmehr wurden die Erkrankungen des Magens und Darmes besprochen. Scidl-Wien. eröffnete die Bedeutung der Schmerzdruckpunkte bei Geschtvürcn des Magens und Zwölf- fingerdarms. Er glaubt aus der Lokalisation der Hautcmpfind- lichkeit den Ort des Geschwüres festsiellcn zu können. Ueber die besondere Wirkung von Abführmitteln berichten, Mcyer->Betz und Gebhardt- München. Sie zeigen an Röntgenbildern, wie Aloe nur Bewegungen des Dickdarmes, Rizinus im wesentlichen solche des Dünndarmes hervorbringt, während Ealomel dep ganzen Darm in jtüxgtijche Bewegungen tzrmgt, Unabhängigkeit der Richter sagte; über die Beeinflussung der poli- tischen Tätigkeit der Richter habe auch ich Erfahrungen. Wenn aber die Richter vom Volke gewählt werden, so werden sie erst recht von politischen Strömungen abhängig.(Zustimmung.) Einverstanden bin ich auch mit Stadthagen über das Verhältnis von Reichs- recht und Landesrecht. Durch Reichsgesetz ist die Möglichkeit der Ueberwcisung an die Landesbehörde an ein richterliches Urteil ge- knüpft und kein Einzelstaat kann demgegenüber berechtigt sein, die Maßregel der Entziehung der persön- lichen Freiheit und deS Arbeitszwanges ohne richterliches Urteil zu verhängen. Der Staatssekretär sollte daher eingehend prüfen, ob der preußische Gesetzentwurs über diese Materie zulässig ist, und dementsprechend Maßregeln treffen. — Notwendig ist eine Erhöhung der Gebühren für Zeugen und Sachverständige.— Ein großer Teil der Vorwürfe gegen die Ge- richte beruht auf den Gesetzen. Ueberhaupt machen wir zu viel Gesetze.(Sehr richtig I rechts.) Sie rufen sehr richtig! und doch stellen Sie bei jeder Etatberatung Anträge auf den Erlaß neuer Gesetze.(Heiterkeit.) Wir alle sollten dafür sorgen, daß uns der Ruhm einer objektiven Recktiprechung erhalten bleibt.(Bravo! b. d. Vp.) Staatssekretär Dr. Lisco: An der Z i v i l p r 0 z e ß 0 r d n u n g ist in den letzten Jahren so viel geändert lvorden, daß erst Er- fahrungen gesammelt werden müssen, che an eine weitere Re- form, die ja auf Grund der vielen Anregungen wird kommen müssen, zu denken ist. Auch an eine Revision der Konkurs- 0 r d n u n g ist zurzeit nicht zu denken.— Ein Entwurf über die K 0 n k u r r e n z k l a u s e l ist aufgestellt und wird hoffentlich in der n ä ch st e n Session vorgelegt werden können. Ebenso liegt eS mit dem Entwurf betreffend die Haftpflicht der Eisen- bahnen für Sachschäden. Eine Regelung deS Lastschifsahrts- rechts habe ich beim Reichsamt des Innern angeregt, ein Eni- wurf ist in Bearbeitung. Zur Regelung deS internationalen We chselrechtö soll eine zweite Konferenz im Juli stattfinden. Ueber die Resultate wird später mitgeteilt werden. Zur Herbei- führung der Uebereinstimmung des inländischen Seerechts mit dem internationalen wird Ihnen wohl noch in dieser Session eine Vorlage zugehen.— Betreffs der Rechtsanwaltsgchilfen sind Erhebungen in Vor- bereitung. Eine allgemeine Erhöhung der Gebühren der Rechts- a n w ä I t e könnte nur dann erfolgen, wenn nachgewiesen wird, daß bei den heutigen Gebühren ein vollbeschäftigter Anwalt nicht seinen standesinäßigen Unterhalt finden kann. Dieser Beweis hat bisher nicht erbracht werden können, sodaß ich nicht in der Lage bin, eine solche Erhöhung zu beantragen. Der Uebelstand liegt nicht in der Höhe der Gebühren, sondern in der U e b e r- fülle der Anwälte. Erwägungen über die Möglichkeit der Erhöhung der Gebühren für Zeugen und Sach- verständige schweben noch.— Bei den Ausführungen über die Ausbildung der Juristen glaube ich im Abgeordnetenhause zu sein.(Sehr richtig! rechts.) So wertvoll die Anregungen waren, kann ich ihnen doch als Staatssekretär des Reichs- juslizamts nicht nachgehen. Noch viel weniger steht die Fort- b i l d u n g der Beamten in meiner Befugnis.— Die erste Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch wird wohl Ende dieses Jahres, die zweite im Laufe des nächsten Jahres fertig fein. Die Veröffentlichung wird so früh wie möglich erfolgen. Die Vorlage an den Reichstag wird kaum vor 1917 erfolgen können, also sobald der neue Reichstag gewählt ist.(Hörtl hört!) Sachverständige werden natürlich bei der Ausstellung des Entwurfs zugezogen.— Es sind hier einzelne U r- teile kritisiert worden. In dem Falle deS Kohlendiebstahls sind die betreffenden Leute wiederholt gewarnt worden. Was die Strafprozeßordnung angeht, so muß ich auf einige Fälle eingehen. Im Falle des Arveiters Herr mann ist die Staatsanwaltschaft nicht erst auf Drängen der Verteidigung vor- gegangen. ES ist in diesem Falle alles geschehen, um zu ermitteln, von wem Herrmann den tödlichen Schlag erhalten hat. Die Erinittelungen haben sofort nach dem Totschlag begonnen. Der Leichnam ist obduziert, die in Betracht kommenden Zeugen sind ver- nommen worden. Die Ermittelungen sind aber ohne jedes Er- gebniö verlaufen. Im Januar 1911, unmittelbar nach dem großen Moabiter Prozeß, sind dann auf Grund einiger Zeugenaussagen neue Ermittelungen angestellt worden. ES sind 27 Zivil- Personen und 230 Beamte vernommen worden, über 209 Beamte sind Zivilpersonen vor Gericht gegenübergestellt worden. Natürlich ist lebhaft zu bedauern, daß auch diese Ermitteluiiaeu ergebnislos verliefen und eS nicht gelungen ist, die Täter festzustellen. Aber das liegt genau so wie in vielen anderen Fällen, wo aus einer Masse heraus Steine geworfen werden, wodurck Beamte getötet ivcrden.— Die Verhaftung des Gewer!- schaftSsckretnrs Schabe! in dem Lichtenbcrger Fall hat natürlich mit seiner Tätigkeit als Gewerkschaftssekretär nichts zu tun. Es hat Rleines femlleton. Die Literatur im Kastanlcnwäldchc». Am 16. April Zegann das Sommersemester der Berliner Universität. DaS Verzeichnis der Vorlesungen umfaßt 70 Seiten. Alles Fachliche beiseite lassend, suche ich: Deutsche Literatur, Zunächst ist sie nicht zu findeir;„Gotisch für Anfänger" ist es nicht, und„Interpretation von Braunes Alt- hochdeutschem Lesebuch" auch nicht. Aber dann kommt eS: 17 Vor- lesungen werden über diesen Gegenstand gehalten. Trübe wird der Blick, traurig der Sinn: Germanische Heldensage— gut I—, aber dann:„Erklärung de? Nibelungenliedes mit Erörterung der Sage und ihrer Geschichte",„Mittelhochdeutsche Uebungen" im Seminar, Klopstock... Diese Vorlesungen sind verfilzt. Wer nie bei dem säuselnden Getön der professoralen Stimme Arabesken in die Bänke schnitt, wer diese Philologen nicht anhörte, ihr Ersaufen in Tatsachen, ihr dunkel« hafteS Urteil über Künstler, die sie nie begriffen,— der mag glauben, daß auS dem Besuch der Borlesmra über den deutschen Roinan bis zur Gegenwart oder über Politik irgend etwas herauSspringt. Es lohnt nicht, die alten Eichen einzeln zu benennen: nicht den SimplizissimuSfeind noch den Damenprofessor oder die anderen. Nur soviel: dies papaliche Verstehen der„menschlichen Schwächen" der Dichter, das HerauSklaubcn von Daten, widerlich I wider- lich!— Die Kärrner haben zu tun. Für ihre Konstruktionen zwischen Leben und künstlerischem Schaffen müßte man sie einbalsamieren. Aber im Gegenteil: ob Goethe die Friederike oder ob er sie nicht... 890 Federn kritzeln das mit, lönnie man auch sonst wohl die Gedichte aus Seite 914 und 91S des II. Bandes verstehen?— Man könnte es nicht! Tintenfinger taste» die Struktur zarter Gedichte ab, was hat der Dichter gewollt, gekannt, erreicht, gedacht...? Nichts, was uns angeht, kein Zusammenhang init den lebenden Großen; mißgünstiger Neid gegen die— Dilettanten. Da wird eine Erläuterung zu Ibsens„Peer Gynt" gelesen: als Hauptsache erscheint dem Dozenten, wie er in Klammern angibt, der vierte Akt ivegen des darin enthaltenen Angriffs auf Deutschland I Aber dafür liest er über„den technischen Ausbau in den Haupt- dramen Ibsens auf Grund der Ideen". Ibsen in einem Briefe vom 4. 12. 1390:„In diesem Stück(„Hedda Gabler") habe ich nickt eigentlich sogenannte Probleme behandeln wollen. In der Hauptsache ist eS mir darum zu tun gewesen, Menschen, menschliche Stimmungen und menschliche Schicksale auf Grund gewisser gültiger sozialer Verhältnisse und Anschauungen zu schildern."— Eine Wanzcnarbeit, die Lächerlichkeiten jeder Vorlesung zu belegen. Und in, Gedächtnis bleibt da« einzige mltzbare, ehrliche Kolleg: Byzantinische Uebungen. Mittwoch 6-8 abends. Gratis. K. T. sich eEcn ein zuerst ausgetauchler Verdacht nachher als unvegründet erwiesen.— lieber die Prozesse im Ruhrrevier hat der Abg. S t a d t h a g e n ganz unerhörte Behauptungen aufgestelit. Es sollen dort Ausnahmegerichte eingesetzt worden sein. Aber wie lag die Sacke? Leider sind auch bei diesem Streik eine Menge strafbarer Handlungen begangen worden und sie mutzten nach dem Gesetz verfolgt werden. Es gab also plötzlich eine grotze Anzahl Anklagen mehr, die erledigt werden , nutzten. Es mutzten also dazu Hilfsrichter eingestellt, das Präsidium mutzte die neuen Richter verteilen, eventuell ganz neue Kammern bilden und die Geschäfte anders verteilen. Das nennt man doch nicht Ausnahmegerichte, das wcitz Herr Stadthagen als Jurist ganz genau. sIuruf des Abg. S t a d t h a g e».) Welche Sachen bei den einzelnen Kannnern abgeurteilt werden, ist Präsidial- fache.— Dann sollen ungerechtfertigte Verhaftungen erfolgt sein. Ein Beweis dafür ist aber nicht erbracht worden. Datz nach dem Gesetz zwischen der Ladung und der Hauptverhandlung eine Frist von einer Woche liegen mutz, ist richtig. Aber es heitzt weiter im Gesetz, datz der Angeklagte Aussetzung der Verhandlung verlangen kann, wenn diese Frist nicht eingehalten wird. Also diese Möglichkeit ist ausdrücklich vorgesehen. Im übrigen sind alle Kommenlatoren der Ansicht, datz ein Verzicht des Angeklagten auf Einhaltung dieser Frist zulässig ist, ebenso wie ein Verzicht auf Einlegung der Rechts- mittel. Nun zur Strafprozetzordnung selbst. Sie ist im wesentlichen daran gescheitert, datz die Parteien sich in der kurzen Zeit über einige ivesentliche Fragen nicht einigen konnten. Jetzt aber ist der Einwand berechtigt, datz das Strafgesetzbuch erst kommen und die Strafprozetzordnung dahinter zurückgestellt werden mutz.— Die Abgeordneten Stadth agen und D o v e haben dann der Meinung Ausdruck gegeben, datz das preutzische Gesetz gegen Arbeits- scheue gegen das Reichsrecht verstotze. Der Arbeitszwang als Strafe ist allerdings der landcsgesetzlichen Regelung entzogen, das hindert aber nicht, datz die Einzelstaaten Verwaltung«- matzregeln ergreifen können zur Erfüllung der Ver- pflichtungen gegen Unterhaltspflichtige. Nur das geschieht in dem preutzischen Gesetzenuvurf, und es ist nichts darin enthalten, was nicht auch in den Gesetzen anderer Bundesstaaten steht. Abg. Holtschke(t.): Die Strafprozetzordnung im ganzen zur Ausführung zu bringen, scheint mir aussichtslos. Auch scheint eS mir falsch, sie bis zur Erledigung der Strafrechisreform. die erst in zehn Jahren erledigt sein wird, ruhen zu lassen. Man sollte vielinehr bestimmte wichtige Punkte durch einzelne Novellen regeln.— Die Zu s am meil st ätze zwischen Rechtsanwälten und GcrichtSvor sitzend en, von denen man in den Zeitungen in der letzten Zeit häufiger liest, und die nicht selten der Reklame- sucht einzelner Rechtsanwälte entspringen, schädigen das An- sehen der Justiz. Der Staatssekretär sollte es sich angelegen sein lassen, hier Vorbeugungsmatzregeln zu treffen.— Ferner sollte er erwägen, ob die Strafbestimmungen gegen Spione nicht zu verschärfen sind.— Die von der konservativen Partei eingebrachte Resolution gegen die Schmutz- und Schundliteratur bitte ick anzu- nehmen.— Der Abg. Stadthagen hat gestern Angriffe von unerhörter Schärfe gegen unseren Richterstand erhoben. Den Vor- Wurf der Klassenjustiz weise ich entschieden zurück. Unsere Richter gehen aus dem Mittelstand hervor und hängen mit dem Volke zu- sammen; wir haben volles Vertrauen zur Recht- s p r e ch u n g(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das glauben wir 1) und Ihren Angriffen wird es nicht gelingen, das Vertrauen der Bevölkerl'iig zu den deutschen Richtern zu untergraben.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Dr. v. Laözewski(Pole) begründet die von den Polen ein- gebrachte Resolution, welche Tagegelder für Schössen und Geschworne verlangt, und beschwert sich über ungerechtes Vorgehen gegen polnische Redakteure. Die Verwaltungs- bebörden suchten die Gerichte zu beeinflussen. Zu Schöffen und Geschwornen würden in den polnischen Provinzen nur sehr selten Polen ernannt. Abg. Mertin(Np.): Wenn es nach Herrn Stadthagen ginge, wäre ich nicht hier; denn er ivollte, datz alle Leute, die bereit wären, sich an einem Duell zu beteiligen, nicht fähig wären, Beamte zu sein oder als Abgeordnete gewählt zu werden. DieseAusführungen des Herrn Stadthagen beweisen, wie matzlos übertrieben seine Ausführungen im allgenieinen waren.(Sehr richtig! rechts.) Wir sind der volle» Ueberzeugung, datz unsere Richter ausschlietzlich nach Recht und Gerechtigkeit urteilen. Natürlich kommen auch Fehlsprüche vor, denn die Bernfsrichter sind wie die Laien Mensche». Herr Sladthagen klagte über die s ch n e l l e I u st i z im Ruhr- r e v i e r. Sonst haben wir eine schnelle Justiz immer gefordert. (Abg. Stadthagen: Allgemein!) Der Verzicht auf die gesetz- lichcn Fristen lag ßim Interesse der Angeklagten selbst.(Sehr richtig! rechts.) Eine vorsichtige Berhängung der Untersuchungshafr wünschen auch meine Freunde. Was Herr v. C a l k e r ausführte, gehörte zwar in den Landtag, war aber so erfreulich, datz man, wenn man boshaft sein wollte, sagen könnte: es war eine— reine Freude, datz nian so was Vernünftiges von einem Professor hörte. tHeiterkeit.) Auf die Teilnahme der Laien an der Recht- sprechung legen wir grobes Gewicht und sind auch für Tage- gelder für Schössen und Geschworenen.— Früher Der wissenschaftliche Internationalismus. Datz trotz aller chauvinistischen Hetze auch die bürgerliche Welt sich dem Zug zur internationalen Organisation nicht entziehen kann, geht aus dem Bericht der in Brüssel abgehaltenen Sitzung der Zentralkommission der internationalen Vereinigungen hervor. Danach gibt es jetzt 112 solcher Verbände(hier sind natürlich die Arbeiterorganisationen nicht mitgerechnet), die ein permanentes Bureau besitzen. Ueber ein Drittel dieser Bureaus hat den Sitz in Brüssel. Seit dem 1910 in dieser Sradt abgehaltenen Kongretz hat das Zentralkomitee einer grohen Anzahl von Vereinigungen in dem von der belgischen Ne- gierung angewiesenen Gebäude Bureaus zur Verfügung gestellt, ferner ein internationales Museum, das derzeit in 16 Sälen 3666 Gegenstände umfatzt, eine 75 660 Bände zählende gemeinsame internationale Bibliothek, ein inter- nationales bibliographisches Repertorium mit elf Millionen, nach Gegenständen und Autoren klassifizierten Notizen und ein internationales D o k u m e n t e n a r ch i v mit 16 606 Mappen und 366 600 Nummern eingerichtet. Unter den herausgegebenen Druckschriften ist die monatlich erscheinende „Revue des Jntcrnationalerr Lebens" und ein Kodex der Beschlüsse der internationen Kongresse hcrvorzuhebcir. Notizen. — T h e a t e r ch r o n i k. Im Friedrich- Wilhelnr- städtische» Schau spielharrse wird anr 1. Mai die Operettensaison mit„Die keusche Susanne" eröffnet. — Ferdinand B o n u veranstaltet am Sonnabend im B l'ü t h n e r s a a l einen Vortragsabend. Das Programm umfatzt Gedichw und Balladen, dramatische Szenen und einen hruno- ristischen Teil. — Für eine Versuchsanstalt für Kachelofen- Heizung an der Technischen Hochschule in Berlin hat der Verband Deutscher Kachclofenintercjsenten beschlossen, 46 066 M. zu stiften und die jährliche Unterhaltung zu tragen. Die Versuchsanstalt soll bis 1. Oktober 1913 erbaut werden. — E i n neuer van D h ck. In einer Familie in Roes (Holland) wurde ein altes Gemälde aufbewahrt, das jahrzehntelang auf dem Speicher lagerte. Durch Zufall kam das Bild in die Hände des Direktors des Reichsmuseums in Amsterdam, der es reinigen Uetz. Nunmehr konnte festgestellt werde», datz es ein Werk Anton van Dycks ist. — Eine Blinde it karte von London ist nach der „Franks. Ztg." veröffentlicht worden. Sic wird es den des Augen- lichtes Beraubten möglich machen, nun allein ohne fremde Hilfe ihren Weg durch die Verkehrsadern der Riesenstadt zu finden. Die Karte ist auf dem bekannten Braille-System aufgebaut und gibt autzer den Hauptverkehrsadern und den hervorragendsten Baulichkeiten Lviidliils auch noch Gehaiiweisungen. haben auch wird die Beseitigung der OrdnungS st rasen für Rechtsanwälte verlangt; nach den Erfahrungen der letzten Prozesse werden wir aber kaum noch Nei- g u n g dazu haben. Ganz besonders schädlich sind die Aus- wüchse der Prehberichterstattung über Gerichtsverhandlungen. (Sehr richtig I rechts.) Die Verhandlungen werden als S e n- sationsstllcke dargestellt, nicht aber dem Ernst der Sache ent- sprechend. Alle Faktoren sollten dazu beitragen, die Rechtsprechung auf eine würdige Höhe zu heben.(Bravo! rechts.) Hieraus vertagt das Haus die Weiterberatung aus Freitag Mgeoränetendaus. 6 6. Sitzung vom Donnerstag, den 18. April, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Ter Eisenbahnetat. Von den bürgerlichen Parteien sind Anträge auf Gleichstellung der preußischen Eisenbahnassistenten mit denen des Reiches gestellt. Abg. v. Savigny(Z.) wünscht Zusammenfassung des Beamten- rechtes. Wir billigen die Bestrebungen des Ministers, die mit dem Dienste des Beamten unvereinbare sozialdemokratische Betätigung vom Beamtenheer fernzuhalten. Durch das jetzige Sparst) stein werden die Beamten zu stark angespannt. Zwölf Stunden Nachtdienst hintereinander siebenmal zu leisten, hält das stärkste Nervensystem nicht aus. Abg. Dr. Schröder-Kassel(natl.) trägt eine Anzahl Beamten- wünsche vor. Viele Unterbeamte haben durch die Besoldungsord- nung keine Aufbesserung erfahren, weil die Teuerungs- und Stellenzulagen gefallen sind. Arbeiter sollten nach 16jähriger Dienstzeit nur von der Direktion entlassen werden können. Die Tagelöhne sind niedrig. Dürfen die Arbeiterausschüsse mit einander in Verbindung treten? Man benachteiligt jetzt die Eisenbahnhandwerker, die eine vierjährige Lehrzeit nachweisen müssen, durch Verwendung weiblicher Kräfte in den Eisen- bahnwerkstätten, ohgleich diese nur eine kurze Lehrzeit durchgemacht haben. Anzuerkennen ist. daß die preutzische Eisenbahnverwaltung für ihre Beamten in einer Weise sorgt, wie das anderswo nur selten der Fall ist.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. v. Wohna(k.): Wir wünschen nicht, datz die Veamtenforderungeri durch Organisationen vertreten werden. Wer die EntWickelung der freien Gewerkschaften kennt, wird einsehen, datz der Beamtenstand seine Stellung nur behalten kann, wenn er sich von ähnlichen Organisationsbestrebungen fern- hält.(Abg. Hoff mann(Soz.): Haben Sie'ne Ahnung!) Herr H o f f in a n n, gehen Sie in die„Polnische Wirtschaft".(Abge- ordneter Hoffmann: Da gehören Sie hin! Heiterkeit.) Durch die zunehmenden Bestrebungen, sich in Organisationen zu ver- einigen, und deren Geschäfte durch bezahlte Beamte zu besorgen, mutz das Staatswohl leiden. Minister v. Brcitenbach: Das Einkommen der Eisenbahn- bediensteten ist von 1966 bis 1916 um 26(4 Proz. pro Kopf im Durchschnitt gestiegen. Von der im Etat für 1912 vorgesehenen Einkoinmensteigerung von 27(4 Millionen Mark entfallen auf die Arbeiter 19,7 Millionen Mark. Ich lege Wert darauf, mit den auf dem Boden der gegenwärtigen Staatsordnung stehenden Organi- sationen in Fühlung zu bleiben. So sehr ich bestrebt bin. die Ar- beiterausschüsse auszugestalten, so wenig kann ich ein Bedürfnis für die Einrichtung von B e a m t e n a u s s ch ü s s e n an- erkennen. Die Dienst- und Ruhezeit wird jedes Jahr verbessert. Aber gegen eine gesetzliche Regelung der Dienst- und Ruhezeit mutz ich mich bestimmt aussprechen, denn wir kommen viel weiter, wenn wir diese Fragen auf dem Verwaltungsweg regeln und dabei die Dienstzeiten den jeweiligen Verhältnissen anpassen. Für die Beschickung der Verbandsversammlungen der Organisationen durch die Beamten haben wir zugelassen, datz 5 Ortsgruppen zu- sammen einen Delegierten entsenden, da sonst durch die Freikarten eine Mobilisierung des Beamtenkörpers eintreten würde. Das Ver- langen auf Bekanntgabe der Personalnotizen an die Beamten geht zu weit.— Der Minister bespricht dann die vom Abg. Schröder- Kassel vorgebrachten Wünsche. Die Beamtenschaft wird dau- ernd in Erregung gehalten durch die Presse und durch das Parlament. Wir passen die Löhne der jeweiligen Wirtschaft- lichcn Lage an, ich mutz aber doch bitten, die Ansprüche in Grenzen zu halten. Bei der Regelung des Lohnverfahrens soll kein Arbeiter eine Einbutze erfahren. Auch darüber hinaus enthält der Etat Mittel zur Erhöhung des Einkommens der Arbeiter. Dagegen kann ich mich nicht für eine Verbindung der Arbeiteraus- schüsse untereinander erklären. Die Arbeiterausschüsse sollen in keiner Weise daran gehindert werden, die Wünsche der Arbeiter an die richtige Adresse zu bringen. Für die Werk- stättenarbeiter sorgen wir ausreichend, sie sind unsere best- besoldeten Arbeiter. Jedenfalls können Sie überzeugt sein, datz die Verwaltung durchaus das A�ohl unserer Beamten und Arbeiter im Sinne hat.(Beifall.) Abg. Vcver-Dortmund(Z) beklagt unbegründete Ungleichheiten in den Arbeiterlöhnen, solvie die in D a n z i g übliche a l l j ä h r- liche Kündigung sämtlicher Eisenbahnarbeiter, die man zwar gleich darauf wieder einstellt, aber durch dieses Verfahren in ihren Pensions an sprächen schädigt. lieber die vorjährigen Drohungen des Abg. L e i n e r t mit General- streik und passiver Resistenz hat das Haus nur gelacht. Die Eisen- bahner wissen, datz ihnen nicht die Sozialdemokratie, sondern nur nationale staatstreue Verbände helfen können. Abg. Dr. Maurer(natl.) wendet sich gegen das billige Argu- ment der finanziellen Unmöglichkeit, das Abg. v. Woyna den Be- amtenwünschen des Abg. Schröder-Kassel entgegengesetzt hat. Der Redner tritt dann ebenfalls für die Besserstellung einer grotzen An- zahl von Arbeiter- und Beamtenkategorien ein. Abg. TUrcke(k.) hält ebenfalls eine lange Rede über Beamten- wünsche. Dieser Etat widerlegt das Märchen von Arbeiterfeind- lichkcit der Verwaltung. Wir wünschen, datz die Eisenbahnarbeiter vor Not bewahrt bleiben, sie verdienen die Fürsorge, denn sie haben, soweit festgestellt werden konnte, königstreu und gutgesinnt bei den Reichs tags wählen ge- wählt! Abg. Dr. König(Z.)