Nr. 102. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis brānumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m, möchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Streuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 29. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Morte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 1983. Freitag, den 3. Mai 1912. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. 1984. Was die Gewerbeinspektoren en bie Bewilligungen von Sonntagsarbeit für 1203 Be- richten der Beamten mögen das bereits aus den allgemeinen erzählen. I. Sonntagsarbeit haben stark zugenommen. Im Jahre 1910 Verschiedene Einzelangaben und Urteile aus den Beergaben triebe 665 225 Stunden, im Jahre 1911 für 1459 Betriebe Darstellungen gewonnene Bild noch etwas folorieren und bejedoch 1019808 Stunden. Auf jeden der in Betracht kom- lichten. Mehrere Beamte berichten, daß die Geschäftsmenden Arbeiter entfallen 14 Sonntagsarbeits- Iage sich im großen und ganzen gebessert habe; für manche stunden! Betriebe wird sie als glänzend charakterisiert. Nicht so schön Fast scheint es also, als ob der Respekt vor den Schuß- ist die andere Seite der Medaille! Die wirtschaftliche bestimmungen bei den Unternehmern etwas gewachsen sei. Im Lage der Arbeiter hat keine Besserung er Die Berichte der preußischen Gewerbeinspektoren sind Jahre 1910 maren in 4759 Anlagen Zuwiderhandlungen gegen fahren. Die Einnahmen, als Resultat vermehrter Arbeit Kulturdofumente! Sie fönnten es in viel hervorragenderem die Schutzbestimmungen betreffend Beschäftigung von Arbeite- und höherer Löhne, glichen die Steigerung der LebensmittelMaße sein. Daß sie es nicht sind, verdanken wir der Regie- rinnen festgestellt worden, in diesem Jahre" nur" in 4067 An- preise nicht oder nur knapp aus. So schreibt der Beamte von rung, die den Gewerbeinspektoren einen Maulforb anlegte. Iagen. Die Zahl der wegen ermittelter Uebertretung von Potsdam:„ Die Lebensverhältnisse der Arbeiter wurden im Ihre Berichterstattung soll das Unternehmertum nicht allzu Schutzbestimmungen bestraften Personen ist in der gleichen Berichtsjahre durch die Verteuerung fast aller Nahrungsjehr vom Bolster der Behaglichkeit aufstören. Deshalb befahl Zeit von 578 auf 649 gestiegen; außerdem wurden noch in mittel und Gebrauchsgegenstände ungünstig beeindie Regierung den Inspektoren, sich auf nackte, einen beschei- Verfahren aus dem Vorjahre 232 Personen bestraft. Gegen flußt; die auf Lohnerhöhung gerichteten Arbeiterbewegundenen Kreis nicht überschreitende Mitteilungen von Tatsachen die Bestimmungen zum Schuße jugendlicher Arbeiter haben im gen famen daher nicht zur Ruhe. Im allgemeinen sind die zu beschränken. Beschreibungen und Erläuterungen, die der letzten Jahre nachweislich die Inhaber von 6527 Betrieben Löhne etwas gestiegen, wenn auch nicht in dem Maße, daß daDinge soziale Bedeutung verständlich machen, die Schäden und verstoßen, im Jahre vorher waren es 6692. Auch hier ist durch die Verteuerung der Lebensmittel voll ausge Schattenfeiten mancher Verhältnisse erst in das rechte Licht eine Zunahme der Bestrafungen zu konstatieren, von 760 auf glichen wäre!" Der Beamte von Bosen berichtet: Bon rücken, müssen die Gewerbebeamten sich schenken. So gebot 1242, tozu noch 182 Bestrafungen aus den im Jahre vorher einer wesentlichen Erhöhung der Löhne im Berichtsjahre ist der geschäftsführende Ausschuß der herrschenden Gesellschaft! anhängig gemachten Verfahren fommen. nichts bekannt geworden, so daß infolge der Steigerung Die Unterdrückung der Meinungen, Ansichten und sozial- Das ist eine ganz erhebliche Anzahl Sünder! Sie der Lebensmittelpreise die Lage der Arbeiter ungünstiger politischen Vorschläge der Gewerbeinspektoren hat den Wert können nicht den mildernden Umstand bitterer Not für sich war als im Vorjahre." Aus dem Breslauer Bezirk ihrer Bublikationen zweifellos sehr vermindert. Sie ent- reklamieren; Gewinnsucht war im allgemeinen die Triebkraft wird berichtet, daß weite Kreise" der Arbeiter„ beträchtlich" halten aber doch so viele und wichtige Angaben zur Be- ihres Zuns, wobei manchmal Leben und Gesundheit der unter der Teuerung litten. Nur aus dem Polizeibezirk Berlin urteilung und Beleuchtung der Zustände, daß sie immerhin Arbeiter, Arbeiterinnen und Jugendlichen aufs Spiel gesetzt wird gemeldet, daß die eingetretenen Lohnerhöhungen wohl noch zu den wertvollsten Materialquellen gehören. Hin und wurde. Die wegen solcher Vergehen verhängten Strafen Ersparungen für spätere schlechtere Zeiten ermöglicht hätten. wieder schlüpft zudem auch noch ein soziales Urteil mit durch, stehen meistens mit den schmutzigen Motiven und der unver- Dem Beamten hat wahrscheinlich eine gut frisierte Lohnwirft eine Milieuschilderung ein Schlaglicht auf unhaltbare antwortlichen Handlungsweise in schreiendem Widerspruch. tabelle vorgelegen. Zustände. Doch ehe wir uns mit den Einzelberichten beschäftigen, noch Was zunächst die Geſamttätigkeit anfangt, so ist zu konkurz ein paar Bemerkungen zu einigen anderen Geſamt Banditismus und Anarchismus. ( Von unserem Spezialberichterstatter.) V. Der Anarchismus der Anpassung. statieren, daß immer noch ein großer Teil der Betriebe un- resultaten. revidiert geblieben ist. Nur 51,9 Proz. der 163 370 revi- Die Inspektoren berichten auch wieder über die Ergebfionspflichtigen Anlagen, in denen 3 415 556 Personen beschäfnisse der Bundesratsverordnung vom 19. Dezember 1908, betigt waren, sind einer Revision unterzogen worden. Gegen treffend die Ueberzeitarbeit in den Hütten- und Walzwerfs das Vorjahr hat sich das Verhältnis etwas verbessert; damals betrieben. Vormeg set bemerkt, daß die normale tägmachten die revidierten Betriebe 50,4 Proz. der Gesamtzahl Ii che Arbeitszeit in den Feuerbetrieben fast Ueberblicken wir noch einmal rasch die wichtigsten Tataus. Die von der Revision erfaßten Personen, stellten im ausnahmslos 12 Stunden beträgt. Mit solcher sachen, die wir bei unserer Betrachtung der neuesten Phase vorlegten Jahre 83,7 Broz. aller Beschäftigten, im Jahre 1911 Ausnuzung der Arbeitskraft nicht zufrieden, verlangt das des individualistischen Anarchismus" wahrgenommen haben. etwas mehr, nämlich 85,3 Proz. Eine große Zahl der Ber- Unternehmertum auch noch die Leistung von Ueberstunden. Denn es handelt sich in der Tat um eine neue Phase. fonen, und beinahe die Hälfte der Betriebe, blieben demnach Das Ueberzeitunwesen bildet eine besondere Spezies der groß- 3wanzig Jahre lang hat der„ libertäre" Propaganda in bei der Revision vollständig unberücksichtigt. Dabei ist noch induſtriellen Wohlfahrtseinrichtungen. In den Bezirken Frankreich eine bescheidene Existenz im Halbdunkel geführt. folgendes zu berücksichtigen: der Zahl von 84 861 revidierten Düsseldorf, Arnsberg, Trier und Oppeln waren im Berichts- In den losen Gruppen, die sie sammelte, trieben sich neben Betrieben standen nur 169 290 Revisionen gegenüber. Es jahre in den in Betracht kommenden Betrieben 180 098 Ar- unreifen Higköpfen aus der kleingewerblichen Arbeiterschaft famen somit auf je einen Betrieb zwei Revisionen. Da beiter beschäftigt. Von diesen leisteten 87 315, gleich 48,5 Pro- bon Literateneitelfeit befallene Großstadtpflanzen und allermanche Betriebe aber tausende Arbeiter, ja tausende Ma- zent, zusammen 19% Millionen Ueberstunden. Gegen das hand verdächtige Gestalten aus der Welt der Deklassierten schinen, Stefsel usw. zählen, so kann auch hier von einer voll Borjahr hat die Zahl der geleisteten Ueberstunden um 212 herum. Geredet wurde sehr viel, geschrieben und gedruckt ständig erschöpfenden und gründlichen Untersuchung der Ver- Millionen zugenommen. Und weit über ein Drittel der auch sehr reichlich, getan so gut wie nichts. Die illegale" hältnisse keine Rede sein. Ueberdies waren die Beamten auch Ueberzeitarbeit, nämlich die Summe von 82 Millionen Aktion beschränkte sich so ziemlich auf etliche kleine Falschnoch durch 26 950 Unfalluntersuchungen 25 736 im Vor- Stunden, entfällt auf die Sonntage. Am ausschweifendsten münzerbetriebe, die aber immer so starf nach Spigelei rochen, jahre in Anspruch genommen. wird dem Ueberstundenwesen im Rubrrebier gehuldigt. In daß auch die bürgerliche Presse darüber schnell hinwegglitt. Zu den am wenigsten revidierten gehören die Anlagen den Werken des Regierungsbezirks Düsseldorf mußten 53,29 Ab und zu las man von einer Haussuchung bei diesem oder der Industrie der Steine und Erden, die Fabriken der Metall- Prozent aller Arbeiter über die normale zwölfftündige- jenem anarchistischen Blättchen, bei der die Polizei irgend verarbeitung, die Tertilfabriken, die Anlagen der forstwirt- Arbeitsschicht hinaus dem Kapital dienstbar sein. In manchen etwas Gefährliches„ fand". Es gab Libertäres", die man schaftlichen Nebenproduktion, die Lederfabriken, die Betriebe Betrieben geht die Prozentziffer erheblich über den Durch bei jeder Manifestation auftauchen sah, in Konflikte mit der des Holzgewerbes, der Nahrungsmittelindustrie sowie des schnitt hinaus. In den Reparaturwerkstätten der gemischten Polizei geraten und sich schließlich doch ohne Schaden aus Bekleidungsgewerbes. Betriebe stellen die Ueberarbeiter sogar 81,84 Proz. der Geder Muß schon die allgemeine Revision der Betriebe als unzu- samtarbeiterzahl. Würden die Verzeichniffe genau geführt, der Affäre ziehen sah, während die armen Teufel, die etwa reichend bezeichnet werden, fo gilt das im besonderen von den dann käme jedenfalls noch eine erfledlich höhere Gesamt zur Unterstützung der anscheinend Bedrohten herbeigeeilt Anlagen, für welche der Bundesrat laut§ 120e der Gewerbe- fumme Ueberzeitarbeit heraus. Das ist wahrlich ein nettes waren und sich in den Tumult hatten hineinreißen lassen, ordnung besondere Vorschriften erlassen hat. Solche Vor- Kulturbildchen aus dem Staate, in dem man den Fortbil- schwere Strafen davontrugen. Diese fragwürdige Krafeelschriften hatten doch zur Voraussetzung hervorragende gefund. dungsschülern noch mehr Religion einpaufen möchte, anstatt leidenschaft der Libertäre war auch ein Vorwand für die heitsschädliche Verhältnisse, die spezialisierte Schutzbestim- ihnen Unterricht über Arbeiterschutz und Hygiene zu erteilen. Polizei, Straßenmanifestationen zu verbieten oder gewaltsam mungen für die Arbeiter notwendig erscheinen ließen. Sie Wahrscheinlich, damit sie gegen die herrlichen fapitalistischen zu zersprengen. Dies war auch das Milieu, wo die„ Agence Fourny" ihre edlen Mitarbeiter holte. müßten demnach auch vorzugsweise der Revision unterworfen Bustände später nicht opponieren. werden. Das geschah aber nicht! Bon 74 174 solcher Betriebe Unter anderem haben die Gewerbeinspektoren diesmal tärer" Maske auftretende Verbrechertum nicht im geringsten Die bürgerliche Gesellschaft hat sich über das in ,, libermit 171 354 Arbeitern find nur 10 601 mit 22 920 Arbeitern eingehender über die Gesundheitsverhältnisse in aufgeregt, so lange es die Sicherheit des Eigentums nicht geeines Revisionsbefuches teilhaftig geworden. 85 Proz. der den Zementfabriken berichtet. Nach den statistischen fährdete. Ein Métivier, den Clemenceau persönlich für Betriebe und 87 Proz. der Arbeiter wurden bei der Revision Busammenstellungen ist. im Vergleich mit dem Jahre 1909, Die Polizei engagierte, hat nicht minder Menschenleben auf überhaupt nicht berücksichtigt! auf 100 tranfenfaffenmitglieder berechnet, bei den Ringofen dem Gewissen als die Schurken, die Bankdiener und ChaufGünstiger soweit die Revisionshäufigkeit in Frage arbeitern die Zahl der Krankheitsfälle von 50 auf 50,6, die Fommf, liegen die Verhältnisse im Bergbau. Von den revifionspflichtigen Anlagen wurden 1989, gleich 93,7 Proz. inspiziert; im Jahre vorher waren es 95,3 Proz. Die Bahl der von den Revisionen erfaßten Arbeiter betrug in beiden Jahren 99,9 Proz. der Gesamtbelegschaft. feure angefallen haben. Die Füsillade von Villeneuve- St. Georges ist der Verbrechen in der Rue Ordener und in Chantilly zumindest ebenbürtig. Die Bourgeoisie freilich möchte tilly zumindest ebenbürtig. Die Bourgeoisie freilich möchte das nicht Wort haben, da muß ihr denn gesagt werden, daß das nicht Mort haben, da muß ihr denn gesagt werden, daß die eine Bluttat wie die anderen auf demselben Holz gewachsen und daß die neuesten Verbrechen auf dem Boden der stetig fontrollierten und oft genug gegen die Arbeiterbewegung ausgespielten anarchistischen Halbwelt emporgewuchert sind. Wir haben gesehen, daß die libertäre" Raub- und Mordpraris in Frankreich zeitlich mit der Einwanderung einer Anzahl von Mitgliedern der belgischen individualistischen" Gruppe zusammenfällt, wir haben diese in sehr der Krankentage von 580 auf 658 gestiegen. Bei den übrigen Ofenfyftemen ergeben sich jedoch Senkungen der Krankenziffern, bei den Schacht- oder Etagenöfen von 45 auf 43 Fälle und von 677 auf 602 Krankentage, bei den Drehöfen von 40,4 auf 34,6 Fälle und von 672 auf 601 Krankentage, bei den geDie mangelhafte Revision ist sicher fein besonderer An- mischten Enftemen endlich von 28,5 auf 24.3 Fälle und von porn für das Unternehmertum, die Arbeiterschutzbestim- 512 auf 393 Krankentage. Danach könnte man annehmen, daß mungen zu beachten. Ein weiterer Anreiz zu Uebertretungen sich, mit einer Ausnahme, die Gesundheitsverhältnisse sehr geliegt in der milden Beurteilung fast fönnte man fagen: beffert hätten. Eine solche Schlukfolaerung ist aber nicht ohne Prämiierung der Verstöße gegen die Schußbestimmungen weiteres zuläffig. Daß die Erkrankungsgefahr an den verfowie in der Bereitwilligkeit, Ausnahmen in bezug auf die schiedenen Ofeninstemen stark differenziert, das mag schon sein. Vorschriften über die Beschäftigung von Arbeiterinnen sowie Ein wirkliches Urteil ist aber erst dann möglich, wenn nicht die Sonntagsarbeit zu gewähren. Zahl der beschäftiat gewefenen Arbeiter, sondern die Summe Im vergangenen Jahre ist für 158 632 Arbeiterinnen in der geleisteten Schichten als Makitab der Berechnung gewählt nahen Beziehungen zu der höchst verdächtigen Gesellschaft der 2183 Betrieben an Wochentagen Ueberarbeit, und zwar ins- wird. Ein starker Arbeiterwechsel, wie ihn verschiedene Brüsseler russischen Expropriateure" gesehen. Wir fanden gesamt 2321 284 Stunden, gestattet worden, davon 57 157 Unternehmer instematisch herbeiführten, um die franken Ar- ein dem„ Recolté" nahestehendes Individuum in einen durch Stunden an Sonnabenden über die gefeßliche Normafgrenze beiter abzuschiehen und durch eine hohe Rahl der Beschäftigten die Defraudation von Revolutionsgeldern motivierten gehinaus. Im Vergleich mit dem Vorjahre macht sich eine ge- eine niedrige Morbiditätsziffer vorzutäuschen, fann ein total meinen Erpressungsversuch verwickelt, wir nahmen schon in ringfügige Verminderung der Ausnahmebewilligungen be- foliches Bild liefern. Daß der Arbeitermechiel außerordent- der Affäre vom Square Marguerite" die Zeichen einer Vermerfbar. Spießer. Junker und Großkapitalisten in trauter lich groß ist, hebt übrigens der Bericht aus Oppeln start her- mengung des politischen revolutionären Mofivs mit dem Gemeinschaft ergößen sich an der Phrase: die Frau gehört ins vor; die Rementarbeiter fönnten ja überall aleich hoch be- niedrig egoistischen wahr. Und in beiden Kreisen, dem russiHaus! Dabei macht man die größten Anstrengungen, fie zahlte Arbeit finden". Diese Konstatierung läßt ahnen, wie schen wie dem belgischen, finden wir unverkennbar die Spuren möglichst lange in der Fabrik festzuhalten, damit die schlecht- es mit den Lohnverhältnissen in den Zementfabriken bestellt der Wirksamkeit von Polizeispigeln. bezahlte Frauenarbeit die Profitrate steigere. ist. Sie forgen für eine ununterbrochene luftuation. Ohne Sicher ist das anarchistische" Verbrechertum nicht aus Ein nettes Licht auf den christlichen Staat wirft das Ka- genaue Unterlagen über den Arbeiterwechiel haben die von der angeborenen oder anerzogenen Schlechtigkeit der Verpitel der Sonntagsarbeit. Die Bewilligungen von den Gewerbeinspektoren gelieferten Materialien wenig Wert. brecher zu erklären und es wäre findisch, seine Existenz auf " 1 das Wirken der Spitzel und Provokateure zurückzuführen., Es ist ein ziemlich kompliziertes Produkt, das auf dem Boden der kapitalistischen Gesellschaft besonders dort gedeiht, wo sich die kleinbürgerliche Produktiqnsform noch verhältnismäßig stark erhalten hat und die Arbeiterbewegung wohl lebhaft genug ist, um ihre Schlagworte in allen Schichten der Be- sitzlosen bekanntzumachen, aber nicht so stark, um in einer großartigen, organisierten Massenaktion die der heutigen sozialen Ordnung widerstrebenden Kräfte zu vereinigen und deil verschiedensten Temperamenten die Betätigungsmöglich- keit in einer tvahrhaft„direkten Aktion" zu bieten, die auf das Ziel der Abschafsting des kapitalistischen Profits hin- strebt. Für den in die Gedankenwelt des Sozialismus einge- führten Arbeiter kann der Verbrecheranarchismus nichts Verführerisches haben. Erkennt er doch in ihm nicht eine Rebellion der Besitzlosen gegen das wirtschaftliche und moralische Grundprinzip der bestehenden Gesellschaftsordnung, gegen den aus dem Eigentum fließenden Gewinn, sondern im Gegenteil eine A n p a s s u n g an dieses Prinzip. Diese Sorte von Anarchismus bedeutet so wenig einen revolutionären Angriff auf den bürgerlichen Profit, wie die Prostitution einen Angriff auf die bürgerliche Ehe bedeutet, deren Er- gänzung sie vielmehr bildet. Die Anpassung ist eine durch- aus logische Folge der individualistschen, voll keinem großen solidarischen Zusammenhang beherrschten Lebensgestaltung, deun der Vereinzelte kann sich eben nur durch Anpassung behaupten, wogegen die Masse zu überwinden ver- mag. Die Mittel der Anpassung und ihr Resultat mögen je nach Talent, Charakter und Glücksumständen verschieden sein. Ter eine Anarchist bringt es mittels ihrer bis zum Minister- Präsidenten und Ordnungsdirektor im kapitalistischen Staate, andere geraten in die Sphäre des gaunerischen und gewalt- tätigen Gelderwerbs und in einen schließlich hoffnungslosen Kampf mit der zur Sicherung der auf den Besitz gegründeten Ausbeutungsformen konstituierten übermächtigen Staats- gewalt. Aber das revolutionäre Proletariat hat mit alledem ilichts zu schaffen und wird von der albernen Verleumdung der reaktionären Presse ebensowenig berührt wie von der Senti- Mentalität, womit die Bonnots ihre Missetaten als Befrei- ungstat von Enterbten zu drapieren lieben. Und einzig das Proletariat hat in der heutigen Gesellschaft wirk- lich das Recht, sich von jeder moralischen Gemein- s ch a f t mit ihnen frei zu erklären. Es verdammt das Mördhandwerk der Gesetzlosen und muß sich dagegen wehren, daß es zu dem tausendfachen, unter dem Schutz des Gesetzes verübten kapitalistischen Mord hinzukomme, der tag- täglich an den Volksmassen in Fabriken und Bergwerken verübt wird und den wir eben erst im Ozean seine entsetzlichen Hekatomben fordern sahen. Es sieht mit um so größerem Schaudern die Räuber mit Revolvern und Karabinern am Werk, weil, es in ihren blutigen Taten die Moral des Militarismus wiederfindet, der die Völker unablässig für den Massenmord drillt, die Nichtswürdigkeit, die für streikende Ardeiter Flintensalven bereit hat.„Sein eigenes Leben zu leben," diese banale, eitelkeitsgeblähte Phrase hat der Massenmörder Bonnot an die Spitze seines graßmanns- süchtigen„Testanlents" gestellt. Aber ist das nicht dieselbe Maxime, die das Wirtschaftsleben und die Kultur der kch>ita- � listischen Welt regiert, und kehrt sie nicht, auf Kollektivitäten angewendet, in der weltpolitischen Ideologie und im Pro- gramm des Nationalismus wieder? Ist es nicht die heute allgemeine Raubinoral, die Leben mit Wertezerstören gleich- setzt? Das Verbrechertum ist eine unvermeidliche Frucht der kapitalistischen Ordnung mit ihrem Massenelend, ihrem im- erträglichen Druck auf das Leben jedes Einzelnen und ihren vielen Degenerationsfaktoren. Ueberwunden wird es erst in einer neuen, gerechten, freieren und von der wachsenden mensch- liehen Erkenntnis geleiteten Gesellschaft. Seine Vermengung mit den revolutionären Tendenzen aber muß um so mehr verschwinden, je stärker die Kampforganisation des Prole- tariats, je umfassender ihre Wirksamkeit, je größer das Ver- trauen und die Zuversicht werden, die der Sozialismus in den besitzlosen Klassen erweckt. So kann die sozialdemokratische Arbeiterschaft auf die verleumderischen Versuche der reaktionären Presse, die Räuber- taten von Paris mit ihren Bestrebungen zu identifizieren, ruhig antworten: Die anarchistischen Banditen sind Fleisch v o ii eurem Flei s ch. Sie sind Fäulnisprodukte des Kapitalismus, aufgeblüht in einem Boden, der die Sumpf- Wässer einer aberwitzigen, korrupten, in einer infamen Tradi- tion verfangenen Polizeiwirtschaft aufnimmt, deren politische Zwecke die sozialhygienischen Aufgaben vereiteln. Kolonialfragen im Reichstage. Am Mittwoch würde im Reichstag die Generaldebatte über die Kolonien beendet. Nachdem die Herren Paaschs und Müller- Meiningen, ebenso wie der unvermeidliche Lirenziat M u m m ihre optimistischen Hoffnungen auf die künftigen Erfolge der deutschen Kolonialpolitik ausgedrückt, hier und da auch wohl eine Beschwerde oder Anregung geäußert hatten, gab unser Genosse Ledebour all den Herren, die uns mit guten und billigen Rat- schlagen hatten versehen wollen, noch einmal die Versicherung, daß unsere Behandlung der deutschen Kolonialpolitik aus einer sicheren und grundsätzlichen Anschauung klar und logisch hervorgeht. Er nahm dabei die Kritik und die Herren Kritiker nicht allzu ernst, und daS ganze Haus freute sich im Grunde über die humoristische Abfertigung all der Neunmalweisen. Nach einigen Bemerkungen des Welsen C o I s h o r n verlangte Genosse D a v i d s o h n unter dem Mißbehagen des Herrn Dr. Oertel, daß die deutschen Beamten in den Schutzgebieten den Schwarzen in der Alkoholfrage mit gutem Beispiel vorangehen. Tami wurden nacheinander die E i n z e l e t a t S für Ostafrika, für Kamerun, für Togo und für Neu-Guinea erledigt. Bei dem Etat für Ostafrika gab eS noch ein kleines Nachspiel der gestrigen Generaldebatte: Herr Erzberger muhte in einer Polemik mit dem Genossen Henke manche seiner Angriffe mildern, und er tats in konzilianter Weise. Genosse NoSke führte in sehr geschickten Bemerkungen den naseweisen Herrn Arendt ab, der allzu neugierig nach kolonialen Schwindelgründungen sich erkundigt hatte. Auch der Etat für Kamerun gab zu großen Auseinander- setzungen keinen Anlaß. Nur Genosse N o s k e gab bei Betrachtung der von den Weißen in Südkamerun geforderten Selbstverwaltung ein interessantes Apercu über die eigenartige Methode, die Schwar- zen vollkommen auszuschalten. Bei dieser Gelegenheit konnte er eine Reihe von Grausamkeiten feststellen, die sich notwendig ergeben müssen aus dem System barbarischer Expeditionen. Die Etats für Togo und Neu-Guinea wurden ohne Debatte genehmigt. Dw Erörterung, die die sechsstündige Donnerskagsitzung ausfüllte, bezog sich allerdings nur, aus Einzelfragen, aber gerade in dieser Spezialdiskussion kam besonders wirksam zum Ausdruck, wie berechtigt öie allgemeine Kritik ist, welche die Sozialdemokratie an der deutschen Kolonialpolitik geübt hat. Aus dem Etat für Südwestnfrika und Samoa wurde zunächst die Diamanten- frage herausgenommen, zu der die Budgetkommission eine Resolution angenommen hat, in welcher eine möglichst baldige Reform der Diamantenregie unter angemessener Beteiligung der Diamantenförderer und unter verschärfter staatlicher Aussicht ge- fordert wird. Genossen Hoch vertrat diese Resolution mit aus- gezeichneter fachmännischer Kenntnis der ganzen Vorgänge und der verhängnisvollen Wirkungen des bisherigen Regimes. Er konnte zeigen, wie die Diamantenregie bisher von den Syndikatsherren hineingelegt worden ist, die die deutschen Interessen schwer ge- schädigt haben. Nacheinander mußte Herr Erzberger vom Zentrum, Graf Westarp von den Konservativen, der National- liberale Freihen! v. R i ch t h o f e n. der Fortschrittler Ahlhorn und der Staatssekretär die Berechtigung der Kritik zugeben. Sie suchten naturgemäß die Tragweite dieser Krii! und ihre Schärfe nach Möglichkeit abzuschwächen. Keiner traute sich aber soweit zu gehen, wie der Fortschrittliche Dr. W a I d st e i n, der die groß- kapitalistischen Interessen unverhüllt aber ebenso wirkungslos gegen unseren Genossen in Schutz nehmen wollte. Tie Resolution wurde selbstverständlich im Laufe der Debatte angenommen. In der allgemeinen Debatte über den Etat für Südwest- asrika und Samoa wurde zunächst eine sozialdemokratische Resolution behandelt, welche die Aufhebung der Verordnung fordert, durch die den Eingeborenen die Haltung von Großvieh nur nach einer im einzelnen Falle einzuholenden Genehmigung gestattet wird. Diese Verordnung bekämpfte als Redner unserer Fraktion Genosse Ledebour. der das Unrecht einer solchen Rache- und Straf- Politik nach Gebühr kennzeichnete. Der Staatssekretär versprach Milderung, gab aber zu, daß die Verordnung eine Vergeltungs- Maßregel für den früheren Aufstand sei. Im Laufe der Debatte wandte sich Genosse N o s k e erneut gegen diese merkwürdige, eng- herzige, ungerechte und sicherlich erfolglose Politik. Auch diese Resolution fand Annahme. Unter großem Interesse des ganzen Hauses wurde schließlich die Mischlingsfrage in Samoa angeschnitten, die bereits in der Generaldebatte des Etats Erwähnung gesunden hatte. Die Budgetkommission hatte damals die sozialdemokratische Kritik als berechtigt erachtet, und schlug vor, die entgegen dar Verfügung des früheren Gouverneurs von Samoa und jetzigen Staatssekretärs die Ehe zwischen Eingeborenen und Weißen zulassen soll. Während die Abgeordneten sich zahlreich um die Tribüne scharten, hielt der Staatssekretär einen längeren Vortrag über diese Frage. Er lehnte die Reform ab, die er als einen falschen Ausfluß einer falschen Humanität hinstellen möchte. Er ging sogar soweit, das Befreiungsedikt von Abraham Lineolm in den Vereinigten Staaten als warnendes Beispiel hinzustellen! Also geradezu eine Ver- teidigung der Negersklave reil Genosse Ledebour erwiderte ihm unter allgemeiner Aufmerksamkeit und unter der Zustimmung des größten Teiles der Abgeordneten. Er tonnte den Staatssekretär auf schwerwiegende Widersprüche aufmerksam machen, die sich in seinen eigenen Aussagen und seiner eigenen Politik finden, und fand treffende Worte, um gegen jene rücksichts- lose Barbarei die Sache selbstverständlicher Humanität in Schutz zu nehmen. Um 7 Uhr wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt. Erster Punkt der Tagesordnung ist die Reform der Geschäfts- ordnung. ver Krieg. Aushebung der Dardanellensperre. Konstantinopel, 1. Mai. Der M i n i st e r r a t hat beschlossen, die Durchfahrt durch die Dardanellen wieder zu öffnen unter der Bedingung, daß die Pforte sich das Recht vor- behält, sie wieder zu schließen, wenn es sich als notwendig heraus- stellen sollte, und daß die Schifte streng die früheren Vorschriften über die Benutzung von Lotsen befolgen. Eine entsprechende Note wird den fremden Vertretern übermittelt werden. Da zur Auf- fischung der Minen aus den Dardanellen eine gewisse Zeit er- forderlich ist, dürfte die Freigabe der Schiffahrt erst noch etwa zweiTagen möglich sei». Konstantinopel, 2. Mai. Der Minister des Aeußern überreichte gestern abend den Vertretern der fremden Mächte die Note, in der ihnen die Wiederöffnung der Dardanellen mit dem Vorbehalte, sie gegebenenfalls wieder zu schließen, bekannt- gegeben wird. Konstantinopel» 2. Mai. Die Note der Pforte über die Wiederöffnung der Dardanellen hat folgenden Wort- laut: Das kaiserliche. Ministerium des Aeußern teilt den aus- wältigen Missionen mit, daß die ottomanische Regierung beschlossen hat, die Dardanellen der neutralen Schiffahrt unter denselben Be- dingungen wie vor der Sperrung wieder zu öffnen, das heißt mit der Verpflichtung für die Handelsschiffe, sich den Vorschriften über die Verwendung von Lotsen zu unterwerfen. Die Meerenge wird der Schiffahrt unter den früheren Bedingungen nach einer Frist freigegeben werden, die zur Hebung der die Verteidigung ergänzen- den Minen materiell unerläßlich ist. Selbstverständlich hält die kaiserliche Regierung ihr legitimes Recht unumschränkt aufrecht, die Meerengen vollständig zu sperren, sobald sich das Bedürfnis danach fühlbar machen wird. Die Schiffsunfälle im Aegäischen Meere. Konstantinopel, 1. Mai. Zu der Katastrophe der „Texas" wird ergänzend gemeldet: Die„Texas" hatte IN Passa- giere an Bord, davon sieben erster Klasse, während die übrigen im Zwischendeck untergebracht wareni Von diesen waren SO Albanesen aus Saloniki und 25 Türken aus Mytilenc, die anderen aus Salo- niki und Dcdeagatsch. Di« Besatzung zählte 25 Mann. Ais gestern waren 67 Personen gerettet, von denen viele Verletzungen er- litten haben. 69 Personen gelten als verloren. Unter den Ertrunkenen besindet sich der Belgier Boueart. Deutsche sind nicht verunglückt. Der erste Kapitän, ein Grieche namens Makris, wurde verletzt. Alle offiziösen Nachrichten schreiben dem Kapitän die Schuld an der Katastrophe zu. Die„TexaS" war ein alter Dampfer von ungefähr 699 Tonnen Gehalt und gehörte dem griechisch-ottomanischen Reeder Hadschi Daud. der, um sich der Ent- richtung der Hafengelder und der Kontrolle der Behörden zu ent- ziehen, die den Dienst nicht ganz einwandfreier Fahrzeuge nicht zu- lassen wollte, auf dem Schiffe die amerikanische Flagge hatte hissen und den Namen des Dampfers, der ursprünglich.Olympia" ge- lautet hatte, in„Texas" hatte umwandeln lassen. Konstantinopel, s. Mai. Hier geht das Gerücht, daß ein Schleppdampfer bei der Insel Samothraki südlich von Dedeag- hatsch durch Explosion einer Unter seemine gesunken sei. Dreizehn Personen sollen ums Leben gekommen sein. Konstantinopel, 2. Mai. Die gerüchtweise gemeldete Minen- explosion hat sich in den Dardanellen selbst ereignet. Ein im Dienste der Admiralität stehender Schlepper»S e- m e n d r i a" stieß bei der Verankerung von Bojen auf eine Mine und flog in die Lust. Der Kapitän und zwölf Matrosen, darunter zwei Armenier, sind ertrunken, einer ist gerettet. Der Unfall hat bei der Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. Die Luftschiffe auf dem tripolitanischen Kriegsschauplatze. Tripolis» 2. Mai. Gestern früh unternahmen die Lustschiffe P. 2 und P. 3 einen Erkundungsflug längs der Straße Fonduk— Tokar— Suani— Benaden-Azizia. Die beiden Luftschiffe, die unter dem Befehl des an Bord befindlichen Majors Denti stau- den, stellten die Streitrkäfte und Stellungen des Feindes fest. Als die Luftschiffe über den feindlichen Lagern eintrafen, wurden sie mit lebhaftem Gewehrfeuer und Granaten aus zwei Geschützen empfangen, blieben jedoch unversehrt. Gegen 19 Uhr befand sich das Luftschiff P. 2 über dem Lager von Azizia und bombardierte es mit großem Erfolg, indem es 30 große Bomben in das Lager fallen ließ. Gleichzeitig lieh P. 3 etwa 12 große Bomben in die Lager von Suani und Benaden fallen und fügte dem Feinde schwere Verluste zu, da sämtliche Bomben explodierten. Nach drei- stündiger Fahrt kehrten die Luftschifte in die Schuppen zurück. Die Meuterer vor dem Kriegsgericht. Rom, 1. Mai. sEig. Ber.) Obwohl die bürgerliche Presse sich bis heut« noch nicht enlschloffen hat, die von uns gemeldete Meute- rung von Reservisten vom 5. April zuzugeben, ist der„A v a n t i" imstande, über die Strafen zu berichten, die das Kriegsgericht über die betreffenden Soldaten vom 4l. Regiment verhängt hat. Ten Soldaten M u n i c ch i hat man als Rädelsführer angesehen und zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt, die weiteren Verurteilungen lauten auf 19, 2 und 1 Jahr. Drei Gemeine sind zu 6 Monaten, drei Korporale zu je 8 Monaten verurteilt worden, während 5 Angeklagte freigesprochen wurden. Natürlich durfte der Kriegskorre- spondent des„Avanti" diese Nachricht nicht telegraphieren. Trotz- dem wird die Tatsache nicht aus der Welt geschafft, und, was noch weit schlimmer ist, die Ursachen dauern weiter an, die zu ähnlichen Gehorsamsverweigerungen der Reservisten und zu ähnlichen Strafen führen werden. Dagegen hilft keine Zensur, dagegen hilft nur die Entlassung der kriegsmüden Reservisten. Italiener durch Italiener erschossen. Rom, 1. Mai.(Eig. Ber.) Durch einen tragischen Mißgriff, au dem zweifellos ein übertriebener Zerstörungseifer Schuld trug, sind an der Küste der Halbinsel von M a k a b e z zwei Italiener durch das italienische Torpedoboot„197" erschossen worden. Das Boot sah zwei Männer in einem Ruderboot der Küste zusteuern und forderte sie durch Zuruf auf, still zu stehen. Als beide weiter ruderten, wahrscheinlich weil sie die Order nicht verstanden hatten, wurde die kleine Kanon« des Torpedoboots auf die Ruderer gerichtet. Einer der beiden war sofort tot, der andere wurde im Wasser er- schössen, alS er sich durch Schwimmen retten wollte. Nachher stellte sich heraus, daß die Erschossenen der Maschinist und der zweite Offizier des KauffahrteifahrerS„Vincenzio Florio" waren. Hätte man, anstatt sofort zu schießen, die beiden aufgefordert, sich zu er- geben, so wäre der tragische Mißgriff vermieden worden. Sie Revolution in China. Neues Leben in Peking. Peking, l. Mai.(Meldung der„Agenee d'Expretz Orient".) Allein Anschein nach werden in Peking in Kürze wieder normale Zustände«intreten. Die Geschäfte werden regelmäßig geöffnet. Ein städtisches Komitee hat sich gebildet und chat der Regierung Vorschläge über die Ausführung öffentlicher Arbeiten unter- breitet. Unter anderem sollen die Gräben, die sich ringS um die Stadt ziehen, aus Gesundheitsrücksichten ausgefüllt und mit Bäumen bepflanzt werden. Eine große Anzahl Tore, besonders im Süden, sollen in die Stadtmauer gebrochen werden. Außerdem wird beabsichtigt, mit einer ElektrizitätSgesellschaft wegen des Baues von Straßenbahnen in der Stadt und in den Vororten in Unterhandlungen zu treten. Der Kampf gegen das Opiumgift. Nanking, 30. April.(Meldung der„Agenee d'Expretz Orient.) Die Gerüchte, daß die Revolution eine Steigerung des Mohnbaues und des Opiumverbrauchs mit sich gebracht habe, entbehren jeder Begründung. Wenn auch in einigen Orten die Ueberwachungs- maßregeln während der Revolution nicht so scharf waren, läßt sich doch feststellen, daß der Krieg gegen den Mohn jetzt wieder um so schärfer geführt wird. In Futschu und Fokien wird ein förmlicher Kreuzzug gegen das Opium geführt. Die alten Repressivmaß- regeln werden strikt innegehalten, und neue Vorschriften sind hin- zugekommen. Alle Magazine, die zum Rauchen präpariertes Opium verkaufen, werden geschlossen. Der Sekretär des inter- nationalen Bureaus gegen das Opium in Schanghai hat einen Brief des Generalissimus von Folien erhalten, in dem er ihm mit- teilt, daß er Soldaten zur Verwüstung der Opiumfelder geschickt hat, die während der Revolution gepflanzt worden sind. Referend James Bruce Eyestone schreibt auS Minzingchien, daß er in der ganzen Gegend keine Mohnfelder mehr bemerkt. ES organisiert sich eine republikanische Bewegung gegen daS Opium, unterstützt von allen bedeutenderen Republikanern und maßgebenden Persön. lichkciten.> poUtifchc Clcberficht. Berlin, den 2. Mai 1912. Aus dem preuhischeu Abgeordnetenhause. Endlich hat daS Abgeordnetenhaus den Etat wenigstens in zweiter Lesung durchberaten. Die Schuld an der verspäteten Fertigstellung des Etats, der, bevor er an das Herrenhaus gelangh auch noch die dritte Lesung im Abgeordnetenhause passieren muß, trägt nicht etwa der Landtag, vor allem nicht die sozialdemokratische Fraktion, die die Gegner so gern dafür verantwortlich machen möchte, sondern einzig und allein die Regierung, die das Par- lament so spät einberufen hat. Im Gegensatz zum organisierten Proletariat, daS in der völli- gen ArbeitSruhe die würdigste Form der Maifeier erblickt, hielt das preußische Dreiklasscnparlament am Mittwoch gleich zwei Sitzungen ab. Die Mehrheit wollte die Zeit, die sie in den letzte» Tagen durch ihre albernen Angriffe auf die Sozialdemo- traten vertrödelt hat, wieder einholen, und deshalb mußten die paar Abgeordneten, die es mit ihrer Pflicht ernst nehmen, nach einer Dauersitzung am Tage auch noch am Abend zu Beratungen zu- sammenkoinmen und bis in die Nacht hinein sitzen. Von den Verhandlungsgegenständen interessierte besonders die Bewilligung des Geheimfonds in Höhe von 309 900 M., für den diesmal sogar die Fortschrittler stimmten, obwohl gerade ihr verstorbener Führer Eugen Richter diesen KorruptionSfonds stets aufs heftigste bekämpft hat. Namens unserer Fraktion protestierte Genosse Hirsch dagegen, daß die Gelder der Steuer- zahler zur Züchtung von Spitzeln verwendet werden. Bei dem Titel„Fürsorgeerziehung" gab Genosse B o r ch a r d t wertvolle An. regungen zur sozialen Ausgestaltung deö FürsorgeerziehungSwesenS, während sich Liebknecht beim Kapitel„Strafansialtsverwaltung" über den Mißbrauch verbreitete, der mit der Arbeit der Gefangenen betrieben wird. Am Abend wurde das Kapitel..Medizinal. w e s e n" in Angriff genommen, dessen Beratung am Donners- tag fortgesetzt wurde. Der Redner unserer Fraktion, Genosse Hirsch, verbreitete sich Lei dieser Gelegenheit in sachkundiger Weise über die gesundheit- lichen Verhältnisse des Staates und ging auf den von anderer Seite berührten Streit zwischen Krankenkassen und Leipziger Ver- band ein. Unserem grundsätzlichen Standpunkte entsprechend, stellte er sich nicht auf die Seite derer, die es den Aerzten verübeln, daß sie sich organisieren. Im Gegenteil, er räumte den Aerzten genau so wie allen übrigen Schichten der Bevölkerung das uneingeschränkte Koalitionsrecht ein. nur verlangte er, daß die Negierung sich in die wirtschafllichen Kämpfe zwischen Kassen und Aerzten nicht einmischt. Schließlich brachte er auch die einseitige Vertretung der Interessen der Apotheker durch den Referenten im Ministerium, Geheim- rat Fröhlich, zur Sprache, der es an der für einen Regierungs- Vertreter notwendigen Objektivität fehlen läßt. Die sozialdemokra- tischen Anträge auf RegelungdesJrrenrechts und auf eine Ausgestaltung des Säuglings- und Mutterschutzes wur- den ohne Widerspruch Kommissionen überwiesen. Eine seltene Uebereinstimmung des Hauses trat bei der Be- sprechung der Frage des Neubaues des Opernhauses zu- tage. Man war allgemein der Meinung, daß den Künstlern in weiterem Umfange Gelegenheit zur Betätigung ihres Könnens ge- geben werden müßte. Dieser Anregung, die zu einetn Beschluß er- hoben wurde, trat auch Genosse Liebknecht bei, dessen be- herzigenswerte Ausführungen in der Forderung gipfelten, daß die Kunst dem Volke gehöre und daß deshalb im Interesse der breiten Masse eine möglichst soziale Billettpreispolitik getrieben werden müsse. Auch in der Frage der Bezüge der Altpenfionäre, d. h. der vor dem 1. April 1303 pensionierten Beamten und Lehrer, wurde end- lich, nach wiederholten Beratungen im Plenum und in der Kam- misston, eine Einigung erzielt, die zwar nicht völlig befriedigt, aber doch immerhin eine Abschlagszahlung bedeutet. Daß die Sozial- demokraten es mit den Beamten mindestens ebenso gut meinen wie die bürgerlichen Parteien, die angesichts der Wahlen um ihre Gunst buhlen, beweisen die von warmer Liebe für die Altpensionäre dik- lierten Worte unseres Genossen Hoff m a n n. Am Freitag stehen kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung. Mit der dritten Lesung des Etats soll am Sonnabend begonnen werden. Im Seniorenkonvent des Reichstages wurde am Mittwoch bestimmt, daß wenn die Beratung des Kolontal- etatS am Donnerstag zum Abschluß kommt, am Freitag die Anträge der Geschäfteordnungskommission auf Ausbau der Geschäftsordnung als erster Punkt auf die Tagesordnung' der Plenarsitzung kommen soll. Dabei soll der Antrag der Freikonservativen, die FraktionS- stärke betreffend, behandelt werden. Sonnabend und Montag werden Ferientage sein. In der nächsten Woche wird dann die Beratung begonnen mit dem Reichsschatzamt und dem Pensionsfonds. Im übrigen werben sich die werteren Arbeiten nach dem Fortschreiten der Beratungen der Budgetkommission richten. Tie groste Versöhnung. Der Streit zwischen den„Alten" und„Jungen" der national- liberalen Partei scheint— wenigstens vorläufig— mit einer zärt- li�en Versöhnung zu enden. Die„Nationalzeitung" meldet: ,„Die Beratungen der Eürigungskommission, die eine Ver- mittlungsformel für den Ausgleich zwischen den Jungliberalen und dem bekannten Beschluß des Zentralvorstandes finden sollten, sind Mittwoch zu Ende geführt worden. Die Einzelheiten sind vorläufig noch vertraulich doch ist die Absicht, den Vertretertag zu verschieben, an dem Widerspruch der Jungliberalen gescheitert. Der Vertretertag wird also an, 12. Mai doch stattfinden und sich mit dem Kompromiß zu beschäftigen haben." Trotz dieser Heimlichtuerei ist die fortschrittliche Presse über den Vorschlag der Ausgleichskommission genau unterrichtet. Nach ihrer Mitteilung läuft der Vorschlag darauf hinaus, daß der Neichsverband deu: nationalliberalen Jugend bestehen bleibt, jedoch auS dem Gefüge der nationalliberalen Parteiorganisation ausscheidet. Der Neichsverband wird in Zu- kunft den Zusammenhang mit der Partei durch die Angliederung der einzelnen jungliberalen Vereine an die ProviNzial- und Landes- organisationen behalten. Durch diese Angehörigkeit soll der jung- liberale Einfluß in der Zentralinstanz der Partei verbürgt werden. Die nationalliberale Jugend scheint geneigt zu sein, diesen schönen Vorschlag zu akzeptieren. Der Vorstand des Reichsverbandcs der nationalliberalen Jugend hat nämlich am Sonntag in Frank- furt a. M. beschlossen, zu empfehlen, daß der Vertretertag der nationalliberalen Jugend seinen Vertretern auf dem allgemeinen Parteitag rät, für den Antrag der sogenannten freien Kommission einzutreten unter den folgenden Voraussetzungen: 1. Der allgemeine Parteitag findet an dem festgesetzten Termin, am 12. Mai er., statt. 2. Ter Zentralvorstand der Partei empfiehlt den KommissionS- antrag als den seinigen unter Aufhebung seines Beschlusses vom 24. März er. 3. Tie Begründung, die dem Parteitag für den Ztommissious- antrag gegeben wird, wird vorher festgelegt. Sie muß die Fest- sicllung enthalten, daß das Bestehen des Reichsverbandes der na- twnalliberalen Jugend, wenn auch ohne besondere Vertretung in der Partei, für die Zukunft gewährleistet wird. 4. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Geh. Rat Friedberg, schlägt Dr. Fischer dem Zentralvorstand zur Zuwahl in den geschästsführenden Ausschuß vor. Einzelne dieser Forderungen mögen den Friedbergern und Fuhrmännern etwas unbequem sein, vor allem das Verlangen, Herr Friedberg solle selbst den Führer der Jungliberalen. Dr. Fischer, der auf FriedbergS Betreiben am 24. März d. I. aus dem geschästsführenden Ausschuß der nationalliberalen Partei hinaus- gewählt worden ist, zum Wiedereintritt in diesen Ausschuß vor- schlagen; aber schließlich sind alle diese Bedingungen nicht derart, daß die Friedberger sie nicht bewilligen könnten, denn sie sind nichts ReueS, sondern stellen im wesentlichen nur den früheren Zustand wieder her. Nach einigem Handeln und Feilschen werden sich des- halb wohl einstweilen die„Alten" diesen Forderungen fügen, bis sich die Aussichten für eine Abhalfterung der Jungen und der Bafsermänner bessern. Es wird deshalb wahrscheinlich die auf den 12. Mai festgesetzte Entwirrungslomödie mit einem wenigen und weinerlichen großen Bersöhnungsfest schließen. Wie lange die Uebereinstimmung der schönen Seelen dauern wird, ist freilich eine andere Frage. Die Deckung der Wehrvorlage in der Kommission. Ist der Mittwochssitzung entspann sich zunächst eine längere prinzipielle Auseinandersetzung über einen so z i a l d c m o k r a- tischen Antrag, der die Branntweinsteuer auf Ivb M., die jetzige Höhe der Rontingentssteuer festsetzen will. Die Sozialdemokraten sind mit der Aufhebung des Kontingents einverstanden; im Interesse des Konsums aber sind sie nicht für den Steuersatz von 125 M. pro Hektoliter, der heute für den außer Kontingent stehenden Branntwein bezahlt wird, sondern für den jetzt geltenden KontmgentSsteuersatz von 135 M. Die Vergünstigung für die süddeutschen Reserbairechte wollen sie in diesem Fall anerkennen. Demzufolge sollen die süd- deutschen Brennereien 7� M. weniger Steuern zahlen, als bisher innerhalb des Kontingents zu entrichten waren. Im weiteren aber beantragten die Sozialdemokraten die Ein- führung der Erbschaftssteuer. Genosse Wurm gab hierzu folgende Erklärung ab: „Wir Sozialdemokraten bewilligen für den Militarismus, so auch für die jetzige Heeres- und Flottenvorlage, deren Annahme wir leider nicht verhindern können, keinen Mann und keinen Groschen. Wenn wir aber, wie in der gegen- wärtigcn Situation erreichen können, daß eine indirekte Steuer durch eine direkte ersetzt werden kann, sind wir bereit, für eine solche direkte Steuer,' z. B. die Erbschaftssteuer, zu stimmen. Zu dieser Erklärung bin ich durch meine Frak- tion ermächtigt." Konservative, Polen, Nationalilberale und Zentrum bean- tragten, den aus der Betriebsauflage angesammelten Fonds zur Propagierung und Verbilligung des technischen Spiritus um jährlich 16 Millionen zu verstärken, welche Summe aus der Verbrauchs- abgäbe zu entnehmen sei. Die Antragsteller machen von der An- nähme dieses Antrages ihre Zustimmung zum Gesetz abhängig. Das Ergebnis der Beratung war die Ablehnung des Antrages der Sozialdemokraten, die Annahme des konservativen Antrages betreffend die 16 Millionen für den technischen Spiritus. In beiden Fällen geschah die Annahme bezw. Ablehnung mit 15 gegen 13 Stimmen. Die Beratung der§Z 2 und 3, die die Hauptbestim- mungen für Süddeutschland enthalten, wurde noch nicht zu Ende geführt. Es liegt zum süddeutschen Reservat eine Reihe von Anträgen vor, die auf eine Erweiterung der Spannung bis zu 12 Mk. hinaus- laufen. Nach längerer Debatte über diese Anträge reichten die sozial- demokratischen Vertreter in der„Branntwein-Kommission" am Donnerstag einen spezialisierten Staffelungs- Antrag ein unter dem Vorbehalt, daß in zweiter Lesung an den Einzelheiten der Staffelung Vereinfachungen vorgenommen werden könnten. Die Tendenz des Antrages geht natürlich dahin, die kleinen(und mittleren) süddeutschen Brennereien vor der übermächtigen Kon- kurrenz der Riesenbetriebe zu schichen. Der Antrag wollte den landwirtschaftlichen Genossenschafts- und den kleineren Brennereien durch eine gestaffelte Ermäßigung Vor- teile bieten, gegenüber den großen Brennereien. Nach dem seit- herigen Gesetz z. B. bezog die Brennerei von Sinner in Baden eine Liebesgabe von 186 003 M. pro Jahr. Nach dem neuen Gesetz würde diese Liebesgabe immer noch 45 360 M. betragen, während sie nach dem sozialdemokratischen Antrag auf etwa 9000 M. herabgedrückt würde. Ter Antrag wurde gegen die acht Stimmen der Sozialdemo- kraten abgelehnt. Dagegen fand ein Antrag Vogt(kons.) Annahme, der den vor dem 1. April 1912 betriebsfähig hergerichteten(süd- deutschen) Brennereien mit einer Jahreserzeugung von nicht mehr äls 100 Hektoliter Alkohol eine Ermäßigung um 0,12 M., bei mehr als 100—300 Hektoliter eine solche von 0.10 M. pro Liter zugesteht. Jesuitendebatte im bayerischen Landtag. In Ler bayerischen Abgeordnetenkammer kam am Mitt- woch die Interpellation des Herrn Dr. Casselmann betreffend den Jesuitenerlaß zur Besprechung. Ministerpräsident Frhr. v. Hertling hielt zur Verteidigung des Erlasses eine lange Rede, in der tzr ausführte: Die Emschließung, die den Gegenstand der vorliegenden Jnter- pellation bUdet. war das Endziel längerer bereits unter dem früheren Ministerium eingeleiteter Verhandlungen. Auf Grund der einschlägigen Erwägungen glaubie der frühere Kultus- minister eine Weisung dahin in Aussicht nehmen zu sollen, daß zu der nach Ziffer 1 der Bekanntmachung vom 5. Juli 1372 verbotenen Ordenstätigkeit der Jesuiten weder die sogenannten Konferenzvorträge in der Kirche noch jene priesterlichen Handlungen zu zählen find, die zum Zwecke vorübergehender AUS- Hilfe in der Seelsorge in Abhängigkeit vom zuständigen Pfarramt vorgenommen werden. Bon dieser Absicht wurde den Bundes- regierungen Mitteilung gemacht. So stand die Sache, als im Februar der Ministerwechsel eintrat. Wir hatten also eine Erbschaft übernommen und diese zu liquidieren. Doch möchte ich betonen, daß die neuen Minister, da sie mit der in Aussicht genommenen Maßnahme einverstanden waren, auch die volle Verantwortung für die Maßnahme trugen. Der Erlaß befaßt sich mit der Interpretation der vom Bundes- rat zu dem Reichsgesetz erlassenen Vollzugsbekanntmachung vom 5. Juli 1872. Das Wort Ordenstätigkeit, das vom Bundesrat nicht näher erläutert worden ist, stellt keinen eindeutigen, klarumschriebe- nen Begriff dar. Es ist weiterer und engerer Auslegung fähig, je nachdem man entweder alle seelsorgerischen Funktionen einbezieht oder jene priesterlichen Handlungen ausschließt, bei denen der Ordensangehörige einer anderen Aufsichtsgewalt als die für die Ordensleitung unmittelbar untergeordnet ist. Beide Auslegungen sind nach der Anschauung der bayerischen Regierung an sich mög- lich und mit dem Wortlaute der reichsrechtlichen Vorschriften zu vereinbaren. Für die bayerische Regierung war bei dein Uebergang zu einem milderen Vollzug die Erwägung bestimmend, daß in dem all- gemeinen Urteil über den Jesuitenorden seit dem Erlaß des Reichs- gesetzes vom 4. Juli 1872 ein Umschwung zugunsten des Ordens eingetreten ist. Dies erhellt schon aus der Aufhebung des 8 2 des Jesuitengesetzes. Die bayerische Regierung glaubte, daß diese gesetzgeberische Maßnahme nicht ohne Rückwirkung auf den admini- strativen Vollzug dieser Bestimmung Und der zugehörigen Aus- führungsvorschriften bleiben könne. Um allen Zweifeln an der Loyalität der bayerischen Regierung zu begegne», und um auch nicht den Schein einer Trübung dcS Verhältnisses der bayerischen Regierung zur Reichsleitung aufkommen zu lassen, hat sie vor kurzem beim Bundesrat den Antrag auf authentische Jnterpreta- tion des Begrifft„Ordenstätigkeit" eingebracht. Hierdurch hat die bayerische Regierung zu erkennen gegeben, daß sie bereit ist, die- jenige Auslegung sich zu eigen zu machen, die das Organ, das allein zu einer verpflichtenden Interpretation berufen ist, nämlich der Bundesrat, für richtig erklärt." Der Ministerpräsident spricht zum Schluß die Hoffnung aus, daß die öffentliche Meinung, die in einem über die Be- deutung dieser Angelegenheit weit hinausgehenden Maße ge- reizt wurde, sich nun wieder beruhigt und der von Bayern selbst angerufenen Entscheidung des Bundesrats vertrauensvoll entgegensieht. Am Schlüsse der Sitzung kam es zu erregten Auftritten. Als Abg. Quidde(lib.) um 2� Uhr einen Antrag auf Ver- tagung stellte, erklärte der Vorsitzende der Zentrumsfraktion Abg. Lerno, daß das Zentrum die Besprechung der Jesuiten- Interpellation zu Ende führen wolle. Es entspann sich eine lange erregte Debatte über die Geschäftsordnung, in deren Verlaus die Abgeordneten Timm(Soz.) und Hübsch(lib.) dem Zentrum Vergewaltigung der Minorität vorwarfen. Schließlich schloß der Vizepräsident Frank die Sitzung und setzte die Weiterberatung auf Donnerstag, den 2. Mai, fest. Heute wurde die Debatte beendet. Sie brachte zwar keine Aufklärung über den Ursprung des Erlasses und über den Konflikt der bayerischen Regierung mit der Reichsleitung, aber sie vollendete das Bild einer ebenso geivalttätigen wie unge- schickten Zentrumsregierung. Genosse Adolf Müller wies auf die schwere Niederlage hin, die die bayerische.Megierung gegenüber dem Reiche erlitten habe und forderte das Zentrum auf, endlich einmal seine Macht zu gebrauchen, um das AuS- nahmegesetz zu stürzen. Das Zentrum wurde durch diese Rede so sehr in die Enge getrieben, daß der Ministerpräsident auf jede Entgegnung verzichtete. Die Blamage wurde vollendet durch die Tatsache, daß der Kultusminister sich herausgc- nommen hatte, das Haus zu täuschen. Von liberaler Seite war nämlich festgestellt worden, daß der Erlaß auf Betreiben des Münchener Erzbischofs ergangen sei. Der gegenwärtige Kultusminister behauptete nun, daß der Text dieses Erlasses ohne wesentliche Aenderungen vom jetzigen Ministerium über- nommen worden sei. Heute wurde nun aber von einem liberalen Redner enthüllt, daß der neue Kultusminister d i e e n t- scheidenden Stellen hinzugefügt habe, namentlich die Erlaubnis, daß die Jesuiten in der Kirche auch dieSakramentc sp e n den dürften. Auf dieser bewußten Unwahrheit ertappt, versuchte der Kultusminister mit einer Insinuation gegen die Liberalen zu entwischen, denen er vorwarf, daß sie überhaupt die Spendung der Sakramente in der Kirche nicht wollten, doch mußte er einen wenig rühmlichen Rückzug aistreten. Oie CClimn in JMaroWto. Die Entsendung französischer Kriegsschiffe in die marokkanischen Gewässer. Paris, 1. Mai. Offiziös wird als Grund für die Ent» sendung der Panzerkreuzer„Gloire" und „ C o n d 6" nach Marokko angegeben, der französische Ge> schäftsträger in Tanger habe dem Ministerium des Aeußern bestätigt, daß der Aufruhr in Fez auch auf Tanger eine gewisse Rückwirkung ausgeübt habe, und daß namentlich die jüdische Bevölkerung sich sehr beunruhigt zeige. Um die Be- fürchtungcn der fremden Ansiedelungen und der jüdischen Be- wohner zu zerstreuen, habe die Regierung die Entsendung der beiden Kriegsschiffe beschlossen. Kämpfe bei Larrasch. Paris, 1. Mai. Wie aus Madrid gemeldet wird, soll die auf dem linken Lukkosufer bei Larrasch lagernde französische Mahalla das Dorf Hura an- gegriffen, sich des Viehes bemächtigt, sowie eine ein- geborene Familie, einen deutschen Schutzbefohlenen und acht spanische Schutzbefohlene gefangen genommen haben. Zur Lage im Gebiete von Fez. Paris, 2. Mai. Aus Fez wird vom 1. Mai gemeldet: Eine Harka, die im Osten von Fez gebildet wurde, um aus Fez vorzurücken, hat sich aufgelöst. Die Beni Urain haben sich nicht dazu entschloffen, gegen Sefru zu marschieren. Es verlautet, daß in Fez eine Kriegskontribufton zur Entschädigung der Opfer der dortigen Unruhen erhoben werden soll.• Paris, 2. Mai. Nach den letzten aus Fez eingetroffenen Telegrammen nimmt die Entwaffnung der Bevölkerung ihren Fortgang. Bisher sind bereits 14 CK» Gewehre abgegeben worden. Die Bevölkerung verhält sich ruhig, man fühlt aber deutlich, daß nur die A n w e s c n h e i t der T r up p e n sie in Schach hält. Nur mit deren Hilfe wird es möglich sein, die Ruhe dauernd aufrecht zu erhalten. Die Stämme der Umgegend sind dagegen nach wie vor sehr kampslustig, zumal täglich Ueberläufer von den scherifi- schen Truppen zu ihnen stoßen. Es bleibt daher abzuwarten, ob sie durch die blutige Niederwerfung des Aufruhrs in Fez so eingeschüchtert sind, daß sie keinen Angriff auf die Stadt mehr wagen iverden. Die Soldaten, die ge- meutert hatten, sind sämtlich mit in der Burg Kasba des Stammes der Schorarda eingeschlossen, ihre Zahl beläuft sich auf etwa 231» Mann, Sie sind über das ihnen drohende Schicksal äußerst besorgt, wozu die vorgestern veröffentlichte Kundgebung des Sultans viel beiträgt. Truppensenduvg nach Marokko. Paris, 2. Mai. Der Dampfer Armönic ist von Bastta auf Korsika mit einer Batterie des 2. Gebirgsartillerie- regiments nach Casablanca abgegangen. Oesterreick. Die Behandlung ausländischer Arbeiter in Preuße«. Wien, 2. Mai. In der österreichischen Delegation wendete sich der tschechische Sozialdemokrat Ncmcc dagegen, daß österreichische Arbeiter ohne Grund und gegen das internationale Rccht aus Preußen ausgewiesen werden. Die Demo- kratie sei die einzige Grundlage, auf der auch Neu-Oesterrcich auf- gebaut werden könne. Die Umwandlung Oesterreichs in einen Nationalitäten-Bundcsstaat böte Gewähr für feine Erhaltung. Rußland. Die Arbeitermetzelei. Petersburg, 1. Mai. Reichsduma. Bei der Besprechung der Interpellation über die Ereignisse an der Lena erklärte der H a n d e I s m i n i ste r, er sei von den: Ministerpräsidenten dazu ermächtigt, im Namen der Regierung kategorisch die in der Presse und der Duma geäußerte Befürchtung zu dementieren, daß die Wahrheit über diese Ereignisse nicht zutage gefördert werde. Die Regierung sei fest entschlossen, eine umfassende und eingehende Untersuchung über diese traurige Angelegenheit zu veran- stalten. Es sei notwendig, das Verhalten aller beteiligten Beamicn sowie die wirtschaftliche Lage und die Arbeitsbedingungen in den Lcnagoldfeldern und die ganze Entwickelung des Streiks, der zu der furchtbaren Katastrophe vom 17. April führte, aufzuklären. (Beifall rechts und in der Mitte.) Das Ergebnis der Untersuchung werde in weitgehendstem Maße veröffentlicht werden. Obwohl die Ungeduld der Oeffentlichkeit vollständig begründet sei, müsse der Regierung dock, zugestanden werden, daß cö ihr unmöglich sei, die Untersuchung zu beschleunigen, weil gegenwärtig jede Verbindung zwischen Jrkutsk und dem Lenadistrikt unterbrochen sei. Sobald die Verbindungswege wieder hergestellt seien, werde sich die Unter- suchungskommission an den Ort der Ereignisse begeben. Die Ne- gierung werde von ganzem Herzen dem Wunsche de» Hauses nach Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes entsprechen, der die Diiigung der Arbeiter auf den Gold- und Platinafeldern und die Arbeitszeit und Wohnungsverhältnisse der Arbeiter regeln sowie die Ärbeiterversicherung gegen tlraukheit und Unglücksfälle aus Sibirien ausdehnen werde.(Beifall rechts und im Zentrum.) perlten. Der Russcnkurs. Teheran, 1. Mai. Die Regierung hat bis jetzt in Verfolg ihres Planes, ihre Gegner aus dem Wege zu schaffen, 16 Personen verhaftet. In einigen Kreisen glaubt man. daß auf diese Weise die Wahl eines gefügigen Medschlis vorbereitet werden soll. ßewerhrchaftUcbca. JMaiauörperrungeti. Trotz der verschärften Beschlüsse der Unternehmer und trotz der stärkeren Beteiligung der Arbeiter an der diesmaligen Maifeier sind die Aussperrungsziffern nicht sehr groß. Die größte Zahl der Ausgesperrten ist in der Berliner Holz- i n d u st r r e zu verzeichnen; hier wurden in 446 Betrieben 7350 Arbeiter, meist auf drei Tage, einige nur auf einen Tag, andere dagegen auf unbestimmte Zeit ausgesperrt. In der Berliner Metallindustrie haben 29 Firmen 1636 Arbeiter ausgesperrt. Die Zahl der Ausgesperrten ist beinahe dreimal größer als im Vorjahre, in Anbetracht aber der etwa doppelten Zahl der an der Maifeier Beteiligten will das nicht viel besagen. Die Mehrzahl der Arbeiter ist auf drei bis vier. Tage ausgesperrt. Die großen Kühnemänner haben die Aussperrung für acht Tage verfügt. Im Zimmerergewerbe sind 175 Mann auf drei Tage ausgesperrt. Relativ am geringsten ist die Aussperrung der Maurer. Bestimmte Zahlen liegen zwar noch nicht vor, die Zahl der Ausgesperrten dürfte zwischen 300—500 betragen. Im Transportgewerbe sind 95 Arbeiter auf einen Tag ausgesverrt: von den Steinnrbeitern sind in 28 Betrieben 193 Mann ausgesperrt. Aus Hamburg wird berichtet, daß die Aussperrung einen größeren Umfang annehmen dürfte, weil die Beteiligung an der Maifeier, besonders auch von Werftarbeitern, außer- ordentlich stark war und die Unternehmer beschlossen hatten, eine zehntägige Aussperrung eintreten zu lassen. • Ueber die Maifeier und die Aussperrung der Holzarbeiter wurde in der gestern Wend abgehaltenen Generalversammlung des Holzarbeiterverbandes folgendes festgestellt: Die Beteiligung an der Feier war stärker als in früheren Jahren. Die Arbeiter mehre- rer Großbetriebe, die im vorigen Jahre nicht oder nur in kleiner Zahl feierten, haben diesmal i» übergroßer Mehrheit die Arbeit ruhen lassen. Die genaue Feststellung durch die Markenausgabe hat ergeben, daß 23 349 Kollegen die Demonstrationsver- sammlung besuchten. Das ist ein durchaus befriedigendes Resultat. Entsprechend der stärkeren Beteiligung an der Feier ist auch die Aussperrung diesmal stärker als im vorigen Jahre, wenn auch einige Unternehmer, die früher aussperrten, sich diesmal nicht an der Aussperrung beteiligten. In 348 Betrieben mit 9569 Beschäftigten sind 737S Arbeiter ausgesperrt, und zwar: 7160 Arbeiter in 344 Betrieben 3 Tage, 17 Arbeiter in 2 Betrieben 2 Tage, 198 Arbeiter in 2 Betrieben 1 Tag. Die Gesamtzahl der Ausgesperrten ist um 899 höher als im Vorjahre. Bon den Ausgesperrten gehören 6923 dem Verbände und 379 anderen Organisationen an. An der Aussperrung haben sich in diesem Jahre einige Branchen beteiligt, die früher nicht aus- sperrten. Der Beschlutz der Arbeitgeber, die Feiernden � in aller Form zu entlassen und nach Ablauf der Aussperrungsfrist nur durch den Nachweis neue Arbeitskräfte einzustellen, ist nur in wenigen Betrieben— etwa 29— durchgeführt worden. Eine eigenartige Demonstration haben die Vertreter der Arbeit- geber beim paritätischen Arbeitsnachweis ins Werk gesetzt. Weil die Vertreter der Arbeiter ani 4. Mai nicht im Arbeitsnachweislokal anwesend waren, haben die Vertreter der Arbeitgeber am 2. Mai ihre Tätigkeit bis auf weiteres eingestellt: Aus der Versammlung wurde ein Antrag gestellt, welcher ver- langt, in den Betrieben, wo nach der dreitägigen Aussperrung Eni- lassungen einzelner Arbelter oder sonstige Maßregelungen vorge- nommen werden, solle die Arbeit nicht eher aufgenommen werden, «ÄS bis die Maßregelungen zurückgenommen feien. G l o ck e wandte gegen den Antrag ein. daß nach den bestehenden Verbandsbeschlüssen im Anschluß an die Maistner Forderungen nicht gestellt werden dürfen, die zu Konflikten von nicht abzusehender Tragweite führen könnten. Der Antrag wurde der Ortsverwaltung überwiesen mit der Maßgabe, daß sie Differenzen, wie sie der Antrag im Auge hat, in geeigneter Weise regeln soll.— Ferner beschloß die Versammlung, daß die Ausgesperrten vom ersten Tage an Streikunterstützung erhalten. Berlin und Umgegend. JnnungS-Terrorismus. Die Berliner Fleischerinnung, der das Steigen der Mitglieder- zahl des Zcmralverbandes der Fleischer schon mancherlei Kopf- zerbrechen gemacht, will jetzt die Organisation vernichlen. In der Jnnungsversammlung am 39. April ist nachstehende Resolution an- genommen: „Die Leitung des Zentralverbandes in Berlin und das Vor- gehen desselben gegen einzelne Meister zwingt die Innung zu folgender Beschlutzfosiung: In Rücksicht darauf, daß der Zentral- verband für seine Mitglieder eine eigene Stellenvermittelung be- sitzt, find die Mitglieder des Zentralverbandes von der Stellen- vermittelung der Innung ausgeschlossen; infolgedessen ist auch den Mitgliedern des Zentralverbandes im Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, das Betreten deS Gesellenhauses, ganz gleich, unter welchen Vorwänden es auch sei, verboten. Der Sprechmeister D r ä b e r t ist verpflichtet, jedes Mitglied des Zentralverbandes, welches sich widerrechtlich im Hause aus- hält, aus dem Gesellenhause zu verweisen. Er ist eventuell ver- pflichtet. Strafonlrag wegen Hausfriedensbruch zu bellen. An alle Mitglieder der Innung, welche sich nicht zu den Grundsätzen des Zentralverbandes bekennen, richten wir das dringende Eriuchen, Mitglieder des Zentralverbandes nicht mehr in Arbeit zu stellen; auch sich der Vermittelung des Arbeitsnachweises des Zentral- Verbandes nicht zu bedienen." Um diesen Terrorismusakt ruhig verhandeln zu können, hatte man die gesetzlichen Vertreter der Gesellen, den Gcfellenausichuß nicht geladen, obgleich derselbe nach dem Gesetz gehört werden mußl Durch diese Resolution hat die Fleischerinnung bewiesen, daß sie im reaktionären Bestreben nicht mehr übertrofien werden kann. Die organisierten Gesellen sollen vom Arbeitsmarkt aus- geschlossen werden; damit hossl man die Organisation der Geiellen zu vernichlen. Nun. die organisierte Arbeiterschaft Berlins wird dafür sorgen, daß den Flcischermeislern die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden. ES bleibt fernerhin abzuwarten, was die Aufsichtsbehörde zu diesem Beschluß sagen wird. Wenn die Innung glaubt, mit diesem Beschluß die Gesellen- organisation zu vernichlen, so wird sie sich läuschen. Druck erzeugt Gegendruck. In derselben Versammlung wurde noch beschlossen, die Jnnungs- Mitglieder, die der Partei angehören, auszuschließen. Die Hauvt- scharfmacher waren die Fletschermeister Rudolf, Gollnowslr. 31, Sokotl. Soldiner Str. 83. und W i l h e lm, Neukölln, Friede!- straße 23. Letzterer glaubte sich noch besonders über diejenigen, die fein Geschäft gemieden, weil seine Frau Kunden belästigte, lustig zu machen. Der Herr im Hause. Bei der Otis- Elevator-Ge seil- s ch a f t in Berlin, die zurzeit fünf technische Angestellte beschäftigt, war bisher eine Arbeitszeit von acht Stunden üblich. Bor einiger Zeit nun wurde den technischen Angestellten von dem Direktor mit- geteilt, daß demnächst die Arbeitszeit um eine halbe Stunde ver. längert würde und daß sie außerdem zu unbezahlten Uebersrunden 'Verantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: herangezogen werden sollten. Die Angestellten besaßen aber Rück- grat genug, eine derartige Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingun- gen zurückzuweisen und die Unterzeichnung von Verträgen, in denen sie sich mit diesen Verschlechterungen einverstanden erklären sollten, abzulehnen. Die Leiter der Otis-Elevator-Gesellschaft sind aber Amerikaner und scheinen auch bei der Behandlung ihrer Ange- stellten mit amerikanischer Rücksichtslosigkeit verfahren zu wollen. Man setzte zunächst den Angestellten die Pistole auf die Brust, in- dem man ihnen erklärte, wenn sie die Verlängerung der Arbeits- zeit nicht annähmen und unbezahlte Ueberstunden leisteten, so würde zunächst einer als warnendes Beispiel sofort entlassen und in dieser Weise würde man, indem man gleichzeitig neue Angestellte enga- gierte, fortfahren, bis sie nachgäben. Als die Kollegen sich auch durch diese Drohung nicht einschüchtern ließen, griff die Firma zum letzten Mittel, um ihren Willen durchzusetzen, sie kündigte samt- lichen füns Angestellten und suspendierte einen davon sofort von der Dienstleistung. Auch dieser Gewaltakt hat die Angestellten nicht in ihrem Widerstand gegen die ihnen zugemutete Verschlechte- rung ihrer Arbeitsbedingungen zu erschüttern vermocht. Sie ver- trauen auf die Solidarität sämtlicher Berufskollegen und sind ent- schlössen, lieber sämtlich ihre Stellung zu verlassen, als sich der Willkür ihres Arbeitgebers zu beugen. Der Streik der Sattler im Deutsckw» Offizierverein(Armee- marinehaus) dauert unverändert fort. Tie Ursache des Streiks liegt darin, daß die Direktion die bescheidenen Wünsche der Arbeiter um zeitgemäße Aufbesserung der bestehenden Lohn- und Akkordsätze' rundweg abgelehm hat, obwohl doch in jedem Privatbetrieb die Notwendigkeit, bei den jetzigen teuren Zeiten die Löhne etwas auf- zubessern, anerkannt wird. Im Deutschen Offizierverein scheint allerdings eine andere Praxis zu bestehen, denn der Herr Abtei- lungsleitcr der Sattlerei berief sich in einer Unterredung, die er mit dem Vorsitzenden des Verbandes der Sattler und Portefeuiller hatte, darauf, daß er seine Sachen billiger und besser in England kaufen könne, und darum sei er gewillt, den Betrieb bis auf eine Reparaturwerkstatt einzuschränken und seine Waren von England zu beziehen. Das ist allerdings der richtige„nationale Stand- punkt", der hier zum Ausdruck kommt. Der Deutsche Offizier- verein schränkt seine eigene Produktion ein, um in England zu kaufen. Alle Achtung vor diesem Nationalgefühl! Da die englischen Waren aber doch nicht so schnell heran- kommen, sucht sich die Leitung des Deutschen Offiziervereins vorerst damit zu helfen, ihre Arbeiten in anderen Werkstellen unter- zubringen. Ebenso wird in der„Deutschen Sattler-Zeitung" nach „sauberen" unorganisierten Sattlern für den Deutschen Offizierverem annonciert. Jedenfalls hat der Herr Abteilungs- leiter schon mit Grausen daran gedacht, daß man sich unorganisierte Sattler wohl erst aus ihre Sauberkeit hin ansehen müsse. Dem- gegenüber hoffen wir, daß sich kein denkender Kollege als Raus- reißer für den Deutschen Osfizierverein zur Verfügung stellen wird. Zuzug ist unbedingt fernzuhalten. Alle arbeitersreundlichen Blätter bitten wir um Abdruck dieser Zeilen. Verband der Sattler. Achtung, Sattler! In der Berliner Auto-Betriebsgesellschajt, Fennstr. 31, haben die dort beschäftigten Sattler wegen Ablehnung geringer Lohnforderungen die Arbeit eingestellt. Ferner hat die Firma Reining Nächst, Dresdener Straße 89, sowie die Firma G. Reinhardt, Markgrasenstt. 79 und Köpenicks» Straße 19, die dort beschäftigten Kollegen wegen Beteiligung an der Maifeier ausgesperrt. Die Aussperrung bei letztgenannter Firma erstreckt sich nur auf die Militäreffekten-Abteilung in der Köpenicker Straße. Wir ersuchen, jeden Zuzug nach den genannten Betrieben streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Streik des Hilfspersonals im Weinhause Kempinski. In einer gut besuchten Betriebsversammlung am Dienstag berichtete der Branchenleiter: Der Inhaber der Firma. Stadtverordneter Kommer zienrat Ilnger, habe die beauftragten Vertreter der Organisation wohl empfangen, Verhandlungen aber strikte ab- gelehnt; diese wolle er nur mit den Arbeiterausschüssen pflegen. Er empfahl, um auch dies Mittel nicht unversucht zu lassen, jetzt die Arbciterausschüsse damit zu beauftragen. Die Versammlung beschloß, allerdings unter Widerspruch, sich diesem Wunsche zu fügen. Am Mittwoch unterbreiteten die Ausschüsse die Forderun- gen, die im wesentlichen abwechselnngsreichcre Kost, Erhöhung der Anfangslöhne von 39 auf 69 M. monatlich bei geregelter Zulage und die zwölfstündige Arbeitszeit enthielten, der Firma und wurden— ausgelacht. Dann wurden die Hilfsarbeiter abteilungs- weise nach dem Bureau gerufen und vor die Alternative gestellt, entweder aus dem Verband auszutreten oder die Entlassung ent- gegenzunehmen. Tatsächlich wurden auch sofort 29 Mann entlassen, ebenfalls erfolgt die Entlassung der Arbeiteraus- s ch ü s s e. Diese Maßregelung besonders rief eine solche Em- pörung hervor, daß sofort 69 Mann die Arbeit mederlegten. Nach und nach stieg die Zahl auf ca. 139. Der Betrieb wird durch ca. 29 daringebliebene und einige neneingestellte, gcknz unbrauch- bare, aus den Herbergen zusammengesuchte Streikbrecher notdürftig aufrechterhalten. Die Stimmung unter den am Streik Beteiligten, dem ersten dieser Kategorie von gastwirtschastlichen Sklaven, ist vorzüglich. Der Betrieb ist für organisierte Hilfsarbeiter gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin II. Deursches Reich. Der Zentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen er- sucht uns um Aufnahme folgender Erklärung: 1. Wir müssen nochmals feststellen, daß der entlassene Kollege Kommissionsmitglied war. Er ist bei jeder Verhandlung, die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stattgefunden, zugegen gewesen. 2. Es muß festgestellt werden, daß der Kollege ganz plötzlich ent- lassen wurde, ohne daß der Kommission etwas davon mitgeteilt wurde. Tie Kommission fühlte sich nun allerdings veranlaßt, wegen der Entlassung des Kollegen bei der Direktion vorstellig zu werden. Als die Kommission abgewiesen wurde, hat der Branchenleiter des Glasarbeiterverbandes telepbonisch angefragt, um zu verhandeln. Auch dieses wurde abgelehnt. Hätte die Direktion in diesem Falle mit der Kommission ver- handelt, so hätte das sicher geregelt werden können, dann brauchte nicht die Sperre verhängt zu werden. 3. Was den Enilassungsgrund anbetrifft, der der Arbeiter- schaft in Form eines Plakats bekannt gemacht wurde, so erfuhr man diesen erst, nachdem abgelehnt worden, mit der Kommission und dem Verbandsvertreter zu verhandeln. Wir mußten deshalb in dem Vorgehen eine Maßregelung er- blicken und die Sperre verhängen, um einem gleichen Vorgehen gegen mißliebige Arbeiter vorzubeugen. Verband der Glasarbeiter. Zahlstelle Berlin. Der Kampf der„Bict»ria"-Angcstelltcn in Magdeburg dauert noch an. Von der Magdeburger Geschästsleitung der Victoria werden alle Versuche unternommen, um die Angestellten, deren Kündigungsfrist am 39. April abläuft, wankend zu machen. Aber ohne Erfolg. Die Gesellschaft versucht es jetzt mit der Anwerbung von Arbeitswilligen, die am 1. Mai die Plätze der jetzigen An- gestellten einnehmen sollten. Auch hierin waren die Bemühungen der Gesellschaft bisher erfolglos. Selbst wenn es der Direktion aber gelingen sollte, derartige„nützliche Elemente" zu gewinnen, so werden sie eine für die Gesellschaft nutzbringende Tätigkeit kaum vollbringen können. Ter von den Instanzen der Magdeburger Arbeiterbewegung beschlossene Boykott wird in musterhafter Weise durchgeführt. Die drei Angestellten, die sich der Bewegung nicht angeschlossen haben, sind ebenfalls zur Untätigkeit verdammt. Weder gelingt es ihnen, van den Versicherten wie bisher die Prämien für die laufenden Versicherungen einzuziehen, noch können sie auch nur entfernt das Pensum neuer Versicherungsanträge bringen, wie vor dem Boykott. Mit dem 1. Mai wird natürlich der Boykott noch schärfer einsetzen. Wenn die Victoria nicht bald einlenkt, Th. Glocke, Beri'm Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u BerlagSanualt wird sie in Magdeburg überhaupt keine Geschäfte mehr machen. Die Konkurrenzgesellschaften sind eifrig dabei, das Feld für sich zu gewinnen. Sie haben den kämpfenden Angestellten vorteilhaste Angebote gemacht, um so die Versicherten für sich zu gewinnen. Die Kämpfenden können also der weiteren Entwickelnug mit Ruhe ent- gegensehen. Wenn sich keine Streikbrecher finden und der Boykott hochgehalten wird, ist ihnen der Sieg sicher. Jedes Angebot der Victoria für Magdeburg ist zurückzuweisen. Auskunft erteilt die Streikleitung des Verbandes der Bureauangestellten: K. Lesse, Magdeburg, Jakobstraße 37. Textilarbeiter. Durch einen Herrn Fritz Lingemann, Hamburg 3, Koppel 198, sind i» den letzten Tagen in verschiedenen Städten Arbeitswillige für die Firma Carl Weber u. Co. in Oer- linghausen angeworben worden. Die Weber werden angeblich für einen vollständig neuen Betrieb gesucht. Der Ort, in dem der Bc- trieb liegt, wird den Leuten nicht genannt, oder es wird ein falscher Ortsname angegeben. Erst auf der letzten Station erfahren die Angeworbenen, daß sie als Arbeitswillige bei der Firma Carl Weber u. Co. anfangen sollen. Sollten in den nächsten Tagen für die Umgebung Bielefelds irgendwo Weber angeworben werden, ersuchen wir, uns hiervon telephonisch zu unterrichten. Alle Nachrichten erbitten wir an Bernh. Rechtien, Bielefeld, Webereistraße 5. Die städtischen Arbeiter Tilsits haben am 39. April mittag-? die Arbeit eingestellt. Ein wiederholter Verhandlungsversuch der Arbeiter verlief ohne Resultat. Der Streik hat die Bevölkerung der Stadt mobil gemacht. Scharen von Menschen sammeln sich vor der Gasanstalt an, um zu beobachten, wie der Betrieb von den wenigen Arbeitswilligen aufrechterhalten werden soll. Ter Magistrat läßt durch die liberale Presse Tilsits die Mitteilung ver- breiten, daß für Beleuchtung und Wasser vorgesorgt sei, da der Magistrat mit den Arbeitswilligen und den noch Hinzukommenden die Betriebe aufrechterhalten werde. Diese Behauptung ist sehr gewagt, denn am ersten Tage blieben 8 Mann im Betriebe und am zweiten nur 4. Diese vier Männer können die ganze Arbeit für die 69 Streikenden nicht leisten. Und die Veröffentlichung in der bürgerlichen Presse ist und bleibt ein frommer Wunsch des Magistrats.— Es wird gebeten, nach wie vor jeden Zuzug von Arbeitskräften fernzuhalten. Zum Streik der Rheinschiffer. Die Abmusterungen haben noch in weiterem Maße zugenommen. Die Hafenbahnböfe stehen voller Kohlenzüge. Sämtliche Külter sind gesperrt wegen Andranges. Es streike» bis jetzt 3499 Mann, denen 239 Arbeitswillige gegenüberstehen. Arbeitswillige sind Mitt- woch aus verschiedenen Städten angekommen, können ober nicht als Schiffspersonal angesprochen wcrNen. Die Schiffabrtspolizei kümmert sich nicht darum, ob die Arbeitswilligen im Schiffahrlsdienst aus- gebildet sind. Matrosen müssen eigentlich zwei Jahre gefahren sein, ehe' sie als solckie gelten. Darum kümmert sich aber die Polizei nickt, auch nicht um die Zahl der Besatzung auf den Schiffen. Die Arbeitswilligen find auf Polizeibooten und auf städtischen Booten an die Schiffe transportiert worden. Bewilligt haben bis jetzt folgende Firmen: Knippscher; Reue Karlsruher Aktiengesellschaft; Wolter; A. u. E. Hieten, Karlsruhe; C. G. Meyer. Karlsruhe; L. Hütter, Karlsruhe; Peters-Lopitz; Jakob Belz, Koblenz._ Der Streik auf der Vulkanwerft in Hamburg zeigte am Donnerstag früh dieselbe Beteiligungsziffer: fast die ganze 4399 Mann starke Belegschaft steht im Streik. Im Laufe deS Vormittags fanden aber bereits Verhandlungen statt. Donnerstagnachnrittag 4 Uhr beschloß eine Versammlung der Werftarbeiter, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis der gemäß- regelte Vertrauensmann wieder eingestellt ist. LrCtzU Nachrichten. Konferenz für das Rettnngswesen zur See. Köln, 2. Mai. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Ob- gleich noch nicht alle Antworten eingegangen sind, so hat sich doch bc- reits die Mehrheit der schiftfahrenden Mächte im Grundsatz mit der deutschen Anregung einverstanden erklärt, eine Konferenz für das Rettungswesen zur See einzuberufen. Ueber den Ort der Konferenz und über den Zeitpunkt ihrer Einberufung haben Verhandlungen noch nicht statt- gefunden, und sie werden wohl auch nicht eher aufgenommen wer- den können, als bis alle Antworten auf die deutsche Anfrage ein- gegangen sind. Lärmszencn in der belgischen Teputiertcukammer. Brüssel, 2. Mai.(W. T. B.) Bei der heutigen Beratung über das' Budget des Unterrichtsministeriums in der De- putiertenkammer warf der Sozialistenführer Vandervelde einem Mitglieder der klerikalen Partei vor, er kommanditiere u n- saubere Blätter, die die Mitglieder der Opposition b e l e i- digten. Als der Präsident Vandervelde nicht zur Ordnung rief, veranlaßten mehrere Mitglieder der klerikalen Partei Skandal- s z e n e n, die schließlich dahin ausarteten, daß ein Mitglied der sozialistischen Partei mit einem Mitgliede der Rechten Hand- gemein wurde. Es entstand ein unbeschreiblicher Tu- m u l t. Der Präsident mutzte die Sitzung aufheben und die Tri- bünen räumen lassen. Nach einer halben Stunde wurde die Sitzung wieder aufgenommen und die Beratungen nahmen einen ruhigen Verlauf. Die Wirren auf Kreta. London, 2. Mai. Das Reutersche Bureau erfährt: Nach amt- lichen Telegrammen aus Athen ist die griechische Regierung bei den Schutzmächten dahin vorstellig geworden, die augenblicklich in Hast gehaltenen kretischen Deputierten freizulassen. Tie Freilassung werde die durch die Festnahme der Deputierten hervor- gerufene Erregung auf Kreta mildern. Wie das Reutersche Bureau weiter aus zuständiger griechischer Quelle erfährt, hat die griechische Regierung die Handlungsweise der Kreter, um den Mächten ihre Wünsche bekannt zu machen, ausdrücklich gemißbilligt und sie davon abzuhalten gesucht. Tie griechische Regierung habe sich bemüht, den Kretern von der Entsendung von Deputierten nach Athen abzuraten. Aus keinen Fall könnten die in Haft gehaltenen kretischen Deputierten zur griechischen Krimmer zugelassen werden. da sie nicht nach den Bestimmungen des griechischen Wahl- g c s e tz e s gewählt worden seien. Textilarbeiteraussperrung in Oesterreichisch-Schlesien. Troppau, 2. Mai.(P.-C.) Aus B i e l i tz wird gemeldet, daß der Verband der Tuchfabrikanten beschlossen hat, falls die in drei Tuchfabriken streikenden Arbeiter bis zum 6. Mai die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, in sämtlichen dem Verbände angehörenden Fabriken den Betrieb einzustellen. Es werden zirka 3999 Arbeiter von der Aussperrung betroffen werden. Brandkatastrophe in Gadebusch. Schwerin, 2. Mai.(W. T. B.) In Gadebusch wütet seit heute mittag ein Großfeuer, dem bis jetzt acht Gebäude, darunter das Hotel„Stadt Hamburg", zum Opfer gefallen sind. Es herrscht starker Wind. Von Schwerin eilte die Feuerwehr im Sonderzug zu Hilfe. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen u. UnterhaltungSbl. 9«. i»2. 29. mm. i Je iinjc des„UllMlirls" Kerlilltt Nolksdllltt. i«n«- � m m- Die Maifeier. Die Nachrichten, die uns über den Verlauf der Maifeier in Deutschland vorliegen, lassen erkennen, daß der Gedanke des Weltfeiertages bei den Massen nicht an Kraft verloren hat. Der Umfang der Arbeitsruhe hat fast durchweg zu- genommen. Nach vielen Tausenden zählt die Schar derer, die am Weltfeiertage des Proletariats die fleißigen Hände ruhen lassen und damit auf die kraftvollste und wirksamste Art gegen kapitalistische Ausbeutung und Kriegsgefahr demonstrieren- Und so dokumentieren überall die Veranstaltungen am Morgen des Maitages, daß die Maifeier nicht tot oder im Absterben begriffen ist, daß sie sich vielmehr unverwüstlicher Lebenskraft erfreut und durch die fortschreitende Aufklärung und Auf- rüttelung der Massen immer mehr Kraft gewinnen kann. Die bewegte politische Situation des Wahljahres l912, die ge- spannte internationale Lage mit ihrem Kriegsgeschrei und ihrem Rüstungswahnwitz haben diesmal mehr denn je das Proletariat zum Protest aufgestachelt. haben seiner De- monstration für Arbeiterschutz und Völkerfrieden größere Leidenschaft verliehen. Auch die Abendveranstaltungen, die an allen Orten über- füllt waren, wurden durchweht von diesem frohen Kampfes- mute, der den verschiedenen Aeußerungen fröhlicher Gesellig- keit erst die rechte Weihe gab. SerUn und Vororte. Die Demonstration der Gewerkschaften. Holzarbeiter. Die Maifeier der Holzarbeiter gab den Strahenzügen, die nach der Hasenheide führen, ein eigenartiges Gepräge. Branchen- und werkstattweise hatten sich die Feiernden zusammengefunden. So gingen sie gemeinsam nach dem Festlokal. Auf dem Wege dahin schwollen die einzelnen Trupps zu immer dichter werdenden Massen an. Aus den Straßen, die am Kottbusertor zusammenstoßen, er- gössen sich die Scharen der Demonstranten und vereinten sich zu Zügen, die in ununterbrochener Reihenfolge weiterschritten. An der Kottbuserbrücke stießen, von Osten her durch die Mariannen- straße kommend, neue, nach Tausenden zählende Scharen zu den Vorüberziehenden. So weit das Auge reichte: Ein zusammen- hängender Zug feiernder Holzarbeiter, der sich im sicheren Schritt siegesbewußter Klassenkämpfer fortbewegte. Wohl eine Stunde lang wogten die Massen ohne Unterbrechung über die Brücke, den Kottbuser Damm entlang. Zeitweise stockte der Wagenverkehr. Straßenbahn und andere Fuhrwerke konnten sich nur langsam ihren Weg durch den die Straßenkreuzung überschreitenden Menschen- ström bahnen. Dieser imposante Zug ernster, für die Klassenforde- .ungen des Proletariats demonstrierender Arbeiter drückte dem Straßenbilde das Gepräge des Weltfeiertages auf. Niemand konnte sich dem erhebenden Eindruck dieser Massenbemonstratio« entziehen. Sie mußte selbst auf die unbeteiligten Zuschauer wirken, die ihren Alltagsgeschästen nachgehend oder müßig aus den Fenstern schauend die Arbeiterbataillone festen Schrittes vorüber- ziehen sahen. All die ungezählten Tausende in Feiertagskleidern«und Feier- tagSstimmung ergossen sich in breitem Strome in das Festlokal: die„Neue Welt". Der große Saal war schnell gefüllt. Tausende drängten sich Kopf an Kopf. Ein Freiheitslied, von einem Ge- sangverein vorgetragen, eröffnete die Feier. Dann nahm Genosse Thöne- Kassel das Wort, um in wirkungsvoller Rede die Be° deutung der Maifeier zu besprechen. Doch nur ein Bruchteil der Demonstranten konnte im Saal« Platz finden. Die Massen überfluteten den gewaltigen Raum des Gartens. Im lauen Sonnenschein sahen sie gruppenweise an Tischen, drängten und wogten sie auf Wegen und Gängen. Ueberall konnte man es im Gespräch hören, daß die Beteiligung an der Mai- feier noch nie so stark war wie diesmal. Der Augenschein gab dieser Ansicht recht. Wenn man von der Anhöhe am Ende des Gartens den weiten Raum überschaute, so sah man. daß er in seiner ganzen Ausdehnung von einer dichten Menschenmenge ge- füllt war. Und das waren noch nicht alle. Nicht nur der große Saal, wo die Feier statfand, war vollbesetzt, sondern auch die Neben- fäle waren noch gefüllt. Nach alledem zu urteilen, muß die Be- teiligung in der Tat noch stärker gewesen sein als in den Vor- jähren. Man darf also wohl von der Berliner Holzindustrie mit vollem Recht sagen:„Alle Räder stehen still." Der Holzarbeiter- verband hat es dahin gebracht, daß am 1. Mai der gesamte Betrieb der Berliner Holzindustrie ruht. Durch die Markcnausgabe hat die Verbandsleitung festgestellt, daß sich rund 25 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Holzindustrie an der Feier beteiligten. Und das. obgleich die Unternehmer dem Kommando ihres Vorstandes folgend, auch in diesem Jahre die Feiernden einige Tage aussperren wollen. Kalt lächelnd sind die Holzarbeiter über die Aussperrungsdrohung hinweggegangen. An dem einmütigen Willen der Arbeiter muh sich der nutzlose Wider- stand der Unternehmer brechen. Die Metallarbeiterversammlung. Sonnenumstrahlt und ruhevoll lag in des Maien lichtgrüner Dlättcrpracht der Friedrichshain, nachdem die Scharen derer an ihm vorsibergecilt waren, die entweder aus Indifferenz oder unter dem Drucke eines mächtigen Unternehmertums auch an diesem proletarischen Feiertage in die Arbeitsston sich begaben. Aber bald wurde es auf den Wegen des Parks und auf den angreifenden Straßen wieder lebendig. Kleine Gruppen und Hunderte von Teilnehmern umfassende Reihen festlich gekleideter Proletarier und Proletarierinnen bewegten sich von allen Seiten einem Ziele zu. dem großen Etablissement der Brauerei Friedrichs- hain. Die Metallarbeiter hatten das terrassenartig sich über dem Niveau der Straße erhebende Lokal für ihre Vormittags- Versammlung gemietet. Schon um S'A Uhr begann der Zuzug der Maidemonstranten aus ihrem Gewerbe. Je weiter die Zeit fortschritt, desto dichter und länger wurden die Reihen der von Ost und West und von Nord und Süd Herbeieilenden, die ihren Willen kundtun wollten für den Völkerfriedcn und gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Um so imposanter wirkte das jeden Freiheitsfreund begeisternde Bild dieses Aufmarsches, als man sich vor Augen halten mutz, daß gerade unter den Mctallindustriellen die mächtigsten und bar keinem Gewaltstreich zurückschreckenden Gegner der um Recht und Freiheit kämpfenden Arbeiterschaft sich beftnden. Der Saal war sehr schnell gefüllt. Nur drängte sich alles von der Straße direkt über die beiden, zum umfangreichen Garten hinaufführenden Freitreppen, von deren Höhe man den Eindruck einer sich gewaltig hcranwälzenden Woge hatte, die sich in die Weiten des Gartens ergoß und ihn bald überflutete. Immer neue Scharen, die betriebsweise sich auf den Weg gemacht hatten und auf diesem von selber zusammenströmten, kamen hinzu. Selbstverständlich wurde die Versammlung in Anlehnung an die vereinsrechtlichen Bestimmungen nach dem Garten ver- legt. Bis in den letzten Winkel war er gefüllt. Selbst der Saal- balkon und die weit geöffneten Fenster der Galerien waren besetzt. Es waren sicher 15 000 Personen, die sich versammelt hatten. Genosse G. Bauer hielt das Referat vor dieser Riesenver- sammlung, nachdem ein Männerchor das Lied gesungen hatte, das stimmungsvoll einleitet: „O Mai— o Mai. Du Freiheitsideal, wir kommen Dir entgegen!" Der Referent würdigte eingehend die Bedeutung des Tages und der bekannten Forderungen, die das Proletariat an ihm er- hebt. Er betonte unter Kennzeichnung der Situation, daß man gerade auch diesmal wieder allen Anlaß haben, den Willen der klassen- bewußten Arbeiterschaft gegen den Krieg und gegen Militarismus und Marinismus kundzutun. Auch auf die Zuspitzung des Klassen- kampfes verwies er, wie sie sich unter anderem beim Kampf der Bergarbeiter im Ruhrgebiet und seinen Nachwehen zeigte und zeige, und wie sie sich dokumentiere in dem Bestreben der groß- industriellen Scharfmacher, die Regierung und die bürgerlichen Par- teien zu einem neuen Zuchthauskurs im Rahmen der Strafgesetz- Novelle zu bewegen. Demgegenüber stellte er die Organisationen der gewerkschaftlich und politisch kämpfenden Arbeiterschaft als des kraftvollen Mittels proletarischer Selbsthilfe. Die Parole sei: Des Volke? Wille werde und fei das oberste Gesetz!(Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) Genosse Cohen, der Leiter der Versammlung, faßte dann in markanten, durchdringenden Worten einige Hauptpunkte aus dem Referat nochmals zusammen, um sie den Hörern recht eindringlich nahe zu legen. Ihre Wirkung bewies der stürmische Applaus. Ein Wald von Händen, wie zum Schwur erhoben, streckte sich im Sonnenlicht gegen den blauen Himmel, als es zur Abstimmung der Resolution kam. Dann noch einige Lieder— und mit donnerndem, weit in den Friedrichshain hinein hallenden Hochrufen auf die internationale sozialistische Arbeiterschaft schloß die imposante Kundgebung. Lang- sam leerte sich der Garten und langsam zerstreuten sich die Massen. Die Versammlung der Bauarbeiter. Trotz des Daniederliegens der Bautätigkeit und trotz der von den Bauunternehmern angedrohten Aussperrung hatten sich die kampfgewohnten Bauarbeiter Berlins auch diesmal nicht davon abhalten lassen, ein erhebliches Kontingent der Maifeiernden zu stellen. Mann auf Mann zogen sie heran, um ihrem altgewohnten Versamlungslokal, der Bockbrauerei, zuzueilem Schon um 8 Uhr sah man die ersten langsam die Bellealliancestraße heraufkommen. Je später es wurde, desto mehr belebte sich das Bild und die Massen drängten sich mehr zusammen. Die einzelnen Branchen und Be- zirke hatten sich vorher an bestimmten Stellen versammelt und kamen nun in Gruppen anmarschiert. Die Funktionäre, welche am Eingang des Versammlungslokals die Kontrollmarken ausgaben. schwitzten bei diesem Andränge Blut und Wasser. Bald füllte sich der große Saal, und als gegen All Uhr die Versammlung begann, fanden hunderte keinen Platz mehr, die dann noch den großen, schönen Garten bevölkerten. Drinnen begann die Feier, die eingc- leitet wurde mit dem vom Gesangverein der Maurer stimniungs- voll vorgetragenen„Gruß an den Mai". Genosse Otto Büchner wies dann in seinem gut aufgebauten Referat auf die Bedeutung der Maifeier hin. Der tosende Beifall bewies, daß er seinen Zu- Hörern, unter denen sich auch viele Frauen befanden, aus dem Herzen gesprochen hatte. Der Gesangverein schloß die Feier mit dem Liebe:„Dem Lenz entgegen" und der Marseillaise, und dann ging die Versammlung mit einem begeistert ausgebrachten Hoch auf die Arbeiterbewegung auseinander. Während drinnen im Lokal für den Weltfriede» demonstriert wurde, donnerten vom Tempelhofer Felde her die Kanonen der dort übenden Artillerie und vorbei zog mit schmetternden Fanfaren ein Regiment Ulanen. Für- wahr, ein seltsamer Kontrast! In den„jwnkordia-Sälen" war die Sektion der Putzer des Deutschen Bauarbeitervcrbandes versammelt. Genosse Leopold referierte. 1200 Personen waren anwesend. Die Zimmerer waren am Vormittag des I. Mai schon lange vor der festgesetzten Zeit auf dem Plan. Bald nach 9 Uhr sah man sie von allen Seiten nach dem Schönhauser Tor wandern, und viele kamen auch mit Straßenbahn oder Omnibus. Andere kamen in losen Zügen oder in Gruppen, manche auch in Begleitung ihrer Frau. Bald war der große Sial der Brauerei Königstadt samt den Galerien gedrängt voll von maifeiernden Zimmerern. Es herrschte eine rechte Feier- stimmung, durchglüht von dem Bewußtsein der hohen Bedeutung des Tages. Als dann der Referent Emil Eichhorn den Werde- gang des 1. Mai schilderte, des Weltfciertages der Arbeiterschaft, den man lieber einen Weltkampfestag nennen möchte, und in Packenden Worten gegen die Unterjochung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete, gegen den Militarismus und die Verhetzung der Völker zu Felde zog, da herrschte lautlose Stille im Saale, nur ab und zu durchbrochen von lebhaften Beifallsäußerungen. Die Zimmerer sind sich bewußt, und der Redner erinnerte auch daran, daß sie mit der gesamten Bauarbeiterschaft über ein Jahr wiederum auf einen Kampf mit dem Unternehmertum vorbereitet sein müssen, und sie wissen auch, daß die Welt in zwei Heerlager ge- spalten ist: das kämpfende Proletariat auf der einen Seite, auf der anderen das internationale Ausbeutertum, dem die staatlichen Gewalten zur Seite stehen, die, wenn es ihnen zweckmäßig erscheint, bereit sind, den Profit der Kapitalistenklasse mit grausamster Ge- Walt gegen die Gerechtigkeit heischende Arbeiterschaft zu verteidigen. — Die Worte des Genossen Eichhorn fanden lebendigen Widerball vei der großen Schar der Kämpfer für die Ideale des 1. Mai. Die Resolution wurde einstimmig angenommen, und die Versammlung schloß mit brausenden Hochrufen auf die internationale Arbeiter- bcwcgung. Die Dachdecker und Bcrufsgcnosscn hielten ihre Versammlung im„Englischen Garten". Alexanderstr. 27c. ab. Die Teilnahme war eine sehr gute, trotzdem die Arbeitgeber auch in diesem Jahre Wieder mit der Aussperrung gedroht hatten und zu diesem Zweck in ihven Betriebet die Plakate vom Arbeitgebcrhund ifn Baugewerbe hatten aushängen lassen. Es waren auch sehr viele Frauen anwesend. Eingeleitet und geschlossen wurde die Feier mit einem stimmungsvollen Liede, vorgetragen von Mitgliedern des Gesang- Vereins„Neu-Erwacht". Das Referat hatte Genosse Artur S ch m i t übernommen. Vorzüglich verstand der Referent es, die Versammelten mit seinem Vortrage zu fesseln, wofür ihm reicher Beifall am Schluß seiner Ausführungen zuteil wurde. Ausgegeben wurden 403 Maimarken. Die Schuhmacher hatten ihre Maiversammlung nach dem „Schweizergarten" im Friedrichshain einberufen. Obgleich der Verband Berliner Schuhfabrikanten wiederum die Feiernden auf drei Tage aussperrt, war die Beteiligung eine so starke, daß der Saal nur einen Teil der Demonstranten zu fassen vermochte und sich die Verlegung der Ver- sammlung nach dem im Frühlingsgrün prangenden Garten notwendig machte. Die Zahl der Anwesenden betrug nahezu 3000. Genosse Waldeck M a n a s s e hielt das Referat, welches mit stür- mischem Beifall aufgenommen wurde. Eingeleitet und verschönt wurde die Versammlung durch stimmungsvolle Vorträge der Ge- sangsabteilung des Verbandes. Die Versammlung der Buchbinder war von 2000 Personen besucht. Referentin war Kollegin Greiffenberg. Zu Anfang und am Schluß sangen Mitglieder des Gesangvereins„Liberte" zwei Lieder. Mehrere Kolleginnen der Heilstätte Beelitz sandten einen telegraphischen Maigruß. Die Bersanimlung der Bäcker und Konditoren, welche in der „Königsbank", Gr. Frankfurter Str. 117, stattfand, war von etwa 1200 Personen besucht. Der Gesangverein„Morgengrauen" trug bor Beginn der Versammlung ein Lied vor. Der Referent Genosse Bahn erntete für seine Ausführungen stürmisclM Beifall. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nachdem der Gesang- verein noch zwei Lieder vorgetragen hatte, wurde die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die Internationale geschlossen. Die Versammlung der Töpfer tagte im großen Saale des Ge- werkschaftshauses. Die Zahl der Besucher betrug über 1000 Per- sonen, darunter viele Frauen. Referent war Reichstagsabgeord- neter und Geiverffchaftssekretär Robert Schmidt. Zur Ein- leitung der Versammlung sang der Gesangverein der Töpfer ein Moilied; desgleichen am Schluß. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Die Versammlung der Schmiede und Kupferschmiede tagte bei Wilke, Sebastianstr. 39. Die Versammlung war von zirka 000 Personen besucht. Den Festvortrag hielt der Kollege Willi Kühne. Großer Beifall den prächtigen, zu Herzen gehenden Ausführungen. Dos graphische Gewerbe hatte seine Versammlung im kleinen Saal der Bockbrauerei. Dieser erwies sich auch diesmal wieder als viel zu klein, um die Erschienenen zu fassen. Mehrere größere Personale, besonders aus der Buchdruckbranche, waren fast voll- zählig erschienen. Nach einem einleitenden Liede hielt hier Genosse Paul Barthel das der Bedeutung des Tages angemessene Rcfc- rat, daS mit reichem Beifall belohnt wurde. Nach einstimmiger Annahme der Resolution fand die Feier ihren Schluß. Im Garten hatte sich eine große Menge angesammelt, die im Geist bei denen da drinnen weilten, die das Glück hatten, noch einen Platz im Saal zu finden. Einen der markantesten Züge unserer diesjährigen Maifeier haben wir wohl in der Veranstaltung des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, der freien Gewerkschaft dieser Berufsgruppe, zu sehen, demonstrierte sie doch daS erste Mal in eigener Versammlung. Und wie glänzend war diese besucht! Zirka 1000 Personen lauschten atemlos den Ausführungen des Ge- nassen Dr. B r e i t s ch e i d über die Bedeutung des Tages. Nicht endenwollender, tosender Beifall lohnte den Redner. Kurzum, der Geist, der die Versammlung beherrschte, der glänzende Verlauf dieser ersten selbständigen Demonstration berechtigt zu der frohen Hosfnung: nicht mehr länge, und der Kampf der modernen In- dustriearbeiterschast wird auch der jlampf eines jeden Angestellten sein, eingedenk des Dichterwortes:» doch auch dessen,, der mit Schädel und mit Hirn hungernd pflügt, fei nicht vergessen." Die im Handels-, Transport- und Verkehrsgcwcrbe Beschäf- tigten hielten mittags 12 Uhr eine Gruppenversammlung im „Deutschen Hof", Luckaucr Str. 15, ab. Schon um 12 Uhr war die Versammlung überfüllt und wurde von der Polizei abgesperrt, so daß Hunderte umkehren mußten, welche keinen Einlaß mehr fanden. Eingeleitet wurde die Versammlung durch einen Gesangs- Vortrag des Männerchors der Transportarbeiter. Hierauf sprach zur Tagesordnung Genosse Dr. Moses. Am Schlüsse seiner Rede wurde Referent mit brausendem Beifall belohnt, hatte er doch allen aus dem Herzen gesprochen. Nachdem der Gesangverein noch einige Lieder vorgetragen, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die völkerbefreiende internationale Sozialdemokratie geschlossen. Die in„Feuersteins Festsälen" tagende Versammlung der Fenster- und Messingputzer Grotz-Berlins, welche von über 1000 Personen besucht tvar, mußte zur Hälfte den Gärten in Anspruch nehmen, da sich der Saal als zu klein erwies, die Massen zu bergen. Es referierten deshalb im Garten der Kollege Wilhelm Röbel und im Saal Genosse Rudolf Meine rt. Stürmischer Beifall lohnte die Referenten. Die Versammlung hat durch ihren imposanten Besuch gezeigt, daß auch die junge Garde des Prole- tariats, die Fensterputzer Berlins, von den, Gedanken durchdrungen sind, für die Völkerverbrüderung, sowie für Erreichung des Acht- stundentages Sorge zu tragen. Mit Absingen der Arbeitermar- seillaise und einem Hock, auf die völkerbefrciende Sozialdemokratie fand die imposante Versammlung ihren Abschluß. Die Versammlung von den Brcttcrträgcrn, Platznrbciterii, Fräsekutschern, Hausdienern und Packern aus der Holzindustrie war von 700 bis 750 Kollegen besucht. Das Referat hielt Genosse Farwich aus Bremen. Die Resolution wurde einstimmig au- genommen. Die im Transportarbeiterverband organisierten Leitergerüst- bauer, Platzarbeiter und Handtuchfahrer versammelten sich in W-ilkes Festsälen, Sebastianstraße. Das Referat des Kbllegcn H. Walter wurde mit großem Applaus aufgenommen. Da der Saal sich als zu klein erwies, wurde die Versammlung im Garten abgehalten. Der Besuch war besonders gut, man zählte 500 Per- sonen. Die von zirka 800 Männern und Frauen besuchte, in den„Ger- mania-Sälen" tagende Versammlung der Steinsetzer und Berufs- genossen folgte den Ausführungen des Referenten Genossen Dr. Wetzl mit andächtiger Aufmerksamkeit. Die Versammlung wurde durch Gesang des Steinsetzcr-Gesangvereins eingeleitet und auch beendet. Dicht gefüllt tvar der Saal des GewerkfchaftShauseS, wo die Porzellanarbeitcr ihre Maivcrsammlung abhielten. Mit dem Liede: „An den Mai" leitete der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" die Versammlung in stimmungsvoller Weise ein. Der Genosse G r u n w a l d. der hierauf über:„Die Bedeutung der Maifeier" sprach, verstand es, die Aufmerksamkeit der Ver- sammlung in hohem Grade zu fesseln, wofür ihm reicher Beifall gezollt wurde. Nachdem nun noch die mit vielem Beifall aufgenommenen Lieder:„Frühlingsstürme" und«Dem Lenz entgegen" gesunken waren, schloß die imposante Versammlung mit einem Hoch aus die internationale Sozialdemokratie. Die Versammlung der Maschinisten und Heizer in den„Armin- hallet" war sehr st a r k besucht. Genosse Hartmann hielt das Referat. Die Versammlung des Fabrikarbeiterwerbandes fand im Lokal „Rosen thaler Hof" statt; anwesend waren zirka SM Personen. Referent wo'r der Genosse Zimmermann. Seine Ausführungen gipfelten darin, daß diesmal mehr denn je der 1. Mai in eine politisch bewegte Zeit falle, überall ist das Proletariat mit Feinden ui.rgebcn, trotzden.i geht es vorwärts�' das bewiesen die letzten Reichs- tag�wahlen, das beweise das Anwachsen des Fabrikarbeitertierbandes, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die am schlechtest bezahlten Arbeitejmassen zu organisieren, das beweise auch die heute übervoll besuchte Versammlung. Im Schlußwort sagte Genosse R ü ck e r, jeder müßte niit dem Gelöbnis hinausgehen, neue Kämpfer zu werben für unsere Ideen. Die Versal» mlung der Weißgerber, Lohgerber, Lederzurichter und Handschnhln» chcr war von über 400 Personen besucht. Referent war Genosse M. Kiesel. Die Maiv>ers> immlung der Glaser, Glasschleifer, Glasbläser und-blöserinnen, Hilfsarbeiter tagte inr großen Saale von Litfin, Memeler Straße..Die Versammlung war sehr stark besucht, die Be- tciligung war stchufer als am Sonnterg vor 2 Jahren und betrug Zgg�ggg Personen. Eingeleitet wurde die Versammlung durch den Glasarbeiter-Gosa'ngverein miti dem Liebe„Dem Lenz entgegen". Sodann hielr der Genosse Stücke sein Referat über:„Die Äedeuiung deS 1. Wai�„ Redner wurde oftmals von den Ver- sammelten durch Beifall unterbrach. m. Die Mawersammlung der Maler, Anstreicher usw. fand bei Borgmann,. Anderasstraße, statt. Ter Referent Genosse Wuschcck machte seine anfeuernden Ausführungen, die öfter von demonstra- tivem Beifall unterbrochen wwrden, vor einem überfüllten Saal. Die vorgelegte Resolution wurde einstimmig angenommen. Mit einem begeisternden Hoch auf den internationalen, revolutionären Sozialismus wurde die wuchläge D;monstration geschlossen. In der Versammlung der Kürschner, die von 4S0 Personen besucht war, fanden die treffenden. Ausführungen der Genossin Z i e tz brausenden Beifall. In dem Sinne der Referentin gelobten die Versammelten, mehr wie bisher für die Ausbreitung der ge- werkschaftlichen wie politischen L Organisationen ihr« ganze Kraft ein- zusetzen. Mit einem Hoch auf dir moderne Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlossen. Die Versammlunge des Ve rbandes der Hut- und Filzwaren- arbeitcr, die bei Obiglo, Schwedt er Straße, stattfand, war von zirka 400 feiernden Genossen und Gerwssinnen besucht. Die Ausführun- gen des Referenten.Genossen„Alt-Beclin" erwies sich als viel zu klein. Obgleich die Tische entfernt wurden, mußte ein Teil der Versammlungsbesucher das treffliche Referat des Genossen Adolf H o f f Ui a n n stehend entgegennehmen. Der starke Besuch(zirka b00 Peusowen) gilt als enneuter Beweis dafür, daß der Maifeier- gedankerfefte Wurzeln in der Berliner Steinarbeiterschakt geschlagen hat. Daran wird auch die Aussperrung, zu der sich die vom Ver- band der Baugeschäfte Abhängigen Unternehmer zum Teil nur ungern gequemen, nichts ändern.„Freiwillig" fügten sich dem Kartellbesihluß der Baugeschäfte 28 Betriebe. In diesen wurden ausgesperrt 493 Mann. Einige weitere Firmen, darunter eine, die den bei iftr Beschäftigten die Teilnahme an der Feier f r e i g e- stellt hatte, wurden durch einen„sanften Druck"(Terrorismus existiert ja wohl nur auf der Arbeiterseite) gezwungen, sich nach- träglich an der Aussperrung zu Beteiligen. « Die Feier der Partei. Im Norden und Nardwesten Berlins setzte der. Andrang nach den Gartenlokalen, in denen die Maifeier arrangieirt war, schon in den frühen Nachmittagsstunden ein. In der lachenden Frühlingssonne saß es sich ganz mollig und angenehm, und die. dampfende Kaffeekanne trug zur behaglichen und frohsinnigen Heiterkeit wesentlich bei. Im Schatten machte sich die„Maikühle" immerhin empfindlich bemerkbar, aber der unver- wüstliche Humor des Berlinertums half auch hierüber hinweg. Auf den Bühnen konzertierten Kapellen und wechselten mit Gesangsvor- trägen und Spezialitätenvorstellungen. Die Kinder aber kosteten diesen willkommenen festlichen Tag in vollen Zügen. Sie amüsier- ten sich in heiterem, ausgelassenem Spiel ebenso gut, wie vor den drolligen Kasperletheatern, und öfter führten sie auch Reigen auf oder sangen im Chorus, daß die umstehenden Erwachsenen ihre helle Freude daran hatten. Je weiter der Zeiger der Uhr vorrückte, um so mehr schwoll der Besuch an. Viele der Feiernden hatten die Gelegenheit und den schönen Tag benutzt, um einmal auch in der Woche, ohne die berüch- tigten Begleiterscheinungen der Sonntagsausflüge, fern von dem brodelnden, stampfenden, hastenden Weltstadtgetriebe, sich in der freien Natur zu ergehen und die köstliche Maienpracht zu genießen. So kam es, daß der richtige Massenzustrom erst gegen Abend einsetzte, um dann allerdings in sämtlichen Lokalen beängstigende Formen anzunehmen. Die gewaltigste Menschenmasse nahm die Proletarierburg deS Nordens, das Lokal„P h a r u s- S ä l e" auf, in der zur Abendzeit niehr Personen beiderlei Geschlechts waren, als die meisten Klein- städtc des Reiches an Einwohnern aufzuweisen haben. Bald reich- ten aber auch diese Räume nicht mehr au», viele Hunderte mutzten umkehren, da beim besten Willen kein freies Plätzchen mehr zu finden war. Mußten doch schon zu Beginn der Festrede von unse- ren Ordnern die Saaltüren geschlossen werden, da die Menschen wie die Heringe zusammengestaut waren— der berühmte und un- vermeidliche Apfel hätte tatsächlich keine Lücke zum Hinunterfallen gefunden. DaS Festprogramm war— wie in allen anderen Lokalen auch— ein erlesenes und reichhaltiges. Im Garten und in den Sälen konzertierten Kapellen, und dazwischen sorgten Mantheys „Lustige Sänger" dafür, daß die Lachmuskeln der Zuhörer aufs stärkste strapaziert wurden. Der Tanzgöttin wurde natürlich eben- falls gehuldigt— die Jugend zwischen 48 und 60(und darüber) drehte sich, je nach den forschen oder schmachtenden Klängen der Musik. Das gleiche ist von der Bockbrauerei, Chausseestr. 64, zu berichten. Auch dort war der Besuch ein außerordentlicher, be- sonders als gegen Abend die Temperatur im Freien etwas milder wurde. Die Billettverkäufer hatten stramm zu tun, um den ko- lossalen Andrang zu bewältigen. Auch hier war es nur einem Teil der Besucher vergönnt, der Mairede zu lauschen, die übrigen fanden keinen Einlaß mehr und im Garten durfte nach den Bestimmungen der hochwohllöblichen Polizei nirgends referiert werden—„von wegen" der Kinder unh Jugendlichen, die vor politischer„Methyl- Vergiftung" bewahrt bleiben sollten. Tanz und Lichtbildervorträge, sowie turnerische Darbietungen brachten angenehme Abwechselung in das Festprogramm. In der„P a tz e n h o f e r B r a u e r e i", Thurmstr. 25/26, setzte der eigentliche Massenbesuch ebenfalls erst am späten Nachmittag ein. Dafür gaben dann aber auch die endlosen Scharen festlich ge- kleideter Männer, Frauen und Kinder der zu trauriger Berühmt- heit gelangten Gegend das Gepräge. Bald war das Etablissement mit Besuchern angefüllt und die schmetternden Weisen der Kampfes- und Freiheitsmärsche klangen hell und siegesfroh in das lärmende Stratzengetriebe hinein und lockten Scharen von Neugierigen an— selbst der patroullierende Schutzmann mit dem dräuenden Schieß- eisen konnte sich der Wirkung der anfeuernden Musik nicht ganz ent- ziehen— sein Schritt schien sich zuweilen dem Rhythmus der Klänge anzupassen. Zwei Unteroffizieren, die wohl über den Charakter der Feier nicht unterrichtet waren und auch teilnehmen wollten, wurde von den Kontrolleuren mit freundlichem Humor bedeutet, daß ihre Teilnahme an dieser Festlichkeit für ihre weitere Karriere nicht förderlich sein dürfte. Die beiden Marssöhne sahen dies auch ein und entfernten sich schleunigst mit höflichem Gruß und Dank. Ein reges Leben wies das„Stadttheater Moabit" auf, das schon am frühen Nachmittag einen starken Besuch aufzuweisen hatte. In den Abendstunden war der Andrang ein geradezu bei- spielloser. Das Programm fand ungeteilte freudige Aufnahme. Besonders hübsch machte sich der Reigen, der von weißgekleideten jugendfrischen Mädchen mit Grazie und Schick aufgeführt wurde. Die Festrede löste bei den in schwitzender Enge stehenden Zuhörern zündenden Widerhall aus. Einen angenehmen Aufenthalt bot den Feiernden daS.Insel- Restaurant", Plötzensee. Die Sonne spiegelte sich in den träge vorüberziehenden Wellen, das leuchtende Rot der Fahnen und Nelken hob sich freundlich von dem frischen, zarten Grün der Blätter ab und über den Köpfen der Gäste wölbte sich ein weißer Blüten- Himmel und bot dem Auge einen märchenhaft schönen Anblick. Von der nahen Jungfernheide herüber trug der Frühlingswind den satten, ozonhaltigen Kiefernduft, in den Zweigen der Bäume zwitscherten die Vögel und begrüßten den jungen Mai. Von der Straße her kamen immer neue Scharen heran. Groß und voll und leuchtend zog der Mond am abendlichen Himmel herauf, aber frisch und hoffnungsfreudig klang eS noch durch die dämmernde Weite: Die ihr auf harter Erde haust, Den Höhen fern und fern dem Licht, Hört hin, wie rings ein Sturmwind braust, Der alles Morsche knickt und bricht I Hört, wie er lacht und gellend pfeift, Hört, wie er braust um Dach und Turm: Der Sturm, der neue Saaten reift Zum Erntetag. Wir sind der Sturmi Die B o r u s s i a- S ä l e in der Ackerstraße gehören nicht zu den allbekannten Lokalen, und das war wohl die Ursache, daß der Besuch der Maifeier sich hier in größerem Umfange erst in den späteren Abendstunden einstellte, obwohl auch hier für Festesfreuden reichlich gesorgt war. Es ist eben von dort nicht gar zu weit nach dem viel größeren Saal und Garten der Bockbrauerei, und dort geht man lieber hin, zumal man ja bei der Maifeier auch die Massen beieinander sehen will, und darunter versteht man ja in Berlin eine nach Tausenden zählende Menge. Aber auch bei der geringeren Zahl von Festteilnehmern verlief die Maifeier in den Borusffia- Sälen in würdiger Weise, und die Festrede des Genossen Ucko fand lebhaften Beifall. Auf dem Gesundbrunnen waren fünf Gartenlokale für die Maifeier hergerichtet: Das „Volksgarten-Theater", die.Löwenbrauerei", Ball- schmiederS„Kastanienwäldchen",»Frankes Etablisse. m e n t" und das„V o i g t- T h e a t e r".— In den Abendstunden hielten sich viele Tausende, Männer, Frauen und Kinder in den festlich geschmückten Gärten auf. In mehreren Lokalen, namentlich bei Ballschmieder, bei Franke und bei Voigt herrschte ein fast un- heimliches Gedränge. Doch daS störte die Festfreude nicht im min- besten. Wer in dem einen Lokal nicht Platz für sich und die Seinen fand, der versuchte es in einem anderen und schließlich kamen alle Festteilnehmer auf ihre Rechnung. Ein abwechselungsreiches Pro- gramm bot mancherlei Unterhaltung. Neben Musikaufführungen, die überall den größten Raum im Programm einnahmen, gab es humoristische Vorträge, die freilich nicht ohne Ausnahme in den Rahmen paßten, in dem unsere Maifeier gehalten sein sollte. Die Festleitung ist gewiß nicht schuld daran, sondern e» ist den in den Lokalen deS Gesundbrunnens heimischen„Künstlern" und„Künstle- rinnen" zuzuschreiben, wenn im„VolkSgarten-Theater" und in der .Löwenbrauerei" Tingeltangeleien der niedrigsten Sorte mit unter- liefen, die erfreulickerweise bei dem Maifeierpublikum keinen großen Beifall fanden. Couplets mit politischen Anspielungen, namentlich wenn sie sich dem Jdeenkreise der kämpfenden Arbeiter näherten, fanden freudigen Beifall. Sehr dankbar zeigte sich das Publikum für die Darbiewngen der Freien Turner und Turne- rinnen, die ihre Aufgaben mit gutem Geschick lösten. Doch am meisten fesselten die Vorträge der Arbeitersänger. Aus ihren Liedern sprach der Geist, der die klassenbewußte Arbeiterschaft be- herrscht. Der Gedanke, der uns am Weltfeiertag beseelt, wurde lebendig in Worten und Tönen, die zu den Herzen der Hörer dran- gen und Empfindungen weckten und stärkten, die uns hinausheben über daS Elend der Gegenwart und un« begeistern für die Ziele, für die Ideale der Sozialdemokratie. Von allem, was daS Festprogramm bietet, kommt der leitende Gedanke der Maifeier am eindringlichsten zum Ausdruck in den Freiheitsliedern der Arbeiter- sängcr. Um sie recht nachhaltig auf sich wirken zu lassen, drängte sich das Publikum bei jedem Auftreten der Arbeitcrsänger um d:e Bühne und spendete lebhaften Beifall. Was der Gesang uns sagt, kommt nicht minder wirkungsvoll, aber klarer, verständlicher zum Ausdruck in dem gesprochenen Wort, in den Festreden, die den Hörern die Bedeutung der Maidemon. stration darlegen. Im„VolkSgarten-Theater" war eS Genosse Karl�, in der„Löwenbrauerei" Genosse TrinkS,. bei Ball- schmieder Genosse Ledebour.bei Franke Genosse Barth und im „Voigt-Theater" Genossin I e e tz e, die in den dichtgefüllten Sälen sprachen und die Zuhörer für den Gedanken der Maifeier sowie für die Bestrebungen der Sozialdemokratie begeisterten.— Mit den Reden, die ziemlich spät gehalten wurden, war die Feier in der Hauptsache beendet. Es folgten noch einige Gesangsvorträge als würdiger Abschluß des ernsten Teils des Festes. Dann leerten sich nach und nach die Gärten. In den Jnnenräumen blieb man noch länger zusammen beim Tanz und bei gemütlicher Unterhaltung. Die Bevölkerung der Schönhauser Vorstadt beteiligte sich wiederum in außerordentlich großer Zähl, die abzu- schätzen unmöglich ist, an der Maifeier. Besonders war der schöne große Garten des Prater-Theaters in der Kastanienallee schon am frühen Nachmittag das Ziel vieler Tausender und gegen Abend war es dort und auch in den Sälen des Etablissements ge- drängt voll von Maigästen, von Männern und Frauen und Kindern, denen das reichhaltige Festprogramm mancherlei Genüsse und auch erhebende Freude bot. Den Höhepunkt des Festes bildeten die weit- hin schallenden Lieder der Arbeitersänger, Lieder von Kampf und Sieg und vom kommenden Völkerfrühling. Auf die Festrede mußte leider verzichtet werden. Nachdem man lange genug auf den Refe- renten gewartet hatte, wurde die Resolution verlesen und mit großer Begeisterung einstimmig angenommen. Das gegenüber, in der Schönhauser Allee liegende Etablisse- ment PuhlmannS Theater war gegen Abend auch bald ge- drängt voll von Maisestfeiernden. Auch hier war in reichem Maße für Unterhaltung und erhebende Freuden gesorgt, und auch hier taten die Arbeitersänger ihr Bestes, die völkerbefreienden Ideen des 1. Mai in trefflichen Gesängen zu feiern. Aber auch hier war der Referent ausgeblieben, und man muhte sich daraus beschränken, die Resolution zu verlesen und darüber abgustimmem In Obiglos Festsälen und Garten ließ der Besuch am Nachmittag noch zu wünschen übrig; die meisten Maifestteilnehmer hatten eS eben vorgezogen, nach den größeren Lokalen zu ziehen. Aber am Abend w.r eS auch bei Obiglo im Garten und Saal voll von Männern, Frauen und Kindern, und neben alledem, was auch in den anderen Etablissements geboten wurde, gab eS hier eine packende Festrede. Der Genosse G r u n w a l d war erschienen, und seine Worte weckten Begeisterung und säuerten an zu unermüd- lichem Kampf für die Ziele der Arbeiterbewegung. Im Osten. Der Friedrichshain, in dem der jungfrische Frühling in voller Maienpracht herrschte, war am Nachmittag fast ebenso belebt, wie sonst nur an Sonntagen. Viele feiernde Arbeiter machten erst einen Spaziergang durch den Park und freuten sich der erwachenden Natur, ehe sie sich durch den Staubgürtel, den die angrenzenden Straßen um den Park bildeten, nach den Festlokalcn, dem„Schweizer-Garten" und der„Brauerei Friedrichshain" be- gaben. Der Besuch war in beiden Lokalen gut und steigerte sich zum Abend noch beträchtlich. Im„Schweizer-Garter" kamen die Genossen des 5. Wahlkreises zusammen und hörten von ihrem Ab- geordneten RobertSchmidt einen Vortrag über die Bedeutung deS Weltfeiertages der Arbeit. Die Brauerei Friedrichshain ge- hörte zu den Lokalen, die für den Besuch aus dem 4. Kreise vor- gesehen waren. Hier trat Waldeck Manasse als Festredner auf vor einer dichtgedrängten Masse, die den großen Saal besetzt hielt. Brausender Beifall erschallte, als die Redner die Grüße des Proletariats über die ganze Welt aussandten, wo immer Ar- beiter zur Feier de» 4. Mai versammelt waren, oder wenn sie die Friedensliebe der großen Internationale der Arbeit betonten.— Mit viel Begeisterung wurden auch die Vorträge der Arbeiter» fanger aufgenommen. Die Gesichter leuchteten, wenn das.Sturm» lied" fragte:.Hört Ihr da« Brausen ring» im Land?" Im.E l h s i u m", Ecke der Landsberger Allee und PeterS- burger Straße, war der Besuch am Nachmittag nur schwach und mancher Genosse machte ein enttäuschtes und unzufriedenes Ge- ficht über die mangelhafte Beteiligung, aber am Abend ließ der Besuch nichts zu wünschen übrig. Der LandStagSabgeordnete Paul Hirsch hatte eine große und aufmerksame Versammlung vor sich, als er seine Ansprache hielt, und er fesselte sofort seine Zuhörer, indem er damit begann, daß er just aus einer Extrasitzung des Landtage? komme, wo er als einer von den verhaßten Sechsen im Dreiklassenparlament nicht fehlen durfte. So mußten unsere Ab- geordneten gerade am 4. Mai noch Ueberstunden arbeiten; die Mehrheit wollte eS so. Der Redner ging auf die Kämpfe im Ab- geordnetenhause ettoaS näher ein und betonte das Festhalten an der Forderung nach einem freien und gleichen Wahlrecht in Preußen. Er würdigte die Bedeutung des 4. Mai für die inter- nationalen Beziehungen, für den Weltfrieden und für die Ar- beiterschutzforderungen. Der Vortrag, der stürmischen Beifall aus- löste, wurde mit Gesängen eingeleitet und geschlossen, die einen recht wirkungsvollen Rahmen bildeten und von den andächtig lauschenden Zuhörern enthusiatisch aufgenommen wurden. In Mentes VolkSgarten. draußen in Lichtenberg, in einem Zipefel des 4. Kreises, wo der Abgeordnete des Kreises, Ge- nosse Büchner, die Festrede hielt, begann schon am frühen Nach- mittag das manchmal verspottete große Kaffeekochen. Es hatte aber doch seine eigene Bedeutung, denn diefeierndenMänner fehlten nicht und die roten Fahnen wehten, wohin man blickte, und stolz erzählte man sich von den stattlichen Arbeiterversamm- lungen am Vormittag deS MaientageS. Am Nachmittag kam man mit Weib und Kind und Angehörigen zu der von der Partei ein» berufenen Versammlung und konnte mit Genugtuung einen starken und immer mehr anwachsenden Besuch konstatieren, trotzdem das Lokal so abgelegen schien und auf der Landsberger Allee eine Staubwolke die andere jagte. Von S Uhr ab setzte der Zustrom der Besucher noch recht lebhast ein. Eine frohgestimmte große Versammlung begrüßte den Festredner und zollte seinem Vortrag über die ernste Bedeutung der Maifeier, die internationale Bande knüpft, lebhaften Beifall. In Ludwig» Parkrestaurant am Treptower Park war der prachtvolle Naturgarten schon um 4 Uhr nachmittags von einer frohgestimmten Menge fast vollständig besetzt und immer neue Scharen zogen heran. Konzert, Gesangsvorträge und sport- lichc Leistungen sorgten für die Unterhaltung der Erschienenen. In dem kleinen Saale amüsierte sich die Jugend beim Tanz. Der kühle Abend zwang dann viele zum frühen Aufbruch. Die Festrede fiel auch aus diesem Grunde aus. In Boekers Festsälen war der Saal bis um 8 Uhr noch gähnend leer. Erst als die abendliche Kühle die Besucher aus den Gärten verscheuchte, änderte sich hier daS Bild. Bald sah das Fest- komitee, das alles aufgeboten hatte, um für Unterbaltung zu sorgen, seine Mühe durch einen zufriedenstellenden Besuch belohnt. Die Festrede hielt hier Genosse Johannes Haß. Im Gewerkschaftshause stellte sich die Mehrzahl der Besucher auch erst in den Abendstunden ein. Ihrer wartete ein besonders geschmackvoll zusammengestelltes Programm. Wir wollen nur die Opernsängeriw Vera Meyer-Nistlcr erwähnen, welche mit ihrer wunderbaren Stimme den starken Beifall der Zuhörer aus- löste. Die Festrede des Genossen P f a n n k u ch, die ebenfalls stark applaudiert wurde, fand in den sonstigen Darbietungen des Pro- gramms einen würdigen Rahmen. Der Sude». Die Hasenheide, die am Vormittag eine großartige Mai- demonstration gesehen hatte, stand auch am Nachmittag im Zeichen deS MaifesteS. Nicht weniger als drei der mit großen Sälen der» sehenen Sommerlokale an dieser belebten Straße waren von unseren Genossen belegt worden. Da ist vor allem die„Neue Welt", am 1. Mai schon seit langem, so lange das Proletariat seinen Maitag feiert, ein sehr beliebtes Ziel derer, die eine neue Welt im sozialen und politischen Sinne errichten wollen. Hier war naturgemäß der Andrang am stärksten. Trotz der Maikühle bewegte sich im ausgedehnten Garten eine festlich gestimmte Menge, ge- nießend, was an Veranstaltungen aller Art geboten wurde. Mit dem Frühlingsgrün wetteiferten dekorativ dunkelgrüne Guirlanden, zu denen sich das zukunftsfreudige Rot der Flaggen und Bänder gesellte. Aus Guirlandenrahmen heraus erinnerte das geschriebene Wort an vielen Stellen des Gartens an die Aufgaben, die dem kämpfenden Proletariat gestellt sind und die ihm immer und immer wieder einzuprägen eine Hauptaufgabe, ja die eigentliche Aufgabe dieses Tages ist. Wem es zu kühl im Freien war, der zog sich in die gerade hier außerordentlich umfangreichen Räume zurück. In einem der Säle sprach abends Genosse Reichstagsabgeordneter Pfannkuch über die Bedeutung des Tages, die er den Ver- sammelten überzeugend darlegte. Seine Ausführungen fanden starken Beifall.— Uebrigens hatten hier, wie auch in anderen Festlokalen, die Genossen auf polizeiliches Verlangen eine genaue Kontrolle einrichten müssen, auf daß kein jugendliches Hirn und Herz revolutionär verdorben werde. Früher war dos anders, als wir noch nicht das„liberale" Reichsvereinsgesetz hatten. Berück- sichtigt man den fortwährenden Wechsel der Teilnehmer, eine Folge des, wenn auch schönen, so doch kühlen Wetters, so ist mit etwa 10 000 Personen zu rechnen, die im Laufe des Nachmittags die„Neue Welt" aufsuchten. Unweit dieses Lokals liegt das Etablissement K l i e m. Hier kam namentlich der große Saal in Frage, der würdig dekoriert war und in dem die Büste Laffalles gleichsam als eine stumme und doch so außerordentlich beredte Mahnung wirkte, es dem toten Vor- kämpfer gleichzutun an energischer Kraftentfaltung im Kampfe um eine bessere Zukunft. Der Redner deS Abends, Genosse Eichhorn, richtete an die zahlreiche Zuhörerschaft eine kurzgefaßte, aber anfeuernde Ansprache. Stürmischer Beifall folgte seinen be- geisternden Worten. Bei Happoldts, dem dritten unserer Festlokale in der Hasenheide, füllten sich der große neue Saal und seine Ncbenräume bis zum letzten Platz. Natürlich fehlte auch hier der sinnige, dem Tage angepaßte Schmuck nicht. Genosse Hermann Müller vom Parteivorstand hielt die Festrede, in der er eindringlich dar- legte, was noch alles zu tun sei, um allen Aufgaben des Tages gerecht zu werden und unserm großen Ziel näher zu kommen. Freudig stimmten ihm die Versammelten durch lebhasten Beifall zu. In den drei Lokalen trug zur Verschönerung des Festes gute Musik bei. und es erfreuten durch ihre Darbietungen die geschulten Sänger des Berliner Proletariats, sowie die Turner und Rad- fahre r. Im äußersten Süden, am„Tempelhofer Berg", stand den Genossen wieder, wie alljährlich, die Bockbräuerei mit ihren festlich geschmückten Sälen und dem schönen Garten zur Verfügung. Im Garten ließ eine gute Kapelle ihr« Weisen ertönen, die die Aufmerksamkeit der Festteilnehmer fesselten. Besonderen Eindruck machten die Kampf, und Frühlingslieder, die die Sänger vom Arbeitersängerbunde ausgezeichnet zum Vortrage brachten. Weiter trugen turnerisch« Aufführungen dazu bei, das Fest zu verschönen. Litt auch der Naehmittagsbesuch des Gartens etwas unter der Kühle, so konnte man doch später feststellen, daß über 6000 Per- sonen die Eingänge deS Lokals passiert haben. Im großen Saal hielt abends vor einer dichtgedrängten Zuhörerfchar der Genosse Reichstagsabgeordneter Richard Fischer die Festrede in seiner temperamentvollen Weise, die nie ihre Wirkung verfehlt. Er löste Begeisterung aus, zu streben und zu kämpfen. im Sinne unserer Forderungen und unserer Weltanschauung. Der anhaltende Beifall bewies es. Teltow-Beeskow. In Neukölln, dem rein proletarischen Vorort Berlins, trug das Straßenbild sonntäglichen Charakter. Obwohl eine große Anzahl feiernder Arbeiter und Arbeiterinnen sich än den Berliner Versammlungen beteiligte, waren die von der Unterkommission Neukölln einberufenen drei Versammlungen sämtlich überfüllt. In Hoppes Festsäle sprach Genosse H. Lehmann vor zirka 1600 Personen, in den Passage-Festsälen Genosse Mermuth vor zirka 300 Personen; in beiden Versammlungen wirkten bei Er- ofsnung und Schluß die Gesangvereine„Schneeglöckchen" und Männergesangverein Neukölln mit. In Felschs Gcsellschaftshaus versammelten sich die Mitglieder des Deutschen Bauarberterver- bandes, es waren zirka 300 Personen anwesend. Hier sprach Ge- nosse MohS. Die Elektrischen waren gegen 9M Uhr dicht besetzt. Neukölln stand, mit einem Wort gesagt, im Zeichen der Maifeier. Im Charlottenburger VolkShauS waren schon lange vor 10 Uhr der große Saal und der Garten überfüllt. Durch den Arbeiter- gesangvcrein wurde die Feier eingeleitet. Hierauf hielt der Ge- nasse Dr. Kurt R o s e n f e l d einen packenden Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai. Nach Absingen einiger Lieder durch den Gesangverein wurde die imposante Veranstaltung geschlossen. Schönebcrg. Hier war die Vormittagsversammlung, in welcher Genosse Kali Ski das Referat hielt, von 800 Männern und Frauen besucht. In Köpenick füllten zirka 800 Personen den Saal des Stadt- theaters. Vor und nach dem Referat des Genossen S t ö r m e r trug der Gesangverein„Männerchor" einige der Würde de» Tage? entsprechende Lieder vor. Nach Schluß unternahmen die Versamm- lungsteilnchmer einen Spaziergang durch die Stadt nach dem Ge- fellfchaftShauS. Grost-Lichterfelbe. Hier referierte Genosse ReichStagSabge- ordnetcr Fritz K u n e r t. Im Saale— die Tisch« waren entfernt worden— befanden sich über 400 Personen. Wegen Ueberfüllung des Lokals hatte ein Teil der Besucher vor den geöffneten Fenstern im Garten Platz genommen. Für die Orte Temvethof und Mariendorf war eine Versamm- lung anberaumt, die von etwa 360 Personen besucht war. "Wilmrrsdorf-Halensce. Tie Vormittagsversammlung im Viktoriagarten war von mindestens 800 Frauen und Männern besucht und füllte den größten Saal der Stadt derart, daß viele Teilnehmer stehen mutzten. Der Reichstagsabgeordnete des Wahl- kreiscs, Genosse I u b e i l. sprach in andcrthalbstündiger Rede über die Bedeutung der Maiseier und die dem Proletariat bevor- stehenden Kämpfe. Durch passende Lieder, die der Wilmersdorfer Männerchor vortrug, wurde die Versammlung stimmungsvoll ein- geleite» und geschlossen. Lankwitz. In der Vormittagsversammlung, in welcher Genosse K n ü p f e r referierte, waren zirka 200 Genossen und Genossinnen anwesend. Stcglitz-Fricdcnan. Die Vormittagsversammlung war stärker denn je zuvor besucht. TaS Referat hielt Genosse Dr. Breit- scheid. Beteiligt waren zirka 1000 Personen. In Adlershof mutzte die Vormittagsversammlung wegen Ueberfüllung— cl waren zirka 600 Personen anwesend— nach dem Garten verlegt werden. Das Referat hielt Genosse Woldt. Der Arbeitergesangverein leitete die Versammlung durch einen stimmungsvollen Gesangsvortrag ein. 760 Personen füllten in NowaweS die VormittagSbersamm- farag. Hier hielt da? Referat Genosse Groger. Sine verhältnismäßig gut besuchte Versammlung konnte auch Wannsee verzeichnen. Einige Genossen hoben hier die Bedeutung deS Maigedankens hervor. In Britz hatten sich 2 60 Personen versammelt. In Teltow, wo Genosse Ewald dos Referat hielt, war die Versammlung den Verhälwiffen entsprechend gleichfalls gut besucht. Alt-Glienicke. Hier referierte vor über 100 Raiftiernden Reichstagsabgeordneter Genosse F e I d m a n n. In Bohnsdorf referierte vor 180 Personen, darunter viele Frauen, Genosse P ä tz o l d. Der Arbeitergesangverein„Sanges- lust"-Grünau leitete und schloß die Feier durch stimmungsvolle Gesangsvorträg«. Räch Schluß der Versammluug unternahmen die Teilnehmer in Begleitung der Grünauer Genossen einen Spaziergang durch das Dorf. An den Fenstern der Bauernhäuser sah man viele erstaunte Gesichter wegen der großen Zahl der Maifeiernden. Der Villenort Zehlendorf konnte diesmal eine von 160 Man- neru und Frauen besuchte Maiversammlung aufweisen. Referent war Genosse T i e l i ck e. Zossen. Allgemeines Aufsehen erregte bei der Zossener Be- völkerung der Demonstrations-Spaziergang unserer Genossen, der sich vom Restaurant Flora aus durch die Stadt erstreckte. Die Zahl der Teilnehmer war eine derartig große, daß man fürchtete, der Saal des Festlokals in der Baruther Straße werde die Menge der Anmarschierenden nicht fassen. Zossen hat eine solche Demon- stration noch nicht gesehen. Glücklicherweise gelang es, alle Er- schienenen, wenn auch unter erschwerenden Umständen, unterzu- bringen. Für die Enge des Raumes entschädigte das wirklich hübsche Programm. Die Festrede hielt Genosse Paul John- Berlin. Niederbarnim. Ter Polizeipräsident auf der Wacht! Daß der Polizeipräsident von Lichtenberg bei der Mai- feier wieder mal die erwünschte Aufmerksamkeit erregen würde, konnte man nach seinen voraufgegangenen Extravaganzen fast voraussetzen. Und sein Ruhm erstrahlt in neuem Glänze! Zunächst ließ er aus sämtlichen Schaufenstern die Maifeierplakate entfernen. In einem Falle wollte ein Beamter ein Plakat sogar beschlag- nahmen, weil es zwar aus dem Fenster entfernt, aber auf einem Tische im Lokale Platz gefunden hatte. Da man nicht annehmen kann, daß die Plakatverordnung in allen Fällen Anwendung findet — sonst kämen die Beamten aus der Arbeit gar nicht heraus—, aber auch in keinem Gesetz etwas vermerkt ist, daß es nur gegen Sozialdemokraten Anwendung finden soll, ist die liebende Sorgfalt, deren wir uns trotzdem erfreuen, aller gebührenden Anerkennung wert. Der Maßnahme blieb denn auch der verdiente agitatorische Erfolg nicht versagt! Von solchen Scharen wie diesmal, war die Morgenversammlung am I. Mai in Lichtenberg noch nie besucht. Und wahrscheinlich aus Dankbarkeit für die bewiesene Aufmerksam- keit hatte man in der Wartenbergstraße eine rote Flagge gehißt, die von Beamten später im Triumph eingeholt wurde. Bald darauf konnte man bemerken, wie eifrige Beamte auf der Chaussee sich um das Wohl junger Leute bemühten, die in größerer Zahl als eine Skatpartic auf dem Wege zur Versammlung waren. Um Ent- gleisungen der Straßenbahn vorzubeugen, mußten sie in genügend kleinen Trupps marschieren. Selbstverständlich hat der Herr Polizei. Präsident auch den Abendveranstaltungen sein lebhaftes Interesse bekundet. Daß die angesetzten Festreden politisch sein würden, hielt er quafi für selbstverständlich. Gegen polizeiliches AhnungSver- mögen gibt es natürlich keine Logik! Jedenfalls wollte der Herr Polizeipräsident Kinder und Jugendliche vor dem Gift einer poli- tischen Rede schützen. Sie sollen nur die Milch polizeifrommer DenkungSart genießen. Und so ließ er denn einen Schreibebrief an den Vorsitzenden des Sozialdemokratischen Wahlvereins, Bezirk Lichtenberg, Herrn Otto Jaffke, gelangen, der folgenden Passus enthält: „Bezüglich der Festrede ersuche ich um Auskunft, über welches Thema gesprochen werden soll. Erforderlichenfalls wollen Sie den Vorschriften des§ 5 des Reichsvereinsgesetzes entsprechen." Nun hatte Jaffke aber gar keine Versammlung angemeldet. Wie in dem Schreiben auch vermerkt ist, war der Veranstalter und An- melder Buchdrucker Paul Werner. In diesem Falle ist das huld» volle Schreiben allerdings nicht vorbei geraten, wie diese Zeilen den Herrn Polizeipräsidenten unterrichten, aber für die Zukunft würden wir ihm doch empfehlen, seine schätzenswerten Mitteilungen an die richtige Adresse zu richten. Eine persönliche Vorstellung eines Be- auftragten, der darauf hinwies, daß der Lichtenberger Polizei- Präsident in seinen Anordnungen ganz eigene Wege einschlage, die Praxi? seiner Kollegen gewissermaßen desavouiere, war erfolglos. Der Herr blieb dabei: die Kinder und jungen Leute müssen raus, raus, raus— oder es wird nur unpolitische Limonade verabreicht. Die ganze Art des Auftretens erweckte bei unserem Genossen das Gefühl, als habe der Beamte sagen wollen: Ja, WIR sind auch was Originelles, zu Höherem berufen, WIR ragen über Kollegen hinaus, WIR sind Leuchten der Zunft, müssen an die Spitze, haben schon Beweise hervorragender Intelligenz, einzigartiger Gesetzes- kenntnis usw. geliefert.