N-. 98. Ndonnementt-Kecklkgllnsen: BBomicmenM- Preis«S PierteljShrl. 8,30 iKt., monaü. 1,10 Ml. wöchemlich 28 Pfg. frei Ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« BeUage.Die Neue Welt» 10 Pfg, Post. Wonnemeitt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS« Vrersiiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das Übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonuementS nehmen an: Belgien, DSnemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. Die TnfcrtionS'GcbQfjr bskägt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 60 Pfg,, für CrldidBt tZgilch auBcr DKntaat. Vevlinev Volksbl�kk. .. settgedrucklt Wart 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch- stoben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen biS 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ilt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Shzlaldcnielint Bcrlia". Zaitfalorgan der fozialdcrnokrati fchen Parte» Deutfcblande. Redaktion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Axat Moritzplatz. Nr. 198». crom expedition: SM. 68, Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz» Nr. 1981. Zapfenstreich. Der erste Strauß ist vorüber. Die neue. Wehr- Vorlage hat die erste Lesung im Plenum passiert. Donnors- tag abend wurde Zapfenstreich geblasen. Die Vorlage wird jetzt hinter den stillen Mauern der Konimissionszimmer in ihren Einzeihetten besichtigt werden, sie wird aber— wenigstens. soweit es sich um die rein militärischen Forderungen handelt— kaum wesentlich verändert beim„Wecken" der zweiten Lesung vor dem Plenum des Reiches antreten. Was zu ihrer Be- gründung in den ersten vier Tagen dieser Woche gesagt wurde. ist unsäglich dürftig und mangelt jeder Ueberzcugungskraft. Für die Logik Bethmann Hollwegs: Wir leben im tiefsten Frieden, wir und die anderen Regierungen haben die ehrlichsten Friedensabsichten, deshalb— müssen wir mehr Soldaten und Kanonen haben, für diese Logik hat das Volk draußen nicht das geringste Verständnis. Die Herren aus der Minister- und Geheimratsatmosphäre brauchten in diesen Tagen nur einmal von ihren olympischen Höhen zu dem wirk lichen, d. h. dem arbeitenden Volk hinabzusteigen, um zu hören, wie es über diese Rüstungsphilosophie denkt. Die Berliner Arbeiterversammlungen am Donnerstagabend haben ihre Meinung darüber sehr deutlich ausgedrückt. Nun haben sich im Laufe der Debatten im Reichstage verschiedene Redner der„nationalen" Parteien am„Vorwärts" zu reiben versucht. Sie haben erklärt, auch der„Vorwärts" habe zugegeben, daß in Frankreich eine starke chauvinistische Strömung herrsche. Geiviß hat das der„Vorwärts" getan, aber er hat gleich hinter dieser Feststellung unwiderleglich nachgewiesen, daß diese Strömung ihre Quelle hat in den Kontoren von Rüstungs- Interessenten, in den Bureaus demagogischer Staatsniänner und in den Redaktionen gewisser Bourgeoisblätter u. dergl., daß aber unter dieser Strömung eine ganze Menge daneben Faktoren sind, die den kriegshetzerischen Tendenzen außer- ordentlich stark entgegenwirken, so z. B. die militärische Fest- 1egu»g Frankreichs in Nordafrika, die schwachen Kadres usw. Unsere prinzipielle Stellung zu der ganzen Frage ist aber grundverschieden von der der bürgerlichen Parteien. Wir wissen,— um diese Stellungnahme noch einmal zu präzisieren— daß Rüstungswahnwitz und Kriegsgefahr na- türliche Begleiterscheinungen der gegenwärtigen imperialistischen Epoche des Kapitalismus sind. Bei der Beurteilung der Wehrvorlage handelt es sich für uns um die Frage: Wird die Kriegsgefahr durch sie vermehrt oder ver- mindert? Die Antwort lautet dahin, daß durch die Wehr- Vorlage die Offensivkraft Deutschlands vermehrt und das Mißtrauen der anderen Staaten noch stärker gereizt wird. Daneben und für uns gleich schwerwiegend ist die Erhöhung der an sich schon erdrückenden Rüstungslasten für das werktätige Volk sowie die Stärkung der reaktionären Mächte in Deutschland durch die neue Wehrvorlage. Daher bleibt es für uns bei der Parole: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen l Diese Stellungnahme läßt an Klarheit und Unzweideutig- keit nichts zu wünschen übrig; sie unterscheidet sich durch ihre Konsequenz gewaltig von der verschwommenen und kurz- sichtigen Haltung des Linksliberalismus. Was soll man dazu sagen, wenn eine Leuchte der bürgerlichen Demokratie, wie Herr H a u ß m a n n. im Reichstage folgenden Satz zum besten gibt:„Auf jeden Fall muß Schluß gemacht iverden mit weiteren Militärforderungen; dem Drängen nach erhöhter Vermehrung der Truppen treten wir mit aller Entschiedenheit entgegen." Das klingt sehr entschieden; nur schade, daß man kein allzu großes Vertrauen auf den Mut des Liberalismus zur Ablehnung weiterer Militärvorlagen setzen darf. Denn wenn der Fortschritt diese Wehrvorlage be- willigt, bewilligt er schon im voraus die n ä ch st'k 0 m m e n d e M i l 1 t ä r f 0 r d e r u n g. Wir haben schon niehrmals angedeutet, daß man aus der vorliegeuden Wehrvorlage schon die kommende in ihren Einzelheiten herauskonstruieren kann. - Die kommende Wehrvorlage wird, spätestens im Jahre 1915, winde st ens fordern: 15 Bataillone Infanterie, Friedensformation von zirka 6 Kavalleriedivisioncn, Unnvaudlung der Feldartillcrie-Batterien mit 6 Geschützen zu solchen mit 4 Geschützen. weiterer Ausbau der Militärluftschiffahrt und der tech- nischen Truppen. Die konimende Forderung für die Infanterie muß auch jedem Laien einleuchten. Wenn man heute zugibt, daß das Infanterieregiment drei Bataillone haben muß, und wenn man heute fiir 17 von den 32 Regimentern, die jetzt nur zwei Bataillone haben, das dritte Bataillon bewilligt, dann wird und muß man es auch in zwei oder drei Jahren für die übrig bleibenden 15 Regimenter bewilligen. Wird Herr Haußmann dann der inneren Konsequenz des Militarismus gegenüber auf seiner entschiedenen Ablehnung beharren. Wenn die kommende Wehrvorlage nicht eine Vermehning der Kavallerie verlangen lvird, was nicht ausgeschlossen ist, so wird sie sicher die Formation der Kavallcriedivisionen im Frieden verlangen. Jetzt sind noch die Kavalleriebrigadcn im Frieden den einzelnen Infanteriedivisionen zugewiesen,- mit Ausnahme des Gardekorps, dessen Kavallerie ständig zu einer Division formiert ist. In der militärischen Fachpresse wird in der letzten Zeit mit allem Nachdruck auf die Notwendigkeit von Kavalleriedivisionen im Frieden hingewiesen. Begründet wird die Forderung mit dem Hinweis auf die Verwendung der Kavallerie bei Ausbruch eines Krieges; ferner kommt in � Betracht, daß Frankreich im Frieden schon acht Kavallerie- > divisionen hat, und daß Rußland über große Kavallerie- verbände verfügt. Unsere Militaristen werden den bürger- lichen Volksvertretern schon klarzumachen wissen, daß das auch für Deutschland unbedingt notwendig ist. Da diese Neuorganisation in der Schaffung höherer und kostspieliger Kommandostellen bestehen würde, käme sie auch dem Avance ment sehr zustatten, und das ist ja bei den Wehrvorlagen ein sehr wichtiges Moment. Für die Umwandlung der F e l d a r t i l l c r i e in der oben angedeuteten Richtung hat dieser Tage schon das „Berliner Tageblatt" Stimmung gemacht. In einem an leitender Stelle stehenden Artikel eines General leutnants a. D. wurde auf die Vorteile der französischen Viergeschützbattcrien gegenüber den deutschen Sechsgeschütz batterien hingewiesen und die bestimmte Envartung ausgesprochen, daß Deutschland dem französischen Vorbilde nachahmen werde Tatsächlich bewegen sich alle Erörterungen und Anregungen in der niilitärischen Fachpresse in der gleichen Richtung. Ja, man hat bei der gegenivärtigen Wehrvorlage in der Praxis mit dieser Organisationsform schon den Anfang gemacht: die reitende Artillerie wird(unter Beibehaltung der Gesamtzahl ihrer Geschütze) aus Sechsgeschützbatterien in Viergeschützbatterien umgewandelt, d. h. aus 42 Batterien werden 63 gemacht. Warum wendet man das gleiche Verfahren nicht auch bei den fahrenden Batterien der Feldartillerie an? Es hätte sich dann die Neu schaffung von ganzen Feldartillerieregimentern, wie sie die jetzige Wchrvorlage vorsieht, vermeiden lassen. Die Antwort ist sehr einfach. Man will zunächst möglichst viel Batterien zu sechs Geschützen herausschlagen, um dann, wenn die llnuvandlung in Viergeschüp batterien verlangt wird, eine recht große Geschützzahl mit Bespannungen zur Verfügung zu haben. Diese Umwandlung hat dann zur Folge eine er- hebliche Vermehrung der Osftziersstellen, vor allem im Haupt- mannsrang, dann aber jedenfalls auch durch Schaffung einer neuen Einteilung in Korps- und Divisionsartillerie in den höheren Chargen. Daneben kann sehr leicht die Einführung neuer und verbesserter Gcschützmodelle und des Artillerie- gerätes einhergehen— kurz alles Dinge, die dem steuer- zahlenden Volke sehr teuer zu stehen kommen werden. Werden dann Herr Haußmann und seine liberalen Freunde„Schluß machen" mit der Bewilligung der Militärforderungen? Dann dürften sie jetzt bei dieser Vorlage nicht A sagen, sonst müssen sie das ganze militaristische Abc herunterbuchstabieren. Daß die Militäraviatik und die Militärballons weitere tech- nische Vervollkommnungen erfahren haben werden und dem- entsprechend für die„fünfte" Waffe erhöhte Forderungen gestellt werden, liegt wohl für jeden klar auf der Hand. Dazu kommt weiter, daß auch die Maschinengelvehre sich noch im Stadium technischer Versuche und Umivandlungen befinden, so z. B. die Anbringung von Schutzschilden an den Gewehren, die Frage des Geivehr- und Munitionstransportes und dergl.— alles Dinge, die mit ziemlicher Sicherheit auf neue Aufwendungen auch für diese Waffe rechnen lassen. Wir wollen uns hier nicht allzusehr in militärische Einzelheiten verlieren. Das Eine steht jedenfalls für uns fest: die vorliegende Wehrvorlage schließt schon die nächste in sich; wer jetzt zusagt, sagt auch in zwei, drei Jahren zu. Da- bei haben ivir noch gar nicht die Wirkung der vorliegenden Wehrvorlage auf die französische, russische usw. Hceresorgani- sation in Rechnung gezogen. Diese Wirkung bleibt natürlich nicht ohne Rückwirkung auf Deutschland. Das Wort von der „Schraube ohne Ende" ist also keine leere Redensart, sondern harte, grausame Wirklichkeit. Denn der Leidtragende bei diesem Wettrüsten ist und bleibt das arbeitende und steuer- zahlende Volk. Und bei alledem haben wir nicht einmal die Marine berücksichtigt, die das nächstemal wahrscheinlich nicht hinter dem Landheer wird zurückstehen»vollen. Kein Mensch wird uns einreden können, daß diese Folge an Wehrvorlagen ohne weitere und schivere Belastung der Massen wird abgehen können. Bei dieser Wchrvorlage hat man noch die„Deckungsfrage" mit einem schön frisierten Etat zu beantworten gesucht. Wird das aber in zwei, drei Jahren auch so glatt gehen? Dabei verschweigt jetzt die Regierung sehr sorgfältig, daß sie außer den Forderungen für Heer und Marine noch andere größere Ansprüche in xetto hat. Für das schöne Kongo- l a n d ist bis jetzt noch kein Pfennig vom Reichstage ge- fordert worden. Dabei müssen für diese zweifelhafte Be- reicherung unserer Kolonien eine ganz stattliche Anzahl von Millionen flüssig gemacht werden. Schon allein die eststellung der Grenzlinien wird angesichts der technischen »chivierigkeiten dieser Arbeiten in ungesundem Tropen- gebiete Jahre in Anspruch nehmen und einige Mil- lionen verschlingen. Weiter wird zur militärischen Besetzung des Landes die Kameruner Schntztruppe (jetzt 53 Offiziere, 15 Aerzte, 1 Beamter, 101 weiße und 13o0 farbige Mannschaften stark) mindestens verdoppelt werden müssen. Dazu kommen ferner die Kosten für die Einrichtung der Zivilverwaltnng. Mittel zur Bekämpfung der Schlaf- krankheit usw. Kurz, die Reichstagsabgeordneten haben alle Ursache, bei Erörterung der„Deckungsfrage" für die Wehr- Vorlage, auch die bevorstehenden Forderungen für den Kongo mit in Rechnung zu ziehen. Die Sozialdemokratie als Vertreterin des arbeitenden Volkes erfüllt nur ihre Pflicht, wenn sie allen Forderungen des Imperialismus entschieden ablehnend gegenübersteht. Kansitizmus und Anarchismus. (Von unserem Spezialberichterstatter.)' II. Die Affäre vom Square Marguerite. Brüffel, im April. Im Anfang des Jahres 1909 herrschte in der russischen Emigrantenkolonie von Brüssel große Aufregung. Man hatte erfahren, daß eine anarchistische Gruppe damit um- ging,„Expropriationen", angeblich für russische Revolutions- zwecke, auf belgischem Boden vorzunehmen. Bekanntlich lehnen auch die extremsten Richtungen der russischen Revo- lutionäre die Anwendung der illegalen Methoden im Ausland entschieden ab, und wo diese dennoch befolgt wurden, hat eine genauere Untersuchung bisher stets die Hand von Provo- kateuren entdecken können. Diesmal drängte sich ein solcher Verdacht um so mehr auf, als die Vorbereitungen mit einem auffallenden Mangel an Vorsicht— und man kann bei der verhältnismäßig großen Zahl der Eingeweihten ruhig sagen, unter den Augen der im Brüsseler Boden wuchernden russi- scheu Polizei getroffen wurden. Die Propagandisten dieser Taktik ließen sich geradezu in einer Versammlung ihrer Anhänger bevollmächtigen. Wie gewöhnlich bei Unter- nehmnngen dieser Art, war am Anfang nicht die Tat, sondern das Wort, und so sickerte das merkwürdig schlecht gehütete Geheimnis rasch durch. Die in Brüssel ansässigen Auge- hörigen aller konstituierten revolutionären Richtungen setzten alles in Bewegung, um die drohenden Streiche zu verhindern. Da ihre dringenden Vorstellungen vergeblich blieben, entschlossen sie sich zur öffentlichen Warnung. Die„Expropriateure" hielten indes an ihrem Programm fest. Wenige Ta�e darauf führte die Auffindung einer Bombe bei einem Neubau in der Vorstadt St. Josse-te- Noode zur Aufdeckung eines Expropriationsakts, der unter dem Namen der„A f f ä r e v 0 in S q u a r e Ma r g u e r i t e" bekannt geworden ist. Zwei junge Russen waren im Hause eines vermögenden Kaufmannes, Herrn M., erschienen und hatten mit vorgehaltenem Revolver 3000 Frank für Revo- lutionszwecke gefordert. Ihre Drohung verstärkte eine auf den Tisch niedergelegte große Bombe. Herr M., der das Leben aller Hausbewohner in Gefahr sah, versprach, den Be- trag, den er zu Hause nicht zur Verfügung hatte, am nächsten Tag in seinem Bureau zu übergeben. Der eine der Ein- dringlinge, der vermutlich wegen seiner zureichenden Sprach- kenntnisse das Wort geführt hatte, erschien in der Tat am Morgen darauf im Geschäft des Herrn M. und bekam einen auf den geforderten Betrag lautenden Scheck, der dann bei einer Bank einkassiert wurde. Diese Expropriation verdient um einer Reihe von Details willen die größte Aufmerksamkeit. Herr M. ist näni- lich ein freiheitlich gesinnter Mann, der gerade bei den russischen Flüchtlingen ob seiner nicht kargenden Hilfsbereit- schaff bekannt war. Mußten diejenigen, die ihm unter den geschilderten Umständen auf einmal 3000 Frank abpreßten, nicht in Rechnung ziehen, daß sie damit für die Zukunft eine ergiebigere Hilfsquelle der verfolgten Revolutionäre ge- fährdeten? Und weiter: Wenn die Täter Herrn M. zum Gegenstand' ihrer Erpressung offenbar darum gewählt hatten, weil sie sich dank dem angegebenen revolutionären Zweck seiner Dis- kretion sicher glaubten, wozu die Weglegung der Bombe, an einem Ort, wo ihre Auffindung sicher war und Menschenleben kosten konnte? Wenn man obendrein be- denkt, daß einer der Täter einen Kursus über Herstellung von Explosivkörpern gehalten hatte, also wohl auch imstande gewesen wäre, die Bombe un- schädlich zu machen, so ist ihre Aussetzung nur dann ver- ständlich, wenn einer der Beteiligten die Ent- deckung wollte. Die Erpressung selbst schien für ihre Urheber so gefahrlos, daß sich der eine von ihnen Vertrauens- voll in das Bureau des Herrn M. begab und ein anderer ge- mächlich den Scheck einkassieren ging. Warum also just diese Uebereilung bei der Aussetzung der Bombe? Erst der Bombenfund führte die Brüsseler Polizei zur Kenntnis des Vorgefallenen. Ein eigentümlicher Zufall gab ihr rasch die Person des einen Erpressers— des Wortführers bei der„Expropriation"— bekannt. Es war ein gewisser Abraham H a r t e n st e i n, der unter dem Namen Sei- l i g e r in den revolutionären Kreisen verkehrt hatte. Es fiel auf, daß die Polizei desf jungen Menschen, der sich ein paar Tage lang in Brüssel versteckt hielt, nicht habhaft wer- den konnte, trotzdem das Geheimnis dieses Verstecks gar nicht gut gehütet war. Energischer griff die Polizei in Gent zu, wohin Hartenstein später geflüchtet war. Er wurde dort an- geblich von einer Frau nach einer Photographie erkannt, wir haben indes Gründe, anzunehmen, daß eine D e n u n- ziation aus Brüssel mithalf. Hartenstein setzte sich bei der unglaublich unvorsichtig bcvzerkstelligton Verhaftung zur Wehr und erschoß eine» Polizeioffizier und einen Polizei« agenten. Er wurde zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Am guten Glauben Hartensteins bei seiner Erpressung rst nicht zu zweifeln. Me, die ihn: näbergekommen sind, be- zeichnen ihn als einen ehrlichen Fanatiker, wenn nicht als einen„illuininä", bei dein der überhitzte religiöse Glaube an die Revolution die kritische Fähigkeit ausgelöscht hatte.! Hartenstein war jedenfalls ein ausgezeichnetes Instrument für jemanden, der auf ihn aus irgendwelchen Gründen einen treibenden Einfluß ausüben konnte. Gab es solche Leute? Wir werden im folgenden Vor« gänge zu besprechen haben, bei deren Darstellung aus ver- schiedenen Gründen Zurückhaltung, besonders in bezug auf die Nennung von Namen, geboten ist. Für die Richtigkeit der Tatsachen sprechen die übereinstimmenden und sich ergänzen- den Ergebnisse einer von verschiedenen Punkten aus vorge- nommenen Untersuchung. In der Zeit, da Hartenstein der Vollstrecker von Erpropriationsbeschlüssen wurde, war er genötigt, einen Betrag zu decken, der ihm für Propaganda- zwecke anvertraut war. Dieser Betrag war ver- u n t r e u t worden, und zwar von jemandem, der ihm als Deckadresse diente. Er konnte für das Defizit�zur Rechen« schaft gezogen werden. War er sicher, daß der Schuldige ein Bekenntnis ablegte und ihn vom Verdacht befreite? Jeden« falls läßt der Charakter— nennen wir ihn T— die Möglichkeit des Gegenteils offen. Tatsache ist jedenfalls, daß T, kurze Zeit vor der „Expropriation" bei Herrn M. den Versuch machte, sich eine den defraudierten Betrag über- st e i g e n d e Summe unter Umständen zu v e r- schaffen, die mit der folgenden Erpedition gewisse Züge gemeinsam haben. Auch hier war die Persönlichkeit, auf die es abgesehen war. durch ihre Opferwilligkeit für freiheitliche Zwecke bekannt. Der Erpressungsversuch mißglückte indes und der Schuldige machte ein paar Tage darauf den Versuch, sich mit einein konfusen Entschuldigungsbrief reinzuwaschen. Im Umkreis dieser Unternehmung tauchen auch schon Physiognomien auf, auf die die Ereignisse in Frankreich auf- merksam gemacht haben. Wir haben so schon einen bestimmten Typus von angeblich revolutionären Beutezügen. Das ausersehene Opfer ist eine in revolutionären Kreisen angesehene Persönlichkeit, viel- leicht darum, weil der Zugang zu ihr leichter, vielleicht auch daruin. weil man ihres Schweigens besser versichert ist.� Von dem zuletzt dargestellten sehr charakteristischen Fall war in der Tat bis heute noch nicht die Rede. In diesen Zusammenhang gehört auch die unmittelbar vor der„Affäre vom Square Marguerite" gegen den reichen Amateuranar- ch i st e n S. in Jxelles geplante, vorzeitig ruchbar gewordene große Unternehmung. Die Bombe kam allerdings erst zum Vorschein, nachdem die 3lZ00 Frank des Herrn M. in Sicher- heit gebracht waren._ flrnmt and(ldchtam in Wtirtteinberg. Aus Stuttgart wird uns geschrieben: Auch im schönen Schwabenland Hausen protziger Reichtum und bitterste Armut dicht nebeneinander. Die vor kurzem veröffent- lichte amtliche E i nk o m m e n ste u e r sta t i sti k für das Jahr 1910 zeigt den Gegensatz zwischen Reich und Arm, Ueber- fluß und Mangel in einer Schärfe, wie das keine andere Statistik eines deutschen Bundesstaates tun dürfte. Württemberg läßt näm» lich nur ein E x i st e n � m i n i m u m von bOY Mark jähr- l i ch von der Einkommensteuer frei. Die gewiß nicht fortschrittlich und arbeiterfreundlich gesinnten Gesetzgeber Preußens haben das steuerfreie Existenzminimum immerhin auf 900 Mark jährlich festgesetzt. Ebenso Baden und andere Bundesstaaten. Im viclgerühm- ten„Demokratenländle" fängt aber die Steuerpflicht schon bei 000 Mark jährlich an. Das württem-bcrgische Steuergesetz sieht zwar für Verheiratete und kinderreiche Familien ein paar Erleichterungen vor(Herab- sctzung um ein oder zwei Steuerstiifen), diese Vergünstigungen wer. den aber durch andere Bestimmungen(Zusammenrechnung des Arbeitsverdienstes von Mann und Frau, Besteuerung des Ver- diensies aus Ueberstunden. des Trinkgeldes, herkömmlicherweifc gereichter Geschenke usw.) mehr wie wettgemacht. Dieses harte und ungerechte Steuersystem bietet nun dem Volksio-rtschaftler und Politiker die Möglichkeit, auch die Einkorn- mensverhältnisse jener breiten BevölkerungSschicht kennen zu ler- ncn, die durch die Steuerstatistik anderer Staaten nicht erfaßt werden. Vorweg sei bemerkt, daß das Einkonnnen aus 1. Grund- und Gebäudcbcsitz, Land- und Forstwirtschaft, 2. Gewerbe und Handel, 3. Kapitalien und Renten, 4. aus Dienst- und Arbeits- Verhältnissen der Einkommensteuer unterworfen ist. Das Gesamt- cinkommen der Bevölkerung Württembergs aus diesen vier Ein- kom-mcnsqucllen war für 1910 veranschlagt auf rund 1200sb Milk. Mark. DaS reine Arbeitseinkommen allein wurde auf rund 651 H Mill. Mark— 42,74 Proz. des Gesamteinkommens ver- anschlagt. Das zur Steuer herangezogene Reineinkommen der Einzelpersonen(nach Abrechnung der gefttzlichen Abzüge für Steuern, Schuldzinse» usw.) beziffert sich auf 1 186876 952 Mark. Tic Gesamtzahl der besteuerten Einzelpersonen, ist 085 810, Eine rohe Teilung deS GesauiteinkommenS durch die Zahl der Zensiten würde also ein Jahreseinkommen von 1720 Mark pro Kopf ergeben, ein Sümmchen, von dem sich zur Not leben, läßt. Sehen wir aber zu, wie in Wirklichkeit die Einkommensverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung gestaltet sind: Mit 50V bis 049 Mark Jahreseinkommen sind veranlagt 138 007 Personen; die Steuerswfe von 050 bis 799 Mark zählt 95 081 Zensiten; 600 bis 949 Mark versteuern 78 075 Personen. Das sind insgesamt 311703 Personen i45,40 Proz. aller Besteucr- tcn), deren Einkommen noch keine 950 Mark jährlich erreicht! Ge- wiß befinden sich unter diesen Steuerzahlern Einzelpersonen� die nur für den eigenen Mund zu sorgen haben. Die Zahl der„Haus- holte" in Württemberg bleibt um rund 123 000 hinter der Zahl der Steuerzahler zurück. Aber in den BevölkerungSschichten mit höheren Einnahmen befinden sich auch viele tausend Personen ohne eigenen Haushalt. Durch die infame Bestimmung, daß das Ein- kommen des Mannes und der Nebenverdienst der Frau zusammen- gerechnet als ein Einkommen zu versteuern ist, werden aber auch Familien zur Steuer herangezogen, die bei anderer Berechnung neuerfrei bleiben würden. Ein Beispiel möge da» zeigen: Der Mann, ein Krüppel, verdient mit Stuhlsiechten 400 Mark jährlich, also nicht das Steuerm-inimum; die Frau bringt es durch ZeiwngS. austragen usw. auf 200 Mark. Durch die Zusammenrechnung der beiden Summen— 000 Mark«- wird da» Einkommen, dieser Armen steuerpflichtig! Erfahrungsgemäß pflegt der Kindersegen um so reicher zu sein. je geringer das Einkommen der Jamslic rst. Fast die Hälfte der PeMfcruvg Würtjembers? bMbf aber mit ihrem Einkommen untcx 950 Mark jährlich. Mit ankern Worten: im wunderschönen, diel-- besungenem Schwabenland mit seinen stolzen Burgen und Schlös- csrn, seinen Rebenhügeln und lachenden Fluren leidet fast die Hälfte der Bevölkerung bittere Not, haben Hunderttausende kaum soviel, um den Hunger der Ihrigen zu füllen und ihre Blöße zu decken! Nun die andere Seite der Medaille: Die Zahl der Reichen, die ein Jahreseinkommen von 30 000 bis 100 000 Mark zu versteuern haben, stieg von 879 im Jahre 1905 auf 1155 im Jahre 1910, die Zahl derer mit 100 000 bis 200000 Mark jährlich von 92 auf 140, die Zahl der„Armen" mit über 200 000 Mark Jahreseinkommen von 44 auf 64. Das von der Steuerbehörde ausfindig gemachte Grsamtcsnkommen dieser 1319 Personen beziffert sich auf rund 109 Milllonen Mark jährlich, pro Kopf auf 83 523 Mark. Auf die 64 Reichsten entfällt ein Gesamteinkommen von 33 381 293 Mark, pro Kopf also 521 270 Mark jährlich! Hin und wieder werden in kulturell zurückgebliebenen Gegen- den politisch harmlose Gemüter noch mit der Behauptung erschreckt, die Sozialdemokratie wolle„alles teilen". Das ist Unsinn! Wir wollen vielmehr die Ueberführung der Produktionsmittel in ge- meinsamev Besitz des Volkes. Nehmen wir aber einmal an, die Sozialdemokratie beabsichtige eine so rohe Teilcrei. wie sie uns von bürgerlichen Demagogen unterstellt wird; würde denn die arbei- tcndc Bvölkerung wirklich so schlecht dabei fahren? Wie schon früher bemerkt, beziffert sich das Reineinkommen deS württembergischen Volkes nach Abrechnung aller gefetzlickien Abzüge auf 1 185 875 952 Mark, Die Zahl der Zensiten sit 686 810. Macht pro Kopf 1726 Mark jährlich Von de» 685 810 Steuerzahlern kommen aber nur 146 747 über 1700 Mark jährlich hinaus. 539 063 Zen- siten— das sind mehr als 78 Proz. der Bevölkerung— haben nur ein Einkommen von 500 bis 1700 Mark jährlich ungerechnet die große Schar derjenigen, die infolge noch geringeren Einkommens gar nicht zur Steuer veranlagt werden. Etwa vier Fünftel der Bevölkerung würden also selbst bei einer so rohen Teilcrei des Einkommens nicht schlecht fahren, fast die Hälfte des Volkes würde sein Einkommen sogar verdoppeln und verdreifachen� Der Krieg. Untergang eines italienischen Panzerkreuzers? Rom, 26. April. Zu der Meldung aus Konstantinopel, daß der italienische Panzerkreuzer„Bares e" infolge der bei dem Bombardement der Tardanellen erhaltenen Beschädigungen bei der Insel LemnoS gesunken sei, erklärt die„Agenzia Stefani", alle Welt wüßte, daß der Kreuzer„Varesc" in ausgezeichneter Ver- fassung tm Hafen von Torent angekommen und bereit sei, wieder auszulaufen. Konstantinopel, 26. April. Die Behörden von LemnoS sind angewiesen worden, die dort gefundenen Schiffsbestandteile, die von dem angeblich gesunken«» italienischen Panzerkreuzer„Varese" her- rühren sollen, zu sammeln und genaue Feststellungen darüber an- zustellen. Die Revolution in China. Japanische Intrigen. Schanghai, 27. April.(Meldung der„Agence d'Extreme Orient.) Mit den japanischen Finanzleuten bestehen wegen der Eisen minen von Pinjang und Hanyang Differenzen. Die früher« Regierung Sunyatsens hatte angenommen, daß sich die Japaner in dieser Angelegenheit mit den Chinesen verbinden wer- den, indem sie in diese Unternehmungen neues„capital hinein- stecken würden. Nun hat aber die Nationalversammlung von Nan- krng dieses Abkommen wieder verworfen, und die Bevölkerung des Südens ist energisch dagegen, indem sie geltend machen, daß eine solche Verbindung hieße, die nationalen Reichtümer den Japanern ausliefern. Andererseits sind die Kupferwerke von Tongfau in der Provinz Anhui der Gegenstand der größten Anstrengungen seitens der Japaner gewesen. Die interessierten japanischen Kapitalisten erklären die geschlossenen Verträge für bindend und richten sich nicht nach der Volksmeinung. Sie berufen sich auch aus das Recht der früheren Regierung, Verträge abzuschließen. politische(Übersicht. Berlin, den 26. April 1912. Jesnitemuterpellatio«. Aus dem Reichstag. 26. April. Man konnte gespannt sein, wie sich die Regierung des Herrn v. B e t h- mann.Hollweg aus den Schwierigkeiten des bayerischen Jesuitenerlasies retten würde, und wie die konservativ-kleri- kale Freundschaft diese Probe zu bestehen vermöchte? Die )wei Fragen haben heute bei der Behandlung der Jesuiten- Interpellation ihre Beantwortung gefunden. Der Neichskanz- ler ist auf dem besten Wege, sich mit seinem bayerischen Kalle- gen zu verständigen, wie auch nicht anders zu erwarten war. Der Bundesrat wird, so teilte Herr v. Bethmann Hollweq in seiner Antwort mit, zu einem bayerischen Antraq Stellung zu nehmen haben, der eine Definition über den- Begriff der Ordenstätigkeit verlangt. Es läßt sich leicht erraten, in welcher Richtung und zu wessen Gunsten die Definition er- folgen wird. Bisher sind sich Berlin und München vielleicht noch nicht ganz einig. ES war wenigstens heute sehr lustig, anzuhören, wie in einem nicht unwichtigen Punkte der baye- rische Bevollmächtigte Graf Lcrchenfeld das genaue Gegenteil von dem sagte, was zuvor in der Beantwortung der Interpellation mitgeteilt war. Herr v. Bethmann H o l l w e g hatte erklärt, er habe von dem bayerischen Erlaß erst durch die Zeitungen Kenntnis bekommen. Da stand nach- her an der Spitze des anderen Bundesratstisches Graf Lerchen- feld auf und wußte in seiner Rede zu melden, daß die baye- rische Regierung vor Ausgabe des Erlasses bereits alle Bun- desregierungen verständigt hatte. Der Widerspruch fand keine Aufklärung. Die Einigung im Schöße der schwarzblauen Regierung wird auch nicht etwa durch eine Störung im Verhältnis der blauschwarzen Parteien getrübt werden. Entsagungsvoll waren sowohl Graf W e st a r p als Sprecher der Konser- vativen, wie Herr Mumm, der Redner der Antisemiten und anderer protestantischer Jesuiten; beide versicherten, daß sie hocherfreut über den Verlauf der bösen Angelegenheit seien... Die Interpellation war von dem Nationalliberalen Dr- I u n ck begründet worden, der lediglich eine rechtliche Auseinandersetzung bot und im Interesse des Reichsgedankens die verschiedenartige Auslegung von Reichsgesetzen in den einzelnen Bundesstaaten bedauerte und zurückwies. Viel weniger vorsichtig war im Laufe der Besprechungen sein Fraktionskollege Dr. O r t m a n n, der eine nicht eben geist- reiche und ebensowenig geschickte Kulturkampfpauke hielt. Die Auffassung unserer Partei, die klar und einfach gegeben ist durch unsere Grundsätze und durch unsere langjährige Aktion, vertrat unter großer Aufmerksamkeit des Hauses in ge- wandter Rche unser ajter Kämpfer Bios. Das Zentrum leistele sich eine staatsmännische Red'ö d'urch Herrn Spahn und eine waschechte Agitationsrede durch seinen Nachbarn Groeber. Es fand Unterstützung beim Polen v. Mo- r a w s k i, während im sästvarzblauen Block nur Herr M e r- t i n die Reichspartei eine Extratour tanzen ließ. Der Fort- schrittler Dr. Dave verlangte in ruhiger und verständiger Rede, daß die Einzelregierungen mit der Reichsregierung in solchen Fällen Verständigung suchen sollten. In vorgerückter Stunde nahm nan die neulich abge- brochene Beratung des Etats der Reichseisen- bahnen auf. Man sagt vielleicht besser„reichsländische Eisenbahnen", denn der Besitz des Deutschen Reiches an Bahnen beschränkt sich auf Elsaß-Lothrmgen. Chef der Reichseisenbahnverwaltung im Nebenamt ist der preußische ! Eisenbahnminister von Breitenbcch, und dieser Name * sagt uns schon genug. Nock mit größerem Fanatismus als sein Vorgänger Budde bemüht sich Breitenbach, den preußi- � scben Scharfmacher- und Kasernengeist in die Vettvaltung der elsaß-lothringischen Bahnen hineinzutragen, wie er den im . Dreiklassenhause üblichen Ton in die Verhandlungen des Reichstages einführt. Nachdem auch der Fortschrittler L i e s ch i n g gegen die Breitenbachschen Attentate auf die .Koalitionsfreiheit protestiert hatte, gab Genosse Dr. Weill die Antwort auf die vor einigen Tagen hier im Reichstag gehaltene Rede des Eisenbahn-Dallwitz.'Die auf reiches Material gestützten klaren Darlegungen unseres Fraklions- redners wußten trotz der ungünstigen Stunde das Haus zu fesseln. Genosse Dr. Weill verwies auf den klaffenden Gegen- satz zwischen dem Verhalten der reichst indischen und den der anderen süddeutschen Eisenbahnverwaltungen. Nicht nur die Verfolgung des süddeutschen Eisenbahnerverbandes ist charak- leristisch für das System Breitenbachs; auch die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Reichslanden weisen urpreußischc Züge auf. Uebrigens erweist sich Herr von Breitenbach mit seinen Scharfmachereien als der bette Schrittmacher der . Sozialdemokratie, wofür ihm Genosse Weill atn Schluß seiner . ausdrucksvollen Ausführungen ironisch unseren Dank ab- : stattete. Falls man am Sonnabend die Beratuna des Reichs- � eisenbahnetats zu Ende führt, will man noch den K o l o n i a l- etat beginnen._ Sturm im Treiklassenhause. Im Junkerparlament steht das Barometer wieder einmal auf Sturm. Oktavio v. Zedlitz, der freikonscrvative Obcrscharfmacher, hatte es sich vorgenommen, in der unverschämtesteen Weise die Sozialdemokraten zu provozieren, und leider kam ihm der Präsident dabei zu Hilfe. Während Frhrerr v. Ersfa sich in der ersten Zeit seiner Amtsführung einer gewissen Unparteilichkeit z»l befleißigen suchte, lasien ihn jetzt die Lorbeeren seines Vorgängers v. Kröcher nicht schlafen. Er duldete es, daß Frhr. v. Zedlitz sich in den beleidigendsten Ausdrücken gegen die fozialdemo- kratischen Mitglieder des HauseS erging, denen schließlich nichts anderes übrigblieb, als zur Selbsthilfe gegen den frechen Herausforderer zu schreiten. Was würde die Mehrheit des HauseS wohl sagen, wenn ein Sozialdemokrat die Parteien deS schwarzblauen Blocks mit Hehlen und Stehlern vergleichen oder einer Fraktion vorwerfen würde, daß sie das Niveau des HauseS herabdrücke? Wir sind überzeugt, man würde nach dem Leutnant rufen und einen solchen Abgeordneten mit Gewalt entfernen lassen. Herr v. Zedlitz aber durfte sich solche Schmähungen gegen Sozialdemokraten und Fort- schrittlcr erlauben, ohne daß der Präsident einschritt. Ja, eine leb- hafte GeschäftSordnungsdebatte, in der Abg. P a ch n i ck e und namentlich Genosse Hirsch dies Verfahren brandmarkten, zeitigte sogar daS Ergebnis, daß der Präsident sich offen auf die Seite deS Herrn v. Zedlitz stellte. Erschwerend fällt ins Gewicht, daß Frhr. v. Zedlitz sich nicht etwa in der Erregung zu seinen Angriffen hatte hinreißen lassen. Ach nein, seinem Vorgehen lag ein wohlerwogener Plan zugrunde. Systematisch wollte er die Sozialdemokraten provozieren, um seinen GefinnungSgenost'en den Vorwand zu einer weiteren Verschärfung der Geschäftsordnung zu geben. Alle« war aufs beste vorbereitet, und der nächste Redner, der Konservative Graf v. d, Groeben kündigte auf das von Herrn v. Zedlitz gegebene Stichwort denn auch sofort neue geschästs ordnungsmäßige Strafen gegen unbotmäßige Mitglieoer der Linken an. Die Herren haben anscheinend gar lein Gefühl dafür, wie sehr sie sich durch ihre sortgesetzten Äenderunge» der Geschäftsordnung blamieren. Wollen sie dem famosen Hauslneck tsparagraphen ähnliche blödsinnige und das Ansehen deS Parlaments schädigende Bestimmungen hinzufügen, so mögen ste es tun. Wenn sie aber glauben, daß die Sozialdemokraten sich dadurch von der Erfüllung ihrer Pflicht abhalten lassen, so werden sie durch die Erfahrungen eines anderen belehrt werden. Sachlich zeitigte die Debatte nicht diel Neues. Frhr. v. Zedlitz gab wie alljährlich seinen scharfmacherischen Gelüsten Ausdruck, nur daß er sich in seiner Nervosität diesmal zu größeren Unvorsichtig- leiten hinreißen ließ als in früheren Jahren. Mit Hilfe der Polizei und der Gerichte will er der sozialdemok- atischeip Bewegung Herr werden, und wenn die Polizei nicht ausreicht, soll Militär requiriert werden. Da» sind die„geistigen" Waffen der Beherrscher Preußen». Aehnlich Graf v. d. Groeben(k.) und sogar der sich liberal neimende Abg. Dr. F r i e d b e r g ist derartige» Maßnahmen nicht abgeneigt; zum'mindesten erscheint ihm der Schutz der Arbeitswilligen dringend erforderlich. Wie jammervoll die Zustände in der preußischen Verwaltung sind, zeigt die Rede de» Abg. Dr. S e y d a(Pole), der eine lange Liste von unerhörten Uebergriffen preußischer La ndräte und behördlichem TerroriSmu» aufrollte. Nach einer Erwiderung de» Unterstaatsselrekär» Holtz, der da» Vorhandensein von Mißständen in Abrede stellte, und einigen geharnischten persönlichen Bemerkungen der Genossen Liebknecht und Ströbel wurde die weitere Bcratung de» Etats des Ministeriums des Innern auf Sonnabend vertagt Preußische Polizeikultur. Die brutale Büttelpolittk der preußischen Regierung wird selbst den Rationalliberalen de» Dreiklassenhanses bedenklich. In einen, die Stimmung der Nationalliberalen widerspiegelnden Artikel, überschrieben„Im reaktionären Kielwasser' nimmt die „Kölnische Zeittmg" Stellung zu der letzten Rede des pmißischei, Ministers des Innern v. Dallwitz. DaS Organ des rheinischen Nationalliberalismus sagt: „Hinsichtlich der Wahlreform, deS Vereins- und Ver- sammlungsrechtes und der einseitigen politischen Beeinflussung der Bevölkerung durch die Land röte habe die Ver- Handlung de» Abgeordnetenhauses„sclbst den leisesten und bescheidensten liberalen Hoffnungen eine große Enttäuschung' ge- bracht. Eine so ausgesprochen reaknmäre Rede habe Herr v. Dallwitz noch nicht gehalten. Auch bei Dingen, die den größten Teil von Preußen bewegen, habe Dallwitz„eine Mischung von Scherz und Spott über die Beschwerdeführer ergchen lassen, die durchaus nicht der Bedeutung der Frage gerecht wurde". Die Ver- gewallignng der Bestimmungen des Vereins- und BersammlungS- gosetzeS habe der Minister vor aller Oeffentlichkeit entschuldigt und da- durch den dagegen gerichteten Erlassen die Spitze abgebrochen. Die vom Minister angeführte.schwierige Interpretation" des Gesetzes sei ein wohlausgellügeltes System agrarischer und konservativer Be- Hörden, um Liberalen und Sozialdemokraten die ihnen gesetzlich gewährleistete Betätigung unmöglich zu machen". Der Artikel schlieft: .Die Wahlreform setzte der Minister auf den griechischen Kalender. Man konnte aus der Rede