— auf der Tribüne kaum hörbar— schliefet sich den vorgebrachten Beamtenwünschen an und appelliert an das von ihm dankbar anerkannte Wohlwollen des Ministers für die dem Redner nahestehenden Beamten. Die Verwaltung sollte durch Stichproben feststellen, inwiefern den Anregungen der Arbeiter- ausschüsse Rechnung getragen wird. Wir würden es bcgrützen, wenn sich die Regierung äutzern würde, ob die Löhne der Werk- stättenarbeiter nicht doch erhöht werden sollten. Ein Vertagungsantrag des Abg. Dr. Pachnicke(Vp.)— es ist 4(4 Uhr— wird abgelehnt, nachdem der Präsiden t ihm wider- sprachen, da der nächste Redner, der volkspartcilicke Abg. Delius, sehr wohl in der Lage sein mutzte, seine Rede zu kürzen! Abg. Delius(Vp.) hält daraus eine etwa einundeinhalb- stündige Rede über Beamtenfragen, wobei er u. a. für die Kanzleidiätare, die Zugführer und die invaliden Lokomotivführer eintritt, die man noch gut in anderen Aemtern verwenden könnte, freilich unter wenigstens tcilweiser Zu- rechnung der Nebengebühren. Eine Deputation der Unterassistcnten ist im Ministerium scbr unfreundlich bcbandclt worden. (Hört! hört! links.) Warum stellt man die Fahrkartenaus- s!°cber nicht unkündbar an? Durch bessere Ausbildung der Rangierarbeiter würde vieles Unglück vermieden.(Im Saal sind 21 Abgeordnete anwesend.) Die Arbeitcrausschüsse müssen aus- gebaut werden, nur ihre geringfügigsten Bitten werden berück- sichtigt. Man befatzt sie mit Lappalien und beruft sie nicht einmal zweimal im Jahre ein.— Das Koalitionsrecht wird von der Verwaltung so befrachtet, als wären die Beamten u n m ü n- dige Kinder! Auf ein Schutzmannsstenogramm hin wurde ein Arbeiter in Hannover wegen einer kaum getanen Aeutzerung bestraft. Freitag ii Uhr: Fortsetzung.— Schlich%8 Uhy, Parlamentarisches. AuZ der Budgetkommission des Reichstags..__ Am Donnerstag nahm die Budgetkommission mit der Beratung des Etats für Südwestafriko ihre Beratungen wieder auf. Es wurde zunächst die Frage der Diamantenregie be- handelt, gegen die Beschwerden und Angriffe seit Jahressrist sich gehäuft haben. Staatssekretär Sols legte dar, datz die Beschwer- den hauptsächlich sich dagegen richten, datz die in Südwestafrita geförderten Diamanten zu billig verkauft und die deutschen Schlei- fereien zu wenig berücksichtigt werden. Eine Jnformationsrei,e nach Hanau, dem Hauptorte der deutschen Schleifer, sowie nach London, dem hauptsächlichsten Handelsplatz für Diamanten, hat er- geben, datz die südwestafrikanischcn Diamanten mehr w er t sind, als bisher dafür gezahlt worden ist. Die Neuheit des Diamantengeschäfts für Deutschland habe die angedeuteten Mig- stände verschuldet, sonst aber habe sich die gegründete Regie durch- aus bewährt Ein deutsches Diamantensyiidikat, von dem man sich Besserung der Verhältnisse versprach, sei gegenwärtig nicht ausführbar, wie eine Prüfung ergeben hat. Der deutsche Markt sei auch noch lange nicht so kräftig, um alle die geförderten Steine aus- zunehmen. Das habe man in Hanau auch eingesehen.— Der Staatssekretär ging sodann in längeren vertraulichen Darlegungen auf die geschäftlichen Praktiken und Verhältnisse im Diamanten- Handel ein. Abg. Hoch(Soz.) wies darauf hin, datz er bereits früher gesagt habe, datz die Regie keine angemessenen Preise für Diamanten er- ziele. Damals bestritt die Regierung die Richtigkeit dieser Be- hauptung; heute aber müsse sie die Tatsache zugeben. Die Regie und das hinter ihr stehende Syndikat haben unschön gegen die deutsche Diamantenindustrie gehandelt, mit ihr wie die Katze mit der Maus gespielt; ist doch den Hanauer Unternehmern erklärt worden, datz sie monatelang keine Steine mehr zur Ver- arbeitung erhallen werden. Von der zugesagten funfprozentigen Beteiligung ist die Hanauer Industrie ausgeschlossen worden. Datz das Antwerpener Diamantensyndikat sich um die deutschen Interessen verdient gemacht haben soll, wie die Regierung bisher behauptet hat. ist einfach nicht wahr. Deutschland hat infolge, des jetzt beliebten Versahrens einige20Millionenverschleu- d e r t. Wichtig ist die Frage der Kontingentierung sowohl der Förderung wie des Absatzes auf zweckmätziger Grundlage; die eng- lische Debeersgesellschaft hat das in mustergültiger Weise getan. Trotzdem für südwestafrikanische Steine gerade die Hanauer Me- thode des Schleifens sich als zweckmätzig erwiesen hat, haben Syn- dikat und Regie es fertig gebracht, datz den deutschen Diamanten- schleifern die Arbeit genommen, dafür in Belgien eine mit elenden Löhnen arbeitende Hausindustrie geschaffen worden ist. Die Hanauer Unternehmer können und sollen Offerten zum Kauf von Diamanten machen, aber ihnen wird verweigert, die Steine vor dem Kauf zu sehen. Sie können auch Zuschläge zn den Mindestpreisen bieten, aber die Mindestpreise erfahren sie nicht. Nach längeren instruktiven Darlegungen über die Situ- ation in der Hanauer Diamantenindustrie, über die speziellen Mängel des gegenwärtigen Regiebetriebes und der daraus ent- stehenden schlveren Schädigungen der deutschen Diamantenindustrie forderte Hoch, datz Reichstag und Regierung gemeinsam Mittel und Wege suchen, um die in Südwestafrika geförderten Werte an Diamanten nicht der Spekulation auszuliefern. sondern im Interesse der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Während der weiteren lebhaften Erörterung unternahm die Regierung nicht den geringsten Versuch, die Angaben des Abg. Hoch zu entkräften oder zu widerlegen. Die Debatte wird am Freitag fortgesetzt werden._ Aus der WahlprüfungSkommission. Am Donnerstag erklärte die Kommission die Mandate deSmiZ tentrumsabg. A st o r- Trier, A nger Point n er(Traunstein) und ir. Beizer- Sigmaringen für g ü l t i g. Selbst wenn die Richtig- keit der erhobenen Einwände erwiesen wäre, würde die Mehrheit der Gewählten nicht erschüttert worden sein. Reichswohnungskommission. Der Regierungsvertreter L e w a l d gab in der Wohnungs- kommission des Reichstages am Donnerstag die Erklärung ab, der Bundesrat sei sich in der Wohnungsfrage noch nicht schlüssig. Erklärungen darüber, ob die Regierung in der Lage sei, Beschlüssen der Kommission Rechnung zu tragen, könne er nicht geben. In der nun folgenden Diskussion betonte Abg. I a e g e r, die Regierung habe bisher den Standpunkt eingenommen, die Regelung der Woh- nungsfrage sei Sache der Einzelstaatcn. Diesen Standpunkt be- kämpfte Redner als falsch; der reichsgesetzliche Woh- n u n g s s ch u tz sei eine Notwendigkeit. Abg. G ö h r e kennzeich- nete die Erklärung des Regicrungsvertrcters als sehr dürstig, nach- dem in der Sache selbst alle Parteien mit Ausnahme der Korr- servativen und der Fortschrittler einig sind. Die weiteren Per- Handlungen wurden einer Subkommission überwiesen. Die Polenpolitik der preußischen Regierung beschäftigte die Budgetkommission des preutzischen Abgeordneten- Hauses am Mittwochabend. Es wurde eine sehr ausführliche De- batte geführt, die sich auf die Besitzbeteiligung, die Parzellierung und die Landbescha-ffung erstreckte. Dabei wurde vom Minister mit- geteilt, datz der deutsche Besitz in Posen von 1896— 1911 um 166 666 Hektar zurückgegangen sei. Ein polnischer Abgeordneter wies darauf hin, datz bis zum Jahre 1896 die Polen 166 666 Hektar ver- loren hätten, so datz also der ganze Effekt der mit Hunderten Mil- lionen Mark vom Volke bezahlten Polenpolitik eine Vergrötze- r u n g des polnischen Besitzes ist! Immerhin befinden sich noch% der Flächen der Provinz Posen und% des westpreu- tzischcn Bodens in deutschen Händen. Von steikonservativer und nationallibcraler Seite wurde die endliche Anwendung des Enteignungsgesctzes gefordert, obgleich der Landwirtschaftsministcr erklärte, datz eine Not an Land für die Ansiedelungszweckc nicht bestehe. Indessen scheinen die heftigen Angriffe der Hakatisten auf die Regierung wegen der An- Wendung des Enteignungsgesetzes doch ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, denn der Minister konnte namens der Staatsregierung ankündigen, datz mit der Enteignung demnächst begonnen werden solle, jedoch nur in solchen Fällen, wo im Wege der Ver- äutzerung der Besitzer gewechselt wird. Das schon seit Jahren ange- kündigte P a r z e l l i e r u n g s g e s e tz soll nunmehr endlich vor- gelegt werden. Es soll sich auch gegen den ungesunden Güterhandel richten und für die innere Kolonisation sorgen. Das ist den Kon- servativen als den Wortführern der Grotzgrundbesitzer recht unan- genehm, und sie verlangen deshalb, datz nicht ein Parzellierung»- gesetz für die ganze Monarchie, sondern nur ein Sondergesetz für die O st mark gemacht wird, wodurch die Gütcrübertragnng in der Ostmark an die Genehmigung der Regierung gebunden wird. Arbeitszwang gegen Arbeitsscheue. Die zur Beratung des vom Herrenhaus angenommenen G e- setzes über den Arbeitszwang gegen Arbeitsscheue ein- gesetzte Kommission des Abgeordnetenhauses hat das Gesetz abge- ändert, so datz es wahrscheinlich nochmals an d a S Herrenhaus iv i r d zurückgehen müssen. Wichtig ist hierbei, datz ausdrücklich festgestellt wurde, datz da, wo die öffentliche Unter- stützung der Ehefrau oder der Kinder nach Ansicht der Armenver- waltung notwendig war, der Ehemann auch dann als unterstützt gilt, wenn die Unterstützung gegen seinen Willen gewährt ist. Die Durchführung dieses Grundsatzes könnte unter Umständen natürlich auch eine Einwirkung auf öffentliche Rechte der Arbeits- scheuen herbeiführen. Ferner ist eine Abänderung dahin getroffen worden, datz die vom Herrenhaus beschlossene Bestimmung beseitigt wurde, wonach Kinder, die ihrer Unterstützungspflicht gegen die Eltern nicht nachkommen, ebenfalls zur Zwangsarbeit herangezogen werden können. Diese Bestimmung war namentlich auch von so- zialdemsfratischer Seite angegriffen worden, weil dadurch eventuell ganz nxitge Scute ohne ihr Verschulden hätten in Arbeitshäuser gesteckt werden können. Endlich wurde noch beschlossen, daß statt der Unterbringung in Arbeitshäusern unter Umständen auch Unter- bringung in Erziehungs- oder Heilanstalten, insbesondere Trinkerheilanstalten stattfinden dürfe. Soziales. Aus dem Ausschutz des Berliner Kaufmannsgerichts. Der Ausschutz des Berliner Kaufmannsgerichts beschäftigte sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Der Staats- sckretär des Innern hat diesen Entwurf am 11. März d. I. dem Deutschen Handelstage übersandt. Die Unternehmer im Handels- gewerbe hatten also Gelegenheit, ihre Stellungnahme dem Mini- sterium zu unterbreiten. Die Organisationen der Handlungs- gehilsen aber hat man einfach umgangen. Nicht einmal die Aus- schüsse der Kaufmannsgerichte hat man gutachtlich um ihre Meinung ersucht. Der Ausschutz des Berliner Kaufmannsgerichts hat daher folgenden Antrag einstimmig angenommen:„Den Minister des Innern und den Handclsminister zu ersuchen, Gesetzentwürfe, welche die Angestellten und Geschäftsinhaber betreffen, in Zukunft den Gutachterausschüssen der Kaufmannsgcrichte zu unterbreiten!" Die Beisitzer des Zentralvcrbandes der Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen Deutschlands hatten beim Äusschutz beantragt, das Äaufmannsgericht möge das Reichsamt des Innern ersuchen, die reichsgcsrbliche Neuregelung der iSonntagsruhe im Handels- gewerbe in folgendem Sinne vorzubereiten: 1. An Sonn- und Feiertagen dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter nicht beschäftigt werden; es gelten lediglich folgende Ausnahmen: 2. In offenen Verkaufsstellen dürfen Sonn- und Feiertags nur Backwaren, Milch, Fleisch, frische Blumen und Eis verkauft werden, und zwar nur während zweier aufeinanderfolgender Vormittagsstunden, jedoch nicht länger als bis 10 Uhr. Die Beisitzer des deutsch-nationalen HandlungSgehilfcnver- bandes hatten einen ähnlichen Antrag eingebracht; nach diesem sollte jedoch am Sonntag.vor. Weihnachten eine Beschäftigung bis zu IV Stunden, aber nicht nach 6 Uhr abends gestattet sein. Für solche Gewerbe, die sich ausschlietzlich mit dem Vertrieb von Milch, frischen Backwaren, Mümen, Eis und ähnlichen Erzeugnissen be- fassen, die nur in frischem Zustande gebraucht werden können, sollte eine Arbeitszeit von 3 Stunden gestattet sein, jedoch nicht über 12 Uhr mittags hinaus. Die Festsetzung dieser Sunden, die nicht öfter als einmal geteilt werden dürfen, soll für einzelne dieser Geschäftszweige verschieden sein können und durch die höhere Vcr- ivaltungsbehördc erfolgen. Die Antragsteller'führten zu ihren Anträgen aus, datz bereits in verschiedenen Städten des Deutschen Reiches die volle Sonntags- ruhe bestehe, auch in solchen, die mit der Landkundschaft zu rechnen hätten. Das, was am Sonntag nicht verkauft wird, verteile sich auf die übrigen Wochentage. Eitje Einschränkung des Konsums durch die Sonntagsruhe hätte nirgends stattgefunden. England und Amerika würden vielfach von den deutschen Kausleuten in bczug auf den Handel als mustergültig hingestellt; hier fei die völlige Sonntagsruhe längst eingeführt, ohne datz der Handel Schaden gelitten hätte. Das kaufende Publikum hätte sich sehr gut daran gewöhnt, seine Bedürfnisse an den Wochentagen zu decken. Im Interesse der Angestellten sowohl als auch der Geschäftsinhaber sei die vollständige Sonntagsruhe zu erstreben. Die bürgerlichen Kauflcutebcisitzcr wandten sich gegen die Anträge, dieselben würden, wenn sie Gesetzeskraft erlangten, hauptsächlich die kleinen Geschäftsleute ruinieren! Der sozialdemokratische Beisitzer der Kauflcutc sprach für den Antrag des Zentralvcrbandes. Er führte unter anderem aus, datz man die-Sonntagsruhe ebenso wenig bekämpfen könne, wie die Gewerbcfreiheit. Seit 22 Jahren warten die Handels- angestellten sowohl als auch die Geschäftsinhaber auf die Einführung der Sonntagsruhe, deshalb sei es an der Zeit, endlich mal Ernst damit zu machen. Für den Antrag des Zentralverbandes stimmten sämtliche acht Gehjlfenbeifitzer und der sozialdemokratische Kaufmann; gegen den Antrag stimmten die sieben bürgerlichen Kaufleutebeisitzer. Einstimmig verurteilte der Ausschuh in der Debatte noch den 4 des Gesetzentwurfes, welcher gestattet, datz diejenigen jüdischen Geschäftsinhaber, welche ihre Geschäfte am Sabbat und den jüdischen Feiertagen schlietzen, das Recht haben sollen, ihre Angestellten jüdischen Glaubens an Sonn- und Festtagen bis zur Dauer von fünf Stunden mit der Matzgabe beschäftigen zu dürfen, datz die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen bleiben. Es wurde ausgeführt, was man hier den jüdischen Ge- schäftsleuten gestatte, würden andere Religionsgemeinschaften und Sekten auch für sich fordern, zum Schaden der Sonntagsruhe im Handclsgcwerbc._ „Gefinde" oder„Gewcrbegehilfin" auf Leihe. Vor der Kammer 8 des Gewerbegevichts unter Vorsitz des MagistratSrats Schultz klagte gestern das Dienstmädchen S. gegen die Inhaberin eines Rcinigungsinstituts, Frau Elise Schleuer, auf Zahlung von vier Tagen Rcstlohn, 14 Tagen Lohn und Kost für die Kündigungsfrist und Ausstellung eines einwandfreien Zeugnisses. Die Beklagte betreibt ihr Geschäft in der Weise, datz sie mehrere junge Mädchen in Kost und Logis hat, die sie gegen entsprechende Vergütung an Herrschaften„ausleiht", wo sie_ Reinigungsarbeiten usw. zu verrichten haben. Am 4. April kam sie mit der Klägerin in Streit und verabfolgte derselben dabei ein paar Ohrfeigen. Die Klägerin verlieh darauf das Arbeitsverhältnis. Der Lohn wurde ihr nicht ausgezahlt und in das Dienstbuch trug die Beklagte unter- anderem auch die Bemerkring ein, datz die S. sich in schwangerem Zustande befinde. Das Gericht bezeichnete dies als äutzerst ungehörig und vcr- urteilte die Beklagte zur Ausstellung eines anderen Zeugnisses. Ebenso wurde die Beklagte auch zur Zahlung von ö1,6v M. ver- urteilt, da die Klägerin infolge der erlittenen Mitzhandlung be- rechtigt war, den Dienst sofort zu verlassen. Denn abgesehen da- von, datz die Klägerin in vorliegendem Falle als Gewerbegehilfin zu betrachten sei, sei auch die Befugnis zur Züchtigung von Dienst- boten, welche die Beklagte aus der Gesindeordnung herzuleiten suchte, durch Artikel 95 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs außer Kraft gesetzt. Danach steht dem Dienstberechtigten kein Züchti- gungsrecht mehr zu._ Drogisten und Apotheker. Noch grimmiger hassen die zünftlerischen Apotheker die Dro- giften, als die. Zahnärzte die Dentisten. Sie liegen in fortwähren- der Fehde. Ihre Verbandszeitungen werfen sich gegenseitig die schönsten Grobheiten an den Kopf. Recht anmaßend tritt der Apothekerstand auf, um seine eigene Schwäche in diesem Kampfe möglichst zu verdecken, trotzdem der Gesetzgeber das unsinnige Monopol aufrecht hielt, welches in die Zeit der Gewerbefreiheit gar nicht mehr hineinpatzt. Das Publikum erfährt aus den Kampf- artikeln manche Wahrheiten, die sonst gerne verschwiegen werden. Viele Drogisten sind auch geprüfte und„studierte" Apotheker; nur fehlte ihnen das nötige Kleingeld, um in den Besitz einer teuren Apotheke zu gelangen. Sie führen daher eine Drogerie und sind dann sofort in den Augen der Apotheker die„Kurpfuscher",„un- gebildeten" Elemente, gegen die Vater Staat auf Kommando immer sofort einschreiten mühte. In diesem Kampfe jammern die ge- schützten Apotheker sehr viel von den Schäden, welche ihnen der Gesetzgeber fortwährend bereitet, auch von der schädlichen Reichs- Versicherungsordnung, wie wir neulich erst im„Vorwärts" gesehen haben. Die Herren wissen aber auch genau, datz ihnen dieses Gesetz neue Profite bringen wird und sind den Drogisten noch in einem weiteren Punkte über. Sie sind nicht allein geschützt durch die Gesetzgebung, sie haben auch ihre Vertrauensmänner in den höch- sten Amtsstellen der Regierungen sitzen. Man beachte nur das Schauspiel, welches sich alljährlich im Reichsgesundheitsamte zu Berlin bei der Neubcratung der Arzneitaxe abspielt. Eine ganze Reihe von Sachverständigen aus den Apothekerkreisen aus Norden und Sühen tritt da auf, und nicht allein tätige Apotheker werden gerufen, �uch in den einzelnen Aemtern sitzen diese Herren und treten alA Geheimräte ebenfalls auf. Und dann die Sachverstän- digen aus den Reihen der chemischen Fabriken. Diese Millionäre sind keine Feinde der Apotheker und ihre Preissteigerungen, die ja das A und O jeder neuen Tax« ist, kommt den Apothekern als ihre beste Kundschaft erst recht wieder zugute. Alljährlich schnellen die Preise der Rohstoffe in die Höhe und die Dividenden der Millionen- fabriken steigen mit ihnen gewaltig. Die Regierungsvertreter stimmen oft mit den Apothekern gemeinschaftlich gegen jeden Ver- such der Krankenkassen, eine billige Rezeptur zu erlangen. Auf die Klagerufe der Apotheker antwortet der Deutsche Drogistcnverband mit einem Flugblatt—„Richtigstellung des Berichtes über die allgemeine Geschäftslage der deutschen Apotheken im Jahre 1811". Dort wird ausgeführt, datz es unrichtig sei, datz die Apotheker Deutschlands über„Mangel an wirklichem Schutz durch die Gesetze" zu klagen hätten,„gibt es doch keinen zweiten Stand, der durch seike Privilegien dem Konkurrenzkämpfe so wenig ausgesetzt ist, loie gerade der Apothckerstand". Auch von einer Ein- engung der Bewegungsfreiheit könne keine Rede sein, weil die Apotheker dazu übergegangen sind,„ihre Absatzgebiete auf Branchen auszudehnen, die mit der„Apotheke" wenig oder oftmals gar nichts zu tun hätten. Weiter wird da erwähnt, daß viele Apotheker heute schon Toilettcseisen, Parfümerien, Gummiwaren, photographische Bedarfsartikel usw. verkaufen. Die weiteren Klagen über die Arzneitaxe könnten sich auch nur auf die„Arbeitspreise" beziehen und seien heute schon in„schwindelnder Höhe" und würden auf Wunsch der Apotheker auch noch erhöht. Die Preise der Materia- licn sind ja nur der jeweiligen Konjunktur unterworfen, die kein Geschäftsmann anders halten kann", und für Artikel, die dem freien Wettbewerb entzogen sind, fabelhaft hoch; auch wirken an der Fest- legung der Preise praktizierende Apotheker mit, denen die Preise und Forderungen der pharmazeutischen Praxis bekannt sind usw. Nichtig sei es auch, daß die Gesetzgebung über den„Verkehr mit Arzneimitteln außerhalb der Apotheken" lückenhaft und unzu- reichend sei aber nicht im Sinne der Apotheker. Denn die letzte Verordnung stamme schon aus dem Jahre 1901 und trage den Äc- dürfnissen der Gegenwart keine Rechnung mehr. Dies'habe sogar das Reichsgericht durch Urteil vom 28. September 1911 anerkannt, indem es ausführte:„so datz wohl gesagt werden kann, datz die gesetzliche Grenzregulierung zwischen den Apothekern und dem freien Gewerbebetrieb mit den Anschauungen und Bedürfnissen des Publi- kums nicht schlechthin im Einklänge steht(vergleiche Kronecker, Deutsche Juristenzeitung 1998, Seite 188— 190)." Dem Volksempfind'en entspreche es wahrlich nicht, datz z. V. heute noch den Drogerien vorgeschrieben werde, daß sie wohl die Einzelbestandtcile des allgemein bekannten Brusttees � abgeben dürfen, aber„die Abgabe des Gemisches dieser Bestandteile, selbst in einzelnen Tüten, aber zusammengepackt, unter Strafe stellt". Punkt für Punkt wird dann die Anklage der Apotheker über die ungesetzliche Gcschäftspraxis der Drogisten widerlegt, indem zu- gegeben wird, daß die Drogisten z. B. starkwirkende Mittel wie Verona! nicht abgeben dürfen. Festgestellt fei aber auch worden, datz heute Apotheker Verona! ohne Rezept usw. abgeben. Und dann das Spezialitätenunwescn. Diese Präparate werden heute in jeder Apotheke unbesehen aus dem Schranke heraus verkaust. Sonderbar mute es auch an, wenn die Apotheker diesem Unwesen den Kampf erklären und sie doch„fortgesetzt, sogar durch ihre Organisationen. Spezialitäten nachahmen und auf den Markt bringen". Sehr treffend wird auch die Klage der Apotheker über die Wirkung der Reichsversicherungsordnung abgeführt. Die neuen Lasten des Gesetzes trage der Kleinhandel ja auch und bringe das Gesetz gerade dem Apothekerstande ungeahnte Profite. Künftig müßten ja sogar alle Apotheken zugelassen werden, Einzelverträge mit den Kassen sind nicht mehr möglich, und„datz die Handverkaufs- artikel" an die Krankenkassenmitglicder nicht teuerer als an Privat- Patienten abgegeben werden dürften, sei ein Gebot der Gerechtigkeit. Und die Wirkung des Gesetzes? Durch die Ausdehnung des Kreises der Versicherten„von 12 auf 20 Millionen erhöhen sich auch die Ein- nahmen der Laubapotheker durch den sogenannten„Arzneihunger" der bisher nicht Versicherten. Dieser Arzneihunger hat sich seiner- zeit bei Einführung des Krankcnversicherungsgesetzes im Jahre 1893 deutlich gezeigt. Die Tatsache, datz zahlreiche Apotheken ohne Hilfskraft arbeiten, oder die Zahl ihrer Hilfskräfte einschränken müssen, ist nicht aus Rückgang des Arzneikonsums oder auf Minderung des Verdienstes infolge Rabattgewährung an Krankenkassen zurückzuführen, sondern aus den Umstand, datz die Ueberschuldung der deutschen Apotheken (zirka 600 Millionen Mark Schulden für Jdealwerte) viele dieser Apotheken zum Zwecke der Aufbringuitg der Zinsen zwingt, auf Hilfskräfte zu verzichten. Wenn es wirklich Apotheken geben sollte, die nur 5000 Mk. und weniger Gesamtumsatz haben, so kann es sich nur um vereinzelte Ausnahmen— Filial- oder Saisonapotheken— oder solche Apotheken handeln, die ein gewinnbringendes Nebengeschäft haben". „Der Drogenkleinhandel wird schwer geschädigt, weil er beim Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung durch die erhebliche Vermehrung der Krankcnkassenm�tglieder von 12 auf 20 Millionen einen großen Teil seiner früheren Arzneimittelabnehmer verliert, da die Krankenkasscnärzte bei ihren Verschrcibungen keine Rücksicht darauf nehmen können, ob ein Heilmittel freiverkäuflich ist oder nicht.