Nr. m. Nbonnementz.kecklWngea: Abonnements• Preis vränumeiandoz «ierteljährl. Z�0 Ml. monatl. l.10 Mb. wöchentlich 2S Pfg. frei WS HnuS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS» Preisliste. Unter Kreuzband für Demschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Auslant» S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen am Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Ole Tnkrtions-Gcbflfir beträgt für die fechsgefpallene Kolonel- geile oder deren Raum W Pfg., für politische und aewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen M Pfg. „Klelne Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tzuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche'....... und Schlasstellcnan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über IKBuch- "toben zählen für zwei Worte. Inserate "r die nächste Nummer müssen bis . Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Crttyltt Kg»» ins« Iffoniiz». Verlinev VolkcsblÄtt. Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Telegramm-Adreff«! uSMlaldtnelirat Rtrlln". Redahtion: SM. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8Z. CxpedMon t SM. 68» binden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz» Rr. ISSt. Pfingsten. Pfingsten ist das Stiftungsfest der christlichen Kirche. „Gehet hin m alle Welt und lehret alle Völker" ist das Pfingstevangelium, das auch diesmal wieder in allen Kirchen gepredigt werden wird. Nur freilich ist das Wort eine klingende Schelle und ein tönendes Erz geworden, eine in- haltsleere Phrase. Denn was ist aus dem Christentum, aus den christlichen Kirchen geworden, selbst da, wo sie herrschen? Ter Geist des Christentums, der alle Menschen gleichmachen- den, erlösenden Bruder- und Nächstenliebe, ist längst, seit vielen Jahrhunderten schon, eine Fabel geworden. Nicht der Geist der Nächstenliebe beherrscht heute die Welt,.sondern der Geist eines größenwahnsinnig gewordenen Kapitalismus, der mit Hilfe des Kriegsgottes die Welt imperialistisch unter- fachen will.' Merkur und Mars haben sich brüderlich gesellt, das Spekulationsfieber des beutegierigen Kapitalismus hat eine Epidemie des Nationalismus und Chauvinismus er- zeugt, der kein Tribut an den Militarismus zu hoch ist. Noch niemals ist selbst in dem Lande, dem die Pickelhaube als krönende Spitze der Kultur gilt, eine Militär- und Flotten- Vorlage so glatt, so spielend von sämtlichen bürgerlichen Par- teien bewilligt worden, als diesmal. Und dabei durchtobt bereits die Begeisterung für den neuen Luftmilitarismus die Lande! Weltpolitischer Bereicherungswahn und nationalistisch- militaristische Raserei sind heute das Menschheitsevangelium der herrschenden Klassen, selbst der Missionar, der in ftemde Erdteile eindringt, ist nur der Pionier der kapitalistischen Ausbeutung und des kolonialen Eroberungsganges. So arg ist es doch nicht immer gewesen.. Es war. eine gar zeitgemäße Erinnerung, daß der' preußische Landwirt. schaftsminister vor etlichen Tagen erzählt, wie sein Vater 1893 vom Zentrum heftig angegriffen worden sei, weil er damals für die Caprivische Heeresvorlage gestimmt hatte, und daß sogar ein Zentrumsgeistlicher von der Kanzel herab für die Bekehrung dieses rüstungswütigen Sohnes der Kirche gebetet habe! In der Tat: im Jahre 1893 verkündete noch der Zentrumsführer Lieber im Reichstag:„Die Ueber- spannung des Cäsarismus, des Militarismus ist's, wogegen wir kämpfen." Aber das ist heute freilich ein längst über- wundener Standpunkt. Nachdem auch das Junkertum an Börsenspiel und Kolonialabenteuern Geschmack gefunden und die Kolonialkarriere für seine jüngeren Söhne als höchst opportun erkannt hat, geht das selbst stark junkerlich durchsetzte Zentrum mit den Konservativen für jede weltpolitische Forderung durch das Feuer. So hat die jüngste Orgie unseres expansionstollen Kapitalismus den letzten Nest des Widerstandes gegen die militaristische Barbarei hinwegge- schwemmt, der etwa noch in den kümmerlichen Reminiszenzen der christlich-kirchlichen Anschauungen zu finden war. Und wie innerhalb des Katholizismus jeder Widerstand gegen die schauerliche Unmoral der imperialistischen Er- oberungsgier und der chauvinistischen Raserei erstorben ist, so auch innerhalb des Protestantismus. Die Geist- lichkeit denkt gar nicht daran, der brutalen Theorie vom rücksichtslosen Kampf um die weltpolitische Futterkrippe, den scheußlichen Exzessen unserer Kriegshetzer auch nur in der mildesten Form entgegenzutreten. Ja, ein einflußreiches kirchliches Organ, �die„Evangelisch-lutherische Kirchenzeitung", hat sogar den Segen eines frisch-fröhlichen Völkermordes als eines moralisch die Luft reinigenden Ge- witters gepriesen! Ist es da nicht ein grausamer Hohn, wenn in solch einer Zeit, die vom giftigen Brodem gigantischer Beutegier und von tosendein Waffenlärm erfüllt ist, auf den Kanzeln das Pfingstevangelium verkündet wird? Wenn in den „Kulturstaaten", die seit mehr als einem Jahrtausend dem kirchlichen Christentum unterworfen, des wahrhaft christ- lichen Geistes kein Hauch zu verspüren ist— was soll da das Hinaustragen derLehrezu den„Heiden". Will man die farbigen Rassen wirklich zu Menschenbrüdern machen? Ach, man denkt ja gar nicht daran! Schon die legitime Rassenvermischung, die staatsbürgerliche Anerkennung der Mischlinge will man gesetzlich hintertreiben, damit der unterdrückten Sklaven- masse nicht in diesen Mischlingen Helfer wider die weiße Herrenrasse erwachsen! Daß ein Mann wie Alexander von Humboldt die Rassenmischung als etwas ganz Natürliches und Nützliches betrachtet, ficht unsere Rassenfanatiker und Herrenmenschen natürlich nicht an! Aber nicht nur dem Christentum sind alle Ideale ab- handen gekommen, sondern nicht minder auch unserem liberalen Bürgertum. Denn auch es besaß einmal Ideale. Kulturideale. die auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiete lagen. Es sind sogar erst 28 Jahre her— und es klingt doch wie ein Märchen—, daß der liberale Führer Bamberger im Reichstag auseinandersetzte, daß er es für falsch halte, zu .glauben,„in gewissen kühnen Unternehmungen, die nach oem Auslande gehen, den Wohlstand des Landes vermehren zu müssen, während ich glaube, im Inland selbst unter Ach- tung der freien Tätigkeit des Landes vielmehr die Quelle des Gedeihens zu finden." Ja, noch im Jahre 1893 veröffent- lichte ein liberaler„deutscher Historiker" eine Schrift, in der er zum Kampf gegen den Militarismus aufrief und alles Kompromisseln eine„merkwürdige Verblendung" nannte: „Wohl möglich, daß man den Liberalen, die sich unter das Joch des Militarismus gebeugt haben, zum Dank einige Brosamen hinwirft. Aber was kann das bedeuten gegen die Stärkung des militaristischen Geistes und gegen die Schwächung der bürgerlichen Widerstandskraft! Die Zustände, die man bei uns beklagt, die ganze rücksichtslose Härte in der Armee, die Durchsetzung unserer bürgerlichen Gesellschaft mit militärischen Vorurteilen, die Ueberhebung des Beamten- tums und die Zwangsmaßregeln der Gesetzgebung und Ver- waltung, die ganze Vernachlässigung dessen, was uns der Kulturfortschritt bedeutet: alles das ist doch nur die natür- liche und unausbleibliche Folge, die sich aus dem Parallelo- gramm der Kräfte des Militarismus einerseits und der freien bürgerlichen Gesinnung andererseits ergibt."— War das damals schon die Stimme eines Predigers in der Wüste, so sind solche Stimmen innerhalb des Liberalismus heute vollends verstummt! Unter Kultur versteht unsere herrschende Klasse heute nur noch rücksichtslose Ausdehnung des Profit- gierigen Kapitals, Entwickelung der Mordtechnik und stupid- brutalen Genuß der Sinne! Das Pfingstevangelium der Apostelgeschichte ist ein tönendes Erz und eine klingende Schelle geworden. Von dem, waS die Lippen plappern/ verspürt die Seele nichts mehr. Dafür ist ein anderes Evangelium erwacht, das mit Brausen die Geister erfüllt und mit hundert" Zungen in allen Nationen und Rassen die heilige Lehre von der Menschheit- erlösung der Menschheitbefreiung kündet: das Evangelium des Sozialismus! llle deutsche Cebrerveriammlung in ßerlio. In der Pfingstwoche tagt in Berlin die deutsche Lehrer Versammlung. Zum letzten Male fand diese für die päda- gogische Welt und im allgemeinen Kulturinteresse gleich wichtige Tagung im Jahre 1890 in Berlin statt. Inzwischen hat sie in verschiedenen Städten Deutschlands, von Königs berg bis Straßburg, von Köln bis Breslau, statt gefunden. Wir haben die Verhandlungen der deutschen Volksschullehrer von jeher mit Aufmerksamkeit verfolgt und unsere Schlußfolgerungen daraus gezogen. Damit haben wir uns nicht immer den Dank der maßgebenden Herren des Deutschen Lehrervereins erworben, sie sind zeit iveilig sogar nnt bitteren, gehässigen Worten über uns her gefallen. Dadurch lassen wir uns natürlich nicht beirren. Wenn wir kritisieren, so geschieht es nicht irgendwelchen Per« sonen zuliebe oder zuleide, sondern im Interesse des Volkes und seiner Schule. Gerade die Lehrer sollten ein offenes Wort ehrlicher Kritik mit Verständnis entgegennehmen. Nicht nur, daß ihnen gerade daran liegen muß, zu erfahren, wie die Arbeiter, die Eltern ihrer Schüler, über sie und ihre Arbeit denken; sie haben auch in ihren Reihen Kritiker gehabt, die das Wort nicht auf die Goldwage legten, wenn es um eine ernste Sache ging. Man lese die leidenschaftlichen Anklagen Pestalozzis, man lese Diesterwegs flammende Kritiken der reaktionären Schulregulative und der— liberalisierenden Lehrer, die den Mut zum tatkräftigen Widerstande gegen die Volksfeinde aller Art verloren hatten; man lese auch die glänzende Rede DitteS', niit der er im Jahre 1890 den da- maligen Lehrertag in Berlin eröffnete. Wie ein heller Trompetentou drang diese Rampsansage durch die deutschen Lande und scheuchte die Schläfer und die Dunkelmänner in gleichem Maße auf. Dittcs war der letzte große Repräsentant der liberal- demokratischen Lehrerführer individualistischen Gepräges. Als er einige Jahre später starb, entstand für die deutsche Lehrer- fchaft die Frage, einen Nachfolger für die Redaktion des von Dütes herausgegebenen„Pädagogiums" zu finden. Man ließ das„Pädagogium" eingehen und schuf als Ersatz dafür„Die deutsche Schule", dessen Herausgabe man dem Berliner Rektor Rißmann übertrug. Rißmann war schon zu Lebzeiten Dittes der Vertreter der sozialen Strömungen in der Lehrerschaft und in der wissenschaftlichen Pädagogik gewesen, denen er in der„Deutschen Schule" ein weites und freies Feld der Er- örterung bot. Rißnmnn hat mit feinem Verständnis und mit energischem Wollen der Sozialpädagogik gegenüber der alten Jndividualpädagogik die Bahn freigemacht. Ihm ist es auch in erster Linie zu danken, wenn das wichtigste Thema der bevorstehenden Tagung, die Frage der I/�eitsschule, all- mählich das nötige Verständnis in der deutschen Lehrerschaft gefunden hat. Es hat daran bis vor nicht allzulanger Zeit gefehlt. Noch in Köln im Jahre 1900 haben die deutschen Volks- schullehrer die Aufnahme des Arbeitsunterrichts in den Lehrplan der Volksschule abgelehnt, und zwar aus prinzipiellen, individualpädagogischen Gründe, deren Wortführer der Frank- furter Lehrer Ries, ein hartnäckiger Vertreter der alten Ten- denzen in der Lehrerschaft, war. Inzwischen haben sich die Vorkämpfer der neuen sozialpädagogischen Richtung auf der ganzen Linie durchgesetzt, so daß auf der diesjährigen Tagung über das Prinzip kaum noch besonders gestritten werden wird. Umsomehr werden fteilich die Ansichten im einzelnen aus- einandergehen. Mit dem Worte Arbeitsschule werden gegen- wärtig noch die verschiedenartigsten, sich oft geradezu widerstrebenden Ansichten gedeckt. Die grundsätzlichen Anschauungen, die der Sozialismus über die Äe- deutung der Arbeit für die Erziehung hat, und die er aus seiner klaren wissenschaftlichen Erkenntnis der Wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Bewegungsgesetze ableitet, finden in der deutschen Lehrerschaft vorläufig nur noch ganz vereinzelt Vertreter, die noch dazu aus den in Preußen- Deutschland bekannten naheliegenden Gründen genötigt sind, ihr übervolles Herz zu wahren. Die deutsche Lehrerversammlung in Berlin böte übrigens eine gute Gelegenheit, gegen diese«naheliegenden Gründe" energisch Front zu machen. Das zweite Hauptthema des Kongresses behandelt die rechtliche Stellung des Lehrers in Staat und Gemeinde. Um die Rechtslage des Lehrers ist es sehr übel bestellt. Er steht zum Teil noch unter der alten Rechtlosigkeit, die er aus den ftüheren Zeiten seiner sozialen Knechtsstellung mit in die neuere Zeit hinübergeschleppt hat. So ist der Lehrer noch bis heute vom Amte eines Schöffen und Geschworenen ausgeschlossen, und in den Gemeinden ent- hält man ihm das passive Wahlrecht vor. Dazu kommen die allgemeinen und besonderen Beschränkungen, denen heutzutage alle Beamten in Deutschland, besonders in Preußen, unter- warfen sind. Geheime Konduitenlisten spielen noch immer eine Rolle, besondere Disziplinarbestimmungen gängeln den Lehrer in seiner politischen und staatsbürgerlichen Betätigung. Gegen eine politische Tätigkeit im jeweilig staatlich ge- wünschten Sinne hat freilich die Regierung nichts einzuwenden. Man benutzt im Gegenteil die Lehrer mit Vergnügen als Klopffechter für reaktionäre politische Zwecke. Die Herren Junker wissen die formale Befähigung des Lehrers, zumal auf dem Lande, für politische Organisations- und Agitationszwecke sehr wohl zu schätzen. Aber wehe, wenn der Lehrer sich ein- fallen läßt, gegen den Stachel der Regierung zu löken l Dann hagelt es Verfügungen, Verwarnungen und Maßregelungen. Selbst harmlose liberale Lehrer wissen davon ein Lied zu singen. Die ärgste Beschränkung der politischen Ueberzeugung des Lehrers besteht aber in dem strikten Verbot sozialdemokratischer Gesinnung und Betätigung. Die ganze Kurzsichttgkeit und reaktionäre Engherzigkeit des heutigen Klassenstaates wird offenbar, sobald irgendwo und irgendwann ein Lehrer sich das Recht herausnimmt, für die Sozialdemokratie in Wort oder Schrift einzutreten. Dann hat unweigerlich sein letztes Stündlein als Beamter geschlagen. In diesem Punkte sind sich alle Regierungen in Deutschland gleich. Die preußische Regierung geht mit plumpem Beispiel voran, aber selbst dottrinär-liberale Regierungen wie die der hanseatischen Republik Bremen ahmen begeistert dieses Beispiel nach. Gerade aus Bremen sind neuerdings die krassesten Beispiele reaktionärer Intoleranz bekannt geworden. Es wäre eine würdige Auf- gäbe für die große deutsche Lehrerversammlung, gegen diese unerhörte Beeinträchtigung der freien Meinungsäußerung und politischen Betätigung ein energisches Wort zu sprechen. Im Ausland lacht man über solche hinterwäldlerischen Maximen. Es gibt keinen einzigen Staat außer Preußen-Deutschland, in dem sozialdemokratische Lehrerorganisationen nicht an- standslos bestehen und wirken könnten. In dieser Selbst- Verständlichkeit stehen selbst kleine Balkanstaaten wie Bulgarien und Serbien nicht hinter großen und reifen Kulturnationcn wie Frankreich und Dänemark zurück. Wir fürchten aber, die deutschen Lehrer werden den Mut zum deutlichen Protest nicht finden. So groß ist die dem deutschen Normalspießbürger von Bismarck eingetriebene lächerliche Angst vor der Sozialdemokratie, daß selbst die deutschen Volksschullehrer sich von dieser geistigen Inferiorität noch nicht zu befreien vermögen.* Aber auch die Zeit wird kommen! kevolutionstsg in Budapest. Aus Wien wird uns vom 24. geschrieben: Das war gestern in Budapest die Revolution. Die Arbeiter verließen die Fabriken, stiegen auf die Straße und der entfesselte Grimm des hundertmal genarrten und be- trogenen Volkes raste wie ein Element. Eine Arbeiter- demonstration von dieser Wildheit, von dieser leidenschaft- durchglühten Entschlossenheit haben die europäischen Haupt- städte in unserer Zeit selten erlebt; derlei haben wir �selbst in Wien, wo sich die Arbeiterklasse ihr Recht schon oft auf der Straße gesucht hat, nicht oft erfahren. Alle Berichte müssen zugeben, daß. allem Polizei-, Gendarmerie« und Militäraufgedot zum Trotz, das Vrole- tariat Herr der Straßen geblieben istz; daß die stärkste Waffenentsaltung, das rücksichtsloseste Dreinhauen und Hineinschießen an dem tollkühnen Mut der Proletarier zu Schanden geworden ist. Die ganze Armee der Polizei war im Gefecht. 12(XX) Mann Soldaten sind aufniarschiert. Aus dem ganzen Lande hat man militärische Verstärkungen geholt, aber die Arbeitermassen wankten nicht und hielten in ihrem Widerstand nicht inne. Sieben Todesopfer und za h l lo se V erw u n d e te sind dieses Blut« tages schmerzliche Opfer. Aber die Lebens- und Todesgefahr, in der von den Tausenden und Zehntausend«! jeder einzelne schwebte, hat niemand eingeschüchtert, niemand Angst gemacht, mit wahrer Todesverzweiflung sind die Massen fortgestürmt und bis ans Ende gegangen. Und der General- streik wurde nur abgebrochen, weil der Verlauf der Sitzung des Abgeordnetenhauses deutlich erwies, daß die gewaltige 'Demonstration ihre Wirkung erreicht hatte und die sozial- demokratische Parteileitung den Anruf zur Rückkehr zur Arbeit erlassen konnte. Wenn sich die Ausschreitungen heute vormittag noch fort- gesetzt haben, so tragen nur die übermütigen Ausbeuter daran die Schuld, die den frivolen Einfall hatten, die Arbeiter wegen des gestrigen Streiks aussperren zu wollen. Das geschah insbesondere in den großen Ganzschen Eisenwerken, in denen viele Tausende Arbeiter beschäftigt sind. Die Arbeiter, durch die Gemeinheit dieser Aussperrung aufs heftigste gereizt, setzten nun das gestrige Zerstörungswerk fort. Nun begriff auch die Negierung. was auf dem Spiele steht und sie gab Befehl, sofort eine Versammlung zuzulassen und machte den Unternehmern den Wahnsinn dieser Aussperrung klar. Heute wird in den Provinzstädten gestreikt, wogegen in Budapest von Mittag an die Ruhe einzuziehen beginnt. Es war nur ein einziger Revolutionstag, aber seine Lehre wird nicht verwehen, seine Wirkung wird nicht ausbleiben. Die Budapester Arbeiterhaben gestern die Wahlrcform gerettet. Was muß in den Herzen dieser sonst so besonnenen Budapester Proletarier vorgegangen sein, daß sie die Ver- zweiflung so übermannt hat. daß ihre Wut�alle Dämme übersprang! Aber wer die Geschichte der ungarischen Wahlreform- verschlepppung kennt, wird diesen Vcrzweiflungsausbruch wahrlich begreifen. Seit sieben Jahren werden die Rechtlosen in Ungarn mit Versprechungen hingehalten, wird ihr Vertrauen getäuscht, werden sie planmäßig betrogen. Vor sieben Jahren hat der Kaiser die Fcjervary von Kristoffy ins Land ge- schickt und den Völkern in Ungarn das allgemeine und gleiche Wahlrecht in feierlichster Weise versprochen. In der Thronrede der Koalitionsregierung, im Jahre 1906, wurde die Wahlreform als erste und dring- lichste Aufgabe erklärt. Die Regierung K h u e n wieder- holte das Versprechen. Und in dem ganzen Kampfe der Justhpartei wider Khuen, der in Wien ganz zweifellos Billigung fand, zu dem die Justhleute von sehr einflußreichen Wiener Kreisen geradezu ermuntert worden sind, lebte als sichere Hoffnung, daß die Regierung Lukacs den Auftrag erhalten werde, die Verständigung auf Grundlage der Wahl- zu suchen, daß die Wcthlreform zu dem die RcgierungS- �nwhrhett' bestimmenden Moment werden müfle. Und was geschah? Statt' die wahlrcformfeindliche Oligarchenklique zu 'tfolicren, verband sich Lukacs' mit ihr, und um dem ent- täuschten Volke jede Hoffnung abzuschneiden, vcranlaßte er die Erwählung des Oligarchenhäuptlings, des Wahlreform- feindes Tisza zum Präsidenten des Hauses, wo sich dieser als ein förmlicher Diktator des Landes niedergelassen hat und von wo aus er jeden Widerstand des Parlaments und im Lande ersticken will. Mit wahrhaft übermenschlicher Geduld hat das Proletariat das feige, hinter- hältige Spiel dieser ewigen Verschleppungen getragen. Immer hat es von neuem gehofft, immer noch auf die Einsicht und den RechtSsinn der Herrschenden vertrauen wollen. Aber sich noch einmal blenden zu lassen, dazu war es nicht verpflichtet, und sich noch einmal foppen zu lassen ging über seine Kräfte. Und so erhob sich das in seinem Innersten verletzte, in seinem sichersten Rechtsanspruch gekränkte Volk, erhob sich und revolutionierte l Auf diejenigen, die es zur Verzweiflung ge- trieben, deren habsüchtige Gier dem Volke das Staatsbürger- recht weigert, auf sie fällt die Verantwortung für den Bluttag mit zerschmetternder Wucht. Sie und nur sie sind die Schuldigen! Den ungarischen Proletariern, die mit ihrer revolutionären Tat gezeigt haben, wie töricht das Gerede war, das sie der Versunipfung beschuldigen wollte, den tapferen Proletariern in Budapest wendet sich aber das Mitgefühl der gesamten Internationale zu. Und in die Toteuklage um das vergossene Blut mengt sich das Gelübde, alles daran zu setzen, daß auch den Proletariern in Ungarn, daß den gedrückten Völkern in Ungarn ihr Staatsbürger- und Menschenrecht werde. ».* Ruhe in Budapest. Budapest, 26. Mai. Hier herrscht heute vollständigeRuhe. Die Stadt hat ihr normales Aussehen wiedergewonnen. Die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses findet am Mittwoch statt. Sämtliche Fraktionen der Opposition haben eine Konferenz abgehalten, um ein gemeinsames Vorgehen in der Frage der Wahlreform und der W e h r r e f o r m zu der- einbaren. Die Verhandlungen über die Bildung einer Koalition.sind noch nicht abgeschlossen._ Der Krieg. Ein russisches Dementi. Petersburg, 26. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die in der.Wiener Allgemeinen Zeitung' und anderen ausländischen Blättern erschienene Meldung. Rußland habe die Initiative zur Einberufung einer Konferenz in der Frage dcS türkisch-italienischen Krieges ergriffen, entbehrt jeglicher Begründung. Rußland beabsichtigt nicht, eine derartige Initiative zu ergreifen. Die MasseuauSweisung der Italiener aus der Türkei. Rom, 25. Mai..Corriere de la sera' meldet vom 24. Mai auS Athen, daß bisher mo Italiener Smyrna verlassen haben und in Konstantinopel angekommen seien. Weitere ölXX) Italiener werden Smyrna Verlasien, sobald eine genügende Anzahl von Dampfern vorhanden sein werde; die Ausgewiesenen hätten sich alle über schlechte Behaudluna seitens der türkischen Behörden beklagt. Drei italienische Eisenbahnarbeiter seien ohne jede Ursache getötet worden. Einem weiteren Telegramm des.Eorriere' zufolge hat General Ameglio aus den Gefängnissen von Rhodos Epiroten. Albanesen, Mazedonier und Bulgaren sowie politische Gefangene sreigelassen; auch politischen Gefangenen, die nach der Insel Rhodos verbannt worden waren, gab er die Freiheit wieder. poUtifebe CkberHcbt. Berlin, den 25. Mai 1912. Armer Bassermann! Es hat alles nichts genutzt. Umsonst ist Herr Basfer- mann bemüht, seine Mannen(Männer wäre zu hart) zu den Schwarzblauen zurückzuführen, umsonst hat er die Erb- schaftssteuer preisgegeben und sich der Führung Herrn Erz- b e r g e r s anvertraut; die Altnationalliberalen bleiben un- versöhnt und verlangen nachdrücklicher als je seinen Rücktritts Das Blatt der Scharfmacher, die„Post", veröffentlicht unter dem Titel„Basiermann, der Führer zum— Abgrund" einen Schimpfartikel„von einem Altliberalen" und mit der Unterschrift F-n., die auf Herrn Fuhrmann, den Vertrauens- mann der rhcinisch-westfälisch«! Scharfmacher hinzuweisen scheint. Es heißt in diesem Artikel: „Dem Abg. Basiermann fehlen alle Eigenschaften, über die der Leiter einer wichtigen, ja unenlbehrlichen Partei verfügen mutz; zunächst fehlt ihm der Charakter, und damit der feste Halt in sich selb st, die sittliche Widerstandsfähigkeit; dann mangelt der Blick für die treibenden Kräfte der Zeit, das Ver- ständnis für die Entwickelung der Nation außerhalb des ParteilebcnS und außerhalb de» Parlaments, und endlich die wirkliche Liebe und Sorge; dagegen verfügt er über ein Maß von Eitelkeit, das für mehrere bedeutende Menschen ausreichen würde, soweit solche überhaupt eitel sein dürfen. So ist Herr Basiermann das Verhängnis seiner Partei geworden, und die Geschichte wird dereinst von ihm sagen, daß er nächst dem Fürsten B ü l o w der S ch u l d i g st e ist an der Unfruchtbarkeit der wichtigen Zeitspanne der letzten drei'Jahrfünfte.... Der ganze Mangel an staatsmännischem VerantwortlichkeitSgefühl zeigte sich in und nach den Kämpfen um die Reichsfinanzreform, wo er den ver- derblichen populären Neigungen nachgab und die Hetze gegen den schwarz- blauen Block mitmachte, statt den Anschluß nach rechts in Ehren zu suchen; er zeigte sich in der Duldung der jungliberalen Machenschaften in der Partei und in dem Seelenbündnis mit dem Hansabund, und zuletzt in der Linksorientierung der Partei bei den Wahlen und im Parlament...Heute bietet die Partei ein Chaos, und sie wird sich daraus nur retten, wenn sie diesen Führer zum Abgrund beseitigt... Darüber sollten aber alle sich klar sein, die jetzt innerhalb. der Partei auf reinliche Scheidung drängen und eine Regeneration sin Sinne der Miquel-Bennigsenschen Ueberlieferuugen anstreben, daß mit Ver- tuschen und Verkleistern nichts erreicht wird— auch hier muß ganze Arbeit geleistet werden, selbst auf die Gefahr hin, daß die Links- stehenden ausscheiden und zu den Freifinnigen übergehen, wohin sie zum großen Teile gehören." Man sieht, die Verkleisterungsversuche des letzten Partei- tags sind erfolglos geblieben. Der rechte Flügel hat sich selb- ständig organisiert und scheint in der Tat bereit,„ganze Arbeit" zu machen. Herrn Bassermann aber fehlt allerdings die Wider- standsfähigkeit und es wird nicht lange dauern, bis er die Flinte ins Korn geworfen haben wird. Nochmals der Zentrumsverrat am Wahlrecht. Im preußischen Dreillasienhaus« fehlten bekanntlich bei der jüngsten Abstimmung über den fortschrittlichen Eventualantrag auf Einstihrung der d i r e k t e n und geheimen Wahl allein drei- un ddreißigZentrumSabgeordnete unentschuldigt. Die anwesenden Vertreter deL Zentrums stimmten für den Antrag .getreu den bewährten Traditionen'. Die freisiunige Eventual- forderung fiel trotzdem mit 18S gegen 163 Stimmen. Außer den 33 Zentrumsmännern fehlten unentschuldigt noch 1t .Volksvertreter'(13 Nationalliberale. 1 Pole). Da sich die u n- entschuldigt fehlenden Abgeordneten als Freunde und Feinde des wirklichen Wahlrechts die Wage hielten, so wäre der Frei- sinnsantrag glatt angenommen worden, wenn auch nur die 33 bummelnden Zentrumsabgeordneten anwesend gewesen wären! Man muß sich zudem die unentschuldigten Schwänzer der preußischen Zentrumsfraltion nur einmal näher ansehen. Unter ihnen finden sich zum Beispiel E u l e r, Graf P r a s ch m a, Graf von S p e e, Graf von S t r a ch w i tz u. a., die seit 1907 offizielle Gegner des allgemeinen, gleichen, ge- Heimen und direkten Wahlrechts find! Im Jahre 1907, als dem Zentrum die Reichstagswahlen auf den Nägeln brannten, brachte es im preußischen Landtage einen An- trag auf Einführung des ReichStagSwahlrechtS in Preußen ein. Aber 13 Mitglieder derZZentrumSsraltio» verweigerten damals ihre Unterschrist I Wichtig ist dabei noch, daß Graf von Spee— auch einer der unentschuldigt Verschwundenen und der- j e n i g e n, die 1907 nicht mit unterschrieben haben — schon 1903 in einem rheinischen Zentrumsblatte erklärte, er habe.außen den 12 Nichtunterschreibern in der preußischen jjentrumsfraklio» eine große Anzahl von Gesinnungsgenossen, die mit ihm in der Gegnerschaft einer Wahlrechts- Umbildung einer Meinung seien! Unter den 33 Schwänzern der Abstimmung sind also mit wenigen Ausnahmen all die Zentrumsleute zu sehen, die offiziell und inoffiziell gegen Wahlrechtsverbesserungen in Preußen sind! Ueberdies wollen wir noch festnageln, daß eS gerade Graf von Spee war. der vor zwei Jahren die sozialdemokratischen Mitglieder des Landtages«vor dem ganzen Lande' bloßzustellen Versuchte, weil sie bei der Debatte über die Einschinuggelung de« Religionsunterrichts in die ländlichen Pflichlfortbildungsichulen die Sitzung 20 Minuten vor Schluß der Beratung verlassen hatten, um eine Agitationsreisenach Rheinland und Westfalen anzutreten, um dort den ultramontanen Wahlrechts« verrat zu kennzeichnen I Am Montag schwänzten Graf Spee und etliche Dutzend anderer Zentrumsmitglieder. um den wichtigsten Kulturfortschritt für Preußen, die Beseitigung des Dreikiassen- Unrechts zu verhindern. Das soll ihnen nichtvergessen werde»! Die prenssische Regierung über das Hausbesitzqrprivileg. In der PetitionSkommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich ein Vertreter des Ministeriums des Innern über das HauS- besitzerprivileg bei den Gemeiudewahlen geäußert. Der soeben er- schienene schrfflliche Berich» der Pelilionskvmmission gibt diese Aeußerung wie folgt wieder: „Die Vorschriften der Städteordnung über die Zusammen- setzung der Stadlverordnetenversammlung gehen von der Absicht auS, das für den Charakter der Stadlverwaltung maßgebende Organ so zu gestalten, wie es für das Gedeihen am vorteilhaftesten er- scheint. Es ist klar, daß diejenigen ein größeres Interesse an einer dauernd günstigen Entwickelung des Gemeinwesens haben wer- den, deren eigene wirtschastliche Existenz auf Gedeih und Ver- derb mit der Gemeinde verbunden ist, als diejenigen, welche ihr .Verhältnis zur Gemeinde aus freien Stücken in jedem Augen- Hfick lösen können, oder von vornherein die spätere Lösung ihres Verhältniffcs zur Gemeinde in Aussicht genommen haben. Die an die Gemeinde Gebundenen hat der Gesetzgeber daher als bc- fonders geeignet angesehen, an ihrer Verwaltung beteiligt zu werden. Es ist also lediglich das Interesse der Gemeinden selber, das den Gesetzgeber zur Einführung des Hausbesitzerprivilegs veranlaßt hat. Es wird zu prüfen sein, ob auch jetzt noch die Hausbesitzer als besonders geeignete Hüter des Gemeindeinteresses anzusehen find... Es kann nicht verkannt werden, daß, insbesondere in Großstädten, mit rascher Entwickelung neben den setzliaften ein wechselnder Hausbesitzerstand getreten ist, dem das Haus nicht ein Bindeglied mit der Gemeinde, sondern besserenfalls eine Kapitalanlage, oft aber ein bloßes Spekulationsobjekt ist. Bei dieser Art von Hausbesitzern entbehrt das Privileg de» inneren Grundes. Bei einer Revision der Städteordnung kann man an der Prüfung der Fraga nicht vorübergehen, ob oder inwieweit dieser Entwickelung gegenüber das Hausbesitzerprivilcg beseitigt oder eingeschränkt werden soll. Diese Frage kann aber nicht außer Zusammenhang mit der Regelung des aktiven und passiven Gemeindewahlrechts behandelt werden. Nur im Rah- men einer allgemeinen Revision der Gemeindevcr- fassungsgesetze, wie sie zurzeit nicht in Aussicht stehe, wird eine befriedigende Lösung gefunden werden können." Die RcichstagSnachwahl im Wahlkreise Hagenow. Die Versammlung fortschrittlicher Vertrauensmänner im Wahlkreise Hagenow-GreveSmühlen stellte den Seminaroberlehrer Sivkovich- Loebtheen wieder als liberalen Kandidaten auf. Die National- liberalen unterstützen die fortschrittliche Kandidatur. Die Konser- vativen und Bündler werden natürlich wieder für ihren jetzt so jählings au» dem Reichstage bugsierten Potsdamer Tischlermeister Pauli eintreten, der bereits in.seinem' Wahlkreis alle Register gegen die Wahllommisston zieht, die ihm nach seiner Ansicht bitter Unrecht tat. Für die Sozialdemokratie wird wieder Genosse K o b e r kan« didieren, der mit Pauli in die Stichwahl kam. Bei der Hauptwahl erhielten nach dem amtlichen Wahlresultat, das bekanntlich die Wahlprüfungslommffsion des Reichstages zuungunsten Paulis korrigierte, indem sie enffchied, daß Pauli nicht mit dem Sozialdemokraten, sondern mit dem Fortschrittler hätte in die Stichwahl kommen müssen: Pauli 7063, Kober 6161, Sivkovich 6lt0 Stimmen von 21 769 Wahlberechtigten. Bei der Stichwahl entfielen auf Paul 9866, auf Kober 8766 Sümmen. Die Nachwahl findet voraussichtlich schon Mitte Juni statt- Amtliche Bettelei für die Luftflotte. Der Landrat des Kreises Fischhausen(Ostpreußen) hat an sämt- liche Amtsvorsteher seines Kreises ein amtliches Schreiben gerichtet, in dem es heißt: .Bei der hohen Bedeutung, welche der Entwickelung des Flugwesens für die deutschen Interessen sowohl im Frieden als auch im Kriegsfalle beizumessen ist, wird eine nachdrückliche und tatkräftige Förderung der Bestrebungen deS Komitees der National« flugspende auch den Eingesessenen des hiesigen Kreises warin ans Herz gelegt.