N-. 107. nbonnemenU'ßcdlhjüttja: rrbonnemenlä- Preis btSnumcranhW «ierteljährl. 330 UM.. monatL 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nuimner S Pfg, Sonntags» nunimer mit illustrierter Sonntags» BeUage»Die Neue Welt' 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post.ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband r«* Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das iibrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostadonncyiemS nehmen an: Belgien. Däneinaich Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweis, 29. Iichrg- Gfötlot Kgll» außer Oentast. Verlinev Volksblstk. Vit tnfertlonS'Gebüif telrägl für die sechsgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins« und Versainmlungs.Auzeigcn 30 Pfg. „Ateine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. izulässig 2 fettgedruckt- Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasslellenan« zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jede» weitere Wort S Pfg. Worte über 10 Buch. ttaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis B Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpcdition Ist bis 7 Uhr abend- geöffnet, Telegramm- Adreffet ,.S»alaiiiilll»ilkat ßeru»". �entralorgan cler fozialäemokratifcken Partei veutfcdlanäs. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8S. Donnerstag, den 9. Mai 1912. Expedition: SM. 68» �.indenstvasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr» Ig8t. SelbstverstZnilliches. In den„Sozialistischen Monatsheften" beschwert sich Gerhard Hildebrand, der bekanntlich auf Antrag der Solinger Organisation aus der Partei ausgeschlossen worden ist, sehr lebhaft über dieses Vorgehen und in einem„Autodafü" be- titelten Artikel unterstützt Genosse Heine diese Beschwerde. Die liberale Presse bringt Artikel über„Ketzergerichte" und „Meinungsunterdrückung" und wenn man diese Auslassungen nicht zum tausendsten Male schon gehört hätte, würde man meinen, daß es in Deutschland nur einen Feind der Meinungsfreiheit gäbe, die deutsche Sozialdemokratie. An die liberale Presse wollen wir dabei weiter nicht viel Worte verschwenden. Es ist ein lächerlicher Schwindel, ivenn so getan wird. als ob eine Partei nicht das Recht hätte, von ihren Mitgliedern die Beachtung der Partei- grundsätze zu verlangen. Denn eben darin besteht ja gerade das Wesen einer Partei, datz ihre Mitglieder, die nach ihr in freiwilligem Entschluß beitreten, dies deshalb tun, weil sie die Ziele der Partei fördern wollen. Erkennt ein Parteimit- Mitglied, daß seine Ziele sich mit denen der Partei nicht mehr decken, so ist es eine Pflicht der einfachsten Loyalität, daraus die Konsequenzen zu ziehen und aus der Partei wieder aus- zutreten. Gerade das„Berl. Tageblatt" hat seinen Partei- genossen gegenüber diesen Standpunkt mit aller Schärfe ver- treten und es hat z. B. sehr kategorisch von Herrn Eickhoff verlangt, daß er wegen seiner reaktionären Haltung aus der Fortschrittspartei ausscheide. Ebenso verlangt das„Berl. Tageblatt" immer wieder von der nationalliberalen Partei, daß sie ihre rechtsstehenden Elemente entferne— mit der zutreffenden Begründung, datz Leute, die die liberale Partei- organisation nur dazu mißbrauchen, um antiliberale, konser- vative Politik zu machen, kein Recht hätten, dieser Organs- sation anzugehören. Und wenn ein Mitglied der Fortschritts- Partei zu der wissenschaftlicheu Ueberzeugung käme, daß die Forderungen des Rassenantiscmittsmus berechtigt seien, so darf man vermuten, datz das„B. T." sehr energisch den Austritt oder Ausschluß— im Namen der Geistesfreiheit, versteht sich — fordern würde. Wenn im Falle Hildebrand überhaupt ein Unterschied zwischen jenen anderen Fällen vorliegt, so höchstens der, daß die Differenzen, die die Herren Eickhoff oder die Oriola, Becker, Heyl usw. von ihren Parteien trennen, viel geringer sind als die Verschiedenheiten zwischen der Auffassung Hilde- brands und der Sozialdemokratie. Nun sagt Genosse Heine allerdings, daß es sich in dem Kampfe gegen jene Liberale uni Aktionen gehandelt habe, bei Hildebrand aber um Beschränkung der wissenschaftlichen Kritik. Dies ist aber durchaus irrtümlich. Wenn Hildebrand nur Kritik an unserer Theorie geübt hätte, es wäre, so wie es ja auch in der Tat geschehen ist, mit Gegenkritik geantwortet worden und niemand hätte einen Ausschluß für notwendig gehalten. Hildcbrand hat aber aus seinen theoretischen Untersuchungen sofort die praktisch-politischen Konsequenzen gezogen. Er ist ein Gegner des Freihandels und besür wartet den Schutzzoll, namentlich auch für die agrarische Produttion. Er lehnt die Milizforderung ab. fordert zwar gewiffe demokratische Reformen im Heerwesen, ist aber auch ohne deren Bewilligung bereit, in autzergewöhm liehen Fällen für notwendige Augenblicksforderungen ettv zutreten. Er verurteilt die ablehnende Haltung der Sozial� demokratie zur Kolonialpolittk und zum Imperialismus, erklärt die Erweiterung unseres Kolonialbesitzes für notwendig und geht so weit, die Forderung der bedingungslosen Er- Haltung des Weltfriedens, die wir im Marokkostreit vertreten haben, als zu weitgehend zu bezeichnen. Hildebrand nimmt also in den wichtiq'sten Gegenwartsfragen eine der Haltung der Partei genau entgegengesetzte Stellung ein, und wenn etwas unbegreiflich ist. so nur das eine, daß ein solcher Mann bei der Partei bleibt, die er doch eigentlich bekämpfen müßte. Aber, sagt Genosse Heine. Hildebrand meint ja nur, er hat ja nichts getan. Gedanken aber sind frei und nur den Handlungen ihrer Mitglieder kann eine Partei gewisse Schranken ziehen. Heine ist nur konsequent. wenn er betont, daß er z. B. auch gegen den Aus- schluß Friedebergs wegen dessen anarcho-sozialistischer Ueberzeugung gewesen sei. eine Folgerung, die ja die liberale Presse allerdings nicht zieht. Genosse Heine scheint uns da aber nicht nur zu übersehen, daß das Wesen einer Partei not- wendigerweise auf der Uebereinstinimung in den Grund- auschauungen ihrer Mitglieder beruht— danach sondern sich ja eben die verschiedenen Parteien—, er faßt auch unserer Meinung nach den Begriff der Aktion ganz falsch auf. Die Aktion der Parteigenossen besteht ja nicht nur in der Ab- stimmung im Reichstag oder in einem anderen Vertretungs- körper. Das Wichtigste ist vielmehr, daß das Mitglied einer Partei deren Forderungen unterstützt, für sie bei jeder Ge- legenhcit einttitt, die Anschauungen der Gegner zu widerlegen sucht und dadurch eben die Ziele der Partei fördert. Wenn Heine recht hätte, müßte es im Paragraph 1 unseres Orga- nisationsstatuts von nun an heißen: Zur Partei gehört jede Person, die sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt oder sie aufs schärfste bekämpft. Die Partei würde dadurch einfach zum Tummelplatz aller möglichen Konsujions- räte und sozialen Quacksalber, die dadurch die nöttge Resonanz für ihre Ansichten bekämen, die ihnen sonst fehlt. Dies ist auch in der Tat der Grund, weshalb manche Leute, die die Sozialdemottatie bekämpfen und ihre Grundanschauungen ver- werfen, trotzdem sich so sehr dagegen sträuben, die Partei zu verlassen. Sie verlieren dadurch den Widerhall vor allem in der gegnerischen Presse und darauf möchten sie nicht gerne verzichten. Die Naivität mancher Leute aber, die verlangen. daß die Macht und die Autorität einer Partei einfach zu ihrer Verfügung gestellt werde, damit sie desto bequemer die An- schauungen dieser Partei bekämpfen könnten, ist sicher kein Grund, daß die Partei sich selbst ihren Gegnern ausliefert. Dieser klare Sachverhalt kann auch durch die Ueber- treibungen nicht verhüllt werden, in die Genosse Heine leider verfällt. Er sieht den Fortschritt in den Partei- auschauungen bedroht, wenn der wissenschaftlichen Kritik durch den Ausschluß aus der Partei Schranken gezogen werden, und er vergleicht den Parteiausschluß mit den Mittelalter- lichen Ketzerverbrennungen und staatlichen Zwangsmaßregeln. Aber abgesehen davon, daß zwischen Verbrennung und Ein- kerkerung einerseits und einem Parteiausschlüsse denn doch noch einige Unterschiede bestehen bleiben und zwei ganz ver- schiedene Sachen dadurch nicht identtsch werden, daß man sie unter derselben Ueberschrift rubriziert, sind die Ueber- treibungen Heines auch sonst ganz haltlos. Wir wiederholen, daß Hildebrand ja nicht wegen theorettscher Krittk, sondern wegen prattischer Stellungnahme sich von der Partei trennen muß. Aber selbst wenn die Grenzen für die Meinungsfreiheit in der deutschen Sozialdemottatte nicht so außerordent- lich weit gezogen werden, wie sie es in der Tat sind, könnte die wissenschaftliche Fortentwickelung nicht im geringsten dadurch gehemmt werden. Die Sozialdemokratie hat wegen wissenschaftlicher Krittk an ihren Anschauungen noch nie jemanden ausgeschlossen. Wenn aber die wissenschaftliche Ueberzeugung eines Mannes ihn dazu führt, die sozialdemo- krattschen Anschauungen und damit die sozialdemokratische Politik für falsch zu halten und es ihm nicht gelingt, die Partei zu seinem Standpuntt zu bekehren, dann ist er eben kein Sozialdemottat und gehört nicht in die Partei. Aber damit ist ihm doch auch wirklich noch nicht die Möglich- keit genommen, wissenschaftlich weiterzuarbeiten. Heines Standpunkt ivürde in Wirklichkeit zu etwas viel Schlimmerem führen. Will er die Einheit im Handeln nicht aufheben, so muß er zum mindesten in allen wichttgen Fragen fordern, daß jemand, der die sozialdemottatischen Grundsätze verwirft, trotzdem sozialdemokratisch handelt. Das heißt aber etwas viel Unwürdigeres von ihm verlangen, als es die Trennung von dg: Partei ist. Deswegen meinen wir, daß der Ausschluß Hildcbrands von der Partei in ihrer überwälttgenden Majorität als S e l b st> Verständlichkeit empfunden werden wird. Die libe' ralen Meinungskämpfer, die wirklich anderswo weit bessere Gelegenheit hätten, für Mcinungsfteiheit zu kämpfen, werden da nickt viel Glück haben. Zu bedauern bleibt nur, daß Genosse Heine in einer ganz unmöglichen Konsequenzen machcrei die selbstverständliche Grundlage jeder Partei, die gemeinsame Ueberzeugung, leugnet, und dadurch den Gegnern zu ihrem Kampf der Heuchelei die nöttge Munitton liefert. Vertreter der imperialistischen Polittk sind in der Soziab demokratie ebenso unmöglich, wie Vertreter des Ultra> montanismus in der liberalen oder Propagandisten des Atheismus in der Zenttumspartei. Nur wer das Wesen einer Partei völlig leugnet, kann dem Irrtum verfallen, für eine Partei unbeschränkte Meinungsfreiheit zu verlangen. Berufsgruppen Sie fraueoeriverbssrbeit in der Industrie. In Nr. 102 des„Vorwärts" brachten wir bereits eine kurze Uebersicht über die Frauenerwerbsarbeit im Deutschen Reich nach der Bearbeitung der Berufszählungen von 1382, 180S und 1907, die die statistische Beilage des„Correspondenzblattes" der General- kommission unter dem 27. April veröffentlichte. Der heutige Artikel enthält einen Auszug über die Frauenarbeit in der Industrie. In dieser Berufsabteiluna wurden 1907 11 256'254 erwerbstätige männliche und weibliche Personen gezählt gegenüber 8 281 220 im Jahre 189ö und 6 396 166 im Jahre 1882. Nach der 1882 erfolgten amtlichen Berufszählung hatte noch die Landwirtschaft nach Zahl der beschäftigten Arbeiter und Ar» beiterinnen die Führerrollc. Bon 16 203 27S in den Hauptberufs- abteilungen Landwirtschaft. Industrie und Handel und Verkehr festgestellten Erwerbstätigen, die in allen drei Zählungen über neun Zehntel der insgesamt erwerbstätigen Personen in Deutsch- land umfaßten, kamen 1882 auf die Landwirtschaft 3 236 496 oder 50,8 Praz. die Industrie 6 396 465 oder 39,5 Proz., das Handels- und VerkehrSgcwerbe 1570 313 oder 9,7 Proz. Für 1907 stellte sich dagegen das Verhältnis wie folgt: Erwerbstätig waren in der Landwirtschaft 9 883 257 oder 40,2 Proz., in der Industrie 11 256 254 oder 45,7 Proz. und im Handels- und Verkehrsgewerbe 3 477 626 oder 14,1 Proz. Die größte Zahl aller beschäftigten Personen entfällt demnach heute auf die Industrie. Dagegen ist die Zahl der beschäftigten weiblichen Personen hier nicht so hoch als in der Landwirtschaft. weder absolut noch im Verhältnis zur Zahl der beschäftigten Männer. Es wurden gezählt: 1882 1895 1907 männliche Erwerbstätige. 5 269 489 6 760102 9152 330 weibliche.. 1 126 976 1Ö2U18 2 103 924 Die relattve Zunahme der Frauenarbeit' ist aber seit 1882 größer, als die der Beschästigungsziffer männlicher Personen in der Industrie. Diese vermehrte sich um 3 882 841 oder um 73,7 Prozent, die Zahl der erwerbstätigen weiblichen Personen stieg dagegen um 976 948 oder um 86,7 Proz. In der Ziffer über die Gesamterwerbstätigen sind sowohl die Selbständigen wie die Unselbständigen enthalten. Die letzten inte» essieren uns nun in höherem Maße, einmal der Zahl nach und dann auch, weil sich aus ihren Reihen in erster Linie die Mitglieder der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen rekrutieren. Die Veröffentlichung im„Correspondenzblatt" soll auch in der Haupt- fache den Zweck haben, die Zahl der organisationsfähigeji Arbeiter und Arbeiterinnen festzustellen. Als solche wurden in der Industrie gezählt:"■- � 1895 1907 männlich... 4950 786 7 003 536 weiblich... 948 278 1 456 803 zusammen 5 899 064 8 460 338 Dieser Nachweis läßt sich für 1882 nicht erbringen, da die damals erfolgte amtliche Zählung eine Gliederung nach der Art der beruflichen Stellungen, wie sie für 1895 und 1907 erfolgte, nicht vorgesehen hatte. Nahezu l�b Millionen sind also in der Industrie als Arbeite- rinnen tätig. Sie verteilen sich auf die einzelnen Berufsgruppen in folgender Weife:,> Zahl der«-genüb« ISSS Arbeiterinnen Weniger gewählt Textilindustrie...... 456 906 112153 Bekleidungsgewerbe.... 375 735 134 128 Industrie der NahrungS« und Genußmittel...... 172 616 67 317 Reinigungsgewerbe..... 78 928 80171 Industrie der Steine u. Erden 68 060 31 005 Metallverarbeitung..... 62 385 31290 Papierindustrie...... 61 916 25 094 Polygraphische Gewerbe... 33 372 19 529 Industrie der Maschinen, In- strumente und Apparate.. 32 992 23058 Industrie der Holz« und Schnitz- stoffe......... 29 546 10 657 Chemische Industrie.... 22883 8 899• Bergbau, Hütten- und Salinen- wesen, Torsgräberei... 19 146 8 877 Lederindustrie und Industrie lederariiger Stoffe.... 16746 8452 Baugewerbe....... 13 146 1 592 Industrie forstwirtsch. Nebenprodukte........ 7 663 8 871 Künstlerische Gewerbe.... 980 1 692 Fabrikanten, Fabrikarbeiter, Gesellen u.Gehilfen, deren nähere Erwerbstätigleit zweifelhaft bleibt......... 