— Datz man mit einer erheblichen Vermehrung des Umsatzes der Apotheken infolge der Reichsversicherungsordnung hereits rechnet, beweist' folgende Annonce aus der„Pharmazeutischen Zeitung" Nr. 93, 1910: „Verkaufe umständehalber sofort oder später meine privil. Apotheke, bei einem Umsatz von 32 700 M. und einer Anzahlung von 60 000—70 000 M., mit 263 000 M., unter dem achtfachen des Umsatzes, da Hausgrundstück 13 000 M. wert ist. Höhere Schule, Garnison, emporstrebende Stadt. Bei dem Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung werden etwa fünf Sechstel der Land- bevölkerung versicherungspflichtig, daher, wie seinerzeit bei Ein- führung der Krankenkassen, infolge größerer Inanspruchnahme des Arztes, größerer Umsatz zweifellos." Die Drogisten sind aber noch so naiv, anzunehmen, datz die Regierung wirklich die Absicht gehabt habe, eine gründliche Reform des ApothekciUvesens zum Vorteile der Gesamtbevölkerung� durch- zufiihren. Denn sie schreiben unter anderem:„Wenn die geplante Apothckerreform gescheitert ist, dann haben sich hierin die Apotheker die Schuld selbst zuzuschreiben, da sie in völliger Verkennung kauf- niännischcn Geistes heute noch Apotheken kaufen, ohne nach dem Reingewinn zu fragen. Sie multiplizieren einfach den Umsatz mit 8 bis 10 und erhalten so den- Wert für die zu kaufende Apotheke. Ein Verfahren, das einen Ueberlvert der deutschen Apotheken von 600 Millionen Mark erzeugte und es der Regierung unmöglich machte, eine Reform durchzuführen." Wenn die Regierung ernstlich gewollt hätte, dann wäre sicher auch eine Reform zilstaude gekommen. Hat man nicht das Beispiel an der Krankenversicherung selbst? Hier war man doch wahrlich sogar nicht zaghaft, als man das Selbstverwaltungsrecht der Ver- sicherten so erheblich beschnitten hat. Hier war eben der„Wille" vorhanden und den„Weg" hat man auch gefunden. Singeganzene vruckt'ckrikten. Vom Schiffbruch der Ehe. Roman von I. Potapenko. 250 S. L. RoSner u. C. W. Stern, Wien. Das Rafscuproblem. Von Dr. I. Zollschan. W. Braumüller, Wien. Das moiiistische Jahrhundert. Hest 1. Zeitschrift im Austrage des Deutschen Monistcnbundcs herausgegeben von W. Ostwald. 40 Pf. E. Zieinhardt, München. Politik und Massenmoral. Von A. Chriftenscn. 3 M., geb. 3,00 M. B. G. Tcubner, Leipzig. Jahrbuch; 1i>11 der Dresdener Gewerkschaften. 128 S. Gewcrl- schastSkarlcll Dresden. Köllnischer Aischmarkt 4, 5, 6 Gegenüber der Breite Straße k�ür jede Körperform passend! Anzüge° Ulster° Paletots Mk. Meine Fabrikate, in eigenen Betriebswerkstätlen gediegen verarbeitet, sind preiswert und unübertroffen in Sitz und Haltbarkeit. Moderner Schnitt □ Grosse Auswahl p Vorzügliche Passform. BW Der neue Frühjahrskatalog wird auf Verlangen gratis und franko zugesandt"WB An den Sonnabenden bis 9 Uhr abends, Sonntags nur von 12 bis 2 Uhr geöffnet ■P W�U LI. wercheim ?M-W Ej Lcipzi�crstnisz» �önigstwsseA 22 Versand-Abteilung: Berlin W.GG, Leipziger Str. 132/37 Die Firma A. 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Kalbsbrust.......... pfund 85 pf., spitze 1.00 Kasseler Rippespeer... p�nd 85pf.his 1.00 Obst u. Gemüse Apfelsinen... Duu.nd 35, 45 h. Blutapfelsinen Dtz. 45, 55, 85 pt. Jaffa-Orangen..... stact 15 pr. Mandarinen...... pfundSOpr. Ananas....... Hund 68, 80 fl Zitronen. Dutzend 20, 40, 60 Pf. Amerikanische Aepfcl Pfd. 30 pr. Knackmandeln Hund 75 n,. 1.10 Traubenrosinen____ Pfund 83 pt. Frische Gurken stock 30, 40 pr. Kopfsalat........» Kopf 15 pt. Radieschen........ Bund 5 pr. Rhabarber........ Bund 10 pr. Kanarische Kartoffeln Hd. 14 n. Malta-Kartoffeln... Pfund 10 pr. Butter u. Käse Kochbuttcr....... Pfund 1.30 Tischbutter....... Hund 1.36 Tafelbutter Pfd. 1.40,'�ock' 70 pr. Emmenthaler Käse. Schweizer Käse. Tiisitcr Käse..... Limburger Käse.. Romatour-Käse... . Pfund 1.15 . Pfund 88 Pf. . Pfund 85 Pf. . Pfund 58 Pf. . Stflck 28 Pf. Bierkäse........ Pfund 65 pt Fische Kabeljau Ohne Kopf, in ganzen Fischen.... Pfund 15 Pf. Rotzungen................... Pfund 15 Pf. Schollen.......................... 20 Pf. Tafel-Lachs in ganzen Fischen........ Pfund 73 Pf. Tafel-Zander in ganzen Fischen...... Pfund 78 Pt Lebende Lausitzer Karpfen.. Pfund 70 Pt Lebende Schleie............. Pfund 1.05 Lebende Hechte............. p�nd 1.08 Lebende Plötzen.................. 40 pt Lebende Aale............... 1.15, 1.40 Geflügel Junge Gänse........... p�d 1.00, 1.20 Puten gefroren............... Pfund 88, 95 Pf. Hühner gefroren.............. 2.00, 2.25 Frische Brathühner...... 1.90 bis 2.50 Frische Suppenhühner... 1.85 h.s 2.75 Enten gefroren............... 2.50 bis 3,25 Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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Nur so viel ist sicher, daß die Zahl der ge- retteten Reisenden an Bord der„Carpathia" erheblich geringer ist, als in den ersten Meldungen angegeben wurde. Das gcitcrn von uns wiedergegebene Telegramm, wonach etwa 700 Schiffbrüchige der„Titanic" sich auf der„Carpathia" befindeir, wird heute bestätigt. Ein neueres Funkentelegramm der„Carpathia", das durch die„Franconia" dem Festlande übermittelt wurde, gibt die Zahl der Ueberlebenden auf 705 au. Inzwischen hat sich auch der von der amerikanischen Regierung ausgesandte Spähkrcuzcr mit der„Carpathia" telegraphisch in Verbindung gesetzt. Dabei wurde ermittelt, daß von den Ueberlebenden 326 Passagiere der ersten und zweiten Kajüte waren, der Rest besteht aus Z Wischendeckpassagieren einschließlich etwa 100 Mann der Besatzung der„Titanic". Ganz ausfällig erscheint das Verhalten der Leitung der White-Star-Linie. Nachdem von ihr am ersten Tage nach der Katastrophe eine ganz sonderbare Berhüllungstaktik getrieben wurde, ist sie auch heute, fast fünf Tage nach den: Untergang der„Titanic" noch nicht mit einer genauen Liste der gesamten Passagiere des verunglückten Dampfers herausgekommen. Erklärlicherweise gewinnt da- her auch die Sprache der amerikanischen Presse immer mehr an� Schärfe. Die„A m e r i c a i n" fragt, wie es komme, daß so viele Männer in den Rettungsbooten Unterkunft fanden, während noch Frauen und Kinder an Bord waren. Er findet es vor allem anderen wunderbar, daß derGroßaktionärundDirektorderWhite-Star- Linie sich retten konnte. Der„Globe" erklärt. der Direktor I s m a y sei die Ursache, daß keine Einzelheiten über die Katastrophe bekannt würden. Er selber sende Chiffredcpeschen an das Bureau der White-Star-Linie. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit gewinnt die von dem Blatte ausgesprochene Behauptung durch ein Donnerstag früh 8 Uhr aufgegebenes Funkentelegramm, das das amerikanische Marinedepartement von dem' Kreuz er „Salem" erhalten hat. Die Meldung lautet: Wir können keine Nachricht von der„Carpathia" erhalten, obgleich sie sich im Bereich leichter funken- telegraphischer Bcrstäudigung befindet. Sie gibt zuweilen auf Anrufe Zeichen, beantwortet aber die aufgegebenen Telegramme nicht. Wir könne» nicht glauben, dah sie die Mitteilungen, die wir ihr gesandt haben, nicht verstanden hat. Das Schiff befindet sich innerhalb des Bereichs der Torpedostation in Newport» daher wird die ,„Salem" heute nachmittag nach Bradford(Rarragansett-Bay) weiterfahrcu. Von vielen Blättern Wud die Anwesenhest des Direktors Jsmay an Bord der untergegangenen„Titanic" dahin ge- deutet, daß darin auch die Ursache des furchtbaren Zusammenstoßes mit dem Eisberge liege. Jsmay habe den Kapitän angespornt, auf alle Fälle den bis- hcrigen Rekord für die Ueberfahrt zu brechen. Wie weit diese Vermutungen sich bestätigen, wird nach Ankunft der„Carpathia". die, gehindert durch starke Brisen, Donners- tag nacht oder Freitag früh im New Aorker Hafen eintreffen wird, festzustellen sein. Die Ötaterfuchlmg Washington, 18. April. Das Ha n d e l S ko m i t e e des S e n a t s hat ein Unterkomitec von 7 Mitgliedern ernannt, welches eine genaue Untersuchung über den Unfall der„Titanic" anstellen soll. Das Komitee hat sich bereits nach New Jork begeben. Washington, 18. April. Der Präsident des Rcprä- sentantenhauses und der Präsident der Handels- k a m m c r forderten die Regierung auf, verschiedene Ueberlebende der„Titanic" zu bitten, sich nach Washington zu begeben, um dort vor dem Kongresse ihre Erlebnisse und Eindrücke von dem Unfall der„Titanic" bekannt zu geben, damit die Regierung in der Lage sei, authentisches Material über die Ursachen des Unfalles zu erhalten. ikbeHebeuäe. Portland(Maine). 18. April. Die Liste der geretteten Zwischendeckpass agiere der„Titanic" enthält etwa h u n- dert Namen, die meistens auf Skandinavier, Russen oder Polen schließen lassen. Vielleicht stammen die Träger der folgenden Namen aus Deutschland: Bertha Nelson, Demina Nelson, Nora Roth, Anna Reibon, August Abrahamsohn, Carl Nelson, Gustav Cohn. London, 18. April. Unter der Mannschaft der„Titanic" be- fanden sich sechs Deutsche, der Heizer Laspe oder Lappe, die Stewards Theisinger, Pfropbcr, Hcinen, Müller und Tietz. Ob sie zu den Geretteten zählen, steht noch nicht fest. T-eKren der Kataftropbe. Bremen, 17. April. Die kontinentalen Schiff- fahrtsgesellschaftcn haben auf Vorschlag des Nord- deutschen Lloyd in"Anbetracht der südlich von Neufundland befind- lichen Eismasicn beschlosien, die Kapitäne ihrer nach New Aork und Baltimore fahrenden Schiffe anzuweisen, dem sogenannten Eis- lrack zu folgen. Der Eistrack verlängert die Distanz um nur 10 Seemeilen, führt jedoch weitere 60 See- meilen südlich von dem bisher eingehaltenen Track, so daß mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen ist, oatz der Kurs zurzeit frei von dem Eis führt. Der eigentliche Eistrack führt vom Kanal nach einem Punkt auf 1l Gra� nordlicher Breite und 47 Grad westlicher Länge für westwärts bestimmte Schiffe und von da auf direktein Wege vis Nantucket-Keuerschiff nach dem Ambrose Channel-Feuer- schiff. Die ostwärts bestimmten Dampfer laufen vom Ambrose Channel-Feuerschifs auf direktem Wege nach 40 Grad 10 Minuten nördlicher Breite und 47 Grad westlicher Länge und von da im Großkreis nach dem Kanal. Die britischen' Daoipsschifsahrtsgesell- Schäften baben den kontinentalen den Borschlag unterbreitel, um ede Kollisionsgefahr zu vermeiden, bis zum 25. 0. M. den westwärts bestimmten Schiffen vorzuschlagen, dem alten Track zu folgen bis zu jenem Punkt, in welchem der 42. Meridian den alten Track schneidet. Von da ist ein Kurs nach 41 Grad nördlicher Breite und 47 Grad westlicher Länge, aufzunehmen. Diesem Vorschlage haben die kontinentalen Linien sofort zugestimmt, wodurch ein i n t e r- n a t l o n a l e s V o r g e h c u der Dampfschiffahrtsgesellschaften sim Antercsse per Sicherheit ihrer Schiffe gewährleistet ist. Reporterpbantafien. Die Sucht, in sensationellen Darstellungen von Vorkommnissen anderen Zeitungen den Rang abzulaufen, hat sich bedauerlicherweise auch gelegentlich der„Tttanic"-Katastrophe von neuem erwiesen. Während authentische Nachrichten fehlen, haben der„New Kork Herold" und andere New Uorker Zeitungen — und auch Berliner Blätter— sensationelle Beschreibungen von Szenen gebracht, die sich bei dem Schiffbruch der„Titanic" abgespielt haben sollen. Diese Nachrichten haben sich als reine Erfindung herausgestellt. Es war angegeben worden, daß die Meldungen auf drahtlosem Wege van dem Dampfer „B r u c e" übermittelt worden seien. Dieses Schiff ist jetzt in St. Johns angekommen, und sowohl der Kapitän als der Funkentelegraphift und die Eigentümer desselben erklären ge- ineinsam, daß sie keine drahtlosen Nachrichten, die auf die„Titanic" Bezug hatten, erhalten hätten._ Zur Nikttchsstlichen Lage der preuMch- heiiiichen eifenbatzner. Nach dem Betriebsbericht der Preußisch-Hessischen StaatSeisen- bahnen für das Jahr 1010 betrug die Gesamtzahl dcS im Berichts- jähre beschäftigten Personals(Beamte und Arbeiter) 488 326 gegen 473 407 im Jahre 1900 und 484 882 im Jahre 1008. Gegen das Jahr 1900 ist also eine Vermehrung um 9910 Köpfe zu verzeichnen, jedoch beträgt die Vermehrung seit 1908 nur 3444 Köpfe. Die Zahl der weiblichen Bediensteten hat sich von 8411 im Jahre 1909 auf 8646, also um 233 im Jahre 1910 vermehrt, das ist seit 1908 eine Vermehrung um 626. So ungern die Eisenbahnverwaltung an eine Vermehrung des Personals herangeht: das Jahr 1910 erforderte eine Vermehrung unter allen Umständen. Zwar wurde durch Vereinfachung ini Geschäftsbetriebe, Zusammenlegung von Dienststellen, anderweitiger Einteilung des Streckenläuferdienstes usw. eine teilweise Verwinde- rung der Kopfzahl erzielt; dennoch erforderte die weitere Aus- dehnung des Bahngebietes und die große VerkehrSsteigerung ge- bieterisch eine Vermehrung des Personal«. Die Eisenbahnverwaltung erwähnt aber in ihrem Bericht die VerkehrSsteigerung als Grund der Personalvermehrung mit keinem Wort, sondern führt als Grund dafür an: „Abkürzung der täglichen Dienstzeit und Einführung sonstiger Diensterleichternngen(Vermehrung der Ruhetage und Ruhepausen, Erleichterung des Kirchenbesuchs usw.) für das Betricbspersonal; Gewährung von Erholungsurlaub an Hilfsbedienstete und Arbeiter; Erweiterung der Wohlfahrtseinrichtungen; Arbeitsvermehrung bei der Instandhaltung der neuern Betriebsmittel." Gewiß hat das alles zusammengewirkt, um hier und da eine Personalvermchrung zu bedingen, doch sehr erheblich ist das nicht. Im Jahre 1909 war eine bedeutende Ver- Minderung des Personals eingetreten, die Verwaltung machte die Verminderung möglich, obgleich der Bericht für 1909 auch einige Fortschritte auf sozialpolitischem Gebiet verzeichnete. Der Bericht bestäligt aufS neue, daß es mit der gesicherten Existenz der Arbeiter im Eisenbahndienste nicht weit her ist. Am 1. August 1911 waren insgesamt 314 080 Arbeiter im preußischen Eisenbahn- dienst beschäftigt. Von diesen' standen nach den amtlichen Er- Mittelungen 130 540--- 41,36 Proz. m einer Beschäftigungszeit von weniger als 3 Jahren. Daraus ergibt fich, daß etwa nur die Hälfte aller Einttetenden länger als 3 Jahre im Eisenbahndicnst verbleiben. Ilnd wie aufreibend der Eisenbahndienst für die Arbeiter ist, geht daraus hervor, daß nur rund 10 Proz. ein Lebensalter von mehr als 50 Jahren erreichen. Der an- strengende Dienst und die ungenügende Entlohnung machen di« Ar- beiter zum Teil schon recht frühzeitig dienstunfähig. Diese beiden Faktoren sind aber auch die Ursache dafür, daß ein ungemein starker Wechsel im Personal stattfindet, wie er sich aus dem Zugang und Abgang in der Abteilung A der Arbeiterpensionskasse(die für Eisen- bahnarbeiter die Invalidenversicherung vertritt) nachweisen läßt. Danach sind in dem Zeitraum von 3 Jahren in den Eisenbahndienst als Arbeiter eingetreten 368 834 Personen und ausgetreten 302 700 Personen. Die Zahl der Arbeiter, die in das BeamtcnverhältniS einrücken, ist trotz der Vermehrung der Beamteustellen in den letzten Jahren immer kleiner geworden. Wegen Uebernahme in das Ver- hältnis von Eisenbahnunterbeamten traten aus der Arbriterpensions- kaffe, Abteilung A, auS: im Jahre. Arbeiter.. 1908 6122 1909 3730 1910 3002 Da im Jahre 1910 insgesamt an der ArbeiterpensionSkaffe, Ab- teilung A, 370 560 Mitglieder teilgenommen haben, d. h. entweder schon vor Beginn des Jahres in, Eisenbahndienst standen oder im Laufe des Jahres neu eintraten, so hatten von je 1000 Arbeitern nur neun daS„Glück", Beamter zu werden, und doch ist bei jevem Arbeiter mit dem Eintritt in den Eisenbahndienst die Hoffnung- ver- bunden, einmal Beamter zu werden. Die.Penstonsberechtigung" ist eS. die ihnen allen vorschwebt, und die Hoffnung darauf wird geflissentlich von der Eisenbahnverwaltung zu erhalten gesucht und zwar aus wohl durchdachten Gründen. Die Verwaltung ist sich wohl bewutzt, daß der Arbeiter in seinem Streben nach Uniform, Dienstabzeichen und Pensionsberechtigung empfiodungS- los wird für freiheitliche Ideen, daß er verspießert und ver- simpelt, in blindem Gehorsam jede Unbill über sich ergehen läßt. Solche Arbeiter sind die besten Ausbeutungsobjekte, und nur da« durch ist es dem preußischen Staat möglich, trotz der oft miserablen Löhne immer noch die erforderliche Zahl von Arbeitskräften zu be- kommen. Die Tagesvergütungen und Löhne der Hilfskräfte und Arbeiter sind in dem Bericht ebenso wie in den Vorjahren im Jahres- durchschnitt nachgewiesen. Danach betrug der durchschnittliche Tagesverdienst eines preußischen Eisenbahnarbeiters 3,39 M. Die lieber- ficht weist Tagelöhne von großen Arbeitergrnppen von 2,60 M., 2,38 M., 2,83 Vi. ans, und die Wertstättenhandwerker sind darin mit dem höchsten Durchschnittsverdienst von 4,90 im Stücklohn verzeichnet. Seit 1903 hat eine Steigerung der Durchschnittslöbne um 17,3 Proz. stattgefunden; eine Steigerung, die nicht entfernt der Steigerung der notwendigen Unterhaltskosten gleichkommt. Werden die Bediensteten und Arbeiter in die drei Hauptgruppen — Betriebsdienst, Babnunterhaltungsdienst, Wertstättendienst— zusammengefaßt, so ergeben sich für diese Jahresdurchschnittslöhne: Oubl der Durchschnittlicher Arbeitergruppen Arbeilskrräfte Jahrcsoerdienst Hilfskräfte und Arbeiter im Betrieb 143 286 1133 Bahnunterhaltungsarbeitcr... 81 363 849 Wcrkstätteiiarbcitsr.....» 71633 1231 Für die Arbeiter in den Haupt- und Nebenwerkstätten ist die neunstündige tägliche Arbeitszeit durchgeführt. Dagegen hat der größte Teil der Arbeiter eine Arbeitszeit von 10. 11 und 12 Stunde». Nach dem Stande vom 1. Oktober 1911 hatten eine wöchentliche. Arbeitszeit einschließlich der Werkstättenarbeiter 123 061 Bedienstete---- 23,33 Proz. 56 Stunden 37 173„----- 7,68„ über 36— 63 Stund« 173 236„= 35,66„„ 63- 70 79 783„= 16,44„. 70- 77 56 783„— 11,69,„ 77— 84 15 691,--- 8,23,. 84—105 Jeder Eisenbahner soll monatlich mindestens zwei Ruhetag« von je 24 Stunden haben. Nach der amtlichen Statistik hatten aber 133 792=■= 31,71 Proz. der Bediensteten 1—2 Ruhetage. 81 308-- 19,31 Proz. 3 140 184= 33,22 Proz. 4. und 66 492---- 15,76 Proz. mehr als 4 Ruhetage im Monat. Ruhetage von 36 stündiger Dauer kommen durchschnittlich im Monat nur 1,31 aus einen Bediensteten. Einen breiten Raum in dem Bericht nimmt das Kapitel„Wohl« fahrtseinrichwngen" ein. ES sei zugegeben, daß die Eisenbahner auf dem Wege der Wohlfahrtspflege, des Fürsorge- und Unterstützungs» Wesens manche Vorteile genießen, die Arbeiter in privaten Betrieben entbehren. Aber die dem Eisenbahner auf diesem Wege gemachten Zuwendungen bilden einen Teil seines Arbeitsverdienstes; eS ist vor- enthaltener Arbeitslohn, der ihm in Form von Unterstützungen zu- geführt wird. Damit sollen die Arbeiter an den Betrieb gefesselt und sie selbst zu„königstreuen" Arbeitern und zu Feinden der Sozial» demokratie erzogen werden. Dos Los dieser Arbeiter ist deshalb auch nichts weniger als beneidenswert, denn neben der intensivsten Ausnutzung ihrer Arbeits- krast und schlechter Bezahlung sind sie auf Schritt und Tritt inner- halb und außerhalb der Betriebsstätte von der Gnade der Vor- gesetzten abhängig und keinen Augenblick vor Spitzeln und Denun-- zianten sicher._ 11. Derbavdstllg der Dachdecker. Nürnberg, de« 17. Zhwfl. Tic heutige Sitzung stand unter dem Zeichen einer großen De- batte über die Taktik bei den Arbeitskämpfen. Die Angriffe des Zentralvorstandes auf verschiedene Streilleiter wegen ihrer verlehrten Taktik löste eine grundsätzliche Aussprache über die zu treffenden Vorbereitungen bei Lohnbewegungen aus. H ö p p n e r- Berlin, der besonders angegriffen wurde_ wegen seiner Streiktaktik, die ihm den Vorwurf allzu großer Nachgiebigkeit brachte, erklärte die verschiedenen Fälle damit, daß es besonders in Ost- und Westpreußen die oft gänzlich zerrütteten Verhältnisse in den neu gegründeten Filialen sind, die die Kollegen jede Rücksicht auf das Statut beiseite schieben lasse». Er behandelt ausführlich die Streiks in Stettin, Danzig und Breslau und stellt fest, daß es gerade dem Streik in Breslau zu verdanken sei, wenn jetzt fast in ganz Schlesien in der Organisation gesunde Verhältnisse ein- gezogen sind. In vielen Fällen komme man beim besten Willen nicht darüber.hinweg.: einmal über die Stränge zu schlagen. P i e p e n b r i n g- Köln macht Höppner, aber auch den Zentral- vorstand verantwortlich für die Nichteinhaltung der Statuten. Man müsse gerade in dieser. Frage einmal dem Zcntralvorstand zurufen: „Landgraf Iverde hart!" Es gehe einfach nicht an, daß seitens der Zentrale alle diese. Streiks bewilligt werden. Otto- Halberstadt ist gleichfalls der Ansicht, daß dem Zcntralvorstand hier eine be- stimmte Marschroute gegeben werden müsse. Den angestellten Gau- leitcrn müsse man aber gegenüber ihren Mitgliedern mehr Rück- grat wünschen. A l th a u s- Berlin verteidigt die Haltung des Berliner Gauvorstandes unter anderem auch damit, daß cs dein angestellten Gauleiter bei der riesigen Ausdehnung des Bezirkes fast unmöglich sei, rechtzeitig an den Verhandlungen mit den Unter» nehmcrn teilzunehmen und wenn eine Aendcrung eintreten solle, seien sie die ersten, die es begrüßen würden.