N-. 113. nbonnementS'Redlngungeti: Abonnements- Preis pränumerando! Nerteljährl. SM Mk�, monatl. l.IV Mb. wöchentlich W Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonnmgs- numnier mit Muslrierler Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psa. Post- «bonnenient: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen am Belgien. Dänemark, land, Italien, Luxemburg, Pormgal. 'nien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. die snlettlons.Ledüh? beträgt für die sechSgespaltcnc Kolonek- zeile oder deren Raum«> Pfg., für politische und-ewerlfchaftliche Bereins- und Versammlung�- Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruSte Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fetlgedruikta Worte), jedes weitere-Wort 10 Pjg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Bort ö Pfg. Worte über IS Buch- staben zähle» für zwei Worte. 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Diese, sogar im Munde eines zarischen Ministers nicht ganz gewöhnliche Rede, die nicht von ungefähr einem Jäh- zornigen entschlüpfte, sondern schlaff von einem Zettel von dem Kanzleihenker abgelesen wurde, rief einen Entrüstungs- stürm hervor. Und diese Rede ließ sogleich eine ausgedehnte Protestbewegung entstehen, in die sich die gespannte Massen- stimnmng entlud. Ein Protesthagel überschüttete die sozialdemokratische Dumafraktion von allen Seiten des Landes. Am 25. April reißt der Streik die wichtigsten Fabriken in Odessa mit. Am. 26. greift er auf S a r a t 0 f f und Elisabethgrad über. Am 27. erscheint von allen Zeitungen Odessas nur die pogromistische„Rußkajo Rjetsch". An diesem Tage schließen sich dem Ausstand die kolossalen Rohrwalzwerke in Jekaterinoslaw an. Am 27. und 29. April streikt die Mehrzahl der Merke. Fabriken und Werften Rigas. Anr 28. April, an einein Sonntag, wird der Kasansky- Platz in Petersburg zuni Schauplatz einer Demonstratio», die hauptsachlich aus Studenten besteht. Vom Montag an erhebt sich das p r 0 l e t a r i s ch e Petersburg. An diesem Tage, den 29. April, streiken in der Hauptstadt etwa 16 909 Arbeiter. In den Fabriken werde» Meetings abgehalten. Am 30. April dehnt sich die Bewegung ans, neue 32 099 tausend Arbeiter proklamieren einen eintägigen Streik. Bei der Kasansky. kathedrale und in den Arbeitervierteln werden Straßendemon- strationen veranstaltet. Am 1. Mai neuen Stils sind in Petersburg neue 148 Fabriken und Werke mit 51 990 Ar- beitern im Ausstand begrifsen. An diesem Tage verschmilzt die Protestdemonstration mit dem proletarischen Feiertag der Weltsolidarität. Parallel dazu entfaltet sich die Bewegung in der Provinz. Am 29. April streitten in Jekaterinoslaw beinahe 19 990 Arbeiter, in N i s h n ij- N 0 w g 0 r 0 d die Arbeiter von 15 Schneiderwerkstätten. Am 39. beginnt die Streik, bewegung in Moskau, ig Kischivew streiken die Scherz bic. Wreiks tu N i g ä bauefit fort, aus 91 c 3) a n g c 1§ f fen den die Arbeiter euteu Protest au die Dumafraktion. Am 1. Mc�i antworten auf die Lenaer Ereignisse gleichzeitig mit den 54> 000 AuMandigen Petersburgs 20 000 Arbeiter Rigas, 12 000 in W a�r s ch a u, 3000 in Wilna, in E h a r k o w streikitu die Setzer. Das ist der Höhepunkt der Bewegung. In verschiedenen Orten, in Riga, Petersburg� werden Versuche vo.n Stratzendemonstratioiten gemacht. Pro testkundgebungen, ltvanifestationen, Proteststreiks rollen an den Hochschulen vorüber.„Wohl noch niemals haben die Hauptstadtstraßen sleit den Jahren 1905/00," schrieb die kadettische„Rjetsch".„eine solche Bewegung gesehen." Den Herren der Petersburger Salons, in denen man die segensreiche Wirkung des Lenaer Blutbades erwartete, geht der Atein aus. Die Regierung wechselt den Ton. Der Handelsminister Tiinaschew gibt namens des Ministeriums neue Erklärungen ab, die nicht mehr aus provozierende Frech heit, sondern auf kriech erische Feigheit gestimmt sind. Kokowzew verspricht die„allerlv eheste, vielseitigste und vollkommenste Untersuchung durch eine besondere, sich des VertrauenA des Monarchen erfreuende Person". Nicht genug damit. Diö Regierung übernimant aus ihre Verantwortung die gesetzliche Regulierung der Arbeitsbedingungen und der Wohnungs frage auf den Goldgruben, die Ausdehnung der Arbeitsver sicherung auf diese usw. Nach dem 1. Mai beginnt das Sinken der Bewegung� welle. Am 2. Mai streiken in Petersburg 10 000 Menschen, die ihren Protest in den vorhergehenden Tagen noch nicht kundgegeben hatten, im Vorort K o I p i n o 4000 Menschen, in Moskau fast 10 000, inSormowo streiken am 3. Mai 4000 Personen, in NisHnij-Nowgorod3 Fabriken, in L u g a n s k 5000 Menschen. Im ganzen zog der Streik weit übar 200 000 Menschen in seinen Strudel hinein, von denen auf Petersburg über 100 000 kommen. Diese Bewegung, wie unerwartet sie auch nach den Jahren der Stille erscheinen möchte, war durch tiefe innere Ursachen vorbereitet worden. Der industrielle Aufschwung, der, trotz der vorjährigen Misternte, doch vorwärts schreitet, trug ungemein viel zur Konsolidierung der Arbeiter und der Festigung ihrer Zuverfüht in ihre eigenen Kräfte bei. Den Proteststveik führten ai n geschlossensten die Metallarbeiter durch,— nicht nur dari- m, weil sie kultureller sind als die Textilarbeiter, sondern auch und vor allem deswegen, weil der industrielle Aufschwung bis jetzt eben in der Metallurgie am sichtbarsten zum Vorschein gekommen ist. Die siegreiche chinesische Revolution, die letzten grosten Ereignisse in der Internationale: der großartige Wahlsieg der deutschen Sozialdentokratie und der gewaltige Streik des englischen Proletariats fanden jedesmal einen tiefen Wider- hall in dem Bewußtsein der Massen. Und in diesen Boden schlug der Blitz der Lenaer Katastrophe. Alles vereinigte sich in ihr, um die Empörung der Massen bis zu dem Punkte zu steigern, wo sie sich unvermeidlich in einer Tat den Ausweg sucht: dns entsetzliche Elend und die Nieder- gedrücktheit der Lenaer Sklaven— und der tolle Wucher der Goldwerkseudalen; der äußerst gemäßigte Charakter der Forderungen(„wenn erschöpfte Pferde streiken würden, könnten sie nicht weniger verlangcml" schrieb eine bürgerliche Zeitung) ir- und die ungeheure Za hl der Opfer. Fast die ganze Presse— mit den allergeringsten Aus- nahmen— wandte sich s charf gegen die Urheber des Lenaer Gemetzels. Nicht nur die ltadetten, sondern, auch die Oktobristen haben es für nötig erachtet, Interpellationen einzubringen. Selbstverständlich waren sie nicht von zarter Liebe zu den Wai/en und Witwen ou der Lena dabei geleitet, sondern in erster Lime�durch Berechnung. Nicht allen ist das Glück beschert, an dem Hazarhspiele mit den Lenaer Aktien beteiligt zu sein und jeden getöteten Arbeiter und jeden Krüppel in die Eiimahmenrubrik eintragen zu können. Die Unternehmer, die Metall- sowie die Textilindustriellen, erstreben jetzt, in den so lange ersehnten Pro.'peritätsjahren vor allem Ruhe: sie sind keineswegs zu irgendeiner aktiven Opposition geneigt, die das Regime vom 3. Juni aus dem Gleichgewicht hinausdrängen könnte,— sie wollen aber auch in keinem Falle die Arbeiter aufregen. Wo es geht— unterdrücken, wo es nötig ist— nachgeben,— Ruhe vor allem! Es ist sehr bezeichnend, daß der Petersburger Jndustciellenverband— der Urheber aller ar- beiterfeindlichen Maßnahmen— beschlossen hat, die Arbeiter für den Streik nicht zu strafen, um nicht überflüssige Gereizt- heit hervorzurufen. Daher der Mißmut der Oktobristen gegen Makaroff und die erregten Artikel der kapitalistischen Presse aus Anlaß&es Lenaer Massenmordes. Die kadettische und die ihr verwandte, d. h. die in Ruß- land verbreitetste Presse konnte nicht umhin, die Lenaer Tragödie als dankbares Agitationsmaterial für die nahen Wahlen in die vierte Duma auszunützen. Die Stimmung des Klein- und Mtttelbürgertums widerspiegelnd, das der Willkür der Regierenden und der Räuberei der Privilegierten längst satt wurde, schlugen die liberalen Zeitungen einen ziemlich scharfen Ton an. Und diese ganze Agitaston, durch die Reden der sozial- demokratischen Deputierten, sowie durch die Artikel der sozial- demokratischen Presse revolutionär verschärft, mit der er- ivachenden Aufmerksamkeit der Arbeiter in Berührung tretend, gebar einen solchen, von niemand mehr erwarteten und des- halb doppelt überraschenden Widerhall. Die kapitalisttsche Presse biß sich in Angst in ihre eigene Zunge. Und die kadettischen Zeitungen stellten zugleich mit einem Ton der Schadenfreude und Unruhe die Frage:„Also, beginnt das Märchen wieder vom Anfang?" Ja, der breite Massenkampf beginnt nach einer fünf- jährigen Pause— aber nicht vom Anfang. Die Gegner selbst veränderten sich, die Bedingungen des Kampfes sind andere geworden, seine Methoden gestalteten sich um. Bis zum Oktober 1905 stand vor uns der entblößte Zarismus, der unmittelbar von keiner Gesellschaftsklasse unter- stützt wurde. Der heutige, nachrevolutionäre Zarismus krönt den Bund der Bureaukratie, des Adels und des Großkapitals: der Feind wurde in manchen Beziehungen stärker, indem er in den oberen Gesellschastsschichten eine organisierte Stütze fand. Aber auch die Revolution wurde kräftiger, weil der Einfluß des Zarismus auf die niederen Volksschichten gesunken jst,— es steigerte sich ihr Bewußtsein. Freilich wuchs in den Jahren der Reaktion eine ganz neue proletarische Generation heran, die von der gesammelten Erfahrung der Revolution nur leicht berührt wurde, eine Generation, die noch fast gar nicht streikte, nicht protestierte, keinen poli- tischen Kampf führte.— die jetzt zuerst, in den auf der Basis der industriellen Prosperität sich immer weiter ausbreitenden Streiks die Notwendigkeit der Koalitionsfreiheit zu begreisen beginnt. Aber auch diese neue Masse, das ist schon nicht mehr die frühere elemen tare Kraft, die ohne sich umzusehen und nach vorwärts zu blicken, heranstürmte. Die Erfahrung der Revolution und der drei Dumas gelangte doch bis zu ihren tiefsten Tiefen, Uud ihre obere, leitende Schicht besteht aus Arbeitern, die eine ernste politische Schule durchgemacht und sich gewöhnt haben, sich zu orientieren, zu überlegen, zu erwägen. Diese Arbeiteravantgarde wird nicht auf neue Positionen übergehen bevor sie nicht die alten hinter sich befesügt hat. Und die Positionen politisch zu befestigen, heißt für die Sozialdemo krasie sie zur Position der Masse selbst machen. Unter diesen Bedingungen wird der Kampf in höchstem Masse hartnäckig und beharrlich, aber gleichzeitig auch plan mäßiger sein. Der Kampf, möge er auch noch so grausam seilt und manche unerwartete Episode erzeugen, wird sich nicht mehr in elementaren Katastrophen entfalten, die dem Bewußt sein der Teilnehmer selbst zuvorkommen. Die Duma schafft für den Kampf einen politischen Mittelpunkt, die sozialdemo kratische Fraktion wird naturgemäß zu der Rolle einer poli tischen durch al ührerin vorgeschoben, die legale Arbeiterpresse trägt tisse hindurch einen klaren politischen Gedanken in die Massen hinein. Der Kampf um das Koalitionsrecht erscheint als Basis wie der Lenaer Tragödie, so auch ihres mächtigen Widerhalls in dem Lande. Daraus, aus dieser Losung, ivird sich wirksam das ganze Programm der Arbeiter demokratie entfalten. Wie die Lenaer Arbeiter auf ihrem Rechte zu streiken beharrten und die Befreiung des arretierten Komitees verlangten, so nahmen auch zum Beispiel die Arbeiter der Putilow-Werke in Petersburg auf ihrem Meeting am 29. April eine Protestresolution gegen die am Tage vorher unternommenen Verhaftungen an. Demonstrationen, Proteste, Streiks, alles stößt an die Koalitionsfreiheit, diesen Eckstein im Programm der Arbeiterdemokratie. Die gewaltipe Aprilmanifestation erscheint als die erste Etappe des Massenansturmes gegen das Regime des 3. Juni— unter der Losung des Koalitionsrechtes. Diese Forderung wird unaufhörlich während der Wahlkampagne ertönen. Die vierte Dtmia wird gezwungen sein gleich am ersten Tage ihrer Session zu den Forderungen der Koalitionsfreiheit Stellung zu nehmen, die ihr namens Hunderttausender Arbeiter gestellt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Forderung im Mittelpunkt der revolutionären, Mobilisation der Massen während der ganzen Zeit des ökonomischen Aufschwungs tehen wird. Nur auf dieser Grundlage werden die Losungen der Revolution das Massenbewußtsein wieder erobern. Die industrielle Prosperität— ein Jahr früher oder später — wird von einer Krise abgelöst werden, die um so tiefer und schärfer sein wird, da die sozialen wie die politischen Grundfragen des Landes nicht gelöst sind. Die ökonomische Krise wird in diesen Bedingungen zur Voraussetzung einer tiefsten politischen Krise werden. Und es wird vom Proletariat, von der Stufe seines Bewußtseins und seiner revolutionären Bereitschaft abhängen, diese Krise für den Zarismus ö d l i ch zu machen._ Der Krieg. Mißliche Lage der Türken in Arabien. Konstantinopel, 13. Mai. Hier verlauttet, infolge der Blockade der Nemenküste durch die italienische Flotte herrsche im Jemen große Not an Lebensmitteln; innerhalb der letzten Monate seien viele Soldaten und Eingeborene verhungert. Ferner heißt eS. daß die türkiichen Truppen in den Kämpfen mit dem Scheich Seid Jdriß in Assyr wiederholt geschlagen worden seien. Politische deberfiebt. Berlin, den 15. Mai 1912. Marineetat.— Kiautschou. Aus dem Reichstag. 14. Mai. Die Zurückhaltung. die gestern schon die große Mehrheit des HauseS bei der Be- ratung der Flottennovelle bewiesen hatte, hielt auch heute an. Die Sehnsucht nach der Heimat und nach den Ferien dämpft alle Redelust und die Reden unserer Genossen wurden kaum einmal abgelöst durch das Eingreifen eines bürgerlichen Ab- geordneten. So gelang es denn auch in der heutigen Sitzung, den Etat des Reichsmarineamtes und der Etat für Kiautschou zu erledigen. Alles im schnellsten Automobiltempo. Von der Schweigsamkeit der Abgeordneten war auch die Regierung offenbar angesteckt. Wenigstens erhielt Genosse Vogtherr keine Antwort auf seine allerdings indiskrete Frage, ob der deutsche Steuerzahler die Torpedoboote seiner teueren Kriegsflotte deshalb unterhalten muß, damit sie dem Kroitprinzen auf seinen Segel- und Angelpartien begleiten sollen? Etwas zugänglicher war die Verwaltung, als er die Interessen der kleinen Fischer vertrat. Genosse Brandes beschwerte sich mit Recht über die Behandlung der Arbeiter- ausschüsse, die beim Reichsmarincamt noch schlechter ist als in den anderen Reichsbetrieben. Eine Klage des Zustände im Bekleidnngsamt Vizeadmiral C a p e l l e Ge- Genossen Albrech t über die in Wilhelmshaven gab dem legenheit, Zeugnis von dem sozialpolitischen Verständnis des Marineamts abzulegen: er hält es in der Tat— und darin unterstützte ihn sogar der Fortschrittler Dr. S t r u v e— für eine besondere Wohlfahrtseinrichtung, daß den Frauen der Beamten und Unteroffiziere Heimarbeit aufgegeben wird I Die Genossen A l b r e ch t und N o s k e sagten mit aller Deutlichkeit, was von dieser Sozialpolitik zu halten ist. Nach Erledigung des Reichsmarineamts wurde der Etat für Kiautschou mit einer Rede eines einzigen Abgeordneten durchgeführt. Genosse Dr. Herzfcld wandte sich mit großer Etttschiedenheit gegen die Forderung, die aus der Zurücklassung von 500 Mann in Ehiita zum Schutze der Deutscheu während der dortigen Revolution erwachsen ist. Er erblickt darin eine Folge der iniperialistischen Politik des Deutschen Reiches, gegen die sich die Partei grundsätzlich' wendet. Der Staatssekretär Tirpitz verteidigte die Position, über die erst am nächsten Dienstag abgesümmt werden soll. Der Freitag soll ein großer Tag iverden: der Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes steht aus der Tagesordnung. Schwerinstng im Nbgeordnetenhanse. Eine umfangreiche Tagesordnung hatte das Abgeordnetenhaus am Mittwoch zu erledigen. Die Session neigt sich ihrem Ende zu, und e» herrscht da» Bestreben, noch möglichst viel vor der Ber- tagung aufzuarbeiten. So bepackt man denn die Tagesordnung mit allerhand Anträgen, deren Beratung keine lange Zeit in«ttsprnch nimmt, weil sie Fragen von untergeordneter Natur betreffen. Zunächst überwies das Haus einen Antrag Engelsmann be- treffend Unterstützung der durch Hagelwetter heimgesuchten Weinbau- gebiete an der Nahe der Regierung zur Erwägung. Auch die Sozial- demokraten, deren Stellung Liebknecht vertrat, stimmten dem Antrage zu. Der Gemeindekommission wurde ein fteikonservativer Antrag auf Erlaß eines Gesetzes zur Abänderung der K r e i s o r d n u n g c n überwiesen, ein Antrag, der nach außen den Anschein erwecken soll, als ob die um Zedlitz ernstbafte Reformen planen, während in Wirklichkeit die ganze Reform auf eine Begünstigung der Gesell- schaften mit beschränkter Haftung hinausläuft. Diese Art, zu reformieren, wurde von Liebknecht, der sich im übrigen für den Antrag aussprach, treffend ironisiert. Dem Antrage des Abg. Dr. v. Campe(natl.), der die Be- willigung von Mitteln zur Beseitigung der überfüllten Schul- klaffen wünscht, erteilte dasHanS seine Zustimmung unter gleichzeitiger Ablehnung eines konservativen Verschleppungsantrages, gegen den sich u. a. Genosse Hirsch wandte. Weiter beriet das Haus die Anträge betreffend Regelung des BerdingungSweseNs, die schon wiederholt das Plenum und die Kommission für Handel und Gewerbe beschäftigt haben. Hierbei gelang es den Sozialdemokraten, in die Submissions- bedingnngen die Bestimmung hineinzubringen, daß bei der Vergebung von Arbeiten derjenige in erster Linie zu berücksichtigen ist, der bestehende tariflich vereinbarte Lohn- und Arbeitsbedingungen erfüllt und für die an- gebotenen Arbeiten zu erfüllen sich verpflichtet. Die Debatte, die unsererseits von dem Genossen L e i n e r t geführt wurde, zeigte, welche Zerfahrenheit in den Kreisen der bürgerlichen Parteien in bezug auf das Submisfionswesen besteht. Erst wollten sie samt und sonders den sozialdemokratischen Antrag, nicht aus sachlichen Gründen, sondern wegen seines Ursprungs, ablehnen. Nach den Ausführungen Leinerts und nachdem auch der Jnnungsmeister R a h a r d t sein Einverständnis erklärt hatte, besann sich der eine nach dem andern eines Besseren. Sogar Herr Hammer nahm endlich Lehre an und sah den Nutzen des Antrages ein. Aber vorlaut, wie immer, hatte er vorher nicht die Einwilligung eines Fraktionschefs eingeholt, der gegen- t e i l i g e r Anficht war und Herrn Hammer zwang, gegen seine Ueberzeugung zu stimmen! Noch komischer wirkte der Eiertanz, den Herr Schröder von den Nationalliberalen auf- führte, um seine prinzipielle Gegnerschaft gegen Tarifverträge hinter Scheingründen zu verbergen. Schließlich stimmte aber auch er für den sozialdemokratischen Antrag. Endlich begründete noch der Abg. Prinz zu Löwen st ein feinen Antrag betreffend den Notstand der Binnenschiffer, der die Bereitstellung von Mitteln zur Bekämpfung des Notstandes verlangt, welcher durch die lang anhaltenden Trockenheit und die dadurch verhinderte Ausübung ihres Gewerbes entstanden ist. Die Beratung wurde auf Freitag vertagt. Vorher soll das Besitz- befestigungsgesetz erledigt werden. Das Herrenhaus und der Religionsunterricht. Am Mittwoch beschäftigte sich das preußische Herrenhaus mit Petitionen und kleineren Vorlagen. Ueber die Petition der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur sowie der Monisten und Freidenker auf Aufhebung dcS ReligionsunterrichtSzwangec' der Diffidentenkinder in Volksschulen wurde keine DiSkuffioit geführt, mit der Begründung, daß im preußischen Abgeord- netenhause augenblicklich ein gleicher Antrag vorliege. Da aber dieser Antrag bekanntlich infolge konservativer Obstrukriou nicht beraten ivird, ist die Weigerung des Herrenhauses recht merkwürdig.— Ueber das weitere Begehren der Petition, für die höheren Schulen anstelle deS Religionsunterrichts einen religionsgeschichtlichen und ethischen Ersatzunterricht einzuführen. wurde nach einem Referat des Grafen Aorck-Wartenberg zur Tagesordnung übergegangen, da es schwer sein würde, einen 'olchen Unterricht zu kontrollieren, und man sich nicht darauf einlassen könne, elterliche Gewalt und ErziehungSrecht des Staates gegeneinander abzugrenzen. Auch handle es sich ja nur um 6—<00 höhere Schüler.— Das Herrenhaus ist also einer Entscheidung über diese Frage in weitem Bogen mtsgc- wichen.--- Am Freitag beginnen die Etatsberatungen. Sammlnngswut. Der Flottenrüstungsrummel ergreift immer weitere Kreise, und zwar nicht nur der imperialistisch gesinnten Bour- geoisie, die aus der Kolonialpolitik wirtschastltche Vorteile zu ziehen hofft, sondern auch der höheren und niederen Beantten- 'chaft. Gar manche der Herren Beamten glauben, sich durch Sammlung von Geldbeträgen für die große vaterländische Flotte die besondere Gunst ihrer vorgesetzten Behörden er- ringen und sich nach oben in sogenannte„empfehlende Er- innerung" bringen zu können. Sie vereinigen sich mit gleich- gesinnten schönen Seelen, bilden einen engeren oder weitereit Ausschuß und verfassen einen„flammenden" Aufruf, der zwar 'chöne patriotische Redensarten enthält, aber gewöhnlich die leutsche Sprache entsetzlich mißhandelt. Tann geht das Geld- ammeln los. Derartige vaterländische Llufrufe sind in letzter Zeit dutzendweise erschienen. Da darf auch die patriotische Zehrerschaft nicht zurückbleiben. Deshalb hat sich in Lothrinaen ein Ausschuß deutscher Lehrer gebildet, der in der„Lefircr- Zeitung" für Westfalen, die Rheinprovinz, Hannover. Braun- chweig, Waldeck-Pyrmont und die Nachbargebiete", folaenden eltsam stilisierten Aufruf erläßt: Aufruf an die Lehrer und Lehrerinnen Deutschland?. Unser geliebter Kaiser, das deutsche Parlament und das gc- samite deutsche Volk haben im letzten Jahre bittere Zeiten, durch- lebt. Angriffslüsterne Länder haben uns zu demütigen und her- auszufordern versucht, um, Deutschlands Einigkeit und Macht zu gefährden. Feinde ringsum suchen, seine Großmachistcllung zu untergraben; innere staatSgefährliche Elemente arbeiten auf den Umsturz hin; andere möchten die für Heer und Flotte unvermeidlichen Ausgaben, als Herausforderung dem Auslande gegenüber ansehend, nicht bewilligen oder ff- alS für die deutsche Steuerkraft untraKar stempeln. Deutschlands Lehrer. Lehrerinnen und Schul- jugend. Knaben und Mädchen, wissen sich mit ihrem ritterlichen Kaiser und staatSerhaltendcn Parlament in dem Wunsch für Auftechterhaltung der Größe und Macht ihres gc- liebten Vaterlandes eins und wollen aus innerstem Herzen teil- nehmen an dem Geschicke ihres Landes, erkennend, daß die für die Sicherheit des Landes aufgewandten Mittel reichlich Zinsen bringen gegenüber den für einen eventuellen Krieg zu erschwin« genden Opfern. Kaisertreue, Hcstnatsvcrchrung. Vaterlandsliebe und Beleh- rung über Autoritätserhaltung hast Du. deutscher Lehrer und deutsche Lehrerin, so oft in flammenden Worten unter Hingabe und Begeisterung in WeihcjtuxidcK in daS Herz Deiner auf- hordjentzen Schüler gelegt, UnS nuk tcagch Bit cS aus Sctft jüngsten Glicd'e, 5cu Sudt- wc stecke des Deutschen Reiches, wo auch schaffensfreudige Lehr- kräfte sich sonnen in Deutschlands kraftvoller Entfaltung und nicht zurückstehen wollen in praktischer Betätigung zum Wohle unseres tiiesaurtvaterlandes» mit der Bitte an Euch licranzutreten, in allen Schulen des Reiches Scherflein zu sammeln� die als beschei- d e n e Gabe zum Geschenk für„Beschaffung der Schiffsgldcke" auf dem im Bau befindlichen Linienschiff„Friedrich der Große" ihre Verwendung finden sollen.— Ein etwaiger Ueberschutz soll dem Reichs-Marincamt zur Beschaffung eines UntcrhaltunHs- gegenständes für die Schiffsinannschaft zur Verfügung gestellt werden, der in dienstfreien Stunden unsere braven«blauen Jungen" an Jung-Tcutschland erinnern möge. Wie die Glocke uns und der uns anvertrauten Jugend das Mahnzeichen ist, in treuer Pflichterfüllung des Lebens Stunden auszufüllen; wie Friedrich der Große— seines Landes Wehr und Schild—. dessen Lvvjährigen Geburtstag wir unlängst begingen, nach ihrem Schlag in stündlich geregelter Arbeit dem Dienste seines Landes sich weihte, so nennt der eherne Mund der Schiffs- glocke die Tagesstunde—«Seid wachsam!"— und ruft die Be- satzung zum Dienst.—„Treu bis in den Tod!"— Wohl wissend, daß bei den großen Kosten eines moder- ncn Verteidigungsschiffes unsere Spende nur ein Wemges aus- nmchen wird, s o s o l l der freudige Opfersinn und das von Herzen Gespendete an innerem Werte zu ersetzen, was ihm an Größe ge- bricht. Gebh, verehrte Lehrer und verehrte Lehrerinnen, Deutsch- lands, Euren Kindern auf diese Weise Gelegenheit, ihre Liebe zu Kaiser und Reich einmal praktisch zu betätigeir, auf daß sie noch Jahrzehnte hindurch mit freudigem Stolze Name und Flagge des deutschen Schiffe» begrüßen— wo es auch immer sein mag—. zu dem auch sie einige„Spanten" beigetragen haben. Und wie mancher unserer Kleinen, kann als Erwachsener es vielleicht erleben, um dann ganz zu verstehen,„welchen tiefen, unauslöschlichen Eindruck das Erscheinen dieses stolzen deutschen Schiffes, das die Wehrkraft und Machtfülle der deutschen Heimat gleichsam verkörpert, in den Herzen der Ausland-Deutschen in fernen Landen hervorruft".... Der engere Ausschuß: Bohneberg. Oberlehrer. Bender, Hauptlehrerin. Chazelle, Mittel- schullehrer. Fischer, Lehrer. Grvdy� Lehrer. Huber, Hauptlehrer. PistoriuS, Lehrer. Rauscher, Hauptlehrcr. Zin recht billiger Patriotismus! Ter Aussck)uß wendet sich nicht an die Berufsgenossen mit der Bitte, aus der eigenen Tasche beizusteuern zu der„Beschaffung der Schisfsglocke", die unsere„braven blauen Jungen an Jung-Deutschland" erinnern soll. Soweit reicht der vaterländische Opfersinn nicht. Nein, die Lehrer sollen lediglich in den Schulen von den Schulkindern sogenannte„Spante n" einsammeln, das heißt, die Kinder dazu anhalten, ihre Eltern um Groschen für einen angeblich patriotischen Zweck anzubetteln. Das ist eine recht wohlfeile Betätigung des Patriotismus. Fühlen die Herren das Be- dürfnis, Schisssglocken zu stiften, mögen sie in ihre eigene Tasche greifen. Im übrigen würden die Herren weit besser ihre deutsche Gesinnung beweisen, wenn sie nicht die deutsche Sprache so widerlich mißhandeln wollten, wie in ihrem schönen Aufruf. Am besten würden sie entschieden ihr Geld anwenden, >oenn sie Unterricht in der deutschen Sprach- und Satzlehre nehmen wollten._ Konservative Ehrabschneider. Zwei Prozesse gegen konservative Agitatoren wurden in der letzten Woche vor schlesischen Schöffengerichten verhandelt. Beide führten zu einer Verurteilung zu hohen Geldstrafen. Wegen Beleidigung des fortschrittlichen Reichstagsabgeordneten Ablaß-Hirfch- berg wurde der konservative Amtmann Altmann vom Schöffengericht Hirschberg zu 450 Mark Geldstrafe verurteilt. Er hatte während des Wahlkampfes behauptet, Ablaß habe die Sitzungen des Reichstages während der letzten Session gewohnheitS- mäßig geichivänzt. Als ihm die Wahllüge nachgewiesen war, behauptete er sie von neuem. Dem nationalliberalen ReichStagSkandidaten für Guhrau- Steinau-Wohlau, Gutsbesitzer R e i n e k e. wurden in einem Flug- blatt. das am Tage vor der Wahl verbreitet wurde, die ehren- rührigsten Dinge vorgeworfen. Als Urheber wurde der Ritter- gutSbesitzer v. Bloczh au« dem Kreise Winzig ermittelt. Bor Gericht konnte v. Bloczy. der ein hervorragendes Mitglied des Bundes der Landwirte ist, n i ch t S b e w e i s e n. Mit Rücksicht auf die un- erhörte Frivolität verurteilte ihn daS Schöffengericht Guhrau zu 400 M. Geldstrafe. Eine ganz« Anzahl anderer konservativer Agitationsredner, die während de« Wahlkampfe» die allererbärmlichsten Wahllügen über ihre ehemaligen Blockbrüder verbreiteten, sind schon früher zu mehr oder minder hohen Geldstrafen verurteilt worden. «Wir führen den Wahlkampf mit anständigen Mitteln" sagte bekanntlich der Führer der Konservativen. Herr v. Heydebränd. ans dem schlesischen Parteitage in Breslau, der kurz vor den Wahlen stattfand. Wie die.anständigen Mittel" aussehen, davon zeugen diese Proben. Heydebränd und Bafsermann. Die«Konservative Korrespondenz" bringt eine parteiamtliche Auslassung, die sich mit dem nationalliberalen Vertretertage befaßt, der als eine.