Ar. 99. RbonnementS'ßedinonngeo: abmmonentä- PrriS Utänumcranbo: Vierteljährl. 3,30 Mk, mouall. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Psg. frei inS Haus. Einzelne Sinnnner S Pfg. SnnntagS. imnuner mit iHultricttet Tonnlag?» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. l'lbonnemcnt: 1.10 Mark pro Monat. Einge'ragen in die Post. Zeitungs- PrÄtill-, Unter Kreuzband sür Demichland und Oesterreich- Unaarit 2 Muri, für da? übrige Ausland z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemarl, " olland, Italien, Luxemburg, Portugal, nänten, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. VI« TnfertionS'Gebflty' Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg. für politische und gewerkschaftliche Vereins. ungS-ilnzeigen und V , 30 Pfg, „Klein« Hnzeigen", daS fettgedruckie Wort 20 Pfg.> zulässig 2 fettgedruSte Worte), jedes westerr Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlafftellenim- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wertere Wort b Pfg. Worte über IS Bucil- ftaben zählen für zwei Wort«. Inserate für die nächste Ruimner müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iit bis 7 Uhr abends geöfsnet, erichewt Sglich nBtr mootagj. Verlinev Volksblnkt. relegramm- Adresse: «SssizlilcmsbM kern»". �entralorgan der roziatdcmokrattfAen Partei Deutfchlands. Redaktion: SA. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. 1983. Sonntag, den 38. April 1913. Expedition: 8Äl. 68» I.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moristplatz, Str. 1981» Sem Cm entgegen! Der junge Lenz hat sieghaft seine maigrüneu Stan. harten aufgepflanzt» und das Proletariat wird in ein paar Tagen das den Menschheitsfrühling kündende Rot seiner Banner inmitten des Maiengrülis entrollen. Noch umschauern die Hagelwetter kapitalistischer Barbarei das rote Znkunstsbanner. Zur selben Zeit» wo das Proletariat im Zeichen des Achtstundentages die Forderung wirklichen Arbeiterschupes erhebt, sind in dem Reservat der- stocktcsteu Junkertums und der wütigsten Scharfmacherei, im preußischen Geldsackparlament, Kräfte am Werke, um den sozialen Fortschritt zu bremsen und den ernsthaften Berufs- organisationen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Und während Krautjunker und Schlotbarone unter leideuschatt. licher Mitwirkung der Geschareneu den sozialen Fortschritt deS Proletariats zu hindern und die schrankenlose Aus- beutung zu verewigen trachte», ist mau im Reiche am Werke, um den Völkerverbrüdcrungs. und Weltfriedcnsidealen die Parole deS Wettrüstens und der Völkerverhetzung entgegen- zusetzen! Zwei Welten treten am 1. Mai gegeneinander ia die Schranken. Aus der eine Seite die kapitalistische Bourgeoisie, die Vertreterin der Klasienhcrrschaft, der bevorrechteten Minderheit rnid der gottgewollten Ausbeutung der ge- knechteten Bolksmehrhcft. Die Repräsentantin des brutalen Kampfes um die Futterkrippe— in nationaler wie inter- nationaler Beziehung. Die Verfechterin deS kolonialen Länderraubes und der Versklavung rechtloser Eingeborener, deS rücksichtslosesten Konkurrenzkampfes zwischen den modernen Weltmächten und deS uferlosesten, alle Kutur- werte erstickenden Wettrüstens! Auf der anderen Seite das Proletariat, der idealfreudige Erbe aller Rechts, und Humanitätsauschauungen, die je die Besten des seitdem entarteten Bürgertums vertreten. Der Vorkämpfer jener einzig wahrhaften Kultur, in der es nicht mehr Ucbersättigte und Hungernde gibt, in physischer wie moralischer und intellektueller Beziehung. Die Künderin der Völkerverbrüderung und des gleichen Rechtes alles dessen, was Menschcnantlitz trägt, die Erlöserin der Menschheit von den bestialischen Greueln des kommandierten Massenmordes! Zwei Welten stehen einander im Kampf gegenüber. Die Demonstration des l. Mai bringt dies Phänomen zum Be- wusftseiu der breitesten Massen. Daß es sich dabei einstweilen nur um eine Demonstration handelt, daß das Programm des Proletariats noch nicht zur Verwirklichung gelangt, ist selbst- verständlich, da ja das Zünglein der Wage noch in der großen welthistorischen Entscheidung schwankt. Ter Hohn über die Versandung der Maifeier, über deren Versimpelung zum internationalen Kasfeekocheu berührt uns daher nicht. Denn nicht die Form der Maifeier ist für uns das wesentliche, sondern der Triumph der der Maifeier zu- gründe liegenden Idee. Wenn heute— innerhalb des Kapitalismus— nicht alle Räder stillstehen, wie der Wunsch des Proletariats das heischt, so ist das für die klassenbewußte Arbeiterschaft nur ein Anreiz mehr, die Orgaüisation des Prolctarits derart auszubauen, daß in absehbarer Zeit der Wille der arbeitenden Volksmehrheit tatsächlich das oberste Gesetz der Nation bildet! Daß der Ausbau der Gewerkschaftsorganisation aber in- zwischen die imponicrendsten, siegverhcißcndsten Fortschritte gemacht hat, wer wollte das leugnen?! Und wer wollte be- streiten, daß inzwischen auch der Geist des organisierten Proletariats an Klassenbewußtsein die erfreulichste Klärung erfahren hat! Und der Tag der Entscheidung naht! Dafür sorgt die raff- und hcrrschastssüchtige Bourgeoisie durch ihre immer neuen Provokationen! Gewicht auf Gewicht häuft sie durch ihre Barbareien auf die Wagschale des Proletariats, bis die Schale der Bourgeoisie rettungslos in die Höhe schnellt! In jedem Jahre erleben wir die Wunder des Maies, die unwiderstehliche Triebkraft der ewigen Naturgewalten. Und in jeder Geschichtsepoche erleben wir den unwiderstehlichen Völkcrmai, der die Fesseln der Unterdrückten sprengt! Wir schreiten dem Lenz entgegen! feinde ringsum! In der Debatte zur ersten Lesung der neuen Wehr- Vorlage erklärte Herr S p ahn, man dürfe zum Vergleiche nicht nur das französische Heer heranziehen, sondern auch die möglichen Koalitionen der Mächte im Kriegsfalle. Das ist gewiß richtig, denn wirtschaftliche EntWickelung und politische Machtbestrebungen haben die Mächte zu Koalitionen, Zwei- und Dreibünden, Latentes eordiales und wie diese Bündnis- bestrebungen in der Diplomatensprache alle heißen mögen, zusammengeführt. Inwieweit diese Bündnisse auch zu gegen- seitiger Unterstützung im Kriegsfalle verpflichten, läßt sich nicht immer mit Bestimmtheit feststellen. Historische Tatsache ist, daß die ruhenden Pole in der politischen Erscheinungen Flucht sind— einmal die Wirtschaft- liche Eifersucht zwischen England und Deutschland und zum zweiten das gespannte Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland, das als verhängnisvolle Erbschaft des Krieges von 1870/71 die Völker Mitteleuropas nicht zur Ruhe kommen läßt. Diese beiden Momente bilden die Basis für die Grup- pierung der Mächte und für die Koalitionen, wie sie zurzeit im Dreibund(Deutschland, Oesterreich und Italien) auf der einen Seite und im Zweibund Frankreichs und Rußlands sowie in der entente cardial«(im herzlichen Einvernehmen) Frankreichs und Englands kn Erscheinung treten. Wir be- streiten auch nicht, daß die zuletzt genannten Koalitionen ihre Spitze gegen Deutschland richten. Es fällt uns auch gar nicht ein, einzig und allein die deutsche auswärtige Politik mit ihrem Zickzackkurs und ihrem Herumfuchteln mit der ge- panzerten Faust für die unsichere politische Lage verantwortlich zu machen. Wir wissen, daß profithungrige Finanzleute und demagogische und ehrgeizige Politiker jenseits der Vo> gesen daran ebensosehr Schuld tragen, wie die brutale und tückische Diplomatie des Zarismus und die kühlen und ge- rissenen Geschäftsmänner und Staatsleute Englands. Ausschlaggebend für uns Sozialdemokraten ist, daß das Proletariat aller Länder keinen Anteil hat an der Schuld für diese gefährliche und gespannte Situation, daß es vielmehr überall gleichmäßig unter den Rüstungen nnd der Kriegs- gefahr zu leiden hat und in allen Ländern den imperialisti- 'chen Tendenzen entgegenarbeitet. Wie de» internationale Sozialismus stets die Völkerverhetzung bekämpft hat, hat er jetzt weniger denn je Ursache, Maßnahmen zuzustimmen, die die Feindschaft unter den Mächten noch mehr aufstacheln und die Kriegsgefahr immer näherrücken lassen. Die Verantwortung überlassen wir den Verfechtern der kapitalistischen Wirtschaft und den Nutznießern der imperialistischen Politik. Wir verlangen daher, soweit der Gegensatz zu England in Betracht kommt, eine Verständigung über die Flotte in Ricb- tung einer Abrüstung, und als Damm gegen französische Rcvanchepläne und deutsche Offensivtheorien verlangen wir ebenso wie unsere französischen Genossen die Miliz. Die neue Wehrvorlage wird an der bestehenden, gegen Deutschland gerichteten Grilppierung der Mächte nichts ändern, sie wird höchst wahrscheinlich die Koalitionen noch fester zusammenschweißen. Trotzdem lassen sich vom mili- tärisch-politischen Standpunkte aus eine ganze Anzahl von Momenten anführen, die die Gründe für die aus den Ko- alitionen sich angeblich ergebenden Rüstungsnotwendigkeiten abschwächen. Und da die„nationalen" Parteien und ihre Presse nnd die Regierungsvertreter in sicherlich„vertraulichen" Kommissionssitzungen die aggressive Seite der Koalitionen über Gebühr betonen werden, wollen wir hier die Tendenzen her- Vorheben, die das militärische Zusammengehen der einzelnen Mächte schwächen oder ihm entgegenwirken. In einem Kriege zwischen Deutschland und Frankreich, auf den die neue Wehrvorlage in erster Linie zugeschnitten ist, soll letzteres aus die militärische Unterstützung Englands rech- nen können. Diese Annahme ist neuerdings durch die theatra- lischen Feste bei Einweihung der Denkmäler für die Königin Viktoria und Eduard VII. in Nizza wieder aufgefrischt worden. Sechs englische Divisionen sollen nach Behauptung deutscher Blätter die sranzösische Armee stärken. Einer solchen nmnerischcn Verstärkung der französischen Heeresmacht stehen aber eine Reihe strategisch-taktischcr Faktoren gegen- über, die eher auf eine Schwächung der Schlagkraft hinaus- laufen. Es ist sehr zweifelhaft, ob, wie es die Kriegswissen- sck)aft nennt, die„operative Vereinigung der Kräfte" so glatt von statten geht, wie es das Tempo eines modernen Krieges erfordert. Schon der Transport von zirka 120000 Mann init Pferden und Kriegsinateria� von England nach Frank- reich kann durch die deutsche Flotte mindestens verzögert werden. Jeder deutsche Patriot wird doch seiner vergötterten Marine, für die im Laufe der Jahrzehnte Milliarden aus- gegeben worden sind, die Fähigkeit hierfür zutrauen. Aber selbst wenn englische Divisionen auf französischem Boden landen würden, ist noch lange nicht gesagt, daß sie sich so glatt in die Operationen der verbündeten Armee einfügen und dem Befehl der französischen Oberleitung folgen würden. Die Kriegsgeschichte, vor allein die der Jahre 1813— 1813, zeigt genug Bei'vielc. wie die gemeinsame Aktion von Heeren ver- schicdener Nationen durch Reibungen und Eifersüchteleien ge- lähmt worden ist. Bei der Schnelligkeit, mit der in einem modernen Kriege wird aehandelt werden müssen, können solche Hemmungen aber den Vorteil der Zahl wieder aufheben. Da- bei ist noch sehr die Frage, ob England im Falle eines euro» päischen Krieges den größten Teil feines Expeditionskorps (stehenden Heeres) auf einem Kriegsschauplatze des Kontinents festlegen würde. Die nationale und islamitische Bewegung in Indien und Aegypten, die durch kriegerische Verwickelungen des Mutterlandes einen stärkeren Antrieb erfahren würde, wird England zwingen, entsprechende Reserven feines im Höchstfalle 170 000 Mann zählenden Feldheeres zur Sicherung der Kolonien und Dominien zurückzuhalten. Die englische Territorialarmee soll und kann nur zur Verteidigung Groß- britanniens gegen eine feindliche Invasion, deren Möglich- keit sehr fraglich ist, dienen. � � In diesem Zusammenhange sei erwähnt, daß Frankreich, wie wir nachgewiesen haben, nicht allein in Nordafrika fest- gelegt ist, sondern daß es auch in Jndochina infolge der chinesischen Revolution mehr auf Stärkung seiner Militär- macht bedacht sein muß als bisher. In Tonkin ist das chinesi- sche Element sehr stark vertreten und alles andere als franzosenfreundlich, unter der anamitischen Bevölkerung hat das französische Kolonialregime große Erbitterung hervor- gerufen und die nationale Bewegung gestärkt, so daß Frank- reich auch hier gerüstet sein muß. Die Wehrvorlage richtet sich aber auch gegm Rußland. Kurios dabei ist nur, daß man in demselben Augenblick, in dem man„gegen den Feind an der Ostgrenze" ein neues Armee- korps formiert, diesen„verbündeten und befreundeten Staat" im preußischen Dreiklassenhause gegen sozialdemokrattsche An- griffe, die die Zustände im Knutenreiche beim rechten Namen nannten, in Schutz nimmt. Unsere Regierung muß also trotz aller borussisch-russischen Seelenverwandtschaft, trotz allen zärtlichen Entgegenkommens gegen russische Polizeikreaturen und Auslieferungswünsche, trotz aller schwächlichen Nachsicht gegen Brutalitäten russischer Grenzkosaken mit einem Kriege mit Rußland rechnen. Und das ttotz der Friedensphilosophie Bethmann Hollwegs und der feierlichen Friedensversiche- rungen, die der russische Minister des Aeußeren Ssasanow am Freitag in der Duma zum besten gab. Auf solche Vevsichc- rungen darf man natürlich nichts geben, aber Rußland, wie es durch die Wehrvorlage geschieht, zu starken militä/rischen Maßnahmen an seiner Westgrenze aufzustacheln, liep/t sicher nicht im Interesse des Friedens. Eine Verstärkung der Rüstung Deutschlands ist um so weniger angebracht, als Rußland durch seine brutale, perfide und räuberische Politik in Asien(siehe Persien und die Mongolei) und durch seine Balkaninttigen sein Riesenheer verzetteln und verteilen inuß. Dazu kommt, daß in den russischen Westprovinzen bei Ausbruch eines Krieges die revolutionäre Bewegung einen Teil der Armee lahm legen würde. Der Organismus dieser Armee ist aber faul bis ins Mark hinein. Die Jntendanttirprozesse haben das klar genug bewiesen, haben aber der Korruption kein Ende gemacht. So sind in den einzelnen Staaten Mächte wirksam, die die gegen Teutschland gerichteten Koalitionen schwächen. An- statt diesen Mächten Rechnung zu tragen, zwingt aber die deutsche Rüstungspolitik die anderen Länder, mehr als bisher für ihre militärische Stärkung zu tun. Und das um so mehr, als Deutschland die offensive Tendenz seiner Rüstungen laut in die Welt hineinschreit. Gewiß gibt es auch in Frankreich Redner und Schrift- steller, die den Angrifsskrieg gegen Deutschland predigen, aber die Stimmen, die in Deutschland das gleiche gegen Frankreich tun, haben weit mehr Gewicht. Wenn der sran- zösische Oberst Boucher Broschüren schreibt, wie„La Lraneo victoriense dang ja guerro de dernain"(Das siegreiche Frankreich im kommenden Kriege) und„L'okkensive cn Allemagne"(Der Angriffskrieg in Deutschland), so sind das Spekulattonen eines Vcrufsmilitärs, denen sich eine ganze Menge gegen Frankreich gerichteter Schristen deutscher Militaristen entgegenstellen lassen. Die schreibenden Epau- lettcnträger halten solche Kombinattonen über den organi- sierten Massenmord hüben wie drüben für eine Kulturtat. Schreibt der französische Major de Civrieur ein albernes Buch über den„Untergang des Deutschen Reiches",(dem übrigens eine ganze Anzahl deuttcher„Romane" über den Zukunftskrieg vorausgegangen sind), so frischt der„National- Politiker" Kurd von Strantz seine Hetzbroschllre aus dem Jahre 1887 wieder auf und wirst sie 1912 auf den Bücher- markt, eine Broschüre, die den provozierenden Titel trägt: „Ihr wollt Elsaß und Lothrisigen? Wir nehmen ganz Lothringen und mehr!" Von der Englandhctze in der Marinezeitschrift„Ueberall" und den zahlreichen auf den gleichen Ton gestimntten Broschüren wollen wir hier gar nicht reden. Am schärfsten drücken sich aber die Tendenzen, die der Wehrvorlage imd der deutschen Riistnugspolitik zugrunde liegen, in zwei Büchern aus, die von einem angesehenen Militär- stammen, dem schon oft von uns genannten General v. B e r n- ha r d i. Was die ofszielle Begründung der Wehrvorlage nur ichwach andeutet, tvas in den Hetzartikeln der„Post",„jri:cuz- zcitung",„Deutschen Tageszeitung" e tutti quanti mit großem Wortschwall ausgeplaudert wird, was Harden in der „Zukunft" in seinem hysterisch-verschrobenen Stile fordert, das faßt der General der Kavallerie z. D. in folgende mili- tärisch-politischc Leitsätze zusammen: �„Tic Ungunst einer solchen Lage(d. h. der Koalitionen gegen Deutschland) ist nur dann zu vermeiden, wenn die Politit die Möglichkeit schafft, offensiv zu verfahren und womöglich den einen Gegner niederzuwerfen, bevor der andere tätig eingreifen kann. In dieser Initiative liegt unser Heil wie zu den Zeiten Fric» drichS deS Große», Wolleil wir einen Angriff unfercr Gegner Ijerticifiihren, so müssen wir eine politische Aktion beginnen, die ohne Frankreich anzugreifen doch dessen oder Englands Interessen so schwer ver- letzt, das? diese beiden Staaten sich ihrerseits zum Angriff gezwungen sehen. Möglichkeiten zu einem solchen Vorgehen bieten sich sowohl in Afrika wie in Europa selbst.. Und weiter: ..... die Weltlage läßt erkennen, daß eS sich n u r n o ch u m kurze Frist handeln kann, bis wir von neuem vor die Frage gestellt sein werden, ob wir mit dem Schwerte für unsere Welt- stcllung eintreten oder auf eine solche überhaupt verzichten wollen Warte» dürfen wir keinesfalls, bis unsere Gegner ihre Rüstungen vollendet habe» und ihrerseits de» Augenblick zum Angriff für gekomincn halten." In diesen Sätzen ist die Theorie der politischen und stra tcgischen Offensive fast zur Straßenräubermoral umgewan- dclt. Ist es da ein Wunder, wenn das deutsche Volk auf allen Seiten nur Feinde erblicken muß, wohnen doch die schlimmsten Feinde des Friedens mit in seinen eigenen Grenzen! Diesen Aeußcrungen unverhiillter Kriegslust gegenüber bleiben die Sozialdemokratie und das Proletariat bei ihrer unerschütterlichen Friedensliebe und Rüstungsfeindschaft. Die komniende Maifeier ist wie selten eine dazu angetan, den Friedenswillen der internationalen Arbeiterschaft machtvoll zum Ausdruck zu bringen. Möge sich daher dieser Tag über- all, vor allem aber in Deutschland zu einer imposanten Friedensdemonstration gestalten! One reMionsre Jlffeoliomödie. Seit drei Tagen führt die reaktionäre Mehrheit des preußi- schen Junkcrparlamcnts«sine Komödie auf. wie sie toller, ab- g-schmackter und sinnloser noch nicht dagewesen ist. Seit drei Tagen wetteifern Minister, Präsident und die Sprecher der re- akupnären Parteien darin, ihrem Mscheu und ihrer Entrüstung über die tcmpelschänderische Sozialdemokratie Ausdruck zu geben. Ein Dutzend bürgerlicher Redner, die seit der Anklagerede Lieb- kr.echis gegen die skandalöse preußische Polizeiwirtschaft das Wort erhalten, suchte sich Stunde um Stunde. Tag um Tag in Be- kundungen des Abschcues über die sozialdemokratische Verworfen- heit zu übertrumpfen. Als aber die endlose Liste dieser bürger- lichen Klopffechter ihrem Ende nahte und wieder einmal ein sozialdemokratischer Redner die Aussicht gehabt hätte, in diesem Tollhause die Stimme der Vernunft ertönen zu lassen, da trat nach altbewährtem, borussischcm Muster die Guillotine des Schlußantrages in Kraft, damit die pathologischen Tobsuchtsanfälle durch die sozialdemokratische Kritik nicht am Ende noch als das entlarvt werden konnten, was sie in Wirklichkeit tvaren, nämlich als eine ganz ordinäre künstlich ge- mimte Komödie zur B e sch w i n d e l u n g der Oeffent- lichkeitl Und was war es, was die bürgerlichen Parteien einschließlich der Nationalliberalen zu solchen Exaltationen veranlaßte? Hatte die sozialdemokratische Kritik, sei eS in der Sache, sei es ,n der Form, eine ungewöhnliche Schärfe angenommen? Ganz und gar nicht! So wuchtig und so ätzend die Kritik des Genossen Llebkiwcht war. die er an dem bodenlos rückständigen und kleinlich gehässigen Regiment des Polizeiministers geübt hatte, so wenig überschritt sie das nunmehr seit Jahren auch im preußischen Ab- geoopnetenhaus Gewohnte. Daß Liebknecht das offizielle Rußland Vätcrrl ens und seiner schwarzen Hunderte als das b a r b a r i s ch st e und r> e r ä ch t l i ch st e Land kennzeichnete, war nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern auch durchaus nichts Neues. U»:d daß Genosse Ströbel— nach den dreisten Ausfällen des Polizeiministers gegen die Wahlrechtsforderung. nach seien unc'rhörten Bcleidignngen der angeblich eidbreche. r i s ch e n Beamten, die sozialdemokratisch gewählt hallten, kurz, nach dem ganzen reaktionären Glaubens. bekenntwiS des provozierend st en reaktionären Ministers— die Eharaktcrisierung Liebknechts mit der Zw i s che nbe m e"k u ng versah, daß dies reaktionäre Preußen mit Rußland durchaus in Konkurrenz treten könne, ergab sich völlig aus der momentanen Situation. Während nun der bo— rusftsche Polizeiminister Liebknechts Urteil über bat bc- frrnr-dele Nußland sofort zum Anlaß nahm, um seine Servilirät vor der Knute zu bekunden, vcranlaßten erst geschäftige Zwischen» träger aus den Reihen des blauschwarzen Blocks den Präsidenten, den Genossen Stnäbel nicht nur zur Ordnung zu rufen, sondern zugleich unter vorbedachtem Mißbrauch seines prä- fidialen Amtes zu insultieren. Aber unsere Re- aktionäre— RegierungShandlanger wie parlamentarische Draht- zieher— begnügten sich nicht mit dieser possenhaften Aus- schlachtung eines Vorganges, der doch wahrhaftig innerhalb der Debatten der letzten Jahre nichts Singulärcs bedeutete, vielmehr nahm jeder der zu Wort kommenden zahlreichen bürgerlichen Redner das geradezu lächerlich aufgebauschte Vorkommnis zum Vorwand einer„flamnienden" Entrüstungsrede gegen die Sozial. dcmokratic. Die bodenlose Lächerlichkeit dieses Entrüstung?- geschwätzes ist ja durch die persönlichen Bemerkungen unserer Ge- nassen in den letzten Tagen hinlänglich gebrandmarkt Word?«. Die reaktionäre Presse hat diese umfangreichen Person- lichen Bemerkungen natürlich mehr oder minder ihren Lesern unterschlagen, um ihre Entrüstungskomödie nicht durchkreuzen zu lassen. Es paßte diesen braven Patrioten natürlich nicht in den Kram, die von einem Zedlitz und anderen ollen ehrlichen See- männern produzierte sittliche Entrüstung durch die Lauge der sozial- deinokratischcn Kritik zerstören zu lassen. Leider nur waren die demagogischen Klopffechter der Reaktion so täppisch, daß sie ihre Rolle nur in der st ü m p e r h a f t e st e n Weise durchführten. Der Hauptarrangeur der EntrüstungSpossc, der biedere Oktavio v. Zedlitz, konnte es sich beispielsweise nicht versagen, bei seinen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie Ausdrücke zu gebrauchen, die nicht nur von jedem Unparteiischen als u n v a r s ch ä m t e st e Beschimpfung der Sozialdemokratie und des Freisinns empfunden, werden, sondern am Sonnabend sogar in aller Form vom Präsidenten v. Erffa mit einem Ordnungsruf bedacht werden mußten. Ist es nicht der Gipfel der Komik, daß der Eturmlauf der ordnungssrommen Reaktion wider die Sozial- dcmokratie damit enden mußte, daß ihr Hauptführrr wegen seiner ordnungswidrigen Entgleisung selbst zur Ordnung ge- rufen werden mußte?! Aber mehr noch: Ist eS nicht höchst bezeichnend, daß die Freunde dieses freikonfcrvativen Scharfmachers just das- selbe taten, worüber sich vor etlichen Wochen der Ordnungs- Ilüngel des GcldsackSparlaments entrüstete, daß sie nämlich dein zur Ordnung gerufenen Preis- und Klopf- fechter der Scharfmacherei durch ostentativen Händedruck zu feinem Ordnungsruf gratulier- ten?! Ein Vergnügen übrigens, das sie schon ein paar Tage vor- her hätten haben können. Hatte doch der Freiherr v. Zedlitz sich schon in seinen letzten Reden durch die unparlamentarischen Aus- drücke gegen die Sozialdemokratie redlichste WüZe gegeben, einen. Ordnungsruf zu provozieren. Wer der„unparteiische" Präsident v. Erffa war dem freikonserdativen Provokanten gegenüber auf beiden Ohr en taub! Welchem Zwecke aber soll eigentlich diese unsägliche Komödie dienen? Für Wahlzwccke ist es doch noch viel zu früh. Oderwill man den schwachmütigen preußischen N a t i o na l l ibe- ralismus erneut gegen die Politik des Herrn Bassermann aufputschen? Oder hat man es nur auf eine abermalige Verhunzung der Geschästsord- nung des Abgeordnetenhaus es abgesehen? Aber wenn eS den Strosscr, Zedlitz und Friedberg wirklich ge- länge, die Geschäftsordnung zu Zwecken der Vergetvaltigung der Vertretung der stärksten preußischen Partei, der kleinen sozial- demokratischen Landtagsfraktion zu verhunzen— glaubt man denn wirklich, der sozialdemokratischen Fraktion dadurch einen Schlag versetzen zu können? Wir trauen selbst den beschränktesten der Junker und Scharf- macher die Illusion nicht zu, daß sie sich einbildeten, dann leichter mit der Sechsmänner-Fraktion, hinter der mehr als 600 000 preußischer Wähler stehen, fertig werden zu können. Denn diese kleine sozialdemokratische Preußenfraktion würde auch im schlimmsten Falle nicht um Mittel verlegen sein, an dem Ge- waltregiment der brutalen und stupiden Mehr- heit die aufreizend st e Kritik zu üben! Unsere Scharfmacher sollten sich doch gut genug der Tatsache er- inncrn, daß bis jetzt noch immer alle ihre Vorstöße mit ihrer heillosesten Blamage und ihrer erneuten voll- endeten Hilflosigkeit geendet haben! Die sozial- demokratische Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses genießt deshalb das theatralische Spektakel unserer Reaktionäre mit heiter- ster Gelassenheit und harrt mit äußerstem Gleichmut der Dinge, die da kommen sollen!_ Banditismus und Anarchismus. (Von unserem Spezialberichterstatter.) III. Hine gemischte Gesellschaft. Es drängt sich die Frage auf: Ist die Serie der 1909 in Brüssel versuchten oder ausgeführten Expropriationen in die Kategorie des Politischen oder in die des gemeinen Ver- brechcns einzureihen? Sie vereinigt sichtlich die Züge beider. Hartenstein glaubt offenbar im revolutionären Interesse zu l?a?deln, andererseits weist auch die Inszenierung der ganzen Kumpagne auf einen politischen Zweck— nämlich den der Kompromittier ung der russischeil Emigra» t i o n hin. Daneben haben wir schon bei£ private Motive wirksam gesehen. Es ist natürlich unmöglich, den Anteil der privaten und den der zarenpolizeilichen Kanaillerie von ein- ander scharf abzugrenzen, auch wenn sie nicht, wie in diesem Falle anzunehmen ist. in bestimmten Personen zusammen- fallen. Jedenfalls hat man gute Gründe, anzunehmen, daß von der bei Herrn M. gemachten Beute sehr wenig für propa- gandistische Zwecke übrig geblieben ist. Zwar wurde Herrn M. eine angeblich von einer„internationalen anarchistischen Gruppe" ausgestellte Quittung aus Paris zugesandt und auch der Presse eine detaillierte Verrechnung des Betrages für verschiedene Zwecke zur Verfügung gestellt. ES bedurfte edoch keine? besonderen Scharfsinns, um die Wertlosigkeit dieses Dokuments zu erkennen. Richtig ist, daß von der ganzen Summe— 50 Franks auftauchten, die einem Lon- Aoncr Anarchistenkreis übermittelt, aber im Hinblick auf ihren verdächtigen Ursprung sofort zurückgesandt wurden. Ihre Verwendung ist wohl Leuten nicht schwer gefallen, deren 'vzialphilosophischcr Katechismus bald die anmutige Bro- chüre:„Warum ich Einbrecher geworden bin" werden sollte. Im übrigen sei hier erwähnt, daß der Trick, gemeinen Raub durch eine kleine Abgabe für Propagandazweckc zu maskieren, durchaus nichts Originelles hat. In der Aera R a v a ch o l s war er gang und gäbe, unter anderem bei dem berüchtigten Pinn:. Diese bescheidene Selbstbesteuerung macht sich eben gut bezahlt, schon weil sie Zufluchtsstätten bei gutgläubigen Anarchisten verspricht. Kommen wir indes auf die große Affäre von Brüssel und Gent zurück. Es ist natürlich, daß das Gericht die an der Erpressung Hartensteins Mitbeteiligten zu eruieren trachtete, was aber nicht gelang. Bor allem blieb die Person- lichkeit des Begleiters Hartensteins im Dunkeln. Bon ihm war nichts übriggeblieben als der Deckname„Michel". Wer dieser geheimnisvolle Mensch war und wohin er geraten war, hat auch die Polizei nicht erfahren oder— nicht g e° sagt. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, mit welcher Vorsicht die Polizei der westlichen Staaten ihre Unter- suchungen zu führen genötigt ist. wenn es sich um angebliche terroristische Unternehmungen handelt, in die Russen mit- verwickelt sind. Herr P a o l i, der dem Zaren bei seinen Reisen in Frankreich zugeteilte Spezialkommissär. lsat dar- über unlängst in seinem Buch„Leurs Majestds" Erbauliches erzählt, namentlich über die moralische Beschaffenheit der in russischen Polizeidiensten stehenden Organe. Er berichtet da über ein in Reims geplantes Attentat, dessen Urheber just der ihm zugewiesene Vertrauensmann der zarischcn Polizei tvar. Da die Affäre verschwiegen wurde und in Frankreich das„adininistrative Verfahren" nicht besteht, ist klar, daß man den Kerl einfach hat laufen lassen.— Im Brüsseler Fall hat die Polizei die Regel der Vorsicht nicht verletzt. Immerhin hat sie bei ihrer Untersuchung aus der Umgebung des der russischen Gruppe nahestehenden Kilbatschisch Jnfor- mationen erhalten, von denen allerdings behauptet wurde, sie seien zur Irreführung bestimnit gewesen. Ter Verdacht der Denunziation fiel schon damals auf C a r o u y, der am ineistcn Grund hatte, sich mit der Polizei zu verhalten und in dessen zynischer— wenn man so sagen darf—„Weltanschauung" sich nichts dem Verrat an Kameraden, sofern er profitabel war. widersetzte. Hat Carouy die Polizei damals „informiert", so hat er sie jedenfalls nicht ganz schlecht informiert, denn sonst wäre nicht begreiflich, daß sie seine Mitteilungen in einem zweiten Fall ernst genommen hätte. Wir können uns mit diesem— es handelt sich um das von dem in Mzzä lebenden Anarchisten Stockelberg aufgedeckte und von Jaurds rechtzeitig öffentlich entlarvte „Attentat" auf Clemenceau, das durch und durch Lockspitzel- mache und worin u. a. eine russische Konservatoristin aus Brüssel, Fräulein M e i t u s, verwickelt war— hier nicht weiter beschäftigen. Es genügt zu wissen, daß Carouy, als er nach einem Aufenthalt in Charleroi, Belgien verließ und nach Paris ging, eine' Persönlichkeit war. die Herrn Guichard, dem damaligen Chef der„Anarchistenbrigade" der Polizei, nicht unbekannt sein konnte. Nsvor wir die in Belgien spielende Epoche der terro- ristischen Renaissance dsrlassen, wollen trnr noch kurz einer Person gedenken, die seinerzeit im Zusammenhang mit der Affäre vom Square Margueritc viel genannt worden ist. Der Brüsseler Korrespondent des„Berliner Tageblatts" Hot ihr geradezu auf den Kopf zugesagt, der Herrn M. ins HauS gesetzte Mittelsmann zwischen Hartung-Landesen und den Expropriateuren gewesen zu sein. Andererseits ist uns bfr- kannt. daß eine von anarchistischer Seite angestellte Unter- suchung die daran Beteiligten zur Ueverzeugung von der Grundlosigkeit dieser Beschuldigung geführr hat. Wir glau- ben uns der Anführung einiger Tatsachen nicht entziehen zu können. � Zur Zeit, als sich die„Affäre vom Square Marguerite" ereignete, stand in den Diensten ein Russe, der den Nomen Blau mann führte. Ein Mann dieses Namens ist nebst seiner Schwester als verdächtig aus der russischen sozialdemo- krotischen Organisation ousgeschlossen worden. Wir haben die Identität der beiden nicht feststellen tonnen, wur- den es aber für sonderbar halten, wenn der bei Herrn M. Bedienstete just einen kompromittierten Decknamen angenommen hätzte. /Der Brüsseler Maumann war von Beruf Koch, hatte aber, wie er sagte, aus Gesundheitsrück- sichten eine andere Arbeit gesucht. Er verkehrte viel in revo- lutionären Kreisen, besonders der extremen Richtung. Am Tage nach dem Erscheinen der zwei Expropriateure erbat er sich, kurz bevor Hartenstein den Scheck holen kam, Freizeit für einen privaten Gang. Man hat ihn auf dem Platz vor dem Geschäft des Herrn M. m i t Hartenstein sprechen gesehen. Wie er ausgesagt hat, sollte H. ihm mitgeteilt haben, daß er bei Herrn M. um Arbeit nachfragen wolle. Man hat aus der Tatsache, daß Bl., nach dem Namen seines Bekannten von der Straße gefragt, diesen, der bis dahin unbekannt war, anscheinend unbefangen ausgesprochen und dadurch der Polizei die Handhobe zur Verfolgung Harten- stcins geliefert hat. auf seine Unschuld schließen wollen. Wir gestehen, daß uns gerade dieses Argument wenig überzeugend erscheint, denn Bl. k o n n t e auch im Fall seiner Mitschuld nicht anders, als Hartenstein nennen, wofern er sich nicht selbst mitkompromittieren wallte. Daß H. noch nicht bekannt war, mußte er nicht annehmen. Bl. hat sich später beklagt, daß er wegen der�Preisgabe des Namens verdächtigt werde. Hat er aber die Rolle des Hartingschen Agenten, deren er bezichtigt wurde, wirklich gespielt, so hatte er kein Interesse daran, daß Hartenstein nicht ans Messer geliefert werde im Gegenteil, die Festnahme des russischen Terroristen war dann nur die erwünschte Fortsetzung des Bombenfundes! Es liegen auch Ausführungen Bl. vor, wonach er über die Aufnahme der Expropriationstaktik informiert gewesen sei. speziell über das Projekt gegen den von uns erwähnten Ama> teuranorchisten in Jxelles. Also just nicht über das �egen seinen Chef geplante, bei dem er nützliche Informationen liefern konnte. Seltsam nur. daß er sich, als er Hartenstein vor dem Geschäft des Herrn M. traf, keine Gedanken über diese Arbeitssuche gemacht haben soll, do er den vorangegan- gencn Anschlag der Gruppe so gut kannte und angeblich mit verhindert haben sollte. Wir legen diese Verdachtsmomente vor. die indes den Untersuchenden nicht zugänglich geschienen haben. Blaumann fühlte sich bald nach den geschilderten Vorgängen in Brüssel unbehaglich. Er verließ den Dienst des Herrn M.— auch wieder aus Gesundheitsrücksichten, ging nach England und— wurde wieder Koch. Seine Versuche, in revolutionäre Kreise einzutreten, hatten keinen Erfolg. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt._ Der Krieg. Italiener-Ausweisung. Konstantlnotzet, 27. April. Die Pforte hat beschlossen, sechs Italiener auszuweisen, barunter den Vertreter der Assicuracioni generali in Trieft, Fernandez. Angeblich sollen noch weitere 75 Ausweisungen bevorstehen. Eine türkische Siegesmeldung. Konstantinovcl, 27. April. Dem Kriegsministerium wird aus Tripolis vom 23. d. M. gemeldet: Zwei beim Bleckbause von Buchamcz lagernde italienische Regimenter griffen Tuzia an, mußten aber infolge deS Widerstandes der Türken und Araber di« Flucht ergreifen. Sie ließen eine Anzahl Tote und Verwundete zurück und wurden bis zur FestungSlinie verfolgt. Die türkischen und arabischen Truppen hatten 1b Tote und 120 Verwundete. Nach diesem Kampfe bombardierten die Italiener Sidi Said, jedoch ohne Erfolg._ Die Sevolotlon In Gtiioa. Der russische Rubel in der Mongolei. Petersburg. 27. April. Wie dem„Njetsch" gemeldet wird, haben russische Kapitalisten unter Führung russischer Firmen in Kiachta beschlossen, der Mongolei eine Anleihe zu ge- währen; als Sicherheit sollen Konzessionen auf Gold. lag er dienen. Die russische Regierung hat hiergegm nichts ein- zuwenden._ poUtifebe Geberlicbt. Berlin, den 27. April 1912. ReichSeiscnbahnen. Aus fcem Reichstage. 27. April. Der Etat der Reichseisenbahnverwaltung am Sonnabend— ,s läßt sich denken, daß das Haus außerordentlich große Lllchn auswies. Die Redner sprachen vor einem sehr wenig zahlreichen Abge- ordnctenpublikum und konnten sich auch in dieser kleinen Schar nur teilweise Aufmerksamkeit erringen. Der Zcn- trumsmann K o ß m a n n, der elsässisch-klerikale Dr. W i l l. der Nationalliberale Jckler und der Antisemit Dr. Wer- n e r- Gießen, die eine Reihe von Spezialwllnschen vertraten, hielten mehr oder weniger längliche Monologe. Sogar der Eisenbahnminister Herr von Breiten dach hatte nicht viel aufmerksame Zuhörer, solange er auf die Spezialwünsche einging. Erst als er in allgemeineren Ausführungen die sozialdemokratische Kritik an seinen Verwaltungsgrundsätzen zu bekämpfen versuchte, entstand eine größere Teilnahme für die Darlegung seiner ccht-preußischen Auffassung. Die gestern von unsereni Fraktionsredner Dr. Weil! gegebene Anregung erscheint ihm nicht erfreulich, und er gibt sich einige Mühe, ihre Berechtigung und sogar ihre Turchsührbärkeit zu widerlegen. Aber seine Argumente laufen schließlich doch nur auf den wenig gehaltvollen Vorwurf hinaus, der Ge- danke unseres Genossen entspringe einem Preußenhaß! Selbst- verständlich bleibt auch in der Frage des Koalitionsrechts und der Bekämpfung der Sozialdemokratie der Minister— Wie er sich ausdrückt— unerschütterlich. Der letzte Generalredner unserer Fraktion. Genosse Peirotcs, brachte diesem reaktionären Starrsinn gegen- über das Recht unserer Forderungen und das Recht der Ar- beiter zur Geltung, in wirkungsvollen und energischen Aus- sühruugen, die auch wieder der Aufmerksamkeit im Hause begegneten. Mit einem reichhaltigen und geschickt gruppierten Materiol aus den verschiedensten Gebieten der Verwaltungs- tätigkeit konnte unser Redner den Widersinn und die voll- cirdete UnVollkommenheit der gegenwärtigen GesckMtssührung nachweisen und auch eine Reihe ministerieller Angaben wider- legen. Es war interessant, festzustellen, datz der Zentrumsgewcrk» schaftler Schiffer- Borken— übrigens im Gegensatz zu feinen reichslandischen Parteifreunden— die Bekämpfung der Sozialdemokratie und die Verkürzung des freien Koali- tionsrechts durch den Minister zu billigen den Mut hatte! Tie Generaldebatte wurde mit einer längeren Rede beendet, die der Lothringer W e n d e ck über die Eisenbahnbedürfnisse im Tiedenhofcner Gebiet Wort für Wort hcrunterlas. _ Bei der Abstimmung über die sozialdemokratische Reso- lution über die Bezahlung der Wochenfeiertage wurde Hammelsprung notwendig. Dabei ergaben sich 43 Stimmen des Zentrums, der Konservativen, Polen. Reichsparteiler, Antisemiten und Nationalliberalen mitsamt dem Präsiden- ten Dr. Kaempf gegen 38 Stimmen der Linken, unter denen sich gut 4 Fortschrittler befanden. Das Hans war also als beschlustun fähig erkannt und die Sitzung mußte auf nächsten Montag vertagt werden. Eine feine Gesellschaft. Immer deutlicher tritt es zutage, datz die scharfmacherische Mehrheit deS Dreiklassenparlanicius die Verhandlungen über den Etat des Ministeriums deS Innern zu einem Frontangriff gegen unsere Genossen im Hause zu bcnnhen, von vornherein die Absicht hatte. Einer nach dem andern fällt über die kleine sozialdcmolra- tische Fraktion her und beschimpft sie in der niederträchtigsten Weise. r.