Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S8S. Mittwoch, ben 29. Mai 1912. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Kr. ISS. 39. Jahrg. vle TnfertionS'GebQbr beträgt für die sechsgespaltcne floloncl« z eile oder deren Raum W Pfg., für politische und aclverlschaftliche SereinZ. und Lersammlungs-Anzeigen L0 Pfo. „Kletne Hurtigen", das settgcdrulkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckt- Worte), seoes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstellcnan. zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort 5 Pfg. W-«le über l5Buch- sraöen zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen MS " Uhr nachmittags in der Expedition !'■ kÜ Vevlinev Vollisblctkk. der rozialdemohrati fchen partei Deutf Alands. to uyr na-ynnuags tn der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SczliliUiDclirat RcrliB", CrfiKint täglich auBtr montags. Zentralorgan flbonnementS'ßedlfljDngen: Abonnements- Preis vränumerantoi Pierteljährl. 3.30 Ml., mono». 1,10 Ml, wöchentlich 23 Pfg. frei ins Hau», Einzelne Nummer S Psg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags» Leilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post» AbonnemeM: l.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- PrelSlisie. Unter Kreuzband für Deuiichland und Oestcrielch, Ungarn 2 Marl, für daS übrige AuSIant» 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nehme» an: Belgien. Dänemart, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, Lin Skandal! Delikt: Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes! Strafen: 1. Gerichtliche Entscheidung: 6 M. 2. Entscheidung der Schulbehörde: Nichtzulassung zum Abiturientenexamen. 3. Entscheidung der Militärbehörde: Verweigerung des Berechtigungsscheines zum einjährig-freiwilligen Dienst. 4. Entscheidung der Militärbehörde: Verhinderung des Studiums I In der Schlußsitzung des Reichstages brachten die Ge- Nossen Schulz und Dr. Frank eine Angelegenheit zur Sprache, die schon ihrer grundsätzlichen Bedeutung wegen einer näheren Beleuchtung bedarf. Bekannt ist, daß in zahlreichen Fällen wegen unmoralischen Lebenswandels relegierte Gymnasiasten unbehindert den Osfiziersrock anziehen konnten, bekannt ist auch, daß bei der Aburteilung von Studenten, die mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten waren, auffällig milde Strafen mit dem Hinweis darauf begründet wurden, daß man den Angeklagten die Karriere nicht erschweren wolle. Anders sieht die preußische Gerechtigkeit aus, wenn ein als Sozialdemokrat behandelter Angeklagter nur das Reichsvereinsgesetz— angeblich übertreten hat. Solche Vergehen, als Ausfluß konservativer, ultramontaner oder nationalliberaler Gesinnung, haben natürlich überhaupt keine Anklage zu gelvärtigen. Wehe aber einem jungen Menschen, der sich bemüht, in einer Jugendorganisation an der Hebung des intellektuellen und moralischen Niveaus seiner proletarischen Altersgenossen zu arbeiten, anstatt dem Hurrapatriotismus mit Sauferei und Paukerei zu huldigen. Er hat ein Staats- verbrechen begangen, das nicht nur als Verstoß gegen das Reichsvereinsgesetz gerochen wird, sondern auch den kon- sequcnten, gehässigen Versuch nach sich zieht, seine bürgerliche Existenz zu vernichten, ihm die Möglichkeit wissenschaftlicher Ausbildung abzuschneiden. Die Angelegenheit betrifft den Sohn unseres Genossen W. Düwell, zurzeit noch Student an der Handelshochschule in Berlin. Zurzeit noch, denn die Militärbehörde will ihn nämlich zwingen, das Studium zu unter- brechen, um er st zwei oder drei Jahre Soldat zu spielen. Doch lassen wir die ganze Angelegenheit in ihrer ganzen Schöne an unserem Auge vorüberziehen. Düwell erwarb als Schüler der Friedrich> Werderschen Oberrealschule in Berlin das Zeugnis über die Wissenschaft- liche Befähigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst nach deni Abgang von der Schule. In seinem Zeugnis über die ab- solvierte kaufmännische Lehre attestierte ihm sein Lehrherr aus- driidlich gutes Betragen. Während seiner Lehrzeit gründete er in Lichtenberg einen Verein für die arbeitende Jugend, der die Hebung des geistigen und sittlichen Niveaus seiner Mit- glieder bezweckte, ebenso auch den Kampf gegen Alkoholgenuß. Wegen Erkrankung mußte D. die Leitung des Vereins, der übrigens nur einige Monate existierte, nach wenigen Tagen nieder- legen. Er hatte sich nicht einmal an der ersten öffentlichen von ihm einberufenen konstituierenden Versammlung beteiligen können. Auf Grund dieser Versammlung wurde der Verein für politisch erklärt und gegen Düwell als Gründer Anklage erhoben. In den ersten Verhandlungen unterbreitete die Polizei als Belastungsmaterial diverse Parteitagsprotokolle und Exemplare der„Arbeiter-Jugend". Später konnte der agierende Kriminalwachtmeister noch mit einer eigenartigen Aussage aufwarten. Mehrere Jugendliche, die Flugblätter verbreitet hatten, waren sistiert worden. Man hielt sie während der ganzen Nacht auf der Wache fest und unterwarf sie mehrmaligem Verhöre in der mit der Sistierung in gar keinem Zusammenhange stehenden Anklage gegen Düwell! Am nächsten Morgen war die Polizei im Besitze einiger belastenden Aussagen eines augenscheinlich geistig unentwickelten Jugendlichen. Der Vorsitzende der ersten Verhandlung. Amtsgerichtsassessor Draeger, wehrte sein Zeugnis ab mit. dem Bemerken, daß er auf die Aus- jage eines solchen Zeugen kein Gewicht lege. Dieser Zeuge erklärte in allen Verhandlungen, er kenne den Angeklagten Düwell persönlich gar nicht und habe nur, um nach Hause gehen zu können, alles ausgesagt, was der Kriminalbeamte bekundet haben wollte. Die erste Verhandlung wurde»vegen Krankheit eines Mitangeklagten vertagt. �Jn der späteren, die ein anderer Vorsitzender leitete, unterstellte das Gericht die erwähnten protokollierten Aussagen als ivahrheitsgemäß. trotzdem sie mit dem geistigen Fassungsvermögen des Zeugen seltsam kontrastierten. So kam d".s Gericht zu einem verurteilenden Erkenntnis, in dem es heißt: »Abgesehen von dieser Versammlung(der erwähnten kons«- tuierenden) hat der Bildungsverein im Laufe der Monate No- vember und Dezember IVOS noch mehrere Vereinsversammlungen abgehallen, in denen Vereinsangelegenheiten besprochen, einzelne Vorträge gehalten sind und nach der einwandfreien Bekundung des Zeugen Heinzelmann sehr häufig die«rbeitermarseillaise gesungen worden ist. Unter anderem veranstalteten einige Mitglieder de? Vereins Ende Dezember ISOS eine Weihnachtsfeier, bei der auch daS Lied»Stille Nacht, heilige Nacht' in der von der Sozialdemo- kratie gesungenen Form zum Vortrag gebracht worden fft. AuS diesen Umständen hat das Gericht die Ueberzeuguug gewonnen, datz der von dem Anseklagten gegrßttdete und zunächst(?) auch geleitete Bildungsverein für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt und deshalb den Bestimmungen des Z 3 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908 unterliegt." Und dieses Material genügte zu der Feststellung, daß der „Verein in erster Linie die Aufgabe gehabt hat. die Arbeiter- jugend der sozialdemokratischen Partei zu- zuführen, die aus Umsturz der Verfassung und Aenderung der Gesetzgebung gerichteten Ideen dieser Partei unter der Jugend zu verbreiten!" In den weiteren Entscheidungsgründen zu dem in der Prüfungsinstanz bestätigten Urteil, das auf sechs Mark Geld- strafe lautete, wird noch die politische Stellung des Vaters des Angeklagten, der Redakteur am„Vor- wärts" sei, als Belastungsmoment gegen den Angeklagten auf- geführt.— Und das nennt man dann eine unparteiische, von politischen Motiven freie Justiz l Unterstellen wir einmal, der Verein sei wirklich ein politischer gewesen, das Urteil also materiell berechtigt; aber auch dann fordern die gegen Düwell beliebten weiteren Maß- nahmen doch auf jeden Fall den energischsten Protest heraus. Sozialdemokratische Gesinnung und ihre Betätigung im Zivil- leben sind ein, durch kein Gesetz und keine Verfassungs- bestimmung unterbundenes Staatsbürgerrecht! Sie durch Verwaltungsmaßnahmen zu be st rasen, bleibt Gesetzes Verletzung und Verfassungsbruch auch dann, wenn diese Maßregeln von Behörden aus- gehen! Im Sommer 1910 bereitete sich Düwell privatim auf das Abiturientenexamen vor; im Dezember des gleichen Jahres unterbreitete er dem zuständigen Provinzial- tchulkollegium in Berlin einen Antrag auf Zulassung zur Reifeprüfung Ostern 1911. Mit Hinweis auf das bereits seit Ansang Januar 1910 schwebende Strafverfahren— wegen Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes— wurde das G e- such abgelehnt! Ein zweites Gesuch und eine Be- schiverde an den Minister blieben erfolglos. Auf ein drittes, nach Abschluß des Strafverfahrens eingereichtes Gesuch erging dann folgender Bescheid: Kol. Pcovinzialschulkollegium. Berlin W. 9, den 5. Juli 1911. III. Nr. 3348. Linkstr. 42. Wie aus dem uns von Ihnen eingereichten anbei zurück- folgenden Urteile der 4. Strafkammer des hiesigen königlichen Landgerichts III vom 5. Mai 1911 hervorgeht, haben Sie die Gesetze des Staates absichtlich über- treten und in Ihrem ganzen Verhalten, insbesondere bei Ihren Bekundungen vor Gericht und bei den uns gemachten Angaben die W a h r h a f t i g k e i t vermissen l a s, e n, die für jeden Menschen, namentlich aber für einen gebildeten Mann unerlässig ist. Bei dem bekundeten Mangel an moralischer Reife vermögen wir Sie zur Reife- Prüfung nicht zuzulassen. (gez.) Mager. Daß man dieser offenkundig aus politischen Motiven erfolgten Maßregelung einen Schein moralischen Rechtes zu geben versucht, macht die Affäre wahrlich nicht appetitlicher. Weil der Angeklagte sich nicht schuldig bekennt, weil die Polizei. deren Zuverlässigkeit die Moabiter Vorgänge und der Fall Dubrowski so glänzend bewiesen haben, andere Behauptungen aufstellt als der Angeklagte, weil dieser die Richtigkeit eines auf so eigenartige Weise zustande gekommenen polizeilichen Protokolls nicht zugibt, fehlt ihm die„moralische Reife"! Dem Delinquenten war nnt dem Entscheid die Ab- legung der Reifeprüfung und damit die Möglich- keit des Universitätsstudiums in ganz Deutsch- land vollständig abgeschnitten. Preußen unter- hält nämlich mit den anderen deutschen Staaten und freien Reichsstädten einen Schulverband. Dieser hat statutarisch fest- gelegt, daß die Zulassung von Nichtstaatsangehörigen zur Reife- Prüfung in einem Verbandsstaate nur mit Zustimmung der Heimatsschillbehörde gestattet sei. Die aus Staatsmitteln unterhaltenen Schulen sollen eben ein P riv i- legium für nur gute Gesinnung sein! Düwell hatte bereits unterm 21. Januar 1911, und weil keinerlei Nachricht bei ihm einging, erneut am 11. September 1911 bei der königlichen Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige die Aushändigung des Berechtigungsscheines für den einjährig- freiwilligen Dien st und� die Zurück st ellung bis nach Beendigung des Studiums nachgesucht. Auch dieser Antrag wurde unter Bezugnahme auf das Polizei- liche Führungszeugnis abgelehnt. Dieses lautet: Führungszeugnis. Dem Bernhard Düwell, am 29. April 1891 zu Bochum ge- boren, wird behufs Vorlage � bei der Königlichen Prüfungs- kommission für Einjährig-Freiwillige in Berlin hierdurch amtlich bescheinigt, daß über die Führung desselben während de« hiesigen Aufenthaltes vom 3. Januar 1996 bis jetzt, abgesehen von seiner erfolgten Bestrafung, nichts Nachteiliges bekannt geworden ist. Düwell ist bestraft wegen Uebertretung des R e i ch s v e r e i n S g e s e tz e s vom 19. April 1993 in zwei Fällen durch Urteil des Königlichen Schöffengerichts in Lichtenberg vom 24. Januar 1911. bestätigt in der Berufungsinstanz durch Urteil vom 6. Mai 1911 mit S Mark Geldstrafe, in? Unvermögenssalle 1 Tag Haft für je 3 Mark. Lichtenberg, den 29. September 1911. Der Polizeipräsident. In Vertretung: (Name unleserlich.) Regierungsrat. Ein vor der Verurteilung ausgestelltes Attest enthielt die Bemerkung über die erfolgte Bestrafung natürlich nicht. In- zwischen waren die Instanzen von der Polizei über das Strafverfahren unterrichtet worden, weshalb die Prüfungskommission nach Erledigung des Straf- Verfahrens ein neues Führungsattcst einforderte.. Ein drittes Führungszeugnis, wie die Aeußerungen des Kriegs- Ministers am 21. Mai d. I. im Reichstage vermuten lassen könnten, existiert nicht— oder die Polizei funktioniert als geheime Feme! Dann aber, Herr Kriegsminister: Heraus mit dem Flederwisch, oder Sie sind mitschuldig! Die Entscheidung der Prüfungskommission lautet wörtlich: Gemäß§ 89, Ziffer 4/o, der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1838 ist zur Erlangung der Berechtigung für den einjährig-freiwilligen Dienst die U n b e s ch o l t e n h e i t der Be- Werber durch behördliche Führungszeugnisse nachzuweisen.— Das von Ihnen vorgelegte Führungsattest des Polizeipräsidenten zu Lichtenberg vom 29. dieses Monats kann nach Maßgabe der vor- stehende» Bestimmungen zum Nachweis Ihrer Unbescholtenheit nicht dienen, weil Sie ausweislich desselben am 24. Januar 1911 vom Schöffengericht in Lichten- berg wegen Uebertretung des Reichsvereins- g e s e tz e s vom 19. April 1996 mit 6 Mark Geldstrafe eventuell zwei Tagen Hafe bestraft worden sind.— Nachdem Ihre Berufung durch Erkenntnis des Landgerichts Berlin III vom S. Mai 1911 zurückgewiesen worden ist, das schöffengerichtliche Urteil mithin RechiSkraft erlangt hat, muß in Hinblick auf die Eingangs er- wähnte Vorschrift der Wehrordnung die Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige Bedenken tragen, Ihrem Antrage auf Verleihung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst zu entsprechen. Der Vorsitzende. (gez.) Silber. Seit Ostern 1911 studiert Düwell an der Handels- Hochschule in Berlin. Eine Unterbrechung seines Studiums würde seiner weiteren wissenschaftlichen Ausbildung einfach ein Ziel setzen. Die Erlangung des Berechtigungs- scheines und der Aufschub seiner Dien st Pflicht bis nach Beendigung des Studiums war daher für ihn gewissermaßen Lebensfrage! Das weiß man natürlich! Düwell versuchte schließlich, durch ein Gesuch an den Oberpräsidentcn der Provinz Brandenburg die Ent- schcidung der Prüfungskommission unwirksam zu machen. Wiederum kam ein ablehnender Bescheid I Begründend wird darin bemerkt, daß die Ablehnung erfolge, weil Düwell wegen der angeblich zielbewußten Uebertretung des Reichs« vereinsgesctzes— und nur darum— der erforder- lichen Unbescholten heit ermangele. Notzuchtsdelikte. Mißhandlungen, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Gefährdung von Eisenbahntransporten durch Korpsstudenten wiegen in Preußen viel leichter als eine Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes. Die an- gezogenen, zweifellos schweren Delikte rauben Korps- studenten nicht die zum einjährigen Dienst erforderliche Un- bescholtenheit, gelten gar wohl als Beweis ihrer Reife. Und muß nicht die Bemerkung von der„zielbewußten Ueber- tretung" Kopffchütteln erregen, da doch, wie das Urteil er- kennen läßt, die erste Handlung des Vereins die Einberufung einer öffentlichen Versammlung war. die seine Existenz und Bestrebungen jedermann enthüllte? I Der Oberpräsident gab Düwell anheim, sich wegen vor- läufiger Zurückstellung vom Dienst zwecks Vollendung seiner Studien an die zuständige K g l. E r s a tz k o m m i s s i o n zu wenden. Unter Beifügung einer Bescheinigung des Rektors der Handelshochschule, laut welcher eine Unterbrechung des Studiums einen schweren Schaden für Düwell be- deute, unterbreitete er der Ersatzkommission das entsprechende Gesuch. Bei der Musterung legte er ein ärztliches Attest vor, das folgende Angaben enthält:„D. besitzt eine Sehkraft von weniger als Vi« Ö mit und ohne Glas auf dem rechten Auge und eine Sehkraft von weniger als'/,» L auf dem linken Auge ohne Glas und eine Sehkraft von'/» L auf dem linken Auge mit Glas." Trotzdem wurde er als tauglich für die Infanterie angesetzt. Die Ersatzkommission versagte die erbetene Zurückstellung. Ein Gesuch an den Kriegsminister brachte für Düwell ebenfalls keine Aenderung der Situation. Das Fazit der angeblichen Uebertretung des Reichs- Vereinsgesetzes ist also, daß sie doppelt und dreifach außergerichtlich mit Verhinderung des Studiums und Zerstörung der gewählten bürgerlichen Existenz gerächt werden soll! Das ist preußische Kultur in Reinzucht l Der AzhlreclMampf in Ungarn. Budapest, 25. Mai.(Eig. Ber.s Die Einigung der oppositionellen Par« t e i e n kann wohl als eine vollendete Tatsache betrachtet werden und damit entsteht eine ganz neue politische Situation. Denn über diesen oppositionellen Block kommt die Regierung nicht hinweg, auch wenn, wie es den Anschein hat, die söge- nannte technische Obstruktion aufgegeben würde; man kann das Werden der Wehrreform natürlich auch mit Totreden hindern. � Die Regierung wird also nicht umhin können, mit der geeinigten Opposition über ihren Wahlreformplan zu ver- handeln, auf seine Forderungen sich zu verpflichten. Es fragt sich nur, wie der Plan aussieht, ob sich in ihm die Kossuth- Partei, die bisher eine Gegnerin des gleichen Wahlrechts ge- Wesen ist, mehr dem Standpunkt JusthS. oder umgekehrt, angenähert hat. Das läßt sich den allgemeinen und wider- sprechenden Angaben nicht entnehmen. In jedem Falle wird Herr v. Lukacs zu zeigen haben, ob er einer selbständigen Entscheidung fähig oder ob er dem Tisza ganz in die Hände gefallen ist. Ueber den Inhalt des oppositionellen Wahlreformprojektes verlautet folgendes: Stimmberechtigt soll jeder unga- r i f ch c Staatsbürger, der das vierundzwanzigste Le- bensjahr erreicht hat, sein, wenn er lesen und schreiben kann und mindestens ein Jahr an einer Stelle war. UeberdieK wird jeder wahlberechtigt, wer auf Grund des bisher gelten- den Wahlrechtes in die diesjährige Wählerliste aufgenommen wurde. Der Vermögens- und Steuerzensps wird ün allgemeinen abgeschaftf und nur für Analphabeten beibehalten, in- dem die Wahlberechtigung von Analphabeten an eine Mindest- steuexleistung von 15 Kronen gebunden werden soll. Daneben sollen für die Reinheit der Wahlen durch Abänderung des Verfahrens beim Wahlakt und der>Wahlgerichtsbarkeit Ga- rantien geschaffen werden. Ein historisches Dokument. Der Aufruf der ungarischen Karteilestung zum Massen streik hatte folgenden Wortlaut:- Arbeiter, Genossen! Die mit dem Gelde der Regierung zusammengekaufte Horde die Nationale Arbeitspartei, arbeitet seit Dienstag mit roher alh,������WWWW>IWW>I�>>>��WW>WWW Tie Regierung und ihre Partei treten jedes Recht mit Füßen: Seit Dienstag sind die Gesetze in Ungarn außer Kraft gesetzt. Von diesem Tage angefangen ist niemand wehr verpflichtet, die Gesetze einzuhalten. WWWW Niemand braucht mehr den Anordnungen der Behörden Folge zu leisten. Die Macht des stärkeren gilt nur noch als Gesetz im Lande. Stephan Tisza, bei; das Volk beugen will, ist Präsident des Hauses, in dem die Volksvertreter Gesetze machen; Julius Justh, der Kämpfer für das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht, wird gewalttätig stumm gemacht, aus dem Volkshause vertrieben. Arbeiter, alle Gesetze sind gegen euch, nur das Hausordnungs statut des Reichstages kann noch das Wahlrecht sichern. Dieses Statut, dieses Gesetz wird jetzt von den Junkern niedergetreten, mißachtet von den mit Geld gekauften Herrengaunern. Einer solchen Niedertracht muß geantwortet werden. Wtrnn außer der Macht des Stärkeren nichts mehr im Lande gilt, dann muffen wir zeigen, daß nicht nur die Gaunet, sondern auch daS ehrliche Volk Kraft besitzt,�>i>>M Zeigen müssen wir, daß in unseren Fäusten, in unse- xer revolutionären Brust genug Kraft vorhanden ist. Wenn unsere Rechte konfisziert werden, dürfe» wir nicht ruhig bleiben. Der Kamps um Leben und Tod beginnt. Aufnehmen muffen wir den Kampf gegen die rohe Ge- walt nicht nur, weil es Beschluß unseres Kongresses ist, sondern weil unser Jntereffe es notwendig macht. In dem Moment, in welchem die Seelenverkäufer und die für Geld gekaufte Bande ein mörderisches Attentat gegen das allge meine Wahlrecht begeht, stellt die sozialdemokratische afrtoüßalschaft d.z.e. L.r..b� i,�e U�.,.geG..hjnauK.ans Straße, stellt sich,, ihren Unterdrückern entgegen rusd bedroht die- Migey, die die Lebensader des Volkes durchschneiden wollen. � Tonnerstag setzt sich der Henker des ungarischen Volkes agf den Ptäsidentenstuhl, an diesem Tage vird der Generalstreik proklamier t,WW>WM Tie Arbeiter verlassen die Werkstätten und Fabriken, ziehen äuf dieStraße, Vörden Reichstag, dasVolkrvvo- l u t i o n i e r t. Arbeiter. Genossen! Ihr seid noch die einzige Stütze. Ihr habt soviel für das Wahlrecht getan, habt Arbeik, Geld und Blut geopfert, jetzt ist die Stunde der Entscheidung. Denkt an die Verfolgungen, an alle, die einen Teil ihres Lebens in den Gefängnissen zubrachten. In euch müßt ihr fühlen. daß jetzt auf euch. Budapester Arbeiter, das ganze Land sieht, die Demokratie der ganze», Welt. In dem entscheidenden Moment wendön wir unS mit Vertrauen an euch. Donnerstag früh beginnt der Generalstreik. Hinaus aus den Werkstätten und Fabriken! Hinaus auf die Straßen, bor den Reichstag, und weiht diesen Tag dem Siege dcS arbeitenden Volkes! Von Donnerstag früh angefangen arbeitet kein sozialdemokra- tischex Arbeiter? Arbeiter, Genossen! Die Zeit ist ernst, bedeutungsvoll. Vir haben euch nichts zu sagen. Jeder tue seine Pflicht. Bon dem Ende des Generalstreiks wird jedermann rechtzeitig verständigt werden. Nur dann kehren die Arbeiter zur Arbeit zurück, wenn sie von ihren Organisationen davon verständigt werden. Hoch der General st reikk Die sozialdemokratische Pgxtes. 2. Die Bestattung der Opfer. Budapest, 23. Mai. Drei Todesopfer der jüngsten Budapester Straßenkämpfe wurden am 2S. d. MtS. zu Grabe getragen. Die sozialdemokratische Parteileitung, Vertreter der Justh- partei und etwa SO 000 Arbeiter mit ihren Familien gaben ihnen daS letzte Geleit auf dem Wege zum Friedhofe und am offenen Grabe wurden die Särge mit roten Nelken bedeckt, worauf die Riesenmenge die Marseillaise anstimmte. Die Justhpartei ließ sich durch die Abgeordneten Batonyi und Eisörffh vertreten. Nach der kirchlichen Zeremonie hielt der Genosse Bokanyi eine Trauerrede, worauf sich die Menge in größter Ordnung zerstreute. Im Laufe des vorgestrigen Tages nahm die Polizei weitere 84 Verhaftungen vor, die der Brandlegung und Zerstörung anläßlich p«r jüngsten Straßenrevolte beschnldigt werden. Nie msn Präsident wird. Paris, 25. Mai.