Pr. ISO. BbonntmentS'ßeJIfijUfiöni: HTionncmfntä. Preis drinumeraniwi SierteljShrl. S.Z0 Mi., monatl. l.lv Mk., IrSchenllich SS Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntag». nunnner mit illustrierter Sonntag». Vellage.Die Neue Seit' 10 Pf«. Post. Swonnemmt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesierrcrch- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, nünien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. vi« InlerHm'GeliflV teirZgt für die sechsgespaltene Kolonek. »eile oder deren Raum M Pfg. für politische und aewerlschaflltche Vereins- Und BersammIungS-Auzeigen 30 Pig. „Kleine Hnaeigen", da» fettgedrulkte Wort 20 Psg.(zulässig Z setigedru-ile Worte), jede» weitere Wort 10 P'g. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg. jede» weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. 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Einberufen wenige Tage nach der vernichtenden Niederlage des schwarzblauen Blockes, ist das Dreiklassenparlament ge- wissermaßen der letzte Zufluchtsort der Geschlagenen geworden, die Burg, hinter deren Wällen König Heydebrand seine Ge treuen sammelte, um von hier aus Rache zu nehmen an den Siegern. Hilfreiche Hand leisteten ihm dabei nicht nur seine schwarzen Bundcsbrüder, sondern auch die Freikonservativen und nicht zuletzt die Nationalliberalen, deren preußischer Flügel unter Friedberg und Schiffer ja nur eine Spielart der Konser- vativen ist. Kein Tag in der verflossenen Session ist ver- gangen, an dem nicht von der Tribüne des Junlerparlaments herab schwere Beschimpfungen ausgestoßen und niederträchtige Verleumdungen und Beleidigungen geschleudert wurden gegen die stärkste Partei des Landes, die allerdings infolge des Dreiklassenwahlsystems die geringste Zahl von Vertretern stellt. Ganz besonders richtete sich der Zorn und die Wut der konservativ- klerikalen Mehrheit gegen die sechs sozialdemokratischen Abgeordneten, in deren Person man die verhaßte Partei, die hinter ihnen stehenden Wähler, treffen zu können vermeinte. Vlanmäßig ging man dabei zu Werke, kühl berechnend goß Man bald die Schale seines Spottes und Hohnes über die Sozialdemokratie und ihre Vertreter aus, bald fuhr man das schwerste auf, warf ihnen Eidbruch und Vaterlandsverrat vor, um. wenn sie sich gegen solche Unverfrorenheiten kühn wehrten, einen billigen Vorwand zur Anwendung des Hausknechts- Paragraphen und zu weiterer Verschärfung der Geschäfts- ordnnng zu finden. Ein widerlicher Anblick, diese Pharisäer und Heuchler, die sich fortgesetzt ihrer guten Kinderstube rühmen, über den schlechten Ton der Sozialdemokratie in sittlicher Entrüstung machen, selbst aber den Ton der Debatten in dem Kanipfe gegen die Sozialdeinokratie auf das denkbar niedrigste Maß herabdrücken I Diese Pharisäer und Heuchler, die sich dem im Hause nur schwach vertretenen Gegner gegenüber alles heraus- nehmen zu dürfen glauben, die aber sofort die Hilfe der Ge- richte anrufen, wenn die sozialdemokratische Presse ihnen die gebührende Antwort erteilt! Solche Zustände sind nur möglich unter der Herrschaft des Dreiklassenwahlsystems.in dem die Macht der Junker und ihrer Helfershelfer wurzelt und das den Besitzenden einen wcitüberihre Bedeutung für den Staatsorganismus hinausgehen- den Einfluß sichert. Die Beseitigung des Drciklasscnwahlsystems ist die dringendste Aufgabe der Gegenwart. Aber diese Reform kann und darf nicht darin bestehen, daß man, wie es die Rc- gierung im Jahre 1910 plante, das Dreiklassenwahlunrecht durch ein anderes Unrecht ersetzt, sondern einzig und allein in der Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts für Männer und Frauen. Daß die Mehr- heit des Abgeordnetenhauses noch vor wenigen Tagen ihrer Abneigung gegen jede Wahlrechtsreform Ausdruck verliehen hat, tann für die wirklichen Freunde eines freien Wahlrechts beileibe kein Grund sein, in ihrer Agitation zn erlahmen. Im Gegenteil, dies von brutalster i-oelbstsucht diktierte Streben eines volksfeindlichen Parlaments wird nur alle die, die es ernst mit der Erringung des Wahlrechts meinen, anspornen, mit um so größerer Energie den Kampf für die höchsten Rechte des Volkes zu führen! Aber nicht nur einer Erweiterung der Volksrechte steht die reaktionäre Landtagsmehrheit im Bunde mit der Regierung feindlich gegenüber, sondern auch die winzigen Rechte, deren sich das Volk heute erstellt, sollen ihm nach dem Wunsche dieser Gesellschaft genommen werden. Fort und fort erschallte bei den Etatsberatungen, die den größten Teil der Session ausfüllten, der Ruf nach Knebelung und Ent- rechtung der Arbeiter. Um einen Vorwand zur Be- scitigung des Koalitionsrechtes zu finden, faselt man vom Terrorismus der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie. Und dabei gibt es keine schlimmeren Terroristen als die herrschenden Kreise in Preußen, die durch die Androhung der Hungerpeitsche alle abhängigen Existenzen zn Heuchlern erziehen möchten. Ganz besonderer Gunst der Scharfmacher erfreut sich der Polizeiminister v. Dallwitz, ein beschränkter Bureaukrat. von dem keinerlei Reform großen Stils zu erwarten ist, der aber, wie das bei subalternen Naturen der Fall zu sein pflegt, in Angriffen gegen die Sozialdemokratie das menschenmögliche leistet, und sich dann, wenn ihm die gebührende Abfertigung zu teil wird, nicht ent- blödet. zum Kadi zu lausen. Tie Verhandlungen über den Bergarbeiterstreik haben mehr noch als die. über das Ministerium des Innern den Beweis dafür er- bracht, daß in Preußen Macht vor Recht geht und daß der Säbel, der haut und die Flinte, die schießt, die Mittel sind, deren man sich in Ermangelung geistiger Waffen bedient. Auch die Justiz soll zum Büttel der Polizei degradiert werden. Die Schnellfeuerjustiz im Ruhrrevier, die selbst im Auslande Kopfschütteln hervorgerufen hat, findet die uneingeschränkte Billigung der großen Mehrheit des Junkerparlaments, die am liebsten bei jedem Streik das Standrecht proklamiert haben möchte. Klassenjustiz gilt als etwas Selbstverständliches. Wie könnte es im Klassenstaate auch anders sein. Alle Maßnahmen werden mehr noch als früher unter dem Gesichtspunkt ihrer Wirkung auf die Sozialdemokratie geprüft. Zur Bekämpfung der sozialdemo- kratischen Jugendbewegung und zur Erziehung der Jugend im hurrapatriotischen Geiste werden anderthalb Millionen zur Verfügung gestellt. Und natürlich machen sich die herrschenden Klassen auch die Volksschule dienstbar. Nicht die Heranbildung einer tüchtigen Jugend, sondern die Vernichtung der Sozialdemokratie, der einzigen wahrhaften Kulturpartei, gilt als Ziel des Unterrichts. Mit brutalen Polizeimaßregeln glaubt man, einer geistigen Bewegung Herr werden zu können. Und so wie die Sozialdemokraten, so bekämpft man auch die Polen und Dänen. Ohne Rücksicht darauf, daß da- durch ein fundamentaler Grundsatz der Verfassung über den Hausen gerannt wird, hat man noch schnell in letzter Stunde das Besitzbefestigungsgesetz durchgepeitscht, das in gleicher Weise wie die bisherigen Gesetze gegen die Polen seine Wirkung verfehlen und lediglich die nationalen Gegensätze ver- schärfen wird. Die beiden größten Gesetzentwürfe, die die Regierung dem Landtage unterbreitet hat, das Wassergesetz und die Novelle zu den Steuergesetzen, sind noch nicht einmal in den Kommissionen erledigt. Während man das beim Wassergesetz wegen der Schwierigkeit der Materie verstehen kann, ist bei den Stcuergesetzen die Verzögerung in der Hauptsache durch die Steucrscheu der Be- sitzenden verursacht. Darüber, daß den Arbeitern keine Erleichterungen gewährt, daß die Konsum- vereine mit neuen Steuern belastet werden müssen, war man sich sehr schnell einig, aber über die Vorschläge zur gerechteren Besteuerung der hohen Einkommen und des Besitzes hat man sich so lange herumgestritten, daß darüber viel kostbare Zeit verlorengegangen ist. Von den übrigen Vorlagen verdient nur noch das Gesetz über Armenpflege bei Arbeitsscheuen und säumigen Nährpflichtigen Erwähnung, ein Gesetz, das echt preußischen Polizeigcist atmet und jede Spur sozialen Empfindens vermissen läßt. Unfruchtbar, wie fast alle Sessionen des Landtages vorher, ist auch der erste Abschnitt dieser Session verlaufen. Daß der zweite Abschnitt Reformen bringen wird, ist nicht anzunehmen. Man wird sich beeilen, den Rest der noch nicht erledigten Vorlagen aufzuarbeiten, den Etat zu beraten und dann die Session und damit zugleich die Legislaturperiode zu schließen. Besonders ist an keine Reform des Wahlrechts zu denken. Die Neuwahlen im Jahre 1913 werden also völlig unter der Parole„Kampf gegen das Dreiklassenwahl- system" vor sich gehen und in diesem Kanipfe hat uns der preußische Landtag wertvolle Waffen geliefert. Durch seine völlig negative Haltung gegenüber allen Reformen, durch sein scharfmacherisches Gebaren, durch seine fortgesetzte Verhöhnung des Volkes schadet sich das Junkerparlament selbst am meisten, sägen sich die herrschenden Kreise Preußens selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen. Den Vorteil davon wird die Sozialdemo- kratic haben._ Das Königswort und feine Crfüünng. Wien, 24. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Feierlich hat der König von Ungarn das allgemeine gleiche Wahlrecht versprochen. Als gestern die Arbeiter in ihrer Ver- zweiflung auf die Straße gingen, um an die Erfüllung des Versprechens des Königs zu mahnen, da empfingen sie die Kugeln und Bajonette der Armee des Königs, denn an einem Königswort soll man nicht deuteln. Es ist nicht zum ersten Male, daß ein Königswort ge- brachen wird. Man muß vielmehr sagen, daß ein solches Wort in der Regel gebrochen Wird, wenn es dem Volke für eine fortschrittliche Maßregel verpfändet wurde. Denn Könige geben nicht gerne und nicht willig solche Versprechen. Und wer ungern verspricht, findet leicht Gelegenheit, sein Wort nicht zu halten. Auch im Jahre 1849 haben die Habsburger nicht gehalten, was sie 1848 in der Not der Revolution versprochen haben. Damals wurde das öfter- reichische Parlament, das auf Grund eines allgemeinen und gleichen Wahlrechts gewählt war, mit Gewalt beseitigt, und erst dem gewaltigen Ansturm der österreichischen Arbeiter ge- lang es, das verrottete Kurienparlament zur Kapitulation zu zwingen und das gleiche Wahlrecht durchzusetzen. Damals war der Staat in Not, der Nationalitätenkampf machte das Parlament völlig arbeitsunfähig, und diese Not lehrte die Herrschenden denken. Auch die Krone trat damals für die Wahlreform ein, und damals wenigstens hat sie ihr Ver- sprechen gehalten. Freilich waren die österreichischen Arbeiter schon bereit, den Massenstreik zu proklamieren. Auch dem ungarischen Volke, das unter einer schändlichen, durch und durch korrupten und verfaulten Oligarchen-Wirtschast seufzt, wurde damals die Wahlreform zugesagt. Die ungarischen Machthaber waren wieder einmal störrisch geworden und wollten nicht so wie die Krone wollte. Da spielte die Hofburg ihr letztes Mittel aus. Sie drohte an das Volk zu appellieren und aus den: ungarischen Junkerparlament eine Volksvertretung zu machen. Das Ministerium Fejervary-Kristoffi wurde gerufen, um die Wahl- reform durchzuführen. Da schwenkten die Oligarchcn ein und zeigten sich bereit, den Wünschen der Wiener Hofburg zu entsprechen. Und die ungarische Arbeiterklasse war auch viel schwächer als die österreichische; sie glaubte man nicht fürchten zu müssen. Und da hat die Krone, wie gestern Winarsky im Heeresausschuß sagte,'die ungarischen Volksmassen, deren Hoffnungen sie wachgerufen hatte, verraten; ein Verrat, für den vielleicht weniger der Kaiser als der Thron- folgcr der eigentlich Verantwortliche ist. Seitdem wurde mit der ungarischen Wahlrcform ein namenlos schändliches Spiel getrieben. Immer wieder wurden Zusagen gemacht und immer wieder wurden die Zusagen gebrochen. Die ObstruMon gegen die Wehrreform machte diesem zweideutigen Spiel endlich ein Ende; es mußte eine klare Entscheidung ge- fällt werden. Und die Entscheidung fiel gegen daS Wahl- recht. Gewaltsam und ungesetzlich sollte die Obstruktion niedergerungen werden, damit die Krone ihre mtli- taristischen Forderungen bewilligt bekäme und dafür die ungarischen Junker von der Angst vor der Wahlrcform befreit würden. Aber die Volksfeinde haben die Rechnung diesntal ohne die'Arbeiter gemacht. Der Massenstreik bedeutet, trotzdem er nur einen Tag gedauert hat, eine völlige Durchkreuzung des sauberen Planes. Die Opfer, die fallen mußten, weil die Krone ihr Versprechen gebrochen hat und die verruchte Junkersippe ihr veraltetes Privileg nicht frei- willig fahren lassen will, die Opfer sind nicht umsonst gefallen. Die ungarischen Arbeiter haben bewiesen, daß sie eher in Freiheit sterben, als in Knechtschaft untergehen werden. Und gegen diesen Geist gibt eS auf die Dauer keinen Widerstand. Das gleiche Wahlrecht ist auf dem Marsche! •« » Der heutig» Tag.> Wien, 24. Mai.(Privatdepesche de?.VortväriS�.)'- Die sozialdemokratische Parteileitung hatts gestern noch in einem Aufruf den Abschluß deS General» st r e i k s proklamiert, und die Arbeiter folgten dieser Aufforderung mit vollerDiSziplin. Aber dieEisen.undMetall» arbeit er fanden heute früh alle großen Betriebe gesperrt, weil die Scharfmacher in dem Landesfabrikantenvcrein beschlossen hatten, die Arbeiter, die sich an dem Generalstreik beteiligten, über Pfing- stcn auszusperren. Das hatte zur Folge, daß 16- bis 26 006 Metallarbeiter heute früh ausgesperrt waren und dadurch in die größte Aufregung versetzt wurden. Das wirkte auch auf die anderen Arbeiter so, daß der Generalstreik in boller Stärke wieder aufzulodern drohte. Die Mitglieder der sozial- demokratischen Parteileitung erklärten um 11 Uhr vormittags dein Ministerpräsidenten, daß, wenn der Arbeiterschaft nicht die Gelegenheit gegeben werde, sich in Persammlungen zu besprechen, sie jede Verantwortung ablehne für die Dauer des Generalstreits über Pfingsten hinaus. Der Ministerpräsident versprach, sofort auf die aussperrenden Fabrikanten einzuwirken und sie zu veranlassen, im öffentlichen Interesse die Aussperrung zurückzunehmen. Der Minister- präsidentbewilligte auchdieAbhaltungvondrei öffentlichen Volksversammlungen heute nachmittag Die sozialdemolratische Parteileitung sagte dafür zu, daß sie die Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit veranlassen werde. Jedenfalls haben diese Maßregeln auf die Arbeiter beruh i- gend gewirkt. Während in den inneren Bezirken heute Ruhe herrschte, entstand in der inneren Wvitzenerstraße schon in früher Stunde vor der dort befindlichen Schraubenfabrik bin Zu- sammenstoß, weil dort zahlreiche Arbeiter sich gestern dem Generalstreik nicht angeschlossen hatten. Es kam zu Schlägereien, die Polizei schritt ein; es fielen mehrere Schüsse, das Militär gingmitBajonnetten bor. Die anhe befindliche Polizeiwachtstube Nr. 26 wurde von Demonstranten gestürmt und besetzt. Als Polizei anrückte, gab eS einen Steinhagel. Berittcue Gendarmen, die aus dem ganzen Lande zusammengezogen worden waren, gingen mit dem blanken Säbel vor und vertrieben die Leute von der Polizei. Als Militär und Gendarmerie den Lehelplatz und die benachbarten Straßen zu räumen begann, leistete die Menge ernsthaften Widerstand und zog dann in die Seitengassen, die von Demonstranten dicht gefüllt waren. Als auch hier Militär und Gen. darmerie eingriff, gab ein fliehender Demonstrant einen Schuß ab. dessen Kugel in die Ka r m e l i t e v k i r ch e eindrang, wo gerade eine Messe zelebriert wurde. Auch dieLangscheMaschinen- fabrik wurde von Demonstranten belagert und vut KMea fec« ©orfeit. Um 12 Uhr Irafen die Arbeiter der Ofener Schiffswerft in den Streik. Auch hier griff dit Polizei ein.©§ kam ferner zu Zusammenstößen in der Orzzigasse und am Kelpinplatz. Das Zentrum der heutigen Vorgänge war das Haus der Or- ganisation der Eisen- und Metallarbeiter in der Tökelystraste. wo- hin bis 10 Uhr Douniittag» die ausgesperrte Arbeiterschaft in größerer Zahl zusammenströmte. In dieser Gegend wurden heute wieder Straßenbahn loagen umgeworfen und Schau- fcn st erscheinen zerschlagen. Ein Bataillon Infanterie eilte herbei. An drr äußeren Waihcner Straße war es um 10 ITHr vormittags wieder ruhig. Mitglieder der sozialdemo- kratischen Parteileitung zeigten sich bestrebt, die Bewegung abzuschließen und beruhigend einzuwirken. Dcrs Streikburcau der Eisen- und Metallar- beiter wurde schließlich mit Genehmigung der Polizei im Stadt- Wäldchen im„Gasthaus zum grünen Jäger" aufgeschlagen. Der Minister des Innern gcnehinigte auch die Abhaltung der Volks- Versammlung in diesem Lokale, worauf die Ausgesperrten von der Tökelhstraße nach dem Stadtwäldchcn abzogen. In der bald darauf abgehaltenen Versammlung wurden im Name» der Partei- leitung alle Arbeiter aufgefordert, die nicht ausgesperrt smd, ruhig wieder die Arbeit aufzunehmen und Ausschreitungen zu uuterlasscn. Die Ausgesperrten wurden gleichfalls zur Ruhe gemahnt, da vor- aussichtlich die Aussperrung heute aufgehoben werde. An der Ver- sammlung beteiligten sich über S000 Arbeiter; 2000 Personen, die keinen Einlaß mehr finden konnten, standen aus der Straße. Bei den Zusammenstößen wurden gleichfalls wieder Schüsse ge- wechselt und ein Arbeiter dabei so schwer verletzt, daß er ins Spital geschafft werden mußte. Um 1 Uhr kam es zu neue» Tumulten in der Waitzcner Siraße. Da die Polizei mit einer großen Macht in der Waitzener Straße stand, sperrte sie die ganze Umgebung ab. Um>-2 Uhr wurde eine Militärabteilung gegen den Borort Kclen- fold abgeschickt, von wo ettva 1500 Arbeiter auf dem Wege nach Budapest begriffen waren. Bei der Kriminalabteilung wurden bis Mittag 5 0 Verhaftete eingeliefert. Die Verhöre mit den gestern etwa 500 Verhafteten waren heute noch nicht be- endet. Das Militär bleibt auch heute bis spät nachts in den Straßen, weil in den Vorstädten durch die Zertrümmerung der Gaskandelaber bei Eintritt der Dunkelheit Zusammenstöße. de- fürchtet werden. Um 4 Uhr nachmittags wurde der Polizcidirektion gemeldet, daß auch in den äußeren Bezirken alles ruhig sei und die Demonstranten die Straßen verlassen haben. Aber um 5 Uhr zogen 300 Demonstranten wieder durch die Waitzcner Straße. Sie tourden von einer großen Masse Polizei umzingelt und 140 Ver- haftete abgeführt. Heute nacht wird das Militär noch den Sicher- heitsdienst versehen. Die Polizei hat verordnet, daß heute bis abends 8 Uhr sämtliche Haustore geschlossen sein müssen. Jeder Passant kann von der Polizei zur Auswcislieferung angehalten werden. In der Provinz wurde gestern in den Städten Preßburg, Fünfkirchen, Kozskemen und Ujvidekz gleichfalls ein General- streik inszeniert, der 21 Stunden dauerte. Heute wurde in den Städten Debreczin, Komoren, Hodmozövasarhely, Temesvar, Gran, Raab, Groß-Werdein. Nagyfzalonta und Arad gestreikt, wobei es zu einigen Zusammen st ößen kam, die jedoch keinen größeren Umfang annahmen. El'ue Erklärung des Ministerpräsidenten. ' Budapest, 24. Mai. Ministerpräsident Lukacs beantwortete heute die Interpellation über den Generalstreik. Er führte auS: Den Vorwand zum Generalstreik hat die Verweigc- rung der Erlaubnis» eine Kundgebung vor dem Parlament zu ver- anstalten, geliefert. Die Polizei hat die Abhaltung vieler Volks- Versammlungen in geschlossenen Räumen gestattet, sie hielt eS aber nicht für zulässig, daß eine Versammlung von 50 000 erregten Menschen eine Pression auf die Volksvertretung ausüben dürfe. Auch käu nc er es nicht gelten, lassen, daß als Ursache des General- streikes die Haltung der Regierung zur Wahlrcform bezeichnet werde. Erst vor einigen Tagen, sagte der Ministerpräsident, habe ich erklärt, daß ich die Berpflich.'ung zur Durchführung der Wahl- resorm für die Regierung vollkommen anerkenne, und daß wir ent? schlössen sind, diese Frage— selbstverständlich aus Grund unserer Uebcrzeugung— baldig st zu lösen.(Lebhafte Zustimmung.) Es will mir scheinen, daß die sozialdemokratisch« Parteileitung eine Kraftprobe veranstalten wollte, um ihren verblaßten Nimbus auf- zufrischen. Ob dieses Ziel erreicht worden ist oder nicht, weiß ich nicht. Aber eS ist meine volle Uebcrzcugung, daß die Sache des Fortschrittes durch diese Unruhen nicht gewonnen hat.(Beifall.) Denn niemand, der ein Freund des Fortschrittes der demokratischen Eniwickelung ist, wird sich mit solchen Elementen verbinden, welche ihre Prinzipien durch Raubmord und Brandstiftung kundgeben. (Langanhaltendcr stürmische: Beifall.) Was die Mahnahmen der Regierung betrifft, so ist außer der Polizei und Gendarmerie auch Militär in Anspruch genommen worden. Nachdem auch die hiesige Garnison nicht genügte, wurde auch auS der Prvvinz Militär nach Budapest beordert. Es können jeden Augenblick noch weitere Ver- stärkungen herangezogen werden. Ich will nun noch das Moment der Verantwortlichkeit berühren. Es erscheint mir unerläßlich, den unverantwortlichen Faktoren gegenüber, welche über viele Taufende von Menschen mit absoluter Machtvollkommenheit verfügen» auf die Verantwortlichkeit hinzuweisen, daß sie die Folgen für jeden Miß- brauch ihrer Führergewalt zu tragen haben werden.(Stürmischer Beifall.) Das HauS nahm von der Jnterpellationsbcantwortung Kenntnis. Der Abgeordnete Julius KovacS(Bauernpartei), der bei der Präsidentenwahl die Urne vom Tisch geworfen hatte, wurde zur Ausschließung für 30 Sitzungen und der Abgeordnet: A n- dreas Rath(Justhpartei) wegen Widersetzlichkeit gegen den Präsidenten zur Ausschließung für 8 Sitzungen verurteilt. Abge- ordneter B a r a b a s(Kossulhpartei) beantragte Ungültigkeit der Wahl des Präsidenten des Abgeordnetenhauses Grafen JjCiöza wegen Verletz ungder Hausordnung. ver Krieg. Die Jtalienerausweisungen. Konstantinopel, 24. Mai. Die Pforte richtete an die deutsche Botschaft heute morgen eine Note, in der sie mitteilt, daß infolge dcS Beschlusses deö Ministerrats die Negierung die Aus- Weisung der in der Türkei lebenden Italiener innerhalb von vier- zehn Tagen nach dem Tage der Veröffentlichung des Erlasses, be- schlössen habe. Ausgenommen von der Ausweisung sind die Geist- lichen. Witwen und Arbeiter. Auch die Unternehmer bei den Eisen- ioHnbauten werden von der Ausweisung nicht betroffen werden. Hilfsaktionen für die Ausgewiesenen. Rom, 24. Mai. Deputiertenkammer. In Erwiderung auf eine Anfrage des Deputierten Libertini setzte der llnterstaats- sekretär des Aeutzcrn di S c a l a eingehend die Maßnahmen aus- einander, die die Regierung zur Unterstützung der Einschiffung von den aus der Türkei ausgewiesenen Italienern ergriffen, habe. Er erwähnte ferner, daß die Hafcnbehörden angewiesen seien, bei der Ankunft der Ausgewiesenen für Unterkunft der Bedürftigen zu sorgen und ihnen Arbeit zuzuweisen, di Scala erklärte, die Aus- gewiesenen würden leicht Existenzmittel im Vatenlande finden.(?) Zum Schluß sandte er im Namen der ganzen Kammer den Aus- gewiesenen seinen Gruß, die unverzagt die schmerzliche Maßnahme auf sich genommen und sich dadurch ihres iialienischeu Stammes würdig gezeigt hätten.