* wenn sich unsere Genossen zur Wehr setzen, wenn sie infolge deS parteiischen Verhaltens des nervös gewordenen Präsidenten zur Selbsthilfe greifen und freche Heraussolderungen gebührend zurück- weisen, dann zetert man über Mißbrauch der Redefreiheit, über schlechten Ton, über Störung der Ordnung, und der Präsident, der eigentlich die Ordnung aufrecht erhallen sollte, vergrößert die Un- ordnung dadurch, daß er sich offen auf die Seite der Provokateure stellt. Auch am Sonnabend wieder bemühten sich die Hammer, Strosser, Zedlitz uird Konsorten, sich in Beleidigungen und Beschimpfungen zu überbieten. Sogar autiseinitische Mätzchen, die man höchstens von Gassenbuben hört, verschmäht diese Gesellschasl nicht; alle Register werden gezogen, um uns bis ausS Blut zu reizen, aber wehe unseren Genoffen, wenn sie es wagen, die Un- Verschämtheiten zurückzuweisen I Dann ruft man nach neuen Siraf- bestimmungen, droht mit Hinauswcisungen, ja, sogar mir Ent- zichung der Diäten I Die Toren I Glauben sie wirklich, unsere Ge- Nossen würden deS schnöden Mammons willen auf ihr Recht ver- zichien? Skandalöse Zustände sind nachgerade im Junkerparlament ein- gerissen, aber die Schuld daran tragen nicht die Sozialdemokraten, sondern die konservativ-klerikalen Radaubrüder, die nach Art von Vnschtlcppcrn über uns herfallen und dann durch Schlußanträge uns die Erwiderung unniögliä�machen. Heuchelei, Feigheit und Brutalität, das sind die hervorragendsten Eigenschasten der Mehrheil dieses Parlaments, das tatsächlich zum Gespött der ganzen Welt ge- worden ist. Sachlich ist aus den Debatten recht wenig hervorzuheben. Nach einer Schimpskalionade des tvlpelhaslen toiijervativen Renommier« Handwerkers Hammer unternahm Abg. Beil hg.) den Versuch, seine Freunde gegen die Vorwürfe Liebknechts zu verteidigen und ihr Verhallen in der Wahlrechtsfrage und beim Bergarbcilerstrcik zu ver- teidigcn. Daß ihm das. gelungen ist. wird er trotz des Aufgebots an jesuitischen Kuiffe», juristischen Spitzfindigkeiten und künstlichem Pathos wohl selbst nicht zu behaupten wogen. Von dem Vorwurf der fortgesetzten Berräterei des Volkes vermag er das Zentrum nicht reinzuwaschen. Da»u bemühten sich die Herren v. W o y n a ist-) und Lohiiiaa ti(uatl.) Friedensschalmeien zu blasen und die SOfüde von der Rechte» zu de» Ratioiiallideralen wieder herzustellen. Die Forlschrililer sollen in dieses neue Bündnis nicht ciugeschlosseii werdc� durch ihr Siichwahlabloinmeu mit den Sozialdeinokraicn haben sie sich um diese.Ehre" gebracht. Erfreulich war es, daß Abg. P a ch n i ck e die rechten Worte gegen das Verhalten der Mehr- heil sowohl in der Wahlrechtsfrage als auch in anderen innerpolitischen Fragen fand. Nachdem dann noch Herr S t r o s f e r sein Sprüchlein hergesagt hatte, machte ein Schlußwort der Debatte ein Ende; man fürchtet« die Entgegnung von unserer Seite und wählte den besseren Teil der Tapferkeit. In persönlichen Bemerkungen und Be- Merklingen zur Geschäftsordnung übte» die Genossen Hirsch, L e i n e r t und Liebknecht an diesem Verhalten treffend Kritik. Im Anschluß an die allgemeine Besprechung sollte die Frage der Dänenpolilik erörtert werden, doch mußte sich das HouS»ach einer heftigen, Anklagerede des Abg. Nissen(Däne) und einem schwachen Vertcidigungöversuch des Ministers v. Dallwitz der vorgerückten Zeit wegen auf Montag vertagen._ Barel-Jever. Die ReichstagSersahwahl. die gestern in Varel- Jever stattfand, hat. wie wir bereits in letzter Nummer melden konnten, kein definitives Ergebnis geliefert. Es ist eine Stich- wähl zwischen dem Genossen Hng und dem freisinnigen Kan- ditatcn Tüicmer nötig, die auf Mittwoch, den 8. Mai. festgesetzt ist. Nach der vorläufigen amtlichen Feststellung sind die von uns gestern gemeldeten Wahlziffern nicht ganz richtig. Nach amtlicher Zählung erhielten: Hug(Soz.) iL 5o7, Dr. Wiemcr (Fortschr. Vp.) 10 901. Dr. Albrecht(mtl.) 1898 und Freiherr v. Hannnerstein(Bund d. Landw.) 998 Stimmen. Zersplittert waren 2 Stimmen. Die Sozialdemokratie kann demnach mit dem Wahlresultat zufrieden sein, zwar bleibt die Stimmenzahl Hugs infolge der geringeren Wahlbeteiligung um 457 Stimmen hinter der bei der Hauptivahl im Januar dieses Jahres er- reichten Stimmenzahl zurück; aber die Freisinnigen haben rund 1300, die Nationalliberalen und Bündler zusammen rund 1400 Stimmen verloren. Bei der bevorstehenden Stichwahl werden sich voraus- sichtlich die Bündler zum Teil der Stimme cnhalten, während vermutlich die nationallibcralen Stimmen den Freisinnigen zufallen werden; jedoch sind, wie die Zahlen beweisen, noch starke Reserven vorhanden, und unsere Partei wird alle Kräfte daransetzen, die Zahl unserer Mandate von 110 auf III zu bringen._ Llus der Steuerkommission des Abgeordnetenhauses. Die Stcuerkommisston dcS Abgeordnetenhauses hat in ihrer letzten Sitzung wieder Fragen erörtert, die siir die Gesamtheit, vor allem für das Proletariat, von Wichtigkeit sind. Zunächst ist hervorzuheben, daß die vlelumstrittene Frage, ob der Landrat den Vorsitz in den Veranlagungskommissionen führen soll, eine Lösung erfahren hat, wie sie in Preußen eigentlich selbst- verstäliMich ist. Die konservativ-klerikale Mehrheit hat beschlossen, daß es in dieser Beziehung beim alten bleiben soll. Selbst ein äußerst zahm gehaltener nationalliberaler Antrag, der dem Landrat durchaus nicht die Möglichkeit, auch weiter Veranlagungskommissar zu sein, nehmen wollte, fand keine Gnade vor ihren Augen, obwohl der Finanzininister sich nicht etwa streng ablehnend verhielt. Einen gewissen Fortschritt bedeutet der von der Regierung neu bcantrggte Absatz 2 des§ st, wonach bei Steuerpflichtigen, deren Einkommensquelle Arbeitsfähigkeit und Arbeitsgelegenheit bilden. eine Arbeitslosigkeit von mindestens vier Wochen als Wegfall der Einkommensquelle gilt. Diese Aenderung, über die die Beschluß- fassung vorläufig ausgesetzt ist, ist notwendig geworden infolge der Rechlsprechung des Oberverwaltungsgcrichts, wonach bei Lohn- arbeitern eine Arbeitslosigkeit nicht als Wegfall der Einnahmequelle im Sinne des§ 63 gilt. Zur Vermeidung von Härten hatte jedoch der Finanzminister in der AuSsührungsanweisung bestimmt, daß eine ununterbrochene, nicht in der Eigentümlichkeit der Beschäftigungsart (z. B. in der Saisonarbeit bei den Bauhandwerkern) begründete Arbeitslosigkeit von mehr als 10 Wochen in der Regel nicht als eine vorübergehende angesehen werden und daher als Wegsall der Ein- kommensquelle gellen iolle. Nach Ansicht der Regierung empsiehlt sich indessen hierüber eine ausdrückliche gesetzliche Bestimmung, und zwar soll über die bisherige Bestimmung der Aussührungs- anweiiung hinausgehend, schon eine Arbeitslosigkeit- von mindestens vier Woche» sich als Wegfall der Einkommensquelle darstellen. Wenn diese Bestimmung, wie nach dem Verlauf der Kam- misstonsberatungen anzunehmen. Gesetz wird, besteht doch immer auf einem anderen Gebiet ein Widerspruch in der Art der Veran- lagung von Besitzenden und Besitzlosen. Nach der Rechtsprechung des OberverwallungSgerichtS kann nämlich ein Kapitalist, dessen Ein- kommen allein auS den Zinsen eines Kapitals besteht, wenn er zu Beginn deS SteuerjahrcS das Kapital nicht angelegt hat, sondern bei sich aufbewahrt, zur Einkommeusteuer nicht veranlagt werden. Legt er das Kapital vielleicht am 1ö. April zinstragend an, so hat er bis zum 31. März deS nächsten Jahres keine Steuern zu zahlen. Dieser unhaltbare Zustand soll durch das Gesetz eine Aenderung erfahren, der Zensit soll in einem solchen Falle zu einem Einkommen von 4 Proz. aus seinem Kapital veranlagt werden. DaS ist ein Fortschritt, aber bei weitem noch keine Gerechtigkeit, weil er ja auch dann, wenn er höhere Zinsen bezieht, im Laufe des Jahres nicht nachträglich höher veranlagt wird. Auch ein Beamter, dessen Gehalt im Steuerjahre steigt, oder ein Zensit, der im Laufe des Jahres einen fetten AufsichtSratSposten erhält, wird nicht nachträglich richtig veranlagt. Dagegen soll die Veranlagung im Zugangswege möglich sein bei Perionen, welche mangels eines Einkommens von mehr als 900 M. steuerfrei veranlagt, oder welche in die Personen- standsuachweisung zwar aufzunehmen, aber in ihr nicht einzeln mit Namen ausgeführt oder übergangen sind, insoweit sie aus einer im Laufe deS StcuerjahreS neu erworbenen oder wesentlich veränderten Einkommensquelle zu einem steuerpflichtige» Einkommen von mehr als 900 M. gelangen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese offen- bare Ungerechtigkeit, durch die die Keinen Leute den Besitzenden gegenüber benachteiligt sind, in der zweiten Lesung in der Kommission beseitigt wird._ Zentrums-Temagogie. In der Sitzung der Neichslagstommisston für das Staats- angehörigkeitsgcsetz vom 26. April spielt« sich ein Borgang ab. der -bezeichnend ist für die Ehrlichkeit der ZentrumStaktii. Gegen den von den Sozialdemokraten gestellten Eventualantrag, daß eine Deutsche, die einen Staatenlosen heiratet, durch die Eingehung der Ehe ihre deutsche Staatsangehörigkeit nicht verlieren soll, war so wenig einzuwenden, daß der Abg. Becker-Arnsberg sofort nach der Begründung des Antrages sich mit einem Fraktionskollegen entschloß. dafür zu stimmen. Den übrigen Zentrumsvertrctern war das sehr unangenehm, denn sie befürchteten, daß dadurch der soziatdemo- kratüche Antrag angenommen würde. Sie suchten daher Herrqr Becker durch private Unterredung von seinem Entschluß abzubringen. Becker antwortete im Privatgespräch, er bleibe bei der Zustimmung. die ja unbedenklich sei. da infolge der Abwesenheit eines frei- sinnigen Vertreters die Ablehnung des Antrages mit Stimmen- gleichhcit feststehe I Beide ZcntrnmSredner, die für den Antrag stimmen loolltcn, meldeten sich zum Wort, und als der eine mit scharfer Begründung die Notwendigkeit der An- nähme des Antrage» dargelegt hatte,«rllSrte Becker, daß er nun, nachdem seine Anschauung zum Ausdruck gekommen, aufs Wort verzichten könne. Im Moment der Abstimmung erschien unerwartet das bis dahin fehlende freisinnige Kommissionsmitglied, durch dessen Stimme die Annahme des sozialdemokratischen Antrages mit 11 gegen 10 Stimmen gesichert gewesen wäre. Was tat nun der gesinnungStüchtige Herr Becker? Er führte durch Stimmenthaltung Stimmengleichheit herbei, um die Annahme des Antrages zu verhindern, für den er kurz zuvor einen Fraktionskollegen selbst gewonnen hatte. Mit solchen Mittelchen bekunden die Arbeitcrvertreter des Zentrums im politischen wie im gewerkschaftlichen Kamps ihre christ» liche Aufrichtigkeit, die allerdings durchaus übereinstimmt mit der gerissenen Taklik der ZentrumSfiihrer. Die Hamburger Polizei am Pranger. In der Miltwochsitzung der Hamburger Bürgerschaft, in der die Budgetberatimg, die in diesem Jahre ganz ungewöhnlich lange Debatten hervorrief, endlich zu Ende geführt wurde, kam eS zu sehr erregten Auseinandersetzungen über die Tätigkeit der Hamburger Polizei im Dienste der Militärbehörde und des Unternehmertums. Drei unserer Genossen kritisierte» scharf, daß die Hamburger Poli- zisten bei Lohnkämpfcu und Aussperrungen in ungesetzlicher Weise sür die Arbeitgeber Partei ergreifen. Schutzleute haben zum Bei- piel im vergangenen Jahre anläßlich des großen Holzarbeiter- kampfcs Streikposten von der Straße verjagt und mehrfach Arbeitswillige in sehr fürsorglicher Weise vom Bahnhos an die Stätte ihrer Tätigkeit geleitet. Ferner wurde festgenagelt, datz die Hamburger Polizei der S o z i a l i st e n s ch n ll f f e l e i im Heere Vorschub leistet, indem sie an die preußische Militär- Verwaltung Geheimberichte liefert über die politische Gesinnung der Rekruten! Vor allem aber rügte Genosse Stubbe, daß die Hamburger Polizei Spitzel in ihren Diensten hat. Er fragte den Sena'.Svcrtreter, auS welchem Ressort diese nütz- lichcn Elemente besoldet würden. Leistet so die Polizei den herrschen- den Klassen außerordentlich wichtige Dienste, so ist sie dafür um so weniger z» haben, wenn die vitalsten Interessen der Arbeiter- schaft in Frage kommen. Um die Durchführung deS Kinderschutz- g e s e tz e S kümmert sich die Polizei sehr wenig. Auch die t ö d- lichen Unfälle auf den Werften und auf Bauplätzen mehren sich in geradezu erschreckender Weise, ein Zeichen, daß weder die Gewerbe- noch die Baupolizei ihren Pflichten in genügendem Maße nachkommen. Die Kräfte werden eben viel zugehe für Aufgaben be- ansprucht, die nicht in den Rahmen der Polizeitätigteit hinein- gehören. Vom Senaiskommissar wurde auf diese Anklagen eine aus- Iveichende Antwort erteilt. Die Mehrheit des Hauses protestierte wohl durch Zwischenrufe gegen unsere Genoflen, hüllte sich aber im übrigen im Schweigen und bewilligte schließlich sang- und klanglos die neugeforderten Schutzmaunsstcllen und auch den Gehern'- f o n d s der Polizei. Der HamburgeriNormalspießer ist nämlich sehr stolz auf»seine' Polizei._ Ein mildes Kriegsgerichtsurteil. Auf dem Exerzierplatz in Ncgensburg nahm am 8. März der Unteroffizier Parzefall vom 11. Jnsanteric-Rcgimcnt drei Soldaten, die ihm den Parademarsch nicht schön genug gemacht hatten, auf die Seite und drillte sie durch Gewchrstrecken, Kniebeugen und Lausschrittmachen derart, daß der Infanterist Radelspeck bewußtlos zusammenbrach und sofort in das Lazarett ge» schafft werden mußte. Nach der Aussage des Oberstabsarztes konnte der Mann nur durch künstliche Atmung am Leben erhalten werden. Es sei sicher, daß der als gesunder und kräftig gebauter Mensch zum Militär gekommene Soldat noch ein bis zwei Jahre an einer merllichen Herzschwäche zu leiden haben werde und demnächst als dienstuntauglich entlasten werden müsse. Das Kriegsgericht, das gegen den Soldatenquäler zu verhandeln hatte, verurteilte ihn zu der gelinden Strafe von 45 Tagen Ge« fängnis wegen»vorschriftswidriger Behandlung mit schlimmen Folgen'._ Die CClimn in Marokko. General Lyantey Generalresident. Paris, 27. April. Der hellte in Rambouillet tagende Ministerrat hat beschlossen, den General Liau tey zum Generalresidenten für Marokko und Gaillard, den gegenwärtigen Konsul in Fez, zu seinem Generalsekretär zu ernennen. Regnault, der bisherige Gesandte in Tanger, wird einen Gesandtenposten in Europa erhalten. Ein Gcgensnltan. Madrid, 27. April. Wie„Jmparcial" aus Melilla meldet, bestätigen aus dem Innern kommende Eingeborene, datz einige Stämme den Bruder des Sultans Mulay Hafids, Mulah Mohammed den Einäugigen, zum Sultan aus- gerufen haben. Die aufrührerische Bewegung greift weiter um sich. Paris, 27. April. Aus Tanger wird der„Agence Havas" gemeldet, datz die Gäruug im Gharbgebiete zunehme. Nach Arbaua seien dem Rittmeister Vary zwei Kompagnien Kolonialinfanterie und eine Maschinengewehr- abtcilung als Verstärkung geschickt worden. Doch sei es sehr fraglich, ob die Verstärkungen genügen würden, da auch die von Vary befehligten scherifischen Truppen desertieren dürften. Die Rückwirkung der Ereignisse von Fez auf die Meuterer von Arbaua werde sich wohl bald auch in Nord-Marokko fühlbar machen, und man könne nicht leugnen, datz bereits unter den europäischen Ansiedlern in Tanger eine gewisse Beunruhigung Platz gegriffen habe. Wenn diese auck nicht ganz gerechtfertigt sein dürfte, so täte die Re- gierung doch gut daran, durch die Entsendung einiger Kriegs- schiffe die Besorgnisse der Europäer zu zerstreuen. Elksar, 27. April. Major Michelangeli ist heute früh mit zwei Kompagnien Kolonialtruppen im Lager von Arbaua eingetroffen. Die Instrukteure sind unversehrt, aber man be- fürchtet, daß die Dschebalas, unterstützt von aufrührerischen Reitern, einen nächtlichen Angriff machen. Unter den Reitern sind dem Vernehmen nach mehrere ans Fez entflohene mili- tärische Chargen._ Oeftemicb. Ein sozialdemokratischer Sieg. Wien, 27. April. Bei der Stichwahl sür den G e- meindorat wurde im Bezirk Ottakring der Sozial» demokrat Anton David mit 2101 von 4130 Stimmen gewählt. Der christlichsoziale Gegenkandidat unterlag mit 2079 Stimmen. Bei den Wahlen für die B e z i r k s v e r t r e t u n g des Bezirks Ottakring erhielten die Sozialdemokraten sämtliche zehn Mandate. Cürhel Die Jnngtiirken gegen die Sozialisten. Man meldet uns aus Brüssel: Das Internationale Sozialistische Bureau hat neuerdings zuverlässige Mitteilungen aus der Türkei erhalten, die das jungtürkische Regime in seiner brutalen Nnlerdrückcrarbeit gegenüber der sozialistischen Bewegung zeigen.R Nachdem die Regierungspartei die Tätigkeit der Sozialisten während der Wahlbewegung mit allen ungesetzlichen und reaktionären Mitteln zu unterbinden versucht hatte, schickt sie sich auch nach d"» Wahlen an, ihre feindseligen Verfolgungen fortzusetzen. Welche Absichten die Negierung für die nächste Zukunft hat, geht mit besonderer Klarheit aus einer Rede hervor, die der Minister für öffent- liche Arbeiten. D j a v i d B c y, der zugleich ein einfintzreichcs Mitglied des Komitees der„Partei für Einheit und Fort- schritt" ist, bei der Grundsteinlegung des Zentral- bahnhofcs in Saloniki gehalten hat. Diese Rede strotzt von Drohungen und Verleumdungen gegen die sozialistische Partei, die nach schlimmsten europäischen Mustern als' vaterlandsverrätcrisch, aufrührerisch, die nationale Wohlfahrt schädigend geschildert wird. Die sozialistische Partei der Türkei bedrohe die öffentliche Ruhe, predige den Anfrnhr in den Fabriken und störe die ökonomische Entwickelimg. Demgegenüber sei nicht nur. sagt der Minister, die Unschädlich- inachung und Bestrafung der Sozialisten unerlätzlich. Die Re« gicrung mutz sür ein entsprechendes Gesetz sorgen, damit man ihr nicht Vorwersen könne, datz sie ans Wablrücksichten die Sozialisten ausweise. In seinen weiteren Ausführungen wendet sich der jungtiirkische Minister an die Kapitalisten—„die in Wahrheit die wahren Beschützer der Arbeiter seieil" und empfiehlt ihnen, die Aktion der Regierung zu unterstützen, datz sie sich gegenüber ihren Arbeitern als die Stärkeren zeigen.— Die Regierung wird, sagt der Minister, ein Gesetz vorlegen, in dem sie den Syndikalismus wie den vom Ausland seine Weisungen empfangenden internationalen Sozialismus als ungesetzlich erklärt.— Man ersieht ans diesen Andeutungen, datz die Regierungs- Partei ihren brutalen Verfolgungen gesetzliche Form geben will und es ist nach dieser Rede nur zu klar, datz die türki- scheu Sozialisten ciiicr Aera der schlimmsten Verfolgungen und Brutalisierungen entgegengehen. DaS Internationale Sozialistische Bureau ruft daher neuerdings zum Protest gegen die antidemokratische Politik der jungtürli�-»»' Partei aus. GewerfefcbaftUd�es. poUttfcbe poltzet und Zechen verband. Auf die vom Vorsitzenden des Steigerverbandes gegen den Polizeiassessor H a u s ch und Bergassessor Kratz erstattete Anzeige loegen Beamtenbestechung hat der Staatsanwalt jetzt geantwortet. Er schreibt wie zu erwarten war: „Nach de» angestellten Ermittelungen haben von dem von dem Bergassessor Kratz hergegebenen Gelds Beamte nichts für sich erhalten. Somit entfällt die von Ihnen erhobene Beschuldigung. gez. Eger." Auf dieses Schreiben ist sofortige Beschwerde erhoben worden. In dieser Beschwerde wird die eidliche Vernehmung derjenigen Leute gefordert, denen der Polizeiassessor Hausch das Geld gegeben haben will. Weiter wird darin gesagt, daß das Abschreiben der Adressen unmöglich die ganzen 1900 M., die gezahlt sein sollen, er- fordert haben kann. In der gleichen Angelegenheit war auch Beschwerde beim Re- gierungspräsidenten in Düsseldorf eingelegt, dessen erste Antwort am 23. März erfolgte und in der er mitteilte, da{> er dem Polizei- assessor seine schärfste Mißbilligung ausgesprochen habe. In dem Schreiben wurde ausgeführt, daß das gezahlte Geld für Auslagen verwandt worden sei. Der Vorsitzende des Steigerverbandes bat in einem weiteren Briefe vom 28. März um genauere Untersuchung, lvas mis dein Gclde geworden sei, da die Ermittelungen nicht so teuer gewesen sein können. Darauf hat der Regierungspräsident am 25. April wie folgt geantwortet: „Bereits in meinem Schreiben vom 23. März d. I. habe ich erklärt, daß in Ucbereinstimmung mit dem Herrn Polizeipräsidenten in Essen das Verhalten des Beamten der Kgl. Polizeidirektion, der die Namen der Mitglieder des Steigerverbandes ermittelt und dem Zechenvcrbande bekanntgegeben habe, aufs schärffte mißbillige. Ich habe mzwiicheii auch Veranlassung genommen, die höchste Geldstrafe, die ich nach dem Disziplinargesetz festsetzen kann, nämlich eine Geldstrafe von 90 M., gegen den bc- treffenden Beamten zu verhängen. Im übrigen bemerke ich, daß zwar die Beträge, welche der Iechenverband dem Beamten zur Deckung seiner Auslagen zur Verfügung gestellt hat. erheblich gewesen sind, daß der letztere aber auch nach den angestellten weiteren Ermittelungen nichts für sich behalten oder im eigenen Interesse verwandt hat. gez. Kruse." Hoffentlich veranlaßt der Staatsanwalt die eidliche Vernehmung der Leute, die das Geld erhalten haben sollen, damit Aufklärung ge- schaffen wird, wie die erheblichen Auslagen entstanden sind. Da sie in gar keinem Verhältnis zu der geleisteten Arbeit stehen, so können sie nur als Schmiergelder Verioendung gefunden haben. Die Oeffentlichkeit hat aber das größte Interesse daran, zu er- fahren, mit wem die politische Polizei arbeitet. Serlin und Qmgogciid. Tie Brauereien und die Maifeier. Zu der Notiz in Nr. 96 des„Vorwärts" Vom 25. d. MtS., teilen wir ergänzend mit, daß die Brauerei Schweizergarten von C. Schneider und die Vereinsbrauerei„Teutonia" ihren Arbeitern wie in früheren Jahren ebenfalls am 1. Mai d. I. Urlaub erteilen. Der Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend ließ durch seinen isyndikus mitteilen, daß der UrlPb am 1. Mai aus den bereits im Vorjahre mitgeteilten Gründen nicht erteilt werden kann. Ablehnend verhielt sich auch die Berliner Niederlagsverwaltung der Brauerei Haaie-Breslau, indem sie erklärt, sich dem Bescheid des Vereins der Lagerbierbrauereien Berlins und der Umgegend an- zuschließen. Der Verein der Berliner Weißbierbrauereien teilt mit, daß er beschlossen habe,„den t. Mai als Urlaubstag, wie jeden anderen Tag des Jahres zu behandeln. Daraus ist zu entnehmen, daß die VereinS-Weißbierbranereien allen Arbeitnehmern, welche zum k. Mai d. I. um Urlaub nach- suchen, einen solchen unter Abzug deS Lohnes für diesen Tag gewähren 'werden. Die Kollegen mögen sich danach richten. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Braue rei- und Mühlenarbeiter. Maifeiervorbereitungen im Unternchmerlager. Wenn die Arbeiter den 1. Mai feiern wollten, um eine Ver- längerung der Arbeitszeit oder eine Vermehrung von Heer und Flotte anzustreben, so hätten die Unternehmer sicher nichts dagegen. Daß sie aber eine Verkürzung der Arbeitszeit fordern, Fortschritte in der Sozialgesetzgebung propagieren und die internationale Ver- ständigung der Völker erstreben, erschriut eS den Unternehmern ein Verbrechen. Darum wollen sie die Maifeier mit Gewaltmitteln unterdrücken. Eines der beliebtesten ist die Aussperrung der Arbeiter. Wo einzelne seiern. verfängt dieses Mutet, wo in einem Beruf, wie bei den Holzarbeitern und Bauarbeitern die Massen feiern, tut die Abwehrmaßregel den Unternehmern selbst am Wehesten. Lediglich des Prinzips wegen fordert denn auch der Arbeitgeberverband für das Holzgewerbe seine Mitglieder auf, die Maifeiernden zu entlassen und erst ain Montag wieder einzustellen. Auch der Verband der Baugeschäfle Berlins tut dasselbe. Ueber- raschungen bieten den Arbeitern diese Drohungen nicht. Sie werden dieselben gelassener hinnehmen, als sie ßusgesprochen sind. Zur Zigarrenarbeiterbewegung. Alle diejenigen Geschäftsleute aus der Zigarrenbranche, die den Bestrebungen der Zigarren- arbeiter ihre tätige Sympathie entgegenbringen, seien hierdurch eindringlich davor gewarnt, bei ihren Bestellungen auf die arbeiter- freundliche Geste der Zigarrenreisendcn und Agenten hereinzu- fallen. Worte sind wohlfeiler als Brombeeren. Worauf es an- kommt, das ist der Tarif, die Einigung mit der Organisation des Tabakarbeiter. Und da lasse man sich nicht mit leeren Redensarten abspeisen, sondern weise jenen Leuten die Tür, die wohl gerne ihre Zigarren an dse Arbeiter verkaufen möchten, aber den Verfertigern derselben nicht einmal das Nötige zu einem Lcbensminimum ver- dienen lassen. Und das empfiehlt nachher Zigarren zu sage und schreibe 20 M. pro Mille in den Zeitungen. Eine Firma in der«schicklcrstraß! hat das fertiggebracht in Berliner Zeitungen. Da weiß man nicht, wen man mehr bedauern möchte, die armen Opfer, die solche Zigarren arbeiten müssen oder die unglücklichen Raucher und Geschäftsleute, die auf eine solche Offerte hineinfalle». Neben per Tabaksteuer hat der Zigarren. industric gewiß nichts mehr geschadet, als jene pfiffige» Fabrikan- ten, die, da der Tabak zu teuer, jetzt gclvalzte Rippen, d. h. Holz, als Einlage in die Zigarren arbeiten lassen. Dabei Äulilöhne im Süden und Osten bei jenen betriebsamen Fabrikanten, die sich. wenn sie in Berlin Geschäfte machen wollen, vor Arbeitcrfreundlich- keit gar nicht mehr kennen. Diesen Leuten gehört die Wahrheit gesagt und das tüchtig. Arbeiter, Parteigenossen! Fragt bei euren Zigarreneinkäufen nach den grünen Plakaten, unterschrieben Alwin Schulze. Bc- achtet die Veröffentlichungen der Tarif- und Einigungsfirmen im „Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeitcr. Wer am 1. Mai feiert. soll an diesem Tage nicht solche Arbeitsleistungen von anderen Arbeitern für sich fordern, die ebensogut einen Tag früher oder später besorgt werden können. Von diesem Standpunkte aus- gehend, richten die organisierten Barbier- und Friseurgchilfen an die Maifeicrnden insbesondere das Ersuchen, dieBarbier- und Frijeurgeschäfte am Tage des 1. Mai zu meiden, damit der volle Beweis erbracht werden kann, daß hier die Arbeitsruhe ohne weiteres möglich ist._ Verantw- Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil berantw.: Oentftbes Reich. Im Messingwerk bei He eger mühle haben am Donners- tag die Arbeiter in der Gießerei, in der Zahl von zirka 129, die Arbeit niedergelegt. Die verschiedensten Lohnregulierungen im Laufe der letzten Jahre haben immer mehr und mehr zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter geführt. Erst vor acht Wochen war es in der Gießerei zu einer spontanen Arbeits- niederlegung gekommen. Die Betriebsleitung suchte damals ein neues Akkordshstem durchzuführen, das den Unwillen der Arbeiter so sehr hervorrief, daß ihnen nach ihrer Meinung kein anderes Mittel blieb, als die Arbeitsniederlegung. Infolge der durch den Metallarbeiterverband angebahnten Verhandlungen war es zn einer Verständigung gekommen, die dahinging, daß innerhalb vier Wochen erneut Verhandlungen gepflogen werden sollten, um die Grund- lagen für die fernere Gestaltung des Arbeitsverhältnisses zu scharfen. Diese Verhandlungen wurden von der Betriebsleitung mehr und mehr in die Länge gezogen resp. sie wurden gar nicht vorgenommen, weil die Schaffung�der Unterlagen der Firmen- leitung augenscheinlich zu große Schwierigkeiten bereitete. Am die Anfrage, die die Arbeiter durch den Deutschen Metallarbeiter- verband der Firma zugehen ließen und auf die Unterlagen zu einer Verständigung, die sie gleichzeitig mit einreichten, wurde von der Betriebsleitung in der Weise reagiert, daß sie das Akkordverhältnis mit Zcntnerbezohlung durchführen will, während die Arbeiter bei ihrer bisherigen gußweisen Bezahlung bleiben wollen. In den letzten Wochen noch sind die Arbeiter durch die Art, wie die Be- triebsleitung sich für ihre Ansicht Material beschaffte, erbittert worden. Die Tiegeleinsätze wurden erhöht, Verschiebungen der Leute in den verschiedenen Schichten vorgenommen und anderes mehr. Die Einführung des Akkordshstems bei etwas geänderten: Preisen sollte allerdings nur versuchsweise auf vier Wochen ge- schehen. Die Arbeiter haben aber aus ihrer Erfahrung sehr guto Gründe, auch nur eine„versuchsweise" Einführung abzulehnen. Tis wiesen die Vorschläge der Betriebsleitung zurück und legten die Arbeit nieder. Die Firma hat zu verstehen gegeben, daß dio Arbeitsniederlegung auch für Nichtbeteiligte unangenehme Folgen haben würde. In der Tat sind am Freitag eine größere Anzahl Unbeteiligte entlassen worden, so daß die Zahl der Ausständigen jetzt rund 200 Mann beträgt. Die Betriebsleitung soll gedroht haben, den Betrieb bis auf weiteres einzustellen, wenn bis DienS- tag die Arbeitsaufnahme nicht erfolgt, eine Drohung, durch die sich die Arbeiter aber nicht schrecken lassen. Lohnbetvegung in der Metallindustrie des Mainganes. Ein größerer Kampf steht in der Metallindustrie im Maingau bevor. Die Ursachen hierfür liegen schon einige Wochen zurück. Anfang April d. I. stellten in Frankfurt a. M. die im Metall- arbeiterverbandc organisierten Arbeiter der Firmen Adlerwerke, vorm. Heinr. Klcyer, Pokorny und Wittekind, Mayfahrt u. Co. und Fries u. Sohn Forderungen auf Perküzung der Arbeitszeit, Lohn- regclung usw. Tie bisherige Arbeitszeit betrug 57 Stunden pro Woche. Die Arbeiter brachten die 54stündige in Vorschlag. Neben dem Ausgleich des Lohnes wurde eine Lohnerhöhung von 3 Pf. gefordert, und für die Festsetzung von Einstellungslöhnen wurden Vorschläge gemacht, die als Grundlage bei kommenden VerHand- lungen dienen sollten. Als Hauptpunkt der Forderungen ist die Arbeitszeitverkürzung mit Lohnrcgelung zu betrachten. Die Arbeiterausschüsse, die die Forderungen einreichten, wurden zunächst von den Fabrikleitungen abgewiesen. Die Unternehmer stellten sich auf den Standpunkt, daß sie eine Verkürzung der Arbeitszeit unter 57 Stunden grund- sätzlich ablehnen müßten. Und diese grundsätzliche Ablehnung, ob- gleich in der großen Mehrheit der Frankfurter Betriebe und für die größte Zahl der am Orte beschäftigten Metallarbeiter bereits längst eine kürzere Arbeitszeit besteht. Die schroffe Ablehnung jeder Verhandlung mit den Arbeiter- auSschüssen wurde von den Arbeitern mit dem Streik beant- wartet. Nach der Arbeitsniederlegung erklärten sich die Unter- nehmer zu Verhandlungen bereit, die dann auch zwischen zwei von den Parteien ernannten Kommissionen, zuletzt unter Hinzu- ziehung des Organifationsvertreters, stattfanden. Ein zufrieden- stellendes Ergebnis konnte in diesen Verhandlungen aber nicht erzielt werden, weil die Unternehmer wohl Zugeständnisse in einigen nebensächlichen Punkten machten, in der Hauptsache aber ihren Widerstand, gegen eine Arbeiiszeitverkürzung und Lohnregu- lierung aufrechterhielten. Da nun die Arbeiter auf diesen beiden Forderungen bestehen blieben, brachen die Vertreter der Unter- nehmer die Verhandlungen ab und drohten mit einer Aussperrung. Diese wurde dann am 20. April durch eine Erklärung des Ver- bandes der Metallilrdustricllcn publiziert. Danach sollen am 4. Mai 60 Proz. der Arbeiter in sämtlichen dem Verband der Metallindustriellen für Frankfurt a. M. und Umgebung ange- hörenden Firmen ausgesperrt werden. Mit der Möglichkeit einer Aussperrung rechneten die Arbeiter allerdings schon bei Einreichung der Forderungen; sie haben denn auch ihre Gegenmaßnahmen bereits getroffen. Ob und inwieweit diese durch die Unternehmer veranlaßte Verschärfung der ganzen Bewegung noch weitere Kreise zieht, ist noch nicht vorauszusehen. tervorgehoben muß jedoch werden, daß die Betriebe, die diesen amps veranlaßt haben, in ihren Arbeitsbedingungen die rück. ständigsten sind. Fast alle übrigen namhaften Betriebe, nicht nur in Frankfurt allein, sondern teilweise auch in den Nachbarstädten, besitzen die der Forderung zugrunde liegende Arbeitszeit schon seit Jahren. Sie sind selbst also in dieser Hinsicht weit entgegen- kommender als jene vier Betriebe, für die sie nun die eigenen Ar- beitcr auszusperren gezwungen find. Streik im Wurzener Steinbruchgebiet. Seit dem 21. April stehen im Steinbruchgcbiet von Würzen und Röcknitz 570 Steinaroeitcr im Streik, weil die Unternehmer des Gebiets jede Unterhandlung auf Abschaffung des wilden Akkords ablehnten. Unter den Streikenden befinden sich auch 30 Frauen. Es kommen für diesen Bezirk drei Firmen in Frage. Bei zwei Firmen ist der Streik ein vollständiger, abgesehen von einigen älteren Leuten, während in der A. G. zirka 70 Arbeits- willige in sechs Steinbrüchen arbeiten. Unter diesen Arbeits- willigen befinden sich auch 22 Polen, die am ersten Tage des Streiks mit ausgetreten waren, aber durch Einschüchterung von feiten Angestellter der A. G. am nächsten Tage wieder in den Be- trieb hineinrannten und nunmcbr mit dem Knüppel bewaffnet zur Arbeitsstelle marschieren. Die Bewaffnung erfolgte jedenfalls auf Anordnung des ersten Direktorz der Aktiengesellschaft, eines früheren Feldwebels. Zu der Bewaffnung liegt allerdings kein Grund vor, denn die Streikenden geben dazu keine Veranlassung. Die Polen werden unter strenger Kontrolle gehalten. Der Gau- leiier des Steinarbciterverbandes, Genosse Steininger, wollte die Polen auf ihr unkollegiales Verhalten aufmerksam machen, wurde aber von dem Wiegemeister und vom Direktor des Werke» daran gehindert und schließlich von beiden tätlich mißhandelt. Huetand, Textilarbeiterbewegung in Deutschböhmen. Nachdem die Flachsspinnercibesitzcr des Trautenaucr Be- zirkes im letzten Herbst die Forderung der Arbeiter nach einer löprozentigen Lohnerhöhung abgelehnt hatten, begann eine eifrige Tätigkeit zur Stärkung der terroristisch verfolgten Organisation. Diese ist nun so gekräftigt, daß am 22. d. M. die Forderung einer allgemeinen löprozentigen Lohnerhöhung von neuem und außerdem die auf Einführung des— Z e h n st u n d e n t a g e s gestellt wurde. In oen angrenzenden tschechischen Bezirken Eipel, Königinhof usw. wird schon lange 10«tunden gearbeitet. Die deutsch-nationalen Fabrikanten habe» diese Arbeitszeitverkürzung ihren„liebwerten Volksgenossen Arbeitern" bisher nicht gewährt. Die Weber von Warnsdorf haben ebenfalls die Forderung einer löprozentigen Lohnerhöhung gestellt und verlangt, daß der Jndustriellenverband bis zum 28. April antworte._ Tb. Glocke. Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. n Verlagsanstalt Huö Indurtm und Handel Friedrich Krupp. Die Friedr.-Krupp Aktien-Gesellschaft feierte in diesen Tagen den hundertjährigen Geburtstag Alfred Krupps. Die Werke der Krupp- Gesellschaft bilden in ihrer Gesamtheit wohl immer noch das größte Industrieunternehmen Deutschlands. Die Firma Friedr.-Krupp Aktien- Gesellschaft umfaßte schon 1909 folgende Werke: Die Gußstahlfabrik in Essen mit den Schießplätzen in Meppen, Tangerhütte und Essen sowie den Außenverwaltungen: Der Kohlenzechen: Ver. Sälzer und Neuack in Essen, Hannover und Nordel bei Bochum, Hannibal in Nordel-Eickel bei Bochum; zahlreiche Eisensteingruben in Deutschland, und Beteiligung von Eisensteingruben bei Bilbao in Nordspanien. Der mittelrheinischen Hüttenwerke: Mülhofenerhütte bei Enger» (Hochofenanlage), Hermannshütte bei Neuwied(Hochofenanlage), Saynerhütte bei Sayna(Eisengießerei und Maschinenfabrik); einer Reederei in Rotterdam mit eigenen Seedampfeni für ErztranSport. Die Zweigniederlassungen: Die Friedricb-Alfred-Hütte in RheinS- Hausen-Friemersheim; das Stahlwerk Annen in Annen in West- falen(früher F. Asthöwer u. Co.); das Grusonwerk in Magdc- bürg- Buckau; die Germaniawerft in Kiel« Gaarden. Die hauptsächlichsten Erzeugnisse der Gußstahlfabrik in Essen find Ge- schütze, Geschosse mit Zündern und Zündungen, Gewebrläufe, Panzer in Form von gewalzten oder in Stahlguß, gehärtet und ungehärtet, sowie in Blechen für alle geschützten Teile der Kriegsschiffe, für La- fetten-Schutzschilde, sowie für Fortifikationszwecke, Eisenbahnmaterial, Schiffbaumaterial, Maschinenteile jeder Art, Stahlbleche, Walzen, Werkzeugstahl, Spezialstahle für die verschiedensten Teile des Kraflwagenbaues, Harlstahl, Stablknüppel und anderes. � Auf der Gußstahlfabrik waren im Jahre 1909 in den etwa 00 Betrieben in Tätigkeit: zirka 7500 Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, 18 Walz« werke, 171 Dampfhämmer von 100 bis 50000 Kilogramm Fallgewicht, mir zllsaiiimcn 257520 Kilogr. Bärgewicht, 21 Transmisfionshämmer von 12 bis 400 Kilogramm Fallgewicht, 4705 Kilogramm Gesamt- bärgewicht, 82 hydraulische Pressen, darunter 1 Biegepreffe zu 10 000 Tonnen, 2 Biegepressen zu je 7000 Tonnen, 1 Schmiedepresse zu 5000 Tonnen, 2 zn je 4000 Tonnen, und 1 zu 1800 Tonnen Druckkraft, 435 Dampfkessel, 554 Dampfmaschinen von 2 bis 70000 mit zusammen 89 430 IfS, 2690 Elektromotoren von zusammen 50 491 PS, 972 Krane von 400 bis 150 000 Kilogramm Tragfähigkeit, mit zusammen 11811300 Kilogramm Tragfähigkeit. Die Netto- kohlenbeförderung aus den eigenen Zechen betrug im Jahre 1909 insgesamt 2 426 728 Tonnen. Der Gesamtverbrauch der Kruppschen Werke, soweit sie von der Gußstahlfabrik versorgt wurden, betrug 1909 an Kohlen ohne Eigenverbrauch der Zechen... 1393 004 To. (davon verbrauchte die Gußstahlfabrik allein da? heißt obne die für Hügel und ohne die zur Abgabe an Beamte und Arbeiter bestimmten Kohlen.... 895223 To.) an Koks............... 770918» an Briketts.............. 20130, Dies ergibt— Koks und Briketts in Kohle umgerechnet— einen Gesamiverbrauch der Kruppschen Werke, soweit sie von Esten versorgt wurden, von 2 493 400 To. So bewundernswert die Entwickelung der Firma auch gewesen ist, wir Arbeiter haben gegen die Tätigkeit dieser Firma bc- sonders aus sozialpolitischem Gebiete erhebliches einzuwende». Versammlungen. Die Funktionäre des Transportarbeiterverbandcö nahmen am Tonnerstag Stellung zur Maifeier. Hierzu führte Werner unter anderem aus: Nach den geltenden Beschlüssen muß der 1. Mai, wenn es ohne wirtschaftliche Schädigung möglich ist, durck Arbeitsruhe gefeiert werden. Mit Rücksicht darauf, daß unsere Kollegen in den verschiedenstn Industrien, im Handels- und Äer- kehrsgewerbe beschäftigt sind, können wir einen allgemeinen Be- schluß hinsichtlich der Arbcitsruhe nicht fassen. Wir müssen auch daran denken, daß wir eine Anzahl von Tarifverträgen haben. Wo Verträge bestehen und die Kollegen feiern wollen, müssen sie es den Unternehmern, beziehungsweise der zuständigen Kommission. rechtzeitig mitteilen, damit sich die Unternehmer Darauf einrichten können. Eine Anzahl Branchen des Verbandes, die bisher ge- schloffen die Arbeit ruhen ließen, werden es auch in diesem Jahre Ivieder tun: die Leitergerüstbauer, die Bretterträger, die Handtuch. sahrer und die Fensterputzer. Wo kein Branchenb-eschluß besteht, muß die Arbeitsruhe betriebsweise beschlossen werden. In diesem Falle kommen die statutenmäßigen Bestimmungen über Streik- beschlüsse in Betracht, es müssen also sb der im Betriebe Beschgf- tigten für die Arbeitsruhe stimmen. Die Feiernden nehmen an den Deincmstrationsversaminlungen teil. Für die Kollegen, welche den 1. Mai nicht durch Arbeitsruhe feiern können, wird eine Ver- sammlung um 12 Uhr mittags abgehalten.— Grundsätzliche Einwendungen gegen diese Ausführungen wurden nicht gemacht» Die Vertrauensmänner des Töpferverbandes beschlossen am Freitag in einer Versammlung, in der 42 Bauten vertreten waren, daß der 1. Mai wie bisher, so auch in d-iesem Jahre durch allgemeine Ärbeitsruhe gefeiert wird und jeder Kol- lege verpflichtet ist, die Vormittagsversammlung zu besuchen, welche für Berlin im Gewerkschaftshause stattfindet. Die Feiernden fin- den sich nicht bezirksweise zusammen, sondern gehen direkt in die Versammlung. Die in den Vororten wohnenden Kollegen können die dortigen Versammlungen besuchen. t Beim nächsten Punkt der Tagesordnung teilte der Borfitzende Kemmnitz mit. daß sich der Vorstand, einem GeneralversammlungS- beschluß gemäß, wegen Errichtung eines paritätischen ArbeitSnach- weises an den Provinzialverband der Töpfermeister siwit an die zuständigen Innungen gewandt hat. Der Provinzialverband hat es abgelehnt, über diese Angelegenheit mit dem Töpferverbandc zu verhandeln. Die Berliner Innung will die Sache auf die Tages- ordnung ihrer nächsten Versammlung setzen. Voraussichtlich wird sich auch die Innung auf den Standpunkt deS Provinzialverbandes stellen, so daß die Frage des paritätischen Arbeitsnachweises damit begraben wäre._ Hetzte Nachrichten. Der ewige Bürgerkrieg in Paraguay. Buenos Aires, 27. April. Wie die Blätter auS Asuncion melden, hat der Bürgerkrieg in Paraguay wieder begonnen. Pier Regierungsschiffe griffen gestern die revolutionären Streitkräfte des früheren Präsidenten Jara an, die sich in dem Fort Engarnacion festgesetzt hatten. Das mörderische Feuer der Revolutionäre zwang sie aber, sich mit Havarien zurückzuziehen. Eisenbahuräubcr in Galizicn. Krakau, 27. April.