Dr. IS». nbonnementS'Redittsutwn: Abonnements. Preis bränumerando: Bierteljährl. Z,Z0 monatl. 1,l0 Mk., wöchenilich 2S Psg. srei ms HauS. Einzelne Nuimner S Pfg. Sonntags. nmnmer mit illustrierter Sonntags- Bellage»Die Neue Welt" 10 Pur Post» Abonnemenu 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS« Preisliste. Unter Kreuzband SS. Jahrg. VIe Tnltrflons'GfWUir BchSgl ffit die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Kaum 00 Psg.. sür politische und gewerlschafMche Vereins- und Bcrsammlungs-Anzeigen M Pfg. „steine Hnzcigtn", das settgedruckie Wort W Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes »vettere Wort 0 Pfg. Worte über IS Buch- J laben zählen für zwei Worte. Inserats ür die nächste Numuwr müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeditivil ist bis 7 Uhr abends g vltilkt tlslld) auStr tflontagi. Berliner VolksblnK. reiegramm- Adresse: ..SbÄalilmollrat kklii»". �entralorgan äer fo�ialäemokratil'cken Partei Veutscklanäs. Keclakrion: 8Al. 68» I-inclensruasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplah, Nr. 1983. Expeäition: SM. 68, I-incienslrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Der Papst gegen die christliche Semrkichaftsbemguvg. Dem Zentrum hat also alles nichts genutzt. Umsonst hat es alle seine demokratischen Ueberlieferungen gsopfert, hat den engen Bund mit den Konservativen geschlossen, ist zur Vormacht der Reaktion in Deutschland geworden, hat im preußischen Wahlrechtskampfe niederträchtigen Verrat geübt und im Bergarbeiterstreik seine christlichen Gewerkschaften zu einer Schutztruppe der Bergherren degradiert. Das Papsttum geht aufs Ganze und es fürchtet, daß die jesuitische Diplo matie der„Kölner Richtung" den unausbleiblichen Abfall der Arbeitermassen vom Klerikalismus doch nicht verhindern werde. Und so macht denn der Papst reinen Tisch und nimmt offen Stellung gegen die christlichen Gewerkschaften. Er an erkennt und belobt die katholischen Arbeitervereine der Ber liner Richtung, die den gewerkschaftlichen Kampf verwerfen und verurteilt die auf interkonfessioneller Grundlage er richteten christlichen Gewerkschaften der Kölner Richtung. Dienstag hielt der Verband katholischer Arbeitervereine in Berlin seine Tagung ab. Der Pfarrer Beyer teilte dabei init, daß er soeben aus Rom vom Papst komine, dem er die Huldigungsadresse des Verbandes überbracht habe. Der Papst hat darauf geantwortet: „Ich kenne Euere Grundsätze und Euere Bestrebungen und de- sonders auch die Differenzen zwischen Euerer Or ganisation und anderen. Euch lobe ich, Euch billige ich. Euch erkenneichan, und mit allen Kräften strebe ich an, daß alle Euere Grundsätze sich zu eigen machen mögen. Die anderen billige ich nicht; ich verdamme sie nicht; denn es ist nicht mein« Sache, zu verdammen; jedoch ihre Grundsätze, welche falsch sind, kann ich nicht aner- kennen. Wenn die wirtschaftliche Seite des Lebens von der Religion getrennt wird, so, daß dieselbe nicht den ganzen Menschen und die ganze Organisation durchdringt, so müssen sich daraus trqurige Folgen ergeben. Wenn man nämlich die Religion von einer Be- tätigung des Lebens ausschließt, zum Beispiel von den Wirtschaft lichen Bestrebungen, so wird sie bald auch von anderen auf das praktische Leben gerichteten Fragen ausgeschlossen werden, und so wird man bald zum A ko n fe s s i 0 n a l i s in u s, das heißt zur Leugnung aller Religion auf schnellstem Wege gelangen. Des« halb kann ich derartige Organisationen nicht billigen. Man kann auch nicht das Individuum, das einzelne Mit- glied, von der Organisation trennen, so daß man sagt, die einzelnen Mitglieder unterstehen zwar der Autorität der Kirche, nicht aber der Organisation als solche; das ist ganz unrichtig, unhaltbar und undenkbar. Die Kirche hat auch den Organisationen zu gebieten/ Sage Deinen Freunden und den lieben Arbeitern: Der Heilige Vater billigt ihre Bestrebungen in allem und stimmt mit Euch überein und fühlt mit Euch und wünscht lebhaft, daß alle an» deren Arbeiterorganisationen mit Euch über- c i n st i m m e n s 0 l l e n. Ich will, daß Du allen Präsiden und Mitgliedern sagest: der Papst erteile ihnen aus ganzem Herzen seinen Segen und bitte sie, fottz sie auf dieselbe Weise wie bisher fortfahren mögen, nicht allein für das irdische, sondern auch für das geistliche Wohl der Arbeiter zu wirken."(Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) Diese Stellungnahme des Papstes gegen die christlichen Gewerkschaften wird noch verschärft durch ein Telegramm des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val, der auf die Be- grüßung der katholischen Arbeitervereine folgende Antwort sandte: „Der Heilige Vater hat mit großer Herzensfreude das Be- kenntnis kindlicher Unterwerfung und vollkommenen Gehorsams entgegengenommen, das ihm von den Präsiden und den Mit- gliedern des katholischen Arbeiterverbandes dargebracht worden ist, die in Berlin zu ihrem Delegiertentag zusammengekommen sind. Er beglückwünscht diesen Verband auf das lebhafteste, denn er ordnet ja seine Tätigkeit, auch diejenige, welche sich auf das der- gängliche und irdische Leben erstreckt, nach den Gesetzen der christ- lichen Weisheit und azuf das letzte übernatürliche Ziel hin, und indem er unter katholischer Flagge offen kämpft, verdient er die weiteste Billigung und Enip- fchlung. Die Gesinnungen der erwähnten Präsides und Mit- glieder bestärkt er darin, daß sie zum Schutze des Wohles der Lohn- arbeiter und zur Pflege des Friedens unter den Berufsständen der Menschlichen Gesellschaft mit aller Macht unter Führung der berufenen Hirten sich zu bestreben fortfahren. Als Unter- pfand der göttlichen Gunst erteilt er liebevoll den Apostolischen Segen." Der Schlag gegen die christlichen Gewerkschaften kommt nicht ganz überraschend. Entspricht er ja nur der Politik, die Pius X. seit seiner Wahl unverbrüchlich eingehalten hat, eine Politik. die darauf ausgeht, jede demokratische RegunginnerhalbderkatholischenParteien zu unterdrücken, den Episkopat zum abso- lutenHerrnnichtnurüberdiekirchlichenAn- Gelegenheiten, sondern auch über die polt- tische Betätigung innerhalb der katholischen Welt zu machen und vor allem die katholischen Arbeiter auch an wirtschaftlichen Kämpfen zu hindern und ihren Organisationen jede Selbständigkeit zu nehmen. Schon war die „katholische Demokratie" in Frankreich und in Italien zer- schmettert und die österreichischen Christlichsozialen waren ver- morscht und verbraucht. Nur in Deutschland hielten die christlichen Gewerkschaften, wenn sie auch stets eine getreue tilfstruppe des Zentrums gewesen sind, wenigstens auf den chein organisatorischer Selbständigkeit. Und im Zentrum selbst trat die Kölner Richtung für den Schein der Jnter konfessionalität der Partei ein. Aber selbst diese ver kümmerten Reste von Unabhängigkeit waren dem Episkopat unter Führung des Kardinals Kopp ein Dorn im Auge. Unablässig wühlten die Gegner der Kölner Richtung in Rom und beschuldigten die christlichen Gewerkschaften und ihre Protektoren im Zentrum der„VerWässerung der katholischen Gesinnung", der„Löcherung des kirchlichen Geistes Der Erfolg ist nicht ausgeblieben, und schon vor einem Jahre hätte Pius X. gesprochen, schon damals wäre der vernichtende Strahl auf die Gewerkschaften niedergefahren, hätte nicht die Furcht vor der Sozialdemokratie die Hand des Donnerers gehemmt. Im entscheidenden Augenblick ließ diese Tatsache erhärtet der wohlunterrichtete römische Gewährt mann des Münchener„Neuen Jahrhunderts"— der deutsche Botschafter beim Vatikan, Herr v. Mühlberg, den Staats sekretär die deutliche Meinung des Reichskanzlers wissen,„daß eine Auflösung des Volksvereins und ein Verbot der Gewerkschaften im jetzigen Augenblick die Zerstörung des einzigen Schutzwalles gegen die rote Flut bedeute und die nächsten Reichstagswahlen zur Kata strophe werden müßten". Die Reichstagswahlen sind vorüber und der Papst nimmt keine Rücksicht mehr auf die politischen Bedürfnisse des Herrn v. Bethmanir Hollweg, Das Zentrum muß Order parieren und sich bekennen als das, was es ist: als die politische Truppe der katholischenHierarchie. die vom Episkopat ihre Weisungen erhält. Die christlichen Gewerkschaften müssen in katholische Arbeitervereine über geführt werden, die Nichtkatholiken nicht aufnehmen dürfen, auch in den eigensten Angelegenheiten der Arbeiterschaft jeder Selbständigkeit beraubt sind und keine wirtschaftlichen Kämpfe mehr führen dürfen, es sei denn, daß dies einmal den Zwecken der Geistlichkeit, keineswegs aber den Bedürfnissen der Arbeiter entspricht. Die katholischen Arbeiter werden damit völlig entmündigt. Werden sie es sich ge fallen lassen? Es wäre falsch, in dieser Verstärkung der Macht des Episkopats, in dieser Umwandlung des Zentrums iU einer ausgesprochen katholischen Partei, die nach en Weisungen der Kurie die polttischen Geschäfte des Papsttums in Deutschland zu besorgen hat, etwa den Keim eines neuen Zwiespaltes zu den Herrschenden in Deutschland zu sehen. Ist doch ihr Protestantismus schon längst nicht weniger sozialreaktionär als der Katholizismus der Kurie. Im Gegenteil! Ob protestantisch oder katholisch, die Herzen aller Ausbeuter werden höher schlagen und sie alle werden dem Papste danken, daß er die letzten Reste von Selbständigkeit den christlichen Gewerkschaften nimmt und sie zu wirksamer Vertretung von Arbeiterinteressen völlig unfähig macht. Thyssen und nicht Giesberts hat recht be- halten und wenn der Schritt des Papstes Kritik erfährt, so höchstens darum, weil den Herrschenden die heimtückische Methode der Kölner Richtung erfolgreicher scheinen mochte, um die Arbeiter zu betören, als das offene:„So will, so befehle ich" des Papstes. Aber eben deshalb begrüßen wir diese klare Entscheidung, die allen Zweideutigkeiten ein Ende macht. Denn für die Aufklärung der katholischen Ar» b e i t e r ist allerdings diese Offenheit weitaus nützlicher. Aber über die politische Wirkung hinaus ist der Schritt des Papstes ein außerordentlich interessantes Zeichen für die Macht des Kapitals und für die komplizierte Art und Weise, wie der Kapitalismus seine Herrschaft ideologisch festigt. Offen und brutal geht der Kapitalismus vor, wo er kann. Die amerikanischen Trusts kaufen sich die Richter und die Ver- waltung, bezahlen die Politiker, stiften Kirchen und Universi- täten, lassen Sekten gründen und sinanzieren die Geistlichkeit. Auch in Deutschland gerät die Politik der bürgerlichen Par- teien immer mehr in Abhängigkeit von Jnteressentenverbänden. Die Industriellen Rheinland-Westfalens erklären ja selbst immer von Zeit zu Zeit drohend der nationalliberalen Partei, daß sie sie— und nicht etwa bildlich— in der Tasche haben. Aber in Europa mit seiner alten Geschichte hat der Kapitalismus auch eine ungeheure Menge über- lieferte Ideologien zu seiner Verfügung, die er in den Dienst seiner Herrschaft stellen kann. Der Papst mag— ein- gesponnen in der mittelalterlichen Auffassung seiner Kirche und einer Herrschaftsstellung— wähnen, daß er nur göttlichen Ge- boten folgt, wenn er der katholischen Arbeiterschaft den schweren Kamps um ihre wirtschaftlichen Interessen unmöglich macht. In Wirklichkeit dient diese Ideologie nur den Ausbeutungs- nteressen des Kapitals und der Stellvertreter Gottes in all seiner Herrlichkeit ist nur ein dienendes Glied in dem Machtbereich des Kapitalismus, dem keine Ideologie, wenn sie nur sonst brauchbar ist. zu mittelalterlich, zu sehr im Wider» spruch mit allen modernen Auffassungen ist, als daß das Kapital sich ihrer nicht zu seinen Zwecken bediente. Das werden jetzt auch die katholischen Arbeiter leichter erkennen und dann werden sie sich weigern, ein dienendes Glied ihrer Ausbeuter zu bleiben, dann werden sie aus Knechten, wie sie jener bayerische Bischof einmal nannte, freie Menschen werden und mitarbeiten am großen Befreiungswerk ihrer Klasse. Zentrum und preußisches Anhlrecht. Das Zentrum ist in seinen Aufrufen zu preußischen Wahl- kämpfen stets mit der Forderung des allgemeinen, gleichen, eheimen und direkten Wahlrechts krebsen gegangen. In irklichkeit ist es der ärgste Verräter aller Wahlreform» bestrebungen gewesen. Dafür einige Beffpiele. 20. Mai 1912. Die Zentrumsfraktionf des preußischen Land- t a g e s stimmt sür das all- gemeine Wahlrecht, das durch die Freisinnigen beantragt wird. Die»Kölnische Volks« z e i tu n g" schreibt am 11. Otto ber 1907: Mit dem preußischen Wahlrecht liegt die Sache wie mit den sybillinischen Büchern— das Zögern verteuert die Sache un- gemein, denn nach zwei Jahr- zehnten wird die Regierung ohne Gnade das allgemeine, gleiche und direkte Wahl- recht bewilligen müssen. Im Leben eines Volkes aber sind zwei Jahrzehnte wie ein Tag. Also gedulden wir uns schlimmsten- falls noch eine Weile mit dem alten Wahlrecht, in der schadenfrohen Gewiß- heit, daß es dann ganz unerträglich werden muß. Die„We st deutsche Ar- beiterzeitung" schreibt im Januar 1906: Kein Zweifel, der preußische Landtag ist keine Volksver- tretung, das Wahlrecht, durch das er zustand« kommh ist wider- sinnig und ungerecht. Alle Kulturstaaten, selbst die halb- astatischen Balkanstaaten haben ein besseres Wahlrecht wie Preußen, oder fie schicken sich wenigstens an, es bedeutend besser zu gestalten, damit auch die „unteren" Volksklassen sich politische Geltung verschaffen können. In seiner Rheinbacher Rede kam der Zentrumsführer Spahn am 11. August 1907 auf die preußische Wahlrechtsfrage sprechen. Er sagte da uMer anderem: Da» Zentrum war für eine Uebertragung des direkten Wahl rechts auf Preußen. Die sür uns wichtigere Frage wird aber diejder Wahlkreis- einteilung werden. Der gentrumsführer Trtm b 0 r n sagt in einer Rede in Köln am 20. April 1906: Das Zentrum hat daS Drei- llasienwahlrecht immer ver» warfen wegen feines pluto- kratifchen Charakters, wegen der indirekten Wahl und der öffentlichen Ab st im- m u n g. Das Dreittasienwahl- recht ist sozial verwerflich. ES entspricht nicht der modernen Staatsauffassung, wonach alle Bürger gleiches Recht haben sollen, an der EntWicke- lung als gleichberechtigte Staatsbürger mitzuwirken. Wir verlangen In erster Linie und grundsätzlich Anpassung an las ReichStagSwahlrecht. 20. Mai 1912. Die Zentrumsfraktion des preußischen Abgeord- netenhauses sorgt durch Ab- kommandierung dafür, daß der steifinnige Antrag nicht an» genommen wird. Die»Rheinische Volks- stimme", das Organ der Zentrumsagrarier schreibt am 2S. Juli 1911: Heute sollte man fich doch wirk- lich hüten, eine Demokra- tisierung des Wahl- rechtes vorzunehmen. Das preußische Dreittasienwahl- recht ist eine wirkliche Ver- tretung der produktiven Stände... und darum wollen wir, solange es irgend geht, an ihm festhalten, trotz der sich vermutlich unausgesetzt wieder- holenden Anträge der Linken auf Einführung des Reichstagswahl- rechts und trotz der bedauerlichen Nachgiebigkeit der Regierung in der elsässisch-lothringischen Wahl» rechtSvorlage. Die»Germania" schreibt am IS. August 1907: Seltsam mutet der Gedanke an, das Zentrum solle, in Reichstage den Hebel an- setzen helfen, um das preußisch« Wahlrecht aus den Angeln z�u heben. Jedenfalls recht eigentümliche Ein- fälle, besonders gegenüber einer Partei, die auf föderalistischem Standpunkte steht, und dem Reichs das Recht best reitet, in die innerpolitischen Berhältnisse der Einzelstaaten etnzugreistn. die seiner Zuständigkeit entzogen find. In der Sitzung des preußischen Landtages vom 10. Januar 19VS stimmt das Zentrum gegen die N eu e i n- teilung der Wahlkreise. Die»Kölnisch« Volks- zeitung" schreibt im Novem- ber 1908: Wir sind ein Gegner der rein schematischen Einteilung der Wahlkreise nach der Kopfzahl, da für uns der Staat eben aus Land und Leuten besteht. Die„Germania" schreibt am 2. Mai 1908 auf einen An- griff der„Kreuzzeiwng": Wann und wo hat die Zentrums« fraktion— und auf diese kommt es doch schließlich in erster Linie an— bekundet, daß sie nach links, zur Demokratie überzugehen gedenke? Sie hat durch Wort und Tat vielmehr bekundet, daß sie die alte bleiben wolle. Aber auch der Partei im Lande kann man ehrlicherweise nicht nachsagen, daß sie sich nach. links entwickele und de- mokratisch geworden fest Oder ist es etwa Demokratie» wenn die Zentrumspartei jetzt bei den preußischen LandtagSwahlen die Konservativen gegen die freisinnigen unter st ützt und überhaupt grund» ätzlich mehr Neigung ür die Konservativen als für den Liberalis- muS zeigt? So sieht die Politik des Zentrums aus l Heuchlerisch und lügnerisch! Der Mltand in Manien. Belgrad, 27. Mai.(Eig. Ber.) Das, was sich jetzt in Albanien zu regen beginnt, ist nicht die gewöhnlich im Frühjahr sich wiederholende Widersetzlichkeit der bewaffneten Albauesen gegen die Leistung der Staats- abgaben oder das angestamnite Recht, in den reicheren be- nachbarten Dörfern zu rauben und zu plündern. Vielmehr ist im ganzen Laude ein Aufstand ausgebrochen, der gut or- ganisiert und vorbereitet zu sein scheint und einen rein poli tischen, nationalistischen Charakter trägt. An der Spitze des aufständischen Volkes stehen diesmal die politischen Führer. die ehenialigcn albanischen Abgeordneten. Als Ursachen des AufstandeS werden von den Rebellen- führern selbst zwei Ursachen angegeben. Die erste sei, daß die jungtürkische Regierung die Albanesen abermals betrogen hätte. Alle bei Beendigung des Malisorenaufstandes von dem Kriegsminister S ch e w k e t- Pascha feierlichst abgegebenen Versprechungen seien unerfüllt geblieben. Keine Wirtschaft- liehe und politische Konzession.wurde den Albanesen gegönnt. wohl aber wurden sie. wie alle anderen Nationalitäten in der Türkei, bei den letzten Parlamentswahlen vergewaltigt und die Wiederwahl ihrer Führer in das Parlament ver- hindert. Das ist der unmittelbare Grund des Aufstandes. Die auf der Strecke gebliebenen Führer gingen statt nach Konstantinopel in die grün geivordcnen Gebirge und prokla- miertcn dort den allgemeinen Befreiungskampf. An der Spitze des Aufstandes stehen zwei bekannte Per- sönlichkeiten: der von den Türken sehr gefürchtete und von seinen Volksgenossen angebetete Gebirgsfeldherr I s s a B o l j e t i n a z, und der Abgeordnete von Prischtina, H a s s a n- B e y. Am 2. Mai bat der Mali von Kossowo den Boljctinaz um seinen Besuch, da ihn»vahrscheinlich vor der neuen Gärung der albanischen Bevölkerung das Granen gepackt hatte. Boljetinaz wies das Ansinnen stolz ab. Der Mali fühlte sich aber dadurch keineswegs gekränkt und kam selbst nach Boljetin. dem Wohnort Boljetinaz. um ihn zu besuchen. Boljetinaz weigerte sich aber, den Mali zu empfangen und ließ ihm bestellen, daff er niit Wortbrechern und Betrügern überhaupt nicht mehr verhandeln wolle. Er könne seine Herrscher in Koustantinopcl benachrichtigen, daff es nunmehr solange keine Ruhe in Albanien geben werde, bis es nicht von der türkischen Herrschaft frei geworden sei. Am nächsten Morgen reiste Boljctinaz mit seinem be- trächtlichen Gefolge in die Gebirge, dainit den Anfang des Aufstandes verkündend. Sein erster Befehl lautete: alle weiteren Arbeiten an den groffe strategische Bedeutung besitzenden Wegen Mitrowiza- Petsch und Mitrolviza-Novibazar sind zu unterlassen. Dem Beseht wurde auf der Stelle Folge geleistet. Boljctinaz glaubt, in der unter seinem Einfluff stehenden Gegend von Metochia etwa 20(XX) gut bewaffnete Krieger versammeln zu können. An demselben Tage flohen ebenfalls in die Gebirge Hassan- Bch, unter dessen Einsluff Prischtina und Lab stehen, Z e j n u l a- Bey. der Führer von Wntschitra und Dreniza, und der bekannte Held Jzdir-Saref, der ganz Katschanik und Zrn.iljevo hinter sich hat. In der Nähe des Klosters Dcwitscha hielten die vier Volksführcr eine Konferenz ab, in . der sie wahrscheinlich den Aufstand organisiert haben. Trotz- dem den türkischen Behörden die Zusammenkunft bekannt war, wagten sie gegen die Rebellenführer nichts zu unternehmen. »lu' Es ist das erstemal, daff die albanische Bevölkerung ge- schlössen vorgeht. Als Forderung des Kampfes gilt nicht etwa irgend welche Konzession seitens der Regierung, sondern die politische Selbständigkeit Albaniens. Die Regierung bemüht sich, die wahre Sachlage zu verbergen. Es haben aber schon die ersten Kämpfe stattgefunden, und sogar furchtbar blutige Kämpfe, in denen ganze Abteilungen türkischer Soldaten bis auf den letzten Mann vernichtet wurden. Die Kriegs- tüchtigkeit der Albanesen ist wohl bekannt; sie über- trifft bei weitem die der regulären türkischen Truppen. Die Albanesen sind niit den modernsten Schuffwaffen aus- gerüstet und im Gebirgskriege unwiderstehlich. Was ihnen fehlt und worin die türkische Uebermacht besteht, ist die Artillerie. Wie so oft, iverden die Türken jetzt auch wieder die Dörfer mit Schnellfeuergeschützen beschießen und die Häuser, die immer wieder auf Staatskosten neuerbaut werden, in Brand setzen. Aber wo die Berge sich zu erheben anfangen und das Gebirge sich ausbreitet, liegt auch die Grenze der türkischen militärischen Macht. Ohne Rücksicht auf den Ausgang des Kampfes und dessen Aussichten kann man schon jetzt sagen, daff der Aufstand in Albanien gefährliche Formen angenommen hat und daff dort schwere, große und blutige Kämpfe bevorstehen. In der jetzigen politischen Lage getvinnen aber diese Kämpfe auch internationale Bedeutung. Für die europäische Diplomatie war ja der Versuch Italiens, die albanische Küste anzugreifen, ein Grund zur Beunruhigung. Nun entfaltet sich dort der Krieg auch ohne Italien-- oder wenigstens ohne seine unmittelbare Mitwirkung— und er muß sicher dieselben Konseguenzen nach sich ziehen, die ein italienischer Einfall in Albanien gehabt hätte. Wie wird sich O e st e r r e i ch- U n g a r n der Frage der albanischen Selb- ständigkeit gegenüber stellen? Wird nicht Italien ver- suchen, direkt oder über Montenegro Kriegskonterbande nach Albanien zu schicken, um die Aufständischen zu unter- stützen? Bleiben die Serben, die Bulgaren, die Griechen bei der allgemeinen Beklemmung der Türkei ruhig? Die Albanesen hindern und stören systematisch den Bau der großen Adria- bahn, in dem bisher schon viele Millionen des internationalen Kapitals angelegt sind. Was werden nun die französischen Bankiers zur Frage der Autonomie Albaniens sagen? Wird jetzt überhaupt die ganze Balkanfrage aufgerollt werden? Das sind Fragen, die durch den Aufstand der Albanesen aufgeworfen sind und deren Lösung ganz un- bestimmt ist. Der Friede Europas ist auf eine harte Probe gestellt! Neue Scharmützel. Saloniki, 29. Mai. Eine starke Arnautenbande griff eine Gendarmerieobteilung bei Aaszat im Wilajet Skutari an, wurde jedoch mit einem Verlust von zwei Mann zurückgetrieben. Obgleich die Gendarmen Verstärkung erhielten, zogen sie sich doch zurück aus Furcht, daff die Arnauten mit Verstärkungen einen er- neuten Angriff unternehmen würden. Den Arpauten von Puka und Selimich wurden Erleichterungen für die rückständigen Abgaben bewilligt. OiMche Sorgen. AuS Konstantinopel schreibt uns Genosse P a rbu s: Die Meldungen über eine dcutsch-englische Annäherung haben htchk einen beängstigenden Eindruck hervorgerufen. Denn auf der Spannung zwischen den beiden Staaten beruhte die ganze Politik der Hohen Pforte seit dem Krieg. Englands Freundschaft büßte man in dem Maße ein, wie der deutsche Einfluß stieg; Deutschland traut man seit der Potsdamer Entente nicht mehr, oder vielmehr, man traut ihm alle Schlechtigkeiten zu; in Oesterreich vermutet man den Spiritus rector der albanesischcn Unruhen; Rußland schließt sich in ostentativer Weise Italien an,— so hängt man sich denn jetzt an Frankreich an, als den einzigen Rettungsanker in der Rot, wobei man sich jedoch nicht verhehlen kann, daß die Französische Republik sich in ihrer auswärtigen Politik von Rußland leitham- mein läßt. Bezeichnenderweise schreibt im„Tanin" der in diplomatischen Dingen zweifellos außerordentlich gut unterrichtete Hussein Dschahid Bey:„Während die Ottomanische Regierung be- reit ist, den Vau der ostanatolischen