äußerlich nicht ungeschickt zurechlßemachte Verständigung der sick widerstrebenden Strömungen" bezeichnet wird. Es folgt die Versilberung, daß die Konservativen sich um die inneren An- gelegenheiien der Nationalliberalen nicht kümmern werden, und dann wird ge'agt: „Wir können vielmehr die Entwickelung der Dinge unbeteiligt und ruhig abwarten und zusehen, ob dieHaltung derna- tionalliberalen Partei' früher oder später ein Zusammengehen niitdenKonservativenmöglich machen w i rd, dem wir grundsätzlich heute ebenso wenig wie früher abgeneigt sind." Tüchtige Leute und den Staatsbeamten überlegen im Verhandeln sind nach Meinung des norwegischen Ministers des Innern die Or- oailisationSvertretcr der streikenden Eisenbahnbauarbeiter. Der sozialdemokratische �geordnete M a g n u» N i l s s e n hatte ,n der Jnterpellationsdebatte am 60. April einen Antrag eingebracht. die Regierung zu ersuchen,«erHandlungen mit dem Norwegischen Arbeitsmannsverband über die cforderungen der Eifenbahnanlage- arbeitet anzuknüpfen. Da dle Regwrung bisher noch nichts dazu getan hatte, mußte daS<-torthlng sich mit dem Antrage beschäf- iigen. Tie Debatte, die am letzten Montag stattfand, dauerte vier Stunden lang. Der Antrag wurde abgelehnt mit SV gegen 1V Stimm«,,, und cS wurde ein anderer Antrag angenommen, der besagt, daß da» Storthing unter der Voraussetzung zur Tagesord- nuiig übergeht, daß die Regierung die nötigen Maßregeln zur Lösung des bei den Eisenbahnanlagen des Staates entstandenen Arbeitskonfliktes treffen werde. Ter Minister, Staatsrat Bräune, hatte in der Debatte erklärt, daß, unter Voraussetzung der Zustimmung des Storthings, sofort eine Kommission, in der auch die Arbeiter vertrelcn sein sollen, zwecks Lösung des Konflikts ein- gefetzt werden soll. Direkte Verhandlungen zwischen dem Staat und der Arbeiterorganisation lehnte er aber ab, und er begründete das wie folgt: „Wenn der Staat jetzt auf Verhandlungen einginge, waren die Arbeiter die Ueberlegenen. Sie haben einen ganzen Stab von tüchtigen Leuten, die in Verhandlungen sehr geschickt sind und sich ihrer Sache mit Wärme hingeben. Wenn wir auch einige der tüchtigsten Männer des Storthings in die Eisenbahnverwaltung als Vertreter des Staates schickten, oder wenn ich selbst mich der Sache widmen würde, so würden wir bei den Verhandlungen doch die Unterlegenen sein." Im übrigen äußerte der Minister auch die wohl nicht ganz unbegründete Befürchtung, daß nach den Eisenbahnarbcitern die Angestellten und Beamten des Staates dasselbe Recht der VerHand- lung über ihre Lohnforderung erheben könnten, und sie, sagte er, hätten vielleicht schon jahrelang geduldig auf Lohnerhöhung ge- wartet, ohne jemals zu streiken. Was nicht alles als Streikvergehen behandelt wird. Der Kesselheizer Krämer aus Weitmar bei Bochum kam am ersten Streiktage in einer dortigen Wirtschaft mit einem Ansireicher in Streit, in dessen Verlauf er ihn„Schneemann" und „Blauer" titulierte. Der stellte Strafantrag. Am folgenden Tage soll derselbe Angeklagte, als er Arbeitswillige zur Grube gehen sah, gesagt haben:„Da gehen sie bin mit dem Bündel unterm Arm!" Ferner soll er beim Anblick einer Anzahl Gendarmen und Polizeibeamte den verwunderlich klingenden Ruf allSgestoßen haben:«Was wollen die Kerls alle hier, die haben doch nichts zu wollen!" Und schließlich soll er der Ausfordernng zum Weitergehen nicht Folge geleistet haben. Diese ganze Strafliste wurde dem Angeklagte» beioieien und das Gericht erkannte zusammengezogen auf 28 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte nur eine» Monat Gefängnis beantragt. .Wer anderen das Brot wegnimmt, ist ein B'l u t h u n d!" soll ein Bergmann aus dem Garten einigen Arbeits- willigen zugerufen haben. Der Angeklagte erklärt, daß er nur einen Bibelvers zitiert habe, den er in der Schule gelernt. Dieser laute:„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer andern daZ Brot stiehlt, ist ein Bluthnnd l" Urteil: 50 M. Geldstrafe. .Du altes Baseltier, brauch st mich nicht mehr zu grüßen!" hat ein anderer Bergmann der Frau eines Streik- brechers zugerufen. Urteil: 10 M. „Füttere Deinen Mann nun endlich aus. er sfch leicht daher wie eine Blindschleiche!" Urteil 15 M. Selbsthilfe zur Sicherung des Wahlgeheimuiffes. In dem Dorfe Dörnberg, Wahlkreis Rinteln-Hofgeismar, sollte bei der letzten ReichStagsioahl ein eigenartiger Trick angewendet werden, um die nicht antisemitischen Wähler zu ermitteln. Vor dem Wahllokal wurde jedem Wahlberechtigien ein antisemitischer Stimm- zettel eingehändigt, der auf der Rückseite numeriert war. Bei der Abstimmung sind dann die WahlkuvertS vorsichtig in die Urne� geschichtet worden, sodaß der Wahlvorstand auch auS der Reihenfolge die Gesinnung jeden einzelnen Wählers feststellen konnte. Wer einen antisemitischen Zettel erhalten und ihn nicht abgegeben hatte, war bestimmt ein Liberaler oder gar ein Sozialdemokrat. So kalkulierten die Dorfgewaltigen. Der schofle Plan wurde indessen von einem Arbeiter, der von dem Geheimverfahren Kenntnis bekommen hatte, zuschanden gemachl. Dieser ergriff nach dem Schluß des Wahlaktes die Urne, um sie kräftig zu schütteln und dadurch die Stimmzettelkontrolle unmöglich zu machen. Diese.Freveltat" mußte natürlich geahndet werden. Man brachte den Arbeiter vor die Strafkammer Kassel, die ihn aber kostenlos freisprach. DaS Gericht erkannte an. daß dem Angeschuldigten in Würdigung der talsächlichen Verhältnisse daS Recht der Selbsthilfe zugestanden werden müsse. Sein Mißtrauen, so heißt es in der Urteils- begründiing, war auf Grund der beobachteten Veranstaltungen zur Kontrollierring der Stimmabgabe durchaus berechtigt. Das Urteil ist sehr verständig; in Schlesien aber sind unlängst mehrfach Wähler bestraft worden, die in dieser Weise die wider- rechtliche Kontrolle der Abstimmung unmöglich machen wollten. Oeflcmich. DaS Parlament über die preußische Ausweisungspraxis. Wien, 16. Mai. Das Abgeordnetenhaus per- handelte heute über den Antrag, für das A u s iv a n d e r u n g s> >v c s e n Fachberichterstatter zu bestellen, welche über die Arbeits- und Rechtsverhältnisse in auswärtigen Staaten be- richten sollen und für den Schutz der Auswanderer und die Erleichterung der Rückwanderung zu sorgen hätten. Es wird die Bestellung solcher Berichterstatter für Amerika und die europäischen Staaten in Vorschlag gebracht. Der Sitz dieser Berichterstatter in Deutschland wäre Berlin und Stuttgart. Im Laufe der Debatte erklärte der Antrag- steller Abgeordneter Graf Baworowski, die Pflicht des Staates sei es, darüber zu wachen, daß die Auswanderer nicht der Ungnade des Schicksals, der Ausnutzung und allzu oft auch dem Verderben preisgegeben sind. Die Aus- Weisungen seien mit deni Völkerrecht und mit dem Bundesverhältnis mit Deutschland nicht vereinbar. Der Redner beklagte sich über die B e- schränkung der Freizügigkeit der öfter- reichischen Staatsbürger nach den ein-- zelnen deutschen Staaten, insbesondere nach Preußen, ferner über den bisher f r u ch t- losen Schutz der österreichischen Arbeiter in Deutschland. Abgeordneter W i t y k wandte sich gegen die Zwangslegitimation der galtzischen AilSwandererin Preußen, die den Arbeitern großen Schaden bringe. Der Einwand, daß die Legitimation statistischen Zwecken diene, sei nicht stichhaltig.- Eine Aus- wanderlliigsstattstik sei wohl notwendig, aber dieser Zweck ivürde am besten durch Errichtung von statistischen Bureaus in den Grenzstationen erzielt werden. Großen Schaden erlitten die galizischen Feldarbeiter dadurch, daß sie Verträge unterschrieben, ohne die Arbeitsverhältnisse an Ort und Stelle zu kennen und ohne die Gewißheit zu haben, ob sie den Arbeitsbedingungen im Auslande würden nachkommen können. Italien. Gegen das Frauenwahlrecht. Rom, 15. Mai. Deputiertcnkammer. Bei der Beratung der Wahlreform wurde heute in namentlicher Abstiminung mit 213 gegen 47 Stimmen bei 5 Stiinmcnthaltungen ein Antrag Mirabelli, den Frauen das Stimmrecht zu verleihen, abgelehnt. Auch die Regierung wies den Antrag zurück. englanck. Die Antwort auf die deutsche Flottenvermehrung. London, 16. Mai.(Unterhaus.) Der Liberale G o d- f r e y C o l l i n s fragte, ob Marineminister Churchill den Extrabetrag nennen könne, der unter Berücksichtigung des neuen im Reichstag beratenen Ergänzungsflottenetats während des laufenden Finanzjahres für Neubauten ausgegeben werden sollte. Churchill erwiderte, die diesbezügliche Summe be- laufe sich auf 342 466 Pfund, von denen entsprechend dem Er- gänzüngselai 98 847 für die Anschaffung von Luftschiffen und zu Versuchen mit ihnen bestimmt seien. Der Rest sei für Unterseeboote bestimmt. Collins fragte dann weiter, ob unter diesen Um- ständen ein Grund zu der Annahme vorhanden sei, daß dieses Jahr für England ein Ergänzungsetat erforderlich sei. Churchill erwiderte: Jawohl, ich werde, sicherlich einen Ergänzungsetat vorzulegen haben. DämimrK. König Friedrich gestorben. In H a m b u r g ist der König Friedrich von Dänemark im Alter von 69 Jahren am Dienstagabend auf der Straße gestorbeu. Der König weilte inkognito mit seiner Familie in Hamburg und hatte am Abend allein das Hotel verlassen: er soll asthmaleidend gewesen sein und einen Schlagansall erlitten haben. Schweden. Rüstungsforderungen. Stockholm, 14. Mai. Beide Kammern des Reichstags nahinen heute in gemeinsamer Abstimmung mit 222 gegen 143 Stimmen den Gesetzentwurf der Regierung an, für die Anschaffung von Kriegsmaterial für das Jahr 1913 dreieinhalb Millionen Kronen zu bewilligen. Von der Summe sollen zweieinhalb Millionen Kronen gemäß einer später zu treffenden Bestimmung verwendet werden. Rußland. Arbeiterschutzgesetze. Petersburg, 16. Mai. Der Reichsrat nahm in dritter Lesung die Gesetzvorlagen betreffend die Verssorgung der Arbeiter in Krankheitsfällen und die Arbeiterversicherung bei Unglückssällen, sowie die Gesetzesvorlagen über den Elementarunter- richt an. Marokko. Wachsende Erregung im Mnlnjagebiete. Paris, 16. Mai. Meldungen aus Udschda besagen, daß die Erregung unter den Marokkanern immer mehr an Boden gewinnt. Gestern unternahmen die Eingeborenen einen Ueberfall auf eine europäische Besitzung und entführten 50 Maulesel. In dem sich entspinnenden Kampfe wurden 1 Europäer getötet, 3 andere verwundet. Ndschda, 14. Mai. Gegen 1 Uhr früh versuchte gestern eine starke Abteilung Marokkaner einen heftigen plötzlichen Angriff auf das Lager von Merada, wurde aber mit ansehnlichen Verlusten zurückgeschlagen. Auf französischer Seite wurde ein eingeborener Tirailleur leicht verletzt. Paris, 15. Mai. Wie aus Udschda gemeld et wird, scheinen sich die Riffleute den Bent-Uarein und den anderen aufständischen Stämmen zwischen Tazza und dem Mulujafluß anschließen zu wollen. Bei Taforalt wurden zwei unter dem Befehl eines französischen Offiziers stehende Gumirpatrouillen. als sie den Mulujafluß überschreiten wollten, von Riffleuten angegriffen: ein Gumir wurde ge- tötet, zwei verwundet._ Spanische Verluste. Madrid, 16. Mai. Nach der amtlichen Feststellung der- loren die Spanier am Montag bei einem Kampfe am Kert- fluß an Toten einen Offizier und sechs Soldaten und an Verwundeten drei Offiziere und sechzig Soldaten. Die Riff- leute unternahmen den Angriff wie immer, um die Proviant- züge zu gefährden. Hmeriha. Eine Bedrohung drS Asylrecht». New Dork, S. Mai.(Eig. Ber.) Unverhüllter hat sich noch nie- malS ein Mitglied des Kongresses sgesetzgebende Körperschaften) der Vereinigten Staaten in den Dienst ausländischer Despoten gc- stellt, als E l i h u R o o t, einer der beiden Vertreter des Staates New Uork im Bundessenat. Durch einen von ihm eingereichten Antrag tut Root mit brutalem Zynismus kund, wie sehr er cS heute noch bedauert, daß er als Staatssekretär(Minister des Aus- wältigen) vor einigen Jahren die Russen Jan Janow Ponten und Christian Rudowitz wegen Teilnahme an dem Aufstand in den Ost- seeprovinzen angesichts des geltenden Asylrechts für politische Vcr- brccher nicht den Folterknechten und den Heulern des russischen Zaren überantworten konnte. Die sehnlichst erwartete günstige Gelegenheit, Abhilfe zu schaffen, erblickte Root in einem von dem Senator E. W. D i l l i n g- ham(Vermont) eingebrachten Gesetzentwurf, welcher auf eine weitere Erschwerung der Einwanderung abzielt. Nach den Bestimmungen der sogenannten Dillingham-Bill wird künftig kein im Alter zwischen 18 und 50 Jahren stehender Einwanderer zu den Vereinigten Staaten zugelassen, wenn er nicht in Englisch oder in seiner Muttersprache ein Diktat aus der Verfassung der Union nachzuschreiben vermag. Dagegen steht es einem Einge- wanderten frei, seine Eltern, seine Frau oder seine Kinder nach den Vereinigten Staaten nachkommen zu lassen, ohne daß die Nach- kommenden der«Prüfung zum Nachweis ihrer Elementarbildung" unterworfen werden. Aus andere Angehörige des Eingewanderten findet diese Einschränkung keine Anwendung. Da der Senat sich einmal mit der weiteren Erschwerung der Einwanderung befaßte, ging Root, der als Anwalt gegen hohe Gc- bühren schon die Interessen der Zarenregierung wahrgenommen. gleich dem ihm und seiner Gönnerin an der Newa unbequemen, in den Vereinigten Staaten verfassungsmäßig festgelegten und durch die Tradition geheiligten Ashlrechte für politische Ver- b r e ch e r zu Leibe. Er reichte ein Amendement ein, demzufolge „Ausländer, welche sich zum Sturz einer fremden Regierung ver- schwören", aus den Vereinigten Staaten ausgewiesen, mit anderen Worten, an die heimische Negierung ausgeliefert werden. Und wie die engherzige Dillingham-Bill. fand auch der erbärmliche Rootschc Zusatzantrag in dem Senat, dieser reaktionärsten aller großkapita- listischen Interessenvertretungen, Annahme. Ein Sturm der Empörung brauste durch da? Land. Tie Sozialisten und die Liga für die Wahrung des Ashlrechts der poli- tischen Verbrecher traten zuerst auf den Plan; sie finden nachdrück- liche Unterstützung durch die Konferenz zur Verhinderung einer weiteren Erschwerung der Einwanderung und durch zahlreiche Or- ganisationen eingewanderter Elemente, denen eS weniger um die Erhaltung des politischen Ashlrechts, als vielmehr darum zu tun iss. die Billingham-Bill zu Fall zu bringen; die aber, einmal in Bewegung gesetzt, auch gegen das Machwerk Roots Stellung nehmen. Die eingeleitete Agitation wird dieser Tage ihren Ausdruck finden, wenn das Repräsentantenhaus Verhöre über den Gesetz- entwurf Dillingham und den Zusatzantrag Root abhält. Der Ge- nosse B er g e r- Milivaukee, der einzige Sozialist im Kongreß. hat sich bereits entschieden(jcjiqj die Ekqboraie DillinghamS und Roots ausgesprochen» GewerhfcbaftUcbee. Die HrbeitermarreUlaife eine politische Betätigung. Die illoyale Auslegung des Z 3 des Vereinsgesetzes den Gewerkschaften gegenüber ist bereits etwas Alltägliches ge- worden. Welch sonderbare Auffassung aber Staatsanwälte und Gerichte mitunter von dem Begriff dessen haben, was unter politischer Betätigung zu verstehen ist, zeigt ein Straf- verfahren, welches die Zahlstelle Kleve des Lederarbeiter- Verbandes wegen angeblicher Uebertretung der ZZ 3 und 18 ds Vereinsgesetzes zu bestehen hatte. Auf Grund einer unter Mitwirkung der christlichen Kon- kurrenzorganisation zustande gekommenen Denunziation ging dieser Zahlstelle die Aufforderung zu, den im Vereinsgesetz für politische Vereine vorgeschriebenen Bedingungen zu ent- sprechen. Nachdem dies von der Zahlstelle nicht befolgt und gegen das ergangene Strafmandat richterliche Entscheidung beantragt worden war, gelangte das Amtsgericht Kleve zu einer Verurteilung der angeklagten Zahlstellenleitung. Die Zahlstelle sollte als ein politischer Verein gelten, weil auf einem anfangs November 1911 für ihre Mitglieder veran- stalteten Vergnügen von der Musik die Arbeiter- inarseillaisegespieltundvoneinemauswär- tigen Festredner die Wendung gebraucht wurde, es müsse soweit kommen, daß auch in dem schwarzen Loch die rote Fahne gehißt werdel Das Urteil des Amtsgerichts ließ die sonstige Vereins- tätigkeit der Zahlstelle sowie den losen Zusammenhang des Vergnügens somit ganz außer acht und stützte sich lediglich auf den Tatbestand, daß die Arbeitermarseillaise gespielt wurde und jene Worte von der roten Fahne in der Festrede enthalten waren. Wörtlich heißt es in der schriftlichen Urteils- begründung: „Aus diesen Vorgängen gewann das Gericht die Ueber- zeugung. daß der Verein eine Einwirkung auf politische An- gelegenheiten, und zwar im Sinne der Sozialdemokratie be- zweckt. DaS Gericht nahm zwar nicht an, daß die angeklagten Vorstandsmitglieder persönlich unbedingt allen Bestrebungen der Sozialdemokratie folgen, alein die Tatsache, daß die oben erwähnten Vorgänge ohne jeden Hinderungsversuch geduldet wurden, genügt nach Ansicht des Gerichts, um dem Verein den Charakter eines politischen Vereins zu ver- leihen." Interessant aber vollständig deplaziert ist in dem Urteil noch die Erwähnung, daß derartige Vereine nicht nur von „auswärtigen Agitatoren" gegründet, sondern von diesen auch dauernd stark beeinflußt werden, weshalb es von großer Bedeutung dafür, ob ein Verein ein politischer, anzusehen ist, sei, wie sich die auswärtigen Verbandsgenossen unter Duldung des Vorstandes verhalten. Aus allen diesen sonder- baren Ansichten gelangte das Amtsgericht zur Verhängung einer Geldstrafe, doch wurde auf Einspruch der Verurteilten vor dem Landgericht in Kleve ein inzwischen rechtskräftig gewordenes freisprechendes Urteil erzielt. Das Landgericht stellte sich bei Beurteilung des Falles auf den allein zutreffenden Standpunkt, daß maßgebend für die Vereinstätigkeit nur sein könne das Statut des Vereins " und die auf Grund desselben entwickelte Tätigkeit. Der Leder- arbeiterverband aber verfolge wirtschaftliche Zwecke und nach Aussage des eidlich vernommenen Gauleiters sei festgestellt, „daß eine Einwirkung irgendwelcher Art, für eine bestimmte Partei zu wählen, auf die Mitglieder nicht geübt, und wenn auch die meisten Mitglieder sozialdemokratisch wählen, so gebe es doch auch voll- berechtigte und in keiner Weise behelligte Angehörige des Verbandes, die ihre Stimme für das Zentrum abgeben". Was die Vorgänge auf dem Vergnügen anbelangt, so besagt das Landgericht in seinem Urteil, daß nur, wenn die Zahlstelle Kleve sich mit der sozialdemokratischen Partei identifiziere, deren politischer Charakter als vorhanden zu be- trachten sein würde. So aber erkläre sich die Aeußerung von der roten Fahne zwanglos aus der Tatsache, daß die freien Gewerkschaften, zu denen sich die Zahlstelle rechnet, in einem starken Gegensatz zu den christlichen Gewerkschaften stehen und diesen Gegensatz mit denselben Ausdrücken bezeichnen, mit denen der Gegensatz zwischen Sozialdemokratie und Zen- trum bezeichnet wird. Im Gegensatz zur Vorinstanz faßt es das Landgericht als mildernd auf, daß die Festrede von einem„Auswärtigen" ge- halten wurde und nicht von einer für die Zahlstelle verant- wortlichen Person. Es wird darüber gesagt: „Der Umstand allein, daß die Aeußerung seitens der ver- antwortlichen Personen unwidersprochen geblieben ist, bedeutet an sich nur wenig, hier aber um so weniger, als es sich nicht um eine Mitgliederversammlung, sondern um ein F e st handelte, bei dem es nicht auf den gedanklichen Inhalt, sondern auf die Stimmung abgesehen war und diese Stimmung bei einer Unter. brechung gefährdet worden wäre." Das Spielen der Arbeitermarseillaise ist auch nichts anderes als ein Stimmungsausdruck; Schlüsse auf das Wesen des Vereins gestattet es nicht." Aus allen diesen Gründen hob das Landgericht in seiner Sitzung vom 1. April das Urteil des Amtsgerichts auf und sprach die Angeklagten kostenlos frei. Der Erste Staatsan- walt vom Klever Landgericht konnte sich jedoch zunächst mit diesem Urteil nicht beruhigen, sondern legte Berufung ein, die er aber erst vor wenigen Tagen wieder zurückzog. Nachdem in seiner Berufungsschrift festgestellt ist, daß die Zahlstelle Kleve dem über ganz Deutschland verbreiteten Lederarbeiterverband angeschlossen ist, der den Zweck verfolgt, seinen Mitgliedern auf Grund des 8 152 der Gewerbeordnung bessere Arbeitsbedingungen zu erwirken, kommt der Staats- anwalt zu der Behauptung, der Verband suche auch Einfluß auf die Gesetzgebung zu erlangen. Als Beweis hierfür wird angeführt, daß sich der Verband überall auszubreiten und als „möglichst große Masse den Arbeitgebern und dem Staate gegenüber zu treten suche". Dazu komme noch die schon mehrfach erwähnte Redewendung von der roten Fahne und das Spielen der Marseillaise, „so daß nicht mehr daran gezweifelt werden(!) kann, daß der Zentralverband der Lederarbeiter und-arbelterinnen Deutsch- lands und damit jede ihm angegliederte Ortsgruppe politische oder sozialpolitische Zwecke verfolgt und daher als politischer Verein anzusehen ist". Man sieht an dieser inerkwürdigen Auffassung des Be- griffs, was unter politischer Betätigung zu verstehen ist, und der an den Haaren herbeigezogenen Begründung, welch unbe- rechtigten Behelligungen die Gewerkschaften unter dem gegen- wärtigen Vereinsgesetz ausgesetzt sind, dessen loyale Anwen- dung und Ausleguug seinerzeit im Reichstage zugesichert wurde. Berantw. Redakteur: Ulbert Wach», Berlin. Inseratenteil verantw.: Berlin und Umgegend. Die in den Schraubenfabriken beschäftigten Werkzeugmacher hielten am Dienstag eine gut besuchte Versammlung ab. Handle vom Metallarbeiterverband wies darauf hin, daß ein Mindestlohn von 60 Pf. pro Stunde den heutigen Zeitverhältnissen nicht mehr entspricht, zumal die Arbeit eine hohe Geschicklichkeit und ein starkes Verantwortungsgefühl voraussetzt. Es ist ein höherer Stundenlohn um so mehr berechtigt, als in einzelnen Betrieben, mit denen Tarife abgeschlossen sind, ein garantierter Mindestlohn von 70 Pf. pro Stunde besteht. Ein entsprechender und provisorischer Entwurf zur Vereinbarung liegt in folgender Fassung vor. Vereinbarung über die Lohn- und Arbeits- bedingungen für die in den Schraubenfabriken beschäftigten Werk- zeugmacher. 1. Der Mindestlohn für Werkzeugmacher, Dreher und Repara- turenschlosser beträgt nach einwöchentlicher Beschäftigung 70 Pf. pro Stunde. 2. Diejenigen Werkzeugmacher, Dreher und Sieparaturen- schlosier, welche diesen Mmdeftlohn oder einen höheren Lohn gegenwärtig schon bekommen, erhalten eine Zulage von S Pf. pro Stunde. 3. Ueberstunden werden mit 23 Proz. Auffchlag bezahlt. Sonntagsarbeit, soweit solche zur Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig ist, mit 30 Proz. 4. Etwaige bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen dürfen durch diese Vereinbarung nicht verschlechtert werden. Von einer bestimmten Zeitdauer ist mit Absicht vorläufig ab- gesehen worden, eine solche würde nur dann in Betracht kommen. wenn die Unternehmer es wünschten und auch dann nur, wenn sie einen Tarif für die gesamte Branche abzuschließen geneigt sind. Die Versammlung akzeptierte die Vorschläge einstimmig. Den Arbeitgebern soll der Entwurf zugehen mit dem Ersuchen, bis zum 21. d.'M. dazu Stellung zu nehmen. Lohnbewegung in den Berliner Schwerfuhrwerks- betrieben. Die Kutscher, Stalleute und Arbeiter der Schwerfuhrwerks« betriebe Groß-Berlins befinden sich in einer Lohnbewegung. Die in Frage kommenden Arbeiter, von denen über 3000 im Transport- arbeiterverband organisiert sind, haben in aller Stille ihre Vorberei- tungen zu dieser Bewegung getroffen. In den letzten Wochen fanden in den einzelnen Stadtteilen und Vororten Versammlungen statt, die sich mit der Frage der Lohnforderungen beschäftigten. In einer ge- meinsam abgehaltenen Versammlung wurde sodann von der eingesetzten Lohnkommission über die inzwischen ausge- arbeiteten Lohnforderungen Bericht erstattet und beschlossen diese in Form eines Lohntarif« Vertragsentwurfes den Unternehmern durch die Verbandsleitung überreichen zu lassen. Die Forderungen lauten im wesentlichen: Arbeitszeit von 6 Uhr früh bis e'/a Uhr abends inkl. 2 Stunden Pause. Die Lohnwoche ist mit 6 Tagen für alle Arbeiter zu berechnen. Ueberstunden sollen je mit 80 Pf. und, falls solche in dringenden Fällen nach 10 Uhr abends geleistet werden, mit 1 M. bezahlt werden. Für reguläre Nachtarbeit erhalten die Kutscher pro Nacht 1,30 M. Zuschlag zu ihrem Lohne. Die Lohnzahlung soll Freitags erfolgen. Der Sonntagvormittagsdienst, der sich nur auf die Pflege der Pferde beschränken soll, muß bis 10 Uhr vormittags beendet sein. Außerdem soll diese Arbeit so geregelt werden, daß die Kutscher abwechselnd jeden zweiten Sonntag völlig dienst- frei sind. Für den Sonntagsvormittagsdienst werden 2 M. und für das Füttern der Pferde am Sonntagnachmjttag 1,80 M. gefordert. Gegen die Unbilden der Witterung fordern die Kutscher von den Unternehmern Lieferung von Regenpelerinen und für die kalte Jahreszeit warme Decken. Neben diesen wesentlichen Forderungen enthält der Lohntarif noch eine Reihe anderer Bestimmungen. Die Forderungen sind bereits den Fuhrherren eingereicht und ist bis zum 13. Mai Bescheid erbeten worden. Achtung, Töpfer! Bei der Firma Otto B e r l o w und Hermann P o e t k e, Neulölln, Ossastr. 