Nr. no. IftennemttitS'Bedlngungcn: Avonnements• Preis Btänumertmbö! LierteljShrl. 3,30 SKI., monofl. 1,10 SKt, wöchenUich 28 Pfg. frei MS HauS. Nnzelne Nuauner 8 Pfg, Sonntags- nununer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Bett" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post-ZeiwngS. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L SKarl pro Monat. Postabonnements ' nen am Belgien, Dänemark and, Italien, Luxemburg, Portugals " lien, Schweden und die Schweiz, nehmen Hollan 29. Jahrg. Bit Tnffrtlon$'Gsyndicaliste" D e l a i s e. Es ist klar, daß ein so entschiedenes Bekenntnis zur Wahlaktion der sozialistischen Partei einen tatsächlichen Bruch mit der„libertären" Gedankenwelt bedeutet, und so kann es nicht wundernehmen, daß in den anarchistischen Gruppen, die den in Frage kommenden Redakteuren der„Guerre Sociale" nahestehen, der Eintritt in die geeinigte Partei erwogen wird. So erfreulich eine solche EntWickelung auf den ersten Blich scheinen mag— es sind unter den jungen Anarchisten sicher nicht nur enthusiastische, sondern auch lern- fähige Köpfe—, so wird man sich andererseits kaum ver- hehlen können, daß der Zustrom gerade dieser Elemente die einheitliche Aktion der ohnehin an kosusionistischcn Sonder- gängern nicht armen sozialistischen Seine-Föderation schwer- lich begünstigen würde. Unverkennbar hängt die Enttäuschung, die die Anarchisten der verschiedensten Richtungen seit einiger Zeit gegenüber der syndikalistischen Bewegung kundgeben, gerade damit zusammen, daß das in dieser durch die gewerk- schaftliche Aktion in wachsender Klarheit ausgebildete Klassen- bewußtsein und Verständnis für die Bedingungen des pro- letarischen Klassenkampfs sowohl' dem revolutionsromantischen Putschismus wie dem lumpenproletarischen Nihilismus und dem kleinbürgerlichen Individualismus kein Betätigungs- feld läßt. Mögen in der syndikalistischen Bewegung gewisse, dem Lexikon der anarchistischen Sprache und Sitte ent- nominene Aeußerlichkeiten eine Zeitlang noch fortwirken, soviel läßt sich heute schon sagen: der Versuch des Anarchis- mus, die junge gewerkschaftliche Bewegung in seine Hände zu bekommen, ist durch den gesunden Klasseninstinkt des Pro» letariats überwunden. Bis zur völligen Ueberwindung des Mißtrauens der syndikalistischen Massen gegen die geeinigte Partei mag es noch gute Wege haben, aber zweifellos bedeutet die ernste Organisanonsarbeit, die in jüngster Zeit in den großen Gewerkschaften geleistet wird, für die Vorbereitung einer mächtigen, von sozialistischem Geist erfüllten, auf allen Gebieten ihre Kraft entfaltenden proletarischen Klassenbewe- gung mehr, als der Eintritt einiger, von den besten Absichten erfüllter, nach Betätigung verlangender Ex-Libertäre in die Cadrrs der Seine-Föderation. ver Krieg. Blutiger Kampf auf Rhodos? Mailand, 11. Mai. Die Einzelheiten, die über den Kampf vorliegen, der gestexn auf der Insel Rhodos zwischen Italienern und Türken stattgefunden hat, lauten bis- her noch unbestimmt. Auf alle Fälle scheint es sich aber um Ereignisse von großer Bedeutung zu handeln. Es ollen zwei getrennte Treffen stattgefunden haben. Der Schauplatz der Kämpfe soll im inneren Gebirge, nordöstlich von Altairo, dem höchsten Berge der Insel, liegen. Auf beiden Seite« sollen größere Verluste eingetreten sein. Der „Secolo" verzeichnet das Gerücht, daß auf der Zyrenaika weitere Truppen nach Rhodos gesandt werden sollen. Ein neueö Scharmützel. Rom. 11. Mai. Die„Agenzia Stefani" meldet aus Tobruk vom 16. Mai: Gestern nacht gegen 11 Uhr versuchte eine feindliche Abteilung die Zisterne in der Nähe von Fort Nr. 1 zu beschädigen. Sie wurde entdeckt und beschoffen, wodurch der Feind zum Rück- zug gezwungen wurde. Die Italiener hatten keine Verluste. Eine Erklärung des Großwesirs. Paris, 11. Mai. Der Konstantinopler Korrespondent des „Matin" berichtet, daß der Grohwesir Said Pascha folgendes erklärt habe: Die Besetzung von Rhodos und anderer Inseln des Aegäischen Meeres kann in keiner Weise die Haltung der türkischen Regierung ändern. Wir bleiben fest dabei, daß der Friede nur auf der Grundlage der tatsächlichen und nicht nur theoretischen Souveränität deS Sultans über Tripolitanien beschlossen werden könne. Die religiöse Souveränität,� von der auch gesprochen worden war, ist ein w e r t l o s e r Köder, denn diese Souveränität be- steht für jeden Mohammedaner. Dennoch ist der Frieden eine ge- bieterische Notwendigkeit, denn wenn sich die gegenwärtige Lage noch lange hinzieht, so wird der Weltfrieden gefährdet werden. Die Mächte müssen deshalb ein Mittel suchen, um eine Vermittelung anzubieten, die wir für unseren Teil annehmen würden. Besonders Frankreich und England sind an der Auf- rechtcrhaltung des Gleichgewichts im Mittelmcere interessiert. Zur Freimachung der Dardanellen. Konstantinopel, 11. Mai. Das Kriegsministerium gibt bekannt, daß am 0. und 10. wegen stürmischen Wetters die Hebung der in der Dardanelleneinfahrt befindlichen Minen eingestellt werden mußte. Von privater Seite erfährt der Korrespondent der„Fr. Ztg.", daß die Arbeit gestern wieder aufgenommen worden ist. Falls das Wetter günstig bleibt, darf für Dienstag dw Erössuung der Dardanellenenge erwartet werden. polftilcbe OebcrHcbt. Berlin, den 11. Mai 1912. Der Militäretat im Reichstag. AuS dem Reichstag, 11. Mai. Die Hoffnungen, die der Kriegsminister wohl gehegt hatte, daß er heute leinen Etat zu Ende absitzen könnte, sind enttäuscht worden. Er hat es aber schließlich nur sich selbst und seiner Verwaltung zu zuschreiben, wenn die zweite Lesung des Milttäretats noch nicht abgeschlossen werden konnte. Denn gerade die heutige Ver- nandlung hat wiederum bewiesen, wie viel und wie große Mißstände in unserem militärischen Organismus der Kritik und der Abhilfe bedürfen. Schon die Generaldebatte, zu der noch eine Reihe von Rednern sprachen, verstärkte diesen Ein- druck, der bereits gestern gewonnen werden mußte. Herr Dr. Müller- Meiningen brachte gleich zu Beginn eine Reihe >>on Beschwerden vor, die sich namentlich gegen die Intoleranz !>er militärischen Behi rden jeder freieren Meinung gegenüber - ichteten. Und wenn sogar der Nationolliberale Hel d diese Polemik unterstützen mußte, soweit es sich um die Politik der unpolitischen Kriegervereine handelt, so darf das allein, als der Beweis für die Berechtigung' der Kritik gelten. Herr i». K r ö ch e r allerdings stellte sich breitspurig, die Hände in den Hosentaschen, neben der Rednertribüne und erklärte die. Eingriffe der angeblich unpolitischen Vereine in die Politik ür selbstverständlich und notwendig. Genosse Schöpflin ehnte diese patzige Verteidigung mit dem sehr energischen .Hinweis auf die bevorrechtigte Stellung der Kriegervereine ab. und gleichzeitig hielt er noch einmal dem Krieysminister eine Reihe von Mißständen vor. die in dem willkürlichen Vor- gehen feiner Verwaltung beruhen. Die entschiedeile Auf- orderung unseres Redners, endlich einmal niit aller Rück- 'ichtslosigkeit gegen das grenzenlose Unrecht der Soldaten- Mißhandlungen vorzugehen, schien dem Kriegsminister ein loenig auf die Nerven zu fallen, und er antwortete mit einer Reihe von Gemeinplätzen, auf die unsere Redner nachher noch eine kurze und kräftige Antwort gaben. Inzwischen hatte eine lebhafte Debatte über daS Recht der freien Meinungsäußerung in der Kirche den fortschritt« lichen Pfarrer Heyn gegen die Mucker M u m m und Z ü r n auf die Tribüne geführt. Auch in der Spezialdebatte. die nun anfing, brachten nehrere Redner unserer Fraktion Mißstände und die miß- bräuchliche Praxis der militärischen Behörden zur Sprache. Die Genossen Dr. O u e s s e l und Dr. W e i l l kritisierten vor allem die Konkurrenz, die, insbesondere in Darmstadt und in Metz, den Wagenvermietern durch die unerhörte Aus- Nutzung der Krümperwagen gemacht wird. Die Konkurrenz, die die Militärkapellen den Zivilmustkern machen, wurde vom Genossen Zubeil besprochen. Genosse Keil erörterte Arbeitsverhältnisse in einigen Proviantämtern und Genosse Alb recht machte eingehendere Ausführungen über die Be- kleidungsämter. Vorher hatte der Fortschrittler Gothein noch einmal den gestern schon erörterten Fall des ab- gelehnten Reserveoffiziers besprochen, in dem sich die Militär- Verwaltung glänzend blamiert hat. Der Kriegsminister war freilich über die durchaus angebrachte Ironie einigermaßen vikiert. Auch Herr v. G a m p war etwas verletzt, weil Ge- nosse Albrecht einige Beispiele von seiner Agitationsmethode mitteilte. Er mußte sich aber von unseren Genossen nach- weisen lassen, daß er wirklich eine etwas eigenartige Wahl- mache betrieben hatte. Auch eine kleine Handwerkerdebatte gab es noch am späten Abend. Ueber die Resolution wird am Montag abgestimmt. Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenbause herrscht wieder die übliche Langeweile. Im Saale, wo die Sekundärbahnvorlage weiter beraten wird, ver- e.inzelte.Volksvertreter', die sich mit allem andern, nur nicht mit >ein Gegenstand der Tagesordnung beschäftigen, am Präsidium Herr i, Erffa, der wegen seiner Tapferkeit vor dem Feinde am letzten Donnerstag immer noch keinen Orden bekommen hat. auf der Rednertribüne fast lauter Herren, die sogar de» Dienern nicht be- lannt sind, weil sie sich sonst niemals sehen lassen. Einer nach dem andern sagt sein Sprüchlein her. sie erzählen von den Nöten ihrer Wahlkreise und fordern neue Bahnen, manch einer von ihnen tritt schon seit 20 Jahren immer für dieselbe Linie ein und hofft troy ?er ablehnenden Haltung der Regierung doch noch auf endliche Ge- vährung seines Wunsches. So unglaublich es klingt, auf den Tribünen fitzen wie angewurzelt Leute, die sich das Zeug von An- sang bis zu Ende anhören, Leute mit beneidenswerten Nerven. Auch am Schluß blieb die Sensation aus, auf die das Tribünen» vublikum gerechnet hatte. Die Konservativen glänzten größtenteils lurch Abwesenheit, und da die Störenfriede nicht zur Stelle waren, fing natürlich alle? ruhig zu. Für Montag, wo an erster Stelle über die Beschwerde de» Ge- nossen Borchardt abgestimmt werden soll, sind die größten VorsichtS- naßregeln angeordnet. Das böse Gewissen der Junker und ihrer Helfershelfer läßt sie fürchten, daß sozialdemokratische Tribünen» iesucher etwas gegen sie im Schilde führen. Die Narren! Außerdem soll am Montag die Novelle zum KnappschastSkassen» zesetz beraten werden._ Nicht rechtzeitig angemeldete Versammlung ea. Das„Berliner Tageblatt' behauptet, die Protestversammlungen gegen die Vorgänge im Abgeordnetenhause wären beinahe nicht zu- stände gekommen, weil die 24slündige Anmeldefrist nicht gewahrt var. Das ist irrig. Erstens war die Anmeldefrist gewahrt. Ferner aber gibt die Verspätung oder daS Unterlassen einer Anmeldung der Polizei nicht mehr(wie nach dem altpreußischen Vereinsgesetz) das lischt zur Auflösung. Nur wenn es sich um nicht rechtzeitige An» Meldung von Versammlungen handelt, in denen die Verhandlungen n nicht deutscher Sprache geführt werden, ist die Polizei bei der» späterer Anmeldung zur Auflösung berechtigt. Das Unterlassen der Anzeige oder die Verspätung bei der Anzeige hat in allen übrigen Fällen nur ein Strafverfahren gegen den Ber- an st alter und Leiter zur Folge. Sie sind mit Geldstrafe bis tdO W. bedroht._____ Von der Essener Polizei. Der Feldzug der Essener Polizei gegen die stark gewordene Arbeiterbewegung in Essen hat ihr eine Reihe vernichtender Niederlagen eingetragen. Erst kürzlich wurde ein auf ihre Ber- anlassung eingeleitetes Verfahren gegen zwei Genossen wegen an- geblichen Meineides niedergeschlagen; ein Genosse, der zu mili- tärischein Ungehorsam aufgereizt haben sollte— was durch Spitzel ermittelt wurde— erzielte Freisprechung. Jetzt ist auch ein Ber» fahren wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu Wasser geworden. In der geniralbibliothek der organisierten Arbeiterschaft Essens wurde ein Buch von Adolf Hellgren„Aus den Memoiren eines Laubfrosches' geführt, das für Deutschland konfisziert sein soll, wo» von der Bibliothekar Genosse Hammer nichts wußte. Offenbar hat nun die fleißige politische Polizei den kürzlich herausgekommene» Katalog der Bibliothek genau studiert und dabei das verpönte Buch entdeckt, das, nebenbei, in den Buchhandlungen bisher unbeanstandet geführt wurde. Es wurde beschlagnahmt und Genosse Hammer verfiel einem Verfahren wegen MajestätSbcleidignng, die nicht er. sondern daS Buch begangen haben soll. Jetzt«Hielt der Beschuldigte vom Staatdanwalt die Nachricht, daß das Verfahren eingestellt ist. Die Essener politische Polizei hat damit wieder ein Zeugnis ihrer Tüchtigkeit und Unentbehrlichleit ausgestellt bekommen._ Tie Kulturbedeutung der Sozialdemokratie. In einer der letzten„M onistischen Sonntags. predigt: n", die der bekannte Gelehrte Wilhelm-Ostwald als Vorsitzender des Deutschen MonistenbundeS herausgibt, finden sich einige bemerkenswerte Auslassungen über die Sozialdemokratie. Csrwald bemerkt darin, dag die Sozialdemokratie als„roter Teufel" auf politischem Gebiete ungefähr dieselbe Rolle spiele wie ehedem der„schwarze Teufel" auf religiösem Gebiete. Sie gelte ihren Gegnern auf konservativer und ultramontaner Seite als der Jnbgrifi alles Bösen, und sie zu bekämpfen sei kein Mittel scharf genug. Namentlich werde ihr das Eintreten für die Republik schwer angerechnet. Der Gedanke, daß etwa durch einen Mehrheitsbeschluß des ganzen deutschen Volkes die Verfassung des Deutschen Reiches in solchem Sinne geändert werden könnte, daß das Kaisertum durch eine Republik ersetzi würde, erscheine den Vertretern des Monarchismus als ein so außerhalb des Zulässigen und Denkbaren stehender Gedanke, daß sie jeden, der eine solche Idee erörtert, schon deshalb als einen Vaterlandsverräter zu betrachten gewohnt seien. Lstwald selber bekennt sich als Anhänger der Monarchie in Deutschland, aber er ist doch vorurteilslos genug, der> Sozialdemo- krähe das Recht, für die Repiublik einzutreten, nicht zu verwehren. Er schreibt: „Ucberlegt man, daß eine so verehrungswürdige Persönlich- reit wie Kaiser Wilhelm l. zu der Zeit, wo er nur noch erst König von Preußen war, es, um mit den Worten der Bibel zu reden, nicht für Raub gehalten hat, einen anderen legi- t i m e n König(den König von Hannover) mit Gewalt zu entthronen und sich seines Landes zu bc- mächtigen, so mutz man zugeben, daß derartige Vorgänge doch wohl nicht so als Gipfel aller Schlechtigkeit beurteilt werde» dürfen, wie das die Konservativen in anderem Zusammenhange darzustellen belieben. Die politischen Ereignisse des letzten Jahr- sehnts entHallen eine ganze Anzahl von Fällen, wo Völker, welche mit ihrer bisherigen monarchi- schcn Regierung begrün dcterweise unzu- frieden waren, ihre Regierungsform geändert und sich fast ausnahmslos in Republiken umge- wandelt haben. Das ist mit Portugal und mit China geschehen, und in jedem dieser Fälle ist die Umwandlung nicht wie in früheren Jahrhunderten mit Strömen Blutes erkauft worden, sondern hat sich nahezu vollkommen friedlich vollzogen, zum Zeichen dafür, in welchem Maße das Recht eines Volkes, sich selb st die ihm am richtig st en erscheinende Regicrungsform zu wählen und einzurichten, gegenwärtig schon zu praktischer Anerkennung gelangt t st." Zu einer besonders bemerkenswerten Acußerung kommt Ost- Wald, als er Kaisertum und Liberalismus an ihre Pflicht erinnert. den Kulturforderungen der Zeit gerecht zu werden, statt diese allein der Sozialdemokratie zu überlassen und so zur Stärkung dieser Partei beizutragen. Er schreibt: .Warum sind denn bei den letzten Reichstags- wählen so außerordentlich viel Spzialdemo- kraten gewählt worden V Die Ursache ist für jeden, der an den Bewegungen der letzten Jahre teilgenommen hat, so tlar wie nur möglich: Die Sozialdemokratie hat diesen un- geheuren Zulauf erfahren, weil sie dieeinzigepolitische Partei war. welche die freiheitlichen Forderungen in Bezug auf die Verwaltung von Kirche und Schule, in bezug auf die Verwaltung der großen E n e r g i e v o r r ä t e des Landes und auf eine Reihe von anderen fundamentalen Fragen vertrat. Weil die liberalen bürgerlichen Parteien nicht recht- zeitig darauf geachtet hatten, diese wahrhaft freiheitlichen An- - Gelegenheiten zu den ihrigen zu machen list doch das funda- mentale Schulproblem erst in allerjüngster Zeit von den bürgerlichen Parteien in seiner überragenden Bedeutung halbwegs er- kannt worden), weil die Sozialdemokraten die einzigen waren, die sich dieser grundlegenden Dinge politisch bemächtigt haben, darum suchten alle diejenigen, welche die erwähnten .Kulturforderungen für die Ivichtigsten An(je- legenhei ten der Reichsverwaltungen halten, Hilfe bei den Sozialdemokraten, denn sie kann- iten eine Unter st ützung ihrer Forderung bei den anderen Parteien nicht finde n." Es ist nicht das erste Mal, daß ein Mann der Wissenschaft, der sich im Leben der Gegenwart umgesehen hat, der Sozialdemo- kratie ihre Bedeutung als Kulturpartci bescheinigt. Wir erinnern nur an Theodor Mommsen. Anwaltstreik am Bochnmer Landgericht. Infolge der außerordentlich starken Inanspruchnahme der Sitzung Zräume des Bochumer Landgerichts zur Aburteilung von Streikvergehen, haben die Zivilkammern in ganz unzulänglichen, kleinen Zimmern untergebracht werden müssen. Da dieser Zustand bei der Verteidigung zu sehr unangenehmen Folgen geführt hat, so haben 1s Rechtsanwälte in einer schriftlichen Eingabe angekündigt, nicht eher auftreten zu wollen, bis Wandel geschaffen worden ist. Eine nationalliberale Grütze als Steuerdcfraudant. Der ehemalige Reichs- und Landtagsabgeordnete Oberbürger- meister Dr. Haarmann-Witten, dem man in nationalliberalen Kreisen den Titel.Der sozialpolitisÄe Oberbürgermeister" zugelegt hatte, hat, wie jetzt bei der Regelung des Nachlasses sich herausgestellt hat, jahrelang Steuerhinterziehungen in großem Umfange begangen. Die Erben werden vom Steuerfiskus einsprechend herangezogen. Der Januschauer vor Gericht. Die Konservativen kämpfen nach ihren eigenen Angaben stets mit den v o r n e h m st e n Waffen, so vornehm, daß das Schöffen- gericht in Elbing den Herrn v. Oldenburg-Januschau wegen Beleidigung zu 400 M. Geldstrafe verurteilen mußte. Er hatte den Kläger, seinen Gegenkandidaten, Geheimrat Ziese, offenbar zu vor- nehm behandelt._ Gehorsamsverweigerung im Lazarett! Eiserne Disziplin und unbedingten Gehorsam bis ins Kranken- bett verlangt der Militarismus. Ist der Soldat auch noch so krank, jeder Befehl de» AuffichtspersonalS und der Aerzte muß ihm heilig fei». Und wagt sich ein Kranker— der auch während seines Lazarettaufenthalts unter den Militärgesetzen steht— auch nur ein bißchen diesem Kadavergehorsam zuwider zu handeln, so wird daS schwerste Geschütz gegen ihn aufgefahren. So erging eS auch dem ehemaligen Schützen Hennrg. der im Jahre 1010 vorüber- gehend im Dresdener Garnisonlazarett war. Hier soll er einem Stabsarzt eine unwahre Antwort gegeben, und als er zur Rede ge- stell! wurde, sich entgegen einem Befehl nicht ins Bett gelegt und die Hände nicht an die Hosennaht ge- nommen haben! Auch sonst soll er sich ungebührlich und achtungsverletzend benommen haben. Gleich nach seiner Entlassung wanderte der junge Mann nach England aus, als er aber vor einiger Zeit nach Deutschland zurückkehrte, wurde er noch zur Rechen. schüft gezogen I Das Dresdener Kriegsgericht v-rurtetlte den Angeklagten zu der ungemein harten Strafe von—* Wochen strengen Arrest!- im Interesse der Disziplin l Ein Offizier als Gehorsamsverweigerer! Das Oberkriegsgericht in Dresden verurteilte nach geheimer Verhandlung den Oberleutnant Uhle- in a n n vom Trainbataillon Nr. 12 wegen ausdrücklicher Gehorsams- Verweigerung und Achtungsverletzung zu drei Monaten Festungshaft. Der Oberleutnant war mit seinem Hauptmann, von dem er sich schikaniert und ungerecht behandelt glaubte, in Differenzen geraten, bis er sich eines Tags weigerte, zum Dienst zu kommen._ Italien. Tie Wahlreform. Rom, 11. Mai. In der Kammer wurde in namentlicher Ab- stimmung mit 31S gegen 0 Stimmen beschlossen, gemäß dem Vor» schlag des Ministerpräsidenten Gtolitti in die Spezialdebatte der einzelnen Artikel der Wahlreform einzutreten. Cnglanä. Die Beziehungen zu Deutschland. London, 10. Mai. Bei einer Versammlung deS konservativensogenannten Primelbundes in Albert-Hall hielt Bonar Law eine Rede, in der er unter anderem sagte: Niemand fühlt mehr als ich, daß es kaum ein größeres Unglück geben könnte, als einen Krieg zwischen England und Deutschland, welchen Ausgang er auch immer haben sollte. Bekanntermatzen sind wir jetzt in ein Wettrüsten mit Deutschland verwickelt, und am Ende wird der Sieger bleiben, der die größte Börse besitzt. Die Bevölkerung, die Macht und der Reichtum Deutschlands wachsen weit schneller, als es in England der Fall ist, und wenn wir uns auf die Hilfsmittel unseres Landes allein der- lasten wollten, so wäre eS für uns in kurzer Zeit, in einem einzigen Menschenalter, unmöglich, eine Seemacht zu unterhalten, die aus- reicht, uuS in der Stunde der Not zu schützen. Sollte die unionistische Partei wieder ans Ruder kommen, so wird sie sich bemühen, ein Uebereinkommen zustande zu bringen, welches unser Land verstärkt durch die unerschöpflichen, jetzt über den ganzen Erd- ball verstreuten Hilfsquellen der großen Schwester- Nationen. Die Bagdadbahnfrage. London, 10. Mai. Wie das Neutersche Bureau erfährt, sind der britischen Regierung bezüglich der B a g d a d b a h n keine türkischen Gegenvorschläge formell zugegangen. Die Verhandlungen zwischen dem türkischen Botschafter in London und Sir Edward Greh über die Bahn dauern an und machen seil einiger Zeit Fortschritte. Sie beziehen sich auf eine Anzahl von Anfragen meist technischen Charakters, welche die türkische Regierung auf die im Juli letzten JahreS erfolgte englische Mitteilung machte, und auch aus die Klä- rung gewisser Materien, die man in Konstantinopel gewünscht hatte. Alles das ist noch Gegenstand freundschaftlicher Besprechungen, und eine Entscheidung ist noch nicht gefallen; man ist aber überein- gekommen, die jetzt zur Diskussion stehenden Gegenstände geheim zu behandeln._ Tom Mann verurteilt. London, II). Mai. T o m Man n wurde gestern in Man- chester nach einem veralteten, aus dein Jahre 1797 stammenden Gesetz wegen eine an die Soldaten gerichtete Aufforderung zur Meuterei zu 6 Monaten Gefängnis in der zweiten Ab- teilung verurteilt. Die Strafe ist etwas milder als die ge- wohnliche Gefängnisstrafe: die Gefangenen der zweiten Ab- teilung haben gewisse Vorrechte. Tom Mann führte seine Verteidigung selbst. Er wies darauf hin, daß der Soldat, wenn er der Zivilbehörde zu Hilfe komme, nur ein einfacher Bürger sei und für seine Handlungen, wenn sie das bürger- liche Gesetz nicht rechtfertige, vor Gericht verantwortlich ge- macht werden könne. Er habe sich an die Soldaten nur in ihrer Eigenschaft als Bürger gewandt und sie ermahnt, die Gefetze nicht zu übertreten. Er müsse nach den Ereignissen der letzten Zeit zur Ueberzeugung komnien, daß nrnit ihn nicht wegen des Briefes an die Soldaten, sondern wegen seiner stzudikalistischen Ueberzeugung verfolge. Andere Personen hätten in derselben Weise geschrieben und gesprochen wie er utid es sei ihnen nichts geschehen. Er hege keinen Wunsch, der Freiheit beraubt zu werden, aber er wolle nicht um Gnade bitten. Die Regierung hat mit der Verfolgung Tom Manns keine Lorbeeren geerntet. Selbst in ihrem eigenen Lager fehlt es nicht an Stimmen, die das Vorgehen der Behörden als dumm und ungeschickt verurteilen. Dagegen befindet sich die Regierung in einem verteufelten Dilemma. Sie wagt sich nicht an die Führer der rnscheit Unionisten heran, die eine viel aufreizendere Sprache führen als die Syndikalisten. Jene reden von der offenen Empörung und erklären, daß sie die protestantische Bevölkerung Nordirlands einexerzieren und bewaffnen werden. Noch vor einigen Tagen versicherte einer von ihnen im Parlament, daß sich die Einwohner Bel> fasts schon im Besitze von 00 000 Revolvern befändetz. Und dieser Unterschied in der Behandlung der Syndikalisten und der irischen Unionisten akzentuiert den Eindruck, daß es sich bei der Verfolgung T o nt M a n n s um einen Akt der Klassenjustiz handelt. Der Prozeß ist ein Tribut an das stupide Spießbürgertum, das in den wirtschaftlichen Kämpfen der letzten Zeit nicht das heiße Strebe» der Arbeiterklasse nach einein besseren und nienschenwürdigeren Dasein sieht, sondern die ganze großartige Manifestation des Volkswillens als eine mutwillig von einigen Agitatoren angezettelte Mache betrachtet. ScKtveclen. Der Kampf gegen den Militarismus. Genosse B r a n t i n g schreibt uns: ?jin„Vorwärts" vom 7. Mai wurden einige Vorkommnisse in chwedischen sozialdemokratischen Bewegung und in der allge- meinen Politik der Partei in einer Weise besprochen, die offenbar auf Wißv erständnissen beruht, und die infolgedessen auch ganz natürlich zu der Ncflexion Anlaß gegeben hat, daß jcb bei einer gewissen Gelegenheit„in für uns völlig unbegreiflicher Weise" aufgetreten sei. Sie werden mir sicher erlaube» in möglichster Kürze die Sachlage richtig zu stellen. Die 1. Mai-Rosoltition, welche der Vorstand der Stockholmer OrtSorganisation als Zusatz vorgelegt hatte, ist nur dann richtig zu würdigen, wenn man sie in Zusammenhang mit der besonderen Agitation unserer rührigen und für die Ideale der Sozialdemokratie begeisterten, aber nicht selten auf die Gebiete der Tätigkeit der Partei hinübergreifenden Jugendorganisation sieht. Die geistigen Führer der Jugendbewegung sitzen zur selben Zeit in dem Stockholmer Borstand. Sie hatten schon am Anfang des ahreS gegen die geplante Bersuchsmobilisierung— die brigcns in Vergleich mit anderen militärischen Anforderungen wirklich keine allzu große Sache ist, die Kosten werden aus S00000 Kronen geschätzt, die Mobilisierung scheint auf etwa drei Regimenter beschränkt zu iverden— eine besonder« Agitation inszeniert. Die ReichstagSsraktion hat sich diesem Unternehmen gegenüber inso« weit ablehnend verhalten, als sie allgemein dem Wunsche Aus- druck gab. die Vorlage der Regierung erst zu sehen,«he zu der- selben Stellung genomme«»erb«« Mm«,«u»»««•riitck«. mftß schon im Artikel vom 7. Mai wesentlich richtig angegeben find, faßte die Fraktion die Frage als eine praktisch« Detatlftage«rf, welche nicht so über alles Matz aufgebauscht werden durfte, ww tt einige Genossen von Anfang an versuchten. Die Lgttateon w«rd« jedoch von den Rednern der Jugendorganisation fortgesetzt und die Genossen, welche nicht mitmachen wollten, ziemlich unverblümt als „militaristisch" angehaucht denunziert.,. Ende April kam endlich die Borlage. Sie zeigt« sich, trotz gewisser Rücksichten auf die Arbeiter- so ist z. S. ei» besondere« Gesetz vorgelegt, das den Mobilisierten ihre frühere» Plätze garantiert— ledoch viel ausgedehnter und für die Bevölkerung der berührten Landesteile viel mehr drückender, als man erwartet hatte. Infolgedessen hat die Fraktion fich sofort in der Ansicht geeinigt. daß dieser Vorschlag bekämpft werden müffe. ES war indessen vorauszusehen, daß eine Mehrheit im Reichstage, diesmal von Liberalen und der Reckten gebildet, sich momentan zu- sammenfinden würde, um den Vorschlag durchzudrücken. Man wollte jedoch die Möglichkeit einer Ermäßigung der fünfzehntägigen Uebungs» zeit, höherer Entschädigung der Reservisten usw. nicht ohne weiteres fallen lassen. und so hat die Fraktion in bester Eintracht sich dafür entschieden, die beiden Linien gleichzeitig für die Kommission vorzuführen, und die beiden Genossen Brantmg und B. Eriksson beauftragt. dafür zu sorgen. In der Tat scheint die Kommission auch einige von unseren Vor- schlagen betreffend der Entschädigung akzeptieren zu wollen: der hierzu bestimmte Vorschlag wird also, wenn der Reichstag der Kommission folgen wird, den Einberufenen etwas helfe«. Gleich« zeitig werden aber unsere Anträge auf Verkürzung der Uebergangs» zeit wahrscheinlich niedergestimmt werden, und wir werden uns folg» lich bei der letzte» Entscheidung alle auf der gleichen Linie gegen diesen Regierungsvorschlag zusammenfinden. Ich muß daher daran festhalten, daß die Zusatzresoluhon, wie ,ch in der Maffenversammlung am I.Mai gesagt habe, als Direktive für die ReichstagSsraktion überflüssig sei. ES ist auch eine Tatsache, daß die Schlußworte dieser Resolution:„Dem Militarismus keinen Mann und keinen Groschen!" in Schweden gewissermaßen eine SpezialParole d« r Richtung in unserer Partei geworden ist, die von der Sozialdemokratie das Eintreten für augenblickliche Entwaffnung des Landes fordert. Wir sind selbstverständlich alle darin einig, daß nach dem Wortlaut „dem Militarismus' absolut nichts gegeben werden darf. Das habe ich persönlich auch bei dieser Gelegenheit betont. Da» gegen ivill die Mehrheit der Partei diesen Satz nicht so au§- gelegt haben, daß wir jeder militärischen Verteidigungsmaßnahme zur Wehr unserer nationalen Selbständigkeit prinzipiell feindlich gegenüberständen. Die deutschen Genossen, die die Er- ziehung der Nation zur Wehrhaftigkeit fordern, die für die Volks» miliz eintreten, werden es gewiß verstehen, daß die schwedische Partei, wie die Verhältnisse leider noch liegen, mit dem Zarismus als Nachbar, ganz- bestimmt sich' weigern, die völlige Wehrlosigkeit ihres Landes zum Prinzip zu erheben. Dagegen marschieren wir auf demselben Wege wie unsere Bruderparteien, indem wir immer gegen die Nüstungsvermehrungen aufgetreten und statt besten sehr beträchtliche Linderungen unserer hohen Militärausgaben, Berlürzung der Dienstzeit usw. immer energisch gefordert haben. In de» inneren Parteilämpfen der letzten Jahre, die ziemlich heftig entbrannt waren, hat die Jugendorganisation ganz besonders die E n t w a f f n u n g s- Forderung auf den Schild gehoben. Die Annahme der Zusatzresoluhon niußie, meiner Ansicht nach, innerhalb wie außerhalb der Partei so ausgefaßt werden als entspreche diese sektiererische Entwaffnungslehre der wirklichen Stimmung der großen Massen. Ich habe es folglich für meine Pflicht gehalten, so weit es auf mich ankam, einer solchen Ausfassung entgegenzuwirken. Und ich konnte eS mit um so besserem Gewissen wagen, weil eS. gelinde gesagt, zweifelhaft bleibt, ob der örtliche Vorstand, als er diese Scparatparole neben der gemeinsamen, vom Parteivorstand vor- gesckilagenen ausführlichen Resolution ausgab, sich wirklick ganz erinnert hat, daß der 1. Mai vor allem ei» Tag der Einigkeit fein möchte. Schließlich ein paar Worte über den republikanischen Antrag L i n d h a g e n. Ihr Berichterstatter zitiert ziemlich aus- sührlick, was ich im Reichstage bei der GeschäftZordnungSdebatte darüber gesagt habe, er schließt aber unglücklicherweise eben daS entscheidende Moment g a n z a u S, die Ursache, warum ich diesem Antrag so scharf entgegengetreten bin. Genosse Lind» Hagen ist nämlich auf die unglückliche Idee gefallen. seinen Gedanken so vorzuführen, daß er vorschlägt, der Reichs» tag wolle beschließen, den König auszufordern, VerfassungSände» rungen ausarbeiten zu lassen, wonach Schweden von der Monarchie zur Republik übergehen könne II Der König wird also aufgefordert, die nötigen Schritte vorzunehmen, um sich selb st abzuschaffen!! Es ist ja selbstverständlich ausgeschlossen, daß ein solcher Borschlag ernst genommen werden kann, und ich habe auch ausdrücklich im Reichstage„als alter Republikaner von meiner Jugend ab und meinen Jugendidcalen getreu" gegen solche Art und Weise, eine ernste Sache zu behandeln, protestiert. ES macht die Sache gar nicht besser, daß der Antrag ganz ohne jedwelche Be> ratung mit der sozialdemokratischen ReichstagSsraktion eingebracht worden ist. DaS einzige. waS die Fraktion in der Sache getan hat, ist, daß sie es fast einstimmig abgelehnt hat, einen Republik- antrag einzubringen. Und doch nachher diese Farce eines vereinzelten Mitgliedes, daS übrigens erst vor drei Jahren nach politischer Wirksamkeit von mehr als einem Jahrzehnt bei den Radikalen zur Partei gekommen ist! Hoffentlich werden diese Erklärungen zu den TageSereignisten in der schwedischen Bewegung eS den deutschen Genossen ermöglichen, ein richtigeres Urteil zu sprechen, als nach den ersten Berichten möglich war. Gewisse Verschiedenheiten der Verhältniste zwischen Skandinavien und Deutschland bedingen ganz natürlich gewisse Ver- schiedenheiteu der Taktik. Wir sind aber viel zu viel die Schüler der deutschen Sozialdemokratie, um nicht immer unserer Schuldigkeit gegen die internationale Einheitlichkeit der Bewegung voll bewußt zu bleiben. MroKKo. Befürchtungen in Fez. Paris, 11. Mai. Wie aus Fez gemeldet wird, hat die dortige Militärintendantur angesichts der unter den um- wohnende» Stämmen herrschenden Gärung den Befehl er» halten, möglichst große Lebens mittel Vorräte an- z u s ch a f f e n. Das Krankenhaus ist mit Lebensmittel für 1000 Mann, sowie mit 1000 Gewehren und 60000 Patronen ausgestattet worden. Die Eingeborenen von Algeriens gegen die Wehrpflicht, Paris, 11. Mai. Wie aus Algier gemeldet wird, hat die Absicht der französischen Regierung, ein Verzeichnis der Eingeborenen anzulegen, unter den Beni Bube Jacob große Erregung hervorgerufen. Ein französischer Vcrwaltungs» beamter, der zu diesem Zweck bei dem Stamme erschien, wurde mit Steinen beworfen und hatte es nur dem Ein» schreiten des Kaids zu danken, daß er vor schweren Verletzungen bewahrt blieb. Mexiko. Erfolge der RegierungStruppe». New Dork, 11. Mai. AuS E l Paso wird gemeldet: Die Borhut OroScoS ist auf Eskalon, die Operationsbasis der Insurgenten, zurückgeworfen worden. Im Norden Mexiko» zwangen die Bundestruppen in den letzten 24 Stunden die Rebellen, ungefähr 30 Kilometer nach Norden zurückzugehen öewerkfcbaftlwbea. Hn die dcutfcbc Hrbdtcrrcbaftl Ritglieder der Gewerkschaften und Kousumgenosienschaften! Die Arbeiterbewegung ist auf den verschiedensten Gebieten mit Erfolg bestrebt, die Lage der Arbeiter zu der- bessern. Ueber zwei Millionen deutscher Arbeiter haben sich in den Gewerkschaften vereinigt, um das Mitbestimmungsrecht bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, um kürzere Arbeitszeit/ auskömmliche Löhne, gesundheitlichen Schutz und anständige Behandlung herbeizuführen. Tausende von Tarifverträgen für mehr als eine Million gewerblicher Arbeiter sind ein erfreulicher Beweis ihres erfolgreichen Wirtens. Nicht minder sind die deutschen Konsumgenossenschafteu. die heute bereits 1% Millionen Familien umfassen, unaus- gesetzt bemüht, die Arbeiter als Konsumenten zu organisieren. um sie zur Selbstbeschaffung ihres Lebensbedarfs nach den Grundsätzen moderner Volkswirtschaft, und in weiterer Ent- Wickelung zur konsumgenossenschaftlichen Eigenproduktion zu erziehen. Wie die Gewerkschaften bestrebt sind, der Arbeiterschaft immerfort neue Kulturschätze zu erschließen und den Lebens- inhalt des Arbeiters zu veredeln, so will auch die Konsum- genossenschaftsbewegung ihre Mitglieder daran gewöhnen, nur gute Qualitätserzeugnisse zu kaufen, nicht einzig das Billigste, sondern immer nur das Beste zu wählen und auch den Verhältniflen, unter denen diese Erzeugnisse hergestellt werden, ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Der Arbeiter als Käufer kann durch die Kaufkraft seines Geldes wirtschaftlichen Einfluß auf die Lage des Arbeiters als Produzent ausüben, wenn er alle Waren zurückweist, die nicht unter gewerkschaftsüblichen Arbeitsbedingungen her- gestellt sind, und nur solche kauft, bei denen jedem Arbeiter eine menschenwürdige Existenz gewährleistet ist. Und da jeder Arbeiter ebenso wohl Erzeuger als Käufer von Waren ist, so gebietet ihm sein eigenstes Interesse, von diesem Wirtschaft- lichen Einfluß Gebrauch zu machen. Die Möglichkeit dazu bietet die Konsumentenorganisation, für deren Erstarkung ein jeder nach besten Kräften wirken muß. Die Tätigkeit der Konsumentenorganisation richtet sich in erster Linie auf die Beschaffung guter und preiswerter Nahrungs- und Genußmittel, Haushaltungs- und Beklei- dungsgegenstände und Bedarfsartikel aller Art. Da in den Gewerben, die sich mit Herstellung dieser Artikel befassen, die Arbeitsverhältnisse vielfach weit hinter den gewerkschaft- lich geregelten zurückstehen, und da ferner ganz besonders Nahrungs- und Genußmittel, sowie Bekleidungsgegenstände, sofern sie unter ungesunden Arbeitsverhältnissen hergestellt werden, den Käufer und seine Familie gefährden können, so ist hier ein zielbewußter Einfluß der organisierten Kon- sumenten zu erstreben. Eine der ungesundesten und gemeinschädlichsten Arbeits- weisen ist die Heimarbeit. Die dort herrschende niedrige Ent- lohnung bildet die Ursache dafür, daß in ihrem Bereich alle ungesunden und volkswirtschaftlich schädlichen Uebelstände sich anhäufen. Lange Arbeitszeit, Ausbeutung von Jugendlichen und Kindern, Kranken und Invaliden, gesundheitsschädliche Wohn- und Arbeitsräume, Unreinlichkeiten, ungenügende Trennung der Arbeitserzeugnisse von erkrankten Familien- Mitgliedern, das alles macht die Heimarbeit zu einem Ge- jahrenherd für die gesamte Arbeiterschaft.. Die Möglichkeit der Ucbertragung von Ansteckungskranklieiten ist bei dem Mangel jeglicher Kontrolle nirgends leichter als hier. Die Billigkeit solcher Heimarbeitserzeugnisse bietet keinen Ersatz für diese Nachteile. Sie erhöht im Gegenteil die Gefahr der Seuchenverbreitung. Gegen diese Mißstände sollte die Gesetzgebung energisch einschreiten. Da das zurzeit nicht der Fall ist, so müssen die Arbeiter selbst als Erzeuger wie als Käufer sich gegen diese Gefahren zu schützen suchen. Es ist eine Aufgabe der Gewerk- schaften, dir Heimarbeit einzuschränken, mindestens aber sie der gewerkschastlich-tarkflichen Regelung zu unterstellen. Die Mitglieder der Konsumvereine dagegen müssen strenssc Auslese beim Warencinkauf halten und unnachsicht- lich alle Waren zurückweisen, die in der Heimarbeit, in Schwitz. Werkstätten oder unter sonst ungesunden Arbeitsverhältnissen hergestellt sind. Je gewissenhafter die Mitglieder der Ge- werkschaften und Konsumvereine diese Kontrolle ausüben, um so mehr werden sie eine Stütze gewerkschaftlicher Arbeits- bedingungen sein, und um so mehr wird es dem organisierten Konsum möglich sein, diese veralteten Erzeugungsmethoden durch eine modern-wirtschaftliche Eigenproduktion abzulösen. Vor allem ersuchen wir die gewerkschaftlich, wie genossen- schaftlich organisierte Arbeiterschaft, künftig keinerlei Heim- arbeitSerzeugnisse derjenigen FabrikationSzweige mehr zu kaufen, in denen durch genossenschaftliche Eigenproduktion die sichert Gewähr für den Bezug einwandfreier Bedarfsartikel gegeben ist. Wir bitten ferner alle Mitglieder der Gewerkschaften und Genossenschaften, für die weitere ständige Ausklärung der Arbeiter in diesem Sinne tätig zu sein, und richten das Er- suchen an die gesamte Arbeiterpresse, dieses Bestreben nach- haltigst zu unterstützen. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. Der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. Berlin und Umgegend. Achtung! Bildhauer, Drechsler, Tischler, Maschinenarbeiter! In Driesen und S ch ö n l a n ke iPosen) stehen die Kollegen seit Wochen im Streik. Es sind deshalb alle Inserate und Deckadressen, ?anz besonder» für Steinhagen u. Hirsekorn, Schön- a n k e, nicht zu beachten und jeder Zuzug nack> dort zu unterlassen. Zentralverein der Bildhauer. Deutscher Holzarbeilerverband. Zur Tarisbeweguug der Wagenlackierrr. Wir erhalten folgende Zuschrift: ES äst unwahr, daß ich für die Karosseriefabrik Lauge u. Gutzeit arbeite; wahr ist vielmehr, daß ich mit der genannten Firma niemals in Geschäftsverbindung gestanden habe oder jetzt stehe, vielmehr von einer Firma, die weder mit Wagen- noch mit Karosserie- fabriken das geringste zu tun hat, einen Wagen zur Probelackierung erhalten habe, über welche Arbeit bereits leit Anfang März d. I. verhandelt worden ist. Max Timmler, Memeler Str. 82. Achtung, Schuhmacher! Die Differenzen bei dem Schuhmacher- «eister A. Neff, Admiralstr. 24, sind beigelegt, derselbe hat jetzt hea Lohntarif unterschriftlich anerkannt. Entgegen anderweitigen Gerüchten weisen wir erneut darauf hin, daß die Sperre über die Firmen Hamann u. Co., Michaelkirch- straße IS, und Großmann, Adlershos, Moltkestr. 2. fortbesteht. Verband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Zum Fleischerstreik in Neukölln verteilen die Fleischermeister ein Flugblatt an ihre Kundschaft, wel- ches angeblich von dem„gelben" Gesellenausschuß herausgegeben fein soll. Daß dieses gelbe Machwerk an Verdrehungen und Un- Wahrheiten Erkleckliches leistet, ist bei solchen Anlässen ja verständlich. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw-i Fahrelaua hat in Neukölln ei» Gesellenausschuß nicht bestanden, jetzt bei der Bewegung der Fleischergesellen hat die Innung sich einen, wie sie selbst sagt, meistertreue», also gelben, Gesellenaus- schuß wählen lassen. DaS geschah ganz plötzlich ohne genügende Bekanntmachung, um ja den organisierten Gehilfen die Gelegenheit zur Vorbereitung zu nehmen. Die Meister brachten ihre gelben Schützlinge selbst mit, die dann auch mit 27 Stimmen„siegten". Daß sich dieser Gesellenausschuß, dessen Altgeselle Obst das famose Flugblatt unterzeichnete, als die Vertretung der Neuköllner Fleischergesellen aufspielt gegenüber den 1 5 ll Verbandsmitgliedern dortselbst, ist recht sonderbar. Daß die paar gelben Fleischergesellen keine Differenzen mit ihren Meistern haben, wie es im Flugblatt heißt, das glauben wir auss Wort, und daß die gelben Gesellen nicht streiken, glauben wir auch Unwahr ist natürlich, daß die Arbeitzeit der Fleischergesellen geregelt sei, die Innung hat lediglich in ihrer Versammlung eine Erklärung für die 7S stündge Arbeitszeit abgegeben, ohne an die Einführung zu denken. Daß der gelbe Gesellenausschuß ein fixer Rechenmeister ist, geht daraus hervor, daß er die Zahl der Neuköllner Gesellen auf über 400 angibt, es ist ihm nur dabei der Irrtum unter- laufen, daß er doppelt zahlt. Es ist ferner unwahr, daß die als bewilligt veröffentlichten Fleischermeister zur Hälfte keine Gesellen beschäftigen; nur sechs Fleischermeister unter den 58 be- willigten arbeiten zurzeit ohne Gesellen. Alle Herabsetzung der Bewegung seitens der Fleischermeister und ihrer gelben Schützlinge kann der Wirkung des Fleischergesellen. streikS keinen Abbruch tun. Die organisierten Gesellen werden, unterstützt von der Arbeiterschaft, allerdings zum Aerger der Fleischermeister, ihre Bewegung schon durchzuführen wissen. Die Fleischermeister wollen die bescheidenen Forderungen nicht bewilligen und werden die Oeffentlichkeit durch nichts täuschen können. Von den Streikenden arbeiten bereits 6 3 zu den neuen Bedin- gungen, und fortlaufend gehen neue Bewilligungen ein. Die Fleischermeister glauben durch die Herausgabe des gelben Flugblattes die Kundschaft täuschen und den Boykott abschwächen zu können; es steht nun bei der organisierten Arbeiterschaft, zu zeigen. daß solche Täuschungsmanöver bei ihr zwecklos sind. Vor allem sind es die Frauen, die durch ihr Eingreifen den streikenden Gesellen die Errrngung dieser bescheidenen Forderung ermöglichen können. Kauft deshalb nur bei den Fleischermeistern, deren Liste im heu- tigen Inseratenteil des„Vorwärts" veröffentlicht ist. Bewilligt haben nachträglich noch die Fleischermeister O. L o h s e, Knesebeckstr. 1S0, O. Fr i e b e l, Prinz-Handjerhstr. 37, W. D ö r.r, Bodestr. 26, und I. Paul, Boddinstr. 48. Zentralverband der Fleischer. Die Streikleitung. Berlin, Elisabethstr. 11 L Telephon Kst. 3024. DeutCchcs Reich. Lohnbewegung der Maschinisten und Heizer im Stettiner Hafen. Die Maschinisten und Heizer des Stettiner Häsens haben am l l. Mai eine Lohnbewegung begonnen, die sich auf sämtliche Dampf- schifsahnsreedereien und Dampferbesitzer des Sleltiner Hafens sowie aus die Gülerdampfer der Strecke Stettin— Berlin erstreckt. Das Bestreben der Maschinisten und Heizer geht in der Haupt« fache dahin, eine Regelung der jetzt überlangen Arbeitszeit und eine Verbesserung der bestehenden scklechten Lohnverhälmisse zu erreichen. Arbeitszeiten von 16—18 Stunden und»och länger sind seit Jahren zur Gewohnbeit geworden, dabei ist die Entlohnung die denkbar schlechteste. Die Monaislöhne für Maschinisten betragen im Durch- schnitt 105—120 M., während die Heizer mit 60, 70 bis 85 M. pro Monat abgefunden werden. Ueberstunden, Sonn- und Festtags- arbeiten werden nicht bezahlt. Jetzt drängen die Maschinisten und Heizer auf eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, indem sie ihre Organisation beauftragt haben mit Forderungen an die Unternehmer heranzutreten. Zuzug von MafchmWil und Heizern na?s dem Stetkiner Häfen ist strikte fernzuhalten._ Feurige Kohlen. Die„Köln. Bolksztg.", die Führerin s>ei der Propaganda des Streikbruchs der Christen im Ruhrrevier, sst in die unangenehme Zwangslage geraten, sich selbst und die von ihr Versührlen moralisch ohrfeigen zu müssen. Allerdings ziemlich versteckt berichtet sie: .Arbeiteraussperrung. Rheydt, 10. Mai 1912. Infolge des Ausstandes bei der Webereifirma Herz u. Stern hat der Ber- band der Webereibesitzer von Rheydt und Umgegend eine Au«- sperrung der christlich organisierten Arbeiter beschlossen. Gestern wurde 84 christlich organisierten Textilarbeitern bei der Firma Gebr. Junkers gekündigt. Darauf reichten etwa 80„frei" resp. nicht organisierte Arbeiter genannter Firma die Kündigung ein. Also: Der Unternehmerverband beschließt eine Aussperrung der christlich organisierten Arbeiter I Auf das Epitheton„christlich" pfeift daS Kapital— wenn es nicht als Streilbruchmfttel dient. Und dem Beschluß folgt die Maßregel, Christliche werden gekündigt, frei organi- sierle und unorganisierte Arbeiter nicht. Nun hatten die verlästerten Terroristen eine schöne Gelegenheit, die Christen herauszubeißen, sie brauchten ja nur frei organisierte— Arbeitswillige heranzuziehen. Bei der ihnen von den uftramontanen Führern angedichteten Sucht, den Christen die Arbeitsstellen abzusagen, sie durch bösartigsten Terror auszuhungern, mußte es für sie doch eine Wonne sein, auf so bequeme Art ibren Gelüsten zu frönen und sich für die christlichen Heldentaten beim Kohlenarbeiterstreik zu revanchieren. Und waS ge- schah? Man gab den Christen ein Beispiel echter Solidarität; an- statt sich von den Unternehmern als Rausreißer gegen ihre christ- lichen Klossengenosten mißbrauchen zu lasten, reichten sie ihre Kün- digung ein! Den von psäffischen Demagogen verhetzten christlichen Arbeitern lann man nur zurufen: Gehet hin und tuet desgleichen! Em Musterarbeitsvertrag für Gastwirts gehilfen. In Elberfeld find die GastwirtSgehilfen in ein« Lohn- bewegung eingetreten. An dieser sind alle GastwirtSgehilfen- organisationen gemeinsam beteiligt. Die„Freien Gastwirte" er- kennen die bescheidenen Forderungen rückhaltslos an, zwei kleinere Gastwirtsverbände sind auch bereit, zu unterhandeln, während der große Deutsche Gastwirte-Verband überhaupt auf die Forderungen gar nicht reagierte. Die ffandalösen Verhältnisse, unter denen die Gastwirtsgehilfen im allgemeinen zu arbeiten haben, sind ja hin- reichend bekannt. Aber nicht nur in den Metropolen bietet man den Kellnern usw. die schamlosesten Arbeitsbedingungen. In des Provinz versteht man es fast noch besser. Ein Hotel in Elberfeld verpflichtet seine erwachsenen und gelernten Kellner aller Kategorien auf folgenden geradezu klassischen, Dienstvertrag.> tritt am.......... 18.. als................ in den Dienst des Herrn Wilhelm Clemens, Hotel zum Römischen Kaiser, Elber- feld, unter folgenden Bedingungen: 1. Das Salär beträgt neben Kost und Wohnung im Hause M. keine, wörtlich keine M. pro Monat. 2. Es ist beiderseitig keine Kündigung vereinbart, Vorbehalt- lich der in§ 7 genannten Fälle. Die Kündigung kann an jedem beliebigen Tage beginnen. 3. Der Angestellte hat die Obliegenheiten seine« Postens nach den ihm gewordenen Weisungen und nach besten Kräften mit Ge- wissenhaftigkeit und Pflichttreue unverdrossen auszuführen, sowie auf Anordnung den Mitangestellien in ihren dienstlichen Verrich- tungen beizustehen und Hilfe zu leisten. 4. Die Hausordnung wird als verbindlich anerkannt. 5. Verspätungen des Angestellten im Dienst werden mit je 25 Pf. bestraft. Auch ist der Prinzipal berechtigt, für alle svnfti- gen Unregelmäßigkeiten oder Uebertretung der Hausordnung seitens der Angestellten angemessene Strafgelder festzusetzen. Für Td. Glocke. Beri'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.». LerlagSanjtalt die Strafgelder wird ein besonderes Register geführt und werde» die Beiträge in angemessenen Zeitabschnitten der hiesigen OrtS» kraukenkasse überwiesen.(?) 6. Für den Betrag der Schäden, die feiten? des Angestellten verursacht werden, gleichviel in welchre Weise, ist der Angestellte haftbar und ist der Prinzipal berechtigt, dem Angestellten den Be- trag der Schäden vom Salär einzubehalten. 7. Sofortige Entlassung ohne weitere Entschädigung als für die tatsächlich geleistete Dienstzeit erfolgt bei Krankheit des An- gestellten,, bei Ungehorsam desselben gegen den Prinzipal oder dessen Vertreter, bei Trunkenheit oder bei Unsittlichkeit des An- gestellten, bei tätlichen Vergehungen desselben gegen Vorgesetzte und Mitangestellte, sowie bci absichtlich vollführter Schädigung des Prinzipals oder dessen Gäste. Außerdem greifen die in§ 123 der Gewerbeordnung angeführten Gründe zu sofortiger Ent- lassung Platz. 8. Es soll dem Prinzipal freistehen, de« Angestellte» ohne vorherige Kündigung zu jeder Zeit sofort zu entlassen, unter Ent- richtung einer Entschädigung für die Dauer der Kündigungszeit von M....... pro Tag für Kost und Logis und Verdienst- entgang, wodurch alle Ansprüche des Angestellten beglichen find. 9. Die seitens des Prinzipals beim Engagement für den Angestellten bezahlte Stellenvermittelnngsgebühr von M..... ist der Prinzipal berechtigt, beim Austritt innerhalb eine? halben Jahres vom Salär einzubehalten, gleichviel, ob dem Angestellten gekündigt worden ist, ob er selbst gekündigt hat, oder ob er ohne Kündigung entlassen ist. 10. Weitere mündliche oder schriftliche Abmachungen bestehen nicht. Dieser Vertrag wurde doppelt ausgefertigt und von beiden Vertragsschließenden anerkannt und unterschrieben. Elberfeld, den...... 19.. ....... Prinzipal........ Angestellter. Keinerlei Gehalt und nur für jedes auch noch so kleine Per- sehen Strafen auf Strafen. Besonders originell ist aber die Be- stimmung des§ 5, wonach„die Stvafgelder in angemssenen Zeit- räumen der Ortskrankenkasse überwiesen werden". Als ob die Ortskrankenkasse ein« Institution zur Annahm« milder Gaben wäre. Jedenfalls ist diese neue Methode sehr originell, auf solche Art sich die gesetzlichen Verpflichtungen zur Arbcitervcrficherung vom Halse zu schaffen._ Hustend. Die neue Kohlenkrise. London, 10. Mai 1912.(Eig. Ber.) Der Enffcheid des Schiedsrichters in Südwales hat die ganze Streitfrage in der Kohlenindustrie wieder aufgerollt. Was die Bergarbeiter angesichts der Tatsache, daß der Minimallohn der unterirdisch beschäftigten Hilfsarbeiter trotz der Zusicherung des Premierministers bei der Beratung des Minimallohngesetzes auf weniger als 5 Schilling den Tag festgesetzt worden ist, zu tun ge> denken, ist noch nicht bekannt. Heute findet eine Vorstandssitzung des Exekutivausschusses der südwalisischen Bergarbeiterföderation in Cardiff statt, in der der Genosse Stanton folgende Reso- lution einbringen wird: „Wir empfehlen der am Sonnabend tagenden Konferenz der südwalisischen Bergarbeiter, keiner Sitzung mit Lord St. Alowyn ldem Schiedsrichter) und dem gemeinschaftlichen Lohnamt mehr beizuwohnen. 2. Eine nationale Konferenz der Bergarbeiterföderation Großbritanniens ist sofort einzuberufen. 3. Eine starke Deputation soll den Premierminister auf. suchen und wenn keine zufriedenstellende Abmachungen zustande- kommen, soll sofort national vorgegangen werden. 4. Die Eisenbahn- und Transportarbeiter sollen zu gemein. schaftlicher Aktion aufgefordert werden. 5. Wir fordern die Arbeiterpartei auf, alle parlamentarischen Geschäfte zu vereiteln, bis die' Regierung unsere mäßigen Forde. rungen eines auskömmlichen Lohnes dem Gesetze einverleibt. 6. Die Arbeiterpartei soll auf eine Vorlage bestehen, die die Bergregalien abschafft und damit der Kohlenindustrie sofort Er. leichterung und Spannkraft verschafft." Der Streit ist in SüdwaleS zuerst entfacht worden, doch ist die Bewegung nicht lokaler Natur. ES handelt sich bei dem Schiedsspruch Lord Lt. AldwynS um eine Auslegung de» Mindest- lohngesetzeS, die das Parlament unbedingt nicht gewollt haben kann. DaS südwalifische Lohnamt hat als erstes Lohnzifsern fest- gesetzt(in den anderen Aemtern ist man noch lange nicht so weit) und höchstwahrscheinlich werden die Schiedsrichter in den anderen Lohnämtern der Führerschaft Lord St. AldwynS folgen. Recht ominös klingt eine Meldung, die beharrlich immer wieder auf- taucht, nach der Lord St. Aldwhn mit dem Premierminister kurz vor dem Fällen des Schiedsspruchs eine Unterredung gehabt haben soll. LrCtzU Nachrichten» Gegen die Vergetvaltignng der Voltsvertreter. Wilhelmshaven, 11. Mai.(Privattelegramm des JBor- wärts".) Die oldenburgische sozialdemokratische Landtags- f r a k t i o n und der Bezirksvorstand Oldenburg- Ostfriesland schließen sich dem Protest gegen den uner- hörten Gewaltakt des preußischen Landtagspräsidenten an. Im Auftrage: H u g, Schulz. Frankfurt a. M., 11. Mai.(Privattelegr. d.„Vorwärts�.) Gegen die Vorgänge im preußischen Abgeordnetenhause fand hier im Tivoligarten eine gewaltige Protestkundgebung statt. Mehr als 50lMi Personen umstanden die beiden Tribünen, von denen die Referenten in eindrucksvoller Weise die Vergewalti- gung unserer Vertreter geißelten. Anschließend an die Per- sammlung machtvoller Temonstrationszug mit Gesang und Hochrufen bis zur Mitte der Stadt. Die Polizei, die ab- zusperren versuchte, war lange Zeit machtlos; sie nahm dann viele Verhaftungen vor._ Der Schneiderstreik in London. London, 11. Mai.(W. T. B.) Der Ausstand im Schneider- gewerbe hat sich auch auf das Ostend von London auSge- dehnt. Insgesamt befinden sich jetzt gegen 39 999 Lentv i» SoS- stände. Eine Schwindelkassc geschlossen. Altona, 11. Mai.( W. T. B.) Die große allgemeine freie Krankenkasse, eingetragene Hilfskasse, wurde hegte von der P o l i- zeibehörde auf Anordnung des Gerichts geschloffen, weil der erste Vorsitzende der Kasse größere Unterschlagungen begangen hat. Brand des Prager FindelhauseS. Prag, 11. Mai.(P. C.) Im Mittelgebäude der hiesige» LandeSfindelanftalt, in dem an 150 Wöchnerinnen und 1400 Säug. linge untergebracht sind, brach heute abend ein Brand aus. Unter den Wöchnerinnen entstand eine furchtbare Panik. Große Mühe kostete es, die Wöchnerinnen und die Säuglinge aus dem Gebäude in Sicherheit zu bringen, was aber schließlich der Feuer- wehr unter großen Anstrengungen gelang. Das Gebäude ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Paul Singer& Co. Berlin SW. Hierzu 6 Beilagea. itm 29.1� i. Aeilllge des„Umarts" Kerlimr NslksblM. gggBBgl�— uler bleibt zurück? JVftr klingt du rld>rer Cakt in'e Obr, Der Schritt von MUionen frauen; Die stark' uncl grob, im ernsten Cbor Mt klarem klick äie Zukunft schauen. Hua jeder Gasse» jedem Daus mm fleh die stolze Schar erneuern. 68 braukt ihr Siegeslied voraus Ond reißt die SZum'gen in die Reihen. Laut donnert es: der bleibt zurück? dir kommen aus der finflem stacht Und gehen froh dem Licht entgegen. Der junge Lag» der schon erwacht, dirft uns sein Rot auf allen degen. ZerrUTen liegt» was uns beengt» Die alten morlchen Sklavenbande. Im Dunkeln» hinter uns verlenkt Liegt Dunger» Glend, ftat und Schande. dir aber gehn. der bleibt zurück? dir waren stumm, wir waren tot» ]Sun regt es sich an allen Enden. Uns zieht die Sehnsucht» treibt die ffot; Da gibfs kein Dalten» gibt's kein denden. Uns ruft die Zeit, uns ruft die Pflicht, für unler gutes Recht zu streiten, Und ob wir wollen oder nicht, dir müssen mit im Cakte schreiten. Und vorwärts gehfs. der bleibt zurück? Vor uns das Land der neuen Zeit, Bestrahlt vom jungen freiheitemorgen, Und Gleichheit und Gerechtigkeit fühlt kick in seinem Schutz geborgen. den schmerzen alte dunden noch? der will lick feig zur Ruhe legen? dir heben unlre Kinder hock Und tragen lie dem Lieht entgegen. dir gehn. Und keine bleibt zurück. Die Frauenarbeit in der GewerbeinFpektion. Die Frau m»Haus und Beruf nannte man eine kürz- ßch im.Zoo" Veranstaltete Schaustellung. Eine Putzstube War's, eingerichtet nach dem ästhetischen Bedürfnis der Damen der Gesellschaft, die sich sportsmäßig an pseudomodernen Ideen und Bestrebungen Vergnügen. Genau wie an einer Katzen, und Hundeausstellung! Ein Blick in die Berichte der Gewerbeinspektoren zeigt mehr Von der Berufsarbeit der Frau in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung. Hier offenbart sich der Kapitalismus als Sklavenherr der Lohnarbeft, speziell der Frauenarbeit in seiner unästhetischen Wirklichkeit. Trotz aller von oben an- geordneten Zensur tritt hier das Elend der Frauenarbeft in abstoßender Häßlichkeit, empörender Brutalität in Erschei- nung. Im Jahre 1911 ist die Zahl der in den der Gewerbe- lnspektion unterstehenden Fabrikanlagen beschäftigten weib- lichen Arbeitskräfte auf 737 877 gestiegen. Die Zunahme, im Vergleich mit dem Vorjahre, macht 33 809 Personen aus. Von der Gesamtzahl entfallen auf die über 16 Jahre alten Ar- beiterinnen 650 506(Zunahme 31 294), auf die weiblichen Jugendlichen 86 350(Zunahme 2425) und auf die weiblichen Kinder unter 14 Jahre alt 1021(Zunahme 90). Außerdem waren auf Bergwerksanlagen noch beschäftigt: 10 022 erwach- fene Arbeiterinnen(Abnahme 205) und 449 weibliche Jugend- liche(Abnahme 67). Die Abnahme ist eine Folge des Verbots der Frauenarbeft in verschiedenen bergbaulichen Anlagen— Förderung, Kokerei—. In den übrigen Jndusttien ist dafür die Zunahme stärker gavordcn. Das kapitalistische Raubtier verschlingt immer mehr weibliche Arbeitskraft, zwingt immer mehr weibliche Körper in seine Dienstfton. Das Kapital prägt aus der Arbeitskraft von Kindern, Jungfrauen, Müttern und Greifinnen Gold, blankes Gold als Profit. Und es gibt nicht viele Gewerbe, in denen die weibliche Arbeitsfrast nicht ausgebeutet würde. Und wie wird sie ausgebeutet? Vor allem lehrt der Bericht, daß der Arbeiterinnenfchutz vielfach eine Fiktton ist! Direkt und indirekt werden die Be- sttmmungen ubertteten. Man gibt Arbeiterinnen Arbeit mit nach Hause, um sie über die gesetzlich zulässige Zeit ausbeuten zu können; dasselbe geschieht, indem Verkäuferinnen usw. nach Feierabend als gewerblich« Arbeiterinnen weiter arbeiten müssen. Oder Betriebe, die sonst mehr als 10 Arbeiterinnen beschäftigten und daher die Schutzbestimmungen zu beachten hätten, reduzieren das direkt im Betriebe tätige Personal und beschäfttgen dafür Heimarbeiterinnen. So dreht man dem Arbeiterschutz eine Nase! Ueber den Umfang der Mitnahme von Arbeft nach Hause konnten die Beamten nicht allzuviel erfahren. Weil die Interessenten das schlau verheimlichten. AuS Königsberg wird berichtet, daß trotz eingehender Unter- fuchintfl die aus einer Zigarettenfabrik gemeldeten Verstöße nicht festgestellt werden konnten. Der Potsdamer Beamte er- klärt, es sei schwer festzustellen, ob die mit nach Hause gege- bene Menge Arbeit das zulässige Maß übersteige oder nicht. Die Verbrechen des Kapitals bei der Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft kommen am besten und deutlichsten in dem Kapitel über Zuwiderhandlungen gegen Schutzvorschristen zum Ausdruck. Hier offenbart nicht nur der Unternehmer Rücksichtslosigkeit und Brutalität in der Gier nach Profit- macherei, als Ergänzung dieser Sitte der vielgepriesenen Ge- fellschaftsordnung kann man auch die Justiz als sehr milde urteilende Dame bestaunen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn man sie in dieser Rolle und rn-der als Schützerin und Förderin des Stteikbruchs und der Arbeiterknebelung be- trachtet. Im Bezirk Königsberg wurden in 150 Anlagen 189 Zu- Widerhandlungen ermittelt. In einer Blumenbinderei, die mehr als 10 Personen beschäftigt, wurden Arbeiterinnen länger als 10 Stunden und vor dem Totensonntag länger als 11 Stunden, an einzelnen Tagen sogar bis 1 2 und 3 U h r nachts beschäfttgt. In 24 weiteren Blumenbindereien, die aber je weniger als 10 Arbeiterinnen beschäftigen, hatten in den Wochen vor dem Totensonntag gleichfalls Arbeiterinnen biSlund2Uhr nachts gearbeitet, ohne daß gesetzlich hier- gegen eingeschritten werden konnte. Die Unternehmer finden die Hintertürchen, die ihnen die bürgerlichen Parteien ftotz Protest der Sozialdemokraten bei der Schaffung sogenannter Schutzbestimmungen offen ließen. Sehr charakteristisch ist folgende Mitteilung in dem Bericht des Beamten von Gum- binnen und Allenstein. In einer Molkerei waren wiederholt die Meierinnen täglich, auch Sonnabends, über die zulässige Zeit beschäfttgt worden. Der Besitzer war wegen desselben Vergehens bereits 1908, 1909 und 1910 mft je 15 M. vor- besttaft und wiederHoll verwarnt worden, wobei er sich dahin geäußert hatte, daß es wohl kein Gewerbeinspektor ferttg be- kommen würde, die gesetzliche Arbeitszeit der Arbeiterinnen durchzuführen, weil das eben nicht möglich wäre. Trotzdem beantragte der Amtsanwalt Freisprechung, während das Ge- richt ihn sehr milde mit 10 M. bestrafte.— In einer Molkerei wurden 3 Arbeiterinnen täglich, auch Sonnabends, bis zu 14� Stunden beschäftigt, wofür die Besitzerin mit 15 M. be- sttaft wurde, obwohl sie wegen derselben Vergehen bereits 1909 mit 20 M. und 1910 mit 10 M. besttaft worden war. Das Gericht glaubte ttotz der Vorstrafen Milde wallen lasten zu müssen, weil die Arbeiterinnen sich nicht überlastet gefühll hätten!— Ein Zigarettenfabrikant beschäftigte 10 Arbeite- rinnen täglich 14bis15Stunden,vor6 Uhr früh und nach 8 Uhr abends; er wurde zu 30 M. Geldstrafe oder 6 Tagen Gefängnis verurteill.— Die Beschäftigung von drei Arbeiterinnen nach 11 Uhr abends in einer Konfekttons- Werkstätte wurde mit 50 M. geahndet. Im Bezirk Potsdam erklärte der Obermeister emer Fabrik dem gerade revidieren- den Beamten gegenüber die Absicht, an diesem Tage Arbefte- rinnen länger zu beschäfttgen, als dies nach der ihm erteilten Ausnahme von den Besttmmungen des§ 137 der Gewerbe- ordnung bezüglich der Mittagspause gestattet war. Als ihm der Gewerbeinspektor mitteilte, daß er dies ohne Genehmigung nicht dürfe, fragte er. was es denn kosten könne, wenneresdochtäte! Bei der am Abend vom Gewerbe- inspektor veranlaßten Nachrevision wurde festgestellt, daß die Arbeiterinnen eine Stunde überarbeiteten; sie länger zu be- schäfttgen, verhinderte der revidierende Beamte. Das Urteil des Schöffengerichts lautete für den Fabrikbesitzer, trotz der offenbaren, bewußten Verhöhnung des Gesetzes und der'vni- schen Bemerkung dem Beamten gegenüber, auf— Freisprechung, für den Obermeister auf eine Geldstrafe von 3 M. I — Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt und die Sttaf- kammer verhängte über beide eine Sttafe von je 100 M. Die Arbeiterinnen einer Bllrstenhölzerfabrik im Bezirk Frank- furt a. O. wurden monatelang über die zulässige Ar- beitszeit hinaus beschäftigt, die revidierenden Polizeib«imten durch falsche Angaben getäuscht._ In einer Rohrgewebefabrik in Posen wurden zwölf Arbeiterinnen ttotz vorhergegangener mündlicher und schriftlicher Ermahnungen mehrere Monate hindurch täglich 11 Stunden beschäfttgt. Der Meister, der als allein verantwortlich hingestellt wurde, erhielt eine Geldstrafe von 3 M.I Man kann kaumimZweifeldarübersein, daßsolcheStrafen eigentlich als Aufforderung wirken, auf die Gesetze zu pfeifen. Im Bericht aus dem Bezirke Magdeburg findet man diese Klage:„Die Besttafung der Zuwiderhandlungen gegen gesetz- liche Vorschriften war oft noch sehr milde; es kam vor, daß Betriebsleiter wegen Nachtbeschäftigung von Arbeiterinnen zu 3 u n d 5 M. Strafe verurteilt wurden." Die Feststellung, daß speziell in Ziegeleien Arbeiterinnen vorschriftswidrig be- schäftigt wurden, findet man in einer Reihe von Berichten. Arbeiterinnen ließ man Ziegelsteine auf Stoßkarren auf un- befestigtem Boden transportteren. Wie man die Beamten verhöhnt, schildett der Beamte von Arnsberg:„Es soll nicht selten vorkommen, daß der Beamte, ehe er die oft entlegenen Arbeitsräume erreicht hat, durch ein verabredetes Zeichen an- gekündigt ist und die Räume entweder bereits verlassen findet oder die Flucht der Arbeiterinnen eben noch bemerkt. Auch werden die Arbeiterinnen wohl sofort nach Schluß der gesetz- lichen Arbeitszeit in anderen Räumen zwecks Weiterbeschäf- tigung untergebracht." In einem Großbetriebe der Konfektion in Düsseldorf waren die Arbeiterinnen um 8 Uhr abends wie gewöhnlich entlassen und um 9 Uhr wieder bestellt zur Arbeit, um die ganze Nacht hindurch eilige Arbeiten zu erledigen. MitHilfe der Kriminalpolizei gelang es, die Zuwiderhandlung festzustellen. In dem Sttafverfahren wurde der Abteilungs- betriebsführer zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Bei aller Zurückhaltung, die den Beamten zur Pflicht gemacht worden ist, kann mancher seinen Unwillen über die lächerlich geringen Strafen selbst bei den hartnäckigsten Ver- stößen gegen die Schutzbestimmungen nicht verbergen. Die gezwungen giedergehaftene, gber doch nicht ganz zu unter- vmim» otnts. druckende Erbitterung läßt ahnen, welche Widerstände und Widerwärttgkeften mancher Beamte zu überwinden haben mag, um der Beachtung des Arbefterschutzes wenigstens einen beschränkten Umfang zu sichern. Die meisten Inspektoren sprechen die Anficht aus, daß auch aus sittlichen und hygieni- schen Erwägungen zu beanstandende Verhällniste nicht zu konstatieren seien. Der Beamte von Liegnitz schildert aber folgende Idylle: „In einer größeren Ziegelei schliefen 5 galizffche Ehepaare in einem gemeinschaftlichen Raum; in entern anderen schlief auch ein Ehepaar in dem Schlaffaal für die galizischen Ar- beiterinnen: der Schlaffaal für die männlichen Galizier war von diesem nur durch eine undichte Bretterwand mit offenem Durchgang getrennt." Skandalös sind vielfach die Abortverhältniste. Aus Pots- dam wird beispielsweise berichtet:„In einer Fabrik lagen die örtlichen Verhältnisse besonders ungünstig. Der Abort für die Frauen lag am Hinteren geschlossenen Ende eines längeren Ganges mit mehreren Türen, die zu den Aborten der Männer führen. Da auf gütlichem Wege eine Aenderung nicht zu er- reichen war, mußte sie durch eine polizeiliche Verfügung auf Grund des§ 1206 der Gewerbeordnung erzwungen werden." Wie die Peitsche der wirffchaftlichen Not wirft, das kann man aus der folgenden Mitteilung entnehmen. Schon im vorigen Jahre konstattertt der Beamte von Königsberg hart- näckige Erkrankung von Poliererinnen in einer Leistenfabrik. Die Erkrankungen haben noch nicht abgenommen, obwohl die Arbeiterinnen die ärztlichen Raffchläge befolgen und sich vor und nach der Arbeit mit warmem Wasser waschen und Arme und Hände mit Lanolin einreiben. Die Erkrankten wurden, soweit möglich, in andere Betriebsabteilungen versetzt, wo sie mit Spirituslack nicht in Berührung kommen, andernfalls entlassen Die Mädchen versuchten auch, aus Furcht vor Ent- lastung, der Firma ihre Erkrankung zu verheimlichen. Selbstverständlich muß auch manche Arbeiterin die Ver- günfttgung, im Dienst« des Kapitals standen zu dürfen, durch den Verlust von Gliedmaßen usw. büßen. Gewöhnlich schiebt man den Verletzten nachträglich selbst die Schuld zu. So schreibt der Beamte von Königsberg:„Mehrfach wurde beob- achtet, daß Arbeiterinnen an Tiegeldruckpressen die üblichen Handabweiser außer acht ließen, beim Anlegen der Bogen seit- lich zwischen Tiegel und Druckplatte griffen und sich durch diesen Leichtsinn auch Unfälle zuzogen." Daß ein aus Ver- trautheit mit der Gefahr erwachsender Leichtsinn allerdings leicht zu Unfällen führen kann, beweist folgender Fall: In einer Schokoladenfabrik in Merseburg begaben sich einige Ar- beiterinnen während der Nachmfttagspause verbotswidrig in das Zuckerlager statt in den zur Verfügung stehenden Speise- räum und ließen sich auf den dort in drei Lagen aufgestapelten Zuckersäcken nieder. Eins der Mädchen richtete sich auf der obersten Sacklage in ganzer Höhe auf; die unmittelbar unter der Decke des Raumes laufende Welle erfaßte sie an den Haar- schleifen, wodurch das Haar aufgewickelt und mit der Kopf- haut abgerissen wurde. Solche Vorfälle sollten wirklich abschreckend wirken. Bei der Bearbeitung von Papier mit benzinhaltigen Fachen in einer Kartonnagenfabrik im Bezirk Kassel ereignete sich folgendes Malheur: Die Fachmischung mußte erwärmt und das die Mischung enthaltende Gefäß der Feuersgefahr wegen in ein Wasserbad gestellt werden, das wiederum durch Gasflammen angewärmt wurde. Nach längerem Gebrauch fing das Farbengemisch Feuer, wahrfchem- lich, weil im Laufe der Zeit schwere Benzindämpft niederge- funken waren und sich am brennenden Gase entzündet hatten. Das mit dem Aufttagen der Farben beschäfttgte Mädchen ver- lor die Fassung, nahm das Gefäß mit der brennenden Mischung, um die Flamm« zu löschen, aus dem Wasserbad und ließ es fallen. Dabei ergriffen die Flammen feine Kleider und vechrannten es so erheblich, daß es an den er- littenen Brandwunden nach einigen Tagen starb. Nunmehr, nachdem das Unglück geschehen, wird zum Erwärmen der Mischung ein elektrischer Heizapparat angewendet. In einer Baumwollspinnerei im Kölner Bezirk hatte ein Arbeiter die ihm zur Bedienung übertragene Spinnmaschine(Selfaktor) nach dem Reinigen der Spindelleiste und des feststehenden Spulengatters in Gang gesetzt, während sich die mit dem Rei- nigen beschäftigte Aufsteckerin noch zwischen den genannten Maschinenteilen befand. Infolgedessen wurde die Arbeiterin totgeguetscht. Allein auf den Gruben des Reviers Nord-Gleiwitz im Oberbergamtsbezirk Breslau erlitten von insgesamt 502 Ar- beitcrmileii 22 ciricit Unfall, einer 5abon liatte den Tod inl Gefolge. Die LAHne für die gefährliche Arbeit betrageir ini Durchschnitt 1,20 M. In Süd-Beuthen quittieren von 1142 Arbeiterinnen 53— gegen 37 im Vorjahre— über ihre Tätigkeit durch Vcrkrüppelungen, die sie bei der Bergarbeit davon- trugen. Im Bezirk Ost-Beuthen erlitten von 644 Arbeite- rinnen 41 einen Unfall, und im Bezirk Nord-Kattowitz kamen auf 1171 Arbeiterinnen 61 Unglücksfälle. Die übrigen Begmtsg machen keine spezialisierten Angaben. €ln Gedcnhblatt zum Frauen-Stimmrechtstage. Als in den bormärzlichen Tagen Robert Blum, der bekannte Freiheitskämpfer, der sein Leben für seine Ideale hingeben mutzte, in Leipzig die„Vaterlandsblätter" herausgab, loarf er in diesen die Frage auf:„Haben die Frauen ein Recht zur Teilnahme an den Interessen des Staates?" Darauf kam die allgemein verblüffende Antwort, die mit Klarheit und Enthusiasmus begründet war:„Die Teilnahme der Frauen ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen". Diese für die damalige Zeit unerhört kühne Ant- Wort war unterschrieben:„Ein sächsisches Mädchen". Die Ver- lfasserin war Luise Otto, die Tochter eines Gerichtsdirektors «aus Meißen. Man kann sie Wohl die Lerche der Frauenbewegung nennen, wie einst Heine Herivegh als eiserne Lerche besang, denn isie hat der deutschen Frauenbewegung in der Frühe ein Lied der Freiheit zugejauchzt. Es ist dies um so bemerkenswerter, als die Frauen der damaligen Zeit mehr noch als heute den drei be- rühmten K:„Kinder, Kirche, Küche" huldigten. Erzählt doch Luise Otto als etwas Besonderes aus ihrer Jugend, datz ihr Vater ihr und ihren Schwestern Zeitungen zu lesen gab. Luise Otto erkannte aber auch als eine der ersten das Elend der Proletarierinnen. Als sie im sächsischen Erzgebirge die Not der Spitzenklöpplerinnen kennen gelernt hatte, trat sie mit warmen Worten für diese ein in ihrem bekannten Gedicht: Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen. Die Wangen bleich und die Augen rot, Sie mühen sich ab für einen Bissen Für einen Bissen schwarzes Brot!" DaS Elend der Klöpplerinnen, das Elend der Proletarierinnen hat sich wenig gebessert seit jener Zeit. Aber sie haben gelernt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sich zu organisieren, dafür gu kämpfen, daß bessere Zeiten auch für sie kommen. Diese Rot- avendigkeit hatte Luise Otto schon erkannt, als sie den Freiheits- kämpfern zurief:„Arbeit und Brot, Ihr werdet's nicht ver- gcsscn, das ist die Losung dieser neuen Zeit! Gebt dem sein Recht, der keines noch besessen!" Für dieses Recht trat sie auch ein, als Sn den Frühlingstagen der Freiheit das liberale Ministerium Oberländer zur Bekämpfung wirtschaftlicher Notstände eine Ar- bciterschutzkommisswn berief. Da forderte sie in der„Adresse eines deutschen Mädchens" die staatliche Fürsorge nicht nur für die Ar- ibciter, sondern auch für die Arbeiterinnen.