� Doch könne das nur geschehen, wenn der Gau geändert wird. Görnitz- Berlin führt die unliebsamen Erscheinungen auf die mangelhafte Aufklärung der Mitglieder zurück. Sehr oft verwechseln die� Kollegen sogar Angriff- und Abwchrstrciks miteinander. Die Difsereuzen würden auch kleiner werden, ivenn man, wie früher, mehr Wert darauf legen würde, das ABC der Gewerkschaftsbewegung zu lehren. S ch in i d t- Frankfurt a. M. weist auf den Streik in der Werk- statt Althaus-Berlin hin, der auch zur Kritik herausfordere.� Hier hätte von der Berliner Leitung auch etwas rationeller gewirtschaftet werden können. Aus der sich sehr lange hinziehenden Dislussion läßt sich feststellen, daß sämtliche Redner, soweit sie nicht als An- gegriffene in die Debatte eingriffen, ans dem Standpunkt standen, daß in Zukunft der Zcntralvorstand jede Abweichung vom Statut mit der Verweigerung der Strcikgcnehmigung beaniworten solle. Einstimmigkeit bestand auch für die Auffassung, daß er sich nicht irre machen lassen solle, wenn ihm mit der Auslösung der Filiale gedroht würde. Der Zcntralvorstand habe zu dieser scharfen Hand- habung die Pflicht, dir er als Verlvalter des V erbandsvcrm ögens den Kollegen im Lande gegenüber die Verantwortung zu tragen habe. K l c e m a n n-Dortinund stellte einen Antrag, daß in Zukunft, ehe in eine Bewegung getreten werden darf, die Genehmigung von Gau- und Zentralvorstand nötig sei, um zu verhindern, daß schließ» lich die Genehmigung ohne das Einverständnis beider Instanzen erfolgt. Eine Frage, die die besondere Aufmerksamkeit des Verbands- tages beanspruchte, war die Stellung zu den Hilfsarbeitern. Die Taktik der Unternehmer geht hierbei darauf hinan?, daß sie sich oft weigern,- diese mit in den tariflichen Bestimmungen auf- zunehmen. �Angeblich, weil sie ja gar nicht mit zum Handwerk gehören. Die Situation ändert sich aber sofort, wenn es zur Arbeitsniederlegung kommt; dann werden die Hilfsarbeiter als willkommene Mitarbeiter herangezogen und zu Dachdeckern ge- macht. Deshalb waren die Ausführungen des Berufsgenossen Marien- Berlin sehr wichtig, der auffordert«, die Hilfsarbeiter schon vorher zu organisieren und damit nicht zu warten bis nach Ausbruch einer Bewegung. Der zweite Teil dieses Punktes wurde zurückgestellt und zunäckst ein Referat des Vertreters der Zentral- kommission für Vauarbeiterschutz, Genossen H e i n k e- Berlin, entgegengenommen. In großzügiger Weise entrollte dieser ein Bild über die Zustände, wie sie heute noch anzutreffen sind. Seine Streifzüge auf das Gebiet der Gesetz- gebung fanden die größte Beachtimg und lebhaften Beifall. Die Verhandlungen wurden dann auf Donnerstag vertagt. flus der Partei. Das Ende einer Staatsaktion. Genosse Kinkel in Göppingen(Württemberg), der Vorsitzende unserer donigen Parteiorganisation und Mitglied des würltembergischen Landtages, erfreut sich seit Jahren des grimmigste» HasieS der Gegner unserer Partei. Neuerdings glaubte man ihm aus seiner Tätigkeit als Kontrolleur der Orlskrankcnkasse Göppingen einen Strick drehen zu lönnen. In der bürgerlichen Prene Göppingens und Stuttgarts wie im ganzen Reich wurde Genosse Kinkel der„Urkundenfälschung' und sonstiger grauser Verbreche« angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wurde scharf gemacht, die denn auch das Verfahren einleitete, wie jubelnd aller Welt verkündet tvurde. Jetzt ist das Verfahre» wieder eingestellt worden. Die Äöppinger.Freie BolksAeitung' bemerkt dazu:„ES ist dies das vierte staatsanwaltliche Verfahren gegen den Genossen Kinkel, die alle wieder eingestellt werden mutzten, zum sehr grotzen Leidwesen seiner guten Freunde auS dem bürgerlichen Lager und außerhalb."_ Seinen Austritt auS der Partei Hot jetzt in Solingen daö bisherige Parteimitglied Lötventhal erklärt, dos kürzlich' bei dem Schiedsgericht gegen Hildebrand als oeffen Beisitzer mitfungicrte. Löwcnthal ist ein junger Mann, von Berus Gärtner und in Solingen erst seit ca. einem Jahre wohnhaft. Bei der erwähnten SchiedsgerichtSsitzung wurde festgestellt, daß er feit dem letzten Herbst ,n der Redaktion des„General- a n z e i g e r" in Solingen tätig ist. was mit dem bekannten Bc- schlutz des Dresdener Parteitags über die Mitarbeit an der bürgerlichen Presse in Widerspruch steht. Er hat jetzt anscheinend selber die Konsequenz aus dieser Tatsache gezogen. Er begründet seinen Austritt allerdings damit, daß er sich mit Htldebrand solidarisch erkläre und es für nutzlos halte, sich unter den vorliegenden Um- ständen dm» Aufregungen oi»es AusschlußverfahrcnS auszusetzen. Ei« Austritt auS der schweizerischen Sozialdemokratie. In Winterthur ist der bisherige Redakteur der sozialdemokrati« schcn„A r b c i t e r z t g.". Franz P c ch o t a. mit dem Verlassen seines Postens zugleich auch auS der sozialdemokratischen Partei ausgetreten und in die bürgerliche freisinnige Partei übergetreten. I» seinem im genannten Blatte veröffentlichten Äbschicdsartikel. den er selbst alS seinen„Nekrolog" bezeichnet, sagt er von dieser ganz unvermittelten Metamorphose noch nichts; dt erklärt nur, daß er auS der Reihe tritt mit dem festen Entschluß, auch draußen zu bleiben. In der Schlußpartie des Artikels bekundet er sodann den Bruch mit seiner bischerigen sozialdemokratischen Gesinnung, indem er den Arbeitern zuruft:„Glaubt nicht, die absolute Wahrheit in 'der Tasche zu haben!" Sqließiich erklärt Pcchota noch:„Die Interessen der Arbeiter zu fordern, wo ich cä kann, werde ich freilich auch künftig nicht unterlassen." Der seltsame AbschiedSartikcl des in der ganzen Schweiz als durch und durch überzeugter und konsequenter Sozialdemokrat be- kannten Pcchota erregte in allen Kreisen Aufsehen und wurde viel kommentiert. Dieses Aufsehen wurde noch gesteigert, als Pechota sich nicht mit der angeblichen Rolle des Parteilosen begnügte, son- dcrn sofort in bürgerlichen Blättern, so in der bekannten groß- kapitalistischen„R. Zllrch. Ztg.", als Sozialistenbekämpfer und als„Reformator" der Arbeiterbewegung auftauchte. Jetzt hat er unter dem Titel„Mein Austritt aus der Sozialdemokratie" auch eine Lstseitige Broschüre veröffentlicht, in der er in einer Weise, die weder neu ist noch überzeugend wirkt, seinen Gesinnungswechsel sowie seine jetzige Stellungnahme gegen die Sozialdemokratie zu rechtfertigen twrfiicht. Erfolg kann er damit nur haben bei unseren bürgerlichen Gegnern, die in der Schweiz so wenig wie anderwärts ein richtiges Verständnis für die Sozial- vemokratie besitzen, die nur ihren Profit bedroht sehen und daher mit dem Fall Pechota seines sensationellen Charakters wegen ganz besondere gescllschaftsrctterische Geschäfte glauben machen zu können. Pcchota polemisiert in seiner Broschüre gegen das„Kam- munistische Manifest", gegen die sozialdeinokratisch« Parteipolitik und gegen die freie Gewerksclwftsbewagung mit den fadenscheinig- Pen Argumenten, die er selbst noch bor einem halben Jahre all Beweise bürgerlicher EiirsichtSlosigkett und Unfähigkeit mit blutigem Hohn und Spott übergössen und vernichtet haben würde. Pechota begnügt sich inde« nicht mit der theoretischen Wider- kcgung des DoztallsmuS, er will gegen diesen auch den positiven Kampf aufnehmen. Sr will„eine wirtschaftliche Organisation der Arbeiter, die sich gleichermaßen fernhält von den Methoden der Gelben und denen des Klassankampfts. ES ist möglich, ein« solch« Organisation, die durchaus selbständig ist und mit allen lovalen Unternehmern doch auf gutem Fuße steht, zu schaffen". Und an anderer Stelle meint er:„Dir Arbeiter sollen lernen, ohne Mittels. Personen mit den Unternehmern so zu verkehren, wie es sich in der Demokratie geziemt." Pcchota nennt seinen LOIahriaen sozialistischen Glauben heute eine„Illusion". ES gibt aber zedenfalls kein« naivere Illusion als die, welche er nun als seinen neuen Glauben verkündigt. Ter „gelbe Humbug" hat in der Schweiz schon einmal mit viel Lärm und TerroriSmul sein Mück versucht, aber er ist wieder so sang. und klanglos verschwunden, wie sein Prophet Ritter V. Veldegg. Der Sozialismus i» Englanv. Lonboit, IS. April. lEig. Ber.) Di« tm Herbst« be» borigen Jahres gegründete Britische Sozialistische Partei hält seit einiger Zeit in allen Grotzstädien Massenversammlungen ab, dl« einen propagandistischen Zweck haben. Gestern fand die Jnauguralvcr- sainnilung der Partei in London statt. Das Neue Opernhaus im KingSway, das ungefähr 3000 Personen faßt, war erdrückend voll. Draußen auf der Straße suchten Hunderte von Genossen vergebens Einlaß. Der starke Besuch der Versammlung war um so de- merlenswertcr, als die Teilnehmer für ihre Sitze(außer in der Galertel ein Eintrittsgeld bezahlten. Die Versammlung verlief sehr cnthustastisch. Hpndman führte den Vorsitz. ES sprachen unter anderen Queich, Hall, Lady Marwick, Gray son und Tom Mann. Tom Mann gehört der Partei zwar nicht an, steht aber sonst mit ihr auf freundschaftlichem Fuh«. S» wurde ihm ein begeisterter Empfang zuteil, der zusehend» weniger s«in«n Anschauungen galt als seiner Person, die von der Regierung als Sühneopfcr für all das Ungemach, das dl« wirtschaftlichen Kämpfe der letzten Monate der tapitalistischen Gesellschaft zugefügt, aus- erkoren worden ist. Das Leitmotiv der Reden war, daß in dem Strudel der Revolution, in dem wir uns befinden, eine energische, zielbewußte sozialistische Part«! nötig sei, um die kapitalistische Ge- sellschast Großbritannien», die längst für den SozglistnuS reif sei, in die Bahnen der sozialistischen Gesellschaft zu leiten. Nach der Angabe des Sekretärs der Partei, des Genossen Lee. bestehen augenblicklich 363 Sektionen mit einer Äesamtmitgliedschast von fast«0 000. Darunter sind nicht die Mitgliedschaften gerechnet, deren Enthustasmus für die geetnigte Partei sich noch nicht in Bei- trägen maierialtsiert hat. Mit einer Mitgliedschaft von etwa«0000 wäre die B. S. P, zur stärkste» Sektion des englischen Sozialts- mus geworden. polizeüieb««,©«ndttliches ulw. DI« Versammlung unter freiem Himmel und der Jnterrsscntkniveg. Der sozialdemokratischs Partciselretär L i n de au» K 0 n t g s- borg i. P r. wollte auf einem Privatgrundstück in Alexen«ine fsifentliche Versammlung unter freiem Himmel abhalte». Der Amtsvorsteyer in Mitlauten versagte auf Grund des ii 7 de» Ber- cinsgesetzes die Genehmigung, indem er geltend machte, es wäre eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten. Unter anderm berief er sich darauf, daß der Bersammlungsplatz nur über cinen Jnteressentcnwcg zu erreichen sei und daß die Interessenten erklärt hätten, sie gestatteten nicht die Benutzung des Weges. Auch .machte der Aintsvsrstehcr noch geltend. eS sei einmal in dem bc- nachbarlcn Schaltiichiediminen bei einer Versammlung zu Störun- aen gekommen und es wäre anzunehmen, daß dieselben Leute zu der Versammlung nach Alexen kommen würoen. So sei euis Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu defürchte». Landrat und Regierungsprästdent verwarft» au» denselben Vründe» die Beschwerden Lindes. DaZ 05 erße tSallnfffiSg e r i gaö jcSoch See h«ee- gegen gerichteten Klage Linde» statt und setzte das Versammlungs- verbot außer Kraft. Zur Begründung wurde ausgeführt: Die Tatsache allein, daß ein Weg zum Bersammlungsplatz ein Jntercssentcuweg sei und daß mit dem Widerspruch der Jntcr- essenten gerechnet werden könne, berechtige nicht zum Verbot einer Versammlung unler freiem Himmel. Denn die Frage, ob Wege öffentliche seien oder Anliegerwege oder Jnteressentenwege, sei eine privatrechtliche Frage, um deren Entscheidung die Polizei sich nicht zu kümmern habe. Sie könnte in solchem Streitfalle die Genchmi- gung der Versammlurq allerdings dann aber auch nur dann ver- sagen, wenn sie durch desondere Umstände nachweisen könne, daß au» dem Widerspruch der Interessenten«ine Gefahr für die öffent- liche Sicherheit entstehe. Dafür sei aber seitens der Polizei hier nicht» erbracht. Auf die Vorkommnisse in der Versammlung in Schaltischledim- men könne sich der Amtsvorsichcr und der Regierungspräsident ebenfalls nickt berufen, weil die Versammlung bereits l'T Jahr zurückliege. Bei der Länge dieses Zwischenraumes sei es nicht mög. lich, zuverlässig darauf zu schließen, daß dieselben Personen, die dort störten, auch hier stören würden. Preßprozess. Der Redakteur Bahrt in Leipzig hatte auf Grund ihm ge- machtec Mitteilung in der„Volkszeitnng für das Mul- denthal" berichtet, der Kantor Simon in Lobstädt bei Borna Hab« in der Schule Propaganda dafür gemacht, daß die Schulkinder zu Weihnachtsgeschenken für ihre Eltern Aluminiumtöpfe bei einem dortigen Klempnermcistcr laufen möchten. Es stellte sich aber her- aus. daß unser Parteiblatt fährlSssigetweise falsch berichtet worden»var. Da» Landgericht verurteilte Bahrt zu 200 M. Geldstrafe.____ Hue Induftne und bandet Weitere Erhöhnnz der Spirituspreise durch die Spiritus- zentrale. Gerade bor einem Monat erhöhte die SpirituSzenlrale die Preise von 61,60 auf 60.60 M. pro Hektoliter„zwecks Anregung der Pro- duktion'. Gestern hat die Zentrale ihre sämtlichen Offerten zurück- gezogen, offenbar zum Zweck, um wiederum mit Preiserhöhungen heranzurücken. Bürgerliche Blätter melden bereits, daß die Er- höhung 6 Mark pro Hektoliter betragen soll. Das wäre die fünfte Preissteigerung seit dem Juli 1011 1 Diesmal sollen auch die Preise für Spiritus zu gewerb- lichen Zwecken don ber Erhöhung mitbetroffen werden. Diese neuest« Maßnahme muß wie eine Provokation gegenüber den Konsumenten erscheinen. Durch die gesetzlichen Bestimmungen über DurchschttittSbrand Und Vergällungspflicht geschützt, nutzt die Zentrale ihre Monopolstellung immer wieder und in vollerem Maße aus. Dt« strenge Befolgung deS Branntweinbohlotts erscheint daher Notwendiger Venn je. Brauereischulden. In Oesterreich findet jetzt eine Kartcll-Enquete über die Brau. industrie statt. Bei dieser Gelegenheit hat sich lseranSgestellt. in welch bedeutendem Umfange die Wirte bei den Brauereien ver- schuldet sind. Allein bei 68 Alticndrauereien, deren Bilanzen be- kannt sind und deren Produltion zusammen 4,7 Millionen Hekto- liier bei einem Aktienkapital von 08 Millionen Kronen beträgt, belaufen sich die auS der Bilanz ersichtlichen Außenstände bei Wirten auf 36 Millionen Kronen. In dieser Summe sind die Ver- bindlichketten au» gegebenen Kundenweckseln und die Bürgschaften für Wirtsschulden nicht tnbearifsen. Die Schulden der Wiener Wirt« an den Wiener Brauereien dürften sich nach einer Berechnung der„N. Fr. Pr." auf 40 Millionen Kronen beziffern, während für alle Brauereien Oesterreichs an Außenständen und Wirtedarlehen eins Summe von. mindestens einiqen hundert Millionen Kronen al» wahrscheinlich anzunehmen ist. In Teutschland dürfte das Ver- hältniS kaum anders sein, wenn eS auch an einer Statistik hier"- über nach fehlt. Auch die deutsche Brauindustrie ist mehr uud mehr zu einem Finanzierungsgeschäft geworden, d. h. die Brauereien schießen vor» um sich den Absatz zu sichern, den Wirten, otelicrS, Saalbesitzern usw. nicht nur das Bier, sondern unter msMpdeu auch die gesamte Einrichtung. Hierdurch werden aber derartig große Mittel erforderlich, daß nur die kapitalkräftigen Großbrauermen ihren Absatz vergrößern können während es andererseits fast unmöglich ist, die Kapitalien für Neugrüickungen in der erforderlichen Höhe aufzubringen. Für die Brauindustrie als solche ist da» natürlich ein Vorteil, denn eS ist hierdurch die Tendenz, durch Konventionen die Preis« und den Absatz zu regeln, gefördert, wie auch da» Aufkommen von Außenseitern wesentlich erschwert worden. In ähnlicher Richtung wirken bekanntlich auch die neuen Steuergesetze, die neben ihren Unannehmlichkeiten für die alten Brauereien den Lorteil gebracht haben, daß wenigstens für einige Jahre die neuen Unternehmen stärker belastet werden als die bereits bestehenden. /Jus der frauenbewegung. Fraucnwahlrecht und Wochncrinnenschutz. Für unsere Genossinnen, die sich für den auf den 12. Mai festgesetzten Frauentag rüsten, gilt es. die Notwendigkeit des Frauenwahlrechts von den verschiedenste» Gesichtspunkten auS zu begründen. Dabei wird sich zeigen, daß selbst dann, wenn man die Frau auf den engen Raum der Familie und ihre Pflichten al» Mutter beschränken möchte, die Forderung deS Fraucnwahl- rechts trotzdem eine zwuigcnde Notwendigkeit ist- Die Mutterschaft ist heute unter de» getoandeltcn Wirtschaft- lichen Verhältnissen keineStvegS nur eine Pflichtleistung dem Manne gegenüber, sondern eine Pflicht von hoher Bedeutung gegenüber d«r Gesellschaft. Warum da»? Der Arbeitsprozeß ist heute ein gesellschaftlicher, der die Leistungen ungezählter, einzelner Arbeitskräfte zusammenfaßt. Diese Arbeltskräfte, die den Bestand und die Fortentwicklung der Gesellschaft gewährleisten, werden der Gesellschaft gegeben durch dt« Mutterschaft, leistung. d. h. durch das Gebären. Pflegen und Erziehen der Kinder zu tüchtigen, brauchbaren Mensche», die zu körperlicher und geistiger Arbeit für die Gesellsckxift fähig sind. Die Erfüllung der Mutterpflichten begründet deshalb nicht weniger wirksam die Forderung des FraueiNvahlrcchtS. als dies Erwerbs- arbeit, Hausfrauenpflichten und die Steuerzahlung der Frauen tun. Durch die Mutterschaft wird der Besitz deS Frauenwahlrechts zu einer Notwendigkeit, denn die Erfüllung der Mutter- schast ist mit scknvcren Opfer» und Gcfabrcu verbunden. Sterben doch sährlich zirka 10 000 Mütter au den Folgen der Geburt, vor allem' am.iUudbeüftcbee.'j Nach dem slatisttschen Jahrbuch von 1010 hat die Zahl der Frauen in Deutschland, in Orten mit mehr denn 16 000 Einwohnern, die am Äindbettsicber starben, wieder enorm zugenommen. Es starben durchschnittlich jährlich am Kindbettfieber in den Jahren 1002 bis 190? 1132 und im Jahre 190« sogar 1213 Frauen. Diese Gefahren find um so größer, je ungünstiger die sozialen Verhältnisse, unter denen die Frauen leben, gestaltet sind. Die gesellschaftlichen Verhältnisse bedrohen nicht nur oas Leben der Frau, sondern auch das der werdenden und»cugeborcncn Kinder. Nach der Statistik des Tentichen Reiches hatte Teutschland eine Säuglingssterblichkeit von 351046 gleich 17.0 Proz. im Jahre 1007 und 359 022 gleich 17,8 Proz. im Jahre 1008. Die hohe Säuglingssterblichkeit raubt Hunderttgusenden von *) MitUer- Md Sauglingsjchutz von L. Zieh. Müttern ihre Lieblinge unS SaMii alles Mulfetglmf. Durch sie wird die Gesellschaft um zahllose zukünftig« Arbeitskräfte be- trogen. Im Interesse der einzelnen Mütter und der gesamten Gesellsthast ist deshalb ein durchgreifender Mutter- und Söugling-5- ichutz zu fordern und zu erzwingen. Kapitalistische Interessen der herrschenden Klassen verhinderten bisher serne Durchführung. Diese Tatsache wird erwiesen durch einen Blick auf die VerHand- lungen und Beschlüsse der RcichsvcrsichcrungSordnung. Trotz fach- gemäßer, mahnender und überzeugender Begründung seilen» der sozialdemokratischen Abgeordneten wurden von der Reichstagsmehr- lieft die Forderungen abgelehnt, deren Durchfüdrnng in hohem Maße Leben und Gesundheit der Mütter und Säuglinge geschützt hätte. Bon den Vertretern der Sozialdemokratie wurde gefordert: Oblwawrische Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung zu gewähreil für je 8 Wochen in der Höhe des durchschnittlichen Tagelohncs für Arbeiterinnen, ein Stillgeld zu gewähren für 20 Wochen in der Höhe deS KranlenacloeS, ferner das Obligo- torium der freien Hebammen- und ärztlichen Hilfeleistung für Schivangere und Wöchnerinnen einzuführen. Doch dies alles wurde von der bürgerlichen Reichstag»- Mehrheit kalten JÜiuIeS niedergestimmt. Das einzige, was an obligatorischem Säuglings- und Mutterschutz beschlossen wurde, ist eine Wöchncrinnenuntcrstützung für acht Wochen— in den Land- krankenkassen vier Wochen— in der Höhe des Krankengeldes für die weiblichen Mitglieder, die mindestens sechs Monate der Kasse angehören. Von dieser Unterstützung kann der Betrag für zwei Wochen vor der Entbindung als Schwangerenunterstützung ge- geben werden. Wohl selten ist den Frauen klarer und eindringlicher dcmon-- stricrt. wie wichtig und notwendig der Besitz des Wahlrechts und der Einfluß auf die Gesetzgebung ist, als bei bieser Gelegenheit. Wo es sich um ihre ureigensten Interessen handelte, die zusammen- fließen mit dem Gesamtintercsse der Gesellschaft, da mußten sie tatenlos beiseite stehen, da dursten sie nicht mitreden, dursten nicht von all ihren Qualen und Schmerzen erzählen, die iie als Mutter erduldet, da wgr eS ihnen verwehrt, mit dem Hinweis auf die hohe soziale Bedeutung der Mutterschaft einen Schutz der Rütter zu erzwingen. Erinnert Euch an diese empörende Tatsache, Ihr Frauen, und demonstriert für das Fraucnwahlrecht.' Gerichte-Zeitung. Eine vahnhofsszene, die sich auf Station Rummelsburi-Ost abgespielt hatte, beschäftigte das Amtsgericht Lichtenberg. Am 3. September v. I., abends vor II Uhr, war e» dort zwischen Eisenbahnbeamten und. Zivilpersonen zu einem heftigen Renkontre gekommen, wobei einige Zivilpersonen verletzt wurden. Drei Beteiligte, ein Sisendreher Welsand, ein Schloffer Ott», ein Musiker Wuttk«, sahen gestern auf der Anklage- bank. Sie wurden beschuldigt de» Widerstands, de» tätlichen An- grifft, der Körperverletzung, der Beleidigung. Tie Angeklagte» versicherten, jener stürmische Austritt sei nur durch schroffes vorgehen