(Eig. Ber.) Herr Paul Des chanel hat sein Präsidentenamt mit einer, wie es sich bei ihm versteht, akademisch gedrechselten Rede eingeleitet, die genügend Verbeugungen nach links dar- stellt, um den durch die Präsidentenwahl so blamierten Bürgerlich-Radikalen zu erlauben, eine etwas weniger gries- grämige Miene aufzusetzen und doch gleichzeitig die An- erkennung der Wahlreformbestrebungen enthält. die der Redner seiner eigenen politischen Rolle und der Wahlhilfe der geeinigten Sozialisten schuldig war. Es wäre indes übereilt, anzunehmen, daß die Wahl Deschanels an sich die Aussichten des Proporzes verbessert. Vielmehr muß die Un- lust der Radikalen, eine Reform fertigzustellen, die die feste Organisation der Parteien fordert, durch die Vorgänge bei der Präsidentenwahl noch gesteigert werden. Allerdings kann gerade die jetzt in ihrem ganzen Ausmaß sichtbar gewordene �Ohnmacht des parlamentarischen Radikalismus andererseits der Regierung den Mut kräftigen, sich über die Anmaßungen und Dohungen der radikalen Klüngelpolitiker, die den Republikanismus als ihr Monopol beanspruchen möchten, hinwegzusetzen und zugunsten des Proporzes an die Mehrheit zu appellieren, die dieser in der Deputiertenkammcr zweifellos hat. Sie kann sich dabei über das im Blocksinne gebrauchte Schlagwort von der„republikanischen Majorität" um so leichter hinwegsetzen, als die Präsidentenwahl offenbar gemacht hat, wie sehr es des politischen Sinnes bar worden ist. In der Tat. welchen Machtfaktor soll eine wirre Masse, wie der parlamentarische Radikalismus, der sich nicht einmal bei der Präsidentenwahl zu einem einheitlichen Entschluß aufraffen konnte, doch darstellen? Warum soll die Regierung vor ihr mehr Respekt haben als sie selbst? Eine Selbst Preisgabe dieser Art ist vielleicht in der Geschichte aller Par- lamentarischen Staaten noch nicht vorgekommen. Die zwei radikalen Gruppen haben über zwei Fünftel aller Abgeordneten He, mit den ihnen politisch benachbarten„republikanischen Sozialisten" rund die Hälfte inne und doch bringt es der radikale Kandidat nicht einmal auf hundert Stimmen und der eigentliche Kampf spielt sich zwischen zwei Angehöxigen der gemäßigteren demokratischen Verernigung ab. Eine wüste, vor keiner Lächerlichkeit zurück schreckende Rauferei um den einträglichen Posten hat die bürgerliche Linke aktionsunfähig gemacht. Selbst die Kan- didatur des wenigstens in einem äußerlichen Verband zu ihr stehenden D e l c a s s ö war kaum etivas anderes gewesen als ein Trick, die anderen radikalen Bewerber um ihre Aus- sichten zu bringen. So kann man wohl den unter dein Namen des Radikalismus gruppierten Strebern. Pedanten und Bezirksdemagogen vorläufig noch die Kraft zutrauen, in gemeinsamein Bemühen politische Hinder- nisse zu zeugen, aber eine Partei, die fähig iväre, die Ge- schicke der bürgerlichen Republik zu bestimmen, ist die radikale Partei nicht mehr. Das Proletariat hat keinen Grund, darüber zu klagen— denn der Parlamentsradikalismus hatte zum Schluß keine andere Funktion mehr, als die Brutalität der bourgeoisen Klassenherrschaft mit Zweideutigkeit. Verlogenheit und klein- bürgerlicher Unbildung zu versetzen. Der Krieg. Die Italiener im Archipel. Konstantinopel, 28. Mai. Die Italiener, die auf Rhodos eine italienische Behörde einsetzte», hahen hie Einrichtung von Garnisonen und Behörden auf den übrigen besetzten Inseln unter- lassen. Vizeadmiral PreSbitero hat eine Proklamation an die Be- völterung von Äa.lymnos erlassen des Inhalts� daß die Ber- lvaltung wie unter der türkischen Regierung beibehalten und die Insel bis aus weiteres steuerfrei bleiben werde, daß ferner die Besitztümer der türkischen Regierung auf die Lokalverwaltung übergehen würden. Italienische Schiffe würden die Insel häufig besuchen, um die Bewohner zu schützen. :.imu' Dia Sitnatio« m-Albavie«; l Saloniki/ 23. Mai. Die Bewegungen der in Berifowic kost- zentrierten Truppen werden Vis auf weiteres nur als" De- 'Wonstration aufgefaßt: Inzwischen machen aus Veranläffüng des Ministers dcS Innern die'Beys von Djakowa, Jpek, Wucitru und Pristina, begleitet von den einflußreichsten Ulemas, den Versuch, die zusamniengerotteten Arnauten zum Auseinandergehen zu bc wegen und sie zu veranlaffen, sich nicht von Hassan Bey. Jssa Boletinatz, Nedschib und Draga verhetzen zu lassen. Obgleich die Regierung fest entschlossen ist. jede weitere Auflehnung gewaltsam zu unterdrücken, hofft sie dennoch, über eine militärische De- monftration nicht hinausgehen zu müssen. Der Walt von Janina bemüht sich unterdessen, die Bevölkerung des Bezirls Prcmeti zu beruhigen, indem er ihren Beschwerden hinsichtlich der Durchführung der letzten Wahlen, die unter dem Druck des jungtürkischen Komitees vor sich gegangen sind, Rechnung trägt. Ein Bombardement an der Küste der Cyrenaika. Benßhcisi, 28. Mai.(Meldung der Agenzia Stefani.p Der Kreuzer„Etruria" hat gestern Coeffia, den Ort, wo sich ge- wohnlich die feindlichen Beduinen versammeln, erfolgreich bom- bardiert. i* politifcbc öcberlicbt. Berlin, den 28. Mai 1912. Jnngliberale gegen die nationalliberalen Wahlrechts- feinde. Die in Köln erscheinenden„Jung liberalen Blätter" schließen einen Artikel über die Wahlrechts- debatte im preußischen Äbgeordnetenhause wie folgt: „ES fehlten aber der größte Teil vom Zentrum und der nationalliberalen Partei... Die Abgeordneten scheinen nichts davon zu wissen oder wissen zu wollen. daß da? preußische Volk eine Wahlreform haben will. Je länger die Wahlreform hinausgeschoben wird, um so radikaler wird sie ausfalle»; denn kommen wird sie, dafür sorgt schon die Stimmung im Lande." Der gute Dreiklafsenton. In der„Post" beschäftigt sich.der freikonservative Landtags- abgeordnete Landrat v. Kardorff mit dem Zentrumssturm in der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses, den er durch die Hervor« hebimg der Beamteneigenschast deS ZentrumSabgeordneten Marx erzeugte. Herr v. Kardorff gibt dem Zentrum den Borwurf mangelnder Wohlanständigteit zurück, indem er auf den„von der Zentrumspartei inszenierten minutenlangen Lärm und die gegen mich gerichteten ehrenbeleidigenden Zurufe,(die er- reulicher weise nur zum Teil Ausnahme im amt- lichen Bericht gefunden haben), als eine schwere Ver- letzung der parlamentarischen Würde" hinweist. Diese Feststellung grob ordnungswidrigen Vorgehens der ZentrumSpartei ist sehr wert- voll, denn da« Zentrum hat die Anwendung des gesetzwidrigen HauSlnechtsparagraphen gegen den Genossen Borchardt mit gebilligt. Roch wertvoller aber ist die Freude de« Herrn v. Kardorff über-- die Lückenhaftigkeit deS amtlichen Berichts, wenn sie ordnungsparteiliche" Sünden zudeckt. Der Freisinn in liberaler Beleuchtung. Der bürgerliche Demokrat v. G e r l a ch widmet in dem Wochenblatt„Das freie Wort" ben Taten des liberalen Bürgertums eine kritische Würdigung, der wir folgende Stelle entnehmen: „Die Durchberatung der Wehr vorlagen ist Herrn v. Bethmann leicht gemacht worden, wie nie einem seiner Borgänger zuvor eine Militärvorlage. Er brauchte sich nicht einmal in die Unkosten einer sachlichen Be- grllndung zu stürzen. Die Kritik der Fortschrittler beschränkte sich auf eine» scharfen Artikel Haußmanns und eine gute Rede Gotheins in der Kommission. Im Plenum hat weder hei der zweiten noch bei der dritten Lesung der Flottenvorlage auch nur ein einziger bürgerlicher Volksvertreter das Wort er- griffen I Und dabei handelte es sich um eine Vorlage, von der die„Preußischen Jahrbücher" de- freikonservativen Professors Hans Delbrück schrieben:„Wenn wir jetzt See- rüstungen vornehmen, werfen wir dasGeldinsWasse r." In Heeres- und Flotten fragen ist von dex Tradition Eugen Richters auch nicht der Schatten einer Erinnerung mehr übria ge- blieben. Jeder Unterschied zwischen Nationalliberaken und Fortschritllern ist ausgelöscht. Bedingungslos erfolgt die Annahme jeder Vorlage, die mit dem schönen Namen„nalional" zu schmücken schlechte Gewohnheit in-Demschland geworden ist. Nicht einmal an der alten und schier selb st ver- stand lichen Forderung der Opposition:„Keine Aus- gäbe ohne Deckungl" wird festgehalten. Mit Hurra werden die Hunderte vo» Millionen sür Heer und Flotte be- willigt, obwohl die reaktionäre Mehrheit— einschließlich der braven Nationalliberalen I— die lächerlich unzulängliche Branntweinsteuervorlage im agrarischen Interesse bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt hat. Die Sorge für weitere Deckung wird kommenden Zeiten überlassen— auch auf die Gefahr hin, daß die Regierung unter der Marke.Besitzsteuer" irgend einen agrarischen Wechselbalg produziert. Jedem Konflikt mit der Regierung wird aus dem Wege ge- gangen. Einem Bethmann gegenüber, der die preußische Wahlreform mit höhnenoer Nichtbeachtung be- handelt, ist man von zarte st er Rücksicht. Ruhig, als wäre nichts vorgekommen, bewilligt ihm der gesamte L i b e- r a l i s m u s iem Gehalt, nachdem er eben die verfassungs- widrigen Worte des Kaisers unter seinen Schutz genommen, nachdem er eben durch seinen Exodus gegen seine parlamentarischen Pflichten gröblich verstoßen hat." Herr v. Gerlach gilt zwar unserm Freisinn(oder wie er sich jetzt vorläufig wieder nennt: Fortschritt) als verhaßter Gegner, aber nur deshalb, weil er die freisinnige Politik mit dem Maßstab mißt, den die gefeiertsten Führer des Freisinns selbst seinerzeit geliefert haben I Bon der Demokratischen Bereinigurg. Der vierte Parteitag der norddeutschen Demokraten, der jetzt in den Pffngsttagen in Nürnberg stattfand, war zwar von etwa 100 Telegierten besucht. Dieser verhältnismäßig starke Besuch konnte aber das Fiaslo nicht verdecken, das die junge Parteigründung erlitten hat. Der Zulauf der Massen aus der bürgerliche» Opposition ist ausgeblieben, und der Berichterstatter konnte nur wieder die gewiß nicht erfreuliche Tatsache konstatieren. daß die letzten Rcichstagswahlen ganze 201-14 Stimmen aus die Demokratische Partei vereinigt hatten. Man tröstete sich zwar mit der etwas kühnen Behauptung, daß in acht Wahlkreisen die Demo- tratische Vereinigung niit ihren Stimmen in der Stichwahl den Ausschlag gegen die reaktionären Parteien herbeigefuhrtchabe; aber wollte man so grausam sein, diese Behauptung auf ihre Stichhaltig- keit hin zu prüfe», so mühte wahrscheinlich auch davon noch� ein gut Teil abgestrichen werden. Was Wunder, daß sich bald nach der Wahl ein starker Pessimismus und eine erhebliche Fahnenflucht zeigte, und daß sogar, �wie der Berichterstatter Dr. Glaser- Schöneberg besonders unterstrich, der„Kapitän". Dr. Breit- I�he.i d„ als erster: das Schjjß verlasse« Habs- o ' Trotzdeu» wurde von allen Rednern auf dem- jetzigen Partei- tag versühert, die Dcuwtratischa Bereinigung habe ihre Existenz- beicchtiguag.-und ihre Auenchlgni-.für-div--Zukmft behalten.--Dje Demokratische Partei sei nicht überflüssig geworden, denn die-Fort- schrittliche Polkspartei habe sich auch nach dem Wahlen nicht weiter nach links entwickelt, in wichtigen Fragen stünden die Programm- forderungeu der Demokratischen Pereinigung nach wie vor im schroffen Gegensatz zu der Haltung der Forisch-rittlichen Polkspartei. Wenn die Demokratische Vereinigung jetzt ihre Tätigkeit einstellen wolle, so sei daS eine Sünde am politischen Leben der Nation. Die durch die gahneifflucht entstandenen Lücken seien auch größtenteils wieder» ausgefüllt. Die Demokratische Vereinigung wird also als kleine und leider nicht einflußreiche Parteigruppe weiter bestehen, und sie wehrt sich auch sehr entschieden dagegen, nach links hin zu nahe an die Sozialdemokratie heranzukommen. Anträge von Magdeburg und Düsseldorf forderten, daß die Grenzlinien zur Sozialdemokratie stärker» betont werden möchten, v. G e r l a ch schlug vor. beide An- träge durch folgende motivierte Tagesordnung zu erledigen: Mit Rücksicht daraus, daß die Demokratische Vereinigung entschlossen ist. ihre volle Unabhängigkeit nicht bloß nach rechts, sondern auch nach links zu wahren, beschließt der Parteitag: Uebergang zur Tagesordnung. Der Vorschlag Gerlachs wurde akzeptiert. Der Parteitag bestellte die Herreu v. Ger lach und Oberst a. D. Gädke zu Vorsitzenden der Demokratischen Ver- einigung._ Merkwürdiges Interesse der Ztriminalpolizei. Der in politischer Richtung Absolut unverdächtige„Verband der Fachpresse Deutschlands E. V." hat sich letzthin mit einer eigenartigen Angelegenheit zu beschäftigen gehabt. DaS Verbandsorgan„Presse, Buch, Papier" berichtet darüber: Der Vorstand hatte sich an daS hiesige(Berliner) Polizei- Präsidium im Interesse eines Mitgliedes beschwerdeführend gewandt, weil auf die Denunziation eines Schriftstellers Dr. Grimshaw-Dresden hin kriminalpolizeiliche Recherche» über den Verbleib eines angeblich an den betreffenden Verlag unver- langt gesandten Manuskripts stattgesunden hatten. Das Polizeipräsidium erklärte, daß das Vorgehen des Kriminalpolizei- beamten durchaus gesetzmäßig sei. Die Versammlung be- kündete einmütig ihren Unwillen, daß ein Fachzeitschriftenverlag wegen eines— vielleicht a»f postalischem Wege— abhanden gekommenen, unverlangt gelieferten Manuskriptes kriminalpolitischen Recherchen ausgesetzt wird. Die Grenze, deren Sicherung im Interesse der Presse liegt, erscheine weit überschritten, da sonst lescht solche Dennnziationen zum Ausgangspunkte für polizeiliche Ermittelungen gemacht werden könnten, die auf einem ganz anderen Gebiete liegen. Die Angelegenheit wird den Vorstand noch weiter beschäftigen, nachdem die Unter- lagen dafür gegeben find. Jeder Schrislsteller. der einem Verlag unverlangte Manuskripte schickt, weiß ganz genau, daß das aus sein eigenes Risiko gehl und daß kein Verlag die Verpflichtung zur Rückgabe übernimmt. Merk- würdig ist sowohl die Anzeige des SchriflstellerS, als das Vorgehen der Polizei, die wohl kaum jeder Verlustanzeige durch kriminal- polizeiliche Ermittelungen nachgehen wird. Hat sie sonst nicht? zu tun?_ Der Streit im Zentrum. Pie Wochenschrift des Grafen Oppersdorfs„Wahrheit und Klarheit" befaßt sich mit den Vorgängen bei der ReichStagSersatzwahl in dem bisherigen Wahlkreise RoerenS. In Uebereinstimmung mit der„Germania" setzt daS Blatt die Sonderkai, didatur des Bergmanns Stauch aus das Konto der christlichen Gewerk- s ch a f t e ii. Schon bor einiger Zeit habe ein Ge- werffchaftSsekretär erklärt: wenn die Kandidatur Sauermann zustande komme, brauche die ZentrumSpartei deS Wahlkreises keinen Pfennig zu den Wahl Unkosten beiz u trag e die Stimmzettel würden von Saarbrücken aus geliefert, die Wahllosten von Köln aus bestritten. Der Artikel fügt hinzu: »In Saarbrücken ist der Sitz der Gewerlschaftsleitung im «aartebler, in Köln bat Gennalseiretariat der Gewerkschaften/' Auch gegenüber der Kandidatur Stauch habe der gleiche Gewerlschafts- jefretär erklärt, daß Geld genug zur Bersügung stehe. Auch hier deutet der Artikel an, baß das Geld aus den Kassen der angeblich.neutralen" christlichen Gewerk- s ch a f t e n stamme. Der Artikel des Oppersdorffschen Blattes meint zum Schlud. die christlichen Gewerkschaften dürsten sich im Gegensatz zu denen,.die daS Zentrum auf katholische Grundsätze festlegen wollen", gestatten; denn.die christliche» Gewerkschaften sind ja die Elite des Zentrums. Wer sich gegen fie wendet, der muß als Nörgler hinaus aus dem Turm. Wer Julius zum Freunde hat. darf sich eben alles erlauben." Eigentlich stehen die Oppersdorffleute doch mit Herrn Justizrat Dr. Julius Bachem nicht so, dah sie ihn nur noch beim Bor- namen nennen. DaS.Katholische Deutschland" berichtet z. B.. dag Dr. Julius Bachem kürzlich.«ine oder zwei Geheim- konserenzen mit dem Reichskanzler" gehabt habe; dann schreibt daS Blatt weiter: „Ob er sich dafür bedankte, daß sein Sohn(I) RegierungS- referendar wurde, oder ob er andere wichtige Dinge zu de- sprechen hatte, ist nicht bekannt geworden. Das aber ist bekannt, dag die Regierung die Richtung Bachem„bevorzugt". Es kann in der Tat nicht geleugnet werden, dag Verwandte und Barschwägerte der Zentrumsführer Bachemscher Richtung an- dauernd enormes„Glück" in der Karriere haben. Es ist nur un- gewöhnlich, datz ihren das von ihnen eigenen Glaubensgenossen vorgehalten wird. Registriert zu werden verdient auch noch eine Stelle aus einem Artikel der gleichen Nummer des„Katholischen Deutschland"(Nr. 14 vom Lü. Mai), der sich mit dem christlichen Gewerkschastssekretär Pieffer sGlatzj befaßt. Dieser soll die katholischen Feiertage haben ausschalten wollen. Dazu schreibt der Verfasser im.Katholischen Deutschland": „DaS übersteigt alles bis jetzt Dagewesene, und man hat den Beweis, daß katholische Gewerkschaften zu einer immer dringenderen Notwendigkeit werden. Es ist ein Zeichen von nicht qualifizierbarcr Erbärmlichkeit der Gesinnung, wenn die Christ- lichen in solcher Weise ihre schmutzigen Waffen führen. Und diese Leute besitzen noch die schamlose Stirn» zu behaupten, sie wären auch katholisch..." Dieser Ton ist ja in den Auseinandersetzungen der beiden katholischen Richtungen nicht neu. Dennoch entrüstet sich die Zentrums- presse immer noch, wenn einmal anderen Leuten in gerechter Em- pöruug daS Temperament durchgeht. Anarchistenkongretz. In den Pfingsttagen wurde im Berliner GewerkschastShauS ein Kongreß der anarchistischen Föderation Deutschlands abgehalten. Es ivurde beschlossen. Schritte zu tun zwecks Neuerrichtung des Internationalen Bureaus. Die Geschästskommiision der Anarchistischen Föderation DeutsckilandS wurde ferner beauftragt, sich mit den angeschlossenen Gruppen wegen Herausgabe eines anti- militaristischen Flugblattes und der Einberufung eines jnternatio- nalen Anarchistenkongresses in Berbindung zu setzen. Die angeregte Gründung von besondere» anarchistischen Frauenvereinen wurde ab- gelehnt. Die Beratung deS Antrages:„Der Kongreß möge die «lellungnahme der Anarchisten im Falle eineS Krieges präzisieren", wurde abgelehnt. Zum Geschäftsleiter der Föderation wurde Rudolf Oestreich ge- mählt, der nach Berbüßung seiner 4'/« jährigen Freiheitsstrafe kürz. trich erst in die Reihen feiner Gesinltnngsgenoffen zurückkehrte. .nxr.-''■—.-V'' franltrdcb. An der Mauer der FSderierten. Paris, 26. Mai.(Eig. Ber.) Die diesjährige Mai- demonstration auf dem Pere Lachaife hatte mit den Lockungen des herrlichen Pfingsttages und mit den Freikonzerten eines internationalen musikalischen Weltkonzerts zn rechnen. Sie ist trotzdem sehr imposant ausgefallen. Die Zahl der Teilnehmer betrug etwa 15(XX). Das äußere Bild war das gewohnte— die unnützen Polizeimanöver inbegriffen. Auch diesmal wurde Genosse V a i l l a n t verhindert, an der Mauer zu reden. Minister kommen und gehen— die Löpinesche Diktatur bleibt. Snglanck. Der Transportarbeiterstreik. London, 28. Mai. Die Lage auf den Docks ist un- verändert. Taufende von Kisten mit Aepfeln. Bananen. Drangen und Kartoffeln können infolge des Ausstandes der Transportarbeiter nicht abgeliefert werden und verkommen. Eine besondere Polizei macht auf den Docks die Runde, wo- riiber die Ausständigen unwillig sind. Das Geschäft auf dem Aleischmarkt in S mi t h f i e l d ist fast normal. Es besteht keiiw Schwierigkeit, das Fleisch in der ganzen Hauptstadt zu verteilen. Gefrorenes Rindfleisch ist im Preise gestiegen, Hammel-, Schweine- und frisches Fleisch ist im Preise unver- ändert geblieben. Ausbreitung des Streiks. London. 28. Mai. Das Londoner Streikkomitee hat sich an die Gewerkschaftin der anderen Häfen ge- wandt, um das Löschen von Schiffen, die aus dem Londoner Hasen kommen, zu verhindern. Derselbe Appell ist an den Internationalen Transporta rbeiterver- band ergangen. Ferner hat das Streikkoinitee ein Manifest erlassen, das alle Transportarbeiter zum Streik ausfordert und gegen die Verwendung von Polizei und Militär zum „Schutze der Arbeitgeber" protestiert. Die Polizei hat strengen Befehl erhalten, die Beförderung von Lebensmitteln vom Hafen sicherzustellen und jeden Einschüchterungsversuch von Arbeitswilligen zu verhindern. Ueber die Streikposten wurde angeordnet, daß immer nur ein einzelner sich an die Arbeiter wenden dürfe, und auch nur dann, wenn diese damit einver- standen sind. Jeder, der ein Pferd anhält oder einen Fuhr- mann belästigt, soll sofort verhaftet werden. Eine Kundmachung der Streikleitung. London, 25. Mpi. Nach einer Beratung des Streikkomitees ver- öffentlichte heute der Leiter desselben, Ben T i l l e t, eine Be- kanntmachung, in der erklärt wird, daß das Streikkomitee einen Nachrichtendienst und die Organisation eines all, gemeinen Streiks eingerichtet habe, das Ergebnis der im Ministerium des Innern stattfindenden Konferenz jedoch abgewartet werden solle. Das Komitee protestiert dann dagegen, daß die Be- Hörden im Einverständnis mit dem Schiffahrtsverband gegen die Transportarbeiter vorgehen und fügt hinzu, der Exekutivausschutz habe beschlossen, daß die Seeleute, Heizer. Kranarbeiter. Maschi- nisten, Stauer, Dock- und Hafenarbeiter, die Arbeiter in den Lager- Häusern, alle Bootsleute und Auslader sofort die Arbeit niederlegen sollen. Streikfolgeu. London, 27. Mai. Die großen AuSflugdampfer auf der Themse tonnten nicht ausfahren, da es an Matrosen und Heizern fehlt. Viele Fabriken an der Themse mußten schließen, weil die Leichterschiffe keine Waren transportierten. Alles deutet darauf hin, daß der neue Streik 14 Tage, wenn nicht einen Monat dauern wird. Außerdem besteht die Gefahr eines nationalen Ausstandes. Die Streikenden find gut organisiert und alle Docks und Warendepots werden von ihnen stark überwacht. Zwischenfälle. i London, 28. Mai. Heute nachmittag kam es bei den Docks zu einigen Ruhestörungen. Die Streikenden bemühten sich, die Lastwagen aufzuhalten und verfolgten die Fuhrleute mit Schmährufen. Herbeieilende Schutzleute nahmen zwölf Ver- Haftungen vor. Die Bermittelung der Regierung. London, 28. Mai.