(Sehr lebhafter Beifall.) Ministerpräsident Giolitti hat eine Hilfskommission für die aus der Türkei Ausgewiesenen ernannt, die ihnen Arbeit ver- schassen und den Bedürftigsten Unterkunft gewlchren. In ganz Italien sind private Sammlungen für di: Ausgewiesenen eingeleitet worden. Die Bank von Neapel hat 15 000 Lite gezeichnet. Angst vor einem russischen Uebcrsall. Äonstantinopel, 23. Mni. Als in vergangener Nacht einige Segelschiffe vom Schwarzen Meer in den Bosporus einlaufen woll- tcn, wurden die K ü st e n b e f e st i g u n g e n a l a r m i e r t, da der Kommandant glaubte, daß es sich um die v u s s i s ch e Flotte handele. Nach Abgabe einiger blinder Schüsse wurde der Irrtum erkannt. Finauzicllc Wirkungen des Krieges auf die Türkei. Genosse P a r v u s schreibt uns aus Konstantinopel: Von allen kriegerischen Operationen Italiens war der An- griff auf die Dardanellen zweifellos der härteste Schlag. der gegen die Türkei geführt wurde. Zwar war die militärische Wirkung der Beschießung der Forts gering, um so größer aber waren die ökonomischen Folgen der Sperrung der Dardanellen. Der Verkehr stockte, der Handel lag danieder. Die Preise für Konsumarlikel, die auch sonst schon während des Krieges fast auf das Doppelte gestiegen waren, sind erst recht in die Höhe gegangen. Die Massen hungern, und es steigt die Kriminalität. Jeder Tag bringt Nachrichten von Diebstählen und Raubmorden. Der Krieg hat ferner eine Verminderung der Zoll- e i n g ä n g e zur Folge gehabt. Im November waren die Einfuhr- zölle gegenüber dem gleichen Monate des Vorjahres um mehr als 13 Proz. zurückgegangen, im Dezember um 24 Proz. Der Januar weist eine kleine Steigerung der Einsuhrzölle ans, nämlich um 2 Proz. Doch erklärt sich diele nicht aus einer Steigerung der Einfuhr, sondern aus der Steigerung der Preise. Denn die türkischen Zolle sind Wertzölle und müssen deshalb automatisch zunehmen, wenn die Warenpreise steigen. Die Ausfuhrzölle, die von der Preis- steigerung nicht berührt wurden, zeigen folgend« Abnahme: November 2 Proz., Dezember 23 Proz., Januar 10 Proz. Während der Wochen der Sperre der Dardanellen mußten die Zolleinkünfte offenbar erst recht leiden. Wie sehr der Handel unter dem Krieg leidet, zeigt sich auch in der Abnahme der Telegrapheneinnahnien, die im Dezember 20 Proz., im Januar 8 Proz. betrug, Die Einschränkung des MassenkonsmnS führte zu einer Ver- Minderung der Einnahmen des Tabokmonopols. Am schlimmsten aber ist die Stagnation in den Einnahmen vom Zehenlen, der bekannilich die Hauptgrundlage des türlischen Budgets bildet. Das ist freilich eine Erscheinung, die nicht erst durch den Krieg bedingt worden war. die auf allgemeine Ursachen, vor allem die rückständigen wirtschaftlichen Zustände und die Steuer- Politik des Staates zurückzuführen sind. Sie wird aber durch den Krieg verschärft und verschärft ihrerseits die Wirkungen des Krieges. Die letzte zurzeit vorliegende finanzielle Abrechnung ist die der „Dette Publique", der Verwaltung der türkischen Staatsschuld, für Februar des laufenden Jahres. Sie zeigt gegenüber dem ent> sprechenden Monat des Vorjahres eine Verminderung der Ein- nahmen um 60 833 türkische Pfund, das heißt um 1,8 Millionen Frank. Speziell die Eingänge vom Zehcnten und der Schafsteuer haben sich vermindert um mehr als 9 Proz. Nach übereinstimmender Meinung aller Leute, die vom Lande kommen, dürfte in diesem Jahre die Ernte hinter jener des Vor- [ahres zurückbleiben. Denn der Bauer ist am Ende seiner Kraft, und es ist in diesem Jahre jedenfalls keine Erweiterung der Feld« bestellung z» erwarten. Trifft da« zu, so werden sich die Finanzen des Staates erst recht verschlimmern. Ein ungeheueres-Elend herrscht unter der Bauernbcdölkerung Der Hunger setzt die Kräfte herab und die Krankheiten, ansteckende und epidemische, bei völliger Abwesenheit ärztlicher Hilfe, zerrütten sie vollends. politifcbe(leberNcbr. Berlin, den 24. Mai 1912. Ter wahre Heydcbrand. Die Konservativen haben mit süg-saurem Gesicht dem Kompromiß Erzberger-Bassermann in der Besitzsteuerfrage chließlich zugestiinmt, da ihnen wirklich nichts anderes übrig blieb. Denn die letzten Wahlen haben auch das Gute gehabt, den bürgerlichen Parteien und der Regierung zu Genüite zu ühren, daß die fortwährende Erhöhung der indirekten Stenern ein Ende haben muß. Damit war der alte Standpunkt Bis- niarcks, den Konservative und Zentrum stets vertreten hatten, unhaltbar geworden und das Dogma, die indirekten Steuern dem Reich, die direkten den Einzelstaaten, mußte aufgegeben werden. Selbst Herr v. Heydebrand muß dem Antrag zustimmen, der die Vorlegung einer Besitzsteuer fordert. Und doch hat derselbe Mann den Fürsten B ü l o w abgehalftert, um einerseits der Wahlreform, andererseits aber einer allge- meinen Besitzsteuer im Reiche den Garaus zu niachen. Be- gründete er doch den Abschluß des Bündnisses mit dem Zentrum damals im, Reichstag folgendermaßen: „Das, was uns im letzten Grunde und schließlich maßgebend bestimmt hat, unsere Zustimmung zu verloeigern. war dchs Mo- ment, daß wir in einer solchen Steuer nichts anderes sahen und sehen konnien. als eine allgemeine Besitzsteuer, und daß wir eine solche allgemeine Besitzbcsteueruiig. wie ich hier offen bekenne, nicht in die Hände einer auf dem gleichen Wahlrecht beruhenden parlamentarischen Kör- persckaft legen wollen, weil eS kein Mittel gibt, mit dem auf die Dauer und wirtsam es verhindert werden kann, daß die Sätze und Bestimmungen, die jetzt in der Vorlage stehen, eine Verschärfung erfahren, die schließlich am letzten Ende zur Ex- propriation des Besitzes führen." Es war derselbe Gedanke, dem Herr Oldenburg- Januschau Ausdruck gab, als er erklärte, das Portemonnaie der Besitzenden dürfe dem Reichstag des gleichen Wahlrechts nicht ausgeliefert werden. Und das ist die wahre k o n s e r- vative Gesinnung, die Zustimmung zu den: Antrag Bassermann nur ein taktischer Sckiachzug. Und im geheimen hofft Herr. v. Hevdebrand noch immer, daß Zcntrumstücke und nationalliberale Feigheit eS ihm zum Schluß Hoch noch er- möglichen wird, die Reichen und namentlich die reichen Grund- besitzer vor jeder wirksamen Heranziehung zu den Staatsaus- gaben zu schützen. Denn der Patriotismus sitzt dem wahren Patrioten im Munde, aber nicht in der Tasche. Ein neues Ruhmesblatt PosadowskyS. DaS Komitee.Nationalflugspende" versendet unterm 20. Mai ein Zirkular, in dem— trotzdem inzwischen bereits vier Millionen eingegangen sein sollen— zu noch intensiveren Methoden der Sammlung aufgefordert wird. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden. So unbehaglich auch die derzeitige Vcrquickung des Flugwesens mit dem Militarismus und Chauvinismus ist— wer freiwillig für die.Natioualflug- spende" opfern will, dem bleibt es natürlich unbenommen. Verwerflich und ganz unentschuldbar bleibt nur die z w a n g S- weise, sich der Mittel der Erpressung bedienende Sammlung der Arbeitgeber unter den wirtschaftlich von ihnen abhängigen An- gestellten und Arbeitern. Wir haben dcshalö solche Praktiken auch mit den Worten schärsster Kritik niedriger gehängt. Da ist es aber um so ungeheuerlicher, daß das Komitee „Nationalflugspende" in seinem vom 20. Mai datierten Zirkular folgendes vorschlägt: „Gleichzeitig bitten wir zu erwägen, ob eS nicht möglich sein würde, eine Sammlung bei Ihren Beamten und Arbeitern zu organisieren, wie da? bereits bei einer ganzen Reihe bedeutender deutscher Firmen ge- s ch e h e n i st." Ist eine solche Aufforderung zur direkt erpresserischen Heran- ziehung der Arbeiter und Beamten— denn wenn" eine solche Ab« ficht nicht bestehen sollte, würde doch die Wirkung einer Er- Pressung gleichkommen!— nicht unerhört? Und wer hat diesen in der Praxis auf Erpressung hinauslaufenden Aufruf unterzeichnet? Der Präsident des Zentralkomitees Graf Posodowsky und der Berliner Oberbürgermeister Kirschneri Daß eine der leisten Aktionen, die Herr Kirschner gewissermaßen in amtlicher Eigenschaft ausübt, einen so kläglichen Charakter trägt, ist mehr des Herrn Kirschner selbst wegen zu bedauern. Dagegen verdient auch dies Bekenntnis skrup ellosester poli« tischer Herrenmoral bei einem Manne festgenagelt zu werden, der bis zu seinem neuerlichen Auftreten im Reichstage den un« verdienten Ruf eines modernen Sozialpolitikers genoß l - 1 Zum Wnhlprotest in Berlin I. An die Nachricht, der Abgeordnete Kämpf wolle sein Mandat niederlegen, werden in der Presse Schlußfolge» rungen geknüpft, die den Kern der Sache nicht treffen. In dem von unseren Genossen eingereichten Protest wurde u. a. im Anschluß an eine Reihe konkreter Fälle bemerkt: „... Anscheinend ist die Streichung von Wählern, die im 1. Kreise wahlberechtigt waren, im einseitigsten Parteiinteresse erfolgt...." Im Beschlüsse der Wahlprüfungskommission heißt es. nun mit Bezug auf diesen Punkt: ..... Die Nachprüfung der Wählerlisten durch den Referenten ergab, daß laut Verfügung vom 12. Dezember, 21. Dezember, 27. Dezember 1911 und 2. Januar 1912 zirka 415 Streichungen ohne nähere Angabe von Gründen vorgenommen sind. Dagegen erfolgten über 140 Nachtragungen. Diese Tatsache läßt die Behauptung nicht unmöglich ersten- nen. Nach sehr eingehender Beratung wurde darüber abgestimNt: 1. Ist nach Schluß der Wählerlisten irgendeine Veränderung zulässig? 2. Sind Streichungen oder Nachträge nach der acht- tägigcn Auslegung und bis zum Abschluß der Wählerliste von Amts wegen noch zulässig? Einstimmig wurde dies verneint. Beweiserhebung darüber, wann und auS welchen Gründen Streichungen oder Nachträge im ganzen Wahlkreise erfolgt sind. durch amtliche Auskunft des Magistrats unter Einforderung des Hauptcxemplars nebst den Belegstücken..." Dieser Beschluß muß der Volksportei im höchsten Maße unbequem sein. Eine Beweiserhebung würde bestätigen, daß die Streichungen ausschließlich auf Antrag von freisinnigen Vertrauensleuten nach voraufgegangener Siebnng erfolgte. Bei den von jener Seite erfolgten Nachtragungen kommen weiter fast ausschließlich Leute in Betracht, deren Wohnungen in anderen Kreisen liegen, di�aber angeblich in Berlin I eine Ichlassiellc besitzen! Daß die Volkspartei die Feststellung dieser Tatsache verhindern möchte, kann man sich denken. Sie hat offenbar das Mandat bei der Hauptwahl nur durch S ch i e b u u g e n ergattert und hofft, es bei einer Neuwahl infolge einer Mandatsniederlegung aus Grund der frisierten Wählerliste vielleicht noch einmal behaupten zu können. Von dieser genierlichen Tatsache sollen die verschiedenen Meldungen die Aufmerksamkeit ablenken!_ Kommihpfennige und �lugspende. Für die Soldaten der Rudolstädter Garnison wurde, wie die„Leipziger Volksztg." mitteilt, kürzlich folgender BataillouSbefehl herausgegeben: Tagesbefehl: Da doch das hiesige Bataillon in jeder Hinsicht oevorzugt wird mit Urlaub und dergleichen, so werden die Mann« schaften ersucht, sich an der Flugzeugspende zu beteiligen. Der Befehl wurde auch prompt ausgeführt. Obwohl die Mannschaften nur 22 Pf. Löhnung bekommen, wurden in ver- schicdcnen Korporalschaften bis zu 12 M. gesammelt. Das war aber einem Feldwebel nicht genug, denn er meinte, esset so wenig eingegangen, daß die Kompagnie sich vor anderen Kompagnien nicht sehen lassen könne. Es werde in Zukunft wohl schlecht mit dem Urlaub aussehen und desto mehr Dienst angesetzt werden müssen. Dabei waren die Mannscksaften erst einige Tage von dem Truppenübungsplatz Ohrdruf zurück, wo sie schon genügend angestrengt worden sind. „Freiwillige Spenden" auf Grund eincS Kasernen-Tages- befehls l— Das ist wohl die schönste Blüte, die die Luft- flottenbettelei bisher gezeitigt hat. Warum entzieht man den Soldaten nicht gleich für einige Wochen das Kommißbrot und verkauft es. um mit dem Erlös ein Flugzeuggeschwader an- zuschaffcn? Wenn man nun schon den französischen Aeroplan- koller übertrumpfen will, soll man es auch gründlich tun. Zur Zentrumsgegenkandidatur in Roerens Wahlkreis. Die gegen die Kandidatur Dr. Werr im Wahlkreis Saarburg. Merzig-Saarlouis protestierenden christlich organisierten Bcrgarbei. ter haben in der Person des im Gewerkverein der Bergleute or. ganisierten Bergmannes Strauch aus Bous eine G e g e n k a n- d i d a t u r aufgestellt. Ter Führer der christlichen Bergarbeiter im Kreise. Gewerkschaftssekretär Natz.Fraulautern. trat am vcrgan- genen Sonntag dem offiziellen Zentrumskandidatcn in verschiede- nen Versammlungen gegenüber und kritisierte unter anderem die rechtmäßige Zusammensetzung der Delegiertenversammlung, die mit 240 gegen 10 Stimmen die Kandidatur Werr aufstellte.(Also nicht gegen 18 Stimmen, wie zuerst gemeldet wurde!) Tie..Trierische Landeszeitung" behandelt vorläufig die Gegen. kandidatur äußerlich ziemlich anständig und konstatiert gegenüber dem Bemühen der Liberalen, durch die Aufstellung der Kandidatur fce# B«rgtvertschlosserS VIck auS Kischbach mi» der Situation Nutzen zu ziehen, daß die Anhänger der Kandidatur Stauch diese auSdruck- lich al» Zentrumskandidatur bezeichnen. Die„Trierische Lande?- zeitung" vom 21. Mai schreibt dann weiter: „Da aber immerhin durch die beklagenswerte Uneinigkeit und Zersplitterung unter den ZentrumSwäblern die Stimmen für den offiziellen Kandidaten Dr. Werr gegenüber dem früheren glänzen- den Resultat bei der Reichstagswahl zurückzugehen drohten, so luerden die Wähler aus den landwirtschaftlichen und Handwerker- kreisen hoffentlich um so einmütiger und entschiedener für Herrn Dr. Werr eintreten. Sie haben diese Pflicht in den Kreisen Merzig I und Saarburg um so mehr, als hauptsächlich gerade mit Rücksicht auf den Bauern- und Mittelstand dieser Kreise die Arbeiterkandt- datur von der Delegiertenversammlung abgelehnt wurde." Der Bericht der„Saarpost" über eine am Sonntag in Saar- louis abgehaltene, von ganzen 200 Personen besuchte Zentrums- Wählerversammlung leuchtet schon etwas mehr hinein in die ver- fahrcnen Verhältnisse, wie sie in der Zentrumspartei deS KreiseS herrschen. In dieser Versammlung war Pfarrer Rosch der Haupt. redner. Er gestand den Arbeitern das Recht zu, zur Kandidaten. frage Stellung zu nehmen und zu bitten, ihre Wünsche zu be- rücksichtigen. Nachdem die Entscheidung aber anders gefallen sei, hätten sich die Arbeiter im Interesse der Parieioisziplin zu be- scheiden. Keine Partei habe so früh Arbeiterkandidaturen aufge- stellt wie die Zcntrumspartei. Wörtlich heißt eS dann in der ..Saarpost":„Es mache jedenfalls in den Parlamenten einen besseren Eindruck, wenn von anderen Abgeordneten für die Arbeiterinteressen gesprochen werde, als wenn dies von Arbeiterabgeordneten selber geschehe, denen von anderen Parteien Mißtrauen entgegengebracht werde, daß sie zu sehr für die eigene Sache redeten. SWenn die christlichen Gewerkschaften Sonderbün- d e l e i trieben, so könne daraus ein Kampf auf Leben und Tod entsteben." Gcwerkschaftssekretär Aatz betonte in der Diskussion, daß der Gewcrkverein christlicher Bergarbeiter nicht für die Sonderkandi-i datur verantwortlich sei. Diese sei ein ZluLslutz allgemeinen Un. willens. Sodann wandte sich Aatz gegen die bekannte„Demokratie" im Zentrum,(welche bekanntlich die WahlkrciSversammlungen nach dem Belieben der Herren Pfarrer zusamMensetztj, er verlangte zuerst die Einberufung örtlicher Parteiversammlungen, in denen die Wahl der Delegierten vorgenommen werden solle. Die Anhänger der Sonderkandidatur dürften in der Ver- sammlung nicht allzu knapp vertreten gewesen sein, da» geht daraus hervor, daß Pfarrer Rosch zugab, daß die Ausführungen von Aatz viel Beherzigenswertes enthalten hätten. Eine Reorgani. fation der Partei im Kreise sei notwendig, es gebe Fehler an allen Ecken und Enden, der alte Patriarchalismus müsse der Demokratie weichen. Das eine Gute habe die Sonderkandidatur, daß sie manche Stimme der Sozialdemokratie fernhalten werde. Die Macher der offiziellen Zentrumskandidatur sind, wie Figur« zeigt, im Einseifen der Wählermassen außerordentlich ge- schickt. AuS diesen wie auS anderen Gründen dürft« der Sonder- kandidatur ein durchschlagender Erfolg nicht beschieden sein. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter im Wahlkreise ist nur gering, und die Führer dieser organisierten Arbeiter dürfen nicht, wie sie wohl gerne möchten. Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter leidet im Saargebiet ohnehin an galloppicrender Schwindsucht. Im März 1911 rechneten 27 Zahlstellen deS Saar. revierS mit 8837 M. ab, während sie im März 1912 ganze 4580 M. aufbrachten. TaS arbeitervsrräterische Verhalten der christlichen Strcikbruchorganisation befördert diese Entwickelung und der Ge. werkverein würde im Saargebiet lämmerlich zusammenbrechen, wenn es zu dem von Pfarrer Rosch angedrohten Kampf auf Leben und Tod käme. Danach haben die Gewcrkvereinsstrategen keine Sehnsucht, und deshalb verzichten sie zum großen Teil auf einen energischen Kampf gegen die undemokratische Gewaltherr- schaft in der Zentrumspartei._ ---- Der oberste Kriegsherr und das Duell. Am Donnerstag wurde folgende offiziöse Meldung der- breitet: „Gestern ist der Rcserveleutnant im 2. Garde-Ulanen- Regimcnt, Freiherr v. Richthofen, der zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt worden war. nach- dem er den Maler Gaffron in der Jungfcrnheide im Duell erschossen hatte, nach achtmonatiger Festungshaft begnadigt worden." DaS ist die Antwort des persönlichen Regiments auf den Kampf der Reichstagsmchrheit gegen den Tuellzwang. Aber als bei den Duelldebattcn unser Genosse Ledebour mit vollem Recht auf die Rolle des obersten Kriegsherrn' in der Duellfrage hinwies, da heulmeierte die liberale Presse über „Taktlosigkeiten" Ledebours. Jetzt haben die Herrschaften den Dank für ihre allcruntertänigste Leifetreterei.� Freilich, eS gibt genug fortschrittliche Leuchten, die Söhne, Schwieger- söhne, Vettern und Neffen im OffizierSrock haben; da kann man von ihnen keinen rückhaltlosen Kampf gegen militaristische Ungeheuerlichkeiten erwarten. Sonst„fliegen" die lieben An- verwandten. Tie zurechtgewiesene BreSlauer Polizer. Daß die Störung der Leichenfeier des Parteiveteranen Lom« Cohn in Breslau durch die Polizei in völlig ungesetzlicher Weise erfolgt ist. hat jetzt der Regierungspräsident in Breslau aus eine Beschwerde de« Genossen Löbe bestätigen müssen. Cr hat dazu allerdings die Kleingteü von 10 Monaten gebraucht, da man zuerst versuchte, unserem Genossen eine Strafe wegen unerlaubter Leichenreden anzuhängen. Jetzt aber erklärt der Regierungspräsident: .Im Anschluß an meine emstloeiligen Bescheide vom 1. August und 11. Okiober v. I. eröffne ich ihnen auf die beiden Beichwerdeeingaben vom 29. und 21. Juli v. I., betreffend die Verhinderung Ihrer Leichenrede für den Kaufmann Louis Cohn, nunmehr folgendes, nachdem mir die Akten über das gerichtlich« Slrasvcrfahren zur Einsichtnahme zugegangen sind: Ich erlenne an. daß da» Vorgehen de» betreffenden Polizeikommissars in den maßgebenden gesetzlichen Borschriften eine ausreichende Stütze n i'ch l findet und habe den Herrn Polizei- präsidenlen entsprechend verständigt." �, Mit dieser gemütlichen Erledigung der Angelegenhest hat sich Genosse Löbe jedoch nicht zufrieden gegeben, sondern hat folgende neue Eingabe an den Regierungspräsidenten ge- tichtet: Li, den Reglernngsprasidemen zu BreSIou. Daß das vorgehen de» PolizeitommisiorS«unert gegen meine Rede bei der Leichenfeier für Herrn Louis Cohn in den maß- gebenden gesetzlichen«orschrifte» eine ausreichende Slütze nicht findet, hat bereits das biesige ObcrverwaltungSgericht rechts- kräi'.ig entschieden. Darüber brauchte ich eine neue Bestätigung nicht, und auch dem Herrn Polizeipräsidenten dürfte dieses Urteil bereits beiannl geworden sein. Jedenfalls kann ich in der bloßen Mitteilung der Ungesetzlichkeit eine Sühne für das damalige Ein- schreiten und eine Verhinderung der Wiederholung derartiger Uebergriffe nicht erblicken. Ich ersuche deshalb, dem Herrn Polizeipräsidenten einen strengen Verweis dafür zu erteilen, daß er durch seine ungesetzlichen Anordnungen meine staatsbürgerlichen Rechte beeinträchtigt und e»ne so ernst« Handlung, wie eS die Leicbenfeier ist. durch Pol>ze>beamt« gestört hat. Dagegen bitte ich den Polizeipräsidenten anzuweisen, daß er den ausführenden Polizeiorganen die Mitteilung von der Un- gesetzlichkeit seiner damaligen Anordnungen amtlich eröffnet. Breslau, den 24. Mai 1912� Paul Löbe." So lange � dem zivilen Staatsbürger, der die Gesetze Übertritt, nicht bloß eröffnet wird,„daß sein Vorgehen in den gesetzlichen Vorschriften keine Stütze findet", so lange kann man sich auch nicht damit beruhigen, wenn polizeiliche Gesetzes- Übertretungen in dieser Weise gesühnt werden sollen. Mißbrauch der Amtsgewalt. Im September vorigen Jahres wurde der frühere Pächter unseres Parteilokals in Grünberg(Schlesien), Restaurateur Siebe eicher, als er sich auf einer Geschäftstour in Nittritz befand, im dortigen Gasthause von Einwohnern ganz zu unrecht deS Diebstahl» beschuliugt und van allen Seiten auf das ärgste belästigt. Sieben« eicher rief vergeblich die Hilfe deS Gemeindevorstehers an! Dieser versagte jedoch völlig Er schickte nach dem Gendarmeriewachtmeister Großmann in Deustch-Wartenberg. AIS dieser kam, hielt er dem grundlos Verdächtigten sofort den Revolver vor die Brust, fesselte ihn und erklärte ihn für seinen Arrestanten. Während dieser Prozedur durchsuchten Gäste des Lokals dem Gefesselten die Taschen und ent- nahmen ihnen 60 Mark. Hieraus wurde S. unter Begleitung von vier Personen, schwer mit Ketten gefesselt, auf einem Bretterwagen nach Deutsch-Wartenberg geschafft. Dort wurde er in einem schmutzigen Kellerloch bis zum anderen Morgen gegen 10 Uhr eingesperrt und dann entlassen. Von"dem Gelde erhielt S., der mit den Diebstählen auch nicht das geringste zu tun hatte und noch völlig unbescholten ist, nur 89 Mark wieder, da§ übrige war verschwunden. Siebeneicher mußte nach seiner Entlassung wegen der durch die fesselung verursachten Schmerzen und der Aufregung ärztliche ilfe in Anspruch nehmen. Diese Vorgänge veröffentlichte S. im„Grunberger Wochenblatt" in einem„Eingesandt", was sonderbarerweise der Gendarm als Beleidigung anloh. Er stellte Strafantrag gegen Siebeneicher. Vorige Woche fand vor dem Grunberger Schöffengericht die Ver- Handlung statt und ergab mit klarer Deutlichkeit, daß der Gendarm einen völlig Schuldlosen ohne Grund und Ursache verhaftet und »gefesselt hat. Dem Angeklagten, der vom Rechtsanwalt Theodor Liebknecht verteidigt wurde, gelang e«, den Wahrheitsbeweis so zu führen, daß der A m t S a n w a l t selbst die Frei» s p r e chü ng beantragte, auf die da« Gericht auch erkannte. Was geschieht nun aber mit dem Gendarmen, der bei der Ver- hastung seineDienstgewalt zweifellos in gröblicher Weise überschritten hat. Wird die Staatsanwaltschaft gegen den Beamten einschreiten wegen Mißbrauch der Amtsgewalt? Die fürsorgliche Polizei. Der Deutsche Holzarbeiterverband läßt seit einiger Zeit durch einen seiner Angestellten, den Genossen Schiirmann aus Stuttgart, Lichtbilderverträge über„Unfallverhütung und Ar» beiterschutz in der Holzindustrie" halten. Dieser Vor- trag ist schon in vielen Orten in verschiedenen Gegenden deS Reiches gehalten worden und hat begreiflicherweise überall aufmerksame Zuhörer gefunden. Verschiedentlich haben sich auch Ge- wcrbeinspcktoren und Vertreter der Berufsgenossenschaften lebhaft für diese? Mittel, das Interesse der Arbeiterschaft für die Unfall- Verhütung zu fördern, interessiert. Dieser Tage sollte nun der Vortrag in Osterode in Ostpreußen gehalten werden. Alle Vorbereitungen waren getroffen, der Saal war bestellt und Ein- tritt-karten mit einer Disposition des Vortrages verbreitet; da machte die fürsorgliche Polizei in Osterode eine fürchterliche Eni- deckung. Obwohl man� sie, weil das nicht erforderlich ist, nicht um ihre Erlaubnis gefragt hatte, war sie in den Besitz einer Ein- latzkarte gelangt und aus dieser ergab sich, daß sie in Berlin in der„V o r iv ä r t S"- B u ch d r u ck e r e i gedruckt worden war. Mit bewundernswertem Scharfsinn wurde nun dediziert, daß hier dem Staat eine fürchterliche Gefahr drohe. Die„VorwärtS"-Bnch- druckerei ist ein sozialdemokratisches Unternehmen, und eine Ver» anstaltung, zu welcher die Eintrittskarten in dieser staatSgefähr- lichen Druckerei hergestellt wurden, muß selbstverständlich sozial- demokratische Ziele verfolgen, durch welche die gute Stadt Osterode in schwere Gefahr Mraten kann. Die Polizei hat die Aufgabe, die ihrer Obhut anvertrauten Bürger vor Unruhe und Gefahr zu schützen, folglich muß sie da» gefährliche Unternehmen unmöglich machen. Ein direktes Verbot schien nicht tunlich. Den Leuten vom Holzarbeitervcrband ist schließlich zuzutrauen, daß sie sich bei den höheren Instanzen beschweren— und da könnte es unter Um. ständen eine Rase geben. Einer fürsorglichen Polizei stehen aber zur Erreichung ihrer Zwecke verschiedene Mittel zur Verfügung. Dem Inhaber des Lokals wurde eröffnet, daß er die Verhängung des M i l i t ä r v e r b o t S über fein Lokal zu gewärtigen habe, wenn er es zu einem so gemeingefährlichen Unternehmen, wie einem Lichtbildervortrag über Unfallverhütung, zur Verfügung stelle. Dieser freundliche Hinweis hatte die gewünschte Wirkung. Den Holzarbeitern wurde der Saal entzogen, der Vortrag konnte nicht stattfinden— und die gute Stadt Osterode war gerettet. > Der 12. Freistudcntentag wird in Weimar vom 27. bis 80. Mai stattfinden. Die Verhandlungen werden dieSma� von besonderer Wichtigkett sein, da man von ibnen eine endgültige Einigung über da» Programm der fteistudentischen Bewegung erwartet. Oeft erreich./ Deutschsreiheitliche Reformen. Seit 10 Jahren liegt die Körbersche P'�etzreform uner- ledigt im Parlament. Nun hat der deutschfreiheitliche Justiz- minister Dr. v. Hochenburger, der einst den Ministerpräsi- denten an der Laterne sehen wollte, seine Reformgrundsätze ent- wickelt. Er will also die Konfiskationsbefugnis der Staatsanwälte unbeschränkt bestehen lassen und die heute den Schwurgerichten ob» liegende Preßjustiz den geplanten Schöffensenaten, in denen die BirufSrichter den Ton angeben(wenn nämlich die Schöffen frei- sprechen wollten), übertragen. In der Praxis bedeutet da» die Hinzufügung der Freiheitsstrafen für die Redakteure zu der Ver» mögenSfchädigung der Zeitung durch die Konfiskation! Ueberhaupt wird stramm rückwärts gesteuert. Ein Subkomitee de» Geschäftsordnungsausschusses hat eine„Reform" ausgearbeitet, die die ersten Lesungen beseitigen, die Redezeit im Ausschuß beschränken, angegriffenen Privaten ein Beschwerde» recht geben und die Ausschließung von Abgeordneten einführen will, die bekanntlich nach kurzlebigem Bestehen im No> vember 1897 von dem Volk von Wien aufgehoben wurde. fraukreich. Der neue Kammerpräsident. Pari». 