Eisenbahnen französischen Kapitalisten zu überlassen, die damit ein glänzendes Geschäft machen würden, zögert die französische Regie- rung aus Rücksicht auf Rußland darauf einzugchen." Darauf umschmeichelt der„Tanin", wie die ganze türkische Presse, nunmehr Frankreich mit demselben orientalischen Ueberschvxmg, mit dem hier, als 1910 die französische Regierung die türkische Anleihe verhinderte, während die deutschen Banken das Geld zu Wucher- zinsen hergaben, die„deutschen Freunde" umschmeichelt wurden. Die Situation im Kriege hat sich für die Türkei ver- schlimmert. Der unglückselige Gedanke, auf Rhodos, das von vornherein ein verlorener Posten war. da es doch nichts leichteres geben kann, als eine Garnison auf einer isolierten Insel zu zernicren, einen Widerstand zu organisieren, dieser blöde Plan, den Wüstenkrieg der tripolitanischen Araber vom Berufsmilitär unter ganz anderen Verhältnissen nachmachen zu lassen, hat den türkischen Soldaten zu einem Heldentod, den Offizieren zu Ehren- säbeln und Italien zu einem militärischen Triumph verholfen, dem ersten und einzigen in diesem Krieg. Der chauvinistische Eigen- dünkel, der in der letzten Zeit bis zum hellen Wahnsinn ausartete, ist denn auch nunmehr bedeutend abgedämpft worden. Die tür- tische Presse der letzten Tage bringt das deutlich zum Ausdruck. Trotz der offiziellen Versicherung, die Ereignisse in A l b a n i e n seien von keinem Belang, werden sehr bedeutende Truppenmassen nach Albanien gesandt. Die Nachricht, die erst ein serbisches Blatt brachte, daß aus Konstantinopel selbst Militär nach Albanien ab- geht, wird jetzt auch hier offiziös bestätigt. Die großen Truppen- konzentrationen in Galipoli, um einer italienischen Landung vor- zubeugcn, die Furcht, angesichts der unsicheren Zustände in Maze- donien und ganz besonders wegen der militärischen Rüstungen Bul- gariens Rumelien von Truppen zu entblößen, das sind die Um- stände, die die Regierung bewogen haben, die Garnison der Haupt- stadt in Bewegung zu setzen. Indessen jeder Tag neu« Komplikationen in der auswärtigen Politik bringt, fährt das offizielle Jungtürkentum in der i n n e r e n Politik fort, den Ast abzusägen, auf dem es sitzt. Wie ich wieder- holt hervorgehoben habe, dürfte die durch den Wahlterrorismus und den Wahlschwindel erpreßte parlamentarische Regierungsmehrheit auf die Dauer nicht zusammenzuhalten sein. In richtiger Voraus- ficht dieser Tatsacbe bemüht man sich, die parlamentarische Tätig- keit selbst möglichst einzuschränken. Außer der Aenderung des Artikels 35 der Verfassung, die eS dem persönlichen Wollen des Sultans freistellt, das Parlament aufzulösen, beantragt die Regie- rung eine Verkürzung der Dauer der parlamentarischen Session von sechs auf vier Monate. Das ist von desto größerer Tragweite, als in der Zeit, da das Parlament nicht tagt, die Regierung durch Jrades, d. h. durch einfache Verordnungen, vieles vornehmen kann, das sonst der Gesetzgebung vorbehalten ist. Die Regierung verlangte die Dringlichkeit für beide Anträge und erhielt sie auch. Weniger Glück hatte sie mit dem Jmmobiliengesetz, für das sie ebenfalls die Dringlichkeit verlangte. Trotz der energischen Verteidigung durch den Minister der öffentlichen Arbeiten Dschavid Bey wurde die Dringlichkeit verworfen. Die Majorität macht also bei ihren ersten Schritten schon Miene, von der Regierung abzufallen, und das in einer Frage, die zweifellos von großer sozialer Tragweite ist. Es handelt sich um eine Abänderung der seit Jahrhunderten bestehen- den islamitischen GrundeigentumSrcchte, durch die die letzten Schranken, die dem kapitalistischen Expropriationsprozeß noch im Wege stehen, aufgehoben würden. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die kapitalistische industrielle EntWickelung mit jenen dem primi- tiven Bauernkommunismus entsprungenen Grundeigentumsrechten sich nicht verträgt, aber ebenso sicher ist, daß unter der kapitalistischen Eigentumsordnung der Grund und Boden, der jetzt zum größten Teil dem Staat und wohltätigen Stiftungen gehört, sehr schnell in die Hände großer Finanzinstitute übergehen wird. Während das offizielle Jungtürkentum sich vollkommen von der europäischen Hochfinanz geistig einfangen ließ und sich vom hochkapitalistischen Fahrwasser treiben läßt, zögert das Parlament, der Regierung auf diesem Wege zu folgen._ Der Krieg. AnswandernngSaufforderung der italienischen Regierung an die nicht aasgewiesenen Italiener in der Türkei. Rom, 29. Mai. Wie die Agenzia Stefani bekannt gibt, hat die italienische Regierung beschlossen, die in der Türkei lebenden italieui- schen Akkordarbeiter, Aufseher, Borarbeiter und Bauführer, die die Pforte von der Ausweisung ausgenommen hat, aufzufordern, nach Italien zu kommen; eS soll ihnen zugesichert werden, daß geeignete Maßregeln getroffen werden sollen, ihnen Arbeit in Italien zu ver» schaffen. Eine italienisch-türkische Demonstration gegen den Krieg. Am Sonntag fand in Genf eine große Volksversammlung statt,»m gegen den Krieg zu protestieren. Italienische Redner waren De A m b r i s und De F a l c o. Für die türkischen Sozialisten sprach Warandian, Delegierter der Türker zum Internationalen Sozialisllschen Bureau. Nachdem dieser heftig den italienischen Raubzug kritisiert hatte, lvandte er sich gegen die konservativ-nationaliftische Politik der Jungtürken, die die Verantwortung an der gegenwärtigen orienta- tischen Krise trägt. Eine Resolution gegen den Krieg wurde einstimmig an- genommen._ politifcbc Ocbcrficbt, Berlin, den 29. Mai 1912. Altnationalliberale gegen Jungliberale. Der rechte Flügel der nationallrberalen Partei hat sich rtun- mehr im altnationalliberalen RcichSverband eine feste Organi- sation geschaffen und hat einen eigenen Generalsekretär in der Person des früheren Reichstagsabgeordneten Paul Fuhrmann bestellt. Fuhrmann war von je der rechtsliberalc Gegenpol gegen Bassermann, der selbst in der Zeit der heftigsten Kämpfe gegen den konservativ-klcrikalen Block mit allen Kräften eine Linksentwickc- lung der Nationalliberalen zu hindecn suchte. Er verkörpert also schon in seiner Person und in seiner bisherigen Haltung die Taktik, die der altnationalliberale RcichSverband einzuschlagen gedenkt: Anschluß nach rechts und Abweisung aller Versuche, eine wirklichliberal«Politik durch die parlamentarischen Ver- tretungskörper der Nationalliberalen zur Durchführung zv bringen. Herr Fuhrmann unternimmt es nun, als der maßgebendste Interpret der Ziele der neuen rechtsliberalen Organisation, ein fest- umrissenes Programm zu formulieren. Er tut das im Scherlschen „Tag"(Nr. 123 vom 29. Mai). Einleitend wird in dem Artikel die Entstehungsgeschichte der Organisation behandelt: Sie sei not- wendig getvordcn, nachdem jungliberalcs Drängen eine starke Un- sicherheit des nationalen Empfindens in der Reichstagsfraltion her- beigeführt hatte, so daß es möglich war, daß „über ein Drittel der nationalliberalen ReichStagSfraktion den Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft und der Monarchie. Herrn Be b e l, zum Reichstagspräsidenten wählte, und ihm mit Ver- leihung dieses höchsten bürgerlichen Ehrenamtes dem Kaiser und dem Auslande gegenüber als den Repräsentanten der deutschen Volksvertretung bezeichnete". Die überwältigende Mehrheit der nationalliberalen Partei habe sich gegen diese Haltung der Reichstagsfraktion er- hoben, und die weitere Folge war das Vorgehen gegen den Reichs- verband der Jugendvereine. Die dem letzten Vertretertag vorher- gehenden Einigungsverhandlungen hätten niun aber die Auf- lösung des Jugendverbandes nicht erreichen lassen. Deshalb hätten die Gegner einer einseitigen Linksent- Wickelung von vornherein erklärt, daß sie von dem gleichen Recht der Begründung eines inoffiziellen Verbandes Gebrauch machen würden, um innerhalb der Partei für die Gleichberechtigung und die Erhaltung des mittelparteilichen Charakters zu wirken. Di« neue Organisation wolle die Ergebnisse der Zentralvorstands- sitzung des letzten Parteitages dauernd sichern, Ergebnisse, die dahin festzustellen seien, daß die Partei keinen Anschluß nach links wünsche, und das sie von Parteileitung und Fraktion eine scharfe, unzweideutige Stellung gegen die Sozialdemokratie erwarte. Nach dieser geschichtlichen Einleitung formuliert Herr Fuhr- mann die Ziele des altnationalliberalen Reichsverbandes in folgen- den programmatischen Sätzen: .„Wir erstreben die Erhaltung einer starken, über den Parteien stehenden Monarchie. Wir wollen alle diejenigen um uns sam- mein, die der lleberzeugung sind, daß eine gegen rechts und links unabhängige, in liberaler Staatsauffassung wurzelnde Mittel- Partei für unsere deutsche Politik eine Notwendigkeit ist. Wir wollen alle diejenigen vereinen, denen Liberalismus und bürgerliche wie sozialistische Demokratie scharfe Gegensätze sind, alle diejenigen, die die nationallibcrale Partei fernhalten Wolfen von jedem Bündnis mit der revolu- tionärcn Sozialdemokratie. Wir verwerfen jeden Rückschritt und Stillstand in der Sozialpolitik, halten vielmehr auch hier ein Vorwärtsschreiten für geboten. Wir wünschen aber, daß jede einzelne Maßregel sorgfältig auf ihre fach- liche Notwendigkeit und darauf geprüft wird, ob sie die Stellung unserer Industrie auf dem Weltmarkte zu wahren, einen gesunden und kräftigen Mittelstand zu fördern geeignet ist. Wir weisen alle Bestrebungen der Sozialoemokratie zurück, dem Arbeiter die Freiheit seiner Entschließung über Annahme und Ablehnung der Arbeit, dein Unternehmer die Verfügung über seinen Betrieb zu nehmen. Wir halten mit der gesamten»ationalliberalen Partei an dem Schutze dernationalen Arbeit fest, der Politik, der unsere Industrie ihre heutige Blüte verdankt, und die allein uns die Erhaltung einer gesunden Landwirtschaft ver- bürgt. Wir bekämpfen jeden Versuch, den Staat reaktionären und ultramontanen Machtgelüsten dienstbar zu machen, in der lleberzeugung, daß wachsende Kialtur und Bildung die ideellen Güter des Liberalismus zum Allgemeingut aller Schichten des Volkes machen muß. In einem national zuverlässigen liberalen Bürgertum erblicken wir den sicheren Wall gegen die drohende Demokratisierung unseres Vaterlandes." Solveit das„Programm". Es verriegelt fest alle.Türen, die etwa nach links hin führen könnten und öffnet weit die Tore für den Anschluß an die Konservativen und selbst an die Zentrums- Politik trotz der Phrase, daß der Staat..ultramontanen Macht- gelüsten" nicht dienstbar gemacht werden dürfe. Und diese RechtSnationalliberalcn bilden den stärkeren und vor allem den kapitalkräftigeren Teil in der national- liberalen Parteil Das Opfer der fiskalischen Boykottandrohnng. AuS Mülhausen i. E. wird gemeldet: Direktor Heiler von der elsatz-Iolhringischen Maschinenfabrik in G r a f e n st a d e n ist zurückgetreten. Sein Entlassungsgesuch ist vom Aufsichtsrat genehmigt worden. Da die Maschinenfabrik nachgegeben und ihren Direktor entlassen hat. kann der Fiskus jetzt ja auch wieder Maschinen in Grafenstadcn anfertigen lassen. Und da nun dergestalt der Konfliktsstoff mit der elsaff lothringischen Volksvertretung hinweggeräumt ist, braucht ja auch die elsaff-lothringische Verfassung nicht z» Scherben geschlagen zu werden I Stolz brauchen die Sieger freilich auf diesen Triumph nicht zu seiu l_ Ein Zankapfel. Wenn die Ultramontanen gegen ihre schioarzbkauen Herzens- brüder aus Ostelbien gallig werden, dann müssen sie schon arg ver- schnupft sein. Und nun werden sie sehr gallig! Sie attestieren den konservativen Bundesgenossen, daß sich hinter ihrem nationalen Getue— Portemonnaieinteressen verbergen! Die Osttnarkenpolitik ist die Ursache dieses Schauspiels für Götter. In der„Köln. Volksztg."— Nr. 469— hält der„Sohn eines katholi- schen Ansiedlers" den Hcydebrand und Konsorten eine fulminante Moralpauke. Als enthusiasmierter— uneigennütziger Nationalist donnert er also loS: .... Ich weise ferner hin auf Frankreich, in dessen Grenz- gebieten sich infolge des Bevölkerungsrückganges fremde Volks- teile, wie Italiener, Schweizer, Flamen, festsetzen. In Erkennung der drohenden Gefahr hat die sranzösische Kammer einen Pro. hibitivzoll auf belgische Arbeiter beschlossen, die Nordfraukreich in großen Massen überfluten. So handelt Frankreich, das Mangel an Menfchenmaterial hat. Und wie handelt man im volkreichen Teutschland? Es wird im großen Stile, unter steiatlicher Förde- rung, durch die Feldarbeiterzentrale der N a chw eis für aus- I ä n d i s ch e Arbeiter in Deutschland organiisiert, während eine Organisation des inländischen Arbeitsmarktes so gut wie gar nicht existiert. Ja, man begnügt sich nicht allein damit, die in» ländische Nachfrage nach ausländischen Arbeitern an sich heran- treten zu lassen und dann zu befriedigen, sondern man sucht förmlich die Arbeitgeber auf und preist ihnen die ausländischcir Arbeiter an. Der Erfolg ist dann auch, daß Deutschland all- jährlich von etwa einer Million fremder Arbeiter überschwemmt wird, von denen ein großer Prozentsatz sich dauernd im Osten festsetzt. Dies geschieht, obwohl unter dm deutschen Arbeitern chronische Arbeitslosigkeit herrscht. Fragt man nach den Trägern dieser Politik, so müssen jene Großgrnndbesitzerkreise genannt werden, die den Konservativen des Abgeordnetenhauses so nahe stehen. Kann man in Erwägung dieser Tatsachen noch glauben, daß es den preußischen Konservativen allein oder auch nur in erster Linie darauf ankommt, den Osten zu germanisieren? Die Frage auswerfen, heißt sie verneinen. Es müssen demnach bei der Osttnarkcnpolitid der Konservativen noch andere Motive mitspielen. Welche? Darüber kann man nicht im Zweifel sein."- Ach nein, über die Motive der Konservativen bei der ganzen sogenannten nationalen Wirtschaftspolitik herrscht in den weitesten Kreisen des Leuischen Volkes kein Zweifel! Ob LaS Etiket! zufällig »Oftmarkeupolitik",„Zollpolitik". Erbschaftssteuer",„Schutz der nationalen Arbeit" oder sonstwie lautet, immer handelt eS sich darum, den agrarischen Beutel zu füllen, rassgierigen Händen die Taschen des Volkes zu öftnen. Und ob man angeblich die„Eigenart Preußens" verteidigt,„für TTjron und Altar" sich einsetzt oder mit sonst irgend einem Schlagwort unter der Divise„für Ordnung und Sitte" paradiert, immer ist der Zweck die Erhaltung der junkerlichen Privilegien, der Rechtlosigkeit des Volkes! Wer aber unterstützte" die Junker in allen ihren volksfeindlichen Bestrebungen? Dasselbe Zentrum, das nun aus rein konfessionellen Gründen mit den aus Rcptiliengeldern aus dem Ostmarkenfonds lüsternen konservativen. Schnapsblockgenossen- etwas schmollt. Mehr bedeutet der Zorn der Ultramontanen ja nicht! Auch für die so reizend geschilderte nationale Tätigkeit der Feldarberterzentrale ist das Zentrum mitverantwortlich. Es ist mit» verantwortlich dafür, daß vielen taufenden Einheimischer die Arbeitsgelegenheit unterbunden, wird. Dafür haben, die Arbeiter die Ehve, die ihnen ebenfalls vom Zentrum aufgepackten Militär- lasten und immer neue Steuern zu tragen. Und das Zentrum, das nun über den Egoismus der Junker lamentiert, half ihnen, alle Liebesgaben in die Scheuern bringen, und es hilft bei dem ekelhast verlogenen Geschrei gegen die Witwen, und Waisensteuer für millionenreiche— Rittergutsbesitzer! Das darf und wird man nicht vergessen! Tie politischen Folgen der als Germanisierungßmittel dekla- vierten Ostinarkenpolitik schilderte ein langjähriger Bewohner der Ostmark schon in der„Kölnischen Volkszeitung,", Nr. 4K6. Er geht aus von den Verhältnissen vor Juaugurierung der Ostmarkcn- Politik. Damals begann der Polen nationales Bewußtsein einzu- schlummern. Am deutlichsten trat das in dem Verhältnis des„pol- nischcn Adels zum Offizierskorps" der preußischen Regimenter in die Erscheinung. Viele polnische Adelige wurden preußische Offt- ziere, besonders in Reiterregimentern.„Wie sie über die Schaffung - einer deutschen Flotte dachten, mag die Eninneruerg an den Bei- namen„Admiralski" für den nachmaligen Großpolenführer Koscielski dartun."— Dann kam die Oftniarkenpolitik und mit einem Schlage wurde es ander?.„Der polnische Adel verschwand aus unseren Regimentern, der gesellschaftlich« Verkehr der Offt- ziere mit dem benachbarten Adel und Grundbesitz wurde abge- brachen, und heute dürfte kaum noch ein Pole in einem preußischen Regiment als Offizier anzutreffen sein. Wer als Einjähriger seiner Dienstpflicht genügen muß, dient in unseren süddeutschen Bundesstaaten, und niemand von ihnen zeigt Neigung, Reserve- offizier werden zu wollen. Die deutschen Wirtschaftsbcamten waren, wenn sie nicht ihre gute Existenz bei polnischen Herren verlieren wollen, gezwungen, Hehl aus ihrer deutschen Gesinnung zu machen. Wahrlich, herrliche Erfolge der Ostmarkcnpolitik!" Der Ostmärker kann aus der oben zitierten Auslassung in der «Kölnischen Volkszeitung" eutnchmen. daß solche„Erfolge" die Konservativen nicht bestimmen. Dids« Erfolge verhindern ja nicht den, auf welchen es ihnen ankommt, nämlich den, die Preise ihrer Güter in die Höhe zu treiben!____ Ter neueste„Post"- Schwindel. Unter der Spitzmarke.Ejn Arbeitswilliger erschlagen!' bringt die»Post" folgende Notiz: „In dem Dorfe Liitzebuch bei Koburg entstand ein Streit zwischen arbeitswilligen»nd ansstäiidigen Maurern. Hierbei wurde ein arbeitswilliger Maurerpolier mit einer Eifenstaiige er- schlagen und ein anderer Arbeitswilliger lebensgefährlich verletzt." Das ist wieder einmal aufgelegter Sckuvindcl. Wie uns aus Koburg mitgeteilt wird, spielte sich der Vorfall folgendermaßen ab: Ein arbcilswilliger Maurerpolier ist mit seinen Streikbrechern auf einer Sonntagspartie gewesen. Nachts auf dem Heimwege entstand unter. der arbeitsivilftgen.Gefelllchaft ein Streit, wobei der Maurer, polier, ein früherer �Baumeister Hofmarm aus Oberfüllbach, von .seinen Leuten erschlagen wurde. Ein anderer Arbeitswilliger ist so "stchlver verletzt, daß sein Auskomnien Zweifel erregt. Von den strei» kenden Maurern war wicht ein ernziger bei. dem Vorfall beteiligt._ Und willst Tu nicht wein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein! So hat die Zentrumspresse hunderte Male gcheulmciert über angeblichen sozialdcmolralischen Tcrrorisinus. Daß wirklicher Tc'rroriSmus bei den Schwarzen nichts Seltenes ist, weiß der Keiincr der Verhältnisse, es wird aber auch inuner wieder aufs neue be- stätigt. Die„Cölner Corrcspoudenz" erwähnt in ihrer letzten Rummer die Mitteilung des LandwirtschaftSmiiiisters v. Schorlemer- Lieser. wonach dessen Vater, v. Schorlemer-Alst, 1893 wegen scincr abweichende» Abstimmung bei der Militärvorlage als„schlechter Katholil" hingestellt wurde und der eigene Pfarrer aufforderte, für des Freiherrn Belehrung zu beten. Die»C. C." schreibt dann weiter: „Die Kölner Richtung, die schon bald»ach Beendigung des Kulmrkampfes sich bemerkbar machlc und»ach dem Tode Windt- horsts schnell erstarkte, wollte die alte katholische Basis nur noch als Köder für die Wahlzeiten gellen lassen, nicht mehr als das notwendigste und die einende Basis der Partei. Darum wurde 1893 namentlich in der kleinen Zentrumspresse gegen die„Dissidenten" vorgegangen und an die Einigkeit, welche von„Köln" aus untergraben wurde, appelliert. Wenn man nun bedenkt, daß das katholische Volk in seiner erdrückenden Mehrheit die ZentnnnSparlei für die Partei der lathoiischen Grundsätze hält, und in den neunziger Jahren von der„Kölner" Verwässerungspolitik noch viel weniger wußte als heutzutage, so begreift man leicht die damalige Erregung gegen Männer wie Freiherr v. Schorlemer-Alst. Graf Ballestrem, Baron v. Huene und andere. In privaten Kreisen haben diese Männer biller geklagt über die Rücksichtslosigkeit und den II it v e r st a ndauch der sogenannten gebildeten Wählermassen. Mancher wurde aus dem Zentrum hinaus- geekelt und ging erbittert davon." Die 93er wurden verketzert. weil sie in palicitis nicht nach der„Kölner" Pfeif« tanzten, die damals schon alles andere im Zentrum übertönte. Schlimmer noch ergeht es denjenigen, die in Weltanschauungsfragen mit den„Kölnern" nicht übercinsiimmen.... Stach ganz anders wurden die Mitglieder der Osterkonfercnz behandelt! En, Lexikon von Schimpfwörtern hat man über sie henmtergeiagt und geschrieben.— Nickt nur als „Feinde",.Maur.flaß" und„Uuterwühler". des Zentrums- tnrnies wurden sie verschrien, sondern als Moderniste», also Gegner der kaidolischen Kirch«, ja als Wah u- sinnige. Wenn ein Pfarrer für die„Bekehrung" des Frei- Herrn von Schorlemer-Alst beten ließ, weil der alle Zeiilrums- kämpe sllr die Miluärvorlage eintrat, so können wir verraten, daß zur Bekcbrung eines anderen ZeulrumSmannes in einem west- sälischen Kloster ganze Novcne» abgehalten wurden. weil er im Anschluß an die Osierkonferenz behauptet hatte, daö Zentrum müsse lvenigstcus»im Einklang" mit der katholischen Weltanschauung bleiben. Die„Kölner Richtung" verfügt über eigene Dossiers mit den Perso nahen ihrer Hauptgegner. es werden geheime Zirkulare rundgeschickt, um diese Gegner zu verunglimpfen und aus der letzte» Kölner Bei- sammlung des AugustinuSvcreins hat Dr. BraunS aus M.-Glad- dach offen zum persönlichen Kampf gegen die Gegner der K ö l n- G l a d b a ch e r Richtung auf« gefordert. Dabei existiert ein ganzes Spioimgesystem, von dem wir neite Pröbchen erzählen könnten. Solche Praktiken habe» natürlich eine Erbitterung erzeugt, von der Außenstehende sich keinen Begriff machen."_ Ter erste Oberstlentnattt in einer Ortskrankenkasse. Die B o ch u m e r Ortskrankenkasse wird den Ruhm haben, als erste einen Oberstleutnant a. D. al» viendanteo aufoktroyiert zu bekommen. Und das auf folgende Weife: Die Christen, die dank eines raffiniert zu ihrem Gunsten gehandhabten GruppenwaHlsystemS sämtliche Arbeitnehmersitze im Borstande in Händen haben, entdeckten vor einiger Zeit gelegentlich der Suche nach Material gegen den ihnen nicht genehmen Rendanten eine Reihe mehr oder minder grober Unregelinäßigkeiten, die unter Zustimmung oder auch direkter Mitwirkung des Vorsitzenden, eines angesehenen Kaufmanns, vorgekommen sind, teilweise sogar die Zustimmung von Arbeitnehmervertretern gefunden hatten. Die Aufsichtsbehörde, die seinerzeit die Wahl deS Rendanten protegiert hatte. sah sich schließlich genötigt, einzugreifen. Der Rendant wurde einstweilen von seinem Amte suspendiert. Obwohl die Frage, ob der lebenslänglich angestellte Rendant entlassen werden kann, noch nicht entschieden ist, haben es die Arbeitgeber- wie die Arbeituehmervertreter mit der Neubesetzung der Stelle sehr eilig� und zwar wollen die Christen schnell einen der Ihren unter. bringen, während die Arbeitgebervertreter»ihren" Mann unter Dach und Fach bringen wollen. Dieser Mann ist der Oberstleutnant und Bezirkskommandcur Meyer in Bochum, ein alter Herr, der nebenbei bemerkt, nichts für die Befähigung zur Bekleidung des Rendantenpostens in die Wagschale zu werfen hat, als seine Sozialistenfeindschaft. Da nun die Christen für ihren Kandidaten gestimmt haben, die Arbeitgebervertreter für den Bezirkskommandeur, somit eine Einigung nicht zustande gekommen ist, hat nach der Reichsversicherungsordnung, die mit Hilfe der Zentrumschristen geschaffen wurde, um die Kranken- lassen von den„sozialdemokratischen Terroristen" zu befreien, die Aufsichtsbehörde zu entscheiden. Die Prophezeiung der sozialdemokratischen Gegner der Reichs- Versicherungsordnung, die in der Vernichtung des SelbstverwaltungS- rechts nur ein Mittel sahen, Sinekuren für Militäre zu schaffen, ist schnell in Erfüllung gegangen. Besonders pikant ist dabei der Umstand, daß es eine in christlichen Händen be« findliche Kasse ist, die als erste mit den Nuten gezüchtigt wird, die das Zentrum binden half l Ungarn. Wehr- und Wahlreform. Budapest, 29. Mai.(W. T. v.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ist der Gesetzentwurf über die Armeereform, gegen welche monatelang die tschechische Obstruktion angekämpft hat, in der Generaldebatte verhandelt worden. Es herrscht nunmehr die Hoffnung, daß die Wehrreform in normaler Verhandlung zu Ende beraten werden wird. s?