-- ES gab also keine„Festrede", dafür ließen die Redner, wie Genosse Düwell im Garten bei Arnold be- merkte, einige„lose Blätter" flattern. Hier, wie auch im Saale, wo Genosse Stadthagen, ebenso wie bei Schwarz, wo vorher schon Genosse Mirus gesprochen hatte, eine kurze Ansprache hielt, nahmen die Anwesenden die meist satirischen Glossen mit verständnisvollem Humor und großem Beifall auf. Wenn auch wider Willen: der Herr Polizeipräsident gab der Maifeier in Lichtenberg eine be- sondere politische Note, die ihre Wirkung nicht verfehlte. • Auch im Kreis Niederbarnim hatte die diesmalige Maifeier eine bisher nie erreichte Beteiligung aufzuweisen. Im„Schwarzen Adler" zu Lichtenberg mußte die von 2 6 0 0 Personen besuchte Ver- sammlung nach dem Garten verlegt werden. Hier referierte Ge- nosse Gaida. Die Versammlung im Cafe Bellevue in Rummels. bürg, wo Genosse S a b a t h daS Referat hielt, war von 1000 Per- sonen besucht. In Pankow referierte vor 6 00 Personen Genosse Kubig. Eingeleitet und geschlossen wurde die Versammlung durch Lieder- Vorträge des Gesangvereins„Liederfreund". Die Versammlung in Rcinickcndorf-Ost und West war von 360 bezw. 160 Feiernden besucht. Referenten waren die Genossen Handle und Barth. An den Abendfeierlichkeiten in RamlowS Kastanienwäldchen in Schönholz dürften etwa 1600 Personen teil- genommen haben. In Tegel, wo Genosse Halses sprach, war die Versammlung von etwa 300 Personen besucht. Weiftensee. Die Vormittagsversammlung. die von über 4000 Personen besucht war, mutzte im Garten deS„Schloß Weißensee' abgehalten werden, da die Erschienenen in beiden Sälen nicht Platz hauen. Dos Referat deS Genossen Pattloch wurde sehr bei- fällig aufgenommen. In FriedrichSfelde hatten sich etwa 260 Personen versammelt, die den Ausführungen des Genossen Hildcbrandt zuhörten. Der Gesangvcrein„Vorwärts" trug durch sein Mitwirken zur Erhöhung der Feststimmung bei. Mahlsdorf(Ostbahn). Die Vormittagsversammlung war von zirka 160 Personen besucht. Referent war Genosse Tornow- Friedrichshagen. Die Feier am Abend hatte einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen. Die gestrede hielt Genosse Kunze- Neukölln. Herzfelde. Die Maifeier nahm hier einen glänzenden ver- lauf. Allen Arbeitern war es zwar nicht möglich, diesen Tag durch völlige Arbeitsruhe zu begehen; doch der starke Besuch der Abend- Veranstaltung bezeugte, daß die Feier des Wclttags sich von Jahr zu Jahr prächtiger gestaltet. Bemerkt sei, daß sich bei der dies- jährigen Maifeier eine große Anzahl Frauen unter den Versamm- lungsteilnehmern befand. Friedrichshagen. Die Maifeiernden versammelten sich im „Gescllschaftshaus", wo die Abstempelung der Bücher stattfand. Von hier begaben sich die Versammelten gemeinsam nach Conrads Fest- säle. Vor etwa 600 Genossen und Genossinnen hielt Genosse Stüh- m e r sein Referat. Die Abendfeier fand im„Eiskeller!" statt, hier wurde den zahlreichen Besuchern durch ein ausgewähltes künstle- risches Programm ein genutzreicher Abend verschafft. Die Festrede hielt Genosse Mermuth. Nieder-Schönhausen. Die Vormittagsversammlung im Garten in Neu-Carlshof war von zirka 200 Genossen und �Genossinnen be- sucht. Referent war Genosse Reese. Eingeleitet und beendet wurde die Versammlung durch Gescmgsvorträge. Die Stimmung war vorzüglich. Oranienburg. Die Versammlung war von zirka 200 Personen besucht. Eingeleitet wurde dieselbe durch einen Gesangsvortrag des Gesangvereins„Freie Sänger". Das Referat hielt Genosse Hans Weber- Berlin. Der Festzug mit Musik durch die Stadt wurde von der Polizeibehörde verboten. Mühlenbeck. Die bei Meyer, Buchhorster Straße, tagende Vor- mittagsversammlung, in der Genosse Segawe referierte, war den Verhältnissen entsprechend gut besucht. Erkner. Hier sprach vor gut besuchter Versammlung Genosse K ü n st l e r. In Klosterfelde hielten die organisierten Holzarbeiter der Zahl- stelle Klosterfelde nachmittags in Wandlitzsee eine von zirka 150 Männern und Frauen besuchte Versammlung ab. Genosse Wilh. N i t s ch k e- Lichtenberg hielt das Referat. Ein Mandolinenklub der organisierten Holzarbeiter gestaltete durch sein Mitwirken die Feier imposant. In HermSdorf sprach in einer von 6 0 0 Personen besuchten Adendversammlung Genosse Störmer. Das Lokal vermochte die Versammelten, die sich aus dem Bezirk Waidmannslust eingefunden hatten, kaum zu fassen. Eine außerordentlich starke Beteiligung war auch in Bernau, wo Genosse Haß- Berlin referierte, zu verzeichnen. Nachmittags wurde ein Ausflug mit Musik nach der Stadtforst veranstaltet. In Röntgenthal versammelten sich abends etwa 30 0 Personen. Di« Festrede hielt Genosse Engel- Berlin. In Neuenhagen war die Abendfeier von zirka 160 Personen besucht. Zehdenick. Hier suchten die Unternehmer mit allen Mitteln die Arbeiter an der Maifeier zu verhindern. Dieser Druck hatte es denn auch erreicht, daß die Vormittagsversammlung, in der Genosse Gebert- Charlottenburg sprach, nur von 60 Personen besucht war. Spandau. Im Saale der Brauerei Pichelsdorf hatten sich annähernd 16 0 0 Personen zur Begehung des Weltfeiertagrs eingefunden. Das Referat hielt Genossin I u ch a c z. Auf dein Zurückwege nach der Stadt zeigt« die Polizei wieder einmal, daß sie noch da ist. Um nicht den ganzen Zug der Versammlungs- besucher am Rathaus vorbeiziehen zu lassen und dadurch vielleicht dasselbe ins Wackeln zu bringen, wurden die Maifeiernden zer- streut. Während ein Teil ruhig die Potsdamer Straße passieren konnte, wurde dem größeren Teil der Weg abgeschnitten, so daß sich viele Hunderte auf Umwegen durch andere Straßen ihren Nachhauseweg suchen mußten. Die Beteiligung an der Maifeier war diesmal eine viel größere als je. ... Die JMaifcier im Reiche. Aus dem Reiche gingen uns über den Verlauf der Mai- feier folgende Nachrichten zu: Provinz Brandenburg. Velten i. M. In einigen Betrieben feierten die Arbeiter den 1. Mai durch Arbeitsruhe. Abend» fand eine überfüllte Festver- sammlung statt. Brandenburg a. H. Ein FrühauSflug nach dem Nachbardorfc Schmerzke zeigte starke Beteiligung. Die festliche Veranstaltung am Nachmittag war gleichfalls sehr stark besucht; am Abend fanden drei Versammlungen statt. Luckenwalde. Etwa 600 die Maifeier durch ArbeitSruhe be- gehende Arbeiter und Arbeiterinnen unternahmen einen gemein- schaftlichen Ausflug nach Beckenbrück. Die Abendveranftalwng war von etwa 900 Personen besucht. Fürstenwalde(Spree). Die ArbeitSruhe war umfassender als im vorigen Jahre. An der Vormittagsversammlung nahmen un- gefähr 600 Personen, an der Abendveranstaltung 2000 Personen teil. Strausberg. Die Maifeier ist glänzend verlaufen. Teil- nehmerzahl am Ausflug am Vormittag 200. Bei der Nachmittags- Veranstaltung mit dem Genossen Gier big als Festredner minde- stenS 400 Personen. Der große Saal des GewerkschaftShaufeS war dicht gefüllt. Schwerin a. b. Warthe. Die Maiversammlung war von zirka 160 Personen besucht. Da? Referat hatte Genosse Kahser- Landsberg übernommen. In der Diskussion machte unter anderem ein christlich Organisierter für seine Ideen Propaganda, wurde aber vom Referenten mit dem Hinweis auf den Bergarbeitcrstreik ab- gewiesen. Neuruppi«. Die Maiversammlung war sehr gut besucht, auch von vielen Frauen. Eine besondere Feier findet am nächsten Sonn- tag statt. Provinz Ost- und Westpreußen, Posen, Pommer«. Königsberg. Die Arbeitsruhe hatte einen llmfang wie nie zu- vor. Die Vormittagsversammlung zählte 6000 Besucher. Bei dem Volksfest am Nachmittag war noch eine weit größere Zahl an- wesend. Brombrrg. Die Maiversammlung war von rund 800 Personen besucht. Rakel. Die Versammlung war von rund 100 Personen besucht. Schneidemühl. Die Maiversammlung war von 100 Personen besucht. Birnbaum. Eine, den Verhältnissen entsprechend, von Männern und Frauen gut besuchte Versammlung nahm nach einem Referat de» Genossen W. Schulz-Posen die vorgeschlagene Resolutton ein- stimmig an. Stettin. Für Groß-Stettin fanden zwei Versammlungen statt, die von 2600 Personen besucht waren. Im Anschluß daran unter- nahmen die Demonstranten einen Spaziergang. Nachmittag 10 Ver- anstaltungen. Der Polizeiprästdent drohte an, er werde die Fest- ltchkelten überwachen lassen. Rostock. Die Moifeier-Beteiligung war verhältnismäßig schwach. Zirka 700 feierten. Wismar. Ziemlich gute Maiverfammlungen mit anschließendem Ausflug. Provinz Sachsen. Magdeburg. Im Regierungsbezirk Magdeburg war die Zahl der durch Arbeitsruhe Feiernden im großen und ganzen befriedi- gend. Die Magdeburger Genossinnen und Genossen unternahmen in einer Zahl von etwa 1600 einen Frühspaziergang. Am Abend fanden in Magdeburg 10, im ganzen Bezirk 40 Veranstaltungen statt. Burg b. Magdeburg. Am Morgenspaziergana beteiligten sich etwa 600 Personen. Die Abendveranstaltungen in zwei Lokalen waren gut besucht. Halle a. S. Hier bot die Feier insofern ein besondere» Jntcr- esse, indem die Demonstration diesmal mit Genehmigung der Polizei— allerdings unter gewissen Beschränkungen— vor fich ging. Auf dem städtischen Rozplake versammelten sich um Bayern. gewerbe ruht die Arbeif vollständig, in Sen Fabriten nur wenig, Ba 9 Uhr Tausende von Genossen und Genossinnen. In dem endlosen beschlossen worden war, bei einer ev. Aussperrung teine Unter München. Für die Demonstration der Münchener Partei- stüßung zu zahlen. Die Polizei und Gendarmerie war schon Demonstrationszuge, der über eine Stunde unterwegs war, ehe er gelangte, befanden genossen war auch diesmal wieder der Landungsplatz vor der morgens in Massen aufgeboten, legte aber dem Umzuge durch eine an sein Ziel das Arbeiterheim„ Volkspark". sich über 4000 Personen, die die Arbeit ruhen ließen. Den Haupt- Parseval- Luftschiffhalle im städtischen Ausstellungspark zur Ver- Reihe der Straßen der Stadt nichts in den Weg. Es fand nur bestandteil boten erstens die Bauarbeiter, Holzarbeiter, dann die fügung gestellt worden. Die Zahl der Feiernden hat auch dieses noch eine Versammlung in Helmstedt statt. Abends wurden Metallarbeiter usw. Die Zugordnung wurde von den Genossen Jahr wieder ganz bedeutend zugenommen. Auf sämtlichen Bauten in zwölf Orten Versammlungen abgehalten. aufrechterhalten und die Polizei, die in gewiß nicht geringerer An- ruhte die Arbeit, ebenso in den meisten Werkstätten und Fabriken Sachsen- Weimar. zahl wie in früheren Jahren erschienen war, fand keinen Anlaß der Metall- und Holzindustrie usw. Auch alle irgendwie abfömmzum Einschreiten und sorgte für den freien Verkehr. Im„ Bolts- barunter zahlreiche Frauen, marschierten in endlos langen Bügen, dem Umzug am Nachmittag beteiligten sich gegen 400 Personen. Die lichen Arbeiter der städtischen Betriebe feierten. Die Demonstration, Weimar. Der Vormittagsausflug fand nach Ziefurt tatt. An part" hatten sich gegen 11 Uhr etwa 8000 Personen versammelt. Die zahlreichen Bersammlungen in der Umgebung Halles waren die gleich Riesenschlangen durch die Stadt zogen, mit zahlreichen Nachmittags- und Abendveranstaltungen hatten sich eines starten ebenfalls start besucht; es geht vorwärts mit der Maibewegung Mufitforps zum Versammlungsplay, der dicht gefüllt wurde. Die Besuchs zu erfreuen. Erfurt. Die Arbeitsruhe in Erfurt hatte den gleichen Umfang Bahl der Teilnehmer an der außerordentlich imposanten Demon wie in den früheren Jahren. An dem Morgenspaziergang betei- ftration dürfte mit 60 000 nicht zu hoch beziffert sein. Auf dem Sonneberg. Etta 600 Personen begingen die Maifeier amt ligten sich etwa 1000 Personen. Der Abmarsch vom Parteilotal er. Versammlungsplah wurde von mehreren Plattformen Ansprachen folgte ebenso wie die Rückkehr in die Stadt mit polizeilicher Ge- gehalten. Am Schluß wurde die von der Parteipreffe veröffentlichte Vormittag durch einen Umzug durch die Stadt. Auf dem Festplate lauschten 1000 Personen den Ausführungen des Festredners. nehmigung in geschlossenem Zuge. Nachmittag und abends fanden Resolution einstimmig angenommen. in zwei Sälen Veranstaltungen und Versammlungen statt. Hansaftädte. Mühlhausen i. Th. Die Zahl der Feiernden war größer als in jedem Vorjahre. An einem Morgenausflug beteiligten sich etwa 600 Personen. Die Mittagsversammlung wies 1000 Besucher und glänzende Stimmung auf. Abends fanden Veranstaltungen statt. Provinz Schlesien. Sachsen- Meiningen. Nürnberg. Die Maifeier verlief außerordentlich einbrudsboll. Die Versammlung im„ Velodrom" war überfüllt. Die Zahl der Hamburg. Die Stadt stand im Zeichen der Maifeier. Seit feiernden außerordentlich groß, biele Bauarbeiter und Holzarbeiter ließen die Arbeit ruhen. Verhältnismäßig wenig Metallarbeiter 9 Uhr vormittags marschierten Hunderttausende vom Stadtteil waren beteiligt. Nachmittags war das Maifest im Leonhardspart Hohenfelde nach Forsthof an der preußischen Grenze. Bis 1 hr massenhaft besucht. Zwischenfälle ereigneten fich nicht. nachmittags war der Zug, der eine Kolonnenbreite von 5-6 Mann Augsburg. Glänzender Berlauf der Feier. Drei Berjamm- zeigte, noch nicht zu Ende. Viele Mufiftorps und Hunderte von lungen waren überfüllt, 2000 Arbeiter demonstrierten durch Arbeits- Fahnen und Standarten waren im Zuge. 5000 Werftarbeiter, die Erbauer des Riesenschiffes Imperator" marschierten geschloffen Würzburg. An der Maifeier beteiligten fich 150 Personen. im Zuge. Auf dem waldumsäumten Festplatz fand das Boltsfeft statt, das etiva 200 000 Teilnehmer zeigte. Abends fanden 17 Ver fammlungen statt. Provinz Hannover. ruhe. Breslau. Die Zahl der Feiernden ist im Verhältnis zu den früheren Jahren bedeutend größer geworden. Die Töpfer feierten geschlossen. Die Metallarbeiter, die zum ersten Male seit der großen Aussperrung 1906 wieder eine Versammlung abhielten, fonnten. über 500 Feiernde mustern. Eine Anzahl Arbeiter wird auf Be schluß der Unternehmerorganisation bis Montag ausgesperrt. Die Harburg a. E. An der Morgenversammlung nahmen 1000 beiden Vormittagsversammlungen waren außerordentlich start be- Personen teil sucht. Die Polizei stand vollzählig auf dem Sprung, hatte aber Begefad. Die Maifeier nahm einen glänzenden Berlauf. An nichts zu tun. Das Nachmittagsfest hatte unter der falten rauhen der Morgenversammlung und an dem anschließenden DemonWitterung zu leiden, dennoch war der Besuch ein starter. Am strationszuge beteiligten sich rund 2000 Personen. Abend fanden in Breslau und Umgegend 25 Versammlungen statt. Bremerhaven. Die Maifeier wurde hier durch drei MorgenGörlig. Zum ersten Male fand in Görlik zur Feier des 1. Mai bersammlungen in überfüllten Sälen, einem Feftzug, bei dem eine Vormittagsversammlung statt, die von nahezu 1000 Personen nachmittags 4500 Teilnehmer durch die Straßen zogen, einem besucht war. An der imposanten Versammlung beteiligte fich die großen Gartenfest und durch Abendfeiern in sechs bollbesetzten Sälen große Mehrzahl der seit 4 Wochen im Ausstande stehenden Arbeiter begangen. Sachsen. der Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eisenbahnmaterial zu Görliz. Weiter fanden Nachmittags- und Abendversammlun gen statt. Kirchhain( Niederlaufik). Beim Morgenausflug beteiligten fich 100, an der Abendversammlung 300 Personen. Slawenzßit( D.-S.). Die Parteigenoffen in der Heilstätte D.-S. begingen durch Spaziergang nach dem Walde die Maifeier. Nach einer Ansprache wurde die Mairesolution angenommen. Rheinprovinz und Westfalen. Bielefeld. Am Vormittagsausflug beteiligten fich 200 Berfonen. Am Abend fand eine von 5000 Personen besuchte Versamm lung auf dem Raiser- Wilhelmplake statt, dann in 5 Lokalen Ronzert und Gesangsvorträge. Bochum. Die Maifeier im Wahlfreise Bochum wurde in sechs Lokalen begangen. Die Beteiligung an der Feier litt unter den Nachwehen des Bergarbeiterstreits. Dresden. Am Vormittag fanden in Dresden und Umgegend schn große Versammlungen statt, die alle gut befucht, zum Teil überfüllt waren. Gegen 15 000 Personen haben die Veranstaltungen am Vormittag besucht. Die Bauten ruhten vollständig auch eine Anzahl Fabriken feierten. In den erften Nachmittag stunden versammelten sich die feiernden Arbeiter auf verschiedenen Stellen zum Buge nach den Festpläßen. Unter Mufifbegleitung zogen die Genossen des 4. und 5. Wahlkreises nach dem an der Elbe gelegenen Etablissement Waldschlößchen", während das Biel der Festzüge im 6. Wahlkreise der Baradiesgarten in 8schertnik war. Die Züge bewegten fich durch die Straßen der Stadt und erregten großes Aufsehen. Gegen 30 000 Personen haben fich daran beteiligt. Ansprachen waren unter der Begründung ver. boten worden, daß auch jugendliche Personen auf den Feftplägen anwesend seien. Am Abend fand in 36 2otalen Rommers ftatt; allenthalben Elberfeld- Barmen. In beiden Wupperstädten wurde die Mai- wurde durch Ansprachen die Bedeutung des Weltfeiertags ge feier mit je einer Versammlung eingeleitet. In Elberfeld sprach würdigt. Genosse Wendemuth- Solingen, in Barmen Genoffe Krüger, Leipzig. Die Beteiligung war eine viel stärkere als im Vor. beide bor bollständig überfüllten Sälen. Nachmittags gegen jahre. Am Vormittag fanden sechs überfüllte Versammlungen 3 Uhr versammelten sich die Elberfelder Genossen im Boltshause", statt. Es wurden 15 000 Kontrollfarten abgegeben. Im Vorjahre die Barmer im Gewerkschaftshause, um im gemeinschaftlichen Zuge waren es nur 10 000. zur Nachmittagsfeier in zwei Lokalen zu marschieren. Die Be Nach den Bersammlungen formierte fich der Zug in der teiligung in Barmen sowohl wie in Elberfeld war stärker wie je inneren Stadt und bewegte fich unter Beteiligung von airła 40 000 vorher. Abends fanden vier überfüllte Versammlungen mit Fest Personen nach der Brauerei in Stötterik. Dort fand nachmittags rede, Musit und Gesangsvorträgen sowie anderen Aufführun- eine Riesenbersammlung statt. gen statt. Ronsdorf. In dem Orte, wo im Mai bor 48 Jahren Lassalle feine letzte große Rede hielt, hatte die Maifeier wiederum ftarle Beteiligung aufzuweisen. Belbert( Rheinland). Auch in der Zentrale der Schloßindustrie war die Beteiligung sehr lebhaft. Mittage gegen 2 Uhr bersammel ten sich die Demonstranten zum gemeinschaftlichen Zug nach der Brauerei Zarsenhaus. Abends fand in der Stadt eine überfüllte Festversammlung statt. Festrebe, die Arbeiter- Sänger und-Sänge rinnen schlossen die würdige Feier. abends fanden 12 Festlichkeiten statt. Auch in der ganzen Umgebung ist die Maifeier glänzend berlaufen. In allen Orten war die Beteiligung eine viel stärkere als in den Vorjahren. Chemnis. In Chemnih sammelten fich auf einem öffentlichen Blake die Mitglieder der politischen Bezirksvereine und der Ge wertschaften von morgens 9 Uhr ab. Dann begann der Umzug durch die Stadt nach dem Boltshause. An diesem Zug beteiligten sich über 10000 Bartei- und Gewerkschaftsgenoffen. Drei große öffentliche Versammlungen, eine dabon unter freiem Himmel, in benen nicht alle feftaugsteilnehmer Platz fanden, beschlossen die Am Nachmittage tamen Veranstaltungen des Vormittags. Laufende mit Familie in das Boltshaus. Abends fanden in 27 Sälen öffentliche Kommerse statt. Lübeck. Die Maifeier fand diesmal unter etwas geringerer Beteiligung wie in den Vorjahren statt. Die Arbeit ruhte bor nehmlich im Baugewerbe, während in den Fabriken, mit einigen Ausnahmen, gearbeitet wurde. An der Morgenversammlung nahmen etwa 800 Personen teil. An dem Festzuge nach Israelsdorf beteiligten sich rund 3000 Personen. Auch in dem lübeckischen Industriedorfe Schlutup fand eine gut besuchte Morgenber sammlung statt. In Eutin fand morgens eine von 110 Personen besuchte Versammlung, und mittags unter zahlreicher Beteiligung ein Ausflug statt. In Stodelsdorf beteiligten fich 100 Ber sonen an der Mittagsversammlung und am Feftzug. Beide Orte liegen im Fürstentum Rübed. Elsaß- Lothringen. Straßburg. Die Maifeier verlief in den feit Jahren üblichen Formen. Bormittag gut besuchte Versammlung der feiernden Ge wertschaftler und Parteigenoffen, nachmittags fand ein Spaziergang statt. Die Abendfeier zeigte äußerst rege Beteiligung. Mülhausen i. Elf. Vormittags waren zwei Versammlungen bon zirka 500 Bersonen besucht. Mittags marschierten die Maifeiernden in geschloffenem Zuge durch die Stadt in einer Bahl von etwa 2000. Die Abendfeier fand im städtischen Lokal im Zoologischen Garten statt. Maitelegramme. Slawengi. Euer Kampf ist auch unser Kampf. Rieber mit dem Militarismus, hoch die Internationale. Genossen in der Heilstätte Slawenkit. 17 Rheinsberg( Mark). Die besten Wünsche zum frohen internationalen Arbeiterfeste senden die Patienten des Genesungsheims Hohenelse" am 1: Mai 1912. Von der Arbeit müde und schlaff" sammeln wir hier neue Kraft, um wieder dann einzutreten in Reih' und Glied, zu führen den Kampf zum frohen Sieg. 76 feiernde Genossen in Hohenelfe. Goerbersdorf. Bom Weltenfeiertag senden Partei- und Bruder Batienten der Lungenheilanstalt Goerbersdorf. grüße, Ragenfurt. Die Batienten der Heilstätte albh of Waldhof Igers5aufen senden die beften Grüße zur Maifeier. Bir feiern im Geifte mit Euch. Wir proteftieren gegen die Millionen forderungen und treten ein für den Bölterfrieden. ( Siehe auch 2. Beilage.) Briefkaften der Redaktion. Die furistische Sprechstunde findet Stubentrate 69, born bier Treppen ahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, C. R. 30. Köln. Die Beteiligung an der Maifeier ist allenthalben erheblich stärker als bisher. Die Morgenversammlung war von 2000 Personen besucht, nachmittags war Gartenfest und abends Zittau. Auch in der sächsischen Oberlausit hatte die Maiin 10 überfüllten Lokalen die übliche Feier. Die Resolution wurde verbunden mit einem Protest gegen die Wehrvorlage. feier in diesem Jahre einen Aufschwung zu verzeichnen. Wenn on 4½ bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzetchen beizufügen. Briefliche Antwort Düsseldorf. Die Vormittagsversammlung war von 1500 er nicht den demonstrativen Charakter annehmen tönnen, wie in den werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. auch ganz naturgemäß die Maifeiern in den ländlichen Orten wird nicht erteilt. Anfragen, benen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, sonen besucht. An der Nachmittagsdemonstration nahmen 5000 teil, größeren Städten, so ist doch das Erfreuliche zu verzeichnen, daß R. R. 2. Wollen Sie gefälligst im Adreßbuch, II. Teil, nachschlagen. die Zahl der Versammlungen und Veranstaltungen zugenommen Erdmann. Barum denn nicht? Wir find aber über die Privatverhält Effen. An einem Ausflug beteiligten sich 4000, an der Morgen- hat. In den drei ersten sächsischen Reichstagswahlkreisen fanden nisse des Betreffenden nicht organisiert. Tempelhof 9. Wenden Sie sich versammlung 5000 Personen. Abends fanden 12 Versammlun- insgesamt in 31 Orten Veranstaltungen statt, die zum Teil in an eine stunsthandlung, deren in der Leipziger und Friedrichstraße fich gen statt. Frühbersammlungen, wobei allerdings nur die größeren Industrie- mehrere befinden, oder an eine der Ausstellungen, die juryfrei find. München- Gladbach. Die Feier verlief beffer wie im Vorjahre. orte in Frage kamen, zum Teil in Frühausflügen, Nachmittags- J. B. 114. Sie können beim Amtsgericht Klage erheben. P. S. Die Bauarbeiter und einige andere Berufe haben stark gefeiert. ausflügen und Abendveranstaltungen bestanden, woran Arbeiter 84. Das Einbehalten oder Hinterlegen der Miete ist nicht zulässig. Fordern In Rheydt gleich starke Arbeitsruhe. In beiden Städten fanden Sänger, Radfahrer und-Turner fich beteiligten. Die Vor- Sie vom Eigentümer Beseitigung des Mangels unter Gezung einer Friſt. Berstreicht diese erfolgslos, tönnen Sie Selage erheben. Abendfeiern statt. In Viersen wurde auch nur abends eine Ver- mittagsversammlungen u. a. in Bittau und Neu- Gersdorf waren 1. Sa, foweit der notwendige Unterhalt in Frage tommi. sammlung abgehalten. Im Wahlkreise Neuß- Grevenbroich war bedeutend stärker als im Vorjahre. Dasselbe war auch bei allen verwaltung find fie ersatpflichtig. 2. Ja. 3. und 4. Eine etwaige Be die Arbeitsruhe dieses Jahr ebenfalls stärker als sonst. In Neuß anderen der Fall. rufung mußte bis zum 27. d. Mets. eingelegt sein. Fortnahme wäre straf und Oberkassel ziemliche Beteiligung am Festzuge. Abends fanBlauen i. S. An dem Vormittagsfestzug durch die Straßen bar. F. B. 37. 1. Ja. 2. An die Armendirektion. 3. Ja. F. L. R. K. 3. den in vier Lokalen Feiern statt. der Stadt beteiligten sich 2800 Personen und zu den beiden Ver- 59. Auf Antrag an den Magistrat kann Befreiung erfolgen. S. P. 100. Ja. Der Zahnarzt tann anderenfalls den Der Kapitän. sammlungen im Gewertschaftshause und im Garten fanden fich 3. S. 14. 1. In der Regel etwa 3500 Personen ein. Beim Abendkommers war das Festlokal entgangenen Berdienst erstattet erlangen. x. 9. 3. 1. Wenn es sich um nicht. 2. Ja, 40 bis 60 m. monatlich. start überfüllt. Da die Polizei das Tragen von" republikani- Gefängnisstrafe handel, nein. Reichen Sie Erinnerung an die fchen" Abzeichen verboten hatte, wurde eine rote Fahne mit Trauer- Gerichtstasse ein. 2. Die Mitteilung des Wortlauts geht über den dem flor umhangen im Zuge mitgeführt. Brieftasten zur Verfügung stehenden Raum hinaus. Zeugnis der Heimatsbehörde über Ihre Staatszugehörigkeit, Verfügungs. fähigkeit und unbescholtenheit vom deutschen Konsulat beglaubigt. 2. In ber Regel mur vom legten Wohnfiß, außerdem. bei Arbeitern- Bescheinigung über die Höhe des Arbeitsverdienstes. 3. Auf Verlangen der Behörde ja. 4. Polizeibehörde. 5. 150 M., ausgenommen die Kosten für die Beschaffung der Urkunden. Bei Bedürftigteit kann Ermäßigung bis auf 5 M. erfolgen. Krefeld. Die Vormittagsversammlung war von 400 Personen besucht, nachmittags wurde ein Volksfest und abends vier Versammlungen abgehalten. Solingen. Die Solinger Arbeiter, die seit der großen Wahlrechtsdemonstration das Recht auf die Straße erkämpft haben, marschierten vormittags in geschlossenem Buge nach Merscheidt, wo der Treffpunkt der Genossen für den oberen Areis war. Eine Versammlung war sehr start besucht. Nachmittags fanden neun Riefenfeiern für den oberen und unteren Kreis statt. Provinz Schleswig- Holstein. Württemberg. Stuttgart. Die Arbeitsruhe war faft allgemein. Am Umzug beteiligten fich ca. 10 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Be teiligung an der Abendfeier war außerordentlich start. Göppingen. Vormittags fand eine große Versammlung unter freiem Himmel statt. An dem Festzug beteiligten sich 1500 Perfonen. Baden. Der Armen R. 1878. 1. Das Kilogramm Kiel. In Kiel fanden am Vormittag drei MaifeierberfammMarktbericht von Berlin am 1. Mai 1912, nach Ermittelung lungen statt, die von etwa 2500 Personen besucht wurden. Eine des fönigl, Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.( Stleinhandel) Anzahl Gewerkschaften, besonders das Baugewerbe, hatte Arbeits100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Stochen 34,00-50,00. Speisebohnen, ruhe beschlossen und auch durchgeführt. Dagegen wurde auf den weiße, 30,00-56,00. Linsen 40,00-80,00. Startoffeln( Seleinhdl.) 8,00-13,00. Werften gearbeitet. Nachmittags fand ein Ausflug und am Abend Mannheim. Die Maifeier erhielt in diesem Jahre eine be- 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Steule 1,70-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch fanden sechs Versammlungen statt. Der Festumzug ist vom Polizei- fondere Bedeutung, indem 500 Arbeiter der bekannten Benzichen 1,40-1,80. Schweinefleisch 1,40-1,90. Stalbfleisch 1,40-2,60. Sammelfleisch präsidenten verboten worden. 60 Stud Eier 3,00-6,00. Auch aus den übrigen Orten des Automobilfabrik vormittags einen Demonstrationszug mit Musit 1,40-2,20. Butter 2,60-3,20. Reichstagswahlkreises Kiel wird berichtet, daß die Vormittagsver- durch das nördliche Fabritviertel der Stadt veranstalteten. Ueberall Starpfen 0,90-2,40. ale 1,40-3,20. Bander 1,40-3,60. echte 1,20-2,80. 60 Stud Krebse fammlungen gut verlaufen sind. wurde der Zug von den Arbeitern, welche die Arbeitsruhe noch nicht Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,40. Neumünster. Die Vormittagsversammlung war von 1200 durchgesetzt hatten, von den Fenstern und von den Höfen aus durch 2,40 40,00. Personen besucht. Einzelne Gewerkschaften hatten schon vor der Zuwinken freundlichst begrüßt. Nachmittags fand eine Rhein- und Wafferstands- Nachrichten Versammlung eine Frühtour unternommen. Am Festzuge, der Hafenfahrt mit atvei Dampfern statt, die bis auf den letzten Plaz sich durch die Hauptstraßen bewegte, nahmen 1500 Personen teil. besetzt waren und trotzdem nicht alle, die mit wollten, faffen der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Betterbureau. Bei den Abendfeiern waren die Lokale überfüllt. fonnten. Die Hafenfahrt hatte den Zweck, die im Hafen beschäftigten am feit Arbeiter auf die Maifeier aufmerksam zu machen. Abends fand Basserstand eine von etwa 4000 Genossen besuchte Feier statt. Freiburg i. B. Jm badischen Oberlande wurde die Maifeier memel, Tilfit Frankfurt a. M. Die Beteiligung war stärker als im vorigen Jahre; wobei allerdings berücksichtigt werden muß, daß die streifen- durch Arbeitsruhe nur in Freiburg, Lörrach und Konstanz be- Bregel, Insterburg 34 den Metallarbeiter einen erheblichen Prozentsaz stellten. Die Vor- gangen. Die Abendfeiern waren überall zahlreicher wie sonst be- eich fel, Thorn mittags- Demonstrationsversammlung im Tivoligarten war von sucht. Zwischenfälle sind nirgends zu verzeichnen. Karlsruhe. An der Vormittagsversammlung beteiligten sich zirta 6000 Personen, darunter auch viele Frauen, besucht. Nachmittags bersammelten sich die Feiernden mit ihren Familien bei ca. 400 Personen aus den Organisationen der Bauhandwerker und gemütlichem Zusammensein ebenfalls im Tivoligarten. Da war Metallarbeiter. Am Nachmittag fand ein Ausflug statt. Abenddie Beteiligung noch stärker wie am Vormittage. Die Polizei feier, in der städtischen Festhalle. berhielt sich passiv. Provinz Hessen- Nassau. Kaffel. Am Vormittag tagte eine allgemeine Versammlung Braunschweig. und mehrere Branchenversammlungen. Die Arbeitsruhe war in Braunschweig. In Braunschweig fand ein Frühausflug nach einigen Branchen fast allgemein. Am Abend fand eine große Fest- dem Neuen Walde statt, morgens 11 Uhr in der Stadt eine Boltsversammlung. Es beteiligten sich daran 2500 Personen. Im Bauveranstaltung und in Landorten 10 Versammlungen statt. Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts cm³) Minden 111111 am ſeit 1.5. 30. 4. cm 176-9 +1 160 -8 Dder, Natibor 126 -2 Bafferstand Saale, Grochlik Havel, Spandau) 46 Rathenow³) 114 Spree, Spremberg) 66 1. 5. 30. 4. cm cm³) 74 " Stroffen 107 Beeskow 81 Frankfurt 123 123 Barthe, Schrimm Landsberg 20 Neze, Bordamm 6 EIbe, Leitmerik 18 198 149 " " Dresden Berby " Magdeburg -30 -152-6 97-6 86 0 Köln 134 Nedar, Heilbronn 50 Main, Hanau -18 Mosel, Trier 122 48 1)+ bedeutet Wuchs, Fall. Buchdruderei u. Berlagsanstalt 2) Unterbegel. Paul Singer u. Co., Berlin SW Befer, Münden Rhein, Marimilians au 360 Staub Nr. 102. 29. Jahrgang. Reichstag. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 52. Sigung. Mittwoch, den 1. Mai 1912, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Solf. Präsident Kaempf teilt mit, daß er beabsichtigt, heute eine Abendsizung abzuhalten. Die Wahl des Abg. Streth( t) wird nach dem Antrage der Kommission für gültig erklärt, über die Wahl des Abg. Saupt ( 3.) wird beschlossen, Beweis zu erheben. Dann wird die zweite Beratung des fortgefekt. Etats für das Reichskolonialamt bald der Abg. Colshorn( Welfe) warnt vor einer zu optimistischen Bewertung der Baumwollpflanzungen in den Kolonien. Abg. Davidsohn( Soz.): Freitag, 3. Mai 1912. Abg. Henke( S03.): Abg. Noste( Soz.): werfen. Wie wir in Europa die Unterdrüdung frember Völker bekämpfen, die einem anderen Staatswesen ein- In dem Stenogramm meiner Rede habe ich das Wort, anbeten" gegliedert find, so müssen wir auch die Unterdrückung freier Böller in berebren" umgeändert, nicht etwa, um Herrn Erzberger den Anbekämpfen, die zufällig von gelber oder schwarzer Hautfarbe find. laß zu einem Angriff zu nehmen, sondern weil das Wort anbeten" Trozdem kommen wir um die Tatsache nicht herum, daß das ein sehr persönliches Verhältnis des Anbetenden zu dem Deutsche Reich sich solche Gebiete angegliedert hat, und selbst- Angebeteten voraussetzt, wie es bei dem Neger mit seiner Anbetung verständlich sind wir als Boltsvertreter genötigt, uns an den oder Verehrung des Affenbrotbaumes nicht anzunehmen itt. Die TatArbeiten des Reichstages zu beteiligen. Daß wir dabei so sache der Annagelung des Marienbildes an den Affenbrotbaum be viel wie möglich in unserem Sinne berbessernd zu richtet Rohrbach und urteilt über diese Methode der Verdrängung suchen wirken, ist nichts Neues, Herr Staatssekretär. In seinem der Heiligtümer der Eingeborenen durch christliche in sehr harter idyllischen Leben in Samoa hat der Staatssekretär so sehr das Ver- Weise. Gegen die Personen der Missionare waren meine Ausständnis für das politische Leben in Europa verloren und für das, führungen nicht gerichtet, ich wollte lediglich zeigen, in welchem Verwas ein Reichstag und ein Parlament bedeutet, daß er meinte, bei hältnis das offizielle Christentum zu der ganzen der Erwerbung unserer Kolonien hätte eine höfe Fee ihnen das fapitalistischen Kolonialpolitik steht. Auch ich weiß, Abg. Dr. Paasche( nail.): Früher bezeichnete man uns als Geschenk in die Wiege gelegt, daß die Abgeordneten die Kolonial- daß die Missionare Pioniere der Kultur gewesen sind, aber auch, politik von Barteirüidsichten aus behandelten als ob in der ganzen daß sie vor allem Pioniere des Kapitalismus gewesen Kolonialschwärmer, heute können wir hoffen, daß Welt große Parteien anders als nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) auch die Sozialdemokraten auf dem Gebiete gebildet werden, von denen aus fie die gesamte Politik aus beKolonialpolitik mitarbeiten werden. Die Freisinnige Bolts- handeln müssen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Diese partei hat ja ihre Haltung erfreulicherweise gründlich ge- Worte des Staatssekretärs erinnerten mich an den Vers:„ Ob dieser Herr Arendt fragte, tas tapitalistische Kolonialpolitik set. ändert. Besonders gefreut hat es mich auch, daß das Zentrum Auskunft dieses Kandidaten Jobses erfolgte ein allgemeines Schütteln Ich will an ein Wort erinnern, das er felbst geschrieben hat: jezt für die Kolonialbahnen eintritt. Die Zahlen, die Herr Noste des Kopfes."( Heiterfeit.) " Jeder Pflanzer draußen, jeder Kolonialschriftsteller daheim fühlt sich über die Zahl der Beamten anführt, beweisen gar nichts. Eine berufen, eine Gesellschaft ins Leben zu rufen. Dann wurde Einschränkung des Beamtenapparats wünschen wir auch; aber wir Kapital gesammelt, zunächst trieb man einige Ilang bolle können doch nicht alle an der Stulturarbeit beteiligten Beamten, wie Namen auf, die sich durch den nationalen gwed födern ließen, Eisenbahningenieure, au dem bureaukratischen Beamtenapparat rechnen. dann wurden Prospekte mit glänzenden Aussichten verschickt, DibiDitafrita hat sich ganz außerordentlich gehoben. Besonders gefährlich Bei der Bekämpfung des alkoholismus fann man benden von 30 bis 50 Broz. waren stets völlig sicher, nur daß ist bei dem Klima in den Kolonien der Alkoholgenus. Aber nur durch das gute Vorbild wirkliche Erfolge erzielen. Das dann immer unvorhergesehene Zwischenfälle dafür sorgten, daß statt trozdem wird gerade auch von den Beamten sehr viel getrunken. gilt für Deutschland und natürlich erst recht für die Kolonien. Durch dessen Fehlerträge eintraten. Dann konnten diese Gründungen Redner legt nach amilichem Material Haushaltspläne vor, wonach 3wangsmittel ist in dieser Frage nichts zu erreichen. Der Tropen- nicht leben und nicht sterben, bis sie schließlich liquidierten." Üm bei bescheidenen Ansprüchen" in Ostafrita 2500 M., in Südwest toller ist, wie die Wissenschaft erkannt hat, nichts anderes als eine zu wissen, wer sich an solchen Geschäften beteiligte, braucht sich afrika, der berfoffensten Koloniz, wie sie Noste nannte, Art Delirium nicht Herr Arendt gar nicht weit umzusehen.( hört hört! bei den fast 3000 m. jährlich bertrunken werde. Da soll man doch differenzieren und den Schwarzen den Alkohol entziehen Sozialdemokraten.) Aus diesen eigenen Worten des Herrn lieber Temperenzler hinausschiden, dann spart das Reich erhebliche wollen, den Weißen aber nicht. Die Ansicht, daß die Arendt geht hervor, daß bie kapitalistische Kolonialpolitik Beträge. Die Altoholfrage löst man nicht mit Verboten des Weißen in den Tropen ohne Alkohol nicht leben können ist widerlegt nicht getrieben wird, um den Schwarzen Kultur zu bringen, Alkoholgenusses für den Neger, der Weiße muß mit gutem Beispiel worden durch das Experiment des Sohnes des Abg. Dr. Paasche, sondern um die Weißen zu bereichern. Herr Arendt hat borangehen.( Bravo!) der mit seiner Frau monatelang durch Afrika gereist ist, ohne einen uns über die Entwickelungsmöglichkeiten Ostafritas recht farbenAbg. Dr. Müller- Meiningen( Bp.): Unsere nach Bentralafrika ge- Tropfen Altohol mitzuführen.( Seiterkeit.) Das ist eine sehr ernste prächtige Bilder vorgetragen. Er entwickelt bei solchen Gelegenheiten planten Bahnen tönnen sich nur rentieren, wenn sie einen genügenden Sache.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag itets eine Güterzufluß aus dem Kongogebiet haben. Daher begrüße ich die Mumm, der nur der schwarzen Bevölkerung den Alkohol verbieten Erklärung des Staatssekretärs, daß die Kongoakte hochgehalten werden will, geht daher nicht weit genug. Möge die Kolonialverwaltung follen. Bu begrüßen ist der Erlaß einer Jagdordnung für Dstafrila. dafür sorgen, daß vor allem ihre Beamten in der Alkoholfrage Unhaltbar find unfere folonialen Rechtsverhältnisse. Es fehlt an den Schwarzen mit gutem Beispiel borangehen.( Bravo! einem Kompetenzgesetz. Wie steht es mit der von uns früher ver- bei den Sozialdemokraten.) langten Sammlung des Eingeborenenrechts? Zwischen Damit schließt die Debatte. Justiz und Verwaltung muß eine absolute Trennung bestehen. Abg. Noste( persönlich) betont, daß er nicht nur die Zahl der Für jede Kolonie Kolonie müßte entsprechend ihren gesonderten Weißen der Anzahl der Beamten gegenübergestellt, sondern in diesem Verhältnissen ein besonderes Strafrecht geschaffen Busammenhang auch von den Eingeborenen gesprochen habe. werden. Die Lehrkräfte an ben folonialen Schulen find Der Titel Staatssekretär wird bewilligt. Zu der Resolution Mumm( Wirtsch. Vg.) liegt ein Antrag sehr unzureichend; die Denkschrift über Ostafrifa gibt ein Bild von dem dortigen Schulelend. Davidsohn( Soz.) vor, in der Biffer 1, die lautet: " Abg. Mumm( Wirtsch. Vg.) begrüßt die Entwickelung der Kolonien, die der Reichstag einmütig bis auf die Sozialdemo fraten freudig anerkenne und bittet um Annahme der von seiner Partei eingebrachten Resolution, die eine Einschränkung des Alkoholimports und das baldige Wiederzufammentreten der Brüffeler Konferenz aur Revision des afrikanischen Spirituosenhandels fordert. Präfident Kaempf teilt mit, daß gegen das Abhalten einer Abendfizung Einspruch erhoben sei; er werde daher Ab stand bavon nehmen. Abg. Ledebour( Soz.): tremens. man Daher darf Der Reichskanzler wolle darauf hinwirken, daß der Alkoholimport für den Konsum der einheimischen Bevölkerung in den beutschen Schutzgebieten stetig mehr eingeschränkt werde, das Wort einheimischen" zu streichen. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen, ebenso die so veränderte Resolution Mumm. Der Rest des Etats wird bebattelos erledigt. Bum Etat für Ostafrika beantragt die Budgetkommission, die Hausstlaberei bom 1. Januar 1920 an aufzuheben. Aehnliche Ausführungen wie von Herrn Waldstein habe ich auch Abg. Erzberger( 8.): Herr Hente hat neulich, gestützt auf ein schon von anderen Freifinnigen gehört, die als borüber- Buch von Rohrbach, behauptet, die Katholiken in Togo beteten das gehende Erscheinungen im Reichstage waren.( Heiterkeit.) Marienbild an Das hat aber Rohrbach niemals geschrieben. Auch der neue Staatssekretär, der wegen seiner Stellung den Nachdem ich das neulich moniert hatte, hat hente dann in seinem Nimbus besonderer Sachkenntnis hat, fagte, er habe aus den Er- Stenogramm den Ausdruck„ anbeten" in berehren" berändert. fahrungen hier im Hause die Ueberzeugung gewonnen, wir Sozial-( Sört! bört! im Zentrum.) demokraten würden uns bessern und nach fünf Jahren eine Abg. Dr. Arendt( Rp.) hofft, daß der innere Friebe in der Kolonie Rolonialpartei fein. Diese Hoffnung muß ich ihm leider ber nach dem Weggange des Gouverneurs v. Rechenberg wiederhergestellt gällen. Bir Sozialdemokraten bekämpfen die Kolonialpolitik werde. Die Sala steuer hat sich nicht bewährt, ihr Ertrag ist grundsäglich. Daß wir gewiffe Vorschläge unterstützen und selbst äußerst gering. Die in Deutschostafrika eingeführte Währung läßt Berbefferungsvorschläge einbringen, darüber wundert sich der Staats- alle praktischen Erfordernisse des Verkehrs unberüdsichtigt. Was die fefretär nur deshalb, weil er in seinem Sig in Samoa, wo er mit Blumen Eingeborenen anlangt, so muß man bedenken, daß die Eingeborenen im lodigen Haar wandelte( Heiterkeit, da der Staatssekretär einen Glatz- borher nicht etwa in einem glücklicheren Zustande lebten. Die Topf hat), nur die Norddeutsche Allgemeine Beitung" und ähnliche Deutschen sind hingekommen als Sultivateure.( Sehr richtig! Beitungen las. Wir würden ja unserem eigenen Lebenswert ins rechts.) Eine andere als eine tapitalistische o Geficht schlagen, wenn wir die Hand dazu bieten wollten, Ionialpolitit gibt es nicht. Gerade in Dstafrika ist das daß irgendwo in der Welt mit Mitteln des Reichs und der Staats- Kapital mit großem Bagemut eingetreten und das hat eine sehr gewalt freie Böller gezwungen werden, sich den Deutschen zu unter- günstige Entwidelung des Landes zur Folge gehabt. Kleines Feuilleton. Braucht Berlin einen Opernneubau? Diese Frage erörtert der Türmer" in seinem Maiheft und verneint fie u. G. mit vollem Recht. Diese Angelegenheit ist heißt es bateine berlinische, auch keine höfifche. Das drüdt sich nadt in der Tatsache aus, daß von den 12 Millionen, die der Bau tosten soller wird also natürlich mehr tosten- drei Viertel aus allgemeinen Landesmitteln bewilligt werden sollen. Darüber hinaus ist die Angelegen heit eine allgemein nationale, weil vermutlich auf lange Jahre hinaus ber meltlichen Baukunft nicht zum zweiten Male eine gleich große Aufgabe gestellt werden wird, die in diesem Maße rein fünstlerisch gelöst werden fönnte, wie es beim Theaterbau im Be. reich der Möglichkeit liegt. Das neue Opernhaus tann also zu einem Martstein der deutschen Baukunst werden, aber ebensogut zu einem Schandfled. 