(W. T. B.) Die Regierung hat eine Konfe- renz aller Parteien im Dockarbeiterstreil auf den 31. d. M. einberufen, Schweden. Der republikanische Antrag. Ter Konstitutionsausschuß des schwedischen Reichstags hatte, ohne eine Begründung für notwendig zu erachten, vorgeschlagen, den Antrag Lindhagens auf Einführung der republikanischen Staatsform einfach abzulehnen. Die sozialdemokratischen Aus- schutzmitglieder Branting, Wavrinsky, Vittor L a r s s o n und Waiden empfahlen auch Ablehnung des /Antrages, jedoch mit einer längeren Begründung, in der gesagt wird, daß ein solches Problem wie dieses auf einem Reichstage nicht als abstrakter Diskussionsstoff vorgeführt werden sollte, und nicht zu beliebiger Zeit, sondern vielmehr dann, wenn die innere Logik der Ereignisse die nötigen Grundlagen dafür böten, daß die Einführung der Republik zu einer ernsten politischen Aktion werde. Obwohl selbst Republikaner, könne man bei der zu bedauernden Art. wie diq Frage aufgerollt wurde, nichts anderes vorschlagen, als daß der Antrag dem Reichstage zu leinen weiteren Mahnahmen Per- anlassung geben solle. Am Freitag hatte der Reichstag über den Antrag zu ent- scheiden. In der Zweiten Kammer bemerkte Lindhagen zu seinem Antrage unter anderem, daß die Meinungsverschiedenheit in der sozialdemokratischen Fraktion hauptsächlich darauf beruhe, daß Branting und seine Gruppe von der materialistischen Geschichtsauffassung ausgingen und abwarten wollten, bis die Zeit reif sei, während er der Meinung sei, daß man auch auf die Ge- dankenwelt der Menschen einwirken sollte, um diese Reife herbei- zuführen.— Ter Antrag wurde dann nach kurzer Debatte mit 118 gegen 12 Stimmen abgelehnt.— In der Ersten Kammer hielt man eine Diskussion und eine formelle Abstimmung überhaupt nicht für erforderlich. RnßUnd. Die Streikwelle in Petersburg. Wie vorauszusehen war. nimmt die Streikbewegung in Petersburg wie im ganzen Reiche einen immer größeren Um- fang an. Außer den Arbeitern in den städtischen Trambahn- Wagenparks streiken die Arbeiter in zahlreichen Betrieben, während sie in einer Reihe anderer bereits einen teilweise!! oder vollständigen Sieg davongetragen haben, � Fast durchweg ist bei allen in den letzte» zwei Wochen staftgesundenen Ausständen die Forderung ausgestellt worden, die Strafen wegen der Abhaltung der Maifeier aufzuheben. Eine Ver- sammlung, die am 26. Mai hinter der Moskauer Pforte unter freiem Himmel stattfand und au welcher über 3666 Arbeiter teilnahmen, beschloß, die Streiks so lange fortzusetzen, bis die Strafen wegen der Maifeier aufgehoben würden. Es wurde beschlossen, während der Dauer des Ausstandes keine Spiri- tuosen zu genießen. Ferner wurden Resolutionen über den Achtstundentag und die Freiheit der Versammlungen, der Ver- eine und der Streiks angenommen, die an die Reichshuma ge- sandt wurden. Gleichlautende Beschlüsse sind in einer großen Reihe von Betrieben angenommen worden. Ungeachtet des Mangels einer leitenden Organisation werden die jetzt einge- leiteten Kämpfe mit erstaunlicher Geschlossenheit und Dis- ziplin durchgeführt. In einigen Betrieben sind bereits Samm- lungen für die Streikenden veranstaltet worden. Die Polizei versucht, durch zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen in die Reihen der Streikenden Verwirrung hineinzutragen. Es sind bereits Hunderte von Arbeitern verhaftet worden, namentlich diejenigen, die sich durch ihre Tätigkeit in den legalen Arbeitervereinen„verdächtig" gemacht haben. In- dessen steht die Polizei der mächtigen Welle der Massenbewe- gung machtlos gegenüber. Sie sieht sich sogar gezwungen, Massenversammlungen der Arbeiter unter freiem Himmel, die ohne Genehmigung stattfinden, zuzulassen. So fand am 22. Mai hinter der Moskauer Pforte ein Arbeitermeeting statt, an welchem 5666 Arbeiter und Arbeiterinnen teilnahmen. Am 24. Mai kam es sogar zu einer kleinen Demonstration von 466 Arbeitern, die nach einer Versammlung im Hafen zu einem Gefängnis zogen, um gegen die fortwährenden Verhaftungen zu protestieren._ Die Untersuchung der Slrbeitermetzelei. Petersburg, 28. Mai. Das mit der Untersuchung der Bor- gänge in den L e n a b e rg w e r k e n beauftragte Mitglied des Reichsrats M a n u ch i n erhielt weitgehende Vollmachten. So ist Manuchin unter anderem ermächtigt. Beamte bis zum Range eines Wirklichen Staatsrats, deren Schuld an den Vorgängen erwiesen wird, des Amtes zu ersetzen, ein Gerichtsverfahren gegen sie einleiten zu lassen und alle Krön- sowie Privateinrichtungen zu revidieren, die mit der Goldindustrie in Beziehung stehen, Marohho. Angriffe auf Fez. Fez, 26. Mai. Feindliche Streitkräfte unternahmen heute nach einen kombinierten Angriff gegen drei Punkte der Stadt. Im Norden auf Bordi. im Osten auf das Fort Tandert und im Süden aus das zwei Kilonieter entfernte Dar-ben-Amar. Eine feindliche Abteilung versuchte, in der Absicht, in die Stadt einzudringen, die Mauern des Forts Tandert zu zer- stören. Hier war das Gewehrfeuer sehr heftig. Eine Ab- teilung Schützen verstärkte die einheimische Wachtmannschast; daS feindliche Feuer verlor darauf an Heftigkeit. Im Bordi im Norden wurde gegen Mitternacht auf das Gewehrfeuer mit einigen Kanonenschüssen geantwortet. Der Kommandeur von Dar-ben-Amar. Feilert, leitete das Gewehr- und Geschützfeuer. DaS feindliche Feuer dauerte bis gegen 4 Uhr. Bei Tages- anbruch flüchtete der Feind, jedoch war die Ruhe nur von kurzer Dauer. Gegen 6 Uhr morgens setzte das Gewehr- und Kanonenfeuer von neuem intensiv ein; es dauerte etwa zwei Stunden. Eine Kompagnie der Fremdenlegion rückte vor mit dem Auftrage, die Angreifer zu umzingeln, von denen eine kleine Anzahl an einzelnen unbewachten Punkten in die Stadt ein- gedrungen war. Auf feiten der Franzogen sind einige Soldaten verwundet worden. Um 11 Uhr vormittags wurde die feind- liche Harka von den Truppen über den Sebuflutz zurück- geworfen. Paris, 27. Mai.(Meldung der Agence Havas.) Nach einem Telegramm aus Fez hatte das Geschützfeuer, das seit 8'/, Uhr morgens sehr lebhaft war, mittags aufgehört. Artillerie zerstreute und verfolgte die Feinde, die in die Stadt eingedrungen waren. Auf ftanzösischer Seite sind e i n Offizier getötet und etwa dreißig Soldaten getötet oder verwundet worden; die Verluste des Feindes sind beträchtlich. In der Stadt herrscht wieder Ruhe. Die Haltung Mulay Hafids. Paris, 28. Mai. Nach einer offiziösen Mitteilung dürfte Mulay Hafid, der von seinen Abdankungsabsichten nicht abzubringen ist, von der französischen Regierung ersucht werden, seine geplante Reife nach Rabat zu verschieben, da man befürchtet, daß seine Reise auf die Stämme einen nach- teiligen Eindruck ausüben könnte und überdies die zu seiner Begleitung erforderlichen Truppen gegenwärtig für die Ver- teidigung von Fez unentbehrlich sind. ' Kämpfe im Mulujagebiete. Paris, 27. Mai.(Meldung der Agence Havas.) Um den falschen Gerüchten über die Lage im marokanischen Grenzgebiet den Boden zu nehmen, teilt das Kriegs- ministeriunl Telegramme des Generals Wx aus Guercif vom 26. Mai mit. Danach befand sich der General mit vier Bataillonen Kavallerie und Artillerie bei Saf Gafat, der Hauptübergangsstelle über den Ued Melellu, um die Hauara- truppsvonderHarkaderBeniUarain zu trennen. Mehrere hundert Hauaras versuchten, den Uebergang der Kolonne zu hindern, wurden aber zurückgeworfen und zerstreut. Nach einem hefttgen Kampf voll drei Stunden konnte die Kolonne nach Erreichung ihres Zieles ohne weiteren Zwischenfall nach Guercif zurückkehren. Die Verluste der Hauara sind nicht be- kannt, auf französischer Seite wurden zwei Mann getötet und zehn, darunter ein Leutnant, verwundet. Auch im Schaujagebiet gärt eS. Paris, 28. Mai. Wie aus Casablanca gemeldet wird, machen sich in der Gegend von Alt-Khalifa, wo der Volksstamm der Zaer wohnt, lebhafte Unruhen bemerkbar. Eine Abteilung der Zemmurs hat am 25. Mai bei Suk el Abra eine Rinderherde gestohlen. Der größte Teil der Diebe wurde von den verfolgenden Soldaten erschossen. Gemeinsames Vorgehen der marokkanischen Stämme. Madrid, 28. Mai. Aus Melilla wird amtlich ge- meldet: Briefe, die von Stämmen aus der Umgegend von Fez an die Harka vor Melilla gelangt sind, fordern die Risfleute auf. den Kampf gegen die Spanier fortzusetzen und deren Stellungen anzugreifen, da das ganze Reich sich gegen die Christen erhoben habe. Der Generalkapitän führt diese Briefe auf die Erregung zurück, die unter der durch Konttngente aus dem Innern verstärkten Harka bemerkt worden sei. ...-■ FranzSfische Btrstärkunge«. Paris, 28. Mai. Auf die Bitte Lyauteys werden neue VerftSrküngen, bestehend aus Kolonialinfanterie, Schützen, Spahis und Gebirgsartillerie nach Marokko entsandt werden, so daß der Effekttvbestand der dortigen Truppen sich auf 47666 Mann erhöht. Roch einmal die Farm Reuschhausen. Köln, 28. Mai. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Wie wir hören, trifft es nicht zu, daß der Freilassung der marokkanischen Feldarbeiter auf der Reuschhausenschen Farm die Zahlung eines Lösegeldes vorausging. China. Aenßerungen des Nationalgefühls. Hankan, 27. Mai.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) In einer von über 3666 Personen be- suchten Versammlung wurde gegen die Einmischung des Auslandes in die Finanz angelegenheiten Chinas Einspruch erhoben. Hier wurde eine Gesellschaft zur Rettung des chinesischen Volkes gegründet und eine patriotische Sammlung zur Besserung der Finanzlage des Landes eröffnet. In Wutschangfu wächst die Gärung besonders unter den Soldaten. Ein Tagesbefehl des dorttgen Gens- rals mahnt das Militär, treu und ergeben zu sein. EHinesische Truppensevdnngen nach Tibet. Peking, 27. Mai. In Tibet ist eS neuerdings wieder zu Kämpfen zwischen Tibetanern und Chinesen gekommen, in denen die Tibetaner Sieger blieben. Die chinesische Regierung erteilte einer starken Abteilung Militär den Befehl. sofort in Eilmärschen nach Lhassa abzugehen. Amerika. Die Lage auf Kuba. New Kerl, L7. Mal. Nach einer Depesche aus Havana hat Präsident G o m e z gestern' an de» Präsidenten Taft ein Telegramm zerichtet, in dem er in freundschaftlichem, aber festem Tone gegen as Eingreifen der Bereinigten Staaten protestiert. Nach Meldungen aus Santiago ist die Lage in der Provinz Oriente an- dauernd beunruhigend. Bei Parral ist es zu einem Zusammen» stoß zwischen Truppen und Rufständischen gekommen; die Auf» ständischen hatten dabei zahlreiche Tote und Verwundete. Nach einem Gerücht soll sich der Führer der Aufständischen, Sstenoz,'zum Prä« sidenten der nutn Republik auSaerufen haben. Präsident Taft hat an Gomez ein Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, er werde in die Ereignisse auf Kuba nicht ein» greifen._ Hub der Partei. poUzeUicbtSi Gerichtliches ulvv. Preußisch-deutsche Gerechtigkeit.. Bor einiger Zeit hat in Aachen der Fabrikant LoK der ecken, bei dem die Former im Streik stehen, einen völlig nbeteiltgten ohne jeden Anlaß totgeschossen. Mit seinen Streikbrechern hatte der Unternehmer vorher Schieß» Übungen veranstaltet.— Die Tat von der Heckens soll jetzt ihre Sühne finden, und zwar in d e r Weise, daß die Staatsanwaltschaft gegen den verantwortlichen Redakteur der„Rhei. nrschen Zeitung" in Köln und gegen die Herausgeber des für den Erschossenen gedruckten Totenzettels das Verfahren wegen Beleidigung von der Hackens eingeleitet hat� GcwcrkrchaftUcbca. Das.Kapital ift beilig l Es ist heilig, auch wenn sein Weg über Leichen führt. Kummer und Elend. Haß und Erbitterung sein Gefolge bilden. Aber dreimal heilig ist das Kapital, wenn es katholisch ist, Kirchen baut und fromme Stiftungen macht. Das trat in diesen Tagen, wo der katholische Industrie- gewaltige August Thyssen seinen 70. Geburtstag feierte, wieder einmal kraß in die Erscheinung. Gewiß, die uner- schrockenen Kämpfer für„Wahrheit. Freiheit und Recht" ziehen vor der Majestät des Kapitals immer und überall den Hut, daß sie aber wie hier, so ausgesprochen lobhudeln, hat seine besonderen Ursachen. Herr Thyssen hat Kirchen gebaut. „Allein an Kirchenbauten machte er in die Millionen gehende Aufwendungen, so noch in den letzten Wochen 40 000 M. für eine neue Kirche in Hamborn, nachdem er dort schon eine Reihe von Kirchenbauten ermöglicht hat." So schreibt ganz begeistert die Zentrumspresse. Das Korrelat hierzu ist die Stelle aus der Rede Stegerwalds im„Fränkischen Hof" zu Köln am 2. März d. I.: „In wenigen Jahren haben sich in dem Bezirk eine Anzahl Arbeiterdörfer gebildet: es mutzten Kirchen gebaut und Psarrstellen geschaffen werden, auch die In- dustriellen haben dabei mitgewirkt. Jetzt sieht es in den betreffenden Dörfern so aus: Fördert die Geistlichkeit die christliche Arbeiterbewegung direkt oder indirekt, so drohen die Fabrikanten mit Entziehung der Zuschüsse für kirchliche Zwecke. Ueberlätzt dahingegen die Geistlichkeit die in sozialer Hinsicht un- geschulten Arbeiter ihrem Schicksal, so sind diese in ganz kurzer Zeit der Sozialdemokratie überantwortet." Da haben wir die Ursachen, warum T h y ssen Ki r ch e n baut und der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter an seinen Klassen- genossen zum Judas wurde. Diese beiden Gegen- Überstellungen dokumentieren die soziale Ohnmacht der Kirche geradezu handgreiflich. Herr Thyssen würde höchstwahrschein- lich auch nicht einen Pfifferling für Kirchenbauten hergegeben haben, wenn die Geistlichkeit für das freie Koalitionsrecht der Arbeiter, für ausköninilichen Lohn und gerechte BeHand- lung eingetreten wäre. Die Kirche aber konnte nicht, selbst wenn sie gewollt hätte. Wer hätte in diesem Falle ihre Gotteshäuser gebaut? Die Arbeiter in Thyssens Reich waren dazu nicht imstande, denn sie kamen ja zum allergrößten Teil aus Gegenden, wo die„soziale Tätigkeit" der Kirche das arbeitende Volk noch nicht vom Bettelstab befreit hat. Würde die Kirche aber ihre„Seelsorge" etwas einschränken, d. h. würde sie nicht in so ausgedehntem Maße das Land mit Kaplänen überschwemmen, dann tritt eben ein, was Adam Stegerwald sagt: Die Macht der Kirche geht flöten. Darum ist das Kapital heilig. Mag Not und Elend riesengroß wachsen, mag die soziale Not des Volkes Erscheinungen zeitigen, die das Leben der Nation gefährden, der Kapitalismus ist heilig. Wäre August Thyssen Bergmann und hätte sich am letzten Bergarbeiterstreik beteiligt, um für sich und seine Familie den kargen Lebensunterhalt zu verbessern, das Zentrum hätte ihn unweigerlich verdammt und dem Staatsanwalt denunziert. Und hätte er sich den Bissen Brot vom Munde abgespart, um sein Scherflein zum Bau des Gotteshauses beitragen zu Wunen, es hätte ihn vor diesem«fwl nicht bewahrt -■ Weil Thyssen aber Bergwerks b e s i tz e r ist und unendlich viel mehr Reichtümer angesammelt hat, als er jemals mit den Seinen zumLebensunterhalt benotigt, ist er geehrt und angesehen. Doppelt hoch aber wird es ihm angerechnet, daß er von seinen überflüssigen Millionen Kirchen und Wohltätigkeits anstalten gebaut hat. Daß diese Millionen aus dem Schweiß und Blut Zehntausender Arbeiter gemünzt sind, die für ihre Arbeit kaum so viel bekommen, um das nackte Leben zu fristen, daß Tausende und Abertausende von Toten und Krüppeln Leben und Gesundheit gelassen haben, weil für Schutzeinrichtungen kein Geld da war, was kümmert es die Kirche? Und wenn der Jndustrieherr, der für Wohltätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen Millionen gibt, durch neue Unter nehmungen wieder neues Elend schafft, er bleibt der Freund der Kirche. Der katholische Arbeiter aber, der sich mit seinen Klassengenossen zusammenschließt, um von August Thyssen und Konsorten eine menschenwürdige Existenz und menschenwürdige Behandlung zu erlangen, ist ein Feind der Kirche I Grauenhaft ist die Verwüstung, die der Kapitalismus am Leben des Volkes verübt hat. Er zertrümmerte die„christ liche" Familie, indem er die Mutter zwang, durch Erwerbs arbeit den kargen Verdienst des Mannes zu erhöhen. Die Gefängnisse>nd Zwangserziehungsanstalten füllen sich mit den Unglücklichen, die, Dank der Profitgier des Kapitals, in der Gosse aufwuchsen. Landauf, landab ziehen die Kollektanten der katholischen � Charitas, um für Säuglingsheime und Volksheilanstalten zu betteln. Das arbeitende Volk selber ist nicht mehr imstande, der kommenden Gene ration die zum Leben nötige Kraft zu erhalten. Die Geburtenziffern gehen zurück. Die Militärtauglichkeit nimmt ab, furchtbares Unheil richtet der Alkohol am geistigen und sittlichen Gute des Volkes an. Die Nation steht an einem gähnenden Abgrunde. Alles das sieht die Kirche tagtäglich mit eigenen Augen, aber sie ist ohnmächtig, ihm Einhalt zu tun. Wenn aber das Volk in seiner Ver- zweiflung sich-ufrafft, um sich selbst zu helfen, tritt ihm die Kirche entgegen. Das Kapital ist heilig. Und doppelt heilig ist es, wenn es Gotteshäuser baut und Pfarrer besoldet!_• Berlin und klmgegend. Der Gipfel. Die„Cafötier-Zeitung"(Nr. 22) propagiert den Beitritt zu einem Jnteresseii-Verband. angeblich um die edle Zunft der Eafstiers vor den nach.Apachenmuster" betriebenen„Erpreffungen" des Gast- wirtSgehilfen-Berbandes entgegen zu arbeiten. Mit welchen zart- finnigen Mitteln das bewirkt werden soll, dafür wird gleich ein Muster angegeben. Ein stilisierender Gemütsmensch schreibt dort: „Wird erst das Publikum entsprechend aufgeklärt, datz die Kellner jetzt hier und da höheren Lohn erhalten, so wird dies auf daS Trinkgeldgeben keinen günstigen Einfluß haben. Das hat die Praxis schon gelehrt; so z. B. hat ein Wirt das Verfahren geübt. die Preise der Speisekarten zu erhöhen und durch entsprechenden Vermerk als Grund dafür die Erhöhung der Kellner- löhne angegeben. Den Effekt für das Kellnerpersonal kann man sich denken." Schön! Da fehlt nur noch, auf den Speisenkarten mitzuteilen, wie hoch der Lohn der Kellner in Wirklichkeit ist. In vielen Fällen würde dann ja noch ein Manko herauskommen. Ist es doch gerade bei den bescheidenen Eafötiers Usus, keinen oder nur ganz geringen Lohn zu zahlen, gleichzeitig aber von den Kellnern enorme Abgaben zu verlangen. Die empfohlene„Verzierung" der Preis- oder Speiienkarten, die einfach eine direkte Beschwindelung des Publikums darstellt, würde von den Gehilfen am zweckdienlichsten mit der Ver- Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantv.� öffentlichung bon Berechnungen über den„kleinen Profit' tit Eafstiers und Restanrateure beantwortet werden. Wenn dabei das Publikum auch manche Küchengeheimnisse erführe, so wäre daS für die Gentlemen-Unternehmer ja wohl gerade nicht angenehm, würde sich aber kaum verhindern lassen. Lohnbewegung der Friseurgehilfcn. In der Liste der Betriebe mit geregelten Lohnbedingungen, die am Sonnabend veröffentlicht wurde, ist noch nachzutragen: Ritte nbach. Strautzbergcr Straße 2ö, und B.u r d a ck, Emdener Straße 25. Beide Herren sind bei der Aufstellung der Liste übersehen worden. Ferner ersuchen wir, die neue Kontrollkarte zu beachten. Dieselbe ist weiß mit rotem Rand und ebensolchem Querstrich. Die Lohnkommission der Friseurgehilfen. Dcutlchcs Reich. Die Aussperrung in der hannoversche» Metallindustrie ist jetzt in der vom Verein der Metallindustriellen am 11. Mai beschlossenen Höhe von 60 Proz. der Arbeiterschaft durchgeführt worden. Infolge- dessen haben auch die übrigen Arbeiter auf den meisten Werken ge- maß den Beschlüssen ihrer Organisation die Arbeit niedergelegt, so datz fast vollständige Arbeitsruhe herrscht. Nur noch in einzelnen Werkstätten wird der Betrieb mit einer geringen Zahl von Arbeitern aufrechterhalten. Zum Streik der Straßenbahner in Königsberg ist zu berichten, daß am Freitag und Sonnabend Verhandlungen stattfanden, zu denen die Direktion den Streikenden folgendes Angebot unter- breitete: 1. Bei Wiederaufnahme der Arbeit sollen alle Straßen- bahner als neu eingestellt gelten; jedoch müßten sich alle dem Regierungspräsidenten vorstellen, und nur die von ihm bezeichneten Leute sollen eingestellt werden.(!!) 2. Nicht eingestellt würden alle diejenigen, die dem Gerichtsvollzieher nicht die Kleider abgeliefert haben und dafür keinen ausreichenden Grund angeben könnten. I. Diejenigen, die am Tage des Austritts Fahrscheinhefte und Geld nicht abgeliefert haben. 4. Alle besonderen, durch den Pachwertrag festgelegten Vergünstigungen(Ruhegehalt usw.) sollen in Weg- fall kommen.(!!!) 5. Nicht eingestellt soll werden, wer nachweislich Sicherungen entfernt, Beschädigungen verursacht oder Ar- beitswillige beschimpft hat.(!) 6. Die Neuaufgcnommenen sollen 2,75 M., diejenigen, die heute 3,10 M. Lohn haben, 3,20 M. erhalten. Doch gibt es die 10 Pf.„Zulage" erst nach einem Jahr.(!!) Bezüglich des Koalitionsrechtcs wurde erklärt, daß man es vielleicht in der alten Form bestehen lassen wolle, aber inner- halb des Dienstes dürfe kein Wort über die Organisation ge- sprochen, in der Dienstkleidung kein Wort der Agi- tation, kein Wort der Aufklärung fallen— bei schwerer Strafe und Dienstentlassung. Jever Mann müsse 200 M. Kaution, 50 M. für Kleidung und 50 M. für Hefte stellen. Die Organisation(mit der man nicht verhandelt und die man auch nicht als Vertretung der Angestellten anerkennt) soll 300 M. Kaution für jeden Mann zahlen als Garantie, daß er seine Pflicht erfülle!! Dann hat die Direktion noch zu verstehen gegeben, daß sie 100 Mann„ausmerzen" müsse. Falls sie siege, werde sie lauter junges Personal einstellen. Es ist ganz selbstverständlich, daß diese ..Friedensbedingungen" von den Streikenden mit Hohngelächter abgelehnt wurden. So etwas wagt man den Straßenbahnern zu en. Da aus Posen Arbeitswillige Dienst in Königsberg taten, so hatten die Posener Straßenbahner erklärt, sie würden die Arbeit niederlegen, falls nicht bis Sonntag die Arbeitswilligen zurück seien. Das hälf. S!ie Poseuer erhielten die Aufforderung, zurück- zukommen. Inzwischen werben überall die Straßenbahnvertval- tungen Personal für Königsberg am. Sie lassen es auch gleich ausbilden. Daher ist die' strengste Solidäriiät m allen Großstädten erforderlich. Der Streik der Kürschner in Wcißenfcls dauert jetzt die achte Woche. In der fünften Woche hatten die Unternehmer der Streik- leitung mitteilen lassen, daß sie zu Verhandlungen bereit seien, wenn von der Regelung der Arbeitsverhältmsse für die Hilfs- arbeiter, Arbeiterinnen und Lehrlinge Abstand genommen würde. Dies wurde von den Streikenden einstimmig abgelehnt. Um aber den Unternehmern entgegenzukommen, wurde ihnen unterm 21. Mai mitgeteilt, daß die Forderungen für die Hilfsarbeiter und Arbeite- rinnen anders formuliert worden seien. Darauf luden die Unter- nehmer zu einer Sitzung am Freitag, den 24. Mai, ein, die aber ohne die beiderseitigen Verbandsvorsitzenden stattfinden sollte. In dieser Sitzung verlangten die Unternehmer wiederum das Aus- schalten der Hilfsarbeiter, Arbeiterinnen und Lehrlinge. Da sich die Unternehmer auch weigerten, über die anderen Punkte zu verhandeln, wenn nicht die erwähnten Bedingungen gänzlich fallen gelassen würden, so verlief diese Sitzung resultatlos. Die Streikenden nahmen in einer stark besuchten Versammlung am Pfingstsonnabend wiederum Stellung zum Verlangen der Unter- nehmer, sie beschlossen aber einmütig, die Regelung der Hilfs- arbeiter-, Arbeiterinnen- und Lehrlingsfrage nicht fallen zu lassen. Bisher haben sich keinerlei Streikbrecher gefunden. Nach wie vor arbeiten die Unternehmer nur mit ihren Lehrlingen, und da sich das Fertigstelle» der Ware nicht mehr lange wird hinaus- schieben lassen, werden die Unternehmer von ihrem eigentümlichen Verlangen schon noch Abstand nehmen müssen. Sämtliche Tischlergesellen von Sensburg in Ostpreußen haben die Arbeit niedergelegt, weil die Meister sich weigerten, die Forde- rungen der Arbeiter anzuerkennen; auch lehnten sie alle Verhand- lungen mit den Verbandsvertretern ab. Im Jahre 1909 haben die Tischler bereits einen 26wöchent liche n Kampf geführt, der infolge des starken Zuzugs von Arbeitswilligen verloren ging. Jetzt ver- suchen die Unternehmer wiederum, durch große Versprechungen „christlich" gesinnte Arbeiter nach Sensburg zu locken. Zuzug ist streng zu meiden?