des Herrn v. Dallwitz den Eindruck gewinnen, als ob man impreutzischen Ministerium des Innern geneigt sei. die Riederlämvfuug der Sozialdemokratie in den Vorder- grund aller Aufgaben zu stellen und nach dieser Aufgabe alle anderen zu orientieren. Das wäre eine Ersüllung konservativer Wünsche. Wir me-chts» hoffen, fy>k der Schein trügt, denn nach den Rezepten derer um Hehdebrand kann man wohl Sozialdemokraten züchten, nimmermehr aber die sozialdemokratische Bewegung aus oer Welt schaffen." Die.Köln. Ztg." vergistt nur hinzuzufügen, dost der Nationalliberalismus. und speziell jene Spielart des Nationalliberalismus, die man im preußischen Abgeordnetenhause findet, einen wesentlichen Teil der Schuld trägt, wenn im Preußen des zwanzigste» Jahrhunderts noch immer der Polizeigeist Friedrich Wilhelms I. regiert und Genies von den Qualitäten eines Dallwitz in der Regierung dieses kuriosen Kulturstaats die erste Geige spielen. Ein aufgeklärter Obskurant, Und weder Hengst noch Stute, Der sich begeistern kann zugleich Für Sophokles und die Knute. Zur Krisis in der nationalliberalen Partei bringt das in Köln erscheinende Organ des Reichsverbandes der Vereine der imtionalliberalen Jugend, die„I u n g l i b e r a l e n Blätter", einen Aufruf, der den Mitgliedern� den Ernst der Lage vor Augen führt und um Einsendung von G e l d s e n- düngen zur Stärkung des Verbandes ersucht. Es heißt in dem Aufruf: ..Ein schwerer Kampf ist uns ausgezwungen worden. Westfalen. Schleswig-Holsteiner und Magdeburger, die mit der bisherigen Politik der Partei stets unzufrieden waren und stets die Fühlung nach rechts hin unter allen Umständen auf- rechtzuerhalten wünschten, versuchen unsere Organisa» tion, den Reichsverband, ohne den die jungliberale Be- wegung nicht zu denken ist, der aber auch seit Jahren schon iest in die Organisation der Gesamtpartei eingefügt ist, auf dem Wege der Statutenänderung zu vernichten. Die Art des Vorgehens der Westfalen ist eine durchaus unfaire Machtpolitik. Der Kampf trifft uns nicht unerwartet. Schon immer haben die Westfalen gegen den Jungliberalismus und Baffermann in herausfordernder Sprache gekämpft. Und doch mutz das Vor» gehen der„Rechlfer" in der Partei gerade jetzt um so mehr ver- biitern, als wir noch die letzten, schweren Reichstagswahlen Schulter an Schulter mit der Gesamtpartei aufopferungswillig und arbcitsfreudig durchgeführt haben. Wir haben keine Mühe und auch kein von uns aufbringbares finanzielles Opfer gescheut, um dem Kandidaten und dem Programm der Partei zum Siege zu verhelfen. Es ist auch nicht so sehr unsere Organisation, als vielmehr unsere politische Haltung, die die Herren aus Westfalen, Schles- wig-Holstein und Magdeburg bekämpfen. Die Politik der letzten Parteitage soll aufhören; der Jungliberalismus und Bassermann sollen aus der Partei herausgedrängt werden. Die nationalliberale Partei soll nach rein gouvernemen- talen Rücksichten geführt werden. Darum kämpft man gegen uns Jungliberale, darum sucht man jetzt unserer Or- gaaifation den GarauS z u rnachenl Ten uns aufgezwungenen Kampf nehmen wir auf! Zu seiner Durchführung bedürfen wir aber, da wir jetzt auch keine Parieiunterstützung erhalten, der opferbereiten Hilfe aller derer. die sich bisher mit Stolz und Freude Jungliberale genannt haben. In dieser ernsten Stunde darf keiner, der sich äußerlich oder innerlich zu uns rechnet, versagen! Jeder g'be uns zur Durch- führung der notwendigen Abwehr einen Beitrag nach seinen Kräften! Keiner darf fehlen! Es handelt sich um die Zukunft der nationalliberalen Partei und unserer Bewegung. Die gleiche Rummer der.Jungliberalen Blätter" enthäl: einen Artikel, der gegen Auslassungen eines Mitgliedes des Zen- tralvorstandeS der nationalliberalen Partei, Dr. v. B r ö ck e r. Hamburg, die im„Elbwart" erschienen sind, polemisiert. Von den rechtsstehenden Elementen in der nationalliberalen Partei sei die Forderung auf Auflösung der jungliberalen Ver- eine damit begründet worden, daß ein« einheitliche Parteiorgani- saiion notwendig sei; der Auflösungsantrag richte sich, so werde behauptet, nicht gegen die Tendenz des jungliberalen Verbandes. Indern entspringe rein organisatorischen Erwägungen. S)er Artikel des Zentralvorstandsmitgliedes Dr. v. B r ö ck e r strafe aber diese Begründung Lügen, denn Bröcker gestehe offen die politischen Absichien des Auflösungsantrages zu: »Jetzt wissen wir wenigstens, wohin der Weg geht und welche bobe politisck� Bedeutung die Anträge der Westfalen, lLchleswig- Holsteiner. Hamburger, Magdeburger und Hessen befitzen. Alle diese NaHonalliberalcn betrachten den Reichsverband nicht als Organisation der Jugend, ihre Anträge haben also niemals einen organisatorischen Charakter, sondern sie betrachten oen Reichsverband als den organisatorischen linken Flügel der Partei, der mächtiger ist als sie, auf dessen Seite auch Bassermann steht, und um diesen Flügel zu vernichten, stellt man den Antrag, den Reichsverband der natio- nalliberalen Jugend aufzulösen. Geschieht das nicht, bildet man den rechten Flügel organisatorisch auS, und was dann kommt— das mutz sich einmal Herr Basscrmann, als der Führer der Partei, sorgsam überlegen. Man unter- schiebt dem junglibcrlaen Re>chsberband etwas ganz anderes, alS sein Wesen ausmacht, nämlich daß er der linke Flügel sei, so hat man dann erst überhaupt eine Rechtfertigung für den Antrag der Organisation der Altliberalen,— und das ist wohl die Hauptsache und der erwünschte Haupterfolg der„Rechtser". Wir müssen gestehen, offener, rücksichtsloser und klarer konnte der Feldzugsplan der Westfalen und Genossen nicht ausgedeckt werden. Wir sind neugierig, was die..Westfälischen Politischen Nachrichten" und die sonstigen Vertreter unserer Gegner zu diesen Ausführungen sagen werden. Ob nun wirk- lich die„Westfälischen Politischen Nachrichten" noch den Mut flnden, zu behaupten, die Anträge gegen den Reichsverband ent» behrten jeden politischen Charakters, seien nur rein organisa- torischer Natur??!" Für das gleiche„liberale Band", das die„Jungen" und „Alten" in der nationalliberalen Partei umschlingt, sind diese Aeußerungen recht charakteristisch. Scho« eine« Schritt zurück? Die„Germania" hat gestern sehr energisch und mit vollem Ktccht den Rücktritt des Kriegs Ministers gefordert. Und in bsi Tat kann eine Partei mit einem Minister, von dem sie aus den stichhaltigsten Gründen erklärt hat, daß er sich außerhalb der Gesetze gestellt hat, unmöglich weiterarbeiten. DaS Zentrum vertritt ja die Ansicht, daß ein Minister, der sich mit den Anschauungen der Majorität der Volksvertretung im Widerspruch befindet, demissionieren mutz. sti auch nicht erst seil gestern. ES Hut ja im b a h e r i s ch e n Landtag nach denselben Grundsätzen gehandelt. Immerhin bedeutet solche Anschauung natürlich eine starke Annäherung an das p«ill a m-e n t erschrockene Vertreterin aufzuspielen. Aber auch im Vatikan kann es nur guten Eindruck machen, ivenn das Zentrum sich als Kämpferin für die katholische Anschauung in den Duell- fragen zeigt. So schlägt das Zentrum zwei Fliegen mit einer Klappe, bewährt sich gegenüber den Anschuldigungen der Osterdienstagleute als Hort des Katholizismus und spielt bei seinen Wählern das alte demagogische Spiel der von der Re- gierung unabhängigen Partei, während eS in der Tat die mächtig st e Stütze des herrschenden reaktiv- nären Systems ist._ Der brannschweigische Landtag hat die an sich schon so jämmerliche Wahlrefornrvorlag« der Re- gierung in erster Lesung noch erheblich verschlechtert. Er hat den Antrag der Wahlrechtskommission angenommen, nach dem der zu wählende Abgeordnete im Wahlbezirk ansässig sein und mindestens ein Jahr darin gewohnt haben muß. Auch die Aufteilung der dritten Klasse durch eine Zusatzstimme für Wähler, die mehr als 20 M. direkt« StaatSsteuer zahlen, ist mit erheblicher Mehrheit an- genommen worden. Damit ist die Wahl. reform" für die Arbeiter- fchaft völlig wertlos geworden. Es ist so gut wie gar nichts von einer Reform übrig geblieben._ Staatliche Gesinnungsschnüffelei. Nach Itjähriger Beschäftigung wurde kürzlich bei der.Halber- siädter Eisenbabnwerkstätte der Arbeiter Sch. plötzlich entlassen. Auf seinem Entlassungsschein wurde ihm ausdrücklich bestätigt, datz er sich gut g e s ü h r t hälte untz« feine Leistungen sehr gute gewesen seien. Der Grund der Entlassung war, daß Sch. am Abend des Stichwahltages zur Reichstagswahl an der sozialdemokratischen Versammlung tcilgenammcn hatte, in der das Wahlresultat ver- kündet wurde. Er war in die Versammlung gekommen, weil die bürgerliche Versammlung, in der das Resultat bekanntgegeben tverden sollte, überfüllt war. Ein Spitzel denunzierte den Eisen- bahner, der daraufhin einem hochnotpeinlichen Verhör unterzogen wurde. Er war geständig und der„Fall" wurde nun der Eisen- babitdirektion in Magdeburg unterbreitet. Diese hielt eine noch- malige Vernehmung des Uebeltäters für nötig und wollte von ihm wissen, welchem Verbände er angehöre und für welche Partei er bei der letzten StadtUwordnetenwahl gewählt habe. Der Verband — es war der Trierer Verband— war einwandfrei, aber die Be- antwortung der anderen Frage verweigerte der Mann. Infolge- dessen wurde seine Entlassung verfugt. Nachdem sein Verband erklärt hatte, datz sich in seiner Sache „nichts machen" lasse, wandte er sich an den Minister der öfsent- lichen Arbeiten. In dessen Austrage wurde ihm von der Eisenbahn- dircktion Magdeburg der Bescheid, daß trotz nochmaliger Prüfung die Entlassung nicht zurückgenommen werden könnte, die erfolgt sei, weil er an jener Versammlung teilgenommen und dadurch seine Anhängerschaft zur sozial- demokratischen Partei bekundet habe. Man sieht, es wird viel Lärm um einen Eierkuchen gemacht; aber ist es nicht beschämend, datz gegen einen„freien Staatsbürger" ein solch hochnotpeinliches Verfahren um eines derart geringfügigen Vorkommnisses willen eingeleitet wird? Der Seniorcnkonvent des Reichstages traf am Freitag für die nächste Zeit einige geschäftliche Dispositionen. Der Etat der RcichSeiscnbahnen, der auf der Tagesordnung steht, wird noch einige Tage in Anspruch nehmen. Dann soll der Kolonial- etat in dritter Lesung zur Beratung gestellt werden. Darauf wird der Abschnitt der Geschäftsordnung, der von der GeschästsordmingS- kommisfion bereits fertiggestellt ist, zur Beratung kommen. Die weiteren Dispositionen hängen davon ab. wie die Arbeiten der Budgetkommission fortschreiten. Voraussichtlich werden dann zunächst die Etat« deS Reichskanzleramts und des Auswärtigen Amts in Angriff genommen werden._ Das Darlehen der„Lippeschen Landeszeitung". Zu der Notiz..Von der bürgerlichen Presse" in der letzten Tienstagnummcr des„Vorwärts", in der mitgeteilt wurde, datz während des lippischen Thronstreites die liberale ..Lippische LandeSzeitung" von dem Grafregenten fdem Vater des jetzigen Fürsten) ein Darlehen von 60 000 M. erhalten hat, schreibt uns Herr Dr. Neumann- Hofer, der jetzige Besitzer der „Lippischen LandeSzeitung": „1. Das Darlehen seitens des verstorbenen Grafregenten Ernst zur Lippe ist nicht etwa, wie aus der Notiz leicht geschlossen werden könnte, mir, dem jetzigen Besitzer der„Lippischen LandeSzeitung", gegeben worden, sondern dem�Vor-Vorbesitzer meiner Zeitung. 2. Das halbe Dutzend Straftaten, das mir von dem An- geklagten zwecks Führung des„Wahrheitsbeweises" vorgeivorfen wurde und das den polnischen Gegnern teils von entlassenen An- gestellten, teils von ehemaligen Dienstmädchen angeblich hinterbracht worden ist, hat vor Gericht keinerlei Bestätigung erfahren. Das Ilrteil stesst vielmehr ausdrücklich fest, daß nicht eine einzige der behaupteten Straftaten erwiesen ist, weder in subjektiv« noch in objektiver Hinsicht. 3. Wenn das Gericht sodann zu der verhältnismäßig milden Strafe von I2S M. für eine Lersammlungsäutzerung und einen Zeitungsartikel gekommen ist, so hat es das einerseits damit be- gründet, daß der Angeklagte diese positiven Beschuldigungen erst in der Gerichtsverhandlung vorgebracht bat, um die angebliche Berechtigung seiner Aeußerungen zu beweisen, nicht aber in den allein unter Anklage stehenden mündlichen und schriftlichen Be- merkungen, so datz für das Urteil nur die einfache Beleidigung nach ß 180 in Frage kommen könne; und andererseits damit, datz dem Avgcklagien angesichts seiner vor Gericht klar zutage getretenen geringen Urteilsfähigkeit geglaubt werden müsse, daß er an die Richtigkeit der ihm hinterbrachten falschen Beschuldigungen ge- glaubt habe. Hochachtungsvoll und ergebcnst A. Neu mann». Hofer, M. d. R." Die Wirren in Mrokko. Uneinigkeit zwischen Militär- und Zidiwerwaltung. Paris, 26. April. Der„Figaro" meldet gerüchtweise, datz zwischen dem Gesandten Regnault und dem Genera! Moinier Qnlätzlich der Durchführung des in Fez proklamierten Belagerungszustandes M i tz- Helligkeiten entstanden seien. Regnault habe gegen verschiedene von Moinier angeordnete Maßnahmen Bedenken diplomatischer Natur und insbesondere die Notwendigkeit von Rücksichten auf die Autorität des Sultans geltend gemacht. Marokka im Ministerrat. Paris, 26. April. Bezüglich der Meldung, daß der morgige Ministerrat sich mit der Ernennung des Generalresidenten in Marokko und mit den ihm zustehenden Befugnissen beschästigen werde, wird in an- scheinend offziösen Mitteilungen darauf hingewiesen, datz der von Mulay Hafid unterzeichnete Protektoratsvertrag noch der verfassungsmäßig notwendigen Genehmigung durch das französische Parlament bedürfe, und datz deshalb eine end- gültige Ernennung noch nicht erfolgen könne. Es heitzt, die Regierung werde vorläufig einen Residenten oder einen Koni- missar nach Fez entsenden, dessen Machtbefugnisse später eine entsprechende Erweiterung erfahren könnten. Tie Situation in Fez. Fez, 26. April. Zwölfhundert Askaris haben ihre Waffen und Munition abgegeben. Die Stadt ist in ver- schiedene Bezirke eingeteilt worden, deren jeder seinen ver- antwortlichen Leiter hat. Die Haussuchungen werden fort- gesetzt. Der Fez-Flutz führt eine Menge Gegenstände, die von der Plünderung herrühren und die die Plünderer aus Angst vor Entdeckung weggeworfen haben. Der Sultan, der für säin Leben fürchtete, hat sich wieder beruhigt. Verstärkungen treffen noch dauernd ein. General Moinier beabsichtigt, nach Sefru zu marschieren, wenn in Fez die Ruhe wieder voll- kommen hergestellt ist. Paris, 25. April. Aus Fez wird von dem Sonder- berichterstatter der Agence Havas gemeldet: Die Aussagen der festgenommenen Meuterer bestätigen, datz ein Teil der Be- völkerung mit den Aufrührern im vollen Einverständnis war. Einer der Mörder des Unterintendanten Lory gestand, datz er und seine Helfershelfer in das Haus auf Anstiften von Wei- bern eingedrungen seien. Das Judenviertel siebt aus, als ob es von einem Erdbeben heimgesucht worden wäre. Massendesertion französisch-marokkauischer Truppen. Tanger, 26. April. Ein scherifischer Tabor in der Stärke von 17 5 Mann, der unter der Führung des Hauptmanns Vary steht, desertierte aus dem Lager von Ar- baua mit Waffen, Gepäck und Pferden. Die Deserteure sollen nach Norden abgezogen sein. Elksar, 26. April. Die Desertion der scherifischen Ka- vallerie, deren Haltung seit einigen Tagen verdächtig war. aus dem Lager von Arbaua, bestätigt sich. Nach Aussagen von Eingeborenen soll die Infanterie treu geblieben sein. Elksar, 26. April. Hauptmann Vary meldet am 24. April um Mitternacht, datz noch die ganze Infanterie im Lager sei, sich aber eine lebhafte Unruhe bemerkbar mache. Die Instrukteure und K a i d s seien in das Zelt des Hauptmanns geflohen, und es seien schon mehrere Gewehr- schüsse gefallen, ohne indessen jemand zu verletzen. Feindselige Haltung der Stämme. Aus M c k i n e z kommt die Nachricht, datz die Araber- st ä m m c in dieser Gegend äußerst erregt sind. Mehrere Scharmützel mit französischen Truppen haben bereits stattgefunden. Geswrn nachmittag ist bei einem solchen Gefecht ein französischer Schütze getötet worden» während zwei andere schwer verletzt wurden. Der Stamm der B e n i M' t i r zeigt ebenfalls eine feindliche Haltung. Eine große Harka dieses Stammes ist bei Khenifra zusammengezogen worden. Oertemicb. Wiener Gemeind ewahlftatistik. Der vierte Mahlkörper, in dem auch die privilegierten Wähl« der oberen drei Wählerklassen mitsttmmen, während die Zahl der Arbeitcrwähler durch das Erfordernis der dreijährigen Seßhaftigkeit und die Riesensihwindeleien der Wahlmoöher dezimiert wird, ging 190 zum erstenmal zur Wahl. Damals hatte er 239 404 Wahl- berechtigte, 1906 339117 und 1912 371 998. Die Wahlbeteiligung betrug 1906 60,2 Proz., 1912 79,3 Proz.— obgleich für die Ge, meindewahlen die Wahlpflicht, wie sie für Landtags- und Reichs- ratswahlen in Niederöstcrreich eingeführt ist, nicht besteht. ES erhielten am 24. d. M. die Christlichfazialen 120 917 Stimmen ii906; 113 942, 1900: 81 549), die deutschen Sozialdemokraten jetzt 118 526(1906: 98112, 1900: 56 909!!), die Deutschsreiswnigen er- hielten 23 620(früher an den Wahlen der vierten Wahlkörper nicht selbständig beteiligt), di» Deutschnationalen 5805, die tschechisch» bürgerlichen Zähl- und tschechoslawlsch-„sozialdemokratischen" Zcr- splitterungSkandidaten erlangten 12 621 Stimmen— der Rest waren zersplitterte und ungültige Stimmen; nicht weniger als 15 060, worunter sich« tausende bctrügerislher UngültigkeitS- erklärungcn wegen„ungenügender oder ungenauer" Bezeichnung sozialdemokratischer Kandidaten. Bezieht man die Parteiziffern auf die Zahl d« Wahl- berechtigten, so ergibt sich, datz wir 1900 erst 24,82, 1906 schon 27,32 und 1912 31,89 vom Hundert aller abzugebenden Stimmen erhielten: bezogen auf die wirklich abgegebenen Stimmen beträgt unser Anteil 1900: 41.95 Proz., 1906: 46,86 Proz., 1912: 41,74 Proz. Hierbei ist die starke Wahlbeteiligung und das Ein- greisen des nichiklerikalen Bürgertums und der Separatisten in den Mahlkampf von 191Z wohl zu bericksichtigen. TTanRrCiCD* Zur Maifeier. Paris, 26. April. Der Syndikatsverband des Seine- departements hat an die Arbeiter die Aufforderung gerichtet, den t. Mai auch dadurch zu feiern, daß sie an diesem Tage ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Der Tag möge dazu benutzt werden, in die Gemüter der Kinder die Lehren des Syndikalismus einzupflanzen. ßewerhfcbaftUcbes. Die ekelige Lohnfrage. Die Handelskammer Berlin gehört gewiß zu den Unter- nehmerkorporationen, die in ihren Publikationen mit Bezug auf die Arbeiterfragen das größte Maß von Objektivität auf- bringen, trotzdem ist auch bei ihr das Urteil getrübt, wenn das Kapitel Lohnbewegungen zur Diskussion steht. Das be- weist sie in ihrem Bericht für das Jahr 1911. Die Entwicke- lung an der Fondsbörse läßt sie in der Gefühle Hochgenuß schwelgen, aber bei der Besprechung der Verhältnisse in den einzelnen Gewerben erpressen ihr die Lohnbewegungen bittere Tränen. Zu dem Abschnitt„Eisengießerei" bemerkt sie z. B.: „Der Streik der Former, der Ansang Oktober ausbrach und zwei Monate andauerte, brachte dem Geschäft eine empfindliche Störung, deren Einwirkung über das Berichtsjahr hinausgeht, da während der Zeit des Streiks eine große Zahl von Modellen in die Provinz gingen und zu befürchten steht, daß die Kundschaft sich nicht ohne weiteres wieder zu den Berliner Gießereien zurück- finden wird." Die Situation für die Eisenkonstruktionsbetriebe wird also beleuchtet: .Die schwerste Schädigung erwuchs dem Geschäft durch Be>- wegungen auf dem Arbeitsmarkte. Im Mai traten die Arbeiter fast aller Konstruktionswerkstättev— es handelte sich um etwa 2000 Mann— in den Ausstand... Während des Streiks ergab sich naturgemäß eine starke Ar- beitsfiauung, die nach Beendigung des Streiks zur Anwendung von lleberstunden, Nachtschichten usw. führte und so das Bild einer Hochkonjunktur vortäuschte. Inzwischen waren aber zahl- reiche Aufträge den Berliner Fabriken verloren gegangen, da sie die Dauer des Streiks nicht hatten voraussehen können und des. halb nicht imstande gewesen waren, die vorgeschriebenen Liefer» fristen zu gewährleisten." Und dann liest man über die Lage für den allgemeinen Mafchlnenbau folgendes: „lieb« den allgemeinen Maschinenbau ist, wie im Vorjahre, mchtS Günstiges zu berichten. Die Beschäftigung war im Jnlande keine ausreichende und das Auslandsgeschäft wird immer schwieriger... Im übrigen stand das Berichtsjahr im Zeichen von Lohn» bewegungen. Die Forderungen der Arbeiter, die von den Arbeitgebern nicht gewährt wurden, führten schließlich in Groß. Berlin zu einem Streik der Former, der am 7. Oktober d. I. einsetzte. Bald nachher legten auch die Dreher und Fräser die Arbeit nieder, und es spitzte sich die Situation so zu, daß durch den Mangel an Guß und die Weigerung der Arbeiter, fremden Guß zu bearbeiten, die im Verbände Berliner Metallinduftrieller vereinigten industriellen Firmen sich veranlaßt sahen, zur Unter» stützung der vom Streik betroffenen Mitglieder ihres Verbandes eine Aussperrung von 00 Proz. ihrer gesamten Arbeiterschaft vorzunehmen. Die Aussperrung erfolgte am 30. November. Die Arbeit wurde aber bald wieder aufgenommen." Wer das liest, unterliegt natürlich dem Eindruck, die »bösen" Lohnbewegungen und Streiks hätten den Unter» nehmern das Geschäft verdorben. Das Kapitel„Fonds- dörse". das den Jahresbericht einleitet, erlaubt aber, in das Meer ungetrübter Freude hinein zu segeln. Hier vernimmt man nämlich diesen Hymnus: „Die Maschinenindustrie war infolg« der allgemeinen gün- stigen wirtschaftlichen Lage sowohl für das Inland wie für das Ausland stark beschäftigt. Durch die Erhöhung der Umsätze konn» ten trotz niedriger Verkaufspreise befriedigende, zum Teil außer. ordentlich gute Gewinne erzielt werden. Insbesondere war dies der Fall für Fabriken von Spezialartikeln. Als hervor- ragendes Beispiel sind die Aktien der Voigtländischen Maschinen- fabriken zu nennen, die mit einer Kurssteigerung von 123 Proz. und einem Bezugsrechte von SO Proz. an der Spitze der Hausse- bewegung standen..." Da wohnen Wohl zwei Seelen in der einen Brust? Der Börsianer bekommt vorn seinen Leckerbissen, hinten dagegen wird den Industriellen Semütsfutter gereicht. Etwas, wenn auch versteckte Hätz gegen die Arbeiterbewegung, soll die Stim- mung in jenen Kreisen Rechnung tragen. Dies Beispiel zeigt, mit welcher Skepsis Urteile der Unternehmer über die Ar- beiterbewegungen betrachtet werden müssen. Außerordentlich gute Gewinne— und dann aussperren! Besser kann die verwerfliche Unternehmerpraxis gar nicht beleuchtet werden, als durch Feststellungen der Handelskammer in dem Stim- mungsbericht über die Fondsbörse. Es ist ein nettes Beispiel für die Fadenscheinigkeit der von den Unternehmern ins Feld geführten Aussperrungsgründe. Berlin un dl Vlmgtgtnd. tUfttung, Vertrauensleute de» Metallarbeiterverbaude«: Da der erste Mittwoch im Mai auf den 1. Mai fällt, finden die DezirlSkonferen-zen am 2. Mai statt. Die Ortsverwaltung. Tarifvurchbrechungen i« den Geschäftsbuchbindereien. Eine Branchenversammlung der GeschäftSbuchbindereiarbeiter und-Arbeiterinnen, die am Donnerstag in den Musikersälen tagte, hatte sich mit der Frage zu befassen, wie der Tarifvertrag inne- gehalten wird. Der Branchenlciter Klar betonte gleich im An- fang seines Referats, daß mancherlei Verstöße gegen die Tarifbe- stimmungen vorkommen, so daß es der ganzen Wachsamkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen sowie ihrer Vertreter bedarf, um den Tarif in seinem ganzen Umfange zur Geltung zu bringen. Wie zahlreich die Tarifdifferenzen sind, geht sckwn daraus hervor, daß die Branchenleitung im verflossenen Vierteljahr drei Sitzungen ab- halten mußte, die Werkstubendcrtraucnsleute viermal zusammen- traten, daß 23 Werkstubensitzungen, 11 Verhandlungen und 5 Sitzun- tzcn des Schlichtungsausschusscs notwendig wurden, um die Klagen über Tarifverstöße der Unternehmer zu erledigen. Daß die Unter- nehmer die Schuldigen waren, ist in verschiedenen Fällen durch Eni- scheidungen des Schlichtungsausschusses festgestellt. So wurde eine Firma verurteilt, Lohnnachzahlungen in der Höhe von 104 M. an ihr Personal zu leisten, eine andere zur Nachzahlung von 103 M., und diese Firma mußte dem Personal überdies noch 1300 M. nachzahlen, so daß hier allein die Summe über 1400 M. beträgt. Zu einer Entscheidung von prinzipieller Bedeutung kam es im Schlich- tungsausschuß infolge einer Klage gegen die Fwma Faßbender, die die Fahrscheinblocks für die Straßenbahn- und Omnibusgescll- schasten herstellt, und die eigentlich nicht zur Geschäftsbuchbranchc gehört, wohl aber demselben Schlichtungsausschuß unterstellt ist. Diese Firma glaubte sich dadurch, daß sie meist ungelernte Arbeiter beschäftigte, dem Tarif entziehen zu können. Aber die ungelernten Arbeiter bekamen auch Kenntnis davon, daß der Tarif besteht, und verlangten vor allem statt der 57stündigen, die tarifmäßige S3stün- dige Arbeitszeit sowie Nachzablung des Lohnes für die vier Stun- den pro Woche, die sie bis dahin zu lange gearbeitet hatten, und als ihre Forderung nickt bewilligt wurde, traten sie in den Streik. Der Schlicktungsausschuß kam dann hinsichllich der Frage, ob der Tärif auch für ungelernte Arbeiter gilt, zu der Entscheidung, daß solche Arbeiter, wenn sie erst in den Berus eintreten, g Monate lang nach freier Vereinbarung entlohnt werden können, daß aber dann auch für sie der Tarif für ungelernte Arbeiter gilt. Im übrigen aber erhielten die Kläger nur die Hälfte zu wenig bezahlten Lohnes zugebilligt, womit die Schlichtuggskomuiission zum Ausdruck bringen wollte, daß dem Arbeitnehmer eine gewisse Strafe dafür auferlegt werden müsse, daß er sich die tariftvidrigcn Ver- Hältnisse so lange Zeit gefallen ließ. Die Entscheidung wurde am 29. März gefällt, und seitdem hat die Firma wohl die Arbeitszeit Verant»» Bedakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.� eingehalten, aber sie läßt merkwürdigerweise Tag für Tag eine Ueberstunde machen und wollte den Zuschlag für Ueberzeitarbeit nur an ihre zwei gelernten Buchbinder und an die zwei Buchbinde- reiarbeiterinnen zahlen, aber nicht an die 10 ungelernten Arbeiter. Da hat nun der SchlichtungSausschuß entschieden, daß für die Hilfs- arbeiter bei dieser Firma erst mit dem 29. März tarifliche Ver- Hältnisse eingetreten sind und somit auch erst von diesem Datum ab für die Hilfsarbeiter die Zuschläge für Ueberzeitarbeit gelten. Diese Auffassung des Schlichtungsausschusses ist, wie der Redner bemerkte, nicht recht zu verstehen, denn es ist für andere Buch- druckereibetriebe ganz selbstverständlich, daß der Buchbindertarif für das gesamt« Personal der Buchbindereiabteilung gilt. Besonders merkwürdig ist es, daß auch die Firma A s h e l m unter denen ist, die erst durch den Schlichtungsausschutz zur Jnnehaltung des Tarifs gezwungen werden müssen. Herr Ashelm ist Vorsitzender des Ver- bandes der Buchbindereibesitzer-für das Geschäftsbuchsach, und man müßte eigentlich erivarten, daß seine Firma sich durch Tariftreue Heyvortun würde. Aber das ist keineswegs der Fall. Diese Firma hat vor kurzem den Obmann des Arbeiterausschusses gemaßregelt. weil er für die strikte Durchführung des Tarifvertrages eingetreten war. Der Gemaßregelte reichte eine Klage gegen die Firma ein, und der SchlichtungSauSschutz kam dann auch«i der Ueberzeugung, daß hier eine Maßregelung vorliege und verurteilte die Firma, ihm für 14 Tage Lohn nachzuzahlen. Nun ist das Sonderbare einge- treten, daß Herr Ashelm das Urteil des Schlichtungsausschusscs, das als endgültig zu betrachten ist, nicht anerkennen will und ein- fach erklärt, er weigere sich die 14 Tage zu zahlen. Der Vorsitzende der Arbeitgeber der Branche muß also offenbar erst durch die Tarif- bchörde erst noch gezwungen werden, seinen Verpflichtungen nach- zukommen. Infolge dieser Klage gegen Ashelm hat die Schlich- tungskommission es für zweckmäßig erachtet, nach dem Muster des Buchdruckertarifes bestimmte Regeln aufzustellen, die den Ver- trauenspersonen in den Werkstätten einen gewissen Schutz vor Matz- regelungen bieten sollen. Auck damit ist Herr Ashelm nicht ein- verstanden; er behauptet, der SchlichtungSausschuß habe hier seine Kompetenz überschritten, und er hat deswegen Protest dagegen eingereicht. Außerdem herrscht, wie der Redner weiter berichtete, bei der Firma Ashelm die Gewohnheit, daß wenn eine Arbeiterin ein Jahr lang im Betriebe für den Lohn der ungeübten Arbeiterin- nen tätig war und sie nun den höheren Lohn für geübte Arbeiterin- neu verlangt, der Meister ihr antwortet: Ja. aber Sie verdienen uns das noch nicht, Sie leisten nicht genug, wir können Ihnen den Lohn noch nicht zahlen, und wenn Sie das nicht einsehen, müssen Sie eben aufhören. Auch diese Versuche zur Umgehung des Tarifs werden demnächst im Schlichtungsausschuß zur Sprache gebracht werden. Uebrigens.sind hier in nächster Zeit noch verschiedene Kla- gen zu erledigen» und auch die Firma Ashelm wird in verschiedener Hinsicht dabei beteiligt sein. Sie beschäftigt z. B. auch einen im Berufe ungelernten Arbeiter, einen Bäcker, an einer neuen Be» schneidemaschine für den Lohn von 45 Pf. die Stunde, ein Ver- fahren, das ebenfalls mit dem Tarif durchaus nicht in Einklang zu bringen ist. Der Redner forderte die Versammelten zum Schluß auf, alle Tarifverstöße, die auf anderem Wege nicht auS der Welt zu schaffen sind, sofort zu melden, damit die betreffenden Arbeitgeber durch den SchlichtungSausschuß über die Pflichten be- lehrt werden, die sie durch Anerkennung des Tarifvertrags auf sich genommen haben. Die Diskussion ergab, daß im Sinne des Referenten mit gan- zer Kraft für die strikte Durchführung des Tarifvertrages gesorgt werden soll. Namentlich aber wurde das Verhalten der Firma Ashelm scharf verurteilt und von mehreren Rednern wurde noch weiter darauf hingewiesen, daß dort Verhältnisse herrschen, die mit dem Tarifvertrag durchaus nicht in Einklang zu bringen sind und baldigst beseitigt werden müssen. Achtung, Glasarbeiter! Heber die Firma Jsoka- Gesellschaft für Kalt- und Warm-Jsölierung Schjesifche Str. 20. wird die Sperre verhängt. Es ist ein Kommissionsmitglied ohne Grund gemaßregelt worden und stellt sich die Direktion auf den Standpunkt, keine wei- tcren Kommissionsmitglieder mehr zu empfangen, obwohl dieses von der Direktion zugesichert war. Ortsberwaltung Berlin, Zentralverband der Glasarbeiter. Deutsches Reich. Achtung, Kupferschmiede! In Frankfurt a. O. befinden sich die Kupferschmiede im Streik. Die Unternehmer haben im Gegen- satz zu den Unternehmern anderer Orte jede Verhandlung abgelehnt und suchen in bürgerlichen Blättern Kupferschmiede und Heizungs- Monteure als Arbeitswillige. Der Ausstand in der Wagganfabrik zu Görlitz dauert unverän- dert fort. Das möge an allen Orten beachtet werden. Plakate, wie sie in Cottbus und Dresden auf den„Herbergen zur Heimat" zu finden waren, und die besagen, daß der Streik in der Waggonfabrik in Görlitz beendet sei und einem Zuzug nichts mehr im Wege stehe, sind unrichtig. Sie haben nur den Zweck, die reisenden Arbeiter irrezuführen und zum Streikbrecher an den 1200 Ausständigen, die meist Familienväter sind, werden zu lassen. Der Streik ist noch nicht beendet und es wird ersucht, jeden Zuzug von gelernten und ungelernten Arbeitern nach Görlitz strengstens fernzuhalten._ Vom Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit in der Metaliindustrie Haanovers. In der EisenkonstruktlonSwerkstatt von W. Dietrich ist Anfang dieser Woche die Arbeit ebenfalls eingestellt worden, weil die Firma keine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit und keine gc» nügende Lohnerhöhung zugestehen durfte. Für den Betrieb kommen rund 80 Personen in Frage. Die Zahl der Streikenden betrug am 20. April insgesamt rund 750 Personen, Eine Verständigung ist im Laufe der Woche in der Telephonfabrik vorm. I. Berliner, Akt.-Gcs., in Hannover, dadurch möglich geworden, daß die wöchent» liche Arbeitszeit auf 55!4 Stunden bestehen bleibt und die Stunden» löhne für alle Arbeiter um 2!4 Pf. erhöht werde». Die Arbeiter erklären sich damit einverstanden. Ob damit der Betrieb von der Aussperrung verschont wird, hängt von dem Verhalten oer Leitung des Metallindustriellenvereins ab.— Die Firma Körting in Kör- tingsdorf bei Hannover hat sich eine gelbe Leibgarde gebildet, die seit etwa 2 Jahren gezüchtet und gehütet wird. Die Firma benutzt nun diese Sumpfpslanze, um ihre Arbeiter zur Annahme des Metallindustriellen-BeschlusseS zu verleiten. Sie hatte folgende Bekanntmachung als Anschlag erlassen: „Der Vorstand des Kortingsdorfer Arbeitervereins hat den Wunsch geäußert, die Arbeitszeit zu verkürzen mit einer ent- sprechenden Lohnzulage für oie Unkosrcnarbeiter und diejenigen Arbeiter, die dauernd in Stundenlohn arbeiten. Wir machen bekannt, daß wir bereit sind, dem Wunsche des Körtingsdorser Arbeitervereins zu entsprechen und vom 1. Mai d. I. an die Arbeitszeit auf wöchentlich 57 Stunden zu reduzieren in der Weise, daß die bisherige Arbeitszeit bestehen bleibt mit Aus- nähme des Sonnabends, an welchem Tage die Verkürzung um 2«stunden eintritt. Es soll künftighin Sonnabends von 0 bis 8 Uhr und von M9 bis%2 Uhr durchgearbeitet werden; von 142 Uhr ab ruht der Betrieb. Da wir die Fabrikordnung dem- entsprechend ändern müssen, ersuchen wir diejenigen Arbeiter, welche mit einer Verkürzung der Arbeitszeit nicht einverstanden sind, sich in ein beim Portier aufliegendes Buch einzutragen." Die Arbeiter haben in ihrer großen Mehrzahl, ohne irgend- welche Beschlüsse in Versammlungen gesaßt zu haben, gegen die Absicht oer Firma protestiert Es wird sehr wenig Arbeiter geben, die der Firma glauben, daß ihr Vorschlag auf Wunsch des gelben Vereins gemacht worden ist, vielmehr nimmt jeder an, daß der gelbe Berein dem Wunsche der Firma nachkommt und sich dazu benutzen läßt, die Interessen der Arbeiter zu bekämpfen. Mit der gelben Tätigkeit werden den ehrlichen Arbeitern wohl Schwierigkeiten bereitet, aber ihre Zwecke erreichen die Unter- nehmer damit nicht.— Die Arbeiter in allen Betrieben sind durch das rücksichtslose, verletzende Verhalten der Unternehmcrorgani- sation sehr erregt. Sie warten trotzdem ab, ob die Unternehmer Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstalt rechtzeitig das richtige Wort finden werden, womit die vorhandene Spannung im Interesse der gesamten Metallindustrie beseitigt werden kann. � m In der Presse Hannovers erschien eine Notiz, die be,agt. daß die Metallindmtriellen gewillt seien, eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit eintreten zu lassen. Tatsache ist, oaß die Unternehmer ihren Arbeiterkommissionen erklärt haben, daß sie lettre Verkürzung der täglichen Arbeitszeit eintreten lassen wollen, bürgerliche Presse ist also falsch unterrichtet. Streik und Aussperruug in der Stockiudustrie zu Kaffel. Etiva 70 Polierer der Stockfachrik von Ludw. R o ch o l I zu Kassel-Bettenhausen hatten kürzlich erneut die Beseitigung des Systems der Materiallieferung durch die Firma aus Kosten der Arbeiter verlangt, da es die Möglichkeit eines zeitgemagen Ver» dienstes, selbst bei angestrengtester Arbeit, fast unmöglich machen mußte. Die Firma weigerte sich, dem Verlangen zu caitsprecheii, lehnte auch die Gewährung einer Lohnaufbesserung auf anderem Wege ab. Um ihren Foroeruiigen Nachdruck zu verleihen, legten die Polierer und Poliererinnen einmütig die Arbeit nieder. 2.a- raufhin entließ die Firma lsie betreibt die größte stabrik Isteicr Branche) auch das übrige Personal, etwa 400 Personen. Man rechnet auf arbeitswillige Elemente, verrechnete stch aber, denn die Arbeiter standen fest zur Organisation. Nun ruht der Betrieb seit einer Woche. Dem Unternehmer scheint aber doch an der Äusnützung der Saison zu liegen, denn er hat jetzt mehrere Agenten auf die Suche nack Arbeitswilligen entsandt. Sogar e,ne Kon» kurrenzfirma am Platze. Inhaber Wild, beteiligt sich an. oer Streikbrecherwerbung. Nehme kein Arbeiter der Stockbranche Ar- beit nach Kassel an!_ Die Streiks der Dachdecker in Königsberg(Pr.) und in S t r a l s u n d sind mit vollem Erfolg für die Arbeiter beendet. In Königsberg i. Pr. ist während der Zeit der dreijährigen Tarifdauer eine Lohnerhöhung von 12— 15 Pf. pro Stunde für den einzelnen Arbeiter zu verzeichnen, außerdem ist bei auswärtigen Arbeiten eine Regelung der Zulagen, die bis jetzt im freieii Ermen en des einzelnen Unternehmers lag, erfolgt.. In Stralsund wurden mit den Firmen Zapfe Nachf.(Jnh. E. Vierkant) und mit Lindenberg Tarife abgeschlossen.— Im iluS» stand befinden sich noch die Dachdecker und Hilfsarbeiter in Stolp in Pommern und in. Liegnitz. Ersucht wird, nach die« cm Orten den Zuzug fernzuhalten.__ letzte fJach richten. Reicbstagsnachwahl in Varel-Jever, Im 2. Oldenburgischen Reichtstagswahlkreise wurde am Freitag für den kürzlich verstorbenen freisinnigen Abgeordneten Tr a e g e r eine Nachwahl vorgenommen. Der Wabl» kämpf war scharf; vier Kandidaten warben um daK Mandat. Von unserer Seite kandidierte wieder Genosse Paul Hug, der vor 25 Jahren, bei den Faschingswohlen 1887, zum ersten Male als Reichstagskandidat auf den Schild erhoben wurde. Die freisinnigen Wahlmacher glaubten, mit der Kandidatur Dr. W i e m e r s einen besonders glücklichen Griff getan zu haben, stießen damit aber nicht nur einen erheblichen Teil der eigenen Parteigenossen im Wahlkreise vor den Kopf,'lmdern riefen noch zwei bürgerliche Gegenkandidaten aus die Wcihl- statt: den nationalliberalen Hamburger Rechtsanwalt Dr. A l b r e ch t und den Bündler v. H a m m e r st e i n. Wie uns ein Privattelegramm meldet, erhielt Genosse Hug 12 K54 Stimmen, W i e m er 11 059 Stimmen. Ter nationalliberale Kandidat vereinigte auf sich 1922 Stim- men und der Bündler von Hammer stein erhielt 1943 Stimmen. Bei der Hauptwahl im Januar d. I. erhielten Stimmen: Hug 13 914, Traeger(Fr. Vp.) 12 294 und Struve(natl.) 4335. In der Stichwahl siegte T r�a e g e r mit 15 629 Stimmen, während auf Hug 13 925 Stimmen entfielen._ Tie Wiener Gemeinderats-Ersatzwahlen. Wien. 20. April.