> Was die Wahlreform betrifft, so verhandeln die verschiedenen Fraktionen der Opposition über einen einheitlichen Eirtwurf. Dieser ivird sodann der Regierung mitgeteilt werden, um als Grundkage für eine Berstäiidigimg zwischen der Regierung und der Opposition auch in dieser Frage zu dienen. Wie verlautet, haben die S o z i a l i st e n f ü h r e r ihre Ansprüche sehr ermäßigt und erklärt, sich mit einer Bermehriing der Wählerzahl ans 2,4 Millionen zu begngge», damit in der Wahlreform ein Ein- vernehmen mit der Regierung zustande kommt. 8cbwciz. Militaristische Tendenzen. Bern, 28. Mai.(Erg. �er.) Nach ztveinionatiger Pause tritt am nächsten Montag die schweizerische Bimdesve'rfaminlung wieder zusammen.' Das Hauptinteresse konzentriert sich diesmal auf die Verhandlungen des Nationalratcs. Neben den üblichen Geschäften, wie Staatsrechnung und Tätigkeits- bericht des Bundesrates, kommen verschiedene vom Ständerat bereits behandelte Militärvorlagen zur Behandlung. Es handelt sich in der Hauptsache um die Anschaffung neuen Kriegsmaterials und die Bewilligung der dazu erforderlichen Kredite. 31 Millionen Frank ivcrden verlangt und dazu nach berühmtem Muster auf dem Wege des Schuldcnmachens. Die sozialdemokratische Fraktion wird sich energisch gegen die Vor- lagen wehren, trotzdem es Forderungen einer Milizarmee sind, um die es sich hier handelt. Aber das Milizsystem kann sich den Gesetzen der allgemeinen militärischen Entwickelung so wenig entziehen wie jedes andere System des Militarismus und seine Konsequenzen sind auf dem Boden einer Klassen- gcsellschaft für die Massen genau so drückend wie die des stehenden Heeres. Die' Militärausgaben der Schweiz sind in den letzten Jahren rapid angewachsen. Betrugen sie im Jahre 183o 17,6 Millionen und im Jahre 1905 30,5 Millionen Frank, so deliefen sie sich im Jahre 1910 auf 42,2 Millionen und im letzten Jahre auf 44.7 Millionen. Sie sind also im letzten Jahrfünft fast ebenso rasch angestiegen, wie in den 20 Jahren von 1885 bis 1905. Das sind aber nur die ordentlichen Ausgaben bei einem Budget von annähernd 98 Millionen. Außer- dem haben die Kantone ihre besonderen Militärkredite und es kommen weiter die außerordentlichen Aufwendungen des Bundes hinzu. Von 1891 bis 1893 wurden 16 Millionen Frank für die Neubcwaffnung der Infanterie ausgeworfen, von 1903 bis 1910 folgten 21,6 Millionen für die Neubcwaffnung der Artillerie, 1,7 Millionen Frank ent- fallen auf die Jahre 1909 und 1910 für die Erweiterung der Schießplätze und jetzt beginnt der Kreislauf von neuen,. 16 Millionen für die Neubewaffnung der Infanterie sind bereits bewilligt, die zusammen mit weiteren 15 Millionen aus der 31 Millionen-Anlclhe bestritten werden sollen. Selbstverständlich wächst dadurch die Staatsschuld; die Schweiz hat ihre Anleihen seit 25 Jahren vervierfacht und muß für die Tilgung der 117 Millionen Staatsschulden jähr- lich einen Betrag von 7 Millionen aufbringen. Gegen diese steigende VolkSbelastnng wird der Kampf in der nächsten Session gehen und außerdem gegen die Versclbständigung des schweizerischen Militarismus, der sich immer mehr der parla- mentarischcn Kontrolle entziehen möchte. Unter dem Schlagwort der Demokratisierung des Wehrwesens wurde dem Parlament eine Vorlage unterbreitet, wo- nach die Stellen der höheren Truppenführer in ständige Beamftingen umgewandelt werden sollen. Vis jetzt wurde das Truppenkommando im Nebenamt geführt und die Stclleninhaber übten ihren bürgerlichen Beruf aus. Nach dem Vorschlage der Militärbehörde würden sich die höheren Truppenkommandanten ausschließlich ihrer militärischen Aufgabe widmen und dafür ent- sprechend honoriert werden. Dadurch soll scheinbar erreicht werden, daß auch der Besitzlose bis zur höchsten militärischen Charge vorrücken könne, während jetzt infolge der ge- ringen Entschädigung nur der ökonomisch Gutsituierte ein Truppenkommando erlangen konnte. Es würde aber auch unter der neuen Ordnung nicht anders sein als wie bisher. Wer Truppenführer werden will, hat sich die nötigen Eigenschaften in einer langen militärischen Laufbahn zu er- werben, die große.finanzielle Opfer des Einzelnen erfordert. Diese Opfer kann der Besitzlose nicht aufbringen, die höheren Chargen bleiben auch in Zukunft den Besitzenden reserviert und darum erweist sich das Schlagwort von der Deniolratisierung des Wehrwesens als eitel Blendwerk, das nur dazu herhalten soll, die 100000 Frank, die die Neuerung kostet, leichter zu bekommen. Hinter diesem Plan steckt indes noch etwas anderes. Die ständigen Beamtungen sollen kreiert werden, ohne daß die Stelleninhaber unter das Staatsbesoldungsgesetz fielen. Der Bundesrat ver- langt die Kompetenz, von sich aus die Entschädigungen fest- zusetzen und er würde dadurch erreichen, daß er einerseits die Besoldung nach Belieben bestimmen und andererseits die höheren Truppenführer der parlamentarischen Kontrolle ent- ziehen könnte. Die Selbständigkeit der obersten Militär- Personen würde erhöht, ein Zustand der um so gefährlicher wäre, je mehr die Armee für die Interessen der herrschenden Klasse mißbraucht wird. Belgien. Brüssel verklagt die Klerikale». Man schreibt uns ans Brüssel: Nur wenige Tage noch trennen Belgien von den allgemeinen Wahlen. Je näher der Termin rückt, um so höher steigen die Schmutzwellen der klerikalen VerleumdungS- Wut, die diesmal durch die Angst der Klerikalen um die Macht ihren ungehemmten Lauf nimmt. Was sich die Klerikalen besonders in ihrem haßerfüllten Kampf gegen den offiziellen Schulunterricht leisten, übersteigt jede Borstellung. Die StimmungSmacherei geht so weit, daß die Klosterschulen ihren Zöglingen am Wahltag frei» geben, mit der Motivierung für die Eltern, daß die Klöster am 2. Juni von den Antiklerikalen bedroht seien und sie die Kinder keinen Gefahren aussetzen wollten I Seit Wochen müsien auch in verschiedene» kongregationistischen Schulen die Kinder für die Erhaltung des klerikalen Regimes beten. Die öffentlicheMeinung genügt sich indessen damit, idiotische Hirn» rissigkeiten von der Art. daß die Frommen keine Schulen für ihre Kinder mehr fänden, die Kränken ohne Pflege blieben, die Toten ohne kirchlichen Segen in? Grab gesenkt würden, und, versteht sich! das Sakrament der Ehe aufgehoben und eine teuflische Promiscuität an ihre Stelle träte, wenn die Kirchenfeinde ans Ruder kämen, im allgemeinen ein- fach höher zu hängen. Bei einem Bubenstück jedoch hat sich die Ocffentlichkeit aufgebäumt und Genugtuung gefordert. Ein kleri- kales satirisches Blatt,„Sifflet", hat vor einigen Wochen eine Illustration veröffentlicht, die die geistigen und moralischen Wirkungen des offiziellen Unterrichts an der Kinderseele im Bilde zeigen will. Unter dem Titel:„Die neutrale Schule" werden zwei Bilder gezeigt:»Wie man in sie eintritt' und„Wie man auS ihr herauskommt". Die aus ihr herauskommen, find auf der Illustration Schweine und Apachen. Da diese „Satire" nicht nur schlechthin eine schamlose, zu Wahlzwecken er- sonnene klerikale Gemeinheit ist, sondern eine juristisch zu fassende Beleidigung des gesamten Lehrkörpers der öffentlichen Schulen, wie nicht minder der. die sie verwalten und erhalten, involviert, hat die Vertretung der Stadt Brüssel, nachdem bereits die städtischen Ver- waltungen A n t tv e r p e n s, L ü t t i ch S, von Vororten Brüssels usw.. ProtesttageSordmiilgen angenommen und affichiert hatten, einen Be- schluß angenommen, gegen die Heronsgeber deS klerikalen Pamphlets gerichtliche Schritte einzuleiten und das Blatt wegen Ver- leumdung zu e i n e m S ch a d e n e r s a tz von 199 909 Fr. zu verklagen. Der Beschluß wurde mit allen Stimmen an« genonimen. Die klerikale Minorität enthielt'sich der Abstimniung. sJn einem Vorort hat sich übrigens ei» anständiger Klerikaler ge- sunden, der sich dem Protest der Mehrheit anschloß.) Der moralisch Verantwortliche für das Schmutzblatt ist ein dem Titel nach vor» nehmer Herr: der Vicomte Jonghe d'Ardoye, Mitglied der verflossenen Kammer, dem dort selbst noch vor der Auflösung des HanseS die Meinung der anständigen Leute gründlich gesagt wurde- Marokko. Alarmnachrichteu aus Fez. Dienstag abend wurden von Tanger auS allerlei alarmierende Gerüchte verbreitet, nach denen Fez von den aufständischen Stämmen erobert sein sollte, wobei General Lyautey und viele französische Offiziere ihren Tod gefunden hätten. Ein von General Lyautey Dienstag abend 7 Uhr 30 Minuten aus Fez abgesandtes Telegramm enthält keine Information, die über diese Alarmgerüchte Aufklärung gibt. Allerdings spricht er von einer Erregung unter den Stämmen, die einen neuen Angriff auf Fez befürchten ließe. Seitdem ist eine neue amtliche Meldung, die über einen erfolgten An- griff berichtet, nicht eingelaufen. Tanger, 29. Mai. Aus Fez wird gemeldet, in der Nacht vom Montag zum Dienstag kamen die Berber wieder bis zu den Mauern der Stadt. Das Gewehrfeuer dauert an. Es ist unmöglich, die Stadt zu verlassen oder sich auf den Wällen zu zeigen. Ein wirklich heftiger Angriff gegen die Stadt wurde nicht versucht. Die Stimmung ist aus- gezeichnet. General Lyautey rief die Ulcmas und verschiedene Scheiks zusammen und zerstreute verschiedene über das Pro- tektorat entstandene Mißverständnisse. MckineS, 29. Mai. Feindliche Stämme griffen am 25. Mai die Duars in der Nähe von Agourai und El Hajeb an, sie wurden unter Verlusten zurückgeschlagen. Die offiziöse Darstellung. Pari?, 29. Mai. Unter Hinweis auf die gestrigen Alarm- Nachrichten über die Ereignisse in Fez richtet das„Journal de? Dc- bats" in einem anscheinend osfiziösen Artikel die nachdrückliche Auf» forderung an die öffentliche Meinung, sich über derartige tendenziöse Nachrichten, die wohl noch eine Zeillang regelmäßig wiederkehren dürften, nicht zu beunruhigen und die Regierung nicht jeden Augen- blick zur Absendung von Verstärkungen zu drängen. Man habe be» reitS 47 000 Man» in Marokko stehen. Diese Ziffer dürfe nicht mehr wesentlich überschritten werden, da sonst die nationale Ver- teidigung deö Mutterlandes gefährdet werden könne.— Nach einer ebenfalls offiziösen Mitteilung beschloß die Regierung, Nach» forschungen nach dem Ursprung und den Verbreitern der falschen Gerückte anzustellen. Wie ferner offiziös mitgeteilt wird, hat General Lyautey in seiner an dem Minister deS«eußern gerichteten Depesche die Lage dahin gekennzeichnet. daß er in Feindesland lagere und alle aus diesem Zustand erwachsenen Folgen und Ver- pflichtungen ins Auge fasse.— Die französische Besatzung in Fez, welche aus 6 Bataillonen, 8 Artillerie- und 2 Maschlnengewebrabteilnngen besteht, wurde durch ein aus MekineS eingetroffenes Bataillon Kolonialinfanterie und Senegal» schützen sowie durch eine Maschinengewehrabteilung verstärkt. Ein weiteres Bataillon soll heute in MekineS eintreffen. Ferner stehen zur Berteidignng von Fez eine fliegende Truppe.von sechs Kompagnien, eine Gebirgsbatterie und zwei Schwadronen Saharareiter zur Bersügung. GewerfercbaftUcbea� �Ktgluderrcbwund im Gcwcrkvercin cbriftlid�cr Bergarbeiter. In einer Notiz, die vom christlichen Gewerkverein der Bergarbeiter ausgeht, ist wieder einmal die Rede von einem Mitgliederschwund beim alten Bergarbeiterverband. Diese Behauptung kehrt regelmäßig ivieder wie das Mädchen aus der Fremde. Diesmal aber nach dem Streik im Ruhrrevier ist dabei der Wunsch der Vater des Gedankens. Der Schwindel erlebt jetzt seine neue, doch nicht verbesserte Auf' läge, um die Mitglieder des Gewerkvereins über den eigenen Mitgliederverlust hinwegzutäuschen. Zahlenmäßig läßt sich nachweisen, daß der christliche Gewerkverein starke Verluste hat. So z. B. vereinnahmte der Gewerkverein in 27 Zahl stellen des Saargebiets im ersten Vierteljahr 1911 rund 22114 M., im ersten Vierteljahr 1912 dagegen 14 791 M. Welche Wirkung der Planmäßige Streikbruch des Gewert Vereins im Ruhrgebiet in den anderen Bergrevieren hatte, zeigt sich am besten, wenn man die Abrechnung der 27 Zahlstellen vom März 1911 der Abrechnung vom März 1912 gegenüberstellt. Diese Zahlstellen rechneten ab im März 1911 mit 8437 M. und im März 1912 mit 4704 M.!! Vom Ruhrgebiet wollen wir erst gar nicht reden. Hier kracht es fast in allen Zahlstellen des Gewerkvereins." Selbst ein Vorstandsmitglied ist zunächst aus dem Vorstand und nun gar aus dem Gewerkverein ausgeschlossen worden, weil, wie der„Bergknappe" schreibt, dieses Vorstandsmitglied glaubte, zum Streik eine andere Stellung einnehmen zu dürfen, wie die Leitung des Gewerkvereins. Mit allen Mitteln wird nun versucht, das sinkende GeWerk Vereinsschiff zu retten. Vor den tollsten Gehirnverrenkungen schrecken dabei die Vereinsleiter nicht zurück. So ist jetzt wieder ein Flugblatt vom Redakteur Jmbusch versaßt worden, das sich betitelt:„Sozialdemokratische, gelbe oder christliche Gewerkschaften". In diesem Flug blatt schreibt Herr Jmbusch: «Rot und gelb steht sich meist sehr nahe. Sozialdemokraten gehen zu den Gelben und umgekehrt. Das sind nicht Einzelfälle, die ja überall vorkommen können. Wirtschaftlich Gelbe find politisch nicht selten Rote." Solchen grotesken Unsinn wagt Herr Jmbusch den christ lich organisierten Arbeitern zu bieten. Ein Teil der Gewerk vcreinsmitglieder hat seinen Uebertritt zum Verbände erklärt, wieder andere sind aus dem Gewerkverein ausgetreten und sind jetzt unorganisiert, weil sie infolge des christlichen Streik' bruchs jedes Vertrauen zur Organisation verloren haben; ein großer Teil ist aber auch direkt zu den Gelben übergetreten. Der Streikbruch des Gewerkvereins war die beste Vorarbeit für die Gelben. Die Zahlstelle Osterfeld, eine ehemalige Ge' Werkvereinshochburg, ist fast vollständig zum gelben' Werk' verein der Zeche Osterfeld übergegangen. Als Vorsitzender fungiert in diesem Verein ein früherer Gewerkvereinsbeamter. So sieht es beim christlichen Gewerkverein aus! Am gesichts dieser Tatsachen ist es verständlich, warum die Herren vom Gewerkverein über Mitgliederverlust beim Bergarbeiter verband schreiben. Sie sehen ihr eigenes Schicksal vor Augen und wünschen dies dem Bergarbeiterverbande. Lerlin unct Clmzezenü. Recht rückgratsteife Vertrauensleute müssen die Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn haben, wenn man dem Bericht glauben darf,, den der offiziöse Bericht erstatter der Gesellschaft über eine gestrige Sitzung dieser Ver trauensleute unter Vorsitz des Direktors Micke an die Presse gab. Es heißt in dem Bericht: „Von feiten der Angestellten wurden verschiedene Wünsche vorgelegt, die auf Verbesserung ihrer persönlichen Verhältnisse zielten. Zunächst wurde ein Antrag beraten, die Arbeitszeit für Fahrer auf 8, für Schaffner auf 9 Stunden im täglichen Durch- schnitt(statt bisher 9_unt> 10 Stunden), die höchst zulässige Dienst- zeit auf 9 und 10 Stunden(statt bisher 10 und 12 Stunden) festzusetzen; ferner den Sonntagsdienst, soweit er die Dauer des Wochendienstes übertrifft, als Ueberstunden zu rechnen und die Gesamtdauer der Ruhezeit bei freien Tagen nicht unter 36 Stunden anzusetzen. Diese Wünsche wurden nur von einem kleinen Teil der Vertrauensleute<5 Mann!) unter- stützt, während die übrigen 41 Vertrauensleute, also der weitaus größte Teil, sich für ihre Zurückstellung aussprachen. Auch die Direktion„sah sich nicht in der Lage", den Wünschen Rechnung zu tragen. Sie vermißte die innere Begründung der Forderung(!) und konnte darauf hin- weisen, daß die Dienstzeit gegenüber den behördlichen„Bau- und Betriebsvorschriften", die 10 und 11 Stunden für den Durchschnitt sowie 13 und 16 Stunden als Maximum vorschrei- bcn, erheblich zurückbleibt. Sie konnte auch bei diesem Punkt, ebenso wie bei dem folgenden, der Lohnerhöhungen für das ge- samte Personal forderte, darauf hinweisen, daß erst vor knapp einem halben Jahre eine allgemeine Lohnerhöhung bewilligt worden sei, die eine jährliche Mehraufwendung von Fünfviertel- Millionen beansprucht. Einem Antrage, den älteren Fahrern eine monatliche Alterszulage zu gewähren, hielt die Direktion ent- gegen, daß erst im vorigen Jahre die Fahrzulage allgemein auf 60 Pf. erhöht worden fei; sie lehnte jedoch den Antrag nicht rundweg ab, sondern behielt sich vor, ihn in Erwägung zu ziehen." Daß nur'fünf Mann von den Vertrauensleuten rückhaltlos für die berechtigten Forderungen der Angestellten eintraten, wirft auf den Mut und das Geschick der großen Mehrheit bei der Ver- trctung der Angestclltcninteresien kein glänzendes Licht. Wer aber weiß, wie bei der Großen Berliner die Vertrguensmänerwahlen Zustandekommen, der wundert sich nicht, daß die Angestellten an- scheinend so schlechte Auswahl treffen konnten. Wunderbar ist übrigens die Bemerkung der Direktion, sie vermißte für eine Ver- kürzung der Arbeitszeit„die innere Begründung". Einmal ist es i m m e r innerlich begründet, wenn Angestellte fteie Zeit zu gewinnen trachten, die sie ihrem Menschentum und ihrer Familie widmen können. Tann gibt es aber gerade für die Verkürzung der Arbeitszeit bei der Straßenbahn wichtige äußere Gründe, welche auch die Behörden anstacheln müßten, der Arbeitszeit der Straßen- bahner ihr Augenmerk zuzuwenden. Die Straßenbahnen verkehren im stärksten Großstadtgewühl mitten zwischen dem übrigen Fuhr- werk. Sie verkehren zwangsläufig ohne eine Möglichkeit zum Ausweichen, entbehren also eines der wichtigsten Hilfsmittel zum Vermeiden von Katastrophen. Diese können nur bei größter Auf- mcrksamkcit vermieden werden. Und diese Aufmerksamkeit er- fordert eine Frische, wie sie nur eine verhältnismäßig kurze Ar- beitszeit zu geben vermag. Es hat einmal eine Zeit gegeben, da wußte gerade die jetzige offiziöse Korrespondenz der Großen Ber- liner tagtäglich über schtvere Unfälle im Stratzenbahnbetriebe zu berichten. Jetzt hat die Korrespondenz ihren Frieden mit der Direktion gemacht und gibt im Einverständnis mit dieser ein Blatt für die Straßenbahnangestellten und für die Presse von Zeit zu Zeit Notizen im Stile der obigen heraus. Die Zahl der Unfälle dürfte sich deswegen nicht vermindert haben; aber— man erfährt nichts mehr davon! Ja, feit etwa einem Jahre jagt die Direktion der Großen Berliner ihre Angestellten mit vermehrter Geschwindig- keit durch die Straßen Berlins. Sie haben die Anweisung, den Wagen nach kürzester Fahrzeit völlig in Schwung zu bringen und ihn dann bis zur Haltestelle auslaufen zu lassen. Darum das blödsinnig schnelle Anfahren über die Straßenkreuzungen hinweg, das so viel Unfälle veranlaßt und dennoch offenbar unserer Ver- kehrspolizei noch nicht aufgefallen ist. DaS kostet natürlich Nerven. — Wir meinen, das sind innere und äußere Gründe genug, das Verlangen nach einer verkürzten Arbeitszeit zu rechtfertigen! Tie koalierten Scharfmacher im Gastwirtsgewerbe haben ihren ersten Streich gegen die organisierte Gehilfenschaft ge- führt. Kurz vor den Pfingstfeiertagen prangte in einer großen An- zahl von Betrieben das untenstehende Plakat, versehen mit zirka 7S Unterschriften. Das Plakat hat folgenden Wortlaut: An unser Pers onall Die in den letzten Monaten ausgebrochenen Streiks in unserem Gewerbe geben uns Veranlassung, unser Personal, welches uns bisher treu zur Seite gestanden hat. zu verwarnen, sich überreden zu lassen, an solchen Streiks teilzunehmen. Wir sind nach wie vor bestrebt, g e» rechte Wünsche unseres Personals nach Möglichkeit zu erfüllen, sind jedoch nicht gewillt, irgendwelche Forderungen von uns erzwingen zu lassen. Aus diesem Grunde sehen wir uns ver- anlaßt, bekanntzugeben, daß die unterzeichneten Firmen sich ver- pflichtet haben, keinen Angestellten, der sich in einem der unterzeichneten Betriebe an einem Streik beteiligt hat, zu engagieren. Jnteressenverband des Gast wirtsgewerbeS und verwandter Betriebe. Wie die Unternehmer die.gerechten' Wünsche ihrer Angestellten zu erfüllen pflegen, wenn keine Macht dahinter steht, ist hinlänglich bekannt. Die Gastwirte machen hiervon keine Ausnahme; wiederholt konnten wir an dieser Stelle über die miserablen Lohn- und Arbeits- Verhältnisse, unter denen die Angestellten und Arbeiter im Gastwirts- gewerbe zu standen haben, berichten. Bemerkenswert ist, daß dieser Ukas auch von einer ganzen Anzahl solcher Gastwirte unterzeichnet ist, deren Lokale auf der von der organisierten Arbeiterschaft heraus- gegebenen L o k a l l i st e stehen, dieser also zur Benützung empfohlen werden. Es sind dies u. a.:„Zentral-Festsäle", August- straße 24/25;«Union S-Brauerei", Hasenheide;« H o f- j ä g er- P a l a st", Hasenheide;«Brauerei König st adt", Schönhauser Allee;„Dresdener Kasino", Dresdener Str. 96; «Bötzow- Brauerei", Prenzlauer Allee;«Berliner Musikersäle", Kaiser-Wilhelm-Str. 18ln;.Abtei", Treptow; „ G e r m a n i a- F e st s ä l e", Chausseestr. 110;«Brauerei- Au sschank Pfefferberg", Schönhauser Allee;«Königs- Hof", Bülowstraße;«Concordia- Festfäle", Andreas- straße 64;«H a p p o l d t-B r a u e r e i", Hasenheide;«Deutsches Wirtshaus". Ileukölln, Bergstr. 136/137. Die meisten der Unterzeichner sind JnnungSmitglieder. Selbstverständlich werden sich die organisierten Gastwirts- gehilfen durch das Vorgehen der Scharfmacher nicht ab- halten lassen, ihre berechtigten Ziele weiter zu verfolgen. Der gewalttätige Versuch, durch Schwarze Listen das Koalifionsrecht der Gehilfen illusorisch zu machen, wird im Gegen- teil den Erfolg zeitigen, daß immer mehr der gastwirtschaftlichen Angestellten die Notwendigkeit der Organisation einsehen lernen, dieser beitreten, um an deni Kampfe für bessere Arbeitsbedingungen teilzunehmen. Oeutkcbes kelci,. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe war nach den Zählungen des Bauarbeiterverbandes im März be- deutend schwächer, als in den beiden voraufgegangenen Winter. monaten. Von 264 241 befragten Mitgliedern waren 29 521 oder 11,2 Proz. arbeitslos. Im Februar waren 29,4 Proz., im Januar 49 Proz. und im Dezember 13,8 Proz. arbeitslos. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im März ist ans die allgemeine Aufnahme der Bautätigkeit in diesem Monat zurückzuführen. Von den 29 521 arbeitslosen Mitgliedern feierten 20 657 wegen Arbeitsmangels, 1388 wegen ungünstiger Witterung und 7476 wegen Krankheit. Während in den voraufgegangenen Monaten die Maurer den größten Prozentsatz der Arbeitslosen stellten und die Isolierer prozentual die wenigsten hatten, kamen ini März die Maurer am günstigsten weg. Es kamen auf 100 gezählte Mitglieder Arbeits- lose: bei den Hilfsarbeitern 13,4, bei den Stukkateuren und Jemen- rierern je 12,8, bei den Isolierern 11,6, bei den Erdarbeitern- 10 und bei den Maurern 9,8. Auch in der prozentualen Verteilung der einzelnen Landcsteile an der festgestellten Arbeitslosigkeit trat im März gegenüber den Vormonaten eine erhebliche Verschiebung ein. In den Vormonaten hatten die agrarischen Provinzen Ost- Preußen, Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien sowie die Mcck- lenburgs die größte Arbeitslosigkeit, während die industriellen Ge- biete einen niedrigeren Prozentsatz an Arbeitslosen aufwiesen. Im März war die Arbeitslosigkeit ani größten in Elsah-Lothringen mit 20,2 Proz.; den niedrigsten Stand hatten Württemberg, Baden und die Rheinpfalz mit 7,1 Proz. Nächst Elsaß-Lothringen hatten die Provinz Brandenburg und Berlin mit 16,1 Proz., Schleswig- Holstein, Hamburg und Lübeck mit 15,3 Proz. die größte Arbeits- Der Buchbinderverband im Jahre tvtl. Der Vorstand des Buchbinderverbandes hat seinen Jahresbericht herausgegeben, der von dem Gesamtwirken des Verbandes einen anschaulichen Ucberblick gibt.