(P. C.) Heute nacht drangen unbekannte Banditen zwischen Krakau und Tarnow in den Postwagen des Zuges Wien-Lemberg und plünderten ihn doli ständig aus. Den Eisenbahnräubern sind zahlreiche Postpakete in die Hände gefallen. Bisher ist es noch nicht gelungen, eine Spur der Banditen oder der gestohlenen Kollis aufzufinden. Die Pest in Persien. Teheran, 27. April 1912. Tie Pest tritt in Buschir in letzter Zeit wieder heftig auf. Wöchentlich werden einige hundert Fälle gemeldet. Acht bis neuntausend Einwohner sollen bereits aus der Stadt geflohen sein. Ein Ilebergreifen der Seuche auf die Nachbarschaft von Buschir wird befürchtet. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 6 Beilage«. it. 99. 29. Jahrgang. I Stilnoc Ks Jotitiätts" Krlim MMM Srantu«, 28. Jptil IPß. Der erste lilai und der Kampf gegen den liiilitarismus. Von K. K a u t s k y. Ii, Das Beispiel des Normalarbeitstages betveist uns aber auch, wie irrig es ist, den historischen Materialismus in der Weise aufzufassen, als sei eine Tendenz, die aus dem Wesen des Kapitalismus entspringt, unter allen Umständen ein un- entrinnbares Fatum, solange die kapitalistische Produktions- weise dauert. Marx hat in dem Abschnitt über den absoluten Mehrwert im„Kapital" gezeigt, daß die Tendenz zur Ver- längerung des Arbeitstags mit Naturnotwendigkeit in dem kapitalistischen Produktionsprozeß und seiner Gier nach Mehrwert begründet ist. Er zeigt indes in demselben Ab- schnitt noch weit ausführlicher, wie mit gleicher Naturnot- wendigkeit die Gegentendenz nach Verkürzung der Arbeitszeit ersteht und sich bis zu einem gewissen Grade siegreich durchsetzt. Freilich, gegen Lebenselements des Kapi- talismus komnlt man nicht auf, solange dieser herrscht. Zu deren Verteidigung bilden alle bürgerlichen Schichten und Parteien dem Proletariat gegen iiber eine geschlossene Phalanx, die es nur durch Eroberung der Staatsgewalt zu durchbrechen vermag: Wo es sich da- gegen um kapitalistische Tendenzen handelt, die nur b e- stimmten Augenblicks- oder Sonderinter- essen dienen, da kann der proletarische Kampf gegen sie unter Umständen bei weiterblickenden bürgerlichen Schichten oder solchen mit gegensätzlichen Sonderinteressen einen Ver- bllndeten finden, der ihn zum Siege führt, ehe noch das Prole- tariat stark genug ist. die Staatsgewalt selbst zu erobern. Die innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft bestehenden Gegensätze zu studieren und zweckentsprechend auszunutzen, betrachteten Marx und Engels daher als eine wichtige Auf- gäbe der Theoretiker und der theoretisch gebildeten Praktiker des kämpfenden Proletariats. Der Satz von der reaktiv- nären Masse der bürgerlichen Klassen war ihnen stets verhaßt und wurde von ihnen energisch bekämpft. Es war nicht leicht, diese Auffassung aus dem proletarischen Bewußt- sein zu entfernen, denn seit den Anfängen der Arbeiter- bewegung entspricht sie dem Instinkt der Masse. Deren nächste praktische Erfahrung ist die, daß sie von allen Bourgeois aus- gebeutet wird, mögen sie fromm sein oder Freidenker. Liberale oder Konservative, Agrarier oder Industrielle. Das Nächst- liegende ist es daher, alle Unterschiede zwischen ihnen als be- deutungslos anzusehen, wozu noch kommt, daß die darauf be- gründete unterschiedslose Feindseligkeit gegen alle bürgerlichen Schichten und Parteien weit einfacher und leichter zu fassen ist als eine Politik, die nicht bloß die gemeinsamen, sondern auch die gegensätzlichen Interessen unserer Gegner studiert. ein Studium höchst verwickelter Art, das nie ein Ende nimmt. da die historischen Situationen, die Fragen, die im Vorder- grund des politischen Kampfes stehen, ebenso wie die Zu- sammensetzung und Beschaffenheit der bürgerlichen Parteien im Laufe der ökonomischen und politischen EntWickelung be- ständig wechseln..„ Die Ueberwindung der Auffassung der primitiven Ar- beiterbewegung, als bildeten alle bürgerlichen Schichten zu- sammen eine geschlossene, unterschiedslose Masse, wurde für die Marxisten noch erschwert dadurch, daß der vormarxistische So- zialismus in den entgegengesetzten Fehler verfiel. Er wollte die Klassengegensätze überwinden und die Klassen aufheben nicht durch den Klassenkampf des Proletariats, sondern durch den Appell an das sittliche Empfinden der wohlmeinenden Menschen aller Klassen, eine Aufgabe, die nach seiner Meinung durch den proletarischen Klassenkampf aufs unangenehmste gehindert wurde. Die Verehrer des bloßen Masseninstinkts waren nicht gewöhnt, feine Unterscheidungen zu machen, und so erschien ihnen das marxistische Rechnen mit den Interessen- gegensätzen zwischen einzelnen Schichten der bürgerlichen Elemente als gleichbedeutend mit den Erwartungen, die der utopische Sozialismus in die wachsende Arbeiterfreundlichkeit innerhalb der besitzenden Klassen setzte, und jenes Rechnen schien ihnen ebenso utopisch und schimärisch wie diese Er- Wartungen. Der Marxismus, der die Einseitigkeit sowohl der pri- mitiven Arbeiterbewegung wie des utopischen Sozialismus überwand und sie beide zu einer Einheit vereinigte, hatte gleichzeitig gegen den Satz von der reaktiv- nären Masse wie gegen den von der Gewin- nung des menschenfreundlichen Teiles der Bourgeoisie durch Verzicht auf jeglichen abstoßenden Kampf Front zu machen. Er hat sich schließlich durchgesetzt, aber die beiden Tendenzen, die er überwand, entspringen tiefgewurzelten Bedürfnissen und machen sich immer wieder geltend. Nur finden sie es seit dem Siege des Marxismus für notwendig, sich marxistisch zu verkleiden. Die auf die wachsende Sittlichkeit und Menschenfreund- lichkeit der Bourgeoisie bauende Tendenz leugnet freilich im Grunde die materialistische Geschichtsauffassung, sie kann sich aber nach dem Siege des Marxismus doch nicht enthalten, gleichzeitig nach einer ökonomischen Grundlegung ihrer Er- Wartungen zu suchen, und sie proklamiert daher den Satz, daß die ökonomische EntWickelung einen ganz anderen Verlauf nehme, als Marx gezeichnet, daß die Klassengegensätze sich stetig milderten. Jeder Fall, bei dem einmal das Proletariat mit einem Teile der besitzenden Klassen gemeinsame Jnter- essen hatte und mit dessen Hilfe eine Forderung durchsetzte, ward als der erste Schritt einer Annäherung dieser Klassen an das Proletariat bezeichnet, dem naturnotwendig immer weitere in gleicher Richtung folgen müßten. Wie wenig diese Erwartungen gerechtfertigt sind, zeigt schon das Beispiel, das wir bereits mehrfach angezogen haben, das des Normalarbeitstages. Er wurde in den verschiedensten Ländern errungen und nicht bloß durch die Agitation des Proletariats allein, obwohl diese die Haupt- triebkraft dabei bildete, so daß ohne sie überhaupt nichts zu- stände.gekommen wäre: sondern auch durch das Interesse einer Reihe von Elementen der besitzenden Klassen. Da finden wir die weitschauenden Elemente, die erkennen, daß ohne Arbeiterschutz die ganze Arbeiterklasse verkommt und damit die Industrie ihre Arbeiter, die Armee ihre Rekruten verliert. Wir finden die großen Unternehmer, die die Kosten der Ver- kürzung der Arbeitszeit leicht ertragen können und ihre schwächeren Konkurrenten dadurch zu ruinieren hoffen, wenn für die Fabriken die Arbeitszeit verkürzt wird, indes ihre eigenen Betriebe nach Belieben lang arbeiten dürfen. Endlich finden wir den Gegensatz der Agrarier gegen die städtischen Industriellen, der namentlich in der Zollpolitik die schroffsten Formen annimmt und die Agrarier für die proletarischen Forderungen gegenüber den Industriellen günstig stimmt. Alle diese bürgerlichen Interessen haben den proletarischen Kampf um den Normalarbeitstag sehr wirksam unterstützt. Ohne sie, allein auf seine Kraft angewiesen, hätte das Pro- letariat kaum viel erreicht. Aber es waren eben nur be- .stimmte bürgerliche, mit denen des Proletariats in diesem einen bestimmten Falle übereinstimmende Interessen, die da wirkten, und nicht etwa ein beginnendes„soziales Empfinden" und„Gerechtigkeitsgefühl" der Bourgeoisie. So- bald diese Interessen aufhörten, nahmen auch die bürgerlichen Triebkräfte für den Normalarbeitstag ein Ende. Der Nor- malarbeitstag ist in den kapitalistischen Betrieben soweit ein- geführt, daß er notdürftig das rasche physische Verkommen der gesamten Arbeiterklasse verhindert. Wohl gibt es noch Schichten, die ungeschützt zugrunde gehen, so namentlich die Heimarbeiter, aber die sind nicht mehr zahlreich genug, um durch ihren Ruin das Fortbestehen der Arbeiterklasse über- Kleines Feuilleton. Die Erhellung Englands durch den Kohlenstreik. Eine merk- würdige Begleiterscheinung hat der englische Kohlenstreik gehabt, die nachträglich von den Astronomen hervorgehobeik wird. Wegen der auf einen Mindestbetrag verminderten Kohlenverbrennung hat England in jenen Wochen eine so gute Luft genossen, wie seit langem nicht. Das festzustellen, waren die Astronomen natürlich in besonderer Lage, da sie in ihren Arbeiten von der Durchsichtigkeit der Luft abhängig sind. Ein Himinelswrscher hat beispielsweise Beobachtungen darüber angestellt, wann die Sterne nach Sonnen- Untergang am Abendhimmel sichtbar würden, und es stellte sich her- aus. daß dies ganz ungewöhnlich ftikh eintrat, meist schon eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. So waren am Sä. März schon um sieben Uhr die roten Strahlen des Mars, der Beteigeuze und des Aldebaran, sowie der silberne Gürtel des Orion deutlich ficht- bar. Die Capella war im Zenith im hellen Glanz, der Arkturus schwach im Osten. Außerdem waren gleichzeitig bereits wahrzu- nehmen der Sirius. Procyon, die Zwillinge(Kastor und Pollux), ferner der Regulus und Denebola im Löwen. 10 Minuten später erschienen der Saturn und der Polarstern, 20 Minuten später der Merkur, obgleich dieser Planet sehr nahe am Horizont und auch in unmittelbarer Nähe des Punktes stand, wo die Sonne unter- gegangen war. Theater. Lustspielhaus.„Windhunde", wenn sie auf zwei, statt vier Beinen gehen, sind als moralbrüchige Subjekte bei allen Tugendtanten verschrien.„So'n Windhund!" sagt man mit stirnrunzelndem Ausrufungszeichen hinterm Namen. Kurt Kraatz und Artur Hosfmann laufen Sturm gegen sotane Philister- Meinungen, indem sie mit ihrem gemeinväterlichen Baby: Dr. Winternitz, gewissermaßen einen Windhund in Reinkultur vor- führen. Auch er ist ja zweifellos ein„verfluchter Kerl"— dennoch ein Opferlamm für unsere Freunde. Dem Rechtsanwalt Fcrber verhilft er mittels einer nach amerikanischem Muster inszenierten Wahlagitation zum Mandat eines Reichstagsboten; und den schüch- kernen Hilfslehrer Stöger bringt er glücklich unter die Zipfelhaube des Ehemannes. Ganz zuletzt denkt er an sich selber; und männig- lick, müßte schon ein ganz z widerer Gniefkian sein, um besagtem Windhund seine ausgezeichnet gespielte Schachpartie zu mißgönnen. Die beiden Schwankverfasser haben sich redlich bemüht, ihr Publikum durch eine zündende, nie versandende Situationskomik zu unterhalten; und die Darsteller hauen mit Aufbietung aller ihrer Sprühtcufeleien in die gleiche Kerbe. Ernst Bach als Titelheld zumal ist in allem und jedem ein richtiggehender Bonvivant. Der Fremdworte verdrehende Bauunternehmer Dittmar konnte bei Franz Arnold und der Hilfslehrer Stöger in seiner Enthalt- samkeit und Sprachreinigungsbeflissenheit bei Toni Jmpe- loven gar Vicht besser ausgehoben sein. Daneben harft, geigt, bläst, trommelt das mimisches Ensemble sein« Parts frisch-flott, daß die Wolle stiebt und das ganze Lustspielhaus vor Lachen auf Stützen steht. e. lc. Friedrich-Wilbelm städtisches Schauspielhaus. Vorstellung der Richard Wagner-Gesellschast:»Das III. Reich", Nietzsche-Tragödie von Paul Friedrich. Die wahllos aneinander gereihten Szenen dieser sogenannten Nietzsche-Tragödie beginnen mit einem Besuch des anfangs fo Wagnvrbegeisterten Baseler Professors im Hause des Meisters und skizzieren im zweiten Bilde mit allerdings recht dürftigen Strichen das Treiben bei dem ersten Bayreuther Festspiel. Vielleicht gab das den Anlaß, daß eine „Wagnergesellschaft" sich bemüßigt fand, das wunderliche Opus ans Lickit der Rampen zu befördern. Musik in großen Massen war als Hilfskraft aufgeboten worden. Ein Orchester eröffnete den Höhenflug der Handlung mit einem„sinfonischen Prologe" des BerfasserS und spielte in den Zwischenakten Wagners Festouverture und den Siegfried- Trauermarsch aus der„Götterdämmerung". Was Nietzsches Wagner- enthusiasmus und dessen jäher Umschlag mit der Entwickelung seiner„Uebermenschenphantasien" und mit dem nach Herrn Paul Friedrich dadurch inaugurierten„dritten Reich" zu schaffen hat, bleibt eins der vielen Geheimnisse des Dichters. Er tischt das ein- fach anekdotisch auf und läßt, nachdem sein Held in Bayreuth sich über die Enttäuschung genügend ausgeklagt hat. nächtlicherweile einen mysteriösen Fremdling erscheinen, der den Professor auf die historische Mission, die seiner harre, hinweist. Die Baseler würden ihn, auch wenn er sich vom Lehramt dispensieren ließe, sein Gehalt schon weiter zahlen und so könne er ganz ungestört tn der er- habenen, seinem Wesen kongenialen Gletscherwelt der Alpen die großen in ihm schlummernden Ideen zu Ende denken. Man hört den Helden dann in einem Bauernhäuschcn, von dem er seine Absage an Wagners Kunst in die Welt hinaus- gesandt, über Einsamkeit und das Unverständnis der Freunde vor der Schwester deklamieren; hört, wie er in dem Hotel zu Sils Maria einen harmlosen Professor der Aesthetik, der ihn ein bißchen interviewen möchte und um einen literarischen Beitrag bittet, ziemlich unmotivierter Weise an die Luft setzt; und wird zuguterletzt nach solchen Proben von dem Wachstum des Genius zum Zeugen seines Triumphs in Winternacht hoch oben auf dem Berninapasse. Eine trotz der eisigen Temperatur in luftigste Ballettschleier gehüllte Dame — laut Theaterzettel heißt sie:„Das Lebeu"— umgaukelt ihn. Dann aber naht der Fremdling wieder, sein Schutzgeist, diesmal in einem grünen Zaubermantel, dämonisch bleich und leidenschast- lich. Dies hohe Wesen hat die ganze spätere Nietzschesche Philosophie am Schnürchen und feiert die verworrenen Schlag- Worte derselben in einem Wolkenbruch von Reden als unerhörte, alle Götter die sich der Mensch bisher geschaffen, in Grund und Boden schmetternde GeisteStat. Der Held, von der Begeisterung des prophetischen Gespenstes mit fortgerissen, fliegt in seine Arme. Er ist gefeit sür alle Zeit! Karl Thumser, der in diesem letzten Bilde freilich arg versagte, spielte die Konversationsfzeneo in geschickt Haupt zu gefährden. Die kleinen Handwerker sehen ihre Ar-- beitszeit durch die Gewerkschaften so eingeengt, daß der Normalarbeitstag der Fabriken ihnen keinen Vorteil mehe bietet. Der Haß gegen die Gewerkschaft macht sie vielmehr solidarisch mit den Fabrikanten. Und daß seitdem auch Agrarier und Fabrikanten sich im gemeinsamen Hasse gegen das Proletariat und vielfach auch in gemeinsamer Zollpolitik gefunden haben, ist bekannt., So ist der Fortschritt des Normalarbeitstages seit Jahr-- zehnten völlig ins Stocken geraten. Das„soziale Empfinden'' der Bourgeoisie auf diesem Gebiet hat völlig aufgehört, j Es sind stets nur besondere Forderungen, dick unter besonderen Verhältnissen eine Interessen- gemeinschaft zwischen dem Proletariat und einzelnen Teilen! der besitzenden Klassen herbeiführen. Eine länger dauernde Interessengemeinschaft oder auch nur eine allseitige Jnter- essengemeinschaft während eines bestimmten Zeitpunktes mit irgendeiner bürgerlichen Schichte oder Partei ist ganz un« möglich. Und ebenso wie die Situationen und Forderungen wechseln auch die Parteien selbst, die mit dem Proletariat ein' Interesse gemeinsam haben. Gestern bekämpften unsere Ge< nossen in Frankreich mit den Radikalen zusammen dep Kleri- kalismus, heute kämpfen sie dort mit den Konservativen zu- sammen gegen die Radikalen für ein verbessertes Wahlrechts was nicht hindert, daß sie in allen anderen Fragen den Kon- servativen aufs feindlichste gegenüberstehen. i In der Tat ist nichts irriger als der Glaube, um dort, wo wir gemeinsame Interessen haben, mit bürgerlichen Par- teien zusammenarbeiten zu können, müßten wir ihnen ent- gegenkommen, alle trennenden Fragen zurückschieben. Das wäre richtig, wenn wir an das Wohlwollen der Bourgeois appellierten. Aber wir rechnen nur mit ihren Interessen, und wo die in Frage kommen, da verbündet sich der Bourgeois mit der Hölle, wenn er dabei seine Rechnung findet. Das' einzige, was ihm imponiert, ist Macht, und die unserer! Partei beruht in der Kraft des Proletariats und in der Ent-- schiedenheit, mit der sie seine Interessen wahrt. Die Politik des Entgegenkommens, der dauernden Ar- beitsgemeinschaft in einem Block oder gar des Ministerialismus ist daher von Uebel. Sie zu bekämpfen war dringend not- wendig. 1- Aber leider hak der Kampf gegen diese Politik manchem unserer Genossen den Blick für die Unterschiede getrübt, dick zwischen ihr und der Politik des Rechnens mit den Interessen-- gegensätzen innerhalb der bürgerlichen Klassen bestehen. Dev den Masseninstinkten naheliegende Gedanke von der einheit-' lichen reaktionären Masse, dessen Ueberwindung nur durch lange theoretische Arbeit möglich war, hat wieder Kraft er- langt— natürlich beruft auch diese Anschauung sich auf Marx. Die literarischen Vertreter des Syndikalismus in Frankreich behaupten, die einzigen zu sein, die Marx richtig verstanden haben. Und das gleiche sehen wir in Deutschland bei jenen unserer Genossen, die den„Instinkt der Massen" als Nicht- schnür dem„geschmeidigen", das heißt dem die wechselnden� Interessengegensätze studierenden„Theoretiker" entgegensetzen, Das Stichwahlabkommen des Vorstandes mit den Fort-' schrittlern hat ihnen jetzt einen willkommenen Angriffspunkt gegeben. Sie sind allerdings so klug, sich nur gegen seinen anfechtbaren Punkt, die Dämpfung, zu wenden, weil sie wissen, daß sie dabei am ehesten Erfolg erzielen. Aber ihre Argu« mente würden nicht nur die Dämpfung, sondern jedes Stich-- wahlabkommen treffen, und daß das ihre Absicht ist, läßt sich leicht beweisen. . Es ist gerade ein Jahr her, da ließ Mehring in einem Spitzenartikel bei uns(XXIX, 1, Nr. 25) die Bemerkung fallen,„eine sreisinnig-sozialdemokratische Taktik sei ins Be- reich der Möglichkeit gerückt", er hatte weiter in Nr. 27; erklärt:< „Die Sprengung des schwarzblauen Blocks ist die absolute' Forderung des Tages, und wenn sie nur dadurch erreicht werden kann, daß wir in der Stichwahl die freisinnigen Kan- nachgebildeter Nietzschemaske verhältnismäßig einfach und na- türlich. Herr Neff, zugleich der Jnszenator de? Stückes, betätigte als Fremdling die vorgeschriebene Dämonie. Um die Nebenrollen stand eS zum größten Teil recht übel. Am Schluß erschien der Autor, vom üblichen Applaus gerufen vor dem Vorhang. ät. Mttfik. Der Sommer uahk, und mit ihm fn vm Thrskm« vbe Ja- sammenstellungen von mehreren Stücken zu„Zyklen". So stell« jetzt die Königliche Oper heitere Werke der Mufikdramatik zusammen, so viel oder so wenig es ihrer in der deutschen Musik- geschichte gibt. Es sind geläufige Stücke, ausgenommen das erste, älteste der Reihe. Noch vor Beginn des Ehklus wurde— anr Freitag— feine Aufführung vorweggenommen. Es ist von C. W.- Gluck„Die Maienkönigi n", ein Schäferspiel. Das heiß« vor allem: wir werden in die Zeit zurückversetzt, in der die fran- zösischen Herrschaften des„alten Regimes" die angeblichen Herr- lichkeiten des ländlichen Volkslebens mitmachen wollten und dabei natürlich todsicher danebentrafen.„Idylle" spielte man in der Wirklichkeit und auf dem Theater;„Handlung" brauchte man eigentlich weder dort noch hier. Da seufzt z. B. nach der schönsten Hirtin im Dorfe der Schäfer Philint; ein Pariser Geck und ein biderber Pächter bemühen stch um sie; die aber nimmt den Hirten, überläßt den Pächter ihrer Freundin und den Kecken seiner Lächer« lichkeit. Aber nun kommt über die unechte Welt Läs Echte: die Musik des deutschen Meisters Gluck. Sie singt so melodiös und sie„dekla- miert" so zutreffend, und sie kennzeichnet das Verschiedene sc» hübsch abgestuft, und sie tut das in so naiv primitiver Weise, da� man sich gleich selbst schäferlich fühlen könnte, wenn daS alles nichtt schon anderthalb Jahrhunderte vorüber war'. Dem Einakter wurde gleich das nächste, ettvaS jüngere Stuck des Zyklus angereiht. Sein Komponist steht so ungefähr zwischen Gluck und Mozart; es ist C. Ditter v. Dittersdorf, und sein lange nicht vergessenes Hauptwerk heißt„Doktor und Apotheker"; wir hatten es hier schon vor vielen Jahren. Das gut deutsche Singspiel; entzückende Enscmblegesänge und kaum eine oder die andere„Arie"; dazwischen Prosadialog, während Gluck seine Musikpausen mit veritabeln„Alexandriner"°Versen füllt«°» data data data, data data data! In unserem alten Opernhaus macht man derlei zwar citvas eintöniger, als Modernes; aber gut geht es doch. Neue Sänger und Sängerinnen überraschen den, der nicht häufig hinkommt. Baß- bariton Mang intereffierte in beiden Stücken, im ersten auch Buffotcnor Henke, im zweiten besonders die Soprane Frau Andrejewa-Skilondz in der Rolle des ernsteren und die uns länger bekannte Frau Boehm von Endert in der de» heiteren Mädchens, die altbewährte Altistin Frau V. Scheele« Wüler als die Uzrkgntejte van allen.' sz, j didatsn herauspauken', so ist es unsere Pflicht und Schuldig- keit, es zu tun. gegen die allerbescheidensten Garantien." Darob wurde Mehring von der„Leipziger Volkszeitung" sehr grob angefahrHit, obwohl von einer Dämpfung damals nicht einmal eine Ahnung existierte. Das gleiche passierte um diese Zeit unserer Fraktion im Reichstag, weil sie vom Reichskanzler Schritte verlangte, um eine internationale Verständigung iiber die allgemeine Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen. Das bedeutete nicht etwa einen Sieg des Revisionismus in der Fraktion. Schon ein Jahr vorher hatten sich im Reichstag in diesem Sinne Singer und Ledebour ausgesprochen. Unsere Opgane in Leipzig und Bremen sahen aber in diesem Auftreten der Fraktion einen Schritt, der aufs schärfste zu bekämpfen sei. Freilich, es war ein Schritt, der uns an die Seite mancher bürgerlichen Elemente führte, und das erscheint den Verehrern des Prinzips von der einen reaktionären Masse als das schlimmste Unglück, das unserer Partei passieren könne. Wohl bedeutet dieser Schritt nicht im mindesten eine Politik des Entgegenkommens an die Bourgeoisie. Nichts an unserem Kampfe gegen die bürgerliche Gesellschaft wird da- durch gemildert. Er bedeutet auch kein Vertrauen in die Ge- rechtigkeitsliebe und sonstige sittliche Qualitäten unserer Gegner. Unsere Uebereinstimmung mit den bürgerlichen Verfechtern der Abrüstung beruht nur auf einer Gemeinsam- keit der Interessen der bürgerlichen Welt mit denen des Pro- letariats in dieser Frage. Es ist keine sentimentale Redens- ort, sondern eine nüchterne Tatsache, daß die ganze bürgerliche Gesellschaft ebenso wie das Proletariat durch einen Krieg ge- schädigt wird— ja noch mehr geschädigt wird, als das Pro- lctariat. Denn diesem drohen dabei wohl unsägliche Leiden, der bürgerlichen Gesellschaft aber darüber hinaus der völlige Umsturz. Und schon in der Gegenwart bringt das Wettrüsten immer schwerere Lasten für die Nationen mit sich� was für die besitzenden Klassen die unangenehme Alternative bedeutet, entweder selbst diese Lasten auf sich zu nehmen oder sie den bereits sehr rebellischen Volksmassen aufzuladen und dadurch die Gefährdung des bestehenden Regimes zu steigern. Das sind sehr reale Interessen, die einen erheblichen Druck wenigstens auf die weiterblickenden oder durch die Rüstungen besonders gefährdeten Teile der bürgerlichen Klassen zugunsten der Abrüstung durch internationale Ver- cinbarungen zu üben vermögen. Wie iin vorigen Jahrhundert im Kampfe um den Normalarbeitstag wären freilich auch jetzt im Kampfe gegen die Rüstungen die bürgerlichen Elemente zu schwach und zu energielos, die Widerstände der großen Masse der herrschenden .Klassen zu überwinden. Ganz anders gestalten sich aber die Aussichten für diese Forderung, wenn neben den für sie ein- tretenden bürgerlichen Elementen ein kraftvolles und rück- sichtsloses Proletariat in gleichem Sinne seine Stimme erhebt. Allerlei Mtiichez. In Nr. 27 der„Neuen Aeit" hatte Genosse Mehring in einem Artikel unter dem Titel„Einiges von Marx und LiebkneSt" sich unter anderem gegen das allzu große NedebediirfniS der Parlamentarier gewandt und sich dabei auf das Zeugnis Wilhelm Liebknechts be- rufen. Daran fügte Mehring die Bemerkung: „Von einem„Sckwatzbedürfnis der Herren Abgeordneten' darf gewiß nicht gesprochen werden. ES handelt sich vielmehr um eine Erscheinung, deren Ursachen rein objekliver Natur sind und in den Dingen selbst wurzeln. Aber auch solche obseküve Erscheinungen sind nicht unabänderlich, und eS ist i» erster Reihe die Aufgabe der Presse, parlamentarische Auswüchse abzuschneiden. Zweifellos ist diese Aufgabe häkelig und heiKIi als sich Karl Hirsch einmal eine— sachlich durchaus berechtigte— Kritik an der Rede eines Reichstags- abgeordneten erlaubte, lvnrde er in derselben Weise abgefertigt wie Genosse Braun vom Parteivorstand jüngst die unglücklichen Partei- genossen abgefertigt hat, denen die Organe für die Bewunderung deS freisinnig-sozialdemokratischen StichwaalabkommenS versagt sind. Karl Morr aber trat für Hirsch ein und ividmcte den Mitgliedern deS da- maligen ParteivorstandcS die Adresse:„Sie sind schon so... an- gegriffen, daß sie glauben, über der Kritik zu stehen, daß sie die Kritik alL ein orimo do Ifese majestö Verdonnern." Wir haben im„Vorwärts" vom 14. April auf diese Ausführungen hingewiesen und unsere Stellungnahme dargelegt. In Nr. 2S der „Neuen Zeit' veröffentlichte Genoffe'B e b e l eine Berichtigung und Ergänzung' znm Artikel Mehrings, die wir im folgenden wieder- geben: Soweit der Verfasser die Redelust unserer Fraktionsgenossen im Reichstag und die Handlungsweise des Parteivorstandes in Sachen des Stichwahlabkommcns mit der Fortschrittlichen Volks- Partei sachlich kritisiert, ist dieses sein gutes Recht. Er schießt aber über dies Ziel, wenn er zur Begründung seiner Stellung sich auf historische Vorgänge bezieht, die ich als zutreffend nicht anerkennen kann. Auch erachte ich es weder der Sachlage noch einer Verständigung über die Streitpunkte für förderlich, die Feder in Galle zu tauchen und fast jedermann vor den Kopf zu stoßen. Zunächst stelle ich fest, daß. als Marx zugunsten des seinerzeit rngegriffencn Karl Hirsch die Feder ergriff, ein Parteivorstand nicht mehr bestand. Der bercgte Vorgang spielte sich unter der Herrschaft deS Sl>- zialistengesetzes ab. Max Kayser. der von Karl Hirsch Kritisierte, halte anläßlich der Beratung der ersten Schutzzollvorlage im Reichs- tag eine so hochschutzzöllncriscke Rede gebalten. daß sie von keinem der Fraktionsgenossen vollinhaltlich gebilligt wurde. Wären also die Angriffe Hirscbs gegen Kayser, die jener in einem kleine». kaum handgroßen Wochenblättchen, das in Brüssel erschien und in Erinnerung an ein Blatt Rocheforts unter dem Kaiserreich den Titel„Laterne" trug, verübte, sachlich gewesen, wie in dem hier in Frage stehenden Artikel der..Steuen Zeit' behauptet wird. es würde sich kaum jemand über diese Kritik aufgeregt haben. Run bestand aber zivischen Hirsch und Kayser schon seit längerer Zeit aus mir unbekannten Gründen eine persönliche Spannung, und so gab Hirsch seiner Kritik einen sehr gehässigen Charakter, was den Unmut der Fraktion hervorrief. Ich erwähnte, daß es zu jener Zeit keinen Parteivorstand mehr gab. Mit der Auflösung der Parteiorganisation bei In- krafttrcten des Sozialistengesetzes hörte auch der Parteivorstand ans zu existieren. Als dann der ehemalige Partcivorstand in Hamburg es ablehnte, fernerweit eine leitende Funktion zu über- nehmen, beantragte ich, daß wir in Leipzig in die Lücke einträten. Unter den fünf Personen, die jetzt die Leitung in die Hand nahmen, befand sich außer mir an erster Stelle Liebknecht, dem der«er. fasser des Artikels in der„Neuen Zeit" wegen seiner Ansichten glaubte eine Art Ausnahmestellung uns anderen gegenüber vin- dizicren zu müssen. Wer veranlatzte, daß Marx sich in der mit- geteilten Weise zugunsten von Hirsch erHärtc. weiß ich nicht. Auf keinen Fall aber konnte Marx„den Mitgliedern des� damaligen Parteivorstandes die Adresse widmen: Sie sind schon so... an- gegriffen, daß sie glaubc», über der Kritik zu stehen, da sie die Kritik als ein crime de lese majeste verdouaern." Dieser Vorstand, ich wiederhole es. existierte nicht.. Ich muß weiter mit einigen Bemerkungen auf den abgc- druckten Brief Liebknechts über das Vielreden im Parlament ein- gehen. Zweifellos hatte Liebknecht recht, bor der Ueberschätzung des Redens im Parlament zu warnen. Eine solche Warnung ist auch heule noch am Platze, denn cS gibt Nicht wellige ükifet UNS, die diesem Reden eine übermäßige Bedeutung beilegen. Auf der anderen Seite aber muß festgestellt werden, daß es keine andere Partei gibt, die kraft ihrer prinzipiellen Stellung zu Staat und Gesellschaft so sehr deren Einrichtungen zu kritisieren hat und zu verbessern suchen muß, als die unselige. Wenn also die sozial- demokratischen Vertreter relativ mehr und länger reden als die Redner jeder anderen Partei, so ist dies in der Stellung unserer Partei als grundsätzliche Oppositionspartei begründet. Damit soll nicht bestritten werden, daß leicht die Gefahr eines Zuviel vor- handen ist. Wichtiger ist vielleicht eine Kritik über die Qualität als die Quantität der Reden. In der sozialistengesetzlichen Zeit lagen aber für das Reden- halten im Parlament die Dinge noch ganz anders. Damals fehlte die Möglichkeit der öffentlichen Agitation. Presse und Vereine waren unterdrückt. Versammlungen wurden entweder von vorn- herein verboten oder von der sehr nervös gewordenen Polizei oft aus dem lächerlichsten Anlaß aufgelöst. Jetzt war das Parlament der einzige Ort.wooft und lange geredet werden mußte, um nach außen hin zu wirken und die zahllosen An- griffe und Anklagen unserer Gegner zurückzuweisen. War doch in jener Zeit die Veröffentlichung der wichtigeren Reden nach dem stenographischen Bericht eines unserer wesentlichsten Agitations- mittel, wobei wir zugleich durch den Verkauf dieser Reden in Massen unserer Kusse eine sehr nötige Einnahme zuführten. Wenn nun Liebknecht trotz alledem die in jenem Artikel der„Neuen Zeit" veröffentlichte Kritik an unserer parlamentarischen Tätigkeit übte — leider hat der Verfasser des„Ncue-Zeit"-Artikels weder das Datum des Briefes noch die Adresse angegeben, an die er gerichtet war, wie er sich denn bei seinen Veröfsentlichungcn eine unnötige Reserve auferlegte—, so, weil er damals noch immer nicht seine übertriebene Geringschätzung der parlamentarischen Tätigkeit auf- gegeben hatte und noch immer an den Anschauungen festhielt, die er in seiner bekannten Broschüre„Die politische Stellung der So- zialdemokratie", ein Vortrag aus dem Jahre 18ög, veröffentlicht hatte. Später hat er aber auf dem Kongreß zu St. Gallen, Anfang Oktober 1887, in aller Form erklärt, daß er seine früheren Auf- fassungen über den Parlamentarismus nicht mehr aufrecht halten könne. Nebenbei bemerkt, gab es meines Wisseiis in der ganzen Partei nicht einen Mann von Namen, der die früheren Liebkncchtschen Anschauungen über den Parlamentarismus teilte. Auch Marx und Engels nicht. Das weiß auch der Verfasser jenes Artikels. Er hätte daher im Interesse der„historischen Objektivität" richtiger gehandelt, den Abdruck des Liebknechtsckcn Briefes zu unterlassen oder anzugeben, unter welchen historischen Verhältnissen er geschrieben wurde. Dann war es allerdings nicht möglich, sich auf die Liebknechtsche Ansichten zu berufen, die dieser später selbst preisgegeben hat. Auf die Angriffe gegen den Parteivorstand gehe ich nicht ein. Einmal war ich aus Gründen, die allgemein betannt find, fern- gehalten von Berlin und konnte an den Beratungen des Partei- Vorstandes über das Stichwahlabkommen nicht teilnehmen. Auch ist der Parteivorstand Manns genug, sich auf die Angriffe zu wehren, falls er cS für noüvendig erachtet. Dasselbe gilt von der Redaktion des„Vorwärts", die ihre Sache selbst zu führen vermag. In dem einen wie in dem anderen Falle teile ich weder nach Form noch nach Inhalt die erhobenen Angriffe. Gegen diesen Artikel veröffentlichte Genosse Mehring in der„Bremer Bürgcrzcitung" eine Erklärung, in der es heißt: „Vor einigen Wochen hatte ich in einer Polemik mit dem„Vor- wärtS" mich in der„Neuen Zeit" über die Frage verbreitet, ob in unseren Parlamenten im allgemeinen und von unseren parlamen- tarischen Vertretern im besonderen zu viel geredet werde. Mein Gedankengang war etwa der: Gerade, weil wir den bürgerlichen Parlamentarismus als brauchbares Werkzeug betrachten und be- nutzen, haben wir allen Anlaß, dies Werkzeug in gutem Stande zu erhalten. Deshalb darf es nicht zu sehr abgenutzt werden. Ich erinnerte an das bekannte Gesetz der Kontrastwirkungen, wonach in allen Dingen ein gewisses Maß notwendig sei, wenn man nicht das Gegenteil des bcabsickitigten Zweckes erreichen wolle. WaS ich mit diesen Ausführungen bezweckte, erkannte der„Vorwärts", gegen den sich meine Polemik richtete, in loyalster Weise an, und ein in Parteipolemik so zurückhaltendes Blatt, wie das„Hamburger Echo" äußerte sich in einem Leitartikel ganz ähnlich wie ich. Es zitierte meine Hauptsätze mit dem Bemerken, es seien Gedanken, die„von vielen unserer Parteigenossen im Laufe der Jahre oft ausgesprochen worden" seien. Nun richtet Genosse Bebel in der„Neuen Zeit" gegen meinen Artikel eine„Berichtigung und Ergänzung", die weder etwas be- richtigt noch etwas ergänzt. Wäre er, statt sich über meine„Galle" zu empören, die„fast jedermann vor den Kopf stoße", auch nur mit einem Wort auf den sachlichen Inhalt meines Artikels eingegangen, so würde ich mich gefreut haben, die Streitfrage in der„Neuen Zeit" mit ihm zu diskutieren. So aber ziehe ich aus einem ge- wissen Korpsgeist vor, mich qn ein Parteiblatt zu wenden, das mit mir in gleicher Verdammnis steht. In meinem Artikel hatte ich unseren verstorbenen Genossen Liebknecht als Muster angeführt, als einen Mann, der die Fall- stricke parlamentarischer Beredsamkeit wohl erkannt, aber sie ver- mieden habe, indem er selten, dann jedoch mit prägnanter Kürze gesprochen und desto größere agitatorische Wirkungen erzielt habe. Ich hatte folgende Sätze aus seiner Feder zitiert: Das Wort Parlament stammt von parlieren, reden, schwätzen. dlomen est omen. In dem Namen ist die Krankheit des Parla- mcntarismus bezeichnet: die Rede- und Schwätzkrankheit. Um das Reden ists ja ei» schön Ding, wenn einer guk redet,' für den Redner wir für den Hörer. Schade nur, daß das Reden und das Schauspielern so nahe miteinander verwandt sind, daß bei diesem wie bei jenem vorgestellt, dargestellt und verstellt wird... Es gibt freilich eine Art des Redens, welche mit dem Schau- spielern nichts gemein hat; allein sie ist selten, und wenigen ist es gegeben, die Klippe des theatralischen Effekthaschcns mit der rhetorischen Verstellung zu umschiffen. Man hat deshalb nicht ohne eine gewisse Berechtigung gesagt, daß große Iiedner keine großen Staatsmänner seien. Zwar gibt es große Staatsmänner, die auch große Redner waren, aber sie sind außerordentlich dünn gesät, und ihre Beredsamkeit war sachlich und klar. Es waren Sprecher, nicht eigentliche Redner. Und die Engländer, bei denen diese praktische sachliche Beredsamkeit zu Hause ist, nennen einen Redner auch Lpcalcer(Sprecher) und eine Rede Lpeecb Spruch)... Die Tatsache steht jedenfalls fest, daß selbst die gescheitesten Leute, die im ruhigen Gespräch Witz mit gesundem Menschenverstand haben, auf der Rednerbühne oft fürchterlich dummes Zeug schwätzen, dessen sie unter normalen Verhältnissen gar nicht fähig wären. Daher kommt es denn auch, daß parla- mentarische Debatten im ganzen so gehaltlos sind und so wenig neue Gesichtspunkte wie Gedanken zutage fördern. Weshalb ich gerade den alten Liebknecht zitierte, lag auf der Hand, und da es selbst die„skreuzzcitung" begriffen hat, so durfte ich' erwarten, daß es jeder parteigenössische Leser verstehen würde. Jedoch hat Genosse Bebel cS anders verstanden. Nachdem er aus- geführt hat,>vas noch von niemandem bestritten ist, jedenfalls nicht von mir, daß der bürgerliche Parlamentarismus der Partei unter vem Sozialistengesetze große Dienste geleistet habe, fährt er fort: Wenn nun Liebknecht trotz alledem die in jenem Artikel der „Neuen Zeit" veröffentlichte Kritik an unserer parlamentarischen Tätigkeit übte— leider hat der Verfasser des.Ncue-Zeit"°Ar- tikcls weder das Datum des Briefes noch die Adresse angegeben, an die er gerichtet war, wie er sich denn bei seinen Veröffent- lichungen eine unnötige Reserve auferlegte—. so, weil er damals noch immer nicht seine übertriebene Geringschätzung der parla- meniarischcn Tätigkeit aufgegeben hatte und noch immer an den Anschauungen festhielt, die er in seiner bekannten Broschüre„Die politische Stellung der Sozialdemokratie", ein Vortrag aus dem Jahre 18W veröffentlicht hatte. Später hat er aber auf dem Kongreß zu St. Gallen, Anfang Oktober 1887, in aller Form erklärt, daß er seine früheren Auffassungen über den Parlamen- tarfsAuZ nicht mehr aufrechthalken könne. Nebenbei bemerkt, gab es meines Wissens in der ganzen Partei nicht einen Mann von Namen, der die früheren Liebknechtschen Anschauungen über den Parlamentarismus teilte. Auch Marx und Engels nicht. Das weiß auch der Verfasser jenes Artikels. Er hätte daher im Interesse der„historischen Objektivität" richtiger gehandelt, den Abdruck des Liebknechtschen Briefes zu unterlassen oder anzugeben, unter welchen historischen Verhältnissen er geschrieben wurde. Dann war es allerdings nicht möglich, sich auf Liebknechtsche An- sichten zu berufen, die dieser später selbst preisgegeben hat. Hier wirft mir also Genosse Bebel die illoyalste, ja geradezu ehrenrührige Kampfeswcisc, eine Kampfesweise wider besseres Wissen vor. Und mit welchem Rechte? Der Artikel, aus dem ich zitierte, ist von Liebknecht im Jahrgange 183ö(Seite 13 und 303) der „Neuen Zeit" unter dem Titel„Parlameniaristisches" veröffentlicht worden. Also gerade zu der Zeit, wo Liebknecht von-einer über- triebenen Geringschätzung des Parlamentarismus nary oem eigenen Zeugnis des Genossen Bebel zurückgekommen war, und gerade zu der Zeit, wo der Parlamentarismus der Partei größere Dienste geleistet hat, als jemals vor- oder nachher. Auch hat kein„Mann von Namen" gegen den Artikel Liebknechts protestiert, weder