3 783- 2676 Von den 17 Berufsgruppen, welche die amtliche Statistik zur Berufsabteilung Industrie rechnet, ist also nur in einer ein Rück- gang der Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen seit 1895 festzu- stellen. Dieser ist aber auch nur ein scheinbarer und rührt wahr- scheinlich daher, daß es 1907 gelungen ist, für eine größere Anzahl Berufstätiger die nähere Berufsbezeichnung festzustellen und ihren speziellen Berufsarten einzugliedern, als dies 1895 der Fall war. Alle übrigen Berussgruppen weisen gegenüber den Feststellungen von 1895 Mehrbeschäftigung von Arbeiterinnen auf, oftmals sogar in erheblicher Höhe. In der Textilindustrie, im Bekleidungsgewerbe und im Reini- gungsgewerbe übersteigt die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen die der Arbeiter. In den übrigen Berufsgruppcn erreicht sie diese Zahl im günsttgsteu Falle nicht einmal zur Hälfte, ist aber trotzdem oftmals und namentlich für die Verhältnisse innerhalb der cinzel- neu Berufsgruppen von wesentlicher Bedeutung. Hierüber gibt die Statistik ausführlichen Bericht Und weist nach, daß Frauenarbeit selbst in den Berufen noch immer in er- heblichem Umfange anzutreffen ist, wo sie aus Gesundheitsrück- sichten eigentlich gesetzlich verboten sein müßte. Leider ist auch für die Zukunft in dieser Beziehung keine nennenswerte Aenderung des bestehenden Zustandes zu erwarten. Dort, wo nach der Novella zur Gewerbeordnung vom Dezember 1908 das Engagement von Frauen nach dein 1. April 1912 nicht mehr möglich ist, in Kokereien. bei dem Transport von Materialien auf Bauten aller Art, und im Bergbau über Tage bei der Forderung, beim Transport und bei der Verladung ist die Weiterbeschästigung noch immer bis zum 1. April 1915 gestattet und in einigen anderen Berufsarten, in Steinbrüchen, Steinhauereien sowie in den Steinkohlenbergwerken, Zink- und Bleibergwerken des Regierungsbezirks Oppeln, wo nach der Bundesratsbekanntmachung vom 31. Mai 1909 eine Einschrän- kung der Frauenarbeit nach dem 31. Dezember 1911 zu erlvartcn war, ist diese nach der Bundesratsbekanntmachung vom 28. November 1911 mit Erlaubnis der höheren Verwaltungsbehörde„bis auf iveitercs" gestattet. Bedauerlicherweise sind aber gerade die OrganisationSverhält- nisse in diesen Berufen so äußerst mangelhaft, so daß hierdurch und die weitgegangenen Grenzen der Äusbeutungsmöglichkcit, dieser auch fernerhin Tür und Tor geöffnet sind. Frauenarbeit. ist in der Hauptsache in den Berufen anzutreffen, welche die schlechtesten Arbeitsbedingungen haben, so vor allem in der Heimarbeit. Bedauerlicherweise läßt die amtliche Statistik die Zahl der als He i m a r b e i t e r tätigen männlichen und weiblichen Personen nur schätzungsweise feststellen. Hinzu kommt, daß es über- Haupt äußerst schwer, ja nahezu unmöglich ist, die Zahl der Heim- arbeiter in vollem Umfange darzustellen. Hierdurch bleiben aber Tausende von erwerbstätigen Frauen als Erwerbsarbeiterinnen ungezählt. Im„Correspondenzblatt" ist versucht worden, wenig- stens annähernd in den Berufsgruppen mit erheblicher Heimarbeit die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen dadurch zu bestimmen. daß der Ziffer der Arbeiterinnen auch die der Hausgewerbctrciben» den hinzugerechnet wird, welche die amtliche Bcrufszählung als selbständige Gewerbetreibende gesondert aufführt und außerdem die Zahl der mithelfenden Familienangehörigen angliedert. Li« auf diese Weise gewonnenen Zahlen sind natürlich erheblich höher als die vorhin angeführten. Sie ergeben für die hauptsächlich für Heimarbeit in Frage kommenden Berufe folgende Ziffern: Für die Textilindustrie 509 794, das Bekleidungsgewerbe 473 379, die Industrie der Holz- und Schnitzstoffe 41095, die ißahrungs- und Genrchmittclbranche 229 470 Personen. Diese vier Bcrufsgruppcn weisen auch die größte Zahl der durch die Statistik erfaßten Nebcnerwerbsfälle auf. 82,5 von je 190 insgesamt für die Industrie festgeftellteil Nebenerwcrbssälle entfallen auf diese Berufsgruppcn. Es ist dies arwh ganz natürlich. Bei den Nebenerwerbsfällen der Arbeiterinnen wird es sich eben in der Hauptsache um Heimarbeit handeln. Bei der Erwerbs- arbeit, die Frauen— und namentlich verheiratete— im Hause ausüben, ist es äußerst schwer, festzustelle», ob es sich um' eine hauptberufliche ErwerbSardeit, um Nebenarbeit oder um Mithilfe bei der Arbeit anderer Familienglieder handelt. Frauen— und zwar nicht nur verheiratete— reden es sich so oft ein, daß ihre Erwerbsarbeit nur etwas zum Hinzuverdienen sei. Sie halten es deshalb auch nicht für nötig, sich ihrer Berufsorganisation anzu- schließen und erschweren dadurch sich und anderen die Lebensbcdin- gungcn. Denselben Fehler begehen auch alle diejenigen, die da glauben, nur vorübergehend bis zur Heirat erwerbstätig zu sein und deshalb eine gewerkschaftliche Organisation nicht zu brauchen. Daß für die große Masse der weiblichen Erwerbstätigen die Arbeit eine dauernde Notwendigkeit geworden ist, ist von uns schon des öfteren bewiesen worden. Erneuten Beweis erbringt der Auszug aus der amtlichen Bcrufszählung mit dem Hinweis auf die Steige- rung der Ziffer verheirateter weiblicher Erwerbstätiger. In der Industrie stieg diese Zahl seit 1895 um 78,7 Proz.. die der Arbeiterinnen aber um nahezu das doppelte, nämlich 92,5 Proz. 447 947 insgesamt erwerbstätige verheiratete Frauen weist die Berufszählung von 1907 auf, ohne die Verwitweten und Geschiebe- nen zn berücksichtige». Gegenüber der Feststellung von 1895 bc- deutet dies ein Mehr vo» 197 281. Als Arbeiterin»«?» gelten hier- von 269 097 oder 129 292 verheiratete Frauen mehr als 1895 ge- zählt wurden. Werden diese Zahlen die gesetzgebenden Kör,-rschaftcn im Reich und in der Gemeinde veranlasse», dengcsetzlichenMaximal- arbcitstag für Frauen auf eine kürzere Zeit zu beschränken und Reformen des Schul- und Erziehungswesens anzustreben? Nach den bisherigen Erfahrungen werden auch die Resultate in bczug auf Zunahme der Ermerbsarbeit verheiratet«! Frauen kein Grund für die jetzige Mehrheit in den Parlamenten sein, in ihren Be- schküssen Rücksicht auf die Verhältnisse der besitzlosen Bevölkerung zu nehmen. Die sogar von Reglerungsvertretern empfohlene tveilerc Einschränkung des KlXllitionsren», da die Behandlung der Kellner in den New Dorker Restaurants überhaupt eine sehr schlechte ist. Auch das Küchenpersonal scheint sich dem Ausstände anschließen zu wollen. Ein deutscher Dampfer vermißt. New York, 8. Mai. Der Frachtdampfer.Augsburg" der Deutfch-Australifchen Dampfergesellschaft, der am 2. Februar von hier nach I a v a mit Kapitän Winter und 36 Mann Besatzung ab. gegangen ist. ist verloren gegeben, da man nicht» wieder von ihm gehört hat. Seine Ladung repräsentierte einen Wert von einer Million Mark. Straßenschlacht in einer amerikanischen Stadt. PottSville(Pennsylvanien), 8. Mai.(W. T. B.) In M i n e r S- V i 1 1 e kam es zu einem Auflauf, an dem etwa drei. tausend Menschen teilnahmen. Die Polizei mußte gegen di« erbitterte Menge einschreiten. Bier Personen wurden getötet und zahlreiche andere verletzt. 'PaulSinger t Eo., Berlin SV/. Hierzu 3 Beilagen».UnterhaltungSbl, Nr. 107. 29. ZahkMz. 1. KilM des jDtiüirls" Krlim HolMntl KMttstag, 9. W1Z12. Quittung. Im Monat April gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Am S. Lennep-Mettmann 2. Qu. 77(5,33. Barmen-Elberfeld 8. Du. 1250,—. Gießen-Griinberg 1. u. 2. Qu. 230,—. III. old. Kr. 74,10. 11. sächs. Kr. a Konto 300,—. Westprignitz 3. Qu. 31,96. 6. Leipzig, 13. sächs. Kr. 3. Qu. 7000,—. Wahlzuschuß zurückgezahlt Bez. Kassel 945,63. Breslau Ost u. West 3. Qu. 1781,92. Köln Reg. W. LO.-. 9. Falkenberg O./S. A. L. 3.-. 17. sächs. Kr. a Konto 1000,—. Erfurt-Ziegenrück a Konto 600,—. 19. Berlin, Ztg.-Abt. d..Vorwärts" 50,—. Kalau-Luckau 2. Qu. 291,20. Mülhausen i. E. 3. Qu. 221,10. Pommern für 13 Kreise 2. Qu. sAnklam- Demmin 23,58, Usedoni-Wollin 172,44, Randow-Greisenhagen 518,04, Stettin 575,80, Pyritz- Saatzig 12,30, Naugard- Liegenwalde 10,92, Greifenberg-Kammin 10,20, Stolp- Lauen- bürg 33,57, Bütow- Schlawe 7,20, Belgord- Dramburg 9.06, Neustettin 11,79, Stralsund-Rügen 220,26. Greifswald-Griinm�n 96,48) Sa. 1701,64. Mecklenburg-Strelitz 3. On. 134.90. 11. Essen 8. Qu. 1032,50, Neukölln I. V. H. 7,70. IS. Hildesheim 1. und L. Qu. 705,20, Patienten der Heilstätte Gütergotz 5,—. 13. Ncutz- Grcvenbroich 46,50. Berlin W. 50 T. 30,—. Konitsteinholzleger Alt- Stralau 9,50. 15. Leipzig 12. sächs. Kr. Rest vom 2. Qu. 459,86. Erstein-Molsheim 1. u. 2. Qu. 84,22. Lichtenberg Uebersch. v. Märzkr. v. d. sreiorg. Arb. d. Marg.-Werke.Berolina" 17,70. 19. Altona sür Binnenschiffer 24,—. 5. schlesw.-holst. Kr. 3. Qu. 460,27. 17. Witten- berg-Schweinitz a Konto 100,—. Delmenhorst 3. old. Kr. 182,62. Schwerin- Wismar 2. Qu. 342,48. Stendal-Osterburg 2. Qu. 212,54. Krefeld 8. Qu. 321,23. Zittau, 1. sächs. Kr. a Konto 500,—. 18. Leint» pcters, Saarbrücken, Wahlzuschuß zurück 648,18. 6. sächs. Kr. a Konto 3000,—. Hagen 3. Qu. 733,27. Magdeburg 3. Qu. 1648,77. Düsseldorf 8. Qu. 1560,17. Kastel 3. Qu. 645.80. 20. Bergheim-Euskirchen 3. Qu. 10.—. Delitzsch-Bitterfeld 2. Qu. (522,90. 4. els.-lothr. Kr. 42,50. Friedberg-Büdingeu 3. Qu. 393,60. Potsdam- Osthavelland 2. Qu. 755,18. SS. Rccklinghaujen- Borke» 3. Qu. 515,—. 23. Hechingen 3. Qu. 5,62. Aachen- Stadt 3 Qu. 128,90. Saargemünd-Forbach, 1., 2. u. 3. Qu. 62,28. Lüneburg, 16. Hann. Kr., 3. Qu. 220,—. Stuttgart, 1. würitbg. Kr.. 2. Qu. 2182,38. MörS-Rees 3. Qu. 145,76. Harburg- Rothenburg 3. Qu. 1320,43. 24. Barmen-Elbcrfcld.Rcst 3. Qu. 50.—. L. Hann. Kr. 3. Qu. 72,36. 2. old. Kr. 3. Qu. 778,44. 25. Aschers- lcben-Kalbe 3. Qu. 804,50. Wanzlebcn 3. Qu. 529.84. Altena- Iserlohn 3. Qu. 188,90. 16. württbg. Kr. 3. Qu. 23,76. Berlin, Neberich. v. Märzkr. Karl Flohr Werk Wittenau 22,—. 26. Ueber- schuß v. Märzkr. der Arb. u. Arbeiterinnen d. opt. Anstalt Goerz Friedenau 121,80. Aachen Land 3. O». 96,64. 27. Machetes 10,—. Obere Rheinprovinz 1. u. 2. Qu. 26,10. 4. sächs. Kr. a Konto 1500,—. Halle a. S. 3. Qu. 1379,60. Bon einer roten Geselleir feier 2.—. 29. Mannheim 3 Ahrweiler 2. Qu. 27,24. München Bonn-Rheinbach 3. Qu. 60,18. 1. Knabe 3,—. H. Erdmann Jungo 2,15. Koll. d. Fa. Stolzenberg i. Reinickend. 8. Qu. 55,46. Wolfenbüttel-Helmstedt 3. Qu. 1470,63. Mayen - Gladbach 3. Qu. 139,24. Wests. Kr. 3. Qu. 25,05. Berlin, Kranzübersch. v. d. 21,35. ZV. Kolmar i. E. Qu. 187,24.. Holzminden Eaudersheim 3. Qu. 201,45. Limbach- Mittweida 3. Qu. 991,88. 1. bad. Kr. 3. Qu. 109,18. Bremerhaven u. 19. Hann. Kr. 3. Qu. 1112,50. Solingen 3. Qu. 822,15. Berlin I. K. 1.—. Berlin Dr. L. A. 100,—. Berlin, Ueberschuß vom Märzkranz d. Arb. d. Fa. A. Borsig- Tegel 100,—. Mcske, Schlachtensee 10,—. Berlin A. B. 50.—. Berlin H. H. 50,—. Hennig. Argentinien, 5,—. Groß- Berlin a Konto seiner 8 Wahlkreise 15 000,—. Darunter: Alexander F. 6,—. Referat Weinberg f. Gastwirte durch Weise 6,—, Postkarten Genosse O. Roth, 5. Kr. 2. Abt.— ,50, Asbar 1,75, v. alten Taler für die Jugend 4,55, Arbeiter d. Fa. Sudikatis, Märzkranzüberschuß 6,60, v. d. Arbeitern d. Fa. Mechnig 29,20, Unbekannt 6,—, v. d. Herrenpartie des 6. Kreises 37,35, Kranzüber« schliß d. Arb. d. A. E-G., Abt. Schröter, Schlcgelstratze, 12,—, Nutz d. Harte 10,—, Märzkranzüberschuß d. fceiorgan. Arb. d. Fa. Flohr, Chansscestr. 60, 40,—, v. d. Kernmachern d. Fa. Kremer 5,—, Höppner 2,—, F. K. 100 1,—, Bleisteg 1,—, Ueberschuß vom Lese» abend, 5. Abt. 2,80, anstatt eines MärzkranzeS gesammelt für den neuen Wahlsonds v. d. Arb. d. Fa. Knorrbremse durch Rausch 52,20. v. d. Koll. u. Kolleginnen d. Fa. Lorenz. Ueberschuß v. Kranz f. d. Märzgefallenen 48,75. A. E.-G. Schlegelstr., Abteil. Schapow, 10,—. B. d. Arb. d. Fa. Muth u. Schind, Lichtenberg, 6,55. Märzkranz- Überschuß v. d. Angestellten d. Brauerei Patzenhofcr Abt. 1 89,15. Liemes feuiNeton Ei» neues Zensurverbot gegen die Freie Volksbühne. Die Freie Volksbühne begegnet bei der Aufftellung ihres Spielplanes für das nächste Jahr immer nenen polizeilichen Schwierigkeiten. Eben ist erst die Aufführung von R o s e n o w S Drama»Die im Schatten leben" vom Berliner Polizeipräsidenten verboten worden und schon erfolgt ein neues Attentat aus die Kunst. Ein für den nächsten Karfreitag geplantes, geistliches Konzert, das mit Hilfe des Berliner Volkschors in der Neuen Welt veranstaltet werden sollte, verfiel dem Verbot des Neuköllner Polizeipräsidiums. Das Verbot wird damit begründet, daß da« Programm nicht rein geistliche Musik enthalte. Geplant war die Aufführung de« Oratoriums„Franziskus" von E d g a r T i n e l. Da diese» Oratorium in seinem ersten Teil des heiligen Franziskus weltliches Leben und Belehrung behandelt, so ist anzunehmen, daß das Neuköllner Polizeipräsidium an dem weltlichen Leben des heiligen Franziskus Anstoß genommen hat. Die Argumentation des Polizeizensors ist naturlich völlig haltlos, denn eS kommt selbstverständlich auf den Gesamt- charakter etned Kunstwerkes an. Auch das geistlichste Kunstwerk ist ohne Anlehnung an Menschliches eben nicht denkbar. Und em Oratorium, das den heiligen Franziskus behandelt, muh naturlich feine EntWickelung geben und deren Anfang ist eben„inenschlisch im Sinne des Polizeigehirns. Die Leben der großen Heiligen sind zu Beginn überhaupt zumeist sehr menschlich oder weltlich Die katholische Kirche, die von diesen Dingen doch mehr versteht als der Neuköllner Ordnungsmann, hat diese Vergangeiiheiten nie geleugnet, im Gegenteil sie schildert recht drastisch die Sündhaftigkeit, um die Gnade der Bekehrung und das Verdienst der Heiligung um so kräftiger wirken zu lassen. Ein Neuköllner Zensor ist naturuch viel heiligmäßiger als die Kirche selbst. Die Fleischesanwandlungen deS heiligen Antonius wie daS arg weltliche � Leben des heiligen Augustinus sind nach dieser Nenköllner geistlichen Theorie asto mißerhalb des Bereichs geistlicher Musik. Das ganze KarfreitagSmusikverbot, da» an sich ganz unsinnig ist in einem weltlichen Staate, ist ja nur erträglich, wenn der Begriff istliche Musik" in einem vernünftigen Sinne interpretiert wird. sßir möchten inzwischen an den JnterpretanonSkünstler in Neukölln die �raae richten, ob er das Oratorium„Judas Makkabäus", das am UUten Karfreitag auf seinem Gebiet aufgeführt wurde, für rem oeistlich hält, oder„die Schöpfung". Ja. wir sind so naseweis, zu iraaen ob überhaupt irgend etwas Geistliches ohne menschliche» Substrat denkbar ist? Jedenfalls sind wir auf die neue transzendentale Geister, oder Geistestheorie sehr gespannt. Der schiefe Turm von Pisa. Kurze Zeit nach dem Zusammen- stürz des Markusturms ernannte das italienische Unterrichts- Ministerium eine von Ingenieuren und Architekten gebildete Kam- Mission, die über die Stabilität des schiefen Turms von Pisa Untersuchungen an�tekken sollte, �er Äericht bcc Koinmisston liegt nunmehr vor. Aus ihm erhellt, daß die Neigung des Turms im Wachsen begriffen ist. und zwar ist sie seit dem Jahre 1317 um vis Millimeter pro Meter der Turmhohe gewachsen. Der Druck, Männerchor„Fichte-Georginia" 20,—. Ueberschuß v. Märzkranz v. d. Metallwerken s. Beleuchtung 8,16. Gutenberg 35,—. Ueberschuß v. Märzkranz v. d. org. Arb. u. Arbeiterinnen d. Berl. Zigaretten- indusirie 61,90. Berlin, den 8. Mai 1912. Für den Parteibor st and: I. V.: Otto Braun, Lindenstr. 3. Wir haben unter Nr. 7918, A. Gerisch, F. Ebert, O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin ein Postscheckkonto und ersuchen daher dringend, alle Geldsendungen mittels Zahlkarte aus unser Postscheckkonto zu bewirken. Es können daraus an jedem Postschaltsr Beträge bis 10 009 M. portofrei für uns eingezahlt werden. Zahlkarten mit eingedruckter Adresse senden wir auf Wunsch zu. Reickstag. 