— Ich ersuche, die beiliegenden Sammellisten in der dortigen Ortschaft umgehen zu lassen und die eingekommenen Bei- träge nebst Liste bestimmt bis zum 28. Mai 1012 an die hiesige Kreis-Kominunaikasse abzuführen.�. Trotz der amtlichen Form der Bettelei wird man doch bo- Haupte», daß es sich um freiwillige Sammlungen für die nationale Flugftiende handelt. Ebenso freiwillig, wie man den Soldaten hier und da Geld für diesen Zweck abknöpft. Lehrer. Lehrerinnen— und Ehe. „Die christliche Lehrerin, wie sie sein, wirken und beten soll", heißt— so schreibt die.Korrespondenz des Preußischen Lehrer- Vereins— ein Büchlein, i|®5 ein Prälat Dr. Cramer seiner Feder entfließen ließ. Der Geist der Schrift charakterisiert sich »n folgenden Stellen:„Wir haben bei verheirateten Lehrern viel- fach die Erfahrung gemacht, daß oas eheliche Verhältnis in ver- schiedener Weise, oft in recht trauriger Art. hindernd, störend und schädigend in den Lehrcrberuf eingriff und allen Segen der Schule verscheuchte." O. selige Zeit der Schulbrüder!„Und wenn es unter den verheirateten Lehrern solche gibt, die wir zu den besten zählen dürfen, so möchte auch bei diesen die Erwartung im allgemeinen berechtigt sein, daß, sofern sie dem Ehestand um Gottes Willen und aus Liebe zu ihrem Beruf entsagt hätten, ihre Wirksamkeit eine noch viel mehr gesegnete gewesen sein würde." Und die Lehrerinnen, die ihr Prüfungszeugnis mit dem Trauschein ver- tauschen, bekommen folgenden Hochzeitsspruch:„Solchen Lehre- rinnen, welche in den Ehestand treten, werden wir schwerlich Un- recht tun, wenn wir behaupten, daß sie ohne eigentlichen Beruf diesen Stand gewählt haben. Wenn solche Lehrerinnen durch ihre Ver- heiratung aus dem Lehrerstanoe ausscheiden, tonnte man das, wenn nicht fast immer«in gewisses Acrgernis für die Schule und die Gemeinde damit verbunden wäre, und wenn die Lehrerin. die infolge der Untreue gegen den von Gott ihr gegebenen Berus ausscheidet, sich nicht so schwer versündigte, ein willkommenes Er- eignis nennen, indem ja eben die ausscheiden, deren Wirksamkeit als ohnehin des Segens von oben bar sein würde." Es ist ja ein Glück, daß dem Herrn Prälaten die Macht fehlt, seinen Ansichten Geltung zu verschaffen. Aber ein Zeichen der Zeit ist es schon, daß dergleichen öffentlich gesagt werden kann. Darf man eine Strafe als himmelschreiend bezeichnen? Mit dieser nicht ganz uninteressanten Frage beschäftigte sich das Kriegsgericht Halle a. S. in der Sache des 32jährige'.i Kaufmanns Eulen st ein von dorr. E.. der geschäftlich viel in der Welt herum- reist, war als Reservist von dem Bezirkskommando aufgefordert worden, seinen näheren Wohnort anzugeben und die Gemeinde zu »euuen, an die er seine Steuern zahle. Da er der Meinung war. nicht verpflichtet zu sein, der Militärbehörde mit- zuteilen, wohin er seine Steuern zahle und er seinen Wohnort als Reisender nicht näher angeben konnte, ließ er die Aufforderung un- beantwortet. Daraufhin wurde er von dem Bezirkskommando m i t drei Tagen Mittelarrest belegt. Nun ivurde der Reservist ärgerlich und richtete an das BezirlSkommando ein Schreiben, in dem er die Strafe als himmelschreiend bezeichnete und mitteilte. daß er die Sache im Reichstage und i» der Press- zur Sprache bringen lassen werde. Da min die Militärbehörde weder gern etwas von dem Reichstage, noch von der Presse hört, machte sie Enleiistein noch einen neuen Prozeß wegen AchtungS- Verletzung und Nötigung. Eine Strafe als himmelschreiend zu bezeichnen, sei achtungverletzend. Der Ängeklagte bestritt dies. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt um aus den militärischen Schreiben zu ermitteln, weshalb der Angeklagte aufgefordert worden sei, niitzuteilen'. wohin er seine Steuern zahle. Wieder ein Opfer der Streikjustiz. Bochum, 24. Mai.(Eig. B«.)': Wegen der öffentlichen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze stand der Bezirksleiter F r a n S K r a k o w z i k«m» Datteln vor der Bochumer Strafkammer. Der Angeklagte soll wah- rcnd des Streiks diese Straftat begangen haben und ist in Unter. suchungshaft genommen worden. Der Steiger Angerhaufen. der auf Zeche Emscher-Lippe beschästigt»st. sagte als Belaswngs- zeuge ä\t5, d'ah er Mft Ang'eklagle« Leok-achtet k>abe, wie er auf der Etrahe zwischen einem Trupp Bergleute gestanden und ihnen di- Worte zugerufen habe:„Mutz mit Knüppeln drein- geschlagen werden, und wenn Blut flietztl" Er habe sich an den Trupp herangeschlichen und die Worte deutlich gehört. Der Steiger Krämer, der auf derselben Zeche in Dien- stcu steht, will bei einer anderen Gelegenheit gehört haben, wie der Llngellagte zu Bergleuten gesagt habe:„Morgen früh um 2 Uhr antreten mit Knüppeln. E s streiken 20000 0. Wenn das so weiter geht, streiken nächste Woche die Fabriken!" Er habe beobachtet, datz am anderen Morgen sehr viele Bergleute, mit Knüppeln versehen, die Arbeitswilligen oe- lästigt hätten. Der als Entlastungszeuge geladene Polizeikommissar sagt aus, datz er diese Wahrnehmung nicht gemacht hätte. Soweit wie die Polizei zugegen gewesen, habe der Angeklagte zur Ruhe und Ordnung ermahnt. Eine Anzahl weiterer Entlastungszeugen bekunden, datz der Angeklagte sowohl in den Streikvcrsammlungen, als auch auf der Stratze die Streikenden ermahnt habe, sich unter keinen Umständen Gesetzesübertretungen zuschulden kommen lassen, keine Ansammlungen auf der Stratze oder vor den Zechen zu unter- nehmen, sondern ruhig zu Hause zu bleiben. Ein Zeuge sagt aus. daß in Datteln die ärgsten Gegner nicht glaubten, datz Ärakowzik zu diesen Aussprüchen fähig sei. Auch der Amtmann hätte nicht daran geglaubt, denn dieser habe zum Angeklagten geäussert: „Wenn ich nicht annähme, datz Ihnen die Worte Scherz gewesen wären, so würde ich Sie in Untersuchungshaft genommen haben!" Der Staatsanwalt beantragte ohne ein Wort der Begründung k Jahr Gefängnis. Ter Verteidiger gab zu bedenken, datz das Gc- setz eine Menschenmenge voraussetze, an die die Worte gerichtet sein mützten. Im zweiten Falle träfe dies nicht zu, da hier nur drei Mann in Frage kämen, an die die Worte gerichtet gewesen seien. Im ersten Falle sei es sehr fraglich, ob der Zeuge, der sich an den Angeklagten herangeschlichen habe, die Worte richtig gehört hätte. Im übrigen sei es sehr auffallend, datz beide Zeugen nicht einen Mann angeben könnten, an den die Worte gerichtet gewesen, obwohl sie beide dort ansässig seien und mit vielen Bergarbeitern persönlich bekannt wären. Äitz der Angeklagte alles getan habe, damit es uielit zu Ruhestörungen habe kommen sollen, sei durch die Beweisaufnahme erwiesen. Er beantrage Freisprechung. Das Gericht sei, so verkündet der Vorsitzende das Urteil, nach eingehender Würdigung der allerdings eigenartigen Sachlage, aber angesichts der bestimmten Aussagen der Zeugen Angerhausen und Krämer zu einer Verurteilung aus§ in des Strafgesetzbuches gekommen und habe auf 6 Monate Gefängnis erkannt. Der Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls sei abgelehnt, jedoch eine Woche der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Verjüngungstendenzen bei der Eisenbahn. Frankfurt, den 25. Mai. Die übevOS Jahre alten Eisenbahnbureaubeamten haben, wie die„Frankfurter Zeitung" hört, vor einigen Tagen die Aufforderung erhalten, ihre Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen. Wie es heiht sollen auch die Bediensteten des äusseren Dien st es. des Lokoinotiv- und Führerdienstes, welche das 65. Lebensjahr über- schritten haben, demnächst die gleiche Aufforderung wie die Bureaubcmnten bekommen. Die Polizei gegen Privatangestellte. Bei der durch da» berüchtigte System der A-B-C-AnSsperrung bekannt gewordenen Firma M e n ck u. H a m b r o ck in Altona sind vor wenigen Tagen drei Ingenieure gcmatzregelt worden. Bc- zeichnend' ist. datz die, Entlassungen ohne irgeuieinm äusseren Anlgss lediglich wegen der Zugehörigkeit der betroffenen Angestellten zum Bunde der telhnisck-induslriellcn Beamten erfolgt sind, nachdem alle Versack«, die Angestellten durch Drohungen und Lockungen aus ihrer Lrganisanon berauSzutreibcn. gesckesiert waren. Hiergegen ver- anstaltete der Bund eine grosse Protestkundgebung in Hamburg. zu der durch Flugblätter eingeladen wurde. Die Polizei glaubte nun auck etwa» zum Gelingen der Beranstaltnng beirragen zu müssen, indem sie die Z e t t e l v e r t e i le r verhaften l i e ss. Natürlich hatte ihr Vorgehen nur den Erfolg. dass die Versammlung überfüllt war. Vertreter des Vereins für Handlnngslommis von 18S8, dcS Verbandes Deutscher HandluugS- gchilfcn zu Leipzig, des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und des Bundes der kaufmännischen Angestellten erklärten sich namens ihrer Verbände mit dem angegriffenen Bund der technisch- industriellen Beamten solidarisch. Nach Referaten der Herren Jng. Schindler und Dr. Nestricpke wurde eine Resolution an- genommen, in der das Vorgehen der Firma Menck u. Hambrock aufs schärfste verurteilt wird. Italien. Die Komplottgeschichte i« neuer Auflage. Nom, 23. Mai.(Eig. Ber.) Der Prozeß gegen den Attentäter D'Alba hat wieder einmal zu einer sogenannten „großen Enthüllung" geführt. In Cassino, Provinz Neapel, ist ein geachteter und viel beschäftigter Rechtsanwalt, Di Blasto, verhaftet worden unter der Anklage, an dem Anschlag ans daS Leben des Königs mitschuldig zu sein. Weiter faselt die„Tnbuna" von Spuren, die auf die Mitschuld von Maria Rygicr, Zavattcro und Fabbri, dreier bekannten Anarchisten. deuten sollen. In Cassino hat die Verhaftung des Rechts- anwalts eine solche Entrüstung erregt, daß viele Läden ge- schlössen wurden mit der Inschrift:„Ans Protest gegen die Verhaftung". Der Verhaftete ist ein rein theoretischer An- archist. dem kein Mensch eine Gewalttat und den Anschlag auf das Leben eines Menschen zutraut. Die Polizei brennt aber darauf, sich wichtig und— lächerlich zu mache». Im Zeichen der Reakticu. Rom, den 24. Mai.(Eig. Ber.) Wie scharf sich die Justiz jetzt im Dienste der Reaktion ins Zeug legt, dasiir liefert jeder Tag neue Belege. In dem Prozeß, der sich an den Streik von P i o m b i n o anscklotz. und bei dem eS sich um ein vermeintliches Komplott handelt, während in Wirklichkeit die Polizei durch brutales Vor- gehen eine Reaktion der Menge provoziert hatte, die in gar keinem Verhältnis zur Provokation stand, hat der Staatsanwalt am 22. d. Mls. geradezu ungeheure Strafen gefordert. Von 49 An« geklagten, von diflen 11 fklichlig und die übrigen feit 10 Monaten in llutcrsnchungShast sind, beantragte er die Verurteilung von 46, und zwar forderte er Strafen, diejjo» 13 Monate» bis zu 4'/z Jahren gingen. Im ganzen hat der Staatsanwalt die Stirn gehabt, für 46 streikende Arbeiter, denen keine Schuld nachgewiesen werden konnte, insgesamt 91 Jahre. 8 Monate, 1!) Tage Gefängnis zu fordern, ausser- dem für jeden je ein Jahr Polizeiaufsicht. Die Rede des Staatsanwalts rief laute Unruhe des Publikums hervor. Wie man sieht, wollen sich die Eisenindustriellen nachträglich für den Streik rächen, zu dem sie selbst aufgestachelt haben. Im gleichen Stil wird überall gewirtschaftct. In dem Prozeß gegen die„Soffilta" Wege» Aufreizung zum Verbrechen ist die Er- öffttniig de» HauptvcrfahrcnZ beichlosscu worden. Und zwar soll das Blatt zum Aufstände mit bewaffneter Hand und zum Attentat auf die Person des Königs aufgereizt haben. Die Müideststrafe beträgt 2 Jahre, die Höchststrafe 5 Jahre. Der Redakteur des BlattrS, Genosse Giovanni Lerda, befindet sich auf freiem Fntze. Vom irrenärztlichen Standpunkte erscheint eS bedenklich, datz sich auch der Richter auf freiem Futze befindet, der in dem Artikel Aufreizung zum Verbrechen finden konnte! Annahme des Wahlreformgesetzes. Rom, 25. Mai. Deputiertenkammer. Das Wahl- reform gesetz wurde angenommen. Der Berichterstatter B e r t o l i n i dankte allen Abgeordneten für ihre Mitarbeit an dem Gesetz und beglückwünschte Ministerpräsident Giolitti zu der Ein- bringung und Annahme einer so bedeutenden Reform und wünschte, datz die von der Kammer an die Ausdehnung dcS Wahlrechts ge- knüpften Hoffnungen durch einen neuen Fortschritt, eine neue Blüte und ein weiteres Wohlergehen Italiens sich erfüllen möchten.(Leb- hafter Beifall.) ©ebweden. Das Ausnahmegesetz. Seit nunmehr 13 Jahren enthält das schwedische Strafgesetzbuch jene Ausnahmebestimmung, wonach schon der Versuch, jemand durch Gewalt oder Drohung zur Teilnahme an einer Arbeits- einstellimg zu veranlassen oder an der llcbernahme angebotener Arbeit zu verhindern, als ein Verbrechen gilt, das mit Strafarbeit bis zu zwei Jahren geahndet werden kann und infolgedessen un- mittelbar die Verhaftung nach sich zieht. Die Regierung hatte nun vorgeschlagen, diese Bestimmung so zu mildern, datz Straffälligkeit nur dann eintritt, wenn es sich um eine schriftliche oder mündliche Drohung mit Misshandlung oder ähnlichen gesetzwidrigen Handlungen dreht, und dass an Stelle von Strofarbeft nur noch auf Geld- oder Gefängnisstrafe erkannt werden kann. Die Regierung war eigentlich für Beseitigung der ganzen Gesetzesbestimmung, hoffte aber, durch ihren MilderungS- Vorschlag einen übereinstimmenden Beschluß beider Kammern deS Reichstages herbeiführen zu können. Der I u st i z m i n i st e r er- klärte am Mittwoch bei den Verhandlungen in der Ersten Kammer: Der Versuch, jene Gesetzesbestimmung so hinzustelle», als wäre sie kein Kloffengesctz, ist missglückt. Denn es ist klar, daß das, was man Schul, der Arbeitswilligen nennt, ein Deckmantel für Arbcitgrberintcressen ist. Datz das Gesetz beschlossen wurde von einem Reichstag, in dem die Arbeitgeberinteressen dominierten, ist vielleicht weniger von Bedeutung, und auch dass es sich gegen Handlungen richtet, die gegen die Arbeitgeberinteressen verstoßen, ist nicht das schlimmste. Aber in diesem Gesetz hat man mit den allgemeinen Rechtsgrundsätzen gebrochen, indem man schon den Versuch deS Vergehens straft, und zwar ebenso hart wie daS vollendete Vergehen oder Verbrechen. Wenn man sich so über die allgemeinen RcchtSgrundsätze hinwegsetzt im Interesse der Arbeitgeber, dann ist das offenbar ein K l a s s e n- gesey". Die Erste Kammer war jedoch keinen Vernunft- und RechtSgründen zugänglich und lehnte Milderung des Ausnahme- gesetzes mit 73 gegen 71 Stimmen ab. Die Zweite Kammer, die die Verhandlungen über die Angelegenheit absichtlich hinausgezogen hatte, um gegebenenfalls auf einen an- nehmbaren Kompromissvorschlag einzugehen, nahm, nachdem sie von dem Beschluß des Oberhauses Kenntnis erhalten hatte, mit 133 gegen 50 Stimmen den sozialdemokratischen Borschlag an. der Aufhebung der ganzen Ausnahmebestimmung ver- langt. Vorläufig bleibt also dieses Klaffengesetz noch bestehen, aber jedenfalls nicht mehr-ans lange Zeit. Kulttand. Gegen die Cchrana. Petersburg, 25. Mai. Das erste Departement deS Reichs- rate» hat angeordnet, dass gegen den früheren Gehilfen im Mi- nistcrium deS Innern K u r l o w. den Vizedirektor des Polizei- dcparteinentS W e r e g i n, den Chef der Geheimpolizei in Kiew K u l j a b l o und den Obersten Spiridowitsch eine g e r i ch t- liche Voruntersuchung wegen Vernachlässigung ihrer Amtspflichten«ingeleitet wird. Die Beschuldigung. dass die Genannten StaatSgeldcr veruntreut hätten, erwies sich als hinfällig. Hmmha. Der Negeraufstand auf Kuba. Ne« Hork, 25. Mai.(P.-Q?.) Wie auS Santiago de Euba gemeldet wird, nimmt der Regeraufstand an Ausdehnung zu. Tie Aufständischen haben die Eisenbahnlinien 9 Kilometer weit aufgerissen und die Telegraphenlinien zwischen den Hauptpunkten der Insel zerschnitten. Eine grosse Reihe von Farmen sind auch gestern und heute niedergebrannt worden, Marokko. General Lyautey in Fez. General Lyautey ist am Freitag nachmittag in Fez eingetroffen. El M o k r i begrüßte den General als Vertreter des Sultans drei Kilometer vor der Stadt und gab ihm zu Ehren ein Frühstück. In der Freitagnacht wurde von mehreren Hundert Auf- ständischen ein Angriff aus Fez unternommen, der jedoch leicht abgeschlagen wurde. Nach einer anscheinend offiziösen Meldung hat General- resident Lyautey vorläufig als Vcrstärkungstruppen drei Bataillone Infanterie, womöglich Marineinfanterie, sowie eine Gebirgsbattcrie und zwei ischivadronen Kavallerie ver- langt. Die Regierung sei entschlossen, dem General alles zu bewilligen, was er zur Durchführung der ihm anvertrauten Alifgabe fordern sollte. General Lyautey habe aus feiner Ansicht über die Schwierigkeiten dieser Aufgabe kein Hehl gemacht._ Die Sitnation im Mnlnjagebiete. Aus U d s ch d a wird gemeldet: Die Franzosen treffen große Vorbereitungen, um in zwei bis drei Tagen den Mulujafluß zu überschreiten. Zwischen den Vorposten und den Marokkanern finden fortdauernd Scharmützel statt. Der Aufstand im SuSgebiete. Paris, 23. Mai. Die Agence Havas meldet aus M o- g a d o r vom 23. d. Mts.: Die in der Nachbarschaft von Tarudant und TiSnit wohnenden Stämme, die sich für Mohammed Hiba erklärten, haben die Paschas dieser Städte schriftlich aufgefordert, die Europäer auszuweisen. Bisher ist es zu keinem Gewaltakt gekommen. Der Pascha von Tisnit setzte die Europäer der Stadt von der Forderung der Stämme in Kenntnis. Die Europäer boten darauf Geld, das auch angenommen wurde. Vermutlich haben es die Stänlme hauptsächlich auf Geld abgesehen. Drohender Aufstand algerischer Eingeborener. Nach einer Blättermeldung aus O r a n breitet sich die durch die Aufstellung des Verzeichnisses der ge- stellungSpflichtigen Eingeborenen hervorge- rufene Gärung in der Umgebung von Tlemcen und Nemours (in der Nähe der marokkanischen Grenze) immer mehr aus. Die französtsche Behörde erhielt die Nachricht, daß die dortigen Berg stamme zum Auf st and entschl off e n seien und eine Geldsammlung veranstaltet haben, um Munition zu kaufen._ Die Affaire der Farm Renschhause». Tanger, 23. Mai. Außer dem in Diensten deS deutschen Kaufmanns Zimmermann stehenden Semsar Harra! sind auch die mit ihm verhafteten zwei Eingeborenen freigelassen worden. Ebenso sind alle auf der Farm R e n s ch h a u s e n fest- genommenen Eingeborenen wieder in Freiheit gesetzt worden. Em der Partei. AuS der Reihe getanzt. Am Schluß ber letzten Reichstagssitzung hat sich ein Borfäll ereignet, der die Parteigenossen sehr peinlich berühren mutz. AIS der Präsident das übliche Kaiserhoch ausbrachte, hatten unsere Genossen den Saal verlassen, um ihre grundsätzliche Stellungnahme zur Monarchie zum Ausdruck zu bringen. Eine Ausnahme machte leider Genosse Dr. Landsberg- Magdeburg. Er blieb im Saal und erhob sich zusammen mit den bürgerlichen� Abgeordneten vom Platze. Wir finden diese Demonstration gegen die Partei umso abgeschmackter und unentschuldbarer, als die vorausgegangene Debatte über das persönliche Regiment eS um so dringender geboten er- scheinen lassen mutzte, unsere grundsätzliche republikanische Gesinnung zum AuSdnick zu bringen._ Die Göppinger Zivistigkeitcn. Donnerstagabend fand in Göppingen eine zahlreich besilchte Parteiversammlung statt, der auch die Genossen Fischer und WaSner aus Stuttgart als Vertreter des Landesvorstandes anwohnten. Vom Ausschutz wurde der Entscheid des LandeSvorftandeS zu den von der Göppinger Organisation gestellten Ausschlussanträgen gegen Wid- mann, Huttelmayer. Engelmann, Weber und Neidmann bekannt gegeben, der ablehnend lautet. Dem Ausschussantrage, gegen dieses Urteil die weiteren Parteiinstanzen anzurufen, wurde zugestimmt. Genosse Weber erstattete darauf den Bericht über die letzte Bezirks« konferenz. Daran knüpfte sich eine ausgedehnte Debatte, in der alle Borgänge der letzten Tage eingehend behandelt wurden. DaS Ergebnis war, dass die Versammlung einem Antrage aus AuS- schluss deS Genossen Jul. Brückner mit grosser Mehrheit zustimmte, ausserdem wurde folgender R e« s o l u t i o n, eingereicht vom Genossen Tbalheimer, zugestimmt: .Die Versammlung deS Göppinger Sozialdemokratischen Vereins er- klärt, an der Kandidatur des Genossen Kinkel festzuhalten. Sie ver- urteilt in schärfster Weise den Disziplinbruch des Genossen Brückner und nimmt mit Geuuguiung die Erklärung der Landesvorstands- Vertreter zur Kenntnis, dass sie mit dieser Verurteilung der Göppinger Genossen einig sind und daS öffentlich ausdrücken werden." In der bürgerlichen Presse ergießt sich jetzt wieder über den Genossen Kinkel eine Schlammflut von Verleumdungen und Schmähungen, die— was das bedauerlichste ist— aus einejc sehr unsmtbercn Parteiquclle gespeist wird. Selbst Blätter, wie die „Franks. Ztg." und daS„Verl. Tageblatt", die sich sonst immer mit ihrem journalistischen„Anstand" gewaltig spreizen, werfen dem Ge- nassen Kinkel auf Grund gehässiger und parteiischer Informationen .Fälschniige»", die er in seiner Eigenschaft als Krankcnkasien« angestellter begangen haben soll, vor. Angesichts dieser traurigen Hetze sei hier festgestellt, dass die gegen Genossen Kinkel von ihm feindlich gesinnten Parteigenossen erhobenen Anschuldigungen und Denunziationen der Staatsanwaltschaft überwiesen worden sind. Diese mutzte aber wegen Haltlosigkeit der Beschuldigungen das Verfahren gegen Kinkel einstellen. Die„Fälschungen" Kinkels be- standen darin, datz er als Kranlenbesncher sich die Anwesenheit schwerkranker Personen, in deren Wohnungen er keinen Eingang fand, durch Flurnachbam bestätigen ließ und seine Rapporte danach ausfüllte._ Brandend, irgischcr Provinzialpartcitag. Die Generalversammlung ber WahlkrciSorganisatton Trotz- Berlins hat bekanntlich vor einigen Wochen beschlossen, daS Kartell- Verhältnis, welches bisher zwischen den Organisationen der Provinz und Grotz-Berlins bestand, zu lösen. Die Organisation der Provinz mutz daher nunn'.ehr auf eine andere Grundlage gestellt werden. Nach den Beschlüssen des Zentralvorstandes der Provinz soll deshalb an Stelle der bisher alljährlich in Gemeinschaft mit Grotz-Berlin abgehaltenen Provinzialkonferenzen der P r o v i n- zial Parteitag treten, der nur von den zur Provinz- organisation gehörigen Wahlkreisorganisationen zu beschicken ist. Der erste Provinzialparteitag findet am 30. Juni, vormittags 11 Uhr im Volkshause zu Brandenburg statt. Die frühzeitige Einberufung der Tagung macht sich notwendig, weil noch vor Beginn deS neuen GeichäsiSjahreS(1. Juli) die Revision des Statuts vorgenommen und beschlossen sein mutz. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: 1. RcichStagSwahl und geschäftliche Tätigkeit. 2. Die Neuorganisation der Provinz Brandenburg. 3. Anträge und Verschiedenes. Fortschritte der Parteiorganisation. Eine Agitation, die der sozialdemokratische Verein für Halle unter den gewerkschafttich organisierten Arbeitern von Wohnung zu Wohnung rn den letzten vierzehn Tagen veranstaltet hat, Erachte den schönen Erfosg von L27 Neuaufnabmeu. Die MitglieMzahl deS sozialdemokrattschen Vereins für Halle und den SaalkmS ist bannt auf über 7600 gestiegeir. Jugendbewegung. Kampf gegen die Arleiterjugend in Bayern wie in Preuße». Dem Vorsitzenden der Jugendorganisation Lech- hausen ging folgender amtliche Schrieb zu mit der Aufforderung, den Inhalt desselben auch den Beratern zu unterbreiten: Betreffs Jugendorganisation Lechhausen. Den Schülern der gewerblichen Fortbildungsschule und land« wirtschaftlichen Fortbildungsschule Lechhausen wird hiemit die Teilnahme an dem Vereine Jugendorganisation Lechhausen ver» boten. Dieses Verbot erstreckt sich sowohl auf die Teilnahme al« Mitglied bei dem Berein, als auf den Verkehr in den Bereinen überhaupt. Friedberg, 13. Mai 1912. Kgl. Bezirksamt Friedverg. gez. Brennfleck. In Bayern haben die Pfaffen, in Prcutzcn die Junker die Re« gierung in der Hand, beide sind die Todfeinde der Arbeiterbewegung. Das liberale Bnrgertum, das angeblich gegen Pfaff und Junker streitet, leistet beiden willigen Beistand. Solche Erlasse wie die obigen öffnen der Arbeiterjugend auch in Süddeutschland die Augen und sie lernen erkennen, wo die Feinde ihrer Klasse stehen. GewerfefcbaftUcbes. Craungc Epigonen. „Die Art und Weise, wie hier die Arbeiterschaft in ihrer Bewegungs- und Versammlungsfreiheit behindert wird, der- dient weiteren Kreisen bekannt zu werden; sie zeigt, wie notwendig ein gesetzlicher Schutz dieser Rechte ist." So liest man in der„Wcstd. Arbeiterztg."— Nr. 21— als Wiedergabe einer Notiz aus der„Köln. Volksztg.". Den Ruf nach gesetzlichem Schutz für das Koalitionsrecht begründet eine Darstellung über terroristische Maßnahmen von feiten des Direktoriums der Aachener Kleinbahngesellschaft gegen den christ- lichen Verband der Straßen- und Kleinbahner. Es sind zweifellos tolle Stückchen, die sich die Verwaltung leistet, sie passen famos in den bekannten Rahmen des Untcrnehmerterrors hinein. Somit wäre der Protest der Westdeutschen und ihre Forderung des gesctz- lichen Schutzes vollauf berechtigt, wenn sie ein wirklich freies Koalitionsrecht verlangte. Aber davon ist das Sprachrohr der M.-Gladbacher weit entfernt. Getreu der Haltung des Zentrums in Bayern, der christlichen Gewerkschaftssekretäre im preußischen Landtage und im Reichstage fordert man ein „freies" Koalitionsrecht nur für die Gelben und Christen—, nur für solche Organisationen, die behördlich genehm sind. Um Mißverständnissen über die Qualität der gewünschten Frei- hcit vorzubeugen, setzte man an die Spitze jener Notiz, ge- wissermaßen als Glaubensbekenntnis, folgende Bemerkungen: .Während den Angestellten der Reichs- und Staatsbetriebe völlige Freiheit gelassen ist, sich einer Berufsorganisation anzu- schließen, sofern(I) sich dieselbe auf den Boden der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung stellt, werden den An- gestellten der Straßen- und Kleinbahnen noch vielfach die größten Schwierigleiten bereitet. Das . trifft zum größten Teile auf die P r i v a t g e s e I l s ch a f t e n zu. aber es gibt leider auch noch Stadtverwaltungen, die von einer gewerkschaftlichen Organisation für die Straßenbahner nichts wissen wollen..." Von dem Recht des Zusammenschlusses zu freien Ver- bänden wollen diese sonderbaren Freiheitschristen nichts wissen. Sie schreien nur nach der Freiheit, die ihnen Reservatrechte einräumt. Der Knebelung der freien Gewerkschaften geben sie gern ihren Segen. Ihr Geschrei über den Terrorismus der Freien bezweckt nur, den Scharfmachern Henkersdienste zu leisten. Und diese Helden agieren dabei im Namen der großen Zentrumsführcr. In Wirklichkeit jedoch schänden sie deren Andenken. Die Gründer des Zentrums waren wirklich keine Kapitalskncchte, sie forderten kein Vereinsrecht m. b. H. und sie machten den Staat nicht zum Nachtwächter von Cliqueninteressen. Höhnend rief Windthorst am 14. Mai 1872 den Liberalen im Reichstage zu: .... Ick weiß sehr genau, daß Sie die Freiheit hier ganz anders verstehen wie in Nordamerika, wie überhaupt im angel- säcksischen Stamm. Sie verstehen die Freiheit so, daß man den Staat mit allen möglichen Rechten ausstattet, daß man dann strebt, an die Staatsgewalt zu kommen. alsdann aber alle übrigen, die anderer Meinung sind, in der Macht der Staatsgewalt zerquetscht. Das ist Ihre Ansicht von der Freiheil I" Da sehen sich die Gewerkschaftschristcn München- Glad- bacher Couleur im Spiegel! Sie verlangen Freiheit für sich, um die steten Gewerkschaften in der Macht der Staatsgewalt zu zerquetschen. -si Diese traurigen Epigonen unterstellen heute, das Vereins- recht sei eine gewährte Gnade, für die man dankbar sein müsse und deren von oben abgesteckten Grenzen das christliche Gemüt zu Gehorsam und unbegchrlicher Respektierung verpflichte. Anders dachten und sprachen die alten Zentrumsführer. Ueber das Vereins- und Versammlungsrecht äußerte sich der Ab- geordnete Moufang im Reichstage am 8. Februar 1876 also: .... Der Staat hat die Pflicht, den Bedürfnissen der ein- zelnen Gesellschastsklaffen gesetzgeberisch entgegenzukommen, und wenn er dies tut, so verleiht er diesen Gesellschaftsklasfen nicht etwa eine besondere Gnade, und es ist dies noch weniger ein Privilegium, sondern er erfüllt seine Pflicht. Die erste,' freilich nicht die einzigste Pflicht des Staates ist der Rechtsschutz. Die Individuen haben das Recht, sich zu vereinigen, und die Bereine haben das Recht, sich korporativ zu gestalten und folglich auch jene Mittel sich zu erwerben, ohne welcke ein korporatives Leben un- möglich wäre..... Man geht jetzt häufig von dem Gedanken aus, der Staat verleihe diese Rechie. Das ist aber ein falscher Ausdruck oder gar ein, falscher Begriff. Der Staat erkennt die vorhandenen Rechte an und gibt zur allgemeinen Sicherung den Ausdruck dieser seiner Anerkennung. So wenig die Kinder dadurch, daß sie in die Zivilstandsregister eingetragen werden, das Recht bekommen zu leben und Bürger zu werden, denn das haben sie Kraft ihrer Geburt, weil sie Personen sind, ebenso weitig hat eine Korporation nötig, daß der Staat ihr das zuspreche, was zum Wesen der Korporation, zu ibrer Existenz gehört; es dient aber zur größeren Ordnung und Rechtssicherheit, daß der Staat sie an- kennt und das ansspricht.. Wer heute so redet, den denunzieren die Gewerkschafts- christen, die Vertrauensmänner der Nationalliberalen und des Industriekapitals, als Antichristen.� Nur weil die Demagogen ihr das Arbeiterinteresse verratende Treiben mit dem alles helligenden Mantel der Religion decken, lassen sich die Arbeiter von ihnen betrügen. Sie glauben und merken nicht, daß ihre religiöse Ueberzeugung mißbraucht, als Vehikel der Wahr- nehmung rein kapitalistischer Interessen dient. Berlin und Clingcgcnd. Die Brauereien und die Maifeier. Der Berein der Weißbierbrauereien Berlins und Umgegend legt Wert darMf, festzustellen, daß den. Arbeitern der nachgesuchte Urlaub zum 1. Mai d. I. unter Fortzahlung des Lohnes ge- währt wurde.(Siehe.Vorwärts" Nr. 99 vom 23. April er.) Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma Lipschitz, Schilling- straße 12, sind sämtliche Kollegen am Pfingstsonnabend entlassen worden. Da es nicht ausgeschlossen erscheint, daß Maßregelungen vorgenommen werden sollen, ersuchen wir die Kollegen, bei etwaigen Arbeilsangeboten von feiten der Firma bei der Ortsverwaltung erst Erkundigungen einholen zu wollen. Am Dienstag(3. Feiertags ist das Verbandsbureau geschlossen. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Der Streik in der Kunststcinfabrik von Czarnickow u. Co. ist nach dreiwöchentlicher Dauer durch weitere Verhandlungen mit dem Erfolge beigelegt, daß ein Vertragsabschluß auf die Dauer von drei Jahren zustande kam, der im ersten Jahre 3, im zweiten Jahre 2 und im dritten Jahre einen weiteren Pfennig Lohnerhöhung vorsieht. Verband der Fabrikarbeiter. Der Abwchrsrrcik der Kutscher bei dem Fuhrherrn V o ß in Tempelhof ist erfolgreich beendet worden. Am Freilagabend hat der alte Herr Boß, der zuerst mit den Vertretern des Verbandes durchaus nicht verhandeln wollte, im Beisein seines BetriebsinspcktorS Keil dies dock getan. Herr Boß stellt alle seine älteren Kutscher ein- schließlich des entlassenen Vertrauensmannes am Montag früh wieder ein. Drei Kutscher, die erst etliche Tage vor Ausbruch des Streiks in Arbeit getreten waren, werden nacheinander eingestellt, sobald Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantwl? nach den Feiertagen sich die Arbeit wieder hebt. Die Organisation der Kutscher wird ebenfalls anerkannt. Es soll auch in Zukunft bei etwaigen Differenzen mit deren Vertreter verhandelt werden. Die Sperre über den Betrieb ist somit auf- gehoben. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Sektion II. Der Streik der Flcischcrgescllcn in Neukölln macht den Jnnungs- führern immer mehr Kopfzerbrechen. Trotz aller Gegenagitation haben bis jetzt 93 Fleischermeister den Tarifvertrag unterzeichnet. Die Polizei ist eifrig bemüht, die boykottierten Fleischermeister zu „beschützen", wodurch vor den Läden Menschenansammlungen hervor- gerufen werden. Bei der„Neuköllner Fleischzcntrale", Kottbuser Damm 8l/82 waren sogar berittene Schutzleute aufgeboten. Folgende Fleischermeister haben nachträglich den Tarifvertrag unterzeichnet: I. Albert, Lesnngstr. 