_ Vom Hamburger Hasen. Die Erwartung, datz noch vor Pfingsten für alle in Frage kommenden Gruppen eine Neuregelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse durchgeführt werden würde, hat sich nicht erfüllt. Immerhin sind inzwischen wieder einige nicht unbedeutende Ver- änderungen eingetreten. Zunächst haben die Herren Reeder, die bekanntlich für die Hafenbetriebe mit den Arbeiterorganisationen verhandeln, für die Schiffahrt aber Verhandlungen ablehnen, eine Erhöhung des Ueberstundenlohnes um 19 Pf. vorgenommen, und zwar bei den in transatlantischer Fahrt tätigen Reedereien. Da anfangs bekannt gegeben war. datz die Erhöhung nur die Unter- offiziere. Matrosen, Leichtmatrosen und Jungen betreffe, ergaben sich bereits bei den Anmusterungen Schwierigkeiten, die nunmehr beseitigt sind, indem die Erhöhung auf Anregung der Organi- sationen nicht nur das Deck-, sondern auch das Maschinenpersonal trifft. Ferner will der Verein Hamburger Reeder durch eine Sachverständigenkommission Grundsätze für eine einheitliche Ueberstundenberechnung ausarbeiten lassen. Was damit bcab- sichtigt ist und wie das wirken wird, läßt sich noch nicht übersehen. Zeigen so die Reeder in einem Teile ein Entgegenkommen gegen die Wünsche der Seeleute, so ist von den übrigen Forderungen bisher nicht die Rede. Die Seeleute haben zu der Angelegenheit noch nicht Stellung genommen.— Beendet ist zum wesentlichsten Teile die Flußmaschinistenbewegung. Anfangs schien es. als ob der Streik unvermeidlich sei, die Kündigungen waren bereits ein- gereicht, als in letzter stunde der Verein der vereinigten Bugsier- Geschäftsinhaber von Hamburg-Altona von 1900, dessen Mitglieder )ie überwiegende Zahl der in Frage kommenden Arbeiter beschäf- tigen, einlenkte und in wesentlichen Punkten entgegenkam, so daß ein Tarifvertrag zustande kam, der auch mit dem Transport- arb-ff�beMMe scäv'e fu« in« 7ff KieM SkKMfiSkÄ S&föMIfMI abgeschlossen werden wird. Es stehen dann nur noch wenige Bai triebe aus. die nicht von besonderer Bedeutung find und sich jede« falls dem Vorgehen der maßgebenden Firmen anschließen werde», Der Vertrag sieht zum Teil erhebliche materielle Verbesserungen vor. Der Wochenlohn beträgt 38 Mk., bei Baggerarbeiten, soweit nicht die Dampfer im Hamburg-Alwnaer Hafen anlegen, 42 Mk� bei Fahrten auf der Unterelbe 50 M?., ebenso sind die Sätze füv Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit usw. nicht unbedeutend aufgebessert, so daß im allgemeinen die Maschinisten mit dem Er-, folg der ersten größeren Bewegung, die sie im Hafen geschlossen! durchführten— ein großer Teil ist erst kürzlich aus Lokalvereinen! zum Zentralverbande übergetreten— wohl zufrieden sein können- — Nicht zustande gekommen ist leider der für die Schiffs- und Kessclreiniger vorgesehene Tarifvertrag. Obwohl er namentlich für die Kesselreiniger eine wesentliche Lohnerhöhung vorsah, bot er auf der anderen Seite nicht das, was die Arbeiter billig bean- spruchen zu können glaubten. Da die Unternehmer zu einem weiteren Entgegenkommen nicht zu bewegen waren, lehnten die Arbeiter den Tarif ab. Ihre hauptsächlichsten Einwände sollen den Unternehmern unterbreitet werden. Es bleibt abzuwarten, ob diess den größeren Wünschen Rechnung tragen werden. Anderenfalls wird der ursprünglich von dem Hafenbetriebsverein vorgeschlagene Tarif von diesem autonom, aber ohne die vorgesehenen Staffe- lungen, in Kraft gesetzt werden, der für die Arbeiter unter 18 Jahren 4,20 M. Tagelohn vorsieht und eine Verbesserung der Ueberstundensätze und Extralöhne bringt.— Von dieser Gruppe abgesehen, stehen nunmehr noch die Speditionsarbeiter und die Kaiarbeiter aus, für die in der Woche nach Pfingsten die Eni- scheidung fallen dürfte. ZZusland. Arbeitswillige nach dem Londoner Hafen gesucht! Aus London wird depeschiert: Die Unternehmer haben jetzt Agenten nach den Hafenstädten des Kontinents entsandt, um Streik» brecher für den Londoner Hafen anzuwerben. Die deutschen Arbeiter werden ersucht, solche Angebote ab» zulehnenl_ Ei»?»mfangreicher Streik der Eisenbahner ist in S p a n i e n ausgebrochen. Namentlich Andalusien ist davon hart betroffen. Auch in Eordoba und Sevilla gewinnt die Be< wegung an Ausdehnung. Die meisten Züge werden von Ingenieuren und Bahnhofsvorstehern geleitet; nur Eilzüge gehen ab, die den Postverkehr vermitteln. Die Bahnübergänge sind nicht bewacht, da die Angestellten ihre Posten verlassen haben. Im Hafen von Xeres unterstützen die Docker den Ausstand. Auch die Eisenbahner von Granada habe» sich der Bewegung angeschlossen. An verschiedenen Stellen wurden Personenzüge auf freiem Felde von den Angestellten verlassen. Ernstere Zwislbensälle haben sich bis jetzt erfreulicherweise nicht ereignet. Die Regierung halle am 2. Pfingsttag eine Unter- redung mit Vertretern der Gesellschaften, in der diese Einigungs» Vorschläge unterbreiteten, die jedoch ihrer Unzulänglichkeit wegen von den Ausständigen abgelehnt wurden. letzte Nachrichten* Grofifener in der Wiener Strafte. In der zehnten Abendstunde kam gestern in der Wiener Straße 33a im Südosten Berlins ein großer Tachstuhlbrand zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde, schlugen aus dem Dachgeschoß des EckgcbäudcS sowohl nach der Wiener-, wie nach der Forsterstraße schon helle Flammen hervor. Bei Ankunft der Feuerwehr, die mit den Zügtn 5 und 8 anrückte, hatte das Feuer dann bereits den größten iTeil des'Umfangreichen Dächfiuhles erfaßt.. Brandmeister Lange ließ daher. sofort mit mehreren Schlauchleitungen, eingreifen, die zum Teil über mechanische Leitern. zum Teil über die Treppen gelegt wurden. Zwei Dampffpritzen waren in Tätigkeit und schleuderten gewaltige Wasscnnengcn in die Glut. Trotzdem dauerte es über eine Stunde, che die Gewalt des Brandes gebrochen war. Der Dachstuhl ist fast völlig ein Raub der Flammen geworden. Mit den Nachlösch- und Anfräumungs- arbeiten war die Wehr noch in später Nachtstunde beschäftigt. Die Ursache des Feuers steht noch nicht fest. In demselben Gebäude befindet sich übrigens das Postamt 36, das aber von dem Feuer nicht berührt wurde. Zu dem englischen Transportarbeiterstrcik. London, 28. Mai.(W. T. B.) Ueber die Konferenz deS Streik- ausfchusses mit dem Staatssekretär des Innern McKenna ist nichts Amtliches bekannt. Der einzige Bericht über die Besprechung ist der vom Streikausschuß ausgegebene. Danach hätte McKenna er- klärt, daß sofort Lebensmittel nach London geschafft werden müßten. Der Streikausschuß habe darauf gefragt, was für Lebensmittel dies sein sollten, damit er mit dem Ministerium des Innern zusammen- arbeiten könne; er gebe zu, daß gepiisse Lebensmittel ausgeladen werden müßten. Von welcher Art diese Lebensmittel sein sollen. werde möglicherweise auf einer späteren Besprechung beschlossen werden. Nach-der Darstellung des Streikausschusses hätte McKenna ferner erklärt, er habe nicht die Abficht, Militär z» verwenden. Ein Urteil über den Untergang der„Titanic". Washington, 28. Mai.(W. T. B,) Senator Smith hielt heute eine Rede, durch die er den Senat mit den Ergebnissen der von dem Senatskomitee geleiteten Untersuchung der„Titanic"- Katastrophe bekannt machte. Er tadelte das englische Handelsamt, das durch seine Nachsicht für das Unglück stark verantwortlich sei. Ter Kapitän Smith habe sich schuldig gemacht, durch seine übermäßige Vertrauensseligkeit und da- durch, daß er die E i s w a r n u n g e n nicht beachtet habe. Senator Smith verurteilte den M a n g e l an D i s z i p l i n an Bord nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg und die ungenügende Bemannung der- Rettungsboote. Fast fünfhundert Menschen seien nutzlos geopfert worden durch den Mangel an Ordnung und Disziplin bei der Besetzung der Rettungsboote. Leider müsse er feststellen, daß einige jüngere Offiziere die erste Gelegenheit be- nutzten, das Schiff zu verlassen. Eine große Verantwortung liege auf dem- Kapitän der„California»", der er sich nur schwer entziehen könne. Senator Smith deutete darauf an, daß er die„Calisorman" für das Schiff halte, dessen Signallaternen, von den Schiffbrüchigen gesehen worden waren. Er empfahl eine genaue Bezeichnung der Reiserouten, einen festeren Bau der Schiffe und bessere Ausrüstung mit Rettungseinrichtungen und mächtigen Scheinwerfern; alle Schiffe sollten Bosen führen, um im Falle eines Unglücks die Lage des Wracks zu bezeichnen. Tie Zahl der Besatzung sei zu erhöhen. Endlich empfahl Senator Smith internationale- Besttm-- mungen- für die drahtlose Tclegraphie. höhere Löhne für die Tele- graphenbeamten und ständigen Telegraphendienst bei Tag und bei Nacht an Bord der Passagierschiffe. Um der Not zu steuern. Tokio, 28. Mai.(W. T. B.) Infolge der hohen Reispreise hat der Handelsminister eine Verfügung erlassen, nach der die Zölle aus Reis auf einen durch das Gesetz vom April 1910 festgesetzten Minimalzoll bis zum 31. Oktober reduziert werden, nämlich auf 40 Sen>0,84 M.) für 100 Kin(60 Kilogramm). TS.G>»de,Bxrtttl.DrLcku.Verlag:VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt KaulSingerS-Eo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u-Nnterhaltungsbl. Nr. 122. 29. Jahrgang. 1. KilW des Joraiärts" Krlilier loMIttt Miw-ch. 29. m 1912. Dtr erste Parteitag der ID. S. p. Manchester. 25. Mai.(Eig. Sei.) Heute wurde tn Manchester in der Free Trade Hall der «erste Parteitag der im Oktober des letzten Jahres gegründeten B. S. P(British Socialist Party) eröffnet. Vertreten waren etwa 40(XX> Mitglieder von 250 Delegierten. Den Vorsitz führte Genosse H h n d m a n; als stellvertretender Vorsitzender fungierte Genosse Dr. G a r r e t t(Manchester). In der Eröffnungsrede wies der Vorfitzende auf die Borge- schickste der Partei hin und bemerkte, daß der Gedanke, der die Gründer bei ihrem Unternehmen im letzten Jahre geleitet habe, die Vereinigung aller Sektionen des britischen Sozialismus ge- tecjcn sei, wofür alle Sektionen des Sozialismus in Groß- britannien auf allen internationalen Kongressen gestimmt hätten. Während des Bestandes der Partei habe in den Reihen der Partei- genossen trotz der Meinungsdifferenzen, die beständen, das Gefühl der Kameradschaftlichkeit stets die Oberhand gehabt. Er hoffe, daß auf der Konferenz keine Worte fallen würden, die die herzlich er- wünschte und ernsthaft erstrebte Vereinigung mit anderen sozia- listischen Organisationen hinausschieben könnten, was man auch immer über die Aengstlichkeit und Unfähigkeit der..Labour Party" im Parlament denken möge. Zwölf Monate allgemeiner Unzu- friedenheit und nationaler wirtschaftlicher Kämpfe hätten endlich auch die kapitalistische Presse davon überzeugt, daß es eine per- manente..Arbeiterunruhe" gebe. Es sei eine erfreuliche Tatsache� daß die Sozialisten in diesen Kämpfen stets an der Spitze ge. standen und da? volle Vertrauen der Massen genossen hätten. Alsdann kam Genosse Hyndman auf das Mißtrauen zu sprechen, mit dem die Massen, die jetzt zum Streik als ihrer ein- zigen Waffe greifen, dem Parlament gegenüberstehen. Er führte es darauf zurück, daß sich die Arbeiterpartei im Parlament ihrer Aufgabe nicht gewachsen gezeigt habe. Von den Herrschenden Klassen hätten die Arbeiter nichts zu erwarten...Unsere Herrscher mögen den Arbeitern in ihrer Not helfen; sie werden den Ar- beitern jedoch nie aus ihrer Not helfen." Die Politik sei keines- Wegs ausgespielt. Wenn es das britische Proletariat wolle, könne es die Gesetzgebung beherrschen, und das sei ein wirksameres Kampfmittel als alle Streiks. Hyndman schloß seine Ausführungen mit den Worten: ..Nie hat sich in der langen und aufgeregten Geschichte unserer Nation eine bessere Gelegenheit geboten als die, die sich jetzt der Britischen Sozialistischen Partei bietet. Der Lauf der Ereignisse hilft der Sache des Volkes. Das Wachstum der Trusts und Mono- pole selbst macht die Vergesellschaftlichung leichter und dringender. Tie wachsende Hosfnungslosigkeit und das zunehmende Elend ver- breitet beständig die rettende Lehre von der individuellen Unzu- friedenheit und dem kollektiven Haß. Die offenbare Unfähigkeit unserer Herrscher beweist klar, daß das elende Zeitalter der Profit- titacher und Wucherer seinem Ende entgegengeht.... Es ist nutz- los, von der Nichtigkeit des wiederbelebten Syndikalismus zu reden. Es ist nichts Reales und nichts Ideales in der verworrenen und hysterischen Propaganda, der Jagd nac£> Eigentum in Gruppen (segregate grab). National wie international behauptet die orga- nisierte und erzogene Sozialdemokratie noch immer da» Feld. Ich hoffe und glaube, daß nicht wenige der hier Anwesenden noch den Triumph unserer großen und hcrrlilhen Sache miterleben werden." Nach Entgegennahme der Berichte des provisorischen Partei- Vorstandes und des Schatzmeisters, beriet der Parteitag die Frage der Organisation und Propaganda. Der Vorstand unterbreiteke den Delegierten einen großzügigen Plan über Pro- paganda und Organisation, der von dem Parteitag gutgeheißen wurde. Die Hauptpunkte sind: Einführung einer systematischen Propaganda von Haus zu HauS. Dazu sollen die einzelnen Kapitel auS Hendersons neuestem Buche über den Sozialismus(„Phe Case for Socialism") in der Form von Broschüren herausgegeben werden. Es sollen dauernd agitatorisch wirkende Plakate an öffent- lichcn Orten angebracht werden. Die Versammlungen sollen mehr anziehend gestaltet werden. Walter Crane und andere Künst- ler haben versprochen, zur künstlerischen Ausschmückung der Versammlungslokale beizutragen, Gesangvereine und Musikkapellen sollen für Parteizwecke begünstigt oder gegründet werden. Der Vorstand hat sich das Ziel gesetzt, der Partei in drei Jahren 500 000 Mitglieder zuzuführen und in fünf Jahren eine Million. Die Kosten der Propaganda für drei Jahre schätzt er auf 10000 Pfund (200 000 M.). In der NachmittagSsitzung wurde eine von dem provisorischen Vorstand vorgeschlagene Resolution beratem die gegen die Ver- urteilung der Frauenrechtlerinnen protestierte und die Freilassung der gefangenen Frauen verlangte. Tie Resolution wurde von ISeonard Hall mit dem Hinweis darauf begründet, daß die Suffragettes, die die Frage des Frauenstimmrechts zu einer akuten Apolitischen Frage gemacht, von der Regierung schändlich betrogen und behandelt worden seien. Gegen die Resolution erhob sich jedoch großer Widerstand. Die Genossinnen Fisher und B o y e e meinten, die Partei könne mit den Tamenrechtlerinnen, die nach einem beschränkten Frauen- stimmreicht strebten, nichts gemein haben. Im ähnlichen Sinne sprach sich Genosse Queich aus. Genosse Russell Smart erwiderte, daß die Frauenrechtlerinnen nach der Erklärung des Premierministers, die Regierung werde eine Wahlrechtsvolage ein- bringen, ihre ursprüngliche Forderung fallen gelassen hätten und daß sie jetzt für das allgemeine Stimmrecht für beide Geschlechter einträten. Schließlich wurde Uebergang zur Tagesordnung beantragt und mit S2 gegen 58 Stimmen angenommen. Politische gegen wirtschaftliche Aktion. Nach der Erledigung dieses Punktes folgte eine lange und zeit- weise erhitzte Debatte über eine Vorstandsresolution, die das Ver- hältnis der Partei zu den wirtschaftlichen Kampforganisationen des Proletariats behandelte. Tie Resolution war sehr lang; es mögen daher nur die Hauptpunkte wiedergegeben- werden: Die Sozialistische Partei nimmt mit Genugtuung von der wachsenden Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen Kenntnis; sie tritt ein für die vollständigste und vollkommenste Form der wirt- schaftlichen Organisationen, für die Verschmelzung oder den Zu- sammenfchluß der bestehenden, Gewerkschaften, wo immer möglich, wie auch für die Stärkung dieser, damit sie sich um so gründlicher auf die Verwaltung der Produktion im sozialistischen Gemeinwesen vorbereiten können. Sie unterstützt daher aufs aufrichtigste alle Bestrebungen der Gewerkschaften zur Konsolidierung ihrer Streit kräfte. Der folgende Absatz, um den der Kampf tobte, möge hier wörtlich wiedergegeben werden: .Die Hauptfunktion der Sozialistischen Partei ist jedoch die eine unabhängige politische Partei der Arbeiterklasse zu orgoni sieren, die die Eroberung der politischen Macht durch diese Klasse bezweckt..." Weiter wird darauf hingewiesen, daß sich die politische und wirtschaftliche Organisation des Proletariats notwendig ergänzen müsse. Schließlich werden die A»beiter, die noch nicht wirtschaftlich organisiert sind, aufgefordert, sich der Gewerkschaftsbewegung an- zuschließen. Hyndman stellte die Resolution zur Diskussion, ohne sie zu begründen. Hall- Birmingham schlug als Amendement zu dem zitierten Passus vor, die Worte„Die Hauptfunktion der Sozialistischen Par- tei" durch„eine der wichtigsten Funktionen" zu ersetzen. Zur Begründung führte er folgendes aus: Die B. S. P. muß zwischen der politischen und wirtschaftlichen Aktion das Gleichgewicht halten. Wenn die Partei die Originalfassung der Resolution annimmt. wird sie Schiffbruch erleiden. Indem wir der wirtschaftlichen Aktion dasselbe Recht wie der politischen einräumen, werden wir die besten Kräfte des Proletariats an uns ziehen. Ein Snowden, ein parla- mentarifcher Ritualist wie Me Donald, ein Crooks, der eine Vorloge gegen das Streikrecht einbringt, bekämpfen den industriellen Unio- nismus. Ist eS übrigens taktisch klug, sich diesen Leuten anzu- schließen? Nur durch die wirtschaftliche Organisation kann der organische Wechsel vom Kapitalismus zum Sozialismus vollzogen werden; durch den Parlamentarismus ist dies nicht möglich. Wir wünschen eine große, alle sozialistischen Elemente umfassende Par- tei, und da ist. eS nur recht und billig, daß der Anschauung jedes Flügels der Partei Rechnung getragen wird. Nehmen Sie das Amendement an und stellen Sie damit die beiden Flügel des Sozialismus als gleichberechtigt nebeneinander. O u e Ich- London: Die Resolution sagt nichts darüber, welches der wichtigste Flügel der Arbeiterbewegung ist. Sie erklärt nur, daß die politische Aktion die wichtigste Funktion einer politischen Partei ist. Dte Partei kann sich nicht mit der industriellen Orga- nisation der Arbeiterklasse befassen. Die Gewerkschaften- würden es mit Recht als eine Impertinenz bezeichnen, wenn sie dies täte. Die Befürworter des Amendements wollen die wirkliche Aufgabe der Partei einer Sache unterordnen, die uns nichts angeht. Helfen wir den Gewerkschaften mit allen Kräften, aber mischen wir uns nicht in Geschäfte, die nur sie ordentlich verrichten können. Gemeinderat P h i l l i p s- Manchester: Die Befürworter des Amendements werden durch syndikalistische Gedanken beeinflußt. (Widerspruch.) Sie stehen unter dem Einfluß der letzten großen Streiks, die teilweise erfolgreich waren. Aber vergessen Sie nicht, daß diese Kämpfe unter sehr günstigen Verhältnissen stattfanden und daß die Hochkonjunktur nicht ewig anhält. Die Gewerkschaften werden es nicht dulden, daß wir unS in ihre Angelegenheiten kleines feuiUeton. Ter Kleistpark. Nun hat Berlin einen Park mehr, ohne deren genug zu haben. TaS muß gleich vorweg gesagt sein, damit der bekannte Optimismus des Herrn Reicke nicht überschäumt. Auch der neue Kleistpark wird nichts daran ändern, daß man in Berlin, um keine gar zu beschämende Ziffer zu bekommen, die Fußwege unter den Hochbahngerüstcn zu den Spielplätzen rechnen muß. Also: der neue Kleistpark bedeutet nicht, daß die Reichshauptstadt das ihr gebührende Luantum an eingesprengtem Grünland erreicht hätte. Dazu wird selbst der Schillerpark, werden auch der Schöne- berger und der Wilmersdorfer Stadtpark(wenn sie einmal fertig sein sollten) nichts helfen; das wird wohl überhaupt nie mehr zu erreichen sein. Ehe nicht eine großzügige Sozialisierung einsetzt, wird sich Berlin mit bescheidenen Andeutungen von dem, was sein könnte, begnügen müssen. Solch eine Andeutung ist der Kleistpark; leider keine sehr gelungene. Es ist nämlich wiederum nicht die Idee des WohnparkeS zur Erfüllung gekommen. Noch immer scheint die Baubureaukratie zu glauben, daß ein Park vorzüglich dazu da sei. den ungebärdigen Leuten das Spazierengehen zu lehren. »O im Philisterparadies sind breite Wege mit braunem Kies." In diesem Kleistpark sind zu viele und zu breite Kieswege. ES ist immer wieder das alte Motiv: Bitte, weitergehen. Immer artig herum um die Rasenfläche», um die Inseln aus Gebüsch und Bäumen. Es sind vier Spielplätze für die Kinder da; das ist aber auch alles an eigentlich Brauchbarem. Um zu wissen, was fehlt, muß man die in der Citv eingelagerten Parke von Boston, St. Louis, Chicago kennen lernen. Es fehlt alles, was einen Park zu einem gemütlichen Aufenthalt und zu dem macht, was er sein soll: die öffentliche Wohnung des Voltes. Es gibt nicht einmal hinlänglich Gelegenheit zum Niedersitzen. Die wenigen Bänke, die bis jetzt zu finden sind, haben nicht einmal eine Rückenlehne. TaS ist doch wahrhaft lieblos. Gelviß, die großen Bäume, die von dem alten botanischen Garten