der Beamten herbeigeführt worden. Wel- fand hatte, mit einer größeren Gesellschaft auf dem Bahnhof ver- weilend, vom Bahnsteig aus noch mit einer Person sprechen wollen, die außerhalb der Sperre geblieben war. Das sei ihm, gab er dar Gericht an. vom Schaffner Kasimir untersagt worden mit den Worten:„Scheren Sie sich hier fort!" Kasimir habe ihm auch in dem sich ankirüpfcndcn Wortwechsel sogleich mit der Coupierzange einen Stoß in» Gesicht gegeben, so daß er, Welsand, in der Gegend des AugeS eine blutende Wunde erlitt. Der hinzukommende Stationkassistent Peter habe auf Welsand» Bitte, ihm. die Perso- nalien des Beamten zu geben, schroff ablehnend peantworict. Auf dem Wege zum Stalionsburcau- habe dann Peter ihn geschubst und habe, als Welsand sich da» verbot, mit der Laterne auf ihn eingc- hauen. Welsand habe sich gewehrt, aber jetzt seien drei oder vier Beamte zugesprungen, und man habe dann ringrhauen. bis er blutete. Achnlich gab der Angeklagte Otto an, daß auch auf ihn, der in WelsandS Begleitung war, losgchauen worden fei, so daß er sich habe wehren müssen. Der Angeklagte Wuttkc, der gar nickst zur Gesellschaft gehörte, war nur zufällig in den Tumult hinein- geraten. Er habe, sagte er bor Gericht, eins auf den Hut be- kommen, so daß„gleich der Chaupcauclaque fertig war". Im. Siationsbureau, wo er sich beschweren wollte. Hobe er Welsand blutend vorgefunden. Als er. Wuttke, den Assistenten Peter zur Rede stellte, habe dieser auch ihm mit der Laterne einen Hieb über den Kops gegeben, so daß eine blutende Stirnwunde entstand. Für die Beweiserhebung war von der Anklagebehörde wie von der Verteidigung, die in den Händen der Rechtsanwälte Karl Lieb- knock, t und Kirchner lag, eine große Zahl Zeugen aufgeboten worden. Es kam aber zu einer Vertagung der Sache, nachdem die Ver- nehmung schon der ersten paar Zeugen groste Widersprüche ergeben hatte. Schaffner Kasimir bestritt, mit der Zange geschlagen zu haben. Vor dem Hinzukommen Peter» sei außer dem Wortwechsel mit Welsand noch gar nichts passiert. Peter sei dann bedroht worden, und nachher habe auch Kasimir, der ihm beistehen wollte, einen Hieb über den Kopf erhalten. Assistent Peter bekundete, nichts davon zu wissen, daß Welsand von ihm die Personalien eines Beamten gcsordert habe. Er selber habe Welsand feststellen wollen, sei dabei angegriffen worden und habe sich gewehrt. Daß er Wuttke über den Kopf geschlagen ljabe, sei nicht wahr. Dcmgegc»- über bekundete ein Zeuge Roggisch, er habe»fttangehört, wie Wel- sand den Assistenten Peter ersuchte, einen Beamten festzustellen, der ihn angegriffen habe. Zeuge selber habe den Assistenten, um zu beschwichtigen, darauf aufmerksam gemacht, daß Welsand an- getrunken sei. Da habe Peter ihn angeherrscht:„Gehen Sie mir vom Leibe und lassen Sie mich in Ruhe!" Als Pcler mit Welsand zum Bureau ging, habe Zeug«, zurückbleibend, plötzlich einen heftigen Sckstag und ein Geklirr von Gla» gehört, da» anscheinend von einem Schlag mit der Laterne herrührte. Dem Tumult im Bureau war durch ein paar herbeigeholte Schutzleute ein Ende gemacht worden. Da» Gerich« hielt es für nötig, diese zu laden und darüber zu vernehmen, welche Situation sie bei ihrem Eintreffen vorfanden. Daher mußte vertagt werde». Ein Arbeiter-Radfahrerverein als politischer«er ei». Der Tischler Karra» al» Vorsitzender de» Berliner Arbeiter- RadfahrcrvcrcinS war vom Pollzeipräsidciftcn aufgefordert worden, gemäß ss 3 des VercinSgcsctzes die Statuten, des Vereins und ein Verzeichnis der Vorstandemitgktcdcr einzureichen, weil der Verein, ein Mitglied de» Arbeiter-Radfahrerbunde»„Solidarität", auf politische Angelegenheiten einzuwirken bezwecke. Der Obrrpräsidcnt vftwarf die gegen die Verfügung gerichtete Beschwerde und inachte u. a. geltend: Au» verschiedenen Tatsachen gehe hervor, daß der Berliner Verein, ebenso wie der Bund,«in politischer Verein sei. So zum Beispiel aus einer Festrede des Herrn Wendel, die auf einem. Bundestage in Frankfurt a. M. ge- holten worden und im Bundckvrgan,„dem..Arbeitcrrodfahrer", verosfeiftlicht worden sei. Darin fei gesagt, daß die Arbetterrad- tahrer auf ihren stählernen Nossen die Husaren de» Klassenkompfts seien, und. daß eine der Pflichten der Ärbctterradlock'rer ntcht zum mindesten die politische Aufklärung sei; die Hauptsache wäre und bltebe die Pflege der politischen Agitation im Ginne der Sozial. dcmokralic. Zu berücksichtigcn»wäre auch so führte der Oberpräst- dcnt weiter au», der zum. Teil im sozialdemokratischen Sinne politisch gerichtete Inhalt ic9„Arbeiterradfahrcr". dem. jedem Mit- gliede gelieferlen Bundesotgan, der sich aus Maisestartiteln usw. ergebe. Ferner spreche noch manches andere für den politischen Eharakter speziell de? Berliner Vereins. Karras klagte beim ObervcrwoltungSgcrickst. In der Klage- crwiderung berief sich der Oberpräsideift zum Beweise seiner Bc» hauptungen. auf die Polizciaklen, die er dem Gericht unterbreitete und worin sich Mitteilungsblätter des Verbandes der fozialdemo- Irat'ichcn Vereine Groß-.Berftnck« AusjchMv o«S Im«VonvSrt»". Jahresberichte des Berliner Arbeiker-RadfahrerbereiirS und anderem mehr befanden. J» der Verhandlung vor dem ObcrverwaltungSgericht am 16. April vertrat Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht den Kläger. Er legte eingehend dar, es könne keine Rede davon sein, da� der Verein„bezwecke", auf politische Angelegenheiten einzuwirken. Es geh» nicht an, einen solchen Zweck herzuleiten aus dem gelegent- lichen politischen Inhalt von Reden oder Artikeln eines Jjachiblattes. wie cS der„Arbeiterradfahrer" sei. Es komme eben nicht darauf an. dasj mal politische Tendenzen� zum Ausdruck gekomnie» seien. sondern entscheidend sei, ob der Verein als solcher derartige Tendenzen verfolge. Das sei zu bestreiten. Auch könne weder der Bund, noch der einzelne Verein verantwortlich gemacht werden» für den Inhalt deS Fachblattcs, wenn es auch jedem Mitgtiede geliefert werde. Das Oberverwaltungsgericht wies aber die Klage ab und führte auS: Das Verhältnis des Berliner Arbeiter-Rad�ahixi:. Vereins zum Bunde könne hier ganz ausscheiden, da aus den. Mate- rialien hervorgehe, dos; sich der Berliner Berein versckied entlich in den Dienst der sozialdemokratischen Partei, einer politischen Partei, gstellt habe. So habe der Verein in Generaldersanunlungen, in den Jahren 1910 und 1011 dreimal beschlossen, aus Veremsmitteln der Partei Geld zu überweisen, darunter zweimal je 100 M. mit der ausdrücklichen Bestimmung, bei den Reichstagswahlen verwendet zu werden. Damit habe sich der Berliner Berein in den Dienst der Sozialdemokratie gestellt. In einem Jahresbericht des Vereins werde mitgeteilt, daß bei der früheren Reichstagswahl 136 Mit- gliedcr als Radfahrer, gleichsam als rote Kavallerie, gedient hätten. Damit werde anerkannt, daß die Tätigkeit der Mitglieder in den Rahmen der Vereinstätigkeit falle, denn sonst hätte cS nicht in dem Jahresbericht des Bereins berührt werden können. Weiter komme hinzu die Teilnahme an sozialdemokratischen Festlichkeiten. sowie die Niedcrlegung von Krängen am Grabe Singers und an den Gräbern der Märzgefallenen. Ans allen, diesen Tatsachen zu- sammen ergebe sich die Feststellung, daß al» VereinWveck angesehen werde, die Sozialdemokratie zu unterstützen. Danach sei der Ber- liner Arbeiter-Radfahrerverem als politischer Verein im Siyne des H 3 des BereinSgefttzeSl anzusehen. Unterschlagungen bei einer Ortskrankenkaffe. Vor der Strafkammer in Köln a. Rh. stand der pellvertretende Rendant der Ortskrankenkasie Köln-Ntppes unter der Anklage, 13S& M. unterschlagen zu haben. Ein Revisor entdeckte falsche Ein- tragungen und den Fehlbetrag. Der Angeklagte gab zu, einmal 100 M. unterschlagen zu haben; die Veruntreuung der 1396 M. bestritt er. Er hat aber den ganzen Betrag ersetzt. Das Gericht hielt es für möglich, daß die Summe auch von einem anderen Be- amten unterschlagen worden sei und verurteilte den K. nur wegen de« zugestandenen Betrages zu 10V Vi. Geldstrafe. Die Nippeser Ortsirankenkasse ist diejenige Kasse im Kölner Bezirk, die als ein- »ige zuletzt noch in Händen der Christlichen war. Der Bestrafte ist von den Christlichen angestellt worden. Versammlungen. Die BertrauenSmänner deS Holzarbeiterverbande« nahmen am Mttwoch in einer vollzählig besuchten Versammlung Stellung zur Maifeier. Glocke gab in seinem Referat einen lieberblick über die Entstehung und Bedeutung der Maifeier und führte dann auS: Die Aufgabe der aus Partei, und Gewerkfchafis- Mitgliedern bestehenden Matfeierkommission besteht nicht nur in der Regelung der Beitragsfrage, sondern in der Hauptsache soll sie dahin wirken, daß die Arbeitsruhe eine möglichst allge- nreine wird. Diejenigen, welche der Maifeier etwas gleichgültig gegenüberstehen, müsse» aufgemuntert werden. Je umfangreicher die Arbeitsruhe wird, um so mehr werden die Unternehmer zu der Erkenntnis kommen, dah sie sich air die Maifeier gewöhnen müssen Md nicht» dagegen ausruhten können.— Die Berliner Holzarbeiter haben ja nicht» weiter zu erwarten, als daß sie wegen der Maifeier drei Tage ausgesperrt werden. Durch diese Maßregel können die Arbeitgeber dem Holzarbeiterverdand natürlich lein« Schlappe bei- bringen. Man sollte eigentlich erwarten, daß die Arbeltgeber ver- nünstig genug waren, um das einzusehen und deshalb auf jede Aussperrung zu verzichten, den» gefeiert wird ja trotz der Aus- sperrung doch. In diesem Jahre ist den Arbeitgebern nicht das Plakat zugegangen, welches die dreitägige Aussperrung androht; «iber in ihrer„Fachzeitung" wird den Arbeitgebern empfohlen, die Feiernden wiedcr für drei Tage auszusperren, weil die Arbeitsruhe als Vertragsbruch anzusehen sc!. Die Behauptung, die Arbeitsruhe sei ein„Vertragsbruch", ist vollkommen falsch, denn durch die berufenen Instanzen ist längst«»tschieden, daß es kein Vertragsbruch ist, wenn am I. Mai die Arbeit ruht. Durch die Behauptung in der„Jachzeitung" sollen die Arbeitgeber nur scharf ge»ia«ht werden für die dreitägige Aussperrung. Die Arbeiter werden sich dadurch in ihrer Haltung zur Maifeier nicht beeinflussen lassen. — Da im vorigen Jahr« in einigen Werkstätten nicht alle Arbeiter feierten, so hat die Ortsverwaltung mit den Vertretern dieser Werk- stätten eine Konserenz abgehalten, um festzustellen, ob Neigung vor- banden sei. eine Aenderung in der Viaiseicr eintreten zu laflen. Die betreffenden Werkstätten haben durchweg erklärt, sie seien da- für, daß der 1. Mai in diesem Jahre ebenso gefeiert werde wie in früheren Jahren, nämlich durch Arbeitsruhe. Hiernach tonnte die Ortsverwaltung zu keinem anderen Ergebnis kommen, als daß sie auch heute wieder den Vertrauensmännern enipfichlt, die Arbeits- ruhe als die würdigste Form der Maifeier zu erklären und in den Werkstätten mit ganzer Kraft dafür einzutreten, daß alle Kok- legen die Arbeit ruhen lalsen. Den Unternehmern muß gezeigt werden, daß die Hokzardeiter etzrig und geschlossen den k. Mai fetV"- jBeifall.) Ohne Debatte wurde folgende Resolution angenommen: „Die Vertraue nsmä ii»erversammlung der Berliner Holzarbeiter erklärt, daß nur durch st r i t t e A r d e i t S r u h e der erste Mai würdig aefetert werden kann. Deshalb erwartet die Versammlung, daß trotz der AuZsperrungSbefchlüsse der Unternehmer auch in diesem Jahre die Kollegen am ersten Mai die Arbeit ruhen lassen."_ Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und-arbetterinne», Ortsverwaltung Berlin. In einer Mitgliederversamm- lung, die an, Mittwochabend bei Witte, Sebasttanstraß«. stattfand, hielt der Arbeitersekretär Brückner einen Vortrag über die Eutwickelung der deutschen GeiverkichaftSb-wegimg. der sehr beifällig aufgenommen wurde.— Die Versammelten nahmen dann Stellung zur F c i e r d e s 1. M a t. Eine sehr lebhaste Diskusswn entspann sich über diese Frage. Während von mehreren Rednern eine einheitliche Feier und dahingehende Beschlüsse der Versamm- lung verlangt wurden, hoben andere die Schwtcrigketten der Er- füllung bindender Beschlüsse hervor. Sine zahlreiche Beteiligung an der Feier wurde allgemein gewünscht und schließlich ein» Antrag angenommen, der verlangt, daß in jedem Betriebe ein Beschlutz in der Jrage herbeigeführt und die Verbandsleitung davon in Kennt- nis gesetzt werden toll.— Die Versammlung beschäftigte sich dann mit Beschwerden über den ArbeitSnachiveis. für die der Vorstand, soweit sie als berechtigt erlannt wurden, Abhilfe versprach. Der Arbeitsnachweis funktioniert im allgemeinen recht gut, Sb Proz. aller Stellungen werden durch den Nachweis des Verbandes ver- mittelt. Die Frage der Unterstützuna der ausgesteuerten arbeits- lose,, Mitglieder war ebenfalls Gegenstand einer eifrigen Beratung der Versammelten. Deutscher Kiirschnervcrbanb'. In der Generalversammlung der Filiale Berlin des Kürschnerverbandes am Mittwoch in den Musiker- sälen, stand als erster Punkt die Abrechnung vom ersten Quartal 1912 auf der Tagesordnung. Sie lag den Mitgliedern vervielfältigt vor und schließt mit der Bilanzsumme von 17 990,56 M. ab. Der größte Au»gabepojicn ist der sür Streikunterstützung mit 10 417,05 Marl. Jux Unterstützung an Arbeitslose würben 393, SO 31, an Kranke 374,85 M., an Wöchnerinnen 45,80 M. ausgegeben. Für Streikunterstützung wurden auS der Lokalkasse noch weitere 014,40 Mark ausgegeben. Mitglieder hatte die Filiale am Quartalsschluß 782 weibliche und 527 männliche.— Die Versammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge. Dann hielt Fräulein Ida Alt- mann ihren zweiten Vortrag aus dem Zyklus über die deutsche Literatur. Ihre anregenden und lehrreichen Schilderungen wurden mil großem Interesse aufgenommen. Hierauf wurde eine Ersatz- wähl zum Vorstand vollzogen und als zweiter Vorsitzender T a n a c r m a n n. als zweiter Kassierer G a tz oi a n n gewählts. — Sodann machte der Vorfitzende Fritze auf die Maifeier aus- merksam und forderte zu reger Teilnahme an der Versammlung auf, die vormittags in den Musikersälen stattfindet. Die Maifeier ist bei den Kürschnern insofern tariflich gesichert, als die Arbeit- geber sicki verpflichtet haben, wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai Maßregelungen nicht vorzunehmen. Schließlich wies der Vor sitzende noch darauf hin, daß am 12. Mai der Frauentag statt sind«» eine Veranstaltung, die ja vor allem für die weiblichen Mit alieder von größtem Interesse sei und an der alle sich zu beteiligen haben.___ Hiid aller Melt. Schweres Bauuugluck in Hannover. Auf dem Hauptbahnhof in Hannover hat sich am Donnerstagmorgen ein schweres Aauunglück zugetragen. bei dem zwei Arbeiter getötet und fünf schwer verletzt wurden. Die Hallendccke des Bahnhofes wird mit einem neuen Anstrich versehen, zu welchem Zwecke ein großes Hängegerust errichtet war. Gestern früh, kurz nach Beginn der Arbeitszeit. brach einer der eisernen Haken, in denen das Gerüst hing, und ein Teil des Gc- rüstes stürzte mit sieben darauf beschäftigten Malergehilfcn i n die Tiefe. Die zur Hilfeleistung herbeigeeilten Bahnbeamten befreiten die Verunglückten von den sie bedeckenden Brettern und Balken, doch konnte bei zwei Arbeitern nur noch der Tod festgestellt werden. Die anderen fünf Schwerverletzten wurden nach Anlegung von Notverbänden in das Krankenhaus übergeführt._ AuS eiuer kleinen Garnison. Zwischen zwei Angehörigen der Klasse mit dem besonders fein ausgebildeten Ehrbegriff hat gestern eine Duellrauferei statt- gefunden, wobei einer der Duellanten durch einen Schuß in den Unterleib schwer verwundet wurde. In dem Duell, das bei Halberstadt stattfand, standen sich der Oberleutnant v. P u t't- k a m e r und der Leutnant v. Heeringen, beide vom 27. In- fanterieregiineiitS, als Gegner gegenüber. Es wird zwar über die Gründe strengstes Stillschweigen gewahrt, doch munkelt man, daß der Grund in einer Liebelei zwischen dem im Duell schwer- verletzten v. Heeringeu mit der Frau des Oberleutnants v. P u t t k a m e r liegt._ Kleiustaatskuriosa. Vom„Segen der Doppelherrschaft" wird in Rudolstadt ein Geschichtchen erzählt, das ein Bewohner von Unterwirbach, einem halb zu Meiningen, halb zu Rudolstadt gehörenden Dorfe, tatsächlich erlebt hat. Der Mann, dessen HauS auf meiningi scher Seite liegt, während stch die Felder aus der f ch w a r z b u r g i s ch e n Seite befinden, beabsichtigt, aus zwei dieser Felder, die zusammen einen Taxwert von 1500 M. haben, eine Hypothek von 400 M. auf zunebmen. In R u d o l st a d t wurde er ober bei der Landeskredit« anstalt mit seinein Ansinnen abgewiesen mit der Begründung, daß er meiningi scher Staatsangehöriger sei, und in Saalseld wurde ihm eröffnet, man könne ihm auf seine Grund- stücke keine Hypothek geben, weil die Grundstücke auf der schwarz burgischen Seite läge». Er wird also seine Felder nach Meiningen schaffen müssen. Weitere Ausdehnung der Mississippi-Ueberschwemmung. Wie ein Telegramm aus Memphis meldet, hat sich durch einen Bruch des Schutzdammes des Mississippi unterhalb von Rosedale und eines anderen am A r k a n s a s f I u ß die Zahl der durch die Ueberschwemmungen in Mitleidenschaft Gezogenen um 2 5 000 Menschen vermehrt. Die Lage Tausender von Obdachlosen ist traurig, viele sind seit Tagen ohne Nahrung. Die Eisenbahnen sind abgeschnitten. Kleine Notizen. Raubübersall. Wie der„Köln. Zeitung" aus Ohligs gemeldet wird, überfielen dort zwei holländische Arbeiter einen Schleifer, raubten ihm die Barschast von 20 M. und brachten ihm schwere Kopfwunden bei, an denen der Verletzte sin Kranken- hau» gestorben ist. Die Täter sind verhastet worden. Die Braut ermordet. I» der vergangenen Stacht wurde in Köln ein Mann au« dem Rhein gezogen, der angab, von Unbekannten in» Wafier gestoßen worden zu sein. ES handelt sich um den zwanzig- jährigen Monteur Abels. Nachforschungen ergaben, daß die Braut des Abels seit 14 Tagen verschwunden ist. Schließlich gestand Abel«in, daß er seine Braut im«eller der elterlichen Wohnung ermordet und verscharrt habe. Bei den Nachgrabungen fand man die Leiche de« MädchenS, die durch viele M e t t e r st i ch e entsetzlich zugerichtet war. Rlfiko der Arbeiter. Den Erstickungstod erlitt der Arbeiter Albert Biebranz in Emilienhof. Kreis Stolpe in Pommern. Er hatte einen Grabe» aufgeworfen, dessen Wände plötzlich nach- gaben und ihn verschütteten. Die Hilfe kam zu spät, er wurde al» Leiche hervorgezogen.— In der Eiseubahnreparaturwerkstätle zu Stolpe geriet der Schlosser Eichhorn beim Fortschaffe» reparierter Wagen zwischen die Puffer, wobei ihm der B r u st- lasten eingequetscht wurde. Der Bedauernswerte starb bald nach der Einlieferung im Krankenhause. Eingegangene Druckfchrifteit. Von der„Neuen Zeit« Ist soeben da» 29. Heft de« 30. Jahrganges erschienen. Au» dem Inhalt de« Hefte» heben wir hervor! Nu Ehrentag. — Die neuen Wehrvorlagen. Vo» Paul Lensch.—'Paul Brousse und der PossibilismuS. Von Ch. Rnppaport tPariS).— Die Kredit anlpaniiung tu Dentichland. Von Speltator.— Die Strelljustiz im Ruhrgebiet. Bon Paul Wals svochum)— Berichtigung und Ergänzung. Von A. Bebel. Die„Reue Zeit" erscheint wächentllch cinniat und ist durch all« Buch- bandlungeu, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,ÄS M. pro Ouartol zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Da« einzelne Hest lostet SS Pf. Bon der„Gleichheit". Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist un» soeben Nr. 15 des 22. Jahrgangs zugegangen. Au« dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor:„Entbehrungslöhne" der lextil- lömge. Don Hermann Jäckel.— Preußische Jugeiidpjlegc. Von M. W.— HauSagitatio». Von Luise Zietz— Die Amder von Lawrence. Von Meto L. Stern.— Mädchenhandel. Von dl. Kt. Usw. Die.Gleichheit- erscheint alle 14 Tag« einmal. Prei» der Stummer 10 Pf, durch die Post bezogen beträgt der NbonnementSpreis vlertelfährlich ohne Bestellgeld bü Ps.; umer Kreuzband LS Pf. JahreSaboiinemellt 2,60 M. Die diesjährige Matnummer»es„«Sahren Jakob" ist soeben reich illustriert im Umtang von lS Seiten zum Preise von 10 Ps. erschiene«. Au« ihrem Inhalt heben wir solaende Beiträge hervor: Zeichnungen: Serenissimus am l. Mai. Von H. G. Jentzsch.-> Da» erleichterte Zentrum. Von Erich Schilling.— De» Deutscheu Reiches Malbamu.— Di« apokalyptischen Reiter.(Nach Cornelius.) Usw. Text: Zum t. Mail Vo» Tobias.— Der Mai ist gekommen...1 — Der Kampf um die Jugend— Blaue« Klagelied. Von Lehmann.— Osterode.— Der Kaplan Sasse». Von Balduin.— Lieber Jakob! Vo« Jotthiff Naute.— Matsei«.— Der Mächtig ft«. Ein Märchen, da» kein Kirche» ist. Loa Pauk Enderltuz.— erste, junge Alxeurosen. Bon Robert Seidel.— Stemme Wünsche deS Zentrums.— Mlüarischc De»- heilen. Usw. Der PretS der IS Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Probenummern find jederzeit durch den Verlag J. H. 35. Dietz Nachs. G. m. b. H. in«tutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Geschäftsbericht l»U der Ortskranhentafse für den Gewerbe- betrieb der Kausleute, Handelsleute und Apotheker zu Berlin. 63 S.— Unsere WohuuugSenauete 1911. Vo» derselben Knfjc. Bearbeitet von A. Koh». 44 Selbswerlag der Kasse, Berlin, Kloster- stratze 71/72. Die Ortsnamen im Deutsche». Von Dr. R. Kleinpaul,(sainm- lung Göschen.) 80 Ps. G. I. Göschen. Leipzig. Bcrkehrskarte der Provinz Braudenburg. 30 Pf. O. Eulitz, Lissa i. P. Die Wunder ber Natur. 1. Lieserung. Erscheint in 65 Licscrunzen a 60 Ps. Bong u. Co., Berlin W. 57. WallerstaubS-Nachrichte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibar , Krosse» , Franksurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Derby , Magdeburg l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpcgel. Wittcrungsübcrjicht vom 18. April 1 912. Stationen Swinemde. 769SSD taMburg 766, ISO -rlin 768' O Franks.a.M. 762. NO 1 München Wien Al Ii 763120 768 SSO Wetter wölken! wolkenl Zcheiter 1 wolkenl 2 halb bd. O.molkig «K d* f" «i 0 8 8 8 5 6 Slatloncn Jz 2 Haparanda Petersburg Zcilly Aberdeen Paris -dff i« 761 WNW 770WN« 76l|SD 762,SSO 7k2lStill Wetter 6wolkenl 3Nebel t halbsbd. 