6, mußten unsere Kollegen die Arbeit einstellen, weil sie schon an zwei Zahltogen nicht ihren ganzen Lohn erhalten hatten und die Firma den Kollegen nicht die nötigen Garantien geben konnte, daß sie am nächsten Zahltage ihren vollen Lohn erhalten. Leider muß konstatiert werden, daß sich sofort Wilde gefunden haben— durch Vermiitelung de?„Töpfermeisters" Engel- hardt-Ploen— die die Arbeit bei den unsicheren Lohnverhältnissen aufnahmen. In Frage kommt der Bau Glasowstr. 36, Bauherr Rudolf Brandt, Charlottenburg, Nehringstr. 14. Zu bemerken ist noch, daß hier wieder einmal„Töpfermeister" unter Zahlungsbedingungen einen Bau zur Ausführung übernommen haben, bei denen die Firnia— die sonst über keine Betriebsmittel verfügt — mit den Lohnzahlungen ins Stocken geraten mußte. Nach ihrem Vertrage mit dem Bauunternehmer sollten sie pro Woche Zahlungen teils in bar und teils in Wechseln erhalten. Die Barzahlungen sind jedenfalls sehr knapp ausgefallen, und da auch die Lieferanten Geld verlangten, konnten eben die Gesellen nicht ihren vollen Lohn er- halten/ Die Herren haben es nun fertig gebracht, uns auch noch durch Brief wissen zu lassen, sie würden uns wegen Geschäfts- schädigung verklagen, wenn wir ihre Firma sperren. Die Herren löten gut, das Geld für die Klage lieber für die Lohnzahlung zu verwenden. Die Firma ist selbstverständlich für unsere Kollegen gesperrt. Weiter sperren wir hiermit wegen Tarifbruch und Beschäftigung von Wilden die Firma Rudolf Koch, welche zurzeit den Bau Friedrich- Ecke Achenbachstraße, Spandau, ausführt. _ Die Verbandsleitung. Zur Bewegung der Friseure. Der Verband der Friseurgehilfen hielt am 14. d. MtS. in den Arnimhollen eine öffentliche Versammlung ab. Das Thema: „Unsere diesjährige Lohnbewegung und was fordern wir?" wurde vom Referenten B o l p in eingehender Weise behandelt. Einige Jnnungsgehilfen glaubten, es sei notwendig, der Versammlung ihre wilden Sitten und Gebräuche vorzuführen, was aber von der Ver- sammlung, bon den Rednern S e U e ck e und Langer und im Schlußwort vom Referenten gebührend gebrandmarkt wurde. Die anwesenden Arbeitgeber hatten gegen den von Arbeitgebern und Arbeitern in der Tarifkommisfion vereinbarlen Tarif nichts ein- zuwenden gewußt. Folgende Resolution ivurde einstimmig an- genommen: Durch die stetige Preissteigerung der notwendigsten Bedarfs- artikel erachten die Frifemgehitfen eine Aufbesserung des seit 1ö06 bestehenden Tarises als dringend notlvcndig. Die Friseurgehilfen nehmen Kenntnis von dem Tarif, welcher zwischen dem Verbände und den Meistern in der Tarifkommission vereinbart wurde und verpflichten sich, für weitgehendste Aus- breitung des TarifeS Sorge zu tragen. Die Kollegen versprechen, zur besseren Durchführung des Tarifs die Organisation in ihren Arbeiten mit ganzer Kraft zu unterstütze» und, wenn nötig, in allen nicht bewilligten Betrieben die Arbeit zu verlassen, um sich der Organisation zur Verfügung zu stellen._ Achtung, Schuhmacher! In Neukölln ist im Laufe dieser Woche die Zahl derjenigen selbständigen Schuhmacher, die den von uns im Jahre 1910 verlangten Minimallohntarif unterschriftlich anerkannt haben, auf 36 gestiegen, Die Arbeilgeber(selbständige Schuhmacher), welche bewilligt haben, erhalten ein von uns gestempeltes rotes Plakat mit der Auf- schrift:„Hier sind die Forderungen der Schuhmachergehilfen be- willigt". Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. xh. Glocke, B«ri>n. Druck u. Verlag: VorlvärtsBu�r. u Verlagsanstalt Protest der Fleischergesellen. Bekanntlich hat die Berliner Fleischerinnung kürzlich den Be- schlug gefaßt, Mitglieder des Zentralverbandes der Fleischer nicht zu beschäftigen und ihnen den Arbeitsnachweis zu sperren.— Gegen diesen Beschluß, der, wenn er durchgeführt würde, für alle frcigewerkschaftlich organisierten Fleischergesellen die Aussperrung, die völlige Brotlosmachung bedeuten würde, erhob eine ungewöhn- lich starke, vom Zentralverband der Fleischer einberufene Ver- sammlung, die gestern abend im Musikersaale tagte, entschieden Protest. Der Referent Hensel betonte, daß der Jnnungsbeschluß der beste Beweis dafür sei, daß der Zentralvcrband mit Erfolg für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse gewirkt hat. Wenn aber die Innung glaubt, sie könne durch ihre Maßnahme den Zentralverband lahmlegen, so täuscht sie sich. Die Organisation ist stark genug, um sich gegen solche Angriffe auf das Koalitionsrecht zu wehren. Der Zentralverband wird den Kampf für die Rechte seiner Mitglieder aufnehmen, wenn die Fleischermeister mit der Durchführung ihres Beschlusses Ernst machen sollten. Bis jetzt sind nur vereinzelte Entlassungen aus Grund des Jnnungsbeschlusses erfolgt. Es liegt deshalb noch keine Veranlassung vor, bestimmte Gegenmaßregeln zu beschließen, aber dessen können die Fleischermeister sicher sein, daß sich der Zentral- verband nicht von ihnen unterdrücken läßt. Der lebhafte Beifall, der dem Referenten zuteil wurde, sowie die Ausführungen der Diskussionsredner ließen keinen Zweifel darüber, daß die freiorganisierten Fleischergesellen zur Abwehr gegen den Angriff der Innung bereit sind. Zum Fleischerstreik in Neukölln. Die Neuköllner Fleischermcister glauben, ein neues Mittel, den Boykott abzuschwächen, gefunden zu haben. Den Frauen, die nacki dem Tarif fragen, erklären sie, daß"*' sie im Interesse der Kundschaft nicht bewilligen können, denn sonst würde das Fleisch noch teurer werden. Vor einigen Wochen erklärte die Innung, die Gesellen erhalten viel mehr als der Zentralverband fordere, und jetzt soll das Fleisch teurer werden, wenn die For- derungen anerkannt werden. Es hat bald den Anschein, als ob die Fleischermeister, die den Tarif nickit anerkennen, den Streik zu einer Preiserhöhung benutzen wollen; sie möchten noch mehr aus dem Publikum herausschinden. Weiter verbreitet die Innung das Gerücht, daß sie gegen die Streikleitung wegen der Aufforderung zum Boykott Strafantrag stellen und eine Schadensersatztlage einreichen wird. Dadurch wird sie jedoch die Neuköllner Arbeiterschaft von der Einhaltung des Boykotts nicht abhalten können. Tie Herren, die den Boykott ihren „widerspenstigen" Kollegen gegenüber immer anwenden, schreien nach dem Staatsanwalt, wenn die Arbeiterschaft dasselbe tut. Nachstehende Fleischermeister haben den Tarif weiter unter- zeichnet: Hermann Rudolf, Johann-Huß-Str. 3, H. II e ck e r, Ockerstr. 43. Zentralverband der Fleischer. Die Streikleitung. Deutsches Reich. Bäckerstreik in Leipzig. Nachdem die Bäckerinnung in Leipzig jede Verhandlung über die Forderungen der Gesellen abgelehnt hat, beschloß eine Versamm- lung der Bäckereiarbeiter am 14. Mar mit 419 gegen 8 Stimmen, sofort die Arbeit niederzulegen. Die in den geregelten 260 Bäckereien beschäftigten Gesellen beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Außer 200 in den Konsumbäckereien und Brotfabrilen unter tarif- lichen Verhältnissen beschäftigten Bäckereiarbeitern arbeiten in den 260 geregelten Kleinbetrieben 310 Gesellen zu den neuen Be- dingungen. Aus den geregelten 440 Bäckereien sind von zirla 480 beschäftigten Gesellen 390 ausständig. Die Arbeiter Leipzigs werden den Kampf der Bäcker durch den Boykott unterstützen. Ausland. _ Friedensschluß in Dänemark. Nach wiederholten Einigungs- versuchen ist es dem Schlichtungsbcamieu am Montag gelungen, die verschiedenen Lohnkämpfe zum Abschluß zu bringen, die der Dänischen Arbeitgebervereinigung wieder einmal Veranlassung zu weitgehenden Ausspcrrungsbeschlüssen gegeben hatten. Auf Grund von Vorschlägen des Schlichtungsbeamtcn sind nun neue Tarif« Verträge abgeschlossen worden für die Ziegeleiindustrie und die Betonmaterialindustric Dänemarks sowie für die Holzlagerarbeiter und außerdem für die Fuhrleute in der westjütländischen Hafenstadt Esbjerg. Die Tarife sind auf 3 Jahre vereinbart und bringen den Arbeitern Lohnerhöhungen von 2 bis 5 Oere die Stunde. Im Baugewerbe war infolge der Streiks und Aussperrungen bereits eine schwere Arbeitsstockung eingetreten. Letzte Nachncbten. Gegen den Gewaltakt im Abgeordnetenhause. Kiel, 15. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Tie Kieler Arbeiterschaft protestierte heute in einer gewaltigen Protestversanunlung gegen die unerhörte Behandlung der sozialdeinokratischen Abgeordneten Borchardt und Lei- n e r t im preußischen Abgeordnetenhause und gegen das Ein- dringen der Polizei in das Abgeordnetenhaus. Die Per- sammlung fand unter freiein Himmel statt und war von etwa LOG) bis 19 999 Personen besucht. Einstimmig wurde eiine Resolution angenommen, die sich in scharfer Weise gegen das Lorgehen des Präsidenten und der bürgerlichen Parteien des preußischen Abgeordnetenhauses wendet und die Arbeiter- schaft auffordert, angesichts der Vorgänge im preußischen Ab- geordnetenhause mit erneuter Kraft den Kampf für die Er» ringung des allgemeinen, gleichen, geheimen»nd direkten Wahlrechts für Preußen auszunehmen. Ministerkrisis in Serbien. Belgrad, 13. Mai.(W. T. B.) Infolge der Demission des F i n a n z m i n i st e r s und des Ä r i e g s m i n i st c r s beschloß die Regierung, über die von ihr einzunehmende Haltung erst nach der Konstituierung der Skupschtina, die in der nächsten Woche er» folgt, die Entscheidung zu treffen. In politischen Kreisen wird der Rücktritt des Kabinetts M i l o w a n o w i t s ch erwartet. Der Kampf um die amerikanische Präsidentschaft. New Aork, 13. Mai.(H. B.) R o o s e v e l t errang einen überwältigenden Sieg über Taft in K a l i f o r n i e n.. wo er 40 000 Stimmen mehr als Taft erhielt. Zugunfall. Aschaffenburg, 15. Mai.(H. B.) In der letzten Nacht fuhr der von Frankfurt a. M. nach München um 11 Uhr 6 Minuten ab- gelassene Eilzug Nr. 169 in der Station Langenprczelten auf einen ausfahrenden Güterzug. Von dem letzteren wurden mehrere be- ladene Güterwagen demoliert, so daß der Materialschaden sehr beträchtlich ist. Vom Eilzug soll nur die Maschine be- schädigt sein. Drei Personen, eine Dame, ein Postbeamter und der Packmeister erlitten leichte Verletzungen. Die Ursache des Unglücks ist noch unaufgeklärt. Ein deutscher Lehrer unter Spionageverdacht. Bordeaux, 13. Mai.(P. C.) Die hiesige Polizei verhaftete heute den aus Wcrdau in Sachsen gebürtigen Lehrer Miceler unter dem Verdachte, zugunsten Deutschlands Spionage getrieben zu haben. Eine bei dem Verhafteten sofort vorgenommene Haus- suchung soll zahlreiches stark belastendes Material zutage gefördert haben. Zaul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 113. 29. Jahrgang. 1. Sdliip Ks„ Donnerstag, 16. Mai 1912. Reichstag. 63. Sitzung. Mittwoch, den 16. Mai 1912, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Tirpitz. Präs. Dr. Stampf: Der König Friedrich von Dänemark ist aus deutschem Boden plötzlich von einem Herzschlag getroffen worden. Der Deutsche Reichstag spricht der benachbarten dänischen Nation sein herzliches Bedauern und sein aufrichtiges Mit- gefübl hiermit aus.(Die Abgeordneten erheben sich von ihren Plätzen.) Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Beratung des Marineetats. Hierzu liegt seitens der Budgetkommission eine Resolution vor, die Erwägungen darüber wünscht, die soziale und wirtschastliche Stellung der Deckoffiziere zu heben, und eine zweite, die bei den Wahlen zur Betriebskrankenkasse und zu den Arbeiterausschüssen die Einführung der Verhältniswahl verlangt. Abg. Bogthcrr(Soz.): Die Herren vom Zentrum und die Konservativen werden heute wohl den Herren des Reichsmarineamtes g e st a t t e n, auf die Wünsche zu antworten, die meine Freunde und ich an den Staatssekretär zu richten haben. Es liegen hier eine Reihe von Beschwerden von kleinen Fischern aus der Nordsee vor, die sehr beweglich darüber klagen, daß sie in ihrem Gewerbe sehr schwer durch die Schießübungen der Marine geschädigt werden. Der Schießplan für 1912 umfaßt die Zeit vom 27. April bis 12. Juni. In diese Zeit von 47 Tagen fallen 11, die den Fischern vollständig verloren gehen und auch an anderen Tagen wird während der Flut- zeit geschossen, wodurch die Fischer großen materiellen Schaden erleiden. Sie haben den dringenden Wunsch, daß die Schädigung, die sie erfahren, ihnen nicht nur finanziell ersetzt wird, sondern daß ihnen durch eine andere Festsetzung der Schießzeit ent- gegengekommen wird, und zwar wünschen sie, daß die Schießzeit im Einvernehmen mit ihnen festgesetzt wird. Dasselbe trifft zu für die Minenübungen. Weiter ist die Nachricht durch die Presse gegangen, daß der Kronprinz seine Segelfahrzeuge nach den Danziger Gewässern führen wird, um dort den Segelsport auszuüben, und daß zur Begleitung das Torpedoboot 25 bestimmt ist, das der Danziger Abteilung dann zugeteilt wird. Die Verhältnisse des Kronprinzen sind mir sehr gleichgültig, es kann uns aber nicht gleichgültig sein, wie die Boote der Rcichsmarine, die auf Kosten des Volkes erhalten werden, verwendet werden. Der Staatssekretär wird uns vielleicht erklären, welche Art von Hebungen Schiffe und Mannschaften vor- nehmen, wenn sie den Kronprinzen begleiten auf seinen Vergnügungs- und Angelfahrten, die mit den Zwecken der Kriegsmarine in gar keinem Zusammenhange stehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kratew) Abg. Struve(Vp.): In der Marine wird mit großer Hin- gebung gearbeitet, obwohl die Anforderungen an die Mannschaften in den letzten zehn Jahren andauernd gestiegen sind. Man sollte doch daran denken, dre Anfordernngen nicht zu hoch zu spannen.— Der Redner tritt dann für die B e s s e r st e l l u n g der In- g e n i e u r e ein. Die Marineverwaltung hat diesen Bestrebungen gegenüber ein Schreiben des Chefingenieurs veröffentlicht, in welchem gesagt ist. die Ingenieure selbst wünschen gar keine Besserstellnug und wenden sich gegen die Treibereien des Abg. Struve. Die Veröffentlichung kann man nur als ganz ungehörig bezeichnen. (Lebhafte Zustimmung links.)— Der Redner tritt dann noch für die Besserstellung einiger anderen Gruppen von Marine- beamten ein. Staatssekretär v. Tirpitz: Für die Fischer wird eine wesent- liche Erleichterung dadurch geschaffen werden, daß Vorsorge getroffen werden wird, daß sie bei der Flut bequem hereinkommen können.— Den Ingenieuren habe ich von Anfang meiner Karriere an ein besonderes Wohlwollen entgegengebracht. Ich bin von den Ingenieuren selbst gebeten worden, zum Ausdruck zu bringen, daß sie vielfach nicht einverstanden sind mit der Art, wie ihre Interessen vom Abgeordneten Struve vertreten worden. Ich habe mich über dies Zeichen des Vertrauens der Ingenieure zu mir gefreut. Der Abgeordnete Struve hat seine Informationen, wie ich vermute, meist von Herren, die nicht mehr im aktiven Dienst sind, und daher ist er wohl meist nicht zu- treffend informiert. kleines feuiUeton. Strindierg in Berlin. Es sind jetzt fast zwanzig Jahre ver- flössen, seit August Strindberg sich in Berlin niederaelassen hatte. Die junge Wellstadt übte damals auf die jungen Literaten des Nordens eine besondere Anziehungskraft aus, und in Friedrichshagen, in der unmittelbaren Nähe von Berlin, hatte sich eine ganze.Kolonie von diesen Gästen aus Skandinavien angesiedelt, die dort den Gedankenaustausch mit dem jüngsten literarischen Deutschland suchte, bei dem damals der Geist des Naturalismus sein Wesen trieb. Unter all den sonderbaren Heiligen, die in jenen Jahren Friedrichs- Hägen bevölkerten, war aber August Strindberg der seltsamste und kühnste. Im Herbst 1892 war er nach Berlin gekommen. Er wohnte zunächst in Friedrickshagen bei seinem Landsmann, dem Dichter Ola Hansson. In einem jener kleinen und schmucklosen Häuschen, wie sie in der märkiicken Umgebung Berlins so häufig sind, hatte er sein Heim auf- geschlagen. Unten befand sich ein Wirtshaus, in dem die Ausflügler im Sommer einzukehren pflegten. Damals, in einem ungewöhnlich strengen Winter, war aber da draußen alles still, und die Linden- bäume vor dem Hanse wiegten sich unter der Last des Schnees. Zu dem Friedrichshagener Kreise, in dem Strindberg verkehrte, gehörte der vor etwa Jahresfrist verstorbene dänische Dichter Holger D r a ch m a n n, der Maler Evert Munck und von Deutschen unier anderen Wilhelm Bölsche und die Brüder Heinrich und Julius Hart. Geschrieben hat Strindberg damals wohl gerade nicht viel; aber er hat eifrig photographierl und über die Probleme der Akademie nachgegrübelt. Später zog er nach Berlin, wo er erst in der Lmdenstraße. später in der Potsdamer Straße ge- wohnt hat. Sein Stammlokal war die Weinstube zum.Schwarzen Ferkel"' Unter den Linden. Hier war Strindberg der bewunderte Mittelpunkt einer kraft-genialischen Tafelrunde. Strindberg hat im ganzen ungefähr dreiviertel Jahre in Berlin gelebt; im Frühjahr 1893 verließ er Deutschland und ging nach England. AuS Striudbergs letzten Lebensjahren. August Strindberg. der müde Erdenw'.uderer, hat die letzten Jahre seines LebenS wieder in der Heimat zugebracht. In Stockholm hatte er sich eine bescheidene Wohnung gemietet, vier Treppen hoch im Zentrum der Stadt. Seit der Scheidung von seiner dritten Frau stand er wieder allein; aber seine Kinder, die in Stockholm leben, haben alles getan, um durch Liebe und Sorgfalt dem Vater den Lebensabend zu verschönern. Die Gesellschaft und ihre Zerstreuungen mied Strindberg völlig; aber jeder Arme und Leidende, der des Dichters Beistand suchte, fand seine Tür und sein Herz offen. Er, der selbst so darunter gelitten, daß die anerkannten Größen keinen Mitbewerber aufkommen ließen, förderte eifrig jedes junge Talent, das den Rat des Meisters erbat. Daneben war vor allem jeder gute Pianist ein bei Strindberg gern gesehener Gast; er verehrte in erster Linie Beethoven, dessen Totenmaske über seinem Klavier hing, und er war überaus dankbar, wenn ein Freund Abg. Erzberger(Z.): Auf die süddeutsche Industrie und Land- Wirtschaft sollte bei den genannten Kapiteln des Marineetats mehr Rücksicht als bisher genommen werden.(Sehr richtig I>— Bei dem Vfe rkauf von Altmaterial sollte man den Konzern der Alt- bändler umgehen; das würde gar nicht schwer werden.— Die Konkurrenz, die das Stieler Offizier-Kasino dem deutschen Weinhandel bereitet, sollte beseitigt werden.— Den Wünschen, die der Abg. Struve für viele Beamtenkategorien vorgebracht hat, kann ich keineswegs z u st i m m e n; die Budgetkommission hat auch keineswegs mit ihrer Resolution sich mit allen Wünschen der Deckosfiziere, die keineswegs wirkliche Offiziere sind, sondern nur weiter gestiegene Unteroffiziere, einverstanden erklärt.— Für die Ingenieure ist in letzter Zeit sehr viel geschehen; eine Strafgewalt kann ihnen unter keinen Umständen verliehen werden.— A n gestelltenausschüsse sind vom Reichskanzler den Angestellten der Marineverwaltung zugesagt worden; dies Versprechen sollte endlich erfüllt werden.— In bezug auf die Arbeiterwünsche werden wir der Resolution der Kommission, die die Verhältniswahl zu den Arbeiterausschüssen wünscht, zustimmen. Ferner wünschen die christlich-nationalen Arbeiter, daß bei der Festsetzung der Akkordsätze die Arbeiterausschüsse mitwirken. Weiter ivünschen sie eine andere Regelung des Sommerurlaubs, und schließlich haben sie den dringenden Wunsch, daß endlich dem Willen des Reichstages entsprechend auch für die gesetzlichen Feiertage der Lohn bezahlt wird.(Zu- stimnmng im Zentrum.) Vizeadmiral Capelle: Süddeutschland berücksichtigen wir bei Lieferungen soweit es geht; bei öffentlichen Submissionen ist es nicht möglich. Wenn das Kieler Kasino Weine nach außerhalb ver- kauft, würde der Staatssekretär das entschieden verurteilen. Die Beschwerden haben sich freilich meist als unbegründet heraus- gestellt.— Auf die Arbeiterfragen wird später im Zusammenhange eingegangen werden. Abg. Hoff(Vp.): Die Kommission hat den Marineetat im A u t o m o b i l t e m p o erledigt; deshalb müssen wir im Plenum eine Reihe von Beschwerden vorbringen. Die Stadt Kiel hat außerordentliche Lasten, zum Beispiel Schullasten, durch die Marine und die Werften zu tragen und ihre Steuern um 70 Proz. erhöhen müssen. Das Fischereigebiet wird durch die Ent- tvickelung der Marine beständig eingeschränkt und die Fischer an der Kieler Föhrde sind geradezu in einen N o t st a n d geraten. In bezug auf die Angestelltenausschüsse und die Arbeiterfragen stimme ich mit dein Abg. Erzberger überein. Aber in bezug auf die Ingenieure ist er falsch unterrichtet; hier stimme ich voll- kommen mit meinem Freund Struve überein. Es handelt sich hier nicht um Personenfragen, sondern um den Kampf der Technik gegen die Juristerei und den Sumpf des, sagen wir einmal Marine- offiziertums.— Aus den Werftprozessen sind die Magazin- aufseher ganz intakt hervorgegangen; um so mehr ist zu bedauern, daß sie bei der Schaffung der besser bezahlten Lagerverwalterposten gänzlich übergangen sind.(Sehr richtig I bei der Volkspartei.) Mit dem neuen Werftdirektor ist ein rein bureaukratischer G e i st eingezogen, der bis zu den höheren Beamten hinauf Unzu- friedenheit erregt hat. Abg. Bogtherr(Soz.) führt Beschwerde über einen Fall, in dem die Großhändler einer Branche Kenntnis davon erhielten, welche Lieseranten bei einer Submission die billig st en Angebote ge- macht hatten. Die Grossisten haben daraufhin in geradezu erpresserischer Weise einen Druck auf diese Lieferanten aus- geübt. Wer hat den Grossisten diese Preise mitgeteilt, da die Sub- missionsangebote doch geheim sein sollten. Gegen solche Treibereien einzelner Beamten mit den Grossisten sollte im Interesse der Reichs- lasse Front gemacht werden.(Sehr richiig l bei den Sozial- demokraten.) Abg. Dr. Struve(Vp.) wirft dem Abg. Erzberger vor, daß er keinerlei Sachkenntnis hat. Seine Rede sollte in Marine- kreisen öffentlich angeschlagen werden, damit diese Kreise sehen, mit welcher Unkenntnis Herr Erzberger hier vorgeht. Herr Erzberger ist auch nicht einmal bei der Wahrheit ge« blieben. Er mag in Zukunft vorsichtiger sein, sonst kann sein Ruhm leicht erblassen. Abg. Ahlhorn(Vp.) führt, wie bereits im Vorjahre, Beschwerde darüber, daß der Konsumverein auf der Werft in Wilhelmshaven auch au Leute verkauft, die nicht auf der Werft beschäftigt sind. Dadurch wird den Geschäftsleuten eine unzulässige Konkurrenz gemacht. Abg. Erzberger(Z.): Herr Struve will mit seinen Reform- Vorschlägen unsere Marine desorganisieren. Alle Sachverständigen ihm eine Partie ans einem Beethovenschen Werke vorspielte. Strind- berg erhielt jeden Morgen Dutzende von Briefen, in denen alle möglichen Leute ihn um etwas angingen oder Fragen an ihn richteten. Der Dichter hat die Mühe nicht gescheut, jedes dieser Schreiben aufmerksam zu lesen und, wenn möglich, zu beantworten. Alle großen Bewegungen des politischen und literarischen Lebens hat er aufmerksam verfolgt; die Sache des sozialen Fortschritts lag ihm besonders am Herzen, und in den Büchern des Tages hielt er Umschau nach neuen Größen. Was Frauen geschrieben hatten, hat er freilich ignoriert, und auch an den Werke» der männlichen Dichterjugend hat er nicht viel Freude gehabt. Einen guten Teil seiner Mußestunden nahmen ge- lehrte Beschäftigungen ein. Ein Besucher fand den Dichter ge- wöhnlich an seinem Schreibtisch, wie er dicke wissenschaftliche Bücher studierte. Bücher auf den Regalen, Bücher auf dem Fuß- boden, Bücher überall I Unter dem Dach, im sechsten Stock, hatte sich Strindberg eigens ein Atelier gemietet, das er als Bibliothek und Studierstube benutzte. Strindberg war bis in die Anfänge seiner Strankhcit hinein unermüdlich tätig. Von jeder Art genialer Unordnung war der Dichter weit entfernt. Peinlich hielt er daraus, daß sich jedes Ding an seinem Platze befinde und daß er keine Stunde am Tage verliere. Unermüdlich schrieb und las er und rauchte dazu eine Zigarette nach der anderen. Und wenn er sich von der anstrengenden Gedankenarbeit erholen wollte, so ging er in den Salon und bewunderte seine Blumen, seinen Stolz, da er sie alle selbst gezogen hatte. Ein Erlas? gegen die Offiziersduelle von 1794. Die Debatten über die militärischen Duelle haben über die Geschichte dieser Un- siite(sie stammt nicht von den alten Germanen, sondern ist ziemlich späten spanischen Ursprungs) und ihrer Bekämpfung wenig oder nichts gebracht. Da ist es wohl von Interesse, der Vergessenheit einen Erlaß zu entreißen, mit dem seinerzeit der Herzog Ludwig Eugen von Württemberg dem Duellwesen im Heere zu steuern suchte. Der Erlaß gipfelt in einem kategorischen Duellverbot und bedroht alle Teilnehmer an einen Zweikampfe, sowohl den Herausforderer wie auch den Herausgeforderten und sogar auch die Sekun- danten mit sofortigem schlichten Abschied. Das interessante Doku- mcnt, das vom 11. Februar 1794 datiert ist, wurde von dem Herzog an die Gcneral-Leutnants von Stain und von Phull gerichtet und hat folgenden Wortlaut: »Seine Herzogliche Durchlaucht sind von dem Gefühle der Pflichten,� welche Religion, bürgerliche Ordnung und wahre Ehre vorzeichnen, zu sehr durchdrungen, als daß Sie nicht auf das dem Vernehmen nach noch immer im Schwang gehende Duellieren der Offiziere Höchst Dero Augenmerk richten und dem gesamten Mili- iär Corps Ihr gerechtes Mißfallen dagegen bezeugen sollten. Höchst- dieselbe sind überzeugt, daß in keinem Staats wo die Gescze herrschen, der Fall einer Selbst-Rache jemals eintreten könne, daß es daher ebenso Vernunftwidrig als gegen die Höchste Obrigkeit ver- ächtlich gehandelt sehe, mit Uebergehung derselben sich selbsten für wahre oder vermeintliche Beleidigungen Genugthuung schaffen zu wollen. Daß zwar die wahre Ehre der Offiziere darinn bestehet, lehnen das ab. Ich gehe lieber mit diesen Sachverständigen,(als mit dem großen Reformator der deutschen Marine, Dr. Struve. (Heiterkeit iin Zentrum.) Eine Resolution der Budgetkommission auf Hebung der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Deck- o f f i z i e r e wird debattelos angenommen. Abg. BrandeS(Soz.) (auf der Rechten mit Unruhe empfangen): Ich begreife es ja, daß Ihnen unsere Kritik unangenehm ist. Aber wenn es Ihre Interessen angeht, dann lassen Sie die Schleusen ihrer Beredsamkeit lange Zeit fließen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Jeden- falls brauchten wir nicht alle Jahre hier dieselben Klagen vorzu- bringen, wenn die Regierung wenigstens den Beschlüssen des Reichstages nachkäme. Der Redner verlangt, daß die Marineverwaltnng ihre Lieferungen nur an solche Firmen vergibt, die wenigstens den bescheiden st en Forderungen ihrer Arbeiter nach- kommen. Am schlimmsten liegen die Verhältnisse bei der größten Lieferantin, bei Krupp. Die Arbeiterausschüsse sind dort rechtlos und die Arbeitszeit ist viel zu lang. Vizepräsident Dove: Die Arbeiterverhältnisse bei Krupp stehen doch nur in einer rein äußerlichen Beziehung zum Marineetat. Oder wollen Sie verlangen, daß Krupp unter diesen Umständen keine Lieferungen erhalten soll? Abg. Brandes: Jawohl. Auch in früheren Jahren sind diese Fragen hier aus- fübrlich besprochen worden, ja der Reichstag hat Resolutionen hierzu beschlossen. Die Arbeiterverhält nisse bei Krupp ruinieren Leben und Gesundheit und zwar gilt das ausnahmslos für alle Abteilungen. Die gezahlten Löhne sind so dürftig, daß ein redlicher Arbeiter mit ihnen nicht aus» kommen kann. Der Arbeiter ist deshalb zu Ueberstunde n geradezu gezwungen. Auch auf der S ch i ch a u- W e r f t sind die Arbeiterverhältnisse so jämmerlich wie nur möglich. Dort sind die Löhne so niedrig, daß man sich wundert, wie eine Firma heute das ihren Arbeitern anzubieten wagt. Ein BerzweiflungsauSstand der Arbeiter führte leider nicht zum Erfolg. Die Firma lehnte alles rundweg ab, obwohl die Firma alle geradezu rührend bescheidene» Wünsche der Arbeiter nach ihrem Gewinn wohl hätte gewähren können. Die Marineverwaltung sollte endlich die im Borjahr vom Reichstag beschlossene Resolution befolgen und dafür sorgen, daß die bescheidenen Wünsche der Arbeiter in den Betrieben erfüllt werden, die aus der Reichskasse große Aufträge erhalten.