9 eine derartige Abwanderung nach diesen anderen Kunststätten erfolgen, daß die Sorge der Opernhausverwaltung eher dahin gehen wird, wie der vorhandene Raum gewinnbringend gefüllt werden tann." wahrhaft orientalische Phantasie. ( Heiterkeit.) Früher wurde einmal phantafiert von Natron. ichäßen im Werte von einer Milliarde Mart, die in Ostafrika vorhanden sein sollten. Ein paar Jahre später aber mußte ein Parteifreund des Herrn Arendt zugeben, daß die deutsche auch nur einen Pfennig in Industrie es ablehne, auch Gewiß hat dieses Unternehmen hineinzusteden. die Kolonisation manche Kulturfortschritte und Vorteile den Eingeborenen gebracht, ich erinnere an die Bekämpfung der Schlaftranfheit. Aber man darf auch die Kehrseite der Medaille nicht vergessen, das Hineinbringen neuer Seuchen, wie des Typhus und der Tuberkulose. Herr Arendt hat dem scheidenden Gouverneur noch einen Fußtritt bersetzt,( Abg. Lede bour: einen Arendt Fußtritt, Heiterkeit), und von dem neuen Gouverneur erhofft er vor allem eine Stärkung der Siedelungspolitit. Dann würde die Mehrheit des Reichstages böse mit dem neuen Gouverneur ins Gericht gehen. Das Klima Ostafritas erlaubt eine Besiedelung durch Weiße; sie stärker zu fördern wäre eine geradezu mörderische Politif. Wo Wasser vorhanden ist, figen die Eingeborenen, und wir wollen diese doch nicht zum Teufel jagen. Wir wünschen, daß die Regierung auch unter dem neuen Gouverneur auf dem bisherigen Wege fortfährt, die Kultur der heimischen Bevölkerung zu heben, Lehrer für fie anzustellen, aber feineswegs darf sie die bisherige Siedelungspolitit im Sinne des Abg. Arendt ändern.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt( Rp.): Auswüchse des Kapitalismus, auf die der Abg. Noske sich stüßt, mißbilligen wir ebenso wie er. Das schöne Wort von der orientalischen Phantasie hat ihm wohl der Abg. Stadthagen vorgefagt. Herr Roste bestreitet die Möglichkeit der Befiedelung Ostafrikas durch Weiße. Saclenner be haupten, daß in den hochgelegenen Gegenden, die auch wasserreich find, sehr wohl eine Siedelungspolitit möglich ist, die keineswegs eine mörderische Politit genannt werden darf.( Bravo! rechts.) Abg. v. Böhlendorff- Kölpin( f.): Was Herr Arndt ungünstiges über den Gouverneur v. Rechenberg gefagt hat, bedauern wir; wir schließen uns der Anerkennung an, die Herr v. Liebert für ihn ausgesprochen hatte.( Bravo! rechts.) Die Debatte schließt. Die Resolution der Budgetkommission betr. Abschaffung der Hausstlaberei wird angenommen. Der Rest des Etats wird debattelos erledigt. bildet heute einen Bandratsbezirk des Fürstentums Neuß i. 2.). aber der Prinzipienreiter" lebt noch. Notizen. Statt eines Neubaues bedarf nach dem Türmer" die König-- Theaterchronit. In der Komischen Oper wird liche Oper vielmehr einer fünstlerischen Neuorganisation. Auch vom 15. Wai Direktor Halm mit der Truppe des Neuen Schaubarin stimmen wir mit ihm durchaus überein und wollen nur noch spielhauses einen Einatterzyklus und eine Detektivkomödie zur Aufhinzufügen, daß es zu den Aufgaben dieser öffentlichen Kunstanstalt führung bringen. Im Deutschen Theater wird vom doch wohl auch gehören müßte, Bolfsvorstellungen zu veranstalten. 1. bis 15. Juni Frank Wedekind in all seinen bisher von Rein Denn schließlich wird die Königliche Oper aus den Steuergroschen hardt aufgeführten Stüden gastieren. des Voltes unterhalten, sie dient aber bis jetzt nur Lurusbedürfniffen. Vorträge. In der Urania hält am Montag, den 6. Mai, 8 Uhr abends, Dr. Hugo Schwerdiner einen Lichtbilderbortrag über Rabium. Das österreichische Ministerium für öffentliche Arbeiten als Befiber von St. Joachimsthal, der größten Radiumbergiverke der Welt, hat für den Vortrag wertvolle Nadiumpräparate zur Verfügung gestellt. Bürgermeister Reide als Kunstkritiker. Nachdem die schweren Aufgaben des Zweckverbandes glücklich gelöst find, hat der Bürgermeister Reide endlich geit gefunden, seiner tiefsten Veranlagung zu folgen: er wurde Kunstkritiker, indem er bei der Eröffnung der Großen Berliner die Sezession angriff. Er hätte diese Wandlung Eine Goya- Ausstellung beranstaltet das Berliner Ein Unglüd ist ja nun schon zur Tatsache geworden, nämlich aber doch lieber unterlassen sollen, denn schon nach dem ersten Auf- upfer si ich kabinett. Es sind da Zeichnungen, Nadierungen daß man über dem Kampf um die Entwürfe für das neue Opern- treten fann man ihm nur Talentlosigkeit attestieren. Seltsamer und Steindruce des großen spanischen Meisters vereinigt. Die haus vergißt, daß der Neubau überhaupt keine Notwendigkeit ist. Irrtum; Herr Reide glaubt als Beamter beaufen zu sein, über die Berliner Sammlung birgt neben der Madrider Nationalbibliothek Wir sind heute gerade für die Architektur in einer Uebergangszeit, Entwicklung der Künste zu machen. Warum bestellt er dazu nicht den reichsten Besitz an Werken des Meisters unter den Radierungen, die unbedingt bald zu einer Klärung fommen wird. Die gesunden lieber einen Wachtmeister. Da würde das Schuriegeln doch wenig- die Goyas Ruhm vor allem begründeten, Drucke, die er für sich Kräfte, die in der sogenannten modernen Architektur liegen, ringen stens Stil bekommen. So aber wirkt das Angstgeschrei des grünen oder seine Freunde von den Platten nahm, bevor die Folgen im sich so deutlich heraus, daß es nur eine Frage weniger Jahre sein Buhnes nur fomisch. Und beinahe hätte die Sezession, die Herr Handel erschienen, und unter den Lithographien Blätter, die überfann, bis das ganz Bolt es unbegreiflich finden wird, venn fo Reide gar nicht mehr leiden mag, es nicht nötig gehabt, die bürger- haupt nur einmal existieren. durchaus aus der Beit herausgewachsene Aufgaben, wie der Bau meisterliche Kritik zurüdzuweisen. Freilich, für die ungebührliche eines Theaters, anders als im Geiste der Zeit gelöst werden. So Beschuldigung, die Sezession ließe sich statt von künstlerischem Geist von sensationslüsternem Geschäftsgeist treiben, mußte Herr Reide schon bestraft werden. warte man doch. " Wilhelm Mautes, unseres Münchener Mitarbeiters, musikalisches Lustspiel Fanfreluche"( Text nach Gautiers gleichbenannter Nofotonovelle bon Georg Schaumberg) fand im Münchener Softheater eine äußerst beifällige Aufnahme. Nein, der Neubau des Opernhauses drängt nicht. Alle die Vorwürfe, die dem alten Opernhaus gemacht werden, find nicht stich- Der Prinzipienreiter". Manche Zeitungslefer fennen den Ueber die Musik wird uns geschrieben: Mauke versucht die vormals haltig. Wenn die Feuersgefahr so groß wäre, wie es von bau-" Brinzipienreiter", aber die wenigsten werden eine Ahnung haben, so beliebte komische Oper im modernen Musikdramenstil wieder auf lustiger Seite behauptet wird, so wäre es längst ein Verbrechen, woher dieser Ausdruck stammt. Es war eine der fomischesten Ge- leben zu lassen, wodurch man den Einbrud erhält, eine veredelte noch immer allabendlich die Besucher in diese große Gefahr zu stalten des 19. Jahrhunderts, der es vorbehalten blieb, die deutsche Form der Operette zu erleben. Der operettenhafte Gindruck wird bringen. Die igenischen Einrichtungen werden um so eher aus- Sprache um dies Wort zu bereichern, das sicherlich noch fortleben im vorliegenden Falle durch den Zwiespalt zwischen Buch und Parreichen, je fünfilerischer der szenische Ausbau betrieben werden wird, wenn die fernste Erinnerung an seinen Urheber verblaßt ist. titur verstärkt, denn die Handlung ist gar zu nichtig für die sie wird. Denn dieses Künstlerische erheischt an Stelle des jetzt über- Der Schöpfer des Prinzipienreiters" war Heinrich der Zweiund- illustrierende fräftige Tonmalerei Mautes. Sie ist äußerst farbig ladenen Bruntes edle Einfachheit, ein Arbeiten auf Raum und siebzigste, Fürst von Reuß- Lobenstein- Ebersdorf, Mitregent von und in den Ihrischen Stellen einschmeichelnd und immer höchst Licht hin, ohne die jebige Ueberladung. Daß im Opernhaus viele Gera. Dieser Fürst hatte die Beobachtung gemacht, daß seine Unter- charakteristisch im Ausdruck, entbehrt allerdings auch nicht mehrungünstige Bläge sind, von denen man nicht auf die Szene fehen tanen die Beamten nicht gehörig titulierten. Dies schien ihm be- facher Anlehnungen an bekannte Werte flassischer Meister. Der echte Schillerschädel. Schillers Schädel hat fann, trifft zu. Aber da auch der Neubau als Rang- und Logen- denklich und vor allen Dingen demagogisch. Und daß er die Dematheater gedacht ist, wird sich dieser Uebelstand genau so wieder ein- gogen bitter haßte, erscheint, wenn man die Zeit um 1840 in Be- feine Ruhe im Grabe gefunden. Man hat ihn schon früher in dem stellen. Alle anderen Behauptungen sind unsinnig. Dabei ist das tracht zieht und außerdem die absolutistischen Neigungen dieses Gewölbe, in dem er beigesetzt war, gesucht und gefunden. Aber eine sicher, daß von den jezt ausgestellten Entwürfen teiner in Duodesfürsten berücksichtigt, nicht weiter berwunderlich. Um also dieser ton dem Bürgermeister Schah ausgewählte Schädel wurde gleichem Maße festliche Würde und Intimität vereinigen wird, wie seinen Beamten die richtige Titulatur zu verschaffen, feste er sich als nicht schillerisch verworfen. Der Prof. Froriep hat dann unser jetziges Opernhaus. Bleibt die eine Frage der Geräumigkeit. rasch entschlossen an seinen Arbeitstisch und erließ folgendes Dekret: aufs neue unter 70 in Frage kommenden Schädeln gesucht und will Nun, wenn unsere Königliche Oper in der gleichen Weise weiter Seit 20 Jahren reite ich auf einem Prinzipe herum: jebt den richtigen festgestellt haben. Der Münchener Anatomenzu arbeiten gesonnen ist, wie sie es in den letzten zwanzig Jahren nämlich daß jeder Beamte bei seinem richtigen Titel benannt kongres bestätigt es und die Menschheit schüttelt den Kopf. Strindbergs Befinden hat sich, wie aus Stod getan hat, so werden die Plätze im jetzigen Opernhaus nach 1914 werde usw. So verdankt die deutsche Sprache den Eingangsworten dieses holm gemeldet wird, verschlechtert. Eine neue Operation ist böllig ausreichen. Wenn das Monopol auf die Werte Richard Wagners fällt und in den Nachbarstädten Berlins- Charlotten. Erlaffes Heinrichs des Zweiundsiebzigsten den Brinzipienreiter". wahrscheinlich notwendig. Der Patient wird beständig schwächer; burg wird 1913 am Blake sein tüchtig gearbeitet wird, so wird Der Fürst ist längst gestorben, sein Meich" existiert nicht mehr( es es ist ihm unmöglich, Nahrung zu sich zu nehmen. ES folgt let Etat für Kamerun. Hierzu liegt eine Resolution der Budgetkommission bor, eine Einschränkuug des Alkoholverbrauchs durch Erhöhung des Zolles auf Branntwein und Beschränkung der Lizenzen herbeizuführen. Abg> Noske(Soz.): In Kamerun ist die Frage der Selbstverwaltung noch immer nicht gelöst. Wir sind für die Selbstverwaltung soweit nicht die Interessen der Eingeborenen dadurch geschädigt werden und so- weit es sich um die Verwaltung der selbst aufgebrachten Gelder handelt. Diese Voraussetzungen treffen für die von den Weißen in Südkamerun geforderte Selbstverwaltung nicht zu. Den Eingeborenen soll auch nicht die geringste indirekte Mitwirkung bei der Verwaltung zugestanden werden. Den Weißen kommt es vor allem darauf an, unbeschränkte Herren im Lande zu sein. So wenden sie sich zum Beispiel gegen den Dernburgschen Prügelerlaß, weil er ihnen die Möglich- keit beschränkt, die Neger nach Belieben zu prügeln. Wie wenig auf die Kultur hingearbeitet wird, ersehen Sie auch daraus, daß die Kameruner Firmen sich darüber beklagen, daß der Galgen zu wenig benutzt wird.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Höhere Kultur I) In Südkamernn konfisziert man die Ländereien der Eingeborenen, durch deren Bebauung sie ihren Unterhalt finden. Gegen solche Bodenpolitik, um Kronländereien zu schaffen, tuenden wir uns ganz entschieden. Auch sonst ist die Kameruner Bodenpolitik bedenklich. Der Kameruner Eisenbahngesellschast sind Ländereien in einem Maße verliehen, daß ihr Interesse von der Förderung des Verkehrs auf die Verwertung von Ländereien ge- richtet ist. Natürlich sind auch diese Ländereien den Eingeborenen fortgenommen. Wie wenig deir Südfirmen daran gelegen ist, daß die Ein- geborenen wirtschaftlich hoch kommen, beweist ihr Protest gegen die Niederlassung von Negern als Händler in einen, bestimmten Bezirk, wo sie ihnen Konkurrenz machen würden. Auf eine Rentabilität der von den Südfirmen geforderten Bahn ist nicht zu rechnen. Bei der Kautschukgeioinnung übervor- teilen die Südfirmen die Eingeborenen, indem sie ihnen, ganz egal wie der Weltmarktpreis ist, stets denselben sehr niedrigen Preis zahlen. Sie haben zu diesem Zweck ein Syndikat gebildet, das am 1. Oktober abläuft. Die Regierung sollte dafür sorgen, daß dies Syndikat nicht wieder zustande kommt. Ebenso bedenklich ist auch die Pumpwirtschast, die die Südfirmen für die Eingeborenen eingeführt hat. Dieses Borgsystem mit der darauf folgenden zwangsweisen Ein- tretbung der Schulden hat in Südwestasrila zu den blutigen Ausständen gesührt, und wir haben allen Anlaß, in Kamerun nicht AehnlicheS herbeizuführen. Ganz mörderisch ist da» dort herrschende T r ä g e r s y st e m. Eine Verordnung dagegen wurde erlasien, aber auf das Geschrei der Südlmneruner Firmen hin wurde ihre An- Wendung unterlassen. Aehnlich ist es mit anderen Verordnungen zum Schutze der Eingeborenen gegangen. So tragen die kapi- talistischen Profitinteressen den Sieg über die Gebote der Menschlichkeit davon. Interessant ist, daß die Firmen und die Verwaltung sich gegenseitig die Schuld an den zahlreichen Negeraufständen in Kamerun zuschieben. Wahr scheinlich haben beide streitende Teile Schuld.— Eine große Anzahl von Arbeitern sollen selbst nach dem Bericht der Südfirmen bei den Wegebauten aus Mangel an Verpflegung und Ueberan strengung gestorben sein. Das sind so schwere Vorwürfe, daß die Verwaltung dazu nicht schweigen kann. In der Denkschrift der Verwaltung wird versucht, diese Dinge zu v e r- s ch l e i e r n. Ich begrüße es, daß der Staatssekretär Untersuchung der Angelegenheit zugesagt hat. Tatsache ist, daß beim Bau der Mittellandbahn Arbeiter zwangsweise herangeholt werden mußten. Das bedauerlichste an allen Kameruner Vorgängen ist, daß wir Jahr für Jahr Berichte über Expeditionen gegen Eingeborene bekommen. Es werden dabei förmliche Mcnschciijagden veranstaltet. Erst werden die Eingeborenen bis aufs Blut gereizt, und dann werden Strafexpeditionen gegen sie ausgesandt. Auf die bloße Erzählung eines Häuptlings hin, ein Dorf fei feindlich gesinnt, wird eine Kompagnie hingeschickt, um die Leute gefangen- zunehmen: natürlich macht das die Leute rebellisch, und dann ist der Widerstand da, der durch Maschinengewehre gebrochen werden muß. Herr Dernburg nannte die Zeit der KriegSzüge für Kamerun das H e l d e n z e i t a l t e r; wir halten sie für einen Rückfall in die Barbarei, gegen den wir aufS energischste protestieren. lBravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Liebcrt(Rp.) bedauert, daß der Staatssekretär gestern die Südkameruner Bahn abgelehnt habe. Gerade durch diese Bahn würden die Beschwerden des Abgeordneten Noske abgestellt werden. Was den Vorwurf betrifft, den der Abgeordnete Noske gestern gegen mich erhoben, ich beteilige mich an faulen kolonialen Gründungen, so habe ich es für meine Pflicht gehalten. mich auch persönlich, mit meinem eigenen Geldbeutel, an der Wirt- schaftlichen Entwickelung der Kolonien zu beteiligen. Die Gesell- schaften, an denen ich mich deshalb beteiligte, haben natürlich Kinderkrankheiten durchzumachen gehabt und noch keinen Gewinn abgeworfen; aber faule Gründungen darf man sie deswegen doch nicht nennen. Staatssekretär Dr. Solf betont, er habe sich nicht grundsätzlich gegen eine Bahn in Südkamerun gewandt, er sei aber für eine Zubringerbahn vom Inland an die Küste, nicht nur für eine Sticht bahn. Abg. Dr. Arendt(Rp.) wünscht, daß der Regierungssitz von Bueha nach Dualla verlegt werde. Staatssekretär Dr. Solf legt dar, daß vor allem klimatische Rücksichten gegen diese Verlegung sprechen. Abg. v. Böhleudorff- K ö l p i n wünscht eine größere Holzver- Wertung in Kamerun, Gewöhnung der Eingeborenen an moderne Boote und Errichtung einer Pferdezuchtstalion. Staatssekretär Dr. Solf erwidert, den beiden letzten Wünschen werde entsprochen, die Holzverwertung sei eine Transportfrage. Damit schließt die Debatte. Die Resolution der Budget- kommission wird angenommen. Der Etat von Togo wird debattelos genehmigt; ebenso der Etat von Neu-Guinea. Hierauf vertagt sich das Haus. Schluß 7'/« Uhr. 53. Sitzung. Donnerstag, den 2. M a i; nachmittags 1 Uhr. Am BundeZratStisch: Dr. Solf. Die zweite Beratung des Kolonialetats wird fortgesetzt beim Etat für Südwcstafrika und Samoa. Staatssekretär Dr. Solf kommt auf einige Anfragen von gestern zurück. Der Jagdschutz werde international geregelt. Die Missions- schulen würden tatsächlich vom Gouvernement revidiert und hätten nie Einspruch dagegen erhoben. Die Sammlung des Eingeborenen- rechts werde eifrig betrieben. Aber bis eine gut gesichtete Samm- lung aller Eingeborenenrechte vorhanden sein werde, werde noch eine geraume Zeit vergehen. Zur Diamantenfrage erhält zunächst da§ Wort Abg. Hoch(Soz.): In der Kommission war man keineswegs einstimmig der Mei- nung, daß die Regie sich bewährt habe. Von einer Seite wurde vielmehr der Nachweis geführt, daß die Regie sich durchaus nicht bewährt habe. Bewährt hat sich vielmehr das System der Londoner Deburs Company, welches die Spekulation ausschließt. Es war ein schwerer Fehler der Regie, die Preise so stark herabzusetzen und Schmutz- konkurrenz zu treiben. Man kann die Preise nur regeln, wenn man auch die Produktion regelt. Wir haben gar kein Interesse an einer übermäßigen Förderung der Diamanten; das liegt nur i m Interesse der Spekulanten, und ein staatliches Institut wie die Regie, hat diesen Spekulationsintereffen nicht zu dienen. Sie suchte aber die ganze Produktion loszuwerden, und überließ sie den Spekulanten zu einem unerhört billigen Preis. Und dann hat man mit Hilfe der Herren am Bundesrats- tisch das Schleifen der Diamanten in der H a u S- i n d u st r i e mit ihren elenden Löhnen vorgenommen, wodurch die deutschen Diamanten einen schlechten Ruf erhalten haben, obwohl die deutschen Rohdiamanten gut sind. Diese hausindustrielle Schleiferei wird in Belgien vorgenommen, und dadurch wird die deutsche gute Diamantenschleiferei aufs schwerste ge- schädigt und die in ihr beschäftigten Arbeiter werden brotlos gemacht. Als ich im vorigen Jahre in der Budgetkommisfion diese Anklagen erhob, versprach der damalige Staatssekretär, die Ver- Hältnisse zu prüfen. Das ist geschehen mit dem Erfolge, daß die Berechtigung meiner Anklagen jetzt auch vom Regierungstisch zu- gegeben wird. Durch den neuen Verlrag mit dem Syndikat sind die'Preise um 5 Proz. gesteigert; aber das ist bei weitem nicht ge- nügend, auch bei dem neuen Vertrage ist die Regie von den Syndikalsherren hineingelegt und die deutschen Interesse» schwer geschädigt worden. Der Preis hängt natürlich ab von der Qualität. Diese festzustellen ist aber schwierig, da die Steine nur in Mischungen verkauft werden und kleine Verschiebungen in der Mischung große Qualitätsunter- schiede hervorrufen. Die Steine müßten zusammengesetzt werden durch einen unparteiischen Sachverständigen. So lange das nicht geschieht, gibt es keine Garantie dafür, ob der richtige Preis bezahlt wird. Die Steinschleifer sind durch den neuen Ver- trag insofern geschädigt, als sie die Diamanten jetzt um 5 Proz. teurer bezahlen müssen. Die Liebesgabe von 5 Proz., welche man jetzt den deutschen Schleifenr gewähren will, nützt ihnen nichts. Denn diese 5 Proz. können durch die Art der Mischung der Steine leicht wettgemacht werden. Das weiß das Syndikat genau und eben deshalb wehrt es sich gegen die Mischung durch einen unparteiischen Sortierer. Auch genügen diese 5 Proz. gar nicht, um die Differenz der Löhne auszugleichen zwischen den Lohnschleifereien in Hanau und den haus- industriellen Schleifereien in Belgien. Anstatt das Syndikat zu zwingen, den deutschen Schleifereien so viel Diamanten zur Ver- fügung zu stellen, toie sie brauchen, hat das Kolonialamt sich breit schlagen lassen, den Syndikatsherren das hausindustrielle Schleifen in Belgien zu gestalten, wodurch die deutschen Interessen so schwer geschädigt sind und die Syndikatsherren in den letzten drei Jahren 20— 23 Millionen verdient haben. So lange dieser Vertrag besteht, sollte durch unabhängige unparteiische Personen kontrolliert werden, ob den deutschen Schleifereien wenigstens ohne Schikane der Rabatt von ö Proz. gewährt wird. Vor allem aber muß im nächsten Jahre ein besserer Vertrag abgeschlossen werden. Um im nächsten Jahre einen besseren Vertrag durchzusetzen, muß man vor allem Sachverständige zu Rate ziehe». In der Regie sitzen bisher nur Bankleute, aber keiner, der eine Ahnung vom Diamanten- geschäft hat. Natürlich dürfen die Sachverständigen nicht nur gehört werdeil, sondern ihre Angaben müssen auss genaueste geprüft werden. Ferner muß in den neuen Bertrag eine Bestimmung aufgenommen werden, die es ermöglicht auch mit anderen Abnehmern zu ver- handeln. Ich hoffe, daß die Resolution der Kommission mit großer Mehrheit angenommen werden wird, die den Reichskanzler ersucht, alsbald eine Reform der Diamantenregie unter angemessener Be- teiligung der Diamantenförderer und unter verschärfter staatlicher Aufsicht in die Wege zu leiten, so daß berechtigten Wünschen der Förderer und der deutschen Industrie tunlichst Rechnung getragen und bei dem Verkauf der deutschen Diamanten ein Wettbewerb gesichert wird. ES mutz durchaus verhindert werden, daß den Nutzen von den Diamantensunden einige Großspekulanten einstecken und daß das deutsche Volk, das von der Kolonialpolitik bisher gar nichts gehabt hat, auch hier wieder leer ausgeht, ja, daß die deutsche Industrie noch weiter aufs schwerste geschädigt wird. ES wäre auch Pflicht des Ministers gewesen, mit dem Abschluß deS bisherigen Vertrages so lange zu warten, bis er die Budgelkom- Mission gehört hatte; dann hätte sich die schwere Schädigung der deutschen Diamantenindustrie, der vielen Arbeiter, die sie namentlich in Hanau beschäftigt, vermeiden lassen.(Bravo I bei den Sozial- demokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Mit seinen scharfen Urteilen, soweit sie die Vergangenheit betreffen, hat Herr Hoch durchaus recht. Der Staatssekretär hat in der Diamantenfrage eine schlimme Erb- schaft von seinem Vorgänger übernommen. Der größte Fehler war, daß man die Förderer gezwungen hat, alle Diamanten abzuliefern, ihnen aber gar keinen Einfluß auf die Regie gegeben hat. Daher das große Mißtrauen der Förderer, die Diamanten würden zu billig verkauft. Daß dies tatsächlich geschehen ist, hat der jetzige Staatssekretär selbst zugegeben.— Der neue Nettozoll wird den Abbau von Feldern ermöglichen, die sonst brach liegen bleiben mußten, weil der Zoll und die Steuer zu hoch waren; daher wird der Nettozoll auch für die NeichSkasse mehr bringen als der Bruttozoll.— Der Deutschen Kolonialgesellschaft müssen ihre öffentlich-rechtlichen Befugnisse ge- nommen, sie muß ganz in eine Privatgesellschaft umgewandelt werden. Wenn dem Staatssekretär das gelingt, ertoirbt er sich ein Verdienst um das Reich und um die Kolonie.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Graf v. Westarpsäuglingssterblichkcit von 30,4 auf 15,4 herabgegangcn und andere Gemeinden beweisen, daß ähnlich günstige Resultate überall erzielt werden können. Die Arbeiten von Dr. Rietschel in Dresden tveisen nach, welch gewaltigen Einfluß die schlechten Wohnungen auf die Zunahme der Säuglingssterblichkeit ausüben. In den Proletarierwohnungen der Großstädte ist es im Sommer so heiß, daß die Zahl der an Brechdurchfall sterbenden Kinder kolossal zunimmt. Hat doch Dr. Rietschel in Proletarierwohnungen Tempe- raturen von 34 bis 36 Grad Celsius gefunden.(Hört, hört!) Dos ist um so wichiiger, als es sich hier zumeist um k ü n st l i ch er- nährte Kinder handelt, die ohnedies leichter an BerdauungZ- störungen erkranken. Noch immer sterben in Preußen jährlich fast 4000 Frauen an Kindbcttfirber. Die Zahl der E n t b i n d u n g s a n st a I t en ist viel zu gering, manchenorts fehlt es sogar an Hebammen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und gerade dort ist die Sterblichkeit an Kind- bettfieber besonders groß. Vielleicht könnte noch besser für die Beistcllung von genügenden Hebammen gesorgt werden. Der er- folgreiche Rampf gegen die TuBertulofe Sarf nicht nachlassen, 1 Unter Ablehnung des volksparteilichen Antrages wird der Animmer noch sterben von 10 000 Personen 15,29 an der Tuberkulose. trag der Budgetkommission mit dem Zusak einstimmig angeHöchst bedauerlich ist es, daß die Anzeigepflicht für tuberkulose nommen. Erkrankungen an dem Widerstand der Konserbatiben Der Opernhausneubau in Berlin. Abg. Rosenow( Bp.): Wir Santen Sem Minister. Aber Ser Minister hat auch Ursache, uns zu danken, daß wir ihm die Mög lichkeit gegeben haben, eine solche Erklärung abzugeben. Das endgültige Urteil über die Entwürfe sollte nicht bei der Regierung allein liegen, sondern bei der neutralen Instanz. Die Resolution wird einstimmig angenommen, ebenso der Etatsbericht. Schub. gescheitert ist, die davon eine Schädigung der landwirtschaft- Gin Antrag aller bürgerlichen Parteien will die geforderten lichen Interessen befürchteten.( Hört, hört! bei den Sozialdemo- 80 000 m. nicht als Vorbereitungen zur Bauausführung, sondern traten.) Waldeck hat die Meldepflicht für alle Fälle offener Tuber- nur als Vorarbeitskosten bewilligen, und dabei die Erwartung aus. fulose eingeführt, Braunschweig und Oldenburg die Anzeigepflicht sprechen, daß die Regierung den Entwurf für den Neubau des Es folgt die Beratung des Titels der allgemeinen bei Wohnungswechsel und Todesfällen, Preußen erst nur bei Todes- Opernhauses unter Benuzung der bisher geschaffenen Unterlagen, Finanzverwaltung, Zuschuß für die königlichen Theater. fällen. Mit Recht fordert das deutsche Zentralfomitee zur Be- sowie unter Hinzuziehung weiterer Kreise der deutschen KünstlerAbg. Kopich( Bp.) bespricht die Geschäftsführung der tönigkämpfung der Tuberkulose nicht nur die allgemeine An- schaft ausstellt, daß den Künstlern freigestellt werde, von der amtlichen oftheater durch den jezigen Generalintendanten Grafen zeigepflicht für offene Tuberkulose, sondern auch die allgemeine lichen Programinstizze, soweit es ihnen zweckmäßig oder fünstle- b. Sülfen abfällig und bedauert insbesondere, daß dem obligatorische Zeichenschau und die Wohnungsdesinfet- risch nötig erscheint, abzuweichen und daß die Entwurfstizze ersten stapellmeister fein genügender Einfluß auf die Deitung des tion in allen notwendigen Fällen.( Zustimmung bei den Sozial- von der königlichen Akademie des Bauwesens begutachtet werde. Opernhauses gewährt werde. Deshalb habe der verdienstvolle demokraten.) Wie Professor Jacob nachgewiesen hat, ist die Minister der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach erklärt, daß Kapellmeister Dr. Mud seinen Vertrag nicht erneuert. Er wünscht Tuberkulose auf dem Lande nicht geringer verbreitet, als in den die Beurteilung der Entwürfe eine sehr verschiedene gewesen sei eine Regelung der Pensionsverhältnisse der Mitglieder des Hof. großen Städten. Hier wie dort muß endlich an die Regelung Auch der Bauplatz wurde getadelt, aber es steht wohl feit, daß das theaters und bemängelt, daß in dem Krollschen Etablissement sozu der Wohnungsfrage herangegangen werden.( Sehr wahr! bei den Opernhaus auf die Westseite des Königsplages tommt, fagen ein föniglicher Kientopp eingerichtet worden sei. Sozialdemokraten.) und es ist nur erwünscht, wenn der Königsplaß auf seiner Westseite Finanzminister Dr. Lenze nimmt den Generalintendanten Es ist unrichtig, daß sich die Aerzte in einer Defensivstellung in seiner ganzen Breite einen architektonischen Abschluß erhält, wo- Graf v. Hülsen gegen verschiedene Angriffe des Vorredners in gegen Uebergriffe der jozialdemokratischen Vorstände der Orts- bei das Opernhaus von monumentalen Privatbauten flankiert wird. franfenfassen befunden haben. In den ersten 10 Jahren der ge- Das Bauwert muß Feierlichkeit und Würde haben und Abg. Kopsch( Vp.) betont, daß seine Kritik sich nicht gegen die fehlichen Krankenversicherung haben sich die Arbeiter um die die Architekten haben sich sämtlich an historisch gewordene Formen Person des Generalintendanten, sondern gegen seine Tätig feit richte. Wahlen der Vorstände gar nicht gefümmert. Die Arbeitgeber gehalten, weil sich eben diese Aufgabe nicht besser lösen ließ, als es beherrschten die Kaffenborstände. Erst durch das Eindringen der schon vor Jahrhunderten geschah, wenn einem Bauwert machtvolle Statsgefek. Damit ist die zweite Beratung des Etats Die Kapitel werden bewilligt, ebenso ohne Debatte das Sozialdemokratie in die Vorstände ist es besser geworden und ein- und monumentale Wirkung gegeben werden soll. Es soll ein beendet. zelne Aerzte erkennen offen an, daß dem sozialdemokrati- Ganzes entstehen, welches die Summe des fünstlerischen fchen Eingreifen die Besserung ihrer Lage zu ber könnens der Gegenwart verkörpert. Die jetzt vorliegenden banken ist. Entwürfe sind noch vorläufige. Ein allgemeiner Wettbewerb ist von zweifelhaftem Erfolg, wie die Konkurrenz um das Bismarddenkmal am Rhein gezeigt hat. Da es sich beim Opernhausbau um eine ganz bestimmt abgegrenzte Zweckbestimmung handelt, und die ästhtetischen Meinungen unserer ersten Künstler durchaus voneinander abweichen, sind die Voraussetzungen für einen allgemeinen Wettbewerb hier nicht gegeben. Architekten von großem Ruf sind der gleichen Meinung. Wenn das Haus Wert darauf legt, wollen wir noch weiteren Kreisen der Künstlerschaft Gelegenheit zur Beteiligung geben.( Bravo!) Die Regierung ist mit der vorliegenden Resolution einverstanden.( Lebhafter Beifall.) Ich habe schon im vorigen Jahr ausdrücklich betont, daß die Aerzte ein Recht haben, sich zu organisieren und daß wir auch den Merzten ohne weiteres das Recht zugestehen müssen, von ihrem Roalitionsrecht den Gebrauch zu machen, den sie für den richtigen halten.( 3ustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen aber, daß sich die Regierung nicht in den wirtschaftlichen Kampf zwischen den Aerzten und den Gewerkschaften einmischt. Gerade die Sozialdemokraten in den Krankenkassen haben längst paritätische Schlichtungsfommissionen und Tarifverträge gefordert, lektere sogar auch schon mannigfach geschlossen, während sich in manchen Fällen die Aerate geweigert haben, mit den Krantentassen Tarifberträge abzuschließen. Es ist die Ueberweisung unseres Antrags auf Regelung des Jrrenrechtes Abg. v. Bülow- Honiburg( natl.): Diese Angelegenheit intereffiert ganz Deutschland. Es ist Ehrensache jedes Deutschen, daß ein Bau entsteht, der davon Zeugnis ablegt, daß die deutsche Architektur und die deutsche Künstlerschaft auf der Höhe stehen.( Beifall.) Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): an die Justizkommission beantragt worden und ich brauche darum hier nicht des Längeren begründen. Der Zentrumabgeordnete Schmedding ist der Forderung entgegengetreten, daß Geistes- Bom Anfang an müßte es scheinen, als handelte es sich um frante nur auf Grund eines Richterspruches in Irrenanstalten auf einen sehr eng umgrenzten Auftrag, an dessen Ausführung sich genommen werden dürften. Abgeordneter Samedding hat auch nur ganz wenige Künstler ohne Bewegungsfreiheit beRecht, wo es sich nur um plößlich eintretende Tobsucht handelt. teiligen konnten. Das hat auch der Vortrag des Geheimrats Aber wir denken an die zahlreichen Fälle, wo das Entmündigungs- Saarau bestätigt. Wir protestieren dagegen, daß hier nur verfahren auf Grund eines Antrages irgend eines angenehmen der Kunstgeschmack der Krone Berwandten eingeleitet wird. Wir wollen auch für die Internierten maßgebend sein soll. gewisse Rechtsgarantien schaffen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo- maßgebend sein soll. fraten.) In weiten Voltskreisen, auch von den Krankenkassen, Drogisten und der chemisch- pharmazeutischen Industrie wird lebhafte Beschwerde geführt über einseitige Berücksichtigung der Interessen der Apotheker. ( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Klagen richten sich gegen den Geheimrat Frölich, und es wird als auffällig be zeichnet, daß ein Herr, der früher felbft Apothekenbefizer war und der auch im Apothekerverein, also in einer Interessenvertretung der Apotheker eine große Rolle gespielt hat, als Regierungs bertreter an den Konferenzen der Interessen ten teilnehme. Tatsächlich hat dieser Herr einseitig zum Schaden der Intereffen der Gesamtheit die der Apotheker wahrgenommen, was sogar von dem früheren nationalen Abgeordneten und jetzigen Herrenhausmitglied Dr. v. Böttinger bestätigt wird. Als Urheber der Rundfrage der Medizinalabteilung, wie die Gewinne der Apotheker zu steigern seien, wird Geheimrat Frölich bezeichnet. Kann die Regierung dieses Vorgehen zu gunsten der Apotheker billigen? Es läuft in lester Linie darauf hinaus, die Arzneien zu verteuern und somit das Volk erheblich zu schädigen. Im Voltsinteresse muß gefordert werden, daß die Vertreter der Regierung objektiv vorgehen und daß das Ministerium alle Anregungen Geheimrat Frölichs besonders daraufhin prüft, ob fie eine ungerechtfertigte Begünstigung der Apotheker besweden. Das Volk ist nicht dazu da, die ungeheuren Werte und die großen Gewinne der Apotheken noch zu vermehren.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Dr. Kirchner antwortet in einem Sah, der aber unverständlich bleibt. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Crüger- Hagen( Vp.): Ich kann also jest nicht nach weisen, daß die Ausführungsbestimmungen zum Feuerbestattungsgesetz dem Zweck dieses Gesezes zuwiderlaufen. Abg. Dr. Wagner( ft.) spricht gegen die Jmpfgegner. Abg. Grüger- Hagen( Bp.): Um das Feuerbestattungsgeset illusorisch zu machen, fordern die Ausführungsbestimmungen Buziehung eines zweiten Arztes zur Obduktion der Leiche und Vornahme der Obduktion im Reichenhause. Ministerialdirektor Dr. Kirchner: Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die Ausführungsbestimmungen die Feuerbestattung zerstören wollen. Nach weiterer Debatte wird der sozialdemokratische Antrag betr. den Säuglings- und Mutterschuh der Budgetkommission und der über das Irrenrecht der Justiz kommission überwiesen. Die Bezüge der Altpensionäre Redner aller Parteien begründen ihre Anträge. Abg. Hoffmann( Soz.): Man sagt, das Haus müsse die Aufgaben der Wagnerbühne erfüllen. Ja, welches moderne Operntheater müßte das nicht? Wenn die Entwürfe nach dem Minister verschieden beurteilt wurden, so muß doch auf die leidenschaftlichen Ablehnungen von berufenster Seite das größte Gewicht gelegt werden. Freitag, 11 Uhr: Kleine Vorlagen. Präsident Dr. Freiherr v. Erffa erklärt, daß er unter allen Umständen am Sonnabend mit der dritten Etatsberatung beginnen werde. Berichtigung. In dem Bericht über die Dienstagsizung hat sich ein Fehler eingeschlichen. Das vom Genossen Hoffmann in seinen Ausführungen über die Unzuverlässigkeit der Polizeihunde erwähnte Attentat hat sich nicht in Eisleben sondern in Helbra zugetragen. Auch richtete sich der Anschlag nicht gegen einen Fabrikdirektor, sondern gegen einen Fahrsteiger, dem cine Dynamitpatrone auf das Fensterbrett gelegt wurde. Soziales. Kölner Sozialpolitik. Im Mai 1910 reichten die städtischen Arbeiter Kölns durch den Gemeindearbeiterverband und ihre Arbeiterausschüsse Forderungen auf Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne, Einführung von Wochenlöhnen und Vereinfachung des Lohntarifes bei der Stadtverwaltung ein. Im Juli v. 3. antwortete darauf die Stadtverwaltung mit einer Dentschrift, in der sie den Nach weis erbringen wollte, daß die städtischen Arbeiter besser stünden als diejenigen der Privatindustrie. Die Steigerung der Ausgaben für die Lebenshaltung konnte zwar nicht in Abrede gestellt werden, jedoch bestritt die Verwaltung, daß eine dauernde Verteuerung ein getreten sei. Der Verkürzung der Arbeitszeit tönne nicht nähergetreten werden. Die Arbeiter verlangten diese nicht aus ideellen Gründen, sondern um ihr Einkommen zu erhöhen. Das sagt eine Stadtverwaltung, die von sich behauptet, auf sozialpolitischem Ge biete bahnbrechend zu wirken. Die an der Seite anzubringenden Bauten, deren Zwed gar nicht ersichtlich ist, fönnten eine Weltblamage DeutschDieser Denkschrift folgte Ende des vergangenen Jahres ein lands werden. Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man Entwurf zu einem neuen Lohntarif für die städtischen Arbeiter. darüber nachdenkt, daß hier ein großes Theater mit Mietshäusern, Nach langwierigen Beratungen in der sozialpolitischen Deputation, wenn auch im täuschenden Stil des Theaters, verbunden wird. Das in der man bezeichnenderweise den freien Gewerkschaften nur 3wed anbequemen Kunstwert muß sich aus sich selbst heraus gestalten, muß sich seinem einen Vertreter zugestanden hat, den Zentrumsgewertschaften daTheaterstil gebaut. Gin wahres fünstlerisches Satrileg! aufweisen, die die freien Gewerkschaften hinter sich haben, kam der und da werden Mietshäuser im gegen zwei, trokdem diese noch nicht ein Drittel der Mitglieder Man verwende doch den Plak besser für die Zwede des Theaters Entwurf in die Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und selbst! Beschlußfaffung. Der Entwurf fieht 14 Lohntlassen vor, 7 für Monatslohnempfänger und 7 für Tagelohnempfänger. Die Klassen der Monatslöhne find die folgenden: Der Platz füt das Theater erscheint mir sehr günstig. Das ziemlich entfernte Reichstagsgebäude kann das Bild nicht beeinträchtigen. Das Theater muß natürlich in den Tiergarten hineinkomponiert werden. Wir haben doch andere, im Bau moderner Theater glänzend bewährte Künstler in Deutschland- andere, als die, die hier zum Wettbewerb eingeladen wurden. Es handelt sich um eine fultu= relle und Städtebaufrage ersten Ranges. Wir fordern vollen freien Wettbewerb unter allen Künstlern und Hineinkonstruierung des Hauses in das Stadt= bild, Stilbildung und Erfreuung des Volkes durch wertvolle Bauten, Gestaltung der Architektur im Geiste unserer Zeit und dreihaltung von fremdartigen, unserer Zeit fremden Elementen. Die uns vorgelegten Pläne atmen einen künstlerisch reaktionären Geist. Die Aufgabe dieses Theaters muß jein, eine allgemeine Bildungsstätte, ein Nationaltheater zu sein. Höfische Repräsentationszüge müssen darum wegbleiben. Wie unbehaglich und unpraktisch ist der Reichstag durch den Pruntbaucharakter geworden! Das darf hier nicht wieder geschehen, denn das Gebäude muß erwachsen aus dem Wunsch, dem Bolt die erhebendsten künstlerischen Werke vorzuführen. Das Gebäude muß ein steinerner Gedanke dieser Absicht sein! Gewiß fann an frühere Stile angeknüpft werden; aber statt dessen hat man schematisch gearbeitet. Wenn ein großer Künstler die Gedanken der Klassik anvenden will- nur zu! Aber man hat 3. B. einen Eingang projektiert, der diesen Zweck gar nicht erraten der Entwürfe beurteilt worden. läßt. Ebenso ungünstig ist die Innenarchitektur und das Technische Wir alle wünschen heute eine einfachere Innenarchitetur. Man ziehe doch einen Künstler von dem Weltruf eines Bruno Paul heran, der doch in Berlin lebt! Man spricht vom„ künstlerischen Ausdrud unserer Zeit". Aber unsere Zeit ist, wie politisch, so auch künstlerisch un geheuer zerfahren und durchstürmt von dem Drang nach vorwärts, 1. Klasse: Anfangslohn 140 M., Höchstlohn 185 M. 2. " 3. " 4. и 5. " P 6. " 7. Für Tagelöhner: 125 160" 119 155 117 152 M 115 140 " 104 140 105 130 1. Klasse: Anfangslohn 5,50 M., Höchstlohn 7,50 M. 2. 3. " 4. " M 5, 4,75 4,25 " " " 5. 3,80 " " " 6. " " 7. 3,70 3,60 " SP 19 " 6,50 6,25 5,75 5,-4,70 4,50 Die Einführung der Wochenlöhne lehnte die Verwaltung ab. Keiner von den„ Arbeitervertretern" des Zentrums vertrat die durchaus berechtigte Forderung. Die Kosten der Lohnaufbeffe. rungen sollen betragen in diesem Jahre 425 000 M., im Jahre 1913 597 000 M. und vom Jahre 1914 an jährlich 610 000 M. Diese Summe verteilt sich auf 5798 Meister, Aufseher, Handwerker und Arbeiter. Im Prinzip erhält zunächst jeder Tagelohnempfänger 25 Bf. Zulage pro Tag, jeder Monatslöhner im Durchschnitt 6,- M. Zulage. Jit dann noch ein Unterschied zwischen dem Lohnfah im neuen Tarif vorhanden, so wird dieser durch eine bezw. zwei weitere Zu lagen an jedem Zulagen termin ausgeglichen. Wird durch den neuen Tarif ein Arbeiter schlechter geftelt( dies trifft für einzelne Kategorien zu), so laufen die heute Beschäftigten den bisherigen Tarif durch. Der neue Tarif wird dann nur für Neueintretende angewandt. Die Verkürzung der Arbeitszeit von 9½ auf 9 Stunden wurde glatt abgelehnt. Nur den Straßenbahnern bewilligte man den achten Tag an Stelle des neunten als freien Tag. Die Verwaltung ließ erklären, daß diese Frage noch nicht reif" jei. zu den finanziellen Bedenken, die diese Forderung verursacht, jei noch die Rücksicht auf die Privatindustrie hinzuzufügen, der man nicht vorgreifen dürfe. Eine prächtige Illustration zu dem Grundsaß, wonach die Gemeinde- und Staatsbetriebe Musterbetriebe sein sollen. Die liberalen Stadträte schlossen sich dieser Auffassung an, die„ Arbeitervertreter" vom Zentrum erklärten am Schluß ihrer Reden zu dieser Frage, daß fie von einem Antrag auf Einführung der Verkürzung der Arbeitszeit Abstand nehmen, weil er doch feine Aussicht auf Annahme hätte. Und das trop der überwältigenden Mehrheit des Zentrums im Kölner Rathause. Die Zentrums stadiverordneten stimmten schon in der Kommission mit Aus nahme der Arbeitervertreter" gegen den Antrag. haben schon oft das Haus und seine Kommission beschäftigt. Es liegen verschiedene Anträge vor. Die Budgetfommission beantragt eine Resolution, wonach die Voraussetzungen und die Bemessung der den Altpensionären zu gewährenden Unterstübungen, sowie das Verfahren zur Feststellung der persönlichen Verhältnisse nach all- nach Abwerfung der Traditionen. Es sollen also vielmehr die gemeinen Grundsäßen geregelt werden sollen, die dem Abgeordneten- besten Sträfte unserer Zeit mobilisiert werden für dieses Bauwerk. Obgleich wir hier das Geld zu bewilligen haben, ist der BauHause noch in dieser Session mitzuteilen sind. Die für die pensionierten Lehrer aus der früheren Berechnung des Wohnungswertes herr der„ nußnießende Faktor". Die beratende Instanz sollte aber entstandenen Härten sollen besonders berücksichtigt, bei Feststellung in Wahrheit die ganze deutsche Künstlerschaft ſein. der persönlichen Verhältnisse der Altpensionäre jede unnötige Be- Die uns vorliegende Resolution finde ich ja recht zahm. Die Anlästigung vermieden, im laufenden Jahre die betr. Fonds nach Er- erkennung der bisher vorliegenden Entwürfe als Grundlage scheint fordernis überschritten und im nächsten Jahre angemessen erhöht mir allzu bescheiden; man hätte volle Freiheit für den individuellen werden. Ein Zusabantrag der Rechten und des Zentrums fügt hin- Wettbewerb fordern sollen. Es wird sich ja leider nur um eine Schöpfung für die oberen zu, daß nach diesen Grundsäßen auch ohne Antrag verfahren werden foll. Ein volksparteilicher Antrag verlangt einen Gesezentwurf, Zehntausend handeln. Wie fistalisch und engherzig wird das durch den ein prozentualer Zuschlag zu den Pensionen der Alt Opernhaus geleitet! Auch eine Vermehrung der Plähe wird bei dieser Preispolitik dem Volfe nicht den Zutritt ermög pensionäre gegeben werden soll. Die lekteren durften dort dafür stimmen, um wenigstens lichen. Wir wünschen, daß das ganze Haus einer möglichst großen hinterher sagen zu können, daß sie für die Verkürzung der Arbeits Zahl von Zuschauern Raum geben möge. Was für Räume versteht seit eingetreten feien. Im Verlauf der Debatte rechnete der Oberunsere Zeit doch fünstlerisch zu schaffen. Man denke an den bürgermeister auf, welche Verbesserungen die städtischen Arbeiter Crystallpalace in London! Wir wünschen eine möglich it fin den letzten Jahren erhalten hätten, um dann kategorisch zu er ziale Billettpreispolitik im Interesse der breiten klären, daß nun aber auch auf absehbare Beit Schluß gemacht Die Kulturjolidarität intereffiert das ganze deutsche Volt an tragte die Zentrumsfraktion, es solle die Verwaltung in eine werden müsse mit weiteren Lohnerhöhungen". Schließlich beanund im Fall seiner Ablehnung für den Antrag der Budgetkom dieſer Schöpfung. Wir werden niemals zurück stehen, wenn es Prüfung eintreten, ob und in welchen Betrieben eine Bertürzung mission m dem Zusatz der Rechten stimmen. Wir wollen aber ich um eine Stulturtat handelt. Möge der Wettbewerb zeigen, daß der Arbeitszeit möglich sei. Echt zentrümlich! Erst stimmt man im Gegensah zu hier vorgebrachten Wünschen nicht, daß die Rege- eine einfsichtige Staatsregierung und einen einsichtigen Landtag, so her wenigstens so zu tun, als ob man doch etwas für die Arbeiter die deutsche Architektur groß dasteht in der Welt. Haben wir dann mit allen Kräften gegen die Verkürzung der Arbeitszeit, um hinterlung auch auf Geistliche ausgedehnt wird. Nicht, weil wir das wird wirklich ein Kulturwerk geschaffen werden.