1 bedeck! heiter c« -ei' S(J» — 1 7 6 7 1 Wetterprognose für Freitag, den 19. April 1912. Trocken bei ziemlich Irischen östlichen Winden mlt vorübergehender Zu« nähme der Bewölluug; nachts wieder kühl, am Tage wärmer. Berliner Wetterbureau. Todes-Anzeigen Am Dienstag, den 16. April, verstarb mein lieber Mann, miscr guter Bater, der Putzer Ho>big. Panllnc Helblg geb. Werner nebst Kindern, 413 Emdener Str. 55. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. April, nach- Mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des ZentralsrledhofS in SozlalöEffiflMlscöerMverEiD des 6. Bert, Belchstags-tfaHses. «m 16. April verstarb unser Genosse, der Maurer Lrnst ttolbix Emdcner Strasse 56. Ehre seiuem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. April, nach mittags 6 Uhr, von der Halle deS städtischen Friedhole» in Friedrich»- selbe ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deiitse&er BaBarbeiterveM. Sektion der Patzer. Unseren sowie den Mitgliedern de« Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Ernst Heibig 'Bezirk Moabit) am 16. April im Alter von SO Jahren gestorben ist. Ehr« seinem Slndeuke»: Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 20. ÄlprU, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoseS in Friedrich». selbe au» statt. 138,20 Um recht rege Beteiligung bittet vi» Brtliohe Verwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsatelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Werkzeug- macher ItndoH Albrecht am 16. d. Mts. an Herzschlag gestorben ist. Ehre leine« Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. April, nach. mittags 1'/, Ul?r, von der Leichen- halle des städtischen Friedhoses in der Müllerftrasse aus statt. Rege Beleiligung erwartet 115,15 Die Ortüvrrwaltunft. velltselier Ssusrdejtei'-Vei'dslll! (SEwelgvcreln Berlin.) Am 17. April verstarb unser Mitglied, der Maurer Reinhard Radmer (Bezirk Oranienburger Vorstadt). Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet ani Sonnabend, den 20. April, nachmitiags 5 Uhr. von der Halle des Elisabeth-Kirchhofes in der Prlnzen-Allee aus statt. l3v/1 Der Borstand veulLelter Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Tischler Anxnst Berkholz Kopenhagener Str. 25, im Aller von 68 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 19. April, nach-. mittags 41/, Uhr, von der Hall.« des Gethsemane- Kirchhosc« in Nordend au» statt. 82,7 Die Ortsverwaltung. Verband der Demeinde- und Staatsarbeiter. Filiale tirolt-Bcrlln. Durch dm Tod ist uns unser Kollege Wilhelm Seraniler 'Seilion Engl. Gasanstalten) emrlffc« worden. Wir werden ihm ew ehrendes Slndenkm bewahren. 34/3 Dir Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreicheil Beweise herz- Ischcr Teilnahme sowie herrlichen Blumenspenden bei der Beerdigung meines ttcben Mannes sprechen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere denKollegen derA.E.-G.. Abteilung 1. P. 1, Meister Pribc und den» Deutschen Metallarbciteroerband unsere» herzlichen Dank aus. 25S Emma Tschammler �«1 Danksagung. Für die liebevolle Beteiligmig bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes A u t o n sage» wir allen Beleiliglm Miseren herzlichste» Dank. 58S 8. Sowlnufcl and Fraa _ Tieckstr. 26. Danksagung. Anlässlich de? Hinscheidens meines geliebten Manne», unseres gute» Vaters, des Formers iVuxust Heyaacker find uns ungeahnt viele herzliche, wohltuende Beweise aujrichtigster Teil- nähme und eine überaus grosse An- zahl herrlichster Kranzspenden zu- gegangen, dass eS uns unmöglich ist. jedem ewzclncn zu danken und sprechen wir deshalb aus diescin Wege allen lieben Freunden und Bekannten, iiiSbcsonderc dein Deutschen Metall- arbeiter-Berband, den Kollege» und Lehrlinge» der Firma Fr. Gebauer, der Firma Fr. Gebauer und den Be- wohnern de« Hauses Ehausseestr. 56, unsere» ticigejühltestcu Dank aus. Witwe raaline llcynackcr 12U& nebst Kindern. Ii; UU-W Arbeltsnachweis; Amt No�eii, Nr. lSZS. «rit6strake 3. ttanptbnrean: Hos m. Ami Norden, Nr. 1S87 Sonntag, den Ät. Slpril 1912, vormittags 10 Uhr, in den Arminhalle»(gn Saal), Kommandantenstr. S8/F0: Branchett-Versammlnng aller in den Eisenkonstruktions- Werkstätten beschäft. Arbeiter. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Adolf Cohen Wer„�te Entwictelung der tvrofteisen-Jnduftrte und die Arbeiterbewegung". 2. Ist die Vereinbarung von 191! resonnbedürslig? 3. Verschiedenes. Kollegen! Die Veriammlung wird sich mit wichtigen Angelegenheiten deschästigcli! darum ist eS dringend nötig, dag jeder erscheint. Sonntag, de» 31. April, vormittags präzise O'/z Uhr, in den Musiker Festsälen, Kaiser-Wilhelmstr. ILm: Branchen-Versammlung der Eisen-, Metall- u. Revolver- dreher sowie Rundschleifer. Tagesordnung: 1. Branchenbericht und Diskussion. 2. Neuwahl der Branchenkommisston Die Anwesenheit aller Kollegen Ist notwendig. Sonntag, de» 31. April 1913, vormittags 10 Uhr, in de» Anninhallen, Kommandantenstr. S8/S9: Versammlung aller in der Schranbenbranche beschäftigten Werkzeugmacher. Tagesordnung: 1. Können wir mit den gegenwärtigen Lohn« und Arbeiisvedinguugen zufrieden sein? 2. Diskussion. Kollegen I Es ist Ihre Pflicht, für einen guten und zahlreichen Besuch dieser Versammlung zu sorgen. 115/14 vi« Ortsverwaltung. ttr Verwaltung: Berlin. Heute, Freitag, abends S1/, Uhr, im GcwerkschaftShanse, Engel- nfrr 14/15, Saal 4(Arbeitsloseusaalj: Titenng riei* Ortsverwaltung. Montag, den 22. April, abends von 5 vis 8 Uhr: Wahl der Delegierten zum Verbandstage. Die Wahllokale werden am Tonntag bekannt gegeben. Modell-«. Fabriktischler. Sonntag, den 21. April: M Krsnil» der Ansstklwtg für Arbeitemohlfahrt. 35« Treffpunkt: Charlottenburg, Rosinenstr. 3(VollshauS), vorm. U'ii Uhr. Sargtischler� 21. April, nachmittags 4 Uhr, im Sonntag, den 21. April, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von Siegel, Große Frankfurter Str. 30: MST Versammlung"ME Tagesordimiig:»Haben die Arbeiter ei» Batcrland?" Ref.: Genoisiii Krida Wulfs. Nachher: Lemüljjedss öojs»l»meilsejll Mi! Tm. 82/6 Die Ortsverwaltang. Zentraberband der Saehdecker Tcrwaltnngsstelle Berlin. Sonntag, de» 21. April, pormitt. 10 Uhr, im Grwerkschaftshaus, Engelnfer 15, Saat 1: Versammlung= der Dachdecker und Hilfsarbeiter. Tagesordnung: 1 Kol'enbericht vom 1. Quartal 1912. 2. Bericht vom Gautag. 3. Wahl der Mitglieder zm» Gauvorstand. 4. Verbandsangelegenheiten. Vollzähliges und pünktliches Erscheine» der Mitglieder erwartet H/8 Der Vorstand. ' Höbel-Cohn 58 Gr. Frankfurter Str. 58 unweit der Kais-retraBe. Möbel ant Kredit WS" Riesen=Auswahl"HW Anzahlungen auf Stube und Küche: Mark 15 30 50 75 bis SS bis 45 bis 70 bis 160 HIodeFnc Scblaf-, Speise-, Herren-»nd Wohnzimmer jeder gewünschten Art von 40 ZU. Anzahlung an. Einzelne lUelsincke SF von 5 M. Anzahlung an. tHT losigkeit,-WE Liefere auch auswärts, Abzahlung wöchentlich, monatlieh, resp. nach Uebsrelnkunft. Vorzeiger dies. Inserats erhält beim Kauf 5 M. gutgeschrieben. jlusstelliing von Gesellenstöeken (Prüfungsarbeiten) �anewtet innungsaussehusse d.Yereinigten Innungen zu Berlin im großen Saale und den Nebenräumen des Kattdwerkskammergebäudes Tcltower Str. 1—4(Ecke Bellealliancestraße) vom 17s bis 23. April er. Eintrittspreis 25 Pf. 289/18* In der Versammlung der Mltglledschast erhielten bei der Delegierten- wähl Stimmen: Stadthage» 173, Werner 168, Eichhorn 166, Ritter 162. John 162, Weis 156, Döring 153, Böske 150. Nmvreit 146, Wenzel 137, Krätzig 124, Lehman» 115, Bruns 114, Eifler 163. Abgegeben sind 265 Stimmzettel: gewählt sind sonach die ersten 10 Mitglieder. �gned?"' Krätzig, Lehmann, Krüns«»d Ejßer wähl, die am Montag, de» ÄS. d. Mts., stattfindet. Die Siizlunzettel sind von 8—16 Uhr abends im Bureau der GeWerl- schastskommission abzugeben. Der Stimmzettel darf nicht mehr als zwei Name» enthalten._ 289/17 Blendax Pfif dem Scheuennännchen Scheuert' Reinigt' Pulzt Alles Blitzblank Pakete zu 10 u.20 Pfigf. fabrik: Urban c Lemm, Ouirk�lenbur� Los nur 50 Pfg. L Ziehung 23. April 1912 Gnesener Pferd«. otterle 3243 Gewinn. I. W. v.»n». M. 70000 l.ra.t.!«0 rt.r4«, t t,» p»»-» M. 50300 ttM silkwpawl». Unk; 20000 HftHptffOfrleB W. Murk: 10000 lEK50Pl.=5i. Port« und Lfsfp 25 pf pxtrn durch des Oeaeral- Debil �.C. Kröger BERLIN W. 8, Friedrichetr. 1933 AUM-«owie«II« durch Pl»k«t, •&- kenntlichen Verkaufitlell. — Telegr-Adr.:.Soldquelle'— J Nathan Manck 129 Skalitzer Str. 129. Die schönsten Herren-SomniErpjletotsD. Ulster und Anzöge ,ow".s'p°','i°ll crstklalsige, aus Seide gearbeitete Garderobe, von 21411, Kavalieren getragen, fast neu, für jede Figur passend, sveziell Baiichanzüge sind in grotzer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu Häven. Nathan Wand ■ 129 Skalitzer Str. 129. Hochbahnstation KoltbuserTor. 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Beschlutzjaffung über den Ge- samtbctrag, welchen Anleihen der Ge- nossenschast und Spareinlagen bei ihr nicht übersteigen sollen. 7. Beschluß- faffung über die Ausschließung von säumigen Genossen Die Bilanz sowie die Gewinn- und Verliislberechnung für daS Jahr 1211 sind in der Geschästsstclle, Sickingen- stvatze 8, einzusehen. 104/7 Der Vorstand. L. Schmidt. Ernst Roscher. GemkinsamkOrts-Kranhen- Kasse f. Jehleudarf u. King. Zu einer Ordentl. General-Versammlung am Montag, den 29. April er.. nachmittags«'/. Uhr, im Restaurant d. Herrn lulius Neutsch, hicrsctbst, Machnower Str. 2, werden die Herren Berireter hier- durch eingeladen. Tages ordnung: 1. Ergänzungswahl eines Arbeit- nehmerverlrelcrs in den Vorstand. 2. Abnahme d.Jahrcsrcchnung s. 1911. 3. Feststellung der Vergütungen sür die Kassenbeamten. 4. Erweiterung der Bcsugniffe Rendanlen gemäß§ 60 Statuts. Nachträgliche Beschlußfassung den Beitritt der Kasse zu Zentralkommission der Kranken� lassen Bcrltos und der Vororte. 6. Geschästliche Mitteilungen. Zehlendors, den 16. April 1912. 274/7 Der Borstaiid. loh. Krekeler, Versitzender. des des über der und Ktgräbnlsverem für Kan- u. gkiurrbliche Arbeiter Berlins und Umgegend. Die Geuersl-Versummluug findet am Sonntag, de» 21. April, vormittags 16 Uhr, im Lokal des Kollegen Bvrelit, Ritterstraße 75, statt. Tag eSordnung: I. Abrechnung vom I. Quartal 1912. 2. Bericht der Revisoren. 3. Vercinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Arbeiter jeden Berufs, welche daS 16. Jahr erreicht und das 56. nicht überschritten haben, werden in der Versammlung vom Rendanten Schulz ausgenommen. Die Mitglieder find verpflichtet, zahlreich zu erscheinen. 37/3 ver Verstand. I. A.: Badegast. Vorsitzender, Soldiner Str. 15. Orts- Krankenkasse für das Goldschmiede- gewerbe zu Berlin. Einladung! Am Sonnabend, den 27. April 1912, abends S'/a Uhr, findet die Ordentllebe General-Versammlung sämtlicher Delegierten im Gewerkschaftshause, Engel- user 15, Saal 5, statt. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls. 2. Jahresbericht sür das Geschästs- jähr 1911. 3. Bericht d-e Revisoren. 4. Auslvraäv über Zentralisatton der Ortskrankenkaffen Berlins. 5. Verschiedenes. 273/16 ver Verstand. I. A.: Otto Almendinger, Vorsitzender. Langenbeckjlr. 4 IV. Die Einladungskarte legiti- miert zum Eintritt. Orts- Krankenkasse der Sonntag, de« 38. Avril 1912, vormittags 10 Uhr: General-Versammlung im Restaurant„Andreas-Garten", Andreasstraße 26. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1911. 12185 2. Bericht der Revisoren. 3. Versdhiedene Kassenangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Aorstand. Robert Zind l e r, Vorfitzender. SMef-KMiw- Bond Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Tonren zum Sonntag, den 21. April: 1. Abt.: 6 Uhr: Liebenwalde. 1 Uhr: Mönchmühle. Start: Bülow- straße 58. 2. Abt.: 6 Uhr: Strelszüge durch den Strausberger Wald(Landhaus). 12'/, Uhr: Tasdoiff(Zum Deutschen Hause). Start: Schönleinstr. 6. 3. Abt.: 7 Uhr: Woltersdorf (Dampsboot). 12'/, Uhr: Fichtenau (Gesellschastshaus). Start: Lausitzer Platz 12. 4. Abt.: 8 Uhr: Erkner(Dege- brodt).!>/, Uhr: Adlershos(Voll- stein). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 1 Uhr: Eichwalde. Start: Elhsiimi. 6. Abt.: 7 Uhr: Oranienburg. 1'/, Uhr: Glienicke a. d. Nordbahn (Altermann). Start: Oderberger Straße 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Kalkberge-Rüders- dors(Heinitzerstr. 19). 1 Uhr: Rahns- dorser Muhle(Klemm). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: 6 Uhr: Luckenwalde(Feld- straße 1). 1 Uhr: Nowawes(Singer). Start: Levetzowsir. 21. 9. Abt.: 1'/, Uhr: Birkenwäldchen. Start: Schillingstr. 22. 11. Abt.: Am 24., 9 Uhr: Neu- Dabendors. Start: Gr. Hamburger Str. 18/19. 11/4 Reinickendorf. 1.?lbt.: 16 Uhr: Schönwalde. Start: Schillingstr. 1. 2. Abt.: 1 Uhr: Stolpe. Start: Amendestraße. __ Znm 1. Hai! CMI Rote Nelken soVoSh Muster zu Diensten. 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Die gemeinschaftliche Hinfahrt erfolgt mit der Wannseebahn und Südring. Abfahrt von Steglitz um ö Uhr. Bcsichtigungskarten sind aus der Hinfahrt und am Ein- gange zur Sternwarte zu dem ermätzigten Preise von 60 Pf. zu h�ben. Der BildungSauSschusz. AdlerShof. Heute abend 7>/, Uhr. vom Jugendheim, Bismarck» strafce 11 aus: Wichtige Flngblaitverbreitung. Der Vorstand. Dabendorf bei Zossen. Am Sonnabend, den 20. d. M.. abends v Uhr. bei Wiese: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Kreis- und der Verbandsgeneralversammlung. Wahl von zwei Revisoren. Maifeier. Bericht von der Gemeindeverlretersitzung und Verschiedenes. Der Vorstand. Erkner- WolterSdors. � Am Sonnabend, den 20. d. MiS.. abends 8/3 Uhr. bei Radischat in WolterSdors: Generalversammlung des Wahlvereins. ES ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Die Bezirksleitung. Staaken. Sonnabend, den 20. April, abends 8V3 Ubr. in Gnädigs Gasthof: Generalversammlung des Wahlvereins. TageS- ordnung: Kassenbericht, Vortrag des Genosien Schubcri-Spandau. _ Der Vorstand. Berliner IVacbncbten» Einen Aufruf zur Schonung der Pflanzenwelt hat das Provinzialkomitee für Naturdenkmalspflege erlassen. Verödet doch in der Umgebung der Städte die Pflanzenwelt immer mehr: verschwinden doch seltene, durch große Bluten ausgezeichnete Pflanzen allmählich ganz durch den Zer- störungstrieb der Großstädterl Ernst und eindringlich mahnt der Aufruf: Schone die Pflanzen, schone vor allem die Früh- lingsblumen! Brichst Du Blumen, sei bescheiden, nimm nicht gar so viele fort! Ein Sträußchen am Hut ziert den Wan- derer, ein Ricsenbusch kennzeichnet den rücksichtslosen Pliin» derer. Schneide Blumen und Zweige stets vorsichtig mit einem scharfen Messer ab: die übriggebliebenen Teile ent- wickeln sich dann weiter! Niemals Pflanzen mit den Wurzeln ausgraben, keine Zweige von den Bäumen abreißen, sondern behutsam abschneiden, nicht die Rinden der Bäume als Stammbuch benutzen!_ Vom„Segen" der Brot schaffende» Kinderarbeit erzählen immer wieder gewisse„Volksfreunde". Immer wieder heben sie mit Eifer hervor, von wie hohem Wert in wirtschaftlicher und auch in erziehlicher Hinsicht es fei, daß Kinder schon im schul- Pflichtigen Alter durch ertoerbende Tätigkeit das Ihrige zur Be- streitung der Unterhaltskosten der Familie beitragen. Wer die Erwerbsorbcit der Kinder von diesem, wie man so gern sagt,„sitt- lichcn" Slandpunkt aus betrachtet, der kann leicht dazu gelangen, selbst bei den ärgsten Mißbrauchen der Kinderausnutzung noch einen„Gewinn" nicht nur für die Familien der umS Brot arbeitenden Kinder; sondern auch für mese Kinder selber zu sehen. Solche Leute werden dann vielleicht ihre Freude auch an einer von Kindern ausgeübten Erwerbsarbeit haben, wie man sie jetzt auf dem Artillerie-Schießplatz bei Tegel beobachten kann. Auf dem Schießplatz ist ein Berg von Müll aufgeschüttet worden, der seit langem auf der Abladestätte an der Müllerstraße gelagert hatte, aber dort endlich weggeräumt werden mußte, weil das Terrain der Bebauung erschlossen werden sollte. Die Militär- »erwalwng hat gewiß nicht aus Gefälligkeit gegen die Stadt Ber- lin oder gegen den die Freilegung jener Abladestätte ausführenden Unternehmer ihren Schietzplatz dazu hergegeben, die gewaltige Masse des hierher transportierten Mülls neu aufzuschütten, viel- mehr ist anzunehmen, daß sie den dabei entstandenen, ziemlich um- fangreichen Hügel zu UcbungSzivecken bestimmt hat. Der Müll- Hügel enthält nun aber mancherlei Abfälle aller Art, wie man sie eben mit dem HauSmüll wegwirft, darunter auch zahlreiche Scher- den von Porzellan und Glas, deren Beseitigung der Militärverwaltung erwünscht sein muß. Für den Unter- nehmer, der diese Arbeit besorgt, werden bei ihrer Ausführung nicht Erwachsene beschäftigt, sondern Halbwüchsige und vor allem Kinder. Tag für Tag wandern, so oft das Wetter günstig ist, nach der Mittagstunde zahlreich« Kinder zum Schießplatz, melden sich bei einem hier stationierten Aufseher, der wohl ein Angestellter des Unternehmers ist, und werden dann in die Kolonne der Arbeiten- den eingereiht. Zuweilen übersteigt die Zahl der gleichzeitig Ar- hottenden die 50. wovon— dein Anschein nach zu urteilen— die meisten noch schulpflichtig und manche noch keine 12 Jahre alt sind. Gearbeitet wird unter Leitung des Aufsehers in der Regel von 1— ö Uhr, und zwar ohne bestimmte Ruhepause. Die Kinder kauern auf dem Müllhiigel, buddeln teils mit Stöckchen, zum größeren Teil mit den Händen aus der oberen Müllschicht die Scherben heraus und sammeln sie in mitgebrachten alten Eimern. Töpfen, Körben, um sie abseits aufzuschütten. Der An- blick der beieinander hockenden, in dem Müll wühlenden Kindcrschar ist so seltsam, daß man zunächst seinen Augen nicht traut. Die Hände der Kinder starren von Schmutz, und manckeS Kind fährt mit seinen Händen sich auch ins Gesicht nnd hinterläßt auf ihm Spuren des Schmutzes, in dem es gewühlt hat.'Für diese unappetitlich«, keineswegs mühelose und sicherlich nicht gesundheitfördernde Arbeit wird den Kindern ein Lohn von 15 Pf. pro Stunde, von 75 Pf. pro fünf- stündige 11 Halbtag gezahlt. Das ist allerdings ein Lohn. so erbärmlich, daß dem Unternehmer kein Erwachsener dafür ar- bäten könnte. Sind diese Dinge, die wir als empörend empfinden, den in Frage kommenden Behörden bekannt? Was sagt dazu die Miliiärvtvwaltiing, auf deren Schießplatz solche Arbeiten durch Kinder ausgeführt werden? Wie denken darüber chie Polizeibehörden der Gemeinden, aus denen täglich Kinder nach dem Miillhügel wandern, um Scherben auszubuddeln? Und was werden gegen die geschilderte Beschäftigung schulpflichtiger Kinder die Schuld chör den tun. die von der fünsstündigen Scherbenbuddelei doch schwerlich eine Förderung des Unterrichts- crfolges erwarten können? Mtan sagt uns, es seien sogar durch ein an Zäunen angeheftetes Plakat öffentlich„Kinder zum Scherben sammeln auf dem Schießplatz verlangt" worden. Da müssen wir uns allerdings wundern, daß nicht sofort Schritte getan worden sind, diese Beschäftigung der Kinder zu ver- hindern.. � Die Eltern, die ihre Kinder zur Ausnutzung ihrer Arbeits- kraft hergeben, haben stch wohl noch nie ausgerechnet, was dabei deu Unternehmer profitiert. Sicher ist, daß bei der Scherbenbuddelei die Kinder nicht langsamer als Erwachsene ar- betten; eher werden sie noch flinker als diese sein. Der Unter- nehmer müßte also, um mit Erwachsenen dieselbe Leistung zu erzielen, von ihnen mindestens ebenso viele beschäftigen, wie jetzt Kinder für ihn arbeiten. Sicherlich würden auch Erwachsene, z. B. arbeitslose Männer, ältere Frauen, auch Aribeitsburschen, in aus- reichender Zahl sich für die Arbeit finden lassen, aber dann müßte allerdings ein höherer Lohn gezahlt werden. Nehmen wir an, daß pro Stunde 35 Pf. gezahlt würden, was selbst bei einer Arbeits- zeit von zehn Stunden pro Tag erst einen Lohn von 3,50 Mk. ergäbe. Das wäre gewiß keine sürstliche Entlohnung, aber dem Unternchincr würde dann sofort der Profit sehr fühlbar ge- schmälert. Durch die Beschäftigung von Kindern werden ihm pro Kopf und Stunde 2 0 P f. erspart, das macht bei 50 Kindern 50 mal 20 Pf., sind 10 M. Pro Stunde 10 M.. das ergibt für die fünfstündige Arbeit jedes Halbtages 5 0 M. Man überlege sich das mal genau: an einem halben Ar- bcitstaa werden dem Unternehmer 50 M. dadurch erspart, daß er 50 Kinder 5 Stunden lang in einem Müllhaufen nach Scherben buddeln läßt! Wir wissen nicht, wieviel Wochen oder Monate dazu erforderlich sind, von dem ganzen Müllhügel die Scherben absuchen zu lassen. Aber wir dürfen vermuten, daß der Gesamt- betrag, der durch diedeu Erwachsenen das Brot weg- nehmende Kinderarbeit„erspart" wird, in die Taufende geht. Man sieht, wem der..Segen" zugute kommt, den die flinken Kinderhände aus dem Dreck herausscharren. Was sagt über solche Kinderarbeit das Kinder schütz- g e s e tz? Es gestattet fremden Arbeitgebern die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder nach Vollendung des 12. Lebensjahres für täglich 3 Stunden. Nach den Vorschriften dieses unvollkommenen Gesetzes, das die Erwerbsarbeit schulpflichtiger Kinder leider nicht ganz unterdrücken, sondern nur einschränken wollte, dürfen wenig- stens in gewissen Betrieben schulpflichtige Kinder schon jetzt über- Haupt nicht beschäftigt werden. Die Durchwühlung von Müllhaufen wird im Kinderschutzgesetz nicht ausdrücklich� unter den verbotenen Beschäftigungen genannt, aber es kann kein Zweifel sein, daß diese Arbeit ebenso gesundheitsgefährlich sein wird, wie z. B. die durch das Kinderschutzgesetz völlig verbotene Beschästillung in Lumpensortierereien. Sollte sich denn keine Hand- habe finden lassen, das Verbot auch auf Müllhaufen auszudehnen? Zur Landwirtschaft, für die leider noch gar kein Kinderschutzgesetz gilt, wird man ja wohl die Turchwühlung eines Müllhaufens nicht zählen wollen._ Neber die Verwertung des Aufmarschgeländes wurden am Donnerstagabend im Haus- und Grundbesitzerverein des Südens und Südwestens von mehreren Stadtverordneten Mitteilungen gemacht. Danach sind die Pläne für die Erweiterung des Viktoria- park? durch das Aufmarschgelände, das jetzt mit Zinsen, Stempel usw. schon annähernd sieben Millionen Mark kostet, geändert worden. Von einer Randbebauung des Geländes soll Abstand