56. Sitzung. Mittwoch, den 8. Mai 1912, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. S o l f. Die Diskussion über die Resolution der Kommission betreffend die Mischehen-Frage mit den dazu vorliegenden Anträgen wird fortgesetzt. Abg. Erzberger sZ.): Was der Staatssekretär in seiner Rede vertreten hat und was der Antrag Dr. Braband und Richthofen will. heißt das Roß beim Schwanz aufzäumen. Man will keine Mischlinge und verbietet die Mischehen. Dabei steht fest, daß 99 Prozent der Mischlinge nicht ans Mischehen sondern ans dem Konkubinat von Weißen und Schwarzen stammen und nur ein Prozent aus Mischehen. Wo bleibt denn da die Logik? Dann müßte man doch viel mehr Maßnahmen gegen den außerehe- lichen Geschlechtsverkehr, gegen das Konkubinat vor- schlagen. Davon habe ich aber bisher nichts gehört. Möge der Staalssekretär doch gegen seine Beamten, die sich mit Schwarzen abgeben, ebenso streng vorgehen, wie das in England geschieht, wo ein solcher Beamter entlassen oder versetzt wird. Das ist wenigstens logisch. Schicke man in erster Linie verheiratete Beamte in die Kolonien das ist viel wirksamer als ein Ber- bot der Ehe zwischen Weißen und Schwarzen. Die Ehe zu verbieten ist eine Brutalität ersten Ranges, es ist das Naturrecht jedes Menschen, sich so zu verehelichen, wie er es für richtig hält. Samoa ist ganz christlich. Sie verbieten also die Ehe zwischen Christen! Das ganze fft auch ein bloßer Lufthieb, denn die Trauung kann in jeder fremden Nachbarkolonie vollzogen werden und hat dann Gültig- keit auch für deutschen Kolonien. Ich kann Sie nur bitten, an dem Beschluß der Biidgetkommission festzuhalten.(Bravo! im Zentrum.) Abg. v. Böhlciidorf-Kölpi»(k.): Natürlich sind auch wir die aller- schärfsten Gegner jedes außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Den Hauplwert legen wir auf die Erziehung der Beamten, damit sie solche Mischehen nicht eingehen. Abg. v. Richthofen(natl.): Durch das Verbot der Mischehen wollen wir das R a s s e g e f ü h l der Weißen stärken. Dann wird anib der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Weißen und Schwarzen aufhören.(Lachen im Zentrum und bei den Sozial- dcinokraten.) Das beweisen die Erfahningen in Amerika. Gegenüber Herrn Erzberger betone ich, daß gerade die katholische Kirche eine ganze Reihe von Eheverboten zwischen Christen kennt, die im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht vorgesehen sind. Abg. Dr. Braband(Vp.): Ausgerechnet Herr Kollege L e d e- b o u r hat gestern eiiieii Teil meiner Rede als talmudistisch be- zeichnet, derselbe Herr Ledebour, der den Erlaß des Staatssekretärs auf seinen Stil unter die Lupe nahm. Abg. Dr. David(Soz.): Der Versuch der Konservativen, ihre Haltung mit dem Christen- tum in Einklang zu bringen, ist gänzlich mißlungen. Wenn Sie auf dem Standpunkt der christlichen Religion stehen, die die Gottes- kiiidschaft aller Menschen zur Basis sür ihre Moral macht, an der Sie nicht den geringsten Anlaß finden, die Menschen verschieden zu werten, und die außerdem noch sagt, daß die Ehen im Himmel geschlossen werden(Heiterkeit und Sehr gut I bei den Sozial- deinokraten), und wenn Sie es trotzdem hier unternehmen, Sturm zu lausen gegen die Eheschließung zwischen Christen— denn darum den der Turm auf den Untergrund ausübt, wird auf ein Maximum von 10 Kilogramm pro Ouadratzentimeter berechnet, der ungefähr der des schiefen Turmes von Bologna entspricht. Was die Ursachen der Schiefstellung des Turms betrifft, so nehmen die Kommissäre nicht, wie man das bisher getan hat. ein Nachlassen des Untergrun- des an, sondern vielmehr die Wirkung unterirdischer Quellen an der Basis deS Turmes. Die Arbeiten, die in den Jahren 1838 und 1839 ausgeführt wurden, haben der Sicherheit des Turmes zu großen Schaden gereicht. Man stieß dabei aus unterirdische Quellen, die es seither nicht gelungen ist. wieder zu schließen. In diesen Quellen liegt die Hauptgefahr für die Stabilität des Turmes. Ihr Waffer enthält beständig geringe Spuren von Erd- reich. Dieses wird allerdings zum größten Teil nicht aus den Fundamenten selbst, sondern aus dem Boden südwärts von ihnen weggespült. Trotzdem schädigt auch diese Wegspülung der Um- gebung die Fundamente zweifellos. Die Kommission kommt zu dem Schluß, daß eine unmittelbare Gefahr sür den Turm nicht bestünde, daß aber mindestens aller vier Jahre die statischen Per. Hältnisse des Turmes einer Prüfung unterzogen werden müßten. Außerdem rät sie, nickt lang», mit gründlichen Arbeiten zu warten, die auf Einfassung der Quellen gerichtet sein müssen. Theater. Kammerspiele: Mein Freund Teddy, Lustspiel von R i v o i r e und B e S n a r d. Der Onkel aus Amerika, der sich drüben den Wind hat um die Ohren pfeifen lassen und als dollar- schwerer, der Engigkeit konvcntinneller Vorurteile entwachsener Seif» mademan bei der Heimlehr allerhand Verzwicktes frisch zupackend inS richtige Gleise bringt— diese ehedem in deutschen Lustspielen und Volksstücken beliebte Gestalt hat mit dem Teddy der Herren Rivoire und Besnard mancherlei Verioandtschaft. Wenn auch kein Onkel, zeigt dieser eingeborene Amerikaner, den seine Reise in die elegante Poriser Welt führt, doch onkelhaftes Wohlwollen. Er hat Verstand, Gemüt und selbstverständlich auch die nötigen Millionen. So kauft er Rubensgemälde, die er mit einein Federstrich verschenkt, und widmu seine Dienste einer Dame, die er ohne Galanterien und Eheirrungen aus einer fatalen Ehe bcrausbugsiert. ES geht nicht ohne einige erklügelte Verrenkungen in den Situationen, aberim ganzen hebt sich das Stück mit.seiner Ironie und interessanten psychologischen Nüancierung beträchtlich über das gewohnte billige Niveau hinaus. Eine besondere Mischung von Naivität und Schlauheit, von Drauf- gängertiim und dezentester Zurückhaltung, von Leidenschaft und Nüchternheit, gibt der Figur bei allen mitlaufenden Unwahrscheinlich- leiten das Gepräge eigenartiger Individualität. Seine ungeschminkte Solidität und Tüchtigkeit wirkt durch den Kontrast zum hohlen Treiben der Umgebung noch eindrucksvoller und sympathischer. Wie selten trifft man in franzöfischen Komödien auf einen grad- gewachsenen, anständigen Kerl, der daran erinnert, daß es in der Welt noch etwas anderes als flüchtige Liebelei und Streberei gibt. Sehr amüsant schildert der erste Akt das Debüt des fremden Wundertieres in dem Salon Madame Morels. Teddy reagiert auf alle Anzapfungen mit halb natürlicher und halb gespielter Offenherzigkeit, die erst verlacht und dann als ein pikanter Reiz bestaunt wird. Er gerät sofort in enthlisiaftische Bewunderung für handelt es sich in Samoa— dann ist das ein solcher Widerspruch, der mit gesunder Logik nichts zu tun hat.(Sehr wahr I bei den Soz.) Was dos Argument der Rassereinbeit betrifft, auf das sich die Natianalliberalen und Freisinnigen stützen, so wird es durch die Tal- fache, daß 99 Prozent der Mischkinder unehelich sind, vollständig über den Haufen geworfen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Behauptung des Herrn v. Richthofen, das Eheverbot wäre ein Weg. die Zahl der unehelichen Mischkinder zu vermindern, beweist auch wieder eine Logik, bei der man sich an den Kopf greift. Wenn man die Eheschließung zwischen Weißen und Farbigen verhindert, so wird der Erfolg nur der sein, daß aus 99 Proz. unehelicher Mischkinder 100 P r o z. werden. (Sehr richtig I bei den Soz.) Herr v. Richthofen meinie, wenn man die Ehe verböte, so würde dadurch ein starkes Rassegefühl bei den Weißen erzeugt, so stark, daß sie in den Kolonien— Enthaltsamkeit üben? Oder was meinten Sie?(Große Heiterkeit.) Wenn Freiherr von Richthofen diese Konsequenz nicht ziehen will, so fällt damit seine ganze Logik wie ein Kartenhaus über den Haufen. und diese Konsequenz zu ziehen, geniert er sich noch etwas, so weit kennt er doch die menschliche Natur, daß er weiß, daß auch ein starkes Rassegefühl gegenüber. einem noch elementareren Gefühl die Segel streicht.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Erlaß des Staatssekretärs ist zunächst auf die samoanische Bevölkerung gemünzt. Nun sind gerade die Samoaner— darin stimmen alle Ethnographen überein, ein ganz hervorragend schön es und gesundes Boll. Ich glaube demgegenüber versagt daS Rassegefühl. Ja, mancher Weiße könnte vielleicht mit einer Samoanerin seine eigene Nachkommenschaft nicht degradieren, sondern aufbessern.(Große Heiterkeit und Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Jedenfalls sind die Samoanerinnen nicht in einen Tops zu werfen mit den Negerinnen. Sie sind nahe verwandt mit den Japanern. Wir hören zuweilen, daß ein Gesandter eine Japanerin heiratet und dann kommen die allerhöchsten Herrschaften und gratulieren ihm, da scheint man das Rassegefühl gänzlich verloren zuhaben.(Sehr gut I bei den Sozial- demokraten.) Nun sagt man, die Beamten sollen mit gutem Beispiel vorangehen, seither war das nicht der Fall, eher das Gegenteil. Wollte man alle Beamten zur Rechenschaft ziehen, die ihrerseits die Mischlingsbevölkernng vermehren, so wäre ein ganzer Ratten- k ö n i g von Prozessen die Folge. Unser Standpunkt ist der. es soll Sache der Sclbstcrziebung, der Selbstzucht jedes einzelnen sein, für die Güle seiner Nachkommenschaft zu sorgen. Das ist eine Forderung der sexuellen Moral. Wir wünschen auch nicht, daß planlos eine Mischbevölkernng erzeugt wird. Aber wir wollen nicht, daß da, wo es geschieht, die Frauen und Kinder sozial de- g r a d i e r t werden, daß man ihnen das Brandmal aufdrückt, wie auch bei uns leider den unehelichen Kindern, die doch wahrhaftig nichts dafür können, daß sie nicht in einer Ehe erzeugt sind. Deshalb sind wir ans Gründen der Menschlichkeit und Ge- rechtigkeit gegen daS Verfahren, dos Sie einschlagen wollen.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Die katholischen Eheverbote zwischen Ber- wandten sind erlassen im Interesse der zu erwartenden Kinder und verhindern eine Degenerierung der Rasse. Das hat nichts zu tun mit einem generellen Eheverbot zwischen Weißen und Farbigen. Wollen Sie einem Missionar verbieten mitzuwirken, daß ein Konkubinat zu einer Ehe wird? Was würde das für eine Brutalität sein I(Lebhafte Ziistimmung im Zentrum.) Dann sagt man, wir binden die Deutschen draußen. Ja wohl, ich wünsche, daß sie gebunden sind durch menschliches Recht und göttliches Gesetz.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Freiherr v. Richthosen(natl.) polemisiert gegen den Abg. David; die deutsche Rasse braucht keine Ver« b e s s e r u n g durch die Mischung mit Sainoanerinnen.(Zustimmung bei den Naiionalliberalen.) Damit schließt die Debatte. Die Resolution der Biidgetkommission, die einen Gesetzentwurf verlangt, welcher die Gültigkeit der Ehe zwischen Weißen und Ein- geborenen in allen deutschen Schutzgebieten sicherstellt und daS Recht derjenigen unehelichen Kinder regelt, auf welche etwa das Bürgerliche Gesetzbuch zurzeit nicht Anwendung findet, wird in namentlicher Abstimmung mit 203 gegen 133 Stimmen bei einer Stimm- enthaltnng angenommen. Mit der aus Sozialdemokraten und Zentrum bestehenden Mehrheit stimmen auch einzelne Freisinnige (die Abgg. Gothein, Kerschen st einer). Die Resolution der Kommission, welche einen Gesetzentwurf zur Einengung des Verordnungsrechts in den Schutzgebieten ver- die harmonisch liebenswürdige Hausherrin und nimmt in artiger Ergebenheit ihre Lektionen über den guten Ton entgegen. Sein Programm ist fix und fertig vom ersten Augenblick an: Diese Frau paßt nicht zu ihrem geckenhaften Gatten, der seine politische Karriere unter den schützenden Fittichen einer albernen Präsidentenwitwe ver- folgt; er muß sie selbst heiraten! Wie er den Plan ins Wer! zu setzen sucht und wie die Angebetete, der er von seinen Hoffnungen kein SterbsnSwörtlein sagt, zur Scheidung getrieben, erst einen süßholzraspslnden Rivalen mit ihrer Hand beglücken will— das bleibt freilich in der Motivierung ziemlich unklar. Die Charakter- komödie verflacht hier in der Mitte stellenweise zur gewöhnlichen Thealermache. Aber die so gewonnene Situation wird dann im Schlußakt wieder sehr glücklich zur Beleuchtung deS Chaiakters ausgenutzt. Der Umschlag von Teddys robuster Entschlußkraft in äußerste Reserve, seine Angst, der geliebten Frau seine Enttäuschung ja nicht merken zu lassen, lein resolutes Zugreifen, als man seine Hilfe anruft, und da« Sichfinden der beiden Menschen zeigt eine Fülle humorvoll feiner seelischer Beziehungen, die tief ins Wesen dieses wunderlichen Kauzes führen. Waßmann, der sein Talent so oft an bloße Spaßmacher- rollen verzetteln muß, schuf hier aus dem Vollen. In diskretester Mannier gezeichnet, jeder Versuchung zur Effekthascherei in weitem Bogen aus dem Wege gehend, schloß sich das Bild seines Teddy zu vollkommen lebendiger Einheit. Else Heims war eine reizend anmutvolle Madame Morel. AuS der hysterisch diktatorischen Präsidentin holte Rosa Bertens viel lustige Ergötzlichketten hervor. Dingelmann, Liedtke, Fiebag, Bendow assistierten geschickt in den Nebenrollen. Das Publikum, das sich trefflich zu unterhalten schien, dankte mit starken, Applaus._ dt. Notizen. — Musikchronik. Im Lessing-Museum(Brüder« straße 13) findet Donnerstag 8 Uhr ein L o e w e- A b e n d statt. an dem Dr. Leopold Hirschberg die drei großen Legenden des Meisters„Paria",„Der große Christoph" und„Gregor auf dem Stein" zum Vortrag bringt und erläutert. Eintritt frei. "7 Eine Geschichte der Arbeit gibt der bekannte Pariser Htstortker Prof. Georges R e n a r d im Verlag von Alcan in Paris her- ans. Sie wird 12 Bände umsassen, die einzeln um 5 Fr. käuflich sind. Das Werk wird in drei Jahren vollendet vorliegen. Der erste Band ist schon erschienen. Er behandelt„Die Arbeit in der römi- schen Welt" und hat den auch in Deutschland bekannten Partei- genossen Paul Louis zum Verfasser. — Eine Kometen statt st ik. Seit dem 16. Jahrhundert sind nach einer neuerdings aufgestellten Statistik 373 Kometen entdeckt worden. Von diesen 376 waren 106 periodisch, und 19 sind bei mehr als einer Wiederkehr beobachtet worden. Nur 56 waren für das unbewaffnete Auge sichtbar und 7 waren auch bei vollem Tageslicht zu erkennen. Die meisten Kometen sind in Marseille entdeckt worden, und zwar nicht weniger als 64: dann kommt Paris mit 46 Entdeckungen und hierauf Genf. Florenz, Sid, Nizza und Berlin mit 12—16 Kometenentdeckungen. lanftt itub die Mitwirkung der Neichkgesetzgesetzgekimg erweiteni will, wird u n g e n o m in e ir. ES folgen die Abstiinnmngen über die Abänderung der Bestimniungeii der stieschäftsordnuiig über Jnter- p e l l a t i o ii e n. Unter Ablehnung aller AbäiideriingSanträge werden die Anträge der Geschäftsordnungskommission angenommen. Ucber den Antrag der Konservativen, dah bei der Be« sprechnng einer Interpellation die Stellung eines Antrages unzulässig sein soll, wird namentlich abgestimmt; er wird mit 26ö gegen 67 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen a b- gelehnt. Stach Schlich der Abstimmungen erklärt Präsident Kacmpf: Die neue Geschäftsordnung tritt meines Er- achtens sofort in Kraft.