N-. us. HbonnementS'BedlnoQn�tl: Abonncnients- Preis»ränumerando! Vierteljährig 3,30 3X1., monaü. 1,10 Mt. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- BeUage»Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband ,ür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Tnfci'HonS'GcWlIjr beträgt für die sechsgespallene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschastliche Versins- und Versammlungs-Anzcigen 80 Pfg. „Kleine anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- paben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t> Uhr nachmittags in der Erpcditton abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, vlchtllit Wich Mit liiontagj. Berliner Volksblntk. Zentralorgan der fozi aldemokrati fchen parte! Deutfchlands. relegramm-Adrefl« «SnlMmli»! BtrUa". Redahtlon: 8M. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morittplatz. Nr. 1983. Sonntag, den 19. Mai 1913. Sxpeäitton: SM. 68» �inäenslrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Aer macht l�euken verächtlich? Die jammervolle Komödie, die vor drei Wochen von den ungeschickten Akteuren der Scharfmachertruppe in den Hallen des preußischen Treiklassenvarlaments gemimt wurde, ist auch für zugkräftig genug erachtet worden, im Reichstage einem verehrten Publiko vorgeführt zu werden. Die von Scheide- manns wohlverdienten und kräftig geführten Geißelhieben getroffenen Schächer spielten sich unter dem begeisterten Applaus der Reichstagsmehrheit als das preußische Volk auf und behaupteten, durch die ihrer lverten Person ver- abfolgte Prügel sei die ganze preußische Nation, der Kern des deutschen Volkes, ins Herz seiner Ehre getroffen worden! Daß diese unsäglich kindische Komödie, deren General- probe im Treiklassenparlament doch schon das Hohngelächter der Leffentlichkeit ausgelöst hat, von der parlamentarischen Clique des Scharfmachertums so stürmisch bejubelt wurde, beweist nur die Richtigkeit des Goetheschen Wortes:„Ich finde nicht die Spur von einem G e i st, und alles ist Dressu r." Aber selbst wenn wir uns für einen Augenblick in die Pudelseele der borussenbegeisterten Reichstagsmehrheit hinein- versetzen und annehmen wollten, nicht das preußische Volk repräsentiere Preußen, sondern die preußische Dynastie, das preußische Junkertum— wie liegen dann die Dinge? Es ist ja schwer, sich in einen Zustand der Geistesverkrüppe- lung und der historischen Borniertheit hineinzudenken, in dem olles das, was preußische Bauern, preußische Bürger und preußische Proletarier auch in den v e r g a n° g e n e n Jahrhunderten für die Größe Preußens geleistet haben, völlig auszuschalten und lediglich der mysteriösen und legendären Verdienste zu gedenken wäre, die Preußens Herr- f ch e r g e s ch l e ch t und Preußens Junkertum für Preu- ßens Größe geleistet haben. Aber versetzen wir uns trotz alledem einnial für einen Augenblick in einen- solchen Zustand: Nehmen wir einnial an, in der Vergangen- h e i t wäre das preußische Volk nichts � gewesen als Lehm oder Ton, der unter den„genialen" Schöpferhänden preußischer Könige und Junker geknetet worden wäre. Aber selbst dann trifft das alles doch nicht mehr zu auf das Preußen von heute! Denn wer macht denn heute den preußischen Staat groß und stark? Wer ist heute der Re- Präsentant des preußischen Staates und preußischen Volkes? Sind es etwa die 19(KX) preußischen Junker? Ach, selbst wenn sie durch irgendeine Naturkatastrophe mit einem Schlage von der Bildfläche verschwänden, würde die kulturelle Höhe und die nationale Kraft des deut- fchen Volkes auch nicht u in ein Atom geschwächt, im Gegenteil nur von einem unnützen Ballast befreit, den die Nation wie eine Kugel am Bein nachschleppt. Das Preußen von heute ist das Preußen des deutschen Volkes, ist das Preußen des arbeitenden Volkes, das durch seinen G e- Werbefleiß, durch seine Intelligenz, durch seine Hingabe an Kunst und Wissenschaft, an alle Zweige der kulturellen Tätigkeit sich einen ehrenvollen Platz unter den Nationen er- obert hat! Und dies Preußen, dies preußische Volk sollten so- zialdemokratische Redner, sei es im Junkerparlament, sei es in dem Reichstag, haben beleidigen wollen oder gar be- leidigt haben? Tie Behauptung ist zu abgeschmackt, um auch nur mit einer Silbe widerlegt zu werden! Nein, nicht die Sozialdemokratie beleidigt das preußische Volk, wohl aber wird das moderne Preußen, wird das preußische Volk beleidigt' durch die reaktionäre Mehrheit des Reichstages und des preußischen Dreiklassen- Parlaments! Denn diese reaktionäre Mehrheit ver- weigert ja gerade der Nation, die durch ihrer Hände und ihres Geistes Arbeit so groß dasteht unier den Nationen, ihre elementarsten Bürgerrechte! Die in Entrüstung machende Landtags- und Reichstagsmehrheit will die Masse des Preußi- schen Volkes in der schmachvollen politischen Rechtlosigkeit er- halten, in einer Rechtlosigkeit, die die beißende Bemerkung des Genossen Scheidemann, eine Verpreußnng Elsaß-Lothrin- gens würde für die Eli'aß-Lothringer die schwerste Strafe, den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bedeuten, nur zu sehr rechtfertigt� Denn in Elsaß-Lothringen herrscht ja all- gemein das gleiche Wahlrecht, während in Preußen die politischen Ehrenrechte nach der Größe des Gcldsacks abge- stuft sind? Am Montag steht im Abgeordnetenhanse die Wahlrechts- frage auf der Tagesordnung, und dieser Umstand erklärt ja wohl am besten das schauerliche Schmierenkomödiantcntum, das sich in den letzten Wochen in der preußischen Duma sowohl wie im Reichstag aufspielte. Man will durch diese lächerliche Posse die Aufmerksamkeit der preußischen Volksmassen von der b r e n n cn d st c n Frage der Gegenwart, der preußischen Wahlrechtsfrage, ablenken! Man will durch den blechernsten Theaterlärm die Aufmerksamkeit der preußischen Wahlrechtsbeloten von der ungeheuerlichen Tatsache abziehen, daß die stärkste Partei Preußens, die trotz des terroristischen öffentlichen Wahlrechts 699 999 Stimmen aufbrachte, nur sechs Abgeordnete in dem Geldsack- Parlament sitzen hat, während die sreikonservative Partei bei noch nicht 69 999 Wählern 69 Abgeordnete in das Junker-, Pfaffen- und Scharfmacherparlament zu eiltsenden vermochte! Die preußische Wahlrechtsschmach ist ja so ungeheuerlich, so aufpeitschend für jeden Menschen mit fünf gesunden Sinnen, daß sich aus der Furcht vor der preußischen Wahlrechtsbewe- gung ohne weiteres auch die tollsten Harlekinaden der sich bedroht fühlenden Privilegierten und Scharfmacher erklären. Denn welch schamlose Komödie führten am 27. Juni des vorigen Jahres beispielsweise die Konservativen auf. An diesem Tage stand ein Antrag zur Beratung, der erstens das gleiche Wahlrecht und zweitens eine gleichmäßige Neueinteilung der Wahlkreise unter Zugrunde- legung der letzten Volkszählung forderte. Es war vorauszu- sehen, daß sich das alte Gaukelspiel wiederholen, daß nämlich das Zentrum für das gleiche Wahlrecht stimmen werde, weil es ja sicher war, daß dieser Teil des Antrages durch die Nationalliberalen doch zu Fall gebracht werden würde. So kam es denn auch wirklich, aber vorher leisteten sich die Konservativen noch einen besonderen Juk- Als nämlich die Nationalliberalen verlangten, daß aus dem be- sonders zur Abstimmung gelangenden ersten Teil des An- träges, der das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht forderte, die Forderung des gleichen Wahlrechts gestrichen werde, stimmten die Konservativen gemeinsam mit Zentrum, Freisinn. Polen und Sozialdemokraten gegen diese Streichung! Als dann aber über den Antrag selbst abgestimmt wurde, stimmten sie gleich den Nationalliberalen d a g e g e n, so daß dadurch der Antrag zuFallgebracht wurde! Und bei der Abstimmung über die Neueintei- lungderWahlkreise verübten die Konservativen den- selben Unfug. Erst stimmten sie für die Beibehaltung der radikaleren Fassung des Antrages, um den nationalliberalen Weichtieren den Antrag zu verleiden, und dann stimmten sie mit den Nationalliberalen und natürlich auch mit dem Zentrum selbst gegen den Antrag! Mit frecherem Hohn ist Forderungen einer Volksmehrheit kaum jemals begegnet worden als am 27. Juni des vorigen Jahres. Und derselbe unverfrorene Hohn ist auch diesmal zu erwarten! Denn trotz der Thronrede vom Jahre 1998, die eine„organische Fortentwicklung" des Wahlrechts für„eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart" erklärte, ist es die Absicht der blauschwarzen Reaktion, mit der ja auch der preußische Nationalliberalismus sich immer enger liiert, anchapie Wahlen von 1913 noch unter jenem empörenden Wahlsystem stattfinden zu lassen, das sogar ein Bismarck als da? elendeste aller Wahlsysteme gebrandmarkt hat. Wer noch hoffen konnte, daß wenigstens die Regierung das Gelöbnis der Thronrede ernster nehmen könnte, als das im preußischen Treiklassenparlament absolutistisch herrschende Junkertum, der wurde vor einigen Wochen bei der Beratung des Ministeriums des Innern durch die Rede des Polizei- Ministers von Dallwitz eines besseren belehrt, der das Versprechen der Thronrede durch den jammervollen Wahl- rechtswechselbalg des Jahres 1919 für e i n g e l ö st und die sozialdemokratische Berufung auf das Königswort deshalb für völlig de plaziert erklärte! Eine Verhöhnung, eine Verächtlichmachung Preußens liegt also in der Tat vor! Aber nicht etwa bei der Sozial- demokratie, sondern bei unserer Reaktion, bei der Re- gierung und den Parteien, die nach preußischer Tradition die Minister als Marionetten betrachten dürfen! Das preußische Volk wird deshalb die lächerliche Ver- tuschungskomödie gebührend zu beantworten wissen. Aber es wäre endlich doch auch einmal an der Zeit, daß der Freisinn, aus solch lehrreichen Vorgängen etwas lernte! Es wäre endlich der Zeitpunkt gekommen, daß auch unser Freisinn andere Saiten aufzuziehen begänne! Denn wie lange noch soll das preußische Volk unter der un- erträglichen Wahlrechtsschmach leiden? Daß die Nutznießer des Privilegienwahlrechts gar nicht daran denken, freiwillig abzudanken, und daß auch die Regierung nichts ist, als der Handlanger der privilegierten Kaste, die in Preußen herrscht, das ist nun doch wohl zum hundertsten Male auch dem naivsten Freisinnigen zu Gemllte geführt worden! Deshalb sollte doch endlich auch dem lammsgeduldigsten Fortschrittler, sofern er wirklich f 0 r t s ch r i t t l i ch e A u f f a s s u n g e n ver- ficht, der Geduldsfaden reißen. Nur durch einen Volkssturm, der der schalen Entrüstungs- komödie der Gcldsackmänner entgegengesetzt wird, läßt sich in Preußen ein Fortschritt erzwingen! Die heldenhafte Rolle, die der Fortschritt bei der plumpen Entrüstungskonrödie sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Reichstag gespielt hat und die im Grunde nichts war. als die eines Kulissenschiebers des Scharfmachertums, läßt aller- dings wenig Hoffnung auf eine Ermannung des fortschritt- lichen Bürgertums zu! Je feiger sich der Freisinn gebärdet, desto ener- g i s ch e r hat das arbeitende Volk, das k l a s s e n- bewußteProletariat, seine Auffassungen und Forde- rungen zum Ausdruck zu bringen! Am Mittwoch finden die proletarischen Demonstrationen statt, in denen die General- abrechnung mit der Reaktion vorgenommen werden soll. Die arbeitende Klasse wird dabei ihren Mann stehen, einerlei, welche Haltung ein verkümmerter und verängstig- ter Fortschritt einnehmen wird!... Das Dveiklassenparlament hat ja freilich einstweilen dem wahlrechtheischenden preußischen Volke andere Gast- g e s ch e n k e zugedacht. So will es den verantwortlichen Re- dakteur des„Vorwärts" wegen Beleidigung des erhabenen Dreiklassenparlamentcs der jagdeifrigen Staatsanwaltschaft überliefern. So will es sogar die beiden Mitglieder des Hauses, die Abgeordneten Borchardt und Le inert, ivegen Hausfricdcnsbrnchs und Widerstandes gegen die Staatsgewalt prozessieren lassen. Die wirklichen Ver- treter des preußischen Volkes sollen nach dem Mehrheits- willen des preußischen Junkerparlaments für die ihnen zuteil gewordene ungeheuerliche Vergewaltigung und B r u- talisierung damit entschädigt werden, daß die Mehrheit der Privilegierten des Geldsacks sie durch die preußi- schen Gerichte, die natürlich keine Klassenjustiz üben, auf diverse Wochen oder Monate ins Gefängnis stecken läßt! In der Tat, da lohnt sich die Wiederholung der Frage, wer macht Preußen verächtlich? Am Mittwoch wird das wirkliche Preußen, wird die werktätige Bevölkerung Preußens in gewaltigen Massenkünd- gedungen ihren Willen und ihre Meinung kund tun. Am kommenden Mittwoch wird das preußische Volk pro- testieren gegen die Verbrechen am Volke! Preußische Proletarier und Wahlrechtsheloten, zieht am Mittwoch die elenden reaktionären Komödianten zur Rechen- schaft wegen Verächtlichmachung der Nation? Sie auswärtige Mtili. Nach den Stürmen des Freitags war am Sonnabend im Reichstag große Ruhe. Die Debatte über auswärtige Politik fand nicht viel Zuhörer. Die bürgerlichen Parteien Deutschlands haben wenig Bedürfnis zur Kritik und überlassen die Führung der aus- wältigen Angelegenheiten der Regierung, ohne das Recht der parla- mentarischen Kontrolle irgendwie wirksam auszuüben. Sind sie doch mit der Regierung im wesentlichen einig und gibt es doch gerade auf diesem wichtigsten, für das Wohl des Volkes bedcut- samsten Gebiet eigentlich überhaupt keine bürgerliche Opposition mehr. Keine bürgerliche Partei hat hier selbständige Ziele oder eigenes Wollen, alle bewilligen der Regierung widerstandslos alle geforderten Machtmittel und überlassen der Regierung deren Ver- Wendung. Die Politik des Imperialismus hat in Deutschland noch mehr als anderswo alle Unterschiede zwischen den bürgerlichen Parteien verwischt. Man könnte die Reden der Spahn, Oertel, Bassermann und Dr. Heckscher miteinander vertauschen— so gering sind die Nuancen, die sie unterscheiden. So blieb die Sozial- demokratie wie bei den Verhandlungen über die Heeres-, und Marinevorlagen mit ihrer Opposition isoliert. Für unsere Fraktion sprach zunächst Genosse David, Nach einer scharfen Kritik der Art und Weise, wie in Deutschland die Diplomatie rekrutiert wird, rügte er die Geheimniskrämerei, die die notwendige Begleiterscheinung der absolutistischen Führung der auswärtigen Politik ist und sich auch in der Mißachtung zeigt, die die Antworten der Regierung guf die kurzen Anfragen aus dem Hause verraten. Dann besprach er die neueren Vorgänge auf dem Gebiet der auswärtigen Politik, den Botschafterwechsel in Konstantinopel, der ein Fiasko unserer Orientpolitik anzeige, die durch den türkisch-italienischen Krieg offenbarte Schwäche des Drei- bundes, die russische Raubpolitik in China und Persien, um sich schließlich dem Hauptproblem, dem englisch-dcutschen Gegensatz, zuzuwenden und in nachdrücklichen Worten eine Verständigung mit England über die Einschränkung der Flottcnrüstungen zu fordern. Nach einigen anderen Rednern nahm dann auch Herr v. K i- derlen-Waechter das Wort, um in nicht allzu vielen und bis- weilen recht witzigen Worten nichts zu sagen, was man nicht schon vorher gewußt hätte. Dann erhielt Genosse Ledebour das Wort. In scharfer und glücklich pointierter Rede polemisierte er gegen den Vorredner. Nachdem er kurz die allem Gesetz hohnsprechende Behandlung der fremdländischen Arbeiter besprochen hatte, zeigte er, wie die So- zialdemokratie heute die einzige wirkliche Oppositions- und Friedenspartei sei. Sehr glücklich war er dabei in seiner Abrech- nung mit Herrn Oertel und den Oertelingen, den deutschen Chauvinisten. Während aber der Chauvinismus des einen Landes sich von den Ausbrüchen des Chauvinismus in dem anderen Lande nährt, fängt die Sozialdemokratie einer jeden Nation mit der Be- kämpfung des Chauvinismus im eigenen Lande an. Wir ver- weigern dem Kapitalismus deshalb seine friedensgefährdendcn Rüstungsforderungen und verlangen die Verständigung mit Eng- land über die Abschaffung des Seebeuterechts und die Rüstungs- einschränkung, allen Chauvinisten und Oertelingen zum Trotz, diesen bösartigsten Feinden ihrer eigenen Nation. Ledebour schloß, von großem Beifall unserer Genossen und überflüssigen Mahnungen des Präsidiums unterbrochen, mit einer Brandmarkung des Zarismus und jener barbarischen Regierung, die die schauder- hafte Niedermetzelung der SRI Arbeiter in der Lena-Goldwäscherci verübt hat. Nach Ledebour stellte noch Genosse Bernstein ein paar Be- hauptungen Dr. Oertels richtig und führte auch den Herrn Dr. Heckjcher ab, der Nieder mal das Sprüchlein qMejagt hatte« daß Ruflungen die Kriegsgefahr nläft steigern. Seif Sann dedeuie Venn, ineinte Bernstein, die fortwährende Aufhäufung von Explosivstoffen eine Minderung der Explosionsgefahr? Die Einzelberatung brachte nur einige wenige Be» merkungen deS Lothringers W i n d e ck und des Fortschrittlers Dr. Müller« Meiningen. Genosse K u n e r t erörterte die Zu- stände in der deutsch.en Botschaft in Konstantinopel. Am Montag soll die zweite Lesung des Etats beendet werden. Zuvor gelangt jedoch die Deckungsvorlage zur zweiten Be- ratung, bei der auch eine Reihe interessanter namentlicher A b st i m m u n g e n zu erwarten sind. iiaflonalllberal'ltlerihale Steuerkompromilielei. Ein höchst perfides Spiel treiben in der Bugetkom- m i s s i o n des Reichstags die Nationalliberalen, und zwar unter der strategischen Leitung d«S Herrn Bassermann, der noch jüngst sowohl in der nationallibevalen wie der fortschrittlichen Presse als der große Hüter der entschieden liberalen Traditionen' des Nationalliberalismus und als Gegner jeder Honoratiorenpolitik gepriesen wurde. Seit der letzten Reichsfinanzreform haben die Führer der nationalliberalen Partei für die Einführung der Erb- schastssteuer agitiert und eS unter Aufbietung ihrer höchsten fitt- lichen Entrüstung als einen schweren Fehler der Konservativen und de» Zentrum» bezeichnet, daß diese beide Parteien die Erweiterung der Erbschaftssteuer abgelehnt haben; jetzt aber, wo sich ihnen die Gelegenheit bietet, diesen Fehler zu korrigieren und die für die HeereS- und Flottenvermehrung erforderlichen neuen Mittel wenig- stenS teilweise durch eine neue Erbschaftssteuer zu decken, schrecken sie vor dieser Steuer zurück und suchen die auf ihre Durchführung gerichtete Aktion durch allerlei taktische Winkelzüge zu hinter- treiben. Begreiflich ist dieses echt nationalliberale, niederträchtig« Per- halten. Da» Gerede von der Erbschaftssteuer ist für die national- liberalen Politiker währeich der ganzen letzten Jahre nur ein Agi- tationsmittel gewesen. Weite wohlhabende Schichten des National- liberalismus, vornehmlich die rheinisch-westfälischen Grotzin- dustriellen, sind von jeher Gegner einer Erweiterung der Erb- schastssteuer gewesen, und auf diese zahlungsfähige:! Elemente müssen die nationalliberalen Führer Rücksicht nehmen, da sonst den Parteikassen die Subsidien entzogen werden. Außerdem aber möchte man die Sozialdemokratie von der Mitwirkung bei der Steuerreform ausschließen und sie matt setzen. Der Augenblicks- Radikalismus, der in den ersten Wochen nach den Wahlen in der neuen nationalliberalen Reichstagsfraktion hervortrat, ist längst verflogen; das materielle Bourgeoisinteresse hat gesiegt. Offen eingestehen, daß sie von einer Erweiterung der Erb- schastssteuer nichts wissen will, kann aber die nationalliberale ReichStagSfraktion nicht nach all dem Gerede ihrer geistigen Häupter während der letzten Jahre; sie würde sich tödlich blamieren. So ist man denn auf einen schlauen Trick verfallen, und hat nun � diesen durchzuführen selbst die Annäherung a n das ver- haßte Zentrum nicht verschmäht. Gemeinsam haben die Abgeordneten Bassermann und Erzberger folgenden Antrag in der Budgetkommission gestellt: jr"„Die im Artikel 5 des Gesetzes betreffend die Aenderung im- Finanzwesen vom 15. Juli 1909(Finanzreform) vorgesehene Ermäßigung der Zuckersteuer tritt sechs Monate nach der Ein- 0 frchrung eines Gesetzes, welches eine allgemeine, den verschiede- nen Besitzformen gerechtwerdende Besitzsteuer vorschreibt, spätestens gm 1. Oktober 1918 in Kraft. Der Gesetzent- Wurf ist dem Reichstag bis zum 30. April 1913 vorzulegen." Dadurch wird die Deckungsfrage glücklich auf längere- Zeit hin- auSgeschoben. Die Zuckersteucr, die im Oktober dieses JahreS er- mäßigt werden sollte, bleibt vorläufig in der bisherigen Höhe be- stehen, unter Umständen bis zum Oktober 1916, und die Regierung erhält die Freiheit, sich bis zum 30. April 1913 über allerlei andere DeckungSmittel zu besinnen. Zwar haben sich beide Parteien für die Einführung einer Besitzsteuer erklärt; aber diese Erklärung hat, da sie eine rein platonische ist, keinen Wert; denn welcher Art diese Besitzsteuer sein soll, wird nicht gesagt. Alles bleibt der Zukunft überlassen. Die Konservativen haben denn auch sofort den Vorteil, den ihnen dieser Antrag bietet, erkannt und sich für die schöne nationalliberal-klerikale Taktik e r k l ä x t. Nachträglich stimmten zwar die Vertreter der nationalliberalen Fraktion in der Budgetkommission auch noch für den fortschrittlichen Antrag betreffs der Erbschaftssteuer, so daß dieser angenommen wurde, aber das geschah lediglich zum Zweck der Täuschung— um wie man sagt, das Gesicht zu wahren; denn im Plenum wird zuerst über den Antrag Erzberger-Basserniann als den weitgehendsten abgestimmt— und die Annahme dieses Antrages ist gesichert. So steuert die ganze Taktik der Nationalliberalen darauf hin, sich dem Zentrum und den Konservativen zu nähern und den alten nationalliberal-ültramontan-konserbativen Block wieder her- zustellen. »* « lieber die heutigen Verhandlungen erhalten wir folgenden Bericht: Die Bubgetkommifsion erledigte in der Sonnabendsitzung zu- nächst eine Anzahl von lfletitionen, darunter auch solche von Veteranen.— Schatzsekretär Kühn gab dazu die Erklärung ab, daß die Regierung im Bedarfsfalle sich nicht an die in den Etat eingesetzte Summe von 29 Millionen Mark binden werde, falls eine größere Zahl bedürftiger Veteranen vorhanden sein sollte, als wie berechnet worden ist. Die Einzelstaatcn werden nochmals ange- wiesen werden, recht wohlwollend die Gesuche der Veteranen zu prüfen.— Die neuliche scharfe Kritik im Reichstage ist somit picht ohne Wirkung auf die Regierung geblieben. Es folgte sodann eine allgemeine Finanzdebatte, die Genosse Süvekum benutzte, um Besitzsteuern zu fordern, und zwar ein- mal, um Deckungsmittel zu erhalten, dann aber auch, um vorhan« den« indirekte Steuern aufzuheben. Die Aufhebung des Brannt- Weinkontingents' bedeute auch weiter eine Sonderbelastung sowohl de? Trinkbranntweins, wie auch des technischen Spiritus. Ver- langt wurde ferner, daß die lleberschüsse aus dem Jahre 1911 auch tatsächlich zur Schuldentilgung verwendet werden, nicht aber als Etatsmittel Verwe.idung finden. Die Volksparteiler brachten folgenden Antrag ein: „Dem Reichstag ist der Entwurf eines Gesetzes, betr. Aende- rung des Erbschaftssteuergesetzes, wie er dem Reichste bereits an: 14. Juni 1909 vom Bundesrat vorgelegt worden ist, so rechtzeitig wieder vorzulegen, daß er mit dem 1. Januar 1913 in Kraft treten kann." Hierzu wurde ausgeführt, die von der Regierung und den Mehrheitsparteien jetzt beliebte Methode, bestimmte Steuern ein- fach zu„stunden", um rechnerisch Einnahmen und Ausgaben mit- einander in Einklang zu bringen, müsse energisch bekämpft werden; schon deshalb, um nicht Ivieder in die alte Schuldenwirtschaft zu geraten. Ter unsolide Finanzplan der Regierung sei nicht akzep- tabel. Schatzsekretär Kühn bestritt, daß die Neuregelung der Jvranntweinbesteuerung infolg« dauernden Minderkonsums den: Reiche Mehreinnahmen nicht Bringen kerb«. Der Konsum Serbe sich, selbst wenn er momentan zurückgehen sollte, schon wieder heben. Abg. Erzberger trat dafür ein, daß die etwa auf 230 Mil. lionen sich belaufenden Ueberschüsse des Jahres 1911 einstweilen in der ReichShauptkaffe verbleiben, um die Betriebsmittel des Reiche? zu erhöhen, ferner, damit die Ueberschüsse nicht in die Kassen der Bundesstaaten wandern für ungedeckte Matrikular- beitrüge. Llbg. Roland-Lücke wollte anfänglich von den 230 Mil- lionen Usberschüssen 100 Millionen zur Schuldentilgung verwenden, stimmte aber nunmehr dem Vorschlage Erzbergers zu. Zu dem Antrage der Volksparteiler brachten die sozialdema- kratischen Kommissionsmitglieder für den Fall der Annahme fol- genden Antrag ein: In dem Gesetz ist vorzusehen, daß die Höhe der Steuerquoten alljährlich durch den ReichshauShaltsetat festzu- setzen ist." Die Bestimmungen des Ergänzungsetats wurden gegen die sozialdemokratischen und volksparteilichen Stimmen angenommen. Es folgte die Beratung eines von den Nationaliiberalen und dem Zentrum gemeinsam gestellten Antrages, der folgenden Wortlaut hat:„Die im Artikel V des Gesetzes, betreffend die�Aende- rungen im Finanzwesen vom 15. Juli 1909(Reichsgesetzbl. S. 743) vorgesehene Ermäßigung der Zucker st euer tritt sechs Monate nach der Einführung eines Gesetzes, welches eine allge- meine, den verschiedenen Besitzsormen gerecht werdende Besitzsteuer vorschreibt, spätestens am 1. Oktober 1916 in Kraft. Ein Gesetz- entwurf über eine allgemeine Besteuerung des Besitzes ist dem Reichstage bis zmn 30. April 1913 vorzulegen." Abg. Bassermann führte zur Begründung aus, daß der Antrag den Zweck verfolgt, eine Besitzsteuer vorzubereiten, die innerhalb Jahresfrist zu schaffen sein werde. Welcher Art die zu schaffende Befitzsteuer sein werde, und welches Schicksal sie im Reichstage haben werde, sei natürlich noch ungewiß.— Abg. Fisch» b e ck begründet die volksparteiliche Resolution, die ein« Aenderung des Erbschaftssteuergesetzes fordert. Die allgemeine und unbe- stimmte Fassung des Antrages der Nationalliberalen und des Zen- trumS sei nach den Erfahrungen des Jahres 1909 nicht akzeptabel. Damals seien vorgeschlagene Besitzsteuern in Verkehrssteuern um- gewandelt worden. Der Reichstag müsse klar aussprechen, was werden soll. Es bliebe vorläufig nur die Erbschaftssteuer nach dem Muster der Vorlage von 1909. Ter sozialdemokratifche Zusatz- antrag sei bedenklich, weil eine solche Steuer kaum quotisierbar sein werde.— Abg. Ledebour gab zu, daß nicht mit bestimmter Sicherheit der Antrag einer Erbschaftssteuer vorauszusehen sei; aber im allgemeinen könne man auch bei dieser Steuer mit be- stimmten Erträgnissen rechnen. Die Ouotisierung gäbe dem Reichstage die Möglichkeit, jährlich auf die Höhe der Einnahmen Einfluß zu erlangen, also sein Budgetrecht zu steigern.— Schatz- sekretär Kühn betonte, daß allgemein die Besitzsteuerfrage auf- gerollt werden müsse, denn es sei auf die Hoheitsrechte der Bundes- staaten Rücksicht zu nehmen. Am zweckmäßigsten sei daher die An» nähme des Kompromißantrages. Nicht zu empfehlen sei die von den Sozialdemokraten vorgeschlagene jährliche Ouotisierung einer zu schaffenden Besitzsteuer.— Abg. Erzberger trat für den Kompromißantrag deshalb ein, um die Einigkeit, die bei Annahme der Rüstungsvorlagen unter den bürgerlichen Parteien vorhanden war, auch bei der Deckungsvorlage herbeizuführen. Das werde bei Schaffung einer Besitzsteuer möglich sein. Wie sie aussehen werde, könne heute nicht vorausgesehen werden.— Abg. S ü d e k u m betonte, das besondere Kennzeichen des Kompromißantrages sei, daß die Antragsteller Baffermann und Erzberger sind. In der Brannt- Weinsteuerkommission waren es vornehmlich die Nationalliberalen, die mit dazu beigetragen haben, daß den ostelbischen Schnaps- brennern alle Vorteile der Liebesgabenwirtschaft erhalten bleiben. Nachdem dann für den Spiritus zu gewerblichen Zwecken Milde. rungen mngetreteu sind, stimmten die Nationalliberalen auch für alle anderen Bestimmungen. Das Verfahren in der Branntwein. steuerkommission widerspreche schnurstracks all den von den Parteien vorher abgegebenen Erklärungen. Das Verhalten der National- liberalen sei eine Felonie. Von tzoheitsrechten der Einzelstaaten in bezug auf bestimmte Steuerarten könne gar keine Rede sein; allein das Reich habe ein solches Hoheitsrecht. Der Kompromiß- antrag animiere die Regierung dazu, ein Gemisch von Steuern vorzuschlagen, während z. B. die Erbschaftssteuer ohne jede Kom- plikation geändert werden kann. Wenn die Sozialdemokraten für den volksparteilichen Antrag stimmen, so nur unter Vorbehalt der Amentierung.— Abg. Westarp will aus politischen Gründen für den Kompromihantrag stimmen. Die Erbschaftssteuer fei unan- nehmbar; diskutabel dagegen die Vermögenssteuer.— Abg. Mumm trat für Steuern auf Wertpapiere, Dividenden, Spiritus, sowie für die Wehrsteuer ein.— Abg. G o t h e i n betonte das unbegrenzte Recht des Reiches, Steuern jeder Art erheben zu können, ohne Rücksicht auf sogenannte Rechte der Bundesstaaten, und er trat lebhaft für die Aenderung der Erbschaftssteuer ein.— Abg. Bassermann glaubt nicht, daß bei den jetzigen Mehrheitsver- Hältnissen im Reichstage die Erbschaftssteuer durchzuführen» sein wird. Ihm entgegnete Genosse Ledebour, eine Mehrheit sei vorhanden, sobald die Nationalliberalen dafür eintreten.'Wenn Baffermann jetzt solche Bedenken hege, so sei das ein Beweis dafür, daß Basser mann seiner Gefolgschaft in der Frage der Erbschafts st euer nicht sicher sei. trotz aller tönen- den Worte im Wahlkampfe für die Erbschaftssteuer. Abg. Baffernrann erwiderte, für die Erbschaftssteuer seien die Nationalliberalen, in erster Linie aber für eine Vermögenssteuer. Hierzu ist zu bemerken, daß die Nationalliberalen in erster Linie für die Erbschaftssteuer sich erklären, wenn eine— Vermögenssteuer vorgefchlagen wird, wie frühere Vorgänge und Er- fahrungen mit den Nationalliberalen beweisen. Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: Der erste Satz de? KompromihantrageS wurde gegen 8 Stimmen der Sozialdemo- kraten angenommen: der zweite Satz gegen einige konservative Stimmen. Das sozialdemokratische Amendement fand ebenfalls Annahme gegen die Stimmen der Konservatiben, de? Zentrums und der Nationalliberalen. Der Antrag der Volksparteiler fand ebenfalls eine Mehrheit, das sozialdemokratische Amendement dazu wurde jedoch abgelehnt, weil die Volksparteiler in diesem Falle da- gegen stimmten. Damit sind die Arbeiten der Budgstkommiflion beendet. Der Vorsitzende Spahn dankte der Kommission für ihre Tätigkeit, Her Hkvleg. Die Durchfahrt durch die Dardanellen. Konstantinopel, 18. Mai. Nachdem gestern ein Schwimmdock und ein ausrangiertes Schiff die minenfteie Fahrlinie anstandslos passiert hat, werden heute früh die ersten der 800 vor den Darda- nellen liegenden Schiffe die Durchfahrt durch die Dardanellen loagcn. Tie kriegsgefangenen Türken auf Rhodos. Rom, 18. Mai.„Messaggero" meldet aus Kanea: Die Zahl der in die Gefangenschaft des Generals Ameglio geratenen Türken be- trägt 2300, unter denen sich 38 Offiziere befinden. Sie zogen zwischen zwei in Reihen aufgestellten Bataillonen, die die Gewehre präsentierten, hindurch und wurden nach Rhodos geführt, von wo sie sofort nach Italien gebracht werden. Die Kriegsbeute beträgt 4000 Gewehre, zwei Maschinengewehrbatterien und große Mengen Munition. Rhodos, 18. Mai.(Meldung der Agenzia Stefan!.) Tie italienischen Truppen, die gestern hier eingetroffen sind, haben in P s i t H o S eine Abteilung zurückgelassen, die den Verwundeten Hilfe angedeihon lassen soll, sowie die von den Türken in den be- nachbarten Dörfern versteckten Waffen und Munition sammeln und die Soldaten in ihre Gewalt bringen soll, die sich bisher noch nicht zur llebergabe eingefunden haben. Gestern abend wurden auf dem Dampfe«„Gannio� die ersten 750 Gefangenen mit 29 Offizieren eingeschifft, außerdem der Kommandant der auf der Insel befindlichen Truppen, der Kommandant der Gendarmerie, eine Abteilung Artillerie, eine Abteilung Maschinengewehre und weiter 200 Kisten Munition. Die italienischen Truppen wurden von de: meist mohammedanischen Bevölkerung gut aufgenommen. Ter Aufstand in Albanien. Saloniki, 18. Mai. Die revolutionäre Bewegung in Nord- a l b a n i e n ist jetzt auch auf den Süden übergegriffen. Bei Tapelen(Vilajet Jania) sind Banden aufgetaucht. In einem Gefecht zwischen türkischer Gendarmerie und einer albanesischen Bande wurden der Führer der letzteren und ein Mbanese getötet, während sich die übrigen durch schnelle Flucht reiten konnten. Aus Monastir kommt die Meldung, daß es in der Nähe von Debar zwischen aufftändischen Albanesen und türkischen Soldaten zu einem blutigen Kampfe gekommen ist, in dem die Türken vollständig gc- schlagen wurden. Sie sollen große Verluste erlitten haben. Man spricht von 100 Soldaten tot und vielen Verwundeten. Die Lage gewinnt dadurch an Gefahr, daß jetzt nicht nur die christlichen Mirditen und Mallisoren sich im Aufstand gegen das türkische Regime befinden, sondern auch unter den übrigen Stämmen Nei- gung besteht, mit den genannten Stämmen gemeinsame Sache zu machen. Ausweisung von Italienern aus der Türkei. Konstantinopel, 18. Mai. Der Polizeiminister verfügt die Aus- Weisung von 85 Italienern, darunter von einigen namhaften Per- sonen, wie dem Direktor der Banca Comncerciale. Ein Deutscher unter Spionageverdacht verhaftet. Rom, 18. Mai. Der Deutsche Julius Fünfter ist in Augusta in Sizilien unter dem Verdacht, Spionage getrieben zu haben, ver- haftet worden.• Die Revolution In China. Ein Anleihe-Vorschuß. Peking, 17. Mai. Die internationale Bankengruppe hat der chinesischen Regierung nach einem vorläufigen Sonderabkommcn drei Millionen Taels zur Verfügung gestellt. poUtifcKe Cleberficbt. Berlin, den 18. Mai 1912. Die Geschäftsführung im Reichstage. Die Genossen Scheidemann und Dr. L e n s ch haben, in Uebereinstimmung mit der Fraktion, von der Einbringung einer Beschwerde gegen die ihnen in der ReichStagssitzung vom 17. Mai erteilten Ordnungsrufe Abstand genommen. Die Ordnungsrufe waren nur möglich, weil der Präsident sich der Situation nicht gewachsen zeigte und ein Maß von Direktionslosigkeit bewies, die seinen Ordnungsrufen jede fach- liche Bedeutung nahm._ Beschlußunfähig. In der Beteuerung ihrer angeblichen nationalen Gesinnung suchen preußische Junker und nationalliberale Hakatisten sich gegen« seitig den Rang abzulaufen, nur darf es sie nichts kosten, weder Geld noch Zeit. Mit welchem Eifer haben die Herren sich nicht für das Besitzbefestigungsgesetz in» Zeug gelegt, dessen Erlaß angeblich im Interesse der Erhaltung des Deutschtum» unbedingt nötig ist: Aber dieselben Herren, deren phrasenhafter Hurra- Patriotismus keine Grenzen kennt, sind zu bequem, um sich zur Erfüllung ihrer Pflichten im Parlament einzufinden. MS am Sonnabend im Abgeordnetenhause über die grundlegende Be- stimmung des Gesetzentwurfs namentlich abgestimmt wurde, stellte sich die Beschlußunfähigkeit heran?. Wozu sollen sich die Herren auch nach Berlin bemühen? Die Diäten werden ja doch fortbezahlt. In der voraufgegangenen Debatte hatte der Oberste aller Scharf- macher Octavio v. Z e d l i tz sich an dem Genossen Scheidemann zu reiben versucht, dessen ReichstagSrede e» ihm angetan hat, und den er von der Tribüne des DreikassenparlamentS herab abzukanzeln für notwendig hielt, damit das Vaterland gerettet wird. Genosse B o r ch a r d t, der im übrigen eine eingehende Kritik an der Polen- Politik im allgemeinen sowie an der Vorlage im besonderen übte, sagte ihm, waS zu sagen erforderlich war. Auch der Pole v. Tramscynski und der Däne Nisse bekämpften die Politik der Regierung mit treffenden Gründen, während der Justizminister Dr. B e s e l e r sich krampfhaft um den Nachweis bemühte, daß die Borlage nicht verfassungswidrig fei. Bei der Abstimmung über§ 1 stellte sich dann, wie bemerkt, die Beschlußunfähigkeit heraus.'- In der neu anberaumten Sitzung wurde die Sekundärbahn- Vorlage beraten. Die Debatte aber drehte sich nicht um die ver- schiedenen Bahnlinien, sondern wieder um die Rede Scheidemanns, das Verhalten der Sozialdemokraten, den Boykott der Grafen- stadener Maschinenfabrik und andere Fragen, die mit dem Gesetzentwurf nichts zu tun haben. Von unserer Seite griff � Genosse Hirsch in die Debatte ein. um den Strosser, Zedlitz und Konsorten daS Heuchlerische ihre? Verhaltens vor Augen zu führen und ihnen klar zu machen, daß sie kein Recht haben, von Preußen aus Deutschland zu regieren. Am Montag stehen endlich die WahlrechtSanträge auf der Tagesordnung. ES sind wieder.strenge Sperrmaßnahmen an- geordnet.