— Die Konjunktur war eine mittel- mätzige. Dagegen zeigte der Auslandshandel keine erfreuliche Ten- denz, indem die Einfuhrziffern der einschlägigen Waren relativ schneller stiegen, als die der Ausfuhr. Während 1910 gegenüber 1909 ein Mehrwert der Ausfuhr von 16 924 000 M. zu verzeichnen war, betrug das Mehr von 1911 gegenüber 1910 nur 9 231 000 M. Aber nicht nur von einem relativen Rückgang wurden einzelne Zweige des Gewerbes betroffen, sondern leider auch von einer ab- soluten Abnahme der Ausfuhr. Am schlimmsten lastete diese Er- scheinung auf der Warengruppe Albums und Sammclbücher, deren Ausfuhrwert von 2 008 000 auf 1 388 000 M. fiel, also fast um ein Drittel gegen 1910! Gemessen an der Arbeitslosenstatistik und der Arbeitslosenunterstützung zeigte das Jahr 1911 keine besonders unerfreulichen Svmptome, wenn auch die der kapitalistischen Pro- duktionsweise eigentümliche Reservearmee selbst in der sogenannten Saison niemals ganz verschwand. An Arbeitslosenunterstützung wurden auf Rechnung der Zcntralkasse an 4129 Personen 123 728 Mark ausgezahlt. Zahlreiche Löhnbewegungen legen von dem regen Eifer des Verbandes um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen seiner Mit- glieder Zeugnis ab. Bemerkenswert ist hierbei die überwiegende Zahl der Lohnbewegungen ohne Streik: 65 mit 13 913 Beteiligten, ür die eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung von 7709 Stunden und eine wöchentliche Lohnerhöhung von 16 906 M. erreicht wurde. Insgesamt wurden durch die Lohnbewegungen inkl. der Streiks und Aussperrungen für 11 292 Personen 9827 Stunden wöchentlicher Arbeitszeitverkürzung und für 12 860 Personen 19 887 M. wöchent- licher Lohnerhöhung erreicht, ohne die sonstigen Vorteile an Höher- bczahlung von Ueberstunden, Ferien usw. Weil viele Lohn- bewegungen ohne Streik verliefen, lvar die vom Verbände gezahlte treikunterstützungssumme nur gering, sie betrug 45 868 M. An sonstigen Unterstützungen zahlte die Verbandskasse: Für Krankenunterstützung 80 839 M., für Umzugsunterstützung 3867 M., ür Gemahregeltenunterstützung 26 862 und für Hinterbliebenen- Unterstützung 3474 M. In diesen Summen sind die Ausgaben der Lokalkassen nicht enthalten. Die gesamten Einnahmen des Ver- bandes, einschließlich dieser Lokalkassen, betrugen 874 095 M. Die Ausgaben 588 305 M., wovon 166 421 M. auf die Lokalkassen ent- ielen. Der Kassenbeftand am Schlüsse des Jahres 1911 bezifferte ich auf 863 104 M., wovon 608 885 M. der Verbandskasse und 254 219 M. den Lokalkasscn gehörten. Am Schlüsse des Jahres 1911 zählte der Verband 15 950 männ- liche, 14 805 weibliche, insgesamt also 30 755 Mitglieder. In den letzten 7 Jahren hat sich die Mitgliederzahl fast verdoppelt. Be- achtenswert ist die hohe Zahl der weiblichen Mitglieder. Im letzten Jahre ergab sich eine Zunahme im Jahresdurchschnitt von 2665 Mit' gliedern, und Wen Jahresschluß ja JcchretMnß M gliedern. i Werfen wir noch einen kurzen Blick aus M« abgeschloffene» Tarifverträge, so ergibt sich auch hier ein« erfreulich« Zunahm», denn den 103 Tarifen für 1754 Betriebe mit 23 562 beschäftigten Personen am Schlüsse des Jahres standen 117 Tarife für 2074 Be« triebe mit 27 794 Personen Ende 1911 gegenüber. I Mit dem Bewußtsein, seinen Aufgaben in der Bergaimenheit gerecht geworden zu sein, und in guter Zuversicht auf m« jjukunft konnte der Buchbinderverband das Jahr 1912 beginnen. Die Fahrradfirma August Stukenbrock in Einbeck hat, als der Deutsche Transportarbeiterverband im Auftrage von Arbeitern eine Lohnforderung einreichte, nicht nur jede Verhandlung mit der Organi- sation abgelehnt, sondern auch die Arbeiter einzeln in? Kontor ge- rufen und von jedem verlangt, er möge au? der Organisatton auS- treten oder den Betrieb verlassen. Eine öffentliche GewerkschastSver- sammlung am Orte verhängte darauf über die Firma den Boykott. Angedrohte Aussperrung in der Fürther Glasindustrie. In Fürth i. B. ist es bei der Firma Max Offenbacher zu einem Streik gekommen, an dem 140 Mitglieder des Glasarbeiter- Verbandes und etwa die gleiche Anzahl Mitglieder anderer fteier Gewerkschaften beteiligt sind. Seit dem 23. Mai befinden sich die Arbeiter im Ausstande. Die Unternehmer, die bisher keine Organisation hatten, haben jetzt einen Verband der Glasindustriellen in Fürth und Umgegend gebildet. Dieser neugegründete Verband hat als erste Tat einen Ausgesperrtenbeschluß gefaßt und diesen in allen in Betracht kommenden Betrieben anschlagen lassen. Danach haben sich sämtliche Mitglieder des Unternehmerverbandes verpflichtet. falls bei Max Offenbacher am Donnerstag, den 30. Mai. vormittags in sämtlichen Abteilungen die Arbeit nicht wieder aufgenommen ist, an diesem Tage ihre Arbeiter zu entlassen. Die Firma Offenbacher versucht übrigens, die Sache so hinzu- stellen, als wenn sie bereits weitgehende Zugeständnisse gemacht hat. Das ist nicht der Fall. Wäre dem so, dann hätten die Arbeiter gar keinen Anlaß gehabt, die Arbeit einzustellen. Fest steht, daß die Gewerkschaftsvertreter alles versucht haben, den Frieden zu erhalten. Es sind nicht einmal die besten der in Fürth bestehenden Arbeits- bedingungen von der Firma verlangt worden, sondern es ist nur das verlangt worden, was durchschnittlich in den anderen Betrieben gezahlt wird. Die Firma Offenbacher gehört mit zu den größten Betrieben dieser Art in Fürth; sie weigert sich aber, die Arbeitsbedingungen einzuführen, die kleinere Betriebe bereits haben. Zu verwundern ist nur, daß diese kleineren Bettiebe mit besseren Arbeitsbedingungen ihre Betriebe im Interesse des Großkapitals schließen wollen. Der Kampf im Jahre 1906, der 10 Wochen anhielt, wird den Unternehmern gezeigt haben, daß die Fürther Arbeiter zu kämpfen verstehen. Die Glasarbeiter sind für den Kampf gerüstet. An alle Arbeiter in den Spiegelfabriken, Glasarbeiter, Rahmenmacher usw. ergeht die Aufforderung, Fürth zu meiden. ZZuslanck. Das Personal der elrttrischcn Straßenbahnen in Lissabon und der Drahtseilbahnen ist in den Ausstand getreten. Die Streikenden verlangen die Wiedereinstellung entlassener Angestellter. Der Betrieb ist eingestellt. Die Ruhe ist nicht gestört. Tie andalusische Eisenbahngesellschast und die Ausständigen haben ihren Streitfall dem Gouvernement von Malaga zur schieds- gerichtlichen Entscheidung unterbreitet. Der Gouverneur hat den beiden Parteien einen Ausgleichsvorschlag vorgelegt, wonach die Pensionskassen abgeschafft und das Geld unter die Angestellten ver- teilt werden soll. Die Vorschläge des Gouverneurs von Madrid sind von beiden streikenden Parteien angenommen worden. Die Forderungen der Arbeiter wurden damit größtenteils bewilligt. Kellnerstreik in New Uork. Der langerwartete Streik der Hotelangestellten ist am Dienstag zum Ausbruch gekommen. Im Knicker-Bocker-Hotel legten 250 Kellner und Köchinnen auf Veranlassung der Jnternattonalen Hotelangestellten- Vereinigung die Arbeit nieder. Auch im Hotel Holland-House haben 150 Kellner und Köchinnen die Arbeitsstätte verlassen. Die Hotel- besttzer lehnen es ab. die Vereinigung der Hotelangestellten anzu- erkennen und weigern sich auch, mit einem Komitee oder einem Mitglied der Vereinigung in Verhandlungen zu treten. Der Streik hat schon am 7. Mai seinen Anfang genommen, als die Angestellten des Belmonte-Hotels die Arbeit niederlegten, doch wurden damals auS einem anderen Hotel Ersatzleute gesandt. Heute sieht die Lage bedeutend ernster aus, man rechnet mit einem längeren Andauern des Streiks, da beide Parteien fest entschlossen sind, ihre Beschlüsse bis zum Ende durchzuführen. ketzte Pfocbrichtcii» Lohnbewegung der süddeutschen Textilarbeiter. Augsburg, 29. Mai.(P.-C.) Unter den süddeutschen Textil- arbeiteru gärt es ganz gewaltig. In einzelnen Plätzen Nord« bayernS ist der Streik bereits ausgebrochen. In Augs« bürg, dem Zentrum der deutschen Baumwollindustrie, haben die sozialdemokratischen, die Hirsch-Dunckerschen und christlichen Ge- werkschaften gemeinsam den Industriellen ihre Forderungen vor- gelegt. Sie verlangen u. a. eine 15 proz. Lohnerhöhung. Die Unternehmer trotzen der Regierung. London, 29. Mai.(W. T. B.) Die Vertreter der Schiffseigner haben es abgelehnt, an der Konferenz des HandelSamts am Freitag teilzunehmen, da ftühere Vereinbarungen von den Arbeitern nicht eingehalten worden seien. .' London, 29. Mai.(W. T. B.) Eine Massendersammlung der Ausständigen, an der etwa 40 900 Personen teilnahmen, ist heute nachmittag in Towerhill abgehalten worden. Der anwesende Ar« beiterführcr Gosling erklärte, Sir Edward Clarke hätte in seinem Gutachten entschieden, daß die organisierten Arbeiter nicht berech- tigt wären, ein Zusammenarbeiten mit den Nichtorganisierten zu« rückzuweisen. Trotzdem würden sie dies tun. Die Transport- arbeiter wären die schlechtest bezahlte Klasse der Gesellschaft. Sie ersuchten die Regierung, einen Mindcstlohn festzulegen, um für die Zukunft Schwierigkeiten zu vermeiden, Brand einer russischen Stadt. Kaluga, 29. Mai.(W. T. B.) Durch ein im Zentrum der Stadt ausgebrocheneS Großfauer sind gegen 100 Häuser zerstört worden. Schiffszusammenstosj im New Jorker Hafen. New Kork, 29. Mai. Ter französische Dampfer„Hudson" ist im Hafen mit dem Dampfer„Verwind" der Porto-Rico-Linie z u s a m m e n g c st o ß c n. Ter erste, der schwer beschädigt worden war, steuerte eiligst zum nächsten Dock, wo er nach Aus« schiffung der Passagiere sank. Durch den Stoß ist auch der Dampfer„Verwind" schwer beschädigt worden. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.z Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u Lertagsanstalt PaulSingerä: Co., Berlin LW. Hierzu 8 Beilagen u.Unterhaltungsbl, Kr. 123. 29. IahrgatH 1. ßfilnjt des.Komsrts" Kerl« Msdlck. Sei' Stteik im conSoner Ijaftn. London, 28. Mai.(Eig. Ber.) Wie erinnerlich sein wird, beauftragte die englische Regierung nach dem Londoner Hafenarbeiterstreik im letzten Jahre einige Offiziere mit der Ausarbeitung eines Planes zur Proviantierung der Hauptstadt für den Fall, daß ein neuer Hafenarbeiterstreik ausbrechen sollte. Nach diesem Plan scheint man jetzt zu arbeiten. Unter Aust bietung einer Armee von 1200 auserlesenen Polizisten läßt sie mit Hilfe von Streikbrechern Fleisch und andere Nahrungsmittel von den Docks nach den Märkten im Innern der Stadt transportieren. Die Verhandlungen der von der Regierung zu Anfang des Kampfes eingesetzten Untersuchungskommission, die ihre Arbeiten schon beendet hat, haben recht deutlich gezeigt, wo die Ursache des Streiks zu suchen ist. Ein Teil der Arbeitgeber hat die Arbeiterschaft direkt in den Kampf gedrängt. Von der Arbeiterschaft verlangt man die unbedingte Einhaltung der Ver träge; die Unternehmer aber fühlen sich durch die Abmachung ihrer Wortführer nicht verpflichtet. Diejenigen von ihnen, die der Unter nehmerorganisation nicht angehören, kümmern sich einfach nicht um die Verträge, andere Unternehmer, die organisiert sind, treten ein- fach aus ihrer Organisation aus, wenn sie die abgemachten Löhne und Arbeitsbedingungen innehalten sollen, und glauben, sich durch diesen Austritt ihrer Verpflichtungen entledigt zu haben. Daß es unter solchen Verhältnisjen zum Kampfe kommen mußte, ist sonnen- klar. Das Londoner Streikkomitee veröffentlichte gestern ein Manifest, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Transport- arbeiter nicht allein für sich selbst, sondern auch für die besseren Arbeitgeber kämpfen. In bezug auf das Eingreifen der Regierung heißt es: „Wir bedauern, dagegen protestieren zu müssen, daß die Be- Hörden den Arbeitgebern durch die Verwendung von Polizei und Soldaten entgegenkommen. Mitglieder unserer eigenen Klasse, die nach dein Gesetz im Interesse und zum Schutz des Publikums beschäftigt werden, aufzufordern, als Streikbrecher und Beschützer der Streikbrecher zu dienen, ist nach unserer Ansicht ein Mißbrauch der öffentlichen Gewalt und der öffentlichen Gelder wie auch ein Mißbrauch de? Amtes, das diese Männer füllen. Wir haben stets die Anwendung extremer Maß- regeln mißbilligt, obwohl die zur Anwendung gelangte Provokation die Ausführung unserer Instruktionen manchmal fast vereitelt hat. Wir warne» die Regierung und die Behörden jedoch, daß unsere Kontrolle und die friedliche Abwickelung der Streitigkeiten ge- fährdet, wenn nicht gar zu Ende kommen wird, wenn sie extreme Maßregeln anwenden sollten." Eine erfreuliche Erscheinung in diesem Kampfe ist das Ver- halten der kaufmännischen Ange st eilten, die sich früher stets als Streikbrecher von den Reedern benützen ließen, aber jetzt zu den Arbeitern halten. In dem Demonstrationszug nach dem Trafalgar Square, der letzten Sonntag stattfand, waren die An« gestellten stark vertreten. Der Nationalverband der kaufmännischen Angestellten, der während der Feiertage seine 21. Jahreskonferenz in London abhielt, hat beschlossen, die Transportarbeiter in jeder Weise zu unterstützen. Der Generalsekretär hat den Mitgliedern ein Telegramm folgenden Inhalts zugestellt:„Mitglieder müssen sich absolut weigern, Streikbrecher zu spielen. Verband wird alle finanziell unterstützen, die gemaßregelt werden." Der Transportarbeiterverband sucht eine Regelung der Arbeits- Verhältnisse im Londoner Hafen mit allen Arbeitgebern auf folgender Grundlage: Ein einheitlicher Stundenlohn für Dockarbeiter, Lichterführer, Stauer und alle Schiffarbeiter von 10 Pence mit einem Lohnsatz von 1 Schilling und 2 Pence für Ueberstunden. Die regelmäßige Arbeitszeit soll von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr abends danern. Doppelten Lohn für Arbeit an Sonntagen und Feiertagen wie auch für Arbeit während der für die Mahlzeiten bestimmten Ruhepausen. Jedem Arbeiter muß wenigstens vier Stunden Arbeit garantiert werden. Arbeitet ei» Arbeiter nach 12 Uhr Mitternacht, so muß er den vollen Nachtlohn erhalten. Die Arbeiter müssen zu vier bestimmten Zeiten am Tage engagiert werden. Für Waren, die leicht verderben, können die Arbeiter zu irgend einer Zeit angeworben werden; die Absicht des Arbeitgebers muß jedoch zu der vorangehenden Anwerbezeit bekannt gegeben werden. Alle Transportarbeiter müssen außerhalb der Docks angeworben werden. Volle Anerkennung des Transport- arbeiterverbandes und der Verbandskarte. Voraussichtlich wird sich der Kampf bald auf andere Häfen aus- perllscbe Briefe. Täbris, 15. Mm 1912. Um die Ostcrzeit konnte man in den deutschen Zeitungen lesen, in einigen Gegenden Nordpersiens sei eine große Hungers- not ausgebrochen und das Elend so groß, daß in einem Dorfe bei Teheran ein Kind von der eigenen Familie vor Hunger verzehrt wurde. Das erschien nicht wenigen in Deutschland als eine Ueber- treibung. Und doch liegen die Verhältnisse so. Ja, sie liegen so schlimm, daß sie gar nicht übertrieben iverden können und daß eine Schilderung kaum mehr als eine blaffe Kopie sein kann. Gewiß lebt ein sehr großer Teil der Bevölkerung noch unter Bedingungen, die für asiatische Verhältnisse annehmbar sein mögen— und ein kleiner Teil sogar in großem Reichtum— aber auf der anderen Seite ist der Jammer ungeheuerlich. In Täbris, der Hauptstadt der Probinz Azerbeidjan, leben von der W0 000 Köpfe starken Bevölkerung vielleicht hunderttausend kaum besser als die Scharen herrenloser Hunde, die die Gassen nach Unrat absuchen. Viele leben gewiß noch dürftiger. Während ich dies schreibe, heult draußen auf der Straße ein Perser um ein paar Stücke Brot. Es ist bereits finster geworden. Der Mann bewegt den Türklopfer meines Hauses und des gegenüberliegenden und schluchzt und weint:„Gebt mir ein Stück Brot, wir haben gar nichts zu essen. Meine mohammedanischen Brüder verstopfen sich die Ohren vor unserem Jammer. Ich muß darum ins Christen- quartier kommen und Eure Milde anrufen. O, Allah, Allah, Allah! Ein Stück Brot oder ein wenig Geld." Meine Wirtin, eine Armenierin, öffnet die Tür und gibt dem zusammengemagerten Manne ein Brot. Er zerbricht es und gibt dem etwa zweijährigen Kinde, das er bei sich hat, ein Stück davon. Der Mann schlingt gierig einige Brocken hinunter. Das kleine, zum Gerippe zu- fammengedorrte Wesen hält das Brot in der schlaff herabhängen- den Hand und seine müden Augen stieren ins Leere. Hunderte von ausgehungerten Kindern streichen halbnackt und zur anderen Hälfte notdürftig mit ein paar Fetzen bedeckt durch die Gassen. Zahlreich sind die. die mit Grind bedeckt und mit ekel- haftem Augengeschwür behaftet sind. Eine Folge der Unter- ernährung und Lnsauberkeit. Doch auch diese ist in der allzu großen Armut begründet. Die Sorge ums Brot nimmt alles Interesse in Anspruch. Aeltere Frauen schleichen an den Mauern entlang und sind oft mit nichts als dem großen Umschlagctuch be- kleidet. Dieses Tuch ist nicht immer ausreichend und häufig zer- kiffen, so daß die nackten Oberschenkel und die eingetrockneten Brüste sichtbar werden. Gestern saß eine winselnd an der Rsguer dehnen; denn die Arbeitgeber lassen die für London bestimmten Schiffe in anderen Häfen einlaufen, wo der Transportarbeiter- verband daS Ausladen der Schiffe verhindern wird. Der Verband hat sich auch mit den anderen, dem internationalen Transport- arbeiterverband angeschlossenen Verbänden in Verbindung gesetzt. Verhandlunge» mit der Regierung. London, 29. Mai. Handelsminister Buxton hatte heute nach- mittag mit dem Streikkomitee im Handelsministerium eine Be- sprechung, bei der die Bedingungen, unter denen sich die Konferenz aGt Freitag abspielen soll, erörtert wurden. Wie es heißt, verlangen die Arbeiter die Zusicherung, daß die Arbeitgeber jeder Art vertreten seien und daß ein etwaiges Abkommen für alle Arbeitgeber im Transportwesen bindend sein solle. Sir Edward C l a r k e, der von der Regierung mit der Unter- suchuug der Ursache des Streiks betraut war, hat seinen Bericht er- stattet. Dieser Bericht wird als Grundlage für die Verhandlungen der Konferenz dienen, die die Regierung auf Freitag einberufen hat, und auf der Sir George A s qsu i t h den Vorsitz führen wird- Der Bericht behandelt sieben Streitpunkte, die aus einer ver- schiedenen Auslegung des Abkommens entstanden sind, das den Streik im letzten Sommer beendet hat. Die Beschwerden der Arbeiter werden in fünf Punkten anerkannt. Für bestimmte Fälle wird eine gesetzlicheRegelung empfohlen. Nicht anerkannt wird der Anspruch der Gewerkschaften auf den Aus- schluß nicht organisierter Arbeiter. Der Bericht klagt, daß zur Erledigung der vorhandenen Streitigkeiten nicht von dem Einigungsverfahren Gebrauch gemacht worden ist. Die Londoner Hafenbehörde gibt bekannt, daß sie auch in Zu- kunft keinen Unterschied zwischen organisierten und Nichtorganisierten Arbeitern machen würde. Auf dem Zentralfleischmarkte von Smithfield herrschen normale Ver- Hältnisse. Es sind reichliche Vorräte vorhanden, und nach den Er- fahrungen von gestern, wo der Fleischtransport unter polizeilichem Schutz ungehindert vor sich ging, wiegt eine optimistische Auffassung vor. Man glaubt, daß die Versorgung Londons mit Fleisch auch bei verlängerter Dauer de» Streiks keine Schwierig- kettei, machen' wird. Auch die übrigen Lebensmittelmärkte sind durch den Streik nicht wesentlich gestört worden. Allgemeiner Friseargehilfen-Kongreß. -.< Berlin, 28. Mai. Der der Generalversammlung des Friseurgehilfenverbandes voraufgehende Allgemeine Friseurgehilfenkongreß wurde am Dienstag im„Rosenthaler Hos" abgehalten. Der Tagung wohnten 42 Delegierte vom Deutschen Friseurgehilfenverband und den verschiedensten Lokalvereinen bei, die zusammen 26 Städte und 2888 Mitglieder vertraten. Die Generalkommission war durch den Reichstagsabgeordneten Robert Schmidt vertreten, der österreichische Brudeoverband und noch verschiedene andere Korporationen hatten Vertreter entsandt. Der Kongreß ist der zweite seiner Art. Der erste wurde im Jahre 1889 abgehalten, und von ihm ging die Grün« dung des Deutschen Friseurgehilfenverbandes aus. Diesmal han- delte es sich vor allem daqum, diejenigen Forderungen aufzustellen, die im Interesse der Gehilfen an die gesetzgebenden Körperschaften gestellt werden müssen und die jeder Friseurgehilfe, ganz gleich welcher Organisationsrichtung er angehört, unterschreiben kann. Man muß sagen, daß der Kongreß diese Aufgabe in harmonischem Zusammenarbeiten gelöst hat. In vier großen Referaten und nach- folgender Diskussion nahm er Stellung zu den Punkten: 1. Die Lage des Friseurgewerbes und die Aufgaben der Gehilfenschaft; 2. Die hygienischen Verhältnisse der Arbeiter im Friseurgewerbe; 3. Unsere Forderungen an die Gesetzgebung; 4. Die Grundlagen zu tariflicher Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen.— Zum ersten Punkt zeichnete Verbandsvorsitzender E tz k o r n im großen wie ins einzelne gehend ein Bild der wirtschaftlichen Beschaffenheit und der Verfassung des Friseurgewcrbes. Die zu erhebenden Kampfziele, die schließlich gegen eine Stimme akzeptiert wurden, lauten: Einschränkung der L e h r l i n g s z üch t e r e i; Erlangung auskömmlicher Minde st löhne; Be- seitigungdes Kost- und Logis zw anges; Verkür- zung der Arbeitszeit; paritätische oder kommu- n a l e A r b e i t s v e r m i t t e l u n g. In der Erkenntnis, daß diese Aufgaben nur durch den einheitlichen Zusammenschluß aller Gehilfen erfüllt werden können, übernahmen die Kongreßteilnehmer die moralische Verpflichtung zur größtmöglichsten Förderung der Organisation. Den zweiten Punkt der Tagesordnung behandelte Dr. Hanauer- Frankfurt a. M. in einem instruktiven und cvuf- nahe meinem Hause, neben ihr lag halb erloschenen Auges ein elendes Kindlein auf der nackten Erde. Ob es heute noch lebt? . Ein Perser ging durch die Gassen; die paar Lumpen auf seinem Leibe vermochten nicht die Blößen zu bedecken. So rekrutiert sich ein Heer von Bettlern. Die Gaben sind sehr selten, weil der Hungernden zu viele sind, als daß man allen geben könnte. Glücklich die Kinder, die vom Morgen bis zum Abend in den Teppichfabriken ihre Jugend opfern können, oder die im Basar bei einem Schuster oder am Schmiedeblasebalg tagsüber arbeiten können. Sic bekommen wenigstens ein paar Stücke des schlechten, lederartigkn Brotes als Bezahlung. Die Lastträger und anderen Ilrbeiter verdienen oft nicht einen Kran(37 Pf.) den Tag, viele nur einige Schahi(der zwanzigste Teil eines Kraus), und viele andere verdienen oft den ganzen Tag nichts. Wer etwas Geld verdient hat, dem langt es zur Mahlzeit; ein Kuchen des leder- artigen Brotes, in den er einige billige Zwiebelröhren oder ähn- liches Kraut wickelt. Das ist das Essen der Armen. Es gibt zahl- reiche Familien, die von nichts anderem als von diesem schlechten Brot und dem meist absolut verdorbenen Wasser leben. In einem europäischen Hause bekommt der Diener pro Monat 6 Toman oder 22,20 M. Davon hat der Mann seine Familie mit zu ernähren. Täbris ist seit der Herrschaft der Russen in der Stadt in einer schweren Krisis. Die russische Faust bedrückt das Gesamt- leben unbeschreiblich. Wohl sagen die Kaufleute,, das russische Militär habe die Sicherheit der Straßen und des Handels herge- tellt— d. h. natürlich die Sicherheit, die der rollende Rubel erst im Interesse der imperialistischen Auftraggeber des Zaren gestört hatte. Die Kaufleute fühlen aber am eigenen Körper nicht, daß die Russen gleichzeitig alle innere Ordnung zerstört haben. Viel- leicht empfinden auch die Reichen die russische Besetzung Azerbeid- jans als eine rettende Erscheinung für ihren Geldbeutel. Sie zahlen nämlich bis jetzt keinerlei Steuer; diese Ungerechtigkeit hätte natürlich das demokratische, konstitutionelle Gouvernement beseitigt. Seit den Dezemberereigniffen— die russischen Galgen stehen heute noch in der Stadt als Wahrzeichen der russischen Herrschaft —, da die Russen gegen den Widerspruch der Regierung in Azer- beidjan eigenmächtig einen Gouverneur eingesetzt und alle kon- titutionellen Garantien der Perser zerfetzt haben, haben sich die Preis- der wichtigsten Lebensmittel verdoppelt. Zahlreiche persische Unternehmer fitzen heute noch verborgen in. den Konsulaten der einzelnen Mächte. Sie dürfen nicht heraus, wenn sie nicht von den Russen zwischen Himmel und Erde gehängt werden wollen. Ihre Betriebe liegen still, ihr Kapital ist tot. Tieselbe politische Unsicherheit hat die Unternehmungslust gelähmt:„Man weiß nie, was einem die Russen am nächsten Tage für Streiche spielen können,' seufzte ein europäischer Unternehmer. Die geringe Unser- klärenden Referat vom Standpunkte des Mediziners und arbeiter- freundlichen Sozialpolitikers. Der Referent kam bei der Erörte- rung der Mittel und Wege zur Beseitigung der aufgedeckten! Schäden zu genau denselben sozialpolitischen Vorschlägen, wie sie vom Verband der Friseurgehilfen schon immer erhoben wurden, und wie sie auch der Kongreß zum guten Teile erhob. � Hier berührew sich also der sozial denkende Arzt und die Organisation durchaus« Es muß alles getan werden, um die Ocffentlichkeit, die Behörden und Abgeordneten auf diese Forderungen aufmerksam zu machen- Zum dritten Punkt der Tagesordnung begründete Gauleiter K a b e l i tz- Düsseldorf eine Resolution« die nach einer ausgiebigen Diskussion und einigen Hinzufügungen e i n st i m m i g angenom- inen wurde. Sie fordert:„die Festsetzung des Beginns der Ar- beitszeit nicht vor 7 Uhr morgens und deren Beendigung nicht nach 8 Uhr abends, Sonnabends nicht nach 9 Uhr abends. Eine tägliche mindestens cinstündige Mittagspause. Verbot der Beschäftigung an Sonn- und Festtagen im allgemeinen nach 12 Uhr mittags sowie gänzliches Verbot der Beschäftigung an allen auf Wochentage cnt- fallenden Feiertagen, mit Ausnahme des Weihnachtsfestes, unter Beibehaltung des freien Wochennachmittags. Verbot des Kost- und LogisgebenS durch den Arbeitgeber. Verbot aller besonderen Ar- beitsbüchcr der Arbeitgeberkorporationen. Oeffentlich-rechtlichö Vertretung der Gehilfeninteressen durch Schaffung von Arbeits- kümmern. Einschränkung der Lehrlingszüchterei in der Weise, daß ein Lehrling nur gehalten werden darf, wo ein Gehilfe ständig be- schäftigt wird, ein zweiter Lehrling nur, wenn mindestens drei Gehilfen beschäftigt werden, und mehr als zwei Lehrlinge über- Haupt nicht. Ausdehnung der Bestimmungen der Gewerbeordnung auf die Bahnhofsfriseure". Als letzter Redner sprach der ehemalige Berufskollege, Neda?