HbonMfflentS'Stfll�nnfiA: > Abonnement»• Pre<» btötumetontfl» v'ierteliährt. 330 Mk, monafl. 1,10 Ml, n öchentlich 2S Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nmnmer 5 Pfg. Sonntags« nmnmer mit illuftrierter Sonntags« Bei» age.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wo» mcment: 1,10 Marl pro Monat. Eing»»ragen in die Posi-ZeitungS- PreiA'ist«. Unter Kreuzband für Deuts» iland und Oesterreich- Ungarn 2 Mail, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen am Belgien. Dänemarl Holland.?stolien. Luxemburg. Portugal, Rumämeii. Schweden und die Schweis 39. Jahrg. CtfiMmi»glich außer montati. Verlinev VolkcsblAkk. Bit Tnfertlonj'GfbOöf betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Baum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungZ-Anz eigen 30 Pfg. „Alekne ZZnrelgen", da» fettgedruille Wort 20 Pfg.(zulässig 2 setigedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Worts Pfg. Worte über ISBuch- fiden zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition gpaegeben werden. Die Cxpeditton ist MS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Wreff« „SezlaliitiDOltnt Berlio*. S ZcntYnlorgnn dir rozialdcmokratifchcn Partei Dcutfchtande. Redahttons 8 öd. 68, Lindenstrasse 69» Fernsp recher: Amt Moritzplatz. Nr. IS8S. Sonnabend, den 1. Juni 19 tÄ. ExpedMont 8M. 68» �.indenslrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. i Die italienifd)« Nahlreforw. Rom, den 28. Mai.(Eig. Ber.) Am 25. Mai ist das neue Wahlgesetz in dritter Lesung von der italienisch»»! Kammer angenommen worden. Der Annahme durch den Senat wird nichts im Wege stehen, sodaß die Reform schon ßwde Juni durch königliches Dekret zum Gesetz erhoben werdm wird. In der Kammer hat die Kommissionsfassung des End Wurfs, der mit der Regierung vereinbart worden war, keinerlei nennenswerte Abändeuingen erfahren. Die Anträge der äußersten Linken, die di»' Ausdehnung des Wahlrechts auf alle 21jährigen Bürger forderten, das Amendement für das Frauen- stimmrecht, für die Abschaffung des Treueids für Staatsober- Haupt und Verfassung ufhx sind alle unter den Tisch gefallen. Was Giolitti wollte, hat die Kammer genehmigt, um genau an dem Punkte Halt zu imchen, wo er stillstand. So gewährt das Gesetz, das aus 183 Paragraphen be steht, das Wahlrecht allen männlichen Bürgern, die das 80. Lebensjahr erreicht haben. Um vom 21. Jahre an Wähler u sein, muß man einer der l»'lgenden Bedingungen genügen: .. seinen Militärdienst geleisUä haben; 2. den vierjährigen Elementarschulkurs absolviert; ,3. eine direkte jährliche Staats- steuer von nicht weniger als 13M Lire entrichten oder einen jährlichen Mietszins von 150 bis 400 Lire bezahlen, je nach der Größe bei Wahlgemeinde. A ußerdem sind vom 21. Jahre an wahlberechtigt alle mit d»'.£ Rettungsmedaille ausgezeichneten Personen, sowie die. denen Kriegsmedaillen ver- liehen wurden. Die Unteroffiziere und Soldaten, sowie die An- gehörigen bei städtischen Schutzmannschaften entbehren während des aktiven Dienstes des Wahlrechts. Wer gewohnheitsgemäß öffentlich» Armenunterstützung empsälll/zt, geht des Wahlrechts verlustig, ebenso wie alle, übe» deren Vermögen der Konkurs verhänat ist. Die Eintragung der Wähler in die Listen geschieht von Amts wegen, Jeder kann wegen Shuslassung reklamieren. Die Revision der Listen findet alljährlich. statt. Die Wahlkreise bleiben sowohl in der Zahl(508) als in der Ausdehnung un- verändert, und das neue Gesetz schleppt ganz harmlos in seinem§ 54 die nie beachtete Bestimmung des alten mit, nach der auf Grund jeder Volkszählung eine neue Ein- teilung der Wahlkreise im Verhältnis zur Volkszahl zu er- folgen hätte. Wie bisher ist der Wahltag stets ein Sonntag. Ueber die Wahlhandlung wird festgesetzt, daß der Wähler seinen Kandidaten durch einen gedruckten Zettel bezeichnet, der den Namen des zu Wählenden wägt. Nachdem er identifiziert worden ist, wird dem Wähler vom Präsidenwn ein Kuvert ausgehändigt, das der Präsident einer gläsernen Urne ent- nimmt. Die Kuverts werden vom Ministerium des Innern geliefert und tragen auf einem perforierten Anstch eine fortlaufende Nummer. Diese Stummer wird von einem der Kontrolleure laut gelesen und vom Sekretär in der Wählerliste neben dem Namen des Wählers eingetragen. Der Wähler entfernt sich nun vom Tisch des Bureaus, um den gedruckten Zettel in das Kuvert zu tun und dieses zu schließen. Dann händigt er das Kuvert dem Präsidenten wieder aus. der die Nummer entfernt und es in die zweite Glasurne steckt. Auf diese Art soll kontrolliert werden, daß jeder Wähler ein. aber auch nur ein Kuvert abgibt. was wohl auch auf einfacherem Wege zu errsöchen ge- wesen wäre. Da die Nummer vom Kuvert entfernt wird, ist eine Kontrolle der Wahl, selbst natürlich unmöglich. Die Kilverts werden in der staatlichen Papiergeldfabrik heitjestellt. Bisher erstreckte sich die Kontrolle auf den Wahlzettel selbst, der von Amts wegen geliefert wurde, und auf den der Wähler den Namen des Kandidaten schrieb. Heute, Ivo auch die An- alphabeten wahlberechttgt sind, wird die Authenttzität durch das Kuvert gewährleistet. Nichtig sind die Stimmzettel, bei denen die Kuverts nicht den Stempel des Präsidenten und die Unterschrift eines Kontrolleurs tragen, deren Nummer nicht abgetrennt wurde, die irgendwie gekennzeichnet sfiid, oder deren Wahlzettel den Kandidaten nicht eindeutig be- zeichnen. Nicht weniger als 20 Paragraphen beschäfttgen sich mit den Strafen, die für Uebertretungen des Gesetzes verhängt werden. So wird zum Beispiel für Fälschung der Wahle» listen Gefängnis bis zu drei Jahren und Geldstrafe bis zu. 3000 Lire vorgesehen. Wer durch Anbieten von Vorteilen die Wähler zu bestimmen sucht, in einem gegebenen Sinne zu wählen, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre und Geld- strafe bis zu 1000 Lire bestraft: die gleichen Strafen treffen den Wähler, der sich bestechen läßt. Merkwürdigerweise wira die durch Drohung ausgeübte Wahlbeeinflussung nur in dem- selben Maße bestraft wie die durch Versprechungen. Alle wegen Wahlvergehens Verurteilten gehen für die Dauer von ein bis fünf Jahren des Wahlrechts wie der Wählbarkeit ver- �"äls Uebergangsbestimmung wird festgesetzt, daß die neuen Wählerlisten zwischen dem 1471 und 162. Tage nach dem In- krafttreten des Gesetzes veröffentlicht werden müssen. Auf alle Fälle könnten also vor dem nächsten Frühjahr die Wahlen auf Grund des neuen Gesetzes gar nicht stattfinden. Ueber den mutmaßlichen Ausgang der nächsten Wahlen Mtt erweitertem Wahlrecht hat der frühere Unterstaatssekretär Luciani das Bedürfnis gefühlt, eine Enquete anzustellen, deren Ergebnisse hier wiedergegeben seien, obwohl die Methoden 'dunkel und die Prophetengabe des Abgeordneten zweifelhast find. Die heuttge Kammer zählt 34 Klerikale; die neue wird den angeführten Voraussichten zufolge deren 63 haben. Die Konstttutionalen, in welchen Begriff Luciani schlauerweise Konservattve und Liberale. Opposittonsmänner und Ministerielle zusamnienfaßt, schrumpfen nach seiner Voraussicht von 319 auf 254 zusammen. Die konstituttonellen Demokraten, eine kleine Oppositionsgruppe der Linken, zählen heute 40 Mandate und werden in der neuen Kammer 38 zählen. Die Radikalen steigen von 50 auf 52. die Republikaner sinken von 21 auf 20 und die Sozialisten wachsen von 42 auf 79. Zu diesen Voraussagen ist zu bemerken, daß Luciani vielfach die Ansichten der derzeittgen Abgeordneten zu Grunds gelegt hat. Da diese der Reform zum großen Teil nicht grün sind, haben sie sich wahrscheinlich so angestellt, als ob sie eine große Vermehrung der Sozialisten erwarteten. Wer die süd- italienischen Verhältnisse kennt und weiß, wie leicht es ist, das polittsch skeptische Landvolk durch Gewährung persönlicher Vorteile zu beeinflussen, wird kaum auf einen so bedeutenden Zuwachs der Sozialisten rechnen, die mit den Republikanern die einzige Partei darstellen, die mit reinen Händen in den Wahlkampf tritt. Wenn aber auch die Folgen der Wahlreform noch nicht abzusehen sind, so kann Giolittt doch mit Genugtuung darauf hinweisen, daß er die Mehrheit gegen ihren Willen zu einer Reform gezwungen hat, die unaufhaltsam heranreifte, und die heute, wo sie die Regierung gewährt, die herrschende Klasse viel weniger erschüttert, als sie sie morgen erschüttert haben würde. wenn sie das Proletariat erzwungen und errungen hätte. Nicht ohne Befriedigung niag Giolittt es zur Kennwis genommen haben, daß in Budapest um verweigertes Wahlrecht der Straßenaufruhr tobte, wahrend die italienische Kammer unter dem Druck seiner Diktatorenfaust ein Recht gewähren mußte, das die Masse bis jetzt noch nicht mit Nachdruck zu fordern weiß. Giolittt hat wenigstens verstanden, die Interessen seiner Klasse hesser und weiterschauend wahrzunehmen als die Mehrheit der Vertreter dieser Klasse selbst. Nun soll das Proletariat seinerseits dafür Sorge tragen, daß es das neue Gesetz zum Werkzeug seiner Klassenintereffen nütze. Es muß das Gesetz erringen, nachdem es gewährt wurde, da Giolittt klug genug war, heute freiwillig zu gehen, was morgen den Massen viel mehr bedeutet hätte, wenn sie es mit eigener Kraft er- zwingen konnten. Im Rahmen des Gewährten bleibt noch genug Widerstand zu überwinden. Der erste Wahlkampf mit erweitertem Wahlrecht wird das zeigen. Sache der Partei ist es, die Massen darauf vorzubereiten. kechttgleichhelt und kechttgsrantieo bei der Strdkjuiüz. Dortmund, SO. Mai.(Eig. Ber.) ES ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, wie oft der gewöhnlichste Nachbarstreit, sofern er in di« Streikzeit fiel, dazu dienen mußte, die Liste der.Streikverbrecher" zu verlängern. Später tauchen all diese Sachen wieder als„Material" zur Begründung neuer Zwangsmaßnahmen gegen die Streikenden auf. Von den vielen Fällen der am Dortmunder Landgericht Verhandellen„Streik- fachen" erwähnen wir eine, wo es sich in der Hauptsache um einen Frauensweit handelte. Zwei Familien, die Nachbarn waren, waren verfeindet. Am IS. März beschimpften sich die Eheftauen und die Männer beteiligten sich an dem Streit. ES kam zu gegenseitigen Anzeigen. Die Anzeige der einen Familie, wo der Mann Streikender war, wurde von der Staatsanwalt- schaft nicht weiter verfolgt, mit dem Bemerken, daß die An- gaben deS Streikenden und seiner Frau zur Ver- urteilung der anderen Partei nicht ausreichten. Der Streikende und seine Frau aber kamen vor die— Streikkammer unddiealleinigen Zeugen waren— der Streik- brechernachbar uud seine Frau! Der StaatSanwall bean- tragie Geldstrafen von 75 und 1V0M. Der Verteidiger hob die auffallende Inkonsequenz der Staatsanwaltschaft hervor, und fragte, wie sich denn da ein Streikender wehren könne, wenn er von einem Streik- brecher angegriffen werde. Das Zeugnis des Streikenden reiche nicht aus, die Angabe deS Streikbrechers genüge der Staatsanwalt- chaft! Der Staatsanwalt hatke darauf.lichts zu erwidern, wohl aber das Gericht. ES gab Geldstrafen von 40 und 50 Mark. Festgestellt wurde, daß der Anlaß deS Streites mit dem Streik nichts zu tun hatte.