übrig blieben, wirken gar stattlich, und es ist auch ganz geschickt, wie Unterholz angepflanzt wurde und Rasen mit Blumen wechselt. Tie romantische Ecke freilich, wo Felsen- geröll um einen Goldfischteich liegt und ein abgehauener Birken- stumpf träumt, ist wunderlich. Und einigermaßen kurios ist auch daS Hiersein der Gontardschen Königskolonnaden. Die Sache ist wirklich sehr komisch; man hat den Kolonnaden, die von Natur aus eingebaut waren, einen Stücken angemauert. Meinetwegen, das alte Berliner Baudenkmal steht hier zwar recht schlecht, immerhin ist es nicht zerbrochen worden. Aber waS die Zukunft betrifft: will man dulden, daß die Häuser, die rings um den Park(der dann eigentlich nur noch ein großer Hof sein wird) gebaut werden, mit wilder Willkür Fassaden spuken lassen. Ließe sich hier nicht das Selbstverständliche erzlvingen: eine einheitliche architektonische Aus- dildung, oder wenigstens, wenn die bonrgeoise Individualität nun ~xr durchaus respektiert werden mutz, von Fall zu Fall ein halbwegs anständiges Gebäude. Aber dann würde sich das neue Kammer- gericht, das die eine Seite des Parkes abschließt, schämen müssen. ES sieht auch gar zu ledern und gestoppelt aus. R. Br. H. Th. Buckle. Am 29. Mai isteinhalbcSJahrhundert vergangen, seit Henry Thomas Buckle, fern von seinem englischen Heimatland, in Damaskus mit 41 Jahren an einem typhösen Fieber starb. Der größte und wichtigste Teil des historischen Riesenwerkes, dem er sein Leben geweiht, sank mit ihm ins Grab, aber der Torso der zwei Bände seiner„Geschichte der Zivilisation in England" war doch bedeutend und inhaltsreich genug, um ihm einen unver- gänglichen Platz in der Entwickelung der Geschichtsschreibung an- zuweisen. Indem Buckle in dieser über die Grundlagen und An- fänge des Stoffs nicht hinausgewachsenen Arbeit die von Comte begründete positivistische Geschichtsanschauung zum ersten Male in prachtvoller Sprache und ohne verwirrende philosophische Abschwei- fungen darstellte, bot er seiner Zeit geradezu eine Offenbarung, die ihn mit einem Schlage zu einer europäischen Berühmtheit machte. Der einseitigen Heldenverehrung Carlyles gegenüber wies er auf die Bedeutung der Massenvorgänge hin. Buckle war Autodidakt; sein Vater war ein Schiffsreeder, der ihm ein bedeutende? Vermögen hinterließ. Von früh an kränklich und übersensibel, weich und zartfühlend wie ein Mädchen, lebte er zunächst nur seiner Gesundheit. Als der Vater starb, ward er aus Kummer darüber von schwerer Krankheit befallen und ging mit Mutter und Schwestern auf Reisen. Zweimal durchquerte er so Europa, und dabei ging dem sck�arf Beobachtenden, unendlich wiß- begierigen Manne sein eigentlicher Lebensberuf, der des Historikers auf. Mit seinem glücklichen Gedächtnis lernte er die Sprache jedes Landes, das er besuchte, und gab sich nun einer gewaltig aus- gedehnten Lektüre hin, durch die er mit unermüdlichem Eifer Ma- terial für sein Lebenswerk zusammentrug, dessen Grundgedanken sich früh in ihm ausbildeten. Der schwächliche, schüchterne Mann lebte ganz in seinen Ideen und konnte durch sie zu wilder Leiden- schaftlichkeit fortgerissen werden. Jede Verletzung der Gerechtigkeit empörte ihn auf tiefste. Als John Coleridge einen schwachsinnigen Bauernknecht, der einige Schmähworte gegen das Christentum an eine Wand gekritzelt hatte, zu schwerem Kerker verurteilte, griff Buckle ihn aufs heftigste an und setzte die Freilassung durch. Auch in der Geschichte sah Buckle das Walten gewisser geistiger Ideen, aber in einer ganz anderen Weise als unsere deutsche Geschichts- Philosophie. Ganz im Gegensatz zu Ranke, der schildern wollte, ..wie es eigentlich gewesen", sah er in der Geschichte„ein Problem. das man auflösen muß". Ja jeder Zivilisation sah er ein Haupt- Prinzip die Ereignisse bestimmen, das Gesetz des Fortschritts. Der Fortschritt beruht auf dem Wissen, dem eine Veredelung der Moral- begriffe parallel gehen muß. Diese geistigen Fortschritte aber sind abhängig von der Erhöhung des Reichtums, und der Reichtum hängt in jrissem Ursprung vom Boden vmd Wjn Aftms flfc Dsmit tvöien mischen. Wenn unsere Freunde aber nun verlangen, daß wir, die Sozialisten, die Gewerkschaften in unserem Sinne beeinflussen, so geschieht das schon. Alle hervorragenden Führer in den letzten Kämpfen waren Sozialisten. Wir haben genug damit zu tun. die politische Arbeiterbewegung von den rückständigen Elementen zu säubern, als daß wir uns mit Dingen befassen, die uns nichts an- gehen. K e n n e d Y- Aberdeen: Jeder Sozialist wird den industriellen Unionismus befürworten, wenn diese Bewegung ein Versuch ist, alle Reibereien und separatistischen Bestrebungen in der Gewerkschafts- bewegung zu beseitigen. Aber wenn die Stellungnahme der Freunde des Amendements einen Sinn hat, so ist es der, daß sie glauben. daß es die Angelegenheit der Partei ist, das Proletariat Wirtschaft- lich zu organisieren. Sie hätten beantragen sollen, die Partei solle Sonderorganisationen gründen. Aber damit wäre der Solidarität der Arbeiterklaffe, die sie stets betonen, schlecht gedient. UebrigenS tut es die Solidarität der Arbeiter allein in wirtschaftlichen Kämpfen auch nicht. Wenn je eine Arbeiterschaft Solidaritäts- gefühl bewiesen hat, so die Bergarbeiterschaft im letzten General- streik. Nicht der Mangel an Geschlossenheit und Solidarität war es, der die Niederlage herbeiführte, sondern der Mangel an poli- tischer Macht. Die politische Uebermacht der bürgerlichen Parteien im Parlament entschied den Kampf, der wieder einmal bewies, daß politische und wirtschaftliche Organisation Hand in Hand gehen müssen. Der Syndikalismus, den manche als eine ganz neue Weis- heit anstaunen, ist in Wirklichkeit nichts anderes als der alte auf- gewärmte Anarchismus. Wer sich nicht durch Phrasen irreleiten läßt und den Geschehnissen Rechnung trägt, mutz zur Erkenntnis kommen, daß jeder wichtige wirtschaftliche Kampf auch ein poli- tischer Kampf ist, und umgekehrt. Nach längerer Debatte erhält Hyndman das Schlußwort. Er führt aus: Die Resolution, die der Vorstand vorschlägt, ist nicht von Nurpolitikern verfaßt worden, sondern von zwei der ange- sehensten und tätigsten sozialistischen Gewerkschaftsführer im Lande. Es ist übrigens sehr bezeichnend, daß alle die energischsten und fähigsten Gewerkschaftsführer entschieden für die politische Aktion eintreten. Die moderne Herabsetzung der parlamentarischen Aktion ist nichts anderes als eine Wiederbelebung der von F e n w i ck und anderen vor mehr als 20 Jahren betriebenen altunionistischen Ge- Werkschaftspolitik. Die Tatsache, daß die Arbeiterpartei im Paria- ment schwach ist, darf für uns kein Grund sein, den politischen Kampf zu vernachlässigen; wir müssen unsere sozialistische Politik um so energischer betreiben. Wir müssen dem Proletariat zeigen, daß man das, was man auf dem wirtschaftlichen Kampffelde ge- winnt, auf dem politischen wieder verlieren kann. Solange unsere Feinde die politische Macht in Händen haben, wird die Arbeiter- schaft wirtschaftlich wenig erringen können. Die Syndikalisten rufen den Soldaten zu:„Schießt nicht auf Eure streikenden Brüderk" Wer aber befiehlt den Soldaten, auf streikende Arbeiter zu schießen? Dieselben Leute, die von der politisch unaufgeklärten Arbeiterschaft mit der Regierung des Landes beaustragt werden. Der Kampf der Arbeiterklasse mutz sowohl ein politischer wie ein wirtschaftlicher sein. Das Amendement Hall wurde darauf mit 100 gegen 46 Stim- men verworfen und die Resolution mit überwältigender Mehrheit angenommen. Der Parteitag nahm noch eine Resolution an, in der die Re- gierung wegen ihrer„feigen und verräterischen Haltung" in dem Maleckafalle verurteilt wurde. Bei der Begründung der Resolution verlangte Queich, das englische Volk müsse fordern, daß englische Bürger Und Bürgerinnen in Rußland nicht von russischen Gerichten, sondern wie in den onde- ren halbbarbarischen Staaten von Konsulargerichtshöfen abgeurteilt werden sollten. Desgleichen gelangte eine Resolution zur Annahme, die gegen die Ausweisung Malatestas protestierte. Hyndman be- merkte hierzu, er stimme mit Malatesta kaum in einem Punkte überein. aber er müsse sagen, daß Malatesta einer der edelsten und opferwilligsten Menschen sei, denen er je begegnet,/'' Gerichts-Zeitung. Ein umfangreicher Beleidigungsprozeß beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hesse die 2. Strafkammer deS Landgerichts III. Angeklagt war die verwitwete Frau Oberstaats. anwalt, jetzige Inhaberin der„Silur-Pueeulin-Perm-Farbwerke" Olga Henke geb. Wischhusen, verteidigt von Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht. Als Nebenkläger war der Bahnhofsvorsteher Nenfranz aus Strausberg vom Gericht zugelassen worden.— Die Angeklagte. welche Erfinderin einer Schutzanstrichfarbe ist, war längere Zeit in Strausberg ansässig. Vor einiger Zeit machte sie durch eine Dieb- nun als die treibenden Kräfte der geschichtlichen Entwickelung die natürlichen Lebensbedingungen hingestellt. Diese„ehernen Natur- gesetze", von denen der Mensch abhangig ist und die seinen freien Willen ausschließen, stellt Buckle in den Vordergrund und schränkt dadurch die Macht der moralischen Faktoren auf ein Mindestmaß ein. Der einzelne, auch der geniale einzelne, ist nichts, die Masse ist alles; die Statistik vermag am besten die Gesetzmäßigkeit der Massenhandlungen aufzuzeigen. Diese Theorie an der Entwickelung Englands zu beweisen, ist Buckle versagt geblieben. Die notwendigen Korrekturen, die an Buckles einseitiger Theorie vorzunehmen sind, hat die materialistische Geschichtsauffassung zu leisten, da die bürgerlichen Nachfolger Buckles(Tains und schließlich Lamprecht) daran gescheitert sind.,... Reinhardt in Paris. Aus Paris wird uns geschrieben: Im Vaudeville-Theater hat Reinhardt mit seiner internationalen Reise- gesellschaft„Sumurun" aufgeführt. DaS Publikum nahm seine JnszenierungSkünste mit etwas reservierter Höflichkeit auf. dte Kritik ist zumeist wohlwollend. Hoffentlich wird man unS nicht erzählen, daß da eine Erobererfahrt der deutschen Kunst vorliege. Auch in Frankreich ist das bürgerliche Theater mit seinem Latein fertig und die zahlungsfähige Gesellschaft blasiert und snobistisch genug, um ein paar neue Tricks von Dekorateuren und Beleuchtungstechnikern als revolutionäre Tat anzustaunen. DaS Theater als Kunstwerk, als Ausdruck des VolkSgeisteS hat von daher keine Verjüngung zu erwarten. Und so bleibt es sich vollständig gleich, ob die faul- gewordene Bourgeoisie bei ihren„Turquerien", worin sie sich jetzt gefällt wie weiland Ludwig XIV., mehr an den Moskauer oder de« Berliner Stil hält."_ o. p. Notizen. -» Der Goethebund gegen die Zensur. Der Dele- giertentag der Goethebunde beschloß, wie aus Stuttgart ge- meldet wird: Die dem Reichstage eingereichte Petition auf Be- seitigung der Präventiv-Zensur ist zu erneuern. Der Goethebund verwirst die Theaterzensur als eine unwürdige Bevor- mundung des Volkes. Die Theaterzensur ist in praktischer Beziehung unnötig, ja schädlich und daher im Interesse der nationalen Kultur verwerflrch. Das Wollen und Streben der lebendigen Kunst durch die Zensur unterbinden, das heißt den Ent- Wicklungsstrom der Volksseele gewaltsam hemmen. — Ein Forschungsinstitut für GeisteSwisse». chaften Plaut man nach der.Umschau" in Leipzig zu errichten. ES soll eine Angliederuug an die Universität erfolgen. Die neue Forschungöstätte will nicht nur die Wissenschast als solche durch Be- reitstellung von Mitteln fördern, sie erstrebt auch besonders be- ähigten Studierenden Gelegenheit zu geben, über den Rahmen ihres Fachstudiums hinaus noch vertiefte wissenschaftliche Arbeit zu leisten. Neben Lamprecht ist Wundt hervorragend an der Bründung beteiligt. stahlsassäre viel von sich zu reden, die iuit ikeer Berurieitung zu einer Gefängnisstrafe geendet hatte. Wie Nechtsaiuvalt Liebknecht vor Gericht hervorhob, ist wegen dieser Bestrafung, die angeblich zu Unrecht erfolgt sein soll, das Wiederaufirahmeverfähren in die Wege geleitet worden.— Während die Angeklagte noch in Strausberg an- fässig war, geriet sie mit dem jetzigen Nebenkläger, der die Anzeige in der Diebstahlssache gegen sie erstattet hatte, in Differenzen. Wie letzterer behauptet, habe ihn die Angeklagte, nachdem sie hiervon Kenntnis erhalten hatte, mit allen möglichen, völlig ungercchtfcrtig- ten Beschwerden und Anzeigen bei seiner vorgesetzten Behörde ver- folgt, um sich an ihm zu rächen. Tatsächlich hat die Angeklagte etwa ein Dutzend Beschwerden über den Bahnhofsvorsteher an die Eisenbahndirektion gerichtet, die aber sämtlich? als haltlos zurück- gewiesen wurden. In diesen Beschlverdcschriften behauptete sie, daß sie R. auf alle mögliche Weise schikaniere, höhnische Bemerkun- gen hinter ihr her inache, das Abfahrtszeichen zu früh gebe, wenn sie auf den Lahnhof komme usw. Hierbei gebrauchte die Angeklagte beleidigende Ausdrücke, wie„wissentliche gemeine Lüge",„nieder- trächtiges Verhalten" usw.— Das Schöffengericht Alt-Landsbcrg erkannte mit Rücksicht darauf, daß die von der Angeklagten er- hobcnen Beschuldigungen gegen den Kläger völlig ungerechtfertigt waren, und auch mit Rücksicht darauf, das; die Angeklagte schon dreimal wegen Beleidigung vorbestraft ist, auf Will M. Geldstrafe. Vor der Berufungskammer machte Rechtsanwalt Dr. Liebknecht geltend, daß die Angeklagte eine schwertranke und an einer gewissen vypcrempfindlichkeit leidende Person sei, die sich der Folgen ihrer Handlungsweise gar nicht recht bewußt gewesen sei. Das Gericht kam von diesem Gesichtspunkte aus auch zu einer milderen Auf- fassung der ganzen Sachlage und erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf 100 M. Geldstrafe. J3u9 aller Älelt. furchtbare Kxnohataftrophc in Portugal. Ein entsetzliches Unglück hat sich gestern in einem Kine� matographentheater in V i l l a r e a l zugetragen. Während einer gutbesuchten Vorstellung brach ein Brand aus, bei dem 80 Menschen umgekommen sind und viele andere schwer verletzt wurden. Das Theater befand sich in einem alten Laden und hatte nur einen einzigen Aus- gang. In der Nähe dieses Ausganges war der Projektions- apparat aufgestellt, dessen Explosion alsbald die Tür ver- sperrte. Eine entsetzliche Panik brach aus. Die Zuschauer bemerkten eine zweite Tür auf der entgegengesetzten Seite und stürzten nach dieser Richtung; aber die Tür war ver- schlössen. Die Menge staute sich und fast alle kamen um. zertreten, erstickt oder verbrannt. Die meisten Leichen bieten einen schauderhaften Anblick. Ei» freigesprochener christlicher Revolverheld in der Schweiz. Aus- Zürich wird' uns geschrieben� '' Wir berichteten kürzlich über den seit Wochen dauernden Maler- streik in Zürich. Tort hat der christliche Streikbrecher Otto Kaiser auK Borg hör st in Preußen den strei- k e n d e n Maler W ü d l e r aus Albisriedcn bei Zürich init einem Rcvolverfchuß in den Unterleib so schwer verletzt, daß dieser einige Tage darauf im Spital verstarb. Ter Z'all kam jetzt vor dem Schwurgericht in Pfäsfikon sKanton Zürich) zur Verhandlung. Vor acht Tagen verbreiteten die„Christen" im ganzen Kanton Zürich in Tausenden von Exemplaren ein riesengroßes? Flugblatt in dem berüchtigten M.-Madbachcr Stile, in dem die schändlichste Hetze gegen die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratie betrieben und sie, die Christen selbst, als die Stützen der Gesellschaft gepriesen, der Revolverheld Kaiser aber als ein„Märtyrer" hingestellt und das Opfer seiner Schießerei noch im Tode schimpflich geschmäht wurde. Es war offenbar, durch dieses Flugblatt, in dem jedes Wort eine Lüge ist und in dem die Tat- fachen vollständig verdreht und auf den Kops gestellt werden, sollte die öffentliche Meinung im? Hinblick auf die bevorstehende Schwur- gcrichtsverhandlung systematisch bearbeitet werden, und der Zweck ist erreicht worden. Die bürgerliche Presse nahm mit Vergnügen von dem Flügblatt der Christen Notiz und der Revolverheld Kaiser ist von den Geschworenen freigesprochen worden. .Kaiser stellte sich? vor dem Schwurgericht als verfolgtes Opfer der streikenden Maler hin; er sei mißhandelt worden und habe sich deshalb den Revolver angeschafft. De» Wvdlcr habe er nicht ver- letzen wollen; es sollte nur ein„Schreckschuß" sein. Aber Wydler sei direkt in den Schuß„hineingelaufen". Wydler dagegen stellte den Vorfall so dar, und zwar bei wiederholten Verhören, daß Kaiser ihm den Revolvcx auf die Brust setzte, er ihm dann die Hand nach abwärts drückte und hierauf der Schuß erfolgte. So sagte auch der Polizist vor dem Schjwuvgericht aus und Kaiser selbst erklärte demgegenüber,„daß er sich nicht mehr daran erinnern könne". Die Möglichkeit, daß es so zugegangen, bestritt er nicht. Auch der ärzt- liche Experte, Dr. Schwarz, erklärte, daß sich der Vorgang sehr wahrscheinlich so abgespielt habe, wie ihn der verstorbene Wydler geschildert hat. Ter Staatsanwalt Dr. Glättlk hatte die Schuldigsprechung wegen Körperverletzung mit Ueberschrcitung der Notwehr beantragt. Tie Geschworenen aber sprachen den Kaiser frei, der infolgedessen auch keinerlei Entschädigung an die Angehörigen seines Opfers zu bezahlen hat. Unwillkürlich fragt man sich: Wie würde der Ausgang des Prozesses gewesen sein, wenn der Fall umgekehrt gelegen, wenn Wydler den Kaiser erschossen hätte? Und man kann nur antworten. daß in diesem Falle dem Angeklagten einige Jahre Gefängnis oder Arbeitshaus sicher gewesen wären. K I a s s c n j u st i z? Das Wort drängt sich von selber auf die Lippen und sie bedeutet den? Freibrief für die christlichen Streik- b recher und Revolverhelden. Gegen die streikenden Maler verfährt indessen die Regierung des Kantons Zürich mit Massenauswcisungen von Ausländern, die nichts anderes als Konzessionen an die wütenden Scharfmachereien der Unternehmerorganisationen und der bürgerlichen Presse sind. Ter Endcrfolg aller dieser Vorgänge werden tausend neue Sozial- dcmokraten sein._ Auf Oertels Spuren. Ein begeisterter Anhänger der Ocrtelschcn Prügelpädagogik ist der Knappschaftsarzt Dr. Mayer auf Zeche Radbod. Vor einigen Tagen wurde ein jugendlicher Arbeiter auf der Zeche von einem G r u b c n b e a m t e n stark mißhandelt. Der Bater des jungen Mannes wollte zwecks Einreichung der Klage gegen den prügelnden Beamten ein ärztliches Attest haben und schickte seinen Sohn zu Herrn Dr. Mayer. Ter stellte dann auch folgendes Attest aus: „Der K. H. von Zeche„Radbod". wohnhaft zu...... ist gestern in meine Behandlung getreten, weil er infolge rüpelhaften Benehmens eine Tracht Prügel bezogen hat, die ihre Spuren auf dem Körper hinterlassen haben. Von körperlicher Mißhandlung resp. Schädigung seiner Gesundheit kann eigentlich nicht geredet werden, da meines Erachtens jeder Hieb, der daneben geht, gerade bei dem Jungen, dessen Erziehung zu wünschen übrig läßt, seinen Zweck verfehl t." Herr Dr. Mayer entpuppt sich als ein recht vielseitig gebildeter Gelehrter. Nicht nur daß er als Arzt die körperlich kräftigende Wirkung der Prügelstrafe preist, sondern auch als Prügelpäda- g o g e glaubt er sich betätigen zu müssen. Nur die Logik scheint seine schwache Seite zu sein. Den» was heißt es, daß eigentlich von körperlicher Mißhandlung nicht geredet werden kann? Also kann eigentlich doch davon geredet werdenl Nur scheint dem Herrn Anappschaftsarzt die erzieherische Wirkung der Prügel höher zu stehen als die Schädigung der Gesundheit durch die Prügel. Das aber ist bei einem Arzte eine so einzigartige Auf- fassung, daß sich wohl die Aerztekammcr mit dem Mayerschen Bekenntnis zur Prügelstrafe noch beschäftigen dürste. Bei de» Arbei- tern der Zeche aber wird da» Attest das Vertrauen zu der UnPartei- lichkcit der Knappschaftsärzte ganz bedeutend heben. Bootsunfälle. Das stürmische Wetter der Pfingstfeiertage hat zu verschiedenen schweren Bootsunfällen geführt. Wie aus Dauzig gemeldet wird. verunglückten bei einer Segelpartie nach Hela am Pfingstsonntag drei Matrosen der Flieger st ation durch Kentern des Bootes, alle drei ertranken. Bisher ist es nur gelungen, die Leiche des einen Matrosen zu bergen.— Auf dem Kunimerowsee in Mecklenburg kenterte an, Montag infolge des starken Wellen- gangeS ein mit drei Personen besetztes Boot. Die Insassen, ein Student namens Peters und zwei Primaner, Nippe und Popp, ertranken. DaS Boot wurde abends bei Verchen ans Ufer getrieben; die Leichen sind noch nicht gefunden.— In der Nacht zuin Dienstag ist in der Nähe von B ü h e eine dem Altonaer Zigarrenfabrikanten Petersen gehörige Segelyacht bei der Rückfahrt von Gliickstadt nach Altona von einein unbekannten Dampfer an- gerannt worden. Von den vier Insassen wurden die beiden Kauf- leute S t e i n d o r f und F l a ß h o f über Bord geschleudert. Sie konnten nicht gerettet werden.