- teur W i t t m a a k- Magdeburg, der sich rückhaltlos auf den Boden der Tarisgemeinschaften stellte, allerdings Tarifgemeinschaften, die nicht etwa das Bestehende sanktionieren, sondern bessere Verhält- nisie festlegen, die einen Schritt nach vorwärts, hin zur Erreichung der zu erstrebenden Ziele bedeuten. Die Resolution auch dieses Referenten wurde einstimmig angenommen.— Weiter beschloß der Kongreß, an das sächsische Ministerium eine Eingabe zu richten, daß die Verfügung aufgehoben wird, daß Gehilfen und Lehrlings Sonntag nachmittags nach 2 Uhr außer den Geschästslokalen be- schäftigt werden dürfen. Damit waren die Arbeiten des Kongresses erledigt. Der beste! Beweis, daß sie sich in guter Zufriedenheit vollzogen, liegt wohl darin, daß zum Schluß der Vorstand des Verbandes der Friseur- gehilfen beauftragt wurde, im Verlauf von drei Jahren wieder einen solchen Kongreß einzuberufen. Feiler- Breslau schloß die Tagung mit einem Dank an den veranstaltenden Verband und der Mahnung an die Delegierten, im Sinne der Beschlüsse und im Sinne eines schließlichen Sichzusammenfindens in einem großen einheitlichen VerHand zu arbeiten. Derbandstag der Friseiirgehilftn. Am Mittwoch wurde im Berliner Gewerkschaftshatise dtt Verbandstag des Verbandes der Friseurgehilfen Deutschlands eröffnet, Er ist durch 16 Delegierte beschickt, außerdem sind Vorstand und Ausschuß vertreten. Dem Verbandstage liegt ein ausführlicher> Bericht des Borstandes s bor, der sich auf die Jahre 1910/1911 erstreckt. IN dem Bericht wird u. a. gesagt: Die verflossene Geschäftsperiode Ivar eine der ruhigsten, die der Verband zu verzeichnen hatte. Die Rückwirkungen der wirtschaftlichen Krise sind überwunden, eine Aufwärtsbewegung steht bevor. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse der Geschäfts- Periode 2219. Die Führung der Stammrolle ergibt, daß der Ver-- band von 1904 bis 1911 rund 2800 Stammitglieder aufweist, wäh- rend in derselben Zeit 16 800 Mitglieder aufgenommen wurden, Von 100 Neuaufgenommenen sind 16,6 ein Jahr Mitglieder ge- blieben. Am Anfang der Geschäftsperiode hatte der Verband 55, am Schluß derselben 52 Zweigvereine und Zahlstellen.— Die Arbeitslosigkeit im Friseurgewerbe ist im allgemeinen größer wie in anderen Berufen und im Friseurgewerbe selbst ist die Arbeits- losigkeit der Verbandsmitglieder stärker wie im allgemeinen im Beruf. Das erklärt sich dadurch, daß es nicht gerade die jüngsten Gehilfen sind, die Interesse an der Organffation nehmen. Aeltere Gehilfen finden aber bekanntlich nicht mehr leicht Arbeit. Es kommt noch hinzu, daß die Innungen gegen die Beschäftigung von Verbandsmitgliedcrn wirken. Auf der anderen Seite trögt die Lehrlingszüchterei wesentlich dazu bei, daß der Arbeitsmarkt über- füllt und die Arbeitslosigkeit gesteigert wird. Der Verband hat in den beiden Jahren 10 794 M. für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben. In der Berichtszeit wurden bei einer durchschnittlichen Mitgliederzahl von 2130 nicht weniger als 518 Arbeitslose in 798 Fällen unterstützt. Die Berufszählung von 1907 stellt für das Friseurgewerbe 46 454 Selbständige, 2734 Gehilfen und 15 845 nchmungslust, das Risiko größerer Unternehmungen hat den Ak- bcitsmarkt aufs schwerste getroffen. Die Verkäufer, die großen Kaufkeute und die Landherren sind die Nutznießer dieser entsetzlichen Notlage der ärmeren Bevölke- rnngsteile. Die ganze Provinz Azerbeidjan(etwa 90 000 Quadratkilometer) gehört vier Gruudherren. Alle Bauern sind Hintersassen dieser Grundherren, denen sie als Pachtgeld einen Teil der Ernte abzugeben haben. Persien kennt eine direkte Steuer nur für biet produzierende Landbevölkerung. Diese hat die Steuer in Natu- ralien zu entrichten, und die Grundherren sind verpflichtet, die Naturalien anzunehmen und der Regierung das Geld dafür abzu- liefern. Unter Nasredin-Schah, dem Vater des Exschahs, ist als Norm festgesetzt worden 100 Batman Korn= 10 Toman. Diese Norm gilt heute noch. Aber das Korn kostet gegenwärtig etwa doppelt so viel. Der Grundherr zieht ans diese Weise von den Bauern den doppelten Steuerbetrag oder die doppelte Kornmcnge ein. Während der konstitutionellen Zeit, und in gepissem Grade vordem schon, haben die Munizipalvertreter von Täbris die Ver- kaufspreise und die Qualität der Lebensmittel festgesetzt und damit eine große Ordnung im Verkauf und in Wohlfeitheit der Waren erreichen und erhalten können. Diese Ordnung ist durch die russische Faust zertrümmert worden. Der von den Russen den Täbrisern aufgezwungene unfähige Gouverneur Samad-Khan hat kein Verständnis für diese Fragen. Alle von der demokratischen Munizipalität unternommenen Reformen sind eingestellt worden, und die Händler verkaufen heute so, wie sie wollen. Die Russen verhindern aber auch jede Aenderung in diesem verbrecherischen System. Sie haben etwa 4000 Soldaten in Täbris liegen, die die vom Gouverneur auf Befehl des russischen General- konsuls getroffenen Anordnungen mit dem nötigen Nachdruck ver- sehen. Die russische Militärmacht, die rohe Gewalt, die russischen Galgen— das ist die Basis, auf die sich der regierungs- und kon- stitutionsfeindliche Gouverneur stützt. Die Russen wollen die gegenwärtige Anarchie und sind interessiert an der Trübung der Situation. Je mehr Unordnung, desto mehr Vortvand, die russische Staatsmacht in Nordpersien zu festigen und die ganze russische Einflußsphäre militärisch zu besetzen. Als die Schusterschen Reformen begannen, das chaotische Persien zu ordnen, erzwang man die Entlassung Schusters aus seinem Amte; und als das demokratische Täbris aus eigener Kraft sich zu ordnen begann, zwang man ihm und der ganzen Provinz ein russisches Werkzeug als Alleinherrscher und Ordnungszerstörer auf. Heute ist Täbris die russische Hauptstadt der neuen russischen Provinz Azerpesdjan, und die Beppikxrung sinkt immer tiefer ins Elend»-., Erwin Barth,. Lehrlinge fest. Diese Angaben in Verbindung mit weiteren Bö- rechnungcn der Verbandsleitung ergeben, daß nur etwa ein Drittel der Gehilfen selbständig werden beziehungsweise bleiben können. Die Organisation ist also auf dem rechten Wege, wenn sie darauf hinwirkt, die Lage der Gehilfen derart zu bessern, daß sie ihre Existenz als Gehilfen behaupten konnex und nicht gezwungen sind, schon in jungen Jahren ein Geschäft auf unsicherer Grundlage an- zufangen. Auch die Beseitigung des Kost- und Logiszwanges wirkt nach dieser Richtung. Auch die energische Bekämpfung der Lehr- lingsziichterei betrachtet der Verband als seine Aufgabe.— In den beiden Jahren wurden in 24 Orten Lohnbewegungen teils ohne, teils mit mehr oder weniger Erfolg geführt. Tarifverträge be- stehen in 22 Orten für 1146 Betriebe mit 982 Gehilfen. Der Tarif- stand ist ständigen Veränderungen unterworfen, da Tarifbrüche an der Tagesordnung sind, die durch mangelnde Kontrolle infolge der großen Fluktuation und Gleichgültigkeit der Gehilfen erleichtert werben.— Die Finanzlage des Verbandes— sagt der Bericht— kann als befriedigend bezeichnet werden. Die Gesamteinnahme ist um 21,96 Proz. höher als in den- gleichen Zeitraum der vorigen Geschäftsperiode. Die Ausgaben sind um 17,63 Proz. gestiegen. Von den Ausgaben kommen auf Erwerbslosenuntcrstützung 16 794 Mark, andere Unterstützungen 861 M., Lohnbewegungen 2727 M., Agitation 13 294 M, Verbandsorgan 16166 M. usw. Der Gesamt- einnähme von 164 242 M. steht eine Gesamtausgabe von 98 664 M. gegenüber. Das Verbandsvermögen beträgt 19 265 M. Nachdem sich der Verbandstag konstituiert hatte, gab der Vor- sitzende E tz k o r n einige Ergänzungen zum Geschäftsbericht.— Der Kassierer La n g n e r erläuterte den Kassenbericht.— Stade, der Obmann des Ausschusses, gab eine Uebersicht über die Tätig- keit desselben. In der Diskussion über den Geschäftsbericht nahm eine Angelegenheit einen breiten Raum ein, die zu einem Konflikt zwischen dem Vorstande und der Nürnberger Mitglied- schaft gesührt. Die Verwaltung des Zweigvereins Nürnberg bildet die Ursache des Konflikts. Eine Kommission wurde mit der Unter- suchung dieser Angelegenheit beauftragt. Der Verbandstag stimmte einem Antrage der Kommission zu, der beiden Teilen gerecht zu werden sucht und dadurch einen Ausgleich der Diffe- renzen Herbeiführt.— Im übrigen drehte sich die Diskussion zum größten Teil um Verwaltungsangelegenheiten verschiedener Zahl- stellen. In agitatorischer Hinsicht wurde gewünscht, daß unter den Damenfriseuren sowie den Haararbeitern und Arbeiterinnen eine Propaganda entfaltet werde, um sie für den Verband zu gewinnen. Auch die Gründung einer Fachschule wurde angeregt, um den Mit- gliedern Gelegenheit zur fachlichen Weiterbildung zu geben.— Unter den vorliegenden Anträgen befindet sich einer, der zum Zweck besserer Erfüllung der gewerkschaftlichen Aufgaben den An- schluß an eiyen größeren Verband, etlva den Transportarbeiterver- band oder den Handlungsgehilfenverband, befürivortet. ll. Verbandstag des Ievtralverbandes der Maschinisten nnd Heizer und vemandter Herufsgenassen. München, 28. Mai 1912. Bei Punkt Allgemeine Anträge faßte der Verbandstag eine Reihe wichtiger Beschlüsse. Der Vorstand wurde beauftragt, eine Geschichte über Entstehung und EntWickelung des Ver- bandeS abzufassen und einen Agitationskalender heraus- zugeben. Angenommen wurde ein Antrag Dortmund, auf die gesetzlichen Körperschaften einzuwirken, daß die Nebenarbeiten der Heizer und Maschinisten, die nicht zu ihrer Berufsarbeit gehören, gesetzlich verboten werden. Ein Antrag, überschüssige Verbandsgelder auf der Bant der Großeinkaufs- ge nossenschaft anzulegen, wurde dein Vorstand zur Berück- sichtigung überwiesen; auch wurde gewünscht, den Scheckverkehr ein- zuführen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: Uebernahme der Lokalbeamten auf die Hauptkasse usw. hielt der Ver- bandsvorsitzende Scheffel- Berlin ein kurzes Referat. Der Vor- stand wolle sämtliche Angestellte auf die Hauptkasse übernehmen unter der Bedingung, daß alle Verwaltungsstellen mit Beamten von jeder Beitragsmarke 5 Pf., die Schiffahrt aber 16 Pf. an die Hauptkasse abführen. Scheffel erklärte, daß bei Uebernahme der Angestellten auf dieser Grundlage die Hauptkasse noch einen Zuschuß leiste., müsse; Vorbedingung für die Uebernahme sei aber eine straffere Zentralisation der Verwaltungsstellen. Zahlstellen, die zu einem Wirtschaftsgebiet gehören, müßten sich zusammen- schließen. Mft der Uebernahme solle aber auch eine Neuregelung der Gehälter der Angestellten vorgenommen werden. Der Redner trat ferner für den Antrag des Vorstandes ein, ihn zu ermächtigen, einen Sekretär und im Bedarfsfalle Hilfskräfte für das Haupt- bureau anzustellen.— Diese Vorschläge fanden in der Diskussion Zustimmung. Ein Berliner Delegierter verlangte, daß den ein- zelncn Verwaltungsstellen das Recht gelassen wird, die Angestellten selbst Ml wählen. Der Delegierte für die Kollegen der Rheinschiff- fahrt, E i s e n ha r t- Duisburg, ging bei Besprechung dieses Punktes auf den in den letzten Tagen beendeten Streik in der Rheinschiffahrt näher ein. Sie hätten den Streik nicht verloren, kleines feuilleton Neue? von der„amerikanische» Gefahr" auf dem Kunstmarkt. Aus den letzten Tagen liegen wieder zwc! neue Meldungen über den Verkauf von Meisterwerken europäischer Kunst nach Amerika vor. In erster Linie ist einer der größten Rembrandts, die bisher nach Amerika gelangt sind,„Die Ehebrecherin vor Christus" von Sedelmeyer an einen bekannten Sammler verkauft worden. Der Name deS Käufers und der Preis werden nicht bekannt ge- macht, aber Verhandlungen über das Werk wurden einmal bei einer Schätzung des Wertes auf eine Million Marl begonnen. (Ilebrigens wäre dieser Rembraudt, der für unecht gilt, den Snobs zu gönnen.) Ferner wurde ein Werk von M i l l c t„Nährende Frau" von Louis Ralston an einen amerikanischen Sammler ver- kauft; auch in diesem Falle ist der Preis nicht bekannt, und man weiß nur, daß 266 666 Frank für das Bild zurückgewiesen wurden. Damit ist die Liste der nach Amerika ausgewanderten Kunstwerke, die der Cicerone in seiner neuesten Nummer zusammenstellt, wieder erweitert. Der Sammler Benjamin Altman hat in jüngster Zeit folgende Bilder ersten Ranges seiner bedeutenden Sammlung ein- verleibt: Francias„Porträt des Federigo Gonzaga", das Na- Poleon I. als Kriegsbeute nach Frankreich entführt hatte, Velas- g u e z'„König Philipp IV." nnd„Herzog Olivarez". die zusammen eine'Million Dollar gekostet haben sollen, und Holbeins„Por- trät der Margaret Wyatt". Aus England kam Rembrandts „Holländischer Kaufmann" in die Sammlung H. C. Fricks, der eine Million Mark dafür bezahlt hat, und Berwind hat Bauchers „Die Träumerin", eines seiner bedeutendsten Staffeleibilder, an- gekauft. Neue Kohlenlager jenseits des Polarkreises. Eine Forschungs- expedition, die von der kanadischen Regierung nach den Küsten der Hudsonbay und des Bafsinlandcs sowie nach den benachbarten Inseln ausgesandt wurde, hat dort zwei große Kohlenselder in etwa 156 Kilometer Abstand von einander entdeckt. Trotz der hohen geographischen Breite und der dadurch bedingten Ungunst des Klimas wird damit gerechnet, daß sie das ganze Jahr hindurch be- arbeitet iverden könnten. Nach den Berichten von.Kapitän Janes an die Regierung sollen die Kohlenselder sogar die größten der Erde sein, was um so merkwürdiger iväre, als sich heute im weiten 'Umkreis dieses Platzes nicht«in einziger Baum findet. Dagegen hat er einen ausgestorbenen, aber vorzüglich erhaltenen Wald nur 25 Fuß unter der Erdoberfläche begraben geftinden, dessen Stämme durchweg von Ost nach West und so flach liegen, wie von einem Sturm niedergedrückte Hglme eirieS Weizenfeldes. sondern seiön durch die Maßnahmen des Oberpräsidenten der Rhein- Provinz, der die bestehenden Gesetze für die Rheinschiffahrt während des Streiks aufhob, niedergeknüppelt worden.— Auf die Streikposten sei ohne Veranlassung geschossen worden. Gegen dieses bru- tale Vorgehen der Polizei müsse er energisch protestieren.(Lebhafte Zustinunung.) Durch das Verhalten der preußischen Polizei sei es ihnen unmöglich gemacht worden, den Streik weiter zu führen, darum wurde er aus Klugheitsgründen abgebrochen.— Mehrere Redner begründeten Anträge, die auf Anstellung von Beamten für einzelne Distrikte abzielen.— Unterstützung fand auch ein An- trag Dresden, dem Hauptvorstand ein statistisches Bureau anzu- gliedern._ Z.GevMlvtrsWmlung der Sattler nnd Ztortefernller. München, 28. Mai 1912. Am Miitwuch beginnt hier die zweite Generalversammlung des Sattler- und Portefeuillerverbandes. Vor drei Jahren wurde die Verschmelzung der Verbände der Sattler und Portefcuiller vKl- zogen. Auf dieser Generalversammlung wird vor allem die Frage untersucht werden, ob die Hoffnungen, die beide Organisationen aus den Zusammenschluß setzten, sich erfüllten. Ein Blick in den Geschäftsbericht und auf die Mitgliederbewegungen läßt diese Frage bejahen. Der Verbandsvorsitzende sagt hierüber im Per- bandsorgan, daß die Hoffnungen und Wünsche nicht nur in Er- füllung gegangen sind, sondern darüber hinaus Erfolge erzielt wurden. Bei der Verschmelzung beider Organisationen am 1. Juli 1969 zählte der Verband der Portefeuiller 3363 Mitglieder, der Sattlerverband 6692, insgesamt also 16 695 Mitglieder. Ende 1911 betrug die Mitgliederzahl aber 13 819, darunter 1163 weibliche Mitglieder. Die Zunahme seit der Verschmelzung beträgt daher 3764 oder 37 Proz. Bei Beginn der Berichtszeit(1969—11) hatten die Organisationen noch stark unter den Nachwirkungen der Krisis zu leiden. Aber schon Ende 1969 war der Verlust wieder behoben. Das Jahr 1916 brachte ganz enormen Zuwachs, der auch 1911 an- hielt, wenn auch nicht in dem gleichen Tempo wie 1916. Die Fluk- tuation war in der Berichiszeit sehr stark, wenn auch nicht so groß, wie in den früheren Jahren. Lohnbewegungen wurden in den drei Berichtsjahren 182 geführt. Die Lederwarenbranche steht mit 49 Bewegungen an erster Stelle. Die Wagenbranche ist mit 49 Bewegungen auch zahl- reich beteiligt, jedoch steht sie mit der Personenzahl bedeutend niedriger. Die 182 Bewegungen umfaßten 1332 Betriebe mit 18113 Beschäftigten und 15 364 Beteiligten. Ohne Arbeitseinstellung konnten 129 Bewegungen mit 13 798 Personen beendigt werden. In den Kampf traten in 54 Fällen 1566 Personen, davon 131 Ausgesperrte. Die Gesamtdauer der Kämpfe betrug 1637 Tage und gingen den Beteiligten 28 266 Arbeitstage mit 111774 M. Ar- beitsverdienst verloren. Die Streiks endeten in 29 Fällen mit vollem Erfolg, in 3 Fällen mit teilweisem und in 15 Fällen ohne Erfolg. Die Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung endeten in 166 Fällen mit vollem Erfolg und in 23 mit teilweifem Erfolg. Erreicht wurde bei den 182 Bewegungen für 9223 Personen eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung von 19 385 Stunden; für 14 567 Personen eine wöchentliche Lohnerhöhung von 31 993 M. und eine ganze Reihe osnstiger Verbesserungen sowie Abwehr von Verschlech- terungen. Für die Lohnkämpfe wurden 37 556 M. ausgegeben.— Die abgeschlossenen Tarifverträge haben sich in der Berichtszeit stark gehoben. Am 1. Januar 1909 bestanden in beiden Verbänden 36 Tarife von 328 Betrieben mit 6323 Beschäftigten. In der Be- richtszeit wstrden 67 Tarife für 767 Betriebe mit 12 467 Personen abgeschlossen. 31 Tarife für 465 Betriebe mit 7162 Beschäftigten liefen ab, so daß am 1. Januar 1912 66 Tarife für 696 Betriebe mit 11628 Personen bestanden. Der Kassenbericht weist für die Berichtszeit eine Ein- nähme von 841 945 M. und eine Ausgabe von 737 766 M. auf. An Beiträgen wurden 796 653 M. vereinnahmt. Für die Agitation wurden insgesamt 51 443 M., für die Verbandszeitung 64 441 M. aufgewendet. Die Ausgaben für Erwerbslosenunterstützung be- trugen 248 324 M. Das Vermögen der Hauptkaffe betrug am Ende der Geschäftsperiode 326 769 M. und der Vermögensbestand der Lokalkassen 153 881 M. Der Vorstand kommt bei der Besprechung des Kassenberichtes zu dem Schluß, daß für Unterstützungen zuviel ausgegeben und für den Kampf zuwenig zurückgelegt wird. Vor- stand und Ausschuß stellen deshalb zur Generalversammlung den Antrag, die Beiträge um 5 und 16 Pf. pro Woche zu erhöhen, und zwar von 25 auf 36 Pf. bezw. von 56 auf 66 Pf.— Eine Reihe von Anträgen verlangen die Einführung von Staffelbei- trägen. Um den Mitgliedern in wirtschaftlich zurückgebliebenen Gegenden Rechnung zu tragen, bringen Vorstand und Ausschuß eine Resolution ein, nach der diese Mitglieder bis zum 1. Januar 1914 den alten Beitrag zahlen können. Die Beitragsfrage dürste auf dem Verbandstag eine lebhafte Debatte auslösen» Eua der Partei. Konfus-monarchistisches. Es gibt eine Menge von Spielarten des Sozialismus, darunter natürlich auch einen„monarchischen�SozialismuS". Warum auch nicht? Hat man einmal verkannt, daß der Sozialismus nur durch Brot aus der Wikiugerzeit. Der Dozent an der Stockholmer Universität Dr. Schittger hat in Ljunga in Ostgotland soeben einen interessanten Fund gemacht. Es handelt sich um ein fast tausend- jähriges Brot ans der Wilingerzeit. Die mikroskopische Untersuchung ergab, daß dieses Brot aus Fichtenrinds und Erbsenbutter hergestellt ist. Der Fund beweist also, daß die Erbsen in Schweden schon um die Zeit von 966 nach Christus angebaut worden sind. Bisher hat man nur sehr selten Reste von Broten aus dem Altertume gefunden; die wenigen Brote, die einerseits in Aegypten, andererseits in den Schweizer Pfahlbauten ausgegraben worden sind, haben daher ein besonderes archäologisches Interesse. In den Ländern des Nordens waren bisher nur ganz wenige Spuren gefunden; Dr. Schittger selbst hatte im Jahre 1968 bei der Ausgrabung einer alten Burg in Boberg ein Brot zutage gefördert, das mit Getreidemehl gebacken war und das bereits etlva aus dem 4, Jahrhundert vor Christus stammte._ Notizen. — Nach berühmten Zensurmustern. Die Kartell- kommission der Gewerkschaften in Köln a. Rh. hatte beabsichtigt, Emil Rosenows soziales Drama:„Die im Schatten leben" für die Mitglieder der Gewerkschaften aufführen zu lassen. Darauf erklärte das Kölner Polizeipräsidium:„Die Auf- führung kann ans ordnungspolizeilichen Gründen nicht gestattet werden. Eine Erörterung der Frage, ob der Kartellver- band überhaupt, ohne im Besitze einer Konzession zu sein, Theater- Vorstellungen veranstalten kann, dürfte sich daher erübrigen. Der Polizeipräsident: v. Weegmann." In Frankfurt a. M. ist das Stück bekanntlich unbeanstandet aufgeführt worden. Nur in Berlin und Köln gerät der bürger- liche Staat dadurch ins Wanken. — DerwendischeBismarck. Um die Mittel zu einem BiSmarckturm innerhalb des slawischen Rundwalles bei Burg im Spreewald aufzubringen, sollen in K o t t b u S wendische Bolls- spiele aufgeführt werden.— Jedenfalls eine höchst gelungene, wahr- Haft prähistorische Idee: ein Bismarckturm in einem ilawischen Rundwalle. — Ein Strindberg-Museum plant man in Stock- Holm zu errichten. — Ein Steinkistengrab wurde zwischen den anhal- tiichen Dörfern Görzig und Schortewitz bloßgelegt. Es wurden bisher darin mehrere sehr gut erhaltene Urnen mit schönen und charakteristischen Formen. Bronzegegenstände und die Nachbildung eines Steinbeiles aus Bernstein gesundem Das Alter der Grab- statte wird ggf 4M Jahre geschätzt.