ge- nominen werden; nur der Teil an der Treibundstraße soll, soweit die Schultheißbrauerei reicht, in zwei Baublocks geschnitten, mit Villen bebaut werden. Es sollen danach 2V2 Hektar des etwa TA Hektar großen Aufmarschgeländes für Bauzwecke benutzt werden. Der Rest soll im Herbst und im nächsten Jahre für Parkanlagen, Spielplätze usw. hergerichtet werden. Von der Anlage einer oder ch Derer Fahrstraßen im Park soll im Interesse der Besucher ab- gesehen werden, weder die Möckern- noch die Großbeerenstrahe sollen über das Parkgelände verlängert werden. Auch von der Anlage einer durchgehenden Straße ist Abstand genommen worden. Di« Brücken und die„Schlucht" fallen danach fort. Untcrftiitzuug der Familien der zur Uebiing einberufenen Mann- schastcir. Beim Beginn der diesjährigen Reserve- und Landwehr- Übungen wird erneut darauf hingewiesen, daß die Familien der zu Friedensübmigen einberufenen Mannschaften aus Grund des Reichs- gesetzes vom 10. Mai 1802 aus Verlangen aus öffentlichen Mitteln Unlerslüyungen erhallen, sofern dem Einberusencn nicht als Reichs-, Staats- oder Koinuiuiialbeamten sein persönliches Diensteinkomnien für die Zeit der Uebung gewahrt ist. Der Anspruch erlbcht, wenn er nicht binnen 4 Wochen nach Beendigung der Uebung erhoben ist. Er ist zur schnelleren Abwicklung des Zahl- geschäftes möglich st schon vor der Uebung im Militär- bureau, Klosterstraße 68, Eingang Waiienstratze 27. an zumelde n. Hierbei sind mitzubringen: Der Gestellniigsbefehl oder die hierfür durch Vordruck bestimmte abgetrennte linke untere Ecke desselben, die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden der Kinder. Nach be- endigter Uebung ist auch der Militärpaß mitzubringen. Die Zablung selbst erfolgt in demselben Bureau frühestens vom dritten Tage nach Beginn der Uebung stets für die Zeit bis Schluß oder 15. des Monats. Diejenigen, die ihre Ansprüche vor der Uebung angemeldet haben, können auf eine schnellere Abfertigung bei der Zahlung rechnen. Die Ocffiiung deS städtischen Schlachthofes für Rlnderfchlächter um 3 Ubr statt um 4 Uhr früh war vom Verein der vereinigten Aroßfleischermeister Berlins beantragt und damit begründet worden, daß die Schweineschlächter durch die Oeffnung um 3 Uhr mit ihren Fuhrwerken früher zur Engrosmarkihalle kämen. Vor Jahresfrist war die Oeffnung des Schlachthofes für Schweineschlächter auf 2 Uhr. für Rinderschlächter auf 3 Uhr festgesetzt, wurde dann aber im allgemeinen Interesse und nicht zuletzt im Jntereffe der Geselle» aus eine Stunde später verlegt. AuS Versehen war nun an einem Tage der Schlachthof für Rinder- als auch Schweineschlächter zu gleicher Zeit ge- öffnet worden, wodurch sich an diesem Morgen geradezu lebens- gefährliche Zustände an der Zentralmarkthalle entwickelt haben sollien. Selbst der Vorsitzende der Schweinc-Eugrosschlächter soll erklärt haben:„So kann eS nicht weitergehen!" Die Oeffnung um 3 und 4 Uhr schaffte dann erträgliche Zustände, soweit das bei der jetzigen Zcntralmarkihalle überhaupt möglich ist. Jetzt aber machten die EugroSschlächter abermals den Versuch, den Gehilfen die endlich mehr errungene eine Stunde Nachtruhe wieder abzujagen. In der letzten Kuratoriumssitzuiig wurde bekainillich die Vornahme einer Abstimmung der„Interessenten" über die frühere Oeffnung des Schlachthofes beschlossen, aber merkwürdigerweise sah das Kura- torium in seiner Mehrheit die Gehilfen als nicht interessiert an und schloß sie von der Abstimmung aus. Die Gesellen ließen sich das nicht so ohne weiteres gefallen. Von der VerbandSlcitung des ZenlralverbandcS der Fleischer wurde sofort eine Proterversamm- lung nach dem„Elhsium" einberufen, die auch von über 1000 Personen besucht war und in der eine energische Protestresolution einstimmige Annahme fand. Inzwischen hatte nun die Ab- stimmung der Meister stattgefunden und bei etwa 100 Stimm- enlhaltimgen folgendes Resultat gezeitigt: Die Fragen lauteten: 1. Stimmen Sie der Oeffnung des Rinderschlachthofes um 3 Uhr morgens(anstatt um 4 Uhr morgens) zu? Ja oder Nein! Aus dem Ninderschlachthof stimmten 51 Meister mit Nein. 03 mit Ja: auf dem Schwcineschlachihof 114 Meister mit Nein. 2 mit Ja. JiiSgesanu waren also 165 Meister gegen die frühere Oeffnung und nur 05 dafür. Frage 2 lautete: Hatten Sie ein früheres Oeffneu des SchiveineschlachthoseS, etwa um 2XU Uhr morgen», für erforder- lich, falls der Rinderschlachthof um 3 Uhr früh geöffnet wird? Ja oder Nein! Auf dem Ninderschlachthof stimmten 112 Meister mit Nein, 32 mit Ja; auf dem Schweineichlachlhof 100 mit Nein, 16 mit Ja. Insgesamt beantworteten also 212 Meister die Frage 2 mit Nein und nur ganze 48 mit Ja. Trotz dieses geradezu kläglichen Reiuliates, das noch kläglicher ausgefallen wäre, wenn die Gehilfen bei der Abstimmung nicht ausgeschaltet worden wären, fanden sich dennoch im Kuratorium zwei Herren, die eS dazu benutzen wollten, den Gesellen eine Stunde ihrer Nachtruhe wieder zu rauben; Arbeitern, die wahrlich nicht über zu kurze Arbeitszeit klagen können. Ueber die Arbeitszeit machte unser Genosse im Kuratorium folgende Angaben: Am Montag 17 Stunden, DieuLtag 10, Mitt- woch 12, Donnerstag 17, Freitag 10 und Sonnabend 12 Stunden. also pro Woche insgesamt 78 Stunden, die häufig noch durch Kmidschaftabfahren, Verladen, Specksalzen und Kutscherdienste, die man den Gesellen zumutet, erhöht werden. Dafür werden die Kutscher mit„Sie", die Gesellen aber noch mit„Du" angeredet. Selbst der dem Kuratorium angehörende Schlächter- meister a. D. machte nicht einmal den Versuch, die An- gaben unseres Genosien zu widerlegen. Er vertrat vielmehr in der rücksichtslosesten Weise den Herrenstandpunkt, in- dem er, als nochmals die Berücksichtigung der Gesellen verlangt wurde, wörtlich erklärte:„Die Gesellen geht das gar nichts an!" Ein Standpunkt, der auch die Aeußerung dieses Herrn begreiflich macht, er sei wohl zu der Gcsellenveriammlung eingeladen gewesen, aber absichtlich nicht hingegangen, Als unser Genosse ihn fragte, warum er sich denn durch ihn mit der Ausrede,„er habe leider keine Zeit", habe entschuldigen lassen, erwiderte der Herr:„Ja, das habe ich mir erst später überlegt!" Bei der endgültigen Abstimmiing hatte der Herr Schlächtermeister a. D. denn aucb den Ruhm für sich, ganz allein für die frühere Oeffnung des Schlachthofes zu stimmen. So war für diesmal das Attentat auf die ohnehin so knappe Nacht- ruhe der Fleischergesellen abgeschlagen. Mögen sie durch eine stramme Organisation dafür sorgen, daß sie auf dem Posten sind, wenn die „Herren" wiederkommen._ Die Tragödie in der Charitö. Durch ein unglückliches Versehen in der Charit� ist ein blühendes junges Menschenleben dahingerafft worden. An dem 14jährigen Sohn Willi des Tierarztes Dr. Paul Rieger aus Köpenick sollte am Mittwoch in der Halsklinik der Charitö eine kleine Operation im Rachen unter Lokalanästhesie vorgenommen werden. Unglücklicher- weise fiel die Schale mit der Novacomlösung. aus der der behandelnde Assitzenzarzt die Spritze füllen wollte, um, und die assi- stierende, sonst als sehr gewissenhaft bekannte Schwester eilte in die erste Etage, um eine neue Lösung zu holen. Dort stehen auf einem Regale Cocain- und Novacoinlösungen, natürlich deutlich als solche bezeichnet, nebeneinander. In der Eile verwechselte die Schwester die Flaschen und nahm statt der ungiftigeren Sdovacoinlösung die giftigere Cocainlösung. die sie auch nicht vorschriftsmäßig verdünnte. Kaum war die Einspritzung erfolgt, da starb ganz plötzlich der Patient, ohne daß von mehreren Aerzten sofort angestellte Wieder- belebungSversuche das erlöschte Leben zurückrufen konnten. Als die Schwester gesehen, was sie angerichtet, und den Jammer der im Wartezimmer sitzenden Mutter vernahm, machte sie mit derselben starken Cocainlösnng, die den Tod des Patient,» verursacht hatte, in einem unbewachten Augenblick ihrem Leben ein Ende. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und eine Unter- suchung über die Schuldfrage eingeleitet. Die Kraftwagcn-Strnße durch den Grunewald, um die so lange gestritten ivard, soll nun- mehr wirklich gebaut werden. Sie soll von Westend bis nach Nikolassee auf dem Schutzstreifen zwischen der Wetzlcner Bahn und dem Wald angelegt werden und nur dem Verkehr von Kraftwagen, besonders auch ihrer Prüfung dienen. Schon im Januar 1009 wurde die„Aulomobilverkehrs- und Uebungsstraße G. m. b. H." mit einem Kapital von einer halben Million Mark gegründet(später auf 700 000 M. erhöht), die bekanntlich zuerst andere Strecken ins Auge faßte, besonders eine Straße von Spandau über Gatmö und Kladow nach Potsdam, mit Ueberbrückung der Havel bei Sakrow. Hiergegen prolestiertcn alle Naturfreunde. Auch von einer Ehmiissce Döberitz— Krampnitz— Nedlitz— Potsdam ward geiprochen. Schließlich hat man sich aber mit dem Forstfiskus geeinigt und wird!>ie Kraftwagen- ftraße auf dem 20 Meter breiten Schntzstreifen neben der Bahn, wie oben gesagt, bauen. Die gewählte Strecke ist rund 12 Kilometer lang und die Kosten sind laut„L.-Anz." auf 3,4 Millionen Mark veranschlagt. Die Bau- Pläne sind von der Eisenbahndirekiion Berlin ausgearbeitet. Der Gesellschaft, an deren Spitze der Geh. Kommerzienrnt Fritz v. Fried- länder-Fuld und Graf Adalbert v. Sierstorpff stehen, wird der Geländestreifen auf 30 Jahre verpachtet. Die Stra ße soll unter der Eisenbahn hindurchgeführt werden. Alle Kraftwagen sollen nach Fertigstellung der Rennstraße im Grunewald lediglich auf deren Be- nutzniig angewiesen werden. Mit der Staubplage, di t gegenwärtig das Wandern auf den Grunewaldstraßen zu einem zweifelhaften macht, wird eS dann ein Ende haben. Die Automobilstraße wird durch Binde- mittel straubfrei gemacht. Für ihre Benutzung wird ein kleines Entgelt nach Art des Chausseegeldes erhoben werden, doch können Kraflivagenbesitzer auch eine Dauerkarte erwerben, ihre Kraftwagen werden dann durch ein weißes Schild gekennzeichnet. Um die Einnahmen zu erhöhen, soll am Großen Stern eine mit einer schönen Wirtschaft, Spielplätzen und Wa«enschuppen ver- bundene„Zwilchen- und Hiissstalion" errichtet werdrn. Das hierzu erforderliche Gelände von vier Hektar wird der Gesellschaft gleich- falls auf die Dauer von 30 Jahren pachtweise überlassen. Der Fiskus hat sich ein Drittel der Einnahmen aus dem Betrieb dieses Unternehmens gesichert. Eine neue AbHolzung des Wäldes steht wieder bevor._ Uebcrfahren. Beim Spielen um das Leben gekommen ist gestern mittag daS drei Jahre alte Töchterchen Helene des Schmieds Deutschbein aus der Antonstraße 30. Die Kleine spielte auf dem Hausflur mit anderen Kindern mit dem Ball. Im Eifer auf nichts anderes achtend, lief sie, als der Ball auf die Straße hinaus- flog, ihm nach und geriet unter einen mit Eisen schwer bcladencn Wagen, ohne daß der Kutscher eS sah. Ein Hinterrad ging ihr über den Kopf. Auf das Geschrei der Kinder eilte die Mutter, die im Erdgeschoß wohnt, herbei und fand ihr Kind regungslos da- liegen. Sie hob es auf und eilte mit ihm nach der Hilfswache In der Lindower Straße. Hier konnten aber die Aerzte nur noch den Tod feststellen.— Von einem Automobilzug der Feuerwehr überfahren.und getötet wurde gestern nachmittag um 3 Uhr der 6 Jahre alte Sohn Max des Arbeiters Richter aus der Ruheplatz- straße 16. Der Knabe spielte vor der elterlichen Wohnung auf der Straße und tänzelte auf dem Fahrdamm umher, als ein Auto- mobellöschzug von der Wache in der Pankstratze herkam. In seiner Kurzsichtigkeit übersah er die Gefahr, die ihm drohte. Der erste Wagen konnte noch ausweichen, dem zweiten aber gelang das nicht mehr. Er überfuhr den Kleinen und verletzte ihn so schwer, daß er schon auf dem Wiege nach dem Virchowkrankenhause, wohin er ihn selbst brachte, verschied.— Ein Straßenbahnunfall ereignete sich in der Schöneberger Straße. Dort fuhr der Arbeiter Ernst Hilscher aus der Mbckernstaße 103 mit einem Handwagen kurz vor einem Straßenbahnwagen der Linie 50 auf das Gleis und wurde angefahren. Bei dem Zusammenstoß wurde H. umgestoßen und erlitt Quetschung der Rippen. Der Bc Urbankrankenhause eingeliefert. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich das 20 Jahre alte Dienst- wädchcn Emma Liebener, das seit-R Jahren bei einem Pfand- leiher in der Schönhauser Allee 143 in Stellung war. Es klagte Nachbarinnen wiederholt, dast der Bräutigam ihm untreu geworden sei. Am Dienstagabend fügte die Verzweifelte hinzu, daß ihr nun auch der Dienst noch gekündigt worden sei. Sic war jetzt ganz niedergeschlagen. Gestern morgen fand die Dienstherrschaft sie in der Küche tot in ihrem Bette liegen. Die Lebensmüde hatte die Fensterritzen mit Lappen gedichtet und dann den Hahn des Gas- kochers aufgedreht. Ein Arzt konnte nur noch feststellen, daß sie schon mehrere Stunden vorher an einer Lcuchtgasvcrgiftung ge- starben war. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht. Wer ist die Tote? Von einer Kraftdroschke überfahren und getötet wurde vorgestern abend gegen 8 Uhr eine unbekannte Frau von etwa 60 bis 65 Jahren vor dem Hause Genthinerstraße 17. Der Wagenführer brachte die Verunglückte gleich nach dem Elisabeth- verunglückte wurde nach dem Icaufcu�öuTc, oil fomtlc aBot Sei Ärzi nur iib3i i�ren ToS fest- stcUcn. Tie Frau trug FUzpautofset, scheint also wohl in der Nähe der Unfallstelle gewohnt zu haben. Sie war schwarz ge- kleidet. Ihre weiste Wäsche und ihr Trauring sind Zl. W. gezeichnet. In seiner Wohnung erschossen hat sich, vorgestern abend der 10 Jahre alte Handlungsgehilfe Johann Simko aus der Sophien- st ratze 8S. Ter junge Mdun tam vor 14 Tagen aus Ungarn hierher, um Stellung zu suche», fand aber keine Beschäftigung. Um leben zu können, versetzte er zunächst alle seine Sachen, die er nur irgend- wie entbehren konnte, dann borgte er seine Wirtin an. Als er zuletzt gar keinen Ausweg mehr sab, schoß er sich vorgestern abend in seinem möblierten Zimmer eine Kugel i» den Kopf und war sofort tot. Tie Leiche wurde, beschlagnahmt. Die Thiloschc» Chöre wiederholen am Sonnabend, den 20. April, das zu Ostern gegebene Konzert in der.Brauerei Friedrichshain". Zur Aufführung gelangt u. a.:„Erntelied" und„Columbns". Ter Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" veranstaltet am Sonntag, den 2!. April er., ein Konzert in.MörnerS Feflsälen", ltriiher Keller). Koppenstr. 29, unter Mitwirkung der Koiizertsüngerin Frl. Elisabeth Böhm sAlt) und des„Berliner Sinfonie-Orchesters", Dirigent: Herr Maximilian Fischer. Feuer in der Artilleriekaserne. In der achten Borinittagssjuiide brach gestern in einer Mannschaftsstube der Artilleriekaserne in der Kruppstratze 2— 1 ein Brand aus, der ein größeres Mann- schaftsspind mit Inhalt erfaßte. Der 15. Löschzug aus der Turm- straße war schnell zur stelle und konnte die Gefahr in wenigen Minuten beseitigen, so daß nur geringer Schaden cntstaiioe» ist. Vorort- Ftad) richten« Neukölln(Nixdorf). Die„bürgerlichen" NichtWähler. Nach dem für die bürgerlichen Parteien geradezu nieder� schnietteriiden Ausfall der Stadtverordneteuwahl in der zweiten Ab- teilung hat das„Neuköllner Tageblatt" die alte Eiitdeckung gemacht, daß der größte Teil der NichtWähler nalurgemäß auf die bürger- lichen Parteien entfalle, da ja die Sozialdemokratie ihre Anhänger bis auf den letzten Mann an die Wahlurne(soll wohl heißen Wahl- tisch) gebracht habe. Das Organ des mit dlirchgefalleilen Herrn G l a s e in a n» scheint in diesen bürgerlichen Nichtwählern einen Trost über die Niederlage zu suche». Doch so ohne weiteres kann Herr Glasemann auch die NichtWähler nicht für die Bürgerlichen reklamieren. Mit einem Schein von Recht köunte er das, wenn die Wahl eine geheime wäre. Da sie aber eine öffelltliche ist und somit die Stinin, abgäbe jedes Wählers der b'e h ö r d l i che» wie überhaupt der öffentlicheu Kontrolle ausgesetzt ist. so hat denn ein großer Teil Wahlberechtigter auf die Stimmciiabgabe verzichtet. Unter diesen Nichtwählern aber be- findet sich sicher eine erhebliche Zahl, die im Grunde ihres Herzens sozialdemokratische Gesinnung tragen, die dieselbe jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht zum Ausdruck bringen konnten. Die sogenaumen„bürgerlichen" NichtWähler haben, uin nicht zum Heuchler ihrer wahren Gesinnung zu werden, einfach auf die Ausübung ihres Wahlrechtes verzichtet. ES gehört schon die ganze Einfalt des Neuköllner„Tageblatts" dazu. um alle jene NichtWähler für die Bürgerlichen zu reklamieren. Mit Verlaub: Warum ist es den Insassen der zahlreichen bürgerlichen Schlepperautos nicht gelimge», jene Nichtwähler an den Wahltisch zu bringeii? Hierfür gibt es nur eine Antwort, und zwar: Weil die- selben jene Kandidaten, die sie schon einmal schamlos e n t- rechtet hatten, nicht noch unterstützen wollten. Es fehlt nur noch das von den Gegnern angewandte stereotype Schlagwort vom sozialdemokratischen TmoriSimiS, der weite Kreise von der Ausübung ihres Wahlrechts abgehalten habe. Vielleicht holt Herr Glaseman» daö Versäumte noch nach. Inzwischen haben sich einige durchgefallene bürgerliche Kau- didaten in die erste Klasse geflüchtet, iu der sie sich von ihren „Wählern" ernemien lassen, um später wieder„im Interesse der All- gemeinheit" tätig fein zu können. Die Stichwahl im zweiten, dritten und sechsten Bezirk der zweiten Abteilung findet am Freitag, den 8. Mai. statt._ Eharlottenburg. In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wurden zunächst eine Reihe kleinerer Vorlagen meist debattelos ange- nornmen. Eine längere Diskussion entspann sich nur über die Vor- läge des Magistrats über die Gewährung von Teuerungszulagen. Tie Porlage wollte den städtischen Angestellten bis zu einem Gehalt oder Lohn von 2000 M. für jedes im Haushalt vorhandene Kind bis zur Zahl von drei Kindern eine einmalige Beihilfe von je 20 M., vom vierten Kinde ab eine solche von je 10 M. gewähren. Der Stadtv. Meyer(lib.) kritisierte, daß die Vorlage den Kreis der Personen, welche die Teuerungszulage erhalten sollen, zu eng gezogen habe und beantragte, sie ledcr Person, die einen eigenen Hausstand habe, zu gewähren, gleichgültig, ob Kinder vorhanden seien oder nicht und gleichgüttig, ob der Betresisende verheiratet sei oder nicht. Auch beantragte er, als geringste Beihilfe statt 20 M. 80 M. zu gewähren; über diesen Satz solle jedoch nur hinaus- gegangen werden, wenn mehr als drei Kinder vorhanden sind, und auch daim sollen nur 40 M. gezahlt werden. Der Stadtv. Dr. Stadthagen(alte Fraktion! leugnete überhaupt das Vorhandensein einer Teuerung und erklärte, mit dem größten Teil seiner Freunde gegen jede Teuerungszulage stimmen zu wolle». Von sozialdemokratischer Seite übten die Genossen Vogel und besonders Lehman n sowohl an der Magistratsvorlage, wie an dem Antrage Meyer eingehend Kritik. Gewiß ziehe der Antrag Meyer den Kreis der Empfangsberechtigten um etwa 300 Personen weiter als die Vorlage, und zu billigen sei auch, daß er das Mindestmaß der Unterstützung von 20 aus 30 M. heraussetzt. In diesem Um- sauge verdiene der liberale Antrag den Vorzug vor der Vorlage des Magistrats. Dagegen müsse cs auf das entschiedenste betämpst werden, wenn er bei den mit vielen Kindern gesegneten! Familien in der Höhe der Unterstützung noch erheblich hinter dem Vorschlage des Magistrats zurückbleiben wolle. Durch nichts sei es auch ge- rechtfertigt, den großen Kreis derer, die unter 2000 M. an Lohn oder Gehalt beziehen und einen eigenen Haushalt nicht haben, von jeder Zulage auszuschließen. Auch wenn jemand bei Ange- hörigen wohne, werde er doch nicht von diesen unierhalten, er habe vielmehr häusig über den eigenen Bedarf hinaus noch zum Unter- halt der Seinigen beizutragen. Ebensowenig könne man darein willigen, die Teuerungszulage aus eine einmalige Beihilfe zu be- schränken. Nichts deute daraus hin, daß die Teuerung in kurzer Zeit schwingen werde, weit eher sei anzunehmen, daß zum Beispiel die Fleischpreise in den nächste» Monaten noch eine weitere Stei- gerung erfahren werden. Wolle man diesen Verhältnissen nicht Rechnung tragen und in eine allgemeine Erhöhung der untersten Gehalts- und Lohnstufen nicht willigen, so sollte man doch miirde- steus für e'lstge Zeit die Zulagen gewähren. Deshalb beantragte Genosse Lehmann, allen Angestellten bis zu dem Lohn- und Ge- balisatz von 2000 M. eine Teuerniigszulage von 0 Proz. ihres Ein- kam mens auf die Tauer von 0 Monaten zu geivähreii. Leider predigte unser Genosse tauben Ohren. Unter Ablehnung seiner weitergehenden Anträge wurde der Antrag der Liberalen mit großer Mehrheit atigenoinme». Da der Bürgermeister Mailing ime, yjigegcn|omjrfi$c Erklärung abga� ist wshl aiiMichmeih Saß wenigstens diese geringe Beihilfe Sem Magistrat, der sa ursprünglich gar nichts hatte geben wollen, abgerungen und demnächst zur Auszahlung gelangen wird. Gegen eine Vorlage, der Charlottenburger � Turngemeinde 300 M. zu geivähren, damit sie im Juli 1912 einen Vertreter zu den olympischen Spielen nach Stockholm senden könne, wandte sich sehr scharf Genosse Z i e t sch. natürlich nickst aus. irgend welcher Feindschaft gegen den>sport überhaupt. Die Vorlage des Magi- sirats, der Vereinigung zur wissenschastlichen« Erforschung des Sports und der Leibesübungel! einen Platz zur Errichtung eines Sport- laboratoriums zur Verfügung zu stellen und für dieses Sport- laboratorium eine Zinsgaraiitie von 2000 M. für fünf Jahre zu übernehmen, wurde vom Genossen Zietsch Zn wärmster Weise besiir- wertet, i-jt seine Freunde den hohen Wert des Sports und der Leibesübungen in jeder Weise anerkennen. Diese Vorlage wurde auch einstimmig angenommen'. Aber bei der vorerwähnten Vorlage handelt es sich um die Unterstützung von Bestrebungen, die sich in diretteii seindlichen Gegensatz zu den. Turnbestrebungen der Ar- heiter stellen und die daher einen Anspruch aus Unterstützuiig aus öffentlichen Mitteln in keiner Weise haben. Auch lassen sich die finanziellen Äonsequenzell solcher Unterstützungen für Reisen zu sportlichen Unterstützungen im Auslände gar nicht abschen. Aus letzterem Grunde bekämpfte auch ein Teil der Liberalen die Vor- läge, die nur eine sehr