— Wie aus Odessa ge- meldet wird, kenterte infolge eines Windstoßes auf dem Schwarze» Meere ein Boot mit vierzehn Insassen, von denen zehn er» tranken._ Hochwasser in Ungarn. Große Gebiete Ungarns sind durch ungeheure Ueber- s ch w e m m u n g e n heimgesucht worden. Namentlich sind die Täler des Szamos, Maros und Temcs hart mitgenommen worden. Auch im ganzen Komitat Lugas ist infolge des andauern- den Regens Hochwasser eingetreten. In Resiczabanya stehen 500 Häuser unter Wasser; ein Teil dieser Häuser ist be- reits eingestürzt. In Ferdinandsberg sind schreckliche Verwüstungen angerichtet worden. Der Temesfluß hat in Lugos eine Brücke weggerissen', und die große Eisenbahnbrücke ist in der gleichen Gefahr. In F c r e n e z s a l v a stürzten die Wasser- Massen über den Damm in die Ortschaft und derwandelten die Straßen in reißende Flüsse. Ter Eisenbahndamm wurde teilweise weggerissen. Mehrere Häuser sind auch hier bereits eingestürzt. Die Ortschaft Re sieze gleicht einem Meer. Alles steht unter Wasser. Die Saaten sind vernichtet. Im überschwemmten Wall- sährtsort Maria Rad na im Araber Komitat find mehrere Häuser eingestürzt. In Szilagysomlho, Szasrczgcn und M a r o s- V a s a r l, e l y in Siebenbürgen hat das Hochwasser einen Schadenvon Millionen verursacht. Mehrere Maros- brücken sind fortgeschwemmt, der Bahndamm ist beschädigt, der Verkehr an vielen Stellen untcrbrocheir. Es laufen weiter zahl- reiche Meldungen ein, daß Häuser ei»gestürzt und W c N- s ch e n d e n Fluten z u m O p f e r gefalle» sind. Kirche und Kientopp. Der bielgeschmähte Kientopp ist jetzt glänzend rehabilitiert worden. Schon seit einiger Zeit sahen die Frommen mit immer wachsender Entrüstung, daß die Kinothcater sich guten Besuches erfreuten, während die Kirchen gähnende Leere aufwiesen. Was lag also näher, als den Film in den Dienst der frommen Sache zu stellen? Natürlich ist es der katholische Klerus, der sich verständnisvoll dem Zuge der Zeit anpaßt. Wie aus Rom gc- meldet wird, erteilte der Vatikan die Erlaubnis zur A n- Wendung des? Kinematographen in den römisch? katholischen Kirchen Amerikas. Die kincmatographischen Vor- führungen sollen aber nur gestattet sein, soweit religiöse Dinge in Betracht kommen und während der Borführungen die heilige Hostie aus der Kirche entfernt wird. Desgleichen müssen Männer und Frauen getrennt sitzen und die Kirche erleuchtet sein. Das dürftige Programm und die Sonderung der Wciblein von den Männlein wird der Rückkehr der Abtrünnigen freilich wenig sörderlich sein. Aber es ist ja auch nur der erste Versuch! Der gestrenge Hauswirt. Ein gar gestrenger Herr scheint der Weinhändler und Hauswirt Kehrmann in Biebrich a. Rh. zu sein. In seinem Hause in der RathauSstraße wohnt ein Zahnarzt. Dessen Patienten spuckten des öfteren nach den Zahnoperationen beim Fortgehen auf den Hausflur. für die übrigen Passanten gewiß kein sehr ästhetischer Anblick. Um daS AuSspeien zu verhindern, prangt am Hause in zwei Exemplaren folgender UkaS:„Jede Verunreinigung dieses Torweges ist strengstens verboten. Sollte es dennoch vorkommen, so werde ich eventuell die Hilfe eines Polizeihundes in Anspruch nehmen, um den Täter zu ermitteln und bestrasen zu lassen." Steht denn der Polizeihund immer zur Verfügung des HauS- Wirts? Wen» nicht, wäre es vielleicht ratsam, einen— Spucknapf aufzustellen, der jetzt noch fehlt. Kleine Notizen. Einsturz eines Anlegestegs. In Hamburg ist am Sonntag auf der Bille ein Dampfer-Anlegesteg eingebrochen, als sich etwa 60 Mitglieder eines Gesangvereins darauf befanden. Alle stürzte» ins Baff er, konnten aber glücklicherweise bis auf eine Frau, die ertrank, gerettet werden. Schreckenstat eines abgewiesenen Liebhabers. In Nieder- d 0 n V e n an der Mosel erschoß ein junger Winzer namens K r i e r die 18jährige Tochter eines Winzers aus Ahn. Das Mädchen, um deren Hand sich Krier vergebens beworben hatte, wollte am Donnerstag h e r r a t e n. Ferner feuerte Krier auf den Bruder des Mädchens einen Schuß ab. ohne ihn jedoch zu verletzen. Nach der Tat verschanzte sich der Mörder, der mit mehrereir Gewehren bewaffnet ist. in seinem Haus und drohte jedem, der sich nähere, zu erschießen. DieWohnung wird von sechs Gendarmen b e Iv a ch t. Erdbeben in Rumänien. Am Sonnabendabend wurde fast in ganz Rumänien ein Erdbeben verspürt. Besonders stark und mit unterirdischem Getöse verbunden war es in der Stadt F o c s e n i. wo auch großer Schaden angerichtet wurde und eine Panik entstand. Um 10 Uhr abends erfolgte ein neuer E r d st o ß von geringer Stärke. Die Bevölkerung fürchtete sich, in ihre Behausungen zurückzukehren. Von Eingegangene Druckschriften. Die Ernährung nnseres Bolkes aus eigener Produktion. K. v. Rumker. Berlin. P Pareh. 1,20 M. Reichsversicherungsordnung nebst EinführnngSgeseh mit Er- lauter, ingeu von Dr. L. v. Köhler. I. Biesenberger, H. Schäffer und Dr. W. schall. Sechste Lieferung: Verfahren nebst den kaiserlichen Bcr. ordiiungen über GeschästSgang und Versabren der Berficherungsbehörden. 4,50 M. 23. Koblhammer, Verlag in Stuttgart. � Der Milchriug. Ein Beitrag zur Kartell- und Milchpreisfrage von D. E. Muhlhaupt. 2,40 M. G. Braun. Karlsruhe i. B. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Maiin Otto Lippert im Ziller von 43 Jahren ver- storben ist. lim stilles Beileid bitten Helens Lippert nebst Kindern, Nieder-Schönhausen, Kaiser« Wiihelm-Str. 47. Die Beerdigung sindct heute 23. Mai, nachm. 3 Ulir, in Ebers. «aide aus dem Anstalts- Fried- Hose statt. Griebens Reiseführer. Buckow und Umgebnng. Dresden und die Sächsische Schweiz....... Erzgebirge...... Freienwalde und Ebcrs- walde........ Harz(kleine Ausgabe),. (große Zlusgabe).. Vieckleuburg..... Nordseebüder..... Oberbayern(Salzburg, Salzkamm ergilt)... Oberspree...... Ostseebäder...... Potsdam und Umgebung Rheinreise...... Riesengcbirge(kl. Ausgabe) (gr. Ausgabe) ............... Sächsische Schweiz... Schwarzwald(kl. Ausgabe) „(gr. Ausgabe) Spreewald...... Thüringen...... Dlinr. Wald..... Zürol(gr. Ausgabe)... (kl. 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Mai verstarb unser Genosse, der Gürtler (ieonj Balzer Bödickerstr. 1. seinem Andenken! findet heute von der Leichenhalle des Zcntral-Fried- hoscS in Friedrichsfeldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 21S/I4 Der Vorstand. l�hre Die Beerdigung sin nachmittag 5'/, Uhr, Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Rohrleger EÄusrck Noch am 27, Mai an Herzleiden ge- stachen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet DonnerS- tag, den 30. Mai, nachm. 3 Uhr. aus dem Böhmischen Kirchhos, Neu- kölln, Hohcnzollcrnplatz, stait. Rege Beteiligung wird erwartet. 118/2 Die OrtSvcrwaltnng. Verband dertrelen Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege Eduard Peschel Rigaer Str. 99, Bezirk 3, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tic Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentralfriedhoscs in Friedrichsfeldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/6_ Ter Vorstand. Verein Berliner -Maseliiueiiiiieister (Rotationsabteilung.) Am 25. Mai verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Kollege JUM Müneheberg. Er war uns ein braver Kollege und werden wir seilt Andenken in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 29. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Heilig- Kreuz-Kirchhoscs in Maricndors aus statt. 1879b Ter Vorstand. Zentr-Krankenunterstüstungs- verein der Schmiede u. vcrw. Gewerbe Dcutschl. Zahlstelle 8. X n ch r n f: Den Kollegen zur Nachricht, dag unser langjähriges Mitglied, der Schmied 1880b Franz Hintz Reue Jakobstr. 5 im Alter von 50 Jahren am Freitag, den 24. Mai, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Sonnabend abend verschied Plötz- lich und unerwartet meine innigst- geliebte Frau, unsere liebe, Herzeus- gute Mutter, Großmutter, Schwic- germuttcr und Tante, Frau Bmma Neumann geb. Baerls im Alter von 56 Jähren. 1876b Im Namen der Hinterbliebenen Alfred Xenmann Waffertorstr. 5. Tankfagung. Zilien lieben Verwandten und Be- kannten, sowie dem Personal der Firma Manoli, wie dem Verband der Buchbinder für die rege Teil- nähme bei der Beerdigung unserer lieben Tochter Hertha den aus t Tnnf 55f richtigsten Dank. 55a Aamilic Schuhe. »> Verwandten die traurige Nachricht, daß am Montag meine innigst- geliebte Frau Ms Sange M Seimlz mir unerwartet durch den Tod ent- risse» wurde. 187Lb Um stille Teilnahme bittet Der trauernde Gatte Rndolf Sange. Beerdigung: Freitaguachmitlag 3 Uhr ans dem Kirchhof der Friedensgemeinde in Nordend. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden anläßlich des HinscheidcnS meiner lieben Frau und guten Mutter sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den» Fahrpersonal der Brauerei Scuß, Vem Damcnsparverein„Eintracht", den Kollegen der Firma Ihlenfeld, den Stanimgäften des NestaurateurS Arndt und den Genossen dcS 135. Be- zirks meinen herzlichen Dank. 1381b Rudolf Herzog nebst Kindern. Für die Danks�ung. s vielen Beweise herzlicher llnahmc und Kranzspenden bei der Beerdigung meine? lieben MmineS, unseres guten VaterS Franz Hi»t> sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten unseren aufrichtigsten Dank. 1870b Witwe Emilie Hinst nebst Kindern, Neue Jakobstraße S. U Für die vielen Beweise herzlich er Teilnahme und die kostbaren Blumen- spenden beim Begräbnis meines innigstgeliebien ManncS, des Schrift- setzers«fnlliis Hoppe, spreche ich allen Freunden, Verwandten und Be- kannten, der werten Nachbarschast, dem Gesangverein„Frühling", sowie den Kollegen und dem Personal der Hofbuchdruckere: Julius Sittenjeid meinen liesgesühlten Dank aus. 1869b Wwe. Harle Hoppe. Danksagung. Für alle Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung itiiscres geliebten Lohnes, Bruders und Schwagers Paul Nebrenheim sagen wir allen Teilnehmern, beson- derS dem Wahlverein des 4. Kreises, dem Pslanzcrvercin„Grüne Weide", seinen Freundinnen und Freunden sowie den Kollegen der Firma Schiern u. Stephanie sür die schönen Kranz- spenden Miseren herzlichsten Dank. W. Xchrenhelm und Frau. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, mX™.* 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Quäliiäis- ----- raischer ¥ fordern ¥ und rauchen nur Garbaiv Arbeitsnachweis: H°i I. Zimt Norden. Nr. 1229. Femltuiptelle Berlin CharitEstraste 3. Hauptbureau: H°f HI, Amt Norden, Nr. 1987. Donnerstag, den ZV. Mai ISIS, abends 8>/z Uhr: HranchenUersammlung = der Elektromonteure== nnd Helfer Groß-Berlins in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m(kl. Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau I-Hl«e Zictz, 2. Diskussion. 3. Branchcnangclegenhciten. 4. Vcrschicdcucs. EZ ist notwendig, daß alle Kollegen erscheinen. Donnerstag, den 3«. Mai ISIS, abends 6 Uhr: as Versammlung= aller in den chirurgischen und bakteriolo- gischen Betrieben beschäftigten Klempner im Lokal von Merkowski, Andreas st raßc 26. Tagesordnung: 1. Unsere gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse und wie verbessern wir dieselben? 2. Diskussion. 3. Branchcnangelegen- hellen. Die Kollegen der Firmen Küster, Dewet u. Herz, Kensberg u. Ulbrich- Rohrbeck. Medizinisches Warenhaus und Menke sind hierzu ganz besonder? cingeladen. SV Kollegen I Sorgt sür zahlreichen Besuch! SV Jede Werkstatt muß vertreten sein! 118/1__ Die Ortsverwaltuns. Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands Filiale Groß- Berlin. Freitag, den ZI. Mai ISIS, abends 6 Uhr: ordentliche Generalversammlung im Gewerkchaftshausc, Engelnfer IS(grosser Saal). ( Tagesordnung: 1. Bericht des Gesamtvorstandcs vom 1. Quartal ISIS. 2. Tarif- angelegenheiten und Verschiedenes. 192/15 »��—»»»»»»>�» Vcrbandsboch legitimiert!— In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung und da sehr wichtige Mttellungen zur Keiintnis zu nehmen sind, ist cS Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen.— Anfang ganz präzise. Der Torntand. (• WtVI NwIlHwWW U( J Filiale Berlin.— fflelchiorstr.-S8.== Donnerstag, den.10. Mai, abends 81/, Uhr, im Gcwcrkfchaftshause, Engeluser 15: AußtrirdtMlhtMitslicdeMrsmmIlliis. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal 1912. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. 3. Verschiedenes. . Mitgliedsbuch legitimiert.■■ 139/5_____ Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlotten barg. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, sindct im Volkshaus, Rofineustr. 3, kleiner Saal, unsere Mitglieder-Bersummlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bortrag über Invalidenversicherung. 2. Bericht von der Maiseier. 3. VerbandSangclegenheiten. 4. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt notwendig. 84/6 Die Drtsverw-altnng. Gemeinsame Ortskrankenkasse für Berlin-Wilmersdorf nnd Umgegend. _ Kaffenrechnunu pro 191 1._ Einnahme. t Kassenbcstand für den Ansang dcS RcchnungS- jahreS 2. Zinsen...... 3. Eintrittsgelder,.. 4. Beiträge...... 5. Ersatzleistungen für gewährte Kranken-Unter- stützmig...... 6. Ersatzleistung. v.BernjS- genoffenschasten usw.. 7. AnS dem RcservesondS entnommen.... 8. Aufgenommene Dar- Ichcn, durchl. Posten. 9 Sonstige Einnahmen. Mk. 24 149.52 4 549,30 12 631.62 525 512.09 6 369.35 5 623.59 23 000.— 33071.05 27 446,08 Ausgabe. 1. Arzthonorar.... 2. Arznei und sonstige Heilmittel..... 3. Krankengelder: a) an Mitglieder,. b) an Angehörige.. 4. Ilnterstühungen an Wöchnerinnen,.. 5. Stcrb.gclder.... 6. Kurkostcn an Kranken« Häuser....... 7. Ersatzleistungen sür ge« währte Krankew-Unter« stützmig...... 8. ZurückgezahtteBeiträgc und Eintrittsgelder. 9. Für Kapitalanlagen. 10. Dnrchlauscnde Posten, Dar- zurückgezahlte Ichcn...... 11. BerwaltungSkosten:- a) persönliche.,. d) sächliche.... 12. Sonstige Ausgaben. 13. Kassenbestand für den Schluß dcS Ncchnungs» jahrcs...... Mk. 54 339.22 66 731.16 225 021.24 L 276.72 6109.50 11 606.06 80 451.88 12 564.03 684.72 28 000.— 33 596.21 35 321.63 20 461.03 35 392.12 44 797.08 Ca. 662 352.60. 233 753.58 Sa. 662 352.60 Nach dem vorjährigen Abschluß betrug das Gesamtvermögen., Nach dem diesiährigenAbschluß beträgt das Gesamtvermögen ohne Inventar................... 259 401.14 BennögenSzunahme 25 647.56 Berlin-Wilmersdorf, im Mai 1912. 276/3 Der Xorstand. Lübsen, Tuckcrmauu, G. Siering, Vorsitzender. Schristsührer. Rendant. Die Reehnnngsprüf'nngsitoniiulsslon. Afdring. Henke. Hertel. Seifert. Schuster. Wiemaun. - Zähne 1,50 71. lO Jahre Garantie.-WG Zahnarzt Wolf, Potsdamer Straße 55(Hochbahnstation). flusnahme-Preise für Loilen-Pelerlnen Re�en-Mäntel und Touristen-Kleidung Mittwoch'■ Donnerstag--------- Freitag--------- Sonnabend Loden-Pelerinen Für Herren und Damen Qual. 1 grauer oder grünlicher Strichloden.„Imprägniert." Vorzüglich im Tragen. Mit abknöpfbarer Kapuze, Tragbändern, Armdurchgriffen und Taschen. Für Knaben und Mädchen Längen 70, 80, 90 cm Längen 100 u. 110 cm Längen 120 u. 125 cm 12.90 Q-.7.30 7.30,4.35 9.80,5.85 Touristen- Anzüge moderne Loden, praktische Formen m 45, 36, 30, 24, 18 = Gummi-Mäntel echt englisch, spottbillig, � für Herren und Damen M. XX.VU Touristen• J oppen zweckmäßige Loden und F ormen 13, 10.50, 8.50, 7, 5 M. s BaenSohn Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 11 Brückenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Die Besichtigung unserer KleiOerwerke, der gröStea ihrer Art in Deuticfalaad, wird unseren Kunden nach vorheriger Anmeldung gestattet. 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H. Bogel. L-rtzingstr. 37. Sl. Tieff, Jnvalidenstr. 124. L. Techaub, Ruheplatzstr. 24. Karl SlnderS, Salzwedelerstr. 8. H. Werner. Gneise, lauste 72. Dach», Hagclbcrger Str. 27. St. Friv, Prinzenstr. 3l. F. Lehmann. Kottbuser Damm 8. Paul Böl»», Laufitzer Platz 14/lb. P. Horsch, Engeluser 15. Adlersbot. Karl Schwarzlosc, Hoffmannstr. 9. Itnnmselinleniveg. H. Hornig, Marientbalerstr. 13, I. lloi-siwwnldc. Paul Kiciiast, Rauschstr. 10. Qbni-tottenbni-g. Gustav Scharnberg, Scienheimer Str. 1. »'riedi-Iebsbngen. Ernst Wertmann, Köpenick« Str. 18. Ortlnaa. Franz Klei», griebtichstr. 10. Johannisthal. PicliSe, Kaifer-Wilhclm-Platz 6. Karlshorst. Richard Kütrr, Rödclstr. 3. II. liijpenlelr. Emit Wifflcr, Kictzcrstr. 6, Laden. SJebtenberg. Ctto Seikcl, Wartcnbcrgstr. 1. Nledcp-Scliönewelelc. Gehrt. Britzer Str. 6. Notvnn-es. Willicli» Jappe, giicbrichftr. 7. Obcr-Scliöncveide. Zllfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17 II. I*anko,v. Ctto Risimnnu, Müblcnstr. 30. Bcinickcndorf. P. 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Eo., Berlin SW» Hr. 122. 2S. Zahrgaug� 2. Ktilqe Ks.Amlirls" Knlim AllMlt. Mittwoch. 29. Mai i9l2 U. perbandstag des Zentraiverbandes der Maschinisten vnd Heizer und verwandter Derufsgenossen. München. 25. Mai 1S12. Der Verbandstag wurde heute abend im..Gesellschaftshaus zur ..Lacke" mit den üblichen Begrüßungen eröffnet. Er ist von K0 Delegierten beschickt; außerdem sind 4 Vorstairdsmitglieder. 8 Gauleiter und die Vertreter der Redaktion, des Ausschusses, der Revi- soren und der Preßkommifsion anwesend. Die Generalkommission ist durch Gen.' B a u e r vertreten. Gäste entsandten der Deutsche Metallarbeiterverband den Kollegen M a s s a t s ch- Stuttgart, der Deutsche Transportarbeiterverband Döring- Berlin und der österreichische Bruderverband Morsch- und I a n i s ch e ck- Wien. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages erstattete der Ver- bandsvorsitzende Scheffel den Geschäftsbericht. der vom„Vorwärts" bereits besprochen-wurde. In seinen münd- lichcn Slusführungen betonte der Redner, daß die Agitation von Haus zu Haus am erfolgreichsten gewesen sei. Der schöne Auf- schwung des Verbandes sei daher in erster Linie der Kleinarbeit der Kollegen zu verdanken. Der Vorstand habe sich an der Agitation nicht so intensiv beteiligen können, da die besoldeten Kollegen zu sehr belastet seien. Die Anstellung einer weiteren Kraft für das Hauptbureau sei notwendig, die ihre ganze Aufmerksamkeit den Agitation widmet, Grenzstreitigkeiten bestanden mit mehreren Ge- werkschai'en. Durch Abschluß von jlartcllverträgen suchte der Vor- stand die Grenzstreitigkeiten zu vermeiden. Außer mit dem Trans- portarbeitcrverband wurde ein Kartellvertrag abgeschlossen mit den: Brauerei- und Mühlenarbeiterverband; kein gutes Verhältnis be- stehe leidev mit dem Gemeindearbeiterverband; es ist nicht gelungen, mit diesem Verband in ein Kartellvertragsverhälmis zu treten. Auf den Punkt Lohnbewegungen übergehend, besprach Red- ner ausführlich den Streik auf der Dortmunder„Union" im Mörz dieses Jahres. Die Unternehmer und die ihnen dienstwillige Presse gaben sich große Mühe, diesen Streik gegen die Beteiligten und gegen die gesamte Arbeiterschaft auszunutzen. Es wurde damals gegen die Maschinisten die Beschuldigung erhoben, absichtlich in großem Umfang Sachbeschädigungen vorgenommen und den Tod eines verunglückten Arbeiters verursacht zu haben. Die Arbeiter- presse habe diese unerhörten Beschuldigungen nachdrücklichst als unwahr zurückgewiesen. Auch der„rühmlichst" bekannte Professor Bernhard in Berlin hat auf Grund dieses Unglücksfalles den deutschen Gewerkschaften versteckte Sabotage und Entartung vorgeworfen. Prof. v. Brentano- München sei in erfreulicher Meise in der„Franks. Ztg." dem Bernhard entgegengetreten. Unter Zustimmung des ganzen Verbandstages erklärte der Vorsitzende: Wir müssen gegen diese leichtfertigen. Beschul- digungen Bernhards entschieden Protest ein- legen. Dem freisprechenden Urteil gegen den in dieser Sache angeklagten Kollegen gegenüber habe dann Prof. Bernhard die Augen zugedrückt! Nachdem der Berichterstatter die wichtigsten vorliegenden Anträge besprochen hatte, bezeichnete er als wichtigste Aufgabe des Verbandstages, eine Stärkung der Finanzen herbei- zuführen.— In seinen Ausführungen über den Kassenberickit wandte sich der Berichterstatter gegen eine Erweiterung der Unter- stützungen, weil die Kasse nicht weiter belastet werden dürfe. Für die Redaktion berichtete Ki r s chn i ck- Berlin. Die Auf- läge des Verbandsorgans betrug am 1. Januar 1010 25 000;au9ba!tfeife von fabelhafter Majchkraft. ganz* ohne Soda!! Stück SV Pf. Die Reinigungswirkung ist einfach fabelhast. Selbst durch und durch verschtnutzte Wäsche wird mit Kavon-Seife bei spielend leichter Arbeit wie neu. Empfindliche Stoffe wie Seide, Wolle, Spitzen, Gardinen usw. bleiben vollständig unverändert. 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Lützowstr. 80. II.„ Schöneberg, Hanptst. 142 Otto Brauer, Müllerstr. 164. uerat. 3z 3 EL. Hirsch, fr. Trenkl HaxElsermaiin,Cbarl.,I Nummern in Klammein beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) .f 189 290 347 672 683 826 80 85 900[5000] 9 1021 $184 612 738[500] 994[3U00J 2067 170 280 465 624 77 60 777 861[500) 84 3032[5001 466[600] 672 723 84 808 87 976 4219 322 403 668 615 836 5065 87 134 489 645 739 6033 99 147 97 365 83 909 94 7282 630 715 837 8003 67 197 390 457 629 69 74 839 983 9322 70 71 710 28 76 870 74 975 18009 40 141 44 254(500) 93 347 408[1000] 32 640 49[1000] 731[3000] 72 11084 174 303 23[600] 33 657 871 12036 81[500] 279 387 479 579[3000] 601 68 786 961[3000] 70 98 13026 292 362[30000] 72 70 444 564 765[500] 14091[500] 432 514 654 873 15018 24 41 247 67 326 79 623 57 682 862 968 18064 101 61 87 481 655 72 637 838 49 17065 137 213 25 342 44 440 81 628 763[500] 90 867 923 18083 217 65 657[500] 649 75 801 71 995 19069 85 148 287 519 712 873 20311 623 813 23 fSOOO] 916 49 21019 46 66 84 87 93 453 740 22031 77 129 369 707 34 77 873 fSOO] 78 060 75 23003 10 177 273 96 541 63 678 781 24074 394[500] 403 88 623 697 837 99 933 25348 69 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Kl. 226. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 28, Mal 1913 nacbmiliazs. Aaf Jede gaaogeae Kammer sind awel gleleh hohe 0». wlaae gemilcn, und»war Je eiaer»nf die Lose gleicher Nnmmer In den beiden Abtellnngen I nnd U Nur die Gewinne Uber 210 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 36 61 74 211 360 828 1223 308 63 435 65 02 1500) 732 2230 361 75 08 662 726 37 3085 287 423 63 656 87[500] 703[3000] 811 69 4071 76 321 436 69 73 82 667 840 948 5136 202 446 542 624 954 64 «063 136 369 448 628 740 7082 184 777 616 32 62 93[3000] 8028 240 410 61 94 9182 277 438 98 611 67 67 926 30 10066 184 64 237 96 326 412 16[500] 11104 346 68 97 12085 220[10001 64 77 311 86 41l 38[500] 42 633 36 968 13003 276[3000] 366 484[6000] 765 812 86 916 84 14039 43[1000] 132 82 223 59 64 360[560] 628 70 722 828 901 33 15009 III 222 90 369 408 533 689 737 64 79 857 996 16078 411 97 925 17041[500] 283 333 67 400[3000] 20 587 729 662[1000] 18252 394 633 627 692 19035 43 238 334[3000] 41 79 635 657 738 874 20393 440[1000] 81 747 21048 177 240 389 421 646 70 669 735 75 938 22085 153 69 314 460 609[500] 20 604 738 862 64 637 67 23015 11000) 64 71 228 39 343[500] 51 480 500 636 752 24210 [3000] 15 94 310 21 653[600] 87 88 25355 466 622 862 908 26059 200 79 317 69 442 541 829[1000] 63 78 908 27013[500] 144 246 72 388 611 627 906 18 70 86 67 28466 829 29422[660] 551 679 780 873 83 30054 168 343 403 98 689 611 14 51 816 31166 C3000] 369 445 604 662 745 32015 59 93[1000] 155 70 81[500] 361 429 60 726 76[500] 87[3000] 92 99 805 88 919 33114(6600] 22 233 48 70 01 459 03 573 620 799 806 16[3000] 61 965[500] 34008 138 87 262[500] 376 499 845 35042 93 129 212 413 29 663[3000] 96 750 36003 220 345 47 61 53 454 858 83 37025 400 47 670 683 94 829 97 38015 105 223 450 642[500] 600 747 837 684 08 39108 65 315 17 482 654 049 48310 40 708 37 65 84 917 18. 