-'" den Klassenkampf des Proletariats verwirklicht werden kann, daß das Proletariat dazu die politische Macht erobern mutz und diese nur erobern kann, wenn es die Demokratie verwirklicht, dann mag man sich auch einbilden, daß die„Monarchie" mit dem„So- zialiSmus" vereinbar ist. Hat man erst im Reich des Gedankens den Sozialismus vom Proletariat losgelöst, warum soll man nicht auch die Monarchie von ihrer Grundlage loslösen und sich einbilden, ein Monarch könne auch statt die Spitze einer Masiengesellschaft, der allerdings ziemlich überflüssige Repräsentant einer sozialistischen Gesellschaft sein? Es ist nur natürlich, daß das„Berl. Tagebl.", für das die harten Tatsachen des Klassenkampfes nur Bosheiten der bösen Radikalen sind, die es aus der Welt zu schreiben entschlossen ist, sich diese Auffassung zu eigen macht. So weit, so gut. Daß es aber einer — fo. gezeichneten Zuschrift Raum gibt, in der kein anderer als K a u t s k y zum Zeugen für die Richtigkeit dieser Auffassung an- gerufen wird, ist schon reichlich naiv. In der Zuschrift wird die bei Dietz erschienene Schrift von Atlanticus„Produktion und Konsum im Sozialstaat" zitiert. Der Verfasser bekenne sich als Monarchist und trotzdem habe Kautskh sie mit einer Einleitung versehen und empfohlen. Das letztere stimmt und auch wir halten die 1893 erschienene Schrift heute noch für lesenswert und anregend. Aber Kautsky sagt in der Einleitung(S. XIX) auch ausdrücklich: „Wenn wir die vorliegende Schrift aus den eben angeführten Gründen für sehr verdienstlich halten, so ist damit, wie schon an- gedeutet, nicht gesagt, daß wir jede ihrer Aeußerungen unter- schreiben. Unsere Anschauungen weichen von denen des Verfassers in gar manchen Punkten ab; aber eine Vorrede zu einem Buch ist nicht der richtige Ort, eS zu kritisieren." Und zu den„Aeußerungen, die wir nicht unterschreiben', gehört aber auch die über die Rolle der Monarchie. So wird denn dieser Versuch, dem Genossen Dr. Landsberg zu Hilfe zu kommen, nicht viel nützen. Denn die Sozialdemokratie hat es keineswegs— wie der Verfasser der Zuschrift meint—„dringend nötig, ihren hart- näckigen Konservatismus"(so beliebt es den Herren Liberalen heut- zutage prinzipielle Politik zu nennen) aufzugeben; damit kann sie warten, bis etwa die Konservativen sich zur Republik bekennen oder ein Monarch organisierter Sozialdemokrat geworden. Zu derselben Angelegenheit schreibt uns noch Genosse Kautsky Das„Berliner Tageblatt" sucht heute dem Genossen Lands- b e r g wegen seiner Teilnahme am Kaiserhoch dadurch beizuspringcn, daß es sich auf Atlanticus beruft, dessen Schrift„Produktion und Konsum im Sozialstaat' ich 1398 im Dietzschen Verlag mit einer empfehlenden Vorrede herausgab, deren Verfasser ich einen Sozia- listen nannte, und der sich doch als Monarchist bekannte. Das ist richtig. Aber ich habe mich gehütet, ihn einen Sozialdemokraten zu nennen. Er war Soziali st in demselben Sinn« wie Rodbertus. Der Partei hat er nie angehört. In meiner Vorrede weise ich selbst darauf hin, daß der Ver- fasser in wesentlichen Punkten in vollem Gegensatz zu uns steht. Ich teile dort aber auch den Grund mit, warum ich seine Schrift„trotz aller Verschiedenheiten und Gegensätze" herausgab: weil sie eine Lücke in der sozialistischen Literatur ausfüllt und weil sie„keine Aussicht hatte, in einem bürgerlichen Verlage angenommen zu werden". Der Fall Atlanticus beweist also nur die bürgerliche Intoleranz und die marxistische Toleranz gegenüber wissenschaftlichen Leistungen. Er beweist durchaus nicht, daß innerhalb der Sozialdemokratie für monarchistisch fühlende Herzen Platz ist. Noch einmal der Parteitag der holländischen S. D. P. Genosse Dr. W. van Raven st eyn- Rotterdam schreibt uns zu unserem Bericht über den Parteitag der S. D. P. Hollands („Vorwärts" vom 25. Mai), daß der Parteitag nicht„größtenteils von Polemiken gegen die S. D. A. P. und die Gcwerksthasls? zentrale ausgefüllt" gewesen sei. Vor allem habe man sich nnt der Feststellung eines neuen Programms beschäftigt, um dem neue» reformistischen Programm der S. D. A. P. ein Programm gegenüberzustellen, das dem heutigen Stande der marxistischen Wissenschaft angepaßt sei. Ferner teilt Genosse van Ravcnsteyn mit, daß Genosse Sneevliet, der Vorsitzende der holländischen Eisenbahnergelverkschast aus der S. D. A. P. ausgeschieden und zur S. D. P. übergetreten ist. Zum Göppinger Parteistreit erläßt der Landesvorstand der Sozialdemokratie Württembergs folgende Kundgebung: „Durch die Aufstellung des Genossen Kinkel zum Landtags- kandidaten für das Oberamt Göppingen an Stelle des bisherigen Abgeordneten Genossen Dr. Lindemann sind unter den Parteigenossen des Bezirks tiefgehende Meinungsverschiedenheiten entstanden. Wir haben dazu folgendes zu erklären: Die Art der Aufstellung des Kandidaten entspricht nach Auf- fassung des Landesvorstandes nicht dem Organisationsstatut, auch nicht dem bisher üblichen Brauch im Lande. Der zur Aufstellung von Kandidaten in Betracht kommende Paragraph unseres Statuts hat folgenden Wortlaut: „Wahlen.§ 11. Die Aufstellung der Reichstagskandidaten erfolgt durch die Generalversammlung des KreiSvereinS, die der Landtagskandidaten durch die OrtSvereine des Landtags- Wahlbezirks jeweils im Einverständnis mit dem Landesvorstand. Bei Aufstellung der LandtagSkandidaten hat außer dem Landesvorstand auch der Vorstand des Kreisvereins sein Einverständnis zu geben. Ueber Differenzen bei Aufstellung der Reichstagskandidaten entscheidet der Parteivorstand, über solche bei der Aufstellung der LandtagSkandidaten der LandcSauSschuß, in letzter Instanz die Landesversammlung.' Danach hätte der Kreisvorstand seinen Antrag, der einen Kan« didatenwechsel bezweckte, bor der Konferenz den Ortsvereinen zur Diskussion unterbreiten und dem Landesvorstand zur Kenntnis bringen müssen. Beides ist nicht geschehen. Auch ist biS heute das Einverständnis des LandeSvorstandeS weder eingeholt worden, noch erfolgt. Der bei der Konferenz anwesende Vertreter des LandeSvorstandeS hat ein Einverständnis mit dem Kandidatenwechsel nicht ausgesprochen. Zahlreiche Parteigenossen haben nun gegen den Beschluß der Bezirkskonferenz Stellung genommen. Obgleich keinem Partei- genossen das Recht bestritten werden kann, sich gegen nach seiner Ansicht parteischädigende Beschlüsse innerhalb der Organisation zu wenden, muß der Landesvorstand das Vorgehen des Genossen Julius Brückner in Göppingen, der(allerdings nach Ablehnung eines Inserats im Göppinger Parteiorgan) durch öffentliche Plakate die ganzen Differenzen der Entscheidung der Parteiinstanzen entgegen und in die breiteste Oeffentlichkeit getragen hat, ausS entschiedenste verurteilen und niißbilligen." Die reichlich verspätete Stellungnahme deS württembergischen Landesvorstandes, die um so merkwürdiger ist, als zwei seiner Ver- treter an der Göppinger Versammlung teilgenommen und auch die „Schwäbische Tagwacht" und das Heilbronner„Echo" das Zustande- kommen der Kandidatur Kinkel als statutengemäß anerkannt haben, ist dazu angetan, die Differenzen in Göppingen, die schon beigelegt schienen, zu komplizieren. Der scharfen Verurteilung deS Verhaltens deS Genossen Brückner durch de» Landesvorstand können wir nur zustimmen. Aus der französischen Partei. Der Nationalrat der französischen geeinigten Partei hat in seiner Versammlung vom Pfingstmontag die Ausgestaltung der . H um?« nitö'zu einemsechsseitigen.miteinem modernen Nachrichten- dienst versehenen Blatt beschlossen. Zu diesem Zweck soll ein Fonds von 200 000 Fr. aufgebracht werden. Die Parteilasse steuert dazu 60 000 Fr. bei. Der vom Parteisekretär erstattete Bericht über die Gemeinde- ratswahlen ergibt, trotzdem er noch nicht auf Vollständigkeit Anspruch machen kann, ein wesentlich günstigeres Bild als die offi- zielle Statistik. Danach steht die Wahl von 286K sozialisti- schen Gemeindevertretern fest. 67 Gemeinderäte bestehen ausschließlich aus Sozialisten, in 60 hat die Partei die Mehrheit, in 335 eine Minderheit. Im Norddepartement allein sind 3S s 0 z i a I i st i s ch e Bürgermeister gewählt worden, im G a r d 30. polireUicbes» Cmchtlicheo ufw. Wie die Justiz das Handwerk schützt. Im September v. I. hatte das„Gothaer Volksblatt" die Lehr- und Erziehungsmethode eines ländlichen Schuhmacher- meisters kritisiert und die Behörde ersucht, den Betrieb besser zu beobachten, da die Lehrlinge(Gesellen beschäftigt der Mann nicht) während der vierjährigen Lehrzeit das Handwerk nur sehr mangelhaft erlernten. Der Stadtrat in Langensalza und der Schuhmachermeister stellten Strafantrag wegen Beleidigung. Die Handwerkskammer nahm eingehende Untersuchungen" vor und es ergab sich, daß der eine Lehrling, der vier Jahre gelernt hatte, als Pferdeknecht gehen mußte, weil er die Gesellenprüfung nicht bestand, sondern sehr mangelhafte Arbeit leistete und Arbeit als Schuhmacher nicht erhielt. Weiter wurde festgestellt, daß der Sachverständige der Handwerkskammer schon 1903 den Antrag gestellt hatte, dem Muster eines Lehrmeisters die Berechtigung zum Halten von Lehrlingen zu entziehen. Mit Pferd und Wagen fuhr der Meister im Lande umher, blieb tagelang auf Jahrmärkten Usw. und die Lehrlinge waren sich selbst überlassen; sie mußten Obst pflücken, das Land bestellen, das Vieh und das Materialwarengcschäft ver- sorgen 1 1 Arbeiteten die Jungen, die aus dem Nettungshause in Langensalza zu Meister Ernst gekommen waren, nicht immer in entsprechender Weise zum Nutzen des Lehrherrn, so gab es Prügel und Nachtarbeit als Strafe. Wegen dieser Be- Handlung liefen dann die Jungen fort, doch der Gendarm brachte sie stets wieder in die Lehrstelle zurück. In keiner Zeile des betreffenden Berichts war ein zu scharfes oder gar beleidigendes Wort in Anwendung gebracht worden. Der Amtsanwalt bemühte sich daher, dem Gericht plausibel zu machen, daß man auch hier wieder zwischen den Zeilen lesen müsse, um den wahren Sachverhalt, wie ihn der Angeklagte in seiner bekannten ironisch-beleidigenden Art darzustellen beliebe, richtig verstehen zu können. Das Gericht schloß sich„in allen Punkten" den Auffassungen des öffentlichen Anklägers an. und es kam sonach zur Bestrafung des Kritikers, obwohl dieser, wie mehrere Zeugen bestätigten, vollständig im Recht war, d. h. nur Wahres von dem Schuhmachereibetriebe berichtet hatte. Für die Magistrats- beleidigung wurden 100 M. Strafe als„angemessen" erachtet. Es sei aber ausdrücklich bemerkt, daß Ernst selbst die irrige Be- hauptung aufgestellt und weiterverbreitet hatte, die vertragschließende Behörde sei die des Waisenhauses, während es sich um das Rettungshaus handelte, für welches der Stadtrat nicht maßgebend ist; doch die Verwaltung des Rettungshauses fühlte sich nicht be- leidigt— und dem Stadtrat war, als sich der Irrtum herausstellte, sofort Genugtuung gegeben worden. Nachwehen des sächsischen Bergarbeiterstreiks. Der beralitwort- liche Rodakteur der Chemnitzer„Volksstimme", Genosse Max Müller, wurde vom Stolberger Gericht zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Straftat ist eine angebliche Be- leidigung zweier Steiger auf einer der bestreikten Gruben, Fleischpreise und Händler. Die„Kreuz-Zeitung" druckt einen Bericht der freisinnigen„Bres- lauer Zeitung" ab, der den Einfluß des plötzlichen Verkaufs von 600 Schweinen nach Warschau und Lodz auf den Schweinemarkt zu Sosnowice schildert: „Durch diese Gewaltmaßregel wurde der Austrieb auf 2600 Stück herabgedrückr und hallen die Händler nunmehr leichtes Spiel. Der Preis schnellte sofort um rund? Pf. am deutschen Pfund Lebendgewicht in die Höhe, und es erhob sich infolgedessen auf dem Marktplatze ein Tumult, der so drohende Formen annahm, daß die Polizei herbeigerufen werden mußte, um einem offenen Kampfe zwischen Fleischern und Händlern vorzubeugen. Die Händler gingen sogar so weit, die bereits vor dem Gewaltbeschluß zu niedrigeren Preisen ver- kauften Schweine trotz des heftigen Protestes der Käufer auS den Buchten heraus und auf den Markt zu treiben, um sie aufs neue zu den nunmehr erhöhten Preisen zum Verkauf zu stellen. In Zahlen dargestellt äußert sich der Gewaltstreich der russischen Schweine- Händler in folgender Weise: An den 600 Schweinen, die nach Lodz und Warschau verfrachtet wurden, verloren die Händler rund 20 000 M a r k. dagegen erzielten sie durch den auf diese Weise er- zwungenen Preisaufschlag für die nach Ober- schlesien abgesetzten Schweine einen Mehr- ertrag von rund 40 000 Mark, so daß ihnen ein runder Mehrprofit von 20000 Mark in die Tasche f l 0 ß."._ Die„Kreuz-Zeitung" benutzt diese Tatsache, um die Schuld- losigkeit der Agrarier an der Fleischteuerung nachzuweisen. Da be- weist sie zu viel. Gewiß benutzen die Händler die augenblickliche Situation auf dem Viehmarkt, um ihren Extraprofit herauszuholen. Abxr erst die durch die Zolltarife geschaffene Viehnot und Vieh- s teuerung gestattet ihnen, die Konsumenten weiter zu schröpfen. Bei genügendem Angebot an allen Orten wären solche Schiebungen nicht möglich._ Stahlwerksverband und Kolonie«. DaS Interesse unserer Schwerindustrie an den Kolonien ist be« kannt. Die Beziehungen, die bisher nie offiziell zugegeben wurden, finden nun auch ihren materiellen Ausdruck in einer Spende des Stablwerksverbandes an das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee im Betrage von 100000 M. Diese etwas geringe Kapitalanlage wird dem Verband recht gute Zinserträgnisse bringen. Was Deutschland für Fische ausgibt. Die Fischerei hat sich in Deutschland während der letzten Jahr- zehnte sehr gehoben, und zwar hat sowohl die Fischzucht und Süß- Wasserfischerei, als auch die Seefischerei einen erheblichen Anteil an diesem Fortschritt. Dennoch wird in jedem Jahr von Deutschland eine erstaunliche Summe für Fische und andere Seetiere an das Ausland bezahlt. Nach einer in der„Allgemeinen Fischerei- Zeitung" veröffentlichten Statistik betrug sie im vorigen Jahr 118 Millionen Mark. Allerdings findet auch eine Ausfuhr von Fischereierzeugnissen statt, die sich aber nur auf 11 Millionen Mark bewertet. Obgleich namentlich die deutsche Heringsfischerei recht gute Erträgnisse gehabt hat, wurden im vorigen Jahre noch für mehr als 20 Millionen Mark frische Heringe und Sprotten, und für mehr als 36l/z Millionen Mark ge- salzene Heringe aus dem Auslande bezogen. Den nächstgrößten Posten nahmen andere Seefische in frischem Zustande mit über 18 Millionen Mark ein. Der durch die Fleischleuerung gesteigerte Konsum von Seefischen durch die ärmere Bevölkerung findet in diesen Zahlen seinen Ausdruck. Dem Werte nach steht an der nächsten Stelle das größte Luxuserzeugnis der Fischerei, der Kaviar, mit fast 9>/z Millionen. Mark. Witterungsüberficht vom 29, Mai 1912, Stationen Swinemde. tamburg erlin Franks.a.M. München Wien -- 5 S■3' 754928 755 SB 756 a33 758 NW 759 SW 758 NNO Wetter 5rvolkig 1 bedeckt 5!bedeckt Äwolkig 4'wolkig pheiter »s; -r» ga Hä 10 9 9 13 15 14 Stationen E„ 2c 88 Haparanda Petersburg Scillq Slbcrdeen Paris 762 758 760 ZU ef 753 NNO 7520 NNW Still N0 Wetter Nebel 1 bedeckt 3 heiter wolkig 2 heiter uts: e-» t* W5> 10 13 13 11 14 Wetterprognose für Donnerstag, den 30. Mai ISIS. Teilweise heiter, etwas wärmer, aber noch veränderlich bei ziemlich leb- hasten südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. �izlileffiiiWiZElier wein für den 2. Berliner Reiehstagswalilkreis. Bezirk 67. Am Dienstag, de» 28. Mai, verstarb unser langjähriger Ge- nosse, der Zigarrenhandlcr Wilhelm Kolbio (Bülowstr. 56) im Alter von 61 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, 31. Mai, nachm. 4'/, Uhr, von der Halle dcS Gemeinde-Fried- Hofes in Friedrichsjelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. � SoaaWemokratiseöJaWTereiii für den 2. Berl Reitlistapalireis. Bezirk 08. Nachruf. Am 24. d. M. verstarb unser Mitglied Msnn Strauß. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgesunden. 207/20 Itvi- Vo,-Bt»n€l. SozialdemokratisciierWaiilyerein des 6. Berl. Relclistais-Waliikreises. Am 26. Mai verstarb unser Genosse, der Former Wslter öaatxe Krcselder Strafie 13. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet heute Donnerstag. nachmiitagS 5 Uhr, oon der Halle dcS Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallce aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/ l 7 Ter Vorstand. Vösbanll lier Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Oroß-Berlln. Durch den Tod sind uns unsere Mitglieder, die Kollegen kaul Glatüsch (34. Nevier-Jns p ektion), Johann Nogly (Gaswerk Gitschiner Straße) entrissen worden. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 34/8 Die Ortsverwaltmig. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Waller Baatge am 26. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet Donners» tag, den 30. Mai, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Frei- religiösen Friedhoses in der Pappelallee aus statt. Ferner starb unser Mtglted, der Mechaniker Emil Rothe am 27. Mai. Die Beerdigung findet am Fi eitag, den 31. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-KirchhoscS in Plötzen- see aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Heiser Eram Jansch am 27. Mai. Die Beerdigung findet am freilag, den 31. Mai, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Dankes-Kirchhoses in Reinicken- dors-West auS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher kau! Funke am 20. Mai. Die Beerdigung findet in Breslau statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter klhert Weidhöner am 27. Mai. Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Mai. nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Philippus- Apostel-Kirchhoses in der Scestraße aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. H ach ruf. Ferucr den Kollegen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Gurtler Georg Salier am 24. Mai gestorben ist. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner Dskar Löschky am 26. Mai. Ehre ihrem Andenke«: 118/3 Die Ortsverwaltuiia. SozialdeinokraMWaliMD Kreis Hiederbarniin 1 Bezirk Kiichtenberj;. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer ttvnmsnn Butt (Scheffelstraße 11) verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags'1,4 Uhr, von der Leichenhalle tu Marzahn aus statt. 14/10 Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Deutscher Beutseher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer. Hernumn Butt Bezirk Lichtenberg am 27. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 30. Mal, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn ans statt. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Maurer �.nton Seeliger Bezirk Osten I verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 31. Mai. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Pius-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Ehre ihrem Andenken: Um rege Beteiligung ersucht l 39/16 Der Borftand. Isanspcrtarbeites- Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer Hermann Lasch am 24. d. Mts. im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: 64/9 Bio Bezirksverwaltung. Di« Beerdigung meines durch Erlrinken verstorbenen lieben Sohnes 1003B Karl findet morgen Freitag, nach- mittags S'/j Uhr, in Ahrensjelde statt. Qustav Brleger Forster Straße 43. Verlland derHüt-uiilzwaren- Ärbeiter und-Arbeiterinnen Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege Robert Ronnet am 27. Mai d. I. plötzlich an Herzschlag im Aller von 64 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am DonnerStagnachmittag 5 Uhr von der Kirchhofshalle in Grünau, Wilhelmstraße 5, aus stait. Zahlreiche Beteiligung erwartet 76/9_ Der Borstand. ZentraMndderDaehdeeker Verwaltungsstelle Berlin. Am Sonnabend, den 25. Mai, verstarb nach langem, schwerem Krankenlager unser Kollege Franz Pätzold. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- selde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 51/12 Oer Vorstand. oen Vorwärts-Lesern gewähre Rabatt. Wundervoll gestickte Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Muiter und Schwiegermutter Raroline Giebel K�ch sagen wir allen Verwandten und Bekannten sowie Herrn Jonny Hinrichsen sür seine trostreichen und erhebenden Worte an der Bahre aus diesem Wege unseren tiesgesühlten Dank. 1893b tt Giebel und R-au. G.Giebel und Frau. Danksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters» des Restaurateurs XVilhelm Woithe sagen wir allen Bekannten, Freunden sowie dem Verbände der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands(Bez. Neukölln), dem Wahlverein(Bez. 14) unseren innigsten Dank. 50a. Mathilde Woithe und Kinder. Arbeltsnachweis: Hos L Amt Norden, Nr. 1239. Verwaltungsstelle Berlin Charitcstraffe 3. Hauptbureau: Hosm. Amt Norden, Nr. 1937. V«"! in K» jmpo Fenster t Filztueb... 8.3- bis 10.6° natürleinen.. 8.85 bis 2fl.oo Velvetpliiseh.. 8.85 bis IS.oo Persisch 8.75 bis 88.°° Kochelleinen.. 6.75 bis 8O.00 Fa. rein«. Tuch 16.5° ws 150.00 Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester und SdZlvägcrin Wilhelmine Stahl geb. Bcokcc am Dienstag nacht nach schwerem Leiden verschieden ist. 1897b Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 2. Juni, nach« mittags 4 Uhr, von der Fried» Hosskapelle der St. Simeons- gemeinde, Britz, Germania- Promenade, aus statt. Oie trauernden Hinterbliebenen Paul Stahl, Prinzenstr. 106. "Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sage Ich allen Beteiligten meinen herzlichen Dank. LUsv Lndwls nebst Kindern. Nach auswärts per Nachnahme. Teppich-Spezial-Kaus LW" Einli ef�vre Berlins. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Unterhalte nirgends Filialen! Spezial-Katalog 850 Ahhlldungen gratis u. franko. Buchhandlung Vorwärls Lindenstr. 69(Laden). Soeben erschien: 246/20 Die Mertttllvllchssteller. Neichsgesetz vom 14. Februar 1911. Von Albert Südekum. (Hest 12 der Sozlaldemokralisch Gemeindepolitik.) Preis 1 M. BereinsauSgabe 40 Pf. en Sonnabend, den t. Juni 1912, nachts präzise 12 Uhr, in Jul. Meyers Jcstsälen, Oranienstr. 103: Allgemeine Versammlung der Kino-Operate»tre Groß-Berlitts. Tagesordnung: 1. Bortrag:„Die Wohnungsfrage des Arbeiters und die Gartenstadtbewegung.- Referent: Genosse Huihei». 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Es wird bestimmter und pünktlicher Besuch erwartet. 118/4_ Ple Ortavcrwaltnng. r n Geschäftsstelle! und verwandter Berufsgenossen■«= Zahlstelle Berlin. 0. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt Norden, 4518 Sonntag, de» 2. Juni, nachmittags 2 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59(gr. Saal): Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 43/3* 1. Vortrag des Kall. Adam Huebner, Sekretär-Schatzmeister des amerikanischen Brauereiarbeiterverbandes, über: „Die Organisation der Kranereiarbeiter in Amerika." 2. Besprechung der Anträge zum diesjährigen BerbandStag.(Veröffentlicht in Nr. 16 der Verbandszeitung.) 8. Verbandsangelegenheiten. Wir fordern unsere Mitglieder aus, zahlreich und pünktlich in dieser „----------—'•"' sUnn Versammlung zu erscheinen. le OrtsverwaUnng. Tcrwaltang: Berlin. Stellmacher. Heute Donnerstag, den 30. Mai, abends 8'/, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11/13: Kranchen Uersammlung. Tagesordnung: 1. Vorwag des ArbeitersekretärS Genossen Unk. 2. Bericht von der letzten Generalversammlung. 3. Branchenangelegen. heilen._ 84/7 Ortsgruppe Groß- Berlin. Sonnabend, de» 1. Juni, abends 8 Uhr, in de» Musikersälen, Katser-Wilhelm-Swaße 13ra: äs Versammlung sss Tagesordnung: 1. Wie fördern die städtische» Angestellten ihre«irtschaftlicheu Interessen? Reserent: ReichstagSabgeortzneter Kollege Karl Giebel. 2. Freie Aussprache. 47/11 Zahireicheu Besuch erwartet Vir Lrtsverwultung. Quälhäis- = raucher ¥ fordern und rauchen nur Garbaiv Frag' Deinen Freund nach Grimm& Triepel Kautabak. Gardinen und Teppiche SrstNasfige Bezugsquelle Gardinenhaus Bernhard Schwartz Wallftr. 13(dreizehn). Harz, Riesengebirge, Sächsische Schweiz, Berlin, Dresden � Expedition des Vorwärts, Lindenstraße 69(Laden). Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, MdiÄ 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Die Beleidigung gegen de» Lotterie- und VergnügungS- Verein.Jtalia" nehme ich hiermit zurück. Fritz Gau, Prenzlauer Allee 203. SO/K Magioli Cigareiief Jpecialmarken Abbas Dandy Gibson Girl •• iii... i«»"•"'hiuiitMiiUWiliimMi'"••»II. UI«"""1••■in..„,I!II"»""'V 5 ............................................................................................................................................................................... BT Ziehung 5. Kl 22«. Kgl. Pfeuss. Lotterie: _j;.aelmpg Tom t». Mal 1S1I romittag� "A.f J.d» gnogta» Sunmtr«lad iwel gldoh hol» fio- wluo gofoUoB. und»wor Je«liior out dto Loh U'lohor Naounor In des holden IhtoUugoii I ond □ Kur dla Gewinn« Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern io Klammern beigefügt. 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Nummern in Klammern beigefügt. iObne Gewähr.)