(Iustimmung.) Der erste Tag für kleine Aufragen ist also der nächste Freitag, nachmittag 1 Uhr. Im Interesse des Geschäftsganges schlage ich vor, dah am Mittwoch bis zum Schluß der Sitzung etwaige Anfragen dem Bureau des Hauses übergeben werden.(Zurufe: Heute?) Jawohl; wcim die Anfragen heute am Schluß der Sitzung dem Bureau übergeben werden, so ist nur noch knappe Zeit dazu, sie dem Reichskanzler zu übermitteln und ihm die eit zu geben, die Autwort vorzubereiten. Wenn am Dienstag der ag für die kleinen Anfragen ist, so schlage ich vor, diese Anfragen am S o n n a b e n d bis zum Schluß der Sitzung dem Bureau zu übergeben. Das HauS ist mit diesem Vorschlag einverstanden. Es folgen die Abstimmungen über den Vorschlag der Geschäfts- ordnuiigSkoinmission betreffend die M i n d e st st ä r k e der Fraktionen und die dazu gestellten Anträge. Der Antrag V. G ä m p wahrt werdeir müßten. Eine Aenderung der Organisation werde eine Kräftezersplilterung herbeiführen. Eine Neuregelung der Kassen angelegenheiten solle bei Revision der Statuten erfolgen.— Die Kommission selbst hat keine Beschlüsse gefaßt. Vielniehr wird Mitte Mai die Frage in der Delegiertenversammlung der Union er- örlert, danach in den Vereinen berate» werden. Erst dann soll die endgültige Beschlußfaffung erfolgen. Die deutschen Sozialdemokraten Ungarns hielten jüngst eine Landeskonferenz ab. Man beschäftigte sich zu- nächst mit der Parteipresse, die aus den dreimal wöchentlich er- scheinenden Blättern in Budapest und Preßburg und dem Halb- Wochenblatt in Temeschwar besteht. Ein Antrag, diese Blätter zu einem Tageblatt zu vereinigen, ging zunächst an die Partei- leitung. Auf der Landeskonferenz waren 49 Organisationen auS 37 Gemeinden durch 53 Delegierte vertreten. Da alle Geldsammlungen verboten sind, konnten 46 Gemeinden nicht delegieren. Es gab auch hier, nach dem Bericht der Wiener „Arbeiterzeitung�, eine nationale Debatte insofern, als Genosse Baron erklärte, die Bewegung müsse sich auf die Feldarbeiter und Klein- dauern stützen, da die deutschen Industriearbeiter ja doch magyarisiert würden. Die Gewerkschaften vernachlässigten die deutschen Arbeiter. Diesen als separatistisch betrachteten Berichten— wogegen sich Baron allerdings unter Betonung dessen, daß die deutschen Arbeiter auf die magyarischen angewiesen seien, verwahrte— trat namentlich Genosse Kalmar entgegen, der betonte, daß BaronS Voraussetzungen über die Magyarisierung der Industriearbeiter falsch sei und daher auch die deutsche Bewogung keineswegs bloß als Feldarbeiter- bewegung angesehen und geleitet werden dürfe. pollreltiekes,©erlcbtliebev uf». Der überpinselte alte Zicten. Nach langem Kampfe war eS der Arbeiterschaft von Alt- Drewitz, im Kreise KönigSberg-Neumark. im genannten Orte ge- hingen, das Lokal des Gastwirts Hübner zu öffentlichen Volks- veriammlungen zu erhalten. Die erste Versammlung fand am Sonntag, den 23. April statt. Am 30. April lourde dem Gastwirt vom Herrn Amtsvorsteher Wolfram gegen EmpsangSbeschemigung folgendes Schreiben zu- gestellt. Der Amtsvorsteher«lt-Drewitz. den 29. April 1912. J.-Nr. 562 ZwangSandrohungSverfüguny. Nachdem Sie Ihre Lokalitäten den hiesigen Sozialdemokraten unbeschränkt preisgegeben haben, fordere ich Sie hierdurch auf, spätestens bis zum 4. Mai dieses Jahres die Ueberschrtst über Ihrem Gasthause„Zum alten Zieten" entfernen zu lassen, widrigenfalls diese Ueberschrift auf Ihre Kosten von Amts wegen entfernt werden wird. (Stempel.) Wolfram. Am 6. Mat erschien ein Herr Wachtmeister in Begleitung eines Malermeisters von Alt-Drewitz beim Gastwirt Hübner und meldete diesem, daß er im Auftrage des AmtSvorstehcrZ das Schild über seinem Gasthause zu ändern habe. Dem konnte der Gastwirt nicht entgegentreten; er mußte es ruhig mit ansehen, wie sein Schild mit weißer Farbe vom Maler- mcister überpinselt wurde. Em Glück für den Gastwirt, daß e« sich nur um den Namen „Zum alten Zieten" handelte. Hätte sein Gasthaus den Namen „Kaiser Wilhelm" oder„Deutscher Kronprinz" geführt, so wäre es vielleicht von„Amts wegen" gänzlich abgebrochen worden. Die Angelegenheit ist sofort einem Nechlsanwalt übergeben worden. Vielleicht ist eS möglich, da solches Vorgehen gegen Gastwirte im Kreise Königsberg nicht zur Seltenheit gehört, bei dieser Ge- legenheit herauszubekommen, ob sich die Amtsvorstcher selbst zu solchen Maßnahmen berechtigt halten, oder ob noch«höhere Stellen" dahinterstecken. Hu9 Industrie und ftandeL Gold- und Tiamautengeschäfte. Die großen Geldbanken, die ihre Hände in allen Groß- geschäftcn der Welt stecken haben, sind selbstverständlich an Gold- minen und Diamantenfeldern reichlich interessiert. Gerade Gold- und Diamantengesellschaften gelten auf den Börsen und bei dem spekulierenden Privatpublikum als Anlage mit Äussichten aus Riesendividendcn. Bei den Banken ist heute durchaus nicht mehr klar, ob sie das größere Interesse an der Gold- und Dia- mantenproduktion oder an der Majsenerzeuguny von Goldminen- und Diamantcnfeldcr-Akticngesellschasten und dem Handel mit deren Werten haben. Der Goldmincn- und Diamantenfelderkonzern der Deutschen Bank läßt jetzt wieder solche Gedanken in den Vordergrund treten. Die Deutsche Bank hat die Vertretung ihrer Interessen an Gold- minen- und Diamantenfeldern in einer Trustgesellschaft bereinigt, der A. Goerz u. C. Limited, London, einer nach englischem Aktien- recht gegründeten Verwaltungsgescllschaft. Sie besitzt zurzeit ein Aktienkapital von rund 30 Millionen Mark. Ucberdies haben andere deutsche Großbanken ebensolche Trusigesellschaften mit gleichen Aufgaben. So ist die General Mining and Finance Corporation das gleichartige Unternehmen der Dresdener Bank. Sie besitzt wieder neun große Minengesellschasten, die in Britisch-Südwest. afrika, zumeist im Transvaaldistriite, liegen. Das Aktienkapital dieser neun Unternehmungen, die durch die Muttergesellschaft kon- trolliert werden, beträgt zurzeit zusammen über 125 Millionen Mark. Die Gesellschaft verteilt diesmal infolge schlechter Kon- junktur keine Dividende. Das gleiche ist bei der Goerz u. Co. der Fall. Die Goerz u. Co. ijt mit Henffchastsmacht über 22 große Gesellschaften ausgestattet, die zumeist Goldminen sind und ebenfalls in Transvaal liegen. Aber auch in Mexiko und Deutsch-Südwest- afrika besitzt die Gesellschaft große Beteiligungen. Besonders inter- essant sind die Interessen des englischen TochtertrustS ber Deutschen Bank an Gesellschaften im deutschen Kolonialgebiet. Es handelt sich hier in erster Linie um die South West Africa Co. Sic wurde ebenfalls nach englischem Rechte, aber schon 1892 gegründet. Heute besitzt sie ein Aktienkapital von 36 Millionen Mark. Sie ist mit umfangreichsten Land-, Minen- und Eisenbahnrcchten ausgestattet. Diese Aktiengesellschaft ist charakterisiert durch ihre starke Be- teiligung und Kontrollicrung anderer südwestafrikanischer Unter- nehmen. Tie South West Africa Co. hat außer der bedeutenden Otavigesellschaft, mit der bekanntlich auch schon das Deutsche Reich Eisenbahngeschäfte gemacht hat, eigentliche selibstbetriebene Unter- nehmungen nennenswerter Art überhaupt nicht mehr. Ihre Haupt- aufgäbe ist wieder, als Trustgcsellschaft über eine ganze Anzahl von südwestafriianischen Unternehmen, Aktiengesellschaften, zu wachen und sie zu kontrollieren. Mit der Deutschen Kolonialgesellschaft für Slldwestafrika, der anderen größten deutschen Kolonalgesell- sthast, zusammen hat sie dabei außerdem noch einige wichtige Ko- lonialunternehmen gegründet. So die Hanseatische Land- und Minengesellschaft und die Kakao-Land- und Minengesellschaft. Wichtig ist auch, daß Diamantenfunde auf dem eigent- lichen Gebiete der South West Africa Co. gar nicht dem deutschen Handel zugute kommen. Diese Diamanten gehen vertrag- lich an das Debccrssyudikat, der bis zum Zumarktebringen deutscher Diamanten absolut allmächtigen Verkaufsstelle sür Dia- manten. Gewinne und Verluste dieser einzelnen Unternehmungen, ihrer mütterlichen Koutrollinstitute und noch höheren Kontrollgesell- schaften lassen sich überhaupt nicht genau mehr erkennen. Man weiß nur, daß auch hier wieder durch die Deutsche Bank über 1000 Millionen Mark arbeitendes Kapital kontrolliert wird. Dazu kommt dann die unheimliche Macht über den KurS der speku- lativen Aktienwertc all dieser Unternehmen, der ja immer, ganz gleich ob er steigt oder fällt, ber Geldbank Gewinne abwirft. Die Regierungen wollen solchen Mammuten gegenüber gar nichts weiter, als sich mit ihnen abfinden. So hat ja auch das deutsch« Kolonialamt unter anderem mit der South West Afriea Co., dem einen Tochtertrust der Goerztrustgescllschaft, die weit- gehendsten Verträge abgeschlossen. Dasselbe ist auch bei anderen Kolonialgesellschaften geschehen. Es mußte geschehen, denn die Kolonialunternehmungen besitzen ja den dritten Teil von Deutsch- Südwestafrika. Wenn auch starke KurS- und Konjunkturschwankungen gerade in der Goid- und Diamantenproduktion die Regel sind, die jetzigen schlechten Abschlüsse, und nicht nur in Südwestasrila, zeigen, daß hier manches Haar in der Suppe schwimmt. In Südwestasrila ist'S die durchaus unsichere Kenntnis über den Ilmsang der Diamanten- lager, von denen man nicht weiß, wie lange sie nock vorhalten. In der Goldproduktion ist es, besonders bei den Ranominen, die Ar- besterfrage, die eine entscheidende Rolle für die Gesellschaften spielt. Es bezeichnet eine hohe Entwickelungsstufe des KapitaliS- mus, wenn man daran denkt, daß neben tausend anderen Stellen auch in Südwestafrika die Negerlöhne für Diamantensuchen und in Transvaal die Minenarbcitcrverdicnste zuletzt doch immer wieder in den Dircktorialräumen der Deutschen Bank zu Berlin mit- bestimmt werden. Ebenso die Kurshöhe von Dutzenden spekulativer Werte. Und der Erfolg? Der Goldstrom fließt fortgesetzt, schwächer und stärker, in die Taschen der Besitzenden, unten stehen die Arbeiter und fordern und kämpfen, verlieren und— werden siegen._ Hu9 der frauenbcnegung. „Führende Frauen". I. Die Borträge der Jngendgrnppe des Vereins Frauen wohl wurden am 29. April fortgesetzt und am 6. Mai beendet. An dem vorletzte» Abend lautete das Thema:„Die 48er Bewegung und die Begründung der deutschen Frauenbewegung". Frau Bencle- Sckroer referierte über„Malvida von Meysenbug", Frau Regine Deutsch über„Luise Otto Peters und Auguste Schmidt". Wer mm geglaubt hatte, etwas über die Kämpfe der 48er Jahre zu hören, der wurde gründlich enttäuscht. Frau Benele- Schroer sah ihre Aufgabe darin, Malvida von Meysenbug nur von einer einzigen Seite zu schildern: als die Ministertochter, die gegen den Willen ihrer Angehörigen diese verließ, um sich eine aus eigene Arbeit begründete Existenz zu schaffen und trotz oder gerade infolge ihrer aristokratischen Ab- stammung von allen Menschen, auch den Frauen, forderte, nicht länger als Drohnen zu leben, sondern jede Arbeit zu ergreifen, „weil die niedrigste Arbeit, wenn sie eine Pflicht ist. den Menschen ehrt".(Meysenbug, Memoiren II.) Bon der Demokratin Meysenbug, die mit allen Revolutionären der 40er und 59er Jahre sympathisierte, zum Teil auch persönlich verkehrte. sprach Frau Beneke- Schroer überhaupt nicht. Gewiß ist M. v. M. Zeit ihres Lebens Jdeologin geblieben, aber sie sah das Ziel der Zukunft in der Befreiung der Völker und des Individuum? vom Despotismus de§ Staates und der Familie, und sie forderte für die Arbeiter das Recht,„sich zu verbinden zu Zwecken der Bildung, der gegenseitigen Unterstützung der wahren Solidarität— nicht als eine Klasse der Opposition um jeden Preis, sondern als eine wohlberechligle Klasse der Gesellschaft, ja zum Teil als deren wahre Grundlage, die ihre Rechte haben muß, damit sie ihre Pflichten üben kann". Malvida v. Meysenbugs Bedeutung liegt für die Frau von heute mehr auf politischem, wie auf rein erzieherischem Gebiet, weil sie eine der wenigen war, die die Politik aus dem Leben der Frau nicht ausgeschaltet sehen wollte, sondern ein wesentliches ErziehungS« mittel zum ganzen Menschen in ihr erblickte. L u i s e O t t o P e t e r s hat sich gleich Malvida v. Meysenbug hohe Verdienste erworben um die bessere Erziehung des weib- lichen Geschlechts. Ihr war es vergönnt zur p r a kt i s ch en Lösung dieser Frage durch die Gründung der Frauenschule in Leipzig gewissermaßen den ersten Anstoß zu geben. Frau Regine Deutsch entwarf ein fesselndes Bild des an Entbehrung und Versolgniig reichen Lebens dieser ersten deutschen Pionierin auf dem Gebiete der Frauenbewegung. Auch Luise Otto forderte die politische Freiheit aller, weil ohne sie kein Fortschritt denkbar sei. 1866 gab sie die Zeitschrift„Neue Bahnen" heraus, die von Auguste Schmidt redigiert wurden; 1865 gründete sie den Allgemeinen deutschen Frau ende rein und 1869 in Berlin den ersten ArbeiterinnenbildungStcerein, der aber 1877 schon wieder einging.— Sie ist ihr Leben lang eine auf- richtige Freundin und Kämpferin für das arbeitende Volk gewesen, aber den Anschluß an dieSozialdcmolratie hat sie nichtzu finden gewußt. Ihre langjährige Mitarbeiterin und Freundin, aber nicht Ge« sinnungsgenossin, A u g u st e S ch m i d t hat der Arbeiterklasse keine Sympathie und Verständnis entgegengebracht. 1394 kam cS in Berlin zur Gründung des Bundes deutscher Frauenvereine, bei der sich die Mehrzahl der anwesenden Vereine gegen die Aufnahme offenkundig sozialdemokratischer Vereine" erklärte. Frau Regine Deutsch läßt die Frage offen, ob dieser Ausschluß zustande gekommen wäre, hätte die damals geistig und körperlich nicht mehr frische 76jährige Luise Otto Peters noch ihren alten Einfluß geltend machen können. Nun hätte Luise Otto PeterS, die bald darauf starb, diese„rein- liche Scheidung" hinaus schieben können, aber eingetreten wäre sie auf jeden Fall. Die Wortführerin im Kampfe gegen die Zulassung sozialdemokratischer Vereine war Auguste Schmidt, die darin eine„Gefahr" für den„Bund" erblickte, obwohl politische Frauen- vereine zu jener Zeit noch gar nicht vorhanden sein konnten und auch nicht existierten. Daß sich unter den vier Frauen, die gegen diesen Beschluß protestierten und für die Zulassung der sozialdemo- lratischen Vereine eintraten, Frau Cauer befand, beweist, daß sich schon bei der Gründung des Bundes eine reaktionäre und ei« radikale Richtung geltend zu machen suchte. , Leseabende. Mariendorf. Donnerstag, den 9. d. M., abends 8 Uhr, bei Restaurateur Paul, Königstraße 14. Borsigwalde. Der Frauen-Leseabend findet diesmal umständehalber am Freitag, den 19. Mai, abends 8'/- Uhr, in den Borsig. walder Festsälen statt. Vortrag des Genossen Kurt Heinig.— Zur Versammlung am Frauentag, Sonntag, den 12. Mai, treffen sich die Genossinnen mittags 1 Uhr im Restaurant von Strauß. Versammlungen— Veranstaltungen. Bcrcin für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Der Treffpunkt für die Besichtigung deS Asyls für Obdachlose(Fröbelstraße 15) ist für Sonntag, den 12. Mai um Vs6 Uhr(nicht 6'/a Uhr) festgesetzt. Nachtrag 104/13' zu unserer in Nr. 89 dieser Zeitung veröffentlichten Bilanz: Die Gesamt« hastsumme bei 169 Genossen beträgt am 30. September 1911 1555 Mark. Geschästsguthaben und Hastsumme haben sich um 15 M. vermehrt. Biickereigenosscnschaft Volksbrot Eingetragene Genoffenschast mit beschränkter Hastpflicht. Der Vorstand: Xollabn, htSIinor. 