— Diese Unterscheidung, je nachdem ob eS sich um Streikende oder Streikbrecher handelt, wird nachgerade zu einer Gefahr. Eine andere Gefahr wurde durch die Verhandlung in einer weiteren Sache erneut bloßgelegt und vom Staatsanwalt bestätigt. Ane Frau war angeklagt, Pfui gerufen zu haben. Irgend wie ge- nauereS war aus der Anklageschrift, wie in Dutzenden anderen Fällen, wieder nicht zu erkennen. Um welchen Tag es sich handelte, wußte mc»i nicht. Ein Strafanttag lag nur in Abschrift und ohne Unter- schrtft vor. Den Staatsanwalt, der ja nach der. was die Praxis anlangt, völlig unbekannten Forderung der Strafprozeßordnung nicht nur die zur B e lastung. sondern auch die zur E n t lastung dienenden Tatsachen würdigen soll, genierte all das nicht, er beantragte 1 Monat Gefängnis! Der Verteidiger zerzauste die Anklage gar jämmerlich. Er er- klärte, die Staatsanwaltschaft habe sich nicht einmal die Zeit ge- nommen, den Swafantrag genauer anzusehen. Es sei die Aufgabe der Staatsanwaltschaft im Vorverfahren gewesen, die Beweise bei« zubringen. Wegen der ungenügenden Vorarbeit der Staatsanwalt« schaft seien der Frau auch die notwendigen persönlichen Auslagen zu ersetzen. Der Staatsanwalt suchte die Mängel auf eine Art zu ent« schuldigen, die allgemein bekannt zu werden verdient. Er sprach von „höheren Pflichten", die die Staatsanwaltschaft zu erfüllen habe. Diebesondere Beschleunigung der Anklagen sei notwendig gewesen, um da« moralische Ge- wissen der Streikenden zu schärfen. Man habe den Streikenden zu Bewußtsein führen wollen, wohinihrTreibenführenwürde. DaS seien die Gründe gewesen. Der Staatsanwalt sprach dann von der Bedeutung der Massensuggestion, deren Gemeingefährlichkeit der Gesetzgeber durch die schweren Swafen beim— Auftuhrparagraph gewürdigt habe. Wenn im einzelnen die Aufklärung gelitten, meinte der Staatsanwalt, dann hätten eben höhere Rücksichten obgewaltet. Schrumm! Eventuell wollte ber StaatSanwall die Mutter deS angeblich beleidigten Arbeitswilligen gefragt wiffen, ob sie den Straf- anttag noch stellen wolle. Der Verteidiger erwiderte, daß daS Gericht zur Verhandlung und Entscheidung da sei und nicht dazu, in die Hauptverhandlung zu verlegen, waS im Vorverfahren geschehen müsse. Das Gericht sei in keiner Weise verpflichtet, jetzt Erklärungen der Mutter entgegen zu nehmen. Wenn durch sogenannte höhere Rück- sichten daS in der Strafprozeßordnung festgelegte Recht der An« geklagten nicht gewahrt werde, dann sei eben durch die Hauptver- Handlung Gelegenheit gegeben, den Nachteil durch die Kostenfestsetzung zum Teil auszugleichen. Das Gericht kam zur Vertagung und es gab die Sache an die Staatsanwaltschaft zurück. Es soll daS Ver- säumte nachgeholt werden. Insbesondere sollte die Staatsanwalt- schaft bestimmte Daten in die Anklageschrift bringen,„sonst ist ein Ende gar nicht abzusehen", meinte der Gerichts- Vorsitzende. Neues hat ja ber Staatsanwalt mit seiner Entschuldigung«- epistel nicht gesagt, nur daß ein Staatsanwalt die Rechts- Nachteile der Schnelljustiz für die Angeklagten zugibt, ist das Be- deutsame. Sonst hieß es immer, die Schnelljustiz liege auch im Interesse der Angeklagten. Was die„höheren Gründe" bedeuten, brauchen wir unseren Lesern ja nicht weiter auszumalen. Das sind nun wieder zwei Momentbilder von den vollendetsten Rechtsgarantien für die— Streikbrecher, durch die auf der anderen Seite streikende Arbeiter tatsächlich fast rechtlos und wehrlos werden._ Der marMsniiche flufitand. Die Auflehnung der marokkanischen Stämme gegen das Joch der Fremdherrschast— für die Worte Protektorat, Zivilisatton und dergleichen fehlt den unabhängigen und fanattsch religiösen Berbern jedes Verständnis— greift immer weiter um sich. In Marokko scheint der„heilige Krieg", von dem man in den Kämpfen gegen islamittsche Völker so oft ge- hört hat, bitterer Ernst zu werden, denn die Stämme der einzelnen Regionen schließen sich zu einem einheitlichen Vorgehen gegen die Franzosen und schließlich auch gegen die Spanier zusammen. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß es zu einer einheitlichen und geschlossenen militärischen Aktton aller Eingeborenen Marokkos kommen wird, dafür wird aber in allen Gebieten des Landes ein er- bitterter und langwieriger Guerillakrieg einsetzen, der ständig starke französische Streitkräfte in Anspruch nehmen wird. Und diese müssen aus dem Mutterlande genommen werden, denn die Stimmung unter den Eingeborenen Algeriens und Tunesiens ist derart, daß diese Länder nicht noch mehr militärisch entblößt werden könnten. Die Möglichkeit eines allgemeinen islamitischen Aufstandes in ganz Nordafrika erhebt drohend ihr Haupt, und diese Möglichkeit wird auch England, ab- gesehen von anderen weltpolitischen Erwägungen, bestimmen, seine Truppen in Aegypten sowie auf Malta und Zypem be- trächtlich zu verstärken. In Fez selbst ist seit gestem die Lage der Franzose» noch kritischer geworden. Die kleine Zahl der Ver- teidiger der Stadt kann sich nur mit Mühe der Berber- scharen, die Tag und Nacht gegen die weit ausgedehnten Stadtmauern anstürmen, erwehren, sie müssen aber auch mit einem Aufstande der Stadtbewohner selbst rechnen, bei denen der Sultan, wie übrigens im ganzen Lande, jede Autorität verloren hat. Die Niederwerfung der Aprilrevolte in Fez hat die sranzosenfeindliche Sttmmung der Anwohner noch verschärft; die Tatsache, daß in den Mauern von Fez 48 Stammes- und Glaubensgenossen der Einwohner vor kaum zwei Wochen durch ExekuttonSpelotonS der Fremden- legion standrechllich niedergeschossen wurden, kann für die französische Besatzung der Stadt jetzt verhängnisvolle Folgen haben. Inzwischen gehen von den südfranzöstschen Häfen fort- wahrend Verstärkungen nach Marokko ab, und es gewinnt den Anschein, als ob die Regierung die öffentliche Meinung über die Zahl der Verstärkungstruppen absichtlich irreführt. Offiziell wird der Umfang der Truppentransporte viel geringer angegeben, als er in Wirklichkeit ist. Dem französischen Volle wird das marokkanische Abenteuer ebenso teuer zu stehe» kommen, als das tripolitanische dem italienischen Volke.» Proklamknwg des Heiligen Krieges. Paris, 31. Mai. Aus Fez wird gemeldet: Die Führer der Aufständischen haben an alle sich ruhig verhaltenden Stämme einen A u f r u f gerichtet, in dem diese zum Heiligen Krieg aufgefordert und mit Plünderungen bedroht werden, falls sie sich dem Aufstande nicht anschliesten. Dieser Aufruf hat sich als sehr wirksam erwiesen und vier grohe Stämme, die den Franzosen bisher treu ge- blieben waren, haben nunmehr die Reihen der Aufständischen� verstärkt. Von den Vertretern einiger Stämme wurde erklärt, datz sie notgedrungen die Franzosen bekämpfen müßlen, da diese nicht imstande seien, sie gegen die von den auf- rührerischen Harkas angedrohten Plünderungen und Nieder- metzelungen zu schützen. Der Heilige Krieg wird überall unter Vorantragung der Fahne der Brüderschaft des Marabut Mulay Jdrisi gepredigt, die von den Aufrührern in der Nacht vom 26. d. M. vom Grabe dieses Marabut weggenommen worden war. Die unter solchen Umständen eroberte Fahne soll in den Augen der Musel- manen eine besondere Bedeutung besitzen und auch die Zaghastesten fanatisieren. Der Korrespondent des.Matin' berichtet, bom General Lyautey sei am 27. d. M. ein amtlicher Bericht erstattet Ivorden, in dem eS heiße: Die Lage ist außerordentlich ernst, ja sogar beunruhigend. Die Gefahr nimmt mit jedem Tage zu. Die Nähe der Ernte wird vielleicht eine vorüber gehende Entspannung bringen, aber wir werden zweifellos beträchtliche Anstrengungen machen müssen, um die Ruhe wiederherzustellen und insbesondere, um fie dauernd zu erhalten. Die Kämpfe um Fez. PariS, 31. Mai. Aus Fez wird unter dem 28. Mai mittag? gemeldet: Die letzte Nacht war ruhig, obwohl die Feinde noch immer in verschiedene Gruppen geteilt einige Kilometer von der Stadt im Norden, Süden und Osten stehen. Die französischen Truppen sind in zwei Gruppen geteilt, eine befindet sich in Fez, die andere in Dardebibagh. Eine fliegende Kolonne wird heute einen Zug um die Stadt machen, um die Feinde von verschiedenen Punkten zu vertreiben, an denen fie fich verbergen. Die Lage bleibt ernst. General Lyautey empfing heute früh die UlemaS und empfahl ihnen, der Bevölkerung von Fez Ruhe zu predigen. Der„Agence HabaS" wird aus Fez vom 30. Mai S Uhr abends gemeldet: Die Aittufsi und Aitsegrouchen haben heute Sefru angegriffen. Der Angriff dauerte von 10 Uhr bis 2 Uhr. Die Aufständischen wurden durch das Feuer der Franzosen und durch Bajonettangriffe zurückgeworfen. Auf feiten der Franzosen wurden sechs Soldaten verwundet; die Verluste der Aufständischen sind bedeutend. Unruhe« in der Gegend von Mogador. Paris, 81. Mai. Nach einer Meldung aus Mogador vom 28. Mai soll die Lage in der dortigen Gegend beunruhigend sein; Gcherif Tarezualt soll die Partei der Haifa ergriffen haben. Kaid Gailnli ist auf die Seite des Prätendenten getreten und hat die Stämme in Agadir einziehen lassen in der Absicht, sich einer eben» tuellen Landung der Franzosen zu widersetzen. Die Deutschen in Marokko. Kölu, 81. Mai. Der„Kölnischen Zeitung' wird au« Tanger telegraphiert: Die Lage der Deutschen außerhalb der Mauern von Fez läßt sich noch nicht übersehen. Die Gebrüder Mannes« mann haben Tarudant verlassen und sich nach Ma rakesch begeben. Janrös und die marokkanische» Wirren. ',7, Paris, 31. Mai. JauröS hat seine Absicht, seine Marokko- interpellation heute in der Kammer einzubringen, in letzter Stunde wieder geändert und angesichts der bedrohlichen Lage in Marokko davon Abstand genommen. Wie er sich äußerte, will er nicht„während der Schlacht" eine Debatte über diese hervorrufen. die notgedrungen eine Kritik an den Maßnahmen der Regierung bringen muß._ poUtiFebe ücberlicbt. Berlin, den 31. Mai 1912. WaS man den Lehrern bietet! Die kgl. Regierung in Köslin, Abteilung für Kirchen und Schulwesen, gez. v. Sydow, hat unter dem 23. Oktober 1911 eine Dienstanweisung für die Kreisschulinspektoren im Regierungsbezirk Köslin erlassen. Gleich im Z 1 heißt es u. a.: «Die KreiSsSulinspektoren haben... insbesondere darüber zu wachen, daß Verordnungen und Gesetze genau befolgt werden, daß die Ziele des Unterrichts und der Erziehung. datz s i t t« liches und religiöses Leben, sowie die Liebe zu König und Vaterland bei Lehrern und Schülern geweckt und gefördert, und daß Hemmnisie, welche sich der Arbeit der Schule entgegenstellen, beseitigt werden." Die„Freisinnige Zeitung" entrüstet sich darüber, daß hier in einer ganz eigenartigen Formulierung die Lehrer ge- meinsam mit den Schülern als Erzieh ungS- o b j e k t e der Obhut des Kreisschulinspektors überwiesen werden. Sie dürfe Wohl im Namen des gesamten Lehrer- standes sprechen, wenn sie erkläre, daß er sich für eine solche entwürdigende Fürsorge bestens bedanke. Ein guter Teil der Lehrer und namentlich auch unser wackerer Freisinn trägt selbst Schuld daran, daß die preußische Regierung die Lehrer wie Schulbuben zu behandeln wagt. Denn wenn die Lehrer selbst in ihrer Mehrheit immer wieder ängstlich beteuern, daß sie sich als Schirm von Thron und Altar betrachteten und gar nicht daran dächten, radikalen, religiösen oder polittschen Anschauungen zuzuneigen, wenn sie also immer wieder demütig versichern, daß ein Lehrer kein religiös oder politisch unabhängiger. bloß seiner innersten Ueberzeugung folgen- der Mann sein dürfe, so brauchen sich die Lehrer auch nicht darüber zu wundern, wenn sie unsere Bureaukratte als Unmündige behandelt und derselben entwürdigenden Kontrolle unterstellt wie ote Schuljungen, denen gegen- über dann die Lehrer die Funktion zu übernehmen haben, die der Kreisschulinspektor ihnen selbst gegenüber ausübt. Und wenn die freisinnige Presse im unrühmlichen Ein- vernehmen mit den fteisinnigen Parlamentariern nicht etwa für die Lehrer das uneingeschränkte Recht der U e b e r- zeugung und der schrankenlosen Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte proklamiert, sondern immer wieder versichert, datz die Lehrer ja kreuzbrave preußische Untertanen seien, die gar nicht daran dächten, sich etwa zu einer politischen Ueberzeugung zu bekennen, der bereits mehr als ein Drittel des deutslben V o l k e s a n g e h ö r t. so ist eS nur dem traurigen Helden- mut der freisinnigen Ritter von der Feder und dem Worte selbst zu danken, datz unsere Regierung von dem Be- kenner- und ManneS stolz der preußischen