( Bravo! bei den übrig hätte. Dieses Wohlwollen ist billig und soll die Arbeiter, ihnen nicht gönnen, sondern weil die Kirchen genügend Vermögen haben, um ihre Geistlichen genügend zu besolden.( Sehr wahr! bei Sozialdemokraten.) auf die man wenigstens als Wähler nicht verzichten kann, födern. den Sozialdemokraten.) Es ist höchste Zeit, daß man endlich aus den Die Zentrumsgewerkschaften haben sich von Anfang der Lemohlwollenden Erwägungen herauskommt und etwas Positives wegung an abgesondert, anstatt gemeinsam mit der Mehrheit der schafft. Die Deutsche Tageszeitung" hat gestern geschrieben, daß städtischen Arbeiter vorzugehen. Nun haben sie ihren Judaslohn. die Sozialdemokraten zu der Sache schelmisch geschwiegen Zum Dank für ihre Wahldienste, die sie dem Zentrum bei der hätten. Diefen Herren können wir es eben nie recht machen: Reden Stadtratswahl leisteten, stimmte dieses gegen die Verkürzung der wir, dann mißbrauchen wir angeblich die Zeit des Parlaments, und Arbeitszeit, gegen die Gewährung ausreichender Lohnzulagen und schweigen wir, dann macht man uns daraus einen Vorwurf. Das gegen die Einführung der Wochenlöhne. gt uns aber fühl.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir bedauern lebhaft, daß eine gefeßliche Regelung dieser Frage nicht erfolgen soll. Da dies aber bei dem Widerstand der Regierung und der Zusammensetzung dieses Hauses nicht zu er reichen ist, werden wir für den boltsparteilichen Antrag Massen. Abg. Linz( 3.): Wir danken der Regierung, daß sie den von uns empfohlenen Weg einschlägt. Der Wettbewerb wird also erweitert werden und das Programm für den Bau darf nur heißen: Die Kunst der Kunst.( Beifall.) Abg. Freiherr v. Malzahn erklärt sich namens aller feiner Freunde für die eingebrachte Resolution und mit allen Vorrednern einverstanden. Abg. Vorster äußert sich im gleichen Sinne. Ein neuer Beitrag zur zentrümlichen Arbeiterpoliti". 19 MITMO Immun Das Neue Volkslied! & ДЭЛ 2nd st 9m159 Bistil 230 01298 Popeline- Paletots in sehr hübschen Sommer. Farben, in guten Stoffen, sehr schicke Modelle von 1075 bis 4000 Königstrasse 33 Am Bahnhof Alexanderplatz C& A I as ald is no BRENNINKMEYER Spezialhaus für Damen-, Backfisch- u. Kinderkonfektion 4475 Hocheleg. Kostüme In blau Kammgarn, guter Stoff und gute Verarbeitung auf Şeide von 1975 bis 7000 1475 Selden- Paletot ganz modern mit schönem Tuchoder Spitzenkragen von 1475 bis 8000 Chausseestr. 113 Ecke Invalidenstrasse R MARKE CONDOR Schuhfabrik Besonders preiswerte Kinderschuhe! 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Zinsen von Stapitalien und sonstigen belegten Geldern sowie Erträge von sonstigen Vermö gensteilen 3. Gintrittsgelder 4. Gesamtbeiträge 5. Erfazleistungen jür ges tährle Strantenunter stügung. 6. Ersatleistungen von Be rufsgenossenschaften, Unternehmern, Ver ficherungsanstalten für gewährte Krantenfürforge, Unfallrenten, Bu 902. 12667,05 • 5562,27 5617,70 327912,77 3130,14 schüsse zum Strantengeld 5340,80 7. Aus verkauften Berta papieren und zurüdgezogenen Kapitalien, Sparkassen oder Bankeinlagen, Entnahmen aus dem Reservesonds 8. Durchlaufende Posten. 9. Sonstige Einnahmen 10. Summe der Einnahmen ( Biffer 1-9) • b) usgaben: 5000, 288,79 1607,02 367126,54 M. 1. Für ärztliche Behandlung 43011,94 2. Für Arznei und sonstige Heilmittel 3. Strantengelder: 47293,36 a) an Mitglieder.. 119290,31 b) an Angehörige der Mitglieder nach§ 7, Abs. 2 des Gejeges 4. Unterstügung. an Wochnerinnen. 5. Sterbegelber 6. Kur- und Verpflegungstoften an Strantenans stalten. 7. Grfagleistungen für gewährte Krantenunter ftigung 8. Zurüdgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder 9. Für Kapitalanlagen, Anlagen bei Spartassen ober Banten, Zuführun gen zum Referdefonds 10. Durchlaufende Bosten. 11. Berwaltungsausgaben: a) persönliche b) fächliche 12. Sonstige Ausgaben. 13. Summe der Ausgaben ( 8iffer 1-12). 5183,30 8030,90 4484, 43596,53 3654,13 1244,82 Leineweber edu 30533,27 354,88 โด 18245,78 9074,97 2884,41 336882,60 Summe der Einnahmen ( Biffer a 10). 367126,54 Summe der Ausgaben ( 8iffer b 18). 336882,60 30243,94 c) Abschluß.. Ergibt für den Schluß des Rechnungsjahres einen Kaffenbestand von. • II. Bermögensausweis für den Schluß des Rechnungsjahres 1911. Das Gesamtbermögen der Staffe fegt sich wie folgt zusammen: a) der Bestand für den Schluß des Rech nungjahres 1911 b) Spartajjenbücher, Banteinlagen M. 30243,94 205287,21 Summe 235531,15 Nach dem vorjährigen Abschlusse betrug der Ueberschuß Ergibt gegen das Vorjahr an Ueberschuß mehr Zum Reservejonds gehören nach den stattgefundenen Ueberweisungen Nach dem vorjährigen Ab. schluß betrug der Refervefonds Ergibt gegen das Borjahr an Reservefonds mehr Als Betriebsjonds verblei ben der Staffe. 192420,99 43110,16 205287,21 179753,94 25533,27 30243,94 Adlershof, den 1. Mai 1912. 275/9 Mag Knappe, Borfizender. Köllnischer Fischmarkt 4-5-6 gegenüber der Breite Straße YSM Für jede Körperform passende Herren- Unzüge Ulster u. Paletots von 21 bis 75 Mark In den Eingangs- Schaufenstern zu den Serien- Breifen Mart 21 25 28 3236 42 48 ausgestellte hochmoderne Anzüge u. Ulster find besonders preiswert Knaben u. 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Zum Kümmerer wählt die Versammlung den Stadtrat Boß- Schöneberg, der von Ivo gültigen Stimmen 104 erhält. 1 Stimme fällt auf Stadtrat Düring; 7 Stimmzettel sind ungültig. Durch Ergänzung des§ 10 des Gemeindebeschlusses betr. Bewilligung von Ruhegeld und Hinterblicbenenversorgung für die städtischen Arbeiter soll dieses Statut mit der Reichsversichcrungsordnung, die die Hinterbliebenenfürsorge reichsgesetzlich einführt, in Uebercin- st i m m u n g gebracht werden. Doch will der Magistrat„aus sozialen Rücksichten" vom Abzug der reichsgesetzlichen Witwenrente vom Witwengeld absehen und nur beim Waisengeld den halben Betrag der Reichswaisenrente ab- setzen. Stadtv. Ritter(Soz.): Wir sind darüber einig, daß dieselben sozialen Rücksichten, die den Magistrat bewogen haben, von dem Abzug der Witwenrente Abstand zu nehmen, auch bei der Waisen- rcnte vorhanden sind. Wie hoch ist denn eine solche Waisenrente überhaupt? Sie beträgt nach der Reichsversicherungsordnung drei Zwanzigstel des Rentenbezuges des Ernährers bei seinem Tode. Bei 94V M. Invalidenrente, einer schon ziemlich hohen Rente, be- deutet das 3k M. Das zweite Waisenkind hat nur ein Vierzigstel zu beziehen, also 6 M. Bei zwei Kindern macht das 42 M.. zu- züglich der 25 M. Reichszuschuß 67 M. oder monatlich 5,60 M. Es sind wahre Bettelpfennige, die da geboten werden. Die Hälfte, also 2,80 M., soll nun hier auch noch abgezogen werden. Von einem solchen Abzug sollte man doch Abstand nehmen. Wir sind ja in Berlin auch noch immer nicht so weit, daß wir ein bestimmtes Mindestruhegeld oder Witwengeld haben. Es wäre wirklich nicht so schlimm, wenn auch der Mag.strat sich unserem Antrage anschlösse. Stadtrat Fischbeck: Der Magistratsantrag bringt absolut nichts Neues. Ter Gemeindebeschlutz von 1908 besagt bereits, daß das Witwen- und Waisengeld eintretendenfalls um die betreffenden Be- träge gekürzt werden sollen. Unsere heutige Vorlage geht lange nicht soweit, wie der Beschluß von 1903 zulassen würde; wir bitten um ihre Annahme. Stadtv. Goldschmidt lN. L.) erkennt zwar an. daß der Bkagistrat formal zu seinem Vorschlage berechtigt ist, empfiehlt ihm aber doch, in diesem Falle ein Auge zuzudrücken und erklärt sich für den .Antrag der Sozialdemokraten. Letzterer Antrag wird mit geringer Minderheit abgelehnt, der M ä g i st r a t s v o r s ch l a g angenommen. Nach Erledigung noch mehrerer Angelegenheiten von nicht wesenlicher Bedeutung, unter denen auch die Abmachungen mit dem Philharmonischen Orchester, betreffs Veranstaltung von Bolkskonzcrten sich befinden, tritt der Schluß um l48 Uhr ein. parlamentarisckes. Tie Wehrvorlagen in der Budgetkommission. Die sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder brachten am Mittwoch zur Beratung der Wehrvorlagen folgende Anträge ein: 1. Während der Tauer der Dienstzeit im stehenden Heere sind Mannschaften der Kavallerie und reitenden Artillerie die ersten zwei, alle übrigen Mannschaften das erste Jahr zum ununter- brochcnen Dienst bei den Fahnen verpflichtet; 2. keinem An- gehörigen des Heeres darf aus seiner religiösen und politischen Uebcrzeugung ein Nachteil erwachsen.— Bei der Weiterberatung bemängelten konservative Redner, daß die Regierung nicht mehr gefordert hat. Ter Abg. Cramcr forderte die Bildung von acht Kavallcricdivisionen, die Kosten kämen nicht in Be. t rächt. In längeren vertraulichen Darlegungen lehnte der Kriegsminister die Bildung von Fricdensdivisioncn der Kavallerie ab. wie er betonte, in Uebereinstimmung mit allen maßgebenden Stellen im Heere. Abg. Erzbergcr tritt für die Vorlage des- halb vornehmlich cm. weil Deutschland in Zukunft vor einem Krieg gegen drei Fronten— Rußland, Frankreich, England ein- schließlich Belgien und Holland— stehen werde. Abg. Ledebour autzeric sich eingehend zur Frage der Neutralität von Holland und Belgien und fordert eine deutsche Friedenspolitik, die die Mög- lichkeit kriegerischer Verwickelungen vermindert. Vor allen Dingen müsse eine Verständigung mit England angestrebt werden. Abg. Gradnauer bekämpft die Behauptungen, bei der Masse des deutschen Volkes sei Stimmung für die Rüstungen vorhanden. Gerade die Arbeiter sind von solchen Stimmungen frei, sie haben ganz»andere Interessen zu vertreten, als Rüstungspolitik zu betreiben. Die Rede des Kanzlers im vorigen Jahre über internationale Verständigung der Nationen hat bei anderen Völkern das schon vorhandene Mißtrauen gegen Deutsch- land wesentlich erhöht, besonders bei den kleinen europäischen Staaten. Wenn Deutschlairp in Wahrheil durch unsere fehlerhafte auswärtige Politik isoliert worden ist, so muß auf eine Umkehr ge- drungen werden, sonst jagt eine Militärvorlagc die andere. Außerdem fordern wir Verkürzung der Dienstzeit und Aufhebung des Einjährig-Freiwilligen-Privilegs. Tie Behauptungen der Re- gierung, daß die Präsenzstärke des Heeres nicht in dem gleichen Maße wie die Bevölkerung gewachsen, sei total falsch. Bei einer Bevölkerung von 45,2 Millionen im Jahre 1880 standen 433 705 - 0.958 Proz. der Bevölkerung unter Waffen, im Jahre 1910 da- gegen von 64.9 Millionen Einwohnern 679 857 � 1,04 Proz. Ter Kricgöminister wendete sich sehr lebhaft gegen diese An- »..igen-.uijayt initiier' wuroe es, daß Regierung sichnuch bei den vertraulichen Besprechungen über die internationale Lage so zugeknöpft verhält, daß die Kommission sich unmöglich ein Bild davon machen kann. Staatssekretär v. Äiderlen lehnte ausdrucklich eine genaue Darlegung ab. auch über Verhandlungen mit England will er sich nicht äußern. Abg. L e n s ch weist auf die � fundamentalen Unterschiede zwischen stehendem Heer und Milizsystem hin und betont die Zweckmäßig- keit des letzteren Systeltts für die Landesverteidigung. Ter Redner kritisierte die meistens unangebrachte Geheimniskrämerei der Re- gierung, die sich auf Tinge erstreckt, die jede m bekannt sind, der die einschlägige Literatur verfolgt. Es soll eben nur nach außen j der Anschein erweckt werden, als ob der Kommission schwer-! wiegende Staatsgeheimnisse verraten worden seien, die die Wehr- 1 vorlagen begründen. Gegen diese Methode müsse energisch pro- testiert werden. Im Plenum habe die Regierung auf die Kom- Mission vertröstet und nun biete sie dieser nichts. Bei der Weiierberatung am Donnerstag entwickelte sich eine lange und sehr lebhafte Debatte über die Verkürzung der Dienstzeit. Zur Beratung stand der sozialdemokratische An- trag, der für die berittenen Truppen die Einführung der zwei- jährigen, für die Fußtruppen der einjährigen Dienstzeit, ferner die Aufhebung des Privilegs der Einjährig-Freiwilligen fordert. Der sozialdemokratische Antrag, der vom Kriegsminister wie von den Rednern des Zentrums, der Konservativen und National- liberalen bekämpft wurde, fand in den Genossen Gradnauer, S ch ö p f l i n und Schulz lebhafte Befürworter. Unsere Ge- nassen betonten, daß bei Wegfall des Paradedrills sehr wohl in allernächster Zeit die Dienstzeit in der geforderten Weise der- kürzt werden kann, als Uebergang der Einführung der Volkswehr aus demokratischer Grundlage. Gleichzeitig müsse alles getan werden, um der heranlvachsenden Jugend die beste körper- liche und geistige Erziehung zu teil werden zu lassen. Mit der letzteren Forderung erklärte sich der Kriegs- minister e i n v e r st a n d e n. Aber gerade durch das Fehlen einer solchen Jugenderziehung fehlten auch die Voraussetzungen für die Herabsetzung die Dienstzeit, die in der heute vorgeschriebenen Dauer unerläßlich sei, um eine schlagfertige Armee zu haben. Nach weiteren Auseinandersetzungen über die Kosten, die ein Milizheer oder Volksheer verursachen würde, wurde die Forderung der zweijährigen Dienstzeit für die berittenen Truppen mit 13 gegen 13 Stimmen, die Forderung der einjährigen Dienst- zeit für die Fußtruppen gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Bei der Abstimmung über die Dienst- zeit der berittenen Truppen erklärten� sich außer den Volks- parteilern ein Pole und ein Elsässer für die sozialdemokratische Forderung, die zur zweiten Lesung im Plenum wiederkehren wird. Aus der Wahlprüfungskommission. Die Prüfung der Wahl des Abg. Dr. Kaempf in der Wahl- Prüfungskommission wurde Mittwoch beendet. Ueber eine große Reihe von Punkten wurde Beweis beschloffen. Es handelt sich bei ihnen um 19 Wähler, die Ausländer oder entmündigt oder ohne Wohnsitz im Wahlkreise gewesen sein sollen. In einem Falle soll ein Herr vom Wahlvorstandstisch einem Bankdirekwr, der einen Zettel für D ü w e l l hatte, den„richtigen" Zettel eingc- händigt haben. Nach der in der letzten Sitzung vorge- nommenen Berichtigung der Ergebnisse der Wablakten entfielen aus Kaempf nur 5586, auf D ü w e I l 558l Stimmen. Fällt auch nur ein Teil der beschlossenen Beweisausnckhmc im Sinne der Protestbehauptungen aus, so müßte die Wahl für ungültig er- klärt werden. Die Kommission beschloß einstimmig, dem Reichstage Beweiserhebung über etwa 18 Punkte vorzu- schlagen. Zur Wahl des Abg. Pauli war ein eigentümlicher Nachtrags- Protest eingelaufen. 17 Punkte des Protestes werden in diesem Nachtrage zurückgezogen. Nach längerer Beratung vertagte die Kommission die Beschlußfassung darüber, ob eine solche Zurück- nähme, nachdem bereits die Kommission Beschluß über die Protest- punkte gefaßt hatte, zulässig sei, und welche Wirkung sie habe. Zur Wahl des polnischen Abg. v. Trampczhnski(4. Brom- berg), die am Donnerstag geprüft wurde, lag ein Protest vor, in dem gerügt wird, daß 282 Stimmzettel, die den Namen des Kcm- didaten in polnischer Sprache enthielten, für ungültig erklärt worden sind. Die Kommission entschied sich einstimmig für Gültigkeit dieser Zettel. Ein Protest gegen die Gültigkeit der Wahl selbst log nicht vor.— Der freisinnige Rektor K o p s ch ist im Wahlkreise Liegnitz 5 mit 6203 Stimmen gegen den konser- vativen Bauerngutsbesitzer Schäffer, der 6101 Stimmen erhielt, in der Stichwahl gewählt worden. Gegen die Gültigkeit hat das kon- servative Kreiswahlkomitee in Löwenberg Protest erhoben. Hierbei spielte eine Rolle, welche Wirkung die im Protest behauptete Beein- flussung der Beamten und Arbeiter des Bahnhofs Greiffenberg in Schlesien zugunsten Äopschs durch den dortigen Oberbahnvor- steher beizumessen ist. In Frage kommen 75 Personen. Hierüber soll Beweis erhoben werden. Auf Grund der amtlichen Fest- stellungen wurden bisher Kopsch 4 Stimmen zugezählt und fünf Stimmen abgezogen. Die Beschlußfassung über die Wahl wurde ausgesetzt, bis die Referenten festgestellt haben, inwieweit die Nachtragungen in den Wählerlisten noch nach dem zulässigen Ter- min erfolgt sind.— Aus gleichen Gründen wurde die Beschluß- fassung über die Wahl des zur Wirtschaftlichen Vereinigung ge- hörigen, im Wahlkreise Kassel gewählten Bürgermeisters Herzog ausgesetzt. Der Protest richtet sich hier gegen die Hauptwahl. Die Zahl der Nachträge in den Wählerlisten, die ohne' Zeitangabe er- folgt sind, beträgt hier gegen 200. Die Arbeitslosigkeit bei der preußischen„Steuerreform". Die S t c u e r k o m m i s s i o n des preußischen Abgeordneten- Hauses beschloß, Arbeitslosigkeit und große Unfälle nur dann als Grund für Steuerermäßigung gelten zu lassen, wenn der dadurch verursachte Einnahmeausfall mindestens Ztz des Einkommens ausmacht. Die Regierung war großmütiger als die Herren„Volksvertreter" des Geldsackparlaments. Sic schlug in dem Gesetzentwurf vor, Arbeitslosigkeit als Aufhören der Einkommensquelle gelten zu lassen. Damit würde eine Einkommensteuer bei jeder Arbeitslosigkeit weggefallen sein. Wie aber früher schon der preußische Landtag gerade das Einkommen der Arbeiter und der ärmeren Schichten besonders scharf zur Steuer heranzog, so auch jetzt wieder das Einkommen selbst derjenigen, die unter zeitweiliger Arbeitslosigkeit zu leiden hatten.— Gewissermaßen zum Ausgleich dieser harten Maßregel für die Armen be- schloß die Kommission auf Antrag der Konservativen und National- liberale» zum Tröste der Steuerbetrüger, daß Gefängnisstrafe für Steuerhinterziehungen erst bei dem zweiten, statt, wie die Regierungsvorlage wollte, bei dem ersten Rückfalle ein- treten soll. In Preußen genießen, wie man sieht, die Steuer- bctrüger weit mehr Schutz wie die armen Arbeiter. Hiie der partei. Ausschlußverfahren wegen Verstoß gegen den Nürnberger Maifeierfonds-Beschluß. Aus Elberfeld wird uns geschrieben: Der letzte Jenaer Parteitag hat bekanntlich beschlossen, daß die in Parteiunter- nehmungen, Genossenschaften usw. beschäftigten Parteimitglieder, die nach dem bekannten Nürnberger Beschluß verpflichtet sind, den ohne zu arbeiten erhaltenen Tagesverdienst vom 1. Mai abzuführen und sich dessen beharrlich weigern, aus der Partei auszuschließen sind. Auch im Sozialdemokratischen Verein l�lberfeld-Barmen waren etwa 120, �.smentlich im Konsumverein„T.,'reiung", Elberfeld, be- schäftigtc Genossen, die ihren Beitrag nicht abführen wollten. Nach und nach sind dann noch etwa 40 Genossen ihren Verpflichtungen nachgekommen, bis sich das Niederrheinische Agitation s- k o m i t e e veranlaßt sah. gegen 82 Genossen auf Grund der Partei- tagsbeschlüsse zu entscheiden. In der letzten Mitgliederversammlung wurde darüber Bericht erstattet� Das Urteil kam im wesent- lichen zu folgenden Resultaten: Nach der Verhandlung und vor dem Urteilsspruch hat der Sozialdemokratische Verein gegen 27 Be- schuldigte de» Ausschlußantrag zurückgezogen, und zwar bei 5, weil sie erst nach dem 1. Mai 1911 Mitglied geworden sind, bei 2, weil der Msschluß irrtümlich gegen sie gestellt war. bei 17, weil sie den auf sie entiallenden Betrag voll gezahlt haben, bei 2 wegen be- sonders mißlicher Verhältnisse, die ihnen die Zahlung nicht crmög- lichten, bei 1, weil er sich am 1. Mai in Ferien befand und der Tag auf die Ferien in Anrechnung gebracht wurde. Zum Ausschlüsse empfohlen wurden 12 Genossen, 32 erhielten eine Rüge wegen ihres Verhaltens. Ohne Einschränkung abgelehnt wurde der Ausschlußantrag bei 8 Genossen. Eingestellt wurde das Verfahren gegen 2 Mitglieder, weil diese abgereist bezw. zum Militär einberufen wurden. Ausgesetzt wurde das Urteil gegen einen Genossen. Gegen diesen Entscheid, dessen Einzelheiten im Urteil näher begründet sind, steht den Beteiligten das Recht zu, beim Parteivorstandc in Berlin innerhalb vier Woche» die Ein» setzung eines Schiedsgerichtes zu beantragen. Die Parteiversammlung stimmte dem Urteilsspruch de? Agitationskomitccs insgesamt zu. Aus den Organisatione«. Am 27. April tagte in Mülheim am Rhein die General- Versammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahl» kreis Mülheim-Wipperfürth. Genosse Miß erstattete den Bericht vom dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Er konnte von einer erfreulichen Vorwärtsentwickelung des Vereins berichten. Der Verein hat im abgelaufenen Quartal die Mit- gliederzahl von 3009 überschritten und zählte am 1. April 3313 Mitglieder. Seit dem 1. Juli 1910 ist die Mitglicderzahl des Ver- eins von 2139 auf 3313, also um 1174 gestiegen. In dem gleichen Zeitraum stieg der Umsatz der Beitragsmarken um 19 909 pro Quartal. Auch die Zahl der weiblichen Mitglieder ist in erfreu- licher Weise im Steigen begriffen; sie beträgt jetzt 262. Es geht also auch in diesem dunklen Winkel, wenn auch langsam, so doch ständig voran. Am Schlüsse seines Berichts gab der Redner der Hoffnung Ausdruck, daß es noch in diesem Jahre gelingen werde, die Mitgliederzahl auf 4000 zu bringen. Bei eifriger Mitarbeit aller Parteigenossen sei dieses Ziel zu erreichen. Ein sozialistisches Lustschloß. Man schreibt uns aus Brüssel: Dem riesigen Genossen- schaftsbetrieb des Genter„Vooruit" ist ein neues, originelles Glied einverleibt worden. Draußen in der„Groendreef" in Gent, eine halbe Stunde etwa vom FreitagSmarkt, wo das sozialistische Kauf- haus„Vooruit" und„Ons Huis" stehen, hat der rastlose A n s e e l e, immer auf dem Wege zu kühneren Vervollkommnungen seine? sozialistischen Genossenschaftstraumes, für die Genter Arbeiter ein zweiundeinhalb Hektar umfassendes Grundstück mit einem veri- tablen Schloß für 130 000 Frank erworben. Ein Schloß für Ar- beiter? Ja, und warum nicht? Man muß sich doch allgemach für die kommende» Zustände vorbereiten.... Der„Vooruit" hat also einfach verfügt, daß das weiße schmucke Schlößchen und der Herr- liche Park mit seinen Rasen, seinen hohen Ulmen und Buchen, seinen weißen Brückchen, die über rieselndes Wasser führen, den Arbeitern, den Arbeiterfrauen und Arbeiterkindern Gents zum Erholungsort diene.„Freier Eingang" steht am Schloßgitter. Und gleich daran: „Parteigenossen, dieses Schloß steht unter Eurem Schutz!" Es liegt keine üble Ironie darin— vielleicht auch ein kleines geschicht- lichcs Zeichen?— daß dieses, einst im Besitz eines Aristokraten befindliche Lustschloß nun armen flandrischen Arbeitern zugeeignet ist, damit sie im Schloßpark ihren Sonntag genießen, ihr M a i f e st feiern.... DaL anmutig-schlichte Schlößchen ist fünf Fenster breit und hat ein Erdgeschoß und zwei Stockwerke. Rechts und links schließen sich dem Gebäude kleine Flügel an, die dem ganzen eine» fteundlichen Landhauscharakter geben. Im Erdgeschoß sind die Restaurationsräume— allesamt hell und freundlich und intim in Anlage und Ausstattung. Der Hauptftont ist Rasengrund vor- gelagert, von dem zu beiden Seiten an prächtigen Ulmen und Rot- buchen vorbei der Weg in den Park führt. Malerische Baum- gruppen, reizbolle Blicke über flimmerndes Wasser mit weißen Enten, Brücken, Promenadenwege, Obstbaumanlagen, Wiesenplcrtze für Spiele— der feudale Ursprung läßt sich nicht verleugnen.... Wie wir aber Sonntag, da sich das erstemal das Schloßgitter der Genter Arbeiterschaft öffnete, merken konnten, ist der Besitz darum nicht weniger für demokratische Zwecke geeignet. Wie fühlten sie sich wohl, die blassen Frauen, die blonden Vlämenkinder, die sonst nur im Straßenstaub und Hoftäumen spielen, die Arbeitsmänner, und gar die Burschen und Mädel Gents, deren Lachen und Juchzen den Park erfüllte, der wohl noch keinen Frühling so viel und so frohes Volk gesehen. Denn alles Elend in Flandern hat den Froh- sinn der Rasse nicht umbringen können.— Zur Feier des Tages gab das vorzügliche Arbeiterorchester des„Vooruit" ein Konzert im Park. Bis in den dämmernden Abend hinein kloi zen die Melodien Joh. Strauß', Delibes' und Richard Wagners. Und rings in der Runde dichtgedrängtes Volk in andächtigem Lauschen und Sinnen. .... Dann zeigte sich der Park noch seinen Besuchern im Glanz der elektrischen Lichter. Knapp neben dem„sozialistischen Schloß" steht nämlich die Flachsspinnerei des„Vooruit", deren Akkumula- toren den Schloßbetrieb mit Strom versorgen. Fabrik und Lust- schloß auf einem Grund: lugt die Zukunft aus dieser Nachbarschaft nicht symbolisch hervor?... Der russische Parteistreit. Wir erhalten aus Pari? eine kleine Schrift, betitelt„Der Anonymus aus dem„Vorwärts" und die Sach- läge in der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands". MS Herausgeberin zeichnet die Redaktion des„Sozialdemokrat", die sich, was nicht gerechtfertigt ist, als Redaktion des„Zentralorgans der S. D. A. P. Rußlands" bezeichnet. Die genannte Broschüre wendet sich in der heftigsten Weise gegen den in Nr. 72 des„Vor- ivärts" erschienenen Artikel, in welchem wir gegen den einseitigen Charakter eines von dem Genossen Lenin an das Internationale sozialistische Bureau gesandten Berichts Stellung nahmen und dem uns zugegangenen Protest der übrigen Richtungen der Sozialdemo- kratie Rußlands Raum gaben. Diese durch die Pflichten der ele» mentarsten Loyalität diktierte Haltung hat uns nun den Zorn de? Leninsckien..Zentralorgans" zugezogen. Da wir eS ablehnten, einer Diskussion über die inneren russischen Parteistreitigkeiten im„Vor- wärts" Raum zu geben, werden wir in der obengenannten Broschüre mit heftigen Vorwürfen überschüttet. Solche„DiS- kussionsmethoden" finden in der deutschen Partei keinen Anklang und die Grobheit der Verfasser ist für uns kein Grund, uns zu einer einseitigen Stellungnahme zu gunsten einer Sondcrgruppe drängen zu lassen. Zugleich werden wir um die Veröffentlichung folgenden Schreibens ersucht, das Genosse Plechanoff an den Genossen Huysmans, den Sekretär des Internationalen Bureaus gerichtet hat: San R e m o, den 27. Mapz 1912. Ich habe die Kopie der russischen Resolution in Paris, die Sie mir zugesandt haben, erhalten. Da die Verfasser sich auf mich berufen, so betrachte ich eS als meine Pflicht, Ihnen offen alles zu erklären, was mir in bezug auf die Frage bekannt ist. Abgesehen von einigen Einzelheiten, die mir als ungenau er- scheinen und vom Ton der Resolution, der von einer starken Er- rcgung zeugt, entspricht leider dieselbe».er Wahrheit. Es ist Tatsache, daß die Konferenz, von der die Resolution spricht, bloß die Delegierten einer einzelnen, wenn auch ziemlich zahlreichen, Richtung unsicher Partei versammelt hat. Ebenso ist es unbestreitbar, daß. indem sie die Vollmachten(les pouvoirs) der ganzen Partei sich zuschrieb, sie eine Handlung beging, die sehr leicht j zu einer Spaltung führen kann, was natürlich sehr traurig wäre. Die Spaltung ist desto wahrscheinlicher, daß alle diejenigen j Organisationen, die an dör Konferenz nicht teilgenonimen haben —; und dieselben bilden die große Mehrheit— eine andere vorbe- , reiten. Findet diese statt, so ist die Spaltung vollzogen. Ich bin überzeugt, daß das I. S. B. diese Art, der Amster- damer Resolution über die sozialistische Einigkeit Folge zu leisten, i unmöglich gutheißen kann und ich frage mich, ob das Bureau nicht cmgreifen soll, um das drohende Uebel von uns abzuwenden. Es könnte z. B. sich brieflich an das Zentralkomitee der Fraktion Lenin, ebenso wie an das Organisationskomitee� das den anderen Teil der Partei versammeln wird, wenden, um die einen wie die anderen zu ersuchen, die notwendigen Schritte zur Einigung unserer Organisation zu machen. Die sozialdemokratischen Arbeiter in Rußlands sind gegen jede Zersplitterung, so daß die Intervention des I. S. B. einen begeisterten Widerball bei ihnen wachrufen werden wird. Mit sozialdemokratischen Gruß G. Plechanoff. ?5. Bitte, werter Genosse, in Betracht zu ziehen, daß es sich nicht darum handelt, die Perantwortlichkeiren festzustellen. Es handelt sich bloß darum, die Wagschale weder auf die eine, noch auf die andere Seite sinken zu lassen und die Uneinigkeit objektiv zu bekämpfen. G. P. Sozialee. Ungeheuerliche Konkurrenzklauscl. Wie hart ein Konkurrenzklauselvertrag wirkt und dennoch vom Reichsgericht bestätigt wird, zeigt ein am 1. Mai vom Reichsgericht entschiedener Prozeß. Tie Bremen-Besigheimer Oelfabriken beschäftigen sich speziell mit der Raffinerie von Rohöl. Auf Grund eines im Jahre 188S erlangten Patentes stellen sie ein feines Speiseöl her, das nach ihrer Behauptung von anderen Oelfabriken nicht nachgeahmt werden kann. Mit den Bremen-Besigheimer Oelfabriken ist im Juli 1907 der Chemiker Dr. S. einen Anstellungsvertrag auf siinf Jahre eingegangen. S. erhielt jährlich 2499 Mark Gehalt. Er verpflichtete sich zur Geheimhaltung der Ergebnisse aller Arbeiten und übernahm auch die Verpflichtung, bor Ablauf von drei Jahren nach erfolgtem Austritt aus dem Geschäft der Oelfabriken in kein Konkurrenzgeschäft einzutreten, noch bei seiner Errichtung behilf- lich zu sein. Das Verbot erstreckte sich auf Teutschland, Oesterreich- Ungarn, Frankreich, Belgien und Holland. Beim Bruch der Kon- kurrenzklausel sollte S. für jeden einzelnen Fall eine Vertrags- strafe von 39 999 Mark zahlen. Im Juli 1999 hat S. das Ver- tragsverhältnis durch Kündigung gelöst und eine Stellung als Chemiker in einer belgischen Oelfabrik angetreten. Aus diesem Grunde haben die Bremen-Besigheimer Oelfabriken gegen S. Klage auf Zahlung von 39 999 M. Vertragsstrafe erhoben. Landgericht Bremen und Oberlandesgcricht Hamburg er- kannten auf Verurteilung des Beklagten. Das Oberlandesgericht führt zur Begründung seiner Entscheidung zunächst aus, daß die Ausschließung der Konkurrenz des Beklagten für den Zeitraum von drei Jahren keine übermäßige sei. Auf keinen Fall sei der Beklagte durch diese Konkurrenzklausel in unbilliger Weise in seinem Fortkommen beschränkt. Nur die Deutschland begrenzenden Staaten seien ihm verschlossen. Ein weites Gebiet wie England. Italien, Amerika stehen ihm frei. Sodann aber weist daö Ober- landeSgericht noch darauf hin, daß die Konkurrenzklausel sich auch nur auf die Fabrikation des Speiseöls und seine Nebenprodukte beziehe. Seine Kenntnisse in der übrigen Oelfabrikation könne der Beklagte überall vertuenden. Ten Antrag auf Herabsetzung der Strafe lehnt das Oberlandesgericht mit der Erwägung ab. daß sie dem Interesse der Klägerin entspreche, da sie ihre Fabrikation durch eigene Erfahrungen wertvoll gemacht und auf die bestehende Höhe gebracht habe. Der Beklagte hatte gegen das Urteil des OberlandeSgerichtS Revision eingelegt und gerügt, daß das OberlandeSgericht den Um- stand übersehen habe, daß er in den ihm erlaubten Gebieten Kennt- nisse fremder Sprachen besitzen mußte, die er sich nicht so schnell als es nötig war, aneignen konnte. Auch bemängelt die Revision die Höhe der Vertragsstrafe.— DaS Reichsgericht hat die Revision zurückgewiesen und damit das Urteil deS Oberlandesgerichts Ham- bürg bestätigt.(Aktenzeichen: III. 416/11.) Das Urteil zeigts aufs neue, wie dringend notwendig ein Verbot der Konkurrenzklauscl ist. Vom Polizeikampf gegen Rummelplätze. Ter Kasseler Polizeipräsident versuchte die Dauer der Belusti- gungen, welche der Volksmund unter dem Sammelnamen „Rummelplätze" kennt, zu beschränken, indem er die Genehmigung solcher Belustigungen auf der Leistnerschen Wiese nur immer für drei aufeinander folgende Tage erteilte. Namentlich ging er da- von aus, daß durch einen länger anhaltenden„Rummel" die Ge- sundheit der Umwohner geschädigt werden würde. Die Lustbarkeitsunternehmer, Rudolph und Gerhardt, fochten diese Beschränkung im BerwaltungSstreitverfahren an und er- zielten, daß das Obervcrwaltungsgericht am Montag, nach Ein- holung von Gutachten des Kreisarztes und des Medizinal-Kolle- giums der Provinz Hessen-Nassau die Verfügungen des Polizei- Präsidenten, durch welche die Beschränkung der Erlaubnis auf drei Tage ausgesprochen worden war, außer Kraft setzte. Begründend wurde ausgeführt: Allerdings bestehe in Kassel(was auch in anderen Orten der Fall ist, eine Polizeiverordnung, die von einer vor« herigen Erlaubnis abhängig mache das Aufstellen von Karussells, Schießbuden, Schaubuden usw. bei Messen, Marktfesten und bei jeder anderen Gelegenheit an den, dem öffentlichen Verkehr dienen- den Straßen, Wegen und Plätzen. Die Polizeibehörde habe aber gleichwohl nicht das freie Ermessen. Die Verordnung sei nur so aufzufassen, daß die Genehmigung notwendig sei, daß bei ihren Entscheidungen sich aber die Polizei an ihre gesetzlichen Befugnisse halten müsse und die Erlaubnis nur versagen und beschränken könne, soweit polizeiliche Gründe dies rechtfertigen. In diesem Sinne betrachtet, sei die Polizeiverordnung gültig. Vorliegend frage es sich nun, ob gesundheitspolizeiliche Gründe die polizeiliche Beschrän- kung rechtfertigten. Da komme entscheidend in Betracht das Gut- achten des Meoizinal-Kollegiums. Dieses habe ausgeführt: Man könne allerdings von Belästigungen der Umwohner durch das Ge- rausch der Orgeln. Karussells und des Publikums deS Platzes sprechen. Eine Gesundheitsschädigung sei aber nicht anzunehmen. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe erst dann, wenn befürchtet werden müsse, daß das Geräusch im Körper des ihm ausgesetzten Individuums Organveränderungen oder Störungen von Tätig- keiten von Organen verursachen, welche die Zeit der unmittelbaren Einwirkung des Geräusches überdauern. Das sei hier nicht anzu- nehmen. Deshalb sei die durch die Klage angefochtene Beschränkung außer Kraft zu setzen._ Beschäftigung schulpflichtiger Kinder i« Gewerbebetrieb. Das Landgericht Chemnitz Hai am 39. Januar d. I. den Schieferdecker Heinrich Müller wegen Vergehens gegen das Kinder- schutzgesetz zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Als der Angeklagte im vorigen Jahre ein durch Feuer zerstörtes Dach neu zu decken hatte, duldete er es. daß sein damals 13 Jahre alter Neffe sich dabei betätigte. Dieser leistete nämlich an den Nachmittagen den Hand- werkern dadurch Hilfe, daß er, auf eine Leiter steigend, diesen die Schieferplatten zureichte. Da der Knabe zwar über 13 Jahre alt, aber noch zum Besuche der Volksschule verpflichtet war und auch nicht zu dem Sausstand des Angeklagten gehörte, so hatte M. sich gegen die ZZ 2 und 4 des genannten Gesetzes vom 39. März 1993 vergangen.� Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision ein- gelegt, in der er u. a. einwandte, daß die Tätigkeit des Knaben bei der Dacharbeit als keine.Beschäftigung im gewerblichen Be- triebe" angesehen werden könne, wenn sich der Knabe auch, wie festgestellt, in einer Woche hindurch in dieser Weise betätigt hatte. ft«» Reichsgericht verwarf dieser Tage die Reviswn als unbegründet. Em der frauenbe�egung. Die Frauenerwerbsarbeit im Deutschen Reich nach den Ergeb- nlsseu der Berufszählungen von 1882, 1895 und 1997. Die statistische Beilage des.Correspondenzblattes" der General- kommission vom 27. April 1912 enthält eine Bearbeitung der Berufs- Zählungen von 1832, 1895 und 199/, die den Nachweis der Zunahme der Frauenerwerbsarbeit seit 1382 besonders übersichtlich zur An- schauung bringt. Tie Statistik zeigt, welche Veränderungen seit der vorletzten Berufszählung in der �ahl der beschäftigten Arbeiterinnen und in ihrer Beschäftigungsart eingetreten sind, und wie sich dem- gemäß die gegenwärtigen Organisationsgebiete gestalten. Deshalb ist neben der Darstellung der allgemeinen Frauenerwerbsarbeit besonderer Wert auf den Nachweis der organisationsfähigen Arbeiterinnen in den einzelnen Berufsabteilungeii, Berufsgruppen und Berufsarten gelegt worden. Von den sechs Berufsabteilunge», auf die die amtliche Zählung die orlSanwesende Bevölkerung verteilt, umfassen die Abieilungen L.) Landwirtschaft. B) Industrie einschließlich Bergbau und Bau- gewerbe und O) Handel und Verkehr 1332 1893 1997 91,9 Proz. 91,1 Proz. 91.3 Proz. der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung. In diesen für die GeWerk- schaften hauptsächlich in Frage kommenden Berufen spielt die Frauen- arbeit eine bedeutende Rolle, wie eS in der folgenden Uebersicht zum Ausdruck kommt: In Berufsabteilungen Jahr männsi?"��Äeiblich A. Landwirtschaft, Gärtnerei und I 1882 5 701 587 2 534 909 Tierzucht, Forstwirtschaft und! 1895 3 539 533 2 753 154 Fischerei........ f 1907 5 284 271 4 598 986 1882 5 269 489 1 126 976 1895 6 760102 1521 118 1907 9 152 330 2 103 924 B. Industrie, einschließlich Bergbau und Baugewerbe... c s llch Gast- und Schankwirtlchaft[ 10O7 2 546 253 931 373 Von je 190 Erwerbstätigen der drei Berufsabteilungen stellte die 1882 1893 1907 2-� inSge- davon inSge- davon inSge- davon samt m. w. samt m. w. samt m. w. A... 50,8 85,2 15.6 43,9 29,3 14,6 40,2 21,5 18,7 B... 39,5 32,5 7,0 43,7 35,7 8,0 45,7 37,2 8,5 0... 9.7 7,8 1,9 12,4 9.3 3,1 14.1 10,3 3.8 Zusammen. 100,0 75,5 24,5 190,0 74,3 25,7 100,0 69,0 31,0 Nicht alle hier gezählten Erwerbstätige» kommen aber als organisationssähige Personen in Frage. Als organisationssähig gelten im allgemeinen nur die unselbständigen Arbeiter und Ar- beiterinnen, die als 0— Gehilfen in der amtlichen Zählung geführt sind, unter Ausschluß der mithelfenden Familienangehörigen, die die Statistik als 0 1— Personen aufführt. Der Nachweis über die organisationsfähigen Arbeiter und Ar- beiterinnen und die Veränderung der Zahl zwischen den einzelnen Zählperioden laß: sich aber nur für die letzten beiden amtlichen Er- bedungen von 1895—1907 erbringen, da die 1882 aufgenommene Statistik eine Gliederung der unselbständigen Erwerbstätigen nach ihrer wirtschaftlichen Stellung nicht vorgesehen hatte. Sie berück- sichtigt alle die Berufe, die organisationsfähige Arbeiter und Ar- beiterinnen in nennenswerter Zahl enthalten, also die Berufs- abieilungen: Landwirtschaft, Industrie, Handel und Verkehr und häusliche Dienste und Lohnarbeit wechselnder Art. In der letzten Berufsabteilung(Abteilung v) sind nur solche Dienstboten enthalten, die nicht im Hause ihrer Herrschaft wohnen. Frauenarbeit in Oesterreich. Nach der Betriebszählung von 1902 kamen in Oesterreich auf je 1000 Beschäftigte im Gewerbe 263 Frauen(gegen 229 in Deutschland), in der Industrie 253(223), in Handel und Verkehr 312(263). ES stehen 5 850158 Frauen in Oesterreich im Erwerbsleben, das sind 44 Proz. aller Frauen gegen 30,4 Proz. in Teutschland. Da aber 42 Proz. aller Frauen in Oesterreich verheiratet sind, ergibt sich von selbst, wer dw Familie zerstört! Dabei dürfen in Oesterreich die Frauen— das 1862er Gesetz sagt.Frauenspersonen'— immer noch nicht einmal politischen Bereinen angehören I_ Private Mutterschaftsversicherung. Zu einem Vortrag über„Freiwillige MutterschaftS- Versicherung als Ergänzung und Ersatz deS durch die Reichs- Versicherung gebotenen Mutter- und Säuglingsschutzes" sprach im Auftrag der..Hauptstelle für Mutter- und Säuglingsfürsorge" am Nachmittag des 1. Mai im Bürgersaal des Berliner Rathauses Fräulein Jensen aus Baden-Baden. Da, so meinte die Rednerin einleitend, die Einführung der staatlichen Mutterschaftsversicherung wohl noch zirka 15 Jahre auf sich warten lassen dürfte, inzwischen aber sicher viel Mutterelend zu beheben sein würde, habe die„Pro- pagandagesellschaft" in Baden-Baden, Karlsruhe und Heidelberg private Mutterschaftsdersicherungen ins Leben gerufen. Da auch in Berlin dieser Gedanke von der Hauptstelle praktisch erprobt werden solle, sagte der Geschäftsführer Dr. Recke, sei eS angebracht, die süddeutschen Vorläufer durch Fräulein Jensen hier zu Worte kommen �u lassen. Bereits früher besprachen wir an dieser Stelle die städtstche Mutterschaftsversicherung, wie sie in Sebnitz in Sachsen eingerichtet worden �ist. In sehr ähnlicher Weise arbeitet man in den drei süddeutschen Städten, jedoch mit dem Unterschied, daß Mitglieder aller Stände, beiderlei Geschlechts, angeworben werden, die die Kasse durch einmalige oder dauernde Zuwendungen unter- stützen. Diese Kassen beruhen also einesteils auf Wohltätig- k e i t. andererseits auf Selbsthilfe und könnten bei Einführung immer nur als ein Notbehelf angesehen werden. Es wird be- absichtiat, aller Orten privare Mutterschaftskassen ins Leben zu rufen, falls die staatliche Mutterschaftsversicherung dann käme, die doch sicher des Geldes bedürfe, könne eventuell oas Kapital der privaten Mutterfchaftskassen der staatlichen Einrichtung überwiesen werden. In Holland(Haarlem) habe man auch schon eine solche Kasse eingerichtet Der Äbtreibung, dem NeumalthusianiSmuS usw., würde durch solche Frauenhilfe auch sicher vorgebeugt werden. Die Propagandagesellschaft arbeite aber nicht in Sem Sinn des „Bundes für Mutterschutz". Auf die Anfrage, wie sich die Propa- gandagesellsthaft unehelichen Müttern gegenüber verhalte, er- folgte die Antwort:„Wir nehmen sie natürlich auch auf, unter- stützen sie nach jeder Richtung hin. aber"— und dann kam der Pferdefuß—„im großen und ganzen sind unsere überall zu er- strebenden(?) freiwilligen Mutterschaftskassen nur für eheliche Mütter geplant." Solche privaten Versuche sind nicht nur unzulänglich, sie müssen auch den Forderungen nach staatlicherZwangS mutterfchaftS- Versicherung hinderlich werden. Eine Konferenz sozialdemokratischer Frauen Württembergs tagte am letzten Sonntag in Stuttgart. Sie- war von 67 Delegiertinnci, aus 27 Orten besucht. Genossin Z i e tz- Berlin sprach über„Die Frauen rmd der politische Kamps', Genoisin Zetkin- Swttaart über„Die EntWickelung der Frauenarbeit in Württemberg'. An- genommen wurde u. a. ein Antrag auf Schaffung einer besonderen Frauenagitationskommission und baldige Anstellung einer Sekretärin für die politische Frauen- o g i t a t i 0 n. Die Anträge wurden dem Landesvorstand über- wiesen.