Engels — Marx war damals schon tot—, noch Bebel selbst, noch Kautsky, der den Artikel ohne jeden redaktionellen Vorbehalt aufgenommen hat. Es war damals noch geistiges Gemeingut der Partei, daß sie den Parlamentarismus um so besser ausnützen können, je sorg- samer sie sich vor seinen Illusionen hüte. Nun mache ich dem Genossen Bebel natürlich keinen Vorwurf daraus, daß er den Artikel Liebknechts vergessen oder vielleicht gar nicht gelesen hat. Aber dann hätte er wirklich eine kurze Anfrage an mich richten sollen, ehe er mich in dieser Weise öffentlich ver- dächtigte. Ich lasse mir sicherlich aus bekannten Gründen mehr von ihm gefallen, als von irgend einem anderen Menschen, und habe mir gern Schweigen auferlegt, als er kürzlich bei einem anderen Anlaß meine Person durch eine ebenso grundlose wie kränkende Unterstellung verletzte. Aber in dem vorliegenden Falle handelt es sich nicht um meine Person, sondern um ein System, das leider inimer weiter um sich greift, um das System, jedem Parteigenossen, der leitende Parteiinjtnnzcn auch in der sachlichsten Weise kritistert, sofort mindestens gehässige Beweggründe unterzuschieben. Und dagegen sollte jeder protestieren, der darunter zu leiden hat." Diese Antwort veranlaßte eine Erwiderung Bebels, die in ihrem wesentlichsten Teil lautet: „Zu des Genossen Mehring„Protest" habe ich folgende? zu be- merken: Mehring hat, was ihm als Parteigenosse zustand, wieder- holt das Verhalten einzelner Fraktionsgenossen und der Fraktion scharf kritisiert. Als er von diesem Recht wieder in der Nr. 28 der„Neuen Zeit" in umfassender Weise und schärfster Form Ge- brauch machte und sich auch gegen den Partcivorstand wendete, be- trachtete ich es als meine Pflicht, ihm entsprechend zu antworten. Daß ich dieses tat, ist„eine Unsitte". Jeden, der es wage, den bürgerlichen Parlamentarismus zu kritisieren, werfe man in die anarchistische Wolfsschlucht, tue man als hochnäsig usw. ab. Eine Behauptung, für die er nicht den geringsten Beweis erbringen kann. Der Gracchc, der über Aufruhr klagt. Hätte sich Mehring nur mit der Kritik des„bürgerlichen Parlamentarismus" borläufig haben wir keinen anderen— beschäftigt, hätte ich kein Wort verloren. Für meinen Angriff auf ihn war maßgebend, wie er Fraktion und Partcivorstand angriff und seinen Angriff begründete. Ich tadelte insbesondere an der Mchringschen Kritik, daß er es unterließ, an- zugeben, welcher Art die Belegstücke seien und aus welcher Zeit sie stammen, die er zugunsten seiner Anschauungen anführte, Beleg- stücke, deren Bedeutung er noch dadurch zu verschärfen suchte, daß er einzelne Worte nicht abdruckte, sondern punktierte. Es stellt sich nun heraus, daß die Aeußerung Liebknechts nicht, wie ich und eine Reihe Genossen, mit denen ich sprach, annahmen. auS einem Briefe Liebknechts herrührte, sondern aus einem Artikel in der„Neuen Zeit" aus dem Jahre 1886, in dem auch die von Mehring punktiert angedeuteten Worte abgedruckt waren. Mehring sucht meinen Angriff damit zu parieren, daß er äußert, der Artikel stamme also aus jener Zeit, in der, wie ich behauptete, Liebknecht sein« Ansichten über den Parlamentarismus änderte. Auch das ist unrichtig. Ich weiß nicht, um welche Zeit Liebknecht begann, seine Ansicht über den Parlamentarismus zu vebidieren, öffentlich kam das Resultat dieser Revision erst im Oktober 1887 auf dem St. Gallcr Parteitag zum Ausdruck. Also mehr als ein Jahr, nach- dem er den von Mehring erwähnten Artikel schrieb. Dieser selbst ist aber noch vom alten Standpunkt Liebknechts aus geschrieben. Achnlich verhält cS sich mit Mehrings Angriff ans den Partei- vorstand, wobei er wieder die Methode verfolgte, seinen Angriff durch den Abdruck einer Stelle aus einem Brief von Karl Marx zu er- Härten. Es stellt sich auch hier heraus, daß dieser Brief ebenfalls bereits in dem bei Dietz in Stuttgart veröffentlichten Briefwechsel zwischen Sorge, Marx und Engels enthatten ist, und das von Mehring in dieser Stelle auch punktiert angedeutete Wort dort im Druck wiedergegeben wurde. Er unterläßt also auch hier die Wiedergabe des Wortes, um seinen Angriff zu verschärfen und spricht von einem Angriff auf den damaligen Parteivorstand, wäh- rend es sich um einen Angriff auf die damalige Fraktion handelte. Das leitende Organ der Partei in jener Zeit, in der der Marxsche Brief geschrieben wurde, war auch nicht die Fraktion, sondern das Leipziger Komitee, dem Liebknecht, Hasenclever, Christian Hadlich, Geiser und ich angehörten. Hadlich und Geiser waren obendrein keine Rcichstaysmitalieder. Diese Methode der Kritik, Angriffe gegen Personen durch ten- denziöse Zustutzung noch besonders zu verschärfen, werde ich immer. wo sie mir begegnet, bekämpfen. Diese Methode ist nicht neu, aber auch nicht schön. Mit Sachlichkeit hat sie nichts zu tun." Hirn der Partei. Noch ein Verbot des Maifestzuges in Frankfurt a. M. Der Frankfurter Polizeipräsident macht weiter eifrige Propa- ganda für die dortige Maifeier. Wir berichteten vor einigen Tagen. oaß er den von unserer Parteileitung geplanten Fcstzug zum Mai- waldfest am S. Mai verboten hat. Dw Parteileitung legte gegen dieses Verbot beim Regierungstzräsidenten Beschwerde ein. gleich- zeitig machte sie aber auch ein erneutes Gesuch um Genehmigung eines FestzugeS am 1. Mai. Der Polizeipräsident verbot aber auch diesen Festzug. Diesmal mußten die ReichstagSwah- l e n zur Begründung des Verbots herhalten, während man im ersten Verbot sich auf die„nach Zehntausenden zählenden Menschen- massen"— die sich am Zuge beteiligen und wodurch die Ordnung gestört würde— stützte. Der Polizeipräsident sagt in seinem neue- sten Verbot: „Der aus Anlaß der Maifeier beabsichtigte Festzug bedeutet, wie aus den Aufrufen und sonstigen Veröffentlichungen der so- zialdemokratischcn Presse hervorgeht, schon an sich gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft eine Demonstration, deren Charakter da- durch noch verschärft wird, daß die Veranstaltung eine Feier des Sieges der Partei bei den letzten Reichstagswahlen darstellen soll. Da der letzte Reichstagswahlkampf hier in schärfster Weise geführt wurde, so muß die ganze Veranstaltung aufreizend v»!» auf die übrigen Bevölkerungsklasse» beunruhigend wirken, wo- durch die öffentliche Sicherheit gefährdet wird." Diese famose Begründung übertrifft fast noch die für das erste Verbot. Festgestellt mag tverden, daß die bisherigen Umzüge in Frankfurt a. M.— auch Maifestzüge— in bester Ordnung ver- liefen, soweit die Polizei die Ruhe nicht störte. Bei einem Mai- fcstzug kam es überhaupt noch nie zu irgendwelchen Ausschreitungen. Die Differenzen in Solingen. Allerlei Schtvindelnachrichten über eine Parteikrise in S o l i n- e n laufen jetzt durch die bürgerliche Presse. Durch die auf den ienossen D i t t m a n n zurückgeführte Einmischung der„B e r g i- schen Arbeit erstimme" und der Partei in ben Streit zwischen dem Deutschen Metallarbeiterverband und dem lokalen In- Orati Chevreau Goodyear Welt Chromlack, and) galt) Kalb lad. Goody. Welt Modagalb Kalbledar Hallgelb Kalbladar Laekbeaatz m.Samt- � kalbainaatz Goodyear Watt Lackbaaaiz mit versoWedea- tarblgae Elnittzaa !>ustrt«tr!beiterverbattd soll in der Solinger Parteiorganisation' alles drunter und drüber gehen. Drei parteigenössische Stadtverordnete in der Gemeinde Höhscheid sollen ihre Mandate niedergelegt haben und aus der Partei ausgetreten sein usw. Diesen Tartarennach- richten gegenüber sei kurz folgendes festgestellt: In Solingen haben sich vor fünf Jahren die alten lokalen Branchenorganisationen der Stahlwarenindustrie im Jndustriearbeiterverband zusammenge> schlössen. Zwischen dieser Organisation und dem Deutschen Metall- arbeiterverband besteht ein gespanntes Verhältnis. Parteivorstand und Generalkommission haben wiederholt in Solingen verhandelt, um eine Verständigung herbeizuführen, so noch erst im letzten Herfjst, als zirka 1000 Mitglieder des Metallarbeiterverbandes im Streik standen und zirka S00 Mitglieder des Jndustriearbeiterver- bandes weiter arbeiteten. Die Partei und ihre Presse sahen im Jndustriearbeiterverband ein Uebergangsgebilde, das früher oder später im Metallarbeiterverband aufgehen müsse. Im Vertrauen auf die unausbleibliche EntWickelung in diesem Sinne verhielten sich daher die„Bergische Arbeiterstimme" und die Partei neutral. Nach- dem das letzte Jahr bewiesen hatte, daß der Jndustricarbeiterver- band wegen seiner finanziellen Schwäche dem koalierten kapitalisti- schen Unternehmertum nicht gewachsen war, bestand jetzt eine sehr günstige Stimmung für eine Verständigung mit dem Metallarbeiter- verband. Es schwebten auch wieder Einigungsverhandlungen. Plötz- lich entliest die Leitung des Jndustriearbeitcrverbandes ihren ersten Geschäftsführer. Dafür wurden kleinliche Gründe vorgeschoben. In Wahrheit erfolgte die Entlassung, weil der Betreffende die Eini- gung energisch betrieben hatte, was er selber in einer grasten öffent- lichen Versammlung nachwies. Jetzt trat die Partei und ihre Presse aus der bisherigen Reserve heraus und sie nahmen Stellung gegen die Einigungsgegner im Jndustriearbeiterverband und für die Ein- heitlichkeit der Aktwn und der Organisation auf gewerkschaftlichem Gebiet. Nun glaubten die Einigungsgegner einen Druck auf die Partei und ihre Presse ausüben und sie zum Schweigen bringen zu können. Sie liehen van einer Generalversammlung des Industrie- arbeiterverbandes über die„Arbeiterstimme" den Boykott der- hängen und drohten unit dem Austritt aus der Partei. Diese Mgsj- nahmen sind aber ein Schlag ins Wasser. Von den 12 000 Abonnen- ten der„Arbeiterstimme" sind kaum 2000, und von den 4000 Par- teimitgliedern des Kreises kaum 500 Mitglieder des Jndustriearbci- terverbandes und zudem bilden gerade s i e in ihrer Mehrheit die Freunde der Einigung im Jndustriearbeiterverband. So haben nur etwa 100 Abonnenten das Blatt abbestellt und aus der Partei sind kaum ein Dutzend Mitglieder ausgetreten, dazu noch fast alle mit dem Vorbehalt,.solange die„Arbeiterstimme" ihre Haltung nicht ändert". Die Abbestellungen und Austritte haben den Anstoh zu einer Agitation für Presse und Organisation gegeben und das Ver- lorene kommt doppelt wieder ein. Unter den mit Vorbehalt Aus- getretenen befanden sich auch drei Hohscheider Stadtverordnete. Als ihnen dann in einer Sitzung klargemacht worden war, dast heute ein Austritt aus der örtlichen Parteiorganisation zugleich einen Austritt aus der Gesamtpartci bedeute, nahmen sie ihre Austritts- erklärung zurück; ihre Mandate hatten sie überhaupt nicht nieder- gelegt. Das ist die ganze„Krise" in der Partei, die in einer am Sonn- tag, den 21. April, im Kaisersaal in Solingen abgehaltenen stark besuchten Kreisparteiversammlung nach einem Referat des Genossen Dittmann einstimmig in einer Resolution das Verhalten der „Arbeiterstimme" billigte und es als die Pflicht aller Parteigenossen bezeichnete, für die gewerkschaftliche Einigung zu wirken. Im In- dustriearbeiterverband aber herrscht jetzt die der Partei angedichtete Krise. Einzelne Branchen haben schon beschlossen, in den Mctqll- arbeiterverband überzutreten und der Gedanke der Einigung be- herrscht nunmehr die Situation in Solingen. Maifeier 1912. Unier diesem Titel hak die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 60, eine illustrierte und schön ausgestattete Maifestzeitung herausgegeben. Die Festschrift enthält Beiträge der Genossen Gradnauer, Stamp- f e r, Korn, Stefan Grostmann, Gustav Bauer sowie der Genossin Solinger, Gedichte von Ernst Preczang und L. L e s s en u. a. m. Die einzelne Stummer kostet 10 Pf. polizeiliches, pcrichtltcbea ufw. Preßprozeß. Das Leipziger Schöffengericht verurteilte den Redakteur Müller von der„Leipziger V o l k s z e i t u n g" zu 600 M. Strafe, weil er einen Fabrikanten beleidigt haben soll. Die ..Volkszeitung" hatte eine Arbeiterin in Schutz genommen, die von dem Fabrikanten, wie auch ein Zeuge bekundete, geschlagen wurde. Der Schutz des 8 103 St.-G.-B. wurde Genossen Müller versagt, weil die Tendenz der Notiz eine gegen die Unternehmer gerichtete hetzerische und herabdrückende sei. Jugendbewegimg. „Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 0 des vierten Jahrgangs hat u. a. folgenden Inhalt: Jungproletarischer Kampfmai.— Das physio- Iratische System. Von W. Schröder.— Auch ein Proletarier. Von Noland.— Die Verdauung. Von A. Lipschütz.(Illustriert.)— Nieder mit der Nachtarbeit I Von W. Sollmann.— AuS der Jugendbewegung(Halle, Rathenow, Fürth, Dänemark, Schweiz).— Die Gegner an der Arbeit. Des Lehrlings Leidenschronik usw. Beilage: Zum ersten Mai. Zeichnung von Georg Winkel- mann.— Weltmai. Gedicht von Karl Henckell.— Walfischjagd. Von I. C. Sörensen(Schluh).— Eine Harzwanderung. Von Gustav Krüger-Dessau.(Illustriert.)— Geländespiele. Von Paul Böttcher. — Thomas Alva Edison, der Arbeiter(Schluh). Von P. M. Grempe. — Lehrlingsstreiche II. Von August Wysocki. Hud der frauenbenegung. Das Frauenwahlrccht als Naturrecht begründet. In den verschiedenen Revolutionsepochen haben Frauen und auch Männer die politische Gleichberechtigung der Frau reklamiert, als ein Recht, das mit jedem Menschen geboren werde, das also als ein unveräußerliches Menschenrecht, als ein Naturrecht zu be- trachten sei. Während der französischen Revolution war es Olympe de Gouges, die der Erklärung der Menschenrechte(lies Mannes- rechte) kühn die Erklärung der Frauenrcchte gegenüberstellte. Es heißt darin:„Die Frau ist frei geboren und von Rechts wegen dem Manne gleich. Das Ziel jeder gesetzgebenden Gemeinschaft ist der Schutz der unveräußerlichen Rechte beider Geschlechter, der Freiheit, des Fortschritts, der Sicherheit und des Widerstandes gegen die Unterdrückung.— Die Ausübng der Rechte, die der Frau von Natur gebühren, ist aber bisher in engen Schranken gehalten worden. Aus der Gemeinschaft von ÜNännern und Frauen besteht die Nation. auf der der Staat beruht; die Gesetzgebung mutz der Aüsdruck des Wil- lens dieser Allgemeinheit sein. Alle Bürgerinnen müssen ebenso wie alle Bürger persönlich oder durch ihre gewählten Vertreter an ihrer Gestaltung teilnehmen. Sie mutz für alle die gleiche sein, daher müssen alle Bürgerinnen und alle Bürger entsprechend ihren Fähigkeiten, zu allen öffentlichen Stellungen, Auszeichnungen und Berufen gleichmäßig zugelassen werden; nur die Verschiedenheit ihrer Tugenden und Talente dürfen den Matzstab für ihre Wahl abgeben. Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen, die Tribüne zu besteigen sollte sie dasselbe Recht besitzen. Die Recht der Frau aber sollen der Wohlfahrt und nicht dem Vorteil des Geschlechts allein dienen." „Die Frau trägt ebenso wie der Mann zum Vermögen des Staates bei, sie hat dasselbe Recht wie er, über dessen Verwaltung Rechenschaft zu fordern. Eine Verfassung ist ungültig, wenn nicht die Mehrheit aller Individuen, aus denen die Nation besteht, an ihrer Gestaltung mitgearbeitet hat. Erwacht, ihr Frauen! Die Fackel der Wahrheit hat die Wolken der Torheit und der Tyrannei zerstreut; wann werdet ihr sehend werden? Vereint euch jetzt der Kraft der rohen Gewalt gegenüber mit der Kraft der Vernunft und Gerechtigkeit. Und bald werdet ihr sehen, wie die Männer nicht mehr als schmachtende Anbeter zu euren Füßen liegen, sondern, stolz darauf, die ewigen Rechte der Menschheit mit euch zu teilen, Hand in Hand mit euch gehen." 1780 war es die Engländerin Mary Wolotonekrafk, die in ihrer Schrift„Die Verteidigung der Rechte der Frau" gleiche Erziehung und gleiche staatsbürgerliche Rechte für die Frauen reklamierte. Sie spricht zuerst den Gedanken aus, daß die Vorbedingungen für die volle Entfaltung der weiblichen Persönlichkeit ihre Wirtschaft- liche Unabhängigkeit vom Manne sei. Um ihres heckigen Natur- berufes als Mutter fordert sie, daß das Weib als freier Bürger gleich dem Manne gelte. Unter den nordamerikanischen Frauen zur Zeit des llnab- hängigkeitskrieges traten Mercy Otis Warren und ihre Freundin Abigail Smith Adams energisch für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Ihrem Einfluß ist es zu danken, daß in New Jersey und in Virginia als in den ersten Staaten der Welt den Frauen das Wahlrecht eingeräumt ward. Unter den männlichen Vor- kämpfern für Frauenrechte nennen wir nur den französischen Philosophen Condorcet und den Deutschen Hippel, Oberbürgermeister von Königsberg, der in seiner 1702 erschienenen Schrift„Die bürgerliche Verbesserung der Weiber" mit schlagfertiger Schärfe allen gegen die politische Gleichberechtigung der Frau erhobenen Einwänden begegnet. Noch heute vermag man aus seiner kleinen Schrift, die in den meisten größeren Bibliotheken zu haben ist, prächtige Argumente für den gegenwärtigen Kampf ums Frauen- Wahlrecht zu entnehmen. Aber solange die Begründung der Forderung deS Frauenwahl- rechts eine ideologische war, waren verhältniSmätzig wenige ihre Träger, erst nachdem die Forderung in den gewedelten Wirt- schaftlichen Verhältnissen eine materielle Begründung erhielt, sind die Massen ihre Träger geworden, deren Willen sie Ausdruck gibt. Die erste Privatdozentin in Rußland. Die Ehemikerin Frau Kowalewska hat als erste Frau in Rußland den Titel Privatdozentin erhalten und ihre Antrittsvorlesung in der medizinischen Frauen- Hochschule in Petersburg gehalten. Leseabende. Lankwitz. Montag, den 29. April, abendS ö'/, llhr, bei Adler, Thor- lottcnstr. 34._ Versammlungen— Veranstaltung e». Zcntralvcrband der Hausangestellten. Sonntag, den 28. Mai, abend?) 7l/a Uhr, in den Korona-Festfälen, Kommandantenstr. 72: Bot» trag von Dr. Wehl über:„Essen und Trinken",»ach dei/l Vortrage gemütliches Beisammensein. 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Soßmann(3) wünscht, daß für die Arbeiterzüge genügend Wagen zur Verfügung gestellt werden, damit die einzelnen Abteile nicht zu sehr überlastet werden, und befürwortet die Wünsche verschiedener Bcamtengruppen um Besserstellung im Gehalte. Auch die Löhne der Arbeiter bedürfen dringend der Aufbesserung, sie entsprechen durchweg mich denen der entsprechenden Arbeiterkategorien in der Privatmdustrie. Minister v. Brcitenbach: Der Abg. Liesching wünschte gestern, daß die Ueberschüsse der Reichöeisenbahnen zur Schaffung eines Ausgleichsfonds benutzt werden. Diese Frage ist von all- gemeiner Bedeutung und vom Reichsschatzomt zu erwägen: aber die Rente der Reichseisenbahnen wird dazu kaum Veranlassung geben können denn sie reicht kaum zur Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals. Der Abg. Weil! wünschte, daß dem Reichs- tage nur die Ueberschüsse in einer Summe überwiesen werden, die Verwaltung aber und die Bestimanung über die Ausgaben im ein- zclnen ins Land verlegt wird. ES würde das mit dem Bestreben nach einer Reichseisenbahngemeinschaft im Widerspruch stehen, es würde ja eine neue partikulare Verwaltung dadurch ge- schaffen werden. Der Abg. W e i l l erhofft davon eine Verwinde. rung des.PreußentumS" in der Verwaltung, das gar nicht vorhanden ist. vielmehr ist in der Bevölkerung ein Preußenhah vorhanden, der auch in diesen Bestrebungen nach gesonderten Ver- waltungen zutage tritt. Dem Wunsch des Vorredners, die Löhne der Arbeiter denen in der Industrie gleichsustellen. können wir nicht nachkommen; wir dürfe» der Industrie nicht in bezug auf die Arbeiter Konkurrenz machen. Auf die gestrigen Ausführungen des Abg. W e i l l betone ich noch einmal den unerschütterlichen Standpunkt der Ver- waltung, keine Vereine und Bestrebungen bei den Eisenbahn arbeitern zu dulden, die irgend welche Beziehungen zu der Sozialdemokratie haben.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Will(Elf., Z.) wünschte eine zweite Eisenbahnlinie durchs Rheintal zur Entlastung der viel zu stark in Anspruch genommenen Hauptlinie Colmar— Mülhausen, und bittet um Besserstellung der U n t e r be a mben. sie mühten mit den Bostunterbeamten gleichgestellt werden. Die Bestimmungen über die Freifahrten des Statthalter» find reformbedürftig.(Abg. (Soz.s): Er kriegt ja noch etwas dazu; 100 000 M. P e i r o t e s I I Reisespcsen!).— Die Löhne der verschiedenen Arbeiterkategorien bei den Reichseisenbahnen sind durchweg niedriger wie die der Privatbahnen im Kreise Diedenhofen. Auch die Ak- kordlöhne sind zu niedrig: wir finden da noch Löhne von 2,60 M. Diese sollten doch wenigstens auf 3,00 M. erhöht werden. — Bei der Anstellung von Beamten sollte die Verwaltung die im Lande Geborenen nicht so zurücksetzen wie es geschieht. Abg. Jckler(natl.): Wenn man gleich nach dem Abschluß der BesoldungSreform die Bcamtengehalter nicht schon wieder reformieren will, so sollte man den Beamtengruppen, die zu kurz geloinmen sind, persönliche Zulagen geben. Redner geht ausführlich auf die Verhältnisse einzelner Beamtensategorieni ein. Besonders schlecht gestellt sind die Werkführer, die Maga- zinaufseher, die noch dazu eine verantwortliche Stellung inne- haben. Die ungelernten Arbeiter m den Hauptwerkftätten stehen weit besser als die Arbeiter in den Hauptmagazinen und noch schlechter stehen die Arbeiter in den B e t r i e b sma ga zi ne n. Die Akkordarbeit müßte auf jeden Fall bei Reparatur- arbeiten beseitigt werden. Die Nachtarbeit muß höher de- wertet werden als das heut« geschieht. Die Erreichung des Höchst- lohnes ist etwas sehr weit hinausgeschoben, bis auf 24 Dienstjahre, so daß die meisten Arbeiter es erst mit 60 fahren erreichen. Mit 40 Jahren sind die Ausgaben für die Familie doch meist viel größer, daher sollte der Höchstlohn 10 Jahre früher er- reicht werden. TaS Akkordsystem der Güterbodenarbeiter sollte ebenso einer Revision durch Einsetzung, einer Kommission unter. zogen werden, wie das bei dem Akkordsystem der Werkstätten- arbciter bereits geschehen ist. Di« Bahnunterhaltung»- arbeite! sind die Stiefkinder der Verwaltung, sie haben die niedrigsten Löhne, neuerdinyS sind ihnen noch Zulagen entzogen. Dadurch ist unter ihnen eine llnzusriedenheit er- zeugt, die sehr unangenehm werden, kann. Die Rangierer wünschen die Bezahlung von Ueber stunden. Die Arveiter in Luxemburg mochten Frelfahrtschein« auch für da» Ausland. Für die Krankenkossen wünscht man die Beseitigung der drei- tägigen Karenz und die Zulassung der beschränkten, freien Arzt- wähl. Der Herabsetzung desWählbarkeitSalterSzu den A r be i t e ra u»s chü js e n agf 26 Jahre sollte der Minister doch zustimmen, denn wir haben gerade auch unter den jungen, Leuten äußerst tüchtige, die sehr gut als Vermittler zwischen Ver- waltung und Arbeiterschoft wirken können, gerner müssen, die Ausschüsse auch die Befugnis haben, sich der Angelegenheit einzel- ner ausnahmsweise anzunehmen. Das wird da» Vertrauen zwischen Arbeiterschaft und Verwaltung nur heben. Vor allen» aber ver- langt die Arbeiterschaft eine den allgemeinen TeuerungSverhält- nissen entsprechende Lohnerhöhung. DaS Streikrecht können die Eisenbahner nicht für sich in Anspruch nehmen, al» Aequivalent dafür können sie aber eine ausreichende Versorgung verlangen. Wir hassen, daß, wie bisher, so auch in Zukunft ein Vertrauens- veihältni» zwischen den Eisenbohnarbcitern und dem Minister be- stehen wird.(Bravo! bei den Rationallibernlen.) Abg. Werner-Eiietzen,- verbrüchlich fest an der Drittel ung in den Urwahl- bezirken, die allein die unerträgliche plutokratifche Wirkung des Dreilla ssenwa hl rechts mildern und den Wählern die llnbeguemlich- feiten dieses Wahlrechts erträglich machen kann. Der Einführung des RetchStagSwahlrechtS in Preußen stehe» keine schlimmeren Feinde im Wege als die S oz i a l d e in o kr a t c n.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Da? unerhörte Berhalten der sozialdemokratisch«!» Abgeordneten hier muß dioGegnrrschaft gegen daSReichStagSwahlrrcht bei Regierung und Landtag stärken.(Beifall bei der Mehrheit. Zurufe der Sozialdemokraten: Was geht denn das Sic an?| Billiges Argument! Da wird Ihnen das Kapital dankbar sein!) Der Redner protestiert gegen daS„störende" Auftreten der S o z i a l- demokraten. Mr wären ein Kindergespött, wenn wir uns diesen TerroriSmuS gefallen ließen.(Beifall bei der Mehr- heit.) EL gibt keine Zentrumsgewerkschaften. In 'chwerer Stunde haben die christlichen Gewerkschaften die Ehre erdeutschenArbeiter gerettet.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit. Lachen der Sozialdemokraten.) Verleumdungen und 'ozialdemokratischer Drahtzieherterrorismus konnte fie nicht abhalten, den ganz ungewerkschaftlichen Streik(Zu- rufe der Sozialdemokraten: Zu brechen!)... Die Parlamentsver- Handlungen haben mit einer zerschmetternden Niederlage der Sozialdemokratie geendet.(Lachen der Sozialdemo- kraten.) Gegen die Verleumdungen und Beschimpfungen der Sozial- fcJRofi'öüc kann iH nur mit Wal5eck saM: Den Tan unserer Verachtung werden Sie niemals erreichen!(Lachen und erregte Zurufe der Sozialdemokraten. Beifall rechts und im Zentrum.) Minister des Innern v. Dallwitz legt dar. dah die Stadt- tverdung von Steglitz sich durch die notwendigen VerHand- kungen mit dem Kreis Teltow verzögert haben. Eine Aenederung des bestehenden gesetzlichen Zustandes ist nicht nötig, denn er hat Lichtenberg und Wilmersdorf das Ausscheiden aus den Landkreisen sehr gut ermöglicht. Dann erwidert der Minister auf die Beschwer- den des Abg. Hammer über Hausierhandel und Wanderlager. !ver Minister sucht dann zu beweisen, daß keinerlei Bevorzugung von Agrarkonserbativen im Beamtentum stattfinde. Die Kon- fession spielt überhaupt keine Rolle. Die Zahl der nichtadligen Assessoren ist ein Beweis für das. was ich sage. Und die Kreise schlagen eben oft Adlige zu Landräten vor.(Beifall rechts.) Abg. Dr. v. Woyna(fk.): Die Besetzung der Beamtenstellen «erfolgt nur nach der Tüchtigkeit der Anwärter. So allge- meine Klagen wie vom Abg. Bell oder den Liberalen können nicht erhoben werden. Je mehr manche Regierungen oder sogar Dhna- stien vor der Demokratie zurückweichen, um so dankbarer sind wir für die stramme Zurückweisung der Demokratie durch Preußen. Friedbergs Rede erinnerte in ihrer treu- preußischen Art an Bennigsen und die besten Zeiten des preußischen Liberalismus.(Abg. Hoffmann: Herr Friedberg, wird Ihnen nicht bange bei diesem Lob?— Heiterkeit.) Serr v. Z e d l i tz wollte die Freisinnigen nicht beleidigen. Das Volk interessiert sich nicht um den politischen Streit hier.(Abg. Hoffmann: Haben Sie 'ne Ahnung vom Volk?) Das Volk interessiert sich für die Ver- waltungsreform. Die preußische Ruhe, Ordnung und Sicherheit, die von unzähligen Fremden bewundert wird, ist unserer vor- trefflichen Verwaltung zu verdanken. Jeder, der sich anständig benimmt, kann hier ungehindert seinem Geschäfte, ja seinem Vergnügen nachgehen, aber wer sich nicht anständig benimmt, den trifft die Hand der Polizei.(Abg. H o f f m a n n: Siehe Eulen- b u r g l— Große.Heiterkeit, auch auf den Tribünen.) Die Militäranwärter sind ein vortreffliches Material, sie müssen aber für die Verwaltung und Polizei länger als bloß 6 Mo- nate vorgebildet werden. Der Redner regt ein berufsständisches Wahlrecht an. Abg. Dr. Lohmann lnatl.): Der Landrat Dr. v. Engel- mann in Wiehlau ist nicht nur als konservativer Wahlredner auf- getreten, sondern er hat erklärt:„Wenn ich Wirt wäre, würde ich mein Lokal nur den Konservativen zur Verfügung stellen." Und er hat öffentlich für die Wahl des konservativen Abg. Graf Carmer den Dank des Landrats ausgesprochen. Das Zentrum hat in der Tat 1910 auch die Annahme des geheimen und direkten Wahlrechts abgelehnt, wegen der„Haltung der Rc. gierung und der Konservativen". Es geschah aber, weil dem Zen- trum die Freundschaft der Konservativen wichtiger war als seine Wahlrechtsgrundsätze. Wir wünschen nicht die UrWahlbezirks- drittelung, die nur zugunsten des Zentrums und zu un- scren Ungunsten ist. aber keineswegs den plutokratischen Charakter des Wahlrechts abschwächt. Je länger die Wahlreform aufgeschoben wird, desto radikaler werden ihre Forderungen. Unter dem Reichstagswahlrecht würde Zentrum und Sozialdemo- kratie hier den Liberalismus vollständig ausschal- t e n.— Abg. Hirsch hat selbst einmal zugegeben, daß die Sozial- demokraten Wahlterrorismus üben.(Abg. Hirsch bestreitet dies.) Der Redner wünscht dann Maßnahmen gegen die An- preisung von Mitteln gegen die Empfängnis durch die billige Ber- liner Presse und die Generalanzeiger. Diese Maßnahmen sind unerläßlich, denn die Geburten nehmen unnatürlich rasch ab. Wenn Abg. Hammer uns zum Zufammenar- beiten mit den Konservativen auffordert, so verweise ich darauf, daß Sie unsere Anerbietungen nach der Finanzreform zurückwiesen. In der„Kreuz- Zeitung" wird unser Vizepräsident Dr. Krause wegen angeblich versäumter Ord- uungsrufe gegen Dr. Liebknecht in unerhörter Weise angegriffen. Unsere Presse hat den Dr. v. Hehdebrand nie so angegriffen, wie Ihre den Abg. Bassermann. Wir be- dauern aber sehr diese Kluft!(Beifall links.) Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Ich habe nicht alle Landräte anye- griffen, nicht generalisiert. Aber der Minister hat mit väterlicher Milde über die Mißgriffe gesprochen, am Recht lag ihm weniger. Welchen Grund zu der Selbstherrlichkeit, den Zeitpunkt der Wahl- reform zu bestimmen, hat gerade diese Regierung?(Sehr gut! lin�'— Lachen rechts.) Ihre Politik, das erleben Sie ja immer mehr, radikalisiert nur die Massen. Wir fordern die Wahlreform immer wieder, damit sich diese Wunde am Volkskörper endlich schließe. Durch die Zustimmung zur Umkehrung der Wahl- rcform hat die Regierung dem Versprechen der Thronrede zu- widergehandelt. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart— nicht einer fremden Zukunft— wurde die Wahl» rcform bezeichnet!(Sehr wahr! links.) Sie(nach rechts) greifen unser zur Korrektur der Wahlkreiseinteilung ge- schlossenes Stichwahlabkommen in blindem Zorn an, denn Sie sind ja die Leidtragenden!(Lebhafter Beifall links.) Und hat Ihr bundesbrüderliches Zentrum nicht oft und oft die Sozialdemokratie in Stichwahlen unter st ützt? (Stürmische Zustimmung links.) Und Sie im Zentrum: wer im Glashanse sitzt soll nicht mit Steinen werfen. Und die hier so sehr gelobten Nationalliberalen haben in Baden und Bayern den Großblock mitgemacht. Zu dem Zwang, der unser Stichwahlabkomemn schuf, hat Ihre(nach rechts) Sprengung des Bülowblocks und haben die Königsberger Stichwahlbedingungen des Herrn v. Hehdebrand das meiste beigetragen: Diese Mischung von Kautschuk und Dynamit. Die Haltung unseres Zentralvorstandes ist gebilligt und ratifiziert worden von unserer ganzen Partei und unseren Wählern. I n- direkt haben Sie alle bei den Stichwahlen die Sozialdemo- kratie begünstigt! Ihre Stimmenthaltung hat die So- zialdemokratie siegen lassen.(Abg. Schulze-Peltum sk.j: Und was Sfaben Sie getan?) Jetzt rede ich ja von Ihnen!(Große Heiter. Zeit links.) In Varel-Jever werden wir ja Ihren Kampf gegen die Sozialdemokratie sehen! Unser Wesen ist durch das Stichwahlabkommen nicht verändert. Abg. v. Zedlitz hat selbst einen Aufruf erlassen, in keinem Stichwahlkreis einen Fortschrittler zu unterstützen.(Abg. Hoffmann: Sünder seid Ihr allzumal!) lUnd wie hat Bismarck den beispiellos gehässigen, unnationalen, geradezu staatsfeindlichen Kampf der Konservativen, Ihr Versagen beim Ausbau der Reichsversassung geschildert. Wir mißbilligen jede Ausschreitung um des Parlaments und der Sache willen, den Uebermaß nur schaden kann. Gegen die un- parteiische und gleichmäßige Anwendung der entsprechenden Maß- regeln(Zuruf links: Daran fehlt's eben hier!) wird niemand etwas haben. Aber hier darf nicht die Rachsucht sprechen, sondern die kühle Ueberleyung und Besonnenheit!(Weifall links.) Abg. Strosser(k.): Der Kampf gegen die Unsittlich- keit muß noch schärfer werden. In Berlin werden im Jahre mehr Leute überfahren, als mit der„Titanic" unter. gegangen sind. Berlin hat die schlechtesten Straßen- bahnen in Deutschland. Zwischen Fortschrittlern und Sozialdemokraten können die Konservativen keinen Unterschied machen. Beide sind gleich schlimm. D«S- halb ist unsere Stimmenthaltung etwas ganz anderes wie das WündniS des Freisinns.(Beifall rechts.) Ein Schlußantrag wird angenommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es folgen persönliche und GeschäftsorbnungSbemerkunge«. Abg. Hirsch(Soz.): �er Abg. L o h m a n n hat behauptet, daß ich in der Rede vom «1 Oktober 1908 den sozialdemokratischen Terroris- m'u s hier im Hause gebilligt hätte. Ich habe rn dieser Rede zu. aeaeben daß die Sozialdemokraten bei den Wahlen einen gewissen 'Terrorismus geübt haben, aber von einer Billigung des TerroriSmuS Ear gae kein« Rede. Im Geg«n<«kl yake ich mich bemüht, nachzuweisen, daß wir TerroriSmuS mir getrieben haben aus einem Akt der Notwehr. Ich halbe in dieser Rede nachgewiesen, daß auch die Regierung und die b ü r g e r. lichen Parteien Terrorismus üben, und habe mich zum Schluß ausdrücklich als Gegner des TerroriSmuS bekannt, inoem ich wörtlich gesagt habe:„Wollen Sie mit uns den Terrorismus bekämpfen, so soll es uns recht sein; wir werden uns in diesem Kampf als treue Bundesgenossen erweisen."(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. S t r o s s e r hat vorhin gesagt, es gäbe auch heute noch moderne Raubritterburgen, wo die Leute sitzen, die Millionen aus den Taschen des Volkes ziehen. Wahr- scheinlich um das Niveau des Hauses zu heben, hat er hinzugefügt, wenn mein Freund Liebknecht diese Burgen nicht kenne, so möge er sich an mich wenden. Damit hat Abg. S t r o s s e r mir verblümt vorgeworfen, daß ich mit Leuten etwas gemein habe, die dem Volke Millionen aus der Tasche ziehen. (Widerspruch rechts.) Oder aber es handelt sich um eine ganz ge- wohnliche antisemitische Flegelei.(Beifall linls; der Präsident ruft den Wg Hirsch zur Ordnung, worauf die Sozialdemokraten lebhaft protestieren, da er den Abg. Strosser nicht zur Ordnung gerufen hat.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Ich muß es mir verbitten, daß Sie tun, als ob ich parteiisch präsidierte. Abg. Straffer hat niemanden beleidigt.(Erneute Protestruf« der Sozial- demokraten.) Wenn Sie sich beschweren wollen, wenden Sie sich an das Haus.(Abg. Hirsch: An dieses Haus— nee! Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Den vom Wg. Pachnicke be- sprochenen Stichwahlaufrus an die freikonservativen Wähler habe ich ergehen lassen, als ich zuverlässige Kunde von dem Wahl- abkommen der Freisinnigen und der Sozialdemokraten erhalten hatte, das mir damals so erschien, daß ich es gar nicht parlamenta- risch charakterisieren kann. In der Debatte ist mir �vorgehalten worden, daß ich vor Jahren im„Tag" schrieb, es könnte nichts schaden, wenn Sozialdemokraten ins Abgeordnetenhaus kämen. Wenn ich gewußt hätte, was für eine Sorte von Sozialdemokraten hier hereinkommen würden, hätte ich das nicht geschrieben.(Erregte Zurufe der Sozialdemokraten.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Herr Abgeordneter Freiherr v. Zedlitz, das dürfen Sie nicht sagen; ich rufe Sie zur Ord- nun gl(Abg. v. Zedlitz lacht fröhlich und wird von zwei Abgeordneten zu dem Ordnungsruf durch Händeschütteln beglück- wünscht, was die Sozialdemokraten in Zurufen feststellen.) Abg. Dr. Bell(Z.) behält sich vor, auf die unzutreffende und ungenügend« Antwort des Minister? auf feine Paritätsbeschwerden zurückzukommen. Abg. Leinert(Soz.): Nachdem der Wg Dr. Liebknecht gesprochen hakte, haben 12 Redner der bürgerlichen Parteien gesprochen, die mit wenigen Ausnahmen lediglich gegen uns polemisierten. Da wundern Sie sich noch darüber, daß wir Z w i f ch e n r u f e machen! Wenn Sie nun die Debatte geschlossen haben, so mißbrauchen Sie damit die Macht, die Sie zwar im Parlament, aber nicht draußen im Volke haben, um uns, einer hier zwar kleinen, aber draußen sehr großen Partei die Erwiderung auf Ihre Angriffe, Beschimpfungen und Beleidigungen der Sozial. demokratie unmöglich zu machen.(Präs. Dr. Frhr. v. Erffa: Das ist doch«in starkes Stück, sich jetzt über den De. battefchluß zu beschweren, nachdem Wg. Liebknecht zwei Stunden lang das ganze Hau? provoziert hat!— Großer Bei- fall rechts.— Abg. Dr. Liebknecht: So redet der Präsident! Ist das nicht unerhört?) Wg. Leinert(fortfahrend): Die Tatfache dieses Wortabschneiden» kennzeichnet jedenfalls den Mangel an Mut. den Sie hier vor unseren Entgegnungen entwickeln. Das Volk draußen wird erkennen, daß da» Recht auf unserer Seite ist. Durch die Herbeiführung de» Schlusses der De- batte haben Sie sich ge brandmarkt.(Lärm rechts. Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Freiherr v. Erffa: Sie haben überhaupt keine Kritik an einem durchgeführten Beschluß de» Hause» zu üben, jedenfalls aber nicht eine solche Kritik, ich rufe Sie zur Ord» n u ng. Sie sagen— und e» ist gewiß auch so—, daß der Präst- dent die Minorität zu schützen hat, aber er hat auch die Majorität gegen den Terrorismus der Minderheit zu schützen. (Bravo! rechts.) Abg. Dr. Liebknecht(Eoz.): Die ganze Art, wie Sie bei dieser Debatte die Rednerliste ge- staltet haben, war typisch. Sie haben an die Spitze der Redner- liste einen Freisinnigen und einen Sozialdemokraten gestellt, dann sind Sie Mann für Mann in zwei bis drei Se- rien über die Sozialdemokraten und speziell über mich hergefallen und schließlich haben Sie uns die Möglichkeit der Erwiderung ab- geschnitten. Glauben Sie. Ihr Verhalten vereinbaren zu können mit den Grundsätzen der Ritterlichkeit und de» AnstandeS?(Lachen rechts.) Ich habe doch nicht im entferntesten so viel geredet, als alle diese Herren, die nichts anderes getan haben, als die Sozial- demokratie anzugreifen. Unter solchen Umständen der angegriffenen Partei nicht einmal die Möglichkeit zu geben, zu er- widern, ist unerhört und bedeutet einen ungewöhnlichen Mißbrauch der brutalen Majorität. die Sie hier haben.(Beifall bei den Sozialdemokraten. Lärm rechts.) Sie haben sich in ohnmächtiger Wut ausgetobt gegen uns.(Beifall bei den Sozialdemokraten. Lärm rechts.) Es ist schließlich kein Unglück, wenn wir nicht nochmals zu Wort ge- kommen sind. Ske haben zwar gegen uns gedonnert, aber es war nur Theaterdonner und Platzpatronenfeuer und schließlich haben Sie noch den besseren Teil der Tapferkeit gewählt, daS Hasenpanier ergriffen und uns das Wort abgeschnitten. Das wird Sic in der Oeffentlichkeit blamieren bis auf die Knochen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Lohmann(natl.) will nächsten» beweisen, daß er und nicht der Abg. Hirsch recht hat. Ueber die Aufstellung der Rednerliste entspinnt sich noch eine kurze Erörterung zwischen dem Schriftführer Abg. v. Wen. den(kons.), dessen Angabe, daß Dr. Pachnicke mit seiner Stellung an die Spitze der Rednerliste einverstanden war, von diesem be- stätigt wird, und Dr. Liebknecht, der nochmals auf die Absicht hin- weist, die Opposition zuerst reden zu lassen und ihr dann, nachdem sie von allen Seiten angegriffen worden, die Antwort abzuschneiden. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Im Verlaufe der Debatte ist eine solche Fülle von Unwahr- h e i t e n und Verdrehungen über mich ausgesprochen worden, daß ich eine Stunde brauchen würde, um alle diese provokatorischen, demagogischen Böswilligkeiten anzunageln. Das würden mir die böswilligen demagogischen Provokateure unmög- lich machen.