Lehrerschaft keine allzu große Meinung hat! Die„Unterwerfung Grafenstadens". Der glorreiche Sieg, den unsere borusfischen Machthaber über den Direktor deS Grafenstadener Werkes davongetragen haben, ep scheint in noch eigentümlicherem Lichte durch eine Stelle des Eni- lasiungSschreibenS des zur Strecke gebrachte» Direktors, die mit aller Entschiedenheit die ihm zur Last gelegten deutschfeindlichen Handlungen in Abrede stellt. Heißt eS doch in dem Briefe wörtlich: „Ich gebe hiermit keineswegs die mir zum Borwurf gemachte deutschfeindliche Gesinnung zu, sondern ich erkläre nochmals ausdrücklich, daß alle mir zur Last gelegten Vor- kommnisse zum Teil ohne mein Zutnn oder gegen meinen Willen geschehen sind, zum Teil fich auch a u S ganz natürlichen Gefchäftsgründen ohne jed- wede Deutschseindlichkeit meinerseits erklären lassen. Durch eine genaue Untersuchung wird sich dieses un- zweideutig herausstellen." Wie groß mutz da der Triumgh der Freunde deS VerwalwngS- terrorS sein,„daß fich die Grafenstadener Lokomotivfabrik den deutschen Anforderungen hat fügen müssen", wie die„Ham- burger Nachrichten" triumphierend feststellen I Aber die„Hamburger Nachrichten" wollen nicht einmal jetzt von einer bedingungslosen Aufhebung deS Boykotts über die Grafen- stadener Werke etwas wifien. Sie meinen vielmehr, daß eS„Sache wetterer politischer Erwägung" sein müsse, ob man der Fabrik die staatlichen Bestellungen im bisherigen Umfange Wetter überlasten wolle oder nicht. Die Entschließung werde man„zweckmäßig davon abhängig machen" müssen,„daß das Grafenstadener Werk ausreichende Garantien gegen die Wiederkehr der- artiger Zustände bietet, wie fie unter dem Direktor Heyler geherrscht haben". Wäre es da nicht besser, wenn die Eisen- bahnverwaltung gleich einem ihrer Beamten den Direltorposten über- trüge?_ Zum Fall Tütvell bemerkt die„F r a n k f u r t e r Z e i t u n g": „Dieser Fall dürfte einzig in seiner Art sein> Wegen einer Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes wird jemandem die Unbescholtenheit abgesprochen und Mangel an moralischer Reife attestiert, und ihm wird d e s h a l b der Weg zum akademischen Studium und zum einjährig-frei' willigen Dienst versperrt. Ist dem Berliner Pro- vinzialschulkollegium und der Prüfungskommission nicht be kannt, daß es zahlreiche Beamte gibt, die wegen Verletzung des Reichsvereinsgesetzes in der Ausübung der Poltzeigewalt rektifziert werden mußten ' ehlt es denen nun auch an moralischer Reife? enn daß sie wegen ihres Verhaltens nicht bestraft werden können, ändert doch nichts an der Bewertung der Fälle. Und weiter: werden wirklich alle, die einmal eine kleine Ordnungsstrafe erhalten haben, zurückgewiesen, und werden z. B. Studenten vom Ein .ährigendienst zurückgewiesen, die wegen Duell' zergehens bestraft worden sind? Und wenn hier 'chon eine kleine Uebertretung des Vereins- S esetzes als mangelnde Unbescholtenheit gilt, wie kann man ann noch alle die„bescholttznen" Beamten und Offiziere in Amt und Würden lassen, welche wegen Zweikampfs sogar zu reiheits st rasen verurteilt worden sind I Eine kleine ebertretung— die an sich noch streitig war— ist auf diese Weise mit den schwerwiegendsten Neben st rasen versehen worden, die allgemein als un- gerechtempfundenwerden müsse n." Ein katholischer Arbeitertag änd an den Pfingsttagen in Frankfurt statt. Zusammengekommen waren die Vertreter der katholischen Arbeitervereine West-, Süd- und Ost-Deutschlands(München- Gladbacher Richtung). Diese Vereine haben fich am 7. August 1011 in Mainz zu einem Kartellverband zusammengeschlosien, mit dem Zweck, die katholische ArbettervereinS- bewegung gemeinsam zu fördern, sei eS durch Austausch von An- regungen und Erfahrungen, sei eS durch Abhaltung gemeinschaftlicher Kongresse, wie der jetzige in Frankfurt. Den 2166 Bereinen find angeblich 316 000 Mitglieder angeschlossen, fteilich darunter viele Nichtarbeiter. Die Tagung selbst hat Außerordentliches nicht geboten. Ob Herr Giesberts sprach, ob Dr. Petzbach, ob Stegerwald oder Becker. Probleme haben fie nicht gelöst. Nicht einmal neue Gedanken sind zutage getreten. Wa« der eine sagte, spann der andere weiter, aber immer denselben Faden. Die katholischen Arbeiter— so hieß eS— müssen sich durchringen zu völliger Gleichberechngung mit Hilfe der anderen Stände. Sogar mit Hilfe auch derjenigen Stände, die nur existieren können, wenn st« die Arbeiter in Rechtlosigkeit erhalten und wirtschaftlich bedrücken. Politische Gleichberechtigung der Arbeiter bei Unter- tützung und Beibehaltung ökonomischer Ungleichheit I Wer dieses hohe Ziel nicht als erstrebenswert anerkennt, für den ist kein Platz in der katholischen Arbeiterbewegung. Man bewundert den Mut, den Herr GieSbertS aufbrachte, als er von fozialdemokrati- chen Utopien sprach. Eine harmonische Gleichheit in der sozial« demokratischen Gesellschaft sei unmöglich. Aber nach GieSbertS ist ie möglich in der kapitalistischen Gesellschaft. Und waS heißt«s anders, als Spott mit den Arbeitern treiben, wenn Herr Dr. Petzbach ausruft: „Wenn der Arbeiter appellieren will an die Gerechtigkeit gegen- über seinen Arbeitgebern, dann muß der Arbeiter auch selber den Sittenkodex de» Christentums anerkennen. Dieser Sittenkodex ruft dem Arbeitgeber zu:„Liebe Deinen armen Bruder, denn er ist GotteSlind ebenso wie Du I". Aber der Sittenkodex er- mahnt auch die Arbeiter zur Treue, zur Arbeit, zum Fleiß, zur Unterordnung unter di» göttliche uud weit- liche Autorität." Herr Petzbach sagt« nicht, wie e» sein soll, wenn die Arbeit- geber auf den christlichen Sittenkodex pfeifen. Es ist wirUich schade, daß dem Frankfurter Kongreß nicht die hierauf erfolgte päpstliche Kundgebung bekannt war. die der Pfarrer Beyer aus Rom mitbrachte und der Berliner Tagung übermittelte. Die Kundgebung, die verlangt, däß die 316000 katholischen Arbeiter- Vereinsrnttglieder M.-Gladbacher Richtung und die christlichen Ge- werkschaften fich zu den Grundsätzen und der Taktik der katholischen Arbeitervereine Berliner Richtimg bekennen sollen. Das hätte ein Hallo gegeben und lange Gesichter der christlichen GewerkschastS- ührer dazu!_ Die Polizei im Dienste der christliche» Gewerkschafte»! Auf dem in Frankfurt a. M. abgehaltenen ersten katho- ltschen ArbeitervereinSkongreß führte der Arbeiterfekretär ikönigbauer-München auS: „In München werde» die Namen aller Zugereiste« den christlichen Gewerkschaften von der Polizei täglich mitgeteilt, so daß die Vorstände gleich«ine HauSagitanon veraulasseu können." Nach dieser Behauptung Königbau«:? leistet also die Münchener Polizei Handlangerdienste für die christ lichen Gewerkschaften. „Auarchistensache". Die Versammlung der«anarchistischen Förderation', die in den Pfingsttagen in Berlin stattfand, gibt einem bürgerlichen Zeihmgs- mann Veranlassung, über die gerichtliche und polizeiliche Behandlung der Anarchisten zu plaudern; man erfährt daraus zwar nicht Viel Neues, aber es ist immer gut, von Zeit zu Zeit einen Blick in die polizeilichen und geistigen Werkstätten zu tun: „Die Fäden der Polize- lausen unfichtbar nach allen Richtungen und über die Grenze weit hinaus zu jenen Ort/rn des Auslandes, wo deutsche politische Flüchtlinge die Der- bindung mit den Gesinnungsgenosien in der Heimat aufrcch:- erhalten. Alle Fäden aber laufen wohlgeordnet zusammc,! in der VII. Abteilung des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz Ka Berlin. Der Vorsteher der Exekutive dieser politischen AbteUurig ist ein „jovialer Beamter, der jederzeit gerne Auskunst erteilt, soweit man nicht gerade Amtsgeheimnisse erfahren will".„Wi>- von der Polizei," so meint der Polizeirat,„sind keine Gelehrt-ri und keine Literaten. Wir betrachten den Anarchismus nicht als roisienichaft- liches Problem, wir unterscheiden nicht zwischen den Salon- anarchislen und den Bombenfabrikanten, sondern Uj'it behandeln jede anarchistische Regung in Wort, Schrift u>tt> Tat gleich- mäßig als A n a r ch i st e n s a ch e l"—„Aber Sie wenden doch eine verschiedene Taktik je nach der Gefähr- lichleit der Person an. Herr Polizeirat?"—„Die Taktik richtet sich zunächst nur nach dem verletzten Geietzesparagraphen, also z. B. Beleidigung. Aufreizung, Hochverrat, Sprengstoffgesetz. Aber natürlich ändern sich die allgemeinen Maßnahmen der Bs- obachtung und Verfolgung je nach der Haltung der anarchistischen Organisation und Propaganda."—„Die Maßnahmen find wohl in den letzten Jahren etwas milder geworden, weil man glaubt, die deutschen Anarchisten ihren internen Streitigkeiten überlassen zu können, durch die ihre Werbekraft ohnehin sehr gemindert wird?" —„Wir werden uns hüten, unsere Absichleu und Maßnahmen be- kannt zu geben. Die Herren Anarchisten würden sich sofort danach einrichten."... Die besondere Behandlung der„A.narchistensachen' findet fich auch in der I u st, z wiedeiz. Der Berliner Rechtsanwalt Justizrat Dr. Richard Bieber, der, Dutzende von Anarchisten verteidigt hat, gibt darüber folgende Aiffschlüsse:„Seit mehreren Jahren bezeichnet man bei dem Landgericht I zu Berlin eine Reihe von Straftaten nicht bloß mit dem Namen des An- geklagten und der Straftat(also z. B. wider Trenkler wegen Morde»), sondern eS steht auch noch auf dem Mtendeckel rot unterstrichen die Bezeichnung„i-knarchistensache", und zwar wird diese Bezeichnung nur Wils dem Grunde darauf gesetzt, weil die politische Polizei den Angeklagten als Anhänge» des Anarchismus erklärt. So unscheiulwr an sich diese Aeußerlichkeit einem dem Gerichtsleben Fernstehenden vorkommen mag, s o schwerwiegend ist sie in Wirklichkeit. Gerade bei unserem Strafverfahren und seiner freien Beweiswürdigung darf man psychologische Eindrücke in keiner Weise unter- schätzen. Man muß sich klarmachen, wie selbst in unseren Richter- kreisen und natürlich noch mcchr in den weiten Kreisen der Be- völkerung eine fast absolute. Unwissenheit herrscht über das, was die A n a r ch i st e n l e h r e predigt und bezweckt. Bezeichnet die politische Polizei auf Grund der ihr von unbekannten und ungenannten Hinter- männern gewordenen Information den Angeklagten als Anhänger der Propaganda der Tat, so überläuft sämtliche Beteiligte ein Gruseln, das nicht dazu beiträgt, eine objektive Urteilsfindr.ng zu erleichtern.' Klassenjustiz I Eine treffendere und sachverständigere Bestätigung unserer Auffassung, daß viele Richter mit dem besten Willen nicht imstande sind, zu einer ostsektiven Würdigung der seiner Beurteilung unterworfenen Tat zu gegangen. Um so skandalöser aber ist es, gewisse Strafsachen von von., herein zu stigmatisieren und die Vorurteile der Richter aufzupeitschen._ Der Wahlschwindel f» Schwetz. Gegenwärtig find/t vor dem Landgericht in Graudenz der Schwurgerichtsprozeß gegen jene polnischen Demonstranten statt, die wegen Beteiligung an den sogenannten Wahlkrawallen vom Stich- Wahltage in Schwetz verhastet und de? Aufruhrs angeklagt wurden. Natürlich bildet in diesem Prozeß die Frage, wieso der deutsche Kandidat, Landrat v. H a l e m, gewählt wurde, die Haupttolle. Am Freitag wurde mm der Kreissyndikus Martini als Zeuge ver« nommen. Er suchte, selbstverständlich durch die Berufung auf das Amts« geheimnis, da? immer dann hervortritt, wenn eS gilt, merkwürdige Handlungen der Behörden zu verdecken, fich von der Zeugenpflicht möglichst zu befreien. Indessen gelang das nur zu einem sehr geringen Teil, und so wurde f e st g e st e l l t, daß in der Tai dem polnischen Kauididaten v. Saß-JaworSki über 700 Stimmen für ungültig erklärt wurden, davon etwa 680 nur deshalb, weil der Name des polnischen Kandidaten nur mtt einem S geschrieben war und weil er auf den Ettmmzetteln als Abgeordneter bezeichnet war; indesien ist der polnische Kandidat tatsächlich preußischer LandtagSabgeordneterl Martini mußte selbst zugeben, daß, wenn diese MasienungülttgkeitS- erklärung polnischer Stimmzettel nicht stattgefunden hätte, der Pole gewählt gewesen wäre. Nach eingeholter Genehmigung zur Au»- sage, erklärte der Zeuge, das LandratSamt hätte keine solche An- Weisungen an die Wahlvorsteher gegeben. Werter wurde festgestellt, daß Martini imKreiSaut»mobtl Wahlreisen im Interesse deS LandratS unternommen hat.