Ur. III. HbonnementS'Bedingungen: Abomienlcilts- Preis pränumerando: Lierteljährl. Z,Z0 M!� monalL 1,10 Mä, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nunwier mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. «bonnemcnlt 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband tür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemenis nehmen am Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxeniburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Tniertions-Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Pcrsammluugs-Auzeigen 30 Pfg, „Kleine Hnzeigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Etelleuaesuchc und Schlasstcllenau- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes wettere Wort5 Pfg, Worte über ISBuch- Stäben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geoffuct, CrftbtiDt tSglitb außtr montags, Vevlinev Volksblstt. Zcntralorgan der foztaldemokrati fcheti partet Dcutfchlanda. Telegramm- Adr-fle: „Sozlaldcmohrat RcrUn". Selbktentmannlmg dcrprcußifcljcn Duma. Dieser Ruf ertönte aus dein Munde unseres Genossen. Hoffmann, als der Vizepräsident Dr. P o r s ch am Montag im Abgeordnetenhause verkündete, daß von 335 Abgeordneten nicht weniger als 319 in namentlicher Abstimmung den Ausschluß Borchardts als gerechtfertigt erklärt hatten. Tat fächlich hat sich die„Vertretung" des preußischen Volkes damit selbst ihr Urteil gesprochen und der Blamage, die Herr v. E r s f a dem Parlamentarismus bereitet hat, die Krone aufgesetzt. Unseren Freunden mußte natürlich daran ge legen sein, die Namen derer, die den präsidialen Gewaltakt billigten, siir ewige Zeiten festzuhalten und sie an den Pran� ger zu stellen: sie hatten deshalb namentliche Abstimmung beantragt. Der Umstand, daß ein ähnlicher Antrag von kon servativer Seite gestellt war, rief im Hause lebhafte Heiter keit hervor. Das Resultat der Abstimmung ist beschämend: Nur die sechs Sozialdemokraten und die beiden Dänen stimm� tcn gegen den Präsidenten: sechs Polen und zwei Forp schrittler Runze und Wenk enthielten sich der Abstimmung, olle anderen, darunter Herr v. Erffa selbst, hatten den traw rigen Mut, mit den Gewalttätigkeiten ihr Einverständnis zu bekunden. Besonderen Eifer legte der Fortschrittler Cassel an den Tag, der erst nach dem Namensaufruf atemlos im Saale erschien und als letzter nachträglich noch durch sein Ja bestätigte, daß er ebenso wie die große Mehrzahl seiner Freunde zu den artigen Kindern gehört. Vielleicht verzeihen die Konservativen nun den Fortschrittlern das Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie. Die Schmach des Freisinns wird auch dadurch nicht ge, ringer, daß man schon vorher wußte, daß er sich offen auf die Seite der Reaktion stellen würde, wie das ja schon am Sonn, abend beschlossen und der Welt verkündet worden war. Denn wenn der Freisinn selbst unfähig war, in dieser doch so klaren Situation den richtigen Weg zu erkennen, so hatten w i r uns ja seiner noch in letzter Stunde angenommen, indem wir ihm nachwiesen, daß er in der schreiendsten Form die elemen tarsten Prinzipien des Liberalismus mit Füßen trete, wenn er durch seine Abstimmung das verfassungs- und g e s c tz w i d r i g e Vorgehen des Präsidenten aus den s u b altern st cnformalenGesichtspunkten heraus demonstrativ gutheiße, um sich nachher hinter eine aussichtslose Demonstration zu verkriechen! Denn die Aktion, die der Freisinn ja bezeichnenderweise auch erst an zweiter Stelle ankündigte, daß er nämlich einen An trag auf Aufhebung des Z 64 einbringen werde, wird ja, wie er ganz genau weiß, kläglich verpuffen. Sie wird bei der Reaktion nur ein höhnisches Lächeln oder gar verschmitztes Augenzwinkern erregen, insofern nämlich die Reaktion die Kläglichkeit und Unaufrichtigkeit der freisin» nigen Retirade hinter dem Antrag ebensogut durchschaut, wie sie die Volksmassen durchschauen! Nein: Wollte der Frei- sinn wirklich einmal Mannesmut beweisen, wollte er zeigen, daß ihm das Prinzip mehr ist als ein fadenscheiniges Deckmäntejlchen, so mußte er in dieser Frage Farbe bekennen! War das Vorgehen des Präsidenten auf Grund des 8 64 gesetzwidrig, so vermochte keine formalistische Handhabe, und wäre sie an sich noch so stichhaltig gewesen, die Verfassungs- und Gesetzwidrigkeit der präsidialen Anmaßung schmackhaft zu machen. Besäße der Freisinn auch nur eine Spur wirk- lich demokratischen Sinnes, so war ihm seine Pflicht klar vorgeschrieben: nämlich gegen die Billigung des Hinaus- Wurfs Borchardts zu stimmen. Mußten diese volksparleilichen Kleinigkeitskrämer und Sittenwächter nun einmal auch bei dieser Gelegenheit ihre bllrgerlich-gutcn Manieren im Gegensatz zu der ruppigen Proletengarde manifestieren, so hätten sie ihr Nein ja einfach durch einen offiziösen E r g u ß d ach i n motivieren können, daß ihnen das Prinzip gebiete, die Beschwerde Borchardts anzuerkennen, wenn ihnen auch ihr zartbesaitetes Gemüt und ihre„Kinderstube" ver- biete, die Unerzogcnheit und Störrigkeit des Abgeordneten Borchardt zu entschuldigen. Aber der Fortschrittlichen Volkspartei gingen die„guten Manieren" über alles. Ihre glorreichen Reminiszenzen aus der Kinderstube beherrschten sie derart, daß sie auch da? preußische Abgeordnetenhaus mit der Kinder- st u b e v e r w e chs el tcn, ihre Wohlerzogenheit über das demokratische Prinzip stellten und der Reaktion skrupellos in die Hände arbeiteten! Und wenn die wohlerzogenen Herren Freisinnigen sich heuchlerisch darauf berufen möchten, daß ja gerade die Rück- ficht auf das„parlamentarische Wesen" ihre Helden- hafte Retirade bedingt habe, so möchten wir doch auch diesen Punkt an der Hand der freisinnigen Begründung selbst noch einmal in helles Licht setzen. Tie Frage nach dem juristischen Recht oder Unrecht scheidet dabei vollständig aus. Denn so klar es ist, daß der famose§ 64 gegen das Strafgesetzbuch verstößt— ebenso klar ist es, daß eine liberale Partei selbst dann gegen seine Handhabung stimmen müßte, wenn sie nicht strafbar wäre.. „In der Ueberzeugung, daß die Ordnung des Hauses ge- wahrt werden mutz, wenn nicht das parlamentarische Wesen selbst schweren Schaden leiden soll, hat die Fraktion beschlossen, durch die Abstimmung zum Ausdruck zu bringen, datz der Präsident nach den jetzt geltenden Bestimmungen ' der Geschäftsordnung berechtigt war. Don den ihm zu Gebote stehenden disziplinarischen Mitteln Gebrauch zu machen." So lautet die Begründung, die die„fortschrittliche" Landtagsfraktton am Sonnabend in die Welt hinaus sandte. Also das„parlamentarische Wesen" leidet Schaden, wenn die Ordnung gestört wird. Wird denn aber nicht das„parlamen- tarische Wesen" durch eine solche Wahrung der Ordnung vollständig aufgehoben, also noch vielmehr als bloß geschädigt? Wir bitten unsere Leser, nicht zu vergesien, daß das „parlamentarische Wesen" doch auch eine spezifisch liberale Jnstittition ist, daß also die Liberalen das allergrößte In teresse an seiner Erhaltung haben und daß sie deshalb höchst energisch gegen seine Umkehrung und seinen Mißbrauch aus treten müßten. Worin besteht nun das„parlamentarische Wesen"? Durch den Mund ihrer Abgeordneten sollen die Wähler teilnehmen an der Gesetzgebung, womöglich auch an der Regierung des Staates. Dies letztere, nämlich die Teilnahme an der Re- gierung, kann in Preußen freilich bloß in.der Form ge- schehen, daß die Abgeordneten die Wünsche ihrer Wähler aus- sprechen: wie weit die Regierung darauf eingehen will, bleibt ihr überlassen, ein direkter Einfluß existiert in Preußen nicht. Nun ist der Sinn der fortschrittlichen Begründung dieser: wenn die Ordnung nicht gewahrt wird, dann werden die Ab- geordneten am Reden gehindert und können den Willen ihrer Wähler nicht zum Ausdruck bringen. Wenn z. B. jemand sich vor die Rednertribüne stellt und den Redner durch fort währende Zwischenrufe stört, so daß er nicht sagen kann, was er will, dann leidet das parlamentarische Wesen schweren Schaden. Daß dies für den vorliegenden Fall maßlos übertrieben ist, daß eine derartige Störung gar nicht stattgefunden hat und in Preußen wie über- Haupt in Deutschland auch kaum jemals zu befürch- ten ist, das brauchen wir unseren Lesern nicht noch einmal nachzuweisen. Wollten wir boshaft sein, so könnten wir sagen: in dieser Hinsicht sind die vielen Schlußanträge, von denen es im preußischen Abgeordnetenhause allwöchentlich nur so regnet, viel schädlicher. Es ist eine wahre Schande, im amtlichen Stenogramm zu lesen, wie oft selbst konservative Redner durch Schlußanträge verhindert worden sind, die Wünsche ihrer Wähler zum Ausdruck zu bringen! Aber nun die andere Seite der Sache, an die die braven „Fortschrittler" anscheinend gar nicht gedacht haben: räumt man dem Präsidenten die Befugnis ein, einen Abgeordneten aus dem Saale zu weisen, so ist der Bettoffene doch ganz und gar an seiner parlamentarischen Tätigkeit gehindert! Seine Wähler sind für die Dauer seiner Abwesenheit ganz und gar ihres Einflusses auf Gesetzgebung und Regierung beraubt! Gesetzt selbst den Fall, der Abgeordnete habe sich so unnütz wie möglich benommen— bestraft ist doch nicht er, sondern seine Wähler! Wo bleibt denn da das„parla- mentarische Wesen"? Weit schlimmer noch ist die Gefahr des Mißbrauchs einer solchen Disziplinargewalt. Und gerade hierfür bietet der Fall Borchardt ein sprechendes Beispiel. Uebereinstim- mung herrscht bei Freund und Feind— und auch die Herren „Forffchrittler" werden dem nicht zu widersprechen wagen — daß der eigentliche Anlaß der ganzen Affäre ein rechter Quark gewesen ist. Die welterschütternde Frage, ob Borchardt ein paar Schritte weiter vorn oder hinten stehen solle, wußte ein unfähiger Präsident nicht anders als mit dem Ausschluß zu regeln! Damit ist jedenfalls festgestellt, daß ein Mißbrauch aus ganz unbedeutendem Anlaß vorkommen kann. Nun kann aber schon nach den jetzigen Bestimmungen der Präsident nicht bloß einen, sondern ebensogut auch mehrere, ja viele Abgeordnete ausschließen. Wie nun, wenn es Herrn v. Erffa einfiele, eines Tages alle 6 Sozialdemokraten auszuschließen? Und am anderen Tage noch ein Dutzend Freisinnige dazu? Die Deckung der konservativen Mehrheit würde er immer ftnden, ganz abgesehen davon, daß ein Einspruch, der drei bis vier Tage später zur Abstimmung gelangt, an der voll- zogenen Tatsache nichts mehr ändern kann. Und weiter: gibt man einmal im Prinzip eine solche Berechtigung des Präsidenten zu, so hat auch die zeitliche Begrenzung keinen inneren Sinn mehr. Kann Herr v. Erffa für einen Tag ausschließen, warum nicht für mehrere, warum nicht für die ganze Dauer der Session? Taffächlich kann er das ja jetzt auch schon, er braucht nur die Ausschließung jeden Tag zu Beginn der Mitzung zu wiederholen. So zeigt gerade der geringfügige Anlaß, aus dem in diesem Falle der Konflikt entstand, daß der§ 64 in logischer Konsequenz zu völliger Aufhebung des„parla- m entarischen Wese u s" führen muß. Deshalb muß jede liberale Partei in jedem einzelnen Falle gegen seine Anwendung sein, ganz gleichgültig, lver gerade Recht und Unrecht hat. Von vornherein und p r i n- z i p i e l I muß jeder, der das„parlamentarische Wesen" schützen will, gegen die Gültigkeit des§ 64 sein, well er den Willen des Präsidenten über den Willen der Wähler setzt. Das war auch der Grund, weshalb Borchardt alsbald nach seiner Entfernung wieder hereinkam. Er wollte damit zum Ausdruck bringen: Ich bin hier auf Grund des Willens meiner Wähler, und der muß höher stehen als jeder andere Wille. Daß die Herren„Fortschrittler" auch bei dieser Gelegen- heit wieder dem rcakttonären Zuge ihres Herzens folgen würden, haben wir vorher gewußt. Wenn sie sich aber dabei noch als Schützer des„parlamentarischen Wesens" auf- spielen, so wollen wir ihnen diese Maske denn doch vom Gesicht reißen! Daß aber der Freisinn das„parlamentarische Wesen" ausgereckinet im preußischen Drleiklassenhause zu schirmen sich berufen fühlte, das au sich ein Hohn ist auf jeden Parlamentarismus, das setzt der ganzen Geschichte die 5ttone auf! * Protestkundgebungen gegen die Vergewaltigung im Dreiklassenhansc. In Breslau fand am Sonntag eine Riescnveffammlung unter freiem Himmel statt, in der die Genossen Bruno Borchardt und Rudolf Breitschcid unter stürmischer Zustimmung gegen den Gewaltstreich im preußischen Abgeordnctenhause sprachen. Folgendes Telegramm wurde abgesandt: Freiherrn v. Erffa, HauL der Abgeordneten, Berlin. 322 neue Sozialdemokraten vollzogen heute ihren Ein- tritt in unsere Partei, 680 M. für den Wahlfonds wurden gesammelt, damit die Abgg. Borchardt und Leinert bald standhafte Kollegen erhalten. Wir danken für freundliche Mithilfe. Sozialdemokratische Partei Breslau." In Gera gestaltete sich eine am Sonnabend abgehaltene, von 2000 Personen besuchte Versammlung zu einer imposanten Kundgebung. Nach einem Referate des Genosien Peirotes über den Rechtsbruch des preußischen Junkerparlaments sprach die Ver« sammlung ihre tiefste Empörung über die Behandlung der Genossen Borchardt und Leinert auS. In Hannover protestierten Sonntagnachmittag die Arbeiter der Städte Linden und Hannover gegen die unerhörte Behandlung ihres Vertreters im preußischen Abgeordnetenhause, des Genoffen Leinert. Mindestens 10000 Personen drängten sich in und vor dem größten Saale der Stadt zusammen. Genosse Leinert, der bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt wurde, kritisierte scharf die skandalösen Vorgänge im preußischen Dreiklassenhause. Die von der Mehrheit beschlossene und vom Frhrn. von Erffa durchgeführte Ver- schärfung der Geschäftsordnung sei eine Verhöhnung des Parlamentarismus. In stürmischen Zustimmungsäußerungen und in emer Resolution gaben die Versammelten ihrem Unwillen über die Behandlung ihres Abgeordneten Ausdruck. In Chemnitz nahm eine nesig besuchte Volksversammlung folgende Resolution an: „Die Chemnitzer Arbeiter sprechen ihre Enttüstung darüber aus, daß die preußische Polizeibrutalität nicht ein- mal vor der Unverletzlichkeit der Volksvertteier Halt ge- macht hat. Sie bekunden die tiefste Verachtung für die Junkerparteien, die das absolute Regiment des Polizei- säbels in das Parlamentshaus gerufen haben. Der kleinen tapferen sozialdemokratischen Landtagsfraktton sprechen die Versammelten ihren Dank, ihre Bewunderung, ihre vollste Sympathie aus, Sie geloben, nicht eher zu ruhen und zu rasten, als bis zu allen Vertretungskörperschaften das all- gemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht errungen ist." Auch in Bielefeld(3000 Peffonen), Herford, Münden und Bünde protestierten stark besuchte Versammlungen gegen die Vergewaltigimg. Straßendemonstration in Frankfurt a. M. In Frankfurt a. M. protestierte die Arbeiterschaft am Sonnabendabend in einer machtvollen Kundgebung gegen die Ge- waltpolitik im Junkerparlament. Obwohl die Versammlung zu einer etwas ungünstigen Zeit angesetzt war, abends 6 Uhr, die Ar- beiter, die auswärts wohnen, fuhren da alle nach Hause, füllten doch zirka 5000 Personen den„Tivoligarten". Hier brandmarkten von zwei Tribünen die Genossen Kremser und Rudolph das Verhalten des Präsidenten des Abgeordnetenhauses. Die Ver- sammelten gaben ihrer Enttüstung über die Vergewaltigung unserer Abgeordneten durch stürmische Zusttmmungsknndgebungen und in einer Resolution Ausdruck, in der sie sich für die verschärfte Auf- nähme des Wahlrechtskampfes aussprachen. Nach Schluß der Versammlung kam es zu einer machtvollen Straßenkundgebung. Die Demonsttanten zogen in losem Zuge, die Marseillaise und den Sozialistenmarsch singend, und unter Hochrufen auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht den Sachsenhäuserberg herab über die Mainbrücke nach der Mitte der Stadt zu. Unbehelligt kam der Zug bis dicht an das Gewerkschaftshaus. Hier stürzte sich ihm ein halbes Dutzend Schutzleute, die von dem nahegelegenen Polizeirevier kamen, entgegen. Das klein« Häufchen Polizisten war aber gegen den Ansturm der Massen völlig machtlos. Die Schutzleute sahen dies auch ein und zogen mit den Demonsttanten weiter: unter stetigen Hochrufen am Gewerkschaftshaus vorbei nach der Zeil. Beim Ein- biegen auf die Zeil, an der Konstablerwache, bekamen die Schutz- lcute vom Polizeipräsidium her Verstärlung. Sie versuchten er- neut, den Zug abzusperren und die Masse zu zerstreuen. Wiederum vergeblich. An der Hauptteache wurde wieder eine Absperrung ver« sucht: ein vergebliches Beginnen. Nun bekam die Polizei erheblich? Verstärkung Im Laufschritt marschierten die Schutzleute dem Zug voraus nach dem Roß markt. Hier gelang es ihnen, dm Zug aufzuhalten und teilweise in die Seitenstraßen zu drängen. Später kamen dann»och die Berittenen angerückt, die auch auf den Fuß- steig ritten und selbst hier die Menschen zu zerstreuen suchten. Um halb zehn Uhr rückte die Polizei vom Kampsplatze am Roßmarkt und an der Hauptwache nach dem Polizeipräsidium zu ab. An der Kon- stcrblcrtvache kam eS aber wieder zu kleineren Zusammenstößen, wobei harmlose Passanten Schutzmannssäuste und Polizeisäbcl zu spüren bekamen. Das Vorgehen der Polizei ruft selbst den energischen Wider- spruch der„Frankfurter Zeitung" hervor. Sie schildert die Mißhandlung eines jungen Kaufmanns,„ein sehr schwächlich aussehender Mensch, der ein künstliches Bein hat und sich nur lang- sanr fortbewegen kann." Er wurde von Schutzleuten zu Boden ge- warfen und ein Schutzmann schlugnochmitdem Säbelauf ihn ein, so daß er eine heftig blutende Kopswunde davontrug. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt hierzu, die Polizei habe ihre Befugnisse überschritten. Es klinge fast u n g l a u b- l i ch, daß sich ein Schutzmann unter den Augen seiner Vorgesetzten solche Uebcrgriffe gestattet. Es sei unerhört, daß ein bewaff- neter Beamter einen humpelnden, schwächlichen Menschen mit dem Säbel auf den Kopf traktiert. Ucberhaupt Hab« die Polizei nach der Darstellung der ganzen Vorgänge nicht geschickt operiert. * Weiter wurde am Sonntag in zahlreichen Frauen- b e r s a in in l u n g e n gegen die junkerliche Gewaltpolitik protestiert. Das grosse yeriohmwgifell. r i 5�trige Berliner Parteitag der Nationalliberalen Hot sich, wie vorauszusehen war. zu einem großen Versöhnungs- fest gestaltet, zu einer machtvollen Einigkeitskundgebung von größter politischer Bedeutung, wie nationalliberale Blätter mit Befriedigung versichern. Diese Befriedigung ist begreif- ach. Noch einmal ist«es gelungen, die scharfen Gegensätze in der natlonalliberalen Partei durch eine geschickte Regiekunst zu verschleiern und die sogenannte nationalliberale Partei, die eigentlich längst keine Partei mehr ist, sondern nur ein Apparat selbständiger Cliquen, vor der Welt als politische Einheit erscheinen zu lassen. War auch sonst gar manches faul an dem gestrigen politischen Komödienspict, die Regie war gut. Mit Geschick hat die Kompromißkommission vcr- standen, die überkochenden Gemüter der Friedberger und Fuhrmänner wie auch andererseits der Bassermänner und Kaufmänner ku besänftigen und durch kleine Zugeständnisse an die Eigenliebe mildes Olivenöl auf die Wogen der gegen- feiligen politischen Befeindung zu gießen. So war durch ge- schickte Maßnahmen hinter den Kulissen schon seit einer Woche alles Nötige für das große Bersöhnungsspicl vorbereitet, die Rollen an die mitwirkenden großen Akteure verteilt, die Ten- Venz ihrer Reden festgelegt und für den nötigen politischen Widerhall dieser Reden gesorgt. Wenn nicht noch zuletzt ein Akteur aus der ihm angewiesenen Rolle siel, mußte das Ko- mödienspiel klappen. Und es klappte! Schon die dem Auftakt des Parteitages am Sonnabend voraufgegangene Sitzung des Zentralvorstandes der nationallstberalen Partei unter Leitung des Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses, wie die Vorversammlung des Reichsverbandes der nationallibe- reden Jugendvereine unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Kaufs- mann(Stuttgart) zeigten, wie wohl Chorführer und Chor ihre hohe politische Aufgabe erfaßt hatten. Einmütig nahm der Zentralvorstand die Kompromißvorschläge an, und zu- gleich vermochte Herr Kauffniann nach einer längeren Debatte der Jugendlichen fröhlichen Herzens zu konstatieren, daß die Kompromißvorschläge mit„großer Mehrheit" angenommen seien. Wenn auch manche Einwendungen in der Debatte er- hoben worden seien, so hätte sich doch schließlich die Ueber- zeugung durchgerungen, daß auch unter den veränderten Ver- Hältnissen eine gedeihliche Arbeit des Reichsverbgndes zum Besten der nationalliberalen Partei möglich und gewährleistet sei. So schön vorbereitet, nahm am Sonntag der Parteitag einen„glänzenden" Verlauf. Schnell war die Wahl des Bureaus nach den Grundsätzen der Parität vollzogen. Dem zur Basscrmännergruppe gehörenden Vizepräsidenten des Reichstags, Herrn Paaschs, der zum ersten Vorsitzenden er- nannt wird, wird zur Ausgleichung des politischen Schwer- gewichts der rechts stehende Vizepräsident des Abgeordneten- Hauses, Geheimrat Dr. Krause, beigegeben und dem jung- liberalen Rechtsanwalt Dr. Marwitz-Berlin wird das große nationalliberale Talglicht von Wilmersdorf, Professor Dr. Leidig, an die Seite gestellt. So verkörpert sich schon im Präsidium die schöne Einheit der nationalliberalen Partei- und Weltanschauung. Dann tritt Herr Krause auf und hält sein wohlein- studiertes Referat über die Notwendigkeit der Einigkeit in der Partei und ihres Fortbestandes zum Wohl des teuren Vaterlandes und der ganzen Menschheit. Herr Kraus« redet rechts: Herr Krause redet links— ruhig und wohlwollend, die reine Personifikation nationalliberaler Güte. Es müsse endlich, meint er, das Verhältnis des jungliberalen Reichs- Verbandes zur Partei geregelt werden. Das sei die Haupt- fache. Der Reichsverband müsse aus der Organisation der Partei als solcher ganz verschwinden, während die einzelnen Vereine der nationalliberalen Jugend in die nationalliberale Parteiorganisation eingegliedert werden müßten. In die Ge- schäftsleitung der landschaftlichen Verbände der Partei ge- hörten dafür die Vereine der nationalliberalen Jugend ihrem Etärkeverhältnis entsprechend hinein. Die landschaftlichen Verbände hätten hei Entsendung ihrer Vertreter in den Zen- tralvorstand entsprechend Rücksicht auf die Jngendvereinc zu nehmen. Ein Verbot des Weiterbestehcns des Reichsverban- des habe der Zweckverband nicht beschlossen, was er auch gar nicht könnte, denn es gäbe kein Hindernis, daß sich irgend- welche Organisationen der nationalliberalen Partei außer- halb der Partei unter eigener Leitung vereinigten. Dem Reichsverbande der nationalliberalen Jugend aber erwachse aus der Tatsache, daß er nur außerhalb der Parteiorganisation steht, eine besondere Veranstvortung, der er sich aber sicherlich bewußt sein werde. Tann empfiehlt Herr Krause die Annahme der skizzierten Kompronlißvorschläge. Alle Anträge waren zurückgezogen: nur einer steht noch als letzter Störenfried des allgemeinen Einheitsbewußtseins auf der Tagesordnung. Den beschwich- tigenden Worten des Herrn Paasche gelingt es, daß auch dieser Antrag zurückgenommen wird. Und nun erfolgt ohne weiteres die Annahme der schönen Vorschläge der Kompromiß- koiiimission. Die Einheit und die Fortwurstelei ist gesichert. Die ganze Prozedur hat kaum eine Stunde in Anspruch genommen. Es ist elf Uhr, die richtige Zeit zum Frühstücken. Aber man kann doch unmöglich die Komödie schließen! Dann kämen die 1114 Vertreter des nationalliberale» Volkes, die in hehrer Begeisterung für die heilige Sache aus allen Gguev Deutschlands herbeigeeilt sind, doch gar nicht auf ihre Kosten. Das hat die Regie wohlweise bedacht und deshalb eine Rede Bassermanns, Friedbergs, Kansfmanns und Stresemanns in den Spielplan mit ausgenommen. Zunächst tritt Herr B a s s e r m a n n auf— wohlvor- bereitet. Er wird von einem demonstrativen Beifallssturm empfangen und redet wunderschön: alles ist sorgfältig präpa- riert und temperiert. Er sagt seinen lieben„Freunden" vom anderen Flügel Komplimente, preist die politische Bedeutung des Nationalliberalismus und verficht seine bekannte Zwei- frontentheoric. Dem„Einerseits" folgt das„Andererseits" — der schönste Tanz(richtiger Getänzel) auf der mittleren Linie, bald mit Blechmusik-, bald mit Flötenbegleitung. Nur gegen die Bethmannsche Regierung findet Herr Bassermann scharfe Worte: „Unfroh, müde und glückloS schleicht die Regienungspolitik dahin.(Sehr gut!) Und dabei müssen wir doch bedenken, es ist dem Fürsten Bülow gelungen, bei der Rcichstagsauflösung, als er den Kampf aufnahm gegen den herrschenden Ultramontanis- /mß, aber auch gegen den damaligen Bundesgenossen des Zen- trums, die Sozialdemokratie, als dieser befreiende Kampf durch die deutschen Lande zog, mächtig zurückzudrängen. Heute aber 110 Sozialdemokraten! Die kommen auch nicht von ungefähr, sondern die konimen von ganz was anderem her.(Große Heiter- ieit und Beifall.) Diese große Zahl der Sozial- deulokratcn koinmt von einer unrichtigen Re- gierungspolitik her, die auch mit schuld ist an der starken Verbitterung der bürgerlichen Parteien untereinander. (Sehr richtig!) Das soll nicht bedeuten, daß wir nun prinzipielle Opposition machen, daß wir eine Oppositionspartei quand mtzme seien; wir lassen uns aus- schließlich von nationalen Gesichtspunkten leiten und prüfen jede Gesetzvorlage auf ihren Wert. Wir lehnen es aber ab, lediglich ein Gesetz deshalb anzunehmen, weil es dem schwarzblauen Block paßt.(Selr richtig!) Das machen wir nicht mit.(Beifall.) Was die Bethmannsche Sammlungs- Politik anlangt, so wundere ich mich, daß ein so erlcuch- teter Staatsmann(Lachen) einen so total vcr- fehlten Gedanken so lange propägiert hat. Ich kann mir wohl denken, daß es Wahlkreise und Situationen gibt. wo die bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten zu- sammenstchen müssen. Aber die Sammlungspolitik als Prinzip ist ein logischer Nonsens.(Sehr richtig!) Konservativ und libe- Fol sind Gegensätze, die sich nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern zeigen. Und gerade das Ringen zwischen kon- scrvativer und liberaler Weltanschauung führt zu gesunder Fort- entwickelung." Stürmischer Beifall lohnt den Redner, als er endet. Aber was will das sagen? Als Herr Friedberg redet und so ziem- lich das Gegenteil sagt, wird ihm noch ein viel größerer Applaus zu teil. Herr Friedberg predigte natürlich den großen Vernichtungskampf gegen die Sozialdemokratie. Ein zartes Sehnen zieht ihn zur Rechten. Er meinte: „Daß Gegensätze in unserer Partei vorhanden sind, wollen wir nicht bestreiten. Aber sie drehen sich nicht um unsere Hal- tung zur Sozialpolitik, sondern es trennt uns— namentlich im Norden und im Süden— unsere Stellung zur Sozialdemokratie.(Sehr richtig!) Ich kann die An- Wesenheit von 110 Sozialdemokraten im Reichstage nicht als eine te nejjlixeavl« ansehen,(Beifall.) Das ist eine Er- scheinung, die vielen von uns ernste Befürchtungen nahelegt. Man wünscht deshalb, daß die Scheidelinie nach der Sozialdemokratie mit voller Schärfe ge- zogen wird.(Stürmischer Beifall.) Ich sehe die Gefähr- lichkeit bei der Sozialdemokratie nicht bei ihren utopischen Zielen. TaS Gefährlich« an der Sozialdemokratie ist die Methode ihres Kampfes, ihre Verhetzung. Dadurch ward eine re- volutionäne Strömung in einem Teile unserer Bevölkerung erzeugt, die schließlich nur der Reaktion zugute kommt.(Beifall.) Deshalb müssen wir den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit aller Schärfe führen, und wir dürfen uns nicht dem Wahne hingeben, daß sich in der Sozialdemokratie ein gewisser revisionistischer Geist geltend macht, mit dem man paktieren könne. Mit dieser Partei ist nicht zu paktieren.(Stürmische Beifallskundgebungen und Unruhe.) Jeder derartige Versuch mutz scheitern.(Beifall und Widerspruch.) Es klingt ja sehr schön, wenn man sagt, daß man die Sozialdemokratie zu positiver Mitarbeit erziehen wolle. Dieser Versuch wird nie gelingen. (Lebhafter Beifall. Widerspruch und vielfache Zurufe: Baden! Baden!) Auch ich stehe weder rechts noch links, sondern in der Mitte. Wer wir alle haben wohl unterschiedslos den Wunsch, die Sozialdemokratie mit voller Schärfe zu bekämpfen. (Beifall.) Aus der Rede Bassermanns habe ich dasselbe ent- nommen. Wtv wollen nicht, daß di« Demokratie in unserem Baterlande noch weiter ausgebaut werde.(Beifall und Wider- spruch.)" Es sprechen noch einige andere Redner, darunter auch Herr Rcbmann aus Baden. Dann gings zum Diner. Das Ergebnis der Tagung ist: Es wird im alten Gleise fortgewurstelt nach dem Takt des schönen bekannten Marsch- liedes:„Immer langsam v o r a nl" Noch ist die Tinte nicht recht getrocknet, mit der national- liberale Skribenten die Einigkeit der Partei über alle Maßen ge- priesen haben, und schon kommt die Nachricht, die diese Einigkeit in einem recht eigenartigen Lichte erscheinen läßt. Es wird näm- lich mitgeteilt,„daß jene Gruppe von Nationalliberalen au» ver- schiedenen Teilen de» Reiches, die den Beschluß deS Zentralvorstandes vom 24. März aiff Ausgestaltung der Organisation er- wirkt hatte, nach Schluß des Vertretertages dahin überein- gekommen sei, diejenigen Kreise der nationallibe- ralen Partei enger zusammenzufassen, die es für notwendig halten, die Grundberechtigung der Vor nah in c politischer Sitzungen weiter als bisher sicherzustellen." ver Krieg. Der italienische Juselkrieg. Der Vorstoß der italienischen Flotte gegen die Dardanellen ist gescheitert,»veniger auS militärischen Gründe» als aus diplomatischen. Die Absicht, die Türkei„ins Herz" zu treffen, wurde durchkreuzt von dem Gedanken an die internationalen Verwickelungen, die eine Forcierung der Dardanellen und eine Beschießung Konstantinopels nach sich gezogen hätte. Der Oeffentlichkeit bleibt natürlich verborgen, welche Einflüsse der Mächte auf die italienische Regierung am Werke gewesen sind, so daß der„Herzstoß" nur zu einer unbedeutenden und erfolg- losen Demonstration wurde. Jetzt verfährt Italien nach einem neuen Operationsplane: Armee und Flotte sollen eine Anzahl Inseln des Aegäischen Meeres besetzen. Auf Rhodos und einigen kleineren Inseln flattert bereits die italienische Flagge. Es handelt sich dabei um keine militärischen Großtaten, ebenso wenig kann dadurch die Türkei militärisch geschwächt werden. Für Italien bedeutet dieser Jnselkrieg aber eine Verzettelung seiner Streitkräfte und damir eine Erhöhung der Kriegslasten des italienischen Volkes. An einer Verminderung seines Expeditionskorps in Tnpolitanien kann Italien nicht denken. Die Besetzung der Inseln ist aber nicht nur militärisch bedeutungslos, sie erschwert auch die Aussichten auf Friedens- schluß. Besetzung weiterer �nseln. Rom, 12. Mai. Admiral Viale sandte drahtlos folgende Depesche, datiert: 12 Mai, 11 Uhr 50 Miu. vormittags: Die Kriegs- schiffe der Division Corsi haben auf den Inseln Scarpanto und Ka sos die italienische Flagge gehißt und die Garnison sowie die Zivilbehörden zu Gefangenen gemacht. Dieselben Kriegsschiffe nahmen auch die Besatzungen und die Zivilbehörden der Inseln E p i S k o p i und N i s y r o s gefangen.- In werde die Gefangenen nach Italien senden. Rem, 13. Mai.