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Fahrstuhlarbeiter bei Wilke, Sebasttanstr. 39. Hilfsarbeiter im Englische« Garten. Alexanderstr. 27 c. Vollzähliges Erscheinen der in Frage kommenden Kollegen erwartet 133/6» Der Zweigvereinsvorstand. E lÜMWnmtMl! zu Berlin.= Außerordentl. Generalversammlung am Sonntag, den 12. Mai. vormittags Präzise 10 Uhr, in Graumanns Festsälen. Naunynstr. 27. Tagesordnung: 1. Auslosung der Kasse. 2. Gründung eines BereinS. 3. Statntenberatnng. lSS8b IMF*- Mitgliedsbuch legitimiert.-MG Zahlreiches und pünktliches Erscheine» der Mitglieder ist nötig. Ber Yoratand. I. A.: H Rhaude, Vorsitzender. svmtf cvm-wnijimv rShw! 'Uiifunn' 1'»--.-'"«..�..'.'->0,1.�7""-I•••• s-'»--».....' _ 4_____■'_.'____ Manoli Ci�areiie* Jpecialmarken Abbas Dandy Gibson GM e "„■HMar--ieu.lt«",—.T/T"....——>11"--""> wt«•■..■-"•Olftü'" THwaV"-'»'.Ul.l-''-1 ii im,, 11*1»"l'if,tttturrimrii>,�ii>illt''rnim(tti,ii.ittiil'Il'iu I!.,�„III7>'rini.n,!, � nf-n � ,, ,i,ttin«,»i,«tz!> Zühne l.SO H. lO Jahre Garantie.____ Zahnarzt Wolf, Potsdamer Strohe 55(Hochbahnstation). Lieferwage» und alle ! Räder Palisadenftratze 101) Sorten ISSOb AN DIE ARBEITERSCHAFT GROSS-BERLINS Die Berliner Oewerkacbaftskommlaaion und die Leitung des Zentralverbandes der«oelaldemotra tischen Wahl vereine hat am 3. April(vgl„VorwärU" vom 5. April) betchlossen,„das Vorgehen des Propaeanda- Ausschunes.Für Gross-Berlint der durch eine umlassende Agitation die Bevölkerung von Berlin und seinen Vororten über die Wich und des Ausbaues eines grosszi htirkeit weitriumiger ögigen Verkehrswesens i sucht, .tzen DIE NÄCHSTEN VERANSTALTDNGEN. Dienstag, 14.Mal abends SVzülir PRACHTSÄLE W., Splohernatraßa 3 Landtagsabgeordn. Paul Hirsch über: „DleAufgaben des Zweckverbandes" Professor Dr. Edvard Lehmann über: „Die Sommerfrische für jedes Kind" Privat-Dozent Dr. Werner Welsbach über„Groß Berliner Stadtbaukunst" BOCK-BRAUEREI, Tempelhofer Berg DirektorWetokamp-Schönebergübers „Die Oroß-BerUner Spielplatzfrage" Geheim. Medizinai-Rat Professor Dr. Ewald über„Berliner Waldschutz" Dr.W. Hegemann über„Gartenstädte" Paul Hirsch, M. d. A.(Thema s. oben) Mit Zustimmung der erwähnten Körperschaften ergebt die Aufforderung an die Berliner Arbeiterschaft die Veranstaltungen recht zahlreich zu besuchen Morgen Freitag, den 10. Mal, Anfang pünktl. 8 V« Uhr abends NEUE WELT, HASENHEIDE 108-114 Fräulein Dr. Gertrud Bäumer über: „DieFrau und die Wohnungspolitik" Dr. Fr. Naumann über:„Oroß-Berlln" KONKORDIA- SÄLE. Andreasstr. 64 Professor Dr. Paul Sommerfeld über: „Die Hygiene der Wohnung" Reichstagsabg. Dr. Quarck über:„Die Wohnungspolitik der Kommunen" Dr. Jablonskl, Vors. des Waldschutzvereins über„Berliner Waldschutz" HIERAUF; FREIE DISKUSSION An diesem Schild sind die Läden erkennbar, TU in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Hantorgflltig in Konntraktlon und Aanführiinc, gleich vorzüglich für Hausgebrauch a. Indnatrle. H Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERLIN, Leipziger Straße OS. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. E Abessinier- Punipen zum Selbstausstellen sür Gartenbesitzer u. Lauben lolonisten von 8 M. a» Flügelpumpen, Gartenspritzen» Filter. Röhren, Schläuche usw. billigst. Erdbohrer leihweise. Kgf! Köchlin& Go. Berlin SW.f (IV 1676) 20/22 ■Zlthung v. 13.-18. Mal 1912 i Orooa» Ooburtfer| jelö-Sotterie 17553 Geldgewinne ohft« hhz*i- Al m Lose O Port0 o.Ll! Emil Stiller,«»Ä? LIsteSO Pf.«slr. id versend«; auch Los nur 1 MarK. Ziehung schon 1 4. Mai ung sei UecklentarglscbePferd»- otterie L 1588 4 70000 darunter 50 Pferde, W. Mark: 40000 I. Haopterewinn W. 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LandwirtschastSminister Frhr. v. Echorlemer: Der Gesetzentwurf ist hervorgerufen durch die andauernden Verluste beut» schen Besitzes. Der Kampf des Deutschtums gegen die Dänen und Polen um den ländlichen Grundbesitz ist nun einmal unver« meidlich. Trotz der Tätigkeit der 188S ins Leben � gerufenen An» siedelungskommisfion nimmt der deutsche Besitz in Posen und Westpreutzen dauernd ab.(Hörtl bört I bei den Sozial- demokraten.) Und auch in Ostpreusten, Schlesien und Pommern vermehrt sich der polnische Besitz. In Oberscblesien ist das Zusammenleben der durch die Sprache zum Teil geschiedenen Bewohner durch die von auhen hinein getragene grostpolnische Be- wegung gewist nicht im Staatsinteresie sehr empfindlich gestört worden. AehnlicheS ist in Rheinland-Westfalen zu gewärtigen. In einem Artikel»Die Polen im Westen bei den Reichstagswahlen' wird gesagt, dast wohl die gröstere Hälfte der dortigen Polen schon im ersten Wahlgang den Sozialdemokraten gewählt und entgegen der EnthallungSparole des polnischen ZentralwahlkomiteeS die Polen bei der Stichwahl überwiegend sozialdemokratisch gewählt haben, so in Essen und Dortmund. Die Wirtschaftspolitik der dortigen polnischen Blätter stimme völlig mit der der Sozialdemo- kratie überein. DaS schreibt die„Kölni'che BolkSzeitung', die doch gewist die weitgehendste Rücksicht auf polnische Wünsche und Jnter« effen genommen hat. Der Minister wiederholt dann den bereits bekannten Inhalt des Gesetzes, betont, dast das Dänentum ebenso vordringe wie das Polentum und ersucht um Annahme der national und wirtschaftlich bedeutenden Vorlage.(Lebhasier Beifall rechts und bei den Nationalliberalen. Zischen bei den Polen und Dänen, erneuter Beifall rechts und bei de» Nationalliberalen.) Abg. v. TreSkow(t.) begrüßt die Einbringung der Vorlage und fordert ihre Ausdehnung auf die Provinz Brandenburg.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich beantrage Ucberweisung an die Budgetkommission. Abg. Klocke sg.) begrüht zwar die Einführung de« im Interesse deS Bauernstandes gelegenen AncrbenrechtS. lehnt aber die Vorlage in der vorliegenden Form nach den Erfahrungen mit der Ansiedelungs- Politik, bei der die katholischen Bauern als national minderwertig betrachtet werden, ab. Das sind unsere Bedenken. sRufe bei den Polen: Mehr nicht?) Die'Besitzfestigung mühte allen Landesteilen zugute kommen, dann würde sie ein Berg des Friedens und Segens. Ich beantrage Ucberweisung an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern.(Beifall im Zentrum.) Abg. Glatzel(natl.): Dast wir der Vorlage freundlich gegen- überstehen, werden Sie erwartet haben.(Natürlich I bei den Polen und Sozialdemokraten.) Vor Pfingsten wird sich die Vorlage wohl nicht verabschieden lassen. Mit der Ueberweisung an die Budget- konimission sind wir einverstanden.(Beifall rechts und bei den Rationalliberalen.) Abg. Wolff-Lissa(Vp.): Für solche Ausnahmegesetze sind wir n i ch c zu haben. Wir haben Ihnen den Mitzerfolg der Ansiedelungspolitik vorausgesagt. Nur der wirtschaftlich Schwache wird zur Bcsitzfestigung schreiten.' Ter Redner begründet dann den An- trag seiner Partei, mit Staatshilfe das Kapital der Pfandbriefanstalt in Polen auf ö Millionen zu erhöhen. Ueber den gemeinnützigen Charakter der durch die Vorlage unterstützten deutschen Mittelstands- lasse und Baucrnbank kann man verschiedener Meinung sein. Wer sich zur Besitzfestigung entschlieht. ist für alle Zeilen g e- b un den. Wir wollen Frieden haben und deshalb müssen Ausnahmegesetze unterbleiben.(Beifall bei der Bolkspartei.) Abg. v. TrampezynSki(Pole): Der Minister sucht das Zentrum gegen uns schart zu machen. Wir erkennen aber an. dast e« sich uns gegenüber stets auf den Standpnnkt der Gerechtigkeit und des praktischen Christentums gestellt hat. Mit dem gleichen Recht, wie der Minister uns die Masuren und Wenden vorhält, könnte man sagen, die Katholiken werden als gleichberechtigt nur anerkannt, wenn sie sich als Protestanten fühlen.(Sehr gut' links. Lärm rechts.) Die Vorlage widerspricht der Reichsverfassung. Die sagt, dast Deutsche in Deutschland nirgends an Grunderwerb gehindert werden dürfen.(Hört I hört! bei den Polen.) Abg. Bicreck(fk.): Das Gesetz ist mit der ReichSversaffung ver- einbar. Die polnischen Genossenschaften dienen dem Nationalismus. (Lebhafte, Widerspruch der Polen.» Redner ist für die Vorlage. Ein RegicriingSkommissar erklärt, dast die Pofener Pfandbrief- anstalt auch weiterhin unterstützt werden wird. Abg. Borchardt-Berlin(Soz.): Die Auslegung des Artikel III der ReichSversaffung durch den Abg Viereck erinnert an das Wort: Man mühte ein schlechier Jurist sein, wenn man nicht alles beweisen könnte.(Sehr gut! links.) Da war der nationalliberale Landtagskandidat für Teliow-Beeskow vor sechs Jahren viel würdiger und vornehiner, als er sagte: Weil ich ein Deutscher bin, stehe ich auf deurscher Seite, ohne mich auf die Frage Recht oder Unrecht einzulassen. (Sehr gut! linls.) Sie sprechen von national gefährdeten LandeStellen. Ja, wer ist die Nation? Die Armen und B e d r ü ck t e n. die vb Proz. deS Polens, die wir vertreten. Wir sind die nationale Partei (Lachen rechts) und als solche erklären wir. die Nation will mit den Pole» in Ruhe und Frieden leben.(Lachen rechts.) Woher weist denn der Minister beim geheimen Wahlrecht, dast die Polen in Westfalen sozialdemokratisch gestimmt haben? Wober weist es die.Köln. BolkSztg.'? Freilich s�l oer Minister ja selbst, wenn die Polen so gehorsam und wandlungS- fähig sein werden, wie sie die Regierung will, dann wird man sie mit der Rachepolitik der Schikanen verschonen. Dannt ist ja zugegeben. worum e» sich handelt: um eine Bersolgung der Polen wegen ihrer UeberzeugungStreue I(Zustimmung bei den Sozialdemokraten und Polen.) Abg. Klocke liest durchblicken, dast das Zentrum dem Gesetz geneigter wird. wenn die Zentrumsanhänger von seiner Anwendung ausgenommen werden. Vielleicht schreibt man inS Gesetz hinein, Zcntrumsanhängcr dürfen nicht befestigt ""�Dcr Misterfolg der ganzen Polcnpolitik, der ja offen zutage liegt und heute wieder von, Minister zugegeben wurde, legt den Ge- danke» nahe, daß hinter ihr andere Motive stehen, als da» der Festigung des Deutschtums. Seit 1S86 hat der deutsche Besitz um 100 000 Hektar abgenommen und der polnische Besitz diese gewonnen. Wo sollen denn die aus ihrer Heimat verdrängten Polen bleibe»? Da die Regierung doch wohl mit den Pole» nicht so verfahren will, wie mit den Hereros in Südwestafrika, wird man sich doch mit der Frage des Verbleibs der Polen, die man doch nicht ersäufen und erschlagen kann, beschäftigen müssen. Das erkärt es, dast die Polen in den am Westen angrenzenden Provinzen immer mehr Grund erwerben. Bon nationalliberaler Seite wurde der.Königsberger Hartungschen Zeitung' gesagt, dast die Expropriierung nur Haß und Verbitterung säe, aber die Polen doch nicht auS Deutschland fortbringe. Schlesien sei doch im Begriff, von den Polen zurückerobert zu werden!(Hört' hört! bei den Polen.) Gewaltpolitik führt immer zum Miherfolg. siehe Kulturkamps und Sozialistengesetz. Mit Gewalt und Brutalität kann man keinen Gedanken und kein zivilisiertes Volk totschlagen. Es wird dadurch nur in den Verfolgten bewunderungswürdiger Opfermut großgezogen. Früher beim Zentrum, dann bei uns, jetzt auch bei den Polen.— Auf der Seite oer Unterdrücker aber werden immer die niedrigsten und häßlichsten Empfinden gezüchtet. Die Regierung erklärt la selbst, daß die deutschen Grundbesitzer in Posen und Westpreusten aus Gewinnsucht, nach guter Bezahlung ihres Patriotismus, ihren Besitz an den„Erbfeind' verkaufen. Selbst« sucht und niedrigste Gewinnsucht werden ge züchtet und das soll jetzt noch auf weitere Provinzen übertragen werden. Es handelt sich um einen Auskauf verschuldeter Besitzer, die ihre ganze Selbständigkeit hingeben müssen. Die Bant bezahlt ihnen aus Staatsmitteln die Schulden. Da« ist die ganz« Sache, aus dem nationalen Phrasenwulst heraus- geschält. Einem Teil der ländlichen Besitzer werden aus Staatsmitteln die Schulden verringert. Dafür erleiden sie eine Ein- schränkung des Besitzrechts, müssen das Wiederkaufsrecht mit 15 Proz. Abzug in Kauf nehmen. So wird ihnen.geholfen'. Aber es kann auch sein, dast einer den Besitz festigen läßt, um seine Gläubiger zu betrügen. Das Grundstück kann subhastiert, aber niemand anderem zugeschlagen werden ohne Zu- stimmung der Anfiedelungskommission. Das Gesetz soll unsere Mitbürger brutalisieren. ES ist aber, wie wir oft genug gesehen haben, unwirksam, denn die Vertriebenen müssen doch anderswo hin l Nu» forderte der konservative Redner Ausdehnung aus Brandenburg. Dehnen Sie es auf ganz Preußen und Deutichland aus, dann können wir uns vielleicht näher kommen. In seiner jetzigen Form ist das Gesetz ein Eingriff in die Privatwirtschast, der Staat übernimmt einen Teil der Ver- mögensverwaltung. Gehen Sie einige Schritte weiter: lassen Sie den Staat, die Gesellschaft die ganze landwirtschaftliche Vermögensverwaltung übernehmen, das läßt sich auch leichter machen— und dann sind wir mit Ihnen einverstanden.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten. — Hört! hört! links.— Lachen rechts.) Wir sind der Meinung, dast dieses Gesetz nicht einmal eine Kommissionsberatung verdient. Nicht nur aus den von mir vorgebrachten Gründen, sondern auch nicht zuletzt auS solchen der Reinlichkeit und Morall(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Donnerstag 11 Uhr: Weiterberatung; Sekundärbahnvorlage. Schlust 6 Uhr._ Für Groß-Ißerlln, das vom Zweckverband das Heil erwartet, wurde am DienStag in stwei vom Propagandaausschuh nach Berlin-Nord ein- berufenen Versammlungen aufs neue eine die Wohnung S-, Verkehrs- und E rh o l un gs b e d ü r f n ifs e der Be- völkerung mehr berücksichtigende Politik gefordert. In beiden Versammlungen richtete des Interesse sich hauptsächlich auf die Er- örterung der Frage, wie weit der Terrainspekulation und neben ihr auch den Hausbesitzern, die merkwürdigerweise getreulich zu ihr halten, eine Schuld an den beklagten Uebelständen beizumessen ist, und welche Stellung diese am Wohl und Wehe der Gemeinden angeblich meist interessierten Leute, wie sie jetzt auf dem Jnter- nationalen Hausbesitzerkongrech vom Bürgermeister Reicke tituliert worden sind, zu dem Verlangen nach Reformen einnehmen. In der Versammlung bei Ballschmieder(Badstrahe), die leidlich besucht war» referierte der ReichStagSabgeordnete Genosse S ü d e k u m über das Thema„Wir und die Hausbesitzer' Was in Berlin und Vororten an kommunalpolitischen Unterlassung« sünden begangen worden ist, erklärte er aus der Rückständigkeit unserer Kommunalverfassung, die immer noch den Haus- besitzern ihre Vorrechte in der Kommune sichert. Scharf rechnete er mit Bürgermeister Reicke ab, der bei den Haus agrariern den Appetit nach noch mehr Vorrechten zu wecken sich nicht gescheut hat. In einem großen Teil Deutschlands gebe es überhaupt kein Hausbesitzerprivileg für die Stadtvertretungen, und gerade dort sei die Verwaltung der Städte musterhaft zu nennen im Vergleich zu Preußen, das durch seine Städteordnung den Haus- besitzern die Möglichkeit eines ausschlaggebenden Einflusses gewährt. Die Folge solcher Zustände sehe man dann auf wirtschaftlichem Gebiet. In Berlin habe die zum allergrößten Teil auf Miets- Wohnungen angewiesene Bevölkerung schwer unter der WohnungL- Misere zu leiden, gegen deren EntWickelung nichts Erhebliches getan worden sei. Durch Mängel der Bauordnung und des Bebauungs- Plans sei der Bodenspekulation ihr Treiben er- leichtert worden, dessen Früchte nicht den Mietern und schließlich auch nicht mal den Hausbesitzern zum Segen geworden seien. Es sei erwiesen, daß ohne Kostenerhöhung bessere Wohnungen geschaffen werden können. Für die bisher noch nicht der Bebauung erschlossenen Terrains Groß-Berlins müsse das durchgesetzt werden. Jetzt gelte es, die Stäoteerweiterung den privaten Profit- machern zu entwinden und sie eine öffentliche Angelegenheit werden zu lassen. Aber gegen die dieses Ziel anstrebende Agitation des Propagandaausschusses für Groß-Berlin leiste das Hausagrariertum und die Terrainspekulation heftigsten Widerstand. Das gehe so weit, daß freisinnige Hausbesitzer Berlins sogar gegen das Säulenplakat mit den verkümmerten Kindergestalten die Polizei angerufen habe, weil davon eine Er- regung des Klassenhaffes' zu befürchten sei. Gegenüber solchen Widrrstä». Cbarlottcndurg. Die Haubenlerche. Luise». Fch lasse Dich nicht. Rose. Die Grille. Triauo». Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend. Thalia. Autoliebchen. llleiueS. Der Nachtwächter. LottchenS Geburtstag. Merraro.. Schwindelmeier u. To. Haverland. 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Große Frankfurter Sttaße 137. Wieuicke, Pankow, Breite Stt. 17. In Frage kommen: Stellmacher, Schmiede, Schlosser, Lackierer und Sattler. Zuzug ist streng fernzuhalten. 176/8' Die Streikleitung. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streik oder LoH«- differenzen sind gesperrt: Tischlerei tsekantvr, Kvper- »ikussirasze 23. Beruf»verein der Berliner i'arkettzxcHchlslte, Charlottenburg, llhlan>ftrafte. Für �artguinini- �"'(iter die die Firnia Matthacy, Schle- sische Str. 32. Das Berliner'Arbeitswilligen- vermitteiungsburean d. gelbe» .HaudwerkerschutzverbandeS». Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innung und der Wageufavri- kanten, Kaiser-Franz-Grenadier- Platz. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsvervsltung Berlin de« Deutschen Holzarbeiterverbandes. Lkrantwortlicher Nedaiteur; gifcrt VllchS, Beriill. 0üi t>cv Inj»«»«»?»» veranttv.; kh. Dtztui it,««dag; VowdnH u-««rtagsanMlt Gaui»mger it-ito-,»veumd«. Slf.107. W. Zahrgavs. 3, KeilM des Lmäck" jlerlim KlkMM Dsvaerstag. S. Mai lSl2. FlOlMrdmtW« JfmlW, kn 10. W, Mü 7 Uhr. Der kommende Oberbfirgermelfter von Berlin. Die Stadtverordneten wollen den früheren Reichsschatz- sekretär Mermuth zum Oberbürgermeister von Berlin er- küren. Das ist das Resultat von vertraulichen Verhandlungen, die in den letzten Tagen im Rathause unter den Stadtverord- neten stattgefunden haben, über die aber bereits in einigen Blättern berichtet wird und uns nötigt, gleichfalls auf die Sache einzugehen. Die Nachricht wird vielfach überraschen. Anfang März hatte der Oberbürgermeister Kirschner sein Entlassungsgesuch eingereicht. Verschiedene Ursachen hatten zusammengewirkt, Herrn Kirschner zu seinem Demissionsgesuch zu bestimmen; nicht zuletzt waren recht reaktionäre Entschlüsse der freisinnigen Kommunalmehrheit die Ursache zu dem Rücktrittsgesuche. Die Stadtverordneten ersuchten aber Herrn Kirschner zu bleiben und erleichterten ihm die Zurücknahme seines Entlassungs- gesuchs durch eine besondere Vertraucnskundgebung. Kirschner erklärte daraufhin, noch bleiben zu wollen. Inzwischen wurden die verschiedensten Personen als Anwärter auf den Ober- bürgermeisterposten genannt, bis Ende voriger Woche irgend einer auf den ehemaligen Schatzsekretär Mermuth verfiel als einen geeigneten Oberbürgermeister von Berlin. Es wurde mit dem Herrn Fühlung ge- nommen und Herr Mermuth erklärte auf Befragen, daß er zur Uebernahme des Postens sich bereit fände. Heller Jubel entstand unter unseren Kommunalfreisinnigen! Einen früheren Reichsschatzsekretär als Berliner Oberbürgermeister zu haben, das erschien ihnen eine besonders glückliche Lösung der Oberbürgermeisterfrage. Und so entschieden sich die bürger- lichen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend in ihren Fraktionssitzungen ziemlich ausnahms- los für Herrn Mermuth. Für den bürgerlichen Liberalismus bedeutet dieser Entschluß ein außerordentliches Armutszeugnis. Er attestiert sich damit die Tatsache, daß er keine Personen aufweist, die in der Lage sind, ein großes Gemeinwesen von großen Gesichtspunkten zu leiten. Herr Mermuth ist auf kommunalpolitischem Gebiete ein unbeschriebenes Blatt. Nie- niand weiß heute, welche Stellung Herr Mermuth den großen bedeutsamen Fragen gegenüber einnimmt, die in der Kommune eine Rolle spielen und für sie zum Teil eine Lebensfrage bilden. Es ist von außerordentlicher Wichtigkeit, zu wissen, welche Stellung der neue Oberbürgermeister von Berlin einnimmt zu der Frage der Selbstverwaltung, der Eingemeindung, zum Zweckverband, zum kommunalen Wahlrecht. Es ist von Be- deutung, zu wissen, wie sich der neue Oberbürgermeister stellt zu sozialen Fragen und nicht zuletzt ist es von geradezu aus- schlaggebender Bedeutung, welche Anschauungen der neue Herr von Berlin in steuerlicher Hinsicht hegt. Die Stadt Berlin mit ihrer Millionenbevölkerung hat das dringendste Interesse an einer rationellen und möglichst billigen Lebens- mittclversorgung. Es ist deshalb von eminentestem Interesse, daß ein Oberbürgermeister von Berlin nicht Schutzzöllner ist, weil dieser Herr auch im Herrenhause die Jnter- essen der Stadt Berlin wahrzunehmen berufen ist. lieber alle diese Fragen herrscht vollkommenes Dunkel, soweit die Person des Herrn Mermuth in Frage kommt. Nur soviel weiß man, daß Herr Mermuth in seiner Eigen- schaft als früherer lluterstaatssekretär die Schutzzollpolitik und die indirekte Steuerpolitik der Regierung zu vertreten hatte. Sollte er das gegen seine Ueberzeugung getan haben und heute anderer Meinung sein. Alles das weiß niemand. Aufschluß kann nur Herr Mermuth selber geben. Und das wird der kommende Ober- bürgcrmeistcr von Berlin sein müssen, will er das Vertrauen der großen Masse der Berliner Bevölkerung haben. Diese Erwägungen haben auch die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung, die die breite Masse der Berliner Bürgerschaft vertritt, veranlaßt, ihre Ent- scheidung solange auszusetzen, bis Herr Mermuth sich über die eben kurz skizzierten Fragen näher geäußert hat. Tie Wahl des Oberbürgermeisters erfolgt durch die auf Grund des Dreiklasscnwahlrcchts zusammengesetzte Stadt- verordnetenversammlung, in der die erwerbstätige Bevölke- rung lediglich durch die jetzt 43 Mann starke sozialdemokratische Fraktion vertreten ist. Daß diese so zweifelhaft zusammen- gesetzte Versammlung bei Wahlen nicht die Meinung der großen Masse der Bevölkerung zum Ausdruck bringt, ist selbst- verständlich. KirschncrS Rkicktrittsgesuch. Der Obcrbürüermeistcr Kirschner hat infolge der neu geschaffenen Situation sei» Entlassungsgesuch iviederholt und gestern von neuem eingereicht. Wir geben diese Gesuche im Wortlaut wieder. Sie lauten: Berlin, den 8. Mai 1912. Sehr geehrter Herr Stadtverordueteuvorsteher l Anliegend beehre ich mich, Abschriften meiner am 3. und ü. März und am 8 Mai an den Magistrat gerichietcn Schreiben mit der ganz ergebenen Bitte zu üderreichcu, ihren Inhalt zur Kenntnis der Stadtverordnetenversammlung zu bringen. Mit ganz besonderer Belehrung und Hochachtung Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener K i r s ch n e r. Abschrist. Berlin, den 3. März 1912. Den sehr geehrten Magistrat bitte ich um meine Entlassung aus dem Amte deS Oberbiiger- meisterS, da ich die Ueberzeugung erlangt habe, daß es dem Interesse ber Stadt cittsprichr, eine neue, jüngere Kraft in mein Amt zu bc- «Isen. Damit die Stelle bei der gegenwärtig recht schwierigen Geschäfts- läge nicht längere Zeit unbesetzt bleiben braucht, erkläre ich mich bereit, das Amt noch so lange zu verwalten, bis die Wahl und die Bestätigung meines Nachfolgers erfolgt ist, längstens jedoch bis Ende September d. I. Abschrift dieses Schreibens habe ich dem Herrn Stadtverord- netenvorsteher mit der Bitte zugestellt, der Stadtverordnetenversamm- lung Kenntnis zu geben. Eines sehr geehrten Magistrats sehr ergebener Kirschner. Abschrift. Berlin, den 9. März 1912. Sehr geehrter Magistrat l Infolge Verhandlungen mrt dem Herrn Stadtverordnetenvor- steher und dessen Herrn Stellvertreter habe ich mich entschloffen, die Entscheidung darüber, ob ich mein EntlaflungSgesuch vom 3. d. M. ausrecht erhalte, bis zum 1. Juni hinauszuschieben. Ich nehme mein Entlassungsgesuch daher vorläufig zurück. Eines sehr geehrten Magistrats sehr ergebener Kirschner. Abschrift. Berlin, den S. Mai 1912. Sehr geehrter Magistrat! Räch erneuter Rücksprache mit dem Herrn Stadtverordneten« Vorsteher und dessen Herrn Stellvertreter erkläre ich im Ein- Verständnis mit den genannten beiden Herren schon heute, daß ich mein EntlaflungSgesuch vom 3. März wiederhole. Eines sehr geehrten Magistrats sehr ergebener Kirschner. DaS Gehalt deS Oberbürgermeisters soll bei Neubesetzung deS Postens erhöht werden. Oberbürgermeister Kirschner erhielt in den letzten Jahren 36000 M. JahreSgehalt. In den Vorbesprechungen mit Herrn Staatssekretär a. D. Mermuth ist diesem eine Erhöhung um 4000 M. in Aussicht gestellt worden, so daß sich das künftige Gehalt also auf 40 000 M. belaufen würde. Bemerkenswert dürfte sein, daß bei der vor einigen Jahren erfolgten Regulierung der Beamtengehälter dem Herrn Ober bürgermeister Kirschner eine Gehaltserhöhung von 4000 M.. also von 36 000 M. auf 40 000 M. gemacht werden sollte. Herr Kirschner hat aber dankend abgelehnt; er wollte für sich keine Gehalts- erhöhung annehmen. In Verbindung mit diesem Wechsel auf dem Berliner Ober bürgermeisterposten steht eine Meldung, die der.Vossischen Zeitung* aus guter Quelle zugeht, wonach Bürgermeister Dr. Reicke ebenfalls auS dein Roten Hause zu scheiden gedenkt. Wie verlautet, haben unverbindliche Borbesprechungen mit Vertretern au» Frankfurt a. M. stattgefunden, wo man ihn als Nachfolger Dr. AdickeS in Aussicht genommen hat._ Partei- Hngelecpnbeiten* Eharlsttenburg. Wir machen auf die am Freitag, den 10. Mai, abend»?!/, Uhr, stattfindende wichtige Flugolatwerbreitung auf merksam. Der Vorstand. Neukölln. Zur Durchführung de» SchlSchterboykottS findet am Freitagabend 7 Uhr eine Flugblattverbreitung statt. Der Borstand. Groß-LIchterfrldr. Freitagabend 7 Uhr in allen Bezirken: Flugblattverbreitung zu der am Sonntag, den 12. Mai, nachmittag» 2 Uhr. bei Wahrcndorf, Bäkestt. 7, stattfindenden öffentlichen Frauen- Versammlung. Der Vorstand. Boxhagen-Nummelsiurg. Freitag, abend» 7 Uhr. von den be« kannten Stellen auS: Flugblattverbreitung. Die Versammlung am Sonntag wird im Garten abgehalten. Lichtenberg. Zu der am Sonntag, den 12. Mai, stattfindenden Frauenversammlung morgen Freitag, abend» 7 Uhr: Flugblatt« Verbreitung. Britz-Buckow. Zu der am Sonntag, nachmittags 2 Uhr, im GesellschaftShauS, Chanffeestr. 97 tagenden öffentlichen Frauenver- sammlung findet Freitag, abend» 8 Uhr, eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Ober- Schönewelde. Freitag, den 10. Mai, abend» 7 Uhr, von den bekannten Lokalen auS: Flugblattverbreitung. Die Bibliothek des Wahlvereins ist bis zum 1. September an den Sonntagen geschloffen; die BücherauSgabe findet somit nur Mittwochs und Freitags abends von 8—9 Uhr statt. Die Bezirksleitung. Pankow. Am Freitag, den 10. Mai, abends 8ll9 Uhr, findet bei EbcrSbach(„Kurfürsten*), Berliner Straße 102, eine öffentliche Gemeindewäblerversammlung statt. Tagesordnung:„Der Ge« walt st reich gegen die proletarische Wählerschaft*. Referent: Gcmeindevertreter Otto Schmidt. Freie Aussprache. Die bürgerlichen Vertreter, welche am 16. April für die Ungültigkeit eingetreten, sind hierzu eingeladen. Parteigenossen! Sorgt für Massenbesuch. Das Wahlkomrtee. Niederschönhausen-Nordeud. Am Freitagabend 7 Uhr von den bekannlen Stellen: Flugblattverbreiiung. Am Sonntag, den 12. Mai treffen sich die Genossinnen zum Abmarsch nach der Versammlung um l/t2 Uhr am Kirchplatz. Die Bezirksleitung. Röntgental. Heute abend 8 Uhr: Zahlabend bei Marx. Der Bezirksleiter. Tegel. Am Freitag, den 10. Mai. abends 7 Uhr: Flugblatt« Verbreitung._ Die Bezirksleitung. ßerlimv Nacbricbtcn. Die Bcrunstaltmig am Potsdamer Bahnhof. Der Eisenbahnfiskus ist auf die sonderbare Idee verfallen, auS- gerechnet vor de», Potsdamer Bahnhof auf dem dort belegenen ehe- maligcn DreisaltigkeitS-Äirchhof ein Cafü zu errichten. Als wir vor einiger Zeit diese Nachricht brachten, wollte niemand so recht daran glauben. Man traute dem EisenbahnfiSlus in seiner Sucht Geld zu machen, zwar vieles zu, aber ein Cafö aus dem ehemaligen Fried- Hofe, das klang doch zu absonderlich. EL stellt sich aber heraus, daß in allem Ernste vom Fiskus ein solches Projekt verfolgt wird. Es ist bereits ein Baugesuch eingereicht worden. DaS Pro- jekt hat auch schon Sachverständige von dem Gesichts- punkte der Verunstaltung von Straßen und Plätzen beschäftigt. Diese Sachverständigen sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß wenn irgendwo, so im vorliegenden Falle das Ortsstatut gegen Ver- unstaltung zur Anwendung zu bringen und dem Projekte die Zu- stimmung zu versagen sei. Einmal paßt daS geplante Cafü zu dem Potsdamer Bahnhof wie die Faust auf» Ange. Man braucht gar nicht Sachverständiger zu sein, um das zu erlennen; jeder Laie empfindet das aus den ersten Blick. Aber das Projekt hat auch schwere verkehrStechuische Bedenken. Das Eafs wird den Platz vor dem Potsdamer Bahnhof in einer Weife w Anspruch nehmen, daß der Zugang zu dem Bahnhof ganz erheblich i» Anspruch genommen wird und zwar so, daß die zum Bahnhof führenden Treppen gar nicht mehr in voller Breite benutzt werden können. DaS ist eine Ungeheuerlichkeit, die man kaum für möglich halten sollte. Aber das kümmert den FiSluS alles nicht. Gegen alle Einwände ist er bisher vollkommen unzugänglich gewesen. Wie wir hören, sollen selbst die Einwände der Sach- verständigen des Verunstaltungsausschusses in den Winb geschlagen worden sein. Alles, nur um Geld zu machen! Die ganze Größe deS ungeheuerlichen Planes wird aber erst offenbar werden, wenn daS Projekt weiteren Kreisen zu Gesicht kommen wird._ Die Schloßbrücke soll umgebaut werden. Die Brücke ist noch eine jener alten Klappbrücken, wie fie ftüher in Berlin an vielen Stellen vorhanden waren. Sie wurde vor einigen Jahren mit einem neuen Bohlenbelag versehen, soll aber jetzt nach langen Er- wägungen zu einer massiven Brücke umgestaltet werden. Die Kosten find auf 140 000 M. veranschlagt. Eine neue Berbindungsstraßr soll auf dem Gelände zwischen