«uf die Frage, ob er für den deutschen Gegenprotest gegm den polnischen Wahlpvatest amtliches Material geliefert habe, verweigerte er die Aussage; keine Antwort ist auch eine Antwort l Er konnte auch«icht bestreiten, daß in 2i Wahlbezirken sämtliche polnischen Stimmen ohne Prüfung für ungülttg erklärt wurden und daß i n dem Dorfe Suchau einfach sämtliche abgegebenen ttmmen kassiert wurden. So wurde der Landrat v. Halem in seinem eigenen Verwaltungsbezirk„gewählt'! Mecklenburgische Wahle«. Die mecklenburgische Regierung nimmt zu der bevorstehenden Ersatzwahl im Kreise Hagenow eine Stellung ein, die mit Sicherheit eine abermalige Ungültigkeit der Wahl herbeiführen muß. Der liberale Parteisekretär Lau in Rostock hat sich, wie dem„Berliner Tageblatt" gemeldet wird, an da« Ministerium mit der Bitte ge- wandt, zu verfügen, daß wahlberechtigte und auch nicht wahlberech« ttgte Personen entsprechend den gesetzlichen Vorschriften und der bei» spielsweise in Preußen geübten Auslegung der gesetzlichen Vorschriften berechtigt seien, als sogenannte Wahlkonttoueure zu fungieren. Darauf erwiderte das großherzogliche Ministerium, eS müsse Bedenken tragen, die gestellte Frage grundsätzlich zu entscheiden; das heißt mit anderen Worten: eS wird von Fall zu Fall eingehende Beschwerden prüfen und entscheiden und inzwischen wird der Zweck solcher Beschwerde» wertlos geworden sein. Von gleicher Seite war an dasselbe Ministerium der«nttag gerichtet, es möchte die Wahlvorsteher des Wahlkreises anweisen, daß sie verpflichtet wären, vielleicht zu bestimmten Zeiten beauslragten Personen der Parteien, die Wahlerliste zwecks Einficht und Ab- schriftnahme zugänglich zu machen« Darauf antwortete das Ministerium, nach seiner Ansicht könne aus dem Wahlgesetz und aus dem Wahlreglement eine dahingehende Verpflichtung der Wahl- Vorsteher nicht abgeleitet werden. Demgegenüber muß betont werden, daß die Wahl» Prüfungskommission de» Reichstag»«ine V e- schränkung der Oeffentlichkeit der Wohl als g e g e be n erachtet, wenn Vertrauensleute der Parteien aus dem Wahllokal verwiesen werden. Die Wahlhandlung ist öffentlich, genauso, wie z. B.«ine Gerichtsverhandlung; nur Personen, die durch iijr(Benehmen die Wahlhandlung stören, kvinien aus dem Wahllokal verwiesen werden. In dem m Frage stehenden Wahlkreise ist nun aber eine genaue Kontrolle der Wahl- Handlung durch Vertreter der nicht-konservativen Parteien geradezn eine unabweisbare Notwendigkeit. Man hat dort nämlich Wahl- bezirke mit 12— IS Wählern gebildet. Einzelne Güter bilden einen eigenen Wahlbezirk. Der Gutsbesitzer, sein Vogt und noch einige seiner Angestellten bilden den Wahlvorstand und die paar übrigbleibenden Arbeiter find die Wähler. Man weiß da- durchganz genau, wie der einzelne Wähler ge- st i m m t hat und daraus erklärt es sich auch, daß in solchen Bezirken bei den allgemeinen Wahlen einstimmig konservativ gewählt wurde. Die geheime Wahl ist unter solchen Umständen höchst gefährdet, fie wird aber völlig in Frage gestellt, wenn eine lleberwachung der Wahlhandlung verhindert wird. Wenn das Ministerium die Wahlvorsteber nicht schleunigst in dem von dem libe- ralen Paneisekrelär gewünschten Sinne instruiert, dann kann eine gültige Wahl nicht zustande kommen. Die Kongo-Kameruukonferenz. In einer offiziösen Mitteilung wird erklärt: Die am IS. Juni in Bern zusammentretende deutsch-französische Kongo- Kamerunkommission wird auch die Aufgabe haben, die Formalnäten der Gebietsübergabe im Geiste gegenseitiger Ver- söhnlichkeit vorzubereilen, um etwaige Reibungen hintanzuhalten. Die Uebergabe der Gebiete dürste in gemeinschaftlichem Einvernehmen von den betreffenden Kolonialbehörden vorgenommen werden, da- mit diese Vorgänge durch keinerlei unliebsame Kundgebungen gestört werde». Aus dem Soldatenleben. Der Unteroffizier Alfred Braun vom Grenadierregiment 11 in Breslau stand vor dem Kriegsgericht, angeklagt der Soldatenmißhandlung. Am 7. März beantwortete der Füsilier K a i t s ch i k eine Frage mit:.Ich weiß nicht' und nahm eine schlechte Haltung an. Der Unteroffizier schimpfte:.Burschen- gelumpt', verfluchter Affe, nehmen Sie die Klauen zusammen, und gab dem Mann einen Stoß mit dem Fuß ans Schienbein. An, 26. April stellte der Unteroffizier den Füsilier Lamla wegen Putzen? eines Helmes zur Rede. Er drohte dem Mann:.Ich reiß Dir das ganze Gelinge auS', faßte ihn an der Brust, zog ihn am Ohrläppchen ,md stieß ihn mit dem KnieinS Gesäß. Der Anklagevertreter, Gerichtsassessor Müller, beantragt zwei Wochen gelinden Arrest, das Kriegsgericht erkannte auf fünf Tage gelinden Arrest nur wegen Beleidigung und vorschrifts- widriger Behandlung._ Der Londoner Rafenftreih. London, 31. Mai. Noch einige Arbeitgeberver- bände im Londoner Hafen haben die Einladung zu der Konferenz im Handelsamt abgelehnt, da die Arbeiter die Einladung nur unter der Voraussetzung angenommen haben, daß alle Arbeitgeber vertreten seien. Im Ministe ciun, des Innern fanden gestern unter dem Vorsitz des Schatzkanzlers Besprechungen mit den Vertretern der Arbeitgeber einschließlich der Londoner Hafen- behörde statt. Eine weitere Sitzung ist auf Montag anberaumt worden. Der Londoner Reederverein gibt bekannt, daß er das Abkommen vom letzten August als durch den gegenwärtigen Streik für beendet ansieht und daß die Reeder künstig nur Leute einstellen, die bereit sind, mit Nichtorganisierten Arbeitern zusaminen zu arbeiten. Die Importeure von gedörrtem Obst haben den Staatssekretär des Innern aufgefordert, den Schutz der Arbeitswilligen auch auf deren Wohnungen auszudehnen. Die Lage auf dem Lehensmittelmarkt ist befriedigend. In SmUhsield überstieg das Angebot von Rindfleisch die Nachstage, sodaß die Preise ein wenig heruntergingen. Ein EinignvgSamt. London,»1. Mai. Wie die.Daily News' erfahren, plant die Regierung Maßnahmen, um den periodischen Arbeits- einstellungen im Londoner Hafen endgültig ein Ende zu machen. Sobald die Arbeit wieder aufgenommen wird, beab- sichtigt die Regierung, ein EinigungSamt einzusetzen, in dem Arbeitgeber und Arbeiter vertreten sind, und dessen Kompetenz den ganzen Hafen umfassen soll. Sollten die Arbeitgeber diese Behörde nicht anerkennen, so sollen ihre Bollmachten gesetzlich fest- gelegt werden. Sobald der Streik vorüber ist, wird die Re- gierung die Arbeitgeber in einer Form, die eine Ablehnung sehr er- schweren würde, auffordern, sich mit den Arbeitern zu ewigen. Das Konferenzergebnis. London� 81. Mai. Nach der im Ministerium des Innern zwischen den Mimstern und den Vertretern der Ausständigen abgehaltenen Konferenz gab Ben Tille« bekannt, die Regierung habe be- schloffen, für den Hafen von London ein EinigungSamt einzusetzen. Der Vorschlag wird von den Ausständigen und den Arbeitgebern gcgrüst werden; die Entscheidung darüber wird am Montag erwartet._ Bcbwefz. Gegen die Teuerung. AuS Bern wird uns geschtteben: In die Junisesston des Nationalrates fällt auch die Be- lung der Teuerungsfrage. Den unablässigen Be- mühungen der Sozialdemokratie ist es gelungen, den Bundes- rat zur Ermäßigung des Gefnerfleischzolles zu dräugen. Der Effekt äußerte sich sofort in einer Reduttion der MeinverkaufS- preise. Nun werden weitere Zollreduktionen verlangt, aber de*- Bundesrat ist von den Agrariern so erbarmungslos vermöb�t worden, daß er sich zu wetteren Zugeständnissen an die Konsumenten nicht mehr getraut. Der Kampf wird'/uiso heftiger werden, als die früheren und die bevorstehende Teuerungsdebatte im Grunde genommen nur ein Vorposten- gefecht stir die Erneuerung der Handelsverträge bildet, die von den Agrariern als Anlaß zur weiteren Steigerung der Wucherzölle benutzt werden soll. Italien. Die Blamage der AttentatSschnüffleF. Rom. den 23. Mai./z Millionen Mark angewachsen, was anderthalb Jahre noch der großen Aussperrung schon etwas bedeuten will Die Steigerung des Gesamtvermögens belauft sich auf über 4 Millionen Mark. Von dem Vermögen entfallen rund SVg Millionen auf die Hauptkasie und rund 2 Millionen auf die Kassen der Zweigvereine. An der Steigerung des Vermögens ist die Hauptkasie mit rund 3,6 Millionen und sind die Zweigvereinskassen mit über Vz Million beteiligt. Es wird nun Aufgabe der organisierten Bauarbeiterschaft sein, mit aller Energie an der weiteren Erhöhung der Mitgliederzohl und besonders an der weiteren Stärkung der Finanzen zu arbeilen. Denn bei einem Kampf, wie ihn das deutsche Bouunternehmcrlum plant, würden auch die heute vorhandenen Niesensummen noch bei weitem nicht ausreichen. Im elnzeluen vereinnahmte der Deutsche Bauarbeiterverband in den Zweigvereincn: Für Eintrittsgelder 75 952 M., aus wöchentlichen Beiträgen 6 62l 949 M., aus Streikbeiträgen 148 912 M. ein. Bon den Gesamteinnahmen e> hielten die Zweigvereius» kassen zur Bestreitung der örtlichen Bedürfnisse 1 853 233 M., an die Verbandskasse sandten sie rund 4y, Millionen Mark usw. Auf Rechnung der Hauptkasie gaben sie am Orte aus: Für Streiks und Bausperren 261 III M.. für Reiseunlerstützung 48 346 M., für Rechtsschutz 77 l56 M., an Gcmaßregelte 21 298 M., an Unterstützung für erkrankte Mitglieder 562 195 M.. an Sterbcunterslützung 135 574 Mark usw. Bon den Einnahmen der Hauptkasse sind außer dem Kassenbestand der beiden alten Verbände und den ans den Zweig- vereinen eingesandten Summen zu erwähnen: Stund 196 990 M. als Zinsen für belegte Kapitalien, rund 19 999 M. vom früheren Verband der Isolierer, vom Verein der Staakcr in Berlin und vom Lokalverein der Leipziger Fliesenleger, etwa 19 999 M. Ueberschuß vom Berbandskalender. Unter den Ausgaben finden sich u. a. folgende Posten 295 293 M. für das Verbandsorgan, 12 396 M. für Zeitungen in stemden Sprachen, 312 684 M. für Agitation und Unterstützung der ausländischen Bruderverbände, 14 224 M. für Teilnahme von Mitgliedern-an den gewerkschaftlichen Unlerrichtskursen. 