(Meldung der„Agenzia Siefani".) Nach einer drahtlosen Meldung des AdmJnlS Viale sind weiterhin die Inseln K a l i m n o s, L e r o s und Pm t m o s von den Jntalienern besetzt, ihre Garnison zur Uebergabe gezwungen und die türkischen Re- gierungsebamten gefangen genommen worden. Unter den Ge- fangenen, die an Bord der Schisse gebracht worden sind, befinden sich drei- Kaimakams und vier WudirS. Eine deutsche Intervention. Konstantinopcl, 13. Mai. Infolge eines freundlichen Schrittes der Deutschen Botschaft gegen die A-ufrechterhaltung der Kriegsgefangenschaft von etwa S0 Jtlienern, meist Fischern von Smyrna, beriet der gestrige Ministerrat die An- gelegenheit. Wie verlautet, werden die Italiener freigelassen werden. Jtalieneransweismig aus Saloniki. Saloniki, 13. Mai. Die Behörden haben gegen weitere 8 miß- liebige Italiener, unter denen sich Kaufleuie, Advokaten und Aerzte befinden, einen Ausweisungsbefehl unter Gewährung einer Svstündi- gen Frist erlassen. Der Ausstand in Albanien. Saloniki, 13. Mai. Wie eine Unterwchnng ergeben hat, ist der frühere Abgeordnete von Prischlina, Hassan Bei, der Urheber der in der Umgebung von Jpck auSgebrochenen Unruhen. Zweihundert bis dreihundert Arnauten, darunter angeblich auch Hassan Bei, sind bewaffnet in daS Gebirge gezogen und trachten, die Bevölkerung zum Aufruhr zu bewegen. Truppen sind zur Bekämpfung ab- gegangen. Zur Vermeidung von Blutvergießen sind Ulemas und Notabeln den Truppen vorausgeeilt, um die Arnauten darüber auf- zuklären, daß die Angaben der Aufwiegler unwahr sind. Ueber Jpek und Umgebung ist der Belagerungszustand verhängt worden. Saloniki, 13� Mai. Die Zahl der aufrührerischen Arnauten wird auf ungefähr 2000 beziffert. Etwa die Hälfte ist auf den Höhen in der Nähe von Diakova versammelt. Eine auS UlemaS bestehende Mission, welche die unzufriedenen Arnouten zu beruhigen versucht hat, ist unverrichteter Dinge zurückgekehrt. Die Rebellen erklären, das Vertrauen zur Regierung verloren zu haben, sie stützen sich auf angebliche Bersprechunge» des früheren Bali von Uesküb Halil Bei und verweisen auf das geringe Ansehen der Behörden, welche nicht einmal imstande seien, den unsicheren Zuständen ein Ende zu machen, sie drohen, sich deS WaffendepatS in Diakova zu bemächtigen, sollten sie diesen Plan ausführen, würden die dortliegenden Bataillone sofort in der schärfsten Weise gegen die Rebellen vorgehen. Vom tripolitauischen Kriegsschauplatz. Tobrnk, 13. Mai.(Meldung der„Agenzia Stefani'.) Am Sonntag morgen sind die Arbeiten zur Errichtung neuer Be- festigungiwerke an der Küste unter dem Schutz von drei Infanterie- Bataillonen und einer Batterie Gebirgsartillerie fortgesetzt worden. Gegen 0 Uhr stießen einige Abteilungen des 30. Jiifanterie-Regi- nieutS bei einem ErkuudungSmarsch bei Uadi Hada aus bedeutende beduiuische Kräfte, die durch türkische Reguläre geführt wurden. Die Italiener griffen den Feind sofort an, der unter dem wohl- gezielten Gewehr- und Geschützseuer zurückwich und verfolgt wurde, bis er seiner starken Verluste ivegen, die auf über 100 Tote geschätzt werden, sich regelrecht zur Flucht wandte. Die Verluste der Italiener betragen ein Offizier und zwei Soldaten tot und drei Soldaten ver- wundet. Aus Tripolis und Horns wird nichts Neues gemeldet. Die Revolution in Gl))na. Die Auszahlung der Aulcihe. Peking, 12. Mai.(Meldung des Neuterschen Bureau».) Die Vertreter der Banken und der Finanzminister habe» gestern einen Vorschuß vereinbart gegen Ausgabe von Schatzscheinen im Be- trage von 10 Millionen Pfund Sterling. Die Schatzscheine find binnen Jahresfrist aus de» Erträgen einer umfassenden Anleihe ein- zulösen. Der Plan sieht eine wirksame Oberaufsicht durch auS- ländische und chinesische Revisoren vor. Wenn Juanschikai diesen Plan billigt, soll die Nationalversammlung ersucht werden, ihn zu genehmigen. DaS Projekt bedeutet eine Niederlage Tangshaoyis, der noch immer dagegen ist, obwohl die unbezahlten Soldaten zu neuen Ausschreitungen neigen. Ein russisch. chinesischer Zwischenfall. Charbin, 12. Mai. Als ein Dampfer der ostchinesischen Eisen- bahn für eine russische Firma an der Nonnimündung 50 000 Pud Korn einnehmen wollte, verboten die chinesischen Behörden den chinesischen Arbeitern, den Dampfer zu beladen, weil in den russisch- chinesischen Verträgen die Schiffahrt auf dem Nonni und anderen Nebenflüssen des Sungari für russische Schiffe nicht vorgesehen sei. Der Dampfer ist ohne Ladung nach Charbin zurückgelehrt. polirileke Oebcrficbt. Berlin, den 13. Mai 1912. Die Duellsrage. AuS dem Reichstage, 13. Mai. Bor drei Wochen kam es ini Reichstage zu der stürmischen Szene, bei der die große Mehrheit dcS Hauses gegen den KricgSmimster stand. Herr v. Heeringen hatte in nachdrücklicher Kürze den Duell- fiegnern das Recht der Zugehörigkeit zum Offtzierkorps be- «ritten. Tags darauf gab Herr Dr. Spahn die bekannte Er- klärung ab, in der er mit einer gründlichen Auseinandersetzung in der Kommission drohte. Aber zu der Auseinandersetzung ist es nicht gekommen, und der Kriegsminister, der damals leichenblaß wurde, brauchte weder auS dem Amt zu scheiden. noch auch nur seine Provokation zurückzunehmen. Er kleidete sie in vorsichtigere Worte, und das Zentrum begnügte sich mit einer recht harmlosen Resolution, die so ge- stellt war, daß Herr v. Heeringen sie ausdrücklich akzeptierte. In dieser Resolution ist sogar die Ka- binettsorder. die daS Duell alö Einrichtung anerkennt, besonders unterstrichen. Und hätte die Budgetkommission nicht wenigstens das fortschrittliche Amendement aufgenommen, wo-' nach gegen Duellanten auf Entlassung aus dem Heere erkannt werden soll, so wäre die Resolution ohne jede Bedeutung ge- Wesen. Diese Resolution, so wie sie von der Budgetkommission vorgeschlagen war. verbesserte unsere Fraktion in der heutigen Sitzung noch duxch einen Zusatz, der jede Matz- rcgelung für diejenigen Offiziere ausgeschaltet wissen will, die sich dem Duellzwange nicht unterwerfen wollen. Aber das Zcntrunl, das es unter keinen Umständen wegen dieser Frage auf einen Konflikt mit der Regierung ankommen lassen wollte. hatte in seiner großen Mehrheit die Unerschrockenheit, gegen diesen ganz selbstverständlichen Antrag zur größten Ver- blüffung des gesamten Hauses zu stimmen. Es erlebte frei- lich die Blamage, daß trotz dieser Entsagung und entgegen seiner Haltung unser Antrag mit 20 Stimmen Mehrheit an- genommen wurde. In der Debatte hatte zuerst Genosse Led eb our in präziser Rede die ganz klare Auffassung vertreten, die unsere Partei Über ein Problem hat, das für vernünftige Menschen längst kein Problem mehr ist. Er wieS natürlich auch auf die nierkwürdige Wandlung hin, die sich innerhalb des Zentrums seit dem stürmischen 24. April vollzogen hat. Aber das hielt Herrn Gröber nicht ab, alle Diplomatie aufzubieten, um mit dem früheren Standpunkt das Bedürfnis nach Eintracht mit der Regierung zu vereinbaren. Viel weniger diplomatisch war Herr v. Heeringen selbst. der sich höchstens Mühe gab, allerhand Argumente zugunsten des Duells vorzubringen. Die Argumente waren allerdings nicht eben geschickt und von einer im besten Falle soldatischen Logik. Das wollte ihm freilich niemand auf der Linken glauben, daß er das Duell bekämpft! Selbst der Nationalliberale Dr. Schiffer mutzte gegen ihn polemisieren, und viel schärfer ging gegen ihn der fortschrittliche Pfarrer Heyn vor, der sehr energische Worte fand, um die Nnsittlichkctt des Duells nach- zuweisen. Graf W e st a r p und der von vielen Schmissen heimgesuchte Reichsparteilcr Mertin waren die einzigen, die gegen die ganze Resolution Stellung nahmen. Die Spezialdebatte über den Militäretat, die dann wieder aufgenommen wurde, konnte auch heute nicht zu Ende geführt werden. Für die Bautechniker in den militärischen Bauämtern sprach Genosse Z u b e i l und für Verbesserungen im Medizinal- wescn der Armee hielt Genosse Fischer- Sachsen eine ein- gehende Rede. In der morgigen Debatte werden die Fragen der Militär- arbciter erörtert werden, nachdem vorher die ersten„Anfragen" beantwortet sein werden. Im Abgeirdnetcnhanse ist es zu Zwischenfällen weder vor, noch im Hause gekommen, die Angst des Präsidenten, der strenge Sperr- niatzregeln angeordnet hatte, erwies sich als unbegründet. Wir hätten ihm das voraussagen können! Nach Erledigung des Einspruchs konnten die Abgeordneten, die extra zu diesem Punkt nach Verlin gekommen waren, ihre häuslichen Penaten wieder aufsuchen. Die zweite Lesung der Novelle zum Knappschaftsgesetz interessierte, da es sich um eine Angelegen- heit der Bergarbeiter handelt, die Mehrheit nicht, und die Sckundärbahnvorlage, die da? Hau« weiter beriet, bot lediglich lokales Interesse. So waren denn von den 335 Ab- geordnelcir, die zu Beginn anwesend waren.' am Schluß, nur noch ein Dutzend zugegen. � Am Dienstag stehen die Fortsetzung der ersten Lesung der Sckundärbahnvorlage und Initiativanträge auf der Tagesordnung, darunter der Diätenantrag._ Zur Strecke gebracht. Wie die„Post" aus einwandssreier Onelle erfährt, werden NeichStagsabgeordneter P a a s ch e und Landrat v. Dewitz ihre Sic, Itter im Vorstande deS WehrvereinS niederlegen. Schon gleich bei der Gründung des Wehrvereins hat die freikonservaiive Presse sich sehr cnlschieden dagegen ausgesprochen, daß die beiden genannten Herren in den Vorstand aufgenommen worden sind. Dabei ist Herr Paaiche dafür bekannt, daß er jede Vermehrung des Heeres und der Marine jubelnd begrüßt, trotzdem ist er in den Kreisen als unsicherer Kautonist angesehen worden._ Vormärzliches in Reuft j. L. Aus Gera wird uns geschrieben: Dem Reußischen Landtag ist ein RegierungScnIwurf zu einer Abänderung des§ 1 des Landlagswahlgesetzes vom 8. Mai 1874 zu- gegangen, der ein wahres Prunkstück vormärzlicher EtaatSkunst und ein Hohn auf jedes moderne staatsrechtliche Empfinden ist. I», Reußischen Landtag hat der Besitzer des fürstlichen Para- giunis Neuß-Köstritz, einer Nebenlinie des regierenden Fürstenhauses, einen erblichen Sitz. Der vorige Inhaber des Paragiats hat von diesen» Privileg keinen Gebxauch gemacht. In 14 Jahren ist er nur einmal im Landtag erschienen, und die einzige kurze Serenissimus- rede, die er dort hielt, hatte den Sinn:„Ich schließe mich den Aus- führungen de« Herrn Vorredner« an." Der gegenwärtige Besitzer des Paragium« steht erst im SV. Leben«jahr. Da er da« Alter von 25 Jahren, das für die Wählbarkeit als Abgeordneter erforderlich ist, noch nicht voll erreicht hat, kann er nach dem bestehenden Wahlrecht auch nicht in den Landtag eintreten. Diesen klaren Rechtszustand will die rcußische Regierung durch eine VerfassungSände- r u n g beseitigen und folgende ungeheuerliche Bestimmung in das Wahlgesetz einfügen: Der Besitzer de» Paragium», welcher zu seinem Eintritt in den Landtag diejenigen Eigenschaften besitzen muß, die seine Wählbarkeit als Abgeordneter begründen würden, ist berechtigt, sich, wenn er dieser Eigenschafte» ermangelt oder durch länger als ein Jahr andauernde Krankheit am persönlichen Erscheinen verhindert ist, durch einen von ihm oder seinem ge- setzlichen Stellvertreter zu benennenden, als Abgeordneten wählbaren Stellv»r treter ver- treten zu lassen. Die Benennung des Stellvertreters hat stet« auf die Dauer einer vollen Wahlperiode zu erfolgen. E» ist auf den ersten Blick höchst auffällig, daß sich die reußische Regierung plötzlich im Jahre ISIS, ohne daß ein Antrag des betroffenen ParagiatSinhaberS vorliegt, zur reaktionären Verschande- lung einer ohnehin genügend rückständigen Verfassung gedrungen fühlt, die schon 40 Jahre besteht. In der Begründung zur Re- gierungövorlage wird im R-gierungSjargon ausgeführt, es sei ein Mangel de« jetzigen Gesetze«,„daß jdaSselbe im Gegensatz zu dem früheren Gesetze den Besitzer deS ParagiuniS der Möglichkeit be- raubt, die ihm als Abgeordneter zustehenden Befugnisse, wenn er da» LS. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt hat oder dauernd erkrankt, durch einen Stellvertreter ausüben zu lassen". Mit dem früheren Gesetz ist da» Landtagswahlgesetz vom 18. Mai 13S6 gemeint. Schon im Jahre 1371 ist mit diesem Gesetz, da« die absonderliche Einrich- tung der stellvertretenden Abgeordneten hatte, al» einem unerträg. lichen Plunder endgültig ausgeräumt worden. Wie die damaligen Londtagsverhandlungen klar erkennen lassen, wollte man. ob- wohl der erbliche' Sitz für Reuß- Köstritz noch beibehalten wurde, diesem keine weiteren Privilegien mehr ein- räumen. Man nannt« die parlamentarische Stellvertretung, auch für den Inhaber des ervlichen Land- tagSfitzeS, eine Abnormität, und selbst die konser- vative Partei bezeichnete eS damals als dem modernen staatsrecht- lichen Empfinden widersprechend, für den Großgrundbesitz ein be- sondereS Vorrecht zu schaffen. Man hielt dessen Jntereffen schon durch die drei danials geschaffenen Extramandate der Höchstbesteuer- ten für genügend geschützt. Es sind also im Jahre 1871 für daS bestehende Landtagswahlgesetz klar« Bestimmungen getroffen worden, so daß die Regierungsvorlage jedes verfassungsrechtlichen Anhalts entbehrt. Der wirkliche Grund für das Einbringen der Borlage ist indessen in folgendem Satz ihrer Begründung enthalten: „UebrigenS liegt solches(Einsetzung eines Stellvertreter«) auch im eigenen Interesse des Landtags, insofern dadurch die Gefahr der ihm bei der geringen Zahl seiner Mitglieder ständig drohenden Beschlußunfähigkeit verringert wird." Auch dieser Satz gibt die eigentlichen Regierungsschmerzen nur versteckt und nur dem Eingeweihten ersichtlich wieder. Der reußische Landtag hat 16 Sitze. Für seine Beschlußfähigkeit ist verfaffungS- mäßig die Anwesenheit von Zweidrittel seiner Mitglieder, also 11 Abgeordneten, erforderlich. Bisher ist eine Beschlußunfähigkeit deS Landtages wegen Fehlens von Abgeordneten kaum jemals eingetreten, fast nie waren gleichzeitig mehr als S Abgeordnete am Erscheinen verhindert. Die Regierung brauchte also auch, sollte man meinen, keine Besorgnisse für die Zukunft zu hegen. Nun besteht aber gegenwärtig die sozialdemokratische Fraktion des reußischen Landtages ans 5 Mitgliedern. Da jetzt der Inhaber deS fürstlichen Paragiats dauernd fernbleiben muß, find die sozialdemokratischen Abgeordneten jeder Zeit in der Lage, den nur noch aus höchstens 15 Slbgeordneten bestehenden Landtag be- schlußunfähig zu machen. Diese Macht will die Regierung der Sozialdemokratie in Reuß j. L, entreißen, und deshalb be- absichtigt sie die vorsintflutliche Einrichtung eines parlamentarischen Stellvertreters für den Inhaber des Paragiats zu schaffen. Die gegenwärtige Situation ist der reußischen Regierung umso un- angenehmer, als sie schwarze Pläne einer Verschlechterung der Ge- meindcordnung hegt, um der zahlreichen unter sozialdemokratischen Mehrheiten stehenden Gemeiuden des Fürstentums besser Herr werden zu können. Nur die Furcht vor der sozialdemokratischen Obstruktion gegenüber den geplanten Attentaten auf die Rechte deS Volkes hat also der Negierung den vormärzlichen Gesetz- entwurf diktiert. Es ist indessen selbstverständlich, daß unsere Ver- treter im Landtag sich ihre Rechte nicht entwinden lassen, sondern auch bei dieser Vorlage von ehrer augenblicklichen Macht Gebrauch machen und die Annahme deS' erzreaktionären RegierungsentwursS zu verhindern wissen werden. Immerhin zeigt das Vorgehen der reußischen Regierung, welcher Streiche die reaktionären Mächte im Kanipse gegen die Arbeiterklasse noch heute sähig sind. Jesuiten. Ein Druckpapier, dessen durchschnittliche Verwertung seine sachkundigen Redakteure zu dem Ausspruch veranlaßt hat: Schutz- leute wären für den Abgeordneten Borchardt viel zu schade ge- Wesen, das nächste Mal würde man Kanalreiniger nehmen, dieses Blatt hat eS wieder einmal mit den Jesuiten. Natürlich sollen sie hier nicht verteidigt werden, aber... DaS Blatt zitiert aus einem Brief von Loyala:„... muß, außer dem Willen auch den Verstand opfern, so daß er nicht nur dasselbe will, sondern auch dasselbe denkt wie 4>er Obere und sein Urteil dem des Oberen unterwirft.... Auch geht dann verloren die blinde Einfalt de« Gehorsams, indem wir bei uns erwägen, ob. was der Obere befiehlt, Recht ist oder nicht.... Zuerst müßt ihr in der Person des Oberen nicht einen Irrtümern und Schwächen unterworfenen Menschen, sondern Christum selbst erblicken.... Seid eifrig bemüht, was dep Obere befiehlt oder denkt, auch bei Euch stets zu verteidigen, niemals aber zu tadeln.... Diese Unter- werfung des eigenen Urteils und diese Billigung und Gutheihung ohne jede Untersuchung dessen, was immer der Obere befohlen hat... müssen wir, wenn etwas unseren Augen weiß erscheint, was die Kirche aber als schwarz definiert hat, dies gleichfalls für schwarz erklären.... Haben wir da nicht die Grundmaximcn der preußischen Ver- waltung, des Militarismus?— Ist da« nicht Preußen: da« An- beten des Vorgesetzten, die Denkfaulheit der Autorität gegenüber und die Heuchelei, Meinungen der oberen Stellen ohne Untersuchung im Volk als richtig auzuposaunen? Die Jesuitengefahr in allen Ehren. Und wenn der Z 128 deL Strafgesetzbuches die Teilnahme an einer Verbindung bestraft, in welcher gegen bekannte Obere unbedingter Gehorsam versprochen wird(so zitiert wenigstens daS Blatt), so müßte sich der Kaiser eines Tages sehr einsam fühlen, da man seine Untergebenen vom Unteroffizier bis herab zuni Reichskanzler eingesteckt hätte. Aus dem sächsischen Landtage. Zum Beginn der MontagSsitzung de« sächsischen Landtage« wurde eine Erklärung der Regierung verlesen, daß sie jetzt bereit sei, die Interpellation über den Fall Sioth zu beantworten. Wie man hört. hat eine neue Untersuchung durch da« Ministerium de« Innern über die Vorgänge in Burgstädt stattgefunden. Dabei soll sich noch etwa« ergeben hohen, wa« den Bürgermeister Roth dazu bestimmt hat, nunmehr von seiner Kandidatur für Zittau zurückzutreten. Ob die Freisinnigen die Interpellation aufrechterhalten, ist noch fraglich. Weiter wurde über die indirekten Steuern verhandelt. Genosse f l e i ß ii e r vertrat namen» der Fraktion einen Antrag, die indirekten andeSsteuern aufzuheben und an deren Stelle eine Reform der direkten Steuern vorzunehmen. Die Freisinnigen hatten einen etwas abgeänderten Antrag eingebracht, der nur die Aufhebung der Schlacht- steuer und der UebergangSabgabe auf Fleisch verlangte. Beide Sln- träge wurden abgelehnt, und die indirekten Steuern im Betrage von über 13 Millionen Mark bewilligt. frankrcid). Die sozialistischen Stichwahlerfolge. Paris, 13. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Außer den vier Mandaten in Paris wurden die Mandate in St. Denis. Roubaix. Toulouse, Brest zurück- erobert. Große Fortschritte wurden in der Pariser 1km- gebung und in der Provinz erzielt. In Lyon wurde» e l f Mandate gewonnen._ Die Gemeindewahle«. Paris. 12. Mai. Heute fanden die Gemeinderats- st t ch w a h l e n statt. Der Pariser Genieinderat wird nach dem nunniehr vorliegenden Endergebnis bestehen aus 10 Kon- servativon, 10 Liberalen. 17 Fortschrittlichen und Unabhängigen. 5 Linksrcpublikanern, 14 Radikalen und Sozialistisch-Radikalen, 9 unabhängigen Sozialisten und 15 ge einigten Sozia- listen. Er wird 11 neugewählte Mitglieder zählen. Die Seeintgten Sozialisten gewinnen 4 Sitze von en Radikalen und Sozialistisch-Radikalen. Haussuchung. Paris, 12. Mai. In der Redaktion des Blattes„L' A n a r ch i e", das eine Verherrlichung des Autobanditen Bon not gebracht hatte, wurde heute eine Haussuchung vorgenommen und ein Mitarbeiter des Blattes namens Boivin, der auch Militärflüchtling ist, verhastet. Spanien. Eine republikanische Riesenkundgebung. In Baracaldo, im Bergwerksgebiet von Biscaya(Nordwest- spanien) fand am S. Mai eine vom republikanisch-sozialistischen Bund einberufene Versammlung im Freien statt, an der nach Schätzung der monarchistischen Presse, mehr alz 30 000 Personen teinahmen. Aus Bilbao und der ganzen Gegend waren Teilnehmer in Massen erschienen. Vorsitzender war der republikanische Slbge- ordnete Horacio Echevarrieta, unter den Rednern Genosse Jglesiqs und der Führer der Republikaner Melquiades Alvarez. Der bekannte Schriftsteller Parez Galdos hatte sein Fernbleiben mit Krankheit in einem begeistert aufgenommenen Schreiben ent- schuldigt. Wie Gen. Fabra Ribas schreibt, wird die Bersamm- lung geschichtliche Bedeutung haben. Der Vorsitzende, ein reicher Mann, der sich bisher etwas zurückgehalten hatte, bekannte sich zur Notwendigkeit, eine Umgestaltung, sei es auch mit den schärfsten Mitteln, herbeizuführen. Jglesias und Sllvarez erklärten unter großem Beifall, daß der Kampf sich nicht nur gegen das Mi- nisterium Canalejas und die Rückkehr Mauras richte, sondern gegen die Monarchie. Besondere Bedeutung hatte es, daß nicht nur die Einigkeit aller republikanischen Richtungen, mit Ausnahme der Gruppe Leroux in Barcelona, die sich der Monarchie genähert, aber durch die Korruptwnsenthüllungen viel an Bedeutung verloren hat, klar zutage trat, sondern auch die nationalen Parteien von Nordspanien ihren Anschluß an die Republikaner bollzogen. Nicht nur die ohne- hin radikale Bewegung von Catalonicn, deren Ziel eine provin- ziclle Selbständigkeit ist, hat die Hoffnung auf Besserung unter der Monarchie aufgegeben, auch der Führer der baskischen Nationalpartei, die bisher auf der reaktionären Seite stand und den extremklerikalen Carlisten Halt gegeben hat. Baracaldo. erklärte, daß er die Monarchie für unfähig halte, den Forderungen der Basken gerecht zu werden, und das seine Partei, die nicht groß, aber infolge ihres Einflusses auf den ganzen tüchtigen Bolksstamm von politischer Bedeutung ist, sich den Republikanern anschließe. Diese völlig unerwartete Erklärung hat überall tiefen Eindruck gemacht. So wird der Entscheidungskampf, der die Erlösung des armen Volkes von der monarchistischen Säbel- und Weihwedelhcrr- schaft bringen soll, nicht mehr lange ausbleiben.— Steuerkrawallr. Madrid, 12. Mai. Sechshundert Einwohner von Aldea- n u e V a am Ebro stürmten das Rathaus, während der Ge- meinderat die Verteilung der Steuern beriet. Die Gemeinderats- Mitglieder wurden mißhandelt und die Archive verbrannt. Gen- darmerie ist nach Aldeanueva abgegangen. Marokko. Die angebliche Plünderung der Farm Renschhause«. Pari», 13. Mai. Hier eingetroffene Meldungen L a r r a s ch vom 10. Mai bezeichnen die Berichte über Vre Plünderung einer deutschen Niederlassung durch scherifische Soldaten als u n r t ch t i g. Ein VorgehcA der Polizeitruppen unter Hauptmann Vary habe nur am 29. April in einem Duar bei Arbaua stattgefunden und die Ergreifung eines Deserteurs zur Folge gehabt. Kontribution der Stadt Fez. Pari«, 13. Mai.(W. T. B.) Nach einer Meldung des„Temps" ist der Stadt Fez eine KriegSbufte von 200000 DuroS(850 000 M.) auferlegt worden zur Strafe dafür, daß ein Teil der Bevölkerung an dem Aufruhr am 17. April teilgenommen hat. paHam en tan fcbcs. Kleine Anfragen. von dem neugeschaffenen Rechte, kleine Anfragen an den Reichs- kanzler zu richten, wird zum ersten Male in der Dienstagssitzung des Reichstages Gebrauch gemacht werden. Es liegen zwei Anfragen vor: die erste, vom Genossen Dr. Frank gestellt, hat folgenoen Wortlaut: Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, ob Holland seine Zustimmung zu der Erhebung von Schisfahrtsaogaben auf dem Rhein erklärt hat? Genosse Ricbard Fischer richtet folgende Anfrage an den Reichskanzler: Ist der Herr Reichskanzler bereit, darüber Auskunft zu geben, ob bei der demnächst zusammentretenden internationalen Schiffahrtskonferenz auch Vertreter der Schiffsleute zu den Ver- Handlungen zugezogen werden? Marinevorloge und Marineetat in der Budgetkommisfiou. Die Konimisston beendete in der MontagSsitzung die Beratung der Marinevorlage. Die Genossen Bern st ein und Ledebour bekämpften in eingehenden Darlegungen nochmals die Borlage. Im Anschluß an die vertrauliche Besprechung deS SpionagewesenS be» tonte Genosse Ledebour, daß erst durch die deutschen Flotten- rüstungen England sich zu den mannigfaltigsten KriegSvorberertungen veranlaßt sah, weil die Engländer sich sagten, die deutschen Rüstungen richten sich gegen England. Genosse N o s k e bekämpfte die Forde- rung von 70000 M. für den Geheimfonds. Die Summe wurde aber gegen die sozialdemokratischen Stimmen bewilligt. Die Forderung von 5 Millionen zur Beschaffung weiterer Unterseeboote führte zu einer Aussprache Über den Preis dieser Boote, ebenso wurde über den Ausbau des Flugwesen» für die Marine gesprochen. Genosse V o g t h e r r regte internationale Abmachungen an, die zu dem Ver- bot führen sollten, daß von Flugzeugen aus Sprengstoffe ge- schlendert werden dürfe». Staatssekretär v. Tirpitz erklärte, daß Deutschland noch gar keine Flugzeuge zu solchen Zwecken besitze, also gar keine Ver- anlassung zu solchen Abmachungen habe. Die Marinevorlage wurde von den bürgerlichen Parteien hierauf angenommen. Da die Redner aller bürgerlichen Parteien für die Vorlage sich ausdrücklich erklärt hatten, die Annahme also feststand, ließ nach altem und stet» geübtem Gebrauch der Vorsitzende die Bewilligung nicht durch eine Abstinimnng auSsprcchen, sondern stellte einfach die Annahme fest. Obwohl mit diesem stet« in der Kommission geübten Gebrauch vertraut, unternahm Abg. Erzberger den illoyalen Versuch, in einer zur GeschäftSordnmig abgegebenen Erklärung feststellen zu wollen, die Marinevorlage sei einstimmig angenommen worden. Gegen diese, die Stellung der sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder verdächtigende Erklärung wendeten stch unsere Genossen sehr energisch unter Hinweis darauf, daß die Stellung der Sozialdemokraten durch die Debatte vollständig klargelegt worden sei. Die sozialdemo- kratischen Redner haben sich ja mit aller Schärfe gegen die Bor- läge gewendet und sie bekämpft.— Die Kommission trat dann noch in die Berrtung de« Marineetat» ein. Gewerkfcbaftlicbea. Die Huefpcrrung der Metallarbeiter im JMauigau. Am Montag, dcn 6. Mai, trat bekanntlich die vom Verband der Metallindustriellcn für Frankfurt a. M. und Umgegend angedrohte Aussperrung von 60 Proz. der bei dcn Verbandsfirmen beschäf- tigten Arbeiter in Kraft. Nach dcn Angaben dieses Verbandes bc- schäftigen die ihin angeschlossenen Firmen zirka 15 000 Arbeiter. SM von diesen rund 4000 im Streik stehen, kämen für die Aus- sperrung noch 11000 Beschäftigte in Betracht; es hätten also niinde- sicns 0500?lrbeiter ausgesperrt werden müssen. Nach den Feststellungen des Metallarbeitervcrbandes sind aber nur 4032 Arbeiter ausgesperrt, so daß nicht 00 Proz., sondern 30,0 Proz. wirklich ausgesperrt wurden. Selbst wenn einige Hundert nicht organisierte Ausgesperrte von diesen Zählungen nicht erfaßt sein sollten, so steigt dadurch der Prozentsatz der Ausgesperrten sicher nicht über 40 Proz. Unter den 4032 ausgesperrten Arbeitern befinden sich nur 2733 Mit- glieden des Mctallarbeiterverbandes und rund 1000 Unorganisierte; der Rest gehört anderen Verbänden an. Ter Metallarbeitervcrband zählte am 31. März er. im Kampfgebiete 24 740 Mitglieder. In einer Anzahl von Betrieben griff die Organisation der Arbeiter zu Gegcnmaßrcgeln, so daß die Produktion bei diesen Firmen völlig unterbunden wurde. Zu diesem Zweck haben sich im Einverständnis mit ihrer Organisationsleiwng 982 Arbeiter, da- runter 700 Mitglieder des Metallarbciterverbandes, dcn Ausge- sperrten angeschlossen.— Die Arbeitszeiten sind bei den Firmen, die aussperren mußten, zum guten Teil kürzer, als in dcn bestreik- tcn Frankfurter Betrieben, und zwar 58 Stunden pro Woche bis herab zu 55 Stunden. SMmit widerlegt sich die vor einiger Zeit öffentlich aufgestellte Behauptung des Unternehmerverbandes, daß die große Mehrzahl der im Unternchmerverband vereinigten Firmen die 57stündige Arbeitszeit habe. An den einzelnen Orten gestaltete sich die Aussperrung folgen- dermaßen: Die Orte Mainz, Wiesbaden, Höchst a. M. und Gießen weisen überhaupt keine Beteiligung an der Aussperrung auf, in Sdarmstadt beträgt die Zahl der Firmen, die dem Unternehmerver- band angehören, 10 mit zusammen 1480 beschäftigten Arbeitern. An der Aussperrung nicht beteiligt haben sich 3 Firmen mit zusammen 880 Arbeitern. Die übrigen sieben Betriebe mit 1100 Beschäftigten haben 015 Arbeiter ausgesperrt; davon sind 424 Mitglieder des Metallarbcitcrverbandes, 40 bei anderen Verbänden und 151 nicht organisiert. Es sind nur 41,5 Proz. ausgesperrt. Im Bereiche der Verwaltungsstelle Frankfurt des Metall- arbeiterbcrbandes(inkl. Homburg v. d. Höhe) sind rund 20 000 Ar- beitcr in der Metallindustrie beschäftigt. Von diesen stehen zirka 4000 im Streik. 14 Betriebe mit zusammen 3005 Arbeitern haben sich an der Aussperrung beteiligt; ein Betrieb mit etwa 100 Ar- beitern sperrt überhaupt nicht aus, andere Betriebe sind in den letzten Jahren aus dem Unternchmerverband ausgetreten. Bei den genannten 14 Betrieben wurden im ganzen 1700 Arbeiter, das sind 50.4 Proz. der Beschäftigten, ausgesperrt. Durch die Organisation wurden 059 Arbeiter zum Anschluß an die Ausgesperrten veranlaßt, so daß außer den Streikenden in Frankfurt 2305 Arbeiter im Kampf stehen. Von diesen sind 1505 Mitglieder des Metallarbeiterver- bandcs.— In Hanau haben 2 Betriebe mit 412 beschäftigten Ar- bcitern ausgesperrt. Bei diesen beiden, dem Unternehmcrvcrbande angehörigen Firmen sind von den 2000 Hanauer Mitgliedern des Mctallarbeiterverbandes 252 beschäftigt. Die Zahl der ausgesperr- tcn Arbeiter beträgt dort 219 oder 53,1 Proz. Unter diesen 219 Aus- gesperrten befinden sich aber 100 Unorganisierte und 24 Mitglieder anderer Verbände, so daß in ganz Hanau nur 89 Mitglieder des Mctallarbeitcrvcrbandcs ausgesperrt siud. In Offenbach haben 39 Firmen mit 3047 Beschäftigten aus- gesperrt. Eine dem Unternehmerverband angehörende Firma mit eüva 300 Arbeitern hat nicht ausgesperrt. Bon den genannten 39 Betrieben hat einer mit rund 50 Arbeitern die Entlassungen zurück- genommen, so daß als aussperrende Betriebe noch 38 mit 2997 Arbeitern verbleiben.— Ausgesperrt wurden 1492 Arbeiter, das sind von der Gesamtzahl der bei den Verbandsfirmen beschäftigten Ar- beitcr 44,0 Proz., von der Zahl der bei den aussperrenden Firmen Beschäftigten 49,8 Proz. Unter den Ausgesperrten sind 1185 Mit. glieder des MetallarbeiterverbandeS. Auf Veranlassung der Organi- sation haben sich 279 Arbeiter, darunter 217 Mitglieder, den Aus- gesperrten angeschlossen. 172 Ausgesperrte sind in anderen Ver- bänden, außerdem wurden 294 Unorganisierte gezählt.— Von den an der Aussperrung beteiligten Betrieben haben 19 mit 1045 Bc- schäftigten eine wöchentliche Arbeitszeit von 54 Stunden, 19 Be- triebe mit 1352 Arbeitern eine solche von 57 Stunden. Insgesamt ergibt sich also folgendes Bild: Im AuSsperrungs- gebiet werden von den Verbandsfirmen 15 000 Arbeiter beschäftigt. Ausgesperrt haben 01 Verbandsfirnren, die 7530 Arbeiter be- schäftigem Die Zahl der ausgesperrten Arbeiter beträgt 4032, davon sind Mitglieder des Mctallarbeiterverbandes 2753. Tie Aussperrung muß also um so mehr ihren Zweck verfehlen, da sie völlig verpufft ist und bei der Größe der Arbeiterorganisation keinerlei Wirkung auf die Metallarbeiter auszuüben vermag. Berlin und Qmgegenck. Noch kein Friede im Stukkateurgewerbe. Am Sonnabend fand zwischen den Beauftragten beider Parteien eme unverbindliche Aussprache statt. Herr von Schulz, der die Besprechung leitete, meinte, die Publikationen, die von beiden Kontrahenten in der letzten Zeit herausgegeben worden seien, hätten gezeigt, daß noch Mißstände vorhanden wären, die noch geklärt werden können und müßten. Am Sonnabend hatten nun Wenzels von den Arbeitnehmer» und C a s p a r i von den Arbeit- oebern unter Anwesenheit des Herrn von Schulz eine Zu- wmmenkunft, die das Ergebnis zeitigte, daß heute Dienstag, eine Subkommission vor dem Einigungsamte Vorberatungen pflegen soll. Die Arbeiter hatten aus Wunsch und Veranlassung der Vorbe- sprechung zu entscheiden, ob schon während der beginnenden Ver- Handlung die Arbeit ausgenommen werden soll. Eine Versammlung der streikenden Stukkateure, die am Montag stattfand, stimmte über die Frage ab. ob die Mitglieder die Arbeit aufnehmen wollen. Dies wurde von der Versammlung glattweg abgelehnt. Des weiteren erfolgte eine Abstimmung über die Frage, ob bei den kommenden Verhandlungen die Verkürzung der Arbeitszeit in der bisher gewollten Form vorwegzustellen sei. Dafür sprachen sich von 014 abgegebenen Stimmen 005 aus, dagegen 8, während 1 Zettel unbeschrieben blieb. Die Mineralwasserarbeiter der Firma G. K i n k e l- Schöne- berg, Helmstr. 