24. Mai. Nachdem D e S ch a n e l zum erstenmal da? Präsidium in der Deputiertcnkammer übernommen hatte, widmete er seinem Vorgänger B r i s s o n einen bewegten Nachruf und for- derte dann die Kammer auf, die Wahlreform schnell durch- zuführen und die Diskussion de» Budget? zu beschleunigen, um den dringenden Reformen mehr Zeit widmen zu können. DeSchanel sagte sodann, man solle ein mächtiges Herr und eine mächtige Marine als gleichbedeutende Faktoren in den Dienst einer fried- fertigen auswärtigen Politik stellen, um Frankreich in Europa den Rang zu sichern, der ihm nach einer Vergangenheit von IS Jahr- Hunderten voll Arbeit, Tapferkeit und Ruhm zukomme. Die Rede DeschanelS wurde außer auf den Bänken der äußersten Rechten und der äußersten Linken mit starkem Beifall aufgenommen. Preßstimmen. Pari», 24. Mai. Die Wahl DeSchanel» zum Kammer- Präsidenten wird von der konservativen und n a t i o n a l i st i- s ch e n Presse mit Befriedigung aufgenommen, als ein Be» weis dafür, daß der radikale Block endgültig zerbrochen fei. JaureS schreibt in der„Humanitä": Die Entscheidung über den Wahlausgang lag gestern in der Hand der geeinigten Sozialisten, die sich verpflichtet hatten, im zweften Wahlgang für denjenigen Bewerber zu stimmen, der sich am nachdrücklichsten zum Ver- hältniswahlshstem bekannt habe. Die Radikalen haben keinen Anlaß, sich zu der gestrigen Wahl zu beglückwünschen. Wollen sie, daß die Wahlreform im nächsten Jahr auch bei der Wahl deS Präsidenten der Republik da» entscheidende Wort spreche? — In der radikalen Presse gelangt eine sehr gedrückte Stimmung zum Ausdruck. CnglsncU Der Generalstreik der Transportarbeiter. London, 24. Mai. Die Zahl der ausständigen Ver- ladrr und Transportarbeiter, die mit der Aushungerung Londons und einem mehrwöchigen Generalstreik drohen, be- trägt nunmehr bereits 17 5 l> il l). Sehr wenig Wagen, mit Lebensmitteln beladen, verkehren in den Straßen der Stadt und werden von berittenen Polizeiagenten geschützt. Tausende Tonnen Lebensmittel werden im Hafen ver- derben. 15l> Schiffe liegen zurzeit im Hafen und harren ver- gebens der Entladung. Die Vorräte an Petroleum langen nur für vierzehn Tage. Ter Berkehr von Automobilen und Omnibussen nimmt bereits ab. Der Ausstand der Eisenbahner gilt als nahe bevorstehend._ Arbeitszeit und Produktion. London, 22. Mai.(Eig. Ber.) Die englischen Texiilarbcitcr stehen im Begriff, vom Parlament eine Reduzierung ihrer Ar- beitszeit von 55% auf 48 Stunden die Woche zu verlangen. Die Arbeiterpartei hat eine Vorlage zu diesem Zweck eingereicht. Die Arbeiter stützen sich bei ihrer Forderung namentlich auf die Tat- fache, daß in den letzten 60 Jahren die Arbeitszeit in der Textil- tndustrie nur um 4� Stunden wöchentlich verringert worden ist, während die Produktivität der Arbeit gewaltig gestiegen ist, so daß heute ein Textilarbeiter in Lancastzire in 8 Stunden ebenso viel produziert, wie er vor 50 Jahren in' 16 Stunden produzierte. JameS Harlam macht darüber im„Daily Herald" einige inter- essante Angaben. Im Jahre 1856 machten die Spindeln z. B. 5500 Umdrehungen in der Minute, heute machen sie in modernen Fabriken 9500 Ilmdrehungen. In demselben Jahre kamen auf je 1000 Spindeln 7,3 Arbeiter; heute kommen auf 1000 Spindeln, die noch einmal so schnell laufen wie die früheren, nur 3 Mann! Im Jahre 1356 produzierte ein Arbeiter pro Jahr 3637 Pfund Garn; heute produziert er 7736 Pfund und mehr in den modernsten Fabriken. In den Webereien liegen die Tinge ähnlich. Im Jahre 1855 stellte ein Weber 20 580 Ellen Stoff im Jahre her; heute ist die Produktion pro Arbeiter und Jahr 38 000 Ellen. Für die nächste Zeit steht zu erwarten, daß sich die Zahl der Webstühle pro Arbeiter noch gewaltig vermehren wird. Webstühle wie die von Northrop und anderen werden eingeführt.' Von den gewöhnlichen in Lanca- shire gebrauchten Webstühlen kann ein Arbeiter vier bedienen; dagegen können 16 bis 24 Northropwebftühle von einem Arbeiter bedient werden! Weiter: im Jahre 1856 waren die Kosten für Arbeit pro Pfund Garn 2,4 Pence; heute sind sie nur noch 1,06 Pence.— Der Unterschied in der Produktivität der Arbeit heute und vor 60 Jahren könnte noch an anderen Zahlen bewiesen werden. Die obigen genügen aber, um unter anderen Dingen dar- zutun, wie notwendig eine Verkürzung der Arbeitszeit geworden ist. JMarohho. Die Gebrüder Mannesmann von Marokkanern eingeschlossen? Paris, 24. M�i. Der Korrespondent deS„Echo de Paris" in Tanger meldet aus Casaolanca, daß die Situation in Haouz und Marrakesch eine bedeutende Verschlimmerung erfahren hat. H i b a, der sich in Tiznit zum Sultan pro- klamiert hat, überschwemmt die Stämme mit Kundgebungen, um sie zu veranlassen, den neuen Herrscher von Marokko an- zuerkennen und das fremde Joch abzuschütteln. Der Aufruf deS neuen Sultans ist von großem Erfolge begleitet, denn seinen Abgeordneten wird überall ein begeisterter Empfang bereitet. Viele Stämme haben bereits Hiba anerkannt. Aus Marrakesch kommt die Meldung, daß Hiba mit seinen Anhängern in die Stadt eingezogen ist, ohne auf Widerstand seitens Madoni Glaui. der eine goße Macht besitzt, gestoßen zu sein. Auch hier hat er sich zum Sultan proklamiert. Sämt- liche Europäer wurden von Madoni Glaui in Schutz ge- nommen. Wie der Korrespondent aus sehr sicherer Quelle erfährt, ist die deutsche Regierung benachrichtigt worden, daß zwei Deutsche, nämlich die Gebrüder Mannesman«, in Tarudant(der Hauptstadt des SusgebieteS) von den Anhängern deS Hiba eingeschlossen sind. Die deutsche Regie- rung soll bei dem französischen Gesandten in Tanger dringende Vorstellungen erhoben und die Forde- rung gestellt haben, sofortige Maßnahmen zur Befreiung der beiden Deutschen zu treffen und ihnen Mittel zu geben, um die Küste ohne Gefahr„zu erreichen. Eine Bestätigung dieser Meldung ist jedoch noch nicht eingetroffen. Neue Eingeborenen-Unruhen in Algerien. Paris, 24. Mai. In Nedroma(Algerien) kam eS gestern anläßlich der Aufstellung des Verzeichnisses der g e» stellungspflichtigen Eingeborenen abermals zu lärmenden Kundgebungen. Banden von Arabern durchzogen unter feindseligen Rufen die Straßen und feuerten gegen einige von Europäern bepzphnte Häuser Revolverschllsse ab. Eine Schwadron afrikanisches Jäger stellte die Ruhe wieder her. Mehrere europäische Familien haben den Ort verlassen. foiBUtick. Die Duma gegen die Regierung. Petersburg, 23. Mai. Die Reichsduma beendete in der heutigen Lbendsitzung die Debatte über die Interpellation wegen der Hochschulen und nahm mit 105 gegen 102 Stimmen eine von Gutschkow(Oktobrist) vorgeschlagene UebergangSformel an. welche die RegierungSmaßnahmcn von 1910 und 1911 zur Unter» drückung der Unruhen als u n g e s e tz m ä ß i g und die Erklärungen de» UnterrichtSministerS als ungenügend bezeichnet und die Einbringung einer Regierungsvorlage zur Regulierung de? akade- mischen LcbenS erwartet. Lklua. Ministrrkrise. Peking, 28. Mai. Wie verlautet, hat infolge der heftigen An» griffe in der Nationalversammlung wegen verschwenderischer Ve» auSgabung der letzten kleinen Anleihen der Premiermini st er Tangschaoyi sein RücktriltSgesuch eingereicht; die anderen Kabinettsmitglieder seien bemüht, ihn zur Zurücknahme de» Gesuchs zu bewegen. Tongschaohi« Rücktritt würde, wie man glaubt, da» wachsende Gefühl de» Mißtrauen» zwischen Fremden und Chinesen beseitigen. GcwcHtfchaftUcbea. Zur Beachtung! DaS Bureau der Gewerkschaftskommtssion ist avS Anlaß des Pfingstfestes am heutigen Sonnabend nur bis 1 Uhr ge- öffnet, am Dienstag, den 3. Pfingstfekertag, aber den ganzen Tag geschloffen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Berlin imd Umgegend. Defizitwirtschaft der Gelben! Seit Bestehen der gelben Bereine sehen wir, daß die von den Unternehmern ausgchaltcnen Obergelben nach der Methode des NeichsverbandcS znr Bekämpfung der Sozialdemokratie alle Bor- gänge in der Arbeiterbewegung, alle Einrichtungen, auf welchem Gebiete es auch sei, in den Schmutz zu ziehen suchen. Die Spalten des gelben„Bund" sind stets mit solchen Sudeleien gefüllt. Aber die Leutchen vergessen dabei, den im eigenen Lager angehäuften Unrat zu beseitigen, verstehen auch keineswegs. Einrichtungen zu schaffen, die der Kritik anderer standhalten. Bis jetzt hat es sich ollerwärts gezeigt, daß die Obergelbcn und ihre Helfershelfer selbst die einfachsten Verlvaltuiigsgcschäfte nicht ohne Mithilfe ihrer«Brot- Herren" erledigen können. Auch unter dieser Hilfe geschieht dies noch in so mangelhafter Weise, daß sie ihre völlige Hilflosigkeit und Unfähigkeit bloßstellen. Einen neuen Beweis liefern die'Obcrgelben der Siemenswerke. In allen größeren SiemenS-Betrieben bestehen Fabrikkonsum- dereine mit Selbstverwaltung der Arbeiter, natürlich unter Aufsicht der Direktion. Der Metallarbeiterverband hatte sich bisher an den Delegierten- und Vorstandswahlen, die nach dem Proportional- Wahlsystem(Listenwahl) erfolgen, beteiligt und auch in einigen Be- trieben gegenüber der gesamten Gegnerschaft die Mehrheit erhalten. Im Kleinmotorenwcrk Franklinstraße war ein Jahr hindurch der erste Vorsitzende und ein Kontrolleur Mitglied des Metallarbeiter- Verbandes. Sie haben sich durch die umsichtige Leitung die Achtung der gesamten Arbeiterschaft des Betriebes erworben. Keinerlei MonitaS konnten erhoben werden. Das war den Obergelben un- angenehm. Auf Betreiben der gelben„Lieblinge" wurde der erste Vorsitzende nach über einjähriger Leitung entlassen, ohne daß man ihn auch nur eines Fehlers in der Geschäftsführung bezichtigen konnte. Ein Teil deS Betriebes wurde 1910 nach dem Nonnendamm verlegt und mit finanzieller Beihilfe des bisherigen Konsumvereins ein neuer gegründet. Bei der Dclegiertenwahl erhielt die Liste des Metallarbeiterverbandes die Mehrheit und den ersten Vorsitzenden nebst zwei weiteren Vorstandsmitgliedern. Auch die Täligkeit dieser Arbeiter war so einwandsfrei, daß während ihrer gesamten Amts- dauer nach keiner Richtung hin Beschwerde geführt werden konnte. Um sich auch dieser für sie unangenehmen Personen zu entledigen. betäiigten sich die Obergelben arrch'dort auf dem ihnen besonders eigenen Gebiet der Denunziation. Aber die Werkeleitung war außerstande, irgendwelche Verfehlungen bei der Arbeit oder in der Täligkeit der Verbandsmitglieder als VorstandSangchörige fest- zustellen. Finanziell wurde das neue Unternehmen so gekräftigt, daß be- reits nach kurzer Zeit 6000 M. an den alten Verein zurückgezahlt werden konnten und im zweiten Quartal 1911 ein Ilcberschuß von 11 954,97 M. zu verzeichnen war. Nicht etwa durch Dividendenschinderei wurde der Ueberschuß herausgearbeitet, sondern durch die solideste Verwaltung. Die Löhne der Konsumarbeiter wurden sogar verbessert. Hinzukai», daß die „roten" Vorstandsmitglieder, immer nach der Parole arbeitend: „Für die Arbeiter ist das Beste gerade gut genug!" nur Lieferanten Aufträge erteilten, deren Waren von bester Oualität zeugten. Trotz- dem ein solcher Ueberschuß I Als dann im November 1911 die Obergelben mit der Direktion und Dr. F e l l i n g e r reaktionäre Pläne schmiedeten, um den Einfluß der freien Gcwerkschaflen zu brechen und das Wahlrecht für die Arbeiter ganz wesentlich beschnitten werden sollte, un, den Ober- gelben die Leitung des Konsumvereins zu übertragen, sah sich der erste Vorsitzende genötigt, dagegen energisch Front zu machen. Die Main- pulatione» meldete er an zuständiger Stelle, und diese wurden dann durch den„Vorwärts" vom 7. November 1911 veröffentlicht. Kurzerhand entließ man den 1. Vorsitzenden unter Scheingründen, ohne ihm auch nur Gelegenheit zu geben, die Geschäfte des Konsums in ordnungsmäßiger Weise seinem Nachfolger zu übergeben. Bald darauf erfolgte Neuwahl der Delegierten und des Vorstandes. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der freien Gewerkschaften waren gerade infolge der Formerbewegung ausgesperrt und konnten ihre ein- gereichten Vorschlagslisten nicht wählen. Seitdem sind sie jeglicher Vertretung im Konsumverein beraubt. Die Obergelben hatten nun die Geschäfte vollends allein zu erledigen, sie waren unter sich und hatten Gelegenheit ihr Licht leuchten zu lassen. Und was ist das Resultat der gelben Wirtschaft? Der Geschäftsbericht des ersten Luartals 1912 liegt jetzt vor und statt eines Ueberschusses finden wir ein Defizit von 2157,34 M. Diese Unterbilanz entstand nicht etwa durch Herabsetzung der Preise oder sonstigen Vergünstigungen. sondern das Gegenteil trifft zu. Niemals sind eine solche Fülle von Beschwerden erhoben worden gegen den Konsumverein wie unter der gelben Leitung. Das sind die Leistungen der Gelblinge. In Teflzitwirtschaft haben sie etwas los. Im Werner-Werk mußten, als der jetzt in Waldenburg i. Schl. stationierte Obergelbe die Leitung des Konsum- Vereins führte, die Kassenbücher von Bureanangestellten der Firma in Ordnung gebracht werden. Die Finna Siemens mußte am letzten Jahresschluß ein Defizit des gelben Vereins von 14 597,39 M. und einen Fehlbetrag, entstanden durch besondere Veranstaltungen, von 1299 Mark decken. Und diese Leute erlauben sich, Kritik zu üben an Einrichtungen der freien Gewerkschasten I Hätten sie nicht vor ihrer Türe reichlich zu kehren? Zum Streik der Stukkateure. Am 23. Mai fanden unter dem Vorsitz de? Magistratsrats Herrn v. S ch u l z Verhandlungen statt, die jedoch nicht als offizielle gelten sollen. Tic Arbeitgeber gaben dabei folgende Erklärungen zu Protokoll: „Eine Verkürzung der Arbeitszeit wird von der Arbeitgeber- Organisalion insofern zugestanden, als eine solche mit 49Vz Stunden pro Woche vom l. Ottober 1913 bis 31. März 1915 und mit 48 Stunden pro Woche vom 1. April 1915 bis zum 31. März 191ö eingeführt werden soll. Die sonstigen im bisherigen Tarifverträge emhaltcnen Besiiinmungen über Arbeitszeil werden beibehalten. Die Arbeitszeit von 8 Stunden reguliert sich so, daß von 3— 12 und 1—5 Uhr gearbeitet wird." Die bisherigen. Tagelöhne, die als Mniimallöhne bestanden, sollen zu Stulidenlöhuen umgewandelt werden, die für Bauarbeiter bis 39. September 1913 91 Ps.. von da bi§ 1. Oktober 1015 94 Pf., von da an 97 Pf. betragen sollen. Bisher beiland ein Tagelohn von 7,50 M._ als Minimallohn.— Für Werkstatrstlikkatenre soll prozentual dieselbe Aufbesserung er- fo'aen." Dann sollen Höchstlöhne festgelegt werden, die für Bau- arbeiler 19 M. und für Wcrkstatlorbcilcr 9.0» und 9.59 M. belragen sollen Bei Streitigkeilen innerhalb der Vertragsdauer soll das Einiaunasamt endgültig entscheiden. Die Losung des Arbeits- SÄ« soll jederzeit erfolgen können. B.Sher nur am Abend VcräiüwTNedäkteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantoT« zulässig. Ueberstunden, die Bisher nicht ohne Genehmigung der Schlichtungskommission gestattet waren, sollen bis zu drei am ersten Tage auf Verlangen des Arbeitnehmers gemacht werden müssen. Eine Baubude, die nach dem verfloffenen Vertrag gestellt werden mußte, soll nur bei vier Gehilfen verlangt werden dürfen. Beim jetzigen Vertragsabschluß soll das EinigimgSamt über den Akkord- vertrag endgültig entscheiden, wogegen der andere Teil des evcnt. Schiedsspruches zur Annahme oder Ablehnung stehen soll. Am 24. Mai hielten die Streikenden eine vollzählig besuchte Versammlung ab, in der die Arbeitszeitverkürzung so- fort gefordert und es abgelehnt wurde, bis zum vierten Jabre auf den Achtstundentag zu warten. Sollte eine Staffelung eintreten, so könnte die Viertelstunde nur im ersten Jahre anerkannt werden. Keinesfalls sind die Streikenden aber mit einem vierjährigen Vertrag einverstanden. Sollte ein dahingehender Schiedsspruch erfolgen, so müßte er, um auf Annahme rechnen zu können, was Lohn und Arbeitszeit betrifft, den Forderungen der Arbeitnehmer bedeutend näherkommen, als es zur- zeit die Arbeitgeber wollen. Ein Höchstlohn soll nicht anerkannt werden, nur ist die Lohnerhöhung der Werkstattarbeiter vornehmlich herauszuheben. Die lieber stundenfrage soll wie im alten Vertrage belassen werden, da Unzuträglichkeiten nicht entstanden sind. Die Bude soll ans dem. Bau wie bisher ge- stellt werden. Das EinigungSamt soll jetzt nur dann über den Akkord- tarif endgülsig entscheiden, wenn die bisher nicht tarifierten aus- geglätteten Leisten und Kurven aufgenommen werden und die son- stigen Forderungen einer eingehenden Beratung unterliegen. Die Versammlung hielt eine Verhandlung vor dem Einigung?- amt nur für ersprießlich, wenn die Verschlechterungen gegen- über dem alten Tarif ausgeschaltet werden und nur die Arbeitszeitverkürzung anders geregelt wird. Nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme: Die heute versammelten Stukkateure lehnen nach Kenntnis- nähme die Vorschläge der Unternehmer als ungenügend ab und werden einen Spruch des Einigungsamts nur anerkennen welcher in bezug auf Arbeitszeit und Lohn bedeutend über M gemachten Vorschläge hinausgeht. Sie verpflichten sich, so lange auszuharren, bis die gewünschten Acnderungen eintreten. Die Steinarieiter stehen zurzeit in Verhandlungen mit der Steinmetzinnung und dem Verband der Steinmetzgeschäste über die Errichtung eines obligatorischen und paritätischen Arbeitsnachweises. Gegenwärtig ist das allgemeine Nachfragen nach Arbeitsgelegenheit die Regel, ein Arbeitsnachweis besteht nicht.— Einer Versammlung der Sleinarbeiter, die am Donnerstagabend in den„Arminhallen" stattfand, lag das Resultat einer Kommissionsbcratung in der Form von„Satzungen" für den geplanten Arbeitsnachweis vor, zugleich waren aber auch eine Reihe von Anträgen zur Abänderung dieser Satzungen eingegangen, und eine sehr lebhafte Diskussion entspann sich über den Wert des geplanten Nachweises wie über die einzelnen Bestimmungen, nach denen er geführt werden soll. Viel Opposition wurde laut, und das Interesse, das die Unternehmer an dem Arbeitsnachweis nehmen, wurde von manchen Seiten mit großem Mißtranen betrachtet. Die Beratung dehnte sich so weit aus, daß sie nicht zu Ende geführt werden konnte; die Versammlung wurde vertagt. DeutTches Reich. Ter Streik der Straßenbahner i« Königsberg dauert unverändert fort. Die Gesellschaft(eine Tochtergesellschaft der A. E G. Berlin) läßt alle Minen springen, um die Angestellten kirre zu kriegen. Doch von diesen ist noch nicht ein einziger ab- gesprungen. Streikbrecher werden aus allen Himmelsgegenden, selbst aus dem Auslande herbeigeholt, doch mit ihnen kann die Gesellschaft nicht viel ausrichten. Auch ist es der Streikleitung gelungen, einen Teil der Arbeitswilligen wieder abzuschieben. Einige Strecken werden wohl befahren, doch nur zum Teil, in recht langen Abständen und nur bis 7 Uhr abends. Die Gesellschaft zahlt jedem Arbeitswilligen 15 Mark Lohn pro Tag, freie Verpflegung und Logis im Hotel, so daß ihr jedes dieser nützlichen Elemente bi« auf 26 M. täglich zu stehen kommt. Dazu kommt noch der riesige Ausfall an Einnahmen, so daß der Gesellschaft der Streik täglich 18—29999 Mark kostet. Die Streikenden dagegen forderten im wesentlichen 3 bis 4,59 M. täglich und das Koalilionsrecht. Es handelt sich natürlich lediglich um eine Machtprobe, die dem Verbände der Straßenbahner gilt. Inzwischen ist auch die Polizei mobil gemacht worden. So wird jeder Wagen von einem Schutzmann begleitet. Die Straßenbahner find überaus kampfesfreudig und werden bis auf den letzten Mann im Kampfe ausharren. Die Stadt Königsberg hat die Straßenbahn an eine Gesellschaft verpachtet, die nach dem VerpachtungSvertrage zur un unter- brache nen Führung des Betriebes verpflichtet ist. Nur wenn «höhere Gewalt" in Frag« kommt oder die Störung unabwendbar ist, kann die Gesellschaft nicht gezwungen werden zu ununterbrochener Führung des Betriebes. Da nach richterlichen Entscheidungen ein Streik nicht eine„höhere Gewalt" ist und die Gesellschaft die Störung sehr wohl hätte abwenden können, wenn sie die bescheidenen Forderungen Straßenbahner bewilligt und vom Attentat auf das Koalitionsrecht Abstand genommen hätte, so stellten die sozialdemokratischen Stadtverordneten in der letzten Sitzung an den Magistrat die Anfrage, was er zu tun gedenke, um die Pächter der Straßenbahn zur Erfüllung ihrer auf Grund des Ver- pachlungsvertrages obliegenden Verpflichtungen zur Jnnehaltung deS Fahrplans und zur" ununterbrochenen Führung des Betriebes zu veranlassen. Da kamen sie bei der„liberalen" Mehrheit aber schön an. Während der Begründung der Interpellation wurde gelacht, gescherzt, geplaudert. Die Herren benutzten diesen Gegenstand zu einem Amüsement. Niemand von ihnen ergriff das Wort, und nach ganz kurzer Zeit beantragten sie Schluß der Debatte, der auch angenommen wurde. Der Magistrat erklärte, er habe sich nicht veranlaßt gesehen, einzuschreiten. Es müsse der Gesellschaft Zeil und Gelegenheit gelassen werden, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. ES sei aber selbstverständliÄ, daß der Magistrat Maß- nahmen treffen werde, falls die Gesellschaft dauernd ihren Verpflichtungen nicht nachkommen sollte. Darauf trug der Magistrat, um die Ursachen deS Streiks klarzulegen, das einseitige und zum Teil völlig unwahre Material der Gesellschaft vor. Von den Streikenden hatte er nicht die geringsten Informationen eingeholt. Als von sozialdemokratischer Seite dem Magistrat geantwortet werden sollte, wurde unseren Genossen da? Wort abgeschnitten. Man hatle für diese Angelegenheit keine Zeit; vorher hatte mau aber drei Stunden lang gelämpft, um den Aktionären des Stadttheaters eine jährliche Subvention von dreißig- tausend Mark zu verschaffen. Ende der Mctallarbeiteraussperrung im Mainga». Die vom Metallarbeiterverband einberufenen Versammlungen haben Freitag den Abmachungen in Nürnberg zugestimmt. Ver- einbart ist also eine höchstens 59 Stunden währende Arbeitszeit, eine Lohnzulage von 2 Pf. für alle Leute, die noch nicht 50 Pf. Stundenlohn haben. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Die Unternehmer haben anerkannt, daß die Lohnverhältnisse den hiesigen Lebensmittelpreisen nicht mehr entsprechen. Streik und Aussperrung werden aufgehoben. Ende des Rheinschifferstreiks. Am Mittwoch wurde in einer Konferenz der Streikleiler von Straßburg bis Rotterdam der beiden Verbände, des Zentral- Verbandes der Maschinisten und.Heizer und des Transportarbeiter- Verbandes beschloffen: den gegenwärtig im Streik stehenden Rhein- schiffern anzuraten, den Kamps abzubrechen. Die Maßnahmen der Behörde, die Masse der Streikbrecher, an die heranzukommen infolge der behördlichen Maßnahmen nicht möglich war. und die vollständige Außerkraftsetzung aller gesetz- lichen Koalitionsrechte ließen eine Weiterführung des Kampfes ih. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchvr.>4 Vcrlagsanjtaft ij nicht sngeSrachk eirscheTrtfll Sckff Bekl Rechen ker streiketcke« Tbf schinisten und Heizer war auch nicht einer abgefallen, ebenso nie- mand vom Deckpersonal, was besonders hervorgehoben werden muß, weil von der Reederpresse die Nachricht verbreitet wurde, es habe sich eine große Anzahl von Streikenden zur Arbeit gemeldet. Die beiden Zentralverbändc waren für eine Weiterführung des Kampfes. Die Rheinschiffer hielten aber eine weitere Auf- Wendung von Mitteln für diesen�Kamps für zwecklos; jedenfalls ein Beweis gewerkschaftlicher Schulung. Versammlungen der Streikenden nahmen die nachstehende Resolution an: Die Versammlung erkennt an, daß die am Streik beteiligten Organisationen alles getan haben, um einen erfolgreichen Ab- schluß des Kampfes herbeizuführen. Das Bestreben der Or- ganisation ist aber durch das Eingreifen der preußischen Rc- gierung und der Polizeibehörden, die in einer noch nie dage- wesenen Weise für das Unternehmertum Stellung genommen haben, illusorisch gemacht worden. Die Versammelten beschließen deshalb den Streik abzubrechen, da ein Weiterführen des Kampfes nur unnütze Opfer an Gut und Blut fordern würde. Gegen das ungesetzliche Treiben der Behörden, durch das die Herrschaft des Revolvers und des Säbels proklamiert wurde. erheben die Versammelten energischen Protest.— Die Versammelten geloben, nun erst recht für die Ausbreitung ihrer Berufsorganisationen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln tätig zu sein, damit in absehbarer Zeit alle auf dem Rhein ström fahrenden Kollegen ihrer Organisation angehören. Die beiden Organisationsleitungen werden beaustragt, die Vor- gänge auf dem Rheinstrom fortwährend zu beobachten, damit zu gegebener Zeit der abgebrochene Kampf wieder aufgenommen werden kann. Wenn es auch den Unternehmern diesmal noch gelungen ist. infolge ihrer gewaltigen Kapitalmacht und der Willfährigkeit der Behörde, den Streik niederzuschlagen, die Forderungen der Rhein. schiffer werden nicht verstummen. Neben den gewährten Lohn- erhöhungen werden die Reeder nicht umhin können, die Arbeits- zeiten zu regeln, und wenn dies nicht geschieht, dann werden sie sich mit der ungeschwächten Kraft der Rheinschiffer bald wieder messen müssen. Busland. Die Londoner Transportarbeiter sind in einem daS ganze Transportgewerbe umfassende» General- streik eingetreten. Der Streik umfaßt die Rollkutscher, Dockarbeiter. GaSangestellte, Eisenbahnarbeiter, Heizer, Lokomotivführer usw. Der Verkehr in der Stadt ist auf demselben Niveau angelangt, wie er bei dem großen TranSportarbciterstreik im Jahre 1911 war. Der RiesenauSstand dürfte dem englischen Wirtschaftsleben ungeheuere Verluste zufübren, so daß eine Krise nicht ausbleiben dürfte. Die Forderungen sind: 1. Von den organifierten Arbeitern soll nicht ver- langt werden, daß sie mit Nichtorganisierten zusammenarbeiten. 2. Im Hafen von London sollen innerhalb der verschiedenen Arbeiter» kategorien durchweg gleiche Löhne gezahlt werden. Zur BafiS dieser Löhne sollen die höchsten Sätze genommen werden, die gegenwärtig gezahlt werden. Die Mitglieder d«S verbände« t« ganz England zählen 47200» Mann. ES sst noch ungewiß, ob sich die»ewegem, aus London beschränken wird oder ob sie auch ans die anderen Häsen übergreift. Die Ausständigen versichern, daß, wenn die Reeder ver- suchen sollten, die für London bestimmten Schiffe nach anderen Häfen zu entsenden, der Ausstand fich sofort verallgememern werde. Bisher hat sich der Streik auf die großen Häfen, Livcrposl, D«ver und Hull. nicht ausgedehnt. letzte Nacforächtcn« Ans der elsässischen Zweiten Kauf«». Strafiburg i. Elf., 24. Mai.(W. T. B.) I» der ßffleiteil Kammer des Landtags kam es Heute zu einenr Zusammenstoß mit der Regierung. Auf der Tagesordnung stand die Wahl von drei Mitgliedern für den Beirat für die Verwaltung der kaiserlichen Tabakmanufaktur und der Komurfffion für die Ver« teilung der Winzerbeihilfen. Der kaiserliche Statthalter hatte fü« die Zusammensetzung diese» Beirats und der Komuussim, schon ein« Verordnung erlassen._ � j Der Zentrumsabgeordnete Hanß brückte seine LerKunLeruNA darüber aus» daß dies geschehen sei, ohne daß eine Verftändi» gung mit dem Landtag nachgesucht worden wäre, zumal die WinzeobeiHilfen unter der ausdrücklichen Bedingung gewährt wor» den wären, daß ihre Verteilung durch eine Kommission von sich» Mitgliedern der Zweiten Kammer vorgenommen werden. Es sei ganz und gar nicht angängig, daß nun Mitglieder der Ersten Kammer hineingewählt würden und drei Sachverständige, die über- Haupt dem Landtage nicht angehörten. ES sei nötig festzustellen, ob der Statthalter die Angelegenheit in so einseitiger Weise erledigen könnte, weshalb die Sache zur Prüfung dev Geschäfts- ordnungskommission zu überweisen sei. Ihm schlössen! sich dir Ver- tretcr des Lothringer Blocks» der Sozialdemokraten und der litze- ralen Demokraten an. Staatssekretär Zorn ff. Bulach nrnnke, die Debatte lvolle darauf hinaus, einen Zwist zwischen der Exekutive und der LegiSla- tive herbeizuführen. Die Erste Kammer habe da» gkeiche Recht wie die Zweite Kammer, in der Kommission tätig zu sein. Er hoffe, daß man noch zu einer Verständigung gelang». Trotz der Mahnung des Präsidenten Dr. Ricklin, die Debatte bei zu- legen, bestand das Haus auf einer weiteren Aussprache, an der sich die Abgeordneten Wetterle, Dr. Schott, Ha u ß, P e i« rotes sowie Staatssekretär Zorn v. Bulach beteikigten, Tie Abgeordneten beharrten bei ihrer Meinung, daß hier die Regierung ungesetzlich vorgegangen sei. Schließlich wurde ein Antrag ange- nommen, die Angelegenheit einer Kommission zu überweisen, wo- gegen die Regierung keinen Einspruch erhob. Eine Verständigungsaktion in Budapest. Wien, 24. Mai.(W. T. B.) Djc.Neue Freie Presse' meldet auS Budapest: Heute abend wurde zwischen sämtlichen oppositionellen Parteien des Abgeordnetenhauses ein Einvernehmen erzielt, das sich auf alle aktuellen politischen Fragen, so namentlich auf die Frage deS Wehrgesetzes und der Wahlreform, bezieht. In der Frage der Wahlrcform kommt der Standpunkt der nunmehr vereinigten Opposition dem Standpunkt der Regierung sehr nahe. Bezüglich der LSehrreform nimmt die Opposition nunmehr einen Standpunkt ein, welcher die Erledigung der Wehrreform in absehbarer Zeit ermöglichen würde. Die Führer der Sozialdemekrate» sind mit diesen Abmachungen einverstanden, welche im Laufe des morgigen DagjrS schriftlich niedergelegt und von den Führern der Parteien unterschrieben werden._■ Berhängnisdoller Zusammensturz. Köln a. Rh.. 21. Mai.(P. C.) DaS große Eisenlager der Firma Schönau stürzte heute nachmittag plötzlich zu- sammen. Es waren sieben Arbeiter in dem Lager beschäftigt. Drei konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, vier wurde» unter den Eiscnmassen begraben, zwei davon wurden tödlich ver- letzt geborgen. Tie beiden anderen liegen noch unter den Eisen, Massen und sind vermutlich tot. Tie AusräuMUUgSarbeitcn werdev von Pionieren fieberhaft betrieben.'_ jul©inget 4 Ei?., iöcrliu S W. Hierzu S Brtiagrs«. ggtirtzaltuusSbl." Nr. 120. 29. Jahrgang. 1. Kilage des Jotiitts" Krim KlUlstt Z>iM«dtlld> 25. Wai 1912. vie preukilchen Sparitafftn im Zahre 1910. D!e„Zeitschrift des Kgl. Preußischen Statistischen Landesamts" keröffentlicht, wie alljährlich, eine Statistik der preußischen Spar- lassen. Die Bearbeitung lag diesmal in den Händen des Re- gierungsrates Hoepker, der mehr als seine Vorgänger es als Auf- gäbe angesehen hat, die Politik der Regierung gegenüber den Spar- kajse.i zu verteioigen und den Charakter dieser Institute als an- geblichen Wohlfahrtsanstalten hervorzuheben. Aber diese etwas gefärbte Darstellung wird durch die mitgeteilten Zahlen gerade widerlegt. Am Schluß des Rechnungsjahres 1910— bei einzelnen Kassen schließt es erst Mitte 1911 ab— waren 1711 Sparkassen gegen 1692 im Vorjahr vorhanden. Die Zunahme war relativ am größten bei den Kassen von Landgemeinden. Die Städte mit 774 Kassen übertreffen die der Landgemeinden(272) und Kreise (473). Die privaten und Vereinssparkassen fiuii in den letzten Jahren absolut zurückgegangen. Die 1711 Sparkassen besaßen 6339 Sparstellen. Auf jede Filialkasse entfallen jetzt nur noch 53,37 Quadratkilometer, während 1900 erst je 80,74 Quadratkilometer eine Kasse besaßen. Einzelne Kassen(Frankfurter Privat-, Schöneberger Stadtsparkasse) haben außerdem noch das System der Abholung im Hause eingeführt. Die Zahl der Sparkassen- bücher belief sich auf 12,9 Millionen, und hat damit seit 1900 eine Zunahme von über 4 Millionen erfahren. Wenn daraus gefolgert wird, daß nun 85,7 Prozent aller selbständigen Personen Preußens im Besitze von Sparbüchern seien, so ist das ganz irrig. Einen Grund für die hohe Bücherzahl gibt H. selbst an: auf viele Familien entfallen inehrere Bücher. Ebenso wesent- . lich ist, daß sehr viele Vereine, selbst Behörden kleine Summen auf Sparkassen geben. Rechnet man außerdem die zahlreichen Mündelgelder u. a. ab, so bleibt für die eigentlichen Selbstsparer eine weit geringere Zahl von Büchern zurück. Es ist daher gänz- lich verfehlt, aus der Zahl von Büchern, die durchschnittlich auf 100 Einwohner entfallen, den„Sparsinn" der Bevölkerung er- schließen zu wollen. Vielleicht hat H.— von seinem Standpunkt ans— darin nicht ganz unrecht, daß„die Spartätigkeit auch durch die Beiträge zu den verschiedenen Gewerkschaften und Vcr- bänden ungünstig beeinflußt wird". Unter der Bücherzahl nehmen die mit hohen Einlagen einen immer größeren Prozentsatz ein. Die Bücher mi� Einlagen bis zu 60 Mark zeigen, von geringen Schtwrnkungen abgesehen, im letzten Jahrzehnt weder eine Zu- noch Abnahme. Die mit Ein- lagen zwischen 60 und 600 Mark haben zwar eine absolute Zu- nähme auszuweisen: aber ihr prozentualer Anteil sinkt. Am wichtigsten unter allen Büchern weroen die mit Einlagen über 600 Mark. Ten zwingenden Schluß aus dieser Tatsache,„daß die große Zunahme an Einlagen mehr und mehr auf das Konto der wohlhabenderen Bevölkerung zu setze� sei", sucht H. zu um- gehen. Eine Berufszählung der Konteninhaber der städtischen Sparkasse in Königsberg i. Pr. hat nämlich festgestellt, daß von 1921 Konten über 3000 Mark etwa 440 Konten auf Lehrlinge, Arbeiter und Dienstboten entfielen. Aber zu diesen Büchern wurden nur die von Personen nicht von Vereinen mitgezählt, so daß der Anteil des Proletariats größer erscheint. Auch die andere Beweisführung, daß die Schrankfächer der Stahlkammer einer großen Sparkasse an 289 Arbeiter, 89 Dienstboten, 171 Loden- mädchen, 13 Kontoristinnen, 47 Näherinnen usw. vermietet Ivaren, ist in dieser Hinsicht nicht schlüssig. Es ist mehr als ein bloßer Scherz, daß die Fächer häufig zum Aufbewahren von Liebes- bliesen und Urkunden jeder Art benutzt werden. Die Spareinlagen haben sich seit 1900 fast verdoppelt; sie betrugen 11,107 Milliarden Mark. Im Jahre 1910 betrug der Gcsamtzuwachs 774,6 Millionen Mark, davon der Zuwachs durch Zuschreibung von Zinsen allein 331,5 Millionen Mark. Die Höhe der Einlagen in den einzelnen Provinzen ist-wesentlich davon ab» hängig, welches Maximum in den Kassen angenommen und ver- zinst wird. In Frage kommt weiter, wie oie Kassen geleitet werden. Bekanntlich nähern sie sich in ihrem Charakter immer mehr den Bankinstituten. Kassen mit Kontokorrentvcrkehr gab es bereits 151 gegen III im Vorjahr. In welcher Weise Kassen mit- unter den kleinen Bankgeschäften Konkurrenz machen, geht aus einem interessanten Schreiben der Handelskammer zu Elberfeld an den Deutschen Handelstag ljcrvor. In dem Schreiben heißt es u. a.:„Die Städtische Sparkasse in Elberfeld hat seit dem 1. April 1910 den Scheck-, Depositen-, Kontokorrent- und Giro- verkehr eingeführt. Auf Anregung der hiesigen Banken hat die Handelskammer vorher in einem Gutachten zu dem Plane Stel- lung genommen und darin die Ansicht vertreten, daß bei der Ausbreitung des Bankwesens in Elberfeld für die Handels- und Gewerbetreibenden im allgemeinen kein Bedürfnis für die Ein- richtung der genannten Arten de? Geldverkehrs bei der Sparkasse kleines feuilleton. Das Recht auf Strafe. Einst predigte das Christentum da? Recht auf die Existenz, jetzt kommt die.Zeitschrift für ch r i st l i ch e Erziehungswissenschaft" und predigt.des Kindes Recht auf Strafe." Die neue HeilSlchre wird dort durch den Mund des Kreisschul» inspektors Dr. Rauh in Waldenburg i. Schl. verkündigt. In schöner Ausführlichkeit und durch feine historische Be- merkungen gewürzt, präsentiert uns der fromme Schulmann eine ganze Reihe von Rezepten, wie dieses heilige Recht � in der Praxi« der Schule verwirklicht werden muß..Die eigentlichste Straie ist und bleibt die Prügelstrafe'— daher gilt ihr vor allem die schwienge Forscherarbeit,«on welch' tiefer und gründlicher sachkennwiS zeugt z. B. folgender Ausspruch:.Die ausführlich angedrohte und mit Bedacht exekutierte Prügelstrafe lehrt mehr die Uuentrinnbarkelt der Gesetzesmacht sühl-n, die plötzlich und unerwartet vollzogene bringt die stete Bereitschaft der Gerechligkeit inS Bewußtsein." Welch' rührende seelische Beklemmung spricht sich auS dem Be- kenntnis. daß gerade diese unvorhergesehenen Prügel, deren„Typus die Ohrfeige oder der.Jagdhieb" ist. dem Schüler überzogen, wo er gerade sitzt", durch schulbehördliche Borschriften stark eingeschränkt sind. Aber die Prügelstrafe kann unmöglich aus der Erziehung ver» schwinden, dessen ist der gute Christ ganz sicher: denn nur der Rohr- stock sagt dem Kinde: gehorche I Und um das Gehorchen dreht sich eben alle«.„Eine Erziehung." donnert der fromme Mann,.die keine Strafe kennt, die jehe Ueberzeugung des Kindes refpekliert.... bildet Anarchisten, Ge« setzesverächter.... Rebellen. Wer als Kind stets die Straße der Selbstbestimmung geführt wurde, wird als Erwachsener den Pfad der Auiorität nicht finden. Autorität aber ist nicht der selbstgekürte Herzog, sondern der angestammte Souverän." Man kennt die Weise, und doch ist es erfreulich, daß sie hier so frisch und unverblümt vorgetragen wird. Sonst pflegen die Herr- schafien nich. so offenherzig zu sein. Wie schön, wie bezeichnend ist es auch, daß dieses Ideal der namenlosen Barbarei gerade im Namen dessen, der die Kmdlein zu sich kommen ließ, verteidigt wird. Die europäische Spielhölle. Im Juniheft deS„Türmers" finden wir folgende nachdentfame Glosse: Mit einem Reingewinn von 14.4 Millionen Mark hat die Gesellschaft der Spielbank von Monika ihre letztes Geschäftsjahr abgeschlossen. Der Rohgewinn muß mindestens doppelt so hoch gewesen sein. Denn große Aus- gaben sind zu machen. Als Anteil ari dem Ertrag der Spielhölle für das Jahr 1911 bis 1912 hat Fürst Albert von Mongko, der besteht und daß höchstens die eigentlichen Sparer(Handwerker, kleine Gewerbetreibende. Beamte und dergleichen) für die geplante Einrichtung in Frage kommen könnten. Das Guthaben des ein- zelnen Sparers im Kontokorrentvcrkehr möge deshalb auf 3900 Mark nach oben begrenzt werden. Die Kammer schlug ferner vor, den Zinssatz für den Konto- korrent- und Scheckverkehr dem der Banken für tägliches Geld möglichst anzunähern. Die Stadtverwaltung ist auf diese Vor- stellungen nicht eingegangen; sie hat Einlagen bis zu 10 000 Mark zugelassen und hält den Zinssatz ständig über dem der Banken. Er beträgt zurzeit 3 Proz. gegen etwa 2 Proz. für tägliches Geld bei den Banken. Die Folge davon ist, daß die Banken eine An- zahl Kunden aus Handel und Industrie bereits an die Sparkasse verloren haben. Die Sparkasse hat noch einen weiteren Anreiz für die Gewerbetreibenden dadurch gegeben, daß sie sich mit 16 anderen Sparkassen des Rheinlandes zu einer Girozentrale in 5iöln zusammengeschlossen hat, der im ganzen etwa 2000 Giro- künden angehören; davon etwa 400 in Elberfeld; überwiegend sind es.-Gewerbetreibende. Inwieweit diese Maßnahmen auf die Ent- Wicklung des Kontokorrent- und Scheckverkehrs bei der hiesigen Sparkasse eingewirkt haben, darüber haben wir statistische Belege bisher noch nicht erlangen können, hoffen sie aber bis Anfang Mai nachzuliefern.— Wie weit das Streben der Sparkassen geht, ihren Geschäftskreis mit allen Mitteln zu erweitern, beweist das Rundschreiben einer Sparkasse unseres Bezirks an die Kranken- lassen, in welchem sie denjenigen Kassen, die ihre gesamten Bar- bestände bei ihr anlegen, 4 Proz. Zinsen für tägliches Geld ver- spricht. Neuerdings wird der Städtischen-Sparkasse Elberfeld von Sparkassen kleinerer Gemeinden der Umgegend mehr als früher Konkurrenz gemacht; allein in der Zeit vom 2. bis 30. März d. I. annoncierten in einem hiesigen Blatte wiederholt nicht weniger als 8 auswärtige Sparkassen und versprachen sämtlich, in der Regel unter gleichzeitiger Angabe des Postscheckkontos, 4 Proz. Zinsen bei täglichem Abruf. Eine lolche Ausdehnung des Geschäftsbereichs der Sparkassen über ihren örtlichen Wirkungs- kreis hinaus widerspricht dem Sinn und Wesen des Sparkassenwesens und verdient ernstlich bekämpft zu werden." Die Anlegung der Sparkassengelder geschieht vornehmlich in städtischen und ländlichen Hypotheken(39,6 bezw. 19,9 Proz.), in Jnhaberpapieren(23,6 Proz.) und bei Geipeinden und öffentlichen Korporationen(12,4 Proz.). Die Bevorzugung der Anlage in Hypotheken ergibt sich daraus, daß sie sich weitaus cnn besten verzinst und größere Sicherheit bietet. Allein 67 Proz. der städtischen Hypotheken und 51 Proz. der ländlichen Hypotheken brachten mehr als 4 Proz. Die Jnhaberpapiere, darunter insbe- sondere Anleihen von Staat und Reich, dagegen verursachten bei niedrigerer Verzinsung noch Kursverluste. Der Bilanzwert der Jnhaberpapiere stand im Jahre 1910 gegen den Ankaufswert um 156 Millionen Mark geringer. Allein im Jahre 1910 betrug dieser Verlust 8 Millionen Mark. Die Zinsüberschüsse stellten sich auf 92,63 Millionen Mark, wovon für Verwaltungskosten 20,56 Millionen Mark abgingen. Für öffentliche Zwecke wurden davon nur 25,63 Millionen ver- wendet. Hus der Partei. Zum Göppingcr Kandibatcnstreit. Das bolksparteiliche Organ„Der Hohenstaufen" in Göppingen veröffentlicht eine Erklärung, von der er sagt, daß sie ihm aus den Kreisen unserer Partei mit der Be- merkung zugegangen sei. daß das eigene Parteiblait sie ja doch nicht aufnehmen würde. Beigelegen habe ihr eine Liste mit zahl- reichen Unterschriften, unter denen sich die Namen von vielen be- kannten Personen aus den Bezirksorten befinden sollen. Die Er- klärung lautet: Es ist nun zur Tatsache geworden, daß Gottfried Kinkel Dr. LindemannS Nachfolger werden soll. Somit tritt nun jedem Wähler klar vor Augen, warum die jahrelange Hetze gegen Dr. Lindemann inszeniert wurde. Auf dem Lande wird dies von den vielen Mitläufern bei der Wahl viel besprochen. Es wird gesagt. Dr. Lindemann habe doch seine Pflicht und Schuldigkeit in hohem Maße getan. Wollen also die Göppinger einen Sozialdemokraten weniger im Landtag haben, so wollen wir sie hierbei nicht stören. Eines aber ist sicher, Kinkel wird nicht gewählt werden, vielmehr wählen wir jetzt er st recht D r. L i n d e m a n n. So viel Geld wird zusammengebracht wer- den, um Stimmzettel drucken zu lassen, und am Wahltag wird der Kampfruf viel tausendmal erschallen: Nicht Kinkel, sondern Lindemannk Dr. Lindemann wird ein Vertrauensvotum aus gestellt werden, wie es sich unsere Göppinger nicht träumen lassen. Eines jedoch möchten wir die Göppinger bitten: Verschont uns mit Euren Versammlungen auf dem Lande! Spart Euer Geld und bleibet zu Hause, daß wenigstens das Land rein erhalten bleibet sich zweimal verheiratete und ebensooft scheiden ließ, rund 5 850 000 Mark erhalten. Lediglich an Gehaltszulagen bewilligte die Ge- sellschaft über 2 Millionen Mark. Die Unterhaltung der Gebäude verursacht erhebliche Kosten, und ein ansehnlicher Posten der Aus- gaben bezieht sich auf die Beeinflussung der europäischen TageS- presse, die reichliche Gelder erhält, soweit sie sich verpflichtet, Monte Carlo zu verherrlichen oder mindestens alle unliebsamen Zwischen- fälle, namentlich Selbstmorde, zu unterdrücken. Der Rohgewinn der Gesellschaft dürfte nicht zu hoch mit 30 Millionen Mark be- rechnet werden. Ter Umsatz der Spielbank läßt sich nicht an- nähernd feststellen. Nimmt man an, daß der Gewinn der Bank 1 Prozent ausmacht, so würden die Einsähe etwa 3 Milliarden Mark jährlich betragen haben. In Wirklichkeit mögen sie noch erheblich höher gewesen sein. Wo das Spiel blüht, gedeiht auch das feile Weib. Vor sieben- hundert Jahren dichtete Freidanhs Bescheidenheit: Weibern und dem Spiel zuliebe, Wurde mancher Mann zum Diebe. Die berüchtigsten Venusverehrer des Altertums, die spekulativ veranlagten Lydier, sollen das Glücksspiel erfunden haben. In dem heutigen Monako würden sie alle ihre Liebhabereien zusammen- finden. Humor und Satire. LandtagSmarterl. Abgeordnetenhaus. Steh still, Wanderer, und mach' die Ohrwascheln auf l An diesem Palast in der Prinz-Albrechstraß' kannst erkennen der Welten Lauf. Du g'scheerter Rommel meinst, dös war' ein Parlament und kein Ort für Bub'n;— Da bist aber ang'schmiert, dös ist itzo die königlich preußische Oberpolizeiwachtstub'n. Wenns nit grab Ferien hätten, könntst sehen drin Herrn gar für- nehm und g'recht. �_ Lauter wohlgeborne und christgläubige Leut', bis auf die sechs knallroten Hecht'. Die die ehr- und tugendsame Gesellschaft dadrinnen vcrschrmpster n. Bis sie der Herr Polizeiwachtmeister am Schlafitel tut'naus- expedier'«. WaS sagst Du. Kamel?