(Nachdruck verboten.)' ■' 2.09 335 65 448 742 807 64 919 31 1028 177 424 941 2023 304 63 823 68 70 3043 62 311 697 777 911 13[3000] 63 78 4000[3000] 129 237 319 81 471 657 93 94 796 849 955[lOOO] 5064 81 119 230 659 788 800 969 6191 272 350 66[500] 475 663 946 7071 141 42[600] 222 63 74[3000] 415[600] 639 41 82[6001 4,2 69 76 831 34®117 59 207 064 441 95 681 680 (1000] 723 63 863 967 86 9048[1000] 71 117. 212 ,740 857 63<-. 1O051 164 305 7 8 488 858- 73 650 861 11363 76 AA2, OA 94 70r3 25 12394"01 573 640 766 89 910 99 13007 130[1000] 80 210[10000] 82 953 14015 SO92"24 63 636{600] 616 85 775 866 15019 44 284 [3000] 338«44 TS[500] 510 26 699 748 858 909.16165 -S 77 ir03S 61 242 69[1000] 339 448 oJ 610 62 Br57 i®067 103 98[3000] 782 flODO] 91 838 61 937[3000] 76 19003 65 130 65 2» 322 60 443 645 46 77 638 53 705 826 917■ r> j 29089 166 271 316 420 27[10000] 647 692' 796 833 93 924 43 21072 169 246 593 719 65[600] 972 22032 292 311 17 696 886 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Berlin. Für de? gnseratenteil verantw.: Th. Blocks Berlin.' Druck u. Verlag: Vorwärt»»öuchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. So� Berlin SW. 8M23 29*, 2. KeilU des„loriDiirls" berliner Jolkslilstt Partei- Angelegenheiten. Stralau. Der Wahlverein veranstaltet am Sonnabend, den t. Juni, abends S1/« Uhr: Mondscheinfahrt nach Müggelwerder. Ab- fahrt von der Alten Taverne, Alt-Stralau 25/26. Billetts sind noch zum Preise von 50 Pf. bei den Genossen Walter, Alt-Stralau 46 und Billein, Markgrafendamm 7, zu haben. Die Bezirksleitung. berliner Nachrichten. Die Stulleupapier-Schweiz. Bei den begeisterungsfähigcn, von Naturschönheitcn leicht entzündbaren Berlinern macht der Name mitunter alles. Eine Prämie verdient der brave Mann, der Sprecathen und die Schweiz in einen Topf warf. Wird man etwa wirkliche Beige, die bis ins Firmament zu reichen scheinen, zu sehen bekommen und Gletscher, Sennhütten und Alpenglühen? Der Berliner, mit dem Schreckgespenst„märkische Sandwüste" vcr- traut, ist ja so genügsam. Er gondelt also nach der Jannowitz- brücke und von dort mit einem schmucken Spreeschwan für eine halbe Mark, die gar noch zur Rückfahrt reicht, in zweieinhalb Stunden nach der„Berliner Schweiz", die auf der Landkarte weniger verführerisch„Gosenbcrge" heißt. Noch vor einem Jahrzehnt war das ein vom Strom der Ausflügler fast unberührtes Eiland. Heute sind dort draußen auf halbem Wege zwischen Schmöckwitz und Erkner an schönen Sommersonntagen min- bestens fünftausend Menschen. Fast alle lassen sich, da der eherne Schienenweg sich bis hierher noch nicht durchgearbeitet hat, von jenem Element tragen, das keine Balken hat. An Köpenick vorbei geht's die Dahme entlang/ dann um die Krampenburg herum in den von Schmöckwitz breit aus- laufenden Seddin-See. Was? Die paar Sandkuppen dort rechter Hand mit dem kastellartigen Aussichtsturm, das ist die Berliner Schweiz? In keckem Bogen macht der Dampfer sein Landungsmanöver. Die Blechmusikanten tuten ein Tiroler Lied. Das gibt Stimmung. Man lacht herzlich, steigt guietschvergnügt an Land und bildet sich ein, daß die tücher- schwenkenden Bewillkommnungsjungfrauen mit der Küchen- schürze waschechte Sennerinnen sind. Ein hübscher, hinter diesen Bäumen versteckter Restaurationsbau ladet freundlich zu Gaste. Bloß einen Fehler hat er... keine Spur von Schweizer Stil. Und die Berliner Sommerkellner mit schwarzem Schivenker und weißer Serviette hält selbst ein Säugling nicht für Tiroler Buab'n. Aber gleich da- hinter, das müssen doch die„Schweizer Berge" sein? Also mutig rauf auf die erste Kuppe. Bis weit über die Knöchel versinkt der Fuß im Saude. Zwischen den mageren Föhren ein recht dürftiger Sandboden, besäet noch schöner als der Grunewald mit Stullenpapieren und Flascheuscherben. Bei einem vorsintflutlichen Stall mit Borstenvieh, dem leider keine Alpenglocken um die feisten Nacken hängen, baumelt der Wegweiser nach dem hier noch nicht von des Polizeigedankens Blässe angekränkelten Freibad. Oben steht neben Schaukeln und Porzellankram vor seiner Schießbude der moderne Tell... 'ncn Sechser kost' der Schuß! Den Landvogt Geßler— von dieser Sorte gibt es heutzutage bannig viel— muß man sich hinzudenken. Wieder kraxeln wir durch tiefe Sandmulden bergab bergauf zur schönen Aussicht, hier wohlklingend„Schillerwarte" getauft. Kein Weg, kein Steg ist zu sehen, nur Sand, weißer Sand. Nach vor wenigen Jahren sollen das grünende Matten ge- ivcsen sein. Der Fuß der Ausflügler hat alles niedergetreten. Glühendheiß brennt im Hochsommer die Sonne auf den Sand. Ein Glück, daß der Aussichtsturm kühle Restauraiionsräume hat. Vier grünbehaubte Ecktürcn flankieren das erste Plateau. Schlank ragt aus ihm der Mittclturm empor. Hinter der 8ö. Stufe wird man für die Kletterarbeit belohnt durch den Prachtblick in die Ferne. Ein Rundgemälde, das noch schöner wäre,>venn nicht der Bau des Oder- Spree- Kanals einen erheblichen Teil des WcrnSdorfer Sees am anderen Ende der Halbinsel fast trocken gelegt hätte. Wolgenmt rutschen wir auf dem Sande nach Restaurant Zwicbusch zurück, lassen uns vom Segelboot noch zur romantischen Insel Scddinwall(Robins Eiland) gegenüber, die Fontane im „Fischer von ttarniswall" eingehend beschrieben hat, bringen. Moderne Genüsse, wie sie sonst an Ansflugspunkten zu finden sind, hat uns die Fahrt nicht gebracht. Die fehlende Eisenbahnverbindung läßt die EntWickelung stillstehen. Man soll auch gar nicht wünschen, daß die Kultur hier allzu rasch heranleckt und in das echte Naturpanorama falsche Farbentöne mischt._ Die PostausweiSkarten erlangen jetzt beim Beginn der sommer- lichen Reisezeit besondere Bedeulung. Von Interesse ist deshalb gerade jetzt eine neue Anordnung des Reichspostamts über die Aus- stellung dieser Karten. Sie bezweckt vor allein die Sicherheit dieser Anslveise. Die Beamten, die die Postausweiskarten ausstellen, so heißt es darin, müssen sich unbedingt darüber vergewissern, wie die ausweisende Person über die Person des Antragstellers Gewißheit erlangt hat. Es gilt dies dann, wenn die ausweisende Person der Postverwaltung angehört oder nicht. Danach haben die Beamten sorgfällig zu prüfe», ob der Ausweis als genügend anzusehen ist. Besondere Borsicht ist unter anderem stets dann geboten, wenn der Aiiiragsleller in Aftermiete wohnt oder erst seit kurzer Zeit zugezogen ist Die Obcrposldirektionen sind angewiesen worden, von Zeit zu Zeit die Postanstalten zur größte» Vorsicht bei der Ausstellung von Postausweiskartcn zu ermahnen. Es soll dabei jedesmal besonders auf die Gefahr der Hastbarmachung hingewiesen werden. Mit der AliSfüllung des Vordrucks dürfen nur ganz zuverlässige und um- sichtige Beamte betraut werden. Straßciipolizcivcrordiiung gegen Vorgänge in einem geschlossenen Lokal. Im Lokal von Georg Schmidt in Berlin, dessen Tür und Kenstcr geschlossen waren, wurde eines nachts um 4 Uhr musiziert. G. Schmidt spielte Klavier, Richter schlug die Pauke und Johann Schmidt sang. Ein Schutzmann hörte die Musik auf einige Eni- fern»ng auf der Straße und ersuchte Georg Schmidt, als dieser mal auf die Straße trat, das Musizieren zu unterlassen. Schmidt weigerte sich, ging wieder ins Lokal, schloß es und setzte mst den andern die Musik bei verschlossener Tür und bei ver- schlossenen Fenstern fort. Er wurde dann später vom Landgericht wegen Uebertretung der Straßenpolizeiverordnung zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er und die beiden anderen Mnsikliebhaber von der Beschuldigung, nächtlicherweile ruhestörenden Lärm verursacht zu haben, freigesprochen worden waren. Angewendet wurde d-e bekannte Bestimmung aller Straßenpolizeiverordnungen. wonach den zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung aus der Straße ergehenden polizeilichen Anordnungen unbedingt Folge zu leisten sei. Das Landgericht führte aus: Zwar sei die Musik nicht auf der Straße, sondern in einem geschlossenen Lokal gemacht worden. Nichts« destowen'ger sei dadurch, da der Lärm weit übtt die Straße schallte. die Ruhe und Ordnung auf der öffentlichen Straße, jedenfalls nach Auffassung des Schutzmanns, gestört oder doch gefährdet worden. Und zur Aufrcchterhaltung der Ruhe und Ordnung auf der öffent- lichen Straße habe der Schutzmann an den Angeklagten das Gebot ergehen lassen, die Musik einzustellen, wobei er denselben über den Zweck der Anordnung, die dieser auch erkannt habe, nicht in Ztveifel gelassen habe. Die Auffassung des Schutzinanns sei auch nicht so ganz unzutreffend gewesen. Die Musik sei nicht nur geeignet ge- Wesen, die Nachtruhe zu beeinträchtigen. Sie habe auch leicht vor dem Lokal eine Ansammlung von Menschen zur Folge haben können, die möglicherweise in die Musik eingestimmt hätten. Derartigen Exzessen vorzubeugen, falle in den Rahmen der Straßenpolizei. Zur Begründung der vom Angeklagten eingelegten Revision machte Rechtsanwalt Dr. K a r l L i e b k n e ch t vor dem Kammer- gericht prinzipiell geltend, daß gegenüber dem Vorgange(der Musik), der sich in denr geschlossenen Lokal abspielte, eine Kompetenz für eine straßenpolizeiliche Anordnung nicht gegeben gewesen sei. Das Kammergericht verwarf aber die Revision mit der kurzen Begründung, daß keine rechtlichen Bedenken dagegen vorlägen, die angezogene Bestimmung der Straßenpolizeiverordnung auch bei Vor- gängen, wie dem hier vorliegenden anzuwenden. Angeklagter sei mit Recht verurteilt worden._ Berliner Stadtvertreter in Wien. Die Berliner Stadtvertrcter— 20 Stadtverordnete und 10 Magistratsmitglieder— haben, einer Einladung des Wiener Gemeinderats folgend, ihre Reise nach Wien an- getreten. Sie sind gestern morgen bei ihrer Ankunft in Wien von den dortigen Behörden, wie sich das von selbst versteht, freundlichst begrüßt worden; ebenso freundlich ist geantwortet worden. Das Band zwischen Berlin und Wien oder zwischen Deutschland und Oesterreich soll nach den gehaltenen Reden 'fester und enger geschlossen werden. Man gab der Freude Ausdruck, daß Deutsche zu Deutschen kommen. Die sozialdemokratische Fraktion hat es abgelehnt, sich an der Wiener Reise zu beteiligen. So nützlich auch sie das Studium kommunaler Einrichtungen anderer Gemeinwesen hält, so hat sie doch die Ueberzeugung, daß diese Reisen und Besuche nicht ausschließlich diesem Zwecke dienen, sondern daß dieselben mehr oder minder die Anhochung der jeweiligen Landesherren einschließen. Und dazu glaubt die sozialdemo- kratische Fraktion sich nicht hergeben zu sollen. Die Berliner Ferienkolonien haben ihre diesjährige Saison eröffnet. Die alljährlich wieder- lehrende Geldsammlimg ist im wesentlichen beendet und über die eingereihten Anfnahmegesuche ist größtenteils wohl schon eist- schieden. Die Vorbereitungen für die Ausreise der Kinder sind im Gange; denn nur noch fünf Wochen trennen uns von dem Beginn der Soinmerferien, in denen die Hauptmasse der Ferienkolonisten weg- geschickt wird. Auch die alljährliche Generalversammlung des Berliner Vereins für Ferienkolonien, die den ihr vorgelegten Bericht über das letzte Jahr zu genehmigen hat, ist inzwischen be- reits abgehalten worden. Man mußte ihr diesmal mit besonderem Interesse entgegensehen, weil von einer etwa an den Bericht sich knüpfenden Debatte eine Aufklärung über die Erkrankungen und Todesfälle erwartet werden konnte, die im Sommer 1011 in einigen Ferienkolonien des Vereins sich ereignet haben. Unsere Leser werden sich erinnern, daß im vorigen Jahr der„Vorwärts" aus drei von Berlin ausgesandten Ferienkolonien über Scharlach- erkrankungen und aus zwei dieser Kolonien über Scharlach- t o d e s f ä l l e zu berichten hatte, und daß wir dabei aus einer Kolonie sehr unzulängliche Krankenpflegeverhält- nisse feststellten. Auch in Familien wurden damals Scharlach- erkrankungen durch Kinder hineingeschleppt, die aus den Ferien- kolonien nach Berlin heimgekehrt waren. Besonders traurig erging es einer Familie, in der nach der Heimkehr eines Sohnes fast sämt- liche Geschwister am Scharlach erkrankten und drei daran starben. In der Ferienkolonie hatte der Knabe— so lautete die nachträg- liche Feststellung zweier Aerzte in Berlin— eine Scharlacherkrankung überstanden, während dort bei ihm, wie bei seinen gleich- falls erkrankten Kameraden,«nur eine Maudeleutzündung" angenommen worden war. Ob in der Generalversammlung des Vereins für Ferienkolonien auf diese Dinge eingegangen worden ist, wissen wir nicht. Mit- teilungen, die über den Verlauf der Generalversammlung uns durch die bürgerliche Presse bekannt werden, enthalten zu der erwähnten Frage weiter nichts als die kurze Angabe, daß in den Ferienkolonien bei den Epidemien des letzten Sonuners trotz aller Mühe einige Unglücksfälle nicht zu verhüten gewesen seien, und daß man wegen ausbrechender Erkrankungen drei Kolonien vorzeitig habe schließen müssen. Wir meinen, daß die Bevölkerung Berlins— diejenige Bcvölkerungsschicht, die für ihre Kinder die Ferienkolonien in Anspruch nehmen mutz, und auch die- jenige, die zu der Aufbringung der Geldmittel für die Ferienkolonien beiträgt— ein Recht hat, Aufklärung darüber zu forder», welche Lehren denn nun aus jenen Vorkommnissen gezogen worden sind. Im Jahre 1911 hat der Verein 5334 Kinder ausgesandt, für die er 270 456 Mark aufwenden niußte. Es handelt sich, wie man sieht, um das Wohl und Wehe einer recht beträchtlichen Zahl von Berliner Kindern, die da den Ferienkolonien dieses Vereins anvertraut werden. Die von uns für eine Ferien- kolonie festgestellte Unzulänglichkeit der Krankenpflegeverhältnisse kann in anderen Ferienkolonien ähnlich bestanden haben und könnte in diesem Jahr sich wiederholen, wenn nicht inzwischen Vorkehrungen getroffen worden sind, die derartiges verhüten sollen. Soviel wir wissen, wurde im vorigen Jahre infolge der Ver- öffentlichungen des„Vorwärts" der Vorstand des Vereins vom Ministerium aufgefordert, sich über die Angelegenheit in einem einzureichenden Bericht zu äußern. Bis heute hat die Oeffentlichkeit nicht erfahren, was daraufhin verfügt worden ist. Liebestragödie im Wannsee. Bei Wannsee unternahm Dienstag ein Liebespaar eine Bootsfahrt. Es band sich dann zusammen, nahm Gift zu sich und wurde gestern morgen von einem Schiffer halb über Bord liegend tot aufgesunden. Der Schiffer schleppte das Boot mit den beiden Leichen nach Spandan und übergab sie dort der Polizei, die sie nach der Leichenhalle in der Gatower Straße bringen ließ. Die Leiche des Mannes wurde als diejenige des Malers Köcher aus Berlin, Uhlandstr. 23, rekognosziert. DaS Mädchen ist die Köchin Olga Wedel, die bei der Wirtin des Malers gedient hatte. Zwischen beiden hatte sich ein Liebesverhältnis ent- spönnen, das von der Wohnungsinhaberin entdeckt wurde und zur Kündigung führte. Seitdem trugen sich die beiden Liebenden mit Selbstmordgedanken, die sie jetzt in die Tat umgesetzt haben. Eine Kaiserhuldigung der Lehrer wurde am Dienstagabend im Schauspielhause improvisiert. Die deutschen Lehrer, die zur Teilnahme an den Verhandlungen des Deutschen Lehrertages nach Berlin gekommen' sind, waren zum Dienstag nach dem Schauspiclhanse zu einer Fcstvorstellung geladen. Auf Befehl des Kaisers wurde das vom Major Lauf verfaßte Militärschauspiel:„Der große König" aufgeführt. Auch der Kaiser wohnte in einer Loge der Aufführung bei. Bei dem Siegesbilde Von Hohenftiedberg erhob sich der Kaiser und mit ihm, wie sich das nach dem Hofzeremoniell bekanntlich gehört, wenn der Kaiser auf- steht, auch alle Anwesenden. Die Lehrer brachten brausende Hoch- rufe aus und stimmten:„Heil Dir im Siegerkranz" an.„Der Kaiser verneigte sich dankend", wie die Blätter zu berichten wissen, ob der gelungenen Huldigung. Die Arrangeure hatten ihren Zweck erreicht._ Selbstmordversuch eines Soldaten. Ein aufregender Vorfall trug sich am gestrigen Mittwoch gegen'/z7 Uhr morgens auf dem Dönhoff- platz zu. Dort war den zahlreichen Passanten ein Dragoner auf- gefallen, der offenbar in größter Aufregung sich befand und planlos hin und her lies. Plötzlich zog der Soldat einen Revolver hervor und jagte sich, ehe man ihn daran hindern konnte, eine Kugel in die rechte Schläfe. Blutüberströmt und besinnungslos fdnl der Lebens- inüde zu Boden. Von einem Schutzmann wurde der Schwerverletzte nach der Unfallstation am Spittelmarkt gebracht und von dort nach Anlegung von Notverbänden in bedenklichem Zustande nach dem Garnisonlazarett in Tempelhof transportiert. Der Selbstmord- kandidat ist der zweiundzwanzigjährige Rekrut Bogen von der fünften Eskadron des in Schwedt a. O. garnisonierenden Dragonerregiments. lieber die Ursache zu der Tat konnte bisher noch nichts Näheres er- mittelt werden. Während der Fahrt aus dem Zuge herausgesprungen. Durch groben Leichtsinn ist der Buchhalter Hermann Jeschke schwer zu Schaden gekommen. I. hatte, von einer Pfingsttour kommend, einen Zug von Cborin nach Eberswalde benutzt. Zwischen den Stationen Chorin und Chorinchen sprang er plötzlich in dem Glauben, er habe das Aussteigen"auf der fälligen Station übersehen, aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge' heraus. Er schlug dabei mit solcher Heftigkeit mit dem Kopf gegen einen Holzpfahl, daß er besinnungs- los zu Boden stürzte. Wahrscheinlich hat der Verunglückte einen Schädelbruch erlitten. I. mußte nach einem Krankenhause gebracht werden. Ein brutales Verbrechen ist von einem Radfahrer auf der Lands- berger Chaussee verübt worden. Die elfjährige Tochter Elftiede des Besitzers G. hatte sich gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Brüderchen auf den Weg nach dem nahen Borkow begeben. Als die beiden Kinder an einer Schonung, die an der Chaussee liegt, vorüberkamen, sprang ein Radfahrer, der aus entgegengesetzter Richtung gefahren kam, plötzlich vom Rade, ergriff das Mädchen am Halse und zerrle es halb schleifend nach dem Walde. Er warf es dort zu Boden und verging sich in der schwersten Weise an dem wehrlosen Opfer. Als die Kinder um Hilfe riefen, drohte ihnen der Wüstling, er werde sie erstechen. Beim Herannahen eines Fuhrwerks ließ der Täter von seinem Opfer ab, schwang sich schnell auf sein Rad und raste davon, so daß er leider entkommen sollte. Die Polizei vermutet, daß der Ueberfall von einem Berliner Radfahrer, der turz vorher in Borkow gewesen war, verübt worden ist. Beim Baden ertrunken ist ein unbekannter etwa zwanzigjähriger Mensch, dessen Leiche bei Konradshöhe aus der Havel gelandet wurde. Der Fremde hatte sich am Ufer seiner Kleider entledigt und war dann ins Wasser gegangen um zu schwimmen. Er sollte dabei aber den Tod in den Fluten finden. Die Leiche wurde einstweilen nach dem Friedhof in Tegel gebracht. Der Unbekannte hat dunkelblondes Haar, kurzgcschnittenen Schnurrbart und volles rundes Gesicht. Bekleidet war er mit duiikelgestreistem Jackett, graugestreifter Hose und Weste, braunem wollenem Vorhemd und mit schwarzen Strümpfen gezeichnet E. S. Wahrscheinlich handelt eS sich um einen jungen Berliner. Ein Bauunfall ereignete sich gestern nachmittag auf dem Neubau Luckenwalder Straße. Dort fiel eine sogenannte hängende Decke zusammen und drei Arbeiter, die auf derselben beschäftigt waren, wurden mit in die Tiefe gerissen. Ein Arbeiter wurde schwer, die anderen beiden leicht verletzt. Es wird behauptet, daß es an den nötigen Schutzvorrichtungen gefehlt haben soll. Ein schwerer Strasscnbahnunsall ereignete sich am gestrigen Mittwoch vormittag gegen 1ji8 Uhr am Alexanderplatz. Dort ver« suchte an der Ecke der Königstraßej der Kaufmann Karl Anuermann aus Petershagen kurz vor dem Motorwagen 1861 der Linie 72 die Gleise'zu überschreiten, wurde jedoch erfaßt und kam neben dem Vorderperron vor dem Schutzrahmen zu liegen. Der Berunglückte, der eine schwere Brnstquetschung sowie Hautabschürfungen an der Stirn und an der Hüfte davongetragen hatte, wurde nach der nächsten Unfallstation und von dort nach dem Kranlenhaus Friedrichshain geschafft. Aus der Sclbstmordchronik. Krankheit und Sorgen um die Zu« kunft haben den 60 Jahre alten Malermeister Hermann Wilhelm aus der Neuen Königstr. 6 in den Tod getrieben. Der betagte Mann schoß sich vorgestern nachmittag in seiner Wohnung eine Kugel in den Kopf und war sofort tot.— Krankheit hat auch eine Greisin, die 61 Jahre alte Witwe Auguste Büttner, geb. Ernst, aus der Frankfurter Allee 120 zum Selbstmord veranlaßt. Sie erhängte sich vorgestern am Bettpfosten. Als ihre verheiratete Tochter, bei der sie wohnte, sie auffand, war sie schon tot.— In geistiger Umnachtung erschoß sich vorgestern abend aus offener Straße der 37 Jahre alte Arbeiter Johann Kubera aus der Schwerinstr. 