__ Vom Herrenhaus. Die ernannten und geborenen Gesetzgeber Preußens geruhten am gestrigen Sonnabend, den Etat im einzelnen zu beraten. Ter bekannte Herr v. Burgsdorff erkundigte sich bei Breitenbach sorglich um das Gedeihen der Sozialdemokratie unter den Eisen- bahnarbeitern. Dem Herrn v. Bethmann spendete der sonst wohl mit ihm nicht immer restlos Zufriedene Lob für die verbündete Er- greifung des-Hasenpaniers bei Scheidemanns ReichstagSreve. Der Kanzler konnte sich dafür nicht bedanken, denn so sehr er am Frei- tag den Reichstagssaal geflohen hatte, so dauerhaft zierte er ihn gestern. Herr Ein dt, der frühere Kultusminister, sprach über die Verschönerung des Potsdamer Platzes, ohne der geplanten Ver- schandelung durch ein Kgl. Eisenbahndirektionscafc zu gedenken. Der Minister erklärte aber, daß eine Verunstaltung deS PotS- damer Platzes nicht in Frage komme und daß noch mit der Stadt Berlin verhandelt werde. Es spräche eigentlich für den Minister. daß er die Gelegenheit zu einer kleinen Sozialistentötung und zu erlauchtem Applaus ungenützt ließ. Freilich hat er sich daftär um so gründlicher durch die Gravrnsiadenrede im DreiklasscnhauS entschädigt. Er teilte dann noch mit, daß die Fahrtechniker gegen die(in Frankreich schon-eingeführte) Bezeichnung der Stunden von 1—24 Bedenken haben. Prof. W a l d c y e r trat als H y g i c- n i k e r für eine gesundheitliche Reform der Abtritte— wie er „Toilette" übersetzte— und Spucknäpfc ein. Möge Herr v. Breiten- bach nicht vergessen, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß oppositionelle Zeitungen nicht da» Hell dies«, �tsenbahaseMga� SnstaRen gefährden?.... Beim Ainan�etat gab e» eine nichts Neue« liefernde Debatte über die Belastung der Kommunen. Beim Etat des Herrenhauses bezeichnete der Berichterstatter Dr. O e h l e r die bekannten Mitteilungen des Genossen Hoff- mann über die Dachgärtnerei und Viehzüchterei des Herrenhaus- gebäudeinspektors und seine Herrschaft über die Diener als über- trieben, unrichtig und geschmacklos— ohne näher darauf einzugehen. Das ist bequemer und sicherer.... Sympathischer war den Erlauchten und Edlen natürlich eine Debatte über die Hengsten- und Vollblutzucht, der man im Verein mit dem Minister von Schorlemer liebevoll oblag. Montag: Fortsetzung. Der Reichskanzler und Freiherr d. Zedlitz. Seit längerer Zeit schon führt ein Teil der Gefolgschaft Hehdebrandts und der freikonservativen Scharfmacher gegen Herrn v. Bethmann Hollweg einen halbversteckten Kampf, da sie diesen von der Natur zum stillvergnügten Pädagogen eines kleinen Gymnasialstädtchens bestimmten„Staatsmann" gerne durch einen starken Mann ü In Erffa ersetzt sähen. Das Haupt dieser scharfmacherischen Clique ist Freiherr v. Zedlitz, der Inspirator der„Post", der keine Gelegenheit versäumt, allerlei Anklagen gegen Herrn v. Bethmann Hollweg zu er- heben und diesen bloßzustellen. Es ist deshalb durchaus be- greiflich, daß Freiherr v. Zedlitz auch das gestrige Auftreten des Reichskanzlers im Reichstage einer scharfen Kritik unter- zieht und ihn in der„Post" beschuldigt,„seinen Kaiser" verlassen zu haben. Die„Post" schreibt nämlich: „Ein deutscher Kanzler, der seinen Kaiser verließ; wann hat die Welt das Schauspiel gesehen? Osten- tativ hatte Herr v. Bethmann Hollweg den Saal verlassen, als Scheidemanns erste große Schmähung ohne präsidiale Rüge blieb. Inzwischen hatte er sich dann wieder eingefunden und still auf feinem Sitze Platz genommen, bis die Reihe der Redner an ihn kam. Und als nun seine Zeit erfüllet war, erhob er sich, igno- rierte vornehm die unerhörte Beschimpfung Preußens durch Scheidemann, ging darüber hinweg, daß dieser direkt und in- direkt den König von Preußen des Woribruchs geziehen hatte, und wandte sich zum Thema. Ist das die Art eines deutschen Reichskanzlers? Wir wollen nicht den Geist Bismarcks be- schwören, aber sein armseliger Epigone, der nicht gerade Fischblut in den Adern gehabt hätte, wäre in einem solchen Momente aufgesprungen und hätte seinen Kaiser und sein Vater- land gegen diese Schmähung verteidigt. In erster Linie ver- langen wir doch von einem deutschen Reichskanzler, daß er ein Mann ist, daß ihm das Blut heiß durch die Adern jagt, wenn es sich um seines Monarchen, um seines Vaterlandes Ehre handelt. Hat er das nicht, so mag er Vorsitzender eines ästhetischen Teekränzchens werden, aber zum Kanzleramt taugt er nicht. Wo soll bei einem so kläglichen Verhalten der Respekt des Volkes herkommen, das Ver- tvauen, daß er auch die schwierigsten auftauchenden Situationen meistern werde? Denn schließlich und unter Umständen gehört zum Kanzleramt doch auch die Fähigkeit, in Machtfragen, in Ehrenfragen des Reiches, bei denen es um Krieg oder Frieden geht, das entscheidende Wort zu sprechen, und wer soll diese Ent- schlußkraft von einem Manne erwarten, der einem simplen > parlamentarischen Konflikt in gouvernantenhafter Zu- rückHaltung ausweicht? Wenn ein anständiger Mann von Wege- t lagerern überfallen wird und mit der Begründung ausreißt, daß sie nicht satiefaktionSfähig sind, so ist das ein Verhalten, für das nun einmal im deutschen Volke kein Verständnis besteht. Und wenn beute der König von Preußen des Wortbruchs geziehen wird und sein Minister nicht in flammender Rede dagegen Protest erhebt, so ist daS ebenfalls ein Verhalten, für das uns und dem Volke das Verständnis abgeht. Niemals aber war ein König von Preußen verlassener, als gestern Wilhelm II. eS war!" Herr v. Zedlitz mag darin recht haben, daß der Reichs- kanzler sich weit besser für den Posten des Vorsitzenden eines ästhetischen Teekränzchens als für das Kanzleramt eignet und im Reichstag eine schlechte Figur abgibt; aber es zeugt von einer geradezu lächerlichen Selbstüberschätzung, wenn er meint, er oder Erffa oder eine andere gleichwertige Person würden eine bessere Rolle spielen. Während Herr v. Bethmann Holl- weg immerhin einiges Talent für das Fach ästhetischer Gou- vernanten hat, langt es bei Herrn v. Zedlitz, wie seine tönen- den Phrasen iin preußischen Abgeordnetenhaus beweisen, kaum zum' leidlichen Blechmusikanten vierter Güte. Mit Leuten seines Kalibers, dcß mag er sich versichert halten, wird die Sozialdemokratie auch noch fertig. Die Rache der Junker. Die Geschäftsordnungskommission des preußischen Ab- geordnetenhauses hat Sonnabend beschlossen, den Anträgen auf strafrechtliche Verfolgung der Genossen B o r ch a r d t und Leinert wegen Hausfriedensbruchs bezw. Widerstandes gegen die Staatsgewalt, sowie auf Einleitung eines Straf- Verfahrens gegen den„Vorwärts" wegen Beleidigung des .Hauses Folge zu geben. Gegen den Antrag stimmte nur der Pole und der Sozialdeinokrat. Das Plenum wird sich voraussichtlich Dienstag oder spä- testens Mittwoch mit der Frage befassen. Denunziantentum und Eingemeindungsfrage. Das preußische DreiklassenhauS hat bekanntlich vor 14 Tagen die Eingemeindung Vohwinkels in Elberfeld abgelehnt. Dies war ein Sieg des Landrats von Mettmann und seiner reaktionären Clique. Der Bürgermeister Bammel von Vohwinkel sah in der Eingemeindung Vohwinkels mit Elberfeld die beste Lösung, um mit leichter Mühe den längst notwendigen An- forderungen, die die Regierung an die Gemeinde gestellt hat, ge- recht zu werden. Er entsprach darum auch den Beschlüssen des Gemcinderats und unterstützte die Eingemeindung. Jetzt suchen die Eingcmeindungsgegner nach Mitteln, um s ich dieses unbequemen Bürgermeisters zu cntledi- gen. Von dem Fabrikanten Muthkkann von Vohwinkel ist eine Beschwerdeaktion gegen den Bürgermeister Bammel eingeleitet worden. Besagter Muthmann hat eine Beschwerdeschrift an den Regierungspräsidenten mit einer Anzahl Unterschriften Vohwinkeler Burger abgesandt des Inhalts, daß gegen den Bürgermeister Bammel ein Disziplinarvcr- fahren zwecks Suspendier u n g vom Amte einge- leitet werde, weil er mit Sozialdemokraten korrespondiert und verhandelt und ihnen amtliches Material geliefert haben soll. Auf den weiteren Verlauf der Dinge kann man gespannt sein, um so mehr als die Unterschriften für die sonderbare denunziato� rische, dabei joder Unterlage entbehrende Bcschwcrdeschrift. auf sehr eigentümliche Weise zustande gekommen sind. Jedenfalls wirkt es geradezu lächerlich, wenn man einem Bürgermeister, der weiter nicht» getan hätte, als die Bürger gleichmäßig zu behandeln, den Prozeß machen will, Der„diebische- sozialdemokratische RetchStagStardidat. Nach Ansicht des Schöffengerichts Borna darf ein natio- naler Reichstagswähler mit Seelenruhe behaupten, der sozial- demokratische Reichstagskandidat sei ein Dieb. Es geschieht dem nationalen Wähler nichts. Am Tage vor der Reichstags- lvahl gebrauchte nämlich der Gutsbesitzer und Hauptmann a. D. Georg Hochheim in Zöpen in der Gaststube des dortigen Gast- Hofs Aeußerungen, aus denen hervorging, der sozialdemo- kratische Kandidat Ryssel sei wegen Diebstahls vom Real- gymnasium verwiesen worden. Das Schöffengericht Borna erklärte jedoch am 29. Februar den Reichsverbändler Hochheim für straffrei. Die Begrün- dung dieses Urteils ist für unsere Rechtsprechung so charak- teristisch, daß wir sie im entscheidenden Teil hierher setzen: „Der Angeklagte hat die festgestellte Aeußerung in einer öffentlichen Gastwirtschaft bor allen Gästen getan. Diese Art der Aeußerung ge währte die einzige Möglich- keit, am Borabend der R e ich s tags w a hl diesen für den Ausfall der Wahl nicht unbedeutenden Umstand einem möglichst großen Wählerkreise noch bekanntzugeben. Nach seiner Versicherung hat auch bei seiner Aeußerung Hochheim die Absicht gehabt, möglichst vieleWählerdemKandidatenRysselabspenstig zu machen und so indirekt dem von ihm unterstützten natio- nalen Kandidaten zu nützen. Er ist von der Richtig- keit dessen, was er gehört und was er am Stammtisch behauptet hat, überzeugt gewesen. Das hat er erklärt und das muß ihm geglaubt werden, da Grund zu einem Zweifel in keiner Weise hervorgetreten ist. Nach Ansicht des Gerichts hat jeder Wähler ein berechtigtes Interesse daran, daß der von seiner Partei auf- gestellte Reichstagskandidat aus der Wahl siegreich hervorgeht, und jeder Wähler, der sich in diesem Sinne betätigt, sei es, daß er den eigenen Kandidaten im Wahlkampf verteidigt, sei es, daß er den Gegenkandidaten angreist, handelt, so lange er nur gut- gläubig ist, und seine Behauptungen nicht wider besseres Wissen aufftellt, in Wahrung berechtigter Interessen." Der reichsverbändlerische Beleidiger wurde freigesprochen und Genosse Ryssel sollte obendrein die Kosten bezahlen, ob- wohl der Reichsverbändler zugeben mußte, daß er eine Un- Wahrheit weitererzählt hatte. Ein juristisches Filigranstückchen I Das Landgericht Leip- zig aber, das Ryssel anrief, machte dem Reichsverbändler so- fort, ehe noch in die Verhandlung eingetreten War, den Vor- schlag, eine Ehrenerklärung zu erlassen, eine Buße zu zahlen und die K o st e n zu übernehmen. Und der Reichs- verbändler sträubte sich keinen Augenblick. Es wurde diese Erklärung festgestellt: „Der Angeklagte erklärt, daß er gegen die persönliche Ehrenhaftigkeit des Privatklägers nichts einzuwenden habe und bedauere, wenn derartiges aus seinen Aeußerungen hat ent- nommen werden können. Der Angeklagte zahlt 30 M. zu gunften Bedürftiger der Gemeinde Sahlis, die der Vorsitzende der Amtshauptmannschaft zur Verfügung stellen wird, und über- nimmt sämtliche gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten. Die Privatklage wird zurückgenommen. Der Angeklagte ist einver- standen, daß auf seine Kosten im„Bornaifchcn Tageblatt" der Wortlaut des Vergleichs bekannt gemacht wird." Borna, in dem das erste, als völlig unhaltbar erkannte Urteil gefällt wurde, liegt im Wohlkreis des Neichsverbands- generals v. Liedert._ Die Ostmarkeuzukage». Bei der zweiten Lesung des Postetats ist die Oftmarkenzulage gestrichen worden. Die Postverwaltung verhandelte nun eifrig mit den bürgerlichen Parteien, und das Resultat ist ein Antrag, der aus der Mitte des Reichstages gestellt wird, in allen gemischtsprachigen Bezirken diese Zulage zu gewähren. Der Antrag ist aber so gefaßt, daß er weiter nichts bedeutet, als lediglich die Wiedereinführung der Ostmarkenzulagen. Der Antrag sieht nämlich vor, daß diese Zu« lagen nur in den Bezirken gezahlt werden, in denen mindestens 60 Prozent der Bevölkerung sich einer anderen als der deutschen Sprache bedienen. Praktisch läuft dies darauf hinaus, daß außer in den Ostmarken höchstens noch in zwei lothringischen Bezirken diese Zulagen gewährt werden. Die sozialdemokratische Fraktion wird dieses Gaukelspiel nicht mitmachen, sondern beantragen, die Zulagen allen Postbeamten zu gewähren. Den bürgerlichen Parteien wird damit wieder einmal Gelegenheit geboten, ihre Beamtenfreundlich- keit zu erweisen._ Deutsche Soldaten, die auf dem Bauch kriechen müssen. DaS Oberkriegsgericht in Nürnberg hatte wieder einmal über einen Fall zu richten, der unsere Kasernenkultur drastisch beleuchtet. Der Unteroffizier Joseph Parzewall vom 11. Jnfanterie-Regiment, ein Kapitulant. Hai vom Kriegsgericht der S. bayerischen Division zwei Monate Gefängnis erhalten, weil er Untergebene vorfchriftS- widrig behandelt hatte. Da sowohl der Verurteilte als auch der Gerichtsherr Berufung einlegten, kam die Sache vor das OberkriegS- gericht. Der Unteroffizier ließ an, Nachmittag deS 8. März d. I. vier Soldaten, die er au§ seiner Abteilung extra herausnahm und die schon am Vormittag eine längere anstrengende Uebung gemacht hatten, lange Zeit Laufschritt machen. Dam, mußten dieLeute hundertmal das Gewehr aufwärts strecken, die Kniebeuge machen, hundertmal daS Gewehr in dieser Positur vorwärts strecken und längere Zeit stehen bleiben. „Wenn auch einer verrecken sollte, so ist mir daS Wurst," meinte der saubere Soldatenerzieher. Hundert Schritte entfernt stand der d i e A u f s i ch t f ü h r e n d e O f f i z i e r. Als die vier Leute der- art ermüdet waren, daß sie die ihnen zugemuteten Uebungen nur noch unter größter Anstrengung. machen konnten, ließ der Slellver- treter Gottes die Soldaten aus allen Bieren 30 Meter weit kriechen. Der Soldat Radelbeck. der im zweiten Jahre diente, blieb beim Kriechen etwas zurück, er sollte deshalb umkehren und die Strecke nochmal machen. Der entkräftete Soldat konnte iu- dessen den Befehl, zurückzugehen und die Strecke nochmal zu kriechen, nicht mehr ausführen. Er brach zusammen, die Lippen färbten sich blau. Er blieb wie leblos liegen. Per Auto brachte man den Mann ins Lazarett. Er ist dienst- untauglich geworden, seinem Beruf als Maurer wird er nie mehr nachgehen können. Das Gericht hob das Urteil der Borinstanz auf und erhöhte die Strafe auf vier Monat Gefängnis. Der Anklagevertreter hatte sechs Monate und Degradation beantragt mit der Motivierung, daß das Gericht zeigen müsse, daß es ihm ernst sei mit der AuSmerzung der Soldatenschmderei._ Ei« geistig Minderwertiger in Uniform! Die Fälle, daß geistig Minderwertige in Uniform gesteckt werden, mehren sich in erschreckender Weise. Zumeist wird die Minderwertigkeit erst festgestellt, wenn diese Leute sich eines iiiilitärischen' Vergehens schuldig gemacht haben. Ja fast allen Fällen erklären die ärztlichen Sachverständigen, daß der Angeklagte zwar geistig minderwertig und dienstuntauglich, aber für seine Straftat verantwortlich zu macheu ist. Diese bedauernswerten jungen Leute werden dann erst bestraft, bevor sie den bunten Rock aus- ziehen. Es gehört deshalb zu den Seiltenheiten. daß ein geistig Minder- werstg« erst derurtekN, dam» aver steigefpruche» und««Kassen wird. Tin solcher Fall gelaugte jüngst vor dem Dresdener Oberkriegsgericht zur Verhandlung. Der Soldat Schubert hatte auf Wache einige Befehle eines Gefteiten nicht befolgt und war dieserhalb mit Rück- ficht auf.seine Neigung zur Insubordination" zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden 1 1 Im Laufe des Berufung.;- Verfahrens wurde der Soldat auf seinen Geisteszustand untersucht und man stellte eine geistige Minderwertigkeit und krankhafte Erregungszustände fest, die die D i e n st« unbrauchbarkeit bedingen. Mit Rücksicht darauf wurde der Soldat vom Militär entlassen und vom Berufungsgericht frei» gesprochen._ Sngwnck. Politische und direkte Aktion." Loubo«, 17. Mai.(Eig. Ber.) Sobald die Anhänger der direkten Aktion in Schwierigkeiten kommen, verfallen sie auf den Gedanken der politischen Aktion. Diese alte Erfahrung bewahr- heftet sich wieder einmal augenblicklich in England, wo die Ein- sperrung Tom Manns unter der Arbeiterschaft großen Unwillen erzeugt hat. Tom Mann wie auch Guy B o w m a n werden als die Opfer eines reaktionären Versuchs, das Recht der freien Rede zu unterdrücken, betrachtet und alle freiheitlich gesinnten Elemente des Landes sind bestrebt, die Regierung zu zwingen, die beiden Syndikalisten freizulassen. Auch das Häuflein der Syndikalisten beteiligt sich recht eifrig an dieser„politischen" Aktion, die leider von der Arbeiterpartei, die letzten Montag trotz der Hilfe einiger Linksliberalen die zur Besprechung der Affäre im Parlament not- wendigen 40 Parlamentsmitglieder nicht zusammentrommeln konnte, mit der alten Lässigkeit betrieben wird. Die„Justice" schreibt recht treffend zu diesem Thema:„Wir haben ein Recht, im Interesse Tom Manns oder irgend einer anderen zu unrecht eingesperrten Person die parlamentarische Aktion in Anspruch zu nehmen; aber was tun die Anhänger der direkten Aktion, die die politische Aktion verachten, in dieser Gesellschaft? Direkte Aktion müßte doch bedeuten, daß man zum Gefängnis marschierte, dort einbräche und die Gefangenen freisetzte, und nicht ein Appell an gute Sozialisten und andere Parlamentsmitglieder, die Vertagung des Unterhauses zu beantragen." kuvwnck. Die Massenkundgebungen in Petersburg. Auf vielen Fabriken war die Arbeitseinstellung am 1. Mai schon am vorhergehenden Tage beschlossen worden. In den übrigen Fabriken erschienen die Arbeiter zur gewöhnlichen Stunde, be- gannen aber nicht die Arbeit. Die Arbeiter der Petersburger Metallwerke(600 Personen) verließen um 8 Uhr mit Gesang die Werkstätten und füllten die anliegenden Straßen. Eine rote Fahne wurde gehißt und unter Absingen revolutionärer Lieder zog die Menge zu den Kupferwalzwerken von Rosenkrantz, wo sie sich mit den anderen Arbeitern vereinigte. Unter Hochrufen auf den 1. Mai und mit Gesang demonstrierte die Menge lange Zeit«ruf dem Polustrow-Ufer. Unweit deS Finnländischen Bahnhofs war der Zugang zur inneren Stadt von der Polizei abgesperrt. Im Petersburger Stadtteil demonstrierten Zxiusende von Arbeitern auf dem Marsfelde. Die Polizei bemächtigte sich einiger roter Fahnen mit revolutionären Inschriften und verhaftete 40 Arbeiter. Viele Demonstranten wurden verwundet. Hinter der Newa- Pforte kamen alle Arbeiter ans die Fabriken, begannen aber nicht zu arbeiten. Als die ersten zogen die Arbeiterinnen von Pähl u. Maxwell auf die Straße binaus und demonstrierten mit Gesang auf dem Schlüssclburger Prospekt. Auf der Newa-Schiffswerft hißten die Arbeiter eine rote Fahne und zogen, revolutionäre Lieder singend, auf den Schlüsselburger Prospekt, wo sich eine viel- tausendköpfige Menge ansammelte. Die Ardeiter der gewaltigen Putilowwerke wollten, mit roten Nelken geschmückt, in die innere Stadt ziehen, wurden aber von der Polizei nicht hineingelassen. Eine vieltausendköpfige Menge von Arbeitern sammelte sich gegen 3 Uhr auf den Nebenstraßen zum NewSki-Prospekt, daS mit Polizei, Kosaken und Gendarmen überschwemmt war. Namentlich in der Nähe der Kasan-Kathedrale war der polizeiliche Schutz am stärksten. Gegen 4 Uhr durchbrach die Menge an der Troitzky. Brücke die Polizeikette und marschierte den Liteinh-Prospekt hinab, wo sie von der Polizei aufgehalten wurde. Am NcwSky sammelten sich an den Straßenecken gewaltige Arbeite rmengen, die revolutio- näre Lieder sangen. Hie und da wurden Ansprachen gehalten. Die Polizei nahm Verhaftungen vor, stieß aber zuweilen auf Widerstand. Auf die Angaben der Geheimagenten wurden in der ganzen Stadt zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Ein Genosse schreibt uns, daß die Hauptstadt am 1. IRai nicht' wiederzuerkennen ivgr. Die Zahl der nichtstreikenden Betriebe konnte an den Fingern abgezählt werden. Ungeachtet des strömen- den Regens demonstrierten die Arbeiter den ganzen Tag auf den Straßen. Die Stimmung in den Arbeiterkreisen ist kraftvoll und feiertäglich. Keine Spur von der Gedrücktheit und Apathie der ersten Jahre ist jetzt zu merken. Die Unternehmer haben anlätzlicki der Maifeier zahlreiche Maßregelungen vorgenommen oder angekündigt. Sie werden aber jetzt einen heftigen Widerstand finden. Die Zeit der Unternehmer- allmacht ist nun vorüber. Amerika« Der mexikanische Bürgerkrieg. Mexiko City, 18. Mai.(W. T. B.) Die Bundestruppen haben die Aufftändifchen besiegt und Taxa wieder eingenom- wen, 70 Rebellen sind getötet und viele verwundet worden. Marokko. Ein Kampf bei Sefru. Fez, 17. Mai. Die A i t j u s s i plünderten gestern Duars in der Gegend von Sidi-Jussuf, acht Kilometer von Sefru, wurden aber von einer französischen Abteilung ver- trieben. Bei dem Kampfe hatten die Franzosen drei Tote und zwei Verwundete. Das Kriegsgericht dernrteiltc heute sieben An- geklagte zum Tode, zwei zu Zwangsarbeit. Kämpfe im Mulujagebiete. . Oran, 18. Mai. Die Grenzstämme haben die Feind- seligkeiten gegen das Lager von Merada wieder aufgenommen. Der erste Angriff erfolgte in der Nacht vom 12. zum 13. d. M., der aber zurückgeschlagen wurde. Auf feiten der Franzosen hatte man zwei Tote zu beklagen. Am Morgen des 13. wurde eine französische Kolonne entsandt, die die marokkanischen Aufrührer verfolgte und ihnen erheblichen Schaden zufügte. Ter Feind flüchtete nach dem Mulujasluß. Auf französischer Seite wurden drei Mann verwundet. In der Nacht vom 16. auf den 17. erneuerten sich' die Kämpfe. Aber auch diesmal wurden die Eingeborenen mit blutigen Köpfen zurückge- Viesen. GewerhlcbaftUcbcs. Die rönrifebe Kirche und die englischen Gewerhfchafteti. Die römisch-katholische Kirche hat in den letzten Jahren durch Einwanderung katholischer Elemente und durch Uebertritte aus der anglikanischen Hochkirche in England— und vielleicht auch in Schottland— die Zahl ihrer Anhänger ganz bedeutend vermehrt. Und mit diesem kräftigen Zuwachs ist auch die Angriffslust der katholischen Geistlichkeit gestiegen, deren Fanatismus bisher durch den grimmigen Haß der bigotten Protestanten gegen das Papsttum in Schach gehalten wurde. Methodisch und beharrlich— öffentlich, wo es nicht auffällig ist, aber meist im geheimen— organisiert die Geistlichkeit die katholische Bevölkerung Großbritanniens, um die politische Macht der Kirche zu stärken. Ganz besonders auf die katholische Arbeiterschaft hat sie ihr Augenmerk gerichtet. Daß die Würdenträger der katholischen Kirche in England mit Hochdruck dar- auf hinarbeiten, die katholische Arbeiterschaft von der Arbeiter- bewegung zu trennen, darüber kann nicht der geringste Zweifel mehr bestehen, und die weitsichtigen Führer der englischen Gewerk- schaftsbewegung sind sich der Gefahr, die der Arbeiterbewegung von diesen Zerrüttungsversuchen droht, sehr wohl bewußt und ver- folgen die Maulwurssarbeit der Schwarzen sehr aufmerksam. Bis vor kurzem arbeitete die Geistlichkeit im Stillen in d e n Gewerkschaften, in denen die Zahl der katholischen Arbeiter be- trächtlich ist. Niemand merkte etwas von ihreni Treiben, nur dann und wann fiel es den Gewerkschaftsleitern auf, daß bei den Wahlen zu einem Posten in der Gewerkschaft fast regelmäßig ein gläubiger Katholik gewählt wurde. Tie Kirche versuchte, sich einen Einfluß in der Leitung der Gewerkschaft zu verschaffen. Auch fehlte es nicht an mißglückten Versuchen der Geistlichkeit, unter irgend einer unverdächtigen Flagge Sonderorganisationen ins Leben zu rufen. Auf den Gewerkschaftskongressen ging man etwas offener zu Werke. Wer in den letzten Jahren die britischen Ge- Werkschaftskongresse besucht hat, mutzte wahrnehmen, wie sich in den Gängen des Versammlungsgebäudes katholische Priester an die katholischen Gewerkschaftsführer machten, um ihnen ins Gewissen zu reden. Das Gespräch galt namentlich der weltlichen Erziehung, einer Forderung, die der Gewerkschaftskongreß Jahr für Jahr er- hoben hat, und die katholischen Gewerkschaftsführer wurden auf ihre Pflicht, gegen diese Forderung zu stimmen, aufmerksam ge- macht. Es kam im Kongresse auch zwischen den katholischen Ge- Werkschaftsbeamten und dem Präsidium manchmal zu heftigen Szenen. Aber in der letzten Zeit ist die Geistlichkeit kühner geworden und der Angriff auf die Einheitlichkeit der Gewerkschaftsbewegung hat sich planmäßger gestaltet. Es scheint, daß die Prälaten in London die Direktion der Wühlarbeit übernommen haben. Man -hat Geistliche vom Kontinent, besonders aus Belgien, kommen lassen, deren Hauptbeschäftigung der Kampf gegen die Gewerk- fchaften zu sein scheint. In dem industriereichcn Lancashire hat man auch angefangen, katholische Arbeitervereine zu gründen. Ge- werkschaften kann man diese Gebilde schwerlich nennen. Sie be- stehen nicht aus den Angehörigen eines Berufes, sondern aus Ar- beitern aller Berufe. Bei der Aussperrung der Weber in Lancashire zu Anfang dieses Jahres spielten diese Vereine eine gewisse Rolle. Die Aussperrung war ein Geschäftsmanöver der Fabrikanten, die durch die finanzielle Schwächung der Weber- gewerkschaften der Notwendigkeit einer allgemeinen Lohnerhöhung entrinnen wollten. Als Vorwand zur Aussperrung benutzten sie die Ausrede,-daß die Arbeiter durch ihre Weigerung, in verschiede- neu Fabriken mit Unorganisierten zusammen zu arbeiten, einen geordneten Betrieb der Industrie unmöglich machten. Das war jedoch nur eitel Humbug. Wer die gut organisierten Industrien Englands, wie die Bergwerks- oder Textilindustrie, kennt, weiß, daß zwischen Unternehmern und Arbeitern das stillschweigende Ein- vernehmen herrscht, daß alle Arbeiter im Betriebe der Organisation angehören müssen. Dieses Einvernehmen ergibt sich aus der ganzen Organisation der Industrie selbst, und wenn sich einmal ein Un- organisierter einschleicht, wird diesem bald von seinen Kollegen klar gemacht, daß er zu der Organisation, die ihm die günstigen Arbeitsbedingungen einer straff organisierten Industrie verschafft, sein Scherflein beitragen muß. Einige der Leute, die sich beharrlich weigerten, der Organisation beizutreten, sollen Mitglieder eines katholischen Arbeitervereins gewesen sein. Sie wurden aber von ihren Kollegen nicht deshalb boykottiert, weil sie Katholiken waren — in Lancashire ist ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung auch der organisierten Weber römisch-katholisch—, sondern weil sie auf Kosten der Allgemeinheit nassauern wollten. Wie stark die von den Geistlichen in Lancashire ins Leben ge- rufenen katholischen Arbeitervereine sind, läßt sich nicht ermitteln. Viele Mitglieder zählen sie auf keinen Fall, sonst hätte es die Oefsentlichkeit schon längst erfahren. Das bedeutet aber nicht, day sie der Einheitlichkeit und Schlagkraft der britischen Arbeiter- bewegung nicht gefährlich werden können. Gefährlich kann auch der Druck werden, den die Geistlichkeit ganz offenbar aus die katho- lischen Gewerkschaftsbeamten ausübt. Von den scharfsinnigsten Führern der Gewerkschaftsbewegung wird verskhert, daß� etliche der katholischen Gewerkschaftsbeamten in der letzten Zeit sehr wacklig geworden sind. Ohne Zweifel arbeitet hier die Geistlichkeit mit ungewöhnlicher Energie. Das Schlimmste an der Situation ist, daß sich die britischen Trade Unions, ungleich den deutschen freien Gewerkschaften, sehr eingehend mit rein politischen Fragen be- schäftigen und dadurch den Schwarzen eine breite Angriffsfläche ' liefern. Der Gewerkschaftskongreß beschäftigt sich z. B. mit Fragen wie der weltlichen Erziehung, dem Militarismus und ähnlichen Dingen. Diese Erscheinung hat ihre Ursache in der historischen Entwickelung der Arbeiterbewegung Englands. Bis vor 12 Jahren war der Gewerkschaftskongreß die einzige Vertretung der organi- sierten Arbeiterschaft, und auch heute noch haben seine Beschlüsse mehr Autorität als die Beschlüsse des Parteitages der Arbeiter- Partei. Früher mußte sich der Kongreß mit allen Seiten der Ar- beiterbewegung beschäftigen und die politischen Themata sind seit- dem von seiner Tagesordnung nicht verschwunden. Es macht sich aber immer mehr der Drang nach Spezialisierung in der Arbeiter- bewegung geltend und die christlichen Quertreibereien dürften dieie EntWickelung nur beschleunigen. Wahrscheinlich wird die Frage der weltlichen Erziehung nicht wieder auf der Tagesordnung eines britischen Gewerkschaftskongresses erscheinen. Die heftigen Szenen, die sich bei der Beratung dieses Punktes auf den letzten Gewerk- ichaftskongressen abspielten, bewogen die Southporter Konferenz der Bergarbeiterkonföderation, zu beschließen, diesen Punkt von der Tagesordnung des Gewerkschaftskongresses abzusetzen. Was die mitgliederreichc Bergarbeiterföderation beschließt, ist auch meist der Annahme sicher. Mit dem Verschwinden dieses Punktes von der Tagesordnung des Kongresses wäre dem Klerus sein sauberes Händwerk ein wenig schwerer gemacht. Daß er seine Zerstörungs- versuche aufgeben wird, daran ist nicht zu denken. Die katholische Kirche findet gerade unter den Mitgliedern des Teiles der angli- konischen Kirche, den man die Hochkirche nennt und dem velc der kanischen Kirche, den man die Hochkirche nennt und dem viele der die Zerrüttung der Arbeiterbewegung wird ihr von diesen Leuten als ein unschätzbares Verdienst angerechnet werden. Die katholische Kirche hat ein Interesse daran, als das sicherste Bollwerk gegen die .Begehrlichkeit" des Arbeiterstandes betrachtet zu werden. Bisher ist der Angriff der Geistlichen auf die Gewerkschaftsbewegung von den Leitern der Organisationen nur privatim diskutiert worden. Man kommt aber immer mehr zur Ueberzeugung. daß die sicherste Abwehr gegen die tückischen Pläne der schwarzen Gesellschaft die öffentliche Stellungnahme ist. kerlin unck Qmgegenck. Die Einigungsvcrhlindlungen im Swkkateurgewcrbcämd bis auf weiteres vertagt. In einer Sitzung am 14. Mai kam auf Vorschlag der Unternehmer folgende Entschließung zustande:_ verantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: ES soll ein Verhandlungsboden nach der Richtung hin ge- schaffen werden, daß die Arbeitnehmer die Erklärung abgeben, weitgehendste Vollmachten zum Zwecke der Beratung über die Wünsche der Arbeitgeber zu besitzen. Voraussetzung hierzu ist. daß zunächst die Arbeitgeber eine von den beiden Forderungen, die von Arbeitnehmerseite nunmehr aufgestellt sind, erfüllen, und zwar entweder eine Verkürzung der Arbeitszeit in irgend einer Form während der voraussichtlichen Vertragsdauer zubilligen oder eine Erhöhung der Minimallöhne zugestehen. Das heißt, eine von den beiden Forderungen soll sogleich erfüllt werden, und über beide Forderungen mutz sich der Vertrag aussprechen. Weitere Verhandlungen finden voraussichtlich in der nächsten Woche statt. In der Angelegenheit des Zigarrenhändlers S Ä m u d e, Treptow, Krüllsstratze, sind die Angaben der Streikposten dahin richtig zu stellen, datz nicht der Zigarrenhändler S ch m u d e die Streik- Posten zu pbotographieren suchte, sondern der Unternehmer, datz weiter nicht Herr S ch in u d e. sondern der Bauherr die Polizei telephonisch herbeigerufen hat, wobei er das Telephon des Herrn S ch m u d e be- nutzte. Wir bitten, von dieser Richtigstellung des Sachverhalts Kennt- nis zu nehmen. Achtung, Schuhmacher! Bei der am 11. Mai erfolgten Stich- wähl zum Verbandstag wurden 560 gültige Stimmzettel ab- gegeben. Es erhielten: Hannig 323, Vollmerhaus 293, W a t t i n g 292, Valerius 289,« ch m o l k e 198 und Keßler 177 Stinimen. Die ersten drei Genannten sind somit gewählt. Des weiteren ersuchen wir, die statistischen Fragebogen vom vorigen Quartal abliefern zu wollen und die Sperre über die Firmen Hamann u. Co., Michaelkirchstraße 15, und Groß- mann, Ädlershof, Moltkestraße 2, streng zu beachten. Bei der Firma Bochynski, Kommandantenstraße 62, haben die Kollegen den Lohntarif— 3. Klasse— eingereicht, doch ist der Grundlohn der bisherigen Bezahlung entsprechend geändert, ver- langt wird nur, datz die Extraarbeiten wie in anderen gleich- wertigen Geschäften bezahlt werden. Statt nun. wie wir es wünschten, in Verhandlungen einzutreten, sucht Herr Bochynski� in der..Volkszeitung" fünf Herren- und drei Tamenarbeiter. Da im Betriebe ganz miserable Lohn- und Arbeitsbedingungen herrschen, ersuchen wir die Kollegen, Solidarität zu üben und das Arbeits- angebot abzulehnen. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsberwaltung Berlin. Der Streik der Fleischergescllen in Neukölln macht den Jnnungs- führern immer mehr Kopfzerbrechen, täglich wird die Zahl der „standhaften" Fleischermeister kleiner, viele sehen ein, datz die Innung ihnen den erstandenen Schaden durch den Boykott nicht er- setzt und ziehen es vor, mit den Gesellen Frieden zu schließen. Der Arbeitgeber-Schutzverband, der den Meistern große Ver- sprechungen gemacht und allerlei Unterstützung versprochen, ist, nach- dem er manch kleinen Meister ins Unglück gestürzt, gänzlich ver- stummt. Die Polizei bemüht sich, die Fleischermeister nach Kräften zu unterstützen. Streikposten werden sofort vertrieben. Die den Tarif beachtenden Fleischermeister haben der Streikleitung folgende Erklärung abgegeben:„Wir unterzeichneten Fleischermeister erklären, hiermit, daß wir infolge der Bewilligung der Gesellenforderungen eine Erhöhung der Fleisch- und Wurstwaren nicht vorgenommen haben. Das Gerücht, wonach wir einen Preisaufschlag erhoben. entbehrt jeder Begründung und wird nur aus Konkurrenzneid von jenen Fleischermeistern verbreilet, die die bescheidenen Forderungen der Gesellen noch nicht anerkannt haben und eine Verständigung mit der Gesellenorganisation nicht wollen. Die Forderungen der Fleischergesellen bringen durchaus keine Belastung des Geschäfts mit sich und ließe sich ein Preisaufschlag wegen dieser Sache nicht rechtfertigen." Durch diese Erklärung wird der unwahren Behauptung mit aller Deutlichkeit die Spitze abgebrochen und dürfte dieses Täuschungsmanöver gründlich bloßgestellt sein. Folgende Fleischermeister haben nachträglich den Tarif an- erkannt: S. Härtel. Kaiser-Friedrich-Str. 76; Ä. Baum, Bergstr. 39; O. Schleusener, Mainzer Straße 8; P. Schmidt, Falkstr. 2; A. Szezgyiel, Teupitzer Str. 119, und C. Kowalski, Weichselstr. 64. Zentralverband der Fleischer. Die Streikleitung. Deuvtcffes Reich. Die zentralen Verhandlungen im Jsoliergewerbe gescheitert. Die am 13. Mai in Magdeburg wieder aufgenommenen zen- tralen Verhandlungen zwischen dem Zentralverband der Isolier- firmen und dem Bauarbeiterverband scheiterten schon nach L'/zstündiger Dauer, und zwar an der Frage der Lohngarantie bei Akkordarbeit. Die Unternehmer stellten wohl eine Erhöhung der bisher von ihnen selbst festgesetzten Akkordpreise in Aussicht, lehnten aber eine Lohn- garantie ab. Die Arbeiter hingegen erklärten, der Zulässigkeit der Akkordarbeit nur dann zustimmen zu können, wenn der Lohn garan- tiert werde,— Ob ein nochmaliger Versuch, zentrale Verhandlungen zustande zu bringen, unternommen werden wird, hängt von der Ent- schlietzung der Generalversammlung des Zentralverbandes der Jsolierfirmen ab, die bereits am 14. Mai ebenfalls nach Magdeburg einberufen worden war. Wie diese Entschließung ausgefallen ist, ist noch nicht bekannt. Was geschehen wird, wenn zentrale Ver- Handlungen nicht mehr erfolgen, ob dann eine örtliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen versucht wird, oder ob es wieder zum Kampfe kommt, darüber läßt sich im Augenblick noch nichts sagen._ Eine nationale Eiscnbahnerparade fand am Himmelfahrtstage in Elberfeld statt. Diese Parade eröffnete den Zweiten Verbandstag des Zentral- Verbandes deutscher Eisenbahn Handwerker und - a r b e i t e r(Sitz Elberfeld), welcher am Freitag und Sonnabend hier tagte. Es wären weder Kosten noch Mühen gescheut, die Sache so eindrucksvoll wie nur irgendmöglich zu inszenieren. Als Haupt- attraktion hatte man sich den Grafen Posadowskh ver- schrieben, der in der Eröffnungsvcrsammlung in der Stadthalle über � das Thema:„Die Stellung der Eisenbahnbcdiensteteu in Staat und Gesellschaft" in der gestern schon von uns geschilderten Weise einige weitschweifige Gemeinplätze zum besten geben mußte. Etwas temperamentvoller sprach der Reichstagsabgeordnetc Lizentiat Mumm, der namentlich den sozialdemokratisch ge- sinnten Eisenbahnern die Meinung sagte. Es gäbe nur ein Ent- weder— oder.„Entweder man huldigt den Anschauungen der Sozialdemokratie und dann zieht man daraus die Konsequenzen, oder man steht in einenr�Treuberhältnis zum Kaiser und dann zieht man hieraus die Konsequenzen. Aber von dem einen das Brot nehmen und dem anderen heimliche Dienste leisten, das ist nicht die Sache gerader Männer." Nachdem der fromme Mann also geredet, mußte noch der Reichs- tagsabgeordnete H e ck m a n n. der arme, verunglückte nationale Kumpel, den die Schlotbarone im Wahlkreis Bockum in den Reichs- tag dirigierten, damit der verhaßte Hue zu Falle gebracht wurde, auf das Podium klettern und einige einfältige Worte gegen die freien Gewerkschaften steigen lassen. Tic freien Gewerkschaften nennten sich frei, aber sie seien doch von der Sozialdemokratie geknechtet, sie seien sozialdemokratisch verseucht und müßten deshalb bekämpft werden. Nachdem dann noch der Generalsekretär der christlich-nationalen Gewerkschaften, Stegerwald- Köln, der Landtagsabgeordnete Beyer und der Elberfelder Sekretär G u t t s ch k e. der anläßlich der letzten Rcichstagswahl die offizielle Wahlbeeinslussung der dcut- schon Eisenbahner mit deichseln half, gesprochen und jeder noch einmal extra die Sozialdemokratie und die fteie Gewerkschasts- bewegung totzurcden versucht hatte, war die Parade zu Ende. Am Abend fand in der Stadthalle dann noch eine zweite Auf- läge statt. Dort wurden dann wieder unendlich viel Reden gc- halten. Neben hohen Beamten und Spitzen der Behörden sprachen u. a. wieder Graf Posadowsky. sowie die Reichs- und Land- tagsabgeordneten Giesberts, Schiffer, Mumm, Brust, Beyer, Grünberg, Jautert, Hintzmann. Der bei der letzten Reichstagswahl im Wuppertale abgetakelte Herr Linz hatte Ih. Glocke, Beri'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u öerlagsanftalt sich entschuldigen lassen. Graf Posadowskh redete etwas von Weichen st ellung, wobei er meinte, daß die freigewerkschaft- lich und politisch organisierten Arbeiter infolge falscher Weichen- stellung auf ein totes Geleise geraten seien, von wo die Leute vom „Sitz Elberfeld" die armen Verführten wieder auf das rechte Geleise der Vaterlandsliebe und christlicher Weltanschauung schieben möchten. Das wird jedenfalls eine sehr schwere Arbeit werden. Die eigentlichen Verhandlungen des Verbandstages fanden am Freitag und Sonnabend im engsten Kreise statt. Tie Strafteybahncr Königsbergs stehen im Streik. Sie sind bis auf den letzten Mann organisier� und fordern im wesentlichen Verkürzung der Dienstzeit und Aufbesserung� des Lohnes. Die Straßenbahn wurde im Jahre 1919 von der Stadt an die A. E.-G. verpachtet. Direktor ist der frühere� freisinnige Landtagsabgcordnete Dr. C r ü g e r- Königsberg, der bis zur Ver- Pachtung in städtischen Diensten stand und die Straßenbahn leitete. Crüger ist im Abgeordnetenhause wiederholt auf die traurige Lage der preußischen Eisenbahner eingegangen; im Jahre 1995 trat er öffentlich für die streikenden Bergarbeiter ein. Später gehörte er der„Demokratischen Vereinigung" an. In seinem jetzigen Betriebe geht er gegen die Angestellten in folgender Weise„demokratisch" vor. Ein Ukas der Direktion im Depot der Straßenbahn lautete: Der Arbeiterausschuß der Straßenbahner_ fordert unter Mißbrauch seines Amtes in einer gegen das Gesetz verswßenden Weise zum Streik auf. Wir machen das Fahrpersonal darauf aufmerksam, datz 1. der Vertragsbruch im Straßenbahnbetriebe strafrecht- lich verfolgt wird; 2. daß mit den Vertragsbrüchigen Angestellten ein neuer Vertrag nicht geschaffen wird und 3. diese alle nach dem Gesetz des Anspruchs auf Ruhe- lohn und dergleichen verlustig gehen. 4. Agitieren wird mit Entlassung bestraft. 5. Für die Arbeitswilligen ist für besten Schutz gesorgt. In der Versammlung der Straßenbahner wurde dieser Tages- besehl, der dazu bestimmt ist, die Angestellten einzuschüchtern, mit stürmischer Heiterkeit aufgenommen,«o wandelt sich ein„frei- sinniger",„demokratischer" Politiker. Bäckerstreik in CTHentnitz. In einer gutbesuchten Versammlung beschlossen die Bäcker- gesellen in geheimer Abstimmung mit 172 gegen 22 Stimmen den «streik. An der Abstimmung beteiligten sich die in der Bäckerei des Konsumvereins und die in den Brotfabriken, die den Tarif bewilligt haben, arbeitenden Gehilfen nicht. Der Streikbeschlutz ist das letzte Mittel, olle übrigen gangbar erscheinenden Wege zur Verständigung mit der Innung sind resultatlos verlaufen. Der Jnnungsvorstand, der sich bei seinem arbeiterfeindlichen Verhalten unterstützt sieht von den Führern der gelben Organisation der„handwerkslreuen" Ge- Hilfenschaft, bat über die Köpfe der Jnnungsmitglieder hinweg jed- wede Verhandlung mit der Organisation der Bäckergehilfen abgelehnt. Auch das Einigungsamt, das von den Gehilsen angerufen wurde, wies der Jnnungsvorstand ab, so datz die wohlgemeinten Einigungs- versuche des Gewerberichters unbeachtet blieben. Die Haupt- forderungen der Gehilfen sind: Beseitigung des Kost- und Logis- zwanges bei den Meistern, 12 stündige Arbeitszeit, 21 M. Minimal- lohn und Gewährung eines 36 stündigen Ruhetages jede Woche.— Endlich erwachen auch die Chemnitzer Bäckergehilfen! Lohnbewegung der Textilarbeiter in Augsburg. In Augsburg fanden am Dienstag drei von über 6999 Textil- arbeitern und-Arbeiterinnen besuchte Versammlungen statt, in denen der Beschlutz gefaßt wurde, den Textilindustriellen folgende Forde- rungen zu unlerbreiten: 1. eine allgemeine Lohnerhöhung von 13 Proz., 2. AuShänguwg der Akkordtabellen in einer von jedem Arbeiter zu übersehenden Weise und leicht verständlicher Form, 3. einheitliche Regelung der Vergütung beim Warten auf Material, bei schlechtem Material, bei Reparaturen und bei sonstigen unverschuldeten Versäumnissen, 4. Frei- gäbe der Nachmittage vor den hohen Festlagen, 3. Milderung der Strafbestimmungen und bessere Behandlung durch die Angestellten, 6. Anerkennung von Arbeilerausschüssen, die gesondert von den Krankenkass'enauSschüssen ihre Funttion auszuüben haben. Die Arbeiter der Augsburger Textilindustrie gehören zu den schlechtbezahltesten Arbeitern in ganz Deutschland,' die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse ist angesichts der in Augsburg besonders fühlbaren Teuerung eine dringende Notwendigkeit. TZusUnck. Streik der Metallarbeiter in Bodenbach. Bodenbach(Böhmen), 18. Mai.(Eig. Tel. des„Vor- lvärts".) Auf den B e r gin a n n w e r k e n ist hier ein S t r e i k der gesamten Arbeiterschaft ausgebrochen. Tie Organisationsleitung ersucht, Zuzug fernzuhalten. K-ctztc Nachrichten« Ein deutscher Vermittelungsvorschlag. Wien, 18. Mai.