— Dös wär kein fümehm und christlich Betragen? Itzo halt aber dein Maul! Ansonsten kriegt der Büttel auch dich am Kragen! Die Herrn aus der guten Kinderftub' tun da gar nit lang fackeln. Die„Göppinger Freie Volkszeitung" bemerkt unter anderem, daß Genosse Brückner mit seiner Beschwerde gegen den Beschluß der Bezirkskonferenz an die zuständigen Instanzen verwiesen worden sei. Der Kreisausschuß erläßt zu dem Plakatanschlag die folgende Erklärung: Parteigenossen des Bezirks Göppingen. In einem gestern verbreiteten Plakat wendet sich Julius Brückner gegen den von der Bezirkskonferenz am letzten Sonntag «nit Zweidrittelmehrheit gefaßten Beschluß, den Genossen G. Kinkel als Landtagskandidatcn für den Bezirk Göppingen aufzustellen. Gleichzeitig werden die Genossen, die mit der Auf- stellung des Genossen Kinkel nicht einverstanden sind, aufgc- fordert, sich einem dem Kreisausschuß zu unterbreitenden Antrag anzuschließen, nach welchem die Wahl des Landtagskandidatcn durch Urabstimmung vorgenommen werden soll. Demgegenüber verweisen wir die Genossen darauf, daß die Partcikandidatcn in ganz Württemberg, mit Ausnahme Stuttgart, in dazu einberufe- neu Bezirkskonfercnzen aufgestellt werden und auch für den Bezirk Göppingen stets in Bezirkskonferenzen aufgestellt wur- den. Die auf letzten Sonntag einberufene Konferenz fand im Beisein eines Vertreters des Landcsvorstandes ordnungsgemäß statt und besteht daher der dort gefaßte Beschlutz zu Recht. Diesem Beschluß hat sich jeder Parteigenosse zu fügen. Wer dies nicht tut.stellt sich von selbst außerhalb der Partei. Einem Antrag auf Urabstimmung könnte zudem der Kreisausschutz gar nicht entsprechen, da er dazu kein Recht hat. Mit Parteigruß: Der Kreisausschuß. Wenn sich Genossen wirklich mit einer Erklärung an den „Hohenstaufen" gewandt haben, so ist das ein skandalöses und allen iParteigrundsätzen ins Gesicht schlagendes Verhalten, das hoffent- lich bald seine Sühne finden wird. Der dritte Parteitag der sozialdemokratischen Partei Hollands fand am letzten Sonnabend und Sonntag im Haag statt. Die Partei zählt ungefähr 500 Mitglieder und bekämpft die ihrer Meinung nach zu reformistische Taktik der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands. Die Debatten des Parteitags waren größtenteils von Polemiken gegen die�S. D. A. P. und die Gcwcrk- schaflszentrale ausgefüllt. Außerdem wurde dem Parteitage ein neu formuliertes Programm vorgelegt. Henriette R o l a n d- H o l st ist aus der S. D. A. P. Hollands ausgetreten und gehört, wie man uns mitteilt, jetzt keiner politischen Organisation an. Parteilitteratur. Im Verlag der Druck- und VerlagSanstalt„Zukunft". Runge u. Co., Reichenberg(Oesterreich), ist soeben erschienen: Der Arbeiter und die Nation. Von Josef Strasser. Die Broschüre ist 64 Seiten stark, in schöner Schrift auf gutem Papier gedruckt, in Umschlag geheftet und kostet 40 Pf. Wiederverkänfer erhalten Rabatt. Die Broschüre ist zu beziehen durch die Wiener Volksbuchhandlung und durch den Verlag selbst._ poUzeUicbcs, öerichtllchee ukw. Ein charakteristischer Preßprozeß. In einem Gerichtsbericht der„Nieder rheinischen Arbeiterzeitung" in Duisburg war der Transport des zum Sprengen in der Grube benötigten Dynamits auf gewöhnlichen eisernen Grubenwagen— anstatt auf den bergpolizeilich vor- geschriebenen besonderen Holzwagen— ein„unverantwortlich leicht- finniges Spielen mit Menschenleben" genannt worden und die Hauptschuld der Betriebsleitung der Zeche„Westende" beigemessen. Nicht die Betriebsleiter der genannten Zeche, sondern die gesetzlichen Vertreter der BergwerkS-Mtiengesellschaft„Hütte Phönix' in Gelsen- kirchen, welcher Gesellschaft vielleicht ein Dutzend Gruben und Hütten, darunter auch die Grube„Westende" gehört, strengten dann Privatklage gegen den verantwortlichen Redakteur der„Arbeiterztg.", den Genossen T h i e l h o r n, an. Das Schöffengericht wies die Klage aber zurück, da die Kläger nach Ansicht des Gerichts nicht berechtigt zur Klage waren. Auf Beschwerde an die Strafkammer aber mußte das Schöffengericht doch noch der Klage nähertreten. Der als Zeuge geladene Betriebsfübrer der Zeche„Westcnde", der in dem Prozeß, über welchen die„Arbeiterzeitung" berichtete, aus- gesagt hatte,„den Leuten fehle bei der Hast, in der sie arbeiten müßten, manchmal die Zeit, die entfernter stehenden Holzwagen herbeizuschaffen", beschwor, diese Aeutzerung vor Gericht nicht getan zu haben, obwohl einer der bürgerlichen Berichterstatter, ebenfalls eidlich, das genaue Gegenteil bekundete. Als nun Genosse Thiel- Horn die Heranziehung der Akten beantragte und noch vier Zeugen für seine Behauptyng benannte, wurde diese Beweiserhebung rund- weg abgelehnt. Genosse Thiclhorn sowie sein Verteidiger erklärten darauf, daß sie auf jede weitere Verteidigung verzichteten und sich nicht mehr an der Verhandlung beteiligen würden. Und dann er- kannte daS Gericht auf 300 Mark Strafe! Und Hetzen den Bello Staatsanwalt auf die Proletenlackln. Gelt, da schaust her?— Na, geh' in ein Eckerl fein still und der- stöhlen, Bei' drei Rosenkranz', daß d i e Volksvertretung der ftf" Gottfei» beiuns mög' bald lotweise holen! Herrenhaus. O frommer Christ, mach Halt in dieser Leipziger Sündenstraßen. Alldieweil aus diesem stattlichen BeinhauS Kirchhofswinde blasen. In dieser hochadligen, zehnmal geweihten Leichenkammer Spürst du des ganzen irdischen Daseins Jammer. Auf seinem Dach rammeln Karnickel und wächst die größte Kartossel, Aber drunten ärgern sich hochedle Herren über den preußischen Stossel. Die von und zu, die schon in den Windeln zum Regieren erkoren. Winseln hier, daß die Welt so verderbt und verloren. Sie möchten gern alles wieder nach der alten Patriarchen Weise, Und hadern mit Gott und. Welt wie alle Mummelgreise. Verweile nicht lange in dieser hochfeudalen Verwesungsflur; Schlag drei Kreuze und bet' für ihr Seelenheil drei Ave nur. Ro�uissoaut m paco! Ernst. Notizen. —. MonalSblätter für Polemiki Wissenschaft. Kunst, Literatur und andere Kulturfragen" nennt sich eine neue Zeitschrift. Sie will eine Freistatt für jeden sein und er- scheint im Verlag der Monatsblättcr für Polemik, Herrenalb. Das Blatt wird zweifellos viele berechtigte Bedürfnisse befriedigen. — Kunstchronik. Französische und deutsche Graphik wird in der dritten Ausstellung der Zeitschrift„Der Sturm", Königin-Augusta-Straße 51, gegenüber der Von der Hcydtstraßc, zu sehen sein. Die Ausstellung wird Sonnabend, mittags 12 Uhr, eröffnet. — Bühnenchronik. Zwischen Rosa BertenS und Dtrenor Lantz ist ein Vertrag geschlossen worden, gemäß dem die Künstlerin ins Deutsche Schauspielhaus eintritt. — Das Belle-Alliance-Theater, das in den letzten Jahren so viele Wandlungen durchgemacht hat, darf aus Gründen der Sicherheit vom 1. September an nicht mehr zu Auf. (uhrungen benutzt werden. Vielleicht wird aber auf dem gleichen Platze ein neues Theater errichtet werden. — Eine Strindbergbiographie. die jetzt besonderes Interesse erweckt, erschien bereits vor einigen Jahren aus der Feder Hermann E ß w e i n s: Strindberg im Lichte seines Lebens und seiner Werke.(Verlag von Georg Müller in München.) Soziales. Aushebung des HilfskassengesetzeS. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht eine nach erfolgter Zustimmung des Bundesrats erlassene kaiserliche Verord- nung, die das Gesetz betreffend die Aufhebung des Hilfs. kassengesetzes vom 20. Dezember 1911 seinem vollen Umfange nach zum 1. Juni 1912 in Kraft setzt. Für unverschuldetrn Schaden haften Rollkutscher nicht. � Ein Rollkutscher klagte gestern gegen den Fuhrherrn Meißner auf Rückzahlung einer itaution von 20 Mark, die vertragsmäßig dazu dienen sollte, einen dem Beklagten durch den Kläger äuge- fügten Schaden zu decken. Im Februar o. I. war dem Klager von dem von ihm geführten Wagen eine 48 Kilo schwere Kiste gestohlen worden, die einen Inhalt im Werte von 45 M. ent- hielt. Der Diebstahl geschah am hellen Tage in der Rasenthaler Straße, während der Kläger damit beschäftigt war, einige andere für denselben Adressaten bestimmte Kisten abzutragen. Eine Person zur Aufsicht für den Wagen war seitens des Beklagten nicht gestellt worden. Der Kläger bestritt, durch schuldhaftcs Per- halten den Schaden herbeigeführt zu haben und weigerte sich, den Schaden zu ersetzen, darauf wurde er entlasien und ihin die Kaution einbchalten. Das Gewerbegericht stellte sich mit Recht auf die Seite dcS Klägers und verurteilte den Beklagten zur Rückzahlung der Kantion. Eine Kaution hafte für einen Schaden, der von dem Kautionssteller zugefügt werde. Dieser Schaden müsse aber auf einem schuldhaften Verhalten beruhen. Ein solches sei in vor- liegendem Falle nicht anzunehmen. Vielmehr liege hier die Schuld eher auf Seiten des Beklagten, der nichts unternommen habe, um den Schaden abzuwenden, was er z. B. durch die Anstellung einer Aufsichtsperson, eines sogenannten„Rollmops", hätte tun können._ Zum Kommunalwahlrecht. lt-as Oberverwaltungsgcricht entschied am 21. d. M. in einer Verwaltungsstreitsache: 1. Ein Wahlvorstand ist auch dann voll besetzt, wenn eines seiner Mitglieder seine Stimme abgibt; auch während der Stimmabgabe bleibt das Mitglied vollbefugtes Mitglied des Wohlvorstandes. 2. In der Zugehörigkeit eines Wahlkandidaten zum Wahlvorstand liegt keine Wahlbeeinflussung. Der beleidigte„Leipziger Verband". Mit der bekannten Beleidigungsklage des Leipziger Verbandes der Aerzte Deutschlands gegen den Redakteur Kemptens von der „Rheinischen Zeitung" und den Arzt Dr. H. Baum, beide in Köln, hat sich jetzt das Oberlandesgericht in Dresden befaßt. Gegen das Urteil des Schöffengerichts Leipzig, das vom Landgericht Leipzig bestätigt wurde und das Dr. Baum zu 200 M., Kemptens zu 150 M. Geldstrafe wegen Beleidigung der beiden Vorsteher des Leipziger Verbandes, Dr. Hartmann und Dr. Götz verurteilte, hatte nur Dr. Baum Revision eingelegt; trotzdem hob das Ober- landeSgericht das Urteil auch bezüglich des Redalteurs auf, und Klvar mit folgender Begründung: „Von beiden Angeklagten war der Einwand erhoben worden, baß sich der hier in Frage kommende Artikel nicht gegen die Leipziger Führer des Leipziger Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen, sondern gegen die Kölner Hauptvertreter des Verbandes richte. Dieser Einwand ist vom Berufungsgericht mit folgender Erwägung zurückgewiesen worden:„Maßgebend für die Beurteilung kann immer nur die Tat sein, wie sie sich in der äußeren Sinnenwelt darstellt, nicht aber, welche Vorstellung im Innern der Täter damit verbindet. Unter„Matadoren" des Leipziger Verbanoes, dem„Klüngel", konnte aber jeder unbefangene Leser nur die Leipziger Verbands- führer, die jetzigen Privatkläger, verstehen. Die Angeklagten müssen das auch erkannt haben, selbst..wenn sie andere Personen gemeint haben sollten".— Demgegenüber ist zu bemerken, daß der letzte Satz zum mindesten Zweifel darüber aufkommen läßt, ob hier nicht der Vegriff des Borsatzes verkannt worden ist. Das Vergehen der Beleidigung kann nach der ihm im Strafgesetzbuch gegebenen Gestaltung nur vorsätzlich, nicht fahrlässig, begangen werden. Der Täter muß demnach gewußt und gewollt haben, oaß sich die ehrcnkränkende Kundgebung gegen diejenigen Personen richtet auf die sie ihrer äußeren Erscheinung nach bezogen werden muß. Das bloße Wissenmüssen von dieser Wirkung seiner Hand- lungsweise ist für sich allein noch nicht ausreichend, die Straf- barkeit de? Täter? zu begründen, da sonst an Stelle des Vorsatzes die Fahrlässigkeit treten würde. Sefbstverständlich ist aber auch bei der Bcleioigung der Eventualdolus möglich. Das BerufungS- gcricht hätte, wenn es etwa einen solchen bei den Angeklagten in bezug auf die Privatkläger hätte annehmen wollen, dies beut- lich zuin Ausdruck bringen und zugleich die Umstände näher dar- legen müssen, worauf sich diese Annahme gründet. Hierzu lag für daS BerufungSgerickt um so mehr Veranlassung vor, als der Haupteinwand der Angeklagten gerade darin bestand, daß nicht die Leipziger, sonoern die Kölner Führer des in Rede stehenden ärztlichen Verbände? von dem Artikel getroffen werden sollten. In dieser Richtung machen sich also noch weitere Erörterungen nötig.... Nach alledem war der vom Angeklagten Dr. Baum eingelegten Revision mit Rücksicht auf die für uns begründet erachteten Rügen stattzugeben und zu seinen Gunsten die Aufhebung des Urteils wegen Gesetzesverletzung bei Anwendung des Strafgesetzes aus- zusprechen. Da sich jedoch das Urteil, soweit es hiernach der Auf» bebung verfällt, wegen des auf den Borsatzbegrisf bezüglichen Ncchtsirrtums des Berufungsgerichtes auch auf den Mitangeklagten Kempkens, der die Revision nicht eingelegt hat, erstreckt, so war auf Grund von a 307 der Strafprozeßordnung so zu erkennen, als ob dieser gleichfalls die Revision eingelegt hätte, d. h., es war daS Urteil auch ihm gegenüber aufzuheben.(Vergl. Löwe, Anm. 5 zu 8 307 der Strafprozeßordnung.) Gleichzeitig mit dem Urteil waren die ihm zugrunde liegenden Feststellungen aufzuhetzen(§ 393 der Strafprozeßordnung); auch war die Sache zur anderweitigen Ver. Handlung und Entscheidung an das Landgericht Leipzig zurück- zuverwcisen(K 394 der St rafprozeßordnung)." Außerdem entschied das Oberlandesgericht, daß daS llrteil auch insoweit ungesetzlich ist, als Dr.' Baum wegen Beleidigung des Dr. Götz verurteilt wurde; denn Dr. Götz hat gegen Dr. Baum gar keinen Strafantrag gestellt; wie auch, was das Urteil feststellt, das Hauptverfahren in dieser Beziehuna gar nicht eröffnet worden ist._____ Hus InduTtric und DandeL Steigerung der Großhandelspreise. Die Teuerung hält in Deutschland:rotz der gegenteiligen ver- sicherungen der Reaktion weiter an. Soeben veröffentlicht das Kaiserlich Statistische Amt eine Uebersicht über die Großhandels- Kreise wichtiger Waren im April diese» und des Vorjahres. Auch im Auslände sind Preiserhöhungen gegen daS Vorjahr zu konstatieren. Aber die Preise stehen wesentlich niedriger als in Deutschland. Für Weizen wurden hier 204—247 M.(meist etwa 230 M) gezahlt. Dagegen wurden in Wien nur 180 M., in Budapest 175 M., in Antwerpen 180 M., in Paris 179 M., in London 178 M. notiert._ Schwedisches Vieh in Berlin. Die ersten zehn schwedischen Kühe sind gestern ans dem Berliner Sckilnchthof zur Schlachtung gelangt, nachdem sie die vorgeschriebene Frist in der Ouarantäueaiistalt in Saßnitz zur Beobachtung gestanden hatten. Die Rinder trafen, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" berichtet, vormittags per Bahn auf dem Schlachtho? ein und wurden indem neuerbauten Schlackithaus sofort abgeschlachtet. Bei der Fleisch- beschau wurde eine Leber beanstandet. Das Fleisch der Tiere war von guter Durchschnittsqualität. Die internationalen Oelmüller. Es sind erst wenige Monate her. daß die Ocffentlichkcit von einer internationalen Vertrustungsarbeit in der Oelproduktion zu bören bekam. Die Baumwollsaatölfabrik Thörl G. m. b. H. in Harburg, eine der bedeutendsten deutschen Oelmühlen, hat Anschluß an die Morganinteressen gefunden, die darauf hinauslaufen, die wichtigsten deutschen und amerikanischen Oelmsihleninteressen zu konzentrieren. Morgan-Thörl gründeten daraufhin die Wessonöl-Vertriebsgesellschaft in Hamburg. Jetzt kommen Nachrichten von einer allgemeinen Verbrüderung der Oel- mühlcnbesitzer. ES handelt sich dabei um die Gründung eines Internationalen Komitees zur Wahrung der Interessen der europäischen Oelmüller. Dieser Öelmüllerorganisation gehören bis jetzt schon die Landesverbände Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Holland, Oesterreich- Ungarn, Dänemark, Schweden, Norwegen und Italien an. Jnter- essant ist dabei, daß die gewichtigen amerikanischen Interessen sich nicht in die internationale Öelmüllerorganisation gefunden haben. Tie neue Gemeinschaft richtet sich mehr gegen die Saatveckäufcr, die ihre Macht gründlich auszunutzen verstehen; Indien und Amerika kommt dabei in erster Linie in Betracht. Der erste Vor- sitzende der internationalen Oelmüllervereinigung ist Kommerzien- rat Herz, der dem Verbände der deutschen Oelmühlen vorsteht. Besonders interessant ist, daß die internationale Vereinigung sich gegen Strcikgefahren schützen will. Sie hat vorläufige Be- stimmungcn festgelegt, nach denen Streiks als„höhere Gewalt" gelten sollen. Auf diese Art hofft man etwas ruhiger SeemannSstreiks oder Hafenarbeiterausstände ertragen zu können. Es ist natürlich lächerlich, einen Streik, der oft genug durch die Unternehmer direkt-provoziert worden ist, als höhere Gewalt im Sinne der internationalen Handelsgesetzgebung aufzufassen. Vor. läufig ist eine hohe juristische Autorität Englands dabei, die Klausel so zu gestalten, daß sie gesetzlich allgemein anerkannt werden kann. Die Arbeit wird ihr schwer fallen, Waren und Plätze Roggen(Berlin)... Weizen... Hafer... Futlergerste«Bremen). Epeijekartoffeln(Stettin) Ochsen(Berlin)... Schweine.... Kälber.... Hammel„... Butter Neue Bücher. Textbücher zu Studien über Wirtschaft und Staat. Herausgegeben von I. Jastrow. Bd. 1: HandelSpolikik. 3 M. (Berlin 1912, G. Reimer.) Die Sammlung soll vornehmlich akademischen Unterrichtszwecken dienen. Für unsere Studenten, die zum Examen von allem etwas wissen müssen, mögen die Auszüge und Proben aus Schriften von Adam Smitb und Fr. List, auS Zolltarifen, Handels- und Schiffahns- Verträge». Handelsstatistiken nebst ein paar Brocken aus Reden Bis- marcks, Caprivis, Ehamberlains, o»S dem konservativen Agrarischen Handbuch und Eugen Richters A-B-C gerade recht sein. Zum Studium, zum lieferen Eindringen in handelspolitische Fragen ist die Be- Handlung einer Frage oder eines Aktenstückes im Zusammenhang und von einem theoretischen Standpunkt auS viel geeigneter. Für den, der die handelspolitisch« Entwickelimg des 19. Jahrhunderts be- reits kennt und zu der Jastrowschen Schrift als einem Quellen« und Nachschlagebuch greift, wird manchen Hinweis zur Orientierung finden. E. M. D i e deutschen Roheisensyndikate in ihrer Ent» Wickelung zu einem allgemeinen deutschen Roheisenverbande. Von Dr. August HillringhauS.(Leipzig, Duncker u. Humblot, 1912. 115 Seiten. 3 Mark.) Die Studie— ein Sonderabdruck aus Schmollers Fahrbuch, 35. Jahrgang— schildert im wesentlichen rein chronologisch die EntWickelung der Roheisensyndikate, für die eine Möglichkeit erst durch den Zoll von 1879 in Höhe von 10 M. und die Einführung de? Thomasverfahrens(Goivinnung von phosphorfreiem Eisen auch aus phosphorhalftgen Erzen; Verwendung der phosphorhaltigen Schlacke als Düngemittel) entstand. Die Schwierigkeiten für die Aufrcchterhaltung der Syndikate bestanden in dem Gegensatz zwischen reinen und gemischten Werken und in der Konkurrenz von Außenseitern, insbesondere von neuen Werken an der Wasser- kante mit ihrem Erzbezug aus Skandinavien. Der Verfasser be» trachtet die Vorgänge ausschließlich vom Produzentenstandpunkte der Roheisenindustrie._ E. M. „Der Arbeitsmarkt". Monatsschrift de? Verbandes Deutscher Arbeitsnachweise.— Nr. 8 des laufenden 16. Jahrgangs ist als Sondernummer für Arbeitsmarkt- und AibeitSnachweis- S t a t i st i k ausgestaltet Aus dem Jnbalt heben wir hervor: Zur EnifÜhrung. — Zur Methode der ArbeitSmarkistattstik vom Standpilnkte des einzelnen Arbeitsnachweises. Von Dr. Rudolf Mecrwarth-Karlshorst- Berlin.— ArbeitsnachweiSstalistik und Arbeitsniarkl. Von Dr. Job. Feig-Charlottenburg-Berlin.— DieJndividuenstattstik auf dem Arbeits- markt. Von Prof. Dr. Misibler-Wien.— Die ArbeilSmarktstatistik im ReichSarbeitsblatt. Von Dr. I. Rothholz-verlin.— Zur Ber- vollkommung der Statistik der öffenllichen Arbeitsnachweise. Bon F. Lauer-Freiburg i. Br.— Die ArbeilSmarktstatistik im Dienste der Berufswahl und Berufsberatung. Von!Dr. Hellmuth Wolff- Halle.— lieber QualitätSsiatistik. Bon G. Zucker-Charlottenburg. — Die Statistik der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung in Bayern. Von Dr. R. v. Valta-München.— MeinungSverschieden- heiten auf dem Gebiete der Arbeitsnochweisstatistik. Bon Dr. Erd- mann Graack-Dresden.— Die Müiichener ArbeuSlosenzählung am 11. Februar 1912. Von Dr. W. Klose-München. Die einzelne Nummer kostet 80 Pf., der ganze Jahrgang 3 M.(Verlag G. Reimer, Berlin)._ Hus der frauenbewcgung. Jahrbuch der Frauenbewegung 1912. Im Auf« trage des Bundes deutscher Frauenvereine herausgegeben von Dr. Elisabeth Altmann-Gottheiner.(Teubner; 3 M.) Jahrbuch der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland, so müßte der richtige Titel der Schrift lauten. Zwar werden die Vor- gänge innerhalb der proletarischen Frauenbewegung ebenfalls mit hineingezogen, aber auf beinahe verschwindendem Raum, der zu dem Umfang und der Bedeutung unserer Bewegung in keinem Verhältnis steht. Davon abgesehen bietet dos Jahrbuch auch unseren Genossinnen eine gute Uebersicht über die Organisationen und die Ziele der bürgerlichen Frauenwelt, deren sämtliche, Richtungen" ver» treten sind. Die Satzungen des Internationalen Frauenbundes mid des Biliides deutscher Frauenvereine sowie die Namen und Adressen aller wichtigen Verbände und Bereine sind abgedruckt. Eine Chronik der inlernationalen und der dautslhen Frauenbewegung im Jahre 1910/11 berichtet gut über alle wissenswerte Vorgänge. Die Kapitel: Der Stand der Frauenbewegung, die Frau im öffentlichen Leben nnterrichten über Fortschritt oder Stillstand der Gleichheits- beftrebllngen vom Standpunkt bürgerlich-fortschrittlicker Frauen aus. Unter„Die Frau im Berufslebeu" iverden die Ergebnisse der letzten Berufszählung übersichtlich dargestellt und dabei die reaktionären Forderungen nach handwerksmäßiger Ausbildung der Frau in den Bordergrund gestellt. Die Reichhaltigkeit objektiver Angaben wird durch eine Uebersicht über die Frauen- literatur des letzten Jahres vermehrt. Den Schl< bilden zwei mehr literarische Beiträge. Gertrud Bäumer rechnet in treffenden Einzelbemerkungen mit der„Psychologie der Gegner" ab, und Jka Frendenberg fordert einen ästhetischeren„Stil unsere» öffentlichen Lebens". Als Nachscblagebuch leistet das Jahrbuch, das erste des Bundes, gute Dienste. Bei den nächsten Jahrgängen werden die Herausgeberinnen hoffentlich nicht versäumen, wenigstens ein Snch- register, wenn möglich aber auch Namen- und OrtSregister. einzu- fügen. Das würde die Brauchbarkeit des Buches erhöhen. E. M. Gerichts- Zeitung. Streikende— Landfriedensbrecher. Ein sogenannter Landfriedcnsbruch mit 13 Angeklagkcn be» schäftigte am Donnerstag die Strafkammer in Halle a. S. Ge- legentlich des Streiks in dem Portland-Zementwcrk„Saale", A.-G., in Grünau soll sich eine Angahl Arbeiter am Abend des 31. Juli vorigen Jahres öffentlich zu einer Menschenmenge„zusammen- gerottet" haben, die„mit vereinten Kräften" gegen Personen und Sachen Gewalttätigkeiten begangen habe. Die Fabrikdirektion hatte am erwähnten Tage 40 neue Arbeitswillige in einem Eisenbahn- wagen auf einem?Inschlußgeleisc unmittelbar nach der Fabrik über- führen lassen. Der Transport wurde von Streikenden, die die Arbeitswilligen von ihrer elenden Lage unterrichten wollten, be- gleitet. Als dann bei Eintritt der Dunkelheit ein Hamburger Ar- beitswilligenagent in einem Automobil abfuhr und die Arbeits- willigen, mit Knüppeln, Eisenstücken usw. bewaffnet, einen„Aus- fall" auS der Fabrik unternahmen, soll seitens der Personen, die sich zu Hunderten angesammelt hatten, mit Steinen geworfen war- den sein. Von beiden Parteien wurde geschossen; jedoch wurden Personen nicht verletzt. Im Psörtnerhause wurden aber eine An- zahl Scheiben zerstört. � � Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Panse? die Anklage vertrat Staatsanwalt San und als Verteidiger wirkten die Rechtsanwälte Dr. Müller-Halle und Genosse Heinemann-Bcrlin. Die Angeklagten beschweren sich über sclffechte Behandlung in dem Werte vor dem Streik. Der Direktor habe sie mit Schimpfwonten belegt, nicht einmal den Wunsch nach einer Waschgelegenheit«rftHO' und die Lohnvcrhältnisse seien sehr traurig gewesen. In der Beweis- aufnähme, zu der 45 Zeugen aufgeboten waren, erklärte der Dt- rektor, er habe den Streik als eine„Machtprobe" angesehen. Zu- geben mußte er aber, daß er einen Arbeitswilligen, der im Betriebe mit einem Revolver hantierte, sofort entlassen habe. Wachtmeister Gunthner bekundet, daß er seine liebe Not aebabt habe, die bewofs-. neten Arbeitswilligen in dem Betriebe festzuhalten. Mehrere Zeugen äußerten sich über provo?ntorische9 Austreten der ArdeitAtvilligen. — Da? Urteil lautete gegen drei Angeklagte auf je acht Monate. gegen einen Angeklagten ans fünf Monate, gegen sieben Angeklagte auf je vier Monate und gegen einen Angeklagten sjngendlicbl aus zwei Monate Gefängnis. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. ES kennzeichnet unsere RechtSverlsiiltnisse hinreichend, daß nicht die mit Schießprügeln. Knüppeln und Eisenftangen bewaffneten Arbeitswilligen angeklagt sind._ Opfer des Aberglaubens. In daS Reich de« krassesten Aberglaubens ftihrte eine VerHand- hing, welche unter Vorsitz des AmtsgerichisratS Bennewitz das Schöffengericht Berlin-SchöneOerg beschäftigte. Angeklagt wegen Betruges war die Zigeunerin Emma Braun. Die Angeklagte betreibt einen Handel mit Seife, welchen sie aber offenbar nur als Deckmantel benutzt, um auf diese Weise an den Türen der Hinteraufgänge die Bekanntschaft von Dienstmädckien zu machen und bei diesen durch„Wahrsagen Geld zu verdienen. Eines Tages machte die Braun die Bekanntschaft eines Dienst- Mädchens B.. welches bei einer Herrschaft am Kurftirstendamm in, Stellung war. Die Angeklagte mußte wohl bald gemerkt haben. daß die B. ein mehr wie naive» Gemüt war. denn sie benutzte den Aberglauben der B. dazu, um sie gehörig auszuplündern. Sie teilte� ihr auS den Karten und aus den Handlinien mit, daß sie von einem schweren und vielleicht unheilbaren Leiden befallen werde, da sie den„Leibhaftigen im Leibe" habe. Die zu Tode erschrockene B. bat die Zigeunerin inständigst, sie von dem„bösen Geist" zu befreien. Die Angeklagte gab ihr einen mit mehreren Knoten versehenen Wollfaden in die Hand, mit der Anweisung, die Hand fest zuzu- halten. Während die B. die? tat. sprach die Zigeunerin tinter An- Wendung aller möglidher geheimnisvoller Zeichen eine VeschwörungS- formel aus. Wie die B. vor Gericht als Zeugin bekundete, wären in demselben Augenblick die Knoten an dem Wollfaden verschwunden gewesen. Im Anschluß hieran fanden in den folgenden Tagen noch mehrere ähnliche„Besprechungen" des„bösen Geiste»" statt, die aber nach Angabe der Angeklagten noch nicht wirksam genug waren, um den Teufel auS ihrem Leibe heraustreiben. Sic erzählte, daß die einzig wirksame Kur darin bestehe, daß sie ihr gesamtes Geld, welche» sie im Hause habe, in ein altes Hemd eingewickelt in der „Geisterstunde" an einem Kreuzwege niederlegen müsse. Die V. willigte auch ein und erschien, ihre Ersparnisse von 00 M. vor- schristSmäßig eingewickelt, an einem Kreuzwege im Grunewald, wo sich auch die Angeklagte eingefunden hatte. Die B. mußte sich auf Anordnung der Angeklagten setzen und dann zehn Minuten gerade- aus sehen, während sie selbst, allerlei sonderbare Zeichen machend, um sie im Kreise herumging. Nach einiger Zeit wurde es still; die B. sah jedoch trotzdem krampfhaft geradeaus. Nachdem sie diese interessante Beschäftigung längere Zeit hindurch fortgesetzt hatte, wurde ihr dies allmählich etwas langweilig. Als sie sich endlich nach der Angeklagten umdrehte, war diese samt den eingewickelten 00 M. verschwunden. In ähnlicher Weise war auch ein Dienstmädchen H. von der Angeklagten um 34 M. betrogen worden. DaS Gericht erkannte nach längerer an humoristischen Zwischen- fällen reicher Verhandlung gegen die Betrügerin auf 3 Monate Gefängnis. Ein beschämendes Zeichen für unsere miserablen Schulzuständc. insbesondere auf dem Lande, ist es, daß solch Aberglauben no>i möglich ist. Die DreiklassenwahlrechtSanhängcr gehörten als Lei- Helfer der betrügerischen Zigeunerin auf die Anklagebank. Eingegangene vi-uckfckrifren. «lrme Sünder. Die Geschichte eine» Fürsorgezöglings. Roman von F. Freih. o. Sienglin. 3 M„ geb. 4.20 M.— Hinter Schloß und Rirool. Von I. Schiwet. 3 M„ geb. 4,20 M. Vita, Deutsches VerlazShauS, G, lotlenburg, Hardenbergstr. 14. ßrlefhaften der Kcdahtlon. Am heutigen Tonnabend fäUt die juristische Sprech- stunde aus. W. B. 25. 1. Ja. 2. u. 3. Militärpaß sowie Geburtsurkunden; die letzleren sind beim Standesamt zu erhalten.— P. St. 100. Ob ein Verschulden und damit eine Eriadpslicht der Gemeinde oder des die Anffiait führenden Lehrers vorliegt, läßt Ihr Schreiben nicht erkennen.— F. 31. 100. Sic baden Anspirich aus volles Gehalt bis zur Dauer von sechs Wochen.— I. 13. Trotz der Nichtanmeldung find Sic Mitglied der Kalle. die jür den Betrieb des Fuhrherrn zuständig ist. geworden. Wenden S c sich an dieselbe.— E. H. 100. 1. Ja. 2. Nach 5 Jahren.— K. t. 100. Mündliche Kündigung ist zulässig, falls im Vertrage— der wahrscheinlich auch über die KiindigungSsrstt sich ausläßt—, nichts anderes bestimmt ist. — 1000. R. Tch. Der Unfallzuschuß ist vom Beginn der sünsten Woche ab zu zahlen. Wenden Sie sich an die Krankenkasse.— A. B. 7. Ter Anspruch erscheint undurchführbar.— R. 55. 1. Reichen Sie bei dem Vorsitzenden der VcranlagmigSlommljfion einen Antrag ein. 2. Wenn weder im Antrag, noch in de» Berlicherungibedingungen eine enisprechende Bestimmung enlbalten ist: nein.— 5t. D. 101. Ein Monat, vom Tage der Urlcilszuftellung gerechnet. Die Berufung ist aber nur zu- lässig bei Objekten von mehr als IM Mark.— M. 40. P. 80. Nein. — I. B. 873. 1. u. 2. Ja.— Wanva 1903. 1. Die Schenkungen sind an sich zulässig, jedoch, falls und soweit das Pflichtteilsrecht von Pflicht- teilsberechtigten Erben verletzt ist, anfechtbar. 2. Ja, sofern fünf Jahre verstrichen oder neueZ VerNtZgen erworden ist.— P. 5t. 10. 1. So lange Ihnen nicht der ordnungsgemäß hergestellte Oberteil abgeliefert ist, sind Sie zur Weiterzahlung nicht verpflichtet. Teilen Sie dem Rechtsanwalt den Sachverhalt mit. 2. Erst nach dem Tode der Mutter.— G. G. 19. 1. Nein. 2. Ja.— G. L. 101. 1. Das Einkommen der Frau ist wegen der veränderten Umstände nicht veranlagungssähig. Teilen Sie der Steuer- behörde den Sachverhalt mit. 2. Nein, wohl aber etwaige Zinsen. 3. Die Mehrkosten wären adzngssähig.«. I« der Regel nicht.— I. F. 76. Nein. — P. L. 179. 1. Ja. auch noch für das Kalenderjahr 1913- 2. Ja. 3. Es kann Zwangsvollstreckung erfolgen.— H. K. 23. Nein- — M. R. 233. Können wir auch nicht enträtseln.— H. R. 158. Die mündliche Abmachung ist rechtsgültig. Die Eltern erscheinen nicht haftbar. Die Elnbehaltung der Sachen ist zulässig, soweit es sich nicht um u n. entbehrliche Sachen handelt.— A. F. 14. Sie sind im Irrtum. Pfingstwein„Santa Lucia" Kraft-Rotwein nl50«, 2' ISO Fl. B und, Nachahmungen, bitte, zurCekweloen. Käuflich In Apotheken, Drogerien und Oelikatees- Oeiohäftolf. Als Verlobte empfehlen sich! Zlai-tlia Heuer Paul Kriigel. Berlin im Mai 1912. 70A © Unserem lieben alten Freund Ä und Parteiveteran 30A D tteinrieli Pose � nebst seiner treuen Gattin U Julie � »u ihrer Goldenen Hochzelt C die herzlichsten Elückwünsche. G vi» Genossen u. Genossinnen Bezirk 578,579 7. Abteilung VI. Kreis. ö Bohnsdorf bei Grünau, Genossenichastsbänser. Danksagung. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten, sowie der Metallarbeiter- Krankenfasse, dem Wahlverein, dem Sparverein, dem Metallarbeiterver- band, den Kollegen der Firma Neu- mann u. Rechlin, den Lehrlingen derselben Firma, dem Gesangverein der Glasarbeiter, sowie dem Genossen W. Schulze für die tiefgefühlte Teil- nähme bei dem Begräbnis meines lieben Mannes und guten BaterS, des Schlossers 72a KsrI Schwarz sagen wir unseren herzlichsten Dank. Witwe Sophie Schwarz Max Schwarz, als Sohn. Rummelsburg, Mozartstraße 1. Dr, Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,«tÄ 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4 Sommerpreise. Oegr. 1893. Oegr. 1893. K 1. B. ROCH X Hohlen- und Brikett-Großhandlung Hauptkontor; Berlin 0. 84, Petersburger Straße 1. Telephon; Amt KOnigstadt, 3040 und 3096. Lagerplatz 1: O. 84, RDdcrsdorfer Str. 71(KOstriner Plate, altOstb.). 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Sterbegelder.... 6. Kur- u. Verpflegung;- kosten an Kranken« anslalten..... 7. Ersatzleistungen für gewährte Kranken-Unter- stützung an andere Krankenkassen... 1 665.78 3. ZurückgezahlteBeiträge und Eintrittsgelder. Für Kapitalanlag.(Zu- sührungen zum Re- servefonds) Mk. 11044.80 2 000.00 43.13 9. LI 347.32 1765.00 1 981.60 16 111.26 7817.56 117.00 8 648.02 8 782.82 2 629.45 690.43 11. Sonstige Ausgaben_ 12. Summe der Ausgaben 77 926.29 «) Abschluß. Summe der Einnahmen........ 81 847.32 Mk. Summe der Ausgaben........ 77 926.29 Mithin Kassenbestand am Schluß deS Rechnungsjahres 1911 3421.03 Mk. 2. Vermögeosnachweis für den Schluß des Rechnungsjahres 1911. A. Das Gesamtvermögen der Kasse setzt sich wie solgt zusammen: 1. Aktiva: Mk. a) Der Bestand für den Schluß deS Rechnungsjahres 1911 laut vorstehendem Abschluß........... 8 421.03 b) Im Reservefonds(Sparkassenbuch)........ 56 732.75 Summa.... 60153.78 1 Passiva: Nicht vorhanden. Hiernach beträgt der Uebcrschuß der Aktiva...... 60 163.78 Nach dem vorjährig. Abschluß beträgt der Ueberschuß der Aktiva 66 143.71 Ergibt gegen das Vorjahr an Ueberschuß der Aktiva mehr 4 010.07 8.. 1. Zum Reservefonds gehören nach den stattgesundenen Ueberweisungen.............. 56 732.75 Nach dem vorjährigen Abschluß betrug der Reservefonds 65 084.73 Ergibt gegen das Vorjahr an ReservesondS me?r 2. Als Betriebsfonds verbleiben der Kasse: a) Än bar b) In Bankeinlagen. Insgesamt Zehlendors, den 20. Mai 1912. 276/2 J. Krekeler, Vorfitzender. 1648.02 421.08 8 000.00 3 421.08 Fordern Sie bei Ihrem Pflngsteinkauf die Dadurch unterstützen Sie die Tabak- :: arbeitergenossenschaft Stuttgart:: Hanptvertretep für Berlin and Brandenbars: Fant Borsch, Engelnfer 15. Auf Kredit ca. 300 Anzfl$e,KostQine, Kleider onSHark Anzahlung Komplette Wolmungs- Einrichtungen, einzelne Möbel, bunte Köchen, Polsterwaren, Teppiche NEUKÖLLN Hermannstr. 257, Berliner Str. 1 t-Arnold. 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Für den Jnjeratenieil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Lorwärts Luchdrülferei u. Be rlagSanstalt Paul Singer u. To, Berlin LW. Kr. 120. 29. Jahrgang. 2. Mm des Junrötts" Kerlim WldsdlÄ Sonnabend, 25. Mai l912. )ugenäbe�egung. JnnungSmeiftcr im Dienste der Jugendpflege. Die Handwerkskammer zu H a n n o v e r hat an die Vorstände der in ihrem Bezirk bestehenden-Innungen ein langes Rundschreiben gesandt, in dem eingangs auf die Bedeutung der staatlichen Jugend- pflege hingewiesen und an alle Jnnungsvorstände»das dringende Ersuchen" gerichtet wird, die Jnnungsmirglieder zu veranlassen, sich tarkräflig dieser Jugendpflege zu widmen. Die Handwerksmeister sind gewist die geeigneisten Helfer der staatlichen Jugendpflege, deren Zweck und Ziel es ist, die jungen Arbeiter zu willigen Ausbeutungsobjekten zu erziehen. Wir be- zweifeln aber stark, ob der Lehrling das Bedürfnis besitzt, sich in seiner freien Zeit von seinem Meister, der ihn tagsüber ausgenützt hat, noch„pflegen" zu lassen. In dem Rundschreiben heistt es weiter: „Ferner wollen die Jnnungsvorstände dafür Sorge tragen, dast alle Mitglieder geschlossen ihre Lehrlinge diesen auf nationalem Boden st ehe n den Organi- s a t i o n c n z u s ü h r e n. Es kann hiergegen eingewendet werden, dast Lehrlinge während ihrer Lehrzeit keinem Verein angehören sollen. Wir bitten aber zu bedenken, daß es sich nur um Ver- einigungen handelt, die die nationale Ge sin- n u n g in den Jünglingen aufrechterhalten und stärken sollen. Lehrlinge, die ohne besondere Veranlassung von der Beteiligung an nationalen Jugendvereinen zurückgehalten werden, sind später um so leichter geneigt, sich der staats- und Handwerks- feindlichen Sozialdemokratie anzuschließen. Wir beobachten es fast täglich, wie die Sozialdemokratie sich keine Mühe verdrießen läßt, gerade die Lehrlinge offen oder heimlich an sich heranzuziehen, um später bei den Wirtschaftskämpfen auch gegen da? selbständige Handwerk' auf ihre Mithilfe zählen zu können. Diesen Bestrebungen kann das Handwerk heute noch erfolgreich entgegentreten, wenn es die nationale Jugendpflege in der angegebenen Art kräftig unterstützt. Wir möchten empfehlen, Lehrmeister und Lehrlinge schon bei der Einschreibung hierauf nachdrücklich st hinzu- weisen. In größeren Orten könnte man den Lehrlingen ein Verzeichnis der nationalen Jugendvereine in die Hand geben." Wie schnell da unsere Herren Jnnungsmeister umgelernt haben'. Als die proletarischen Jugendvereine ihre Agitation entfalteten, protestierten sie im Brustton tiefster Entrüstung gegen die angeblichen Eingriffe in ihre gesetzlichen Erzieherrechte. Kontraktlich wurde den Lehrlingen die Teilnahme an den freien Jugendorganisationen verboten. Jetzt verzichten die Meister freiwillig auf das ihnen sonst so wertvolle Erzieherrecht. Freilich: diesmal handelt es sich um keine freie Jugendorganisationen, sondern um sogenannte nationale Jugendvereine. Sogar zwaDswxise sollen die Meister ihre Lehrlinge den der arbeitenden Jugend so verhaßten„nationalen" Vereinen zu- treiben. So wenig der mit dem Lehrvertrag geführte Boykott der proletarischen Jugendbewegung dieser geschadet hat, so wenig wird die von den Lehrmeistern verlangte Zwangsmitgliedschaft der Lehr- linge in nationalen Jugendvereinen diesen nützen— das heißt, wenn die A r b e i t e r e I t e r n besonders beim Abschluß von Lehr- vertragen aus dem Posten sind. WitterungSübersicht vom 2�. Mai ISIS. Ü-*. Iii S 13 11 7 11 Wetterprognose für Sonnabend, den SS. Mai ISIS. Ein wenig wärmer bei mäßigen nordwestlichen Winden mit änderlicher Bewölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r l u r e a u. ver- Achtung: Hewllligte Friseiirgeschäft©. Achtung: Ackerstr. 29, Klogner Ackerslr. 81, Welk Adolsitr. 18, eupplct) Adalbertstr. 64. Eckert Adalbertsln 98, Echmalisch Adalbertstr. 96, Grund Adiniralstr. 36, Sworowski All. Moabit 35, Plew. Anklamer Str. 51, Milde Antwerpencr Str. 7, Pauli• Arndtslr. 22, JlnoII Barsusjlr. 9, Strebmel Beljorler Str. 8, 2au Bcllermannstr. 88, Müller Berlichingenslr. 6, Reihe Bernauer Str. 18, Koich Beuiselstr. 8a, Bormann Beusselitr. 47, Hasielbarth Beußelilr. 80, Peters Beuffelstr. 84, Risler Biankenfelder Str. 13, Ncumann Blumcnstr. 54, Toep'er Blumcnstr. 64. Drößler Bödikcrftr. 3. Stephan Boeckhslr. 50, Hanne Bornemannstr. 4, Dirschka Bopvslr. 8, LieKnian Böltgcrjtr. 2, Münzbcrg Bophagcucr Str. 2>, Berger Borhagener Str. 31», Anders Borhagcncr Str. 42, Schuster Breslaucr Str. IIa. Strocka Britzer Str. 14, Schreiber Brunncnstr. 42, Wirth Brüsseler Str. 43, Klappstein Burgdorfslr. 4, Kaminski Butlmannstr. 8, Knuth Eadincr Str. 8, Scholz Cadiuer Str. 17, Fröhlich Cadiner«tr. 21, Jurlat Earmen-Shlvastr. 153, Döhring Canuauilr. 14, Reiter zEhoriner Str.' 6. riucas Ehoriner Str. 28. Bunge Chrisiianiastr. 124, Lang»« Ehrisiineuslr. 26, Schilling Chrislineustr. 35. Schmidt öuvrlsttr. 8. Böhm Cuvrystr. 35. Rosenthal Cuvryslr, 23, Rcinickc Cuvrystr. 41, Schröder Czarnikaucr Str. 8, Baumann Danziger Str. 31, Zickcrt Diefscnbachstr. 30, Feierabend Driesener Str. 7. Nissel Drieiener Str. 11, Tonnisch Drontbcimer Str. 20, Maniewski Dunckerftr. 4. Litlmann Duiickcrstr. 11, Braatz Ebelingstr. 16, Bogel Ebertystr. 42, Scholle Cbertyjtr. 47. Drcchsel Elbiugttstr. 6, Riedel Elbingcr Str. 18. Neuincister Emdener Str. 10, Klatsch Engel:,'« 4a, Krüger Engeluier 17, Prenzel Eyerzierstr. 2a, Jacob «xerzicrilr. 11, Koch Raldcnftchiftv. 20, Zachwei RalcfeiiftcinfU. 43, EhmstewSN Kein bcüinfr Str. 26. Moritz Fehrocllincr Str. 40/41, Slrcbclow Fcnnstr. 32, Schmidt- Forstcrstr. 2, Witt Forstcrslr. 41, Schweitzer Forsterstr. 43, Gand Frcicmualder Str. 4, John Fricdrichsberger Str. 5. Rocker Friedcnltr. 38, Bcdnarck Fruchlsw. 4, Gcelhar F'.uchtslr. 50, Wille Füislcnbcrgcr 12. Stier Friedrichssclder Str. 31, Fleischer Gartenslr. 54, Kappe Gartenstr. 60, Kirchner Gaudnitr. 12, Kamarsli Gclichtstr. 19. Engel Gcrichlstr. 46. Frcihub« Gcrichlstr. 80, Schilling Gerichtstr. 82. Eickhoff Glcimstr. 2. Ankiam. Glogaucr Sir. 18, Nehrke Glogaucr Str. 24, Handro öilogaucr Str. 32, Krause Gormannstr. 12 u. 25. Lorrbeer Görlitzer Str. 34, Klose Görlitzcr Str. 41, Scholz Görlitzer User 1, Grade Grauscer Str. 6, Alschock Gräfestr. 9, Kathen Grcisciihagcncr Sw. 33, Rehe Grünauer Str. 29, Batschtc Grünauer Str. 34. Schulze Grüntbaier Str. 13. Koldcrg Grünlhalcr Str. 35, Koch Gubener Str. 3. Brandenburg Gubener Str. 25, Wirth Guineaslr. 7, Münchow Hausburgstr. 3. Damnlik Hausburgstr. 15, Fcntzlaff Große Hamburger Str. 16, Meisen Hennigsdorscr str. 1, Braun Hochstr. 33, Loth «1/18 Sochstr. 46. Knoop öchstestr. 41, Zacharski Neue Hochstr. 16, Janitzk! Hochstädter Str. 17, Kretschmer Hübnerstr. 8, Beil Hussitenstr. 45, Henke Vussitenstr. 70, Ebel Huttenslr. 36, Mielke Huttenftr. 62, Grosch Jahnstr. 2l, Heise Jagowstr. 22, Voigt Jasmunder Sw. 10 Orlowski Jnslerbmger Str. 3, JuckniS Kameruner Str. 53, Barthel Krautstr. 33, Sciffert Kochhamistr. 16, Zipprich Kochdanniir. 28, Eicslinskt Kochhannstr. 40. Wölfling Kolomestr. 36, Bärtel Kolonicstr. 68, Weber Kopenhagen« Str. 76, Warnet Köpenick« Str. 48, Rohde Kopernikusstr. 2, Peters Korsöer Str. 15, Göde Kuglerstr. 1, Greye Kugleritr. 44, Müller Kulmstr. 20, Hagen Landsberger slr. 12. Borowski Landsberger Str. 148, Rägelcn Landwcbrstr. 3, Schrolle Lange Sir. 80, Bärwinkel Langestr. 102, Neinholz Lausitz« Str. 32. Pricmann Lausitzer Platz 12a. Fielitz Lclleslr. 8, Schmock Libaucr Str. 14, Bonin Libau« Str. LI, Barth Licbenwald« Str. 35, Prochnow �icbigstr. 14, Hoppmann Lichtenberg« Str. 15. Pergin Liegnitz« Str. 16, Welicke Lindensw. 79, Kochmann Lmieiistr. 3a, Pauer Linicnslr. 78, Maaz Lortzingstr. 8, Wiltlopf Lortzingstr. 28, Knast Lortzingstr. 41, Witt Lychen« Str. 12, PotrykuS Lychen« Str. 100, Schiebe! 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WiHo ff 1 v Muskauerrtr. 16 n iue, luaA. x«t, Ksitnlleletz. 12. Ziehung 5. Kl. 226. KU Pfem Lotter!©;. Ziehung vom 24.) Mal./ 1912 rvormltiagi.'' JAuf Jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Ge- winno gefallen, und zwar Je. einer auf die Los. glrlch»rNnmmeMz�eii�beide�t)leUnng«��jan�� Nur die Gewinne über 240 Mark sind den beireffenden' Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Ql.''(NachdrinJc verholen.) 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Mai 1912 nachmittag,.» 402 25 67 721 76 939[566] 7• 90140 435 615 778 01060 176 235 83 438 809 «2. 843•92078 139 498 656 66 643 769 98 019 ' 03038 91 104[500] 6[500] 21 65 87 465 638-702 30 84 888 88 94074 170 204 23[1000] 307 656 01 78' 692 701 63 85016 284 354 481 562 63 703 48 810 63 818 23 60 9 6353 660 665 761[500] 855 63 9 7 208' ÜOOO] 305 70 93 603 683 98004 23[500] 233 89». 3v5i»41 922 0 9098 324 411 511 49 698 711 805 3H 1OO0S0 83 126 77 222 313 434 817 101021[100011 378 435[1000] 65 621 102002 27 30 261 487 60» 714 86 842 103240 327[3000] 487 Gl 586 612 3Qr 1O4019[500] 158 235 475 598 815 17[600] 715 Ol! 69 89 880 1 05160 259 00 287 404 43 63 85 658 72a 834 67 1O6005[1000] 37 163 457 72 962 1 07002, 65 106 32 38 305 50 705[500] 802 103298 313 454 548[1000] 822 32 63 945 61 70 109002 61 158 22» 428 723 49 855 110135 64 93 205 68 97 425 673 80[500] S2fi 722 63 914 79 111024 69[5000] 97 121 46 200 337i ■74 499 638 631 65 11000) 79 711 03 72 887 112048» 238 633[500] 61[560] 709 863 939 113128(6001 34t [600] 230 335 604 60 66 602 09 767 805 83 85 077) II*048 184 203 15 68 303[6001 455 051[1000] 023 >1- I 60 425 88 877 608 879 843 48[SOOR 75[500] 948(506] 116045 122 210 42 474 723e [500] 33 826[1000] 945 117034 71 Sil 818 544/ ■ 118204 47 72 432 604 68 762 110004 163«9 29V 473 534 682 701 60 882[1000] 08 - 12O022 31 78 81[3000] 282 89 830 47 804 Z« 828 69 722 71 121169 364 439 541 633 98 764 810/ 28[1006] 122029 43 68 709 864 91 123062[6001» 214 23 430 65 645 71 624 727 124074 118 62 223t 303 27 467 611 737 907 125123 477 500 901 80(600]i 126055 105 1500] 224 498 652 905[600] 127128 4S»( 670 836 61 128132 234 69 702 889[500] 129 j 49 101 37 95 355 423 27 700 39 810 � •"», o1,?0�«»!65 6,71 llvOO] 608 26 27[3000] 72 7271 ülo?-ys?». 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) . 61 107 239 429 675 1089 103[500] 5 229 43 321 4500] 602[1000] 19 20 787 030 67[1000] 88 2086 199[500] 561 703 839 901 3066 114 242 370 453 678 '83 769 4196 368 78[1000] 470 87 513 804 67 907 77 97 5139 346 485 523 33 631 79 98 708 33 48 890 932 0667 141 94 219[500] 91 376 513 67 668 717 38 61 808 14 18 39 40 7078 126 633 628 943 98[1000] 8132 359 418 718 37 914 8272[500] 337 425 979 99» 1O049 64 68 348 631 87[3000] 662 13000] 704 188 807 62 962 11197 388 568 602 88 12005 224 391 90 630 712 860 675 13076 83 80 306 649 730 887 919 14010[500] 122 286 339 81 98 603 45 601 82 [500] 91 952 15324 36 59 632 654 65 777 16040 385 438 634 843 86 17143 444 52 651 830 033 63 118429 684 86 718 25[500] 56 803 19072 107 86_: 439 582 780[500] 859 85[1000] 936'__ t 2O047 182 257 332[1000] 99 537 907 50 21101 ,70 303 47 617[600] 725 887 2 2005 43 84 166 76 203 10 331 428 636 732[3000] 44 854 72 920 2 3226 ![500] 67 78 451 612 721 24077 272 383[1000] 474 !«10 702 11[600] 27[1000] 60 835 960 96 25217 329 65[600] 640 42 68 709 69 79 810 26050 101 12 207 399 879 930 27018 94 118 58 410 44 77 96 673 722 25[500] 68 882 93 28173[1090] 406 603 8 710 868 86 29130 38 64 70 228 317 68 71 78 80[1000] 403 95 638[3000] All 44 853 934 30144 282 311 418 688 850 968 31129 439 500 92 99 744 75 92[1000] 948 3 2088 108 98 298 385 621 ■28 830 13000) 025 69 33002 116 63[1000] 238 363 440 64 619 39 880[500] 34072 94 312 43 474 91 661 64 701 71 849 934 35032 69 219 87 98 381 85 495 [1669] 628 604 7 59 61 867 77 914 18 61 30019 78 127 229 333 484 503 23 67 908 64 83[3000] 37127 231 301 61 403 26 61 603 28 810 931[1000] 83 38044 436 65 66 315 501 83 39334 441 688 948■- 1 40910 176 88 450 93 Sil 702 34 41045 133 607 36 715 17 38 63 67 870 42025 54 112 95 203[1000] 68 604 896 43382 413[600] 700 1 3[1000] 808 21 40 918 94 44002 775 835 33 95 45046 120 495 740 805 79 987 46486[509] 98 579 867 80 900 18 28 47051 83 176 686 745 99 859 97 43156[600] 79 251 95 417 076 873 951 49154 439 48 526 60 643 ■(600] 778 825 38 985' JV', 50068 161 400[3000] 82 928 51003 262 77[600] 367[3000] 607 8 603 13 62 860[3000] 004 40 82 01 52046 58 405 41[1000] 76 554 696 768 807 878 98« 55024 67 118 56 68 203 12[1000] 316 421 32 34 722 50 56495 673[600] 630 38 707 886 984 5 7118 «3 205 608 693[1000] 853 72(30001 58003 254[500] OZUtö bö nua 14 IXUUUJ))- ueo 100 ou, eio.«2 762 911 30 152107 71 Ä eoe COT r 1 nanl ii -ZQ tk RflO*?£r)7Q 275 79 347 4ft2 73 574 754 4IÖ oio SD 7[1000] 81 153042 53304 39 76 882 5A079 475 79 347 464 73 674 /04 4:4 gzo 49 813 020 81 154082[3000] 453 89 648 64 781 897 972[500] 155124 47 63 000 42 61 156215' 413 19 085 758 867 91 157136 42 252 83[500] 372' 409 631 742 82 1 58004 110 212 303 501{6000] 6? 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Elvcke, Serlin. D ruck u.«erlag-BorwsrU vochdruckeret u. vertagSanitatt Laut Smger u. 68, ötolm bw, 1�20. N?M«» 3. Keilage des„Wrllllirls" Kerlilter KslksblM.-s.» Partei-?Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Hierdurch machen wir besonder? aufmerksam, baß in der WahlvereinSbibliothek bei Neumann, Rother« und Beyme- straßen>Ecke, eine Abteilung für Jugendschriften er« richtet worden ist und ersuchen um fleißige Benutzung. Die Bücher- ausgäbe findet statt Mittwochs und Sonnabends abends von 8 bis VV, Uhr. Die Bibliothek im Bureau des Wahl- Vereins, Stralauer Platz 1/2, ist geöffnet(außer Sonn- und Feier- tagen) von 0 bis 2 Uhr vormittags und von b bis 8 Uhr abends. Der Borstand. Neukölln. Die Bibliothek des Wahlvereins ist vom 25. bis 18. Mai inkl. geschloffen. Die Bibliothekskommission. LerUner JVacbncbteii. Volkskonzcrte des Philharmonischen Orchesters zu Berlin! Im Monat Juni veranstaltet das von der Stadt Berlin sub- ventionierte Philharmonische Orchester zehn Volkskonzerte ernsten und heiteren Inhalts. Der Eintrittspreis beträgt nur 30 Pf. Ein Garderobenzwang findet nicht statt. Die Dauer der Konzerte ist für die Zeit von T'/a bis IOV4 Uhr abends festgesetzt. Abgehalten werden die Konzerte am 1« und IS. Juni in bti Brauerei »Fried richShain�; am v. und 22. Juni in der.Ber- liner Bockbrauerei'; am 8. und 26. Juni in der Brauerei„Königstadt'; am 12. und 29. Juni in der »Konkordia', Andreasstraße und am IS. Juni und 8. Juli in den.Germania-Festsälen', Thausseestraße- Den Vertrieb eines Teiles der Eintrittskarten zu diesen Konzerten hat die Berliner Gewerk« schaftSkommission, Engelufer IS I, übernommen? dort sind die Karten im Zimmer 13, in der Zeit von S—IL Uhr vormittags und 4—7 Uhr nachmittags zu haben. Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, daß Karten für die Konzerte in der Brauerei Friedrichshain und in den Konkordiasälen im Bureau deS vierten Wahlkreises, Stralauer Platz 1—2, zu haben sind. Für die Konzerte in der Brauerei Königstadt und in den Germaniaiälen sind Karten im Bureau des sechsten Wahlkreises, Neue Hochstr. 23, zu haben. Für die Konzerte in der Bockbrauerei sind die Eintrittskarten bei dem Genossen Gustav Schmidt, Zeitungsspedition, Kirchbachstr. 14, erhältlich. Es wird ersucht, von diesem Angebot recht regen Gebrauch zu machen. Wegen der Tage, an welchen die Konzerte stattfinden, wolle man sich diese Notiz ausschneiden und aufbewahren. Waldbrände find auch in der Umgebung Berlins an schönen Sonn- und Feiertagen keine allzu seltenen Erscheinungen. Die Eni- stehungSursache liegt in dem HinauSströmen der Großstadtmassen nach dem Walde und in der Unvernunft einzelner Personen, die gegen das Predigen von Waldschutz taub zu sein pflegen. Tausende von Holztafeln mit der warnenden Aufschrift.Rauchen streng ver- boten' sind an den Bäumen angenagelt. Die Zuwiderhandelnden werden im BetretungSfalle hart bestraft. Trotzdem braucht man nicht lange zu suchen, um Leute zu finden, die nicht bloß auf den Waldwegen, sondern auch abseits derselben Zigarre» und Zigaretten rauchen. Dabei ist gerade daS von AuSflüglern mit Borliebe zum Lagern aufgesuchte Unterholz, wo regelmäßig viel trockener, wie Zunder brennender Bruch liegt, besonders empfäng- lich für fahrlässige Brandstiftung. Auch bei der größten Borsicht ist eS selbst auf breiteren Waldwegen nur zu leicht möglich, daß ein Funke von dem Glimmstengel fortgeweht wird, auf trockenes Laub fällt und hier einen Brand entfacht, der sich mit Blitzesschnelle weiter verbreitet. Andere wieder treiben die Un- Vorsichtigkeit so weit, daß sie achtlos brennende Streichhölzer und Zigarrenstummel fortwerfen oder gar mitten im Walde Feuer an» machen und.abkochen'. Im Hochsommer, bei wochenlanger Dürre wie im vorigen Jahr, wächst die Gefahr inS Riesengroße. Schon verwehte Funken aus Lokomotiven, die am Wald entlang fahren. können dann verderbenbringend wirken. Hier hilft nur ein Radikalmittel: jedes Tabakrauchen, jede Benutzung von Feuer hat im Walde unbedingt zu unterbleiben. Das Publikum verläßt sich darauf, daß die Forstbeamten nicht überall sein können. Kommt der Förster oder der Gendarm wirklich in Sicht, so wird schleunigst die brennende Zigarre versteckt oder noch öfter, was dann ganz besonders die Gefahr heraufbeschwört, fortgeworfen. Daher ziehen jetzt an Sonn- und Feiertagen viele Forstbeamte ohne Uniform, aber mit Legitimation versehen, zur Feststellung der Raucher aus. Richtig ist ja. daß selten oder nie eine vorsätzliche Brandstiftung, wenigstens nicht seitens der Ausflügler, stattfindet. Aber auch schon die Fahr- lässigkeit ist im Interesse des WaldschutzeS ungemein bedauerlich. Man soll bedenken, daß neben dem meist sehr großen materiellen Schaden auch die ideelle Schädigung steht. Wir müssen in der klassischen Zeit der Waldverwüstung durch Spekulation über jedem kleinsten Waldbestand die schützende Hand halten und sollen nicht dazu beitragen, daß unter Umständen viele Morgen umfassende Waldstrccken vom Feuer er- griffen werden. Die Löschung ist in den allermeisten Fällen mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Ehe die Forstbeamten, die Land- bewohner und die Feuerwehren alarmiert sind, brennen kilometer« Veite Flächen herunter. Waffer ist hier machtlos, auch Aufwerfen Von Sand hilft nicht immer, und oft kommt der Brand erst an der nächsten Feldmark zum Stillstand. Gerade die Berliner Bevölkerung hat das dringendste Jntereffe daran, daß nicht ein einziger Waldbaum unnötig und durch Selbstschuld vernichtet wird. Lohnender Nebenerwerb für fromme Katholiken. Einer, der durch Nebenbeschäftigung seine Einkünfte aufbessern wollte, stieß in der Berliner„ M 0 r g e n p 0 st' auf eine Annonce, die so lautete: „Nachtarbeit. 25—30 M. wöchentlich. Man sucht überall Herren und Damen, die für eine Firma, die eine wunderbare überraschende Neuheit einführt, arbeiten würden. Leichte AuS- iührung. Wird zu Hause bei Tag und Nacht in freien Stun- den mit künstlichem Licht sElektrizitat, GaS, Petroleum usw.) aus- geführt. Erklärungen und Muster gratis. Schreiben Sie an »Union Romana Universal IT. Prag. Wenzelsplatz 47.' Der Nebenerwerbsuchende schrieb nach Prag und bekam eine Antwort aus Madrid. Der Brief, den die Post ihm inS Haus trug, enthielt eine gedruckte Offerte der in der Annonce genannten » U n. 0 n R 0 m a n a Universal' und dazu eine kleine Broschüre. Besagte„Union" residiert in Madrid, hat aber neben dieser Zentrale— wie die Broschüre angibt— noch zahlreiche KUialeii m anderen Ländern. Der Empfänger jene« Briefes sollte �Mitarbeiter' der„Union" werden, wenn er Photographien Seioes Heiligkeit des Kgestes Pias x. ptsfieü fältigen wolle. Beigefügt war als Muster eine Photographie von Pius X. und für den künftigen«Mitarbeiter" sogleich eine „Legitimationskarte", die allerdings noch der zur Gültigkeit nötigen Unterschriften und Siegel entbehrte. Sie sollte gültig werden. wenn der Empfänger durch Einschreibung in die Bücher der„Union' und durch Einsendung der Einschreibcgebühr die ihm aufzuerlegen- den Bedingungen und Verpflichtungen anerkannt haben würde. Die„Union" erbot sich, ihm täglich bis 100 Kopien des Papst- bildes abzunehmen, die sie mit 5 Pf. pro Stück, also mit SM. pro 100 Stück bezahlen werde. Sie versicherte, daß man dank einer„wunderbaren Erfindung" die 100 Kopien so nebenbei in zwei Stunden anfertigen könne, eventuell am Abend oder in der Nacht. Erforderlich wäre nur eine Kleinigkeit, nämlich die Vor Hereinsendung von 10 M., wofür die„Union" das Geheimnis des Verfahrens samt Apparat usw. herzugeben versprach. Wer am Abend oder in der Nacht arbeiten wolle, der müsse dazu noch einen besonderen Apparat haben und dann noch weitere 1 5 M. zahlen. Man wird fragen, was die„Union' mit den vielen Kopien des Bildes Seiner Heiligkeit anfangen will. Sie sind, wie die Broschüre erzählt, für eine„religiöse Propaganda" bestimmt. Die Bilder sollen, so steht da zu lesen, in Oesterreich und Deutschland unter Katholiken verbreitet»und mit Unter- schriften der Gläubigen versehen werden, wonach sie dem Papst zu der im Jahre 1013 bevorstehenden zehnten Wiederkehr des Tages seiner Thronbesteigung als„ Anhänglichkeitsbezeugun- gen" überreicht werden sollen. Diese Angabe wird unterstützt durch die ganze Aufmachung des Heftchens. Die erste Seite bringt eine bildliche Darstellung des„Bureaus der Zentraldirektion', in dem man einen Mann in der Tracht eines Geistlichen beschäftigt sieht. Auf der zweiten Seite präsentiert sich ein Papstbild, über dem man liest:„Künstlerische Arbeiten, welche sehr gut belohnt wer- den und die Beweis liefern von einer ehrerbietigen Anhänglichkeit zu Seiner Heiligkeit dem Papst Pius X.' Die dritte Seite trägt die Ueberschrift„Bund für religiöse Propaganda" und nennt als Protektorinnen drei spanische Damen von Adel(eine Marquise, eine Gräfin, eine Herzogin) und als Präsidenten einen spanischen Abgeordneten. An verschiedenen Stellen der Broschüre findet sich neben der immer wiederholten Betonung deS„reli- giösen Zweckes' derständig beigefügte Hinweis auf den klingenden Gewinn. Man liest da z. B.: „Wirklicher Nutzen in Geld für die Mitarbeiter dieses hehren Werkes der Meltpropaganda." Auf der folgenden Seite wird ver- sichert, daß die von der„Union" angewendete Erfindung„eine un- bekannte Kunst lehr, deren Ausübung in einem frommen Werk und persönlichem Nutzen besteht." Auf der nächsten Seite wird wiederholt:„Die Anfertigung dieser Bilder ist ein edle? Werk, und den Mitarbeitern ist es gleichzeitig von persönlichem Nutzen." An einer anderen Stelle wird gemahnt, jeder solle„diese wunderbare Erfindung kennen, nicht nur um Propaganda seiner christlichen Gefühle zu machen, sondern auch um durch diese Tätigkeit eine gute Einnahme zu erzielen und gleichzeitig die Zeit lehrreich und ange- nehm zu verbringen." Und zum Schluß werden nochmals„alle guten Katholiken" aufgerufen,„an dieser hehren Weltpropaganda teilzunehmen, die Armen, um in ihr einen Taaelohn zu verdienen, die Reiche», um durch ihre Mitwirkung ein edles Unternehmen zu unterstützen und so die Größe und Bedeutung des christlichen Heeres zu beweisen." Jener Nebenerwerbsuchende hat der Lockung widerstanden, teil. nehmen zu dürfen an der Herstellung der Bilder, die von dem „christlichen Heer" als Bekundungen einer„ehrerbietigen Anhänglichkeit zu Seiner Heiligkeit dem Pap st PiuS X." verwendet werden sollen. Es verlangt ihn auch nicht danach, gegen Einsendung von 10 M. oder gar von weiteren 15 M. die von der„Union Romana Universal" gepriesene„wunder- bare Erfindung" kennen zu lernen, mit der das profitable Geschäft gemacht werden soll. Er hält seine Taschen zu gegen. über dem Versuch einer Wcckung„christlicher Gefühle und ebenso gegenüber dem Hinweis auf die„gute Einnahme". Bei wieviclen mag die„wunderbare Erfindung' de» ge- wünschten Erfolg haben?_ Die Verfügung deS Vorstandes der LandeSverficherung Berlin wegen Beschränkung deS Besuches in der Heilstätte Beelitz, die wir dieser Tage veröffentlichten, ist wieder zurückgezogen worden. Es ist für später eine mildere Fassung in Aussicht gestellt. Hoffentlich wird dieselbe nicht neuen Unmut und neue Erregung unter die Patienten tragen. Diese fortgesetzte Beunruhigung der Pattenten durch neue harte Verordnungen ist nur geeignet, schweren Schaden unter den ohnehin leicht erregbaren Pfleglingen der Heilstätte anzurichten. In der SäuglingSfürsorgcstelle I findet wieder unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt wöchentlich einmal mit praktischen Uebungen. Meldungen schriftlich oder mündlich im Bureau des KinderhauseS, Blumenstr. 97. Achttausend Lehrer in Berlin. Die diesjährige Deutsche Lehrer- Versammlung, die in den Tagen vom 27. bis 30. Mai in Berlin tagt, wird die am zahlreichsten besuchte aller bisherigen Versamm- lungen sein, denn es liegen schon jetzt rund 8000 Anmeldungen vor. Für die Hauptversammlungen mußlen die Anmeldungen bereits vor längerer Zeit geschloffen werden, da daS Versammlungslokal, Zirkus Schumann, nur eine begrenzte Zahl aufnehmen kann. Außer den beiden Hauptversammlungen am Dienstag und Mittwoch finden noch 23 Nebenversammlungen statt, die sich mit den verschiedensten Interessengebieten der Lehrerschaft beschäftigen und worüber das umfangreiche Programmbuch ausführlich unterrichtet. Außer den Belehrungen, die die Schulausstellungen im Abgeordnetenhause, in der Deutschen Lehrerbttcherei und im Städtischen Schulmuseum sowie die staatliche deutsche UnterrichtsauSstellung bieten, find den Besuchern von außerhalb noch besondere künstlerische Genüsse ge- schaffen worden. Der Kaiser hat daS königliche Schauspielhaus kostenlos zur Verfügung gestellt. Zur Aufführung gelangt„Der große König". In der Philharmonie gibt der Berliner Lchrerverein ei» Festkonzert und im Zirkus Busch wird der bekannte Chor von 2000 Berliner VolkSschul- lindern den deutschen Lehrern seine Weisen zum Vor- trag bringen. Der Belehrung dienen ferner mehr als 30 Besichtigungen unter sachkundiger Führung durch Museen und die wichtigsten Gebäude, durch gemeinnützige Anstalten und die hervorragendsten industriellen, gewerblichen und kaufmännischen Unternehmungen. Eine Besichtigungsfahrt erstreckt sich sogar bis zur Kinderheilstätte Hohenlychen. Die landschaftlichen Schönheiten aus der Umgebung Berlins werden die Teilnehmer auf gemein- schaftlichen Partien nach den Gebieten der Havel, Oberspree und Dahme kennen lernen. Der Berliner Lehrerverein empfängt seine Gäste also mit einem sehr reichhaltigen Programm. Ein katastrophales Ferndebea haben gestern die Seismographen des Potsdamer Geodätischen Institutes als Zentralstelle für die internationale Erdmessung registriert. DaS Beben, daS tektonifchen Ursprunges ist, gehört zu den heftigsten Erderschütterungen der letzten Zeit und hat sich im west« oder ostindischen Schüttergebiet zu- getragen. Der Bebenherd ist von der Station Potsdam zirka 7700 Kilometer entfernt. Das Beben dauerte l'/a Stunden. Der erste Vorläufer setzte um 3 Uhr 35 Min. 21,4 Sekunden morgens ein. Die zweite Phase begann um 3 Uhr 44 Min. 30 Sekunden. DaS Maximum trat um 4 Uhr 6 Min. morgens auf und währte 4—5 Minuten. Auf dem Bertikaipendel von Professor Wichert messen die Ausschläge 180 Millimeter. Sie reichen über den Rand des RegistrierbogenS hinaus und hätten beinahe die Schreibnadeln abgeworfen. Beim photographischen Hyrizynjglpendsl sind die Registrierungen 70 Millimeter lang. DaS Märkische Museum ist am ersten Pfingstfeiertag geschlossen, am zweiten aber von 10 bis 3 Uhr geöffnet. Ein» Liebesttagödit spielte sich gestern nachmittag im Nord- Westen der Stadt ab. Die 34 Jahre alte Verkäuferin Luise Linkow, die aus Schierke im Harz gebürtig ist und bei ihrer Mutter in der Gustav-Müller-Straße 35 zu Schöneberg wohnte, verletzte ihren Geliebten, den 36 Jahre alten Ingenieur Hugo Müller, der in dem Hause Hannoversche Straße 13 ein möbliertes Zimmer bewohnt, durch einen Revolverschuß leicht an der rechten Wange und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in den'Mund. Die Linkowchatte seit sieben Jahren ein Liebesverhältnis mit dem Ingenieur Hugo Müller, das dieser jetzt lösen wollte. Damit war aber seine Geliebte nicht einverstanden. Gestern nachmittag gegen 3 Uhr erschien sie in seiner Wohnung und stellte ihn zur Rede. Müller wollte aber von einer Versöhnung, die sie ihm vorschlug, nichts wissen. Darauf zog das Mädchen plötzlich einen verborgen gehaltenen Revolver und feuerte ihn auf ihren Geliebten ab. Die Kugel streifte Müller am Backen- knochen. Das Mädchen, das sicher glaubte, ihren Geliebten erschossen zu haben, richtete jetzt die Waffe gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel in den Mund. Die beiden wurden in die nahegelegene Charitü gebracht. Bei der Aufnahme verschied daS Mädchen an den Folgen der schweren Verletzung. Ihr Geliebter, dem ein Verband angelegt wurde, befindet sich außer jeder Lebensgefahr, verblieb aber in ärztlicher Behandlung in der Charitö. Ein Kautionsschwindler wurde gestern vormittag endlich in Thar- lottenburg erwischt und hinter Schloß und Riegel gebracht. Im Dezember vorigen JahreS erschienen Zeitungsanzeigen, nach denen Kassierer gegen Bürgschaft zur Einziehung von Vereinsbeiträgen gesucht wurden. Die Leute, die sich meldeten, wurden durch Briefe nach einer vornehm ausgestatteten Wohnung bestellt, in der ein Herr, der sich Direktor deS JnteresienverbandeS Berliner Diplom-Jngenieure und Chemiker nannte, sie empfing. Dieser Herr, der sehr fein und gewandt auftrat, sah sich scheinbar sehr genau ihre Zeugnisse an, stellte auch noch allerhand Fragen nach ihrer bisherigen Beschäftigung und nahm sie dann gleich in seinen Dienst. Die Aufgabe der Angestellten sollte eS sein, die Mitgliederbeiträge für den bezeichneten Verband einzuziehen. Der Herr„Direktor" übergab ihnen dazu auch lange Listen mit Namen und Wohnungen. AlS aber die Leute am nächsten Tage dorthin kamen, mußten sie sehen, daß alles erdichtet war. Jetzt wollten sie bei dem Herrn Direktor nachfragen, erfuhren aber zu ihrem Schrecken, daß er unterdessen ausgezogen und mit ihren Bürgschaften verschwunden war. Er hatte das vornehme Zimmer eigens zu dem Schwindel nur auf ein paar Stunden gemietet gehabt. Anfangs dieses Monats trat der Gauner plötzlich wieder auf. Jetzt nannte er sich Dr. jur. Eugen Hoffmann, Ver- treter der Leipziger Bank, und stellte unter der falschen Vor- spiegelung, daß diese Bank ein Zweiggeschäft errichten wolle. gegen Burgschaft Kassenboten an. Diesen erging es ebenso wie im Dezember den Vereinsboten.„Dr. Hoffmann' hatte für seinen Schwindel abermals ein feines Zimmer gemietet, aus dem er sofort verschwand unter Mitnahme der Bürgschaften, die er bei„seiner Bank' hatte hinterlegen wollen. Der Gauner wurde heute vormittag in Charlottenburg in einem Hotel festgenomnlen und entpuppte sich als ein Dr. Phil. Ferdinand Wallschmidt. Nach den bisherigen Ermittelungen hat er 12 Bewerber, die ihm ihr Ver- trauen schenkten, um ihr Geld gebracht. In vielen anderen Fällen scheiterte sein Versuch an der Vorsicht der Leute. Schwerer Nnglücksfall auf der Musenmöinsel. AuS einer Höhe von 15 Meter stürzte der 20 Jahre alte Gerüstbauer Georg Löhnscher vom Gerüst herab. L. hatte auf den Neubauten auf der Museum?- insel bei dem Aufstellen von Baugerüsteu geholfen. Als er in einer Höhe von etwa 15 Meter ein Brett hochziehen wollte, verlor er plötzlich das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe. Der Bedauernswerte zog sich schwere innere Verletzungen sowie eine Gehirnerschütterung zu, so daß er in recht bedenklichem Zustande nach dem Hedwigskrankenhause gebracht werden mußte. Acht Tage tot in der Wohnung gehangen hat der 68 Jahre alte Arbeiter August Sasse aus der Triflstr. 60. Der Mann bewohnte seit dem Tode seiner Frau, die vor sieben Jahren starb, ein kleines Zimmer für sich allein im vierten Stock des Ouergebäudes. Seines vorgeschrittenen Alter« wegen.fand er in den letzten Jahren keine feste Arbeit mehr, sondern nur noch gelegentlich diese oder jene Be- schästigung. Das letzte halbe Jahr war er ganz ohne Arbeit. Nach- dem er ohnehin schon mit Sorgen gekämpft hatte, geriet er jetzt m die bitterste Not und sah auch keinen Ausweg mehr. Nachdem er die Tür zu seinem Stübchen verschlossen und verriegelt hatte er- hängte er sich an einem Haken hinter der Tür. Vom Freitag ver« ?angener Woche an wurde er nicht mehr gesehen. Aber niemand ümmerte sich darum, bis man durch einen starken Verwesungsgeruch gestern auf sein Stübchen aufmerksam wurde. Jetzt ließ der Haus- wirt gewaltsam öffnen und fand seinen einsamen Mieter tot auf. Ein Arzt stellte fest, daß der Unglückliche schon vor acht Tagen Hand an sich gelegt hat. Auf der Heimfahrt im Eisenvahnwagen vom Tode übe'.„cht wurde gestern der 60 Jahre alte Forstmeister a. D. Bruno Tiebel aus der Seestr. 14 zu Oranienburg. Er hatte mit Frau und Tochter Berlin besucht und fuhr kurz nach 11 Uhr vom Stettiner Bahnhof zurück. Schon bald nach der Abfahrt verschied er plötzlich. Die Au- gehörigen ließen ihn vom Bahnhof Gesundbrunnen ichleunigst nach der Hilfswache in der Badstraße bringen. Dort konnte aber der Arzt nur noch den Tod feststellen. Die Firma Martin Hupfer sendet uns unter Bezugnahme auf unsere Notiz in der Nummer vom 21. Mai ein Schreiben, worin sie den von uns mitgeteilten Mißstand auf dem Umbau Uhlandstr. 73 bestreitet. Die Baugewerks-Berufsgenossenschaft Berlin. Sektion I, habe den Umbau speziell auf die Absteifungsarbeiten untersucht, sie habe aber zu keinerlei Beanstandungen Anlaß gehabt. Dem- gegenüber teilt uns unser Gewährsmann mit, daß als der Artikel im„Vorwärts" erschien, die überliegenden Träger bereits unter- mauert und die Steifen fortgenommen waren. Die BerufSgenoffen- schaft habe also an jenem Tage gar nicht mehr sehen können, wo die Steifen gestanden haben. Vorort- JHadmdrteih Die Ergebnisse der Gemeindetvahlen in Teltow-BeeskM» Charlottenburg. Die nach den Neichstogswahlen stattgefundenen Stadtverord- neten- und Gemeindcvertreterwahlen zeitigten auch in politischer Beziehung interessante Resultate. Wo in den einzelnen Orten Parteigenossen vorhanden waren, wurden Kandidaten aufgestellt und für deren Sieg eine eifrige Propaganda entfaltet. Soweit es irgend möglich war und die Kräfte ausreichten, wurde der Kampf unter Hervorhebung unserer kommunalpolitischen Ziele geführt. Anders bei den bürgerlichen Parteien. Nur in einigen großen Städten, so Schöneberg und Tharlottenburg, sehen wir das Bürger- tum als politische Partei den Kampf führen. Und auch da handelt eS sich nur um lokale Fragen. Das liberale Bürgertum hat es längst verlemt, um höhere politische und grundsätzliche Ziele in den Gemeinden zu kämpfen. Nur Interessen fragen sind das KüNixfobjekt.&£j tzllMPM AeWtMwM W i&k Fxej- pnn feine kilchk Mkelrächtlichs StimMenzunahme �ekzeichneil können. Bei den Kon>munalwahlen dagegen tritt er mit den obigen Ausnahmen als Partei überhaupt nicht in die Erscheinung. In Neukölln firmieren sich die Anhänger des Freisinns als Kommunalfortschrittliche.Partei und gehen mit den übelbeleumun- deten Wahlrcchtsräubcrn zusammen. Dieselbe Erscheinung läßt sich in den Kommunalwahlkämp/en fast allenthalben feststellen. Das gesamte Bürgertum steht geschlossen gegen die vorwärtsdrängende Arbeiterichaft, nur lokale Jnteressenstreitigkeiten vermögen die sonst fcstgeschlossencn Schlachtreihen der Bürgerlichen aller Schattierun- gen zeitweilig zu lockern. Der Ällacht- und Stimmenzuwachs, den wir bei den Reichstags- wählen zu verzeichnen hatten, spornte die Privilegierten bei den 5loinmunalwahlen in allen Orten zu ganz besonderem Eifer an. Sie befürchteten auch hierbei eine Einbuße ihrer Machtstellung in den Rathäusern, wenn die sozialistische Sturmflut in dem- selben Maße weitersteigt. Das galt es zu verhindern. Alle Mittel waren zu diesem Zwecke recht. Die alten vergilbten Flugblätter des Reichsverbandes, der behördliche Vevwaltungsapparat und die Nicht- achtung der gesetzlichen Vorschriften wurden in den Dienst der „patriotischen" Sache gestellt, um die rote Flut wirksam eindämmen zu können. Nur ganz vereinzelt ist das gelungen, und auch nur dann, wenn die Abhängigkeit der Wühler so groß war, daß sie es im Interesse ihrer Existenz nicht wagen konnten, sozialdemo- kratisch zu wählen. In einzelnen Jndustricdörfern, so z. B. in Niederlehme und Halbe, beherrschen einzelne Unternehmen die ganze Gemeinde. Wehe dem Arbeiter odeo Angestellten, der es wagen würde, für die sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmen. In kurzer Zeit würde er in die Lage versetzt werden, sich eine andere Arbeitsgelegenheit suchen zu müssen. Schlimmer ist es selbstver- ständlich noch bei den Staats- und Gemeindearbeitern. Entweder werden sie truppweise zur Wahl beordert oder aber sie bleiben der Wahl fern. Aus Angst vor Entlassungen ist es dann auch schwer, den Nachweis einer Wahlbeeinflussung führen zu können, um die Wahlen erfolgreich anzufechten. Ein beliebtes und häufig angewandtes Mittel, den Vormarsch der Sozialdemokratie zu verhindern, ist die für die Arbeiterwähler ungünstige Festsetzung der W a h l z e i t. Das Oberverwaltungs- gericht hat am 21. Januar 1908 entschieden, daß die Wahlzeit so bestimmt werden muß, daß erhebliche Beeinträchtigun- gen der Wähler tunlichst zu vermeiden sind. Wer von den Ge- mcindevorstehern kümmert sich darum? Es sei denn, daß unsere Parteigenossen in den Gemeindeparilamenten solche achtunggebietende Stärke besitzen, um ihre gerechten Forderungen nach der Richtung hin durchsetzen zu können. In Eroßbeeren beteiligten sich unsere Genossen zum ersten Miale an der Wahl. Dieselbe fand am Sonn- abend, den 9. März, nachmittags von 3 bis 4% Uhr, statt; eine absolut ungünstige Zeit. Die Lohnzahlung sollte eine Beteilig gung der Arbeiterwähler verhindern. Ein vergebliches Beginnen. Unter großen Opfern beteiligten sich unsere Genossen an der Wahl, und zwar so zahlreich, daß unser Kandidat den Sieg davontrug. In Rudow war die Wahlzeit auf Sonnabend, den 16. März, vormittags von 10 bis 12 Uhr. festgesetzt. Auch in Königs-Wu st erHausen war die Wahlzeit so gelegt, daß der Schluß der Wahl dann eintrat, ehe die Arbeiter aus den Fabriken ohne Lohnverlust von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen tonnten. In Marienfelde und Motzen das gleiche Bild. Alle Eingaben um günstigere und die Allgemeininteressen mehr be- rücksichtigende Legung der Wahlzeit wurden unbeachtet gelassen. Beschwerden waren fruchtlos, da erst dann ein Bescheid erteilt wird, wenn die Wahlen längst vorbei sind. Auch erfolgte Einsprüche haben keine Besserung zu erzielen vermocht. Weitere Schwierigkeiten erwachsen durch daS Forensal- st i m m r e ch t. Ganz willkürlich verfahren die Gemeindevorsteher bei der Anerkenung der erforderlichen Vollmachten. Die Regellosigkeit ist eine stehende Einrichtung geworden. In Halbe wurden Vollmachten, die unsere Genossen vorlegten, zurückgewiesen, weil dieselben nicht mit einem Stempel von 3 M. versehen waren.