(Der Präsident ruft den Redner zur Ordnung.) Eine ganz besonders bösartige Verdrehung meiner gestrigen Rede aber hat sich der Abg. Hammer geleistet, der behauptete, ich hätte das deutsche oder preußische Volk beschimpft. Ich habe nichts weiter getan, als meinem Gefühl der Empörung Ausdruck gegeben. gegenüber der russischen Regierung, die ich als eine der barbarischsten und verächtlichsten von Europa bezeichnet habe. Bei all meinen Angriffen auf die preußischen Verhältnisse habe ich kein Wort gegen das preußische Volk gerichtet. Ich habe im Gegenteil im Interesse des preußischen Volke« Stellung genommen gegen die Verwaltung und die staatlichen Zustände und dos Volk wird verstehen, weshalb wir Sie in dieser Weise angreifen und weshalb wir darüber lachen, wenn Sie uns angreifen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hammer(K.): Der Abg. Liebknecht behauptet, ich hätte ihn verdächtigt. Ich habe nur das von ihm gesagt, was er soeben bestätigt hat.(Heftiger Widerspruch der Sozialdemokraten.) Im übrigen ist eS mir vollkommen gleichgültig, was Sie dort drüben sagen.(Schallendes Gelächter links.) 9a9 Haus geht über jn, vrfprechuug de» N-rdfchle«wt»schen Fr«»«. Abg. Rissen(Däne) kritisiert die ungerechte und unwürdig« Hinausdrängung der Optantenkinder aus Nordschleswig, wenn sie sich ohne behördliche Erlaubnis verheiraten. DaS führt natürlich nur zu wilden Ehen. Die ftüheren Ausweisungen aus dem Kreise verstießen gegen daß FreizügigkeitSgesetz. Jetzt weist man sie aus dem Staatsgebiet aus, bringt sie aber nicht an die Grenze, sondern droht ihnen mit Polizeistrafen und Pfändungen, wenn sie nicht Preußen verlassen. So umgeht man die internationalen Ver- einbarungen mit Dänemark. Die Massenpetition gegen diese Poli- tii ist von 33 000 Personen, darunter viele deutsch gesinnte, unterschrieben. Minister v. Dallwitz: Die Regierung hat in entgegenkommend- ster Weise von 1880 bis 1893 über 13 000 Optantenkinder naturalisiert hat. Als die Optanten aber vor der Aus- Weisung sicher waren, begannen sie in unverfrorener Weise eine deutschfeindliche Agitation zugunsten der LoStrennung Schleswigs von Preußen. Nach diesen schlechten Erfahrungen können wir im Interesse des Deutschtums nicht immer die Nieder- lassung jener Heimatlosen in den national umstrittenen Teilen zulassen. In anderen Gebieten wird die Niederlassung nicht er- schwert. Die dänische Partei veranlaßt diese Leute aber, sich hart- näckig in den vier national umstrittenen Grenzkreisen aufznhnlten, weshalb wir sie ohne Härte aus diesen Pier Kreisen ausweisen müssen. Montag 11 Uhr: Weiterberatuxg. Schluß% B Uhr. StteNlMI?. Dortmund, 25. April.(Gig. ßn.J Wie mechanisch arbeitet der StreikjustizmechaniSmuS weiter. Einige hundert„Verbrecher" find in Tvrtmund nun abgeurteilt und es wird am Landgericht von noch über700Fällen geredet! In die öde Gleichförmigkeit der Urteilsbegründungen kommt doch ab und zu immer wieder'einige Abwechselung, wenn eS glückt, ein neues Wort oder eine neue Gebärde zu einer Streikbrecher- Majestätsbeleidigung zu stempeln. Auch allerhand sonderbare Fehler und Irrtümer laufen bei der Massen- und Schnellstreil- justiz immer wieder mit unter. So stellte sich vor der 1. Streik- kammer in Dortmund zweimal an einem Tage heraus, daß die Sünder„durch ein Versehen" vor die Strafkammer gezerrt worden waren, daß dagegen der EröffnungSbeschluß die Verweisung vor daS entsprechend« Schöffengericht vorsah. Wie eS geschehen konnte, daß diese Versehen erstinderHauptverhandlung. wo der ganze Apparat in Funktion gesetzt war, entdeckt wurden, daS gehört mit zu den vielen Besonderheiten der Streikjustiz. Geben wir nachfolgend noch einige Momentbilder von der Dort- munder Streikjustiz der letzten Tage. In einer Sache wies der Verteidiger darauf hin, daß im Reichstage selbst Redner weit rechtsstehender Parteien die Streikurteile al» sehr hart be- zeichnet hätten. In der Urteilsbegründung— natürlich wurde der Streikende wieder verdonnert— wie» der Vorsitzende Land- gerichtSdirekwr mit erhobener Stimm« darauf hin. daß der Per- teidiger„politische Motive in den Gerichtssaal getragen" Habel DaS war derselbe Vorsitzende, der immer wieder auf? neue betont, die Arbeitswilligen müßten ganz be- sonders geschützt werden! Das sind ja nach der Ansicht der Richter rein sachliche Mottve, nur steht nirgends ge- schrieben, daß eS eine ganz besondere Streik« brecherehre gibt! In einer anderen Sache konnte ber.beleidigt«" Streikbrecher nicht bestimmt angeben, wer etwas gerufen hatte. Da wollte der Staatsanwalt dem nützlichen Element die Kosten für seine.grobe Fahrlässigkeit" aufhalsen. Der Zeug« bekundete aber, daß er seine Bedenken schon gleich auf dem Amt vorgebracht habe. Dann wollte der Staatsanwalt den protokollierenden Beamten geladen wissen. DaS Gericht nahm die Kosten aufdieStaatS- kaffe. ES glaubte, daß der Streikbrecher feine Bedenken bei der Anzeige gleich vorgebracht habe und es war auch der Anficht, daß dieser Umstand nicht erschüttert werde, wenn sich der vernehmende Beamte als Zeuge.nicht mehr er- inner n" könne.— So kam es zur Freisprechung. Der Fall zeigt wieder recht kraß, wie die Anklagen oft zustande kommen. Fälle, wo sich die polizeilichen Protokolle nachher al» wenig fach- gemäß, aber mit desto mehr staatS- und streikbrechrrrettendem Eifer aufgenommen Heransstellen, kommen vielfach vor. Zum ersten Male wurde(an der 2. Streikkammer) ein A v>« spucken nicht al» beabsichtigte Beleidigung gewertet; der Sünder wurde fmigesprochen. Er wird e» wohl trotzdem»nicht wieder" tun. Ein Streikender, der wußte, daß beim Militär Unteroffiziere wohl als.Spinner" bezeichnet werden, erkundigte sich bei zwei Gefreiten, wie ein»Einjähriger" und»Unteroffizier der Referve", der sich rühmlichst hervortat, wie dieser Spinner heiße. Die Missetat wurde instanzenmäßig bi» vor den Hauptmann gebracht. Der soll, wie der Einjährige kund und zu wissen tat,.furchtbar aufgebracht" gewesen sein und der Schwerverbrecher hat wegen dieser Aufregung 5 Wochen in UntersuchangShast»efrffe»! Als deutscher ReichSangchörigerl Ist so wa» erhört? Da» Gericht konnte sich keinen VerS darauf machen, wa» denn nun«tt dem „Spinner" eigentlich gemeint sei; der Verteidiger, ver mh die unbegrenzten Möglichkeiten der Streikjustiz nicht kannte, war so altmodisch, zu bewnen, daß doch vorerst auch objektiv eine Be- leidigung vorliegen müsse. Der Staatsanwalt ahnte, daß»ein gewisser Spott" in der Bezeichnung als.Spinner" liege und er beantragte 4 Wochen Gefängnis. Da» Gericht erkannt- auf Z Wochen und ließ.dahingestellt", wa» mit dem.Spinner" gemeint fei. Die Bezeichnung, hieß e». sei aber u hau lässig? Also eine Beleidigung, bei der et dahingestellt bleibt, ob beleidigt worden ist! Zwei Streikende sollten einen Streikbrecher beleidigt habe«. Der Zeuge konnte nur angeben, daß ein Haufe von zirka 20 Per- sonen an seiner Wohnung vorbeigezogen und daß an» dem Haufen gerufen worden sei. Wer gerufen hat. wußte der Streikbrecher nicht. Der Staatsanwalt wollte die beiden Angeklagten aber so leicht nicht loslassen, er hielt sie gewissermaßen der»Mittäter- schaft an einer gemeinschaftlichen Beleidigung' für überführt und er mewte weiter, da» gemeinschaftliche vor« überziehen grenze an.oufrührertsche» Znsammenrotten". Selbst die 1. Streikkammer konnte aber de» Phantasie. vollen Staatsanwalt nicht folgen; die Sünder wurde» frei« gesprochen. In einem Fall liefen zwei Streikbreche» an einem Tage in verschiedenen Sachen als.Beleidigte" herum. Die 1. Streikkammer verurteilte eine Frau auf die Angaben der beiden hin. die 2. Kammer glaubte den Entlastungszeugen mehr und ließ das Pagr gbfgllgz, ---»»»i, f Unjetent ZahlabendwirtTmossw • und Genossen öS LZioin»« \ M« besten Glückwünsche zur Silberhochzeit. Genossinnen und Genossen Ides Bezirks 623. mwmwwwmm��wwwwmwmm* 1 Ntofite für eleg. Maßanzüge, Ulster, Paletots, Oamenkostiime Mir. 3,— 6,— M. Tuehlager Koch& Seeland G. m. b. H. GBrtraodtenstr. 20-21�VÄbe: «erzöge»«ach Monbijouplatz 11 Dr. Max Blamenttaal Prot. Dr. A. Hildebrandt 12-1. 221/6 Ch irur«. Orthopäd. Anstalt. Illlo» Saelkers 5e8tsäle �Veberstr. 17. Tel.: Amt Königstadt 13 414. Empfiehlt seine Säle zu Versamm« Zungen und Festlichleiten jeder Art. Kleine und große Säle, großer Garten mit seststehender Theaterbühne sowie große Verewszimmer stehen den geehrten Gewerkschaften und Bereinen jederzeit zur Bersügnng. Ergebenst Anton Boeker, Weberstraße 17. Oss 1. Mal bleibt mein«e- schäf» von S Uhr»b gelchlofien. V. 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NachmMagS 3 Uhr: ReueS DolkS-Theater. Der Stetster. Hochschule in Charlottenburg: DeS Pastors Ricke. Schiller-Theaier 0.: vir Probe- kandidaL Schiller- Theater Tharlottenbg. Don CarwS. Mclropol-Theater: Dt» fl einen Lämmer.— Dorothea. Trianon-Theater: Mew Babtz. Neues Operetten- Theater: Der Gras von Luxemburg. Theater in der Königgrätzer Straße: Ew Fallissement. Kleines Theater. Der Letbgardtst. Abends 8 Uhr: Rems volkS-Theater: Der KinigS- leutnanL AbendS 8'/, Uhr: ReueS VolkS-Theater. Montag, DienS- tag, Miltwoch, Freitag: Der Meister. Donnerstag- Der Raub der Sa- binerinnen. Hochschule in Charlottenburg:»eo- graphte und Liebe._ Sehiller-TbeaterO.zS: Sonntag, nachm. 3 llbr: Der Probehandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Jttdln von Toledo. Montag, abends 8 Uhr: Die Jttdln von Toledo. Dienstag, abends 8 Uhr; Der scharte Jnnker. Sehiller-Theater ChabuS.en Sonntag, nachm. 8 Uhr: Don Carlos. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Kompagnon. Montag, abends 8 Uhr: l,. Uhr: Wiener Blut. Residenz-Theater. Dtreltion Richard Alexander. Nachm. 3 Uhr: Ei» Walzer von Ehopi». 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequtn und K. Mitchell. Morgen u. folgende Tage: Alle» für die Firma Luisen-Theater. Täglich 8 Uhr: Ach lasse Dich ntcht. Sonntag 3 Uhr: Wilhelm Dell. Metropol-Theater. Nachmittags 3 Uhr- Dorothea. Die kleinen>-lwmer. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. »in Phantastisch musikalische Komödie in 8 Alten nach M. Ambicnt u. M M. Thompsons»The ArcadianS", völlig frei bearbeitcl von I. Freund. Musik von L. Monlton, Howard Talbot und R. Nelson. Tänze von W. BiShop. Ja Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Urania. Wueennchaftlichee Theater 4 Uhr: Tob Abbaasla bis Oerln. 8 Uhr: WeMbider an europäischen Küsten. Montag 8 Uhr: Ten Abbazla bis Corfn. jDas vereinte! Riesenpaar Brünhild und Dnsorc 1 Deute chlanda Frankreich I | Hede, lillS LOwenmädctien; halb Menaeh— haHi Anlinal lebend cn sehen Ohne Extra-Entree.> Pissitge-Ur. 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April täglich ab. llß U.: Im Krug zum grüneu Kranze und das glanzvolle Spezlalliiien- Programm.— Borzugskarte» Hab« a» alle« Wochentage» GüMgkett. P. P. S. Berlin n. Umgegend. Mittwoch, de» 1. Mai, im Saale a- Garten des(Benoffen Wilke, Sebastiaustraße 39: Maifeitt dn polnifdjtn(Btnoftn. Anfang de« Konzerts 3 Uhr nachmittags. SwtrM SS Pf. Um rege Teilnahm« ersucht Das.ägltatlonskemltee. ff ClOll" BerUner Konzo-thaua. Mauerstr. 82 Zimraerstr. 90/91« Schluß: l«etzter Abend! Großes Abschieds-Doppel-Konzert!!! Adoll Becker, Musikm. m. d. Musik«. Kais.-Prz.-Grde.-Gr.-Regts. und ]IIahlmanii-£lite-Orehester. Dmg. Karl Mahlmann. Anfang 5 Uhr. KgL Preoss. O. EgL Sachs. Kapellm. a D. Anfang 5 Uhr. Brauerei Friedriehshain am Kttnlgstor. Hente Sonntag: ÄuIleroFöenllielies Konzert der Httnaereesangverelne ,JL�rebe" nnd„Gesnndbmnner T,HarmonleM Chormeister: Schalk«». 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Ukinige Fabrikanten auch dar allbeliebten Verkaufsstellen durch Plakate erkenntlich. Fabrik-liriederlage für BerUn und Tororie: J o k. Sehmalor, Berlin M. 4, Tleeb«trafie 11. Verantwortlicher Redakteur: Albert Vach», Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Porwärt» Buchdruckeret n. Ve clagSanstalt Paul Singer 8. Co, Berlin SW. Nr. 99. 29. Iahrgavg. 8. Scilnjt Ks Jorniärts" ßttliiitr MllisdlM. Somtaz. 28. Jftü 1912. Aittkchaftlichei' Wochenbericht. Vom Stahlwerksverband. Die Freude an der zurzeit günstigen Konjunktur hindert in industriellen und kommerziellen Kreisen nur ein Moment: die Unsicherheit über die Erneuerung des Deutschen Stahl- Werksverbandes. Acht Jahre lang, seit Ende Februar ISlM, sicherte dies in Teutschlano neben dem Rheinisch-Wcstfälischen Kohlenshndikat wichtigste Unternehmermonopol den angeschlossenen Werken die Herrschast über die Konsumenten. Bei seiner Gründung gehörten ihm 37 Werke an. Heute vereinigt es, infolge von Fu- sionen einzelner Betriebe, 31 Werke. In ihnen finden sich die bedeutendsten Bergwerks- und Hüttenbetriebe vereinigt: Gelsen- kirchcn, Thyssen A.-G., Phönix, Rheinische Stahlwerke, Deutsch- Luxemburg, Saarbrücken, Gebr. Stumm, de Wendel, Rombacher Hüttenwerke, Düdclingen, Lothringer Hüttenverein, Rumelingen, Bochum« Verein, Krupp u. a. Die Jndustriemagnaten Kirdorf, Thyssen, Krupp-Booenhausen, Hilger, Stumm, de Wendel sind die Herrscher des Verbandes. Im Jahre 1307, als der Verbandsvertrag zum erstenmal verlängert wurde, vertrat der Verband ein 5kapital von über I�Milliarden Mark und beschäftigte insgesamt über LOO 000 Arbeit«. Für den heutigen Stand sind diese Zahlen noch erheblich zu erhöhen. Im Besitz dieser großen Macht hat er von jeher eine harte Herrschaft ausgeübt, über Arbeiter und Kon- sumenten. und ein Vertreicr der die Erzeugnisse des Verbandes abnehmenden Fertigindustrie hat geradezu davon gesprochen, daß der Stahlwcrksverband im„Parademarsch über Leichen" einherschreite. Trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung haben inner- halb des Verbandes von vornherein stark gegensätzliche Interessen bestanden. Schon bei der Griindung, d« allerdings durch mannig- fache Syndikatsbildungen in der Eisen- und Stahlindustrie vor- gearbeitet war, suchten Krupp und Phönix durch ein Sträuben bis zum letzten Moment hohe Beteiligungsquoten an der kontin- gentierten Produktion zu erzwingen, und Phönix ist erst— durch die Macht d« Großbanken dazu gezwungen— einen Monat nach offizieller Gründung in den Verband eingetreten. Die Organisation des Stahlwerksverbandcs sieht eine Kontin- gentierung der gesamten Produktion an Stahl vor, gleichgültig, nach welchem Verfahren er hergestellt wird. Eine Gruppe(Produkte A] imiß an den Verband verkauft werden; dazu gehören Halbzeug (Blöcke, Breiteisen), Eisenbahn-Oberbaumaterial(Schienen, Schwellen) und Formeisen(T- und 11-Eisen). Die andere Gruppe (Produkte v) können die Werke selbst verkaufen; dazu gehören Stabeisen, Walzdraht, Bleche, Röhren, Guß- und Schmiedestücke. Der Verkauf der /V.Produkte geschieht vom eigenen Stahlhof des Verbandes aus. Um größ«en Einfluß auf den Zwischenhandel auszuüben, hat der Verband von Großhändler-Vereinigungen im Inland und Ausland gefordert: Die Händl« sind durch Konven- tionalstrafcn gebunden, ihren gesamten Bedarf beim Verband zu decken. Für die V-Produkte ist eine starke Annäherung von Werken zu Händlerfirmen eingetreten. Jedes Werk sucht sich durch Fusion oder durch Neugründung eine Handelsfirma anzugliedern, so daß der Eisenhandel von den Rohproduzenten abhängig wird und der Betrieb selbst(insbesondere in den gemischten Wttken) alle Stadien der Produktion, von dem Kohlen- und Eisenbergbau über die Verhüttung der Erze, die Umwandlung in Rohstahl und weiter- verarbeitete Formen nebst dem Bertrieb übernimmt. Daß der Verband sofort alle Machtmittel benutzte, um seine Stellung zu einem vollen Monopol auszubilden, braucht eigentlich .nicht besonders erwähnt zu werden. Schon nach einem Jahr des Bestehens wurden in den Verhandlungen über Kartelle im Mini- sterium des Jnn«n(Juni 1905) von all«i Beteiligten die leb- haftesten Klagen und Anklagen erhoben. Durch Einrichtung von Frachtvororten(von denen aus erst die Fracht für die Abnehmer berechnet wird) dicht neben den Konkurrenzen, durch Bindung oer Lieferung an die Bedingung der Gesamtabnahme vom Verband wurden die Außenseiter niedertonkurriert. Die letztgenannte Matz- nähme hielt auch den Verbraucher an den Verband gefesselt. Die Kunden klagten zudem über bureaukratisch-autokratischcn Verkehr von feiten der Vttkaufsstelle, über mangelhafte Jnnehaltung der Lieferungsverträge. Aussuhrvergütungen und niedrige Preise für die Exportware dienen auch hier der nationalen Produktion. Im Jahre" 1911 wurden allein 0 095 000 Mark Ausfuhrvergütungen ge- zahlt. Die Spannung zwischen Inlands- und Auslandspreise wird für einzelne Stahlsorten auf 20 Mark pro Tonne angegeben. Die weiter verarbeitenden Werke klagen weiter darüber, daß die Aus- fuhr noch zum größten Teil von ihnen selbst im Inland verbraucht werden könnte. Zu Zeiten stellte sich die Spannung so, daß es für die Ferftgindustrie billiger war, Weißblech aus England zu beziehen, das vom Stahlwerksverband dort eingeführt worden war, als vom Verband direkt zu kaufen! Auch die Arbeiter leiden natürlich unt« einem Privatmonopol. Bei Streiks verteilt der Verband die Quote des ruhenden Werkes an die am Streik unbeteiligten Betriebe. Es ist daher Irre- führung, wenn von den Syndikaten gesagt wird, sie kümmerten sich nicht um Arbeiterverhältnisse. Die Taffache, daß die Monopol- verbände jegliche Produktionseinschränkung als Gesamtheit tragen, verschlechtert die Stellung der Arbeiter. Professor Wagner enb- gegnet daher mit Recht auf die Behauptung, durch die größere Stetigkeit der Produktion gewinne auch der Arbeiter:„Wir dürfen nicht übersehen, datz so auch der Klassengegensatz durch diese Entwickelung außerordentlich geschärft ist, daß die Arbeiter jetzt großmonopolistischen Unternehmungen gegen- überstehen... Diese Entwickelung führt zu einer immer st ä r k e- rer Konzentraiion von Reichtum, Vermögen und Einkommen auf der einen Seite, zu immer stär- keren Klassengegensätzen auf der anderen Seite." An der Frage der Erneuerung des Stahlwerksverbandes ist die Arbeiterschaft daher direkt interessiert. Obgleich der VerbandSverlrag am 30. Juni d. I. abläuft und die Erneuerung schon vorher, am 30. d. M., perfekt sein muß, haben die beteiligten� Werke untereinander noch keine Einigung über die Grundlage der weiteren Ab- mackmngen erzielt. ES ist nicht nur so, daß jedes Werk Schritt für Schritt um eine möglichst hohe Quote kämpft. Es liegen auch eine Reihe von Gegensätzlichkeiten vor, die in der Entwickelung der Stahl- industrie ihre Ursache haben. Die technische Voraussetzung für die Entfaltung der deutschen Eisenindustrie und damit der Begründung des Stahlwerksverbandes war die Ersetzung des bisherigen Besienicr-Verfahrens durch das Thomas- und da§ Siemens-Martinverfahren, die erst eine volle Ausnutzung der stark phosphorhaltigen Eisenerze Deutschlands ge- statteten. Zwischen den nach verschiedenen Methoden arbeitenden eine Konkurrenz. Für allen kommen im wesentlichen die Betracht; trotzdem müssen die mit zu den Allgemeinkosten, also auch den recht beträchtlichen Ausfnhrv«gütungcn mit beisteuern.— Daher verlangen z. B. die Westfälischen Stahlwerke als Martin- werke eine Sonderstellung. Eine Erschwerung der Verhandlungen tritt weiter dadurch ein, daß mit vielen Werken Sonderverträge abgeschlossen waren, von denen man jetzt nicht lassen will. So hatte bisher die Deutsch- Werken besteht noch heute Massenverkaus ins Ausland großen ThomaS- Werke in kleinen Siemen?« Martinwerke Luxemburgische Bergwerksgesellschast ein Monopol auf breitflanschige Träger(sogenannte„Grey-Träger"). Die Patente laufen zwar in diesem Jahre ab, und andere Werke haben sich bereits für die Her- stellung solcher Träger vorbereitet. Aber Deutsch-Luxemburg soll seinen Vorrang doch durchgesetzt haben. Der Oberschlesische Stahlwerksverband, der sich dem großen Vcr- bände angeschlossen, hatte seine L-Produkte ebenfalls dem Düssel- dorfer Syndikat zum Verkauf überwiesen(seine Produktion fiel also in die �.-Produkte). Jetzt fordert er eine Sonderabrechnung für seinen Anteil. Krupp liefert den Mannesmann-Werken nach einem besonderen Vertrag Halbzeug(Gruppe A), die aus der künftigen Beteiligung ausgeschieden werden müßten. Nun verlangt Krupp dafür eine ent- sprechende Prozentquote in Röhren(Gruppe B). Der wichtigste Differenzpunkt ist überhaupt der, wie die Beteiligung in A- und B-Produkten gestaltet werden soll. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß sich das Verhältnis von A- und B-Produkten und deren Bedeutung für die Werke stark verschoben hat. 1904 betrug die Beteiligung in A-Produkten 4,059 Millionen Tonnen, in B-Produkten 3,447 Millionen Tonnen. Im Jahre 1911 stehen die B-Produkte mit 0,182 Millionen Tonnen den A-Produkten mit 0,259 Millionen Tonnen ganz nahe. Ein Teil der Werke(Gelsenkirchen, Thyssen, Rümelingen) haben durch Erweiterungen sich auf die Erzeugung von A-Produkten eingerichtet und fordern hier höhere Quoten. Eine Reihe anderer Werke unter Führung Krupps wünschen dagegen volle BewegungS- freiheit in allen B-Erzeugnissen. Diese numerisch überlegenen Werke wollen daher die Kontingentierung in B-Produkten gern ganz ausgeben, und nur an der von A-Prijdukten festhallen. Kirdorf und Thyssen stehen also Krupp gegenüber. Thyssen hat dagegen vorgeschlagen, nicht in Anspruch genommene BeteiligungSmengcn von den Quoten ganz zu streichen. Hinzu kommt, daß die B- Fabrikanten sich größerer Konkurrenz ausgesetzt sehen. Die Mannes- mann-Gruppe als Außenseiter unterliegt keinerlei Beschränkung in der Fabrikation von Röhren. Auch eine Zahl von Blechwerken produzieren in voller Freiheit. Da die Nachfrage nach B-Erzeugnisscu infolge der günstigen Konjunktur nicht nachläßt, wollen die Werke wenigstens diese Periode voll ausnutzen. Bis Dienstag muß ja die Frage entschieden sein. Irgend eine der Möglichkeiten wird dann gewählt sein, Syndizicrung auch von B oder nur von A. Daß man den Verband überhaupt fallen lassen wird, wie von den Freun- den der B-Kontingentierung gedroht wird, halten wir nicht für wahrscheinlick; obgleich die VerbaudSerneuerung in der Eisen- industrie an Wichtigkeit durch die zahlreichen Fusionen verloren hat. WasserstandS-Nachrichten Wasserstand M e m e l. Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bcrby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow•) Spree, Spremberg') . Beeskow W e ser, Münden . Minden Rhein, MaximiltanSau , Kaub . Köln Neckar, Heiwronu Main, Wcrtheün Mosel, Trier —•) Nntcrpegel. am 26. 4. cm 78 56 128 70 82 140 220 364 165 154 60 131 54 s-It 25. 4. cm1) -4 0 —2 0 —1 0 —6 —4 — 4 — 6 —4 —3 -7 Selbstkostenpreis Jr Iß 0/o Selbstkostenpreis+10% Herren- Anzüge ans prima Lberlot- n, Kammgamstolken, in gemutert, uni blau und marengo, zwei- und»inreihlg, naob den noneitenUodellen, auf prima Zutaten gearbeitet Selbstkostenpreis.. M. 13.80 17.15 22.20 29.75 38.501 4-10%DinaatzproTis.: M. 1.40 1.75 2.25 3.00 3.85 nsw. bU75M., -—-—-—----—-> in all. Grössen Vcrkanfspreis... M. 15.20 18.90 24.40 32.70 42.301 |l_____ Dnlnirt+n*ns schwarzen und marengo Cheriot- n. Kammgarn nnii 8+10.1-1018«'offen. Sport-Paletota an« la Cover-Coat n. Phantasie Stoffen, teilweise auf Seide erstklassig Terarbeitet. Selbatkoetenprei».. M. 16.20 24.00 32.00 38.00 48.001 +10%Dmsatzprovis.! M. 1.65 2.40 3.20 3.80 4.80 nsw. bls72M.. ----——----■> in all. 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Treffpunkt der Glasschleifer und Glasbläser um 9 Uhr im VcrtehrSIotal, Alte Jakobslr. 26, bei Lobann. ilrnonliiteiisa iksin»»!,» Gruppenversammlung: Nortbranerei(kleiner Saalt. am Tempekhofer Berg. mupljlinjrs wnurrur. vormittag» 10 Uhr. Ncscrent: Genosse P. Barthcl. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdruckerei.Hilssarbcitcr und-Arbeiterinnen Schrift- gießcr. Photographen, Stercotypeure, Lithographen und Slcindrnckcr, ekylographen� Formftechcr und Tapeteudrucker kommen in der Gruppenversanimlung zusammen. fiandltMlisgeliilfkii uud-Gehilfinveu, Kallßtule, Lagerhalltr. Mus»«.-«�».*°i,.7. Wilhclui-Str. 18iu. Rcicrcnt: Dr. Rudolf Breitschetd. Handels-, Transpart- und Verkelirsgeiiierbe. Hausdiener, Handelshilfsarbeiter. Geschäfts-, Arbeits- uud Droschkenkutscher, Hafen- arbeiter kommen im VcrlqmmIungSIolal zusammen. Referent: Genosse Dr. Moses. Kretterträger, Plalzardtitrr, lrältkutsäikr, Hilfsarbriter und Hansdirntr aus der »1>(il>,n>>„itrift Vormittags 10 Uhr im Königstadt-Kasi»». Holzmarktftr. 73(oberer Saal). Referent: tlill�llliillllli». Kollege H. Varwig(Bremen). Sptichrrarbkittr, Mrhlbutslijrr, Müllbutscher und 5lljaffurr utw. Holzmarktstr. 72(unterer Saalt. Rctcrcnt: Kollege Lteo Ritschke. Lkitkrgrrnlibauer, fiaudtnilifahrrr. 39 Feuitkr- und Welßnapllher. Uhr b°��crs.ei.��-,ie�Jatobi.r. 75. Referent: F»>i»rl,oarli->it»„a Gruppenversammlung vormittag» 10 Uhr bc: Schmidt, Prinzcnallec 33. Rcscrent: Irvrtvrnrvrnung. Genosse M. Kiesel. Lohgerber, Weistgerbcr. Lederzurichter, Lederfärbcr und Handschuhmacher gehen direkt in die Gruppenversammlung. Nahrungs- und Gtnußmitlkl-Gewfrbe."■ Brauerei- und Muhlenarbcitcr, Gaftwirtsgrhilfcn und t5af«1-A»gcstellte. Gehen direkt zur Veriammlung. Hotcldiencr. Vormittag» 9 Uhr im VcrbandSIoknl.?!m Wcidcndamm 1a. »pleischer. Treffpunkt der Kollegen um 9 Uhr im Berkchrstotal von s�rip Wächtler, Elisabcthstr. 11. Friseure, Barbiere, Gärtner, Musiker, Tabakarbeiter und-Arbeiterin neu und Zigarren- sortierer gehen direkt in die Bersaurmlung. Schneider nnd S chnrideriunen, Wäsche- u. Kralvattenarbeiterinnen n. Zuschneider. Vormittag» 10 Uhr: Kellers Neue Philharmonie..Köpcnicker Slr. 96/97. Res.: Genosse Giebel. Treffpunkt der Wäsche-, Krawatten-, Bluien-, Regligä-, Korh ll- und Schürzcnbranche sowie der Plätte- rinnen und Wäscherinnen vormittag» 3 Uhr in de».Luna-Sälcn', Neue Königstr. 7. Asphaltenre nnd flappdachdecher. Treffp»»«: Gewrrkfchaftshaus. Köcher nnd tionditore».®0imHtaaä 11 u§c®tl"a6c 117' Kulifr. Vormittag»(0 Uhr in den Konkordia-Festfälett, Andreasstr. 61. Rcscrent: Genosse R. Leopold. Gips- und Zeinentarbeiter.»««-«-«. m m- m«. Aal;., Stein- und Gips-Sildhauer-und Modelleure. I&'Ä i� 5l�0mt,rn' Referent: Genosse(S. Tittmcr. Unatcfiotiof Vormittags 10 Uhr im Arbcitsnachw eislokal. Stralauer Allee 17s. NvviilllUIIrr» Referent: ivenoffc P. Bergma»». Dssltch.« treffen sich vormittags 9 Uhr im Restaurant des Gewerkschastshauses und gehen in die ztUUUsil Versammlung der Holzarbeiter nach der Neuen Welt. Kuchbinder und önchbillderei-Arbeiteriunen, Etui- und Leder-Galanterie-Arbeiter ,,„h? Vormittag» 10 Uhr im Lokal»Sanssouci�, Kottbufcr Zlraffc 6. Ittlo �llvkilt tillllt II. Rcserentin: Kollegin M. Grcisfenbcrg. Treffpunkte: Album-, Mappen- und Galanteriebranche'/z9 Uhr bei Benuit, Scbastianstr. 89. Buchbindcrbranchc>/.9 Uhr bei Bcrcht, Ritteritr. 75. Gtuisbranchc ffzO Uhr„Graphisches Bercinshans-', Alcxandrinenstr. 11. Kartonbranetie'/z9 Uhr im Gcwrrtschaftshaus, Saal 5. Luxnspapierbranche-/.S Uhr im„Fürstenhof", Köpenickcr Straße 137. llrMri«»»lirbkitkr-Undmd. Vormittag» 10 Uhr in der Berliner Bockbrauerei. Tcmpelhoser Berg. Referent: Gen. H. Schulz. Treffpunkt der Staker bi» 8 Uhr im.Englischen Garten", Alcxanderstr. 27o, dann Abmarsch. ilA.titioilior Vormittags 10 Uhr im„Englische» Garten-, Alexanderstr. 27 o. Plllls Iii»u l. Referent: Genosse A. Schmidt. ............ Ws-rb-itrr. S!DtB",a"'»ÄÄ ÄÄ'.Änj?'* tÜpinritihonrhrtfor Vormittags 10 Uhr im Gewerkschaftshause. Saal 3. <')t illt I!>I>l!lIlIlIIl 1. Rcserentin: Genossin Klara Bohm-Schnch. fialtarliolt»» Die Maiversammlung findet statt»»'.mittag» 10 Ubr, in der„Neuen Welt-, •1l>l)tItI>nilT. Hasenticide 108—111. Rcscrent: Genosse Schöpflin. Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen sich um S Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Bürstenmacher bei Preuft. Hotzmarktstr. 65. Bodenlegcr im Gewerkschaftshaufe, Engeluser IS, Modell- und Fabrittischler im Rofeuthaler Hof, Rosenthalcr Str. 11/12. Perlmnttarbeitcr bei Thomas, Melch'orstr. S. Ralimcnmacher bei Weblisch, Skalitzer Str. 22. Stellmacher im RosenthalerHof. Rosenthalerftr. 11/12 Stockarbeiter und Schirmmacher bei Hcrmel, Holzmarktstr. 21. B-rgoldcr im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Restaurant. Hutformtisckilerim Gewerkschaftshause, EngeluserlS Ladcntischleri. Englischen Garte«. Alexanderstr. 27o. Zimmer 2. EinieUcr im Gewerkschaftshause, Sngelufer IS, Saal 11. Jaloufiearbeiter bei Walter, Adalbcrtitr. 62. Kammacher bei Walter, Adalbertstr. 62. Kisteiimacher bei Mückich, Krautitr. 21. K.aviernrbeiter im Märkischen Hof�Admiralstr. 18o. Korbmacher bei Krause, Muskaner str. 20. Maschinenarbeitcr bei Merkowski,'Andreasstr. 26. Tic Moabitcr Kollegen versammeln sich bei Hube, An der Moabilcr Brücke, um 8 Uhr. Die Tischler, Drechsler und Polierer treffen sich in den Lokalen, in denen sie ihre Werkstatt- Titiungcn abhalte», nnd gehen von dort nach der„Neuen Welt", Hasenheide 103/111. Tic Holzarbeiter von Weiffensee, Lichtenberg und Fricdrichsfelde nehmen an den in diesen Orten stattsindcndcii Versammlungen teil.— Die Kollegen von Weiffensee versammeln sich um v Uhr im Prälaten» Lchderstr. 122. Daiclbst werden auch die Maimarkcn ausgegeben. Hntmacher, Klumrn-, Fkdernnrbkitrr und-Arbkitkrinuen. Resercnt: Genosse Schneider. Treffpunkt: Groffe Hamburger Straffe 18/19. Schmiede und li-pserschmirde.» Vormittags 10 Uhr in den Musiker-Sälen, Kaiser-Wilhelm-Straße I8111. �liiriujliri. Rcserentin: Louise Ziel«. ... iz Vormittags 10 Uhr in den Andrcas.Fcstsälcn. Andreasstraßc 21. sUlllltl illlv zoMlkrri. Rcscrent: Genosse A. Wuschick. Die Maler der Küchcnmöbcldranchc Treffpunkt 8'/. Uhr im Englischen Garten, Alexanderstr. 270. nZiZe>lU<-I,,ii1«<- Vormittag» 10 Uhr in der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16—23. MtlUlllUvmlT. Rejere, t: Genosse G. Bauer. Besondere Zusaminenküuste sind vorher nicht. Sämtliche Metallarbeiter begeben sich direkt in daS VersammlungZlokal. ZIlal'-iiiniK«»«»h»ünttr«- Vormittags 10 Uhr in den„Arminhallcn-, Kommandantenstraße SS. zi.lljiljluIUkll Ullv xiriZsl. Rcscrent: Genosse I. Hartmann. Schill, Gruppenversammlung vormittags 10 Uhr im Schweizergarten, Am Friedrichs- SUlNt)lvUtrU"All0U»rir. Hain 29-32. Rcierent: Genosse W. Manassc. p-,>kii«»»rdrilrr md Zchildim-ler. Jtrtr1«fnittll«r Vormittags 10 Uhr in den„Arminhallen". Kommandantenstraße SS/53. AulUtl, y I/IirirUIIirr. Rcscrent: Genosse P. Scheidcman». � �lolnarlioitor Vormittags 10 Uhr in den„Prachtsälen Alt-Bcrlin�(großer Saal). �lt Illlttv. Ilkl. Resercnt: Genosfc A. Hossinan». Ztnesedrr, Zl-mmkr»«d Ztei-he/irr. CaptUkrtr. Vormittag» 10 Uhr in WcndtS Festsälen, Beuthstraße 21. Referent: Kollege Zitzewitz. K'-'rtilarffoitor Vormittags 10 Uhr in den„Konkordia-Festsälcn", Andreasstraßc 61. 0.1 lillllll'llttl, Rcscrent: Genosse Aldi» Reichelt. Eheliter- uud|jnl0-.Alll|tßtI!tt begeben sich in die ihnen am nächsten gelegenen Versammlungen. lränter Vormittags 10 Uhr GrwcrkschaftsliauS. Engeluser 15(gr. Saal). Rcscrent: Genosse R. Schmidt. v.vfl I I I. Die Kollegen vci sammeln sich in den Bczirlszahlstellcn u. gehen von dort aus gemeinsam in die Versammlung. Zjminkrrr. Vorm. 10 Uhr Brauerei Königftadt, Schönhauser Allee 10. Rcscrent: Genosse E. Eichhorn. Alle in Berlin stattfindenden Versammlungen gelten durch dieses Inserat als genügend angemeldet. Außerdem finden in �rvL-Itei'Kii» noch folgende Bersammlmtgen der Unterkonunissionen zur Gewerkschaftskommission statt: Bormittags 10 Uhr in Rocztckvs GescllschaftshanS, Kreuzstr. 3/1. Reserent: Gen. Albrecht. Stralan-Rummelsbttrg. lo uhr w. E-f»«.u-vue. Vormittags 10 Uhr bei Kaul, BiSmarckstr. 16. Referent: Genosse R. Woldt. vormittag» 10 Uhr im„Bolkshause". Rosinenstr. 3. v IjnrmUlUUUllJ. Rcscrent: Genosse Dr.<5. Rosenfcld. Vormittags 10 Uhr in TegcbrodtS Gesellschaftshaus, Friedrichstraß«. Reserent: Genosse Künstler. Vormittags 10 Uhr bei Richter. Chauffeestr. 101. Referent: Gen. Knnert. Vormittags 10 Uhr im Stadttheater» Friedrichstraße. Referent: Genosse Störmer. Vormittags 10 Uhr bei Kourad, Friedrichstr. 137. Referent: Genosse Stühmcr. Trcffpunlt und Ausgabe der Maimarlen im Gcscllschaslshausc. QldjiClihC'tQ* Vormittags 10 Uhr bei P. Schwarz, Möllendorsstr. 2Ö/26. Referent: Gen. F. Gaida. Nieder-Schönhausett. �°"""t°gs 10 Mr m N«wKar,slwf. Bruchhölzer Straße. O1*»- Vormittags 10 Uhr im Restaurant Fadau, Neinickendors-Ost, Residenzstr. 121. .ncimlieno 01�- 5», s»._ Reserent: Genosse Otto Handke. Vormittags 10 Uhr im Lokal Wahlfart, Eichbornstr. 18. Reserent: Genosse Barth. Reinickendorh-West._____________ Nflt* 3 Sammlungen. Vormittags 10 Uhr in Hoppes Festsäle«, Hermarmstr. 19,50, «ek»111 Villi» Passage-Frstsälc», Bergslr. 153, und bei Felsch, Kneiebeckstr. 17/18. Rcscrcntcn: die Genossen H. Lehman», Wcrmuth, A. Mohs. w den � Referent: Genosse Sabath. 10 Vormittags 10 Uhr in den Neuen Ratftaüssälc», srüher Obst, Mcinlnger Str. S. �Nioncvcrg. Ncser-Nt: G-noff- I. Kaliski. Vormittags 10 Uhr m der Brauerei Pichelsdorf. Rcserentin: Genosfin Frau Juchacz. Vormittags 10 Uhr bei Klippen stein. Spandauer Straße. Referent: Genosse Jacobsett. Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde. Vormittags 10 Uhr im„Schloff Weiffensee-, Königchaufsee 1—1. Reserent: Genosse A.'Pattloch. Vormittags 10 Uhr im'Biktoria-Gartcn. Wilhelmsaue 111—115. ;«&.lAiiml-i.vVvi-f» Reserent:(Genosse F. ZjtbcU. Cbcr=3rl|03iciucidc. Vormittags 10 Uhr in Hasselwerder. Resercnt: Genosse Nitschke. Bormittags 10 Uhr im„Birkenwäldcheu-, Schützenstraß-. �leglllj'�rieoenan. Reserent: Genosse Dr.«reitscheid. Hennigsdorf a. Havel,---»«w». u> /»-qww«/.» Kartelle der Vororte: �tlk-�ltttttdr. Vormittags 10 Uhr bei Hentschel, Grünauer Sir. 36. Reserent: Frauz Feldman». �rraatl. Vormittags lO-Uhr-vei Franz Salzmann, Basdorser Straße. Resercnt: Johannes Hnff. !Ö0th» Vormittags 10 Uhr Im Lindenpark, Chausscestr. 18. Referent: Dr. Silberstcin. Eithwalde. Vormittags 10 Uhr bei Krüger in Miersdorf. Referent: Georg Ucko. Fkitdrithsföldt» VormiilagS 11 Uhr im Eass Kohlhaie, Schloßstr. 2. Reserent: Julius Hildcbrandt. �kÜtiaU �Bohttsdvtf Bormittag» 10 Uhr in Villa Kahl In Bohnsdorf. Reserent: Wilhelm Königs-Wusterhaufen. vormittags 10 Uhr im Alte« Schüffenhaus. Referent�Richard Äattttttih, Vormittags 10 Uhr bei Schulz, Mühlenftr. 21. Referent: Hermann Knüpfer. Die Maifeiernden erhalten in den Bormittagsversammlungen unentgeltlich je eine Maifcstmarke. Die Anmeldung der Versammlungen der B o r o r t e haben die F/unktionärc der einzelnen Orte in der ortsüblichen Weise zu bewirken. Die Bureaus der Bersammlungeu werden beauftragt, über die Zahl der BersauimlungSbesucher der Redaktion des„Vorwärts", Lindeustr. 69, schriftliche Mitteilnng zn machen. Der Ansschutz der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Ter Verband der sozialdemokratischen Wahlvcreine Berlins nnd Umgegend. Körnten, Engeluser 15 L Th. Fischer, Lindcnstr. 69. SUJittCIIIUrtliiC. Vormittags 10 Uhr im Kasthof„Zum Kronprinzen�. Reserent: Reinhold Küter« ÄlÜthlttthtd. Bezirk Berlin. Vormittags. Referent: Franz Segawe. Vormittags 10 Uhr bei Max Singer, Priesterstr. 31. Referent: Max Groger. �FlttttöttklttFA. Vormittags 10 Uhr bei Frahm, WaldhauS Sandhausen. Referent: Haus Weber. Tökköttt» Vormittags 11 Uhr bei Bouo«, Berliner Str. 16. Resercnt: Oskar Ewald» Ä�ltttttftt. Normiitags 10 Uhr im Fürstcnhof. Rcscrent: Joachim Klüff. Zehlcndorf. Vormittags 10 Uhr bei Micck, flarlstr. 12. Reserent: Karl Thielicke. der sozialdemokratischen Wahlvereine am ZMttwovk, den 1. Akai 1912. Nachmittags- und Abend Ueraastaltangen. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Bedeutung; des 1. Mai. Berlin. Brauerei Kuppoldt, Hasenheide 32—38. KUems �eslsäle, Hasenheide 13—15. Bock-Brauerei, Tempelhoser Berg. Keue Welt, Hasenheide 108—1 14� ßewerUscha�shaus, Engelufer 15. Sndwig, Viktoria-Garten, Am Treptower Park Boekers Gesellschaftshaus, Weberstr. 17. Slgsium, Landsberger Allee 40— 41. Brauerei �rledriehshain. Am Königstor. Referenten: Max Barth— Otto Büchner- Pentes Volksgartcn(Jnh. Walter Schröder), Lichtenberg, Röderstr. 5— 6. Sekweizer-Garten, Am Königstor. ?uhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148. ?rater-Thcater, Kastanien-Allee 7—9. Obiglos Testsäle, Schwedter Str. 23—24. Kastamenwäldcheu(Jnh. Fritz Walter), Bad- straße 16. Boek-Brauerei(Abt. II), Chausseestr. 64. Voigt-Theater, Badstr. 58. Volksgarten-Theafer, Badstr. 8. Stablissement d. Eöwenbrauerei, Hochstr. 21/24 Borussia-Säle, Ackerstr. 6—7. ?harus-Säle, Müllerstr. 142. Brauerei?aizenhoier, Turmstr. 25—26. Stadt-Theater, Alt-Moabit 47-49. Bnsel-Aestaurant, Plötzensee. 3os. Trankes Testsäle, Badstr. 19. Paul Dupont— Emil Eichhorn— Richard Fischer— Rexina Friedländer— Max Grunwald— Johannes Haß— Karl Hetzschold— Paul Hirsch— Adolf Hoffmann— Martha Jeetze— Wilhelmine Kahler— Georg Ledebour— Waldeck Manasse— Martin Meyer— Dr. Jul. Moses— Hermann Müller(Parteivorst.)— Wilh. Pfannkuch— Dr. Kurt Rosenfeld— Robert Schmidt— Gustav Trinks— Georg ücko. Wahlkreis Tettow-Beeskoui-Storkow-Charlottenburg. �VMrr6l|0f, Wöllsteins Lustgarten, Pismarckstr. 21. �Oljltöborf, Villa Kahl(Restaurant /�alkcnruh"). Drib,»acktlat-!, Chausseestr. ZS. Charlottenburg,.Volkshaus-. Rostnenstr. h Cöpenidl,„Ztadt-Thcatcr-. Dremib,»Zur freien Aussicht-, Jnh W. Schulz. CtdltNalbe, Restaurant„Waldschlöftchcu-, Tcosir. ZS. Friedenau-Steglitz,.Bi�enwäldche..-, st-g.ih.schüu-«. Groß-�ichterfelde, �Vahrenaorf, Bäkestr. 7. Criinau, Duehauoeur, Köpenicker Ttrafic 7g. Johannisthal, Känigs-Wnlterhausi», Isi"" •rrtMÜttstHiff»GcsellschaflShaus-. Inhaber?r«»eha-ka, Bittoriastr. 11/11. Mariendorf,«rastl'S„Gcscllschaftshaus-. Nieder- Kchönemeide, Restaurant„Kysshäuscr-. �lowawes,"Deutsche Festsöle-, Wilhelmstrastc Ecke Friedrich- ,,»VolkSgarten-, Zl. Singer, Pricsterftraste ZI. Neukölln, Hoppes Festsälc,(Jnh.»artseh) Hermannstr. 19. ,, BcreinSbrauerei, Hermannstr. 211—219. Niederlehme, Restaurant Gerisch. Schmargendorf,»Tchuiienhaus-, Hundekehlestr. so. Schönederg, Schiostbrauerei. Hauptstr. 22. Steglitz-Friedenau,»Birkcnwäldchen-, Tchütze-strahe, Teltow,»«neu-, Berliner Straste IS. Tempelhof,»Wilhelmsgarten«, Berliner Strafte I. Treddin,»Schuhenhaus«, Jnh. W. Fromm. Treptow-Kaumschuleuweg, 2Im 19. Wilmersdorf,»Biktoriagartcn«, Wilhelmsauc HS. Iehlendorf,»ieoh,««,9*. 12. 3oheN, P. Kurzner, Barnther Strafte 10. Referenten: Oskar Ewald— Karl Fromke— Oswald Grauer— Engelbert Graf— Dr. Herzfeld— Max Jakobsen— Paul John— Joachim Klüß— C. Knoll— Fritz Lambrecht— Richard Nürnberg— Leo Ostrowski— Elisabeth Röhl— Franz Stimming— Walter Zimmermann. Wahlkreis Kiederkarnitn. Sernan, Franz Salzmann, BaSdorfer Strafte. Sirkenwe�der,„(»esellnehaftshaui, Fcoerstak". Sorllgwalde,»orslgwalder F'cstfiäle, Konradstr. 12. Srnchmiihle, Restaurant Kutzncr. GrkuerWolt-rsdoef, FraNL-Suchholl, Kah»e, B-rliner Str. 39. Friedrichsteide, Börger, Prinzenallee 30. Friedrichshagen, EUbeller, Fricdrichstr. 96/97. Friedrichsthal, Zu den Tier Linden, Witwe Blcise. Nermsdorf, Sehätzenhau«. Herzfelde,»enze, Jnh. �ahn, Hauptstrafte. Referenten: Robert Bahn— Paul Brühl— Hohrn-Schanhanfrn, S'u'm'I1""'" Dlrinickendorf-Gst, m-mio», u. Zwei Versammlungen. Waldstrajzen-Eckc. Rüdersdorf,»enneherg, Heinitzstr. 