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Wir können doch nicht in die Jnternas aller unserer Lieferanten herabsteigen. Wo sollen wir denn unsere Kanonenrohre anders bestellen als bei Krupp? Die Arbeiterverhältnisse bei Krupp hat der Vorredner nach meiner Ansicht falsch geschildert. Ich war bei Krupp und habe einen wesentlich anderen Eindruck gewonnen. (Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Potemkinsche Dörfer!) Und die Firma Schichau hat sich mit ihren Arbeitern geeinigt. Abg. Albrecht(Soz.) trägt Mißstände auf den Bekleidungsämtern in Wilhelms- Häven und Kiel vor. Die Arbeit wird immer mehr in die Heimarbeit gedrängt. Wir machen hier Gesetze gegen die Heimarbeit und die Marincverwaltung begünstigt sie. ES iverden nur etwa 10 Prozent der Arbeit von männlichen Arbeitskräften hergestellt, 90 Prozent von Heimarbeiterinnen gemacht. So werde» die Löhne gedrückt. 30 000 Tuchhosen sind jetzt in der Heimarbeit hergestellt worden, eben weil die Marine sie dadurch uin die Hälfte billiger bekommt. Das ist falsche Spar- jamkcit. Denkt denn die Marineverwaltung gar nicht daran, daß mit dieser Heimarbeit das Familienleben nntergraben wird? Die An- fertigung solcher Tuchhosen ist Männerarbeit und gehört in das Be- kleidungsamt. In Wilhelmshaven werden sogar Ueber» zieh er. richtige Mämierarbeit, an Heimarbeiterinnen vergeben. Der Urlaub müßte namentlich in den Bekleidungsämtern ein größerer sein; es lvird dort mit Stoffen gearbeitet, die mit Indigo gefärbt sind, und diese Arbeit ist sehr gesundheitsschädigend. Da sollten die Arbeiter, die 9 Stunden im Bekleidungsamt gearbeitet haben, nicht auch noch zu Hause arbeiten müssen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vizeadmiral Capelle: Die Zahlen, die der Vorredner angeführt hat, sind richtig, aber die Verhältnisse hat er ganz unzu» da wo Pflicht gegen den Regenten und das Vaterland es Gebietet, jeder Gefahr, auch des Lebens zu trotzen, es hingegen ganz Ver- nunftwidrig seh, aus Vorurtheilen und falscher Ehrbegierde sich selbst und andere dem größten Elend und Unglück auszusetzen. Se. Herzogliche Durchlaucht finden sich hierdurch bewogen, die gegen die Duelle längst bestehenden Geseze aufs ernstlichste zu erneuern, insbesondere aber zu erklären, wie Höchst Dieselbe gesonnen sein, so oft sich eine Ausforderung zum Duell oder auch nur ein bloser Recontre ereignet, wenn auch ganz keine nachteilige Folgen daraus erwachsen sein sollten, sowohl denjenigen Offizier, der herausfordert, ■aU den, der die Herausforderung annimmt, ohne alles Ansehen der Person und was auch für Entschuldigungsgründe vorgebracht werden mögen, von ihren Stellungen zu cassieren, und die Sekundanten ihres Dien st es zu entlassen. Wo im übrigen, wenn Duelle von nachteiligen Folgen begleitet fein sollten, die weitere Bestrafung nach den Kriegsgesetzen und dem verschiedenen Grad des Verbrechens vorbehalten bleibt." Upton Sinclair über Pres?korruption. Der„Daily Herald" veröffentlichte kürzlich einen interessanten Artikel von Upton Sinclair, dein Verfasser des vor Jahren im„Vorwärts" ab- gedruckten Romanes aus Chicagos Schlachthäusern:„D e r Sumpf". Genosse Sinclair schreibt:„Mit meinem Buche„Der Suntpf" wollte ich auf das Herz des Publikums zielen und traf es zufällig in den Magen. Vor vier Jahren kam der„New Uork Herald" zu mir und forderte mich auf, eine neue Untersuchung der Verhältnisse in den Schlachthäusern zu veranstalten. Ich konnte die Aufgabe nicht selbst übernehmen; aber ich kannte jemand, der mit den Verhältnissen vertraut und bereit war. mit, einem Reporter ans Werk zu gehen. Sie taten es denn auch und arbei- teten ein paar Monate in den Viehhöfen und schrieben eine ein- drucksvolle Studie über den Gegenstand. Am Schlüsse stellten sie fest, daß die Verhältnisse schlechter denn jemals wären. Der„New Jork Herald" unterdrückte den Bericht, obwohl die gesainte Redaktion der Ansicht war, daß dies die größte Sache wäre, die das Blatt während seiner ganzen Lebensdauer gehabt hätte. Mr. I. Gordon Bennett machte sie tot, und kein anderes Blatt in New Uork wollte auch nur eine Zeile darüber bringen. Da hielt ich einen Vortrag in"New Uork vor 0000 Zuhörern. Keine Zeitung in New Uork berichtete darüber. Ich berief eine Versammlung nach der Schlacht- Hausgegend ein und erzählte dort die Geschichte. Jede Zeitung in Chicago hatte ihre Berichterstatter geschickt; doch das einzige Blatt, das eine Zeile darüber brachte, war der„Chicago Socialist". Eine führende konservative Zeitung in London ersuchte mich um einen Bericht über die Verhältnisse in den Viehhöfen. Auf ihre Kosten sollte ich ihr ein beliebig langes Kabeltclegramm schicken. Ich kabelte etwa 500 Worte. Niemals veröffentlichte sie auch nur eine Zeile. Dann schickte eine angesehene liberale Zeitung einen Ver- treter zu mir, der mich über die Schlachthausfrage interviewen sollte. Sie hat niemals eine Zeile gebracht. So habe ich gefunden, daß es keinen anderen Weg gibt, um solche Tatsachen bekanntzu- geben, als ein Buch zu schreiben." Wahrhaftig, dieser Preßsumpf ist ein würdiges Seitenstück zu dem skaiiMöjen Schlgchthgusjumpl. treffend geschildert. Soweit wir Heimarbeit bergeben, ist daZ die größte WohlfahrtSeinrichtung.(Heiterkeit und Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Wir werden geradezu überlaufen von Frauen, die Arbeit haben«vollen. Es bekommen auch keineswegs nur die Fraueir von Schneidern diese Arbeit, sondern auch andere Frauen. Wären die cnva 1500 Frauen, die Arbeit bekommen, sämtlich Frauen von Schneidern, so müßten diese in Vielweiberei leben. lHeiterkeit.) Nur 8 von den 1500 Frauen sind Schneiderfrauen. Uebrigcns haben sie nicht die ganzen Stücke zu machen, sondern be- kommen sie zugeschnitten und haben nur Teilarbeit zu leisten. Ge- sundheitsschädigend ist die Arbeit nicht. Abg. Albrecht(Soz.): Es gibt ja Mensche», welche die Heimarbeit für eine Wohltat halten, nur nicht die Heimarbeiter selb st. Ich habe keineswegs nur von Frauen von Schneidern gesprochen, sondern auch Frauen von Handwerkern und Unteroffizieren erhalten Arbeit, und zwar geschieht dies aus Sparsamkeit; denn eS handelt sich um Arbeit, die von gelernten Schneidern herzustellen wäre. Daß sie nur einen Teil eines Stückes arbeiten— nun, wenn der Admiral von der Schneiderei etwas verstände, würde er wissen, daß das bei den Zivilschneidern auch so ist.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kratcn.) Abg. Dr. Struve(Vp.): Die Werft handelt recht daran, daß sie den Frauen und Witwen gut bezahlte Arbeit gibt. Abg. NoSke(Soz.): Es heißt alle Begriffe von Sozialpolitik auf den Kopf stellen, wenn man das, was die Marineverwaltung tut, als sozial- politische Tat preist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nur in baulicher Beziehung ist das Bekleidungsamt in Wilhelms- Häven ein Musterinstitut. Damit hört die Sozialpolitik aber auch auf. Unter den 1500 Franen, die beschäftigt werden, sind doch nur eine kleine Anzahl Witwen, die anderen sind Ehefrauen von Männern im Dien st e der Reichsverwaltung. Wir müssen fordern, daß diese Männer so bezahlt werden, daß sie ihre Fanrilien ernähren können, ohne daß ihre Frauen von früh bis spät arbeiten müssen.(Lebhaftes Sehr richtig! vci�dcu Sozialdemokraten.) Vizeadmiral Capelle cß Unter den 1500 Frauen sind 200 bis 800 Witwen, im übrigen arbeiten die Frauen nicht die ganze Woche hindurch von früh bis spät, fondern nur einige Stunden. Abg. Albrrcht(Soz): Gegen die Beschäftigung von Witwen haben wir nichts; aber die von Schneidern zu machende Arbeit darf nicht den Frauen mitgegeben werden. Was nützt der Neunstuudentag auf dem Be- IleidungSamt, wenn der Arbeiter zu Hanse noch stundenlang arbeiten muß, nur damit seine Frau mit der Arbeit fertig wird. Vizeadmiral Capelle: Jede einzelne Frau bekommt nur so viel Arbeit mit, daß sie täglich etwa l'/z Stunden zu tun hat. Abg. Brandes(Soz.): Auf den Werften lassen die Arbeitsverhältnisse sehr viel zu wünschen übrig. Die Löhne sind außerordentlich niedrig. Der neue Lohntarif bringt für die Hilfsarbeiter, die doch am ungünstigsten gestellt sind, überhaupt keine Ver« besseruirg, und für einzelne Gruppen von Arbeitern bringt der neue Tarif Verschlechterungen statt Verbesserungen. Die Entlohnung der einzelnen Gruppen ist außerordentlich ungleich. Die Akkordpreise sind nicht in die Höhe gegangen. Die Arbeitszeit ist eine ungeheuer lange, auf der elektrischen Zentrale beispielsweise ist die jährliche Arbeitszeit 4200 Stunden(hört! hörtl bei den Sozialdemokraten), während der neunstündigen Arbeitszeit bei 300 Arbeitstagen nur 2700 Stunden entsprechen würden. Aber zur Einführung des Dreischichtsystems kann sich die Werftverwaltnug nicht entschließen. Zu klagen ist auch über das rücksichtslose S l r a f f y st e ni. Bei der Unterlassung der Stempelung oder falscher Stempelung, die im schlimmsten Falle auf einer entschuldbaren Nachlässigkeit beruhen, an der die Arbeiter oft ganz schuldlos sind, die oft auf Versehen von Beamten beruhen, wird in rücksichtslosester Weise auf hohe Strafen erkannt. Eine Beschwerde des Arbeiterausschusses hatte nur den Erfolg, daß die B e st r a f u n g e n noch schlimmer wurden.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.)— In bezug auf schlechte Gesund- heitöverhältiiisse liegt ein reiches Material vor, ich will nur die Maler in Wilhelmshaven anführen, die mit schädlichen Stoffen, deren Verwendung in Hamburg und Kiel verboten ist, stundenlang arbeiten müsse». Beim Einstellen von Leuten holt sich die Verwaltung Auskunft bei der Polizei. Der häßlichsten Denunziation wird dadurch Tür und Tor geöffnet. Wir brauchten hier die Beschwerden nicht immer wieder vorbringen, Humor und Satire. Zum Schießen. War das nicht zum Schießen wieder, dies Beweisen mühevoll, daß man seinen Nächsten nieder- fchietzen... zwar nicht muß, doch soll? Daß es so— und doch nicht wäre? Daß der deutsche Offizier hätte eine Extraehre, ob sie gleich nicht existier'? ... Wenn sich einst das Volk erfrechte— ach, du gute alte Zeit! gegen edle Lanzenknechte, war die Antwort schnell bereit. 1, 2, 8, man zog vom Leder, 1, 2. 3— und hat ihm schont so begegnete man jeder frechen Interpellation. Heut muß man die Hitze dämpfen, der Rotüre Rede stehn, mit Vernunft und Logik kämpfen und geschickt den Brei umgehn. Ach, da wird zum Eiertänzer mancher alte Militär, grab' als hätt' im Zirkus Renz er einst gedient, und nicht im Heer. Und der Dichter im Genießen solchen Anblicks hält den Bauch: Ja, es war zum Kugeln, Schießen... Und bei diesem bleibt es auch. __ Franz. Notizen. — Gegen die„H e r st e l l u n g s k o st e n v e r l e g e r", die manchem armen Teufel für eine in Aussicht gestellte Unsterblichkeit seinen letzten Groschen abnehmen, hat der Deutsche Verlegerverein in einer Hauptverfammlung vorzugehen beschlossen. — Sie schämt sich nicht, die russische Regierung, gegen Maxim Gorki, den tapferen revolutionären Kämpfer, aufs neue einen Steckbrief zu erlassen. Die Behörden sind angewiesen, ihn ausfindig zu machen und zu verhaften. Die Infamie wird dem von dem Proletariat der ganzen Welt verehrten Dichter glück- Jicherweise nichts anhaben können. — Neue Funde in Pompeji. Bei der Fortsetzung der Ausgrabungen in Pompeji entdeckte man ein vollständig erhaltenes Fresko von außergewöhnlicher Bedeutung und wunderbarer Schön- heit. Es fchmückte die Fassade eines au einem öffentlichen Wege liegenden Hauses und stellt die Venus von Pompeji mit dem Diadem dar, die unter geflügelten Amoretten auf einem von vier herrlichen indischen Elefanten gezogenen Wagen dasteht. Die Farben sind sehr harwvnisch und frisch. wenn die A r b e i t e r a u s s ch ü s s e bon der Marineberwaliung so behandelt würden, wie von einer Reihe vernünftiger Arbeitgeber. Das geschieht aber keineswegs. Der Redner schildert einige Fälle, in denen Mitglieder der Arbeiterausschüsse, die eine Differenz wegen ihrer Tätigkeit als Ausschußmitglied mit der Verwaltung hatten, einfach entlassen wurden.(Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) So also wird die wichtige Institution der Arbeiterausschüsse be- handelt. Es ist kein Wunder, daß sich unter diesen Umständen der Arbeiterschaft eine Enipörung bemächtigt. Die Staatsbetriebe sollen doch Musterbetriebe sein und in Musterbetrieben darf die Arbeiterschaft als ein gleichberechtigter Faktor im Wirt- schaftsleben nicht in dieser Weise behandelt werden.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Geh. Admirasitätsrat HarmS antwortet auf die vorgetragenen Beschwerden und behauptet, die Marineverwaltung sehe darauf, daß die von ihr gezahlten Löhne mindestens den in Privatbetrieben ge- zahlten gleich seien, und daß zu diesem Zweck erst neuerdings Lohn- aufbesserungen vorgenommen seien. Abg. Wcinhaufcn(Vp.) bringt einige Klagen von Werftarbeitern aus Danzig vor. Die Resolution der Kommission, welche die Verhältniswahl für die Wahlen zu den Arbeiterausschüffen und der Betriebskrankenkassen verlangt, wird angenommen. Der Rest des Marineetats wird debattelos bewilligt. Es folgt der Etat für Kiautfchou. Abg. Hrrzfeld(Soz.) spricht gegen die Forderung von 675 000 M. für Armierungsausgaben, wovon der größte Teil für Truppe» zum Schutze des Lebens und Eigentums der Deutschen in C h i n a bei der Revolution verwendet werden soll. Die Revolution hat ihr Ziel erreicht, und zwar ohne daß Deutsche gefährdet wurden, und Ruhe und Sicherheit ist in der Republik China jetzt eingekehrt. Trotzdem mutet man jetzt dem Reichstage diese Ausgabe zur Verwendung von Truppen in China zu. Die Deutschen in China selbst verlangen diesen Schutz gar nicht, die Chinesen selbst kommen nach Tsingtau, weil dort alles ruhig und sicher ist. Jetzt bereits haben wir 2400 Mann in Kiautschou, 500 Mann in Peking, wo zwei deutsche Firmen sich befinden, denen während der ganzen Revolution nichts geschehen ist. Bei der Revo- l u t i o n in Rußland wurden Deutsche getötet, beim Buren krieg ist deutsches Eigentum vernichtet worden. Damals hat man den diplomatischen Weg zum Ersatz des Schadens eingeschlagen. Dasselbe muß auch in China geschehen, wenn dort deutsches Eigentum vernichtet würde, was bisher gar nicht geschehen ist. China ist doch kein wildes Land, es wäre geradezu Völker- rechtswidrig, wenn wir Truppen zum Schutz der Deutschen dorthin schicken würden. Ernsthaft kann es sich bei diesen geforderten 500 Mann nicht um den Schutz der Deutschen in China handeln, sondern sie sollen unsere imperialistische Politik fördern. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) England, Frankreich und wohl auch die Vereinigten Staaten wollen China unversehrt er- halten; aber in Japan und Rußland existieren Strömungen, welche chinesische Gebietsteile besetzen wollen. Diesen Bestrebungen wird am besten begegnet, wenn die chinesische Regierung die chinesilche Republik aufrechterhalten wird. Dazu braucht China Geld, Geld und wieder Geld. Das sollen die großen Banken geben, und zum Schutz dieser großen Banken sollen diese neu ge- forderten 500 Mann dienen. Mit den Truppen, die wir dort bereits haben, wird dann eine Situation ge- schaffen, die uns noch recht teuer wird. Die Hochfinanz will sich dort eine Finanzkontrolle sichern. Das kann sich China nur gefallen lassen, so lange es ohnmächtig ist. Aber China ist erwacht und wird sich dann von solcher Kontrolle un- abhängig machen, und dann haben wir den Kladderadatsch als Folge der imperialistischen Politik. Das machen wir nicht mit, des- halb lehnen wir diese Forderung ab.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: In der Kommission haben die Freunde des Borredners einen anderen Standpunkt eingenommen. (Hörtl hört! rechts.) In der Kommission teilte auch der Vertreter des Auswärtigen Amtes mit, daß von den Deutschen in China, aber auch von den chinesischen Behörden von uns Truppen zuin Schutz verlangt wurden. Es haben auch Deutsche während der Unruhen fliehen müssen, ein Deutscher ist auch ermordet worden. Ueber das Hinausschicken der Truppen entscheidet das Auswärtige Amt. Sicherlich werden diese Truppen im Interesse des Deutschtums ver- wendet. Abg. Dr. Hcrzfeld(Soz.): Daß einige Deutsche während der Unruhen geflohen sind, glaube ich; Hasenfüße gibt es überall. Daß die chinesischen Behörden um die Entsendung von Truppen gebeten haben, ist verständlich. Sie wünschen nämlich, daß sich die deutschen, französischen, englischen Truppen gegenseitig im Schach halten. Für uns kann das kein Grund sein, Truppen hinauSzuschicken.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdeniokraten.) Die Abstimmung über diesen Titel wird ausgesetzt bis zum nächsten Dienstag: im übrigen wird der Etat debattelos an- genommen, ebenso der E t a t d e r S ch u tz g e b i e t s s ch n l d. Hierzu wird auch eine Resolution angenommen, welche die Ein- richtung eines Schutzgebietsanleihebuches wünscht, und eine weitere, die verlangt, bei Begebung von Schutzgebietsanleihen den Schutzgebieten seitens des Reiches Vorschüsse zu gewähren, wenn für Schuygebietsschuldvcrschreibungen wesentlich ungünstigere Be- dingungen zu erreichen sind als für direkte Reichsanleihetitel. Hierauf vertagt sich daS Haus auf Freilag 1 Uhr. (Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes), Schluß 8-/« Uhr.__ HbgcordiKtenbaiiB. 73. Sitzung. Mittwoch, den 16. Mal. mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: Kommissare. Die Vorlage über die landwirtschaftliche Unfall- Versicherung wird von der Tagesordnung abgesetzt. Die Wahl des Abg. Wohlfahrt(natl.) wird gemäß dem Kommissionsantrag für gültig erklärt. Abg. Sielermann(k.) beantragt namens der GeschäftSordnungS- kommiffion, über das Schreiben des Amtsgerichts Halberstadt wegen einer Beleidigungsklage gegen den Abg. B o i s l y(natl.) einen Beschluß nicht zu fassen, da kein Antrag von zuständiger Seite vorliegt. Das HauS beschließt so, dann verweist es den Antrag eines Berliner Rechtsanwalts, die Genehmigung zur strafgerichtlichen Verfolgung des Abg. R a h a r d t» Bosen, tafelfertig, Jbillllnvll zum Warmmachen, ca 1 C 6—8 Pfd.»obwer..... Pfund* Geflügel Junge Enten 2.40, 3.00, 3.50 Junge Gänse.. Pfund 1.15, 1.25 Brathühner. stact 1.65 bi- 2.25 Suppenhühner stk. 1.75 ms 3.25 Junge Tauben. stack 45, 75 pf. Möweneier......«stacklSpf. Fleisch Schmorfleisch. p�nd 1.00 Roastbeef pu. 1.1 Oi 1.50 Brust u.FehIrippepfund80pf. Kamm- u. Querrippe 70pf. Gulasch..... Pfund 70 pf. Nierentalg Pfd. 50, faTsen GO pf. Kamm u. Schuft Pfd. 90 pf. Rückenfett... Pfund 70». Gehacktes Fleisch Pfd. 60pf. Kalbskamm und Bug 85 pf. Kalbsbrust 85», s�-l.OO Kass. Rippespeer 85�1.00 Pökelzunge____ pfd. 1.30 v_ y Tische Kabeljau to��und 10 pt Seelachs �S�pinnd S Pt Schellfisch....... Pfund 15 pt Rotzungen....... Pfund 10 Pf. Grosse Schollen..... Pfd. 25 pt LaChS in ranzen Fischen Pfand 48 Pf. Lebende Krebse mä 50�-4.00 Solo-Krebse... stack 40, 60 pf. Lebende Schleie____ prd. 1.10 Lebend. Aale ra.95 pf.1.20, 1.35 "Räucherwaren Lachsstör in Stacken... Pfd. 68 Pf. Geräuch. Aale Pfd. 1.20, Bd. 40 pt Bücklinge....... s stack 10 pf. Kieler Schlclbäckllnge 20 pt Ahlbecker Flundern. Pfand 40 pf. Grosse Flundern... pw 70 pt Sardellen.... pfnnd 75, 90 pf. Matjes-Heringe st. 15, 20, 25 pt. Aal in Gelee..... Pfand 98» Die mit% bezeichneten ArtiKel Können nicht zugesandt werden. 'Obst u. Gemüse Frische Erdbeeren.. pfd. 70 pa Australische Acpfcl.. pfd, 38 pt Kopfsalat........ s Kopf 20 pf. Holland. Gurken st 15,28, 33 pl Rhabarber_______ 2 Bond 10» Spinat.....»»..Z Pfnnd 10 Pf. Radieschen......« Band 10 pt Frisch. Spargel pfd. 35, 50, 70 pt Zitronen... Du 28, 40, 60 pt Italienische Kartoffeln pfd. 14pf. Waldmeister..... 3 Band 10 pl Junge Mohrrüben Ö. 35» Käse und Butter Eniment!iaierp(i.l.I5, Schweizer 88 pf. Tilsiter. Pfd. 72, Holländer 95 Pf. Limburger Pfd. 58 pf. Brickäse.......... pfd. 68 pt Speise- Quark..... sta°k 10 Pf Koch- und Backbutter Pfd. 1.20 Tischbutter........ Pfd. 1.26 Tafelbutter pfd. 1.30,'W 65 pt Extra-Preise für Porzellan, Glaswaren, Nächsten Sonntag( vor Pfingsten) bleiben unsere Geschäftshäuser wie an allen Sonntagen geschlossen. ................................ ,,io.''l daß die Löhnung nicht für den„Mann" und seine privaten Be- dürfnisse, sondern für die Bedürfnisse des Heeresganzen eingeführt ist. Das Recht auf Essen, Trinken, Schlafen, Wohnen usw. ist ebenfalls nichts als eine maskierte Pflicht: denn nicht nur zum Exerzieren, zur Instruktion, zum Sachenreinigen läßt der Herr Hauptmann antreten, sondern eben auch zum Essen, zum Baden, zum Biertrinken, zum Kirchgang, zum Wcihnachtsfett— alles das ist keinerlei ins Einzelbelieben gestelltes Rechte sondern„Dienst", und wer die Nacht- oder Tagesruhe verabsäumen oder sein Recht auf Speise und Trank nicht wahrnehmen würde, würde bestraft. Dann sind alle diese Dinge auch gar nicht für den äußeren oder inneren Menschen da, sie gelten vielmehr dem militärischen Dien st tu er, der als kricgstüchtiges Instrument erhalten wer- den soll. Die wunderlichste Pflanze im Garten der soldatischen Rechte ist das B e s ch w e r d e r e ch t. Zunächst chat auch dieses wieder den Charaktev der Pflicht: der Soldat d a r f sich nicht allein beschweren — er soll sich auch besckstveren(allerdings ist eS noch nicht gehört worden, daß einer, der dieser Meschwerdepflicht nicht genügt hätte, zur Untersuchung oder Bestrafung herangezogen worden wäre). Dann abev: das Recht der Beschwerde ist ein so beängstigend viel- fach paragraphiertes, es hat so viele tückische Falten, aus denen dem Beschwerdeführer allerlei Bedrohliches entgegenblitzt, daß jeder gerne die Finger davon läßt, selbst wenn er Besonnenheit und Ueberlegenheit genug besitzt, einen formalen Verstoß zu vermeiden, ivas wiederum nicht so ganz leicht ist— eS ist mit zu viel Pflichten verknüpft, dieses Beschtverderecht, als daß man eS mit Recht ein „Recht" heißen könnte. Sachlich gewertet gleicht es einem Pfeil, der, vom Ziele abprallend, sich gern gegen die Brust des Schützen kehrt. Psychologisch betrachtet ist eS wie ein Sprenggeschoß, dem der Unkundige mit den ungewissesten Gefühlen gegenübersteht: er weiß nicht, ob das DingS nicht losgeht, wenn er es anfaßt— und so läßt er die Hände lieber davon.> Die faktische Rechtlosigkeit des Soldaten ist nur einer der Gründe für das immer in seiner Seele lebendige Ztvangsbewußt- sein, das wir oben ganz im allgemeinen gekennzeichnet haben. Es gibt dafür noch andere: einen mehr in der äußeren und einen mehr in der inneren Organisation des Dienstbetriebes liegenden, nämlich die Inbeschlagnahme de L ganzen Menschen durch das System und dix D i s z i p. l i v, deS S5ot!iftünb'et LaklbgetichtS Ra�uptüfeft kvckr. veatiträgte Set Verteidiger Rückverweifung an die Vorinstanz, mit dem Bemerken, es liege der begründete Verdacht vor, dah die U r t e i l s- gründe formularmäßig entworfen seien. Die ange- gebenen Gründe seien so allgemein und sie paßten so wenig auf den vorliegenden Fall, daß man zu der Annahme komme, ein Teil der Urteilsbegründung sei ein für allemal entworfen. So heiße es ganz unmotiviert:„Mit Rücksicht auf den unglaublichen Terroris- mus, der nur ein Glied ist in der Kette" usw....unglaubliche Ueber- Hebung seitens der Streikenden". Eine formularmäßige Begründung verstoße aber gegen die Straf- Prozeßordnung. Das Berufungsgericht kam gleich zur Freisprechung. Das Urteil des Schöffengerichts in Kastrop wurje a u f g e h o h e n« Fünfzehnte Gtnernlversnmmlung des Dentschen Tnbaknrbeiterverbaudes. Hamburg, 14. Mai. Zweiter BerhandlungStag. In seiner gestrigen Begründung der Vorschläge zur Ver- itnigung des Zigarrensortiererverbandes mit dem Tabakarbeiter- verbände hatte der Sekretär K r o h n auf breiter Basis einen historischen Rückblick in die Entstehungszeiten der beiden Verbände geworfen und dabei die Ursachen aufgezeigt, die einen Zusammen- schluß der beiden Gruppen des Tabakarbeiterverbandes sowohl von Anfang an bis in die letzten Jahre hinein vereitelten. Das Haupt- sächlichste materielle Hindernis, die Unterstützungseinrichwngen des Zigarrensortiererverbandes, verlor seit dem Zeitpunkt seine schwerwiegende Bedeutung, seitdem der Tabakarbeiterverband selbst zur obligatorischen Einführung der Kranken- und Arbeits- lysenunterstützung überging. Jedoch blieben dann immer noch eine tanze Reihe ideeller und praktischer Schwierigkeiten zu überwinden. tor allem der Druck der EntWickelung aber, die auch das Tabakgewerbe mit immer größeren wirtschaftlichen Kämpfen überzog, in die die Zigarrensortierer mit hineingezogen wurden, stieß schließlich alle Bedenken und Gegengründe über den Haufen und setzte die Er- kenntnis von der Notwendigkeit des Zusammenschlusses in beiden Lagern allgemein durch. Der jetzt zwischen den Vorständen zu- stände gekommene Verschmelzungsentwurf kann allerdings nach Lage der Verhältnisse nur als ein Kompromiß gelten. Er ist auf. «gebaut immer von dem Gedanken aus, nach Möglichkeit beiden Seiten gerecht zu werden und alle Mitglieder im Verbände fest- zuhalten. Er sei aber durchaus nicht einseitig auf die Interessen der Zigarrensortierer zugeschnitten, wie manche Kollegen meinten, Sondern die maßgebendsten Bestimmungen seien aus dem Statut es Tabakarbeiterverbandes herübergenommen. Die Unterstützungs- fätze und die Beitragsstaffeln seien nach genauesten Prüfungen und Berechnungen festgesetzt. Erhöhe man die Unterstützungen, so bedinge das die gleichzeitige Beitragserhöhung. Redner bittet aber, die Vereinbarungen möglichst unverändert anzunehmen. �Beifall.) In der Diskussion tritt keine Opposition sehr wesentlicher Art ?