58 995 M. als Unterstützung der Tabakarbeiter und der ausgesperrten Bau- arbeirer in Schweden. Sehr hoch waren auch die Ausgaben für sachliche Verwaltung, mußten doch allein für die Anschaffung neuer Mitgliedsbücher und Karten rund 55 657 M. und für eine Bureau- einrichtung m>t Zubehör rund 24 666 M. ausgegeben werden. Diese Ausgaben sind jedoch in der Hauptsache auf Neuanschaffungen infolge der Verschmelzung zurückzuführen und werden sich in den nächsten gahren in dieser Höhe nicht wiederholen. Als erwähnenswert wird a„Grundstein" noch darauf hingewiesen, daß sich die Herstellung und der Versand des Fachorgans im Jahre 1911 um 5 Pf. pro Mitglied verbilligt hat, was auf Erspariiisse infolge der Ver- schmelzung zurückgeführt wird. Aus denselben Gründen dürfte sich der Rückgang der persönlichen Berwaltungskosten um 4 Pf. pro Mit- glied erklären. Lerautw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Inseratenteil verantw.: Schließlich fei noch bemerkt, daß„Der Grundstein" schon wieder Von einer erheblichen Steigerung der Mitgliederzahl berichten kann. Da die Bauarbeiter im allgemeinen ein Jahr mit guter Konjunktur vor sich haben, so ist zu hoffen, daß die Organisation auch in diesem Jahre gute Fortschritte machen wird, so daß sie dem Unternehmer- tum im nächsten Jahre beim Ablauf deS Vertrages in jeder Be- ziehung gerüstet gegenüberstehen. Zur Lohnbewegung in der hannoverschen Metall- industrie. Die von der hannoverschen Metallindusiriellen-Vereinigung zum 27. Mai angedrohte Aussperrung ist in Kraft getreten. Am 27. Mai konnten in 28 Betrieben der Metallindustriellen-Vereinigung rund 4899 Personen die Arbeit nicht fortsetzen, weil die Aussperrung vor- genommen worden war. Von den 4899 Personen haben mehrere hundert die Betriebe verlassen, weil sie ihren ausgesperrten Kollegen Solidarität beweisen wollen. In 8 von den 23 in Frage kommenden Betrieben werden im Laufe der Woche noch etwa 899 Arbeiter die Arbeit ein- stellen, wenn ihre Kündigungszeit beendet ist. Von der Aus- sperrung werden also rund 6699 Arbeiter betroffen, wovon mehr als 1999 die Arbeit selbst eingestellt haben. Die Unternehmer sind damit in die Lage gebracht, eine größere Anzahl Ausgesperrter melden zu können, als sie wirklich ausgesperrt haben. Würden die freiwilligen Arbeitseinstellungen nicht erfolgt sein, dann würden die Unternehmer nicht annähernd an die 69 Proz. herankommen, die sie androhten auszusperren. Der Verein der Metallindustriellen der Provinz Hannover und der angrenzenden Gebiete zählt 47 Mitglieder mit rund 12699 be- schäflizten Arbeitern. Mit 69 Proz. müßten 7599 Arbeiter aus- gesperrt werden, somit sind etwa 39 Proz. ausgesperrt worden. Im Streik wegen der Verkürzung der Arbeitszeit stehen in Hannover 6 Betriebe mit rund 1899 Streikenden. Dazu kommen noch 32 streikende Feilenhauer. Gegenwärtig sind also von dem Streik und der Aussperrung in Hannover zirka 6699 Personen be- troffen, die sich am Schlüsse der Woche auf 7499 durch freiwillige Solidaritätserklärungen vermehren können. Die Zahl der Ausgesperrten ist etwas hochgegriffen, sie zeigt aber, daß die Metallindustriellen Hannovers selbst nicht in der Höbe aussperren konnten, wie sie angedroht und den Metallindustriellen in Magdeburg und Holle versprochen haben, die nun für sie die Ka- stanien aus dem Feuer holen sollen. Die Metallindustriellen Hannovers haben ausgesperrt, weil sie d!« ausgesperrten Arbeiter zwingen vollen, den Beschluß deS Metall- industriellen-Vereins anzunehmen, und weil sie über die dazu von den Arbeitern vorgetragenen Wünsche nicht verhandeln und sie nicht berücksichtigen wollen. Der Metallarbeiterverband hat das in einer Erklärung durch Inserat publiziert und dabei bekannt ge- geben, daß die Arbeiter zu jeder Zeit zur Verhandlung bereit find. Der Hannoversche Verein der Metallindustriellen bekundet denn auch. daß. die Kommissionen der streikenden Arbeiter auf Anraten des Direktors einer größeren Fabrik bei ihrer Firma am 25. Mai noch- malS Verhandlungen anboten, daß sie aber mit der Erklärung ab- gewiesen wenden mußten: Der vom Metallindustriellenverband ge- machte Vorschlag muß von den Arbeitern angenommen werden I Die bestreikten Firmen sind nach wie vor zu einer Verständigung mit ihren streikendem Arbeitern bereit. Die Metallindustriellen denken sich die Verständigung so. daß die Arbeiter das Diktum de« Metallindustriellenvereins annehmen müssen. Die Schuld für die AuS- sperrung trifft allein die Unternehmer in Hannover. Wenn die Metollindustriellen in Hannover nur ähnlich so ge« handelt hätten, wie die Unternehmer in Stuttgart, die den Forde- rungen der Arbeiter gerecht wurden, so wäre längst eine Ber» ständigung erfolgt und Streik und Aussperrung wären vermieden worden. So erwarten die hannoverschen Metallindustriellen, daß die Metallindustriellen in Magdeburg und Halle a. S. ihre Arbeirer auf das Straßenpflaster werfön, damit die streikenden Arbeiter ge- irwimgen werden, sich willenlos den Anordnungen der Unternehmer fügen zu müssen._ Dem Gewcrkschaftskartell zu Breslau ist zum ersten Male die polizeiliche Genehmigung zur Veranstaltung eines Festzuges durch die Straßen der Stadt gelegentlich des am 14. Juli statt- findenden Gewerkschastsfestes erteilt worden. Allerdings dürfen keine„sozialdemokratische»r Abzeichen und Fahnen" im Zuge mitgeführt werden. Der Dachdeckerstreik in Liegnitz, der fast ein Vierteljahr dauerte. hat mit einem Siege der Streikenden feinen Abschluß gefunden. Bon 11 vorhandenen Firmen haben neun den neuen Tarif unterschriftlich anerkannt. Ueber zwei nicht in Frage kommende Firmen, die sich weigerten, den Tanf unterschriftlich anzuerkennen, wurde die Sperre verhängt._ Der Jahresbericht der„Nerliner", der der letzten Generalversammlung unterbreitet wurde, gibt uns eine Uebersicht über den Stand und die Tätigkeit der ka th o li- schen Arbeitervereine(Sitz Berlin). Die Zahl der Verbandsvereine ist bis Ende des Jahres 1911 auf 1241 gestiegen(Ende 1919 waren es 1198); seit Beginn deS Jahres 1912 sind noch 19 Vereine Hnizugekommen, fodaß zur Stunde die Zahl der Vereine des Verbandes 1269 beträgt. Die Gesamt- mitgliederzahl des Berbandos ist nach Abgang der Luxemburger Vereine(diese haben sich zu einem selbständigen Diö�sanverband zusammengeschlossen— zirka 5999 Mitglieder) Ende 1911 123 999 geblieben. Der Verband katholischer Bereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands zählt zurzeit 39 399 Mitglieder. Dem Verbände gehören 479 evangelische Mitglieder an. Das ist bemerkenswert. Evangelische Mitglieder, die sich der Autorität der katholischen Kirche in Arbeiter- und Gewerkschafts- fragen unterordnen, die sich üborhanpt auf die» Satzungen des Berliner Verbandes verpflichten, sind ganz gewiß eigentümliche Menschen. Die Gesamteinnahmen des Verbandes betrugen im Jahre 19iiJ 1949 616,94 M.. während die Ausgaben 884 995.92 M. betrugen. Das Gesamtvermögen des Verbandes betrug 594 719,12 M. Gegen das Vorjahr bedeutet daS eine Vergwßerung des Vermögens um 46 313.19 M. Der Verband ist gegenwärtig in 33 Bezirke mit 34 Arbeiter- sekretariaten eingeteilt, welche von 37 hauptamtlich angestelllen Arbeiteriekretären verwaltet werden. Die gesamte Leitung des Ver- bandes ruht in den Händen des VerbandStiorstandes. Der Generalsekretär wird in seinen Arbeiten noch von zwei Verbandssekretären, den Herren Dr. Fleischer und Kuratus Windolph unterstützt. Ferner sind an der Zentrale deS Verbandes noch tätig 4 Arbeiter- lekretäre, 6 Bureauangestellle, 7 Hilfskräfte, 2 Bureaudiencr uud 1 Lebiling. Das sind rund 69 Beamte, über die der Berliner Verband ver- fügt, eine stattliche Zahl I Von den Selretariaven wurden insgesamt 49 366 Auskünfte erleilt und 21 659 Schriftsätze verfaßt. Sie sind im Verhältnis zu den Sekietariaten der iraen Gewerkschaften nicht allzustark in Anspruch genommen worthen. Die Arbeits- nachweise des Verbandes wurden von 4171 Arbeitsuchenden in An- sprach genommen, was gleichfalls nicht viel zu beßrgen Hai Zu der Tätigkeit der„Berliner" gehört unter anderem die gemeinschasiliche Kommunion und das Einsammeln von Peterspfe>»rgcn. Von den ersten haben im Berichtsjahr 3999 stattgefnnden. an denen sich von 139 999 Mitgliedern etwa drei Viertel beteiligten. 6699 M. sind an Peterspfennigen eingekommen. Ferner habeil noch 39«999 Versaniin- luiigen, Konferenzen und Sitzungen stattgefunden, die es aber nicht erreicht haben, den Verband merklich zu stärken. Was die katholischen Organisationen im einzelnen für die Mit- glieder leisteten, wird im uns vorliegenden Bericht nicht einmal an- gedeutet. Nur wird gesagt, daß in einzelnen Bezirken Tttrifverkräge abgeschlossen worden sind, die selbstverständlich auch danach aussehen werden. In der Berliner Organisation ist Bescheidenheit Trumpf und höchste Christenpflicht!________ Th. Glocke. Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.>» Verlag Sanstatz ZZuslanck. Die Hafenarbeiter in Dünkirchen sind in den Ausstand getreten, um Protest einzulegen gegen die Absicht der Reeder, sie mit einem festen Lohn von 159 Frank anzustellen. Die Leiter deS Verbandes der eingeschriebenen Seeleute sagten den Ausständigen ihre Unter- stützung zu und erklärten, erforderlichenfalls den Gesamtstreik an« ordnen zu wollen. Der Ausstand der Kellner in New York, der vergangene Woche begann, nimmt einen ernsten Charakter an. Am Donnerstagabend haben etwa 1999 Kellner der sechs größten Hotels und Restaurants während der Sssensstunde die Arbeitsstellen verlassen. Die Zahl der Streikenden beträgt jetzt 1699. In den Betrieben werden Neger, die aus dem Süden kommen, als Ersatz verwandt. Die Arbeitgeber ver« sichern, die Forderung der Kellner, ausschließlich Organisierte zu be- schäftigen, nicht erfüllen zu wollen. Versammlungen. Eine Versammlung des Verbandes der Böttcher, Weinküser unfi Hilfsarbeiter im Gewerkschastshaus nahm den Bericht von der Mai- feier entgegen. Derselbe wurde erstattet durch den Geschäftsführer K l a p s ch u s. An der Feier durch Arbeitsruhe haben 191 Kollegen, von 621 im Verband Organisierten, teilgenommen, welche sich auf Werkstellen und Brauereien verteilen. Ausgesperrt wurde nie- mand, doch wurden ztuei Kollegen von der Schultheiß-Brauerei Ab- teilung IV(Nieder-Schönewelde) wegen Teilnahme an der Feier entlassen. Es war von den Vertrauensleuten um Freigabe nach- gesucht, dies jedoch von der Direktion abgelehnt worden. Die beiden Kollegen stellten nun ihre politische Gesinnung höher als die Arbeit bei dieser Firma und mußten dafür büßen.— Hierauf gab Klapschus das Resultat der Statistik der Wahlvereins- und Konsumvereins» Zugehörigkeit bekannt. Von 486 Kollegen konnte nur festgestellt werden, wer dem Wahlverein und Konsumverein usw. angehörte und Leser des Vorwärts war, und zwar-gehören davon dem ersteren an 224, dem Konsumverein 86. Leser des Vorwärts sind 334. Von 169, die außerdem dem Verbände angehören, ließ sich dieS� mit Sicherheit nicht feststellen. Es sind im ganzen 664 Berufsangehörige ermittelt, von denen 621 dem Böttcherverbande angehören. In der Diskussion wurde von sämtlichen Rednern betont, daß dies Er- gebnis nicht befriedigen dürfe, sondern daß daraus erst recht die Pflicht erwachse, eine rege Agitation in jeder Hinsicht zu entfalten. Es wurden dann noch einige interne Angelegenheiten erledigt. Letzte IVacbrfcbtcn. Der neue Oberbürgermeister von Zittau. Zittau. 31. Mai.(W. T. B.) Zum Oberbürgermeister von Zittau wurde heute Oberbürgermeister Dr. Kuelz-Bückeburg mit 17 von 34(?) abgegebenen Stimmen gewählt. Wie bei uns. Paris, 31. Mai.(W. T. B.) In der Kammer wurden heule die Interpellationen über die Getreidehausse und die hohen Brot- preise verhandelt. Der Berichterstatter der Zollkommission Loch entwickelte in seiner Beantwortung die Maßnahmen, die zur Ver- mehrung der dem Markte zur Verfügung stehenden Getreidemengen vorgeschlagen werden. Zunächst soll der Staat das für Heer und Flotts bestimmte Getreide direkt kaufen; weiterhin soll ein Besch eingebracht werden. daS die Bestimmungen über die zeitweilige Zu- lassung von Weizen modifizieren soll. Der Berichterstatter er- klärte, das Schutzzollspstem habe eine für Frankreich günstige Lage geschaffen. Die Kommission sei zu der Ansicht gekommen, es sei gut, die nächste Ernte abzuwarten, und habe einmütig den sozialistischen Antrag abgelehnt, der die Getreidczölle aufheben wolle. Eine offizielle Enquete sei notwendig, bevor der gegenwärtige Zoll er- mäßigt werde. Der Vorschlag der Kommission, die Interpellationen getrennt zu verhandeln, fand eine starke Majorität, wogegen die Sozialisten protestierten. Zuerst wurde der Entwurf beraten, der eine Modifizierung des Gesetzes von 1992 über die zeitweilige Zu- lassung von Weizen anstrebt. Marokko vor der französischen Kammerkommissio«. Paris, 31. Mai.