Landsberger Allee und Thaerstraße hergestellt werden. Die moderne Jugendpflege-Bewegung, soweit sie in nationalem� kirchlichem oder ähnlichem Fahrwasser segelt, zieht immer weitere Kreise. Wo für die waschecht nationalversimpelnden Bestrebungen des Generalfeldmarschalls v. d. Goltz oder für die ins kirchliche Schlepptau genommenen KriegSspiele und dergleichen Zauber der Boden noch nicht gepflügt ist, erinnert man sich zetzt in den Berliner Vororten an den die Gemeindeverwaltungen zur allgemeinen Jugendpflege anfeuernden Ministerialerlaß. Der tiefere Zweck dieses Ministerialerlaffes ist. möglichst viele an irgendeinem Orte bestehenden Jugendvereinigungen, ganz gleich welche speziellen Auf- gaben sie sich gestellt haben, unter einen Hut, natürlich den regic- rungSfreundlichen, zu bringen, freundnachibarliche Verhältnisse gleichartiger Vereine anzubahnen und selbstverständlich der sozial- demokratischen Jugendpflege daS Wasser abzugraben. Bei den Vor- bereitungen kommt es zu recht ergötzlichen Szenen,, die erkennen lassem daß die führenden Leutchen überhaupt nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Es fehlt an dem nötigen Können, vor allem an jener großzügigen Organisation, wie sie bei der sozialdemokratischen Jugendpflege zum Ausdruck kommt nnd trotz aller Drangsalierun- gen sich durchringt. In Weißensee bestehen bereit» zwei Ausschüsse zum Zusammenschluß der Jugendvereine und zur Werbung für dieselben, aber im benachbarten Pankow lehnt man das Vorbild ab und will die Sache anders machen. In einer kürzlich nach dem Pankower Rathause einberufenen Versammlung von Vertrauens- Personen, meist Vereinsleitern, wurde erklärt, daß in Weißensee an den Veranstaltungen der allgemeinen Jugendpflege auch schon einzeln« jugendliche Mitglieder aus A rbei ter turnve reine n teil- nehmen. Man sieht hieran deutlich, daß eS darauf abgesehen ist, den Jugendorganisationen der Arbeiterschaft die Mitglieder zu ent- ziehen. Wohin der Kurs geht, ist auch daraus ersichtlich daß die allgemeine Jugendpflege der nördlichen Vororte eine Veranstaltung größeren Stils im Anschluß an das am 9. Juni stattfindende Kreis- krtegerverbandsfest plant. Bei diesen Verbandsfesten fehlt e» niemals an nationaler, säbelrasselnder Beduselung, und in diese Stim- mung sollen diejenigen Jugendverein«, welche abseits vom nationalen Taumel stehen, künsttjch hineingelotst werden. Auf der Pankower Versammlung war auch die Mitteilung des ZKeiSschulrat» von Interesse, daß dem Kreise Niederbarnim zu Zwecken der Jugend- pflege 8000 M. aus eigenen Mitteln und 2000 M. auS der Beihilfe des Ministers zur Verfügung stehen. Mit allen diesen Zu- Wendungen wird man doch nicht genug Fugendliche hinterm Ofen hervorlocken, um die Arbeiterjugrndorganisattonen kleinzukriegen. Eine unterirdische BebürsuiSanstalt soll auf dem Hansaplatz her« gestellt werden; außerdem soll dieser Platz in verschönerter ZForm einer Umgestaltung unterzogen werden. Der Exerzierplatz an der Schönhauser Allee, soweit er der Stadt Berlin gehört, soll, wie wir früher schon berichtet haben, eine Randbebauung erhalten mit der Maßgabe, daß große Flächen zu Parkzwecken der erholungsuchenden Bevölkerung zur Verfügung bleiben. Kürzlich hatte die Direktion des Zirkus Sarrasani sich an die Stadt gewendet mit dem Ersuchen, ihr für Er- richtung eines festen Zirkus Gelände des Exerzierplätze» zur Ver« fügung zu stellen. Durch dieses Angebot war der bisherige Plan für den Exerzierplatz sehr beeinträchtigt. Die Zirkus-Direktton glaubte, die Stadt würde ihr durch besonder» niedrige Preis« bemessung für das benöttgte Gelände entgegenkommen. Diese Hoff« nung der Direktion ist aber fehlgeschlagen; eS erschienen ihr die ge« forderten Preise bald zu hoch und sie ist von ihrer Abficht, auf dem Exerzierplatze sich dauernd niederzulassen, abgekommen. Die Tief« baudeputation hat in ihrer gestrigen Sitzung den Fluchtlinienplan für den Exerzierplatz festgelegt. Beim Märchenbrunnen am Friedrichshain find die monumen- talen Säulenaufbauten zu beiden Seiten der Terrasse nunmehr voll« endet und es fehlen nur noch die allegorischen Figuren, an denen in den Bildhauerateliers noch emsig gearbeitet wird. Der Boden deS Wasserbeckens, in welches sich das kühle Naß von beiden Seiten her über die Terrasse ergießen soll, ist fertiggestellt, und e» wird gegen« wärttg an dem Aufbau der Beckenränder gearbeitet. Auch die Gärtner sind fleißig an der Arbeit, so daß der Bollendung der Schmuckanlagen in einigen Wochen entgegengesehen werden lann. lieber die Anordnung der künstlerisch ausgestatteten Ruhebänke hat Gehcimrat Dr. Hoffmann sich die Entscheidung noch vorbehalten, e» ist zu diesem Behuse ein Modell an Ort und Stelle zur Probe auf» gestellt worden. Die Fertigstellung des prächtigen Monumental« wertes hängt von der Lieferung des FigurenschmuckeS ab, für welche ein Termin sich heute noch nicht festsetzen läßt. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich im Lauf« de» gestrigen Nachmittags auf einem Neubau der Firma Lorenz am Tempelhofer Feld. Dort stürzten aus bisher noch unbekannter Ursache zwei Maurer vom DachgestmS herunter und zogen fich tödliche Ber» letzungen zu. Beide wurden im Krankenautomobil nach dem Kranken« hauS gebracht. Die Polizei sperrte kurz darauf den Neubau. Dem Vernehmen nach ist einer der Verunglückten kurz nach seiner Ein« lieferung bereits seinen Verletzungen erlegen. Bon einem Kraftwagen überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern nachmittag die taubstumme 29 Iah« alte Ehefrau Anna deS ebenfalls taubstummen Maurer» Müller aus der Lychener Straße Ivb. Die Frau brachte ihrem Manne jeden Nachmittag den Kaffee nach der Arbeitsstelle am Bahnhof Prenzlauer Allee. Dabei geriet sie gestern nachmittag, als sie an der Ecke der Stargarder und Lychener Straße den Fahrdamm überschreiten wollte, unter einen Privatkrastwagen. dessen Warnungsrufe sie nicht hören konnte. Sie schlug mit dem Kopfe so heftig auf das Pflaster auf, daß sie eine Gehirnerschütterung erlitt, dann gingen ihr auch noch die Räder über Brust und Beine. Die Hilfswache in der Gaudhstraße. die ihr die erste Hilfe leistete, ließ die Verunglückte nach der Charitü bringen. Das Opfer einer Gasvergiftung wurde die 78 Jahre alte Rentnerm Anna Schiemami,>eb. Sendler, bis in siturn llllttöhet« in Hotbut Psr Stadt wohnte. Die Greisin machte gestern einen«nsgang. Sei ihrer Rückkehr benutzte sie den Gaskocher in ihrem Zimmer, um ein Getränk warm zu machen. Sie drehte dann auch den Hahn wieder zu, aber nicht fest genug. Ohne dag sie zunächst etwas merkte, ent» strömte durch die kleine Oeffnung so viel Gas, das; sie nach und nach betäubt und hilflos wurde. Als man nachmittags den Gasgeruch wahrnahm und das Zimmer betrat, fand man die Insassin regungs- los vor dein Bett ans dem Fusiboden liegen. Wahrscheinlich hatte sie sich, durch die Einwirkung des Gases ermüdet, hinlegen wollen. Ein Arzt, den der Hausvater sofort holen lieh, konnte nur noch den Tod der Greisin feststellen. lieber einen Selbstmordversuch auf dem Königsplatz wird be- richtet: Als ein Schutzmann gestern morgen um S'/g Uhr einen Nnndgang vor dem Brandenburger Tor machte, fand er auf dem Königsplatz auf einer Ruhebank einen Mann sitzen, der ans einer Schlitzwunde in der rechten Schläfe blutete und die Besinnung ver- loren hatte. Er brachte den Schwerverletzten, der noch schwache Lebenszeichen von sich gab, mir einem Wagen nach der Charits, wo et noch immer ohne Bewutztsein daniederliegt. Die Persönlichkeit des Lebensmüden konnte noch nicht festgestellt werden. Er ist etwa 25 bis 3V Jahre alt und ungefähr 1,70 Meter grotz, hat dunkles Haar und Schnurrbart und trug einen dunkelgrünen Ulster, einen dilnkelbraune« karierten Anzug, einen lvcitzcn Kragen, eine blaue Krawatte, ein blaugcstreifics Oberhemd, schwarze Strümpfe, schwarze Gumniizugstiefcl und einen schwarzen steifen Hut. Vciiziiicxplosio» in einer Fabrik. Gesten,(Mittwoch) nachmittag K Uhr, wurde die Feuerwehr nach der Oranien st ratze 25 ge- rufen, wo in den Deutschen Tacho meterwerken G. m. b. H. ein Benzinbehältcr explodiert war. Durch die Stichflammen hatte der Uhrmacher Schreier Brandwunden an beiden Händen davon- getragen. Der Verunglückte wurde nach der nächsten Unfallstation gebracht und fand dort die erste Hilfe. Das Feuer konnte mit Leichtigkeit gelöscht werden. Im Folies- Kaprice- Theater fand am Dienstagabend die fünfzigste Aufführung der beiden lustigen Schwänke.Der Polizeihund" und.DaS Broadwah-Girl" statt und zwar bei recht gut besetztem Hause, denn noch immer üben beide Stücke auf jene Kreise, die einen freien pikanten, ivenn auch manchmal etwas derben Humor der tränenreichen Rührseligkeit vorziehen, ihre Wirkung aus. Zudem wird vorzüglich gespielt. Herr Fritz Beckmann in der Rolle de« protzigen ungebildeten und doch schlaupfiffigen Jonas Frank- furtcr, des jüdischen Inhaber? eines BlnsenkonfektionSgeschäfts, sowie Herr Siegfried Berisch in der Rolle eines Wiener Detektivinstitut- bcsitzerS und des altmodischen jüdischen Buchhalters Salo Magensaft bieten geradezu glänzende Charakrcrzeichnungen. Wer herzhaft lachen will, kommt auf seine Rechnung. Ter Arbeiter-Schwiinmerbund teilt den Pcrciircn und Gcwcrk- schasten hierdurch mit, datz zu Veranstaltungen, Sommcrfcstcn. Tainpscrparticn usw. Rettungswachen zur Verfügung stehen. Die RcUungemannschaftcn sind zur Rettung Ertrinkender und erster Hilfeleistung bei Wiederbelebungsversuchen praktisch ausgebildete. tüchtige Sckstviinmer, und ist den Vereinen und Gewerkschaften bei Veranstaltungen, die am Wasser abgehalten werden, dringend zu empfehlen, die Retlungs-niannschaft des Arbciter-Schlvimmrrbundeö vvit hinzuziehen. Schon viele Unglücksfälle haben in Ermangelung praktischer Hilfe einen tödlichen Ausgang genommen. Hierin will der Arbeiter-Schwimmerbund Abhilfe schaffen;. Meldungen betreffs Rettungswachen sind an den Genossen Aerd. Menschel. Weitzcnsce, Röllestratze 12, zu richten. Dort werden auch Anmeldungen zum Beitritt in de» Arbeijrr�chtvimmcrbund ciitgegengeuommen. Vorort- �aebrickten. Pankow. Die Gtuieindevertretersitzung am Dienstag beschäftigte sich nach Einführung des neugewählten Gcmeindcvcrordncten Juhl abermals nnit der Einschränkung der Sonntagsarbeit im Ha udelsgcwe rbe. Bekanntlich hatten die Vertretung im Februar d. I. im Gegensatz zur Berliner Regelung ein Ortsstatut beschlossen, das mit Ausnahme des Blumcnhandels und der Nah- rungs- und Genutzmittelbranche die Offcirhaltung der offenen Ver- kaufsstcllen an gewöhnlichen Sonntagen ans die Zeit van 8— 10 Uhr früh und 12—2 Uhr mittags festsetzte. Dieses Statut ist von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt worden. Letztere hat an die Nichtgenehinigung den Wunsch geknüpft, daß, wie eine ganze Reihe anderer Vorortgcmeinden auch Pankow im Interesse einheitlicher Acrkehrsverhältnisse die Berliner Regelung zur Einführung bringen möge. Deinaemätz beantragte die Finaiizkommission nunniehr ebensalls Einführung der Berliner Regelung. Leider vermochte sich auch diesmal wieder die bürgerlich« Mehrheit nicht über ihren be- schränkten lokalpatriotisckfen und irämerhasten Gesichtskreis zu er- heben. Es wurde wieder das schon so oft gehörte Lied von der Schädigung der kleinen Geschäftsleute und damit auch der Grund- besitzer in allen Tonarten gesungen. Als matzgebend wurden nur die Interessen der Gewerbetreibenden anerkannt, denen gegenüber die der Angestellten wegen ihrer geringen Zahl nicht in Frage tänicn. Bon unsere» Genossen wurde den bürgerlichen Mittelstandsrettern eindringlich vor Augen geführt, dah trotz gegenteiliger Behauptung gerade die Sozialdemokratie sich der ilcinen Gcwerbetrcibrirdcn in diesem Falle annehme, denen sicherlich mit der Berliner Regelung und der dadurch für sie zur Erholung frei werdenden Zeit ebenso sehr gedient sei wie den Angestellten. Auch das eindrucksvolle Ein- treten des Herrn Stadtrat Stawitz für die Berliner Regelung vermochle die Mehrheit nicht eines anderen zu belehren. Der An- trag der Finanzkominission wurde gegen ll Stimmen verworfen und der bestehende Beschluß beibehalten.— Bei der Beratung über Bewilligung von Mitteln zur Anstellung eines Polizeikommissars und 3 Polizeisergcanten wurde wieder, wie bei der letzten Etats- beratuug, von den Bürgerlichen ein bewegliches Lamento über die Unsicherheit der Bürger und den Mangel an Polizei in Pankow aiiycftinimt. Auch der Grundbesitzer- und Bürgervercin hatten in einer Eingabe die Polizei- und Sickierheitsverhaltnisse Pankows so übertrieben mangelhaft dargestellt, daß der Bürgermeister sich zu der Bemerkung veranlaßt sah, im Interesse der genannten Vereine von einer öffentlichen Bckcnintaabe des Inhalts ihrer Eingabe ab- sehen zu wollen. Unser Rcouer beschränkte sich aus dic Erklärung, daß, nachdem erst kürzlich bei der Etatsberatung dic unbedingte Notwendigleit einer Vermehrung der Polizei nicht anerkannt worden sei. die Verhältnisse sich nach so kurzer Zeit unmöglich so geändert haben könnte», daß sich jetzt ein größerer Polizeischutz Pankows rechtfertige. Die verlangten Mittel in Höhe von rund 10 000 M. wurden schließlich gegen die Stimmen unserer Genossen sowie einiger Bürgerlichen bewilligt.— Dcbattelos wurde dann der Bei- tritt zum Verbände deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichtc beschlossen.— Ferner wurde nach unwesentlicher Debatte für Be- schickung der Allsstellung für Haus- und Wohnungsbau die Summe von 600 M. bewilligt.— Nachdem der Bürgermeister noch bekannt- gegeben, dah dic Verträge betreffs Uebcrnahme der Berliner Straße von den Aufsichtsbehörden genehmigt und Pankow nuiiinehr cnd- gültig in de» Besitz der Stratze gelangt sei. crsolgtc Schluß der offenilichen und hierauf geheime Sitzung. Wilmersdorf. Sturz aus der vierte« Etage. In dem Hanse Halberstädter Straße ± sah vorgestern nachmittag der zehnjährige Sohn Julius des Konzertsängers Sistermann aus dem Fenster der in der vierten Etaae belegenen Wohnimg auf die Siraße hinab, auf der Schul- snmeraden spielten. Der Schüler beugte sich dabei zu weit über das Fenstersims, wurde schwindlig und stürzte plötzlich kopfüber in die tfiifle Der Verunglückte erlitt einen doppelten Bnich des rechten Oberschenkels,-'»cn komplizierte» Unterarmbrnch. und schwere Onetschnnaen. Ans der Rettungswache in der ffia, temer Stratze«r- kielt der Schwerverletzte die erste ärztlich- Hilfe und wurde mittels �.