(W. T. B.) Bei den heutigen Ersatzwahlen für den Gemeinderat in drei Bezirken des 3. Wahlkörpers wurden in zwei Bezirken Christlich-soziale gewählt Im Bezirk O t t a k- ring ist Stichwahl»wischen dem Christlich-soziale« und dem Sozialdemokraten erforderlich. Verstärkung nach Marokko. Paris, 26. April. Ein Transportdampfer der Kriegs- marine ist gestern von Marseille nach Oran abgegangen, um dort Verstärkungstruppen für Marokko an Bord zu nehmen. In Casablanca hat der aus Dakkar einge» troffen« Dampfer„Arminia" achthundert Senegalschützen sowie deren Weiber und Kinder gelandet. Eine italienische Rechtfertigung. Rom, 20. April. lP.-C.) Die italienische Regierung hat den Mächten heute eine Note zugehen lassen, in der die Ope» rationen der italienischen Flotte vor dem Eingange der Dardanellen- straße und bei den Inseln Samos und Stampalia begründet werden. Als Beiveggrund für die Landung der italienischen Truppen auf SamoS wird die durch die Türkei infolge der Konzentrierung von türkischen BesatzungSmannschaften auf Samos hervorgehobene Neutralitätsverletzung der Insel ange- geben. Italien habe zu der„Zwangsmaßregel" greifen müssen, um den st�tu« quo auf Samos aufrechtzuerhalten. Statt der verlangten Sicherhektsvorkehrunge»-. PortSmuth, 20, April.(W. T. B.) 53 Mann von der Be- satzung der„Olympic" erschienen heute vor dem Polizeigericht unter der Anklage des Ungehorsams gegen die Befthle ihres Kapitäns. Sie wurden gegen Bürgschaft freigelassen. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vertagt. Sieg der Hafenarbeiter in Gent. Brüssel, 20. April.(W. T. B.) Der Hafenarbeiterstreik in Gent ist beendet. Die Docker erhalten vom 1. Mai an ciro Lohnerhöhung von etwa 10 Prozent. Unfall auf einem französischen Torpedobootzerstörer. Toulon, 20. April. sP. C.) Auf dem Torpedozerstörer„Cava- lier" wurden infolge Maschinendefekts drei Matrosen durch auS- strömenden Dampf schwer verletzt. Einer von ihnen wurde st e r- b e n d ins Hospital überführt. Die Brandwunden der anderen sind gleichfalls bedenklicher Natur. LustiHord. Stenschewo, 20. April.(W. T. 55.) Gestern nachmittag wurde im Walde zwischen Stenschewo und Rosenhagen von Passanten der Leichnam der 55 Jahre alten Arbeiterin Wilhelmine Bocksch aus Rosenhagen aufgeftinden. Die Gerichtskommission und die Krimi- nalpolizei stellten einen Lustmord fest. Ein Polizeihund ver- folgte die Spur des mutmaßlichen Täters bis nach dem Gute Maricnberg, wo er den etwa 00 jährigen Arbeiter iLalbiercz ver- bellte, der in Haft genommen wurde. Paul Singers Co., Berlin 5V/7�Hierzü 4 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 98. 29. ZahMg. t Stilnje drs Joraittf ßftlitirt öoltetlntt. SrnimM, 27. April 1912. Der erfte Mai und der Kampf gegen den tiiilitarlsmus. Von K. K a u t s k y. I. Die Maifeier ist schon durch ihren internationalen Cha- rakter von vernherein stets eine machtvolle Demonstration für den Weltfrieden gewesen. Und immer mehr wird dessen Er- Haltung zu dem vornehmsten ihrer Objekte,> mehr die Gegen- sätze der Nationen sich verschärfen, der Rllstungswahnsinn wächst und die Gefahr eines Weltkrieges aufs bedrohlichste näher rückt. Die Maifeier dieses Jahres fällt in die Zeit des italienischen Raubzuges in Tripolis, der spanischen und französischen Gewaltstreiche in Marokko, der tückischen Ueber- fälle Ruhlands in Persien und der Mongolei, der Vorbereitung einer Niederschlagung der mexikanischen Nebellion durch Truppen der Vereinigten Staaten: unabsehbare kriegerische Verwickelungen drohten alle diese Ausbrüche kolonialer Er- oberungspolitik nach sich zu ziehen. Und noch liegen den Völkern die Schrecken eines knapp vermiedenen Weltkrieges in den Knochen, an dessen Abgrund uns zuerst das bosnische Abenteuer Oesterreichs und dann vor weniger als einem Jahre der Marokkorummel geführt. Die allgemeine europäische Situation ist seitdem womög- lich noch bedrohlicher geworden, und eben wird dem deutschen Volke von der Reichsregierung zugemutet, das Material zur Schürung des Weltenbrandes, der die Kultur Europas der- Nichten soll, um den Preis weiterer Hunderte von Millionen ausgiebig zu vermehren. Die Maifeier wird diesmal bei uns unter dem Zeichen der neuen Wehrvorlagen stehen. Daß das Proletariat die einzige Klasse, die Sozialdemo- kratie die einzige Partei ist, die unter allen Umständen aufs energischste mit Nägeln und Zähnen für den Weltfrieden ein- tritt und dem Militarismus an den Kragen geht, das ist ein Gemeinplatz geworden. Darüber gibt es in unserer Partei keine Meinungsverschiedenheiten. Aber darüber, wie wir diese Ausgabe am besten erfüllen, sind vor der Maifeier des letzten Jahres verschiedene An- sichten aufgetaucht, und diese Verschiedenheiten machen sich auch diesmal wieder geltend. Tie beiden Forderungen, in denen sich bisher unser Kampf gegen den Militarismus kundgab, waren die des M i l i z s y st e m s und die der A b r ü st u n g gewesen. Jetzt sollen wir uns plötzlich auf die erstere beschränken und die der Abrüstung als eine völlig verkehrte fallen lassen. Aus welchen Gründen? Man könnte vielleicht meinen, daß die beiden Forde- rungen einander ausschließen. Bedeutet nicht die Miliz die Volksbewaffnung und die Abrüstung die Volksentwaffnung, also das gerade Gegenteil? Das ist richtig, wenn man die beiden Forderungen in buchstäblichstem Sinne auffaßt und da- von absieht, nach einer vernünftigeren Auffassung zu suchen. In Wirklichkeit bedeutet die Forderung der Miliz, daß die für die Kriegführung des Staates vorhandenen Waffen aus den Händen des Berufsheeres in die des gesamten wehrfähigen und in den Waffen geübten Teiles der Bevölkerung gelegt werden sollen. Die Forderung der Abrüstung aber besagt. daß die Menge dieser Waffen immer mehr beschränkt und vor allem der Einführung neuer Waffen ein Riegel vorge- schoben werde. Diese beiden Forderungen widersprechen einander nicht im mindesten. Man kann die eine ebensogut erheben wie die andere. Der internationale X�uberkulose- Kongreß in Rom, Vom 7. bis Ld. April hat m Rom der 7. internationale Kongreß für das Studium und die Bekämpfung der Tuberkulose getagt. Obwohl es unmöglich ist. einem wissenschaftlichen Kongreß, be- sonders wenn er in Sektionen tagt, vor dem. Vorliegen des Kongreß- Protokolls gerecht zu werden, so sei doch ein Ueberblick über einige lErgebnisse der Verhandlungen hier versucht. An dem Kongreß haben sich große und berühmte Kliniker aller Länder beteiligt. Die Tagung fand in drei Sektionen statt, von denen die erste sich mit der sozialen Verteidigung gegen Tubcr- lulose, die zweite mit der Pathologie und Therapie und die dritte mit der Aetiologie und Epidemiologie beschästgte. Obwohl in der Zahl der angenommenen. Tagesordnungen ungeheuer fruchtbar, hat die erste Sektion doch bei weitem am wenigstens Neues zutage ge- fördert. Und es war dies von Anfang an nicht anders zu erwarten. Wissen wir doch sehr gut, was auf dem Gebiet der sozialen Ver- teidigung gegen Tuberkulose zu geschehen hätte. Die Frage der sozialen Tuberkulosebekämpfung ist im eigentlichen Sinne eine soziale Frage, deren etappenweise Lösung sich viel mehr aus Macht- Verschiebungen als aus Erkenntnisverschiebungen ergeben mußl Ganz anders stand es um die Arbeiten der beiden übrigen Sek- tionen, die eine Momentaufnahme des heutigen Wissensstandes und der heutigen Tendenzen darboten. Der Sektion für soziale Bekämpfung der Tuberkulose gebrach eS an einem Ueberblick über die praktischen Errungenschaften, die jedes einzelne Kulturland in seinem Kampfe gegen die Tuber- kulose verwirklicht hat. Von allen Sektionen war sie am wenigsten zusammenfassend und auch am wenigsten international. Die Diskussion über die Beteiligung der Frau an der Tuber- kulosebekämpfung kam nicht über den Gemeinplatz hinaus. � In bezug auf Tuberkulose und Schule war man darüber einig, daß zwar latente Tuberkulose unter der Schuljugend außerordent- lich häufig ist, daß aber Formen von offener Tuberkulose, also von solcher, die Ansteckung vermitteln kann, zu den größten Seltenheiten gehören. Dagegen wurde die Gefahr betont, die darin liegt, daß das Lehrpersonal oder die Schuldiener an offener Tuberkulose leiden, und es wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, durch materielle Sicherstellung der Erkrankten diese nicht in die Zwangs- läge zu versetzen, ihre Krankheit zu verheimlichen- Der Zusammenhang zwischen Wohnungsverhält- nissen und Tuberkulose ist so offenkundig und so allgemein anerkannt, daß sich über ihn kaum etwas neues sagen ließe. Pro- fessor Landouzy konnte über diesen Punkt mitteilen, daß Paris für den Bau gesunder Arbeiterwohnungen 100 Millionen aus- geworfen hat, aber er stand mit dieser frohen Botschaft ziemlich allein da. In einer Resolution wurde auf das Interesse der Städte hingewiesen, sich einen möglichst großen Teil des Baugrundes vor- zubehalten oder neu zu erwerben, um der Bodenspekulation zuvor- zukommen und gesunde und billige Wohnungen zu schaffen. Ueber prophylaktische und therapeutische Maß- nahmen sozialer Natur berichtete Prof. Paul Jacob (Berlin) und forderte für Kinder mit offenxr Tuberkulose: Tren- ming von den gesunden, Elüfernung aus der Schule, Unterbringung in HeilerholungsMten- Waldschule�, Scchospizen, ländlichen Der Charakter der beiden ist aber freilich ein sehr ver- schiedener. Die Miliz ist vor allem eine politische Forde- rung, nicht eine ökonomische. Wir streben sie an im Interesse der Demokratie, um die Macht der Regierung zu schwächen, die ihr durch die Verfügung über ein Berufs- Heer verliehen wird. Dagegen braucht ein Milizheer nicht unbedingt billiger zu sein als ein Berufsheer. Ein kleines Berufsheer kann unter Umständen weniger kosten als die Be wasfnung, Einexerzierung und Führung des gesamten wehr fähigen Teiles der Bevölkerung. Durch das Milizsystem wird auch das Wettrüsten nicht aus der Welt geschafft, wie das Beispiel der Schweiz deutlich bezeugt, deren Militärausgaben rasch steigen. Und dabei hat die Schweiz nur ein Landheer, keine Flotte. Ein Mittel zur Einschränkung der Rüstungen ist also das Milizheer nicht. Wir haben an ihm weitaus mehr ein politisches als ein ökonomisches Interesse. Umgekehrt ist es mit der Abrüstung. Das Interesse an ihr ist in erster Linie ein ökonomisches. Sie vermindert die ungeheuren Lasten, die das moderne Wettrüsten mit sich bringt und macht größere Mittel für die ökonomische und intellektuelle Hebung der Volksmassen verfügbar. Dagegen schließt sie nicht aus, daß ein, wenn auch verkleinertes Berufsheer als Herr- schaftsmittel der waffenlosen Volksmasse gegenübersteht. Die Abrüstung ist mit Abwesenheit jeder Demokratie sehr wohl vereinbar. Die beiden Forderungen haben daher auch nicht immer die gleiche Bedeutung für uns. s Diese wechselt mit den wechselnden Situationen. Zunächst stand bei uns die Miliz idce im Vordergrund und noch mehr bei der bürgerlichen De mokratie, die freilich heute diese Idee gänzlich preisgegeben hat. Das war ganz natürlich, solange sich die Wehrverfassung fast ausschließlich mit der Landarmee beschäftigte. In den letzten beiden Jahrzehnten spielt aber die Flotte eine immer größere Rolle. Und der gegenüber versagt die Milizidee doch ständig. Beschränken wir uns in der Agitation auf diese Foo derung, lassen wir die der Abrüstung fallen, dann haben wir der Flottenagitation keine Gegenagitation gegenüberzustellen. In Wirklichkeit kämpft die Internationale seit jeher für die Abrüstung zu Wasser wie zu Lande. Die nächstliegende Form dafür ist die/ daß die Sozialdemokratie eines jeden Landes den Rüstungen im eigenen Lande entgegentritt. Du bei wird sie jedoch immer gehemmt werden durch den Ein wand, sie mache das Vaterland wehrlos gegenüber den Nach barn, wenn diese fortfahren, weiterzurüsten. Nun kann man dem sehr Wohl entgegenhalten, die Sozialdemokratie wirke überall in gleicher Weise den Rüstungen entgegen, und diese lasten heute so schwer auf den Völkern, daß jede Erleichterung in dem einen Staate das stürmische und unwiderstehliche Verlangen in den anderen nach rascher Nachahmung hervor rufen muß. Der einzige Großstaat Europas, dessen Regie- rungssystem sich noch erlauben könnte, einer starken öffent- lichen Meinung zu trotzen. Rußland, ist zurzeit noch militärisch völlig zerrüttet und finanziell so schwach, daß es an einen großen Krieg nicht denken kann. Aber es ist klar, daß die Abrüstungsagitation viel weiter gehende Forderungen erheben darf und viel wirksamer be trieben werden kann, wenn an Stelle derartiger Erwartungen feste, bindende Verabredungen der konkurrierenden Staaten untereinander treten. Jede Agitation, die auf eine weit gehende Einschränkung der Rüstungen abzielt, muß die Her> beiführung derartiger internationaler Abmachungen auf ihr Programm setzen und alle Schritte unterstützen, die in dieser Richtung gemacht werden. Dagegen wendet sich nun eine Reihe unserer Genossen. die den Kampf gegen den Militarismus auf die Agitation Kolonien usw., und für solche mit geschlossener Tuberkulose: Er Mittelung der Krankheit durch Pirquetscke Reaktion, Ueberwachaing der tuberkulös Befundenen durch den Schularzt, sachgemäße Be- ratung bei der Berufswahl. Für gesunde Kinder, die in einem tuberkulösen Milieu leben oder erblich disponiert sind, verlangte er möglichst frühzeitige Entfernung aus dem Milieu und Unten bringung in gesunden Familien, Erziehung zur Sauberkeit. NahrunaSlnittelhygiene und— hinreichende Ernährung der Kinder unter Mitwirkung der Kommunen. Von den geforderten allge- meinen, Maßnahmen, für die Jacob 26 verschiedene Sätze aufftetdt, seien hervorgehoben: Allcinschlafen der Schwindsüchtigen in Einzel betten, möglichst in Einzelzimmern, eventuell Mieten eines Zim- mrrs auf öffentliche Kosten. Verbot des Berschen>kens von nicht desinfizierten Nachlaßfachen, möglichste Verhütung von Ehe- schließungen zwischen Tuberkulösen und Gesunden, künstliche Unter- brechung der Schwangerschaft bei tuberkulösen Frauen- Hygienische Ueberwachung der Arbeitsstätten und des Arbeitsverfahrens, Enl- fernung von Arbeitern mit offener Tuberhulose aus den Werk- stätten, Sanierung unhygienischer Wohnungen, obligate unent- gettliche Desinfektion, Staubvcrhütung auf den Straßen usw. An» gesichts der großen Häufigkeit der Tuberkulose in den Strafanstal- tcn ist die Forderung fakultativer Entlassung bei Beginn der Tuberkulose von Bedeutung. In bezug auf die Anzeigepflicht bei Tuberkulose einigte man sich dahin, daß die Anzeige aller Fälle offener Tuber- kulose wünschenswert ist, daß man aber bei dieser Anzeige alles vermeiden solle, was die Betreffenden in ihrem Erwerbsleben schädigen kann, und dxß Hand in Hand mit der Anzeige auch die soziale Hilfeleistung zugunsten des Erkrankten eingreifen müsse. Ueber Hansindustrie und Tuberkulose gcjangte eine Tagesordnung zur Annahme, die die Heimarbeit als äußerst gefährlich für die Verbreitung der Tuberkulose und anderer Jnfek- tionskrankheiten bezeichnet und außer der ärztlichen Anzeigepflicht der Krankheit auch eine Anzeige der gewerblichen, Produkte fordert, um diese der obligatorischen Desinfektion zu unterwerfen, als Uebergangsstadium zu einer Gesetzgebung, die die hausindustrielle Herstellung von Gegenständen verbietet, durch die Infektion ver- mittclt werden kann. Zum Schutz der Kindheit gegen Tuberkulose wurde das System der Belehrungs- und Verteilungsstellen, be- sonders vom Typus Calmette. empfohlen, sowie der� zahlreichen anderen Maßnahmen, in deren Verwirklichung Frankreich als Vor- bild vorangeht, seit es durch seine sinkende Geburtenzahl beginnt. sich des Wertes des Menschcnmatcrials bewußt zu werden. Dar- über, daß der A l k o h o l i s mu s in verschiedener Weise der Tuber- kulose den Weg bereitet, waren die Referenten einig. Die Arbeiten der zweiten Sektion, der für Pathologie und The- rapie, waren dem Nichtfachmann insofern überraschend, als sie sich durch eine unzweifelhafte Rückkehr zum Vertrauen auf spezifische Heilmethoden kennzeichneten. Während man lange Zeit hindurch Luftkuren im Verein mit einem hygienisch-diätetischcn Heilverfah- ren für den ausschlaggebenden therapeutischen Faktor gehalten hat, strebt jetzt offenbar die Medizin wieder der spezifischen Behandlung der Tuberkulose zu, und zwar sowohl der Serumtherapie, als der Behandlung mit Tuberkulin in seinen verschiedenen Abarten und der Verwendung chemischer Präparate. Bekanntlich liegt die Frage der spezifischen Behandlung durch Serum oder Impfung bei der Tuberkulose insofern anders als bei den meisten anderen Infektionskrankheiten, als das Ueberstehen ür das Milizsystem beschränken wollen. So schreibt ja Lensch in der letzten Nummer der„Neuen Zeit", daß„wir im Kampfe gegen den Militarismus und Marinismus(sie) keine andere, aber auch keine züttdendere Parole haben als die Programmforderung des Milizsystems". Für Ab- rüstung dürfen wir nicht eintreten. Die Argumentation deo Genossen, die so denken, ist folgende: Das Wettrüsten ent- springt dem Imperialismus, der eine naturnotwendige Kon- sequenz des modernen Kapitalismus ist. Es kann nur mit diesem überwunden werden. Dem Imperialismus dürfen wir daher nur die Forderung des Sozialismus, nicht die der Ab- rüstung entgegenhalten. Diese ist eine utopistische Illusion. die einem Mangel an Verständnis für den historischen Ma- terialismus entspringt. Das trete auch darin zutage, daß die Verfechter der Abrüstung betonten, diese liege im wohlver- standenen Interesse der bürgerlichen Gesellschaft selbst, die bei der Fortsetzung des Wettrüstens dem Bankrott oder dem Weltkrieg und damit ihrem Untergang oder zum mindesten tiefster Zerrüttung entgegengehe. Jede Klasse wisse selbst am besten, was ihr fromme, und es sei nicht bloß überflüssig, sondern geradezu lächerlich, wenn wir der Bourgeoisie zeigen wollten, wo ihr eigenes wohlverstandenes Interesse liege. So sagt auch Lensch:„Es ist stets eine sehr gefährliche Argumen- tation. wenn wir Sozialdemokraten den herrschenden Klassen nachweisen wollen, ihre Politik sei vom eigenen Standpunkt aus falsch, sie verständen sich also auf ihre eigenen Geschäfte nicht. Darauf verstehen sich diese Herrschaften sehr gut." Aus dieser Argumentation müssen wir vor allem die Be- hauptung ablehnen, jede Klasse wisse selbst am besten, was ihr fromme. Das sieht sehr nach historischem Materialismus aus und ist doch grundfalsch. Es wäre nur dann richtig, wenn man sagen könnte, jeder Mensch wisse selbst am besten. was ihm fromme. Diesen Satz wird niemand unterschreiben wollen. Er wird aber nicht richtiger dadurch, daß man an- nimmt, die Einsicht, die dem einzelneu fehle, stelle sich ein, wenn die einzelnen in Masse zusammentreten. Wohl hat jede Klasse ihre besonderen Interessen, und die einzelnen werden sich der Gemeinsamkeit ihrer Interessen nur bewußt, wo sie als Masse zusammentreten. Aber die Instinkt der Klassen- solidarität und des Klassengegensatzes, der sich aus den Lebensverhältnissen der Massen ergibt, sagt ihnen noch gar nichts über die beste Art, wie sie ihre Interessen zu vertreten hätten. Man liebt es heute oft, den Instinkt der proletari- schen Massen zu preisen und ihn als sicheren Leitstern der pro- letarischen Politik zu bezeichnen. Wäre er das wirklich, wozu dann die ganze Arbeit der Wissenschast? Und was dann, wenn verschiedene Massen von Proletariern verschiedene Instinkte entwickeln? Ist der Instinkt der Massen untrüglich auch dort, wo er christlich oder liberal ist? Wo er Judenhetzen und Negerlynchungen vollbringt? Wo er die Niederwerfung der Buren fordert oder den Zug nach Tripolis? Das naturwüchsig aus den Verhältnissen hervorgehende Klasseninteresse ist die m o r a l i s ch e K r a f t, die eine Klasse in ihrem Kampfe beseelt und vorwärts treibt. Die schließ- lichen Ergebnisse ihrer Käinpfe hängen ebenfalls von den materiellen Verhältnissen ab. Die Ziele aber, die sich die Kämpfenden setzen, hängen ab von dem Grade der Ein- ficht in diese Verhältnisse. Je geringer dieser Grad, desto weniger zweckmäßig werden die bewußt angestrebten Ziele sein, desto größer die Opfer und Enttäuschungen, desto bitterer das Lehrgeld, das die kämpfende Klasse zu zahlen hat. Damit sei nicht gesagt, daß die unaufgeklärten Massen immer unrecht und die Theoretiker immer recht hätten. Die Theorie setzt dem Kampfe leicht weitere Ziele als der Instinkt, der nur das Nächstliegende empfindet. Aber eben darum der Tuberkulose keine natürliche Immunität im Organismus zu- rückläßt. Eine ausgeheilte Tuberlulose schützt durchaus nicht gegen eine neue Infektion: im Gegenteil, der einmal erkrankte Patient hat mehr Chancen, wieder zu erkranken als der gesunde. Eine Ltrankheit aber, die nicht zu natürlicher Immunität, also nicht zur Erzeugung von Antikörpern führt, eignet sich von vornherein nicht zur Serumtherapie, die ja nichts anderes ist als eben die Zufüh- rung von Antikörpern, und sie eignet sich auch nicht zur Impfung, die ja den Organismus anregen soll, selbst die Antikörper zu erzeu- gen, also eine Jnnnunität zu schaffen, die man im Gegensatz zu der durch Serum vermittelten passiven, als aktive Immunität be- ?ichnet. Trotzdem hält die klinische Behandlung an Serum und stberkulin fest und geht dabei von der Auffassung aus, daß die Tuberkulose freilich nach erfolgter Ausheilung keine Immunität hinterläßt, wohl aber im Kampfe gegen die Krankheit Antikörper erzeugt, wenn und solange ein Heilungsprozeß vorliegt. Was man nun durch die Tuberkulinbehandlung er- reichen will, das ist, wie Prof. Sahly(Bern) ausführte, nicht die Jmmunisation(als Dauererscheinung), sondern eine immunisato- rische Heilwirkung, ein Aktivmachen der Schutzkräfte des Körpers, die durch das Eindringen von Tubcrkelbazillen von selbst mobil gemacht werden, aber nicht immer in ausreichendem Maße. Die Wirkung der Einspritzung abgeschwächter oder abgetöteter Bazillen- kulturen läuft auf eine spezifische Reizwirkung hinaus, die den Vor» teil hat, vom Arzte abgestuft werden zu können. Gerade die neue- ren Jmmunitätsforschungen werden hier für die Klinik nutzbar gemacht, indem sie genaueres Verständnis über die Indikation zur Tuberkulin- wie zur Serumtherapie vermitteln. Ueber den Wert der einzelnen Lymphen war man sich ziemlich dahin einig, daß entscheidende Unterschiede nicht vorlägen, daß aber quantitative Unterschiede bestehen, deren zahlenmäßige Feststellung und Zurückführung auf gegebene Einheiten als wünschenswert dar- gestellt wurde. Als hauptsächliche Lymphen, deren praktische Wirk- samkeit erprobt ist, wurden die Präparate Alttuberkulin Koch, Perl- suchttuberkulin, Bazillencmulsion, Tubcrkulinum purum usw. gc- nannt. Während in bezug auf die Tuberkulinbehandlung, ihre A»S- sichten und ihre Indikationen keinerlei Meinungsverschiedenheiten bestanden, wurde das Zutrauen zur S e r u m th er a p i e, also zur passiven Immunisierung, vor allem von der französischen und italic- nischen Schule vertreten. Es handelt sich hierbei um eine Entgif- tung des Organismus durch Gegengifte, die ihm von außen ohne eigenen Kraftaufwand zugeführt werden, iveshalb diese BeHand- lung sich gerade auf Fälle erstreckt, in denen das Vorwiegen der toxischen Erscheinungen das Tuberkulin und verwandte Präparate widerrät. Sowohl die französischen als die italienischen Forscher wollen glänzende Erfolge mit diesem Verfahren gesehen haben und legten Statistiken darüber vor. Im großen ganzen kennzeichnete sich die ganze Diskussion durch ein Betonen des klinischen Standpunktes gegenüber dem des Labo- ratoriums. Prof. T h e i s s i e r sagte, daß die Tatsachen der ilini- schen Beobachtung durch kein Laboratoriumsexperimcnt zu wider- legen seien, und daß die Unfähigkeit, die Art des Zustandekommens eines Heilprozesses zu verstehen, uns nicht abhalten dürfte, die den Prozeß auslösenden Mittel anzuwenden. Sei doch bis heute die biologische Wirkung von Chinin, Ouccksilber und Pockenlymphe völlig unbekannt. An spezifisch chemischen Mitteln wurde eine Ver- bmdung von Jod mit Radium empfohlen, weiter bei tubcrlulojer wird das Ziel, das einer falschen Theorie entspringt, die Massen von der zweckmäßigsten Lersechtung ihrer Interessen » stets viel weiter abführen als der Klaffeninstinkt selbst dort. wo er irrt. Daraus folgt jedoch nicht, daß der Instinkt höher steht als die Theorie, sondern daß das Forschen nach der richtigen Theorie und nach der richtigen Anwendung der Theorie eine der wichtigsteil prakLtschen Aufgaben des Klassen- kampfes ist. Das gilt für alle Klassen, für die Bourgeoisie nicht minder wie für das Proletariat. Namentlich kurzsichtige Habsucht, der kräftigste Instinkt der Kapitalisbenklasse. treibt sie sehr oft zu Handlungen, die um eines Augenblicksvorteils willen die dauernden Interessen ihrer eigenen Klasse schädigen. Der Widerstand gegen kapitalistische Ansbeubungsgelüste kann sehr oft im dauerilden Interesse der bürgerlichen Gesellschaft selbst liegen. Man darf sehr wohl sagen, daß die Kapitalistenklasse in den alten Ländern des Kapitalismus, vor allem in Eng- land, schon deir ganzen gesellschaftliche» Mechanismus zugrunde gerichtet hätte, wenn sie nicht auf den energischen Widerstand des Proletariats gestoßeil lväre. Ohne den Char- tismus, ohne den Zehnstundentag, ohne die Gewerkschafts- bewegung lväre die Arbeiterklasse Englands längst physisch und intellektuell völlig verkommen und mit der Kraft ihrer Arbeiterschaft wäre die Industrie Englands selbst unter- gegangen, die Grundlage seines Kapitalismus verschwunden. Wenil sich die kapitalistisckle Produttioiisweise weit lebcns- zaher erweist, als noch im vorigen Jahrhundert von den Sozialisteil erwartet wurde, so liegt das nicht zum wenigsten eben an der Tätigkeit dieser Sozialisten selbst. Das erscheint paradox, und man könnte sich versucht fühlen, daraus zu schließen, daß wir bei unserem Eintreten für soziale Reformen nicht die Geschäfte des Sozialismus, sondern der bürgerlichen Gesellschaft besorgten, indem wir deren Lebensdauer verlängerten. Dieser Vorwurf ist gegen uns in der Tat von anarchistischer Seite oft genug erhoben worden. Er wäre berechtigt, wenn unsere Aufgabe dahin ginge, die bürgerliche Gesellschaft möglichst rasch zu ruinieren. Wir fassen unsere Aufgabe aber eben anders auf, und sehen sie darin, daß wir das Proletariat möglichst rasch befähigen, Staat und Gesellschaft zu erobern und seinen Interessen anzu- passen. Wir haben die Kampffähigkeit des Proletariats aufs energischste zu steigern, wir können das aber nur durch Mittel erreichen, die auch seine Arbeitsfähigkeit erhöhen, das heißt seine Fähigkeit, Mehrwert für die Kapitalistenklasse zu schaffen, womit wir die Existenz der bürgerlichen Gesellschaft verlängern. Dies ist jedoch das einzige Mittel, zu bewirken. daß diese nicht verfault und spurlos vergeht, wie die Gesell- fchaft der römischen Kaiserzeit, sondern zum Ausgangspunkt einer neuen, höheren Gesellschaftsform wird. Wie init dem Normalarbeitstag steht es zum Beispiel mit dem Freihandel. Indem wir für diesen im Interesse des Proletariats eintreten, verfechten wir zugleich auch den kurz- sichtigen Augenblicksinteressen großer Teile der herrschenden Klassen gegenüber das wohlverstandene Interesse der bürger- lichcn Gesellschaft in dem Stadium des entwickelten indu- striellen Kapitalismus._ Raiibübcrfall im üuto. Der mörderische Ucberfall im Auto, den der Banlbcamte Fliehe im Nachmittag des-t.. Januar d. I. auf den Naffenboten Julius Klein von der Tarmstädter Bank ausgeführt hat, bildete gestern den Gegenstand der Verhandlung vor dem Schwurgericht des Land- gerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Delkeskamp. Aus der Untersuchungshaft wird der Bankbeamte Julius Fliehe vorgeführt. Die Anklage belckuldigt ihn: 1. des versuchten Raub- mordes, 2. der Unterschlagung an einer Summe von 3000 M. in Pfandbriefen, 3. der Untreue gegenüber zweier Frauen, deren Be- Bauchfellentzündung Jodoforminjektionen in großen Dosen und dann durch Referate von Dr. Gräsin von der Linden- Bonn, Prof. Meißen und Dr. Strauß die Behandlung mit Kupfer- Präparaten, die der verstorbene Geheimrat F i n k l e r bis jetzt nur an Meerschweinchen med in 54 Fällen von Hauttuberkulose beim Menschen mit gutem Erfolge versucht haben will. Die große, ja allgemein anerranntc Wirksamkeit der Sonnenbestrahlung, namentlich bei Knochen- und Hauttubertulose, wurde durch zahl- reiche interessante Photographien bestätigt. Ueber die Unterbrechung der Schwangerschaft bei tuberkulösen Frauen referierten Prof. B o s s i(Ge- nua) und Prof. Martin iBerlin). Beide sprachen sich für die Ziveckmäßigkeit der Unterbrechung aus, von der sie fast stets einen günstigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf gesehen leiten. Beide Referenten betonten, daß in der Regel keine lebenstüchtigen Früchte zu erwarten feien und verlangten, daß man auch der so- zialcu Lage der Mutter Rechnung trage und die Unterbrechung für um so mehr angezeigt halte, je weniger die Schwangere imstande ist, sich Pflege zu gönnen. Mit Rücksicht darauf, daß allzu oft tuberkulöse Frauen immer wieder schwanger werden und so einnial jährlich und öfter Eingriffe erfordern, befürwortete Prof. Martin die tubare Sterilisation, in der Weise, daß man einen Stumpf der Tube erhält, um unter Umständen in der Folge die Fähigkeit zur Empfängnis wieder herstellen zu können. In der Diskussion traten Prof. Pestalozza und andere gegen die Unterbrechung der Schluangerschaft ein, mit der Begründung, daß� die Kinder tuberkulöser Frauen häufig gesund seien und das Wegsterben einer tuberkulösen Mutter nicht als ein Nachteil für die Familie anzu- sehen sei. Von einigen deutschen Aerzten wurde nach dem Vor- schlag Bardelebens die Totalextirpation von Gebärmutter und Eierstock befürwortet, mit dem Hinweis auf die Schädlichkeit wiederholter Eingriffe zur Unterbrechung der Schwangerschaft. Die Mehrheit trat aber den Ausführungen von Bossi und Martin bei, unter scharfer Betonung der humanitären Rücksichten, auf die sich diese Ausfassung stützt. In der Sektion, über Aetiologie(Lehre von den Krankheitsursachen) und Epidemiologie wurde zunächst die langjährige Frage über die Beziehungen zwischen menschlicher und Rindertuberkulose verlzandelt, die nach der großen englischen Enquete eigentlich schon als im Sinne der minimalen Gefährlichkeit der Rindertuberkulose für den Menschen gelöst angesehen werden durste. Ter italienische Referent, Prof. G o s i o. ineinte geradezu, daß die Anwendung dcS englischen Gesetzes, das die Vernichtung aller tuberkulös befundenen Kühe mit Entschädigung für die Besitzer verfügt, wohl eine» großen Vorteil für den Viehbestand, nicht aber eine Er- rungcnschaft im Kampf gegen die menschliche Tuberkulose bedeute. So lange man wie heute noch mit den Mitteln zur Bekämpfung der menschlichen Tuberkulose knausert, sei es nicht zweckmäßig, große Kapitalien gegen die Rindertuberkulose aufzuwenden. Der sran- zösische Referent. Prof. V a l l äe. ließ dagegen die Frage offen. ei) nicht gelegentlich Bazillen des menschlichen Typus ihrem Ur- sprunge nach auf Tuberkelbazillen des Rindertypus zurückgingen. Er war für Ausdehnung der Maßnahmen gegen die Rindertubcr- kulosc. Prof. Kassel(Heidelberg) vertrat ivieder den Stand- Punkt, daß die Ausnahme von Nindertubcrkelbazillen durch Milch und Fleisch tuberlulöscr Tiere nur eine ganz untergeordnete Rolle spielte. Die Frage erscheint also weiter als noch nicht endgültig beantwortet. Ueber die Eingangspforten der Bazillen in den Organismus referierte Prof. C a l m e t t e(Lille). Die Infektion vollmächtiyter er war.— Die Anklage vertritt StaatsaMalts- assessor Pietsch, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Emundt. Vernehmung des Angeklagten. Auf die Frage des Vorsitzenden an den Angeklagten, ob er sich schuldig fühle, antwortete Friehc mit fester Stimme: Jawohl!— Zu seine» persönlichen Verhältnissen erklärt der Angeklagte in län- gercr, wohlgesetzter Rede folgendes: Ich bin am 5. August 1881 zu Goslar geboren und bisher unbestraft.. Mein Vater war aus ciiiem Hüttenwerk tu Ocker bei Goslar beschäftigt; er ist vor etwa 2 Jahren gestorben. Bis zum 14. Jahre besuchte ich die städtische Volksschule und wurde 1895 aus der ersten Klasse entlassen. Dann wurde ich Ladcndicncr in einem Geschäft, dann in einem Porzcllangeschäst bei Verwandten in Goslar; später tvurdc ich herrschaftlicher Diener bei einem älteren Herrn, dann genügte ich meiner Militärpflicht bei den 165ern. Nach meiner Entlassung kam ich tu eine ähnliche Stellung zu einem Oberstleutnant a. D. in Berlin. Diese Stelle nahm ich um so lieber an, als es mir auf diese Weise gelingen koniite, zu einer Lebensstellung bei einer Bank zu kommen. Nachdem ich zwei Jahre bei dem Oberstleutnant war, kam ich auf Empfehlung zur Darmstädter Bank als Kassenbote nach der Filiale in der Schill strahe. Es fiel mir nicht schwer, mich bald hineinzufinden. Ich hatte ein leichtes Anpassungsvermögen und mir ging alles leicht von der Hand. Dann erkrankte ich am Typhus und brachte ein Viertel- jähr im Krankcnhause Westend zu. Später wurde ich zu der später eingegangenen Zentrale versetzt, dann wurde die Depositenkasse in der Friedrichstraßc eröffnet. Ich hatte das Streben, recht vorwärts zu kommen. Ich beschäftigte mich viel mit der Buchführung, und unter Zuhilfenahme meiner ganzen freien Zeit weihte ich mich all- mählich in alle Zweige des Bankgeschäfts ein. Ich wurde dann in Anerkennung meiner Ausbildung zum Beamten geschrieben. Im Jahre 1907 kam ich nach der Ritterstraße und bezog ein Monats- gehalt von etwa 175 M. einschließlich Tantiemen und Weihnachts- gratifikation.— Vors.: Kamen Sie damit aus?— Angekl.: Jawohl! — Vors.: We waren Ihre finanziellen Verhältnisse zur Zeit der Tat? Haben Sie nicht auch Spekulationsgeschäfte gemacht?— Angekl.: Jawohl! Ich habe spekuliert und große Verluste gehabt. Ich machte diese Geschäfte teils allein, teils mit anderen.— Vors.: Die Tat ist am 4. Januar geschehen. Hatten Sie zu jener Zeit eine besondere Zahlung zu machen?— Angctl.: Jawohl! Ich hatte bei dem Zeugen Schulz einen Wechsel in Höhe von 2100 M. einzm lösen. Die Wechselschuld war aus einer Geld- und Spekulation� affäre und aus einer Bürgschaft, die ich für einen anderen über- nommen hatte, entstanden. Die Einlösung des Wechsels drängte. Nun kam ich in Verlegenheit und es kam mir der Gedanke: Wie kommst du aus dem Dilemma heraus? Ich wollte mich nicht meinen Bekannten, die mich für einen wohlhabenden Mann hielten, anvertrauen; ich wollte mich auch verheiraten, und genierte mich, meiner Braut plötzlich einzugestehen, daß ich in großer Bedrängnis war und auch schon alle meine Ersparnisse verloren hatte. Ich hatte auch mehrmals Bekannten Geld geborgt und dadurch war auch allgemein der Anschein erweckt worden, daß ich über größere Geld- summen verfügte und diesen Anschein wollte ich nicht zerstören.— Vors.: Auf welchen Gedanken kamen Sic nun?— Angekl.: Ich kam auf den Gedanken, den Klein zu berauben. Vors.: Wie dach- ten Sie sich das?— Angekl.: Ich wollte ihn veranlassen, mit mir in ein Auto zu steigen, ihn würgen und ihm das Geld wegnehmen, welches er bei sich trug, eventuell fliehen, vielleicht auch nicht— darüber war ich mir nicht klar.— Vors.: Wann haben Sie nun zuerst den Entschluß gefaßt, den Klein zu berauben?— Angekl.: In den Mittagstunden des 3. Januar.— Vors.: Sie rechneten damit, daß Klein täglich den Weg von der Depositcnkasse in der Schillstraße nach der Zentrale am Schinkelplav unternahm. Sie wußten auch, daß Klein gerade zu Anfang des Quartals immer öinc größere Summe abzuliefern hatte.— Angekl.: Das war sehr verschieden; ich konnte auch damit rechnen, daß Klein nur 5000 bis 10 0<>0 M. bei sich hatte. Wie es kommen würde, darüber habe ich mir vorher keinerlei Gedanken gemacht. Ich wollte nur meine Schulden bezahlen und frei sein. Ich hatte mich im Juli v. I. verlobt und wollte im März d. I. heiraten.— Vors.: Waren Sie sich denn von vornherein darüber klar, wie Sie die Tat selbst aus- führen wollten?— Angekl.: Jawohl! Ich wollte Klein mit einer Schnur würgen und»hm das Geld fortnehmen.— Bors.: Und dann weiter?— Angekl.: Ich wollte dann allein weiter fahren.