(W. T. B.) Vor der Katnunerkommission für die auswärtigen Angelegenheiten gab Ministerpräsident Poincare Erklärungen über den Protektoratsvertrag mit Marokko ab. Er verlos zwei Urkunden, welche den Vertrag ergänzen» aber keinerlei internationalen Charakter haben; denn sie beschäftigen sich aus- schließlich mit den persönlichen Beziehungen des Sultan» zur französischen Regierung, mit der Möglichckeit einer Abdankung Mulay Hafids und der Bestimmung eines Nachfolgers und mit der Verlegung seiner Residenz. Auf eine Anfrage über die gegenwärtige Lage in Marokko wiederholte Poincarä, er hätte volles Vertrauen zu General Lyautey, daß er die Irrtümer der früheren Behörden deS neuen Regimes wieder gutmachen werde. Poincare fügte hinzu, Mulay Hafid hätte General Lyouteh zuge- sichert, nicht mehr von Abdankung zu sprechen. Die Kommission ernannte zum Berichterstatter den Deputierten Maurice Long» welcher die Arbeit beschleunigen wird, damit die Kammer in unge- fähr acht Tagen in die Besprechung des Protektoratsvertrages in Vmchindung mit den Interpellationen über die Politik in Marokko eintreten kann. Eine Anklage gegen Deutschland. Rom, 31. Mai.(W. T. B.) Dcputiertenkammer. Bei Be» gründung seiner Interpellation über den Schutz der Italiener in der Türkei führte der Abgeordnete Barzilai aus, daß daS Deutsche Reich im Jahre 1875 beim Ausbruch de» russisch-türkischen Krieges efne andere Auffassung von dem diplomatischen Schutz gehabt habe alt» heutzutage, und brachte diese Aenderung mit den industriellen Uochernehmungen in Zusammenhang, die Deutschland seither in der Türsei begonnen habe. Stürmische Szenen in der russischen Duma. Petersburg, 31. Mai.(P.-C.) Während der Weiterberatung der Gerichtsreform in der Reichsduma ereigneten sich gestern stür- mische Szenen. Die gesamte Linke griff das Präsidium an, das den Kadettc» Tschcrnoswitow ausschloß, dem oktobristischen Be- richterstatter aber, dessen Ausführungen den Lärm veranlaßten, nur einen Tadel erteilte. Die Aussichten der Gesetzesvorschläge sind gebessert, dci die Regierung sowie die Oktobristen mit den Polen ein Kompromiß Abschlössen. Die Vorlage der Selbstverwaltung der polnischen Städte wird demnächst erledigt werden. Darauf hin haben die Polen, dtie auf die Gerichtsreform wenig Gewicht legen» einen Kuhhandel miX der Regierung abgeschlossen. •• • Der Arbeiteraussi'and in den Eisenfabriken gewinnt ständig an Ilmfang. In den letzten Tagen, ist es mehrfach zu Zusammen. stoßen zwischen den AuAständigen, und Arbeitswilligen gekommen» Zwei Kinder verbrannt. Mainz, 31. Rai.(W. T. B.) Bei einem heute nachmittag im Vorort Hechtsheim im Anwesen, des Landwirtes Matthias EndcrS ausgebrochenxn Feu«»' sind 2 Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren verbrannt. Kaul Singer» Co.. Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen a, NnterhaltungSbl. Nr. 125. 29. Jahrgang. 1. ffilnje te Jimirt»" Kerlim PolbMntt. Sonnabend, 1. Juni 1912. Der 11. Parltitag der Polnischen Sonalistischen Partei Russisch-Polens. Ein russischer Teilnehmer de- Parteitags schreibt unS: Der vor kurzem geheim im Auslände abgehaltene 11. Parteitag der Polnischen Sozialistischen Partei") hat eine grosie Bedeutung nicht bloß für die sozialistische Bewegung Russisch-PolenS, sondern auch vom Standpunkt der Konsolidierung der gesamten sozialdemo- kratischen Internationale Ruvlands. Dieses letzte Moment wurde ganz besonders dadurch unterstrichen, daß dem Parteitag der P. P. S. zum ersten Male als eingeladene Gäste Delegierte der verschiedenen Strömungen und nationalen Organisationen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Nusilands beiwohnten. Anwesend waren der Vcr- treter der Redaktion der„ P r a w d a", der menschewikschen .Stimme des Sozialdemokraten' sPaul A x e l r o d), de» Zentralkomitees der lettischen Sozialdemolralie und des Zentralkomitees des.Bundes'. Der Vertreter der Gruppe „Wperiod" konnte aus zufälligen Gründen nicht erscheinen. Die Redaktion des Plechanowschcn.Dnewnik Sozialdemokrata' begrützte schriftlich den Parteitag und wünschte seinen Arbeiten den besten Erfolg Ueberdies wohnte dem Parteitage ein Vertreter der deutschen Sozialdemokratie Oesterreichs bei. dessen Begrüßungsrede mit großem Beifall empfangen wurde. Zum Parteitage liefen auch Begrüßungsschreiben vom Internationalen Sozialistischen Bureau und vom Vorstande der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands ein. Die Bedingungen, unter denen die polnischen Genossen in den letzten Jahren zu arbeiten hatten, waren noch viel schwerer als im eigentlichen Rußland. Das Wüten der Konlerrevolution kannte hier keine Grenzen. Charakteristisch für diese Verhältnisse ist das Schicksal der Delegierten des vorletzten, zehnten Parteitags der P. P. S., der Anfang 1S08 stattfand. Von den 37 Teilnehmern dieses Parteitages wurden drei hingerichtet, einer starb in der Verbannung, einer be- ging Selbstmord, da er die blutigen Greuel nicht ertragen konnte, viele andere kamen ins Gefängnis und in die Katorga.... Jetzt aber, wie� auS den Berichten des Zentralkomitees und der Lokalorganisationen ersichtlich»st, hat die Partei das schlimmste schon hinter sich. Der Aufschwung des wirtschaftlichen und politischen Kampfes, welcher in ganz Rußland bemerkbar ist, kam auch in Polen nicht minder stark zum Ausdruck. Alle Partei- organisationen zeigen in den letzten Zeiten ein bedeutendes Wachsen. Darauf deutete auch die Zusammensetzung des Parteitages hin: S Delegierte vertraten Warschau. 1 die Warschauer Vororte, S Lodz, t Tomaschow, 1 Pabianice, 3 das Dombrowacr Kohlenrevier, 1 Radom, 1 Lublin, 1 Czenstochau. Außerdem konnten 12 gewählte Delegierte aus verschiedenen Gründen nicht kommen. Die große Mehrzahl der Delegierten waren Arbeiter, unter ihnen viele alte Parteimitglieder, die schon mit den Gefängnissen, mit Sibirien und sogar mit der Katorga Bekanntschaft machten. Sie beteiligten sich sehr lebhast an den Verhandlungen, und ihre Reden zeugteti von einem sehr hohen Niveau der politischen Aufklärung und von einem engen Kontakt mit der Massenbewegung. Im Gegensatz zu der Sozialdemokratie Polens und Litauens, Welche Parteigewerkschaften gründet, verficht die P. P. S., an- gesichts der Spaltung der politischen Bewegung in Russisch-Polen, den Standpunkt, daß die Gewerkschaften, auf dem Boden des Klassen- kampfes stehend, sich keiner bestimmten sozialistischen Fraktion an- gliedern sollen. Damit hängt auch zusammen, daß die P. P. S. auf die Gründung von legalen Gewerkschaften das Hauptgewicht legt. Leider sind von den zahlreichen legalen Gewerkschaften, die die fß. P. S. in den Jahren 1903 und 1997 ins Leben rief, gegenwärtig nur sehr wenige infolge der Verfolgungen übrig geblieben und die ununterbrochenen Versuche, neue Gewerkschaften zu legalisieren, scheitern infolge der systematischen Verbote der Regierung. Die Partei muß daher illegale Fachkommissionen und EtreikkomiteeS bilden. In den großen wirtschaftlichen Kämpfen, die stch im Laufe der zwei letzten Jahre in Polen abspielten, hatte auch die politische Parteiorganisation einen großen Anteil. Ein wichtiges Mittel der politischen Ausllärung der Massen be- fitzt die Partei in der legalen Presse, die trotz aller Verfolgungen ununterbrochen seit 1903 in ausgesprochen marxistischem Geiste herausgegeben wird. Den Mittelpunkt der politischen Arbeit der P. P. S. bildet die Agitation im Anschluß an die Tätigkeit der sozialdeniokratiichen Dumafraktion und die Durchführung von politischen Massenaktionen. So z. B. führte die P. P. S. eine I Pctitionskampagne um die Koalitionsfreiheit und eine Protest ") In Russisch-Polen sind gegenwärtig drei sozialdemokratische Parteien tätig: Die Sozialdemokratie Polens und Litauens, der Jüdische Bund und die Polnische sozialistische Partei(P. P. S.>. Die zwei erstgenannten bilden einen Teil der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands. Die P. P. S., obwohl sie bis jetzt formell noch außerhalb der Gesamtparlei steht, stellt tatsächlich kraft ihrer gesamten politischen Tätigkeit ebenfalls einen integrierenden Teil der Sozialdemokratie Rußlands dar, und die formelle Einigung dürfte in nicht entfernter Zukunft erfolgen. Im Gegensatz zu dielen drei sozialdemokratischen Organisationen umfaßt die im Herbst 1903 von der P. P. S. abgespaltete sogenannte Revolutionäre Fraktion separatistisch- nationalistische und verschwörerische Elemente der alten P. P. S. Eine Sis�eit-Vebatte. Auf dem 18. Deutschen Geographentage wurde in Innsbruck eine wichtige Frage in einer lebhaften Kontroverse be- handelt. Prof. L e p s i u S(Darmstadt) sprach über das Thema:„E i n- heit und Entstehung der Eiszei t." Die Erforschung der diluvialen Eiszeit in den Alpen— so ührte er aus— hat in den letzten Jahrzehnten großartige Fort- chritte gemacht und ihren Abschluß in dem kürzlich erschienenen undamentalen Werk von Penck und Brückner gefunden. Lepsius erklärt sich jedoch gegen die von Penck und anderen vertretene jetzt vorwiegende Auffassung, daß es drei bis vier Eiszeitperioden ge- geben hat und daß in den Haupteiszeiten die Gletscher bis tief in die Täler gegangen seien, im Rhcintal bis zur Schwäbischen Alb. Diese Zwischeneiszeiten werden auf den Wechsel im Klima zurück- geführt, aber die Ursachen des Klimawechsels werden nicht ange- geben. Man muß daher untersuchen, ob eine Fauna und Flora da ist, die uns beweist, daß in der Zwischcneiszeit ein wärmeres Klima vorhanden war. Wohl finden wir im moränen Schutt allerhand Spuren von Mollusken. Aber sie waren während der Diluvialzeit über die ganze Erde verbreitet. Von diesen allgemeinen Diluvial- floren weichen nur zwei Fundstätten ab, die man bisher für zwischeneiszeitlich erklärt hat. Der eine Punkt liegt hier 600 Meter hoch über Innsbruck, es sind die Höttinger Breccien. Lepsius vcr- mißt aber hier das erratische Geschiebe, das beweisen würde, daß die Breccie zwischeneiszeitlichcn Charakters ist. Lepsius verweist�diesc Flora ins Tertiär, hält sie also für voreiszeitlich. Die zweite Fund- stelle mit pontischer Flora liegt im Porleppatal über dem Jseotal. Lepsius erklärt aber auch diese Flora für nicht zwischeneiszeithch, denn es liegt nach seiner Ansicht keine Moräne unter dem Fund- ort. Sie sind beide älter, als die Moräne, die sie bedeckt. Ueber die Ursachen der großartigen Erscheinungen der Eis- zeit gibt es bekanntlich verschiedene Theorien. In den geographischen Lehrbüchern ist immer die Rede davon, daß die Eiszeit die ganze Erde umspannt habe und daß ihre Ursache kosmischen oder tellu- rischen Ursprungs sei, was offen gelassen wird. Das ist aber un- richtig. Auf dem zcntralasiatischen Kontinent weisen selbst die hohen Gebirge nur geringe Spuren von Vcrgletscherung auf. Auf den japanischen. Inseln ist bis zum bv. Breitengrade, also der Höhe »«l Mginz. keine Eiszeit nächznwcisen. In Rordgmerika verfolgen rampagne gegen die provokatorische Verurteiluug der sozialdemokratischen Fraktion der zweiten Duma. Diese politischen Aktionen verfolgen das Ziel, die Arbeitermasseu nicht nur um die Endziele des revolutionären Kampfes, sondern auch bei voller Aufrechterhaltung de- revolutionären Programms, um konkrete, aktuelle Forderungen zu mobilisieren. Diese, für Rußland neue Kampfesweise, bedeutet den Uebergang der Sozialdemokratie Rußlands und auch Polens auf das europäische Geleise, auf den Weg der bewährte» Taktik unserer europäischen und namentlich deutschen Genossen. Von den Grundsätzen eben dieser Taktik sind alle Beschlüsse des XI. Parteitages durchdrungen. Es seien hier die wichtigsten erwähnt. Einen der Hauptpunkte der Verhandlungen bildeten die Dum a- wählen, die im Herbst stattfinden sollen. Erörtert wurden sowohl die prinzipiellen Fragen des Wahlkampses(die Wahllosungen, die Stellung gegenüber anderen Parteien), als auch die praktische Durch- sührung des Wahlkampies(die entsprechende Vorbereitung des ge- samten Parteiapparates). Die Beteiligung an den Wahlen, nicht bloß in der Arbeiter- sondern auch in der allgemeinen städtischen Kurie; der Kamps mit dem politischen Absentismus und»Boy- kottiSmus";*) der Kampf gegen die