19. Kummelskurg-Stralau, Cat6 BÄÄA!tcra''eI)' Schöneiche, WaldschloB Scbönclcho. Schönwalde, Restaurant Schulz. Tegel, Trapps Festsäle, Bahnhofstr. 1. Nlaidmannsln�t, Schätzenhaas in HermSdorf. Meihenlee,«ehl«L Welssensee. Wilhelmsruhs RRkrodt, Kronprinzenstr. is., Zepernick-Räntgenthal, nui-x, waidhaus. Hermann Llazus— Bruno Engel— Agnes Fahrenwald— Ernst Gehfke— Marie Greifens berg— Joseph Hertmann— Anna Kiesel— Karl Koblenzer— Hermann Kunze— Wilhelm Kubig— O. Langnitschke— Minna Reichert— Hermann Sonnenburg— Albert Stürmer— Karl Wermuth— A. Wieloch— Richard Woldt. Die Abendfeiern sind zusammengesetzt aus feftreden, Konzert-Huf fübrungen, turnenfeben Huffübrungen, Gefangsvorträgen des Hrbeitcr- öängerbundes, Darbietungen des Hrbeiter-Radfabrerbundes sowie SpeziaUtäten-YorrteUungen. Sarlshorst, Färstenbad, Jnh. Bartels. Ä aulsdorf, Hamanns Gcsellschaftshaus. •firlftruhrrrt 1 Zwe' Ver'\ Paul Schwarz, Möllendorffstrahe. (Sammlungen/ Arnhold, Franlsurter Chaussee ü. Mahlsdorf, Eckler, Grunowstrafte. Neuenhagen, Restaurant Fagerstcrn. Uieder-Schönhansen, Hauke. Charlottenstr. 8. Oder-Schöneweide,»»mers»lumengarten. Oranienburg, Frahm, Waldhans Sandhansen. RanKow, Fbcrsbach, Berliner Str. 102. Netershagen, Zum alten»essauer. Anmeldung event. Festreden find durch die Kreise resp. Orte zu bewirken. verband lozialdetnokratilcher Aahlvereine Berlins und llmgegend. Neukölln. Moutag, den 29. April, abends 8V2 Uhr, in den Passage-Fkstsälen, Kergstr. l5l/152: Oeffentliche Uersammlnng. Tagesordnung: i. Das Fiasko der bürgerlichen Gemeindepolitik. Referent: ReichStagSabgeocdneter und Stadtverordneter Dr. M. Quarck. 2. Auf zur Stichwahl! Ref.: Stadtverordneter MaX GrOgCF. — � Freie Aussprache.------------ Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung wird das vollzählige Erscheinen der Wähler der II. M- teilung vorausgesetzt. va» GrtsbranKenKasstderAtein- drncker vnd Fithographen. Am Dienstag, den 7. Mai er., abends 81/, Uhr, findet im Gewerk- schaftShause. Engeluser IS, im großen Saale die !. oiM. Generalversammlung Pro 1912 statt. Sämtliche Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Kassenmitglieder werden hierzu er- gebensl eingeladen. Tagesordnung: 1�. Jahresbericht pro 1911. U. Bericht des AeunerausschusseS und Abnahme der JahreSrcchnung. 2. Belprechung über die Zentralt. sationsbcslrcbungen der Krankenkassen. 3. Verschiedenes. 14/, Uhr. fiOl'dLN' tk'entsiUv, Schwedter Strafte 23. abenv? HOrdöN'• Frankes Fcstsäle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Mnokit• Patsenhoter- Brauerei, Turmstrafte 25/26, HiUaUll. abends 8 Uhr. Tegel: Trap�is PestsUie, Bahnhofstr. 1, abends• Uhr. Osten: voiueniussaie, Memeler Strafte 67, abends 81/, Uhr. Liehlenberg: Ä"*".'*• Stralau und Rummels bürg; Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. �ttdönbölirkö' P-U�nstanren-MUle, Kottbuser Damm 76, „«tidvst. Waldemarstr. 75, abends 8'/, Uhr. KellkOllll* Hoppes Feststtle, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. cbsrloltenburg: �«Iksbans. Rosinenstr. 3. abend» S',, Uhr. eianlit,• VCahrcndorfs Feststtle, Lichterfelde. BSkeftr. 7, Olvjj lllAi• abends 81/, Uhr. Köpenick u. Friedrlehshagen: Fried rtchstr. 74, abends 8'/, Uhr. Ober-SehSnewelde; K? sÄS0«' Cnaniian• Pezells Restaurant, PichelSdorferstr. 5, abends SpaMiNU. 8-/, Uhr. Vortrag. Tagesordnung in allen Versammlungent Bericht von der ordentlichen Generalversammlnng nnd Stellungnahme zur austerordentlichen General- Versammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. 416/7 Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. _ Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Orts-ycrwaltnng. Endllob babe icb die richtige Bezngsqnelle entdeckt, muss ein jeder bei der Besichtigung unserer nenestea Kollektion sagen. Herrenanzug-Stoffe Paletotstoffc, Hosenstoffe, Westenstoffe, Damentnche. Nur beste Qualitäten jeder Preislage. Enorm grosse Auswahl aller Neuhelten. Unerreicht billige Preise direkt ans der Tuchfabrik von Lehmann& Ässmy Spremberg, Hr. tt Muster senden wir an jedermann auf Verlangen sofort franko ohne Kaufzwang "T■ 1 L„_ Plomben, beste Aus- Zatme, Olga Jacobson,«'ÄTfiifu. Flaiirer Moritz Feileaberger wird gebeten, seine Adresse unter 6. 3 an die Hauplexped. d..Vorw." anzugeb. LeranlwortUcher Redakteur: LlbkN Wachs, Berlin. Für de» gnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts zvuchdruckeret u. VerlogSanstalt Paul Hinger u. wo,, ivertm SÄ» Hr. 99. 29. Jahrgang. rüsif des.Amiirls" Crrliirt AllisbIM Sonntag, 28. Aprll 1912. Partei- Angelegenheiten. Schöneberg. Die Wablvereinsversammlung fällt am Dienstag, den 30. d. M. aus und findet am Dienstag, den 21. Mai statt. Käulsdorf(Ostbohn). Heute Sonntag, den 28. April, früh F'/z Uhr: Flugblattverbreitung von Bobeh(am Bahnhof) aus. Die Bezirksleitung. Bruchmühlc. Heute Sonntag, den 28. April, nachmittags 4 Uhr, in Eggersdorf, im Lokal von Tübbecke: Milgliederversammlung. Der wicktigen Tagesordnung halber ist jedes Mitglied verpflichtet, zu erscheine». Die Bezirksleitung. Niedcr-Schönhausen-Nordend. Heute früh 3 Uhr von den Bezirks- lokalen aus wichtige Flugblanverbreitung. Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Gegen den armenrechtlichen Arbeitszwang. Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin hatte vor einigen Wochen sich zu einem Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zu äußern, der gegen den dem preußischen Landtag vorliegenden Entwurf eines„Gesetzes über die Aus- Übung der Armenpflege bei Arbeitsscheuen und säumigen N ä h r p f l i ch t i g e n" sich richtete. In der Debatte erklärte Oberbürgermeister Kirschner, der Ma- g i st r a t habe zu dieser Frage bereits Stellung genommen und schon vor einem Jahr seine Ansicht in einem Gutachten niedergelegt, das er auf eine von der Regierung ergangene Aufforderung eingereicht habe. Jetzt ist, gemäß einem vom Oberbürgermeister in jener Stadtverord- netensitzung gegebenen Versprechen, das erwähnte Gutachten auch der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme mitgeteilt worden. Der Magistrat stimmt der Begründung des Gesetzentwurfes darin bei, daß die durch die bestehenden Gesetze und die Art ihrer Handhabung den Armenverwaltungen gegebene Möglichkeit zur Anwendung von Macht- Mitteln gegen Arbeitsscheue und säumige Nährpflichtige unzulänglich sei. Gerade in Großstädten, wie Berlin, seien die Ilebelstände, die das neue Gesetz bekämpfen wolle, besonders stark aufgetreten. Die persönliche Einwirkung auf einen säumigen Nährpflichtigen, die in kleineren Orten erfolg- reich sei, erscheint in der Großstadt untunlich oder zwecklos. Hier sei es ihm leichter möglich, sich vor den Unterhalts- berechtigten und der Behörde Verborgen zu halten und durch häufigen Wechsel der Arbeitsstelle die Feststellung des Verdienstes und den Zugriff auf ihn zu vereiteln. ES komme hinzu, daß der Armenverwaltung ein strafrechtliches Vorgehen gegen die außerehelichen Väter, die in Berlin, wie das Gut- achten hervorhebt, besonders zahlreich sich ihrer Unterhalt� Pflicht entziehen, wegen der Rechtsprechung des� Kammer gerichts über die Unanivendbarkeit des§ 361"' Strafgesetz' buchs nicht nwglich sei. Auch sei es für nicht zulässig erklärt worden, die Strafbestimmung gegen Landstreicheret(§ 3613) auf die vielen im Bezirke Berlins und der Nachbargemeinden „arbeitsscheu umherlungernden Individuen" anzuwenden, die ständige Besucher des Obdachs seien. Zur Eindämmung der beklagten Mißstände empfiehlt der Gesetzentwurf die Einführung des Arbeitszwangs. Gegen die vorgesehene Art der Anwendung und Durchfüh rung des geplanten Arbeitszwanges hat der Magistrat, so sagt er in seinem Gutachten, schwerwiegende Bedenken. Er bemängelt dieses Zwangsmittel aus Gründen der Verivaltungstcchnik, der Rechtsanschauung, des Soziab empfindens. Vom Standpunkt der Gemeindeverwaltung aus erscheint es dem Magistrat zweifelhaft, ob von dem Arbeitszwang ein praktischer Erfolg, vor allem auch eiue Entlastung der Armenverbändc erwartet werden darf. Durch die statistischen Angaben über die Erfahrungen, die man anderwärts bereits damit gemacht habe, sei ihm jedenfalls diese Ueberzeugung nicht verschafft ivordcn. Bei Einführung des Arbeitszwanges würden voraussichtlich die Arbeitshäuser und ähnliche Anstalten dem Bedürfnis nicht mehr genügen und eS frage sich, ob nicht die Kosten der Einrichtung und Unterhaltung neuer Anstalten ein etwa günstigeres finanzielles Ergebnis wieder aufheben oder doch wesentlich beeinträchtigen würden. Schiverer noch wiegen dem Magistrat die juristtschen Bedenken. Den Arbeitszwang durch Landesgesetz einzuführen, möge äußerlich einen Verstoß gegen die Reichs- g e s c tz g e b u n g deswegen nicht darstelleiz, weil der Ver- hängung des Arbeitszivanges scheinbar der Charakter einer als Strafe für Verschulden eintretenden Maßregel genommen »verde und sie nur als eine verlvaltungsmäßige und cxekutivische Maßregel erscheine. Der strafartige Charakter ergebe sich aber klar aus der Tatsache der mit dem Arbeitszwang verbundenen Einsperrung, und übrigens auch aus der Begründung des Gesetzentwurfs, die das schuldhafte Moment bei der Hand- lungsweise des dem Arbeitszwang zu Unterwerfenden betone. Nicht im Einklang mit den Erfordernissen der Gerechtigkeit stehe ferner die Androhung des Arbeitszivanges auch gegen den außerehelichen Vater. Gerade hier sei durch Androhung oder Einleitung des Verfahrens die Möglichkeit einer der Billigkeit widersprccheirdcn Pression gegeben, zuinal in den häufigen Fällen, in denen der außereheliche Vater sich ander- »veit verheiratet habe und für die eigene Familie sorgen müsse. Die Befürchtung eines Mißbrauchs liege bei kleineren und finanziell beschränkten Armenverbänden hier nahe. Ebenso starte juristische Bedenken müsse man gegen die Art des Verfahrens haben. Es sei allgemeines Prinzip des niodernen Rechtsstandes, daß E n t z i e h n n g e i» der per- s ö n l i ch e n Freiheit nur auf Grund von Erkenntnissen der ordentlichen und unabhängigen Gerichte erfolgen sollen. Hiermit stehe die Uebertragung der Rechtsprechung über den Arbeitszwang auf die Verwaltungsbehörden nicht im Einklang, um so weniger, als die Berufung auf den Rechtsweg ausgeschlossen sein solle, während er doch bei der weit weniger einschneidenden Maßregel der bloßen Heran- ziehung zu den Unterstützungskosten nach dem bestehenden Gesetz gegeben sei. Der zur Wahrung der Gerechtigkeit not- tvendigen Garantien entbehre auch die Beurteilung der Wicderaufhebung der ausgesprochenen Zwangsmaßregel, weil auch hier die Mitwirkung der ordentlichen Gerichte fehle und dem Ermessen der Verivaltung ein zu weiter Spielraum ae-■ lassen sei. Tie erhoffte Schnelligkeit und damit erhöhte Wirk- samkeit des Verfahrens werde durch die Zuweisung an die Beschlußbehörden nicht erzielt werden. Von den nicht allzu t häufig zusammentretenden Kreis-, Stadt und Bezirksaus- schüssen werde eine proinptere Justiz als von den ständig be- setzten ordentlichen Gerichten nicht geübt werden köimen, es sei denn auf Kosten der Gründlichkeit, dainit aber auch der Gerechtigkeit. Das Gutachten weist schließlich noch auf ein soziales Bedenken hin. Ter Arbeitszivang werde als ein A u s n a h m e- gesetz gegen die arbeitende Klasse hingestellt werden, da hauptsächlich diese den Bestimmungen unterfallen werde. Das werde zur Erregung von Erbitterung benutzt werden und vielleicht auch dienen; dem sei aber zu widerraten. Nach allem müsse der Magistrat den mit dem neuen Zwangsmittel betretenen Weg für überhaupt verfehlt und zur Einschränkung der beklagten Uebelstände den Weg der Rege- lung durch Reichsgesetzgebung für den. allein zu emp- fehlenden halten. Schon von erweiterten und verschärften Strafbestimmungen sei Besserimg zu erwarten, zumal wenn unerinüdliche Anrufung der Gerichte und Einwirkung der Armenverwaltungen auf die Anklagebehörden hinzukommen. Auch werde die Heranziehung van Laien zu den Strafkammern und unter ihnen wiederum Perfonen aus dein Arbeiterstande, die den tatsächlichen Verhältnissen hier näherstehen und sie auch strenger beurteilen, zu einer nachhaltigeren Bestrafung führen. Manche der Anschauungen, von denen der Magistrat in diesem Gutachten ausgeht, haben unseren vollen Beifall, gegen manche anderen aber hätten wir einiges einzuivenden. Doch wir»vollen uns genügen lassen an der Feststellung, daß er mit erfreulicher Entschiedenheit sich gegen den armenrechtlichen Arbeitszwang ausgesprochen hat. Die Miiggelsee-Freibad-Gesellschaft hielt Freitag nach- mittag im Konferenzzimmer der neuen Oberförsterei in Köpenick bei Friedrichshagen eine Aufsichtsratssitzung ab, in der als Vertreter des Landrats Regiernngsasscssor von der Marwitz teilnahm. Sie beschäftigte sich besonders mit der Organisation und der Anstellung des Personals. Regierungsbaumeistcr Kleemann, der Vertreter des ivfreises Niederbarnim im Aufsichtsrat, berichtete über den Stand der Bauten und ihre Ein- richtung im einzelnen. Die baulichen Anlagen, die das Zimmercigeschäft von Schwicn in Berlin ausfiihrt, sind schon so»veit gediehen, daß die Eröffnung des Freibades am 15. Mai gesichert erscheine. Ja den Hauptzelten, die sich auf dem breitem Strande an die steilen Böschungen anlehnen, können sich immer je 250 Personen zu gleicher Zeit aus- kleiden. Jedes Zelt enthält Einrichtungen zur Unterbringung von 1400 Bekleidungen, die gegen eine Gebühr von 5 Pfennig geschützt sind. Für andere Bekleidungen, die an freien Haken aufbewahrt werden können, übernimmt die Ge- sellschaft keine Garantie. Der Eintrittspreis wurde auf 10 Pf. für Erwachsene und 5 Pf. für schulpflichtige Kinder festgesetzt. Noch nicht schulpflichtige Kinder sind frei. Zur Erleichterung des Verkehrs werden auch Eintrittskarten in Dutzendblocks für eine Mark ausgegeben. Für die Aufbetvahrung eines Fahrrads sind 10 Pf. zu zahlen. Die Preise für die Benutzung von Badezeug, das die Gesellschaft ausleiht, sollen noch fest gesetzt werden. Die erforderlichen Versicherungen gegen Feuers gefahr, Diebstahl und Haftpflicht wurden in die Wege geleitet. Ein Ausschank, auch von alkoholfreien Gstränken, innerhalb des eingefriedigten Badgeländeis ist nicht zugelassen, weil man anderwärts damit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Da gegen wird für gutes Trinkwasser durch Anlage von sechs Brunnen ausreichend gesorgt. Der Ausschank von Getränken jeder Art ist schon in dem Pachtvertrag mit dem Forstsiskus untersagt. Eine Heimat- und Waldschutz-Kundgebnng, veranstaltet vom „Allgemeinen Märkischen Tourist en-Bund", dem 30 Touristen-Ver- eine angehören, fand einen starren Besuch von etwa 400 Personen. Als erster Referent sprach Dr. Werner Hegemann über Pflege und Einrichtung städtischin Parkanlagen und Wälder und zeigte an Lichtbildern, wie weit entwickelt in anderen Großstädten, besonders Englands und Amerikas, die städtischen Anlagen der Spiel- und Erholungsplätze sind, die der Jugend und der Bürger- scheift zur freien Benutzung zur Verfügung stehen. Hier haben die Städte Groß-Berlinö noch vieles nachzuholen.— Dann sprach Georg Eugen Kitzler üHcr die Waldvernichtung bei Buch und andere Waldbedrohungcn. In farbenprächtigen Lichtbildern schilderte er die Viclgestaltung der märkischen Kiefernheide, deren Schöicheit durch eingesprengte Laubholzbestände gehoben wird. Airkensäumc, alte markante Bäume und Erlenbrüche sind es, die eine Eintönigkeit des Kieferntvaldes verhindern. Ein solches, in der Nähe Berlins vorkomniendas Erlenbruch müsse geradezu als Naturdenkmal bezeichnet»verde», daß geschützt zu»Verden verdiene, um den Großstädtern den Anblick eines urlvaldähnlichen Misch- »valdes zu ermöglichen. Trotzdem betrachte die städtische Forswcr- »oaltung diesen Waldteil vom Standpunkt der Holznutzung und der Adagistrat beziehe sich in einer Erklärung auf die Grundsätze eines 40jährigen llmtriebs, die wohl für auf Holznutzung angciviesene Forstwirtschaft angebracht sei, aber nicht für einen der Erholung dienenden städtischen Wald. Es müsse deshalb nach»vie vor verurteilt werden, daß ein umfanBreicfcr Teil dieses Erlenbruches, dessen Betrachtung vom trockenen Kiefcrnwalde aus jede» Wald- besucher erfreute, glatt abgeholzt»vorden sei. Wenn bei neueren Feststellungen dieser abgeholzte Maldtcil auch größer»vie zugegeben erschein«, so halte er den vom Akigistrat ausdrücklich zugegebenen Umfang von 2,5 Hektar, das sind 25 000 Quadratmeter abgcholzicn ErleMvaldes für so bedeutend, daß den Waldfreunden geradezu die Pflicht daraus erlvachse, hiergegen Stellung zu nehinen, zumal dieser ganze 25 000 Quadratmeter große Waldteil glatt abgeholzt sei und dadurch dem Waldfreund das traurige Bild einer Wald- Vernichtung biete. Es müsse ausdrücklich hervorgehoben werden— was der Referent auch an neuen, an den Abholzungsstellen aufge- noouneneil Lichtbildern zeigte— daß nicht nur die alten, in späterer Zeit vom Rotkernigwcrden bedrohte» Stämme herausgenommen luurden, sondern daß ein vollständiger Kahlhieb auch die jüngeren Stämme nicht verschonte. Das Vorgehen der Touristen-Zeitschrist „Die Mark" dagegen sei diktiert von denselben Grundsätzen, mit denen der Magistrat seine Erklärung schließt,„daß die Waldfläche in Buch nicht rein forstwirtschaftlich/ sondern pfleglich als Zierwald behandelt Ivird." Damit stehe aber im Gegensatz, daß— wie der Magistrat die Feststellungen als„allerdings zutreffend" selber be- zeichnen mußte, eine Anzahl in der Bücher Forst stehender prächtiger Rottannen und alter, so üklcraus seltener Weimutskiefern im letzten Sommer nicht vor dem Vcrschmachtenlassen bcivahrt und nun ebenfalls abgeholzt worden sind! Des»vciteren wendet sich der Referent gegen den von der Stadt Spandau vorgenommenen Verkauf von 840 Morgen Wald und Wiesen der Spandaucr Forstz der so schnell die Bestätigung der Regierung erhalten habe. Dies sei um so mehr zu bedauern, als ausdrücklich die Verwendung dieser bisherigen Waldteile zu In- dustriegcländen � beabsichtigt sei. wo vcrschlvindct ein Waldgcbict nach dem aicderen. in der Umgebung Berlins. Da erwachse für die Waldfrcunde die doppelte Pflicht, die Erhaltung der nahegelegenen Wälder zu verlangen. Referent fordert tveitcr die Sicherheit der Seeufer als öffentliche Wege, die Erhaltung der Gruncrvaldseen; er kritisiert die neuen Absperrungen im Bluinenthalforst und so» dert auch vermehrten Schutz alter Bauten und anderer Eigenarten der Heimat. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution»vurde von der über 400 Personen zählenden Versammlung einstimmig angenommen. Der Zentralverein für Arbeitsnachweis, iveibliche Abteilung, teilt mit, daß seine Bureaus für Aushilfs-Hauspersonal, sowie für gewerbliche Arbeiterinnen jeder Branche in den Sommerinonaten bereits um 7 Uhr geöffnet werden. Bestellungen werden von 7 bis 1 Uhr entgegengenommen: telephonisch Amt N., 3791—3797 oder durch Postkarte: C. 54, Rückcrstr. 9. Bandalen in öffentlichen Anlagen. Kaum sind nach mühe« vollen Früjahrsarbeiten die städtischen Anlagen in den Straßen und Plätzen Berlins solveit wiederhergestellt, daß unsere Mitbürger sich an dem frischen Grün der Bäume und Sträucher und der bunten Pracht der Blumen erfreuen können, da»Verden schon Verwüstungen, die von bübischer Hand angerichtet sind, gemeldet. In der Stacht voin 17. zum 18. April ist auf dem Stralauer Platz das Blumenbeet bis zur Hälfte zerstört worden. Die Blumen sind abgebrochen und außerdem 75 Tulpenzwiebeln herausgerissen worden. Zu derselben Zeit sind in den Anlagen um die Aufcr- stehungstirche herum 28 Hyazinthen aus dem Beet herausgerissen und auf dem Rasen zerstreut worden. Auf dem Forckenbeckplatz sind die Pflanzen auf den Beeten zertreten worden.— Zur Charakteristik der Uebeltäter möge folgender Brief dienen, der an die Tür der Wächterbude auf dem Forckenbeckplatz geheftet worden ist: „An den jungen Wächter des Forckenbeckplatzes. Freund Wächter bemühe dir nicht, mir ausfindig zu machen, es nützt dir nichts. Von Sonntag an wird mein Werk beginnen. Wir haben uns Hammer und alle anderen Werkzeuge dazu ge« stöhlen. Vom kleinsten strauch bis zum Größten Baum Wirt alles Vernichtet. Das große Beet haben wir auch schon ver- nichtet. Es soll dir nicht gelingen uns zu bekommen. Ich trage stets bei solch unternehmen einen schwarzen Glasehandschu auf der rechten Hand. Es grüßt dein gehäßigter Freund Trudiadolo, der Teufel. Der Magistrat hofft durch die Mitteilung solcher Vorfälle das Publikum erneut zu veranlassen, sich den Schutz der Schmuckan- lagen neben den Auffichts- un-d Polizeiorganen angelegen sein zu lassen, um solch groben Unfug zu unterdrücken. Die Verwendung des Gases in Haus und Küche wurde kürz- lich den Schülerinnen der 9. städtischen Wahlfortbildungsschule für Mädchen und Frauen in der Aula des Humboldtgymnasiums, Gartenstr. 25, in Theorie und Praxis vorgeführt. Die Veran« staltung war von zirka 250 Schülerinnen besucht. Die Hörer er- hielten zunächst in einem einleitenden Vortrag einen kurzen ge- schichtlichen Rückblick über Gewinnung und Veriveiidung des Gases zu Beleuchtungszwecken. An der Hand der verschiedensten Brenner ältester und neuester Konstruktion wurden die Verbesserungen in der Gasbeleuchtung und die geringen Kosten im Vergleich zur Pe« lroleumbeleuchtung und auch zum elektrischen Licht erläutert. So» dann folgte eine Schilderung der Vorteile der Gasherde, ihrer Sparsamkeit, besonders wenn nebenher noch die Kochkiste ver« wendet wird, über die Sauberkeit und die Raumersparnis iin Ver« gleich zur Kohlenfeuerung. Es wurde auch noch auf die Gas- automaten hingewiesen, bei denen sich zivar die Kosten für das Gas an sich eüvas höher stellen als sonst, bei denen aber keine Anschaffungen zu mache» sind, da ein Gaskocher für zwei Flammen, ein Plätteisen sowie zwei Lainpen bei der Aufstellung seitens der Gasvertvaltung mitgeliefert werden. Während des Vortrages»varen mehrere Gerichte vorbereitet und aus Gasherden fertiggestellt worden. Kassel�rbraten, Fisch, geschmorte Aprikosen, Gemüse. Kartoffeln und sogar Kuchen wurden an die Zuhörenden,»velche mit großem Interesse den Vorführungen gefolgt waren, verteilt. Alles war wohlgelungen und veranschau» lichte in bester Weise, mit tvelcher Schnelligkeit, Sauberkeit und Sparsamkeit bei Verwendung des Gases gekocht, gebraten und ge« backen werden kann. Bor einem Nervensanatorinm„Silvana" in Genf hat der bissige Polizeipräsident ain 13. April öffentlich gelvarnt,»voil das Publikum in der schlimmsten Weise ausgebeutet»verde»nd deut- scheu Staatsangehörigen Schaden an Gesundheit und Vermögen zufüge. Von dem Leiter des Instituts geht uns ein Schreiben zu, in dem die Angaben des Polizeipräsidenten aufs entschiedenste be- stritten»verde» und in den» angekülioigt wird, daß die Leitung des Instituts gegen die Verbreiter der Warnung des Polizeipräsidenten gerichtlich vorgehen wird. Eine Vcrgiftungsaffäre, die noch dringend der Aufflärung be» darf, beschäftigt zurzeit die Schöneberger Kriminalpolizei. Der im Hause Güntzelstr. 22 in Wilmersdorf ivohnhafte Pastor a. D. W. Liebe erkrankte am Freitag nach dem Genuß eines Schnapses so schwer, daß er nach dem Kreiskrankenhause in Groß-Lichtericlde übergeführt»Verden mußte. Trotz der sofort angewandten Gegen- maßregeln starb der alte Herr»och im Laufe der Nacht, ohne da? Belvußlsein»viedererlangt zu haben. Zivei»veitere Personen, die von der Flüssigkeit ganz genüge Mengen genossen hatten, der Portier Eugensteiner und der Asiotheker Hold, sind gleichfalls unter Ver- gistuiigserscheinuiigen erkrankt und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Der Pastor Liebe klagte Freitagabend seiner Hanshälterin, einer Frau Engensteiner, ihm sei schlecht. Bald darauf trat er an einen Schrank und»ahn» eine Flasche heraus, die,»vie die Frau annahm, Schnaps enthielt. Jedenfalls deutete die Aufschrift darauf hin. Ob sie uuu wirklich SchuapS oder, was ivahrscheinlicher ist, ein von dem alten Herrn selbst zubereitetes Getränk enthielt, hat sich noch nicht mit Bestimmtheit feststellen lassen. Nach dem Genuß deS Getränks wurde L. bewußtlos. Die Haushälterin holte nun schleunigst ihren Mann herbei, der unvorsichtigerweise auch einen kleinen Schluck aus der Flasche trank. Bald darauf erkrankte auch er unter deutlichen Bergiftungserscheinungen. Nun wurde ein Arzt herbeigerufen, der für Ueberführung der beiden Erkrankten nach dem Lichterfelder Krankenhause Sorge trug. Zur Untersuchung der Flüssigkeit auf ihren Giftgchalt wurde die Flasche dein Apotheker Hold in der Ublandstraße übergeben. Auch Hold nahm einige Tropfen von der Flüssigkeit, die zweifellos Alcaloid enthielt, zu sich. Auch er erkrankte bald darauf und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wie Herr Hold nachmittags auf Anfrage mitteilte, fühlt er sich bereits wieder vollkommen wohl. Seiner Meinimg nach enthielt die Fliisfigkeit Atropin, denn bei ihm sowohl wie bei dein Portier E. zeigten sich die für eiue Atropinvergistung charakleristischen Erscheinungen. Die Polizei ist beiniiht, festzustellen, von wo die gifthaltige Flüssigkeit stammt. Unter freiem Himmel vergiftet hat sich gestern nachmittag» eine unbekannte Frau von ct»va 25 bis 30 Jahren. Sic wurde an der Kreuzung der Straße Am Treptower Park»nit der Bouchc- straße von einem Treptower Polizeibeamten bewußtlos aufgefunden und nach der Hilfswache am Görlitzer Bahnhof gebracht. Hier starb sie gleich unter den Händen der Acrzte, die eine Vergiftung fest- stellten. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Tote ist 1,50 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und ebensolche Augenbrauen, lückenhafte Zähne und etwas aufgeworfene Lippen und trug ein schivarzcS Jackett mit Samtkragen, einen blauen Rock, eine tveiße Bluse, einci» schwarzen Gürtel, einen schwarzen Hut mit hellblauer Feder und schwarze Schnürstiefel mit Lack- spitzen. Unter den Rädern eines AutobuS getötet. Einen schrecklichen Tod fand gestern nachmittag ein Angestellter der städtischen Straßen- remigimg tn der Turmstrabe. In der Nähe des Moabiter Kranleu- Hauses hatte der letztere die Gleise der Strahenbahn gefegt uu'o während der Arbeit nicht genügend«cht auf seine eigene Sicherheit gegeben. Als nun ein Automobilomnibus der Linie 11 lMoabit— Neukölln) herangefahren kam, wurde er umgerissen, zu Boden ge- schleudert und unter die Räder des Kraftwagens geworfen. Der Schädel wurde dem Unglücklichen total zermalmt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Folgende Warnung an Rollschuhläufer erläßt der PolizeipräsU dent: Trotz mehrfacher amtlicher Warnungen und Mahnungen gebe-.r die Rollichuhläufer fortgesetzt Anlaß zu lebhasten und berechtigten Beschwerden und zwar sowohl dadurch, daß sie durch sportmäßiges Hin- und Herlausen. Kcttenlauf und Welllaus den Verkehr behindern, als auch dadurch, daß sie durch lautes Schreien und Lärmen die Rübe der Anwohner der von ihnen bevorzugten Straßen aufs emp- findlichste stören. Es dürfte im eigensten Interesse der Rollsschuh- läufer liegen, sich vor derartigen Ausschreitungen zu hüten, da sonst zu erwarten ist, daß bei dem in nächster Zeit bevorstehenden Reu- erlaß der Straßenordnung der Verkehr mit Rollschuhen in den meisten Straßen überhaupt verboten werden wird. Die Ankunft des AuSwnndercrbehnhvseS in Wustermark. Seit dem Brande der Auswandererbaracken in Ruhleben kursiert die Nachricht, daß sich der EisenbahnfiskuS entschlosten habe, den Bahnhof in Ruhleben, soweit er durch Faier und Biandschaden in Mitleiden- schaft gezogen worden ist. nicht wieder aufzubauen. Inzwischen solle das Projekt der Verlegung nach Wustermark soweit gefördert werden, daß dort noch im Sommer der Bahnhos erstehen könne. Die ur« sprünglichen Entwürfe zur Anlage des AuSwandererbahnhoses sind von der Eisenbahnbehörde einer Revision unterzogen worden. Dabei stellte es sich heraus, daß der zuerst in Aussicht genom»nene Platz nicht ausreichend sei, um alle die Schienenanlagen, Baracken und Dienstgebäude unterzubringen. Der Eisenbahnfiskus ist infolgedessen mit den Grundstückseigentümern längs der Bahn- strecke nach Hannover in Verbindung getreten und hat dort Terrains, die rechts von der Hamburger Chaussee liegen, erworben Das neue Gelände ist deshalb besonders geeignet, da keinerlei Gleis- anlagen zu umgehen sind und jede Ueberiührung vermieden werden kann. Mit der' Ausarbeitung des Projektes ist die zuständige Be- triebsstelle beschäftigt, es wird aber noch Monate dauern, ehe mit der Ailsknhrung des Planes begonnen werden kann. Der Kreis Osthavelland, der als Baupolizeibehörde die Genehmigung zu er- teilen hat, ist mit dem Projekt noch nicht befaßt. Frühestens er- wartet man in Wustermark ielbst die Betriebseröffming zum Herbst. Die Gemeinde Wustermark wird durch diese Bahnerwinkrungsbaule» eine rasche Entwicklung nehinen und zu einem der bedenteiidsten Eisenbahnknotenpunkte heranwachsen. Automvbildiebe verübten gestern früh in der Linienstraße einen dreisten Streich. Auf dem Grundstück Nr. 12b hat die Fabrik für zahnärztliche Werkzeuge von E. Mertiny, deren Eigentümer in dem Hause wohnen, am Hof«inen Krastwagenschuppen. in dem in der vergangenen Nacht ein viersitziger Stoewerwagen im Werte von bSCK) M. stand. Morgens um 4Z4 Uhr kamen drei junge Burschen, die Gummimäntel trugen, öffneten das Haustor und die Hoftür mit Nachschlüsseln, brachen den Schuppen auf, kurbelten den Kraft- wagen an. sprangen hinauf und fuhren davon. Die Eigentümer hörten das Ankurbeln, sprangen aus dem Bett, eilten an das Hof- fenfter, sahen, daß der Schuppen leer war, liefen jetzt nach der Vorderwohnung und sahen gerade noch, wie die Diebe mit dem Wagen aus der Linien- in die Friedrichstratze einbogen. Der graugrün lackierte Wagen mit blaugrünem Schutzblech trägt die Rum- mer lo 2110, hat ein amerikanisches Verdeck und rotes Leder- Polster. Für tausend Mark Kupfer auS einem erbrochenen Giitevwagen gestohlen. Seine Aufklärung hat jetzt ein ungemein dreister Ein- bruch gefunden, der kürzlich auf der Güterbahn verübt wurde. Auf Rummelsburger Gebiet an der Helmholtzstratze wurde ein Güter- wagen während der Fahrt erbrochen und daraus Kupfersendungen im Werte von tausend Mark gestohlen. Die Nachforschungen der Polizei nach den Urhebern deS dreisten Diebstahls haben jetzt zuv Verhaftung zweier Leute aus Berlin geführt. Die Verhafteten hatten das Kupfer für 300 M. bei einem Althändler in der Warschauer Straße„verschärft". Arbeiter- Bildiingsschule, Grenadierstr. 37. Der Unterricht in Literaturgeschtchte fällt am 1. Mai auS und wird am. Dienstag, den' 7. Mai nachgeholt. Feuer in einer Bürstenhölzerfabrik. Ein gröberes Feuer brach gestern früh zwischen 4 und 5 Uhr in der Bürstenhölzerfabrik von W. K r a u S.in der A ck e r st r a h e 21/22 aus. Als die Feuerwehr eintraf, standen im Fabrikgebäude auf dem zweiten Hofe Holzvor- röte im Erdgeschoß und Regale mit Materialien und Bürstenhölzer im ersten Stock in Flammen. Um ein weiteres Umsichgreifen des Brandes auf die oberen Etagen zu verhüten, mutzte mit� zwei Schlauchleitungen Wasser gegeben werden. Der Schaden ist be- trächtlich, da auch mehrere Maschinen zerstört wurden. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht ermittelt werden. Die Löscharbeiten nahmen mehrere Stunden in Anspruch.— Am Schöneberger Ufer 23 brannten gleichzeitig Balkenlagen und Wandbeileidungcn aus Korkplatten. Auch hier bedurfte es längeren Wassergebens, um die Gefahr zu beseitigen. Einen schweren Verlust hat eine Frau erlitten, die am Sonn- abend, den 20. April, in dem Zuge ab Görlitzer Bahnhof 4.40 Uhr nacbm. eine Tasche mit Inhalt flehen ließ. Darin war enthalten: Kinderwäsche, eine Handtasche mit Sparbüchse mit 2700 M., eine Uhr und Armband, 3 Schlüssel und Krankenschein. Das Geld war be- stimmt, um fällige Schulden zu tilgen. Der Finder wird dringend um Abgabe an Bruno Noa!, Baum- schulenweg, Vaumschulenstr. 84/85, gebeten. Bei der Osterfeicr in den„Pharussälen" ist ein dunkelgrüner Plüschkragcn verloren worden. Der Finder wird gebeten, ihn bei dem Genossen Kaiser, Turiner Str. 24. Hof IV, abzugeben. Verloren wurde am Dienstag, den 23. d. M., in der Versamm- lung bei Borgmann. Andreasstr. 21, ein Portemonnaie mit S M. Abzugeben bei R. Ziegler, Langestr. 88/89, IV links. Wasserrohrhrnch in Bcelibhof. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr entstand in Beelitzhof ein Wasserrohrbruch der Charlotten- burger Wasserwerke-Aktiengescllschaft. Beelitzhof war bald gänzlich überschwemmt und unter Wasser gesetzt. Im Restaurant„Beelitz- Hof" steht das Wasser bis zur Tischhöhe. Beelitzhof ist nicht passierbar, weder für Fußgänger noch für Fuhrwerke. Es ist durch Gendarmen abgesperrt. Der Verkehr wird über Zehlendorf ge- leitet. Zahlreiche Feuerwehren der Umgegend und eine ganze An- zahl Arbeiter ocr Wasserwerke sind damit beschäftigt, die Maschinen- Häuser auszupumpen und die Bruchstelle zu dichten. Man hofft, baß sie damit in der Nacht fertig werden. Friedenau, Charlotten- bürg, Schöneberg, Halensce und Grunewald sind gänzlich ohne Wasser._ Vorort- Nacbricbten. Gihö neberg. Die Magistratsvorlage betreffend Erlaß eines Ortsstatuts, das für neue Schankkonzessionen den BediirfnisnachweiS erfordert, ist von dein hierfür eingesetzten Ausschuß abgelehnt worden. Mit Recht wurde im Ausschuß betont, daß die Bedürfnisfrage für Schankkonzessionen nichts weiter als eine Protektionsfrage sei. Die Anhänger der Magistratsvorlage haben bisher kein Mittel unter- lassen, um für die Annahme derselben Stimmung zu machen. Im .Schöneberger Tageblatt" hat ein sogenannter»liberaler Bürger" rn einem Artikel die Notwendigkeit für die Annahme der Magistrats- vorläge darzulegen gesucht, allerdings mit dem Argument, das auch die Stadtverordnetenversammlung für das Statut nicht geneigter nmchen dürfte. Den Hausbesitzern, die gleichfalls gegen die Vorlage sind, wird gesagt, daß sie ihren Bundesgenossen im Verbände der sozialdemokralischen Gastwirte, deren Vorsitzender der sozialdemo- kratische Stadlverordnele Obst sei. hätten. Noch viel weniger wird der liberale Mann mit seinem Hinweis aus die sozialdemo- kratische» Parteikneipen, in denen die Zahlabende für den sozialdemokratischen Wahlverein statlfinden und die von den .Arbeitergroschen" unterhalten werden, für die Notwendigkeit eines solchen gewerbefeindlichen Ortsstatuts Stimmung machen können. Zweck der Vorlage scheint außerdem zu sein, den im bayerischen oder bester gesagl Haberland-Viertel vorhandenen Bars Einhalt zu gebieten, da durch das in denselben, namentlich des Nachts, sich ab- spielende Treiben der Groß-Berliuer Lebewelt die vornehmen Steuer- zahler SchönebergZ belästigt würden. Wenn es sich darum handelt, wäre eS doch hinfällig, die um Schankkonzession Nachsuchenden in anderen Ortsteilen in ihrer Gewerbefreiheit beschränken zu wollen. Die Sozialdemokratie wird diese lediglich einen Gewerbezweig unter Ausnahmebestimmungen bringende Vorlage mit allem Nach- druck bekämpfen. Charlottenburg. Die von der Stadt veranstalteten Kochkurse haben sich einer sehr regen Teilnahme zu erfreuen gehabt. Die Teilnehmerinnen gehörten hauptsächlich dem Arbeiterstande und dem kleinen Mittel- stände an. Bei der Aufftellung des Arbeitsplans und der Auswahl der Gerichte wurde nicht nur auf das Ziel Rückficht genommen, mit geringen Geldmitteln ein nahrhaftes und schmackhaftes Gericht herzustellen, sondern die Teilnehmerinnen wurden auch unterwiesen in der richtigen Bedienung des Herdes, besonders des Gasherdes, der Behandlung der Kochkiste und über grundlegende Fragen der Er- nährung im allgemeinen, insbesondere wurde auf den hohen Nähr- wert des Gemüses, der Hülsenfrüchte und des Reis hingewiesen, ebenso auf die Schädlichkeit des Alkohols und anderer aufregender Getränke. Besonderer Werk wurde auf die richtige Benutzung der Küchengeräte, der Brennstoffe und die richtige Ausnutzung der Nähr- stoffe gelegt. So wurde durch Versuche zum Beispiel den Teil- nehmerinnen vorgeführt, daß bei dem gedankenlosen Kartoffel- schälen von 1000 Gramm Kartoffeln 440 Gramm in die Schalen wandern, und welche Sunimen dadurch verschwendet werden. Für jedes Gericht, das den Teilnehmerinnen zum Kosten überlassen wurde, wurden Preisberechnungen und Feststellung der Nährwerte vorgenommen. Am Schluß der Kurse erhielten die Teilnehmerin- nen ein hübsch ausgestattetes Kochbüchlein. Das Interesse an den Kursen ist so groß daß der Magistrat sich veranlaßt gesehen hat, noch vier weitere Kurse von je 4 Abendstunden zu veranstalten, zu denen Anmeldungen im Rathaus, Zimmer 24, angenommen werden. Elternvcrein für freie Erziehung. Vom 1. Mai ab finden unsere Ausflüge nach der Jungkernheide wieder jeden Mittwoch nachmittag statt. Treffpunkt tfA Uhr vor dem Kaiser-Friedrich- Denkmal. Abmarsch 3 Uhr pünktlich. Kaffeekochen im Restaurant Waldkater Uhr pünktlich, Straßenbahnhaltestelle am Wilhelmsplatz; für Nachzügler 9-� Uhr an der Pots- damer Chaussee vor dem Botanischen Garten. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können an der Besichtigung teilnehmen. Kinder unter 10 Jahren sind von der Beteiligung ausgeschlossen. Jedes Kind hat 30 Pf. Fahrgeld mitzubringen. Der Vorstand. Neukölln. Eine LiebestragSdie verursachte vorgestern nachmittag in dem Hause Wnrihestraße 00 große Aufregung. Die 31 Jahre alte Ww. S., die do?t mit ihrer �betagten Mutter wohnt, hatte bis vor einem Jahre ein Liebesverhältnis mit dem 35 Jahre alten Kinopförtner Heinrich Riggers aus der Kahlerstr. 13. Dann brach sie mit ihm nach wiederholten Streitigkeiten, weil sie ihn als einen gewalttätigen Menschen kennen gelernt hatt. Das Zerwürf- nis ging soweit, daß Frau S. den R. wegen Zuhälterei, Nötigung und. Erpressung anzeigte. Riggers erhielt ein Jahr Gefängnis. Vor einigen Tagen wurde er aus der Strafanstalt entlassen. Gleich versuchte er, die alten Beziehungen zu Frau S. wieder aufzu- nehmen. Nachdem seine Werbe- und Drohbriefe keinen Erfolg hatten, machte er sich vorgestern auf den Weg, um Frau S. per- fönlich aufzusuchen. Diese war darauf gefaßt, daß er eines Tages einmal kommen werde, und hatte sich schon einen Revolver zurccht gelegt, um ihn abzuwehren, wenn er Gewalt gebrauchen wolle. Auf Riggers Klingeln öffnete die alte Frau S. Diese stieß er kurzerhand auf die Seite, dann eilt« er auf seine frühere Geliebte zu. die in der Stube saß. fiel sofort über sie' her und würgte sie. Frau S. wehrte sich aus allen Kräften. In seiner Wut biß Niggers die Frau wiederholt in die Wange und biß ihr dann die Nase ab. daß sie nur noch an einen Fleischfetzen hing. Trotzdem gelang es jetzt der Uebenfallenen, zwei Schüsse aus ihrem Revolver abzu- feuern. Sie traf zwar nicht, riefen aber die Hausgenossen herbei. Als diese kamen, entfloh Riggers. Die Verfolger setzten ihm aber nach, und so wurde er auf der Straße bald ergriffen. Die Krimi- nalpolizei, der er von dem 5. Polizeirevier überwiesen wurde, führte ihn dem Untersuchungsrichter vor. Frau S. wurde nach dem Krankenhause gebracht, wo man ihr die Nase wieder annähte. Schwer zu Schaden gekommen ist beim Besteigen eines Straßen- bahnwagens der Kassierer Bernhagen aus der Weserstr. 