5, welche zum Teil ganz plötzlich und ohne jeden Grund entlassen wurden, ersuchten durch ihren Vertrauensmann, die grundlosen Entlassungen doch zurückzunehmen oder anzugeben, weshalb dieselben erfolgt sind. Dies lehnte der Unternehmer ab. Auch ein Vermittelungsversuch durch den Transportarbeiterverband mißlang. Ein Vertreter versuchte eine Verständigung herbeizu- führen, aber auch dies lehnte der sehr nervöse Herr recht erregt telephonisch ab. S)er..gute Mann" ließ mit sich überhaupt gar nicht reden, sondern erklärte sehr aufgeregt, daß bei ihm nicht gestreikt würde und er überhaupt nicht zu sprechen sei, im gleichen Moment lag auch schon der Hörer aus dem Apparat. Di- Differenzen be- sieben also weiter, dies um so mehr, als die Firma, die in einem Tarifoerhältnis mit dem Transportarbeiterverband nicht steht, ge- ringere Löhne zahlt als die allgemein üblichen._ «erantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil vttantio.: Herr Kinkel scheint auf die Arbeiterschaft überhaupt recht schlecht zu sprechen zu sein. Bei der geringsten Veranlassung ergeht er sich in die gröblichsten Schimpfereien. Der Betrieb ist für organisierte Arbeiter gesperrt. Die Mineralwasserarbeiter ersuchen die Ge- samtmitglicdschaft, für weitgehendste Verbreitung dieser Mitteilung zu sorgen. Die in der Getränkeindustrie beschäftigten Arbeiwehmer sind im Besitz einer grau-grünen Kontrollkarte, die, wenn sie Gültigkeit haben soll, allmonatlich abgestempelt sein mutz. Wir ersuchen, daß die Konsumenten sowohl als auch im besonderen die Mitglieder stets nach der Kontrollkarte fragen, wer nicht im Besitze einer solchen ist, muß als Unorganisierter betrachtet lverden. Die Branchenleitung der Mineralwasserarbeiter und-Kutscher des Deutschen Transportarbciterverbandes. Fleischerstreik Neukölln. Die Neuköllner Jnnungsführer ver- suchen mit allen Mitteln die Wirkung des Bohkotts abzuschwächen. Das durch dcn„Gesellenausschutz" herausgegebene Flugblatt wird noch immer dcn Kunden als„Beilage" zu dem Fleisch beigegeben. Ferner wird von den Meistern der Kundschaft erzählt, der Boykott sei von der Parteileitung und der Gewerkschaftskommission gegen dcn Willen der Zentralverbandsleitung aufgehoben, da die Neu- köllner Arbeiterschaft es verlange, was jedoch eine große Unwahr- heit ist. Der von der Parteileitung und Gewerk- schaftskom Mission ein st immig beschlossene Boy- kott besteht nach wie vor und wird nicht früher aufgehoben werden, bis die Arbeitgeber die be- rcchtigten Forderungen der Gesellen bewilligen. Die Neuköllner Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß� trotz aller Unwahrheiten, die die Fleischermeister verbreiten, die Gesellen an- ständige Lohn- und Arbeitsbedingungen erhalten. Viele Fleischermeister glauben sich dadurch hervortun zu können, wenn sie die Streikenden verhöhnen und verspotten. Besonders hervorragend ist der Fleischermeister Gleich, Hohenzollernplatz 7. Der Fleischermeister Bartsch, Knesebeckstr. 41, versucht sich als die verfolgte Unschuld hinzustellen, verschweigt aber, daß er den Tarif- vertrag gebrochen hat und sich auf keinerlei Verhandlungen zur Beilegung der Differenzen eingelassen. Der Fleischermeister Kaplick, Emser Straße, und sein Geselle Obst, der Heraus- gebcr des gelben Flugblattes, welches die Fleischermeister an ihre Kunden jetzt abgeben, wollen anscheinend berühmt werden. ES werden Leute auf die Polizei geladen und ihnen eröffnet, sie hätten Herrn Kaplick und seinen gelben Gesellen belästigt und beleidigt, woran die Betreffenden gar nicht gedacht haben. Der gelbe Alt- geselle Obst steht in den Abendstunden gewöhnlich vor der Haustür, um sich„belästigen" zu lassen, das heißt, um zu provozieren, damit Anlaß zum Einschreiten der Polizei gegeben wird. Wir möchten daher die Arbeiterschaft bitten, lieber die Nähe des Kaplickschen Geschäftes zu meiden, um nicht Unliebsamkeiten dieser Art auSge- setzt zu sein. Zenftalverband der. Fleischer. Di- Streikleitung. � Deutsches Reich. Der Tabakarbeiterverband im Jahre 1S11. Auch im Jahre 1911 litt die deutsche Tabakindustrie noch recht erheblich unter den Folgen des 1909 in Kraft getretenen Tabakwert- steuergcsetzes. Trotzdem ein Teil der Tabakarbeiter aus der Jndu- strie verdrängt worden ist, hatten doch noch viele mit großer Ar- beitslosigkeit und Verkürzung der Arbeitszeit zu kämpfen. Das und die fortwährende Verlegung der Betriebe in Gegenden mit billigen Löhnen, sowie die bedeutende Vermehrung der Frauenarbeit, er- schweren die Organisationstätigkeit in der Tabakindustrie ungemein. Deshalb ist auch die Entwickelung des Tabakarbeiterverbandes an- de.rs zu bewerten, als die vieler anderer Gewerkschaften. Trotz aller Schwierigkeiten hat der Tabakarbciterverband im Jahre 1911 einen durchaus beachtenswerten Fortschritt gemacht. Seine Mitgliederzahl ist von 34 040 auf 35 449 gestiegen. Unter diesen neugewonnenen 1403 Mitgliedern befinden sich allein 1285 tveibliche. Ter Verband zählt jetzt 17 775 männliche und 17 074 weibliche Mitglieder. Im nächsten Jahre dürfte die Mehrzahl der Mitglieder bereits aus Frauen bestehen. Die regulären Einnahmen einschließlich Extrabeiträgen betrugen im Berichtsjahre 877 177 M. gegen das Vorjahr 132 532 M. mehr; dazu kommen noch 309(XX) M. aus Anlaß von Kämpfen vereinnahmten freiwilligen Beiträgen (Generalkommission) und ein aufgenommenes Darlehen von 298 529 M., so daß die Gesamtcinnahme einschließlich des Kassen- bestandes von 425 570 M. sich auf 1910 727 M. stellt. Bemerkt sei, daß die Mitglieder aus Anlaß der westfälischen Aussperrung bis zum Schlüsse des Berichtsjahres aus Extrabeiträgen 35 100 M. aufbrachten. Die Gesamtausgabe betrug 1 099 024 M, der Kassenbestand am Schlüsse des Jahres demnach 211 247 M. Hinzugefügt mag werden, daß sich die finanziellen Verhältnisse in den ersten Monaten dieses Jahres insofern günstig gestaltet haben, als jetzt nicht mehr von einer Schuldenlast geredet werden und die Kasse wieder als materieller Stützpunkt in den Kämpfen um die Ver- besserung der Lebenshaltung der Tabakarbeiter gelten kann. Der größere Teil der von der Generalkommission vereinnahmten Gelder ist erst nach 1911 eingegangen; außerdem find nach Abschluß der Jahresrechnung noch erhebliche Summen aus Extrabeiträgen der Mitglieder eingegangen und gehen noch ein, so daß der Schlag der westfälischen Aussperrung den Verband nicht niedergezwungen hat. Naturlich sind die Leistungen für Kampszwecke im Berichtsjahre infolge des Kampfes in Westfalen, Lippe-Detmold, Waldeck, Ham- bürg und Bremen sehr große gewesen; sie betrugen 1 028 778 M. Für Arbeitslosenunterstützung wurden 140 315 M. ausgegeben. Das Mehr gegen das Vorjahr von 01 805 M. ist auf die ungünstige Wirkung der Tabaksteuer zurückzuführen. Die Krankenunterstützung kostete dem Verband 208 270 M. An Kämpfen mit den Unternehmern hat es dem Verband nicht gefehlt, so sehr auch die Konjunktur infolge der Tabaksteuer da- niederlag. War doch oft die miserable Geschäftslage die Ursache zum Kampf, indem die Fabrikanten sich anschickten, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Die erhebliche Steigerung der Lebensmittelpreise drückte die schlecht bezahlten Tabakarbeiter furchtbar. In Westfalen wollten die gut organisierten Fabrikanten ein Exempel statuieren und sperrten Tausende aus. Der Kampf verbreitete sich auf die Tabakindustriegebiete Hamburg und Bremen, so daß schließlich rund 14 000 Tabakarbeiter im Kampf standen. Der Kampf, der am Jahresschluß freilich noch nicht beendet war, ist bekanntlich für die Tabakarbeiter günstig verlausen. Die Fabri- kanten haben ihren Willen, die Organisation zu sprengen, nicht durchgesetzt. Der Verband hatte insgesamt 198 Lohnbewegungen zu führen, die sich auf 085 Betriebe mit 12531 Beschäftigten, davon 8083 weib- liche, erstreckten. Von 147 Angrifssbewegungen ohne Streik'hatten 2, von 30 Angrifssbewegungen mit Streik 8 keinen Erfolg. Ein Streik war am Jahresschluß noch nicht beendet. Von 8 Abwehr- streiks hatten drei einen Erfolg. Alle übrigen Bewegungen hatten einen vollen oder teilweisen Erfolg. Von 3 Aussperrungen verlief eine günstig, zwei ungünstig für die Arbeiter. Die westfälische Aussperrung ist hier nicht einbegriffen. Ter Erfolg der Organi- sation war, daß insgesamt 9180 Tabakarbeitern der wöchentliche Verdienst um 50 Pf. bis 2,50 M. gesteigert wurde. Für 2353 Arbeiter wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe bis 5 Stunden wöchentlich erkämpft. Während zu Anfang des Berichtsjahres in 207 Orten oder Lohngebieten und 039 Betrieben mit 3278 Arbeitern, darunter 1451 weiblichen, Tarifverträge be- standen, bestehen solche Ende 1911 in 238 Orten bezw. Lohngebieten für 944 Betriebe mit 5001 Beschäftigten, darunter 2579 werblichen. Der Tabakarbriterverband hat schwere Zeiten durchmachen müssen. Wenn trotz dieses Umstandes und trotz der ungeheueren Organisationsschwierigkeiten und des geringen Verdienstes der Tabakarbeiter es dennoch möglich war. das zu leisten, was in dcn vorstehenden Ziffern ausgedrückt ist, so ist nicht zu zweifeln, daß der Verband mehr denn je in der Lage ist den wirtschaftlichen Aufstieg der Tabakarbeiter energisch zu fördern. Hierzu wesentlich beitragen wird auch die in allernächster Zeit erfolgende längst er- Zh. Glocke, Berlstl. Druck ü. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstalj sehnte Verschmelzung des Tabakarbeitcrverbandcs mit dem Verband« der Zigarrensortierer und Kistenbekleber, die von letzteren bereits im vorigen Jahre grundsätzlich beschlossen wurde. Achtung, Feilenhauer! In Hannover streiken die Feilen- Hauer seit mehreren Wochen. Die Unternehmer lehnen jede Ver- Handlung ab; sie erhalten in Remschei? Streikarbeit gemacht. Leider sind auch einige Feilcnhauer und Schleifer als Streikbrecher nach Hannover gekommen. Besonders aus Rheinland und Westfalen finden sich solche Brüder ein. Kann da nicht etwas zur Abhaltung der Leute geschehen? Die Metallarbeiter und besonders die Feilen- Hauer werden gebeten, dazu behilflich zu sein. Beendigung der Textilarbeiter-Aussperrung in Leipzig. Leipzig, 13. Mai. iPrivattelegramm des„Vorwärts".) Nachdem die Streitigkeiten bei dcn Firmen Stöhr u. Co., Kammgarn- spinnerei Leipzig und Kammgarnspinnerei Gautzsch durch Vergleich geschlichtet worden sind, ist die Aussperrung beendigt und nehmen am Dienstag sämtliche Arbeiter der drei Betriebe die Arbeit wieder auf. Die drei Firmen haben den streikenden Arbeitern Lohn- crhöhung in Aussicht gestellt. Bon der Aussperrung waren, wie wir bereits meldeten, zirka 5000 Textilarbeiter betroffen worden. In der Stockfabrik von Rocholl, Bettenhausen-Kassel, waren, weil die Arbeiter die Politur �zu stellen hatten. Differenzen ausge- brachen. Nack mehrtägigem Streik sind die Differenzen beigelegt worden. Fünf Kollegen blieben auf der Strecke, dieselben hatten während des Streiks bei der Gcschäftsleitung sich derartig mißliebig gemacht, daß sie nicht wieder eingestellt wurden. Aber auch jetzt scheint die Firma mit weiteren Matzregelungen vorzu- gehen. Besonders die Holzraspeler werden arg schikaniert, und wurden am Sonnabend 2 Kreisraspeler entlassen. Unter diesen Umständen werden die Stockarbeiter aller Kategorien dringend davor gewarnt, im Betriebe von Rocholl, Bettenhausen-Kassel, Arbeit anzunehmen. Besonders die Kreisraspeler werden darauf hingewiesen, daß die Arbeitsmethode dort besonders gesundheits- schädlich ist, da die Ventilation im Raspelerfaal nicht funktioniert. Deutscher Holzarbeiterverband. Zentralkommission für die Sw'ckindustrie. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Brauereiarbeiterstreik in Uelzen. Mit dem 1. April war der mit den drei Uelzener Brauereien vor drei Jahren vereinbarte Tarif abgelaufen. Trotz vieler Verhandlungen, die der Verband der Brauerei- und Mühlenarveiter mit dem Vertreter der Braue- reien, Herrn Dr. Wolsf-Hannover, pflegten, konnte eine Einigung für einen neuen Tarifvertrag nicht erzielt werden. Zuzug ist streng fernzuhalten! Achtung! Buchbinder? Kartonnagearbeiter! In Burgstädt (Sachsen) stehen die Buchbinder, Liniierer und Kartonnagearbeiter in einer Tarifbewegung. Das Verhalten der Unternehmer läßt einen Streik wahrscheinlich erscheinen, weshalb Zuzug fernzu- halten ist. TlusUmck. 10 000 Textilarbeiter ausgesperrt! In dem österreichisch-schlefischen Textilrevier von Bielitz find seit einigen Tagen 10 000 Textilarbeiter ausgesperrt, nachdem sich die Arbeiter einiger Fabriken durch die Drohung der allgemeinen Aussperrung nicht zum Abbruch des Streiks haben zwingen lassen. Ueberdies hatten die Unternehmer die schon gemachten Zugeständnisse unter dem Druck der Scharfmacher zurückgenommen. Versammlungen. Zu der Erklärung, die Dr. S. Nestriepke im„Vorwärts" vom 12. Mai auf die vom Verbandstag des Zentralverbandes der Hand- lungsgehilfen gefaßte Entschließung gegeben hat, ist unsererseits folgendes zu bemerken: Dr. Nestriepke, der bisherige Parteisekretär der Demokratischen Vereinigung, ist nach deren Zusammenbruch bei den Reichstags- wählen Angestellter des bürgerlichen Bundes der technisch-industri- ellen Beamten und Mitglied der sozialdemokratischen Partei geworden. Als Angestellter jenes Bundes der technifch-industriellen Beamten hat Dr. Nestriepke auch für den Bund der kaufmännischen Angestellten agitiert, der im vorigen Jahre als Konkurrenzorgani- sation gegen den freigewerkschaftlichen Zcntralverband der Hand- lungsgehilfen gegründet worden ist. Noch am 15. April 1912 hat Dr. Nestriepke eine Agitationsversammlung in Kassel für den Bund der kaufmännischen Angestellten abgehalten, obwohl dieser Bund eine lebhafte Propaganda für die LoStrennung der Angestellten von der freigewerkschaftlichen Arbeiterbewegung betreibt. Trotzdem er- klärt Dr. Nestriepke im„Vorwärts" vom 12. Mai, daß er sich nicht bewußt gewesen ist, jemals gegen den Anschluß der HcnckelSange- stellten an die freie Gewerkschaft agitiert zu haben. SMS Urteil darüber überlassen wir den Lesern. Zentralverband der Handlungsgehilfen. I. Au Paul Lange. Hetzte JVachrichten. Moloch Militarismus in Oesterreich-Nngara. Budapest, 13. Mai.(W. T. 58.) Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, in der Rekrutierungsvorlage ein erhöhtes Kontingent von 135 900 Mann zu beanspruchen. Ein würdiger Kirchenfürst. Mostar(Herzegowina), 13. Mai.(P.£.) D« Archt« ma n d r i t des griechisch-orientalischen Klosters Christophoro Miljo- ilowitz ist auf Anordnung der Behörden dem hiesigen Gefängnis eingeliefert worden. Nach der einen Lesart soll sich der Bischof eines Sittlichkeitsverbrechens an einem 13jährigen Mädchen schuldig gemacht haben, nach einer anderen soll er mit großen Unterschlagungen des griechisch-orientalischen Kirchenfonds in Verbindung stehen. Der Staatsanwalt hat die sofortige Untersuchungshaft über den Bischof verhängt. Mihoilowicz hat bereits wegen der Fälschung eines Testamente? eine längere Krrkcrstrafe hinter sich.__ Aus der Pariser Gesellschaft. Paris, 13. Mai.(P. C.) Ein neuer Sittenskandal, durch den mehrere Mitglieder der besseren Pariser Gesellschaft stark kompromittiert sein sollen, erregt hier großesAuf sehen. Die Polizei verhaftete gestern im Montmartreviertel, in der Wh« de? Clichy- Platzes, in den hauptsächlichsten Vergnügunaslokalen 21 Personen, meistens Mütter, die ihre Töchter im Alter von 13—19 Jahren an Freudenhäuser verkuppelt hatten. Wie es heißt, sollen auch mehrere bekannte Pariser Persönlichkeiten m die Angelegen. heit verwickelt sein. Weitere Verhaftungen sollen bevorstehen. Südamerikanisch« Ortschaft i> Flamme». Montevideo, 13. Mai.(P. C) Eine v e r h e« r e» d e F ene r S. brunst wütet seit gestern vormittag in dem Flecken Sauce tn Uruguay. Das Feuer wird durch den herrschenden Wind stark be- günstigt. lieber 20 Häuser sind den Flamme» bereits zum Opfer gefalle», zahlreiches Vieh ijt verbrannt. Man fürchtet für die ganze Niederlassung. Mehrere Häuser mußten wegen der drohen- den Gefahr und der übergroßen Sive des Brairdes von ihren Bc. wohnern geräumt iverdcn Soweit bis jetzt bekannt ist, find Men- schcn nicht zu Schaden gekommen. Die Entstehungsursache der Feuersbrunst ist noch nicht bekannt.__ Kaul Singer Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Untcrhaltungsbl.' grill ZS.IahtMg. t KeilU Ks.Amiirk" Kerliiin WksM ZitWkz, lt. Mai lgi2. Keickstsg. 01. Sitzung. Montag, den 13. Mai 1S12. n a ch m i t t a g S 2Vg Uhr. Am BundeSratstisch: v. Heeringen. Die zweite Beratung deS Militäretats wird fortgesetzt und zwar mit der Diskussion über die Ducllresolution der Budgctkommission. die folgenden Wortlaut hat: A. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, alsbald Schritte zu tun, die geeignet sind. die Zweikämpfe zu beseitigen, insbesondere dem Zwange zur Herausforderung zum Zweikampfe und zur Annahme eines solchen entgegenzutreten; vor allem aber schleunigst zu veranlassen, dax die Bestinimungen der Order vom 1. Januar 1897 über die Einschränkung und Vermeidung der Zwei- kämpfe überall und in allen Teilen zur strengsten Durchführung ge- langen, daß namentlich 1. Personen von ehrloser Gesinnung für einen Ehrenhandel unter allen Umständen ausscheiden; 2. gegen die Beleidiger schleunigst und scharf vorgegangen wird; 3. Ehrenhändel erst nach erfolgtem ehrengerichtlichen Verfahren zum Austrage gebracht werden; 4. die Ablehnung eines Zweikampfes aus religiösen oder sitt- lich gerechtfertigten Bedeiiken ebensowenig wie Streitigkeiten dienst- licher oder privatgeschäftlicher Natur zum Gegenstand eines ehren- gerichtlichen Verfahrens gemacht werden. L. Den Reichskanzler zu ersuchen, die erforderlichen Schritte zu tun, um dem gesetzwidrigen Duellwesen im Heere da- durch ein Ende zumachen, daß eine Aenderung des Militär- st r a f g c s e tz b u ch e s in dem Sinne herbeigeführt wird, daß bei der Bestrafung im Zweikampfe unter Herausforderung zum Zwei- kämpfe auf die Nebenstrafe der Entlassung auS dem Heere zu er- kennen tst. Abg. Ledcbour lSoz.) Mit dem ersten Teil der Resolution A sind wir einverstanden, ebenso mit der Resolution B, die in der Kommission von den Freisinnigen beantragt war. Dagegen sind wir nicht einverstanden mit dem zweiten Teil der Resolution A, die in der Kommission vom Zentrum beantragt war, weil in diesem Teil die Durchführung der Order vom L Januar 1897 verlangt wird und weil diese Order eine grundsätzliche Anerkennung des Duells enthält und nur dessen Einschränkung wünscht. Deshalb müssen wir diesen Teil ablehnen und werden daher getrennte Abstimmung beantragen. Wie die Dinge sich zunächst hier im Hause und dann in der Budgeikommission entwickelt und abgespielt haben, ist überaus inter- eisant. Die Duellfrage wurde hier durch die Verhandlungen am 24. April akut, als auf eine Anfrage des Abg. Erzberger wegen des Falles S a m b e t h der Kriegsminister eine Antwort gab, die die höchste Entrüstung besonders in den Reihen der Zentrums- Partei erregte. Die fraglichen Worte des KriegSminislers lauteten: »Hier handelt es sich nicht um würdig oder nichtwürdig, sondern vier handelt es sich lediglich darum, jemand, der Auf« fassungen bekundet, wie es der betreffende Herr getan bat, paßt unter den vorliegenden Umständen nicht in die Verhältnisse, unter denen er bisher war." Darin wurde von allen Parteien des Hauses mit Recht erkannt, daß die Heeresverwaltung auf dem Standpunkt steht, daß ein Offizier, der aus Gründen irgend welcher Art ein Duell, das die Meinung seiner Standesgenossen für notwendig hält, ablehnt,� aus dem Heere zu entlassen sei, auch wenn er aus religiösen Gründen ablehnt, und da es sich um einen Fall handelte, bei dem das Duell aus religiösen Gründen abgelehnt war, so ist es begreiflich, daß in den Reihen des Zentrums große Erregung herrschte. Herr Gröber brach wiederholt in die Worte aus„Un- erhört! unerhört I" Wir haben diese Entrüstung der Zentrumspartei mit Freuden begrüßt und erwartet, daß nun auch in der Budgetkommission die Zentrumspartei im Sinne dieses schönen Ent- rüftungsausbruches mit uns Hand in Hand gehen würde, um durch- greifende Maßregeln zur Ausrottung dieses Duells zu ergreifen. Wir erwarteten das um so mehr, als nicht nur der jugendlich temperament- volle Herr Gröber, sondern auch am folgenden Tage Herr Spahn in einer feierlichen Erklärung dieses.Unerhört' be- kräftigte; er ging darin so weit, zu sagen:.Der Kriegsminister stellt kleines feuitteton. Julian Borchardt und— M. Porcius Cato. Genosse Borchardt kann sich für das Mißgeschick, das ihm im preußischen Abgeordneten- hause widerfuhr, mit dem Gedanken trösten, daß er einen berühmten Leidensgefährten in der Person deS jüngeren Cato besitzt. Im April deS Jahres 59 v. Chr. wurde dieier in einer denkwürdigen Senatssitzung aus Befehl deS Präsidenten durch Polizeigewalt aus dem Sitzungssaale entfernt. Man kann sich über- Haupt das parlamentarische Leben der späteren römischen Republik gar nicht modern genug denken. Bei dem Hefligen Parteikampf, der 'n jenen Jahrzehnten zwischen den Konservativen, den Opttmaten, und der Volkspartei, den Populären, geführt wurde, ist es bc- greiflich, daß man auch zur Anwendung der Obstruktion im Senat schritt. Zunächst existierte zwar eine Redefreiheit in unserem Sinne nicht. der Vorsitzende forderte vielmehr in einer bestimmten Reihenfolge allen Senators auf. sich zur Tagesordnung zu äußern. Natürlich sprachen in der Regel nur die Parteiführer. Wenn nun ein Senator aufgefordert war, konnte er so lange reden, wie er wollte, und dabei jedes beliebige politische Thema anschlagen. Der Vorsitzende hatte nicht daS Recht, ihn zur Sache zu rufen oder zum Schluß zu nötigen. Sodann bestand der Grundsatz, daß keine Senatssitzung länger als bis zum Sonnen- unter gaug dauern dürfe. Bei dieser Rechtslage brauchte ein ob- struierender Senator nur eine Dauerrede bis zu dieser Tageszeit zu hülren, und jeder Beschluß war unmöglich. Im Jahre 72 v. Chr. wurde zunr erstenmal diese VerschleppungS- taktik im römischen Senat angewandt. AuS den folgenden 20 Jahren find uns noch zehn weitere Fälle von Obstruktion überliefert. Der größte Meister in dieser Kunst war aber der jüngere Cato. der Vorkämpfer der romischen Junker. Jahrelang stand man der Ob- struktion völlig wehrlos gegenüber, bis der römische Senat einen Vorsitzenden erhielt, der sich von irgend einem Hindernis nicht abschrecken ließ. Es war C. Julius Cäsar. Im Jahre 59 verwaltete er das Koniulat, die Präsidentschaft der römischen Revublik. Er plante eine großzügige Agrarreform. Die Vorlage wurde von den Optimalen aufs heftigste bekämpft, und Cato be- kchlosi sie auf die übliche Weise totzureden. Da kam Cäsar aus folaende» Ausweg. Nach römischem Recht konnten die höchsten, ge- wäbltcn Würdenträger des Staates von jedem Bürger unbedingten Gehorsam verlangen. Sie wurden deshalb sters von einigen Polizeidienern. den Lwtoren. begleitet. Als nun m jener Senatssivuna Cato trotz allen Mahnungen des Vor- sitzenden immer weiter redete, siellte Cäsar fest, daß ein Widerstand gegen die in ihm verkörperte Staatsgewalt vorliege, und befahl den Lictoreu Cato auf der Stelle zu verhaften und in« Gefängnis abzuführen.' Als aber die Beamteir sich anschickten, Cato aus dem Saale zu bringen erhoben sich sämtliche konservative Senatoren und erklärten, sie würden Cato ins Gefängnis begleiten. AIS Cäsar die Sjerren zum Bleiben aufforderte, da er die Sitzung noch nicht ge- chloffen habe, rief ihm ein Mitglied der Opposition zu:»Ich will sich und den Offiziersstand mit dieser Aeußerung außerhalb des Gesetzes." In den Kommissionsverhaudlungen erlebten wir aber etwas ganz anderes. Während hier im Haufe die Entrüstung der Zentrums- Partei aufwallte, wie dieBrandung des empörten Meeres, hörten die Ausführungen in der Kommission sich an, wie das Gesäuscl eines sanften Windes. Trotzdem der Kriegsminister von seinem prinzipiellen Standpunkt nicht um Haaresbreite abwich, wurde eine Resolution gefaßt, zu der er selbst seine Zustimmung erklären konnte. Nach der Darlegung des Kriegsministers in der Kommission kann es nicht ertragen werden, und zwar weder von der Heeres- Verwaltung, noch von den obersten Inhabern der Kommandogewalt, noch von dem Offizierkorps, daß ein Offizier, der das Duell ver- weigert, noch im Heere bleibt. Da« Strafgesetzbuch bestraft aber den Duellanten ganz ausdrücklich; nach dem Strafgesetzbuch ist jeder verpflichtet, das Duell zu verweigern, und schon durch die Herausforderung macht er sich strafbar. Wir haben hier einen klaffenden Widerspruch nicht bloß zwischen den An- schauungen der Mehrheit des Volkes und des Offizierstandes, sondern auch in der Betätigung dieser Anschauungen, wie sie von den obersten Stellen, die die Hüter des Gesetzes zu sein in Anspruch nehmen, von dem Kriegsminister, dem Kaiser, dem Offizierkorps, gefordert werden, von dem Offizierkorps, wie ich zu seinen Ehren annehme, nicht aus der innersten Anschauung, daß die Befolgung der Gesetze etwas Nebensächliches sei, sondern unter dem terroristischen Druck, daß derjenige aus dem Heere ausgeschlossen wird, der das Gesetz befolgt. DaS ist ein Zustand, der nicht ertragen werden kann. sLebhaftes Sehr richtig l bei den Sozial- demokraten.) Hier dürfte der Reichstag sich auf keinerlei Ab- schwächungen einlassen. DaS schlimmste ist, daß von der h ö ch st e n Militärbehörde und von dem Inhaber der obersten Kommandogeloalt die Offiziere zum Duell gezwungen werden. DaS ist der Sinn der Ehrengerichtsordnung und der KabinettSorder vom 1. Januar 1897. In der Kommission wollten die Herren vom Zentrum durch Berufung auf diese Kabinetts- order versuchen, eine Abschwächung der Duelle herbeizuführen. Diese Kabinettsorder erkennt diese Duelle grundsätzlich an und will sie sogar unter Umständen erzwingen. Die Pflicht deS obersten Hüters des Gesetzes wäre es, zu sagen, ich will, daß dem Duell der Offiziere ein für allemal ein Ende gemacht wird.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Stattdessen wird nur gefagt, es soll ihm mehr wie bisher vorgebeugt werden, und aus dem ganzen Inhalt der Order geht hervor, daß die Offiziere unter Umständen zum Duell gezwungen werden sollen, und wenn sie den: terroristischen Druck nicht Folge leisten, auS dem Heere entlassen werden. Dieses widergesetzliche Verfahren, durch die daran mitwirkenden Personen einschließlich deS ober st en Inhabers der Kommandogewalt, sich selbst außerhalb des Gesetzes stellen, ist das allerschlimmste. Dazu kommt noch eins. Die Monarchen selbst lehnen für ihre Person dos Duell unter allen Umständen ab, und die königlichen Prinzen stehen außerhalb des Duell- z w a n g e S. Wir haben also eine drciklassigr Ehrcnordnuag. Auf der obersten Stufe stehen die Monarchen und die Prinzen der königlichen Häuser; diese brauchen keine Satisfaktion zu geben, sie begnügen sich, wenn sie beleidigt werden, mit dem Einschreiten der Gerichte. Die zweite Klasse besteht aus dem Offiziers- k o r p s und Leuten aus anderen Berufen, die den Anspruch erheben, auch unter dem Ehrenkodex der Offiziere zu stehen. Diese müssen sich unter Umständen duellieren. Und dann kommt die dritte K l a s s e, die überwiegende Mehrzahl der Menschen, die überhaupt nicht satisfationsfähig sind und zwar wird die Satisfaktionsfähigkeit nicht davon abhängig gemacht, ob der Betreffende irgend etwas getan hat, was sich mit dem Ehrenkodex der Offiziere nicht verträgt sondern ob er bestimmten Berufen angehört. So würde ein Offizier die Herausforderung eines Schneidergeselen sicherlich ablehnen, und niemand würde einen Grund zur Entlassung aus dem Heere finden. Wie weit die Grenze der SatiSfaktionssähigkeit geht, ist nicht ganz klar, am allerwenigsten nach den Ausführungen des Kriegsministers am Sonnabend. Ein junger Mann, der eine Tante hat, die mit Eiern oder Heringen handelt, oder ein o r t o p ä d i s ch e S Institut einrichtet, kann ja nach diesen Ausführungen nicht Offizier werden und ist lieber mit Cato ins Gefängnis, als mit Dir im Senat sitzen!" Es blieb Cäsar nichts übrig, wenn er einen ungeheueren Skandal ver- meiden wollte, als den Haftbefehl wieder zurückzunehmen. CatoS Obstruktion war aber gebrochen. Theater. Komische Oper(Gastspiel des Neuen Schauspiel- Hauses):„SpieleJhrer Exzellenz" von Zoe Jekels und Rudolf Strauß. Das bereits in Wien mit Erfolg auf- geführte Stück wurde auch hier mit starkem Beifall aufgenommen Gewiß, es arbeitet mit Sensationen; aber es bietet in der Psycho- logie einer cxentrisch koniödiantischen russischen Aristokratendamc, die Uebersättigung und Sucht nach neuen Aufregungen eine Zeit lang ins revolutionäre Lager treibt, und in der Kontrastierung ihres hohlen Flatterwesens mit der selbstlos schlichten Hingabe wirklicher Revolutionäre auch viel Gedankenreiches, das mehr als äußerliche Spannung auslöst. Die Gcsellschaftsszenen des ersten Aktes in dem Salon des grousanien, vor einem Attentate zitternden Gouverneurs sind sehr charakteristisch in der Schilderung des zynisch-frivolen Tons. Vera, die schöne Gouverncursgattin, die ihren Mann nicht weniger als ihre flirtenden Verehrer verachtet, amüsiert sich, die Herrschaften durch unverschämte Sottisen zu verblüffen. Im Kopf und Herzen leer, hat sie's in diesem Spiel zu seltener Virtuosität gebracht. Sie hetzt den Grasen Alcxinsty, der es an Impertinenzen mit ihr auf- nimmt, durch halt*: Zusagen in Glut, um ihn dann spottend wieder fortzustoßen; ergeht sich in Betrachtungen, ob nicht die Rcvolutio- näre am Ende interessanter wären als die langweiligen Stützen des Staates. Den Gouverneur, der beim Dcmonstrationszuge auf die wehrlosen Massen feuern ließ, ruft ein gefälschtes Telegramm auf die Straße. Man hört den Knall einer Bombe. Der Henkers- knecht ist in die Luft gesprengt, und Vera, nachdem der erste Nervenchok vorüber, widmet sich der angenehmen Sorge um die Witwentoilette. Sie möchte sich bor dem Attentäter- im Gefängnis aufspielen vielleicht die Namen der Komplicen, die er standhaft verschwiegen ihm ablisten. Der Polizcidirettor verschafft ihr die Gelegenheit. Am Anfang markiert sie die über den Tod ihres Gemahls Un- tröstliche. Ter Terrorist entgegnet, sie möge an alle jene Frauen denken, die durch ihren Mann Witwen geworden sind. AuS seinen ruhig festen Worten leuchtet verborgene Begeisterung, von der sie nie gehört. Die heldenhafte Furchtlosigkeit, in der er, vom Sieg der Freiheit überzeugt, dem Tode entgegenschaut, imponiert ihr als ästhetisches Schauspiel, und in die Bewunderung mischen sich Instinkte weiblicher Verliebtheit. Die Lust zu etwas unerhörtem Kühnen kommt sie an. Sie will ihn retten. Er weist es ab. Der Schlußakt rückt das Melodrama dieser Bekehrung ironisch in das richtige Licht. Vera hat mit ihrem Gelde dem Freunde des Gehenkten das Gefängnistor geöffnet. Sie konspiriert, hält sich für eine Nihilistin und schmückt sich mit Worten des Toten, dem ihre Seele ewig angehören werde. Sie findet, daß die neue Rolle ihr vortrefflich steht und die allcrspannendstcn Abenteuer ver- spricht. Wie interessant, daß man ihren Verehrer, deg Grafen dann wohl logischerweise auch nicht satisfaktionsfähig. Nach unserer Auffassung stehen alle die Leute, die den Duellzwang aufrecht erhalten und Offiziere zum Duell zwingen, nicht nur außerhalb des Gesetzes, sondern auch unterhalb der Moral, die rn unserem Volke herrscht, und am allcrniedrigsten auf der Stufenleiter der Moral sieben doch unbedingt diejenigen Personen, die, während sie selbst ein Duell ablehnen würden, andere Leute zum Duell zwingen wollen. Diese stehen auf der allertiefsten Stufe der Moral, und das sind leider diejenigen Personen, zu denen in erster Reihe auch der Inhaber der obersten Kommando- gewalt gehört.