„Glauben Sic nicht, meine Herren, datz Sie tte Arbeit genügend organisieren können, wenn Sie nur die Arbeit der Männer und nicht auch die der Frauen mitorganisieren— und wenn alle an sie zu denken ver- gesscn, ich werde es nie vergessen." Begeistert begrüßte sie den {Berliner Arbeiterkongretz, der in seinen Beschlüssen ausdrücklich sagte:„Von allen unseren Bestimmungen sind die Arbeiterinnen nicht ausgeschlossen und genießen unter gleichen Verpflichtungen gleiche Rechte".„Arbeiter, Ihr habt damit die andern Männer be- jschämt, die Männer der Wissenschaft, des Staates, der Geschäfte usw., welche niemals daran denken, datz neben ihnen noch eine grotze Zahl menschlicher Wesen existiert, welche auch zur Freiheit und Selbst- siändigkeit geboren sind wie sie; ebenbürtige Wesen. Nur der Wahn- sinn alter Vorurteile und die irrtümlichen Anschauungen über- wundener Standpunkte konnten es geschehen lassen, datz ein Mensch den andern zu seinem Eigentum, seinem Sklaven oder, wenn sie wollen, zu seiner Sklavin machte. Diese Zeit ist vorüber. Ein neuer Tag ist angebrochen." Zum Schlüsse gab sie die Versicherung, sich wie bisher ihrer armen Schtvesicrn anzunehmen und stellte sich Len Arbeitern als Agitatorin zur Verfügung. In späteren Jahren schloß sich Luise Otto, als Witwe des badischen Freiheitskämpfers August Peters, der bürgerlichen Frauen- bewcgung an. Die proletarische Frauenbewegung befand sich da- malö in ihren Anfängen. Vielleicht hoffte sie auf die Möglichkeit einer Einigung. Heute ist es gewiß, datz nur das Proletariat in entschiedener Weise für die Forderung des Frauenstimmrechts eintritt. Die Anfänge der Frauenftimmrechtetdee in Deuttchland. Im Jahre 1792, demselben Jahre, in dem Mary Wollstoneeraft ihre berühmte„Rechtfertigung der Frauenrechte" erscheinen ließ, trat— zum ersten Male in Deutschland— ein Mann für die volle Gleichberechtigung der Frau ein. Theodor Gottlicb von Hippel, Stadtpräsident und Kriegsrat in Königsberg, war es, der in einem 400 Seiten starken, anonym erschienenen Buche mit einer für die damaligen deutschen Verhältnisse unerhörter Kühnheit in umfassender Wdise alle gegen die Emanzipation der Frauen erhobenen Einwände und Vorwürfe schlagend widerlegte. „.Heber die bürgerliche Verbesserung der Weiber" nannte Hippel das Werk, das zweifellos der in der französischen Revolution von Frauen wie Olym-pe de Gougcs, von Männern wie Condorcet erhobenen Forderung nach Befreiung der Frau die An- regung zu seiner Entstehung verdankte. Offen tadelte er es, datz die französische Nationalversammlung und die Konstitution klein- lich genug waren, die Forderungen der Frauen„zu einer Zeit, da Menschenrechte laut und auf den Dächern gepredigt wurden, mit einem ausrichtigen und deutlichen Nein abzuweisen". Vernunft »md Gerechtigkeit sollten allein matzgebend sein, um die„galanten Bastillen, die häuslichen Zwinger und bürgerlichen Verließe, worin sich das schöne Geschlecht befindet", für immer zu zerstören.„Ist es nicht unverzeihlich," ruft Hippel aus,„die Hälfte der mensch- lichen Kräfte ungekannt, ungeschützt und ungebraucht schlummern zu lassen?" Und an anderer Stelle erklärt er die Rückständigkeit der großen Masse der Frauen: Es wäre nur zu verwundern,„wenn aus Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste Boden nicht verwildern und endlich jeder nützliche Keim erstickt würde; wenn über den Gedanken von entrissenem Rechte und datz dieses un- wiederbringlich verloren gegangen sei, nicht endlich aus das An- denken an jene Rechte selbst und die demselben entsprechenden iGefühle, der Glaube an sich selbst und an seinen selbständigen Wert, verlöschen sollte." Eine volle Entfaltung aller weiblichen Kräfte erwartet Hippel von der Zeit, wo die Frau nicht mehr blotz eine Schutzbefohlen«, sondern ein Mitglied, eine Bürgerin des Staates sein wird.„Was würde die Frau dem Manne sein, wenn lsie von Rechts wegen gleich und gleich mit ihm wäre! Wie un- endlich leichter würde der Stand des häuslichen und Staatslebens werden, wenn wir eine fo herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen und schätzen lernten I" Unsere modern sein wollenden und doch ach! so altmodischen Antiseministen pflegen mit Vorliebe die natürliche Schwachheit des weiblichen Geschlechts als Hemmnis eines gedeihlichen Wirkens in der Oeffentlichkeit anzuführen. Sie werden bei Hippel u. a. wie folgt abgetan:„Das Kindergebären, das gemeiniglich zu den Hauptbeweisen der Schwäche des Wieibes gezählt wird, legt geradezu ein Naturzeugnis seiner Stärke ab. Ich wünschte nicht, datz dieses Geschäft an unser Geschlecht käme!" Um die Frau zur Ausübung der vollen bürgerlichen Rechte fähig zu machen, forderte Hippel eine gründliche Reform der Weib- lichen Erziehung, die auf das Staatsbürgertum vorbereiten sollte. Gemeinsame Erziehung von Knaben und Mädchen, gleiche Kleidung für beide Geschlechter bis zum 12. Jahre,„weil die Natur es so will". Kein Beruf soll der Frau verschlossen bleiben. Das Mono- pol des Schwertes mag allenfalls dem Manne vorbehalten bleiben, „wenn der Staat sich nun nicht einmal ohne Mcnschenschlächter be- helfen kann ober will". Gesetzgebung und Gesetzausübung, d. h. unmittelbare Mit- Wirkung der Frau an der Politik zum besten des Gemeinwohls, das ist der Kern der Hippeischen„Verbcfferungs"vorschkäge. Wie weit eilte dieser Mann damit seiner Zeit voraus! Noch heute, 120 Jahre nach dem ersten Erscheinen seines Buches, steht ein großer Teil der Frauenwelt dem Gedanken des vollen weiblichen Bürger- rechts teilnahmlos oder voll Abneigung gegenüber, und wenn Hohn und Spott einen Menschheitsgedanken töten könnten, so müßte die Idee der Frauenbefreiung längst an den öden Wtzeleien des män tichen Philisteriums zugrunde gegangen sein. üllein lauter und kühner denn je wird heute der Ruf nach der Befreiung des Frauengeschlechts erhoben. Nicht mehr aus naturrechtlichen Motiven, wie bei Hippel, sondern aus sozialen Gründen mutz der Frau das volle Bürgerrecht zuteil werden. Die Wandlung der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse, durch die heute 10 Millionen Frauen mitten in das moderne Erwerbsleben hinein- gerissen worden sind, wird zum eigentlichen Hebel des Fortschritts. Die wirtschaftliche, politische und familienrechtliche Unmündigkeit der Frau verträgt sich nicht mehr mit ihrer steigenden Bedeutung im Produktionsprozeß. Das haben vor allem die proletarischen Frauen erkannt, und so werden sie sich am zweiten sozialdemokra- tischen Frauentage zu einer machtvollen Demonstration zusammen- scharen, um das Frauen st immrecht zu fordern als wichtig sie und unentbehrlich sie Waffe im Kampfe für ihre eigenen wie für die kulturellen Ins er- essen ihrer Klasse._. Literanfchca. Gedenkiuch. 20 Jahre österreichische Arbcitcrinnenkewegung. Her- ausgegeben von Abelheid Popp.(SBienet Volksbuchhandlung. Preis 1,50 SK.) Gegen„Gedenkbücher" habe ich Ivohl nicht allein eine starke Abneigung. Man wird es daher verstehen, daß ich das Gedenkbuch unserer österreichischen Genossinnen immer wieder ungclesen liegen ließ, Als ich es aber kürzlich in die Hand genommen, würde ich aufs angenehmste überrascht. Statt der erwarteten trockenen statistischen und Gcschichtsdaten fand ich eine Reihe ausgezeichneter, lebendig geschriebener Er« innerungSblätter. Die in der österreichischen Proletarierinnen- bewegung stehenden Genossinnen erzählen von den Zeiten, in denen sie sich dem Sozialismus zuwandten. Da sie die ersten Frauen waren, die den Befreiungsweg erwählten, bedeuten ihre persönlichen Erlebnisse zugleich eine Geschichte des Beginns der österreichischen Arbeiterinnenbewegung. Sie selbst schufen erst die Bewegung, und so verbindet sich für den Leser in den Berichten der Reiz persön- sicher Belenntnisse mit dem Jnteresie an der wachsenden Organisation. Alle Beiträge find so schlicht und so ursprünglich, daß man keiner besonderen Kenntnisie öfter- reichischer Verhältnisse zum Verständnis bedarf. Man fühlt es bei der Lektüre gar nicht, datz uns politisch fernere Tatsachen den Hintergrund bilden. Die persönlichen Erlebnisse selbst wirken so plastisch, so ergreifend, datz uns alles fühlbar nahe ist. Proletarierinnen der Geburt und der Erziehung nach kommen vornehmlich zu Wort. Trübe häusliche Verhältnisse streifen alle Jugendblüten ab. Das ganze Elend der Kinder- und Jugend- arbeit, der Fabrik- und Heimarbeitsfron entsteht in erschreckender Deutlichkeit. Erst der Sozialismus bringt befreiendes Licht. Reben der schweren Erwerbsarbeit und den drückenden hauslichen Sorgen werden nun auch die Schikanen der Unternehmer und der Polizei sowie der Spott und Hohn der Bourgeoisie leicht getragen. Rot, Hunger, Verfolgungen nehmen diese Heldinnen gerne auf sich. Heute schauen sie wehmütig auf die Tag« des ersten Kampfes zurück und freuen sich der von ihnen errungenen Fortschritte. ES lebt von berechtigtem Stolze, wenn Amalie Seidl über den ersten von ihr geleiteten Arbeiterinnenstreik in Wien erzählt. Oder wenn Marie Beutelmeyer berichtet, datz in Linz zurrst die Frauen entschieden gegen die Unternehmer auftraten und dann erst die Männer den Mnt dazu fanden. Wir können nicht alle Beiträge einzeln nennen. Rur den der im gesamten internationalen Proletariat bekannten Adelheid Popp müssen wir hervorheben. Sie schildert neben persönlichen Erfahrungen. die ihre„Jugendgeschichte" glücklich ergänzen, in frischer, lebendiger Art die 20jährige Entwickelung des Arbeiterinnen- Vereins und der „Arbeiterinnenzeitung", deren Herausgeberin sie ist. � Vor den„Intellektuellen" gibt Emma Adler, die Frau de? Ge« nassen Viktor Adler, in ihrer witzig- satirischen Weise prachtvolle Momentbilder aus der Geschichte der Wiener Arbeiterbewegung. Therese Schlesingers Bericht wird besonders interessieren durch ihre Beziehungen zur deutschen Sozialdemokratie. Ihre entscheidende Wendung knüpft sich an den ersten internationalen Frauenkongrctz zu Berlin(1896). Kurze historisch-statistische Notizen über die Entwickelung der politischen und gewerkschastlichen Organisation, der Frauenzeitung und des Kampfes ums Wahlrecht in Oesterreich vervollständigen den Inhalt, dessen Reichhaltigkeit wir leider nur andeuten konnten. Wir können daS Büchlein unseren Genossinnen und Genossen nur dringend zur Anschaffung empfehlen. ES steht dem Werte nach durchaus neben der durchaus nicht mehr so seltenen Arbeitennemoircn- Literatur. Datz eS in keiner Arbeiterbibliothek fehlen darf, ist selbst- verständlich. Was die Herausgeberin in ihrem Vorwort von der Genossin Viktoria Köster sagt, wünschen wir von dem ganzen Bmh: Möge das Beispiel dieser klassenbewutzten Arbeiterinnen vorbildlrch wirken und möge es die Frauen des Proletariats mit Mut. Zuverficht und Ausdauer erfüllen. „Fraucnfiimmrccht." Monatshefte des deutschen Verbandes für Frauexistimmrecht, herausgegeben von Dr. Anita Augspurg. (Monatlich 1 Heft; Preis vierteljährlich 1 M. Verlag Ernst Reinhardt in München.) Der Titel gibt bereits an, daß der bürgerliche Frauen- stimmrechlSverband die neue Zeitschrift herausgibt, deren erstes Doppelheft deS ersten Jahrganges uns vorliegt. Au« dem Inhalt fällt eine Verteidigung der englischen SuffragetteS durch Käthe Schirr« mach« auf. Die Ueberschrift ihres Aussatzes: Sind das noch Damen? wird beantwortet:„Rein, gewiß nicht... Aber „Menschen" find es.„Menschen", die da hungert und durstet nach Gerechtigkeit. Christus prieS sie selig, und Heinrich v. Kleist sagt, daß es Gott lieb ist, wenn Menschen ihrer Freiheit wegen sterben." Dies« HymnuS an die Fensterzertrümmerinnen hat uns um so mehr«staunt, als sich Käthe Schirrmacher unseres WisienS im(bunten)„Tag" gegen die sabo- tagetreibenden französischen Syndikalisten gewandt hat. Nach dem Bericht von K. Sch. waren die SuffragetteS von dem Minist« Gob- hous« direkt herausgefordert worden:»Die Frauenstimmrechts- agitation sei ja gar kein allgemeines Verlangen, sie habe noch keine der Gewalttaten gezeitigt, die bei den politischen Kämpfen der Männer vorgekommen seien." Darauf- hin erst sei eS zu den großen Sachbeschädigungen am 1. und 4. März gekommen. Ihr Treiben suchen die Frauen weiter damit zu entschuldigen, datz sie leinen anderen Weg sahen, ihr Ziel zu erreichen. Die Vernichtung des Eigentums wäre nicht so schlimm, da durch das Fenstereinwerfen nur die reichen Versicherungsgesellschaften geschädigt würden, und Fenstereinschlagen zudem eine alte Form sei, politisch-soziale Unzufriedenheit zu äußern. (Wir brauchen hier nicht von neuem unsere Bedenken gegen das Vor- gehen der Suffragetts zu begründen, deren„Kampf" außerdem nur einem beschränkten Wahlrecht galt!) Ein zweiter Aufsatz feiert Christabel Pankhurst, eine der be- kanntesten Führerinnen, die sich allein der polizeilichen Festnahme bis heute zu entziehen gewußt Hot.— Ein Stimmungsbild aus dem olden- burgischen Landtag geißelt die beschränkten Aeußerungen von Kons«- vativen imdZeiitrumSailgehörigen bei der Beratung des Frauengemeinde- Wahlrechts.— Rofika Schwimmer sucht den Einfluß des Frauen- stimmrechts auf die Erziehung durch Beispiele aus Frauenstimmrechts- staaten klarzulegen. Das relativ Wertvollste an dem Heft ist die „Rundschau" über die Fortschritte des WahlrechtSgedankens in AuS- und Inland. An Proletarierinnen wendet sich die neue Zeitschrist nicht und kommt für sie auch nicht in Frage. E. M. Hub der frauenbewegung. Wie die Älerikalen die Frauenrechte verstehen. Man schreibt uns aus Brüssel: Neulich hat auf einem hiesigen Feministenkongreß auch ein offi- zicller Klerikaler ein begeistertes Loblied auf das Frauenwahlrecht angestimmt. Ein allgemeines Mahlrecht, das die Frauen vom poli- tischen Recht ausschließt, so klang der Tenor seiner Rede, sei eigent- sich gar kein allgemeines Wahlrecht zu nennen. Und der Herr, der, wie gesagt, ein großes Kirchenlicht in der klerikalen Welt ist, forderte klipp und klar, datz bei einer Wahlresorm in Belgien un- bedingt das Prinzip der Gleichberechtigung der Geschlechter berück- sichttgt werden müsse. Aber auch sonst kann man jetzt verschiedentlich in der klerikalen Presse die Meinung vertreten finden, daß eine Wahlresorm die Ausdehnung des Wahlrechtes auf die Frauentvelt bringen müsse. Ja, so emanzipationsfreundlich sind jetzo unsere belgischen Klerikalen... Da hat aber nun, so un- gefähr um dieselbe Zeit, als der Klerikale auf dem Femimsten- kongrctz für das Frauenwahlrecht plädierte und die Versicherung gab, daß die Klerikalen dies« Reform zugeneigt sind, ii, der Dcputiertcnkammer eine Abstimmung stattgefunden, die die Klerikalen von einer dem Emanzipationsgedanken nicht gerade freundlich gesinnten Seite zeigen. Es handelte sich vm die Zulassung der Frauen zum Advokatenberuf. Der Gesetzentwurf liegt seit dem Jahre 1901 und wartet seither auf seine Erledigung. Ein Liberaler, unterstützt von einem Sozia» listen, verlangte neuerdings, datz sich die Kammer vor ihrer Aus- lösung über das Gesetz ausspreche. Aber sowohl der klerikalo 'Justizminister wie auch zwei andere Klerikale sprachen sich gegen Beratung und Abstimmung aus. Und die Sache wurde danach von der klerikalen Majorität abgelehnt. Warum die klerikalen Politiker für dasFrauen st immrecht und gegen die Zulassung der Frauen zum A dvoka tenbe r u f sind? Das ist höchst einfach zu erklären: die belgischen �Klerikalen denken über die Frau gerade so kleinbürgerlich-reaktionär wie die Klerikalen anderer Länder. Die Frau als Advokat— das ist höchstens ein Gegenstand zum Witze machen. Und die Herrschaften würden auch über das— Frauensttmmrecht nur Witze machen. wenn sie nicht aus politischer Demagogie— um gegen eine Wahl- reform, die mit ihrem schändlichen Pluralwahlrecht aufräumte. Stimmung zu machen— jetzt Frauenstimmrechtsbegeisterung posieren mühten. Eine Wahlreform mit Frauenstimmrecht— oder keine, das ist jetzt eine beliebte klerikale Losung. Und die Argumen- tation ist:„Die Sozialisten und Liberalen sollen nur mit ihrer Reform kommen: dann kommen wir mit der unseren. Und wehe Euch, wenn die Frauen beute zur Wahlurne gehen...1" Aus die Weise kann man als Klerikaler über die Frauenprobleme gleich- zeitig radikal-modern und rcaktionär-kleinbürgerlich denkeu, Zur Reform der ßhegesctzgebung in Schweden. Der Gesetzcsausschutz des schwedischen Reichstags beschäftigt sich gegenwärtig mit der Ausarbeitung von Borschlägen zu einer Reform der Ebegesetzgebung, die den Ehefrauen vor allem eine größere rechtliche Selbständigkeit geben soll. Run hat es jene Körperschaft für nötig befunden, bei seiner Arbeit noch 12 Personen Hinzuzuziehen, die als Sachverständige dienen sollen, und es sind hi«sür 8 Männer und 4 Frauen auSersehen. Unter den weiblichen Sachverständigen ist auch eine sozialdemokratische Frau, die Gc- nossin Clin Engström, die schon seit langen Jahren in der Partei und der proletarischen Frauenbewegung in hervorragender Weise tätig ist. Sie ist Witwe eines Mannes, der sich ebenfalls um die Partei und die Arbeiterbewegung sehr verdient gemacht hat, Sericdts- Leitung. Die Geheimnisse einer Polizeiwache. Vor der Strafkammer zu Hagen i. W. gelangte am Donnerstag in der Berufungsinstanz ein Prozeß zur Ver- Handlung, der so recht die Paschawirtschaft und das brutale Regiment kleiner Polizeigeister in kleinen Landstädten im grellsten Lichte zeigte. In dein Städtchen Menden bei Jser- lohn, einem Ort von etwa 12 600 Einwohnern meist katholi- scher Konfession, war es schon seit längerer Zeit bekannt. datz auf der Polizeiwache die Inhaftierten in der gröbsten Weise mißhandelt wurden. Beschwerden waren zwecktos. Vielmehr sind die Fälle zahlreich, wo die Inhaftierten und Mißhandelten aus Grund der zengeneidlichen Aussagen der betreffenden Polizeibeamten wegen Beleidigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und dergleichen zum Teil zu nicht geringen Gefängnisstrafen verdonnert worden. Als im Ok- tober 1910 wiederum ein Arbeiter verhaftet wurde und am nächsten Mittag au den Folgen einer Gehirnerschütterung, die er sich angeblich bei dem Sturz von einem Möbelwagen zugezogen haben sollte, verstarb, kam der Stein ins Rollen. Ein bürgerliches Blatt nahm sich der geheimnisvollen Sache an. Das Blatt wies darauf hin, daß Mißhandlungen auf der Mendener Polizeiwache durchaus nichts Seltenes seien und forderte etwaige Mißhandelte auf. sich zu melden. Der Er� folg blieb nicht aus. Die beiden Mendeuer Polizeigewaltigen, Metz und Bierhmis. fühlten sich beleidigt und stellten Straf. antrag gegen den Redakteur des Blattes Das Schöffengericht zu Menden sprach die beiden Angeklagten— Redakteur und Einsender— frei, da bezüglich der Mißhandlungen seitens der Beamten der Wahrheitsbeweis im wesentlichen als er- bracht angeschen wurde.(Hegen das freisprechende Urteil legte der Amtsanwalt Berufung ein So kam die Angelegen- heit vor die Hagener Strafkammer Aber auch hier erzielten die Angeklagten ein obsiegendes freisprechende« Urteil. Tie Beweisaufnahme vor der Strafkammer gestaltete sich für die beiden Beamten noch ungünstiger, wie vor dem Schöffen- gericht. Nicht weniger als 16 Zeugen traten auf, die unter ihrem Eid bekundeten, daß sie'teils ohne jeden Grund ver- haftet, auf der Wache gcohrfeigt und blutig geschlagen und qualvoll gefesselt wurden. Der Transport des Verhafteten ill die Zelle gestaltete sich in der Regel so. daß dieser, mit einem ober kraftvollen Fusttritt geschleudert, an die gegenüber befindliche Wand flog und sich nicht selten daran blutig schlug. Die Verhandlung zeigte auch, wie ein Polizei- beamter über die Heiligkeit des Eides dachte. Nach Aussagen von Zeugen hat Vierhaus, Polizeisergeant zu Menden, eines Tages geäußert:„Vor Gericht muß man ein weites Gcwisicn haben, dort muß man darauslosreden, man muß alles be- schwören, denn die blanken Änöpfc lasse man sich doch nicht abschwören."_ Zur Unterhaltungspflicht der Eltern. Eine die Nnterhaltungspflicht der Eltern gegenüber den Kindern betreffende Entscheidung wurde kürzlich von der 17. Zivil- kani inier des Landgerichts III gefällt. Die?8 jährige ledige Tochter eines wohlhabenden Rentiers und Hausbesitzers in der llhlandstraße battc infolge fortdauernder tiefgehender Zerwürfnisse mit ihren Eltern schließlich einen Selbstmordversuch unternommen, der dazu führte, daß die junge Dame auf Veranlassung der Eltern in einer Irrenanstalt interniert wurde. Da sich jedoch bald ihre vollige geistige Gesundheit herausstellte, wurde sie aus der Anstalt entlassen. Sie weigerte sich nunmehr, in das Elternhaus zurückzukehren mit der Motivierung, daß die Zerwürfnisse fick nur noch vermehren würden. Die Eltern selbst lehnten es ab, ihrem Kinde außerhalb des Hauses Unterhaltungsgelder zu gewähren mit der Behauptung, ihre Tochter gehöre ins Haus und ihnen stehe das Recht zu, die Art der Gewährung des Unterhaltes zu bestimmen. Der Recht sbei stand der Tochter, Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried, stellte nunmehr beim Vormundschaftsgericht in Charlottenburg den Antrag, diese Bestim- mung der Eltern mit Rückficht auf die vorliegenden schweren Zer- würfnisse zu ändern, da nach§- 1612 BGB. das Gericht aus befände- ren Gründen zur Abänderung des elterlichen Bestimmungsrechtes befugt ist. Das Gericht gab nach Anhörung beider Parteien in mündlicher Verhandlung diesem Antrage statt und erklärte die Tochter für berechtigt, den Unterhalt auch außerhalb der elterlichen Wohnung in Form einer Geldrentc zu verlangen. Trotz dieses Be- schluffcs weigerten sich die Eltern ihrer Tochter, die zum Erwerb ihres Lebensunterhaltes außerstande ist, Unterhaltungsgelder zu geben. Der Bevollmächtigte der Tochter beantragte und erwirkte auch vor der 17. Straftammer des Landgerichts III eine einstweilige Verfügung, auf Grund deren dem Vater aufgegeben wurde, an seine Tachter nicht nur 166 Mark Alimente und 75 Mark Ausbildungs- gelder monatlich, in vierteljährlichen Raten im voraus zahlbar, zu zahlen, sondern auch sämtliche Kleidungs» und Wäschestücke an diese herauszugeben._ Lupinenkaffer. Zu welchen Hilfsmitteln die Nahrungsmittelsälscher greifen, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, welche gestern unter Borsitz des Amtsgerichtsrat Reich das Ämtsgericht Berlin-Mitte beschäftige. Angklagt wegen wissentlicher Vergehens gegen das Nahrungsmittel- gefetz und Betruges waren der Kaufmann Adolf Priebe, der Kauf- mann Otto Klotz und der Handlungsgehilfe Martin Meise. Eines Tages kaufte eine Frau Ptock in der Filiale des Ang«� klagten Kloß in der Zionskirchstratze ein halbes Pfund Kaffee zum ZZreise von 76 Pfennigen. Verkäufer war der Angeklagte Meise, der bei Kloß, welcher mehrere derartige Filialen unterhält, ange- stellt war. Nach dem Genüsse des fraglichen Kaffees wurden Frau P., wie auch deren Ehemann von heftigen Magenschmerzen befallen. Sie lieferte den Kaffee bei der Polizei ab, die ihn dem Nahrungsmitteluntersuchungsamt des Polizeipräsidiums überwies. Hier stellte der Regierungsrat Prof. Iuckenack fest, daß der Kaffee zu einem Viertel aus dem gerösteten Samen der blauen Lupiur be- stand. Vor Gericht bekundete der Sachverständige, daß in neuerer Zeit sehr häusig Kasiee mit diesen Samen und auch mit den der Kaffebohne ähnlichen brasilianischen Platterbsen verfälscht wird.— !Die Untersuchung ergab, daß der Angeklagte Klotz den gefälschten fcrn geh erHobe». Das Gericht nahm lediglich mit Rücksicht auf die bisherig« Un- descholtenheit der Angeklagten von der Verhängung einer Gefäng- nisstrafe Abstand und erkannte gegen Priebe und Klotz auf je 166 M. Geldstrafe und gegen Meise auf 36 R. Geldstrafe. Perversitäten. In ein eigenartiges Milieu leuchtete eine Verhandlung hinein, welche gestern unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit das Schöffen- gericht Berlin-Mitte beschäftigte. Angeklagt wegen Erregung öffeut- lichen Aergernisses war die Klavierspielerin Anna Prutsch.— Die Angeklagte war als Klavierspielerin in einem Kellerlokal in der Taubensiraße 8 angestellt ging. In dem Lokal verkehrten a du, in welchem es recht sonderbar zu- WW ließlich nur Angehörige des weiblichen Geschlechts, und zwar von der Bankiersgattin vom Kur- fürjtcndamm bis herunter zu den zweifelhaftesten Elementen aus der Friedrichstraße. Der Polizei war es seit längerer Zeit bekannt, daß dieses Lokal eine Art Vermittelungsftelle und Sammelpunkt für Damen bildete, die früher der durch einen vor längerer Zeit ver- handelten Skandalprozeß bekanntgewordenen„Neuen Damen- gemeinschaft" angehört hatten. Die Polizeibeamten beobachteten häufig, daß tiefverschleierte Damen, die ihrem eleganten Automobil, um nicht aufzufallen, schon an der nächsten Straßenecke entstiegen waren, schnell in jenem Keller hineinschlüpften. Um diesen Zu- ständen endlich ctn Ende zu bereiten, erschienen eines Nachts der Revicrvvrftand des zuständigen Polizeireviers in Begleitung eines Kriminalwachtmeisters unvermutet in dem Lokal und kamen gerade dazu, wie die Angeklagte vor einem aus angetrunkenen Frauen- zimmern bestehenden Auditorium ein zotiges Lied sang. Die Ange- klagte, wie auch die Wirtin selbst, trugen Männerkleidung, währeird andere weibliche Gäste Zigarren rauchend an den Tischen saßen. Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Kampf gegen „derartige Lasterhöhlen" nach jeder Richtung mit aller Schärfe gc- führt werden müsse, auf eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Außerdem wurde die Angeklagte, da sie als Ausländerin fluchtver- dächtig erschien, sofort in Haft genommen. Das, was bei der Begründung des Urteils mitgeteilt wurde, scheint uns eine so exorbitant hohe Strafe nicht zu rechtfertigen. Die sexuellen Bcrirrungen find nicht strafbar. Die elektrische Starkstromleitung in der LitfatzsLule. Einen eigenartigen Platz für die Transformatoren ihrer elek- irischen Lichtleitung hat sich die Stadtgemrind« Charlottenburg ausgesucht. Diese Transformatoren find für die Leitung der Elektrizität von der Erzcugungsstelle zur Berbrauchsstevc sehr wichtig, sie dienen dazu, Strom von hoher Spannung in solchen von schwächerer Spannung je nach Bedarf umzuwandeln; gerade des- halb sind sie aber natürlich höchst gefährlich und es ist felbftverständ- lich, daß sie so angebracht oder verwahrt werden müssen, daß für das Publikum eine Gefahr nicht zu erwarten ist. Die Stadt- gemeinde Charlottenburg baute nun die Transformatoren in das Innere der Litfaßsäulen sAnschlagsäulen) ein. Damit machte sie ein gutes Geschäft, indem sie einmal die Kosten für besondere Transformatorenhäuschen, wie sie anderwärts meist üblich find, spart«, andererseits noch die Außenfläche(per Säulen zum Ankleben von Plakaten vermietet hat. In den Sä»len sind zwei Klappen an- gebracht, um zu den Transformatoren gelangen zu können, und zwar die eine etwa 26 Zentimeter, die andere etwa 1 Meter über dem Erdboden. Am 26. September 1916 morgens 4 Uhr fand der Zettelankleber W. an einer Säule die obere Klappe offen; er machte einen Schutz- mann darauf aufmerksam, dieser(der nicht städtischer, sondern Staatsbeamter ist) hat aber nichts veranlaßt, die Tür blieb offen. Am Nachmittag geriet dann ein sechsjähriger Junge beim Spielen mit der rechten Hand in die offene Klappe; er erhielt einen furcht- baren elektrischen Schlag, der rechte Arm verbrannte so schwer, daß er bis zur Schulter abgenommen werden mußte. Auf welche Weise die Klappe geöffnet wurde, ist nicht aufgeklärt worden. Der Bater des Knaben klagte nun als dessen gesetzlicher Vertreter gegen die Stadt Charlottenburg ans Schadenersatz. Das Landgericht III zu Berlin hat den Klagranspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Das Kammergericht Berlin war anderer Meinung: es hat die Klage abgewiesen. ES findet in dem Anbringen dir Klappe in der geringen Höhe von nur einem Meter kein Verschulden. Da die Klappen sicher verschlossen wurden habe die Möglichkeit, daß eine Klappe durch irgend welche Umstände einmal offen stehen konnte, so entfernt gelegen, daß damit die De- klagte nicht zu rechnen brauchte. Es handele sich um einen Unglück- lichen Zufall, für den Beklagte nicht hafte. Auf die Revision des Klägers hat das Reichsgericht am Donners- tag das Urteil de» Kammergerichts aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufung«- gericht zurückverwiesen. Zur Begründung führte das Reichsgericht au«: An sich ist die Anbringung dieser Türchen in einer Höhe, daß sie durch Geschirre oder transportable Lasten aufgesprengt werden können, befremdlich; sie begründet offenbar eine Gefahr für den Verkehr. Wenn das Kammergericht meint, die Klappen hätten nicht in größerer Höhe angebracht werden können, weil sonst die Ange- stellten der Beklagten beim Revidieren der Transformatoren infolge Ausglcitens der dann nötigen Leiter gefährdet worden wären, so ist diese Begründung jedenfalls nicht haltbar. Ob die Türchen aus technischen Gründen nur in der geringen Höhe angebracht werden konnten, muß das Kammergericht noch prüfen. Wenn ober die Klappen so tief angebracht werden müssen, so find sie eine groß« Gefahr für das Publikum, namentlich für die Kinder, und die Be- klagte hat dann die Verpflichtung, alles nur Denkbare zur Abwen- dung von Unfällen zu tun. Insbesondere muß sie Vorkehrungen treffen, daß sie in kürzester Zeit erfährt, wenn eine Klappe'äffen gefunden wird, „Streikende" Hebammen. Am 11. März sollte in der Hallenser Frauenklinik ein Fort- bildungskursns für die dortigen Hebammen beginnen. Die Heb- ammen, die dazu gruppenweise eingeladen waren, sollten hinterein- ander 13 Tage und 13 Nächte in der Klinik bleiben und dafür noch 29 M. Berpflcgungskosten anS ihrer Tasche zahle». Die Filiale des Hebammenbundes lehnte deshalb die Teilnahme an dem Kursus ab. Keine Hebamme beteiligte sich daran. Daraufhin erhielten die Heb- ammen Strafmandate über je 2 M. und beantragten gerichtliche Entscheidung. Jetzt stand die erste„Serie" vor dem Schöffengericht. Die Strafbcbörde stützte sich bei ihrem Vorgehen auf eine Reg.-Pol.- Verordnung vom März 1969. wonach Hebammen gezwungen werden können, an solchen Kursen teilzunehmen. Der Verteidiger der An- klagten wies darauf hin, daß die Verordnung gegen die Verfassung und gegen die Gewerbeordnung verstoße. Die Hebammen praktizieren auf Grund ihres Priffungszeugnisses. Was würde man sagen, wenn man Aerzte und Juristen, die gewiß auch nachlernen könnten, zur Teilnahme an ähnlichen Kursen zwingen wollte. Wenn der Staat solche Forderungen stelle, so möge er auch die Kosten dafür tragen. Das Gericht sprach die Hebammen frei, da sie nicht gc- zwungen werden könnten, auch noch Kosten für den Kursus zu zahlen. ■et*** ZBn■fe-W«. wvvtV»/»»! Xiv OfUtoiHttfir&>$ Ntolte jür eleg. MaBanzDje. Ulster, Paletots, Damenkostlime Mir. 3,— 4,— M. Tochlager Koch& Seeland G. m. b H. Beilraudtanstr. 20-21, � Gneisenaustraße 10 J j 8. Gran, billigste u. beste k Bezugsquelle für*~ JltlöbeljederilriJ W Kassa und Abendkurse Berlin, Bfeanderstr. 8 Technikum, Bauschule. Direktor: Königl. 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Dr. Miiller-Meiningen(Vp.): Wie bereit die Volks- Partei ist, die Wehrkraft des Reiches zu stärken, hat sie g e st e r n gezeigt. Der Abg. L e d e b o u r hatte keinen Anlaß, über Be- schränkung der Kritik zu klagen. Gestern hätte die Ipeitere Kritik an der Wehrvorlage nur den machtvollen Eindruck nach außen stören können. Zur Kritik an der Militärverwaltung ist jetzt bei der Beratung des ElalS Zeit. Der Kriegsminister bestritt, daß er auf die Kriegervereine Einfluß habe, sie unterständen dem Ministerium des Innern. Wie erklärt sich denn dann das Zirkular an die BezirkskommandoS, worin die Frage vorkommt: Versuchen die Oppositions- Parteien auf den Kriegerverein Einfluß zu bekommen?— An dem zwangsweise übertünchten.Alten Zicten" ist hoffentlich die Militärverwaltung unschuldig; waS für eine kindliche Art ist es, Märtyrer zu schaffen, indem man einen Gastwirt zwingen will, den ißainen.Alten Zieten" aufzugeben, weil er eS auch den Sozial- demokraten zur Verfügung stellt. Zum Falle K r a a tz sagte der Kriegsminister, kirchenpolitische Vorträge gehören nicht auf dieKanzcl.(Sehr richtig I rechts.) Hat darüber die Militärverwaltung zu entscheiden? ES ist doch toll, daß der jüngste Leutnant als geistiger Zensor über einen Geistlichen auftreten darf.(Zustimmung bei der Volkspartei.) Aber der ganze Kirchen- zwang für die Soldaten ist ein Unfug, der drastisch illustriert wird durch den Befehl eines Soldaten, der in der Kirche geschlafen harte, zu einem Strafgottesdienst.(Heiterkeit.) Der Satz: „Nur ein guter Christ kann ein guter Soldat sein" muß heute— darüber werden wir ja Montag sprechen— umgewandelt werden in den Satz:.Ein guter Christ kann überhaupt nicht mehr preußischer Offizier sein". Da sollte man doch mit solchem Kirchenzwang vorsichtig sein.(Zustimmung bei der Volkspartei.) Daß bei der Besetzung rnilitärischer Stellen allein die persönliche Tüchtigkeit entscheiden soll, ist eigentlich selbstverständlich. Aber es geschieht keineswegs. Standesrücksichten sind maßgebend, und ebenso religiöse Gründe, und bei der Zurücksetzung der Inden wirkt noch abstoßender, daß man nicht den Mut hat, den wahren Grund einzugestehen.— Dringend notwendig ist die Reform d e S Militärstrafrechts und vor allem des ehrengerichtlichen Ver- sahrens, das mit den Gesetzen in schroffstem Widerspruch steht. (Lebhaste Zustimmung links.) Man beruft sich dasür auf die Kommandogewalt des Kaisers. Aber können durch diese Kommando- gewalt die Gesetze aufgehoben werden?(Sehr gutl bei der Volkspartei.) In einer weiteren Resolution verlangen wir. durch systematische körperliche Pflege und Hebung die schulentlassene Jugend für den Heeresdienst vorzubereiten. DieS halten wir für uns ganz besonders wichtig.(Beifall bei der Volkspartei.) Abg. Dr. Trciidcl(Z.) verbreitet sich über die Notwendigkeit, die militärischen Maßnahmen bester vor Spionen zu schützen. Abg. Held(nntl.): Es sind verschiedentlich Fälle vorgekommen, daß in Kriegcrvcreinen Kollegen von uns wegen ihrer Haltung bei der Präsidentenwahl zur Niederlegung des Vorsitzes ausgefordert worden sind. Wir müsten es uns auf das be- stimmteste verbitten, daß sich Kriegervereine in unsere Tätig- kcit als Reichstagsabgcordnete hineinmischen.(Bravo I links.)— Was den Fall Kraatz anlangt, so muß Remedur geschaffen werden, daß solche Dinge, wie eine derartige Störung des Gottesdienstes durch das Militär nicht wieder vor- kommen.(Bravo I links.) Abg. v. Kröcher(k.): Die Kriegervereine sind ebenso gut Herren in ihrem Hause, wie jedermann, und wenn sie jemand bei sich au« irgendwelchen Gründen nicht dulden wollen, so brauchen sie das nicht. Wenn hier Herren einem Sozialdemokraten bei der Prä- sidcntenwahl ihre Stimme gegeben haben, so kann ich ganz im Gegensatz zu Herrn Held dein betreffenden Kriegerverein, der mit Ausschluß vorging, nur zu seinem ausgezeichneten Be- nehmen gratulieren.