9, August Prager, Okerstr. 12, A. Volland, Heidelberger Str. 33, H. Behrend, Kaiser-Friedrich-Str. 22, Linde- mann, Richardstr. 31/32, Schmiedel, Pannierstr. 12, Färber, Neue Jonasstr. 29. Zentralverband derFlei scher. Die Streikleitung. Elisabethstr. 11. Telephon: Königstadt 3324. DeutTches Reich. Lohnbewegungen und Lohnkämpfe im Zentralverband der Zimmerer 1914. Das Jahr 1911 war für den Zimmcrerverband an Lohn- bewegungen nicht besonders reich. Ihre Zahl betrug nur 267 gegen 583 im Jahre vorher. Auch die Anzahl der daran Beteiligten, 6336, bleibt hinter der des Vorjahres, 46 223, gang erheblich zurück. Seinen Grund hat das vor allem darin, daß für die überwiegende Mehrheit der Verbandszahlstellen und Mitglieder die Lohn- und Arbeitsbedingungen bei dem Abschluß der großen Tarifbcwegung 1913 festgesetzt worden sind. Ja, hätten sich die baugewerblichen Unternehmer allerwärts den Bedingungen, unter denen sich der Abschluß des Kampfes 1913 vollzog, unterworfen, so wäre die Zahl der unter Tarifvertrag stehenden Zahlstellen und Mitglieder um ein erhebliches größer, als das tatsächlich der Fall ist. Als Beweis dafür sei hier nur angeführt, daß für 33 Orte mit 2886 Verbandsmitgliedern ebenfalls Tarifverträge abgeschlossen sein müßten; aber die hier in Frage kommenden Unternehmer haben die Dresdener Entschcidun- gen von 1913 einfach ignoriert. So sieht es mit der vielgepriesenen Tariftreue der baugewerblichen Unternehmer aus. Wo die Macht der Gewerkschaft nicht ausreicht, wo nicht das eherne Muß sie zwingt zur Einhaltung der Tarifverträge, da verstehen es die Unter- nehmcr außerordentlich geschickt, sich ihren Verpflichtungen zu ent- ziehen. Von den 267 Lohnbewegungen, die der Zimmererverband 1911 zu führen hatte, fanden 115. ihre Erledigung ohne Arbeitseinstel- lung. Diese 115 Bewegungen umfaßten 528 Orte mit 651 Betrieben und 4366 Zimmerern, darunter 3334 Vcrbandsmitglieder. Erfolg- reich waren 136 Bewegungen mit 3666 Beteiligten, teilweise erfolg- reich drei mit 92 Beteiligten und erfolglos sechs mit 333 Beteiligten. Die Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung brachten für 3747 Zimmerer eine Erhöhung des Lohnes von 63 Pf. bis 13 M. pro Woche, ferner eine Verkürzung der Arbeitszeit von einer halhen bis sechs Stunden pro Woche. Durch Arbeitseinstellungen fanden 152 Lohnbewegungen ihre Erledigung. Sie umfaßten 332 Orte mit 423 Betrieben und 3572 Zimmerern, darunter 3332 Verbandsmitglieder. Von den 152 Lohn- kämpfen waren 124 mit 2343 Beteiligten Angriffsstreiks, 21 mit 236 Beteiligten Abwehrstreiks und 7 mit 75 Beteiligten Aussper- rungen. Die Gesamtdauer der Angriffsstreiks betrug 322914 Tage, im Durchschnitt jeder Streik 26 Tage. Im einzelnen schwankte die Dauer der Streiks zwischen einem Vierteltag und 238 Tagen. Die Gesamtdauer der Abwehrstreiks betrug 283 Tage, im Durchschnitt jeder Streik ISl-h Tage, Im einzelnen schwankte die Dauer der Streiks zwischen 2 und 44 Tagen. Die Gesamtdauer der Aus- sperrungen betrug 139 Tage, im Durchschnitt jede Aussperrung 19 14 Tage. Die Dauer der einzelnen Aussperrungen schwankte zwischen 9 und 43 Tagen. Von den Angrisfsstreiks hatten 91 vollen Erfolg, vier teilweisen Erfolg. 11 waren erfolglos und von 18 ist der Ausgang unbekannt geblieben. Der Erfolg der Angrisfsstreiks war für 2637 Zimmerer eine Lohnerhöhung von 1 M. bis 6 M. pro Woche; für 477 Zim- merer eine Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde bis 9 Stunden pro Woche. Die Kosten der Angriffsstreiks stellten sich auf 59 938 Mark. Von den Abwehrstreiks hatten 19 vollen Erfolg, einer war erfolglos und von einem ist der Ausgang unbekannt gehlieben. Die Gcsamtkosten der Abwehrstreiks betrugen 3941 M., die der Aussperrungen 3137 M. Insgesamt verausgabte der Zimmererverband im Jahre 1911 für Lohnbewegungen 82 281,55 M. Einschließlich der aus früheren Vereinbarungen im letzten Jahre eingetretenen Verbesserungen erzielte der Zimmererverband im Jahre 1911 für 54 187 Mitglieder Lohnerhöhungen von 1 bis 8 Pf. pro Stunde und eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit mr 5612 Mitglieder von einer halben bis einer Stunde. Tarisabschluft für die Maschinisten und Heizer im Stettiner Hafen. Nach zweitägigem Streik hat die Lohnbewegung der Maschinisten und Heizer im Slettiner Hafen insofern ihren Abschluß gefunden, als am 22. Mai nach sechsstündigen Verhandlungen mit den Reede- reien unter Mitwirkung des Arbeilgeberverbandes für Binnenschiff- fahrt ein Vertrag zustande kam. Äußer der Regelung der Arbeils- zeit im Hafen und während der Fahrt sind in den gelroffenen Ver- einbarungen Bezahlung der Ueberstunden und Vergütung für Sonn- und Festiagsarbeiten vorgesehen. Zu den bisher bezogenen Monats- löhnen erhalten Maschinisten ab 1. Juni 1912 eine Zulage von 5 M. pro Monat mit Gültigkeit bis 31. Mai 1913. Am 1. Juni 1913 erfolgt für Maschinisten eine weitere Lohnzulage von 6 M. pro Monat mit Gültigkeit bis 31. Mai 1914. Am 1. Juni 1914 erfolgt eine dritte Lohnzulage von 5 M. pro Monat mir Gültigkeit bis 31. De- zember 1914; während der Mindeftlohn für Maschinisten am 31. Dezember 1914 135 M. für die größeren und 133 M. für die kleineren Dampfer beträgt. Die Heizer erhalten eine zweimalige Lohnzulage von 5 M. pro Monat, welche am 1. Juni 1912 und am 1. Juni 1913 erfolgt. Der Vertrag tritt am 1. Juni 1912 in Krafl und läuft bis 31. Dezember 1914. Geschlossen, wie die Arbeit von den Maschinisten und Heizern des Stettiner Hafens niedergelegt worden ist. so geschlossen vollzog sich die Wieder- aufnähme der Arbeit. Nachdem nun mit den Reedereien dieser Ver- trag abgeschlossen, wird der Zemralverband der Maschinisten und Heizer an sämtliche Privatdampserbesitzer des Slettiner Hafens und an die Berliner Reedereien für die Gülerschiffahrl auf der Strecke Berliu-Stettin herantreten und die gleichen Verträge diesen Bc- trieben zur Annahme vorlegen. Die Organisation wird daraus dringen, daß dieser Bertrag auf jeden Betrieb übertragen und die Organisation der Maschinisten und Heizer als die berufene Vertreterin der Interessen des Maschinen- und Kesselpersonals anerkannt wird. Tarif- und Lohnbewegungen der Lithographen und Steindruckcr. In einer Reihe Städte Deutschlands haben die Lithographen und Sleindruckcr aus friedlichem Wege Verbesserungen ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse erreicht. So wird aus Nürnberg berichtet, daß die große Firma Fritz Schneller u. Co. mir dem Gchiljeuverband der Lilhograpben, Steindrucker und verwandter Berufe einen festen Tarif abgeschlossen bat, laufend bis zum 1. April 1915. Vereinbart wurde eine tägliche Arbeitszeit für Lithographen von 3 Stunden, für Stcindrucker 9 Stunden, an Tagen vor Sonn- und Festtagen 8 Stunden. M i n d e st l o h n im ersten Gehilfenjabre 22 M., im zweiten 24 M.. im dritten 26 und dann 28 M., an Maschinen 35 M. und an Rotations- Maschinen 43 M. pro Woche. Lehrlinge dürfen gehalten werden: aus 1—6 Gehilfen 1 Lehrling, 7—12 Gehilfen 2 Lehrlinge und auf je weitere 8 Ge- Th. Glocke, Berl-n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.ix Verlagsanstalt Hilfen 1 Lehrling mehr. Für Ueberzeitarbeitbis zu 2 Stunde» wird 25 �Prozent, für die dritte Stunde 33flg Prozent und für jede weitere Stunde und Sonntags 53 Prozent Zuschlag bezahlt.— Der Arbeitsnachweis des Gehilsenverbandes ist anerkannt.— Außerdem wurden an 34 Gehilfen insgesamt 51 M. Lohnzulagen pro Woche bewilligt. In Frankfurt a. M. wurde mit der Firma Ruppert und dem Gehilsenverband ein Tarif abgeschlossen, der ungefähr die gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen enthält wie der Nürnberger Tarif. Auch hier wurden allgemeine Lohnzulagen sowie auch Ferien be- willigt. Die bekannte Firma I. L. Romen in Emmerich a. Rh. schloß gleichfalls mit dem Gehilfenverband einen festen Tarifvertrag ab, gültig bis zum 1. April 1915. Außerdem erhielten 11 Gehilfen zu- sammen 13 M. Lohnzulagen pro Woche. In L a u b a n i. Schl. verkürzte die Firma Goldammer die Arbeitszeit um 3l/3 Stunden wöchentlich und bewilligte 13 Prozent Lohnerhöhungen, wobei 8 Gehilfen in Betracht kommen. Die Firma Müller in Potsdam bewilligte an 6 Gehilfen zu- sammen 9 M. Lohnzulage pro Woche und verkürzte die Arbeitszeit der Steindrucker aas 53 Stunden wöchentlich. In Remscheid i. W. wurde in drei Firmen die Arbeitszeit der Steindrucker auf 63 Stunden herabgesetzt. Eine Firma be- willigte ferner 13 Prozent, eine andere 5 Prozent und die dritte je 2 M. Lohnzulagen. Insgesamt kommen hier 16 Geholfen in Betracht. Die Sicherheitsmännerwahlen im Ruhrrevier. In Nr. 134 des„Vorwärts" vom 5. d. Mls. ist unter„Ge- werkschastliches" unter obiger Ueberschrist ein Artikel erschienen, in dem u. a. von Zeche„Maßen" gesagt wird: „Auf der Zeche„Maßen" wurden Stimmzettel geliefert, die am Kopf den Vermerk trugen:„Wahl der Sicherheitsmänner". Darunter war dann mit Tinte der Name des schwarzgelben Kandidaten geschrieben. Diese Stimmzettel wurden direkt am Eingang zum Wahlbureau von Grubeubeamten ausgegeben. Die Tür zum Wahlbureau stand während des ganzen Wahl- ganges offen. Unbeschriebene Zettel auf weißem Papier waren nicht zu haben." Von der Zeche„Maßen" erhalten wir dazu folgende Be« richtigung: „Es ist unrichtig, daß auf der Zeche„Maßen" beschriebene Stimmzettel am Eingang zum Wahllokal von Grubenbeamten verteilt worden sind. Ebenso ist die Angabe nicht richtig, daß unbeschriebene Slimmzeltel nicht zu haben waren. Richtig ist, daß solche in genügender Menge im Wahllokal für jedermann zu- gänglich gewesen sind." Wir müssen es unserem Korrespondenten überlassen, sich zu dieser Berichtigung zu äußern. Ausland. Die ungarischen freien Gewerkschaften haben nach dem soeben veröffentlichten Bericht des SekrelarialS Ende 1911 95 183 Mit- glieder erreicht— ein ständiger Forrschrilt seit der Verfolgungs- kataftrophe von 1937, die die Mirgliederzahl von 133 123 auf 85 26S herunterbrachte. 5731 Mitglieder sind weiblichen Geschlechts. Der Vcrmögensstand ist seit 1931 ununterbrochen gestiegen von 53 923 Kronen auf 2 465 957 Kronen, die Einnahmen betrugen zu- letzt 2 317 264 Kroueu, unter den Ausgaben sind 258 165 Kronen für Arbeitslosen- und Reiseunterstützung. Die gewerkschaftlichen Arbeilsnachweiie. von den Scharfmachern heftig bekämpft, wurden von 36 383 Arbeilluchenden in Anspruch genommen und das hatte in 83,5 von 133 Fällen Erfolg; dagegen war die Erfolgziffer bei den von 74 194 Arbeitsuchenden ausgesuchten staatlichen Vermittelungen nur 68,9 Proz._ Hetzte Nachrichten. FS Streik im Hamburger Hafen. Hamburg, 25. Mai.(W. T. B.) Die M a s ch i n i st e n auf etwa 133 Schleppdampfern im Hamburger Hafen haben heute wegen nicht bewilligter Lohnforderungen die Arbeit nieder- gelegt._ Der spanische Eisenbahncrstreik. Madrid, 25. Mai.(P.-T.) Der Streik der andalu fischen Eisenbahner, der vor einigen Tagen begonnen hat, nimmt einen beunruhigenden Umfang an, besonders in Cor» d ua. In verschiedenen Orten stehen die Züge auf den Bahnhöfen mit Gütern beladen, ohne daß sie abgesandt werden können. Od- wohl die Haltung der Streikenden friedlich ist, haben die Behörden die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen. Es ist möglich, daß die Angestellten der Südeisenbahnen Spaniens sowie der Ost bahnen und der Bahn von Algeciras einen Sympathie- streik mit den streikenden andalusischen Eisenbahnarbeitern ein- gehen werden. Die Regierung hat gestern nachmittag Schritte ge- tan, um eine Lösung des Konfliktes herbeizuführen. Die Unter- Handlungen sind jedoch gescheitert. Absturz eines englischen Fliegers. London, 25. Mai. Ein schwerer Fliegerunfall hat sich im Aerodrom von B r o o k l a n d zugeiragen. Der Jngenieuroffizier Leutnant Park versuchte aus beträchtlicher Höhe im Gleitfluge niederzugehe», sein Apparat wurde jedoch von einer seltenen Bö gefaßt und zu Boden geschmettert. Leutnant Park wurde in bewußtlosem Zustande nach der auf dem Flugfelde befind- lichen Rettungswache gebracht. Die Aerzte haben wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Der Apparat ist vollständig z e r- trümmert.__ Durchgegangenes Automobil. Paris, 25. Mai.(P.-T.) Ein sonderbarer Kraftwagenunfall hat sich heule nachmittag au der Autodroschkenhaltestelle am Lstbahnhof ereignet. Als ein Chauffeur sein Automobil ankurbelte, ging dieses, weil die Bremse nicht angezogen war, plövlich ohne Führer durch und überfuhr den Chauffeur sowie drei Passanten, die schwer- verletz! ins Kranienhaus gebracht werden mußten. Das Auto rannte sehr rasch weiter und zerschellte an einer Mauer. Uebcrfall auf einen chinesischen Goldzug. Ticntfin, 25. Mai.(P.-C.) In der vergangenen Nacht ist ein räuberischer Versuch gemacht worden, den von Peking nach T i e n t s i n kommenden Zug, der die Monatsgehälter für die Regierungsbeainten brachte, zu berauben. Al� der Zug in den Bahnhos von Chien-Meu einlief, zündeten die BauRten den Bahnhof au, um in der entstehenden Verwirrung den Zug ausrauben zu können. ES gelang jedoch, den Brand noch im Entstehen zu löschen und die Banditen zurückzuschlagen. Trotz der sofort aufgenommenen Verfolgung gelang eS den Räubern, unerkannt zu entkommen._ Zu dem Untergang der„Titanic". New Jork, 25. Mai.(W. T. 55.) Senator Smith hat den Kapitän und den Tclcgraphisten der„Olympic" bezüglich der ersten Meldungen über den Untergang der„Titanic" weiter vernommen. Ter Kapitän erklärte, er habe die erste von der„Californien" er- haltene Meldung, daß sie Schiffstrümmer gefunden habe, nicht weiter gegeben, weil er genaue Nachricht abwarten wollte. Er habe auf eine Anfragedepesche, ob die„Olympic" der„Carpathia" helfen sollte, die Antwort erhalten, Jsmay weise die„Olympic" an, sich den Ueberlebcndcn der„Titanic" nicht zu zeigen. ßaülSingeröcCo., Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 121 29. Zahrgavg. 1. KnlM des„Nmiirls" Kerlim WllisdlÄ Sovvtllg, 26. Mai 1912. ver iismpf«ler rrsnzportzrdeiter. London, 24. Mai.(Eig. Bor.) Ein n«uer gewaltiger Kampf zwischen Arbeiterschaft und Unternehmertum in der britischen TranZportindustrie ist ausge- brachen. Diesmal sind es die Londoner Transport- a r b e i t e r, die dem Unternehmertum, das seit dem Streik der letzten Jahre nichts unversucht gelassen hat. um den Arbeitern die damals errungenen Vorteile wieder zu entreißen, als erste auf dem Kampfplatz erscheinen. Der Streik wegen eines Unorganisierten gab nun den Anstoß zu dem Emporlodern des Feuers, das schon seit mehreren Monaten im Verborgenen brannte. Hundert- tausend Mann feiern heute im Londoner Hafen und das starke Solidaritätsgcfiihl der Transportarbeiter, das sich seit dem letzten Kampf in einer gewaltigen Stärkung der Organi- sationen offenbart hat, wird mit Notwendigkeit zu einer Ausbreitung des Streiks auf andere Häfen des Landes führen, wo die Unzufriedenheit unter den Arbeitern übrigens nicht minder groß ist als in London. Der allgemeine Streik der Londoner Transportarbeiter wurde Hestern erklärt, nachdem der Exekutivausschuß des Transport- arbeiterverbandes und des Londoner DistriktÄomitce desselben Verbandes eine gemeinschaftliche Sitzung abgehalten hatten. In der Sitzung wurde folgende Resolution angenommen: „Nachdem dieses gemeinschaftliche Komitee des Exekutivaus- schusses und des Londoner Distriktskomitecs die wesentlichen Streitfragen!, die die Transportarbeiter im Londoner Hafen be- rühren, gründlich beraten hat und die Boykottierung von Gewerkschaftsmitgliedern und den vorsätzlichen Vertragsbruch der Arbeitgeber wie auch deren all- gemeine vexatorische Behandlung der Arbeiter des Hafens in Bc- tracht gezogen hat, ist es zur Entscheidung gekommen, daß ihm unter diesen Umständen keine andere Wahl bleibt, als olle Transportarbeiter aufzufordern, heute abend die Arbeit nieder- zulegen, um eS dem Verband zu ermöglichen, ihre Beschwerden abzustellen." In einer Massenversammlung, in der dieser Beschluß bekannt- hemacht wurde, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, G o r l i n g: »Ein Wort der Warnung! Ich glaube, wir haben einen sehr großen Kampf vor uns und ich glaube nicht, daß wir ihn in ein oder zwei Wochen beenden werden. Ihr müßt zusammenhalten, was auch die Folgen sein mögen, und den Kampf zu Ende kämpfen, und wenn ihr euch alle loyal gegen uns erweist, so wenden wir die Sache für euch durchführen wie im letzten Jahre." Ben Tille t. der in derselben Versammlung sprach, bemerkte:«Ich möchte nachdrücklich betonen, daß dieser Kampf nicht notwendig auf den Londoner Hafen beschränkt sein wird, daß er ein nationaler Kampf werden wird. Was uns die Reeder vorher sagten, das sagen wir jetzt ihnen: Dies ist nicht die Zeit zum Reden; dies ist die Zeit zum Handeln." Die letzte Wendung T i l l e t S bezieht sich auf das Eingreifen der Regierung, die ein« UntersuchungSkommission eingesetzt hat, an deren Spitze Sir Edward Clarke steht, der eben als Schiedsrichter für die Bergarbeiter Svdyorkshires den höchsten Minimallohn für Hauer(6% Schilling)- festgesetzt hat. Die Arbeiter sind gern bereit, der Kommission eine Reihe schwerer Vertrags- brüche der Unternehmer zu unterbreiten; sie denken jedoch nicht daran, die Streitfrage von einer Regierungskommission ver- schleppen zu lassen. Der Standpunkt deS Transportarbeiterverbandes wird durch folgendes Manifest an seine Mitglieder erläutert: „Nach sorgfältiger und langer Prüfung der bei den Arbeits- einstcllungen im Hafen in Betracht kommenden Streitfragen be- trachtet es das Komitee als seine Pflicht, den im Kampfe ver- wickelten Arbeitern das Tatsachenmaterial vorzulegen: 1) Erstens haben die verantwortlichen Beamten der GeWerk- schaften jede Anstrengung gemacht, eine Arbeitseinstellung in jedem Reibungsfall zu vermeiden. Wir bedauern die vexatorische Ein- Mischung von Arbeitgebern in die Rechte des Individuums, Mit- glied einer Gewerkschaft zu werden und zu bleiben. Wir kon- statieren ferner, daß uns die Weigerung der Ttzjbcitgeber, Verträge zu halten, die Hände gebunden hat. Wir haben jeden Fall der Nichtbeobachtung von Verträgen seitens der Arbeitgeber wie auch Im Sonnenlancl Algerien. Von Paul Zschorlich. Die Eisenbahn geht heute von Constantine bis Biskra. Also biS an den Rand der eigentlichen Sahara. In zwei Jahren soll die Strecke bis Tuggurt und Wargla eröffnet werden, also weitere 400 Kitomewr. die bereits in die Region der Sanddllnen reichen. Von da ab werden die Wüstenfahrten sicher«ine Zeitlang Mode werden. Zumal da bald darauf auch die große Transsaharabahn, die nahe der marokkanischen Grenze läuft, in ihrer ersten Etappe fertig gestellt sein wird. Heute ist es noch immer sowohl mit Schwierigkeiten wie mit Gefahr verbunden, in die Sahara einzu- dringen. Aber die Sahara kommt uns entgegen. In Wahrheit schiebt sie sich vor bi« hinauf in die südlichen Berge des AtlaS. Zwar fehlen die Dünen, an Stelle des Sandes treten die Steine und die Felsen, aber die Charakteristika der Wüste sind doch vorhanden: weite, baumlose, unkultivierbare, wasserarme Strecken, in denen man nur hier und da einige Nomaden antrifft, trostlos« Flächen von un- endlicher Ausdehnung, in denen so gut wie nichts wächst, unter- brachen von den köstlichen Oasen, in denen Tausende von Dattel- palmen in Wäldern zusammenstehen. Auch die Sahara selber bildet ja keine einheitliche Fläche. Wir wissen heute, daß sie Gebirge auf- weist und sogar unterirdische Flüsse, daß sie nicht völlig unkultivierbar ist und nicht lediglich aus Sand besteht. Es ist also nicht ganz genau und einheitlich auszumachen, wo die Sahara beginnt und wo sie aufhört. Man kann nur feststellen, wo Wüste ist. Von Philippeville herauf nach Constantine fährt man durch kulti- viertes Land, auf dem Plateau überwiegt dann die Steppe. doch findet man auch dort noch Secker und Bäume. Bald hinter Constantine aber tritt der wüstenhafte Charakter deutlich hervor. Man wundert sich, daß aus diesen rötlichbraunen und gelblich weißen Bergen kein Löwe heraustritt, unS zu begrüßen oder zu verschlingen. Gleich bei Batna ist ja die Heimat deS Berber- löwen. Aber eS sind nur noch ein paar abgezählte Exemplare vor« handen, die nur geschickte Jäger zu Gesicht bekommen, niemals aber ein Wanderer. Die Wüste hat hier ihre Schrecken wie ihre Romantik eingebüßt, denn auch Schakale und Hyänen sind selten geworden, Strauße gibt«s überhaupt keine mehr und nur drüben in den Bergen des Djebel AureS sollen noch prächtige Steinadler horsten. Mit einigem Glück findet man Eidechsen von gut einem halben Meter Länge, auch die Käfer- und Jnsektenwelt unterscheidet sich merklich von der Europas, im großen und ganzen aber find die großen wilden Tiere dem Zivilisationswerk der Franzosen gewichen, und man glaubt es kaum, daß es hier einst Elephanten gegeben hat, wie uns romische Schriftsteller bezeugen. Erst von Batna ab ge- wahrt man Kamele und in ihnen eigentlich das erste wirklich afri- Hönischs Tier. zahllose Fälle von Boykott geduldig und diskret behandelt. In dem Fall, der die jetzige Stockung herbeigeführt hat, hat man dem in Frage kommenden Individuum Monate gelassen, einer GeWerk- schaft beizutreten; olle Ueberredungsversuche sind angewendet worden, doch ohne Erfolg und die Arbeitgeber haben zu dieser orgamsationsfeindlichen Haltung aufgemuntert. 2) Der vorliegende Streifall hat eine Verschwörung der Ar- beitgeber aufgedeckt, die sogleich ihre Karten zeigten und sich ge- meinschaftlich des Geschäfts der feindlichen Finna annahmen und dadurch das Kampffeld ausdehnten. 3) Die Weigerung der Arbeitgeber der Lichterführer, den Ver- trag vom letzten Herbst anzuerkennen, ist eine ungesetzliche Hand- lungsweise, was durch die Urteile des Oberrichter und des Lord Justice Celeridge bewiesen wird. 4) Seit der Abmachung des letzten Jahres sind zahllose Fälle von Vertragsbruch vorgekommen und trotz unserer Proteste und friedlichen Bemühungen, Kämpfen aus dem Wege zu gehen, haben unsere Anstrengungen meist fehlgeschlagen. S) Wir behaupten, daß die gegenwärtige Stockung gänzlich dem vexatorischen Verhalten der Arbeitgeber zuzuschreiben ist. Wir sind jedoch gern bereit, mit den Arbeitgebern zusammenzu- kommen, um ein Abkommen über die Regelung von Beschwerden herbeizuführen." Anwachse» deS Streiks. London, 25. Mai. Der Transportarbeiterstreik hat heute be- deutend zugenommen. Die Rollkutscher haben sich dem Streik angeschlossen. Alle Docks machen einen verödeten Eindruck. Nur die von der Londoner Hafenbehörde angestellten Arbeiter sind bei der Arbeit geblieben. Die Rollkutscher fordern die Festsetzung einer sechzigstündigen Arbeitszeit für die Woche und allgemeine Auf- besserung der Löhne. Die Eisenbahnbehörden haben die Ueberführung von Gütern nach dem Hafen eingestellt. Auch einige Dampf- schiffahrtSgesellschaften haben den Betrieb ge- schloffen. »Daily Herald" versichert, daß innerhalb acht Tagen die Zahl der ausständigen Arbeiter auf eine Million angewachsen sein werde Die Eisenbahner der Great Eastern Eisenbahn weigern sich, die boykottierten Waren zu transportieren. Im Lager von Aldcrshot werden Truppen bereit- gehalten, um nach London abzugehen. AuS Woolwich sind bereits zwei Regimenter Husaren abgegangen. In den Häfen von Hull und Manchester ruht die Arbeit vollständig. Die Arbeiter- führer versichern, der Ausstand«erde am nächsten Mittwoch allgemein sein._ Aittichsstllcher Aachenberrcht. Hochkonjunktur, .In bezug auf den Etat habe ich Zweifel, ob sich die Hoffnung des Finanzministers erfüllen kann, daß dies der letzte Defizitetat sein wird. Ob die jetzige günstige Konjunktur noch von langer Dauer sein wird, ist doch sehr zu bezweifeln. In unserem Zeitalter der Elektrizität verlausen die Wellen von Ebbe und Flut kürzer als früher. Es sind Anzeichen vorhanden, daß die Woge sich zu über schlagen droht. Wir haben bereits zwei oder dvei Jahre aufsteigender Konjunktur hinter uns." An diese Worte aus der HerrenhausredS des Direktors der Deutschen Bank v. Gwinner hat sich in der abgelaufenen Woche in der bürgerlichen Presse eine lebhafte Debatte darüber entsponnen, ob die günstige Konjunktur vorüber sei. Einzelne Blätter stellten mit Genugtuung fest, daß Herr v. Gwinner nicht gesagt habe, die Hochkonjunktur scheine zu Ende zu sein, sondern daß er nur ge- zweifelt habe, ob die jetzige günstige Konjunktur noch von langer Dauer sein werde. Die Börse hat sich in ihrer günstigen Beurtei lung der augenblicklichen Situation überhaupt nicht irre machen lassen. Selbst die wilde Spekulation, die in Zeiten der Hochkonjunktur notwendig eintritt, hat sich nicht stören lassen. Sogar das Spekulationspapier, das den Staatskommissar der Berliner Börse, All das läßt sich wohl auch von der Eisenbahn au» feststellen. ES ist aber doch gut ein Stück zu marschieren. Ich halte eS in dieser Beziehung mit dem alten Fontane, der vollkommen recht hat, wenn er sagt: die Natur lernt nur kennen, wer sie zu Fuß durch- wandert. An und für sich ist eS ein Wahnsinn, in der Wüste zu Fuß zu marschieren, aber man muß eS sich einmal praktisch klar machen, warum eS Wahnsinn ist. Ich wählte die Strecke von der Bahnstation LeS TamarinS bis zur ersten Oase El Kantarah. DaS sind 24 Kilometer. Eine Kleinigkeit von fünf Stunden, wenn man durch deutschen Tannen- wold marschiert, ein plätschernde» Bächlein zur Seite, im Schatten kühlender Bäume. Eine Qual. wenn man weit und breit sonnenverbrannte Felsen sieht und nicht einen einzigen Baum, wenn die afrikanische Sonne durch Hut und Hosen sticht und die Augen blendet, wenn die Steine heiß find, auf die man sich setzen will, wenn man das Wasser wieder ausspuckt, das man etwa in einer Bachrinne findet, weil eS von schaler Wärme ist und ekelhaft schmeckt, wenn man keinem Menschen begegnet außer einigen Nomaden, deren mörderische Hunde mit Gewalt festgehalten werden müssen, weil sie den Fremden am liebsten zerfleischen, wenn man. schon nach kurzer Zeit stumpfsinnig geworden vor Hitze und Langeweile, apathisch seines Weges trollt und nur noch einen Gedanken hat: Wassert Frisches Wassert RohlfS hat einmal in seinen Reise- schilderungen gesagt, er verstehe es sehr gut, wie ein Mensch in der Wüste binnen zwölf Stunden verdursten könne. Man braucht nur die eigene kleine und bescheidene Erfahrung von sechs bis sieben Stunden zu vervielfachen, um die Qualen und� Sorgen all der Menschen ermessen zu können, die das Schicksal zwischen den 25. und 35. Breitegrad verwiesen hat. Selbst wenn man in der Eisenbahn sitzt, wird einem die Fahrt durch die Wüste lang, und so sehr man auch die Augen aufreißt, wenn man diese eigenartige Landschaft zum erstenmal gewahrt, so gern schließt man sie, wenn man sich über- zeugt hat. daß eS immer dasselbe ist, immer dasselbe. Unser europäisches Auge insbesondere, scheint mir, fühlt sich unbeschäftigt und also erniiidet, wenn eS keine Bäume und überhaupt keine Details in der Landschaft wahrnimmt. Als ich mit sinkender Sonne in El Kantarah eintraf, wo ein einziges, aber gutes Hotel steht, hatte frisches Wasser für mich einen Liebhaberwert gewonnen. Ein Frank für ein GlaS schien mir durchaus angemessen. Ich ließ aber den Wirt nichts merken und nahm meinen Trunk, als ob ich nur gerade ausprobieren wollte, ob das Wasser kalkhaltig sei oder nicht. Ja, nach zwei Stunden, als ich gut diniert hatte, war ich bereits geneigt, die Preise hoch zu finden. Die Wüste lag hinter mir, ich fühlte mich geborgen. Nur zu schnell verliert man den Maßstab. Es ist ein ewiger Kampf zwischen dem wandernden Touristen und dem seßhaften Wirt, dem Nehmen seliger scheint als Geben. El Kantarah heißt im Arabischen: die Brücke. Und wie eine Brücke mutet in der Tat der Uebergang an von dem letzten Hochtal des«ltlas in die erste Oase. El Kantarah ist die nördlichste Goeppert, zu seiner Warnung veranlaßte, hat trotz dieser seine schwindelhafte Höhe wiedergewonnen: die Aktien der Vogtländischen Maschinenfabrik stehen noch immer 690. Die Ereignisse der letzten Woche: Mitteilungen des Stahlwerksverbandes über günstige Aus- sichten. Veröffentlichungen über Rekordzahlen im deutschen Inlands- und Auslandshandel. Verlängerung der Trägerhändlervereinigun- gen. Erhöhungen für Erzeugnisse der Eisen- und Schwachstrom- industrie waren auch nur dazu angetan, die Hochkonjunkturstimmung zu erhöhen. Tie Besserung der wirtschaftlichen Lage hat schon seit zwei bis drei Jahren eingesetzt. Im vergangenen Jahre wurde sie durch die widrigen politischen Verhältnisse gehemmt. In dem ver- floffenen Teil dieses Jahres zeigt sie sich aber in voller Deutlichkeit. ?lls allgemeiner- Maßstab für die Konjunkturverhältnisse kann der Verkehr auf den Eisenbahnen dienen. Die Verkchrseinnahmen dev deutschen Eisenbahnen erhöhten sich im April d. I. gegen den gleicher» Monat des Vorjahres: aus dem Personenverkehr um 2,97 Millionen, aus dem Güterverkehr um 19,87 Millionen Mark. Die Einnahmen der ersten vier Monate stiegen im Personenverkehr um 14,93 Millionen, im Güterverkehr um 53,91 Millionen Mark. Bilden diese Verkehrseinnahmen über die Höhe de? Binnen« handeis fast den einzigen Anhaltspunkt, so liegen für den Außen» Handel genauere statistische Einzeldaten vor. Seit einem Rückschlag von 1997 auf 1998 sind Aus- und Einfuhr stark gestiegen. Durch besondere günstige Umstände(Streiks in England und Amerika, kriegerische Berwickelungen, Dardanellensperre usw.) ist die Ausfuhr schneller gewachsen als die Einfuhr, so daß sie beide fast die gleiche Höhe haben. Es betrug in dey Monaten Januar bis April in Wil- lionen Mrk:. m Einfuhr Ausfuhr 1997... 181,25 142,95 1911... 197,35 183,7» 1912... 293.94 293,68 Von den einzelnen Industrien bietet die Montanindustrie ulk- zweifelhaft daS günstigste Bild. Die Kohlenproduktion im Deutschen! Reich zeigt eine erhebliche Zunahme, die durch den englischen Berg- arbeiterstreik noch weiter angeregt wurde. Statt rund 82 Millionen Tonnen Kohlen und Koks der ersten vier Monate des Vorjahres sind in diesem Jahre etwa 199 Millionen Tonnen gefördert worden. Die entsprechenden Zahlen für die Ausfuhr betragen 195 und 121' Millionen Tonnen. Das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat hat z. B. in den Monaten Februar und April fast die gesamte Produk- tionsbeteiligung(99,57 und 98,29 Proz.) absetzen können. Die Preise sind natürlich erhöht worden, was durch die Einigung mit dem preußischen Fiskus und den Anschluß außenstehender Werke cc- leichtert wurde. Auch die Shndikatsumlagen wurden daher für Kohlen und Briketts(um je 3 Proz.) herabgesetzt.»