(Unruhe rechts.) Präsident Kaempf: Ich kann nicht zulassen, daß Sw von dem Inhaber der obersten Komniandogewalt sagen, er stehe auf der tiefsten Stufe der Moral. Abg. Ledebour(fortfahrend): Ich habe das nicht allgemein, sondern nur inbezug auf diesen Punkt gesagt, inbezug darauf, daß er andere Leute zum Duell zwingt, während er für sich und seine Familie das Duell ablehnt. In dieser Beziehung steht er auf der tiefsten Stufe der Moral. (Erneute Unruhe rechts.) Präsident Kaempf: Das ist genau dasselbe. Ich bitte Sie, sich zu mäßigen. Abg. Ledebour(fortfahrend): Wenn einmal ein paar königliche Prinzen im Duell niedergeknallt würden, bekämen wir sofort eine Kabinetts- order, die dem Offizierkorps das Duell verbietet. Gegenüber diesen Zuständen sollte der Reichstag alles aufbieten, um seinerseits das Duell auszurotten.-(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Da der Reichstag nicht ausschließlich die gesetzgebende Gewalt und auch nicht die Kommandogewalt hat, so kann er das nur auf in- direktem Wege, und insofern sind die Teile der Resolution, die prinzipiell die Unzulässigkeit des Duells betonen, und die Duellanten und Herausforderer zum Duell aus dem Heere zu ent- lassen fordern, ein Fortschritt; sie stimmen mit unserer Auffassung überein, wenn wir auch eine schärfere Fassung wünschen. Der andere Absatz dagegen, der unter Berufung auf die KabinettSorder von 1897 die Einschränkung der Duelle wünscht, enthält eine prinzipielle Anerkennung des Duells. Diesem Teile können wir nicht zustimmen. Nun hat der Kriegsminister noch eine Bemerkung in der Kommission gemacht, die gleichfalls zurückgewiesen werden muß. (Der Kriegsministrr unterhält sich in einer Ecke des SaaleS.) Wir sind eS ja gewohnt, daß die Minister bei Verhandlungen, die ihnen unbequem sind, eine Bogelstraußpolitik treiben und den Kopf in den Sand stecken(Unruhe rechts). ES wäre vielleicht zweckmäßig, daß der Kriegsminister darauf aufmerksam ge- macht wird, daß es nicht richtig ist, wenn hier über Fragen seines Ressorts verhandelt wird, sich mit den Vertretern anderer Parteien zu unterhaften und eine Art Sonderparlament zu bilden. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten, der Kriegs- minister nimmt seinen Platz wieder ein.) Indem der Kriegs- minister ausführte, daß eine Einschränkung des_ Duells wünschenswert sei, sagte er:»ein voller Erfolg wird aber erst möglich sein,' wenn bei Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Armee und Personen außerhalb derselben durch eine Aenderung der Gesetzgebung der Schutz der persönlichen Ehre wesentlich gestärkt worden ist". DaS ist ein Stück von ungenierter Zumutung an den Reichstag, wie sie wirklich ihres- gleichen sucht. Der Kriegsminister sagt, wir haben daS Vorrecht, ein Duell einzugehen und die Gesetze zu brechen, und wenn man uns zumutet, uns dieses Vorrechts zu begeben, so muß erst da? Strafgesetzbuch gegen andere Leute verschärft werden. Das est geradezu unerhört, Herr Gröber!(Der Abg. Gröber nickt zu- stimmend.) Es freut mich, daß wir einmal übereinstimmen und ich hoffe, diese Uebereinstimmung wird länger vorhalten, als die vorn 24. April. Der einzige mildernde Umstand für den KriegSminister ist, daß diese ungenierte Herausforderung des Reichstages zweifellos nicht in seinem Kopfe gewachsen ist, sondern daß sie ihm von seinen juristischen Beiräten eingegeben ist. In der Lex Wagner, die glücklicherweise nicht perfekt geworden ist, hat sich ja gezeigt, wie von konservativen und selbst von national- AlcxinLky, auf die Liste der vom Geheimkomitee Verurteilten ge- setzt hat. und daß sie. gerade sie. ihn in den Hinterhalt locken soll. Aber noch interessanter wär's, wenn sie ihn selber tötete, �dclch eine Sensation. In ihrer Eitelkeit plappert sie vor dem fieptisch lächelnden Galan das Geheimnis ihrer Beziehungen aus und greift dann plötzlich drohend zum Revolver. Er lacht sie aus. und als sie mertkt, daß sie durchschaut ist. verliert sie selbst die Freude an der Pose, schlüpft aus dem erborgten Lowenfell in ihr au- geborenes Lvokettentum zurück, läßt sich, da es zu einer modernen Judith doch nicht lange» wollte, vom Grafen auf eine Bergnu- gungsreise nach Monte Carlo mitnehmen. Ida Wüst brachte das Komödiantentum des verstiegenen Dämchens mit brillant lebendigem Temperament zum Ausdruck. Salfner als Gefangener toar kraftvoll männlich, Kaiser, Titz ein chcvalercsk gewandter Graf. du Humor and Satire. Knechte. Armer Kolb, du wirst unsterblich und kannst nichts dafür. Ach, dein Amt ward dir verderblich, armes Opfertier.-i- Traurig ist dein Ruhm, und eines tröste dich allein: schließlich ist es nichts Gemeines einmal Hausknecht sein. Und kein braver Hausknecht möchi» tauschen mit der Schar der freiwillig-preuß'schen Knechte, � die dein Auftraggeber war. _ Balthas ar Zorn. Notizen. — Theaterchronik. Das Nene VolkS-Theater (Neue freie Bolksbühue) veranstaltet zu Ehren von S ch n i tz l e r s 50. Geburtstag am Mittwoch eine Aufführung von„Literatur" und „Liebelei". — StrindbergS Befinden ist nach Stockholmer Mel« düngen hoffnungslos. Seit Sonntagabend hatte er das Bewußtsein verloren. — Die höchsten Eisenbahnen der Welt. Die Eisen- bahnstrecke zwischen Chile und Bolivia, die vor kurzem vollendet worden ist, hat eine Teilstrecke von Rio- Mulato bis Potosi, die 4880 Meter hoch ist, und als die höchste Eisenbahn der Welt gelten darf. Wie in der„Natnre" mitgeteilt wird, kommen zwei Schienen- Wege in Peru diesem Rekord am nächsten, nämlich die Eisenbahn» linie, die sich bei Morococha bis 4840 Bieter, und die, die sich bei Ticlo bis 4780 Meter erhebt. In Lima erreicht die Eisenbahn bei La Craya eine Höhe von 4750 Meter; 4373 Meter ist der Schienenweg im Süden von Peru bei Portez del Cruzero hoch und 4200 Meter erreicht die über die Anden führende Eisenbahnstrecke zwischen Argentinien und Chile. nichts anderes hinaus, als das Recht der freien Mei»Vl>gSatl�eru>ta, das in Deutschland bereits auf das uugehcuerlichsle eingeschränkt ist, noch weiter einzuschränken, und eZ ist charakteristische da� auch der Äriegsminister diese Forderung erhebte Sie geht von der falschen Anschauung aus, daß die Ehre eines Mannes darin besteht, was andere Menschen von ihm sagen, daß sie abhängig ist von der Aus- sassuug, dein Gerede und Getue anderer Leute, während sie doch nur beruhen kann in dein, was er selbst sagt und t u r. Im englischen Strafrecht sind einfache Beleidigungeil daher über- Haupt nicht strafbar, und gerade in England ist es auch zuerst gelungen, das Duell ganz zu beseitigen. Man wies in der skommission darauf hin, daß in England für einfache Beleidigungen, sogar im Zivilprozcß, Geldstrafen verhängt werden können. Aber gerade das ist ein Beweis dafür, daß dort die ein- sache Beleidigung ein kriminelles Vergehen nicht ist, sondern daß es sich nur um eine Buße für die materielle Schädigung handelt. Sehr' gründlich hat diese Frage bor vielen Jahren schon Lothar B u ch e r erörtert, der in seinem letzten Lebensjahre die rechte Hand Bismarcks war. Also noch einmal: nehmen Sie die Resolution an, soweit sie das Duell prinzipiell verwirft, und lehnen Sie sie ab, in dem Teil, der die Einschränkung des Duells fordert, dabei aber prinzipiell seine Berechtigung anerkennt.(Beifall bei den Sozialdemokratens Abg. Gröber tragung persönlicher Streitereien. Es wird gewiß nicht auf einmal gelingen, das Duell für alle Zeit aus der Welt zu schaffen. Wohl aber ist es möglich, den Duellzwang für solche Offiziere zu beseitigen, die auS ihren heiligsten Gefühlen heraus G e g n c r des Duells geworden find.Nebcrbaupt soll das Duell seine Eigenschaft als Institution bestimmter Kreise mit einem besonders feinen Ehrgefühl verlieren. Was in Eng- l a n d möglich war, sollte anch bei uns Platz greifen. Dort hat der König eine Nabinettsorder gegen das Duell erlassen und die Offiziere mutzten sich aus Gründen der Disziplin unterwerfen, Wie kann ein Offizier die Soldaten zum Gehorsam erziehen, wenn er selbst in der Form des Duells fortgesetzt gegen das Gesetz v e r st ö ß t! Die Bemühungen des obersten Kriegsherrn, möglichst vielen Duellen vorzubeugen, erkennen wir durchaus an. Wenn nur die Kabinettsorder von 1897 überall beachtet würde, und in dieser Beziehung müffen wir allerdings einer Anzahl von Re- gimenlskonunandcnrcn den Vorwurf machen, daß sie nicht alles zur gütlichen Beilegung eineS Ehrenhandels tun. Und dann müffen alle die Personen anS einem Ehren- Handel herauSblciben, die selbst ehrlos sind. Man darf z. B. einen Offizier nicht zwingen, sich zu duellieren mit dem Schänder seiner Familie»ehre.(Lebhafte Zustimmung.) Es darf auf einen Ehrenmann kein Zwang dahin ausgeübt werden, daß er sich der Pistole seines Ehebrechers entgegenstellt. In solchen Fällen, an denen auf der eine» Seite eS sich um einen ehrlosen Manu handelt, darf ein Ehrenrat überhaupt nicht in Bewegung gesetzt werden. Statt dessen erleben wir nur zu häusig den Fall, daß gerade die Offiziere, die prinzipiell gegen das Duell sind, gereizt und dann infolge ihrer Duellwcigerung auS dem Heeresverbandc ausgestoßen werden,(Hört! hört! im Zentrum.) Abg. Graf Westarp(I.): Wir können der Resolution nicht zustimme», obwohl auch wir den Zweikamps für gegen mensch« liche und göttliche Gebote verstoßend halten. Aber die zur Beseitigung des Duells erforderlichen Maßnahmen hat allein der Kaiser als Allerhöchster Kriegsherr zu treffen. (Bravo I rechts.) KriegSininister v. Hceriugen; Auch ich kann die vom Präsidenten gerügte Hereinziehung des Allerhöchsten Kriegsherrn in diese Debatte nur auf das schärfste zurückweisen.(Beifall rechts. nicht nur eine stehen auf Frage demielbeu oder Unruhe links.) Die Ducllfrage ist der Offiziere, sondern weite Kreise Boden. Dem Duell kau» man nicht mit theoretischen juristischen Gründen beikommen. Die Stellung zum Duell ist Gefühlssache und zwar allerpersöulichster Art.(Sehr richtig! rechts.) Gewiß kann mir niemand meine Ehre rauhe». Aber man kann nie», and ins Herz sehen. Deshalb ist es äußerlich schwer zu erkennen, aus welchen Gründen eine Duell- Verweigerung erfolgt.(Unruhe in, Zentrum.) Im praltischcu Leben spielen solche Aentzerlichkeiten aber sehr oft eine große Rolle. Wir nehmen für uns keine besondere Ehre in Anipriich. Die Ehre des Offiziers ist genau so wie die eines jeden Gentleman. Aber in der Betätigung unserer Ehranschauungei, sind wir schärfer gegen uns s e l b st. Der Offizier soll täglich bereit sein, sein Leben in die Schanzen zu schlagen. Unentschlosienheit in dieser Beziehung hat doch nicht ihre Wirkung aus seineß Kameraden, sondern auch auf seine Untergebenen.(Sehr richtig! rechts.) Es ist auch nicht richtig, daß der Offizier sich über Recht und Gesetz hinweg- setzt. Er unterwirft sich ja der Strafe. Auch der G e- s e tz g e b e r hat am Bestehen des Duells sein Teil Schuld. (Unruhe linlS und im Zentrum.) ES schützt gewiß Leben und Ver- mögen, aber es schützt n icht ausreichend die persönliche Ehre.(Unruhe links.— Zuruf: Umgekehrt wird ein Schuh daraus!) Daß ein guter Christ heute nicht Offizier sein kann, trifft nicht zu. In einer chrisilich-idealeu Welt w,rd es kein Duell geben. Aber unsere Welt ist doch recht wenig ideal.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer aus irgend welchen Gründen beim Offizicrkorps nicht glaubt bleiben zu können, kann als Ehrenmann und in Frieden von uns ziehen.(Große Unruhe im Zentrum.) Wir könucn unser Offizier- lorpS doch nicht in zwei Teile spalten und dem einen Teil andere Ehrbegriffe gestatten als dem anderen.(Unruhe links und im Zentrum.) Mit einem gewaltsamen Eingriff ist das Duell nicht zu beseitigen. D a S kann auch ein gewaltsamer Ein- griff des Allerhöchsten Kriegsherrn nicht, denn lvir haben keinen Liadavergehorsam.(Lachen links.) Die Armee sieht daS Duell als ein Uebel au und wir bekämpfen eS anch.(Lautes Lachen links und im Zentrum.) Ich verspreche auch, überall für die volle Durchführung der Kabineltsorder von 1897 zu sorgen. Aber ich bitte Sie, vorsichtig au das hochgespannte Ehr- grfühl der Offiziere heranzugehen.(Lärm links und im Zentrum.) Unser OffizierlorpS mit diesem feinen Ehrgefühl hat uns unsere siegreichen Schlachten geschlagen. Wer daher daran rüttelt. vernichtet etwas, was dem Wohle des Vaterlandes dienlich ist.(Bravo! rechts. Unruhe liuks und im Zentrum.) Abg. Schiffer(natl.): Wir verurteilen das Duell, daS bisher ja überhaupt niemand verteidigt hat. Weshalb wollen wir der Rc- folution der Budgetkommission deshalb unsere Zustimmung versagen. weil sie sich an die Adresse deS Allerhöchste» jtriegsherru wendet? Die Konservativen sind doch sonst u i ch t s o z i m p e r l i ch und verstehen, gerade dieser Stelle ihre Wünsche zur Kenntnis zu bringen.(Sehr gut! links.) Für eine Ausdehnung des Begriffs der Ehrlosigkeit für die Zulassung zum Ehrenhandel sind auch wir. Nicht nur der Ehebrecher sollte au sich ausscheiden, sondern auch daS Rowdtitum. das irgendjemand anrempelt und daraus nun einen Ehrenkandel konstruiert. Der heutige Zustand ist auf die Dauer unhallbar. Es gibt nun einmal viele katholische Lsstziere, dcitcn ihr Glaube das Duell streng verbietet. Wenn der Krieg«- minister soeben gesagt hat. man könne diesen Leuten nicht ins Herz sehen und ihr« Motive äußerlich nicht erkennen, so setzt er eine Prämie auf Ueberschncidigkcit. Im übrigen ist das Zerrbild des Duells, daS wir beim Reserve- offizierStum finden, viel verbreiteter als beim OsfizierkorpS selbst Von einer Slrafverschärsung versprechen wir uns oder nichts. Auch die sofortige Entlassung aus dem Heere erscheint unS zu hart. So gut-ine Ducllverweigerung, kann heute auch das Duell aus edlen Motiven erfolgen. Abg> Ledebour hat auf das englische Recht verwiesen. Hätten wir den größeren Schutz der persönlichen Ehre wie in England, dann würde auch das Duell bei uuS ab- nehmen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Heyn(Bp.): Wir sind grundsätzliche und scharfe Gegner des Duells. Wir alle wollen eine möglichst hohe Ehre für das Offizierkorps. Aber wir können nicht anerkennen, daß die Offizierschre irgend wie anders sei als die Nichtoffizicrsehre.(Sehr richtig! links.) Wir sind alle auch ebenso scharf gegen uns selbst in der Betätigung unseres Ehrgefühls wie der Offizier.(Zustimmung links.) Der Kriegsminister meinte, der Offizier nehme ja die Strafe auf sich. Ist das überhaupt eine Strafe? Sie schadet nicht einmal im Avaiicement. In England gibt es kein Duell. Ist das Ehr- gefiihl der englischen Offiziere etwa geringer als daS unserer Offiziere? Jede Selbstüberhebung rächt sich einmal. Das Duell ist anch unsinnig. Ist es nicht geradezu widerwärtig, daß ein ehebrecherischer Lump durch die Dnellsitte wenigstens für eine gewisse Zeit hoikorig wird?(Sehr gut I links und im Zentrum.) Und dnim sind wir auch gegen die zweierlei Ehrbegriffe von Satis- faltionösähigkeit und Nichlsatisfaktionsfähigkeit. Wenn zwei Ossi- ziere sich schießen, dann kommen sie auf die F e st u n g. Wenn aber zwei S ch m i e d e g e s e l l e n mit ihren Hämmern sich schlagen, dann kommen sie ins Gefängnis oder sogar in» Zuchthans. (Sehr richtig! links) Daher sagen wir: Weg mit dem Duell. Und wer Offizier ist und trotzdem ein Duell ausführt, der muß die Kon- scqucnzen tragen und das Offizierkorps verlassen. Für das Ehren- gerichtsverfahrcu schlagen wir als Ersatz dann vor, daß e» einen wirklichen Lunrpe» dann anch öffentlich als Lumpen hin- stellt. Dann wird sich ein Offizier auch hüten, sich mit einem solchen öffentlich gckeinizeichneten Lumpen zu duellieren.(Beifall links.) Abg. Mcrtin-OelS(Rp): Wir sehen in der Resolution eine, wenn vielleicht auch unbeabsichtigie, Einmischung in die Kommandogewalt des Kaisers. Durch eine Resolution kann man nicht eine Tradition ändern, eine Tradition der g e r m a n i s ch e n R a s s e, die Jahrhunderte, vielleicht Jahrtansende alt ist.(Heiterkeit links.) Besonders scharf muß ich mich gegen die wenden, die den Duellanten als ehrlos behandeln will. Das wäre nur möglich, wenn der Duellant die Absicht hätte, seinen Gegner niederzuknallen oder zu verstümmeln. Das wollen nur ver- einzelte Rowdhs; jeder andere will im Duell lediglich d i e eigene Brust dem Gegner darbieten.(Schallende Heilerkeit links). Der Offizier, der eine Ehrenbeleidigung erträgt, ist unmöglich, das führte der Rechtslehrer Jhermg ans.'(Bravo I rechts.) Abj. Brandys(Pole): Wir sind Gegner deS Duells schon cmS religiösen Gründen. Die Resolution geht unS nicht weit genug. Wir wünschen den Erlaß einer KabinetlSorder, die das Duell schlechtweg verbietet.(Bravo! bei den Polen.) Abg. Herzog(Wirlsch. Bg.): Das Duell ist ein Uebel, aber ein not iv endiges; deshalb können wir den letzten Teil der Resolution nicht annehmen, dem ersten Teil stimmen wir zu: einen Eingriff in die Komurandogewalt des Kaisers können wir darin nicht erblicken. Eine Einschränkung der Duelle ist nur möglich, wenn die Beftrasimgen für Beleidigungen verschärft werden.(Bravo! rechts.) Abg. Ledebour(Soz.): Der Gang der Debatte läßt es notivendig erscheinen, die Reso- lntion durch einen Zusatz zu ergänzen dahin: der Reichskanzler soll die erforderlichen Schrine tun, damit ein Offizier, der ein jDnell ablehnt, deshalb unter keine» Um ständen aus dem Heere entlassen werden darf. Es erscheint notwendig, dies ausdrücklich zu betonen, da die Mehrheit der Kommission zwar auf diesem Standpunkt steht, es aber verabsäumt hat, den Gesichtspunkt in die Resolution selbst hineinzubringen, Die größte Kalamität in den gegenwärtige» Zuständen ist aber die. daß ein Offizier, der ein Duell aus irgendwelchen Gründen. auch ans religiösen Gründen ablehnt, deshalb gezwungen wird, aus dein Heere auszuscheiden. Auch die Kabinettsorder, die mehrfach in der Debatte angeführt ist, sorgt nicht dafür, daß diese Ungeheuev lichkeit verschwinde. Das mutz ich Herrn Gröber gegenüber noch einmal scharf betonen. Sie wünscht, die Duelle einzuschränken und auf das notwendigste Maß zurückzuführen, meint aber, baß unter Umständen Ehreiikränkungen durch ein Duell ge- sühnt werden müssen. H:rr Gröber sagt, in der Praxis wird dem Offizier nicht gesagt: Du mußt Dich duellieren.(Abg. Gröber: Das steht auch nicht in der Kabiuettsorderi) Gewiß nicht, aber der Sinn ist es unbedingt. Herr Gröber legt die Sache so auS, daß das. was geschieht, wenn das Ehrengericht ge- sprachen hat, die persönliche Angelegenheit des Offiziers ist. Aber er wird zum Duell gezwungen, weil er ganz genau weiß, sonst wird er entlassen. Wenn Herr Gröber das nicht zugeben will, so ist das dieselbe Logik, die im Mittelalter bei der katholischen Kirche gegenüber den Ketzern herrschte. Das Ketzergericht entschied darüber. ob die Betreffenden Ketzer waren, und überlieferten sie dann dem weltlichen Arm, der sie verbrannte. Nie hat die Kirche einen Ketzer verbrannt, sondern das war stets persönliche Angelegenheit des wclUichen ArmeS. Genau so verfährt hier der oberste Kriegs- Herr und sein Ehrenrat, wenn er dem Mann auch nickt mit auS- drücklichen Worten sagt, jetzt gehe hin und duelliere Dich,(Sehr richtig I bei den Soz.) Dann hat noch der Kriegsminister und der Abg. Schiffer sick gegen meine Ausführungen über die Bctei- lignng des oberste» Kriegsherrn an diesem Borgehen gewendet, und Herr Schiffer sogt«, ich hätte dem Kaiser unwürdige Mo- t i v e untergeschoben. Das ist mir gar nickt eingefallen. Ich habe nickt von den Motiven des Herrn gesprochen, sondern die Tatsache angeführt, die einen eklatanten Widerspruch in sich trägt. daß er nämlich daran beteiligt ist. wenn ein Offizier zum Duell ge- zwniigeii wird, und daß er es a b l e h n t, für sich un d seine geschätzte Familie ein Duell für zulässig Zzu halten. Dieien Widerspruch habe ich konstatiert. Wir haben gar kein Jnteresie daran, den Kaiser überflüssigerweise in die Debaite zu ziehen: aber wo er so eklatant beteiligt ist. läßt sich daS nicht ver- meiden. Dann bat Herr Schiffer noch meinen Hinweis auf das eng tische Verfahren bemängelt. Dafür, daß einfache Beleidigungen in England kein strafbares Vergehen sind, kann ich mich auf den besten Kommentar des englischen Rcchls, den von Gladslone. berufen. Sage ich zu jemand, Du bist ein Straßenräuber, so beschuldige ich ihn beslinnnt der Vergehen, verleumde ihn, und das ist strafbar anch in England. Sage ich aber. Du bist schlimmer wie ein Straßenräuber, so ist das ein Ausdruck allgemeiner Mißachtung, eine Beleidigung, die nach englischem Recht nicht strafbar ist.� Die deutsche Rechtsauffassung dagegen will das ge- kränkte Gefühl zum Maßslab der Strafe machen. Bessern kann man an diesen Zuständen, wenn man dieses falsche Ehrgefühl, das darin zum Ausdruck kommt, und das anch dem Duellwesen zu Grunde liegt, systematisch bekämpft und durch Aufklärung zum Verschwinden bringt. Dann wird vielleicht später einmal eine Mehrheit zu ge- Winnen sein, die mit dem ganzen groben Unfug der P r o z e s s e wegen einfacker Beleidigung aufräumt, sie aus unserem öffcnlliche» Leben hcransschmeißt und dadurch zur Gesundung unseres öffentlichen Lebens beiträgt.(Lebhaster Beifall bei den Sozialdemckralen.) Abg. Schiffer(natl.): Ich bin fest überzeugt, daß der Abgeordnete Ledebour. wenn man ihn beleidigt, sich in seiner bekannten temperamentvollen Weise dagegen zur Wehr setzen wird. Abg. Ledebour(Soz.): Da? mag sein, aber ich kaufe nicht zum Kadi und verklage den Beleidiger. Darin besteht eben der Unterschied. Meine Ehre kann mir niemand rauben, anch der gröbste Beleidiger nicht. Und so viel Selbstgefühl, wie ich in dieser Bezicbnng habe, wünsche ick auch dem Kriegsrniiiistcr und dem gesamten OsfizierkorpS.(Heiterkeit und Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schiffer(natl.): Also Herr Ledebour geht nicht zum Kadi, auch wenn man ihn beleidigt. Aber er sagt, er würde die Beleidigung nicht ruhig einstecke». Ja, was will« denn machen? (Abg. Ledebour: Laiifen lassen ff Damit schließt die Debatte. � � � In der Abstimmung wird der Teil der Resolution der Budget» kommission, der den Reichslanzle'r auffordert, das Duell und den Zwang zum Duell zu beseitigen, gegen dt« Stimmen der Rechten angenommen. De.': wettere Teck. der sich aus dt« Durchführung der Kabmeiisorder vo u 1897 bezieht und eine Steihe von Vorschlägen zur Einschränkung der Duelle macht, wird an« genommen gegen die Stimmen der äußtersten Linken und der äußersten Rechten. Diese Konstellation bei der Abstimmung ruft im Hause allgemeine Heilerkeit hervor. Die unter' b verlangte Aenderung des Militär- Strafgesetzbuches wird angenommen gegen die Stinimen der Reck teit»nd der Rationalltberalen. Schließlich wird abgestimmt über einenk Znsatzantrag der Sozial- demokraten, wonach kein Offizier, der ein Duell ablehnt, deshalb aus dem Heere entlassen werden darf. Die Abstimmung ergibt die Notwendigkeit eines Hammelsprungs,, der zur A n nähme des Antrages mit 144 gegen 122 Stimmen fuhrt. Zur Mehrheit gehören die Sozialdemoeraten. die Fort- s ck r i t t l e r. e i ii Teil de? Zentrums, die Polen und die Wirtschaftliche Ver eiiit'gung. Hierauf wird eine Resolutiom Dr. Spahn(A) angenommen, die verlangt, daß die Heeresverwaltung bei Vergebung der Lleferung oder Herstellung von Bedarssartikelir tunlichst d.'.e Vereinigungen von Heimarbeitern bevorzugt. Gleichfalls angenommen wird eine zweite Resolution Dr. Spahn, nach der bei Anfertigung von Bekleidungsstücken für die Heeresverwaltung die selbstandtgen Hand- iverksmeister, Handiverkergenossenschaften und I n n ii n g e u besonders berücksichtigt werden sollen. Ein Antrag Alb recht(Soz.). der auch die Berücksichtigung der Arbeiter- genossensch asten fordert, wird gegew die Stimmen der Linken abgelehnt. Im Verlauf der Einzelberatung bittet Abg. Frommer(k.) um Beschleunigung der Auszahlung für durch Mannöver veranlahte Flurschäden. Generalmajor Staads sagt möglichste! Beschleunigung bei der Feststellung der Flurschäden zu. Abg. Zubeil(Soz.): Die Bautechnikcr in den militärischen Bauämtern, die mit Privatdienstvertrag angestellt sind, haben seit 1890 keine AufSrssming erfahren. ES ist das die einzige bei den Bonämtern beschäftigte Gruppe, die nicht in dieser langen Zeit ausgekefferl ist. Seinerzeit wurde eine Aufbesserung für sie vom Reichstag auf An- trag der freisinnigen FraktionSgeineinschnft verlangt, aber geschehen ist nichts. Der bayerische Landtag verlangte eben- falls eine Aufbesserung der Bautechniker. Aber der bayerische KriegSininister antwortete, es ginge nicht, da Bayern � in Uebereiustiinmung mit den übrigen Teilen deS Reiches bleiben müsse. Um so notweudinger ist eS, allgemein die Lage dieser Bau- techniker zu verbessern. Ein neuerer Erlaß de» preußischen und sächsischen Kriegsministers sagt, Baute chniker mit Mittelschul- bildung sollen nicht über acht Jahre beschäftigt werden, um ettoaigen Versorgungsansprüchen auS dem Wege zu gehen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Würde ein Privatbetrieb so handeln, so würde die öffentliche Em- p ö r u n g ganz ungemein sein.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- krateu.) Um so weniger sollte eine Behörde so handeln. Bayern hat sich diesem Vorgehen nicht angeschlossen und erhält sich dadurch berufsfreudige Techniker. Durck die Press« der Bautechniker geht jetzt die Nachricht, sie könnten länger beschäftigt werden, wenn sie sich einen Abzug gefallen lassen wollten.(Hört? hört! b. d. Soz.) Der Reichstag hat daher alle Veranlassung, sich dieser Gruppe von Technikern au- zunehmen. Die einzige gemeinsame Organisation der militärischen Vauämter sind die schwarzen Listen, durch die ein Techniker, der sich mißliebig gemacht hat, in kürzester Zeit brotlos gemacht werden kamt. Wir behalten uns vor, bei der dritten Lesung einen Antrag zu stellen, der die Verhältnisie der Bautechniker besser regelt. Genenalmajor Staads: Die mit den Bautechnikern durch Privaldienstvertrag lfestgesetzten Beträge sind im Laufe der Zeiten gestiegen. Wenn ihre Tätigkeit abgelaufen ist bei einem Bauamt, bemühen wir uns, sie eincni anderen Bauamte zuzuweisen, wobei sie freilich zuweilen schlechter gestellt werden als vorher. Jedenfalls werden wir die Vcrhältniffe dieser Gruppe von Angestellten im Auge behalten. Abg. Fischer-Sachsen(Soz.): Schon seit Jahren wird verlangt, daß die m i I i t ä r ä r z t l i ch e Ueberwachuug ausgedehnt werde auf die geistigen Qualitäten, daß von de» Militärärzten mehr aus psychische Anomalien geachtet iverde. DaS ist nur durch bessere psychiatrische Ausbildung der Militärärzte zu erreichen. Manches ist ja auf diesem Gebiet ge- schehen. besonders in Sachsen. Aber die ergegriffenen Maßnahmen sind noch ganz unzureichend und können nur als Anfänge bezeichnet werden. Die Zugängig» machung der Personalbogen der Fiirsorgezöglinge an die Militär- Verwaltung hält nur die Apachen, die kriminell gewordenen Psycho- pathcn, vom Heere fern, während die nicht kriminell gewordenen Psychopathen ebenso ungeeignet zum Heeresdienst sind. Die Zahl der Psychopathen in Deutschland ist außerordentlich groß, über'/z Million im Alter von 14 Jahren und darüber. Heute erkennt man die Psychopathen erst, wenn sie kriminell geworden sind, und auch dann oft erst, wenn sie schon einen erheblichen Teil der Strafen verbüßt haben. Die Zahl der Psychopathen im Heere, deren Minderwertigkeit nicht erkannt ist, wird auf 80(XX) geschätzt' Diese Psychopathen sind auch vielfach die Opfer der Soldatenmihhandlungen. Auch Leute, die sonst nicht roh sind, laffen sich manchmal bei solchen minderwertigen Soldaten z» Miß- Handlungen hinreißen. Der Kriegsminister meinte Sonnabend, e i n gewisses Minimum von Soldaten Mißhandlungen komme daher, weil die Vorgesetzten keine Engel seien und die Rekruten verhetzt in das Heer komm«. Aber die Verhetzten geben nicht Anlaß zu Mißhandlungen, sondern die geistig Minder- wertigen. Um diese frühzeitig zu erkennen, will die Heeres- Verwaltung auf die Personalbogen der Hilfsschulen zurückgreifen Das ist gewiß gut. Aber wir haben sehr wenig Hilfsschulen und deshalb würdeu die Militärärzte sich ein großes Verdienst erwerben wenn sie auf' obligatorische Einführung der Hilfsschule» hinwirken würden. Ferner müßten die Militärärzte eine vsvckiatriscke Ausbildung an einer Irrenanstalt erfahren, und eine pshchiatW Untersuckung der Soldaten vornehmen. Auch die Offiziere und Unteroffiziere köimtcn sehr wohl in ähnlicher Weise wie die Wärter in Fürsorgeanstalten.«lnen Ilnternchl im Umgang mit Minderwertigcu erhalten. Alle diew Forderungen sind zu erheben, sowohl im In:'" � d°r Schlagfert.gkc.t der Armee,.owie im allgemeinen Julercff« der Menichlichkelt./z10 Uhr: Treffpunkt Bahnhof Grunewald(Waldseite). Marsch nach Pichelswerder, dort Treffpunkt für Nachzügler. Sericbts- Deining. Ein Lockspitzel mußte gestern vor dem Schöffengericht einige Aufklärungen über den Betrieb seines„ehrenhaften" Gewerbes geben. Er trat als Zeuge auf gegen den Schankwirt Pfaffenschläger, der gegen ein polizeiliches Strafmandat wegen Uebertretung der Polizeistunde gerichtliche Entscheidung beantragt hatte. Härtung ist der Name des jungen Mannes. Er bezeichnet sich als Kaufmann und wohnt Enidenerstraße 20. Als der Vorsitzende an ihn die Frage richtete:„Sie haben wohl an jenem Abend eine Bierreise ge- macht?" hüllte sich der Zeuge Härtung in Schweigen, so daß man annehmen mußte, die Annahme des Vorsitzenden sei zu- treffend. Durch Fragen, die der Veteidiger, Rechts- an w alt Theodor Liebknecht, später an den Zeugen richtete, stellte sich heraus, daß der junge Mann keineswegs des edlen Gerstensaftes wegen in das Lokal des Angeklagten gegangen war, sondern daß er in der fraglichen Nacht im Auftrage des Kriminalschutzmanns Schmidt gegen einen Lohn von 4 Mark und Erstattung der baren Auslagen 4 bis 5 Schanklokale be- sucht hat. lediglich zu dem Zweck, Unterlagen für Anzeigen gegen die betreffenden Wirte zu beschaffen. Nachdem Härtung diese Tatsachen zugegeben hatte, hielt ihm der Vorsitzende vor:..Meine Frage, ob sie eine Bierreise gemacht hätten, haben Sie nicht beantlvortet. Warum haben Sie nicht gleich gesagt, aus welchem Grunde Sie das Lokal besuchten? Es war ihnen also nur darum zu tun, die Wirte ans Messer zu liefern. Ein sehr achtungswertes Gewerbe." Auf iveitere Fragen gab Härtung damals, als er für Schmidt tätig war. Ob er später wieder für die Polizei täti nicht, jedenfalls habe er durch einen artigen Sache Unannehmlichkeiten gehabt.