>egen die Verschmelzungsbedingungen zutage. Vor allem erhob ich keine Stimme gegen die Verschmelzung selbst. Im wcsent- lichen wurden nur Abänderungsvorschläge an den Unterstützungs- sähen gemacht; es werden z. B. anstatt der sechs Klassen nur vier Klassen verlangt. Andere Redner verlangen im Beitragswesen eine noch stärkere Klassifizierung. Zum Beispiel Breslau wünscht Avischen die 3. und 4. Klasse noch eine Zwischenstaffel von L5 Pf. eingeschoben. Viele Kollegen aus dem Süden— denen nachher noch von mehreren-Seiten beigepflichtet wird— befürworten die Einführung noch einer besonderen Beitragsklasse für Jugendliche. ES fei zu i berücksichtigen, daß im. Süden viele Be> triebe bis zu bO Proz. Jugendliche mit einem Verdienst bis herab zu 4 M. pro Woche beschäftigen. Für diese jungen Leute sei ein Beitrag von 35 Pf. entschieden noch zu hoch.— Gegen die Herab- setzung der Beiträge für Jugendliche wandte sich vor allem ein« dringlich der Redakteur Niendorf. Die holländische Bruder- Organisation habe dieses Experiment bereits gemacht, jedoch, wie die Tatsachen zeigen, ohne Erfolg. Im Tabakarbeiterberuf sei es vor allen anderen Berufen untunlich, zu klassifizieren nach dem Alter, denn die jugendlichen Leute verdienen oft mehr als die alten. Wolle man der wirklichen Leistungsfähigkeit gerecht werden, müsse man klassifizieren nach dem V e r d i e n st und der ganzen Ver- fchiedenartigkeit der Verhältnisse. Das aber sei praktisch undurch- isührbar.— Diesen Argumenten trat wieder ein ganz Teil anderer Lledner, so auch der Gauleiter Stock- Heidelberg, bei. Eine Rednerin aus Dresden führte aus, daß man mit demselben Recht wie für die Jugendlichen auch für die Heimarbeiter geringere Bei- träge verlangen könne.— Im Verlaufe der weiteren Debatte traten jedoch immer wieder Redner für eine geringere Beitrags- zahlung der Jugendlichen ein. Ein weiterer viel besprochener Punkt war die Streik- Unterstützung. Von vielen Seiten wurde befürwortet, die Streikzuschläge für alle Kinder und die Streikunterstützung in allen Klassen gleich zu zahlen. Braunschweig wünscht, daß invalide Mitglieder, sofern sie mindestens fünf Jahre Verbandsmitglied sind, nur die halben Beiträge zahlen, wofür ihnen Kranken- und Sterbeunterstützung gewährt werden soll. Einen ähnlich lautenden Antrag vertraten auch noch andere Orte. Eine Rednerin aus Berlin trat eindringlich dafür ein, in den Vorstand Und Ausschuß auch einen Zigarettenarbetter aufzunehmen. Im Schlußwort konnte K r o h n konstatieren, daß die Diskussion ergeben habe, daß die Vorlage, im großen und ganzen genommen, den Anschauungen der Mitglieder entspricht. Auch Krohn bekannte sich als Gegner einer besonderen Jugendklasse. Diese eine Herabsetzung der Beiträge wird in threr Wirkung zu weiteren Herabsetzungen nötigen, weil ganze Kategorien von Ar- beitern bestehen, die unter gleich miserablen Verhältnissen stehen wie die jugendlichen Arbeiter. Dann aber komme man zu einem Rückschritt in die alten Verhältnisse, die man doch mit allen Kräften zu überwinden trachtet. Redner bekämpft dann die besonderen Anträge auf Erweiterung der Krankenunterstützung. Es sei viel größeres Gewicht auf den Ausbau der Arbeitslosenunter- stütz ung zu legen, weil diese ganz ohne Zweifel in viel größerem Maße eine K a m p f e S u n t e r st ü tz u n g sei als jene. Gleichfalls bittet er, die gestaffelten Streikunterstützungssätze zu belassen. Wer mit den niederen Sätzen absolut nicht auskommen kann, habe damit in den meisten Fällen auch den Beweis geliefert, daß er «inen Verdienst hat, daß er in einer höheren Beitragsklasse zahlen kann. Im weiteren wendete Redner sich gegen den Antrag Dresden, den Beitrag um 5 Pf. zu erhöhen und diesen restlos den Lokalkassen zu überlassen. Warum führt Dresden diese Erhöhung nicht lokal durch? Ganz entlegene Orte in Süddeutschland, mit viel gc- ringeren Löhnen als in Dresden, haben das schon durchgeführt. Allen Filialen sei es dringend zu empfehlen. Lokalkaffen auf Grund von Lokalbeiträgen einzuführen.— Resümierend betonte Redner die Notwendigkeit, auf Grund des Entwurfs zusammen- zukommen; ist die Vereinigung, geschehen, werde man in der Zu- Zunft alle Unebenheiten daraus entfernen können. Durch die e i n st i m m i g e Annahme einer Resolution er- klärte die Generalversammlung sich damit einverstanden, aus der Grundlage' der vorgelegten Einigungsbestimmungen die Ver- Schmelzung vorzunehmen. Alle vorlegten Entwürfe, das Streik- und Wahlreglcmcnt und die dazu vorliegenden Anträge werden der gestern gewählten 14gliedngen Beratungskommission überwiesen. die in Gemeinschaft mit einer gestern von den Zigarren- Sortierern gewählten siebengliedrigen Kommission die Form treffen oll, unter der die Verschmelzungsvorlage dem Plenum der gemein- chaftlichen Generalversammlung vorgelegt werden soll.— Die- ' elbe Kommission wird auch mit der Prüfung der Bewerbungen !>etraut, die zur Besetzung der durch das Ausscheiden des Kollegen Hherle vakanten Stelle im Hauptvorstand eingegangen sind. Dann ivurLe Luf Vorschlag ber Revisionskommission dem Vorstand und Ausschuß einstimmig Entlastung erteilt. In der Nachmittagssitzung erfolgte die Beratung der all- gemeinen Anträge. Ein Antrag, die erforderlichen Schritte zur Gründung eines großen Verbandes der Nahrungs- und Genutz- mittelbranche zu tun, wurde nebst einigen anderen, rein internen Anträgen dem Vorstande überwiesen. Eine längere Zeit be- anspruchte die Behandlung der Fälle, die der Beschwerdekommission vorgelegen. Am Mittwoch erfolgt die Beratung der noch un- erledigten Anträge._ Fünfte Generaloersammlnng des Krrbfludes der Zigarrellsortierer. Hamburg. 14. Mai. Zweiter BerhandlungStag. Die Beratung der zum Einheitsstatut gestellten Anträge wird fortgesetzt. Beschlossen wird, daß dem Zentralvorstand und Ausschuß je ein Sortierer angehören muß. Längere Ausfüh- rungen zeitigt ein von Leipzig gestellter Antrag, die Arbeitslosen- Unterstützung auf MaiauSgcsperrte auszudehnen, v. Elm verweist auf den Beschluß zur örtlichen Fondsbildung zur Unterstützung der Maiausgesperrten; er betont weiter, daß der Sortiererverband bisher in der Praxis stets solche Kollegen unterstützt habe.— A r n h o l d betont nochmals, daß er grundsätzlicher Gegner der Arbeitsruhe am 1. Mai ist. Diese Art der Feier habe bisher noch nichts genützt und führe nur zu Widerwärtigkeiten, ebenso wie die Abführung des Arbeitslohnes zur Bildung der örtlichen Fonds. Redner meint, da wohl kaum ein anderer Modus gefunden würde, so sei es am besten, die Maifeier in Form von Arbeitsruhe zu beseitigen. Bezüglich der Stellung des Fachorgans brauchten die Kollegen sich indessen für die Zukunft nicht zu sorgen, denn der Redakteur des„Tabakarbeiter" sei anderer Auffassung über die Maifeier und würde Artikel über die Maiseier genugsam bringen. v. Elm erklärte, daß er nicht die Ansicht des Kollegen Arnhold über die Maifeier teile. Die Maifeier würde von Arnhold sehr kurzsichtig behandelt. Es handle sich denn doch nicht nur um die Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit; die Maifeier diene doch auch als Friedensdemonstration und vor allem auch für Forderung und Aufbau der Sozialgesetzgebung. Für ihn als Gcwcrkschaflter handle es sich aber darum, die Gewerkschaften nicht zu schädigen und dies geschehe sehr oft bei der jetzigen Art der Maiseier. Man hätte von vornherein die Arbeitsruhe in bestimmterer Form propagieren sollen, dann wären heute keine wirtschaftlichen Schäden damit verbunden. An den Beschluß zur Bildung eines Unterstützungsfonds für die ausgesperrten Maidemonstranten miß- billige er den Zwang, der mit der Absührung des Arbeitslohnes verbunden ist. Cohen(Vertreter der Generalkommission) führt Beispiele aus der Praxis des Metall- und Holzarbeitervevbandes(Zahlstelle Berlin) an, die nach Cohens Ansicht die Unmöglichkeit der heutigen Maifeier- form dartun. Arbeitsruhe bedeutet sehr oft Verlust der Existenz. Deshalb sei es wohl begreiflich, wenn verantwortungsvolle Führer nicht mit der heutigen Maifeier einverstanden seien.— Ter Antrag Leipzig wird darauf zurückgezogen. Nach Beratung sämtlicher Anträge, von denen einige der Kom- Mission überwiesen werden, sind die Beratungen bis auf weiteres vertagt._ Hiiö der Partei. Die Entwicktluug der Sozialdemokratie ia- den Bereinigten Staaten. Der Bericht des RationalselretärS John Work an die jetzt in Indianapolis tagende Parteitonvenlion meldet von einem steligen Fortschreiten. Die Mitgliedschaft, die im Jahre 1903 nur 46 000. 1906 knapp 27 000 und 1909 erst 41 500 betragen hatte, stieg 1910 auf 58 000, 1911 auf 84 700 und betrug Ende März dieses Jabres 125 826. Die Stimmenzahl betrug: 1902 223 500; 1904 409 200; 1906 331 043; 1908 424 500; 1910 607 700. Man hofft bei der bevorstehenden Wahl auf eine Verdoppelung der letzten -Zahl. Die Presse zählt 13 Tageblätter, davon 5 englische(seit der letzten Konvention 2 neue), 298 wöchentlich<262 englisch), 12(10) monat- lich erscheinende Blätter. Während an Literatur inr Jahre 1904 monat« lich für durchschnittlich 350 Dollar verkauft wurden, betrug der Umsatz im ersten Vierteljahr 1912 im Durchschnitt 1158'/, Dollar. Keine Staatsorganisation hatten vor 2 Jahren noch 6 Staaten. Jetzt sind eS nur noch Delaware und Süd-Carolina, doch hat erstereS 6, letzleres 8 OrtSvereine, 14 solcher gibt eS schon in Alaska. Eine eigene Organisation gründete im Januar der bisher mit Maryland vereinigle Bundesdistrikt. Ein Ortsvercin besteht auf Porto Rico. Gute Fortschritte hat die F r a u e n a b t e i l u n g als Teil des Parteibureaus gemacht. Namentlich wurde für daS Frauenstimmrecht Propaganda geinacht. Viele Staatsorganisationen haben besondere FranenbureauS gegründet und Hunderttausende Flugschriften verbreitet. Zur Konvention waren bereilS 25 weibliche Delegierte angemeldet, wo- von nur ein Mitglied des Frauen-NationalkomiteeS, dessen übrige Mitglieder auch erwartet werden. Eine Konferenz aller an- wesenden sozialistischen Frauen sollte vor Beginn der Konvention stattfinden.— Auch wurden viele sozialistische Schulen mit Lehrerinnen gegründet. Eine Anzahl besonderer Berichte über Gewerkschafts- Wesen, Stimmrecht. Landwirtschaft. Hauswirtschaft. Erziehungswesen. gewerbliche Ausbildung, Dienstbotenwesen, Propaganda unter aus- ländischen Frauen, wurden von Genossinnen ausgearbeitet. Hus der frauenbewegiing. Ueber das Frauenstimmrecht wurde im Kongreß der Ver- einigten Staaten von Nordamerika neulich wieder debattiert, als ein Antrag vorlag, der Legislatur von Alaska das Recht ein- zuräumen, den Frauen daS Stimmrecht zu geben. Viktor Berger, der sozialistische Vertreter von Milwaukee, hielt eine Rede zugunsten deS Antrags, der schließlich mit 81 gegen 35 Stimmen angenommen ivurde. Bergcr forderte das Frauenstimmrecht aus Gründen der Gerechtigkeit, als einen Akt der Demokratie und auS allgemeinen politischen und ökonomischen Gründen. Er erinnerte an einen AuS- spruch Lincolns, der lautete:„Ein Land kann eS auf die Dauer nicht ertragen, daß die eine Hälfte frei und die andere unftei ist/ Heimarbeiteriunenelend in Frankreich. Die raffinierteste Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft finden wir in allen Ländern in der Heimarbeit. Das bestätigt aufS neue die jüngste Erhebung über die Hausindustrie in der Weißzeugher st ellung in Frankreich, von der das „ReichS-ArbeitSblalt" in seiner Nr. 3 zusammenfassend berichtet. Vier Jahre lang war das französische Arbeit-Samt tätig, um von 2300 Personen in 24 Departements, wo die Heimindustrie ihre Hauptfitze hat. die persönlichen und Familenverhältnisse, die Beschäf« tigungSart und die Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Löhne, Jahreseinkommen, WohnungS- und Gesundheitsverhältnffle zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Erhebungen bilden eine furcht- bare Anklage gegen das reiche glänzende Frankreich, dessen alte Kultur in der ganzen Welt gepriesen wird. Am schwierigsten ist die Existenz der Heimarbeiterin in Paris mit seinen enormen Preisen für Wohnungsmiete und LebenSunter- halt. Drei Fünftel der Pariser Wäschenäherinnen verdienen weniger als 400 Francs jährlich, fast ein Viertel erhalten 400—600 Francs (1 Francs— 80 Pf.). Von Witwen und unverheirateten allein- stehenden Frauen hatten 55 von 100 einen Jahresverdienst von weniger als 400 Francs. Die größte Zahl der Pariser Heim- arbeiterinnen versichert, daß keine Frau vom Verdienst auS der Wäscheindustrie leben kann. Die Stundenlöhne dieser Ausgebeuteten schwankten zwischen 0,16 Fr. und 0,26 Fr., daS sind 13-20 Pf. Natürlich können so miserabel entlohnte Arbeiterinnen nicht menschen« würdig wohnen. 135 von 500 Näherinnen besaßen nur einen einzigen Raum; von diesen„Wohnungen" hatten 61 weniger als 30 Kubikmeter Luftraum und in 24 hausten und schanzten in diesem einen Raunr drei und mehr Personen. In ilt dieser Wohnungen betrug die Miete 151—300 Fr. Hausbesitzer und Arbeitgeber wett- eifern also miteinander, die Notlage jener Aermsten auf daS ungenierteste auszubeuten. Noch trauriger liegen die Verhältnisse in der Provinz. Die Erhebung ermittelte für die Mehrzahl der Arbeiterinnen Stunden- löhne bis herab zu 5 Centimes— das sind 4 Pfennige—, Jahres- Verdienste von 100—200 Fr. oder 80—160 M. Gerade die Haupt- orte der Wäscheindustrie sind es, in denen weit mehr als die Hälfte der dort beschäftigten Näherinnen so jammervoll entlohnt wird. Nicht zuletzt trägt die Schmutzkonkurrenz der Klöster, Gefängnisse und Arbeitshäuser dazu bei. die Löhne auf so niedriger Stufe zu halten. Eine ausreichende Ernährung ist— wie ein Blick in einige der mitgeteilten Haushaltungsbudgets bestätigt— bei solchen Hungerlöhnen unmöglich, und so sind die GesundheitS- Verhältnisse vielfach sehr schlecht. DaS Elend hat diese Aermsten so stumpf gemacht, daß keine der 2012 befragten Arbeiterinnen irgend welche Vorschläge zur Be- seitigung der schreienden Mißstände geinacht hat. Nur zwei Ge- werlschaften von Weißzeugnäherinnen schlugen zur Aufbesserung der Lage der Heimarbeiterinnen vor: die Festsetzung eines Tarifs, Er- richtung von Produktivgenossenschaften. Zusammenschluß der Arbeite- rinnen in Syndikate und Ausbau des Arbeiterinnenschutzes. Von diesen Vorschlägen sagt der Bericht des Arbeitsamtes,„daß sie nur von einer kleinen Anzahl Auskunftspersonen in zum Teil wenig genauer Weise gemocht wurden und daß kein einziger Vorschlag schon Gegen- stand ernsteren Studiums gewesen zu sein scheint". Andererseits haben die befragten Fabrikanten und Gewerbetreibenden die Umwandlung der Heimarbeit in Wertstättenarbeit für unmöglich erklärt. Der drei- mal heilige Profit würde vermutlich dabei etwas leiden. Ihm zu- liebe könnten also bis in alle Ewigkeit ganze Generationen von Heimarbeiterinnen an der Hungergrenze vegetieren, vor der Zeit ins Grab sinken oder in der Prostitution einen NotauSsallsweg auS dem alltäglichen Elend suchen. Der bürgerlichen Republik stehen die Interessen der Ausbeuter natürlich höher als die der armen Heimarbeiterinnen, und so wird eS noch einer sehr nachdrücklichen Agitations- und OrganisationS- arbeit unter jenen Proletarierinnen durch die französische Sozial- demokratie bedürfen, um die Regierung wenigstens zur Ein- schränkung des Heimarbeiterelends auf gesetzgeberischem Wege zu zwingen._ Berkimmlungen— Veranstaktungeu. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe. Die Verlegung der Leseabende auf den 20. Mai nötigt uns. unseren Vereins- abend ausfallen zu lassen. Die nächste Versammlung findet am 3. Juni in der„Neuen Philharmonie". Köpenicker Str. 93/97 statt. Das Thema lautet:„Hunger und Liebe". Referent: Dr. I. Zadel. Schöneberg. Einen Familienausflug veranstalten die Ge- nossinnen des 2. und 6. Frauenbezirks heute Donnerstag nach Schmargendorf zu Beier, Warnemünder Str. 8. Treffpuntt nachmittags 2 Uhr Bahnhof EberSstraße. Versammlungen. „Können wir eine Berbesseruug unserer Lohn- und Arbeits- Verhältnisse erzielen?" lautete das Thema einer sehr stark besuchten Versammlung aller in der Hauptwerkstatt und in sämtlichen Betriebs- depotS sowie auf Hoch- und Tiesbau beschäftigten Handwerker und Arbeiter der Großen Berliner Straßenbahn, die in den„Sophien- Sälen" stattfand. Der Deutsche TranSportarbeiter-Verband hatte diese Versammlung einberufen. Das einleitende Referat hielt Ortmann, der die Löhne sowie die Arbeitsverhältnisse bei der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft an der Hand von reichlichem statistischen Material einer scharfen Kritik unterzog. Durch allerlei Mittel werden die Arbeiter und Angestellten an den Betrieb gefesselt und dafür gesorgt, daß diese nrcht einer gewerkschaftlichen KampfeSorganisation beitreten. Die Tagelöhne der Handwerker und Arbeiter der»Großen Ber» liner" sind wie folgt: Anfang, nachdem 1. 2. 4. 5. S. 8. 10. Jahre Ob-rschlosser 4,50 4.75 5.- 5,25— 5.50 5.75 M. Schlosser 4,25 4,50 4,75 5,-- 6,25 5,50 5.75. Bess. Arbeit. 3,75 4.- 4,25— 4,50— 4,75—# Arbeiter und Kutscher 3,50 3,75 4.-- 4,25— 4,60—, Ueberstunden für Handwerker werden mit 15 Pf., für Arbeiter mit 10 Pf. Aufschlag bezahlt. Sonntags- und Feiertagsdienst wird mit dem Aufschlag für Ueberstunden bezahlt. Ferner wird für jede Nachtschicht von mindestens 6 Stunden für Oberschlosser 50 Pf., für Handwerker und Arbeiter 30 Pf. Zuschlag gewährt. Die bei der Oberleitung tätigen Handwerker und Arbeiter erhalten bei mindestens 4 Stunden und zwar von nachts 12—6 Uhr morgens 50 Pf. Bei weniger als 4 Stunden 25 Pf. Zuschlag. Die Löhne sind, wie die Tabelle zeigt, äußerst gering und den gesteigerten Lebensbedürfnissen durchaus nicht angepaßt, während die Arbeitszeit zehn Stunden und mehr beträgt. Die Behandlung läßt fast durchweg viel zu wünschen übrig und der Umgangston seitens der meisten Vorgesetzten alle? andere als höflich. Durch ein gut ausgebautes Spitzeltum will man den gewerkschaftlichen Kampsesgeist vom Betriebe abhalten, was allerdings immer weniger gefingt, in- dem in letzter Zeit auch in dieser Arberterkategorie der OrganisationS- gedanke stets mehr an Boden gewinnt. Die hygienischen und sanitären Zustände im Betriebe sind der- art, daß'auch hier einmal gründliche Remedur geschaffen werden müßte. Die RuhegehaltSkasse, die geschaffen worden ist. um die Arbeiter von der Organisation fernzuhalten. In Wirk- lichkeit kommen die allerwenigsten Arbeiter in den Genuß dieser „Wohltat", mindestens aber erhalten sie daS nicht, was sie zu er« halten hoffen. Die Diskussion bestätigte und ergänzte die AuS- führungen des Referenten. Folgende Resolurion wurde einstimmig angenommen: Die in den Sophiensälen tagende Versammlung der Hand- werker und Arbeiter der Großen Berliner Straßenbahn A.-G. sind der Ansicht, daß die im genannten Betriebe bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse eine dringende Verbesserung bedürfen. Die Versammelten sind der Meinung, daß die Gesellschaft wohl in der Lage sei. dieselben einer Regelung zu unterziehen, ohne dabei auf finanzielle Schwierigkeiten zu stoßen. Die Versammelten wünschen ferner, daß die Betriebsleitung auch für das technische Personal die Einsetzung eines ArbeiterauSschusses in die Wege leitet, in der Form, wie er schon beim Fahrpersonal besteht, damit ihm eben- falls Gelegenheit gegeben wird, der Betriebsleitung ihre Wünsche unterbreiten zu können. Die Anwesenden verpflichten sich deshalb, alle Kräfte anzuspannen, um die den Berussorganisationen noch fernstehenden Kollegen denselben zuzuführen, da auch nach ihrer Ueberzeugung nur durch festen Zusammenschluß in den Organi- sationen die Interessen der Kollegenschaft erfolgreich vertreten werden können._ Hus aller Alelt. Eine Orgle cler ßeftialität. Die lange Zeit vergeblich gesuchten Automobilbanditen Garnier und Ballet sind in einem Hause in N o g e n t» für- Marne zur Strecke gebracht werden. Der Kampf gegen die beiden Verbrecher führte zu Szenen, die die blutigsten Phantasien eines Kolportageromanschreibers übertressen. Nicht nur Polizei, Gendarmerie, Feuerwehrleute und Polizeihunde nahmen an der Belagerung des von den Van- diten bewohnten Hauses teil, sondern auch reguläre Truppen feuerten stundenlang Salven gegen die Verschanzung ab. Von Zeit zu Zeit wurden gegen das Haus Bomben ge- schleudert und Dynamitpatronen zur Explosion gebracht, ohne jedoch die gewünschte Wirkung zu erzielen. Schließlich wurde nach neunstündigerBelagerung ein Kilogramm Melinit vor das Haus geschafft. Das explodierende Sprengmittel demolierte einen großen Teil des Hauses, so daß es den Angreifern gelang, in das Haus einzudringen, wo man Garnier und Ballet, von den Kugeln wie ein Sieb durchlöchert, in den letzten Zügen auffand. Um die kulturelle Heldentat der staunenden Mitwelt zu erhalten, knatterten die Aufnahmeapparate der verschiedenen Film- fabriken mit den Flinten der Zuaven um die Wette. Alles in allem eine Szene von so abstoßender Widerlichkeit, daß man wirklich fragen muß, ob das das Zeitalter der so viel gepriesenen Kultur ist. Natürlich hat die menschliche Gesellschaft sich vor Ver- Brechern ä la Garnier zu schützen; ihre Unschädlichmachung darf jedoch nicht mit solch barbarischen Mitteln erfolgen, wie sie in Frankreich jetzt beliebt wird. Mit etwas Geduld und Ueberlegung war es möglich, der beiden Banditen ohne Blut- vergießen habhaft zu werden. Die Schlacht von Nogent-sur-Marne ist wahrlich kein Ruhmesblatt in der Geschichte Frankreichs! * Zur Ergänzung der bereits gestern wiedergegeben Meldungen lassen wir nachstehend einen Bericht über den weiteren Verlauf des Kampfes folgen: Nogent-sur-Marne, 15. Mai. Die Belagerung der Wohnung, in der sich Garnier und Ballet beianden, wurde die ganze Nacht fortgesetzt, ohne daß es den Polizisten gelang, nennenswerte Erfolge zu verzeichnen, da sich die Verbrecher mit dem Mute der Verzweiflung verteidigten. Verschiedene Versuche, da« Haus in die Luft zu sprengen, mißlangen. Um 2,15 Uhr morgens unternahm schließlich der Polzeipräfekt Fleury einen ent- scheidenden Schlag gegen die Apachen, der auch von Erfolg begleitet war. Er ließ ein Kilogramm Melinit gegen das HauS legen und zur Explosion bringen. Durch diese neue Explosion wurde das Haus teilweise zerstört. Als das Mauerwerk in sich zusammen- stürzte, brachen die Zuschauer der Belagerung in laute Beifalls- rufe aus. Der Polizeipräfekt ließ nun unverzüglich alle Vor« bereitungen treffen, um in die Wohnung einzudringen. Zuerst wurden Polizeihunde vorgeschickt, hierauf folgten einige Polizeibeamte, dann Gendarmen und schließlich Zuaven, die seit 6 Ubr abends die Wohnung umstellt hatten. Als die Polizisten in die Behausung eindrangen, vernahm man einige Revolver» s ch ü s s e, die wahrscheinlich auf die angreifenden Hunde abgegeben wurden. Gleichzeitig hörte man laute Verzweiflungsrufe der beiden Banditen, welche sich verloren sahen. Die Revolverschüsse der Ver» brecher wurden durch lebhaftes Gewehrfeuer der an» greifenden Polizisten, Gendarmen und Zuaven erwidert. Zwei Polizisten haben Verwundungen erlitten. Schließ» lich wurden keine Schüsse mehr vernommen und die Polizei drang nunmehr in den Raum ein. den die Apachen besetzt hielten. Auch die Volksmenge drängte den borrückenden Zuaven nach, um sich an der Erstürmung der Wohnung zu beteiligen. Als die Polizisten den Raum betraten, in dem sich die beiden Verbrecher befanden, fanden sie Garnier und Ballet röchelnd am Boden liegend auf. Ballet gab noch einige Revolverschüsie auf die Herannahenden ab, ohne jedoch zu verletzen. Bald verschied Garnier. Ballet wurde von den Polizisten in ein bereitstehendes Automobil gebracht, um nach Perreux transportiert zu werden. Als der Wagen abfahren wollte, griff ihn die Volksmenge an, es gelang jedoch den Polizisten und Gendarmen, sie zurückzudrängen, sodatz die Abfahrt glatt von statt gingen. Unterwegs gab aber auch Ballet seinen Geist auf. Der GsiVissenskonflikt des Pastorö. Am Montagnachmittag fand in A l t e n f l i e ß in der Neumarl die Beerdigung des Mühlenbesitzers Hugo Karow statt, der in geistiger Umnachtung Hand an sich gelegt hatte. Die Trauerfeier fand im Hause des Verstorbenen unter großer Beteiligung seiner Familienangehörigen und Bekannten statt. Pastor Schubert sGurkow) hielt, nachdem er seine Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht und der Kirchenrat ihm zugestimmt hatte, am Sarge eine Leichenrede ungefähr folgenden Inhalts: „Liebe Trauergemeinde! Es ist für uns alle ein schwerer Tag, denn der Verstorbene hat es nicht nur den Angehörigen schwer gemacht, sondern auch mir. Auch ich stehe hier schweren Herzens, denn ehe ich kam, habe ich zu Hause schwer kämpfen müssen, ob ich hierher kommen könnte, um meine Aufgabe zu erfüllen. Denn so gern ich Trost spende bei demjenigen, der in Frieden mit seinem Herrn abschließt, so liegt die Sache hier anders. Denn es liegt hier Selbstmord vor, und wie Sie wissen, verweigert die Kirche einem Selb st- mörder das kirchliche Begräbnis. Wenn daher nicht i,wei ärztliche Atteste vorgelegen hätten, die dartun, daß der Ver- storbene in geistiger Umnachtung Hand an sich gelegt hat. s o könnte ich nicht an dieser Stelle stehen. Ich frage Sie. hatte dieser Mann es nötig, zur Waffe zu greisen? Er hat diese schändliche Tat im Kreise seiner Familie begangen. Diese seine letzte Handlung läßt auf sein Vorleben schließen. Dieser starke und doch so willensschwache Mann hat nicht die Kraft gehabt, gegen das Alkohollaster an- zukämpfen. Außer diesem Laster fallen n o ch andere dunkle Punkte auf sein Leben." Bei diesen Worten verließen die Anwesenden unter leb» haften Ausdrücken derEmpörung den Trauersaal, so daß die Rede und somit die weitere Feier jäh abgebrochen wurde. Den vorstehenden Bericht über die recht eigenartige Leichenfeier entnehmen wir der uns übersandten.Neumärkischen Zeitung". Wie aufreizend die Worte de« von Gewissensskrupeln geplagten Pfarrers gewirkt haben, beweist, daß der Bericht von 17 Teilnehmern an der Leichenfeier— darunter mehrere Ritterguts- und Gutsbesitzer--- namentlich unterzeichnet ist. Nur so weiter. Herr Pastori_ Ucberfall auf einen Expreftzug. Banditen hielten den N e w U o r k- E x p r e ß in der Nähe von Hattiesburg(Mississippi) an, sprengten den Gepäck- wagen mit Dynamit und flüchteten dann zu Pferd mit einem Paket, in dem sich 140 000 Dollars befanden. Die Reisen- den wurden nicht belästigt. Berittene Schutzmannschaften haben die Verfolgung der Banditen aufgenommen. Hus aller Melt. Kleine Notizen. Die Cholera in Konstantinopel. Laut amtlicher Meldung ist in Konstantinopel ein Soldat an Cholera erkrankt und im Iildizhospital interniert worden. Todessturz eines französischen Militärfliegers. Am Dienstag- abend stürzte der Flieger Kapitän E ch e m a n auf dem Flugplatz von E t a m p e s aus einer Höhe von 40 Meter ab. Der Ver- unglückie erlitt bei seinem Sturze so schwere Verletzungen, daß er bald daraus starb. Ein neuer Dammbruch des Mississippi. Durch einen neuen Deichbruch, 25 Meilen nördlich von New Orleans, sind 60000 Personen und 1000 Ouadratmeilen bebauten LanvrS bedroht. Marttbericht von Berlin am 14. Mai ISIS, nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. Marlthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speisebohncn, weiße, 30,00—55,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40—2,50, Hammelfleisch 1,40— 2,20. Butter 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20—5,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20—2,60. Barsche 0.80-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 1,80-40,00._ WitterungSnberstcht vom 15. Mai 1912. Stattonen LS il Swinemde, tamburg erlin Franks.a.M. München Wien 759 759 -§ n H N OSO 759 O 754 NO 756 758 till ONO WeUer heiter wolkig 2 bedeckt dciter heiter halb bd. H P 8| 760 750 ONO 752 NNW 750 S Wetter 6 wölken! bedeckt 4,wolkig " heiter c-* tü M 7 6 12 13 Wetterprognose für Donnerstag, den 16. Mai 1912. Zunächst etwas wärmer, vorherrschend wolkig und tSewitterregcn ziemlich lebhaften westlichen Winden; später wieder ausklarend uni kühler. Berliner Wetterbureau. mit etwa» WafierstandS. Nachrichten der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburean. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze..Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berich , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall. Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel, Trier -») UnUi ■■■'■»jVgH* MKQ.'ir-■ csarj-tn GOna-Räder Der Siegeszug der Arcona- Fahrräder. IV. Berliner 6-Tage-Rennen II., III., IV Prela auf Arcona- Rad gewonnen I II. Dresdener 6-Tage-Rennen I-, II., III. IV, V. prel» suf Kreons- Racl LStzvonnen! V. Berliner S-Tage-Rennen II., IV., V., VI, Freie au» Arcona-Rad gewonnen! rtfchl kein anderes Fabrikat der Welt kann diese Erfolge aolwelsen. Die beeten Rennfahrer der Well fahren die Marke Arcona— tfas beste Rad weil leichtlauftnd. stabil und zuverlässig. Neue Spezial Fahrräder fertig m Pneumatik 35 m Neue Damen-Fahrräder... 38, 45« 50 m Neue Arcona-Fahrräder. 55« 65, 75, 85 m. 15 Jahre Garantie und A A Ver»lchcrung.sscliclii auf«•www Ib■ Neue Dürkopp-Fahrräder......... 75 m Fahrraözutiehörtßile billiger: EmJmÄru�'üeb� kessol 2.üO. 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Prima-. 70 cm lang 704[600] 842 979 14032 142 96 894 582 633 787 622 37 16021 46 72 116 818 47»66 681 772 13097[500] 122 38 97 338 87 422 679 755 «26 99[1009] 910 22 17015 102 331 32 408 600 1600] 685 705 930 18362 86 682 910[3000] 10038 108 70 634 846 670 86 20006 107|600] 90 204 11 303 20 55 60 443 655 614 43 61 703 41 71 940 05 21114 253 72 311 412 36[600] 43[600] 669 880 22134 84 243 516 649 746 61 23008 151 339 400[3000] 42 77 634 812 62 913 24006 86 495 046 1500] 25131 250 79 340[1000] 85 492 766 898 2 0022 89 117 69 328[EOO] 448 643 010 44 843 045 63 27147 620 668 984|1000j 28101 43 872 685 737 68 870 087 20188 657 758 08 876 871[600] 30068 141 257 316 45 427 616 640[600] 723 53 T« 834 960 72 31106 68 244 492 513 739 60 893[500] 881 82 83 32194 403 614 28 603 52 763 77 853 33028 62 106[500] 15 404 67 13000] 68 630[1000] 707 1600] 855 941[500] 7 4 8*003 163 227 70 357 656 61 63 3 5081 243 823 424 81 586 608 774 3 6 071 226 518 87 IBOÖO] 98 615 40 82 776 37020 34 222 316 62 02 712 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65 08 1 85184[10001 382 495 588 749 866 902 186216 406 99 BOB 675 743 07 861 063 73 110000! 187083 101 94 256 79 445 61 53 546 8 2 87 618 34 80 749 894 1 8 8009 143 89 3l6 25 74 419«10 780 1 80001 243 62 6» 341 457 64 606 714 831 925[500] Im Oewlnrrrade verblieben 2 Prämien zu*00000 M, 2 Gewinne zu 600000, 2 t* 300000, 3 n 10000, 2 zu 76000. 4 zu 50000. 2 zu 40000, 20 an 30000, 28 n 15000. 63 zu 10000. 141 UM 6000, 801» UM»000, BIO« zn 1000, 6670 zu 600 H 5. Ziehung 5. KI. 226. Kgl. Preuss. Lotterie. _ Ziehung vom 15, Mal 1812 nachnrltiage. Alf Jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar Je einer auf die Loie gleicher Nimmer In den beiden Abtellnagen I nnd U Nur die Gewinne über 240 Mark sind den beireflenden Nummern in Klammern beigelügt. (Ohne Gewähr.)(Nacbdrimk verboten.') 7 62 85 176 99[500] 227 834 1052 101 87 848, 49 88 481 678[600] 776 2277 744 66 846 933 86 3057 132[1000] 271 98 332[500] 481 99 676 743 67 4583 646 64 763 868 94 5178 233 300 426 608 601 17 43 773 848 54 60 944 73[3000] 8150 318 413 44 609 602 18 7281 87 379 661[500] 0154 258 357 622 748 926[1000] 0039 66 671 799 864[1000] 65 97 00» [600] 0 10023 68 152[1000] 386 429 619 20 54 69 820 64 736 11231 340 475 77 637 832 949 69 66 83 12138[1000] 72 221 62[500] 329[1000] 427 1600] 690 723 933 48 13151 304 14024 225 377[500] 79 407 45 644 50 85 95 850 98 15011 80 67 97 197 215 309 416 86 97 536 Ol 644 992 10001 IIS 221 38 90 448 620 89 743 845 91 17116[600] 77 68 247 399 639 78 648 735 891 978 10216 18 79 407 20 43 63 698 738 899 991 97 10483 621 64 69 74 625 31 709 59 20039 217 25 44 369 421 48 577[600] 723 58 002 21477[500] 88 542 652 72 87 706 043 85 22268 455 86 89 546 668 723 825 23111 32 243[1009] 325 35 461 604 761 843 906 88 24011[600] 119 41 250 337 39 69 68 405 534 47 608 77 785 843 984 25029 84 179[3000] 01 210 617 91 656 76 20008 67 78 84 233 44 437 64 603[500] 37 94 05[500] 98 616 867 925[500] 27361 B7 459 629 669 850 922 20009 431 [6000] 61 98[500] 550[600] 621[1600] 24 778 815 32 20106 13 15 313 734 30118 19 213 46 318 30 407[600] 91 597 669 [3000] 83 785 910 36 31007 SOS 712 809 095 82012 62 128 343 419 742[6001 854 928 33081 171[500] 218 68 325 477 88 98 677 616 21[3000] 34033 102 [500] 273 347 610 767 929 3 5 045 79 152 69 DO 223 373[1000] 643 93 692 810 16 30168 76 231 48 92 802[30000] 484 677[1000] 749 63 925 37083 86 03 188 225 78 807 76[3000] 511 82 643 779 946 30017 [500] 90 211 625 78 641 745 805 10 63 800[1000} 30 088 120 75 249 364 72 610 23 40142 47 68 204 399 733[10001 90 898 4 1084 142 208 70 320 668 680 95 783 061 42146 202 503 800 95 755 808 924 43011[1000] 491 606[1000] 49 67 734 44060 73 117 62 267[1000] 342 461 688[500] 749[600] 60 667 93 4 0363 942 69 4 0014 61 73 86 [3000] 144 200 364 615 822 931 38[500] 68 47132 41 263 356 412 93 610 724[600] 53 40161 271 844 787«42 66 980 40057 89 III 96 244 310 1500] 49 442 50175 230 33 72 314[500] 28 31[1000] 87 678 [600] 700 801 931 01158 270 338 36 499 634 74 94 52123 336 418 64 583 867 044 53269[10001 316 89 413[1000] 579 668 78 787 890 916 IT 54165 06 912 63 54 452 503 683 756 70[600] 907 5 5074[3000] 225 30 306 1500] 757 63 806 62 53 031 60001 246 95 98 438 633 801 911 57234 639 62 805 74 988 68030 136 88[600] 207 32 467 73 826[3000] 606 944 50046 133 322 469 686 020 00104 242 335 42 616 026 67 719 8 1073 444 [1000] 63 620 618 709 62337 474 553 69 724 818 [500] 42 63057 96 97 238 303 40 81 61 413 651 67 97 815 64 964 64171 317 85|600J 301 544 711 75 837 971 06100 22 46 68 2a0 04 313 655[3000] 621 70 798 002 49 70 66114 66 71[600] 214 30 615 16 87 699 825 913 20 67054 105 90[5001 267 76 576[500] 889 99 853 0 8005[500] 6 47[1000] 00 465 65 982 60003 36 332 16001 591 510 901 70046(10001 122[ 500] 280 733 49 78 842 71150 60 206 477[500] 047 63 54 62 65 83 812 7 2004 380 567 69 90 607 57 793 911 64 73187 457 612 TB 80 792 74036 72 120 22 03 472 88 449 572 672 84 730 845 004 7 0270 834 87 432 738 13000] 76033 128 25« 676 783 805 38 77027 253 301 1600) 415 96 512 67 646 889 900[600] 7 8069 355 611 642 51 00 701 889 70041 214 33 687 903 78 80026(10000) 428 85 61 519 07 701 10 43 893 81116 479 655 651 869 71 914 82138 247 94 626 700 35 36 875 8 3044 78 231 64 528 628 729 909 28 63 (1000) 88[500] 04038 80 163 310 440 64 528 976 85141 317 61 424 698 817 35 60[3000] 65 919 41 67 8 6273 304 427 607 41 733 46 69 000 8 7082 165 65 89 233 44 457 999 88241 42 45 381 400 49 627 874 984 13000] 6» 00100 41 S0.4?0»3 521 J3000J 754»67 70' 00244 1500] 344 405 29 80 67 740 63 0 1 011' 87 101 363 469 864 721 858 994 02169 222 368 730 95 858 03134 92 474 632 665 69[1000] 80 716 39 97[600] 949 0 4372 400 6 680 759 863 91 05290 333 431 803 17 00056 92 196 206 79 535 37 733 937 45 62[1000] 07122 860 89[6001 012 82 08124 320 513 701 2[500] 25 26 68 838[500] 982 00406 762 827 991 . 100168 262 67 326 497 514 651 825 26 997 101058 198 248 81 95 300 414 74 616[500] 711 40 820 73 1 02001[600] 117 44 616 62 83[600] 704 33 031 1O3006 70 182 280 605 702 0[500] 50[1000]: 840 970[1000] 104067[3000] 71 136[1000] 228 357, «9[600] 491 564 600 832 923 1 05066 131 220 343: 446 511 663 808 04« 75 100087 162 305 677 725 023 107037 126 268 415 601 89 761 67[500] 986 100234 325 495 590 613 68 739 970 100003 240 373 511 741' «7«72-ch 110006 26 IST[1000] 80 201 67 347 65 83 842 aben die Arbeit nur eingestellt, weil sie kein Essen bekamen. Die � Arbeiter, die später arbeiteten, bekundeten, daß keine Nötigung vor- lag. Demgegenüber sagten der Inspektor und Hofmeister aus, daß ihnen mitgeteilt sek von Arbeitern, daß sie sich bedroht fühlten. Ter Staatsanwalt beantragte,„da in unerhörter Weise die Notlage des Besitzers ausgenutzt wurde, sogar das Doppelte zu verlangen", eine Gefängnisstrafe von je 3 Monate, da hier eine strafbare Ver- abredung zum Zwecke, erhöhte Löhne zu verlangen, vorliege. Das Gericht konnte dieser Deduktion nicht folgen und erkannte auf Frei- sprcchung der Angeklagten. Polizeiverordnungen gegen das Konkubinat. Eine alte kurhessische Verordnung, welche Strafvorschriften mit Bezug auf das Leben im Konkubinat enthält, erklärte das Kammergericht am 6. d. M. für ungültig. Die Verordnung be- zwecke den Schutz der Sittlichkeit. Diese Materie sei aber straf- rechtlich erschöpfend im Reichs-Strafgesetzbuch geregelt. Dieselbe Materie behandelnde Verordnungen hätten daneben keinen Raum. Die Angeklagten Pape und Meier wurden freigesprochen bezw. es wurde ihre Freisprechung durch das Landgericht Kassel aufrechterhalten. Das Toilettenwasser der Mönche von Vonifaz Maria in Ecker (Kärnten). Mit einem recht eigenartigen Gründungsschwindel, auf tvelchen ein österreichisches Kloster und sogar das Staatssekretariat des Vatikans hineingefallen ist, wird sich am Freitag unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gockel die 5. Strafkammer des Land- gerichts III zu beschäftigen haben. Angeklagt des Betruges gegen mehrere bekannte Berliner Finanzleute ist der. Kaufmann Karl Gladisch, der sich zurzeit im Auslande aushält, um dort eine neue Erfindung zu realisieren.— Der Angeklagte hatte vor längerer Ze,t ein neues Toilettenwasser a la Eau de Cologne erfunden, von dem er sich sehr viel versprach. Um diese Erfindung genügend ausbeuten zu können, wandte er eine neue Methode an. Er wandte sich an den Prior deS Klosters Bonifaz Maria bei Klagensurth in Kärnten und verstand es auch, diesen für seine Idee zu inter- essieren, die dahin ging, daß ein von einem Kloster vertriebenes Toilettemnittel in allen katholischen Ländern einen reißenden Ab- satz finden würde. Tatsächlich kam auch zwischen dem Prior jenes Klosters und dem Angeklagten ein Vertrag zustande, nach welchem letzterem verschiedene Räume des Klosters zur Herstellung und dem Versand des Toilettenwassers zur Verfügung gestellt werden sollten. Außerdem sollte die Etikette der einzelnen Flaschen mit den Jnsignien des Klosters versehen werden. Für diese Gefällig- keit sollte das Kloster für jeden fertiggestellten Liter des Toiletten- Wassers den Betrag von 6,25 M. erhalten. Da die Erlaubnis zu einem derartigen Gewerbebetrieb den Klöstern nur von dem Papst selbst erteilt werden kann, wandte sich der Angeklagte mit Nnter- stlitzung des Klosterpriors an den Papst selbst. Der Bertrag wurde auch von dem Staatssekretär des Vatikans genehmigt. Der Angeklagte begann nun eine ganz ungeheuerliche Reklame für das klösterliche Schönheitsmittel zu machen, und zwar Haupt- sächlich in Oesterreich, Italien und Spanien, trotzdem ihm nach dem Vertrage jede auffällige Reklame ausdrücklich verboten worden war. Als diese Reklame schließlich tn den beteiligten Kreisen selbst unangenehm auffiel, machte der Prior des Klosters von jener Be- timmung Gebrauch und teilte dem Angeklagten mit, daß er den Vertrag für aufgehoben erkläre. Der Angeklagte soll nun— wie die Anklage behauptet— unter Verschweigung dieses Umstandes an mehrere bekannte Geldleute in Berlin herangetreten sein und diese zur Hergabe größerer Summen für das Unternehmen verleitet habe», indem er ihnen vorgespiegelt haben soll, daß es sich um ein glänzendes Geschäft handele, welches Millionen abwerfen würde. In dieser Sache stand schon einmal Termin an. der aber der Vertagung anheimfiel, da von den Rechtsanwälten Justizrat Leonh. Fricdmann und Dr. Hevbcrt Fuchs das damalige Nichterscheinen de? Angeklagten damit entschuldigt wurde, daß diesem ein Schaden von mehreren hunderttausend Mark entstehen würde, da er sich zwecks Gründung einer Fabrik, welche eine von ihm erfundene Methode zur Herstellung von Metallfäden für Glühlampen aus- beuten solle, im Ausland befinde. Das Gericht vertagte damals die Sache mit dem ausdrücklichen Hinweise, daß für den Fall daß der Angeklagte auch zu deni neuen Termin nicht erscheine, ein Steckbrief gegen ihn erlassen werde. Ji�tvischcu ist der Abt des Klosters Bonifaz Maria in St. Veit kommissarisch vernommen worden und hat eidlich seiner Ansicht dahin Ausdruck gegeben, doß er offenbar einem Schwindler in die Hände gefallen sei. Schießerei. Eine Revolverszenc, die sich in der Nacht bor Weihnachten in der Dresdener Straße nahe am Oranienplatz abgespielt hat, hat für den 23jährigen Kaufmann Ernst Lindig eine Anklage wegen Körperverletzung und Schießen in der Nahe bewohnter Gebäude zur Folge gehabt. Als sich L. in später Nachtstunde auf dem Heiin- ivege befand, wurde er von einem Kutscher Haupt und dessen Schwager Luhv> ohne jede Veranlassung angerempelt. Mit den Worten:„Tu Affe, kannst doch den Hut abnebmen!" wurde dem L. der Hut einfach vom Kopf geschlagen, und als er sich dies verbat, schlugen die Beiden auf ihn ein, so daß er zu Boden stürzte. In feister Bedrängnis zog er einen Revolver und gab einen Schreck- schuh ab. Als er dann die Flucht ergriff, setzten ihm die Exzedenten nach und der eine schleuderte einen hölzernen Weihnachtsbaum- Untersatz, den er mit sich trug, ihm nach und L. wurde im Rücken getroffen. Er gab zum zweiten Male einen Schuß ab, ohne jemand zu treffen. Die Ivilde Jagd ging weiter; L. schoß zum dritten Male. und als er den Oranienplatz erreichte, kamen von den verschieden- sten Seiten Leute berbeigestürzt und schloffen sich der Verfolgung des L. an. Dieser kam in dem Gebüsch auf dem Oranienplatz zu Fall und gab. auf dem Bauch liegend, noch einen vierten Schuß ab. Dieser traf den Haupt in den Oberschenkel. Haupt muhte nach der nächsten Unfallstation und von dort nach dem jkrankcnhause Bethanien übergeführt werden.— Das Schöffengericht hatte auf Grund dieses Tatbestandes den völlig unbescholtenen L. zu 3 Mo- naten Gefängnis verurteilt, wobei es von der Ansicht ausging, daß der an sich geringfügige Exzeß zweier gleichfalls unbescholtener Leute zu einem solchen Schießen mit dem Revolver keine aus- reichende Veranlassung gegeben habe. Bei der gestrigen VerHand- lung bor der 8. Strafkammer als Berufungsinstanz machte Recht?- anwalt Tucholski für den Angeklagten geltend, daß dieser �doch zweifellos in der Notwehr gehandelt und diese höchstens über- schritten habe, so daß er Wohl nur wegen de? Schießens in der Nähe bewohnter Hänser verurteilt werben könnte. Es wurde übri- gens festgestellt, daß die beiden Exzedenten nicht unbescholtene Leute Ivaren, der eine von ihnen vielmehr schon recht erhebliche Vorstrafen aufzuweisen hat.— Das Gericht bob das erste Urteil auf, kam aber nicht zur Freisprechung des Angeklagten, sondern verurteilte ihn wegen der Körperverletzung zu 300 M., wegen des Schießens an von Menschen bewobnten Orten zu 30 M. und wegen Tragens einer Schußwaffe, ohne im Besitz eines Waffenscheins zu sein, zu 10 M. Geldstrafe._ eingegangene Druchrchriften. Familtculzenen. Vierzcbn Geschichten von Weib und Kindern, von Dienstboten und von der Wrllieele. Von Walter Harlan. 2 M.—®tc Erscheinung. Novelle von Anselma Heine. 2 M.— Der neue König. Roman von K. v. Perfall. 1 M. E. Fleische! u. Co., Berlin W. 9. Pfadfinderbuch für junge Miidche». Herausgegeben von E. v. Hopfs« garten. 2 M., geb. 3 R. O. Gmclin, München. Deutscher GcschtchtSkalcnder für ISIS. Begründet von K. Wipper« mann. 1. Heft. l,35 M. F. Meiner, Leipzig. Neue Frauenkleidung und Franenkultur. Hest 5.®. Braun, Karlsruhe i. B. Naturlviflenichaftl.'Dechn. Volksbücherei. HerauSg.: Dr.B.Schmid. 17—21. Die Metalle«ach vorkommen. Gewinnung, Verwendung und wirtschaftlicher Bedeutung von Dr. K. A. Henniger. 1 M.— Die Wiffeiischaft der Dchlosser«nd Blecharbetter von L. Wunder. 40 Pf.—' 26—26; Die Chemie der menschlichen Nahrungsmittel von Dr. H. Bauer. 60 Pf.— 34—35: Heizung und Hetzungsanlage« von K. Radunz. 40 Ps.— Th. Thomas, Leipzig. Veredelter ▼ordern Rösten gereiniffter wissenschaftlich und ärztlich empfohlen ErhiUuiob bei Jobannoii Gerold. Liilzowalr.><. U. a...nd«n« und in den Geecbllten d. NabrungemittelbraBObe. 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Abends S>/, Uhr, bei«»nhuer, Jbralkast»», NcUäOIIll. Wrichselstr. 8. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Stadtverordneten Emii Wntaky.— 2. Bericht von der letzten Gcneralverlamnilung und Ausgabe der Delegiertenkarten. Bautischler.(Bosirk n.) Abends 5'/, Uhr. bei Zieh. Warschauer Str.«1. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung.— 2. Verbandsangelegenheiten. Küchenmöbelbranche. Abends S Uhr, im Englische» Garten, Alcxanderstr. S7e. Tagesordnung: I. Der Zentralverband der Unternehmer in der Küchenmöbelindustrie. — 2. Branchenangelegenheiten und Ausgabe der Delegiertenkarten. Klavierarbeiter. Abends 8 Uhr, in den Andreas-Feftsälen. AndrraSftr. Li. SV" Achtung!-MS BV Achtung!-ME Zelluloidarbeiter und Arbeiterinnen. Montag, de» 80. Mai. abends 8 Uhr. im Englischen Garten, Alexanderstr. L? e s Protest- Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Behandlung unlerer Petition, betreffend die Brandgesahr deS Zelluloid, vor dem Deutschen Reichstage und unsere Antwort an den Regierungsvertretcr Herrn Dr. Caspar. Referent: Kolleg« Jallns lllldcbrand.— 2. Diskussion. DV Um die Bersammlung zu eine« wirksame« Protest z« gestalten, ist das Erscheinen aller Zelluloid verarbeitenden Arbeiter und Arbeiterinnen dringend notwendig.-M> 83/15 Ble tdrtAverwnltnng. Steinarbeiter. Zur Bcsprcchuug der Satzungen des geplanten obligatorischen Arbeitsnachweises finden folgende Versammlungen statt: - Pe�irk Weißensee. Sonnabend, den 18. Mai, nachmittags 51/, Uhr, im Prälaten, Berliner Allee, Ecke Lehderstratze. Sandsteinbranelie. Montag, den 20. Mai» abends 8 Uhr, in den Musiker- fälen» Kaifer-Wilhelm-Stt. 13m. Vlarmorbranehe. Dienstag, den 31. Mai, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c. SV Jeder Kollege ist verpflichtet, in der siir ihn in Betracht kommenden Bersammlung zu erscheinen."Mg 171/12*_ Ple Ortsverwaltang. Zentraloerband der Dachdecker Verwaltangsstelle Berlin. Sonntag, den 10. Mai. vormittags 10 Uhr, im GewerkfchaftShanse (Saal I), Engcluser 16: VV Versammlung"W Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom VerbandStage. 2. WabI der Mitglieder zum VerbandSauSschust. 3. Stellungnahme zum Stiftungsseft. 4. Verbandsangelegenhelten. 51/11 Vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Mtglieder erwartet Der Borftand. »Ml ImMÄ-IIM Gewerkschaftshans. Bezirk Grosi-Berlin, Sektton II. Engelufer li/iS, Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄSS, 10—3. 6-7. Sonntags 10-12. 2-4 Achtung! Achtung? Kutsihn, Mitfilhicr, Ktslleute imd Arbeiter aus lllle« Km- mb Arbrüsfuhwerksbetriebkil Gruß-Kerlim. Sonntag, den 10. Mai 1018, nachmittags 5 Uhr, im G ewerks chaftshanse, Engel- ufer Nr. 14—15(großer Saal): DM" Große Versammlung."VW Tagesordnung: 64/9 1. Bericht der Lohnkommission über den Stand unserer Lohnbewegung! 2. Diskussion und Beschlußfassung. Die Kollegen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen! Die Berbandsbüche« stnd Mitzubringen und am Eingang des Saales vorzuzeigen!__ Die Branchenleitnng. Meiter! Mahrer! Parteigenossen! Sonntag, den 10. Mai. mittags IS lthr: üroke öffenllicke �adfalirerversammiutix in!>leuIcS!liK, Knesebeckstraße 48. Tagesordnung: 11/11 1. Ist der Arbeiter�adsahrerbund.Freiheit" eine Organisation, die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht! Referent: Genosse Franz Prcuh-Neukölln. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Arbeiter« Radfahrer sowie Radfahrerinnen notwendig. Der Einberufer: Emil Kiebia« Neukölln, Knesebeckstr. 72. «veh»nt!. Ivil�ahlungen llofee« elegant« kortlg« Herren. - Enste IBr Ms«: Anfertigung«. Mut Tidsllos.AnifOhrang Jim Fabian SakttldtrmWer lil.flMAs.Z?" Eltgttg Stetmbtrgtr Pitta. .�smMwlUS nur I. i tag., 3- kein Ltdtn. jj FeieriagSHmiS und eigener Karten in so kurzer C«t» sernnng von Berlin, nur LS Mi«, wie die fiartenstadt Hoppagarten bedeutet für jede Familie »inen unenneßlichen Wert. OK von IS Mark auttvltta. In der Gartenstadt Hotjagdrevler am Bahnhof Stolpe find 20 Straße» gepflastert und 200 Häuser erbaut. Sie ist die einzig« Kartenstadt, welche am Berliner Hofjagdrevier Legt. Jeder tan« eS sich an den fünf Fingern abzählen, daß fi« ohne Frag« durch daS Jagdrevier und durchdie vor» nehme« Anlage« vom de- nachbarten Frohna»«ine «»geahnte Zukunft erreicht, wie«S ihre romantisch« Lag« unbedingt mit fich bringe» muß. 04 KrnndstückSver» ibif« find vom Notar in 41 Tag« beurkundet worden. cm is Mark. Dir such« fürdasHerta» teich» Srundstück einen tüchtigen Reftanratenr Das Grundstück liegt m» mittelbar am Frohnauer HubertuS-See, an»ierHamsi. verkehrSstraßen, und bildet de« Eingang zur Gartenstadt Hofjagdrevi«. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Schlosser Faul Kreutz am 14. Mai im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Mai, nachmittags 4'/z Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Zentralsriedhoses in Fricdrichsselde aus statt. 178/43 Die Ortsverwaltung. veutsevei' Soliarbeitei'-Vet'bslllj Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler l�uäolk I�einbotli Littauer Str. 22, im Wer von 70 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 13. Mai. nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Zcntral-Fried- hos in Friedrichsseide statt. Um rege Beteiligung ersucht 83,44 Die Lrtsverwaltung. Verband der Hut- nnd Filzwarenarbeiter u. Arbeiterinnen Deutscblands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur traurigen Nachricht, daß der Kollege, Invalide Karl krehme im Wer von 65 Jahren am 14. d. Mts. nach langen, schweren Leiden verstorben ist. Er ruhe sanft: Die Beerdigung findet Freitag, ichmittags 5 Uhr, von der Halle deS Bartholomäus-Kirchhoses in Wcißensec. Fallenberger Str. 148. |i'd9, aus statt. Zahlreiche' Beteiligung erwartet 1 76si3 Der Borstand. m Am Dienstag, den 13. d. M., entschllief nach langen, schweren Leiden meine liebe Frau, Tochter und Schwiegertochter tuguste Knuppe! geb. Drftgep im Alter von 34 Jahren. Dies zeigt tiesbctrübt an Ott« Kntlppel, Musiker. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Elisabeth- KirchhoseS, Prinzenallee, aus statt. 25A Allen Fr-eunden, Verwandten imd Bekannten die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, unsere 'gute Mutter, Tochter undSchwester Olyä Schulze geb.«eigand am Dienstagabend nach langem, schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Dies zeigt mir der Bitte um stille Teilnahme tiesbctrübt an Iber traaepiid« Gatte und Sohn. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 5 Uhr von der Halle des Zentral-Friedhoses in sriedrichsseloe aus flalt. Mclw Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Faul Kreutz Transvaalstr. 20 am 14. d. Mts. an Darmleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Mai er., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral- Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Rege Beteiligmig wird erwartet. Jugendabtcilung. Xaehrnk. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreherlchrling tau! Nieschalke am 9. d. M. gestorben ist. Ebre ihrem Andenken! 117/6 Tie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die innige Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Be< erdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters krteündi Lewer sagen wir allen Teilnehmern, im besonderen den Genossen des 263. Be- zirks und dem Wahlverein sür den IV. Wahlkreis unseren herzlichsten Dank. Ww. Lewer und Kinder. Markusstr. 2. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes �uxust dütsclike sage ich allen Verwandten und Freun- den, den Mitgliedern des sozial- demokratischen Wahlvercins Adlershof, den Kollegen aus der Schlosserei der Firma Bechstein und dem Personal von der Akttengesellschast sür GaS- glühlicht. Gubener Straße 47, herz. lichen Dank. 7A Witwe Kltschke, Ablershof. Danksagung. 1705B Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes OsKar Röser sageich allen Freunden und Bekannten, den Kollegen der Firma Otto Elsner, sowie dem Verein der Stereothpeure u. Galvonoplastikcr meinen herzlichsten Dank. Liddy Röser. Für die vielen Beweise Herzlicherl Teilnahme bei der Beerdigung meines' lieben ManneS sage ich allen Ber- wandten und Bekannten, besonders dem Wahlverein und dem Bauarbeiter- verband, für die zahlreichen Kranz- spenden meinen herzlichsten Dank. 2SA Witwe-Anna Klose. Danksagung. Für die innige Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung unserer geliebten Tochter sagen wir allen unseren ausrichtigsten Dank. August Schulz nebst Frau. Abessinier- Pumpen Ilm Zum Selbstausstellen für ymß. Gartenbesitzer u. Lauben !?• lolonisten von 8 M. a» Flügclpumpen, Gartenspritzen, Filter, Röhren, Schläuche usw. billigst. Erdbohrer leihweise. Karl Köchlin& Co. _ Berlin SWM tMpl. 1676/ Alte Jakobftr.LV/LS Jeutralverband der MaschimSell, Hetzer sotoie Serufsgen. Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin. Sonnabend, den 18. d. M., abends S'/j Uhr, in den Arminhallen, Komman- dantenstraße 53: Versammlung. Tagesordnung: Die Reichsversicherungsordnung, 2. Teil. Referent: Arbeitersekretar L. Link. Verschiedenes. 145/14 Um zahlreiches Erscheinen der Mit- glicder wird gebeten. Die Verwaltung. Gardinenhaas Bernhard Schtrarlz ersMassige Bezugsquelle für Gardinen n. Teppiche Wallslr. 13(dreizehn) Meinen Parteigenossen u. Freunden zur Nachricht, daß ich das l-okal von Schulte, am Treptower Park, Ecke PnderstraOe, übernommen habe und allen Spaziergängern bestens empfehle. Hugo Meier,'»ffiSrl ar An diesem Schild sind die Läden erkennbar, Ii in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. llnstergUltig in Konstruktion nnd Auaftthrune, gleich vorzüglich für Hausgebrauch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Wenn Sie 35 1 Verkauf nur im Fabrikgebäude: I I illl Sie sparen Geld! i iflöbel»t; Möbelfabrik JH. Walter ia:Willi MaaB, SS B kaufen. 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Pfinsstfeste Verabfolgimg der doppelten Anzahl idep Rabattmarken V« Rar für Anzahlung i Reell, kulant, diskret. Sonntag bleiben die Ver- kauf»räume bi« 6 Phr abends geöffnet. Verantwortlicher Nedakteur:«lbert Wachs, Berlin. Für den Jnseiatenteil versntw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku.Verlag-VLrwärts�uch�uckerei�Verla�nstalt�ul'Singer u. Cö�Berlin SVV. Hr. 113. 29. ZahtMg. 4. Kilazt to Iomiilts" Üttlinrt Polteblntt. Dokverstllg, 16. Mm 1912. parte!- Angelegenheiten. Fünfter Kreis, Ib und n Abt. Am Sonntag, den IS. Mai, gemeinsame Besichtigung des Bot. Bartens in Dahlem. Straßenbahn« linie 59. Treffpunkt am Bot. Garten in Dahlem 2 Uhr nachmittag. Kinder unter Ii) Jahren haben keinen Zutritt. I. Abteilung. Sonntag, den 19. Mai er.. Besuch der »Arbeiter-WohlfahrtS-Ausslellung". Treffpunkt lO'/a Uhr bei Rausch, Winsstraße 12. Hoheu-Neuendorf a. d. Nordbahn. Die für Sonntag, den 19. Mai, festgesetzte gemeinschaftliche Mitgliederversammlung in Birkenwerder findet nicht statt. Der Gruppenführer. Trebbin. Am Sonnabend, den 18. Mai, abends 8>/, Uhr, im Gesellschaftshaus sEniil Schulze) Wahlvereinsversammlung. Tages- Ordnung: 1. Kasse und Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom 3. Quartal 1911/12. 3. Vortrag des Gen. G r o g e r« Neukölln. 4. Parleiaugelegenheiten. Dabendorf bei Zossen. Am Sonnabend, den 18. d. M., abends v Uhr bei Wiese: Mitgliederversammlung. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Der Vorstand. Schenkendorf bei Königs-Wu st erHausen. Am Sonn« abend, den 18. Mai, abends 8 Uhr, bei Otto Paetsch: Mitglieder« Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassieren der Beiträge und Auf- nähme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung von der Maifeier. 3. Vereins« angelegenheiten und Verschiedenes. Nowawes. Morgen, Freitag, abends 8'/3 Uhr, findet im Lokal des Herrn Ernst Schmidt(Deutsche Festsäle), Wilhelmstr. 41—43, eine Volksversammlung statt. Landlagsabgeordneter Genosse Hirsch spricht über das Thema:.Das preußische Abgeordnetenhaus als Polizeiwachtstube. Die Genossen werden ersucht, für guten Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Graf und Kintopp. Abend war's. Ein feiner Sprühregen netzt den blank- polierten Asphalt. In verschwenderischer Fülle-spenden prunkende Bogenlampen ihr rötliches Licht und aus den Caf6s und Restaurants am Potsdamer Platz flutet der Schein tausender elektrischer Glühbirnen hinaus in das wildbewegte Weltstadtleben. Vor einem neuerrichteten pompösen Bau bleibe ich stehen. Große Plakate leuchten mir entgegen und kündigen ein sen- sationelles Lustspiel an: Der Stallmeister, in dem Graf Wölfs- Metternich die Rolle eines Barons bezw. eines Stallmeisters spielt, während seine Frau als Gutsherrin auftritt. Das gerichtliche Verbot ist aufgehoben, wie auf dem Plakat be- sonders hervorgehoben wird. Ununterbrochen strömen Menschen zu den Lichtspielen. Ehe ich mich versehe, hat mich der Trubel mitgerissen, an dem betreßten, komplimentierenden Türsteher vorbei, in die geräumige, lichtdurchflutete Vorhalle, wo eine Mauer von Damen und Herren die Garderobe umgibt. Eigentlich weiß ich nicht, was ich hier soll: nun ich aber mal da bin, lasse ich der Sache gleichmütig ihren Lauf. Ich mache mir aus Kintoppvorstellungen nicht viel, seit Graf Pückler rühm- lichen Angedenkens keine zwerchfellerschütternden Vorstellun- gen mehr gibt, läßt mich die Aussicht, einen leibhaftigen Grafen, und sei er auch selbst gerichtsnotorisch zu sehen, kühl bis ans Herz. Da ich aber den Raum schon betreten hatte, mochte der Spaß auch zu Ende geführt werden. So ließ ich mir denn ein Billett zu 1,50 M. geben(unter 1 M. is hier nischt zu machen) und befand mich nach Ueberwindung einiger Stufen an der Quelle der Filmswunder. Ein angenehmer, intimer Raum mit Plüschsitzen, der während des Spieles von grünen und roten Lämpchen nur matt erleuchtet ist. Das Publikum„buntfarbig zusammen- gestückt— zum Teil Berlin �V., auch WW., in Seide und Samt, Lebemänner, mit müden blasierten Gesichtern und riesigen blinkenden Glatzen, exotisch ekleidete Globetrotter, Geschäftsdamen mit ihrem Verhältnis und so mancherlei andere, heften ihre Blicke unverwandt auf die nervös zitternde Bildfläche. Die mannigfaltigsten Parfüms ver- mengen sich mit dem Rauch mehr oder minder teurer Glimmstengel und in das feine Klingen der Biergläser mischen sich kicherndes Lachen und halbunterdrückte Ausrufe: doch alles übertönt die prickelnde, feurige Musik, die mit munterem Rhythmus die Lichtspiele begleitet. Gerade jetzt ziehen anmutige, reizende Szenerien aus dem Schwarzwald vorüber, die in meiner Brust sehnsüchtige Gefühle auslösen. Dann folgt eine banale Scheidungs- und Ehegeschichte von erläuternden Inschriften unterbrochen, der eine Wochenchronik folgt, die bildlich die aktuellsten Ereignisse aus aller Welt vorführt. Darunter ist mancherlei Schönes und Interessantes, wie zum Beispiel Hafenbauten am Bal« tischen Meer die Einweihung des Campamle in Venedig, die Baumblüte'in Werder. Studien aus Lappland und Bilder von der„Titanic".Katastrophe.„Damen aus den„höchsten" Kreisen teilen Kleider an die Geretteten aus," erläutert der Film, was meinem Nebenmann, scheinbar ein blederer Land- mann, eine bissige Bemerkung durch die Zahne Preßt. Endlich naht der Clou des Abends und ein erlösendes Ah: Ah entringt sich den schmachtenden Lippen sensatlonshungri- ger Zuschauer, denn alles andere war nur leichte Vorspeise, der fette, saftige Happen kommt erst jetzt. Ach, wohl alle. die gierig auf diesen Akt harren, hätten für ihr Leben gern dem Stinkprozeß in Moabit beigewohnt, wenn andere, Gluck- lichere ihnen nicht die Plätze vorweg genommen hätten. Nun begnügen sie sich eben zur Not mit dem Bilde des Grafen nebst seiner Gattm und der Film muß für die entgangenen Genüsse, so gut es eben möglich ist, entschädigen. Da zittert auch schon die erste Szene vorüber und ein junger, schmächtiger, tadellos gekleideter Herr, mit einem schmalen, nichtssagenden Gesicht und einer kleinen, wohlge« bildeten Tonsur, macht sich in einem stilvoll eingerichteten Herrenzimmer zu schaffen. Weiter rollt der Film, Szene wechselt mit Szene, deren Mittelpunkt immer dieser junge Herr bildet. Das also ist das Gräflein, das wochenlang einen Gerichtshof beschästtgen, die Spalten der Klatschpresse füllen und ein sensationslüsternes Publikum in Atem halten konnte! Der Herr Graf, der schonen Frauen das blauschwarze Haar kämmen durfte, im Boudoir, des Nachts um halber Lweie.~~ O göttliche Ironie! Den edlen Sproß eines edlen Ge- fchlechtS auf der Filmrolle, für eine Mark Eintrittsgeld jedem Plebejer zur Schau �stellt!»fver schließlich ist jede Beschäftigung, wenn sie redlich ist, der Achtung wert, und wenn es, wie erzählt wird, in New Aork ein exklusives Hotel gibt, das nur ehemalige Gardeoffiziere als Kellner einstellt, also, warum soll in Deutschland ein Graf nicht auch sein Brot ver- dienen wie er will, besonders dann, wenn er keinen anderen Beruf als den eines Gentlemans gelernt hat. Wechsel-, Pump- und Lombardierungsgeschäfte haben ihre verfluchten Schattenseiten, und beim Goldfischfang beißt oft im letzten Moment das Opfer auf den Köder nicht an, und von Pfann- kuchen allein kann der Mensch nun auch nicht leben, zumal man sie nicht immer ohne Geld erhält. Und schließlich muß man dem jungen aristokratischen Herrn in einem Punkte dankbar sein, nämlich: er hat endlich einmal den Begriff „Kavalier" klar und prägnant definiert und präzisiert, fo daß heute jedes Kind weiß, was es unter dieser Bezeichnung zu verstehen hat: einen vornehmen Herrn, der den— Kellner anpumpt! Und das ist in sprachlicher und gesellschaftlicher Hinsicht auch was wert. Deshalb mag der Graf seine Rolle als Stallmeister auf dem Film mit Erfolg spielen, desgleichen mögen seine Standesgenossen ihren gewohnten Passionen auch fernerhin huldigen— bis die Zeit kommt, wo man aus Wappen Müllfchippen macht und den ganzen Plunder auf den Kehrichthaufen fegt, auf daß der einzig echte und wahre Adel zur Geltung komme: der Herzensadel. Die Berliner Ofenkammer. In einer Stunde bringt uns der Bummelzug vom Stet- tiner Bahnhof oder vom Gesundbrunnen über Tegel nach dem durch seine Kachel-, Ton- und Terrakottwarenindustrie zu ge- wisser Berühmtheit gelangten Dörfchen Velten. Die Fahrt hinter Tegel geht durch schönen Wald, der stellenweise beinahe romantisch ist. Wer sich die Tour noch abwechslungsreicher gestalten will, wählt den interessanten Wasserweg im Dampfer über den Tegeler See in die Havel hinein, an Jörsfelde, Heiligensee, Nieder-Neuendorf, Hennigsdorf und Neubrück vorbei. Hinter den neuen Pankower Wasserwerken biegt der Dampftchwan in den Veltener Stichkanal zu Seiten der Stol- per Heide und der Falkenhagener Forst, der für die Ent- Wickelung Veltens so überaus wichtig ist und später bis nach Pinnow weitergeführt werden soll. Der„Ofenstadt", die trotz ihrer vielen ragenden Schlote einen guten Eindruck macht, sieht man es nicht an, daß sie ihren Ursprung auf eine wen- dische Niederlassung zurückführen kann und rund tausend Jahre alt ist. Ganz moderne EntWickelung, wie wir sie sonst selbst in entlegeneren Berliner Vororten gewöhnt sind, hat sich noch nicht herangewagt, weil eben alles in der Industrie mit ihren reichlich zweitausend Arbeitern aufgeht, aber ein schwacher Ansatz ist doch schon gemacht durch eine wichtige Promenadenbank, die der unvermeidliche Verschönerungs- verein unweit des Bahnhofs hat oufftellen lassen. Unser Hauptinteresse nehmen natürlich die etwa vierzig Ofenfabriken in Anspruch, die in ihrer Anlage an die großen Zement- fabriken in Kalkberge-Rüdersdorf und an die zahlreichen Ziegeleidörfer dicht bei Berlin erinnern. Zu einer der großen Fabriken wird uns der Zutritt gestattet. Wir sind einiger- maßen verwundert über die Ruhe in diesen Betrieben und sehen zunächst, wie der rohe Ton geschlemmt und gesiebt wird, um hierauf in Trockenbassins, meist unter freiem Himmel. mindestens vier Wochen abzulagern. Nach dem Kneten und Zerschneiden kommt der Ton in die Kachelpresse, dann in die Schleiferei und zuletzt in die Glasur, in die sogenannten Muffelöfen. Die Veltener Industrie liefert aber nicht nur die weiße Berliner Ofenkachel, die durch Zentralheizung und andere moderne Errungenschaften noch lange nicht verdrängt werden kann, fondern auch Kunstprodukte, mit Schablonen- und Handmalerei, die sich im ganzen Deutschen Reiche Ein- gang verschafft haben. Eine lehrreiche Darstellung des Werdeganges' der Kachel erhält man auch in dem im Schul- hause untergebrachten Ortsmuseum, das ferner alte Urnen und Tongeräte ausgestellt hat. auch ein wertvolles Archiv über die Kachel- und Tonwarenindustrie birgt. Bietet auch Velten landschaftlich nicht besonders Reizvolles, so ist doch ein Ab- stecher an einem Ausslugstage empfehlenswert. Am zweck- mäßigsten ist es, wenn man einen Wochentag wählen kann, um sich bei guter Gelegenheit durch Augenschein zu überzeugen, wie unser alter lieber häuslicher Wärmespender geboren wird. Wie Fürsorgekinder aufgehoben«erden. Bor den Toren Berlins herrschen zuweilen Zustände, wie man sie kaum für möglich halten sollte. In Plötzensee befinden sich drei Fürsorgeanstalten in unmittelbarer Nähe: Die Anstalt Sichar. eine Schwesternanstalt des MagdalenenstiftS in Teltow, dann die Anstalt Bethabara. die von einem alten, über S0 Jahre alten Herrn Pastor Berend geleitet wird, und endlich eine jüdische Fürsorzeanstalt. Bon der letzteren wurde kürzlich in der Sitzung der Berliner Waisen- deputation ein recht häßliches Bild entworfen. Das Gebäude, das in der Nähe des früheren JohanniSstistS liegt, macht einen voll- ständig baufälligen Eindruck und wer eS nicht weiß, glaubt gar nicht, daß in diesem Gebäude Menschen Hausen, junge Menschen, die erzogen werden sollen. Schon die Umgebung ist öde und trist. Der Weg zu dieser Erziehungsanstalt ist nur schwer befahrbar. Der Chauffeur eines Automobils, der die Revisionsbeamten nach der Anstalt fahren sollte, hielt eine ganze Strecke vor der Anstalt und bat die Insassen, den ferneren Weg zu Fuß fortzusetzen, da er nicht weiter fahren könne. Bollkommen verwettert ist das alte Gemäuer.»In den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen." Nichts Freundliches, Anheimelndes wohnt in diesen Mauern. Der Eßraum für 24 Zöglinge liegt im Keller, ist Halbdunkel und gestattet nicht der Hälfte der Zöglinge, ge« meinsam zu essen. Und nun erst die Wohnräume der Kinderl Wie die städtischen Revisionsbeamten erklärten, sind das Käfige, aber keine Wohnräume. In die meisten dieser engen, unfreundlichen Räume kommt das ganze Jahr kein Strahl Sonne. Eine Anzahl solcher Käfige zur Beherbergung von Fürsorgezöglingen liegen hintereinander und haben nur einen einzigen Ausgang. Sollte in diesen Räumen Feuer ausbrechen, so käme nach der Anficht der revidierenden Herren kein einziges Kind lebend heraus. Wie in einer Mausefalle find die Kinder eingeschloffen. Borrichtungen zu Feuerlöschzwecken find nicht vorhanden. Bei einem Feuer kann selbst die Feuerwehr bei den schleckten Wegen kaum an die Anstalt herankommen. Wenn die Kinder ihre Notdurft verrichten wollen, müssen sie über den ungepflasterten Hos nach einem auf Grund des Tonnensystems eingerichteten Räume. Nicht einmal ein bißchen Rasen ist vorhanden, der dem Auge Abwechselung böte. Ein Krankenzimmer fehlt voll- ständig. Die Zustände in dieser Anstalt seien geradezu grauenhaft und«S fei unverantwortlich, Kinder noch länger in einer solchen Anstalt zu lassen. Der Regierung sollen diese Zustände durchaus nicht unbekannt sein. Schon vor einigen Jahren sei darauf aufmerksam gemacht worden, wenn auch nicht in der LuSführlickleit wie jetzt. Die Anstalt ressortiert vom deutsch-israelitischen Gemeinde- bund. Im allgemeinen sind die jüdischen Privatanstalt«« recht luxuriös eingerichtet, weil sie von besonders bemittelten Leuten gestützt werden. Die oben geschilderte Anstalt aber spottet jede» Beschreibung. Warum die Regierung im vorliegenden Falle nicht schon längst eingegriffen hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Neuerdings ist die Unternehmerin der Anstalt aufgefordert worden zu sofortiger Aeuße- rung. In der Waisendeputation gingen die Meinungen dahin, daß man eS nicht verantworten könne, die Kinder noch ferner in der Anstalt zu lassen und eS wurde verlangt, die Kinder sofort wegzu« nehmen und anderweitig unterzubringen. Bauliche Aenderungea können in dieser Anstalt überhaupt nicht vorgenommen werden; das Gebäude ist reif für den Abbruch. Die Waisendeputation beschloß noch einen Bericht der Feuerpolizei einzuholen und bis zum Ein- gang des Berichts zu erwägen, wo die in der Anstalt befindlichen jüdischen Zöglinge anderweitig untergebracht werden können. Neue Zöglinge sollen aber nicht in die Anstalt gegeben werden. Ministerialdirektor Dr. Micke, der Vorsitzende der Direktton d« Großen Berliner Straßenbahn ist gestern mittag gestorben._ Micke trat im Jahre 1898 aus dem Eisenbahnministerrum rn den Vorstand der Großen Berliner über. Hier kamen ihm seine Be« ziehungen zu dem Eisenbahnministerium sehr zu statten. Er war es. dem es in der Folgezeit gelang, die Konzession der Straßen- bahn über den Kops der Stadt hinweg auf 30 Jahre zu erlangen und seinem Einfluß war es zuzuschreiben, wenn die Stadtgememde auf dem Gebiete des öffentlichen Verkehrs mit außerordentucheu Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Den Angestellten und Arbeitem gegenüber führte Micke em straffes Regiment und zeigte wenig Entgegenkommen gegen die be» rechtigten Wünsche der Angestellten. Sein ganzes Wirken lag lediglich im Interesse der Amonare. Unterschlagungen bei der Stadthauptkasse. Bei den diesjährigen Abschlußarbeiten der Stadthauptkasse stellte sich bei einer von dem MagistratSsekretär Hülsen früher verwalteten Buchhalterei ein Fehl- betrag von zirka 64 000 M. heraus. Bei seiner Bernehmung gestand H. zu, schon seit mehreren Jahren bei den Einnahmen für Schulgeld Beträge für sich zurückbehalten und in eigenem Nutzen verwendet zu haben. Die Unterschlagungen find nur da- durch möglich gewesen, daß er das Vertrauen seines ihn kontrollierenden inzwischen verstorbenen Kassierers auf das gröb« lichste gemißbraucht hat. Die Entdeckung der Veruntreuungen ist dadurch ermöglicht worden, daß in der Stadthauptkaffe seit einiger Zeit ein regelmäßiger Wechsel in der Besetzung der Buchhaltereren eingeführt rst, und H. seine bisherige Buchhalterei im Dezember 1911 hat abgeben müssen. Seiner Verhaftung hat H. sich bis jetzt zu ent« ziehen gewußt. Die Höhe der veruntreuten Gelder beträgt, wie die jetzt ab» geschlossene Nachprüfung ergeben hat, 66 000 M. Als die Unter- schlagungen entdeckt worden waren und der ungetreue Beamte das Geständnis abgelegt hatte, die Fälschungen und die Unter- schleife begangen zu haben, schickte man nach dem Polizeibezirksamt am Molkenmarkt, um seine Verhaftung zu veranlassen. Sofort erschienen auch zwei Beamte, denen jedoch bedeutet wurde, noch einige Augenblicke im Vorzimmer zu bleiben. Als diese dort eine Weile gewartet hatten, erhielten sie den Bescheid, daß der Un- getreue durch eine Hintertür verschwunden sei. In seiner Wohnung in Schmargendorf war der Flüchtige nicht mehr erschienen. Seine Frau und seine Kinder waren von ihrer Mitteilung ganz über« rascht. Obschon die Veruntreuungen mehr als zwanzig Jahre lang verübt wurden, hatte er sich nie zu Hause offenbart. Unwillen erregte gestern vormittag die Art, wie ein krank ge» wordener Soldat behandelt wurde. Gegen 11 Uhr bewegte sich eine Kompagnie Soldaten mit Musik durch die Neue Roßstraße und Alte Jakobstraße, als ein Mann zusammenbrach. Er wurde von einem Sergeanten und einem Gefreiten der Sanitätsmannschaft in einen Hausflur getragen, ohne dem Erkrankten das Gepäck abzunehmen. Auf Protest der angesammelten Zivilisten wurde der erkrankte Soldat nach dem Hof getragen und später in den Laden eines Schneider« arttkelgeschäftS, immer mit Helm und Gepäck. Nach einiger Zeit wurde der Mann mittels Droschke fortgeschafft und erst bei dieser Gelegenheit nahm man ihm das Gepäck ab. Das hätte doch sofort geschehen sollen._ Die Hoffnung auf den Zweckverband Grotz-Berli«. Vom Zweckverband Groß-Berlin erwartet die Bevölkerung Berlins und der Bororte, daß er vor allem zur Bekämpfung der Mängel des Groß-Berliner Wohnungs- Wesens eine kraftvolle Reformpolitik einleiten werde. Diese Aufgabe wurde als seine wichtigste ihm nochmals zur Pflicht ge- macht in zwei Versammlungen, die der Propagandaausschutz, der Mahner des Zweckverbandes, am Dienstag abhielt. Beide Ver- sammlungen waren leider nicht so besucht, wie man eS wünschen mußte. In der Bockbrauerei am Tempelhofer Berg beleuchtete der Landtagsabgeordnete Genosse Hirsch in einem Referat über„D i e Aufgaben des Zweckverbandes" die mannigfachen Widerstände, die der dringend nötigen Reformpolitik sich entgegen- stellen. Den noch unbebauten Terrains in Groß-Berlin eine auf Kleinwohnungen berechnete und dabei weiträumige Bebauung zu sichern, der unbemittelten Bevölkerung diese Wohnungen durch ein Netz von Schnellbahnen mit billigen Tarifen leicht erreichbar zu machen. Wiese und Wald ihr für Erholung und Spiel zu erhalten � das alles ist unerläßlich zur Wahrung und Förderung der Ge- sundheit unserer Großstadtbewohner. Aber die Terrainspekulation wehrt sich dagegen, daß in ihr vermeintliches Recht auf größt« möglichen Profit aus Grund und Boden nachdrücklich eingegriffen wird. Die Verkehrsgesellschaften lehnen es ab. zur Erschließung noch unbebauter Gegenden den Bau nicht sofort rentierender Bahn- linien zu wagen. Und der Fiskus sowie manche Kommunen scheuen sich nicht, durch Ausschlachtung der dem Erholungsbedürfnis not- wendigen Wälder zu Baustellen sich bar Geld zu verschaffen. Hirsch kennzeichnete dieses Treiben mit scharfen Worten und wies unumwunden auch auf die politischen Faktoren hin. die diesem Widerstand die Kraft und Stärke mehren. Von der Gesetz- gebung und der Verwaltung fordert man seit langem vergeblich cjne großzügige Wohnungspolitik. Für eine reichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens ist zurzeit wenig Aussicht, eine Regelung durch Landesgesetzgebung verspricht besonders in Preußen bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Landtages nichts Gutes, und von den Kommunawerwaltungen kann man bei der Herrschaft des Hausagrariertums kaum Hilfe erwarten. Die Be- volkerung müsse, schloß der Referent, aufgerüttelt werden. damit sie den Zweckverband, auf den jetzt für Groß-Berlin die nächste Hoffnung sich richte, vorwärts treibe. Zu wünschen sei aber auch, daß bei allen Wahlen die Wählerschaft nur solche Manner in Gemeinde- und Volksvertretungen entsende, die das Wohl der Gesamtheit im Auge haben. Nachdem dann Professor Ewald»Berlin als Arzt über die Notwendigkeit der Erhaltung unserer Wälder und Gymnasialdirektor W e t e k a m p- Schöneberg über den Mangel an Spielplätzen referiert hatten, stimmte die Versammlung ohne. Debatte der Resolution zu, die den Zweckverband auf seine Aufgaben hinweist. Zu gleicher Zeit wurde für den Westen in den.Prachtsälen" der Spichernstraße eine Versammlung abgehalten, deren Besucher borwiegend der bessersituierken BedölkerUng angehörten. Der Kunsthistoriker Privatdozent W e i s b a ch- Berlin führte über sein Thema„Groß-Berliner Stadtbaukunst" aus, daß der Zweckverband bei der Aufstellung von Bebauungsplänen neben den Erfordernissen des Verkehrs und des Wohnungswesens auch künstlerische Gesichtspunkte zur Geltung kommen lassen solle. Wir wollen', so formulierte er seine Forderung, ein praktisches Berlin und zugleich ein schönes Berlin haben. In einem Referat„Die Sommerfrische für jedes Kind" schilderte der Theologe Professor Lehmann- Berlin die in Kopenhagen gemachten erfolgreichen Bemühungen, alljährlich im Sommer den Stadtkindern einen Landaufenthalt zu ermöglichen. Es sprach schließlich noch Landtagsabgeordneter Genosse Hirsch, der auch hier„die Aufgaben des Zweckverbandes" in einem zusammenfassenden Referat darlegte. Die Rückhaltlosig- keit, mit der er vor dem Publikum aus Berlin-West sich äußerte, veranlaßte einige Zuhörer, durch Zischen gegen den Beifall zu protestieren, der seinem Vortrag folgte. In der Diskussion bemängelte dann ein Redner, daß dieses Referat eine politische Färbung gehabt habe, die der Sache nur schaden könne. Hegemann, der Geschäftsführer des Pro- pagandaausschusses, stellte fest, daß in der Bockbrauerei dieselben Ausführungen mit ungeteiltem Beifall aufgenommen worden waren. Hirsch erwiderte in einem Schlußwort, es sei seine Ge- wohnheit, offen seine Meinung zu sagen, und anders erreicht man nichts. Die Versammlung schloß mit Annahme der vom Pro- pagandaausschuß vorgelegten Resolution. Bon einem Förster erschossen wurde gestern früh im Walde bei Schönfließ ein in Charlottenburg wohnhafter Albert Büchtemann. Wie berichtet wird, war der Erschossene in Gemeinschaft mit seinem Bruder Hermann damit beschäftigt. Farnkraut abzuschneiden. Als plötzlich der in den Diensten des Kammerherrn v. Veltheim in Stolpe stehende Förster Nohrbeck auf einem Patrouillengang die beiden Brüder bei dieser Arbeit überraschte, soll sich ein Kampf zwischen diesen und dem Förster abgespielt haben, in dessen Verlauf sich das Gewehr des letzteren entladen und dadurch den Albert Büchtemann getötet haben soll. Der Bruder des letzteren wurde verhaftet und nach dem Amts- gerichl Oranienburg geführt. Gestern hat bereits am Tatort durch Vertreter der Staatsanwaltschaft und des Gerichts ein Lokaltermin stattgefunden. Von dem Ergebnis desselben ist noch nichts bekannt. Durch eine Eisenwelle zu Boden geschmettert. Ein Verhängnis- voller Unglücksfall hat sich auf dem Wasserwerlsgrundstück in Tegel zugetragen. Bei einem Brunnenbau war der Arbeiter Ernst Ramlow in der Nähe einer in der Drehung befindlichen großen eisernen Welle besckmfligt. Als er der Welle versehentlich zu nahe kam, wurde er mit solcher Wucht am Kopf und an beide» Füßen getroffen, daß er besinnungslos zusammenstürzte. In bedenklichem Zustande fand der Schwerverletzte im Paul-Gerhardt-Stift Aufnahme. Einen entsetzlichen Tod hat der vierjährige Knabe Willi Dörnig, Pankstraße 83, gefunden. Eine Flurnachbarin, Frau R., hatte den Kleinen gebeten, für sie ein Pfund Salz zu holen. Als der Knabe dann das Salz in der Küche der R. abliefern wollte, stürzte er in ein Gefäß mit kochendem Wasser, das auf dem Fußboden gestanden hatte. Auf das Jammergeschrei des unglücklichen Kindes eilte Frau R., die nebenan weilte, herbei und riß D. aus dem Wasser heraus. Leider hatte aber der Junge inzwischen am ganzen Körper so furchtbare Brandwunden erlitten, daß er unter qualvollen Schmerzen im Krankenhause starb. Mit Leuchtgas zu vergiften versuchte sich am Mittwochabend die im Quergebäude des Hauses Kameruner Str. SL wohnhafte Frau des Schlossers Becker mit ihren beiden neun und fünf Jahre alten Töchtern, iftach einem vorausgegangenen Streit zwischen den beiden Eheleuten war der Mann fortgegangen. Gleich nachdem muß die Frau zur Ausführung der Tat geschritten sein. Man fand die Frau bewußtlos in der Wohnung liegend auf, während das älteste der beiden Mädchen bereits tot war; das jüngste wurde durch die Feuerwehr mittels Sauerstoffbehandlung wieder soweit hergestellt, daß es in der elterlichen Wohnung verbleiben konnte. Der Zustand der Frau machte ihre Ueberfiihrung nach dem Krankenhause not- wendig. Von einem RutoinobilomnibuS totgefahren wurde am Mittwoch- abend der zweijährige Sohn Artur des im Hause Grüner Weg 18 wohnhaften Hausdieners Trotte. Der Kleine hatte sich gerade in dem Moment von der Hand der Matter losgerissen und war auf den Damm gelaufen, als ein Automobilomnibus der Linie 2 daher- gefahren kam. Obwohl der Chauffeur nach Kräften bremste, konnte er es doch nicht bei dem schlüpfrigen Pflaster verhindern, daß der Wagen weiter rutschte und das Kind vyn dem. Hintarrad erfaßt wurde. Dem unglücklichen Knaben ging das Rad über den Leib und Kopf und füyrte den sofortigen Tod herbei. Gustav HagenbcckS„Indische Völkerschau" wird sich jetzt auf dem Tempclhofer Felde auftun. In der Frauenvcrsammlung am 12. Mai im Stadttheater Moabit ist eine Brosche gefunden. Berliererin kann dieselbe bei F. Fröhlich, Wittstocker Str. 23(Laden) abholen. Vorort- Nachricbtem Pankow. Der Gcwaltstrrich gegen die proletarische Wählerschaft ist voll- endet.