>. Noch günstiger liegen die Verhältnisse für die Eifenindustrieit. Trotz erhöhte« Produktion können die Werke gar nicht der Nachfrage genügen. Die Lieferfristen sind außerordentlich verlängert worden. Betrugen sie früher einige Tage, so sind sie jetzt auf ebensoviel Wochen ausgedehnt worden. Lieferfristen von zwei bis drei Wochen sind dagegen auf gleich viel Monate erhöht worden. Der lebhafte Abruf gilt für alle Zweige der Eifenfabrikation. Noch in dieser Woche erhöhte der Stahlwerksverband die Preise für Träger- und Formeisen und ermäßigte die Ausfuhrvergütung. Die Weltmarhich- preise haben sich so verbessert, daß die Unternehmer eine Export- Unterstützung entbehren können; zudem macht die starke Nachfrage im Inland eine Ausfuhr nicht so nötig. Aber auch vom schlesischen, belgischen, französischen und englischen Eisenmarkt laufen dauernd Nachrichten über Preiserhöhungen ein. Eine Folge der günstigen Situation war auch die Aufhebung der L-Syndizierung des Stahl- werksverbandcs vom 1. Juli ab; um die Situation ganz ausnutzen zu können, haben die Werke bereits jetzt die Freigabe der B-Pro» dukte beschlossen. Die Ausfuhr von Eisen und Eisenwaren ist vom Januar bis April 1912 gegen die gleichen Monate des Vor- jahres von 16,45 auf 19,26 Millionen Doppelzentner gestiegen. Aber auch die Einfuhr wuchs von 1,87 auf 3,42 Millionen Doppel« zentner. Ebenso hat der übrige Metallmarkt fast durchgängig eine erheb- liche Besserung erfahren. So stieg die Ausfuhr von Metallen und Maschinen um 3,14 Millionen auf 22,69 Millionen Doppelzentneo afrikanische Oase. Die erste für uns Europäer, die letzte für die Eingeborenen. Sie umfaßt etwa 199 999 Dattelpalmen, in denen drei arabische Dörfer zerstreut liegen. Foum-eS-Sahara, den offenen Mund der Sahara, nennen die Araber diesen Eingang. Den Schuh deS Herkules nannten ihn die Römer. Eine Oase muß man des Abends sehen, wenn die Sonne unter» gehen will und in gelben, roten und violetten Farben an den Wänden deS Gebirges spielt. Erinnerte nicht ein vermaledeites Froschkonzert an die harte Wirklichkeit, man glaubte im Paradies zu fem. In Europa, selbst an der Riviera, kennt man die Dattelpalme nur als Einzelbaum, sozusagen als Persönlichkeit für sich. In Wahrheit ist sie ein gesellschaftliches Wesen, und man empfängt erst den richtigen Begriff von ihr. wenn man sie in Mengen zusammensteben sieht. Aber merkwürdig, man gewöhnt sich auch an diesen Anblick sehr rasch. Man bemerkt, daß die Zweige trocken und verdorrt scheinen, daß sie jedenfalls das saftige Grün vermissen lassen, das wir an unseren Buchen und Eichen gewöhnt find. Die Palme ist ein orienta- lischer, man möchte beinahe sagen: ein biblischer Baum. Sie ist und bleibt für unS von der Romantik umsponnen, die alle» Ferne und schwer Erreichbare nun einmal für uns hat. In Wirklichkeit ist sie ein nüchterner und unheimlich praktischer Baum, der sich von der Wurzel bis zur Krone zu gewerblichen Zwecken aufteilen läßt. Die Palme spendet wenig Schatten. Sie hat nichts Labendes. Er- frischendes. Und doch ist uns so eigentümlich zumute, wenn wir in ihrem Bereich weilen. KinheitSvorstellungen, die unter der Schwelle des Bewußtseins schlummern, Ausstrahlungen einer romantischen Sehnsucht, die im Exotischen das Bessere und Wertvollere zu sehen geneigt ist. Versteckt unter diesen vielen tausend Palmen liegen drei arabische Dörfer, alte Ansiedelungen mit puppenhaften Häuschen, engen, winkligen Gaffen, weiß- und blaugetünchten Mauern, die aus dem Grün hervorleuchten, und einem Gewirre von Gängen, Ver- bindunaswegen und Sackgaffen, die wie ein Labyrinth anmuten. Die eine Gaffe ist ganz leer und wie ausgestorben, in der nächsten liegen Dutzende von weißgekleideten Arabern mitten im Wege.� die ihr Schläfchen halten oder sich ihre dürftigen Er- lebniffe erzählen. Zidci Männer, die sich gegenübersitzen und die Beine ausstrecken, können sich berühren: so eng sind die Gassen. Hier und da wird Domino gespielt oder ein Brettspiel, das unserer «Dame' ähnlich ist. Die Jugend zieht ein Würfeln mit Kugeln oder daS kunstgerechte Werfen einiger Hölzer als Unterhaltung vor. Hier wie immer in den arabischen Dörfern sieht man die Männer saulenzen. Der Araber tut nur so viel, als er»»bedingt muß, um feine bescheidenen Ansprüche ans Leben befriedigen zu können. Die Art des Eigentumsrechtes bringt es zudem mit sich, daß sehr viele an dem mehr oder minder großen Ertrag eines Ackers gar kein Interesse haben. DeS Morgens um fünf Uhr kann man die Eingeborenen in Gruppen schwatzen sehen. deS Abends um zehn Uhr sind sie noch nickt fertig. Man sieht auffallend wenig Frauen. Die wenigen, meist älter«», die sich auf de» Straße» blicken lasse», sind tief verschleiert. l(in 5cB üififfl fclct MoMMs. Fii einzM?» BetrleVe� d'tZ Ma- schinenbaucs mutz mit Ueberstundcn und Nachtschichten gearbeitet werden. Die Arbeitsgelegenheit ist durch die Konjunktur günstig beeinflußt worden. Die Arbeitslosigkeit hat gegen das Vor- jähr etwas abgenommen. Von einer wirklich befriedigenden Lage des Arbeitsmarktes zu reden, geht aber nicht an. In Berlin und Ilmgegend wirkt die Krise auf dem Terrain- und Baumarkt un- günstig ein. Auch vom Rheinland lauten die Berichte wenig er- f neulich. In den übrigen Landesteilen, insbesondere aus Süd- deutschland, herrscht regere Nachfrage nach Arbeitskräften. Für die Textilindustrie ist eine leichte Besserung zu erwarten. Das wäre ein Zeichen, daß endlich auch die Arbeiterschaft von der Situa- rion der Industrien profitiert und ihren Konsum erhöhen kann. Der Nominallohn steht hinter dem des Jahres IS07 noch in vielen Branchen zurück. Durch die Lebensmittelteuerung ist die wirkliche Kaufkraft der Arbeiterschaft noch weiter herabgedrückt. Dieser Mangel gibt der augenblicklichen Konjunktur ihr ganz besonderes Gepräge. Nicht durch vermehrten Konsum der breiten � Massen ist sie hervorgerufen worden, sondern sie ist entstanden und hält sich trotz verminderten Konsums. Tie Ursache der Hochkonjunktur ist in dem Ausdehnungs- bedürfnis der Industrien selbst zu suchen. So wird auch in den beteiligten Kreisen damit gerechnet, daß die lebhafte Nachfrage nach Eisenmaterial sofort aufhören wird, sobald die zahl- reich im Entstehen begriffenen Eisen- und Stahlwerke ihre Ein- richtungen vollendet haben und nun selbst Produkte auf den Markt werfen. Das wird sicher im kommenden Herbst bis zum nächsten Frühjahr eintreten. Mit der Eisen- und Metallindustrie florieren dann auch Bergbau und Hüttenwesen und die Maschinenindustrie. Tie Ausdehnung von Gas und Elektrizität für öffentliche und private Beleuchtungszwecke, die erweiterte Verwendung von clektri- scher Kraft zur Herstellung der Produktionsmittel sind weitere An- triebe. Die Zeit der Ileberlandzentralen'schafft Umwälzungen innerhalb der Industrien, die von jeder Beeinflussung durch den Konsum der breiten Massen fernab liegen. Würde die Lebenshal- tung der Arbeiter durch die Zoll- und Steuerpoliitk fast aller Kulturländer— die amerikanischen Arbeiter seufzen genau so unter diesem Joch wie die deutschen, österreichischen, russischen — nicht so herabgedrückt sein, dann hätte die Konjunktur noch eine größere Höhe erreicht. Nun genießt die Kapitalistenklasse allein die Vorteile der Konjunktur. Zum Teil ist allerdings auch ihr die Freude gestört. Nicht nur die Arbeiterbewegungen schmälern sie; das traf besonders für England und Amerika zu. Auch politische Verhältnisse treten störend auf. In Amerika hindern der Präsident- schaftswahlkampf und die Unsicherheit, welche wirtschaftliche Politik der neue Präsident verfolgen will, die volle Entfaltung. In Europa schaffen die Kriegsbefürchtungen und Kriegsverwickelungen Unruhe und Hemmnisse. So legt sich die kapitalistische Gesellschaft selbst Steine auf den Weg wirtschaftlichen Fortschritts. An den selbstgeschaffenen Wider- sprüchen wird sie einst scheitern, wenn die Arbeiterschaft die durch die bürgerliche Gesellschaft verursachte Anarchie, unter der die Prole- tarier am meisten leiden müssen, durch ihre Macht für immer bc- feitigt. Hiid InduTtric und Handel. Die Arbeit des amerikanischen Tabaktrusts. Die Hauptgesellschaft des amerikanischen Tabaktrusts, die American Tobacco Companv besaß bis zu ihrer„Auf- lösung" durck das oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten ein eigene« Aktienkapital von 2S3 Millionen Dollar, also etwa SOV Millionen Markt Jui Jahre 1890 wurde der Trust gegründet und umfaßte damals 8 Fabriken. In den ersten Jahren seines Bestehens wurden hohe Dividenden gezahlt. Plötzlich, im Jahre 18SS, wurde die Dividendenzahlung sistiert, und, wie erst später bekannt wurde, war das ein Trick der Gesellschaftsleiter, um möglichst viele Aktien des Trustunternehmens zu niedrigsten Kursen in die Hände zu bekommen. Bald danach war der Produktionsplatz Kuba vom Trust beherrscht. Er drang auch in das englische Ge- Das Weib ist hier noch ganz und gar Sklavin: nur bei besonderen Gelegenheiten darf sie das Haus verlassen. Die Jüngeren bleiben oft Wochen und Monate daheim. Das Verbergen der Frau wird hier noch viel strenger genommen, als bei den Türken. Weh dem Europäer, der sich mit einer arabischen Frau einlassen wollte I Ganz abgesehen davon, daß er überhaupt nicht die Gelegenheit dazu findet. Abgetrennt von dem Palmenwald und den drei Dörfern liegt die Bahnstation EI Kantarah, das Hotel und wenige Häuser, in denen kaum zwei Dutzend Franzosen wohnen. Gleich hinter der Station passieren Eisenbahn und Landstraße eine Schlucht von wildester Zerklüftung. Es ist. wie wenn sich der AtlaS noch einmal sammeln wolle zu einer letzten Kraftprobe, um sich ganz abzu« schließen gegen die Wüste. Durch diesen engen Spalt, der auf weile Strecken der einzige ist, kriechen seit unvordenklichen Zeiten� die Menschen hinauf ins Hochland. Die Neigung der Felswände ist so stark, ihr Durcheinander so verwegen, daß man fürchtet, die ganze iszenerie könne jede Stunde zusammenkrachen. Und doch hat sie schon viele hundert Jahre gehalten. Diese Schlucht ist der Riegel zwischen zwei Welten, die Brücke zwischen ihnen: El Kantarah. Nördlich von ihr das Hochland, die Steppe, das Tell, jenes Afrika, das noch gar kein Afrika ist, das heute keines mehr ist; südlich auf der Stelle und ohne Besinnen der erste Palmenhain, die erste Oase, die ersten Kamele, die große Glut, die sich an diesen Felsen bricht. Der Ucbergang dauert zu Fuß keine zehn Minuten. Und doch ist er radikal. Er ist die Färb- scheide: drüben die Weißen, hüben die Schwarzen. Noch wenige Stationen und die letzte europäische Welle versandet. kleines Feuilleton. Der„Pfingstvogel". Erst wenn wir uns zu rüsten beginnen für das„liebliche" Fest, erscheint in den Laubwäldern draußen wicdev der Pirol. Und eben weil die Tage seiner Ankunft in die fröhliche Pfingstzeit fallen, schmückte man den herrlichen Sänger im goldgelb strahlenden Gewände auch mit der heiteren Aczeich- nung„Pftngstvogel". Ueberhaupt hat man gerade ihm so viele Namen gegeben, wie vielleicht keinem anderen Vogel mehr.. Die meisten sind versuchte Nachahmungen des volltönend-melodischen, aus mehreren schön verschlungenen Pfiffen bestehenden RufeS, den der prächtige Gesell mit dem kaominroten Auge vom frühesten Mor- gen bis zum späten Abend durch den Wald erschallen läßt. Außer Pirol" gab es früher bei uns auch noch die Form„Piroler", die zu spaßhafter Deutung Anlaß gab. Man meinte' im Volke, das solle �Bierholer" heißen, und so erhielt der Pirol oder die„Pirreule" allerlei„feuchte" Beinamen, wie„Bierheld. Bieresel". Hören doch die norddeutschen Bauern ganz genau, daß er singt und ruft: Vnnasten Bier hol'nl Aussaufenl Mehr hol'nl"— oder:„Hest du aesovven. so betahl ochl" Lautmalende Bezeichnungen für unsc- ' en Pftngstvogel sind auch die hübschen Namen.Schuh von M:lo" ober ßert von töulow". Ein sehr deutliches, juzes. sanftes „Bülow" lft ja gergde per Tott dz-r höchsten Zärtlichkeit des liebe- seligw Pirols. schaft crt.� Dies ist heute die wichtigste Tochkerunlerilehmuisg des amerikanischen Trusts. Die englische Imperial Tobacco Co. besitzt die Jasmatzi A.-G. Dresden, ebenso die Josetti G. m. b. H. Sicher außerdem auch noch andere deutsche Unter- nehmen, von denen der Zusammenhang mit dem amerikanischen Trust nicht bekannt ist. Die Tatsachen so betrachtet, läßt sich vielleicht mit einiger Rabu- listerei„feststellen", daß die Jasmatzi Co. mit dem amerikani- scheu Tabaitrust nichts zu tun hat. Sie besitzt auch keine Aktien von ihm. Das ist aber auch nicht nötig. Die Hauptsache bleibt doch, daß die englische Tabak-A.-G. die Aktien von Jasmatzi bc- herrschtl Ueberdies steht auch fest, daß Jasmatzi für den Trust die türkischen Tabake einkauft I Das Arbeitsprinzip des amerikanischen Tabaktrusts geht darauf hinaus,� den Detailvcrkauf zu monopolisieren. Durch die United Cigar Stores Co. schaffte er unzählige Tabakläden, die durch ganz Amerika verstreut liegen. Der Trust beherrscht so in den Ver- einigten Staaten heute 75 Proz. der Rauchtabakfabrikation, 80 Proz. der Zigarettcnprodukiion, 13 Proz. der Zigarrenherstellung, 90 Proz. des Schnupftabakgeschäftes und 93 Proz. der Herstellung der kleinen Zigarren. Im Oktober 1911 wurde die Amerikanische Tabakkompagnie wegen Verstoßes gegen das Shermangesetz verurteilt sich aufzulösen und seine Organisation anders zu gestalten. Die ganze Aenderung besteht nach einem treffenden Wort Roosevelts in bloßem„Toi- lettcnwechsel". An Stelle der einen Gesellschaft treten vier große, an Stelle der fünf Tochtergesellschaften des Trusts weitere zehn der neuen Korporationen. Jetzt wird also nicht mehr der Trust, sondern die durch die vier Großaktionäre Rhan, Duke, Brady und Widener gestellte alte Verbindung der neuen Gesellschaften 75 Proz. der Rauchtabakfabrikation, 80 Proz. der Zigarettenproduktion, 93 Proz. der Zigarrenfabrikation und 90 Proz. der Schnupftabak- fabrikation in den Händen haben. Der Kleinhandel bleibt nach wie vor vollkommen abhängig. Die wenigen unabhängigen Tabakfabri- kanten Amerikas haben daher nicht so Unrecht, wenn sie die ganze Regelung dahin zusammenfassen, daß ihre Lage schlimmer sei als zuvor, da nun der Trust mit behördlicher Genehmigung und Autori- tät sein Monopol ausübe. Interessant ist überdies, daß erst im April dieses Jahres die Georg Jasmatzi Co. vor dem Dresdener Oberlandesgcricht gegen die Firma Jasmatzi Söhne einen Millionenprozeß verlor. Georg Jasmatzi hat sein Unternehmen— dies wurde gerichtlich festgestellt! — an die englische Tabak Co.. also das englische Tochterunternehmen des amerikanischen Trusts, verkauft und dann eine neue Jas- matzi-Gesellschaft gegründett Der cnglisch-amerika- nische Teuft hat natürlich gemeint, auch den Firmennamen„Jas- matzi" mitbezahlt zu haben; Georg Jasmatzi aber mit seinen Söhnen hat ihn eines anderen belehrt. Daß der amerikanische Tabaktrust auf dem Wege ist, sich auch Teutschland untertänig zu machen, steht seit langem fest. Er wäre nicht der einzige amerikanische Trust, dem dies gelänge. Es wird ihm nicht darauf ankommen, noch einmal einige hundert kleine Exi. lenzen zu vernichten, wenn sie ihm nicht gutwillig aus dem Wiege gehen. Im ganzen ist die Sache eine neue Lehre für diejenigen— und die sind gerade bei den Verbänden der Detaillisten oft genug zu inden—. die Attacken gegen die„mittelstandsvernichtende" Sozial- dcmokratie reiten._ Berudt— LindeuhanS. Auf dem Baumarkt droht ein neuer Krach. Der Firma Kurt Berudt ist von der Schaaffhausenschen Bank der Kredit gesperrt worden. Mit dieser Großbank besteht ein Kreditvertrag, nach dem die Firma keine BauauSfübrung ohne Genehmigung des A Schaaffhausenschen Lankvereins übernebmen darf. Die GeschästSsuhnmg wird durch einen Beamten der Bank überwacht. Das Engagement des 0. Schaaffhausenschen Bankverein bei der Firma beträgt etwa 3 Millionen Mark, für die daS Institut 3'/z Millionen Mark Deckungen in zweiten und ersten Hypotheken auf Berliner sin der Innenstadt belegenen) Grundstücken besitzt.„Schaaffhausen" erwartet deshalb keine Verluste aus den Engagements bei K. B.— Freitag abend ist der Verkauf des Grundstücks Lindenstr. 3 an die Aktien- gesellschaft LindenhauS zustande gekommen ist. Das Grundstück ist für einen Preis von 3 6ö0 000 M. bei einer Baranzahlung von 323 000 M. veräußert worden. Die Barzahlung wird gemäß der vertraglichen Vereinbarung dem Schaaffhausenschen Bankverein über- wiesen. In das Haus Lindenstr. 3 wird bekanntlich der gesamte Bor- wärtsverlag übersiedeln. Auch das in tropischer Pracht erstrahlende goldgelbe Gefieder, deffen leuchtender Glanz gehoben wird durch das samtene Schwarz der Flügel und des Schwanzes, hat ihm einige Siamen eingetragen. Man nennt ihn Goldamsel. Golddrossel oder Gelbling. In Sagen und Märchen wird der ausfallend schöne Vogel mit dem rötlichen Schnabel und den bläulichen Füßen ja geradezu als„Stutzer" und „Kleidernarr" bezeichnet. Damit tut imm ihm, nebenbei gesagt, großes Unrecht: En ist durchaus nicht eitel. In der Gefangenschaft, die ihm überhaupt nicht sonderlich bekommt, liefert er zum Kummer des Besitzers nur zu bald den Beweis, daß er sich aus seinem Prachtgewand nicht das geringste macht. Der Pirol ist gerade jetzt in den Monaten Mai und Juni ein nicht ganz einwandfreier Hausgenosse. Er pflegt in diesen Zeiten oft schon in der zweiten Stunde nach Mitternacht seine kräftige Stimme zu erheben, die tönend durch das stille Haus erschallt und trotz ihrer fraglosen Schönheit dann manche schlafbedürftige Seele mehr erbost als entzückt. Auch sonst sind eingewöhnte Pfingstvögcl sehr eifrige Hausmusikanten, und bei guter Behandlung können sie so zahn, werden, daß sie ihr Futter von den Lippen des Pflegers entgegennehmen. Von Haus aus freilich ist der Pirol ausnehmend scheu. Sehr selten kommt man in die Lage, im Wald« draußen Herrn oder Frau Pirol zu erblicken. Immer seltener kommt man in die Lage,� Pirole zu hören. Daran sind die erbitterten, dezimie- renden Verfolgungen schuld, die unsere armen Psingstvögel einer harmlosen Vorliebe wegen erleiden müssen. Sie halten nach einer Raupenmahlzeit eine ergiebige Portion Kirschen für einen sehr ge- sunden Nachtisch, weshalb man dem Pirol auch noch den Flamen „Kirschvogel" verlieh— eine Bezeichnung, die aber noch immer nicht die letzte ist. Zum Beispiel führt er auch noch den merkivürdi- gen Namen„Rcgenkatze". Das Landvolk behauptet nämlich, er lasse vor dem Regen fleißig seinen schnarrenden Angstruf„querr- chcrr" hören. Möge er•- im Interesse der wanderfreudigen Psingstfahrcr— während der kurzen Fest- und Ferientage sich nicht bewogen fühlen, diesen Alarmruf erschallen zu lassen! Vergessene Pfingstbräuche. Pfingsten, mit dem man neben den großen Kirchenfesten auch noch den Anfang der sommerlichen Jahreszeit feiert, wird an vielen Orten unseres Vaterlandes durch ein spezielles Vergnügen oder eine Zeremonie, dem sogenannten Psingstbrauch, begangen. Man kann aber die Beobachtung machen, daß viele dieser Bräuche in den letzten Jahrzehnten ganz ver« sckmjunden sind. In den anhaltischen und vielen sächsisch-thürin» gischen Dörfern Uiar z. B. das„Ringreiten" zu Pfingsten eine alt- hergebrachte Sitte. Ein Galgen wurde inmitten des Dorfes auf» gestellt und ein Ring von eiwa 5 Zentimeter Durchmesser daran gehängt. Die männliche Dorsjugend mußte nun unter dem Galgen in gestrecktem Galopp hindurchreiten und dabei mit einem kleinen Stab den Ring abzuhaken versuchen. DaS Spiel wiederholte sich so oft. bis nur noch ein Sieger übrigblieb, der dann im nächsten Jahr die Ringreiter führte. Heute ist das„Ringreiten" wohl ganz ab- gekommen. Ein weiterer vergessener Psingstbrauch ist das„Pfingst- lichtblasen", der noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im Pommerischen üblich war. Am Pfingstsonntag wurden früh auf einem sonnigen Festplatz, wohin man Tische und Stühle gebracht hatte, Kerzen aufgestellt. Nachdem die Kerzen eine Viertelstunde gebrannt hatten, löscbte man alle bis auf eine aus, und die Torf- schöne»» wurden gerufen. Ei« mußten nun pie brennende Kerze Neue Bücher. Der Siäak und die Shndikake. Ein Beitrag zur Bergwerksfrage von A. Pohlmann-Hohenafpe.(Voigtländer. Leip- zig 1912. �64 Seiten. 1 M.) Die Streitschrift des Bodenreformers P. gegen die Syndikate und den Staat knüpft an den kürzlich erfolgten Beitritt des preußi- schen Fiskus zum Rhcinisch-Westfälischen Kohlensyndikat an. Wenn in ihr auch völlig der Gesichtspunkt fehlt, daß die Monopole eine notwendige Phase der großkapitalistischen EntWickelung darstellen, so hat sie doch als leicht verständliche Aufklärungsschrift über die Schädigungen des Konsums durch die privaten Monopole ihren Wert. Die Prcistreibung, die Exportpolitik, die Lieferungsbedin- gungen, die Knebelung der Händler durch die Syndikate werden einer scharfen, treffenden Kritik unterzogen; die Be- gründung, daß erhöhte Löhne die Preissteigerungen rechtfertigen, als bewußt irrig zurückgewiesen. Durch Strafen und Abzüge, durch bald eintretende Lohncrniedrigungen wird die Erhöhung der Löhne wieder zunichte gemacht. Lohn und Preis stehen überhaupt nicht in enger Beziehung: Von 1907 bis 1909 sind die Löhne um 10,9 Prozent gesunken, die Preise um 2,6 Proz. gestiegen.„Die Zechen im Ruhrgebict nehmen 29 Millionen Mark mehr ein, geben aber 67 Millionen weniger an Löhnen auS." Die Produktivität der Arbeit ist außerdem erheblich gestiegen.„Auf den Kopf der Belegschaft kam 1880 ein Bruttoertrag von 1244 M., im Jahre 1907 aber 2318 M." Die Rentabilität der Betriebe ist, das lehren die Dividenden- und Kurssteigerungen, erheblich gestiegen. Einige wenige unrentable Werke widerlegen nichts,„denn in sehr vielen Fällen liegt die mangelnde Rentabilität viel weniger in der Unergiebigkeit der Flöze oder Schwierigkeit der Förderung, als in einer Ueberkapitalisierung". Wie steht nun der Staat zu der Ausbeutung durch die Mono- pole? Durch die Gesetzgebung von 1863 ist es den Großkapitalistcn gestattet. Mineralfelder aufzukaufen, ohne sofort mit der Förde- rung zu beginnen, so daß sie heute die Hand darauf halten und allein darüber bestimmen, ob notwendige Gebrauchsgüter brach liegen sollen oder nicht. Die Aufhebung der alten Bergwerkslastew bedeutete eine gleiche Förderung. Schon 1863 verlor der Staat dadurch 3,23 Millionen Mark; heute entgehen ihm etwa 26 Milli- onen Mark. Diese Lasten wären von der Industrie wohl zu tragen. denn die Werke unter dem herzoglich Arenbergschen Regal zahlen jährlich 300 000 M., ohne konkurrenzunfähig zu werden. Oder wer- den auch nur die Kohlen um einen Pfennig billiger, wenn Arenberg diese Abgabe erließe? Aber der Staat unterstützt noch direkt die privaten Monopole. Beim Kaligesetz sind die Vertreter der Re- gierung„von schlauen Interessenten einfach hineingelegt worden". Die„wirtschaftlich Schwachen", die durch dies Gesetz angeblich ge- schützt werden sollen, sind nicht die Kalispekulanten, sondern die deutsche Landwirtschaft mit ihrem Interesse an billigen Dünger- Mitteln. Die Landwirte(und letzten Endes die breite Masse) müssen die künstlich gesteigerten Kaliwerte verzinsen! Dem Beitritt des Fiskus zum Koblenshndikat folgte in gleicher Sitzung eine Erhöhung der Kohlenpreise!„Somit hatten wir als erste Blüte der fiskalischen Politik eine Mehrbelastung des deutschen Konsums von 100 bis 120 Millionen, hiervon allein 60 Millionen zugunsten des einen Syndikats." An diesem Mehrverdienst sind die fiskalischen Zechen nur mit etwa 13 Millionen Mark beteiligt. Berücksichtigt man aber, daß der Staat als Konsument(Kohlen für Eisenbahnen usw.) selbst Kohlen kaufen muß, so sinkt sein Anteil am Mehrvervienst um ein Drittel! Die vom Staat verur- sachte Preiserhöhung belastet aber durch den Kohlenverbrvuch der Marine, der städtischen Beleuchtungswerke usw. die öffentlichen Finanzen noch weit erheblicher, ungerechnet der mitfolgenden Eisen- Preiserhöhungen. Als Heilmittel schlägt P. die Einsetzung einer„Kaiserlichen Kommission", die gleich den englischen„Royal Commissions" mit voller Befugnis im Zwange der Äuskunftserteilung die gesamten SynLikaisvcrhältnisse zu untersuchen hätte. Weiter empfiehlt er eine jährlich steigende Besteuerung der Berggerechtsame und den Liefcrungszwang der Werke zu bestimmten Tarifen(ähnlich dem Beförderungszwang der Eisenbahnen). E. M. Hud der Frauenbewegung. Berliner Arbeiterinnen. Heber die Arbeitsverhältnisse der Arbeiterinnen teilt der Ge- werbeinspektionsbericht u. a. mit: Die Zahl der Betriebe, in denen erwachsene Arbeiterinnen beschäftigt werden, ist- gegen das Vor- !'!- suchen, waS bei dem grellen Sonnenlicht gar nicht leicht tvar� und sie ausblasen� Die glückliche Finderin wurde als„Pfingstmaid" gefeiert, sie nahm da«.Pfingstlicht" zum Andenken: mit, und man sagte ihr nach, daß sie noch im nämlichen Jahre unter die Haube käme. Die künstlichen Nahrungsmittel. Seitdem die Chemie die Zu- sammensctzung der zur Ernährung von Tieren und Menschen dienenden Stoffe aufs genaueste bestimmt und zergliedert hat, ist folgerichtig der Gedanke aufgetaucht, daß danach Nahrungsmittel auch auf künstlichem Wege im Laboratorium geschaffen werden könnten. Ist auch die Aussicht darauf, statt eines Beefsteaks eine kleine Pille von gleichem Nährwert zu ver- zehren, für daS Behagen des Menschen nicht gerade ver- lockend, so müßte die Ausklärung der Möglichkeiten, die auf diesem Wege gegeben sein könnten, doch als höchst wichtig erschemen. Die wesentlichsten Stoffe, die unsere Nahrung bilden, stnd Eiweix, Fette und Kohlehydrate. Aber gerade sie besitzen emen sehr ver- wickelten chenuschen Ausbau, so daß an ihrer Erforschung»nunc r noch viel zu tun bleibt. Am deutlichsten ist bisher die Rolle-der Ammo- säuren hervorgetreten, und bei diesen Derbindungen hat Prof. ckbder- Halden in Halle eingesetzt, um durch Tierversuche die Tragweite emer künstlichen Ernährung aufzuklären. Nach den Ergebnissen seiner m der .Zeitschrift für physiologische Chemie" veroffenilichten Arbeit ist d.es Ziel in erstaunlichem Grade erreicht worden. Die Tiere wurden mit einer gemischten Nahrung versehen. ,n der die Siweißstoffe eine vollständige Vorverdauung erfahren hatten so daß nur die Aminosäuren übrig geblieben waren. Die Kohlehydrate wurden als Zucker, die Fette als Glqzerol und Fettsäuren verabreicht, weil sie sich bei der Verdauung in solche verwandeln. Trotzdem also die Art der Ernährung von der gewöhnlichen betrachtlich abwich, erhielten sich die Tiere in einem vorzüglichen körperlichen Befinden und nahmen in einzelnen Fällen sogar an Gewicht zu. Der Erfolg blieb der gleiche, als sogar künstlich hergestellte Aminosäuren in Vermischung inil anderen einfachen Verbindungen gebracht wurden. Es ist also kaum ein Zweifel, daß auch die menschliche Ernährung erheblich vereinfacht werden könnte. DaS Erdbeergift. Die beginnende Erdbeersaison gibt einem bekannten Londoner Arzt den. Anlaß, gewisse Personen vor den, Genuß der köstlichen Frucht mit Rücksi-H auf die ihm verbundene Gefahr der Gesundheitsschädigung zu warnen.„Kindern unter zwei Jahren sollte man überhaupt keine Erdbeeren zu essen geben. so empfiehlt der ärztliche Mahner in einer Londoner Zeitung, und ebenso sollten Personen, die zu Gicht, Rheumatismus. Herz- und Hautkrankheiten oder Leberleiden neigen, auf den Erdbeergenuß besser verzichten. Die allgemeine Klage, die sich gesen- die Erd- beere richtet, betrifft bekanntlich die durch sie hervorgerufene Nesselsucht, einem mit Fieber verbundenen Hautausschlag, der die Erscheinung des Scharlachs vortäuscht. Erdbeeren sind das weichste sommerliche Beerenobst und werden infolgedessen auch am leichtesten zerquetscht. Ist dies geschehen, so bildet sich unverzüglich ein Ferment, das schädliche Wirkungen hervorbringt, während die unbeschädigten Beeren diese Gefahr nicht bergen. Jedenfalls empfiehlt es sich, Erdbeeren möglichst mit Schlagsahne zu essen. Das dadurch beigemischte„Fett" ist nützlich Uvd gewährt tzca SSfip teil einer„gemischten Diät"." idTlt um 4Ö3 oder K,? Prozent, die der Arueitenuuen selbst um 481 oder 7 Proz. gestiegen. Allein in den Gruppen Maschinen und Nahrungsmittelindustrie, Bekleidungsgewerbe beträgt die Zu- nahine der Arbeiterinnen 5 262. Eine auffallende Erscheinung tritt bei den Werkstätten der Kleider- und Wäschekonfektion mit weniger als zehn Arbeitern insofern zutage, als hier die Zahl der Beiriebe mit Arbeiterinnen weiter um 3g4 gewachsen, chie Zahl der Arbeite- rinnen dagegen um 471 zurückgegangen ist. Dies ist ohne Frage in erster Linie darauf zurückzuführen, dah in diesem Betriebszweig die eigentliche Herstellungsarbeit immer mehr in die Heim- arbeit zurückgedrängt oder doch in die kleineren Zwischenmeister- Werkstätten verlegt wird, um in bezugaufdic Dauer der täglichen Arbeitszeit den gesetzlichen Beschrän- ku ngcn zu entgehen oder doch wenigstens die für Werk- stätten mit weniger als zehn Arbeitern noch bestehenden Vergünsti- gungen weiter zu genießen. Tatsächlich vermehren sich auch die Betriebe ständig, wo in der Betriebsstätte selbst nur noch die Vorbereitungs- und Schlußarbciten der Herstellung— Einrichtung und Ausgabe, Abnahme und Anprobe— vorgenommen werden. Tie gemätz§ 138a der Gewerbeordnung bewilligte lieber- arbeit ist gegen das Vorjahr erheblich zurückgegangen; die Zahl der beteiligten Betriebe hat um 31, die der Arbeiterinnen um 2 472 und die der Ueberstunden um 33 992 abgenommen. Der Rückgang erstreckt sich allerdings nicht auf alle Gewerbezweige; in den Gruppen Maschinen und Polygraphie ist vielmehr eine nicht unbeträchtliche Steigerung eingetreten. Am stärksten war der Rückgang in den Gruppen Nahrung und Reinigung, in denen die Zahl der Ueberstunden um 14 768 und 15 336 gesunken ist. Es gewinnt den Anschein, als ob sich wenigstens ein Teil der Arbeit- gebet inzwischen mit der durch die Gewerbeordnungsnovelle fest- gesetzten kürzeren Arbeitszeit der Arbeiterinnen endgültig abge- fundcn und es verstanden habe, den Ausfall an ArbeitszeU durch Vervollkomnung der Betriebseinrichtungen und der Arbeitsweise auszugleichen. Ausnahmen über die Beschäftigung von Arbeiterinnen gemäß Abs. 2 a. a. O. und den entsprechenden Bestimmungen für Motor- und Konfektionswerkstätten mit weniger als 19 Arbeitern wurden in 375 Fällen zugelassen.— In mehreren Fällen zogen die Gesuch- steller ihre Anträge zurück, nachdem sie vom Gewerbeinspektor auf- gefordert ioaren, die vorgeschriebene gutachtliche Aeußerung der Arbeiter beizubringen. Sie fürchteten von einer derartigen Mit- Wirkung der Arbeiterschaft angeblich eine Schädigung ihrer Auto- rität. In einem Falle wurde die früher erteilte Erlaubnis zur Verkürzung der Mittagspause zurückgenommen, weil die dabei gestellten Bedingungen nicht innegehalten worden waren. Ueber die Mitgabe von Arbeit nach Hause war bisher nur sehr wenig in Erfahrung zu bringen. Di« Arbeitgeber verneinen sie in der Regel und sind wohl auch bielfach, zumal in großen Betrieben, selbst nicht unterrichtet darüber, da die Ausgabe dieser Arbeit fast durchgehends den Meistern und Direktricen überlassen ist und häufig gewissermaßen unter der Hand geschieht. Da es sich hierbei meist um Nkordarbeit handelt, und diese für jede Arbeiterin immer nur in ihrer Gesamtheit eingetragen wird, geben auch die Lohn- und Arbeitsbücher für gewöhnlich keinen sicheren Aufschluß darüber, wieviel im Betriebe selbst und wieviel elloa zu Hause erledigt worden ist. Der Vergleich mit den Leistungen anderer Arbeiterinnen führt ebenfalls meist zu keiner zweifelsfreien Feststellung, da hierbei die Geschicklichkeit und der Fleiß der einzelnen eine bedeutende Rolle spielen. Die Meister und Direktricen und die Arbeiterinnen selbst sind aber mit ihren Angaben äußer st zurückhaltend und bestreiten durch- gehcnds, daß ein Mitgeben von Arbeit über die gesetzlich zulässige Grenze hinaus stattfinde. Selbst wo auf Grund eingegangener Anzeigen eingehende Ermittelungen angestellt wurden, war etwas Sicheres nicht herauszubekommen.... Von den wegen gesetzwidriger Beschäftigung von Arbeiterinnen erfolgten Bestrafungen verdient folgende deshalb der Er- lvähnung, weil sie zeigt, wie milde derartige Bergehen noch immer von einzelnen Gerichtshöfen beurteilt werden. Ein Fabrikbesitzer war im Jahre 1992 wegen unerlaubter Beschästi- gung von Arbeiterinnen in drei Fällen über 814 Uhr abends hinaus insgesamt zu 99 M.. und im Jahre 1993 ivegen Beschäftigung einer Arbeiterin an einem Sonnabend nach 514 Uhr nach- mittags zu 29 M. verurteilt worden. Bei der erneuten VerHand- lung vor dem Schöffengericht im Jahre 1911 wurde festgestellt, daß der Angeklagte selbst wiederholt unzulässige Ueberarbeit von Arbeiterinnen angeordnet hatte, und daß diese mitunter biS 11 und 12 Uhr nachts ausgedehnt worden war. Gleichivohl wurde er nur zu 29 M. verurteilt._ Tie Verurteilung der Frauenrechtlerinnen. Aus London wird uns geschrieben: Wenn man alle Umstände in Betracht zieht, muß man das Urteil, das gegen die Führer der Snffrngettes, das Ehepaar Pe- thjck Lawrence und Frau P a n k h u r st, wegen Vev- schioörung gefällt worden ist, als drakonisch bezeichnen. Die Ge- schlvorenen kamen zu ihrem Schuldspruch erst nach langer Beratung und dann empfahlen sie dem Richter, in Anbetracht der zweifel- loS lauteren Motive, die der von den Angeklagten geleiteten Agi- tatlon zugrunde lägen, die äußerste Milde walten zu lassen. Trotz dieser Empfehlung und trotz der Bitte der Angeklagten, nicht mit gemeinen Verbrechern ins Gefängnis geworfen, sondern als po- Iitische Verbrecher behandelt zu werden, lautete das Urteil auf 9 Monate Gefängnis in der zweiten Abteilung und Tragung der hohen Kosten des langen Verfahrens. Zu anderen Zeiten wäre das Urteil in England kaum möglich gewesen; aber heute liegen die Tinge anders. Hilflosigkeit und Angst herrschen in den oberen Gesellschaftsschichten Großbritanniens. Das harte Urteil gegen di- Suffragcttcs ist nur ein Glied in der Kette der Maßregeln, mit der man den Geist der Unruhe bannen will. Die grausamen Ur- teile gegen Streikende, die Verfolgung der Shndikalisten. die Aus- Weisung MalatestaS. alles sind Früchte von demselben Baum. Nun die Führer der streitbaren Susfraqettcs eingesperrt worden sind, werden die Minister wohl aus einige Zeit in ihren Versammlungen Ruhe haben. Später werden sich die Radau- szenen jedoch wohl mit erneuter Heftigkeit wiederholen. Denn die Reden der Angeklagten lassen leinen Zweifel darüber aufkommen. daß sie sich auf dem richtigen Wege wähnen. Wie si zu dieser Ueberzeugung kommen konnten, darüber haben sich schon manche den Kopf zerbrochen. Offenbar lassen sich die bürgerlichen Frauen- rcchtlerinnen durch eine oberflächliche historische Analogie den Kops veolvirrcn.