— Dazu bemerkte der Vorsitzende:„Ja, wenn man sich öffentlich hinstellen und als Vigilant bezeichnen muß, das ist allerdings nicht angeneh m." Zur weiteren Kennzeichnung des Herrn Härtung richtete Rechtsanwalt Liebknecht an ihn die Frage, ob er zu dritten Personen gesagt habe. eS käme ihn unter Umständen gar nicht darauf an, seine Aussage abzuschwächen, vor Gericht ließe sich eine g a n z e M a s s e m a ch e n. Härtung gab zu, sich so geäußert zu haben. Zur Sache selbst gab der Zeuge an, er habe um 1 Uhr nachts an das geschossene Lokal PsaffenschlägcrS. Wiclefstr. 52, angeklopft, er sei eingelassen, habe ein Glas Bier bestellt und erhalten. Im Schankraum wären noch zwei Herren und eine Dame als Gäste gewesen. die Auskunft, er sei stellungslos gewesen. ; sein werde, wisse er "ermin in einer der Pfaffenschläger stellte den ganzen Votgang w Abrede. Er behauptete. Härtung sei überhaupt nicht rn seinem Lokal gewesen. Die Anzeige benrhe aus unwahren Angaben. Am fraglichen Abend seien nach Schluß des Lokals nur zwei seiner Angehörigen im Lokale gewesen, UM ihm bei der Reinigung zu helfen.— Es wurde weiter angegeben, Härtung habe auch gegen einen anderen Scham� wirt eine auf unwahren Angaben beruhende.lnzeige ver« anlaßt, was bereits festgestellt sei. Das Gericht beschloß, den Zeugen Härtung nicht zu vereiden, weil er, wenn nicht als Anstifter, so doch a0> Teilnehmer an der Uebertretung anzusehen sei. Zum Zweck weiterer Beweisaufnahme wurde die Verhandlung aus nächsten Montag vertagt. 169 Borstrasen> hatten zwei Angeklagte hinter sich, gegen welche gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts I wegen schwerer Urkunde»« fälschung zu verhandeln hatte. Angeklagt waren die Aufwarterlck Hedwig Graetz und die Arbeiterin Pauline Tietz.— Die beiden Angeklagten hatten längere Zeit in einem Hause der Rüdersdorfec Straße gewohnt und waren, da sie mehrere Monate keine Miete gezahlt hatten, schließlich exmittiert worden. Die Folge war, daß es ihnen sehr schwer fiel, eine andere Wohnung zu erlangen, da sie inzwischen von dem Grundbesitzerverein auf die sogenamite „schwarze Liste" gesetzt worden waren. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, fälschte die Angeklagte Graetz auf mehreren Mietsquittungen die Unterschrift des früheren Hauswirts. Mir Hilfe dieser Quittungen gelang es ihnen denn mich, einen anderen Hausbesitzer in der Rüdersdorfer Straße zu veranlassen, ihnen eine Wohnung zu vermieten. Als sie dann auch bei diesem die Miete schuldig blieben, kam der ganze Schwindel zur Entdeckung. (Vor Gericht ergab sich, daß die Angeklagte Graetz zirka 50 mal wegen Kuppelei, Unterschlagung, Sittenpolizeiübertretung, die An« geklagte Tietz wegen der gleichen Straftaten sogar über 119 mal vorbestraft ist.) DaS Gericht hielt eine Mitwisserschaft der Tietz nicht genügend festgestellt und erkannte gegen diese auf Frei- sprechung. Die Angeklagt« Graes wurde mit Rücksicht darauf, daß sie sich in einer gewissen Zwangslage befunden habe, zu einer Woche Gefängnis verurteilt._ Erlebnisse eines KriminalschutzmannS. Ein etwas eigenartiges Wenteuer, welches der Kriminal« schutzmann Otto Nippe in der Nacht zum 7. Januar gehabt hat, beschäftigt« am Sonnabend bis zum späten Abend das Schwur- gcricht deS Landgerichts I. Wegen Raubes, Beleidigung und Körperverletzung waren an- geklagt die Arbeiter Brüder Fritz, OSwald und Heinrich Röder, Richard Schmidt, Paul Hasewaltcr, Metallschleifer Franz Heinrich, Arbeiter Hermann Kosolowsli, Bohrer Rudolf Noloff und Schlosser- lchrling Richard Sicpc. Herr Nippe, der am 6. Januar vom uniformierten zum Kriminalschutzmann geworden ist, ging in der Nacht zum 7. Januar zwischen 1 und 2 Uhr die Skalitzer Straße nach dem Schlesischen Tor entlang. In der Nähe der Kaserne des 3. Garderegiments traf er auf etwa zehn Mann, welche sich unter- hielten. Als Nippe an ihnen vorüberging, rief ihm einer„guten Abend" zu und Herr Nippe erwiderte den Gruß mit„guten Abend". Nun kenn einer von den Leuten an N. heran und fragte ih», wie es wäre, ob sie nicht„einen Zug machen" und sich amüsieren wollten. N. ging zum Schein darauf ein, nachdem er auf die F* ob er denn auch Geld habe, einen Zwanzigmarkschein gezeigt h! den er lose in die Ueberziehertasche steckte, N. glng dann mit de jungen Manne, der ihn angesprochen, den Heinrichplatz, die Zeu Hof-, Wrangel- und Eiscnbahiistraßc entlang nach der Köpenick Straße zu. Unterwegs rempelten sich die anderen jungen Leu� wiederholt gegenseitig an, so daß es den Anschein l>atte, als od s«. eine Schlägerei beginnen wollten. In der Nähe des Schlesischen Tores fingierten sie wieder eine Schlägerei,»oobei sie dem Nippe den Weg verstellten. Als dieser verlangte, daß ihm Platz gemacht werde, kam einer auf ihn los und gab ihm eine Ohrfeige. Auch die anderen stürzten auf ihn und schlugen unter dem Schlachtruf: „Haut ihn!" auf ihn ein. Nippe stürzte zu Boden, erhob sich aber sofort wieder und rief ihnen zu: er sei Kriminalbeamter. Gleich- zeitig zog er seine Browningpiswle hervor und erklärte, jeden niederzuschießen, der ihn angreifen würde. Als sie die Pistole sahen, schrien sie sofort:„Nehmt ihm die Pistole weg!" Die Pistol« wurde ihm auch trotz seiner Gegenwehr, wobei er nicht zum Schiehen kam, entrissen; man schlug mit harten Gegenständ� auf ihn ein, so da er von neuem zu Boden stürzte. ES gelang ihm jedoch, sich wieder zu erheben. Er wollte entfliehen. Aber es wurde immer wieder auf ihn eingeschlagen und es erscholl der Ruf:„Haut den Blauen nieder! Rache für Moabit und den Arbeiter Hcrrmann!" Man trat ihn mit Stiefelabsätzen in den Leib und während dieser lärmenden Szene wurde Herrn R. das in seiner Ueberziehertasche befindliche Geld, gestohlen. Schließlich gelang es ihm, sich aufzuraffen, seinen Angreifern zu entfliehen und sich in die Gastwirtschaft Köpenicker Straffe 7 zu flüchten. Dort wurde er aber von Anwesenden gepackt und aus dem Lokal geworfen. Am Schlesischen Tore traf er schließlich zwei Schutzleute, die er von dem Vorfall in Kenntnis setzte. Die neun jetzt An- geklagten wurden als die Beteiligten festgestellt. Nippe hat Ver» letzungen am ganzen Körper, besonders aber an der Nase und am rechten Auge davongetragen und war lange Zeit bettlägerig. Die Angeklagten, die zumeist unbescholten sind, hatten an jenem Abend eine Geburtstagsfeier begangen gehabt. Die Straf- fache lvar seinerzeit unter dem Gesichtspunkte des Diebstahls und der Körprrverlenung vor der 3. Strafkammer zur Verhandlung angesetzt gewesen, wurde aber dem Sdhwurgericht überwiesen, da nach Ansicht des Gerichts nicht Diebstahl, sondern Raub vorlag. Diese Bewertung der Straftat ließ der Staatsanwalt auf Grund der sehr umfangreichen Beweisaufnahme fallen, da nicht nack zuweisen war, daß die übrigen Teilnehmer an dem Krawall 7° Schutzmann mißhandelt hatten, um dem Angeklagten Heinrich � Wegnehmen der 20 M. zu ermöglichen. Je nach dem!Naßr Ä Beteiligung wurden verurteilt: Fritz Röder zu 5 Monaten, Helnrtil, Röder zu 3 Monaten, Oswald Röp.er zu 7 Monaten, Richard Schmidt und Paul Hafewalter zu je 3 Monaten und Franz Heiuriih zu 9 Monaetn Gcfanguiö. Die übrigen Angeklagten wurden, frei� gesprochen. Den Verurteilten wurde die Untersuchungshaft an- gerechnet._ verbrechen an einer Geisteskranken. Ein schweres verbrechen an einer geistesschwachen Patientin hat der Krankenwärter Martin Richter begangen, gegen den gestern daS Schwurgericht des Landgerichls II mehrere Stunden unter Ausschlusi der Oeffentlichkeit zu verhandeln hatte. Der Angeklagte war in dem neuen Krankenhause der Stadt Reukölln in Buckow als Krankenwärter angestellt gewesen. Er hatte unter anderem als einziger männlicher Angestellter in einer Station zu tun, in welche vor einiger Zeit eine junge Dame ein- geliefert worden war. die in einen auf hysterischer und epilepti- scher Basis beruhenden Schlafzustand verfallen war und künstlich ernährt werden mußte. Eines Tages inachte eine in dem Kranken- haus angestellte Krankenschwester zufällig eine Beobachtung, die sie sofort dem leitenden Arzt mitteilte. Nachdem in völlig zweifels- freier Weise festgestellt worden war. daß an der Bewußtlosen ein schweres verbrechen verübt worden war, wurde der Angeklagte, der wenige Minuten vorher das Krankenzimmer verlassen hatte. sofort verhaftet. u �. r bestritt, ein derartiges Verbrechen begangen zu haben und setzte dieses hartnäckige Leugnen auch vor Gericht fort. Die Be» weisaufnahmc fiel zu seinen Ungunsten aus. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde der An» geklagte unter Versagung inildernder Umstände zu vier Jahre» Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.— Der Angeklagte erklärte, sich bei dem Urteil zu beruhPen und die Strafe sofort antreten zu wollen. AGZGEEH«« if Unserem Genossen 31442 W O. Hering ® die herzlichste Gratulation zur K SJ Silberhochzeit wünschen J, Die Genossen vom 404. Bez., m H II. Teil, im IV. Berliner � Reichsiagswahlkreise. ch . �NA-KAAASAHtzZßßHL� �WEEESH««» W Die herzlichsten Glückwünsche � Die herzlichsten Glückwünsche W unserer Kollegin f tfilhelmine Lange � der Vorwärts- Ausgabestelle W Trapp zu ihrem 20jährigen W I u b i I ä u m des Vorwärts- O Austragens. lSS2b Die Botenfrauen der Filiale Trappe «s / «l> M/ �•seeeee««» Dem Genossen tau! Müller und Frau| g> die herzlichsten Glückwünsche e» V zum 25 jährigen Ehejubiläum.terS Schwiegervaters, Großvaters, >es Maurers Kar! Herssog, anders den Mietern d-S Hauses rsürstenstr. 35. der Freien Turner- iit Tenivelbos-Mariendorj, II. Slbt., i» S. E..ThusmaniaH Neukölln. n Th. u. F. C.„Union", dem tterioerein.Verlorenes Glück'. milie Herzog, Manendors, Kur» stenstr. 35. I. A.: Rdolk Herzog. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Herzens- guter Vater, Bruder, Schwager und Schwiegersohn 3143L Stanislaus Radthe am Sonntag früh 4 Uhr nach schwerem Leiden verstorben ist. Im Namen der Hinterbliebenen Witwe Alma Radtke und Kind. Neukölln, Lcinestr. 51. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. Mai, von der Halle des Neuköllner Gemeinde-Friedhofcs, am Mariendorfer Weg, aus statt. Sozialdemokrat. Wablverä Neukölln. DenP arteigen off en zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Tischler Stanislaus Radtke Leinestraße 21/22(16. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen, Mittwoch, nachmittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des Neu- köllner Gemeinde« Friedhoses, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Denlseher Holzarbeiter-Verbanil Zahlstelle Berlin. DenMitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Stanislaus Radtke Neukölln. Leineftr. 21/22, im Wer von 34 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Neuköllner Gc- meinde- Friedhof, Mariendorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/11 Die Ortsverwaltung. Deutsclier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Iheodor Walter am 11. d. M. an Gchirnleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. Mai, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Kirchhofes in Bernau aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/5 Die Ortöverwaltnng. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer kriedrich Paul (Bezirk Südost) am 8. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. Mai, vor- mittags 11 Uhr, aus dem städti- schen Friedhos in Buch, Schwane- becker Chaussee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 133/10 Der Vorstand. Am Freitagnachmittag verschied »ach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und Vater, der Tischler Ferdinand Rohst Adlershos, Kaiser-Wilhelm-Str. 13. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 14. Mai, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des hiesigen Gemeinde-Friedhoses aus statt. Witiv« Klara Robst 7A nebst Sohn. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Adlershof. Am Freitagnachmittag verschied nach langem Leiden unser lang- jähriges, treues Mitglied Perdinand Robst. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr. von der Halle des hiesigen Gemeinde- Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/10 Der Vorstand. Danksagnng. 35Ä Für die innige Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sagen wir allen, sowie Herrn Dr. Schütte für seine trost- reichen Worte, auch den Chefs und den Kollegen der Firma Schefiler u. Hauckmann unfern aufrichtigsten Dank. Zlax Schlicht nebst Kindern. Todesanzeige. Am Freitag, de» 10. Mai, der- schied nach längerem, schwerem Leiden unser Faktor 1680b Oswald Stein im 44. Lebensjahr«. Er war uns jederzett ein humaner und gerechter Vor- gesetzter, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Berlin, den 14. Mai 1312. vss Eesnmtpersonnl der Buch- druckerci R. Boll. Verein liir Franen und Mädchen der arbeitenden Klassen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Gellosfin Berta Dachsei geb. cranowski am Sonntag verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 5'/, Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes in Friedrichssclde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 53/3 Der Borstand. Erster Wahlkreis. Heute, Dienstag, den 14, Mai, abends S'/z Uhr: Oeffentliche politische Versammlung im Marinehaus, Brandenburger Ufer, an der Waisenbrücke. Tagesordnung: i„Herrn v. Bethmanns Staatskunst". Referent: Reichstagsabgeordneter?It. Scbeidemann. 2. Diskussion. 206/10* Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Karl Petermann, Ritterstr. 49. Seolseher Sauarbeiter-Verband == Sektion der Putzer.= Achtung! Putzer! Achtung! Mittwoch, den 15. Mai, abends 6 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 58—53 Mitglied er-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den in der letzten Versammlung gestellten Antrag: Genossenschaft betreffend. 2. Nor« mierung der Kandidaten als Beisitzer zum JnnungS-SchiedSgericht. 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten. Recht zahlreiches und pünltliches Erscheinen erwartet 133/8*__ Dl© örtlich© Verwaltung. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Putzerträser! Mittwoch, den 15, Mai, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c; US" Versammlung Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben! Erscheinen aller Kollegen notwendig! Der Vorstand. ttr Vornehme Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 15. Mai 1912, abends 8'/, Uhr, in den Coneordia-Festsäle», Andreasstr. 64; --- Gemeinsame Verlmkllsmiinm- Dechmmlllng siir sämtliche Kezirke und Krauchen. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben eineS Vertrauensmannes. 2. Verbandsangelegenheiten._ 83/12 + lTj poUiuanns Bandagen Oefdiäft, nebft Hrtihel zur Gesundheits- u. Krankenpflege, Verbandstoffe, Gummiwaren etc. Berlin N., Lothringer Str. 60. Lielerant liir Krankenkassen Eigene Wcrlstatt. Stempelfabrik $_ Robert Hecht, Bei Rit lieser billig Berlin S. 4S, Ritterstr. 114. liefert schnell und billig alle Arten Stempel i» bester Ausführung. 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Der zweite proletariicHe i frauentag. Im ganzen Deutschen Reiche gestaltete sich der zweite Proletarische Frauentag am Sonntag, den 12. Mai, zu einer machtvollen Demonstration für das Frauenwahlrecht. Noch vor ein bis zwei Jahrzehnten wäre ungläubigem Lächeln begegnet, wer davon gesprochen hätte, daß die Frauen zu Tausenden sich zusammenfinden würden für ihre gemeinsamen Rechte. Am Sonntag füllten allein in Berlin Tausende die Versammlungsräume, und Zehntausende erhoben allerorten ihre Stimmen: Her mit dem Frauenwahlrecht! Die große Beteiligung an den Versammlungen und die rege Anteilnahme an den Verhandlungen zeigten, daß die Frauen dem politischen Leben nicht mehr fremd gegenüber- stehen. Nicht mehr lauschen sie, als würde ihnen ein un- bekanntes Land eröffnet. Sie verfolgen selbständig die politischen Ereignisse, und die Redner brauchten nur anzudeuten, um doch auf volles Verständnis zu stoßen. In spontanen Kundgebungen gaben die Frauen ihr eigenes Urteil ab. Die Not zwingt auch sie, über die Ursachen und die Heilmittel nachzudenken. Deshalb forderten die proletarischen Frauen auch nur die politische Gleichberechtigung und das Wahlrecht, um Klasienherrschaft überhaupt unmöglich zu machen. Auch gestern fühlten sich die Frauen in erster Linie als Prole- tarier, als Sozialdemokraten. In dem gemeinsamen Ziehen zu den Versammlungs- lokalen, in der begeisterten Aufnahme der Reden und der Resolution, in dem allerorten ruhigen und besonnenen Ver- halten gegenüber deni provozierenden Verhalten der Polizei, verriet die proletarische Frauenwelt, daß sie reif ist für die soziale und politische Gleichberechtigung. Nicht mit Unrecht sprachen wohl alle Redner in mannigfachen Variationen den Gedanken aus, daß solche empörenden Vorgänge, wie sie sich neulich im Abgcordnctenhause abspielten, nicht möglich wären, wenn Frauen drin säßen. Die Reife unserer proletarischen Frauen geht schon längst über die der nach dem Dreiklassen- wahlunrecht Gekürten hinaus. So wird das Proletariat Jahr für Jahr seine weibliche Heerschau abhalten. Und in jedem weiteren Jahre wird die bürgerliche Gesellschaft mit Schrecken erkennen. daß die Zahl unserer Anhängerinnen, ihrer Todfeindinnen, gc- wachsen ist. In sämtlichen Versammlungen Deutschlands am Frauen- tag wurde folgende Resolution unterbreitet und angenommen: Die Forderung des Frauenwahlrcchis findet ihre beste Be» gründung in der Revolutionierung der wirtscbastlichen und sozialen Berhälwifie durch den Kapitalismus. Die Leistungen der Frauen in Industrie und Landwirrschast, im Handel und Verkehrswesen, die Pflichten, die sie erfüllen als Mütter und Hausfrauen, geben ihnen einen berechtigten Anspruch auf soziale und politische Gleich- berecktigung. Die Frauen fordern das Wahlrecht, um ihre Jnteresien selbst schützen und vertreten zu können; sie fordern es ferner, um teil- zunehmen an der Eroberung der politischen Macht zum Zwecke der Aufhebung der Klaflenherrschast und der Verwirklichung des Sozialismus. Die am 12. Mai Versammelten erklären deshalb, daß sie sich zur Erringung des Frauenwahlrechts in die Reihen der Sozial- demokratie stellen wollen und mit Energie und Ausdauer für die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts zu allen öffentlich-rechtlichen und politischen Vertretungs- körpern für die über 20 Jahre alten Staatsbürger ohne Unter- schied des Geschlechts kämpfen. Die sozialdemokratische Partei ist die einzige politische Partei. die als konsequente Vorkämpferin für daS volle Bürgerrecht des Weibes anzusprechen ist. Ihre wachsende Macht ist die alleinige Gewähr für die De- mokratisierung aller öffentlichen Einrichtungen und für die Be- freiung der Arbeiterklasse von der Klassenh-rrschast. wodurch auch der Frau erst daS volle Menschentum verbürgt wird. Die Versammelten geloben daher, die Ausbreitung der sozio- listischen Anschauungen zu fördern und an der Stärkung der sozialdemokratischen Organisation und der Verbreitung ihrer Presse unablässig mitzuwirken. Der frauentag in Berlin. Die Straßen Berlins, in denen die Versammlungen statt- fanden, waren bereits mittags gegen 1 Uhr von Versammlungs- besucherinnen und-Besuchern belebt. Besonders fielen die von ihren Bezirkslokalen geschlossen ziehenden organisierten Frauen und Mädchen auf. Mit roten Nelken geschmückt, legten sie dafür Zeug- niS ab, daß dieser Tag den proletarischen, den sozial- demokratischen Frauen gehöre. Die für manche Leute in Berlin noch ungewohnte Erscheinung, daß so viele Frauen sich zu einem ernsten Zweck zusammenfinden, erregte Aufsehen, und manche von denen, die ihrem Vergnügen nachgingen oder auf den vollbesetzten Straßenbahnivagen nach den Vororten hinausfuhren, bekamen durch diesen Anblick m>ohl erst einen Begriff davon, daß eine prole- iarische Frauenbewegung besteht und immer mehr anwächst. Man konnte unter den Zuschauern hier und da die erstaunte Frage ver- nehme«, wo denn alle die Frauen hinwollten und waS sie eigentlich vorhätten, und nicht immer fand sich einer, der schlau genug war, um eine ausreichende Antwort darauf zu geben. Aber die Frauen wußten, was sie wollten, und das zeigte sich in dem Ernst und der Würde, womit sie ihres Weges gingen, und wie sie sich in den großen Sälen versammelten. Die Sonntagsspaziergänger im Friedrichshain hielten im be- haglichen Schlendergang inne. In dichten Scharen blieben sie am Parkrande stehen und staunten ob der kein Ende nehmenden Züge von Frauen und Mädchen, di« auf den Genuß de? schönen Mai- sonntages verzichteten, um gleichzeitig mit anderen Zchntausenden Gleichgesinnter Protest zu erheben gegen die Rechtlosigkeit ihres Geschlechts und laut und vernehmlich den Machthabern von heute ibrc Forderung zuzurufen:„Her mit dem Wahlrecht, her mit der Gleichberechtigung der Frauen!" Eindrucksvoller als Worte es können, zeigte die Erscheinung dieser Tausende rechtloser Prole- tarierinnen, die ruhig und selbstbewußt dahinschritten, daß die Frauen der Arbeiterklasse reif sind für die politische Glcichberechti- gung und daß sie nicht willens sind, sich auf die Dauer als Menschen minderen Rechts behandeln zu lassen. Wie immer, so schenkte auch bei dieser Gelegenheit die Polizei der Demonstration unserer Genossinnen die eewohnte Aufmerksamkeit. Wenn auch auf der Straße k«mm mehr als die alltäglichen Schutzmannsposten zu sehen waren, so merkte man doch, daß sich die Polizei für ein außerge- wohnliches Ereignis gerüstet hatte. Beobachtungsposten tauchten auf, die zwar keine Uniform trugen, aber doch auf den ersten Blick als Polizeibeamte kenntlich sind. Rad fahrende Ordonnanzen flogen hin und her. Ein höherer Polizeioffizier inspizierte in eigener Person die Gegend. Doch dem imposanten Anmarsch der Demon- strantinnen wurde kein Hindernis bereitet. Die Polizei fand keinen Anlaß zu einer Gegendemonstration. Sie begnügte sich von Tor- wegen und gemieteten Kellern aus, gleichsam im Hintergrunde für die Ruhe des behäbigen Bürgertums zu sorgen. Nur einmal trat sie vor Beginn der Versammlung in Funktion. Der große Raum in den Pharussälen war bald soweit gefüllt, daß die Polizei. offenbar in großer Besorgnis um das Wohl der Proletarierinnen, die Absperrung vornahm, obwohl, da die Männer der Versammlung stehend beiwohnten, noch einige Sitzplätze vorhanden waren. Aber die Absperrung raubte in diesem Fall keinem die Möglichkeit, an der Veranstaltung teilzunehmen, denn im unteren Saale war noch Platz geinig, und es waren ja auch von vornherein zwei Ver» sammlungen nach den PharuSsälen einberufen worden. Nach Annahme der Resolution verließen di« Versamm- lungsbesucher, meist wiederum in geschlossenem Zuge, die Lokale. Sehr bald lösten sich diese kleineren Züge ganz auf. Man hatte nur gemeinsame Wege,. um irgend- ein Gartenlokal zu erreichen und dort den warmen Mai- nachmittag zu verbringen. Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es daher mit einer Ausnahme auch nirgends. Vernünftiger- weise ließen die Schutzleute überall die Versammlungsbesucher ruhig ihres Weges ziehen. Nur am Schönhauser Tor führte die Nervosität eines Polizeileutnants zu häßlichen Auftritten. Nach der Versammlung in der Brauerei Königstadt spa- zierte ein solcher Trupp, Männer und Frauen, in der Stärke von IM bis ISO Mann, nach dem Schönhauser Tor, um von dort die Ziingstraße nach dem Tiergarten zu gewinnen. Beim Herannahen des Trupps stürmten unter Führung von zwei Polizeileutnants etwa 20 bis 30 Polizisten aus einem Hause, postierten sich quer über die Straße und hielten den Trupp auf. Die Schutzleute waren verhältnismäßig höflich und zurückhaltend. Ein Polizei- leutnant aber, eine Hünengestalt, sprang wütend gegen die Leute, schlug Frauen und Männer vor die Brust und ins Gesicht; an einer Ecke riß er eine jüngere Frau, der schon das Blut aus Mund und Nase floß, zu Boden und trat auch noch mit Füßen nach ihr. Der Mann hatte nicht den Mut, auf wieder- holte Fragen von Parteigenossen seinen Namen zu nennen. Wie ein Besessener griff er immer wieder nach dem Säbel und drohte auf die Frauen einzuschlagen. Wären die Schutzleute demselben Wutanfall erlegen, es hätte ein unabsehbares Blutbad geben können. Nach halbstündigen„Kampfe" hatte der größte Teil der Demon- stranten sich den Durchzug doch erzwungen und marschierte Hoch- rufe auf das Fraucnwahlrecht ausbringend, dem Tiergarten zu. In der Löwenbrauerei im Osten endete die Versamm- lung gleichfalls mit der Bildung eines zunächst kleinen Trupps, der harmlos die Straße entlang ziehen wollte. In der Nähe be reitgehaltene fliegende Polizeiwachen wurden alarmiert, sie trieben die Menge, die sich rasch versiärkte, die Frankfurter Allee hinauf, bis sie in Lichtenberg auf Landgebiet übertrat, wo die Macht der Jagowschcn„Schutz'leute ein Ende hat. Die Versammlungen in Berlin. In den„Gornna-Sälen", Kommandantenftraße, zeichnete Genossin Mathilde Wurm vor etwa 180 Personen in scharfen Strichen ein Bild von der Stellung der Frau vom Mittelalter an bis zur Gegenwart. Sie schloß mit den Worten der Genossin Döltz:„Keine bleibe zurück." Im„Hofjäger" in der Hasenhaide waren über 600 Frauen erschienen. Vor ihnen und einer kleinen Anzahl Männer referierte die Genossin Luise Z i e tz. Ihre begeisternden und zum Kampf anfeuernden Worte fanden stürmischen Beifall. Tie Versammlung in den„Kreuzberg-Festsälen" war von un gefähr 400 Personen besucht. Referent war der Genosse Kurt Ro s en f e l d. In den„Arminhallen" sprach Genossin Regina Fried l ä n d e r vor zirla 400 Personen, unter denen nur ein kleiner Teil Männer waren. Der große Saal der„Brauerei Fricdrichshain" war überfüllt. DaS Referat des Reichstagsabgeordnetcn Otto Büchner wurde mit großem Beifall aufgenommen. Dieses und die stürmischen Zustimmungskundgebungen von denen das Referat mehrfach unter- brachen wurde, zeugten davon, daß Genosse Büchner den Ver- sammelten aus dem Herzen sprach. Die Versammlung wurde durch ein proletarisches Kampflied stimmungsvoll eingeleitet und ebenso beendet. Die Versammlung in der„LSwenbrauerei" mußte wegen des starken Andranges nach dem Garten verlegt werden. Es waren zirka 2000 Personen anwesend. Referent war der Genosse Josef Hartmann, dessen packendes Referat starken Beifall auslöste. Die Versammlung in Ludwigs„viktoria-Garten" am Trep- tower Park war sehr gut belucht. Im vorderen Teil des Gartens sprach Genosse Stürmer, im hinteren Teil Genosse Dr. S, l b e r st e i n. Der Männerchor„Südost" leitete die Versamm- lung mit Gesang ein und schloß sie mit solchem. Die gut besuchte Versammlung in Bökers„GesellschastshauS" in der Wcberstrahe wurde vom Mannerchor der Transportarbeiter mit dem Liede„Dem Lenz entgegen" eröffnet. Genosse Julian Borchardt hielt das Referat und erntete großen Beifall. Mit dem..Arbcitcr-VaterlandSlied" wurde die Versammlung geschlossen. In drangvoller Enge saßen und standen die Besucher im großen saal der Brauerei„KSnigstadt", wo zirka 3000 Frauen anwesend waren. Mächtig brauste das Lied:„Morgengrauen", vorgetragen vom Bäckergesangverein, durch den weiten Raum. Dann nahm Emil Eichhorn das Wort, um in einem etwa einstündigen Vortrage die Notwendigkeit und Berechtigung der Frauenforderung sowohl vom historischen, als auch vom wirtschaftlichen und kultu- rcllen Standpunkte zu begründen. Kaum war der stürmische Bei- fall, der den Ausführungen folgte, verklungen, so setzte der Sänger- chor wieder ein und wiederum klang es hell und siegesfroh:„Em- por zum Licht!" in den frühlingshcitercn Tag hinaus, worauf dann noch das prächtige Lied der„Sturm" folgte. Nach einem temperamentvollen und eindringlichen Schlußwort dev Frau L o h s e war die Veranstaltung beendet. Im„Kastanienwäldchen", Badstr. 15=16, fanden sich die ersten Besucher im Anfang nur sehr spärlich ein. Das wurde aber anders. je weiter die zweite Stunde heranrückte. Da bekam die auch sonst sehr belebte Straße mit einem Mal ein fremdes und eigenartiges Glepräge: Langsam und zwanglos näherten sich lange Züge von Frauen, die dem Versammlungslokale zustrebten, während die Männer die Züge beschlossen. Die drückend heißen Sonnenstrahlen brachen durch die dichtbelaubten Kronen der prächtigen Kastanien, die schon ihre Kerzen festlich aufgesteckt hatten. Wegen Ueber- küllung mußten die Stühle bald aus dem Saale entfernt werden. Viele Frauen mußten stehen, und eine große Anzahl konnte im Saale selbst nicht anwesend sein. Sie verteilten sich dann auf den Garten, wo die Männer von vornherein sich schon nieder- gelassen hatten. Das Referat hatte Hans Weber übernommen, der mit zündenden Worten auf die Bedeutung des Tages hinwies und die Forderungen der Frauen nach politischer Glcichberechti- gung begründete: Der Gesundbrunner Gesangverein„Harmonie", der die Ver- anstaltung mit dem sehr hübsch vortragenen Liede:„Dem Lenz entgegen" sehr stimmungsvoll eingeleitet hatte, sschloß dieselbe würdig ab mit dem Gesänge:„Wir glauben an der Freiheit Sieg." Die Zahl der Teilnehmerinnen kann auf 2000 geschätzt werden. Im oberen großen Saal der PharuSsäle" waren mindestens 1500 Frauen versammelt. Männer sah man nur vereinzelt. Schon lange vor 2 Uhr tvar der Saal polizeilich abgesperrt. Es war überhaupt ein zahlreiches Polizeiaufgebot Wr Stelle. Aus den ein- zelnen Abteilungen des sechsten Kreises kamen die Frauen in ge- schlossenen Zügen zum Versammlungslokal. Als die 22. Abteilung mit ihren 150 Frauen in der Müllcrstraße am Polizeirevier vor- beimarschierte, sahen alle Schutzleute aus den Fenstern; sie glaubten wohl, die Revolution sei im Anmarsch. Eingeleitet wurde die Versammlung durch das in vortrefflicher Weise vom Gesangverein . Weddinger Harmonie" vorgetragene Lied:„Enipor zum Licht!" Oft durch Beifallskundgebungen unterbrochen, verstand der Refe- rent, Genosse Dr. Hermann Wehl, den versammelte« Frauen die Bedeutung des Frauentages klarzumachen. Mit dem Vortrage des Liedes„Völkerfrühling" durch den Gesangverein schloß die Versammlung. In dem unteren Saale war Genosse Kubig der Redner, und in kräftigen Worten feuerte er zu unablässigem Kampf für das Frauenwahlrecht auf. Er knüpfte an an die Worte des soeben verklungenen Liedes:„Empor zum Lichtl" Es ist etwas Großes, so viel« Frauen beisammen zu sehen, die alle beseelt sind von dem Gedanken der Erringung ihrer Menschenrechte,� die alle heraus wollen aus der Knechtschaft und Unterdrückung, die empor wollen zum Licht, zu einem freieren Menschen dasein l In den„Germania-SLlen" folgte man mit größter Aufmerk- samkeit dem Vortrage des Genossen Grunwald. Durch die Frauen, sagte der Redner unter anderem, kommt erst ein hoher ?;ug in unsere Bewegung hinein. Die Frauen zeichnet oft ein ohcs Maß von Selbstlosigkeit aus, ja von einer Bescheidenheit, die manchmal so weit geht, daß sie sich nicht einmal getrauen zu sagen, daß sie überhaupt da sind. Slber die Frauen müssen sich freimachen von aller Zaghaftigkeit und ihre Menschenrechte, ihre Rechte als Bürger des Staates und der Gemeinde fordern. Im„Stadtthcatcr Moabit" zeigte Genosse Wilhelm D ü w e l l in einem einstündigen Referat den gespannt lauschen- den Frauen, in welcher Rechtlosigkeit sie heute noch Wen. Es liege im ureigensten Interesse der Frauen, mit Begeisterung der Fahne der Sozialdemokratie zu folgen. Lebhafter Beifall wurde diesen Ausführungen gezollt: viele Frauen bewiesen durch ihren sofortigen Eintritt in den Wahlverein, wie die Worte des Referenten gezündet hatten. Die vorgelegte Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen. Berliner Vororte. In Bohnsdorf referierte vor 130 Frauen Genosse Thnrow- Neukölln. Die Versammlung in Britz-Buckow war von 150 Personen be- sucht, darunter 120 Frauen. Referent war A l b i n M o ß. Die Versammlung für Steglitz und Friedenau tagte im„Birken- Wäldchen". Der Besuch war ein zufriedenstellender und fanden die trefflichen Ausführungen des Genossen Hirsch allseitigen Beifall. In Groß-Lichterfeldc referierte Genosse Lehmann vor zirka 300 Personen. Die Versammlung in Mariendorf war von 150 Per- sorien, fast ausschließlich Frauen, besucht, welche den trcff- liehen Ausführungen des Genossen Robert Fendel mit atemloser Stille folgten. In NowaweS referierte Genosse Otto Braun in einstündigem. mit lebhaftem Beifall aufgenommenem Vortrage über die Forde- rung des Frauenwahlrechts.