(Bravo l rechts) Ich hoffe, daß alle Kriegervereine im ganzen Deutschen Reiche ebenso handeln. (Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Schöpflin(Soz.): Gegenüber den Ausführungen des Abg. Müller-Meiningen spreche ich mein Bedauern darüber aus, daß auch die freisinnige Bolls- Partei an dem Schlußantrag bei der Wehrvorlage teil- genonimen hat. Wenn er meinte, die Wehrvorlage sei in würdigen Formen angenommen, so habe ich das sonst nur in der Scherlpresse gelesen. Den Kriegsminister möchte ich bitten, sich in der Frage des ) Boykotts von Wirten, die ihre Säle zu sozialdemokratischen Versammlungenhergeben, dem Bei- spiel seines sächsischen Kollegen anzuschließen. Dieser hat eL in Sachsen durchgesetzt, daß den Soldaten der Besuch solcher Lokale nur immer für den Tag verboten wird, wo eine sozialdemokratische Versammlung stattfindet. In unserem Interesse liegt diese Milderung des Boykotts ja nicht, wir wissen uns auch so zu helfen, aber sie liegt im Interesse der Wirte, die natürlich in einer sehr schwierigen Lage sind. Diese ganze Bevormundung der Soldaten, die sich die Mililärbehörde fortgesetzt herausnimmt, ist eine lln gerechtig- keit allerschlimmster Art. Daß die Soldaten mit Sozial- demokraten zusammenkommen, kann die Militärverwaltung ja doch nicht verhüten. Ich selbst habe als sozialdemokratischer Redakteur Einquartierung bekommen. Diesen kleinlich ge- hässigen Standpunkt sollte die Militärverwaltung aufgeben. Diese Schikanierung von Leuten in ihrer Erwerbstatigkeit hat mit der Schlagfertigkeit der Armee nicht daS geringste zu tun.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber Herrn von Kröcher bemerke ich, daß wir gewiß nichts gegen seinen Standpunkt haben, wenn es die Kriegervereine aufgeben, unpolitische Vereine zu sein. Heute aber treiben sie. unter der falschen Flagge unpolitischer Vereine. während sie in Wirklichkeit im schärfsten Maße Politik treiben, ohne doch den Bestimmungen für politische Vereine unterworfen zn sein. (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Beim 10. Husarenregiment, wo seit Jahren über die schwersten SoldatcnmißhaNdlungen geklagt wird, wurde einer der schlimmsten Sergeanten so milde be- strast, daß ihn das von einer Wiederholung schwerlich abhalten kann. Jnr zweiten Garderegiment erhielt ein llnter- offizier, der einem Mann mehrere Zähne eingeschlagen halte, drei Wochen Arrest. Als der Leutnant Egen vom Regiment Hamburg den Soldaten drohte, mit dem Säbel dreinzuschlagen. fragte einer seineu Nebemnann: Du, bist Du auch in der Lebensversicherung? Nicht der Leutnant, sondern der Musketier wurde angeklagt und bekam 14 Tage strengen Arrest.(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Beim vierten Garderegiment gab ein Unteroffizier einem Soldaten den Befehl, die Stiefel 12 mal einzuschmieren und mehrere andere widerwärtige Befehle, sodatz der Soldat ihm schließlich die Stiefel vor die Füße warf. Aus Angst vor Strafe sprang er dann aus dem Fenster und blieb tot liegen. Der Unteroffizier bekam für die systematische und abscheuliche Schinderei, die einen Soldaten in den Tod getrieben hatte, sechs Wochen Mittelarrest. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mit einer solchen Bestrafung kann man den Schindereien freilich kein End« machen und den Mißbrauch der gewaltigen Macht des militärischen Vorgesetzten zu viehischen Mißhandlungen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Daß unsere Kritik in Parlament und Presse schließlich doch hilft, beweist die Entfernung des Regimentskommandeurs des früher berüchtigten 17. Hl a u e n r e g i m e n t S in Oschatz in Sachsen. Seitdem hört man nichts mehr von Mißhandlungen bei> diesem Regiment. UebrigciiS sitzt ja dort drüben auf der Rechten auch ein früherer B r a n- den burgischer Regiments-Konrinandeur, der die Soldatensch inderei vorzüglich verstanden hat!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Leutnant Göll erhielt wegen 23 Fällen von Soldatenniißhandlung und einem Fall von Mißbrauch der Waffe 6 Wochen Stuben- a r r e st I In einem anderen Fall wurde ein Mißbrauch der Waffe dazu, einem Soldaten mit dem Seitengewehr auf den Hinter- köpf zu schlagen, mit 3 Wochen Arrest geahndet. In einem scheußlichen Fall beim 18. Sächsischen Regiment wurde von der vollauf verdienten Degradation abgesehen. Beim Train- bataillon Nr. 12 haben zwei Unteroffiziere w�en einer Lappalie bei strengster Kälte einen Soldaten mit eiskaltem Wasser und Bürsten abreiben lassen, so daß der Mann invalid wurde und zum Bettler werden kann. Solche Fälle dürften sich einfach nicht Die flucht aus der Mrklichkeit. In dieser Woche durchlebte ich ein Abenteuer, durch das meine Haare in weniger Stunde», als der Herr zur Schöpfung nötig hatte, ganz weiß geworden sind. Nachdem ich nämlich wieder einmal auf die' alte unverträgliche Weise über bürgerliche und proletarische Kunst an dem literarischen Stammtisch gefaselt hatte, nachdem ich die neue Weltanschauung und die fehlenden Bedingungen, die zu der gesunden Kunst einer gesunden Menschheit führen würden, dargelegt hatte, be- gegnete ich auf dem Heimwege einer strengen, düsteren Erschei- uung, die mich vorwurfsvoll mit dunklen Augen anblickte und ihre Augenbrauen so grimmig zusammenzog, daß sie zu einem Busch wilder Borsten wurden. „Heinz Sperber," sagte sie in einem Ton, der mir durch die zage Seele schnitt:„Du beträgst Dich wie ein Henker der Kunst Deiner Zeit gegenüber und schreibst auch ungenießbare Feuilletons für... bürgerliche Blätter. Bist Du ein Mann mit zwei Ge- fichtern? Pfui! Pfuil" „Herr." sprach ich mit zitternden Lippen, denn jedes seiner Pfuis traf mich wie ein Dolchstoß ins Herz,„ich finde eS sehr romantisch und schön, Hungers zu sterben, aber ich lebe von meiner Feder, und diese Feder, wie sehr ich mich auch anstrenge..." „Pfui," sagte er zum drittenmal,„Peter Schlemihl hatte keinen Schatten, Du hast keinen Charakter! Wenn Du es ernst mit Deiner übrigens erbärmlichen Kritik, Deinem Unfug gegen bürger- liche Kunst meinst, mußt Du Dich schämen!" „Herr," fuhr ich zögernd fort,»in dieser kapitalistischen Gesell- s-haft.. Mit einer Verachtung, die mich fast tötete, ließ er mich stehen. In der Nacht schlief ich nicht. Ich kann keinen schwarzen Kaffee und keine moralischen Prügel vertragen. Die hohlen Augen der Erscheinung, ihre Pfuis und ihre Anspielung auf die zwei Gesichter hatten mich derartig verstimmt, daß ich wach lag, bis die Teppiche auf dem Hof geklopft wurden, und mit Kopfschmerz aufstand. Noch ganz unter dem Eindruck der Zurechtweisung, schritt ich un- gestüm in meinem Arbeitszimmer auf und ab, schimpfte auf meinen Vater, der mich kein Handwerk hatte erlernen lassen und auf das Spiel der Natur, die mir nichts als eine öde Portion Gehirn mitgegeben. Andere besaßen Hände, sich das Brot zu erringen, ich leider nur einen Schädel voll phantastischer Träume und ver- worrener Gedanken. Niedergeschlagen, aber dennoch fest entschlossen, nie mehr auch nur einen einzigen Buchstaben für eine bürgerliche Zeitung zu schreiben, selbst nicht, wenn der Hauswirt mir die sämtlichen Brocken versteigern ließe, packte ich die Manuskripte einiger Ro- mane zusammen(wie seder zivilisierte Zeitgenosse produziere ich in der Stille). Nachdem ich reiflich überlegt und gefunden hatte, daß zwischen dem Verleger eines Buchs und dem Verleger einer Zeitung kein prinzipieller Unterschied bestände, zog ich mit wiedergekehrter Energie in ein vielbesuchtes PfandhauS. Dort schaute man mich an, als ob ich verrückt geworden wäre. Alle Angestellten bestaunten mein Wertpaket. Man setzte mir mit viel Geduld— wie man einem Geistesgestörten etwas erklärt— auseinander, daß man wohl Geld auf Uhren, Ringe, Kleidung usw. gebe, aber daß weder Romane, noch Dramen, noch Feuille- tons dafür in Betracht kämen. Das war ein Schlag vor den Kopf, aber ich ließ mich nicht entmutigen. Ich kaufte für eine Mark Streichhölzer, versah mich mit einem Wandergowerbeschein und versuchte diese notwendigen Dingerchen in der Friedrichstratze zu verkaufen. „Ra also." dachte ich heiter,„fortan handelst du tagsüber mit Streichhölzern, und abends, wenn du genug verdient hast, brauchst du deine Feder nicht mehr zu entehrenl" Freudig pfiff ich vor mich hin, wurde eine Menge Streichhölzer los, und machte mir zwischendurch Notizen für eine erstklassige geistige Abendarbeit. Am Potsdamer Platz begegnete ich der düsteren Gestalt wieder. „Heinz Sperber," sagte sie mit einem Ausdruck unbeschreib- licher Verachtung auf dem ernsten Antlitz,„an jeder Schachtel Streichhölzer, von der Du einen schändlichen Gewinn beziehst, klebt Schweiß und Blut ausgebeuteter Proletarier! Pfuil Pfui!" „Herr," sprach ich schüchtern,„in dieser kapitalistischen Gesell- schaft..." Eine wütende Handgebärde brachte mich zum Schweigen, und der Geist verschwand in der Menge. Tränen traten mir in die Augen. Das Vergnügen war davon. Wahrhaftig, er hatte recht. Man durfte keine Streichhölzer verkaufen... Wie ein Dieb schlich ich in eine Querstraße, entledigte mich dort meines Vorrats, und eine Viertelstunde später offerierte ich wieder froh und frischen Mutes... Ansichtskarten. „Das darf ich dock> mit ruhige»» Gewissen tun," meinte ich, „an solch einer Ansichtskarte haftet nach menschlicher Berechnung weniger Leid und Ausnutzung.. Binnen einer Stunde hatte ich ein Dutzend abgesetzt. Es rentierte sich ES war tatsächlich eine gute Idee. Und aufs Neue machte ich mir Notizen für den Abenid ans den Rand meiner Manschette. Die Freude war von kurzer Dauer... Diesmal begegnete ich dem Fremden am Wittenbergplatz sin der Untergrundbahn. Er schrak förmlich zusammen, als er mich erblickte, legte die Stirn in Falten und ballte die Fäuste. «Bist Du so tief gesunken, Heinz Sperber, fehlt Dir denn jede Spur von Charakter?" rief er empört.„Wirfst Du Deine Ueber- zeugung so über den Haufen?" „Herr," begann ich angstvoll... „Pfui! Schäme Dich!" sagte et verächtlich„Ich würde lieber noch Seelen, als Ansichfskarien mit Bildern fürstlicher Personen» Kathedralen, Palästen üsw. vertreiben! Pfui! Pfuil Pfui!" Zerschmettert warf ich den Rest meiner Ware auf die Straße und sah mich nicht mehr danach mn>. Ich wollte»»ich verteidigen— er»vor verschwunden� ließ mich mit pey» Gefühl per Schmach upd des Elends zurück. mehr ereignen. Dafür sorgen Sie, wenn Sie iinmer von_ dem Ansehen der Armee sprechen wollen. Bei den sächsischen Manövern im vorigen Jahr ertranken bei einem Elbeübergang der Ulanen ein Unteroffizier und zehn Ulanen. Vielleicht, wenn man die Wassertiefe vorher nur mit der Lanze gemessen hätte, wäre daS nicht geschehen. Nebenan ging eine ganze Eskadron ohne Gefahr durchs Wasser. Ein Mann aus gutbürgerlichen Kreisen schreibt mir aus Ehrenbreitstein von einem schlimmen Exzeß angetrunkener Offiziere, bei dem auch die 13jährige Tochter deS RegimentSschneiderS eine Rolle gespielt haben soll. Da ich den Umfang bei Exzesses nicht genau kenne, will ich keinen Namen nennen. Ich möchte aber endlich die Militärverwaltung nochmals auffordem, doch ja alles zu tun, um die scheußlichen Soldatenmißhandlungen verschwinden zu machen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminifter v. Heeringen: Für die Kriegervereine bin ich nicht zuständig und kann ihnen keine Direktiven erteilen.— Zum Fall Kraatz habe ich gestern schon gesagt, daß er beim Reichsmilitärgericht schwebt.— Ueber die Zulassung jüdischer Mitbürger zu Reserveoffizieren stehe ich, wie ich schon im Vorjahre ausführte, auf dem Boden der Verfassung.— Die Resolution, nur die Tüchtigkeit solle für die Besetzung der Offizier- stellen entscheiden, bitte ich abzulehnen; es könnte sonst der Schein entstehen, eS sei bisher nicht so verfahren. Wir lassen keine Standes- und Religionsrücksichten walten, wir nehmen die O f s i» ziere aus allen Kreise» der Bevölkerung, aber natür- lich aus Kreisen, die den Verhältnissen des Offizierkorps entsprechen.— Herrn Müller- Meiningen bemerke ich, daß die Ehrengerichtsordnung auf dem Artikel b6 der preußischen Verfassung beruht. Die Ehren- gericht« entscheiden keineswegs nach Willkür, sondern nach alter, ge- festigter Tradition; jeder Spruch wird dem obersten Kriegsherrn unterbreitet.— Zu dem Verbot der Säle bemerke ich, daß die Gesichtspunkte, die der sächsische Kriegsminister aufgestellt hat, auch von mir an die preußischen kommandierenden Generale mitgeteilt sind; die Ausführung liegt in den Händen der lokalen Militär- behörden. Wenn der Abgeordnete mir die Fälle näher � bezeichnet, will ich ihnen gern näher treten.— Die Soldatenmißhandlungen sind ständig zurückgegangen. Aber man muß auch be- denken, daß wir die Rekruten recht aufgehetzt bekommen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten. Zustimmung rechts.) Unter einem gewissen Minimum von Mißhandlungen gehtes nicht, denn die Offiziere sind keine Engel, sondern energische temperamentvolle Menschen. Bedauerliche Ausschreitungen soll man nicht verallgemeinern und danach unsere Armee beurteilen. In den afrikanischen Kämpfen hat sich gezeigt, daß der alte Geist in unserer Armee noch lebt. Auch bei der Wassersnot in Schlesien haben unsere braven Truppen in bewundernswerter Weise Beistand geleistet.(Zu- stimmuug rechts, Zurufe links.) Ich sage das nicht aus Ruhm- redigkeit, sondern erwähne es. damit man nicht aus einzelnen dunklen Punkten unzutreffende Schlüsse über unsere Armee zieht, namentlich jenseits der Grenzen.(Bravo I rechts.) Sächsischer BundeSratsbevollmächtigter General Lenckart v. Weiß- dorf: Das Unglück, das sich im letzten Manöver bei Roßla ereignete, wo ein Unteroffizier und neun Mann ertranken, ist auf eine unglückselige Kette von Zufällen zurückzuführen, daS Verfahren gegen die beiden verantwortlichen Patrouillenführer ist daher eingestellt worden.— Soldatenmißhandlungen verurteilen wir auf das entschiedenste. Nebergriffe kommen in einem großen Orga- nismus vor, sie sind aber vereinzelt und mit aller Energie und nicht ohne Erfolg wird dagegen eingeschritten. Bei der M i ß h a n d- £» n g im 17. Ulanenregiment hat es des Artikels in der sozialdemokratischen Presse nicht bedurft, die Militär- verivaltuug ist von selbst eingeschritten. In Oschatz ist seit Jahren weder«in Fall von Mißhandlung noch von vorschriftswidriger Be- Handlung vorgekommen. Um so bedauerlicher waren die Angriffe auf den O b e r st in der„Leipziger BolkSzeitung", wofür der Redak- teur ja auch zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Abg. Dr. Struvr(Bp.): Ich bedauere, daß der Kriegsminister sich gegen unsere Resolution gewandt hat, allein die persönliche Tüchtigkeit bei der Besetzung militärischer Stellen zu berück- sichtigen. Seine Ausführungen haben am besten die Notwendigkeit dieses Antrages bewiesen.— Für die Art der Politik, die in den Kriegervereinen betätigt wird, ist bezeichnend, daß sie einem Welsen gegenüber dem früheren nationalliberalen Abgeordneten Dr. A r n i n'g zum Siege verholfen haben.(Hört l hört l links.) Die Ansicht des Herrn b. K r ö ch e r widerspricht den In der folgenden Nacht lag ich wieder wach. Ich überlegte, ob ich einen Zigarren- oder Zigarettenhandel aufmachen sollte— wagte es aber nicht. Ich grübelte darüber nach, vielleicht mit Unter- stützung eines wohlwollenden Kollegen eine Stehbierhalle zu er- öffnen, warf den schamlosen Gedanken aber aus scharfen Gewissen�« bissen über Bord. Was nun?... Was jetzt?... Hilflos, un- gewandt, versuchte ich eS einen halben Tag als ungelernter Arbeiter auf einer chemischen Fabrik— Chemie war immer meine Lieb- haberei gewesen— die Augen der Erscheinung gaben mir keine Ruhe. Und wirklich, eS erschien mir absolut unsittlich, daß wir Mehr- wert für den Arbeitgeber schafften... Obendrein widersprach es meiner proletarischen Ueberzeugung. mir offnen Auges die Haut über die Eselsohren ziehen zn lassen. Tag für Tag brachte ich auf diese Weise zu. Je mehr ich mich wand, was ich tat, was ich ersann, immer geriet ich auf widerlichst« Weise mit meinen Prinzipien in Streit. Das Brot, das ich aß. war von unterdrückten Proletariern geknetet und gebacken. Der Asphalt, den ich beschritt, war von modernen Sklaven in den Straßen, gelegt. Die Schuhe, in denen ich ging, enitstammten Proletarierhänden. Der Rauch der Schornsteine gemahnte mich an die Menschentiere in den Bergwerken» die Schienen der Elektrischen an die in den Hochöfen Geopferten. Es war entsetzlich... Ich beschloß, allein ein Ende zu machen. Die Erkenntnis der gesellschaftlichen Mißverhältnisse war mir zu einer solchen Oual geworden, mein Gewissen lehnte sich derartig gegen die Taufende von Formen kapitalistischer Ausbeutung aus, daß ich nicht länger mitschuldig sein lvvllte. Die Auge» des gestrengen Freundes hatten mich wachgerüttelt. Wer sein Brot in dieser Zeit ehrlich verdienen wollte,»var im Grunde ein Schurke. Und besonder? ein Sozialist mit kritischem Wahrnehmungsvernvögen, der gegen den Kapitalismus und seine Auswüchse schrieb und wetterte, war ein charakterloser Hallunkr. wenn er seine theorelischen Grundsätze nicht praktisch durchführte. Das einzig reine, anerkenneswerte Prinzip war und blieb, die Gesellschaft zu kritisieren und dabei den Atem ansßuhauchen... Mit dem„Erfurter Programm" in der einen Hand und drei Bänden Marx in der anderen begab ich mich an die Spree, nahm einen Anlauf, sprang und wurde an einem Rockzipfel zurück, gehalten. Die mir das Leben gerettet, war eine Frau» dem Aeußeren nach zu urteile» eine Prostituierte.. „Sperber, dummer Sperber," sagte sie,„sind wir rnchj alle Stützen der Gesellsck?aft..-?" Schwer nur ließ ich mich durch ihre Rede von meinem Selbst, mordplan abbringen. Aber abends schrieb ich ein Feuilleton von sieben Spalten mit vielen Fortsetzungen für eine bürgerliche Zeitung und las es der Frau, die mich gerettet, mit extastischer Begeisterung und schluchzen, der Stimme vor. Ss eich igte die schwarze Mche. die wir die Haare weiß gemacht, H e i n z S p e r b. e r. Satzungen der Kricgerdcreine und dem ReichSbereinSgesetz.(Sehr richtig! links.) Abg. v. Mcding lWelfe) hält den Nationalliberalen Vor, dav sie zuerst die Politik in dieKriegervereine getragen hätten. Abg. iviumm(Wirtsch. Vg.): K r a a tz hat sich gegen da? Urteil seiner Obrigkeit im Falle Jatho von der Kanzel aus scharf auS- gesprochen. Dazu war er nicht berechtigt.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Denken Sie an Ihren Fall Hilde nbrand. lLachen bei den Sozialdemokraten.) Das Verlangen, dah jüdische Offiziere unter allen Umständen angestellt werden müssen, findet bei der überwiegenden Mehrzahl des Volkes kein Verständnis. (Lachen links. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wie ist eS mit den getauften Juden?) Das kommt darauf an, ob sie innerlich etwas anderes geworden sind.(Große Heiterkeit links.) Abg. Heyn(Vp.): Der Vorredner meinte. Pfarrer Kraatz hätte nicht gegen seine vorgesetzte Behörde auf der Kanzel Stellung nehmen müssen. Wenn Luther ebenso gedacht hätte, wäre es nie zum Protestantismus gekommen.(Lebhafte Zustimmung links.) Ich be- daure das Verhalten der Offiziere aufs tiefste. Das höchste Gericht sollte in diesem Falle, der so klar liegt, endlich zu einer Entscheidung kommen. Von einer verhetzenden Sprache in der Predigt des Pfarrers Kraatz ist keine Rede. Er hat lediglich den Standpunkt vertreten, daß in Glaubenssachen einzig und allein dasGewissen des einzelnen entscheidet.(Sehr gut I links.) Ich frage die Herren Konservativen: Sind Sie denn der Meinung, daß in der Bibel vom ersten bis zum letzten Blatt weiter nichts als g ö t t- liche Worte enthalten sind?(Große Unruhe rechts. Rufe unerhört: Pfui!) Die moderne Welt verlangt heute von ihren Geist- lichen, daß er die Zeitvorgänge in den Kreis seiner Betrachtungen zieht. Die Herren irren, wenn sie glauben, das Hinausführen der Mannschaft auS der Kirche werde verhindern, daß diese AehnlicheS hören, wie das, was ihnen Pfarrer Kraatz gesagt hat. (Sehr wahr l links.) Die Autorität wollen wir auch schützen und die Disziplin. Sie beruht aber nicht allein auf dem Kommando, fondern auf derGerechtigkeit und auf dem Geist, der im Heere gepflegt wird. In der Kirche kommen Sie erst recht nicht mit Zwangs- matzregeln aus. Da entscheidet allein der Geist und die Freiheit.(Leb- hafte Zustimmung links.) Abg. Zürn(Rp.): Es ist bedauerlich, daß ein Mann, wie der Vorredner, Prediger an der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche ist. Auf die Kanzel einer evangelischen Kirche gehört da» Evangelium(Bravo I rechts) und keine Kritik des Spruchkollegiums. Was die Soldaten in der Predigt hören sollen, ist Gotteswort. Wir können das Verhalten der Offiziere nur billigen. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. SchSpflin(Soz.): Der Kriegsminister sagte, durch unsere Kritik würde da» Ansehen der Armee im Auslande untergraben. Wenn wir Mißstände zur Sprache bringen, so tun wir das in dem Bestreben, sie zu beseitigen (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und wenn eine Institution an sich gesund ist, kann sie auch die Kritik vertragen. Der sozial- demokratischen Kritik, die vor langen Jahren vom Abg. Bebel begonnen worden ist und dann jahraus jahrein fortgesetzt wurde, ist es zu verdanken, daß die militärischen Instanzen ge- zwungen worden sind, gegen die Soldatenmißhand- lungen vorzugehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister»on Hecringcu: Ich habe nicht gesagt, daß die sozialdemokratische Partei mit ihrer Kritik die Absicht hätte, da» Ansehen der Armee im Anstände zu untergraben, aber tatsächlich ist im vorigen Jahre jenseits der Grenzen die Auffassung vertreten worden, als ob das Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften in der deutschen Armee derartig durch die Mißhandlungen getrübt sei, daß die Schlagfertigkeit der deutschen Armee dadurch herab- gesetzt werde.(Hört! hört! recht».) ES ist doch nicht richtig, daß die sozialdemokratische Kritik die eigentliche Ursache des Herabgehens der Mißhandlungen ist(Lebhafter Widerspruch bei den Sozial- demokraten), das ist vielmehr der Einfluß der Borgesetzten. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Generaldebatte. Beim Kapitel.Höhere Truppenbefehlshaber' bemerkt Abg. Dr. Quessel(Soz.): Da» hessische Generalkommando läßt bei AuS- führung der kriegsministeriellen Bestimmungen jeden Eifer ver- missen. Militärpferde und Fuhrwerke werden zu privaten und gewerblichen Zwecken benutzt, trotz entgegenstehen- der Bestimmungen. Auch zu humoristischen Veran- staltungen werden dienstliche Pferde und Wagen benutzt. Das sollen die Herren Offiziere gefälligst auf eigene Kosten und nicht au Kosten der Steuerzahler tun.(Sehr richtig!> Auch werden die Soldaten, welche bei solchen Veranstaltungen beschäftigt werden, überanstrengt. Starkes Aergcrnis muß es auch erregen, wenn Soldaten zu gewerb- lichen Zwecken verwendet werden. Obwohl 241 arbeitslose Maurer in Griesheim vorhanden waren, ließ man 40 Pioniere aus Mainz kleines feiäUewn. Ein Verehrer des TodeS. Der englische Arzt William Osler, Professor in Oxford, ist in seinen Vorträgen für die Ueberzeugung eingetreten, daß die Krankheiten dem Menschen ein Segen seien, schon allein aus dem Gesichtspunkt, daß sie ihn auf eine Lebens- gefahr aufmerksam machen und ihm.die Möglichkeit geben, sie abzuwende». In folgerichtiger Fortspinnung dieses Ge- dankens ist Osler auch, man möchte fast sagen: ein Ver- ehrer des TodeS/ und hat sich jetzt mit lebhaftem Unwillen gegen die Schrift von Maeterlinck über den Tod gewandt. Er wirst dem Dichter vor, daß in seinen Worten ein leichen- hafter Modergeruch liegt, der auch durch die Schönheit der Sprache nicht verdeckt werden könne. Besonderen Anstoß nimmt Osler an der reichlichen Verwendung solcher Phrasen wie»die Torturen der letzten Krankheit" oder„die Oualen des Todes", seine„Schrecken" und dergleichen. Er findet solche Ausdrücke durchaus ungerecht und erinnert an den Ausspruch eines großen Fachgenossen auS früherer Zeit, daß der Tod ebenso natürlich sei, wie die Geburt, aber nicht halb so schmerzhaft. Auf Grund seiner großen Erfahrung behauptet Osler, daß nur sehr wenige Menschen im Sterben körperlich schwer leiden, noch weniger geistig. Er geht sogar so weit, den Schrecken des Todes lediglich als eine Erfindung der Religion zu bezeichnen. Daß dem Sterben oft eine peinvolle Krankheil vorausgeht, kann Osler selbstverständlich nicht leugnen. Er bezeichnet sie aber erstens als in vielen Fällen durch die eigene Schuld des Menschen hervorgerufen und zweitens als meist durch die Güte der Natur selbst gemildert. Osler tritt dann noch unverhüllt dafür ein, den Menschen, die unter dem Sterben leiden, diese Leiden zu erleichtern. Das Gesetz und auch die Ver- treter der Medizin sollten sich dazu entschließen, dem Menschen die- selbe Gnade zu erweisen, die man einem geliebten Tier gewährt. Theater. Neues Schauspielhaus(Sommergastspiel de? Karl- Schultze-Theaters aus Hamburg):„Parkettsitz Nr. 10". Posse von Haller und Wolfs nach einem Schwank von Neal und G e r b e ck. Musik von Götze. Die Masse muß es bringen, scheint der geschäftliche Grundsatz der Autoren. Sie ließen nach Ueberlieferung der früheren Adolf-Ernst-Possen ganze Scharen, darunter einen Heerbann von zwanzig Kellnerinnen, aufmarschieren und stopften in den Rahmen einer dürstigen Handlung so viel Couplets und Tanzduette, daß die Abwickelung des Programms an dreieinhalb Stunden, die Dauer eines Klassikerabends, m Anspruch nahm. Und die Masse schien mit dieser Massenaufmachung zufrieden. Mit einem Kainpf um den Parkettsitz Nr. 10 setzt die Aktion mitten im Zuschauerraum ein. Erst die unnatürlich effektvoll knallende Ohrfeige, die der ältere der beiden Konkurrenten, ein spindeldürrer Herr, dem Gegner applizierte, ließ es erraten, daß das kommen für die Bauarbeiten auf dem Truppenübungsplatz. Aber auch Arbeiten für Private übernimmt die Militärbehörde. Der Kriegsminister sieht recht ungläubig drein, ich will ihm daher einige typische Fälle nennen. Der Redner führt mehrere Fälle an, in denen Soldaten Maler-, Tischler- und andere Arbeiten für Private ausführten. Die Kinder des Proletariat» sollten doch nicht dazu ein und zwei Jahre länger in den Kasernen zurückbehalten werden, als die einjährig dienenden Söhne deSA d e l» und der B o u rf- g e o i f i e, um ihren eigenen Brüdern Schmutzkonkurrenz zu machen. Wenn die einjährige Dienstzeit aus alle Militärpflich- tigen ausgedehnt wird, würden solche Dinge nicht mehr vorkommen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Generalmajor Wandel: Die Beschwerde des Vorredner», daß den Einjährigen während der Truppenübung verboten ist, m Hotels zu wohnen, wundert mich bei einem Vertreter der Linken außerordent- lich: die Einjährigen sollen eben alle Strapazen mitmachen. (Zustimmung rechts.) Die übrigen Beschwerden sollte der Vorredner bei der Stelle anbringen, die der schuldigen Stelle unmittelbar vor- gesetzt ist. Dann wird auch Abhilfe geschaffen werden. Die Zentralbehörde kann da nichts tun. Abg. Dr. Weill(Soz.): Ich meine, die Zentralinstanz könnte sehr wohl eingreifen. Auch in Metz klagen die Droschkenkutscher und Wagen- f ü h r e r, auch die D i e n st l e u t e über die S ch m u tz k o n» kurrenz der Soldaten. 430 Wagen aller Art werden mit Dienstpferden bespannt und sowohl von den Offizieren und ihren Damen benutzt, als auch gegen Entgelt Fremden zur Ver- fügung gestellt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine Beschwerde kann immer nur einen bestimmten einzelnen Fall be- treffen; wir verlangen aber, daß hier durchgreifend Abhilfe ge- schaffen wird.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Beim Kapitel„G e l d v e r pfl e g u n g der Trappen' kommt Abg. Gothein(Vp.) auf die Frage der jüdischen Reserve- offi ziere zurück. Vor allem ist zu protestieren gegen das herrschende Geheimverfahren, wonach der Betreffende absolut nicht erfahren kann, auS welchem Grunde man ihn nicht zur Wahl stellt. Die Auskunft, die uns gestern der Kriegsminister im Fall Liebe gab, war recht merkwürdig. In der JnstruktionSstunde könnte es etwa in folgender Weise den Soldaten klargemacht werden: Wenn Du noch einen Vater hast, Und der hat einen offnen Laden. So muß, gehst Du einmal hinein, Dir das in der Karriöre schaden. (Heiterkeit), oder: Wenn Du noch eine Tante hast, Laß sie nicht mit Eiern handeln, Das muß nun mal— es ist kein Spaß— Den Sommerleutnant Dir verschandeln. (Heiterkeit links, Unruhe rechts.) Wenn Du noch eine Tante hast, Laß Stotternde sie nicht kurieren, Denn so was wird für immer Dir Die Epauletten ruinieren. (Erneute Heiterkeit.) Das merkwürdigste bei der Sache ist, daß die Tante gar nicht seine richtige Tante ist, sondern seine Stief- tante,„mit welcher", ichreibt er,„über zwanzig Jahre keinerlei Beziehung, weil unverträglich".(Stürmische Heiterkeit.) Da muß man wirklich sagen: Wenn Du noch eine Tante hast Und ist es gar nicht Deine Tante, So legt man sie Dir doch zur Last Und Du gehst dennoch um die Kante. (Erneute Heiterkeit.) Diese ganze Art, so leichtfertig Mit der Ehre von Mitmenschen umzugehen, werde ich nie aufhören aufs schärfste zu kritisieren, sei es in gebundener oder ungebundener Rede.(Heiterkeit und Bei- fall links.) Kriegsminister v. Heeringen: Die Auskunft in dem erwähnten Fall lautete dahin, daß das ganze Milieu der Familie des Betreffenden den Ansprüchen de» Offizierskorps nicht genüge.(Unruhe links.) Soll man nun dem Mann noch die Gründe mitteilen, was ihm doch nicht angenehm sein kann. Da ist es besser, man sagt ihm: Bleib du davon, denn du wirst nicht gewühlt. Abg. Zubeil(Soz.): Die Musiker führen einen erbitterten Kampf gegen die Militär musiker. Wenn der Kapitalismus ohne Musik keine Schlachten schlagen kann, müssen die nötigen Mittel für die Musiker in den Etat eingestellt werden, nicht etwa dürfen die Militärmusiker durch ihre Konkurrenz die Rencontre nicht zur Welt der Wirklichkeit, sondern bereits zu der des künstlerischen Scheins gehöre. Der Attentäter, ein bei aller Gebrechlichkeit noch unternehmungslustiger Partoffelheld, beleidigt den herbeigerufenen Polizisten— wir sind doch nicht im preußischen Abgcordneienhause, meint er empört— durch eine dreimal wieder- holte Eseltitulatnr. Aber statt die schändliche Beamtenbeleidigung mit drei Tagen Haft, die das Gericht ihm zudiktiert hat, reuig ab- zubüßen, besticht er seinen Neffen, einen Luftikus von Flieger, für ihn ins Loch zu gehen. Die so gewonnene Zeit will er be- nutzen, um, der Obhut der strengen Gattin entronnen, nach alter Possentradition sich in den Strudel der Weltstadt zu stürzen. Es gibt da Diwans, die beim Niedersetze» kxaft eines geheimnisvollen Mechanismus in die Höhe schnellen, Fliegergesellschaften, die ihn zu einem Fluge mit dem Aeroplan des Neffen zwingen, Sorwers, die er für andere bezahlen muß, ein Hin und Her von Liebespärchen, spiri- listische Seancen, in denen er als Geist verkleidet von der nachge- reisten Gattin schnöde entlarvt wird, und schließlich entpuppt fich der Geohrfeigte, der ihn noch tüchtig mit der Pistole in der Hand ver- folgt, als Verlobter seiner Tochter. Indes nur selten hier und da taucht in der turbulenten Hetzjagd der Unmöglichkeilen ein wirklich ainüsanter Scherz auf. Man merkt zu aufdringlich die Abficht in der Mache, um nicht verstinimt zu werden. Herr G e ß n e r zeigte in den Verlegenheiten und phantastisch lügenhaften Ausflüchten des alten Sünders ein ausgezeichnetes Talent für trockene Koniik. Sehr drollig wirkte Karl Gepperts giraffenlanger Fliegerpräses, namentlich ini Tanz mit einer winzigen ihm kaum bis zu seinein Mannesherzen hinaufreichenden Partnerin. Anni Danninger spielte die junge Fliegerfrau in munterer Soubrettenlaune. ät. Humor und Satire- Wer ist ein Mann? Nichts erbaut den schlecht und rechten Preußen so, als wenn er stehen darf dabei, wo mit Schießen. Hauen, Schimpfen, Schmeißen sich ergötzt die brave Polizei. Und so gafften denn mit off'nem Rande m dem preußisch-russ'schen Parlament— Zierde ihrem ganzen Vaterlande I— Hunderte..., die man nicht näher nennt. Sahen zu. wie einer ihresgleichen (wenn ihn der Vergleich nicht zu sehr kränkt!) unerhörtem Angriff mußte weichen. ihre Hand ins Höschen tief versenkt. ' Wo. zum Teufel, wo steckt, ihr famosen Volksvertreter, eure Mannbarkeit? Zieht sie doch mal aus, Ihr Herrn, die Hofen, und beweist uns, daß Ihr Rann«« seid! Franz. wirtschaftliche Existenz der ZivIlkerufSmufiker«ntergralea. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wie entbehrlich die Militärkapellen find, zeigt sich, daß sie bei manchen Regimentern monatelang zu Konzertreisen beurlaubt werden. Genau wie die Zigeunerkapellen ziehen fie dann von Stadt zu Stadt und drücken die Arbeitsmöglichkeit der Zivilberufsmufiker herab. In Berlin haben diese Kapellen in 14 Tagen den Zum« musikern über 25 000 M. entzogen. Den Löwenanteil dleier Einnahmen bekommen die Musikmeister, die sich jährlich auf 10— 20 OVO M. stehen. Trotz der starken Zunahme von Konzert- lokalen wird die Arbeitsmöglichkeit der Zivilberufsmufiker immer geringer. Sogar das vorzügliche philharmonische Orchester kann iich während der Sommermonate nicht halten und hat deshalb eine Unterstützung von der Stadt erhalten müssen. Aus dem NachtcafS Colosseum in der Beuthstraße in Berlin ist eine Zivilkapelle herausgedrängt, weil eine Militär- kapelle sich billiger anbot. Nun dürfen freilich Mlitärtapellcn in NachtcaföS nicht spielen. Deshalb wurde das Coloffeum einfach als K o n z e r t h a u s ins Handelsregister eingetragen.— Zu der Schmutzkonkurrenz, die die Militärkapellen treiben, kommt häufig noch eine Täuschung deS Publikums. An den Säulen werden Konzert« von Militärkapellen angekündigt, und tatsächlich wirken dann abends nur einige Militärmusüker bei einer im übrigen aus Beamten bestehenden Kapelle»nit. Der Kampf, den die Zivilberufsmufiker führen müssen, ist ein Kainpf mit ungleichen Waffen. Deshalb hat der Reichstag die Pflicht, einzugreifen und diese Konkurrenz der Militärkapellen auf das Mindestmaß einzuschränken.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Oertzen(Rp.): Ich bin immer für die Zivilmusiker ein- getreten, aber die Ausführungen des Vorredners krankten an Ueber- treibung. Wenn die allgemeinen Bestimmungen für die Militär- musiker immer beachtet würden, so würden die berechtigten Klagen der Zivilmusiker verschwinden. Generalmajor Wandel: Wir werden bemüht sein, Mißbräuchen der Militärnmsiker nach Kräften entgegenzutreten. Bon der Kapelle des Gardekorps ist keine Schmutzkonkurrenz verübt worden. Biel mehr Konkurrenz machen den Zivilmusikern die aus Ausländern zusammengesetzten Kapellen. Abg. Gothein(Vp.): DaS beste wäre, die Militärkapellen auf das geringste Maß zu beschränken; dann würden diese Klagen am ehesten verstummen. Abg. Zubeil(Soz.): Gegen die Konkurrenz der ausländischen Musiker können fich die Zivilberufsmufiker durch ihre Organisation schützen, nicht aber gegen die Militärmusiker.— Beim Gardekorps ist die Bezahlung im ganzen wohl dieselbe, aber 25 Militärmusiker erhalten dasselbe Entgelt wie 12 Zivilmusiker. Ich halte also meine Be- hauptung aufrecht. Abg. Keil(Soz.) führt Beschwerde über die Arbeitsverhältnisse der Proviantarbeiter in Stuttgart. Die Löhne sind zum Teil durchaus unzu« länglich, wenn sie auch etwas erhöht worden find. Sie verlangen. daß die Spannung zwischen dem Anfangs- und Höchstlohn wenigsten» 3 M. beträgt. Ferner wünschen die Arbeiter längere Ferien als sie jetzt haben. Die Arbeiter, die schmutzige, staubige Arbeiten zu verrichten haben, verlangen mit Recht besondere Ueberkleider. Auch über die zu starke und rücksichtslose Kontrolle wird geklagt; beim Stuttgarter Proviantamt kommt auf anderthalb Arbeiter ein Auf- stchtsbeamter. Württembergischer Bevollmächtigter Generalmajor v. Graevenitz: Die Beschwerden sollen erwogen werden. Aber die Löhne in Stuttgart sind nicht so gering, wie der Vorredner anführte. Abg. Allrccht(Soz.): Statt der Oekonomiehandwerker sollte die Militärverwaltung Z i v i l h a n d w e rker beschäftigen. Diese Forderung ist früher auch von der Rechten und dem Zentrum erhoben worden. Aber ieZ geht nur sehr langsam mit der Abkehr vom System der Oekonomie- Handwerker, namentlich in Preußen. Wir bestreiten der Militär- behörde das Recht, Leute auszuheben und nicht als Soldaten zu verwenden. ES ist geradezu eine Vorspiegelung falscher Tatsachen» Leute' auszuheben und dann als AuSbeutungSovjekte im Interesse des Reiches zu verwenden.