— Vors.: Sic hätten dann wohl dem Chauffeur den Auftrag gegeben, nach einer möglichst weit entfernten Straße mit dem Leichnam des Klein des Organismus bei der Konzeption ist als ungeheuer selten an- zusehen. In der übergroßen Mehrzahl der Fülle tritt die In- sektion in der Kindheit und ersten Jugend ein. In den großen Städten erweisen sich schon 10 Proz. der einjährigen Kinder bei der Tuberkulinprobe als infiziert. In dem Älter von 1 bis 5 Jahren steigt diese Zahl auf 50 und in dem von 5 bis 15 Jahren auf 80 Proz., um bei den Erwachsenen 87 Proz. und mehr zu erreichen. Diese Bazilleninsektion, die das Tuberkulin muhlveist, ist in der Mehrzahl der Fälle von keinen Krankheitserscheinungen begleitet. Erfolgen kann die Infektion auf all den Wegen, durch die Bazillen in den Organismus eindringen können, normalenveise pflegt sie aber das Lymphshstem zu wählen, wobei das Eindringen der Bazillen vorwiegend durch den Verdauungstraftns stattfindet. Die Lungentuberkulose ist nach Calmetie meistens der verspätete Ausdruck einer ursprünglich lymphatischen und dann das Blut- Gefäßsystem ergreifenden Infektion. Wo Immunität eintritt, dauert sie nur so lange, als der Organismus Bazillenträger ist. In einem immunen Organismus verbleibt der Bazillus entweder als unschädlicher Fremdkörper, oder er wird mit den Abnutzungs- Produkten der Zeilen ausgeschieden, hauptsächlich durch Leber öder Darm. Der nächste internationale Kongreß wird im Jahre 1917 in London tagen. Inzwischen wird die nie ruhende Wissenschaft neue Mittel und Wege gefunden haben, um das Machtgebiet der Krankheit einzuschränken. Schon jetzt muß eS als Errungenschaft von großer sozialer Tragweite betrachtet werden, daß die sPW- fische Behandlung gegenüber der Hhgicnisch-diätetischen an Be- deutung gewinnk: Fährt diese Entwicklung fort, so muß sie zu einer bedeutenden finanziellen Entlastung in der sozialen Tuber- kulosebekämpfung führen, da jede spezifische Behandlung viel leichter durchzuführen ist. als eine hhgienisch-diätetische Kur. Und diese Entlastung könnte es möglich machen, an dem Kranken zu sparen, um den Gesunden in höherem Dkaße die Mittel zukommen zil lassen, sich vor der Erkrankung zu bewahren. Wir wisse» heute, daß dem normalen und gutgenahrten Organismus der Tuberkel- bazillus, wo ihn nicht ein ungesundes Milieu in Ueberzahl ge- dcihcn läßt, nicht gefährlich werden kann. Deshalb gilt es bei keiner Krankheit mehr als bei dieser, ihr durch gesunoe Lebens- bedingungen der Nichterkranlten den Boden abzugraben. Und gerade dadurcki kann man am besten das verwirklichen, was Prof. Landouzy in schönen Worten forderte:„Mehr Gerechtigkeit in der Verteilung der Gesundheit für die Jndwiduen und für die Völker." Liemes feuiNeron Sankt Alfred Krupp. Freitag, der 26. April, war ein internationaler Feiertag. Nicht nur ein Feiertag für Deutschland, son- dern eine Glorie für sämtliche Länder dieses sich geduldig durch das Weltall bewegenden Erdklumpens. Das Wölfische Telegraphen- bureau, das leider zu oft nationale Feiertage unberücksichtigt läßt, war diesmal mit einem lyrisch angehauchten Artikel von 220 Zeilen zur Stelle; und wurde auch keine Flagge auf öffentlichen Gebäuden gehißt, und versäumte man auch, der Tatsache von den Kanzeln herav zu gedenken: im Herzen jedes echten guten Patrioten herrschte Freitag große und innige Freude. Die Firma Krupp feierte ein Jahrhundertsest. A»r 26. April 1812 wurde Alfred Krupp geboren. Zwar hatte sein Vater Friedrich Krupp, 1811, die Gußstahlfabrik begründet, ober mit so wenig Erfolg, daß er seiner Witwe und dem vierzehn- jährigen Alfred nur noch sechs Arbeiter hinterließ. Den genialen zu fahren.— Angekl.: TäS ist möglich.— Vors.: Sie haben banrl dem Klein am 3. Januar am Lützowplatz an der Etratzenbahnhaltc- stelle aufgelauert und ihn aufgefordert mit in ein Auto zu steigen. Hatten Sie sich an diesem Tage schon auf die Tat vorbereitet?— Angekl.: Jawohl! Ich hatte den Messingdraht in der Tasche, ebenso hatte ich eine Pelerine und einen Hut mitgenommen, um mich bei einer Flucht unlenutlich zu machen.— Bors.: Weshalb hatten>s>e die Tat nicht schon an diesem Tage ausgeführt?— Angekl.: Als ich mit Klein i» der Autodroschkc saß, verlor ich den Mut und konnte beim besten Willen die Tat nicht ausführen. Als am nächsten Tage aber Schulz wiederum wegen des Wechsels anklingelte, faßte ich den Entschluß, die Tat endlich auszuführen und habe sie dann auch aus- geführt.'(Ter Angeklagte, der diese letzten Wvrte mit zitternder Stimme hervorbrachte, bricht hieraus völlig zusammen und schluchzt längere Zeit.) Nach einiger Zeit fährt der Angeklagte fort: Ich sagte mir damals, ich müsse die Tat in irgend einer Weise ver- wischen. Dies wollte ich auf folgende Weise erreichen. Ich ließ mir von einem Dienstmann in einer Drogerie in der Potsdamer Straße zwei Liter Benzin holen. Ich selbst kaufte bei Wcrtheim einen Glashafen und. einen längeren Schwcfelfaden. Ich wollte nach der geschehenen Tat den Schwefelfaden in den mit Benzin gefüllten Glashafen legen, dann am anderen Ende anzünden und aus dem Wagen springen.— Vors.: Es hätte also dann den An- schein gehabt, als wenn Klein und der Chauffeur die Opfer einer Benzinexplosion geworden seien.— Angekl.: Jawohl!— Vors.: Sie xnußten doch auch damit rechnen, daß Klein durch die Drahtschlinge gleich getötet würde?— Angekl.: Da ich sehr kräftig bin, ist es möglich, daß Klein dabei getötet worden wäre.— Vors.: Glaubten Sic denn, daß bei der Benzinexplosio» überhaupt mchts übrig ge- "blieben wäre, so daß die Tat selbst nicht entdeckt werden konnte?— Angekl.: Wie weit die Kraft der Explosion gehen würde, wußte ich nicht, jedenfalls wollte ich das Auto in Brand setzen.» Vors.: 'Schildern Sie nun die Tat selbst. Angekl.: Ich stellte mich wieder am Lützoivplatz auf. Diescsmak hatte ich auch noch ein Beil mitgenommen, um Klein damit zu be- täuben, wenn der Draht nicht funktionierte. Als Klein kam, rief ich ihm zu, er solle schnell in den Wagen einsteigen. Klein bedankte sich noch dafür. Unterwegs nahm ich Geld heraus, welches ich ab- sichlich zu Boden fallen ließ, um Klein mit dem Hinweise, daß ich Handschuhe anhabe, zu veranlassen, sich danach zu bücken. Als sich Klein bückte, um ein angeblich noch fehlendes Zehnmarkstück zu fuchen, warf ich ihm von hinten die Drahtschlinge um den Hals und zog fest zu. Klein, der auf dem Boden lag. wehrte sich nur einen 'kurzen Moment. Ich zog die Schlinge nochmals zu und nun fiel Klein auf den Sitz zurück und wurde besinnungslos. Da kam ein Gefühl plötzlicher Reue über mich, als ich den Klein bewußtlos da- liegen sah. Ich nahm ihm den Draht ab, verbarg ihn in der Tasche und setzte mich neben Klein. Klein schlug die Auge» aus, faßte um sich und griff nach der Tür. die er nach der Straße zu öfsnctc. Ich blieb gedankenlos im Auto sitzen und wurde verhaftet.— Bors.: Sie scheinen jetzt die Sache so darstellen zu wollen, als ob Sie frei- willig von der Tat Abstand genommen hätten. Sind Sie nicht von dem Plan zurückgekommen, weil Klein sich sehr wehrte?— Angekl.: Nein, freiwillig. Ich kann nur sagen: als ich den Klein bewußtlos liegen sah, kam ein unbeschreibliches Gefühl über mich, etwas, was mich vcranlaßte, plötzlich innezuhalten und von der weiteren Tat zurückzutreten.— Vors.: Davon haben Sie bei Ihrer früheren Vernehmung nichts erwähnt, wie das Protokoll, welches ich Ihnen vorlese, ergibt.— Angekl.: Ich möchte meine Tat vollständig ein- gestehen, ich möchte zur Ruhe kommen. Vors.: Sie hatten nun auch noch ein Rasiermesser mitgcnom- men. Nach Ihrer Angabe wollten Sie sich, wenn alles schief ging, das Leben nehmen. Nun ging doch die Sache schief. Haben Sie nun nicht den nötigen Mut gehabt? Angekl.: Nein, ich war voll- ständig gedankenlos und habe über etwaige Flucht oder Selbstmord nicht mehr nachgedacht, sondern bin vollständig apathisch sitzen ge- blieben.— Vors.: Ich muß auch auf einen weiteren Widerspruch hinweisen. Sie haben früher angegeben, schon am 2. Januar den Plan der Beraubung gefaßt zu haben, jetzt wollen Sie es erst am 3. Januar geplant haben.— Angekl.: ES ist möglich, daß ich das früher gesagt habe, ich war sehr verworren.— Staatsanw. Pietsch: Vor der Polizei hat der Angeklagte sogar gesagt, daß er schon fünf Tage lang den Plan mit sich herumgetragen habe.— Vors.: Früher haben Sie, wie ich wiederholt feststelle, gesagt: Klein habe sich ge- Gaben dieses Alfred Krupp, der 1887 starb und dem de'v alttcsta- mentarische Gott also keineswegs seinen Segen> vorenthalten, ist es zu danken, daß die Firma Krupp eine Weltberühmthcit wurde, daß die Völker mit Jubel und Begeisterung in den Besitz von ungefähr 50 000 Kanonen- gelangten. Das Kruppsche System bildet gegen« wärtig die Grundlage der deutschen, östcrreichäsch-ungarischen, ita- lienischen und russischen Fcldartillerie, und in Deutschland ist die gesamte Ausrüstung der Feld-, FestungS-. Schifis- und Küsten- artilleric mit Geschützrohren aus> dieser Fabrik versehen. Bis 1902 lieferte Krupp an mehr als 3V Staaten. Am ersten Aprils 1004 wurden auf den Kruppschen Werken 45 289 Personen dcschöftigt. Das Kapital der 1903 gegründeten Aktiengesellschaft beträgt 160 Millionen Mark. Und so weiter. Nun wohl, der Begründer dieses Unternehmens, baS per Menschheit unberechenbare Dienste leistete, ist Freitag vor hundert Jahren geboren. Nach seinem Tode wurden ihm in Essen, zwei Denkmäler errichtet und 1899 in Charlottenburg ein Bronzcstand- bild. Siehe Meyers Konversationslexikon. Ist da-wit, frage ich, der Pflicht der Dankbarkeit vollauf genug getan? Darf man, selbst wenn mau auch der größte Feind des Personenkultus wäre, solch einen bemerkenswerten Tag, der an Bedeutung die Geburtstage Keplers. Galiläis, Rembrairdts. Beet- boven». Kants und Tolstois übertrifft, mit nur 220 Zeilen dcö Wolfischen Telegraphenbureaus vorübergehen, lassen? Genügt das mr ein Volk, das. seine großen Männer in Ehren halten, will? Ist es nicht eine Schande, daß solches Jahrhundertsest aus diese laue Weise verläuft? Wenn das Wolfffch Telegraphenbureau chicht die Pietät besessen hätte, den bewundernswerten, edlen, nicht genug zu preisenden Fabrikanten des SchnellfcuergeschützeS mit 220 bescheidenen Zeilen in Erinnerung zu bringen, existierte die Möglichkeit, daß die Lorbeeren dieses Äanonenkönigs durch die UN» dankbare Nachwelt in einer Ecke verdorrt wären. Das darf nicht geschehen Wir müssen unseren Kindern durch Feier historischer Ereig» nisse ein Vorbild geben. Ich glaube und bin sicher. in> dieser meiner Meinung nicht allein zu stehen, daß es an erster Stelle Aufgabe des Staates sein müßte, jeden 26. April mit Salutschüssen zu begrüßen. Dieser Mann gehört in die Siegesallec. -Und hat er auch meines Wissens niemals Kreuze für Türme von Kathcdalen gegossen: die Kirche muß das Unrecht an ihm guj, machen. Sic verdankt Alfred Krupp unsäglich viel� Kreuz und tbanonen gehören zusammen. Sankt Alfred Krupp, sollte das nicht gehen? Gab eS nicht Sterbliche, die für weit Geringeres heilig tze» 'prochen wurden?...._ HeinzSperber. Notizen. — Theaterchronik. Die Anffiihrung von Wedekinds .Tod und Teufel" ist von der Kiinstlergemeinschast„Werlstatt der Werdenden" endgültig auf Montag, den 29. April, pünktlich um l/.ß Uhr im Künstlerbaus, Bellevuestr. 3, festgesetzt. Außer den persönlich zugesandten Billetts muß jeder Eingeladene auf bcbörd- liche Aiiardmnig im Besitz einer besonderen NamenSlegilimation sein. — Bühuenchronik. Irene T r i e s ch ist von 19t4 an auf mehrere Jahre für das Berliner Theater verpflichtet worden. Sie wird aber schon vorher im Königgrätzer Theater gastieren. — Borträge. Cook, nach seinen eigenen Angaben Eni- decker des Nordpols, will am Dienstagabend 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain beweisen, daß e r den Nordpol entdeckt hat. Rifljtt und Sic hnticn dessen Widerstand nicht überwältigen können. Angek.: Nein, ich bin kräftiger wie Klein. Ich muß noch einmal be- merken, daß ich in der ganzen Zeit nicht zur Ruhe gekommen bin und meine Tat voll und ganz bühen will. Die ganze Zeit hat mich die Reue geplagt und ich bin gewillt, meine Tat voll einzuräumen und die Strafe, die mir gebührt, auf mich zu nehmen.— Vors.: Ja, wir müssen aber die Sache völlig aufklären, auch nach der Richtung hin, ob Sie freiwillig von dem Verbrechen Abstand ge- nommen haben.— Angekl.: Ich kann nur sagen, dah ich freiwillig zurückgetreten bin. Präs.: Schliehlich hielt also der Chaufseur das Automobil an und Sie wurden festgenommen.— Bert. R.-A. Emuudt: Der Angeklagte hatte zu jener Zeit die Möglichkeit, der Bank 200 000 M. zu unterschlagen, die er vom Notar abgeholt und richtig abgeliefert hatte. Beweisaufnahme. Zuerst wird der Überfallene Kassenbote Louis Klein vernommen. Er erzählte, dah er den Angeklagten lövö als Kassenboten ausgelernt habe und dieser ihn kannte und auch wühle, dah er täglich grohe Geldsummen nach der Hauptstelle der Bank am Schinkelplah abzuliefern hatte. Am ij. Januar habe sich plötzlich eine Hand aus seine Schulter gelegt und Friehe, der hinter'ihm stand, tyibe ihn freundlich angeredet:„Guten Tag, altes Haus! Sagen Sie mal, wie geht es Ihnen denn?" Der Angeklagte hatte einige Sachen bei sich, sagte, er sei im Umzug und warte schon einige Zeit ver- geblich auf die Strahenbahn, so dah er sich ein Auto nehmen müsse. Auf seine Einladung stieg der Zeuge dann mit ein und unterhielt sich harmlos über allerlei Dinge mit Friehe. Er hatte gar kein Bedenken, diese Fahrt mitzumachen, da er ja doch unter dem Schutze eines Beamten der Bank war. Als er das Automobil verlieh, hat er dein Angeklagten noch bestens für die Freundlichkeit gedankt. Am anderen Tage, am 4. Januar, traf er wieder, seiner Meinung nach durch Zufall, mit Friehe zusammen, der ihm winkte, schnell mit in sein Automobil zu kommen und eine Strecke Wegs mit ihm zu fahren. Ter Zeuge war so guten Muts, dah er sich im Automobil eine Zigarre anzünden wollte, was aber der Angeklagte zu unter- lassen bat— sei es nun mit Rücksicht auf das mitgeführte Benzin, sei es, weil er vielleicht fürchtete, dah ihm die brennende Zigarre bei der Tat hinderlich sein könnte. Der Zeuge hatte etwa 43 000 Mark bei sich. Die erste Zeit verging mit ruhigem Geplauder. Kurz vor dem Einbiegen des Autos in die Strohe am Lützowufer habe Friehe, wie Klein bekundet, gesagt, dah er einem Kassenboten an der Zentralstelle einen kleinen Geldbetrag schulde und Klein gebeten, diesem doch das Geld auszuhändigen. Friehe habe dann in die Manteltasche gegriffen, eine Anzahl Geldstücke herausgeholt und diese durchgezählt. Dabei sei plötzlich der ganze Geldvorrat seinen Händen entglitten und zerstreute sich auf dem Boden des Autos. Friehe bückte sich zunächst danach selbst, dann erklärte er, es fehle ihm ein Zehnmarkstück und bat dann Klein, doch danach zu suchen, da er selbst Handschuhe anhabe und das Zehnmarkstück nicht finden könnte. Diensteifrig legte sich Klein auf den Boden des Autos und suchte emsig. Plötzlich habe er einen Schlag in das Kreuz bekam- wen und er fühlte, daß ihm eine Schlinge um den Hals geletH wurde. Ihm wurde schwarz vor den Augen und er konnte kaum rnehr atmen. Dann kam er einen Augenblick wieder zur Besinnung, er behauptet, es sei ihm so gewesen, als sei er aus einem Traum erwacht. Er habe aber gefühlt, dah sich Friehe bestrebte, ihn wieder zurückzuziehen, es sei ihm aber gelungen, die Tür des ÄutoS zu öffnen; bei dem Zutritt von Luft sei er wieder zu sich gekommen --und habe gesehen, dah ihm die Schlinge noch ani Halse sah. Er habe einige unartikulierte Töne ausgestohen. In diesem Augenblick habe er gemerkt, dah die Schlinge an seinem Halse gezogen wurde. Im letzten Augenblick habe aber Friehe sich noch bemüht, ihm die Hand auf den Mund zu halten.— Der Angeklagte bleibt mit aller Bestimmtheit dabei, daß er die Schlinge schon vorher freiwillig ab- genommen gehabt habe. Dr. Lipmann Wolf und Medizinalrat Dr. Hoffmann weichen in ihren Gutachten etwas voneinander ab. Der erste nimmt an, die Schlinge habe sich durch einen Zufall nach oben verschoben. Bei dieser Lage sei eine Erwürgung schwer möglich gewesen. Dr. Hoff- mann nimmt hingegen an, wenn sich die Schlinge nicht gelöst hätte, so wäre der Klein unzweifelhaft erstickt. Leumundszeugen. Eine Reihe von Zeugen, darunter der stellvertretende Direktor Boehme von der Bank für Handel und Industrie, stellen dem An- geklagten im allgemeinen ein gutes Zeugnis aus. Friese, der sich vom einfachen Kassenbote» zum Bankbeamten hochgearbeitet habe, habe, abgesehen von einer Art GrohmannSsucht, gezeigt, dah es ihm ernstlich daran gelegen tvar, vorwärts zn kommen. In dem zweiten Teil der Anklage handelt es sich um zwei Fälle von Unterschlagung und Untreue. Sine Frau Empt hatte dem Angeklagten im Februar 1V08 Pfandbriefe in Höhe von 2000 M. zur Aufbewahrung gegeben, die er dann gegen den Willen seiner Auftraggeberin für sich selbst ver- wendet haben soll.— Der Angeklagte erklärt hierzu, dah er die Papiere bei der Bank für Handel und Industrie, bei welcher er sich auf den fingierten Namen..Heinz Lehmann" ein Konto eingerichtet habe, ins Depot gegeben habe. Vom Vorsitzenden befragt, aus wel- ö�m Grunde er sich bei der Bank, bei der er selbst beschäftigt war. unter falschem Namen ein Konto eingerichtet habe, erklärte der An>- geklagte, dah dies von anderen Angestellten der Bank auch getan werde, er müsse jedoch wegen der Gründe im Interesse der Bank jede Auskunst verweigern. Mit einem ähnlichen geheimnisvollen Nimbus umgibt sich der Angeklagte auch, als er über den Verbleib des Geldes befragt wird. Er erklärt, daß er dies nicht angeben könne, ohne dah in der Oeffentlichkeit viel' Staub aufgewirbelt würde,«chliehlich behauptet der Angeklagte noch, daß er von der Arau E. Vollmacht erhalten habe, mit dem Gelde zu spekulieren. Plädoyers. Nach Schluß der Beweisaufnahme wurden die auf versuchten Raub, versuchten Mord. Unterschlagung. Untreue und auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Emundt auch auf gefährliche Körperverletzung bezw. freiwilliger Rücktritt vom Versuch lautenden Schuldfragen an die Geschworenen gerichtet. StaatsanwaltS-Assessor Pietsch wies in einem längeren Plä- daher darauf hin, daß es sich um einen in allen Einzelheiten wohl- überlegten und kaltblütig ausgeführten gemeinen Mordversuch hau- dele, der nur durch Anlvendung der ganzen Schärfe des Gesetzes gebührend zu ahnden sei. Bei dem von dem Angeklagten betätigten außerordentlich stark hervortretenden verbrecherischen Willen könne selbst angesichts einiger mildernder Gesichtspunkte von der Zubilli- g»ng mildernder Umstände nicht die Rede sein. - Rechtsanwalt Dr. Emundt führte als Verteidiger in erster Linie aus, es sei doch immerhin zu bedenken, dah es sich um einen bisher völlig unbescholtenen Menschen handle, dem von allen Sei- te» ein gutes Zeugnis ausgestellt sei. Offenbar sei sich der An- geklagte gar nicht recht bewuht gewesen, welches fchlvere Verbrechen von ihm begangen werden sollte. Im letzten Augenblick sei dann plötzlich lvieder das eigentliche Bewußtsein in ihm erwacht und in diejem Moment habe er dann selbst wieder von seinem Opfer abge- lassen, ohne dah er durch irgendwelche äuheren. von seinem Willen unabhängigen Einflüsse dazu bestimmt worden sei. Es frage sich deshalb, so sehr man vielleicht über einen derartigen Ausgang der Sache den Kopf schütteln werde, ob hier nicht der Z 46 St.-G.-B. in Anwendung zu bringen sei, nach welchem der Täter Straffreiheit genieße, wenn er die Ausführung einer beabsichtigten Handlung aufgebe, ohne dah er an dieser Ausführung durch Umstände gehin- dert worden ist, welche von seinem Willen unabhängig sino. Wenn die Geschworenen nicht zu dieser Auffassung kommen sollten, so hoffe er. dah dem Angeklagten zum mindesten die mildernden Um» stände nicht versagt würden, und zwar mit Rücksicht auf das Gut- Odile» des Sachverständigen, nach ivclchcm oer Angeklagte ein geistig minderwertiger Mensch sei. Die Beratung der Geschworenen dauerte bis'AS Uhr abends. Aejaht wurden die Schuldfrage» wegen versuchten Totschlages, ver- suchten schwere» Raubes unser Bersagung mildernder Umstände. Verneint wurden die Schuldfragcn bezüglich der Untreue und Unter- schlagung. Staatsanwaltsassessor Pietsch beantragte gegen den An- geklagten die gesetzlich höchstznlässige Strafe von 14 Jahre» 11 Mo- naten Zuchthaus. Rechtsanwalt Dr. Edmund! gab der Ansicht Aus- druck, daß die von dem Staatsamvalt beantragte Strafe so cxorbi- tant hoch sei, daß es sich erübrige, überhaupt darauf näher einzu- gehen. Der Angeklagte sei dadurch, daß die Zuchthausstrafe an sich in Anwendung gebracht werden müsse, schon schwer bestraft. Während der Beratung des Gerichtshofes über das Urteil setzte sich der Verteidiger»nt den Geschworene», unter denen bei dem Antrage des Staatsanwalts eine leichte Unruhe bemerkbar wurde. in Verbindung und machte ihnen unter Verwendung mehrerer Gesetzbücher verschiedene Mitteilungen. Vor den Geschworenen- bänkcn bildeten sich Gruppen um den Verteidiger. Als da? Gericht mit dem bereits zu Protokoll gegebenen Urteil wieder de» Saal betrat, erhob sich der Obmann der Geschworenen niii) erklärte folgendes: Ich habe von den Geschworenen einstimmig den Auftrag erhalten, zu erklären, daß wir uns in der Beratung bezüglich einer Frage zuungunsten des Angeklagten geirrt haben; wir bitten, nochmals beraten zu dürfen. Dieser in der Recht- sprechung vereinzelt dastehende Fall rief im Saale eine allgemeine Erregung hervor. Der Staatsanwalt bekämpfte diesen Wunsch der Geschworenen mit rechtlichem Ausführungen. Der Verteidiger hält im Gegensatz hierzu bor Verkündung des Urteils selbst jederzeit ein Berichtigungsverfahrcn für zulässig. Auf eine Frage des Staatsanwalts erklärte der Obmann der Geschwo- renen, daß sie sich bezüglich der zu 2. gestellten Schuldfragcn nach versuchtem Mord geirrt hätten. Unter den Geschworenen habe die Meinung bestanden, dah durch die Verneinung erfolgte Ausschaltung des erschwerenden Moments der Ueberlegung die Zubilligung mil- dernder Umstände gegeben sei. Der Staatsanwalt wies nochmals darauf hin. dah dieser Irrtum für die Entscheidung selbst ohne Bc deutung sei, da ja die Geschorenen die besoners gestellte Frage nach mildernden Umständen verneint hätten. Nach längerer Beratung des Gerichts verkündet der Vorsitzende: Das Berichtunysversahren ist zuläjsiig von dem Augenblick an, wo die Geschworen«» ihren Wahrspruch abgegeben haben bis zur Nr- tcilsverkündung des Gerichts. Da in diesem Falle das Urteil»och nicht verkündet war, so war das Berichtigungsversahrer» zulässig. Es ist aber auch materiell begründet, da nach der Mitteilung des Obmannes die Geschworenen bei der Beantwortung der Fragen von einer irrige» Voraussetzung ausgegangen sind. Es lieai ein sachlicher Mangel vor und delljalb beschloß das Gericht, daS Berich- tigungsverfabre» anzuordnen. Die Geschivorenen ziehen sich hierauf gegen 8 Uhr zur noch- maligen Beratung zurück, die bis Wj Uhr dauert. Diesmal bejahen die Geschworenen nur die Schuldfrage nach versuchtem schweren Raub unter Zubilligung mildernder Umstände. Der Vertreter der Anklage beantragt nunmehr die hierauf zulässige Höchststrafe, ohne diese jedoch näher namhaft zn machen.'Das Urteil lautet auf die Höchststrafe von 4 Jahr und 11 Monate Gefängnis und b Jahre Ehrverlust, Sozialea* Methylalkoholvergiftunge» Die 28. Haüpiversammlung des Preußischen Mcdizinalbcamten- Vereins, die gestern unter starker Beteiligung von Fachleuten aus der ganzen Monarchie abgehalten wurde und an der als Vertreter des preußischen Ministers des Innern Ministerialdirektor Pro- fessor Dr. Kirchner sowie zahlreiche Vortragende Räte und ständige Hilssarbeitcr von der Medizinalabteilung des Ministeriums des Innern, ferner Vertreter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes teil- nahmen, beschäftigte sich ausführlich mit den Massenvcrgiftuiigen im Berliner Asyl für Obdachlose. Das Referat hatte der in dem zurzeit verhandelten Scharmach- Prozeh als Sachverständiger fungierende Laboratoriumsleiter des gerichtlich-medizinischen Instituts der Berliner Universität. Dr. Bürger, übernommen. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Geschichte des Holzgeistes, dessen Darstellung vor fast 100 Jahren dem bekannten Forscher Philipp Taylor gelang. Der Methyl- altohol spielt heute in der Industrie eine große Rolle. Er wird vor allem verwendet zur Herstellung des wichtigsten Desinsektions- mittels, des Formaldchyd, und in der Anilinfabrikation. Weiter dient er als Lösungsmittel für Lacke, als Putzmittel und als Dcnaturierungsmittel des Alkohols. Der reine Methylalkohol ist eine wasserhelle Flüssigkeit, die in Geruch und Geschmack mit dem gewöhnlichen Alkohol große Aehnlichkeit hat, wodurch die Gefahr, dah Schnäpse, Liköre, Essenzen, Haar- und Wundwasser sowie Ein- rcibungcn mit diesem Gift versetzt werden, sehr groß ist. Der Methylalkohol ist, Wie zirka 1000 in der Literatur mitgeteilte Bcr- giftungsfälle aus Amerika, England, Ruhland, Sibirien und Ungarn beweisen, ein schweres Gift. Schon 50 bis 100 Gramm können den Tod und sogar 7 bis 8 Gramm, also ein Teelöffel, die Erblindung eines Menschen hervorrufen. Durch Einatmung und Einreibung können ganz dieselben schweren Vergiftungen wie durch den Genuß erzeugt werden. Die Vergiftung wird zweifellos durch den Methyl- alkohol als solchen und nicht durch schädliche Beimengungen hervor- gerufen. Sie hat beim Menschen in charakteristischen Fällen Er- brechen, Leibschmerzen, Nackcnstarre, Atemnot, Pupillenerweitcrung, Pupillenstarre, Schädigung des Sehvermögens und in schweren Fällen Erblindung und Tod unter Atemlähmung zur Folge. Die Leichen der an Methylakkoholvergiftung Gestorbenen habe» meist ein ganz charakteristisches Aussehen, wie wir es bisher von keiner anderen Krankheit kennen. Wir sehen eine blaurote Färbung des Gesichts und der Bindehäute der Augen, ein abnorm frühes Auf- treten der Totenstarre, eine livid-rote Farbe der Totenflecke ganz ähnlich wie beim Tode durch Kohlenoxyd, ferner flüssige Beschaffen- heil des Blutes, Blutreichtum und wässerige Durchtränkung der Lunge, des Gehirns und seiner Häute, weiter eine Schwellung und blutige Färbung der Schleimhäute des Magens und der oberen Teile des Blinddarms. Blutreichtum der Nieren und Entzündung der Harnblasenschlciinhaut. Mikroskopisch findet man Verände- rungen an Leber, Herz und Nieren und besonders an der Netzhaut, am Sehnerv und den Zentren wichtiger Nerven. In den Leichen kann man, auch wenn sie schon wochenlang im Grabe gelegen habe», noch Methylalkohol und sein Adbauprodult, die Ameisen- säure, in großen Mengen nachweisen. Bei den Asylistenvcrgiftungen stimmten Krankheit, Leichenbefund und Resultat der klinischen Untersuchung so vollständig mit dem schon lange bekannten Ler- giftungsbild mit reinem Methylalkohol überein, dah gar kein Zweifel bestehen kann, dah die Vergiftungen durch Methylalkohol als solchen und nicht durch Verunreinigungen hervorgerufen sind. Die Gefahr, daß auch weiterhin solche Vergiftungen durch Fälschung von Genußmitteln vorkommen, ist groß, da der hierzu vorgeschriebene reine Alkohol doppelt so teuer ist wie der giftige Methylalkohol. Skrupellose, gewinnsüchtige Menschen werden auch weiterhin vor solchen Fälschungen nicht zurückschrecken. Auch die Arbeiter find schwer gefährdet, wenn sie dauernd den Dämpfen von Methylalkohol ausgeseht sind. Vor allem sind neben Augen- slörungcn Luftröhrcnkatarrhc zu befürchte». Wege» der schweren Gefahren für die Allgemeinheit, die der Methylalkohol mit sich bringt, ist es deshalb zu begrüßen, dah der § 15 deK Gesetzentwurfs über die Beseitigung des BranntLeiu» kontingents die Verivenknng von Methylalkohol für Nahrung?« l»id Geiiußmittel, insbesandere für Trinkbranntwein und sonstige alkoholische Getränke, verbietet, ebenso für Heil- und Kräftigungs- mittel, Riechmittcl, Ncinigimgsmitk'l. Haarfärbemittel und Mund- Wasser. Es ist aber weiter nötig, dah Methylalkohol und methyl- alkoholhaltige Stoffe auf die Giftlistc gesetzt werden. Ferner ist ratsam, den Methylalkohol zu denaturieren und zu verbieten, daß Methylalkohol unter einem anderen Namen, etwa Spritcrsatz, in den Handel gebracht wird. ES muh angeordnet werden, daß mcthylalkoholhaltige Stoffe stets den Gehalt an Methylalkohol klar erkennen lassen. Auch die Verwendung des Methylalkohols zur Denaturierung des Alkohols darf nicht zugelassen werden und seine Verwendung in der Industrie an Stelle des Acthylalkohols oder des Terpentins muh. weil hiermit eine schwere Schädigung der Arbeiter verbunden ist, gleichfalls verboten werden.(Lebhafte Zustimmung.) Als zweiter Redner berichtete Oberarzt Dr. Rühle von der Landesheilanstalt Uchtspringen über Tiercxpcrimcnte durch Vergiftung mit Methylalkohol, die er auf Veranlassung des Di- rektors seiner Anstalt unternommen hat. Durch die anatomische Untersuchung konnte er bestätigen, dah die tödliche Wirkung einer akuten Methhlalkoholvergiftung durch Blutaustritte in die Ur- sprungsstcllen der die Herz- und Atmungstätigkcit regulierenden Nervenbahn bedingt wird. Redner begleitete seine Ausführungen mit einer Demonstration zahlreicher Diapositive von Mikrophoto- grammen seiner Präparate. Namentlich die darunter befindlichen Lumiereaufnahmcn dienten zur Unterstützung seiner Ausfüh- rungen. Auf Grund der völlig übereinstimmenden anatomischen Befunde seiner Versuchstiere stellte er die Forderung auf, in jedem Falle einer menschlichen Methylalkoholvergiftung Gehirn und Rückenmark einer eingehenden mikroskopischen Untersuchung zu unterziehen.. An die Vorträge schloß sich eine kurze Aussprache. Medizinal- rat Ja n ssen- Gumbinncn: Der Vortragende hat ausdrücklich betont, daß zu dem von ihm angestellten Versuchen reiner Methyl- alkohol verwendet worden ist. In der Praxis des täglichen Lebens gber ist es außerordentlich schtvcr, reinen Methylalkohol zu bc- kommen. Gewöhnlich enthält der Methylalkohol Azeton und man begnügt sich daher vielfach bei den Untersuchungen auf Methyl- alkohol damit, nur auf Azeton zu untersuchen. Die Frage ist nun, wie es mit dem Azeton steht. Azeton tritt in gewissen Sadicn des Diabetis auf und wird dann sehr gefürchtet. Ich weih nun nicht, ob das in diesem Stadium aufrctcndc Azeton wegen seiner eigenen Giftigkeit gefürchtet ist oder ob es nur der Indikator ist für andere Gifte. In dem Prozeß gegen den Drogisten Scharmach ist von der Verteidigung Wiederholt die Behauptung aufgestellt wor- den, dah der reine Methylalkohol eine an sich ganz ungefährliche Waffe sei, dah er jedenfalls nicht gefährlicher sei, als der Aethhl- alkohol. Aber er hätte die Neigung, sobald er einige Tage mit der atmosphärischen Luft in Verbindung stehe, gewisse Umsetzungspro. dukte zu bilden, nämlich Formaldehyd und Ameisensäure. Ist das richtig und wie verhält es sich mit diesen Umsetzungsprodukten? Gerichtsarzt K e f e r st e i n- Magdeburg: Chemisch ist heute lediglich das Vorhandensein von Methylalkohol zu bewei�cm dagegen ist es chemisch noch nicht möglich festzustellen, wie viel Me- thhlalkohol jemand genossen hat. An die absolute Geruchlosigkeit des Methylalkohols glaube ich nicht. Auch der reine Methylalkohol hat einen besonderen Geruch. Wenn man Methylalkohol zwischen den Händen zerreibt, merkt man deutlich einen schwachen Geruch nach Brennspiritus. Das ist auch leicht erklärlich, da in jedetnK Brennspiritus auf Grund der Denaturierung Methylalkohol cnt- chatten ist. Dah gerade die amerikanischen Aerzte besonders reich«- liche Erfahrungen mit Methylalkohol gemacht haben, liegt daran, daß in den Tempercnzstaatcn die gesetzgebenden Körper- schaften die schärfsten Bestimmungen erlassen haben, um einen Miß- brauch mit Alkohol auszuschließen. Die Amerikancr haben daher ihr Augenmerk darauf gerichtet, eine Flüssigkeit zu finden, die sich trinken läßt, wie Alkohol schmeckt und den hohe n Steuern nicht unterliegt. Dabei sind sie auf den Methylalkohol geflohen und daher die vielen Vergiftungen durch Methylalkohol gerade in Amerika.— In der weiteren Debatte wurde der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß»ach dem Prozeß Scharmach manche Leute ganze Bowlen mit Methylalkohol getrunken haben, ohne daß ihnen «stvas passiert ist, während andere Personen schon nach dem Genuß ganz geringer Mengen gestorben sind.— Dr. Bürger: Es ist aus- geschlossen, das; sich im Methylalkohol selbst bei monatelangem Stehen durch Zutritt von Luft Ameisensäure oder Formaldehyd bildet. Was die großen Bowlen anlangt, so sind das bisher ein- scitige Behauptungen der Angeklagten. Es ist fraglich, ob wirklich ein Mensch derartig grohe Mengen Methhlalkohol getrunken hat, Damit schloß die Dcbgtte. Da» größte Abonnementshaus feinster Herren-Moden J. 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April 1212, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch! v. B c t h m a n n H o l l lv e g, Dr. Del- b r ü ck, Dr. L i s c o, Kuh n. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wahlprüsungen. Ohne Debatte für gültig erklärt werden die Wahlen der ribgg. Brandes lSoz.), Slngerpointner(Z.), Dr. Belzcr(Z.s, Meyer-Celle(natl.), Astor(Z.) iZS folgt die Interpellation Baffer mann(natl.) betr. den bayerischen Jesuitencrlasf. Die Interpellation lautet: Crkcnnt der Ncicl)skanzler in dem Erlaß des Kgl. baheri scheu Staatsministcriums des Innern an die Kgl. Regierungen betr. VollzugdesJcsuitengesetzes eine Verletzung des ReichögesetzcS vom 4. Juli 1872 und der Bekanntmachung des Reichstages vom S. Juli 1872? Welche Sck>ritte gedenkt der Reichskanzler gegenüber diesem Vorgehen der Kgl. bayerischen Staatsregicrung zu tun, um das iaiscrliche Recht zur Ucberwachung der Ausführung der Reichs gesehe zu wahren? Auf die Frage des Präsidenten erklärt sich der Reichskanzler v. Bethmann Holliveg bereit, die Interpellation S u beantworten. Die Interpellation wird begründet vom Abg. Dr. Junck(natl.): Wir nehmen an, daß der Erlaß des bayerischen Ministeriums über die Ausführung des Jesuitengesetzes eine auffällige Verletzung eines Reichsgesetzes ist. Der Erlaß ist als vertraulicher bezeichnet worden, doch ist die Vertraulichkeit wohl aufgehoben; übrigens ist die Vertraulichkeit kein Vorzug. Ob die Gründe, die seinerzeit zum Erlaß des Je- suitcngesetzes geführt haben, zutreffend sind, habe ich jetzt nicht Auf- trag zu untersuchen, solange ein Reichsgesetz besteht, ist man ihm Achtung und Gehorsam schuldig.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Das hat gestern gerade ein Mitglied des Z e u- t r u m s Hervorgehoben. Es gehört zu den Aufgaben des Reichs- kanzlers, die Durchführung der Reichsgesetze zu überwachen. Der Bundesrat hat erst einzugreifen, wen» die Autorität des Reichs- tanzlers einem dissentierenden Bundesstaat gegenüber nicht aus- reicht, seinen Willen durchzusetzen. Hat der Reichskanzler der Meinung des bayerischen Ministeriums über den Vollzug des Je- suitengcsetzes widersprochen, und welche Anttvort hat er erhalten. wenn er den bayerischen Ministerpräsidenten Frhr. v. Hertling darauf hingetvicsen hat, daß hier die Verletzung eines Reichsgesetzes vorliegt. Es ist ja möglich, daß man sich bereits dahin geeinigt hat, die Angelegenheit dem Bundesrat zur Entscheidung zu über- weisen. Uns liegt aber daran, zu wissen, was der R e i ch S k a n z- ler getan hat und tun will, welche Stellung er einnimmt. Nicht aus Neugierde wollen wir das wissen, sondern im Interesse der Autorität des Reichskanzlers.(Sehr richligl bei den National- liberalen.) ES ist unerträglich und widerspricht auch dem Reichsgc- danken, wenn die Reichsgesetze in den verschiedenen Bundesstaaten verschieden ausgelegt und gchandhabt werden, wenn ein preußisches und ein bayerisches Jesuitenrecht sich ausbildet. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Das Predigen gehört zur Tätigkeit der Jesuiten.(Heiterkeit im Zentrum.) Es ist wich- tig, festzustellen, daß das zur Ordenstätigkeit gehört, und zwar das Predigen in Kirchen, auf Plätzen und„an anderen Orten". Es ist das also keineswegs eine Tätigkeit außerhalb der Ordens- täligkeit.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Der bayerische Erlaß räumt den„letveiligen Zeitverhältnisscik" einen Einfluß auf die Auslegung des Gesetzes ein; das kann doch nur heißen, auf die inildere oder strengere Anwendung des Gesetzes. Etwas Derartiges darf es nicht geben, sondern ein Gesetz wird entweder unrichtig oder richtig angewendet.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Nationallibe ralen.) Der Erlaß sagt, rein priesterliche Handlungen derJesuiten fallen nicht unter das Gesetz, dabei fällt die Or- denötätigkeit direkt mit der priesterlichen zusammen, wie gerade von katholischen Autoritäten ausgeführt ist. Daß die bayerische Regierung jetzt mit diesem Erlaß an die Oeffentlichkeit getreten ist, zeigt, daß es ein er st e r V o r st o ß ist auf dem Gebiete des Kirchenrechis, ein ballon d'essai(Versuchsballon), um zu sehen, wie stark der Widerstand gegen die Verletzung der Kirck)cngesetzc ist. lim so mehr haben wir Veranlassung, den Reichskanzler an sein Ueberwachun gerecht zu erinnern. Pom Bundesrat wün- jchen wir. wenn er sich mit der Sache beschäftigt, daß er nicht nur negativ sagt, Bayern hat Unrecht, sondern positiv sagt, ivas auf Grund des bestehenden Gesetzes noch erlaubt ist und was nicht. Aon Freiherr» v. Hertling erwarten wir, nachdem der Bundesrat ihm Unrecht gegeben, daß er den Erlaß in loyaler Wette zurück zieht. Zunächst aber wollen wir wissen, was der Reichskanzler getan hat und zu tun gedenkt; es scheint uns dringend nötig, daß er die Ausführung der Reichsgesetze überwacht.