(P. T.) Aus Berliner diplomatischen Kreisen gelangte hierher die Nachricht, datz man gegenwärtig bc- strebt ist, einen Vorschlag des deutschen Gesandten in Athen, Frei- Herrn von Wangenheim, zur Beilegung des türkisch-italienischen Krieges zu realisieren. Dieser Vorschlag legt der Türkei nahe. Tri- politanien an den Schelk der Senussi abzutreten. Dadurch würde die Türkei desinteressiert. Dem Schcik der Senussi soll garantiert werden, daß durch die Einverleibung Tripolitanicns die moham- medanische Religion in keiner Weise angetastet würde. Auf dieser Basis hoffe man zu einem Resultat gelangen zu können. Aus der türkischen Deputiertcnkammer. Konstantinopel, 18. Mai. lW. T. B.) Tic Teputiertenkammer hat den Adreßcntwurf mit redaktionellen Acnderungcn angenommen. Die Stelle über den Krieg wurde in der vorgeschlagenen Fassung genehmigt, nur beschloß die Kammer auf Vorschlag der Deputierten, anstelle der Worte italienische Regierung einfach Italien zu sagen! da Italien den Titel Regierung nicht verdiene. Ter Antrag, der Adresse einen Passus hinzuzufügen, worin der Wunsch nach Wieder- Herstellung der Ordnung in Albanien ausgesprochen wird, wurde vom Hause verworfen, da die Kammer noch keine amtliche Kennt- nis von den gegenwartigen Vorgängen in Albanien habe. Folgenschwere Explosion im Bergwerk. London, 18. Mai.Berechtigungs- brief, auf den Kaufmann, den würdigen Gelehrten, den verdienten Staatsmann, der ihn vielleicht selbst in der Ahnenprobe besiegen würde, höhnend herabzusetzen, ihn zu necken und zu stoßen, oder unsere Jünglinge, die sich den Wissenschaften widmen, von ihren etwanigen Unarten durch Fußtritte zu heilen." Die Herrschaft des Adels im Offizierskorps ist ein Teil der Adelsvorrechte, der ganzen Junkerherrschaft, die von dem Absolutismus unzertrennlich ist. Wie nun die privilegierte Kaste im ganzen von Fichie mitgenommen wird, ließe sich gleichfalls durch eine Menge beißender Stellen aus den„Beitragen" belegen, zu deren Mitteilung leider der Raum fehlt. Das Fazit Fichtes ist, daß das Vorrecht einer Kaste auf alle höheren Acmtcr die übrigen Volksklassen zu deren Sklaven macht. Aber so ist er ein Todfeind von allem Feudoiismus, ins- besondere auch in der Wirtschaftsverfassung: dem Jammer des Leibeigenendaseins leiht Fichte ergreifende Worte. Alle sollen ihre Kräfte frei gebrauchen dürfen, alle gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben. Allgemeine Gleichheit ist eins von Fichtes Grund- Prinzipien, wonach alles eingerichtet sein mühte. Sonst herrscht das „Recht" des Stärkeren. Fichte sagt mit dürren Worten, daß man in allen bisherigen Staaten nur die Einheit treffe, die die der- und vernichtet war, was in anderen Völkern den Nationalstaat bildete— den Nationalstaat der Gewalt, Eroberung und Unter- drückung. Darum war für Fichte das deutsche Volk das s r e i e st e aller Völker: es hatte hinter sich und unter sich all die Fesseln staatlicher Tyrannei, und darum war es allein auöerwählt und berufen, ungehindert durch den»Nationalwahn und die National- Willkür, durch die Macht-, Gewalt- und Ausraubungspolitik der anderen Völker der Welt jene Freiheit zu verkünden und zu er- ringen, die Frankreich nach der Revolution verraten. So wurde das deutsche Voll— weil eben der„merkwürdige Zug im National- charakter ihre Existenz ohne Staat und über den Staat hinaus, ihre rein geistige Ausbildung"— fähig, den Kampf gegen die Fremdherrschaft für die ganze Menschheit zu führen, der Prophet des Weltgeistes zu werden und die Botschaft der Freiheit Idie in Fichtes Sinn nichts anderes ist wie die sozialistische Demokratie) aller Welt zu bringen. Der deutsche Sozia- lismus war es dann, und auch er mit der begeisterten Selbstsicher- heit wissenschaftlicher Erkenntnis und der geschichtlichen Aufgabe, der diese Botschaft zur Tat werden ließ. Die sozialistische Jnternatio- nale ist aus deutscher Gedanken- und Organisationsarbeit ent- standen. Die deutsche Sozialdemokratie ist Erbe Fichtes und Voll- strecker seines nationalen Vermächtnisses geworden. Ein schwedischer Wachtmeister Gustav Adolfs soll einst verwundet in Rammenau, einem Torf der Oberlausitz, zurückge- blieben sein. Aus seinem Geschlechte ist Johann Gottlieb Fichtc entsprossen. Großvater und Vater waren Bandwirker, die ihre Ware selbst im Hausierhandel absetzten. Fichtes Elternhaus wimmelte von Kindern; sie wurden früh beim Hausieren beschäftigt. Johann Gottlieb hütete auch wohl die Gänse. Auf irgend eine Weise scheint sich der Freiherr v. Miltitz, ein Freund des Gutsherrn des Dorfes, des Knaben angenommen zu haben; die Legende be- richtet, daß der Hütejunge das Interesse seines Gönners erweckt hätte, weil er eine von Miltitz versäumte Predigt des Dorfpfarrcrs aus dem Gedächtnis hersagen konnte. Sicher ist, daß das Kind einige Zeit aus dem Schloß des Freiherrn v. Miltitz— Oberau bei Meißen— lebte und dann erst aus die Stadtschule in Meißen, schließlich auf die Fürstenschule Pferta gebracht wird. Wie Fichte 12 Jahre ist, stirbt sein Beschützer und seitdem kümmert sich nie- mand mehr um den aus seinen Verhältnissen herausgerissenen Knaben. Er stand ganz allein, wie er später einsam durch seine Zeit und durch die Geschichte pilgerte. In der klösterlichen Zucht der Schulpferta spiegelt sich im Kleinen die Welt der feudalen Knechtschaft. Es ist eine Mischung von Kloster uyd Gutshörigkeit. Alle 24 Stunden des Tages sind durch strenge und feste Regeln bestimmt und eingeschnürt. Die jungen Schüler aber müssen ihren Obergesellen wie leibeigene Bauern Dienste aller Art leisten. Ter junge Fichte leidet schwer unter seinen Peinigern. Tefoes Robinson leistet ihm den ersten Dienst geistiger Befreiung. Er will der Oual des Daseins ent- fliehen und auf Robinsons Insel sich mit eigenen Händen ganz von Beginn fein Schicksal ergrbejten. Er flie�h loMNt Äer nur Iichte. schieden«» Gattungen der fleischfressenden Tieke zusammenhalte, daß das Schwächere vom Stärkeren gefressen werde und das noch Schwächere selbst fresse.!> Dagegen ist Fichtes Standpunkt, daß kein Mensch da? Recht habe, durch fremde Kräfte zu leben, seine Kräfte ungebraucht zu lassen. Er ist der Meinung, daß, wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll, auch mit Bezug auf die oberen Zehntausend. Dieser Grundsatz ergänzt sich durch den anderen, daß jeder Mensch das unveräußerliche Menschenrecht hat zu leben. Jeder, der arbeitet, muß die nötige Nahrung, Kleidung und Wohnung haben. Gegen die, welche den Mangel bei den Besitzlosen natürlich finden, wendet sich Fichte mit den schärfsten Worten:„Solche Leute sind es gewöhnt, sie wissen's nicht besser, sagt mit stickender Stimme der satte Wollüst- ling, während er seinen köstlichen Wein schlürft. Aber das ist nicht wahr. An den Hunger gewöhnt man sich nie, an widernatürliche Nahrungsmittel, an das Hinschwinden aller Kräfte und alles Muts, an Blöße in strenger Jahreszeit gewöhnt man sich nie. Daß nicht essen solle, wer nicht arbeitet, fand Herr N. naiv," sagt Fichte weiter, sich gegen einen literarischen Klopffechter Rehberg wendend, der ein reaktionäres Opus gegen die Revolution verbrochen:„Er erlaube uns, nicht weniger naiv zu sinden, daß allein der, welcher arbeitet, nicht essen oder das Uneßbarste essen solle." An solchen Stellen der„Beiträge" kommt der Proletarier in Fichte aufs deut- lichste zum Vorschein. Er ist auch wenig erbaut von der ungleichen Verteilung der Reichtümer, der Massenarmut und von dem Treiben des Kapitals. Aber er erwartet noch die gleichmäßigere Verteilung davon, daß jeder die Möglichkeit erlange, über seine Kräfte frei zu verfügen. So bleibt Fichte im ganzen in den„Beiträgen" noch auf bürgerlichem, kleinbürgerlich-radikalem Boden. Das Eigentum ist ihm etwas Unantastbares, das Eigentumsrecht etwas Unumstöß- liches, nicht auf staatlichen Gesetzen Beruhendes und durch sie Ab- ändcrliches. Wie er freilich sein Urrecht des Eigentums begründet, konnten sich bei ihm späterhin leicht andere Gedanken entwickeln. Er basiert nämlich das Eigentum darauf, daß der Besitzer den Dingen seine Arbeit einverleibt habe. Ehe das Jahrhundert zu Ende ist, finden wir Fichtes Ideen auf diesem Gebiet wesentlich verändert. Schon im„Naturrecht" von 1796' entwickelt er von dem„Grundsatz jeder vernünftigen Staatsverfassung" aus, daß jeder von seiner Arbeit soll leben können, die Folgerung: sobald jeniand von seiner Arbeit nicht leben könne, sei er nicht mehr rechtlich verbunden, irgendeines Menschen Eigentum anzuerkennen. Jeder besitze sein Eigentum nur auf die Bedingung hin, daß alle Staatsbürger von dem ihrigen leben können. Ueberhaupt besitze jemand das Eigentum von Objekten nur insoweit, als er dessen für die Ausübung seines Berufs be- dürfe. Damals war Fichte schon bei sozialistischen Gedanken an- gelangt, die sich im..Handelsstaat" von 1800 zusammenhängenv entwickelt finden. Hier verfügt der Staat über die Produktions- mittel. Eine planmäßige Organisation von Produktion und Ver- tcilung wird dargestellt, wobei sich der Wohlstand der Nation so ziemlich über alle in demselben Grade verbreitet, so daß alle un- gefähr gleich angenehm leben können. Wie Fichte seine soziall- stische Staats- und Gesellschaftsordnung im einzelnen gestaltet. mutz hier beiseite bleiben. In diesen Details liegt auch nicht das dauernd Wertvolle an der Schrift, die Fichte als sein bestes, durch- dachtestcs Werk ansah. In Ermangelung von inateriellen Vorc�ls- setzungen, die das Jahrhundert seit Fichte erst gebracht hat, konnte sein Sozialstaat naturgemäß bloß eine Konstruktion sein, deren Mängel nachzuweisen ein billiges Vergnügen wäre. Der auffälligste bis Naumburg, er wird zurückgebracht, um seinen Haß gegen die „Autorität" zur großen Leidenschast seines ganzen Lebens zu nähren. Mit 18 Jahren geht er auf die Universität Jena, ohne einen Heller Geld. Er wählt die Theologie als das am schnellsten zuüi Ziele führende Brotstudium. Aber er verfehlt gründlich seinen Weg. Tummelt sich unstät in allen Wissenschaften, hungert, häuft Schulden und vergeudet sich in Hauslchrcrstcllen. Zu allem schämte der empfindlidhe Jüngling sich seiner mit allen Erniedri- gungen verbundenen Armut, und das früh beginnende Mißtrauen, ob er auch den rechten Glauben habe, läßt ihn keine hochmögenden Gönner gewinnen. Im Mai 1788 ist sein Lebensgefühl erschöpft; er beschließt, seinen Geburtstag nicht mehr zu erleben. Die„Gefahr des Todes", die er 1803 heldenhaft im Kampfe gegen Napoleon und den Jammer seines verkommenen Zeitalters sah und— vielleicht — suchte, lauerte schon vor der geschlossenen Pforte seine» geschicht- lichen Wirkens. Im letzten Augenblick kam der Ruf, eine Haus- lehrerstelle in Zürich anzunehmen, und er bleibt fast zwei Jahre in der Schweiz. Dort findet er seine künftige Frau, eine schon alternde, aber kluge und charaktervolle Frau, die ihm hernach eine verstehende Lebensgefährtin ward. 1790 sucht Fichte sich wieder in Deutschland zu behaupten. In Leipzig beginnt er nachts Bücher zu studieren. In den Briefen an seine Braut sehen wir, wie Fichte in jauchzender Erlösung in der britischen Philosophie sein neues Leben findet, wie ihm aber sofort auch die Richtung auf die praktische Vernunft eigentümlich wird, in die Ueberzeugung vom Vorrang sozial sittlichen Handelns vor oller theoretischen Natur- und Vernunftcrkcnntnis ihn über Kant hinausführt. Kant setzte jetzt Fichtes„Herz in Uebereinstim- mung mit seinem Kopfe". Und er erkennt seinen künftigen Beruf: „Der Hauptzweck meines Lebens ,st der, mir jede Art Charakter- bildung zu geben, die mir das Schicksal nur irgend erlaubt."„Ich habe zu einem gelehrten metier(Berus) so wenig Geschick als mög- lich Ich will nicht bloß denken, ich' will handeln; ich mag am wenigsten über des Kaisers Bart denken." Fichte durchschweift in diesen Zeiten in seiner Phantasie die Welt, um eine Stätte seines Wirkens zu finden:„Bern oder Kopen- ha�en, Lissabon oder Madrid oder Petersburg ist mir in Absicht auf mich gleich." Schon ahnt er sein künftiges Schicksal:„Verketzert werde ich immer werden, wäre es auch nur wegen meiner ketzerischen Nase; das ist nun einmal gewiß." Ketzer und Verbannter!„Auf mein Vaterland tue ich gänzlich Verzicht. Gewiß herrscht unter den gegenwärtigen jüngeren Geistlichen desselben.... ein Grad der Aufklärung und der vernünftigen Religionskenntnis, wie ihn in dieser Ausdehnung gegenwärtig kein Land von Europa besitzt. Diese aber werden durch eine mehr als spanische Inquisition ein- gezwängt, unter die sich, teils weil es ihnen durchgängig an Kraft schlt, teils weil man ihrer wegen der Menge an Geistlichen ent- Kehren kann, sie aber nicht das Amt. schmiegen und heucheln müssen. Taraus entsteht dann eine unechtischc, lichtscheue, heuchlerische Denkungsart! Freilich steht bei dieser Lage eine Revolution bc- vor: aber wann? und wie?" Allerlei Pläne scheitern. Und seine Hoffnung quf Revolution Mangel ist. daß in diesem in sich geschlossenen Handelsstaat eben der Staat alles dirigiert; es ist ein Staatssozialismus, der sich eben daraus erklärt, daß Fichte die geschichtliche Bewegung zu dem Ideale hin noch nicht vor Augen hat. Das ändert aber nichts an seinem Verdienst, gewisse Grundziige einer besseren Zukunft richtig borausgesehen zu haben. Sein„Handelsstaat" ist völlig in die Grenzen eines Staatswesens eingeschlossen. Das ist nur ein not- wendiges Ergebnis der Konstruktion von oben herunter, nicht da- gegen ein Beweis für engen Nationalismus. Vielmehr urnfahte Fichtes weitestes Ideal, sein Vernunftreich die ganze Menschheit; in den„Grundzügen des gegenwärtigen Zeitalters"(1804) sieht er eine Zeit voraus, wo alle Völker zu einer einzigen großen Gc° meinde vereinigt sein würden. Den ewigen Frieden erwartete er schon von dem geschlossenen Handelsstaat. Kurz, er war als Politiker im weitesten Sinne des Wortes ein so kühner Denker, wie man sich nur einen vorstellen kann. Darum hat man Karl August und überhaupt der Weimarer Staatsweisheit ein großes Verdienst paraus gemacht, daß sie es gewagt hätten, einen Mann von Fichtes Radikalismus und literari- schen Antezedenticn als Univcrsitätsprofessor nach Jena zu berufen. In der Tat wäre es auch sehr anerkennenswert, wenn Fichte dort unangefochten hätte bleiben können. Da dies aber nicht der Fall ist, so bleibt nichts übrig, als die Goetheschen Auslassungen über die „Verwegenheit", womit man Fichte trotz seiner bedenklichen Aeuße- rungcn über die wichtigsten Gegenstände eingesetzt, als eine Um- schreibung des Tatbestandes anzusehen, daß man den Schritt getan, ohne sich über seine Bedeutung recht klar geworden zu sein. Jeden- falls, als 1798 der berühmte Atheismusstreit losging im Anschluß an ein paar Journalartikel Fichtes und eines Mitarbeiters, die das Göttliche auf die sittliche Weltordnung beschränkten, da gab Sachsen-Weimar dem kursächsischen Drängen auf ein Vorgehen gegen Fichte nach. In seinem„Verantwortungsschreiben" hatte Hichte die Weimarer Regierung gleich darauf gestoßen, daß der kursächsischc Angriff seine Irreligiosität bloß als Vorwand benutzte. .Er wolle die wahre Abficht dieser Regierung enthüllen; sie habe die religiöse Anklage nur zum Deckmantel der politischen gebraucht, den Atheismus genannt und den Demokratismus gemeint. Diesem gelte die Anklage. Er sei chnen ein Demokrat, ein Jakobiner. Das blieb auch weiterhin Fichtes Auffassung von der Aktion gegen ihn, als diese schließlich dahin geführt hatte, daß er tatsächlich von seinem Lehrstuhl in Jena verdrängt wurde. Er habe nie.geglaubt, daß sie seinen vorgeblichen Atheismus verfolgten; sie verfolgten in ihm nur einen Freidenker, der anfange, sich verständlich zu machen, und einen verschrienen Demokraten; es erschrecke sie wie ein Ge° spenst die Selbständigkeit, die, wie sie dunkel ahnten, seine Philo- sophie wecke. In diesem Zusammenhang erscheint nun auch Fichtes Zulassung zum Aufenthalt in Berlin(1799) keineswegs als ein solches Ruhmesblatt in der Geschichte Preußens, wie man gerne glauben machen möchte. Die bezügliche Auslassung König Friedrich Wilhelms lll. nach gehaltenem Vortrag ging nämlich dahin:„Ist Fichte ein ruhiger Bürger, wie aus allem hervorgeht, und so ent- fernt von gefährlichen Verbindungen, so kann ihm der Aufenthalt in meinen Staaten ruhig gestattet werden. Ist es wahr, daß er mit dem lieben Gott in Feindseligkeiten begriffen ist, so mag dies der liebe Gott mit ihm ausmachen; mir tut das nichts." Man muß bedenken, daß eben die Reaktion auf das widerliche Pfaffen-, Günstlings- und Maitressenregiment Friedrich Wilhelms II. im Gange war. Wenn nun der Nachfolger in Fichte ein Opfer pfäfftscher Jntriguen erblickte, so konnte er seine demokratischen Anschauungen leicht unbemerkt lassen, die ihm, wie der Entscheid zeigt, zweifellos im höchsten Maße fatal gewesen wären. In einem schon zitierten Briefe Fichtes über den Atheismus- streit findet sich auch eine Stelle, wo die Angelegenheit im Zu- sammenhany mit den allgemeinen europäischen Verhältnissen ge- würdigt wird. Fichte meint, daß der Despotismus nach der Ver- bindung zwischen Oesterreich und Ruhland und seit dem Gesandten. mord in Rastatt konsequent verfahre und auf Ausrottung aller Geistesfreiheit ausgehe:„In Summa. eS ist mir gewisser als das Gewisseste, daß, wenn nicht die Franzosen die ungeheuerste Uebev- macht erringen und in Deutschland, wenigstens einem beträchtlichen Teile desselben, eine Veränderung durchsetzen, in einigen Jahren in Deutschland kein Mensch mehr, der dafür bekannt ist, in seinem Leben einen fteien Gedanken gehabt zu haben, eine Ruhestätte finden wird... Das klingt durchaus nicht.patriotisch" im Sinne derer, die da meinen, daß es unter allen Umständen Pflichh auch erlischt mit dem Versuch eines sächsischen Bauernaufstandes zu- gleich.„Wirklich hat diese," schreibt er am S. September 1790 an die Braut,„seit einigen Wochen das Feuer des Aufruhrs im stillen gelodert und vorige Woche ist es in helle Flammen ausgeschlagen. .... Die Bauern rüttelten gegen ihre Herrschaften. Und— siehe den Nationalcharakter l— einige Regimenter sind marschiert; einige billiger denkende Herrschaften haben etwas nachgegeben, und heute, da ich dieses schreibe, ist nach allen Nachrichten alles ruhig.... An eine Verbesserung von Grund aus ist jetzt auch nicht zu denken. Der Bauer, welcher allein dabei gewinnen könnte, ist dazu noch nicht aufgeklärt genug, ungeachtet er Schlözers„StaatSanzeigen" liest; und die höheren Stände alle können dabei nur verlieren. Es sind also nur Palliative, die den einstigen Ausbruch des Feuers mit doppelter Kraft nicht verhindern werden."� Auf dem Umweg über eine Warschauer Hauslehrerstelle gelangt er endlich nachdem Wallfahrtsort seiner Sehnsucht, nach Königs- b e r g, zu Kant. Hier gerät er in bitterste finanzielle Bedrängnis. die schließlich dadurch gehoben wird, daß Kant ihm für seine Erst- lingsschrift:„Versuch einer Kritik aller Offen-, b a r u n g" einen zahlenden Verleger verschafft. Diese Schrift erscheint ohne Namen, wird für ein Werk Kants gehalten und erregt deshalb gewaltiges Aufsehen. Die Fan- faren, die Kant galten, rufen, als die wirkliche Urheberschaft von Kant selbst mitgeteilt wurde, nun lärmend den Namen Fichtes in die Welt. Er kehrt in die Schweiz zurück, und heiratet. Jetzt geht ihm die Welt der französischen Revolution auf. die Tat gewordene Kantische Philosophie,„indem ja auch in Frankreich eine neue Welt der Wahrheit und dcS Rechts auf allgemeinen Ideen, überhaupt auf Theorie'gegründet werden sollte". Dieser Auffassung blreb Fichte, zum Unterschied von den meisten erst himmelhoch jaucbzenden, dann über Königsmord und Schreckensherrschaft zu Tode betrübten braven Deutschen, bis zu seinem Ende treu. Das war spater seine glühende Anklage gegen Napoleon, daß er die Franzosen um die Revolution betrog, und gegen die Franzosen, daß sie sich betrugen ließen. In den„Beiträgen zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Re- V o l u t i o n" und in einer ähnlichen kleineren Schrift veröffentlicht er das kühne und geistgewanige Manifest des deutschen Jakobiner- tums als dessen Wortführer er nunmehr galt. Schon in dieser Schrift verband sich die politisch demokratische mit sozialistischer Kritik. Bald darauf erhält er eine Berufung an die Universität Jena und tritt Ostern 1794 seine Lehrtätigkeit an. Im Verlauf des bekannten Atheismusstreites muß er die Universität verlassen und wird schließlich Professor in Berlin. c.,.. Innere Beziehungen zu den Herrschenden Preußens hat er nie gewonnen. Wirtschaftliche Bedrängnisse, die ihn niemals mehr ganz verließen, und ein« wachsende Verzweiflung an dem �reiheits- beruf seiner Zeit und an eigenem handelnden Wirken gaben seinem unbeugsamen und leidenschaftlichen Geist jene Richtung des Jnsichselbstversenkens, die, bei aller Klarheit der Grundgedanken, sich oft in die Sprache der Mhstik verlor. Er fand sein reines, un- beirrbares Dasein, sein„seliges" Leben als geistiger Bürger jenes Zukunftsstaates der Freiheit, dessen Verwandtheit ihm die letzte für die Zwingherrschast„angestammter" Unterdrücker gegen deren auswärtige Gegner Partei zu nehmen. Da war Fichte freilich anderer Ansicht, wie sich denn auch schon in den„Beiträgen" von 1793 entsprechende Stellen finden. So meint dort Fichte, daß die Vereinigung aller Völker unter einem Haupt den Vorzug haben könne, den ewigen Frieden zu gebären.„Die Unterjochung durch eine fremde Macht fürchtet ihr für uns," sagt Fichte weiter zu den herrschenden Gewalten,„und um uns vor diesem Unglück zu sichern, unterjocht ihr uns lieber selbst! O, leiht uns doch nicht so ganz zu- vevsichtlich eure Art, die Sachen anzusehen. Daß es euch lieber ist, wenn ihr es seid, die uns unterjochen, als wenn es ein anderer wäre, ist zu glauben; warum es uns um vieles lieber sein sollte, wüßten wir nicht." Wenn uns aus dem Ausland ein„Zwingherr zur Freiheit" erstanden wäre, so hätte Fichte dagegen nichts ein- zuwenden gehabt, noch im Jahre 1813 nicht, als sein Patriotismus auf der Höhe war. Sein Urteil über Napoleon ist wesentlich dadurch bestimmt, daß der Korse Fichtes Erwartungen in fteiheitlicher Hin- ficht grausam enttäuscht hat. In der fesselnden Charakterisierung Napoleons, die er 1813 entworfen hat, erscheint ihm als der größte Vorwurf gegen Napoleon, was die deutschen Herrscher gerade als sein größtes Lob ansehen: daß er dem Ringen nach Freiheit ein Ende gemacht.. Da die französische Nation in ihren inneren Kämpfen nicht zur Freiheit zu gelangen vermochte, so hätte Napoleon ihren Er- zieher zur Freiheit machen sollen. Den gleichen Dienst hätte er der ganzen Menschheit leisten sollen:„Der Freiheit des Menschen- geschlechtS sollte er sich aufopfern und unS alle mit sich, und dann müßte," schreibt Fichte noch 1813,„z. B. ich und jeder, der die Welt steht, wie ich sie sehe, freudig sich ihm nachstürzen in die heilige Opferflamme." Weit entfernt nun, die Völkerrepublik der Kultur zu inaugurieren, von der Fichte 1804 träumte, lief Napoleons StaatÄunst in der Praxis, wie Fichte sich zwei Jahre später aus- drückt, darauf hinaus, eine neue Willkürherrschaft zu errichten,„die durchaus nicht weiß, waS sie will, außer daß sie eben unbegrenzt und eisern will." Napoleon erscheint ihm nun schon so sehr als der Todfeind aller Freiheit, daß er jetzt selbst in dem Konflikt zwischen Preußen und Frankreich die Partei des ersteren nimmt. Jedoch sind seine Auslassungen beim Kriegsausbruch 1806 höchst pessimistisch: die deutsche Nation habe durch eigene Schuld leider verdient, WaS hoffentlich Siege abwenden würden. Anstatt dessen kam der unvermeidliche, schmähliche Zusammenbruch des preußischen Junkerstaates, der Fichte allerdings nicht überraschen konnte. In den allerheftigsten Worten hat er später die Menschen und Verhältnisse gezeichnet, die zur Katastrophe und zur Fremd- Herrschaft führen mußten. Er konstatiert„Zunahme der Schlech- tigkeit nach Verhältnis des höheren Standes", während er in den niederen Klassen einen tüchtigen Kern entdeckt. In den höheren Regionen aber hat sich durch die Vorrechte, den Reichtum der herrschenden Klasse, durch die unbeschränkte Unterordnung der niederen Klassen die Selbstsucht und die Genußsucht aufs höchste Maß gesteigert; konnten die Privilegierten doch tatsächlich unge- straft so gut wie alles tun, was sie Lust hatten. So waren die höheren Klassen in der Regel„dumm und unwissend, feige, faul und niederträchtig". Ueber die höchsten Regionen fällt Fichte ein geradezu vernichtendes Urteil. Als mildernden Umstand bezeichnet er u. a. die bloß aufs Aeußerliche berechnete Prinzenerziehung. Von ernstlicher, wissenschaftlicher Vorbereitung auf den Regentenberus war keine Rede:„Wer diesen Vorschlag gewagt hätte, der würde sehr bald seine Wohnung im Jrrenhause gefunden haben...." Hernach lebten sie in den Freuden des Beischlafs oder im dumpfen Hinbrüten,„bis der Tag herankam, der sie als Väter des Vater- lande? den treuherzig und fröhlich zujauchzenden deutschen Völkern vorstellte, und sie von nun an mit dem Fürstenhute so fortlebten, wie vorher ohne denselben". Daß sie dann von Pflichten nichts hörten, dafür sorgten die Höflinge. Der Fürsten waren die Minister würdig. Entsprechend war die äußere Politik und die innere Verwaltung, die bloß darauf hinauslief, soviel Geld wie möglich herbeizuschaffen. Für die Erziehung des Volkes war davon nichts zu haben; die wurde mit dem einen und ganz einfachen Mittel des Stockes betrieben. Die Gelder flössen vielmehr zusammen„in den ungeheuren Schlund der stehenden Heere, die nie groß genug sein konnten und die zu keiner anderen Ausgabe etwas übrig ließen". Diese Armeen brachen dann bei der ersten ernstlichen Probe total zusammen. Der Adel, dem die Offiziersstellen vor- behalten waren, hatte seine Force im Uebermut gegen alle anderen Stände. Als es aber ernst wurde, versagten diese Herren. Manche und höchste aller Gewißheiten, das„absolute Ich", die„Realität". „Gott" war. Die Schriftstellerei gab er in dieser Zeit auf. Die allgemeine Lesewut schien ihm lediglich als ein Laster trägen Nicht- Handelns. Ihm aber galt der Verbrecher als ein wertvolleres Er- zeugnis der Menschheit, wegen seiner Aktivität, als der indifferente Philister. Nur durch das lebendige Wort versuchte er nun, inmitten von Verfall und Fäulnis, zu wirken. Seine Vorlesungen, die er als Privatgelehrter hielt, zu besuchen, gehörte in Berlin zum guten Ton. Schon 1800 hatte Fichte in diesem zerrissenen Deutschland— Robinsons Insel, das abgeschlossene Eiland einer neuen Kultur ent- deckt. Sein„geschlossener Handels st aat" entwirst das Bild eines sozialistisch organisierten Gemeinwesens, das sich wirtschaftlich vollständig gegen das Ausland abschloß, um in den ewigen WelthandelSkriegen verwüstet zu werden. Die endlosen, mit Sper- ren, Prohibitivzöllen, Blockaden, Seeraub geführten Wirtschafts- kriege zwischen Frankreich und England gaben ihm den Gedanken ein, auf diese Weise sich den„Polypenarmen" zu entziehen. Jetzt, in den Tagen der ftanzösischen Herrschaft, nahm er den Gedanken deS geschlossenen Handelsstaats wieder auf, und die letzte Periode seines Daseins, ist erfüllt von der Arbeit an einem großen sozialistischen System, von dem die„Reden an die deutsche Nation ein Kapitel— die Erziehung— behandeln, die in den politischen„Fragmenten" und der sogenannten„Staats- lehre" von 18t 3 seine weitere Ausbildung, und wahrscheinlich in den noch nicht gehobenen Schätzen des Nachlasses— in der Berliner Bibliothek— seine Vollendung finden. Gerade am Beginn des Krieges gegen Napoleon— in dem die Einrichtung einer VolkSwchr ihm als Anfang und Werkzeug einer Organisation innerer Freiheit aalt— kündete Fichte(in der „Staatslehre" von 1813) das Recht der sozialen Revolu- tion:„Alle Abweichung vom Rechte entschuldigt die Not. Wer diese Not verewigen will, der will das Unrecht um seiner selbst willen. Er ist Feind dcS menschlichen Geschlechts: dies ist auSzu- sprechen und Er als solcher zu behandeln. Das Recht muß schlechthin Bahn bekommen; geht er ihm durchaus nicht aus dem Wege, so muß dieser Weg eben über ihn hinweggehen." Dieser„Er" ist durchaus nicht mehr bloß Napoleon, sondern die ganze herrschende Ord- nung. Und wie nahe Fichte dem modernen Sozialismus und der Befteiung durch den Klassenkampf kommt, zeigen andere Sätze aus der„Staatslehre". Er schildert dort den herrschenden Staat als das Machtmittel der Besitzenden: „Erwerb und Handel und überhaupt alles menschliche Treiben ist ftei und über die Gesetze des Staates durchaus erhoben. Nur die Religion verbietet Meineid, der Staat, wie sich versteht, mate- riellen Raub; übrigens gelten alle Mittel der Industrie.... Der Staat eine Anstalt der Eigentümer, die... vor allem Staats... Eigentümer sind. Die Staatsgewalt der Diener dieser Eigentümer, der von ihnen für diese Dienste bezahlt wird. Diese Ansicht des Staats ist sogar in den Schulen der Weis- heit ziemlich allgemein. Sie zeigte sich in Lehren wie die: daß eigentlich die Grundeigentümer(der Adel...) die ursprünglichen Bürger und Richter oes Staatsvereins seien, und die nachher Hinzugekommenen sich müßten gefallen lassen, was diese für Rechte rissen itt der Schla'ch! äus, ansiere liefeti bökt fern zvm Feinde hin, um sich die Kriegsgefangenschaft auszuwirken. Im ganzen zeigte sich vom Junkertum, daß„diese Auswahl des Volkes, die nur durch Furcht herrschte, auch selbst nur durch Furcht getrieben wurde". Die Landesherren fraßen sich untereinander auf und schreckten dabei vor nichts zurück.„Sie krochen vor dem Auslande, sie öff- neten ihm den Schoß des Vaterlandes. Sie würden vor dem Bch von Algier gekrochen sein und den Staub seiner Füße geküßt haben, seinen natürlichen oder angenommenen Söhnen ihre Töchter an- vertraut haben, wenn sie nur dadurch zu dem ihnen gelegenen Amt oder zum Königstitel hätten kommen können." So halfen sie mit allen Kräften zur Herbeiführung der Fremdherrschaft.,.. Folgte nun in Preußen die Zeit der Reformen und sodann die der sogenannten Freiheitskriege. Wegen seiner Haltung in diesen Jahren wird nun Fichte von den Mordspatrioten als der ihrige in Anspruch genommen. In Wahrheit aber blieb er von dieser Sippe durch eine ganze Welt getrennt. Alle diejenigen, die sich ihres Preußenwms rühmen, haben nichts gemein mit dem Fichte der preußischen Reformzeit, etwa als er 1808 seine„Reden an die deutsche Nation" in Berlin hielt. Diese Reden lauken keineswegs bloß auf einen Aufruf zum Kampf gegen die Fremdherrschaft hinaus, sondern wollen mit dieser zugleich alle andern Hindernisse der EntWickelung eines freien Vernunftstaats und Rechtsreichs be- seitigt wissen. Dieses neue Zeitalter sollte und könnte nun, nach- dem das alte Reich der Selbstsucht durch fremde Gewalt zerstört worden ist, unmittelbar anbrechen, wenn zuvor die Geister zur Freiheit und zum Guten und Rechten erzogen worden sind. Gewiß wollte Fichte die Fremdherrschaft abgeschüttelt sehen, aber nicht etwa, damit sich hernach in Deutschland das alte Unwesen soweit wie möglich wieder breit mache. Wie er dachte, hat er im Frühling 1813, als er die studierende Jugend zum Kampf aufrief, aufs deutlichste ausgesprochen, teils öffentlich in seinen Reden„über den Begriff des wahrhaften Krieges", teils im stillen Kämmerlein zur Selbstverständigung in politischen Aufzeichnungen, die Lassalle unter dem Titel:„Fichtes politisches Vermächtnis" der weiteren Oefientlichkeit nähergebracht hat. Wohl fordert er in jenen Reden zum Kampfe auf für die Freiheit. Auf diese Freiheit aber haben alle gleichen Anspruch; alle sind gleich im wahren Staate des Rechts, nicht zwei Stände, sondern einer. Er äußert auch den Verdacht, daß etwa die Herrscher es mit ihren Aufrufen zur Freiheit und ihren schönen Versprechungen nicht ehrlich meinten, um danach alles wieder in die gewohnte Lage einzuführen. Aber er will hier diesem Argwohn nicht Raum geben, weil der Argwohn machen könnte, daß es geschähe. Wie klar aber Fichte die Gefahr sah, zeigt sein politi- sches Vermächtnis. Die Bewahrheitung seiner Befürchtungen durch die Ereignisse zu erleben, ist Fichte durch seinen frühen Tod(1814) erspart worden. Er hätte sonst sicher die neue Unterdrückung am eigenen Leibe spüren müssen, während man so nur seine Schriften zu unterdrücken suchen konnte. Denn er wäre weiter der Alte ge- blieben, wie er es 1813 war. Seine Aufzeichnungen von damals zeigen ihn als unbeirrten Republikaner, der sich daS deutsche Zukunftsreich der Freiheit nur ohne Fürsten zu denken vermag. Wie wenig er für diese übrig hat. zeigen schon die Worte:„Wenn wir daher nicht im Auge behalten, was Deutschland zu werden hat. so läge an sich nicht soviel daran, ob ein französischer Marschall wie Bernadotte, an dem wenigstens früher begeisternde Bilder der Freiheit vorübergegangen sind, oder ein deutscher aufgeblasener Edelmann ohne Sitten und mit Roheit und frechem Uebermut über einen Teil von Deutschland geböte." Ebensowenig wie vom Fürstentum will er nach wie vor vom Juükertum wissen und über- Haupt von allem, was mit seinen alten Idealen im Widerspruch steht. Diesen nachzustreben und dadurch des großen Denkers würdiger Erbe zu sein, darf das deutsche Proletariat in Anspruch nehmen; denn eS kämpft für das Reich, das Fichte in seiner „Staatslehre" von 1813 wie in seinem politischen Vermächtnis von den Deutschen dargestellt zu sehen wünschte:„Ein wahrhaftes Reich des Rechts, wie es noch nie in der Welt erschienen ist, in aller der Begeisterung für Freiheit deS Bürgers, die wir in der alten Welt erblicken, ohne Aufopferung der Mehrzahl der Men. schen als Sklaven, ohne welche die alten Staaten nicht bestehen konnten: für Freiheit gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenangesicht trägt." ihnen abtreten wollen; in dem Eifer für die Freiheit, das ist. Ge- setzlosigkeit des Erwerbs.... Hieraus folgt nun im allgemeinen: Die Menschheit zerfällt in zwei Grundstämme: die Eigen- t ü m e r und die N i ch t e i g e nt ü m e r. Die ersteren sind nicht der Staat." »• • Man hatte Fichte an der neu begründeten Universität Berlin eine Professur gegeben; sehr widerwillig und entschlossen, ihm keine ernsthafte Wirksamkeit zu gestatten.(In seiner ersten Berliner Zeit war seine Aufnahme in die Akademie der Wissenschaft, um die er sich in einer Eingabe von beißendem Spott bewarb, mit über- wältigender Mehrheit abgelehnt worden!) Man verhinderte in der Tat sofort alles Fichtesche„Handeln". Seines Rektorats wurde er entsetzt. Et galt als ein gemeingefährlicher Schwindelgeist. Ter Hohenzollernkönig war ebenso argwöhnisch gegen ihn, wie gegen diesen„Freiheitskrieg", um dessentwillen selbst ein Friedrich Wilhelm den Jakobiner spielen mußte. Fichte, der vergeblich darum nachsuchte, als weltlicher Feld- Prediger mit in den heiligen Krieg zu ziehen, warb mit der letzten Inbrunst eines verzweifelt Sehnsüchtigen für diesen Krieg, dessen Ende er doch klaren Auges kommen sah. Als er am 29. Januar 1814 starb, angesteckt von dem Lazarcttgift, das feine Frau bei der Pflege verwundeter Krieger niedergeworfen hatte, ahnte er, daß die deub- schen Fürsten und der deutsche Adel ruchloser da? Volk um feine Freiheit betrügen würden, als es Napoleon getan. Fast die letzten Sätze, die er niederschrieb, waren ein Fluch über diese Verräter. Nach dem Wiederaufleben deutscher Dynastien wurde Fichte als das Haupt aller Uebel in den Polizeiakten der Demagogenzeit immer aufs neue denunziert und gekreuzigt. 1824 wurden die„Reden an die deutsche Nation" verboten. Und als 1834 fein Sohn einen Teil des Nachlasses herausgab, wurde eine Re- zenfion von den Berliner„Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik" zurückgewiesen,„weil das Urteil über Fichte anerkennend sei". AIS Fichte nach dem Zusammenbruch Preußens in der Königs- berger Verbannung lebte, fand er seinen Frieden, indem er aus Dantes Göttlicher Komödie den 28. Gesang de»„Fegefeuers" über- setzte, jenes sehnsuchtsschwere Lied vom goldenen Zeitalter, zwischen den Paradiesflüssen Lethe und Eunoe: Des Wassers Kraft auf dieser Seite, merken Nimmt die Erinnerung der Sünde fort; Auf jener weckt eS die der guten Werke. Die Alten, so einst vor den goldnen Zeiten Gedichtet, träumten wohl im Musenhain Von diesem Ort und seinen Seligkeiten. Hier vor der Menschheit Wurzel, sündenrein, Hier immer Lenz und Frucht aus jedem Samen Und dies war ihr gepriesener Nektarwein..... Die Erben Fichtes schaffen am Eunoe, dem Flusse der guten Werke, an der Menschheit Wurzel.... K. E. Sozialem „Eldorados" für weibliche Angestellte. Unter welch„prächtigen Auspizien" in der Universitätsstadt Halle a. S., wo, wie wir jüngst berichteten, von jungen Prole- tarierinnen erhebliche Liebesopfer gefordert werden, junge Mädchen in den Dienst des Kapitals treten dürfen, darüber gab die Ge- schäftsordnung einer Kaufhausfirma Auskunft, die vor dem Hallenser Kaufmannsgericht zur Sprache kam. Eine Verkäuferin hatte die ihr bei dem Dienstantritt eingehändigte Geschäftsordnung — die vielleicht einige Pfennige wert ist— verlegt. Sie sollte da- für bei ihrem Abgange eine Mark Strafe zahlen. Und da sie sich darauf nicht einließ, wurden ihr die Entlassungspapiere vorcnt- halten. Da es der Geschädigten ohne Papiere schwer fiel, ander- weitige Stellung zu finden, klagte sie wegen Schadenersatz. Der Ehef berief sich auf die„Geschäftsordnung", wies auf seine„Libe- ralität" hin und meinte,„Ordnung mutz sein". Solche Geschäfts- „ordnungen" sind hier nichts Seltenes. Teilen wir einige Blüten aus dem bunten Kranze mit: Das Damenpersonal mutz im schwarzen Kleid auftreten, darf im Sommer jedoch weitze Blusen tragen.— Wenn sich Angestellte im Geschäft untereinander duzen, werden sie mit 10 Pfennigen bestraft.— Jede private Unterhaltung wird mit 20 Pfennigen ge- ahndet. Das Mitbringen und Lesen von Büchern, sowie das Mit- bringen von Paketen ist verboten. Das Essen im Verkaufslokal wird mit„nur" 10 Pfennigen bestraft.— Wer eine Unredlichkeit einer Angestellten bemerkt und diese der Geschäftsleitung sofort meldet, erhält eine angemessene Belohnung.— Es ist den Ange- stellten untersagt, sich Briefe, Karten oder Zeitungen nach dem Gcschäftslokal schicken zu lassen. Die Verkäuferinnen werden ver- antwortlich gemacht für alle Schäden, die entstehen durch Rechen- fehler, falsches Messen und schlechtes Behandeln der Waren.— Auch Rechenfehler zugunsten des Geschäfts werden mit 10 Pf. Strafe geahndet.— Wer das Metermatz nach Gebrauch nicht wieder an den dafür bestimmten Haken hängt, zahlt auch einen Zehner. Zu spät Kommende werden bestraft bis zu 5 Minuten mit 10 Pf., bis zu 10 Minuten mit 20 Pf. und darüber hinaus mit SO Pf.— Als zu spät gekommen wird auch derjenige oder diejenige betrachtet, wer fünf Minuten nach Beginn der Geschäftszeit sich nicht an seinem Platze befindet. Bei all der Tragik, mit der die Straf- bestimmungen aufzufassen sind, kommt aber auch die Komik zur Geltung in der Bestimmung, daß Angestellte, die auf den Toiletten laut singen und pfeifen, auch mit 10 Pfennigen zu bestrafen sind. Nach den Plackereien in dem Kaufhause, wo aus jeder Ecke ein Strafparagraph winkt, wird den Angestellten schon das„laute" Singen und Pfeifen— und sei es auch im abgeschiedenen Kämmer- chen— vergehen.— Der Kaufhausbesitzer zog e» schließlich vor, mit der Klägerin einen Vergleich zu schlietzen, nach dem sie 30 M. erhielt.