knappe Mehrheit fand. Zum Schluß wurde von den sozialdemokratischen Stadtber- ordneten an den Magistrat die Anfrage gerichtet, ob ihm� bekannt sei, daß in der Herderschule bei der Entlassung der Abiturienten der Direktor an. die jungen! Leute eine gegen die sozialdemokratische Partei gerichtete Ansprache gehalten hat und ob der Magistrat diese Handlung billigt. Diese Anfrage wird in der nächsten Sitzung verhandelt werden. Lichtenberg. Heber die Einverleibung der Landgemeinde Boxhagen-Rummelö- bürg in den Stadlkreis Lichtenberg enthält die preußische Gesetzes- sanimlung das Gesetz betreffend Erweiternng des Stadtkreises Lichtenberg vom 0. April 1912. Im ß 2 des Gesetzes wird darauf verwiesen, daß mit dem 1. April 1912 die Landgemeinde Boxhagew Riimmelsburg die Eigenschaft eines selbständigen Gliedes deS Verbandes Groß-Berlin verliert. Die bisherigen Vertreter dieser Gemeinde in den Verbandsversaininliiiigeil gelten als solche des erweiterten Stadtkreises Lichtenberg, der auch im übrigen die Rechte ausübt, die bisher dem Stadtkreis und der Landgemeinde Boxhagen- Riiminelsburg— im Verbände Groß-Berlin zustehen. Die Einwohnerzahl Groß-LichtenbergS ist nunmehr auf etwa 135 000 Seelen angewachsen. Von dem Gemeiiidevorstand der aufgelösten Gemeinde Boxhagen- Riimmelsbiirg sind vier Mitglieder in den Magistrat der Stadt Lichtenberg übergetreten. Sowohl die Lichtenberger Stadtverordneten- versammliliig wie auch die Boxhagcn-Rummelsburger Gemeinde- Vertretung sind zwar aufgelöst, treien jedoch provisorisch bis zur Neuwahl zu geillcliisanieii Sitzungen zusammen. Tempelhof. Ein Straßenbahnunsall trug sich vorgestern nachmittag gegen 4 Uhr i» der Berliner Siraße zu. Dort wollte vor dem Hause Nr. 10 der Arbeiter Wilhelm Nilsche, Berliner Straße 108 wohn- hast, vor einem naid Mariendoif fahrenden Slraßenbahnwagen der Linie OVO das Gleis überschreiten, hierbei wurde er umgestoßen und geriet unter den Vorderperron. Der Verunglückte ertitt außer einer Kopfwunde eine Gehiriierschütterung und mußte nach dem Kreiskrankcnhause in Britz nbergefllhrl iverden. nachdem er im Tempel- hofer Garnisonlazaretl einen Notverband erhalten hatte. Grost-Lichterfelde. Die Gcmeindevertretcrsitzuiig hatte sich zunächst mit der Gültig- keit der letzteli(Äemeindeverordiieteiilvahlen ZU befassen. Der Gemeindevorsteher scheint die Kenntnisse seines Kollegiums bezüglich der Bestimmiingeu der Lmidgemeindrordnung nicht allzu hoch einzu- schätzen, denn er hatte fürsorglich in seiner Einladung bei dem be- treffenden Punkt der Tagesordnung ans den niaßgebeiiden§ 66 der Landgemeilldeordnung hingeiviejen. Seine pädagogischen Bemühungen scheinen jedoch völlig vergebens gewesen zu sein. Nachdem der Gemeindevorsteher lang und breit über das Ergebnis der Gemeinde- ivahleii gereder und festgestellt hatte, daß ein Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahlen nicht eingegangen sei, beantragte er, daß die Genieiiidevertrelniig die Wahlen für gültig erkläre. Nachdem dies geschehen, erhob sich aus einmal der Genieindeverlrcter Schirm er und bat den Gemeindevaisteher um Auskunst, was denn das eigent- lich für eine Kommission sei, die über die Gültigkeit der Wahlen zu beschließen hättet Auf diese kluge Frage erfolgte die bösliche Antwort, daß über die Gültigkeit der Wahlen keine Komuiission zu entscheiden habe, daß es zu diesem Zweck auch keine gebe. Das sei einzig und allein Ausgabe der Gemeinde- Vertretung. Herr Schirmer setzte sich, begleitet von mehr oder weniger mitleidigen Blicken seiner näheren und weiteren Umgebung. Es ist laum glanblich, daß ein Mann, der eine lange Reihe von Jahren der Gemeindekörperschaft angehört, noch nicht einmal mit den elen, elitärsten kommunalgesetzlichen Bestimmungen vertraut ist. Hoffenilich sind die Fähigkeiten des Herrn Schinner als Sekretär der Stadt Berlin um vieles größer als die des Herrn G e- mein deverordneten Schirmer. Zu den„nationalen Kandidaten" bei den Gememdewahlen, die immer nur auf de» Schultern der zugetriebenen Zwangswähler und unter dem Beistand der sog. Papierstiininen den Nathanssessel erklettern konnte», gehörte auch Herr S ch i r m e r. Zu einer Kontroverse kam eS zwischen dem Gemeindevorsteher und dein Geineindevertreter Zorn, der behauptet, einen Antrag bezüglich des Riltergutes Werbe» beim Genieindevorstande eingereicht zu haben mit dem Er- suchen, ihn auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Gemeindevorsteher S cd n l z bestritt entschieden, einen solchen Antrag erhalten zu haben und bemerkte, daß lediglich die Etat- kommission sich mit der fraglichen Angelegenheit beschäftigen sollte. Nach langem hin und her erklärte G.-B. Zorn, daß er seinen An- trag nochmals einbringen werde.— Für die Allsgestaltung des HauptplatzeS auf dem Parifriedhof wurden 10 000 M. bewilligt. Es soll ain Ende der Hauplallee ein Rundtempel mit Wasserbecken und Fontäne errichtet werden, der von einer Toxushecke umzogen und mit Ruhebänken versehen wird.— Die Umgestalttuig des Viktoriaplatzes infolge der Legung der Straßenhahnglcise erfordert eine Ausgabe von 5 00 0 M. Zu einer lebhaften Auseinandersetzung kam eS noch ain Schluß der Sitzung, als der Gemeindeverlreter Zorn seinen erwähnten Antrag, ordmingsmäßig unterstützt, wieder einbrachte. Gemeindevorsteher Schulz machte die verschiedensten Ein- Wendungen und sträubte sich heslig, den Antrag onf Eim'etzillig einer Koiiiniission zur Prüfung der Verhältnisj auf dem Rieselgute Werben bezw. der Frage der Verpachtung desselben auf die nächste Tagesordnung der Sitzung zu setzen. Nach endlosen Zwiegesprächen erklärte er endlich den Antragstellern den wahren Grund seiner Weige- rung. Nach der Landgemeindeordnung habe nur der Ge- meindevorsteher das Recht, die TageSordnng fest- zusetzen. Schließlich ließ er sich jedoch bereit finden, den Antrag für eine nichtöffentliche Sitzung zur Beratung zu stellen. Die Herren Genieiil0e\)ertreter waren ganz verblüfft ftöer die antokrulische Auffassung ihres Vorstehers und da sie anscheinend von ihren gcsetz- tichen Rechten absolut keine Ahnung haben, erHobe» sie auch keinen Widerspruch gegen jene durchaus' rcchtSirrtiimliche Auffassung. Wohl hak der Gemeindevorsieher die Pflicht, die Gemeindevertretuiig unter Angabe der Gegenstände der Beratung zu- sammenzubernsen: aber daß es ausschließlich seiner Willkür über- lassen ist, welche Gegenstände auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen oder nicht— davon sieht kein Work in der' Landgemeiiide- ordnung; wohl aber geht das Gegemeil ans den gesetzlichen Be- stimmungen hervor. ES ist bedauerlich, daß die Gemeindevertretung nicht verstanden hat, solche» automatischen Machtgelüsten energisch entgegenzutreten. AdlerShof, Alt-Glientcke, Bohnsdorf. Eine Jugendfeier, bestehend in Festrede, Chorgesang d-S Arbeitergesangvereins.Frohsinn". Rezitationen, tinematographlscheir Reisebildern und Tanz, findet am Sonntag, den 21. d. Mts,, bei Beyer, Bismarckstraße 10 statt. Der Eintritt für Erwachiene kostet 25 Pf., für Jugendliche unter 18 Jahren wird Emtrittsgeld ruckt erhoben Da das vielseitige Programm einen genußreichen Abend verspricht, wird die Albeiterschaft ersucht, sür regen Besuch der Feier Sorge zu tragen. Pankow. Eine unerhörte Vergewaltigung hat die bürgerliche Mehrheit der Gemeiiideverlretimg in der Sitzung am Dienstag an der sozial- demokratischen Wählerschaft des ersten Bezirks vollzogen, indem sie, wie bereits kurz gemeldet, einem Einspruch von bürgerlicher Seite gegen die Gültigkeit der am 3. März d, I. erfolgten Wahlen unserer Genoffeii E i ch l e r und F e n g I e r Folge gab. Die fadenschelnigil» Begründung, die wohl je einem Wahlprolest zu Grunde gelegt: worden ist, genügte dieser Mehrheit, von der ihr durch das Geldjacks-- Privileg gegebenen Uebermacht gegen dieHabenichtseGebrauch zumachen. In der vom Bürgermeister vorgeiragenen Einspruchsbegründnng der beiden eingegangenen sich inhaltlich deckenden Proteste iv ird zunächst daraus hingewiesen, daß die große Zahl eingeschriebener Wähler(4581) eine ordniiiigsmäßige Abwicklung des Wahlgeschäfts in der festgesetzte!?. Wahlzeit von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags zur Un-- Möglichkeit gemacht hätte, daß ferner das Wahllokal bei dem an einem Sonntag zu erwartenden und auch tatsächlich einaetretenen großen Andränge als ungeeignet betrachtet werden mußte. Da- durch seien hunderte bürgerlicher Wähler zum Verzicht auf die Ausübung ihres Wahlrechts veranlaßt worden. Von den erschienenen bürgerlichen Wählern sollen sehr viele, unter anderem ganze Trupps von Eisenbahnbeamten, die biensthalber nicht stundenlang warte» konnten, gezwungen gewesen sein, nnver- richteter Sache wieder umzukehren. Dann wird weiter behauptet. daß sich ivährend deS ganzen TageS im Wahllokal j u g c n d l i ch o und nicht wahlberechtigte Personen sowie auch sozial- demokratische Frauen aufgehalten hätten, die die bürger- lichen Wähler durch höhnische und beleidigende Redensarten belästigt und dadurch am Wählen gehindert hätten. Schließlich wird noch behauptet, daß Personen, die bereits gewählt hatten, � sich nochmals in die Reihen der Wartenden gedrängt und so die bürgerlichen Wähler zu noch längerem Verweilen und in zahlreichen Fällen zum Verzicht aus ihr Wahlrecht veranlaßt hätten. Bürgermeister Kühr bemerkte zunächst, daß erst auf sein Ersuchen hin nach- träglich die in den eingelaufenen Protesten aufgestellten Be- haiiptungen in insgesamt etwa 60—70 Fällen mit BeweiSmaterial belegt worden seien. Nach Prüfung diese- Material- habe er daS- selbe zur Rechtfertigung einer Ungültigleit-erllärnng der Wahlen für nicht ausreichend gehalten und nochmals um weitere Unterlagen ersucht. DieS sei von den Protestlern mit dem Hinweis abgelehnt worden, daß es ihnen wegen der Kürze der Zeit nicht möglich, andererseits nach ihrer Meinung daS bereits bei- gebrachte Material auch ausreichend sei. In seiner Kritik der Protestgründe gab der Bürgermeister zu. daß die Wähler- zahl in dem betreffenden Bezirk' allerdings eine erhebliche sei, infolge der Kürze der Zeit sei aber für die-mal noch eine Teilung dcS Bezirks unterblieben. Das letztere habe auch ohne Bedenkeir im Hinblick auf die Wahlstatistik in diesem Bezir! bei vorauf- gegangeuen Wahlen wie auch in Rücksickt auf die gleichmäßigere- Verteilung der erscheinenden Wähler am Sonntage geschehen können. Tatsächlick habe sich denn auch die festgesetzte Wahldauer von acht Stunden als ausreichend erwiesen. Ebenso sei das bemängelte Wahl- lolal wie bei früheren Wahlen auch diesmal durchaus ausreichend und passend gewesen. Daß natürlich bei einer Wahl Unbequemlichkeiten, wie längeres Verweilen usw.. in Kauf genommen werden müßten, komme überall vor und sei in bestimmten Grenzen kein Anfechtung-grund. Der Bürgermeister brachte daim die von ihm in der Angelegenheit eingeforderten amtlichen Aeußerungen der als Wahlvorsteher lätig gewesenen Schöffen Stadtrat a. D. S t a w i tz und Fabrikbesitzer Heyn zur Verlesung. Beide Herren berichten übereinstimmend, daß sich die Wahl ordnungsgemäß abgewickelt und daß ihnen von den behaupteten Mißständen im Wahllokal nichts bekannt geworden fei. Am Schluß seiner über halbstündigen Ausführungen hob der Bürgeniieisier noch hervor, daß er über die übrigen in den Protesten ausgeführten Mängel und Unzuträglichkeiten keine amtlichen Ver- nehinungen vorgenommen habe, da er selbst beim I(achweis des dort Behaupteten die Gründe in ihrer Gesamiheit zur Kassierung der Wahlen nicht für ausreichend erachten könne. Woraus es ankomme, sei nach der Spruchpraxis des OberverwaltungS- gerickts der Nachweis, daß durch die Unzuträglichkeiten daS End- ergebnis der Wahl wesentlich beeinträchtigt worden sei. Davon könne aber im vorliegenden Falle, selbst wenn man zu den etwa 70 unter Beweis gestellten Fällen noch weitere 70 hinzurechne, bei dem Vorsprunge von über 400 Stimmen aus der angesochlenen Seite keine Rede sei». Er beantrage deshalb, den Protesten nicht stattzugeben und die Wahlen für gültig zu erklären. In der ausgedehnten Debatte plädierten von bürgerlicher Seite die aus der Vertretung heransgewäblten Herren Kaufmann und Schwie», die zur Niederringung der Roten eigen- noch in den letzten Augen- blicken ihres stadlväterliche» Daseins herbeigeeilt waren, sowie die Herren Holtköiter und Hirie für die Ungültigkeitserklärung, während die Herren Bürgermeister Kühr, Stadtrat a. D. Stawitz und Genosse Kubig wiederholt für die Gültigkeit der Wahlen eintraten. Herr K a u f m a n n glaubte seinen Sitz so temperamentvoll gegen die Sozialdemokraten und den Bürgermeister verleidigen zu müssen, daß er verschiedentlich mit letzterem znsammeiirasselte. Herr Holtkötter versicherte in seiner gemiit- und unschuldsvollen Art,„im Namen der Gerechligkeil" gegen die Vergewaltigung der sozialdemokratischen Wähler- schast austreten zu müssen, und Herrn Schw ien hatte, wie er versicherte, sein ausgeprägtes stadtväterliches Pflichtgefühl»och im letzten Augen- blick veranlaßt, seinen bürgerlichen Freunden zu deinonstrieren, was sie an ihm verloren. In ansgezeichneter Weise zahlte Genosse Kubig den Vergewaltigern, insbesondere Herrn Kanfmanii, heiin. Jin übrigen hob er hervor, daß, wenn die Sachlage objektiv beurteilt werde und wenn die Würfel in der An- gelegenheit nicht schon außerhalb des Hauses gefallen sein sollten, die Bertrctung gar nicht anders handeln könne, als sür die Gültigkeit der Wahlen zu stinime». Wie sehr er sich geirrt und wie sehr er bielleicht gleichzeitig recht hatte, bewies die von ihm beantragte namentliche Ab- st i m m u n g, in der mit 16 gegen 6 Stimmen die Wahlen der Ge- nossen Eichler und Fengler stir u n g ü l t i g erklärt wurden. Die acht übrigen Wahlen wurden hierauf sür gültig erklärt, worauf die Einsührililg der neugcwählten Vertreter erfolgte. Die weitere Tagesordnung bot weniger Interesse; an die öffeiti- liche schloß sich noch eine geheime Sitzung. Reinickendorf. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurden zunächst die neu- resp. wiedergewählten Gemeindeverordneten eingeführt nnd die Wahlen der in der Stichwahl sür die zweite Abteilung geiväblten Herren Müller und Nikolaus für gültig erklärt. Bereits in einer der letzten Sitzungen hatte sich die Gemeindevertretung mit einer Anordnung de- Provinzialschnlkollegiums auf Errichtung einer katholischen Volksschule beschäftigt. Einstimmig hatte die Gemeinde- Vertretung dieses Ansinnen zurückgewiesen. Auf Anordnung des Ministers mußte, die Gemeindevertretung nun nochmals mit den Kommissaren des Regierungspräsidenten zu Potsdam darüber verhandeln. Der Gemeindevertrelersitzung war bereits eine Sitzung der Schilldeputation vorausgegangen, die beschlossen hatte, der räum- lichen AnSdehnung des Ortes wegen eventuell die Einrichtung zweier derartiger Schulen statt der geforderten einen Schule zu empfehlen: und zwar sollte im westlichen Ortsteil die Errichtung einer Schule mit zwei und im östlichen Ortsteil mit drei auf- steigenden Klaffen vorgesehen werden. Vom Vertreter der Regierung wurde nochmals ausgeführt, daß die Regierung nach dein Bollsschuluntetfjqltungsgesetz verpflichtet sei, die Errichtung dieser Schulen zu fordern, da die EtziehungSberpflichieten von über 120 schulpflichtigen Kindern bei der Regierung den Antrag auf Errichtung einer katholischen Volksschule gestellt haben. Der Minister stelle, falls die Gemeindevertretung der sofortigen wider- standslosen Errichtung zustimme, einen laufenden Staatsbeitrag auf IS 000 SB. pro Jahr in Aussicht. Da die Kosten sich voraussichtlich auf nur zirka 22 000 M. pro Jahr stellen, wären die der Gemeinde zugemuteten Lasten nicht zu hoch. Im übrigen bestimme das Volksschuluntcrhaltungsgesetz. daß die finanziellen Kon- sequenzen für die Nichterrichtung solcher Minderheits-Kon- fessionsschulen nicht berücksichtigt werden dürfen: der Minister habe daher auch schon den Auftrag gegeben, das Anforderungs- verfahren einzuleiten, falls die Gemeindevertretung nicht freiwillig die Errichtuna der geforderten Schule beschließe, sowohl von den bürgerlichen Mitgliedern der Gemeindeverlretung wie auch besonders von unseren Genossen wurde das Begehren der Regierung kritisiert und die Zustimmung abgelehnt. Die Errichtung konfessioneller Volksschulen belastet nicht nur den Gemeindeetat in Iveitgehender Weise, sie ist insbesondere auch in pädagogischer Hinsicht zu verurteilen. Die Zurnckrevidierung des jetzt siebenstufigcn Schulsystems auf ein zwei- bezw. dreistufiges für Kinder katholischer Konfession ist ja der ssürsorge der preußischen Regierung für die Volksschule sehr würdig, aber im Interesse der davon Betroffenen doch zu bekämpfen. Nachdem der Rcgierungskommissar erklärt hatte, daß sich auch auf eine Vertagung der ganzen Angelegenheit die Regierung nicht ein- lassen werde, beschloß die Gemeindevertretung einstimmig die Errichtung einer katholischen Volksschule abzulchneiu Zum Vor- sitzenden des Gewerbegerichts wurde der Beigeordnete Reichhelm und als dessen Stellvertreter der Bürgermeister Wille wiedergewählt. Auf Antrag der Armen- und Waisendeputation wurde beschlossen, den Armenunterstützungsbeziehern Gemcindeterrain zur Bcwirt- schaftung zu überweisen. Von unseren Genossen wurde der Wunsch ausgedrückt, daß die bisher gezahlte Barunter- stützung trotz der Landzuweisung nicht gekürzt werde. Zunächst ist für diesen Zweck eine etwa 3—4 Morgen große Fläche an der Graf Rödern-Allee vorgesehen. Neu- und Wiederivablen von Mitgliedern der Arinendeputatio» und von Waisenpflegern und -Pflegerinnen, sowie die Bekanntgabe des Rechnungsabschiilsses des Äanalisationsverbandcs für das Rechnungsjahr 1910 befchloß den Rest der Sitzung. Potsdam. Handwerksmeister und FortbildungSschnlc. Die vom Magistrat für die gewerbliche Fortmldungsschule beabsichtigte Reorganisation wird durch die Kurzsichtigkeit der Handwerksmeister verschiedentliche nachteilige Aendcrungen erfahren. Die ganze Fortbildungsschule wird mit einem Male von den Meistern als„Belastung des Hand- Werks" angesehen. Der Magistrat fordert vor allem; Abhaltung des Unterrichts tunlichst am Tage, nicht über 7 Uhr abends hinaus, Ausschaltung des Sonntagsvormittagsunterrick'.tS und Anstellung von zwei weiteren hauptamtlichen Fortbildungsschullehrern. Die Stadtverordnetenkommission hat sich schließlich mit dem Lehr- plan, wenn auch schweren Herzens, einverstanden erklärt. Bürger- künde, Wecbselkunde und Kalkulation wurden am meisten bemängelt. Stadtv. Pauli(konservativer Reichstagsabgeordneter) brachte z. B. seine Ansicht über die Kalkulation dahin zum Ausdruck, daß die Lehrlinge doch nur ausrechnen würden, was der Meister an ihnen verdiene. Die Kommission besteht aber auf dem Sonntags- Vormittagsunterricht und will ferner die Ausdehnung des Abend- Unterrichts bis 8 Uhr, damit die Handwerlsmeister nicht zu sehr geschädigt werden. Aus Sparsamkeilsgründen sollen auch die er- forderlichen Unterrichtsstunden von städtischen Lehrern nebenamtlich erteilt werden. Das der Fortbildungsschule zugrunde liegende Orts- statut tourde nach der zweiten Lesung nicht genehmigt und an den Magistrat zur Umänderung zurückverwiesen. Spanbau. Ei» heftiger Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem mit Mauersteinen beladenen Fuhrwerk fand gestern morgen auf der Nonnendamm-Allee, Ecke Wattstraße, statt; er wurde dadurch herbeigeführt, daß der Kutscher des Steinwagens vor der Annäherung des Betriebswagens der Straßenbahn zu wenden ver- suchte. Das Steinfuhrwcr! wurde umgeworfen und ver Kutscher Von seinem Sitz herabgeschleudert; er trug eine Kopfverletzung davon. Der Straßenbahnwagen wurde aus den Schienen gehoben und mehrfach beschädigt. Durch den Unfall entstand eine längere Betriebsstörung. Marktbericiit von Berlin am 17. April 1912. nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. M a r k t b a l I c n p r e i j e. Otlem Handel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speiscbohnen, rncißc, 30 ,00—56,00. Linsen 40,00— 80,00. Kartosseln(ffileinhdl.) 8,00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchfleilch t,40— 1,60. Schweinefleisch 1,40— 1,90. Kalbfleisch 1,40— 2,60. Hammelfleisch 1,40— 2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,00—6,00. t Kilogramm Karpsen 1,10—2,40. Aale 1,50—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-0,20. Bleie 0,80-1,50. 60 Stück Krebse 4,00-30,00. 5 xägffTr" Ulster ii. Paletots ................................................................................................................................................................................................. Schluß Sonntag.— Sonntag nur von 12—2 geöffnet. Ulster Herabgesetzte Preise Paletots sgr Serie 1 ßra'jn uml grauer Chevioi, neueste Muster, sehr __ apart........................... Serie Ii Curau unck olivtardiger Cheviot mit feinen Streifen, T ohne pulter, englisch verarbeitet........... 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Lonntag 3'/, Uhr: Der Vogelhliullsr. 1 Schiller-Theater 0 Freitag, abends 8 Ubr: Der Kompagnon. Eonnabend, abends 8 Uhr: Grilfln ILea- Sonniag, nachm. 8 Ubr: Der Pi-obckandidat. Sonntag, abends 8 Ubr: Der Konipaynon._ Sehiller-Tlieaier ChabXn' Freitag, abends 8 Ubr: Die Jüdin von Toledo. Sonnabend, abends 8 Ut»: I-ady Windcrincrcs Fächer Sonntag, nachm. 3 Uhr: Don Carlos. Sonnlag, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Theater des Westens. Abends 8 Ubr: Die schöne Helena. Sonntag 3'/, Uhr: Wensr Blut. Residenz-Theater. Direltion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwant in 3 Alten von M. Hennequln und G. Mitchell. Morgen u solgcnde Tage: Alles für die Firma. Sonntag, 21, April, nachm. 3 Uhr: Ein Walzer von Chopl». Lttisett-Theater. Seute und solaende Tage: ch lasse Dich nicht. Sonnlag nachm. S Uhr: Faust. OSE-THEATE Grotze Frankiiirlei Slr. 132. Abends 8 Uhr: 5x100000 Teufel. Sonnabend und folgende Tage: s X i«« 000 Teufel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Es gibt nur ei» Berlin. 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