-Mit einigen 60 Stimmen sind unsere am 3. März mit einer Mehrheit von über 400 Stimmen gewählten Genossen Eichler und Fciigler in der durch Ungültigkeitserklärung ihrer Mandate notwendig gewordenen Nachivahl am Sonntag, Montag und Dienstag den bürgerlichen Kandidaten unterlegen. ES erhielten. Genosse Eichler 120S, Fengler 1208 Stimmen, während die Gegner 1277 resp. 1272 Ssimmen auf sich vereinigten. Ein Resultat, das angesicksis unseres VorsprungeS vom 3. März überraschend erscheint. Betrug doch damals unsere Stimmenzahl 1137, während die Bürgerlichen es auf 71S Stimmen brachten. Dieser Ausgang wird aber erklärlich, wenn man sich den bürger- lichen Wahlausschuß, seine Leitung und seine Betätigung im Wahl- kämpfe näher ansieht. In diesem Ausschuß waren vertreten: Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie, Haus- und Grundbesitzerverein, Mieterverein. Bllrgcrverein, Evangelischer Volksverein, Windthorst- Bund, Vaterländischer Verein, Bund der Festbesoldeten, Oberlehrer« verein und Lehrerverein. Die Leitung der Aktionen lag. wie schon bei früheren Wahlen, in den.bewährten" Händen eines Herrn Herbert Schmidt, feines Zeichens Vorsitzender der Ortsgruppe Pankow des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie. Der Tätigkeit dieses Herrn ist auch in hervorragendem Maße der Ungültigkeilsbeschluß der Gemeinde- Vertretung vom 1& April geschuldet. Was er dann weiter im Wahl- kämpf für die„bürgerliche Sache" geleistet haben dürste, zeigt die Tatsache der Steigerung der bürgerlichen Stimmen um etwa 660 gegen die erste Wahl. Die abhängige Wählerschaft Pankows hat an den dre� Wahlkagen den.sanften Druck" in überreichem Maße zu spüren bekommen. In den bürgerlichen Schleppflugblättern sowie in dem von Herrn Herbert Schmidt bedienten hiesigen Ortsblältchcn wurde immer wieder hervorgehoben. daß „NichtWähler indirekt die Sozialdemokratie unterstützen." Das hat denn auch gewirkt und in dichten Scharen sind die in diesem Bezirk zahlreich vertretenen Eisenbahner und sonstigen.nationalen" Mußwähker angetreten. Diesem Ansturm gegenüber vermochten unsere Genossen ihre Stimmenzahl vom 3. März nur um einige 70 AU erhöhen und mußten diesmal leider unterliegen. Noch einmal also werden bürgerliche Vertreter von Herrn Herberts Schmidts Gnaden die Pankower Gemeindevertretung auf längere Jahre zieren. Charlottenburg. In der Delcgiertensitzung der hiesigen Gewerkschaftskommisfion berichtete zunächst Genosse Storch über den Verlauf der diesjährigen Maifeier am Orte. Die Beteiligung an derselben sei in diesem Jahre. gegenüber dem Vorjahre, etwas gestiegen. Ein Vortrag des Ge- nossen Link über:.Der Kampf der Berufsgenossenschaften gegen die kleinen Renten und das Moment der„Gewöhnung" in der Recht- sprechung" fesselte die Aufmerksamkeit der Hörer in erhöhtem Maße, zumal Redner aus seiner Praxis als Arbeitersekretär verschiedene Momente ms Feld führen konnte, die bewiesen, daß von einem sozialen Geist in der Rechtspreckung und Behandlung bei der Unfall- Versicherungsgesetzgebung seit Jahren keine Rede mehr ist. Auch die iieue Reichsversicherungsordnuilg schafft in dieser Hinsicht keinen Wandel. Einige von den Genossen Schröder, Hennig, Anderson und Seifert an den Referenten gestellten Fragen wurden von diesem noch recht eingehend erörtert. ' Der Vertreter der Friseurgehilfen, Genosse Hahn, macht Mit- teilung von ihrer Lohnbewegung und bat, falls es zum Kampfe kommen sollte, um Unterstützung der organisierten Arbeiterschaft. Zum Vertreter in den Äreis-Jugendausschuß wurde sodann der Genosse Flemming gewählt. Besi der Anregung, für den Vertrieb der Volkshausmarken mehr Sorge zu tragen, ersuchte Genosse Ahrens die Gewerkschaftsvertreter, in den Sommern, onaten das Volkshaus durch Feste und sonstige Veranstaltungen zu unterstützen. Genosse Richter schloß sich diesem an� und befürwortete die Ab- Haltung eines allgemeinen Gewerkschaftsfestes, doch soll die end- gültige Beschlußfassung über dasselbe der nächsten Sitzung über- lassen bleiben. Es fehlten in der Sitzung die Vertreter der Bäcker, Brauerei- arbeiter, Fleischer, Gastwirtsgehilfen, Handlungsgehilfen, Musiker, Porzellanarbeiter, Sattler und Tapezierer. Eltcrnvcrcin für freie Erziehung. Sonntag, den IS. Mai, findet ein großer Familienausflug nach dem Grunewald statt. Treffpunkt l'/z Uhr vor dem Kaiser- Friedrich- Denkmal; Abmarsch pünktlich 2 Uhr. Für Nachzügler zur Kaffeepause auf dem Spandauer Bock. Auch Nichtmitglieder und deren Kinder können an den Ausflügen teilnehmen. Der Vorstand. Neukölln. In der Sitzung der Krankenhausdcputation wurde mitgeteilt, daß nach erfolgter Inbetriebnahme der Krankenstation im Siechen- Hause und der beiden Baracken im ganzen 4ö0 Betten zur Verfügung stehen und daß Abweisungen von Kranken nach der vorgelegten Belegungsnachweisung nur noch in geringem Umfange statt- finden. Da diese Abteilungen in erster Linie für Leicht- kranke bestimmt sind. soll die Frage der Errichtung eines Pavillons für Leichtkranke noch besonders geprüft werden.— Ans Anlaß des Unglücksfalls in der Charitö hat eine ein« gehende Prüfung der Einrichtungen und Ausbewahrungsorte für Gifte stattgefunden.— Die Deputation erkannte nach den Berichten der Speiseurevisionskommission die Unzulänglichkeit der bisherigen Fleischausbewahrungsräume an und beschloß, nach dem Vorschlag de» Hochbauamtes diese Räume im Erdgeschoß des Wirtschafts- gebäudes unterzubringen und die bisherigen Räume für derartige Zwecke völlig aufzugeben. Die zur Umänderung erforderlichen Mittel in Höhe von rund 15 000 M. werden aus Anleihemitteln bewilligt. Eine möglichste Beschleunigung der Arbeiten ist unbedingt not- wendig, so daß die Räume noch vor Beginn der heißen Jahreszeit in Benutzung genommen werden können.— Mit der Errichtung einer eigenen Bäckerei nach dem Vorschlage des Hochbauamtes ist die Deputation einverstanden. Ein skandinavischer ZirkuS Fischer-Reiffarth gastiert gegenwärtig in der Mainzer Straße. Ecke Viebrichsiraße. Der Zirkus ist ein Unternehmen größeren Stils und leistet wwohl aus dem Gebiete der Pferdedresiur wie auch auf dem der circensischen Kunst Vortreff- liches. Mit dem guten Pferdematerial trägt die Direktion des Unternehmens auf dem Gebiete der Freiheits- und Maffendressur wie auch in der hohen Schule dem verwöhntesten Zirkusbesucher Rechnung. Besonderes Interesse erregen die Dressuren von Hunden. Katzen und Tauben und die Vorführungen la Bella del Rio Grande mit ihren Indianern. Cowboys usw. in den verschiedenen Szenen und Abteilungen. Das gute Konzert wird von der Hauskapelle ausgeführt. Britz. Die letzte Gemeindevrrtretersitzung beschäftigte sich zunächst mit dem Plan zwecks Errichtung einer höheren Töchterschule und eines Realgymnasiums. Um eine Mindcstzahl von 20 Sckülern pro Klaffe zu erhalten, sollen auswärtige Schüler herangezogen, von den- selben ein höheres Schulgeld jedoch nicht erhoben werden. Genosse Prenzlow betonte u. a.. daß nach Vollendung dieser Pläne die bürgerlichen Verlreter sür die entlasteie Volksschule jedenfalls nicht mehr das Interesse bekunden werden wie vorher. Einige bürger« liche Herren bezogen sich hierauf auf den Schularztbericht, in welchem u. a. mitgeteilt wird, daß einige Kinder unsauber zur Schule gekommen seien. Und weil sich die Vertreter der Besitzenden in die Lage der werktätigen Bevölkerung nicht hineinzuversetzen vermögen, deshalb suchten sie mit dieser Stelle des Schularztberichts die Eltern der Volksschulkinder zu begeifern. Genosse Prenzlow zeigte, wie durch unsere sozialen Zu- stände oft Vater und Mutier gezwungen seien, gemeinsam dem Er- iverb nachzugehen und somit den Kindern nicht die Sorgfalt an- gedeihen lassen können, wie dies in besitzenden Kreisen der Fall ist. Diese Erklärung hiell aber selbst den Gemeindevorsteher nicht ab, unseren, Redner zu unterstellen, als habe er die Unsauberkeit statt zu erklären, verherrlichen wollen. Genosse Prenzlow blieb dem Ortsoberhanpt natürlich die Antwort nicht schuldig. Die.Britzer Zeitung", die sich sonst immer einen arbeiterfreundlrchen Anstrich gibt, unterschlug sonderbarerweise ihren Lesern die Entgegnung unsere? Redners. Wenn endlich der Herr Gemeindevorsteher betonte, daß nur 13 Proz. aller Kinder das Schulbrausebad benutzen, so ahnte er wohl nicht, daß er damit gegen die Lehrerschaft zugleich den Vor- wurf erhob, die Kinder nicht genug auf den hygienischen Wert der Badeeinrichtung aufmerksam gemacht zu haben. Marienfelde. Im Königsgrabeu ertrunken ist gestern vormittag die 16 Jahre alte Anna Kunert. Das Mädchen war auf dem Wege nach ihrer Wohnung, Berliner Straße 114, begriffen. Als es an der Lank- witzer Straße den Königsgraben entlang ging, wurde daS Mädchen von Krämpfen befallen, wodurch eS in den KönigSgraben fiel und erlrank. Wie man uns mitteilt, sind kurz nach 10 Uhr zwei junge Männer an dem Mädchen vorübergegangen, ohne sich jedoch um die Unglückliche zu bemühen. Um>/,1lUHr wurde daS Mädchen to, aus den, Wasser gezogen. Die von einem Arzt unternommenen Wieder- belebungsversuche waren leider ohne Erfolg. Köpenick. Die Stadtverordneten ermächtigten in ihrer letzten Sitzung den Magistrat zum Abschluß eines Vertrages mit der Landwirtschafts- kammer zwecks Uebernahme der Lebensmittelkontrolle. Dieselbe soll sich erstrecken: 1. auf Untersuchungen von Nahrung«- und Genuß- mittel» und Gebrauchsgegenständen und zwar aus die Untersuchungen allgemeiner Art ausschließlich Waffer. 2. eine besondere sachgemäße perio- dische Milchkonttolle, 3. etwa erforderlich werdende Nachuntersuchungen 4. Uniersuchunge», welche der Polizeibehörde aus Verdachts- oder sonstigen Gründen erforderlich erscheinen, lieber die Ergebnisse der Unter- suchungen sind der Polizeiverwaltung nach Beendigung der Unter- suchiing begründete Gutachten zu erstatten. Als Entschädigung zahlt die Stadt an die Landwirtschaftskammer jährlich 1031 M.— Dem Antrag des Magistrats, das Anfangsgehalt der Betriebsleiter bei den städtischen Werken auf 3700 M.. steigend von drei zu drei Jahren um 800 M. bis 5200 M. festzusetzen und ihnen nach zehnjähriger Dienstzeit die Pensionsberechtigung nach den staatlichen Grundsätzen zu gewahren, stimmte die Versammlung zu. Desgleichen auch einer Nachforderung in Höhe von 643,39 M., welche durch die Reichstags- wähl entstanden ist. Auch dem weiteren Antrage des Magistrats, die Turnhalle der 8. G emein beschule, soweit sie für den Schulbelrieb nicht in Anspruch genommen wird, unter„och näher zu vereinbarenden Bedingungen Turnvereinen zum Turnbetrieb zur Verfügung zu stellen, stimntte die Versammlung zu. Dem Antrage der Stadt Berlin, ihr zu gestatten, durch die Linden-, Bahnhos- und Friedrichshagener Straße ein Wasserwerksdruckrohr zu legen, wurde stattgegeben mit der Maßgabe, daß die Stadt Berlin 10 Pfennig pro laufenden Meter Druckrohr jährlich als Anerkennungsgebühr an die Stadt Köpenick zu zahlen hat. und daß der Stadt Köpenick, um bei vorübergehenden Betriebsstörungen in ihrem eigenen Wasserwerl, die Einwohner genügend mit Wasser versehen zu können, der Einbau eines Abzweiges in das Druckrohr der Stadt Berlin an der Bahnhof- und Lindensiraßen-Ecke gestattet wird. Zum Schluß wurden noch die Kosten zur Errichtung einer weiteren Klasse an der Hilfsschule und der Begründung einer neuen Lehrerstelle an dieser Schule zum 1. Oktober 1912 sowie die Kosten zur Beschaffung eines weiteren Sprengwagens bewilligt. Herzfelde. Totgefahren wurde in der Dienstagnacht der 16jährige Arbeiter W. Reschke aus Hemiickendors in der Strausberger Straße un- mittelbar vor dem Restaurant Dalkewitz Hierselbst. Der junge Mann hatte versucht, den in voller Fahrt befindlichen Feuerwehr- wagen der Freiwilligen Feuerwehr aus Hennickendorf, mit dein man zur Löschung eines in der Möllenstraße hier ans der Ziegelei von Steuer ausgebrochenen Brandes eilte, zu besteigen. Der Versuch mißglückte aber, so daß der mit der Mannschaf, besetzte Wagen über R. hinwegging und ihn vollständig zermalmte. Der Tod trat aus der Stelle ein. Friedrichshagen. Selbstmord eines Majors. In seiner Wohnung, Kastanienallee 8. wurde gestern vormittag gegen 8>/z Uhr der 71 Jahre alte Major a. D. Viktor v. Sommerfeld und Falkenhagen im Bett er- schössen aufgefunden. Der Grund de» Selbstmordes ist in längerer schwerer Krankheit zu suchen. Major v. Sommerfeld war un- verheiratet und lebte mit einer Wirtschafterin zusammen. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Obduklions- Hause gebracht. Den tödlichen Schuß hatte sich Major v. Sommer- feld schon zwischen 7 und 8 Uhr morgens beigebracht. Die Wirt- schaflerin hörte um diese Zeit einen dumpfen Knall, glaubte aber, ihr Herr habe eine Weinflasche geöffnet. Lankwitz. Der Bildungsausschuß veranstaltet heute einen Familienausflug nach Lichtenrade. Abmarsch 12'/2 Uhr von Schulz, Mühlenstraße. In Lichtenrade Kaffeekochen, im Walde Spiele für jung und alt, Verteilung von Geschenken und Pieisen. Für kleine Kinder Fahr- gelegenheit. Oranienburg. Als Stadtbaurat wurde in der außerordentlichen Stadt- verordnetenversammlung der Regierungsbaiimeister a. D. Stadt- bauinspettor Schönwaldt aus Königsberg i. Pr. auf die Dauer von 12 Jahre gewählt. Das Gchal, wurde jährlich auf 6200 M. festgesetzt. Der Wohnungsgeldzusckmß beträgt 1000 M. Außerdem wurden dem Neugewähllen, der Sitz und Stimme im Magistrat hat, sechs seiner auswärtigen Dienstjahre in Anrechnung gebracht, waS einer Alterszulage von 800 M. entspricht. Tegel. Uebcr„bürgerliche und sozialdemokratische Gemeindepolitik" referierte an, Dienstag in stark besuchler Versammlung Reichsiags- abgeordneter Dr. Q u a r ck. Einleitend hob Redner hervor, es sei ein Irrtum, daß Gemeindepolitik etwas anderes als die große all- gemeine Politik sei, in der die Jntereffenkämpfe zwischen Besitzenden und Besitzlosen ausgefochten würden. Er skizzierte des näheren die Art der Kämpfe zwischen den Gemeindeinitgliedern und die Wirkung der Gemeindepolitik auf den einzelnen. Genosse Ouarck gab hierauf in anschaulichster Weise einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwickelung, die die Gemeindepolitik genommen. Auch zeigte er an verschiedenen Beispielen den Unsinn der vcr- alteten preußischen Gemeindeordnung auf, daß nur der besitzende Einwohner Sitz und Stimme haben solle; der durch die moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung bedingte unaufhörliche Besitzwechsel an Grundstücken verlange schon eine Aenderung. Dieser alten Auf- faffung stellte Redner in eingehenden Detailschilderungea die sozial- demokratische Gemeindepolitik gegenüber. Durch die Um- Wandlung der neuzeitlichen Jndustrieverhältniffe, die Ansamm- lung der Jndustriebevölkerung in den Städten und Vororten, ganz besonder« um Berlin herum, haben sich die Gegensätze kraß entwickelt. Rur wenigen Leuten wird durch das elende Dreiklaffen- Wahlrecht die Herrschaft in der Kommune gesichert. Die bürgerlichen Vertreter in der Kommune stimmen lieber einer Verbesserung des Wahlrechts im Reiche resp. im Lande zu, als in der Kommune, wo sie durch ihre Gemeindepolitik ihr persönliches Interesse viel mehr wahren können. Zum Schluß seines mit vielen Beispielen aus seiner eigenen kommunalen Tätigkeit in Frankfurt am Main belegten fesselnden Vorttages hob Referent noch hervor, daß auf dem letztverflossenen Hausbesitzerkongreß ja auch der Hausbesitzerstand als»ein fester Wall gegen die rote Flui" bezeichnet wurde; indes, wie auch die veraltete bürgerliche Gemeindepolitik sei, sür uns ist sie von agitatorischer Be« deutung gewesen und führe zur sozialdemokratischen hinüber. Auch in Tegel müsse durch umsichtige Agitation Arbeiterpolitik getrieben und dadurch gesündere Verhältnisse in der Verwaltung herbeigeführt werden. Dem sehr beifällig aufgenommenen Vorttage folgte eine Debatte, an der sich hauptsächlich unsere Gemeindevertrcter Lichten« b e r g und Halses beteiligten. Sie wiesen auf bedeutsame Vor« gänge in den Verhandlungen der Gemeindevertretung hin, den unter so ausfälligen Umständen erst suspendierten, dann pensionierten Bürger« Meisters Weigert, den Ankauf des Gaswerks, die traurigen Finanz- Verhältnisse, das Gaswerksmonopol, das eine einträgliche Ausnutzung deS kommunalen Elektrizitätswerks hindere und einen Tribut ohne jede Gegenleistung von jedem Stromabnehmer verlange. Mit einein kräftigen Appell an die zahlreichen Frauen und Männer zu einen, stärkeren Ausraffen, um den traurigen Zuständen in Tegel wirksam begegnen zu können, wurde die Versammlung geschlossen; von den so hart mitgenommenen bürgerlichen Vertretern hatte man vergeblich eine Verteidigung ihres Verhaltens erwartet. NowaweS» Um über Wesen und Bedentung der Arbeiter« Samariter- kolonnen weitere Kreise der Arbeiterschaft auszuklären, findet am Sonntag, den 19. Mai. nachmittags 2 Uhr. in den.Deutschen Fest- säten", Wilhelmstr. 41/43. eme öffentliche Versammlung statt. Hierbei wird nicht nur auf zahlreiche Beteiligung der hiefigen, sondern auch der Arbeiterschaft Potsdams und der umliegenden Orte gerechnet. Besonders die Gewerlschasts- und Kartellsunktionäre iowie die Vor- stände der Sportvereine, soweit sie Interesse an dem Ausbau deS Arbeiter-Samoriterwesens haben, seien aus diese Versammlung aus- merksam gemacht.— Briefharten der Redahtfon« Sie lurlstlschk enttdiftunot ftttbei Linbenftr-Sc 69,«ora»KT Srevae» — Fahrstuhl—, woihcntS glich not) 4� ttS 7 V, Uhr adendS, SonnabrndS, »SN 4M, bis 6 Uhr abends stau. Jeder slir drn vrlrftaftr« defttmmlen«nfragc Ist rin Buchlmdr und ein, Zahl als Merkzeichen dctznfstllen. vriesttchc Anwart wird nicht crtrilt. Rnfragc». denen keine AboiincmriliSguittung brigrsstz» ist, werden«ich» dcaniwortrt. Eilige Fragen trage man i» der Sprecht, nnde»ar. K. 2. 10i>. Kommt nur für Privatangestellte in Frage. Der Zeit- Punkt deS JnkrastttetenS ist noch nicht bestimmt.— R. Z. 3«. 1. I,. fall« eigenhändig geschrieben. 2. Die Berusung muß durch einen Anwalt eingelegt werden. 3. Nur die wegen Meineid Verurteilten.— H. E. 7S. ?la.— Richard 19. Die Kommandogewalt steht dem Kaiser zu.— «. W. 24. Nein.— I. gg. Ja, aus Grund eines gerichtlichen Be« schlusstS.— G. P. 23. Beantragen Sie bei dem Vorsitzenden der Ver- nnlftgutigSfommiffioti Befreiung.— O. B 100. Ja.— I. B. 1. 1- Als Ebemann der Verstorbenen ja. 2. Als Blumendünger.— F. H. 77. Ge- fetzliche Gründe stehen dem nicht entgegen.— E. M. 100. 1. Wenn Geschlechtsverkehr stattgesunden hat, ja. 2.§ 181.— Gharlottenbuvg 3t. Die Invalidenrente wird dem steuerpflichtigen Einkommen zugerechnet.— A. K. 10. 1. Ja. 2. Lätzt sich so allgemein nicht sagen.— Tz. 3. Reichen Sie ein Gesuch an das Polizeiprä stdwm ein.— P. 82. Ist zulässig.— 2t. H. 33/0. 1. Nein. 2. u. 4. DaS ist zweckmäßig. 3. Bei deni Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihre Schwiegermutter verstorben ist. b. Etwa 20 M. 6. Auch zulässig. 33.o»»cnv»rq. Die Gefährtin. Paracelsus. Der grüne Kakadu. Freilag: Die Haubenlerche.' Neues Ovrrctien. Der Kongreß von Sevilla. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Luise». Gold und Liebe. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Rose. Precioso. Freitag: 500 000 Teusel. Trianou. Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Tlialia. Anloliebchen. Freitag: Dieselbe Vorstellung. ftleines. Der Nachtwächter. Lollcheiis Geburtstag. Freilag: Dieselbe Vorstellung. Dtereoi u Schwindelmeier u. Co. Freitag: Dieselbe Vorstellung. BJintergarre». Svezialitäten. Freilag: Dieselbe Vorftellung. Gasin«. Tie lustige Strodwilwe. Freitag: Dieselbe Borstellung. 9U'.i.i Spezintitäleil Freitag: Dieselbe Vorstellung. V" ft>. Svezinliläten. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Ansang S'/i Ubr. Friebr..Will,. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Fol,rs Gaprice. De» Polizethrmd. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Um eine Krone. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Ansang 8'/, Uhr. Neues Bolkstbeater. 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Ueber die Schaffung eines Beirats waren die Meinungen geteilt. Die Opposition vertrat die Ansicht, dieser Beirat solle nur eine Rückenstärkung für den Vorstand bilden; auf den Beirat könnte dann alles abgewälzt werden. Von den Anbän- gern deS Antrages wurde betont, daß durch den Beirat das Mit» destimnnmgSrecht der Kollegen gehoben Wierde. Zu der BerfchmclzungSfrage bekannte» sich die meisten städtischen Delegierten als Anhänger der Verschmelzungside«, während die meisten landlichen Delegierten sich als Gegner bekannten.— Die alten Klagen, wie sie auf fast allen Verbandstagen zutage treten, über die Kürzung der eingesandten Berichte, wurden auf dem Verbandstag der Steinardeiter aufgerollt. Franke- Berlin polemisierte gegen den Standpunkt des Ver- lxrndsvorfitzenden in der Verschmelzungsfrage. Die Unternehmer im Baugewerbe seien sich einig. Eine solche Einigkeit wäre auch für die Ardeiter aller Branchen des Baugewerbes nur von Vorteil, wenn eine Verschmelzung zustande kommt. Der Redner begrüßt die Schaffung eines Beirats, weil dadurch der Mitgliedschaft ein größeres Mifbestimungsrecht eingeräumt werde.— Melchior- Hamburg begründet einen Antrag, nach dem der Vorstand, wenn er die Genehmigung zu einem Streik versagt, vorher ein Mit- glied der örtlichen Verwaltung zu einer Vorstandssitzung einladen muß.— Steinecke-Dresden unterzog das Verhalten des Ver- bandsvor sitzen den beim Abschluß des Normaltarifs für die sächsische Sandsteinindustrie einer Kritik.— Knaus, Heilbronn wandte sich gegen die Behauptung eines Redners, daß das Land gegenüber der Stadt vom Vorstand bevorzugt»verde. Der gleiche Borwurf sei umgekehrt früher von ländlichen Vertretern erhoben worden. Nachdem nicht weniger als öS Redner zum Wort gekommen waren, wurde die Debatre geschlossen. Das Vorstandsmitglied S i« b 0 l d> Leipzig verteidigte die Einsetzung eines Beirats. Der Vorstand wolle die Verantwortung nicht abwälzen; er habe geglaubt, damit den Wünschen der Mit- glieder Rechnung zu tragen und eine bessere Fühlung mit den Mit, gliedern herzustellen. Zur Kritik an der Haltung des Vorstandes hätten nur kleinliche Angelegenheiten Anlaß gegeben. Redner geht des näheren auf einige Beschwerden ein und verteidigte die Haltung des Vorstande».— Das gleiche tat für die Redaktion Stau- d i n a e r gegenüber einigen in der Debatte vorgebrachten Wünschen und Beschwerden in bezug der Haltung der Redaktion in einzelnen Fragen. Di« Verhandlungen wurden hierauf auf Mittwoch vertagt. Versammlungen. Transvortarbeitervrrband. Die am Montag abgehaltene Ge- neralverjammlung des Bezirts Berlin nahm den Geschäftsbericht des Borstandes entgegen, den Werber erstattete. Er bezeichnete die Erfolge de? ersten Quartals als befriedigend. Die Agitation habe über 5000 Neuaufnahmen zur Folge gehabt. Die Lohttbewe, gnugen seien nicht so umfangreich gewesen wie im 3. und 4. Ouar- tal deS vorigen Jahre». Im Mittelpunkt stand die Bewegung der Kohlenarbeiter, die mit dem Abschluß eines Tarifvertrages endete. der für KS Firmen mit mehr als 1000 Arbeitern gilt und eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von U auf 10 Stunden brachte. Aus dem gedruckten Bericht ist folgendes hervorzuheben: Forde- rungen wurden eingereicht bei Ä Firmen mit 2007 Beschäftigten. Bei 8ö Firmen erzielten 1S48 Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Streit Lohnerhöhung»« von 1— S M., oder durchschm.r.kich 1.47 M. Wöchentlich pro Kopf. Bei einer Firma mit 00 Arbeitern kam eS zum Streik, der den Beteiligten zusammen eine Lohnerhöhung von öv Mk. wöchentlich brachte. Bei 70 Firmen erzielten 1003 Arbeiter eine Arbeitszeitverkürzung von durchschnittlich Stunden wöchent, lich. Bei 11 Firmen wurden erfolgreiche Abwehrbewegungen gc- führt. Der vom Kassierer S t e i n i ck e erstattete Kassenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe mit 393 060,12 M. Für Unterstützungszwecke wurden ausgegeben an Arbeitslos» 72 422 M.. an Kranke SO 007 M>. an Streikende bK-U2 M.. an Gemaßregelte 11241 M.. sonstige Unterstützungen 10 003 M. Di« Mitgliederzahl I liche, 1833 weibliche. 1010 jugendliche. 43 400 männliche. 1838 weidliche, 1917 jugendliche. Der Arbeitsnachweis hat von 3654 gemeldeten festen und 5043 AuShllfSstellen 3401 feste und 5411 AuShilfSstellen besetzt. Arbeits- WS blieben am Schlüsse des Quartals 710 Kollegen. Nach kurzer Diskusston wurde der Vorstand entlastet. Auf Grund eines früheren Beschlusses wurde festgestellt, wie viele von den Teilnehmern der Generalversammlung politisch organisiert und Abonnenten des.Vorwärts" sind. Die Kontrolle ergab, daß von den 515 Delegierten und sonstigen zur Teilnahme an der General, Versammlung Berechtigten 282 den Wahlvereinen angehören und 259 de».Vorwärts" lesen. Der Vorsitzende Werner bezeichnete das Verhältnis als nicht erfreulich und ersuchte die Kollegen, durch un- ecn'üdtiche Aufklärungsarbeit für bessere Ergebnisse zu sorgen. ' Die Mitgliederzahl betrug Ende vorigen Jahres 43 102 mann- .............. Am 1. April 1018 waren es äUiliiiJ iiiooiflniimniiiiwm Unsere FriHijaftrs-Neulieiteii Man iilierall begeisterte Aulnaltine! Denn wir bringen höchst elegante Modeformen in erprobten Qualitäten äusserst preiswert. Beweis: Moderne Kinder-Schuhe Zierliche Damen- Halbschuhe braun Chevreau, Uerbyachnitt, zum Teil mit SX, 1050 8 50 7S» 6« S90 schwarze Schnürschuhe, Derbyschnitt versduedeoe 1["150 C50 C90 Auafübruneen....... A V O J CbeTTCtte C50 braun£50 und Lack w Cherr. v Condor-Pumps Der moderne Oxford- Knopfschuh... 1050 850 590 Schnürstiefel 1250 1050 850 750 675 „Lack" die grosse Mode„Lack"! 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