— Auch die Existenz des weiblichen Geschlechts wird immer «gesicherter"— unter Strafbestimmungen. Es ist zu bedauern, daß es zu einem Vergleich und nicht zu einem Urteil gekommen ist. Der Anspruch der Klägerin war voll- berechtigt. Die„Strafbestimmungen" sind ungültig, weil sie den guten Sitten in? Gesicht schlagen. Sie sind aber auch unverbind- lich, weil eine einseitige Festlegung von Vertragsbestimmungen ebenso unwirksam ist, als wenn etwa die Arbeiterin durch ein- seitigen Ukas, den sie erlätzt, dem Prinzipal für jede Flegelei oder für zu geräuschvolle Benutzung verschwiegener Kämmerlein eine .Strafe" aufbrummte. Eine Einwilligung der Arbeiter in solche Strafvorschriften ist rechtsunwirksam, weil Z 2 des Lohnbeschlag- nahmegesetzcs dem Arbeiter und Handlungsgehilfen jede Verfügung über seinen Lohn vor Ablauf des Fälligkeitstages mit Recht enl- zieht, soweit der Lohn 1S00 M. jährlich noch nicht erreicht hat. Knauserei der B. E. W. Der Portier C. war von den Berliner Elektrizitäts-Werkcn zu dem Zwecke eingestellt worden, um die Tore zu öffnen, wenn Fuhr- werke in den Hof fahren wollten. Es war schriftlich eine Arbeits- zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends vereinbart worden; an Pausen sollten 2 Stunden gewährt werden. In der Praxis stellte es sich jedoch heraus, daß C. diese Pausen nicht machen konnte, da er jederzeit zur Verfügung stehen mutzte, um für die fast hinterein- ander folgenden Fuhrwerke freie Bahn zu schaffen; eine Vertretung für ihn stand aber auch nicht zur Verfügung. Trotzdem bemängelte C. es nie, daß ihm wöchentlich nur 00 Stunden a 37 Pfennig angerechnet wurden, da er annahm, daß er festen Wochenlohn habe. Er wurde erst stutzig, als ihm die Osterfeiertage in Abzug gebracht wurden, weil er im Stundenlohn stehe. Nunmehr verlangte er alle Stunden nachbezahlt, die ihm an Pausen zugestanden hotten, und klagte, als dies verweigert wurde, den Betrag beim Gewerbe- gericht ein. Die Kammer S unter Vorsitz des Magiftratsrats Wölbling ver- urteilte gestern die Beklagte, an den Kläger b3,28 M. für 144 Ar- beitsstunden zu zahlen. Laut Vertrag habe der Kläger Anspruch auf täglich zwei Stunden Pause gehabt, die er aber infolg« des lebhaften Fuhrverkehrs nicht machen konnte, zumal auch keine Ver- tretung zur Ablösung für diese Zeit vorhanden war. Kläger habe selbst nach.Ansicht der Beklagten im Stundenlohn gestanden und deshalb auch Anspruch auf Bezahlung sämtlicher Arbeitsstunden. Hub der frauenbe�egung. Zehnstundentag für Frauen. In einem Artikel über den Zehnstundentag schreibt„Volks- wohl", Dresden, daß Sachsen mit seinen vielen Fabrikarbeiterinnen besonders dafür interessiert sei. Es wird in dem Artikel festgestellt, daß da, wo Männer und Frauen gemeinschaftlich in einer Fabrik arbeiten, auch der Z e h n st u n d e n t a g für Männer sich durch- zusetzen beginnt. Am Sonnabend würde die Arbeitszeit sogar auf 7� Stunden beschränkt, die Mittagszeit verkürzt und 4% Uhr nachmittags geschlossen. Aber dann folgt Mitteilung darüber, wie man das Gesetz zu umgehen trachtet: Der Aufsichtsbeamte des Zwickauer Bezirks berichtet, daß man öfters größere Betriebe in kleinere zer- legt habe, die dann keine 10 Arbeiter beschäftigen, und also nicht unter die Bestimmung der Gewerbeordnungsnovelle fallen. So gab, um ein Beispiel anzuführen, ein Stickmaschinenbesitzer, der früher 13 Stickmaschinen beschäftigte, je vier Maschinen an seine beiden Söhne und eine Maschine an seinen Schwiegersohn ab. Während bis dahin alle Arbeiter bei ihm beschäftigt gewesen waren, übten nunmehr drei Unternehmer dieselbe Tätigkeit aus. Das Gericht ge langte, auf Anzeige, zu einer Freisprechung, weil nicht nach- gewiesen sei, daß ein Verkauf der Maschinen vorlag, um die Schuy- bestimmungen zu umgehen. Ein anderes Gericht erblickte jedoch in der Teilung solcher Betriebe eine Scheinteilung und gelangte zu einer Verurteilung. In ganz außerordentlicher Weise hat sich seit dem gesetzlichen Zehnstundentag für Fabrikarbeiterinnen die Ueberarbeit für weib- lichc Personen an den ersten sechs Wochentagen vermehrt. Es wurde von den zuständigen Behörden 1S0S in Sachsen derartige weibliche Ueberarbeit bewilligt in 607 Betrieben; beteiligt waren S9 982 Arbeiterinnen mit 705 132 Ueberstunden. Im Jahre 1910 stieg diese Ueberarbeit auf 1 862 641 Stunden mit 159 396 be- teiligten Arbeiterinnen in 1644 Betrieben. Gegen 1908 hatte sich die Ueberarbeit vervierfacht. In Blumenfabriken, Konfektionswerk- statten, Putzhandlungen und Strohhutfabriken des Regierungs- bezirks Dresden ist die weibliche Ueberarbeit auf das 5l4fache gegen 1908.gestiegen. Diese umfangreiche Bewilligung von Ausnahmen vom Gesetz machte zum großen Teil die Absichten deS Gesetz- gebers zunichte. Doch wird angenommen, daß eS sich im Jahre 1910 nur um eine Uebergangszeit handelt. Leseabende am Montag. Erster Kreis. Grünstr. 27 bei Weinacht. Referentin Genossin Rüben:„Elsatz-Lothringen als preußische Provinz." � Hansaviertel bei Rohte, Flensburger Str. 24. Friedenau. Bei Mechelke, Handjerystr. 60/61. Pankow. Bei Stark, genannt Türkisches Zelt. Vortrag de? Ge- nosien Otto Wölke:„Was bietet der Hausarztverein der arbeitenden Bevölkerung?" Reinickcndorf-Ost. Im Restaurant Sadau, Residenzstr. 124.„Die Konsumvereine, was sie sind und wie sie wurden." Referent Genosse Kegel. Reinickcndorf-Wcst. Bei Halmann, Scharnweberstr. 54. Rummelsburg. Bei Blume, Alt-Boxhagen 66, spricht Genosse Zimmermann über„Die Frau und der Sozialismus", und bei Krüger, Türrschmidtstratze, Genosse jKlaus über das gleiche Thema. Tegel. Schlieperstr. 30. Genosse K. Heinig bringt den Schluß des Vortrages:„Die Frau und der Sozialismus." Steglitz. Bei Heizmann, Florastr. 2. Die Genossinnen können die Arbeit zur Agitation in Empfang nehmen. Darauf gemüt- liches Beisammensein._ Versammlungen— Veranstaltungen. Im Kaiscrin-Augustc-Biktoria-Haus zur Bekäinpfung der Säuglings- sterblichkeit im Deutschen Reiche beginnt am 5. Juli d. I. ein Mutterschulkursus, in dem alles das theoretisch und praktisch gelehrt wird, was Frauen und Mädchen von der Pflege und Ernährung des Säuglings wissen müssen. Nähere Auskunft mündlich oder schriftlich durch das Bureau des Hauses. Char- lottcnburg, Mollwitz-Privatstratze. Serickts-Leitung. Gattenmord. Das Bcrfahren gegen den des Gattenmordes beschuldigten Magistratsbureauassistenten Otto Sternbeck ist nunmehr durch Be- schlutz der Strafkammer wegen Geisteskrankheit des Beschuldigten eingestellt worden. Durch diesen Beschlutz haben sich die Akten über ein grausiges Verbrechen geschlossen, welches seinerzeit in der Oeffentlichkeit großes Auffehen erregt hatte.— Wie noch erinnerlich, wurde die Ehefrau des St. am 26. September 1910 in der Oder unweit von Frankfurt als Leiche aufgefunden. Es wurde zuerst Selbstmord angenommen, bis sich zahlreiche Gründe für die An- nahine ergaben, daß Frau St. von ihrem Ehcmanne ermordet worden war. Sternbeck legte dann auch ein Geständnis ab, in welchem er behauptete, daß er die Frau im Streit so unglücklich gepackt habe, daß sie leblos zu Boden gesunken sei. Er habe die Leiche dann in einem Kinderwagen nach Frankfurt a. O. transpor- tiert und dort in die Oder geworfen. Da sich später verschiedene Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Sternbeck ergaben, wurde dieser auf Antrag der Rechtsanwälte Dr. Jaffe und Dr. Alsberg durch den Medizinalrat Dr. Hoffmann und den Gerichtsarzt Dr. Marx auf seinen Geisteszustand untersucht. Diese Untersuchung hat ergeben, datz Sternbeck als geisteskrank im Sinne des Z 51 des Strafgesetzbuches anzusehen ist. Auf diesen Bescheid hin ist das Strafverfahven gegen Sternbeck eingestellt worden. Unterschlagungen bei der Hamburger Reichsbankfilialr. Der Reichsbankkalkulator Johann Wilhelm August Wegcuer und der Reichsbankbuchhalter Paul Karl Berthold Hamann sind vom Schwurgericht in Hamburg wegen Unterschlagung, Betrug, Ur- kundenfälschung verurteilt. Gegen Wegener wurde auf 4 Jahre 3 Monate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Hamann auf 1 Jahr 7 Monate Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust erkannt. Die Unterschlagungen Wegeners belausen sich auf etwa 700 OOO Mark. Söeu&sdie, § englische und amecikanisdie Neunelt i A Neuheit: B Neuheit- C Neuheit: O Neuheit: E Neuheit i F Neuheit: G Neuheit: H Neuheit i 4 Neuheit: 1 Neuheit: L Neuheit:] Fertige Anzüge aus den allerbesten Stoffen erster deutscher, englischer und schottischer Tuchfabriken Einreihige Jackett-Anzüge Zweireihige Jackett-Anzüge Nr. Extra 1. Oeetrelfte OheTlote Inrielen O-l Mmtern.»ehr haltbar........... �■ M. Nr. Extra 2. Grau, braun oder dunkel- 2� j melierter Cheviot mit bunten Effokten Nr. Extra 3. Cherlot oder Kamm ganiart eeitreift oder kariert, sehr»ollde.,, 27- Nr. Extra U. Blauer Melton-CheTlot, feine Qualität,»orgflltlgele Verarbeitung. Nr. Extra 7.„Echt englischer" Cherlot, aus ersten englischen Fabriken direkt belogen, gans aparte Muster...... 40- 45- Nr. Extra 4. Engl. gemust.CheT.in Braun, HN Oliv, Grau mit feipeDStreifendurehaogen M- Nr Extra 5. Gemusterter Che.rlot In vier neuesten Farben, unsere eigenen Muster. OC hochmodern und hcrrorragend schön. vU M. Nr. Extra 8. 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Das liegt zunächst daran, dab die Auslese bei der Besetzung der Stellen im auswärtigen Dienst nur aus einer ganz kleinen Kaste borgenommen wird, die sich durch ihre Ahnentafeln auszeichnet. Im Jahre 1910 hatten wir unter 49 Botschaftern und G e» sandten nur sechs von bürgerlicher Herkunft, und diese sechs auf untergeordneten Posten, und unter den Legationssekretären sah es noch schlimmer aus, da hatten wir nur zwei bürgerliche. Die Kaste, die das Privilegium auf den auswärtigen Dienst zu haben glaubt, zeichnet sich aber keineswegs durch besondere Intelligenz und Tüchtigkeit aus, in den letzten Jahren find sogar eine Reihe von Erscheinungen an Gerichtsstelle kon- statiert, aus denen hervorgeht, daß sich in diesen Kreisen mehr als in anderen Degenerationserscheinungen geltend machen. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Aus dieser Kaste selbst ge- schiebt die Auslese nach gesellschaftlichen Qualitäten, ein witziger Anekdotenerzähler hat Aussicht, Botschafter zu werden. ES ist ein schwerer Schaden, dost die Auslese dieser Funktionäre von einem Manne vorgenommen wird, der lediglich auf sein persönliches Urteil ange« wiesen ist, und der sich darin, was noch schlimmer ist, häufig bestimmen läßt von allen möglichen nichtkontrollierbaren Instanzen. In England, Frankreich, Amerika findet eine Auslese unter Männern statt, die sich im öffentlichen Leben bewährt haben. Daher ihre Ueberlegenheit über unsere Diplomaten. Ein weiterer Grund liegt in der nicht genügenden Ausbildung unserer diplo matischen Vertreter. Junge Leute, die sich in höfischen Formen aus- zeichnen, in Eigenschaften, die einen jungen Mann geeignet machen zum Löwen des Salons, haben Ausficht, im diplomatischen Dienst vorwärts zu kommen. Das mag zur Zeit Katharinas von Rußland gut gewesen sein, in unsere Zeit paßt e« nicht mehr hinein. In der Budgetkommission haben Vertreter aller Parteien über die «angelhafte Ausbildung unserer Diplomatea geklagt. Man sollte den diplomatischen Dienst nicht als gesonderte Karriere bestehen lassen, sondern mit dem Konsulatsdienst verschmelzen, so daß niemand in den diplomatischen Dienst eintreten darf, der nicht längere Zeit im Konsulatsdienst tätig gewesen ist. Der Konsulatsdienst bringt die Leute in viel engere Berührung mit den wirtschaftlichen Interessen des eigenen Landes sowie der Lander, in denen sie tütig sind. Unsere Diplomaten glauben immer noch, Geheimnistuerei gehört zum diplomatischen Beruf. Auch der jetzige Staatssekretär ist sehr darauf bedacht, die Mitarbeit der Volksvertretung in seinem Restart zu erschweren. Man weigert sich, dem Parlament Auskunft zu geben. Eine Folge dieser Geheimtuerei ist, daß unsere Diplomatie über die Verhältnisse des eigenen Landes schlecht informiert ist. Nicht einmal auf eine so bescheidene Anfrage wie die nach dem Stande der Verhandlungen über die Schiffahrts- abgaben mit Holland hat mein Freund Frank eine Ant« wort erhalten. Man erklärt einfach, man wolle keine Antwort geben und noch dazu in einem Tone, als ob man anderen Abgeordneten das Fragen verleiden will. Die Regierung sollte vielmehr das Jnstilut der kleinen Anfragen benutzen, um hier Aufklärung zu geben und dadurch den Leuten, die die Völker verhetzen, das Hand- werk zu legen. Auch in der Kommission, wo doch die Vertraulich keit gewahrt bleiben kann, bekommen wir keine Wir sollten nach dem Vorbild anderer Parlamente tag eine beständige Kommission für Angelegenheiten einsetzen.(Sehr richtig I Demokraten.) Augenblicklich flammen auf dem Erdenrund vier große Kriegs- brande. Man erlebt überhaupt nicht mehr die Zeit, daß nicht irgendwo geschossen und gemordet wird. Dieser Zustand entspricht gewiß nicht dem Jntereste der Menschheit, dem Interesse der Völker, dem Interesse des Fortschritts. Diesen Zustand zu beseitigen, mutz Aufgabe jedes Kulturmenschen sein. Es ist das alte christliche Ideal, aber auch das allgemein menschliche Ideal. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) ~>aS Borgänge in Ostasien anbelangt, so begrüßen wir es daß die Monarchie in China , u l a m m e n a e b r o ch e n ist und statt besten sich ein modernes Staatswesen herausbildet, daß das größte der Welt sein wird, dem Aufklärung. auch im Reichs- auswärtige bei den Sozial- Die Sinfonie der Caufend. Die loaenannte.Sinfonie der Tausend", v. i. die stNll Si'n?ni von Gustav Mahler. wurde für Berlin zum erstenmal am Freitag aufgeführt. Zwei wertere Aufführungen (ind für Sonnabend und Sonntag angesagt(jede im Z i r! u s Schumann). Wer sich es leisten kann� dem dürfen wir, auch um der hohen Verdienste der Ausführenden willen, mit gutem Ge- wissen raten, sich für heute das Anhören zu leisten. Wer Gelegen- heit hat. sich darauf vorzubereiten, versehe sich vorher Mit der „Thematischen Analyse"(60 Vf.). lasse jedoch die Emleitung un- gelesen, um sein Gehirn nicht zu crnxichen. Wer eS nicht so weit bringt, versenke sich in den Schlußteil von Goethes„sauft, be- ginnend mit„Waldung, sie sckwantt heran". Eine musikalische Landschaftsschilderung vom Orchester und von den Chören mit dem obengenannten Text leitet den zweiten der beiden Teile ein. aus denen das Ganze besteht. Es führt den „Faust"text durch bis zu dem Endgesang!„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis usw. Vorbereitet wird er. bis in Einzelheiten hinein, durch den ersten Teil mit dem alten Kirchentext:»Komm. Schöpser Geist'. Wem mir noch weiter raten sollen, der mache sich auf eimgeS Ertragen gefaßt. Haben wir auch anfangs manchmal den Eindruck, als kreischten Ertrinkende, fojnirb doch sicher auch der ganz Unvor- bereitete und alles„Erklären Hassende mehr und mehr mitgerissen von den immer deutlicher und mächtiger Herportretenden großen und gewaltigen Grundzu�en des Werkes, das nun gleichsam als die böänte Steigerung dessen vor uns steht, was die nichtdramatische Musik bis dahin überhaupt erreicht hat. Ueber alles Süße und Reizende, über alle Tanz- und Tafelmusik hinaus ist das Werk so weit hinaus, daß man von ihm aus schwer zurückkehren wird zu der Alltagsleier, deren Minderwertigkeit wir solange nicht genügend gewahr werden, als uns nicht mif solche Weise gezeigt wird, was musikalische Vernunft ist. Allerdings nicht etwa Vernunft allein I Zwar liegt die größte Kraft deS Komponisten hier im RythmuS. und schon der Sprung gleich anfangs aus dem Vierviertel- in den Drei. viertel- und den Zwcivierteltakt, dann jedoch gleich zurück in die vier Viertel— bis sich nach und nach der Rhythmus beruhigt und «u den stillen Höhen ein fach fester, tief imlkrM packende»Mdla-l nicht weniger als der fünfte Teil der Menschheit angehört. Wir billigen es durchaus, daß unsere Regierung erklärt, nicht irgendwie in die inneren Verhältnisse der jungen Republik eingreifen zu wollen. Es scheint aber, daß man von russischer Seite aus diese Politik nicht befolgt, sondern die Mongolei zu einem russischen Vasallen st aat zu machen sich bemüht. Das ist ebenso bedauerlich, wie daß man Rußland in die Lage gebracht hat, in P e r s i e n eine Raubpolitik zu treiben, die es dem Lande unmöglich macht, sich zu modernen Zu- ständen hindurchzuringen. Daß man in der Mongolei und in Persien Rußland freie Hand gelassen bat, erklärt sich aus der Spannung zwischen Deutschland und England. Dieser Spannungszustand beherrscht ja unsere ganze auswärtige Politik, Er gibt der ganzen politischen Situation, die wir vor uns haben, sein Gepräge. Auch die Borgänge bei dem italienisch- türkischen Kriege lassen die Wirkung dieser Spannung erkennen. Frhr. v. Marschall ist aus Konstantinopel weggegangen in dem Augenblick, wo es den Anschein hat, als ob die deutsche Politik in der Türkei gegenüber der englischen Fiasko erlitten hat. Die über- raschende Wendung, daß Italien eine Anzahl Inseln im Aegäischen Meer besetzt hat, steht im Widerspruch zu den Nachrichten, daß Italien von den europäischen Mächten die Bedingung auferlegt war, die Kriegssphäre nicht weiter auszudehnen, Man sagt, Italien habe sich über die Besetzung der Inseln mit England verständigt. Natürlich ist das dementiert worden, aber wenn man die Dinge betrachtet, so scheint es glaubhaft, und wenn das zutrifft, so hat England diese Konzession an Italien sicherlich nicht umsonst gemacht, und der Dreibund hat wiederum einen neuen Stoß bekommen. Wir stehen dann einer Konstellation von Frankreich, Italien und England gegenüber, durch die unsere wirtschaftliche Position auch m der Türkei erheblich verschoben werden kann. In der Kommission ist jeder Aufschluß hierüber verweigert worden und er wird auch wohl hier im Plenum verweigert werden. Alle diese Dinge sind zu verstehen aus der Spannung, die zwischen England und Deutschland herrscht, und noch weitere Schwierigkeiten werden sich darüber ergeben. Die große Frage der auswärtigen Politi! ist für die nächste Zeit die Entspannung zwischen Deutschland und England. Die Herbeiführung eines Vertrauensverhältnisses zwischen den beiden großen Nationen. Trotz unserer Warnungen hat man die neuen Rüstungen bewilligt und wird sie wahrscheinlich auch in dritter Lesung bewilligen. Wenn etwas geeignet wäre, diesen Beschlutz noch zu erschüttern, so sind eS die jüngsten Erklärungen des englischen Marineministers Churchill. Was wir vorausgesagt haben, ist eingetreten. Im Hinblick auf unsere Flottenvermehrung wird in England noch in diesem Jahre ein Ergänzungsetat eingebracht werden,»m den Vorsprung, den Deutschland sich verschaffen will, um das Doppelte zu übertrumpfen. Das geschieht heute in Eng- land und bei einem liberalen Ministerium. Nach dem Burenkriege erklärten liberale Staatsmänner in England es für eine vor- nehme liberale Tradition, die F r a g e der friedlichen Ver- ständigung und die Frage der Rüstungseinschränkungen endlich zu lösen. Der Morineminister Goschen kündigte damals an, da- mit es nicht nur bei Worten bleibe, fondern der gute Wille gezeigt werde, daß das Marinebudget für 1906 um 160 Millionen Mark gekürzt werden solle. Diese Verringerung wurde auch vor- genommen.(Lebhaftes Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Nicht von einer Abrüstung wurde gesprochen, wohl aber von einer Begrenzung der Rüstungen, die geeignet fei, einen Still- stand im Weiterrüsten herbeizuführen. Aber von Deutschland wurde dies zurückgewiesen, und' die Folge war, daß die chauvinistischen Strömungen auch in England Oberwasser bekamen. Diese Wendung in England ist die Folge der Rüstungstreibereien in Deutschland. Kein geringerer als Herr«Holstein hat da» ein frevelhaftes Spiel genannt. Unsere Position zur See ist durch die Marinevorlage nicht gebeffert worden, der englische Minister Churchill hat voll- kommen recht, wenn er ausführt, daß, je weiter die Sache getrieben würde, desto günstiger die englische Position werde. Churchill ließ aber auch keinen Zweifel darüber, daß auf jede Verzögerung im deutschen Flottenbau auch prompt eine solche in England erfolgen werde. Die BerständigungSaktion ist eingeleitet worden durch die Entsendung deS englischen Ministers Haldane, und der Reichskanzler hat erklärt, es seien die Fragen der Kolonialpolitik mit ihm erörtert. Es wäre sehr wertvoll, wenn wir über den Stand der Angelegenheit Auskunft erhalten, nachdem der epileptische Anfall deS RüstungSkollcrs vorbei ist. Neun Zehntel aller Deutschen wünschen dringend eine friedliche Verständigung mit England, und ebenso neun Zehntel aller Engländer. So gut zwischen Frankreich und Rußland eine Verständigung mit England möglich war, obwohl diese Länder viel mehr Reibungsflächen mit England haben als wir, so gut mutz auch zwischen Deutschland und England eine Verständigung möglich sein. Der Kanzler mutz auch dem lärmenden Treiben der Minderheit ent« gegentreten, die ans mißverstandenem Patriotismus sich chauvinistisch geberdet. AuS mißverstandenem Patriotismus tun es freilich nur wenige Ideologen. Allerdings gibt es solche. dien" ansteigt: dieser Sprung entrückt uns machtvoll in die Eigen weit des Komponisten. Aber sie ist mehr, als sich irgendwie „vernünftig" beschreiben läßt..- Der Dirigent hat zu seiner Linken ein Harmonium, bor sich ein Klavier, dann kommt die(wirklich„himmlisch" wirkende) „Eclesta", dann das Harfenpaar, weiterhin der Spieltisch der Orgel. Im Halbkreis um den Dirigenten seitlich die Streicher, hinter dem Orgeltisch die Bläser, die mehrfach ergänzt und verstärkt sind, samt den ebenfalls reichlich vertretenen Schlaginstrumenten. Weiterhin zur Rechten der eine, zur Linken der andere Chor, jeder von ihnen in bekannter Weise aus Frauen, und Männerstimmen zusammen- gesetzt. Rückwärts, von einem zweiten Dirigenten geleitet, ein Kinderchor. In der Mitte die acht(5-f 8) Solisten. Ganz hoch oben auf der einen Seite ein Sonderorchester von 4 Trompeten und 3 Posaunen, daS erst zum Schluß mit einfällt. Man sage es nur offen, daß man manchmal den Eindruck deS Tollen oder selbst Scheußlichen hat, zumal im ersten, vorbereitenden Teil! Das liegt an zweierlei: erstens an dem. der den Riesenbau der Komposition noch nicht ganz durchblickt, und zweitens an der tödlichen Akustik. In unseren gewöhnlichen Raumordmmgen, und gar in einem Rundbau, wird derartiges zu einer Unmöglichkeit. Am günstigsten mag eS noch auf den„schlechtesten" Plätzen sein. Anderswo bekommt man gleichsam losgerissene Trümmer ins Ohr geschleudert, die Violinen und Ehorposaunen kreischen, die Soli hören sich an, als kämpften sie um ihr Leben. Die gesamten Mitwirken- den stehen in einer Achse, die mindestens den halben Durchmesser deS Zirkus faßt. So geht eS nicht. Die Hörer müßten vor allem in der Fortsetzung der Längsachse gruppiert sein, und wirklich „schön" klingen wird es doch nur, wenn auch dafür daS„verdeckte Orchester" geschaffen sein wird. MahlerS„achte" ist genug„Er eignis", um mit der Zeit auch das zu vermittelll. 6Z. Humor und Satire. Die Verfassung. Hier die Konstitution l Meichsland, selbst regier' dich kiiiiftig, reif bist du ja lange schon, und, so hoff' ich, auch vernünftig. Hat doch neulich ein solcher einen Abgeordneten zur Ordnung ge- rufen, weil er den Krieg einen Hohn auf die Menschheit nannte. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wie mag es in dem Kopf eines solchen Mannes aussehen, der sich noch dazu einen Christen nennt, und dann den Krieg als eine feste Institution des christlichen Glaubens und der Kultur anficht.(Sehr gut I bei den Sozial» demokraten.) Aber der Ideologen sind sehr wenige, die meisten Chauvinisten sind Geschäftspatrioten, die Millionen und aber Millionen an den Panzerplatten und am Kriegsmaterial verdienen. Gewissenlose Menschen, denen ihr Geldbeutel und ihre Karriere höher stehen als das Wohl ihrer Mitmenschen sind es, die Reklame für ncue Rüstungen machen. Ihnen das Handwerk zu legen, sollte die Aufgabe aller Parteien sein, die es gut mit dem Vaterlande meinen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Diese Hetzpatrioten sind in Frankreich und England an der Arbeit. Das ist ein Gr- schüft auf Gegenseitigteit. Aber die Arbeiter in allen Ländern wissen, daß ihre Interessen nur durch den Frieden gewahrt werden können. Sie(nach rechts) sagen zwar, in England und Frankreich machen unsere Parteigenossen die Rüstungen mit und seien gute Patrioten in Ihrem Sinne. Aber am 18. Februar wurde im englischen Parlament unserem Genossen Keir Hardie gegenüber ausgeführt, daß die deutschen Sozialdemokraten doch ganz andere Kerle seien, sie seien gute Patrioten und keine Revolutionäre.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten, Zuruf rechts: Da kennt man Sie eben nicht!) Aber Sie(nach rechts) kennen unsere auswärtigen Parteigenossen noch viel schlechter. Millionen und Abcrmillionen von Arbeitern stehe» mit UN» nnf dem Boden des Weltftiedens. Das tun sie nicht aus antinationalen Anschauungen, sondern im Interesse unserer Nation, zum Wohle unseres Vaterlandes. Denkt wirklich jemand daran, wir wollen wie die Normannen in Eng- land einbrechen und uns ein Stück Land aneignen?(Zuruf: rechts: Nein!) Ich konstatiere, daß auch auf der rechten Seite das als ausgeschlossen erscheint. Aber ebenso ausgeschlossen ist eS, daß in England jemand daran denkt, derartiges gegen uns tu unternehmen. Unser Handel mit England und seinen Kolom�i umfaßt jährlich drei Milliarden Mark. Im Falle eines Krieges würde dieser gesamte Handel sofort auf der Nase liegen. Man sagt, England hindert uns bei der Austeilung der Welt. Auch diejenigen. welche immer mehr Kolonien haben wollen, müssen sich doch sagen, daß sie das am ersten erreichen durch friedliche Verständigung mit England.(Sehr wahr I bei den Sozialdemolraten.) Die Regierung sollte die ganze Intelligenz, über die sie verfügt, aufbieten, um zu einer Verständigung mit Eng- land zu kommen. Das ganze deutsche Volk würde dann hinter ihr stehen. Damit wäre man der Idee der Sicherung des Weltsriedens um einen guten Schritt entgegengekommen. Auch in der Frage der Beseitigung des Seebeuterechts würde man dann vorwärts kommen. Bor wenigen Tagen hat in diesem Hause ein hervorragender Staatsmann Australiens denselben Ideen Ausdruck verliehen. Möchte daS auch ein deutscher Staatsmann einmal tun l Möchten unsere Staatsmänner sich klar darüber werden, daß es die höchste Aufgabe ist, an der jede Nation mitzuarbeiten hat, bei Jnteressenkonflilten die friedliche Verständi- gung und den dauernden Frieden durch internationale Ver- träge sicherzustellen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemolraten.) Seitens des Zentrums ist eine Resolution eingegangen, die einen Gesetzentwurf zur Regelung der Arbeitsverhält» nisse der fremdländischen Landarbeiter wünscht. Abg. Dr. Spahn(Z.): Die Verhältnisse in dem italienisch» türkischen Krieg sind durchaus noch nicht verändert. Die Einigkeit der Großmächte ist erhalten geblieben, und da? ist die Hauptsache. Was wir von dieser Einigleit erwarten können, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Von den Verhältnissen in Tripolis ist sehr viel gesprochen worden, von denen in Marokko aber noch gar nichts.— Einige Ausführungen des Redners über Marokko und China bleiben völlig unverständlich. Auch wir wünschen, daß das Verhältnis zu England, das auch wirtschaftlich von größter Bedeutung ist, das beste, aber um nicht den Anschein der Schwäche zu erwecken, müssen wir unsere Flotte stark erhalten. Die Aufrecht» erhaltung des ScebeuterechtS ist eine dauernde Friedens- gefährdung. Die Ernennung deS Frhrn. v. Marschall zum Botschafter in London wird und kann die Richtlinien unserer Politik gegenüber England nicht ändern. Der Redner scheint Marschalls Ernennung nicht enthusiastisch zu begrüßen. Die letzte Rede Churchills war eine neue Bekräftigung seiner schon früher ge- äußerten Ueberzeugung von der Notwendigkeit der stärksten Flotte für England. Wir wünschen eine gründliche ökonomische Ausbildung unserer Konsularbeamten, die nicht einer beschränkten Zahl von Familien enmommen werden sollen. 40 000 M. für diese Ausbildung sollen in den Etat für das nächste Jahr eingestellt werden. Maßgebend darf nur das nötige Wissen sein für die. Er- nennung der Konsuln.(Zuruf: Auch Journalisten!) Gewiß auch die. Die Schlußworte des Redners bleiben unverständlich. Abg. Dr. Oertcl(k.): Unser Vetternvolk jenseits des Kanals hat ja, wie uns Abg. Dr. David sagte, auch manche schöne Eigen- Sitz' im Landtag unverzagt und bedien' dich deiner Rechte. Aber— das sei dir gesagt— stets nur so, wie ich es möchte! Denn, o Reichsland, fällt'S dir ein, meine Pläne zu verderben, sagst du, wo ich ja will, nein— schlag ich alles dir in Scherben. Bist du nicht ganz brav und still, willst dich nicht gehorsam ducken. willst nicht so, wie ich wohl will,. dann werd' ich dich überschluckcn. Das Dementi. Und schreit ihr euch auch heiser dort, die Wirkung zu vereiteln,— bedenkt:„an einem Kaiserwort soll man nicht drehn noch deuteln". Franz. Nottzen. — Die Bayerische Gewerbeschau wurde in München am Sonnabend eröffnet. Sie soll nach der Festrede den Nachweis liefern,„daß alles, was an Menschenwerk in die Erscheinung tritt, einem jeden, auch den mit Glücksgütern nicht Gesegneten, in einem echten, zweckmäßigen und künstlerischen Gewände dauerhaft und preiswert dargeboten werden kann".(Ein schönes Ziel, das aber in einer kapitalistischen Gesellschaft weder für die Produzenten noch für die Benutzer erreichbar ist.) Ein bedeutsamer Altertumsfund wurde in Uchtenhagen(Allmark) gemacht. Beim Pflügen fand man unter Steinen ein Gefäß mit einer Anzahl Bronzegegenständen, darunter schwere Arm« und Fußringe, zwei Spiralröhren und eine gerillte Mamchette. Der Fund wiegt annähernd 6 Pfund und gehört der ältesten Bronzezeit an. — Neue Funde i» Pompeji. Bei den AiiSgrabiinaen in Pompeji wurde» neuerdings sechs aufjerordeiillich schöne ßreSlert' geiinilde in dcrselvcn Villa aufgefunden, wo bereits vorher verschiedene wertvolle Gemälde entdeckt Ware». ES handelt sich wahrscheinlich um das Werk eines griechische» Meisters. Der jetzige Annd ist der interessanteste an» den sämtlichen Ausgrabungen. schaften. Wenn er«nS ein günstiges englisches Urteil über die deutsche Sozialdemokratie vorgetragen hat, so bin ich überzeugt, daß auch Dr. Davids Rede morgen in der engtischen Presse günstig beurteilt werden wird. iZurufe des Abg. L e d e b o u r.) Ach, er- gänzen Sie doch bitte Ihre Lun�enkraft durch Deutlichkeit der AuS sprrache I(Heiterkeit.) Unser diplomatisches Korps stammt zum geringsten Teil aus den vermaledeiten Agrarierkreisen. Nach der Eignung zu höfischen Funktionen hat man vielleicht unter Ludwig XIV. oder XV. die Diplomaten ernannt. Zum sandten des Zukunft st aateS wird sich ja auch der Kollege Dr. Südekum besser eignen, wie zum Beispiel Herr H o s f m a n n aus dem Abgeordnetenhaus.(Große Heiterkeit,. Es wäre nicht wünschenswert, wenn alle Botschafter erst die KonsulatSkarrrere durchmachen sollten. DaS, was die Herren dort lernen, können sie auch anderswo sich aneignen. Dr. David hat ferner über die Geheimnistuerei in der auswärtigen Politik geklagt, Ich habe darüber nicht zu klagen.(Heiterkeit.) Man sollte aber mit Berichtigungen und Aufklärungen nicht zu lange warten Die Presse ist über das ihr bewiesene Entgegenkommen befriedigt, Man sollte sich auch nicht auf alle Nachrichien einlassen, die auS irgend einer unbekannten Quelle stammen. Der Dreibund hat einen hi st arischen Wert.(Heiterkeit.) Im Volke meint man— nicht hier, wo ja die erlauchten Geister beisammen sitzen(Heiterkeit),— im Dreibund seien wir nur die Gevenden. Solche Untersuchungen nützen dem Dreibund nicht, der die Gewähr seines Bestandes in sich trägt. Oesterreich-Ungarn war eine Zeitlang kühl bis zur Eiseskälte, unter Graf Berchtold scheint es wärmer werden zu sollen, Der Dreibund ist eine Sicherheit für Europa. Herrn v. M a r s ch a ll s llebergang von Konstantinopel nach England wurde in der Presse der Westmächte wie ein Komet begrüßt. Wir hoffen, daß ihn seine den Eigenschaften der Engländer ähnliche Natur befähigen wird, korrekte Beziehungen zu England aufrecht zu erhalten. Ilm solche zu erhalten, dürfen nicht bloß wir sie wünschen. Preisgeben dürfen wir kein deutsches Jntereffe, in die Rüstungen sollen sich beide Staaten gegenseitig nichts hineinreden.(Sehr richtig I rechts.) Die Haltung unserer Diplomatie zum tllrkisch-italienifchen Krieg verdient unsere volle Billigung: nur nicht zu eifrig ver- Mitteln l— In Frankreich herrscht immer noch eine recht er- hebliche Nervosität. Lesen Sie die dortigen Militürschriftsteller— da sitzt der Chauvinismus I Die letzten Ereignisse in Marokko zeigen, wie recht wir taten, davon fernzubleiben und gewissen überdeutschen Forderungen nicht zu folgen.(Hörtl hört 1 und Zustimmung bei den Soz.) Erstaunt war ich, daß Abg. Bernstein ein übrigens mir gewidmetes Anekdotenbuch über Agadir von Andrö Tandieu als Dokumentenwerk zitiert hat; wenn ich den Namen nicht richtig ausspreche, entschuldigen Sie— ich bin Sachse I(Große Heiterkeit.) Der Redner verlangt Aufklärung über den Ueberfall einer franl zöfischen Truppe auf die Farm der deutschen Firma R e n s ch hausen in Marokko.— Wir legen großen Wert auf die A u f l rechterhaltung guter Beziehungen mit Rußland. Sasonows letzte Rede war aber etwas merkwürdig, da sie von Opfern Rußlands spricht, die wir nie verlangt haben. Auch Dr. David wird nicht die Knochen eines pommerschen Grenadiers Hafür opfern wollen, Ruffland abzuhalten, die chinesische Re- publik in ihrer Entwickelung zu beeinflussen.— Abgeordneter Dr. Oertel bespricht dann die Verhaftung des Grenz lommissarS Hauptmann Dreßler von Eydlkuhnen wegen an- gcblicher Spionage, während wir eine» deshalb verhafteten Ruffen freiließen, der dabei drohte. Dreßler hineinzulegen. Hoffend lich geschieht alles, um Dreßlers Enthaflung zu beschleunige», damit die llnfreundlichkeit eines Staates gutgemacht wird, dem wir doch immer nur Freundlichkeiten erwiesen haben. (Vielfaches Sehr richtig I links.) Ach, Herr Müller- Meiningen. bei Ihnen spricht gewiß etwas Antipathie gegen Rußland mit. (Abg. Ledebour: Haben Sie denn Sympathie für den Zarismus?) Jawohl, ich habe Sympathien für alle Regierungen, die mit voller Energie die sozialistischen und nih i listi sch en B e w eg u n g e n niederdrücken.(Stürmischer Beifall rechts.— Hörtl hört I bei den Sozialdemokraten.) Keinem Deutschen darf irgendwo in der Welt Unrecht geschehe». Dazu haben wir unsere Rüstung! Chauvinismus kennt das deutsche Wesen nicht, sondern nur selbstsichere völkische Gesinnung, die wünsche ich unserem Volke I(Beifall rechtS.) Abg. Bassermann(natl.): Such der Gesandte a. D. R a s ch d a u beklagt die Bevorzugung des Adels in der Diplomatie. Da spielt eben das Geld die Hauptrolle, eS werden die größten Zu- fchüsie zum Gehalt von den Bewerbern gefordert. Die wirtschaftliche Vorbildung der Konsulaisbeamten durch Vorträge erfahrener Praktiker ist unerläßlich und wird sich wahrlich lohnen.— Daß wir immerhin in unruhigen politischen Zeiten leben, haben außer dem Reichskanzler auch die auswärtigen Minister Oester» reich-UngarnS und Rußlands erklärt. Wir dürfen nicht vergessen, daß in der Marokkoaffäre uns Oesterreich nur in be- schränktem Maß zu unterstützen bereit war. Der Redner äußert sich dann über Rußland. Frankreich und Marokko ähnlich wie der Vorredner. Einmal wird Marokko doch pazifiziert sein. Wie steht eS mit der uns zugesicherten Handelsfreiheit? Dr. David sieht immer nur Deutschland und die.Panzerplattenpatriolen' als Störenfriede an. Können Sie(zu den Sozialdemokraten) übersehen, daß hier alle bürgerlichen Parteien die Wehrvorlage bewilligt haben, die doch nach ihrer eigenen Ueberzeugung, nicht beeinflußt durch eine Hetzpresse urteilen I Tie letzten 40 Jahre sind doch an unS nicht spurlos vorübergegangen. Unser Anteil am Welt- Handel und die Unruhe der anderen ist gestiegen. Welche Aufregung, wenn heute die Nachricht kommt, daß Deutschland eine Kohlenstalion erwerben will I Die Flotte»vorläge trägt keinen' aggressiven Charakter, sie ist nur organisatorisch; anders ist es mit der HeereS- Vorlage. Churchills Rede richtet sich gegen die neue Konkurrenz, die, England nach der Vollendung des Panamakannls im Stillen Ozean zu erwarten hat.— Marschalls Verdienste in Konstantinopel müssen wir hoch anerkennen, auch sein liebenswürdiges Verhalten f gegenüber der deutschen Kolonie. Aber Vorschußlorbeeren ollten wir sein lassen, die deutsche Politik soll von der Zentrale auS orietttiert werden. Freilich kommt es auch auf den Mann an. Ein starkes Heer bleibt stets die Grundlage unserer auswärtigen Politik, die friedlich, aber zielbewußt sein soll. Dazu wünschen wir eine starke Flotte zur Verteidigung unserer Landesinteressen und eine gut durchgebildete Diplomatie.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Kiderlen-Wacchter: Ich kann meinen Ausführungen in der Kommission über unsere Beziehungen zu England nichts hinzufügen. Man weist immer aus „freiere" Staatswesen hin, wo mehr Auskunft gegeben werde. Am selben Tage, an dem ich in der Kommission sprach, sagte der eng- lische Premierminister fast dasselbe. Aber dort war man zu- frieden und sagte weiter nichts. Deg Schluß können Sie selber ziehen.(Heiterkeil rechts.) Lesen Sie doch mal die Haager Ver- Handlungen über oaS Seebeulerecht!(Abg. David: Ich habe gar nicht behauptet, daß Sie gegen die Aufhebung des SeebeuterechtS sindl) lieber unser Verhältnis zu Rußland hat der Reichskanzler schon gesprochen. Man sagt uns. wir sollen bei Reklaniationen erklären: So und so viel Schiffe und Soldaten haben wir, jetzt muß unsere Reklamation durchgehen!(Heilerkeit.) Wir versolge» berechtigte Reklamationen natürlich mit aller Energie, bei anderen aber sagen wir: Jetzt sei Du et»e Weite still I(Herlerleit.) Man wirst uns vor, daß wir öfter etwa« aufgeben, zumeist etwas, was u»S gar nicht gehört.(.Heiterkeit.) Bei all den Schwierigkeiten haben unsere Beziehungen zu Italien wie zur Türkei nicht gelitten. Wenn Abg. Dr.„Davids"(der Staatssekretär sagt immer Davids, über welche-Unkenntnis das Haus in Heiterkeit gerät) von einem FiaSko spricht. daS wir erlitten hätten, so will ich nur hoffen, daß er dabei sich nicht auf die wirklich unbeträchtlichen Lokalblatt-, Enthüllungen" des Herrn„spoctator" stützt, der voin Vater„germamcus" abstammt, jenes spectator germanious. (Heiterkeit.) Herr Bassermann fragte, wie eS mit den Beschwerden unserer Kanfleute in Marokko stehe. Erfreulicherweise sind in der letzten Zeit fast gar keine Beschwerden vorgekommen. Beim Fall Renschhausen find zweifellos Uebergrtffe vorgekommen. Wir haben sofort sehr energische Verwahrung bei der französischen Regierung eingelegt und wir hoffen, daß die Sache unter allen Um- ständen zu unseren Gunsten geregelt wird, weil das Recht auf unserer Seite steht. Dann ist gesagt, wir antworten nicht auf die kurzen An- fragen, nicht einmal auf die Frage nach dem Stande der Ver- Handlungen mit Holland über die Schiffahrtsabgaben; das Volk habe ein Recht, das zu wissen. DaS Volk hat aber auch ein Recht, zu verlangen, daß derartige Verbandlungen nicht durch Indiskretionen gestört werden.(Sehr richtig I rechts.) Gefragt ist dann nach der Grenzreguliernng von Neu- Kamerun. Wir haben uns über die Einsetzung einer Kommission mit Frankreich verständigt, und ich hoffe, daß sie demnächst in Bern zusammentreten wird. Viel ist auch über die Ausbildung der Diplomaten gesprochen und manche Vorschläge sind gemacht worden. Diese Frage kann im Plenum wohl kaum erledigt werden. Gewiß sollen die jungen Leute etwas Tüchtiges lernen; aber alles können sie hier nicht lernen, etwas müssen sie auch draußen lernen, sonst sind die Leute, bis sie ausgebildet sind. tot.(Große Heiterkeit.) Mit der Resolution H e ck s ch e r kann ich nicht sympathisieren. Ein gewisses Vermögen ist ja schon notwendig, wenn ein junger Mann eine höhere Schule besuchen soll. Eine Resolution H e ck s ch e r(Vp.) ist eingegangen, welche unsere Diplomaten so zu besolden verlangt, daß sie nicht mehr auf Zu- schüsse aus eigenem Vermögen angewiesen find, damit die Auswahl der Diplomaten nicht auf die vermögenden Kreise be- schränkt bleibt! Abg. Hebel(Z.) begründet die Resolution Spahn, die einen Gesetzentwurf gur Regelung der Arbeitsverhältnisse der fremdländtschen Landarbeiter verlangt. Diese Regelung ist unbedingt notwendig, lieber'/z M i lli 0 n ausländischer Arbeiter ist bei uns während des Sommer» allein in der Land Wirtschaft beschäftigt. Gute Behandlung erfahren sie meist, schon, weil andernfalls der Arbeitgeber keine Arbeiter bekommt; aber eS sind doch viele Mißstände vorhanden, vor allen Dingen in der Unter- bringung. wobei oft die primitivsten Forderungen in sittlicher und hygienischer Beziehung außer acht gelassen werden. Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Probleme, die durch die Welle ausländischer Arbeiter, welche sich in jedem Sommer über Deutsch land ergießt, auftauchen sind kaum auf dem Wege der Gesetzgebung zu regeln. Der Ausländer hat dasselbe Recht, wie der Deutsche, nur unterliegt er der A u S w e i s u n g s b e f u g n i S, und diese müssen wir unS aus einer ganzen Reihe von Gründen vorbehalten. Beschwerden werde ich den bundeSstaatlichen Regierungen gern b* kannt geben; im allgemeinen sind ausländische Arbeiter in Deutsche land besser g e st e l l t, als vielfach deutsche Arbeiter im Ausland, pezicll der landwirtschaftlichen Arbeiter nehmen sich die Land- räte an. Abg. Ledebour(Soz.): Ich muß meinem lebhaften Bedauern Ausdruck geben, daß vor hin der amtierende Präsident einem Redner zu einer Sache da« Wort gegeben hat, die nach den Abmachungen nur bei der Einzel- beratung erörtert werden sollte. Vizepräsident D»ve: Die Verteilung der Redner steht dem Präfidenten zu. Abg. Ledebour(fortfahrend): UnS aber steht die Erörterung darüber zu, ob sie zweckmäßig geschieht, und daß eS nicht zweckmäßig war, eine Einzelfrage in die Erörterung der allgemeinen Politik hineinzutragen, beweist schon der Umstand, daß die Herren vom Auswärtigen Amt unterdessen schon eine Siesta abhalten mußten(Heiterkeit), und ein Herr auS einem anderen Ressort das Wort nahm. Zur Sache selbst bemerke ich, daß die Stellung der fremdländischen Arbeiter noch schlechter st, als die der Landarbeiter überhaupt und jeder Anregung, ihre Lage zu verbessern, werden wir gern Folge geben. Hinweisen aber muß ich auch darauf, daß wir großen Wert auf die Einschränkung der AuSweisungSbefugniS legen, durch welche die fremden Arbeiter geradezu einem Z u st a n d tt Gesetzlosigkeit anbeimfallen. Ich erinnere nur an die polnischen und dänischen Arbeiter, auf deren Rücken dann die GermanisierungSpolitik ausgetragen wird. Die unglücklichen Dänen und Polen, die ins Land gerufen werden, find sicherlich keine politischen Agitatoren. Sie aber müssen die Bestrebungen der preußischen Regierung entgelten. Herr Staatssekretär Delbrück wies darauf hin. daß die Landräte sich dieser fremdländischen Arbeiter anzunehmen haben. Run, der preußische Landrat mag ja alle Tugenden haben, aber ein wohlwollender Herr für Arbeiter ist er noch nie gewesen.(Sehr richtig l bei den Sozial« demokraten.) Der Rüstungspolitik gegenüber find wir die einzige wirkliche Oppositionspartei, die gesamten bürgerlichen Parteien haben sich den Wehrvorlagen freundlich gegenüber gestellt. Manchen gebi sie noch n i ch t w e i t g e n u g. Ich bin in der seltenen Lage, dem Staatssekretär einmal zustimmen zu können und zwar in seiner Abwehr gegen den Abg. Oertel. Herr Oertel glaubte, ihn noch besonders scharf machen zu müssen, daß er überall in der Welt den civis gennanus(deutschen Bürger) zur Gellung bringt. Daß dem Helden von Agadir noch von einem Patrioten der Vorwurf gemacht wurde, er wäre nicht scharf genug, das hätte ich wirklich nicht geglaubt. Mit Recht erwiderte der Staatssekretär, was Herr Oertel empfehle, sei eine Tomahawkpolitik. Herr Oertel wehrte sich dagegen. Chauvinist genannt zu werden. Er bestritt, daß wir Chauvinisten in Deutschland haben, wir hätten ja nicht einmal ein deulscheS Won dafür. Er erweist sich als ein poliü�us philo- logua(sprachsorschender Politiker).(Heilerkeit.) Den Namen haben wir freilich nicht, aber die Leute. Wie wenig der Name zur Sache tut, beweist daS englische Wort Jingo. Dieser Name ist noch sehr jung, aber der JingoiSmu« ist in England schon mehrere Jahrhunderte alt. Der Name stammt auS einem Bäickelsängerlied:„Wir denken jetzt nicht daran zu fechten; aber beim Jingo. wenn wir fechten wollen, dann haben wir dazu die Schiffe, wir haben die Soldaten, und wir haben das Geld dazu", also ganz wie Herr Oertel(Heiterkeit), Herr Oertel. dieses Lied singend und den Tomahawk schwingend, daS muß ein entzückender Anblick fein.(Große Heiterkeit.) Meinem Freund David wurde vorgeworfen, er habe den Eng- ländern ein Loblied gesungen, weil die Engländer unS gelobt hätten. David hat ja dieses Lob lediglich mitgeteilt, als Be- weis dafür, wie falsch die englischen Kapitalisten uns be- urteilen, lleberall auf der ganzen Welt treten die Sozial- demokraten dem Rüstungswesen entgegen und verlangen die friedliche Berständigung der Völker. Wie kommt eS denn, daß jetzt in England die Befürchtung vor den deutschen Rüstungen um sich greift, und daß bei unS die bürgerlichen Politiker sagen: Wir brauchen uns mit England nicht zu ver- läudigen, die Engländer mögen rüsten so viel sie wollen, wir nehmen nur für unS das Recht in Anspruch, unS zu rüsten. wie wir eS für notwendig halten. Bei solchen Reden wird freilich der Rüstungswetteifer immer weiter- gehen. Nach unserer Anschauung aber ist gerade Deutsch- land verpflichtet, mit dem guten Beispiel der Einildrönkungen der Rüitungen voranzugehen. DaS ist eben der Unteriidied»wiickien unS und Ihnen: Sie pauken auf den fremden Ehauvinisten loS,»vir dagegen wollen im eigenen Lande den Chauvinismus be- kämpien. Ein gutes englisches Sprichwort sogt: Mitdläligkeit beginnt zu Hause. Ueberlragen können wir das aus das Rüstungswesen und sagen: Wenn man den Rüstungswahnsinn bekämpfen will, muß man zu Hause anfangen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Politisch betrachtet ist England Deutschland gegenüber in der Defensive, denn England ist bereits imperialistisch gesättigt, eS hat genügend Kolonien; Deutschland hat noch lange nicht genug. Man kann auf Deutschland und England das Heinesche Lied an- wenden: ES gibt zwei Sorten Ratten. Die hungernden und die satten (Hekterkeit),die im beständigen Kampfe miteinander stehen. Die englischen Kapitalisten sind in der Lage der vollgefressenen Ratten, während die deutschen Patrioten sich in der Lage der hungernden Ratten befinden, obgleich der äußere An- schein(auf den überaus dicken Abg. Oertel zeigend) dagegen ist. (Große Heiterkeit.) Mit den Beteuerungen Ihrer Friedensliebe werden Sie den Engländern den Glauben nicht rauben, daß Sie bedroht siud, denn die Tatsache der Rüstungen spricht gegen die Friedensbeteuerungen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb passen die Leute in England mit Argusaugen auf die deutschen Wciterüstungen auf, deshalb beobachten sie die Dinge in Deutschland, deshalb ver- folgen fie jede Wehrvorlage genau, deshalb hat der Minister Churchill eS klar ausgesprochen, daß die englische Wehrvorlage eine Konsequenz der deutschen ist. Diese Tatsache steht unerschütterlich fest. Angesichts der politischen Lage wirkt jede deutsche Flottenrüstung als Bedrohung gegen England und treibt dadurch die Rüstungen immer weiter.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Deuischland ist eine Kontinental- macht. Zum Schutze der deutschen Küsten brauchen wir die Flotte nicht; kein Geringerer als der frühere Admiral von Hollmann hat das Wort gesprochen: Die deutschen Küsten verteidigen sich selbst. Eine solche Riesenflotte hat also nur den Zweck zum Angriff. (Lebhafte Zustiminung bei den Sozialdemokraten.) Auch der Schutz des Handels läßt sich durch eine solche Flotte nicht erreichen,� wohl aber auf anderem Wege: der beste Schutz für den Handel wäre die Abschaffung des SeebeuterechtS. Wir wissen sehr wohl, daß die deutsche Regierung selbst für die Aufhebung des Seebeuterechts eingetreten ist, aber wir sehen die Erreichung dieses Zieles nur auf dem Wege, daß fich die deutsche Regierung ihrerseits nunmehr auch erkläre für die Einschränkung der Rüstungen. DaS find die beiden Kompensationsobjekte, auf deren Basis fich Deutschland und England verständigen lömun. Wir Sozialdemokraten find die ehrlichen Makler zwischen diesen beiden Regierungen und wünschen im Interesse des Friedens, daß eS zu dieser Verständigung und zur Abrüstung komme. Wir wissen, daß unser Verlangen in England unterstützt wird von den Soziali st en aller Richtungen, aber nicht nur von ihnen. Während seinerzeit die englische Regierung schroff ablehnte, auf die Aushebung des Seebeutereckts einzugehen. hat sich in den Kreisen der Regierung und der herrschenden Klaffen seitdem eine gewaltige Aenderung vollzogen. Im vorigen oder vor- vorigen Jahre ist im englischen Unterhaus unter Zustimmung der englischen Regierung ein Beschluß gefaßt worden, wonach sich England bereit erklärt, auf die Aufhebung des SeebeuterechtS«inzugehen. Allerdings hat das � englische Oberhaus diesen Beschluß umgestoßen; da sehen Sie wieder, daß die Privilegierten immer die bösartigsten Volks- feinde, die wahren Feinde ihrer Nation sind.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Es lag doch nicht im Interesse der englischen Nation, daß diese Entwickelung zur Friedfertigkeit, wie fie fich in dem Beschluß des Unterhauses ausgesprochen hatte, durch die LordS gestört wurde I(Erneute Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Die Tatsache muß festgestellt werden, daß in Eng- land eine Entwickelung zugunsten des Friedens besteht, die auch schon zu Taten geführt hat. Wir hoffen also, daß dieser Wandel sich durchsetzen wird und wir werden alles tun, diese Entwickelung zu unterstützen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Oertel meinte, daß nur in Frankreich Chauvinismus zu finden sei, aber nicht in Deutschland. Nach unserer Auffassung find die französischen Chauvinisten, die englischen JingoeS und die deutschen— Oertelinge(Stürmische Heiterkeit� links) überall das» selbe, nämlich die bösartigsten Feinde ihrer eigenen Nation. Wäre dock ein Krieg zwischen den großen Klilturnationenk Europas das allergrößte Unglück, das die Welt erleben könnte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist nichts auffälliger, als daß sich die herrschenden Klaffet? der großen Kulturnationen in eine solche Feindschaft gegeneinander hineingearbeitel haben, daß die beiden rückständigsten Staatswesen Europas mit ihren barbarischen Re« gierungen, nämlich der russische Staat und wir... Bizepräsident Dove: Ich mutz Sie ersuchen, hier nicht aus« ländifche Staaten als barbarische zu bezeichnen.(Ruse der Verwunderung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ledebour(fortfahrend): Da» mag wohl nickt die konventionelle Anschauung Deutschlands sein(Heiterkeit), aber sie ist die der deutschen Nation und eines immer größeren Teils der rusfifchen Ration, die unter den Zuständen. die man in diesem Hause nicht barbarische nennen darf(Hörtl hört! und Heiterkeit links), leidet. ES ist nichts interessanter, aiS daß der Abg. Dr. Oertel mit dem freundlich süßen BiedermannSton, der ihm zu Gebote steht(Große Heiterkeit, Abg. Dr. Oertel nickt freundlich lächelnd), seiner Bewunderung für die russische Regierung Ausdruck gab. für dieselbe russische Regierung, die jetzt soeben noch nicht bloß bei jedem Kulturmenschen, sondern bei jedem an- ständigen Menschen der Welt überhaupt die t i e f st e Empörung hervorgerufen hat durch die schauderhafte Nieder« mctzelung von 500 Arbeitern in den Lena-Goldwäschereieu.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Davon muß doch auch Dr. Oertel wissen, trotzdem die„Deutsche TogeSztg." sonst immer unbequeme Tatsachen zu verschweigen pflegt, aber diese Tatsachen werden ihm doch als Leser sonstiger Zeitungen nicht entgangen sein.(Heiterkeit und Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Durch dieses brutale Borgehen, durch diese schändliche Arbeitermetzelei hat sich die russische Regierung selbst in Ländern wie Persien, der Türkei und Japan diskreditiert.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dove: Es ist nicht zulässig, über fremde Regierungen in dieser Weise zu sprechen und ihnen Nieder« metzelung von Arbeitern zum Borwurf zumachen. Oho l bei den Sozialdeinokratenl Abg. Ledebour: Ich will eine längere AnSeinandersetzung mit dem PrSfidenten vermeiden, weise aber darauf hin. daß hier sogar schon unserer eigenen Regierung gegenüber von Arbeiterniedermetzelungen ae- prock« wurde, ohne daß dafür Ordnungsrufe erfolgt wären I Die Niedcrmetzeluug von Arbeitern durch Polizisten und Toldatc« kommt leider heute in de» kapitalistischen Ländern noch überoll vor, und wird in den Parlamenten von den Männern, die ein Empfinden dafür haben, gebrandmarkt. Aber— diese schlimmste Art von«u»- derweltschafsu.ng von Arbeitern mit Kanonen, Bajonetten und Gewehren— das ist etwa«, was allerdings in die Diskussion der auswärtigen Politik hineingehölt. weil eS geeignet ist, die Luffaffung deS ganzen deutschen Volkes vom russischen Staatswesen sehr zu beeinflussen. Ich hoffe, daß die wilde Empörung(Lachen recht«), die sogar im russischen Parlament zum Ausdruck gekommen ist— Sie(nach reckt«) glaubten wohl, ich würde bei Ihnen eine Empörung darüber annehmen? Sie empören sich nur. wenn sich tin M i l i t S r a r, t nicht duellieren Willi(Sehr gutl und Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Die wilde Empörung, die sogar im russischen arlament zum Ausbruch gekommen ist, sollte uns doch den deutlichen� Beweis dafür geben, daß hier eine Tat geschehen ist. die zum Himmel schreit und in allen Kultur- Völkern und gewiß auch bei den Regierungen aller anderen Kulturvölker den Entschluß zeitigt, ihrerseits daraus hinzuwirken, daß die russische Regierung nicht in der bisherigen Weise ihre Politik ortsetzen kann. Auch die deutsche Kapitalistenklasse hat eine Mög- lichkeit, die russische Regierung fühlen zu lassen, daß sie eine solche Politik verdammt. Die deutsche Regierung könnte ja die Auf- legung russischer Anleihen in Deutschland ver« bieten, weil eine solche Regierung, die ich mit Rücksicht aus den Präsidenten nicht näher bezeichnen will �Heiterkeit bei den Soz.), nicht durch Geld aus den Kulturländern unterstützt werden soll. Darum richte ich einen Appell an die deutsche Kapitalistenklaffe und namentlich an ihre jüdischen Mitglieder, gegen deren Glaubensgenossen in Rußland mit Hilfe des Militärs in der schänd- lichsten Weise vorgegangen wird, der russischen Regierung doch nicht auch noch Geld zur Bezahlung all dieser Taten, zur Bezahlung der Judenverfolgungen zur Verfügung zu stellen. (Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) So fasten wir die auswärtige Politik auf und w i r vertreten dabei die Interessen des Volkes und der Kultur, ganz anders, als Sie da drüben.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Hcckscher(Vp.) begründet seine Resolution. In der Kommission hat sich auch ein Mitglied des Zentrums und ein Mitglied der konservativen Partei für die Resolution aus- gesprochen. Damit ist der Sache sicher nicht gedient, wenn der Staatssekretär die Sache jetzt ins Lächerliche zu ziehen sucht.(Sehr richtig! links.) Das deutsche Volk will den Frieden mit Eng- l a n d, und es muß glauben, daß dieser Frieden möglich und er- reichbar ist. Unsere Beschlüsse zu der Wehr- und Flotten- Vorlage können aber der Sicherung des europäischen Friedens nicht geschadet haben, sie werden im Gegenteil zu seiner Wahrung beitragen.(Sehr richtig I bei allen bürgerlichen Parteien.) Wir werden auch in Zukunft stets so handeln, wie wir eS diesmal getan haben, denn wir wollen das Vaterland der anderen achten, unser eigenes aber lieben. sBeifall.) Abg. Dombck(Pole) spricht für die Zentrumsresolution. Abg. Bernstein sSoz.): Ich habe mich zum Wort gemeldet, um einige Bemerkungen des Herrn O e r t e l zurückzuweisen, die dieser an meine Adresse gerichtet hat. Er hat sich darüber aufgehalten, daß ich am Dienstag eine Schrift des französischen Schriftstellers T a r d i e u zitiert habe und hat das Buch eine Anekdotensammlung genannt. Wenn ich Märchen lesen will, dann kann ich andere Schriften lesen, die gibt es hier genug. Herr Tardieu ist aber durchaus nicht mein Parteigenosse, ich habe keinen Anlaß, ihn besonders zu preisen! er ist Redakteur am„Matin�, ein Vertrauensmann des Herrn C a i l l a u x und ist gut unterrichtet über alle Verhältniste in Marokko und in Kongo, stzört! hört! b. d. Soz.) Es ist außerdem sehr charakteristisch, daß Herr O e r t e l von zwei Reden des englischen Ministers Churchill gesprochen hat und die eine als siaatsmännisch, die andere als unstaatsmännisch bezeichnet hat. Un« staatsmännisch war nach Ihrer Ansicht, Herr Kollege Oertel, die Rede, in der Churchill erklärte, wenn Deutschland seine Rüstungen einschränken wolle, so wolle er doppelt so viel Schiffe weniger bauen, als Deutschland. Das war also nach Ihrer Ansicht unstaatsmännisch, die ftaatsmänniscbe Rede war die, als Churchill aus der Annahme unserer Wehr« und Flotten- Vorlage die Folgerung gezogen hat, England müsse nun seine Rüstungen erhöhe». Sie(nach rechts) führen nun die Worte.Patriotismus und National' andauernd im Munde. Ob aber das gerade sehr patriotisch ist, wenn die Wirkung dieses Patriotis- mus ist, daß ein fremder Staatsmann es ausspricht, gegen Deutsch- land rüsten zu wollen, das überlasse ich Ihrem Urteil. Wir nennen dieses Verhalten jedenfalls anders. Ihre Parteigenossen, Ihre Klassengenosten in anderen Ländern sind nach Ihrer eigenen Ansicht Feinde Deutschlands, unsere Parteigenossen find dagegen die Freunde des deutschen Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Bassermann wies ans die friedliche Politik Deutsch- lands in den letzten 40 Jahren hin. In diesen 40 Jahren hat überhaupt kein Großstaat in Europa Krieg geführt.(Zuruf: Aber außer- halb Europas.) Nun mit Kolonialkriegen können wir auch aufwarten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) England hat mehr Kolonien und führt deshalb mehr Kolonialkriege. Ueber die Resolution Heckscher, die wir unterstützen werden, glaubte der Staatssekretär sich lustig machen zu können, indem er darauf hinwies, daß man vielleicht auch Hirten zu Diplomaten nehmen könnte. Nun, Hirtenknaben haben es manchmal in der Welt sehr weit gebracht, das weiß ja auch das Zentrum.(Zurufe im Zentrum: König David war auch ein Hirte.) Auch meinte der Staatssekretär, wenn die Leute gar zu viel lernen, würden sie g e- st o r b e n sein, bevor sie ausgebildet sind. Es ist ja aber gar nicht gesagt, daß er die Diplomaten aus den Kreisen nehmen soll, die be- sonders langsam lernen.(Sehr gut! links.) Es gibt ja auch Kreise, die schneller lernen. Dann weist man auf den Wider st and Englands bei der Frage des Seebeuterechts hin. Aber mein Freund Ledebour hat schon darauf ausmerksam gemacht, daß, wenn wir England bei seinem Angebot der Einschränkung der Rüstungen entgegenkommen, dann bei der starken Strömung, die im englischen Volk dafür vor« handen ist, auch die Beseitigung des Seebeulerechts zu erreichen wäre. Herr H e ck s ch c r sagt, die Wchrvorlagen steigern nicht die Kriegs- gefahr, sondern mildern sie. Ich muß erst noch lernen, daß, wenn man ein Pulverfaß immer weiter füllt, wenn man immer mehr Explosivstoffe hinzufügt, daß dann die Explosionsgefahr gemindert wird.(Sehr gut I bei den Soz.) Herr H e ck s ch e r führt auch das englische Sprichwort an:„riAbt or wrong my country", ob mein Land recht oder unrecht hat, es ist mein Vaterland. Die Behauptung, daß jeder Engländer danach handelt, wird durch die englische Geschichte Lügen gestraft. Keinen großen Krieg hat England geführt, bei dem nicht hervorragende politische und Parteiführer aufgetreten find und gewagt haben, zu sagen: Mein Land ist im Unrecht und ihm muß Einhalt getan werden. In der Westminster-Abtei, dem englischen Pantheon, finden Sie die Denkmäler dieser Männer, die es gewagt haben, den nationalen Vorurteilen und der nationalen Befangenheit entgegenzutreten. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) In ihrer Denk- schrift über das Kongoabkommen erklärt die Regierung, die Einräumung der Elappenstraßen bedeute ein Stück inter- nationaler Verkehrspolitik. Diese Anschauung ist mir sympathisch. Die Ausdehnung des Verkehrs über die Grenzen hinaus sehen wir als den stärksten Faktor für die Notwendigkeit des Friedens an. Wenn Sie auch immer zum Kriege rüsten, immer neue Waffen schmieden, immer mehr Mißtrauen zwischen den Völkern säen, wir werden doch mit unseren Bestrebungen für den Frieden Erfolg haben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdernokraten.) Damit schließt die allgemeine Besprechung. Abg. Ledebour(Soz., persönlich): Als ich von der Empörung sprach, die in der russischen Duma über die Lena-Metzeleien aus- brach, schrieb ich einen Zwischenruf fälschlich dem Abg. G'r ö b e r zu. Da das nicht zutrifft, nehme ich die Ausführungen, die ich im Anschluß daran gegen Herrn Gröber machte, mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Nachträglich erhält noch daS Wort Abg. Windeck(Lothringer), der ein italienische? Konsulat in Lothringen im Interesse der vielen italienischen Arbeiter wünscht und Paßfragen bespricht. Die Resolution Heckscher wird gegen die Konservativen, ebenso die Resolution Spahn angenommen. Der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen. Beim Kapitel.Gesandtschaften und Konsulate" des Etats des Auswärtigen Amtes bittet Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.) um Einstellung eine? General- konsulatS in Paris in den nächstjährigen Etat. Ich habe übrigens noch mehrere.kleine Anfragen' an den Staatssekretär. WaS ge- denkt die deutsche Reichsregierung zur Erledigung des Antrages der belgischen Regierung auf internationale Regelung der Rechtshilfe in Strafsachen und der Auslieferungsverträge zu hm? Ferner frage ich an, ob gegenwärtig Verhandlungen im Gange sind zwecks Abschlusses einer literarischen Konvention mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Und weiß die Reichsregierung, daß in Belgisch«.«nd Frmrzäfisch-Kongo durch Monopole die Handelsfreiheit gefährdet wrrd, durch die die Kongo--Akte verletzt werden, und wa» gedenkt sie da- gegen zu tun? Wir sind der Ansicht, daß die Zustände nur durch eine neue Kongo-Konferenz beseitigt werden können._ Staatssekretär v. Kiderle»: Wir sind keine prin-stnellen Gegner eines Generalkonsulats in Paris. Mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika haben wir«inen Vertrag zum Schutze des Urheberrechts von 1892 bereits abgeschlosten. Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Vertrages mit besseren Bestimmungen find noch nicht angeregt und finden daher noch nicht statt, sie sind auch wohl nicht notwendig.— Im belgischen Kongo sind allerdings verschledene recht unerquickliche Dinge vorgekommen; seitdem vre Belgier aber den Kongo übernommen haben, sind die Verhaltmffe besser geworden. Die Handelsverhältrrisse stoßen allerdings noch auf erhebliche Schwierigkeiten, es bestehen Konzessionen, die der Kongoakte widersprechen, aber es ist trotz der Bemühungen der belgischen Regierung schwer an sie heranzukommen. Wir haben uns bis jetzt neutral und abwartend verhallen, um der belgrschen Re« gierung Zeit zur Besierung der Zustände zu lasten. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Seit vielen Jahren schon haben wir auf die unhaltbaren Verhältniste de? Urheberrechts in den Vereinigten Staaten hingewiesen. In der Frage der Verletzung der Kongoakte müsten wir darauf bestehen, daß eine neue Kon« ferenz einberufen wird. Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) ersucht um Schutz für die deutschen Kauf- leute in Mexiko. Der Redner bespricht verschiedene Mißstände bei einzelnen deutschen Konsulaten, die von ausländischen Geschäfts- leuten ehrenamtlich aber unter Mißbrauch im Privatintereste aus- geübt werden. Staatssekretär v. Kiderle»: Die angeführten Mißstände haben nach den Ermittelungen des Auswärtigen Amts nichts mit den Privatinteresien der Firma zu tun. Die Diskussion schließt. Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Gesandtschaft in Konstantinopcl" bemängelt Abg. Kuaert(Soz.) die Höhe der für die Gesandtschast in Konstantinopel ein- gestellten Summe von 400000 M. für hohe Reise« und Umzuggebühren sowie für ganz überflüssigen Grund st ücks- e r w e r b. Die halbe Summe wäre schon mehr als ausreichend, namenllich wenn man unnötige RcpräsentationSgelder abzieht. Der sehr teure Grundstückserwerb wird durch die Regierung in sehr fadenscheiniger Weise motiviert. Man könnte überhaupt beim SuS- wältigen Ami sich größerer Sparsamkeit befleißigen. Man könnte nicht nur hier statt» der geforderten 400 000 M. 200 000 einsetzen, sondern auch statt der geforderten 12 Millionen für die Gesandtschaften nur 6 Millionen und statt der geforderten 20 Millionen für da» ganze Auswärtige Amt nur 10 Millionen. Wir können zum mindesten sehr erhebliche Abstriche machen, ohne daß eine Verminderung des Ansehens des Reiches zu befürchten wäre.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Der Titel' wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten bewilligt, ebenso der Rest des Etats des Auswärtigen Amts. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Bertrag mft Bulgarien, Er- gänzungSetat, Z weile Lesung der DeckungSvorlage und lleiue Etats. Schluß 7V, Uhr._ Marktbericht von Berlin am 17. Mai 1312,»ach Srmittelung de« tönigl. PolizeiprSfidüunS. Markthalleupreis«.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Speisebohnen, weiße, 30,00—66,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffel»(Kleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchsleisch 1.40-1.80. Schweinefleisch 1,40-1,90. Kalbfleisch 1,40-2,60. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,20—3,20. 60 Stück Eier 3,20— 5,60. 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 1,80-40.00. Für Damen: z hocheleganter, brauner, echt Chev- reau-Halbschuh zum Schnüren, Derbyschmtt hocheleganter, brauner, echt Chev- reau- Halbschuh zum Knöpfen yso braun, echtCbevreau-Halbschnh oder modegelb, Kalbleder, Original-*1 50 Goodyear-Welt............. X\J Goodyear-* Damen-Halbschuh zum Schnüren und Knöpfen, echt Chevrean, in grau oder beige und modcgelb Kalbleder, j O 50 --•••.......... 1Z. ypo ganz neue Modelle braune Damenstiefel, echt Chev- reau, mit und ohne Lacklcappe... □ O □. 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Strapazierstiefel mit Lackkappe 23/24 25/26 27/30 31/35 390 450 550 650 braune Kinderstiefel, echt Cherreau, kräftiges Oberleder, naturgemässe Form, dauerhafter Schul- und Strapazierstiefel 25/26 27/30 31/35 550 650 750 braune Normal-Sandalen, natnrgemlase Form, auf Rand genäht 18/24 25/26 27/30 31/35 225 265 295 350 36/38 39/42 43/47 390 425 490 giiiiiiiiiiisiiiiiiiM/iiiiniiiiiiin/iiiiiiuu/i/ui/iiuiuMniiiiiiiiiunMimminiiniJiii'HHUiiiuiiiiiiiiniimimiiiiiijiiinHiiiiiiiiiJiinniiniimimniiiiiiiiiiniiiuinnmiiujiiiimm! Hauptpreislagen für modernste Herren- und Damenstiefel 6 TO 12 15 50 In schwarz □. farbig, ganz neue, auserlesen schöne Formen Sonder-Yerkauf! Echter Plüsch- Teppiche Prima Qualität(kein Axminster) wundervolle Master•Answabl Nach auswärts per Nachnahme. Teppich-Speiialhaus LW Emil eföirre Berlin S. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Spezial-Katalog (650 Abbild.) gratis und franko. Hente von 8—10 und 2—6 geäffnet. 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KtikP des.lotiDätls" Sttlintt PWlslt. Suntitüg, 19. Mai 1912. Hbgcordmtenbaus. 73. Sitzung. Sonnabend, den 18. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Beseler, v. Schorlemer. Das Besitzfestigungsgesetz. Abg. Frhr. v. Zedlitz sfk.): Auf die gestrigen unerhörten Schmähungen Preußens und seines Königshauses durch den Reichstagsabgeordneten Scheidemann hat mein Ge- sinnungsgenosse Schultz sofort die richtige Antwort gegeben, daß solche Schmähungen nicht an unsere Verachtung heran- reichen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Die Feind- schaft der Sozialdemokratie gegen den preußischen Staat und sein Königshaus rührt von der Ueber- zeugung her, daß die r o t e F l u t an der festen preußischen Mon- acchie wirkungslos abprallen wird.(Beifall.) Der Redner stimmt dann den Ausführungen des Landwirtschastsministers zu, auch den Bedenken gegen die Ansiedelung katholischer Deutscher im Osten. Wenn wir»ach llbjährigem Kampf unserem Ziel noch nicht näher sind, so beweist das nichts gegen die Richtigkeit unserer Mittel. Die Ansiedelungskommission mutz zu einer Zentralstelle für die innere Kolonisation im Osten ausgebaut ivcrden. Wir haben die volle Zu- verficht, daß unsere Ostmarkenpolitik zum Siege sühren wird.(Bei- fall rechts. Zischen bei den Polen.) Justizminister Dr. Beseler will die verfassungsrechtlichen Be- denken gegen das Gesetz untersuchen. Der Artikel i der preußischen Verfassung über die Gleichheit aller Preußen vor dem Gesetz ist ent- standen, als man die Standesvorrechte beseitigte. Mehr kann damit nicht gesagt sein. Die Vorlage drückt nur aus, daß der Fiskus be- stinimte Käufer bei Verkäufen seiner Grundstücke nicht will, wozu er, wie jeder Privatmann, das Recht hat. In keiner Weise ist zu er- kennen, wieso dieses Gesetz wider die Verfassung verstoßen soll. Abg. v. Trampczynski(Pole): Den Polen sollen ihre Rechte genommen werden, weil angeblich einige Polen sich nicht als Angehörige des Deutschen Reiches fühlen. Viele österreichische Deutsche wünschen ganz offen den Anschluß an das Deutsche Reich, aber niemand denkt daran, ihnen ihre politischen Rechie zu nehmen. Wir sind keine Feinde des Deutschtums, aber unser Volk ist empört über die Art, wie es behandelt wird.(Zustimmung bei den Polen.) Für die Ansiedlungskommission arbeiten die schlimm- sten Schieber, die die Verkäufer d i r e kt b e t r ü g e n; dafür erhalten sie außerordentliche hohe Provisionen und sogar den Titel K o in m i s s i o n s r a t.(Hört! hört! bei den Polen.) Nach der Verfassungsauslegung durch den Justizminister muß man allen Respekt vor der Juristerei verlieren. Wir werden das Gesetz an- fechten und es werden sich noch Richter in Preußen finden, die der Verfafiung zu ihrem Recht verhelfen. Trotz berechtigter Verstimmung haben wir dem Monarchen stets die schuldige Ehre erwiesen, das kann man aber vom Abg. v. Zedlitz und seinem Parteiorgan, der „Post", nicht immer sagen.(Sehr wahr l links.) Auch die Frei- sinnigen wollen uns germanisieren, nur in anoerer Weise. Die Nationalliberalen werfen uns Zusammengehen mit den Sozialdemokraten vor. Wir halten die sozialdemokratischen Ideen für falsch, schätzen aber ihren Opfermut und ihr R e ch t S- g e f ü h l, was ich bei den Nationalliberalen vermisse. Uebrigens haben wir nicht für den Sozialdemokraten S ch e i d e m a n n im Reichstag gestimmt, aber die N a t i o n a l l i b e r a l e n.(Große Heiterkeit.) Ohne unsere Nationalität hat für und das Leben keinen Zweck. Lassen Sie uns unsere Nationalität, geben Sie uns Schulen und alle Einrichtungen, und wir werden uns nicht absondern. Aber durch Ausnahmegesetze andern wir uns nicht.(Beifall bei ien Polen.) Abg. Borchardt(Soz.): Nur mit überlegenem Humor wird die Nachwelt auf alle diese Versuche herabschauen, uns zu beweisen, daß die preußische Polen- und Dänenpolitik auf der Gerechtigkeit beruht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach der heuligen Ministerede bleibt es strittig, wem da die Palme gebührt. Man denke— nach dem Abg. Viereck ist das furchtbare Verbrechen begangen, daß in Bromberg fich die polnischen Handwerker vermehren. Und das Verbrechen der Nichtillnmination am KaiserSgeburtstag rief Hekr Viereck so laut hier ans, daß man nicht wie sonst an die R e d n e r t r i b ü n e herangehen muß, um ihn zu verstehen.(Heiterkeit.) Wollte ein Pole boshaft sein, so brauchte er nur Bayer oder Sachse werden— so wurde es gesagt— und hätte überall das Ansiedlungsrecht. Nein, sagt der Minister, er hat dasselbe Recht wie— alle Preußen. Ach, es kommt Ihnen nur darauf an, was man als Recht oder Unrechte ansehen will.(Sehr wahr l links.) Da wäre es doch vornehmer, ruhig herauszusagen, daß man die Polen wegbringen will und daß eö nur � �. eine Machtfrage ist.— Der Landwirtschaftsminister hat sich darüber beschwert, daß in' Aestsalen viele polnische Arbeiter sozialdemokratisch ge- wählt haben Nun, nach der heutigen Ministerrede wird das nun noch in e r h ö h t e m M a ß e der Fall sein I(Hört I hört I bei den Wvlsn) Die Polen verweisen auf die Garantie der Erhaltung der polnischen Nationalität im preußisch-ruisischen Vertrage von 1813 und in der Proklamation Friedrich Wilhelms III. Ach, man kann ja nicht durch ein Versprechen die Politik aus 100 Jahre binden. Und wer glaubt denn an die Einhaltung von Versprechen der- Diplomaten wenn hinter»hnen nicht die Macht steht, sie durchzusetzen. Auf dem Gebiet der juristtschen Auslegung, der Zwirnsfäden wird die Polensrage nicht entichreden werden, de n n immer noch haben die Machthaber das Reckt zu ihren, Werkzeug gemacht.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Die Hakatisten rechtfertiaen die Polenpolitik mit der Kultur- tätigkeit des Deutschtums. In den..Grenzboten' von 1008 schreibt der konservative Herr v M a s s o w, daß das Nationalgefnhl der Polen durch alle Verfolgungen nur gesteigert und ihre Staatsidee sich erst auf den Trümmern ihres Staates entwickelt hat. daß sie eine große nationale Kultur haben. Dazu haben die Pole» den preußischen Korporalslock gar nicht nötig gehabt.(Sehr wahr! bei den Polen.) Dann wird von einem Erislenzkampf PreiißenS gegen die polnischen und da, iiichen Loslrennungsbestrebimgen gesprochen. Dieses Argument könnte allenfalls allein Geivichi haben. Wenn die Pole» nack Wiederherstellung ihres Staates strebten dann befinden sie sick dock nur i» derselben Lage wie die P r e u ß e n nach 1800, dann find sie nicht mehr Hochverräter, als unsere vielgerühmten Schill. K ö r n e r. L n tz o w und B l ü ch e r!(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten und Polen.) In der Rede Dr. SchiffererS, die leider infolge des tragischen Zwischenfalls nicht zu Ende ging, was besonders ich sehr bedauere(Heiterkeit), wunderte er sich über unser Eintreten für die Polen Wir allein sind ja dazu berechtigt aus Grund unserer internationalen Ge- finiinng. die jeder Nation ,�hr Eristenzrecht zubilligt und alle Bölkerverhetzung verwirft,(sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Aus dieser Gesinnung heraus verdammen wir die ganze Polenpolitik. Wir sind wohl überzeugt, daß die höchste Blüte der Kultur erst durch die Lermrlchung der Völker hervorgehe» wird. Freilich durch die freiwillige, durch die Völkerverhetzung imr ge- hinderte Vermischung. Nur infolge der preußische n R egierungSunfähig- »eit haben wir eine Polenfrage. Sind doch— als Beweis damit— noch jetzt im Elsaß nach 40 Jahren französische Tendenzen vorhanden, obgleich die Elsäffer zumeist Deutsche sind. Aber nicht einmal diese Deutschen vermag die preußische Manier des Re- gierens einzugliedern, die gleich bereit ist, mit dem Jnscherbenschlagen von feierlich gegebenen Verfassungen zu drohen.(Beifall bei den Sozialdemokraten und Polen.) Nun drohen Sie scheinbar mit der Anwendung des EnteignungS- gesetzes»ach dem jahrelangen Drängen und Hetzen der Hakatisten. An eine Wandlung der Regierungsanschauung aus Eigenem wird niemand in Deutschland denken! Die Abgg. Gla tz e l und v. Zedlitz haben verkündet, daß sie gegen Enteignung unpersönlicher Einnahmequellen nichts einwenden. (Bravo!) Aber nur kein Ausnahmegesetz. Bringen Sie doch ein Euteignungsgesetz für alle unpersönlichen Ein- nahmequellen ein. Wir find dabei ganz mit Ihnen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Worte des Ministers gegen die katholischen Ansiedler im Osten sind eine Geringschätzung, indem sie sagen, daß diese Deutschen sofort polnisch werden, wenn sie heiraten und Geschäfte treiben. So schlimm ist es ja nicht. Denken Sie nur an die Ger- manen Podbielski, Posadowsky usw. Namens des p r e u ß i s ch e n Volkes, das hinter uns steht, protestieren wir gegen die Politik der Regierung, die keine Ver- schmelzung der Polen mit den Deutschen will und damit die fried- liche Germanisierung, sondern die Vernichtung der Polen will. Rührend ist ja die Fürsorge der sonst so antisemitischen Rechten für die Juden in Posen, die damit als germanisiert anerkannt wurden! Das ist ja interessant, darüber können wir ein andermal reden. Freilich, aus der Bedrückung der Polen hat mancher deutsche Großgrundbesitzer großen Nutzen gezogen, denken Sie nur an das systematische Hinauftreiben der Grundpreise. Die Polenpolitik schädigt, obgleich sie von der Regierung des Staates getrieben wird, die Interessen des Staates. Wir müssen gegen die ganze Polenpolitik protestteren, aber nicht nur wegen ihrer Wirkungslosigkeit, sondern auch wegen ihrer Ungerechtigkeit, Gehässigkeit und völkerverfeindenden Wirkung. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Z e d l i tz hat wieder in der deutlichen Absicht, uns zu provozieren, schwere Beschimpfungen gegen meinen Freund Scheidemann ausgestoßen. Die Herren sind sonst so empfindlich bei jeder Aeußerung von uns. Die Aeußerung des Herrn v. Zedlitz war einfach eine Beleidigung und offenbar eine beabsichtigte Beleidigung. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es sollte das alte System fortgesetzt werden, das man hier seit Monaten und Jahren befolgt, uns Sozialdemokraten inimer und immer wieder zu reizen und zu provozieren. Das wird Ihnen nicht gelingen. Wir lassen uns nicht provozieren und es fällt mir gar nicht ein, auf die Aeußerungen des Herrn v. Zedlitz irgend etwas zu antworten. Ich kann es schon deshalb nicht, weil ja dann der Ton dieses Hauses wieder bedenklich Schaden leiden würde, der natürlich gar nicht geschädigt wird, wenn Herr v. Zedlitz einen Reichstagsabgeordneten beschimpft.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich will jedenfalls feststellen, daß all solche Aeußerungen an uns gar nickt heran reichen. Mein Freund Scheidemann und wir anderen stehen turmhoch über solchen Aeußernngen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Nur eins wundert mich: Wenn hier einer von unseren Rednern das Herrenhaus auch nur erwähnt, dann werden wir schleunigst unterbrochen und darauf hingewiesen, daß es nicht zu den Ge- pflogenheiten dieses Hauses gehöre, die Gepflogenheiten des anderen Hauses herabzusetzen. Das andere Haus nimmt diese Rücksicht nicht. Es sind gestern dort Aeußerungen gefallen, die wiederum eine Be- leidig»» g dieses Hauses in sich schließen. Vizepräsident Dr. Porfch: Aber da? gehört doch nicht zur Sache.(Abg. Hoffmann ruft: Aber Herr v. Zedlitz dqrf es I) Abg. Borchardt(Soz.)(fortfahrend): Im Herrenhause sagte gestern Herr- v. Buch: Das Uebel der späten Etatsberatung liegt ganz wo anders. Das Parlament muß selbst dafür sorgen, daß der Etat am 1. April in Kraft treten kann. Es wäre wohl möglich gewesen, im anderen Hause die Debatten ohne Schaden für Europa so abzukürzen, daß der Etat rechtzeitig fertiggestellt worden wäre. Wäre der Landtag vor Weihnachten einberufen worden, so wäre die Folge nur gewesen, daß die Abgeordneten ihre Freikarten hätten benutzen können.'(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist doch eine Beleidigung, die sich gegen das Abgeordnetenhaus richtet. Uns Sozialdemokraten kann sie ja nicht treffen, denn wir sind imnier hier und haben größtenteils keine Freikarten. Ich habe aber nicht gehört, daß Herrn v. B u ch solche Beleidigungen de» anderen Hauses verwiesen worden sind. Uns dagegen wird jede Aeußerung immer gleich verwiesen, obwohl wir derartige niedrige Beweggründe den Herren im Herren- haus niemals unterschieben. Das fällt uns nicht ein, dazu steht uns das Interesse am Ton und am Niveau der Debatte viel zu hoch. Wenn Herr v. Z e d l i tz sich Beleidigungen gegen Mitglieder des Reichstages erlaubt, so geht ihm das ungestraft hin. Es wird eben auch hier wie überall in diesen, Hause mit zweierlei Maß gemessen. (Beifall bei den Sozialdeniokraten.) Abg. Nissen(Däne): Die Vorlage ist ein Ausnahmegesetz, dessen Begründung auf wackeligem Sandboden steht. Warum läßt man uns Dänen nickt friedlich mit den Deutschen nebeneinander leben. Es ist erfreulich, daß sich Sozialdemokraten, Freisinnige und Zentrum entschieden gegen das Gesetz ausgesprochen haben, denn hinter diesen drei Parteien steht die Mehrheit des preußischen Volkes. Ein Schlnßantrag wird angenommei» Abg. Frhr. v. Zedlitz(persönliche Ben,erkung): Ich lege Wer- Wahrung ein gegen die Behauptung des Abg. Borchardt. daß ich in geschäflsordnungswidriger Weise hier den Abg. Scheide- m a n n beschimpft hätte. Ich habe nur die Ausführungen meines FrenndeS Schultz wiederholt, die von den, der liberalen Richtung angehörigcn ReichstagSpräsidentcn nicht gerügt worden sind. Abg. Borchardt(persönlich): Es ist mir gar nicht eingefallen. mich deshalb gegen Freiherr V. Zedlitz zu wenden, weil et gc* schaftsordnungswidriger Weife meinen Freund Scheioemann beschimpft hat. Ich habe die Beschimpfung zurück- gewiesen, ganz egal, ob sie in gescksiiftsordnungswidriger oder ge- scksiiftsordnuiigsmäßiger Form erfolgt ist. Ich habe nur feststellen wollen, daß Herr v. Zedlitz den Abgeordneten Scheidemann be- leidigt hat in einer Weise, die das Niveau des Hauses herabsetzen mußte.