„Ihr verurteilt unsere Gewalttätigkeit?" rufen sie ihren Kritikern zu.„Aber sind denn die Männer in den dreißiger Jahren, als man im Hydepark die eisernen Gitter nieder- riß. anders vorgegangen?" Die Damen übersehen, daß es nicht das Niederreißen der Gitter war. was die Reformbill durchsetzte. sondern eine mächtige Volksbewegung, die die herrschenden kor- rupten Gewalten zu verschlingen drohte. Das ist nun� die Bewegung der bürgerlichen Krauenstimmrechtler auf keinen Fall; daher ihre Impotenz, daher auch di« unfreiwillige Komik, wenn begeisterte Frauen gegen ein Phalanr baumstarker Konstabler anstürmen oder erstaunten Krämern die Fensterscheiben einwerfen. Hätten die Suffragettes die politisch« Geschichte Großbritanniens etwas besser studiert, so wurden sie einsehe», daß ihnen zwei Wege offen stehen. Entweder müssen sie das allgemeine Frauen- stimmrecht verlangen, die Arbeiterfrauen heranziehen und da- durch sicherlich die Hilfe der gesamten Arbeiterschaft erlangen. di» ihre grauen noch nirgends im Stich gelassen hat. Oder aber sie uiüssen eine der beiden bürgerlichen Parteien für ein bc- schränktes Frauenstimmrccht interessieren, damit diese ihnen aus denselben Motiven das Stimmrecht gibt, aus denen die Liberalen e» den Landarbeitern gaben. Lvcgt den Suffragettes nur an der Erreichung des beschränkteu.crauenjtimmrechts, so bearbeiten sie den unrechten Gaul. Nicht die Liberalen mit ihrem demo- kratische» Anhang, sondern die Konservativen können dies der- schaffen. Man hört hier deshalb auch häufig die Prophezeiung, »aß nach dem nächsten Regierungswechsel die Konservativen ein beschränkte?, auf dein Besitz beruhendes Frauenstimmrecht einzu- führen gedenken, waZ sie nebenbei auch für den Verlust der Plural- Wähler, den die Wahlrechtsvorlage der Liberalen herbeizuführen droht, entschädigen würde._ Zur Frauenwahlrechtssrage in Schwede«. Wie schon mitgeteilt wurde, ist die Regierungsvorlage zur Einführung des Frauenwahlrechts in Schweden in der Ersten Kammer des Reichstages gescheitert. In diesem, auf einem in- direkten Wahlsystem und nach Steuerleistung abgestuftem Wahl- recht beruhenden Oberhaus wurden 86 Stimmen für, und 58 gegen das Frauenwahlrecht abgegeben, während die Zweite Kammer das Frauenwahlrecht mit der außerordentlich starken Mehrheit von 149 gegen 74 Stimmen guthieß. Es ist also nur eine kleine Minderheit der Ersten Kammer, die diesmal die Sache zu Fall brachte, und man darf auf Grund des Fortschrittes, den der Ge- danke des Frauenwahlrechtes und die EntWickelung zu einer de- mokratischen Umgestaltung des Staatswesens in den letzten Jahren gemacht haben, erwarten, daß es nicht mehr lange dauern wird, bis die schwedischen Frauen als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt werden. Im schwedischen Reichstag wurde zum ersten- mal im Jahre 1884 ein Antrag auf Einfuhrung des Frauenwahl- rechtes gestellt. Die Erste Kammer lehnte den Antrag stillschweigend ab, die Zweite mit 53 gegen 44 Stimmen. Dann dauerte es 16 Jahre, bis die Frage wieder zur Verhandlung kam. Im Jahre 1992 war es der damals noch liberale, nun der Sozialdemokratie angehörende Bürgermeister Lindhagen, der die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Einführung des Frauenwahlrechis beantragte. Sein Antrag wurde verworfen und zwar von der Zweiten Kammer mit III gegen 64 Stimmen, von der Ersten ohne Abstimmung. Zwei Jahre später kam Lindhagen von neuem mit einem Antrage zum Frauenwahlrecht; der Antrag wurde abgelehnt, in der Zweiten Kammer mit 115 gegen 93 Stimmen, in der Ersten ohne Abstimmung. Im Jahre 1995 erschien der Antrag abermals und wurde in der Zweiten Kammer mit 199 gegen 88, in der Ersten mit 89 gegen 39 Stimmen abgelehnt. Die Zahl der Gegner hatte sich also beständig verringert, und außerdem war der Fortschritt eingetreten, daß das Oberhaus nicht mehr einfach über die Frage zur Tagesordnung überging, sondern eine regelrechte Abstimmung vornahm. Dann vollzog sich im Laufe eines Jahres eine noch größere Wandlung in der Stellung des Reichstags zur Frauen- Wahlrechtsfrage, denn im Jahre 1996 beschloß die Erste Kammer mit 69 gegen 69 Stimmen, die Zweite mit 127 gegen 199 Stimmen, die Regierung zu einer Untersuchung über das Frauenwahlrecht, und zur Einbringung von Vorschlägen aufzufordern. Der Grund dieses Umschwungs in den Anschauungen war zu einem guten Teile der, daß man auf konservativer Seite eingesehen hatte, daß die große Wahlrechtsreform der Männer sich nicht länger hinausschieben lieh, und daß man glaubte, in einem Frauenwahlrecht mit„weiser" Beschränkung ein Gegengewicht gegen die demokratisierende Wir- kungen allgemeinen Äännerwahlrechtes finden zu können. Wenn die Konservativen nun, da nach sechs Jahren eine liberale Re- gierung selbst die Einführung des Frauenwahlrechts vorschlägt, die Vorlage zu Fall gebracht haben, so deswegen, weil sie erkannt haben, daß dos Frauenwahlrecht in der Form, ivie es jetzt zu- stände kommen sollte, ihren Parteiinteressen nicht dienen kann, ja. Inas auch von konservitiver Seite in den Reichstagsoebatten gesagt wurde, eine weitere Demokratisierung des Männerwahlrechts, namentlich die Beseitigung der Steuerklausel, nach sich ziehen muß. Zudem wissen sie auch, daß die politisch interessierten Frauen größtenteils nicht konservativ, sondern liberal-demokratisch, und in ihrer Mehrheit wohl gar sozialdemokratisch gesinnt sind, das Frauenwahlrecht also die Macht der Konservativen, die ja so wie so bald auf dem letzten Loche pfeifen, noch mehr herabdrücken wird. Der schwedische Reichstag hat sich übrigens am selben Tage noch mit einigen �anderen Wahlrcchtsanträgen besaßt, und zwar so, daß die ganze Sitzung am Sonnabend durch Wahlrechtsdebatten ausgefüllt wurde. Der wichtigste Antrag war der von unserem Genossen Branting begründete auf Einführung wirklich gleichen und allgemeinen Wahlrechts für Männer wie Frauen vom 21sten Lebensjahre ab. Das wurde in der Zweiten Kammer mit 132 gegen 71 Stimmen abgelehnt. Es wurde hier aber doch ein Bor- schlag des Konstitutionsausschusses gutgeheißen, wonach gelegent- liche Armenunterstützung nicht mehr den Verlust des Wahlrechts zur Folge haben soll, und ebenso ein Vorschlag, wonach die Wähl- barkeit zur Ersten Kammer nicht mehr von mindestens 3999 Kronen Jahreseinkommen oder Grundbesitz im Werte von 55 999 Kronen abhängig sein soll, sondern daß 2999� Kronen Einkommen oder 49 999 Kronen Grundstückswert dem Staatsbürger die Fähigkeit zum Gesetzgeber erster Güte geben können. Jedoch wurden beide Vorschläge in der Ersten Kammer abgelehnt. Die Mehrheit will eben hier von der unangenehmen Demokratisierung, die ihr schließ- lich immer mehr Mandate kostet, nichts wissen, selbst wenn es sich um noch so bescheidene Anträge handelt. Ein kleiner', für die Proletarierpartei immerhin schätzenswerter Fortschritt wurde aber doch erreicht, indem beide Kammern beschlossen, daß die Abgeord- ncten der Landsthinge, soweit sie nicht in den Städten ansässig sind, wo diese Bezirksparlamente zusammentreten. Diäten erhalten sollen, und zwar 6 Kronen den Tag. Bisher gab es für die Aus- Übung dieses Amtes gar keine Entschädigung, und unsere Partei- genossen mußten dafür sorgen, daß ihre unbemittelten LaudSthingS- männer für den Verlust an Arbeitsverdienst einigermc�en ent- schädigt wurden.• Frauenrechtsfreundlich zeigte die Zweite Kamm« sich auch noch durch einen mit 128 gegen 61 Stimmen gefaßten Beschluß, der den Frauen die Wählbarkeit zu den Landsthingen geben sollte, was aber wiederum von der Ersten Kammer abgelehnt wurde. Ausstellung für Kindeswohlfahrt in St. Louis. Die von der über die ganz« Union verbreiteten„Thild's Welfare Association" lKinder-Wohlsahrts-Vereinigung) in St. Louis organisierte und soeben geschlossene„Ausstellung für Kindeswohlfahrt" bezweckte nach einem ausgegebenen illustrierten Handbuch:„Zu zählen, was die Stadt und Vereine von St. Louis für die Wohlfahrt der Kinder tun. was sie mehr tun wollten und wie sie es könnten." Dieses Ziel suchte man dadurch zu erreichen, daß man nicht irgendwelche Einzelleistungen zur Darstellung brachte, sondern zusammenfaßte, was die Körperschaften einer bestimmten Gattung an Gesamtleistung aufzuweisen haben. Die Ausstellung umfaßte folgende Hauptsektionen: Die Wohlfahrt der Säuglinge. Erholungs- und Vergnügungsplätzc, Bibliotheken, Ge- sellschaften und Klubs, Schulen, Kirchen, Tempel und Sonntags- schulen, Arbeit und Lohn. Wohnungen. Bei der Bevölkerung er- regte die gemeinnützig« Veranstaltung, für die Eintrittsgeld nur ausnahmsweise an wenigen Tagen erhoben wurde, großes Jnter- esse; sie war laut Mitteilung des Kaiserlich deutschen Konsulats in St. Louis von zirka 299 999 Personen besucht. Das erwähnte AuSstellnngShandbuch und eine Anzahl Propa- ganda-Drucksachcn können an der Geschäftsstelle der„Ständigen Ausstellungskommission für die Deutsche Industrie"(Berlin NW., Roonstr. 1), eingesehen werden. «Versammlungen— Veranstaltungen. Schönebcrg. Der zweite Frauenbezirk veranstaltet am t. Pfingst- feiertag einen FamilienauZflug nach Schmargendorf. Lokal Bartels, Warnemiinder Str. 6.— Treffpunkt 2 Uhr nachmittags Bahnhof Ebersstraße. Verlammlungen. Deutscher Holzarbeiterverband. In der am Freitag abgehakte- neu Öuartcklsvcrsammlung der Zahlstelle Berlin erstattete Glocke den B-rstandsbericht für das erste Quartal. Er gab einen Ueberblick über die geichäft- liche Tätigkeit nnd verwies darauf, daß mit Rücksicht auf die Reichs- kagslvahl«» die Agitation eingeschränkt und nur die Geschäftstätig- keit fortgesetzt worden ist. Die Ortsverwaltung hatte jede Woche 54—69 Maßregelungsfällc zu entscheiden, eine verhältnismäßig große Zahl. Die Reorganisation der Verwaltung hat sich gut bc- währt, die Unterkommissionen haben ausreichend zu tun gehabt. Die Kontrollkommission hat trotz der Reichstagswahlen eine rege Tätigkeit entfaltet. Sie hat 477 Mitglieder und hielt 247 ge- schäftliche Sitzungen ab und 2214 Werkstattsitzungen, zu denen 3194 Werkstätten geladen waren, von denen aus 2641 Werkstätten 29 546 Kollegen erschienen waren.— Die Schlichtungskommission wurde 186mal angerufen. 213 Verhandlungen der Beauftragten und 5 Verhandlungen mit Sachverständigen fanden statt. Die Schlich- tungskommission hielt 5 Sitzungen ab. Bei Nichtvertragsmeistern fanden 85 Differenzen statt, die zu 193 Verhandlungen führten. In 22 Betrieben kam es zum Streik, wobei 593 Kollegen die Ar- beit niederlegten. 14 Streiks mit 233 Beteiligten hatten Erfolg. 5 Streiks mit 229 Beteiligten endeten mit einem Vergleich. 3 Streiks mit 53 Beteiligten gingen verloren. Der Streik der Flügelzusammensetzer ist verloren gMingen, nicht etwa wegen der Haltlosigkeit der Streikenden, sondern wegen der Kapitalkraft der Firma. Für einen ollgemeinen Streik bei Bechstein sind die dort Beschäftigten nicht gut genug organisiert. Aber die Organisation muß auch da Fortschritte machen, damit der Kampf gegen die Firma einmal aufgenommen werden kann. Die Verhältnisse im Bechstein- schen Betriebe sind nicht so, wie man sie vom gewerkschaftlichen Standpunkt wünschen muß.— Die Konjunktur in der Holzindustrie ist nicht so günstig, wie gewünscht und erwartet wurde. Sie ist er- heblich ungünstiger wie in anderen Gewerben. Besonders schlecht ist die Geschäftslage in der Bautischlerei. Da ist die Krise chronisch geworden. Die Arbeitslosigkeit ist groß. Es soll deshalb in der „Holzarbeiterzeitung" allwöchentlich eine Uebersicht über die Zahlen der paritätischen Arbeitsnachweise veröffentlicht werden. Von dieser Veröffentlichung wird erwartet, daß die Kollegen in der Provinz über die schlechte Lage in Berlin informiert werden und der Zustrom nach Berlin, der die Zahl der Arbeitslosen bedeutend vermehrt, herabgemindert wird. Auf der anderen Seite wird die Uebersicht dazu beitragen, den Zugang von Arbeitslosen nach den Orten zu lenken, wo die Arbeitsgelegenheit besser ist wie in Berlin. — Die Jugendbewegung hat im ersten Quartal keine großen Fort- schritte gemacht, es scheint, daß der Boden dafür noch nicht genug vorbereitet ist.— Zum Schluß gab der Redner eine ausführliche Darstellung des Konflikts, der aus Anlaß der Maifeier mit dem Arbeitgeberverband ausgebrochen ist und kürzlich das Einigungs- amt beschäftigt hat. aber noch nicht erledigt ist. Der Redner be- tonte, daß dieser Konflikt, für den eigentlich gor kein Grund vor- liegt, von den Arbeitgebern vom Zaune gebrochen ist, jedenfalls mit Rücksicht auf die nächsten Tarifvcrhandlungen. Den Standpunkt, den die Verbandsvertreter vor dem Einigungsamt eingenommen haben, werden sie beibehalten. Sie betrachten die Maifeier, die sie seit 1899 in derselben Weise begehen, nicht als einen Vertrags- bruch. In der Diskussion kam F. Leopold auf den Streik bei Bech- stein zurück. Die Flügelzusammensetzer haben zwar Anfang Mörz die Arbeit bedingungslos aufgenommen, aber auch in den anderen Abteilungen des Betriebes sind Forderungen gestellt worden, mit dem Erfolge, daß für zwei Drittel der Beschäftigten Lohnerhöhun- gen von 5— 7 Proz. erreicht wurden. Auch die Forderungen der Zusammensetzer sind nachträglich bewilligt worden. Trotzdem sind die Verhältnisse bei Bechstein noch nicht gut, Der vom Kassierer Miele erstattete Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 178945 M., eine Ausgabe von 162 289 M. Der Vermögensbestand beträgt 293 419 M. Die ungünstige Kon- junktur spiegelt sich auch in den für Erwerbsloscnunterstützung ausgegebenen Summen Wider. Es wurden gezahlt an Arbeits- lose 134 951 M.. an Kranke 69 519 2)i., an Streikende 31 606 M.. an Gemaßregelte 13 254 M,. sonstige Unterstützungen 7792 M. Im paritätischen Arbeitsnachweis wurden, wie Fcchner bc« richtete, 13 452 Arbeitsuchende eingetragen. 11141 Stellen wurden gemeldet und 9589 besetzt. Die Zahl der Arbeitslosen ist ziemlich hoch, sie hat sich seit Weihnachten nicht vermindert. Gegenwärtig beträgt sie 2799. Bautischler müssen infolge der ungewöhnlich schlechten Geschäftslage 8—19 Wochen warten, che sie wieder Arbeit bekommen können. Der Arbeitsnachweis des Verbandes, über den Späth« be- richtete, hatte 984 Eintragungen von Arbeitsuchenden. Von den 654 gemeldeten Stellen wurden 424 besetzt. 196 Arbeitslose waren am Schlüsse des Quartals eingetragen. Für die Branchen, welche diesem Arbeitsnachweis angehören, kann der Geschäftsgang im all- gemeinen als gut bezeichnet werden. Der Versammlung lag ein Antrag aus Mitgliedcrkreisen vor. welcher eine Erweiterung der Arbeitslosenunterstützung befürwortet und zu diesem Zweck die Erhöhung des ordentlichen Beitrages auf 1,19 M. wöchentlich und Fortfall der obligatorischen Extrabeiträg- empfiehlt.— In der Diskussion wurde die Notwendigkeit der Rc- gelung dieser Angelegenheit betont, aber auch hervorgehoben, daß durch diesen Antrag die Frage nicht befriedigend gelöst werde. Des- halb wurde beschlossen, den Bezirksversammlungen eine rechnungs- mäßige Aufstellung zur Besprechung zu unterbreiten. Eine spätere Generalversammlung soll dann zu der Angelegenheit Stellung nehmen. Aus der Stichwahl eines unbesoldeten HauptvorstandSmitglie- deS ging L i e tz als gewählt hervor. Gegen den Kistenmacher Merten, der als Delegierter zum Verbanostage gewählt ist, aber Ueberstunden gemacht hat. um den Verlust durch die Maifeier einzuholen, beschloß die Versammlung eine Resolution, welche die Erwartung ausdrückt, daß Merten nach diesem Vorgange sein Delegiertenmandat niederlegen werde. Die Asphaltardeiter sind genötigt gewesen, in einer stark ve- suchten Versammlung gegen d,e geradezu skandalösen Zustände zu protestieren, wie sie bei einzelnen Firmen eingerissen sind. Der Referent Link rollte ein Bild entsetzlicher Ausbeutung dieser Arbeitergruppe aus. Arbeitszeiten von 89. 99, 199 Stunden ja noch darüber hinaus gehören nicht zu den Seltenheiten, sondern bilden die Regel. So kommt es vor. daß Arbeiter in einer Tour 82 Stunden arbeiten. In dieser Arbeitszeit liegen etwa zwei Stunden Ruhepause. Nacki einer weiteren Ruhezeit von 6 Stunden geht es wieder 14 bis 17 Stunden weiter. Vor kurzem ist ein Arbeiter, der eine solch ungeheuerlich lange Arbeitszeit durchgemacht hatte, vor Ermüdung auf dem Wagen ein- geschlafen, dabei heruntergefallen und durch Ueberfahren getöte; worden. Die Löhne betragen in den meisten Fällen 49— 42«/, Pf.; darüber hinaus, bis zu 59 Pf. pro Stunde wird nur sehr der- e i n z e l t gezahlt. Die Firma I e s e r i ch- Charlottenburg zahlte im Jahre 1911 ihren Aktionären 10 Proz. Dividende. An Gratifikationen für die Beamten 34 329 M. Mit diesen Summen vergleiche man die niedrigen Löhne der Arbeiter. Die Firma Schlesing Nachfolger zahlt sogar für da? Jahr 1911 3 5 Proz. Dividende. Dabei machen die Groß- sinnen es den Arbeitern fast unmöglich, sich auf Grund de? Koalitionsrechts betätigen zu können und durch die Organisation Abhilfe zu schaffen. Eine wahre Gesinnungsschnüffelei findet unter der» Arbeltern statt, und wer der Organisatton angehört, der wird einfach auf die Straße gesetzt. In der Diskussion wurbe_ die Schilderung der Mißstände durch die einzelnen Redner noch ergänzt._ Die Versammelten beauftragten die Verbandsleitung, bei den städtischen und sonstigen Behörden dahingehend vorstellig zu werden, daß diese nursolchenFirme n'A rlsträge erteilen, die ihren Arbeitern den tarifmäßigen Lohn zahlen. Die Ver- sammelten beauftragten die BerbandSleinmg femer, die nötigen Vorarbeiten für eine Lohnbewegung einzuleiten. freireligiöse Gemeinde. Sonnlag, den 26. Wal, vormittags 11 Uhr, Kleine Frantsurter Str. 6: Festvorttaa von Dr. G. Kramer-Magdeburg, Dame» und Herren als Gäste sehr willkommen, HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE Diese wpche ALEXANDERPLATZ Soweit Vorrat Grosse Posten FRANKFURTER ALLEE Wasch-, Kleider- und Seidenstoffe zu besonders Wilsen Preisen Waschstoffe Seidenstoffe Kleiderstoffe Musselin ca. 80 cm breit.......... Zephir moderne Streifen Bedr. Perkai iür Oberhemden..,.,. Volle bedruckt.»»«»».,,»»». Prima Zephir so cm breit........ 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Die Grundlage für die Darstellung, die im wesentlichen nur die rheinisch-westfälischen Verhältnisse berüaüchtigt.. bildet eine Kritik der bisherigen statistischen Belege der Konzcntrationscrschei- nungen. Die offizielle Statistik folgt bei ihrer Unterscheidung von .Werken" juristisch-steuerlichen Gesichtspunkten, ohne datz die Zählung einheitlich wäre. 1894 sank im Oberbergamtsbezirk Brcs- lau die Zahl der Werke von 14S auf 78. nur weil plötzlich eine andere Zählweise vorgenommen wurde. G. unterscheidet dagegen Werke als betriebstechnische und als wirtschaftliche n-?•C.t' e n-.«Prosper" im Bezirk Wcstessen erscheint in der «tatift'.c als Einheit; die Besitzer zählen aber drei Betriebsanlagen. Im Revier Dortmund III trennt die Statistik die Gewerkschafts- betriebe„Borussia" und„Oespel" als zwei Werke; tatsächlich bilden sie zusammen eine drcischächtige Betriebs e i n h e i t. Wäh- rend die amtliche Statistik im Ruhrrevier für das Jahr 1909 ins- gesamt 162 Bergwerke zählt, unterscheidet G. 396 technische Ein- Helten, von denen noch 22 unfertig sind und daher für die weitere Betrachtung ausscheiden. Nach G.s Berechnung verteilte sich die Leistungsfähigkeit dieser 365 Betriebe im Ruhrrevier 1909: JahreS-Förderung pro Werk......... Zahl der Betriebe.................. Produktion in 1000 Tonnen.............. Anteil der Gruppe an der Produktion.......... Zahl der Belegfchaft................. Anteil der Belegschaft................ Durchschnittliche Produktion pro Betrieb.......... „ Arbeiterzahl pro Betrieb......... , Kohlenleistung deS Arbeiters........ Koksproduktion in 1000 Tonnen............. Brikeitfabrilation in 1000 Tonnen............ Auf 1000 Tonnen Kohle kommen Tonnen Briketts...... Auf 1000 To. Kohle kommen Veredelungsprodukte in Tonnen Kohle In dieser Tabelle steht nach Zahl der Betriebe und Anteil an der Gesamtproduktion die Gruppe der Großbetriebe nicht an erster Stelle. Die mittleren Betriebe(150 000 bis 400 000 Tonnen Jahresförderung) liefern den Hauptanteil an der Gesamtproduk- tion 175,2 Proz.) und stehen nach der durchschnittlichen Kohlen- leistung des Arbeiters neben den größten Betrieben. Unrentabel sind dagegen die 14 kleinsten Betriebe(Arbeiterleistung nur 176 Tonnen), die nach Zahl und Förderungsmenge vollkommen ver- schwinden. Was die kleinsten und kleineren Betriebe(bis 150 000 Tonnen Jahresforderung) überhaupt noch lebensfähig macht, ist ihre Koks- und Brikettfabrikation und die Gewinnung von Neben- Produkten(Ammoniak, Teer, Naphthalin, Benzol, Gas). Aus den beiden untersten Zeilen der Tabelle ergibt sich, daß sie die Ver- kokung und die Gewinnung von Veredelungsprodukten relativ viel intensiver betreiben als die größeren Werke. Was G. zum Beweise für diese technische Konzentration an Zahlenbelegen bringt, läßt sich leider nicht im einzelnen nach- prüfen. Auch die Einteilung der 365 Werke in die verschiedenen Größenklassen hätte sehr gut durch die Einzelaufführung der Nach- Prüfung handlicher gemacht werden können. Etaws dürftig ist auch der rein beschreibende Teil der Betriebskonzentrationsursachen aus- gefallen. In dem Abschnitt über die wirtschaftliche Konzentration werden bereits bekannte Tatsachen bestätigt. Die Bedeutung phvsi- scher Personen ist zurückgegangen; heute liegt nur noch ein Werk mit unbedeutender Produktion in den Händen eines Mannes (de Wendel). Aktiengesellschaften und Gewerkschaften sind die Träger der Konzentration. Die Zahl der wirtschaftlichen Einheiten ist seit 1885 von 114 auf 55 im Jahre 1909N0 zurückgegangen. Unter diesen wenigen beherrscht und monopolisiert die Kohlen- Produktion eine noch kleinere Zahl. 1893 förderten die 10 größten Unternehmungen 36,6 Proz. der Gesamtproduktion im Ruhrrevier; 1910 lieferten 10 Riesenunternehilren bereits 59� Proz. Allein „9 Konzerne beherrschen. 66,0 Proz. der Kohlenproduktion des Reviers und 48 Proz. der Produktion des Stahlwerksverbandes". Auf die Frage nach den Ursachen dieser wirtschaftlichen Kon- zentration behandelt G. zunächst die Veränderungen im Bergwerks- recht. Bis zur Mitte des vergangenen Fahrhunderts herrschte im Bergbau das Direktorialsystem, das der Bergbaubehörde einen weitgehenden Einfluß auf den an bestimmte Formen gebundenen Betrieb gewährte.„Me Berggesctzgebung der 50er und 60er Jahre war getragen von der ausgesprochenen Tendenz, Kapital in den Bergbau zu leiten und stellte ihm dieserhalb Bewegungsfreiheit und höchste Gewinnchancen in Aussicht. Die Absicht, den Kohlen- bergbau und seine Produktion zu steigern... hat sich auch erfüllt. aber man konnte nicht ahnen, daß der Riesenbetrieb, das Privat- monopol die neue Wirtschaftsform der freien Konkurrenz ab- lösen würde, daß eine mehr oder weniger freiwillige Kartellierung ... eine Rückkehr zu den Grundsätzen des Direktionssystems, Förderungseinschränkung und Produktionsverteilung, Preis- und Absatzregulierung, tatsächliche Beseitigung des freien Arbeitsvertrages und anderes letzten Endes... resultieren würde." Die gesetzlichen Aufschließungsbestimmungen(Sckiürfsrei- heit) lieferten den Bergbau geradezu dem Großkapital und den Monopolisten auS. Lange vor dem Abbau setzten sich einzelne Kapitalskonzerne in den Besitz der mineralhaltigen Areale. Die neuen Gesetze von 1905 und 1907, die die Regierung einbrachte, nachdem sie in der„Hibcrnia"-Asfäre selbst die SMäge des Privat- monopols gespürt hatte, halten sich jedes Eingriffs in die„wohl- erworbenen" Bergwerksrechte fern und stabilisieren daher die Privilegien der gegenwärtigen Monopolinhaber. Diese künstliche Förderung der Großbetriebe wurde durch die Steuergesetzgebung noch vermehrt. Die Aufhebung der Bruttosteuer— mit zunehmen- der Tiefe des Wbaus wächst der Anteil der Produktionskosten für die Tonne Kable— kam den großen Betrieben mehr zugute als den kleinen. Zudem ma-bte der Staat vor den Regalen der Mag. naten(insbesondere in Schlesien) Halt. Diese erhoben d,e alten hohen Bruttoabgaben weiter, machten dadurch die Privatbetriebe gegenüber den niedriger besteuerten konkurrenzunfähig und brach- ten sie in eigenen Besitz. Der Staat selbst lieferte also die kleineren Betriebe an die Magnaten aus. Ein Scl'lußabschnitt besckiäftigt sich mit dem Thema: Kartell und Konzentration. Hier wird nichts Neues an Tatsachen vor- gebrackit' die Produktionseinsckränkung durck, Vertragsbestimmung. die Stillegung der Ruhrtalzcchen. die Beschleunigung der Konzen- tration durck die gemischten Betriebe(Hüttcnzechen). Neu ist auch nickt die?lusfasiung der reinen Betriebe, die sich G. zu eigen mackt:„die Entstehung der kombinierten Werke mit ihrer Tendenz der Vergrößerung der Kohlenproduktion ohne Rücksicktnahme auf die©esamtlage schädige direkt das Nationalvermögen�. Eine Schädigung des Konsums besteht durch die Existenz eines Syndikats überhaupt, auch lvenn ihm nur reine Betriebe angehören. Ten Beweis, daß„die Konzentration zu kombinierten Werken kaum (also dock!) eine Herabminderung der natürlichen Produktions- kosten bewirke", ist G. schuldig geblieben. Zu einer klaren theoretischen Durchdringung der Monopol- ersckeinungen ist G. nickt vorgedrungen. G. verzichtet auf eine einheitliche Erklärung" der modernen Wirtschaft„nach Sinn und Kausalzusammenhang", da seiner Meinung nach alle Versuche bisher gcsckei«-rt seien. Er beschränkt sich auf eine„Erörterung der Einzelfragen des Hauptproblems". Aber auck hier vermischt er Erscheinungsformen und Tendenzen, um zumeist an den ersten haftenzubleiben. � Ernst Meyer. T as Spirituskartell. Eine wirtschaftspolitische Unter- suchung von Dr. G o e tz Briefs.(Volkswirtschaftliche Abhand- lungcn der badischen Hochschulen, Neue Foltje, Heft 7.) Karlsruhe, Braunsche Hosbuchdruckerei. 1912. 252 Seiten. Preis 5.20 M. Die Vorgänge in der Spiritusindustrie haben neben dem Wirt- schaftlichen ein eminent politisches Interesse. Der Schnaps ist zum Symbol der agrarischen Reaktion in Deutschland geworden. Die vorliegende Arbeit über die Spirituszentrale wird daher in Parter- 20 000 bis 75 000 To. 14 339 0,4 Proz. 1930 0.57 Proz. 24 000 138 176 33 103 103 75 000 bis 150 000 To. 72 8 277 10.2 Proz. 35 960 10.73 Proz. 115 000 499 229 1603 im? 128 887 150 000 bis 250 000 To. 162 33 071 40,4 Proz. 131 630 39,2 Proz. 204 000 812 249 5 633 1072 34 267 250 000 bis 400 000 To. 92 28 450 34.8 Proz. 114710 34.2 Proz. 306 000 1233 247 4 700 967 33 258 über 400 000 To. 25 12 536 14,1 Proz. 51070 15,3 Proz. 602 000 2043 246 3 097 324 kreisen besondere Beachtung erfahren. Um gleich unser Urteil vor- auszuschicken: sie verdient sie auch in vollem Maße. In einem einleitenden Kapitel wird die„Börsenära" der deut- scken Spiritusindustvie bis zur Gründung des Kartells 1897(be- stehend aus der Organisation der Brenner und der Spritfabriken) geschildert. Technische Fortschritte, die Steuergesetzgebung 1887 und 1895, die Zollpolitik, die Verhältnisse an den Börsenmärkten werden dabei in ihren fördernden und hemmenden Wirkungen für die Konzentration der Einzelunternehmungen erörtert, wobei Technik und Usancen im Börsenverkehr besonders berücksichtigt werden. In dem Haupttcil:„Die Kartellära", erfährt das Kartell des ersten Hauptvertrags eine eingehende wirtschaftliche Analyse und historische Schilderung. Ein erster Abschnitt behandelt Entstehung, Qrganisa- tio», Vertragsbestimmungen des Kartells und den Kampf mit der Börse, der bekanntlich damit endete, daß seit Frühjahr 1902 der Spiritusverkehr auf dem Börsenmarkt vollkommen ruht. In einem weiteren Abschnitt:„Die Politik des Kartells" wird zunächst der Produktionsumfang der Jahre 1899 bis 1907 an der Hand der Geschäftsberichte der Zentrale dargestellt und sodann untersucht, ob die Zentrale überhaupt eine Produktionspolitik treiben konnte. Die Frage wird verneint: Die SpirituSproduktion stellt sich dar als ein Nebenbetrieb der Landwirtschaft; die Produktionsmittel sind in ihrem Umfange von unbeeinflußbaren Momenten(Ausfall der Ernte) abhängig. Die Größe des(Kartoffel-) Erntefeldes wird ihrerseits durch die Rentabilität des landlvirtschastlichen Gesamt- betricbes bestimmt. Aenderungen infolge von Rentabilitätsverände- rungen des Nebenbetriebes lassen sich erst so spät vornehmen, daß dann die Ursachen wieder bereits verschwunden sein können. Die von der Zentrale 1901/02, 1905/06 und 1906/07 angeordneten Pro- duktionseinschränkungen wurden durch natürliche Umstände(Rück- gang der Kartoffelernte) verwirklicht. Diese eigenartige Stellung als landwirtschaftliches Kartell macht sich auch in der Preispolitik geltend. Die Höhe der Produktion wirkt augenblicklich und scharf auf die Preise. Starker Export ins Ausland bei hohen Beständen, die Differenzierung von Inlands- und Auslandspreisen und die von Trinkbranntwein- und Gewerbe- spirituspreisen, waren die Mittel zum Hochhalten der Preise. Ge- wöhnlich sagt man Kartellen nach, daß sie Stetigkeit der Preise verursachen. Für die Zentrale konstatiert B. mit Recht, daß die Preiskurve sprunghaft ist, alle ruhige geschäftliche Kalkulation er- schwert. Die wesentlichste Stütze der Preispolitik des Kartells bildet die Absatzpolitik. Ging der Konsum an Trinkbranntwein infolge der hohen Preise zurück, so mußte Ersatz durck den denaturierten Spiri- tus geschaffen werden. Gleickmäßige billige Preise. Ausschaltung des verteuernden Zwischenhandels. Anregung zur Verwendung für Heiz-, Beleucktungs- und Kockzwecke waren das Ziel dieser Politik. Spiritus mußte mit Gas. Elektrizität. Petroleum, Benzin kon- kurrieren können. Durch Prämiierungen. Ausstellungen usw. för- derte die Zentrale die Herstellung und Verwendung von Spiritus- apparaten. Die Einführung von Spiritusmotoren wurde dadurch erleichtert, daß sich bei ihnen die Wärmeausnutzung günstiger stellt als bei anderen mit flüssigen Brennstoffen betriebenen Kraft- Maschinen. Ter Export in? Ausland wird nicht regelmäßig betrieben. Nur wenn allzu hohe Bestände Preisdruck verursachen könnten, wird er vorgenommen. Die Produktion ist im allgemeinen infolge der Betriebstechnik und der outen Preise so rentabel, daß sie dieses Ventils— das bei anderen Kartellen stetig in Kraft ist— nicht bedarf. Als 1900 die staatliche Brennsteuerrückveraütung wegen der nicht erfolgten Erneuerung des Brennsteuergesetzes ruhte, hatte die Zentrale noch kurz vorher„große Massen auf Vorrat abfertigen und im Hamburger Freihafen... einlagern lassen". Auch die Re- gierung kam unter Umständen zu Hilfe: 1902 ermäßigte der Landes- eisenbahnrat auf Antrag der Zentrale die Tarife für seewärts geleitete Zufuhr. In einem dritten Abschnitt werden die Wirkungen des Kartells dargestellt. Die Lage der Brenner und Spritfabrikanten hat sich natürlich bedeutend gebessert. Vergleicht man die Preise von sechs Jahren vor und nach Begründung des Kartells, so ergibt sick eine Besserung um 5,24 M. pro Hektoliter. Für die Brenner stellt sich der finanzielle Mpbrersolg bei neunjährigem Durckscknitt kartell- freier und kartellgebundener Zeit auf 4,39 M. pro Hektoliter. Die Wirkungen auf die Outsider waren nur günstige; sie profi- tierten nur an den hohen Preisen, ohne verlustbringend exportieren, das weniger lohnende DenaturierungSgeschäft betreiben und Kartell- gebübren zahlen zu müssen. Mit den Händlern sprang die Zentrale geradezu unwurpig um. Soweit sie nickt beseitigt wurden— heute erfolgt der Vertrieb aus- schließlich durck die«escllsckaster der Zentrale bzw. die Groß- destillateure und Abfüllungsstellen— mußten sie sich völlig in die Hand der Zentrale begeben. Preis und Gewinn werden von der Zentrale bestimmt. Sie kontrolliert die Abnehmer bis zum letzten Glied. Die weiterveracbeitende Industrie leidet unter der Mackt der Zentrale nickt weniger. Hohe Preise, erschwerte Lieferungsbedin- gungen. Unmöglichkeit genauer Kalkulation hat sie zum Teil dazu getrieben. Filialwerke im Ausland zu errichten. Ein weiterer Hauptteil beschäftigt sick mit dem Kartell des zweiten Vertrages 1008 bis 1911. Die w-sentlickste Organisations- änderung betrifft die Machtstellung der Kontrahenten zueinander. Im alten Kartell waren die Svritkabriken in der Vorzugsstellung. Insbesondere durck die zunehmende Bedeutung des Spiritus zu gewerblichen Zwecken ging ihr Einfluß zurück. Das neue Kartell gewährt den Brennern den Haupteinfluß und-Profit. Die Reim- gungsvrämie der Spritfabriken wird zugunsten der Brenner ge- schmälert, ihr Anteil an der Verwaltung beschnitten. Nach der Erneuerung, deren Verhandlungen von Briefs eingehend dargelegt werden, gibt ihr die Branntweinsteuerreform von 1909 die rechtliche Bestätigung.