— In der Diskussion nahm die Ge- nossin B a t h e das Wort, um den zahlreich anwesenden Frauen dos Unwürdige der seit Jahrhunderten ertragenen Rechtlosigkeit und die Bedeutung des von ihnen geforderten allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für die gesamte Arbeiterklasse vor Augen zu führen. Die Versammlung in KSnigS-Wusterhause« war besucht von 150 Frauen und einem Teil von Männern. Das Referat hielt der Genosse W. Siering-Berlin. Reicher Beifall lohnte den vortrcsf- liehen Vortrag. Gharlottcnburg. Der Frauentag gestaltete sich zu einer groß- artigen Kundgebung. In hellen Scharen zogen die proletarischen Frauen nach dem„Volkshaus". Genossin Klara D i e tz hatte das Referat übernommen. Die trefflick>en Ausführungen der Refcrentin wurden häusig von begeistertem Beifall unterbrochen. Zu erwähnen ist noch, daß der diesmalige Frauentag unter dem besonderen Schutze der Polizei stand. Uniformierte und„Geheime" waren in großer Anzahl aufgeboten worden, um die gefährdete Ordnung zu stützen. Neukölln. Die Demonstration der hiesigen Genossinnen trug einen imposanten Charakter. In den verschiedenen Versammlungen konnten an die 5000 Fvauen gezählt werden. Im„Feldschlößchen" referierte Genosse Hugo Poetzsch. in den„Hohenstaufensälcn" Paul D u p o n t, bei Hoppe Georg D a v i d s o h u, bei Petri Emil D i t t m e r, bei Wolfs Franz Schneider. Schon der Anmarsch der Genossinnen bot ein imposantes Bild. Die Organisierten unter ihnen versammelten sich in ihren Zahlabendlokalen und gingen von dort zu Hunderten nach den Versammlungssälen. Wie der Anmarsch beeinflußte auch der Abmarsch der Frauen das Straßenbild in erheblichem Maße. In Köpenick fand die Versammlung im„Kaiserhof statt. Sie war von zirka 400 Frauen besucht. Der Genosse Hönisch re- ferierte. Die Schöncberger Versammlung fand bei Grosser, Meiningcr Straße 8, statt. Besucht tvar dieselbe von 900 bis 1000 Frauen. Dazu kamen einige wenige Männer. Die Frauen gingen gruppen- weise von ihren Bezirkslokalen nach der Versammlung. Eröffnet und geschlossen wurde die Versammlung durch Lieder vom Gesang- verein„Mänuerchor". Das Referat hatte Genosse F r e t e r über- nommen. Derselbe ging außer auf die Forderungen auch auf die letzten Vorgänge im Landtage ein. Großer Beifall lohnte die Aus- führungen des Referenten. Treptow. Im Sportrestaurant sprach vor rund 200 Versamm- lungsbesuchern, davon 170 Frauen, der Genosse K. Mermuth. Reicißw Beifall lohnte den Referenten für seine Ausführungen. In Vaumschulenweg sprach in Serpentins Festsälen vor einer fast ausschließlich von Frauen besuchten Versammlung der Arbeiter- sekretär Genosse Hermann Müller unter reichem Beifall der Versammelten. Tie in Wilmersdorf-Halensee abgehaltene Versammlung war über Erwarten gut besucht; zu neun Zehnteln füllten Frauen den Saal des Kurfürstcnparks. Nachdem die Leitung den Partei- genossinnen Markwitz, Bahr und Schmoll iibertragen war, sprach Genosse Pieck in zündender Rede über die Bedeutung des Be- fteiungskampfes der proletarischen Frauen. Friedrichöhagen. Die Versammlung war von ungefähr 200 Teilnehmern, größtenteils Frauen, besucht, die mit großem Interesse den Ausführungen des Genossen Ruf folgten. Lichtenberg. Die Versamnilung, welche im„Schwarzen Adler" stattfand, war so überfüllt, daß sie nach dem Garten verlegt werden wußte. Genosse Dr. Julius Moses kennzeichnete mit kräftigen Strichen die Dreiklassenschmach und ging dann besonders auf das Frauenwahlrecht ein. Die allgemeine Resolution wurde einstimmig angenommen. Eine zweite Resolution, welche sich gegen die Schmach im Dreiklassenvarlmnent Wehtel, fand ebenfalls einstimmige An. nähme. Der Gesangverein Lichtenberger Männerchor verschönte durch seinen Gesang den Tag der Frauen. Nach einem dreimaligen Hoch auf die internationale, Völker- und fraucnbefreiende Sozial- demokratie verliehen die Anwesenden den im schönsten Grün pran genden Versammiringsgarten. Der nicht endenwollende Strom er- goß sich die Frankfurter Allee entlang bis zur Proskauer Strahe, wo er durch ein Schutzmannsaufgcbot von zirka 50 Mann in die Seitenstraßen abgelenkt wurde. Die Versammlung in Oberschöneweide war gut besucht. Es waren aus Ober- und Niederschäneweide sowie Karlshorst etwa 500 Personen anwesend. Referent war Genosse Adolf Ritter. 30 Neuaufnahmen von Frauen waren zu verzeichnen. In Nieder-Schvohausen waren zirka 200 Frauen aus Pankow und Niedcr-Schönhausen versanrinelt. Referent war Genosse Paul John. Reinickendorf-Ost. 400 Teilnehmerinnen aus Reinickendorf-Ost und Wilhelmsruh wurden gezählt. Referent war Genosse Leid. Reinickendorf-Wcst. In der gut besuchten Versammlung rese- vierte der Genosse N r t s ch k e unter lebhaftem Beifall der An- wesenden. Nach Schluß der Versammlung ließ sich eine Anzahl Frauen in den Wahlverein aufnehmen. Die Versammlung für Stralau-Rummelsburg fand im Garten des„Cafe Bellevue" zu Rummelsburg statt. Eingeleitet und geschlossen wurde sie vom Rummelsburger Gesangverein durch stimmungsvolle Lieder. Anwesend waren ungefähr 1500 Personen größtenteils Frauen. Den Vortrag hielt Genosse Haß. Tegel. Anwesend waren gut 500 Personen, fast ausschließlich Frauen. Referent war Genosse Grog er. Weißensce. Die Versammlung fand im„Schloß Wjeißensee statt. Besuch zirka 750 Personen, meist Frauen. Die Ausführungen Waldeck M a n a s s e s fanden lebhaften Beifall. Bernau. Obgleich am heutigen Sonntag die Hussitenspiele mit dinem großen historischen Festzug eröffnet wurden, hatten sich doch eine große Anzahl Frauen und Minner im Saale des„Schützen- Hauses" eingefunden, die den vorzüglichen Ausführungen des Ge- rossen Stadthagen mit großem Interesse zuhörten. Besonders löste es einen Sturm der Entrüstung aus, als der Referent auf die letzten Vorgänge im Landtage zu sprechen kam. Reicher Bei fall lohnte den Redner für seinen Vortrag. Am Schluß wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die Forderungen der Frauen auf soziale und politsche Gleichberechtigung ausgedrückt wurde und auch protestiert wird gegen die Vergewaltigung der Vertreter der Arbeiterklasse im preußischen Landtage. Spandau. Die Versammlung war überaus stark von Frauen lbesucht. Das Referat der Genossin Zietz wurde beifällig auf genommen. Durch den Beitritt einer größeren Anzahl Frauen zum Wahlverein fand die imposante Versammlung ihren Schluß. Potsdam. Die Vevsammlung, in der Genosse Gäber t-Char- Zottenburg referierte, war von etwa 200 Personen, fast nur Frauen, besucht. Nach dem beifällig aufgenommenen Vortrag trug cinft Genossin ein die Frauen zu politischer Tätigkeit anfeuerndes Gedicht vor. Fürstenwalde. Die hiesige Versammlung war von 300 Per- fönen besucht. Der Vortrag der Genossin Fahrenwald- Berlin fand begeisterte Zustimmung. Alt-Glienickc(Kr Teltow). Die Versammlung fand statt in Schäfers Saal am Wasserturm und war von zirka 150 Personen besucht. Es referierte Hildebrandt- Neukölln. Die Resolu- tion und das Referat fanden begeisterte Zustimmung. Rüdersdorf-Kalkberge. Hier referierte unter dem lebhaften Weifall der Versammelten Genosse Georg Ucko. Eine Diskussion fand nicht statt; die Resolution wurde einmütig angenommen. Im Reiche fanden in allen Orten, in denen eine Parteiorganisation besteht. gut besuchte Versammlungen statt. Der Verlauf war überall ein glänzender. Hamburg-Altona. In mehr als 20 Versammlungen demon- strierten die Frauen für die Forderung des Frauenwahlrechts. Zahlreiche Neuaufnahmen in die sozialdemokratische Organisation fanden statt. Im Wahlkreise Kiel-Renbsburg fanden 7 Versammlungen statt. Im Stadtbezirk Kiel waren etwa 1000 Frauen versammelt. Lübeck: Die Versammlung war von 1000 Personen besucht. ' Bremerhaven: In Lehe und Geestemünde fanden zwei große Protestversammlungen statt mit etwa 3000 Teilnehmern, die eine fcharfe Resolution gegen den Polizeiakt im preußischen Dreiklassen- hause annahmen. Die Frauenversammlnng, die von etwa 1200 Frauen besucht war, verlief außerordentlich imposant. Stettin: In Groß-Stcttin waren die neun Versammlungen des Frauentages überfüllt. Gleichzeitig protestierten die Versammlungen gegen die brutale Polizeivergewaltigung im preußischen «bgeordnetenhause. Die Polizei, auch die dienstfreie Mannschaft, war bereit gehalten, fand aber keine Arbeit. Mühlhauscn i. Th.: Die Frauenversammlung fand unter freiem Himmel statt. Zirka 1000 Frauen und Männer beteiligten «ich daran. Die Versammlung demonstrierte für das Frauenivahl- recht und nahm gleichzeitig eine scharfe Protestresolution gegen das drenßiscle Junkerparlament an. Im Anschluß daran fand eine spontane Straßcnkundgebung mit Hochrufen auf das Wahl- recht statt. r LL r-*■■. Düsseldorf: Die Frauen hatten stch rn einer großen, über- füllten Versammlung zusammengefunden. Nach der Versammlung aog ein Demonstrationszug zum Gefängnis, um den Genossen Werten abzuholen, der nach einer dreimonatigen Gefängnis, träfe am Sonntag entlassen wurde. Mehrere Tausend hatten sich am Gefängnis zusammengefunden. Genosse Berten wurde mit Hoch- rufen hegrützt und es wäre vermutlich alles ruhig abgelanfen, wenn «nicht ein großes Polizeiaufgebot erschienen wäre, um die Massen auseinanderzutreiben. Die Polizei nahm Verhaftungen vor, auch «ine alte Frau verfiel diesem Schicksal, einige Polizisten zogen «blank und schlugen auf die Menge ein. Wenn die Massen nicht Äüger gewesen wären unb gute Disziplin gehalten hätten, konnte es leicht größeres Blutvergießen geben. Hanau: Im Hanauer Wahlkreise wurden vier osfentliche Ver- fammlungen abgehalten, sie waren durchgängig gut besucht. Neben !der Kundgebung für das Frauenwahlrecht wurde gegen den Polizei- ilichen Gewaltstreich im preußischen Landtage protestiert. Am Mon- tag sollen weitere Brotcstversammlungen gegen die Vorgänge im ElbgeordnetenHause stattfinden. Leipzig: In zwei Sälen des Volkshauses fanden Versammlun- gen statt, die von zirka 4000 Frauen besucht waren. Die Resolu- tion wurde einstimmig angenommen, eine sehr große Zahl von Aufnahmen in die sozialdemokratische Organisation sind zu ver- zeichnen. Dresden: In der Stadt und in der Umgebung fanden, vier Versammlungen statt, die durchgängig sehr stark besucht waren. Vor dem großen Volfswohlsaale war ei» starkes Schutzmannsaufgebot zusammengezogen, das aber nichts zu tun bekam. Nürnberg: Der Frauentag verlies imposant. Die Versamm- lung im Velodrom war sehr stark besucht. Ein beabsichtigter Massenumzug unterblieb auf Anraten der Versammlungsleitung. Die Massen zogen in starken Trupps nach verschiedenen Stadtteilen. Aus zahlreichen Orten der Umgebung wird über glänzenden Wer- Zaus des Frauentages berichtet. Braunschweig: Eine öffentliche Versammlung unter freiem iHimmcl war von über 1000 Personen besucht. Nach Schluß der Versammlung war, wie in Braunschweig üblich, das gesamte Polizei- und Nachtwächterpersonal aufgeboten, um die nach dem Schlosse führenden Straßen abzusperren. Die heimkehrenden Ver- -sammlungsbesucher wurden infolgedessen zum Zuge zusammen- «edrängt, der sich noch eine Zeitlang durch die Straßen bewegte. Sehnliche Meldungen liegen vor aus Königsberg i. Pr., Breslau. Striegan. Magdeburg. Halle, Erfurt, Frankfurt a. M.. Köln. Essen. Elberfeld, Barmen, Solingen, Mannheini, Tarmstadt. Mainz, Göppingen, Zittau, Zwickau, Chemnitz. Hus der Partei. Die Abhängigkeit der„Neuen Zeit" vom Parteivorstand. So weit ich die Parteipresie übersehen kann, begegnet sie sich in der Ansicht, daß der Ausgangspunkt des Zwistes zwischen Mehring und mir eine persönliche, kleinliche Angelegenheit darstellt, die nicht vor die Oeffentlichkeit gehört. Das ist ganz meine Meinung. Wenn Mehring, als er glaubte, durch die Redaktion der„Neuen Zeit" in seinen Rechten gekränkt zu sein, an die zuständigen Instanzen, den Vorstand und eventuell die Kontrollkommission gegangen wäre, und seine Entgegnung gegen Bebel in der„Neuen Zeit" erscheinen ließ, wie ich ihm anbot, statl damit in die„Bremer Bürgerzeitung" zu gehen und gleich- zeitig die Abfassung seiner Spitzenarlikel für uns einzustellen, wäre der Partei der peinliche Disput erspart geblieben. Nachdem die Sache, ganz ohne mein Zutun und sehr wider meinen Willen, an die Oeffentlichkeit gebracht worden war und zu schweren Anklagen gegen mich geführt hatte, fühlte ich mich verpflichtet, die Genossen, denen ich Rechenschaft schuldig bin, über die Vorgänge zu unterrichten. Wenn aber jetzt allseitig gewünscht wird, der Disput möge ein Ende nehmen, so füge ich mich, soweit es sich um die persönliche Seite der Frage handelt, obwohl es mir schwer fällt, auf die Be- richtigung aller der Entstellungen und Verdächtigungen zu verzichten, durch die Mehrung meine Person herabzusetzen sucht. Aber es handelt sich heute nicht mehr um die Personen der Streitenden. Mehring hat ein neues Moment vor die Oeffentlichkeit gebracht, um seinen Konflikt zu begründen, nachdem ich die Nichtig- keit seiner zuerst vorgebrachten Gründe nachgewiesen. Dieses neue Moment ist keine persönliche Angelegenheit mehr, sondern eine Parteiangelegenheit. Dies Moment muß unbedingt er- örtert und klargelegt werden, sonst bliebe ein dunkler Flecken nicht bloß auf mir, sondern auch auf dem wissenschaftlichen Zentralorgan der Partei und auf dieser selbst hasten. Darüber und darüber allein muß ich noch reden. Wohl hat der Parteivorstand bereits Mehrings Anschuldigung zurückgewiesen, aber die Interna der„Neuen Zeit", durch die Mehring jene Anschuldigung zu begründen sucht, konnte er nicht erörtem. Darüber bin ich den Genossen Aufklärung schuldig. In seiner Richtigstellung teilt Mehring mit. er habe mir am 10. April geschrieben, der Grund seines Ausscheidens aus seiner bis- herigen Art der Betätigung an der„Neuen Zeit" rühre daher, daß politische Meinungsverschiedenheiten zwischen uns beständen. Er hielte es für einen großen Fehler, wenn das wiffenschastliche Zentral organ sich völlig abhängig vom Parteivorstand machte. Im Brief war das noch bestimmter ausgesprochen: „Ich halte es für einen großen Fehler, daß die Zentralorgane der Partei einfache Parteivorstandsorgane werden, und mag dabei nicht mittun. Und selbst wenn ich wollte, so wäre das kein Leben mehr, wenn ich jedes Wort in den Spitzenartikeln es den Beifalls Bebels und des ob ich derartiges Mehring zugemutet der Ehre wäre, solche Ungebühr Welcher Parteigenosse müßte ihm darauf abwägen wollte, Parteivorstandes fände." Das sieht so aus, als ob hätte, und als ob es ein Gebot mit Entrüstung zurückzuweisen. darob nicht begeistert zustimmen! Der Parteivorstand Hat schon darauf hingewiesen, daß er auf die Haltung der„Neuen Zeit" keinen Einfluß übt. Die„Neue Zeit ist wohl ein Parteiorgan und als solches den Parteigenossen ver- antwortlich, nicht so völlig von der Partei losgelöst, wie etwa die„Sozialistischen Monatshefte", die ihre Selbständigkeit gegen über den Parteiorganen gern rühmend hervorheben. Ich weiß nicht, ob Mehring die gleiche Selbständigkeit für die„Neue Zeit" wünscht. Ich für meinen Teil muß gestehen, daß mir die demokratische Unterordnung des einzelnen Organs unter die Gesamtheit des Parteikörpers noch nie drückend zum Bewußtsein gebracht wurde. Die„Neue Zeit" untersteht keiner Preßkonnnission, sondern direkt dem Parteivorstand. Wenn aber eine Preßkommission sich beständig mit dem ihr unterstellten Parteiorgan beschäftigt, so kann man nicht das gleiche von uns sagen. Der Parteivorstand greift in unsere redaktionelle Tätigkeit in keiner Weise ein. Wenn Beschwerden gegen die Redaktion der„Neuen Zeit" einlaufen, muß er sie natürlich prüfen und darüber entscheiden. Das kommt aber äußerst selten vor. Aus den langen Jahren des Erscheinens der„Neuen Zeit" als Parteiorgan kann ich mich nur dreier solcher Fälle erinnern. Es gibt in der ganzen Welt kein Parteiorgan, dessen Redaktion freier und unabhängiger dastände als die der„Neuen Zeit". Sollte also das„wissenschaftliche Zentralorgan sich völlig ab- hängig vom Parteivorstand" gemacht haben, so müßte das aus einem freiwilligen Bedürfnis nach Knechtschaft entsprungen sein. Nachdem ich drei Jahrzehnte lang die„Neue Zeit" in völligster Un- abhängigkeit redigiert, hätte ich mich demnach angeschickt, ihren Ein- tritt in das vierte Jahrzehnt durch ihre fteiwillige Degradation zum offiziösen Lakaien des Parteivorstandes zu feiern! Irgendwelche Motive, um diese seltsame Wandlung des„Groß- inquifilorS" begreiflich zu machen, gibt Mehring nicht an. Aber vielleicht sind die Tatsachen um so schlagender, die unS zwingen, das Unbegreifliche zu glauben. Sehen wir zu.. Erste Ursache. Der Vorstand hat im November vorigen Jahres sein Bedauern über einen Artikel Mehrings ausgesprochen. Ich selbst habe aber den Artikel nicht bedauert und die Ansicht des Vorstandes nicht geteilt. Was der Fall für meine Offiziosität beweisen soll. vermag ich absolut nicht einzusehen. Aber allerdings, für daS Ver- tändnis des Konflikts ist er wichtig. Zweite Ursache. DaS Stichwahlabkommen. Ja, habe ich je an Mehring das Ansinnen gestellt, darüber im Sinne des Vor- standes zu schreiben oder ihn gehindert, am Abkommen Kritik zu üben? Ich habe dieser Kritik in der„Neuen Zeit" nicht das mindeste in den Weg gelegt. Wenn außer dem Mehringschen Artikel keiner im gleichen Sinne bei unS erschien, rührte dies daher, daß unS keiner eingesandt wurde. Mehring selbst gegenüber habe ich niemals auch nur eine Silbe des Bedauerns über seinen Artikel allen lasten. Um doch ein Zeichen meiner Einwirkung auf ihn im Sinne des Parteivorstandes vorbringen zu können, bleibt ihm nichts übrig, als sich auf den großen Unbekannten zu berufen, der ihm verriet, was ich selbst ihm„verschwieg": ich sei„gekränkt" durch einen Artikel. In Wirklichkeit hat mich an dem Artikel nur die Tatsache unangenehm berührt, daß Mehring dort gegen mich pole- misierte, ohne mir vorher Mitteilung davon gemacht zu haben. In der Frage des Stichwahlabkommens fand ich die Gegner- chaft nicht Mehrings allein, sondern noch anderer Freunde. Mein gutes Einvernehmen mit ihnen wurde dadurch aber keinen Moment gestört. So weiß denn Mehring meine Offiziosität in der Frage de? Stichwahlabkommens nicht aus meiner redaktionellen Tätigkeit in der „Neuen Zeit", sondern nur aus meiner Tätigkeit als Mitarbeiter des Vorwärts" zu deduzieren, für den ich einen.offiziösen" Artikel ichrieb. Wie steht es damit? Am Abend vor dem Abschluß des Stichwahlabkommens lud mich der Parteivorstand zu einer Beratung, ebenso wie die Ne- daktion des„Vorwärts". Nicht, um uns Weisungen zu erteilen, wie wir zu schreiben hätten, wie das bei offiziösen Journalisten üblich ist, sondern um unS zu befragen, was wir von dem vor- zeschlagenen Stichwahlabkommen dächten. Da war ich der Meinung, >aS Abkommen sei eine höchst wünschenswerte Sache, die Dämpfung aber äußerst fatal. So faßte der Vorstand die Sache auch auf. Aber vor die Frage gestellt, ob man, wenn das Stichwahlabkommen nicht anders durchzusetzen sei, eS an der Frage der Dämpfung 'cheitern lasten solle, glaubte keiner der Anwesenden, sie bejahen zu dürfen. Do? mag ein Fehler gewesen sein. Darum handelt es sich jetzt nicht. Meine Stellungnahme entsprang jedenfalls meiner ehrlichen Ueberzeugung, die ich nach Erwägung aller für und wider sprechenden Gründe gewonnen. Und niemand hat oas Recht, diese meine lieber- zeugung als Liebedienerei gegenüber dem Vorstand zu verdächtigen. daS Stichwahl- in dem unsere Mehring je ge- Als dann da? Stichwahlabkommen kritisiert wurde, hielt ich es für geboten, meine Auffassung vor den Genossen zu begründen. Ich verteidigte das Abkommen nicht, weil es vom Parteivorstand abgeschloffen worden war, sondern weil es meiner Ueber- zeugung nach im Parteiinteresse lag. Ich lchäme mich, nach bald vierzig Jahren Parteiarbeil noch betonen zu müssen, daß ich meine Ueberzeugungen aus eigenem Nachdenken schöpfe und nicht fertig vom Parteivorstand beziehe. Mein Artikel war für die„Neue Zeit" bestimmt, wo er natürlich unter Nennung meines Namens er- schienen wäre. Er wurde zu spät fertig, um dort noch vor der Berliner Generalversammlung zu erscheinen, so gab ich ihn dem„Vor- wärts". Als dieser es vorzog, ihn ohne Nennung des Autors, als Meinung der Redaktion zu veröffentlichen, hatte ich nichts dagegen einzuwenden. Es ist nicht das erste Flugblatt und nicht der erste Artikel, die ich anonym veröffentlichte. Ich habe mich nie mit meinem Namen vorgedrängt. Mehring eigens mitzuteilen, daß der Artikel von mir herrühre, lag kein Grund vor. Wo in alledem Offiziösentum stecken soll, ist mir unerfindlich, es müsse denn jeder Parteigenosse ein offiziöser Handlanger des Parteivorstandes sein, der in einer Frage mit diesem die gleiche Ueberzeugung hat. Freilich, wenn man den Parteivorstand einer kapitalistischen Regierung gleichsetzt, die ein Proletarier prinzipiell zu bekämpfen hat, dann wird es allerdings zum Verrat an der proletarischen Sache, mit der Regierung oder dem Parteivorstand Hand in Hand zu gehen I Ebensowenig wie wegen des Artikels über abkommen habe ich wegen des folgenden Artikels, Genossen im Reichstag angegriffen wurden, von fordert, er solle in anderem Sinne schreiben. Ich hielt den Artikel für sachlich ungerechtfertigt, wegen seiner Berufung auf die Ab- Handlung Liebknechts, die tatsächlich einen Standpunkt entwickelte, den heute niemand mehr vertritt, wie jeder zugeben wird, der diese Abhandlung zu Ende liest. Ich hielt den Artikel auch für politisch unklug, denn er diskreditierte nicht den bürgerlichen Paria- mentarismus, sondern unsere Genoffen im Reichstag oder wenigstens alle, die dort schon längere Reden gehalten hatten. Trotzdem habe ich auch jetzt Mehring nur mein Bedauern darüber ausgesprochen, daß er solche Artikel über den Kopf der Redaktion hinweg veröffentlichte, die vor den Parteigenoffen die Verantwortung dafür zu tragen hat. Er vermag keine Silbe von mir anzuführen, die ich zu ihm je« mais im Sinne einer offiziösen Beeinfluffung geschrieben oder ge- sprochen hätte. Wo bleiben da seine Beweise dafür, daß ich abhängig vom Parteivorstand sei und ihn selbst in solche Abhängigkeit versetzen wollte? Er beruft sich auf meine Forderung, er solle während der Zeiten meiner Abwesenheit seine Artikel an meine Stellvertreter senden, statt an mich. Darin steht er eine„Einschränkung seiner publi- zistischen Bewegungsfreiheit", die man nur jemand zumuten konnte, der keine Ehre im Leibe hat. Ich vermag irgend eine Ehrenkränkung in dem von mir vorgeschlagenen Modus nicht zu entdecken. Aber daS rührt wohl daher, daß mir keine Freunde zur Seite stehen, die so„erfahren in den Gesetzen der Ehre find", wie die Freunde Mehrings. Gewöhnlichen Menschenkindern und Parteigenossen sind diese Gesetze offenbar ebenso schwer faßbar, wie die Gesetze der so heiklen Offiziersehre. Was hat aber die Frage, ob meine Kollegen würdig oder un« würdig sein sollen, Mehringiche Manuskripte zu empfangen, mit der Abhängigkeit vom Parteivorstand zn tun? Mehring konstruiert einen Zusammenhang daraus, daß diese Frage aufgeworfen wurde zu einer Zeit, wo er„einige, dem Parteivorstande mißfällige Artikel" geschrieben hatte. Leider hat er vergessen, daß gerade z« jener Zeit er selbst es gewesen ist, der die Frage, ob er meine Kollegen als Lust behandeln dürfe, auf die Tagesordnung setzte in einem Brief vom 13. April, wo er erklärt, er werde von jetzt an seine Artikel regelmäßig an die Redoftion senden, während meiner Ab« Wesenheiten von Berlin aber keine schreiben. Das und das allein war es, wa« zur Diskutierung jener Frag« führte. Ich hätte gern die Entscheidung darüber jedem kompetenten Forum überlassen, sei es den„übergeordneten" Instanzen oder den Kollegen vom Verein Arbeiterpresse. Ohne jedes aufgeregte Gerede von„Ehre" ließ sich diese Frage bloßer redaktioneller Technik leicht aus dem Wege schaffen. Diese Lappalien sind alles, aber auch alles, was Mehring vor« zubringen weiß, um seine schwerwiegende Beschuldigung zu stützen, der tiefere Grund seines Konflikts zwischen ihm und mir besteht darin, daß ich die„Neue Zeit' zu einem Organ grundsatzloser Willfährigkeit gegenüber dem Parteivorstand herabwürdigen wollte, wogegen er sich auslehnte. Gerade die Nichtigkeit der„Beweise" bezeugt aufs deutlichste die Nichtigkeit der Beschuldigung. Zugleich erhellt aber aus der Mehringschen Beweisführung der wirkliche„tiefere" Grund des Konflikts: er ist in der Tatsache zu suchen, daß der Parteivorstand im November vorigen Jahres über Mehrings Artikel in Nr. 7 der„Neuen Zeit' sein Bedauern aus- sprach. Die Wirkung dieses Schritte« auf Mehring war bei seiner Natur naheliegend, lieber diese mich nochmals zu äußern, habe ich keinen Grund. Ich glaube sie schon in dem Artikel klargelegtzu haben.den ich imHerbst 1903 nach dem Dresdener Parteitag über Franz Mehring veröffentlichte, damals, als er so schwer angegriffen worden war. daß viele seiner besten Freunde an ihm irre wurden. In dieser Situation hielt ich es für meine Pflicht, dem Bedrängten beizuspringen. Ich versuchte, in meinem Artikel jene seiner Handlungen, die so manche Genossen abstießen, ihnen menschlich näher zu bringen. Ohne bei ibm Widerspruch zu finden, mußte ich zu diesem Zweck auf eine Eigenschaft hinweisen, die bewirkt, daß der geringste Konflikt auf ihn weit tiefere und erregendere Wirkungen äußert, als auf gewöhnliche Menschen. Dies hat sich auch jetzt wieder geltend gemacht und bewirkt, daß das Bedauern des Vorstandes von Mehring als Kriegserklärung aufgefaßt wurde. Seitdem erscheint für Mehring der Parteivorstand als der Feind mit dem e« gilt, abzurechnen. Daß ich in der Frage des Stichwahl- abkommenS dabei nicht mittat, wurde mein Verbrechen. Nun bin ich der charakterlose, abhängige Offiziosus des Parteivorstandes ist das wiffenschastliche Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie zum bloßen Sprachrohr des Parteivorstandes geworden. In Wirklichkeit ist die„Neue Z-it" geblieben und soll sie bleiben. waS sie dreißig Jahre lang gewesen: eine Stätte irei-ster Diskussion im Rahmen der Parteigrundsätze. völlig unbeeiml.kt wie von jeder anderen Parleiinstanz. aber ,r0enb-in Organ der n« s-"'• r Parlament, in der Partei- alle für die gememsame große Sache wirken und im vom Parteivorstand auch ohne schematische Partei, wirke eS in organisation, die kämpfen. K. KautSkh. An die Parteigenosse»! ES ist uns unmöglich, bei den unzähligen Anträgen auf Ab- Haltung von Protestversammlungen, die täglich telegraphisch, tele« phonisch und brieflich an uns gerichtet werden auch nur eiucin kleinen Teile zu entsprechen. Die parlamentarische Lag- gestattet es uns nicht, vor der Verhandlung über die Wahlrech�anträge über- ha»lpt Protestversammlungen abzuhalten abgesehen von den bereits anberaumten beiden Versammlungen in Zehlendorf und NowaweS. Später werden wir. soweit es in unseren Kräften steht, die Wünsche der Genoffen im Lande gern berücksichtigen; wir bemerken aber gleich, daß es völlig auSgeschlosien ist. daß überall, wo eS ver- langt wird, ein Mitglied der Fraktion referiert. Berlin. 13. Mai 1012. Mit Parteigruß Die sozialdemokratische Fraktion des preußische» Abgeordnetenhauses. Sozialem Agrarischer Terrorismus. Seit fünf Jahren war auf dem pommerschen Gute Strecken- thin, einem Herrn v. Kamele gehörig, der Arbeiter Pommerening beschäftigt. Es wurde ihm ein Lohn von 2,50 M. im ersten Jahre täglich gezahlt, doch in den folgenden Jahren auf 2,25 M. im Scmmer und 1,43 M. im Winter gekürzt, ohne daß der Arbeiter gefragt wurde. Als der Arbeiter vor einigen Tagen an den Rent- meister Grabinski, der als Verwalter des Gutes tätig war, heran- trat und diesen bat, infolge der erhöhten Lebensmittelpreise den Lohn aus den alten Satz von 2,50 M. zu erhöhen, wurde diese Forderung rund abgeschlagen. P. erklärte, darauf,„daß er sich lohnenderen Verdienst suchen müßte", und verließ die Arbeit, um bei der in der Nähe des Gutes die Stauwerksarbeiten ausführen- den Elektrizitätsgesellschaft„Hahke" in Arbeit zu treten. Kaum war er anderthalbe Stunden beschäftigt, so wurde er zum Bau, führer gerufen und ihm erklärt, man müsse ihn entlassen, denn von Streckenthin ans sei angeklingelt worden. P. nahm nun seine Schippe unter den Arm und suchte wieder Arbeit. Nach zwei Tagen gelang es ihm bei der Torfpresse Beschäftigung zu erhalten. Je- doch schon im Laufe des ersten Tages wurde der Schachtmeister, dem die Torfgewinnung übertragen ist, zum Herrn Rentmeister befohlen und ihm gesagt, de» P. dürfe er unter keinen Umständen beschästigen und wenn gleich der ganze Betrieb stehe« bleibe. Auf die Entgegnung des Schachtmeisters, daß doch 2,50 M. nicht zu hoch sei, wurde von dem Rentmeister der klasfisch« Satz geprägt:„Die solle» grase« gehen, im Walde wächst ja genug, früher haben sich die Leute auch von Kräutern ernährt." Das Resultat war, daß P. am anderen Tage entlassen wurde. Ob der Besitzer v. Kamele mit dem Vorgehen seines Rentmeisters einverstanden ist, können wir nicht wissen, jedenfalls ist er für die Handlungsweise seines Vertreters voll verantwortlich. Der Rentmeister und er sind der- pflichtet, vollen Schadenersatz wegen des den guten Sitten ins Ge- ficht schlagenden Hetzens aus der Arbeit zu leisten und außerdem den zu Unrecht verkürzten Lohn nachzuzahlen. Den Anspruch kann freilich der Arbeiter ohne Hilfe einer Organisation nicht durch« setzen. Den Landarbeitern sollte das Vorkommnis ein Ansporn sein, sich der Organisation der Landarbeiter anzuschließen. Versammlungen. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufs- genossen. Die ordentliche Generalversammlung der Verwaltungs- stelle Berlin fand am Sonnabendabend in den.Arminhallen" statt. Der Vorsitzende Schwittau erstattete den Geschäftsbericht für das erste Vierteljahr 1912. Verschiedene Lohnbewegungen find in der Berichtszeit eingeleitet oder zu Ende geführt worden. Mit der Konsumgenossenschaft ist ein Tarifvertrag zustande gekommen, in der Fabrik von Mengers Söhne ist eine Bewegung erfolgreich ge. Wesen, in Borsigs Betrieb wurden teilweise Erfolge erzielt. In der Heilstätte Müllrose hat der Verband den Tarif gekündigt und erwartet Verbesserungen für seine Mitglieder.— Schwittau trug dann einige geschäftliche Empfehlungen der Verwaltung in bezug auf Beitragszahlungen und Anträgen auf Unterstützung bei Maß- regelungen vor, die in der Diskussion über den Geschäftsbericht keinen Widerspruch fanden. Der Kassenbericht für das erste Viertel- jähr 1912 zeigt eine Einnahme von 13 212,15 M., eine Ausgabe von 12 356,94 M., mithin eine Mehreinnahme von 855,21 M. Der Kassenbestand am 21. März 1912 betrug 17 368,43 M. Nach der Abrechnung mit der Hauptkasse wurden ausgegeben für Kranken- Unterstützung 2961,39 M„ für Unterstützung an Arbeitslose 1991,41 Mark, an Streikende 184,65 M„ an Ausgesperrte 175,50 bei Maßregelungen 185 M., als Sterbegeld 700 M., für Rechtsschutz 79,36 M., für außerordentliche Unterstützungen 25 M. Die Ge- samteinnahmen für die Hauptkasse betrugen 8280,21 M., die Aus. gaben 6302,32 M., demnach verbleibt für die Hauvtkasse die Summe von 1977,89 M. Der Mitgliederbestand, der Ende vorigen Jahres 1821 betrug, hat um 22 zugenommen, betrug also 1843 am Schlüsse des ersten Quartals 1912. 