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Gerade daS Handwerk wird dadurch aufs schwerste geschädigt, und da sollten doch die Rechte und daS Zentrum dagegen auftreten. Außer den Oekonomiehandwerker» machen auch die Regimentsschneider und Schuhmacher den privaten Handwerkern eine Konkurrenz, die bekämpft und beseitigt werden müßte. Wir verlangen Bekleidungsämter mit er- weitertem Betriebe. In der Beziehung stehen wir nicht auf dem Standpunkt der Rechten und des Zentrums. Deren Wettrennen um die Gunst der Handwerker machen wir nicht mit. Trotz» dem verstehen die Handwerker, daß wir ihre Feinde nicht sind. Das beweisen die Wahlen. Bekleidungs- ämter verlangen wir, weil die Heeresverwaltung nicht die Aufgabe hat, die rückständigste Betriebsform künstlich mit Reichsmitteln aufrecht zu erhalten. Die ArbeitSverhälwiffe in Bekleidungsämtern sind bedeutend bester als in den Kleinbetrieben; deshalb treten wir für sie ein.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. G a m p hat im Wahlkainpf den Schuhmachern in Jastrow versprochen, dafür sorgen zu wollen, daß ein Teil des Bekleidungs- amteS nach Jastrow verlegt werden soll. Solche Wahlpolitik machen wir nicht mit. Damit hilft man den Handwerkern auch nicht, ebenso wenig wie mit der neuen Wehrvorlage, die Hunderte vo n�M illionen dem Volke wieder auf- erlegt, wovon auch die Handwerker ihr Teil zu tragen haben. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Freilich gehen uns auch von den Bekleidungsämtern noch manche Beschwerden zu. Die ArbeiterauSschüsse werden dort viel- fach nur zur Dekoration eingerichtet. Die Arbeiter werden in manchen Bekleidungsämtern mit Worten bedacht, die ich Ihnen lieber ins Ohr sagen möchte. Aber so große Mißstände im einzelnen auch vorkommen mögen— wir können bei den Bekleidungsämtern auf Abhilfe dringen, während das nicht möglich ist, wenn die Ar- beiter in Kleinbetrieben verzettelt sind.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)— Das Zentrum verlangt in einer Resolution. bei der Vergebung von Lieferungen Vereinigungen von Heimarbeitern zu bevorzugen, dem können wir nicht zustimmen; es fehlt ja bei den Heimarbeitern jede Möglichkeit der Kontrolle der Arbeitsverhältnisse, trotz des Heim- arbeiterschutzgesetzeS. Der zweiten Zentrumsresolution, welche die Berücksichtigung von selbstständigen Handwerksmeistern. Handwerker- genossenschaften und Innungen bei der Vergebung von Arbeiten verlangt, werden wir zustimmen; doch beantragen wir, hinter Innungen noch einzufügen„sowie die Arbeiter- genossenschaften'. das ist ein einfaches Gebot der Gerechtig- keit.(Beifall bei den Sozialdemokraten). Abg. Chrysant(Z.) befürwortet die Annahme der beiden Resoku» tionen deS Zentrums. Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.) behauptet unter dem Gelächter der Sozialdemokraten, daß diese kein Interesse für die Handwerker hätten. Abg. Pauli-Hagenow(k.) tut dasselbe und verlangt B e s e i t i- gung der Konsumvereine. Generalmajor Staads: Die Heeresverwaltung hat ein dringendes Interesse an der Beseitigung des Systems der Oekonomiehandwerker nicht.— Der Abg. A l b r e ch t beschwerte sich auch über den Umfang der privaten Tätigkeit der Regimentsschneider. Hierfür bestehen be- stimmte Vorschriften, deren Jnnehaltung streng überwacht wird.— Mit Klagen über Mißstände sollten die Arbeiter sich nicht an sozialdemokratische Agcordnete wenden, sondern an ihre Vorgesetzten. Dann wird ihnen sicher ihr Recht. Lbg. Albrecht/z Uhr. Schluß 7»/i Uhr._ parlamentanfcbcs» DueLfrage und Marinevorlage in der Budgetkommisfion des Reichstages. Zur Duellfrage sprach in der DonnerStagssitzung derKom- Mission nur noch der Konservative Graf Westarp. Der Zwei- kämpf verstoße unstreitig gegen die göttlichen und mensch- lichen Gebote; aber trotzdem können die Konservativen weder der freisinnigen noch der sozialdemokratischen Resolution zu- stimmen. Beim Zweikamps handle es sich um einen Konflikt der Pflichten, nicht um frivole Handlungen. DaS Duell sei bei den Offizieren die Betätigung der Anschauung, daß sie zu jeder Stunde bereit sein müssen, ihr Leben und ihre Person ein« zusetzen. Wenn den jungen Offizieren Mut und Tapferkeit an- erzogen werden solle, müsse bei ihnen die Anschauung einer solchen Betätigung gefestigt werden. Für einen Teil der Zentrumsresolution werden die Konservativen eintreten. Bei der Abstimmung wurde die sozialdemokratische Resolution gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt, ebenso die von den Volksparteilern geforderte Reform der Ehrengerichtsordnung. Angenommen wurde die Forderung,, daß gegen Duellanten als Nebenstrafe auf Entfernung aus dem Heere erkannt werden kann; ferner die Resolution des Zentrums, für deren ersten Absatz auch die Sozialdemokraten stimnuen. Es folgte sodann die Beratung der Marinevorlage. Ge- nosse Bernstein bekämpfte die Vorlage, die eine Erhöhung der Kriegsgefahr bedeute. Weder zum Schutze seiner Küste, noch seines Handels bedürfe Deutschland einer solchen Rüstung zur See. Die Rede deS englischen Abgeordneten Faber, der von den gegen Deutsch« land gerichteten englischen KriegSrüstungen gesprochen habe, sei ein Ausfluß des politischen Alkoholismus, bei dem auch der Alkohol selbst eine Rolle gespielt habe.— Abgeordneter Bassermann erklärte, die Marinevorlage habe keinen politischen und aggressiven Charakter, sie sei einfach eine marinetechnische Ergänzung, wenn auch zuzugeben sei, daß die Vorgänge im letzten Sommer mit ihr zu- sammenhängen.— Abg. G o r h e i n erklärte, daß man sich die Frage vorlegen müsse, ob diese Vorlage ein Moment unserer Stärke oder Schwäche in der auswärtigen Politik darstelle. Mit jeder Flöttenvermehrung verschlechtere sich unser Verhältnis zu England. Was ist Wahrheil an dem Gerücht, oaß England einen militäri- scheu Ueberfall Deutschlands im letzten Sommer geplant haben soll? Ohne diese Aufklärung falle es doch schwer, einer Borlage mit solch bedenklichen politischen Folgen zuzustimmen. Die Volkspartei habe sich nur.schweren Herzens" zur Annahme entschlossen, weil sie auch glaube, daß die Vorlage keine aggressive Tendenz habe.— Staatssekretär v. Tirpitz berief sich wegen de» Gerüchts von der deutsch-englischen Kriegsgefahr im letzten Sommer auf die Rede des englischen Premierministers, der dieses Gerücht als falsch bezeichnet habe. Es sei Tatsache, daß England umfassende militärische Vorbereitungen getroffen habe, die aber rein militärischer Natur sein konnten. Deutschland denke nicht an die Offensive, die Marinevorlage diene auch nicht einer solchen Absicht.— Abg. Erz- berger hält die Vermehrung der Flotte aus politischen Gründen für notwendig. Auf die Gestaltung der dentsch-englischen Beziehungen habe die Flöttenvermehrung gar keinen Einfluß. Eine starke deutsche Flotte habe die Aufgabe, gegebenenfalls die Landung eines englischen Expeditionskorps auf dem europäischen Fcstlande zu verhindern.— Genosse Ledebour bedauerte, daß der Staats- sekrelär des Auswärtigen nicht zur Sitzung eingeladen worden ist, damit man erneut Auskunst von ihm fordern könne. Bisher habe der Staatssekretär die Auskunft über die Situation zwischen Eng- land und Deutschland verweigert, und Herr v. Tirpitz erkläre, ihn gehe das nichts an. Mit solchem Bescheid seien allerdings die bürgerlichen Parteien einverstanden, nicht aber die Sozialdemokratie. Die deutschen Rüstungsvorlagen rufen im Auslande genau dieselben Wirkungen hervor, wie die englischen Truppcnkonzentrationen im vorigen Sommer. Die deutschen Flottenrüstungen seien die systematische Vorbereitung zu einem Seekrieg mit England, der, wenn endlich nicht Einhalt getan werde, kommen werde. Wer Friedenspolitik be- treiben wolle, müsse die Borlage ablehnen. Die Haltung der Volksparteiler sei daher völlig unverständlich. Sie erkennen die Ge- fahren der Rüstungen und stimmen trotzdem dafür.— Die Debatte wurde sodann auf nächsten Dienstag vertagt. Aus der Branutweinsteuerkommisfio«. Die Kommissionsmehrheit, die von den Konservativen bis zu den Herren Paaschs und Sieg geht, hoffte, die zweite Lesung des Entwurfs am Sonnabend beginnen und alsbald zu Ende führen zu können. Die Kommission blieb aber nach mehr- stündiger Arbeit am Z 5 hängen, und sie vertagte sich, allen Wünschen der Ucbereifrigen zum Trotz, aus nächsten Dienstag. Die vereinigten Agrarier aller Färbungen hatten eine eigene Zusammenstellung eines Entwurfes ausgearbeitet, für den dann der Konservative Dietrich die Vaterschaft übernahm. Aber diese Zu- sammenstellung war so rasch und naturgemäß so salopp gemacht worden, daß bei§ S die Schwierigkeiten sich unüberwindlich häuften und die Antragsteller selbst ein Amendement nach dem andern stellten. Diese Verwirrung— die dann zur Vertagung führte— änderte aber, nicht« daran, daß, wie in der ersten Lesung, die Majorität alle AbänderungSanträge der Linken mit unerschütterlicher Entschlossenheit ablehnte. Der Nationalliberale Sieg mußte aller- dings gelegentlich für Stellung seiner Fraktion im Plenum alle Vor- behalte machen. Unsere Genossen hatten eine Reihe von den in der ersten Lesung abgelehnlen und auch von neuen Anträgen eingebracht. Vor allem wurde wieder unser Antrag zu Z 1 behandelt, der anstatt den niedrigeren Abgabesatz von 10 Pf. den höheren von 12 Pf. beseitigen will und damit einer neuen Erbschaftssteuer die Wege öffnet. Unsere Genossen H o sfm a nn, Dr. S ü d e kum, Dr. Weill und Wurm verteidigten den Antrag, der schließlich mit 14 Stimmen gegen die 13 Stimmen der Sozialdemokralen, der Fortschrittler und des Nationalliberalen Kölsch abgelehnt wurde. Der Staats- sekretär und die Redner der Mehrheit brachten allerhand Einwände vor. während unsere Redner Wert auf die Feststellung legten, daß nach dem Vorgehen de« Entwurfs die angebliche.Aufhebung der Liebesgabe" nur und nichts weiter als Spiegelfechterei ist! 8 2 wurde in der Fassung Dietrich angenommen,§ 3 gleichfalls, nachdem ein Antrag des Genossen Dr. Weill aus Begünstigung der kleinen Obstbrenner und Hofbesitzer abgelehnt war. Ebenso wurde bei§* der sozialdemokratische Abänderungsantrag und danach ein Evenwalantrag des Genossen Dr. Weill zugunsten der kleinen Obstbrenner gegen die Stimmen die Linken abgelehnt, und der§ 4 angenommen. Bei 8& sErmäßigung der VerbrauchSabtzabe) «ptstanden dann die eingangs angeführten Hindernisse. Hus der parte!* Zur Richtigstellung einer Richtigstellung. Von den langen Erklärungen, die Bebel und KautSkh gegen mich erlassen haben, kann ich die eine mit wenigen Worten erledigen. Genosse Bebel behauptet, daß selbst der geistig schwächste Leser über die Gründe seiner Polemik nicht eine Sekunde hätte im Zweifel sein können. Dann muß ich die für mich betrübende Tat- fache feststellen, daß der geistig schwächste Leser mir geistig noch immer bedeutend überlegen ist. Denn ich verstehe schon seit Wochen nicht, weshalb dieser nutz- und zwecklose Spektakel vom Zaune ge- brachen worden ist. Inzwischen geht aus Koutskys Erklärung hervor, daß Genosse Bebel, als er seine ehrverletzenden Angriffe auf mich an die„Neue Zeit" einsandte, den„Anspruch" erhob, daß meine Verteidigung erst acht Tage später aufgenommen werden dürfe. Darnach verzichte ich auf jede Diskussion mit dem Genossen Bebel. Bei Kautskys Erklärung muß ich leider länger verweilen. Nicht aus persönlichen Gründen, denn auf seine Kritik meiner moralischen Eigenschaften lasse ich mich nicht ein. Die„Reizbarkeit des Mannes" wird dadurch am schlagendsten beleuchtet, daß„der Mann" 21 Jahre lang mit Kautsky ausgekommen ist, eine ungleich längere Zeit, als irgend einer sonst aus der langen Pilgerschar, die vom Genossen Bernstein bis zur Genossin Luxem- bürg den gastlichen Hallen der„Neuen Zeit" den Rücken gekehrt hat. Kautsky behauptet, es sei bei solchen Polemiken in der„Neuen Zeit" üblich, daß die Erwiderung erst nach acht Tagen erfolge. Aus den Dutzenden von Gegenbeweisen, die mir urkundlich vorliegen, hebe ich nur einen heraus, der ein gewisses historisches Interesse hat: die Erwiderung Kautskys, die den Genossen Bernstein zum Austritt aus dem Verbände der„Neuen Zeit" veranlasste und unmittelbar dem von Kautsky bekämpften Artikel angehängt war. Kautsky erzählt, daß ich ihm am 21. November 1910 mitgeteilt hätte, ich werde die Redaktionskonferenzen nicht mehr besuchen und bäte, meine Spitzartikel als Beiträge eines einfachen Mitarbeiters zu betrachten. Die Redaktionskonferenzen waren. Kautsky weiß von wem, eingerichtet, weil man glaubte, meine Redaktionserfah- rung würde günstig auf Kautsky wirken. Da ich bald sah, daß hier aller Liebe Müh umsonst war, empfand ich es als willkommenen Fußtritt, als Kautsky. ohne vorher mit mir darüber zu sprechen, einen Hilfsredakteur einstellte, der m. E. bei aller sonstigen von mir in keiner Weise angefochtenen Vortrefflichkeit, der„Neuen Zeit" doch nicht das geben konnte, dessen Mangel am meisten von ihren Lesern beklagt wird. Zur Zeit, wo ich Chefredakteur der„Leipziger Volkszeitung" war, habe ich trotz meines formalen Rechtes nie einen neuen Redakteur eingestellt, ohne vorher das Urteil meiner Kollegen einzuholen. So verzichtete ich auf die Redaktionskonferenzen, aber schon als Redakteur des Feuilletons blieb ich Mitglied der Redaktion, und kein anderer als Kautsky schrieb mir vor vier Wochen von unserer Redaktion und von mir als Redaktionskollegen. Kautsky behauptet, er habe nicht die Verpflichtung gehabt, mir als einem Mitarbeiter die Erklärung Bebels borzulegen. Derselbe Kautsky schrieb mir am 16. November 1911:„Sie fühlen sich ver- letzt dadurch, daß wir zwei Attacken gegen Sie in Nr. 46 veröffent- lichten, ohne Sie davon in Kenritnis zu setzen. Ich stimme Ihnen vollkommen bei, daß es in solchen Fällen kollegiale Pflicht ist, den Angegriffenen von einem Angriff Mitteilung zu machen. Wird das absichtlich unterlassen, so ist das unanständig. Wird es im Drange der Geschäfte übersehen, so ist es jedenfalls bedauerlich, und der Schuldtragende hat alle Ursache, sich zu entschuldigen." Im Falle der Bebelschen Erklärung wurde es absichtlich unterlassen. An diesen Stichproben, die aufs Geratewohl herausgegriffen sind, mutz ich mir genügen lassen. Wollte ich das ganze Gewebe von Entstellungen, Unrichtigkeiten, Verdrehungen und Wortklaubereien auflösen, durch das Kautsky den wirklichen Sachverhalt zu ver- schleiern sucht, so würde die Sache in den kläglichsten Kleinigkeiten ersticken. Das mag den Zwecken Kautskys entsprechen, aber es ent- spricht nicht den meinigen. Wenn sich jedermann seines Fleißes rühmen darf, so darf ich auf meine mehr als 26jährige Arbeit für die„Neue Zeit" verweisen, um mich von dem Verdachte zu reinigen, als sei ich die traurige Karikatur, die Kautsky jetzt aus mir machen will, nachdem er mich erst vor wenigen Wochen auf„29jährige Waffenbrüderschaft" angesprochen hat. Der wirkliche Streit dreht sich um die Spitzartikel der„Neuen Zeit", die in den Nummern 7, 24 und 27 des laufenden Jahr- ganges erschienen sind. Der erste dieser Artikel(Kronprinzliche Fronde) tadelte die Komplimente, die ein sozialdemokratischer Reichstagsredner dem gegenwärtigen Reichskanzler gemacht hatte, und ließ von weitem durchblicken, daß die Verleugnung des Ge- nassen Däumig durch einige Fraktionsredner, gegenüber einem fortschrittlichen und einem ultramontanen Schwätzer, nicht allzu imponierend gewesen sei. Aus Gründen, die ich gleich erwähnen werde, sandte ich den Artikel unmittelbar in die Druckerei nach Stuttgart, und trotz der„Ausnahmestellung", die ich damit bean- spruchte,„trotz des unbeschränkten Verfügungsrechts", über das Blatt „mit völliger Umgehung der Redaktion" war Kautsky über den Ar» tikel entzückt. Aber der hinkende Bote kam nach; ein paar Tage darauf erhielt Kautsky einen offiziellen Tadel des Parteivorstandes, weil er den Artikel unverändert aufgenommen hahe. Nun begann es zu kriseln. Das erste Rundschreiben des Parteivorstandes in Sachen des fortschrittlich-sozialdemokratischen Stichwahlabkommens, das dessen einzelne Bestimmungen enthielt, wurde mir vorenthalten, obgleich es an die gesamte Parteipresse gerichtet war; ebenso verschwieg mir Kautsky, daß er die Artikel geschrieben habe, die im„Vorwärts" zur Rechtfertigung deS Ab- kommens erschienen. Durch Krankheit ans Zimmer gefesselt, er- fuhr ich von Kautsky nur brieflich, daß er das Abkommen im allge- meinen billige, aber nicht in den Einzelheiten, so daß ich annahm, wir wären etwa derselben Ansicht. In Nr. 24 der„Neuen Zeit" (Präsidial- und andere Fragen) verteidigte ich das Abkommen als solches gegen die Genossin Luxemburg und unterwarf nur die Einzelheit der Dämpfung einer übrigens sehr schonenden Kritik. Gleich darauf erfuhr ich von zuverlässiger Seite, daß Kautsky. der zu seiner Erholung an den Genfer See gegangen war, sich durcy meinen Artikel gekränkt fühle, da er die Aufsätze des„Vorwärts" verfaßt habe. Ich schrieb ihm nun in der freundschaftlichsten Weise. erklärte ihm, daß es mir ganz ferngelegen habe, ihn.zu verletzen, fügte freilich auch hinzu, daß ich, wenn er die offiziöse, ihm sonst so unähnliche Richtung seiner„Vorwärts"artikel in die„Neue Zeit" übertrüge, nicht mehr mitmachen könne. Ich würde dann seine älteren Rechte achten und gehen, doch hoffte ich, wir würden noch eine gute Weile zusammenarbeiten. Kautsky antwortete mir, wir wollten mündlich eingehend über die Sache sprechen. Bei seiner Heimkehr fand er jedoch die Er- klärung Bebels vor, die meinen in Nr. 27 der„Neuen Zeit" er- schienenen Spitzartikel(Einiges von Marx und Liebknecht), der in der sachlichsten Weise das Uebermaß der parlamentarischen Be- redsamkeit kritisierte, nicht sachlich bekämpfte, sondern durch Unter- stellung gehässiger Motive zu diskreditieren suchte. Kautsky meint, das sei geringfügig, doch mutz er mir schon erlauben, darüber anderer Ansicht zu sein. Immerhin enthüllt Kautsky das redaktio. nelle Elend der„Neuen Zeit", wenn er schreibt:„Ich wußte, Bebel betrachte es als eine arge Unfreundlichkeit, wenn bei einer Polemik dem einen Teil gestattet wird, dem anderen in unmittelbarem Anschluß zu antworten. Ich glaube, keine Redaktion hat das Recht, es zu mißachten, wenn einer ihrer Mitarbeiter diesen An- spruch erhebt." Das sind ja merkwürdige Grundsätze. Schon jede bürgerliche Redaktion würde als ungebührlichen Anspruch zurück- weisen, was der Redakteur unserer wissenschaftlichen Wochenschrift als normalen Zustand betrachtet. Selbst in der bürgerlichen Presse hat der Angegriffene zu entscheiden, wann er sich wehren will Nach Kautsky aber hat der Angreifer das Recht, zu bestimmen. wann der Angegriffene f-h wehren darf. Und dann die Ehr- furcht der„nachgeordneten" Stelle! Ich habe wirklich nicht nach dem Empfinden des Genossen Bebel gefragt, als Kautsky vor ein paar Jahren sein schriftstellerisches Recht gegen Eingriffe des Parteivorstandes zu Sahren haHe und ich ihm die erbelene Hilst gern gewährte. Daß es formell ungehörig war, meine ganz zahme Erwiderung auf Bebels schwere Angriffe unmittelbar in die Druckerei zu schicken, habe ich nie bestritten, aber es geschah in der Absicht, den drohenden Zwist noch im Keime zu ersticken. Kautsky, der jetzt ein so furchtbares Lamento darüber erhebt, schrieb mir am 18. April:„Die Entfernung des Druckortes vom Sitze der Redak- tion, sowie die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit entschul- digen Ihre Uebergehung der Redaktion in diesem Falle." Die an- deren Fälle, die„Kette meiner rücksichtslosen Eigenmächtigkeiten", definiert Kautsky dahin, daß ich die Spiyartikel in den letzten Monaten regelmäßig in die Druckerei gesandt hätte. Regelmäßig ist das nun nicht geschehen; bei irgendwie heiklen Thematen, wie meiner Besprechung von Bebels Denkwürdigkeiten, habe ich das Manuskript an Kautsky gesandt und eine von ihm gewünschte Aenderung gern vorgenommen. Aber im allgemeinen hat er recht. Er vergißt nur, hinzuzufügen, daß ich in den letzten Monaten schwer krank daniederlag, zwei Operationen durchmachen mußte, nur unter den schwierigsten Umständen arbeiten konnte, meist erst in letzter Stunde fertig wurde, und er vergißt namentlich zu sagen, daß er nie eine Silbe dagegen eingewandt hat, sondern froh war, daß ich überhaupt schrieb, statt mich einfach krank zu melden, was ich für den größten Teil des Herbstes und Winters durch die Atteste dreier Aerzte hätte begründen können. Sobald Kautsky nach Bebels Erklärung sein formales Recht geltend machte, habe ich es sofort aufs bereitwilligste anerkannt. Aber Kautsky vergißt ferner zu erzählen, daß er nicht nur ein ihm zustehendes Recht reklamierte, sondern auch ein mir zu- stehendes Recht zu eskamotieren versuchte. Seit 21 Jahren habe ich, wenn er in den Ferien war, meine Artikel direkt in die Druckerei geschickt, im allseitigen Einverständnis, und ohne daß sich je der geringste Uebelstand daraus ergeben hätte. Nun ver- langte Kautsky, ich solle sie, wenn er von Berlin abwesend wäre, seinen„Stellvertretern" zur Kontrolle vorlegen. Daß ,ch in dem Augenblick, wo ich einige dem Parteivorstand mißfällige Artikel veröffentlicht hatte, mir das seit 21 Jahren gewohnte Maß meiner publizistischen Bewegungsfreiheit nicht einschränken lassen durfte, brauche ich niemandem auseinanderzusetzen, der Ehre im Leibe hat. Ich erklärte also, diese Forderung sei für mich absolut und unter allen Umständen unannehmbar. Nun soll ich nach Kautskys Behauptung gesagt haben, weitere Schritte würden bei den zustän- digen Parteiinstanzen erfolgen. Das klingt wie eine Drohung. Tatsächlich merkte ich jetzt, waS die Glocke geschlagen hatte; ich sagte einfach, ich wolle die Spitzartikel nicht mehr fortführen und wolle mich mit den zuständigen Parteiinstanzen über eine ander- weitige Regelung meiner Beziehungen zur„Neuen Zeit" verstän- digen. Mein Brief an den Parteivorstand lautete wörtlich: „Steglitz, den 19. April 1912. Geehrte Genossen! Hiermit ersuch« ich Sie, mich von den politischen Spitz- artikeln der„Neuen Zeit" zu entbinden und mir zu gestatten, daS gleiche Maß von Arbeit in wissenschaftlichen Aufsätzen, die der Tagespolitik fernstehen, für die„Neue Zeit" zu leisten. Was mich veranlaßt, dies Ersuchen an Sie zu richten, ist die Tatsache, daß die Beziehungen, die feit 26 Jahren zwischen dem Genossen Kautsky und mir bestanden haben, nicht mehr bestehen. Uebcr die Einzelheiten kann und will ich mich, zumal hinter dem Rücken des Genossen Kautsky, um so weniger verbreiten, als es auf sie in keiner Weise ankommt. Die objektive Ursache sind Meinungsverschiedenheiten über die Parteitaktik, die bei einer Fortdauer des bisherigen Verhältnisses immer neue Reibereien hervorrufen und endlich Zustände herbeiführen müssen, wie sie ehedem einmal im„Vorwärts" bestanden und der Partei zu großem Schaden gereicht haben. Dieser Gefahr würde die von mir vorgeschlagene Neuordnung meiner Beziehungen zur„Neuen Zeit" vorbeugen. Schließlich will ich noch bemerken, daß ein ähnlicher Modus bereits früher— allerdings vor einer längeren Reihe von Jähret, als Genosse Dietz noch die„Neue Zeit" verlegte— geplant worden ist. Mit Parteigruß t Ihr ergebener F. Mehring." Gleichzeitig mit diesem Briefe sandte ich eine Abschrift an Kautsky. In durchaus kollegialem Tone wies ich ihn darauf hin, daß ich weder gegen ihn noch gegen sonst jemanden ein kränkendes Wort geäußert hatte; aber wir wollten uns nicht darüber täuschen. daß zwischen unS politische Meinungsverschiedenheiten beständen. Ich hielte es für einen großen Fehler, wenn das wissenschaftliche Zentralorgan sich völlig ahhängig vom Parteivorstande machte. Es wäre für mich kein Leben mehr, wenn ich bei jeder Zeile, die ich schriebe, erwägen solle, ob sie den Beifall deS Genossen Bebel und des Parteivorstandes fände. Kautsky antwortete am 21. April, ich möge mir die Sache noch einmal überlegen; er empfinde es als„schmerzliche 5lränkung" seiner Kollegen, wenn ich in den Zeiten seiner Abwesenheit meine Spitzartikel nicht an sie senden wolle. Ich solle mich auch ja nicht ihrer Zensur unterwerfen, sondern sie sollten ivr entscheiden, ob die Spitzartikel als redaktionelle Artikel erscheinen sollten oder nicht. Da meine Spitzartikel niemals als redaktionelle Artikel, sondern stets mit meinem Korrespondenzzeichen erschienen sind, so weiß ich nicht, welche sakramentalen Prozeduren der seit anderthalb Jahren angestellte Hilfsredakteur mit ihnen vornehmen sollte, um ihnen den „redaktionellen" Charakter zu nehmen, falls sie seinen„redaktionellen" Anschauungen nicht entsprächen. In jedem Falle beseitigte die völlige Nichtigkeit dieses VorwandeS meine letzten Zweifel, und ich ersuchte Kautsky am 21. April, mich mit Vorschlägen zu verschonen, die ich nur als eine schimpfliche Demütigung auffassen könnte. Am 26. April erhielt ich folgende Antwort des Parteivorstandes: „Berlin, den 2S. April 1912. Geehrter Genosse Mehring! Sie haben in Ihrem Briefe vom 19. d. M. den Wunsch ge- äußert, von den politischen Spitzartikeln der„Neuen Zeit" ent- Kunden zu werden. Ihnen aber zu gestatten, das gleiche Maß von Arbeit in wissenschaftlichen Aufsätzen, die der Tagespolitik fern- stehen, für die„Neue Zeit" zu leisten. Der Parteivorstand will Ihrem Vorschlag nicht widersprechen, erklärt sich vielmehr ein- verstanden mit Ihren Wünschen; er bittet Sie aber, sich mit der Redaktion der„Neuen Zeit" wegen der Neuregelung zu ver- ständigen. Mit Parteigruß! A. Bebel. Scheidemann.- So verlief die wirkliche Krise in der Redaktion der„Neuen Zeit". Ich ersuche diejenigen Parteigenosse� denen um ein unbefangenes Urteil zu tun ist, die Spitzartikel in den Nummern 7. 24 und 27 der„Neuen Zeit" daraufhin zu prüfen, ob sie die ungeheuer« lichen Attentate auf ein«„geordnete Redaktionsführung" enthalten, die Kautsky ihnen nachsagt, und ob sie in Form und Inhalt daS Maß der Selbstkritik üderschreiten, das bisher ebenso zum inner» sten Leben der Partei gehört hat, wie die straffe Disziplin. Die erfahrenen Parteifreunde, die mir vorwarfen, meine Post» tion allzu nachgiebig aufgegeben zu haben> sucht Kautsky mit der Bemerkung zu verhöhnen, sie seien wohl erfahren im Verhetzen. Nein, Genosse Kautsky, sie sind nur erfahren in den Gesetzen der Ehre. Wenn ich mich dennoch zum freiwilligen Verzicht auf die Spitzartikel der„Neuen Zeit" entschloß, so geschah es, weil andere. nicht minder erfahrene Parteifreunde, die m E. richtige Ansicht ver- traten, daß der Selbstbesinnungsprozeß der Parteimasscn gegen ge- wisse Auswüchse bereits in vollem Gange sei, wie die Berliner, Bremer und Hamburger Resolutionen in der Dämpfungssache zeigten. Und daß diese gesunde Entwickelung nur gestört werden könnte durch einen Zwischenfall, der sofort als„Literatenkrakeel" verdächtigt werden würde. Deshalb trollte �ich mich schweigend, und es ist nicht meine Schuld, sondern die Schuld der Genossen Bebel und Kautsky, wenn es dennoch zu LMM vffeMWn, KofserijUich vorübergehenden Lärm gelommen ifh. ß. Mehring. Erklär«»«. Der Parteivorstand schreibt uns? Bei Gelegenheit der Erörterungen über die Vorgänge in der Redaltion der„Neuen Zeit" ist in einem Partciblatt die Behaup- hing aufgestellt worden, es habe schon längst in weiteren Parteikreisen der Gedanke Raum gefaßt, daß der„Vorwärts" und die„Neue Zeit" infolge Ab- hängigkeit vom Parteivorstand zuweilen das nicht sagen, was im Interesse der Partei zu sagen notwendig wäre. Da Andeutungen ähnlicher Art auch an anderer Stelle ge- macht worden sind, so sieht sich der Parteivorstand, um Partei- schädigender Legendenwirkung vorzubeugen, zu folgender Erklärung genötigt: Der Parteitvorstand hat in die Unabhängigkeit der Redakteure in keiner Weise eingegriffen. Er betrachtet den„Vorwärts" und die„Neue Zeit" nicht als offiziöse Organe, und es übt auf seine Haltung keinen Einfluß aus, ob der Inhalt von Artikeln ihm mißfällt oder nicht. Er erwartet vielmehr, daß die Redakteure stets das sagen, was im Interesse der Partei zu sagen notwendig ist. Der Parteivorstand müßte einen Redakteur als ganz ungeeignet für seinen Posten halten, der bei Abfassung seiner Artikel erwägen mürde, ob sie den Beifall des Genossen Bebel oder der übrigen Mitglieder des Parteivorstandes finden. Der Parteivorstand kennt auch in der gesamten Parteipresse keinen Redakteur, der sich vom Parteivorstand abhängig fühlt und der Charakterschwäche fähig wäre, seine eigene Meinung aus Rücksicht für den Parteivorstand zu unterdrücken oder abzuschwächen. Hat der Parteivoisstand so die freie Meinungsäußerung im vollsten Umfange gewahrt, so hat er doch die Verpflichtung nicht außer Auge gelassen, die ihm der Parteitag in> Jena 1305 aus- drücklich auferlegt hat, nämlich, dahin zu wirken, daß eine gehässige persönliche Art der Diskussion nicht Platz greife. Von diesem Gesichtspunkte aus hat er einmal, und zwar im vorigen Jahre, sich auch mit einem Artikel der„Neuen Zeit" be- schäftigen müssen Er hat damals aber keineswegs der Redaktion einen scharfen Tadel ausgesprochen, sondern hat nur in einem freundschaftlich gehaltenen Schreiben bedauert, daß der Artikel, der offene und versteckte persönliche Spitzen enthalte und— wie mildernd hinzugefügt wurde— wohl nur auf Grund ungenügender Zeitungsberichte geschrieben worden sei, unveränderte Aufnahme gefunden habe. Er hat dabei den dringenden Wunsch ausgedrückt, daß„persönliche Auseinandersetzungen, die der Partei selten nützen, nach Möglichkeit vermieden werden sollen". Der Partei- vorstand hat also seine Pflicht in schonendster Weise erfüllt. Aus der Stellung des„Vorwärts" als Zentralorgan und der „Neuen Zeit" als wissenschaftliche Zeitschrift der Partei ergibt sich, daß der Parteivorstand pflichtgemäß zu Beratungen über große Aktionen der Partei die Vertreter dieser Organe zuzieht. Das ist geschehen und wird fernerhin geschehen, ohne ihre Selbständigkeit irgendwie einzuengen. Berlin, den 11. Mai 1S12. _ Der Parteivorstand Vom amerikanischen Sozialismus. Der nächste Parteitag, dem wegen der Teilnahme einer Anzahl Delegierter mit nichtenglischer Sprache einige Uebersetzer beiwohnen werden, wird sich namentlich mit der Einwände- rungsfrage zu befassen haben. Der vorige Parteitag, 1313, hat eine Resolution H i l q u i t t angenommen, die sich gegen dir Einfuhr von Streikbrechern und den Massenimport von Arbeitern behufs der Schwächung von Organisationen wendet, im übrigen aber jede Ausschließung mit Rücksicht auf Nation oder Rasse ablehnt und die Ausrechterhaltung der Freistatt für alle wegen ihrer Nation, Religion oder politischen Gesinnung Verfolgten fordert. In diesem Jahre erwartet man die Stellungnahme zahl- reicher Delegierter gegen jede orientalische Einwände. r u n g. Wortführer dieser sind die Vertreter der Pacificküste Wilson und Untermann. Dort gilt bekanntlich die„gelbe, d. h. chinesische und japanische Gefahr" als eine Lebensfrage, die die in California sonst sehr aussichtsvolle sozialistische Partei zu einer ganz bestimmten Stellungnahme drängt. Die entgegengesetzte Ansicht, die nichts von der östlichen(dort westlichen� Einwanoerung fürchtet, wird von Spargo vertreten. Eine Resolution zugunsten des indu st r teilen UnioniS- m u s und gegen den korporativen Egoismus der alten Verbände wird die Vertretung des Staates Montana vorlegen, eine? Sitzes des nordwestlichen Erzbergbaus und eines der Ausgang?- punkte der syndikalistischen Bewegung. Zum Internationalen Soziali st ischen Bureau Kurde in der Urabstimmung eine Frau, Genossin Kate Richards O' H a r e, mit 8030 Stimmen gewählt. Auf den bisherigen Ver- treter M. H i l q u i t t entfielen 6887 Stimmen. Eine Zweidreiviertelmillionenauflage hat die Nummer 386(27. April) des in Girard, 5dansas, erscheinenden „Appeal to Reason", die speziell den Sünden und Ver- brechen der im Dienste der großen Ausbeuter stehenden Bundes- geeichte und einer Reihe ihrer Mitglieder gewidmet ist. An der Spitze steht ein Wort des jetzigen Präsidenten Taft:„Die Ver» waltung der Justiz in den Vereinigten Staaten ist eine Schande für unsere Zivilisation", dem dann freilich eine Lobrede desselben Taft auf dieselbe Justiz, die er sogar mit der von ihm im Himmel erhofften vergleicht, folgt. Eine Reihe Artikel und Notizen zeigen den beherrschenden Einfluß, den die„Interessen" auf die Recht- sprechung üben, natürlich vornehmlich zum Nachteil der Arbeiter, wie die infame Rechtsprechung in Haftpflichtfällen beweist. Der normale Abonnentenstand des„A. t. R." ist auf 437 303 gestiegen, steht also dicht vor der halben Million, trotzdem die Gründung neuer sozialistischer Wochen- und selbst Tagesblätter jetzt im Sturm- schritt vor sich geht._ Sozialistische Blindenliteratur. Von der„Neuen Zeit, Organ zur Pflege sozialistischer Welt- anschauung unter den Blinden deutscher Zunge" ist die Nr. 4 deS dritten Jahrganges erschienen. Das Heft hat folgenden Inhalt: Kapitalistische Sozialreform von Luise Zieh; Der Zukunftsstaat von A. Pannekoek: Der Kampf der Grubcusklaven von P. Richtsteig; Lesefrüchte; Blindenwesen. Hierzu die wissenschaftliche Beilage. Der Abonnemcntspreis der Zeitschrift, die in Braillescher Kurz- schrift gedruckt wird, beträgt bei sechsmaligem Erscheinen jährlich 3,60 M. für Deutschland u./, Uhr: Zwei glückliche Tage. Allabendlich- Die keusche Susanne. (Ansang 8'/, Uhr.) Residenz- Theater, vis aus wettereS täglich: Alle» für die Firma. (Ansang 8 Uhr.) Theater in her KSniggrätze» Strafte. Donntagnachmittag 8 Uhr: Dle Logenbrüder. Bis aus weiteres täglich abend»! Die süns granksurttr. (Ansang 8 Uhr,) Theater de» Westens. Sonntagnachmittag 8'/, Uhr: Wiener Blut. Donnerstagnachmittag: Wiener Blut. Allabendlich: Dle schöne Helena. (Ansang 8 Uhr.) Thalia> Theater. Allabendlich: Autollebchen.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhau«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Renaissance. Allabendlich t So'n Windhund.(Anfang 8 Uhr.) Reue« Operetten-Theatcr. Sonntagnachmtttag 8 Uhr! Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Der Kongreß von Sevilla.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-THeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mein Baby. Abend« und bis auf weiteres täglich: Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Precosa. Abend« und Montag: Sprceathener. Dienstag: 5 X 100 000 Teufel. Mittwoch- Spree- athencr. Donnerstag: Prcclosa. Freitag:» X 100 000 Teufel. Sonnabend Bis Montag: Sprceathener.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmtttag 8 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends, Montag und Dienstag: Gold und Llebe. Mittwoch: Schwester Carmen. Donnerstag und Freitag: Gold und Liebe. Sonnabend, Sonn- tag und Montag: Schwester Carmen.(Ansang 8 Uhr.) ReueS Boltstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der Meister. Abends: Der Meister. Montag: Der Stärker:. Gläubiger. Mit dem Feuer spielen. Dienstag: Geographie und Liebe. Mittwoch: Liebelei. Literatur. DonnerZtagnachmittag: Der Köntasleutnant. Abends: Der Raub der Sabinerwnen. Freitag und Sonnabend: In Be- Handlung. Sonntag: Der Meister.(Anfang 8>/, Uhr.) Castno-Theater. Sonntagnachmtttag 81/, Uhr: Unsere fleben grauen. Abends täglich: Die lustige Strohwitwe.(Ansang 8 Uhr.) svtctropol. Theater. Sonntagnachmittag Z Uhr: Dorothea. Die kleineu Lämmer. Allabendlich: Schwindelmcier u. Co.(Ansang 8 Uhr.) FolieS Caprice. Allabendlich; Der Polizeihund. Da» Broadway- Girl. Eew letzter Wille.(Ansang 8'/, Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Um eine Krone.(Anfang Sst, Uhr.) Apollo> Tbeater. Abend« täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Paflag«- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Spezialitäten. Tag« lich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Carl-Haverlanv-Theater. Täglich: SpezialltSten.(Anfang VI, Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag- nachmittag 8 Uhr: Spezialitäten. 1•» Reichshalle«-Tyeater. Täglich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Popeline-Palet. au* guten Stoffen In gewaltiger Auew, von 1 0�' die 37®" 462S Kostüme «leg. Aufmachung, vorzüglicher Sitz von 1575b..82M 87B Paletots englleoher Art, be- aondere preiswert von S7» bt. 3975 Gttt und Billig 35* Wasch Kostüme aehr aohlek u. gut# Waro yvn 1 3°® bis 40°° 17* Kleider In welaa u. anderen reizenden Farben von 1 100 bla 6500 14n Seidene Palet. •ehr elegant u. un- yarhiltnlam. billig von 1 478 M« 45°° \ □□□ DDG □□□ Theater und Vergnügungen GGG □□□ W oi (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, 12. Mai, nachmittags 3 Uhr. ReueS Schauspielhaus. 