(Lautes Lachen rechts.) Ach so, Sie meii:n, daß das Niveau dieses Hauses gar nicht mehr weiter herab- gesetzt werden kann.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe weiter festgestellt, daß er dabei vom Präsidenten nicht gerügt worden ist, während ich bei viel zahmeren Kritisierungen der Mitglieder anderer Härder stets unterbrochen wurde.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auf Antrag der Polen findet eine namentliche A b st i m- m u n g statt. An der Ilbstimmung beteiligen sich 109 Abgeordnete (113 ja, 86 nein). Das Haus ist also beschlußunfähig. Vizepräsident Dr. P-rsch beraumt für 3� Uhr eine neue Sitzung an mit der Maßgabe, daß die eben verhandelte Vorlage an den Schluß der sonst noch zu cucoigendcn Tagesordnung gestellt wird. ••• Zweite Sitzung: Zunächst steht das. Etsenbahnanleihegesetz zur zweiten und dritten Beratung. Llbg. Strosser(k.) kommt auf die Graven st adener An- gelegen heit zurück und gibt seiner Empörung über die Reso- lution des elsaß-lothringischei� Landtages Ausdruck. Keiner war weniger berechtigt, über das Sinken des Niveaus des Parlaments zu reden als Herr Borchardt.(Sehr richtig?) Herr Scheide- m a n n hat im Reichstag die Stirn gehabt, uns allen mit Aus- nähme der sechs Sozialoemokraten unser Recht als Abgeordnete abzusprechen. Tiefer kann das Niveau eines Parlaments nicht mehr sinken, als gestern im Reichstag. Die Erklärungen des Reichskanzlers und die Haltung der preußischen Regierung in dieser Angelegenheit erfüllen uns mit hoher Genugtuung und Freude.(Lebhafter Beifall.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Unsere nationale Pflicht nötigt zu der Stelltzng, die der Reichskanzler und die Eisenbahn- Verwaltung einnehmen. Gibt die Fabrikleitung nicht nach, daß sie ihren Direktor entläßt, dann müssen die für die Fabrik reservierten Aufträge a n d e r w c i t i g vergeben werden.(Lebhafter Beifall.) Eisenbahnminister v. Breitcubach: Mit den Vorrednern bin ich einer Meinung. Wird der Direktor der Fabrik nicht inner- halb einer kurz bemessenen Frist entlassen, werden wir die Aufträge andcrloeitig vergeben.(Lebhafter Beifall.)' Abg. Röchling(natl.) f Das nationalfeindliche Verhalten des Direktors der Gravenstader Fabrik wäre unter französischer Herr- schaft nicht möglich gewesen, da wäre ganz anders vorgegangen worden.(Lebhafte Zustiininung.) Unsere Regierung ist mit großer Rücksicht und Milde vorgegangen und hat dafüp nur Schimpf und Schande gecrntet.(Lebhafte Zustimmung.) Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Wenn man die Ausführungen namentlich des ersten Redners heute hier gehört hat. so muß man sich fragen, was das alles mit der Sekundärbahn Vorlage zu tun haben soll, und kann sich eines Lächelns nicht erwehren. Ueber alles mögliche ist ge- sprachen worden, aber die Vorgänge im Reichstag stehen doch niit der Sekundärbahnvorlage nur in sehr losem Zusammenhange. Es wird daher wohl auch mir gestattet sein, nicht zur Sache zu sprechen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Art, wie Frhr. v. Zedlitz gegen meinen Freund Scheidemann polemisiert hat, beweist, wie sehr dessen Hiebe gesessen haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber sie ist auch der beste Be- weis dafür, daß Deutschland von Preußen aus regiert werden soll. Es ist offenes Geheimnis, daß alle Hebel dafür in Bewegung gesetzt werden sollen. Ich will mich auf die persönlichen Angriffe gegen meinen Freund Scheide ina n n hier nicht weiter ein- lassen. Ich stelle fest, daß Herr S t r o s s e r von der Tribüne dieses Parlaments aus einem Mitgliede einer anderen gesetzgeben- den Körperschaft den Vorwurf macht: Er hat die Stirn, das und das zu behaupten. Dabei schimpfte Herr Strosser nach seiner Gewohnheit auch auf die Sozialdemokraten, die sich an der Debatte gar nicht beteiligt haben. Ich hatte den Eindruck, daß Herr Siros s er uns zu irgendwelchen unvorsichtigen Zwisch'enru fen anreizen will. Er wird damit kein Glück haben. Sogar den Fall Bodchardt hat er angezogen. Es ist mir beim"besten Willen nicht erfindlich, was dieser mit der ÄkundäiHahnvorlage zu tun hat. Wenn aber Herr S t r o s s e r sagt,, tiefer kann niemand das Parlament herabdrücken, alS Herr Borchardt, so sollte er sich an seine eigene Nase fassen und nicht fortwährend zu provozieren suchen. Er macht sich dadurch weit schuldiger, als derjenige, der sich zu unbedacksten Aeußerungen hinreißen laßt. Scheidemann soll Preußen beleidigt haben. Das ist nicht der Fall.(Lachen techts.— Abg. Ho ff mann (Soz.): Sie halten sich für Preußen!) Offenbar haben Sie die Rede Scheidemanns nicht gelesen oder nicht verstehen wollen. Er hat kein Wort der Beleidigung gegen Preußen ausgesprochen. (Lachen rechts.) Lesen Sie die Rede des Reichskanzlers, und darin werden Sie die Zwischenrufe der Sozialdemokraten verzeichnet finden, daß Scheidemann nicht vom Lande, sondern von der preußischen Regierung, gesprochen hat. Er hat weder das preußische Volk, noch das preußische Land beleidigt, sondern Angriffe gegen die preußische Regierung gerichtet. Zum Gravenstadener Fall weise ich darauf hin, daß zuerst Herr S t r o s s e r die„schrecklichen" Vorgänge im Elsaß hier zur Sprache brachte. Daß der von der Regierung geübte Terrorismus seine Billigung findet, ist doch selbstverständlich. Aber Sie verurteilen natürlich nur in der Theorie den Boykott. Sie finden nicht genug Worte sittlicher Entrüstung, daß die Polen sich von den Deutschen absondern(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) und tun hier dasselbe. Der Direktor der Fabrik soll entlassen werden. WaS wird aus den 2000 Arbeitern?(Sehr wahr! bei den Sogialdemo- traten.) Wenn gewerkschaftlich organisierte Arbeiter verlangen, daß ein Vorgesetzter entlassen wird, der die Arbeiter schlecht be- handelt, oder in ähnlichen Fällen, die die Arbeiter angehen, dann verlangen Sie, daß gegen den Terrorismus der Gewerk- schaften eingeschritten wird. Wir verurteilen den Terrorismus in jeder Form und sind der Meinung, daß die Eisen- bahnen einzig und allein dem Verkehr zu dienen haben und die Verwaltung es unterlassen- soll, Politik zu treiben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Strosser(!.): Es handelt sich hier nicht um einen Terra- rismus der Regierung, sondern um den der Fabrik gegen deutsche Arbeiter und alles, was deutsch ist. Abg. Hirsch-Berlin(Soz.): Nach dieser Erklärung muß ich an- nehmen, daß Herr S t r o s s c r nicht weiß, was er gesagt hat. Seine Ausführungen liefen darauf hinaus, daß er dem Terroris- mus der Negierung das Wort geredet hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.). Abg. Strosser(k.): Ich halte es unter meiner Würde. darauf zu antworten.� Das Gesetz wird darauf auch in dritter Lesung angeq n o m m e n. Nächste Sitzung Montagll Uhr. Anträge Aronsoha und Fried berg ans Aeiiderung deS Landtagöwahlrcchtcs, Schluß 5 Uhr._ Hu9 der partei* Eine Konferenz sozialdemokratischer Gemeindcvertreter für den Agitationsbezirk Breslau, der die Reichstagswahlkreise Breslau-Ost und West, BreSlau-Land-Neumarkt, Liegnitz-Haynau, Glogau, Milisich-Trebnitz, Ohlau-Strehlen, Brieg-Namslau, Neisse, Neustadt und Grottkau-Falkenberg umfaßt, tagte am Himmelfabrlstag im Breslauer Gewerkschaslshanse. Anwesend waren 74 sozialdemo- kralische Stadtverordnete und Landgemeindevertreter. Festgestellt wurde, daß die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter in den Kommunen in einem Jahre von 08 auf 134 ge- stiegen i st. Nach einem Vortrage des Stadtverordneten Genossen N e u k i r ch- Breslau über„Steuern und Abgaben in den Gemeinden' fand eine lebhafte Diskussion statt, in der besonders hervorgehoben wurde, daß durch die Tätigkeit der sozialdemokratischen Vertreter, z. B. durch die Jagdpachten, jetzt viel mehr Geld in die Gemeindekassen fließt. In einem Falle stieg die Jagdpacht von 180 M. auf 90 0 M. in einem anderen Dorfe von 450 auf 9 00 Mark, wieder in cinein anderen Dorfe von 230 auf 2 3 0 0 M a r k. In zahlreichen anderen Orten brachten außer den Jagdpachten auch noch die Verpachtungen des Obstes erhöhte Einnahmen. Durch das tatkräftige Eingreifen unserer Genossen bei Vergebung des geschlagenen Holzes aus dem Gemeindewalde wurden der Gemeindekasse eines Dorfes allein 10000 Mark mehr als früher zugeführt. Viele Beispiele wurden noch angeführt, wo durch die Aufmerksamleit und Umsicht unserer Genossen den Gemeinde« Parlamenten größere Einnahmen zugeführt werden konnten. Die Konferenzen der Gemeindebertreter sollen wiederholt werden. In der nächsten soll das Gebiet der Armenpflege und des Schulwesens behandelt werden. Totenliste der Partei. Einer von der alten Garde, der Genosse Wilhelm Dreher, ist am Donnerstag im Alter von 65 Jahren in Stockelsdorf bei Lübeck gestorben. Dreher war von Jugend auf in der Arbeiter- bewegung tätig. Bis zum Jahre 1890 war er Kassierer des Zentral- Vereins deutscher Former. In der sozialdemokratischen Partei, für die er eifrig tätig war, bekleidete er verschiedene Ehrenämter! so war er Mitglied des Zentralvorstandes für das Fürstentum Lübeck, Kassierer des Ortsvereins Stockelsdorf und Mitglied des Gemeinde- ratS dieses OrtS. Ehre seinem Andenken! Die Unterstühungsvercinigung der in der Arbeiterbewegung Tätigen hielt am Freitag und Sonnabend eine'Generalversammlung ab. Dieselbe war notwendig geworden zur Prüfung der Frage, in- wieweit die Unterstützungsvereinigung den Bestimmungen der neu- geschaffenen Reichsversicherung für Privatangestellte anzupassen sei. EZ wurde beschlossen, den Charakter der Unterstützungsvereinigung nicht zu ändern. In Anlehnung an die Anstellungsbedingungen des Vereins Arbeiterpresse, die für den überwiegenden Teil der Partei- und GewerlschaftSangestellten Geltung haben, wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die Verlage. Gewerkschaften usw. die den An- gestellten aus der neuen Versicherung erwachsende Belastung auf sich nehmen. Bei Besprechung des Wahlausfalles von Barel-Jver hat die „Chemnitzer Volks stimme" der Redaktion des„Nord deutschen Volksblattes" in durchaus ungehöriger Weise.traurige Unfähigkeit" bei Führung deS Wahlkampfes vorgeworfen. In be- greiflicher Erregung verteidigt sich das angegriffene Blatt in einem sehr derb zufassenden Artikel. Es ist nur zu wünschen, daß die in Betracht kommenden Parteiinstanzen recht schnell eingreifen, um diesen unerquicklichen und zwecklosen Auseinandersetzungen ein Ende zu machen. polueiliebes, Gerichtlichea ufw. Ein sozialdemokratischer Redakteur kann keine Parteiinteresscn vertreten. Das Landgericht M e i n i n g e n verurteilte den Redakteur Genossen Zorn vom Saalfelder.Volksblatt" zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen, weil er in einer Notiz den Malzfabrikanten Prossen in Welkershausen, der in einer Wählerversammlung die sozialdemokratische Partei angegriffen hatte, beleidigt haben soll. In der hiergegen an das Oberlandesgericht Jena eingelegten Berufung verlangte der Angeklagte die Frei- sprechung, da er als Redakteur eines Parteiblattes zweifellos das Recht und die Pflicht habe, gegen die sozialdemokratische Partei ge- richtete Angriffe zurückzuweisen und daß deshalb Z 193(Wahr- nehmung berechtigter Interessen) in Frage komme. Das Ober- landesgericht verwarf jedoch die Berufung mit folgender seit- samen Auslegung des Z 193:„Mit Recht findet das Gericht im An- schluß an die Rechtsprechung des Reichsgerichts, daß sich der Angeklagte auf ein berechtigtes Interesse nicht berufen kann. Er kann nur behaupten, daß der Privatkläger die sozialdemokratische Partei angegriffen habe, nicht auch, daß sich sein Angriff auch gerade gegen ihn als Anhänger dieser Partes persönlich gerichtet habe. Dann hatte er aber kein eigenes Interesse und d a s Interesse der sozialdemokratischen Parter zu schützen war er nicht berufen. Er ist als sozialdemo- kratischer ZeitungSredakteur nicht Vertreter dieser und alS persönlich überzeugter Anhänger dieser darf er diese zwar gegen andere in Schutz nehmen, aber nicht in der Weise, daß er durch diese andere beleidigt." In diesem Urteil wird also der von verschiedensten Gerichten ausgesprochene Grundsatz, daß ein Redakteur in erster Linie berusen ist. die Interessen seiner Partei zu wahren, einfach aufgehoben. Interessant wäre nun, zu erfahren, wer denn eigentlich die Interessen der Partei wahren kann, wenn es der Redakteur nicht tun soll I jfugenäbe\vegiing. AuS der österreichischen Jugendbewegung. Die Agitation gegen den gewerblichen Abend- Unterricht an den Fortbildungsschulen in Oesterreich wird von den Jugendlichen in unserem Nachbarstaat unverdrossen fortgeführt. In Wien, wo bekanntlich das neue, prachtvolle Fortbildungsschul- aebäude leerstehcn muß, fand letzthin wieder eine große Demon« strationSversammlung statt, zu der die Jugendlichen aus den einzelnen Stadtbezirken in Viererreihen anmarschiert kamen, was den Staat nicht weiter erschütterte. 362 neue Mitglieder traten dem Verband der jugendlichen Arbeiter in dieser einen Versammlung bei. Senats-Leitung. Der Pastor als Erzieher, Erbauliches aus der Konfirmandenstunde erfuhr man in einem Prozeß, der gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte gegen den an der Pfingstkirche(Petersburger Platz) amtierenden Prediger Ludwig Sylvester verhandelt wurde. Sylvester war angeklagt, im September vorigen Jahres im Konfirmandenunterricht einen Knaben Richard Lenz vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben, nämlich ihn an beiden Ohren so geschüttelt zu haben, daß die Ohrmuscheln einrissen. Auf den Starfantrag des Vaters deS mißhandelten Knaben hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Pastor erhoben, außerdem war der Vater als Nebenkläger znge- lassen worden. Der Angeklagte Sylvester wurde vom Gericht während der ganzen Verhandlung mit einer Rücksicht behandelt, die wir durch- aus billigen, aber auch an anderen Angeklagten wünschen. Er bc trat nicht den Anklageraum, sondern nahm, wie wenn das bei Angeklagten wegen vorsätzlicher körperlicher Mißhandlung etwas Selbstverständliches sei, Platz am Verteidigertisch, ohne daß der Vorsitzende ein Wort darüber verlor. Prediger Sylvester erklärte, er erinnere sich nicht, Lenz an den Ohren gepackt zu haben. Aus seinen Konfirmandenstunden erzählte er, daß da von den Jungen viel Unfug getrieben werde. Einmal habe er im Unterrichtssaal die übelriechenden Spuren einer Stinkbombe entdeckt, und da habe er in der nächsten Stunde den Richard Lenz, den er für einen Teil- nehmer dieses Streiches hielt, vorkommen lassen. Weil Lenz hier- bei sich ungehörig benommen habe, indem er sich an das entgegen- gesetzte Ende des Saales begab und ihm, dem Pastor,„einen ver- ächtlichen Blick zuwarf", habe er, Sylvester, ihm-einen Backenstreich gegeben. Das war alles, was er getan zu haben sich erinnerte. Für die Beweiserhebung waren siebzehn Zeugen geladen war- den, darunter ein Dutzend Konfirmanden des angeklagten Pastors. Daß er Lenz tatsächlich an den Ohren gepackt habe, bekundete Lenz selber und mit ihm eine Reihe anderer Knaben. Lenz sagte noch aus, Prediger Sylvester habe ihm auch Hiebe ins Kreuz gegeben, und auch das wurde von einem der anderen Knaben bestätigt. Mit welchem Erfolg der Prediger ihn an den Ohren geschüttelt hatte, davon hatten sich hinterher mehrere Knaben überzeugt. Sie be- kündeten, gesehen zu haben, daß dir Ohren bluteten. Die Riß- wunden hinter den Ohren waren auch von einer als Zeugin auf- tretenden Nachbarin der Eltern des mißhandelten Knaben besichtigt worden, sowie von einem Kriminalwachtmeister Becker, der noch an demselben Tage auf dem Polizeibureau um Entgegennahme der Strafanzeige ersucht wurde. Zeuge Becker gab auf Befragen des Rechtsbeistandes des Nebenklägers noch an, daß ein paar andere Polizeibeamte, die auf dem Bureau die Ritzwunden gleichfalls sahen, ihre Entrüstung darüber äußerten. DaS ärztliche Attest, das dem Gericht vorlag, bescheinigte, daß hinter dem einen Ohr sich eine„zirka IVi Zentimeter lange,% Zentimeter breite, klaffende Wunde" befand und die Ohrmuschel geschwollen war, daß hinter dem anderen Ohr sich eine„ähnliche, etwas kleinere Wunde" be- fand und auch hier die Ohrmuschel geschwollen war. Der Arzt nahm au, diese Verletzungen seien zu erklären aus einem„mit großer Gewalt ausgeübten Zug an beiden Ohrmuscheln". Der An- geklagte Sylvester blieb gegenüber allen Bekundungen dabei, er habe weiter nichts als einen Backcnstreich gegeben. Der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, wünschte, noch einiges über die sonstige Erziehungsmethode des Pastors festgestellt zu sehen. Aus Befragen bekundete Lenz, der Herr Pastor habe mal geschimpft:„Ihr verfluchten roten Hunde!" und ein andermal habe er gedroht:„Ich nehme den ersten besten raus und schlage ihn zum Krüppel!" Sylvester bestritt das, und andere Zeugen wußten hierüber nichts. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Kurt Ulrich, suchte zu zeigen, mit„welcher Sorte von Jungen" der Prediger Sylvester zu tun gehabt habe. Sehr sonderbare Dinge erfuhr man da aus dem Munde des Pastors Schlegelmilch, der eine Zeitlang seinen Amtsbruder Sylvester im Konfirmandenunterricht vertreten hatte. Zeuge Schlegelmilch erzählte, die erste Stunde habe mit einem„großen Riesenradan" begonnen. Es sei ihm kaum möglich gewesen, die Jungen in Zucht zu bringen. Einen, der besonder? obstinat gewesen sei, habe er an der Brust gepackt und hin und her geschüttelt.„Kannst Tu Dir denn das in der Schule erlauben?" habe er ihn gefragt, und der Junge habe geantwortet:„Nee, in der Schule nicht!" Nachher sei auf gutes Zureden der Junge weich geworden und habe mit Tränen erzählt, er müssen jeden Abend bis 4*11 Flaschen spülen. Zeuge mein!, dieser Junge sei in den Konfirmandenunterricht voll Widerspruch und Haß hineingekommen mit der Absicht, zu spektakeln. Er habe das dem Jungen dann auch vorgehalten und ihn gefragt, das höre er wohl zu Hause. Rechts- anwalt Rosenfeld: Hat er es Ihnen zugegeben? Pastor Schlegel- milch: Ja, unter Tränen. Rechtsanwalt Rosenfeld: Hat er ge- sagt, er sei zu Hause beauftragt worden, obstinat zu sein? Pastor Schlcgelmilch: So nicht; aber durch Stillschweigen hat er es zu- gegeben. Auf weiteres Befragen sagt Zeuge, er selber habe keine Ohrfeige gegeben, nicht an den Ohrmuscheln gerissen, nicht ins Kreuz geschlagen, und er halte es auch nicht für richtig, das zu tun. Tolleres noch berichtete ein anderer von der Verteidigung geladener Zeuge, der Kirchendiener Winkel. Im Konfirmandensaal seien von den Jungen große Kieselsteine oder Erbsen umhergeiireut worden, Schmalzstullen habe man an den Ofen geklebt, so daß der Saal von Gestank erfüllt wurde, Gummi habe man auf den glühenden Öfen geworfen, daß keiner im Saal bleiben konnle. Wenn zuvia Radau war, sei öfters er selber hineingegangen. Manchmal sei er dazwischen gefahren und habe„die Jungen an den Ohren gefaßt und ihnen Ohrfeigen gegeben", weil er„sich nicht anders Helsen konnte". Auf Befragen durch den Verteidiger gibt Zeuge noch an, des Pastors Ueberzieher sei mit Kreide beschmiert und auf die Erde geworfen worden, ja, sogar Pferdemist habe man in den Saal ge- streut. Ob dem Pastor auch der Hut eingetrieben worden sei, das konnte er nicht sagen. Nach dieser Beweiserhebung sah der Amtsanwalt die vorsätz- liche Körperverletzung, die durch Ohrenschütteln entstandenen Riß- wunden, als erwiesen an. Da aber der Geistliche daS Züchtigungsrecht habe und dem Angeklagten nicht nachgewiesen sei, daß er es wissentlich überschritten habe, so müsse er— straffrei bleiben. Den Angeklagten nahm sein Verteidiger. Rechtsanwalt Ulrich, gegen den etwaigen Verdacht in Schutz, daß er hier vor Gericht wissentlich die Unwahrheit gesagt habe. Möglich sei, daß er, ohne davon noch zu wissen, in der Erregung die Ohren gepackt habe. Um diese Erregung zu begründen, wies der Verteidiger entrüstet auf die von ihm der häuslichen Erziehung zur Last gelegte tolle Wirt- schaft hin, die— wie Schlegelmilch und Winkel bekundet hatten — unter Sylvesters Konfirmanden geherrscht habe. Aus solchen Früchten folgerte er nicht etwa, daß Sylvesters Erziehungsmethode durch eine andere ersetzt werden müsse, sondern sie waren ihm ein Beweis dafür, daß Sylvester habe hauen müssen. Habe er dabei sein Züchtigungsrecht überschritten, so sei das nicht seine Absicht gewesen und er sei daher freizusprechen. Als eine„brutale Mißhandlung" bezeichnete der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Rofenfrlb, das durch die Beweisaus- nähme festgestellte Verhalten des Pastors Sylvester. Er hob her- vor, daß Pastor Schlegelmilch ganz anders mit den Jungen um- gegangen sei und hier vor Gericht recht deutlich von seinem Amts- bruder abgerückt sei. Dem Geistlichen sei das Züchtigungsrecht gegenüber seinen Konfirmanden zu bestreiten, solle es ihm aber zugebilligt werden, so sei Sylvester mindestens zu weit gegangen und er verdiene Bestrafung. Anderenfalls würde man beklagen müssen, daß gegenüber den prügelnden Pädagogen die Recht- sprechung versagt. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Erwiesen sei, daß Syl- vcster den Jungen an den Ohren geschüttelt und ihm die im Attest bescheinigten Verwundungen beigebracht habe. Das ZüchtigungS- recht steht ihm zu, da es nach Reichsgerichtserkcnntnis sich aus dem Erzichungsrecht und dem Erziehungsziveck ergebe. Züchtigung sei auch im Konfirinandenunterricht nötig, aber im Fall Lenz habe Sylvester das Zulässige überschritten. Da er indes in der Er- regung und ohne Absicht zu weit gegangen sei, so müsse er straffrei bleiben. Den Eltern sei dieser Prozeß gegen den mit Gottcöwort und Hieben erziehenden Pastor zu sorgfältigster Beachtung empfohlen. Prediger Sylvester hat, um sich selber zu entlasten, durch seine Zeugen dem Gericht ein Bild davon entwerfen lassen, in welche Zustände die Kinder hineingegcben wurden, die man ihm als Konfirmanden zuwies. Sein Verteidiger hat den Elter« die Schuld zuzuwälzcn versucht, wobei er einen besonderen Trumpf auSzu- spielen glaubte mit der Erklärung, der Geistliche müsse Kon- firmanden unterrichten, deren Eltern großenteils der Kirche feind- lich gegenüberstehen. Vielleicht wird das manchen Vater und auch manche Mutter nachdenklich stimmen, so daß sie eine Lehre daraus ziehen. Juristisch ist das Urteil auffallend, da selbst wenn nur eine „fahrlässige" Körperverletzung vorliegt, auch ohne Antrag nach § 232 des Strafgesetzbuches Strafe einzutreten hatte, weil die Körperverletzung mit Uebertretung einer Amtspflicht begangen ist. Im Baer BäÖStr.ZfiprinV.-Alloo i Herren- und Knaben- [ Moden, Berufakleidung. k Eleg. Paletots. Ulster. » Großes Sloltlager zur Anfertigung n.MaB. 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Inserats erhält beim Kauf 5 M. gutgeschrieben Hcnte 8 IQ nnd 8—0 Ihr geafTfaet. OeffenMche politische Protest-Versammlungen «m UUivsch, den 22. Mai, Ms 81 Uhr. Jndustrie Festsäle, Beuthstr. 19/20. Bock-Brauerei, Am Tempelhofer Berg. Gewerkschaftshaus, Engeluser 13. Granman», Naunynstr. 27. Urania, Wrangelstr. 9/10. Andreas-Festsüle, Andreasstr. 21. Artushof, Perleberger Str. 26. Germania-Prachtfäle, Chausseestr. 110. Pharussäle, Müllerstr. 142(Ä Versammlungen) Kastanienwäldchen, Badstr. 16. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swincmüuderstr.�s Prater-Theater, Kastanienallee 7/9. in folgenden Lokalen: Boekers Gesellschaftshans, Weberstr. 17. Elysium, Landsberger Allee 40. Comenins-Säle, Memeler Str. 67. Brauerei Friedrichshain, Am Fricdrichsham 16/23. Sophien-Säle, Sophienstr. 17/18. Stadttheater Moabit, Alt-Moabit 47/49. Referenten: Baudert- Apolda, Eduard Bernstein, Otto Büchner, Ernst Däumig, Emil Dittmer, Dittmann-Solingen, Dr. Herzfeld, Adolf Hoffmann, Hildenbrand-Stuttgart, Paul John, Wilhelm Pfannkuch, Dr. Max Ouarck-Frankfurt k.M.. Dr. Kurt Rosenfeld, Heinrich Ströbel, Georg Schmidt, Schöpflin-Stollberg» Heinrich Schulz, Fritz Zubeil» Luise Zietz. Wahlkreise Teltow-Beeskow und Nieder-Barmm: Charlottenburg, Volkshaus, Rosinenstr. 3.j l Neukölln, Neue Welt, Hasenheide.> Reinickendorf-West, KnoblichS Festsäle, Köpenick, Stadttheater. Ober-Schöneweide, Wilhelminenhof. Scharnweberstr. 14. Friedrichsfelde-Nen-Lichtenberg, Bürger, Oranienburg, Frahm, Schützenstr. 34. Rnmmelsburg, Casö Bellevue, im Garten. Prinzenallee 30. Pankow, Ebersbach, Berliner Str. 102. Schöneberg, Schloßbrauerei, Hauptstraße. Friedrichshagen, Eiskeller, Frieörichstr. 96/97. s Reinickendorf-Ost, Seebad, Residenzstr. 49. Weißensee, Schloß Weißensee. Lichtenberg, Arnhold, Frankfurter Chaussee 3.1 1. Referenten: Julian Borchardt, Otto Brau», Paul Tnpont, Theodor Glocke, Haberland-Düffeldorf, Konrad Hänisch, Paul Hirsch, Hofrichter-Köln, Käppler-Altenburg, Dr. Karl Liebknecht, Waldeck Manaffe, Hermann Müller(Parteivorstand), Dr. Hermann Wetzl, Georg Ucko. Tagesordnung: Die Wahwechtsfrage im prenhischen Abgrordnetenhause. Arbeiter! Parteigenossen und Genossinnen! Am Montag wird im Abgeordnetenhause eine Lebensfrage des Proletariats Preußens verhandelt. In den Versammlungen sollt Ihr zu diesen Verhandlungen Stellung nehmen. Sorgt fnr Massenbesuch! 204/13*______ Für die Einberufer: Eugen Ernst, Liesenstrahe 16. Deutsclier Tabakarbeiter-Verband ZohlHtclIe Berlin. Donnerstag, den 23. Mai 1912, abends Va® Uhr, in den„Musikersälen", Kaiser-Wilheluistr. ISm: Ksmb. Mitgliedkr Kkstammlnng. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom I. Quartal. 2. Bericht vom Verbands- tag in Hamburg. 3. Verbandsangelegenheiten. In Anbetracht der besonderen Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend geboten.« Die OrtSvcrwaltung. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. vurean u, Arbeitsnachweis: NO. 43, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadt 6789. �Dienstag, den 21. Mai, abends 8 Uhr: Mitglieder-Versa«»mlnng in den Musiker-Sälen» Kaiser-Wilhelmstr. 18ii». Tagesordnung: 1� Dritter ZyNuS.Vortrag der Gcnolsin Ida Altmann iiier:.Die deutsche L i> e r a t u r.' 2. Diskussion. 3. B e r i ch t e r st a t t u» g vom 4 Verbands tage in Leipzig. 4. BerschiedeneS. 108/9 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsvcrwaltnng. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Ol.»«..».»«-«-"l»-'»»--" General- Versammlung Tagesordnung: 24/9 l. WetchästS- und Kassenbericht. 2. Vorschläge zur Ersatzwahl zum Ber- band�vorstand 3. BerbandSangetegenhelten und BerlchiedeiieZ. == Mitgliedsbuch legitimiert.. >0- Die Versammlung wird pünktlich um>/,g Uhr erössnet. Zahlreichen«esuch erivartet»1« Qrtsvervaltnng. hir» Da» Bureau ist Sonnabend, den 2ü.Mai und DitNStag, den 28. Mai d. I. von miitag« 1 Uhr an geschlossen. D. O. Steinarbeitel'. Zur Belprechuug der Satzungen dcZ geplanten obligatorischen Arbeitsnachweises finden solgende Versammlungen statt: Montag, den 29. Mai. abends 8 Nhr, in den Musiker- säten, Kaisor-Wilhelm-Str. 18m. M a i* m o r I> i* a n c Ii e. Dienstag, den 21. Mai, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o. DM- Jeder Kollege ist verpflichtet, in der für ihn in Betracht kommenden Versammlung zu erscheinen. 171/12* 91« QrtsverHraltnnL. m Ortsgruppe Groß■ Berlin. Arbeitanachweis: Hos I. Amt Norden. Nr. 123g. Verwaltimpsteile Berlin Charitestraste 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden. Nr. 1987. Erwerbslose(Kranke). Der Pfingstfeiertage wegen finden die Zahltage der Krankcnunterstiitzung wie folgt statt: Für den 24., 23.,"0. Mai am Freitag, den 24. Mai. „„ 27., 28. Mai am Sonnabend, den 23. Mai. Am Sonnabend wird nur bis 12 Uhr gezahlt. Am Ntontag, dcit 27. Mai, und Dienstag, den 28. Mai wird keine Unterstützung gezahlt. gV Zur schnellen Erledigung der Geschgste werden die Kollegen höflichst ersucht, diese Zahltage genau zu beachten.-MG Die Zahlstelle 151 lNomoll) ist verlegt nach Lichtenberg. Marga- retenftr. IS. bei Stockfisch. 117/9_ D!« Ortsvcrwaltnng; Bureau: Kaiser-Wilhelm-Str. 18a. Geöffnet von 9—5 Uhr. Fernsprecher: Amt Könlgftadt, Rr. 6170. Postscheck-Konto Nr. 12720, August Pattloch. Stellennachweis geöffnet von 10— 1 Uhr. Montag, de« 29. Mat 1912, abends pnnktttck,« Nhr, in dcit Musikerfälen, Fkaefer-WNHehn-Str. 18m: MI- mil GmUNans Hsiiimr, UM. 7. An bester Lage.— Nahe Bahn und Post. Empfiehlt seine ncncingcrichtcten Hotelzimmer. Eleltrijch Licht— Zentralheizung— Bad. Angenehmer Aufenthalt. Reichhaltige Spelsenkarto. Ausmerlsamc Bedienung. Fernsprecher 7436. 231,7* vis Verwaltung Tagesordnung: 1.„Die Zentralisation der Krankentaffen in Berlin.* Referent: Kollege Stumpe. 47/8 2. Stellungnahme zu de» in der letzten Zeit vorgelommenen Differenzen in der Slllgemeinen Orts Krankenkasse zu Berlin. 3. VerbandSangelegenheitcn. VW" Im Interesse der Kollegcnschast und in Anbetracht der Tat- /ache, dast auch in anderen Kassen Mißstände vorhanden sind, ist vollzähliges und rechtzeitiges Erscheinen aller Kollegen dringend nötig. Vorstancksmltgllecker sowie Delegierte der Allgemeinen OrtS-Kranienkalse sind hiermit höflichst eingeladen. Die Ortsvcrwnltang. Achtung! Fabrikangestellte« Die in der VerbandSzeitiing zu Mittwoch, den LS. Mai angesetzte Berjanimlung fällt der Protestvcrsan,mlungen wegen aus. PanamMte m Exoten! für Herren».Damen(auch Einzelverkauf). Importpreise M. 7, 8, 12, 15, 20, 25, 30, 40, 50, 75, 100 bis 1000 pro Stück(bis 50 Prozent Ersparnis). Umtausch gestattet."MG Spezlalhnps 1. Ranges. Berlin, WilhelmslraBB 40 a Vereine und Gewerkschaften! Sophienstr..7/i8 Sophien-Säle Empfehle meine Säle und Garte», 100—1500 Personen saffciid, zur Abhaltung von Sommersesten.— Noch einige Sonnabende und So,»iln>,c >m September, ONober und Nopember frei. 3!81-< Job. Holckrlcbi ZastwiU. Verwaltung Berlin. Achtung! Achtung! ZelBnloi«!- Arbeiter und Arbeiterlimen. .YZontag, de» SO. Mai. avcnos 8 Uhr. im Saglischc« GarU», Alexanderstr. 27 c: Protest-Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Behandlung unserer Petition, betreffend die Brandgesahr des Zelluloid, vor dem Deutschen Reichstage und unsere Antwort an den RegicruiigSvertreter Herrn Dr. Caspar. Referent: Kollege Jnllag Hlldebrand.— 2. Diskussion. Um die Versammlung zu einem wirksamen Protest zu gestalte», ist das Erscheine» aller Zellnloidvcrarbeiteuden Arbeiter uud Arbeiterinnen dringend not>oe»dig< Freitag, den&t. Mai, abends 8 Uhr, im Gewcrkschaftshailfe, Saal 4: Ordeutlillje GkllkralvkrsmmlWg. Tagesordnung: l. Bericht der Ortsverwaltung. 2. Stichwahl eines unbesoldeten Mitgliedes zum Hauplvorstand. 3. Anträge.__, MgUeüer-Versammlungen SV Montag, den 20, Mai. Tischler. Lüäeu: Abends 51/, Uhr, tut„Märkischen Hof«, Admiralstr.»8o. f T• Abends S'/i Uhr, bei Grunwald, Mcmeler I!. Ttrasie«7. l lk. Abends S'/z Uhr. in den Prachtfälen des Oftens, III. Frankfurter Allee 152. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen 7SIlnor. 2. Bericht von der letzten Generalversammlung. 3. Vcrbandsangelegenheiten. Vncnfla• AbendsS'/zUhr. in derLöwenbraueret, Vödlliclie\ orurie. Frankfurter Allee 5SI5i. Norden: Abends 5'/,«Hr. bei Obiglo. Schwedtcr Str. 83. �eddinz- und Moabit: fÄÄ$V.6.el*aw' Nordosten; Abends s-/, Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17. ISipttL'nMn• Abends S1/, Uhr, bei Kühner. Jdealkafino, i�eutionn. Weichselstr. 8. Tagesordnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten Emil Wutzky. 2. Bericht von der letzten Generalversammlung und Ausgabe der Dele. gicrtenlarten. Bautischler. ke?ir!c l: 8üdosten, Lüden, Südwesten. Abends ö'l2 Uhr, bei Raabe. Fichtestr. 29. Bezirk II: Osten, bei Zieh. Warschauer Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung.— 2. Verbandsangelegenheiten. Kiichenmöbelbranche. Abends« Uhr. im Englische» Garte«. Alexanderstr. S7c. Tagesordnung: l. Der Zentralvcrband der Unternehmer in der Küchenmöbclindustrie. 2. Brmichenangelegenhciten und Ausgabe der Delegiertenkarten. Klavierarbeiter. Abends 8 Uhr. in den Audreas-Festsälen, Andreasftr. 81. Tagesordnung: 1.' Stellungnahme zur Abhaltung einer Klavier- arbeiterkonscrenz. 2. Der Verlaus der diesjährigen Maiseier in unserem Berufe. 3. Bericht und Anträge zur Generalversammlung. 4. Abrechnung vom Wcihnachtsvergnügen. 5. Sonstige Verbands- und Branchenangelegen- heilen, sowie Ausgabe der Delegiertenkarten zur Generalversammlung. Modell- und Fabriktischler. Abends 8 Uhr, im Roscnthaler Hof, Rosenthalcr Str. 11/18. Tagesordnung: l. Vortrag des Genossen R«ivoI!n»IrI über: Die erste Hilfe bei Unglücksfälle». 2. Verbands, und Branchcnangelegenheiten, sowie Ausgabe der Delegiertenkarten zur General- Versammlung. Kisten- und Kosfermacher. Abends 8'/, Uhr, in den Andreas-Feftsälen, AndreaSstr. 81. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Bericht von der Maiseier. 3. Neuwahl der Kommission. 4. Branchen- angelegenheiten. Dienstag, den 21. Mai:'•3 Einsetzer. Abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Saal 5. Tagesordnung? t. Beratung der Anträge zur General- Versammlung. 2. Branchenangelcgenhriten. Rahmenmacher. Abends K Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 43. Donnerstag, den 23. Mai:"Wl Korbmacher. Abends S'/j Uhr, im Gcwerkschaftshanse. Saal 4(ArbcitSlosensaal). Tagesordnung: 1. Bericht von der Lohnbewegung der Grün« brauche. 2. Ersatzwahl zur Kommission. 3. Branchenangelegenheite». 88/18»l««i-tsvcc�sltonM. WEdmSu�W lulsenstadi Köpens&eito�/SJiteMtoti Itnnfoiriinn Damen» Herren u, Kmaer. 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Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden, Prinzenslr. 41,£y.'u 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 iE Elegante Itoi-iliB fertig u, nach Mass von Mark wüchentliche Teilzahlung SJolfuch Frnnkfiirfpr flllP!»?? Plomben, beste Äns- , sührung, billigste Preise. ' Gegr. 1889. Olga Jacobson, WestansTfaDErmagaziD! j Extra-Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- Straße37a(2 Haus von der ierusalemer StraSe). | II. Gesch.; Berlin NO., GroBe Frankfurt. Str. IIS(2. Haus von der Andreasstraäe). 1 Sehr gr. Ausw. fert. Kleider, j I Hüte, Handschuhe, Schleier ■etc. v. einfachsten bis zuml 1 hochelegant. Genre z.äußerst■ niedrigen Preisen. Sender-Abteilung: naOanfertigunt- in 10 bis 12 Stunden. Monats- Anzüge, Sommer-Paletots, Ulster, Gehrock-Anzlige, Smoking- Anzüge, Frackanzüge, Hosen, Fantasie- westsn, Gummimäntel spottbillig[83/2 Rosenthaler Str. 43, eine treppe. Adkssiiutr-Krulinrll zum Scibstausstcllen für 3 m Tiefe schon von 18 M. an; Hospumpen, Garten- und Druckpumpen usw. 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Den Mitgliedern zur Nachricht. � daß unser Genosse, der Schankwirt Kc- 1 Lehmann Wiener®'t. 1/6, gestorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 20. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des! Zenhal-Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. 216/91 Um rege Beteiligung ersucht Der Verstand. SozlälfleinoitfatisclierWalilvereii! des ö. Berl. Reiclislais-Walilkrelses. Am 13. Mai verstarb unser Genosse, der Arbeiter Max Lehnert Schliemannstrasie 39. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 20. Mai, nachmittags 2�/, Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirchhofs in Nordend- Nieder-Schönhauscn aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Boiialtalu'atiscderWrä des 8. BefI. Reiclistags-WalilkreisBS. Am 16. Mai verstarb Genosse, der Schleijcr unser William Weber (Soldincr str. 361. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute l Sonntag, den 19. Mai, nach- I mittags 1'!, Uhr, von der Halle des Sophien-Kirchhofes, Freien- walder Sttasie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht l 228/12 Ter Vorstand. SMaMEWki'alßcliE!' WatiJvereiD des 8. Berl. Reiotistags-WalilkFEiSEs. Am 16. Mai verstarb unser Genosse, der Lackierer Franz Qrabowski (Voltastr. 37). Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 19. Mai, nachmittags 2� Uhr. von der Halle des Ge- meinde-Friedhoses in Reinickcn- dois-Ost(Humboldtslr.) auo statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/13 Der Borstand. Verband der Maler, l Lackierer, Anstreicher usiv. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Zlachricht, daß der Lackierer Franz Grabowski verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonntag, de» 19. Mai, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Gemeinde-Friedhoses in Reinickendors-Lst, Humboldtstraße, auS statt. 129/4 Zahlreiche Beteiligung erwartet _ Die Ortsverwaltung. WIM der freieD Gast- ood Sebankwirte Oeutseblaoils. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern der Ortsver- waltung zur Nachricht, daß die Frau des Bevollmächtigten Kollegen Matthes Wilhelmlne geb. Stuhrmann Schivelbeincr Straße 40, Bez. 2 nach schwerem Leiden im Alter von 52 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 20. Mal, nachm. 5 Uhr. von der Halle des Zenttal-Fried- hoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/4 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden, Bctannten und Verwandten hiermit die traurige Nachricht, daß unsere liebe und gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, die Mtsitzerw WilW Katharina Wolf! geb. Orelf im Alter von 7S Jahren sanst entschlafen ist. Dies zeigen ttefbetrübt an Berta Better geb. Wolfs. Franz Wolsf. Rudolf Better. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Mai, nachm. 4 Uhr. von der Halle des Rum- melsburger Kcmeinde-FriedhojeS in der Lückfiraße aus statt. Am Donnerstag, den 16. d. MtS., verschied plötzlich und un. erwartet insolgc Unglückssalls in Grünhetde durch Ertrinken unser lieber Bruder. Schwager, Onkel und Bräutigam, der Bierjahrer, Herr KeiiidvIÄ«Jav&scl» | im noch nicht vollendete» 38. Lebensjahre. SS/1 Dies zeigen ttcstrauernd an Die Hinterbliebenen. Berlin-Hainsberz, den 13. Mai 1912. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. d. MtS., nachmittags 1 41/, Uhr. von der Leichenhalle des St. Thomas-Kirchhoses. Neukölln. Hermannstraße, aus statt. WliEiBBkfatiseii.MmEiB Kreis Kiederiiäriiini Bezirk Nieder-Schönhausen. Am Donnerstag, den 16. Mai, abends 10 Uhr, verstarb unser Mitglied Wilh. Olivier Waldstraße 22. Ehre seinem Anbeuten! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Mai, nach- mittags 4'/, Ubr, aus dem Ge- meindesriedbos�Schönholzer Heide, Germanciislraze, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 241/5 Tie Bezirksleitung. Am 16. d. M. verstarb unser! | lieber Mitarbeiter, der Schriftsetzer| Wilhelm Olivier 1 im Alter von 36 Jahren. Ehre feinem Andenken! i Das Personal der Buchdruckerei j H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am I ! Montag, den 20., nachmittags! 5 Uhr, von der Leichenhalle des I Gemcinde-Friedhoscs Schönholz. I Germancnstraße, statt. 1760b I Deutscber Bauarbeiter-Verband! (Zwelgfercln Berlin.) Am 15. Mai starb unser Mit- glied, der Bauarbeiter ?su> Buike (Bezirk Moabit.) Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Leichenschauhauses Hannoversche Straße 6 aus nach dem neuen B Johannis-Friedhos in Plötzenjee 2 statt. Um rege Beteiligung ersucht 139/13_ Der Vorstand. mjee_ * B | Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler I�emhoid Brunzel Eckcrtstr. 