■ Ein völlig ungerechtfertigtes Verlangen. Im höchsten Falle kommt nach dem Stempelsteuergesetz eine Stempelmarke von 1,50 M. in Betracht. Auf Reklamation wurde später der zu viel gezahlte Be- trag zurückerstattet. In anderen Gemeinden wurde dieselbe Form der Vollmacht st empelfrei für gültig erachtet. Selbstverständlich werden nur unsere Genossen mit solchen ungesetzlichen und schika- nösen Dingen behelligt. Abschriften der Wählerlisten bekamen unsere Ge- nassen in den Landgemeinden nur in ganz seltenen Ausnahmefällen. Beschwerden erwiesen sich als fruchtlos. Um Gründe ist die Burcaukratie nie verlegen. Auch der Einsichtnahme in die Wählerlisten für andere Wähler werden die denkbar größten Schwierigkeiten bereitet. Auch in diesem Falle haben sich Beschwer- den an die vorgesetzte Behörde selten als erfolgreich erwiesen. Ein besonderes Kapitel bilden die Verstöße gegen die Be- stimmungen der Landgemeindeordnung. Ohne die Gemeindever- tretung zu befragen, wurde in Diensdorf der vom Wahlvorstand festgesetzte Stichwahltermin vom Gemeindevorsteher auf einen anderen Tag verlegt. In Motzen wurde die Stichwahl gleich im Anschluß an die Hauptwahl vollzogem In Drewitz fungierte der von der dritten Abteilung gctvählte Wahlvorstand ohne be- sondere Wahl für die Wahlen der zweiten und ersten Abteilung. Ein ähnlicher Vorgang hat sich auch bei der vorletzten Wühl in Eichwalde abgespielt. Erst in neuerer Zeit haben wir mehrere solcher Verstöße rügen müssen. Was ist nun de? positive Erfolg dieser Schikanen und Regel- losigkeiten? Unaufhaltsam schreitet unsere Bewe- gung siegreich vorwärts! In 40 Orten des Reichs- tagswahlkreises Teltow-Beeskow-Charlottenburg waren unsere Ge- nassen bei den Stadtverordneten- und Gemeindewahlen beteiligt. Machtvoll wurde Position auf Position erobert. In drei kleinen Landovten haben wir durch die Ungunst der Verhältnisse je ein Mandat verloren. Nach Abschluß der vorjährigen Wahlkampagne besaßen unsere Genössen 202 Mandate in den Stadl- und Ge- meindevertrctungen, diesmal verfügen sie über mehr denn 2 2 Mandate. Trotz des Dreiklassenwahlrcchtes und der Privilegierten Wirtschaft ein achtunggebietender Erfolg. Siegreich sind wir in die zweite und teilweise in die erste Abteilung eingedrungen. Wenn auch nicht auf der ganzen Linie gesiegt wurde, so wird und muß das nur ein kräftiger Ansporn sein für weitere intensive Agitations arbeit und weitere neue Erfolge. Neukölln. Wahlprotest. Gegen die Wahl unseres Genossen Wilh. S ch u ch im dritten Bezirk der II. Abteilung sind von bürgerlicher Seite zwei Proteste eingelegt worden. Die Proteste behaupten, daß in einem Falle ein Wähler den Maurenneister Hermann Schuch anstatt Wilhelm Schuch gewählt habe. Diese Stimme wäre ungültig. Weiter wollen ein paar bürgerliche Listenführer festgestellt haben, daß für den bürgerlichen Kandidaten Kaufmann Weber in Wirklichkeit 1 Stimme mehr abgegeben worden ist als der Wahlvorstand angenommen habe. Da der Genosse Schuch durch das LoS gewählt wurde, so geht natürlich das Bestreben der Gegner dahin, entweder dem Ge nossen Schuch eine Stimme abzuziehen, oder dem Gegner eine zu- zuzählen, und dadurch den Gegner als gewählt zu bezeichnen. Der zweite Protest richtet sich gegen die Art der Auslosung; es wird bemängelt, daß der Wahlvorstand nicht bestimmt habe, wer das LoS ziehen soll. Diese Gründe erscheinen uns denn doch zu belanglos, als daß die bürgerliche Mehrheit eS wagen würde, die Wahl für ungültig zu erklären, jedenfalls würde sie mit einer derartigen Absicht bei unseren Genossen im Rathaus auf entschiedenen Widerstand stoßen Selbst wenn feststehen sollte, daß ein Wähler den Maurermeister ermann anstatt Wilhelm Schuch gewählt hat, so ist doch jeder unbefangene Mensch darüber klar, daß ein Irrtum unterlaufen ist in bezug auf den Vornamen, daß der Wähler aber die Absicht hatte den sozialdemokratischen Kandidaten zu wählen. Zum Hebe? fluß wollen wir noch bemerken, daß es in Neukölln keinen Maure? meister Hermann Schuch gibt. Zum anderen erscheint es wohl un- möglich, daß drei Mitglieder des Wahlvorstandes es übersehen haben sollten, die Stimme eines Wählers zu protokollieren. Der letzte Grund über die Art deS LoSziehenS vom Wahlvorstand ist ganz und gar hinfällig, da hierüber der Wahlvorstand keine Bestimmungen treffen brauchte; es genügt unserer Ansicht nach vollständig, wenn ein Mitglied des Wahlvorstandes daS Los zieht, was ja geschehen ist. Aus alledem glauben wir, daß der Protest vollständig halb loS ist._ Ein Kind totgefahren. Gestern vormittag überfuhr der Kutscher eines Brauereiwagens daS dreijährige Söhnchen des Verwalters Fischer, Warthestr. 49 wohnhaft. Ein Rad ging dem Kleinen über den Körper und waren die Verletzungen so schwer, daß ein sofort herbeigeholter Arzt die Ueberweisung ins städtische Krankenhaus anordnete. Hier ist der arme Kleine nachmittags seinen Verletzungen erlegen. Den Kutscher soll angeblich keine Schuld treffen. Zeuge» gesucht. Personen, die beobachtet haben, wie am 24. Februar d. I., abends Mischen 8 und 9 Uhr, an der Wanzlik- und Hermannstraßen-Ecke eine Frau überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Stresow, Neukölln, Münchener Straße 31, Quergebäude 2 Treppen, gelangen zu lassen. Spandan. Eine Abrechnung hielt der Militärarbeiterverband mit dem ReichslagSabgeordneten(a. D.) Pauli-Potsdam in einer am Donners- tag, den 23. Mai, nach dem Schützenhaus einberufenen Protest Versammlung. Der große Saal war bis auf den letzten Platz be< setzt. Der Leiter der Versammlung forderte alle anwesenden Nicht- militärarbeiter auf, den Saal zu verlassen, da diese Versammlung nur für Militärarbeiter einberufen sei. Ferner gab er be kannt, daß der ehemalige Reichstagsabgeordnete Pauli zu dieser Versammlung eingeladen, aber nicht erschienen sei. Als Referent war der Borsitzende des Verbandes Herr Uschold- München erschienen, welcher die Ausführungen des Herrn Pauli vom 14. Mai im Reichstag, der Militärarbeiterverband treibe nur ver- kappte Agitation für die Sozialdemokratie und müsse scharf bekämpft werden, als eine leichtsinnige Denunziation bezeichnete. Wenn man sich den Herrn Pauli näher betrachte, müsse man zu der Ansicht kommen, daß dieser Herr- nicht ernst zu nehmen sei, sein ganzes Gebaren zeigt ihn nur als Sprachrohr des Bundes der Handwerker und des Aschaffenburger Verbandes. Die Spandauer Kollegen haben diesen Herrn jetzt endlich erkannt, das scheint Herr Pauli auch eingesehen zu haben, weil er nicht wieder für den WahlkeiS Potsdam-Spandau-Osthavelland, sondern für Mecklenburg kandidiert habe. Zum Schluß forderte der Referent die anwesenden Staatsarbeiter auf, reckt fest zusammen zu halten und nur ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen. Dann könnte auch trotz Denunziation keine Behörde einschreiten. Der Referent erntete wiederholt großen Beifall. Alle Diskussions- redner sprachen sich im Sinne des Referenten aus und bedauerten, daß sie sich so lange haben von Herrn Pauli an der Nase herum- stihren lassen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die im großen Saale des Schützenhauses versammelten Militär- arbeiter weisen die am 14. Mai im Reichstage von Herrn Pauli ausgesprochene verleumderische Denunziation entschieden zurück und geloben, auch fernerhin für den Verband der Militärarbeiter, welcher frei von Religion und Politik ist, zu arbeiten. Potsdam. Bei einem Aufstieg des AeroplanS des Prinzen Friedrich SigiS- mund stürzte gestern abend zwischen 6 und Va7 Uhr auf dem Born- stedter Felde der Ingenieur deS Prinzen ab. Der bewußtlose und anscheinend schwer verletzte Ingenieur wurde nach dem Garnison- lozarett gebracht. Jngendveranstaltungea. Charlotte nbnrg. Die Arbeiterjugend Charlottenburg veranstaltet in diesem Jahre zu Psingstcn eine zweitägige Partie nach Strausberg, Wriczen. Freienwalde usw. Die Unkosten belausen sich aus 3 M. pro Person. Treffpunkt: l. Psingsttag früh'/.S Uhr am Bahnhof Zoolozlsch« Garten. Schöneberg. Sonntag, den 26. Mai(l. Pfingstseierlag), Ausflug nach Kalkberge-Rüdcrsdors. Treffpunkt: früh 7 Uhr Bahnhos Schöneberg. Nur Eintagspartie._ Huq aller CHelt. Sumpfblüten aus der Jnseratenplantage. Der„Kunstwart" will, wie er in seinem neuesten Heft an- kündigt, von Zeit zu Zeit ohne viel Glossen Blüten aus den Annoncenplantagen bringen, die mit ihrem Glänze Schlaglichter in die Zeit werfen. Als erste bringt er eine aus Berlin, die so aussieht: ForderungS- Jnkasso-Jnstitut de Raffinement ausgefeimter Inhaber, Prozeß-Agent, zieht jede Art Forderungen ein, sowie Klagebearbeiwng usw. Das„Hamburger Fremdenblatt' vom 21. d. MtS. enthält etwas Aehnliches: Juristisch geschulte scharfdenkende Kraft, wenn auch verkommen, falls sonst genialisch veranlagt. Off. usw. ES ist nicht ausgeschlossen, daß der.auSgefeimte Inhaber' des ersten Inserats die„genialische, wenn auch verkommene Kraft' deS zweiten für feine dunklen Zwecke sucht. Das Bezeichnende an solchen Annoncen ist, wie weit sich der.neutrale' Inseratenteil der bürger- lichen Presse nicht bloß in den Dienst der Gemeinheit, sondern auch des Verbrechens stellt._ Tie Rache des Hintergangenen. Ein blutiges Drama spielte sich am Donnerstag in AlrnbiaS in der spanischen Provinz Valencia ab. Dort war der Werkmeister Ollala seiner Frau auf die Spur gekommen, die ihn, während er seiner Arbeit nachging, mit einem seiner Freunde betrog. Ollala be- schloß, sich in furchtbarer Weise zu rächen. Er befestigte unter dem Bett seiner Frau in seiner Wohnung eine Dynamit« Patrone, durchbohrte die Decke und verband mit der Patrone eine elektrische Leitung. In dem Augenblick, als der Rivale sich bei OllalaS Frau in der Wohnung befand, brachte Ollala die Patrone zur Explosion, durch die das ganze Haus zerstört wurde. In ziemlicher Entfernung wurden die schrecklich ver- stümmelten Leichen der Frau und deS Freundes aufgefunden. Ollala wurde sofort verhaftet, zeigte jedoch nicht eine Spur von Reue über seine Tat._ Was lange währt wird gut. Etwas sehr poot kestum kommt ein Hochzeitsgeschenk, daS eine Anzahl preußischer Städte„in Ehrfurcht ersterbend" dem Kronprinzen- paare widmen will. Gelegentlich der Hochzeit hatten die Städte be- schlössen, dem jungen Ehepaare einen silbernen Tafelschmuck für eine Prunktafel zu schenken. An der Herstellung deS Kunstwerkes hat eine ganze Reihe hervorragender Bildhauer und Fachleute gearbeitet, trotzdem ist daS Prunkstück jetzt nach sieben- jäbriger Ehe deS Kronprinzen noch immer nicht fertig. Hoffentlich besteht nicht die Absicht, auS Sparsamkeitsgründen mit der Ueberreichung bis zur Feier der silbernen Hochzeit zu warten. Kleine Notizen. Mord iu der Mark. In Broschen im Kreise Krassen wurde die 21jährige Bauerntochter Auguste Schulz im Walde tot auf» gefunden. Um den Hals waren dem Mädchen Schürzen ge» wickelt worden. Es liegt jedenfalls Mord vor. Bon Wilderern erschossen. In der Nacht zum Freitag wurde in der Nähe der sogenannten Kuxlöcher bei B r a u n l a g« im Harz der Forstlehrling Klie von Wilderern erschossen. Sein eigener Vater fand ihn am Morgen im Walde auf. Schwere Bluttat, In der Rumpelkammer der Wohnung der Witwe N i e b e ck e am Roedingsmarkt in Hamburg wurde die Leiche ihres Mieters, des 35jährigen Kaufmanns JultuS Gens, mit einer Schußwunde aufgefunden. Die Witwe, die gestern anscheinend von einem Blutsturz befallen. inS Eppendorfer Krankenhaus geschafft worden war, gestand, den Mann durch einen Schuß in den Rücken getötet und fich selbst in den Mund geschossen zu haben. Sie will die Tat verübt haben, weil GenS fortgesetzt Geld von ihr erpreßt habe. Automobilunglück iu Böhmen. Bei R o l i tz e n rannte ein Auto» mobil mit vier Insassen auS Prag gegen einen Baum. Alle vier Insassen wurden herausgeschleudert und ein Insasse ge« tötet, während die drei anderen schwer verletzt wurden. „. Marktbericht von»erlin am SS. Mai ISIS, nach Ermittelung de» konigl. Polizeipräsidiums. M- rkt h all e o p r eis«.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gewe, zum Kochen 34,00— 50,00. Sveisebohiien, weihe. 30,00—66,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl) 8.00—13,00. 1 Kilogramm Nindfleisch, von der Keule 1.70�-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40—2.60. Hammelfleisch 1,40— 2,20. Butter 2,20—3,20. 60 Stück Tier 3,20— 5,50. 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3.60. Hechte 1,60-2,80. Barsche 1,00—2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00—40,00. BSafferstands-Rachrtchte»_ der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom B-rlwer Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnfterburg Weichsel. Thoru Oder, Ratibor , Krassen . Franksurt Warthe, Schrimm . Landsbcrg Netze, Pordamm l b e, Leitmeritz , Dresden , Berby . Magdeburg Wasserstand Saale. Grochlitz Havel. Spandau») , Rathenow») Spree, Spreniberg») , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mofel. Trier am 23. 5, Cm 82 38 33 68 84 161 216 510 269 262 75 122 60 l-it 22. 5. cm1) +U 0 —7 0 +2 +11 0 _ o —3 +2 +23 +3 +1 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Selbstkostenpreis + 10% DieH.K.G. ist in ihrer Art das grössteSpezial-Geschäft Deutschlands, sie betreibt den Detail-Verkauf fertiger Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sport-Bekieidung zum Selbstkostenpreis und erhebt als einzigen Gewinn eine Umsatzprovision von I00/o Lagerbestand ca. V« Million Mark Größe der Verkaufsräume ca. 1000 qm. Herren- Kleider- VertriellS- Ges. m. d. H., Nur Neue ScMnfiauser Straße I Ecke Welnmelstep. und MQnz- Strats«. t�beaten Sonnabend, 25. Mai 1912. Ansang 6'/, Uhr. Deutschcs. Faust. 2. Teil. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Schauspielhans. Minna don Banihelm. Ansang 8 Uhr. Kgl.LPernhaus. Elektro. Kvuiiiche Lver. Die Spiele ihrer Exzellenz. biauiiiieripiele. Mein Freund Teddy. Lnfing. Heimliche Liebe. Westen. Die schöne Helena. igursiirstciioper. Oberst Chabert. Äoniggrätzer Strafte. Die süns Franksurter. Sicnes Schauspielhaus. Parkettsitz Nr 10. Neues. Der liebe Augustin. Residenz. Alles sür die Firma. Lustipiclhauö. So'n Windhund. Lierliner. Grotze Rosinen. Schiller O. Der Geizige. Der eingebildete Kranke. Schöner. E.harlottcnburg. Die Haubenlerche. Neues Qnercrteu. Der Kongreß von Sevilla. Luisen. Schwester Carmen. Nose. Die zwei Waisen. Trianon. Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend. Thalia. Autolicbchen. Kleines. Der Arzt seiner Ehre. Die Dame im Kamin. Der Herr mit der grünen Krawatte. Wirlrovot. Schwindelmeier u. Co. Wintergarte». Spezialitäten. Gasino. Die lustige Strohwitwe. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Reichshallen. Stcttiner Sänger. Eine Hochzeit in der Müllerstratze. Ansang 8';, Uhr. Fricdr.- SLilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Folics Cnprice. Kobi» Krach. Nr. 14. Walhalla. Um eine Krone. Ansang 8',, Uhr. Neues Volkstheater» Geographie und Liebe. Königstadt-Kasino. Spezialitäten. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. 8evi!Iel'-7deslek'0.�em" Sonnabend, abends 8 Uhr: »er Geizige. Hieraus: Der eingebildete Kranke. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Kj-ritz-Pyritz. Sonntag, abends 8 Uhr: l>er Kompagnon. Montag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Schiller-XheateF"VC" Sonnabend, abends 8 Uhr: IMe Haubenlerche. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Piarrervon Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Die Wildente. Montag nachm. 3 Uhr: W ilhelm Teil. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. IbMiiiliei'WgMi'Zti'Äe AbcndS 8 Uhr: Sie 5 Frankfurler. Neues Theater. AbendS 3 Uhr: Ter liebe Augustin. Operette von Leo Fall. Theater des Westens. AbendS 8 Uhr: Tie schöne Helena. Sonnt, u. Moni. 3't, Uhr: Wiener Blut. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhf: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und K. Mitchell., Morgen n. sotgende Tage: Alles für die Frima._ Luisen-Theater. Sonnabend: Schwester Carmen. Sonntag, Montag, Dienstag nach- mittag 3 Ubr: Ich lasse Dich nicht. 8 Uhr: Schwester Carmen. Mittwoch: Schwester Carmen. lOSE-TMEATEI __ 3 Groye Frantiuner Str. 132. Zum erstenmal: _ij Die Mi Maisku._ usp. in 4 Alt. v G Scherenberg. Anfang 3 Uhr. >rgen und folgende Tage: Die Waisen. inntag und Montag bei s un. liger Witterung nachm. 3 Uhr- Preise: Spree. Atbener. .->luf der Gartcnbühne xonotag: Juhn: Es ist er. It: Grobe Jahresreoue von F. 'ardt Musik von Walter Kollo. amla'g und Montag: Er. Früh. er« und Vorstellung._ Konigstadt-Kasino. kike Holzmarkt, u. Aleranderstratze täglich abends � � ags>/,5 Uhr: Theater»nd »arictb,« Spezialitäten und Leute von heute. Gesangsposse in 1 Akt. TW- 3.0C1SCHER GARTEN Heute nactun. 4 U�11• Gr. Militär-Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., ab 6 Ubi 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag, morgens 6 Uhr: Großes Militär- Früh-Konzert. Eintritt 50 Pf., Kinder unt. zehn Jahren die Hälfte. Die Wagen der Straßenbahn verkehren auf allen nach dem Garten führenden Linie ab 5 Uhr früh, desgleichen die Züge der Stadtbahn und Untergrundbahn O A m H Soiiiliral. Waiiefein t ilen lt. Berliner Eeiclslisiireis FRÜH-KONZERTE Sonntag, den 26. Mai 1912(erster Pfingstfeiertag) in folgenden Lokalen: Mentes Volksgarten, Röderstraße 28/29, Elysium, Landsberger Allee 40/41(Spezialitäten), Ludwigs == Viktoriagaxten, Treptow, am Treptower Park== Montag, den 27. Mai 1912(zweiter Pfingstfeiertag) in folgenden Lokalen; Elysium, Landsberger Allee 40—41 (Spezialitäten), Brauerei Friedrichsbain, Am Friedricbshain Vokat' u. Instrumentat=Konzert in alten Lokalen EroSnung 4 Uhr X Billett 20 PI., an der Kasse 25 Pf. X Anfang 5 Ubr Ab 8 Uhr Das große komische Programm. 3 Uhr: Stürmischer Lachersolg Paul öeckers als Fliegendsten» Heinrich. f 33 Mefropol-Theater. AbendS 8 Uhr: Rauchen gestattet. Schwmdeimeier � Comp. Phantastisch musikalische Komödie in 3 eilten aus dem Englischen völlig frei bearbeitet von I. Freund. Mufil vonR. Nelson. U. a. Tänze v. W.Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. Zi. Schultz. Morgen nachm. 3 Ubr: llorotdes. vi» tlteinen Lämmer. Arb.-M.-Smd„Soliinmir Gau 9(Provinz Brandenburg). Ganausfahrt 1912 während der Pfingstseiertage(25. bis 23. Mai) nach EberSwalde. Festlokale:.NcueS Stadt- Theater", »Harmonie" und Rohdes Theater- und Festsäle. Kommers, Konzert, Korlbfahrt, feftrede, Kunft- und Reigenfabren sowie festball. Zahlreichen Besuch erwartet Der Gauvorstaud. 11/13 Der Festauöschuft I ff. ICafe BeiSevue. Clalre Waldofl Liittke Carlsen Alt-Uonner Studenten und das große nal-Programm! 14 Varietb-Attraklionen I An Rummlsburger See."'SlÄStfÄSTS.'"' Am 1. und S. Pstugstfciertag: «rove« Prithhonzert Am 1.. L. und 3. Feiertag nachmittags:* Großes Sartell-Kollzert und SpetiaMtell-Ztorstelluug. Die Kasseeküche ist früh und nachmittags geöffnet. Um zahlreichen Besuch bittet Gustav Tempel. rTTXTTXTSxzzxzxgg»angKafnsxxxxzxzx�ifXXX| Während der Plingstferien j?oi 23. bis inkl. 91 Jai; jVolkstage Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! I fDas vereintet Riesenpaar und alte anderen Attraktionen! Ohne Extra-Entree. 1 Folies Caprice. 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Wochentags 20, Sonntags 30 Pf. einfache Fahrt. Fahrgäste zahlen kein Entrec k Mach ilea Feiertagen taglieh früh 9, mittags 2 Uhr nach Wolterackorrer ScMense, früh 10 Uhr nach Bleue Mühle. i= Hin und zurück 50 Pf.- 1828b Bon der Oberbaumbrülke, Falckensteinstr. 4V Dampfer-Exirafaiiri am 2. Pfingstfeiertag««« Am 3. Feiertag nach und 2 Uhr nachmittags WolterNdorfer Schleuse mit Musik. Sporthans Ziegenhals. Abs. vorm. 8'/,____ Fahrpreis am 2. Feiertag hin u. zurück 1 M.. am 3. Feiertag hm und zurück SV Pf.. Kinder die Hälfte. Zlutzerdem am Z. u. 3. Feiertag: durch die Havclseen über Potsdam nach BaumgartenbrUch, Werder, Nedlitz und Krampnitz. Am 3. Feiertag nur Nedlitz und Krampnitz. Abfahrt vom Rcichstagsufcr an der Marschallbrücko' vorm. 9 Uhr, Abfahrt Charlottenburg(Tegeler Wog), nahe Bahnhof Jungfernheida 0'/, Uhr. Fahrpreis hin und zurück 1 M., Kinder die Hälste. 1827b Reederei Kleek, ÄÄ'K'SJ.8 Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze 58. Morgen Sonntag, 26. Mai 1912 (Pfingsten): 1. und 2. Feiertag: Frnhkonzert und Vorstellung 6 Uhr. Nachmittags 4 Uhr ab: Die Tochter der sieze u. d. erstklassige Spezialttäten-Progr. Kasseneröffnung früh 5 u. vorm. IV U. Ans. früh 6 Uhr und nachm. 4 Uhr. Impöllilifös Feld Sonnabend, den 25. Mal, nachm. 5 Uhr: Eröffnung! Geöffnet bis 11 Uhr abends. Stündlich gr. Vorstellungen. An beiden Pfingstfeiertagen von Ü TITll» an es- morgens � öffnet. GroBes Frühkonzert von zwei Kapellen. Entree SO Ff. Reservierte Plätze: Loge 2,—, L Tribüne 1,50, II. Tribüne 1,—. Keine Extra-Entrees. Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Der Ehemann am Fenster. Hieraus: Ein angebrochener Abend. P. Schmidts Sommer- Theater Landsberger Allee 70/77. Täglich: Gr. Konzert u. Spezialitäten- Vorstellung. Im Saal: Gr. Ball. Ansang 5 Uhr. l. u. 2. Pfingstl«!«. tag: Gr. Frühkonzert u. Vorstell. Ansang 5 Uhr früh. 3253L tieiek8tiM1ön-T!iealer. Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit i« der Mütterstrafte. Burleske vonMehsel. Wochentags 8 Uhr. Sonntags: 7 Uhr. Mentes Volksgarten Inh. Walter Schröter Lichteuberg, Roederstr. 28/29 Verlängerte Landsberger Allee. I. und 2. Feiertag: Frühkonzert. 150 Sänger, Spezialitäten, Konzert, Kinematograph. Im neuerbauten Let*, Riesensaal: Erstklassige Ballmusik. Entree 20 Pf. �drnil-Glspslast am Bahnhof Friedriebstraße, z. Z. einziger Eis= palast Deutschlands AUabendl. d. sensat. Bisballett „Yvonne". Weltmstr. Bror Meyer. Nachm.: Kunstlauf-Produlctionen. Bis 6 Uhr und von lO"/. Uhr abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges Wein- und Bier- Abteilung. Parkrestaurant Johannisthal. Jede» Sonntag: Grofter Boll. Familien- Kaffeekochen und sonstige Belustigungen. Für gute Speisen und Getränke ist gesorgt.* Um zahlreichen Besuch bittet W. Knbe, _ Amt Schöneweide 175. MoaliiterSetiiitzeiiliaus, Plötzenses An den 3 Pfingstiagen: Frühkonzert. Nachmittags: Konzert, Kabarett und Theater.- Ab 4 Uhr: Bali. IARK Das RendezYons der modernen Welt. Konzert und Attraktionen. Entree 50 Pf. 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