3. Abteilung (Wruppe 38— 10): DaS Leben ein Traum. Thalia> Theater. 4./S. Abt.(Gruppe IS— 20): Der Raub der Sabine- rinnen. Residenz-Theater. 8./10.Abt.(Gruppe 33, 42, 43): Die arme Löwin. Montag, 13. Mai, abends 8 Uhr: Neues Schauspielh. 16.(III.) Abend. abteilnng: Parkettsitz Nr. 10. 8edj!jer-7dester0.�e°°7er Sonntag, nachm. 3 Uhr: KxTrltn-I»jT?ltn. Sonntag, abends 8 Uhr: Der scharfe Janker. Montag, abends 8 Uhr: Der scharfe Janker. Dienstag, abends 8 Uhr: Gräfin I-ea. Sehiller-Theater Chab�BtteB- Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Die Uanbenlerche. Montag, abends 8 Uhr: Der Kompagnon. Dienstag, abends 8 Uhr: l-adyWlndermeres Fächer Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. fdMyei'WUMtoiie AfienbS 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Refidenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Morgen u. folgende Tage: Alles für die Firma. Theater des Westens. AbendZ 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonntag 3>/. Uhr: Wense Blut Luisen-Theater. Sonntag, Montag, Dienstag: Gold und Liebe. (The King of Gold.) Sonnt. 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. OSE=THEATEi Große Frankfurter Str. 132. Nachm. 8 Uhr: Preziosa. Abends 8 Uhr: Spree-Athener. Montag: Spree-Athener._ Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Der Ehemann am Fenster. Hierauf: Ein angebrochener Abend. Ab 8 Uhr Ei» sensationeller Erfolg Will Blshop in seiner Tanzkreation. Bohl»s der Urkomische usw. Folies Capriee. Täglich 8'/. Uhr: Die 8atroii-8chlager Der Polizeihund. as Broadway-Girl. Admiralspalast am Balmhof Friedrichstraße, z. Z. einziger Eis= palast Deutschlands A Heute: � Torstellangen � nachmittags und abends: Das sensationelle Eis-Ballett „Yvonne". Außerdem abends: Die kleine Walzerkönigin Charlotte. Weltmeister Bror Meyer, Bis 6 Uhr und von 10'/. Uhr abends halbe Kassenpreise. Vor sechs Uhr gelöste Tagesbilletts haben bis acht Gültigkeit. (Das vereintes Riesenpaar Brfinblld und Dosorc | Dentsohlandu. Frankreich! lebend zu sehen Ohne Extra-Entree. I Heute Sonntag 9 Vorst. | nachm. 8— 7 Uhr kleine Fr. Abends 8— 11 Uhr. 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Ersatzleistungen von Berussgenossenschaften, Unternehmern, Per- ficherungSanstalten sür gewährte Kranken- Unterstützung.... 7 506.77 7. Aus verlausten Wert- papieren und Ab- Hebungen von Bant. einlagen..... 127 179.37 8. Aujgenommenes Dar- lehn....... 5 000.— 9. Sonstige Einnahmen. 6 608.38 Ansgabc: M. 1. Arzt-Honorar... 72 272.60 2. Arznei und sonstige Heilmittel..... 88 126.85 3. Krankengeld: a) an Mitglieder.. 241 113.51 b) an Angehörige.. 8 257.06 4. Wöchnerinnenunter- stützung...... 11015.80 5. Sterbegelder.... 14 631.45 6. Kurlosten an Krankenhäuser inkl. Fürsorge sür Rekonvaleszenten. 171 137.25 7. Ersatzleistungen an Dritte sür gewährte Krankenunterstützung: a) nach§§ 57 und 57a Kr.-Persich.-Ke'.. 50 629.41 b) nachßllGew.-Uns.- Bersich.-Ges.... 337.24 c) nach§ 18 Jnv.« Bersich.-G-i.. nkeinlagen. 10. ZurückgezahlleS Dar- 11. Verwaltüngsköften: a) persönliche... d) sächliche.... 12. Sonstig« Ausgaben. 13. Kassenbestand am Schlüsse d. Rechnungsjahres...... 7 630.14 1 748.82 177 006.83 5 000— 71 734.39 23 833.95 2 738.96 41 048.10 Summa 988 262.36 Summa 988 262.36 Da» Kesamtvermögen der Kasse beträgt........ 671 656.49 M. Nach dem vorjährigen Abschluß betrug d-S«-samtvermögen 635 562.25. Vermögenszunahme 36 094.24 M Der Torstand. H. Poppe, Vorsitzender. G. Braun, Schrijtsührer. Stammer, Rendant. Vorstehende Kassenrechnung ist von uns geprüft und mit den Büchern und Belegen üb erem stimmend besrmden worden. Berlin, den 28. Februar 1912. 275/17 Die lleTlaionBkommlssloii. __ G. Petermann. Jos. Schröder. Max Keüner. Tabakarbeiter-Genossenschaft Stuttgart stehen heut an erster Stelle. Die Qualität maehts. Niederlage für WiederverkSufer bei 290/18» Horacb. Engrclnfer 15, ClewerkscbaftshanM. Kttlmil dkllWkl Bureau: Amt III. 1474. Kerlill H. 34, Gr. Är. 18/19. Arbeitsnachweis: Amt HI. 1813. Ortsverwaltung l Kelltter, Köche, Köchmne«, Düfettiers«sw. Ortsverwalwng II Abteilung sür daS Hilfspersonal: Zapfer, Hansdiener, Destiaatlonsgehilftll. Ortsverwaltung III Adteilnng fnr Kierabzieher. Die Mitglieder des Verbandes sind mit«wer Mitgliedskarte zur Legitimation versehen, die jedes Quartal erneuert wird und die Farbe wechselt. 81/9 Die sür das laufende Quartal gültige Karte ist von weißer Farbe mit rotem Aufdruck und liegt dieselbe an den Zahlabenden zur Ansicht aus.— WahlvereinSbüchcr gelten nicht als Ausweis sür die Zugehörigkeit zur gewerkschastlichen Organisation. Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daß der.Verband deutscher Gastwirtsgehilsen' und der .Gastronomische Gehilsenverband' Nicht identisch sind. Der Vorstand. Wer sesnnd, modern nnd billig/ wobnen will, besichtige die Wohnungeu a« der Tchlost-Mlee am Söutgl. 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Krause, Nogatstr. 23 P. Hennig, Knejebedstr. 117 K. Tschepe, Knesebcdstr. 68/69 H. BeierfuB, Reuterstr. 66 K. Kroll, Emserftr. 76 J. Orth, Emser Str. 26 K. Stock, Ems er Str. 111 Gleich, Emser Str. 40 H. Schmidt, Ems er Str. 2L J. Holz, Kaiser-Friedrichstr. 7 W. Riedel, KarlSgarlenstr. 2 E. Sehlieht, Tellftr. 13 sellen anerkannt und den Tari G. Fontara(Wurstsabriy, Berliner Straße 27 P. Lukascheck, Berliner Str. 28 W. Fischer, Zietenstr. 51 H. Jochmann, Zietenstr. 41 M. Kailer, Zietenstr. 23 H. Rauchleid, Zietenstr. 13 P. Wonneberger, Weiseslr. 24 F. Schieide, Weilestr. 51 K. Gerlach, Warthestr. 70 G. Saft Warthestr. 58 Th. Pahnke, Warthestr. 73 W. Friedmann, Warthestr. 7 P. Jünger, Burknerslr. 5 F. Klein, Kottbuser Damm 12 C. Flehming(Wurstsabrik), Thomas- stralj« 36... Paul Schmal, Stelnmetzstr. 110. A. Müller, Selchower Str. 28 W. Fischer, Selchower Str. 1 J. Wasowicz, Selchower Str. 35 F. Kubin, Donau str. 15 M. Falkner, Donauftr. 7 W. Rahn, Madlower Str. 8 E. 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Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Ilmgegend und die Zentralleitung des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine haben ihre Zustimmung zur Verhängung des Bohkotls gegen solche Fleischermeister gegeben, welche die Forderungen der Gesellen nicht anerkennen. Unterstützt daher die um menschenwürdige Lohn- und�lrbeitsbedingungeu eifenden Fieischergesellen. Kaust Eure Fleisch- wo der Tarisverlrag unterschristlich anerkannt ist streifenden Fjeischergesellen. Kaust Eure Fleisch- und Vurstwaren nur da, — unterste Die Streikleitung/. Berlin, Elisabethstr. 11, n. 290/19 Bis jetzt verkauft 1536 Grundstücke Ajigoleffte Obstgärton. Wald- n. i Garten-Grundstücke für Eigenhelme und Ferienbäuser.— A-eusserst billige nnd günstige Kaufgelegenbeit. M H eu-Sadowa Stat. Sadowa, a. d. Strasse n. Biesdorf, 5 Mio. vom Babubof, Qu.-Bute von 15 M. an. Kaulsdorf Men«rssblossenes OelAnde. t Minuten r. Bahnbot, Qoadr.- Ku.e von 12 M. an. Petershasen Station Fredersdorf a. d. 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Berlagsanitalt Paul Singer».Co., Berlin LIM •) Wie weit die Einfluhsphäre des Trusts reicht, geht aus der Vertretung des Stahltrusts in anderen Gesellschaften hervor. So ist George F. Baker Direktor in 56 weiteren Korporationen, Edmund E. Eonvcrse in 28. Wm. E. Corey in 32 und F. P. Morgan in 51. cumükamxhe Der Haupt• Kttalog Nr. 44(Letzte Moden) auf Wunsdi kostenfrei ür m» ito 4. Keilte des Lomörts" Kerliller Aldsbliltt. Corona-Praclilsäle, Kommandantenstr. 72. Hofjäaer-Palasl, Hasenheide 52/53. Ereuzberö-Feslsäle, Krcuzbergstr. 48. Ärminhaüen, Kommandantenstr. 58/59. Brauerei Friedrichslialu, Am Fneörtchsham 16-23. Sonntag, den 12. Mai 1912, nachmittag; pünktlich 2 Qbr in folgenden Lokalen: läven'Brauerei, Frankfurter Allee 53. Mm$s Viktoria-Garten, Am Treptower Park. (Saal und Garten.) Boekers Gesellschaftshaas, Weberstr. 17. Schweizer-Garten, Am Königstor. Brauerei Konigstadt, Schönhauser Allee 10/11. Eastanienwäidchen, Badstr. 15/16. Pharussäie, Müllerstr. 142.(S Bersammlun««».) Germania-Prachtsäie, Chausseestr. 110. Stadt-Theater Moabit, Alt-Moabit 47-49. «....( Julian Borchardt, Otto Büchner. Ernst Däumig, Wilhelm Tüwell, Emil Eichhorn, Regina Friedländer, Max Grunwald, Joseph Hartmann, Referenten: j Wilhelm Kubig, Dr. Kurt Rosenfeld, Dr. Silberstein, Albert Stoermer, Hans Weber, Dr. Hermann Wehl, Mathilde Wurm, Luise Zieh. Wahlkreis Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenvurg: Wiershof: WWms Fustgarten, Bismarckstr. 24. Kit-Glienicke: Schäftr. Schirnerstraße, W.sffrwrm. Baumschuienweg: Serpentins Festsiile, Baum- schulenstraße 78. Britz: SestOschastsHans, Chausseestr. 97. Bohnsdorf: Uilta Kahl, Restaurant Falkenmh. tharioltenburg: KolksHaus, Rosinenstr. 3. Köpenick: KaiserHof, Grünsttaße. Max Barth, ~3aul i---- schnei Friedenau-Steglitz: Kirkenivliidchev, Schützenstraße (Ecke Chausseestraße). GroÜ-Uchterfeide: FtttdrichWahrelldlirf, Bäkestr.22. Königs-Wusterhausen: Miwe Wedhon. Altes Schützenhaus. Mariendorf: Grsthe, Dorsstr. 1. Kowawes: Emst Schmidt, Deutsche Festsäle, Reserente 1 M -Ii Wilhelmstr. 41-43. Otto Braun, Georg Davidsohn. Emil Dittmer. Hellmuth Lehmann, Albin Mi Franz Dhurow, Karl Mermuth. aul Hirsch, Kourad Hönisch, Hellmuth Lehmann, Albin Mohs, iber. Heinrich Schulz,~ Neukölln: Feldschlößchen. Elsenstr. 75. hoheustailstusält. Kottbuser Damm 75. Hoppes Festsiile �t\k. Hermannstr. 49. lletri. Knesebeckstr. 113. Wolff, Kirchhosstr. 41. Schöneberg: Neue KatHanssäle, Meininger Stt. 8. Treptow: Sportreßaurant, Elsenstr. 115/116. Wilmersdorf: KurfirstenporkMurfürstendamml 19 Anna Dietz» Paul Dupont, Robert Fendel, Karl Freter, Julius Hildebraud, Hermann Müller(Generalkommission). Hugo Poetzsch» Willi Siering, Franz Wahlkreis Nieder-Barnim: Bernau: Schötzenhans. Friedrichshagen: Lerche, Friedrichstr. 112. Lichtenberg: Arnold, Frankfurter Chaussee 5. Gber-Schöneweide: Millzelmiuenhof, Wilhelminen- hofstraße. Branienburg: Frohnt, Waldhaus Sandhausen. Pankow-Niedcrschönbausen: Schloß Schönhansen, Lindenstr. 11. Belnickendorf-Ust: Schiitzenhavs, Residenzstr. 1/2. Reinickendorf- West: kichdornsäle, Eichbornstr. 60. RUdersdorf-Kalkberge: Mißler, Jnnungshaus, Schulstraße. Rnmmelsburg-Stralau: Ense Selleone. Hauptstt. 2. Tegei-Borsigwalde: TrappsFWle.Bahnhofftr. 1. Weillensee: Schloß Meißensee. i Max Groaer, Johannes Hast, Paul John, Karl Leid, Dr. Julius Mose?» Waldeck Manafle, Wilhelm Nitschke, Adolf Ritter» Fritz Ruf. �eierenten.\@epr8 Schmidt, Slrtnr Stadthagen» Georg Ucko. Tagesordnung in allen Versammlungen: .Her mit dem frauenwahlrecht!" Frauen! Entrechtete! Gestaltet diese Versammlungen zu einer machtvollen Demonstration. Erscheint m Massen in den Versammlungen. Für die Einberufer: EtaAvn Ernst, Liesenstr. 16. 2M/U* Deutscher Sanarbeiter-Verband. = Sektion der Patzer.= Achtung! Putzer! Achtung! Mittwoch, de« 15. Mai, abends 6 Uhr, in de»„Arminhallen", Kommandantenstraße 53—59: Mitglied er- Versammlung. Tagesordnung: t. Bericht über dm In der letzten Versammlung gestellten Antrag: Genossenschast betreffend. 2. Nor- mterung der Kandidaten als Beisitzer zum Jnnungs-Schledsgertcht. ö. Wichtige Veretnsangilegenheiten. Recht zahlreiches und pünttlicheS Erscheinen erwartet 139/8« vi«»rtlteli« Tei-'wiiltiine. Freireligiöse Gemeinde Montag, den 13. Mai, abends 8 Uhr: = Beschließende Versammlung in 99Alt-Berllii*S Blumenstraße 10. Tagesordnung: 1. Lichtbildervortrag von Herrn O. Roth: �D2e Ents stehung der Steinkohle und ihre Gewinnung im Bergwerk44. 2. Mitteilungen. 8. Wahl der Delegierten zum internationalen Friedenskongreß in München. 4. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte. 65/0 Zentralverband der Zimmerer Beutseblands. ZablftelU Berlin und Umgegend. Wonisg, 13. Mol, obtlldg 8'/- ilhr, im Gklokrllslhostshaiise, Ellgklllftl 13 Allgem. Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 264/9 Krieg oder Fried«» i« vaugewerbe ISIS? Reserenl: BerbandSkassterer Atoll Rfmer-�amSurg. WM- Kamerade», erscheint In dieser Versammlung vollzählig._ Per Vorotand. - r Vom 9. bis 15. Mai 1912- werde ich in Berlin, Hotel Mainzer Hof, Schadowstr. 3 (Ecke Dorotheenstraße) anwesend sein, um :: künstliche Augen:: direkt nach der Natur für Patienten anzufertigen und einzupassen. Eis! Raiur- oder Kunsteis frei Hau» offerieren für da» lausende �ahc: den ganzen Simer zu»5 Ps., ha*« rtimfr stt 9.i\ Mir UCH ymiflCU Vfiiata-U 0a* wc# den Halden Simer zu SO Pj. »orddeutsebe Biswerke Orts- Krankenkasse Rkiilickkildors. Bekanntmachung. Die statutenmäßige lZölietsI-VeszWiiiIiiiig der OrtS-KianIenkaffe hierseldst findet am Mittwoch, den Z2.Mai 1912, abends 8 Uhr, im S a d a« s ch« n Restaurant, Resideuzstraße 124. hierselbst statt. Tagesordnung: 1. Vorlegung der JahreSrechnung ISN. 2. Bericht der PrüsungS.Kom- Mission und Beschlußsassung über die Abnahme der'Jahresrechnung. 3. gen» tralisalion der Berliner OrtS-Kranlen- lassen und Beschlußsaffung über einen Antrag aus Zutalsung al»„Allgemeine Orl». Krankeiltasse Berlln. Reinicken. dors' nach de» Bestimmungen der ReichsoersichcrungSorlmuna. 4«de. nehmigung o on Verträgen, o. Beschluß- safsimg über Sntsendurg von Dele. gierten zu den sttr 1912 stattfindende» Kranlentassentagen bezw. Kahl der. leiben.«. Sonstig« Anträge und Verschiedenes. In der löeneral-versammlung find nur die gewählten Vertreter stimm- berechtigt und werden dieselben mit dem Ersuchen um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen hierdurch eingeladen. Die Delegierten haben zu Ihrer Legitiniati-'n die besonder« gehenden Eiiiladinigen vorzulegen. Mitgliedern, d>« nicht zur Kassen- Vertretung gehören, kann der Zutritt nickt gestattet werden. Anjragen und Beschwerden, zu deren Beantwortung Stnfichtnadme in die Bücher«rsoroerltch ist, sind IpStesrenS drei Tag« vor Stattfinden der Aeneral.Versammlung an die Kassenverwaltung, Reinilkenbors, Hauptsir. 33, einzureichen. 27S/7 Reinickendors. 22. April 1912. ver Vorstand dvr Ort»- AranItenMaaGv. vensch. Reubeck«». r iiv Arbeitsnachweis; Amt JloScn/sRt. 1239. IferwaltuDssslelle Berlin H,Ä4U: Charit« strafte 3. Amt Norden, Nr. 1987 Montag, den 13. Mai 1012, abends S'/s Uhr: Kezirks-Vnsllmilllfifig für Steglitz im Lokal von Schellhase, Steglitz. Ahornstr. 15a. Tagesordnung: Bericht von der ordentlichen Generalversammlung nnb Stellungnahme zur außerordentliche» Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert t— Montag, den 13. Mai 19158, abends 8'/z Uhr: Bezirks-Versammlung für die Bezirke 1kl und 17 in den PharnS-Sälen, Müllerstraße 142. Tagesordnung: Fortsetzung der Bezirks-Bersammlung vom 29. April d. I. (W VtttgltedSbuch legitimiert.-MG Dt« Versammlungen werd-n ptlnktltch eröffnet und wird vollzähliges Erscheinen erwartet. Dienstag, de» 14. Mai 191». abend« 8 Uhr: — Versammlung™ aller in Schraudenbetnebkn btslhästigten Mechengmacher, Utchengdreher nnd Rtparaturschlasskr tn den Arminhallen, Kommandantenstraße 53/59. Tagesordnung: l. Welche Forderungen unterbreite» wir unsere» Arbeit. geberu? 2. Diskussion. 117/1 ——- Zahlreicher Besuch wird erwartet.» Die nächste ordentliche Generalversammlung findet Montag, den 84. Juni d. I. statt. Anträge müfieu di» zum 28. Mai bei der OrtSverwaltuag eingcrcicht sein.— Die zur letzten Generalversammlung gestellte» und nicht erledigten Anträge brauchen nicht neu eingereicht werden. Die Ortsverwaltung. r- Zahne 1,50 n. 10 Jahre Garantie."WG Zahnarzt Wolf, Potsdamer Straße 85(Hochbahnstattonl. Erster Wahlkreis. Dienstag, den 14. Mai. abendS 8'/, Uhr: Oeffentliche politische Versammlung im Marinehaus, Brandenburger Ufer, an der Waisenbrücke. Tagesordnung: i„Herrn v. Bethmanns Staatskimst". Referent: Reichstagsabgeordneter I*ii. Scheidemaan. 2. DiSluffio»� 200110* Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. ISaid Petermann, RItterstr. 49. II 41 P Unsere« Genosse« SS«% I Otto Fischer netet Fm I »um 25 jährigen Ehejubiläum G die herzlichsten Glückwünsche v Qtnott«* und SunaMlnuun £ de* Bezirk« 412.— Teil 2 %. 4. Krei«. �S»S»»»Ga»0O«««G Berliner iU «alle« 40 AN DIE ARBEITERSCHAFT GROSS-BERLINS Die Berliner Oewerkschatukommission und die Leitune des Zentralverbandet der eosialdemokTetttehen Wahlvereice hat am S.April(vgl.„Vorwlrta" vom B. April) besohlosten, ,dat Vorgehen de« Propagacda- Autschusses.Für Oroat-Berlin1, der durch eine umfassende Agitation die Bevölkerung von Berlin und seinen Vororten über die Wichtigkeit weitriumlsrer Bebauung, der Schaffung von Parkt und SpielpUtaen und des Ausbaues einet grosszügigen Verkehrswesens aufzuklären sucht, nach Keiften su untentütasn." DIE NÄCHSTEN VERANSTALTUNGEN: Dienstag, den 14. Mal 1912, Anfang pünktlich 8Va Uhr abends PBACHTSÄLE W., Spichernstrafie 3 Landtagsabgeordn. PauIHlrscli über: „DieAufgaben des Zweckverbandee" Professor Dr. Bdvard Lehmann über: �)te Sommerfrische für jedes Kind" Privat- Dozent Dr. Werner Weisbaoh über„Groß Berliner Stadtbaukunst" HIERAUF: FREIE DISKUSSION BOCK-BBAUEBEI, Tempelhofer Berg DirektorW etekamp-Sohöneberg-über i „Die Groß-Berliner Spielplatz frage" Geheim. Medlzinal-Bat Professor Dr. Ewald über„Berliner Waldschutz" Dr.W. Hegemann über„Gartenstädte" Landtagsabgeordn. Paul Hirsch über; „DieAuf gaben desZweckverbandes*' Mit Zustimmung der erwähnten Körperschaften ergeht die Aufforderung an die Berliner Arbeiterschaft die Veranstaltungen recht zahlreich zu besuchen Montag, den 13. Mai, abends 8'jz Uhr, in den Konkordia-Festsälen, Andreasstr, 64: l«■ W IIBV I VI»NIIIIIIIMIig« T agesordnung: Die im Schatten leben. Der Polizeikampf gegen die Freie Volksbühne. Referent: Reicbstagsabgeordneter Dr. Ludwig Fl*Äflk* Diskussion. Auf der Rednerliste stehen u. a. Reichstagsabgeordneter Qotheln» Dr. Max Osborn und der Landtagsabgeordnete Heiniich Ströbel. Auf zum Protest! Der Einberufen: G. Winkler, Mich&elkirohplsts No. 2. Eogelnfer No. 14/15. r in BezirkSTervaliung Groß-Berlln. tei.: Mor!tzpia«z iz»?.«47. Montag, den 13. Mai 1912, abends 8'/, Uhr: Ordentliche General-Versammlung t» Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Strasse 90. 97. Tagesordnung: 64/1 1. Bittteilungen. 2. Geschäfts«, Kassen- und LrbeitsnachweiSber>cht für das erste Ouartal 1212. 5. Erledigung«ingegangener Snträge. 4. Geschäftliches. Die Delegierte« find hierzu freundlichst eingeladen. LeUttiueationstarte» sowie Mitgliedsbuch sind mitzubringe« und zwecks Kontrolle am SIngang zur Versammlung vorzuzeigen. Obus Karte und Such kein Zutritt I a»«t Utt»cht Woche« mit feinen Beiträge« im Rückstände ist, hat»beusalls keine« Zutritt. inton Boekers Festsäle Weberstr. 17. StL: Amt ASnigstadt 18 414. Empfiehll feine Säle zu Berfamm- fungen und Festlichkelten jeder Art. Kieme und große Sale, grober Ggrten mit feststehender Theaterbühne sowie grobe Nrreinszimmer stehen den geehrten ScwerkschalteN und Vereinen I-derzeit zur Versllznng. Srgebenft Anton Boeber, Weberstraße 17. Terwaltang Berlin. Mittwoch, den 15. Mai 1912, abends 8»/, Uhr, in den Coneordia-Festsälen, Andreasstr. 64: Gemeinsame Nntmengumner- Nkchmmlmg für sämtliche Kezirke und Krauchen. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben eines Bertrauensmanned» 2. BerbandSangelegenheiten. Montag, den 13. Mai 1912, abends 8'/, Uhr, bei Preuh» Holzmarktstraße 65: UertranensmSnner Sitzung. 83/9 Jede Werkstatt muß vertrete« sein l vle OrtsverwnltnnU. Verband der Sehneider, Sehneiderinnen und Vläsehearbeiter Sealsehlands. Filiale Berlin I. S. 14, Tedafllanstr. 37/38, Hos recht» II. Telephon; Amt Moritzplatz 9737. nwUi Herren-Stapel-Konfektion. Dienstag, den 14. Mai. abend 8VS Uhr, bei Schulz, Münzstraße 17 (Eingang Königsgraben): Versammlung. Tagesordnung: i. Tie Vorgänge in der Stapel- Nonfektion uuv unsere Aufgabe» in der«ächften Zeit. Resereut: Kollege ätrlenke. L.' Wahl der Beisitzer und Stellvertreter sür die Schiedsgerichte. Da» Erscheinen sämtlicher in der Branche Beschäfttaten, sowohl Zwischen. metster, Einzelarbelter wie auch junge Leute, ist unbedingt notwendig, 184/3_ Die Kommlnslon. Verband der Sattler u. Porteteuiller Ortevorwaltnng Berlin. Achtung! Siuoleumleger, Teppichnäher! Achtung: Mittwoch, den 15. Mai, abends S1/, Uhr, im Bewerkschastshause, Engeluser 15: HuBerordentlldie Versammlung. Tagesordnung: 1. Soll der Tarif in den Lohnwerkstelle» zum 31. August dieses Jahres gekündigt werden? 2. Branchenangelegenheiten. IHT Bei der wichtigen Tagesordnung erwarte» wir das voll- zähltge Erscheinen der Kollegenschaft._ �£ 157/7 Ple Brnncbenleltnng. ZeDtralKrankcnhasfc der Maurer Grundstein zur Einigkeit Verwsltunxsstelle Berlin.= Sonntag, 19. Mai, vorm. 10 Uhr, im Gewer kschaftshnus(Saal I.): Mtgliecier-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Reichstagsabgeordneten Genosien lllodel über: Krankenversicherung in der Ret! bericht vom 1. Ouartal 1912. 3. 149/8 ,Tte cichsversichernngsordnung«. 2. Kassen- Kassenangelegenhciten. Die Ortsverwaltnng. Mir! w««9! Wühlen W Verbllsiiigingc! Am Sonntag, den 12. Mai, findet die Wahl von fiede» Delegierten zum Lerbandstage in Dresden statt in unten- stehenden Lokalen. 57/14' Wahlzeit von 10 bis 1 Uhr vormittag». SUtglledebncb resp. Karte Ist mitzubringen.-------- Wahllokale: Bezirk Morden. I. Dbhling, Brunnenstr. 79. 2. Preppernau, Pajewalker Sir. 8. Bezirk Schönhauser Borftadi. 3. Giiesche, Kopenhagener Str. 74. Bezirk Nordwest. 4. VLraersäle, Bcusselstr. 9. 5. Schröder, Stromstr. 88. Bezirk Osten. 3. MerkowSli. LlndrcaSstr. 26. 7. Zietz, Warschauer Str. 81. 8. Rott, Strasimamistr. 29. Bezirk Südost und Süden. 9. Schüre, Forster Str. 17. 10. Kiicchtcl, Wasicriorstr. 14. 11. Klcinle, Amdtstr. 85. Bezirk RummelSburg. 12. Ritter. Schill-rstr. 26. Bezirk TegeL 19. Kalles, Berliner Str. 92. 20. Schulz, Borsigwalde, Schubartstr. Li. Pusch, Waidmannsluft, Oranicn- burger Chaussee. Bezirk Neinickendorf» 22. Wohlfahrt, Ächbornstr. 18. 23. 24. Bezirk Spandau. sieczelis, PichelSdorser Str. »chubcrt, Kurstr. 21. Bezirk Köpenick. 25. Tauchert, MÜggeihetmer Str. 4. 28. Schröder, F.iedrichShagcn, Seestratz e 103. Bezirk Oberschöueweide. 18. Raabe, Wilhelminenhosstr. 48. Bezirk Johannisthal. 14. Gobbin, Roonstr. 2. Mei-Reltaurant Seddill'Aail Veztr» Rixdorf sReutölln). 15. Neigelt, Steinmetzstr. 93. 18. Koleget, Reuterftr. 89. Bezirk CTljarloitenburg. 17. VollShaus, Rosinen ftr. 3. Bezirk BSetstensee. 18. Content, Lehderstr. 6. Bezirk AdlerShof. 27. Tempel, Kroichrii�enstr. 49. 28. Hensthel, Alt-Glienicke, Grünauer trag«. Bezirk Riedrrlehme. LS. Koch. Riederlehme, Jägersruh. 80. Knorr, Zernsdorf. Bezirk Blantenfelde. 31. Staab, Blaulenfeide. Umgegend. 32. Rauba, Gmnewaldflr. 82. »»„ Bezirk Teltow. 33. Bonow, Berliner Str. IS. Sofortige täuschend naturgetreue An« fertlgusg von dsrrllvd gslsgee Im 8e4öla-3e«. Empfehle mich den geehrten Vor- ständen von Gewerlfchasten und Ver- einen zu Ansslüaen und Dampfer- Partie» �Anlegestelle) zu den ku- lanteste» Bedingung«». Kaff« bnnttt. Augen Freibad. fseeküche. (auch über den erblindeten Augapfel) in Gegen- wart der Patienten. L. Müller-rrl, NW. 6, Karlstrafte v. ? elevbo»! Norden 7 SO 8. WWl Todes�Anzeigen�WM SozialdemokratlsciierWaiilferein für den 4. Berliner Reiehstass-Waüreis. Frankfurter Biertel. Bezirk 263. Den Mtgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt F�riedricK Lewer (Marlusstr. 2) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 14, Mai, nachmittags S Uhr, von der Halle des AndreaS-Kirch- hoss in Wilhelmsberg aus statt, Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. SozialdemokrattseherWatilvereiD des 6. Berl. Reichstags-Wablkreises. Am 9. d. Mts,, verstarb unser Genosse, der Arbeiter Franz. Prütz, Maxstratze 13g. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 12. Mai, vor- mittags 11'/, Uhr, vom Augusta- Hospital aus nach dem neuen Nazareth- Kirchhos in Reinicken- dors-West, Kögelftrabe, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Sozialdemokratisetier Wahiverein des 6. fieri. Reiehstags-Wählkreises. Am 9. d, Mts, verstarb unser Genosse, der Schankwirt KeinK. Schulz Gleimstr, 4. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 13. d, M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des ffriedenSkirch. hoses in Nieder- schönhausen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/7 Der Borftand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung GroO-Berlin. Den Mitgliedern zurNachricht.dab unser Kollege, der ehemalige Hausdiener Remd. Schulz am 9. Mai im Alter von 47 Jahren verstorben ist. 64/2 Ehre se»nem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 13, Mai, nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedenskirchhoss in Nordend aus statt._ Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Autosührer Richsnl Rothe am S. Mai lmAltervon40 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Bezirksverwaltung, Verein der Stereotypeure u. Galvanoplastiker Berlins und Umgegend. Den Mtgliedern die traurige Nachricht, dag unser Kollege OsLar Röser im Alter von 49 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehre seine» Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 18. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des slädlischen gentral.FriedhofeS in FriedrichSselde au« statt, Um zahlreiche Beteiligung»rincht Der Borftand. starb Plötzlich unier ster Mitarbeiter und Am S. Mai allleittg geschä Kolleg«, der Stereotypeur Osksr Röser im 49. Lebensjahre. 16696 In dem verstorbene» verlieren wir»wen liebenswürdigen, treuen Mitarbeiter, dessen Andenken wir stet» in Ehre» hallen werden. Personal der vnchdrnckeret Otto Elsner. Ferband der Brauerei- und Mienarbeiter Zahlstelle Berlin. Den Mtgliedern zur Nachricht, dab unser Kollege, der Brauer Mm Hacker (Unionsbrauerei) am 8. d. M., nach kurzer Krank« heit im Aller von 31 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Andenken: Die Uebersührung der Leiche findet am Sonnsag, den 12. Mai. nachmittag» 1'/, Uhr, vom Urban- krankenhau» nach dem Anhalter Personenbahnhof statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Die Ortsverwaltung. ZeDtralrerbaDd derDaehdeeker Verwaltungsstelle Berlin. Am 9.Wai verstarb nach längerem schweren Leiden unser langjähriges BerbandSmllglied, der Kollege Wilhelm Lamprecht. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 13. Mai. nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des AuserstchungS-Kirchhoses, Weißen- see, Weißenseer Weg aus statt. 51/19 Der Vorstand. Duttke Verband der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. Hiermit den Kollegen zur Kenntnis, dag unser Mitglied, der Wcißgerber August am 9. Mai im Alier von 63 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Montag, den 13. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Heiland-FriedhoseS, Plötzensee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/11_ Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Fraiser Paul Bünning am 8. d. M. an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 13. Mai, nach- mittag« 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des AuserstebungS-Kirchhoses in Weigensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/3 Die Ortöverwaltnug. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Am 9. Mai verstarb unser Mit» glied, der Bauarbeiter Reinhold Rlose (Bezirk Weddtng). Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 13. Mai, nachmittag» 4'/, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes w FriedrichSselde au» statt. Um rege Betest igung ersucht 139/7 Der Borftand. Ida Schönleld i Am 19. Mai verstarb nach langem, schwere« Leiden meipe liebe Frau, unsere herzensgute Mutter und Großmutter verw. Wünsohrnann im Alter von ö7 Jahren, Die» zeigen mit der Bitte um sttlle Teilnahme tteibetrstbt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am '4 Uhr, von aen Jakobl- Dienstag, n> der Leichendl kirchhos» au» statt. 1667b Nach schwerem Leiden verschied am MUtwochabend 7 Uhr mein lieber, unvergeßlicher Mann, der Stereotypeur Oskar Röser im 40. Lebensjahre. 1647b In tut an Schmerz Frssn Llddi ROeer Solms str. 11. Die Beerdigung findet am 'mittag 4 Uhr von le de« Städtischen e« in FriedrichSselde aui die innige Tei reichen Kranzspenden erdigung unserer ung. nähme und die bei der Be- tinnuicn Tocbter Hartha sägen wir allen, sowie dem Zentraloerband der Handlung«. gehtlsen unseren ausrichttgsten Dank. Berlin, 19, Mai 1912, 29A Hermann Petratn nebst Frau und Sohn Frttu Kahn. DankMsnnc. Für die rege Beteiltaung bei der vmrdtgung unserer Leben Tochter Elise allen, insbesondere dem je» wir hes und de» Kollegen der Firma >, S, Hermann sowie den Sängern herzlichsten Dank. 1649b unfern ermann erzlichsten Dank. 1 _____ Familie Trachholz. Verantwortlicher««dal««« BJktct Vach», jBctin. g&s v« Für Tantsaguug. die liebevolle Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung memeS lieben ManneS 79A Hermann �bkolx sage allen, besonders den Kollegen vom TranSportarbeiterverband herz- lichsten Dank. ITran Abholz, Eltern und Brüder. I Atowiernng, Muttermal beh. m. Ersolg u. beseit, schmerz!. Sohaak, Dermatopath, Charl,, Pestalozzistr. 3, II(Savignyplatz), 19— 12, 4—8, auch Sonntags. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, MdÄ 19— 2. 6— 7. Sonntags 19—12. 2— 4 Zigarren- gerbst Fabriken"' 11 V1 gegr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. BERL,iNS W., Bitte rstr. 83 Erstklassige Ware. Zigarren- händlem bestens empiohlen. —— Tarifarbelt.—— Jfind er wagen- Weltdaus Metall-Bettstellen, Garten-, Balkon- n. Kindermobel . GrSfite Auswahl. Berlin O, Andreasstr. 23(Andreasplatz) Leipsigcr Str. 64 Nenköltn, Bergstr. ISS Brunnen str. 06 Beneeelstr. 67 Panamahüte und Exoten! für Herren u. Damen(auch Einzelverkauf) Import» preise M, 7. 9. 12, 15, 20, 25, 39. 49, 59, 75, 199 bis 1999 pro Stück(bis 59 Hrozent Ersparnis). Umtausch gestattet."SM Miis Spezlalhao« I. Range». Berlin, Wilhelmstraße 40 a /.adln). Möbel u.Ware ri allerArf, auf Credit py aatdifliaMn-a luiscnstadf r Köpcni E(kc BniiKcnrtr. Vnnfol/Iinn fiir Usmen, Herren u. Mnaer. NUlilulillUII Enorme Ausw. 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Zahrgavg. 5. SkilM des Jotisätls" fttliuet ilollislilall Söittttßg, 12. Mai 1912. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! In Tempelhof stehen die beiden Lokale Tempelhofer Tivoli und Zum Kurfürsten, Jnh. Winkelmann, früher Kreideweih, der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung, sie sind nach wie vor gesperrt. In Zeuthen wird uns das Lokal Zeuthensee, Jnh. Künzel, immer noch verweigert, ist daher streng zu meiden. _ Die Lokalkommission. Zehlendorf(Wannseebahn). Mittwoch, den IS. d. M., abends 8Vz Uhr, bei Mieck, Karlftr. 12: Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Preußen in der Welt voran. Referent Reichstags- und Landtagsabgeordneter Dr. Karl Lieb- knecht. Der Vorstand. Lankwitz. Der Bildungsausschuh veranstaltet am Himmelfahrts- tage einen Familienausflug nach Lichtenrade. Dortselbst Kaffee- kochen, im Walde Spiele für jung und alt mit Geschenken. Treff- Punkt 12'/g Uhr bei Schulz, Mühlenstrahe. Für kleine Kinder Fahr- gelegenheir. Der Bildungsausschuh. Weißensee. Am Dienstag, den 14. d. Mts., abends 8'/, Uhr, veranstaltet der BildungSauSschuh im Lokale der Bergbrauerei, Berliner Allee 211, einen Lichtbildervortrag über.Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Da der Eintritt völlig k o st e n l o s ist, bitten wir unsere Genossen und Genossinnen, mit ihren erwachsenen Angehörigen recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Am Dienstag, den 14. Mai d. I., abends 8 Uhr. bei Prochowski sNeue Post), Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Vortrag, Diskussion und Bezirksangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Tempelhof. Dienstag, den 14. d. Mts., abends 8Vz Uhr, im WilhelmSgarten. Berliner Str. S: Mitgliederversammlung. Reinickeiidorf-West. Zu der heute stattfindenden Volksversamm- lung versammeln sich die Teilnehmer um 1>/, Uhr in den Zahlabend- lokalen. Die Bibliothek deS Wahlvereins ist wieder geöffnet. Die- selbe befindet sich beim Genossen Schiller, Eichbornstr. 60. Bücher- ausgäbe wochentags von morgens S bis abends 9 Uhr, Sonntags von 10—12 Uhr vormittags, gegen Vorzeigung des MitgliedSbnchs. Bei dem Genossen Bahr, Berlinerstr. 4, ist eine Umtauschstelle er- richtet. Bücher werden dort Montags und Donnerstags bis 8 Uhr abends umgetauscht. Kataloge sind bei den Genossen Schiller, Bahr und Heinrich, Eichbornstr. 35, gratis zu haben. Die Bezirksleitung. Tegel. Montag abend 7 Uhr: Flugblattverbreitung.— DienS- tag. den 14. d. M., abends S'/s Uhr, in Trapps Festsälen: Oeffent- liche Versammlung. Tagesordnung: Bürgerliche und sozialdemokra- tische Gemeindepolitik. Referent Reichstagsabgeordneter Dr. Ouarck- Frankfurt a. M. Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittenau. Am DienStag, den 14. Mai, abends 8'/, Uhr, in den Borsigwalder Festsälen: Mitgliederversammlung des AahlvereinS. Tagesordnung: Unter anderem Vortrag. Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Frauentag! Die Leiter refp. Leiterinnen der heutigen Versammlungen»vcrden gebeten, der Redaktion des„Vor- wärts" durch Postkarte kurz Mitteilung vom Verlauf der Versammlung, die Zahl der Versammelten, die Person des Referenten und etwaige Zwischenfälle zu machen. Vom Kultus der Quadratrute. Die Quadratrute ist Seele und Zelle des Vororts zu- gleich. Erst von dem Augenblick an, wo der Vorort in Qua- dratruten zerfallen ist, beginnt sein Dasein, ist er erschlossen. Somit wird die Ouadratrute sinnig auch als der schöpferische lZwtt des Vororts angesehen: und wahrlich, dieser Gott stiftet Segen unter denen, die seinem Kultus sich hingeben. Als der Wert der Quadratrute noch nicht erkannt war, wollte kaum jemand eine Mark für sie opfern. Dann aber stieg sie im Preise auf zehn, auf hundert, auf tausend Mark; heute schon ist sie für zweitausend, übermorgen für zehntausend Mark nicht feil. Ihr Wert vermehrt sich mit der Zunahme bleicher Kindergesichter im Vorort. Wie jeder Gott, so hat auch die Ouadratrute ihre Feinde und ihre Priester. Als seinen Erzfeind sieht dieser Gott den lebenden Baum, überhaupt jedes Fleckchen Grünes an. Wo ein Baum seine Aeste ausbreitet, hält der Gott mit feinem goldspenden Segen zurück: und die Berliner Vorort- behörden wissen daher wohl, tvas sie tun, wenn sie in ganzen Straßenreihen den Baumbestand niedersäbeln lassen, um dann später Zweckverbände für Wald- und Wiesenschutz zu stiften. Der Hohepriester der Ouadratrute wird Bauspekulant genannt. Es ist kein absolutes Erfordernis, daß er fchon im Zuchthause gesessen hat: wohl aber inuß er wenigstens ein- mal anf Tage das Zuchthaus mit dem Aermel streifen. Das gibt ihm die Kraft, nicht nur den Vorort zum Blühen zu bringen, sondern auch den Staat gegen umstürzlerische Ge- lüste zu schützen. Sind doch diese Gelüste auch gegen seinen Gott gerichtet. Die staatserhaltende Gesinnung des Bau- fpckulanten ist zweifelsohne: der Sozialdemokrat dünkt ihm einem Raubmörder gleich. Gegen Raubmörder hegt er aber um deswillen eine Abneigung, weil diese schon mehrfach vor Gericht entrüstet die Unterstellung zurückgewiesen haben, daß ihr Handeln gewissenlos wie das eines Bauspekulantcn ge- Wesen sei. Mit den Vögeln unter dem Himmel hat der Bauspekulant die Eigenschaft gemein, daß er nicht säet und auch zuweilen kein Obdach über dem Kopfe hat. Aber dennoch verläßt ihn nie die göttliche Kraft, fünfstöckige Mietkasornen aus der Erde wachsen zu lassen. Hierbei ist der altvaterische Brauch des Richtfestes längst durch eine neue Gepflogenheit abgelöst worden. Sobald nämlich das Haus bis zum Dachgeschoß ge- diehen ist, klebt jemand einen Zettel über den Eingang: dieser Zettel aber trägt die Aufschrift:„Das Haus steht unter ge- richtlicher Zwungsverwaltung." Wenn dies geschehen, stellen sich Handwerker und Lieferanten, oft auch Arbeiter vor das Gebäude und über die Zeremonie des Bartwischens. Es wird strenge darauf gehalten, daß kein Haus ohne dies Ritual im Borort errichtet wird. Die jkultusgemeinde, die den Bauspekulanten einkleidet und ihm das Zeichen seiner Würde, den Zylinderhut, auf das Haupt setzt, heißt Terraingesellschast. Wenn der Bauspekulant es erst geschafft hat, wird er der Reihe nach Stadtverordneter, Magistratsmitglied, Ordens- ritter vierter Klasse und Kommerzienrat. In diesem Zu- stände ist er fähig, Kirchenfenster üsid Marmorgruppen zu stiften. Die Hausagrarierwoche in Berlin ist nun zu Ende. Sie hatte den Internationalen Hausbesitzerkongreß gebracht und im Zusammenhang mit ihm die Sondertagungen einer Reihe von Organisationen, die den Interessen des Hausbesitzes dienen. Gegenüber der prahlenden Ankündigung, daß diesen Veranstaltung der Haus- agrarier auch die Lösung des Wohnungsproblems fördern wolle, nimmt sich das Ergebnis der Verhandlungen recht kläglich aus. Der Kongreß unterhielt sich zunächst mit einer Besprechung der Frage des sogenannten Heimstättenrechtes, das auch dem„kleinen Mann" den Erwerb von Grundbesitz und die Bewahrung eines Familiengutes ermöglichen soll. Eine Uebertragung des Hcinistättenrechtes auch auf Grund- besitz in den Städten schien dem Hausagrarierführer Justizrat Baumert nicht unangebracht, aber es verstand sich von selber, daß er diesen Gedanken auf das kleine Eigen- haus beschränkte. Für die Mietskaserne, die Profit bringen soll und nach seiner Höhe ihren Wert als Handelsware er- hält, wünscht kein Hausagrarier das Heimstättenrecht. Amüsant war. daß ein Redner rühmte, durch diese Verhandlungen könne ein Vorurteil gegen die Hausbesitzer beseitigt werden. Ihr Wunsch sei nicht bloß, aus Mietskasernen hohe Einnahmen herauszuholen. Jeder Hausvater solle mehr als seinen eigenen Herd, jeder solle sogar sein eigenes Haus haben. Das Hauptstück der Kongreßverhandlungen war sodann die Erörterung der Frage des Realkredtts und ihrer besten Lösung. Für jene„Hausbesitzer", die mit nichts ein Haus„gekauft" haben, so daß sie darin nur den Verwalter spielen dürfen, hängt Sein oder Nichtsein ab von der günstigeren Gestaltung des Realkredits, von der Erl eich- terung der Hypothekenbeschaf.fung. Wie der f ausbesitzerkongreß sich das denkt, das zeigen die folgenden eitsätze, die angenommen wurden: „1) Die Hypothek mutz seitens des Gläubigers in der Regel unkündbar fein. 2) Es ist deshalb die allmähliche Tilgung fAmortisation) der Hypothek unerlählich. Dem Schuldner ist es zu gestatten, bei einer Neubeleihung über den amortisierten Betrag zu verfügen. 