90 Neuaufnahmen und 22 Uebertritte aus anderen Verbänden bildeten den Zugang, dem ein Abgang durch 21 Uebertritte zu anderen Verbänden, 62 Streichungen und 7 TodeS» fälle gegenübersteht. Der Kassierer Holz beantwortete eine Reihe von Fragen in bezug auf seinen Bericht in zufriedenstellender Weise.— Als Delegierter zur Gewerkschaftskommission berichtete B a e r. Der Erhöhung der Beiträge zur Erhaltung des GeWerk- schaftshauses stimmte die Versammlung zu. Einige Wünsche, den Arbeitsnachweis betreftend, standen dann zur Verhandlung, sowie eine kleine Differenz mit dem Hauptvorstand als interne Verbands- angelegenheit._ Arbeiter-Wandcrverein Berlin. Wanderfahrten am Donnerstag kHinimelsahttstag), den 16. Mai, durch die Bütenkeide. Velten— Marwitz— Zicgcnkntg— Brieselang— Finkenkrug. Abfahrt 6,45 Uhr Stettin er tzaupt- dahnbos. Teilnehmer an den Pfingsttouren treffen sich Mittwoch, den 15. Mai, abends 8'/, Uhr. bei Wählisch, Sialitzer Straße 22._ Huö aller Hielt. Unwetter in Westdeutschland. Ueber das westliche Deutschland find am Sonntag schwere Gewitter, verbunden mit orkanartigen Stürmen, niedergegangen. In Bochum wurde durch das Unwetter die am Sonnabend eröffnete Kochkun st aus st eilung schwer mit- genommen. Das Dach der großen Ausstellungshalle wurde vom Sturm weggerissen, das Gebäude ist teilweise eingestürzt. Der in der Ausstellung angerichtete Schaden ist so bedeutend, daß teilweise Schließungen erfolgen mußten. Die Aus- stellungSleitung hofft jedoch, die Ausstellung am Dienstagabend wieder vollständig eröffnen zu können. In Witten ent- stand eine Panik, als ein von 2000 Personen besuchter ZeltzirkuS vom Sturme zerrissen wurde. Feuerwehr und Sanitäts kolonnen wurden alarmiert, größeres Unglück wurde jedoch verhütet. Die ZirkuSbefucher konnten fich zum größten Teil rechtzeitig in Sicherheit bringen. Einige jedoch erlitten Arm- oder Bein» brüche, andere leichtere Verletzungen. In Duisburg wurde das Dach einer Bahnhofshalle abgerissen und auf die Gleise geworfen, wodurch Verkehrsstörungen bis zu vier Stunden eintraten. Bei mehreren Straßenbahnoberleitungen traten für längere Zeit Störungen ein. Auch in Dortmund wurde durch den Gewittersturm großer Sachschaden angerichtet. In der Nähe de« HauptbahnhofeS, einer der verkehrsreichsten Punkte der Stadt, stürzte infolge des Sturmes das Gerüst eines fünfstöckigen Neubaues ein und riß das Leitungsnetz der Straßenbahn herunter. Die Straße war fast menschenleer, Personen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Auch sonst hat der Sturm große Verheerungen angerichtet. Zahl reiche Schaufenster sind zertrümmert, Bäume entwurzelt und Dächer abgehoben. Ein junger Mann wurde durch einen herabstürzenden Schieferstein schwer verletzt. In der Münsterstraße wurde ein HauS durch den Sturm derart beschädigt, daß eS von der Polizei geschlossen wurde. Der Straßenbahnbetrieb ruhte in den Abendstunden gänzlich, da die Stromleitungen zerstört waren. In Alfeld a. d. Leine wurde der ZeltzirkuS Lorraine während einer gutbesuchten Vorstellung von einem Wirbel st urm erfaßt. DaS Zelt wurde auS semer eisernen Befestigung heraus gerissen und in die Luft gehoben, sodaß alles in Stückeging. Nur mit Mühe konnten die Besucher sich in Sicherheit bringen. Etwa 20 Personen wurden durch herumfliegende Splitter der- letzt. Einem Manegenpferde wurde ein Bein abgerissen, ein Zirkus angestellter verlor ein Aug e._ Schwere Verkehrsunfälle. Ein schwerer Automobilunfall, bei dem zwei Personen getötet und zwei andere schwer verletzt wurden� hat sich Sonntag nachmittag auf der Chaussee nach Rheinsberg zu' getragen. Der Ingenieur Karl PoenSgen hatte in Begleitung feines Bruders, des Assessors Albert PoenSgen. und einer Dame, der Gattin eines angesehenen Charlottenburger Finanzmannes, eine Automobilfahrt unternommen. Kurz vor RheinSberg ver. sagte die Steuerung, so daß der Chauffeur die Gewalt über das Auto verlor. Der Kraftwagen rannte in doller Fahrt gegen einen Baum. Bei dem Zusammenprall wurden die drei Insassen sowie der Chauffeur vou ihren Sitzen auf die Chaussee geschleudert. Ingenieur Karl PoenSgen war auf der Stelle tot, während sein Bruder schwer verletzt wurde. Auch die Dame erlitt so schwere Verletzungen, daß sie in bedenklichem Zustande in da« Krankenhau» nach Westend gebracht werden mußte Der Chauffeur wurde gleichfalls sofort getötet. Auf der etwa« abschüssigen EchwiebnS— Frankfurter Chaussee geriet Sonntag nachmittag da« Fhrwerk de» Fleischer» meister« Otto Bauer au» Schwiebu« ins Rollen und Schleudern, so daß Bauer die Gewalt über das Pferd verlor. An einer Weg- biegung schlug der Wagen um und sämtliche vier Insassen wurden auf die Straße geschleudert. Eine Frau Klaembt war sofort tot. Sie hat einen Schädelbruch erlitten. Kaufmann Wilhelm Bauer aus Berlin, der bei seinem Bruder in Schwiebus zu Besuch weilte, brach beide Unterarme, Kaufmann Schmidt aus Züllichau zog sich schwere innere Verletzungen zw Otto Bauer blieb unverletzt._ Fliegerabstürze. In Kassel hat sich am Sortntag ein tödlicher Fliegerunfall ereignet. Als der Flieger Hans S ch m i g u I s k i aus Berlin, der dort Schauflüge veranstaltete, nachmittags einen Höhenflug unter- nahm, kippte in etwa 100 Meter Höhe in einer Kurve der Apparat plötzlich um und stürzte senkrecht zur Erde nieder. Schmigulski erkttt s« schwere«erketzmegen, daß er«ach wenigen Minuten starb. Einen etwaS weniger tragischen Abschluß fand ein Flugunfall, der sich bei Schauflügen in Straßburg i. E. zutrug. Dort türzte der Flieger Krieger beim Abstieg aus etwa 15 Meter Höhe ab, kam aber mit geringen Verletzungen davon. Sein Passagier, Leutnant Steinbauer, trug einen Bruch des Unterschenkels davon. Ein Pastagierzug von Banditen überfalle«. Wie aus Mexiko gemeldet wird, wurde in der Nähe von Guadalajara ein mit Flüchtlingen aus dem Erdbebengebiet überfüllter Passagierzug von Banditen überfallen. Siebzig Soldaten, die sich zufällig in dem Zuge befanden, stellten sich den Banditen entgegen. Es kam zu einer regelrech t�en Schlacht, in deren Verlauf acht Soldaten und zwölf Passagiere getötet wurden. Sämtliche Reisende wurden ihrer Wertgegenstände beraubt. Wieviel Tote und Ver« wundete es auf feiten der Banditen gegeben hat, konnte nicht festgestellt werden, da diese von den Verbrechern mitgeführt wurden. Kleine Notizen. Und wieder Radbod. Auf der Zeche.Radbod" bei Hamm explodierte vorzeitig eine Sprvugladung. Durch die umher» fliegenden Gesteinsmassen wurden vier Arbeiter lebenS« gefäbrlich verletzt. Die Rache des Verschmähte«. Am Sonntagabend yegen 7 Uhr erschoß im Hausflur des Hotels.Zur Sonne" in W r s m a r der 22 Jahre alte Seemann Karl P r n e s s i n g das aus Schwerin ge» bürttge 19 Jahre alte Dienstmädchen Klara Weber, weil e« seinen andauernden Liebesanträgen kein Gehör geschenkt hatte. Dann richtete der Mörder die Waffe auf sich selbst und verletzte sich durch einen Schuß in den Kopf so schwer, daß er bereits in der Nacht im Städtischen Krankenhaus gestorben ist. Dreifacher Mord und Selbstmord. In der Nacht zum Sonntag hat in R e i ch e n b e r g in Böhmen der Hausbesitzer Kaufmann Adolf Horn seine Gattin, seinen achtzehnjährigen Sohn und seine elfjährige Tochter erschossen. Horn, der nach der Tat S e lb stm o r d beging, scheint in einem An» fall von Geistes st öru n g gehandelt zu haben. Praktische Uebnngen im Massenmord. Wie die Petersburger Zeitung.Rußkij Jnwalid" meldet, stellt ein TageSbefebl de« Kriegs» Ministers Ssuchomlinow fest, daß während einer Schieß» Übung durch Artilleriefeuer 42 Infanteristen verwundet wurden. Der Ort, wo sich dies ereignet, wird in dem Befehl nicht genannt. Singegangene Dpuckfchnftai. Untersuchungen über die Brüste von 1000 norddeutsche« Frauen und Htädchen von Dr. F. Rothe. 3 M. F. C. E. Richter, Lockenwalde. Literarischer Ratgeber des Dürerbundes, herausgegeben von Dr. b. e. F. Avenarws. Verlag Georg D. W. Callweh, München. 3 M. Formen der Ehe, der Familie und der Verwandtschaft von F. Müller-Lher. 1,80 M.> geb. 2,60 M.— Die Familie von F. Müller« Lher. 5 M., geb. 6 M. I. F. Lehmann, München. eeBBneHHeHgHaemeaeaMHHnÄaBeBHro* Typographia. Unseren Mitgliedern sowie allen Interessenten tut Naohricht, � 6in Sonderzug nach Hamburg rar Hinfahrt bewillifft worden ist— Abfahrt Pfingsfc- sonnabend nachm. 5 Uhr vom Lehrter Bahnhof.— Fahrpreis 6.80 M. HUckfahrt nach Belleben. Die Teilnehmer an diesem Zuge müssen sich bis ram Donnerstag (Himmelfahrt), vormittags während der Uebnngsstnnde im Klabt) banne, Ohmstr. 2, bindend erklärt haben.(Siebe„Korrespondent".) Gäste willkommen. Der Toratand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, 10—2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— t Tätowierung entfernt Dr. Schünemann Spezialarzt für Hantkrankheiten Berlin, Oranienstr. 133. Restanratlon sofort billig, eventuell mit Verwaltung, Charlotlenburger User 64, an der Marchstraße. 82/9 wo.,.» gebm Hj�rlfahrt?� Zum Restaurant .,«liMi'gkfWoll"8trzli8deig II Tanzsaal— Kegelbahn— Kaffeeküche. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 1589b" Es ladet ergebenst ein Hanl Carorr. Gardinen- Irans Bernhard Schwarta Wallst. 13 (dreizehn) Erstklassige Bezugsquelle t Sardinen u. Teppiche ] Für Sommerwohnungen Metall-Bettsfellen Schlafdecken Halbwoll« mit blauer Bor- düre..... 130/180 cm gA M Halbwolle, grau-mellert, mit griechisch. 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(Ohne Gewltbf.)(Nachdruck verboten.) 233 339 Sl 443 741 097 1043[1000] 68 99 102 383 1804 13 722 821 27 34 901 2087 143 303 442 654 68 60 70 725 71 004 97 3097 143 245 327 623 32 652 64 726 4058 60[1000] 14 9 74 259 7 8 304 90 434 609[500] 612 82 766 810 73 98 3018 49 III 32 246 347[600] 65 849 900 33 V006 84 439 645 65 820 974 83 84 7031 34[1000] 98 234[500] 340 53 708 32 915 8294 314 79 414 86 603 14 90 09 622 876 9010 148 201 38 79 410 84 503 76 705 908 25 10112 36 06 393 682 643 763 878 978 11149 87 80 82 381 426 571 021 33 12168 84 406 540 606 9[3000] 17 59 899 13241 365[3000] 780 880 006 14083 263 743 48 909 29 31 13114 280 89 300 88 713 83 876 95 16010 144 93 235 397 445 721[1000] 93 804 095 17069 122 34 81 470 738 868 18039 153 344 011 18 25 68 93 745 813 19023 167 71 395[1000] 654 80 608 742 802 20023 184 298 317 560 853 712 959 21121 64 238 332 731[1000] LOS 22018 44 229 373[500] 629 608[600] 17 811 930 79 23181 71 261 70 Ol 497 613 87 874 998 24027 172 428 91 721 840(6001 25086 107 [500] 88 201 4SI 610 57 657 844 919 26948 178 91 258 325 461 62 346 27076 101 253 301 608 733 925 28051 169 332 48 49[500] 67 443 523 669 853 63 610 37 29042 155 258 650 807 69 991 3O042 97 329 614 609 708 21 60 92 08 802 6 968 67 3 1 031 180 97 252[1000] 605 743 890 3 2038 330 96 408 41[600] 83 738 43 45 85 95 866 33010[600] 117 99 259 367 877 031 34345 69 93 424 76[500] 644 48 606 52[600] 723 963 35244 02 458[1000] 644 631[3000] 65 86 36048[500] 128 283 661 786 91 937 37022 102[3000] 303 400 13 21 62[3000] 77 673[500] 633 707 10 811 12[3000] 927 38063 176 294 98 479 611 82 634 80[600] 848 985 3 9632 800 14 40033 53 108 71 237 38 350[600] 472 510 49 60 08 663 779 854 85 984 4X099 138 345 73 533 647 896 [500] 910 42121 212 17 80 326[500] 62 495 738[1000] 880 918[600] 43231 38 483 676 768 800 62[500] 903 64 93 44147 84[600] 242 74 303 3 620 OOS 826 98 99 [1000] 932 02 45010 38 634[600] 41 614 73 710 25 [600] 99 813 917 46108 228 376[600] 493 614 82 708 83 47038 67 148[600] 79 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6324 zu 600 il s, Zlehiing 5. Kl. 226. Kgl. Prenss. Lotterie. / Ziehung vom 13. Mal 1911 nachmlilags. Aaf Jede gezogene Hammer sind zwei gleich höht«e» wlnn» gefallen, nnd mar Js slner»af dl» Lest gleicher Hammer In den beiden Abteilangen I nnd II Kur die Gewinne Ober 140 Mark sind den betreffenden Kümmern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 8 67 80[600] 94 191 325 417 64[3000] 68 682 772 819 1012 98 109 290 432 818 68 86 971 2094 182 215 64 390 745 863 97 000 3068 79 105 201 62 88 303 430 624 00 695 753[1000] 066 4005 231 647 609 [3000] 807 963 75 5043 376 93 831 67 0090 97 161 310 424 43 61 682 85 079 707 885 82 920 7028 59 194 245 339 61 468 647 757 914 8060 135 71 247 394 447 608 93 612 14 744 68 867 017 9020 79 169 316 20 837 10041 60[600] 381 651 732 11040 61 170 98 224 316 98 649 740 48[600] 880 12027 108 445 61 84 [3000] 690 730 47[600] 91 861 91 98 13019 849 602 9 60 700 015 14130 318 87[40000] 616 62 638 68 762 903 18 75 15062 140 228 319 473 623 837 739 89 [500] 98 98 10162 264 800 440 662 647 700 20 23 [1000] 48 62 609 72 998 17196[600] 417 65 522 25 [600}- 66 64 824 953 18020 88 134 81 497 029[1000] 44 79 880 93 19049 ISO 258 352 431 663 755 911[600] 20054 78 90 186 214 308 12 619[600] 98 622 34 733 21041 186 482 94 641 69 840 22133 254 357 601 38 870 75 835 23066 173 89 377 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Berlin. Für de? gnjcraienteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Borwarl« Buchdruckerci u. Verlagsanstalt PaulEnnger«.Ca, Berlin gr.lll. 39. ZahrgW. 3. KeilM des Jonnärts" jpctlintt WsdlÄ Ücnttng. 11. M«i 1912. Partei- Angelegenheiten. Die neue Lokalliste ist der heutigen Nummer des„V o r w ä r t s" beigelegt worden und wiederum richten wir an die gesamte Arbeiterschaft das dringende Ersuchen, die Lolalliste mehr zu beachten als bisher. Wir können in unserem fortwährenden Lokalkampfe nur Erfolge erringen, wenn wir unsere Hauptwaffe, den L o k a l b o y k o t t, in der wirksamsten Weise benutzen. Jeden- falls dürfen wir niemals vergessen, daß für eine fruchtbringende Agitations- und Organisationsarbeit der Besitz freier Lokale die erste Vorbedingung ist. Dies wird uns am deutlichsten bei jeder Wahl vor Augen geführt. Darum ist es unbedingte Pflicht jedes Ar- beiters, alle Lokale zu meiden, die der Arbeiter- schaft zu Versammlungen verweigert werden. Beachtet die Arbeiterschaft diesen wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so mutz es uns ge- hngen, alle Lokale, die durch den Besuch der Arbeiterschaft erst ihre Existenz haben, auch zu VersammlungSzweckcn zu erobern. Wo uns aber Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen, bort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kampf um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Versammlungsrecht. Deshalb: Beachtet stets die Lokalliste! Ferner ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei allen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, datz das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Ver- bandes deutscher Gastwirtsgehilfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin, Grotze Hamburger Stratze 13/19. Tel. Amt III, 1313.) Außerdem ist es im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend noiwcndig, datz allen Verträgen mit Lokalinhabcrn eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, datz das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitgliedcr an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlins und der Kreise Nieder-Barnim, Teltow-Beeskow und Potsdam-Ost- Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzortc sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des„Vorwärts"; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aende rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. Die Lokalkommisston. Erster Wahlkreis. Heute, Dienstag: Oeffentliche Ver- fammlung.„Herrn v. Bethmanns StaatSkuust". Referent: Reichs- tagsabgeordneler PH. Scheidemann. Zweiter Kreis. Heute, Dienstag, abends 3Vz Uhr. in Habels Brauerei, Bergmannstr. S-7, Versammlung der 6."Abteilung. Vor- trag des Reichstagsabgeordneten Vaudert-Weimar. Steglitz-Frirdenau. Am Donnerstag(Himmelfahrtstag) findet ein Familienausflug nach Klein-Machnow— Teltowkanal— Stahnsdorf statt. Abfahrt mit der Wannseebahn um 19 Uhr vor« mittags bis Zehlendorf-Mitte. Nachmittags in der Waldschenke in Stahnsdorf(nahe der Schleuse) Kaffeelochen. Der BildungSausschutz. Grost-Lichterfelde. Heute, den 14. d. Mts., abends 3>/- Uhr. im Lokal des Herrn Borcherdt. Hortensienstr. 14, am Bahnhof Botanischer Garten: Ertrazahlabend für den neunten Bezirk. Der Vorstand. Pankow. Am Donnerstag, den 16. Mai(HimmclfahrtStag), findet eine Besichtigung des Pankower Wasserwerkes statt. Die Parteigenossen, welche hieran teilnehmen wollen, treffen sich früh 3'/z Uhr. Abfahrt erfolgt 10 Uhr bis Stolpe. Die Bezirksleitung. Alt-Glienicke. Am Mittwoch, den 13. Mai: Mitglieder- Versammlung deS Wahlvereins im Lokal von Henschel. Wichtige Tagesordnung. Der Vorstand. Johannisthal. Mittwoch, den 15. Mai, abends 8'/z Uhr: Mitgliederversammlung im Lindenhof(Jnh. Neubauer), Friedrich stratze 61. Der Vorstand. Niederschöneweide. Heute, Dienstag, den 14. Mai, abends 8'/z Uhr, Mitgliederversammlung des WahlvereinS bei Hauck, Hassel Werder- Ecke Fennstratze. Bortrag über„Schillers Werke". Der Vorstand. Borfigwalde-Witteiia». Heute Dienstag, abends 8Vs Uhr, in den„Borsigwalder Festsälen": Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Schütte. Die Bezirksleitung. Hohen-Schönhaufen. Heute Dienstag, abends 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen aus. Morgen Mittwoch, den 15. Mai: Oeffentliche Versammlung bei Rcyher, Berliner Stratze 93. Tagesordnung:.Sozialdemo- kraten im Dreiklassenparlament". Referent Genosse Georg U ck o. Tegel. Heute Dienstag, abends S1/., Uhr, in TrappS Festsälen: öffentliche Bersammluna. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Ouarck über:„Bürgerliche und sozialdemokratische Gemeindepolitik." — Am Donnerstag, den 16. d. M. veranstaltet der Bezirkswahlverein gemeinsam mit dem Arbeilermusikverein„Eintracht" eine Herrenpartie nach Schildhorn. Treffpunkt morgens>/zS Uhr bei Kienzler, Schlieperstr. 64. Abmarsch pünktlich 6 Uhr. Die Bezirksleitung. Zossen. Am Mittwoch, abends 7 Uhr. von Kurzner aus Handzettelverbreitung zu der am Sonnabend, abends 8 Uhr, stattfindenden öffentlichen Volksversammlung, in der Genosse Adolf Hoffmann über:»Kirche, Staat und Schule" spricht._ Berliner jVacbricbtm Frauen in der Armenbireltion. Die Zuziehung der Freruen zur Berliner Armendirektion bildete den wichtigsten Gegenstand ihrer gestrigen Sitzung der Armen- direktion. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Armendirektion hatten den Antrag gestellt, eine Subkommission einzusetzen, welche die für die Zuziehung von Frauen zur Armendirektion crforder- lichen Matznahmen vorzubereiten hat. In der Begründung gingen unsere Genossen von folgenden Gesichtspunkten aus: Nach der Städteordnung können allerdings nur stimm« fähige Bürger Mitglied einer Teputatioiz des Magistrats sein. Diese Bestimmung der Städtcordnuug ist aber für die Zugehörig- kcit zur Armendirektion nicht maßgebend, da nach dem Preußischen AuSftihrungsgesetz zum Rcichsgesetz über den Unterstützungs-Wohn- fitz für die Verwaltung der öffentlichen Armenpflege Deputationen I aus Mitgliedern des Gemeindevorstandes und der Gemeindever- � tretung zu bilden sind,„gceignetenfalls unter Zuziehung andere r fOrtseinwohncr". Der Gegensatz dieser Bestimmung zur Städteordnung ist ausdrücklich in der Miuisterial-Fnstruktwn vom 10. April 1871 anerkmmt, in welcher besonders hervorgehoben wird. datz die Wählbarkeit zu den Armen-Depuwtiouen„auf alle Orts- cinwohner ohne Unterschied ausgedehnt" worden ist. Danach ist zweifellos die Zulassung von Frauen zur Armen- direktion zulässig. Frauen sind schon seit Fahren vollberechtigte Mitglieder der Armenkommissionen. In Berlin haben wir jetzt 132 Aruicnpflegerinnen und zwar sind in 42 Armcnkommissionen je 1, in 31 je 2, und in 16 je 3 Frauen vertreten. Läßt mau sie zu den Armenkommissionen zu, so ist es nur folgerichtig, sie auch von der Armendirektion nicht auszuschließen. Schon lange fordern auch die Frauen ihre Zulassung als gleichberechtigte Mitglieder der Kom- Missionen der Armenverwaltung, und erst am Sonntag haben vieleTausendeBerlinerFraueningrotzenVolks- Versammlungen den Wunsch ausgesprochen, zu allen Berwal- tungs-Körperschaften zugelassen zu werden. Auch Stadtrat Münster- berg hat von jeher die Forderung der Zulassung der Frauen ver- treten. Die Anwesenheit der Frauen bei den Sitzungen der Armen- direktion kann nur der Armenpflege Nutzen bringen, da ja heute allgemein anerkannt ist, datz das Frauen-Element der Armenver- waltung nur nützlich ist. Zahlreiche preutzische Städte haben bereits Frauen in der Armendirektion, im ganzen etwa 30 Städte, darunter Breslau, Charlottenburg, Schöneberg. Berlin tut also nichts Neues, noch nichts Dagewesenes, wenn es Frauen zur Armen- direktion' zulätzt. Für den Antrag unserer Genossen trat nur ein bürgerlicher Stadtverordneter energisch ein. Dagegen klammerte man sich von anderer Seide besonders an juristische Bedenken, welche der Zu- lassung der Frauen entgegenständen; im übrigen seien da Haupt- sächlich juristische Fragen in der Armendirektion zu entscheiden und Frauen fänden hier keiw besonderes Arbeitsfeld. Dem wurde von unserer Seile entschieden widersprochen und es wurde schilietzlich der Autrag auf Einsetzung einer Subkomission angenommen, dieser Kommission aber aufgegeben, zunächst die Frage der rechtlichen Zu- lässigkeit der Zuziehung der Frauen zur Armendirektion zu prüfen. Hoffentlich gelingt es jetzt endlich, die Tore der Armendirektion den Frauen zu öffnen._ Die Polizei hat— das Kinderelend verboten! Was?! Verboten hat die Polizei das Kinderelend? Ja, wenn sie das könnte—! Da hätte sie mal eine Gelegenheit, sich nützlich zu machen. Aber leider ist es nur ein Bild des Kinder- elends, ein das Kinderelend illustrierendes Säulenplakat, datz einem Polizeiverbot zum Opfer ge- fallen ist. Wir meldeten schon, datz Hausbesitzer die Polizei ange- rufen haben gegen das Säulenplakat, das— von Käthe Kollwitz gezeichnet— zwei kindliche Jammergestalten dem Beschauer vor die Augen rückte. Der Propagandaausschutz für Groß- Berlin, der in den letzten Monaten und Wochen nicht müde ge- worden ist, in öffentlichen Versammlungen die Aufgaben des Zweck- Verbandes zu erörtern, hatte dieses Elendsbild seinen Versamm- lungsanzcigen beigefügt. Hausbesitzer ärgerten sich darüber und machten die Polizei mobil, indem sie behaupteten, das Bild sei ge eignet, aufreizend zu wirken. Wir hören, es soll ein Haus- besitzerverein aus dem Osten Berlins sein, der zu diesem eigen- artigen Mittel gegriffen hat, die Bevölkerung Berlins vor dem „aufreizenden" Anblick des im Bilde dargestellten Kinderelcnds zu bewahren. Der Polizeipräsident hat wie jetzt bekannt wird, den Hausbesitzern ihren Wunsch bereitwilligst erfüllt und tatsächlich das Plakat verboten. Gegen dieses Verbot hat der Propaganda- ausschutz den Beschwerdetveg beschritten. Man sieht, es ist immer wieder dieselbe Geschichte! DaS Elend ist da— und den Bestrebungen, von denen eine Eindämmung cr- wartet wird, widersetzen die sich, deren„Interessen" dabei ge- fährdet sind. Aber gezeigt soll das Elend nicht werden, mindestens nicht im Bilde, und über Aufreizung wird geschrien, wenn einer diese Dinge unverhüllt so darstellt, wie sie sind. Vielleicht erleben wir nächstens noch, datz auf Wunsch der Hausbesitzer die Polizei verbietet, die elenden Kinder selber auf die Strohe gehen zu lassen, wo ihr Anblick„aufreizend" wirken könnte. Der Wahre Jacob gelangt, wie uns die Buchhand- lung Vorwärts. Linden st r. 69, mittzuteilen bittet, in dieser Woche ausnahmsweise schon am Mittwoch- früh zur Ausgabe._ Herr v. Jagow auf dem Kriegspfade gegen die großen Hüte in den Theatcrlogen unterlegen. An die Leiter einer Reihe vornehmster Ber/liner Bühnen hatte der Berliner Polizeipräsident bekanntlich die Verfügung gerichtet, die nötigen Anordnungen zu treffen und durchzuführen, datz in näher bezeichneten Logen ihrer Theater(Lessingtheater, Deutsches Theater, Kleines Theater aisw.), ebenso wie jetzt schon im Parquett und in den Rängen, die Besucher ihre Hüte nicht aufbe- halten dürfen. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung, das Heitzt für jeden Fall der Duldung des Aufbchaltens von Hüten, wurde eine Geldstrafe von 100 Mark angedroht. Der Polizeipräsi- deitt erachtete die Verfügung im Interesse der öffentlichen Ordnung für notwendig. In der Beziehung sagte er in der Verfügung, es läge die Gefahr nahe, zumal bei der gegenwärtigen Mode der grotzen Tamenhüte, datz Besucher, denen die vor ihnen befindlichen Hüte die Bühnenaussicht versperren, durch den Ausdruck ihres Un- muts Störungen der öffentlichen Ordnung während der Lorstellung vcranlatztcn. Der Oberpräsident, bei dem die Theater-Direktoren ver- geblich Beschwerde einlegten, billigte das Vorgehen des Polizeipräsi- denken im Hinblick auf§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts und 8 6 des Polizeiverwaltungs-Gesetzes. Bemerkenswert ist aus seinen Erwägungen folgendes: Die Verfügung erscheine insbesondere durch die notorische Erfahrung begründet, datz in den dicht besetzten, ver- dunkelten Zuschauerräumen auch eine, an sich nicht bedeutende Störung den Anlatz zu einer, in ihren Folgen nicht übersehbaren Beunruhigung und Gefährdung des Publikums geben könnte. Die mit der Verfügung bedrohten Direktoren(Direktor Otto Brahm und Genossen) klagten nun gegen den Ober- Präsidenten beim Ober-Verwaltungsgericht. vor dessen dritten Senat am 13. Mai in der Sache verhandelt wurde. Für die Kläger legte Justizrat Jonas dar, daß die rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen für die angeführte Verfügung nicht vorlägen. Demgegenüber Venrat Geh. Regierung erat Klotz den Standpunkt des Polizeipräsidenten und des Oberpräsidenten. Ter 3. Senat des Ober-PerwaltungSgerichts unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. v. Strauh und Tornah hob nach längerer Beratung den Beschwerdebescheid des Oberpräfidenten auf und setzte die Verfügung des Polizeipräsi« deuten außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt: Es handele sich hier nicht um die Anwendung einer Verordnung. sondern um eine polizeiliche Verfügung. Eine solche sei nur gerechtfertigt, wenn die rechtlichen und tatsächlichen Voraus- setzungen vorlägen. Die rechtliche Befugnis zum Erlaß einer solchen Verfügung liege nur im§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts, wonach es Aufgabe der Polizei sei, die nötigen Vorkehrungen zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu treffen und das Publikum oder einzelne Teile desselben gegen bevorsteheiche Gefahren zu schützen. Die Verfügung wäre nur gerechtfertigt, wenn die Gefährdung, hier die von Leben und Gesundheit, durch dasjenige, was verboten werde, drohe. Und die tatsächlichen Voraussetzungen würden dann vorliegen, wenn Umstände vorhanden wären, welche eine solche bevorstehende Gefahr für Leben und Gesundheit a l s wahrscheinlichaus dem, was ver boten werde, her- vorgehen ließen. Der Senat habe sich aber nicht davon über- zeugen können, datz im allgemeinen die Wahrscheinlichkeit einer Ge- fährdung von Leben und Gesundheit der Theaterbesucher entstehen könne aus dem Umstände, daß solche Hüte getragen würden und daß sich daran Erörterungen im Publikum anknüpfen können. Des- halb müsse die Verfügung des Polizeipräsidenten als unge- rechtfertigt außer Kraft g efctzt werden.-- Kirfchner-Rcalfchule. Zu dem Beschluß des Magistrats, daß die neue vierte Oberrealschule nebst Realgymnasium in Moabit den Namen„Kirschner-Oberrealschule nebst Realgymnasium(Frankfurter System)" tragen soll, hat der Minister der geistlichen und Unterrichts- angelegenheiten seine Genehmigung gegeben. Der Hnmannplntz(Verlängerung der Pappelallee nördlich der Ringbahn) ist der anwohnenden Bevölkerung endlich freigegeben worden. Die Platzanlage übertrifft den Dönhoffplatz an Umfang und ist die erste grotze Schöpfung de? neuen Gartendirektors. Eine Fülle von Blumenbeeten, im ersten Grün prangende Hecken, üppige Rasenflächen schmücken den Platz, in dessen Mite ein großer Raum als Kinderspielplatz freigelassen worden ist. Die Anlegung und fertigstcllung deS Platzes ist so schnell möglich gewesen, da die osten der gärtnerischen Anlage zum grotzen Teil von einer in der dortigen Gegend interessierten Terraingesellschaft übernommen wurden. BerzweiflGigstat einer Mutter. Sonntagmittag wurden aus dem Teltolo-Kanal die zusammengebundenen Leichen der 30 Jahre alten Ehefrau Marie Krüger und ihrer beiden Kinder, eine? Knaben und eines Mädchens im Alter von 3 und 1)4 Jahren geborgen und nach der Leichenhalle in Niedcrschöneweide-Johannisthal gebracht. Eheliche Zwistigkeiten haben die Frau zu dieser Schreckenstat ver« anlaßt. Ucber die Tat werden folgende Einzelheiten gemeldet: Als Sonntagvormittag gegen 11)4 Uhr ein Charlottenburger Kauf- mann mit mehreren Bekannten vom Flugplatz Johannisthal kom- mend den Telww-Kanal bei Rudow entlang ging, sah er plötzlich auf dem Wasser einen dunklen Gegenstand treiben. Beim ge- naucren Hinsehen erkannten die Herren, datz es eine weibliche Leiche war. Als man diese langsam aus dem Wasser zog. entdeckte mana zum Entsetzen, daß noch zwei Kinderleichen, durch Stricke bc- festigt, daran hingen. Die sofort benachrichtigte Polizei stellte als» bald fest, datz es sich um die 30 Jahre alte Ehefrau Marie des Arbeiters Krüger aus der Parkstratze 8 in Johannisthal und deren beide Kinder, den 3 Jahre alten Sohn Otto und die 1�4 Jahre alte Tochter Meta handelte. Wie weiter ermittelt wurde, hatte Frau Krüger, die stark zu Hysterie neigt, am Sonnabend vor 3 Tagen mit ihrem Mann einen Zwist gehabt, der aber bald beigelegt wurde und anscheinend ruhig hatte sich die Frau zu Bett gelegt. In der Nacht aber war sie heimlich aufgestanden, hatte schnell die Kinder angezogen und sich auS der Wohnung entfernt, ohne daß der Mann etwas davon bemerkt hätte. Erst am frühen Morgen entdeckte cr das Verschwinden von Frau und Kinder. Alles Suchen nach dem Verbleib der Vermißten blieb vergeblich, bis man sie gestern als Leichen aus dem Kanal landete. Der Pariser Autoapache Garnier sollte ein junger Mann sein. der am Sonnabend von der Kriminalpolizei in der Potsdamer Stratze festgenommen wurde. Der Sistierle wurde aber als der 19 Jahre alte— Garnier ist 23 Jahre alt— aus Ostpreußen stammende Paul I. rekognosziert. Er hat sich die letzten Jahre in Paris aufgehalten, sich dort die französische Sprache angeeignet, und kam vor vierzehn Tagen nach Berlin, wo er zusammen mit seiner Geliebten, einer Französin, in einem Pensionat in der Potsdamer Straße Wohnung nahm. Hier hat er noch mit einer Frau Umgang angeknüpft, die ihn jetzt loswerden wollte und daher der Polizei mitteilte, datz der junge Diann höchstwahrscheinlich Garnier sei. Der Sistierte wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Auf einen mutmaßlichen Kindesmord läßt ein Fund schlietzen. den man gestern im Spandaucr Schiffahrtskanal machte. In der Nähe der Berliner Elektrizitätswerke sahen Vorübergehende die Leiche eines neugeborenen Mädchens auf dem Wasser treiben. Sie landeten sie und übergaben den grausigen Fund der Revierpolizei, die die kleine Leiche nach dem Berliner Schauhause bringen lietz. Sie ist schon so stark in Verwesung übergegangen, datz sich nicht mehr be- stimmt feststellen läßt, ob ein Verbrechen vorliegt. Ucber einen schweren Automobilunfall wird gemeldet: Der 27 Jahre alte Ingenieur Karl Poensgen, der in der Joachims- fihaler Stratze in Charlottcnburg wohnte, unternahm am Sonntag in Begleitung seines 32 alten Bruders, des Assessors Albert Poens- gen. und einer Dame eine Automobilfahrt. Das Steuer führte der Chauffeur Steiner. Als man sich in der Nähe von Rheinsberg bc- fand, sauste der Kraftwagen gegen einen Prellstein und die vier Insassen wurden auf die Chaussee geschleudert. Karl Poensgen und der Chauffeur Steiner ivaren auf der Stelle tot, die Dame und der Assessor Poensgen sind mit leichteren Verletzungen davon- gekommen. Die indische Bölkerschau von Gustav Hagenbeck sollte bekanntlich im Treptower Park linterkommen finden. Die Stadtverordneten- Versammlung machte aber am letzten Donnerstag einen Strich durch diesen Plan. Hageubeck war der Zustimmung der Stadlverordnclen etwas zu sicher gewesen, denn an, Freitag früh waren schon alle Vorbereitungen zur Herstellung der nötigen Unterkunftsräume ge- troffen; Hagenbecksche Wagen standen schon am Schlesischen Tore mit den benötigten Utensilien und Arbeiter waren schon bestellt. Jetzt soll das Unternehmen anderswohin kommen, wohin ist noch nicht klar. Vom Gewitter überrascht und ertrunken. Die 22 jährige Tochter des Justizrats Dr. Wilhelm Rothe in Neu-Babelsberg unternahm Sonntag gegen Abend noch allein eine Ruderpartie auf der Havel in einem Privolboot. Sie wurde vom Gewitter überrascht und als man, über ihr langes Ausbleiben beunruhigt, Nachforschungen an- stellte, ivurde das Boot kieloben treibend in der Nähe der Anlege- stelle Neu-BabelSberg aufgefunden, Es ist wahrscheinlich, datz Fräu- lein R. in dem Unwetter die Herrschaft über das Boot verloren und den Tod in den Fluten gefunden hat.