15. Der Mann war seit fünf Jahren verheiratet und Vater von drei Kindern. Er zeigte schon länger Spuren von Gcisteskranlheit und war zuletzt 3% Monate lang in einer Irrenanstalt. Vor acht Tagen entlassen machte er zweimal den Versuch, sich zu erschießen, wurde aber jedes- mal durch seine Frau im letzten Augenblick noch verhindert. Nach- dem diese ihm die Waffe abgenommen und versteckt hatte, borgte er sich vorgestern 15 M.. kaufte sich einen neuen Revolver, und erklärte wiederholt, daß er sich nun doch erschießen werde. Als er dann abends um 10 Uhr plötzlich die Wohnung verließ und nach der Winterfeldtstraße lief, eilte ihm seine Frau wieder nach. Als sie ihn vor dem Hause Nr. 30 gerade erreicht hatte, schoß er sich eine Kugel in die Stirn und brach tot zusammen. In Hagcnbccks Bölkerschau kam es am ersten Feiertage, wie uns von verschiedenen Seiten berichtet wird, zu recht erregten Austritten. In den Nachmittagsstunden war der Andrang sehr stark. Viele Tausende lösten sich an der Kasse ein Billett für 50 Pf. in der An- nähme, nun auch alles sehen zu können. In dieser Annahme wurden die Besucher aber stark enttäuscht. Abgesehen von der stark grassierenden Bettelei, denen die Besucher allenthalben ausgesetzt sind, sind auch zur besseren Wahrnehmung der Borführungen be- sondere Zelte errichtet, die nur gegen Lösung besonderer Karten zu« gänglich sind. Wer das nicht tut, muß sich damit begnügen, vom Platze vor dem Borführungsgelände die einzelnen Manipulationen der Inder zu verfolgen. DaS können aber nur sehr wenige Personen und zwar nur die in der vordersten Reihe stehen; die übrigen sehen fast gar nichts. Infolgedessen erhob sich unter dem Publikum ein Sturm der Ent- rüstung und viele verlangten ihr Eintrittsgeld zurück. Das wurde aber abgelehnt. Es entstand eine solche Erbitterung, daß schließlich das Kassenzelt umgeworfen wurde und die Kassiererin mußte flüchten. Unseres ErachtenS ist die Schaustellung durchaus nicht so ge- artet, daß sie noch besonderes Entree rechtfertigt. Die Vorführungen sind von solcher primitiver Art, wie man sie schon vor 10 Jahren auf jedem gewöhnlichen Rummel gesehen hat und die drei Elefanten, die gezeigt werden, machen den Kohl wirklich nicht fett. Wie uns berichtet wird, befinden sich die Damentoiletten in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet. Man hat einfach ein paar Bretter errichtet; ein Dach fehlt. In diesem, richtiger gesagt, Verschlage verrichten die Frauen ihr Bedürfnis und da kein Abfluß vorhanden ist, rinnt der Unrat auf den AnSstellungSplatz, wo fich die Besucher obendrein für ihr Eintrittsgeld noch die Kleider be- schmutzen. Unbekannte Leiche. Am SS. Mai d. F. wurde vor Schiffbauer� dämm IS die Leiche einer 30—35 Jahre alten Frau gelandet, deren Jdeniiiät bisher»och nicht festzustellen war. Die Tote ist t.SS bis 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und war betleidet mit weißem Hemd ohne Zeichen, weißen Barchentbeinkleidern, die mit etwa Iffz Zentimeter breiten blauen Slreisen besetzt sind; sie trug ferner einen dunklen.Samtnnterrokk, ein schwarzes blnugeblitmteS Korsett, schwarze Striimpfe, schwarze Herrenknöpfstiefel. schwarzen Ueberrock mit Besatz, schwarze seidene Bluse, eine braune Jacke mit drei blanken Knöpfen, die- mit weinrotem Tuch und Goldborte besetzt ist. Die Leiche, die etwa drei Wochen im Wasser gelegen hatte, befindet sich in, Schau- hause. Nachricht erbittet die Krimlnalpolizct, Polizeipräsidium, Alexanderplatz, Limmer 349, zu 2102 IV öS 12. Auch nimmt jedes Polizeirevier Mitteilung entgegen. Eine polnische Bolksvcrsnmnilung findet, wie heute schon mit- geteilt sei, am Sonntag, den 9. Juni, in den AndreaS-Festsälcn in Her Andreasstraße statt. In der Bersammlung wird das Thema: ..Die letzten Borgänge im preußischen Abgeordnetenhause und daS polnische Boll" behandelt werden. Großfciicr kam an» Mittwoch abend gegen 7 Uhr in der Kehl- leisten- und HolzbearbettungSfabrik von Herm. Nadge, Palisaden- straße 77 ans noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Die Flammen fanden au den große» Holzvorräten schnell reiche Nahrung, so daß bei Ankunft der ersten Loschzlige von dem leitenden Offizier unverzüglich Mittelseucr an sämtliche Berliner Wachen gemeldet werden niußle, worauf sofort acht Löschziige mit etwa 80 Fahr- zeugen zur Brandstelle ausrückten. Mit 12 Schlauchleitungen wurde von sechs Dampfspritzen und außerdem von mehreren Hydranten Wasser gegeben. Die Löschung nahm längere Zeit in Anspruch. Verloren wurde am ersten Pfingstfeiertag beim Frühkonzert in Mcntes Volksgarten ein Portenronnaie mit 3,17 M. Inhalt. Der Finder wird gebeten, dasselbe im Bureau des WahlvercinS, Stralauer Platz 1/2, abzugeben. Ferner wurde ein Stock und ein Hausschlüssel gefuiide». Abzuholen vom genannten Bureau. Vorort- JSadmebtem Schöneverg. Ein Automobiluiifall, bei dem vier Personen verletzt wurden, hat sich vorgestern abend gegen'/zv Uhr am Nollendorfplatz zugetragen. Zur genannten Zeit wollten zwei Automobildroschken, die eine von der Eiscuachcrstraße, die andere vonr Nollendorfplay her, gleichzeitig in die Motzstraße einbiegen. Dabei stießen die beiden Kraftwagen. die sich in schneller Fahrt befanden, mit so großer Gewalt zusammen, daß beide Gefährte zertrümmert wurden. Die Chauffeure wurden in weitem Bogen auf das Straßenpflnster geschleudert, kamen aber glücklicherweise mit Kopfverletzungen und Hautabschürfungen an Händen und Füßen davon. Die beiden Insassen der einen Droschke, ein Kaufmann S. aus der Hohenstaufenstraße und dessen Schwägerin erlitten erhebliche Berletzungen am Kopfe, an den Schultern und an den Armen. Die vier Verunglückten erhielten auf der Unfallstation in der Vorbergstraße Notverbände und wurden nach ihren Wohnungen gebracht. Lankwitz. Ein schweres ExplosionSunglück hat sich gestern mittag kurz nach 12 Uhr In der Mühlenstrnße S zugetragen. Dort sollte in den Arbeitsräumen des Schlächtermeister« MÜssig eine Schwefeläther- anlage, die defekt geworden war, in Stand gesetzt werden. Diese Arbeit wurde von dem Schlossermeister Paul Jkaru» und seinem IS Jahre alten Sohn ausgeführt. Plötzlich kam die Anlage zur Explosion. Der Schlossermeister und sein Sohn wurden von dem gewaltigen Luftdruck weggeschleudert und gleichzeitig schoß eine lange Stichflamme durch den Raum. Sämtliche Fensterscheiben flogen klirrend auf den Hof. Als andere Personen hinzueilten, fanden sie die beiden schwer verletzt liegen. Der Schlossermeister hatte einen Unterschenkelbruch, einen rechten Armbruch und Rippenbrüche davon- getragen. Außerdem war er im Gesicht und an den Händen erheb- lich verbrannt. Sein Sohn hatte gleichfalls gefährliche Ver- brennungen im Gesicht und an den Händen davongetragen und außerdem war ihm der rechte Daumen abgerissen. Die Lankwitzer Feuerwehr war bald zur Stelle und legte den Schwerverletzten die ersten Verbände an. Die Opfer wurden mit einem Krankenwagen nach dem KretskrankenhauS in Groß-Lichterfelde gebracht. DaS Befinden deS Vaters ist bedenklich. Wodurch die Explosion ver- ursacht worden ist, muß erst die eingeleitete Untersuchung ergeben. Mahlsdorf an der Ostbahn. Eint Ersatzwahl zur Gemeiudrvertretung in der S. Abteilung findet am Sonntag, den 2. Juni, nachmittag« von 1— v Uhr, im Brandtschen Lokal, Bahnhofstraße, statt. Kandidat unserer Partei ist der Genosse Friedrich«Ludwig. Buchdrucker. Mahlsdorf-Süd. Zum Zwecke der Agitation findet am Donnerstag, 30. Mai, abend» 8'/, Uhr. eine öffentliche Versammlung im Lokale de« Herrn Ander«, Bahnhosstraße, statt;«ine weitere Ver- sammlung wird am Sonnabend, den 1. Juni, abends 8V, Uhr, im .Heidekrug'. Mahlsdorf-Süd, abgeholten. Die Genossen werden ersucht, für recht zahlreichen Besuch beider Versammlungen zu agitieren. Ferner werden die Genossen ersucht, sich am Sonntag- mittag. Punkt 12 Uhr. im Lokale des Herrn Müller, Ecke Bahnhof' straße und Berliner Chanssee, einzufinden» daselbst befindet sich da« sozialdemokrakische Wahlbureau. NotvaweS. Der letzten Kartellfitzmig lag der Bericht bom BildungSauSschuß vor. Trotz eifriger Agiraru», für den Besuch der Verauslaltuiigcir sowie der Mühe und Arbeit der Ausschußmitglieder haben auch in diesem Jahre die Veranstaltniigen wieder ein Defizit ergeben. Einer Einnahme von 1840,67 M. inkl. je 100 M. Zuschuß des WahlvcreinS Und des Kartells steht eine Ausgabe von 1833,05 M. gegenüber. Das Sommerfest der Gewerkschaften findet am 23. Juni statt. Um 2 Uhr ist Festzng von, Ringerscheii Lokal nach dem Festplatz in der .Berliner Straße, um 8 Uhr Rückmarsch nach dem Schmiinfcheir Lokal. Die EintriitSkarten a 23 Pf. haben für den Fcstplatz sowie für beide Lokale Gültigkeit. Bon S Uhr ab ist in beiden Lokalen Tanz. Kinder, welche in Begleitung der Eltern den Fcstplatz betreten, erhalten einen Bon zur Entnahme einer Fackel,. Letztere werden von 5 Uhr ab ausgegeben. Auch finden Kiiidersprele und Verteilung von Geschenken an die Kinder statt.— Von den Töpfern wird bekanntgegeben, daß der Streik am Ort beendet ist, da die Unter- »ehmer bis auf Grell bewilligt haben. Eine Kontrolle der Lokalkoininiffion am Aweiten Osterfeiertag ergab, daß noch ein Teil organisierter Arbeiter m gesperrten Lokalen verkehren. Die Arbeiterschaft müßte doch endlich zu der Einsicht kommen, daß Lokalinhabep, welche un» ihr Lokal zu Versantinlnngrn verweigern, auch nicht unterstützt werden dürfen,— Der Turnverein .Freiheit' hat eine Fußballableilnng eingerichtet. Dieselbe spielt jeden Sonntagnachmiitag 2 Uhr auf dem Turnplatz in der Berliner Straße. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß die Geiverkschafts- Mitglieder der Arbeiter-Samariterkolonne»och zu wenig Interesse entgegenbringen. Faziales« Die Lebenshaltung des deutschen und des eiiglischen Arbeiters. Uns wird geschrieben: In den Jahren 1908 bis 1911 sind die umfassenden Untersuchungen des englischen Handels- a nr t s über die Lage der arbeitenden Klassen in den bedeutendsten Industriestaaten, in England, Deutschland. Frankreich, Belgien und den Vereinigten Staaten von Amerila erschienen. An einer Wieder- gab« der Ergebnisse dieser Untersuchungen in deutscher Sprache fehlte es bisher, und doch erscheinen sie so interessant und wichtig, daß e« geboten war, ihren wesentlichen Inhalt deutschen Lesern näher zu bringen. Dies unternahm jetzt Dr. Karl v. T y-Z z k a, der soeben eines kleines Werk herausgibt, das die Quintessenz jener Untersuchungen wiedergibt und das in Kürze im Verlage von Gustav Fischer in Jena erscheinen wird. Von besonderem Interesse dürfte das uns schon vorliegende Kapitel sein, da» die Budgets englischer und deutscher Arbeiterfan, ilien in Ver- gleich setzt. Die Zahl der englischen aufgenommenen Budgets betrug 1944, die der deutschen 5046. Im einzelnen entnehmen wir ans den mit Zahlen belegten Darlegungen, daß ein englischer Arbeiter- Haushalt für die Beschaffung der wichtigsten Nahrungsmittel einen größeren Prozentsatz seines Einkommens aufwendet als ein deutscher, dagegen allein für die F l e i s ch n a h r» n g einen geringeren. Jenes dürfte nach Tyszka zurückzuführen sein auf die billigeren W o h n u n g s m i e t e n in den englischen Städten, die dem englischen Arbeiter gestatten, für die Ernährung mehr aufzuwenden. Die geringe Ausgabenquote für Fleisch und Fisch in England dürste aber auf die weit niedrigeren Fleisch- preise daselbst zurückzuführen sein. Auch für den Mehl verbrauch läßt sich ähnliches nachweisen; hier ist gleichfalls der Verbrauch des deutschen Arbeiters an Menge ein geringerer, die darauf verwendeten Geldbeträge aber sind infolge der höheren Preise weit größer, und zwar ist die Belastung verhältnismäßig um so größer, je geringer das Einkommen ist. Der Verbrauch an Butter, Margarine, Speck und anderen Fetten aber ist in Deutschland größer als i» England und die darauf verausgabten Beträge sind Verhältnis- mäßig die gleichen. Es scheint aber, daß der größere Ver- brauch auf einen stärkeren Anteil der Margarine zurückzuführen ist. Eine im Verhältnis zum Verbrauch geringere Ausgabe hat der deutsche Arbeiter jedoch für Eier und Milch. Der Milchverbrauch ist sogar absolut sehr erheblich größer als der des Engländers bei bedeutend geringeren Ausgaben dafür, und so werden aus diese Weise einige der oben erwähnten ungünstigeren Posten wieder weit- gemacht. Auch an K a r t o f f e l n ist der Verbrauch deS deutschen Arbeiters erheblich größer. Weniger gibt der deutsche Arbeiter iin allgemeinen auch ans für Gemüse und Früchte, ferner für Kaffee, Tee und Kakao und namentlich für Zucker. Aber die Ausgaben für Mahlzeiten außer dem Hause find beim deutschen Arbeiter wieder erheblich höher. Es ist nun be- 'anders interessant, auf Grund dieser Ermittelungen die beiden Budgets so zu vergleichen, daß man fragt, wie sich das Budget eines enalischen Arbeiters gestalten würde, der nach Deutschland geht und da seine Lebenshaitung in der ihm gewohnten W�se fortsetzen würde, und umgekehrt eines deutschen, der nach England ginge. Erst ein solcher Vergleich gäbe ein klares Bild. Folgen wir den Angaben von TySzka, so würde sich die Lebenshaltiing des englischen Arbeiters in Deutschland um 18 Prozent gegen- über seinem Heimatlande verteuern. Der deutsche Arbeiter aber, der nach England auswandern und dort seine deutsche Lebensweise beibehalten würde, fände seine Lebenshaltung zwar verbilligt, aber bei weitem nicht in dem Matze, wie der Engländer die seine sich in D-uIschland verteuerte, den» seine Ersparnisse an den an sich schon billigeren Nahrungsmitteln wären in England weniger erheblich, er ivüröe, wenn mai, eS genau berechnet, nur um 8 Proz. billiger in England leben al» in Deutschland. ES ergibt sich daraus allerdings mit voller Deutlichkeit, daß die Lebenshaltung in Deutschland merk- lich teurer ist alS in England. Dr. E. K. Gerichts-Zeitung Starke hochstaplerische Neigungen hat der Bäckergeselle Franz Hammel, der fich gestern in Gemein- schaft mit seiner ihm erst vor anderthalb Jahren angetrauten Ehe- frau Marie wegen umfangreicher Diebeszüge vor der 3. Strafkammer deS Landgericht« l zu verantworten hatte. Eine Erbschaft in Höhe von 700 Marl, die ,hm von einer alten Tante zugefallen war, trieb ihn in die weite Welt hinaus und als das Geld verjubelt war. entwickelte er sich zum internationalen Hochstapler. Die Polizei hat festgestellt, daß er trotz seiner Mittellosig- keit Vergnügungsreisen nach Amerika, England, Wien usw. gemacht hat. In seinem Besitze fand man eine schöne Photographie, auf welcher er als flotter Student km Cerevis und VerbindungS- band und mit zwei deutlich sichlbare» Schmissen auf der Backe ab- gebildet ist. Neben ihm steht ein anderer Student, der in Wirklich- feit ein Silberputzer au« Wiesbaden ist, Hammel hat zugegeven, daß er sich die.Schmisse' künstlich von einem Barbier hatte appli- zieren lassen. In Saßnitz hat er bei einem längeren Aufenthalt daselbst seinen wenig poetischen Namen französiert und als fescher Student.FrancoiS Mouton als Nancy' das Herz einer jungen Wilwe gewonnen, die für ihn mancherlei Auslagen machte. Er hatte dieser vertrauensseligen Dame einen ihm be- freundeten Bäckergesellen als.Baron Erest' vorgestellt. Eine andere bei ihm vorgefundene Photographie zeigte ihn in der Pose eines LuftichifferS. Auch in dieser Maske scheint er Hochstapeleien verübt zu haben. Seine Tätigkeit hat er u. a. auch an der Riviera, in Monte Carlo usw. entfaltet. Seine Mitangeklagte Ehefrau hatte er in Wiesbaden kennen gelernt und sehr bald zur Genossin seiner Verbrechen gemacht. Das Ehepaar ist an den verschiedensten Orten des In- und Auslandes aufgetaucht und scheint überall Diebes- fahrten durch die Warenhäuser gemacht zu haben, bis beide am 16. April im Warenhaufe Wertheim vom Schicksal ereilt wurden. Sie waren einer Aufseherin aufgefallen und nachdem diese zweifellos festgestellt hatte, daß der An- geklagte, gedeckt von feiner Eheirau, fich verscbiedene Gegenstände der Auslagen angeeignet hatte, wurden beide festgenommen. Bei der polizeilichen Dliribsiichung ihrer Wohnnng fand man ein ganzes, über 200 Stück umfassend-'S Lager von teueren und billigeren Sachen vor, die in den verschiedensten Warenhäusern gestohlen worden waren, lieber den Erwerb einzelner dieser Gegenstände machten die Angeklagten allerlei märchenhafte Angaben, mußten aber schließlich zugeben, Diebstähle in elwa 12 Fällen begangen zu haben.— DaS Gericht verurteilte den Ehemann zu 2l/3 Jahren Zuchthaus, die Ehefrau zu 1 Jahr 9 Monaten Ge- f ä n g n i S._ Umfangreiche Betrügereien bei der Gründung der.Mitteldeutschen Bohrgesell- schaft' wurden dem früheren Assistenten bei dem kaiserlich statistische» Amt, jetzigen Kanfmcmn Adolf Wüst, zur Last gelegt, gegen den gestern die fünfte Strafkammer deS Land- gerichtS III wegen schwerer Uriuudcnsälschling und Betruges zu verhandeln hatte. Der Angeklagte halte vor mehreren Jabrcn die Gcmeindejagd in Drachhauscn bei Peitz ge- pachtet. Gelegentlich eines Jagdausfluges urachte er gewisse Beobachtungen. die zu der Feststellung führten, daß sich an verschiedenen Stellen des Jagdlerrains reiche Kohlenlager befanden. Er unternahm nun mit Hilfe der finanziellen Unter- stützung seine» Vaters auf eigene Faust Bohrvcrfuchd, welche er- gaben, daß sich in jener Gegend mehrere abbaufähige Kohlenlager befanden. lim die ganze Sache größer ausgestalten zu können, suchte er Geldleiite zu einer Beteilig»»� zu gewinnen. ES gelang ibm auch, den Dr. Paul Höring und dessen Bruder, den Kaufmann Karl H., für diese Idee zu inter- essieren. Es wurde unter der Firma.Mitteldeutsche Bohrgesellschaft" eine G. m. b. H. gegründet, deren Geschäftsführer der Angeklagte wurde. DaS Stammkapital sollte 200 000 M, betragen und zwar sollte der Dr. H. eine Einlage von 90 000 M. und dessen Bruder eine solche von 10 000 M. leisten, während der Nest als Sacheinlage eingebracht wurde. Als Geschäfts- führer der Gesellschaft lag es dem Angeklagten ob, mit den Grundeigentümern des durch die Bohrversuche entstandenen Flur- ichadens und über die Höhe der von der Gesellschaft zu zahlenden Vohreiitschädigung zu verhandeln. Bei diesen Verhandlungen soll sich nun der Angeklagte in Dutzenden von Fällen der schweren Urkundenfälschung und des Betruges schuldig gemacht haben. Die Anklage beschuldigt ihn, an die Grundbesitzer, zumeist kleine Bauern, Beträge von 20—30 Mark gezahlt zu haben, wobei er znnüchst„auch Quittungen über die richtig gezahlten Beträge ausstellte und sich von den Bauern unterschreiben ließ. Nachträglich soll er mm systematisch die Zahlen in den Quittungen verändert und erhöht haben, indem er z. A. aus.30'.300" machte. Diese Quittungen legte er damr dem Kassierer seiner Gesellschaft vor und ließ sich die angeblich verauslagten Beträge wieder zurück- erstatten. Auf diese Weise soll der Angeklagte tatsächlich nur 262 M. ausgezahlt, der Gesellschaft aber über 3000 M. in Rechnung gestellt haben. In cineni anveren Fall soll der Angeklagte Betrage von 493, 243 und 93 M., die er angeblich an einen gewissen Schrella für geleistete Arbeiten bezahlt hstte, der Gesellschaft in Rechnung gesetzt und auch erhalten haben, trotzdem er nur Beträge von 18 Mark und 93 Mark an Sch. gezahlt hatte. Schließlich soll der Angeklagte auch noch in einem an H. gerichteten Telegramm, in welchem er um Ueberseildung von 13 000 Marl bat, die Unterschrift des Kaufmanns Karl Höring gefälscht und dadurch dessen Bruder zur Zahlung ver- anlaßt haben.— In dem Vorverfahren und auch in der schon mehr- fach vertagten Verhandlung vor Gericht bestritt der Angeklagte, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Insbesondere behauptete er, daß eine Schädigung des Gesellschaftsvermögens weder von ihm be- absichtigt noch überhaupt eingetreten sei, da ihm von den beiden Gesellschaftern für die von ihm bisher geleisteten Arbeiten und die von ihm verursachten Flurschäden die Summe von 30 000 M. gewissermassen& fonds perdu zur Verfügung gestellt seien. Die Auszahlungen selbst habe er gar nicht vorgenommen, sondern einem gewissen Mahlow übertragen, der ihn, auch die Quittungen übermittelt habe. Außerdem habe er zahlreiche Beträge über- Haupt nicht erhalten. Wenn diese trotzdem als ausgezahlt verbucht seien, so sei dies, gelinde gesagt, auf einen Irrtum des damaligen Buchhalters zurückzuführen.— Diesen Angaben des Angeklagten widerspricht jedoch ausdrücklich ein PassuS in dem Gesellschafts- vertrage, nach welchem die Gesellschaft nur dann verpflichtet war, Beträge an den Angeklagten zurückzuzahlen, wenn dieser die Zahlung buchmäßig nachweisen kann. Auch die Be- hauptung des Angellagten bezüglich der 30 000 Mark wurde von dem Zeugen Höring in dem Vorverfahren eidlich in Abrede ge- stellt.— Zu der gestrigen Verhandlung waren vom Gericht Rechnungs- rat D r o g o I i ii als Schreibsachverständiger und ferner der Bücher- revisor S ch a a l geladen. Da ferner vom Gericht und auf Antrag de» Justizrat« Beruh. Friedmann insgesamt zirka 40 Zeugen, die zum Teil weit her kommen, geladen worden waren, sind für die Verhandlung mehrere SitzungStage in Aussicht genommen. W>r werden das Urteil mitteilen. Em der frauenbewecfung* Eine deutsche sozialistische Frauensektio» in Brüssel. Manschreibt uns auS Brüssel: Die weiblichen Mitglieder deS deutschen Arbeitervereins in Brüssel— desselben, an den fich Karl Marxens Name knüpft— haben nunmehr ihre Ab- stcht, innerhalb des Vereins eine Frauensektion zu gründen, auS- geführt. Nachdem bereits einige die Idee vorbereitende Versamm- lungeti, die der speziellen Belehrung der Frauen gewidmet waren, stattgefunden hatten, gingen die Genossinnen letzten Montag an die Konstituierung der Frauensektion. Die Versammlung tagte in einein Saale deS.Maifon du Penple', wo auch der deutsche Arbeiterverein sein Heim hat. Den Vorsitz führte die Schriftführerin des Arbeiter- verein?, Genossin Wahle. Die Referentin des Abends, Genossin Lotte Pohl, desprach Programm und Ziel der sozialistischen Frauenbewegung. Unter lebhaftem Beifall der Anwesenden gedachte die Referenlin auch der Wahlrechtsdcmonstration der sozialistischen Frauen Deutschlands und Oeslerreichs.— Die Francnsektion ist durch ein Mitglied im Vorstand vertreten. Sie wird einmal im Monat ihre Vorträge und Diskussionen abhalten und die Genossinnen hoffen so, in dem Rahmen, der ihnen eine Betätigung im Ausland ermög- licht, der Sache de? Sozialismus, insbesondere der sozialtsti» schen Ausbildung der Frauen in fruchtbringender Weise dienen zu können, Genossinnen, die nach Brüssel übersiedeln, seien somit auf die Institution der Frauensektion aufmerksam gemacht. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 8. Juni, 8'/, Uhr, in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97. Bortrag:.Hunger und Liebe.' Referent: Dr. I. Zadel._ Hus aller Melt. Die Gcbeimmfre des Scblacbthaufes. AuS New D o r k wird uns geschrieben: Der Mensch gewöhnt sich an alles, auch an die scheußlichste Schweinerei. Welches Aufsehen erregte doch vor sechs Jahren des Genossen Upton Sinclair Roman.The Jungle' mit seinen haarsträubenden Enthüllungen über die ekelhafte Unreinlichkeit in den Ehikagoer Groß- schlächtereien, über die Schlachtung kranken Viehes, über den Verkauf verdorbenen, gesundheitsschädlichen Fleisches und die scheuß- lichen Geheimnisse dcrWurstlüche. Vorübergehend ging der Fleischkonsum zurück. Die angestellte amtliche Untersuchung bestätigte nicht nur die Wahrheit der Schilderung des Dichters, sondern stellt« auch fest, daß es in den Schlachthäusern anderer Städte nicht besser zuging wie in denjenigen Chicagos. Die Großschlächtereien gelobten Besserung; FleischtnspektionS« beamte wurden wegen Pflichtverletzung disziplinarisch bestrast; daS Jnspektionspersonal erfuhr eine wesentliche Vermehrung, und daS Ackerbauminislerium versprach strikte Durchführung der gesetzlichen Vorschriften. Allmählich ließ sich das Publikum in Sicherheit wiegen. Mußte es ja doch nunmehr in der Fleischindustrie reell zugehen I Hier und da drangen zwar Einzelheiten in die Oeffentlichkeit, die einem den Appetit zu verderben geeignet waren. Sie hatten aber nur die eine Wirkung, unsere Empfindlichkeit abzustumpfen. Da beleuchteten die Verösscittlichungeii der Frau H a r e grell wie ein Blitzlicht erneut die gesamte Situation, die heute schlimmer ist, als sie vor dem Kreuzzug Sinclairs war. Und doch wurden die bei jedem Menschen von normaler Empfindlichkeit Brechreiz ver- ursachendeil Enthüllungen von der großen Masse deS Publikums gleichgültig aufgenommen. Mit eherner Stirne verwiesen Fletsch- trust und Bundesregierung die Darlegung der Frau Ha« in das Reich der Fabel und Sensationshascherei. Bon dem Repräsentantenhauscr KompaKnon. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Qetährtln— Paracolsu«. Der grüne Kakadu. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonnt, u. Moni. 3'/. Ubr: Wener Blut Residenz-Theater. Direkiion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.HennequiN und W. Mitchell. Morgen u. folgende Tage: Alles für die Firma. Lnisen-Theater. Donnerstag Ich taste Dich nicht. nmalige Uufsührung: Freilaa- Alt-Hetdelbrrg. Sonnabend und folgende Tage: Kchtvcstcr(karmen. Sonntag nachm. L Uhr: Ich lasse Dich nicht. »rotze graiikiurlr, SN.>32. Täglich Ansang 3 Uhr: Die jitiei Waisen. Aus der Kaitenbühne: Die grotze Jahresrevue: Juhu! ES ist erreicht, Metl-opoi-Tkeatei*. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Schlvindeinieier � Comp. Phantastisu: musikalische Komödie in 3 eckten aus dem Englstchen völlig srci bearbeitet von I. Freund. Musik von R. Nelson. U. a. Tänze v. W.Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. kolies Cspiice. Abend» 8 Uhr: Das Broadway-Olrl. Der Polizeihund. Sonnabend, den 1. Juni: Premiere: Parisiana Ensemble. Anierikaniacher YergnUgnngnpark. Heute großer Elitetag mit großem Gala-, Parade-, Höhen- u. Fronten-Fenerwerk. Konaert nnd Spezlallttttenvorstellangcn. lloclifntcrcsnante Attraktionen. Pintritt 50 Pf Anfang 8 Uhr. 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In den nachfolgenden Wagen- «nd Karofferiesabrtken befinden sich die Arbeiter im Streik und sind alle Arbeitsangebote dieser Finnen strikte zurückzuweisen. Gesperrt find: Erdmann u. Rosst» Linien» straße 133/140. Rudolf Franke. Jnselstr. 11 und Courbiörestr. 14. Lauge«. Gutzeit, Zranksurter Allee 22/23. In Frage kommen: Stellmacher, Schmiede, Schlosser, Lackierer und Sattler. Zuzug ist streng fernzuhalten. 176/8* Die Streikleitung. Äclitiing! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Lohn- differenzeu find gesperrt: Jalousicfabrik tSamuon& strodthoff, Charlotteuburg, Nehriugstr. 19. In Betracht kommen folgende Bauten: IHiiiicr, Nonnendamm- Zlllee, Meckowthstr., Schulstr., DTschcr, Wattstraste, Ecke Siemens- und Herzstrafte. Bcrnkuvcrcin der Berliner Parkcttgencbatte, Ehar- lottenburg, Uhlandftraste. Für Hartgumnii- Arbeiter die Firma lilatthae>, Schlcsische Strafte 32. Erzgcbirgische Holzindustrie in Brand, Filiale Dcssauer Str. 36 DaS Berliner Arbeitswilligen- vermittelungsburean d. gelben .HandwerkerschuhverbandcS». Arbeitsnachwet» d. Stellmacher- innung und der Wagenfabri- kanten, Kaiser-Franz-Grcnadier- Platz. Zuzug ist streng fernzuhalten. vie Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes, Albert Wachs, Berlin. Für den Lnieratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BvrwartH BuSdruckerei u. Le rlagSanstalt Paul Singer u. To., Berlin SW.