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Reichskanzler von Bethmann Hollweg» Das Jesuitengesctz vom 1. Juli 1872 schließt die Angehörigen der Gesellschaft Jesu vom Gebiet des Deutschen Reiches aus und untersagt die Errichtung von Niederlassungen. Auf Grund des 8 3 des Gesetzes, der bestimmt, daß die zur Ausführung des Voll- zugs des Gesetzes erforderlichen Vorordnungcn vom Bundesrat er- lasten werden, l>at der Bundesrat ausweislich der Bekanntmachung de» ReichS-kanzlerv vom L. Juni 1872 beschlosten, daß der Orden der Gesellschaft Jesu vom Deutschen Reiche ausgeschlossen ist, den Angehörigen dieses Ordens die Ausübung einer Ordens- tätigkeit insbesondere in Kirche und Schule, sowie die Abhaltung von Missionen nicht zu gestatten ist. Im BundcSratöprotokoll zu diesem Beschluß ist folgender Satz an- gefügt: „Der erfolgte Beschluß wurde mit dem selbstverständlichen Vorbehalt gefaßt, daß ergänzende und abändernde Anordnungen getroffen werden, tvenn im Laufe der Zeit auf Grund der bei Ausführung des Gesetzes gemachten Erfahrungen die Not- wendigkeit des Erlasse«, weiterer Best im- m u n g e n sich herausstellen sollte�rS Eine bestimmte Definition des Begriffes Ordcnstätigkeit war hiernach vom Bundesrat nicht gegeben worden. Trotzdem ist die Auslegung dieses Begriffes bis in die neueste Zeit in sämtlichen Bundesstaaten im wesentlichen eine gleiche gewesen. (Hört! hört!) Danach hat man jede Art seclsorgerischer Tätigkeit. jede Art von bricstcrlichcr Funktion als einen Akt der Ordens- tätigkeit betrachtet und nur daS Lesen sogenannter PrimiSmessen als zulässig erachtet, soweit sie den Eharakter von Familien- feiern tragen, weiter das Lesen stiller Westen und das Spenden von Sterbesakramenten gestattet, soweit nicht Landcsgesetze entgegenstanden. Auch sogenannte Konferenzvorträge re- ligiösen und sozialen Inhalts sind unter gewissen Voraussetzungen tatsächlich zugelassen oder geduldet worden, sofern sie in profanen Räumlichkeiten stattfanden. Zu einer hiervon ab- weichenden Auslegung ist, wie bekannt, die bayerische Re- g i e r u n g gekommen, welche unter dem 11. März angeordnet hat, daß zu der verbotenen Ordcnstätigkeit in Zukunft nicht gerechnet werden sollen die sogenannten Konfcrcnzvorträgc, wenn sie in kirchlichen Räumen stattfinden und sich die Gelegenheit zum Empfang der Sterbesatrainente damit verbindet. Eine so verschiedene Auslegung und Anwendung eines Reichsgcsctzcs i st s e l b st V e r st ä n d l i ch nicht angängig. Ich l)abe infolge- ldessen, als mir diese Anordnung der königlich bayerischen Rt- gierung zunächst durch die Kresse bekannt wurde, sogleich an die bayerische Regierung das amtliche Ersuchen gerichtet, mir' den Wortlaut der in der Presse als geheim bezeichneten Anordnung mitzuteilen. Die königlich bayerische Regierung ist diesem Ersuchen nachgekommen und hat mich unmittelbar darauf wissen lassen, daß sie beabsichtige, beim Bundesrat einen Antrag auf D e f i n i- t i o n der verbotenen Ordcnstätigkeit zu stellen. Die königlich bayerische Regierung hat diesen Entschluß sofort ausgeführt. Dem Bundesrat liegt ein bayerischer Antrag vor, den Begriff der verbotenen Ordenstätigkcit zu definieren. Dafür, daß bis zum Ergehen des BundcSratsbeschlusses auch in Bayern die Anwendung und Handhabung des Gesetzes auf Grund der bisher im ganzen Deutschen Reiche bestehenden Uebung ivcitcr zu erfolgen hat, hat die bayerische Regierung Vorsorge getroffen. Hiernach ergibt sich eine absolut einfache und klare Sachlage. (Sehr tvahr! rechts.) Bis zum Ergchen des BundcSratsbcschlusscs wird§ 1 des Jesuitengesetzes im ganzen Deutschen Reiche auf Grund der bestehenden Uebung gleichmäßig angewendet werden. Nach dieser Zeit wird der vom Bundesrat gefaßte� Beschlutz die einheitliche Grundlage bilden. Bei dieser Sachlage meine ich, ist die Diskussion über den Begriff Ordenstätigkcit oder ber- botene Ordcnstätgkeit der bevorstehenden Bundcsratssitzung vor- zubehalten.(Sehr richtig! und Beifall rechts.) Bayerischer Gesandter Graf Lerchenfeld: Ich hätte den Worten des Herrn Reichskanzlers nichts hinzuzusetzen und ergreife nur des- halb das Wort, weil der Begründer der Interpellation einige Aus- führungen gemacht hat, die mich veranlassen, dem einige Worte entgegenzusetzen. Der Abg. Junck hat gesprochen von einer Ver- lctzung des Rcichsgesetzes durch die bayerische Regierung. Er hat aber in seinen weiteren Ausführungen dies Delikt insofern etwas eingeengt, als er nur von einer objektiven Verletzung sprach. Jedenfalls ist der Ausdruck gefallen, und ich möchte ihn zurückweisen. Ich konstatiere, daß meine Regierung bei dem Erlaß der festen Ueberzeugung mar. daß sie sich innerhalb des Rahmens des Reichsgesetzes gehalten hat. Dann hat der Herr Abgeordnete weiter gemeint, daß Bayern einseitig vorgegangen sei. Auch daZ muß ich zurückweisen. Gleichzeitig mit dem Erlaß und v o r dein Erlaß hat die bayerische Regierung sämtlichen Bundesregierungen ihre Auffassung der Sache angezeigt. Nachdem dann Bedenken gegen den Erlaß aufgestiegen waren, hat die bayerische Regierung sich an diejenige Stelle gewendet, welche dazu berufen ist, Rcichsgesetze auszulegen. Der Bundesrat ist dazu kompetent auf Grund der Reichsverfassung und auf Grund des Jesuitengesetzes. Wie der Herr Reichskanzler bereits mitgeteilt hat, hat sich der Bundesrat weitere Anordnungen vorbehalten. Auf Antrag des Abg. Basser mann(natl.) wird die B c- sprechung der Interpellation beschlossen�, Abg. Bl-S(Soz.): Dem Jesuitengesetz gegenüber haben wir immer den Stand- Punkt vertreten, daß es beseitigt werden muß. Seit 42 Jahren haben wir dies Gesetz, das gar keinen Zweck hat und eigentlich auch nie einen gehabt bat(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), höchstens den, daß Fürst Bismarck sich dem deutschen Bürgertum als liberaler Staatsmann zeigen wollte. Die Regierungen haben ja die Jesuiten nie als die staatS- gefährlichen Leute betrachtet, als welche sie die liberale Presse hinstellt.(Sehr richtig! im Zentrum.) Aber den bayrischen Er- laß können wir der Konsequenzen wegen nicht so leicht auffassen, wie der bayrische Bevollmächtigte zum Bundesrat. Die j e s u i- tische Kasuistik hat in diesem Erlaß wahre Triumphe ge- feiert, ich würde mich schließlich nicht wundern, wenn er von den Jesuiten selbst herrührte.(Heiterkeit und sehr gut>) Auch den Mitgliedern der Gesellschaft„Jesu" wollen wir volle Koalitionsfreiheit und Redefreiheit gewähren; aber so lange das Gesetz besteht, soll cS geachtet werden; das verlangen gerade wir, denen man immer vorwirft. wir seien GcsetzcSvcrächter. Mit dem Jesuitengesetz war es der Regierung wohl schon beim Erlaß des Gesetzes nicht ernst Die Begründung von 1872 beruhte im Grunde auf einer Aufzählung der verschiedenen Ammenm ärchen, die die liberale Presse über die Tätigkeit des OrdenS verbreitete(Sehr wahr! im Jen- trum). Man kann etiva sagen, wenn ei» Jesuit und ein liberaler Minister zusammenkommen, ist gewöhnlich der Jesuit der Klügere(Heiterkeit und Zustimmung im Zentrum), und der Minister empfindet eine gewisse Furcht vor ihm. Aber deshalb braucht man die Jesuiten doch nicht unter ein Ausnahmegesetz zu stelle».(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Liest ma» heute die Begründung durch, so mutet sie selbst wie ein Märchen an, sie erinnert an den Spruch:„Die Jesuiten sind der W u r m in der deutschen Eiche."(Heiterkeit bei den Sozialdcmo- kraten und im Zentrum.) Die Sache ist aber keineswegs ganz harmlos. Wenn inan auch die liberalen Märchen über die Je suiten nicht glauben braucht, verdienen sie doch unsere Aufmerl- samkeit. Staatsgefährlich sind sie freilich schon lange»ncht mehr Im Jahre 1850 hat ein General die preußische Politik geleitet, Radowitz, der selbst zum Orden Jesu ge. hörte.(Heiterkeit und Widerspruch im Zentrum.) Mit Heiter- keit wird diese Zugeksörigkeit nicht aus der Welt geschafft. Der Führer der Konservatiben zu jener Zeit. Herr von G e r l a ch, schrieb bekanntlich:„Der König hält uns für Rind- Viecher und Bunsen und Radowitz für große Staats- männer."(Groß« Heiterkeit.) Em Verdienst haben die Jesuiten während wir uns mit der Frage des Zukunftsstaates offiziell noch nicht beschäftigt haben(Heiterkeit), Ijaben sie uns in ihrem Eppcrinient in Paraguay den ultrainonwnen oder katholischen Zukunftsstaat gezeigt, mit all den Uebcln, die man unserem Zu- kunftsstaat immer nachsagt. Die preußische Kamarilla hat ja durch einen ihrer Herolde verkünden lassen, daß sie aus ihre Stunde lauere, und wenn diese eintritt, werden die Väter der Gesellschaft Jesu sicher auf der Seite der Reaktion zu finden sein. Insofern ist cö ein Zeichen der Zeit, daß man von oben her mit solchen Vergünstigungen für sie sogar gegen die bestehenden Gesetze vorgegangen ist. Trotzdem wir wissen, daß wir es bei den Jesuiten mit einem Faktor zu tun haben, der in stärkster Feindschaft uns gegenüber steht, wird unö das nicht abhalten, für das Fallen dieses Gesetzes zu wirken, damit diese» Monstrum endlich aus der Welt geschafft wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Nach der Erklärung des Reichskanzlers hätten wir es für richtig gehalten, über die Angelegenheit heute nicht zu sprechen, sondern die Entscheidung des Bundesrats abznwarteit. Ich stehe mit dem Abg. Junck auf dem Standpunkt, daß der ss 1 des Jesuitengesetzes besteht, und daß ein bestehendes Gesetz angewendet werden muß. auch wenn ich es für un- gerecht halte. Aber das ist nicht richtig, daß jede priesterliche Tätigkeit eine Ordenstätigkeit ist; sie ist es nur dann, wenn sie im Auftrage des Ordens geschieht, ohne diesen Zusammen- hang mit dem Orden ist sie keine Ordenstütigkeit, und das ist der Kernpunkt.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Der Redner sucht dies aus der Geschichte des Jesuitenordens und päpstlichen Erlassen nachzuweisen. Exerzitien sind auch nicht rein priesteramtliche Handlungen; sie werden auch von Frauen ausgeübt, während es doch heißt: mulier tacest in ecclesia(daß das Weib schweige in der Ge- meinde).— Man verlangt Wachsamkeit vom Reichskanzler. wir crivartcn vor allem Gerechtigkeit von ihm.(Bravo! im Zentrum.) Avg. Graf Westarp(kons.): Nach den Erklärungen des Reichs- kanzlers hat die ganze Frage nur noch verfassungsrechtliche, for- inelle Bedeutung. Auf die materielle Seite gehe ich daher nicht ein. Wir lmben Veranlassung, hier im Reichstag in der Kritik der so würde sich eine den große:_________________......_________________ einzelstaatlichen Regierungen eine gewisse Zurückhaltung! Verzinsung herausstellen. Elsaß-Lothringe» hat, wie gesagt, auf die zu üben. Trotzdem kann ich nicht unterlassen, auszusprechen, daß nach unserer Auffassung die bayerische Regierung hier eine Aus- führungsvcrordnung zum Jesuitengesctz erlassen hat und sich dabcr nicht inner halb der Grenzen ihrer vcrfassungs- rechtlich umschriebenen Zuständigkeit gehalten hat. Der Erlaß solcher Ausführuilgsverordnungen steht allein, dem Bundesrat zu. Der Bundesrat hätte schon längst seinerzeit nach Aufhebung des tz 2 des Jesuitengesetzes mit einer Ausfuh- rungSordnung vorgehen sollen. Jetzt wird ja nun der Bundesrat einen Beschlutz fassen und wenn er ergangen sein wird, werden wir vielleicht erneut auf die Sache zurückkommen.<-. Jedenfalls werden wir den Reichskanzler dann für diesen Bundesratsbeschluß nicht verantwortlich machen können. Zum Schluß möchte ich unserer Befriedigung Ausdruck gcben> daß dura� die verfassungstreue und bundcsfreundliche Haltung der bayc- rischcn Regierung ein Weg gefunden worden ist, der jede Konflikts- Möglichkeit- beseitigt.(Bravo! rechts und im Zentrum.) Abg. Dave(Vpt.): Die bayerische Regierung hätte, ehe sie über- Haupt ihre Erlasse Yerausgab, sich mit den R e i ch si n st an zc n> verständigen müssen.(Sehr richtig! links.) Ilebrigens bestand ein Widerspruch zwischen den Ausführungen des Reichs- kanzlers und des Grafen Lerche nfeld. Der Reichs- kanzlcr sagte, er habe den Erlaß aus den Zeitungen! kennen gelernt, während Gras Lcrchcnfcld erklärt, die baye- rische Regierung habe allen Bundesregierungen Mit- teilung von ihrer Absicht gemacht.(Hört! hört! links.) Dieser Widerspruch bedarf noch der Aufklärung. Jedenfalls beweist dieser ganze Vorgang wieder, wie peinlich die Reichsinstanzen darüber wachen müssen, daß dem Rcichsgedankcn sein Recht wird. (Bravo! links.) Abg. Mertin(Rp.): Der bayerische Erlaß verstößt zweifellos gegen den Geist des Jesuitengesetzes. Vor allein müssen wir gegen den gefährlichen Satz in dem Erlaß protestieren. daß die Auslegung eines Gesetzes sich richten müsse nach den kcweiligcn Zeitläuften. Wir erwarten, daß der Reichskanzler für eine sinngemäße Durchführung des Jesuitengesetzes sorgen wird. Abg. Dr. Ortmann(imtl.): Wir haben die Jnterpellaston ein- gebracht mit Rücksicht auf die tiesgehende Beunruhigung weiter Kreise deS Volkes durch den Jesuitcnerlaß(llnnche im Zentrum) und wir wollten dem Reichskanzler Gelegenheit geben, Ocl anfdieimmcrhöher gehenden Wogen zu gießen. Aber die Erklärungendes Reichskanzlers werden diese Beunrnhigiing nur verstärken.(Unruhe i. Zentr.) Die bayerische Regierung hat den Erisapsel in den bewaffneten Frieden der Konfessionen geworfen. Die Handhabung deS Jesuiten- gesctzeS ist ja bisher vielfach ä u ß e r st lax gewesen.(Lachen im Zentrum), insbesondere im Rheinland. Der bayerische Erlaß ist daS Avantgardegefecht für schwerere Kämpfe in der Zukunft. Gibt man dem Zentrum den kleinen Finger, so nimmt es die ganze Hand. (Gelächter und Unruhe im Zentrum.) Mag das Zentrum in Bayern allmächtig sein, im Reiche sind wir Gott sei Dank noch nicht so»veit.(Erneutes Gelächter im Zentrum, Bravo! bei den National- liberalen.) Abg. Morawski(Pole): ES handelt sich hier um die Wahrung der GeistcSfreihcit.(Bravo! im Zentrum.) Die Sozialdemokratie ist in ihrer Haltung am k o n s e q u e n t e st e n. Abg. Gröber(Z.): Herr Ortmann hat seine Kulturkampf- pauke gegen uns auf einen anonymen Brief gestützt. Das ist ein Armutszeugnis für den Redner.(Lebhaftes Bravo l im Zentrum.) Es handelt sich bei dem Jesuitengesetz um kein Justiz-, sondern um ein Verwaltungsgesetz, und dessen Auslegung kann allerdings nach den Zeitläuften milder oder strenger gehandhabt werden. Redner geht des weiteren ausführlich auf die Geschichte des Jesuiten- gesctzeS ein, und erörtert eingehend den Begriff der Ordenstätigkeit. Dahin gehöre doch auch vor allem die literarische Tätigkeit gelehrter Jesuiten. Aber diese zu verbieten, bis zu solcher Lächerlichkeit ist nicht einmal die preußische Regierung gegangen.(Heiterkeit.) DaS Jesuitengesetz ist das einzige noch bestehende Ausnahmegesetz, daö man gegen alle katholischen Orden anwendet, die man als zum Jcsuitenverband gehörig be- zeichnet. Das Jesuitengesetz richtet sich gegen de» KatholiziS- in u S Ü b e r h a u p t, das zeigt deutlich die Erklärung des Reichs- kanzlers, daß der Bundesrat jede priesterliche Tätigkeit als Ordens- tätigkeit auslegt. Allen Mächten des Umsturzes läßt man freie H a n d.(Hu! hul bei den Sozialdemokraten.) Gewiß, jeder Freidankerderein hat Gelegenheit zu agitieren Ivie er will. Ich habe nichts dagegen. Aber wir verlangen die gleiche Freiheit wie für den Unglaube» auch für den Glauben. iLebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Mumm(Watsch. Vg.) freut sich über die Erklärung des Reichskanzlers im Interesse der Einheitlichkeit des Reichs. Auch auf einem anderen Gebii t möge der Reichskanzler dem Gesetz Achtung verschaffen: die Erklärung des Krieg Sministers bedauere auch ich tief als evangelischer Ehrist. Möge der Bundesrat einen Ausweg finden, schlicht und klar,»nd ohne eine gewundene Politik, die man im Bolle als jesuitisch oder national» liberal bezeichnet.(Große Heiterkeit.) Abg. Dr. J»iick(natl.): Der Erfolg unserer Interpellation ist der, daß der ReichSt�nzler den bayrischen Erlaß als im Widerspruch stehend zur bisherigen 40 Jahre lang in Uebung bestehenden AuS- legung des Bundesrats bezeichnet hat, und daß die bayerische Re- gierunz sich jetzt an den Bundesrat gewendet hat. DaS hätte sie eben von vornherein tun sollen, als sie von der bisherigen Aus- leguna abweichen wollte. Damit schließt die Besprechung der Interpellation. Hierauf wird die zweite Beratung deS Etats der Bcrwaltung der Reichseise»»bahuen fortgesetzt.' Abg. Licsching(Vv.) kritisiert Einzelheiten des Etats. Bei aller Sparsamkeit sollte die Verwaltung doch nicht die ausreichende Entlohnung des Personals vergessen. Der Durchschnittslohn müßte mindestens für alle Staaten in den Südstaaten der gleiche sein. Heute beträgt er in Bade» 1362 M., in Württemberg 1615 M. und i» Elsaß-Lotbringen nur 1222 M. Das Koalitionsrecht darf den Eisenbahnarbeiter» nicht beschränkt werden. Glauben Sie wirklich, daß wenn ein Arbeiter in eine sozial- demokratische Versammlung will, und man verbietet ihm das, daß er deshalb weniger sozialdemokratisch wählt? Verbotene Früchte reizen bekanntlich am meisten. Solch kleinliche Maßregeln sind kein ehrendes Zeugnis für die Verwaltung. Dabei gehört auch die Weigerung. Arbeiter schon mit 25 statt 30 Jahren zum ArbeiterauSschuß wählbar zu machen.(Sehr richligl links.) Abg. Dr. Wcill(Soz.): ES ist eine sonderbare Stellung, die innerhalb des großen Reichs- haushaltsetatS der Etat der clsaß-lothringischcn Eisenbahnen, einer kleinen und räumlich ziemlich begrenzten Betriebsverwaltung cin- nimmt. Das führt dazu, daß sich dieses Haus alljährlich unsere reichSIändischen Spezialioünsche und Spezialreden au- hören muß— oder auch nicht anhören muß.(Heiterkeit.) Dieser eigenartige Charakter der eljaß- lothringischen Bahnen mag ur- 'prünglich im Einklang mit den verkehrspolitischen Absichten des Reichs gewesen sein, als man sie gewissermaßen als die Keim- zelle künftiger NeichSeisenbahiici» ansah. Damals hat das Lieich ür 325 Millionen von der Ostbahn die Bahnen gebaut. In weiterer Folge dieses ZustandcS werden auch heute die recht erheblichen lleberschüsie der elsaß- lothringischen Bahnen von den Elsaß- Lothringern, die die aiifbringen, nicht im geringsten ver- ' p li r t. In diesem Jahre betragen si« zirka 38 Millionen. Der Minister meinte zwar, die Verzinsung sei sehr gering. Würde er aber den durchschnittlichen Zinsfuß der letzten zehn Jahre feststellen, so würde sich eine de» großen Ueberschüssen entsprechende günstige Verwendung dieser Ueberschnsse keinen Einfluß. Diese Ausnahme- stcllung wird in unserem Lande als Unrecht und Benachteiii- gung cnipsunden.??atiirlich liegt es mir fern, vorzuschlagen, daß das Reich auf den Besitz der Eisenbahnen verzichten solle. Möglich aber wäre eine Veränderung in der Art, daß die clsaß- lothringische Bevölkerung in ihrer unmittelbaren Ver- trelung einen größeren Einfluß aus die Verwaltung er- hielte. Die Eisenbahnhoheit könnte dem Reiche verbleiben, wenigstens so lange, als die Verfassuugssrage für Elsaß-Lothringen nicht endgültig in dem Sinne geregelt ist, wie wir es wünschen, daß Elsaß-Lothringen ein selbständiger Bundesstaat, gleichberechtigt mit den anderen deutschen Staaten, geworden ist. Die Einnahmen könnten in einer Summe im Reichsetat stehen, und die Ausgaben könnten durch einen Spezialetat. dessen Aufstellung man Elsaß-Lothringen überlassen könnte, festgelegt werden. Es würde dann auch ein anders gestaltetes Jntereste an der Bahn vorhanden sein. Heute hat das Reich das größte Interesse an den st r a t e- vischen Bahnen und an den großen Bahnen, deren Rentabilität nicht in Frage steht. Auf das Recht, auch die kleinen Bahnen zu bauen, verzichtet das Reich im großen Umfange und überläßt diesen Bau Privatgesellschaften. Mit den strategische» Bahnen müßte man doch auch einmal zu Ende kommen: sie belasten den Etat ungemein. Die Gleich- berechtigung will uns die Rechte nur zugestehen gegen ein Reifezeugnis des WohlvcrhaltcnS. DaS darf es in einer Frage deS Rechts nicht geben. Wir ver- langen die Gleichberechtigung als unser Recht.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Verein heitlichungs- b e st r e b u n g e n deS Eisenbahnwesens wollen nicht eine Einheit- lichkeit im preußischen Sinne, sie sollen vielmehr den anderen • Staaten mehr Einfluß gewähren. Ein Mittel dazu ist die B e t r i e b s m i t t e l g e ni e i n s ch a f t. Wir wünschen in diesem Zusammenhange, daß Elsaß-Lothringen gleich den anderen Staaten als gleichberechtigter Kontrahent auftritt. Dadurch würde auch in Süddeutichland und bei und das Miß- trauen gegen ein überhandnehmendes P r e u ß e n t u m in der Eisenbahnverwaltung schwinden. Wie sehr gegenwärtig diese Aengstlichkeit und dieses Mißtrauen berechtigt ist, das beweisen uns die Erfahrungen, die wir in Elsaß-Lothringen machen. In der Bevölkerung besteht die Auffassung, daß bei der Anstellung von Beamten die zugewanderte Bevölkerung vor der alt ein- gesessenen bevorzugt wird. Die Statistik der Beamten beweist, daß diese Empfindung berechtigt ist. Das Preußentum zeigt sich in zahlreichen Einzelfällen. So wird den Hoteldienern in Metz ver- wehrt, den Bahnhof zu betreten. Natürlich erleiden sie erheblichen Schaden in ihren Einnahme». Dann die Behandlung der Arbeiter. Die häufigen Beschwerden und Klagen sollten der Verwaltung doch zu denken geben, daß eS nicht am besten bestellt ist in der besten der Welten, wie man nach den Bescheiden der Verwaltung glauben sollte. Die Bezahlung der Wochenfeiertage wird abgelehnt, ebenso eine Lohnsteigerung, obwohl doch. wie wir eben wieder vom Abg. Liesching gehört haben, in Elsaß- Lothringen die Löhne niedriger sind als in den anderen süddeutschen Staate». An dem Akkordlohn wird festgehalten, obwohl selbst der Kollege S ck> w a b a ch dieser Arbeitsordnung mißtrauisch gegen- übersteht. In Württemberg sind 82 Proz. der Eisenbahnorbeitcr in Zeitlohn beschäftigt: es geht also. Am rücksichlslosesten zeigt sich die Eisenbahnverwaltung in bezug auf das K o a l i t i o n S- recht. In den anderen süddeutschen Staaten wird der Süddeutsche Eisenbahnerverband als Vertreter der Eisenbahnarbeiter anerkannt. In Elsaß-Lothringen verträgt das die Stimmung der Verwaltung nicht, sie glaubt, ihr Bedürfiiis nach unbestrittener Herr- fchast werde angefochten, wenn Eisenbahnarbeiter dem Verband an- gehören, der auch Sozialdemokraten zu Mitgliedern hat. Ja, sogar der Elfaß-lothringische Verband, der ausdrücklich auf 'yc? das Streikte cht verzichtet, wird von der Eiienbahn- Verwaltung unerbittlich verfolgt. Man traut ihm nicht über den «>>-- Weg. und nian hat feine Führer in einer Weife aus dem Brot gejagt. die ich nicht näher charakterisieren will, um die über- inebene Empfindlichkeit des Ministers nicht zu verletzen, Als feine Hauptaufgabe hat der Minister dieBelämpfung der Sozialdemolraiie im Abgeordneieuhaufe hingeftelli. Da- malS rief man ihm zu: feine Hauptaufgabe fei die Fördenmg des Verkehrs. Am Tage darauf hat er uns dann ausführlich dargelegt, warum seine Aufgabe sei, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, weil diese nämlich erhrblichen Einfluß ausübe auf große gewerkschaftliche Bildungen, die den Streik proklamieren, und die Arbeiter veranlassen, sich massenhaft zusammenzuschließen, um de» ganzen Ver- kehr lahm zu legen. Dann müßte der Minister aber doch die- selben Gewissensbisse haben, wenn er sozialdemokratische Flugblätter in Paketen oder auch auf einer Agitationsreise befördern muß. (Heiterkeit.) Wir protestieren mit aller Entschiedenheit dagegen, daß die Eisenbahnverwaltung ihren Arbeitern die staatöbürger- lichen Rechte verkürzt. lSehr wahr I bei den Sozialdemo- kraten.) Die Erklärung, die Herr Spahn gestern in der Duell- frage für die katholischen Offiziere gegenüber dem KriegSminister abgab, gilt in ihrer ganzen Wucht und Konsequenz auch für die Eisenbahnarbeiter und i h r e p o l i ti s ch e n Rechte.(Sehr gut! bei den Soz.) Gegen die— ich will nicht gerade sagen, subalterne, aber doch wenig hochstehende— Auffassung des Ministers von den Menschen- und Bürgerrechten der Eisen- bahnet lehnen wir uns mit aller Entschiedenheit auf.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister sagte, er werde bei seiner Anschauung bleiben. Run, die Sozialdemokratie, ihre Anschauungen und ihre Politik werden noch bestehen, wenn der Minister und seine Verwaltungsgrundsätze längst verschwunden sind.(Sehr gut I bei den Sozial- demokraten.) Möge der Minister an seine eigenen Er- fahrungen in Elsaß-Lothringen denken. Bor einem Jahre ungefähr hat er in M o n t i g n y eine sicher sehr schöne Rede vo» de» Eisenbahnern gehalten und dort, wo die Ar- beiter der Eisenbahnwerkstätten zum großen Teil wohnen, sind dann ich will nicht sagen, infolge aber nach dieser Rede unsere Stimmen yon 700 ouf 1400 gestiegen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also vom parteipolitischen Gesichtspunkt aus könnten wir mit seiner Verwaltung sehr zufrieden sein. Aber im Interesse der Arbeiter protestieren wir gaefeii diese Verwaltungsgrundsätze, die aller freien Entwiclelnng inS Gesicht saflagen insbesondere in einem Lande, das auf seine demokratische ileberlicferung stolz ist.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Man hätte uns nicht diesen uns unbegreiflichen Geist der Ver- Waltung aufzwinge» wollen, den wir nicht verstehen, dann wurde manches Mißverständnis schwinden. Auf diese angebliche Aufgabe der Bekämpfung der Sozialdemokratie sollte die Verwaltung Verzicht leiste» und lieber die Aufgaben durchführen, zu deren Lösung sie geschaffen ist. Der Minister sollte das Flügel- rad. das das Sinnbild seiner Verwaltung ist. weiter treiben. Dann werden wir auch liebenswürdigere Unterhaltungen haben.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Ilbr(antzerdem Etat des Kolonialamts). Schluß 7 Uhr._ Hbgeordmtenbaue. 67. Sitzung. Freitag, den 2ö. April. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. D a l l w i tz. Der Etat des Jnneru. Hierzu liegen sozialdemokratische Anträge auf Auf- Hebung der Plakatbestimmungen deS preußischen PreßgesetzeS. auf freien Sprachengebrauch in öffentlichen Versammlungen, Erietzung der GenehmigungSpflicht für öffentliche Aufzüge und Versammlungen wtter freiem Himmel durch die BekanntmachungSpflicht und auf Sr- lassung eines Gesetzes zum Schutz der persönlichen Freiheit der Staatsbürger gegen behördliche Uebergriffe vor. Die Volks- Partei beantragt ebenfalls eine solche Abänderung des Preßgesetzes, sowie die Uebertragung der reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Einwirkung der Armenunterstützung auf öffentliche Rechte in das preußische Landesrecht. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Der Präsident hat gestern in seiner milden Weise von dem traurigen Mut gesprochen, mit dem der Abg. Liebknecht Preußen geschmäht Hot. Weder die parlamentarische, noch die deutsche Sprache überhaupt kennt ein Wort, das stark genug wäre, die jedem guten Preußen angesichts dieser Vorgänge über- kommt, voll und richtig zum Ausdruck zu bringen.(Lebhafter Beifall recbts,— Abg. Hirsch(Soz.) ruft dem Redner einige in der Unruhe verhallende Worte zu, worauf der P r ä s i d e n t unter lebhaftem Beifall der Mehrheit den Abg. Hirsch dos Zwischenrufen untersagt, weil sich die Soziaidemokraten gesallen lassen müßten, daß auf die heftigen Provokationen sämtlicher Parteien durch den Abg. Liebknecht geantwortet werde.) Es ist bezeichnend, daß sogar der„Vor- w ä r i s" bei der Besprechung der gestrigen Sitzung seinen Lesern den Wortlaut dieses Zwischenrufs unterschlagen zu sollen geglaubt hat.(Hört! hört I) HeißeScham muß die bürgerlichen W ä b l e r des Kreises Osthavelland-Potsdam überkommen, die dem Dr. Liebknecht zum Reichstagsmandat verholfen haben. Ich kann den Zentralvorstand der Fortschrittlichen Volksparlei nicht um diese Order beneiden, die sich noch dazu gegen ein Mitglied des Hansabundes richtete.(Großer Beifall rechts.) Professor v. Schn, oller wird durch den gestrigen Tag jedenfalls selbst überzeugt worden sein, daß seine Ausführungen in der.Neuen Freien Presse" lediglich ein neues Beispiel für die Welt- remdheit deutscher Profefforen sind. Ucbrigens hat Abg. Liebknecht elbst erklärt, daß seine Rede nicht für das HanS, sondern für die Wirkung nach außen berechnet war. Das ist wieder ein typischer ozialdemokratischer Mißbrauch der Freiheit, wie er ja auch zur Einschränkung der Selbstverwaltung der Kranken- kassen hat führen müssen. Die Sozialdemokratie haßt den p r e u ß i- ' ch e n Staat so gründlich, weil es sein deutscher Beruf ist, der Wellenbrecher gegen die demokratische und sozialdemokratische Hochflut zu sein.(Zustimmung rechts.) Wir sehen aber leider die Re- gierung nicht immer ans der Höbe ihrer Aufgabe. Es fehlt zuweilen an Kraft und entschlossener Energie. In neuerer Zeit allerdings scheint in die preußische Regierung wieder Kraft einzuziehen, das beweisen die Reden der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern.(Beifall.) Der Bergarbeiter st reik war der denkbar frivolste und lediglich aus politischen Gründen hervorgerufen. (Zustimmung bei der Mehrheit, Widerspruch bei den Sozialdemo- kraten, die rufen: Der Streikbruch war politisch.) Die christ- lichen und nationalen Arbeiterorganisationen haben sich durch ihren Widerstand gegen die Alleinherrschaft des Sozialdemokratischen alten Bergarbeiterverbandes um daS Vaterland, den Staat und unsere Gesellschaft im höchsten Grade verdient gemacht.(Stürmischer Beifall der Konservativen, des Zentrums und der National- liberalen.) Der Redner spricht dann der Regierung den Dank aus für das Polizei- und Militäranf- q e b o t. Hoffentlich wird der gute Erfolg dieser Matzregel bei künftigen Streiks zur Nachahmung aneifcrn. Die Justiz hat in diesem Fall voll ihre Pflicht erfüllt. Die Freihaltung der Straßen und Plätze bei Lohnkämpfen ist die oberste Pflicht der Polizei, denn die Sozialdemokratie mißbraucht geradezu die Straße zur Terrorisierung der anderen. Wenn die Machtmittel der Regierung zur Freihaliung der Straßen und Plätze von den wirtschaftlichen Kämpfen nicht ausreichen, müssen sie durch Ge- etz verstärkt werden.(Beifall rechts.) Die kraftvolle Aenßerung der Regierung über die Pflichten der Beamten gegen- über der Sozialdemolratie, auch bei den Wahlen hat uns erfreut. Dagegen bedauern wir die Aeußernng des reichS- läitdischen StaatoielrctarS.(Lebhafte Zustimmung rechts). Der Beamte, der Sozialdemokrat ist, steht in Widerspruch zu seinem Treueid, während der Beamte, der trotz seines Treueides sozialdemokratisch wählt, obwohl er der sozialdemokratischen Richtung nicht würdig, ein solcher Gesinnungslump ist(dröhnender Beifall der Mehrheit— die Sozialdemokraten fragen den Präsidenten, ob solche Beamten- b e s ch i inp s u n g zulassig sei), daß für ihn kein Platz in der preußischen Beanrienschaft vorhanden ist. Die Verwaliung muh rein nach dem Gesetz geführt werden. Der Minister hat die miß- verständliche Auslegung des ReichsvereinsgesetzeS abgeschafft. Die Angriffe gegen die Landräte sind zu- meist unbegründet. Die Landräte haben in ihrer außeramtlichen Tätigkeit volles Staatsbürgerrecht und sind sogar im höchsten Grad verpflichtet, ihre politische Auffassung auch bei den Wahlen zum Ausdruck zu bringen. Der Erlaß des Landrats v. Maitz an ist zweifellos unhaltbar, aber man muß berücksichtigen, daß ein Stichwahlkompromiß zwischen Fortschrittlern und Sozialdemokraten vorlag. Solche Bündnisse färben immer auf die verschiedenen Parteien ab. sie führen immer zu einer Konnivenz gegenüber der anderen Partei. Durch das Abkommandieren freisinniger Wähler für die Sozialdemokratie ist der feste Wall niedergerissen, der nach Eugen Richters An- schaumige» auch die freisinnige Partei gegen die Sozialdemokratie abschloß.(Sehr richtig I rechts.) Die Frei- sinnigen werden immer radikaler, dos Wahlbündnis wird ja bei den preußischen L a n d t a g s w a h l e n wiederkommen.(Heiterkeit links.— Abg. H o s f m a n n: Die Angst!) Aus dem Zusammengehen der Fortschrittlichen Volkspartei mit der Sozialdemokratie kann man seine Folgerungen ziehen nach dem Worte: Der Hehler ist so schlimm als der Stehler. (Heiterer Beifall rechts.— Stürmische Entrüstungskundgebungen der Linken.— Abg. H o f f m a n n(Soz) wird zur Ordnung gerufen. Auf die Frage des Abg. Hirsch, ob denn Herr v. Z e d l i tz die politischen Parteien mit Hehlern und Stehlern vergleichen darf, ant- wartet der Präsident, daß er ja keine Partei des Hauses genannt habe.) Wenn die Herren Sozialdemokraten den Ausdruck Stehler auf die Sozialdemokratie beziehen, so verbietet niir meine Bescheidenheit, dagegen est w a S zu sagen. Abg. Leinert(Soz.): DaS heißt doch der Frechheit die Krone aufsetzen!(Stürmische Zustimmung der Sozialdemokraten. Der Präsident ruft den Abg. Leinert zur Ordnung.— Abg. Hirsch: Darf sich denn Herr v. Zedlitz alle Beschimpfungen gegen uns erlauben?— Präs.: Ich bitte, die Zwischenrufe zu unter- lassen!) Abg. Frhr. v. Zedlitz(sk.) wünscht eine Dezentralisation der Ver- waltuiig, eine Erweiterung der Gemeindeantonomie und beruft sich auf daS Zeugnis deS Abg. Dr. von Heydebrand, daß die Leistungen des Abgeordnetenhauses von keinem anderen Parlament übertroffen werden. Vor der Vertagung soll auch noch der WahlrechtSantrag erledigt werden. Wir müssen auch kleine Anfragen einführen. Das Reichötagswahlrecht ist zwar demokratischer als das Dreiklassenwahlrecht. aber Demokratie und Freiheit schließen sich aus.(Beifall rechts— Lachen links.) Möge sich die preußische Laudesvertreiung auch weiter auf der Höhe erweisen, indem sie sich von preußischem Pflichtgefühl durch- dringen läßt.(Lachen links. Stürmischer Beifall rechts.) Geschäftsordnungsdebatte. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.) fragt den Präsidenten, ob er eS für zulässig und der parlamentarischen Sitte entsprechend hält, b e- st im m te Parteien mit Hehlern und Stehlern in Vergleich zu stellen. Wir halten einen solchen Vergleich für unzulässig und ungehörig und hätten erwartet, daß der Präsident die betreffenden Parteien in Schutz genommen bätte.(Leb- hafte Zustimmung bei der Volkspartei und den Sozialdemokraten.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Die Geschäftsführung des Präsidenten unterliegt nicht der Kritik der Ab- fl e o r d ii e t e». Trotzdem will ich sagen, daß Abg. v. Zedlitz eine Worte nicht auf Mitglieder des Hauses bezogen hat. Ich hatte also keine Veranlassung, einzuschreiten, wenn Leute, die dem Hause nicht angehören, mit nicht sehr schönen Worten be« zeichnet werden.(Hört! hört! links.) �. Abg. Frhr. v. Zedlitz: Es ist mir nicht eingefallen, die Frei- sinnige Volkspartei als Hehler zu bezeichnen. (Große Heiterkeit bei der Mehrheit.) Abg. Hirfch-Berlin(Soz.): Herr von Z e d l i tz hat tatsächlich, wenn auch in verblümter Weise, die Sozialdemokratie und die Fortschrittliche V o l k s p a r t e i mit Hehlern und Stehlern verglichen.(Der Präsident mahnt den Redner, doch auf die eben vom Abg. v. Z e d l i tz gegebene authentische Deklaration Rücksicht zu nehmen.) Gerade aus dieser authentischen Deklaration werde ich beweisen, daß der Abg. von Zedlitz direkt die Sozialdemolratie beleidigt hat. Er hat auf einen Zwischenruf von uns gesagt:„Wenn Sie sich selbst als Stehler bezeichnen, so wage ich in meiner Bescheidenheit nicht zu widersprechen." Das war deutlich genug. Und seine soeben getane Aenßerung. daß er die fortschrittliche Volkspartei nicht als Hehler bezeichnet habe, bedeutet für jeden, der zwischen den Worten deS Abg. v, Zedlitz zu lesen versteht:„Aber die Sozialdemokratie will ich ruhig be- leidigen."(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Den Einwand, daß sich das ja nur ans Parteien außerhalb des Hauses bezogen hat, kann ich nicht gelte» lassen, denn wir sind sogar wiederholt wegen Beleidigung von Vereinen, denen Mit- glieder des Hauses angehören, zur Ordnung gerufen worden, z. B. wenn wir gegen den Reichsverband zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie einen auch sonst in» Volke üblichen Ausdruck gebrauchten.(Sehr richtig! bei den Soz.) Ich frage den Präsidenten, ob in Zukunft den Mitgliedern des Hauses gestattet ist, von Aeußerungen anderer Mitglieder in der Art zu reden, wie es der Abgeordnete V.Zedlitz getan hat. Er hat meinem Freund Liebknecht vorgeworfen, daß er den traurige» Mut gehabt habe, dies und das zu sagen. Wenn wir derartige Ausdrücke gebraucht haben, sind wir bisher regelmäßig zur O r d- n u n g gerufen worden.(Lachen rechts.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Wenn sich ein Abgeordneter so weit vergißt, daß er sein eigenes Vaterland so schmäht wie gestern der Abgeordnete Ströbel, so werde ich mir als Präsident stets das Recht nehmen, das niit dem richtigen Wort zu kennzeichnen. (Erneuter stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Hirsch(Soz.): Der Abg. Z ed li tz hat aber doch seine Worte'auf den' Ab- geordneten Liebknecht bezogen I Ich frage noch den Präsidenten, ob eS gestattet ist. Mitgliedern dieses HauseS den Vorwurf zu machen, daß sie das Niveau des Hauses herabdrücken.(Lebhafie Zustimmung rechts.) Ich mutz diesen Lorwurf gegen uns aus daS allerentschiedenste zurückweisen und stelle fest, daß hier wieder einmal ein planmäßiges provokatorisches Vorgehen des Herrn v. Zedlitz vorliegt.(Lacheu und Widerspruch rechts, Zustimmung links.) Präsident Dr. Freiherr v. Erffa: Nach den gestrigen Aus- führimgen des Abg. Ströbel kann eS allerdings vorkommen, daß ein Mitglied des Hauses, dessen Niveau herabdrückt.(Stürmischer Beifall recdts und im Zentum). Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Die Worte deS Abg. v. Zedlitz haben allerdings der Deklaration bedurft, denn er hat vorher aus- drücklich vom Zentralvorst and derZ Fortschrittlichen V o lks p a rt e i gesprochen und gewußt, das Mitglieder des Hauses dem Zentralvorst and angehören.(Zuruf rechts: Schlimm genug!— Heiterkeit links). Ich glaube, daß er mit einem derartigen herabsetzenden Vergleich die Grenzen überschritten hat, die Kollegen untereinander zu ziehen Pflegen. Jedenfalls möchte ich dem Abg. v. Zedlitz gebeten haben, sich künftig weniger miß« verständlich auszudrücken.(Sehr richtig I links). Abg. Hirfch-Berlin(Soz.): Dem Präsidenten gegenüber konstatiere ich, daß Abg. V. Zedlitz den Vorwurf, daß wir daS Niveau des Hauses herabvrücken. gar nicht im ZufammenTjang mit der Kritik des Ströbelschen Zurufes. sondern ganz allgemein gegen die sozialdemolratischen Mit- gliZder des HauseS gemacht hat.(Beifall rechts.) Ihr Beifall zu den Worten des Abg. v. Zedlitz läßt mich kalt und beweist mir höchstens, daß wir uns allmählich dem Ton dieses Hauses angepaßt haben.(Sehr gut I links.) Ich stelle fest, daß der Präsident gestattet hat, Mitgliedern des HauseS den Vorwurf zu machen, daß sie das Niveau herabgedrückt haben. Wir werden unS danach richten. Präs. Frhr. v. Erffa: DaS ist durchaus irrtümlich, ich habe daS nicht gestattet, sondern nur erklärt, daß eS allerdings vorkommen kann, daß Mitglieder des Hauses das Niveau herabdrücken. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Dann herrscht allerdings ein eigenartiges Mißverständnis zwischen dem Präsidenten und mir. Ich habe ihn nicht gefragt, ob Mitglieder das Niveau des Hauses herabdrllcken können— das weiß ich aus Erfahrung, ich brauche nur die Herren auf der Rechten anzusehen.(Lachen rechts.— Sehr gut! links.)