55. B. sprang gestern früh gegen s47 Uhr an der Ecke der Kaiser-Friedrich- und Wildenbruchstraße auf den Beiwagen eines in der Fahrt be- findlichen Straßenbahnzuges der Linie 89 auf. Dabei schlug er mit dem linken Bein so heftig gegen das Trittbrett des Waggons, dajz er einen Bruch des linken Unterschenkels erlitt. Der Verun- gluckte wurde nach dem hiesigen Krankenhause übergeführt. Neuenhagen(Ostbahn). Ucber die Gültigkeit der Gcmeindcvertretertvahlen hatte die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung zu entscheiden. Die Wahlen der ersten und zweiten Klasse wurden einstimmig für gültig erklärt. In der dritten Klasse lagen Proteste vor. Die Berechti- gung unseres Protestes gegen die Wahl des Herrn R. Lenz als Nichtangesessener mußte der Gemeindevorsteher ohne weiteres an- erkennen; da schon zwei Nichtangesessene der dritten Klasse ange- hören, müssen, bei einer Gesamtzahl der Gemeindevertretung von 15, die beiden anderen Vertreter Angesessene sein. Für die Un- gültigkeit der Wahl des Genoffen Möser sollte die Zurückweisung der Forensenstimmen durch unsere Genossen im Wahlvorstand bei der Stichlvahl herhalten. Dadurch wäre das Wahlgeschäft nicht ord- nungsmäßig vor sich gegangen. Eine komische Argumentation, wenn man in Betracht zieht, daß der Genosse Moser mit 103 gegen 63 Stimmen gewählt wurde und daß dabei vielleicht 20 Forensen- stimmen zurückgewiesen wurden. Mit diesen aussichtslosen Grün- den konnte man nichts ausrichten. Jetzt mußte die amtliche Be- kanntmachung zur Hauptwahl, welche irrtümlich die Aufforderung zur Wahl eines Nichtangesessencn enthielt, als Grund dienen, beide Wahlen, die Hauptwahl und die Stichwahl für ungültig zu erklären. Gen. Köseling verwies auf§ W(18b) L.-G�O.. wonach durch eine dem Gesetz widersprechende Festsetzung des Gemeindevorstehers über die Anzahl der in einer Klasse wählbaren Nichtangescssenen die Gültigkeit der Wahl eines solchen, der bei richtiger Festsetzung nicht hätte gewählt werden dürfen, nicht bewirkt wird. Auf Grund dieser Entscheidung sei die Wahl des Herrn Lenz(Hauptoahl) ungültig. Die Gegner stimmten dieser Ausfassung zu, betonten aber, daß dann auch die Stichwahl ungültig sei, und sie beschlossen mit 10 gegen 2 Stimmen, beide Wahlen für ungültig zu erklären. Die Arbeiten zur gründlichen Renovierung der Badeanstalt zum Preise von 2675 Mark wurden dem Unternehmer A. Mothes übertragen. Dieselbe soll innerhalb dreier Wochen fertiggestellt sein.— Der sozialdemo- kratische Antrag auf»Einführung einer Geschäftsordnung führte zur Entdeckung einer solchen aus dem Jahre 1877, die auch heule noch, natürlich verbessert, angewendet werden soll. Adlershof. Aus der Gemeinbevertretung. In der letzten Gemeindedertrcter- sitzung wurden die neu- bezw. wiedergewählten Gemeindevertreter eingeführt. Einem Autrag, die öffentliche Rechtsauskunftsstelle zu erweitern, konnte nicht entsprochen werden, da gleichzeitig auch die Anstellung eines neuen Beamten damit verbunden ist. Um die Not- wendiglei: der Erweiterung nachzuprüfen, wurde der Antrag auf ein Vierteljahr zurückgestellt. Für die Speisung bedürftiger Kinder der beiden Gemeindeschulen sind insgesamt 1029,29 M. aufgewendet worden; im Etat 1911 waren vorgesehen 696,85 M., so daß der Voranschlag um 332,44 M. überschritten wurde. Diese Summe wurde einstimmig nachbewilligt. Leider„mußte" die Speisung der Kinder in den Sommermonaten unterbrochen werden—„wegen Mangel an Mitteln". Eine rege Debatte entspann sich über die Beschaffung einer Feuerwehrleiter. Vor Eintritt in die Ver« Handlung wurde die für den Kauf in Aussicht genommene Köbesche Leiter, die nicht mehr neu ist und 5500 M. kosten soll, besichtigt. Der Schöffe Müller regt an, zunächst einen Fachmann zu hören, und zugleich bei der Gemeinde Hohenschönhausen anzufragen, warum dort die Leiter, nach Benutzung, zurückgewiesen wurde. Genosse Zabel schloß sich den Ausführungen des Schöffen an und betonte, daß man auch in AdlerShof endlich daran denken solle, für die Zukunft zu kaufen. Trotzdem erst vor zirka 3 Jahren eine neue Leiter angeschafft wurde, ist diese jetzt für die örtlichen Verhältnisse nicht mehr zu gebrauchen. Man müsse darauf achten, daß eine Feuerleiter nicht nur momentan, sondern auch in absehbarer Zeit allen Ansprüche» gerecht wird. Diesen Ausführungen schloffen sich die übrigen Vertreter an. Die Abänderung des Gasverlrages hatte die'Gemeindevertretung in der Februarsitzung an den Verkehrs- uud Bauausschuß zurückverwiesen. Es sollte bei den Nachbargemeinden nachgefragt werden, ob dort bessere Verträge bestehen. Ferner sollte auch der§ 1 des Vertrages, in dem von»kleineren Mängeln" die Rede ist, eine präzisere Fassung erhalten. Die Umfrage hat nun ergeben, daß nur diejenigen Gemeinden beffere Verträge mit der Englischen Gasanstalt haben, welche die Vertragsdauer aus ganz erhebliche Zeit verlängert haben. Der Ausschutz empfahl, den K 1 des Vertrages ganz zu streichen und dann den Vertrag anzunehmen. Demgemäß wurde beschlossen. In der Märzsitzung ist im Prinzip beschlossen worden, auf dem Grundstück Hackenbergstr. 14(vor der ZufluchtSanstall) eine Gemcindeturnhalle zu errichten. Der Neu- bautenausschuß schlägt vor. zum Bau der Turnhalle noch einen Teil des Blümelschen Grundstücks zuzukaufen. Der Kaufpreis beträgt 1500 M Es lagen fünf Entwürfe vor. Beschlossen wurde, das Grundstück zu erwerben und den Entwurf 2 zur Ausführung zu bringen. Nach diesem Entwurf erhält die Halle eine Größe von 24,24X14,24 im Lichten. An den Turnraum schließt sich unmittelbar ein Garderobenraum für die Turner an. Ferner wird auch eine Zuschauertribüne hergestellt. DaS gesamte Gebäude erhält Niederdruck-Dampfheizung, welche im Keller untergebracht wird. Die Kosten des Baues sind mit 60 000 M. veranschlagt. Der hinter der Halle befindliche Turnplatz erhält eine Größe von 23 X 91 Meter. Die sich in unmittelbarer Nähe be- findlichc Zufluchtsanstalt macht zurzeit einen geradezu jämmerlichen Eindruck. Um zu erreichen, daß die Anstalt einigermaßen ihrer Um- gebung angepaßt wird, soll die Vorderseite einen ähnlichen Putz er- halten, wie er für die Turnhalle vorgesehen ist. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 1000 M. Die Gesamtausgabe von 6l 000 M., einschließlich des Kaufpreises für das noch zu erwerbende Grundstück, soll aus einer aufzunehmenden Anleihe bestritten werden. Die Stiftung eines Preises für die Flugwoche lehnte die Gemeinde» Vertretung ab. Nieder-Schönhausen, Nordend. Ueber„unsere hygienischen und sanitären Anforderungen an die Gemeinde", referierte in einer öffentlichen Versammlung im „Schwarzen Adler" der praktische Arzt Dr. Moses. In der Dis- kussion kennzeichnete Genosse Hiege besonders die Stellung der biir- gerlichen Gemeindevertreter unseren Forderungen gegenüber. Ge- nosse Joachimsthal unterzog noch die schmutzige Kampfesweise des Ortsblättchens einer herben Kritik. Zum Schluß forderte Genosse Buchweiz die Versammelten auf, sich recht rege an der Wahl zu be- teiligen und für unser» Kandidaten einzutreten. Wittenau-Borfigtvalde. In der Gemeindmrtretersiijung am Donnerstag wurden zu- nächst die im März vollzogenen Neuwahlen für gültig erklärt und die neu- resp. wiedergewählten Vertreter durch den Gemeindevor- steher Witte in ihr Amt eingeführt. Unsere Fraktion hat von den- 12 Sitzen 4 inne.— Aus den Verhandlungen sei erwähnt, daß zur weiteren Finanzierung des Verbandskrankenhauses außer den vom Kreise Niederbarnim bereits übernommenen Dar- lehen von 525 000 M. weitere 75 000 M. notwendig sind. Die Ver- tretung gab nach kurzer Debatte ihre Zustimmung zum Abschluß eines diesbezüglichen Nachtragsvertrnges mit dem KreiZausschuß. In der Beantwortung einer Anfrage über die Verwendungszwecke dieser Mittel wurde u. a. auch auf die zunehmende Jnanspruch- nähme des Krankenhauses verwiesen und auf eine beabsichtigte Ver- mehrung der bisherigen 130 Betten auf 200.— Die Frage der Kostendeckung für einen Ueberweg über die Industriebahn zeitigte eine interessante Debatte insofern, als hier die Wittenauer Boden- spekulationen recht in Erscheinung traten. Die Bodengesellschaft bat die in Frage kömmende Straße 89 ausgebaut und die Kosten bei der Kreuzung mit der Nordbahn muß nun die Gemeinde resp. die Bodenspekulationsgesellschaft tragen. Der notwendige Schranken- bau und die Niveauregulierung, die die Regierung verlangt, er- fordert 15 090 M. Daß dieser Wegeausbau für beide Kontrahen» tcn von Vorteil, ist selbstverständlich, der größere Nutzen liegt aber sicher auf feiten der Bodengescllschaft und diese wollte denn auch zunächst zwei Drittel beisteuern, ein Drittel sollte die Gemeinde übernehmen. Eine Verpflichtung wollte die Gesellschaft nicht haben. Unser Genosse Liebelt verlangte ein größeres Entgegen- kommen von der Gesellschaft. Er verwies u. a. auch auf die miß- lichen Erfahrungen mit der Borsigwalder Tcrraingesellschaft und die enormen Gewinne aus der Bodenspekulation für diese Art Gesellschaften. Ihm wurde von verschiedenen bürgerlichen Ver- tretcrn entgegnet, daß man der zu nichts verpflichteten Gesellschaft doch daiAbar für ihr weites Entgegenkommen sein müsse; Gefahren wie bei der Borsigwalder seien mit der Wittenauer Gesellschaft nicht vorhanden. Die spätere Straßendurchlegung nach Waidmannslust und der erweiterte Verkehr nach Tegel, dessen Hasenerwcitcrungs- bau usw. bedingten auch weitere Mittel für Straßenregulierungcn, zu denen man dem Kreis gegenüber verpflichtet wäre. Unsere Ge- nossen betonten nochmals, daß hier die Interessen der Gemeinde und nicht die> der Bodcngesellschaft vertreten werden müssen, was natürlich eine Abwehr der damit getroffenen Interessenten hervor- rief. Daß auch in Wittenau das Geld knapp ist, ersah man daraus daß Herr Mite als Gemeindevorsteher dem Vertreter der Boden- gesellschaft, der natürlich auch Gemeinde verordneter ist, anging, für das laufende Jahr den Anteil der Gemeinde zu verauslagen. Und der Herr Bodengcscllschaftsvcrtreter sagte zu, wie er auch noch weiter seinem resp. seiner Gesellschaft milden Herzen Ausdruck verlieh, und anstatt zwei Drittel jetzt sogar drei Viertel der Kostensumme übernahm, die Gemeinde also nur 3750 M. als ein- malige Abfindungssumme beizusteuern hat. Dieses weitere Eni- gegenkommen löste vielfach heitere Stimmung in der Sitzung aus. — Die hierauf vorgenommenen Wahlen zu den verschiedenen Kom- Missionen ergaben nur geringen Personenwechsel; die beiden bis- herigen Vaukommissioncn werden zu einer vereinigt. Bei der -Ar meniom Mission regten unsere Genossen die Wahl eines weiblichen Mitgliedes an, gleich wie in anderen Gemeinden. Der Vorsteher hob die strenge Sachlichkeit der bisher amtierenden Herren hervor, die im Amte verblieben, und er will vielleicht später auf den Vorschlag zurückkommen. Die Amtsdaurr in den Kom- Missionen währt sechs Jahre, Es folgte noch eine geheime Sitzung. Gerichts-Zeitung Strafanträge im AsYlistenvergiftungSprszeß. Im Scharmach-Prozcß begann gestern der Staatsanwalt Tr. Gutjahr mit einer fünfstündigen Rede die Reihe der Plai- doyers. Der Staatsanwalt beantragte gegen Scharmach 5 Jahre Gefängnis, gegen Meyer und Zastrow je zwei Jahre, gegen Dahle g Monate Gefängnis und gegen Redomske die Freisprechung.— Die Plaidoyers werden am Dienstag fortgesetzt werden. Die beantragten Strafen sind im Verhältnis zu den schweren Folgen des frevelhaften Leichtsinns, aus Gewinnsucht Methyl- alkohol als Genußmittel zu verkaufen, sehr niedrige. 8Z 230, 232 StrGB. bedrohen fahrlässige Körperverletzung, die mit Uebcr- trctung einer Eewerbspflicht begangen ist, mit Gefängnisstrafe bis zu 3 Jahren. Ein weit höheres Strafmaß droht das Nahrnngs- mittclverfälschungsgesetz an. Die einschlägigen Vorschriften sind in ZZ 12 bis 14 des NahrungSmittelgcsetzes enthalten. Sie lauten: 8 12. Mit Gefängnis(bis zu 5 Jahren), nebe» welchem auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann, wird bestraft: 1. Wer vorsätzlich Gegenstände, welche bestimmt sind, anderen als Nahrungs- oder Genußmittel zu dienen, derart herstellt, daß der Genutz derselben die menschlich« Gesundheit zu beschädi- gen geeigmet ist, ingleichen, wer wissentlich Gegenstände, deren Genuß die menschliche Gesundheit zu beschädigen geeignet ist, als Nahrungs- oder Genußmittel verkauft, feilhält oder sonst in Ber- kehr bringt. Der Versuch ist strafbar. Ist durch die Handlung eine schwere Körperverletzung oder der Tod eines Menschen verursacht worden, so tritt Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren ein. 8 13. War in den Fällen deS§ 12 der Genuß oder Gebrauch des Gegenstandes die menschliche Gesundheit zu zerstören geeignet und war diese Eigenschaft dem Täter bekannt, so tritt Zuchthaus- strafe bis zu zehn Jahren und. wenn durch die Handlung der Tod eines Menschen verursacht worden ist, Zuchthausstrafe nicht unter zehn Jahren oder lebenslängliche Zuchthausstrafe ein. Neben der Strafe kann auf Zulässsgkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden. 8 14. Ist eine der in den Z8 12. 13 bezeichneten Handlungen aus Fahrlässigkeit begangen worden, so ist auf Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder Gefängnis bis zu sechs Monaten und, wenn durch die Handlung ein Schaden an der Gesundheit eines Menschen verursacht worden ist. auf Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre, wenn aber der Tod eine? Menschen verursacht worden ist, auf Gefängnisstrafe von einem Monat bis zu drei Jahren zu er- kennen. Die Herstellung und das Inverkehrbringen von Methylalkohol statt Trinkbranntwein geschah vorsätzlich und wiederholt. Nimmt man auch zugunsten des Hauptangeklagtcn an, daß die giftige Eigenschaft deS Methvlalokohol dem Scharmvch nicht bekannt war, so müßten doch die Schlußbestimmungen des 8 12 in Anwendung gebracht werden, zumal es sich nicht nur um den Tod eines Men- scheu, fondern um SI Todesfälle und. wenn zugunsten des Ange- klagten auch eine große Reihe von Fällen ausgeschieden werden mag. bei denen die Todesursache Zweifel auKlöst, um Dutzende von Menslbenlebcn. Diebstahl von Militärgrwehrteilc» Die Angeklagten Fitzner und Stetzclbcrg haben bekanntlich zu- gegeben, daß sie sich während ihrer Deschäftigung in der Deutschen Waffen» und Munitionsfabrik Gewehrteile, die zum Ausschutz ge- warfen waren, angeeignet haben. Sie führten zu ihrer Entfchuldi- gung an, derartige Teile hätten sich viele im Betriebe tätige Per- sonen angeeignet, niemand habe darin etwas Unrechtmäßiges er- blickt. Nach dieser Richtung gingen die Aussagen von zwei Zeugen, die in der gestrigen Sitzung vernommen wurden. Metallarbeiter Göbel sagte, er sei als Revisionsarbeiter in der Deutschen Waffen» und Munitionsfabrik beschäftigt gewesen und habe oft Gewehrteile, die nicht abnahmefähig waren, an Mitglieder der behördlichen Ab- nahmkommission gegeben, die sich daraus Gegenstände für den per- sönlichen Gebrauch, wie Briefbeschwerer, Zigarrenabschneider und dergleichen, anfertigten.— Direktor Hönisch bemerkte hierzu, es könne sich nur um solche Fälle handeln, wo er die Erlaubnis zu der betreffenden Verwendung von Ausschußteilen gegeben habe.— Der Zeuge Gäbet behauptete dagegen, es sei auch oft vorgekommen, daß derartiges ohne Erlaubnis geschehen sei. Wenn Mitglieder der Abnahmekommission nicht abnahmefähige Teile von ihm verlang- ten, so habe er sie ohne weiteres gegeben, auch andere Arbeiter hätten dasselbe getan, denn man fürchtete, man könne Schwierige keiten bei der Revision haben, wenn man die Wünsche der mit der Revision und Abnahme betrauten Personen nicht erfülle.— Als der Zeuge diese Angabe machte, rief jemand im Zuhörerraum: „Bravo."— Vorsitzender Landgcrichtsrat Haberstroh:„Wer ruft Bravo?"— Im Zuhörerraum erhebt sich ein Herr. Er sagt, er sei Büchsenmacher und habe 15 Jahre in der Waffeufabrik«e- arbeitet. Tann entfernt er sich aus dem Zuhörerraum. Der als Zeuge vernommen« Büchsenmacher Hasse war in der Deutschen Waffen» und Munitionsfabrik beschäftigt und betrieb außerdem iroch ein eigenes Geschäft. Der Angeklagte Stetzelberg hat von dem Zeugen Gewehrteile des Modells SS gekaust, die der Zeuge, der als Büchfenmacher-Afpirant in der Königlichen Gewehr. fabrik in Erfurt tätig war, mitgenommen hat. Der Zeuge gibt zu, daß er sich die Teile widerrechtlich angeeignet hat. Er fei von seinem Meister in der KSniglichen Gcwehrfabril in Erfurt zum Diebstahl angelernt worden. Da werde sehr viel gestohlen. Wer die Fabrik betrete, der werde zum Spitzbuben. Er habe wegen seiner Diebstähle in Erfurt vor dem Kriegsgericht gestanden, aber der Prozeh sei„aufgehoben" worden.— Borsitzender und Staatsanwalt bemühten sich, festzustellen, was der Zeuge mit dem Aus- druck„aufgehoben" meine, ob er freigesprochen sei oder ob da? Verfahren in der Voruntersuchung wegen Mangel an Beweisen eingestellt sei.— Der Zeug« bleibt dabei, er sei nicht freigesprochen, es sei gegen ihn verhandelt worden, aber die Sache sei„aufge- hoben".— Ueber die Verhältnisse in der Deutschen Waffer»- und Munitionsfabrik befragt, sagte der Zeuge, da sei s» viel von alle« möglichen Leuten mitgenommen, daß der Gerichtssaal nicht aus- reichen würde, wenn sie alle angeklagt werde« sollten. Di« Aus» schußteile lägen so herum, daß sie jeder ohne wettere» mitnehmen könne. Ter Prozeß endete mit der Freisprechung von Frau Hell- fritzsch und Berurteilung der übrigen Angeklagten. Das Urteil gegen Louis Hellfritzsch. wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei lautet auf 1 Jahr und S Monate ZpchthauS, sowie 3 Jahre Ehrverlust. 3 Monate Untersuchungshaft werden ihm auf die Strafe angerechnet. Wegen Diebstahls wurden verurteilt Fitzner zu V Monaten und Stetzelberg zu 3 Monaten Gefängnis. Tenniswirt und Kindrrschutzgesetz. Ter Gastwirt Zagaczkowski besitzt in Schöneberg eine Anlage von Tennisplätzen, wo er zugleich in einer Halle die Gastwirtschast betreibt. Die Plätze vermietet er an Tennisklubs. Die Jungens, welche die Klubs zum Aufsuchen der Tennisbälle brauchen, weist er ihnen zu. Die Bezahlung an die Kinder erfolgt durch die Klub», j Wer Aussicht haben will, aft Tennisjunge befchäftigk zu werden, muß sich bei Zagaczkowski melden. Das Berliner Landgericht hatte nun Z. auf Grund des Kinder- schutzgesetzes zu einer Geldstrafe verurteilt, weil ein Junge ent- gegen den Borschristen dieses Gesetzes am Sonntage beschäftigt worden sei. Das Gericht erachtete es für gleichgültig, daß der Tennisklub den Jungen für seine Tätigkeit bezahlte. Entscheidend fei, daß Z. ihn angenommen habe. Er sei als derjenige anzusehen, der ihn beschäftigt habe. Somit hafte er für die verbotswidrige Be- schäftigung des Knaben am Sonntage. Z. legte Revision ein. Das Kammergericht verwarf am DienS- tag die Revision des Angeklagten. Es sei festgestellt, daß er das Vermieten der Tennisplätze gewerbsmäßig betreibe und daß es im Interesse dieses seines Betriebes liege, daß die Klubs durch Juugen bedient würden. Ferner stehe fest, daß er die Jungen angenommen habe. Er sei deshalb mit Recht als derjenige angesehen worden, welcher sie beschäftigte. Demgegenüber sei es gleichgültig, daß die Kinder von den KlubS bezahlt wurden. Hus aller Melt. Der Xdealftaat der Junker. Unter wütendem Toben der preußischen Junker hat in der borussischen Duma Genosse Liebknecht Rußland als daS bar- barisch sie und verächtlichste alker Staatswesen Europas gekennzeichnet. So wahr die Charakterisierung des östlichen Riesenreickies ist, so verständlich ist auch das Mißbehagen, daS unsere Junkerkaste bei der Konstatierung der Tatsache ergriff. Sind es doch die von ihr erträumten Regierungsmaximen, die in diesen Worten gegeißelt werden. Die Galgen für die Freiheit, die gefüllte Futterkrippe am Staats- rüder für die Angehörigen der herrschenden Kaste! Sind das nicht Ideale, die jedes brave preußische Junker- herz höher schlagen machen? Und dieses Regierungsprogramm ist in Rußland bis zur äußersten Vollkommenheit durchgeführt. Tau- sende und abertausende Schwärmer für ein freiheit- liches Rußland haben ihr Sehnen am Galgen büßen müssen. Von Zeit zu Zeit durchhallt die gesamte Kulturwelt der verzweifelte Ausschrei der in den russischen Kerkern dahinsie- chenden politischen Gefangenen. Und zu derselben Stunde ertönen am Zarenhofe die frömmelnden Gebete des in Gunst stehenden Mönches R a S p u t i n. Er ist nach dem Urteil aller Sach kundigen die erste Person in Rußland. Und das. trotzdem alle Welt weiß, daß dieser finstere, mystische Pfaffe mit seinen Gebetsübungen die a nS schweifend st en sexuellen Orgie it verbindet. Oder viclleimt gerade darum ist er bei dem weiblichen Teile des HofeS persona xrat»! In die Gebete und Gesänge der mystischen Sektierer aber gellt der Schrei nach Brot, der Millionen an Hungers- not Leidenden. Rußland ist aber nicht nur das barbarischste Staats- wesen, eS hat auch die verächtlichste staatliche Organi- s a t i o n. Ist eS doch geradezu eine Ausnahme, ein ehrliches, uneigennütziges Mitglied der Beamtcnhierarchie zu finden, ganz gleich, ob es sich um Großfürsten oder Polizeidiener handelt. Oder ist es nicht das erbärmlichste, wenn russische Großfür st en mit ihren Dirnen Hundert tausende Rubel verpraßten, die gestohlen waren auS den Geldern, die während deS russisch- japanischen Krieges für die HilsStätigleit des Roten Kreuzes auf- gebracht wurden? Ist eS nicht das verächtlichste, wenn sich die höchsten Beamten des Staates an den Geldern vergreifen, die ausgeworfen werden zur Linderung d e r H u n g e r s n o t in den verschiedenen Provinzen? Mag man ein Berwaltungsgebiet nehmen, welche? man will, überall stößt man auf die vertumpteste Korruption. So verrucht die Verwaltung, so korrumpiert ist die Justiz. Erst heute geht eine Nachricht durch die Presse, wonach in Minsk aus dem GerichtsgefängniS nicht weniger als 2400 G e- richtSakten spurlos verschwunden sind. Weiter wird die erbauliche Tatsache bekannt, daß der Chef der dortigen GerichtSver> waltung, TszernewSki, die Beschlüsse und Entscheidungen der Gerichte gefälscht hat und gegen hohes Honorar eine neue Verhandlung ansetzen ließ, die dann zu» gunsten der Bezahlenden ausfiel. Diese wenigen Tatsachen genügen zum Beweise der richtigen Beurteilung Rußlands durch unseren Genossen. Rußland ist daS barbarischste und verächtlichste aller Staats- wesen, trotz des wütenden Toben? der Dreiklassenjunker l Die soziale Gliederung bei Todesgefahr. Die Versicherung deS Herrn Direktor? JSmay von der White Star Linie, daß sich seiner Meinung nach keine Frauen und Kinder mehr an Bord der„Titanic" befanden, als er in einem Boote sein eigenes Leben in Sicherheit brachte, erfährt eine«igen- artige Beleuchtung durch die jetzt vorliegenden genauen Zahlen der Untergegangenen. Mit dem Ozeanriesen im Meere begraben wurden 103 Frauen und 53 Kinder. Eine furcht. lmre Anklage liegt in der Tatsache, daß von diesen Ertrunkenen nicht weniger als 81 Frauen und sämtliche 53Kinder zu den Passagieren der dritten Klasse gehörten. Um die Rettung der erstklassigen Passagiere war man so besorgt, daß von den Frauen dieser Klasse 07 Proz. gerettet wurden. Mit dem Herabsteigen auf der sozialen Stufenleiter ist in der zweiten Klasse auch ein größerer Prozentsatz ertrunkener Frauen verbunden. Hier wurden nur noch 84 Proz. Frauen gerettet. An drittklassigen Menschen ist Ueberfluß: nur noch 55 Proz. Frauen der dritten Passagierklasse wurde» gerettet. Von den Kindern erster und zweiter Klasse wurden alle gevettet; von den Kindern der dritten Klasse ertranken siebzig Prozent! Man darf sich nicht damit herausreden wollen, daß an Deck keine Frauen und Kinder mehr waren. Wenn der Dampfer über zwei Stunden nach dem Zusammenstoß sich über Wasser hielt. bestand die Möglichkeit, alle Frauen und Kinder zu retten, oder hat man etwa nach Möglichkeit dafür gesorgt, daß die drittklassigen Passagiere nicht an Deck konnten? Blutige Kämpfe um Brot und Wasser. Während Italien seine Millionen in Tripolis verpulvert, zwingt der Diangel an den nötigsten Daseinsbedingungen in Sizilien und in Süditalien zu verzweifelten Gewalttaten. So ist die Gemeinde von A l c a m o in der Provinz Trapani ganz mangelhast mit Trinkwasser versorgt, obwohl sie 80 000 Ein- wohner zählt. Seit langem hat die Bevölkerung in verschiedener Weise ihre Unzufriedenheit an den Tag gelegt, bis am 23. d. M. etwa 1000 Demonstranten die Röhren des Aquädukts mit Beilen geöffnet haben, der das Wasser nach Trapani führt. Es wurden Soldaten requiriert, die beim- Bajonettangriff eine Frau der- wunde ten. Tann vertrieb die Kavallerte die Menge und nahm den Demonstranten die Fahnen ab. Das gab zu einem solchen Steinhagel Anlaß, daß die Kavallerie sich zurückziehen mußte. Die protestierende Menge, hauptsächlich aus Landarbeitern bestehend, bewaffnete sich mit Heugabeln und Schaufeln, wobei die Frauen sich in erster Linie befanden. Nach einem über 10 Minuten dauernden Kampfe wurden die Demonstranten zerstreut. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen wurden 8 Soldaten der- w u n d e t. lieber die Zahl der Verwundeten in der Menge wird nichts berichtet. Gleichzeitig kommen drohende Nachrichten aus A P u l t e n, wo die?l r b e i t s l o s i g k e i t so groß ist, daß in Foggia ein Brotwagen geplündert wurde. In Cerignola sind die Landarbeiter in den Streik getreten, um dadurch die öffentliche Meinung auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Diese Gegend, die vorwtegettd landwirtschaftlich ist und Weizen und Wein produ- ziert, hat im Jahre 1910 durch die Wein kr ise schwer gelitten, ist im Jahre 1011 von der Cholera heimgesucht worden und leidet heute unter andauernde� Trockenheit und Arbeits- losigkeit. Der Kampf gegen die Cholera hat die Gemeinde- lassen erschöpft, so daß viele öffentliche Arbeiten unterbleiben mußten. Daher ist die Arbeitslosigkeit in diesen Gegenden, deren Einwohner sich schwer zum Auswandern entschließen und bei dem herrschenden Großgrundbesitz nur als landwirtschaftliche Taglöhner Arbeit finden können, noch größer als in früheren Jahren. Wenn die Regierung nicht sofort einige längst fällige öffentlickie Llrbeiteii in Angriff nehmen läßt, muß man etuf das schlimmste gefaßt senl. Aber die Regierung braucht ja ihr Geld für den Krieg und für öffentliche Arbeiten in Tripolitanienl Kleine Notizen. Der Bräutigam als Mörder. Urtter dem dringenden Verdacht, seine kürzlich in Hannover tot aufgefundene Braut, die Plätterin Sonnenberg aus Nörenberg in Pommern ermordet zu haben, ist gestern vormittag der Bräutigam des Mädchens, der HilfSgerichtsbeamteSchwandt von der Kriminalpolizei in Hannover verhaftet und dem Gcrichtsgefängnis zugeführt worden. �_ Schwimmende Falschmünzerwerkftatte. Auf einem tn Sankt Goarshausen vor Anker liegenden Kranenschiff wurde durch Zufall, während der Abwesenheit des Maschinisten, eine Falsch- münzer Werkstatt entdeckt. Es wurden Formen für Fünf- und Zweimarkstücke gefunden. Der in Ludwigshafen woh- nendc Maschinist wurde verhaftet. Tödliches Autounglück. Bei dem Dorfe U e ck e r t tz auf U s c- d o m geriet Freitagabend ein Automobil ins Schleudern und stürzte um. Von den drei Insassen ist der Ingenieur Jahnisch von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin, der unter das Fahr- zeug geriet, getötet worden. Ingenieur Bach m a n n- Stettin erlitt schwere Verletzungen. Der Führer des Wagens, Ingenieur Ritter, Leiter des Provinzialbaubureaus in©ivtne- münde, trug eine leichte Quetschung an der Schulter davon. Kirchliche Stenerverweigercr. Aus Bordeaux wird gemeldet: Städtische Steuereinnehmer erschienen Freitag abend in einer Ka- thedrale, um die L n st ba r k e i t s st e u er zu erheben unter dem Vorgeben, daß daselbst ein W o h l t ä t i g k e i t s f e st zugunsten der katholischen Privatschulen stattfinde, und daß die Veranstalter E i n- trittskarten verkauft hätten. Die Kirchendiener weigerten sich jedoch, die Steuereinnehmer ihres Amtes walten zu lassen, worauf diese die Polizei von dem Vorfall benachrichtigten. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Reichstag?- Wahlkreis Arnswaldc- Friedeberg. Ortsvcrein Berlin. Heute Sonntag, nachmittags 3 Ubr, bei Thimm, Tilsiter Str. 72: Mitgliedernr- sammlung. Gäste willkommen. Allgemeine Famtllensterbekasse. Heute Zahl- und Nnsnahmetag von 3—6 Uhr im Reiiamant Ackersw. 123 und Sebastianstr. 33. Marktbericht von Berlin am ÄK. April ISIS, nach Ermittelung des köriigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Speis cbohnen, weihe, 30.00— 56,00. Linsen 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 6.00—t3,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,30—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch l.40— 1.80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40—2,60. Hammelfleisch 1,40— 2.20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,00— 6,00. 1 Kilogramm Karpsen 0,90-2,40. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1.00—2,00. Schiele 1,40—3,20. Blei« 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 3,00—40,00. Sozialdemokratischer WaWverein für den 4. Berliner Heichstags-Wahlkreis. Köpenick. Viertel. Bz. 184 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Marmor- arbeiler {iermn Fleischer Oppelner Ew. 40 gestorben ist. Ehre seinem Audenke«? Die Beerdigung findet am Montag, den 29. April, nach> mittags 3'/, Uhr, vom Traue» hause aus nach dem Zenwal- Friedhof in Friedrichsseide statt. Um rege BelcUigung ersucht Der Vorstand. &nhängetiscli für Balkons als Pult etc. Klappstühle Gartenmöbel Blasberg, S, Markgrafen- straBe 94. MWkll Sie nicht auch ein HiwSchen mit einem kleinen, netten Gärtchcn Ihr Eigen nennen, Obst, Gemüse sich selbst ziehen, Tauben, Hühner halten, als eigener Herr aus sreier Scholle wohnen? Wir erbauen Ihnen im nord- westlichen Borort, 30 Minuten Fahrzeit, waldreicher Gegend, Einfainilienhänser, Ihrer tndividnclle» Gcschmacksrich- tung entsprechend bereits von «SOO ZI an. 29242 Ferner offeriere« Ihnen für Errichtung von Sommer- und Ferienhänsern herrliche Hoch- wald-Billen- und Landban stellen, O-nadratrute v. SV M. an, bei kleinster Sinzablung unter günstigfi. Bedingungen. Prospekte gratis. „ZlV. IVVO� Postamt 43. u- "g J Klnmtll- und Kranftinderti von Roberl Meyer,' uut Mlullumen-Siraßt 2. Hs-GAolie! 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Stank u. Co. 9,20. Tischl. Fester Kroßer 9,85. Lochow, Hering u. Co. 40,—. Tischl. Sirokka 8,60. Bau- tischlerei Müller-Tegel 44,—. Tischl. Hensel 13,—. Tischl. Grabowski 8,75. Tischl. Kühn 10,—. Tischl. Reckent u. Co. 10,—. Tischl. R. Sänger 8,40. Tischl. Arendsohn 5,25. Tischt. Mitusch u. Langisch 8,—. Tischl. Bünger 30,—. Tischl. Rasp 5,25. Tischl. Kimpel u. Friedrichselt 3040. Tischl. Roeßler n. Schmidt 30,—. Tischl. Berndt 20,-. Tischfabr. Barte! 12,—. Sechserlaff- Krause, Korilla u. Co. 40,—. Gen. Voran 7,90. Tischl. Friedrich 10,—. Tischt. Lüdlte außer Possrei 11,40. Tischt. Richter u. Scherler 27.60. Tischl. Joh» u. Bester 12,25. Bembeneck, Koch u. Co. 15,—. Kvlteritzsch 5,—. Gen. Hoffnung 5,—. Sechserlasse Siebert u. Aschenbach 35,—. Treppengeländers. 20,—. Tischl. Zwiclusch u. Co. 15,—. Von den Tischlern von Klug 30,—. Tischl. Hopp 5,—. Tischl. DIttmar 15,—. Tischl. Bremer 20, Tischl. Conrad, Plume u. Co. 5,50. Kolleginnen u. Kollegen Leistensabrii Wols 5,25. 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"Paul Wotschke, AndreaSstr. 16. "Hermann Tavid. Weidenweg 3. Helene Kolberg, Merneler Str. 34. "Paul Peterion, Weidenweg 83. Hermann Kaselow, Friedenstr. 74. Tiranz Krnger, Posener Str. 2ö. "Joh. Heiden, Weidenweg 26. "(vrnst Bos«, Voigtstr. 6. -<3uitnv Brösel. Fruchlstr. 83. Max Lerche, Tilsiter Str. 44. 'Zlugust Körlln, Rigaer Str. 46. «•. Tornow, Weidenweg 8. "Zohann Liebich, Merneler Str. 7. Otto Kogliu, Schreinerstr. 55. Auto» fröhlich, Langestr. 56. Jve. Schubert, Rorainlener Str. 30. »B. Spenkoch. Tilsiter Str. 90. Robert Zisowoki, Tilsiter Str. 76 II. Rudolf Pohl, Liopernilusstr. 3 I. Ndolf Löschkc, KI. Andrea-Zstr. 6. "With.<3 ose. Markusstr. 27. "Friedrich Kürschner, Fruchtstr. 61. 'Geltings, Zorndorserstr. 3. Otto Sternke, 5trautstr. 1a. 'Schenermann, Proskauerstr. 89. Südosten. Rdols Domann, Lauscher Str. 7. 'August Lefsvre, Adalberistr. 18. "PH. Baehr, Naunynstr. 24. Kmil Gabler, Cuvrystr. 43. "Louis Fischer, Wiener Str. 57b. "Gustav Millich, Förster Str. 8. "Robert Kessler, Mariannenftr. 37. "Jean Brunn, Wrangelstr. 15. 'Fritz Lobbes. Adalbertstr. 58. "Wilhelm Friebel, Forster Str. 33. "Wilh. Ttuduer, EÜeubahnstr. 33. 'Kämmler, Reichenberger Str. 157. "Paul Ncichelt, Wrangelstr. 62. »Adolf K nutze, Grünauer Str. 4. "Robert Franke, Britzer Str. 20. Beruh. Müller, Reichenbergerstr.lll »Zlugust Bogel, Admiralstr. 23. Koeltzin, Admiralstr. 3. Wolfs» Görlitzer Str. 57. Süden. "Wilh. voerner, Rilterstr. 15. "August Zech, Gilschiner Str. 53. "Gustav Schmidt, Gräsestr. 68. "Gustav Lochman», Wassertorstr.43. Südwesten. Wwe. Lücke, Möckernstrasje 116. Nordwesten. "Richard Kiepert, Zwinglistr. 29. Otto Bornkessel, Waldstr. 39, III. "Wilhelm Bundschuh, Birkenste. 48. "Stöbert Kern, Stromstr. 25. Richard Schoppan, Wiclesstr. 46,1. "H. Hagedorn. Emdener Str. 47. "Bösenberg. Rostocker Str. 21. "Paul Müller, Beusselstr. 28. Julius Löbel, Beusseistr. 62. Paul Galow, Beusselstr. 41. Norden. "Wilh. Blanck. Ackerstr. 119. "I. Tlabrey. Gleimstr. 10. Rudolf Runge, Jnvalideuslr. 21 "Emil Hersorih, Rügen ei Str. 7, Eingang Putbuser Strafte. "Frau Luise Ruh. Soldiner Str. 69. "Wachsmuth, FreienwalderStr. 12. Schubert, Norweger Str. 4. 'August Bausdorf. Soldiner Str. 14. 'Teglow, Hochstr. 2a. "Paul Mazanke. Pankstr. 24. "Hermann Kornetzki.WollinerSt. 23 Kempers, Fehrbeliiner Str. 57. "A. Lindemann, RheinSberg.Str. 37. 'Fritz Sperber. Ruppiner Str. 44. 'B. Moritz, Bernauer Str. 18. Liebrecht, Weiftenburger Str. 83. "Julius Ricke, Saarbrücker Str. 7. "Wilh. Klein. Müllerstr. 184. "Paul Opitz, Lhnarstr. 2. "B. Robrahu, GreifenhagenerStr.16. "Gugelhardt, Schönhauser Allee 5va. Hellmann. Schönhauser Allee 40a II. "Frau Krause, Biesenthaler Str. 9. «'Oskar Klose, Reiiiickendorserstr.36. H. Bougardt, Gleimstr. 40. F. Zimmermann. TreSckowstr. 13. "Kriedemann, Stargarder Slr. 74. Paul Roa,!v>alplaquetstr. 24, I. "Wilhelm Nüst. Antonstr. 2. "W. Gövpner, Maxslr. 13a. August Schirmer, Liwalidenstr. 2. "Louis Hofflnann. Gaudystr. 5. "Robert(schert, KolSerger �tr. 15. 'Stöbert Grewe, Wieienstr. 19. "P. Goriwoda, Stoibische Str. 44. 'Aichenbrenner, Schliemnnnstr. 4. ♦316. Kramer, Schwedter Sir. 18/13. "Friedrich Schulz, Wiesenitr. 60a. Albert Haspcl, im Hnmboldthain. "August Beutel, Bieien>balerStr.24. 'Eduard Möhl, Echvnholzer Str. 11. 'H. Herberg. Gleimstr. 65. "Karl Habersaath, Graunslr. 40. "Gustav He»»ig, Koloniestr. 129. 'W. Pöllwitz, Schliemannstr. 47. ';'A. Kaerger, Prenzlauer Allee 169. "Paul Kneifet, Ackerstr. 131. "Tchlössers Rachf., Gerichtstr. 2. Jakob Gotting, Liebenwalder Str. 5. "G. Stahlberg, Dunckerstr. 12. Paul Roack, Schönhauser Allee 56. "Ernst Schulz, Bernauer Str. 2. 'Will» Serre. Swiuemilnder Str. 55. "Gustav Henze, Stetiiner Str. 61. Otto Braun, Ruppiner Str. 14. "Rod. Genzkow, Lortzingstr. 24. 'W. Balzer, Ramierstr. 12. Präger, Rupviner Str. 25 I. Friedr. Berlin, Ackerstr. 130. "Pflug, Reinickendorser Str. 71. E. Hildebraiidt. Rügener Str. 26. "H.Ju»ghans,ReinickendorserSt.106 "H. Ziebln, Bernauer Str. 48. "Seiniuler, Brunnenstr. 103/104. "Schuhmauu, Boyenstr. 18. "Zöllner, Stetliner Str. 20. "Weidner, öochstr. 48. "Hübner, Niigener Str. 18� "Fröhlich, Reinickendorfer Str. 87. Marie Tulla. Kopenhagenerslr. 22. "Schecring. Brunnenstr. 30. Schubert, Norweger Str. 4. Math. Nadke, ZionSkirchstr. 42, III. 'Albrecht Stcinicke, Graimstr. 13. "Albert Boldua», StargarderStr. 64 Nordosten. Marie Klost. Palisadenstr. 101 pt. B. Locwindorff, Weinstr. 6 II. 'W. Eckeiibrccht, Höchsiestr. 7 III. Otto Better, Höchstestr. 32. "Jos. Krobisch, Biischingstr. 20. "Max Polest, FriedrichsbergcrSlr. 10 "Jakob Rcul, Baniimstr. 42. "Karl Müller, Nhkestr. 38. '31. Dierbach. Winsstr. 25. "Th. Bernhöft, GreisswalderSt. 207. "Gustav Pinner, TreSckowstr. 36. Georg Bürger, TreSckowslr. 38. "Heinrich Olle. Metzer Str. 22. "Wolter, Marienburger Str. 32. "Richter, Landsberger Allee 145. "Gustav Wittenberg. Barnimstr. 15. "M. Mocwus. Weinstr. 29. "Hugo Wache, Koppenstr. 46. Blauzwir», Wo!denbergerStr.12 H. "Galla, Elbinger Str. 4l. Zentrum. 31. Ehaim. jetzt Mulackstr. 8, Hof, l. Stsi. III. "Otto Probst, Linienstr. 25. Vororte. Paul Schubart, Charlottenburg, Ufeuauslr. 9. Otto Klemm, Bohndorf b. Grünau, Arbeiterbaugeu. Paradies, Ausg. 6. Paul Roack, Köpenick, Kaiser« Wilhelmstr. 103. Rod. Hellmer. AdlerSbof. KarlJa»cke,ZldlerShos,Friedenstr.t6. "Rud. Otto, ZldlerSbos, Sedanstr. 23. Benkcrt, AdlerZbos, Bismarckstr. 58a. Emil Rasenack, Nieder-<-chöneweide, Brückenstr. 3. Albert Schumacher. Lichtenberg, Wartenbergstr. 68. »Fritz Ehtert, Britz, Rudower Str. 5. "H. Trompa, Lichtenberg, Scharn- iveberstr. 44, "Harting, Lichtenberg, Rummels- burger Slr, 18. "Kaiser, Lichtenberg, Möllendorfs» strafte 15/17. "Joh. Bobrowski, RummelZburg, Crossener Str. 17. "Maferkopsf, Boxhagen, Weserftr.35. "Schütze, Neukölln, Wiftmannft. 22/23. "Schulze, Neukölln, Steinmetzstr, 110, Gustav Becker, Neukölln, Jnnstr. 29. "3llb. Schufter, Neulölln.FuIdastr. 15. I. Gans, Neukölln, Friedelstr. 3 Hl. 'F. Ehlert.Neulölln, Hermannst. 226. "Gustav Carl, Neukölln, Prinz- Haudjery-Str. 59. "Bortmauu.Neuköllu.Emser Str. 30. "Klein, Wilmersdorj. Uhlandstr, 128. "Paul Witt, Steglitz, Diippelstr. 5. "Rob.Dtübner.Stealitz.Schloftstr. 115 Lehmann, Reimckendorj-Ost, Thuner- strafte 5. "Pieper, Spandau, Metzer Str. 12. "Frau Ella'Moos, Spandau, Falken- Hagener Str. 13. "Otto Wilke, Spandau, Birkenstr, 4. "Wilb. Klemmer, Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Rölte, Spandau, Schulzenftr.ll, "Durst.SPandau, PichelSdorser Str.28 Otto Kloose, Spandau, geldstr. 5. "Wilh. Klein, Tegel. Berliner Str. 84 "Krüger, Tegel, Berliner Str. 39 pt. MiliuS, Pankow, Berliner Str. 90. "'Alb. Janike, Pankow. Mühlenstr. 38. »Hudosch, Pankow, Kaiser-Friedrich- Strafte 74. "Jacobi, Weiftenscc, Berlin erAllee 179 Werner, Weifteniee, Sedanstr. 19 I. "Hugo Jürgas. Weiftensee, Heiners» dorser Str. 55. "Zirkel, Rixdors, Jdealpassage 6. >?Roritz, Friedrichshagen, Wilhelm- siräfte 59. "H. Herzog, Achtenberg, Blumen» thalstrafte 9. "Nischewoff, Lichtenberg, Wurtelstr. 12 "Neilhoff, Reimckendori- XV., Eich- bqrnstr. 54. »Beständig, Rem!ckendors-V7,, Eich- bornstr. 91. "Adelt, Reinickendorf- 0,, Kopen» Hagener Slr. 1. 'Arnold Hamacher, Köpnicker Str. 155/156, H. Krctzncr, Marianncnvlatz 15, St. Rendschmidt, Kastanien-Allee 103 I, Knnkcl, Maiisteinstr. 11 I,"Heinr. Beyer, Elbinger Str. 13.'Schachmaun, WmSstr. 12, H. Kurnickcr, Neue Königstr. 17, Max Otto, Templiner Str. 12 Part., Laser, Landsberger Str. 91, Puttlitz, Schliemaiinstr, 28 I, Paul Juhl, Berlin-Pankow,"Roman Roskc, Ehoriner Str. 5, Götzer, Melanchtonstr, 13, I. Blauzwirn, Lothringer Str. 66/67 II,"Cypra, Carmeli-Sylva-Str. 2,"Bebrend, Weiftensee, Gustav-Adols-Str. 17. Rethwisch, Äolliner«-tr, 42 II, Gorctzka, Christiiienstr. 34. Max Jacoby, Strelitzer Str. 52 Part. "AhrenS, Köpenicker Str. 165. Birchow, Krautstr. 26a.-'Schulz, Libaucr Slr. 13.'"lilprecht. Hagenauer Slr. 2."Fiebig, Ritterilr. 