sozialpolitische Reaktion und nationalistisch-antisemitische Demagogie der polnischen bürgerlichen Parteien; die vollständige Selbständigkeit der Sozialdemokratie in allen Stadien des Wahlkampses— dies sind die Leitsätze der vom Parteitage beschlossenen Wahltaktik. Von ganz besonderer Bedeutung ist der Beschluß des Partei- tageS, in welchem die Notwendigkeit eines engen Wahlbündnisses aller drei in Polen tätigen sozialdemokratischen Organisationen(P. P. S., S. D. P. u. L., Bund) betont wird, um der desorganisierenden und demoralisierenden Wirkung etwaiger sich gegenseitig bekämpfenden sozialdemokratischen Kandidaturen vorzubeugen. Der Parteitag unterzog das von der Duma beschlossene arbeiter feindliche Arbeiterversicherungsgesetz einer detaillierten Kritik, beschloß aber gleichzeitig für den Fall des Inkrafttretens dieses Gesetzes, die Krankenkassen nicht zu boykottieren, sondern sie zu erobern und im Interesse der Organisierung der Arbeitermassen auszunützen. Es toll noch eine der Fragen erwähnt werden, die den Parteitag beschäftigten: die der s o z i a l i st i s ch�e»Einigung in Polen und des Eintritts der P. P. S. in die Sozialdemokratische Arbeiter Partei Rußlands. Tatsächlich bilden gegenwärtig beide polnischen Parteien, die S. D. P. u. L. und die P. P. S.. zwei Strömungen in der sozial demokratischen Bewegung Russisch-PolenS, deren Einigung die ge samte Lage und die sich aus ihr ergebenden Ausgaben des Proletariats ebenso gebieterisch fordern, wie die Einigung aller Fraktionen deS russischen Teiles der Partei. Die Verhandlungen des Parteitags zeigten unzweifelhaft, daß zwischen der P. P. S. und der«. D. P. u. L. keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten bezüglich der den beiden Parteien gemeinsamen program- manschen Forderung der Autonomie Polens bestehen. Es handelt sich hier im schlimmsten Falle um eine Nuance, die keineswegs die Zersplitterung der gewerkschaftlichen und politi scheu Organisation des polniichcn Proletariats rechtfertigt. WaS die Probleme der sozialdemokratischen Taktik anlangt, so sind die Differenzen zwischen den beiden polnischen Parteien noch viel geringfügiger als zwischen den einzelnen Strömungen des russischen Teiles der Partei. Unter solchen Umständen erscheint die Einigung der P. P. S. und der S. D. P. u. L. als eine geschichtliche Not- wendigkeit, die sich trotz aller Vorurteile und Uebexlieserungen eines langjährigen Zwistes bahnbrechen muß. Mit großer Begeisterung wurde eine Resolution zugunsten der Einigung mit der S. D. A. P. Rußlands angenommen. Noch im Jahre 1909 betonte eine Konferenz der P. P. S. die Notwendigkeit der Vereinigung des klassenbewußten Proletariats des ganzen Reiches ohne Unterschied der Nationalität in eine fozial- demokratische Partei. Der jetzt vom Parteitag gefaßte Beschluß befaßte sich mit der praktischen Verwirklichung dieser Grundsätze. Das Zentralkomitee der P. P. S. wird beauf- tragt, Vereinbarungen mit den leitenden Institutionen der S. D. A. P. Rußlands zu treffen, um gemeinsam politische Aktionen im ganzen Reiche zu organisieren und im Anschluß daran Vorkehrungen zur organisatorischen Einigung zu treffen unter Wahrung des polnischen Teiles der Partei. Unter gemeinsame Fahne nl DieS war das Zeichen, unter dem dicie bedeutsame Tagung stand. � Perbilndstllg der Friseurgehilftn. Der dritte Verhandlungstag(Freitag) brachte zunächst einen Vortrag des als Vertreter der Generalkommission anwesenden Ge- »offen R o b. Schmidt über B i l d u n g s b e st r e b u n g e n. Ausgehend von dem Gedanken, daß Wissen und Bildung nicht nur Kullur-, sondern auch Machlfaktoren auf politischem und Wirtschaft- lichem Gebiete sind, empfahl der Redner die Benutzung der Ein- richtungen, welche die moderne Arbeiterbewegung geschaffen hat, um die Bildung der Arbeiter zu fördern, wie Vorträge, Bildungs- schulen, Volksbühnen, Bibliotheken. Auch an der Jugend- bewegung dürfe man nicht achtlos vorübergehen. Das Blatt„Die Arbeiterjugend" sei ein sehr wertvolles Bildung�- mittel für die jungen Leute. Einrichtungen zur Förderung der Bildung in Arbeiterkreisen seien vorhanden; wenn sie nicht benutzt werden, so liege das nur am Mangel an gutem Willen. Hierauf gab Etzkoru einen kurzen Bericht über den inter- nationalen Sozialisienkongreß, den Gewerkschaftskongreß und die internationale Friseurgchilfenkonferenz.— An den Bericht schloß sich eine Debatte über die Notwendigkeit und den Umfang der Be- schickung internationalerKongressc und Konferenzen durch den Verband. Hierzu beinerkte Robert Schmidt: Die Generalkommission sei auck, für eine Einschränkung der Delegiertenzahl der Gewerkschaften zu den internationalen Sozialistenkongressen. Für den nächsten in Wien stattfindenden Kongreß sei die Zahl noch nicht sehr stark herabgesetzt worden, es werde wohl auf jede Gewerkschaft ein Mandat fallen. Dem Verbände der Frisei»rgehilfen sei zu raten, nicht auj ihr Mandat zu verzichten— wie hier angeregt wurde— denn die Bedeutung der internationalen Kongresse liege nicht in den Be« schlüssen, sondern in der Wirkung, welche das gemeinsame Tagen von Vertretern großer Organisationen aller Nationen ausübe.— Ein Antrag, von der Beschickung des internationalen Kongresses abzusehen und sich durch den Delegierten einer anderen Gewerkschaft vertreten zu lassen, wurde mit acht gegen sieben Slimmen abgelehnt.— Beschlossen wurde, die nächste internationale Konferenz der Friseurgehilfen nur durch einen Delegierten zu be- schicken. Die nun folgende Statutenberatung ergab die Annahme mehrerer Anträge, durch welche einige Aenderungen in den Be« stimmungen über die Unterstützungen eintreten. Ferner wurde ein Antrag angenommen, welcher sagt:„Eine Lohnbewegung kann nur dann eingeleitet werden, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder es beschlossen hat".— Nachdem noch einige Anträge erledigt waren, die sich auf BerwaltungSangelegenheiten beziehen, wurde beschlossen, die Statutenänderungen am 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Die Versammlung schritt nun zur Neuwahl des Borstandes. Für das Amt des ersten Vorsitzenden wurde Etzkorn als einziger Kandidat vorgeschlagen. Bei der Wahl wurden für ihn aber nur acht Stimmen abgegeben, während neun Zettel unbeschrieben waren. Der zweite Vorsitzende des Verbandstages proklamisrte Etzkorn als wiedergewählt, dieser aber lehnte im Hinblick ans das Ab» stimmungsergebnis die Annahme der Wahl ab.— Wittmaak» Magdeburg verlangte nun, daß eine Aussprache stattfinde über die Griinde des auffallenden Mißtrauensvotums. In der Debatte über den Geschäftsbericht sei nichts vorgebracht worden, was ein der» artiges Mißtrauen gegen den langjährigen Verbandsvorsitzenden er» klären könnte.— Die Aussprache fand in Abwesenheit Etzkorns statt. Mehrere Delegierte führten als Gründe für die Abgabe; weißer Zettel an: Etzkorn trete mit seiner Person zu stark hervor. er habe die Wünsche der süddeutschen Mitglieder bezüglich der Agitation nicht beftcledigt und derartiges mehr.— Andere RedeM führten dagegen aus: Nach diesen„Gründen" müsse das Abgeben 'o vieler weißer Zettel als unverantwortlich bezeichnet werde, i, um so mehr, als der Verband gar nicht in der Lage sei, einen Ersatz für Etzkorn zu finden.— Die Wahl wurde wiederholt mit den: Resultat, daß 14 Stimmen und zwei weiße Zettel abgegeben wurden. Gleich» zeitig wurde beschlossen, den bisherigen Gauleiter Kabelitz» Düsseldorf als zweiten Verbandsvorsitzenden anzustellen, damit der erste Borsitzende entlastet und die Agitation in größerem Umfange betrieben werden könne. Etzkorn erklärte sich nun zur Annahme der Wahl bereit. Als Kassierer wurde L a n g n e r wiedergewählt. Die Wahl des Ausschußvorsitzenden fiel aus L o r e n z- Hamburg. Als Delegierter zum Gewerlschaftskongreß und zum internationalen Kongreß wurde E tz k o r n bestimmt.— Der nächste Berbandstag wird in Hannover abgehalten. Die Tagesordnung ist erledigt. •) Die„Revolutionäre Fraktion" hält noch bis jetzt am„Boykott" der Dumawahlen fest. wir die kolossale Ausbreitung der Gletscher, wohl unter dem Ein- flutz Grönlands bis zum Missisippi und bis St. Louis, bis zum 40. Breitengrade, der Höhe von Neapel. Bei einer allgemeinen Eiszeit müßten sich doch auch Gletscherspuren in den Anden nach- weisen lassen. Der Vortragende teilt aus diesen Gründen die Ansicht schwedischer und norwegischer Forscher, daß die skandi- navische Eiszeit dadurch entstanden ist, daß Skandinavien zur Eis- zeit doppelt so hoch war wie heute und daß von den hohen Gebirgen die Gletscher nach England und Deutschland geflossen sind. Dem- nach ist die skandinavische Eiszeit nur einer örtlichen Ursache zuzu- schreiben. Die Erhebung der Gebirge zur mittleren Diluvialzeit war so bedeutend, daß die skandinavaischen Gebirge und die Alpen in so hohe, kalte Lustschichten kamen, daß die Vergletscherung ein- trat. Stord- und Ostsee sind damals noch Kontinente gewesen und die norddeutsche Tiesebene lag auch noch höher. Die skandinavischen Gletscher sind von den hohen Gebirgen soweit hinunter gegangen, als sie Gefälle hatten. Damit erklärt sich die Ueberschüttung der norddeutschen Tiefebene mit Moränen. Lepsius kommt zu dem Schluß: es ist ein Wechsel von kaltem uno warmem Klima zur Eis- zeit nicht nachzuweisen. Dagegen ist ein allmähliches Aufsteigen der Alpen bis zur mittleren Eiszeit erfolgt. Statt des Klima- Wechsels und der Erkaltung über die ganze Erde nimmt der Vor- tragende tektonische Verwerfungen, Senkungen und Hebungen an. Professor Penck(Berlin) tritt der Lepsiusschen Theorie scharf entgegen. Der Beweis für den zwischcneiszeitlichen Charakter der Höttinger Breccie ist erbracht. Auch unter der Fundstelle beim Jseosee sind die Moränen durch zahlreiche gewissenhafte wissen- schaftlichc Beobachtungen festgestellt. Allgemein hat auf der Erde eine Depression der Schneegrenze zur Eiszeit stattgefunden, die allerdings nicht überall den gleichen Betrag ausmachte. Professor v. Drygalski(München) erklärt, daß er bei seinen Studien über die Glacialverhältnisse in Oberbayern eben- falls Zweifel an der Vielheit der Eiszeiten be- kommen habe. Geologisch sei auch eine derartige Unruhe in der Natur, dieses Hin und Her, unnatürlich und sonst nirgends vor- handen. Er stimmt Lepsius in der Annahme der Einwirkung der hohen Gebirge auf die Entstehung dcr Eiszeit zu. aber ebenso auch Penck darin, daß die Eiszeit universeller war. Für die Eiszeit war Feuchtigkeit notwendig, und diese ist im Gebirge vorhanden. Ge- birge und Eiszeit gehören zusammen. Der Jnnsbrucker Professor Blaas widerspricht entschieden dcr Ansicht, daß die Höttinger Breccie dem Tertiär zuzuweisen seien. Lepsius hält sie aber aufrecht Soziales. DaS gcohrfeigtc Lehrmädchen. Eine grobe Ausschreitung gegenüber einem �minderjährigen Waisenmädchen und deren Pflegebefohlenen bildete den Ausgangs» pnnkt eines gestern vor der 5. Kammer des Berliner Kaufmanns- gerichts verhandelten Prozesses. Dort klagte das 13jährige Lehr- mädchen Gertrud B., vertreten durch den Vormund, Kolonialwaren- kleines Feuilleton. Fez. Die Nachricht von einem große» Massaker in Fez hat in Paris allgemeine Bestürzung hervorgerufen. Mag sich die Meldung bestätigen oder nicht, auf jeden Fall muß die augenblickliche Situation der Franzosen in Fez als höchst bedrohlich angesehen werden. Wäh- rend Tanger, Marokkos Hanpthafen, den Typus der internationalen Küstenstadt des Mittelmeeres aufweist, ist Fez reines und un» verfälschtes Afrika. Die Zahl der Europäer ist hier sehr gering, und inmitten der fanatischen Bevölkerung ist der Auf- enthalt für de» Fremden besonders nach den, Einzug der Franzosen höchst gefahrvoll. Wie alle Städte Marokkos ist auch Fez heute völlig verfallen und verkommen. Die Straßen