„Die deutsche g r o ßa g ra r i s ck e Bevölke- r u n g hat in ganz eminent hohem Maße im Spirituskartell... bewiesen, wie sehr, sie sich als eine Schicht wirtschaftlich gleich inter» essierter Individuen fühlt, und vor allem: welchen Einfluß eine kompakte W i r t s cha f t s ma ch t durch folge- richtige und scharfe Vertretung ihrer Interessen gegenüber der r e i ch s de u t s ch e n Gesetzgebung be- sitzt."(S. 115.) Kontingent, Erschwerung von Neugründungen, Betriebsauflage, Durchschnittsbrand, Vergällungszwang, Vorschrif- ten für den Kleinhandel in denaturiertem Spiritus sanktionieren gesetzlich die durch die Zentrale verfolgte Politik. Das Zurückdrängen der Spritfabrikcn und gewerblichen Brennereien, die Bin- dung des Zwischenhandels wird durch gesetzlichen Zwang bestätigt. Was dem Kartell nicht vollkommen gelingen würde, vermag der Gesetzgeber: die Produktionsbindung.„Das ist gleichbedeu- tend mit einer offiziellen Anerkennung des Kartells in seiner Exi she nz und seiner Politi k." (S. 193.)„Ter Tatsache Kartell hat die Gesetzgebung Rechnung getragen, indem sie das gesamte Gewerbe in die Grundlinien der Absatz- und Verwertungs- Politik des Kartells hineinzwang durch das Mittel des Vcrgällungszwangs."(S. 204.) Durch das Gesetz sind auch die letzten Außenseiter ins Kartell hineingezwungen worden. Damit„ist der äußere Ausbau der jlartcllmacht geschlossen, der freie Wettbewerb ausgeschaltet, alle Beziehungen zwischen Markt und Konium einseitig dem Kartell überantwortet; so lange bis Weiterverarbe-.tcr und Destillateure ihr festgefügtes Kartell haben, dessen politisches Mittel heißt: Konsum- einschränkung als eiserne Wehr gegenüber jeder Willkürpolitik: 4 Corsaire, Corsaire et demil"(S. 242.) Mit dein neuen Gesetz wird aber auch die Begründung unrnög- lich gemacht, die noch für die Gesetzgebung von 1887 und 1895 herhalten konnte: die Brennerei als Erntcverwertungsfaktor, als Stütze für Viehhaltung und Landeskultur:„Keine Brennerei— keine Schlempe: keine Schlempe-- kein Vieh; kein Vieh— keinen Dünger; kein Dünger— keinen Roggen und keine Kartoffeln, und was dann folgt ist die Kiefer."(Miguel.) Die Brennerei war aber nur so lange Stütze der Landeskultur,„als die Güter guten Bodens starke Kartoiftlernten zogen."(S. 193.) Aber heute werden auf den schlechteren Kami fein gezogen, während das Kontingent bei den guten Böden verblieben ist.„Die Brennerei, die wirklich ErnceverwertungSberrieb ist im Sinne der 1887er Gesetzgebung, ist durch das neue Gesetz schwer getroffen worden."(S. 201.) Das neue Gesetz führt gerade zu einer Trennung von Gutsbetrieb und Brennerei. Beide sind in ihrer Rentabilität nicht mehr miteinander verflochten, und das Kartell kann jetzt treiben, was ihm früher verschlossen war: Produktionspolitik. Zwar ist ebensowenig wie im alten so auch im neuen eine Produktionsbegrenzung und-Regelung vorgesehen. Aber die Voraussetzung ist jetzt für sie gegeben. Diese Tendenzen werden in den Abschnitten: die Politik des Kartells, Produktionspolitik und Durchschnittsbrand, der Ausbau der Kartellmacht, die volkswirtschaftliche Bedeutung des Kartells näher untersucht. Bei der Frage, weshalb das neue Kartell Wohl nicht exportiere, gibt Briefs als dritte Lösung:„Vielleicht will die Zentrale die Zustände auf dem Inlandsmarkt unter der Wir- kung des neuen Gesetzes durch Einschränkung des Exports unhalt- bar werden lassen, um so eher die Monopalvorlage aus der Per« senkung wieder auftauchen zu sehen; die Verhältnisse sind jetzt, wo der ganze Spritmarkt unsicher ist, reif dazu." Die Absicht scheint uns unzweifelhaft. Die letzten Preissteigerungen sind ein weiterer Beweis dafür. Anläßlich ihrer Ankündßzung wurde von verschiedenen Seiten auch in der bürgerlichen Presse dieser Mei- nung Ausdruck gegeben: Die Politik der Zentrale läuft auf Ab« lösung des tatsächlichen Privatmonopols durch ein Staatszwischen- Monopol hinaus, das den Brennern jegliche Verantwortung ab- nimmt und ihnen die augenblicklichen hohen Profite dauernd garantiert. Wir können die sorgfältige Studie nur dringend zum Studium empfehlen._ Ernst Meyer. 11. Generalversammlung des Zentralverbandes der Maschinisten, Heizer und vermandten Kernfsgeuossen. Arn Pfingstfonnabend begann in München im GesellschaftS- haus„Zur Lacke" die elfte ordentliche Generalversammlung deS Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Vor wenigen Wochen feierte der Verband die Er- reickung einer Mitgliedcrzahl von 25 000.„Nach mühevoller, un- ablässiger Agitationsarbeit"— so schrieb das Verbandsorgan mit Genugtuung—„ist es nach einer 18jährigen Tätigkeit gelungen, die Mitgliedenzahl auf über 25 000 zahlende Mitglieder zu bringen. Elittäuschungen und Mißerfolge aller Art blieben uns nicht er- spart, jedoch wir haben daraus gelernt, und die Erfahrungen brach- ten uns aus den richtigen Weg, und dieser führte zu Erfolgen." In diesem Festartikel wurde daran erinnert, daß der Verband in seinen beiden ersten Geschäftsjahren, 1894/95, eine Einnahme von nur 12 555 M. hatte, in den Jahren 1910/11 aber eine solche von 794 069 Markt Also über sünfzigmal so viel wie in den ztvei ersten Jahren der Verbandstätigkeit. Diese Zahlen zeigen die Fortschritte, die Erstarkung des Verbandes am deutlichsten. In der letzten Geschäftsperiode, 1910/14, hat der Verband seine Mitgliederzahl um rund 6000 erhöht, von 18 200 auf 24 019. Neu aufgenommen wurden in der BerichtSzeit 15 III Mt- glieder, so daß also die Zunahme eine weit größere wäre, wenn nicht gegen 10 000 Mitglieder dem Verbände wieder den Rücken gekehrt hätten. Die Fluktuation ist also außerordentlich stark. Bei den Maschinisten und Heizern gibt es in manchen Orten noch Lokal- vereine. Bei diesen bricht sich aber immer mehr die Erkenntnis Bahn, daß nur eine starke Zcntralorganisation Erfolge für die Mit- glieder erringen kann. Im Laufe der Berichtsjahre haben sich er- freulicherweise eine ganze Anzahl von Lokalvereinen aufgelöst und sich dem Zentralverbanoe angeschlossen. Lohnbewegungen führte der Verband in den beiden letzten Jahren 317 mit gutem Erfolge durch. Streiks fanden ins- gesamt 80 statt, an denen 1864 Kollegen beteiligt waren. Zur Aus- sperrung kam es in 22 Fällen mit 336 Kollegen, und Bewegungen ohne Arbeitseinstellung wurden 215 durchgeführt, die sich auf 508 Betriebe mit 4857 Kollegen erstreckten. Tarife wurden 91 für 290 Betriebe mit 1997 Beschäftigten abgeschlossen. Durch die Lohnbewe- gungen wurde insgesamt eine Verkürzung der Arbeitszeit um 484 562 Stunden und eine Lohnerhöhung von 632 497 M. pro Jahr erzielt. Dazu kommt noch eine errungene bessere Bezahlung der Ueberstundcn. Ein bedeutsamer Erfolg ist auch die Erreichung von Ferien für die Arbeiter. In den zwei Jahren wurde für 2104 Kollegen ein Urlaub von 2 bis 14 Tagen durchgesetzt. All diese Er- folge zeigen, daß die Organisation ein sozialer Faktor von gewalti. ger Bedeutung ist. DieLeistungendesVerbandeSanUnterstützun, gen sind in der Berichtszeit stark gestiegen. Die Ausgaben für Streik, Aussperrung und Maßregelung stiegen von 87 461 Ml im Jahre 1910 auf 153652 M. im Jahre 1911. Die Arbeitslosenunter- stützung stieg im selben Zeitraum von 38 811 M. auf 44 278 M. und die Krankenunterstützung von 69 191 M. auf 86 791 M. Ins- gesamt betrugen die Unterstützungssurnmen 216 464 M. 1910 und 203 960 M. im Jahre 191 1. Diese hohen Ausgaben haben die Kasse sehr stark in Anspruch genommen. Der Vorstand hält es darum für nötig, daß die Kasse I-äftig gestärkt wird, und schlägt der General- Versammlung eine De'. �ragserhöhung um 10 Pf. vor. von 50 Pf. auf 60 Pf. Diese» Antrag unterstützen eine große Zahl Ver- waltungsstellen, so daß es zweifellos auf der Generalversammlung Zustimmung findet. Nach dem Kassenbericht waren im Jahre 1919 die Aus- gaben höher als die Einnahmen. Die erperen betrugen 355 684 2)1, die letzteren 364 137 M. Fm JcHre 1911 stiegen die Einnahmen; sie betrugen 464 398 M. und die Ausgaben 454 431 M. Am Ende der letzten Geschäftsperiode betrug dcv Kassenbestand der Hauptkasie 133 005 M., Ende 1911 141425 M. Das Gesamtvermögen erreichte am Ende der Bcrichtszeit eine Höhe von 252 439 M. Zu den einzelnen Tagesordnungspunkten des VerVandStageS l verlangt. Die VerschmelzuNgSfrage tmrd auch wieder auf- liegen rund 200 Anträge vor. Borstand. Preßlommission und Re- gerollt werden. Vier Anträge sprechen sich für die Verschmelzung daktion beantragen in Gemeinschaft mit mehreren Filialen, das mit dem Metallarbeiterverband aus und drei wünschen die Grün- Verbandsorgan wöchentlich erscheinen zu lassen. Die Einführung I dung einer�A rbeiterunion für sämtliche freie Gewerkschaften. einer Umzugsunterstützung wird von einer Reihe Gaukonferenzen> Auf dem nächsten Gewerkschaftskongreß solle dies angeregt werden. □ □□ Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, 28. M a i, � 1. Pfingstseiertag, nachmittags B Uhr. Thalia- Theater. 7./8. Abt. lTruppe 31—35): Der Raub der Sabine- rinnen. Schiller-Theater O.IS: Sonntag, nachm. 3 Uhr i Kyritn-Pyritz. Sonnlag, abends 8 Uhr: Oer Koiupafrnon. Montag, abend Die Haubenlerche. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sehllier-Theater"VC' Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Plarrcrvon Kirchfeld Sonntag, abends 8 Uhr: Die ÜVlldentc. Montag nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Montag, abends 8 Uhr: Die Gefährtin— Paracelsus. Oer grOne Kakadu. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Gefährtin— Paracelsuf. _ Der grüne Kakadu._ Berliner Theater. Abends 3 Uhr: Große Rosinen. Abends 8 Uhr: Die s Frankfurter. Neues Theater. Abends 6 Uhr: Ter liebe Augustin. Operelte von Leo Fall. Theater-««f Westens. AbendS 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonnt. u.Mont. av.UEir: Wiener Blut. Residenz-Theater. Direltion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die äfirnta. Schwank in 3 Akten von M. Hennequin und G. Mitchell. ' Morgen u. solgcnde Tage: Alles für die Firma. Lnisen-Theater. Sonntag, Montag, Dienstag nach- mittag 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abend» 8 Uhr: Schwester Carmeu. Mittwoch: Schwester CTarnie». Donnerstag: Ich lasse Dich nicht. An beiden Feiertagen je 2 groijt itosiktagr» "S"? Heidt jlttist. In beiden Vorstellungen das gesauite Programm mit Paul Beckers. Reichshallen-Theaier. Stettiner SUngor Zum Schlutz: Eine Hochzeit in der Miiilcrstraste. Burleske von Meysel. Anfang au allen drei Friertagen 7'/. Uhr. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der Ehemann am Fcnntcr. .Hierauf: Ein angebrochener Abend. Köniystadt-Kasino. Ecke Hotzm arkt. u. A erauderitrahe Täglich abends'/,8 Uhr, Sonn- tags'IJi Uhr: Theater»ud Variett,« Tpeziniitütell und Leute von hente. Tesangsposse in 1 Akt. foliez Cllpriee. Au allen drei Feiertagen: Losgelassen. Waffennbnng. Mittwoch und Donnerstag: Das Broadwax-förl. eis r/ [/�/•iociscHER- CAHTEN | Am 1., 2. u. 3. Pfingst- foiertag Entree 50 Pf. 1 Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Gr. Militär-Konzert. (3 Kapellen.) Am 1. und 2. Pfingstfeiertog, morgens 6 Uhr: Großes Militär-Früh-Konzert. [ ®roi)e FrankinNtl Str. 132.| Täglich Anfang 8 Uhr: —! Die zivei Uilisen. Bei Nllaültstigcr WiUermig nachm. 9 Uhr halbe Preise: Tpree-Athenee. Tlnf der Gartenbühne Jnh« l Es ist erreicht! Grotze JahreSrcvuc von F. W. Hardt. Musik von Walter Kollo. Konzert, Thcntcrvorst., Spezialität. Ans. deS Konzerts 4 Uhr, der Revue 8 Uhr. Heule und morgen: Gr. Früh- konzcrt und Vorslellung. Diensfag tt. solgend« Tage: Dic- scwcu Vorstellungen. ttsus- unG W ohnun�sbau- Ausstellung von&edarftaTtlkeln für den stadlltchen Heut- bctllc, vom 4, Mel blt tX Juni 1911, Berlin Aasstellungshallen amZoo 'räglich Konzert der Elitekapelle unter Leitung des kgl. Musikdirektors Hahlmann. Während der Pfitfgstferien Wallis ill. 91Jai: |Volkstage Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Das vereinte Riesenpaar und alle anderen Attraktionen 1 Ohne Extra-Entree. Passaie-Mer. Während der 2 Pfingst- 1 feiertage 2 Vorstellungen I 1 nachm. 3— 7 Uhr kleine Pr.| Abends 8—11 Uhr. Ciaire Waldofl I.itthc CarlMcn Alt-Konner hftndenton and das große Hai-Frogramm! 14 Varictd- Attraktionen I Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. ölur noch bis 29. Mai da» glänzeiide neue Programm 5 ersttlafilge Spezialitäten< Schlager. Ricsen-Lachelfolg der Posse Die lukige Strohwitwe. An den Feiertagen 3'/, Uhr: llvtero lieben sirauen. Lliiim't-?� ffieM-MeliiiM'M ZebMpieliiW Chanssecstr. 30 Karl Richter. Pfingstfe�ertage'n: Gr. Militär» KOHZert. Mutifckorps des 2. Garde Rogimonis zu Fu8. Obermusikmeister Graf. Anfang 5 Uhr. Eintritt 20 Pf. Dauerkarten gelten. Am 2. Pfingstfeiertag: ClT. FrÜh-KOnZCrf. ausgeführt vom Neuen Berliner Konzertorchester unter des„Sängerchors Wedding". Anfang 5 Uhr. gM- Dauerkarten haben hierzu keine Gültigkeit!'4HS Exeelsior- Lichtspielhaus I Heukölln Passage (8 Kapellen.) Die Wagen der Straßenbahn verkehren auf allen nach dem Garton führenden Linie ab 5 Uhr früb, desgleichen die Züge der Stadtbahn und Untergrundbahn Vom 25. bis 31. Mai inkl. Der Eid des Stephan Huller en. d loUaenden.| Sensationsdrama In 3 Akten. Nach dem berühmten Roman Felix Hollacndors.{ Www Hohenzollern- Garten LÄrhK Landsberger Allee 08.(Inh.: Witwe Berta Gerbsch u. Sthn». nSdcnutwÄ Militär- Konzert. Sonntag: Infant.-Regt. No. 64, 3. Battaill., MuslkIDhrer Herr Paul Krßger. Mittwoch: Leib-Garde-Husaren, kgl. Musikmeister Julius Maasberg. Jedeq Mittwoch; Cxi'. Kinderfest. Sonntags Im Saalo: T ÄtlZ» Cafe Bellevue. Aid RuniiDDlsbulgei Sei. 'Am 1. und». Pfingstseiertag: «rohe« Frühhonxert Am 1., 2. und 3. Feiertag nachmittags:* Großes Gotten-Konzert vnd SpeMlitaten-Norstelluvg. Die«astcetüche ist früh und nachmittags geöffnet. Um zahlreichen Besuch bittet Gustav Tempel* Neues EiertiMien TREPTOW.— Inh R. Mflllcr. Heute sowie jeden Sonntag: Grosses frci-Konzcrt. Ersten u. zweiten Pfingstfeiertag: Grosses Frilli- Konzert. Entree frei. Grosse Tanz-Rennion. KaCTcekUche täglich von 3 Ehr ab geüflTnct. laarszssrzzxsx -YTTTYygrxszxrnxygxxxxsl Seebad Keiniehendorf Reiüickeuüorf, Resideuzstr. 49. Reinickon�ds». An allen 8 Feiertagen: Große Elite-Theater- und Speziafitöten-Vorstellung verbunden Qarten- Promenaden- Konzert. Anf. d. Konzert« 4 Uhr. Anf. d. Vorst. 5 Uhr. Entree 20 Pf. Kind. frei. Im Prachtsaal: Elite-Famiiien-Ball. Neu eröffnet! t frankfurter Kackepeter I Gr. 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(Ohne Gewtar.)(Nachdruck verboten.) 159 2?0 36 343 506 84 617 27 791 856 934 1 044 400 539 744(1 824 74 VT 982[500] 2261 339 67 421 [500] 87 611 6« 613 83 727 64[1000] 3087 162 224 23 274 594 t7g 4047 187 339 670[3000] 80. 29 [3000] 69 65[509] 90 5062[500] 459[500] 691 71 89 768 62 656 71 73 923 6228[3000] 61 87[500] 353 70 402 18[3000] 666 660 61 94 915 7008 77 73 171 264 332 403 83 574 75 624[500] 65 94 733[3000] 64 877 81 905 68 76 81 82 8089 138 356 80 618 627 97 714 24 43 63 67 911 45 9023 119 204 469 95 619 21 81[3000] 639 42 802 5 10124 22U 90[500] 350[500] 634 918[3000] 92 11010 33 210 62 73 348 61 419 635[1000] 860 62 74 12022 167 603 89 621 44 869 13023 67 252 77 408 10£09 772 828 38 72 914 66 14128 203 16[500] 42 98 430[1000] 63 69 78 89 91 505 617 713 993 97 [600] 15141 229 70 78 394 489 649 717 803 72 937 33 16200 61«58 81 704 33 906[600] 17042 OS 911 18060 73 185 335 423 69 94 714 819 989' 08 19152 225 62[500] 396 682 717 04 20041 68 197 412 22 33 650 719 53 21038 100 18 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Ziehung 5. Kl. 226. Kgl, Preuss. Lotterie. Ziehsng vom«5. Mai 1913 nachmittags, Anf Jede gezogene Kammer sind ztrcl gleich hohe Ge- trlnne gefallen, ntid zwar Je einer anf die Lose gleicher Knmmer In den beiden Abtellonzea I und II Nur die Gctvinne Uber 340 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern belgekugt, (Ohne Gcträhr.)(Nachdruck verboten.) 97 100 249 61 512 682 923 63[1000] 1030 209 '306 34 458 675 701 928 2012 72 158 287 341 78 455 653[500] 772 327 982 3107 310 618 59 93 757 98 1560) 820 66 4004 64 139[1000] 224 300 44 97 591 707 817 961 5174 383 85 99 419[1000] 661 754 812 63 925 85 86 6035 86 154 292 311 38 647 721 46 [3000] 98 7110 223 366 441 648 638 62 708 882 950 8012 128 262 329 49 87 498 642 643 96[1000] 859 £500] 9000 191 245 307 69 426 40 633 65 739 901 60 10535 63 644 63 96 763 869 842[1000] 11022 50 102 244 322 436 85[30001 733 924 28 74 12218 23 25[1000] 30 457 63 72 649 71 92 692 776 928 13114 65 255 63 326 414 77 1600) 87 657 84 97 787 937 82 14000 2 78 83 378 83 92 444 524 709 985 15350 415 30 563 67 73 09 687 730 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Aür oe? gnjeralenml oerantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u, Perlag: Ärwart» Vüchoructerel u. Vertagsanjuzlt' Paiu smger u. Berlin SW» tiM2i. 29. 8. Keilllge des Jorw iitts" Kerlintr golblilalt � � Partei- Angelegenheiten. Zur Lokallistr! In Biesenthal s0.-S.) steht uns da? Restaurant„Fichten- Hain lJ»h. H. Wenzel), Bahnhofstraße, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Von der Liste z u st r e i ch e n ist das Lokal.Seeschloß' am Wukcnsce. Restnurant und Hotel/g2 Uhr in der Gertraudtenstraße ereignet. Dort wurde vor dem Hause Nr. 8 der 46jährige Kohlenhändler Ernst Werner aus der Metzer Straße 33, der auf einem Kohlenwagen dickt neben den Glessen der Gertraudtenstraße entlang fuhr, plötzlich von einer Ohnmacht befallen und stürzte von seinem Sitz. W. fiel auf oie Straßeiibahnfchienen, auf denen in demselben Augenblick aus entgegengesetzter Richtung ein Straßenbahnzug der Linie 74 herannahte. Der Erkrankte wurde zwischen dem Motorwaggon und seinem eigenen Fuhrwerk eingeklemmt und gab, als man ihn nach wenigen Minuten au» seiner entsetzlichen Lage befteite, nur noch 'Fbwache LebenSzeicken von sich. Auf dem Transport nach der Unfallstation am Spittelinarkt verstarb der Kohlenhändler an den Folgen der erlittenen schweren Brustquetschung. Die Leiche wurde Polizeilich beschlagnahint und nach dem Schauhause übergeführt. Die Leiche eines Knaben wurde gestern früh gegen 7 Uhr vor dem Hause Kottbuscr User 4l aus dem Landwchrkaual gelandet und nach dem Schauhause gebracht. Man fand bei dem Ertrunkenen !cnmv AHalt zur Feststellmm seiner Persönlichkeit. WHrscheinIich ist er beim Spielen irgendwie verunglückt, ohne daß. seine Spiel- tameradeni davon Mitteilung gemacht haben«. Um den Leib hatte er eine». Bindsadenr als wenn, er..Pferdchen" oder dergl. gespielt hatte. 5Ne Leiche mag wohl schon fünf bis sechs SCoge im Wasser gelegen haben. Der Knabe ist etwa 12 Jahre alt und 1.20 Meter groß, hat schwarzes Haar und trug einen grauen Anzoig mit Metallknöpftn "»d Kniehosen., braune Strümpfe, gelbe Halbschuhe und ein Trikot Hemd. Gustav Hagcnbecks„Indische Bölkerschau" hat sich nach Ver- sagung der Genehmigung des Treptower Parkes auf dem Tempel- botcr Felde anfgetan. Sie ist etwas weit— nach Tempelhof zu— belegen. Als wir gestern das Unternehmen beaugenscheinigten, lvar es in einem noch recht unfertigen Zustande, was darauf zurück� geführt wurde, daß gestern morgen wegen Differenzen mit Zimmer- lenten Arbeitsverweigerung eingetreten fei. Im Mittelpunkte der Schau stehen Vorführungen von Jndiern, Bajaderen mit ihren akrobatischen Attraktionen und ihren Zauberkünsten und Tänzen. Ein buntes Leben und Treiben entwickelt sich auf dem großen Terrain, das in den nächsten Monaten der Zielpunkt Tausender sein soll. DaS Berliner Prater-Thcater hat gestern seine Somnierbühne ervpiiet. Die Direktion hat als Eröffnungsstück eine nette Aus- stattungsposse von Freund: ,. O diese Berlin erl" gewählt. zu der Julius EinödShoser eine hübsche einschmeichelnde Musik ge- liefert hat. Wie immer hat auch diesmal die Direktion auf geschmack volle Ausstattung Wert gelegt. Vorort-�ackmcbten. Schöueberg. Em schwerer Automobilunfall ereignete sich vorgestern abend in der Luitpoldstraße.� Als der dort wohnende Damenschneider Cauer mit seinem vierjährigen Söhnchen den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde das Kind, das vorausgeeilt war, von dem Kraftwagen erfaßt und so heftig gegen die Bordschwelle geschleudert, daß es eine schtvere Verletzung am Hinterkopf und eine Gehirnerschütterung davontrug. Der Kleine fand auf der llnfallstation in der Borberg- slraße die erste Hilfe und wurde dann in die Wohnung seiner Eltern zurückgebracht. Mariendorf. I» der lctztcn Gcmeindevertretersitzniig wurde zunächst als Delegierter zur Mitgliederversammlung deS Verbandes der größeren preußischen Landgemeinden neben dem Gemeindevorsteher Dr. Prüßh unser Genosse Reichardt gewählt. Hierauf kam ein alle Jahre wiederkehrender Antrag des Kaninchenzüchtervereins auf Bewilligung von Geldmitteln zu Ehrenpreisen zur Verhandlung. DieSnial- bekämpften unsere Genossen den Antrag mit der Begründung, daß solche Unterstützungen, die nur Einzelpersonen zum Vorteil gereichen, ab- gelehnt werden müssen, da sonst auch anderen Vereinen Anträge auf Geldunterstiitzungen nickt abgelehnt werden könnten. Von dem bürgerlichen Vertreter, Herrn Otto, wurde nun gegen die Ansfüh- rungen unserer Genossen angeführt, daß eine Unterstützung des Käninchenzuchtvereins die Aussicht eröffne, den Unbemittelten eine billige Fleischnahrung zu verschaffen. Unsere Redner ent- gegneten. daß auf diesem Wege die Beschaffung billiger Fleischnahrung niemals möglich, weil ja in der Hauptsache der Zweck solcher Vereine nur sei:, schön aussehende Exemplare zu züchten. Trotzdem fand sich eine knappe Mehrheit, die die geforderten Geldmittel bewilligte. Im Gegensatz hierzu lehnte die Vertretung ein GcldunterstützungSgesuch des Schwimmvereins.Poseidon" zur Veranstaltung eines Wettschwimmens ab.— Der im vorigen Jahre vo».�«r Gemeinde veranstaltete billig« Kartoffel- und Rüb-nverkauf hat nach jetzt fertiggestellter Abrechnung ein Defizit von 1öS4.3ö M. ergeben, welches auf Beschluß der Vertretung auS den Mitteln des Etats 1911 gedeckt werden soll.— Um die Regelung der Sonntags- arbeit in den offenen Verkaufsstellen gleichmäßig wie in den meisten Kommunen Groß-Berlins durchzuführen, genehmigte die Vertretung den Erlaß eines Ortsstatuts, nach welchem alle offenen Verkaufs- stellen, außer der Genuß- und Lebensmittelbranche, an Sonn- und Feiertagen vom 1. Mai bis 30. September nur von 8— 10 Uhr vormittags und vom 1. Oktober bis 30. April nur von 12—2 Uhr offen gehalten werden dürfen. Von welchen: Tage an dieser Erlaß in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt. Auf wiederholtes Drängen unserer Genossen, insbesondere bei der letzten Etatsbcratung, hat nunmehr der Gcmeindcvorstand die Regelung und Gewährung von Erholung?- Urlaub für alle Ecmeindearbciter festgelegt. Die Vorarbeiter und Kolonncnführer erhalten vom zweiten Jahre an 7 Tage und vom fünften Jahre 14 Tage Urlaub, während den Gemeindearbeitern ein solcher von ö bezw. 10 Tagen und noch zehnjähriger Dienstzeit erst ei» Iljägiger Urlaub unter Weiwrzahlung ihres vollen Lohnes ge- währt wird. Genosse Reichardt wünschte, daß in dem dazu gegebenen Erlaß der Passus:„ein Rechtsanspruch besteht für die Gewährung deS Urlaubs nicht", ge- strichen wirb. Und zwar könnten Arbeiter, die vielleicht dem Stroßcnmeister oder Vorarbeiter nickt genehm sind, willkürlich von der Urlaubsliste gestrichen werden. Zur Streichung deS Passus ließ sich der Gemeindevorsteher nicht berbei, er versprach aber jede vorgeschlagene Urlauböverweigerung selbst zu prüfen und in den Erlaß hinter den von unseren Genossen beanstandeten Satz ein- zufügen, daß die UrlanbSvcrwcigerung mit beweiskräftigen Gründen bekannt gegeben werden muß.— Hierauf beschloß die Vertretung die besondere Hafipflicktübernahme für Unfälle des VermessungS- Personals. Gegen den Beschluß der Geineindcvertrctung. die seiner- zeit die Wahlen in der 1. und 2. Klasse für gültig erklärte,— aller- dingS gegen die Stimmen unserer Genossen— ist nunmehr Klage eingereicht worden. Als Vertreter der Beklagten ist Herr Dr. Prüßh beauftragt. Teliipelhof-Maricndorf. Die Freie Turucrschaft Tempelhof-Maricndorf beabsichtigt in Tcmpelhof eine Damenabteilung zu gründen. Damen, welche sich dein Turnsport widmen wollen, werden zu der am Sonntag, den 2. Juni, nachmittags 4 Uhr. im Wilhelmsgarten. Berliner Str. 9. ftaiifindenden Bersanimlnng eingeladen. Aufnahmen finden Donners- tags in den Turnstunden von 8—10 Uhr statt. Lanke. Ju einer gut besuchten Bolksvcrsanxulung behandelte Genosse Woldt die neue Wehrvorlage sowie die Vergewaltigung unserer Vertreter im preußischen Landtag. Die Aussührungen des Redner« fanden allgemeine Zustimmung. Ter Vorsitzende forderte die Ver- samnielten zum Eintritt in die politische und gewerkschaftliche Organl« saiion auf init dem Erfolge, daß sich eine Anzahl Anwesende zur Ausnahme meldeten. Herzfelde. Eine» folgenschweren AuSgang nahm Freitagvormittag ein Streit, der sich auf einer der Gebr. Mannschen Ziegeleien in der Straus- bcrger Straße Hierselbst abgespielt. In einer dortigen Arbener- kaserne waren am DonnerSlagnachmittag die Ehefrau des Ziegelei- arbciterS Müller mit der eines deutsch-russischen Ziegeleiarbeiters in Streit geraten. Dieser Streit setzte sich am Freitag früh zwischen den beiden Ehemännern fort. Im Verlaufe derselben versetzte der Deutsch-Ruffe dem Müller einen wuchtigen Hieb mit einem gefähr- lichen Werkzeug. Der Getroffene stürzte sofort nieder und blieb bewußtlos liegen. Wie verlautet, ist der Schwerverletzte bereits der Verletzung erlegen. Er ist Vater von vier Kindern. Der Täter wurde verhaftet. Tegel. Am 2 Pfiiigsffcieriag veranstaltet der Gesangverein„Immer- ariin" M d D A-S.-B., im Schloßgarten-Restaurant, Humboldt- park, Tegel(Jnh. KariuS) ein großes Frühkonzert unter Mitwirkung der Wagnerschen Künstlerkapelle. Anfang b'/z Uhr. Da der ge- nannte Verein bei allen Parteiveranstaltungen bereitwilligst mitwirkt, wird auf regen Besuch der Arbeiterschaft gerechnet. NowaweS. Einer dringenden Aendernng bedürfen, wie uns geschrieben wird, die Zustände an dem für Fußgänger neu geschaffenen Eisenbahn- Übergang am Schnittpunkt der Dork- und Blllowstraße. An dieser Stelle fehlt nicht nur das notwendige Läutewerk, das die Abfahrt der Züge von der nächstgelegenen Station fignalisiert, sondern auch die übliche Telephoneinrichtung, mittels deren dem diensttuenden Be« amten von eingelegten Zügen oder Verspärunge» Kenntnis gegeben und er zum rechtzeiligen Schließen der Schranken veranlaßt werden könnte. Durch das Fehlen der genannten Einrichtungen wird dem Schrankenwärter, der bis jetzt lediglich auf den Fahrplan und seine Taschenuhr angewiesen ist. eine große Verantwortung aufgebürdet, vor allem aber ist die Gefahr eines Unglücks infolge verspäteten Schließens der«schranken gegeben. Dem Eiienbahnfiskus dürfte es doch wohl möglich sein, an der gefährlichen Stelle, wenn auch nur vorübergehend, ein WärterhäuSchen aufzustellen, das nicht nur die zu einem sicheren Ueberwachungsdienst notwendigen Einrichtungen enthält, sondern auch dem jetzt 12 Stunden in Wind und Wetter stehenden Schrankenwärter Schutz gewährt. Die Babelsberger Straße ist wegen Neupflasterung für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Der Durchgangsverkehr wird durch die Alte König- und die Kaiser-Wilhelm-Straße geleitet. Während der ersten zwei Wochen der Sperrung ist der Nowaweser Güterbahnhof nur über Potsdam zu erreichen. Potsdam. Zu einer recht ausgiebigen Aussprache führte in der letzten Stadtverordnetensitzung eine Magistralsvorlage, die 900 M. zum Empfange einer englischen Aerzte-Gesellschaft verlaugt. Diese Gesellschaft, dem die Lordmayors der größeren englischen Kommunen angehören, wird nämlich in Berlin Ende Juli eine Tagung ab- halten. Zu diesem Zwecke hat sich in Berlin ein Komitee gebildet. das die englischen Gäste würdig empfangen und ihnen auch die Sehenswürdigkeiten von Potsdam zeigen will. Damit ihm die Sache nicht zu teuer wird, ist es an den Magistrat von Potsdam herangetreten mit der Bitte, 900 M. zu einer Wagenfahrt durch f otödam für die englischen Gäste zu bewilligen. Das Berliner omitee hat jedenfalls von den früheren Bewilligungen der Pots- danier Stadtväter gehört, wenn es hieß, auswärtige Gäste auf Kosten der Steuerzahler zu empfangen. Die Stadtväter, die sich bei derartigen Gelegenheiten immer„freigebig" zeigten, waren diesmal zugeknöpft und man bekam so manches zu hören, was vielleicht für eine nicht- öffentliche Sitzung bestimmt war, doch ein Antrag, diesen Punkt in die nichtöffentliche Sitzung zu verlegen, ging nicht durch. Auch alle Sprechkünste deS Oberbürgermeisters, der in dem Empfang der englischen Aerzte eine Reklame für Potsdam sah, die den Fremden- Verkehr hebe, halfen diesmal nichts. Ein Staubsaugeapparat soll nr das Rathaus beschafft werden. Bisher wurden immer einige Feuerwehrleute zum Reinigen der Akten und dergleichen heran- gezogen, was jedoch viel Kosten und Umstände macht. Die An- chaffungskosten von SSO M. wurden bewilligt. Die Eintritts- gebühren in die Frauenbadeanstalt für die Mitglieder der dem Aus- chuß für weibliche Jugendpflege angeschlossenen Vereinigungen wurden von IS auf 10 Pf. ermäßigt. DerFinanzauSschuß, der die Sache vorberaten hatte, war für Ablehnung der Magistratsvorlage, weil er mit Recht der Ansicht ist, daß dadurch ein Klaffensystem geschaffen würde. Er fand damit wenig Gegenliebe. Will man eine Wohltat chaffen, so soll man dies für alle jugendlichen weiblichen Personen un, aber nicht nur Mitglieder evangelischer und katholischer Jung- raucnvereine herausgreifen.— Eine Vorlage will Inhabern von Kleinwohnungen(zwei Zimmer und Küche) elektrische Lichtanlagen bis vier Lampen anbringen, wenn sie sich verpflichten, mindesten» m 21 M. Strom im Jahr« zu beziehen. Die erste Installation ohne Beleuchtungskörper erfolgt kostenlos, doch müssen in einem Hause mindestens zwei Reflektanten sein oder die Leitung muß da» elbst bereits liegen. Die Borlage fand Annahme. Die staatlich-stödtische ZwangS-Jugendbrwcgung hat hier in den letzten Jahren die verschiedensten Formen angenommen, ohne jedoch die gehegten Hoffnungen bisher zu erfüllen. Jetzt hat man wiederum eine umfassende Umänderung durchgeführt und hofft damit auch die Kinder der Srbeitereltern eiuzufangen. Ein„JugendauSschuß" ist gegründet worden, der sich zusammensetzt auS: dem Oberbürger- mcister der Stadt Potsdam als Vorfitzenden und dem Bürgermeister als Stellvertreter, einem vom Obcrpräsidenten der Provinz Branden- bürg und einem vom Regierungspräsidenten deS Regierungsbezirks Potsdam zu ernennenden Mitgliede, dem Pollzeipräsideitten, zwei Stadtverordneten, der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, den Leitern der kaufmännischen und gewerblichen Fortbildungsschule, dem Kreisarzt, dem Kreisschuliiispektor, je einem Vertreter der Kaufmannschaft, des JnnungSauSschuffeS, des Wehr« kraftvereinS und des KreiSkricgervereinS. Dieses Sammelsurium wird nun für die„nationale Jugendbewegung" in Potsdam sorgen. Dem Potsdamer Magistrat sind die BerciiiSgeschäftr(notwendige Korrespondenzen, Kasse usw.) übertragen worden, der dieselben von seinen Beamten ausführen läßt.