55. Förster, Lber-schöueweide, SiemenSstr. 20 I. G. Beyer, Palisadenstr. 95. Gärtner, Borhagen-RummelSbiirg. Sonntagstr. 3. Wigand, Lhchener Slr. 13. Blaurock, Heinersdorjer Str. 15."GenscrowSki, Steiuitr. 16. Austrrdem sämtliche BerkansSstellen der Grosteinkaussgeiellschaft Hamburg sowie der Konsumgenossenschaft Berlin n. Nmg.—'Alle mit einem" versehenen Firmen haben Ladengeschäste."MU Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: llvi' Vei'ii'suensmsnn. Alwin Schulze, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, da� Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmcn beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11— l'i Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, da st wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Tiefe Liste können sich legitimierende Händler iin Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grüne« Plakate von hier entnehmen können. Der KertraUeNSMaNN. A. Schulze, Große Hamburger Str. 18/19. Die nächste Liste erscheint in 14 Tagen wieder. Verantwortlicher yiedalteur: Albert Wach?, Berlin. Für den Jnseratenteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u-Co. Berlin LW. Ar. 99. 29. Aahrgim?' 5. AeilM i>ts Jimirtf Sftlnift JolUlgtt Somltag, 28. Apck l912. Soziales«. Der Buchhalter als Bücherrevisor. Eine bemerkenswerte Entscheidung fällte die 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts. Es kommt gar nicht selten vor, daß der von einer Firma engagierte Buchhalter nicht nur mit der Füh- rung der Bücher, sondern auch damit beschäftigt wird, rückständige (oder unordentlich geführte Bücher in Ordnung zu bringen. Diese der Tätigkeit eines Bücherrevisors entsprechende Arbeit mutz, wenn sie autzerhalb der üblichen Geschäftszeit verrichtet wurde, nach dem Urteil des Kaufmannsgerichts auch ohne besondere Vereinbarung extra bezahlt werden. Die in dem betreffenden Rechtsstreit als Be- klagte fungierende Beleuchtungsgesellschaft hatte einen Buchhalter gegen ein Monatsgehalt von 200 M. engagiert und verlangte von thm, datz er nicht nur die laufende Buchführung übernehme, son- dern auch die Buchführung seines Vorgängers in Ordnung-bringe. Dieser war wegen Unterschlagung entlassen worden und hatte die Bücher in einen völlig verwüsteten Zustand gebracht. Um die ber- rottete frühere Buchführung in einen angemessenen Zustand zu bringen, mutzte der Kläger die Nächte und auch die Sonntage zu Hilfe nehmen. Diese Stunden der Nacharbeit zählte er getreulich zusammen, und als sie bei seinem Austritt auf 4S0 Stunden angewachsen waren, verlangte er eine angemessene Entschädigung dafür. Die Gesellschaft bestritt erstens überhaupt, datz Kläger so oft und so lange habe nacharbeiten müssen und hielt sich, auch wenn die Behauptung des Klägers zuträfe, zur Extraentschädigung nicht für verpflichtet. Letzterer habe ja dafür in festem Gehaltsverhält- nis gestanden. Auch hätte er die Gesellschaft gleich zu Anfang auf seine Ansprüche hinweisen müssen. Der Kläger dagegen meinte, die Extrabezahlung sei selbstverständlich. Man könne nicht von einem Buchhalter verlangen, datz er gratis seine freie Zeit opfere, um die Arbeiten eines Bücherrevisors zu verrichten. Das Kaufmannsgericht nahm eine umfangreiche Beweisauf- nähme vor, die in der Hauptsache die Angaben des Klägers be- stätigten. Mehrere Zeugen hatten noch spät abends im Zimmer des Buchhalters Licht gesehen, und ein Bücherrevisor begutachtete, daß die Arbeiten den Kläger tatsächlich so lange in Anspruch ge- nommcn haben können. Das Kaufmannsgericht erkannte darauf- hin die Ansprüche des Klägers als berechtigt an. Die hier in Frage kommende Tätigkeit falle aus dem Nahmen der regulären Buch- führung sowohl sachlich wie zeitlich heraus, eine angemessene Ent- kohnung fük die Extraarbcit sei dem Kläger deshalb zuzubilligen. Landarbeiterelend und Offizierschre. Im Wahlkreis Rothenburg-Hoyerswcrda ist seitens der Reichs- Partei und ihres Kandidaten, des jetzigen Abgeordneten Hegenschcid, der Wahlkampf mit recht kläglichen Mitteln geführt worden. Der jetzige Abgeordnete Hegenscheid sprach seinen liberalen Gegnern ab, deutsche Männer zu sein. Eine Klage, die der Verleger des„Ber- liner Tageblatts" gegen ihn führte, endete vor dem Schöffengericht Görlitz mit Freisprechung, obwohl das Gericht der Ueberzeugung war, datz die Beleidigung eine schwer kränkende sei, ober S wurde dem Landrat Hegenscheid der Schutz des§ 103 zugebilligt. In allen Versammlungen und in alle» seinen Wahlaufrufen wurde als Wahlparole an die schöne Phrase angeknüpft: Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert! Der liberale Redakteur Richter von den»Neuesten Nachrichten" in Weihwasser hatte nun die Heuchelei dieser Phrase in mehreren Versammlungen dadurch beleuchtet, dätz er auf die elenden Hungerlöhne verwies, die gerade zahlreiche adlige Agvarier im Rothenburg-Hoyerswerdaer Kreise ihren Arbeitern zu bieten wagen. Unter anderen soll nach den Ausführungen des Redakteurs Richter der Oberstleutnant z. D., Rittergutsbesitzer v. Altrock in Himpel seinen Leuten einen Vertrag angeboten haben, wonach sie sich vet pflichteten, 20 Jahre lang für einen Stundenlohn von IS Pf. zu arbeite«. Dadurch fühlte sich v. Altrock beleidigt, und die Staatsanwaltschaft Görlitz verfolgte die Sache im öffentlichen Interesse. Die Verhandlung fand vor dem Schöffengericht in Weihwasser statt. Der Angeklagte gab zu, die Aeutzerungen getan zu haben; v. Altrock hatte die Klage veranlaßt, weil er nach seiner Angabe seine Offiziersehre verletzt fühlte. In der Beweisaufnahme wurde festgestellt, datz Herr Richter allerdings im guten Glauben gehandelt habe, v. Altrock habe einen solchen Vertrag schließen wollen, weil ihm seine Gewährsmänner, die in der Verhandlung als Zeugen auftraten, dies glaubhaft der- sicherten. Herr v. Altrock hatte seiner eigenen Aussage gemäß einmal mit seinen Arbeitern verhandelt, ob sie für 16 und 17 Pf. Stunden- lohn arbeiten wollten, weil er sonst Polen hereinnehmen müsse. Aber es konnte nicht festgestellt werden, datz eine Verpflichtung auf 20 Jahre verlangt worden ist. Auch zwei Arbeiter des Rittergutes sagten aus, datz sie im Sommer 17 Pf.» im Winter 16 Pfi, Frauen gar bloß 10 Pf. pro Stunde erhalten. Im Akkord ist einer auch ma�iuf 2 M. oder 2,50 M. pro Tag gekommen. Man bedenke, aber, was bei Landarbeitern Akkordarbeit heißt, wie sich die'armen Teufel da abschinden müssen, damit ihr»deutschpatriotischer" gnädiger Herr keine Polen hereinnehmen mutz, um von seinem standesgemäßen Leben ja nichts einzubüßen. Der Amtsanwalt fand eine furchtbare Beleidigung vorliegend, die mit der hohen Strafe von 200 M. gesühnt werden müsse. Das Gericht versagte dem Angeklagten den von ihm beantragten Schutz des§ 193 und verurteilte ihn zu 160 M. Geldstrafe. Derselbe Amtsrichter, der seinerzeit den Genossen Reichard in Weitzwasser einen gewerbs- mätzigen Ehrabschneider nannte, konnte sich in der Urteilsbegrün- dung nicht versagen, den angeklagten liberalen Redakteur persön- lich anzugreifen, indem er ihm seine Jugend vorwarf und sagte, er habe den alten Herrn, der dem Vaterlande mehr geleistet habe wie er, nicht so angreifen dürfen.— Ob Wohl dem Reichstags- abgeordneten Herrn Hegenscheidt Stundenlöhne dou 17, 16 oder gar 10 Pf. für allgemein erstrebenswert im Sinne seiner Wahl- Parole erscheinen werden? Und ob nun wirklich die»Offiziersehre" des Herrn v. Altrock nach den festgestelltcu Stundenlöhnen von 17, 16 und 10 Pf. repariert ist? Ein Sieg ber Arbeitsgenossenschaft«». Da? Konsortium der Arbeitsgenossenschaften der Provinz Genua hat nach einem Wettbewerb, bei dem es die geringste For- derung aufgestellt hat, den Bau des neuen Hospitals in Genua in Submission erhalten. Es handelt sich um eine Arbeit von vier Millionen; nach dem Bau der Eisenbahnlinie Ciano— Reggio wohl die größte Arbeit, die bisher von Genossenschaften übernommen wurde. Die Genueser Kooperativen haben nur authentische Ar- beiter zu Genossenschaftlern. Versammlungen. Zentralverband der Schuhmacher. Die Verwaltungsstelle Berlin hielt am Mittwoch ihre Generalversammlung ab. Den Kassenbericht erstattete B e n d i g. Die Abrechnung vom 1. Quar- tal ergibt folgendes Bild: Einnahmen und Ausgaben der Zentral- lasse bilanzieren mit 16 325,56 M., die für Unterstützungen ausge- zahlte Summe beträgt 11 683,— M. Einnahmen Um) Ausgaben der lokalen Zuschußkasse zeigen eine Bilanz von 6525,12 M. Ueber die Geschäftsführung im letzten Vierteljahr berichtete Hamann. In Kvei Betrieben waren Streiks zu verzeichnen. Während bei der Firma Grotzmann der Streik durch Fahnenflucht eines Durchnähers mißglückte, war der Ausstand bei P i n n e r nach siebenwöchiger Dauer von Erfolg gekrönt. Es sind auch mit den Arbeitgebern Verhandlungen betreffs Einführung eines Parität!- scheu Arbeitsnachweises gepflogen worden. Das Resultat steht zur- zeft noch aus. Die Agitation unter den Frauen im Beruft hat er- frauliche Erfolge gezeitigt. Bezüglich der Ma i frier haben Fabrikanten in ihren An- schlagen in den Betrieben wieder 3 Tage als Aussperrungsdauer angegeben. Nach einer längeren Debatte, in der sämtliche Redner für eine möglichst ausgedehnte Arbeitsruhe am 1. Mai eintraten, wurde folgender Beschlutz einstimmig gefaßt: »Die heutige Generalversammlung fordert all« Kollegen und Kolleginnen ans. in den Fabriken und Werkstätte« für die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe zu wirken. Auf die wiederum an- gekündigte Aussperrung von feiten des„Verbandes Berliner Schuhfabrikanten" erneuert sie den im Vorjahre gefaßten dies- bezüglichen Beschlutz, die Ausgesperrten zu unterstützen." Hierauf gab Valerius den Bericht von der stattgefundeuen Gaukonferenz, woraus hervorzuheben wäre, datz der Gau insgesamt 4971 Mitglieder umfaßt. Rechnet man Grotz-Berlin ab, so der- bleiben zirka 2000 Mitglieder, die sich auf Brandenburg, Pommern, Ost- und Westpreutzen und Posen verteilen. In die Gaukommission wurden gewählt: Kiesow, Otto Hermann, Hildebrand und D r a s p a. SuSSSX Wicköler-Slberfelder filsner Unsere Erfolge in nach Pilsner Art gebrautem Bier beunruhigen die Pilsnei Brauereien, da sie mit der Behauptung, die Bezeichnung unseres Bieres mit„Wicküler-Elberfelder Püsnert' könne zu Täuschungen führen, gegen unseren Berliner Vertreter Klage erhoben haben und Schadenersatz verlangen. Wir sind im Gegensatz zu den Pilsner Brauereien der Ansicht, daß jeder erwachsene Deutsche weiß, daß..Elberfeld" in Deutschland liegt und„Elberfelder Pilsner" ein deutsches Erzeugnis ist. Es scheint sich um einen Monopolisierungsversuch der Pilsner Brauereien zu handeln. Wohin eine solche Monopolstellung führen könnte, zeigt schon die kürzlich erfolgte Erhöhung des Bierpreises seitens der Pilsner Brauereien gleich um 3 Kronen pro Hektoliter aus Anlaß der diesjährigen Teuerung von Malz und Hopfen, während die deutschen Brauereien, mit Rücksicht darauf, daß es sich voraussichtlich nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt, von einem Preisaufschlag abgesehen haben. Außer in Deutschland, hat das Wicküler-Küpper-Bier, wie Jeder, der ubersefiscbe Länder besucht hat, weiß, bedeutende Erfolge im Auslande aufzuweisen. Seit mehr als 25 Jahren besitzt das Wicküler-Bier einen Weltruf und hat den hellen deutschen Bieren in allen Ländern der Erde einen überlegenen Namen erworben. Auch bei den heimischen Biertrinkern wird auf die Dauer die Ueberzeugung durchdringen, daß das Wicküler-Bier bestimmt ist, das Pilsner Bier zu ersetzen. Wir bitten die Herren Gastwirte, uns bei dieser Aufklärung zu unterstützen und das Wicküler-Bier dem konsumierenden Publikum zugängig zu machen. Vergleichende Analysen des Wicküler-Bieres mit Original Pilsner stehen zur Verfügung. Faßbierbestellungen für Berlin und die Ostprovinzen erbitten wir an unsere Generalvertretung, die Faßbier- Großhandlung Erich Erbrecht Berlin SW. 47, Kreuzbergstraße 39— Fernsprecher: Amt Lützow Nr. 9933 und 216 Flaschenbier-Bestellungen sind zu richten an die Flaschen- und Syphonbier-Handlung August TeetZ| Berlin N.| Chausseestr. 8. t Wicküler Küpper-Brauerei Aktien-Gesellschaft, Elberfeld. i ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Rekhfam ist Macht, aber Schönheit noch mehr, letztere verleiht ein zart«, reines Geficht, rofiges, �ngendfrisches Aussehen und blendend schöner Teint. All« dies erzeugt die allein echte 8tectzenpfuchl.iiisi>wii-d-5elfe von Zl ergmann 4 ßo», Madeöeuk, ä St 50 Pf. 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Alt-Glleqleke: Wilhelm Dürre, Köpenicker str. 6. Baumschaleaiveg: H. Ho r n i g, Marienlhaierstr 14 4 Beraan, RUatgeatal, Zepernick, Schönow und Schön- brück: Heinrich Brase, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf und Falkenbere: Alois Lauf, BohaSdorj, Ge» nossenschastshaus.Paradies'. Chariotteaharx;: Gustav Scharnberg, Sesenhetmerstnch» K Elchwalde: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. 33. Erkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Thimss«. Fredersdorf-Pctershagen: E. H ö s e I b a r t h, PeterShogeu. Eriedcnan-Steglitz-Siidende-Grc/ß-Uchtcrfeldc-Liank- wltz: H. B e r n I e e, Msenfw. 5 in Sieglitz. Erledrlehshasea: Ernst W e r k m a n n, Köpenick« Straft 1& Grünau: Franz Klein, Friedrich sw. 10. Johannisthal: Ptelicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. Karlshorst: Richard Stüter, Rödelstr. 9, EL Königs- Wusterhausen: Friedrich B n u m a n U, vahnhosstr IZ. K öpcnick: Emil W i tzl er, Kietzersw. 6, Laden. Uchtenberg, Erledrlchsfelde, llohcnachOnhansen: Otto©eitel, Wartenbergstratze 1(Laden). Stahlsdorf, Kanlsdorf: P. Hetzberg, KanlSdori, Aerbinand- ltratze 17. Harlendorf: August Leip, Chausseestr. 536, Hof. Hartenfelde: Emil Weinert, Dorsstr. 14. DI cnenbagen: Gustav Leh, WolterlNajje. Xleder-Sehönewelde: Kehrt, Britzerstr.«. K owawes; Wilhelm I ap p e. Frtedrichslr. 7. Ober-Scbönewelde: Alfred Bader, WilheluUiienboflw. tT IL rankow-Kiederschönhausen: Ritz mann, Mühlenstr. 80, Ueinickendorf- Ost, Wllhelmsröh und Sehönhola: P.® u t( ch, Provinz str. 66, Lade». Kisdorf: M. Heinrich, Neckars«:. 5, im Lade»;»» hr, Siiegfried- stratze 28/23. Knnimelsbnrg, Bouhagen:A. Rosenkranz, W-voxhagen 66. hehöneherg: Wilhelm B a u m I e r. Martin Lutherstr. 63. im Laden. hpandan, N onnendamm, Staaken, Seegefeld und Falkenhagen: Koppen, Breitestr. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannalnst, Herinsdorf und Kelnlckendorf- West: Paul Kteuast, Borsigwalde, Räuschswatze 10. Teltow: Wilhelm B o n o m, Teltow, Berllner Ew. 16. Tempelhof: Joh. Strohn, Borussiastr. 62. Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholzslraße 412, Laden. W' eiliensee: K. Fuhrmann, Sedanflr. 106, parterre. Wllniersdorf-Halensee-Sehmargendorf: Paul Schubert, Wihelmsaue 27.\ Zeuthen, Miersdorf; Ernst Hüttig, Zeuthen, Dorsstr. 16. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wiffeuschastlicheu Werte werden geliefert. Todes-Anzeigen Allen Freunden und Bekanntem zur Nachricht, dag mein lieber Warm, unser guter Vater, der Gastwirt Xuxust(jennst im Alter von 43 Jahren plötzlich verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet ÜVtlKeluilnv Gennat geb. Hennig nebst Kinder». Berlin NO, 43, Friedenstr. 15. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. d. M., nach- mittags S Uhr, von der Leichen- bMe des städtischen Zentral- FNedhoses in Friedrichsselde aus statt. 71/1S -ozialdeinokrat. Wahlberein 1 für den 4. Berliner Reichstags- ' Wahlkreis. Franks. Biertel. Bez. 3S3 IL Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Gastwirt August Gßnnat Friedenstr. 15, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des ZentralsricdhofS in Friedrichs- selbe auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/15 Ter Borftand. SozialtleinokratiseliJalilyerEiii Cbariotteuburg. Den Parteigenossen zurNachricht, dag unser Genosse, der Gastwnt l�iidolk Büttner Lutherstr. 50, verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 23. April, nach- mittags 5Uhr, aus dem>e-t. Mathias- Kirchhos ln Martenhöhe bei Süd- ende statt. Die Genossen treffen sich um 3 Uhr im Traucrhause. Um rege Beteiligung wird ge- beten. Qvr ZeatralveM lief Medei'. WeiDkliler ouil üsaiMer Deutseölanils (Filiale Berlin), Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Kollege VVUKdm Tillack am LS. April im Alter von 2ö Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, bell 20. d. Mts., nach- mittags 3'!, Uhr, von der Leichen- balle deS neuen St. Paulus-lpirch- hoseS in Weigensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 39/2 Der Borstand. Veta! Meisn Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege August Gennert Friedenstr. 16, Bezirk 8, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Frtedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 72/20 Hie Orlaverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsatelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Mechaniker I*au»l Preuß Nostizstr. 4, am 25. April an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Krcuz-Kirchhoscs in Mariendors, Eisenachex Strage, aus statt. llö/S Rege Beteiligung wird erwartet. ' Die OrtSverwaltnna. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht/ dag meine innig. geliebte Frau, unsere gute Mutter MÜlle JOilD. stamm im Alter von 5l Jahren nach langen, schweren Leiden sanft ent- Ichlasen ist.. Dies zeigt im Namen der Hinterbliebenen ttesbetrübt an VlilKelm lohn nebst Kindern, Krastdroschkenbcsitzer. Die Beerdigung findet am Montag, den 20. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gethsemane-Kirchhoses in Nordend aus statt. 138vb Deutscher i Iransportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zurNachricht, dag unser Kollege, der Arbeitslutscher VVühelm Döring am 26. April im Alter von 48 Jahren verstorben ist. 63/13 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 20. April, nachmittags 3>/, Uhr, aus deul Friedhos in s Slhrensselde statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Die Bezirksverwaltung. ] Danksagung. Hiermit sagen wir allen Teil- nehmern bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers herzlichsten Dank. 73/10 Familie Xiido uns Kraut. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands.] Zahlstelle Berlin und Umgegend, j Bezirk 10. Den Berufsgenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglied dosepk Weglehner am 24. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! �Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, auf dem Hedwigs- Pins-Kirchhos, Hohenschönhausen, statt. Um rege Beteiiignng ersucht 254/7__ Der Borstand. Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Polierer Hermann Hölleber Neukölln, Wartheftrage 70, im Alter von 30 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. April, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeinde-Fried- hoses, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht I 82/15 Die Ortsverwaltung. Solidarität Ortsgruppe„Berlin"« Nachruf. Allen Mitglieder» die traurige Nachricht, dag unsere Bundes- genossm. Frau Frida Nitz geb. Klemann nach kurzem schweren Leiden ver- starben ist. Ehre ihrem Andenkenl Die Beerdigung fand am Sonnabend, den 27. April,»ach. mittags 3'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in der Seestrage auS statt. 11/6 Der Zentralvorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme sowie die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meiner lieben Frau sage ich allen Frennoen und Bekannten ins- besondere dem Vorstand, den Herren Beamten, sowie dem Gesangverein der Herrxn Beamten der Ortskranken. lasse der Kaufleute, ebenso den Kollegen der Firma Bartz u. Co. und Herrn Waldell Manaffe sür seine trost- reichen Worte am Grabe meinen herz. lichsten Dank.* 1378b Wilhelm Baehmann. Für etwa Danksagung. die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres un- vergeglichen Vaters sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein Adlers- hos, der Musikkapelle Mau, dem Wirt und den Mietern des Hauses Klau meinen ausrichtigsten Dank. 7S >Vitwe Sternberg nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teiwahm« bei der Beerdigung unseres lieben Soh. neS und Bruder? Erich IBttbus sagen wir allen Freunden und Br. kannten, sowie den Kollegen der Firma Siemens u. Halske und dem 02. Bezirk deS 2. Wahlkreises unsere» herzlichsten Dank. 1410b Familie Möhns. Danksagung. Jftr die überaus rege Beletltgung d zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, Mutter, Grogmutter und Schwester Amanda Jordan sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten unser» herzlichsten Dank. 5S tiermann lordan nebst Angehörigen. Danksagung. Für die vielen Beiveise der Freund- schast und Teilnahme, sowie die Kranzspenden vom Deutschen Metall- arbeiterverband und von den Kollegen und Kolleginnen der A. E.-G., Abt. Funke, Ackerstrage und das zahlreiche Geleit zur letzten Ruhestätte unserer lieben Tochter sagen wir hierdurch allen beteiligten Verwandten und Bekannten lies gefühlten Dank. 5® Familie Krüger. Für hie vielen Beweise der Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters August Jordan sagen wir hiermit allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 30S Bio trauernden ttinterbliebenen. TanksagunF. Für die vielen Bewetse herzlicher Teilnahme und Ikraiizspenden sowie allen Verwandten, Bekannten und Genossen des vierten Wahlvereins und dem Verbände der sreien Gastwirte bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters August Teicbert, sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. 1427b 4kn»a Teiehert geb Briese nebst Kindern, Lausitzer Platz 12a.. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Gatten und Vaters, des Auto- mobilschlossers Franz Ulrich sage ich allen Freunden und Be- kannten, insbesondere seinen Kollegen meinen herzlichsten Dank. IS Die trauernde Witwe Anna Ulrivb und Kind. Orts- Krankenkasse Lichtenberg. Einladung zur Gr«1 entliehen General-Versammlunj} der gewählten Vertreter der Orts- Krankenkasse Lichtenberg zu Montag, de» K. Mai ISIS, abends 8 Uhr, im Schwarze» Adler (Gebr. Arndold), Lichtenberg, granksurter Chaussee 5. TageSo rdnuug: t Ersatzwahl für die ausgeschiedenen terren Vorstandsmitglieder Elias, uhl und Möritz, und zwar: a) für cvstcrcn aus den Reihen der Arbeitgeber, b) für die beiden letzteren auS den Reihen der Arbeitnehmer, für die AmtSperiode bis 31. De- zember 1012. 2. Vorlegung der JahreSrechnung pro 1011. 3. Bericht der Kommisston zur Prü- sung der Jahresrechnung pro 1011. 4. Beschluszsassung betr. Uebernahme der Orts- Krankenkaffe sür den früheren GemeindebezirkBoxhagen- Rummelsburg. 275/5 5. Beschluhfaffung über Ausdehnung der VerstcherungSpflichi auf die Hallsgewerbetreibenoen. 6. Kaffenangelegenheiten. (Anträge und Beschwerde» find spätestens drei Tage vor der General- Versammlung dem Kassenvorstande schristlich zu unterbreiten.) Der Vorstand. O. Seikel, Vorsitzender. MannsTraueiiagazin! Extra- Abteilnng 1 1. Gesch.; BerlinW., Mohren- I StraSe37a(2. Haus von der| Jerusalehier Straße). | II. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt.Str.115(2. Haus| von der Andreasstraße). 1 Sehrgr.Ausw.lert. Kleider, 1 J Hüte, Handschuhe, Schleier i ■etc. v. einfachsten bis zum[ ] hochelegant.Genre z.äußemj niedrigen Preisen. Sondor-Abteilung: Maßanfcrtiguug in 10 bis 12 Stunden. -joCMaur z&ht C�n£en£4'£ J Fori mit Sehaden! Bei 3000 M. Anzahlung verkaufe versehungsh. a tont prix allerliebstes Landhaus in Hohe»- Neuendorf(Nordb.) nahe Bahn, Wald, Wasser, 3 Zimmer. 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Feunftr. 16, am Kaisersteg, Georg Wegen«. Ohcr-8ch«newelde. Ebisonstr. 61, Karl Ohlerich. Boxhagen. Lenbachstr. 3, G. Hielscher. Spandan. Bahnhofstr. 7, R. Lorenz. SQ 33, Köpenicker Str. 20a. Berliner Credit-Haus Kommandantenstr. 67. STr auz Al>r aiiäm Html). MesBina-u.Römortrank-Kell. N 4, Schlegelst.!>, Fcrnsp. III, 7727 flüfffh Seiter- u. Liiiionad.-Fabrik UUlHÜ, Thaeratr. 44. T. A. 7, 8176. $f-$i C Sttit» alkobol freies Settänk. Berlin O.SriiiiifliJ Ar beH ar-B e k I el d u ng| FIC* e« 1 1r f Zeiimratr. ii •* O-Jini».« BergiB»iiniit.9« Hamburger Laden, Chart., WsllstGä J. K a s t n e ivBwÄi: 3\ Ro terLaden,Schöneb. ,H»npls1M 08 �BSck�����tondHopJ Blotiner's QroBbäckerei Geschäfte tn Ssrlln, Chaplottenbupg, Schöneberc, Wllmepsdopf. Adlershof er Bäckerei, 51. ZngvuiL Max Backer, Ramlerstr, 36. Emil Beyer, Tbornerstr. 6. örot-fabrik�Vorwärts" Hermann Ullrich, Köpenick. ),Brotfal3rik"baSrr.25 Brotfabrik Buehl& Sohn, Willy Velar, Prenzlauer Altes 12. 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Der Vorsitzende des Bundes, Inge- nieur Lüdemann- Berlin, erstattete den Jahresbericht für da? verflossene Geschäftsjahr und gab dabei einen 1'.oerblick nicht nur über die Lage des Bundes, sondern auch über die gesetz- aeberischen Maßnahmen des letzten Jahres zugunsten der' Ange- stclltenkategorien, aus deren Reihen sich die Mitgliederzahl des Bundes rekrutiert. Sodann besprach er das Verhältnis des Bundes der technisch-industriellen Beamten zum Deutschen Techniker- verband. Während der gewerkschaftliche Kampf des letzten Jahres einerseits dahin führte, den Gegensatz zwischen dem Bund und dem Technikervcrband abzuschwächen, da der Technikerverband in- folge der Angriffe der Arbeitgeber auf das Koalitionsrecht in eine gemeinsame Kampffront mit dem Bunde gedrängt wurde, trat andererseits eine wesentliche Verschärfung des Gegensatzes zum Verband Deutscher Diplomingenieure ein. Amdeutlichsten zeigten sich diese Gegensätze beim Ausstand der Berliner Eiscnkonstrukteure. Der Verband der Diplomingenieure lehnte hier nicht nur jede Be- teiligung am Ausstand ab, sondern vermittelte sogar den gesperr- ten Firmen Arbeitskräfte und fiel so den Konstrukteuren in den Rücken. Gewerkschaftliche Kämpfe sind überhaupt das hervor- stechendst« Merkmal für die sozialpolitische Tätigkeit des Bundes im letzten Jahre. In einer Reihe von Fällen war der Bund zu den sckärfsten Abwehraktionen genötigt. Hierzu gehört auch der Kon- flikt in dem Betrieb der Kaiserlichen Marine. In diesem Falle handelte es sich darum, eine größere Zahl bisher im Beamten- Verhältnis stehender Hilfstechniker in ein privates Dienstverhältnis zu überführen. Anstatt die Gelegenheit zu der längst notwendig gewordenen Modernisierung ihrer Anstellungsverträge zu benutzen und den Technikern einen Ausgleich für den Verzicht auf die Vor- teile des halbamtlichen Dienstverhältnisses zu geben, wurde ihnen ein durchaus unsozialer Dienstvertrag vorgelegt, und nur der ein- mütig ablehnenden Haltung der Techniker und ihrer Organisation ist es zu verdanken, daß die ausgesprochene Kündigung zurück- gezogen und unmittelbar vor den Reichstagswahlen den Beamten ein verbesserter Dienstvertrag unterbreitet wurde. Eine Sonder- stellung nach jeder Richtung darf der große Arbeitskamps der Berliner Eisenkonstruktcure beanspruchen. Leider endete oieser Kampf damit, daß die Angestellten nach beinahe zehnwöchentlichcr Dauer den Streik abbrechen mußten, weil die Arbeitgeber ihre dringenden Bestellungen an befreundet« auswärtig« Firmen ab- schieben konnten. Trotzdem hat der Bund wenigstens einen Teil- erfolg errungen, denn seine Mitgliederzahl unter den Konstruk- teuren hat sich beträchtlich vermehrt. Der Berliner Eisenkonstruk- teurausstand gab verschiedenen Metallindustriellen Veranlassung. nach Maßregeln zu suchen, um an anderen Orten ein solche? Vor- gehen zu verhindern. Diesen Angriffen auf die Koalitionsfreiheit trat der Bund und seine befreundeten Organisationen mit größter Energie entgegen. Die alte Forderung des Bundes nach einer durchgreifenden Reform des Technikerrechts hat auch in den letzten Jahren nicht die geringste Berücksichtigung gefunden. Obwohl die Regierung die Notwendigkeit dieser Reform schon seit Jahren an- erkennt, hat sie doch darauf verzichtet, die Novelle zur Gewerbe- ordnung wieder einzubringen. Nicht einmal zur Neuregelung der Konkurrenzklausel ist etwas geschehen, obwohl nach dem Erlaß des Handelsministers vom Jahre 1919 angenommen werden mußte, daß wenigstens die Dringlichkeit dieser Frage von der Regierung nicht bestritten werden würde.(Lebhafter Beifall.) An den Bericht schloß sich eine lebhaste Aussprache, die am Sonntag sortgesetzt wird. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeatcr. Königl. Opernhaus. Sonntag: Der Rosenkavalier. Montag: Das Rheingold. Dienstag: Maienkönigin. Doktor und Apotheker. Mittwoch: Die Walküre. lAnfang 7 Uhr.) Donnerstag: Der Rosenkavalier. Freitag: Der Traum. Sonnabend: Regimentstochter. Die Pnppensee. Sonntag: Aida. Montag: Roienkavalier.(Ansang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhans. Sonntag: Der grohe König. Montag: Ein Fallissement. DienStag: Weh dem, der lügt. Mittwoch: 1812. Donners- tag: Der grotze König. Freitag: Die Journalisten. Sonnabend: 1812. Sonntag: Weh dem, der lügt. Montag: Der große König.(Ansang VI, Uhr.) Lcssing-Tbeater. Sonntag: Der Biberpelz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Montag: Gudrun. Dienstag: Glaube und Heimat. Mittwoch: Gespenster. Donnerstag: Nora. Freitag: Heimliche Liebe.(Ansang 7>/, Uhr.) Sonnabend, Sonntag und Montag: Heimliche Liebe.(Ansang 8 Uhr.) Trutsches Theater. Sonntag: George Dandin. Montag: Faust I. Dienstag: Penthesilca. Mittwoch: Sommernachtstraum.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag: George Dandin. Montag: Viel Lärm um Nichts.(Ansang 7'/, Uhr.) Kammcrspicle. Sonntag: Sumurün. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Sumurün. Mittwoch: Gawan. Donnerstag: Der Arzt am Scheidewege. Freitag: FrühlibgS Erwachen. Sonnabend: Lmwan. Sonntag: Sumurün. Montag: Eine glückliche Ehe.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bummelstudenten. Allabendlich: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend, den 4. Mai nachmittags 3 Uhr: Der Talisman. Neues Tchnuipielhaus. Sonntag: GhgeS und sein Rwg. Montag: Alt-Heidclberg. Dienstag: Judith. Mittwoch: EhgeS und scin� Ring. Donnerstag, Freitag, Sonnabend, Sonntag, Montag: Titus und Salome. Donncrstagnachmittag: Minna von Barnhelm. Sonnabendnachmittag: Unter dem Schwert.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rigoletto. Sonntag- abend: Der Troubadour. Montag: Figaros Hochzeit, DienStag: Der Freischütz. Mittwoch: La Traviata. Donnerstag: Undine. Freitag: Opern- abend.(Ansang 7>/, Uhr). Sonnabend: Rigoletto. Sonntag: Die Zauber- flöte. Montag: Zar und Zimmermann.(Anfang 8 Uhr.) Kurfürsten-Qper. sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schmuck der Madonna. Abends: Oberst Chabert. Montag: Die verkaufte Braut. DienS- tag: Oberst Chabert. Mittwoch: ToSca. Donnerstag: Oberst Chabert. Freitag: Tiefland. Sonnabend und Sonntag: Oberst Chabert. Montag: ToSca.(Ansang 3 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Leibgardist. Allabendlich: Der Nachtwächter.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntagnachiniitag 3'/, Uhr: Der Bogelhändlcr. Allabendlich: Der liebe Augustin.(Anfang 8 Uhr.) Tchiller-Theater V. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Der Probe- kandidat. Abends und Montag: Die Jüdin von Toledo. Dienstag: Der scharse Junker. Mittwoch und Donnerstag: Die Jüdin von Toledo. Freitag und Sonnabend: Der scharfe Junker. Sonntag: Kyritz-Phritz. Montag: Der sch irse Junker.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Eharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Don CarloS. Abends: Der Kompagnon. Montag: Laich WindermereS Fächer. DienStag: Der Kompagnon. Mittwoch: LadhWindermercS Fächer. Donnerstag: Der Kompagnon. Freitag: Lady WindcrniercS Fächer. Sonnabend: Der Kompagnon. Sonntag: Der scharse Junker. Montag: Der Kompagnon.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- WilhelmstädtifcheS Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3'/, Uhr: Husarensiebcr. Abends und Montag: Ernesto AlcanaZ. DienStag: Das dritte Reich. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag. Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Die kcnsche Susanne.(Ansang 8 Uhr.) Stesidenz- Theater. Sonntagnnchmittag 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Bis auf weiteres täglich: Alles sür die Finna.(Anfang 8 Uhr.) Theater fit der Königgrätzer Strasie. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Täglich abends: Die süns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Die schöne Helena.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Allabendlich: Autoiicbchen.(Anfang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Damen des Regiments. Allabendlich: So'n Windhund.(Anfang 8 Uhr.) Neues Operetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Abends täglich: Der Mädchenmartt.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theatcr. S onnta gn n chmittag 3 Uhr: Mein Baby. Abends und bis ans weiteres läglich: Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: ES gibt nur ein Berlin. Allabendlich: S X 109 900 Teufel. lAnfang 8 Uhr.) Luiscil-Thcatcr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Teil. Abend?, Montag, Ticnslag, Mittwoch, Donnerstag. Freitag und Sonnabend: Ich lasse Dich nicht. Sonntag und Montag: Gold und Liebe.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolksiheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Meister. Sonntagabend: Der Königsleutnant. Montag, DienStag, Mittwoch. Freitag. Sonnabend: Der Meister. Donnerstag: Der Strom.(Anfang 8ll, Uhr.) Casino-Thestcr. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Unsere lieben Frauen. Abend? täglich: Die luftige Strohwitwe.(Ansang 8 Uhr.) Mctropol- Thcarer. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Dorothea. Die kleinen Lämmer. Allabendlich: Schwindelmeier u. Co.(Ansang 8 Uhr.) Fvlies Eapriec. Allabendlich: Der Polizeihund. Da? Broadway« Girl. Sein letzter Wille.(Anfang 81/« Uhr.) Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Wie man Männer bessert. Der Hausleusel.(Anfang 8 Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Um eine Krone.(Ansang 8*1, Uhr.) Avollo- Tbenrcr. Abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 81/, Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstcllung.(Ansang 7'/, Uhr.) Passage- TKeaier. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialität«. lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Carl-Haderland-Theater. Täglich: Spezialltäten.(Ansang Tss, Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag. nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Reichshallen-Theater. Täglich: Stetttner Sänger.(Ans-mg 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Köntgstadl-Kaflno. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Urania- Theater, Taudcnstr. 48/43. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Sonntagabend: Wcltbäder an europäischen Küsten. Montag: Von Abbazia bis Korsu. Dienstag: Weltbäder an europäischen Küsten. Mittwoch: Ueber den Brenner nach Venedig. Donnerstag: Der Großglockner, Gastein, Salzburg. Freitag: Von Abbazia bis Korfu. Sonnabend: Wcllbädcr an europäischen Küsten. Sonntag: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternivarte, Jnvalidenstr. 57—(52. Täg. WitterungSLberstcht vom 27. April 1312. etationni K Swinemdc. Hambirrg Berlin Frankf.a.M. München Wien 756 758 757 757 £ 5 c z g« SO NNW SW NO 759 W lösssiill Wetter 3 halb bd. Sbedeckt Lwolfig 1 Dunst ijwoltctil wölken! ata all Hai wS> Stationen Ii Ii «5 Haparanda Petersburg scillh Aberdeen Paris 752N 750 755 O 762 757 JÖ S = 5 is NW Setter Ssbedeckt bedeckt blwolklg 3 wolkig 1 wölken! ts äSi t 1 10 7 10 Wetterprognose für Sonntag, de« 28. April 1912. Etwas lühler, veränderlich, viessach wolkig mit leichten Rcgensällen und ziemlich frischet- nordwestlichen Winden. BRENN IISIKMEVER Sp«zlalhaus für Damen-, Backflach- u. Kinderkonfektion Ulster aus hübschen Phantasle- atoffen, nur 775 luch-PalelDt In vielen schönen Farben reine Wolle 1279 Elegante Auf« machung mit Spitzenschal nur 1675 Königstrasse 33 Am Bahnhof Alexanderplatz Chausseestr. 113 Ecke In val id enstrasse SONNTAGS BLEIBEN UNSERE GESCHÄFTE GESCHLOSSEN! Popeline-Mäntel sehr preiswert hochelegant vornehm, mit naoh Original mod. 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Freundliche, sonnige Schlasitelle sür Herrn Eisenbahnstraße 0, vorn II, Krüger._+20 Schlafstelle, einen oder zwei Scrren, a 7,—, Grünaucrftraße 5, os III rechts.+20 Schlafstelle für Herrn, mit Kaffee 12,—, Flureingang, Nailnynstraße 10, vorn IV, Busch._+20 Morißplaß möblierte Schlafstelle. kleines Zimmer, allein, vermietet Grandi, Itnllschreidcrstraße 4 III. Alleinige möblierte Schlasstelle. Bttdt, Sorauersttaße 3 I, Ecke Wrangelstraße.__+20 Möblierte Schlafstelle, Herrn, separat. Sarge, Skalitzerstraße 141 I, Kottbuser Tor.+03 Möblierte Schiasstelle Prinzen- stratze 13, vorn 2 Treppen rechts. Möblierte Schlasstelle. Flur- zimmer, Herren. Senger, Manteuffel- ftraße 82 III._+W Möblierte Schlasstelle. Witwe Kitzimg, Waldemarsttaße 10, vorn IV. Möblierte Schlasstelle, Flur- zimmer, vermiete! Witwe Hnth. Qranienstratze 204 IV.+20 Möblierte Schlasstelle für Herrn Manteuffelstraße 90, I links._+20 Schlafstelle vermietet Graßmann, Prinzenstraße 33, vorn IV.+03 Schlafstelle für emen oder zwei Herren, Eingang separat. Collin, Admiralstraße 30, Quergebäude II links..+63 Möblierte Schlasstelle für Herrn, Bad. Klatt, KopernikuSftraße 20. vorn Hl. 13S8b Schlafstelle für Herren, Kastanien- «llee 74. Seitenflügel U. 14126 Freundliche Schlafstelle für einen Herrn bei Didlaukys, Sebastian- straße 37/38, Quergebäude III links. Möblierte, ruhige Schlasstelle, Herrn, bei Nitschkc, Skalitzerstraße 127, 1. Hos III. 1400b Schlafstelle sür Herrn. Heim. Admiralstraße 38, Quergebäude zwei Treppen. 138gb Schlafstelle, Herrn, vornhcraus, 12 Mark mit Kaffee, bei Labcdzki, Gotzlerstraße 7, vorn 2 Treppen, Möblierte Schlasstelle sür Herrn, sauber. SolmSstraße 19, Hos links parterre.+90 Freundliche Schlafstelle, Herrn, Menschel, Libauerftraße 9, Hos I. Freundliche Schlasstelle, Herrn. 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Frau Friedrichstraße 243, vorn III. +25 Möblierte Schlasstelle mft Bad- benutzung bei Karg, Neulölln, Tell- straße 14 III.+25 Junger Wann findet Schlasstelle, Witwe Lenze, Neukölln, Prinz-Hand- jcrystraße 38.+1 Möblierte Schlasstelle, separat, Herrn, Riidersdorserstraße 30, vom partene(Küstriiicrplatz),+42 Möblierte Schlafstelle, zweiPartei- genossen, AndreaSstraße 52, vom IV, Schrödm_+42 Möblierte Schlafstelle zum ersten, 13,00 mit Kaffee, Langestrage 87, vorn II links, Nähe Schlcsischer Bahnhos. Junger Mann findet anständige echlasslelle(Familienanschluß) bei pchultze, Langeslraßc 17, vorn II. Schlafstelle Mrazek, Kleine Andreas- straße 10, vom III.+42 Schlafstelle(allein� Krautstraße 20a. Matz._ 14136 Möblierte Schlafstelle vermietet Witwe, Naunhnstraße 80, vorn I links. Möblierte Schlafstelle(separat) Prinzenstraße 12, IV, Bocker. 73/8 Möblierte Schlasstelle(Henn) Adalbertstraße 90, Quergebäude II. Praetzat. 14146 Möblierte Schlasstelle(Herrn) Dresdenerstraße 14, vorn III links. 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