— sondern ich habe den Präsidenten gefragt, ob eS gestattet ist, daß ein Mitglied deS HauseS anderen Mitgliedern einen solchen Vorwurf machen darf. Da der Präsident dem nächsten Redner daS Wort erteilt, rufen die Sozialdemokraten: Keine Antwort ist auch eine Antwort. —(Rufe rechts: Ruhe I Ruhe!— Abg. H o f f m a n n: Sie stören die Geschäftsordnung!— Der Präsident ruft den Abg. H o f fm an n zur Ordnung und erklärt, er werde nfe dulden, daß 430 Abgeordnete von sechs terrorisiert werden.) Damit ist die Geschäftsordnungsdebatte beendet. Abg. Graf v. d. Groebcn(k.) protestiert ebenso wie Abgeordneter v. Zedlitz gegen die antipreußischen Ausführungen deS Abg. Lieb- k n e ch t und meint, eS werde zur Sicherung des Zwecks des Par- lamentarisinus eventuell eine Beschränkung der Rede- freiheit usw. notwendig sein. Man werde vielleicht auch dem Hause und dem Präsidenten neue Machtmittel geben müssen, weil sich die Sozialdemokraten dem Ordnungsruf nicht unterwerfen. (Abg. Hoffmann: Schmeißen Sie uns doch raus!) Der Redner stimmt dann den Ausführungen des Ministers über die Wahl- r e f o r m und den Erlassen des Freiherrn v. Maltzan zu. Unsere Schutzleute kommen durchaus dem Publikum ent- gegen. Das Publikum muß aber auch wissen, daß die Schutzleute ihre Revolver nicht zum Spielen haben.(Beifall rechts.) Abg. Linz(Z.) lehnt et prinzipiell ab, nach dem Niveau der gestrigen Siede L i e b k n e cM S der unser geliebtes Vaterland be- ichimpft habe, in eine DisWion mit den Sozialdemokraten cinzn- treten.(Beifall bei der Mehrheit.) Er spricht dann gegen die Automobilraserei und gegen das Ueberhandnehmen der Kinotheater. Anstößige Szenen seien hintanzuhalten. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Gerade, weil die Regierung die Wahlrechtsfrage verzögern will, müssen die Wahrechts- anträge vor Pfingsten erledigt werden. Wir fordern zunächst die geheime Wahl, insbesondere wegen deS sozialdemo- kratischen Terrorismus, die direkte Wahl gegen die Interesselosigkeit der Wähler und abgestuftes Wahlrecht, da das ReichStagSwahlrecht nur im Reich mit seinen»«» direkten Steuern berechtigt ist. während hier auch Bildung und Besitz einigen Einfluß bekommen müssen. Der Redner Wender sich dann gegen die konservative Parteitätigkeit der Landräte. die mit der von Bethmann-Hollweg angekündigten Politik der mittleren Linie unvereinbar sei. Es geht im alten konservativen Kurse weiter. Statt anderen Parteien immer den Kopf zu waschen, sollte der Kanzler selbst Kritik üben und den latenten Widerstand gegen das Vereinsgesetz brechen. Dann wendet sich Abg. Friedberg gegen Liebknecht: Wir alle sind stolz auf Preußen, das unsere Ehrfurcht und unseren patriotischen Eiser finden muß, das, auf die Hälfte reduziert, von, Osten aus Deutschland von dkr Lremdhttrschast befreit hat, dessen Verwaltung aus. gezeichnet und dessen Justiz tadellos ist. Und wie vorzüglich arbeitet unsere Eisenbahnverwalwng! Auf der ganzen Welt existiert eine solche Verwaltung nicht mehr. tStürmischer Bei- fall.)"DaS weiß auch Abg. Liebknecht und er hat ja in Amerika erklärt, er habe ordentliche Sehnsucht nach Deutschland. (Große Heiterkeit und Sehr gut!> Wenn er das vergessen hat, möge er doch wieder nach Amerika zurückgehen(Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit), um sich zu überzeugen, daß die Verhälwisfe in Preußen und Deutschland noch recht günstig sind. Die französische und amerikanische Demokratie hat nicht verhindern können, daß sich dort die Finanzaristokratie am wohlsten fühlt. Nur eine starke Monarchie kann soziale Reformen durch führen. Jene schändlichen Ausführungen Liebknechts gewinnen eine Menge Leute dafür, repressiv vorzugehen und sich der Reaktion in die Arme zu werfen. Wie immer, so ist auch hier wieder die Sozialdemokratie der stärkste Schrittmacher der Reaktion.(Sehr wahr bei den Na- tionalliberalen.) Hinter Herrn Liebknecht können nur politische Kinder stehen. Ernste reife Männer werden über den preußischen Staat nicht spotten. In dem ungeschickten und unüberlegten Bergarbeiter st reik konnten sich auch nur p o l i t i s dh e Kinder hineinziehen lassen.(Beifall.) Es ist für die Mehrheit dieses HauscS unerträglich, in dieser Weise von einer kleinen Fraktion behandelt zu werden.(Lebhafte Zustimmung.) Der sozialdemokratische Antrag auf Schutz der persön- lichen Freiheit ist ein Rü ckf all in die ph ra s enh a fte Natur- rechtsperiode. Ich bin auch für eine Verstärkung der Rechts- kontrolle, dann ist aber doch der Schutz der Arbeitswilligen ein dringendes Moment. Der Bergarbeiterstreik hat jedoch erwiesen, daß ein eigenes Gesetz hierfür nicht nötig ist. Erhalten wir durch maßvolle Reformen Preußen stark und führend.(Stürmischer Beifall.) Minister v. Dallwitz erklärt, daß die Land röte bei den meisten Kreisblättern keinen Einfluß auf die Aufnahme der Inserate haben. Eine Zurücksetzung katholischer Zeitungen bei der Beröfsent- lichung amtlicher Bekanntmachungen findet nicht statt. ES besteht ein Bedürfnis, die KinoS lonzessionSpflichtig zu machen. Bei strenger Beobachtung sind die geltenden Vorschriften ausreichend, um Automobilraserei zu verhüten. Aber manche Automobilisten fahren eben den Polizisten davon. Nach dem ObervcrwaltungSgericht ist es unzulässig, wenn die Polizei in Aufrechterhaltung der Ordnung auf Privatpersonen abschiebt. Derartige Vereinbarungen sind ausdrücklich untersagt worden.(Beifall rechts.) Einzelne Mißgriffe von Polizei- orgqnen gegen die persönliche Freiheit können selbstverständlich vor- kommen, ein eigenes Gesetz ist da nicht nötig. Unsere Polizei- behörden sorgen dafür, daß bei Ordnungsstörungen die Straßen von Personen gesäubert werden, die sich den Anschein harmloser Passanten geben möchten. Unsere Bestimmungen genügen zurzeit noch, um dem Mißbrauch der öffentlichen Straßen in wirtschaftlichen Kämpfen entgegenzutreten.(Beifall.) Abg. Dr. Scyda(Pole) bringt zahlreiche Fälle von Ver- letzungen des Vereinsgesetzes gum Nachteil der Polen vor und beftagt sich über Schikanierung von Beamten, die in polnisch-nationalem Sinne gewählt haben, sowie über allerhand Wohlmanöver und Wahlbeeinsluflungen der Landräte und Amts Vorsteher. Unterstaatssekretär Holtz erklärt diese Beschwerden zum großen Teil als ungerechtfertig t. andere seien ihm noch nicht bekannt geworden. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.)(persönlich): Abg. Friedberg hat un§ als politische Kinder bezeichnet, weil»vir uns nicht zu seiner Auffassung von der Wohltätigkeit des preußischen Staates bc- kehrt haben. Wir müßten allerdings politische Kinder sein, wenn wir uns Ihrer Auffassung vom preußischen Staat anbequemen würden. (Der Redner-wird vom Präsidenten öfter mit der Mahnung unterbrochen, fortan nur eine persönliche Bemerkung vorzubringen.) Sie sind nur darum über uns empört, weil wir unS nicht zu derpolitischen Simplizität herabdrücken lassen, Ihre Auffassungen über da« Wesen de? preußi- scheu Staates zuteilen. Auf die Redensarten des Abg. Frhr. v. Zedlitz einzugehen, hat gar keinen Nnn. Kenn er aber von der S ch am-i röte gesprochen hat, die die bürgerlichen Wähler Osthavellands überkommen müßte, die mir zum Reichstagsmandat verHolsen haben, so weiß ich nicht, ob Herr b. Zedlitz wegen dieser Beschimpfung meiner Wähler und meiner selbst, wie es der Ordnung des Hauses entsprechen würde, zur Ordnung gerufen wurde.(Rufe der Sozialdemokraten: Nein I) Bei der Art, wie die Präsidialgeschäfte in letzter Zeit geführt worden sind, ist das allerdings kein Wunder.(Lärm rechts, Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Was Sie über mich denken, ist mir persönlich ganz gleich, da Sie aber in mir den gewählten Präsidenten des Hauses beleidigen, rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. Dr. Liebknecht: Ich betone, daß ich mich mit dem Abg. v. Zedlitz über politische Moral niemals unter- halten werde.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Zedlitz ist nicht im stände, mich oder meine Wähler zu beleidigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach meiner Meinung müßte heiße Schamröte jeden überkommen bei einem solchen gesetzesverächtlichem Verhalten, wie dem, dessen traditioneller Klopffechter der Abg. V.' Zedlitz seit jeher hier im Hause gewesen ist.(Beifall bei den Sozialdeeyo- Iraten. Lärm rechts.) Abg. Ströbrl(Soz.)(persönlich): Ich lehne eS ab, mich mit dem Herrn v. Zedlitz auseinanderzusetzen. Wenn ich genötigt bin, ihn zu traktieren, so tue ich das nur,»m ihn als den Re« Präsentanten seinerPartei zu treffen. Seine Schmähungen gegen mich prallen spurlos von mir ab, Herr v. Zedlitz kann mich nicht beleidigen. Er hat behauptet, daß der.Vorwärts' meinen gestrigen Zwischenruf den Lesen, unterschlagen habe.(Abg. Hirsch: Steht ja drin!) Es hat überhaupt gar keine Ein- loirkung des. Vorwärts' auf den Sitzungsbericht stattgefunden. Eine solche Behauptung ist aber mindestens leichtfertig, weil Herr v. Zedlitz schon als Präsident der Seehandlung eine so innige und auch metallisch klingende Beziehung zur Presse unterhalten hat. daß er das Verhältnis der Zeitungen zum Parlamentsbericht kennen muß. Die Ansicht des Präsidenten, der in bezug auf mich davon gesprochen hat, daß aller- dingS einzelne Abgeordnete das Niveau deS HauseS herabdrücken könnten, ist wohl auf eine optische Täuschung zurückzuführen, denn meiner Ansicht nach kann das Niveau dieses DreiklasscnhauseS nicht mehr herabgedrückt werden, weil es schon mehrere Tausend Meter unterm Meeresspiegel liegt.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.— Großer Lärn, rechts.) Der Präsident ruft den Redner dafür zur Ordnung. Abg. v. Zedlitz erklärt persönlich, eine Einwirkung de? Abg. Ströbel auf den.VorwärtS'bericht nicht behauptet zu haben. (Abg. Hoffmann: Im.Vorwärts' sitzen doch keine.Post'esel! Heiterkeit links.) Abg. Dr. Friedbcrg(natl.) �persönlich): Ich habe nur von politischen Kindern gesprochen, die sich vom Abg. Liebknecht leiten lassen. Für ihn selbst wäre das Wort politisches Kind viel zu euphemistisch.(Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.)(persönlich): Diejenigen, die sich von uns leiten lassen, sind gerade deswegen zu uns getreten, weil sie keine politischen Kinder mehr sein wollen. Warum ver- schweigt Dr. Friedberg schamhaft die Bezeichnung, die er für mich olS die richtige hielt. Hoffentlich teilt er sie jetzt mit. Aber ich bin fest überzeugt, daß diese Auffassung, soweit sie politischen Charakter tragen kann, sich durchaus wird decken können mit der Auffassung, die ich von Herrn Dr. Friedbcrg habe. Abg. Dr. Friedbcrg(natl.): Ich werde mich nicht bemühen, diesem Wunsche nachzukommen. Sonnabend 10 Uhr Fortsetzung. Schluß 51/« Uhr. stehenden ÄnMge her Verteidiger bom kZerichtShofe adgekehni worden waren. Das Gericht beschloß, den Angeklagten Meyer ohne Kaution aus der Haft zu entlassen und dem Angeklagten Dahle die von diesem gestellte Kaution von 6000 M. freizugeben. Heute Sonnabend, werden die Plaidoycrs beginnen und es soll nicht aus- geschlossen sein, daß noch heute abend das Urteil gesprochen wer- den kann._ Ein krasser Fall preußischer Eife»bahn-„Sparsamkcit" stand zur Beurteilung des Schöffengerichts Hirschberg. Am 11. Juli v. I. ist auf d«�Strecke Stricgau-Merzdorf abends spät eine Frau vom Zuge abgMirzt und überfahren worden. Der Zugführer, ein Hilfsschaftner, wurde nun wegen des Vorgangs angeklagt. Er be- zog einen Tagelahn von etwa 2 M. Trotz seiner Hilfsfchaffner- stellung mußte er häufig höhere Aemter bekleiden, ohne dafür be- sonders entschädigt zu werden. Am Tage des tödlichen Unfalls versah er das Amt de? Zugführers, PackmeisterS und Schaffners in einer Person. Während der Fahrt hatte er die Fahrkarten zu kontrollieren und abzunehmen, die Stationen auszurufen, das Aus- und Einsteigen zu regeln, die Gepäckstücke anzunehmen und auszugeben. Ferner mußte er sich auch davon überzeugen, daß der Zug obfahrtsfertig sei, und das Abfahrtssignal geben. Dieser letzte Zug, der in der Regel immer sehr stark besetzt und demzufolge auch sehr lang ist, wird Sonntag abends immer nur von einem einzigen Hilfsschaffner bedient, weil eben kein Personal vorhanden ist. Der angeklagte HilfSschoffner äußerte schon auf dem Bahnhof Merzdorf, als er den langen und stark besetzten Zug übernehmen sollte, zu dem Fahrdienstleiter sein« Bedenken. Dieser zuckte mit de» Achseln, denn für Abhilfe konnte er nicht sorgen. Wegen der Fülle und Länge des Zuges � dieser bestand aus Lokomotive, Pack- und Beiwagen und sechs Personenwagen— war es dem Angeklag» ten schon von Anfang unmöglich, die Fahrkarten zu kontrollieren, geschweige denn, den ganzen Zug zu übersehen. Auf der Halte- stelle Groß-Hau, wo sich der tödliche Unfall ereignete, war der An- drang von Fahrgästen außerordentlich groß, dabei wird der ganze Bahnhof nur von einer einzigen Spiritusglühlichtlampc.er- leuchtet". Für den Aufenthalt auf dieser Station stand dem An- geklagten nur eine halbe Minute zur Verfügung. Während dieser Zeit rief er die Station aus, öffnete und schloß die Türen, wies einen Angetrunkenen vom Zuge, überzeugte sich, soweit das in der herrschenden Finsternis möglich war, daß niemand mehr auf den Trittbrettern stand, lief zum Packwagen und gab dem Lokomotiv- führcr das Zeichen zur Abfahrt. Ob Leute auf der Plattform eines Wagens standen� konnte er nicht sehen, weil der Zug zu lang war. Jedenfalls stand die Verunglückte auf einer derselben und fiel beim Anrücken des Zuges herab, wobei sie überfahren wurde. Der Sachverständige, Eisenbahn-Obervorsteher a. D. Reimanu- Charlottenburg, bezeichnete es als vollständig ausgeschlossen, baß der Betrieb diejenige Sicherheit für das reisende Publikum bot, die verlangt werden muß. Da» Gericht sah das ein und sprach den LngeNagte« frei. Und was geschieht nun mit den verantwortlichen Oberbeamten, die aus fiskalischen.Gründen solche Zustände einreißen ließen?. Gericbtö-Zcltuns. Die Lsylistenvergiftungen vor Gericht. Im Prozeß wegen der Methylalkoholvengiftungen wurde die Beweisaufnahme gestern geschlossen, nachdem sämtliche noch ausMarktbericht von Verlin am SS. April ISIS, nach Ermittelung de» köntgl. Polizeipräsidiums. Warkthallenprcise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sp-tsebohnen, weiße, 30,00— 66,00. Linsen 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl) 8.00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40— 2,60. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 0,00— 2,40. Aale 1,60—3,60. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,70-1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00. Ganz neue Modelle in Damen-Halbschuhen Weiss mit Schwärzt Die grosse Model Knopj- und Schnür- Halbschuhe mit farbigen Einsätzen. Kreuz- Spangen-Schuhe. Drei-Spangen- Schuhe und andere Phantasie- und Luxus-Halbschuhe. Pumps, Oxfords! Tennis-Stiefel Tennis-Schuhe Turn-Sdiuhe Ruder-Schuhe Gegr. 1867 Zentrale und Versand-Abfeilung: jerusalemer Strasse 32-35 Potsdamer Strasse 2 Tauenlzien-Strasse 19a Friedrich-Strasse 75 König Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr. 146 Neukölln, Bergstr. 25-26 Rosenlhaler Strasse 5 Charloftenburg: Wilmersdorfer Strasse 45 Oranienstrasse 161 Grosse Frankfurter Str. 1 23 Mai 1912: Chausseeslr.l 14 12.50 Spezial- Verkauf: Tauentziensfrasse 7d Elegante Herrenstiefel in ganz neuen Formen Stiefel mit Stoff- und Samtkalb' Einsätzen. 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Ich will davon absehen, darzutun, ob die Gebühren der Rechts- anwälte der Erhöhung bedürfen oder nicht, insbesondere die Ge- bühren für die kleinen Objekte, bei denen der Anwalt— nach Heine—„nichts als Arbeit und Unkosten hat über daS hinaus, das man verdient". Ich will-nur darauf hinweisen, daß, ins- besondere nach der Einführung der Pauschalierung der Auslagen im Jahre 1910, bei kleinen Objekten oft die Anwaltskosten daS Objekt übersteigen. Dem rechtsunkundigen Arbeiter und kleinen Handwerker ist es schon heute oft unmöglich, bei ihren Prozessen, bei denen es sich fast ausschließlich um kleine Objekte handelt, sich der rechtskundigen Hilfe eines Anwalts zu bedienen, gerade infolge deS ungesunden Verhältnisses der Anwaltskosten zum Objekt. Die Anwälte haben auch— dem ganz geringen Ausnahmen abgesehen—, ein Einkommen, das dasjenige eines„vollbeschäftigten" Angestellten um das Vielfache übersteigt. Was mich jedoch besonders veranlaßt, die Heineschen Aus- sührungen für gänzlich verfehlt zu halten, sind folgende Sätze seiner Rede: „Wir Anwälte haben...... noch die Möglichkeit, uns selber zu helfen; wir haben die Möglichkeit der fteien Verein- barung der Gebühren und Honorare. Wenn meine Herren Kollegen von diesem Recht nur einen etwas ausgiebigeren Ge- brauch machen wollten, könnten sie sich selber...... heraushelfen; ferner: „Aber eine Erhöhung dieser Bezüge— der Angestellten, die Heine selbst vorher z. T. als elend, al» schmachvoll bezeichnet — ist den Anwälten unmöglich, wenn nicht ihre eigenen Ge- bühren erhöht werden." Die„freie"(in der Regel erzwungene) Vereinbarung höherer als im. Gesetz vorgesehener Gebührensätze ist schon jetzt zu einem Unfug ausgeartet, soweit die minderbemittelte Bevölkerung in Frage kommt, zu einem Unfug, dem selbst Anwaltskammern im Interesse des Ansehens des Anwaltsstandes zu steuern sich für verpflichtet gefühlt haben. Bei ganz einfachen Bagatellsachen, bei Prozessen, die jeder Arbeitersekretär ebensogut oder besser vertreten könnte als ein Teil der Rechtsanwälte, falls diese nicht das gesetzlich gewähr- leistete Privilegium hätten, werden häufig Honorare„freiwillig" vereinbart, die für den Arbeiter ein kleines Vermögen darstellen. Di« Worte Heines reizen zur AuSoehnung dieses Unfugs an. Das Argument, daß die Bezüge der Angestellten nicht erhöht werden können, solange das Einkommen der Arbeitgeber nicht er- höht wird, ist nicht neu. Es kehrt immer wieder, sobald Arbeit- nchmer mit Lohnforderungen herantreten. Erst kommt— zu der Auffassung muß man nach den Heineschen Ausführungen kom- men— die„angemessene" Lebenshaltung der Anwälte zu ihrer Aus- auswirtschastung des Kapitals, das die Anwälte zu ihrer Aus- bildung benötigt haben, die Zurücklegung von Kapitalien für ihre Altersversorgung usw. All das soll ihnen der Staat auS Mitteln des Volkes gesetzlich gewährleisten. Das. was übrig bleibt, er- halten die„elend" und„schmachvoll" bezahlten Angestellten. Diese Argumente Hernes werden den Angestellten bei ihrer schwierigen Kämpfen auf Lohnerhöhung— auch die Berliner An gestellten stehen in einer Lohnbewegung— nicht förderlich sein. Kaum ein Stand ist so privilegiert, als derjenige der An- wälte. Der gesetzliche Mindestlohn für die Anwälte besteht in Gestalt der Gebührenordnung, die Angestellten haben einen gesetz- lich gewährleisteten Lohn nicht, für ihre Bezüge ist die Willkür der Anwälte maßgebend. Nach der Absicht des Gesetzgeber? sollen zum mindesten die Auslage, chauschalsätze zur Bezahlung der Ge bälter der Angestellten verwendet werden; die Mehrzahl der An- wälte denkt gar nicht daran. Hein« wird nicht bestreiten können, daß die Mehrzahl der Anwälte ein Reineinkommen von mehr als 10 000 M. jährlich bezieht, die Angestellten, nach den vorliegenden Statistiken, ein solches von etwa 1000 M. Es hätte m. E. einen besseren Eindruck gemacht, wenn er energisch für die seit Jahrzehnten geforderte gesetzliche Regelung der elenden Angestelltenverhältnisse eingetreten wäre, ferner, ent- sprechend unserm Programm, für Unentgeltlichkeit der Rechtspflege, wobei er dann immer noch hätte Gelegenheit nehmen können die Sicherstellung seiner Kollegen zu erörtern. Statt dessen laufen seine Ausführungen auf eine Verteuerung der Rechtspflege und auf Erschwerung des Kampfes der Angestellten um eine menschen- würdige Existenz aus._ C. Freier. 4. Derbavdstag des Deutschen Kurschllerverbandeg. Leipzig, 26. April 4. Berhandlungstag. In der heutigen Sitzung wurde gleich mft der Spezialberatung des Statuts begonnen. Anträge auf Abänderung des Namens des Verbandes wurden abgelehnt. Die Beitragsftage rief nochmals größere Er- örterungen hervor. Sie wurde in folgender Form erledigt: Der Beitrag beträgt für die erste Klasse 30 Pf.(wie bisher), zweite Klasse 46 Pf.(bisher 40 Pf.), dritte Klasse 60 Pf.(bisher 50 Pf.) und für die vierte Klasse 70 Pf.(bisher 60 Pf.). Für Lehrlinge und jugendliche Personen bis zu 16 Jahren 20 Pf. Die erste Bei- tragSklasse bezieht sich nur auf weibliche und männliche jugendliche Mitglieder vom 16. bis 18. Jahre. Im übrigen haben Mitglieder, für die bei der Invalidenversicherung die Wochenmarke zu 32 Pf. geklebt wird, die Beiträge der zweiten Klasse, bei der Wochenmarke zu 40 Pf. die Beiträge der dritten Plasse, und bei der Marke au 48 Pf. die Beiträge für die vierte Klasse zu bezahlen. Den Mit- gliedern steht es ftei, von einer niedrigeren in eine höhere Klasse einzutreten. Ucber die Erhebung von Extrabciträgen war bis- her im Statut nichts bestimmt. Nun wurde festgelegt, daß der Vorstand und Ausschuß berechtigt sind, bei größeren Streiks und Aussperrungen Extrabeiträge auszuschreiben. Die Einnahmen aus diesen Extrabeiträgen müssen sofort der Hauptkasse zugeführt werden. Filialen sind unter Beachtung besonderer Bestim- mungen berechtigt, lokale Extrabeiträge zu erheben. Bei Beratung der Ausschtutzbcstimmungen entspannen sich län- gere Erörterungen. Bisher hatten die Filialen das Recht des Ausschlusses. Die Ausgeschlossenen konnten Beschwerde beim Vor- stand und Ausschuß und in letzter Instanz beim Vcrbandstag er- heben. Der Vorstand schlug nun— veranlaßt durch die Vorgänge in Rötha— vor, daß der Ausschluß durch die Filiale nur bei Beitragsrückständen, in allen übrigen Fällen aber durch den Ver- bandsvorstand erfolgen kann. Der Ausschluß soll aber nur dann als vollzogen gelten, wenn— falls der Ausschutz bei der Beschwerde sich nicht auf den Standpunkt des Vorstandes stellt— der Vorstand nicht innerhalb einer Woche nach Zustellung des Ausschußbeschlusses erneute Beratung in Gemeinschaft mit Ausschutz und Beirat be- antragt hat. Diese Vorschläge fanden heftigen Widerspruch, be- sonders bei den Leipziger und Röthaer Delegierten. Es wurde hier auch gleich über die Einsetzung des Beirates beraten und beschlossen. Für diese stimmten 18 Delegierte und 12 dagegen; die Vorstandsmitglieder enthielten sich der Abstimmung. Die Vor- schläge des Vorstandes über den Ausschluß eines Mitgliedes wurden in ihren wichtigsten Punkten abgelehnt. Der Ausschluß wird also auch ferner von der Filiale vollzogen. Ausgeschlossene, be- schwerdeführende Mitgliedr müssen bis zur Entscheidung der letzten Instanz als Mitglieder geführt werden.— Dadurch würden Vorgänge, wie die in Rötha, ebenfalls vermieden. Vor Erledigung der Anträge zu den llnterstützungseinrichtungen wurde beschlossen, an diesen grundsätzlich nichts zu än- dern. Alle Vorschläge auf Erweiterung und Reduzierung der Unterstützungssätze waren damit abgelehnt. Für die Lehrlinge wird aber bei der Erwerbslosenunterstützung eine besondere Unter- stützungsklasse geschaffen. Bei den Bestimmungen über die Streikunterstützung wurde beschlossen, daß alle bei Streiks und Aussperrungen gezahlten Unterstützungen zunächst nur als Darlehen gegeben werden. Die Empfänger haben sich zu verpflichten, den ganzen Betrag zurück zuzahlen, wenn sie vor Beendigung einer Bewegung ohne Zustim mung der Streikleitung die Arbeit aufnehmen. Der Beirat wird aus sieben Mitgliedern zusammengesetzt. Zur Wahl der Mitglieder des Beirates wird das Verbandsgebiet in sieben Wahlkreise eingeteilt. Die Beratung des Streikreglements ging wider Erwarten rasch. Der Verbandstag stimmt« einem Antrag zu, am alten Reglement fe st zuhalten. Dadurch fielen die Abänd« rungsvorschläge des Vorstandes, die diesem größere Rechte bei der Führung und bei Abbruch von Streiks sichern sollten» glatt unter den Tisch. Das neue Statut tritt am 1. Januar 1313 in Kraft. Als Sitz des Verbandes wurde Hamburg wiederum be stimmt. Verbandsvorsitzender Leisler und Kassierer Wagnitz wurden einstimmig wiedergewählt. Der VerbandSauSschuß kommt in die Filialen Leipzig und Lindenau. Der Verbandstag wählte dann noch Delegierte zum internatio- nalen Kürschnerkongreß, Gewerkschaftskongreß, und zum inter nationalen Arbeiterkongreß. Damit waren die Arbeiten des Verbandstages erledigt. Der nächste VerbandStag wird 1916 in A r n st a d t abgehalten. Bei Erledigung„sonstige Anträge' wurde zur Frage der Heimarbeit folgender Resolution zugestimmt: „Der Verbandstag macht es den Arbeitern der Hausindustrie in der Kürschnerbranche zur Pflicht, sich dem Deutschen Kürschner- verband anzuschließen. An allen Orten, wo der Verband Zahl- stellen unterhält, sind für die Kollegen in der Hausindustrie Sektionen zu bilden, wenn genügend Mitglieder vorhanden sind." Um den Sitz des Verbandsvorstandes bewarben sich mehrere Filialen. Die Leipziger halten Leipzig als den geeignetsten Ort, von anderer Seite wurde Berlin vorgeschlagen. Der Vor- stand und einige Delegierten schlugen vor, den Sitz in Hamburg zu belassen. Mit geringer Mehrheft wurde in diesem Sinne be schloffen. Hus der parteü Fortschritte der Parteipresse. Im Verbreitungsbezirk des„H a l l« s ch e n B o l k S b l a t t e S' wurden seit dem 1. Juli v. I. in ländlichen Orten und kleinen Städten 44 neu« Filialen errichtet. Da von jeder dieser Filialen durchweg noch zwei bis fünf Nachbardörfer durch Austräger mit der Zeitung versorgt werden, so ist diese neueste Ausbreitung des Blattes ein ganz bedeutender Vorstoß in weite, bisher vom„Volksblatt" unberührte Gebiete. DaS„Hallesche VolkSblaft" nahm in der angegebenen Zeit an 6800 Abonnenten zu. Den Haupteil dieses Aufschwunges brachte naturgemäß die Reichstags- Wahlbewegung und die im Anschluß daran in zahlreichen Orten des Bezirkes einsetzende planmäßige HauSagitation. Die„Fränkische Volkstribüne" in Bayreuth, die seit dem 1. Juli in einem neuerbauten Druckereigebäude und mittels Rotationsdrucks in vergrößertem Format hergestellt wird, hat eine Auflage von 8000 Exemplaren erreicht; das ist eine Vermehrung der Auflage um 6000 Exemplaren seit der vor 3)4 Jahren erfolgten Umwandlung vom Kopfblatt zur selbständigen Zeitung. Eine Bank der schwedischen Arbeiterbewegung. Die sozialdemokratische Partei, die Landesorganisation der Ge- werkschaften sowie auch der Kooperative Verband, die Zentrole deS ArbeitergeiwssenschastswefenS in Schweden haben sich schon seit einer Reihe von Jahren wiederholt mit der Frage befaßt, ob eS nicht möglich sei, eine eigene Bank für die Arbeiterbewegung zu gründen, um nicht die Gelder der kämpfenden Arbeiterschaft den kapitalistischen Geldinstituten zur Spekulation überlassen zu müssen. Der Gedanke konnte jedoch bisher nicht verwirklicht werden, zumal der Gründung eines solchen Geldinstituts durch die Organisationen gewisse gesetzliche Schwierigkeiten im Wege stehen. Nun haben jedoch dieser Tage 19 Personen, die sämtlich, bis auf zwei. Mit» glieder der Partei sind und meist an leitender Stelle in der Ar- beiterbewegung tätig sind, bei der Regierung die Konzession einer solchen Bank beantragt und daZ Institut, daS den Namen„Aktie- bolaget Nya danken"(„Aktiengesellschaft Die neue Bank") trägt, wird demnächst ins Leben treten. Für die finanzielle und bank- technische Leitung hat man sich von vornherein entschlossen, tüchtige Fachmänner heranzuziehen, und das sind die beiden Personen, die nickt der Partei angehören. Der Grundfonds der Neuen Bank ist auf mindestens 1000 000 und höchstens 2 000 000 Kronen festgesetzt, die auf Aktien zu 100 Kronen verteilt werden. ES sind Garantien dafür geschaffen, daß der Nutzen de» Unternehmens auch wirklich der Arbeiterbewegung zugute kommt und eine Ueberrumpclung durch gewinnsüchtige Kapitalisten ausgeschlossen ist, und gleichzeitig hat man sich auch ausländische Verbindungen gesichert, die in der- selben Richtung liegen._ Aus der Parteibewegung. Einen gewaltigen Aufschwung hat in letzter Zeit die Partei- wie die Gewerkschaftsorganisation in Plauen i. V. genommen. Innerhalb dreier Jahren ist die Zahl der gewerkschaftlich Organi- sierten von 3600 auf nahezu 16 000 gestiegen, so daß im Vorjahre die Anstellung eines GewerkschastSsckretärS notwendig wurde. Nicht minder groß ist der Zustrom zur politischen Organisation. Zählte der sozialdemokratische Verein vor drei Jahren erst 1750 Mitglieder, so am 31. März d. I. bereits 4729 und heute ist die Zahl von 6000 schon überschritten. Weibliche Mitglieder zählt der Verein gegen 600. Da die Parteiarbeiten nicht mehr im Nebenamte ausgeführt werden können, so hat die letzte Mitgliederversammlung beschlossen, einen besoldeten Geschäftsführer anzustellen. Der Abonnenten- stand der Parteipresse ist 4200. Die Zunahme im letzten Jahre beträgt rund 1600. Die Stadt O e l S u i tz, auch zum 23. sächsischen Wahlkreise gehörend, zeigt fast die gleich« Aufwärtsbewegung. Ein Erfolg des rumänischen Sozialismus. Bukarest, 26. April.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Nach fünfjährigen Kämpfen seitens des rumänischen Proletariats wurde unser Genosse Rakowski, der seit fünf Jahren auS« gewiesen ist. endlich in seine Rechte als rumänischer Bürger nieder eingesetzt. poUreUüKe», O tri ehrliches ufw- Ein seltenes Vorkommnis. Freigesprochen von der Anklage wegen Beleidigung eines Grafen Georg v. Wartenberg aus dem Kreise O e l s wurde am Donnerstag von der 1. Breslauer Strafkammer Genosse Karlt Okonskh in seiner Eigenschaft als Verantwortlicher der dortigen „V o l k s w a ch t". Vor den ReichstagSwahlen gab die„Volks- wacht" einer Zuschrift aus dem Wahlkreise Oels-Wartenberg Raum. in der es als sonderbar hingestellt wurde, daß der Graf von Warten- berg so kurz vor den Reichstagswahlen eine besondere Zuneigung für seine ländlichen Arbeiter auf einmal an den Tag lege. Es hieß in der Zuschrift, daß die Arbeiter zu Weihnachten zum eisten Mal vom„gnädigen Herrn" ein Geschenk erhalten haben und daß dieser die bis dahin verbotenen Tanzlustbarkeiten jetzt wieder ge- nehmige. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß die„gnädige Frau" in Kürze für alle Dorfbewohner ein Fest veranstalten würde. Durch diese Zuschrift, die in keiner Weise durchblicken ließ, daß der Graf v. Wartenberg, der auch gleichzeitig Amtsvorsteher ist, sein Amt dazu benützte, um die Wähler für den Kandidaten der konser- vativen Partei einzufangen, fühlte sich der Herr Graf beleidigt. Insbesondere hat es ihn gekränkt, daß er und seine Frau mit„gnädig" in Gänsefüßchen bezeichnet und daß ihm sein guteS Herz für feine Arbeiter zum Vorwurf gemacht wurde. Der Bres- lauer Staatsanwalt tat ihm auch den Gefallen und erhob im öffent» lichen Interesse Anklage. Das Gericht konnte in dem Artikel eine Beleidigung nicht erblicken und kam zu einer Freisprechung» weil einmal der Angeklagte nicht die Absicht der Beleidigung ge- habt hat und weil der Vorwurf der Mildtätigkeit nicht beleidigend ist. Auch in der mit Gänsefüßchen bezeichneten Anrede„gnädiger Herr" und„gnädige Frau" konnte das Gericht eine Beleidigung nicht erblicken. Der Antrag des Staatsanwalts, der seinen Schützling, eine» hochfeudalen Junker) nicht fallen lassen wollte, lautete auf 100 W. Geldstrafe und Publikation in einem knappen halben Dutzend Zeitungen. Das ist seit mehreren Jahren die erste Freisprechung in Pretzprozessen gegen die „Breslauer Volks wach t". Hervorzuheben ist, daß der freikonscrvative ReichstagSabgeord» nete, Rechtsanwalt M e r t i n- Oels, der im Wahlkampf selber seine politischen Gegner gerade nicht mit Glaceehandschuhen anfaßte, dem Grafen Georg b. Wartenberg zur Stellung des Strafantrages gegen die„Volkswacht" rieft_ Bus Industrie und Kandel. Schnapswucher. Bor einer Woche hat die Spirituszentrale den Preis für Primasprit wieder erhöht. Sie gab damit den besten Beweis da« für, daß sie immer die Macht in der Hand hat, Fischzüge in die Tascken der Alkoholverbraucker zu tun, so lange sie eben vom Durchsckniltsbrand und vom Vergällungszwang geschützt wird. Und diese beiden Milte! des Schnapswuchers will ja das eigenartige Deckungsgesetz, wie es durch die Regierung vorgelegt worden istz gerade peinlichst genau erhalten. In welchem Maßstab eine Erhöhung des Preises für Prima« sprit sich am Alkoholkonsum widerspiegelt, ist dabei oft genug gar nichr bekannt. Nehmen wir einmal als PreiswirkungSmacht der Spirituszentrale den Verbrauchsumfang von Trinkbronntwein an. Im Produltionsjahre 1910/11 wurden rund 1349 000 Hektoliter Trinkbranntwein dem Verkehr übergeben. Er ging im großen und ganzen durch die Spirituszentrale. Diese Branntweinmengen der Berechnung zugrunde gelegt, ergibt sich durch die Preissteigerungen der Jahre 1911 und 1912 bis jetzt I— folgender Verdienst« zuwachs: Trinkbranntwein Preis bis 14. August 1911 „„ 16. August 1911 „„ 18. Januar 1912 .. 19. März 1912 .. 20. April 1912 Wert der Jahresproduktion 108,1 Mill. M. 116.6,, 119.9.. 136,6,. 147,2.. Hektoliter 62.90 M. 68.50. 61,60, , 69,50, „ 76,50„ In noch nicht dreiviertel Jahr hat die Spirituszentrale die Spritpreise um rund 46 Proz. in die Höhe getrieben! Da» heißt, in Mark und Pfennig umgesetzt, und auf ein Jähr Verrechneft soweit eS sich überhaupt erkennen läßt, die Spiriwszentrale hat de» Gesamtverdienst um über 40 Millionen Mark wachsen gemacht! Dazu kommt nun nock der Extragewinn aus dem erhöhten Brennspirituspreis, der um 3 M. pro Hektoliter in die Höhe gesetzt wurde— das sind auf ein Jahr umgerechnet über 4 Millionen Mark Mehreinnahme! Zu diesen Preisen kommt nock die Steuer. 106 resp. 126 M, pro Hektoliter! Der Schnaps ist für Brenner und Staat immer noch ein gutes Geschäft. Elektrifizierung iu Preußen und Sachse«. Sicher ist Graf Vitztum von Eckstädt im Schlage nichts andere» als ein preußischer Dallwitz und Bethmann Hollweg, trotzdem muß jetzt Sachsen wegen seiner planmäßigen Arbeit— die allerdings immer nock besser sein könnte— in der Elektrifizierungsfrage be« acktet werden. Neuerdings wird bekannt, daß das Königreich Sachsen für 67 Millionen Mark Braunkohlen- selber erwerben will. In erster Linie, um auf die Preisbildung der Braunkohle, die für die Erzeugung der elektriscken Kraft un« entbehrlich ist, einen gewissen Einfluß zu gewinnen. Im Nachtrag»« etat verlangt die sächsische Regierung jetzt schon 27 Millionen zu diesem Zweck. Preußen beschäftigt sich ebenfalls eiftiqst mit der Frage der Elektrifizierung seiner Eisenbahnen. Der preußische Forst« f i S k u s verkaufte vor wenigen Wochen riesige Braunkohlenfelder im mitteldeutschen Braunkohlenrevier in der günstigsten Lag«, an der schon elektrifizierten Bitterfelder Staatsbahnstrecke gelegen, an privat« Interessenten! Er machte somit so gut wie unmöglich eine staat» liche Versorgung mit Braunkohle für alle dort in Frage kommende» Elektrizitätswerke I Danach hat ja Preußen auch öffentlich mitgeteilt, daß es nicht einmal daran denke, für seine ElektrizitätSbedürfnifi« eigene Krafizentralen zu bauen II Warum soll sich nicht auch Allgemeine ElektrizitätSgesellschaft und Siemens u. Halske- Schuckert auf große Geschäfte einrichte« dürfen, die ja doch aus dem allgemeinen Staatssäckel gezahlt werden müssen? Wenn nicht anders, dann durch eine Erhöhung der Fahr- kartenpreise?..._ Gerichts- Zeitung* Beleidignng durch eine FaschingSzeitnag. Im Betriebe der Siemens-Schuckertwerke in Nürnberg pflege» die Arbeiter alljährlich eine Faschingszeitung, der„Elektrische Funke" herauszugeben. In dieser Zeitung werden Vorkommnisse im Betrieb, sowie Mißstände in satirischer Weise glossiert. In der Nummer vom Februar 1911 befand sich unter anderem ein Gedicht, in dem angedeutet war, daß eine Arbeiterin entlassen wurde, weil sie zwei Herren, die dem gelben Werkverein angehören, nicht zst Willen war. Der eine dieser Gelben war als„Zinko" bezeichneft Im Betriebe ist nun ein Meister, der Zinke heißt. Dieser fühlte sich durch das Gedicht getroffen und stellte gegen den BerbandSbeam» ten des Deutschen MetallarbeiterverbandeS, Georg Holzinger, der das Blatt verantwortlich zeichnete, obwohl der Deutsche Metall« arbeiterverband mit dem Blatte nicht» zu tun hat, BeleibigungS- klage. Holzinger erklärte vor dem Nürnberger Schöffengericht, daß Herr Zinke gar nicht gemeint war.