�h� der läuerw-hr nach-in« Privatklini übergeführt. — GtttmtwortliMNedakteur:»wert W-S?. Berlin. Für de» Charlottenburg. Die von der Stadt zum Unterricht in der Herstellung gesundheib lich und wirtschaftlich zweckmäßiger Nahrungsmittel eingerichteten beiden Kochkurse, die vom 1. Februar bis 13. März d. I. in den Küchen verschiedener Gemeindeschulen stattfanden, waren sehr gut besucht. ES mutzten daher zwei weitere Kurse eingerichtet werden, die vom II. April bis 22. Mai d. I. stattfinden. Auch diese Kurse, in denen neben anderen Gerichten auch Seefische gekocht werden, sind so stark besucht, daß nur noch für die Schule in der Leistikow- stratze auf Westend einige Teilnehmerkarten ausgegeben werden können. Alle übrigen Schulen sind voll besetzt. Wie im ersten und zweiten Kursus erhalten auch jetzt die Teilnehmerinnen Rohstoffe zum Selbstkostenpreise und Kochbücher unentgeltlich verabfolgt. Eine Wiederholung der Kurse, in denen voraussichtlich vorzugsweise Ge- miise gekocht werden soll, ist für den Herbst d. I. geplant. Tegel. Die Gemeindevertretung nahm in ihrer letzten Sitzung zunächst unker Ausschluß der Oeffentlichkeit die Wahl von 3 AuSschntzinit- gliedern vor, die auf dic Herren Kommerzienrat von Borsig. Ober- ingenieur Marscheider und vereideten Landmesser Wcstphal fiel. Ebenfalls in nichtöffentlicher Sitzung wurde über die Neuregelung des Dienstcinkommcns der Lehrerschaft an den höheren Gemeinde- lehranstalten verhandelt und autzerdem über die zum 1. Mai er- folgte Pensionierung des seit einiger Zeit schon vom Amt sus- pcndierten Bürgermeisters Weigert.— Jetzt kann also wieder ein Kampf um den Bürgermeister rcsp. um der Parteien Gunst in Tegel losgehen, der vor der Wahl des Herrn Weigert die schönsten Blüten trieb.— Aus der öffentlichen Sitzung sei zunächst erlvähnk, daß zum Bau eines katholischen Pfarrhauses die Gemeinde eine Beihilfe von 3 000 M. leisten soll. Unter dem Widerspruch unserer Genossen wurde der Aufnahme einer Anleihe in dieser Höhe von der Sparkasse des Kreises Nicderbarnim zugestimmt.— Gegen den Vertrag, betreffend Geradelcgung der Schlotzjtratze, der zwischen Provinz, Kreis, Gemeinde, Humboldtmühle und Vcrlvaltung von Schloß Tegel seinerzeit gesckflossen wurde, hat letztere jetzt Emspruch erhoben mit dem Einwand, daß beim 1'lbschlutz desselben ein Irrtum unterlaufen sei, sie will daher das Gericht zur Entscheidung cn- rnfen. Die Provinzialverwaltung hat bereits alle Arbeiten ver- geben und nun kommt das Schloß mit Anträgen auf Aenderung der Stratzcnfluchten, wodurch zunächst die Humboldtmühl« geschädigt und auch die Gemeinde als Vertragskontrahentin in Mitleidenschaft gezogen würde. Es kommen hierbei bereits aufgewendete zirka 18 000 M. für Stratzenflächcnaustausch in Frage; sollte wirklich trotz des geschlossenen Vertrages seitens des Schlosses eine Gerichts- cntscheiduiig herbeigeführt weichen, trotzdem alle anderen Kon- trahcntcn sich gebunden halten, so müßte eine Wiedererstattung aller von der Gemeinde aufgewendeten Grunderwcrbskostcn erfolgen, Im Hinblick hierauf, entschied sich die Gemeindevertretung dahin, die Schlotzverwaltung zur Jnnehaltung des Vertrages anzuhalten und beim eventuellen Klageverfahren zu erhebende Regreßansprüche der Gemeinde vorzubehalten.— Hierauf folgte der wesentlichste Punkt der Tagesordnung: Nochmalige Beratung des Haushallvoranschlages für 1912 und Be- schlntzsassung über dazu vorliegende Anträge. Die in einer früheren Sitzung ausgesprochene Vermutung, der Etat würde nicht die land- rätliche Zustimmung erhalten, ist eingetreten. Beanstandet werden hauptsächlich die zu hohen Ausgaben in der Bauabteilung, die Ein- stollung zu hoher Einnahmen bei der Einkoinmensteuer, der Lust- barkeits- und Biersteuer, der zu hohe Beitrag zum Verbandskranken- Haus in Neinickendorf und das schon von unseren Genossen be- anstandeto Einstellen eines Gewinnes durch Ankauf deS Gaswerkes durch die Gemeinde. Dieser vermeintliche Gewinn sei ganz zu streichen. Ferner seien bei den von der Gemeinde aufzunehmenden Anleihen die Deckungsmittel nicht klar ersichtlich. Auf diese land- rätlichen Beanstandungeir hat natürlich der Gemeindevorstand ent- sprechend geantwortet, die einzelnen Etatpositionen gerechtfertigt, besonders den Gewinn ans einem Verkauf seiner Gaswerksaktien; ferner hat.er eine Neu- rcsp. Mehrbelastung der Gemeindemitglicder für nicht notwendig erklärt, ebensowenig eine sofortige Mitteilung an die Gemeindemitglicder von der Beanstandung, um keine Be- nnruhigung hervorzurufen. Darauf zog das LandratSamt seine Monikas soweit zurück bis auf die Gaswerksposition. Diese nun ausfallenden 80000 M. müssen anderweitig gedeckt werden; der Gemeindevorstand schlägt vor. die Kanalisations- gebühren von 2� auf 3� Proz. zu erhöhen, zumal der Kreis- auSschntz schon seit 5 Jahren daraus dränge, daß die Kosten der Kanalisation durch Gebühren gedeckt werden sollen. Weiter soll«w den Ausgaben für den Gemeindefried Hof und für den Zweckverband gespart werde», insgesamt zirka 33 000 M,. mährend bei den Einnahmen zirka 17 000 M. mehr erwartet werden, wodurch also die nötigen 80 000 M. Deckung da wären.— In der ausgedehnten Debatte wurde einerseits für gleichmäßige Belastung aller Gcmeindcnntglicdcr plädiert, nicht bloß des Grundbesitzes, andererseits der stärkeren Heranziehung des letzteren das Wort geredet, und hierbei besonders auf den niedrigen Wafferpreis ver- wiesen, den der FiSkns iStrafgefängnis) zahle. Man will ver- suchen, dem Fiskus, der jetzt das Wasser unter dem Selbstkostenpreis bezahlt, einen höheren Preis abzunehmen, voranZgesebt, daß eS der mit demselben geschlossene Vertrag zuläßt. Eine Erhöhung des Zuschlages zur Einkommcnstcucr von 125 ans 140 Proz. wurde, wie man anerkannte, alle schwer schädigen, die Mieter würden von Tegel fernbleiben oder gar wegziehen. Der Gcineindevcrtreter Apothekcnbesitzer Schäfer sprach seine Freude über die Be- anstandung des Etats aus; er habe den..Kladderadatsch" der Ge- meindc vorausgesehen, der Grundbesitz sei bis an die Grenze der Möglichkeit belastet, dic Fesseln der Schuldenwirtschaft müsse die Gemeinde nun mal hinschleppen und sich mit dieser ewigen Finanz- miscre im nächsten Jahre eingehend beschäftigen und dw Regelung dahin vornehmen, daß die Allgemeinheit die erhöhten Lasten trage, die für dieses Jahr den Hausbesitzern zugefallen seien. So umgestaltet gelangte endlich der Etat gegen drei Stimmen zur Annahme, vorbehaltlich der Zustimmung des Landrats. Wittenau-Borsigwalde. Am Sonntag, den 5. Mai, ist in den Borsigwalder FestsSlen ein Uebcrzieher gestohlen worden. In den Taschen desselben be- fanden sich außer Fainilienpapiercn ein Wahlvereinsbuch KreiS Riederbarnim, Bezirk Borsigwalde Nr. 75. ein LcrbandSbuch der Steindrucker, Lithographen und verufSgenossen, Deutscher Sencfcldcr- Bund Nr. 2731, ein Kraiilenkasjenbuch der Steindrucker und Lilho- graphen Nr. 10623 und eine Jnvalidcnkarte. Es wird gebeten, die Bücher onziihalten und bei Emil Scheck, Borsigwalde, Schubert- stratze 21, III, abzugeben. Wandlitz. „Der neue Reichstag", lieber diese« Thema referierte in einer gut besuchten Volksversammlung im GesellschaftShauS Reichstags- abgeordneter K ä p p I e r- Altenburg. Unter andauernder Aukmerk- samkcit übte der Redner scharfe Kritik an der Regierung Bethmann Hollweg, insbesondere an der neuen Militärvorlage. Die Ver- sammelten belohnten den Vortrag mit großem Beifall. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden Genossen Neumann-Pankow ging die Bersammliing mit begeisterten Hochrufen auf die Sozial- demokratie auseinander. Eggersdorf. Die Gemeindevertretung nahm in ihrer letzten Sitzung«ine Prüfung der Jahresabrechnung von 1911 vor. Hierbei stieß man auf einige Rechenfehler, die von einer maugelhaften Rasjenführung Zeugnis geben. Nachdem unsere Genossen diesen Mißstand gerügt hatten, wnrde die Abrechnung zur nochmaligen Prüfung einer Kom- Mission überwiesen, der auch einer unserer Genosien angehört. Sonderbarerweise ist auch dem Schöffen Rüger das Bangeld für die Wasierschöpfftelle ausgezahlt worden. trotzdem dasselbe seinerzeit Jeiperrt wurde, weil Rüger einem Gcmcindebeschlutz zuwider ge- andelt hatte. Unsere Genossen werden nunmehr den Klogeweg_ Lnseratenteii verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwättK Buchdruckerei n. Vettagsanstott beschreiten. Der Vertrag mit der Stadt Strausberg über die Lieferung von elektrischem Strom zu Licht- und Kraftzwecken wurde genehmigt. Hieraus beschloß die Gemeindevertretung die Pflasterung der Bahnhof-, Strausberger und Wilhelmstraße. Die Arbeilen sollen öffentlich ausgeschrieben werden. NowaweS. Die örtliche Nahrnngsmittelkontrolle, die vertraglich durch die Landwirtschaftskammer ausgeübt wird, hat der Gemeinde in den letzten drei Jahren 2324,68 M. oder durchschnittlich 772,10 M. pro Jahr gekostet. Nach einem Beschlutz der Gemeindevertretung soll letztere' Summe aus 934 M. erböbt werden; dafür übernimmt jedoch die Landwirtschaftskammer auch die Milchkonirolle, die nach Mög- lich auf alle Verkaufsstellen und umherziehenden Händler ausgedehnt werden soll und entsendet zur Entnahme von Proben von nun an eigene Beamte. Die für die Untersuchungen allgemeiner Art sowie für die Milchkontrolle benötigten Proben mutz die Landwirt- schaftskammer auf ihre Kosten ankaufen und nach ihrem Unter- suchungSamt in Berlin schaffen. Die Entnahme. Bezahlung und Ucbersendung der Proben für die etwa erforderlich werdenden Nach- Untersuchungen sowie für Untersuchungen, die der Ortspolizeibchörde aus Verdachts- oder sonstigen Gründen erforderlich erscheinen, ist da- gegen Sache der Ortspolizei. Der Fußgängertunnel im Zuge der Eiscndahnstraße ist wegen der Zuschüttungsarbeiten seit Montag gesperrt. Der Futzgänger« verkehr wird jetzt in Stratzenhöhe über den Bahnkörper hinweg- geleitet. Dic Hausdcsitzcr der Großbeercnstraße sehen sich durch die neue Baupolizciverordnung für die Vororte von Berlin vom 31. Januar diese? JabreS, die wesentlich verschärfte Vorschriften Über die Anlage von Vorgärten enthält, in eine eigenartige Zwangslage versetzt. Die Verordnung schreibt unter anderem vor:.Borgärten sind in ihrer ganzen Ausdehnung als Ziergärten anzulegen und zu unter- halten. Unterbrechungen der Gartcnanlagen sind nur zulässig, so- weit sie zur Herstellung von HanS- und Ladeneingängen notwendig sind." Die Durchführung dieser Vorschrift bietet nun in der Grotz- beerenstraße autzerordentliche Schwierigkeiten. Hier bestehen mehrere Baufluchtlinicnpläne mit verschiedenen Stratzenbreiten und verschieden tiefen Vorgärten; der Teil vom Lutherplatz bis zum Sternsdorfschen Grundstück z. B. soll nach einem besonderen Plan überhaupt keine Vor- gärten erhalten, während für den übrigen Teil solche vorgeschrieben sind. Einzelne Besitzer haben nun im Interesse von Schansenstern und Ladcneingängen die Vorgärten ganz oder zum Teil beseitigt und verstotzen damit gegen die polizeilichen Vorschriften. Um nun diese Besitzer nicht zur Wicdereinfricdigimg der Vorgärten zwingen zu müssen, was ihnen sowobl wie auch der Gemeinde bei einer späteren Verbreiterung der Stratze unnötige und hohe Kosten bereiten würde, satzte die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung den Beschluß. für die Großbeerenstraße, die teilweise beute schon Geschäftsstraße ist, teilweise sich zu einer tolchen in absehbarer Zeit ausbilden wird, einen besonderen Fluchtlinienplan aufzustellen, wonach die Borgärten durchweg in Fortfall kommen sollen. Jugcndveranstaltunge». Reukölln. Unsere Pstng st Partien. Am Freitag, den 10. Mai, abend? 8 Ubr, findet im Jugendheim eine Beiprechung statt. Sonntag, den 12. Mai, FamillenauSslug nach Pserdebucht, Sadowa. Treffpunkt 1 Uhr, am Wiidenbruchplatz. Fahrgeld 30 Ps. ßriefbaftcn der Redaktion. B. R. 100. Verlag von Karl Salzniann, Charlotteuburg. Ssmarch. straße 4.— F. G. 100. 1. u. 2. Wenden Sie sich an eine der Photo» graphitchen Anstalten, deren Adressen im Adreßbuch. Band II, 4. Teil, Seite 336 und folgende ,u finden sind.— OH. K. IIa. Pfeffer, Kampher. Terpentin und auch Naphthalin sind geeignete Mittel. Lielleichi hiist auch schon tüchtige? AiiSklopseii. Steht ein Raum zur Verfügung, so setze man in diesem das Möbel dem Damps von ans eiserner Schausei oder Eisen- platte entzündetem guten persischen Insektenpulver 24 Stunden aus, bei dichtem Verschluß der Türen und Fensler. Dies ist eventuell mehrmals zu wiederholen.— G. Ol. 56. Hierfür käme der Nachweis de? Verbandes für die Angestellten im GastwirtSgewerbe in Letrachl, Große Hamburger Straße 10.— 21. W. 50. TraiiSportardeiter-Berband, Verein Berliner Hausdiener, Sekiion für Portiers und Hausverwalter, Alte Leipziger- Straße I.— F. W., Tempelhof 1. UnS ist die Kasse nicht bekannt. Vorsicht scheint angebracht.— R. W. 01. Aul den 20. Mai. — 5t. 2l. 27. Wenden Sie sich zunächst an den WahlvereiiiZvorstand. Die Klagemöglichkeit bleibt dann immer noch offen.— 31. H., Lbcr» Schöncwcid» 100. Der Ehemann hastet nicht, ist auch nicht abnähme- pflichtig. Rückzahlung erscheint nicht erreichbar. Wegen Rückgabe der Photo- graphie kann gettagt werden.— H. G. 88. Die Psändung wegen dee Steuer sür das letzte Quartal 1911 war nur zulässig, talls und soweit die Lohiisorderung 28,85 M. wöchentlich überstieg und nicht wegen der Steuer sür daS letzte Quartal beschlagnahmt war. Beschweren Sie sich bei dem Magistrat. Die Psändung wegen der Kirchensteuer ist unter derfelbeu Vor- ancsetzmig zulässig.— M. T., Ecbichnit. 1. Nein. 2. Durch Nachsrage bei dein AmtSacrlcht Beilm- Mille, Nachlaßabicilung. Für Erteilung der Teslamcntsabschrist werden 20 Ps Schreibgebühr pro Seite liquidiert. 2. Nein. Eigenhändige Riederschrist des Testaments, mit Orts- bezeichnung, Datum und Umerschrikt, genügt. 4. u. 6. Nein. 5. Nein, so- lern die Form gewählt ist.— 83. 1. Ja. 2.§ 127 f. I. G.-O.,§ 154 Abs. 2 Bürgerl. GesehduchS.— Stanjck, Potsdam. Das Geld kann zurück- gejordeit werden, falls cS.nicht zum llnterhalt benötigt und verbraucht wurde. Marktbericht von Berlin am 7. Mai 101S, nach Ermittelung des fönigL PolizeipräsidiiunS. Markthallenpreise. lKIeinhaiidel) 100 Kilogramm Elbsen. gelb«, zum Kochen 34.00—50.00. Speisebohncn. weiße, 35.00—69,00. Linsen 40,00—80,00. Kartosscln(Klelnhdb) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2.40. Rindfleisch, Bauchflessch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1.40—2,60. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,40-3,20. 60 Stuck Eier 3,20-5,50. 1 Kilogramm .Knipsen 1,20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20—260 Barsche 0.90-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebs« 1,80-40,00._ 1 WitternngSübersicht vom 8. Mai ISIL. etatwnm ü S-e Swwembe. Hamburg Berlin Franff.a.M. München Wien 769O 767 NNW 767 O 766 SA 768 33 767 WNW Vetter 2 wolkig INebel Lbedcckt liNebel 2 Regen 2 bedeckt e« tift »II Ha Stationen Hadaranba Petersburg Scillh Aberdeeu Paris 773 O 767,310 770 St» 760 Still 772 SSW Lwolkenl 2,woltenl I Nebel iheilcr 2 bedeckt Wetterprognose für Donnerstag, den 9. Mai 1912. Ein wenig kühler, veränderlich, vorhenschend wolkio mit etwas Regen und meist schwache» südwestlichen Binden. 1 01119 mit j"ß Berliner Tetterbnrea«. WafferftandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetleibureau. Wassel stand M e m e 1. Ttlfit P r e g e I, Jnflerburg Weichsel. Thoru Oder, Ratibor . Krusten , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Lerby » Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlttz H ad et. Spandau') , Rathenow') Spree, Epremberg») , Beestow Weser, Münden Minden Rhein. Maximiliansan Kaub ' Köln Neckar. Heilbrom» Main. Hanau Mosel, Trier —») Unterpegel