— Man kann sehen, welche Auf- Wendungen von Kraft und Persönlichkeiten der schulentlassenen Jugend gewidmet werden, um dieselbe vor der Sozialdemokratie zu „schützen". Die Arbeiterjugend gilt es entsprechend aufzuklären. Serickts- Leitung. Als Vertreter des Revolverjonrnalismus mußte sich gestern der auS der Haft vorgeführte Herausgeber der Wochenschrift„Berliner Wächter", BogiSlaw Kristeller, wegen wiederholter ver- suchter und vollendeter Erpressung vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I verantworten. Der Angeklagte grüiidele vor einiger Zeit unter dem Namen.Berliner Wächter" eine hauptsächlich im Straßenhandel vertriebene Wochenschrift, welche, wie der Angeklagte in verschiedenen Mtikeln versicherte,„völlig unab- hängig" sei und vor allen Dingen„den Kampf gegen den Revolver- journaliSmuS führen" sollte. Wie die Anklage behauptet. soll Äristeller diese Absicht in einer recht zweifelhaften Weise zur Ausführung gebracht haben. Die Anklage selbst umfaßt folgende Einzelfälle: Im vergangenen Jahre schwebte gegen den Inhaber einer Militäreffektenfabrik ein Strafverfahren wegen Sachwuchcr», welches später mit der Verurteilung de« Betreffenden zu einer Geld- strafe endete. Kurz nachdem diese« Verfahren eingeleitet worden war, wurde in dem Kontor des betreffenden Kaufmanns B. wieder- holt telephonisch angefragt, wann Herr B. in einer„wichtigen privaten Angelegenheit" zu sprechen sei. EincS TageS meldete sich ein gewisser , Lindner", der dem B. per Telephon mitteilte, daß in den nächsten Tagen in dem„Berliner Wächter" ei» Artikel erscheinen werde, der ihm voraus- sichtlich großen geschäftlichen Schaden briiigen werde. Der angebliche Lindner erklärte Weiler, daß er mit B. Milleid habe und ihm des- halb rate, sich an die Redaklion des„Berliner Wächter" zu wenden. Da B. sofort vermiltete, daß es sich um eine geplante Erpressung handele, setzte er sich mit dem Kriminalkommiffar Dr. Copp in Ver- bindung. in besten Gegenwart er den Angeklagten telephonisch an- rief. Dieser war in seinen Acußerungen sehr vorsichtig und stellte keine direkte Forderlmgen. Am nächsten Tage suchte B. den Angeklagt:-» kelbst auf, der ihm den von Unwahrheiten und Uebertreibungen strotzenden Artikel vorlegte. Als B. auf diesen hinwies, erklärte Kristeller, daß der Inhalt des Artikels richtig sei; er habe sogar selbst die Kriminalakten«mgesehen. Auf dem Wege zur Druckerei ließ K. durchblicken, daß er einen großen Schaden erleiden würde, wenn er den schon im Druck be- findlichen Artikel noch aus der Zeitung herauslassen würde. In einem späteren Gespräch äußerte Kristeller, daß sich B. eine Kugel durch den Kopf schießen müsse, wenn der Artikel erscheine. Zwischen Kristeller und B. kam schließlich eine Vereinbarung zustande, die dahin ging, daß B. für das Richterscheinen des Ar- tikels 1000 M. zahlen sollte. DaS Verlangen des B.. ihm über diese Summe eine Quittung zu geben, lehnte der Angeklagte mit der Begründung ab, daß diese möglicherweise in mi- rechte Hände kommen könne. Da B. erklärte, daß er ja nicht die geringste Sicherheit dafür habe, daß der Angeklagte sein Versprechen auch halte, machte K. den Vorschlag, daß B. ihm sofort 600 M. und dann für die bis zu dem Termin erscheinenden Nummern je 150 M. zahlen sollte. Bei diesem Gespräch war ein Kriminalschutzmann zu- gegen, der sich in einem in demselben Zimmer stehenden Schrank v e r st e ck t hatte. DaS Erscheinen des Artikels selbst wurde von B. durch Sie Herbeiführung einer einstweiligen Verfügung verhindert, nachdem er den Nachweis erbracht hatte, daß der Artikel grobe Un- Wahrheiten enthielt.— In dem zweiten Falle der Anklage handelt es sich um einen ErpreffungSversuch gegen einen Fabrikanten H., dem er naheglegt hatte, die ganze Auflage des„Berliner Wächter?" aufzukaufen, anderenfalls in der nächsten Nummer ein Artikel gegen ihn erscheinen würde.— In dem dritten Anklagefall handelt es sich wiederum um eine vollendete Erpressung. Vor einiger Zeit erschien in dem„Berliner Wächter' ein Artikel, in welchem die Namen eines Oberleutnants R. und besten minderjährigen Bruders genannt wurden. Da beiden dies sehr peinlich war, suchte der Offizier den Angeklagten auf und bat ihn, von weiteren Beröffent- lichungen Abstand zu nehmen. Kristeller erklärte sich hierzu auch bereit, wenn der Offizier die noch vorhandenen 1800 Exemplare zum Preise von 150 M. ankaufe. Um neuen Angriffsartikeln vorzubeugen, ließ sich der Offizier hierzu herbei und zahlte an den Angeklagten 150 M. und halte dafür das Vergnügen, zwei große Zeitungs- Pakete mit nach Hause schleppen zu müssen.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte ganz entschieden, erpresserische Absichten verfolgt zu haben. — Staatsanwalt Asseffor Gallenkamp beantragte mit Rücksicht darauf, daß derartige Erpreffungcn eine große öffentliche Gefahr bedeuten, 2'/z Jahre Gefängnis, während der Rechtsanwalt des Angeklagten unter Hinweis auf die Gutachten des Gehcimrat Dr. Leppmann und Medizinalrat Dr. Hoffmann, die den Angeklagten als geistig minderwertig bezeichnet hatten, eine erheblich mildere Strafe beantragte.— Das Gericht erkannte wegen versuchter Erpressung in zwei Fällen auf l'/z Jahre G e- fängnis und 3 Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von 1 Monat der Untersuchungshaft. Ein Jahr Gefänguis für einen Dummenjungenstreich. Ein hartes Urteil fällte die Strafkennmer in Stolp gegen den 13 Jahre alten Schüler Johannes Busack aus Damsdorf. Dieser Junge hatte am 9. November, auf dem Wege von der Schul» kommend, auf der Eiscnbahnstrecke Butow-Tamsdorf mehrere große Steine gelegt. Durch die Aufmerksamkeit des die Strecke besah- renden Lokomotwführcrs wurden die Steine bemerkt und ein größeres Uliglück verhütet. Trotzdem der Sachverständige, Kreis- arzt. Dr. Manke-Bütoio den Jungen als einen etivas zurückge- bliebencn bezeichnete, bejahte die Strafkammer die Frage nach der Einsicht seiner strafbaren Handlungsweise tznd erkannte auf 1 Jahr Gefängnis._ Wegen Vergehens gegen daS BereinSgesetz hatte« sich der Metalldrucker Engelbrecht, der Arbeiter Petzke und wegen Besuchs einer politischen Versammlung drei minderjährige Arbeiter, sämtlich aus Kleinschönebeck, vor dem Schöffengericht Kalkbcrge-Rüdersdorf zu verantworten. Engelbrecht und Petzke waren als Vorstandsmitglieder des ArbeiterturnvercinS dem poli- zcilithen Verlangen, ein vollständiges Mitgliederverzeichnis einzu- reichen, nicht nachgekommen, weil sie annahmen, daß der Turnvcr- ein kein politischer Verein sei. Die drei Minderjährigen waren zu einer Versammlung dieses Vereins erschienen. Engelbrecht und Petzke duldeten das Verweilen der Jugendlichen in dieser Ver- sammlung, weil sie'mit Recht die Zusammenkunft als eine un- politische betrachteten. Das Schöffengericht erklärte jedoch gleich der jetzt bestehenden irrtümlichen Rechtsauffaffung den Arbeiter- turnverein als einen politischen Verein und die betreffende Zu- sammenkunft als eine politische Versammlung, deren, Besuch Per- sonen unter 18 Jahren versagt ist; ebenso dürften solche Personen einem derartigen Verein nicht beitreten, da u. a. im Liederbuch des Arbeiterturnerbundes, dem dieser Verein angehört, sogar die Arbeitermarseillaise steht. P. und E. erhielten wegen. Unterlassung der Einreichung des Mitgliederverzeichnisses je 5 M.. wegen Zu- lassung der Jugendlichen zu der Versammlung je 10 M. Geldstrafe zudiktiert. Das Urteil gegen die Minderjährigen lautete auf je S M. Strafe._ Eine nächtliche Bummelrrise durch Berlin ist einem biederen sächsischen Provinzialen, dem Kaufmann P. auS Radeberg, übel bekommen. Herr P. war eines Tages nach DreS- den gefahren, um sich die Hygieneausstellung anzusehen. Dabei war ihm der gute Einfall gekommen, den Urlaub etwas weiter auszunutzen und von Dresden eine Neine Spritztour nach Berlin zu machen. Nachts 12 Uhr landete er am Anhalter Bahnhof und che er sich dessen versah, war er in der Friedrichstraße. Seine weiteren Erlebnisse erzählte er vor der 3. Strafkammer ,n unver- sälschtem sächsischen Dialekt, der so recht zeigte, daß die sächsische Sprache— wie es in einem alten Kouplet heißt— wirklich die Sprache des..Gesanges" ist. Auf die Frage des Borsitzenden, wieso er denn so schnell gerade den Weg nach der Friedrichstraße gcnom» men habe, erklärte P.: er sei dem hellsten Schein und den meisten Lichtern nachgegangen. Plötzlich habe ihn eine junge Dame freund- lieh angesprochen und ihn gefragt, ob er nicht— ein Glas Bier für sie ausgeben wolle. Da er die Sehnsucht gehabt habe, das Berliner Nachtleben gründlich kennen zu lernen und die Galan- terie gegen Damen ihm angeboren sei. so habe er dieser freund- lichen Aufforderung auch gern entsprochen. AuS dem Glase Bier seien allmählich mehrere Flaschen Wein uitd Seit, einige Lagen Schnäpse und andere Mxed drinke geworden und des Mvrgens gegen 7 Uhr sei mit er seiner Begleiterin im Caf� Puttkamer in der Puttkamerstraße. da» gerade seine Pforten öffnete, angekom- men. Dort habe sich an den Tisch eine Freundin seiner Beglci- terin, eine glutäugige Italienerin, gesetzt und diese temperament- volle Dame habe ihm besser gefallen, als die Blondine. Als letz- tere dies merkte, wurde sie unIemütlich und nach weiterer Kneipe- rei lief sie um 11 Uhr zum nächsten Polizeirevier und beschuldigte den im Elfte bei der Italienerin noch ausharrenden Galan, ihr aus ihrer Handtasche 10 M. entwendet zu haben. Darob großer Lärm und— eine Anllage wegen wiffenllich falscher elnschnldinung, auf welche sich nun die schon vorbestrafte unverehelichte tviarie Herlach vor der 3. Straftainmer unter Vorsitz de« Landgerichtsdirettor» Lieber zu verantworten hatte. Sie behauptete, daß sie am Abend 10 M. in die Handtasche gesteckt und am nächsten Morgen vermißt habe. Sie gestand zu. sich darüber geärgert zu haben, daß'hr Begleiter seine Gunst plötzlich einer anderen zugewendet habe und iiiachte schließlich geltend, daß sie sich an dem bewußten Morgen in einem Zustand befunden habe, wo einem„rechter Hand, linier Hand, alles vertauscht" erscheine.— Ter Staatsanwalt beantragte 2 Monot« Gefängnis. Der Rechtsanwalt der AngeklgL�cn bat dc� gegen, zu berücksichtigen, in welchem Zustande die Angeklagte sich nach einer fo durchkneipten Nacht befiinden haben durfte. Sie könne des guten Glaubens gewesen sein, daß das Geld ihr weg- gekommen sei und wenn sie in ihrer Wut und Erregung ihren Be- gleiter. auf den ihr erster Verdacht fiel, zur Anzeige brachte, so habe ihr jeder Dolus gefehlt. Das Gericht schloß sich diesen Auä- führungen an und sprach die Angeklagte frei. Wegen Landfriedensbruck hatteil sich Donnerstag und Freitag vor der Strafkammer zu Tet- mold 15 Arbeiter und 2 Frauen fu verantworten. Am 0. März vorigen Jahres hatten in dem'dci Rinteln liegenden Torfe Silixen einige Forstbeamte Haussuchungen nach gestohlenem Holz abgehal- teil. Sie beschlagnahmten einen Teil des gefUlzde.nen Holzes und versuchten, es hm Wenb mik clrtcflt DhM zv lassen. Infolge des aufgeregten Benehmens eines Beamten hatten sich viele Kinder und halbwüchsige Burschen angesammelt, und als der Beamte den Revolver zog und mit dem Rufe: Platz da, Straße frei oder ich schieße! vor dem Wagen herging und schließlich neben einem Manne, der ihm wegen seines Benehmens Vorhaltungen wachte, in die Erde schoß, da>var bald das ganze Dorf auf den Bei- ncn. Räch den Angaben der Beamten seien faustdicke Steine aus sie geschleudert, Schüsse seien abgegeben, Sprengschüsse losgelassen worden, und den Wagen habe die Menge so demoliert, daß er zu- fammengebrochen sei. Ter Beamte mit dem Revolver habe sich schließlich in das Postgebäude flüchten und dort verstecken"müssen. Die zahlreich aufgebotenen Entlastungszeugen beeinträchtigten die grellen Forben dieses Bildes wesentlich. Das Gericht folgte den Angaben des nervösen Beamten und verurteilte die Angeklagten, die der Beamte als Zugehörige der Menge wiederzuerkennen glaubte— 9 von den 17, darunter eine Frau und einen 79jähri- gen Alten— zu je b Monaten Gefängnis wegen Landfricdensbruch. Versammlungen. Die geSerblichen Arbeiter der Kauf- und Warenhäuser Berlins beschäftigten sich in einer öffentlichen Versammlung, die vom Dransportarbeiteoverband nach den„Armin-Hgllen" einberufen war, mit ihrer Lage. Der Reichstagsabgeordnete Bender re- scrierte über: Die ivirtschaftliche und soziale Lage der Handels- arbeitcr und Sozialrcform im Handelsgewerbe. In der Diskussion wurden die Arbeitsverhältnisse einzelner ftirmen geschildert als Beweis, wie traurig es in den Kauf- und Warenhäuser aussieht. Bei der Firma R. H e r t z o g ist die Bc- Handlung der Angestellten vollständig kasernenmäßig. Die Ar- Veiten nach Ladenschluß dehnen sich oft bis 12 Uhr aus. Es kommt sogar vor, daß die Arbeitcr, welche die Abendpost zu erledigen haben, bis 2 und 3 Uhr nachts arbeiten müssen. Auch durch das Mitnehmen von Paketen nach Ladenschluß wird die Arbeitszeit sehr oft erheblich ausgedehnt. Für alle diese Arbeiten wird nichts gezahlt. Die Zeit, welche nach �9 Uhr gearbeitet wird, wird gutgeschrieben und in Anrechnung gebracht, wenn der Betreffende Urlaub zur Erledigung irgendwelcher Angelegenheiten braucht. Diese girtgeschriebene Zeit wird aber oft noch gekürzt. Sieht die Frau eines Angestellten ihrer Niederkunft entgegen und trägt der Betreffende um Urlaub an, so wird derselbe nur gewährt, wenn er genügend Gutzeit hat. oder es muß die Zeit bei der nächsten Gelegenheit mehr gearbeitet werden. Es kommt auch vor, daß es heißt, es ist keine Zeit dazu übrig. Unbedingt wiro allerdings Urlaub wegen solcher Ereignisse nicht gerade vcnveigcrt. Der erste Prokurist beschäftigt sich aus Liebhaberei mit der Hunde- ziichterci. Die Hunde sind bei einzelnen Hausdienern in Pflege gegeben. Wenn nun eins dieser Tiere einem freudigen Ereignis entgegensieht, so erhält der betreffende Diener ohne weiteres 6 Wochen Urlaub zur Pflege der Tiere. Auch im Deutschen Offiziersverein beträgt die Arbeitszeit täglich 12 bis 16 Stunde». Nach Arbeitsschluß muß sich jeder in der Expedition melden. Meistens sind noch Pakete mitzunehmen, die oft in einer der Lage der eigenen Wohnung ganz entgegengesetzte» Richtung zu besorgen sind. Für lieber- stunden wird keinerlei Bezahlung geleistet. Ter Lohn schwankt zwischen 18 bis 29 M. Um den Höchstlohn zu erhalten, muß ein Angestellter aber mindestens ein halbes Menschenalter im Betriebe tätig sein. Bei Krankheiten erfolgt meist sofortige Entlassung. Auch älteren Arbeitern passiert das. Unter anderem wurde ein Portier entlassen, weil er den Wunsch äußerte, bei 17stündig«r Arbeitszeit von der Versorgung der Heizung während der Nacht entbunden zu werden. Die Firma A. Rosen ha in hat«in rigoroses und für die Angestellten peinliches Aufpassersystcm beim Reinigen des Ge- schäfts eingeführt. Der Packraum ist vollständig polizeiwidrig. Ohne jedes Tageslicht hat er ein einziges kleines Loch zur Lüftung. Auch von der Firma H. G e r s o n wurde berichtet, daß sie sehr schlechte Löhne zahlt. Bei der Firma B. W e r t h e i m bezeichnete sich der jetzige Direktor in seiner Antrittsrede als besonders gerechter und hu- maner Mann. Bei einer kürzlich erfolgten ungerechten Entlassung versprach er, die Angelegenheit zu untersuchen und Bescheid zu geben. Nach vier Wochen war aber der Bescheid noch nicht zu erhalten, obgleich dem Herrn Direktor mitgeteilt wurde, daß Herr Kühn, der die Entlassung veranlaßt hatte, selbst wohl kaum auf seinen Posten gehört. Neben einer ganzen Reihe von Mißständen. die erörtert wurden, ist in diesem Jahre auch noch der Urlaub ge- kürzt worden. Von der Firma A. Wertheim wurden besonders von dem neuen Betrieb Königstraße schwere Mißstände mitgeteilt. DaS übliche Mitnehmen der Pakete noch Feierabend ist auch hier ein besonderer Uebelstand. Beim Zurückzahlen der ausgelegten Fahr- gelber werden ost Schwierigkeiten gemacht. An einen An- gestellten wurde von einer Aussicht das Ansinnen gestellt, derartige Kleinigkeiten überhaupt nicht von der Firma zurück zu verlangen. Auf militärische Haltung wird besonderer Wert gelegt. Auch die Reichsdruckereiarbeiter werden hier, wie in den anderen Betrieben, als Packer beschäftigt, nachdem sie in der Reichs druckerei Feierabend haben. Die Arbeitsräume der Sammelstelle sind nicht vorschriftsmäßig. Der Ausbildung des Spitzelsystems wird an- lckieinend besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Der Oberdiener Kopp bemüht sich hauptsächlich in dieser Angelegenheit. Er scheint durch seine Beförderung für früher geleistete gute Dienste belohnt zu sein. ebenso wie d»r jetzt im Hause als Hausinspektor tätige Herr Meyer. der früher im Betriebe Leipziger Straße als Bohner tätig war. Die Arbeitsverhältnisse bei der Firma H. T,etz gehören mit zu den allerschlechtesten. Außer der schlechten Bezahlung würden eine ganze Anzahl von Mißständen erörtert Im Hause«lexanderplatz wird es als besonderer Mißstand empfnnden. daß für 3o0 Diener nur zwei Toiletten zur Perfügung stehen. Von einzelnen Rednern wurden die AuSfuhningen noch«rganzt. Die Diskussion zeigte klar, daß die bestehenden Mißstände nur durch eine straff- Organisation abgeschafft werden können. Sine in diesem Sinne gehaltene Resolution wurde einstimmig angenommen. Hua aller Hielt, Gin neuer feiertag. Aus Paris schreibt man uns: Die Franzosen sollen ein neues „Nationalfest" bekommen. Der„Matin" hat wieder einmal die „patriotische Initiative" ergriffen und etliche Deputierte schließen sich ihm an. Der neue Feiertag soll der Jungfrau von O r- l e a n S gewidmet fein und entweder am zweiten Sonntag in, Mai oder am achten Tag dieses Nhonats begangen werden. Das Datum ist das des EinzugsJ>er Jungfrau in das befreite Orleans. In den Scharteken des Senats liegt übrigens seit 28 Jahren ein Be- schluß dieses Inhalts, und es handelt sich nur darum, ihn hervor- zuholen und ihn von der�Teputiertenkammer genehmigen zu lassen. — Das Projekt dieser Festeinsctzung ist mehr als Symptom, denn durch seinen Gegenstand merkwürdig. Mit der Einrichtung der „nationalen" Feste stehts in Frankreich wie überall. Die dritte Republik hat den Tag des B a st i l l e n st u r m s zum offiziellen Festtag gewählt. Dieses geschichtliche Ereignis ist der Ausgangs- Punkt der bürgerlichen Rechte und derart mit der Gegen- wart der demokratisch organisierten Nation fühlbar verbunden. Und dennoch findet der Festcharakter des 11. Juli keineil anderen Aus- druck als in einem militaristischen Schauspiel und cincm diplpmatischjm und administrativen Zeremoniell unt> in einet zwei. offet dreitägigen Fsseigave Set Skraße für TanMüsik, KarusseNärim und Bettelsängerei. Das„Nationalfest" ist ein Festtag für die Wirte, genau wie irgendein deutsches Turn- oder Schützenfest, ohne irgendeinen Gemütswert, der ihm aus dem öden Alltag heraushöbe. DaS beste, was sich von ihm sagen läßt, ist, daß er die so karg be- mejsene Muße der arbeitenden Massen um ein winziges erweitert und namentlich den in bezug auf Ferien besonders miserabel ge- stellten Geschäftsangestellten zugute kommt, wenn er zwei Tage vor oder nach dem Sonntag fällt und so die Gelegenheit gibt, die sogenannte„Brücke" zu schlagen, d. h. über den Wochentag hinüber einen dreitägigen Ferienurlaub festzusetzen. Würde deo Feiertag der Jungfrau von Orleans auf ein festes Tagesdatum angesetzt werden, so wäre unter dem Gesichtspunkt der so gewährten Arbeits- ruhe sicher nichts einzuwenden. Schließlich kann es dem Proletarier gleich sein, ob der Ruhetag einen kirchlichen, historischen oder politischen Stempel trägt. Aber es liegt auf der Hand, daß die Unter- stützer des Projekts nicht die Unterbrechung des Aus- beutungsprozesses im Auge haben. Was sie wollen, ist eine Verstärkung der„patriotischen" Suggestion. Die Jungfrau von Orleans soll als offizielles Requisit in den Apparat der chauvinistischen Stimmungsmacherci aufgenommen kderden, die durch Agadir gesteigerte nationale Empfindlichkeit die Lothringerin in einem neuen, präparierten Lichte sehen. An sich ist an dieser Gestalt absolut nichts, was sie zum Symbol des Mordspatriotismus oder gm? des Revanchegedankens stempeln könnte. Sie ist vor allem durch Schiller den Deutschen so nahe gerückt, daß es nicht leicht scheint, ihr eine nationalistische Bedeutung im modernen Sinne zu geben, wenn man auch nicht vergessen darf, daß in diesen Dingen der Ton die Musik macht und z. B. die„Marseillaise" eine Zeitlang, als sie bei den Kircheninvcnturen von den Frommen, der inter- veniereiiden Staatsmacht zum Trotz, angestimmt wurde, förmlich der klerikale Kampfgesang lvar. Eben darum aber, weil die Jung- frau von Orleans, soweit sie in der Gegenwart begriffen werden kann, vom geschichtlichen Hintergrund der mittelalterlichen Welt nicht loszulösen und in den Heiligenkreis des bürgerlichen Staats einzufügen ist, sind die Republikaner, die sich jetzt zu diesem an- schicken, zuletzt doch die Betrogenen. Die Klerikalen und Mon- archisten haben sich schlau genug, den bitteren historischen Tatsachen des Untergangs der Jungfrau zum Trotz, als erste dieses Kultus bemächtigt und ihn in den Dunstkreis des theokratischen Mystizis- mus gestellt. Die neuromantischcn Ideologen und Spekulanten der „Action Franyaise" sind mit allen Krästen bemüht, dem Volk zu beweisen, daß der Nationalismus in seinen letzten Konsequenzen die Demokratie und die Republik ausschließe und die Rückkehr zur „nationalen Tradition" der Gottcsgnadenmonarchie fordere. Es gibt nun Republikaner—„Radikale" sogar— die wähnen, der kirchlichen und politischen ZIcaktion den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sie den reaktionären Stimmungen der Bourgeoisie entgegenkommen. Den Antrag zugunsten des Feiertags hat der radikalsozialistische Mathcmatikprofessor P a i n l e V e neben dem in katholischem Snobismus machenden Acstheten Maurice B a r r e L unterzeichnet. Der Literat ist hier der bessere Rechner. Leser und Redakteur. Aus der Feder von Dr. H. CardaunS, des Chefredakteurs der„Kölnischen Volkszeitung", werden demnächst im Verlag von I. P. Bachem(Köln) Erinnerungen unter dem Titel„AuS dem Leben eines deutschen Redakteurs" erscheinen. CardaunS schreibt über das Verhältnis de» Lesers zu„seiner" Zeitung: „Und hier möchte ich eine Lanze für meine journalistischen Kollegen brechen. Die ZeitungSleser, auch der freundlich gesinnte Teil derselben, haben nur zu oft keinen Begriff, wie die Zeitung zustande kommt und unter welchen erschwerenden Umständen ein vielbeschäftigter Redakteur arbeiten muß. Sie lesen beim Früh- stück, bei der Siesta oder abends in ihrer freien Zeit„das Blatt", finden in der politisch stillen Zeit den Inhalt mager, viel fremde» Eigentum, und stellen vielleicht Betrachtungen an, es müffe der Redaktion Mühe gekostet haben,„das Blatt voll zu be- kommen". Siesehen eben nur das fertige Produkt; von der toten Arbeit, von der Masse des Materials, das ge- lesen und gesichtet werden muß. größtenteils aber nicht benutzt werden kann, von dem umfangreichen Briefwechsel mit den regelmäßigen und gelegentlichen Mitarbeitern, von den m ü n d- lichen Verhandlungen, nicht selten mit Leuten, die nichts Vernünftiges zu melden haben, von den Mühen des UmarbeitenS, VerbesjernS, Streichens, Zusetzens, des NachschlagenS bei unklaren oder bedenklichen Stellen, nicht zu vergessen des leidigen Korrigierens, wissen sie gewöhnlich nichts, und sind dann geneigt, für jeden Irrtum, jede Entgleisung im Ausdruck, ja für jeden Druckfehler den „bequemen, unaufmerksamen Redakteur' verantwortlich zu machen. Nun gibt es gewiß bequeme und unaufmerksame Redakteure — Mangel an Fleiß und Aufpassen soll auch in anderen Berufen vorkommen—, aber bis zum Beweis des Gegenteils sollte man dock> annehmen, daß„der Mann, der die Zeitung schreibt", ein gewisses vernünftigerweise zu verlangendes Mindestmaß von Intelligenz, Umsicht, Pflichtbewußtsein und Fleiß besitzt und für die Mängel seiner Leistungen Entschuldigungen geltend machen kann, die in manchem anderen Beruf nicht Platz greifen: den leidigen Zwang, auf die Minute zu arbeiten, die Un- mögltchkelt laugen Ueberlegenö, die ewigen Störungen durch neues Material, Boten. Telephonaiirufe, Besuche usw., und ganz be- sonders die bare Unmöglichkeit, all die Gebiete zu beherrschen, über die er nun einmal schreiben mutz und deren Vernachlässigung das Publikum ihm mit Recht bitter verübeln würde. Jeder Leser, der „sein Blatt" mit Zuschriften beehrt, sollte sich als g e I e g e n t- licher Mitarbeiter betrachten und schon aus diesem Grunde die Regeln der Höflichkeit wahren; wer das nicht tut, hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn der Adressat seinen groben Brief dem Papierkorb übergibt, und sich die weitere Korrespondenz ver- bittet." Dem Tode entronnen. Ein schauerlicher Vorgang spielte sich auf Zeche B a l d u r bei Bochum ab. Ein Bergmann war in der Strecke mit Holzsetzen be- schäftigt, als plötzlich ei» Stein losbrach und ihn, den Daumen so fest einklemmte, dab es ihm unmöglich war, sich zu befreien. Schon war da» Gebirge am Nachbrechen und er stand vor der Frage, entweder unter den drohend niedergehenden FelSmassen be« graben zu werden oder den Daumen zu verlieren. Kurz entschlossen nahm er ein Beil, hieb den Daumen ab und rettete sein Leben. Kaum war das geschehen, da brach auch schon die Strecke zusammen._ Was ist des Deutschen Vaterland? Wer Lust hat. kann zu Fuß in 4 Stunden 35 Minuten durch sffeben deutsche Staaten reisen, nämlich durch drei Fürstentümer, zwei Herzogtümer und zwei Königreiche. Von StinneS lBayern) ausgehend, gelangt man in einer halben Stunde nach Lickitentanne fSachsen-Meiningen), von hier in anderthalb Stunden nach RauschengeseeS(R«uß ä. L.), dann iu 5 Minuten nach Gleima iSchwarzburg-Rudolstadt), von da aus kommt man in einer weiteren halben Stunde nach Altengesees Meuß j. L.), dann in einer Stunde nach Drognitz jPrenßen) und von hier erreicht man in einer Stunde Saalthal sSachsen-Altenbnrg)._ Tie volle Kompottschüssel. In Flossenbürg(Oberpfalz) ist ein 78jähriger Arbeiter namens Bartl Kick, der mit seiner 70iährigen Frau alle Leiden des Alters durchkosten muß. Der alte Rann war 43 Jahre lang bei der Firma Steinhardt u. Söhne in Mtenhammer bei einem Tagelohn von 1 M. 70 Pf. tätig. Nachdem der Mann sein ganzes Leben der Firma geopfert hatte, flog er aufs Pflaster, obwohl die Firma ganz gut in der Lage gewesen wäre, den Mann mit leichteren Arbeiten zu beschäftigen. Den beiden alten Leuten bleibt zum Leben lediglich eine monatliche Rente von sage und schreibe— 10,39 Mark. Weil dieser Rentenbetrag zum Leben nicht ausreicht, wandte sich Kick an die Armenpflege Flossen- bürg um Armenunterstützung. Aber auch dort fand er kein Gehör, er wurde abgewiesen. Nun ist die Gemeinde Flossen- bürg durchaus nicht so schlecht gestellt, daß sie nicht einem armen Manne beispringen könnte. WaS soll der alte Mann beginnen? Betteln darf er nicht, sonst kommt er mit dem Strafgesetz in Konflikt- Ein Wunder wäre es nicht, wenn ein Mensch, auf diese Art in die Verzweiflung getrieben, unserer göttlichen Weltordnung Valet sagen würde. Bezeichnend für den ganzen Vorfall ist es, daß der Mann in einem Lande sein Elend zur Schau tragen muß, wo die Hüter der Religion und des Christentums das Zepter führen. Eine Staatsstütze. Die Erben des vor kurzem in Schweinfurt verstorbenen Privatiers und Magistratsrates Nikolaus Müller, der ein beträchtliches Vermögen hinterlassen hat, müssen an den Staat 189 999 M., an die Stadt 25 999 M. hinterzogene Steuern cnt- richten. Besonders interessant ist der Fall auch dadurch, daß der Verstorbene seit vielen Jahren Mitglied der Steuer- k o m m i s s i o n war._ Der verzauberte Graf. Ein trübes Kulturbild entrollte sich kürzlich vor dem Amtsgericht zu C z e r n o w i tz, vor dem ein Zigeunerpaar wegen Belruqcs stand. Der„Pester Lloyd" berichtet hierüber folgendes: Die Zigeunerin Moldamann versprach einem Dienstmädchen, ihm einen Bräutigam zu verschaffen, wenn es ihr 5 Kronen schenke. DaS Mädchen ging darauf ein und stellte sich bei der Zigeunerin ein, um mit Hilfe von 2 7 Teufeln den Bräutigam zu erhalten. Die 5 Kronen genügten natürlich. nicht, da die 27 Teufel für die geringe Summe nicht zu haben waren. Nachdem die Zigeunerin endlich dem Mädchen 599 Kronen abgeschwindelt hatte, kam der große Tag, an dem der Bräutigam erscheinen sollte. Das Mädchen mußte in ein Glas ihre goldenen Ringe und Ohrringe werfen. Das Glas wurde dann mit einem Tuck, bedeckt, und als die Zigeunerin das Tuch wegzog, waren die goldenen Ringe und Ohrringe verschwunden, dafür befand sich aber in dem Glas ein lebendiger— Laubfrosch, der dem jungen Mädchen als Bräutigam vorgestellt wurde. Er sei von den 27 Teufeln ver- zaubert, werde aber in vierzehn Tagen von den Teufeln, die durch die Geldspenden befriediql seien, verwandelt werden.— Dann werde er wieder ein junger Graf sein, der er vor der Verzauberung gewesen. DaS Mädchen nahm hoffnungsfreudig den Laubfrosch mit nach Hause und wartete 14 Tage, um die Ver- Wandlung des Frosches in einen jungen Grasen zu erleben. Wartete vierzehn Tage, drei Wochen und einen Monat: dann verlor es die Geduld und ging zur Polizei, um dort sein Leid zu klagen. Hier erntete die Törichte neben einer gewissen Teilnahme die größte Heiterkeit, die sich vor Gericht fortsetzte, als der Frosch, der sich noch immer nicht in einen jungen Grafen verwandelt hatte, vor dem Richter stand. Die Zigeunerin erhielt zwei Jahre schweren Kerker zudiktiert. Ter verzauberte Graf tvurde vom Gericht mit Beschlag belegt._ Ein Torada für Scheidnugslnstige. AuS Rom wird uns geschrieben: Da das italienische Gesetz keine Ehescheidung kennt, so haben sich reiche Leute nr-R Italien unter großen Opfern an Zeit und Geld seil langem damit geholfen, daß sie das Bürgerrecht eines Staates erivarben, der die Ehescheidung zuläßt. So hat sich Gabriele D'Annnnzio als Schweizer scheiden lassen. In der Folge kam Ungarn iir Mode, das nach einjährigem Aufenthalt das Bürgerrecht gewährt und wo sich dann eine A d o p t i o n s i n d n st r i e entwickelte, die den ScheidungSbedürftigen die schnelle Erwerbung des Bürgerrechts ermöglichte. Immerhin kostete die Sache den beiden Gatten ihr italienisches Bürgerrecht und rund 29 999 bis'39 999 Lire. In dieser Not kommt jetzt da? Z i v i l g e r i ch t von Genf zu Hilfe, das soeben schnell und billig zivei Italiener geschieden hat. allerdings unter Hintansetzung des internationalen Grundsatzes, nach dem die Frau dem Bürger- rechte des Mannes folgt. Eine italienische Dame, die erfahren halte. daß das neue Bürgerliche Gesetzbuch der Schweiz die schweizer Be- Hörden in Scheidungsfragen nicht nur der eigenen Bürger, sondern auch der Heimatlosen für kompetent erklärt, verzichtete vor dem Zivilstandsbeamten ihrer Stadt auf das italienische Bürgerrecht. Dann zog sie nach Genf und beantragte dort die Ehescheidung,- die daS schweizer Gesetz denen gewährt, die die Fortführimg ihrer Ehe für unerträglich erklären. So wurde die Ehe geschieden, ohne daß der Mann sein Bürgerrecht einbüßte. Da am 28. Dezember vorigen Jahres der römische Kassationshof dahin erkannt hat, daß alle im Auslande rechtmäßig ausgesprochenen Scheidungen i n Italien rechtskräftig sind, so kann die geschiedene Frau jederzeit in Italien wieder heiraten. Kleine Notizen. Großfcuer. In der Nacht zum Sonnabend brannten in Nürtingen die gesamten Anlagen des bekannten Portland- Zementwerkes Heidelberg-Mannheim nieder, der ge- waltige Brand konnte erst im Laufe des Tages völlig gelöscht werden. Der Schaden beläuft sich auf über eine Million Mark. Gegen 269 Arbeiter sind brotlos geworden. Unfall eines Parseval-Lnftschiffrs. DaS Luftschiff P. VI wurde gestern in Leipzig bei einer Passagierfahrt vom Sturm über- rascht und mußte seine Fahrt unterbrechen. Da die Mannschaft daS Schiff bei dem starken Winde nicht mehr halten konnte. mußte die R e i ß l e i n e gezogen und der Ballon so entleert werden. Lustschiff und Insassen sind unversehrt. Bier Arbeiter verbrannt. In der letzten Nacht kam in einer Maschinenfabrik in L ü t t i ch Feuer aus, durch das der größte Teil de» Werte« eingeäschert wurde. Bier Arbeiter kamen dabei in de» Flammen un«. Soldaten als Eindrechcr. Mehrere Soldaten de» 18. ftatrgöfifdjcn ArtillerieregimentS, die im vorigen Jahre eine Diebesbande organisiert und zahlreiche Einbrüche verübt hatten, wurden gestern inBesangon verurteilt. Drei von ihnen erhielten Ge- fängnisstrafen von 8 bis S Jahren, während ein vierter freiaesprcihen wurde. Mocden-Spielplan der Berliner Cheatcr. Königl. Tchauspielhans. Sonntag: Der große König. Montag: 1812. Dienstag: Der große König.