83 41059 130 68 372 584 619[3000] 860 909 27 62 42199 273 [3000] 306 667 88 614 32 876 43266 321 77 411 607 29 832 41 63 1500] 78 44011 67 US 314 44 471 732 808 20 927 4 5755[1000] 95 950 75 46135 96 207 60 380 438 62 551 741 828 982 47081 181 309 31 77 643 08 805 900 48017 286 304 29 421 685 704 608 25 49008 13 17 67 118 311 681 818 972 50022 132 72 204 55 65 85 320[1000] 64 419 695 635 834 994 51126 53 54 232 342 414 27[1000] 65 688 52221 72 360 410 677 062 63033 67 270 492 634 819 8 5 935 5 4 107 206 317 428 730 49 840 78 010 55005 68 98 146 391 467 86 620 43 968 56479 665 67354 447 656 767- 58018 29 155 93 287 383 660 608 65 73 870 089 59050 146 270 82 428 60 625 40 708 902[1000] 60176[600] 320[6001 39 52 465 825 49 63[500] 911 61095 103 83 218 440[1000] 602 87 908 6 2074 115[500] 40 93 238 310 467 630 63 657 782 854 908 88 6 3092[1000] 118 85 206 38 369 425 600 22 793 856 97 98[1000] 905 64125[500] 387 930 95[1000] 65261 377 508 64 679 732 64 69 823[500] 88106 315 30 664 740 61 834 46 67080 141 94 214 343 888 925 68089 106 273 83 422[3000] 91 694 927 68 69097 139 263 318 504 20 861 950 82 70156[1000] 253 316 666 706 13 860 031 34 71159 209[1000] 671 717 840 935 45 72013 69 178 283 617 79 813 30 988 73234[500] 434 521 749[506] 922 74063 105 14 611 29 806 41 88 915 28 75025 (600) 165 294 320 52 429 596 76073 171 82 368 68 483 674 730 74 838 971 94 77058 111 541 752 803 35 43 [3000] 921[600] 73029 115 611 13 93 05 743[6001 883 001 16 91 79005 12 131 254 02 807 471 600[1000] 33 805 87 909 37[600] Z 80031 67 75 122[500] 212[600] 60 354 61 518 41 716 871 79 67 038 64 81043 63 109 16 81 60 262 (3000) 424 96 604 618 772[3000] 82059 342 71[500] 498 523 68 639 93 772 825[500] 61 904 83070 263 608 601 84028 142 72 251 69 05 439 85051 104 5 86 1600) 223 656 68 981 86043 308 44 426 87073 67 256 310 [3000] 26 666 765 8043 260 391 455 633 778 6S5 639 47.89020 29 180 294 319 44? 63 673 61? �«9248-45.2.4 617 710.74.819 95 81828 22 553 83 [3000] 776[1000] 92033 BS[3000] 177 208 317 96 422 870 977[1000] 93026 54 216 65 436 89[500] 654 789 937 41 64 64[3000] 98[600] 94119 74 239 602 31 65 77[500] 813 903 27 95269 618 871 96112 450 640 42 91 803 19[6001 22 66[600] 67[500] 97244 340 86 690 639 788 98049 416 647 60 760[500] 71 858 965 99005 605 815 32 85 106080 252 385 438 49 658 1 0 1 045 170 614 [1000] 759 82 818 934 10202z 124 310 680 672 78 707 66 820 64 950 1 03013 134 47 336 994 1 04041 89 96 133 226 332 61. 62 661 94 821 87 105062[1000] 141 304 488 583 610[1000] 758-.3 85 830 1 06053 774 831 67 107054[500] 187 76<-3 609 765[3000] 903 108138 381 468 601 6 21[1000] 638 733 55 819 625 109192 408[500] 602[3000] 6 60 882[1000] 904 1 1 0098 419 76 611 24 911 111047 114 87 384 88 [1000] 453 01 647 882 93« 45 112045 127 206 00 436 748 846 949 79 113013(30001 68 178[500] 232 1500] 314 68 810 30 933 82 91 94 114213(500] 69 327 424 81 629 76 761 78 821 33 40 67[500] 914 115100 273 [500] 460 606 78 635 792 831 34 71[600] 116059 260 310 59 401 36 43 75 578 95 843 92 943 74 117060 76 04 229 65 397[500] 531 605[500] 23 710 12 823 922[1000] 79 118034 167 83 253 302[1000] 483 67 672 636 94 721 119121 415 607 16 712 16 810 14 962 120011 120 80 476 717[600] 874 1 2 1054 195 635 93 857 84 122075 114 368 484 631 88 670 724 813 123160 65 72 82 209 836[1000] 948 89 124171 304[3000] 484 523 617[3000] 38 766 125202 376 88 609 683 700 13000] 1[50001 813 65 932 126114 85 91 [599] 238[3000] 62 319 670 758 127010 47 668 683 737 1 28013[500] 158 65 68 292 360 487 633 65[500J 935 129070 78 158 72 209 47 331 495 541[600] 76 627 62 72 86 727[1000] 882 974 84 13O013[500] 65 257 484 701 9 803 131181 219[500] 34 487 657 700 30 43 132145 268 322 65 432 665 689 757 853 133144 223 61 639 89[3000] 700 12 879 134000 125 41 71 76 77 284[1006] 302 481 618 706 805 39 77 067 135369 406 80 724 830 137003[500] 358 622 733 809 016 138158 208 325 64 679 920 139094 129 243 431 79 563 98[600] 615 32 712 873[30001 140133 237 354 459 755 89 141069 152 217 44[600] 315 91 638 60 774 874 955 93 142229 343 632 612 15 914 61 143022 405 637 722 29 51 SOS SO 918 62 144050 87 88 108 332 403 658 63[500] 634 63 729 143259 06 440 76 601 10 30 39 67 668 701 904 146124 407 73 670 603 762 812 67 039 147029 97 128 307[1000] 85 449 513 48 613- 33[500] 148012 137 50[500] 73 299 462 631 757 862 934 149108 19 99 255 64[1000] 402[1000] 528 629[10000] 773 75 96 641 67 150233 72 347 408 70 587 602[1000] 752 843 928 41[10001 89 151057 97 371 99 441 568 605 894 984 [500] 152204 8 70[1000] 71 697 823 54 906 50 71 153071 277 643 88 820[500] 956[3000] 164180[500] 436[600] 628 30[600] 67 79 700 57 70 876 970 155323 657 797 831 914 74 84 158066 49[1000] 52 67 164 [10001 354 690 721 843 48 78 79[600] 157226[300001 368 694 741 45 158001 132 90 219 32 324 632[600] 803 24[600] 67 1 59019 24 103 223 32 91 322 23 [1000] 465 598 701 847 168021 109 18 97 457 733[600] 852 91 161011 17 ISO[1000] 84 369 623[5001 91 810 06 162063 174 370[600] 77 411 543 60[600] 85 749[1000] 458 904[500] 22 51 66 163025 105 278 487 618[1000] 40[40000] 717 61 184066 131 513 17 610 24 753 951 165001 118 259 329 675 738[1000] 47 88 817 166163 ■ 235[500] 44 388 591 808 98[600] 948 43 97 167084 304 86 404 18 56[3600] 81 631 63 699 723 28 803 9 911[1000] 23 82 94 1 68028[8000] 77 78 315 478 636 615[1000] 40 800 87 901 169045 87 148 238 65 61 94 357 624 657 88 025 957 178053 100 24 35 69 208 57[1000] 455 87 171001 73[600] 125 63 218 63 458 74 75 611 92[3000] 768 828 31 172032 93 138 87 572 707[5001 48 812 178107 18 330 422 31 64 567 852 908 174129 297 301 30[600] 464 961 175016 240 71 326 669[500] 01 855 919 68 176427 622 82[1000] 779 827 177185 800 420 603 44 683 746 829 63[1000] 980 178065 70 121 60 269 364 611 69 87 704 811 25 78 973 90 17 9074 122 88[1000] 400 42 68 680 768 951 180119 40 241 42 345 415[600] 55[500) 720 933 06[500] 181061 254 354 81 452 68 501 182154 643 67 526 65 607[1600] 768 984[500] 183212 14 43 65 367 448 603 78 745 67 OOS 184025 79 82 250 314 496 612 62(10001 BIS 959 185244 339 44 617 634 620[500] 953 186145 390 507 60 517 66 187285 90 346 401 43 91 602 13 51 64 81 969 188262 SS# l4I ja äU_m.fil�4i3-188MS_2ia-fli4 tlllfifl] J21 vtranttvonUcher Uievatleur.- gtlbcrt Wachs. Berlin, gut den gnseratentei! verantw j Th. Glocke, Berlin. Dfucku.Bfrlag: Borwärt» Buchdruckfrei u. Berlagsanstalt Paul Smger u. Ed., Berlii, SW. Nr. 122. 29. Jahrgang. 3. ßtilmjf des Jotniöttf Betliiiet UslksM »ittoodi, 39. M«i(913. Partei- Hngclcgcnhcitcn. Lankwitz. Heute abends 8>/z Uhr: Mitgliederversammlung bei Schulz, Mühlenstratze. Tagesordnung:„Arbeiterversicherung". Refe- rent: Gen. Wissell. Gcmeindevertreterbericht. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. berliner IVacKricKten. Psiugststürme. Frau Sonne gefiel sich am Sonntag früh in einer op- tischen Täuschung. Sie lachte so leuchtend ans Osten her, daß alle Welt glauben konnte, der himmlische Wärmespender wolle uns die echte, rechte Pfingststimmung bringen. Wer sich verleiten liest zum Frühkonzert, merkte gar bald, daß der Aufenthalt im Freien nicht gerade gemütlich war. Die Sonne hatte nur mal gespaßt, es wurde bitterkalt. Die junge Weiblichkeit in den lustigsten Festtoiletten„bibberte" nur so, die Kinder sahen mit blaugefrorenen Naschen wie der nackte Hohn aus auf den Sommer. An langes Sitzen im Garten war nicht zu denken. Man promenierte, schimpfte auf den ollen Petrus, der den feiernden Menschen kein fröhliches Pfingstfest gönnte, verschlang Unmengen wärmenden Mokkas, bestellte sogar steifen Grog und tröstete sich mit dem Gedanken, doch wenigstens„dabei gewesen" zu sein. Mit den Stunden nahmen die Böen, die den Regen zurückhielten, an Heftigkeit zu, wuchsen zeitweise zum Sturm. Das Schlimmste war die Ungewißheit. Da war nun die neue Pfingstkluft zart und duftig zurechtgelegt, daneben der„Freßkober" gepackt. Wird es noch besser werden? Soll man sich hoffend hinauswagen? Wohl die meisten, die nicht schon am Pfingstsonnabend mit Ranzen und Stecken in die Ferne gezogen waren, stießen das Festprogramm über den Haufen. Menschen waren ja genug unterwegs. Die verdorbene Stimmung sah man ihnen an der Nasenspitze an. Die Unentlvegtesten pilgerten mit dem Refrain„Bums, wir amüsieren uns doch I" nach Feld und Wald, das Gros blieb in den Stadlgrenzen und überschwemmte hier die Bergnügungslokale, die auf ein so glänzendes Geschäft kaum gerechnet hatten. Theater, Varietes, Kientöppe hätten noch einmal so groß sein können. So wickelte sich der Festverkehr ohne den sonst üblichen Sturm auf die Eisenbahnwagen ab. Die Sommerlokalbesitzer waren selbstredend die betrübten Lohgerber, saßen an den Wassern und weinte« Tränen ins leere Portemonnaie, bildlich genommen. Noch unangenehmer führte sich der zweite Feiertag ein. Zum Sturm gesellte sich zeitweilig Regen, die Temperatur sank noch um mehrere Grade, aber junges und älteres lustiges Volk durfte sich nun mit hoher Erlaubnis wenigstens warm tanzen. Das brachte auch solchen Außenlokalen, die durch ihren„Schwoof" berühmt sind, stärkeren Zuzug. So kam man mit viel gutem Willen und Galgenhumor noch einiger- maßen auf die Festrechnung. Und ganz abseits standen nur die Tausende, in denen es am Festtag auch stürmt, wenn die Sonne noch so schön lacht und wärmt. Für Reisende mit Traglasten. Vom 1. Juni d. I. ab werden, wie bei den Zügen Potsdam-Erkner, auch bei den nachstehend auf- geführten, über die Stadtgleise der Stadtbahn laufenden Vorort- zügen der Richtung Grünau, Spindlersfeld und Kaulsdorf an Werktagen je drei Abteile für Reisende mit Traglasten, und zwar an dem in der Richtung nach Charlottenburg gelegenen Ende der Züge, eingerichtet werden. Es sind dies die Züge, die in der Rich- tung von der Stadtbahn die Station Niederschäneweide-Johannis- thal um 1, 9, 17, 31, 39, 47 Minuten, die Station Lichtenberg- Friedrichsfelde um 7, Ü3, 37, öS, in der Richtung nach der Stadt- bahn die Station Niederschöncweide-Johannisthal um 19, 18, 27, 49. 48. 57, Lichtenberg-Friedrichsfelde um 1, 29, 81, S9 Minuten Nach der vollen Stunde berühren. Zu den Mißständen im Konfirmandenunterricht, die kürzlich zu einer Anklage gegen den Pastor Sylvester von der Pfingstkirche in Berlin tvegen Körperverletzung führten, macht in einem Ber- liner Lokalblatt der Pastor Falck einen bemerkenswerten Abände- rungsvorfchlag. Er meint, es handele sich hier weniger darum, ob im Einzelfalle Konfirmanden oder Geistliche sich unangemessen benehmen, vielmehr müsse man der grundsätzlichen Lösung der Konfirmandenfrage nähertreten. Als einziges Heilmittel dieser Mißstände erscheint ihm die Heraufrückung des Alters für den Konfirinandenunterricht und die ab- solute Freiwilligkeit des Besuches desselben. So wie die Dinge jetzt liegen, zeige doch eine große Zahl der 13� und 14jährigen großstäbtifchcu Knaben, daß sie dem Konfirmanden- Unterricht immer einfach ablehnend gegenüberstehen. Viele seien auch für eine vertiefte religiöse Unterweisung nicht reif genug. Solle man da einen Zustand weiter schleppen, der sich doch eigent- lich als unhaltbar erweist? Das bedeute nur eine Vergeudung von Zeit und Kraft auf beiden Seiten. Hiernach scheint selbst Pastor Falck der falschen Meinung zu sein, daß ein Zwang zur Konfirmation besteht. Daß es einen solchen gesetzlichen Zwang nicht gibt und nur die unfrommen Eltern nicht ehrlich genug sind, ihre Kinder der Sitte des Kon- firmandenunterrichts zu entziehen, haben wir bereits in Nr. 117 vom 22. Mai des längeren ausgeführt. Mit dieser Feststellung ist eigentlich die ganze Frage schon gelöst. SZZem seine Kinder zu schade sind, um sie geistig abstumpfen zu lassen, der treibe sie nicht erst den Geisttichen in die Arme. Eine Bermißtensuche ist in Berlin und seinen Vororten für die Polizei gewiß nicht immer so einfach, wie die Angehörigen eines plötzlich Vcrschwundc- nen sich das meist vorstellen. Manchmal hat aber die Polizei mit ihren Nachforschungen nach einer als vermißt gemeldeten Person so auffallend wenig Glück, daß man sich doch fragen muß, ob nicht bei etwas mehr Umsicht die Suche erfolgreicher hätte enden können. Bon Mißerfolgen, die auf diesem Gebiete die Polizei Berlins gc- habt hat, sind im„Vorwärts" gelegentlich recht sonderbare Proben bekanntgegeben worden. Heute haben wir über eine Leistung zu berichten, die offenbar nicht der Berliner Polizei allein aufs Konto zu setzen ist. Um es vorweg zu sagen: über zwei Monate hindurch ist eine der Berliner Polizei aufgetragene Vermißtensuche erfolglos geblieben, obwohl der Vermißte schon innerhalb der ersten vier- undzwanzig Stunden in Charlottenburg auf der Straße hilflos auf- gefunden und als geisteskrank in Verwahrung genommen worden war. Es handelt sich um einen 7Sjährigen Greis, den früheren Schiffseigner Julius G e i s e l e r, der am 11. März abends im Stadtteil Wcdding auf der Straße verschwand. Während seine Ehe- frau in einem Geschäft etwas kaufte, wollte er vor der Tür warten, atac fcft gedankcnschixg�e PjMg sZcijif pFM allxin weitergeAgngey zu sein und den Heimweg nicht gefunden zu haben. Als er nicht in seiner eigenen Wohnung in der Guineastratze und auch nicht in der Wohnung einer verheirateten Tochter eintraf und in den be nachbarten Straßen alles Suchen nach ihm erfolglos blieb, meldeten die Angehörigen das noch an demselben Abend dem 5 7. Polizei- b u r c a u fMüllerstraßel, zu dessen Bezirk Geiselcr gehörte. Die Hoffnung, daß die Polizei den alten Mann nach den Angaben über seine Person und über sein Aussehen baldigst auffinden werde, er- füllte sich leider nicht. Tag um Tag verstrich, Wochen gingen hin aber immer wieder wurde den auf der Polizei nachfragenden An- gehörigen geantwortet, es sei nichts zu ermitteln. Inzwischen waren sie nicht müde geworden, auch selber weiter nach dem Ver- schwundcncn zu suchen. Sie fragten in Berliner Krankenhäusern nach, ob er vielleicht krank eingeliefert worden sei. Sie forschten im Obdach, ob etwa irgendeiner ihn dahin verschleppt hatte. Sie schrieben an Irrenanstalten Berlins und auch der Provinz und baten um Auskunft, ob Geiseler dort in Verwahrung genommen worden sei. Sie besichtigten mehrere Leichen im Schauhaus und in der Charite, weil sie fürchteten, daß der alte Mann verunglückt sei. Sie gaben durch den„Vorwärts" sein Verschwinden bekannt und baten. Meldungen an seine verheiratete Tochter oder an die Polizei zu richten. Aber alles war vergeblich. Mehr als zwei Monate waren verflossen, da kam plötzlich am 19. Mai von der Armendircktion Charlottenburg eine vom 18. Mai datierte Zuschrift, die an einen nicht bei den Eltern wohnenden Sohn Geiselers adressiert war und so lautete: „Mr haben die traurige Pflicht, Ihnen den am 16. Mai d. I. in der Landesirrenanstalt in Teupitz(Mark), Bahnstation Teupitz-Großköris, erfolgten Tod Ihres Vaters Julius Geiseler hiermit anzuzeigen. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Mai d. I., nachmittags 2�4 Uhr, auf dem Anstaltsfriedhof in Teupitz statt." Wie war der Verschwundene nach Teupitz gekommen? Was hatte mit ihm die Armendircktion des Charlottenburger Magistrats zu tun? Und warum wurden erst nach seinem Tode die Angehörigen ermittelt? Alles das schien der Familie unbegreiflich. Nachforschungen, durch die sie die An- gelcgenheit aufzuklären suchte, ergaben sehr Sonderbares. In Charlotenburg wurde einer Tochter auf dem Polizeipräsidium von einem Kriminalbeamten gesagt, sie solle mal in der Edelschen An- stalt nachfragen. Gemeint war die Edelsche Irrenanstalt, die von der Stadt Charlottenburg zur Unterbringung ihrer Geistes- kranken mitbenutzt wird. Die Tochter fragte hier an und erhielt im Bureau die Auskunft, daß ihr Vater schon am 12. März, nach- dem man ihn in der Wilmersdorfer Straße hilflos aufgefunden und in einer Unfallstation ihm die erste Hilfe geleistet hatte, in die Edelsche Anstalt eingeliefert worden sei. Der Bureaubeamte las ihr aus seinem Buch vor, daß ihr Vater als Schiffseigener Julius Geiseler ohne Wohnungsangabe eingetragen war. Vermutlich war dem gcdankenschwachen Greis das Wort„Guineastraße" aus dem Gedächtnis entschwunden. Ein Pfleger, von dem die Tochter nähe res über den Vater zu hören wünschte, erzählte ihr. Geiseler habe noch angegeben, daß er 1836 in Malz bei Oranienburg geboren sei. Diese Angabe war in der Tat richtig. Der Pfleger schilderte auch, wie der alte Mann oft von seinem Kahn geredet habe. Manchmal habe er vorwurfsvoll vor sich hingesprochen:„Mutter, Du bist doch recht schlecht! Warum kommst Du nicht mal und holsb mich nicht von hier weg?" Der Arme wußte nicht, daß Mutter alles in Be wegung gesetzt hatte, um ihn zu finden, aber noch immer keine Ahnung von seinem Aufenthalt hatte. Fünf Wochen blieb er in der Edelschen Anstalt, dann wurde er von der Stadt Charlottenburg am 18. April an die A n st a l t T e u p i tz überwiesen, und nach weiteren vier Wochen erlag er dort einem Herzschlag. Rätselhaft ist an dem Verlauf der Angelegenheit noch manches. In Berlin wurde sein Verschwinden der Polizei ge- meldet, in Charlottenburg wurde er am anderen Tage aufgefunden— aber keiner wußte, daß es sich um dieselbe Person handelte! Hat die Berliner Polizei es nicht für nötig gehalten, die Vermißtmeldung an die Vororte weiterzugeben? Ist die Charlottenburger Polizei nicht auf den Gedanken gekommen, die ihr hoffentlich doch bekannt gewordene Auffindung des Hilflosen auch nach Berlin zu berichten? Da fehlt es offenbar noch immer an der richtigen Organisation, durch die bei Vermißtcnsuchcn ein wirksames Zusammenarbeiten der Polizeibehörden Berlins und der Vororte er- möglicht würde. Und was ist in der Anstalt von Edel, Ivas in der Anstalt zu Teupitz, was in dem Charlottenburger Rathaus getan worden, um die Angehörigen des hilflos aufgefundenen, als geistes- krank erkannten Mannes rechtzeitig zu ermitteln? Es scheint ganz unbegreiflich, daß es nicht möglich gewesen sein sollte, die Adresse der Familie festzustellen, ehe der Greis einsam und verlassen starb. Von einer Stiftung des Kaisers für Berliner Arbeiter- kinder wissen einige Blätter zu berichten. Danach soll der Kaiser den Bau eines Erholungsheimes angeordnet haben, das an der Ostseeküste errichtet werden und Berliner mittel- losen Arbeiterkindern zum Aufenthalt dienen soll. Die Anlage soll monatlich 130 Kindern Aufnahme gewähren. Die Einrich- tung würde mithin jährlich 700 bis 800 erholungsbedürftigen Arbeiterkindern zugute kommen. Fräulein Mathilde Kirschner, die Tochter des Berliner Oberbürgermeisters Kirschner, soll die Leitung der Anstalt übernehmen. Ob die Nachricht richtig ist. wissen wir nicht. Wenn sie aber wahr sein sollte, so wird die Sache selbst wenig praktische Bedeutung haben als höchstens die, die Berliner Armen- dircktion zu entlasten, die heute schon in der fiskalischsten Weise schonungsbedürftige arme Kinder nur in dringendsten Fällen in ganz unzulänglicher Weise zur Erholung sendet. Fünf Jahre unterwegs ivar eine Postkarte, die uns gestern im Original vorgelegt wurde. Tie Karte trägt den Poststempel 6.7.97 und wurde von Eberswalde nach Micrsdorf b. Zeuthen adressiert. Jetzt ist die Karte zurückgekommen mit dem Vermerk: Zurück 25. 5. 12. Der Absender war überrascht von dieser Gewiss enhaf- tigkeit der Post, die zwar die Adressatin, deren Adresse genau bc- zeichnet und gar nicht zu verfehlen war, nicht finden konnte, aber doch die Karte ihm wieder nach zirka 5 Jahren zustellte. Wo mag dieselbe in dieser langen Zeit gelegen haben? Paradefericn. Am Tage der diesjährigen Frühjahrsparade, dem 1. Juni 1912, fällt der Unterricht in den Schulen ans. Die Flugwoche in Johannisthal hat ihren Anfang genommen. Infolge des böigen Wetters kam es aber zu keinen nennenswerten Flügen. DaS Publikum war enttäuscht. Der am Sonnabend er- folgte Todessturz des Leutnants Schlichting wirkte auch nicht gerade günstig auf das Unternehmen ein. FciertagSeinbrüche werden zahlreich gemeldet. Die Spitzbuben benutzten die Abwesenheit von WohnnngSinhabcrn zu ihren Raubzügen. Mancher arme Teufel wurde seiner Habe bergpbt. Gerade zur rechten Zeit lehrte eine Frau aus der Pankstraße von einem Ausfluge zurück, den sie mit ihrer Familie am Pfingstmontagnachmittag unternommen hatte. Auf dem Heimwege war sie des regnerischen Wetters wegen ihren An- gehörigen etwas vorausgegangen und wartete nun im Hausflur auf diese. Als sie so dastand, kamen zwei ihr unbekannte Männer die Treppe herunter und verließen eiligst das Haus. Weil die beiden mit Paketen beladen waren und ihr Benehmen sie verdächtig er- scheinen ließ, kam die Frau auf den Gedanken, daß es Einbrecher sein könnten. Bei genauerem Hinsehen sah sie, daß einer der beiden den Ueberzieher ihres Mannes trug. Sie stellte jetzt die Leute zur Rede. Diese nahmen daraufhin Reißaus. Es gelang aber, einen von ihnen nach längerer Jagd festzunehmen. Dieser entpuppte sich als der Arbeiter Karl Lowitzki, der mit seinem Spießgesellen eine Klingelfahrt unternommen und schließlich in die unbeaufsichtigt gebliebene Wohnung der Frau gekommen war. Sie hatten, nach- dem sie die Wohnung mit einem Dietrich geöffnet, alle Schränke und Behälter erbrochen und durchwühlt und alles Mitnehmens- werte, Kleider, Schmucksachen usw. zusammenvcpackt, ohne daß von ihrer Anwesenheit im Hause etwas gemerkt worden war. Unholde im Grunewald. In schamlosester Weise gehen seit kurzem gemeingefährliche Subjekte im Grunewald zu Werke. Die Wüstlinge machen sich an wehrlose Frauen heran und belästigen diese in nicht wiederzugebender Weise. Die Unholde scheuen sich auch nicht, ihren Opfern die unzüchtigsten Anerbietungen zu machen. So wurden am 1. Feiertag mehrere Damen von einem der Lüstlinge verfolgt, so daß ihnen schließlich nichts anderes übrig blieb, als die Flucht zu ergreifen, um aus dem Bereiche des ge- fährlichen Menschen zu kommen. Einer der Attentäter konnte bereits dingfest gemacht werden. Merkwürdigerweise wurde in dem Unhold ein Berliner Rennfahrer ermittelt. Da er eine feste Wohnung anzugeben vermochte, wurde er nach Feststellung seiner Personalien wieder auf reien' Fuß gesetzt.' Das Opfer eines eigenartigen Unglücksfalles wurde gestern vor dem Hause Maybachufer 1 aus dem Landwehrkanal gelandet. Der 24 Jahre alte Eisendreher Paul Funke aus der Mariannen- straße 8 war mit einer Näherin verlobt, deren Schwester mit einem Kinooperateur verlobt ist. Als beide die Schwestern am vergange- nen Dienstagabend besucht hatten, gingen sie zusammen noch in mehrere Schankwirtschaften, bis sie beide bezecht waren. Auf dem Heimwege kamen sie am Maybachufer vorbei. Hier kletterte Funke in seiner Trunkenheit auf das den Kanal einfassende Holzgitter, um auf diesem entlang zu gehen. Die Waghalsigkeit mußte er teuer büßen. Als er wenige Schritte gegangen war, verlor er das Gleich- gewicht, fiel ins Wasser und ertrank. Beide Beine abgerissen. In dem Kupfer- und Messingwalzwer� von A. Laue u. Co. in Reinickendorf, Residenzstraße 62/63, gerie gestern morgen der Arbeiter Freiberg in die Transmission einer Maschine. Ehe man ihn befreien konnte, waren ihm bereits beide Beine abgerissen. In hoffnungslosem Zustande schaffte man ihn nach dem Reinickendorfer Kranlenhause. Aus dem Fenster gestürzt hat sich am ersten Feierkage abend» um 19 Uhr die 68 Jahre alte Ehefrau Wilhelmine des Buchbinders Pax aus der Lehniner Straße 7. Die Frau zeigte seit längerer Zeit Spuren von Geistesgestörtheit. Weil sie sich aber immer ruhig verhielt, ließ man sie stets ohne besondere Aufficht. Als sich am Sonntagabend der Mann in der Stube und sie in der Küche befand, öffnete sie plötzlich das Fenster und stürzte sich auf den asphaltierten Hof hinab. Hier blieb sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Auf Posten erschossen. An der Spandauer Zitadelle wurde gestern morgen 2 Uhr der Gardesoldat Meyer von der 6. Kompagnie des 6. Garde-Regiments z. F.. der an der Schwimmanstalt bei der Zitadelle Posten stand, tot aufgefunden. Die Schußrichtung geht vom Kinn durch den Kopf. Ob ein Selbstmord, ein Unfall oder ein Ber- brechen vorliegt, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich am PfinMonntag die 49 Jahre alte Ehefrau Emilie des Chauffeurs Heinke aus der Schönhauser Allee 9. Die Frau litt seit 3 Jahren an der Wassersucht. In großen Schmerzensanfällen äußerte sie wiederholt zu ihren Ange- hörigen, daß sie es nicht länger aushalten könne und sich da» Leben nehmen würde. Diese beruhigten sie aber immer und hielten sie von der Ausführung ihres Borsatzes zurück. Als sie am Sonntag allein in ihrer Wohnung war, bekam sie wieder einen heftigen Anfall. Sie nahm, um ihren Schmerzen ein Ende zu be- reiten, in der Küche den Gasschlauch in den Mund und vergiftete ich mit Leuchtgas. Als abends um 9 Uhr ihr Mann von einem Berwandtenbesuch zurückkehrte, fand erste bewußtlos daliegen. Er holte gleich einen Arzt, dessen Wiederbelebungsversuche aber ohne Erfolg waren. Die Leiche wurde beschlagnahmt uv-tz nach dem Schauhause gebracht. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden de» Vize« eldwebels Bamberger vom II. Garderegiment, seiner Braut und einem Kinde gefunden. Bereits am Ostersonnabend wurde B. mit einer Braut und dem Kinde vermißt. Seit dieser Zeit wurde ver» geblich nach den Verschwundenen Umschau gehalten. Am Pfingst- onnabend endlich fand der Revierförster Luft in der kgl. Forst Falkenhagen zwischen Hennigsdorf und Marwitz an der linken Seite der Marwitzer Chaussee die drei Vermißten in einer Schonung tot auf. Das Kind lag zwischen den Eltern; die Leichen waren schon tarl in Verwesung übergegangen. Was den V. und seine Braut in wn Tod getrieben hat, ist nicht bekannt. Tödlicher Absturz von der Millionenbrücke. Ein schrecklicher Vor- gang hat sich gestern morgen auf der Millionenbrücke abgespielt. Der 55 Jahre alte Schmiedemeister Otto Schultz aus Eberswalde 'türzte sich in selbstmörderischer Absicht von der Brücke auf die Gleise der Nordbahn hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er terbend inS Virchow-KrankenhauS eingeliefert werden mußte. Sch. hat die Tat aus dem Grunde vollbracht, weil er von seiner Ehefrau verlassen worden war. Er vermutete sie in Berlin und sucht« mehrere Tage vergeblich hier nach ihr. Gestern morgen langte er an der Millionenbrücke an, entledigte sich dort plötzlich seiner Kleidung und stürzte sich vor einem heranbrausenden Nordringzug auf den Bahnkörper hinab. Der Zug konnte jedoch noch rechtzeitig zum Halten gebracht werden, da der Führer den Vorfall beobachtet hatte. Beim Aufschlagen auf die Gleise zog sich der Lebensmüde o schwere innere Verletzungen sowie Arm- und Beinbrüche zu, daß er in völlig hoffnungslosem Zustand vom Platze getragen werden mußte. Eine große Anzahl von BootSunfälle», darunter einer mit töd« lichem Ausgang, haben sich an den beiden Pfingstfeiertagen auf den Gewässern in der Umgebung von Berlin ereignet. Schon in den 'rühen Morgenstunden des ersten Feiertages hatte sich auf den Seen und Flüssen, besonders auf der Havel, der Spree, dem Müggelsee und dem Tegeler See. ein ganz ungewöhnlicher Knder- und Seglerverkehr entwickelt. Als dann in der Mittagsstunde eine stürmische Witterung eintrat, wurde der Aufenthalt auf den Gewässern ein recht gefährlicher. Dadurch ließen ich die Anhänger des Rudersports aber keineswegs abhalte», ihre Partien fortzusetzen. Zeitweise setzten so heftige Sturzwellen ein, daß die Fluten hochgepeitscht und die Boote gleich Nußschalen auf der Oberfläche hin- und hergeschleudert wurden. Hierbei sollte eS zu zahlreichen Unfällen kommen. Sowohl auf den bereits oben an- geführten Gewässern als auch auf dem Zenthener-, Langen- und Wannsee wurden mehr als 29 Boote zum Kentern gebracht. Vi» auf einen Fall gelang es, die über Bord geschleuderten Insassen den erregten Klute» zu entreitze»� Leider sollte bei einenr aufregenden Unglücksfall ein junger Berliner den Tod in den Wellen finden. Der 22jährige Kaufmann Erich Otto aus der Nigaer Straj;e hatte mit einem Freuwd eine Ruderpartie unternommen und während der stürmischen Fahrt unvorsichtigerweise den Platz gewechselt. Dabei wurde das leichte Boot derart ins Schwanken gebracht, daß es umschlug. O. ging sofort unter und kam nicht wieder an die Oberfläche. Wahr- schcinlich war er sofort von einem Herzschlag betroffen worden.— Auf dem Seddinsee kam es zwischen zwei Boote» zu einem Zusammen- stoff, wobei sechs Personen in die Fluten stürzten und in der größten Lebensgefahr schwebte». Sechs Personen bei einem Automobilunfall verletzt. Auf der Chaussee Berlin-Königswusterhauscn hat sich am Pfingstmontagvor- niittag hinter der Ortschaft Rudow ein schwerer Automobilunfall zugetragen. Ein mit sechs Personen besetztes Privatautomobil fuhr dort mit ziemlicher Geschwindigkeit gegen einen starken Chaussccbaum und überschlug sich. Sämtliche Insassen wurden bei dem Anprall herausgeschleudert und zum Teil schwer verletzt. Einige Radfahrer, die dem Automobil gefolgt waren, holten aus den benachbarten Ortschaften Hilfe herbei. Der Chauffeur wurde nach dem Britzer Krankenhaus gebracht, während die anderen fünf Verunglückten in einem Privatautomobil nach dem Krankenhaus in Oberschöncwcide transportiert wurden. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 26. Mai hat ein Straßen- rcinigcr in einem Garten der Königin-Augustastraße ein dunkel- karricrlcs Jackett mit schwarzem Futter, eine hellgrau gestreifte Hose und Weste, graue Hosenträger, Turngürtcl, Trikotuntcrhosen, ein Paar abgetragene Schnürstiefel, einen steifen schwarzen Hut ohne Futter und ein weißes Vorhemd gefunden. In der Jackett tasche befand sich ein Zehnmarkschein, ein Schlüssel und eine runde Messing-Fabrikmarke, gezeichnet C. F. 13S9. Es ist anzunehmen, daß die Sachen einem Selbstmörder oder einem Geisteskranken ge- hören, der in einer größeren Fabrik beschäftigt gewesen ist. Zweck- dienliche Nachrichten werden in- jedem Polizeirevier und auch von der Kriminalpolizei zu Nr. 2386 IV. 46. 12. entgegen genommen. Aus der Leitung des Casino-Theatcrs scheidet mit der Saison Herr Direktor Sacngcr. welcher der Direktion des Casino-Thcaters seit dessen Bestehen angehört, um in ein anderes Unternehmeil ein- zutreten, welches in Verbindung mit ersten hiesigen Bühnen zum Herbst ins Leben tritt. Die Ortsgruppe Berlin des Arbciter-Radfahrer-Bundcs„Soli- darität" hielt ihre ordentliche Generalversammlung in dem Sophiensälcn, Sophicnstr. 17/13, ab. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß iin ersten Ouartal 2 Generalversammlungen und 4 Zentral- vorstandssitzungcn stattgefunden haben. Todesfälle waren zwei zu verzeichnen mit einer Untcrstützungss umme von 13S M. An Rad- unfallunterstützungcn wurden für 58 Unfalltage 88 M. gezahlt; an sonstigen Unterstützungen 46 M. Der Vorsitzende gab bekannt, daß laut Urteil des Königlichen Oberverwaltungsgerichts vom 16. April die Ortsgruppe nuninchr für politisch erklärt Ivorden ist. Aus dem Bericht des Kassierers ist zu entnehmen, daß Einnahme und Aus- mibe die Summe von 2685,17 M. aufweist. Das Vermögen der Ortsgruppe beträgt zurzeit 3638,21 M. Alle für die Ortsgruppe bestimmten Sendungen sind nach wie vor an den Vorsitzenden Gc- nassen K. Karras, L. 59, Schönleinstr. 11. v. IV, zu richten. Derselbe erteilt auch bereitwillig Auskunft über alle Vereins- und Bundes- angelegenheiten. Vertauscht wurde rn der gestrigen juristischen Sprechstunde ein Herrenschirm. Es wird um Abgabe desselben im Sekretariat der Redaktion gebeten. Verloren ging am ersten Pfingstfeiertag, früh 5'/« Uhr. in der Gartenstraße am Stettiner Tunnel eine goldene Damenuhr mit kurzer doppelter Kette. Wie nachträglich bekannt geworden, ist die- selbe von einem jungen Herrn und einer Dame gefunden worden. Die Finder werden gebeten, Uhr und Kette abzugeben bei Sawatzki, Schlosser, Pflngstr. 8, Seitenflügel 3 Treppen. Slrbeiter-Samariterbnnd,«reis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Berlin. Freitag, diensttuende Abteilung: Ritterstraße 75, abends S'/z Uhr. Spandau. Mittwoch bei Peczileö, PichelSdorser Straße 5, abends 8'/2 Uhr. N o w a w c S. Freilag in der Fortbildungsschule, abends S'/z Uhr. FriedrichShagen. Donnerstag, Friedrtchslr. 60, 2. Hof, abends S'/z llhr. Wilhelm Sruh und Umgegend. Donnerstag bei Barth, Viktoria- straß« 7, abends 8 Uhr. Vorort- JNacbncbtern Lichtenberg. Hans im Glück. Dem Magistrat und der Stadtverordneten» mehrheil ist Heil widerfahren. Der Etat bekomnit nun doch noch den fehlenden gesetzlichen Balken. Die Regierung fand einen formalen Einwand, der, ohne Aufsehen zu erregen, die nochmalige Abstimmung über den Etat bedingt. Der Kreiöausschuß von Nicderbarnrnr hielt sich nicht mehr für legitimiert, den Steuer- verteilungsplan der früheren Gemeinde Rummelsburg zu sanktio- liieren. Er überwies die Angelegenheit der nach der Eingemeindung zuständigen Instanz, dem Bezirksausschuß in Potsdam. Dieser aber verficht die Ansicht, daß die Beschlüsse der Nummelsburger Gemeinde- Vertretung erst noch der Zustinmiung der interimistischen Stadt- verordnetenversammlung von Groß-Lichtenberg bedürfen. Gleich- zciiig hält er es, nach Angabe des Magistrats, für erforderlich, daß der Etat des alten Stadtteils Lichtenberg, dessen Steuerplan längst die Zustimmung des KreiSausschusses gefunden hat, eben- falls nochmals formell festgesetzt werde. So ist der Magistrat in die erwünschte Lage gekommen, für die auf Donnerstag, den 80. Mai, einberufene Versammlung die nochmalige Zustimmung zu beiden Etats zu beantragen, und dadurch alle Bedenken iiber die Rechtsgültigkeit des Etats aus dem Wege zu räumen. Da zudem der Magistrat dem zuerst von ihm verteidigten Beschluß der Wahl eines dritten Stadtverordnetenvorstehers nicht beigetrete» ist, wird bald allgemein die Gesetzmäßigkeit nach den Forderungen unserer Genossen, die einige bürgerliche Blätter vorlaut als reine Obstruktion denunzierten, wieder hergestellt sein. Die erwähnte Versammlung hat außerdem über eine Reihe Petitionen, Regulierung der Arbeits bedingungen der städtischen Arbeiter, Gehaltserhöhungen der Lehrer und Beamten, die Errichtung einer Pflichtfortbildungsschule für weib liche Angestellte und Arbeiterinnen zu beschließen. Die bereits für die vergangene Etatsberatung vorliegenden Petitionen wurden sämtlich zurückgestellt, mit der Begründung, daß sie sofort nach der Eingemeindung und unter Berücksichtigung des durch diese erweiterten Personenkreises ihre Erledigung finden sollten. Man darf daher ge- spannt darauf sein, wie die bürgerlichen Herren, die damals gewisser maßen eine grundsätzliche Zustimmung durchblicken ließen, nun zu den unterbreiteten Wünschen und Forderungen sich verbalten werden. Wir fürchten— manche Hoffnung wird durch sie enttäuscht I Uniegriindet war ein Mordgerücht, daS am Freitag in Lichten- berg kursierte. In der Weichselstr. 16 sollte die 31 Jahre alte Frau des Hausdieners M. von ihrem Manne erschossen worden sein. M. hatte dadurch Verdacht erregt, daß er den Tod seiner Frau erst am Freitagvormittag der Polizei anzeigte, nachdem er sie schon in der Nacht um 1 Uhr erschossen in der Wohnung aufgefunden hatte. Die wirtschaftlichen Verhältnisse und frühere Aeußerungen der Frau machten aber bald einen Selbstmord wahrscheinlich. Diesen hat nun die Leichenöffnung durch den GerichtSarzt Dr. Strauch als gelviß erwiesen. Charlottenburg. Eine» Berwaltungsüberschuß von 1 361 661,42 Mark hat der Jahresabschluß der Stadthauptkasse für das Rechnungsjahr 1911 er- geben. Dieses Ergebnis ist in der Hauptsache auf den äußerst günstigen Abschluß des Elektrizitätswerks und auf wesentliche Erspar- niste in der Verwaltung des städtischen Kapitalvermögens und des Schuldendienstes zurückzuführen. Schöueberg. Ei» schwerer Straßenunfall. In der Goltzstraße spielten gestern gegen 6 Uhr abends mehrere Kinder auf dem Fahrdamm, als ein Rollwagen in langsamem Tempo herannahte. Während die übrigen Knaben sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, rannte der 7jährige Willi Christiani, der Sohn des in der Goltzstr. 27 wohnenden Geheimen Rechnungsrates Ch. blindlings gegen das Geipann. Der Kleine stürzte zu Boden und geriet unter die Pferde, von deren Hufen er entsetzlich zugerichtet wurde. Der verunglückte erlitt außer anderen äußeren Verletzungen eine Gehirn- erschüttcrung und einen schweren Schädelbruch. Das bedauerns- werte Kind erhielt auf der Unfallstation in der Vorbergstraße die erste Hilfe und wurde von dort nach einer Privatklinik geschafft. Friedenau. In der letzten Gemeindevertreterfitzung teilte vor Eintritt in die Tagesordnung Bürgermeister Walger das Ableben des Ge- meindcvcrordnetcn Gerten mit. Der Verstorbene war Vertreter der ersten Klaffe und als solcher einer der rührigsten Verfechter der Hausbesitzcrintercssen. Die Bestätigung des in der vorangegangenen Sitzung zum Schössen gewählten Gemcindeverordneten V. Wrochem ist erfolgt. Die Eisenbahnverwaltung teilt aus eine Anfrage des Gemeindevorstandcs mit, daß zu dem jetzt bestehenden Zu- und Ausgang zur Ringbahn ein zweiter, nach der Handjerhstraße hin, er- richtet wird. Weshalb dieser Zugang zum Bahnhof an der weit- entlegenen Handjerhstraße und nicht, wie es ein dringendesBcdürfnis erfordert, von der Kaiscr-Allce aus angelegt werden soll, bleibt das Geheimnis der Eisenbahnbehörde. Der Rcin-Ueberschuß der Ge- mcindekasse beträgt nach Mitteilung des Gemeindevorstandes für das Rechnungsjahr 1911 396 652,67 M. Davon brachte das Elektri- zitätswcrk allein 211 269,76 M. Ein Resultat, das wiederum als sehr günstig bezeichnet werden muß. Zur Generalversammlung des Verbandes der größeren preußischen Landgemeinden wurde Bürgermeister Walgcr delegiert. Zur Planierung und ordnungs- gemäßen Umzäunung des zum Zwecke des Rathausncubaues er- worbencn Grundstücks wurden 496 M. verlangt. Es ist dies das Schmerzenskind der Gemeindevertretung. Die alten Herren haben sich schon des öfteren ihre Perücken zerzaust. Nicht allein, daß man sich beim Grundstückskauf hat über den Löffel barbieren lassen, kommt auch noch der teure Abriß hinzu, und nebenbei noch ein Rattenkönig von Beschwerden und Prozessen. All das bewirkte, daß sich die Herren weniger spendabel zeigten und nur 166 M. bc- willigten. Ein Antrag des Gcmeindeverordneten Kalkbrenncr, auf dem Grundstück vorläufig Kinderspielplätze zu errichten, fand keine Gegenliebe. Anlieger oer Kirchstratze von der Rhcinstraße bis zur Handjerhstraße, der Schmargendorfer Straße in derselben Aus- dehnung, sowie die der Jsoldestraße, Sieglindcstraße und der Kaiser- Allee, vom Friedrich-Wilhclm-Platz bis zur Rheinstraßc, haben, einem angeblichen Verkehrsbedürfnis Rechnung tragend, um die Beseitigung der Vorgärten petitioniert. Der Gemcindcvorstand schlägt vor, die Beseitigung der Vorgärten in der Kirchstraßc, der Jsoldestraße und der Nordseite der Sieglindcstraße zu beschließen. Für die anderen Straßen wird um Ablehnung ersucht. Nach einer ausgedehnten Debatte, in der Genosse Richter sowie Herr Berger der früheren Gemeindevertretung wegen ihrer allzu großen Wasch- lappigkcit gegenüber dem Herrn.Haberland schwere Vorwürfe machten, wurde dem Vorschlag des Genieindevorstandes zugestimmt. Adlershof. Ein großer Dachstuhlbrand beschäftigte am zweiten Feiertag die hiesige Feuerwehr und die zur Hilfeleistung hcrbeigceUten Wehren der Nachbarorte Alt-Gtienickc und Johannisthal. Abends kurz nach 9 Uhr drangen große Rauchschwaden aus den Dachluken des vier Häuserfronten fassenden Eckhauses der Frieden- und Radickcstraße, dem bald eine gewaltige Stichflamme folgte. Bc- günstigt durch den herrschenden starken Wind stand bald der ganze Dachstuhl in hellen Flammen. Bei den Löscharbciten, welche sich bis nach Mitternacht hinzogen, wurde auch ein Feuerwehrmann durch eine Stichflamme verletzt. Der ganze Dachstuhl ist. bis auf einen kleinen Rest, völlig vernichtet worden.— Dieser Brand hat wieder einmal gezeigt, daß die Löschvorrichtungen der hiesigen Feuerwehr bei größeren Bränden nicht mehr genügen. Dauerte es schon eine geraume Zeit, bevor überhaupt die Feuerwehr erschien. so mußte es geradezu verwundern, daß die Mannschaften bei einem Dachstuhlbrand ohne Leiter erschienen. Die Schläuche waren in einem derart defekten Zustand, daß das meiste Wasser ans dem Wege bis zum Brandherd verloren ging; es mutzten daher wieder- holt Schläuche ausgewechselt werden, was naturgemäß eine Ver- zögerung der Löscharbcit bedeutete. Aufgabe der Gemeindever- trctung muß es sein, dafür zu sorgen, daß die vorhandenen Lösch- gerate in einem brauchbaren Zustand erhalten werden. Weißensee. Der Bericht des Schularztes für das Jahr 1911/12 klingt aus in einem Loblied auf die hiesigen Schulverhältnisse, so daß man nur wünschen könnte, daß es in Wirklichkeit so ist. Demgegenüber möchten wir darauf hinweisen, daß unsere Genossen im Gemeinde- Parlament des öfteren Gelegenheit nehmen mußten, Klagen der Eltern und Kinder zur Sprache zu bringen. Nach dem Bericht war der Gesundheitszustand der Schulkinder im Berichtsjahre ein guter. Lobend wird auch das Einvernehmen zwischen Arzt und Schule be- zeichnet. Von den in den sieben Gemeindeschulen eingeschulten Kindern war der Gesundheitszustand solgendermaßen: Wegen mangelhafter körperlicher und geistiger Entwickelung er- folgten 36 Zurückstellungen aus ein halbes Jahr. In der HilfS- schule für schtvachbegabte Kinder wurde in fünf Klassen unterrichtet. Ostern ist die sechste Klasse errichtet worden. Die Ausnahme in die Hilfsschule erfolgt nach zweijährigem erfolglosen Besuche der ge- wohnlichen Schule, wenn es erforderlich ist. auch früher. Die Aus- Wahl der Kinder geschieht gemeinsam mit den Rektoren und Lehrern. Leider muß gesagt werde», daß sich auch jetzt noch manche Eltern sträuben, ihre Einwilligung auf Ileberweisung ihrer schwachbegabten Kinder in die Hilfsschule zu geben, obwohl die Erfolge sie bereits eines besseren belehrt haben sollten. Die Fortschritte der Kinder werden halbjährlich kontrolliert. Der Bericht schließt mit dem Satze: „So entfaltete sich auf dem Gebiete des Schiilwesens in der Ge- meinde ein Feld ausgedehnter Tätigkeit in dem Zusammenwirken der Kräfte zum Segen der Gemeinde, zum zukiinstigen Wohle des Staates in der Ertüchtigung des heranwachsenden Geschlechts. Die Eröffnung der Seebadcanstalt hat am ersten Pfingstfeiertage stattgefunden. Bürgermeister Dr. Woelck übergab das neue stattliche Gebäude der Bürgerschaft mit dem Wunsche, regen Gebrauch davon zu nehmen. Der Vorfitzende des ArbeiterschwrmmklubS„Neptun" sprach der Gemeindevertretung den Dank aus. daß man sich auch ihren Wünschen beim Bau dieser sozialen Einrichtung nicht ver- schloffen habe._ Marktbericht von Berlin am SS. Mai ISIS, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenvreisc. lKlcinhandcl) IVO Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 24.00—50,50. Speisebohnen, weiße, 30,00— 58,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln lKleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40, Rindsleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—1,90. Kalbfleisch 1,40—2,60. Hammelfleisch 1,40—2,40. Butter 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20—5,50. i Kilogramm Karpsen 1,20-2,00. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40-2,80. Barsch- 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60, 60 Stück Krebse 4,00—45,00. Witterungsübersicht vom 28. Mai 1912. Swinemde, Hamburg Berlin' Frauks.a.M. München Wien iOI.SW 764!Still 76232 »Regen 4 Regen 4bedcckt 3 bedeckt swollig 1 heiter Haparanda 760,NO Petersburg 758(50 Scilly ,764 �tiÜ Abcrdcc» 762,3i23 Pari» j7643iO 6 halb bd. 2 halb bd, shciter 3 wollig twolkcul 12 WVii■ Wetterprognose für Mittwoch, den SS. Mai ISIS. Ein wenig wärmer, zeitweise ausllarcnd, vorwiegend trübe mit leichten Regenschaueni und ziemlich frischen westlichen Würden. Berliner Wctterdurra«. WafferstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewösserkmidc. mitgcteill vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand Memel, Tilsit Bregel. Jnsterdurg Weichsel, Thom Oder, Ratibor » Krassen » Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz • Dresden » Berby . Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') . Beeskow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau Kaub Köln Neckar, Heilbron» Mai». Hanau Mosel, Trier am 27. 5 cm 84 34 16 68 85 147 218 289 268 00 136 56 seit 26. 5. cm1) —3 +1 —10 0 +1 -3 -7 +13 +3 +8 +8 +4 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 Unterpegel.—•) Höchster Wasierslant�am 27. zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags: 583 cm. vis?rods auf den GeschmacK hat stets ergeben» daß diejenigen Frauen Recbt behalten haben» die gleich für»»KornfrancK" waren. Vergntwortli�ec Ri'dalteuri Albert Wachs, B-rliir. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Drucku-Veila?: Vorwärts Buchdruckerei s. Verlagsanstalt PauI Smgcr u. Cö..