___ Gerichts-Zeitung* Methylalkoholprozeß. Im Methylalkoholprozeß gingen gestern die PlaidoherS der Per- Leidiger zu Ende. Die Verhandlung wurde auf Sonnabend vertagt. Verweigerte Justiz. Am 26. April stand der Dreher Otto O. vor dem Schöffen- gericht in Moabit, um sich wegen einer begangenen Körperverletzung zu verantworten. Bevor seine Sache zur Verhandlung kam, hatte er sich nebst seiner Ehefrau, die ihn begleitete, in den Zuhörer- räum begeben, um dieser einmal das Leben und Treiben vor Gc- richt sehen zu lassen. Plötzlich horchte O. erstaunt auf: vom Richter- tisch her hatte er seinen Namen gehört. Der Richter, ein schon bc- jahrter Herr, unterhielt sich dort mit den beiden Schössen und äußerte dabei etwa folgendes:„Meine Herren, es sind heute alles nur kleine Sachen; aber hier dem O. wollen wir einmsl ordentlich etwas aufknacken, damit er genug hat!" O. war sprachlos. Tai! ein Richter, noch ehe er die Verteidigung des Angeklagten gehört, mit seinem Urteil schon vorher fertig ist. schien ihm etwas Un- glaubliches. Um sich zu vergewissern, ob er recht gehört, wandte sich O. an einige andere Zuhörer und fragte diese, was der Richter eben gesagt habe. Es wurde ihm von dieser Seite bestätigt, daß er richtig verstanden hatte. Nun faßte L. den Vorsatz, den Richter wegen Befangenheit abzulehnen. Als die Verhandlung jjegen ihn begann, wobei der Nichter einen besonders scharfen Ton anzu- schlagen beliebte, bat O. ums Wort, um seine» Ablchnungsantrag anzubringen. Der Richter ließ ihn aber nicht zu Worte kommen. sondern drohte, ihn abführen zu lassen. Als der Angeklagte sich dadurch nicht abschrecken ließ, beantragte der Staatsanwalt auf einen Wink des Richters drei Tage Haft wegen Ungebühr vor Gc- richt. Das Gericht verhängte hierauf über den Angeklagten eine sofort zu verbüßende Strafe von zwei Tagen Hast. Die Sache selbst wurde vertagt. Das Ablehnungsrecht des Angeklagten wird natürlich m einem späteren Termin geltend gemacht werden. Um zu seinem Rechte zu kommen, wird dem Angeklagten nichts übrig bleiben, als Antwort auf die Frage nach seinen Personalien das AblehnungS- gefuch zu stellen. Die Beschwerde gegen die Ordnungsstrafe wird wohl Erfolg haben— aber die 2 Tage sind abgesessen. Eine Verzweiflungstat. Aus Verzweiflung über das ehebrecherische Treiben seiner Frau hat der 45 jährige Marmorschlefser Julius Müller eine Schreckenstat begangen, die ihn gestern unter der Anklage de» Mordes und des versuchten Mordes vor die Geschworenen führte. Den Vorsitz in der Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts II! führte Landgerichtsdirektor Liebenow, die Anklage wurde vom Staatsanwalt Ascher vertreten, als Verteidiger des An- geklagten fungierten die Rechtsanwälte Lublinski und �>r. Hirsch- feld. Die Verhandlung entrollte ein erschütterndes Familienbud. Der Angeklagte, welcher allerseits als ein fleißiger und nüchterner Mensch geschildert wird, der nur das Wohl seiner Familie im Auge hatte, ist seit dem Jahre 1893 verheiratet und Vater von 4 Kindern im Alter von l�ch bis 11 Jahren. Die Ehe war stets glucklich ge- Wesen, bis Ende vorigen Jahres die Zuneigung der 3(hahrigen Ehefrau zu dem lÖjährigcn Marmorschleiser und Klavierspieler Bergeinann das Eheglück brach. Als eine» Tages � der Angeklagte dahinter kam. daß seine Frau mit Bergemann einen Tanzboden aufgesucht hatte, während die vier Kinder allem und ohne jegliche Aufsicht zu Hause lagen, kam eS zwischen den Ehe- leuten zu einer Aussprache, in deren Verlaus die Frau offen er- klärte, sie liebe den B. und könne nicht von ihm lassen. Wie der Angeklagte vor Gericht mit bewegter Stimme angab, habe er am nächsten Tage, von einer eigentümlichen inneren Unruhe gepackt, nicht recht arbeiten können. Als er nach Hause eilte, habe er auf der Straße seinen elfjährigen Sohn Albrecht getroffen, der ihm erzahli habe:„Mutter sei mit Bergemann oben, ihn habe man zum Schlach. ter geschickt." Er sei dann in die Wohnung gelaufen und habe hier seinen Verdacht bestätigt gefunden. Am Nachmittage sei dann schließlich in ihm der Plan immer mehr und mehr gereift, aus dem Leben zu scheiden und die Kinder mitzunehmen. Er habe es, wie der Angeklagte vor Gericht weinend erzählte, nicht über daS Herz bringen können, seine Kinder einem so ungewissen«chicksal zu überlassen. Er habe es nicht fertig bringen können, seine Kinder der Frau zu überlassen, die nach seinem Tode doch mit jenem jungen „Bengel" zusammenziehen würde. Am Abend habe er dann noch- mals in aller Ruhe eine Aussprache mit seiner Frau gehabt. Diese habe sich ihre guten Kleider angezogen und sei einfach weggegangen. Als er nun mit den Kindern allein war, habe ihn die Verzweiflung gepackt. Nachdem er den Kindern in der Küche eine Lagerstälte be- reitet hatte, habe er 3 Zehnpfennigstücke in den GaSautomaten ge- steckt und dann, nachdem die Kinder eingeschlafen waren, den Gas. Hahn geöffnet und sich selbst den Schlauch in den Mund geileckt. Er sei bald bewußtlos geworden und erst am frühen Morgen durch das Klopfen des BäckcrS wach geworden. Nachdem sich seine Benommen- heit gelegt hatte, erinnerte er sich erst der Dinge, die sich am Abend vorher abgespielt hatten. Sein erster Gedanke galt den Kindern. Als er bemerkte, daß die drei ältesten Kinder noch luiten, das jüngste, die l�jährige Kitte jedoch bereits tot war, stürzte er»ach dem nächste» Polizeirevier und stellte sich hier freiwillig. Von sämtlichen Hausbewohnern, sowie von seinem Ehef und dessen sämtlichen Angestellten wurde eine Eingabe an das Gericht geschickt, in welcher das Gericht um eine milde Bestrafung des An- geklagten gebeten wurde.— Staatsanwalt Ascher erkannte an, daß dem Angeklagten die weitgehendsten Milderun�grunde zur Seite stehen, er beantragte, nur die Schuldfrage nach Totschlag unter Zu, billigung mildernder Umstände zu bejahen. Die Rechtsanwälte, Justizrat LublinSk, und Dr. Hirschfekd, schilderten den Geschworenen in den düstersten Farben das tief- traurige Familienleben des Angeklagten, der durch ein ehebreche. risches Weib ins Unglück gestürzt worden sei. Der arbeitssame und nüchterne Mann sei offenbar durch das schandliche Verhalten der Frau in einen dumpfen Verzweislungszustand geraten, in dem er sich über seine Handlungen überhaupt nicht mehr habe Rechen- schaft ablegen können. Wenn man das Seelenleben eines solchen Menschen analysiere, so könne man, ohne gegün Gesetz und Recht zu verstoßen, fthr wohl zu der Ueberzeugung kommen, daß hier die Tat eines ManneS vorliege, der nicht mehr Herr seiner Sinne sei. Wenn man dies annehme, so müsse man aber zu einer Freisprechung kommen. Die Geschworenen verneinten nach 1% stündiger Beratung sämtliche Schuldfragen. Als vom Landgerichtsdirektor Liebenow das auf Freisprechung lautende Urteil verkündet wurde, wurden im Zuhörerraum unter- drückte Beifallskundgebungen laut. Der Angeklagte wurde sofort au? der Haft entlasse». Unzulässige Trauungen. Ueber die durch einen Rabbiner in vier Einzelfällen vorgc- nommene Trauung durchreisender Russen hatte gestern die 6. Stra« kammcr des Landgerichts I unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Goebel eine Entscheidung von allgemeinem Interesse zu fällen. Ter Prediger Dr. Hildesheimer hatte Russen, die sich auf der Durchreise vorübergehend hier aufhielten, ohne vorhergegangene standeSamt- liche Eheschließung nach den Vorschriften seiner Religi-m getraut. Er ging dabei von der Erwägung aus daß einerseits der Standes- beamte nach§ 1320 des Bürgerlichen Gesetzbuches gar keine Eheschließung vornehmen konnte, da ja von den eheschließenden Parteien niemand in Deutschland seinen Wohnsitz hatte, andererseits aber auch für Russen eine standesamtliche Eheschließung belanglos ist. Die Parteien wurden also nach seiner Meinung vom deutschen Recht gar nicht erfaßt. Die Staatsanwaltschaft erblickte aber in dieser Vornahme von Trauungen einen Verstoß ge�cn H 67 des Pxisscmc;:� standsgesetzes vom 5. Mai 1875, welcher bestimmt, daß ein Geist- licher oder Religionsdiener, welcher zu den religiösen Feierlichkeiten einer Eheschließung schreitet, bevor ihm nachgewiesen ist, daß die Ehe vor dem Standesbeamten geschlossen, zu bestrafen sei. Der Staatsanwalt war aber selbst der Ansicht, daß der Fall sehr milde liege, und beantragte für jeden Fall des Verstoßes gegen das Ge- Streif bon 1909 in Mansfeld eine furchtbare Verfolgung der Berg- Darauf der Schwurgerichtsvorfigenbe: Zeuge, in einer amtsez 20 M., zusammen also 80 Mark Geldstrafe. Rechtsanwalt arbeiter ein, an der sich auch die Steiger unter dem Drucke der lichen Auskunft haben Sie aber über den Angeklagten ganz etwas Michael Meyer machte hiergegen geltend, daß diese gefeßliche Bes Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft beteiligten. Die Berg- anderes gesagt. Da bezeichneten Sie ihn als einen Aufwiegler, stimmung hier nicht zutreffe, da die Brautleute ausdrücklich darauf arbeiterzeitung" wehrte sich und veröffentlichte unter der Spik der zu Berhebungen neige. aufmerksam gemacht worden seien, daß ihre Ehe im Deutschen Reiche marke:" Mansfelder Leamtenwirtschaft" einen Artikel, in dem Gemeindevorsteher: Ja, das mag schon richtig sein. Das war nicht rechtsgültig sei. Durch die gesetzliche Bestimmung solle aber mehreren Steigern Unredlichkeiten im Dienste der Gewerkschaft aber bei der letzten Reichstagswahl, wo der Angeklagte agitierte. nur verhütet werden, daß die Brautleute in den Glauben verseht nachgewiesen wurden. Die Steiger Brauer, Krone usw. flagten Bei seinem Wegzuge von Ziegelrode am 1. Februar d. J. hat aber werden, sie seien auch nach deutschem Recht vollgültige Eheleute. gegen den Redakteur Genossen Wagner wegen Beleidigung. Das derselbe Gemeindevorsteher dem Angeklagten ein fehr gutes Füh Eventuell liege aus subjektiven Gründen keine strafbare Handlung Schöffengericht tam aber zu Wagners Freisprechung, da er im rungsattest ausgestellt. Daraus fann man ersehen, welcher Wert vor, da Dr. H. sich vorher bei maßgebenden Stellen erkundigt habe großen ganzen den Wahrheitsbeweis geführt und in Wahrnehmung solchen Leumundsattesten" zuweilen beizulegen ist. Der Staatsund ihm zugegeben worden sei, daß hier eine Lüde im Gefeße vor- berechtigter Interessen gehandelt habe. In diesem Prozeß war anwalt sprach in seinem Plaidoyer den wunderhübschen Satz aus: liege. Das Gericht nahm an, daß Dr. H. in gutem Glauben ge- nun Hempel als Zeuge aufgetreten und sollte bekundet haben, Der Angeklagte sei gewiß ein ganz guter Mensch, aber er sei einer handelt, mußte aber zu einer Berurteilung gelangen, da es im Steiger Krone habe sich von den Bergleuten Solf und Weiß Parteiberfallen", die zur Berhekung führe. Die Schuldfragen Gegensatz zum Verteidiger annahm, daß§ 67 des Personenstands während der Dienstzeit eine Privatlaube bauen und dafür den feien zu bejahen. Die Geschworenen verneinten jedoch die gesetzes unter allen Umständen verhüten wolle, daß in Deutschland beiden Schichtlöhne zugute kommen lassens Und vor dem Prozeß Schuldfragen, infolgedessen der Angeklagte freigesprochen werden irgendeine Ehe ohne Mitwirkung des Standesbeamten geschlossen war er bei Solf gewesen, um Grkundigungen einzuziehen, wie sich mußte. werde. Da Dr. H. vier Fälle selbst angegeben hatte, wurde auf je die Sache verhalte. Aus dieser Erkundigungseinziehung folgerten 10 M., im ganzen 40 M. Geldstrafe crkannt. Solf und Krone die Verleitung zum Meineide. Tatsächlich sagte Solf auch aus, Hempel habe ihn veranlassen wollen, vor Gericht die Unwahrheit zu beschwören. Hempel bestritt dies in dem früheren wie auch in dem heutigen Verfahren mit aller Entschiedenheit. Und daß Hempel der festen Ueberzeugung war, die Sache mit Krone sei nicht ganz rein, ergab die Bernehmung des Bergarbeiters Weiß, der unter Zeugen erzählt hatte, er habe Schichten bezahlt erhalten, ohne dafür Dienste geleistet zu haben. Eine mißlungene Mansfelder Meineidsaktion. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 30. April: Der frühere Bergmann Robert Hempel, spätere Austräger der Bochumer Bergarbeiterzeitung", sollte in einem Beleidigungsverfahren gegen den Redakteur Genossen Wagner von der Bergarbeiterzeitung" vor dem Schöffengericht Eisleben 5. August v. J. einen Meineid geleistet und einen Bergmann Solf zum Meineid verleitet haben. Hempel, ein Familienvater von bier Kindern und ein bisher unbestrafter Mann, stand deshalb heute vor dem Schwurgericht. Bekanntlich sehte nach dem großen am Interessant gestaltete sich in der Beweisaufnahme die Vernehmung des Gemeindevorstehers von Ziegelrode. Hempel, der dort lange Jahre seinen Wohnsiz gehabt hat, wurde von dem Ge meindevorsteher als ein friedlicher, ruhiger, guter Mensch bezeichnet. Bahnen. Eingegangene Druckfchriften. " Der Kampf". Sozialdemokratische Monatsschrift( Wien). 5. Jabr gang. Heft 8. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Adolf Braun: Neue Otto Bauer: Wahlkampf in Wien. May Adler: Der Sozia lismus Fichtes. Wilhelm Ellenbogen: Die Irrtümer des Frredentismus. Wladimir Lewinski( Lemberg): Die Spaltung der utrainischen Sozialdemokratie. 3. Topalovits: Die Agrarfrage in Bosnien und die öfterreichisch ungarische Regierung. Eduard Stojeh: Randarbeiterorganisation. Emil Strauß( Brag): Der Klassencharakter der österreichischen Finanzpolitik im Mittelalter. Josef Luitpold Stern: Der neue deutsche Maigefang. Bücherschau. Textbücher zu Studien über Wirtschaft und Staat. Heraus. gegeben von Dr. 3. Jastrow. Bd. I, Sandelspolitit. 3 M. G. Reimer, Berlin. ww Ist Ihnen bekannt, was ,, Kornfranck" ist und was er für jede Familie bedeutet? Den echten Kornfranck" gibt es nur in den grünen Paketen. 14 1989 Unserem lieben Genossen Ernst Bulicke nebit Frau die herzlichsten Glüdwünsche zur Silberhochzeit. Die Genossen des 164. Bezirks. IV. Kreis. eeeeeeee Todes- Anzeigen Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Bruno Strunk am 30. April im Alter von 22 Jahren verstorben ist. 63/15 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute Freitag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des Martus- Kirchhofes, Wilhelmsberg, aus statt. Nachruf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fensterpußer Artur Potratz am 28. April im Alter von 18 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Reinhold Fitzner am 1. Mai an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Mai, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäuslirchhofes in Beißen fee, Falkensteinstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/11 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die reichen Stranz i penden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer unvergeßlichen Tochter Frida Nitz lagen wir allen Verwandten, Freunden und Befannten, insbesondere den Mitgliedern des Arbeiter- Nadfahrerbundes Solidarität unseren berz lichsten Dant 1485b Franz Nitz. Familie Ziemann. Verband der Buch- und Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die zahlreichen StranzSteindruckerei- Hilfsarbeiter u. fpenden anlaßlich des Hinscheidens Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 28. April verstarb ganz bloglich unser Mitglied, der Hilfsarbeiter Paul Schulz im Alter von 34 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 4. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf dem neuen Pauls Kirchhof in Blößensee statt. Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler und Portefeuiller, Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Geschirrjattler August Suchland ( früher im Offizierverein beschäftigt) berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Mai, nachm. 3 11hr, von der Leichenhalle des Luther- Kirchhofes in Lanfwik, Marienfelderstraße, aus statt. 157/6 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters und Schwiegervaters Eduard Schubert omie ben Stollegen der A. E. G., Boltastraße, dem Unterstützungsverein der Schmiede, dem 6. Wahlkreis und dem Transportarbeiterverband unferen innigften Dant. 55 sagen wir allen Freunden, Bekannten Witwe Mathilde Schubert nebst Kindern. Antonstraße 24. Danksagung. Für die überaus zahlreiche Beteiligung und schönen Kranz Spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastwirts August Gennat fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den werten Gästen, dem Verein der freien Gastwirte, den Wahl bereinen, den Genossen des 383. Bezirkes, insbesondere Herrn Stadtverordneten Manaffe für die troftreichen Worte am Sarge des Entschlafenen unseren herz lichsten Dant 76/2 Wilhelmine Gennat geb. Hennig nebft Kindern. Berlin NO. 43, Friebenftr. 15. meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir allen unseren herz lichsten Dant. 1491b Wilhelm John und Kinder. Vom Obstgarten zymEigenhaus Gartenstadt Hoppegarten: Q.-R. 15 M. Gartenstadt Hofjagdrevler: Q.-R. 15 M. Birkenwerder: Fließparzellen im HofJagdrevier: 500 M. Kolonie Thyrow, Anhalter Bahn: 8 M. 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Verbands- und Branchenangelegen heiten. 4. Berschiedenes. Kollegen! Da über äußerst wichtige Angelegenheiten unserer Brandje verhandelt werden soll, darf kein Kollege jehlen. Die Versammlung begit pünktlich 12 Uhr und ist ein rechtzeitiges Erscheinen unbedingt notwendig Beiträge und Neuaufnahmen werden in der Versamm: Inng entgegengenommen. Sonntag, den 5. Mai 1912, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Maschinenarbeiter und Arbeiterinnen in den Musiker- Festsälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 18m. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genoffen Dr. Moses über: Der Zug durch das rete Meer. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Ber schiedenes. Zu dieser Berjammlung find alle in der Metallindustrie Beschäftigten Hobler, Bohrer, Fräser, Stoßer, ferner die in den Betrieben der Gelbmetallindustrie beschäftigten Schnittarbeiter, an Ziehpressen und Stoßwerken Beschäftigte, ferner alle an Maschinen tätigen Arbeiterinnen freundlich eingeladen. 116/11 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Dachdecker Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Sonntag, den 5. Mai, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3: Versammlung der Dachdeckerhilfsarbeiter. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstage. 2. Berbandsangelegenheiten. Das Erscheinen aller Kollegen erwartet Der Vorstand. Verband der Maler, 51/9 Lackierer, Anstreicher etc. Fernspr.: Ami Morigplak, 4787. Arbeitsnachweis: Rüderstr. 9 Orts- Krankenkaffe für den Amtsbezirk Blankenfelde. Einladung zur Wahl der Vertreter der Arbeitgeber und Kaffenmitglieder zu den Generalversammlungen für die Zeit bis zum 31. August 1914 am Dienstag, den 14. Mai 1912, im Lokale von W. Schneider in Berlin Rosenthal I, Prinzenstr. 1. Bahlechtigt und whar find diejenigen Kaffenmitglieder, welche großjährig und im Befiße der bürgerlichen Ehrenrechte find. As Legiti mation ist das Mitgliedsbuch oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorzulegen. 1. Für die Bertreter der Rassenmit. glieder aus Fabritbetrieben, nachmittags 2-4 und 5-7 Uhr; zu wählen find 16 Bertreter. 2. Für die Vertreter der Kaffenmit glieder aus dem Baubetriebe, abends 7, 11hr; zu wählen find 2 Bertreter. 3. Für die Bertreter der Kassenmit glieder aus dem Handelsgewerbe, abends 73, Uhr; zu wählen ist 1 Bertreter. 4. Für die Bertreter der Kaffenmit glieder aller Handwerke, abends 8 115r; 275/10 zu wählen find 2 Vertreter. 5. Die Wahl der Vertreter der Arbeits geber findet in einem Wahlgange statt und zwar abends 8, Uhr; zu wählen find 8 Arbeitgeber. Der Vorstand. J. B.: Schneider. Arbeiter- RadfahrerBund Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 5. Mai: 1. 25t.: 1 Uhr: Buch( Heilanstalt.) Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: 5 Uhr: Baruth. 12, Uhr: Mittenwalde. Start: Schönleinstr. 6. 3. Abt. 5 Uhr: Rauen( Noatnic). 12 Uhr: Müggelheim( Klein). Start: Laufizer Platz 12. 4. Abt.: 5 1hr: Wandlig. 1 Uhr: Schönwalde. Start: Rüstriner Plaz. 5. Abt.: 1, Uhr: Familientour nach Biesdorf- Süd( Besenschaftshaus). Start: : Elysium. 6. Abt.: 7 Uhr: Zwiebusch ( Berliner Schweiz). 1, Uhr: Mahls. dorf- Sub( Heidefrug). Start: Dderberger Straße 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Lante( Slodmann). 1 Uhr: Schönwalde( Schulz). Start: Schulstr. 29. Heute: Abteilungsversammlung 8 Uhr. Bureau: Melchiorstr. 28, part. Filiale Berlin. npr.: Amt Norden, 6708 3dhu). 12 Uhr: Wittenwalde( Zum Sonnabend, den 4. Mai, abends präzise S½ Uhr: Versammlung der in den Wagenladiereien der Kleinmeister beschäftigt. Lackierer in Frizz Wilkes Festsälen, Sebastianstr. 39. Zagesordnung: Beschlußfaffung über die weitere Verfolgung der Lohnbewegung. Angesichts der wichtigen Tagesordnung erwarten wir, daß die Kollegen vollzählig erscheinen. Die Sektionsleitung. Deutscher Bauarbeiter- Verhand. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Heute Freitag, den 3. Mai, abends 6 Uhr, gleich nach Feierabend, bei Jannascht, Inselstr. 10: Firmen- Versammlung beidja. für alle bei der Firma Wildhagen Putzer, Träger und Spanner. 139/5 tigten Pflicht aller Kollegen ist es, zu erscheinen! Der Sektionsvorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel ufer 14/15, Saal 4( Arbeitslosenfaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Ohne Anzahlung liefere an jedermann Möbel auf Kredit bei Zahlung einer Monatsrate laut Vereinbarung und bequemster Abzahlung komplette Wo nungs- Einrichtungen sowie einzelne Möbelstücke, Polsterwaren, farbige Küchen Portieren Gardinen, Betten, Kronen, Kinderwagen usw. Leib u Bettwäsche Steppdecker, Teppiche, In modernster Ausführung. 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Am Schlusse des Geschäftsjahres 1911 gehörten der Genoffen fchaft 6 Genoffen mit einer Gesamthaftfumme von 180 M. an. Es haben fich das Geschäftsguthaben der Ges 650 Abbildungen gratis u. franko. noffen und die Haftiumme um je Von 30 M. verringert. Unsere Genoffenfchaft ist durch Generalversammlungs, beschlüsse vom 5. und 19. März 1912 75/10 aufgelöst, die Gläubiger werden auf. gefordert sich zu melden. S.DORN Weinmeisterstr. 9 Dr. Alfred Alexander Ecke Alte Schönhauser Strasse Sonntags 8-10 Uhr geöffnet Kurfürstendamm 226( 4-6.) Artilleriestraße 11( 12-1). 1486b Die Liquidatoren. 3. Stephan. C. Finkbeiner. Kautabak Nur echt, wenn jedes Röllchen nebenstehenden Zettel enthält. Hauptniederlage: G. A. Hanewacker Nordhausen. Schutzmarke. H.& P. Uder, Tabak- Großhdlg. Amt Moritzpl. 2014. Berlin SO. 16. Engelufer 5. Reinhold Wankel Ini.: F. Haegermann Berlin N. 54, Brunnen- Straße 163. Juwelen-, Uhren-, Gold-, Silber- und Alfenide- Waren. Renoviert und neu eröffnet am 1. 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Die Stadtverordnetenversammlung hatte gestern die Wahlen eines Stadtrats und eines Stadtkämmerers zu vollziehen. Sie wählte als Ersatz für den verstorbenen Stadtrat Böhm zum besoldeten Stadtrat den Beigeordneten B e r n d t aus Mainz, der in dem Schapiro-Prozeß eine Rolle gespielt hat. Als Nach- folger des Kämmerers Steiniger, des jetzigen Direktors im Verband Groß-Berlin, wurde zum Kämmerer der Stadtrat B ö ß aus Schöneberg gewählt. Bei beiden Wahlen stand das Ergebnis im voraus fest, weil Gegenkandidaten nicht aufgestellt worden waren. Der„Nachwuchs" aus den Magistratsbeamten Berlins, der bei solchen Gelegenheiten auf Berücksichtigung rechnet, ist diesmal leer ausgegangen.— Die Sitzung bot sonst nicht viel Bewundernswertes. Eine Magistratsvorlage betraf die Nutzung des„Segens" der Reichsversicherungsorb nung, der in einen Profit für den Stadtsäckel umgemünzt wird. Die Ausgaben für die von der Stadt gewährte Hinter bliebenenfürsorge werden dadurch ermäßigt, daß man sie um einen Teil des Betrages der nach der Reichsver sicherungsordnung zu zahlenden Renten kürzt. Bei dem Witwengeld will der Magistrat großmütig auf den Vorteil verzichten, den er durch Anrechnung der aus Reichsmitteln gezahlten Witwenrenten sich verschaffen könnte. Dagegenhält er bei dem von der Stadt zu zahlenden Waisengcld es für geboten, von ihm den halben Betrag der aus Reichsmitteln fließenden Waisenrente ab- zuzwacken. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion forderte, daß auch beim Waisengeld die Stadt auf diesen Vor- teil verzichten solle. Genosse Ritter zeigte, wie kleinlich solcheProfitmacherei ist, wie wenig sie für den Stadt- fäckel bedeutet und wie schwer sie anderseits dieWaisen und durch sie die Witwen trifft. Die allem sozialen Empfinden ins Gesicht schlagende Maßregel, zu der der Magistrat die Stadt verordneten um ihre Zustimmung ersuchte, wurde vom Stadtrat F i s ch b e ck wie etwas ganz Selbstverständliches hingestellt. Er hatte den Mut, zu behaupten, daß ein anderer Beschluß gerade in Arbeiterkreisen„gar nicht verstanden" werden würde. Aus der steisinnigen Mehrheit der Stadt- verordnetcnversammlung meldete sich nur Herr Gold s ch m i d t. Er erklärte, daß mit ihm seine Freunde für den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion stimmen würden. Als es dann aber zur Abstimmung kam, lösten nur wenige seiner Freunde sein Versprechen ein. Der Antrag unserer Genossen wurde abgelehnt. Auf diesen Sieg kann der Stadtfreisinn wieder mal„stolz" sein. Die Profitwut der Großen Berliner hat vor längerer Zeit zum Zweck möglichst sparsamer Verwendung der elek- irischen Kraft ein System eingeführt, dessen strenge Befolgung von den Fahrern verlangt wird. Der Kernpunkt dieses Spar- systems ist der, daß der elektrische Strom für den Antrieb der Wagen möglichst kurze Zeit in Anspruch genommen wird. Das soll dadurch erreicht werden, daß der Fahrer den Strom für einige Sekunden auf seine volle Kraft einschaltet. Der Wagen bekommt dadurch einen energischen Antrieb und wenn er in schnellstem Tempo dahinrast, wird der Strom ausgeschastet und der Wagen läuft einige Zeit stromlos. Sobald die Kraft des Antriebes erschöpft ist, beginnt das Spiel des Ein- und Ausschaltens von neuem. Wir lwtten seinerzeit, als dies System eben eingeführt war, auf die Gefährlichkeit desselben hingewiesen. Einen Wagen, der, sei es auch nur für den Bruchteil einer Minute mit voller Schnelligkeit dahinrast, kann der Fahrer natürlich nicht so in der Gewalt haben, als wenn er in annähernd gleichmäßigem Tempo fährt. Ein gewissen- hafter Fahrer würde deshalb das stromsparende System, das in belebten Straßen eine große Gefahr für das Publikum mit sich bringt, überhaupt nicht anwenden, aber die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn verlangt es bei Strafe der Entlassung. Durch Kontrollapparate, sogenannte Sstomzeft. Zähler, sowie durch Aufsichtsbeamten in Zivilkleidung werden die Fahrer auf die Durchführung des Sparsystems streng überwacht. Es gibt natürlich eine Anzahl Fahrer, die es im Stromsparen zu einer gewissen Virtuosität gebracht haben. Ihnen gleichzukommen, wird jxdem Fahrer zur Pflicht ge- , nacht. Wer es mit Rücksicht auf die Sicherheit des Verkehrs oder infolge ungünstiger Betriebsverhältnisse nicht kann, über dessen Kopf schwebt stets das Damoklesschwert der Entlassung. Da gibt es im ersten Falle eine mündliche und im zweiten Falle eine schriftliche Verwarnung, die für den Wieder- holungsfall die Entlassung in Aussicht stellt. Es ist begreif- lich, daß die Handhabung dieses Sparsystems für das Fahr- personal eine unerschöpfliche Fülle von Widerwärtigkeiten mit sich bringt und zu großer Unzufriedenheit Veranlassung gibt, um so mehr, da es mit Vorliebe gegen solche Personen ange- wandt wird, deren außerdienstliches Verhalten nicht den Bei- fall der Vorgesetzten findet. So kann man leicht Angestellte. die zwar bei derJJlrbeit ihre Pflicht tun, sich aber nicht durch ein biegsames Rückgrat auszeichnen, unter dem Vorwande, sie hätten eine Betriebsvorschrift verletzt, maßregeln. Abgesehen von den Wirkungen, die das Stromsparsystcm für die Angestellten mit sich bringt, birgt es, wie gesagt, eine große Gefabr für das Publikum in sich. Von diesem Gesichts- Punkt aus sollten einmal die Auffichtsbehörden die Angelegen- beit betrachten._ Die Bevölkerung Berlins» welche bei der Volkszählung vom 1. Dezember IlJlst 2071257 betrug, hatte durch den Osterumzugsterinin von 1911 eine erhebliche Einbuße erlitten. f Jährend die Zahl Ende Februar 1911 sich auf 2 077 863 be- ef, stellte sie sich nach Ablauf des genannten Umzugstermins, Ende April, auf 2067 779, womit sonach ein Bevölkerungs- Verlust von rund 10000 herbeigeführt war. Anders aber vcr- hielt es sich mit dem Ottoberumzug, der einen jenen Verlust mehr als ausgleichenden Bedölkerungsgewinn brachte. Hatte sich im Frühjahr wie im Sommer die Bevölkerungszahl nur in sehr geringfügiger Weise verändert, derart, daß sie Ende August nur um rund 2000 höher stand als Ende März, so war Ende Oktober ein Gewinn um rund 8000 gegenüber der Zahl von 2068 428 für Ende August festzustellen. Für den 1. Januar des laufenden Jahres stellt sich die fortgeschriebene Bevölkerung auf 2 084043. Die durchschnittliche Bevölkerungs zahl, eine für die verschiedenartigsten Verhältnisberechnungen besonders beachtenswerte Größe, betrug im Jahre 1911 2 071 940. Sehr bedeutsame, auch für die gesamte Wirtschaft liche Lage bezeichnende Veränderungen zeigt die Ziffer in den letzten Jahren. Zunahme wird von Abnahme und diese wiederum von Zunahme abgelöst. So brachte das Jahr 1906 ein Mehr um rund 45 000, 1907 um 14000, dagegen 1908 sowohl wie 1909 je eine Abnahme um rund 10000, 1910 und 1911 jedoch wiederum ein Mehr von rund 9300 bezw. 12 500, so daß die durchschnittliche Bevölkerung Berlins im Jahre 1911 mit der schon genannten Zahl von 2 071 940 wieder etwa auf den Stand von 1907 gelangt ist, indem es diesen nur um rund 1900 übersteigt. Die Berliner Wach- und Schliehgesellschaft dehnt ihre Tätig teit in einer Weise aus, die manchen überraschen dürfte, der bisher annahm, daß diese Gesellschaft nur einen Sicherheitsdienst versieht. Die Wächter bewachen nicht nur ein Haus, sondern sie überwachen auch das Hauspersonal derjenigen Hausbewohner, die sich zu diesem Zweck an die Wach- und Schliehgesellschaft wenden; sie leisten also Detektivdienste, wie dem Berliner Verband der Hausangestellten bekannt geworden ist. Zwei Melde- zettel wurden dem Verbandsbureau vorgelegt. Der erste lautet: „Berlin, den 4. April 16:12. Herrn Dr. Hochwohlgeboren, Tiergartenstraße. Der Wächter des Reviers meldet von der letzten Nacht: „Das Hausmädchen(Vorname) kam um 11,50 Uhr nach Hause." Hochachtungsvoll Berliner Wach- und Schlietzgesellschast. (Unterschrift.)" Der zweite Zettel läutet: Berlin, den 13. April 1S12. Herrn Dr. S....» Hochwohlgeboren, Tiergartenstraße. Der Wächter des Reviers meldet von der letzten Nacht: „Um 1,40 Uhr kam das Wirtschaftsfräulein heim; bis zu dieser Zeit brannte in deren Zimmer Licht; ebenso waren die drei danebenliegenden Fenster erleuchtet." Hochachtungsvoll Berliner Wach- und Schliehgesellschaft. (Unterschrift�)" Wie Leute, die irgendeiner Schandtat verdächtig find, werden diese Dienstboten überwacht, was bei„großen Herrschaften" nicht gerade selten sein soll. Mit der Gewährung von freier Zeit sind diese Herrschaften aber in der Regel sehr sparsam. So wird von diesen Leuten, die ihre Dienstboten so genau überwachen lassen, berichtet, daß ein Diener von früh 7 Uhr bis nachts um 12 Uhr Dienst hat und seinen Herrn abends ohne Klingelzeichen zu er- warten hat. Muß der Herr erst klingeln, bekommt der Diener einen Verweis. Und die„gnädige Frau" ist gewöhnlich sehr un- gnädig dem Dienstpersonal gegenüber.— Und da wundern sich so viele Leute noch über die Dienstbotennot! Arbeiter und Arbeite rinnen in einer Fabrik haben mehr persönliche Freiheit, als solche Dienstboten in„hochherrschaftlichen Häusern". Warum bezeichnet sich übrigens die Wach- und Schließgefell' schaft nicht offen auch als Detektivinstitut? Dann wüßte doch jeder, woran er ist. SchulzengniS-Extravaganzen. Am Mittwoch behandelten wir eine Prügelaffäre von der 5 2. Gemeindeschule(Fruchtstraße). Wir haben auch hier, wie in ähnlichen Fällen, das letzte Schulzeugnis des betreffenden Schülers in Augenschein genommen. Dabei erregte eine Hand- schriftlich beigefügte Bemerkung unser Interesse, die sich auf den Zeugnissen der Berliner Gemeindeschulen gewöhnlich nicht vor zufinden pflegt. In einer Ecke stand eine Angabe über den— Klassenplatz des Schülers unter so und so vielen Mitschülern. Es ist nun bekanntlich schon dagewesen, daß die Halbjahrszensuren bei manchen Schülern auch andere al? die beabsichtigten erziehlichen Folgen gezeitigt haben. Infolgedessen sehen viele Eltern dem Halbjahrsschluß mit seiner Prüferei und Zensiererei immer mit etwas gemischten Gefühlen entgegen; ist doch„die Zahl der nervösen Kinder in unseren Gemeindeschulen verhältnismäßig hoch". Man sollte darum durch willkürlich angefügte Bemerkungen in Gestalt von Gesamtnummern das Zeugnis wenigstens nicht noch verschärfen. Zu den Versicherungen von zuständiger Stelle, daß in Berlin alles getan werde, um gewissen traurigen Vorfällen vorzubeugen, paßt diese Praxis keinesfalls. In mehreren Vor- orten ist diese pädagogische Unsitte noch generell im Schwünge. Unserem Laicnvcrstandc würde es widerstreben, einen Schüler in seiner angeblichen geistigen Leistungsfähigkeit sozusagen auf einen Ziffernwert zu bringen. Der Schüler soll ja noch in den Augen seiner Lehrer mehr sein als ein Unterrichtsobjekt, das man mit einer Nummer versieht. Wir können natürlich nicht entscheiden, ob die hier gerügte Unsitte auf eine„Liebhaberei" des betreffenden Lehrers, des Rektors oder des Schulinspekwrs hinausläuft. Jeden- falls hat die Städtische Schuldeputation das Setzen nach den Leistungen erst vor wenig Jahren direkt verboten. Geht es der Berliner Schuldeputation mit vernünftigen Anordnungen etlva ebenso wie manchen leitenden Reichs- und Staatsbürgern: daß nämlich die nachgeordneten Stellen sich mitunter nicht daran kehren? Die Mainummer des„Freien Arbeiter" ist polizeilich beschlag- nahmt worden. Diese Mitteilung wurde in der Maiversammlung der Anarchisten gemacht, die bei Boeker stattfand. Die Maiver- sammlung der Anarchisten im Lokal von Boeker bestand in dgr Hauptsache aus einer fulminanten Schimpfcpistel des Herrn Fritz Köster gegen die Sozialdemokratie und ihre Führer. Eine späte Beerdigung. Eine Frau Müller aus der Colberger Straße wurde auf dem Wege zum Johannes-Friedhof bei Plötzensee unerwartet vom Tode ereilt. Hinter dem Moabiter Schützcnhaus brach sie zusammen, und sie starb dann noch auf dem Transport zum Virchow-Krankenhaus. Im Krankenhaus nahmen die Aerzte einen Herzschlag an, doch mußte die Leiche dem Schauhaus zugeführt werden. Hier wurde am anderen Tage dem Gatten, als er die Leiche besichtigte, im Bureau von einem Beamten etwas von einer Beschlagnahme gesagt. Es werde, fügte man hinzu, wohl vier bis fünf Tage dauern, ehe die Staats- anwaltschaft die Leiche zur Beerdigung freigebe» könne. Die Familie brauche sich um nichts weiter zu kümmern, sondern nur zu warten, bis ihr der Bescheid in die Wohnung geschickt werde. Herr Müller richtete sich nach dieser Anweisung � und wartete. Er wartete in Geduld vier Tage, fünf Tage, sechs Tage, aber noch immer kam nicht der versprochene Bescheid. Am siebenten Tage nach dem Tode seiner Frau machte er sich auf, um persönlich im Schauhaus anzufragen, ob denn die Leiche noch nicht freigegeben sei. Hier wurde ihm geantwortet, die Leiche stehe noch da. Man habe sich selber schon gewundert, daß es so lange dauere. Nach weiteren zwei Tagen sprach Herr Müller nochmals im Schau- haus vor, und als ihin jetzt wieder keine befriedigende Auskunft gegeben werden konnte, begab er sich zur Staatsanwaltschaft Berlin III. Wie es ihm bei der S t aa t s a n w a l t scha f t er- ging, darüber erzählt er sehr Sonderbares. Im Bureau bemühte sich ein Beamter, in einer Liste nach Frau Müller zu suchen. Herr Muller meinte, der Beamte habe schließlich erklärt, sie stehe gar nicht drin. Es begann jetzt ein Telephonieren nach dem Schau- Haus, nach Plötzensee, auch nach Tegel. Aus den Reden des Beamten glaubt Herr Müller schließen zu sollen, daß die Staats- anwaltschaft gar keinen Bericht erhalten hatte. Wir müssen diese Angaben auf sich beruhen lassen. Das aber steht fest, daß erst am neunten Tage nach dem Tode der Frau du r ch das persönliche Eingreifen des Ehemannes die Erlaubnis zur Beerdigung erwirkt wurde. Er traf dann die nötigen Vorbereitungen, und schließlich wurde die Vcr- storbene erst am zwölften Tage zu Grabe getragen. Die Verhaftung eines Rechtsanwalts erregt in weiten Kreisen großes Aufsehen. Es handelt sich um den Rechtsanwalt Dr. Fritz Ehrhardt, der eine bedeutende und umfassende Praxis hat und sein Bureau in der Friedrichstr. 114 mit zwei anderen Anwälten gemeinsam betrieb. Ehrhardt führte seit etwa zwei Jahren einen erbitterten Kampf mit verschiedenen Leuten. Zu den Gegnern des Anwalts gehört unter anderem auch sein Stiefvater, der Verlagsbuchhändler Herlet aus der Potsdamer Straß« 113. Mit ihm führt er einen Prozeß wegen des Nachlasses seiner Mutter. Vorgeworfen wird dem Anwalt von seinen Gegnern Verleitung zur Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen und Meineid; außerdem vollendeter und versuchter Betrug, versuchte Erpressung, unfaire Praxis, Ueber- forderung bei Klienten. Schließlich entwickelte sich ein ganzer Rattenkönig von Prozessen und Verfahren; die Beschuldigungen gegen Ehrhardt häuften sich immer mehr und die Gegner traten mit solchem„Tatsachenmaterial" auf, daß schließlich der Unter- suchungsrichter die Verhaftung des E. verfügte, da Fluchtverdacht vorliege. Die Anschuldigungen lagen auch bereits der Anwalts- kammer vor, die aber die Sache zurücklegte, bis in einem von dem Hauptgegner des E., Anwalt Dr. König, gegen ihn anhängig ge- machten Verfahren das endgültige Urteil gesprochen sei. Der Ver- haftete bestreitet jede strafbare Verfehlung. Jedenfalls ist die Sache noch keineswegs geklärt. Gegen die Verhaftung ist bereits an zuständiger Stelle Beschwerde erhoben worden, die angeblich diele Aussicht auf Erfolg haben soll. Das Gerücht von einem Morde durchlief wieder einmal unseren Nachbarort Plötzensee. Dort landete man ungefähr 400 Schritte von der neuen Schleuse entfernt aus dem Spandauer Schiffahrts- kanal die Leiche eines Mannes, der mehrere Verletzungen am Kopfe aufwies. Weil auch die Hände zusammengebunden schienen. hieß es gleich, er sei gefesselt und mit Gewalt ins Wasser geworfen worden. Die Leiche wurde nach der Halle in Plötzensee gebracht. der Befund ergab, daß der Tote, dessen Persönlichkeit sich nicht mehr feststellen ließ, schon sehr lange im Wasser gelegen hat. Solange, oaß ihm inzwischen die Kleider stückweise vom Leibe gefallen sind. Dabei hatten sich die Fetzen um seine Hände gewickelt, die er zu- fällig zusammengeschlagen hatte. Die Kopfverletzungen rühren sicher von Schiffsschrauben oder Bootshaken her, da sie nach dem Tode dem Manne beigebracht worden sind. Ein Verbrechen ist also aus- geschlossen. Der Tote hatte eine gewöhnliche Siemontoiruhr und ein Bund Schlüssel bei sich. Mitteilungen über seine Persönlichkeit sind in der Plötzenseer Leichenhalle abzugeben. Schrecklich zugerichtet wurde Dienstag nachmittag die Arbeiterin Hedwig Holzfuß aus Fr.-Buchholz, bei einem Unfälle, den sie in den Elektrizitätswerken der Bergmanw-A.-G. erlitt. Als sie an einer Bohrmaschine beschäftigt war, kam sie dem Räderwerk so nahe, daß ihre Haare erfaßt wurden. Ehe sie noch zurücktreten konnte, war ihr am Vorderkopf das Haar vollständig ausgerissen worden. Die entsetzlich Zugerichtete siel besinnungslos um und wurde nach An- legung eines Notverbandes nach der Charit« gebracht. An den Knabenmord im Grunewald, der vor etwa zwei Jahren großes Aufsehen erregte, erinnert ein Selbstmordversuch, den der Tischler Schmalle am Dienstag in der Wohnung seiner Ehefrau in der Lehderstr. 64 in Weißensee verübte. Wie bekannt hatte Schmalle in einem Anfalle geistiger Umnachtung seinen 5jährigen Sohn im Grunewald vergiftet. Er wollte sich dann selbst das Leben nehmen, irrte einige Tage planlos in der Umgebung Berlins umher und wurde schließlich verhaftet. Der unglückliche Mann, der durch mißliche Familienverhältnisse zu der Tat getrieben wor- den war, wurde seinerzeit zu ö Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung zog er zu seiner Mutter und fand auch bald Beschäftigung in einem Schöneberger Fabrikbetriebe. Er be- mühte sich auch, eine Aussöhnung mit seiner Frau, die schon lange vor seiner Verurteilung von ihm getrennt lebte, herbeizuführen und zu diesem Zweck besuchte er seine Frau wiederholt ,n deren Wohnung in der Lehderstr. 94 in Weißensee. Als Frau Schmalle Dienstag früh mach Berlin fuhr, um im Geschäft Kleidungsstücke abzuliefern, öffnete der Tischler die Hähne der Gasleitung in der Küche, um, auf einem Stuhl neben der Kochmaschine sitzend, den Tod zu erwarten. Glücklicherweise kehrte Frau Sch. früher zurück. Sie fand ihren Mann bereits bewußtlos vor, doch gelang es einem sofort hinzugerufenen Arzt nach längeren Bemühungen, den Tischler wieder ins Leben zurückzurufen. Das Befinden des Lebensmüden war jedoch so bedenklich, daß er in das Auguste-Viktoria-Kranken- Hans eingeliefert werden mußte. Die Aerzte hoffen den bedauerns- werten Mann retten zu können. Abgestürzt. Auf dem Flugplatz Berlin-Johannisthal stürzte Mittwoch abend der russische Flieger Gordian HöS/ii mit seinem Dixieindecker aus beträchtlicher Höhe ab und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, so daß er nach dem Kreiskrankenhaus in Britz gebracht werden muhte. Der Aufstieg erfolgte kurz nach 8 Uhr. Hösli wollte den Goedeckereindecker, den die Dixigesellschast auf der„Ala" ausgestellt hatte, einfliegen. Der Flieger startete vom alten Startplatz und flog in einer Höhe von etwa 30 Metern. Er nahm den Kurs nach der Waldseite des Flugplatzes. Als Hösli die Kurve nehmen wollte, rutschte der Apparat nach der Seite ab. Er selbst fiel aus dem Aeroplan und schlug auf den Boden auf. Hösli blieb bewußtlos auf der Stelle liegen. Er hatte sich auch am Kopf und im Gesicht schwere Verletzungen zuzogen. Mit einem Automobil brachte man den Bewußtlosen in das Kreis- krankenhaus in Britz, wo eine schwere Gehirnerschütterung fest- gestellt wurde. In der Nacht zum Donnerstag ist der Abgestürzte gestorben. Das Siemens-Schuckcrt-Luftschiff war gestern dormittag 8 Uhr 30 Minuten vom Biesdorfer Gelände aufgestiegen mit der Äbsicht, auf dem Müggelsee eine Wasserlandung vorzunehmen. Diese ge- lang auch vorzüglich. Bei einem zweiten Versuch tauchten jedoch die Gondeln tiefer ins Wasser ein, so daß die laufenden seitlichen Propeller das Wasser berührten und verbogen wurden. Die Rück- fahrt zur Halle wurde mit den unversehrten rückwärtigen Pro- pellern angetreten. Als zur Landung in Biesdorf das Fangseil Endlich wird auch die von den Demokraten herausgegebene| wieder flar zutage, denn rund 62 Broz. aller Klagen wurden in abgeworfen werden sollte, stellte sich heraus, daß es bei der Wasser- Stichwahlparole bekannt. In der Generalversammlung, welche am ainer Woche, weitere 17 Proz. innerhalb zweier Wochen erledigt und landung unklar geworden war und nicht richtig abrollte und von Dienstag stattfand, wurde folgende Resolution nach langer, eins nur ein kleiner Teil zog sich längere Zeit hin infolge umfänglicher den Hilfsmannschaften infolgedessen nicht rechtzeitig erfaßt werden gehender Debatte angenommen: Beweisaufnahmen. Daß trotz der Beschleunigung die Rechtsprechung konnte. Das Luftschiff ging infolgedessen mit den drei Gondeln Der Demokratische Verein Neukölln vertritt nach wie vor den nicht schlecht gewesen sein kann, geht daraus hervor, daß in keinem in den Wald und zog eine Furche, wobei sämtliche Propeller ver- Standpunkt, daß die an der Wahlrechtsverschlechterung mittelbar einzigen Falle Berufung gegen die Endurteile eingelegt wurde. bogen wurden. Nachdem man vom Walde freigekommen war, oder unmittelbar beteiligten Parteien aus dem Stadtparlament verWilmersdorf. stieg das Luftschiff zu etwa 400 Meter Höhe empor. Hier wurden schwinden müssen. Deshalb fordert er bei ausdrücklicher Betonung in der Luft so gut wie möglich die Propeller gerade gerichtet und der Selbständigkeit der Demokratischen Vereinigung und prinzipiellen Großes Aufsehen verursachte am Mittwoch der Selbstmord des dann zur Landung auf den Feldern zwischen Raulsdorf und der Unterschiede zwischen dieser Partei und der sozialdemokratischen, die Ingenieurs Joseph Kurz aus der Augustastraße 5/6. Kurg, der im Ballonhalle geschritten, wo man wegen der Feldarbeit auf aus- Wähler der zweiten Abteilung im 2., 3. und 6. Bezirk auf, ihre 45. Lebensjahre stand, war verheiratet und bewohnte feit etwa reichende Hilfe rechnen konnte. Von hier aus wurde das Luft- Stimme bei der Stichwahl am 3. Mai den sozialdemokratischen einem Jahre eine größere Wohnung in der zweiten Etage des geschiff in die Halle geschleppt, wo es 11 Uhr 30 Minuten eintraf. Kandidaten zu geben." nannten Hauses. Vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr, als der Die Hülle ist vollkommen unverletzt, die Beschädigungen sind Soweit die Berichte der Neuköllner Zeitungen. Wie uns aber Ingenieur von einem Geschäftsgange zurüdgekehrt war, schloß er gering. mitgetei wurde, ist in dieser Resolution der Schlußsazz unterschlagen sich in seinem Arbeitszimmer ein, öffnete ein Fenster und stürzte worden. Wir können nicht feststellen, ob das mit oder ohne Absicht sich kopfüber auf die Straße hinab. Er blieb mit schweren äußeren und inneren Verlegungen blutüberströmt auf dem Bürgersteige geschehen ist, und wer dieses veranlaßt hat. liegen und starb unter den Händen eines hinzugerufenen Arztes. Der Grund zu der Tat ist bisher noch nicht einwandfrei feftgestellt worden, doch dürfte der Selbstmord auf nervöse Ueberreiztheit zurückzuführen sein. Bei der Berücksichtigung des Schlußsages, der da lautet: ,, und mit allen Kräften für die Wahl derselben einzutreten" gewinnt die ganze Resolution einen bedeutend energischeren Charakter. Wir können zunächst nicht annehmen, daß seitens der demos fratischen Vereinsleitung eine derartige Abschwächung der Resolution vorgenommen wurde, sondern glauben noch, daß die Redaktionen der Neuköllner Lokalzeitungen diese Aenderung vorgenommen haben. An unsere Parteigenossen möchten wir die Bitte knüpfen, am Tage sich recht zahlreich an den Wahlarbeiten zu beteiligen. Die Stichwahlaussichten sind überaus günstige. Die Deffentliche Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, Rungestr. 