8) Die Träger lEigner) der Kreditanstalt dürfen nur die sämtlichen Hypothekenschuldner sein, ihnen muh sämt- licher Gewinn in seiner letzten Wirkung zugute kommen. 4) Wird das Darlehn durch Ausgabe von Pfandbriefen verschafft, so empfiehlt sich a. dah der Pfandbrief seitens deS Inhabers unkündbar ist, b. dah der Hausbesitzer die Pfandbriefe wicht bares Geld) erhält, bczw. dah die Pfandbriefe von der Kreditanstalt für seine Rech- nung zu verkaufen sind, um durch den Erlös die Valuta für die Hypothek zu beschaffen, c. daß der Hhpothekenschuldner die Schuld nach seiner Wahl jederzeit in Pfandbriefen oder in bar tilgen darf, d. dah ihm beim Sinken des ZinSfuhes gestattet sein muh, die Hypothekenschuld in eine niedriger verzinsliche umzuwandeln und dabei über den amortisierten Betrag zu verfügen. Kreditanstalten, die diesen Grundsätzen huldigen, haben den besten, billigsten und gesündesten Reallredit den Grubenbesitzern verschafft. Für den städtischen Realkredit sind daher Hypotheken- vereine oder Pfandbriefinstitute für erste und zweite Hypotheken nach dem Beispiel Dänemarks empfehlenswert, ja unerlählich." Dekoratives Beiwerk, das dem Kongreß einen Wissenschaft- lichen Anstrich geben sollte, war der Punkt„Vergleichende W o h n u n g s st a t i st i k". Das Hauptreferat war dem Direktor Silbergleit, dem Chef des Berliner Statistischen Amts übertragen worden. Er benutzte diese Gelegenheit, auch hier nochmals gegen den Propagandaausschuß für Groß- Berlin zu polemisieren, mit dem er wegen der Frage der Wohnungsübervölkerung in Streit geraten ist. Nach Schluß des Internationalen Hausbesitzerkongresses trat der Deutsche Hausbesitzertag zusammen. Er beschäftigte sich mit einer Erörterung der„Bedeutung des privaten Haus- und Grundbesitzes für die EntWickelung der modernen Städte", wobei auch die Frage der Wohnungsnot berührt wurde. Man erfuhr da, daß die vielgeschmähten Hausbesitzer gar nicht die schlechten Menschen sind, als die sie zumeist verschrien werden. Der in letzter Zeit mehrfach ge- nannte Herr van der Borght, der in den Dienst des Schutzverbandes deS deutschen Grundbesitzes getreten ist, tat über die politische und soziale Bedeutung des„Haus- besitzerstandcs" die Acußerung, das sei„ d e r Wall gegen die rote Flut". Um diese„Kerntruppe" drehe sich der Kampf gegen alles, was dem Gesanztinteresse schäd- lich sei. Man sieht, daß Herr van der Borght. der Angestellte der Hausbesitzer, noch über Bürgermeister R e i ck e geht, der bei der Begrüßung des Internationalen Hausbesitzerkongresses die Hausbesitzer als die würdigsten Stützen der Städteverwaltung pries. Zweckverband und WohnungZmisere. Zur Erörterung der Frage, was der Zwcckvcrband Groß- Berlin in richtiger Auffassung der ihm gestellten Aufgaben gegen- über den Mängeln des Groh-Bcrliuer SMoHnungswefens zu tun hat, um den daraus sich ergebenden Schädigungen der Volksgesundheit entgegenzutreten, hielt oer Propagandaausschuß am Freitag wieder zwei Versammlungen ab. In der„Coucordia"(Andreasstrahe) referierte Reichstagsabge- ordneter Genosse Ouarck über„Die Wohnungspolitik d e r K o m m u n e n Er zeigte, dah im Kampfe gegen die Woh- nungsmisere mehrere West- und süddeutsche Gemeinden schon manches getan haben, was in Berlin und Vororten bisher durch den Wider st and der die Kommunalverwaltungen beherrschenden Vertreter des Hausagrarier- t u m s vereitelt worden ist. Zu kommunalen Mahregeln, die die Dichtigkeit der Bebauung und des Wohnens mildern sollen, be- dürfe es gar nicht mal weitgehender Eingriffe in den Besitz. Ulm z. B. habe, als die Stadt entfestigt wurde, durch Ankauf und Bebauung großer Teile des Festungsgeländes dafür gesorgt, dah der Arbeiterbevölkerung mittelgute Wohnungen gegen mähigen Preis zur Verfügung stehen. Allerdings dürfe keine Kommune, wenn sie auf diesem Gebiet eine Besserung herbeiführen wolle, nicht davor zurückschrecken, der privaten Wohnungsherstellung Konkurrenz zu machen, was in Berlin noch nicht zu erreichen gewesen sei. Nicht mit geschriebenen Mahnahmen dürfe eine Gemeinde sich be- gnügcn, sondern Mittel aus dem Stadtsäckel müsse sie hergeben, um im Eigenbau mit vorbildlichem Beispiel vor- angehen und Mustcreinrichtungen schaffen zu können. Dazu sei aber erforderlich, durch eine umsichtige Bodenpolitik auch dafür zu sorgen, dah die Gemeinde bei diesen Bestrebungen nicht etwa vom guten Willen der Grundstücksbesitzer abhängig bleibt, fondern selber über reichlichen Grundbesitz verfügt. Redner wies hier aus da» Beispiel von Frankfurt a. M. hin, dessen Oberbürgermeister Adickes es der Stadt ermöglicht habe, Grund- besitz nach Bedarf zur Verfügung zu haben. In Berlin brauche man nur nachzumachen, was der ReichShauptstadt anderswo längst vorgemacht worden fei. Peinlich und beschämend habe eS wirken Müssen, daß dem Propagandaausschuß bei seinen Bemühungen, für Groh-Berlin vernünftigeren Anschauungen über das Wohnungswesen zum Durchbruch zu helfen und mitzuarbeiten an der Anbahnung gesünderer Zu« stände, gerade die„kommunalen Spitzen" Berlins in den Arm fielen. Dabei habe man dann gesehen, dah Oberbürgermeister Kirschner über die Wohnungszustände und Bürgermeister Reicke über den Spielplatzmangel recht unzulänglich unterrichtet waren. Der Kampf für eine Reform des Grotz-Berliner Bebauungs- und LBohnungswesens werde schliehlich ein Kampf um den Ein» fluh auf die Gemeindeverwaltungen sein. Vom Standpunkt des Arztes aus beleuchtete Prof. Sommer« f e l d unsere Wohnungsmisere in einem Referat über„Hygiene der Wohnung". Von Wbhnungen, die nicht geräumig, schlecht belichtet, schwer lüftbar usw. sind, drohe den Insassen mancherlei Gesundheitsschädigung. Besonders die furchtbare Volksseuche, die Lungenschwindsucht, werde durch Mängek der Wohnung begünstigt. In dieser Hinsicht müsse man dem Volk mehr hygie« nisches Empfinden einimpfen, damit es lerne, was zur Erhaltung der Gesundheit ihm not tut. Den Hausbesitzern könne es doch nicht schwer werden, mit dem Propagandaausschuh zu- sammenzugehen in dem Wunsch, das Wohnungswesen zu bessern. Als dritter sprach Dr. I a b l o n s k i über„Berliner W a l d s ch u tz". Der Groh-Berliner Bevölkerung ihre Wälder zu erhalten, gehöre zu den Aufgaben des Zweckverbandes. Der Kampf gegen den waldverwüstenden Fiskus finde viel Beifall, aber auch gegen Kommunen- habe man, wie Spandau? Beispiel zeige, einen Kampf zu führen. Dem Zweckverband habe der Wald- schutzverein vorgearbeitet, doch habe er mit seinen Versuchen, Fis- kus und Kommunen zur Reservierung eines Waldgürtels zu be- stimmen, zunächst keinen Erfolg gehabt. Die Bevölkerung selber müsse durch lebhafte Teilnahme den Zweckverband zur Erfüllung dieser Aufgabe drängen. Neigung zu einer Diskussion war in der nur mähig besuchten Versammlung nicht vorhanden. Sie schloß mit Annahme einer Resolution, die im Sinne der Bestrebungen de» Propaganda- ausschusses eine Besserung des Wohnungswesens usw. für dringend nötig erklärt und vom Zweckverband Gtzoh-Berlin eine kraftvolle Reformpolitik fordert. Sehr viel besser besucht war die Versammlung in der„Neuen: Welt"(Hasenheide), an der sich besonders die Frauen zahlreich beteiligten. Friedrich Naumann schilderte in einem Re- ferat über„Groh-Berlin", wie Berlin und seine Vororte gewachsen sind durch unaufhörlichen Zuzug aus den Provinzen, be- sonders aus Ostelbien, so dah man Groh-Berlin geradezu eine Kolonie der östlichen Deutschen nennen dürfe. Diese BevölkerungS. elemente feien hergetriebcn worden durch den Wunsch, in Berlitt ihr Einkommen zu bessern, aber an der Besserung auch ihrer Be- dürfnisse fehle es noch in manchem. Besonders im Punkt deS Wohnens sei Berlin noch sehr„östlich". Auf diesem Gebiet sei wenig getan worden, weil jede Behörde gemeint habe, nicht kompetent genug dazu zu sein. Für Berlin dürfe man hoffen, dah der neue Oberbürgermeister eine feste Hand zeigen werde. Für Groh-Berlin stelle jetzt der Zweckverband den ersten wirklichen Verwaltungsbegriff dar. und auch auf ihn setze die Bevölkerung die Hoffnung, dah er Wandel schaffen werde. Was frühere Jahrzehnte versäumten, müsse jetzt nach- geholt werden, weiträumige Bebauung, eine Unterscheidung von Wohn, und Verkehrsstrahen, Freihaltung grüner Flächen usw. Heftiger Widerstand komme von den Hausbesitzern, die viel besser als die Mieter organisiert feien. Der Bevölkerung tue es not, daß sie anspruchsvoller werde. Welches Interesse die Frau an einer Besserung unserer Woh- nungszustände haben muh, zeigte Frl. Dr. B ä u m e r in ihrem Referat„Die Frau und die Wohnungspolitik". Unter den Mängeln der Wohnung leide ja am meisten die Frau, die den ganzen Tag in ihr zubringe. Sie sehe auch den Einfluß der Wohnung auf den Gesundheitszustand der Kinder und fühle mit ihnen, wie sehr sie darunter leiden. Die Säug- lingssterblichkeit habe mit ihren entsetzlichen Zahlen die Gefahren des Wöhnungsclends vor Augen gerückt und den Wunsch nach Abhilfe geweckt. Unter solchen Verhältnissen müsse der Mieter unzufrieden werden, und er s o l l e eS auch sein. Den Ge- meindeverwaltungen müsse von der Wählerschaft die Erfüllung ihres Verlangens nach vernünftiger Wohnungspolitik aufgezwungen werden. In der D i S k u s s i o n> die den Referaten folgte, erleichterte ein Hausbesitzer sein Herz durch Klagen über die Not der Haus» besitzer, gegen die man nicht die Mieter noch aufhetzen solle. Ihm trat Genosse K l ü ß(Neukölln) entgegen. Zu den Bestrebungen des Propagandaausschusses führte Klütz aus, dah auch der nicht alleS Heil bringen werde. Eine Lösung der Wohnungsfrage sei nur zu erwarten von einer durchgreifenden sozialen Ilmgestaltung, wie der S o z i a l i s m u s sie anstrebt. An die F r a u e n, die noch politisch rechtlos sind, richtete Redner die Mahnung, Schulter an Schulter mit den Männern zu kämpfen. Die Versammlung endete mit Annahme einer die Forderungen an den Zweckverband zusammenfassenden Resolution. Am Dienstag um W Uhr finden noch zwei Versammlungen in der Bockbrauerei(Tempelhofer Berg)'und in den„Prachtsälen des Westens"(Spichernstrahe 3) statt. AuS der Magistratssitzung. Der Magistrat hat �in seiner gestrigen Sitzung, in der in Abwesenheit des Oberbürgermeisters der Bürger- meister den Vorsitz führte, von dem Rücktrittsgesuch des Oberbürger- meifters mit Bedauern Kenntnis genommen und beschlossen, daS Gesuch zu genehmigen. Gleichzeitig hat der Magistrat beschlossen. dem Oberbürgermeister das Ehrcnbürgerrecht zu verkeihen und als Pension das volle Gehalt zu gewähren. Nachdem darauf der Oberbürgermeister den Vorsitz wieder übernommen hatte, gab der Senior des Magistrats, Stadtrat, Geheimer Regierung«- rat Marggraff in herzlichen und warmen Worten dem schmerz- lichen Bedauern de? Kollegiums Darüber Ausdruck, daß man dem wiederholt geäußerten Wunsch ncs Oberbürgermeister», au» dem Amte zu scheiden, Rechnung tragen müsse. Die Beschlüsse de» Ma« gistratS, welche der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung bedürfen, werden dieser zugestellt werden. Außerdem hat der Magistrat beschlossen, die Stadtverordnetenversammlung zu er« suchen, wegen der Neuwahl eines Oberbürgermeisters das weitere zu veranlassen. Verhängnisvolle Verwechselung. Der 80 Fahre alte Maler Paul Dalchow, Albertstr. 10 in Schöneberg wohnhaft, wollte Freitag abend in seiner Wohnung einen Schnaps trinken. In der Dunkelheit verivechselte er die Flaschen uift» trank aus einer Flasche, in der Schweinfurter Grün aufgelöst war. Man holte zwar sofort einen Arzt, doch war keine Hilfe mehr möglich. Dalchow muhte sein Versehen mit dem Tode bezahlen. Ein Postmarber, der in den letzten Tagen in der Bernburgiir. Köthener, Potsdamer, Lützow- und Dennewitz-Strahe Briefkasten ausplünderte, wurde in der vergangenen Nacht auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Aus diesen Kästen verschwanden wieder- holt Briefe, die zum Teil der Freimarken beraubt, in anderen Kästen wiedergefunden wurden, und bei der Bestellung wegen der Nichtfrankierung den Empfängern Veranlassung zu Beschwerden bei den Absendern gaben. Andere kamen gar nicht mehr zum Vor- schein. Die Postvcrwaltung kam zu der Ueberzeugung, daß man es mit einer planmähigcn Beraubung der Briefkästen zu tun hatte und richtete zur Aufdeckung des Treibens einen besonderen Beobachtungsdienst ein. Soweit sich bis jetzt feststellen lieh, ver- schwanden 76 Briefe vollständig. Einen guten Fang machte der Marder am Donnerstagabend in dem Kasten an dem Hause Bern, burger Strohe 19. In diesen steckte abends um 8 Uhr der In. genimr Opitz aus der Pepnburger Straße 14 tzinen gewöhnliche» Brief, der an eine Maschinenfabrik in KottbuS gerichtet tvar und einen Scheck auf die Potsdamer Kreditbank über 2120 M. enthielt Dieser Brief kam nicht an sein Ziel. Als der Absender nach seinem Verbleib forschte, erfuhr er, dah ein junger Mann, der sich W. Diehler nannte, den Scheck der Kreditbank vorgelegt und den Betrag darauf erhalten hatte. Dieser Vorfall veranlagte einen Postinspektor, den Briefkasten in der Bernburger Strage persönlich zu beobachten, und so gelang es, den Plünderer in der vergangenen Nacht zu fassen. Kurz vor 12 Uhr erschien ein junger Mann, der sich längere Zeit an dem Kasten zu schassen machte, und sich dann langsam entfernte. Der Postinspektor, der nicht mehr daran zweifelte, den Dieb vor sich zu haben, folgte ihm heimlich, um weiter zu beobachten, was er beginnen werde. In der Köthener Straße begab sich der Mann auf einen Hausflur und zog dann eine Anzahl Briefe aus der Tasche, um sie im Verborgenen zu öffnen. Jetzt nahm der Inspektor ihn fest und übergab ihn der Revierpolizei. Der Verhaftete leugnete zunächst jede Schuld und wies sich zur Unterstützung seiner Unschuldsbeteuerungcn mit einem Militärpaß auf den Namen eines Predigtamtskandidaten Busch aus. Gestern vormittag der Kriminalpolizei vorgeführt, bequemte er sich endlich zu einem Geständnis und entpuppte sich als der 26 Jahre alte Kaufmann Ehrhardt aus der Ringstraße zu Steglitz. der bei einer Gesellschaft in der Lützowstratze beschäftigt war. Ehrhardt ist auch der Mann, der bei der Potsdamer Kreditbank au: den Scheck das Geld erhoben und in einem Tausendmarkschein 11 Hundertmarkscheinen und hartem Gelde ausgezahlt erhalten hatte. Den Tausendmarkschein fand man noch bei ihm. Er hatte ihn in einen Strumpf gesteckt. Von dem anderen Geld behauptet er, daß es noch in seiner Wohnung liege. Diese soll deshalb durchsucht werden. Ehrhardt suchte sich immer die Briefkasten aus, die bis oben an gefüllt waren. Er machte sich dann solange an dem Schlitz zu schassen, bis er einen langen Aktenbrief faßte. Mit diesem zog er dann soviel heraus, als auf ihm liegen blieb. Weil er die Schule geschwänzt hatte, sollte gestern morgen der zwölfjährige Sohn der Witwe Gottschalk abgeholt werden. Als der Schutzmann an der im Hinterhause des Grundstücks Elbinger Straße 73 befindlichen Wohnung läutete und Einlaß begehrte, sprang der Junge in seiner Angst aus dem Fenster vier Stockwerke tief auf den Hof hinab. Obwohl er auf Strauchwerk und gelockertes Erdreich fiel, trug er doch sehr schwere Verletzungen davon, die seine sofortige Ueberführung nach dem Krankenhause am Friedrichs� Hain erforderlich machten. Zu einem Zusammenstoß, der durch unbegreifliches Vorgehen eines PolizeileutnanlS hervorgerufen wurde, kam eS am Freitagabend am Kaiser-Franz-Grenadier-Platz. Von den Tausenden, die zu der in der Wrangelstraße abgehaltenen Protestvcrsammlnng keinen Ein laß erhalten konnten, hatten sich gegen 9'/» Uhr etwa 1600 Personen zusammengefunden, die am Mariannenplatz entlang durch die Oranienstraße nach der Prinzenstraße zu gingen. Die Teilnehmer sangen zwar Arbeiterlieder und brachten Hochs auf das allgemeine Wahlrecht aus. Verkehr und Ordnung wurden jedoch nicht im mindesten gestört.' Erst am Kaiser-Franz-Grenadier-Platz stellte sich ein Polizei. leutnant mit 6 bis 8 Schutzleuten den Daherkommenden entgegen Die Teilnehmer begaben sich nun vom Straßendamm, wo die Polizei stand, auf den Biirgsrsteig. um weiter zu gehen. Der Herr Leutnant wollte wohl mcht tatenlos hemckehren und so stürzte er sich, fortgesetzt mit der Hand drohend, mitten in die Menge, stieß einen jungen Mann, den ersten besten, den er eben fassen konnte, in das Genick und versuchte nun, die Teilnehmer zurückzudrängen. Die Genossen wichen vor den geballt zuschlagenden SchutzmannSfäusten fluchtartig zurück, wobei eine Frau niederstürzte und mit knapper Not der Gefahr entging, von dem Wagen einer Möbelfabrik überfahren zu werden. Das vollkommen zwecklose Borgehen deS Polizeileutnants löste nicht nur bei den ohne Grund und ohne vorhergebende Aufforderung zum Auseinandergehen angegriffenen Arbeitern, sonder» auch bei den meisten unbeteiligten Beobachtern deS Vorganges lebhafte Entrüstungsrufe auS; aus vielen Fenstern der anliegenden Wohnhäuser hörte man laute Pfuirufe und andere für die Polizei wenig schmeichelhafte Bezeichnungen. Würden die Teilnehmer des ZugeS von denselben Gefühlen beseelt gewesen sein wie dieser Leutnant, dann konnte besten Attacke leicht ernste Folgen zeitige». Die Arbeiter wissen sich aber weit besser zu beherrschen, wofür u. a. die Tatsache ein Beweis sein mag, daß der immerhin noch gegen 800 Personen betragende Zug. trotz des vorhergegangenen aufregenden Zwischenfalls, sofort Gesang und Hochrufe einstellte, als er an der Nordseite deS Bethanien-Krankenhauses vorüberzog. Todessturz von der GroßschiffahrtSbrücke. Einen schrecklichen Tod hat der' 22jährige Maler Paul Kleinert aus Eberswalde ge- funden. K. hatte an der neu errichteten GroßschiffahrtSbrücke, die über den Liepersee führt, den letzten Anstrich beenden wollen. Als er hoch im Eisengestell bei der Arbeit war, stürzte er plötzlich rück- lings in die Tiefe. Der Kopf des Unglücklichen schlug beim Fallen mit großer Heftigkeit auf einen vorspringenden Eisenstreber auf und wurde teilweise zerschmettert. Der Verunglückte stürzte dann in den See und ging sosort unter. ES wurde sofort von Kollegen eine Absuchung der Unfallstelle vorgenommen, doch vermochte man K. nur noch als verstümmelten Leichnam an die Oberfläche zu befördern. Wahrscheinlich war er während der Arbeit von einem Lhnmachtsanfall heimgesucht worden. Straßenbahnunfälle. Vor dem Hause Große Frankfurter Straße 77 wollte am Freitagabend die siebenjährige Else Jsmar, Große Frankfurter Straße 76 wohnhaft, vor dem Motorwagen 3006 die Linie 71 über den Damm laufen, wurde jedoch erfaßt und geriet mit dem Körper unter das Schutzbrett. Mittels Winden wurde der Wagen angehoben und die Kleine, die einen Bruch des linken Wadenb�nes, eine Quetschung am Kopf und an der linken Hand davongMmgen hatte, hervorgezogen. Die kleine I. wurde, nachdem ihr auf der nächsten Unfallstation die erste Hilfe zuteil geworden mar, in die elterliche Wohnung ge- bracht.— Vor dem Hause Belle-Alliance-Straße 82 wollte Direktor Gustav Neumann, Käiser-Wilhelm-Straße 8/9 in Karlshorst wohn- Haft, die Schienen vor einem in schneller Fahrt befindlichen Motor- wagen überschreiten, wurde jedoch umgerissen und kam neben den Zug zu liegen. Der Verunglückte, der eine Wunde am Köpf davon- getragen hatte, wurde nach dem Urban-Krankenhause übergeführt. — Ter Postschaffner Friedrich Engel aus der Müllerstrahe 47a wurde, als er am»Donnerstagnachmittag vor dem Hause Pank- straße 11 den Damm überschreiten wollte, von einer Kraftdroschke überfahren und schwer verletzt nach dem Virchow-Krankenhause ge- bracht. Dort ist er jetzt gestorben. Das Fuhrwerk entkam, ohne daß es gelang, seine Nummer festzustellen. Einen erfreulichen Abschluß hat die Konsumgenostcnschaft Berlin und Umgegend für den Monat April zu verzeichnen. Der Umsatz betrug 1 039 753,75 M. Das ist ein Mehr von 329 707,03 M. gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres. Der genossenschaft- liche Gedanke marschiert nun auch in den Vororten Berlins, denn auch da ist der Mehrumsatz merklich höher wie im Vorjahre, Und in jenen Orten, wo die Genostenschaft bis jetzt noch keine Per- kaufsstellen hat, wird zurzeit eine intensive Agitation entfaltet. die von Erfolgen begleitet ist. In Köpenick werden nächsten? gleich drei VerkauSstellen eröffnet werden. Hoffentlich wird in anderen Orten ein ähnliches Resultat erzielt. Für die Besucher des Spreewaldes Z Die Zahl derjenigen, die de« Spreewald besuchen und dessen Naturschönheiten bewundern. vSchst von Jahr zu Jahr. Auch einige pfiffige Unternehmer haben sich gefunden, die Fahrten nach dem Spreewalde arrangieren. Um Parteigenossen, die solche Ausflüge beabsichtigen, vor Schröpfungen zu bewahren, sei mitgeteilt, daß der Genosse Paul Kuschy- Lübbenau, Spreewald, gern bereit ist, jede gewünschte Auskunft zu erteilen. Er übernimmt es auch, Fahrleute zu stellen, auch für Nachtlogis Sorge zu tragen. Die Taubstummcnsektion der sozialdemokratischen Wahlvereiue Groß-BerlinS veranstaltet am Himmelfahrtstage einen Familien- ausflug nach Tegclort und werden hierdurch die Mitglieder zur zahlreichen Beteiligung eingeladen. Treffpunkt bei Haberland, Linienstr. 73, vormittags 9 Uhr. Abmarsch'/jlO Uhr. Gäste will kommen. Fußballwettspiel der Arbcitcr-Turn- und-Sportvereine. Am Sonntag, den 12. Mai. nachmittags 6 Uhr, stehen sich die führenden Mannschaften der Arbeiter-Turn- und-Sportvereine Groß-Berlius im Schlußspiel gegenüber und zwar: Turnverein Fichte, XVII. Abt., gegen Arbeiter-Turnverein Weißensee. Da der Fußballsport in der Arbeiterschaft zahlreiche Anhänger besitzt, seien diese auf obiges Spiel hierdurch besonders aufmerksam gemacht. Der Wettkamp findet auf dem Sportplatz am Bahnhof Gesundbrunnen sMillionen- brück«) statt. Vor allein werden die dem Jung-Deutschland- Bunde aiigehörigen Fußballspieler zur Besichtigung und zum Au schluß an die Arbeiter-Fußballspieler eingeladen. Vorort- l�admebteiT. Steglitz. Die Stadtwerdung unseres Dorfes stand zwar als 13. und letzter Punkt auf der Tagesordnung der gestrigen Gemeinde- Vertretersitzung, nichtsdestoweniger nahm sie aber den größten Teil der Sitzung in Anspruch. Der Antragsteller, meindeverordneter Winkler, nahm in seiner Begründung Bezug auf die kürzlichen Aeußerungen des Ministers im Landtag über die Stadtwerdungsbestrebungen verschiedener Vorortgemeinden. Be- kanntlich lautete die ministerielle Antwort auf eine Anfrage, daß eine gesetzliche Regelung der Materie nicht beabsichtigt und auch nicht nötig sei, da ja Wilmersdorf und Lichtenberg bewiesen hätten daß ein Ausscheiden aus dem Landkreise auf dem Wege d»r gegen- eiligen Verständigung zu erreichen wäre und daß dann der Per- leihung der Stadtrechte an die betreffenden Gemeinden nichts im Wege stehe. Um nun endlich diese Frage, die seit Jahren die hiesige Bürgerschaft und die Gemeindevertretung beschäftige, zum Abschluß zu bringen, beantrage er. die vor zwei Jahren abgebroche- nen Verhandlungen über die Bedingungen des Ausscheidens aus dem Kreise Teltow sofort wieder aufzunehmen und energisch zu ordern. Je weiter die endgültige Entscheidung hinausgeschoben werde, um so höher würden die Forderungen des Kreises werden. Der Gemeindevorsteher wandte sich gegen den Antrag und bean- tragte seinerseits, eine Deputation des Gemeindevorstandes zu dem Minister zu senden, um diesem auseinanderzusetzen, daß die Ge- meindevertretung mit guten Gründen seinerzeit den Beschluß ge- "atzt habe, die Stadtrechte zu erwerben, ohne aus dem Kreise auszu- /cheiden. Von einem Redner der Linken wurde mit Recht darüber gespottet, dem Minister zu erzählen, daß man auch Gründe zu einem so wichtigen Beschlutz gehabt habe. Es sei doch sekbstver- tändlich, daß solche Beschlüsse nicht ohne Grund gefaßt würden. Ein anderer Redner bezeichnete den Antrag des Gemeindevorstan- des als eine neue Verschleppung. In weiten Kreisen der Bürger- chaft herrsche die Ansicht, daß der Gemeindevorstand und die HauSbesitzermehrheit die Stadtwerung absichtlich so lange verhin- dern wolle, bis der Bürgermeister, dessen Amtsperiode in diesem Jahre ablaufe, auf weitere 12 Jahre gewählt sei. Die Mehrheit ließ durch ihre Redner erklären, daß sie gegen den Antrag Winkler und für den Antrag des Gemeindevorstandes stimmen werde, weil man hoffen könfie, daß in absehbarer Zeit doch noch eine gesetzliche Regelung der Ausscheidungsfrage erfolgen würde. Damit war die Ablehnung des Antrages Winkler so sicher wie die Wiederwahl des Bürgermeisters sicher sein wird, wenn wir dann noch Dorf sind.— Der einzige„Lichtpunkt" in der ganzen Sitzung war der Beschluß, den sogenannten Schöneberger Ortsteil elektrisch zu be- leuchten. 100 000 M., die im Etat vorgesehen sind, wurden hierzu bewilligt. Für die Berg- und Bismarckstraße kommt Mittelbeleuch- tung, für die übrigen«traßen Scitenbeleuchtung in Frage, beide Arten durch Metallfadenlampen. Neukölln. Ein Kind von der Straßenbahn totgefahren. Gestern nachmittag wurde an der Ecke der Kaiser-Friedrich- und Pannierstraß« der fünf Jahre alte Sohn Kurt de» Portiers und Klempners Heide aus der Kaiser-Friedrichstraße 284 von einem Straßenbahnwagen der Linie II überfahren. Da» Kind geriet mit dem ganzen Körper unter den Schutzrahmen und konnte erst nach längeren Bemühungen aus seiner gefährlichen Lage befreit werden. Als man e» hervorzog, war der Tod schon eingetreten. Die Leiche kam zunächst nach der Unfall- station und von dort nach dem SchauhauS. Die Schuldfrage ist noch nicht aufgeklärt, Wilmersdorf. Ein schauriger Fund wurde auf dem Grundstück Prinz- regentenstr. 82 gemacht. Ein Gärtnergehilfe fand dort im Vorgarten ein Paket liegen, das die Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. Da» Kind war in ZeitungSpapicr des„Berliner Lotal-AnzeigerS" vom s. d. M.«ingewickelt und mit einem gewöhnlichen Bindfaden verschnürt. Am Halse deS Kleinen sind deutlich StrangulationS merkmale sichtbar. Die Nachforschungen nach der Mutter waren bis- her ohne Erfolg. Mariendorf« Di« letzte Gemeindevertretersitzung gab zunächst die Zustim- mung zum Landaustausch zwischen der englischen Gasanstalt und der Gemeinde. Hierauf beschäftigte man sich mit den Verbeste rungen der Südender Feuerwehrverhältniste. Der Gemeindevor sicher machte hierzu längere Ausführungen, die hauptsächlich eine scharfe Zurückweisung von Behauptungen der hiesigen Ortspresse waren. Das Blatt hatte in einem Artikel über die Wehr in Süd- ende betont, daß dieselbe im Ernstfalle überhaupt nicht Hilfe leisten könne. Nach den SluSführungen des Gemeindevorstehers entbehrt dieses Urteil über die Südender Wehr jeder tatsächlichen Unter- läge. So sei die zweite mechanische Leiter, die im Ortsteil Süd- ende untergebracht werden sollte, bei der Veröffentlichung der Notiz schon vorhanden gewesen. Daß sich die Lieferung solange verzögert habe, sei nicht Schuld der Gemeindevertretung gewesen, sondern habe im Wesen des Lieferungsvertrages gelegen. Das „amtliche Publikationsorgan" in Mariendorf mußte eine Reinigung hinnehmen, die sicher tiefe Spuren hinterlassen wird. Um die er- regten Gemüter in Südende einigermaßen zu beruhigen, ersuchte der Genieindevorsteher um Bewilligung von 600 M. für die in der Nähe des Feuerwehrdepots in Südende nunmehr eine Stallung nebst Wohnung gemietet wqrden sollen, damit die Pferde zur Nachtzeit nicht mehr wie bisher in der Stallung Mariendorf, son- dern dort untergebracht werden können. Des weiteren wurden 1000 Mark für Neuanschaffung von Geräten und Ausrüstungen der neuen mechanischen Leiter gefordert. Beide Positionen wurden ein- stimmig bewilligt.— Außerdem bewilligte die Vertretung 1800 M. zur Beschaffung einer Straßenwaschmaschine und 525 M. für eine Kehrmaschine. Bei der Ersatzwahl für die dritte Klasse waren die Bürger- lichen auf das eifrigste bemüt. den Sieg zu erringen. So wurde schon von 11 Uhr ab geschleppt. Wie wahllos man verfuhr, nur um Stimmen zu erhaschen, illustriert folgender Zwischenfall im Wahllokal: Nachmittags wurden zwei bereits angetrunkene Kutscher in das Wahllokal bugsiert, die sich zunächst ganz ungehörig be- nahmen und dann— bürgerlich wählten. Also aus den Kneipen, überall wurden die Wähler geholt, kleine Geschäftsleute, die sich aus bestimmten Gründen der Wahl fernhielten, wurden zwei- und drei- mam aufgesucht, um sie zur Wahl zu veranlassen. Ihre Mühe war, wie wir bereits mitgeteilt haben, völlig vergebens. Pankow. Mit dem Gewaltakt der Gemeindevertretung beschäftigte sich eine im„Kurfürsten" stattgefundene Wählerversammlung. Der Nefercut, Genosse Schmidt, wies nach, daß der von den bürger- lichen Gemeindevertretern gegen den Bürgermeister sowie den Wahlvorsteher und unsere Genoffen gefaßte Beschluß, die Wahl der Genossen Eichler und Fengler für ungültig zu erklären, nichts weiter als eine Vergewaltigung der Wähler bedeute. Alle ihre Protestgründe seien fadenscheinig. Die Absicht, die Wahlen für ungültig zu erklären, sei in den einzelnen Vereinen bereits beschlossene Sache gewesen. Trotzdem bei der�Reichstagswahl zwei Drittel der abgegebenen Stimmen für die Sozialdemokratie ab- gegeben wurden, glaubt man jetzt bei der öffentlichen Wahl durch den bekannten Druck auf die Beamten und Geschäftsleute die Stimmenmehrheit auf sich zu vereinigen. In der Diskussion wurde von allen Rednern betont, daß die ganze Machination der bürger- lichen Gemeindevertreter ein Faustschlag ins Gesicht der prole-- tarischen Wähler bedeutet und daß es Ehrenpflicht eines jeden Ge- nassen sein mutz, alles daran zu setzen, um unseren Kandidaten mit noch größerer Mehrheit zum Siege zu verhelfen. Es müsse dafür gesorgt werden, daß auch der letzte Mann in den drei Wahl- tagen an den Wahltisch gebracht wird; nur so könne der Gewalt- streich der Bürgerlichen pariert werden. Auch die Vorgänge im Landtage wurden vom Genossen Schmidt gestreift, wobei sich ein allgemeiner Sturm der Entrüstung erhob. Zum Schluß wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die heutige öffentliche Wählerversammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem gewalttätigen und gesetzwidrigen Vorgehen des Präsidenten des preußichen Abgeordnetenhauses gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten Borchardt und Leinert und erhebt gegen diesen Gewaltstrcich allerschärfsten Protest. Die Versammlung erklärt, den damit erneut in den Vorder. grund gerückten Kampf um das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht zum preußischen Landtag aufs tatkräftigste unterstützen zu wollen. Die Persammlung erklärt ferner, ihrem Protest sowohl gegen die Vergewaltigung des erwerbstätigen Volkes im preußi- schen Abgeordnetenhause am 9. Mai wie auch in der Pankower Gemeindevertretung am 16. April dadurch Ausdruck zu geben, daß sie mit aller Kraft bei der Gemeindewahl am kommenden Sonntag, Montag und Dienstag den Kandidaten der Sozialdemokratie mit überwältigender Mehrheit zum Siege ver- helfen wird." Die Gemeindewahlen finden heute, Sonntag, von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends, am Montag und Dienstag von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends statt. Fichtenau. Wrede-Abende. Nach Meldung deS hiesigen OrtSblatte« ist unter Mitwirkung des LmtSvorsteherS Wrede-Schöneiche eine Einrichtung geschaffen worden, die„schnell Beliebtheik und Anerkennung er- worden' hat. Unter den.nationalgesinnten Männern' unseres Amts- bezirks und persönlicher„Leitung unseres Amtsvorstehers Herrn Amtsrat Wrede' finden nämlich allmonatlich— Bierabende statt, die offiziell kurzweg mit Wrede-Abend bezeichnet werden und neben dem Biergenuß noch Aussprachen über TageSsragen dienen. Da der nächste Bierabend am 16. d. M. stattfindet, dürfte eS— um dieser Einrichtung auch weiterhin„Anerkennung und Beliebtheit' zu sichern— zweckmäßig sein, als TageSsrage ein- mal das Machtgebiet deS Bierabendleiters als Aintsvorsteher von Schöneiche zu besprechen. Bielleicht läßt sich dadurch eine schnelle Feststellung ermöglichen darüber, welchem Amtsvorsteher der Bahn- Hof Rahnsdorf und Kurpark Fichtenau unterstehen. Zweifellos wäre dann der.Wrede-Abend' auch einer.Anerkennung und Beliebtheit" bei.nichwationalgesinnten Männern", den freien Turnern aus Neu- kölln, sicher. Königs-Wusterhause». Bei der Bertreterwahl zur Gemeinde-OriSkrankenkafle rückten unter der Führung vom Schachtmeister in Kolonnen polnische Ar- beiter und Arbeiterinnen heran. Die Stimmzettel mit den Namen der Kandidaten der Arbeiterschaft wurden den polnischen Arbeitern zenommen und Flugblätter und Stimmzettel mit ausgestellten Kan» üdaten der Arbeitgeber und deren Hintermänner in die Hand ge- drückt Trotz der wüsten Agitation wurven die aufgestellten Kandi- baten der Arbeiterschaft mit 180 gegen 94 Stimmen gewählt Blankenfelde. Auf strenge Sparsamkeit scheint die hiesige Gemeindeverwaltung zu halten. Vorschriftsmäßige LmtSquittungen für empfangene Gelder werden den Geldbringe» n allem Anschein nach nicht ausgefertigt, andern hierzu werden xbeliebige Zettel benutzt. Der Fabrikarbeiter- verband. Bezirk Blankenfelde, hatte unlängst eine Frühlingsfeier veranstaltet, wofür er zwei M-nk Lustbarkeitssteuer an den Gemeinde- säckel abführen mutzte. Dem Ueberbringer deS Geldes wurde nun nicht etwa, wie das selbst. in den lleinsten Gemeindebureaus üblich ist, eine amtliche Quittung, sondern ein jedenfalls von der ReichStagSwahl zurückgebliebener Stimmzettel, auf den Oberbürgermeister Oskar Ziethen-Lichtenberg lautend, ausgehändigt, auf welchem ganz kurz mit Blaustift die Worte: Lustbarkeit», st euer BredelLM. vermerkt waren. Von wem da» Geld in Einpfang genommen, ist nicht vermerkt, auch entbehrt der Zettel jedes Stempels. Eine solche GeschäftShandhabung heißt die Sparsamkeit doch schon etwas au-* die Spitze treiben und entspricht im Zeitalter des entwickelten Handels und Verkehrs wohl noch krämerhaften Ge- pflogenhetien, nicht aber der Geschäftspraxis einer königlich preußischen Amtsverwaltung. Der Ueberbringer des Geldes hätte recht getan, wenn er die Annahme einer solchen Quittung strikte abgelehnt hätte. Adlershof. Durchgreifende Aenderungen sind, wie aus dem JahreSbnicht der gemeinsamen Ortskrankenkasse für Adlershof unb Umgegend hervorgeht, im Laufe des Jahres in der Verwaltung der Kasse vor- genommen worden. An Stelle des Arbeitgebers Hausen als Vor- sitzender wurde der Arbeitnehmer Max Knappe gewählt. Die Wahl der Vertreter zur Generalversammlung findet jetzt nach Bezirken statt und— was die Hauptsache ist— eS ist endlich im Statut be- stimmt, daß jeder Arbeitgeber, welcher Beiträge aus eigenen Mitteln zahlt, n-ur eine Stimme bei der Wahl führt; früher vereinigte er soviel Stimmen auf sich, als er Beiträge für jedes Mitglied zahlte. An Beiträgen sind im Jahre 1911 mehr eingegangen 95 767,64 M. Diese Mehreinnahme ist weniger auf die größere Mitgliederzahl zurückzuführen, als auf die, nach vielen Kämpfen mit den Arbeit, gebern durchgeführte Bemessung der Beiträge nach Lohnklassen. Die Ausgaben für ärztliche Behandlung betrug 43 011,94 M. und über- steigt das Vorjahr um 4633,86 M. Die Erhöhung dieser Position ist auf den ständigen großen Krcmkenbestand zurückzuführen und spiegelt somit die ganze Misere des Wirtschaftslebens der Arbeiter- schaft wieder. Auch an Krankengeldern sind entsprechend der größeren Krankenzahl größere Summen- zur Auszahlung gelangt; die Mehr- ausgäbe von 36 313,03 M. gibt indessen nach dieser Richtung kein klares Bild, da ja mit in Erwägung zu ziehen ist, daß die Kassen- leiswngen durch die Einführung der Staffelbeiträge erhöht wurden. An Angehörigenuntcrstützungen wurden mehr ausgezahlt 1744,38 Mark, die Wöchnerinnenunterstützung betrug im Berichtsjahre 8030,90 M., gegen 1910 ein Mehr von 2108,79 M. Für Kur- und VerpflegimgSgelder an Krankenanstalten tvnrden 43 536,53 M. verausgabt. Interessant ist die Aufstellung über die Krankheitsarien und Erkrankungsfälle, wie sie im Laufe des Berichtsjahres fest- gestellt werden konnten. T�nach steht Rheumatismus mit 486 Fällen an der Spitze, während bei den Frauen die Erkrankung der Unterleibsorgane mit 196 Fällen an erster Stelle verzeichnet steht. Als ungeheuer hoch muß auch die Zahl der Unfälle bezeichnet Iverden, der Bericht weist deren 45l bei Männern und 47 bei Frauen auf; rechnet man noch die registrierten Verletzungen von 213 bei Männern und 39 bei Frauen so ergibt dies insgesamt 756 Unfälle bei einer Durchschnittszahl von 8343 Mitgliedern. Trotzdem auch die sächlichen Kosten 4253 M. höher sind als im Vorjahr, war es doch nocb möglich, dem Reservefonds 25 533,27 M. zuzuführen, gegen 1226,56 M. vom Jahre 1916. Der Kasscnvestand ist von 12 667 M. auf 36 243 M. erhöht loorden. Dieser Abschluß, wie auch der sonstige Ausbau der Kasse lM wieder einmal aufs deutlichste ge- zeigt, daß einzig und allein durch die Versicherten die Krankenkassen sich zum Segen derselben entwickeln. Jahrelang haben in der Adlershofer Ortskrankenkasse die Arbeitgeber das"Heft in Händen gehabt, in dieser Zeit ist nichts geschehen, um die Verhältnisse zu bessern. Ten Feinden der Selbstverwaltung der Krankenkassen durch die Arbeiter möge dieses Beispiel zur Lehre dienen. Nolvawes. In der letzten Versammlung des Wahlvercins hielt Genosse T h u r o w- Neukölln einen äußerst belehrenden mit Beifall auf- genommenen Vortrag über das Thema:„Die Stellung der Arbeiter- schaft zur heutigen Gcsellschasl". Im geschäftlichen Teil machte der Vorsitzende zunächst die Mitteilung, daß der Vorstand aus Anlaß der jüngsten Vorgänge im Konsumverein den Genossen Frenze! auf- gefordert habe, sein Mandat als Gemeindevertreter niederzulegen. Da diese Ausforderung keinen Erfolg hatte, habe sie der Vorstand in Gemeinschaft mit der Fraktion der sozialdemokratischen Gemeindevertreter in dringlicher Form wiederholt, worauf von Frenze! ein Schreiben eingegangen sei. in dem er seine Mandats- niederlegung mitteilt, und zwar mit dem Bemerken, daß er sich lediglich ans Gesundheitsrücksichten dazu entschlossen habe. Jm Ver- laufe der hieraus folgenden Debatte wurde von einem Mitgliede der Antrag gestellt, gegen Frenze! das Ausschlußverfahren einzuleiten. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme.— Zur Aufnahme ge- langten 14. abgemeldet hatten sich 5 Mitglieder.— Der vom Genossen Weinert erstattete Bericht über die Tätigkeit des Bildungsausschusses bot leider 4ein erfreuliches Bild. Die Veranstaltungen, sowohl Theaterabende wie Vorträge, waren mit wenigen Ausnahmen so schlecht besucht, daß die Einnahmen in gar keinem Verhältnis zu der aufgewendeten Mühe und den erheblichen Kosten standen. Von verschiedenen Genossen wurde die Frage aufgeworfen, ob unter diesen Umständen überhaupt die Beibehaltung des Bildungsausschusses ratsam sei. Die Ent- scheidung über diese Frage reip. die eventuell vorzunehmende Neu- wähl wurde für die nächste Versammlung zurückgestellt.— Das Sommerfest soll nicht, wie in der Aprilversammlung festgesetzt, am 28., sondern bereits am Sonntag, den 14. Juli stattfinden.— Unter »Verschiedenem" brachten die Genossen Gomoll und Hahn verschiedene Mißstände im Schulwesen zur Sprache, zu deren Beseitigung Genosse Zöllner in seiner Eigenschaft als Gemeindevertreter die nötigen Schritte bei der vorgesetzten Schulbehörde tun will. Beeskow. Die Fixigkeit der Polizei läßt vielfach sehr zu wünschen übrig, wie nachstehende Zuschrift illustriert: Am 24. April vormittags war der Eigentümer B l a s k e von Weinberg bei B e e s k o w sowie seine gesamte Familie von Hause abwesend. Das Haus war verschlossen. Die Abwesenheit des Besitzers benutzte ein Einbrecher, um gute Beute zu machen. Er stieg durch ein Fcnster in die verlaßene Wohnung und durchsuchte alle Stuben und Schränke. Das Ein- steigen wurde durch Nachbarsleute beobackitet, die den Besitzer von dem Vorgang in Kenntnis setzten. Um'/zll Uhr nahte der Besitzer seinem Hause und konnte noch sehen wie der Eindringling sich sich aus dem Hause durch das Fenstcr entfernte und sich dem nahen_ Walde zuwandte. Eine schnelle Feststellung ergab, daß eine goldene Uhr und 466 Mark gestohlen waren. Um 11 Uhr ging der Eigentümer B I a S k e zum Stadtwachtmeister, der ein Protokoll über den Vorfall aufnahm; von dort zum Gendarm, um den Polizeihund zu requirieren. Der Gendarm war auf einer Diensttour und kam um 1 Uhr zurück. Vordem und nachdem, so um 12 Uhr, war der Bestohlene in Begleitung eines andere» Bürgers wieder bei dem Beamten, um>/z Uhr ein Bote. Ihm wurde erklärt, der Beamte sei schon fort. Als dem Beteiligten die Geduld ver< ging, versuchte er um'/»b Uhr nochmals sein Glück bei dem Gen- darmen. Endlich traf er denselben auf dem Sofa schlafend zu Hause. Der Bestohlene bemühte sich zum Oberwachtmeister Wolf. Auf dessen Anordnung waren dann der Gendarm und der Wachtmeister abends >/,7 Uhr glücklich zur Stelle. Es wurde nun festgestellt, daß der mitgebrachte Polizeihund keine Witterung mehr nehmen könne, da die Sachen schon angefaßt seien I Mit dieser Feststellung war die Aktion für diesen Tag be- endet. Ob weiter etwas unternommen wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Der ganze Vorfall zeigt jedoch, daß unsere Polizei mitunter über mehr Ruhe verfügt, als es im Jnteresie der Bürger liegt. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetensitzung hatte sich mit der Gewährung einer Beihilfe von 500 M. an den JnnungsauSschuß zur Veran- staltung einer LchrlingSausstellung zu befassen. Die SluSstellunq soll im Herbst dieses Jahres stattfinden. Der Betrag wurde nach längerer Debatte bewilligt unter der Bedingung, daß das Geld nicht zur Entschädigung der Jnnungsmeister für gelegentlich der Ausstellung versäumte Zeit verwendet wird. Der Potsdaincr Ver- kehrsverein verlangt einen Betrag von 666 M. zur Beteiligung an einer Bildschmuckreklame in den Eisenbahnwagen. Man will da- durch den Potsdamer Verkehr heben und glaubt, daß durch diese Re- klame, an der sich eine größere Anzahl Städte beteiligt und die auf Veranlassung des Bundes Deutscher Verkehrsvereine inszeniert ist, die Aufmerksamkeit auf Potsdam gelenkt wird. Die geforderte Summe wurde bewilligt unter der Bedingung, daß die städtische Verwaltung bei der Auswahl der Bilder mitzureden hat.— Für die im Vorjahre angeschaffte Magirusdrehleiter für die Feuerwehr sind noch für Anschaffung von Bestandteilen und dergleichen Kosten in Höhe von 1673,76 M. entstanden.— Ein Antrag des Stadtver- ordneten Neuber verlangt Regulierung der Lennestraße, da diese Straße sich tatsächlich in einem fast unbeschreiblichen Zustande be- findet. Der Antragsteller zieht seinen Antrag zurück, nachdem ihm seitens des Magistrats versichert wird, daß die Regulierung und Pflasterung der Lennestraße für das nächste Jahr sowieso vorgesehen fei.— Der Magistrat hat eine Dringlichkeitsvorlage eingereicht. Sie betrifft die Zenkersche Badeanstalt am Kiwitt, die seinerzeit vom Magistrat angekauft worden war. Es werden zum Ausbau derselben 8666 M. gefordert und bewilligt. Nach Herstellung der- selben soll sie zuin Preise von 1266 M. jährlich verpachtet werden. Die Unterhaltungskosten trägt der Magistrat. Als Pächter ist der jetzige Warmbadeanstaltsb-sitzer Dittrich in der Burgstraße in Aus- ficht genommen.— Der Bericht des Ausschusses für das Raum- Programm des Rathauses wurde zurückgestellt. Der Ausschuß ver- langt erst vom Magistrat zu seinen jetzigen Aufstellungen bezüglich der Raumgröße der einzelnen Abteilungen eine Gegenüberstellung des zurzeit vorhandenen Raumes in diesen Abteilungen. Die letzte Wahlvereinsversammlung nahm die Abrechnung vom 1. Ouartal 1912 entgegen. Einer Einnahme von 356,37 M. stand eine Ausgabe von 87,17 M. entgegen, außerdem waren 224,25 M. an den Kreis abgesandt worden. Hierauf beschloß die. Versammlung, für Potsdam eine Parteispedition zu errichten und die Verwaltung derselben dem Genossen Hörig zu übertragen. Eine in der vorigen Versammlung gegebene Anregung, zum zweiten Pfingstfeiertag eine Dampferpartie zu veranstalten, wurde zur Diskussion gestellt, fand jedoch nicht die genügende Unterstützung, so daß Verlamlnwngen. Erklärung. Nach dem Bericht des„Vorwärts"(Nr. 166) wurde auf dem Verbandstag des„Zentralverbandes der Handlungsgehilfen" folgende Resolution angenommen: „Die Generalversammlung bedauert auf das lebhafteste, daß die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, Dr. Nestriepke und Erich Kuttner, als Angestellte eines bürgerlichen Verbandes (gemeint ist der unabhängig-gewerkschaftliche„Bund der kauf- männischen Angestellten") die Interessen der Arbeiterschaft da- durch gröblich schädigen, daß sie in Wort und Schrift gegen den Anschluß der Handrlsangestcllten an die freie Gewerkschaft agitieren." Ohne auf die m. E. falschen Voraussetzungen dieser Resolution einzugehen, möchte ich doch, soweit meine Person in Frage kommt, folgendes richtigstellen: 1. Ich bin niemals Angestellter des„Bundes der kaufmännischen Angestellten" gewesen, habe allerdings als Hilfssekretär des Bundes der technisch-industriellen Beamten auch für jenen einige Versamm- lungen abgehalten. 2. Ich bin mir nicht bewußt, dabei jemals„gegen den Anschluß der Handelsangcstellten an die freie Gewerkschaft agitiert" zu haben. Ich habe höchstens gelegentlich daraus hingewiesen, daß Gründe rein praltischer Natur es v e r st ä n d l i ch erscheinen ließen, daß der B. k. A. einen Anschluß an die freien Gewerkschaften ab- lehne. So in meinen Ausführungen auf dem letzten Bundestage des B. k. A.(laut Protokoll):„Aus praktischen und ethischen Gründen kann die Interessengemeinschaft aller Arbeitnehmer nicht genug be- tont werden, und es ist bedauerlich genug, daß der Gedanke an sie noch so wenig Boden gefaßt hat. Es müßte eine Ehrenpflicht jeder gewerkschaftlichen Organisation sein, ihn zu hegen und zu pflegen. Mögen Sie niemals aus den Augen lassen, daß Brücken hinüber und herüber führen und zwischen Ihnen und den gewerk- schaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft. Der Bund der kauf- männischen Angestellten lehnt es' ab, sich organisatorisch mit den Gewerkschaften der Arbeiter zu verbinden. Wenn man bedenkt, wie sehr gerade in den Kreisen der kaufmännischen An- gestellten noch Standesdünkel und Standespartikularismus zuhause sind, mutz man wohl zugeben, rein praktisch zum Vorteil der Bewegung. Das darf Sie aber nicht hindern, den Ge- danke nderJnteressengemeinschafthochzuhalten: Nur kein törichtes, und letzten Endes auch unpraktisches:„Wir sind etwas anderes, etwas Besseres." 3. Im Laufe der Zeit immer mehr davon durchdrungen, daß die vielleicht vorhandenen praktischen Vorteile doch. den Abschluß von der Arbeiterbewegung nicht rechtfertigen könnten, und nichk gewillt, diese meine Ueberzeugung zurückzustellen, habe ich dann bereits vor einigen Wochen unter dieser Begründung meine Werbe- tätigkeit für den B. k. A. aufgegeben und Ansang April ebenso auch meine Stellung beim Bund der technisch-industriellen Beamten gekündigt. Dr. S. Nestriepke. Der Berbandstag des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen hat eine Entschließung' gefaßt, in der er sein Bedauern darüber ausspricht, daß zwei Mitglieder der sozialdemokratischen Partei (Dr. Nestriepke und Erich Kuttner) als Angestellte eines bürger- lichen Verbandes in Wort und Schrift gegen den Anschluß der Handlungsgehilfen an die freien Gewerkschaften agitieren. Erich Kuttner hat dagegen in Nr. 168 des„Vorwärts" vom 16. Mai 1912 eine„Berichtigung" gebrachte An der von dem Ver- bandstag der Handlungsgehilfen festgestellten Tatsache kann aber nichts„berichtigt" werden. Nestriepke und Kuttner sind noch heute Angestellte des bürgerlichen Bundes der technisch-industriellen Be- amten. Als solche haben beide für den Bund der kaufmännischen Angestellten agitiert, und noch auf dem am 2. März 1912 abgehaltenen Bundestag der kaufmännischen Angestellten sind beide als Redner aufgetreten Zentralverband der Handlungsgehilfen. .', I. 51.,: Paul. Lange. Hub cler frauenbenegung. Lescabende. Zchlendorf(Wannsee). Montag, den 13. d. M., abends 8 Uhr, bei Mickley, Potsdamer Straße. Vortrag des Genossen Kurt Heinig. Versammlungen zum Frauentag. Scheukendorf bei Königs- Wusterhausen. Pünktlich 12�/, Uhr. Ab- marilb nach Königs-Wusterhausen zur Frauenversammlung. Tegel. Gemeinsamer Abmarsch um 1>/z Uhr vom Jugendheim, Schlieperstr. 36. Tcmpelhof. Treffpunkt am Kriegerdenkmal in der Dorfftraße zur Versammlung in Mariendorf. Hud aller Melt. Abstand genommen werden wird. Genoffen gemeldet. ..,„ von einer solchen Zur Aufnahme hatten sich drei für fcbießcndc Karabimen... keine Strafe. Aus Rom wird uns geschrieben: Das Verfahren gegen die Karabinieri, die am 28. September 1911 in Langhirano bei Parma ein Blutbad angerichtet hatten, ist soeben in der Voruntersuchung eingestellt worden, weil die Carabinieri im Zu« stände der Notwehr gehandelt habe» sollen. Wie es um diese Not» wehr bestellt war, mag aus der Schilderung des Hergangs hervor- gehen. In Langhirano war am 27. September, dem Tage des Generalstreiks gegen die Tripolisaffäre, gestreikt worden, wobei auch die Dampfbahn nach Parina außer Betrieb gesetzt wurde. Am Morgen des 23. September kam Nachricht aus Parma, daß der Proteststreik fortzusetzen sei, worauf sich einige 36 Personen auf die Station der Dampfbahn begaben, um die AuS- fahrt zu verhindern. Die wenigen Demonstranten stellten sich vor die Lokomotive. Darauf drangen 7 Karabinieri, die die Station bewachten, mit dem Gewehrkolben auf sie ein, und als die Leute nicht wichen, schössen sie ohne vorherige Warnung und aus nächster Nähe. Es blieben drei Tote auf dem Platze, und zwar ein 36 jähriger Landarbeiter, die 31 jährige Ge- nossin M o n d e I l i, Sekretärin der Landarbeiterinuengewerkschaft und die Genossin S ch i a v i vom Exekutivkomitee der Arbeiterkammer. Diese war 21 Jahre alt und im achten Monat schwanger. Von den Verwundeten ist in der Folge einer seinen Verletzungen erlegen. Die Karabinieri, die in keiner Weise bedroht waren, setzten ihren Opfern die Waffen fest auf den Leib. Als die Mutter der Genossin Mondelli sich weinend über die Leiche ihrer Tochter warf, wurde sie mit dem Gewehrkolben geschlagen. Nach getaner Blutarbeit zogen sich die Karabinieri mit dem vor- gesweckten Revolver in der Hand in ihr Wachtlokal zurück. Und eine derartige Schandtat wagt man als einen Alt der Notwehr hinzu- stellen und außer Verfolgung zu setzen I In Langhirano bedurfte es des ganzen Einflusses der Leiter der Arbeiterkainmer, um die nach dem Blutbad zusammengeströmte Menge zu verhindern, das Wachtlokal in Brand zu stecken. Hatte man das getan, so wäre eS zweifellos eine Barbarei gewesen; ist aber IrnS freisprechende ErkenntSnis des Untersuchungsrichters nicht mindestens ebenso barbarisch?_ Aus der besten aller Welte«. Vor dem Mödlinger Bezirksgericht war die in Brunn wohnhafte Frau Josephine K. angeklagt, mehrere Brotlaibe von einem Brotwagen genommen zu haben, der vor ihrem Wohuhause gestanden hatte. Die Angeklagte ist.h o ch s ch w a n g e r und sieht überaus vergrämt aus. Sie gab an, daß ihr Mann, der früher Schmiedemeister war und jetzt in der BAUM« Brauerei arbeitet, ihr nur eine Krone bis eine Krone vlerzig Heller täglich gebe, wovon sie vier Kinder nicht er- nähren könne. Am 23. April, als sie das Brot genommen habe, habe die ganze Familie außer einem Viertellaib Brot und außer Kaffee nichts gegessen. AIS nachmittags der Brotwagen vor dem Hause gehalten habe, habe sie, von Hunger g e a u ä l t, den Brotführer Frank ge- beten, er möge ihr einen Laib Brot schenken. Er habe das verweigert und später habe sie in einem unbewachten Augenblick einen Laib aus dem Wagen genommen. Der Brotführer habe das gesehen, und obwohl sie, als er sie zur Rede gestellt habe, ihm den Laib habe zurückgeben wollen, und ihre Bereitwilligkeit erklärt habe, wenn er ihr daS Brot lasse, ihm sechsunddreißig Heller zu geben— diesen Betrag habe sie noch besessen habe er weder Brot noch Geld genommen, sondern die Anzeige erstattet. Bezirksrichter Dr. Pann: Sie sollen aber auch schon acht Tage vorher aus dem Wagen einen Laib Brot gestohlen haben.— Angekl.: Das ist nicht wahr, eine Nachbarin hat meinem Mädel e i n Stück Brot geschenkt, weil sie vor Hunger geweint hat.— Richter: Am 21. April sollen Sie wieder dem Bäcker Schulz einen Laib gestohlen haben?— Angekl.: Ich sage es, wie es wahr ist. Ich habe ihn um ein Brot angesprochen, er hat mir keines gegeben, da habe ich mir dann selbst eins ge« nommen. Man wird ja ganz kopflos, wenn die Kinder weinen.— Richter: Sie habe» innerhalb achtundvierzig Stunden zweimal gestohlen.— Angekl.: Ich leugne es ja nicht, ich sage ja so alles.. � Der Richter sprach die Angeklagte des Diebstahls von zwer Laib Brot schuldig und verurteilte sie zu zwölf Stunden Haus« a r r e st._ Stützen der Gesellschaft. Graf Leopold v. S a l d e r n- A h l i m b ist ein schneidiger Fibeikommißbesitzer; 26 Jahre alt. tipp topp modern— steht unter Kuratel I Seine Mutter, die 56 Jahre alte Baronin Luise v. Saldern, entstammt hochseudalen Kreisen. Diese beiden Repräsentanten der privilegierten Kaste mußten dieser Tage auf Grund einer gegen sie wegen Betruges, Zechprellerei und gewerbsmäßiger Schwindeleien erstatteten Strafanzeige dem Untersuchungsrichter eine Visite abstatten. So berichtet die„Köln. Volksztg." ans W i e s b o d e n. Der Graf hatte sich seit Anfang dieses Jahres mit seiner Mutter in verschiedenenHotelS einquartiert undjedesmal vergessen, die bedeutenden Zechschulden zu bezahlen, wenn er still- schweigend verschwand. Graf Leopold erhielt Quartier im Unter- suchungsgefängnis; seine Mutter beließ das Gericht auf freiem Fuß. Die Baronin v. Saldern ist Besitzerin eines ehemals v. Hansteinschen Rittergutes in Bornhagen(Eichsfels), wo sie mit ihrem Sohn, dem Grafen Leopold v. Saldern, die längste Zeit des JahreS ihren Wohn» sitz hat. Der junge Graf führt ein verschwenderische?,, standcs« gemäßes Leben. DaS Mitglied deS anhaltischen Landtags, tapferer Sozialisten» fresser, Oberamtmann, Gutsbesitzer Louis Meißner in I o n i tz hatte„auf Ehre" zirka 166 Zentner Schilf als gutes Heu verkauft. Das Schöffengericht ließ den Geschäftsmann„geirrt" haben und sprach ihn frei. Der Strafkammer in Naumburg ging der Irrtum„auf Ehre" denn doch etwas zu weit, Herr Louis Meißner in Jonitz muß 666 M. blechen. Kleine Notizen. Schwerer Automobilunfall. In der vergangenen Nacht ver« unglückte auf der Landstraße zwischen Weimar und Erfurt in der Dunkelheit das Automobil des Erfurter Buchhändlers Weber. Weber und fein Kolporteur wurden getötet, der Chauffeur und ein weiterer- Insasse verletzt. Todcssturz eines Militärfliegers. Am Freitassabend stürzte der Fliegerleutnant des Geniekorps de Periis m Pordemo ne (Norvtlalien) nrir einem Fammn-Spparat beim Landen ob und winde t o t unter den Trümmern des Apparates hervorgeholt. Schiffszusammenstoß im Aermclkanal. Das Fischerboot»Mouette� hatte Freilag nacht im Aermelkanal einen Zusammenstoß mit einem unbekannten Dampfer. Die Fischerbarke wurde schwer b e« schädigt. Ein Matrose und ein Schiffsjunge fanden den Tod. Ein weiterer Matrose wurde lebensgefährlich verletzt. Verunglückter Erfinder. Der junge Mechaniker Artur Molnar wollte am Freitag in Fünfkirchen mit einem selbst konstruierten Fallschirm von dem 16 Meter hohen Turm der Feuerwehrkaserne herabspringen. Der Fallschirm neigte sich während des Falles zur Seite, Molnar stürzte heraus und wurde tödlich verletzt aufgefunden._ Arbeiter-Ziamariterduud, Kreis Brandenburg.> Lchrabend haben in dieser Woche: Berlin. 2. Abteilung Montag bei Dase, Vrunnenstr. 154, abends S'/, Uhr. Spandau. Mittwoch bei Pcczile!, Pichelsdorser Straße 5, abends S'/, Uhr. Martendorf. Montag bei Löwenhagen, Chaussecstr. 27, abendS 8'/, Uhr. N o w a w e S. Freitag in der Fortbildungsschule, abendS L>/, Uhr. Schöneweide. Montag SiemenSstr. 12, abends 81/, Uhr. FriedrichShagcn. Donnerstag, Fricdrichstr. 66, 2. Hof, abendd S>/, I16r. Neukölln. Flellag•• gbealpaffnat, Weichfeistrahe s. abend � 8'/, Uhr. Neue Mitglieder könne» an den Lehrabenden eintreten. OlUgcmelue ffnmilienflerbrlaffc. Heute Zahl- und ttufnatmcjaa von 3—6 Uhr im Restaurant SIckcrstr. 123. WitterungSübersicht vom 11. Mai 1912. Etationen Swlnembe. tamburg erlin Franss.a.M. München Wien � s u u isi 764 WNW 763 NW I 763 NO 765 W 763 NW Wetter 4 molkig l�bedeckt 3molkig t heiter 4bedeckt »halb bd. s>— daparanda ßetersburg Scillh Aberdeen Paris II es N NW SW SSO 762 SSW Wetter bedeckt heiter Nebel 2! bedeckt 2heiter ** c* Mk 7 4 12 9 18 Wetterprognose für Sonntag, den 12. Mai 1912. Etwas wärmer, zunächst ziemlich heiter, bei mäßigen südwestlichen, Winden; später zuuehmende Bewölkung und leichter Regen. Berliner Wetterburt«» � WafierftandS-Rachrichte» der Landeianstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbttreau. Wasserstand M e m e I. Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor . Krassen Frantsurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden , Berdh . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') . Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Hetlbron» Main, Hanau Mosel.Trier >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.— ') Unterpegel. - v. v- rip na gtz- Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil t>ersntv.Z Zh. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. n verlagsanstalt Pastt Singer t Co., Berlin SW, Fr. Halm BERLIN C. Go"r' Alexanderplatz Landsberger Str. 60-63 Sonntag geöffnet von 8 bis 10 Uhr In dieser Woche besonders vorteilhaki: Samen-Konsektion Knaben-WM-Anzüge Samen-M »oit. Ubta mit 1_. 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SS 144[BOG] 262[600] BS 343 418 21 72 681 C13 47 819 49 1129 69 139 68 337 70 77 634 89 849 68 982 2049 104[1000] 273 497 663 932 S013 130 209 809 733 985[1000] 4027 100 28 227 90[600] 369 69 .76 89 406 682 834»488 861»OOS 68 109 386 99 493 917 89 843 62 1500]«68 7083[1000] 128 844[3000] 423 682 83 829»019 646 889 831 64»018 162 72 309 81 482 892 863 962[3000] 10188 213 373 490 619 734[1000] 823 919 32 111204 19 408 40 642 637 793 848 909 12081 119 60 308 71[600] 849 488 667 664 81 1S031 183 246 89 S1 367 451 678 734 834 1 4835 99 766 86 382 938 I1S209 19 87 373[600] 494 628 643 80 728 830 968 1»044 105 42 207 72 689 17261 338 78[600] 91 437 810 1»030 113[600] 891 622 42 19088 80 87. SS 139 249 64 87 694 783[800] 805 62 941[600] 98 20288 478 699 730 74 963 2 1406 632 731 SSO 22067[600] 432 640 47 700 2 3026 28 148 207 SO 88 622(3000] 669 78 07 793 814 17 999 2 4028 802 31 469 97 802 8 87 832[1000] 37[3000] 813 68 87[1000] »58 90 25117 18 44 238 308 408 71 690 747[600] «89 911 38 2 0024 49 230 88 76 628 607 720 664 67 «42 77 2 7 051 240 94 308 83 437 661 842 710 838 43 •1 28016 02 106 94 318[3000] 42 61 492 93 810 2»5 SS 470[8000] 93 834 837 70 877 938 3a2S3 338 61 406 17 28 81 832 885 718 97 911 1800] 31147 79 88 322 642 701 14 86 888 3 2024 131 (500J 462 682 3 3508 12 913 90 34188[800] 241 720 (600] 919 8 5090 176[600] 281 891 434 47 76 631 886 734 37 869 68 70 3B101 85 481 601 878 3 7336 44 448 834 008 3 8235 608 728 829 3 9288 601[600] 708 »3[600] 40 906 83 40018 68 82 211 90 632 44 886«18[500] 41007 »48 804 18 79 758[1000] 836 86 42132 281 491 619 (3000) 71 91 714 21 48 818 4 3026 84 82 242 860 (600] 92 821(800] 44 748 844 63 4 4085 168 260 73 829 489 672 610 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HO. 29. ZahrMg. 6. KnlM des Lmiick" Knliütr Nckstw SwAn> t2. m 1912. Hus Induftrie und Handel Profite britischer Grubenbesitzer. Tie hartnäckigsten Gegner der englischen Minimallohngarantie Karen und sind die walisischen Grubenbesitzer. Sie vor allem haben unter der Führung ihres„Königs" D. A. Thomas ein privates Abkommen über die Lohngarantie vereitelt. Von ihnen werden auch die größten Erschwerungen der Praktizierung des Minimal- lohngesetzes befürchtet. Das ist um so charakteristischer für diese Herren, weil gerade die Walksischen Kohlenbergwerke zu den er- giebigsten in Großbritannien gehören. Natürlich behaupten die Unternehmer, die Minimallohngarantie sei eine„Prämie auf die Faulheit" und werde den Bergbau ruinieren. Darin liegt eben auch das Zugeständnis, daß unter dem bisherigen Lohnberechnungs- system nicht wenige Akkordarbeiter ihren tariflichen Mindestlohn nicht erzielen konnten, was die Unternehmer ebenfalls bestreiten. Betrachten wir uns aber die Betriebsergebnisse der walisischen Kohlenbergwerke, dann stellt sich heraus, daß die Weigerung der Be- sitzer, den Minimallohn zu garantieren, nicht ihrem wirtschaftlichen Unvermögen entspringt, sondern der Ausfluß jenes Herrenstand- Punktes ist, den wir auch in Deutschland vornehmlich bei den Be° sitzern der ertragreichsten Unternehmungen zu finden gewohnt sind. Im Kohlenbergbau von Südwales und dem benachbarten Man- mouthshire ist die Betriebskonzentration und die Kombination der Einzcluntsrnehmungen(Kohlengruben, Eisen- und Stahlwerke) viel weiter vorgeschritten wie in fast allen anderen britischen Kohlendistrikten. D. A. Thomas speziell ist der Dirigent und Mitbesitzer mehrerer der größten Bergwerks- und Hüttengesell- schaftcn. Das macht sein stark ausgeprägtes Herrenbewußtsein verständlich. Das Jahreseinkommen dieses britischen„Stinnes" ist auf eine hübsche Anzahl Millionen zu beziffern. Dank ihrer günstigen Lage sind die walisischen Gruben vorzugsweise Liefe- ranten der hochgezahlten Sckstffskohlen. Die ausgedehnten Ver- dindungcn der Gruben mit Eisen- und Stahlwerken, Eisenbahn- kompagnien, auch mit Schiffsbau- und Schiffahrtsgcsellschaften be- günstigt ebenfalls eine sehr rentable Verwertung des Förderpro- dukts. DaS kommt in nachfolgenden Gewinnziffern deutlich zum Vorschein. Es hatten in den näher bezeichneten Zeiträumen, fast durch- weg endend mit dem Jahre 1910, einige mit 1911: Brutto- Name der Gesellschaften Überschüsse Pfd. Sterl. Allbio» Steam....... 383 886(12 Jahre) Baldvins A. G....... 756 817( 7,) Cambrian Comp. A G..... 858 047(12„) David U. Sohn G. G..... 1535 484(12„) Ebbv Vale Steel. Jron and Coal 1 446 449 Great Western Vnllwey A. G.. 716 502 Guest, Keen and Nettle A. G.. 4 128 228 North Navigations Colliery A. G. 1 097 804 Partoydge, JoncS Comp. A. G.. 1 074 850 Povell Duffryn Slem Coal A. G. 2 071379 Tredegar Jron and Coal Comp. A. G......... 1 183 427 Rhhnmcy Jron Comp. A. G... 830 240 ( 7 (12 (12 (12 (12 (10 (12 (12 l 7 (12 (12 ) Aktienkapital Pf b.Sterl. 460 000 1 167 151 500 000 625 000 1 158 913 420 000 4 535 500 1 650 000 310 000 1 053 139 996 915 1 506 000 Es ist dies nur eine kleine Blütenlese. Solche Gewinne machen also die Wierke, deren Besitzer sich am hartnäckigsten sträuben, die Garantie eines auskömmlichen Minimallohnes zu übernehmen. Die meisten Unternehmen haben im Laufe eines guten Jahrzehnts mehr Ueberschüsse abgeworfen, als das gesamte Aktienkapital, welches übrigens schon durch den Buchwert der Werksanlagen und der sonstigen Immobilien gedeckt ist, beträgt. Natürlich sind die Bruttoüberschüsse nicht ganz in Form von Dividenden zur Aus- zahlung gekommen. Aber darum sind es doch Ueberschüsse, wenn die Summen auch zu(sehr reichlichen) Abschreibungen, Ansamm- lungen von Reservefonds und Neuerwerbungen verwandt wurden. Beispielsweise zahlte die von A. Thomas dirigierte Cambria- gesellschaft innerhalb 12 Jahren auf 500 000 Pfund Sterling 348 000 Pfund Sterling Dividende; weiter wurden 225 624 Pfund Sterling für Neuerwerbungen verausgabt; 115 000 Pfund Sterling stellte man in Reserve. Auch wenn man das gesamte„arbeitende" Kapital(748 713 Pfund Sterling), darunter die als solches auf- geführten, von den Bruttoüberschüssen zurückgestellten Reserve- fonds zum Vergleich heranzieht, dann ist der von der Cambria- gesellschaft von 1899 bis inklusive 1910 erzielte Ueberschuß immer noch mehr als 2 Millionen Mark höher wie daS gesamte jetzige Betriebskapital. Wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Gesell- schaft infolge eines großen Grubenunglücks 1905 zirka eine Million Mark Verlust hatte. Die gleichfalls von D. A. Thomas dirigierte Glamorgan Kohlengesellschaft, deren Arbeiter 1910/1911 fast ein Jahr wegen Auszahlung des tariflichen Mindestlohnes auch an„abnormalen Plätzen" streikten, zahlte in 11 Jahren 312 417 Pfund Sterling als Dividende aus, so daß den Aktionären inklusive den auch für ihre Interessen zurückgestellten Reservefonds schon in dieser Zeit mehr an Zinsen zugeflossen ist, wie das eingezahlte Kapital be- trägt. Eine andere auch von D. A. Thomas dirigierte Unterneh- mung. die Ebb Vale Steel, Jron u. Coal Comp., brachte an ihre Aktionäre im letzten Jahrzwölft zwar„nur" 588 352 Pfund Ster- ling(über 11 Millionen Mark) als Dividende zur Auszahlung, aber 390 006 Pfund Sterling wurden zu Abschreibungen, 405 212 Pfund Sterling für Werkserweiterungen und den Reservefonds verwandt. Die Guest, Keen u. Nettlefelds Kohlenwerke, deren Direktoren ebenfalls zu den hartnäckigsten Verweigerern der Mini- mallohngarantie gehören, hatten 1910 einen geringeren Profit wie in den 10 vorherigen Jahren. Trotzdem betrug der Rohüber- schuß pro geförderte Tonne noch fast 3sh Schilling und an Dividen- den wurden pro Tonne immer noch mehr als 2�4 Schilling ausgezahlt. In einem schlechten Geschäftsjahr! Die außerordentlich hohen Wvrksüberschüffe gerade der großen walisischen Ausbeuter bestätigen die alte Erfahrung, daß ausgerechnet die reichsten Kohlenbarone am wenigsten gewillt sind, das Recht der Ausgebcute- ten auf einen auskömmlichen Lohn anzuerkennen. Versammlungen. Ter Verband der Maler veranstaltete am Donnerstag im großen Saale des Gcwerkschaftshauses eine Versammlung, auf deren Tagesordnung die Tarifpolitik des Arbeitgebcrverbandes d. Referent war Genosse L e i n e r t, der wenig« Stunden vo«. her Üftwr Bruch von Recht und Gesetz als Mitglied des preußischen Abaeordner�''Hauses von Polizeifäusten vergewaltigt worden war. Die aNoemeine Empörung der Volksmossen über diesen Gewaltakt kam dadurch zum �'Sdruck. daß die Versammlung, welche den Saal bis auf den letzten Pellte, den Referenten bei fernem Erscheinen mit einem demonstrativen �e.fallssturm�grußte.Eme spontane Volkskundgebung gegen Polizeli�'ükur mrd zunkerliche ClcRwItpolitu, Der Referent behandelte die EntWickelung des Malergewerbcs. der beiderseitigen Organisationen i,eIj i' bekanntlich im Malergewerbe zu ein/"' Re�hstarif ausgewachicn haben, de? am 15. F-bruar 1913 abläu� � R d' daran, daß die Tarife der Hauptberufe im- J 1913 ablaufen und daß alle Arbeitgeber des Br. ablauf zum Anlaß nehmen, um zu einem geme. gegen die Arbeiterorganisationen zu rüsten. Auch � r verband des Malergewerbes hat sich diesem Vorgehen Ich logen. Die Arbeitgeber sind darin einig, daß sie bei den bevm..'eyenven Tarifberatungen ihre Macht auf Kosten der Arbeiter stärken /"onen� nur über den Weg, der zu diesem Ziele führen soll, herrschen verschiedene Meinungen. In verschiedenen Orten geben sich bV. Arbeitgeber im Malergewerbe der Hoffnung hin, daß sie den Air- beitern eine Niederlage bereiten können. Das geht aus den Aw- trägen hervor, die sie zur Tarifberatung gestellt haben. Da wird- unter anderem verlangt, daß Verbandsangestellte, wenn sie Ver-- stöße gegen den Tarif nicht hindern, ausgeschlossen werden. Eir> anderer Antrag verlangt, daß sich die Arbeiterorganisation in die: Liste der eingetragenen Vereine aufnehmen lasse, damit man sie' für jeden Tarifverstoß rechtlich haftbar machen kann. Natürlich werden die Arbeiter ihre Gegenanträge zum Tarif stellen und ver- suchen, daß die vielen ungelösten Fragen, die der gegenwärtige Neichstarif enthält, in befriedigender Weise gelöst werden. Die Ar- beitgeber haben erklärt, eine Verkürzung der Arbeitszeit vertrage das Gewerbe nicht mehr. Sie wollen den Lohn der angelernten Hilfsarbeiter nicht mehr durch Tarif regeln, sondern ihn nach eigenem Ermessen festsetzen. Sie möchten die Arbeiterorganisation verpflichten, daß sie die Garantie für eine angemessene Leistung jedes Mitgliedes übernehme. Demgegenüber werden die Arbeiter bei der Tarifberatung mit aller Entschiedenheit ihre Interessen zu vertreten haben. Die Vorteile, die durch den Tarif erreicht werdew können, entsprechen natürlich der Größe und Stärke der Arbeiter- organisation. Deshalb gilt es vor allem, in diesem Sinne zu agi- tieren, damit dem Arbcitgeberverband eine feste, geschlossene Macht der Arbeiter gegenübersteht. Die Ausführungen des Referenten fanden einmütige Zustim- mung, was sich durch lebhaften Beifall und durch Verzicht auf jede Diskussion bekundete. Marktbericht von Berlin am 10. Mai 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallcnpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Spcisebohncn, weitze, 35,00—66,00. Linsen 40,00—80,00. K-irtoss-In(Kleinhdl.) 8,00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchslcisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch l,40— 2,60. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butler 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20—5,50. 1 Kilogramm Kardien 0,90-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1.20—2,6». Barsche 0,80-2,00, Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 1,80-40,00. »leclss Wort 10 Pfennig. Das fcttgcdrucKte Wor« 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 8 Pfg.i das erste Wort(fettgedruckt) 10 PIg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme- stellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expcdltlon, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkaufe. Vorjährig« cleganteHerrenanziige onb PalctolS aus ictnilcn Masitoren 20— 10 Mint, Hoicn 6—14 Marl, Bcriandbliu» Wenncmia, Unter den ttiudeu 21. 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