„Zinko" sollte einen andere» Gelben, der eine lange Nase hat, bezeichnen. Die Nürnberger nennen einen Menschen mit langer Nase„Zinken". Der Ange» klagte war bereit, eine Erklärung, daß Herr Zinke nicht aemeint war. in einigen Blättern abzugeben. Damit war aber Kläger nicht einverstanden. Das Schöffengericht verurteilte Holzinger z» der hohen Strafe von drei Woche« Gefängnis, Soziales* Wenn der Arbeiter alt wirb. Beim Gewerbcgericht klagt« der Grundicrcr M. gegen die Golbleisten- und Rabmenfabrik I. Äristan sJnbaber Gustav Lißner) auf Jnnehaltung einer sechswöchentlichcn Kündigungsfrist zum Ouartalsersten und Korrektur seines Arbcitszeugnisscs. Der Kläger war seit Juli k887 in dem Betrieb des Beklagten tätig; dessen Vorgänger hatte erstcrem den Posten als Meister übertragen, den dieser auch noch weiter bekleidete, als Herr Litzner das Gc- schüft übernahm. Eines Tages im Februar kam nun zu dem Kläger, der wohl schon mit Wonne an sein bevorstehendes Jubi- läuni der 25jährigen Tätigkeit an ein und derselben Arbeitsstätte dachte, ein Lehrling und überbrachte ihm nebst seinen Papieren die Kunde, datz et entlassen sei. Daran hatte der aus allen Wolken gefallene M. aber doch nicht gedacht; es wollte ihm nicht in den Sinn, datz ein Arbeiter nach fast Ajähriger Tätigkeit, und noch dazu ohne vorherige längere Aufkündigung, entlassen werden könne. Er berief sich daher nach Ileberwindung seines ersten Schrecks auf den � t.?3a der Gewerbeordnung, wonach für Werkführer, wenn nichts anderes vereinbart, eine scchswöchentlickc Kündigungsfrist zum OuartalSersten anzunehmen ist. Der Beklagte bestritt, datz der Kläger jmt den letzten zwei Jahren noch Meister war; er habe ihm diesen Posten damals abgenommen, da er eine anoere Person mit der Oberaussicht über den ganzen Betrieb betraut hatte. Die Aussage wurde von mehreren Zeuge» unterstützt, und so blieb der Kammer 4 unter Vorsitz des Magistratsrats Tr. Gerth nur noch übrig einen Vergleich vorzuschlagen. Der Beklagte verpflichtete sich denn auch, dem Kläger noch den Lohn für 14 Tage zu zahlen. Zusammenhang des Todes mit Betriebsunfall. Der Bauanschläger E. erlitt am ö. November 1891 durch Ab- stürz von einer unbeleuchteten Treppe eines Neubaues einen Bruch der Wirbelsäule und Verletzung des Rückenmarks. Er bezog für die Folgen des Unfalls von der Nordöstlichen Eisen- und Stahl- Berufsgenossenschaft die Bollreni« und vom II. Oktober 1999 ab, da eine Lähmung beider Beine eingetreten war, E. fremder Pflege und Wartung bedürftig wurde, die Hilflosenrente. Am 13. März 1911 verstarb E. im Krankenhaus Moabit. Die Witwe erhob An- spruch aus Gewährung der Hinterbliebenenrente. Dieser Antrag wurde von der Genossenschaft jedoch abgelehnt, tveil nach der vor- » gcnommciren Obduktion E. eine schwere Erkrankung des Rücken- maris, Herzerweiterung und Verfettung sowie eine schwere Leber- erkrankung auszuweisen hatte, als unmittelbare Todesursache je- doch Herz- und Lungeulähmung festzustellen sei. Die Leberer- kranküng habe zum Tode geführt, diese sei jedoch nicht Ilnfallfolge gewesen, mithin auch der Tod nicht als Folge des Unfalles anzu- sehen sei. Die Witwe legte gegen den abtebenden Bescheid der Genossen- schaft Berufung beirn Schiedsgericht für Arbeitervcrsicherung für den Stadtkreis Berlin ein. Das Schiedsgericht holt« noch ein Gutachten von dem Vertrauensarzt Dr. E. ein, der zu dem Schluß kam, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, datz der Tech des E. mit dem Unfall in einem indirekten ursächlichen Zu- sammenhang steht. Die Genossenschast wurde daraufhin zur Zah hing der Hinterbliebenenrente an die Klägerin verurteilt. Weshalb bereitete in diesem Falle, der doch ziemlich klar lag — nur der Vertrauensarzt der Genossenschaft verneinte� de Zusammenhang— die Genossenschast der Witwe erst die ischwicrig- leiten? Nahm sie etwa an, die Witwe werde sich bei der Ab- lehnung beruhigen?_ Hus der Frauenbewegung. Japauischc Fabrikarbeiterinnen. Nach einer Korrespondenz der Münchener Zeitschrist«Handel und Industrie" auS Tokio veröffentlicht die österreichische«Monatsschrift für den Orient" da§ Nachstehends über Fabrikarbeiterinnen in Japan: Unter dem Ministerium Katsura wurde in der letzten Parlaments- sesfion der Versuch gemacht, ein ArbeitSschutzgesetz durchzubringen, daS, obgleich es nur die Anfänge eines solchen darstellte und sich in den aller bescheidensten Grenzen hielt, doch von der stärksten Partei der Seihukai mißgünstig angesehen wurde und daher zurückgezogen werden muhte. Ein Vorkämpfer für ein solches Schutzgesetz ist das Herrenhausmitglied Dr. Kuwada, der bereits im Jahre 1919 in Wort und Schrift für eine Besserung der Lag« der Arbeilerinnen, be- sonders der jugendlichen Fabrikarbeiterinnen eintrat. Bei Beginn der jetzigen ParlamrntSsession veröffentlichte er eine von ihm sorgfältig zusammengestellt« Statistik, die erlennen läßt, daß weder Arbeiter und Arbeiterin, noch Kinder des geringsten SchuyeS genießen, sondern einem willkürlichen Ausbeutungssystem unterliegen, ja sogar die Regierung setzt sich über ihre eigenen Gesetze hinweg, indem sie, obgleich der Schulzwang gesetzlich bestimmt ist, in den Fabriken des Tabakmonopols Kinder nicht nur unter 14, sondern sogar unter 49 Jahren beschäftigt. Noch trostloser sieht es bei den Fabrikanten auS. Bon etwa einer Million Arbeiter sind 790 009 weiblichen Geschlechts. davon 10 Proz. Kinder unter 14 Jahren. In der Streich- Holzindustrie werden nicht weniger als 29 Proz. Mädchen unter 19 Jahren beschäftigt, in den Monopolfabrikcn des Staates etwa 49 Proz. Mädchen unter 49Jnhren. Zur Erlangung dieser Kinder unter- halten die Unternehmer ein Werberheer, das von Dorf zu Dorf zieht und die Eltern zu überreden weiß, ihre Kinder den Fabriken zuzuführen, anstatt sie in die Schule zu schicken. Anstatt daß, wie versprochen, diese Kinder viel Geld verdienen, gehen sie körperlich und moralisch zu Grunde. Solche, die sich aufraffen, kehren nach drei bis vier Jahren auf ihr Dorf zurück, aber anstatt im Alter von 15—47 Jahren in der Fülle ihrer Jugend und Krasl, welk und siech, sogar dielleicht noch ihren Eltern ein Enkelkind mitbringend. Andere, d,e nicht zurückkehren, gehen in der Stadt zu- gründe und enden verdorben, gestorben. Seitens der Fabritauiseher werden die Mädchen in geradezu unmenschlicher Weise gequält und für ihre Lüste dienstbar gemocht. Körperliche Züchtigungen, Peitschen- hiebe, Kostentziehung, Dunkelarrest usw. find m den Fabriken an der Tagesordnung. Da die Mädchen meist in den von den Unter» nehmern eingerichteten Kost- und Logierhäusern wohnen müssen, find sie jeder Willkür preisgegeben. Ebenso sind Geldstrafen sehr beliebt. Für alle möglichen und angeblichen Versehen werden Geldstrafen ver- hängt, so daß manche Arbeiterin noch von Glück sagen kann, wenn sie am LohnzahlungStag überhaupt noch einige Sen ausbezahlr erhält. Ueberswndcn werden bis in die späte Nacht hinein gemocht, ohne daß die Mädchtn irgend welche Entschädigung dafür erhalten. Nacht- arbeiten sind überhaupt in den Spinnereien vielfach eingeführt und da männliche und weibliche Arbeiter bei erbärmlicher Beleuchtung beisammen sitzen, ergibt sich eine arge Demoralisation. Daß von solchen Zuständen nicht mehr in die Oeffentlichkeit dringt, liegt im Charakter des Japaners begründet, der kriechend und immer lächelnd, da kein Wort zu reden wagt, wo er sich nach obenhin etwa unbeliebt machen könnte. Dem Dr. Kuwada wissen die Re- gierung und die Seiyukaipartei wenig Dank, sondern verdächtigen ihn der sozialistischen Gesinnung und beschuldigen ihn der Uebertreibnng.__ Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 28. April, vormittags ftzll Uhr; Fortsetzung der Führung durch das Kunstgewerbemuseum. Treffpunkt im Vorräume des Museums._ Hus aller Melt. Em jSachrpiel zur Kataftrophe der„Otamc". London, 25. April. ,Eig. Ber.) Der Streik der Besatzung auf dem Schwesterschiff der«Titanic", der.Olympic", ist geeignet, die kapitalistischen Geschäftsniethoden hell zu beleuchten. Die Heizer und Malrosen weigerten sich ini letzten Augenblick, die Fahrt mitzumachen. weil die an Bord geschafften zusammenklappbaren Rettungsboote seeuntüchtig waren. Auf Betreiben der Gewerkschaft der See- leute und Heizer hatte sich schließlich die Gesellschaft letzten Dienstag dazu verstanden, noch vier Matrosen zur Beaufsichtigung der Rettungsboote anzuwerben. Al§ aber die Mannschaft am Tage der Abfahrt die Boote besichtigte, fand sie, datz es samt und sonders alle vermoderte Kasten waren. Einer der Heizer steckte die Faust durch den Kanevas, mit dem diese Boote überzogen sind. Darauf beschloß die Mann- schaft, Matrosen und Heizer, nicht mitzufahren. Die Ver- treter der Gesellschaft versicherten den Arbeitern zwar, datz die Rettungsboote zuverlässig seien, datz sie von dem Beamten des Handelsministeriums begutachtet worden seien. Die Heizer jedoch, die allein das Schilf verlassen konnten, blieben bei ihrer Weigerung. Die Rettungsboote stammten von Truppen- transportschiffen. DaS soll noch einigen Blättern eine Empfehlung sein. Unter den obwaltenden Umständen kann man jedoch wohl das Gegenteil annehmen. Offenbar bandel'.e sich bei der Beschaffung von 39 zusammen- klappbaren Rettungsbooten nur um ein Beruhigungsmittel. Man ließ sich nicht einmal Zeit. neue, zuverlässige Boot« anzu- schaffen. Die Profitwut des Unternehmertums erstickte jede Be- wrgniS um die Sicherheil der Besatzung und d«r Passagiere. Der Kaf mlismus tat, was er bei ähnlichen Gelegenheiten stelS tut: er erfand ein Surrogat— alte, verrottete Kanevasboote für ordentliche Rettungsboote. In dem großen LobeShymnuS auf die Tüchtigkeit und den Heroismus des britischen Seemanns, mit dem die Kapitalistenpresse die Schuldfrage in der Katastrophe der»Titanic" verdunkeln möchte, werden die Heizer und Maschinisten, die auf_ den großen Ozeandampfern ein so überaus mühevolles Dasein führen, nicht oder kaum erwähnt. Sie spielen auch in der Diskussion über die Sicherheit an Bord der modernen Dampfer eine äußerst unwichtige Rolle. Man hält es sür selbstverständlich, daß diese Arbeiter für 25 oder 39 Schilling die Woche nicht allein ihre Arbeitskraft verkaufen, sondern damit auch ihr Fell zu Markte tragen. Es ist daher leicht verständlich, wenn die Arbeiter jetzt die Sache selbst in die Hand nehmen und gegen die herrschende» Verhältnisse rebellieren. PortSmouth, 26. April. Als ein Bugsierdampfer mit nicht organifierten Heizern aus Liverpool heut« an der„Olympic" anlegte, sprang eine Anzahl Matrosen der.Olympic" an Bord des Dampfers und weigerte sich, mit nicht organisierten Leuten zusammen zu arbeiten. Die«Olympic" unterrichtete den Kreuzer «Cochrane" und setzte sich mir der Polizei in PortSmouth in Ber- bindung. Der Kommandant der.Cochrane" ging an Bord der „Olympic" und erinnerte die ausständigen Leute, datz sie ver« traglich gebunden seien und daß ihr Verhalten daher einer Meuterei gleichkomme. Die Polizei verhaftete fünfzig Mann der Besatzung. Nach einer weiteren Meldung ist» die Ausreise der „Olympic" aufgegeben worden. DaS Schiff kehrt in den Hasen von Southampton zurück. � Datz der Ingrimm der Schiffsarbeiter über die verbrecherische Leichtferttgkcit der Schiffahrtsgesellschaften leider nur allzu berechtigt ist, zeigen die Ailssühningen, die der englische Minister Button im Unterhauje über die RettungS mittel auf den Ozean- d a m p f e r n gemackt hat. Der Minister erklärte: Der Passagier» dampfet„Queen", der 1274 Passagiere und 48 Mannschaften auf- nehmen kann, besitzt nur Rettungsboote für 275 Per« s o n e n und Flöße, auf denen sich 3 9 P a s s a g i e r« retten können; die.Jnvicta", die 1812 Passagiere und 49 Mannschaften aufnehmen kann, hat Rettungsboote für 251 Personen und zerlegbare Flöße für 94 Personen. Die«Empte tz" faßt 1268 Personen und 59 Mann Besatzung, sie besitzt aber nur Rettungsboote für 259 Personen sowie zerlegbare Flöße für 72 Passagiere. Auf der„Viktoria" haben 1268 Passagiere und 59 Mannschaften Raum; eS stehen jedoch nur Boote zur Rettung von 257 Personen und Flöße f ü r 7 2 Leute zur Verfügung. Die«R i v i e r a" faßt 1318 Passagiere und 56 Mitglieder der Beiatzung; auch hier sind nur Rettun gs- boote für 261 Personen und Flöße für 25 Personen vorhanden. Die französischen Dampfer„Nord" und„ P a S de Calais" haben 299 Passagiere und 67 Mannschaften an Bord, besitzen aber nur Rettungsboote für 166 Personen. Schweres Eisenbahnunglück in Spanien. Wie ein Telegramm aus Madrid berichtet, ist in der Nähe von Jaen a Villagordo ein Exprctzzug entgleist. Die Maschine und sechs Waggons wurden vollständig z e r t r ü m nl e r t. Der Lokomotivführer, der Heizer und der Zugführer sind aus der Stelle getötet worden, während zwölf Reisende schwere Ver- tetzungcn davongetragen haben. Ein sofort nach der Unfallstelle entsandter Hilfszitg brachte die Toten und Ver- wundeten nach dem Spital in Jaen. Die Ursache der Kata- strophe ist nicht bekannt._ Vergebliche �agd. Durch die andauernde bis jetzt immer noch ergebnislose Ver- folgung der Autobanditen sind die Pariser Sicherheitsbehörden und die Polizei ziemlich nervös geworden, sind sie doch in den letzten Tagen den Autobanditen auf den Fersen gewesen, ohne sie erreichen zu können. Es sind zwar verschiedene Verhaftungen er- folgt, konnten aber nichtaufrechterhalten werden. Andererseits ist die gesamte Umgegend von Paris in weitem Umkreise sowohl von der L o k a l p o l i z e i wie von der Pariser Polizei gründlichst abgesucht worden. In allen Absteigequartieren wurden Haussuchungen abgehalten, ohne datz es jedoch gelungen wäre, auch nur die geringste Spur von Bonnot, Garnter oder irgend einem anderen Apachen zu entdecken. Die Briefe, die teils anonym, teils unterzeichnet, bei der Polizei täglich einlaufen und in denen Mitteilungen über den angeblichen Aufenthalt der Banditen gemacht werden, zählen nach Tausenden. Inzwischen ist die Erregung der Pariser Bevölkerung durch einen neuen bübischen Streich weiter gesteigert worden. Drei unbekannte Männer, die am Donnerstagabend auf dem Place d'Jtalie in Paris eine Automobildroschke nach C o r b e i l gemietet hatten, entführten im Walde von Senart der Wagen, nachdem einer von ihnen dem Chauffeur Pfeffer in die Augen geworfen hatte und fuhren nach Paris zurück, wo da§ Automobil heute früh wiedergefunden wurde. Eine Untersuchung ist eingeleitet, doch glaubt die Polizei nicht, datz dieser Vorgang mit der Bande BonnotS in Beziehung steht._ Kleine Notizen. Automobilunglück. Im Frankfurter Stadtwald« kam ein Automobil der Opelwerle von der Straße ab und stürzte um. Von den drei Insassen wurde einer getötet und die beiden anderen schwer verletzt. BergmannsloS. Auf dem Schachte Austria Nr. 4 bei T« plitz erfolgte ein E r d« i n st u r z, wobei ein Arbeiter getötet. ein anderer schwer verletzt wurde. Di« übrigen Lrbetter konnten sich ritten. Moderne Bauten. In der WydzewaSsttaße in Lodz stürzte ein im Bau befindliches fünfstöckiges HauS ein. Ein Arbeiter wurde getötet, vier andere schwer, einer leicht verletzt. Man vermutet, daß noch mehrere Arbeiter unter den Trümmern begraben sind. Lriefkaften der Redaktion. lt. H. 48. 1. Ja. 2. und S. Stein.— O. D. 88. Ohne Kenntnis de» Inhalts des Gerichtsbeschlusses läßt fich die Frag- nicht beantworten.— R. 2U 52. 1. Orchester. 2. Bis 11 Uhr, sallS nicht der Begriff des»ruhe- störenden LärmS" Anwendung findet. S Uhr, »reite» gl dr, Pappel-' löse Gemeinde. So den 28. ronnlag Pappel-Allee 15/17 und Neukölln,.Jdealpassaae": lesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine �rankiutter Sir. vormittag» «lrellgiöse Vor» Vortrag von Herrn Dr. M. Brie:"«Goethe» religiöse Äifichten." Damen und Herren al» Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken-»nd Sterbekaff« der Metallarbeiter /Eingeschriebene HUsSkasse 29, Hamburg). Filiale Baumschnlenweg Am Sonnabend, den 27. April, abends 8'/, Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Käding, Laumschulenstt. 67. Witternugsübersicht vom 26. April 101». Slatwnen Swmemde. Hamburg Berlin is fee sf. fe-H i? 763 NW 765:$$» 754«D anff a M. 762� SO ünchen 763® Wien Setter 2,btit-r Lheiter llvolllg pwollenl 1 deiter 761|WNW, 1 bedeckt tl* t* wS> 10 10 7 11 8 10 Etatioaei» tavaranda eierSburg Zrilly Aberdeen Paris £ C |* Ii il 75 760!$» 762;d 761jSRD 6 halb bd. Abedeckl Nwolkenl bedeckt wolkenl f* t? t*ä 8 —1 10 T 10 Wetterprognose für Sonnabend, den 27. April 1012. Ein wenig kühler, vielfach wolkig bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. rliner Witterbureau. 1 Sonntag nur geöffnet von 12— 2 Uhr. CentralaLeihhaus M am. i: Hochelegante Monatsgarderoben, teils in prima Seide, zu sehr mäßigen Preisen. Elegante Monatsgarderoben, welche in vornehmen Werkstätten nach Maß hergestellt sind, werden als Gelegenheitskäufe zu billigsten Preisen zum Verkauf gestellt, und ist die Auswahl gerade in diesen wenig gebrauchten Maßgarderoben jetzt eine sehr große, da bei dem Saisonwechsel ein starkes Lager vorhanden. Frühjahrs-Paletots und Ulster �r%,äe ZZ?"*"M,spr: 9, 10, 12, 18, 20, 28. Eleg. Herren-Jackett- und Rock-Anzüge 9, 10, 12, 18, 20, 28. Abt II: Täglicher Verkauf von neuen eleganten, modernen Anzügen u. Paletots in engl. Mustern u. Fassons zu billigsten Preisen; Kammgarnanzüge, Hochzeits- sowie Jünglings» u. Knaben-Anzüge. Tausende eleganter Herrengarderoben sind zum Verkauf gestellt, auch selbst für die korpulentesten Herren passend, alles äußerst preiswert Knabenanzfige und Paletots von 4 M. an. Jtinglin�sanzfige und Paletots. Schuhwaren und Teppiche sehr billig. Sport- und Gummimäntel sehr billig."TW MW" Sport- und Gummimäntel sehr billig. Sonntag nur geöffnet von 12— 2 Uhr. Unlcicm Genossen 13636 3 die besten Glückwünsch« , Vermählung Georg Lenz nebst Braut 1 jur Genossinnsn und Genossen des 132. Bezirk, 2. Kreis. enossen» Kreis. � Todes-Anzeigen SozialtoWscherWablvereiD des iß. Bert. Reiclislags-Watilötlses. | iün Montag, den 20. d.M., verstarb j unser Genosse, der Metallarbeiter Nei-msan Ledert Demminer Str. 2Z. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute I Sonnabend, den 27. April, nach- I mittags 5 Uhr, von der Halle des .'eriedenS Kirchhoies in Nordend- ! Niederschöndaufen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ! 229/1 Der Vorstand. SozialileniotratiscberWalilTereiii des ß. Berl. ReiEbslags-Wablkrelses. «tn 23.>. Mt->. verstarb«nser Genosse, der Händler �uxu�t?ritscde Ackerstr. 168. Ehr« feinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute Sonnabend, nachmittags 4 Uhr. von der Halle der tgl. Charitä aus nach dem Elisabeth- Kuchhos in der Prinzenallee statt. Um rege Beteiligung ersncht 228/3 Der Vorstand. r-i -Verband. Deutseber j Transportarbeiter-Verband. Bezfrksverwaltung Groß-Berlin. Den MllgNedcrn zur Nachricht, I dag unser Kollege, der Haus- I diencr Berndsrd Heinze j am 23. April im Alter von 60 Jahren | verstorben ist. 63/11 Ehr« seinem Andenken l Die Beerdigung findet am ronntag, den 28. April, nach- Z mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des alten Michacl-Kirch- s hoseS, Hennannstratze, aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Lagerarbeiter der A. E.-G. Eichiso! Schubert am 23. April im Alter von 51 Fahren o erstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Di« Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. April, nach- niitlagS 4 Uhr, von der Leichen. halle des Städtischen FnedhoseS, Müllerstrofie, aus statt. vis BezIrksverwaltunB. atäisa Deutscher iMefallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, | dah unser Mitglied, der Helfer dohsnn Olgrän | am 24. April an Herzleiden ge- | sterben ist. Die vcerdizuna findet am l Sonnabend, den 27. April, nachmittags SUbr, von der Leichenhalle des Pius- KirchhoseS in Hohe». | Schönhaiisen(Nordend) aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �iaedrut. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schlosser Mtred Liebusch am 19. April an den Folgen einer Schuijwnnde gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«: Die Orlsverwaltung. Zentral- Kranken- UniersiUtzungs- verein der Schmiede und vorw- == Gewerbe Deutschlands= Berlin 11. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah an, 24. April unser lieber Freund und Kollege Eduard Schubert (Antonstratze 24) nach schwerem Krankenlager im Alter von M Jahre» verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung sindet heut« Sonnabend, den 27. April, nach- miiiagS 4 Uhr, vom Philippus- Apoitcl-Kirchhoi, Müllerstrabe. Eck« Sccstrabe, aus statt. Um zahlreiche BcteMgung ersucht 176/12 Dia Ortsverwaltung. Verband der Sattler und Porteteuiller, 0r,sK"UB' Den Kollegen hiermit zur Nach- richl, dag unser Mitglied, der Mililärsailler Rudolf Lange verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Äeerdigmig findet am Sonnabend, den 27. April, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle de? ScgenS-KirchhoseS in Weibenfee, Gustav Adolsstr. 67, au§ statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 157/3 Die Ortsverwaltung. Zentraiverband der Töpfer u. Berufs genossen Deutschi. Filiale GroB-Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis, daß am 24. April unser Mitglied, der Kollege Paul Tkiele (Bezirk Moabit) im Alter von 47 Jahren an der Lungenichwindsiicht verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 2s. April, it-rchm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses Moabit, Birken- strabc, aus statt. 192/11 Der Vorstand. velllseker Baaarbeiter-VerbaDd. Am 25. April verstarb im Alter von 49 Jahrrn unser Mitglied, der Siukkalcur doseph Nagel. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung find-i am Sonnabend, den 27. April, vor- mittags 9'/. Uhr, von der Halle dcS Zeniralsr icdhoseS in Friedrichs- felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 139/3!>«,-■VoPBtand. y Zentral-Kraulteu- und j Aterbedasse der Zimmerer. (E. H. Nr. 2 Hamburg.) Den Mitgliedern zur Nachricht. dast unser Mitglied, der Zimmerer Joseph Weglehner Schönhauser Allee 73 wohnhast, am 24. April 1912 verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28 April er., nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle der Hedwig-PiuS-Gemcinde in Hohenschönhausen aus statt. Um rege- Beteiligung ersucht 253/2 Der Vorstand, Bez. 6. r Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine innig- geliebte Frau Emilie Wnlisehiäger geb. Grabowsky im Alter von 32 Jahren nach langem, schwerem Leiden saust cntichlasen ist. 1348b Dies zeigt im Namen der Hinterbliebenen ttejbctrllbt an »ermann WullscHllger. Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, ans dem Britzer Gemeinde-Fricd- hos statt. Verband der Tabrikarbeiter Deutschlands. Ilm Dienstag. den 23. April, ist unser Mitglied Wilhelm Peters verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 28. April, nach- mittaqs 4 Uhr, von der Halle des Friedhofes in Alt- Glienick- aus statt. 57/13 Die Ortsverwaltung. Allen denen, die meinem lieben Sohn, unserem Bruder, Schwager und Onkel, dem Stereotypcur vattirllt H/opp« bei seinem plötzlichen Hmscheiden die letzte Ehre erwiesen haben, hiermit herzinntgcnDank. Die Hlnterbtiebenen. Daiiksaipiiig. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahinc und Kraiizipendcn bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unscres guten BaterS und Schwicgcr- vaterS SS Karl Schalte sagen wir hiermit herzlichsten Dank. EIIbo Schulte geb. Noelle. nebst Kindern. KöpentckerLandstr. 143. «SM [Mohrenstr. 37 Z l <5r. Fr an kfurtersfr. ISS. Vormittags erbitte iob Besicbligung meiner überaus relcbbaltlgen Läger ohne Jede Verbindlichkeit! Kein Dntiendfabrlkatl Keine Boklamewaiel—---- Kein UassengeBret Nachmittags von I Uhr ab: Verkauf zu den bekannt niedrigen Preisen Entküokendg Kosttme so 16, 18, 84, 30, 35 bis ISO M. FeinbSeid.-n Voilemäntdlzu 18,24, 80, 38, 45 bis IBO M. Llsz imprägn. Staubmäntel zu>5. 18, 24. 30, 36 bis 65 M. Aparte Böcke end Blasen von 4M. an bis 80 M. Preise für Reklamepiicen nenne ich nlchtl Meine Fabrlkale sind als solide und gute bekaoot! Sonniag geCItnet von 12—2 Iliir. wird taghell, wenn Sie auf Ihrer Lampe Urania-Salonoel brennen. Wenn Sie die Sicherheit haben wollen, das seit Jahren rühmlichst bekannte Urania-Salonoel (der Name ist gesetzlich geschützt) zu erhalten, dann fordern Sie beim Einkauf nicht nur„Salonoel", denn unter dieser Bezeichnung wird sehr oft ein Gemisch mit billigeren Sorten verkauft. ===== Nur der volle Name======= Urania-Salonoel bietet Ihnen die Garantie, das unverfälschte amerikanische Sicherheits-Petroleum zu erhalten. 215/5» Urania-Salonoel bietet größtmögliche Sicherheit gegen Explosionsgefahr bei höchster Leuchtkraft. Keine Verwechselung mit österreichischem ==(galizischem) Petroleum.= Nebenstehendes Plakat bezeichnet die Ver- ===== kaufssteilen.— Deutsch-imerikanische Petroleum-Gesellschaft. d fntL FALSCHES GELD ausgeben bedeutet es unbedingt, wenn Sie(Ur Ihre Kleidung in hohe Frelse besohlen. Es l(t Ihn« bei der Mouatsgarderobca-Verkaurs-GcseUscbaft Gelegenheit geboten, sieh mit hocheleganter Mass- ßarderobe, die von leinsten Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur ganz kurze Zeit getragen wurde, zu verseben. Dass solche Garderoben Im Sitz weil beszer und Im Tragen viel vorteilhafter wie billige Konfektion sind, braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden. Ein Versuch wird zu dauernder Kundschaft(Uhren. Anzöge und Paletots 850 1250 1800 Mark Honatsprderoben-Yerkaurs-Gesellsehaft BERLIN SO, Prcsdcncr StfaBe It. am Kottbnger Tor._* Gemeinsame Orts• Krankenkasse für Kgs.- Wusterhausen und Umgegend. Zur Wahl von Vertretern der General- Versammlung werden sämtliche Mitglieder und Arbeitgeber ersucht, am Sonntz»K, den S Rai, nachmittags 4 Uhr, im hiesigen Alte» Schnkenhanse Anzüge, Gehrock- An- zuge.Smoking-Anzüge, Frack- Anzüge. Sommer- PaletotS, Beinkleider(auch f. korpulente Serren), sowie tkellner-Jacketts, racks. schwarze Tuchhosen. «selben find teil» aus Seide gearbeitet und nur kurze Zeit getragen, kaust man spottbillig bei Wsingartan,#riÄ, 88 EckbauS Ritterstr.(früher 20 Jahre Gitschstier Str.). Bitte eut Strebe und Hausnummer zu«shten. H.Pfau, "o!.1* Dlrcksenslraße SO zwische« Bahnhof Alexanderplatz und Polszeipräsidwm.— Amt Ikst. S208. Fllr Damen Frauen-Bedienung.» Lieserani sür alle«rankenkaffen. HP Abonnenten erhalt, to0/, Rabatt pfiSF* Extra«Angebot IM»Torvärts"- Leser 10% Rabatt. Ca. 800 Jachett-AnBUffe, Roch-Ansüg/e, Paletots, größtenteils von) 18 bis O M Kavalieren wenig getragen, auf Seide............. 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April: VeÄrks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin � in folgenden Lokalen: Norden I PharnssUle. Müllerstr. 142, abends 81/, Uhr. NOrdeD* Schwebte» Strafte 23. abends NOrdeD I Frankes Festsäle, Badstr. 19, abends 8>l Mnohit* Patsenbofer- Brancrel, Surm strafte InUaüll. abends 8 Uhr. lege!: Frapps Festsäle, Bahnhofstr. 1, abends 6 Uhr. OSteD I Comenlnssäle, Mcmeler Strafte 67, abends 8>/, Uhr. 1 iphfonhOPfl* Kestanrant J. Ertelt, Pfarrstrafte 74, ucmriiuery. abends 8-/, Uhr. 8trsISll und Kummeisburg: strafte"�ds°8'.,.v� Bericht und Reuwahl der Bezirksleitung. SOdendeiirlle: S?„hbr*?mtem'fiMe'*ottbtt'et®aMW 76' „ SUdost, Waldomarstr. 75, abends 8'/, Uhr. Neukölln: Hoppes Festsäle, Hermauustr. 49, abend« 81/, Uhr. Cbarlotteoburg: Volkshaas, Rosinenstr. 3, abends 8ll, Uhr. VonlifT* WahrcndorfB Festsäle, Lichterfelbe, Bilkeftr. 7, Slvgllich. abends 8'/, Uhr .rrledrlebsbsgeo: KöpenieKu Frtebrichstr «arten, Friedrichshagen, hriedrichstr. 74. abends 8'/, Uhr. Ober-Sehöneweide: Z™%™™ZTe'*melm*ca*0,' Snandan* �eze"s Kestanrant, Pichclsdorferstr. 5, abends mPiHIUAU» N/, Uhr. Bortrag. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der ordentlichen Generalversammlung und Stellungnahme zur außerordentlichen General- Versammlung. gy Mitgliedsbuch legitimiert."M&i 116/5 Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltun«. iiigemeine Kranken-». Sterbekasse der deutsehen Drechsler und deren Berufsgfenossen(E. H. 86 Hamburg). Mitglieder-Versammlungen finden statt: A am Sonntag, de» 28. d. Mts., vormittags 16'/zllhr, UCt.ll Art im Gewerkschaftshaus,«aal 9. B am Sonntag, de» 28. d. Mts.. vormittags 19'/, Uhr bei Fblert, Koltbuser Strafte 19. C am Sonntag, de» 28. d. Mts.. vormittags 19'/, Uhr, bei Bartsch, Alt- Jakobstr. 18/19. n am Sonntag, de» 28. d. Mts., vormittags IQ'/, Uhr, », u bei Hammel, Sophienstr. 5. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht vom 1. Quartal 1912. 3. Verschiedenes. 290/9 Die Ortsverwaltungen. liefere en ledermann Anzahlung ■im i Möbel auf Kredit bei Zahlung einer Monatsrate laut Vereiubarun? und bequemster Abzahlang—— komplette Wo nunn"-Einrlchlungen sowie einreine MöbelstQche, Polslerwardii, farbige Küchen Portieren AorHinon Leib u Bettwäsche Steppdecker, Tepplohe, Ullldl, Betten, Kronen, Kinderwagen usw. n modernster A isrührung. Ferner Gardersbe für Herren, Damen a. Kinder I- und verwandter Berulsgenossen. Zahlstelle Berlin. 0. 54: Mulackstr. 10, I. Fernsprecher: Amt Norden, Nr. 4518. Sonntag, de» 28. April 1912. nachmittags 2 Uhr. im Gcwerk- schastshause. Engeluser 15, großer Saal: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom 1. Ouartal 1912. 2. Mai- seier. 3. VerbandSangelcgenheiten. Da über ganz wichtige Verbandsangelegenheiten Beschlutz gesaftt werden mutz, ist daS Erscheinen aller Mitglieder notwendig. IW- Buch oder Karte legitimiert l Ohne diese kein Zutritt I"VQ 42/19* Die OrtsTerwaltang. Uiilcrjlützllilzg-Ntrtimgmz der in der moderneu Ardeiterbemegnug Migeu Angestellten Bei der am 22. d. M. vorgenommenen Stichwahl zur Haupwersamm- lung erhielten Stimmen: Lehmann 57, Bruns 33, Krätzig 28, Eisler 17. Gewählt ist Lehman». Da bei 85 gültigen Stimmen die absolute Majorität 43 beträgt, so mutz zwischen den Mitgliedern Bruns und Kräftig nochmals Stichwahl stattfinden, die hiermit am Montag, den 29. April, abends von 8—10 Uhr, im Bureau der Gewerkschastslommission, Engel- user 15, anberaumt wird. 290/10 �ex-a Sep»r!«nwx der übernommenen Schuhwaren Rosentlinln Str. 40-41 Hacfcesdier Markt— Stadtbahnhof Börse. PrompterVersand nach auSerhalb. Verkauf an Wiederverkäufer nur vormntags. Damen-Stiefel schwarz im. Chevreaoz mit Lackkappe moderne JB__ Fassons.... jetzt nur■fi'«/ 9 schwarz Che vreaaz mit Lackkappe, sch anke und breite gg Fassons. jetzt nor schwan prima Chevreanz mit Lackkappe, auch ohne, die ele- gantest. 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Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Tischler and anderer gewerblicher Arbeiter. E. H. 3 in Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der örtlichen Berwaltungsstcllen: Am Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, im Lokal von Wählisch, Skalitzer Str. 22. Am Sonntag, den 28. April, vorm ly Uhr, im De- werkschastshause. Engeluser 15, Saal 3. Am Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, bei Habel, Lergmannstr. 5— 7. Am Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, in der Patzenhofer-Braucrei, Turmstr. 25— 26. Am Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, bei Herrn Ewald, schulstr. 29. Am Sonntag, den 23. April, vorm. 10 Uhr, bei Herrn Obiglo, Schwcdter Str. 24. Am Sonntag, den 23. Slpril, vorm. 10� Uhr, in MannS .Fortunasälen", Strahberger str. 24. Am Sonnrag, den 28. April, vorm. 10 Uhr. bei Herrn Neidhardt l trüber Tolksdors), Görlitzcr Str. 58. Am«onntag. den 28. April, vorm. 10 Uhr, bei Herr» H. Greive, R.mriniener Str. 2. Am Sonnabend, 27. Avril, abds. 8 Uhr, im Lokal von Erbe, Bamnlchulenstr. 14. Am Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, im Volishause. Aosinenstr. 3. vorn ll. Zimm.(Nest.) Am Sonntag, den 28. April, vorm. 9'/, Uhr, im Dickenbaaen. Slbarnwebersa. 60. Lokal von'Albert Schmidt. Reuteritr. 23. Am Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, bei Herrn Grosser, Mcininger Str. 8. Tagesordnung: l. Kassenbericht vom 4. Quartal 1911. 2. Kassenbericht vom 1. Quartal 1912. 3. Neuwahl der Ortsverwnltuag und der Beltragssammler. 4. Verscbiedene Kassenangclcgendciten. Aufterdcm in Berlin A: Besprechung zur Errichtung der Notttandskasse; in Lichtenberg: Die Generaloer. sammlung cd. Anträge zu derselben-, in Berlin C, H und Charlottenburg: Ausstellung von Kandidaten zur Generawersammlung m Heitbronn. - Mitgliedsbuch legitimiert.- Um zahlreiches«od püuktlichcs Erscheinen der Mitglieder ersuche» 134/ l__ Die Ortaverwal tan gen. Berlin A: Berlin B: Berlin C: Berlin D: Berlin E: Berlin F: Berlin Q: Berlin H: Berlin I: Baumschulenweg: Charlottenburg: f Iz-hfAnKAf-CZ* Am roemmug, ucn so. i. v., uuem. ri» um*-, LlLlUCliUCrg« C'ofal von Pickenhagen, Scharnwebersu:. 60. �eUKÜllN' �Sonntag, den 28. April, vorm. 10 Uhr, im 1 8chöaederg: Am I. Mal bleibt mein Geschäft auch in diesem Jahre gesehloecsea. Arbeitsanzüge. Milk, pabr, Bnmnenftr 116. Vornehme Eehlelduns fertig und nach Maß trhalten Sie in der modernen Mass- Schneiderei I. Kurzberä auf Wunsch Wochenrat*. Rosonlhalcr Strasse Hackescber Markt. Frankfurter Allee 104 Ecke Friedenstrasae. Reinickendorf erStr.4 Weddingplati. ZeBtralliaiisnioiJJeiTenlieBelilBiii I.; Neue Frledrlchatr. 85 neben Zentral-Marltball« II.; Turmstr. 07 liefert an sedermann elegant« Nefren-lZssilerobell nach Slali unter Garantie füt tadellosen'Sitz gegen wöchentliche Teilzahlung v°n 1 Mark«t Zuschneiderei u. Werkstatt im Hause. Aus Wunsch Besuch des Reisenden mit neuesten Stoffmuster». 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Co, BerUn SW. 98. 29. mmi. j WM dtg.Fgmörts" Serlim Uolksbliltt. Die Branntweinsteuer hat dem Klassenstaat im Jahre 1911 nicht weniger als 195,2 Millionen Mark gebracht. Daz: noch die 115 Millionen Liebesgabe für die Junker. Arbeiter, verweigert diese indirekte Steuer! Verweigert die Liebesgabe! Verschärft de» Branntweinboykott! Partei- Angelegenheiten. Ib. und LL Abteilung. Sonntag, den 28. April: Be- najtiguitg der Löwen-Brauerei Hohenschönhausen. Treffpunkt: Bahnhof Weißensee und Haltestelle der Straßenbahn Kurze Straße. Die Abteilungsführer. Zehlcndorf sWannseebahn). Morgen Sonntag, den 28. April. sindel von allen Bezirken früh 8 Uhr eine sehr wichtige Flugblatt- Verbreitung statt. Der Vorstand. Mahlsdorf sOstdahn). Am Sonntag, den 28. April, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Pankow. Am Sonntag, den 23. April, findet im 1. Wahlbezirk eine Flugblattverbreitung von den Zahlabendlokalen aus statt. Wir ersuchen die Genossen der Gruppen, welche nicht an der Wahl be teiligt sind, sich bei der Verbreitung zahlreich zu beteiligen. Die Bezirksleitung. Potsdam. Am Sonntag, den 28. April, nachmittags 2 Uhr, sindel eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel auf dein Versammliingsgriindstück Behlerlstr. 16 statt. Tages- ordnung.„Wer zahlt die Kosten der neuen Wehrvorlage Referent vteichslagSabgeordneter Peus. Der Einberufer. Berliner IVaefmditen. Vom Berliner Füsorgewesen. Die Ausführung des Fürsorgewesens ist den einzelnen Kommunalverbänden überlassen! die Stadt Berlin bildet einen eigenen Kommunalverband und die Berliner Waisen- deputation ist das Organ, dem die Fürsorgeangelegenheiten überwiesen sind. Welcher Geist in der Berliner Waisenver- waltung herrscht, haben die Vorgänge in Mieltschin zur Ge- �iige gezeigt. Unschuldig war damals auch die Berliner Waisenverwaltung nicht, wenn auch nicht in ihrer Gesamtheit. so doch durch die einzelnen Organe, in deren Händen die Fürsorgesachen lagen. Diese Erkenntnis hatte sich auch wei- terer Kreise bemächtigt und sie kam wiederholt in den De- batten in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung über die Mieltschiner Vorgänge zum Ausdruck. Es wurden von allen Seiten Reformen verlangt und die Waisendeputation beeilte sich, eine Kommission einzusetzen, die diese Materie zu behandeln hatte. Eine erste Frucht dieser Vera- tungen war die Anstellung eines besonderen Direktors für das Fürsorgewesen. Als solcher wurde der Pastor Dr. Knaut gewählt, der früher bereits einer Fürsorgeanstalt in Hardinghausen vorgestanden hatte. Im Amte ist der neue Herr seit Jahresfrist. Bei der Schwierigkeit der Materie und bei der Rückständigkeit des Fürsorgewesens überhaupt wäre es verfehlt, heute schon zu einem endgültigen Urteil über die Tätigkeit des neuen Direktors zu kommen. Die Erledigung der Fürsorgeangelegenheiten erfolgt in der Hauptsache im Dezernalswege, wobei die juristischen De- zernenten in erster Linie in Frage kommen und nur wenn sich juristische Dezernenten mit den die Verfügungen mit- zeichnenden Kodezernenten, als welche in der Hauptsache Mitglieder der Waisenverwaltung in Frage konimen, nicht einigen können, entscheidet das Plenum der Waisendepu'tation über die strittigen Fragen, die oft Entscheidungen über Mcnschenschicksale sind. Solche Meinungsdifferenzcn über Fürsorgefragen sind in den letzten Sitzungen der Waisendeputation öfter zum Austrag ge bracht worden. Die juristischen Herren der Waisenverwaltung sind zu sehr Aktenmenschen; für sie gilt nur, was in den Akten steht. Und nun muß man wissen, wie die Akten speziell in Fürsorgeangelegenheiten zustande konimen. Vielfach sind es Mitteilungen der Polizei, die zu Anträgen auf Einleitung der Fürsorgeerziehung sich verdichten und die dann ohne jede Nachprüfung und ohne jede Beweisaufnahme in den Ueber Weisungsbeschluß aufgenommen werden. Mit einer Ge schwindigkcit sondergleichen wird von gewissen Amtsrichtern der Begriff der Verivahrlosung festgestellt und der Delinquent der Fürsorgeerziehung überwiesen. Dann gibt es aber sobald kein Entkommen mehr. In den letzten Sitzungen der Waisendeputation standen Anträge zur Verhandlung, nach denen junge Leute, die kurz vor Vollendung des 13. Lebensjahres standen, der Fürsorgeerziehung überwiesen werden sollten. Die Gemeinde hat sich in einem solchen Falle nach dem Gesetz zu äußern, wenn sie nicht selber Antragstellerin ist und sich dann schon geäußert hat. Von sozialdemokratischer Seite wurde die Meinung vertreten, daß die Gemeinde sich ablehnend verhalten sollte. Es sei geradezu eine Brutalität, junge Leute, die vor dein 18. Lebensjahre ständen, noch der Fürsorgeerziehung zu überweisen, zun« andern setze das sächsische Gesetz nur die Grenze auf 16 Jahre fest. Dazu komme, daß die Per- sonen in diesem Alter auch strafrechtlich für ihre Handlungen verantwortlich sind. Handele es sich aber um Personen, die Straftaten erheblicher Natur begangen hätten, so gehörten solche antisozialen Elemente erst recht nicht in die Fürsorge- anstalten, Ivo sie nur die übrigen Zöglinge verderben könnten. Die juristischen Dezernenten vertraten ganz offen den Stand- Punkt, daß die Gemeinde den Anträgen zustimnien müsse, sie könne ja gar nicht anders handeln. Das ist eine voll- kommen irrige Ansicht. Die Gemeinde ist vollkommen frei in fihrer Gutachtertätigkeit. Auf eine Aeußerung unseres Ge- nossen, daß man die Auffassung bekommen niüßte, die zuständigen Dezernenten ließen sich von dem Gesichtspunkt leiten,„was da kreucht und fleucht müsse in die Fürsorge- erziehung". wurde von einer Seite recht erregt widersprochen und unseren Genossen jede Sachkenntnis abgesprochen. Es wurde sogar betont, daß von amtsrichterlicher Seite sogar das Befremden darüber ausgesprochen worden sei, daß so wenig Anträge auf Einleitung der Fürsorgeerziehung gestellt würden. Es wurde erwidert, daß die Tatsachen das Gegen- teil beweisen; es seien im Geschäftsjahre 19i0 erheblich mehr Kinder der Fürsorgeerzieh nng überwiesen worden, als die Jahre vorher. In der Abstimmung wurde der Einleitung der Fürsorge- erziehung zugestimmt. Debatten ähnlicher Art entstanden bei Anträgen auf Ent lassung von Fürsorgezöglingen zu den Eltern. Mit welcher Härte auch hier verfahren wird, dafür ein Beispiel aus der letzten Sitzung. Die Eltern eines Fürsorgezöglings be antragten Entlassung ihrer 18jährigen Tochter. Diese ist seit drei Jahren in Fürsorgeerziehung. Die Mutter ist kränklich, hat noch vier Kinder und bekleidet eine Portierstelle. Die Tochter könnte der kranken Mutter Hilfe leisten. Polizei und Waisenrat begutachten, daß die Eltern ehrenwerte Leute sind, denen nichts nachgesagt werden könnte. Das Mädchen könnte ungefährdet zu den Eltern zurückkehren, es sei gut aufgehoben. Nun kommt das Gutachten der Anstalt in Plötzensee„Sichar", in dem das Mädchen untergebracht ist. Vor mehr als sechs Monaten erklärte diese Anstalt, das Mädchen könne den Eltern unbedenklich zurückgegeben werden; jetzt erklärt die Leiterin, das Mädchen befände sich in Dienst, hätte aber in der vorletzten Stelle sich abends„herumgetrieben" und könne nicht zur Entlassung empfohlen werden. Bei der Ab stimmung stimmt die Mehrheit gegen die Entlassung. Es mutz be merkt werden, daß Anträge auf Entlassung erst nach 6 Monaten wiederholt werden können. Bei der Gelegenheit wurde von unseren Genossen darauf hingewiesen, daß bei diesen Ablehnungen von Entlassungsanträgen mit großer Willkür verfahren werde. So sei lediglich die Entlassung eines Mädchens D. abgelehnt worden mit der Begründung, daß das Mädchen«och straffer Zucht bedürfe. Dabei sei das Mädchen in ein Hotel in Mecklenburg in Dienst gegeben worden. Kaum irgendwo anders sei ein Mädchen so großen sittlichen Gefahren ausgesetzt, wie in einem Hotel. Für sachgemäße Erziehungsgrundsätze spreche diese Tatsache nicht. Die oben geschilderten Verhandlungen in der Waisen deputation zeigen, daß auf dem Gebiete des Fürsorgewesens noch recht rückständige, wenig von Humanität zeugende Aw schauungen herrschen. Aus dem Bericht des Magistrats an den Minister für das Geschäftsjahr 1910 sind in deni Berichtsjahre 675 Minderjährige zur Fürsorgeerziehuna überwiesen worden, gegen die beiden Vorjahre, die mit 583 und 584 Ueberweisungen abschlössen. Ein Ortsstatut für die Anstellung von Direktoren für städtische Verwaltungszweige legt der Magistrat der Stadl verordnetenversammlung zur Beschlußfassung vor. Dieses Ortsstatut resultiert aus dem Widerstand des Magistrats, die Zahl der Magtstratsmitglieder zu vermehren. Der Magistrat besteht seit mehr als 50 Jahren aus 34 Mitgliedern, 17 be- soldeten und 17 unbesoldeten. Einer Vermehrung dieser Zahl widersetzt sich der Magistrat, weil schon jetzt diese Zahl groß genug sei. Darin sind auch oie Differenzen zu suchen, die wegen Anstellung eines Stadtmedizinalrates zwischen der Stadtverordnetenversammlung und dem Magistrat bestehen. Der Magistrat glaubt nun diese Differenzen zu be- festigen durch die Einbringung eines Ortsstatuts, das die Wahl und die Anstellung von Direktoren für bestimmte Verwaltungszweige vorsieht. Heute liegen die Dinge so, daß bei der Wahl eines Magistratsmitgliedes die Stadtverordnetenversammlung das Bestimmungsrecht besitzt, während bei der Anstellung eines Direktors lediglich der Magistrat das Recht der Anstellung besitzt und die Stadtverord- netenversammlung nur zu hören ist. Der Magistrat will nun durch das Ortsstatut festlegen lassen, daß bei Anstellung eines Direktors die Stadtverordneten ein Vorschlagsrecht ausüben sollen und der Magistrat aus der Reihe der vorgeschlagenen Bewerber die Wahl vornimmt. Dann sollen die Direktoren bestimmte selbständige Funkttonen im Magistrat erhalten, in- dem sie aus ihrer Verwaltung Anträge im Magistrat stellen und den Magistrat in ihren Ressorts in Ausschüssen vertreten können. Ob die Stadtverordnetenversammlung sich mit dieser Regelung einverstanden erklärt, ist sehr fraglich. Das Polizeibezirksamt. Der Polizeipräsident teilt mit: Die örtliche Zuständig- keit des Polizeibezirksamtes Berlin-Mitte, welches seine Tätigkeit im Dienstgebäude atv Molkenmarkt Nr. 1 am 1. Mai d. I. aufnimmt, u m f a ß t d i e P v l i z e i r e v i e r e 1. 