13, im Alter von 38 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag.den21. Mai, nachmittags 2'/. Uhr. von derHalle des Zentral- sricdhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/17 Die Orlsverwallun Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlln. Durch den Tod ist uns eines unserer Mitglieder, der Kollege Otto Krüxer welcher im Betriebe der Gemeinde Weißensee beschäftigt war, ent- rissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am «onntag, den 19. Mai. nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhoses, Schöllstraße, auS statt. 34/6 Die Ortsverwaltung. Heute srüh verschied plötzlich und unerwartet meine innig- geliebte Frau, unsere bcrzensgutc Mutter, Schwiegermutter, Groß- mittler und Tante, Frau Gttiiie Splettstößer A im Alter von 58 Jahren. 17775 Im Namen der Hinterbliebenen Gustav SpIettstöBer. Berlin NW. 87, Beufielstr. 77. Die Trauerseier findet morgen Montag um'l-ö Uhr im Trauer. banse statt. Die Beisetzung crsolgt aus dem Dantes-Kirchhos. Rei- nickendors-West, Llankestr. 12. Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter pauline Bder geb. Xltschke am Donnerstag verstorben ist. Dies zeigen ttefbetrübt an Barl licicr und Töchter. Die Bcereigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Leichen- balle des Gemeinde-Friedhoss in Bohnsdorf aus statt. 1752b Hierdurch die traurige Nachricht, daß unsere heißgeliebte Tochter im Alter von 9>/, Jahr sanst ent- schlafen ist.— Um stilles Beileid bitten die tiesbetrübten Eitern nebst Angehörigen. 1771b Artue Hesse, We iganduser 29. Anna Hesse, Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 2'l, Uhr von der Leichenhalle des neuen Reu- köllner Friedhoses aus statt. Am 16. d. Mts. verstarben nach I kurzem schweren Leiden unsere | lieben Eitern 35A i Hermann und Marie Thomas. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Ahrensjelder FriedhoseS aus statt. Am Sonnabend entschlief nach langen Leiden meine liebe Frau und Mutter Hulda Blohm geb. Winterseldt. Dies zeigen ttefbetrübt an Der trauernde Platt« Hermann Blohm nebst Tochter. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. d. M., nach- mittag 3 Uhr von der Leichenhalle des städtischen Kirchhoses am MariendorserWeg aus statt. 50A Nachruf, Am Donnerstag, den 16. Mai 1912 entschiiej nach langem schwerem Leiden unser werter Genosse, Sangesbruder Drnst LTwIs im Wer von 23 Jahrcu. 61/19 Ehre feinem Andenken! GesangvErein BEchErklang. Tanksagunfl. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau. unserer guten Mutter, Schwester und Schwägerin I�aultae Sadler sagen wir dem Perional der Firma Altiengesellschast sür Gasglühlicht und den Kollegen der Adlerwerle unseren herzlichsten Dank. Heinrich Sadler nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Bc» teiligten meinen ausrichtigsten Dank. Witwe Alma Itadtko 50A nebst Kind._ Danksagung, Für die liebevolle Teilnabme und Kranzspenden bei der Beerdigung nnsercs lieben unvergeßlichen Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Robert Barowsky sagen wir allen Verwandten, Freunden und Kollegen sowie der Firma Wreschner und dem Männcrquartett»König. stadt' unseren herzlichsten Dank. 7A Im Namen der Hinterbliebenen Gustav Barowsky, Adlershof. Genosscnschaststr. 23. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Putzers kriedrich Schliewenz sage ich allen Freunden und Bekannten sowie seinen Kollegen meinen herz- iichiten Dank. � Wwe. Agnes Schliewenz nebst Kindern. reichen guni treu! Danksagung. :ia- die innige Tellnahme und die hen Kranzipenden be. d-r Bccrd.. ig meines lieben Mannes, unseres cusorgenden Vaters Paul Krentz sagen wir allen Teilnehmern, ins. bttondere dem Deutschen Metall- arbeilcrverband, sowie dem Zentral- Kranken- UntcrslützungSverein der Schmied- lBerlin 11) unseren aus. richtigsten Dank. 5A Wi». Kreutz A. 'Verantwortlicher Redalteur: Llbrrt Wachs. Berlin. Für den Lnkeratenteil veranttv.: Tb- Glocke, Berlin. Druck it. Berlag: Borwärtz Kvchdculiecei u. PerlagSanstalt Paul Singer u-Vio« Berlin SW. 8f. 05. 39. IahrgiMß. 4. ßtilngt des.Amsrts" ßttlintt WksdIM. Sonntag. 19. Mai 1912. Geminsam Geaeraloelsammlung der Kerbände der Tabakarbeiter und Ziganevsortierer. Hamburg, 17. 3Xbi Dritter Lerhaudlungstas. Der LerbemdSdorfitzenbe D e i ch m a n n hielt daS Referat über „Unsere Lohnbewegungen". Die Tendenz deS Kapitalismus zielt darauf hin, alle Arbeitskräfte rücksichtslos auszubeuten. Gerade in der Tabakinduftrie kommt diese Tendenz ganz kratz zum Ausdruck, weil es noch immer nicht gelungen, ihr den gewünschten Widerstand entgegenzusetzen. Die Tabakindustrie kann mit Leichtigkeit nach anderen Orte» verlegt werden. Wie verhängnisvoll die Abwände rungSbestrebungeu der Industrie wirken, zeigt ein« Gegenüberstellung der Löhne in den Gebieten Hamburg und Westfalen. In Hamburg wurden 1l>7S männliche Arbeiter ermittelt, davon hatte 1 Proz. einen durch- schnittlichen Tagesverdienst von 2 M., 2 Proz. von 2,50 M., 8 Proz. von 3 M., 12 Proz. von 3,60 M., 23 Proz. von 4 M., 18 Proz. von 4,50 M., 18 Proz. von 5 M., 18 Proz. über 5 M. Von 414 A r- beiterinnen hatten 02 Proz. unter 2 M., 21 Proz. 2,50 M., 7 Proz. 3 M„ 10 Proz. über 3 M. Diese Löhne sind im Gegen- satz zu den Löhnen einer Reihe anderer Branchen und ganz be- sonders für das Hamburger Gebiet immer rtoch sehr gering. Aber sie sind weit, weit besser als die Löhne in Westfalen, Schlesien, Süd- dcutschland und auch in Sachsen. In Westfalen wurden Lohn- erhebungen bei 0509 Arbeitern angestellt, davon waren die Hälfte Arbeiterinnen. Von dieser Gesamtzahl hatten 47 Proz. einen durch- schnittlichen Tagesverdienst bis zu 2 M., 29 Proz. von 2,50 M„ 10 Proz. von 3 M., 5 Proz. von 3,50 M., 3 Proz. von 4 M., 1 Proz. von über 4 M. Also ein ganz bedeutender Unterschied, wenn man die Löhne in diesen beiden Distrikten einander gegenüberstellt. Es sind aber zum Teil dieselben Arbeitgeber, und zum Teil auch die- selben Arbeiten, die in Bettacht kommen. Damit ist die lohn- drückende Tendenz der Abwanderung ganz klar dargetan. Das Durchschnittseinkommen aller Tabakarbeiter wurde im Jahre 1911 auf 030 M. festgestellt. Vor Jahren war es noch be- deutend geringer. Es bettug im Jahre 1901 528 M. Eine Steige- rung also im letzten Jahrzehnt von 19 Proz. Eine Errungenschaft, die nur aus das Konto der Tätigkeit der Tabakarbcitcr selbst zu stellen ist. Je nachdem die Verhältnisse liegen, mutz man in einem Betriebe angreifen und dann abwarten, was die Unternehmer dazu sagen. In anderen Fällen kann es notwendig werden, in allen Be- trieben zugleich anzugreifen. Voraussetzung aber ist immer, die Oryaaisatilm straff anzubauen und uneingeschränkte Disziplin zu halten. Auch die Konsumenten der von uns hergestellten Waren müsse» aufgefordevt werden, uns in unseren Kämpfen zu unter- stützen. Wenn wtt uns aber die grossen Versandgeschäste bettachten, dann wissen wir, datz wir da eine gute Kontrolle über den Boykott der Waren nicht immer ausüben können. Aber wir haben auch eine grosse Reihe von Platzgeschäften, und da können wir die Waffe des Boykotts sehr wirksam gebrauchen. In dieser Richtung mutz mehr getan werden. Wollen wir aber die Mitwirkung der Konsu- menten mehr gewinnen, dann ist es notwendig, dass wir uns auf die Bahn der Tarifverträge begeben. Wenn man auch an dieser Politik etwas aussetzen tenn, so haben wir doch bis jetzt, wo wir sie praktisch geübt haben, gute Erfolge mit ihr zu der- zeichnen. Wir müssen auf dieser Bahn weiter fortschreiten. Wenn wir uns an die Konsumenten wenden wollen, dann ist es not- wendig, datz wir solche Betriebe bekommen, die leistungsfähig find, die 2Bcren auf den Markt bringen, nach denen die Konsumenten verlangen. Dazu aber müssen wir uns beweglicher gestalten. Wir haben bisher auf dem Standpunkt gestanden, dass wir keine Tarife abschliessen, wenn wir nicht bestimmte Mindestlohnsätze (7,70 M. pro Mille) und bestimmte Mindest-Arbeitszeiten 9/4 (Sonnabends 8% Stunden) hineinbekamen. Wollen wir daran festhalten, dann kommen wir nicht weiter. Es gibt manche Betriebe, die zwar Vetträge abschliessen wollen, bei denen wir aber nicht zu solchen kommen, wenn wir an den eben genannten Bedingungen festhalten. DaS sind Bettiebe mit so rückständigen Verhältnissen, daß unsere Bedingungen eine 30, 40, 00, ja OOprozentige Lohnerhöhung für sie betragen. Da ist es begreiflich, datz solche Bettiebe den schärfsten Widerstand aufbringen, einen Widerstand, den wir nur in einer Reihe von Jahren und mit einer musterhasten Or- ganisatton überwinden können. Wenn nun ein solcher Unternehmer vielleicht 7 M. zu bieten bereit ist, dann wären wir Toren, wenn wir diese Hand zurückstoßen würden. Wir müssen sie ergreifen, um dann in einer Reihe von Jahren, in verschiedenen Etappen unser Ziel zu erreichen. Jin diesem Sinne müssen wir un» betäti- gen, unseren starren B e s ch l u tz fallen lassen, unser« Front ändern. Einen Teil der Hilfe erblicken wir also in der Mithilfe der Konsumenten, die Hauptttaft aber suchen wir in der Organisation, der Organisation, die durch das Fallen- lassen des Beschlusses beweglicher und dadurch stärker ge- macht wird, um im Sinne dieser Ausführungen ihre Kämpfe zu führen.(Beifall.) An dieses Referat knüpfte sich eine sehr lebhafte Diskussion, in der von den verschiedensten Seiten sehr ernste Klage über daS Geschäftsgebaren mancher Konsumvereine geführt wurde, r-- v. Elm trat den Klagen gegen die Genossenschaften entgegen. Weiter verttaten die Diskussionsredner eine Reihe Anregungen und Anttäge, so z. B., an die Generalkommisfion heranzutreten, damit diese die Gewerkschaftskartelle anweise, der Tarifbewegung der Tabakarbeiter mehr als bisher ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Ferner wünschte man Branchenkouferenzea, vor allem für die Arbeiter der Zigaretten industtie. Die sämtlichen Anttage wurden durch die einstimmige Annahme folgender Resolution er- ledigt, die Deichmann dahin interpretierte, datz bei ihrer Durch- führunq die Anttäge berücksichtigt werden sollten: „Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand, alle er- forderlichen Matznahmen zu ergreifen, um die Tarifvertrags- polttik im Sinne des Referats zu fördern." Bei der Vorstandswahl wurde einstimmig De ich mann als Vorsitzender, Nieder- Welland als erster, K r o h n als zweiter Kassierer. Tiedemann als Sekretär wiedergewählt. An Stelle des ausgeschiedenen Kollegen Gerle wurde Hu�ung-Nord- hausen gewäblt. Außerdem tritt Arnhold- Sortierer als Sekretär in den Vorstand ein. Bei der Wahl des AuS,chussvorsltzeu- den wurde Ei I k e n- Altena wiedergewählt. Damit waren die Arbeiten der Verschmelzungstagung erledigt. Deichmann würdigte in einem packenden Schlufstvort die Bedeutung der Generalver- sammlung und schloß mit dem Wunsche, datz alle die Hoffnungen sich erfüllen mögen, die die Tabakarbeiter an die Verschmelzung ge- knüpft haben. Mit einem dreifachen Hoch auf die geeinigte Tabak- arbeiterorganisation gingen die Delegierten auseinander. WttterungSüberflcht vom 18. Mai 1919. vtatwnen Swinemde lerlin Frankf.a.M München Wien r s Ii 8° »-i 75a 761 761 763 7661 762 is sf WRW WNW W SW SW WNW WeUer 3 Regen llbedeckt wolkig wolkig Eibedeckt 4 bedeckt *£ 1* Slattoncn Haparanda Petersburg scilly Aberdeen Paris E 0 K lÖ-2 763. 1757 766 £ c B 5 8« 7630ND Still W SSW Vetter sjwolflg bedeckt Lwolkig heiter Lchedeckt B-» f? Sk 4 1 11 11 10 Wetterprognose für Sonutag, den 19. Mai 1912. Ein wenig wärmer, teilweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regensällen und mäßigen wesllichen Winden. Berliner Wetterbnreau. 1■ ►*»»■+ it*'.. l«-A-, Elegant Kostüm Reizendes Kleid Blau �»mmgarn aus welseem jacket»uf Seide Sticke reletoff »SS75»,21°° will jede Dame der Saison entsprecHend, sicK in neuer« vorteilhafter Garderobe zeigen. Wir Haben das Unsere getan« um Ihnen allen bei minimaler Ausgabe diesen Wunsch zu erfüllen. tSie finden bei uns in ausschliesslich guten «Stoffen und in jedem Geschmack Rechnung tragender Auswahl: Elegante Kostüme schon von M. 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Fürten Inseratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag!«orwärtl Buchdruckerei tu BerlagsanstältPÄl Singer u.Eo., Berlin SVV,r iiMis. 29.»» 5. jpfilnp des Jotmärlö" Kerlim iolliölilött S-°M.>9.W.9.2. Montag, den Partei- Angelegenheiten. Schöneberg. Die WaWereinsversammlung findet Dienstag. den 21. Mai. abends 8 Uhr, in den neuen Rathaussälen, Meininger Straße 8, statt. Vortrag des Genossen Buhl, Anträge und Ver- einsangelegenheiten. Friedenau. Dienstag, den 21. Mai, abends 8� Uhr, im Kaiser-Wilhelmgarten, Rheinstr. 64: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Dr. L e n s ch über:„Liberalismus und©ozialis- mus". In Anbetracht des guten Referenten versäume niemand die Versammlung. Gäste willkommen. Wilmersdorf-Halensce. Der Wahlverein hält seine Mit- gliederversammlung in diesem Monat bereits morgen, Montag, abends 814 Uhr, ab, und zwar nicht wie früher im Ge- sellschaftshaus, sondern im Biktoriagarten, Wilhelmsaue IIS. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten F i s ch e r- Hannover über die letzten politischen Vorgänge im Reiche und in Preußen. Außerdem sind innere Vereinsangelegen- heiten zu erörtern. Der Vorstand. Steglitz. Am DicULtag, den 21. Mai, abends 814 Uhr. bei Schellhase, Ahornstr. Iba: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Reichstagsabgeordncten Alfred Henke über:„Im- perialismus und Sozialdemokratie". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Lankwitz. Der Familienausflug am Himmelfahrtstage hat in- folge des ungünstigen Wetters nicht programmgemäß vor sich gehen können. Die Partie wird daher am ersten Psingstfeiertage statt- finden. Für die Kleinen wird für Fahrgelegenheit gesorgt. Friedrichsfelde. Montagabend 7 Uhr, von den Bezirkslokalen aus Sandzettelverbreitung für die Demonstrationsversammlung am Mittwoch. Boxhagen-Rummclsburg. Zu der am Mittwoch stattfindenden Versammlung treffen sich die Genoffen um 714 Uhr in ihren Zahl- abendlokalen. Die Bezirksleitung. Niedcrschönhausen-Nordend. Am Dienstag, den 21. Mai, abends 814 Uhr: Mtitgliederversammlung bei Manke, Charlottenstr. 8, Ecke Beuthstraße. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte über:„Ferdinand Lassalle". 2. Diskussion. 3. Wahlvereins» angelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung, Wilhelmsruh-Nicdcrschönhauscn-West. Dienstag, den 21. Mai, abends 814 Uhr. Mitgliederversammlung, bei Milbrodt, Krön- prinzcnstr. IS. Tagesordnung: I. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vereinsangelegcnhciten. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tegel. Am Dienstag, den 21. Mai, abends 814 Uhr, im Saale des Herrn Klippenstein, Spandauer Straße: Mitgliederversamm- lung. Die Bezirksleitung. Neinickenbors-West. Dienstag, den 21. Mai, abends 7 Uhr: Handzettclverbreitung von den Zahlabendlokalen aus. Bernau. Ter Abmarsch zur heutigen Versammlung in Lanke findet Punkt 1 Uhr vom„SchützenhauS" aus statt. _ Die Bezirksleitung. Berliner J�aebriebten. Vor der CharitS. Das Stadtviertel, in dem die Charit6 ihren Gebäude- komplex aufbaut, ist eigentlich charakterisiert. Fast in jedem Hause der Zugangsstraßen befindet sich irgendeine Spezial- klinik. Man begegnet zu allen Tageszeiten dort Leuten, die schwerfällig an Stöcken gehen oder um Hand, Arm, Hals, Kopf einen Verband traten. Blasse Gestalten huschen an eineni vorüber, denen man irgend ein inneres Leiden am Ge- ficht abliest: Männer und Frauen. Kinder und Greise. Je näher man aber dem Eingange zur Charit� kommt, desto mehr kristallisiert sich die Menge der körperlich Not- leidenden zu einem Kern, der seine Bestandteile aus allen Gegenden der Riesenstadt an sich heranzieht. Zu allen Tages- stunden kann nian hier seine Beobachtungen machen. Zu Fuß schleichen und humpeln sie heran. Droschken und Automobile rollen vor das Riesenportal. Auch die Krankenwagen fehlen nicht. Krankheit und Elend der Unbemittelten gibt sich hier ein Stelldichein. Sie alle, die da kommen und gehen, hat die Not gezeichnet. Die furchtbare Gewißheit der Unheilbar- keit steht gar manchem auf dem hohlen Gesicht geschrieben und die alle Nerven wild aufpeitschende Lebensangst starrt vielen aus den flackernden Augen.... Hier kommt ein Greis an der Hand eines Kindes, dort schleppt sich ein Mann am Arme der Gattin. Die Blicke suchen den Erdboden. Die fest zusammengekniffenen Lippen finden keine Worte. Nur hier und da ein dumpfes Stöhnen aus tiefster Brust oder ein hohler, rasselnder Husten. Nur wenige der vom Schicksal Gekennzeichneten hoffen noch: die meisten wissen, was ihnen die Stunde geschlagen. Wer den Jammer der Großstadt kennen lernen will, findet ihn überall. Aber nicht in den Arbeitervierteln der Peripherie braucht er groß zu suchen. In den Straßenzügen. die zur Charit� führen, konzentrieren sich ihm Elend und Gebrechlichkeit am sichtbarsten. Nur gedämpft dringt der Lärm der lauten Verkehrsadern der Riesenstadt hier herüber. Und wäre nicht die nahe Stadtbahn mit dem taktmäßigen Fauchen und Stampfen ihrer Lokomotiven oder hier und da das Rasseln einer Elektrischen, man möchte an die Ruhe eines Friedhofes erinnert werden. Eine um so lautere und ein- dringlichere Sprache sprechen dafür die Menschen. Die Wun- den, die der Alltag schlägt, bluten rot und unstillbar. Was Erziehung, Armut und mangelnde Hygiene gesündigt, trägt sich selbst zur Schau. Und so kommen und gehen sie, und tragen ihre Krankheiten aneinander vorüber in den Straßen vor der Charit�!...__ Kritischer Tag erster Ordnung!! Der schutzmannsbedürstige„Frei'hm von Erffa hat für Montag den 20. Mai 1012, den Belagerungszustand für das Haus der Abgeordneten erklärt und als„Anweisung" folgende Kriegs- ordnung an die Tribünen-Tiener erlassen: 1. Auf keiner Tribüne dürfen Personew ohne Einlaß- karten zugelassen werden. Auch die Besucher der Journalisten- tribüne sind um Vorzeigung der Karten zu bitten.(Sintemal auch unter den„Sapbengels" nicht„koschere" Elemente sich be. finden foken.� 20, Mai: Leieabend in 2. Jede Karte berechtigt nur zu der Tribüne, für welche sie ausgestellt ist. Ueberführnngen auf andere Tribünen sind streng verboten.(Denn gesondert müssen die Böcke von den Schafen werden, damit die Kartenempfänger der Abgeorneten der„Linken" unter besondere Bewachung gestellt werden können.) 3. Die Einführung von Zuhörern durch die Herren Ab- geordneten oder durch Beamte des Hauses darf nicht statt- finden.(Denn es sind sechs Abgeordnete im Hause, welche Dhnamitriche einführen könnten.) Die von den Herren Schrift- sührern zur Kleinen Tribüne ausgestellten Karten haben am obigen Tage keine Gültigkeit. �(Sind auch die Schriftführer nicht mehr zuverlässig?) 4. Die Tageskarten sind beim Betreten der Tribüne abzu- nehmen und dem Botenmeister abzuliefern. Sie dürfen unter keinen Umständen zum zweitenmal ausgegeben werden.(Vorsicht ist die Mutter der Porzellanfrau und ihr Vater der Freiherr von Erffa, den man wegen seiner„Geschicklichkeit" unmöglich allein im Porzellanladen lassen sollte.) Die verfügbaren Tribünenkarten, auch die Karten zu der so- genannten Kleinen Tribüne, die sonst von den Herren Schrift- sührern des Hauses ausgestellt zu werden pflegen, sind aus die Fraktionen nach ihrer Stärke verteilt und den Herren Vorsitzenden zugestellt worden.(So daß auf die sozialdemokratische Fraktion mit ihren 600 000 Stimmen ganze vier Karten kommen. Und so ist nicht nur für das Wahlrecht, sondern auch für die Tribünen- besucher daS Dreiklassenfystem eingeführt.) Herrn von Erffa scheint die Antwort des preußischen Volke? auf seine �Helden- taten" so in die Knochen gefahren zu sein, daß er sich nnr noch in einem wohlverbarrikadierten Hause sicher fühlt. Keine Angst— er ist für die Sozialdemokratie ein so unersetzlicher, wenn auch unfreiwilliger Agitator, daß sie alles aufbieten würde, sich diese wertvolle Kraft recht, recht lange zu erhalten! DaS Recht auf Ausbeutung. Die Ausbeutung eines Jrrenanstaltspatienten durch einen Berliner Fuhrherrn, worüber wir Ende März in Nr. 73 berichteten, hat inzwischen das hiesige Gewerbegericht beschäftigt. Der Fuhrherr Bernhard Tönies, Soldiner Str. 12, dem der Patient Paul D. seitens der Irrenanstalt Dalldorf gegen ein monatliches Kostgeld in Pflege gegeben war, hat den Patienten, also einen damals amtlich als geisteskrank geführten Menschen, ein volles Jahr lang in seinem Fuhrbetriebe mit Stallreinigen, Pferdewartung, Droschke- fahren beschäftigt, und dafür den großartigen„Lohn" von wöchentlich 1 Mark gezahlt. Der Patient ist im Monat Februar von den Söhnen des TönieS wegen Verweigerung von Nachtarbeit miß- handelt und dann, als sich diese eigenartige Behandlung in der Nachbarschaft herumsprach, von dem alten T. nach der Anstalt zurückgeschoben worden. Von hier wurde er Ende März auf Per- langen des„Bundes für JrrenrechtSreform" wieder entlassen, und zwar trotz dringlichster Unterstützungsanträge nur mit 3 Mark aus der Anstaltskasse. Begreiflicherweise macht es große Schwierig- keiten, den geistig aufgeweckten, keine Spur einer Geistesstörung oder Geschäftsunfähigkeit verratenden, soliden und fleißigen, aber am linken Arm verkrüppelten jungen Mann in passende Arbeit zu bringen. Er hat sich bis jetzt mit Gelegenheitsdiensten durch- gehungert. So war es schon durch diese Notlage geboten, daß Paul D. den Fuhrherrn TönieS auf rückständigen Lohn beim Ge- Werbegericht verklagte. Das Gewerbegericht stand sachlich ganz auf der Seite deS Klägers und berechnete den ihm entzogenen Arbeitsverdienst für S2 WocheM a 14 Mark auf 686 Mark. Dieser Berechnung war eine vom Kläger vorgewiesene Bescheinigung des Fuhrherrn TönieS zugrunde gelegt, wonach der Patient bei T. zur Zufriedenheit ein volles Jahr „als Stallmann" beschäftigt gewesen ist. Der Fuhrherr TönieS weigerte sich vor Gericsch auch nur einen Pfennig zu zahlen. Tönies berief sich bei seiner Zahlungsverweigerung darauf, daß er geglaubt habe, den Pfleglina derart beschäftigen zu dürfen. Als er damit nicht durchkam, bestritt er die Prozeßfähigkeit des Klägers und wies zur Bekräftigung Auszüge aus der Kranken- gcschichte des Patienten vor. Wie ist Tönies in den Besitz dieses Aktenmaterials gekommen? Diese Frage erheischt dringend eine Beaniwortung. Besonders beachtenswert ist dabei, daß die Anstaltsärzte, wie wir schon im ersten Bericht erwähnten, den Patienten vor der Entlassung gefragt haben, ob er gegen den zahlungsunwilligen Arbeitgeber vorgehen werde. Bei dieser Sachlage blieb dem Gewerbcgericht leider nur die Abweisung der Klage übrig, mit der Begründung, daß Klüger nicht geschäftsfähig sei, also sich nicht durch Verträge ver- pflichten könne. Es wird nun versucht werden, auf andere Weise die Sache zu Ende zu führen. Für die Jrrenhausverwaltuna liegt alle Veranlassung vor, bei Fortgab« von Patienten in Pflege- anstalten darauf zu achten, daß die Pfleglinge nicht ausgebeutet werden. Mehr noch: Die Jrrenhausverwaltung hat sogar die Pflicht, die Interessen ihrer Pfleglinge aufs gewissenhafteste zu wahren._ Auf einer Bootsfahrt ertrunken. Bei einem aufregenden Un- glücksfall auf dem Wasser hat der Bierfahrer Reinhold Jacks aus der Wassertorstraße den Tod gefunden. I. hatte mit dem Berliner Sparverein„Reell" einen Ausflug nach dem Restaurant„Alt- Buchhorst" unternommen. Dort angekommen, bestiegen mehrere der Teilnehmer, unter ihnen auch I. ein Boot, um in der Richtung nach Grünheide zu rudern. Während der Fahrt wechselten die In- fassen unvorsichtigerweise ihre Plätze, wobei das Boot heftig ins 'Schwanken gebracht wurde und kenterte. Sämtliche Fahrer stürzten in die Fluten und während es gelang, drei der Verunglückten zu retten, sank I. unter und ertrank. Tie Ruhlsdorfer Rieselfelder der Stadtgemeinde Berlin haben jetzt das Reichsgericht beschäftigt. Der Stadtgemcinde Berlin ge- hört das Rittergut Ruhlsdorf. Die Stadt bewirtschaftet das Gut. Zu DüngungSzwecken hat sie auf den Feldern B e- rieselungsanlagen errichtet! das Wasser leitet sie durch eine Drainageanlage wieder ab. Trotz der Entwässerungsanlage ist durch die Berieselung der Grundwasserstand im Talkessel von ist durch die Berieselung der Grundwasserstand im Talkessel von Ruhlsdorf erheblich erhöht worden. Das hat Veranlassung zu zahlreichen Schadenersatzprozessen verschiedener Grundbesitzer mit der Stadtgemeinde Berlin gegeben. Ein solcher Rechtsstreit ist jetzt vom Reichsgericht zum größten Teil zuungunsten der Stadt Berlin entschieden worden. Der Kläger besitzt in R u h l s d o r f, einen Kilometer von dem Rittergut Ruhlsdorf entfernt, ein HauSglrundstück. Er behauptet, daß durch den erhöhten Grundwasserstand der früher trockene Keller seines Grundstücks ständig unter Wasser stehe, daß die Feuchtigkeit daS ganze Haus bis zum Dachgeschoß durch» dringe und das HauS vermorschen lasse. Durch die Schwamm- bil düngen sei ihm ein großer Schaden entstanden. Er ver- langt Ersatz für den Schaden und hat gegen die StadtWerlin Klage erhoben! Das Landgericht zu Berlin sprach dem Kläger 19281 Mark als Schadenersatz zu. Das Kammergericht zu Berlin hat die Ansprüche des Klägers dem Grunde nach zu fünf Ach te l für gerechtfertigt erklärt. In der U r- teilsheyrsiphung führt dgK AggvjnergerW««£» dgh dem Groß-Mitn Gutachten des Sachverständigen beizutreten sei. Danach fit die Einrede der Beklagten, daß die natürlichen Abflußgräben ver» sumpft seien und nur dadurch daS Wasser keinen genügenden Abfluß habe, nicht gerechtfertigt. Für die natürlichen Waffer» abflüsse hat der Zehnrutengraben, der den natürlichen Abfluß für Schnee und Regenwasser bietet, vollkommen genügt. Die Riesel» Wässer kann er nicht vollständig aufnehmen, auch dann nicht, wenn» die 18 Wiesen nur soviel als durchaus notwendig berieselt wür» den. Mithin ist, so führt das Kammergericht weiter aus, dem Resultat des Sachverständigen beizutreten, der darlegt, daß der Grundwasserstand nur durch die Rieselanlage erhöht und der Kläger dadurch geschädigt worden ist. Mit absoluter Sicherheit läßt sich die Ursache der Zunahme deS Grundwasserstandes natür» lich niemals feststellen, doch genügt hier das Maß der hohen Wahr» scheinlichkeit. Jedochkannder Kläger nicht denvollen! Schaden ersetzt verlangen. Er kann nicht verlangen, daß ihm die Beklagte ein vollständig neues Haus hinbaut. Denn das Haus des Klägers war auch schon frühervomGrund« Wasser in Mitleidenschaft gezogen, wenn auch nur in seinem Fundamente. Der Schaden besteht hauptsächlich darin, daß die ganze Lage durch den erhöhten Grundwasserstand wesent» lich ungünstiger geworden ist. Deshalb ist die Zubilligung eines Ersatzes von fünf Achtel gerechtfertigt. Das Reichsgericht hat das Urteil des Kammerger i cht s bestätigt und die Revision der Stadt Berlin zurückgewiesen-...... Bon der Straßenbahn totgefahren. An der Ecke der Invaliden» und Chausseestraße ereignete sich gestern vormittag gegen 9 Uhr ein schwerer Straßenbahnunfall, bei dem ein junger Mann seinen Tod fand. Beim Passieren der Kreuzung wurde der 24 Jahre alt« Radfahrer August Stolzenberg aus der Jablonskistr. 7 von einem Straßenbahnwagen der Linie 11 erfaßt und zu Boden ge- schleudert. Der junge Mann blieb neben dem Bahnwagcn liegen und hatte einen doppelten Schädelbruch, sowie innere Verletzungen davongetragen. Er wurde sofort nach der Charite gebracht, starb dort aber kurze �eit nach der Einlieferung, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Die Schuld soll den Verunglückten selbst treffen. i» Großfeuer in Pankow. In der zweiten Morgenstunde kam gestern in der S p i e k e r m a n n st r. 31 zu Pankow ein Großfeuer zum Ausbruch. Auf dem Grundstück befindet sich das 3stöckige Fabrik» gebäude der Bonbon- und Honigkuchenfabrik von August B o ck i f ch, Der Brandherd lag im Dachgeschoß dieses Gebäudes und hatte schon sehr an Ausdehnung gewonnen, als man die Gefahr bemerkte. In kurzer Zeit stand der gesamte Dachstuhl in hellen Flammen. Neben der Freiwilligen Ortswehr eilten auch die Feuerwehren von Nieder» schönhausen, Weißensee und der Automobillöschzug der Berliner Feuerwehr aus dem Depot in der Oderberger Straße zur Hilfe- leistung herbei. Der Berliner Löschzug griff mit einer Leitung ein, während die anderen Wehren zusammen fünf Leitungen vor- genommen hatten. Vor allem galt es, ein Ueberspringen nach dem dritten Stock, wo die Bettstellenfabrik von Ernst Haase untergebracht ist, zu verhüten. Auch ein angrenzendes Bodongebäude war an- fang? stark gefährdet. Den vereinten Bemühungen der Wehren gelang es aber schließlich, daS Feuer auf den Dachstuhl zu be» schränken, der allerdings vollkommen eingeäschert wurde. Der Schaden ist bedeutend, zumal auch größere Posten Warenvorräte der Bonbonfabrik und teuere Hölzer der Bettstellenfabrik mit ein Raub der Flammen geworden sind. Betriebsstörungen treten aber bei beiden Firmen nicht ein. Der Berliner Löschzug konnte gegen 214 Uhr morenS wieder abrücken, während die Ortswehr noch bis gegen 6 Uhr mit den Aufräumungsarbeiten zu fim hatte. Die Brandursache steht noch nicht fest. Aus Furcht vor geistiger Umnachtung hat sich die 70 Jahre alte Witwe Anna Grützmann, die seit dem Tode ihres Mannes in dem Beamiinnenheim des Paul-Gerhardt-Hospiz in der Schönhauser Allee 78 wohnte, das Leben genommen. Die Greisin befand sich seit 14 Tagen in der St.-Maria-Viktoria-Heilanstalt in der Karlstraße. Hier sprang sie gestern morgen in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster ihres im dritten Stock belegenen Zimmers auf de» Hof hinab und erlag bald darauf ihren Verletzungen. Eine Warnung vor Kreuzottern erlassen jetzt die Forstberwak- tungen. Große Vorsicht wird für das Lagern im Walde angeraten. Gewarnt wird vor allem, sich im feuchten Moose niederzulassen, denn selbst Plaid und Wolldecken halten Kreuzottern vom Angriffe nicht ab. Als direkt gefährlich wird das Barfutzgehen in Laubwald- Unterholz bezeichnet, denn hier halten sich Kreuzottern oft auch dann auf, wenn der Boden nicht allzu feucht ist. Den Warnungen ist ein kurzer Hinweis darauf angefügt, wie man sich bei einem Kreuzotternbiß zu verhalten hat. In erster Linie fit die Bißwunde gut auszusaugen, dann mit feuchter Erde zu belegen und mit einem reinen Tuche zu verbinden. Das Auswaschen der Wunde mit Salmiakgeist ist ebenso wie feuchte Erde zur Linderung des Schmerzes geeignet. Empfohlen wird ferner, die Bißwunde sofort mit gutem Branntwein(Kognah Rum, Korn) auszuwaschen. Als unerläßlich wird die möglichst schnelle Hinzuziehung eines Arztes bezeichnet. Fischvergiftungen im 1. Garberegiment zn Fuß. Unter den Mannschaften des FüsilierbataillonL beim 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam traten gestern im Laufe des Nachmittags und Abends zahlreiche Fischvergiftungen auf. Es erkrankten insgesamt 69 Mgnn unter Erbrechen und Unwohlsein. Alle Erkrankten hatten gestern Mittag Schellfisch gegessen, der aus Potsdam bezogen wor- den war. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. Ueber Nacht erholten sich alle Mannschaften bis auf zwei wieder so weit, daß sie zum Dienst erscheinen konnten. Auch die beiden noch in Behandlung befindlichen Füsiliere sind außer Lebensgefahr. Kießlings Stationsfahrplänr. Von den Stadtbahnstationen Charlottenburg, Savignyplatz, Zoologischer Garten, Friedrichstraßc, Alexandcrplatz, Schlesischer Bahnhof find soeben im Verlage von Alexius Kießling, Berlin SW. 11, Sonderfahrpläne erschienen, die häufigen Anregungen aus dem Publikum ihr Entstehen verdanken. Diese auf steifem Karton im Westentaschenformat gedruckten, für 10 Pf. käuflichen Fahrpläne enthalten sämtliche Sonn- und Festtags verkehrenden Stadt-, Ring- und Vorortzüge. Bei jedem Zuge ist das Endziel vermerkt. Eine Tabelle mit Angabe der Fahrzeiten bis zu den übrigen Stadtbahnstationen vervollständigt den Inhalt. HimmelfahrtStage ist einem Parteigenossen bei der Schulerpartie der„Freien Elternvereinigung Südost" eine rot- lederne Zigarrentasche, u. a. eine„Fichte'nadel enthaltend, in der Komgshcide abhanden gekommen. Da die Tasche ein Andenken ist, wird der ehrliche Finder gebeten, dieselbe bei P. Babkuhl, Grimm- stratze 24, Hof links 1 Treppe, abzugeben. Auf dem Nord- West- Turnplatz des Turnvereins„Fichte", Charlottenburg. Königsdamm, wurde innerhalb 14 Tay« dreimal eingebrochen. Gestohlen wurde u. a. Turngeräte, Jaustbälle und ein großer Verbandskasten. Personen, welche über den Verbleib der Sachen Angaben machen können, möchten sich an den Turn- genossen Richard Krüger, W. 5, tPilhelmshavewerstr. 33 wohnhast, Arbeiter-Mildungsschule. Wegen b'er am Mittwoch stattfindenden Protestveriammlnngen fällt der Unterricht in Literatur» ae schichte an diesem Tage aus. Derselbe findet bereits am Tage vorher, Dienstag, den 21. Mai, statt. Ein schweres Fahrstuhlunglück ereignete sich gestern gegen abend auf dem Grundstück Neue König st ratze 19. Dort war Lastenfahrstuk. defekt geworden und sollte repariert werden. Bei dieser Arbeit löste sich der Fahrstuhl, der sich in der Höhe des vierten Stocks befand, plötzlich aus und sauste in die Tiefe. Das Seil erfatzte den 16 Jahre alten Zuschneiderlehrling Theodor Bloch aus der Blumenstr. 99, der in der Wäschefabrik von Gebrüder Borchardt bescyäftigt ist. Dem jungen Mann wurde ein Bein buchstäblich vom Körper abgetrennt. Der Verunglückte blieb bewutztlos liegen und erlitt größere Blutverluste. Nachdem ein Arzt von der Unfallstation in der Keibelstratze die erste Hilfe geleistet hatte, wurde der Schwerverletzte mit einem Krankenwagen nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Sein Befin- dn ist hoffnungslos. Wodurch sich der Fahrstuhl in Bewegung gesetzt hat, steht noch nicht fest. Ii» wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der Vortrag »Ueber den Brenner nach Venedig", der den Beschauer an der Hand farbenprächtiger plastischer Bilder und Wandelpanoramen auf der allerersten und schönsten Gebirgsstratze von den Wundern des Rosen- garten« nach Bozen, über Trieitt und Verona nach Venedig führt, am Sonntag, Montag und Dienstag zur Darstellung; am Mittwoch, Donnerstag und Freitag finden noch einige Wiederholungen des Vortrags«Der Grotzglockner, Gastein und die Salzburger Alpen" statt und am Sonnabend wird noch einmal der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne" gehalten werden. Vorort- 1>focbrid)ten. Ober-Schöneweide. Gemeindevertretersitzung. Vom Gemeindevorsteher Kurde mit- geteilt, daß für die ausgeschriebene Stelle des besoldeten Schöffen bis jetzt 69 Bewerbungen eingegangen sind. Zur Vor- bercitung der für die Junisitzung in Aussicht genommenen Wahl des Schöffen wurde eine Kommission gewählt, der auch die Ge- nassen Imberg und Grunow angehören. Auf Grund eines früheren Beschlusses der Vertretung hat sich die Baukommission mit der Errichtung einer Flutzbadeanstalt beschäftigt; die Meinun- gen über die Platzsrage gingen weit auseinander, zumal nur zwei Plätze in Frage kamen, und zwar das Gemeindegrundstück hinter Tabberts Waloschlotz und ein der Stadt Berlin gehöriges Terrain im Ortsteil Ostend,.für welches eine Jahrespacht von 639 M. ge- fordert wird und das vorläufig nur für drei Jahre verfügbar ist. Da auf schlechte Wasserverhältnisse am Gemeindegrundstück hin- gewiesen � wurde, hat die Kommission ein Gutachten eingefordert, welches für beide Plätze wenig abweichende Zustände feststellt. In Würdigung aller Umstände entschied sich die Vertretung für das Gemeindegrundstück. Die Arbeiten wurden dem Unternehmer Uuger für 12 999 M. übertragen, der sich verpflichtet, die Anstalt in 39 Tagen herzustellen; der Betrieb soll verpachtet werden. Im Anschluß daran gab die Vertretung ihre Zustimmung zum Ankauf der Wasserparzelle auf diesem Platze, wo die Spree größere Ufer- abspülungen verursacht hat. Die von der Etatskommnssioni beschlossene Aufbesserung der Bezüge der Lehrkräfte, Gemeinde- beamten und-arbeiter im Rahmen der zu diesem Zwecke in den Etat eingestellten Mittel wurde von der Vertretung ohne Debatte gutgeheißen.— Für die Neuherstellung der Frischenstraße in Stampfasphalt wurden 43 999 M. bewilligt; die Straße soll nach Wegfall der Vorgärten zu beiden Seiten des Fahrdammes auf-den Trottoirs Rasenflächen erhalten. Die Arbeiten für Anschluß eines neuen Tiefbrunnens an das Wasserwerk. Anstrich des Kaiserstegs. Erweiterung der Ortstkanalisation werden nach den Vorschlägen der Baukommsssion vergeben. In geheimer Sitzung wurde ein Nachtragsvertrag mit der Terraingesellfchaft Oberspree sowie ver- schieden« Personalien beratem Neukölln. Für 5090 Mark Waren erbeuteten Einbrecher, die in der gestrigen Nacht dem Schuhwarenhause von I. Schreier in der Hermann» straße 96 einen unerbctenen Besuch machten. Bon einem Klosett aus, das seinen Eingang vom Hausflur hat, drangen sie durch die Mauer in die Geschäftsräume ein und räumten hier gründlich auf. Für 6999 Mark Schuhe und Stiefel aller Art schleppren sie weg. Drei große Säcke hatten sie außerdem schon vollgepackt. Sie ließen sie aber ebenso wie einen Teil ihres Einbruchswerkzeuges zurück. Hiernach scheint eS, daß sie irgendwie gestört worden sind. Tempelhof. Aus der Gemeindevertretung. Die hiesige Feuerwehr steht schon längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. DaS hat seine Ursache darin, daß es an modernen Löschgerätschaften, namentlich an einer Spritze fehlt, mit welcher größere Brände erfolgreich gelöscht werden können. Daß die Mannschaften mit der bisherigen Spritze nicht viel ausrichten konnten, bewiesen die Brände in der An- siedelung des Bauvereins. Selbst der Gemeindevovsteher lehnte die Verantwortung für die Zukunft ab und betonte, daß nicht mehr so billig gewirtschaftet werden könnte. Nachdem die Tempelhofer FeldverwertungS-iGesellschoft der Gemeinde zu diesem Zwecke 29 999 M. überreicht und der Kreis ebenfalls 6999 M. gespendet hat, wird die Gemeinde endlich eine Automobilspritze erhalten, deren Kosten sich einschließlich der Schlauchvcrstärkungen auf etwa 39 999 M. belaufen. Berufswehr und Feuerwache wurden noch der Zukunft anheimgestellt.— Füv Beschaffung von Geräten für die Reinigung der Regenwasserleitunyen wurden 1966 M. bewilligt. Hierbei wurden größere Ausgaben für Wasch- und Kehrmaschinen angekündigt.— Die Schwierigkeiten mit dem Eisenbahnfiskus. welche den Ausbau der Schöneberger Straße bisher verhinderten, sind durch das Angebot des Fiskus, das Gelände abzukaufen, be- hoben. Die Gemeinde erklärte sich bereit, für den Quadratmeter 12 M. zu zahlen, was einer Gesamtsumme von etwa 29 999 M. entspricht.— Die Terraingesellfchaft beabsichtigt, neue Straßen an- zulegen, und zwar die Albrechtstrahe(hinter dem Lazarett), Friedrich-Karl-Straße(auf Schöneberg zu). Straße 63 von der Berliner zur Volkmarstraße(südlich des Kanals), sowie die Albrecht- straße(von der Berliner zur Komturst-raße). Die Dammbreite beträgt 6 Meter.— Im Einverständnis mit der Feldverwertungs- gesellschaft wird die Straße 11 nunmehr eine Dammbreite von V Meter erhalten, jedoch« nur bis zur Straße 6, welche auS der Katzbachstraße kommt. Von einer weiteren Verbreitening des anderen Teils der Straße 11 wurde aus ökonomischen Gründen vorläufig Abstand genommen.— In einev der öffentlichen vor- aufgegangenen längeren nichtöffentlichen Sitzung wurde u. a. die Wahl eines Herrn Bräunig zum Gemeindebaumeister vollzogen. — Das Lehnsche Grundstück soll zum Bau einer höheren Mädchen- (schule verwe-'"» werden. Heinersdorf. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschloß, die Wahl der in der dritten Ableiiung gewählten Herren Witke und Hänel(Bürgervereiii) für ungüliig zu erklären, weil sie in einem Flugblatt irreführende Behauptungen Über Erhöhung des Kommuiialzuschlogcs gemacht haben. Des weiteren befürwortete die Versammlung das Gesuch der Geschäftsinhaber zwecks Ossenhaliung der Geschäfte»n der Zeit vom 1. April bis 1. Oktober bis 9 Uhr abends. Als Schiedsmann wurde fierr Hauptlehrer Blumenthal gewählt. Die Anregung der Aufsichls- ehörde, eine Schulzahnpflege einzuführen, wurde im Prinzip gut- geheißen. Das Königl. UnterfnchungSamt wurde verpflichtet, viertel« jährlich eine Prüfung des Trinkwassers gegen eine Pauschale von 429 M. jährlich vorzunehmen. Dabendorf bet Zossen. Die Gemeindevertretung wählte in ihrer letzten Sitzung zunächst die Vertreter Drescher, Heuers und Klinke in die Grundweristeuer- konunisflon. Der Prospekt der Charlottenburger Wasserwerke wurde noch zurückgestellt, bis die Ansiedelungsgenehmigung vorliegt. Ein Gesuch des Gemeingevorstandes, die alte Ortslage von der Bau- llasse?. zu verschonen, ist vom Kreis dahingehend beantwortet worden, daß das Gesuch von Fall zu Fall wiederholt werden soll. Der Antrag unseres Genossen Lau, durch Ausstellung einer Tafel für die Bekanntmachung amtlicher Nachrichten im neuen Ortsteil zu sorgen, Surde, nachdem sich der Gemeindevorsteher dagegen aus- gesprochen, mit allen gegen die Stimme unseres Genossen abgelehnt. Als Grund gegen den Antrag konnle der Gemeindevorsteher nur anführen, daß er sich nicht dazu hergeben könne, die amtlichen Be- kanntmachungen dort anzubringen. Dieser Einwand genügte, um die bürgerlichen Vertreter von der Undurchführbarkeit dieses nur auf die Bewohner des neuen Ortsteils Rücksicht nehmenden Antrages zu überzeugen. NowaweS. Gegen den Gewaltakt des preußischen Junkerparlaments legte die Arbeiterschaft am Freitagabend in einer stark besuchten össent- lichen Versammlung in den„Deutschen Festsälen" wuchtigen Protest ein. Der Referent. Landtagsabgeordnetcr Hirsch- Charlottenburg, gab in seiner 1'/«stündigen Rede zunächst ein übersichtliches Bild über den Berlauf der„denkwürdigen" Sitzung und unterzog dann, von öfteren Beifallsäußerungen unterbrochen, den durch Anwendung des Hausknechtsparagraphen begangenen Rechtsbruch und seine vor- aussichtlichen Folgen einer vernichtenden Kritik. Am Schluß seiner Rede forderte er die Anwesenden auf, bei den im nächsten Jahre stattfindenden Neuwahlen zum Landtage auf diese unerhörte Vergewaltigung und Verhöhnung der vom Bolke gewählten Vertreter, wie für die bisherigen Schandtaten des reaktionären Junkerparlaments die richtige Antwort zu geben. Aber auch bei der bevorstehenden Wahlrechtsdebatte biete sich der Arbeiterschaft Ge- legenbeit, durch die Tal zu beweisen, daß sie nicht länger willens ist, die Schmach des DreiklassenwahlrechtS zu ertragen. Stürmischer Beifall lohnte den Redner für die trefflichen Ausführungen.— In der Diskussion wünschte Genosse Lorenz, daß das Beispiel der Breslauer Arbeiterschaft, die dem Präsidenten deS JunkerparlamenlS für feine Gewalttat mit der telegraphischen Mitteilung quittierte, daß 699 neue Genossen der Partei beigetreten seien, auch bei der hiesigen Arbeiterschaft Nachahmung finden möchte. Die vorgelesene Protest- resolution fand einstimmige Annahme. Nach einem Hinweis aus die politische Organisation und die Parteipresse schloß der Leiter, Genosse Krähnberg, die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Spanvan. Ein schwerer Unglücksfall hat sich vorgestern auf dem Rummel- platz an der Pichelsdorfer Straße ereignet. Die dort aufgestellte Luftschauiel wurde von zahlreichen Kindern benutzt. Die 12 jährige Schülerin Emma Pablowsky aus der Weißenburger Straße hatte ihrer Schaukel, in der sie, sich mit den Händen an den Eisenstäben festhaltend, aufrecht stand, einen großen Schwung gegeben. Durch einen heftigen Windstoß wurden dem Mädchen die Haare zerzaust und unwilltürlich griff es mit den Händen nach den Kopf, um die Frisur wieder in Ordnung zu bringen. Dabei verlor die P. das Gleichgewicht und stürzte rücklings in hohem Bogen aus der Schaukel Heuaus. Int Fallen schlug das Mädchen mit dem Kopf gegen einen Wagen und blteb dann blutüberströmt und besinnungslos am Boden liegen. Die Verunglückte hat außer zwei klaffenden Kopfwunden und einer Gehirnerschütterung auch schwere innere Verletzungen erlitten. Jugendveranstaltungea. Neukölln. In diesem Sommer finden jeden Mittwoch und Frei- t a g gemeinsame Spiele aus dem Sportplatz Pflügersttatze, Ecke RüUt- straße, statt. Für die Pstngstseiertage find zwei zweitägige Wanderfahrten nach Chorin— Oderberg— Fretenwalde und Märkische Schweiz— Frelenwalde ge- plant. Näheres im Jugendheim. Die Teilnehmerliste wird am Montag, den 29. Mai, geschlossen. Slutzcrdcm Sonntag, den 26. Mai: Partie nach Potsdam— Lienewitzsee —Schwielowsce— Caputh und Templin. Treffpunkt früh 6 Uhr, an den Ringbahnhösen. Fahrgeld 1 M. Lichtenberg. Heute Sonntag, den Ig. Mai. nachmittags, versammelt ftich die Ärbeiterjugeiid Grotz-Lichtenbergs zu gemeinsamem Spiel im schlotz- park zu Friedrichsseide; die Eltern sind hierzu freundlichst eingeladen.— Die Jugendl chen treffen sich in den Jugendheimen Alt-Boxhagen 66, I, und Bürgerheimstratze gl. Abmarsch mittags 1 Uhr. Hus aller Melt. Klerikale Prosperität. Man schreibt nnS aus Brüssel: Die Klerikalen sind aufrichtige Leute. Wenn man ihnen die Statistik entgegenhält, die über die Vermehrung der Klöster in Belgien, über das stetige Anwuchsen der Nonnen- und Mönchs- zahl, über die Massennaturalisierungen der ausländischen geistlichen Lehrer und Lehrerinnen, über die Verdrängung des offiziellen durch den Klosterunterricht belehrt, so sagen sie gemütlich: Was Ihr Schande nennt, das nennen wir unsere„Prosperität". Diese Prosperität ist vielleicht just nicht diejenige, die Belgien zur Stund am meisten nottut, aber daß sie äe kacto existiert, ist freilich nicht zu bezweifeln. Nur merkwürdigerweise, ob sie gleich stolz auf ihre „Prosperität" sind, erfährt man von den Klerikalen selbst nicht eben viel über die Bilanz der klerikalen Aktivität. So ist es ja bekannt, daß es fast unmöglich ist, genaues Material über den Klosterreichtum in Belgien zu erhalten, weil die Geistlichkeit ängst- lich besorgt ist, das Allerheiligste ihrer Geldschränke vor profanen Blicken zu schützen. Daß die Klerikalen über ihre„Prosperität" triumphieren, vet- steht sich: über sie unterrichtet werden muß aber die Bevölkerung aus Laienquelleu. An diesem Unterricht hat's nun vor den Juni- wählen keinen Mangel. Die hier schon erwähnte Serie von Land- karten-Plakaten, auf denen die Anzahl der Klöster der neun Provinzen durch schwarze Scheiben ersichtlich gemacht sind, ist nun vollendet und prangt in allen Straßen. Diese letzten Ziffern über die klerikale Hochflut zeigen folgendes Ergebnis nach Provinzen: Anzahl der Klöster Die Zahl der Klöster hat sich demnach seit 1834— seit dem Beginn der politischen Herrschaft der Klerikalen— fast verdoppelt! — Eine noch günstigere„Prosperität" läßt sich über das Anwachsen der klösterlichen Bevölkerung berichten. Diese hat sich nämlich fast— verdreifacht seit 1884. Damals zählte man in Belgien 32 461 Nonnen« und Geistliche; heute zählt man deren 86 744! In einer anderen, nicht weniger sprechenden. Form ausgedrückt, zeigt sich die klösterliche Prosperität also: Im Jahre 1839 kamen 221 Ein- wohner auf eine geistliche Person; im Jahre 1899 299 Einwohner; im Jahre 1999 176 Einwohner, im Jahre 1919 88 Einwohner auf einen Geistlichen! Man sieht: an„See I sorge" mangeltA dem armen Belgien wahrlich nicht. Sine andere Statistik über die klerikale Prosperität: Die Klerikale», obirohl Regreruwgs-pSrkek, sind bekanntlich Feinde des offiziellen Unterrichts, gegen den sie ununterbrochen einen von ihren Organen unterstützten haßvollen Krieg fuhren. Der offizielle, kommunale oder auch kurz„gottlose" Volksschulunterricht genannt, wird nicht nur von den Vikaren und der klerikalen Presse ununter- brachen bei der Bevölkerung diskreditiert, man nennt dort die kommunalen Volksschulen Apachenschulen« u. ähnl.— eS wird ihm direkt das Terrain abgegraben. Seit dem Beginn der klerikalen Herrschaft sind 749 Kommunalschulen sozusagen von der Bildfläcke verschwunden! Verschwunden, d. h. hier: es wurden von diesen 749 Schulen rund 269 in klerikale, in Klosterschulen umgewandelt. Der Rest wurde geschlossen. Die Klerikalen erklären diesen Prozeß natürlich dam-it, daß angeblich die Bevölkerung mehr Vertrauen zu dem„religiösen«" Unterricht habe. Man müßte freilich die Taktik und die Hetzarbeit der Klerikalen nicht kennen, um nicht zu wissen, wie diese„Schulbedürfnisse" in den klerikalen und agrari- scheu Gegenden erzeugt werden. Für den von der Regierung genehmigten oder subventionierten kongregationisftschen Unterricht ist eine Armee von rund 14 999 Nonnen und Gei st lichen tätig, ungerechnet jener 3999 geistlichen Lehrkräfte, die in den klerikalen Lehrerbildungs- anstalten, gewerblichen und Hausfiauenschulen unterrichten. Man kann sich vorstellen oder man kann sich's fast nicht vorstellen, welche klerikale Wühl- und Hetzarbeit— von dem berühmten„Unterricht" selbst, der in den klerikalen Schulen gelehrt wird, nicht zu reden—- von diesen 17 990 mehr oder minder argen Fanatikern geleistet wird. Schließlich noch diese vergleichende Statistik. Im Fahre 1896 war die Zahl der diplomierten geisllichen und weltlichen Lehrer in Belgien ungefähr gleich groß. Heute gibt es 4999diplomierts geistliche Lehrer und Lehrerinnen und 2699 weltliche diplomierte Lehrkräfte! Der„Fortschritt" ist also auch in dieser Hinsicht deut- lich.— Und für diese kongregattonisttschen Anstalten sollten nach dem Schollaertschen Schulgesetz« noch 29 Millionen geopfert werden! Die„Prosperität" macht eben immer hungriger. Da erst kürzlich der Autor des Projekts im Parlament erklärt hat, daß er sein Projekt„auftecht" halte, so läßt sich unschwer der Effekt voraus- sehen, den ein klerikaler Wahlsieg insbesonders auf dem Schul- gebiet hervorriefe. Gegen die Herrschaft der Vergifwug und Ver- Wüstung des Kindergehirns— das ist demnach eine Hauptlosung im Wahlkampf der oppositionellen Parteien. Drei Touristen abgestürzt. Der Bergsport hat in Oberbayern wieder einmal mehrere Opfer gefordert. Drei Herren aus München, der Ein- jährige Hermann V. Sucher, der Student W. v. Tucher und der Rechtspraktikant Ehrentraudt, unternahmen am Donnerstag früh eine Tour auf den Kleinen Waxenstein. Als sie am Freitag noch nicht zurückgekehrt waren, wurden von der Rettungsstelle Garmisch mehrere Expeditionen aus- gesandt, die die Leichen der drei Herren Sonnabend früh am Einstieg zum Kleinen Waxenstein auffanden. Wie sich aus den an den Leichen ersichtlichen Verwundungen ergab, sind die drei Herren abgestürzt und nicht, wie es in ver- schiedenen Blättern heißt, erfroren. Wie sich der Absturz er- eignet hat, ist vollständig unbekannt. Ein wahres Hundeleben! Wie mancher schon hat seinem Mißmut über des Lebens Misere durch obigen Ausruf beredten Ausdruck gegeben, ohne dabei zu be- denken, welche Beleidigung er dein„modernen" Hunde an- gedeihen läßt. Denn das Leben aller Proletarier ist tausendmal schlechter als das der Hunde,.denen am Freitag die amerikanische Millionärin A. F. Holland ein— pardon— Festfressen gab. Zu Ehren ihres Pekinger Hündchens gab diese moderne Eva im New Uorker Vanderbilt-Hotel ein Bankett, zu dem acht andere Pekinger Hündchen mit ihren Herrinnen Einladungen erhalten hatten. Die Tafel war nach chinesischer Art ausgeschmückt und ein« chinesische Ka- pelle spielte seltsame Weisen auf. Neben jeder Dame saß ein Hündchen an der Tafel, dem auf silbernen Schüsseln allerlei Leckerbissen, die der Hundeseele teuer sind, serviert wurden. Von gebratenen Hühnern wurden ihnen nur die zarten Brüste aufgeschnitten. Jeder Hund erhielt als Andenken ein silbernes Halsband, auf dem sein Name eingraviert war- Die Uebcrreste des Hundemahles aber werden wahrscheinlich von Arbeitslosen, Frauen und Kindern auS den Abfalltonnen des Hotels herausgefischt worden sein, um als hochwillkommener Lecker« bissen verzehrt zu werden. Eine wirklich gerechte Weltordnung l Kleine Notizen. TodeSpurz auS dem Eisenbahnzuge. Auf der Fahrt von Berlin nach Rathenow stürzte gestern morgen in der Nähe der Station Nennhausen der dreijährige Sohn einer polnischen Arbeiterfamilie auS dem Eisenbahnzuge. Das schwer- verletzt« Kind starb kurze Zeit nach der Einlieferung ins Rathenower Krankenhaus. Arbeitcrrisiko. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Sonnabend auf dem Schacht Hugo bei Königs Hütte. Hier feriet der Kranführer Rösner ins AuSladegetrtebe; er wurde ärmlich zerquetscht und war auf der Stelle t o t. Fleischvergiftung. Von Mitgliedern eines Gesangvereins, die am vergangenen Sonntag an einem Sängerfest in M i S b u r g bei Hannover teilnahmen, sind 19 Personen, Männer und Frauen, unter Bergiftungserscheinungen schwer erkrankt. Die Er- krankungen werden zurückgeführt auf den Genuß schadhaften rohen Fleisches. Eifersucht. Nach Berichten aus Kiew erschoß in dem dorttgen Varietö„Apollo" der Oberst des Generalstobes Lilja den Kapell- meister Schrayber. Der Oberst wurde verhaftet. ES handelt sich um eine Liebestragödie. Eisenbatznzug m den Fluß gestürzt. Bei K a m e n i c a bei Serojewo stürzte gestern die hölzerne Eisenbahnbrücke ein gerade in dem Moment, als ein Lastzug darüber fuhr. Die Loko- motive und sechs Wagen stürzten in den Costovicafluß. Zwei den Lastzug begleitende Bahnbedienstete wurden hierbei ge- tötet. Die Cholera i» Kleinasie». In K o n i a h sind-ft�e Chokera- fälle vorgekommen. Eine Sanitätskommission ist auS Konstantinopel dort eingetroffen._ Arbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lchrabend haben in dieser Woche: Spandau. Mittwoch bei Pecziles, PichelSdorser Sttatze S, abends 8'/, Uhr. N o w a w e S. Freitag in der Fortbildungsschule, abends Sst, Uhr. Mariendorj. Wontag bei Löwenhagen, Chauffcestr. 27, abends 8'/, Uhr. Schöneweide. Montag SiemenSstt. 12. abendS 8'/, Uhr. Friedrichshagen. Donnerstag, Friedrichftt. 69, 2. Hof, abends 8'/, Uhr. Heute: Zusammenkunst der Kolonnen in NowaweS um 2 Uhr, Deutsche Festsäle._ Allgemeine Kranken- und Sterbekaff« der Metallarbeiter (Eingeschriebene HilsSkaffe 29, Hamburg). Filiale Berlin 2. Montag, den 29. Mai. abends S'/, Uhr, im Märkischen Hos. Admiralstt. löo: Mitglieder- Versammlung. OIÄf SfrOvCV�rtH/V Tfijicrfifeicöm' <�iv4ievm4Wv v»£>imlim, r�vtv Ü�aüii?� jim\oovntowyvH%\ Heim Engros.„Einzel-VerKanf". Export Besonderer Gelegenheitskanf: Seln-Tatt-Mänleip-��iM I enfll._*rt, früh. 22.— 30,— 40.— 65.- 1| blauDlag.|etzt. 15,-21.— 30.-40— i DDter flersteliongswerl 6-10 M Fraoen-Palefots BJänleL�F�oo. 10-20 M Volle, Tatt, BICH TUU, Spitzen, 0 t J Hl M- Mäntel 6-26 W 12 Hark. Einzelne bleue � Koztflm-Jacken wieAbbildung. aV Hochelegante Modelle Delelnle Etamln, Volle, Tuch und Talf" ä'610'" *r bedeutend unter Herstellungspreis. Spezial.: �'fawelten fjr starke Damen. M JiKosczytz, Sedio[. Landstierger Jtr. 69.« Engrot-Leger! Einzel-Verkaof nur In der I. Etage, IM eine Treppe. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck rerboien.), 20 133 425 88 903[600] 700 65[500] 88 852 78 rCOOl 937 58 1011 100 98[500] 381 87 94 624 710 70 94 850[3000] 925 2349[3000] 608 80 960[30001 829 1[1000] 78 373 78 424 4001 55 192 1 10001 271 308 660 921 38 73 5077 104 813 84 619 42 948 35 3102 222 6023 333[lOOof 419 23 525 800 41 48 810 28 63 913, [500] 43 7018 358 94 626 49 654 741 44 953[500] c M 8023 338 M l"�«°33�778� 8 0 1O400 679 808 58� 789 829 04 068 1600] 11088' 365 88 390 471 617 868 1 2023 68 136 529 716 71 822 93 13142 88 261 Sil 91 410 64 95 941 97 80 141181 230 flOOOl 88 613 739 935 15053 239 43 803 80 640 89 799 894 67 07 18084 803 IS 139 79 218 27 349 83 18069 193[1000] 303 43 418 604 711 903 1B020 41 83[5001 400 98 569 718 865 20131 242 349 435 67 637 868[3000] 2 1371 437 [1000] 693 734 2 2 001[500] 41 234 69 377 648[30001 Ol 737 629 915 63 94 23043 146 55 92 284 363 68 619 66 72 743 802 008 24102 287 422 555 918 707 15 26058 80 88 00 327 402 926 79 782 957 26113 62 329 37[1000] 483 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452 730 89 821 126258 77 476 602 78 769 00 839 09 071 128169 231 85(1000) 335[3000] 88[1000] 436 69 807 28 127004 08 244 578 797 128187 355 468 809 912[600] 129034 65 83 373 458 69 600 020 130372 416 47 654 713 821 70[600] 131016 63 228 77[1000] 305 34 499 641 67 715 922 132012 69 158 248 389 451 663 741 69 810 073 133061. 637 639 739 48 89 924 80 134091[1000] 92 101 03 202[3000] 383 612 639 734 820 38 028 64 00 135029 299 370 426 579 80 623[500] 727[600] 89 827 983 136052 83[500] 213[600] 61 417[1000] 731 64 908 [1000] 137099 117[3000] 202 349 75 99 472 74 625 68[1000] 066 138081 85 149 234 99 343 448 63 661 604 19 825 139000 79 167[3000] 242 311 95 614[500) 635 44 90 783 846 140112 25 291 413 60 029[3000] 48[6001 141 239[3000] 363[1000] 95[500] 471 676 619 33 [3000] 97 802 77 942 63 142037 110 33 43 205 358 674 709 143281 362 618 65 621 36[600] 824 914 32 42 43 88 96[3000] 144012 76 269 302 41 402 44 63 93[1000] 530 627 84 812 74[600] 89 904 18 22 63 145084 122 63 217 23 28 474 601 21 34 02 713 148040 84 277 387 483 729 835 902 3 69 83 1 4714 201 508 10[3000] 29 648 759 874 042 1 48160 2 79 316 78 86 604 149122 69 463 61 500 769 811 [6001 50 924 79[500] 150131 217 350 838 151098 135 363 453 699 789 821 89 152020 168 243 83 385 672[600] 82(1 921 153195 205[600] 34 2 409 12 57 78 60 2 613 ,[3000] 722 63 808 71[1000] 154126[500] 43 233 [500] 648 003 27 48 85 155309 62 647 88 624 723 894 924 47 156019 79 185 220 408 610 19 50 835 955 157266[6000] 315 480 591 98 710 29[500] 804 82 983 158159 233 345 600 612 14 TIS 28 48 008 159020 43 143 66 222 29 674 823 916 100020 169 72 74 265 610 86 938 101115 78 262 54 66 373[1000] 850 043 70 1 62010 101 247 374 630 874 1B3087 182 218 367 440 78[600] 667 619 49 825 45 87 929 1 64102 255 307 29 40 71 457 600 609 20 53[5001 718 881 165290 451 74 728 33 809 20 41[1000] 166191 760 80 863 987 167091 231 [800] 698 849 77 022 55 188000 209 310 775 169049 84 160 285 839 611 739 99 864 059[1000] 170087 464 65 669 032 171051 213 60 374 619 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j�tfhüli�S Kl �rKRT-PretfSSi Loftterfei: I Ziehung vom 18. Mal 1012 nachmittags. Inf Jods gezogene Kammer elnd zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar Je einer azf die Loee gleleher Kummer In den beiden ibtellaagea I und Q Nur die Gewinne Ober 240 Mark aind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)'(Nachdruck rerbofen.) 13 129 71 217 76 438 80 727 04 838 09 965 77 1063 100[500] 217 77 780 835 2112 98 85 04 292 348 407 638 67 701 32 812 992 3134 60 325 420 95 607 532 797 858 77 78 4000 172 326 62 600[600] 58 75 791 684 5221[1000] 473 741 919 96 6110 83 340 03 425[1000] 603 38 45 703 35 36[1000] 950 7158 91 831 669 722[600] 810[ 600] 65 969 8022 38 167 02 80 212 41(3000) 836 456 592 719 825 71 9037 271 339 481 684 800 10219 52 478 540 03 913 klOOO] 877[1000] 033 72 11093 228 97 472 619 45 60 668 72 755 64 817 39 [6001 987 1 2309 53[600] 440 624 762 804[3000] 916 37 1 3449 629 710 831 34 67 1 4161 421 671 83 935 15032 183 88 227[3000] 60 77 374[500] 638 703 892 [1000] 927 30 89 16037 39 250 74[600] 322 39 449 628 67[60] 17082 98 181 76 80 93 340 438[500] 617 928 72 18031 187 202 362 414 631 886 018 85 19030 137 210 385 448 78 79 516 707 813 20091 124 210[500] 600 68 928[1000] 56 21111 620 60 2 2095[5000] 126 225 411 40 91 571 680 808 003[500] 6 23147 80 229 38 89[600] 04 39 43 6 21 707 24049 158 82 J3000] 245 305[500] 67 624 69 003 [1000] 28 64 73 25092 148 08 290[1000] 93 499 592 708 26 67 26013 41 109 338 62 640 27260 310[1000] 38 491 95 628[600] 76 660 70 802 TO 94 926 28052 116 34 200 388 428 600 823 997 2 9019 31 660 7 2 638 42 30012 123 231 688 676 931 48[600] 31074 614 68 32004 34 72 116 305 624 823 65[3000] 980 3 3085 470 845 79 34173 216[600] 35 365 692 682 761 84 35007 89 478 773 88 876[1000] 915 3 6263 79 406 11 [3000] 37 38 79 614 891 37 072 133 38 67 268 465 619 [600] 61 733 819 32 61 76 3 8006 38[500] 100 43 801 486 548 615 78 88 778 897 39190 542 43[500] 704 866 78 95 928 40118 20 89 248 711 41107 309 769 010 42131 814 74 768 862[500] 77 928 43083 128 727[600] 063 02 4 4226 440 60 62 80 683 035 07 78 4 5098 176 87 441 639 822 64 956 4 6005 102 0 18 37 213 508 27 68 895 869 917 47047 195 201 338 426 63 80 96 621 735 48022[500] 292 375 448[1000] 90 570 839 707 57 68 863 917 4 0044[600] 48 61 72 301 61 687 682 976 50045 149 280 620 709 842 64 958 85 51035 229 312 439 522 97 747 879 86 046 52041 TO 129 30 306 613 764 844[500] 65 097 53088[1000] 272[1000] 478 [30000] 682 731 826 48 77 54025 244 00[500] 398 448 600 27 55139 298 815[600] 38 40[1000] 97 472 682 696 717 966 56047 183 279 305 484 576 90 688 061 69[600] 5 7004 83 161 204[500] 47 328 84 641 620 779 808 18 98 58043 67 255 337 63 657 688 790 899 932 69 91 69044 145 68 206 9 31 380 85[600] 427 32 685 705 74 801 20 6O001[600] 142 397 737 817 61071 279 379 491 698 716 1600] 62401 65 672 833 98 996 99 63113 [500] 283 305 608 680 701 64193 376 537[600] 906 10 65074 235 75 733 37 932 7, 66051 76 3J7 582 746 870[3000] 67305[1000] 97 445 517 603 8 760 67 76 855 937 68118 25 201 19 330 34 627 37 69 705 64258 97 455 639 70022 123 248 72 319[3000] 545 688[1000] 750 71489 625 736 845 72231 708 84 73048 75 144 440 70 548 849 77 057 78 74560 763 895 024 78080 168 247 548 650 750 855 59 78001 119 44 300 683 777 906 53 77152 247 304 25 433 601 42 90 762 78435 44 913[3000] 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Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Ve rlagsÄnstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Rr. 115. 29. Jahrgang. ajgg'Mi ößtilHt des Jatmärts" jJttliiitt BülWt Zonntag, 19. Mai 1912. 5. Verbandstag der Zu Begnm des Rückers Bericht ü b e ra t u n gs ko m Beitragserhöhung n richtungen grunosq/Hijch JHHtfr DkllWauds. Ivi München, 17. Mai. ttÜ�stages erstattete Rothe- eratungen der Statuten- �ie Kommission empfiehlt, eine nehmen und die Unterstützungscin- .M.„»• Heiassen, die beantragte' Erwerbslosen- unterstützung al�g abzulehnen. Eine starke Minderheit der Kommission sei? füt die Ertverbswsenunterftützung, die Mehrheit halte aber ihre Einführung, die eine wesentliche Beitragserhöhung zur Folge habe� unter den gegebenen Verhältnissen nicht für ge- boten. Di-!/ Kommission schlägt die Reduzierung der Karenzzeit zum B�uge dieser Unterstühung von sieben auf drei Tage vor. �Ä�höchstsumme der zu beziehenden Umzugsunterstützung soll von 50 auf 80 M. und die Rciseunterstützung von 75 Pf. auf 1 M. pro Tag erhöht werden. Den Antrag des Vorstandes, daß �ur Fort- setzung eines Streiks bezw. einer Aussperrung bei der jeweiligen Abstimmung eine Zweidrittel Majorität ersoroerlich ist, empfiehlt die Kommission zur Annahme. Der Bericht der Kommission rief eine längere lebhafte Dis- kussion hervor. Der Antrag auf Einführung der Erwerbslosen- Unterstützung findet warme Befürwortung, besonders von den städtischen Delegierten. Sie betonen, die Einführung sei ein Gebot der Notwendigkeit; über kurz oder lang müsse auch dieser Unter- stühungszweig kommen. Di« Beitragserhöhung dürfe nicht aus- schlaggebend sein.— Franke- Berlin befürwortet den Eventual- antrag, den Borstand zu beauftragen, dem nächsten Berbandstag eine diesbezügliche Vorlage zu unterbreiten. Die Gegner der Erwerbsloscnunterstützung verweist Redner auf die Tatsach«, daß sämtliche Verbände, die in den letzten fahren die Arbeitslosen- Unterstützung eingeführt haben, gewaltige Fortschritte gemacht haben. Die Einführung würde auch für die Steinarbeiterorgani- sation nur von Vorteil sein. Man könne nicht warten, bis der Staat eine Arbeitslosenversicherung einführt.— Redakteur Stau- d i n g e r betonte, der Vorstand könne zurzeit der Einführung der EavcrbSlosenunterstützung nicht zustimmen, obwohl er sich der Tragweite sehr wohl bewußt sei. Etwa 80 Proz. von den gesamten Mitglieoern der deutschen Gewerkschaften werden statutarisch von der Arbeitslosenunterstützung erfaßt. Aber in der Steinindusirie liegen die beruflichen Verhältnisse eigenartiger als in anderen Gewerkschaften.— K n o l l, Vertreter der Generalkommission, be- tonte die Schwierigkeiten der Einführung der Arbeitslosen unter- stützung bei den Baubenifen. Bei den Steinarbeitern würden 75 Proz. der Mitglieder die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch nehmen müssen. Das lasse sich aber mit einer Beitragserhöhung von tv Pf. nicht machen. Bei der Abstimmung stimmten 20 Delegierte für und 4g Dele- gierte gegen die Einfuhrung der Arbeitslosenunterstützung. Da- gegen wurde einstimmig der Antrag Franke- Verlin an- genommen, den Vorstand zu beauftragen, dem nächsten Ver- bandstag eine Vorlage für die Einführung der Erwerbslosenunter. stützung zu unterbreiten. Im übrigen stimmte der Berbandstag den oben mitgeteilten Kommissionsvorschlägen zu.— Sämtliche Anträge auf Erhöhung der Streik- und Krankenunterstützung wur- den abgelehnt. Die Karenzzeit für die Krankenuntcrstützung wird von sieben auf drei Tage ermäßigt. Die Sterbegeldunterstützung wird nach siebenjähriger Mitgliedschaft auf 60 M. erhöht. Die Verhandlungen werden«ruf Sonnabend vertagt. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Köntgl. Qtzernhaus. Sonntag: Der Wildschütz. Montag: Mignon. Dienstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mitwoch: Tannhauser. Donnerstag: Madame Bultersly. Freitag: Der Rosenkaoalier. Sonnabend: Elektra.«Ans. 8 Uhr.) Sonntag: Königskindcr. Montag: Der Rosen- tavalier.(Ansang 7'/- Uhr.) Kbnigl. Ichauipiclhaus. Sonntag: Was ihr wollt. Montag: Der große König. Dienstag: Hamlet. Mittwoch:. Der große König. Donners- tag: Julius Cäsar. Freilag: Weh dem, der lügt. Sonnabend: Minna von Marnheim, sonntag: Der große König. Wonlag: 1812.(Ansang Vj. Uhr.) Lessing-Tbcater. Sonnlag und Montag: Heimliche Liehe. Dienstag (Ans. VI, Uhr) und folgende Tage: Reiche Mädchew(Rniang 8 Uhr.) Tcutiches Thealcr. zonntag und Montag: Keorge Dandm. Dienstag: Penthesilca. Mittwoch: Faust. 1. Tech Donnerstag:«Äeorge Tandin.. FreUag: Viel Lärm um Nichts. Sonnabend.: Faust. 2. Teil. «Ansang Uhr.) Sonnlag: George Dandm. Montag: Romeo und Julia.(Ansang 8 Uhr.) Kaminerspicle. Sanntag bis Donnerstag: Mein Freund Teddy. Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend und Sonnlag: Mein Freund Teddy.(Anfang 8 Uhr.)' Berliner Tbeatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Logenbrüder. Allabendlich: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Veucs Schauipielhaus. Allabendlich: Parkettsitz Nr. 10.(Ans. 8 Uhr.) Komiichc Cvcr. Montag bis Donnerstag: Die Spiele ihrer Exzellenz. Freitag: Overnabend.(Anfang 71/, Uhr) Sonnabend bis Montag: Eva- töchtcr.«Ansang 8 Uhr.) Kuriürsten-Qper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiefland. Abends: ToSca. Montag: Die verlauste Braut. Dienstag: Tosca. Mittwoch: Oberst Chabert. Tonnersiag: Gesangsschule Bruns.(Ansang 8'/, Uhr.) Freitag: Ter SchmuiT oer Madonna. Sonnabend: Oberst Cbabert. Sonnlag: Der Schmuck der Madonna. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Thcarer. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Leibgardist. Allabendlich: Der Rachtwächtel. Lottchens Geburlslag.(Ansang 8 Uhr.) Neues Tbratcr. Allabendlich: Der liebe Augustin(Ansang 8 Uhr.) Tchifler-Tveaier O. Eonntagnachmitlag 3 Ubr: Kyritz- Phritz. Ahends: Die Haubenlerche. Montag: Der Kompagnon. Dienstag: Die Haubenlerche. Miliwoch: Der Kompagnon. Donnerstag: Der scharfe Junker. Freitag: Die Haubenlerche. Sonnabend: Der«Acizige. Der ein- gebildete Kranke. Sonntag: Der Kompagnon. Montag: Die Haubenlerche. (Ansang 8 Uhr.) Schiller. Theater tsharlottrnburg. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Psarrcr von Kirchseld. Abends und Montag: Die Gcsädrlin. ParacelsuS. Der grüne Kaladu. Dienstag: Der Weg zur Hölle. Miltwock: Die Ge- sährlin. ParacelsuS. Der grüne Kakadu. Donnerstag: Lady Windermeres Fächer. Freitag: Die Äesährlm. ParacelsuS. Der grüne Kakadu. Sonn- abend: Die Haubenlerche,»onntag: Die Wildente. Montag: Die Ge- jährt in. ParacelsuS. Der grüne Kakadu.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich< Büilbelmstadiisches Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Susanne,(Ansang 81/, Uhr.) Residenz> Theater. Bis aus weiteres täglich: Alle? sür die Firma. (Ansang 8 Ubr.) Theater i» der Königgratzer Straße. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Bis aus wcilcr-S täglich abends: Die jüns Franksurter. (Ansang 8 Ubr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag S'l, Uhr: Wiener Blut Allabendlich: Die schöne Helena.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Thcaicr. Allabendlich: Aulolicbchen.(Anfang 8 Uhr.) Luilipietbau». Sunniagnachmsttag 3 Uhr: Renaissance. Allabendlich: So'n Windhund.(Ansang 8 Uhr.) Neues Lperetien-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Graf von Luxembnrg. Allabendlich: Der Kongreß von Sevilla.(Anlang 8 Ubr.) Triaiion-Theater. Sonnlagnachmittag 3 Ubr: Mein Baby. Abends und bis aus weileres lägllch: Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend.(Ansang 8 Uhr.) Stose- Tdrater. Sonnwgnachmittag 3 Uhr: S X 460000 Teufel Abend«: Prediosa. Montag: Spreeathcner. Dienstag: 5 X'00 000 Teufel. Mittwoch; Spreealhener. Donnerstag: ö X>00 Ä>0 Teufel; Freitag: Preciosg. Sonnabend bis Montag: Die zwei. Waisen,«innsang 8 Uhr.) Luisen-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends und Montag: Schwester Carmen. Dienstag: Wold und Liebe. Miliwoch: Schwester Carmen. Donnerstag: Ich lasse Dich nicht. Freitag, Sonnabend. Sonntag und Montag: Schwester Carmen.(Ansang 8 Uhr.) Neues BolkStheatcr.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmiltag 3 Ubr: Der Meister. Abends: Der Meister. Montag: Der Raub der Sabinerinne». Dienstag: Der Meister. Mittwoch: Dir Raub der Sabine- rinnen. Donnerstag: In Behandlung. Freitag: Der Raub der Sabine- rinnen. Sonnabend: Geographie und Äebe. Sonntag: Der Meister. �Caiino-Tlicater. Sonntagnachmiltag 3'/, Uhr: Die Tochter des Sträflings. Abends täglich: Die lustige Strohwitwe.«Ansang 8 Uhr.) Metropol< Thcarer. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Dorothea. Die kleinen Lämmer. Allabendlich: Schwindelmeier u. Co.(Ansang 8 Uhr.)' Foltes(5aprice. Allabendlich: Kobi-Krach. Nr. 14,(Ans. 8'/« Uhr.) Walhall». Allabendlich: Um eine Krone.(Ansang S'l, Uhr.) Apollo> Tbeaeer. Abends täglich:.Spezialiläien.(Ansang 8 Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täg- lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.)''' Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Sonntag. nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten.> Reiehshalleu- Theater. Täglich: Stetttner Sänger.(Anfang 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr.) Kpnigstadl.Kasino. Täglich: Spezlalflütcu.(Ansang 8 Uhr.) Eingegangene Druck fcbriften. Zlntancn. Nr. 4. Osfiztelles Organ des Deutschen Arbelter-Esveran- tisten-Bundes. Erscheint am l. jcb. Monats. Pro Jahr 2,20 M. F. Zuckarolli, Hamburg 5, Beim Strohhaus 31 o. Briefkasten der RedakHon. Xtt IttrlBtidjc evctdiftnavc ftirte« liindcnft raste 69,»an, vier Irrpre» — A a>, r ft« h t—, wvchenragllch von»t» tVj Uyr abenvS, EonnadendS, von 4� dis 6 Mir abend» ftott. Jeder flit den Brie! tasten bestimmten Anfrage ist ein Buchsiab« nud eine jjayl als Mertzrulien beizufügen. Briesilche Autwari wird nicht ertcU«. Antragen, denen keine Abonnemeuisguttinng detgefitgt ist, werde» nicht beantwortet. Eilige Jragc» trage man in der Edrcchftuude bor. F. B. 1K1. 1. 1200 Bcitragswochen. Denjentgen, die zur Zeit deS Inkrafttretens deS Gesetzes eine versicherungspflichtige Beschäftigung hatten, werden event. sür jedes Jahr, um das sie bei Inkrafttreten älter als vierzig Jahre waren, vierzig Bcitragswochen angerechnet. 2. Aus Antrag kann Besrciung erjotgen. 3. Ja.— O. Brrgstraste. Ja. in Stralau.— W. 4» Brieflicht Mitteilung an Magiilai. Gcwcrbcdcputatwn.--- Spree- Wald lll. Die etwa doppelt gezahtlc Gcmeiiidceiulonunciistcuer können Sie zurückverlangen. Beschweren Sic sich beim Finanzminister.— H. H.?S. Eine B e rp s l i ch t u n g besteht nicht. Dem Gastimri werden durch die Anmeldung cvenl. polizeiliche Scherereien e'rsparl— 21 Wilhelmiplatz. 1. u. 2. Dürjle ausreichen. 3. u. 4. Falls der Mann arm ist, ja. S. Ja.— Fr. Neukölln. Ja, da der Reinertrag unter 1500 M. beträgt.— F. St. 1. Nichl daS taljächlichc Emlommen, sondern' der im Kassensiatut sestgcsetzte Durch schnitte verdienst ist maßgebend.—«vnist 26. U. E. ans§ 8 Ziff. 4 Einkominenstcuergeietz. Das Oberverwallungsgcricht hat allerdings ent- gegcngcsctzt entschieden.— A. T.«7. 1. Ja. soweit die Lohnforderung 23,85 M. wöchentlich oder 125 M. nioriailich übersteigt. 2. u. 3. Ja. 4. u. b. An das Amisgericht, in dessen Bezirk Schuldner seinen Wohnsitz hat. —»Gertrud-'. Meldungen im Haiiptteiegraphenamt, Französische Straße, Ecke Lberwallstraße.— ffi.®. 120. 1. Nicht bekannt. 2. Ist von«Kellert. — E. B. 110. Ja.— 51. F. 40. Rem sachlich genommen: New. Vom Gcsichlspunktc der Solidariläi betrachtet: Ja.— F. S. 1900. Können wir nicht seftstellen.— P. B. 500. Aus ewen Sonntag.— P. n. 89. Bureau sür Badcwescn, Berlmer Rathaus, Zimmer 111/118. Gehalt nicht bekannt.— H. I. 17. 1. und 2. Nur»ach Vorzeigung einer Karte beziebungSweise Fürsprache einer in der Oessentlichleil bekannten Person, Abgeordneter, Stadtverordneter oder dergleichen.—(S. D. 26. Koinmt aus die vorgesehene GeschäslSordnung an. Für den an der Debatte Bc- tefligten allgemein nicht zu cmpjehlen. Derartige Literatur nicht bekannt. F. F. 0. Aiiliquar tzagen.— G. H. 20. Eriahren Sic dort am besten.— Lotte S. Können Sie sich nur vom Arzt beraten'assen. Die alte Firma Schuhwarenhaus Carl Stiller hat zu ähnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehungen.| Man achte genau auf Straßennamen und Hausnummern! Zentrale und Versand: Jerusalemer Str. 32-35 Potsdamer Strafte 2 Tauentzien-Strafte 19« Friedrich-Strafte 75 König-Strafte 25 u. 26 Sdiönebg.j Hauptstr. 146 Neukölln, Bergstr. 25-26 Qegr Sehr preiswert! Für Damen Eleganter Chevrette• Halbschuh zum Smnüren mit Lackkappe und Derby-Sdiaflsdinllt Chevrette- SdinOrsfiefel mit Lackkappe und amerikanischem Absatz, sehr preiswert.. Boxkalf- und Chevreau• Schnürstiefel, auch braun Chevreau, mit u. ohne Lackkappen und Derby-Scha|l$chnHI. Elegante Halbschuhe in Boxkalf und Chevreau. auch braun Chevreau Braun und schwarz Chevreau• Schnür- und Knopfstiefel In neuen modernen Fassons mit hohen oder niedrigen Absätzen, Rand gedoppell. 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Mai, abends 8 Uhr: Neues Schauspielh. 17.(IV.) Abend- ableilung: Parketts, h Nr. 10. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, den 19. Mai, nachmittag« 2'/, Uhr: Deutsche? Theater: Hamlet. KammerspielhauS: Lanzelot. Nachmittags 3 Uhr: Neue» VolkS-Thealer. Der Meister. Schtller-Tbeater O.: Khritz-Pqritz. Schiller-Theater Cbarlottenbg. Der Psarrer von Kirchscld. MetropvI-Thealer: Di« lleinen Lämmer.— Dorothea. Trianon-Theater: Mein Baby. NeueS Operetten- Theater: Der Gras von Luxemburg. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Kleines Theater. Der Leibgardist Abends 8 Uhr: ReueS BolkS-Theater: Der Meister. Ab-ndS S'/, Uhr: NeueS VoikS-Theater. Montag. Mitt- woch, Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Dienstag: Der Meister. Donnerstag: In BeHand- lung. Sonnabend: Geographie und Liebe. SeMier-IdMlero.lS Sonntag,»achm. 3 Uhr: Kyrltn-PvrttB. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Montag, abends 8 Uhr: Der Komparnon. Dienstag, abends 8 Ubr s Die Haubenlerche. Sehiller-Theaier Chabru?g.en' Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Piarrervon Kirchfeld Sonnlag. abends 8 Ubr: lila Gefahrtin— Paraceltus. Oer grllne Kakadu. Montag, abends 8 Uhr: Die Gefährtin— Paracelsus. _ Der grüne Kakadu. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Operette von Leo Fall. berliner Tliester. Abends 8 Ubr: Große Rosinen. Abends d Ubr: 0!e 5 Frankfurter. Theater des Westens. Abend? 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonntag 3'), Uhr: Wiener Blul Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Ubr: Alles für die gfinna. Schwant in 8 Akten von M. Hennequin und K. Mitchell. Morgen u solgende Tage: Alles für die Firma. Lmscn-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ich laste Ifcich nicht. 8 Uhr: Schwester Carmen. Montag: Schwester Carmen. Dienstag: Wold und Liebe. VI. V/akIkl-eis. Sonntag, den 26. Mai 1912(1. Pfingstfeiertag) Zwei große Frühkonzerte s. i=1Insel-Reslaarant,™ee?n' t. im Berliner Praler-TIiealer, Kaettanlen-Allee 7/9» Theater- Dßd Spezialitäten-Torstelleng. Erdttnung(rllh 4 Uhr. Billett 30 Pf. In beiden Lokalen ist die KalleekQcbe geölinet SeestraBe, anter Mitwirkung des„Berliner Ulk-Trio". Eröffnung früh 5 Uhr. BHIeti 20 PI. Zahlreicher Beteiligung sehen entgegen � A LICHTSCHAU- SPIELHAUS O' KOPPEN STR�. 29 Das grasste der Welt.- 2300 Plätze. Sprechende Films. Vicht durch Grammophone dargeetellt. Die Komitees Eröffnung Mittwoch, Ken 21 Mai. Anlang 6 Uhr. Aller nenestes lieli aal dem Trete allererster Darbietangen bleiben die Preise volkbtümlich. Entree 80 Pt Balkon 50 Pt Parkett 75 Pt Mittelparkett 1 M. Metropol-Theater. Nachmittag 3 Ubr: Dorethea. Die kleinen Lfimmer. Abends 8 Ubr: Rauchen gestattet. Schuiiudtlmritr& Comp. PHanlastisch ntufUalifche Komödie in 3 Akten aus dem Englischen völlig srel bearbeitet von I. Freund. Mustt von R.Nellon. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gelevl vom Dir. R. Schnitz. Her neue herTomgende Spielplan Hente Sonntag Anf. 3 Uhr. Katteneröffnung 2 Uhr. I0SE-THEATE Grotze Frankluner Str. 132. 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Arabisch._ 17446 Möbiicrte Schlasstelle zu ver- mieten bei Köbisch, Oranienstt. 187, Seitenflügel I._ 17456 Möblierte Schlafstelle für Herr-n vermietet Gitschinerstraße 73, vorn III rechts._ 1746b Möblierte freundliche Schlaiitelle vermietet Romatzli, Dresdener- sttaße 107/3, vorn II_ 34/18 "Schlafftelle�cinen Herrn, Greifs- watderstraße 162, Seitenflügel, Ocl. schläger.__+149 Möblierte Schlafstelle, 1 Herrn, allein, Köpenickerstraße 124, Quer- gcbäude II links. 1764b Möblierte Schlasstelle, 1 oder 2 Herren, Schade, Oraniensttaße 21, vom III._ 17636 "Schlafstelle, 2 Herren, Schreinerstraße 44 parterre_+10 Möblierte Schlasstelle, zwei Herren, Brunnenstraße 134, vorn IV link«.+19 Schlafstelle, Herrn billig. Schön- holzerstraße 12, vorn. Frau Reimann. Anständige Schlasstelle zu vermieten sür zwei Herren bei Frau Benz. ZionSlirch straße 5. 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Ncanderstraße 24, Hos 4 Treppen rechts, zu vermiete»._+150 Schlafstelle vermietet an zwei Herrn Cohn, Markusstraße 18, zweiter Hos, Ausgang VIII, 1 Treppe.+44 Bessere Schlafstelle sür zwei Herren vermietet Heine, Hennigsdorser- straße 9 II.+32 Freundlich möblierte Schlasstelle, separat. Bahnhos,SchönhauserAllee72a, vorn IV, Schröder.____+118 Möblierte Schlasstelle sofort oder 1. Juni. Ruft, Lichtenberg, Weichsel. sttaße 3, vom III.+73 Möblierte Schlasstelle, Bad, Kuglerstraße 2, vom I, Eleinkops. "Möblierte Schlasstelle, ei» auch zwei Herren. Klose, Gleimsttaße 16, Irechts._,+118 Möblierte Schlasstelle(allein). Witwe Deutschmana, Eonnenburgcr, sttaße 23.+113 Möblierte Schlasstelle, 11,00. Witwe Ulrich, Stolpischestraße 2, vorn IV._+118 Schlafstelle, ein auch zwei Herren. Piontek, Weidenweg 56.+73 mit b-rkolg jjskiidrt hat, ist leitende Stellung an sucht ____________ mittlerer stelle an großer Zeitung. Offerten unter It. 3 an die Expedition des„Vorwärts". wwwwwwwgpwwwwww in ungekünd. 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Wvrntsvvrviii ck»-»- ItorNnvr Char- iotteiiburg. tthlandstraffe. Für Hartgummi- Arbeiter die Firma Hiittdney, Schlefische Strafte 32. Da» Berliner ArbettSwilligeu- verniitteiungSbureau d. gelben .HandwerterschuffverbandeS-'. Arbeit»»achweis d. Stellmacher- inilung u»d der Wagenfabri- kante», Kaiser-Franz-Grenadier» Platz. Zuzug ist stteng, renzuhalten. die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Einem Teil unserer heutige» Auflage— für de» Norde»— liegt ein Prospekt deS Schuh. Warenhauses I-onia Halle, Berlin BO, Chauffeeftr. 75, bei. Keranttvortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für de» Lnferatenieit verantw-: Th- Glocke, Herlin. Druck».Vertag: Porwärlg Buchdrücke re» u. PerlagSanstattPaut S'ngex».Co., Bertin SW/,