25/27, bersendet ihren 17. Jahresbericht, dem wir die folgenden Daten entnehmen: Im Jahre 1911 hat die LeseHalle 92 586( 1910: 98 731) Besucher gezählt, von denen 12 540 ( 14 626) auf die Sonntage entfielen. Der Tagesdurchschnitt des Jahres war 259; die Höchstzahl brachte der März mit 370, die geringste der August mit 161 Lesern. Die bevorstehende Reichstagswahl beeinflußte den Besuch der Lesehalle schon in den letzten Monaten des Jahres ungünstig, da die Männer durch Versammlungen und Wahlarbeit in Anspruch genommen waren. Eine starke Anziehungskraft übte neben den Zeitungen und Zeitschriften der Broschürentisch aus. Zur Auslage gelangten, dem verstärkten politischen Interesse folgend, u. a. die vom Nationalverein überwiesenen Hefte, wie: Die Vorfämpfer deutscher Freiheit"," Boltsschriften", ferner Schriften der„ Abeggstiftung" und des Dresdener„ Volkswohl". Vor Weihnachten wurden billige Ausgaben guter Bücher für die Sozialdemokratie abgegeben. ausgelegt. Trotzdem die Zeit nicht günstig für Bücherlesen war, Von unseren Parteigenossen hoffen wir bestimmt, daß sie sich hat die häusliche Entleihung ihre steigende Tendenz bewahrt. Ber- schon frühzeitig an der Wahlarbeit beteiligen und die äußerste lichen wurden 38 732 Bände( 1910: 37 651), von denen 27 Proz. Energie aufwenden, um die vereinigte Reaktion zu besiegen. wissenschaftlichen Inhalts waren. Dagegen wurden in der LeseHalle außer den von der Statistit nicht erfaßten Broschüren nur 6312 ( 8220) Bände gelesen. An der häuslichen Entleihung waren 29 090 ( 27 420) Besucher beteiligt. Neu eingeschrieben wurden 1100( 1183) Leser, darunter 32 Proz. aus kaufmännischen, 39 Proz. aus gewerblichen Berufen. Dem Bericht ist wieder ein Nachtrag mit den wichtigeren neu aufgenommenen Büchern angefügt. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am Sonntag, den 28. April, wurde auf der Bodentreppe des Hauses Rotherstraße 1 ein etwa acht Tage altes Kind weiblichen Geschlechts ausgefeßt aufgefunden und nach dem Städtischen Waisenhause, Alte Jakobstr. 33, gebracht. Das Kind war bekleidet mit weißem Jäckchen und Hemdchen. Eingewickelt war es in eine Windel aus Bettzeug, ein Barchenttuch, ein graues und ein rotkariertes Tuch. Mitteilungen über die pflichtvergessene Mutter werden im Polizeipräsidium, Zimmer 321, oder zu den Akten 1739 IV/ 59. 12 entgegengenommen. BERLINER NACHRICHTEN. Jm 2. Bezirk sind 45,8 Prozent der abgegebenen Stimmen 46,2 48 # 3. 6. " " " Die Stichwahlen finden heute Freitag, in der Zeit von 11 hr vormittags bis 8 1hr abends statt. Jeder Wähler übt das Wahlrecht in dem Bezirk aus, wo er am 1. August v. J. seine Wohnung innehatte. Wer in der Wähler liste steht, kann wählen. Wir bitten die Wähler, vorsichtshalber Legitimationspapiere mitzunehmen. Die Parteigenossen, welche nicht im Bezirk bestimmte Funktionen ausüben, bitten wir, sich im Wahl bureau bei Gemmeder, Kaiser- Friedrich- Str. 232, zu melden. Ebenfalls brauchen wir noch Radfahrer, auch dieſe wollen sich dort von 11 Uhr vormittags an melden. Gewählt wird in folgenden Bezirken: Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst entspann fich über einen Antrag des Gemeindevorstandes um Bewilligung von 24 000 m. für die Umzäunung des neuen Friedhofsgeländes in Gütergok eine lebhafte Debatte. Die große Mehrheit vertrat die Meinung, daß es vorläufig noch nicht nötig sei, das Gelände in Gütergog in Benuzung zu nehmen. Genosse Richter wies auf die ungünstige Lage dieses Geländes hin und erklärte, daß, bevor nicht für genügende Verkehrsmittel gesorgt sei, man den Friedenauer Einwohnern nicht zumuten könne, ihre verstorbenen Angehörigen dort zu beerdigen. Das Gelände sei besonders im Winter fast gar nicht zu erreichen. Ein Begräbnis würde unter diesen Umständen ein kleines Vermögen fosten und dadurch wäre es nur den Reichen möglich, ihre berstorbenen Angehörigen dorthin zu bringen. Außerdem könnte man aber noch bequem sechs Jahre mit dem in Friedenau vorhandenen Gelände auskommen. Der Meinung waren auch die meisten bürgerlichen Vertreter und so wurde der Antrag vertagt bis die nach gesuchte Bestätigung des Ministers eingelaufen ist, daß das noch in Friedenau vorhandene Gelände zu Friedhofszweden benutzt werden darf. Die Errichtung eines Friedhofes in Gütergog fostet übrigens die Kleinigkeit von annähernd 300 000 m. Hierauf tam ein Antrag zur Beratung, der Fürsorgevereinigung für die Beteranen 200 m. zu bewilligen. Der Verordnete v. Wrochem bedauerte, daß von Reichs und Staats wegen bis jetzt noch nichts für die Beteranen getan worden sei, dadurch sei die Gründung dieser Bereinigung notwendig geworden. Genosse Richter beantragte, daß die Gemeinde Geld direkt an die Veteranen zahlen soll. Dem wurde zugestimmt; ebenso einem weiteren Antrag, die Summe auf 400 M. zu erhöhen. Lichtenberg. Bouchéstraße, Glbeftraße, Fuldastr. 11-52, Harzerstr. 1-25 und 96-98, 2. Bezirk: Für den Abstimmungsbezirt a, umfassend Kaiser- Friedrich- Str. 29-55 und 195-221, Stöllnisches Ufer 50-74, Laube straße, Lohmühlenplay, Lohmühlenstraße, Disastr. 9-16 und 34-42, Schandauer Straße, Weichselplatz, Weichselstr. 11-60, Weigandufer 1 bis Ein schwerer Unfall, bei dem durch Feuer zwei Männer lebensBater, Tochter und Sohn verunglüdt. Ein Zusammenstoß 15/16, Weserstr. 32-58 und 164-188, Wiesenufer, in der Turnhalle des gefährlich und ein dritter leichter zu Schaden tamen, ereignete fich zwischen einem Geschäftswagen und einem Straßenbahnzuge, bei dem Kaifer- Friedrich- Realgymnasiums, Kaiser- Friedrich- Str. 209/210. vorgestern vormittag gegen 11 Uhr in der Kohlenstiftefabrik der Gedrei Personen verletzt wurden, ereignete sich am Mittwochabend Schlepplokal bei Bernert, Kaiser- Friedrich- Str. 202. Als der 49 Jahre alte gegen 7 Uhr am Andreasplatz. Dort versuchte der Kutscher Albert Für den Abstimmungsbezirk b, umfassend Anzengruber- brüder Siemens in der Herzbergstraße. Schent aus der Friedenstr. 97 mit einem von ihm gelenkten Straße, Berliner Str. 47/ 48-61, Berthelsdorfer Straße, Brodenstraße, Heizer Julius Janeschek vom Bismarcplag 2 zu Nummelsburg im Dammweg, Donaustr. 35-53 u. 86-98, Elsenstraße, Finowstraße, Harzer Maschinenhause Teermassen in die Feuerung schippte, schlug Geschäftswagen unmittelbar vor einem herannahenden Straßen- straße 26-95, Heidelberger Straße, Herzbergplak, Junſtr. 1-23 und 31 bahnzuge der Linie 70 das Gleis zu freuzen, wurde jedoch, bis 48, Kaiser- Friedrich- Str. 56-194, Stiefholzitrage, Stöllnisches User 1 bis plöglich eine große Stichflamme aus dem Ofen und erfaßte nicht obwohl der Führer des Motorwaggons fofort die Gefahr- 48/49, Richardstr. 1-8 und 108-120, Roseggerftr. 13-41, Straße 62 nur ihn, sondern auch den 40 Jahre alten Kohlenschlepper Karl bremse anwendete, angefahren. Bei dem Zusammenprall( Bienengartenallee), Stuttgarter Straße, Teupiger Str. 15-97, Thiemann Miered aus der Kronprinzenstr. 5 und einen dritten Mann, der wurden der Kutscher und seine beiden neben ihm sizenden Kinder Straße 1-14 und 26-40, Treptower Str. 10-44 und 51-96, Weigand gerade an der Feueranlage vorbeikam. auf das Straßenpflaster geschleudert. Schwent erlitt Quetschungen user 17-49, Weserstr. 59-162/ 163, Wildenbruchplay, Wildenbruchstraße, und Hautabschürfungen am ganzen Körper, seine neunjährige Tochter in der Turnhalle der 19. und 20. Gemeindeschule, Stuttgarter Straße 35/38. eine Quetschung des rechten Oberschenkels und der vierjährige Sohn Schlepplokal bei Künzel, Kaiser- Friedrich- Str. 171. eine Kopfwunde. Die drei Verunglückten erhielten auf der nahen Die fozialdemokratischen Kandidaten sind: Unfallstation am Grünen Weg die erste Hilfe und wurden dann nach ihrer Wohnung übergeführt. Bei dem Zusammenstoß wurde der Borderperron des Eisenbahnwagens erheblich beschädigt; eine Störung entstand infolge des Unfalles nicht. Vermißt wird seit 8 Tagen der 16 Jahre alte Richard Noat. Der junge Mensch verließ am Donnerstag, den 25. April, das Geschäft, in dem er beschäftigt war und ist bis heute nicht zu den Eltern zurüdgekehrt. Der Vermißte ist mittlerer Statur und trug einen dunkeltarierten Jadettanzug und einen Strohhut. Wer über Eltery des Noat, Stralauer Str. 13/14, born III, gelangen zu laffe Am 1. Mai bei der Maifeier in den Pharusfälen wurde gefunden ein Spazierſtock, verloren zwei Portemonnaies mit Inhalt. Ferner erhielt ein Genosse beim Billettkauf statt 10 Pf. ein Zehnmarkstück zurück. Im Voigttheater ist ein Trauring gefunden worden. Abzuholen beziv. abzuliefern sind diese Gegenstände im Wahlvereinsbureau Neue Hochstraße 23. Bei der Maifeier der Metallarbeiter in der Brauerei Friedrichshain ist eine Krawattennadel mit Photographie und Perlenrand gefunden worden. Abzuholen im Bureau, Charitéstr. 3, Zimmer 8, bon 9-1, 4-7. Bei der Maifeier in der Bockbrauerei, Tempelhofer Berg, find gefunden worden: 1 Herrenschirm, 1 Damengürtel. Abzuholen bei Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, born parterre. Neukölln. Vorort- Nachrichten. Die endgültige Entscheidung. Richard Felsch. Gastwirt, Knesebecstr. 48/49, Friedrich Fleischer, Zimmermeister, Allerstr. 44. Janeschet und Miered wurden so schwer getroffen, daß sie am ganzen Körper über und über mit Brandwunden bedeckt waren. Der dritte Mann erlitt Ber legungen am Gesicht. Alle drei wurden auf der Unfallstation des Betriebes verbunden. Der Heizer und der Schlepper mußten mit Rünzelschen Wagen nach dem Krankenhause am Friedrichshain ges bracht werden. Der leichter Verlegte konnte seine Wohnung auf3. Bezirk: Für den Abstimmungsbezirt a, umfassend Bergstr. 1-58 und 119-163, Donaustr. 54-85, Gärtnerstraße, Goethestraße, Herzbergstraße, Hohenzollernplay, Innstr. 24-30, Kirchgasse, Kirchsuchen. hofstr. 1-9 und 35-49, Richardplak, Richardstr. 9-53 und 64-107, Roseggerstr. 1-12 und 42-55, Rosenstraße, Schöneweider Straße, Treptower Straße 1-9 und 97-106, im Deutschen Wirtshause, Bergstr. 136 Schlepplokal bei Schenk, Rosenstr. 24. Dierstr. 3. Friedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurden die neus, refp. wiedergewählten Vertreter in ihr Amt eingeführt. Unsere Partei ist jetzt durch drei Genossen vertreten. Der gegenwärtige Bächter bis 118, Böhmische Straße, Brufendorfer Straße, Drorystraße, Elsterstraße, Für den Abstimmungsbezirk b, umfassend: Bergstr. 59 des Rieselguts, Herr von Treskow- Dahlwik, nötigt die Gemeinde, Grenzallee, Johann Hußstraße, Köllnische Allee, Stanner Straße, Lahn gegen ihn flagbar vorzugehen. Die auf dem Gut bisher lagernden Richardsir. 54--62/ 63, Saalestraße, Schudomastraße, Teupiger Str. 1-14 sie sind daher verkauft worden. Der Abfuhr dieser Röhren fetzte straße, Mareschstraße, Mittelbuschweg, Naumburger Straße, Niemeßstraße, Ton- und Drainröhren werden in absehbarer Zeit nicht gebraucht, und 98-111, Thiemannstr. 15-25, Thüringer Straße, Unstrutstraße, sich der Genannte aber entgegen und reklamierte sie als sein EigenWalterstr. 27-42, Wipperstraße, Beißer Straße, in der Turnhalle der tum, obwohl er vorher in einem Schreiben der Gemeinde ein KaufAlbrecht Dürer- Oberrealschule, Emierstr. 133-137. angebot gemacht hatte. Er hat sogar die Röhren, die einen Wert Schlepplofal bei Kraft, Kirchhofstr. 13. Der sozialdemokratische Kandidat ist Wilhelm Schuch, Maurermeister, bon zirka 3800 M. repräsentieren, zum Teil unter Verschluß genommen. Ziemlich ungünstig hat die Gemeinde in einem Recht 6. Bezirk. Für den Abstimmungsbezirta, umfassend: streit mit der Firma Held u. Frande abgeschnitten, weil sie es berBerliner Str. 1-46 und 62-107, Donaustr. 1-34 und 99-131, Erfstraße, säumte, seinerzeit, als Genosse Pinseler darauf hinwies und auch Fuldastr. 1-10 und 53-61, Sobrechtstr. 1-10 und 75-84, Raiser- Friedrich der Gemeindebaumeister es forderte, gegen diefe Firma einzustraße 1-28 und 222-248, Bannierstr. 1-3 und 61-64, Reuterstr. 18-26 schreiten. Sie hatte, entgegen den Vertragsbestimmungen, bei dem und 66-77, Schönstedtstraße, Weichselstr. 1-10 und 61-69 in dem Neubau der IV. Volksschule in Karlshorst Mörtel verwendet, der Martin Reuterschen Lokal, Reuterstr. 26, Ede Kaiser- Friedrichstraße. nach Meinung von Sachverständigen weniger wertvoll ist; sie hat Schlepplokal bei Albert Schmidt, Reuterstr. 23. Für den Abstimmungsbezirk b, umfassend: Biebrichstraße, in Afford mauern lassen, ungenügende Schußeinrichtungen getroffen Boddinstraße, Erlangerstraße, Hasenheide, Hermanaplay, Hermannstr. 1-27 und sich sonst noch Verstöße zu schulden kommen lassen. Der Bauund 233-258, Jarstr. 1-4 und 11-14, Mainzer Str. 1-26 und 37-60, leiter der obengenannten Firma war zugleich auch GemeindeverMünchener Strane, Reuterstr. 1-17 und 78-98/ 99, Wissmannstraße in der treter. Das verspätete Vorgehen der Gemeinde rächt sich jetzt daNeuen Welt, Hasenheide 108-114. durch, daß sie genötigt war, einen recht mageren Vergleich zu schließen. Es standen übrigens vier Bergleichsanträge auf der Tagesordnung, wovon einer der wichtigsten, nämlich der mit der Firma Bruch, in geheimer Sizung verhandelt wurde. Schlepplokal bei Zehrndt, Haienheide 9. Die sozialdemokratischen Kandidaten find: Hermann Wilte, Fabrikant, Fuldaftr. 55/56. Ernst Kohl, Eigentümer, Schillerpromenade 27. Im Krankenhause gestorben ist der fünfjährige Sohn der Arbeiträge für die Regulierung der Schloßstraße festgesetzt worden. Heute wird sich endgültig entscheiden, welche Busammenfeßung die nächste Stadtverordnetenversammlung haben wird. Seitens der Gegner wird mit Hochdruck gearbeitet. Ein ungeheurer Terrorismus beiterin Knabe aus der Weisestraße 16. Der Kleine hatte sich, wie wird gegen alle diejenigen geübt, die von der Stadt oder dem gemeldet, während der Abwesenheit der Mutter mit Streichhölzern Bürgertum abhängig sind. Diejenigen, welche nicht genug über den Terrorismus der Sozialdemokratie, der doch nur Notwehr ist, zetern können, genieren sich gar nicht, denjenigen Wählern, welche durch Amt oder Tätigkeit von der Stadt abhängig sind, ziemlich unver blümt den Boytott anzudrohen. Wir werden daher am heutigen Tage aus Notwehr ebenfalls von der Boykottverhängung denselben Gebrauch machen. zu schaffen gemacht und dabei schwere Brandwunden davongetragen. Borgestern mittag ist das Kind unter entseglichen Schmerzen im Buckower Krankenhause den Brandwunden erlegen. Steglitz. Wie erinnerlich, sind vor wenigen Wochen erst die AnliegerSiergegen waren Einsprüche erhoben worden, so daß sich die Gemeindevertretung abermals mit der Materie beschäftigen mußte. Ginige Bürgerliche boten dabei das Bild nadtester Interessenvertretung. Nicht genug damit, daß die Gemeinde die Baukosten der Straße und daneben die Hälfte der Grunderwerbskosten trägt, möchten diese Herren auch noch die andere Hälfte der Kosten, welche doch nur durch die geradezu unverschämten Forderungen einzelner Anlieger so hoch gewachsen sind, der Allgemeinheit aufbürden. Die Eine auffällige Steigerung der Klagen weist der vor kurzem er das verlangten, bewirkten aber gerade das Gegenteil und erweďten schienene Bericht des hiesigen Gewerbegerichts über das Jahr bei der Mehrzahl der Vertreter eine Stimmung, die eher zu einer Am gestrigen Tage haben die vereinigten Reaktionäre noch ein 1911 nach. Während im Vorjahre das Gericht nur in 216 Fällen fräftigeren Heranziehung der Anlieger geneigt war. Man ließ Flugblatt an die Wähler verteilt, das an Oberflächlichkeit noch die in Anspruch genommen wurde, stieg im Berichtsjahre die Zahl der es aber bei dem früheren Beschluß. Eine andere Sache betraf die bisherigen übertrifft. Klagen um 97, also auf 313. Wie stets entfällt auch diesmal der Festsetzung einer Pflichtstundenanordnung für die Lehrpersonen Die Lehrer sind verpflichtet 30, die Lehre Kein Wort ist darin enthalten zur Verteidigung ihrer Tätigkeit, Hauptanteil wieder auf das Baugewerbe, das mit 162 Klagen an den Belksschulen. fie scheinen selbst einzusehen, wie wenig Ehre sie damit einlegen vertreten ist. Innerhalb dieses Gewerbes rangieren Steinträger und rinnen 26 Stunden zu übernehmen. Lehrern von 45 Jahren foll Bauarbeiter mit 36 Klagen an erster Stelle, dann folgen die Puzzer die Zahl um 2, Lehrern von 50 Jahren um weitere 2 und den an In dem Flugblatt wird dann gewissenhaft der große Erfolg der mit 30, die Töpfer mit 26, die Maurer mit 23, die Schlosser der 1. und 2. Klasse unterrichtenden außerdem um 1 Stunde erSozialdemokratie geschildert und auf die bald bevorstehende Mehr- mit 10 Klagen; der Nest verteilt sich auf fast fämt- mäßigt werden. Für wissenschaftliche Lehrerinnen gilt das gleiche, heit derselben hingewiesen. liche Gruppen des Baugewerbes. Diese Zahlen beweisen wohingegen die Vergünstigung wegfällt, wenn eine bezahlte NebenDie Verbindung der rechten und der linken Reaktionäre recht aufs neue, daß der Bauschwindel trog aller Bekämpfung beschäftigung außer dem Fortbildungsschulunterricht ausgefertige sie mit den schönen Worten, daß sie sich im Gefühl immer noch blüht. Das Fabrifgewerbe war mit 24, übt wird. Unsere Genossen benutzten die Gelegenheit, auf die der Solidarität gegen die internationale Sozialdemo- sämtliche anderen Gewerbegruppen mit 127 Klagen beteiligt. Die dringende Notwendigkeit der Schulerweiterung hinzuweisen, damit tratie die hand gereicht haben zum Entscheidungs- Zunahme der weiblichen Kläger von 13 auf 34 läßt den Schluß zu, das System der fliegenden" Klassen beseitigt werde. Das wurde tampf gegen Gewalt und Tyrannei. daß die Kenntnis von der Institution des Gewerbegerichts sich mehr zugesagt. fönnen. Tempelhof. Eine bodenlosere Unverschämtheit ist bei diesen Wahlkämpfen und mehr auch unter den Gewerbegehilfen ausbreitet. Das Unnoch nicht vorgekommen. Ausgerechnet diefe notorischen Rechtsverdreher gesunde dez wirtschaftlichen Verhältnisse ipiegelt sich in der Tatsache, tämpfen also gegen Gewalt uns Tyrannei. Damit können sie doch daß nicht weniger als 236 Klagen auf Zahlung rückständigen Lohnes Die letzte Gemeindevertretersizung beschäftigte sich mit dem nur ihre eigenen Gewaltstreiche meinen, denn die Sozialdemokratie gerichtet waren. Eingeklagt wurden Beträge bis 20 m. in 102, 20 Projekt des Rathausneubaus. Das Gebäude soll auf dem 13 533 ist doch immer in der Minderheit gewesen. Der Zweck der llebung bis 50 M. in 85, 50-100 m. in 82 und über 100 m. in 45 Fällen Quadratmeter großen Grundstück an der Berliner Straße errichtet ist jedoch, die Wähler vor der sozialdemokratischen Mehrheit Angst Die höchste Klagesumme war 968 m. Die Zahl der Kläger betrug und diese Fläche zunächst nur zur Hälfte bebaut werden. Erst zu machen und pathetisch stellen sie daher die Wahlparole auf: 344. Die vermehrten Klagen stellten naturgemäß an das Gericht nach der Bebauung des Tempelhofer Feldes soll an die Ausführung Bis hierher und nicht weiter!" wesentlich erhöhte Anforderungen. So wurden von dem Vorsitzenden allein des zweiten Bauteiles gedacht werden. Von dem Bau eines Rats an 76 Terminstagen 332 Termine abgehalten. Das Spruchgericht mußte tellers sowie einer Dienstwohnung des zukünftigen Bürgermeisters anstatt 14 Terminstage im Vorjahre deren 28 mit 109( 78) Terminen nahm man aus Gründen der Zweckmäßigkeit Abstand. Das Ge abfolvieren. Der Gerichtsschreiber nahm 202 Klagen zu Protokoll bäude wird eine Front von 65 Metern einnehmen und von der gegen 164 des Vorjahres. Ein wesentlicher Vorzug der Gewerbe- Straße 30 Meter Abstand erhalten; auf diesem freien Plak sind gerichte, die Schnelligkeit des Verfahrens, trat auch im Berichtsjahre vorläufig gärtnerische Anlagen vorgesehen. Die Kosten des ersten " Die Solidarität der Sozialdemokratie muß zerschellen an der Solidarität der Bürgerschaft." Wir haben die feste Hoffnung, daß die Wählerschaft am heutigen Tage diese Wahlparole der Wahlrechtsräuber elend zuschanden machen und aur Ernüchterung derselben beitragen wird. Bauteiles sind auf 1 800 000 M. veranschlagt. Mit der Ausschreibung des Wettbewerbes, zu dem etwa 25 000 M. hergegeben werden sollen, konnte sich die sozialdemokratische Fraktion nicht einver- standen erklären. Genosse Schmidt riet, mit dieser erheblichen Be- lastung noch zu warten, bis der neue Baumeister für Hochbauten angestellt sei. Schöffe Jung, der sonst den sozialdemokratischen An- trägen nicht gut gesonnen ist, unterstützte den Antrag. Beschlossen wurde, diese Angelegenheit erst dein neuen Baumeister zur Be- arbeitung vorzulegen. Bei der Untersuchung der Kinder durch den Schularzt hat sich herausgestellt, daß recht viele unterernährt aus- sehen und die bereitgestellten Mittel zur Anschaffung von Zähnen, Milch usw. nicht ausreichen. Eine ganze Anzahl von Kindern leide an Blutarmut oder an Tuberkulose. Eine Gefundheitskommission bestehe zwar in Tempelhof, habe aber bis heute noch nichts geleistet. Sehr wichtig und zweckmäßig sei es, diese Kommission zu ver- stärken und größere Mittel für die Schulhygiene und Wohlfahrts- Pflege bereitzustellen! Diese Ratschläge wurden von dem Vertreter der zweiten Klasse, dem nationalliberalen Dr. med. Richter, dem- selben Herrn, der damals für die Freigabe der Schulaulen zur Abhaltung der hygienischen Vorträge für die Krankenkassen nicht ein Wort der Fürsprache fand, erteilt. Genosse Schmidt bedauerte, daß sich der Schularzt Dr. Magnussen an die Armenkommission wende, um eiuige Mittel flüssig zu machen; es sei dies um so sonderbarer, cm die Vertretung einen halbjährlichen Bericht vom Schularzt erwartet habe, bis heute aber noch nicht im Besitze eines solchen sei. Vom Vorsteher unterbrochen, wies Schmidt auf die Unmöglichkeit hin, eine so große Masse Kinder von einem einzigen Schularzt untersuchen zu lassen. Bewilligt wurden 500 M. für Schulhygiene und weitere 500 M. für Ferienkolonien.— Vor der amerikanischen Petroleumgesellschaft im Industrieviertel wird sich ein ganz großes Fabriketablisscment niederlassen. Der FiskuS hat sich bereit erklärt, daß Strahenland abzutreten und die Pflaster- kosten der Saulburgstratze zu ersetzen. Die Kosten werden von der Terraingesellschaft verauslagt, sie leistet an die Gemeinde eine Kaution von 30 000 M. Der Streit um die Dammbreite der Straßen auf dem Tempel- Ihofer Felde führte zu Auseinandersetzungen, wie sie erregter bisher im Dorfparlament nicht stattfanden. Unter den Gegnern des Feld- ankauft wurde eine Tammbreite von 7,50 Metern für» Wohn- straßen als ungenügend erachtet, während ein anderer Teil diese Breite für breit genug hält. Auch vom sozialdemokratischen Ver- trcter wurde unter Hervorkchrung des hygienischen Moments für breite Straßen plädiert. Vom Vorstandstische wurde auf die erheblichen Unterhaltungskosten aufmerksam gemacht. Hierauf erklärte der Herr Syndikus die Rechtsverhältnisse, wonach die Gesellschaft nach 8 5 ein klagbares Recht besitzt, wenn der Damm der Straße Nr. 11 breiter als 7,50 Meter wird. Der Vertreter der 1. Klasse, Dr. Schmidt, gab in drastischer Weise seiner Unzufrieden- lheit Ausdruck. Es hätte ja gar keinen Zweck, hier dann weiter zu verhandeln, wenn alles bereits vertraglich geregelt sei. Er brachte seine Mappe in Ordnung und schlug seinen Kollegen vor, nach Hause zu gehen. Die Unzufriedenheit mit den engen Straßen brach sich selbst bei den Herren durch, die damals im Eilmarsch- tempo dem Vertrage ihre Zustimmung gaben. Die Abstimmung ergab, daß sich einschließlich der vier Sozialdemokraten die Ver- tretung mit einer Stimme Majorität für eine breitere Straße erklärte. Aber schon bei der ersten nachfolgenden Abstimmung über weitere Straßen ging die Majorität durch den Umfall des Dr. med. Richter in die Brüche. Damit hat die Schenkung von 20000 M. der Feldgesellschaft an die Gemeinde zum Ankauf einer Dampf- spritze wenigstens einen Erfolg gehabt. Am Schlüsse der Sitzung erklärte sich die Vertretung mit der Anlegung des Parkringes ein- verstanden; Genosse Schmidt wünschte hierbei die Anlegung einer Anzahl Spielplätze. Aus der nichtöffentlichen Sitzung sei die Er- richtung eines Toreinganges zum Park an der Berliner Straße erwähnenswert. � Schöneiche(Nieder-Varnim). Zur Wasserversorgung wird amtlich mitgeteilt, daß die Ge- lmeinde Schöneiche an dem mit der Stadt Lichtenberg wegen Liefe- rung von Leitungswasser getroffenen Abkommen festhält. Die Kon. fercnz der 13 Gemeinden, die auf Einladung des Landrats statt- fand, hat auf den bereits in aller Form abgeschlossenen Vertrag keinen Einfluß. Wir halten diese Stellungnahme für eine bedauerliche; das ist eine Politik, die nicht über die eigene Nasenspitze hinausgeht. Die Hoffnung, daß durch die Initiative des Landrates die umliegenden Gemeinden zusammengeführt werden, um ein erstes gemeinsames Werk zu schaffen und dadurch auch den kleinsten und ärmsten Ge- meinden Gelegenheit zu einer hygienisch einwandfreien Wasserver- sorguna zu geben, ist— wenn nicht die übrigen Gemeinden eine verständigere Politik betreiben— etwas gesunken. Es hat den An- schein, als sei Schöneiche ängstlich bestrebt, jede Verbindung mit Nachbargemeinden zu meiden. Die bisherige Verkehrspolitii, der Bebauungsplan, die Gas- und jetzt die Wasserversorgung nötigen zu diesem Schluß. Augenblicklicher Vorteile willen betreibt die Ge- mcindevertretung eine Politik, die wohl den Beifall der Grund- und Bodenspekulanten finden wird, von der aufgeklärten Arbeiter- schaft aber wie von jedem einsichtigen Kommunalpolitiker auf das entschiedenste bekämpft werden muß. Nur um mit den nie- drigsten Steuern, der zurzeit billigsten Gas- und Wasserversorgung usw. Reklame betreiben zu können, werden Monopolverträgc abgeschlossen, die auf Jahrzehnte hinaus nicht nur jede gesunde Kommunalpolitik unmöglich machen, sondern auch den benachbarten Ge- meinden die Erfüllung wichtiger Kulturaufgaben erschweren. Eine derartige Kirchturmpolitik, die bereits die Aufsichtsbehörde zum Eingreifen genötigt hat, ist allerdings nur möglich, wenn die Ge- meindcvcrwaltung frei von sozialdemokratischen Vertretern ist. Pankow. Für die Nachwahl, die sich durch den Gewaltstreich der bürgcr- lichen Mehrheit der Gemeindevertretung im ersten Bezirk notwendig gemacht hat. ist der Termin nunmehr auch amtlich bekanntgegeben. Die Wahlhandlung wird sich über drei Tage erstrecken. Gewählt wird am Sonntag, den 12. Mai, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends, am Montag, den 13.. und Dienstag, den 14. Mai. von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends in der Turnhalle der II. Gemeindeschule tGrunowstraße). Nach Lage der Sache wird es zu einem heißen Ringen um die beidenMandate zwischen den Bürger- lichen und unserer Partei kommen. In beiden Lagern sind denn auch bereits die Wahlvorbcrcilmigen im vollen Gange. Die Bürgerlichen hoffe» bestimmt, aus ihrem gewalttätigen Vorgehen gegen unseren Erfolg vom 3. März für sich Nutzen zu ziehen. Sie spekulieren vor allen, auf den für sie günstigen Umstand, daß der mittlerweile statt- gehabte Aprilumzug bei der naturgemäß sehr lebhaften Fluktuation der proletarische» Wählerschas? auf die Mobilisierung der letzteren nach- teilig eingewirkt hat. Es wird daher eine Hauptaufgabe unserer Partei- genossen sein müssen, die verzogenen Wähler nach Möglichkeit zu ermitteln und— da diesen noch das Wahlrecht zusteht— erneut zur Stimm- abgäbe zu veranlassen. Dabei können die Genossen Groß- Berlins ein gut Teil behilflich sein, indem aus dem kommenden ZahlabeLd fam 8. Mai) sowie auf den Arbeits- statten usw. etwa für uns"» Frage kommende aus Pankow ver- zogene Wähler vom 3. März d. I auf ihre unbedingte Wahlpflicht in Pankow am 12.. 13. und 14. Mai hingewiesen werden. Die Ausübung ihre? Wahlrechtes wird diesen Wählern um so leichter und ohne besondere Opfer möglich sein, als die Wahl sich bei einer günstigen Wahlzeit über drei Tage erstreckt und so die Auswahl eines passenden TagcS und einer paffenden Stunde gestattet. ES muß dafür gesorgt werden, daß den bürger- lichen Vergewaltigern die Rechnung auch nach dieser Richtung gründlich verdorben wird. Daß eS bei der Wahl an dem obligaten .sanften Druck' auf die a b h ä n g i g e Wählerschaft von b ü r g e r- l i ch e r Seite gerade diesmal nicht mangeln wird, dürste nach den Erfahrungen dieser Wahlkampagne nicht zweifelhaft sein. Dem- gegenüber wird es an den organisierten Pankower Genossen liegen, daß sie durch rührige Beteiligung an den Wahlarbeiten, durch opferfreudige und tatkräftige Unterstützung des Wahlkomitees an den drei Wahltagen dafür Sorge zu tragen, daß auch der letzte Mann an den Wahllisch gebracht und so den Bürgerlichen gezeigt wird, daß wie am 3. März auch bei der kommenden Nachwahl die dritte Abteilung auch im ersten Bezirk zum Besitzstand der Sozialdemokratie gehört. Reinickendorf. Nach dem vor kurzem erschienenen Jahresberichte des hiesigen Gewerbe- und Kauf mannsgerichts für das Jahr 1911 sind im Berichtsjahre 206 Streitsachen bei dem Gewerbegericht an- hängig gemacht worden, das sind 38 Fälle mehr als im Vorjahre. Hinzu kommen noch aus dem vorigen Berichtsjahre 19 unerledigte Sachen, so daß im ganzen 222 Streitfälle zu erledigen waren. Zur Erledigung der anhängig gemachten Prozesse waren 310 Termine notwendig, die an 39 Gerichtstagen, davon 27 Tage ohne und an 12 Tagen mit Beisitzern abgehalten wurden. In 43 Fällen dauerte die Prozeßdauer bis zu drei Monaten und in 12 Fällen gar länger als drei Monate. Beweisausnahme war in 35 Fällen notwendig, während 52 Zeugen bzw. Sachverständige vernommen wurden. Die Gesamtzahl der Kläger betrug 275. In 31 Fällen wurde von mehreren Klägern durch gemeinschaftlichen Antrag Klage er- hoben; die Höchstzahl der zu einer Streitgenossenschaft vereinigten Kläger betrug 13. Von den 222 erledigten Streitfällen kommen auf das Baugewerbe 71, Fabrikbctricbc 72, Fuhrwerrsbetriebe 14, Handwerk 35, auf das Handelsgewerbe und sonstige Betriebe 30 Fälle. Der Wert des Streitgegenstandes betrug in 92 Fällen bis zu 20 M., in 47 Fällen bis zu 50 M., in 44 Fällen bis zu 100 Mk. und in 23 Fällen über 100 M. Das niedrigste Klageobjekt betrug 1 M., das höchste 906,25 M. Von den 222 Streitsachen sind erledigt durch Zurücknahme der Klage oder Nichterscheinen zur mündlichen Ver- Handlung 48 Fälle. Vergleiche wurden 71 abgeschlossen, rechts- kräftige Versäumnisurteile gegen die Parteien in 32 Fällen ver- hängt und nur in 32 Fällen wurde ein kontradiktorisches Endnrteil erzielt. Die Kosten des GewerbegerichtZ beliefen sich auf 528,45 M., demgegenüber steht eine Einnahme durch Gebühren von 106,92 M., so daß der Zuschuß der Gemeinde sich auf nur 420,53 M. beläuft. Das Gewerbegericht besteht aus dem Vorsitzenden nebst zwei Stell- Vertretern sowie aus 16 Beisitzern, von denen 11 Beisitzer aus den Reihen der Genossen besetzt sind. Das Kaufmannsgericht erledigte im Berichtsjahre von den 30 anhängig gemachten Streitsachen 23 Fälle, 7 Fälle wurden unerledigt in das neue Jahr übernommen. Der Wert des Streitgegenstandes betrug hier im niedrigsten Falle 12 Mk.. während das höchste Klageobjekt 3573,85 Mk. betrug. Kontradiktorische Endurteile wurden auch hier nur in drei Fällen erzielt, während die anderen durch Vergleiche, Zurücknahme der Klagen oder Nichterscheinen der Parteien erledigt worden sind. Das Kaufmannsgericht erforderte eine Ausgabe von 73,40 Mk., der eine Einnahme von 33,60 Mk. gegenübersteht. Potsdam. In einer Versammlung unter freiem Himmel referierte am Sonntag Reichstagsabgeordneftr P e u s über die neue Wichrvorlage und ihre Kostendeckung. Die Sozialdemokratie werde, so betonte der Referent, die bürgerlichen Parteien zwingen, offen Farbe zu bekennen, ob sie gewillt sind, B e s i tz st e u e r n für die neue Wehr- Vorlage zu beschließen. In der Diskussion sprach ein„weiter her- gekommener" Radfahrer im Sinne des Reichsverbandes und der Alldeutschen. Der Vorsitzende Genosse Staab kennzeichnete das neueste Phantasieprodukt des konservativen Wahlkreisvorsitzenden Frhr. v. Stösscl-Potsdam, nach welchem bereits vor der Wahl zwischen Freisinnigen und Sozialdemokratie ein „geheimes" Wahlbündnis für diesen Wahlkreis geschlossen worden sei. NowaweS. In der ausserordentlich stark besuchten Generalversammlung des Konsumvereins teilte der Vorsitzende des Aufsichtsrats init, daß die Verwaltung au Stelle des Ende März zurückgetretenen Geschäfts- führers den Leiter der Potsdamer Kousumgenossenschaft, Genossen Paul Krüger, mit der Führung der Geschäfte bis auf weiteres be- traut Hobe. Die Versammlung gab dieser Maßnahme die»ach- gesuchte Genehmigung.— Der wichtigste Punkt der Tagesordnung: „Verschmelzung mit der Potsdamer Konsum- genossenschast„Hoffnung" fand verhältnismäßig schnelle Erledigung. Nach der vom Aussschtsrat gegebenen Darlegung derGründe und Vorteile eines Zusummenschlusses fand eine Diskussion statt, in der alle Redner die Notwendigkeit dieses Schrittes anerkannten, so daß schließlich der Antrag der Verwaltung gegen wenige Stimmen angenommen wurde. Der von den Verwaltungen der beiden Vereine genieinsam ausgearbeite Vertragsentwurf sagt:„Der Konsumverein „Hoffnung" ist verpflichtet, den Konsumverein für Nowawes und Um- gegend mit Aktiven und Passiven noch dem jetzigen Stande zu über- nehmen, außerdem sämtliche Angestellte nebst bestehenden Dienst- und MictSverträge». Ebenfalls wird die Konsumgenossenschaft„Hoffnung" gehalten, ein Vorstandsmitglied aus der VerWallung des Nowaweser Vereins in ihren Vorstand zu wählen, außerdem bis zur Fertigstellung des neuen Statuts 2 bis 3 Aufsichtsralsmitglicder nach dem Vorschlage der Generalversammlung."— Demgemäß wählle die Versammlung zu Mitgliedern des Äufsichtsrates die Genossen Wittke und als Vorstandsmitglied den Kassierer Genossen Sabrowsli.— Die der Generalversammlung vorgelegte Bilanz für die erste Hälfte des neuen Geschäftsjahres fand' einstimmige An- nähme. Zum Schluß gab der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Hoffnung Ausdruck, daß sich der so bedeutungsvolle Beschluß für die Genossenschaflsbeweguug an den beiden Orlen als segensreich er- weisen und bei der Arbeiterschaft das notwendige Verständnis finden möchte. Huö aller Melt. Cm Londoner öpmtirtenprozeß. London, 30. April 1912. Medien, Wahrsager, Hellseher, kurzum die ganze Sippschaft der Geheimniskrämer, die von der Leichtgläubigkeit der Menschen leben. finden in den sich im Golde wälzenden oberen Gesellschaftsschichten der euglischen Hauptstadt ein dankbares Wirkungsfeld. In den teuersten Vierteln des Westens haben sie zu Dutzenden ihre Salons eingerichtet, deren Ausstattung und Zahl Zeugnis davon ablegen, daß die Unsicherheit der Liebesaffären und des Börsenspiels wenigstens einer Menschcnklasse sicheren Gewinn ei.'>bringt. Aber auch.unter den Professoren der esoterischen Wissenschaften gibt eS Rangunter- schiede. Wenigstens zwei Klassen sind zu unterscheiden: eine obere, die der östeniliche Ankläger nicht kennt, und eine untere, von der von Zeit zu Zeit ein Opferlamm gefordert wird. In dem vorliegenden Falle handelt es sich um ein australisches Medium, das einem Rechtsanwalt eine große Summe Geldes zum Nutzen der Geister entlockt haben soll. Australische Medien sollen besonders tüchtig fein, wie der Rechtsanwalt vor Gericht aus- sagte; die Leistungen dieses Mediums seiner Frau) auf dem Gebiete der Entmaterialisierung von Füufpfundnoten lassen darüber keinen Zweifel aufkommen. Der öffentliche Ankläger trat als Kläger auf. Er behauptet, das Medium und ihr Mann hätten von dem erwähnten Rechtsanwalt Geld unter falschen Vorspiegelungen erhalten. Unter den Geldem befand sich eine Summe von etwa 1000 Pfd. Sterling die einem Klienten des Anwalts gehörte und von diesem mißbraucht worden war. Der Rechtsanwalt, der im letzten Jahre Bankerott machte, erschien als Entlastungszeuge. Es ist namentlich die grenzenlose Leichtgläubigkeit des Zeugen die den Prozeß bemerkenswert macht. Aus den Verhandlungen ist zu entnehmen, daß der Zeuge zuerst mit dem Medium Bekanntschaft machte, um mit dem Geiste seiner verstorbenen Ge- liebten in Verbindung zutreten. Er schrieb Briefe an die Geliebte, die dann von einem anderen Geiste, den er den Brief- träger nannte, entmaterialistert und befördert wurden. „Warum nannten Sie.ihn Briefträger?" fragte der Staats- anwalt. „Ich erfuhr, daß er als verstorbener Chemiker sähig fei, Briefe zu entinaterialisieren und den Adressaten zu übermitteln." Bald scheint der Zeuge die Bekanntschaft eines anderen Geistes gemacht zu haben, der eine sonderbare Vorliebe für Fünfpfundnoten hatte. Mit dem Gelde, daL der Rechtsanwalt stets zur Stelle schaffte, sollte von der Geisterwelt aus auf dem Gummimarkt operiert werden, auf dem damals eine wilde Hausse einsetzte. Ein Brief des Zeugen an den geldhungrigen Geist lautete:„Ihr Geistervolk scheint die Blauen ebenso gut benützen zu können als wir— vielleicht noch besser. Wir aber bekommen wenigstens noch etwas für unser Geld. Was bekommt Ihr dafür? Das ist wohl ein Staatsgeheimnis und wird mit der Zeit erklärt werden, aber zum Teufel! Ihr laßt einen schrecklich lange auf der Folterbank. Man nimmt hier gewöhnlich an, daß das Bargeld an der anderen Seite des Styx keinen Wert hat, aber wir finden, daß Ihr unersättlich seid." In einem anderen Briefe heißt eS:„Ihr Geistervolk seid drollige Leute. Ihr könnt stets den Goldvogel auf- spüren. Ihr müßt ihn früher singen hören als wir. Mir ist es ein unbegreifliches Geheimnis, wie Ihr in der Hausse operieren könnt." In einem Antwortschreiben des Geistes schreibt dieser:„Er- bettle, borge oder stehle 50 Pfd. Sterl. für mich. Laß den Mut nicht sinken, alter Junge, unsere Anstrengungen werden gute Früchte tragen und die Götter sind auf unserer Seite." Eine ganze Reihe ähnlicher Briefe kamen im Gerichtssaale zur Verlesung. Der Zeuge bestand darauf, daß alles ehrlich und mit rechten Dingen zugegangen sei. Selbst als ihnr der Vertreter des öffentlichen Anklägers nachwies, daß seine Bank- noten zur Bezahlung der Wirtschaftsrechnungen des Mediums ver- wendet worden waren, wurde sein Glaube nicht er- schüttelt; er meinte, die Geister würden diese Verwendung an- geordnet haben. Aus persönlicher Erfahrung wisse er. daß man Goldstücke entmaterialisieren könne. Der Fall scheint nicht so sehr in das Gebiet des Psychologen oder des Psychiaters zu gehören als in das deS Soziologen, der daran den Pulsschlog einer senilen, der zweiten Kindheit entgegen- gehenden Gesellschaftsform studieren kann. Einsturzkatastrophe in Mannheim. Die in Reparatur befindliche Aufberettungsbrüche des Kohlen-, Koks» und Holzkohlengeschäfts M. Strohmeyer im Rheinauhafen ist in Mannheim Donncrstagnachmittag zu- sammcngestürzt. Dabei wurden vier Arbeiter 12 bis 15 Meter in die Tiefe gerissen. Ein Arbeiter, ein Monteur aus Mannheim blieb sofort tot am Platze liegen. zwei andere Arbeiter wurden so schwer verletzt, daß sie a n s dem Transport nach dem Krankenhau sc ver- st a r b e n, der vierte Arbeiter erlitt ebenfalls so s ch lv e r e Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt lvird. Kleine Notizen. Selbstmord eines Soldaten. In der Glei witzer Ulanen- kaserne wurde der Ulan Hirsch in seinem Bette vergiftet aufgesunden. Hirsch hat sich aus Furcht vor Strafe das Leben genommen. In PeterLdorf brannte Mittwoch nacht das Haus des Invaliden Julius Anton nieder, wobei die achtjährige Tochter des Besitzers in den Flammen umkam. Der Brandstiftung ver- dächtig ist die S ch w e st e r Antons, die als L e i ch e aus dem Dorftcich gezogen wurde. Schwerer Unfall cincS Fliegers. Gestern früh ist in Frank» f u r t a. M. der Aviatiker Robert Sommer aus Rebstock, der mit einem Eindecker einen Aufstieg unternommen hatte, infolge Versageus der Seitensteuer aus einer Höbe von zehn Metern abgestürzt. Er erlitt schwere innere Verletzungen und mußte in das Krankenhaus gebracht werden. Cingegangene Drudtfcbnften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 31. Hest des 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt deS Hestes heben wir hervor: Der Selbstmord im deutschen Heer. Ein Beitrag?,u den Wchrvorlagen. Von S. Drucker. — Der grohe Streik und seine Lehren. Von Th. Rothstein.(Schluh.)— Die Geschichte der großen amerikanischen Vermögen. Von Fritz Kummer. (Schluß.)— Teuerung, Gewerkschastserfolge und gewerkschastlicher Ausblick. Von August Bringmann.(Hamburgs— Katholizismus und Sozialdemokratie bei der Rcichstagswahl. Von K. Bl. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstalten und 5iolporlcure zum Preist von 3,25 M. pro Ouartat zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal aboimiert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Von der„Gleichheit", Zeitschrift sür die Interessen der Arvettertnncu, ist uns soeben Nr. 1k des 22. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Unsere Maiscier.— Frauenwabl- recht und Achtstundentag. Von Luise Zieh.— Der erste Mai und die Ar- bciteriunen. Von Matbilde Wurm.— Redende Zahlen.— Die Frau in der Industrie und Landwirtschaft Württembergs. II. Von m.— Zur Frauen- agitalion des Zentrums. Von W. 8.— Aus der Bewegung. Die„Gleichheit- erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; umcr Kreuzband 85 Pj. Jahresabonnement 2,K0 M. Vom„Wahren Jacob" ist soeben die 10. Nummer des 29. Jahrganges, 16 Seiten starl erschienen. Aus ihrem Inhalte erwähnen wir sol- gende Beiträge: Bilder: Die dauernde bayerische Sonnensinsternis. Von H. G. Jentzsch. — Aus der Lusljchifiausstellung. Von P. Frauensteiu.— Klerus und Mai- seier. Von Rich. Rost.— Der Ausgleich. Von Emil Erl.— Das „Dämpscn".— Maizauber. Von W. Lehmann.— Bavaria und die Jesuiten. Von Rich. Rost.— Der Zensurcnsanatiler. Von P. Thcsing.— Schreckliche Aussichten. Von P. Müller.— Pariser Polizei. Von P. Thesing. Text: Das homogene Ministerium. Von Tobias.— Titanic. Von H. P.— Von der„Ala».— Die Wandlung.— Porzelt. Wo» Tobias.— Armer Dallwitz.— Lieber Jacob I Von Jotthils Rauke.— Katzbalgerei. Von?. E. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Probenummcrn sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dtetz Nachs. G. m» H. in Stutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Lese- und Tiskutierklub„Paul Singer". Freitag, den 3. 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