— Air der Treptower Brücke angelte Sonntag nachmittag der siebenjährige Knabe Artur Fritsche vom Markgrafenbanun 8 mit mehreren AlterZaenossen. Der Kleine verlor dabei das Gleichgewicht, stürzte dabei die steile Böschung hinab und ertrank. Die städtische Schuldeputation hat in einer Rundverfügung an die Leiter der Gemeinde« und Hilfsschulen erneut auf die Wichtigkeit der Atemübungen(das 10 Minuten-Turnen) während oder nach den Pausen und auf die richtige Durchführung dieser Uebungen hingewiesen. Es soll unbedingt daran festgehalten werden, daß nur im Freien geübt wird. Da tiefes Einatmen von ver- branchter Luft schädigend auf den Körper wirkt, so sollen, wenn lvegen schlechten Wetters oder zu groster Hitze beziehungsweise Kälte oder wegen besonders heftiger Ost- und Nordwinde das Ueben im Freien nicht möglich ist, die Uebungen bei offenen Fenstern im Klassenzimmer vorgenommen werden, nachdem dieses gründlich in Abwesenheit der Kinder durch Zugluft gelüftet ist. Im allgemeinen soll allerdings Klassenturncn vermieden und ein Massenturnen in großen, den ganze» Schulhof füllenden Gruppen angestrebt werden. ES wird ferner darauf hingewiesen, daß auf tiefes Atmen und straffe Hak tung der größte Wert zu legen ist, daß beim Beugen des Körpers nach vorn oder der Seite natürlich auszuatmen, beim Aufrichten einzuatmen ist, und daß unbedingt das Einatmen durch die Nase zu fordern ist. Ferner soll die Abteilung mit dem Rücken gegen den Wind ausgestellt werden. Außerdem wird empfohlen, am Schluß die einzelnen Reihen im Laufschritt und Gegenzug eine kurze Zeit zu bewegen. Die Schuldeputation spricht auch den Wunsch aus, daß sowohl der leitende wie die übrigen Lehrer im Jntereffe der eigenen Gesundheit wie als Ansporn für die Kinder die Uebungen selbst mit- machen. Das Stelldichein im Polizeipräsidium. Unter dem dringenden Verdacht, bei einem nächtlichen Abenteuer einen etnxrs angeheiterten Herrn um 400 Mark erleichtert zu haben, wurde kürzlich ein junges Mädchen, das sich Else Körner nannte, verhaftet und von der Kriminalpolizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Bald darauf erschien die Holde wieder im Polizeipräsidium. Es ergab sich, daß sie einstweilen wieder auf freien Fuß gesetzt, vor die Polizei aber nicht wieder vorgeladen war. Nach ihrem Begehren befragt, erklärte sie, daß sie auf ihren Bcrter warte, um sich gemeinsam mit ihm über ihre„unschuldige Verhaftung" zu beschlveren. Man beachtete sie nun nicht weiter, und seitdem erschien sie fast Tag für Tag wieder in diesem oder jenem Gang deS großen Gebäudes, um nach kurzem Aufenthalt wieder zu verschwinden. Inzwischen hatte sich die Kriminalpolizei in Dresden, wohin Spuren der Verdächtigen wiesen, nach dieser erkundigt und erfahren, daß sie nicht Else Körner heißt, sondern eine gewisse Gertrud Jeloneck ist, die auch in Dresden sckon Diebstähle dieser Art verübt hat. und deshalb gesucht wurde. Als sie sich jetzt wieder im Polizeipräsidium blicken ließ, wurde sie von neuem verhaftet. Jetzt kam auch heraus, was ihr häufiger Besuch dort zu bedeuten hatte. Das unternehmende Mädchen erwartete auf den Gängen des Dienstgebäudes keineswegs ihren Vater, sondern bald diesen, bald jenen Liebhaber, mit dem sie sich verabredet hatte. Meistens waren es ältere Herren, die sich entschlossen hatten, sich ihrer Führung durch Berlin anzuvertrauen. Was sie veranlaßte, gerade diesen etwas auffallenden Platz zum Stelldichein auszu- suchen, will sie nicht sagen. Wahrscheinlich hat sie ihn unter aller- Hand Vorspiegelungen gewählt, um ihren Liebhabern besonderes Vertrauen einzuflößen. Einen Kautionsschwindcl eigener Art betreibt seit einiger Zeit ein unbekannter Mensch besonders in Neukölln. Er tritt nur Sonnabends auf und hat es auf junge Burschen abgesehen, die mit ihrem Wochenlohn von der Arbeitsstelle kommen. Vorgestern fielen ihm wieder in Neukölln eine Anzahl Burschen auf einmal in die Hände. Der Gauner ging an sie heran und sagte:„Hört mal Jungcns, wollt Ihr noch etwas verdienen? Ich bin der Konfitüren- Händler Soundso und habe heute abend noch rasch mehrere Rech- nungen bei Kunden einzuziehen. Es find zu viel, ich werde damit allein nicht fertig und brauche- Hilfe. Wenn Ihr das besorgen wollt, so will ich Euch anständig dafür belohnen, Ihr müßt mir aber, damit Ihr mir mit dem Gclde nicht durchgeht. Euren Wochcnlohn als Bürgschaft geben." Die Burschen freuten sich, zu ihrem Lohn rasck noch etwas hinzuverdienen zu können und fielen auf den Trick des Schwindlers hinein. Sie vertrauten ihm ihren Lohn als Bürgschaft an und sahen später, als sie zu dem bezeichneten Kunden kamen, daß die Quittungen gefälscht, und daß sie das Opfer eines abgefeimten Schwindlers geworden waren. Sie'waren auf die Werbung um so lieber eingegangen, als der Gauner ihnen ver- sprachen hatte, daß er sie bei zufriedenstellende« Leistungen in seinem Geschäft gleich anstellen werde. Zwei junge Sclbstmilrderinntn. Mit t4 Jahren in den Tod gegangen ist die Schülerin Wally Raming, die Tochter eines Kauf- manns aus der Warschauer Sraße 8. Das Mädchen nahm häufig Gespielinnen mit in die elterlich« Wohnung. In der vergangenen Woche kam nun der Mutter ein kostbarer Ring weg. Sie vermutete, daß eine der Freundinnen ihrer Tochter ihn heimlich mitgenommen haben könnte und verbot daraufhin dem Mädchen den weiteren Um- gang mit allen ihren Spielgenossinnen. Um ganz sicher zu gehen, daß ferner jede Berührung mit ihnen vermieden werde, hielt sie die Tochter seit vier Tagen in der Wohnung eingeschlossen. Ms nun gestern Frau R. mit ihrem Sohne ausgehen mußte, war das Mädchen allein in der Wohnung. Es schloß jetzt einen Gashahn auf, nahm den Schlauch in den Mund und vergiftete sich. Bei seiner Hemkchr fand der Bruder abends um 8 Uhr keinen Einlaß. Er eilte deshalb zur Mutter und holte auch sie nach Haus«. Als man jetzt eintrat, fand man das Mädchen tot auf dem Fußboden liegen. Ein Arzt von der Hilfsivache in der Warschauer Straße machte mit einem Sauerstoffapparat Wiederbelebungsversuch«, die jedoch ohne Erfolg blieben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht,— Ebenfalls mit Leuchtgas versuchte sich das 18 Jahre alte Dienstmädchen Elise Risiow, die bei einem Möbel- händlcr in der Zehdenicker Straße seit einem Vierteljahr in Stellung ist, daS Leben zu nehmen. Die Hausfrau gab dem Mädchen am Sonnabend 28 Mark, damit sie eine Rechnung be- zahle. Das Mädchen verlor das Geldstück. Als es Vorwürfe erhielt. weil es das Geld nicht sorgfältig aufbewahrt habe, nahm es sich das so zu Herzen, daß es beschloß, seinem Leben ein Ende zu machen. Während der Mann im Geschäft zu tun hatte und die Frau sich in der Nebenstube aufhielt, öffnete sie einen GaShahn in der Küche und nahm ebenfalls den Schlauch in den Mund. Bald darauf fand die Frau die Lebensmüde bewußtlos daliegen. Einem Arzt gelang es, sie wieder zum Bewußtsein zu bringen und zu retten. DaS Zwanzigmarkstück wurde bald darauf neben dem Müllkasten auf dem Hofe gefunden. Das Mädchen hatte gleich nach seinem Empfang den Mülleimer ausgeschüttet und hierbei das Geld verloren. Ein Kapitalverbrechen, das im Herbst vorigen JahreS auf einem Gut in Klein-Ziethen bei Eberswalde verübt wurde, und mit dem sich auch die hiesige Kriminalpolizei zu beschäftigen hatte, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Von einem Gut in Klein-Ziethen ver. schivand plötzlich eine polnische Frau, die mit Landarbeitern dort beschäftigt war. Die Annahme, daß ein Verbrechen vorliege, gab man bald auf, als man erfuhr, daß von einem benachbarten Gut zu gleichen Zeit ein polnischer Schnitter verschwunden war. Die Heimatsbehörde der Verschwundenen erkundigte sich zwar später nach dem Verbleib der Frau, doch glaubte auch diese, als man ihr auch das Verschwinden des Schnitters mitteilte, daß beide gemein- schaftlich losgezogen seien. Bis heute hörte man weder von der Frau, noch dem Manne etwas. Vorgestern ging nun ein Kuhmeller von dem Gute in Klein-Ziethen. wo die Vermißte angestellt war. nach seiner Rübengrube, um auS dieser Rüben zu holen. Als er auf dem Boden angekommen war, fand er zu seinem Erstaunen eine aänzlich in Verwesung übergegangene Leiche. An den Kleidungs- stücken erkannte man sofort, daß die dort Vergrabene die ver- fcbwundene Frau war. Die dortigen Behörden wurden jetzt davon ,n Kenntnis gesetzt, die die Suche nach dem Schnitter aufgenommen haben. Es konnte auch festgestellt werden, daß dieser Beziehungen zu der Frau unterhalten und wiederholt erpresserisch gegen sie vor- gegangen ist. Wahrscheinlich hat dieser sie in einem Streit auf dem Felde erschlagen und in der Rübengrube verscharrt. i' Hilflos aufgefunden fiiürsse önr Sonnabend' abend vor dem Hause Spandauer Straße 17 zu Charlottenburg eine unbekannte Frau von etwa 80 Jahren, die ihrer äußeren Erscheinung nach wohl dem Mittelstande angehört. Sie wurde bewußtlos nach dem Krankenhaus auf Westend gebracht und starb dort bald nach ihrer Aufnahme. Die Leiche wurde dem Schauhause in Charlottenburg zugeführt. Die unbekannte Tote ist 1,67 Meter groß, hat graues Haar und diwckelblaue Augen und trug einen schwarzen Hut, der mit Veilchen garniert ist. ein schwarzes Kleid und schwarze Schnürschuhe. Eine Poliklinik für Skrofulöse und Tuierkulose hat Herr Dr.med. Karfunkel 0., Koppenstr. S, dicht am Schlestschen Bahnhof, eröffnet. Regelmäßig zweimal wöchentlich, Montags und Donnerstags von SV, bis 4 Uhr, werden Skrofulöse und Tuberkulöse jeder Art (Lungen-, Haut-, Knochen«, Gelenk-, Drüsenkranke) unentgeltlich be- handelt werden. Bon einem Wüstling überfallen wurde am Sonnabend äbend gegen 11� Uhr in der Fichtestraße zu Steglitz, in der Nähe des Botanischen Gartens, eine Frau B.. die in der Feldstraße zu Steg- litz Verwandte besucht hatte. Ein bisher noch unbekannt gebliebener Mensch überfiel sie unvermutet und versuchte sie zu vergewaltigen. Auf ihre Hilferufe jedoch entfloh er, ohne der Frau Gewalt angetan zu haben und entkam. Der Unhold ist ungefähr 25 bis 26 Jahre alt und etwa 1,70 Meter groß, hat schwarzes Haar und ein Anflug von Schnurrbart und trug einen dunckeln Anzug und einen schwarzen Ueberzieher. i■ Großfeuer in der Großen Frankfurter Straße. Durch dreifachen Mann wurde die Feuerwehr Sonntag vormittag 10'/, Uhr nach der roßen Frankfurter Str. 121 im Nordosten Berlins ge- rufen. Bei Ankunft der Löschzüge stand der Dachstuhl des Vorderhauses in ganzer Ausdehnung in Flammen. Das Feuer muß schon längere Zeit unbemerkt geschwelt haben und drohte auch auf den Dachstuhl de« angrenzenden Seitenflügels überzuspringen. Brandmeister Foth ließ über zwei mechanische Leitern und die Treppen hinweg vorgehen und mit drei Danipffpriyenrohran Wasser geben. Trotzdem dauerte es über eine Stunde, ehe die Gefahr beseittgt war. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist fast vollständig zerstört. Auch die Wohnungen im vierten Stock haben durch Waffer stark gelitten. Die Aufräumungsarbetten waren erst in der dritten Rachmittagsstunde beendet.— Ein anderer Dach- stuhlbrand beschäftigte die Wehr in der Nacht zum Sonntag in der Königstraße 47, Ecke Hoher Steinweg am Rathaus. Hier lag der Brandherd im Dachgeschoß des Ouergebäudes. Die Mieter dieses Hauses gerieten in ernste Gefahr, da die Treppen und Woh- nungen stark verqualmt wurden. Auch der Hof war in undurch- dringlichen Rauch gehüllt. Mehrere Frauen und Männer wurden Über die Treppe in Sicherheit gebracht. Die Hauptursache der kolossalen Verqualmung lag darin, daß sich im Innern deS Gebäudes ein großer Schacht befindet, der vom Erdgeschoß bis zum Dach reicht und den Rauch anzog. Der Löschangriff erfolgte beim Schein von Magiiesiumfackeln mit fünf Schlauchlertungen. Erst nach ein- ftündiger Löschtäligkeit war der Brand gelöscht und auf den Dachstuhl !>es Ouergebäudes beschränkt. Die Ursache der beiden Brände steht noch nicht fest.— Im Hause Große Frankfurter Str. 123 kam gestern vormittag kurz nach S Uhr schon wieder ein großer Dachstuhlbrand zum Ausbruch. Der Brandherd lag wieder im Dach- geschoß des VordergebäudeS. Die Feuerwehr war bald mit zwei Löschzügen zur Stelle und eröffnete sofort einen umfassenden Lösch- angriff. Sowohl über mechanische Leitern, wie über die Treppen wurde vorgegangen und mit drei Schlauchleitungen Wasser gegeben. Immerhin dauerte es fast ein« Stunde, ehe das Feuer gelöscht war. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist größtenteils vernichtet. Wie angenommen wird, handelt es sich hier, wie im Hause Große Frank- surier Str. 121, um Brandstiftung. Die Ermittelungen in dieser Richtung find eingeleitet. Gesunden wurde am Freitagabend nach Schluß der Versamm- lung in der Urania an der Ecke des Mariannenparkes, wo der Polizeiangriff erfolgte, ein wollenes Umschlagetmh; eS kann im Lokal von Scholz?. Treptow. Graetzstr. 40, abgeholt werden. Vorort- JVaebnebteü. Pankow. Der letzte Wahltag. Diejenigen Gemeindewähler. die bisher ihr Stimmrecht noch nicht ausgeübt haben, wollen heute. D i e n» t a g, den 14. Mai, dem letzten Wahltag, ihrer Wahlpflicht genügen. Die Gegner arbeiten mit Hochdruck, nm unseren Kandidaten, den Genossen E i ch l e r und F e n g l e r den Sieg streitig zu machen. Die Bürgerlichen haben bisher 003, unsere Kandidaten erst 767 Stimmen. Arbeiter, Parteigenossen I Macht die« vorhaben zuschanden, indem ihr auch den letzten Säumigen veranlaßt, sein Wahlrecht au« zuüben und seine Stimme den schon einmal gewählten, von den Bürgerlichen aber au» nichtigen Gründen für ungültig er- klärten sozialdemokratischen Kandidaten zu geben. Die Wahl findet von mittag» 12 bi» abends 8 Uhr in der II. Gemeinde- schule. Grunowstraße, statt. Diejenigen Genossen, die es irgend ermöglichen können, sich zu den Wahlarbeiten zur Verfügung zu stelle», wollen sich bei Ebersbach(Kurfürsten), Berliner Str. 102, ein- finden.__ Lichtenberg. Zu dem vrandunglück in den Siemens-Werken wird aus Arbeiter kreisen noch folgende« berichtet: Arn Freitag ist das zweite Opfer der Katastrophe beerdigt worden. Die Arbeiter selbst find der Anficht, daß dieses Unglück hätte vermieden werden können, denn schon bor längerer Zeit hat einer der Verunglückten(Heizer Januschek) erklärt, daß beim Ver- brennen dieser Explosivstoffe noch einmal jemand zu Schaden kommen könne. Der Direktion ist das anscheinend auch bekannt gewesen. denn nur so läßt sich die sofortige Umänderung der Feuerung er- klären. Auch die Behandlung der Verunglückten hat berechtigte Erregung bei den Arbeitern hervorgerufen. Zwar wird berichtet, die Verletzten seien in der eigenen Unfallstation verbunden worden—, wie aber steht es tatsächlich damit? Als Heilgehilfe fungiert jemand, der als Schreiber in einer entfernten Abteilung beschäftigt ist; als man zum Verbinden schritt, stellte sich heraus, daß nicht einmal genügend Watte vorhanden war. Man suchte solche dann au« allen Ab- teilungen. die sonst zum Verpacken benutzt wird, zusammen. Erst nach einer Stunde traf der Krankenwagen ein, während sich die Verletzten unter ungeheuren Schmerzen krümmten, untr das. trotz- dem zwei Automobile im Schuppen standen, die zum Transport hätten benutzt werden können. In dem Betriebe scheint es um den Schutz der Arbeiter über- Haupt nicht gut bestellt zu sein, denn an dem betreffenden Tage er- litten nicht weniger als sechs Arbeiter innerhalb einer Stunde zum Teil recht schwere Unfälle. Drei bei dem Brande, einem wurde beim Riemcnauflegen der Arm zweimal gebrochen, einem anderen ein Finger von der Maschine weggeriffen, und der sechste wurde vom Pferde geschlagen. In einem Betriebe mit zirka 1600 Beschäftigten sollte tatsächlich beffere Fürsorge bei eventuell eintretenden Unfällen vorhanden sein. Würden sich Betriebsleitung und deren Organe etwas mehr um die Sicherheit im Betriebe kümmern, anstatt die Agitation für die gelbe Unterstützungsbereinigung zu betreiben, dann dürfte die Zahl der Unfälle weniger groß- sein, die namentlich unter dem gelben Regime ganz ungeheuerlich gewachsen ist. Friediichsfelde. AuS der Gemeiudevertrctung. Die Schülerzahl in der t. Volks- schule ist in den letzten Jahren dauernd gestiegen, sodaß sich die Ein- richtung von drei fliegenden Klasien notwendig gemacht hat. Aber auch die Mädchenschule hat an Schülerzahl gewonnen und deshalb ist man zur Einführung von einigen gemischten Klassen geschritten. Im Ortsteil Karlshorst macht sich gleichfalls die Anstellung einer neuen Lehrkraft notwendig. Dort sind aber die Räume der vierten Volksschule, soweit sie bisher nicht von den Vollsschülern besetzt wurden, von der höheren Schule eingenommen. Seinerzeit wurde allerdings gesagt, daß der Volksschulbetrieb darunter nicht leiden werde. Jetzt aber muß schon eine Volksschulklasse nach der dritten Schule verlegt werden. Hoffentlich beschleunigen die in Be- tracht kommenden Kommissionen ihre Arbeiten so, daß die neu zu erbauenden Schulen, wie zugesichert ist, Ostern 1013 fertig find. Einen sonderbaren Umstand brachte Genosse Pinseler zur Sprache. Er hat beobachtet, daß Schulräume von einem Verein benutzt wurden, wovon offenbar der Dezernent für das Schulwesen keine Kenntnis hatte. Nähere Aufklärung hierüber wäre sehr erwünscht. Die Neuregelung der Beamtengehälter, die auch schon wiederholt auf der Tagesordnung gestanden hat, wurde nunmehr glücklich zu Ende ge- führt. Einzig in seiner Art war hierbei da? Austreten eines neugewählten bürgerlichen Vertreters, der, offensichtlich in der Absicht, seinen Wählern auS dem Kreise der Beamtenschast seinen Dank abzustatten, eine höhere Aufbesserung der Gehälter beantragte, als in der KommisstonSvorlage vorgesehen war. Daß der Herr lediglich den Zweck verfolgte, nach außen zu wirken, konnte man einmal daraus deutlich erkennen, daß er sich mit seiner Begründung lediglich an die zahlreich im Zuhörerraum anwesenden Beamten wendete, dann aber auch daraus, daß er sich von den verschiedenen KommissionSmit- gliedern ins Gesicht sagen lassen mußte, er habe selbst für die KommisstonSvorlage gestimmt. Genoffe Oehlert griff seinen Antrag, mit dem er in der Kommission nicht durchgedrungen war. wieder auf, in- dem er für die unteren Beamten eine gleiche Aufbesserung ihrer Bezüge forderte, wie sie den mittleren zuteil geworden sei; während Genosse Pinseler für die Gärtner eintrat, die sich an den Gemeinde- Vorstand wegen Aufbesserung gewandt haben, aber gar nicht erwähnt wurden. Ferner regte er an, man möge die außerordentlichen Hilfs- kräfte, die mit 80,'90 und 100 M. abgefunden würden, in Zukunft auskömmlich bezahlen. Um einer nochmaligen 5kommisfionSberatung auS dem Wege zu gehen und endlich zu einem Abschluß zu kommen, wurden schließlich alle AbänderungSanträge zurückgezogen und die Vorlage einstimmig angenommen. Trevtow-Baumschulenweg. Eine Schröpfung der Berliner Ausflügler plant am Himmel- fahrtstage der Vaterländische Frauenverein. Und zwar soll dies durch Veranstaltung eines der.beliebten' Papierblumcntage ge- schehen. Der Ertrag soll der Krippe des Vereins zufließen. Damit aber auch kein hiesiger Bürger den jugendlichen Blumenverkäuferinnen entgehen kann, ist die Sammlungstätigkeit gleich auf zwei Tage, den 15. und 18. Mai, ausgedehnt worden. Der Vaterländische Frauen- verein bezieht zur Unterhaltung seiner beiden Schwesternstationen und der Kinderkrippe im Berliner Ortsteil einen jährlichen Gemeinde- Zuschuß von 1300 M. Pflicht der Gemeinde wäre cS, die Kranken- und Kinderfürsorge selbst in die Hand zu nehmen, damit dieselbe nicht von dieser öffentlichen Bettelei abhängig ist. Bohnsdorf. Ueder die Stellung der Partei zu den Produktiv-, Konsum- und Baugenossenschaften referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse H u b e r- Neukölln. In der dem Vortrage sich anschließenden Diskussion würdigte Genoffe Schiffke die Ver- dienste der Arbeiter-Baugenossenschaft.Paradie«' auf dem Gebiete der Wohnungspflege. Schon jetzt habe dieselbe 85 den weitgehendsten Ansprüchen hygienisch genügenden Arbeiterwohnungen aesidaffen und noch in diesem Sommer würden weitere 25 Einfamilienhäuser fertiggestellt. Hierauf berichtete Genoffe Schiffke über die Verhandlungen in der Gemeindevertretung. Beschlossen worden sei. daß bei Erteilung von Bauerlaubnis die Anlieger die Pflasterkosten für den Bürgersteig und die halbe Straße zu hinterlegen haben. Für den Friedhof soll an Stelle des geplanten Brunnens eine Wasser- leitung angelegt werden. Der Kassenbericht vom dritten Quartal weist ewe Einnahme von 178,74 M. und eine Ausgabe von 186,69 M. auf. Für die Reichstagswahl war eine Einnahme von 72,60 M. und eine Ausgabe von 59.10 Wl. zu verzeichnen. Das Stiftungsfest des Wahlvereins findet im Juli statt. Rummelsburg. Im CafS vcllevue ist am Sonntag bei der Veranstaltung des Frauentages ein kleine? Damenportemonnaie mit Inhalt gefunden worden; dasselbe kann bei Max Primm, Rummelsburg. Alt- Boxhagen 52, abends zwischen 8 und 7 Uhr, in Empfang genommen werden._ Eingegangene Druchrchnftcn. Die aufgeklärte Ttrau, ein LebenSbuch von Trutzka von LagienSki. Mit Illustrationen. 3 M. Berlin, Hugo Bermühler Verlag. Kur Frage der Untervermietung tn Leipzig von O. Meihgcier. 30 Pf.— Da» KtellcnvermittelungSgesetz uud seine Bedeutung sür die öffentlichen«rbeitsnachweise von A. DominicuS. 50 Ps.— Zur Geschichte des öffentlichen aemeinnüuigen Arbeitsnachwetfes in Leipzig von D. W. Wick. 1,50 M.— Kritische Studien zur Literatur und Quellenkunde der Wirtschaftsgeschichte von Dr. K. Bräuer. 2,40 M.— Ludwig Börne als Student der Kameralwiffenschaften von Dr. L. Zintlin. 50 Pf.— Der AbbS Waliant als National- ökonom, Politiker und Philosoph von Dr. W. E. Biermann. 1,80 M. — ttntersiichungeu zur Geschichte deS Objekts direkter Steuer» von Dr. B. Moll. 50 Pf.— Veit u. Co., Leipzig. WttterungSSbersicht vom IS. Mai I9lt. Swlnemde Hamburg Berlin Franks.a.M München Wie» 755iB ISSÄRW 757NW 7kl>NO 760-SW 757! 5 wolkig ghalb bd. �bedeckt Lchedeckt 5 bedeckt Zweiter taparanda elersburg scilly Aberdeen Paris 746 910 743; SSO 765NO 765.28918 76423 38 4 bedeckt ARegen wolkig 4;heitcr eiter Wetterprognose fiir DienStag. de« 14. Mai ISIS. Nacht« über kühl, am Tage wieder etwas wärmer, vielfach heiter, ader noch veränderlich bei ziemlich jrsschen westlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureou. WafferstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verlwer Wctterbureau. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, JnfterLurg Weichsel, Thor» Oder, Rasibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elb«, Leitmcntz , DrcSdeu » Bcrby • Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Epre», Spremberg') Beeslow S e l e r, Münden . Minden Rhein, MaxImilianSau , Kaub . Köln Neckar, Hellbronu Main. Hanau Mosel. Ttter am 12. 5. cm 82 34 59 60 88 132 199 462») 209 164 60 117 59 l-it 11. 5. cm') —2 —6 —1 •—2 +2 +25 +5 —2 +34 +23 —9 +1 -11 ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel.•) Höchster Wasserstand am Ii. um 8 Uhr morgens. 457 cm. ßrfeffeaften der Redahrton] Sie laHWMe Sprechstunde findet Ltndenstrase es. dorn vier Treppen — Sähest»hl—, wochentSgli« von iV, SU VA Uhr abends, Sonuadend», van VA HS 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage Ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteflt. Anfrage», denen keine«bonucmentsqnittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. EUige Fragen trage man t» der Sprechstunde vor. P. W. 121. Sie sind noch zahlungspflichtig.— C. K. 1. Soweit ersichllich: ja.— H. S- 45. Ja. Die Wartezeit für Invalidenrente ist mit 200 Beitragswochen erfüllt.— I. K. 96 und S. W. 47. Ihre An- gaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— N. 5. Formell zulässig. Bestimmtes Alter nicht ersorderlich.— H. P. 67. Ja, sofern Sie Vermögen oder entsprechenden Verdienst haben.— A. S. 60. Richtig. Beschwerde aussichtslos.— K. K. 7. Ohne� Kenntnis der Urteils- gründe nicht zu beantworten.— E. B. 10. Sie tonnen Hastbesehl beantragen und den Schuldner vorführen lassen. Die Gebühr des Gerichts- Vollziehers beträgt 15 M., der Verpflegungsvorschub sür einen Monat 30 M. Beide Beträge find vorschußweise von Ihnen einzuzahlen.— Em. 1. u. 2. New. 3. Dann beantragen Sie die Anberaumung eines Termins. — 91. B. 37. 1. Nein. 2. Vorausgehen mühte eine durch einen Rechts« anwalt zu erhebende, aus Wiederherstellung der ehelichen Gcmewschast lautende Klage.— M. G. 36. 1. Ja, wenn nicht etwa Ortsgebrauch sür KündigungSauSschluh angenommen wird. 2. Ja, bis zur Dauer von 14 Tagen bei gewerblichen Arbeitern.— Laden 17. Zwecks Beantwortung mühten wir die Versicherungsbedingungen kennen.— R. R. 4. Bean- tragen Sie bei dem Vorfitzenden der VeranIazungSIommisfion Herab Minderung deS Steuersatzes.— W. T. 9. 1. Ja. 2. und 3. Nein Marktbericht von Berlin am 11. Mai 1912. nach Ermittelung de? lönigl. Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speiscbohnen, tveifee, 35,00— 56,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00— t3.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—1,00. Kalbfleisch 1,40—2,60. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20— 5,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,60. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 00 Stück Krebse 1,80-40,00. Bequeme Hauskur ohne Diät Apotheker Kumbiers Garantiert unschädlich bnmtten" feit 87 Zahrea von bewährter Heilkraft bei Blutarmut. Bleichsucht, Nervenleiden, Magen-, Darm-, Leber«, Gallenstein-, Niere«- u. 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Ihr Btohlbrnnaen bei lieh bei meinem Isngjöbrlgen Gelenk. rhenmaOamnn sowie Blntarmso« aebr gnt benihrl. Um elner mjtebet« lehr meines Heiden» vorzuvenaen. diu Ich enffchloffen, jede» Jahr, Im Frühling und Herbst, eine TriaNur zu wiederhoieil. Berlin. 0. Mai 1012. II. GlOaenfcniip. Oeorgeniiichstr. iL, Ihr Stablbmaen bet mir«ehr gäbe vieooie geteo, l-nNrOkren» katarrk nnd Aothma find gänelleh roncbiranden, mofUt ich Ihn« meinen Vellen Taut sage. Ich kann es jedem Leidende» emblehlen. Pankow, S. Mai ISIS. Iran Nattiel». Grunowstrabe 4 Ihr«Berllaer Stoblbrannen", Von dem ich bisher 00 Masch« gebrauchte, lob wir»»hr gnt bekommen. Ich litt»olt meinem U. Lebenojahre en epllepelnehen Krampf aniailen, die fich de» Dag S— t mal wieder- Hollen, dm nach» ans dem veüe gelauen, blieb ieftnvungtlo» liegen nnd Halle mir Immer die Zange blulla gebissen. Seit dam dohre 1948, da leb die ersten SO Fluchen ron Ihrem Bronnen getamkea habe, tat die api- tfTen. Seit dem lehre 1908, da leb die lepilaehe Brankhell ran»»narehllehen. Stixborf, 16. Dezember 1V10, Hermanns». 2il>2lg. BnrU vnttrrk. Ich lann Ihne» miiletlen, daß fich mein Aathnia ernst Bronfhltia bedentend gebessert haben, wofür ich Ihnen herzlich danke, auch bitte ich zn gleicher Zeit nm«bholun-i der lee»n Fhisthen, Eharlottenburg. 6. Mal Hertzsirabe 7. Frau ErlekampT, Telle Ihnen mit, daea ich mit Ihrem Stahlbronnen(ehr nfrledea bin nnd empfehle ihn meinem größten Feinde, denn er hat mir gute Dlenate geleistet. 6clt mehrere» Jahren IUI ich an einem IHaaenlelden omd haremgcklBcr Vemtopknn», wt danerad ohne ApprtH und lonnic viele Speisen nichi vettragen bl.eh einer Bar r«n 9« F.uehen bin ich ton allen«eschwerden fiel, kann wieder alles eß« was mir schmeckt. Habe gulen Appellt und regelmäßige Verdauung. Weist, nsee, II. Dezember 1011. Dustrviz Bellmenn. veiliner Allee 174. Ibr Stablhrnnoea bat mir bei melaem Oalleneeclalelden eortüg. Hebe Dienste geleiatet. Ich(üble mich aneserordentlich wohl, aelt Ich tha gebrauche, habe anegeielebneteB Appetit nnd leide nlebt mehr wie früher an Veruloptnnn. Wetstenfee, 4. Febrnar 1010,, «öninS�daullce 15. II. 1 Dracksachen nsll weiteren Beilcrtolgon kontenlos. Analyse l Natrium Chlorid 1.202, Natrtnmaullat 20.820, KaliamsaUat 0.172, Magnesiumsnllal 1.160, Mangansulfat 0.14, Eltenkarbonat 2.187 in 10000 Teilen. Gesetzlich geschützt Aerztllch empfohlen Theater und Vergnügungen Dtünstag, 14. Mai 1S12. Anlang 7'/, Ubr. Kgt. Opernhaus. Der Wildschütz. Kgl. Schauspielhaus. Freund Fritz. Anlang 8 Ubr. Lesslug. Heimliche Liebe. TeuticheS. Ein SommernachtS- träum. ttamiuerspiele. GygeS und sein Ring. � Kuriurfleuoper. Oberst Ehabert. «omilche Oper. Die Spiele ihrer Exzellenz. Westen. Die schön« Helena. «öniggritster Straffe. Die süns Fianksurter. xieiie» LebauivtelhanS. Parkett- sitz Nr 10. Neues. Ter liebe Augustin. Residenz. Alle» sür die Finna. Luflipielhanö. So'n Windhund. Berliner. Giotze Rosinen. 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AbendS 8 Uhr: Große Rosinen. fdestei'illljei'WgMei'Mö Abend« 8 Uhr: VIS S ffSllllfllrler. Residetziz-Theater. Dtreltion Richard Alexander. 3 Uhr: AlleS für die Mrma. Schwank in 8 Akten von M.tzennequin und G. Mitchell. Morgen u. solgende Tag«: SllleS für die Firma._ Neues Theater. AbendS S Uhr: Ter liebe Augusti«. Op ereile von Leo Fall. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. Donnerstag u. Sonntag 3>/, Uhr: Wiener Blut. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Gold und Liebe. Oiie King ei Geld.) MittwochUrauffuhmng: Schwester Carmen. Donnerstag 3 Uhr: Ich laste Dich nicht. 8 Uhr: Gold und Liebe. Charlottenburg. Sehiller-Tbealer DienStag, abendt 8 Ubr: Lady Windermere» Fttcher Mittwoch, abend« 8 Uhr: Zum erstenmal: Die Gefährtin. Paraeelftts. Der grüne Kakadu von Artur Gchnitzler. Donnerstag nachm. 3 Uhr: Wllholm Teil. Donnerstag, abends 8 Uhr: Di« Gefthrtin— Paracelaius. Oer grQne Kakadu OSE=THEATE| Drotze Franksurter Str. 132. AbendS S Uhr:||, 5 x 100 000 Teufel. 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