2, 13, 14, 15, 16. 10. 20. 21, 33, 26, 27, 29, 33. 40, 65 und 93. Die örtliche und sachli�ze Zuständigkeit der Reviere bleibt im allgemeinen unverändert, nur werden die Reviere 26, 29, Sö und die Reviere 13, 14, 15 zu je einein Großrevier vereinigt; das erste mit dem Sitz der Verwaltung in Revier 26, das zweite in Revier 13. Das Publikum wird gebeten, sich in allen Angelegenheiten, die diese Reviere betreffen, nur an die Großreviere, und zwar an das Großrevier 26 für die Reviere 26, 29, 55 und an das Großrevier 13 für die Reviere 13, l4, 15 zu wenden. Die Reviere 29, 55, 14 und 15 stellen ihre Tätig- keit für das Publikum ein, abgesehen von den Fällen, in denen die Hilfe der Wache zur Gewährleistung persönlicher Sicherheit in An- spruch genommen wird. Die Einwohner des örtlichen Zuständigkeitsgebietes des Polizei- bezirksrnntes werden gebeten, sich unmittelbar an das Polizeibezirksamt zuwenden. 1. soweit bisher die Reviere zuständig waren: Mit Anträgen auf Legitimations-, Gewerbe-Legitimations-, Muster- koffer- und Identitätskarten für Handlungsreisende, auf Wander- gewerbescheine und Legitimationsscheine zum Druckschriftenver- triebe, sowie mit Anträgen auf Sühneversuche in Gesindcstreitsachen; ausländische Arbeiter mit Anträgen auf Jnlandslcgitimierung. 2. soweit bisher die Hauptmann schaften zu- ständig waren: Mit Anträgen auf Erlaubniserteilung für Tanzlustbarkeiten und in Angelegenheiren betreffend Genehmigung für bewegliche Dampfkessel. Folgende Angelegenheiten, die bisher vom Poli- zeipräsidium im Polizeidienstgebäude am Alexanderplatz be- arbeitet worden sind, werden für den Bereich des Polizeibezirks- amtes von diesem bearbeitet: Alle Kriminalsachen, soweit nicht der Verdacht gewerbsmäßiger Täterschaft oder ein Verbrechen von weittragender Bedeutung vorliegt. Alle Angelegenheiten der Unfall- und Jnvaliditätsversicherung. sBei den Revieren verbleibt Ausstellung und Umtausch der Quittungs- karten.) Folgende Gewerbepolizeiangelegenheiten: Schanksachen, Ver- steigerungen. Angelegenheiten der Dienstmänner, Pfandleiher, Trödler, Rechtslonsulenten, Auskunfteien, Detektivinstitute, Patentagenten, Pferde- und Viehhändler. Vogelhändler. Auktionatoren, Loschändler, Ausverkäufe, UrspiungSatleste, Firmierung von GeschäftsschUdern, Belästigungen und Gesundheitsschädigungen durch Handels- und Ge- werbetreibende.._ r Alle Angelegenheiten der Haus- und Straßenpolizei(Straßen- reinigung, Benutzung der Straßenfronten und Bürgersteige). Angelegenheiten betreffend die Rückführung entlaufener Minder- jähriger, Lehrlingsangelegenheiten, Gesindestreitsachen, Geistes- krankensachen, Aufenthallssachen der Ausländer. Armen- und Unterstützungssachen, besonders bei sretwllliger Inanspruchnahme polizeilicher Fürsorge. Die Ausstellung der polizeilichen Atteste in WohlfahrtS- und Unterstützungssachen. Die Entscheidung auf sachliche Beschwerden gegen Anordnungen der Reviere. Das Publikum wird gebeten, sich in diesen Angelegen- heiten, soweit das Polizeipräsidium bisher un- mittelbar in Anspruch genommen worden ist, statt an dieses, an das Polizeibezirksamt zu wenden. Auf dem Polizeibezirksamt können mündliche und schriftliche Anträge aller Art um Rat und Auskunft in polizeilichen Angelegen- heiten angebracht werden. DaS Polizeibezirksamt ist für den Verkehr des Publikums an allen Wochentagen von 8—3 Uhr geöffnet; Sprechstunde des Leiters des Bezirksamtes ist täglich von 11— 1 Uhr. Die Diensträume der Kriminalpolizei befinden sich im Erd- geschoß, alle übrigen im 1. Stockwerk. Die Kinderarbeit auf dem Müllbcrg des Tegeler Schießplatzes, über die wir berichteten, hat nun aufgehört. Nach Veröffent- lichung unseres Artikels über den skandalösen Mißbrauch, der damit der Arbeitskraft schulpflichtiger Kinder getrieben wurde, dauerte die Sache zunächst noch fort. Noch mehrere Tage sah man nach der Mittagsstunde die Kinder zu dem Müllberg wandern, von dem sie gegen geringen Lohn die Glas- und Porzellanscherben absuchen mußten. Die Schar dieser Kinder hatte sich verringert, aber es waren ihrer leider noch immer genug. Dann erhielt eines Tages der Ausseher durch ein Kind Kenntnis davon, daß diese Dinge be- reits im„Vorwärts" besprochen worden waren. Jetzt erklärte er plötzlich den Kindern, das sei der letzte Tag, an dem er sie beschäftige. Inzwischen hatte auch ein Lehrer den von Kindern wimmelnden Müllberg besucht, um sich das Treiben anzusehen. Er kam wohl im Austrage der Schule, um sich zu überzeugen, ob die im„Vor- wärts" gegebene Darstellung zutraf. Selbstverständlich kann es auch dem Militär nicht verborgen geblieben sein, daß bei der Absuchung des Müllberges, die ein Unternehmer für die Militär- Verwaltung ausführen ließ, Kinder beschäftigt wurden. Der Müll- berg war im vorigen Jahre, nach Abräumung der an der Müller- straße gelegenen Müllabladestätte, draußen auf dem Schießplatz aufgeschüttet worden, um für militärische Uebungen benutzt zu werden. Die Kinder, die ihn in diesem Frühjahr nach Scherben ab- suchten, arbeiteten sozusagen unter dem Schutz des Militärs. Am letzten Tage ihrer für den Unternehmer sehr profitablen Tätigkeit konnte man sie arbeiten sehen, während Militär den Müllberg umgab und dem Publikum den Zutritt wehrte. Am Fuße des Müll- berges übte eine Maschinengewehrabteilung im Beisein von Offizieren, die die Schußwirkungen beobachteten. Und nicht weit davon wühlen die Kinder in dem aufgeschütteten Müll. Es war wirklich hohe Zeit, daß diesem Treiben ein Ende be- reitet wurde. Es sollen dann zur Erledigung des Restes der Arbeit erwachsene Personen eingestellt, worden sein, die allerdings nicht so billig wie schulpflichtige Kinder gearbeitet haben werden. Uns wird gesagt, daß manche diezer Kinder noch lange keine 12 Jahre alt waren. In einzelnen Fällen sollen sie noch nicht 10, ja, noch nicht 8 Jahre alt gewesen sein. Es ist un- begreiflich, daß dieser Mißbrauch nicht beizeiten bekannt geworden ist, so daß man ihm schleunigst hätte entgegentreten können. Eine Tatarennachricht veröffentlichte gestern früh der„Lokal- anzeiger". Danach sollte der Direktor Hempel, der sich vor einiger Zeit erschossen und längst beerdigt ist, noch am Leben sein. Die ungeheuerliche Nachricht sollte durch eine Postkarte gestützt werden, die ein auf einer Hochzeitsreise befindlicher Wittenauer aus Paris an einen Bekannten in Wittenau geschrieben hat, wonach er in Paris mit Hempel eine Flasche Wein getrunken habe. Aus diesem in der Wpinlaune gemachten Scherz sollte eine große Haupt- und Staatsaktion gemacht werden. Die Polizei und der Staatsanwalt sollten mobil gemacht werden, die Leiche Hempels sollte ausgegraben werden. Alles das wußte der„Lokalanzeiger" in seiner kühnen Phantasie zu vermelden. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der„Lokalanzeiger" hereingefallen ist, wie ihm das in letzter Zeir chon so oft passiert ist. An die Adresse der Großen Berliner richtet sich folgende Zu- chrift:„Eine richtige Falle für das Publikum ist die Straßenbahn- linie 19. Diese Linie, von Moabit kommend, bildet von der Ecke der Köpenicker und Brückenstraße eine Schleife, die sich um Treptow und Neukölln herumzieht. Die Wagen fahren von jener Stelle ab in abwechselnder Folge einesteils die Köpenicker Straße entlang über den Schlesischen Busch und Treptow, anderenteils die Neander- straße entlang über den Moritzplatz und Neukölln. Die einzelnen Linien sind nun zwar an der Stirnseite des Wagens durch ein entsprechendes Schild gekennzeichnet, doch die meisten Leute achten darauf zu wenig und sehen nur nach der Nummer der Linie, da die wenigsten wissen, daß diese Linie zwei verschiedene Strecken fährt. Man kann es täglich in zahlreichen Fällen beobachten, wie Personen irrtümlicherweise den falschen Wagen besteigen. Der Schaffner kann unmöglich jeden Fahrgast darauf aufmerksam machen, nach welcher Richtung der Magen fährt. Wenn dann die Fahrgäste selbst stutzig werden, daß der Wagen eine ganz andere Strecke einschlägt, als sie voraussetzten, dann haben sie den Fahrpreis schon entrichtet und befinden sich schließlich weiter vom Ziel, als am Anfang ihrer Fahrt. Aber noch eine andere üble Folge zieht dieser Mißstand nach sich. Viele Fahrgäste, die plötzlich merken, daß ber Wagen eine andere Route nimmt, verlassen fluchtartig den Wagen und springen während der Fahrt ab, wodurch leicht Unglücksfälle entstehen können." Die Große Berliner Straßenbahn sollte hier schnell und ernst- lich Abhilfe schaffen. Das liegt zunächst im Interesse des fahrenden Publikums, aber auch im eigenen Interesse der Gesellschaft. Die Eröffnung der Teltower Kreisschiffahrt. Die Teltower Kreisschiffahrt setzt ihren Sommerfahrplan am Sonntag, dei� 28. April, auf sämtlichen Linien in Kraft. Die Flotten des Kreises können wieder zu Vereins- und Gesellschaftsfahrten genlietet werden. Die großen Doppclschraubendampfer fassen bis zu 300 Personen. Außerdem verfügt der Kreis über Motorschnellboote in jeder Größe. Anmeldungen sind an die Betriebsleitung in Klein-Glienicke bei Potsdam zu richten. Ein sonderbarer Stundenplan ist in diesem Sommerhalbjahr an der 238. Mädchen-Gemeindeschule(Pappelallee) den Kindern der Klasse UI O gegeben worden. Von de» drei. Turnstunden j der Woche Hai man zwei so gelegt, bah die Kinder am Sonn- abend von 8—7 Uhr abends turnen müssen. Sckion das ist verwunderlich, daß die Kinder überhaupt zn so später Stunde unterrichtet werden. UeberdieS sind nach altem Herkommen am Mitt- woch und Sonnabend die Nachmittage unterrichtsfrei, und mindestens für den Sonnabend ist eine Beibehaliung dieses Brauches zu wünschen. Wir können es uns nur aus der Unzulänglichkeit der Turnhallen erklären, daß der Turnunterricht auf eine so ungünstige Zeit gelegt worden ist. Seit Einführung der dritten Turnstunde sit es noch schwieriger als vorder geworden, allen Klassen eine, günstige Turnzeit zu geben. Mehr noch als bisher für den Turnunterricht ein paar Klassen zusammenzulegen, geht nicht an. Die Turnhalleu sind meist so klein, daß die Kinder schon jetzt sich kaum darin umdrehen können. Die Schulverwaltung sollte sich beeilen, diesem Uebelstand durch Mehrung der Turnhallen ein Ende zu machen. Mit Recht beklagen sich die Eltern, daß ihre Kinder darunter leiden müsien. Auf dem Flugplatz Johannisthal erlitt gestern früh gegen 8 Uhr die Baronin von Leitner einen schweren Unfall, tfrau v. L., die früher bei der Luftverkehrsgesellschaft Fluguuterricht nahm, hat sich jetzt dem Fotkcr-Eindecker zugewandt und wollte gestern früh, mit Fokker als Passagier, einen Probeflug machen. Anscheinend zog die Fliegerin das Höhen- und Seitensteuer gleich- zeitig und zu scharf. Als der Apparat den Boden verließ, rutschte er seitlich ab und wurde zertrümmert. Während Fokker ohne Verletzungen davonkam, wurde die Baronin bewußtlos nach der Unfallstation auf dem Flugplatz gebracht, wo ein Bruch des linken Schlüsselbeins festgestellt wurde. Die Verunglückte wurde nach dem Elisabeth-Krankenhaus in der Lützowstraße übergeführt. Die Beschwindelung von Dienstmädchen betreibt seit längerer Zeit besonders im Südwesten und Westen Groß-Berlins eine Gaunerin, die mit einem alten Kniff immer noch erfolgreich arbeitet. Sic lauert Dienstmädchen auf, die beim Einholen sind und er- zählt ihnen, daß sie der Hausfrau soeben Kleider oder Stoffe ab- geliefert habe. Die Hausfrau habe augenblckilch kein kleines Geld gehabt und ihr gesagt, sie möge dem Mädchen nachgehen und sich von ihm das Geld geben lassen. Sie versteht es ausgezeichnet, aus den arglosen Mädchen herauszubekommen, wieviel sie noch bei sich haben, und richtet es hiernach ein, was sie angeblich im Auf- trage der Hausfrau von ihnen verlangen soll. So hat sie sich zu- weilen mit 8 M. begnügt, in vielen Fällen aber den Mädchen bis zu 30, 40, und 80 M. abgenommen. Die Schwindlerin ist 35 bis 40 Jahre alt und mittelgroß, hat dunkelblondes Haar und ein dickes, rundes Gesicht und trägt fast immer ein Rolltuch über den Arm, in dem sie die Sachen abgeliefert zu haben scheint. Alle, die über die gefährliche Person etwas wissen, werden ersucht, sich an die Krimnalpolizci unter Tag.-Nr. 220. 4. 60. 12 zu wenden. Im Friedrichshain vom Tode überrascht wurde der 82 Jahre alte Schmied Ernst Weiß, der sich ohne Wohnung in Berlin auf- hielt. Vorgestern fand man ihn auf einer Ruhebank regungslos daliegen und brachte ihn nach dem nahegelegenen Krankenhause. Hier konnten die Acrzte nur noch feststellen, daß er tot war. Totgefahrenes Kind. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am gestrigen Freitag vormittag um 10'/« Uhr in der Margaretcnstraße zu Lichtenberg. Um die genannte Zeit spielte dort mit anderen Kindern da« 2'/« Jahre alte Töchterchen des Gastwirts Lewandowskl) aus der Margaretenstr. 9/10. In seinem kindlichen Eifer bemerkte daS Kind nicht die Annäherung eines beladenen Kohlenwagens der Firma Hohlwein, Iriedrichsfelde. ES lief in daS Gespann des schweren Fuhrwerkes hinein und wurde überfahren. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur den infolge Schädel- bruchS und schweren inneren Verletzungen bereits eingetretenen Tod feststellen. Dem Führer des Fuhrwerkes trifft nach Aussagen von Augenzeugen keinerlei Schuld. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde gestern auf dem Flur des Hauses Diedenhofcner Str. 10 gefunden und von der Revicrpolizei nach dem Schauhause gebracht. Sie war in Zeitungspapicr eingewickelt. Ob das Kind gelebt hat und eines gewaltsamen Todes gestorben ist, kann erst die Obduktion feststellen. Bor den Augen des Baters überfahren und schwer verletzt. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich am Donnerstagnachmittag am Charlottenburger Ufer zugetragen. Dort fuhr der Kutscher Brock aus der Fritschestraße 34 von den am Landwehrkanal verankert liegenden Kähnen Kies ab und sein 12jährigcr Sohn Albert be- glritclc ihn auf seinen Fahrten. Als der Kutscher den letzten Wagen geladen hatte und das Gefährt sich in der Fahrt befand, wollte der Knabe auf den Wagen klettern, wie er dies schon öfter getan hatte. Albert B. glitt jedoch dabei ab und fiel so unglücklich, daß er unter den Lastwagen geriet. Obwohl der Vater das Gespan» so schnell wir irgend möglich zum Stehen brachte, konnte er doch nicht verhindern, daß das linke Vorderrad über den Körper seines Knaben hinwegging. Der Verunglückte erlitt einen Bruch des linken Unter- und des rechten Oberschenkels und innere Verletzungen. Der Vater brachte seinen Sohn nach der Unfallstation in der Berliner Straße,>vo dem Verunglückten Notverbände angelegt wurden. Von dort aus wurde der bedauernswerte Knabe in sehr bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus Westend übergeführt. Vorort- Naebridrten» Neukölln. Ein Zopfabschncidcr ist gestern morgen in Neukölln aufgetreten. Als das 6 Jahre alt« Mädchen L. aus der Richardstraße 2 vom Einholen kain, schlich sich ein junger Mensch in das HauS nach und schnitt ihm auf der Treppe zum ersten Stock den Zopf ab. Die Kleine ging Weiler ohne sich uznzusehen und der junge Mann kehrte auf der Treppe um. Erst in der Wohnung sah die Mutter, was vorgefallen war. Der Zopf war verschwunden. Frau L. eilte die Treppe hinunter, fand aber den Uebelt'äter nicht mehr. Als Wüstling verhaftet wurde der 43 Jahre alte Drehovgel« pieler H. aus der Prin�-Handjerystraße. H. lockte, wenn er auf den Höfen spielte, kleine Madchen, die zu ihm herankamen, um zuzu- hören oder zn tanzen, an sich und verging sich an ihnen. Die Mutter eines Kindes wurde zufällig Augeuzeugin dieses Treibens und zeigte den Wüstling an. Daraufhin nahm ihn die Kriminal- Polizei gestern fest. Grotz-Lichterfelde. I» der Mitgliederversammlung des WaHlvminS erstattete der Kassierer Genosse Balkow zunächst die Abrechnung von der Reichs- tagswahl. Einer Einnahme von 893,30 M. sieht eine Ausgabe von 952.62 M. gegenüber. Der hierauf erstattete Kassenbericht vom 3. Quartal lSll/t2 wie? bei einer Einnahm« von 312,98 M. eine Ausgabe von 322,29 M. auf. Der Kassierer zeigie an Hand einer Aufstellung auS den Büchern, daß die Hauptschuld an der ungünstigen Finanzlage einer großen Anzahl von Mitgliedern beizumessen sei, die zuni Teil mit Resten bis zu zwölf Monaten paradieren. Um diesem Uebelstande ein Ende zn bereiten, faßte die Versammlung folgenden, besonders die zahlreich abwesenden Genossen interessieren- den Bel-bluß� Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen drei Monate im Rückstände sind, werden zunächst vom Bezirksführer zum Zahlen Alufgefordert! kommen dieselben darauf weder ihren Verpflichtungen nach, nock tragen sie um Stundung an, so werden sie noch einmal vom Kassierer gemahnt, und falls sie auch darauf nicht reagieren, werden sie ohne weiteres gestrichen. Friedenau. Die freie Turnerschaft, der die Schuldeputation noch immer die Turnhallen verweigert, veranstaltet am nächsten Sonntag, den 28. d. M., auf dem Sommerspielplatz an der Laubacher Straße das diesjährige Anturnen, bestehend aus volkstümlichen Wettkämpfen und Spielen. Abends von 8 Uhr ab Fam-ilienunterhattungSabend 1 im oberen Saal de» Kaifer-WilhelM-Garken?. bestehend aus musi- kalischcn und humoristischen Vorträgen und Tanz. Eintritt ist frei. Freunde und Gönner der freien Turnsache sind hierzu herzlich ein- geladen. Mariendorf-Südende. Neuwahl zur Gemeindevertretung. Da Genosse Günther zum 1. April wegen Verzug sein Amt als Gemeindeverordneter nieder- gelegt hat. ist eine Ersatzwahl erforderlich. Dieselbe ist auf Sonn- tag, den 5. Mai von'chO Uhr bis 3 Uhr im Restaurant Grothe, Torfstraße 1, festgesetzt. Da die zu Anfang des Jahres aufgestellte Wählerliste das ganz« Jahr Gültigkeit hat, sind alle die Wähler wieder wahlberechtigt, die im März d. I. schon in der dritten Klasse gewählt haben, bezw. eine amtliche Wahlbenachrichtigung be- kamen. Wir ersuchen daher insbesondere die Parteigenossen über- all ans die Wahl hinzuweisen, um, falls die Bürgerlichen nochmals Absichten auf Erringung des Mandats hegen, dieselben wie bisher zunichte gemacht werden. Die Mandate der dritten Klasse müsse» unter allen Umständen von sozialdemokratischen Vertretern besetzt sein. Pankow. In der auhcrorbentlichen Generalversammlung des Wahlver- eins hielt Genosse Schütte einen mit großem Beifall aufgenom- mcnen Vortrag über Friedrich den Großen. Hierauf wurden die beiden Ausschlußanträge gegen Zühlsdorf und Krüger ohne wesenv- liehe Debatte einstimmig angenommen. Genosse Gütig unterzog alsdann den Beschluß der Gemeindevertretung betreffs Ungültig- kcitserklärung der Wahlen der Genossen Eichler und Fenglcr einer herben Kritik. Nach Rücksprache mit den beiden Genossen sei man zn dem Entschluß gekommen, den Klagewcg gegen die Gemeinde- Vertretung nicht zu beschreiten, um die bürgerlichen Vertreter, die gegen den Willen der Wähler die Mandate ausnutzen, nicht noch länger in ihrem Amte zu lassen. Die unerhörte Vergewaltigung der bürgerlichen Gemeindevertretung müsse nunmehr den Wählern vor Llugen geführt werden. Die Genossen Wischka und Schindler betonten in der Diskussion, daß man doch den Klageweg hätte be- schreiten sollen, da das Recht auf unserer Seite sei. Ueberdics koste eine Neuwahl wieder Geld und Arbeit. Nachdem die Genossen Fengler, Spieckermann und Kubig die Ausführungen Gütigs unter- stützt und betont hatten, daß bei einer Klage nichts herauskomme, wurde ein Antrag, der das Vorgehen der beiden Genossen billigt, mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. Als Kandidaten wurden die Genossen E i ch l e r und Fengler wieder einstimmig nomi- niert. In die Kinderschutzkommission wurde die Genossin Schaum gewählt. Ein Antrag auf Errichtung eines Jugendheims wurde der Bezirksleitung überwiesen. Der Beschlutz, den Frauen das Verkaufen von Blumen am i- Mai zu gestatten und den Ueberschuß dem Jugendausschuß zuzuführen, wurde gutgeheißen. Zum Schluß crmahnte der Vorsitzende Genosse Gütig die Ge- Nossen, bei den kommenden Wahlen ihre Schuldigkeit' zu tun, damit unsere Kandidaten mit doppelter Stimmenmehrheit als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen. Wilhelmsruh. In der Protestversammlung am Donnerstag bei Deutschmann ist ein Portemonnaie mit 8 M. und einkm Lotterielos verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dasselbe bei Emil Worsey, Wilhelmsruh, Keplerstr. 1 abzugeben. Tegel. Die letzte, gutbesuchte Generalversammlung des Wahlvereiiis nahm zunächst den Kassenbericht vom 1. Quartal 1912 entgegen. Einer Einnahme von 1812,61 M. steht eine Ausgabe von 1737,89 M. gegenüber. Aufgenommen wurden 75 neue Mitglieder, darunter 28 weibliche. Die Versanimlung beschäftigte sich alsdann Haupt- sächlich mit dem Bericht über die Verbandsgeneralversammlung vom St. März d. I. Eine besonders lebhafte Debatte entspann sich über die Beilra�Sleistung zum BezirkSmaifondS. Die Einigung in dieser Frage zwischen Gewerkschaften und Partei sei zu begrüßen. ES wurde aber darauf hingewiesen, daß der Beschluß betreffend Beitragsleistung erst den Mitgliedern hätte unterbreitet werden müssen, damit diese dazu Stellung nehmen konnten. Die Maifeier soll wie alljährlich gefeiert werden. Vormittags '/zl0 Nhr Versammlung im Lokal von Klippensteln, nachmittag» in Trapps Festsälen Konzert und abends Tanz. Der Arbeiter-Gesangverein .Immergrün', der Arbeiter-Turnverein und der Arbeitrr-Radfahrer- verein.Kette" werden dabei mitwirken. ES wurde darauf hin- gewiesen, daß alles aufgeboten ist, um die Maifeier würdig zu be- gehen, und daß eS Pflicht eines jeden Genossen sei, sich an derselben zu beteiligen. Alsdann wurde ersucht, an der Kinderschutzarbeit sich mehr zu beteiligen. Staaken. Urbcr die jetzigen politischen BerhSltniffe im Reich sprach in der letzten Mitgliederversammlung dcS Wahlvereins der Kreisvorsitzende Genosse Schubert. U. a. nahm der Redner in seinem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag auch Bezug auf den jetzt durch die bürgerliche Presse gehenden Aufruf zur Sammlung einer Rational« Flugspende und unterzog denselben einer herben Kritik. Der Kassen- oericht des 1. Quartals weist eine Einnahme von 78,10 M. und eine Ausgabe inkl. einer Abführung an den KreiS(88,89 MI.) von 64,69 M. auf. Der Vorsitzende Genosse Schäfer bedauerte, daß noch ein großer Teil Arbeiter die bürgerliche Presse lese. Einem Antrage des Genosse Schubert, in eine HauSagitation zwecks Gewinnung neuer Abonnenten auf die Arbeiterpresse einzutreten, wurde zugestimmt. Der Wahlverein zählt gegenwärtig 47 männliche und 3 weibliche Mitglieder. Spandau. Mancherlei Ucberraschung förderte die letzte Stadtverordneten- Versammlung zutage. Zunächst wurde doch noch die Genehmigung zur Erbauung eines Stadttheaters erteilt, nachdem erst vor acht Tagen die Vorlage an den Magistrat zurückverwiesen worden war. Dieser hatte sie unverändert wieder eingebracht, wohl in der Voraussicht, daß die Gegner nun der Vorlage doch ihre Zu- stimmung geben würden. Es wurde auch ein ernstlicher Versuch zur Bekämpfung diesmal kaum unternommen. Selbst der vom Stadt- verordneten Schilling gestellte Antrag auf namentliche Abstimmung kam zu spät, da die Versammlung schop in der Ab- stimmung begriffen war, welch letztere eine ansehnliche Mehrheit für die Vorlage ergab. Auch der Ergänzungsantrag des Genossen Pieper, den Konzertsaal allen Parteien zur Benutzung freizugeben, wurde mit großer Majorität angenommen.— Die Rede- Halle auf dem Friedhof in den Kisseln sollte nach dem Willen des Magistrats nur den Geistlichen zur Verfügung gestellt werden. Diese Bestimmung bekämpfte Genosse Pieper aufs schärfste. Zum Beweise dafür, daß nicht von sozialdemokratischer Seite, sondern gerade von Geistlichen oftmals die Leichenrede zu einer politischen Demonstration benutzt wird, konnte unser Redner der interessiert zuhörenden Versammlung die kürzlich im„Vor- wärts" abgedruckte Grabrede eines polnischen Kaplans verlesen. Ohne weitere Debatte stimmte daraufhin die Versammlung mit erdrückender Mehrheit dem Antrage des Genossen Pieper zu, wonach die Redehalle wieder jedermann zum Abhalten von Leichen- feiern zur Verfügung gestellt wird.— In dem Bestreben, den Stadtverordneten und Deputierten das unbeschränkte Recht zur Besichtigung und Kontrolle der städtischen An- stalten zu erhalten, wurde unsere Fraktion, für die Genosse Pieper sprach, nicht genügend unterstützt. Die Mehrheit erklärte sich für die Borlage des Magistrats, die eine vorherige Anmeldung bei den Betriebsleitern vorsieht. Dadurch ist es den Stadtverord- ucten selbstverständlich sehr erschwert, etwaigen Mißständen nach- zuforschcn.— Eine rege Debatte entspann sich über die Frage der Zweckmäßigkeit von Brausebädern in den Turnhallen. Auf Antrag des Stadtverordneten Dr. Baumert hatte die Per- sammlung seinerzeit sich für den Einbau von Brausebädern in den neu zu errichtenden Turnhallen erklärt. Der Ragistrat hat der» artige Anlagen in anderen Gemeinden studiert und ist zu der An- ficht gekommen, daß die Turnhallen für die Anlage von Brause- bädern nicht geeignet sind, da beim Ucberschreiten des Schulhofes bei kühler Temperatur zu leicht Erkältungen der Schüler zu be- fürchten sind. Die Persammkung beschloß deshalb diesmal, über die Anlage von Brausebädern immer nur von Fall zu Fall zu be- schließen.— Für den Ausbau des Askanierrings vom Potsdamer Tor bis zur Hasenmark bewilligte die Versammlung eine Viertelmillion. Die Straße soll in 30 Meter Breite mit zwei Fahrdämmen und einer mit Anlagen bepflanzten Promenade zu einer Prachtstraße umgewandelt werden.— Zu Grabe getragen wurde dann am Schlüsse der Sitzung die Angelegenheit des Professors Dr. Eber st a dt. Wie mitgeteilt wurde, hat es die Staatsanwaltschaft abgelehnt, im öffentlichen Interesse Anklage gegen den Professor zu erheben. Der Magistrat will gegen diesen Beschlutz keine Beschwerde erheben, da er, wie Oberbürgermeister K o e l tz c ausführte, einen versöhnlichen Standpunkt eingenommen hat. Dies gab dem Genossen Pieper Anlaß, darauf hinzuweisen, daß er von Anfang an gegen diese Aktion, die elend ins Wasser gefallen sei, sich ausgesprochen habe. Auch bei den bürgerlichen Rednern scheint jetzt eine andere Auffassung Platz gegriffen zu haben, denn es wurde unverhohlen das Bedauern darüber aus- gesprochen, daß man in den früheren Sitzungen in so scharfer Weise gegen Professor Dr. Eberstadt vorgegangen sei. Nur Stadtverord- ncter Dr. Baumert konnte seinen Haß gegen denselben nicht unter- drücken, er mochte der Staatsanwaltschaft die bittersten Vorwürfe, daß sie nicht gegen einen Mann, der die obersten Stadtbehördcn beleidigt habe, vorgehen will. Daß der Redner dann den logischen Kopfsprung machte und beantragte, gegen den Bescheid der Staats- anwaltschaft keine Beschwerde einzulegen, stimmte die Versamm- lung ebenso heiter, wie sein Bekenntnis, daß für ihn Professor Dr. Eberstadt als Wissenschaftler abgetan sei. Beschlossen wurde dann, von einer Beschwerde gegen den Bescheid der Staatsanwalt- schaff abzusehen._ Gegen die neuen Millionenforderungen. Außer in den Orten, über die wir gestern bereit? berichteten, fanden noch in einer weiteren Anzahl Vororte imposante Protestver- sammlungen statt, in denen gegen die neuen Militärforderungen ent- schieden Stellung genommen wurde. In Oberschöneweide hörte eine zahlreiche Zuhörerschaft im WilhelmSgarten ein zweistündiges Referat des ReichStagsabgeord- neten Krätzig an. Die Versammlung quittierte am Schluß mit brausendem Beifall. Die Versammlung in Königs- Wusterhausen, wo ReichstagSabgeordnctcr Taubadel sprach, war von 200 Männern und Frauen besucht, In N o w a w e S schilderte Reichstagsabgeordneter Bender in flammenden Worten die Gefahren, die dem deutsche» Volke, ja der gesamten Kulturwelt durch das wahnwitzige Wettrüsten entstehen. In Wilhelmsruh referierte vor etwa 280 Personen Reichs- abgeordneter T h ö n e unter lebhaftem Beifall. In der gutbesuchten Protestversammlung in Oranienburg sprach der Reichstagsabgeordnete Feldmann. Seine AuSfüh- rungen wurden von den Versammelten von Zustimmungskundgebungen begleitet. In Bernau sprach Genosse Fendel« Berlin vor etwa 280 Versammelten. Am Schlüsse seines Vortrages erntete der Redner großen Beifall. In Franz.- Buchholz referierte in temperamentvoller Weise vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft ReichStogSabgeordneter H a b e r l a n d._ Jugeudveranstaltungea« Kreisparti« Niederbarnim. Sämtliche Orte treffen sich am Sonn- tag, den 28. d. MtS., um')«10 Uhr am Bahnhof Friedrichshagen. Abmarsch um'/,10 Uhr über Stahnsdorf nach Müggelheim. Für Nachzügler bis 12 Uhr am Bahnhos Rahnsdorf. Ltchtenberg-RummelSburs. Sonntag, den 28. April: Kreispartie. Treffpunkt für beide Orte in den Jugendheimen. Abmarsch von da pünlt» lich um 8 Uhr. Fahrgeld 50 Ps. BHefhaften der Redaktion. Sit ftMfttsch««»rechst»«»- findet L t n» e« st r» I e SS,»er« vi«« rrestpe, — Fahrstuht—, wochentäglich«o» 4 Vi bis 7 Vi Uhr-bendS,«onnottn»», »on 4 Vi bis 6 Uhr ahendS statt. Jrder fstr den vrirfknsten»rsttmmtra Anfrage ist ri» Buchstabe»ob eine Znhl als Mertjetchea bciziisügrn. Briefliche«»«wort wtrb nicht rrtcllt.«nfragru, denen«rtne«bonnementsqntttnng beigefügt ist, werben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in br««prechstnube bor. tt. ft. 4)1. Sachsen: 447 206 812 M. Berlin: 340 902S17 M.— B. R. 10. Berliner Fröbel-Berein. Geschäftsstelle: Johannilerftr. 19. 3— S Uhr.— Kindcrvflegerinncnschulc Etallschreiberftr. 54. Meldungen Mittwochs von 6—7 Uhr in der Schule.— N. S., Weisiensee» Textil- arbeilcrverband, Max Gruhl, Andrcasstr. 17.— Cv. SB). 101. Wenden Sie sich an den Genoffen R. Woldt, Karlshorst, Hentiaslr. 23.— P. 1. 1. Wir geben später noch näheres über den Billettverkauf bekannt. 2. Um den Genossen den Besuch der Veranstaltungen zu ermög- lichen, haben unsere Genossen im Rathaus daraus gedrungen, dah nur freie Lokale zu den Konzerten genommen werden. — M. K. 3. 1. und 2. Ja. 3. Bei kürzerer KrankheitSdauer ja; jedoch kann das Krankengeld gekürzt werden.— Treptow. Die höhere Ver- waltungSbchördc— RegierunaSpräsident— kann Ihnen, nach Anhörung der Handwerkskammer, die Befugnis erteilen.— G. M. 38. Unseres ErachienS nein.— C. 91. 500. 1. bis 3. Lesen Sie den Artikel»Steuer- sraaen" vom 17. März. 4. Nein. ES Ist Verjährung eingetreten.— F. T. Falls Sie über die Krankheitsdauer Bescheinigungen haben: etwa 10,60 M. monatlich.— F. L. 85. a) und c) Rem. b) Ja.— Neukölln Nr. 50. Sic können die Sachen entfernen, da Sie aus dem MictSvertrag« nicht hastbar sind.— M. S. 26. Sic können den Versicherungsantrag mit Ab- laus des Versicherungsjahres auskündigen. Für die bereits sällige Prämie hasten Sie.— M. 79. DaS wiederholte Hciloersahren beeinträchtigt Ihre späteren Reckte nicht.— 105 Snlatschmecker. Zweiseshast.— W. M. 95. Sie sind zahlungspstichtig.— Tsch. 21. Wir verweisen auf den in der Donnerstag-Ziumnier unter»Berliner Nachrichten" erschienenen Artikel.— — R. G. 21. Ja. Der Antrag ist bei der Abteilung für Invaliden- Versicherung, Am Köllnischen Park 8 zu stellen,— St. 20. Der Ehe« vertrag ist zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll zu erllären. Die Kosten richten sich nach dem Objekt.— G. 7. Der Standpunkt des Händler? ist gerechtfertigt, falls er keine Kenntnis von der Widerrechtltchkeit der Handlungsweise der Frau gebabt hat, andernsalls nicht.— A. M. 10. Unterjchriftsbeglaubigung durch die Polizeibehörde genügt.—£. S. 4. Wenn der Vertrag vor dem 1. April vorbehaltlos zurückgenommen ist, halten wir Sie nicht für zahlungspflichtig.— H. H. 1886. Ja.— H. P. 42. Ja.— K. 2. 47. 1. Nein, wohl aber versteigern lassen nach vorheriger Androhung. 2. Offenbacher Frauenkasse, Wilhelm Hinz Prinzcnslraszc 66.— A. Z. 100. Ja.— St.«. Ja, falls Sie Ihre Be- baupiungen beweisen können.— Steuer. Die Forderung ist begründet. Die Stenerpflicht beginnt bei der der evangelischen Kirche Angehörigen bei einem Einkommen von mehr«IS 1800 M., bei Katholiken bei einem solchen von mehr aiS 1380 Mark. WaffersiandS-Nachrichten der LandeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner Wetterbureau. Wasserstand Memel, TU fit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Bcrby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') . Rathenow») Spree, Spremderg') , Bceskow Weser, Münden » Minden Rhein, MaximiiianSau „ Kaub » Köln Neckar, Heilbronn Rain. 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Redner wünscht, dag die Bildungsausschüsse von der Arbeiterschaft tüchtig unterstützt werden.— An Stelle des Genossen Flieg, der sein Amt als Schriftführer niederlegte, wurde Genosse Georg L i e s k e gewählt.— Nach lebhafter Diskussion nahm die Versammlung ein- stimmig folgenden Antrag an:„Die am 23, April tagende Mit- gliederversammlung des, sozialdemokratischen Wahlvereins bedauert lebhast, dast es anscheinend nicht möglich ist, gegen die früheren Gc- nassen Albert Thiel und Frau Marie Thiel ein Ausschluhverfahren wegen Begehung ehrenrühriger Handlungen einzuleiten, da sich beide durch Austritt aus dem Wahlverein diesem Versahren entzogen haben. Die Versammlung erwartet vom Vorstand des Wahlvereins, daß er einen Antrag an den Parteitag vorbereitet, der es Leuten, die sich ehrenrührige Verfehlungen zuschulden kommen lassen, unmöglich macht, sich ohne weiteres der Partei wieder anzuschließen/ E* ist kein iäehelninis. dah ich weder einen Laden habe, noch einen Zuschneider halte. 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