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Nathan der Weife. Donnerstag: Der große König. Freitag: Götz von Bcrlichtngcn. (Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Mignon. Sonntag: Weh dem, der lügt. Montag: Iphigenie auf TauriS.(Ansang 71/. Uhr) Königl. Opernhaus. Sonntag: KonigSlinder. Montag: Der Rosenkavalier. Dicn-tag: Rigoletto. Mitwoch: Der Barbier von Bagdad. Donnerstag: Magarete. Freitag: Zar und Zimmermann. Sonnabend: Der große König.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag: Der Roscnkavalier. Montag: Bohome.(Ansang 7'/, Uhr.) Lessiiig-Theater. Sonntag bis Mittwoch: Heimliche Liebe. Donners- tag und solgcnde Tage: Die Fledermaus.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: George Dandin. Montag: Romeo und Julia. DienStag: Viel Lärm um Nichts. Mittwoch: Penthcftlca. Donnerstag: George Dandin. Freitag: Romeo und Julia. Sonnabend, Sonntag"und Montag: So ist das Lebe».(Aiisang 8 UhrP Kammcrspiele. Saimtag und Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag: Der Arzt am Scheideweg. Mittwoch bis Rontag: Mein Freund Teddy.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bummelstudenten. Abends 8 Uhr: Kroge Rosinen. Montagnachmittag 3 Uhr: Taifun. Abends und folgende Tage allabendlich: Große Rosinen.(Anfang 8 Uhr.) Neues Tchanspielhaus. Sonntagnachinittag und Montagnachmittag, Anfang 3 Uhr, sowie allabendlich: Parkettsitz Nr. 10.(Ans. 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Unter dem Schwert. Abends: Die Spiele ihrer Exzellenz. Montagnachmittag 3'/, Uhr: Unter dem Schwert. Abends: Die Spiele ihrer Exzellenz. Dienstag u. Mittwoch: Die Spiele ihrer Exzellenz. Donnerstag bis Montag: Evatöchtcr.(Anfang 8 Uhr.) Kurfnrften-Lper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiefland. Abends: Der Schmuck der Madonna. Montag: Der Fünsuhrtec. Dienstag: Traum- bildcr. Taglioni. Dorsbarbier. Mittwoch: Tosca. Donnerstag: Der Schmuck der Madonna. Freitag: Tiefland.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend, Sonntag und Montag: Geschlossen. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Angele. I. Klasse. Abends- Der Nachtwächter. Lottchcns Geburtstag. Montagnachmittag 3 Uhr: Lottchens Geburlstag. I. Klasse. Abends und Dienstag: Der Nachtwächter. LottchcnS Geburtstag. Mittwoch und folgende Tage all- abendlich: Arzt seiner Ehre. Die Dame im Kamin. Der Herr mit der grünen Krawatte.(Ansang 8 Uhr.). NeucS Theater. Allabendlich: Der liebe Augustin.(A»,ang 8 Uhr.) Zchillcr-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kyritz- Pyntz. Abends: Der Kompagnon. Montag: Die Haubenlerche. Dienstag: Die Haubenlerche. Mittwoch: Der scharfe Junker. Donnerstag: Grasin Lea. Freitag: Emilia Galotti. Sonnabend und sonntag: Nachruhm. Montag: Die Gesährtin. Pnracelsus.(Ansang 8 Uhr.) Schillcr-Thcater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: <�cr Pfarrer von Kirchscld. Abends: Die Wildente. Montagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tcll. Abends: Die Gesährttn. Paracelsus. Der grüne Kakadu Dienstag: Die Gesährtin. Paracelsus. Der grüne Kakadu. Mittwoch: Der Kompagnon. Donnerstag: Lady WindermercS Fächer. Freitag: Der Kompagnon. Sonnabend: Die Gefährtin. Paracelsus. Der grüne Kakadu. Sonntag: Der scharfe Junker. Montag: Die Haubenlerche. ( � �Friedrich> Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Allabendlich: Die lcuichc Susanne.(Anfang 8'/4 Uhr.) Residenz> Theater. Bis aus weiteres taglich: Alles sur die Firma. (Anfang 8 Uhr.) Theater in der Königgräher Strafte. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Bis aus weiteres täglich abends: Die süns Frankfurter. (Ansang 6 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3>/. Uhr: Wiener Blut. Slbcnds: Die schöne Helena. Montagnachmittag 3'/, Uhr: Wiener Blut. Allabendlich: Die schöne Helena.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Thcater. Sonnlag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Polnische Wirtschast. Allabendlich: Autolicbchen. ftlnfang 8 Uhr.) Liistspiclhaus. Allabendlich: So'n Windhund.(Anfang 8 Uhr.) Neues QPercttcn-Thcater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Ter Graf von Luxemburg. Allabendlich: Der Kongreß von Sevilla. (Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Rem Baby. Slbcnds und bis auf weiteres täglich: Der Ehemann am Fenster. Ein angebrochener Abend.(Ansang 8 Uhr.) Rose- Tbeater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Spree- athener. Allabendlich bis aus weiteres täglich: Die zwei Waisen.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theatcr. Sonntag-, Montag- und Dienstagnachmittag 3 Uhr: Ich lasse Dich nicht. Abends und Montag, Dienstag und Mittwoch: Schwester Carmen. Donnerstag: Ich lasse Dich nicht. Freitag: Alt-Heidcl- bcrg. Sonnabend, Sonntag und Montag: Schwester Carmen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolksthcatcr.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Meister. Abends: Der Meister. Montagnachmittag 3 Uhr: Der Königsleutnant. Abends: Der Raub der Sabincrinncn. Dienstag und Mittwoch: In Behandlung. Donnerstag: Der Königsleuwant. Frei- tag: In Behandlung. Sonnabend und Sonntag: Der Raub der Sabine- rinnen.(Ansang 8'/, Uhr.) Casino-Thcater. Sonntag- und Montagnachmittag 3'/, Uhr: Unsere lieben Frauen. Abends täglich: Die luftige Strohwitwe.(Aniang 8 Uhr.) Metropol- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dorothea. Die kleinen Lümmer. Allabendlich: Schwindclmcier u. Co.(Ansang 8 Uhr.) Folics Caprice. Allabendlich: Wafjenübmig.(Ans. 8'/, Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Um eine Krone.(Anfang S'/t Uhr.) Apollo- Theater. Abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passagc-Theater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Spezia- litäten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Rcichshallen-Theater. Täglich: Stettincr Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Königstadl-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Uranra-Theatcr. Sonntag: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag: In den Dolomiten. Dienstag: Der Grotzglockncr, Gastcin und die Salzburger Alpen. Mittwoch und Donnerstag: Im Lande der Mitter« nachtssonne. Freitag: Die Insel Rügen. Sonnabend: Der Großglockner, Gastcin, die Salzburgcr Alpen. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Eingegangene Druckfcbriften. »The Japan Magazine�. Monatsschrift. Jahresabonnement lll M. Monatsschrift„Japan und China". Schöneberg, KömgSweg 14 I. Für Grosi-Berlin. Heft 2. Dcrnburg, Naumann, Sudekum. 1,20 N. Dita, Deutsches VerlagShaus, Charlottenburg. Jahrbuch IlUI des Zeutralverbandcs aller in der Schmiederei beschäftigten Personen. 180 S. Selbstverlag in Hamburg. Geschäftsbericht lilll des Gewcrkschaftskartells Frankfurt am Main.(13. Jahresbericht des Arbciter-Sckrctariats.) 118 S.»Volks- stimme", Frankfurt a. M. Das sechste Gebot und die Che. Von K. Wieland. 78 S. Th. Lampart, Augsburg. Der Aionistcnbund. Erzähk ing von H. Steinitzer. 1,80 M., geb. 2,40 M. Süddeutsche Monatshefte, München. Im Wechsel der Zeiten. Bon A. Gras Sternberg. 2 M. St. Turtw», Berlin W. 35. Deutscher Frauenkongref? 1912. Herausgegeben vom Bund Deutscher Frauenvereine. 3 M.— Geschenke von Kinderhand von Emma Humscr. 1 M. B. K. Teubner, Leipzig. „Natur". Zeitschrift der Deutschen naturwissenschaftlichen Gesellschaft e. V. Hcst 16. Vierteljährlich 1,50 M.— Technische Monatshefte. Zeitschrist sür Technik, Kultur und Leben. Herausgegeben von Prof. Dr. xiiil. et zur. Jul. Kollmann und Diplom-Jng. Dr. Adols Reitz. Heft 4 und 5. Halbjährlich 3,50.— Eisen- und Eisenbetonbau. Von Pros. Dr. I. Köllmann, J3rof. H. Kayfer, Baurat � V� Wendt«. a. Franckhsche von der Schrift- M. I. G. Calve, Prag. Die goldene Gefahr. Roman von I. Herings. 4 M., geb. 5,50 M. - Die Wallfahrt nach Kythera. Roman von H. Sittenberger. 3,50 M., geb. 4,80 M. Bita, Deutsches Verlagshaus, Charlottenburg, Hardenberg- straße 14. Lrlefkaften«ler Keäaktion. Tie luristische Sprechstunde findet Linden st raße KS, vor» vier Treppe» — Fahrstuhl—, wochentäglich von bis 71h Uhr abend», Eounadends. vo» 41h bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bcsttmmten Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertcilt. Anfragen, denen krtne AbonucmcntSquittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. — F. D. 199. Ja, Voigt war sein Name.— P. F. 97. Stellender- mittlcradresscn können wir nicht nachweisen. Wenden Sie sich an den Trans- Portarbeiterverband, Sektion der Hausdiener, Alte Leipzigcrstt. 1.— Zwei Wettende. Europäisches Rußland 114 Millionen.— M. P. 599. 1. Ja, sofern nicht Zcugcnbewcis dajür erbracht werden kann, daß in der gesetzlichen Empsängniszeit mehrere Männer der KindeSmutter beigewohnt haben. 2. Ja.— H. K. 23. Es ist zulässig, daß Sie zum Vormund bc- stellt werden; das liegt im Ermessen des VorniundschastsrichterS. ES können 60— 70 M. monatlich verlangt werden. Für die Klage ist das Amtsgericht Wcißcnsce zuständig.— S. W. 19. Der Anspruch verjährt in 4 Jahren. — A. S. 52. 1. Ja. Beim SIrasmaß hat der Richter einen weiten Spiel- räum. 2. Anzeige an die Staatsanwaltschaft.— W. N. 52. 1. und 2. Unseres Erachtens ja. 3. Amtsgericht.— Island 19. Die Firma ist nicht eintragungspflichtig, auch nicht eintragungSsähig.— S. 41. New. Marktbericht von Berlin am 24. Mai 1912. nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speis cbohnen, weiße, 30,00— 56,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40— 2,60. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,20—3,20. 60 Stück Eier 3,20—5,50. 1 Kilogramm Karpjen 1,20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—2,80, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Blei- 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00— 40,00. Von Oer Reise zurück Dr. med. Freymann prakt. Arzt 1806b* Chariotlenbure, Knobelsdorffstr. 4 Dr. R. Friedeberg (früher Berlin) 87/8* praktiziert wieder in Bad ICudowa» 'Paut-u.Harii-+ leiden, Ehplich-Hata, Quecksilber- schäd. Spezialärztliche Leitung. Biutuntersuch., Fäden im Harn, etc. Honorar mäß., Teilzahlung gestatt. Di' Hnmoirop& Co-(konz.Spez.Lab.) jft.llMLM Fricdrlchstr. 81, ge/r Panopt. 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Sie wollen sich in der Profituiacherci durch kein Gesetz behindern lassen, und wo der Plusmachcrteufel lockt, da findet sicherlich kein moralisches noch menschliches Gebot Beachtung. Erklärlich daher, dajj die Eisenfiirstcn den Schutzgesetzen gegenüber einen Kriegszustand unterhalten; sie hassen sie und trotzen ihnen! Das gilt speziell auch von dem Verbot der Nachtarbeit Jugendlicher in Walz- und Hammerwerken, der Soiintagsruhe und der durch die Bundesrats- Verordnung vom 19. Dezember 1998 versuchten Einschränkung des schrankenlosen Ucberzeitarbcitens in der Eisengroßindustric. Im Kampfe gegen die Anfänge eines Arbciterschutzes in dieser Industrie mugte Professor Bernhard in seinen bekannten anti- sozialen, scharfmacherischen Theorien in der Hauptversammlung deutscher Eisenhüttenlcute am Ü4. März d. I. in Düsseldorf ebenfalls eine Attacke reiten. Die Nachtarbeit Jugendlicher in Walz. werken könnte denmach als ein hervorragendes Mittel erscheinen, die Entwickelung der noch nicht reifen Körper zu fördern. Un- begrenzte lleberarbeit erschien in Bernhards wissenschaftlicher Be- leuchtung als die Leiter, die den einzelnen Arbeiter auf der fachlichen Stufenleiter seines Berufes hinaufsteigen lasse. Die Summe der Ueberzcitarbeit als Matzstab fachlicher Tüchtigkeit anzusprechen. beweist die Armseligkeit der wissenschaftlichen Gründe für die Forderung ungezügelten Raubbaues an der Arbeitskraft. Der Versuch der Unternehmer, auch von dieser Seite gegen die in Be- tracht kommende BundcSratsvcrordnung loszustürmen, konnte schon ahnen lassen, datz sie in der Praxis gröblich mitzachtet werde. Die Gewcrbeinspcktorenbcrichte für das Jahr 1911, die kurz nach jener Tagung erschienen, geben solchen Befürchtungen leider nur allzusehr recht. In dem Artikel im„Vorwärts" vom 3. Mai: . Was die Gewcrbeinspcktoren erzählen" haben wir auf das ruinöse Ueberzeitarbeiten und die skandalöse Gcsetzcsmitzachtung schon kurz hingewiesen. Einige nähere Angaben aus dem Material der Beamten mag nun rwch die Skrupellostgkcit der Unternehmer und die Notwcndingkcit besseren Schutze« schärfer herausstellen. Bemerkenswert find folgende Erlebnisse der Beamten: In einem Werke im Bezirk Düsseldorf waren 194 Verstätze gegen die Schutz. bcstimmungen festgestellt worden, darunter viele Fälle einer JZstündigen ununterbrochenen Arbeitszeit. Der Jnspcitions- beamte machte dem kaufmännischen Leiter des Wetkes dicserhalb Vorhaltungen. Der WcrkSherr charakterisierte die betreffende Vcr- ordnung daraufhin als Schikane— Arbeitcrschutz Schikane!—; als Revanche dafür werde er die ihm zudiktierten Strafen aus der— Arbcitrrwohlfahrtskasse bezahlen und die Kasse überhaupt eingehen lassen. Da hat man die Arbeiterfreundlichkcit der Wohlfahrts- protzen in Reinkultur. Eine Vorstellung davon, mit welcher Unverfrorenheit die Schutz- bestimmungen übertreten werden, gibt folgende Mitteilung in dem Bericht aus Arnsberg. Der Beamte kam dahinter, datz in zahl- reichen Fällen verbotswidrige SonntagSarbeit in den laut Vor- fchrift zu führenden Liften nicht eingetragen worden war. Ferner fehlen darin überhaupt viele Arbeiter, die Uederftunden geleistet hatten, und wiederum in einer grohen Zahl Fälle hatte man nur einen Teil der Ueberstunden eingetragen. Besonders häufig fehlten die Eintragungen, wenn Arbeiter über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus beschäftigt worden waren. Nicht selten hatten Ar- beiter 18 Stunden hintereinander schuften müssen! Also, die laut Vorschrift zu führenden und den Beamten ein- zureichenden Listen waren shstematisch gefälscht worden. Aber die der Gewinnsucht entspringenden Fälschungen sind noch ungefähr- licher als wie die Uebertretungen der Schutzgesetze selbst. Ein An- trag auf Strafverfolgung wegen Urkundenfälschung lehnte die Staatsanwaltschaft mit der Begründung ab, die sozusagen doch amtlichen Listen seien keine öffentlichen Urkunden, auch keine solche privatrcchtlicher Natur zum Schutze von Rechten oder Rechts- Verhältnissen; mithin fei ihre Fälschung auch keine strafbare Handlung! Ans dieser Belehrung werden die Unternehmer jedenfalls die- selbe Nutzanwendung ziehen, wie aus den sehr milden Strafen für nachgewiesene beharrliche Uebcrtrctung der Schutzbestim- niungen. Trotz der systematischen Verheimlichung von Ueberstunden war die ermittelte Zahl doch recht grotz. Aus den vier Hauptbezirken machen wir zunächst die folgende Zusammenstellung, wobei zw bemerken ist, datz als Uebcrarbeiter diejenigen Personen eingestellt sind, die nach den monatlich abgeschlossenen Listen Ueberstunden geleistet haben: Arbeiter Uebcrarbeiter 1919 1911 1919 1911 Düsseldorf 64 979 66 717 31 674 35 551 Arnsberg. 46 582 53 731 22 336 26 379 Trier.. 25 410 26 553 9 659 10 235 Oppeln. 31826 33 097 12 518 14 950 Insgesamt haben demnach von 189 998 Beschäftigten monatlich regelmätzig 87 315 über die normale— 12- bis 13stündige— tägliche Arbeitszeit hinaus gearbeitet. Von den sich ergebenden über 19 Millionen Ucherftunden entfallen über 8 Millionen allein auf SonntagSarbeit. In den übrigen Reg'erungSbczlrkcn ist die Grotzeisentndustrie nur schwach vertreten. Die Aufzeichnungen für daS letzte Jahr ergeben folgende Resultate ldie erste Ziffer gibt die Zahl der Arbeiter überhaupt an, die zweite die der Ueber. arbeiter und die dritte die von diesen geleisteten Ueberstunden): Potsdam 497, 97. 12 626; Stettin 785, 69, 11945; Liegnitz 495, 25, 7232; Magdeburg 1019, 596, 66 441; Schleswig 322, 299, 35 199; HildcSheim 4946. 1386, 264 966; Osnabrück 4164, 1998, 445 917; Münster 984, 179, 34 748; Wiesbaden 667, 362, 3674; Koblenz 5379, 1922, 394 994; Köln 4115, 1817, 334 612; Aachen 4817, 2236, 476 266. In allen Bezirken zusammen sind über 2VA Millionen Ueberstunden geleistet worden. Die von den einzelnen Arbeitern geleistete Zahl von Ueberstunden ist sehr verschieden groß. Auf jeden Uebcrarbeiter entfallen z. B. nach Bezirken gegliedert im Durchschnitt Ueberstunden: Bezirk Trier 294, Aachen 213, Arnsberg 214, Oppeln 218, Düsseldorf 239, Osnabrück 233, Liegnitz 289 Stunden. In den übrigen Bezirken summiert sich die durchschnittliche Leistung nicht auf über 299 Stunden. In den einzelnen Betrieben der vcrschie- Zahl d. Ueberstunden 1919 1911 7 497 277»16155? 4 449 596 5?S5 7Z6 1907 520 2 089 192 1 979 679 I 560 859 denen Bezirke ist natürlich der Grad des Ueberstundenunwesens auch wieder ein verschiedener. Den Rekord halten die Reparatur- Werkstätten der gemischten Betriebe im Bezirke Düsseldorf. Von 4932 regelmätzig beschäftigten Arbeitern leisteten 3296— also fast 82 Proz.— durch regelmässige, über die normale— hier 12% stün- digc— Schichidauer hinausgehende Beschäftigung 1 028 796 oder pro Ueberarbeiter demnach 312 Neberstunden! Wenn man die konstatierte systematische Verschleierung des wirklichen Umfanges des Ucberzeitarbcitens berücksichtigt, dazu die empörend milde Beurteilung frecher Uebertrctung der Schutzbestim- mungen, dann kann wahrlich nicht geleugnet werden, daß die Fest- stcllungen der Beamten in der nachdrücklichsten Weise für eine gründliche Aendcrung der skandalösen Zustände demonstrieren. So kann und darf es nicht weitergehen mit dem wahnsinnigen Raub- bau, mit dem skrupellosen Vernichten der Gesundheit vieler Tausende von Arbeitern! Die Einführung der gesetzlichen Achtstundenschicht. deS dreigeteilten Arbeitstages in allen diesen Betrieben, die sich technisch ohne Schwierigkeit einrichten lässt, ist das beste und ein- fachst« Mittel, geordnete Verhältnisse zu schaffen! WitterungSübersicht vom Sä. Mai ISIS. Swinemde. 761 Hamburg i76S erlin'761 ftranks.a.M.'63 München Dien NNO NNW NW NO NW jeiler � icdcckt wolkig Äbcdeat iNegeu 3n '756«NW, Megcn Haparanda 76KNO Petersburg Scilly Aberdcen Pari»!7S9N IkojsO >77 INNO 2 wolkig 1 wollig wolkig wölken! bedeckt Wetterprognose für Sonntag, de» S6. Mai 1912, Nachts kühl, am Tage wieber etwas wärmer, vielfach beiter, aber noch veränderlich bei ziemlich srischen nordwestlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Woifcrstands-NuÄrichte» der Sandesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchst,— Fall.—*) Untcrvegel.—•) Von 8 Uhr morgens bis S Uhr nachmittags aus 379 om gestiegen. IJmefe Kleiderwerke Unsere Kleiderwerke verfertigen Kleidungen!» großen Sil«!, welche den sozialen und modernen hygienischen Erfordernissen entsprechen. Infolge der vollendeten Maschinen- Technik wird die hsltbsrste und beste Arbeit geliefert. 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Folgend« Zeitungen haben in längeren Ausführungen und sachverständigster Weise über unser« K tider werke Bericht erstattet; Vossische Zeitung Berliner Lokal- Anseigec Berliner Morgenpost Vorwärta Berliner Tageblatt Via Post Der ConfectlonaLr Die Textil- Woche Berliner Dfirsen-Conrler Berliner Allgemeine Zeltnng Berliner Volks- Zeltung Die Welt am Montag usw. MilitÄr- und stadtische Behörden, kaufmännische Korporationen, Arbeitcr- Vcremigungca und andere haben unsere Kleiderwerke bciichtigt und uns ihren größten Beifall bekundet. Unsere 4 Verkaufshauser sind: 1 1 Brückenstraße 1 1 Chaimeestraße 29-30 Gr. Frankfurter Str.2o Sdiöneberg-. Hauptstr. 10 Sonntag, den 26. Mai, geschlossen Montag, den 2. Ptingsttag von 8 bis 10 Uhr geöffnet p p p p p o p p □ PDP Q P P hauptkatalog Nr.14 kostenfrei] JUS JWtoBfe einpsehlen sich Hartha Hrner Paal Krümel. Serlfn im Mai 1912. �Se€€€«i€»«SSS-SSS & Unserem lieben Parteigenossen Paul Mm � zu ihrer Silberhochzeit am 28. Mai die herzlichsten Glück- wünsche l vi« Genossen vom 168. Bezirk 7. Abt. IV. Kreis. %SS3SS$S6€€€€€€6& Todes-Anzeigen| Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Laudsbg. Viertel. Bezirk 401. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unsere Genossin, die Anlegerin Gertrud Winkler Heimburgstr. 4 Nai aestorbei am 23. Mai gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am 28. Mai, nachmittags 2 Uhr. von der Leichenhalle des Zentralfried- hoseS in FriedrichSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/13 Der Borstand. Deutscher Mefallarbeiter-Yerband Bertvaltnngsftelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metalldrücker Vildelm VoitZdisdc gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, 2. Feiertag, den 27. Mai, nachmittags 3 Uhr, vonderLeichcn- Halle des EmmauS-Kirchhofes in der Hermannstraße, Neukölln, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 117/19 Die Ortsverwaltnng. fieutseber Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Ludwig Dieffenbachstr. 67, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am DienStag, den 28. Mai, noch- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Fried- richsselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/5 vis Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß plötzlich und unerwartet mein lieber Mann und Bater, Sohn und Bruder, der Maler Karl Brüssow im Alter von 29 Jahre» am Freitag früh 5 Uhr sonst ent- schlajen ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Wwe. Hartha Brüswow nebst Tochter und sämtlichen Anverwandten. Die Beerdigung findet am 2. Feiertag, den 27. Mai, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, Marien- dorser Weg, aus statt. 45Ä SoziaideinokratiseberValilvereiD des 8, Beri. ReiEhslacs-ffaMkrelsES. Am 22. Mai verstarb unsere Genossin Frau Uiise Doberstein Waldstr. 8. Ehre ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 28. Mai, nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle des PhilippuS-Apostel-Kirchhoses aus aus dem städtischen Friedhof, Müller- Ecke Seeslratze statt. Um rege. Beteiligung ersucht 228/16 � Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann, unser lieber Bruder und Schwager dobsnn Strauß im. Alter von 37 Jahren nach langen schweren Leiden vcr- starben ist. 25.4 Die zeigen tiesbetrübt an Kauline Strauß geb. Bßhrlseh nebst Angehörigen. Die Beerdigung findet am 28. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle in Friedrichsseide aus statt. Mziri der Boeb- mid SteiDdracberei-Bilfsurbeiter n. Meite« Deotseblands. Ortsverwaltung Berlin. Am 24. Mai verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied dokarm Strauß im Alter von 37 Jahre». Die Beerdigung findet am Dienstag, den 28. Mai, nach- mittaas 5 Uhr, aus dem Zentral. Friedhose in FriedrichSselde statt. Am 23. Mai verstarb plötzlich unser Mitglied Wülielrn Eisner im Aller von 47 Jahren. Ein ehrendes Andenke» be- wahrt den Verstorbenen 27/15 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Be- kannten hiermit die traurige Nach- richt, daß unsere liebe Mutter und Schwiegermutter Karoline Giebel geb. Koch am F reitag an Herzschwäche Plötz- lich gestorben iit. 1840b Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 8'/, Uhr, von der Leichenhalle de? Zentral- s riedhoses in FriedrichSselde auS statt. Die trauernden Hlnterbl iebenen Hermann Giebel nebst Frau Gustav Giebel nebst Frau. Am Freitag verschied Leisel nach langem, schwerem Leiden mein inntggeliebler Mann, unser guter Vater, der Schmied Franz Hintz Neue Jakobstr. 5. im 50. Lebensjahre. Dies zeigen ttesbetritbt an Dle kauernde Witwe Emilie Hlntz geb. ASmaan nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Hedwigs- Kirchhofes. Weißensee, Wörth- strotze, auS statt. 1849b Datiksaxtmx. Für die vielen Beweis« aufrichtiger Teilnahm« anlößlich deS tinscheidenS meiner lieben Gattin, unserer gute» Mutter, Schwester. chwägerin und Tante 1850b Wilkelmine �tattbes g-b. Stuhrmann sage ich hiermit allen Freunden und Bekannten sowie den Borständen und Verwaltungsorganen des Verbandes der Freien Gast- u. Schank- wirk Deutschlands, insbesondere aber dem Herrn Stadtverordneten Manafie sür seine troskcichen Scheideworte meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Ferdinand Äatthes. Hr Magerkeit•i* schwindet durch Hauie's Nährpulver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unschädl. Viele Anerk. Karton 2 JI., bei Postversand Porto und Nachnahmespesen extra. H. Haufe, Berlin- Waidmannslust 801. 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Tischt Grabows ki. 2. R. 6,—, Tischl. Fürst u. Kuhnert 8,—. Korbmacher 8t. L. 10,50. Tischl. Dobbert 10,50. Tischl. Born 5,—. Tischl. Voigt 4,60. Tischl. Niesel u. Kammer 30,—. Gen. Union 9.—. Tischl. Kühner u. Hans 15,55. Vergolder v. Rabe 4,50. Tischl. Kühn, 3. R. 8,15. Berg, von Adol Werkmeister 11,75. Tilchl. ThomaZ 9,50. Tischl. Wille u. ClauSnitzer 7,60. Tischl. Mittag 25,—. Tischl. Hülsen- deck u. Kroll 2,70. Gen. Eiche 8,25. Tischl. Ludewig 10,—. Tischl. 7,80, Sechserk. Tischl. Meißner 5,—. Kamms. Jahn 5,—. Kavu-ls. Beetz 1,—. Kamms. Kubisch u. Redlich 3,35. Kamms. Reuter u. Jeschke. Kamms. Brauer 1,10. Kamms. Gerson 2,45. Kamms. Holdheim 3,30. Kamms. Döbbelin 2,20. Kamms. Bloch 2,—. Kamms. Grünberg 3,—. Tischl., Emmelnth 10,—. Quehl 15.—. Tischl. Ball. 2. R. 7,70. Tischl. Rahn 37,—. Tischl. H. n. A. Schulz 20,60. Tischl. Conrad. Plnme u. Beller 4,75. Tischl. Penliibn 9,50. Tischl. Peiersen 22,20. Leistensabrif Raschig 8,—. Tischl. Lüdtke-Pankow 10,55. Tischl. Kuhnert u. 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Mai 1912, abends«'/, Uhr: HfÄncKenve�fonimüZiig der Nerlmjttt-, Hiru-, Steiilmitopf- «rlititkr«iid-«beckrioneil im Gewerkschaftshause(Saal 5). Engelufer IS. Tagesordnung: 1. Bericht von den Generalversammlungen. 2. Der Ablanf unseres Vertrages und Siellnngnahm« dazu. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Wegen der Wichtigkeil der Tagesordnung ist zahlreiches Strsch einen dringend erforderlich.__. Die Kommission. Schirmmacher. Mittwoch, den 29. Mai 1912, abeuds 7 Uhr: l�itgUeÄe�-'Vei'fAMmUmg bei Hermel, Holzmarktstraße 21. 84/3" Die Kommission. Arbeittnaehveis; Hof I. orbe Smt Norden. Nr. 1239. Htuogsstelle Berlin CharitHstraste 3. Hauptdureau: Hof m. «mt Norden. Nr. 1987. Mittwoch, den 29. Mai 1912, abends 8'/. Uhr, im Lokal von. Merkowski, Andreas st ratze 26: — Versammltmg= der Drahtarbeiter u. Arbeiterinuen Berlins und Umgegend. 5 so Tagesordnung: i. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Auf Beschlug der letzten Versammlung muH w jeder Versammlung fest- estellt werden, wer und wieviel auZ jedem Betrieb fehlen. Darum agitiert ür guten Besuch. Mittwoch, den 29. Mai 1912, abend? S Uhr, im Lokal von Merkowski, Andreas st ratze 26: s Persammlung= sämtlicher in den Buchstaben- Betrieben beschäft. Klempner. Tagesordnung: 1. Wie derbesiern wir unsere Loh», und ArbeitSderhSItnisie? 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenhciten. Zu dieser Versammlung find die Kollegen der Firmen Schlempe». Kaiser. Hossmonn und Lichtreklame ganz besonders eingeladen. Kollegen! Sorgt sür zahlreichen Besuch/ jede Werkstatt muH vertreten sein. 117/20 Sie Ortsverwaltnng. Alles schreibt Reichs-Patent-finslehls-Postkarten! Solche müssen an den Seiten den Titel führen D. R P. Offizieller Standort Dresden, Patent Jrrladen. 19 und 15 Pf. n Stück. Äan verlange W.-P.-Anslcnts-Postkartenl 204/7 Kunst-Berlag der R.-P.-Anfichts-Postkarte« MMm May, Dresileii, MatiilEDStraße. 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Naunyn- straßc 73, vorn II, Wollenberg.+23 Saubere Schlafstelle. 2 Herren, Stahl, Pücklerstraßeb, vorn III,+ Saubere mäblicrlc Schlalsiellc, allein, eventuell 2 Herren, bei Wttwe Wengler, Oranienstraße 195, vorn III (am HeinrichSpIatz), t Möblierte Schlafstelle vetmiclct Frau Schmöker, Hasenhetde 55, Oner- gebäudt IV,____+45 Schiasstelle sür zwei Prinzenstraße 5 l,____ Schlasstell« Herren, +63 vor» IV recht». Möblierte berget Allee 123,_ Schlafstelle vermietet, Herrn, Eberlvstinge 14 II, Kuß,+55 Btfscre Schlasstell«, Frau Pionlet. Weidenweg 56, vorn._+55 ~ M öbliert« Schlasstelle für zwei Hervest, Norckstraße 44, 2, Ausgang III, Hilschcnz,_+147 Möblierte Schlasstelle vermietet Wichlnann, Koppenstraße 65 ll, Möbliert« Schlasstelle sosott an ältere» Herren vermietbar. Norden, Hochsliaßc 3>. SIngang 8 parterre links. TrzebialowSki,___+47 Möbliertc�Schlasstelle bei Wiiwe Maaß, Earmen Lehrling verlangt sofort Emil Taatz, Friedrichstraße 12, StraustfedernknüPferinimHaiiie verlangt Albert Leschlau, Alt« Jnktb- siraße 83._ Lehrmädchen sür Blumen- und Straußsedernsabrikalion verlangt Albert Leschkau Alte Jakobstraße 83. Wollene Blusen- Arbeiterinnen. nur aus gutem Genre, erkalten gegen Vorlage von Mustern lohnend« Bc- ichäsiigiing, Fischbein u. Mendel. Lntdenstraße 44/47._ 88/19 Tüll- Blusen- Arbeiterinnen, nur aus seinem Genre, erhallen gegen Vorlage von Mustern lohnende Be- schästigimg, Fischbein u. Mendel, Lindenstraß« 44147, 88/20 Seidene Blusen- Ärbcitcrinncn, nur aus seinem Genre, erhalten gegen Vorlage von Mustern lohnende Be- schästigung. Fiichbein u. Mendel, Lmdenslraße 44/47,___ 89/1 Zeitungsfrauen sofort verlangt. Berliner Tageblatt, Halenset, Heu- riellcnplaß. 87/18' ZcttungSsraucn, Kronenslraßc 2. sosort, verlangt 18326» Knopflochftepper, flotter Arbeltcr. hoher Wachen- lohn und dauernde Stellung, sofort gesucht. ll, ScMskl,'"flbSST" Klonterstr. 1. 89/9 AclitunglWagenbaü8[i In den iiachsolgenden Wagen- nnd Karosserieiabriken befinden flch die Arbeiter im Streik und find alle Arbeitsangebote dieser Firmen strikte zurürtzuwrisen. Gesperrt sind: Erdmann n. Rossi- Linie»- siraße 139/140. Rudolf Frauke, Jnselstr, 11 und Tourblöresir, 14, Lange u. Gutzeit, Franksurter Allee 22/23. In Frag« kommen: Stellmacher. Schmiede, Schlosser, Lackierer und Salti«. Zuzug ist streng fernzuhalte». 176/8» T>te Streltieitnng. Aclitung! Holzarbeiter. Wege» Streik oder Lohn- diflcreiizeu sind gesperrt: Jalonsiefabrik& Mtroelthoff*. Ehnrlottenburg, Nehringstr. 10. In Betracht kommen folgende Bauten: ZItU>ei>, Nonneudami», Aller. Mrlkoivivstr,. Schulstr.. l>'li>,e,irar, Waltftrahe. Ecke Siemen», und Hcrzftrnst«. Ur*»'Ntnvoi»vti>«loa»aellnor- ParkcttscnchUfto, Char- lottenburg, tthlaudstrnsic. Für Hartgniniiit» Ardetter die Firma Rnttliaez-, Schlcsischc Straße OL. Erzgebirgiiche Holzindustrie in Brniid, Filiale Drssauer Str. 31» Da» Berliner ArbettSwilligeu» vermIttclnngSburcan d. gelben .HandwerkerschiihverbandeS«. ZlrbcitSnachwctS d. Stellmacher» tun, tilg und der Waarnfabri- kanteu. Kalser-Franz-Grenadier. Platz, Zuzug ist streng sernznhalten. vle Orlmmeallung Berlin des Uoutscben Holtarbeltervcrbandes. Einem Teil uiiserer heutigen Auflage— für die Bezlrke Osten und Zentrum— liegen Pro. spckte bei der Restdenz-Lichtspiele, Blu» mcuftr. 10, nnd des Reuste-Theater?, Frank- fnrter Allee 8S.