sind durchweg. ungepflastert und mit tiefem Schmutz bedeckt. Die grauen, zumeist fensterlosen Häuserreihen rücken dicht aufeinander und verleihen dem Orte den Eindruck gespenstischer Unheimlichkeit. In den Bazaren drängt sich eine bunte lärmende Menge, in der alle Stämme Afrikas, vom Neger bis zum Araber, vertreten sind. Die zahlreichen Juden bewohnen ein eigenes Viertel, das erst kürzlich beim letzten Volks- ausstände gegen die Franzosen arg verwüstet worden ist. Die Stadt hat einst bessere Tage gesehen, und in den alten arabischen Chroniken wird uns überliefert, daß das Fez des Mittelalters 788 Moscheen und 400 000 Einwohner gezählt habe. Heute gibt eS in der Stadt nur noch 128 Gotteshäuser, während die Einwohnerzahl sich auf etwa 180 000 Seelen belaufen dürfte. AuS den Glanzzeiten Ma» rokkos hat sich auch die Universität von Fez bis in die Gegenwart erhalten; sie hat der Stadt den Ruf besonderer Heiligkeit in ganz Afrika verschafft. Zu der modernen Wissenschaft unterhält die hohe Schule von Fez freilich keinerlei Beziehungen; die Studenten schöpfen ihre geistige Nahrung ausschließlich aus den klassischen Werken der arabischen Literatur, in der die Theologie, die Philo» sophie und die Rechtswissenschaft des Islam niedergelegt ist. Immerhin geht jährlich eine große Anzahl von Theologen auS der Hochschule von Fez hervor, die in ganz Nordafrika die Lehren deS Propheten verbreitet. Die Lage dcr Hauptstadt ist außerordentlich gunstig; fie wird von einer überaus fruchtbaren Talebene umgeben, die ringS ein Kranz von mächtigen Bergen umsäumt. Dcr Wad-Fez fließt mitten durch die Stadt und teilt sie in zwei Viertel, die Altstadt im Westen, und die Neustadt im Osten. Nach Norden erstreckt sich Fez bis zum Fuß jener Gebirgskette uftd wird hier von einer stolzen Burg, der Säildler F. gegen den Butter- und Mehlivarenhäudler F. Seh>neliilg tNiederwallstraßc) wegen rückständiger Lehrvergütung. Der Vormund schildert den dem Bruche vorausgegangenen Borfall folgendermaßen: Sein Mündel, ein ruhiges, bescheidenes lviädchen, fei, nachdem sie etwa einen Monat Lehrzeit hinter sich hatte, ohne Grund von der Mutter des Ge- schäftsiuhabers dermaßen geohrfeigt worden, daß es mit stark angeschwollener Wange weinend zu ihm kam. Er begab sich sofort mit dem Mädchen ins Geschäft, um Ausklärung zu erhalten, Ivurde aber vom Beklagten sehr grob abgewiesen. Dieser verteidigte noch die Handlungsweise seiner Muster und meinte:„Die Ohrfeige kann sie von mir auch noch haben!' Zufällig erfuhr der Waisenrat davon, der gleichfalls in der Angelegenheit mit dem Lehrherrn Rücksprache nehmen wollte. Aber auch dieser alte ehrwürdige Herr wurde recht unsanft hinauskomplimentiert. Bezüglich des Lehrverhältnisses behauptete der Beklagte, der Klägerin' nach Ablauf der Probezeit gesagt zu haben, er könne sie nicht behalten. Im übrigen vermochte er gegen das Mädchen nichts iveiter einzuwenden, als daß es„nicht genügend leistete". Die Frau des Vormundes war zu beschwören bereit, daß der Beklagte zu ihr nach Ablauf des Probemonats sagte, er behalte das Mädchen. Um der Verurteilung zu entgehen, zahlte auf Anraten des Gerichts der Beklagte den geforderten Betrag von 68 M. Wegen der Mißhand- lung seines Mündels hat der Vormund gegen S. bereits Strafantrag gestellt._ Eine Zeitung in städtischer Regie. Eine interessante Neuerung auf dem Gebiete der Gemeinde- tätigkeit wird ans der südlichen Hauptstadt Kaliforniens gemeldet Die Stadt Los Angeles hat auf eigene Rechnung die Publikation einer achtzehnseitigen Zeitung großen Formats, der„Munizipalen Nachrichten" von Los Angeles, begonnen. Das Blatt wird unentgeltlich an jeden Steuerzahler gesandt und für 5 Cents auf den Straßen, Stationen und öffentlichen Verkaufs- stellen abgesetzt. ES soll nicht das Organ irgend einer Partei sondern der gesainten Bürgerschaft sein. Jeder in Los Angeles konstituierten politischen Partei ist eine Spalte des Blattes zur Erläuterung ihrer Ideen und Grundsätze zur Verfügung gestellt. Das demokratische Zentralkomitee, die„Gute-Regierung-Association", die sozialdemokratische Partei und die trade-riiiionistische Arbeiterpartei propagieren ihre Sache auf der gleichen Seite. Nur die republi konische Partei hat aus„prinzipiellen Bedenken" von der angebotenen Gastfreundschaft noch keinen Gebrauch gemacht. Neben den Parteien stehen auch dem Bürgermeister und jedeni Mitglied der Sladtver waltung in jeder Ausgabe je eine halbe Spalte für die Erörterung oder Verteidigung ihrer Pläne zur Verfügung, und die städtischen Funktionäre sind berechtigt, in dem Blatte alle Fragen von öffent- lichem Interesse zu diskutieren. Daß ein derartiges, in alle Bevölkerungsschichten dringendes Publikationsorgon viel Anziehungskraft für die inserierende Geschäfts Welt hat. liegt auf der Hand. In der kurzen Zeit ihrer Existenz haben es die„Munizipalen Nachrichten" schon auf 10 Seiten Inserate gebracht, so daß das neue kommunale Unternehmen auch vom kaufmännischen Standpunkt ein großer Erfolg zu werden verspricht. Sobald die Kosten für die erste Einrichtung des Blattes gedeckt sind, soll von seinen Ueberschüssen eine kommunale Druckerei errichtet werden, ja man hofft, daß sie schließlich groß genug iverdcn, um die Steuersätze vermindern zu können Eine Frage ist nur, ob sich das. soweit zu sehen ist, gutgemeinte Unternehmen gegenüber den vereinten Angriffen der kapitalistischen Organe halten können wird und ob es nicht bei einem Wechsel in der Stadtverwaltung verschwindet. Denn schon greifen die lokalen Zeitungen der Stadt, die allesamt im Dienste des Grofr kapitals stehen, das unerträgliche„Zeitungsmonopol" heftig an und stellen dem unangenehmen Konkurrenten, der die„kommerzielle Freiheit beeinträchtige" ein glänzendes Fiasko in Aussicht. Vorder Hand sieht es nicht gerade auS, als ob diese Prophezeiung der „guten Bürger", die hinter den kapitalistischen Blättern stehen, in Erfüllung gehe._ lliltcrerniihrlnig und Polksgesundheit. Die verhängnisvolle Bedeutung der Unterernährung für die Gesundheit liegt für jeden klar zutage, der Gelegenheit hat, Einblick in die Lebensverhältnisse der Angehörigen beider Klassen der Be- völkerung, der Besitzenden und der Besitzlosen zu tun. Man be- trachte nur einmal die in der Börse versammelten Industriellen, Kaufleute. Makler und Agenten und daneben die Arbeiter eines industriellen Unternehmens, wenn sie in der Kantine ihr Frühstück verzehre» oder sich in langen, dichten Reihen nach Hause begeben. Der Unterschied ist so groß, daß er jedem auffallen muß: an der einen Stelle gntgenährte, gesunde Männer, unter ihnen recht viele höheren Alters, die aber auch noch den Eindruck voller Leistungsfähigkeit geben, und an der anderen Stelle schlecht genährte, magere Männer— die älteren Jahrgänge sind sehr schwach vertreten— die vor der Zeit gealtert sind und an denen starker KaSbah, gekrönt. Fez ist eine der wichtigsten Stationen für den Zwischenhandel, der die Waren des Mittelmeergebiets mit denen des inneren Afrika austauscht. Das Handwerkszeug dcS Schriftstellers. Uns wird geschrieben: Einem Berliner Schriftsteller ist vor einigen Tagen ein Teil seiner Bibliothek, darunter Klassiker, Liliencron, Strindberg, Flaubert ge- pfändet worden. Der„Schutzverband deutscher Schriftsteller" erklärt, daß jeder Versuch, einem Schriftsteller Bücher zu enteignen, den Berufs- und Standesinteressen sowie dem sozialen Gefühl wider- spricht und protestiert deshalb gegen solches Vorgehen. Das königl.' Amtsgericht Charlottenbnrg. Abt. U, gez. FabriciuS. ist in seinem Urteil vom 25. April 1912 allerdings anderer Meinung. Es billigt dem Schriftsteller den Schutz seines Handwerkszeuges nicht zu.„da das Gesetz unter den sonstigen persönlichen Leistungen nur die der Handarbeit nahestehende Erwerbstätigkeit versteht". „DeS weiteren", erklärt die heitere Begründung des Herrn Fabricius, „fehlt die Voraussetzung der Unentbehrlichkeit zur persönlichen Fort- setzung der Erwerbstätigkeit. Wohl mag die Bücherei einem Schrift- steller zu seiner geistigen Anregung dienlich sein: keineswegs ist sie ihm doch unentbehrlich, da die Tätigkeit des Schriftstellers im wesent- lichen auf einem geistigen Gebiete liegt und schöpferisch aus sich selbst heraus gestaltet." Prähistorische Funde am Krampnihberg. Zum zweitenmal unter- nahm der Potsdamer MnseumSverein eine Exkursion nach Krampnitz, die wiederum als erfolgreich gelten kann. Die Krampnitzer Gegend zeigt sich immer mehr als vorgeschichtlich bedeutende Siedlungs- statte, rind ihre Ergiebigkeit an Funden auS der Stein-, Bronze- und Eisenzeit gewährt dem Archäologen wertvolle Handhaben zur Erforschung der heimatlichen Vorzeit, die immer noch der gründlichen, sachkundigen Prüfung bedarf. Nach den vor- liegenden Feststellungen scheinen Zusammenhänge mit anderen Wohn- und Kulturplätzen im Norden Potsdams zu bestehen. Kaum meterweit entfernt von der letzten Fundstätte fanden die Teilnehmer der Exkursion auf dem bereits rigolten Terrain in geringer Tiefe eine große glatte Aschenurne, gefüllt mit menschlichen Knochenresten, die auf ein größeres Tongefäß von gleicher Form gewissermaßen als Deckel gestülpt war. Als einzige Beigabe fand sich zwischen den mit Sand vermengten Knochenstücken eine eiserne Nadel. Sie gestattet den Schluß, daß die Beisetzung dieser Urne zu einem Zeitpunkt erfolgt sein mutz, der mit dem ersten Vorkommen des Eisens in der Mark zusammenfällt und zeitlich nicht von der sogenannten Bronzezeit unter- schieden ist. Gerade dieser Eisenfund in der Urne bestätigt wieder, daß die verschiedenen nach dem Gebrauch von Eisen, Bronze, Stein benannten Kulturepochen hier besonders stark ineinander greifen. Auf demselben Terrain wurden außer Meffern, Bohrern und Schabern anö Feuerstein, den primitiven Werkzeugen unserer Ureinwohner auf märkischen, Sand. auch Reste einer Bronzenadel und jetzt das erste Erzeugnis der Schmiedekunst gefunden.(Vorausgesetzt, daß alle diese Funde der gleichen Kulmrschicht angehören, läßt sich ihr Beilammensem so erklären, daß Werkzeuge früherer Epochen in späteren noch weiter Verbrauch der Kräfte leicht zu erkennen ist. Dieser Unterschied hat natürlich nicht nur eine Ursache, sondern mehrere. Eine der be- deutungSvollstcn ist zweifellos die Unterernährung. Für den schäd» lichen Einfluß der Unterernährung auf dte Gesundheit liefert der 2. Band der von Prof. Stephan Bauer herausgegebenen Basler Volkswirtschaftlichen Arbeiten einen zwingenden Beweis. Prof. Lichtenfelt hat die Ernährung von zirka 13 009 Arbeitern, die in Menagen verpflegt werden, unter- sucht. Hierbei haben sich für die Angehörigen'der verschiedenen Jndustriegruppen verhältnismäßig erhebliche Unterschiede in der Ernährung, besonders auch im Anteil des animalischen Ei- weiß ergeben. In der Einleitung zu Lichtenfelts Arbeit stellt Bauer die Unterschiede in der Zusammensetzung der Nahrung, soweit sie für 2928 Arbeiter in Sachsen festgestellt sind, in Vergleich zu den Ziffern über Erkrankung�und Krankheitsdauer, die das umfangreiche Werk des Kaiserlichen Statistischen Amts: Kranlheits- und Sterblichkeitsverhältnisse in der Orlskrankenkasse für Leipzig und Um- gegend enthält. Das Resultat ist, daß Krankheitshäufig- keit und Krankheitsdauer mit der Verringerung des aninl alischeu Eiweiß in der Nahrung st eigen. Die nachstehenden Uebersichten beweisen dies. Täglicher Verbrauch Jndustriegruppe von animalischem Eiweiß in Gramm Nahrungsmittelindustrie.... 49,23 Textilindustrie........ 42,84 Industrie der Steine und Erden. 29, 8ö Auf je 1000 beobachtete Männer entfallen Krankheitsfälle 22—34 Nahrungsmittelindustrie 354 Textilindustrie Industrie der Steine und Erden 35—54 447 563(Zement u. Kalk) 685 435(steinbearbei- 603 tung) 353(Glas und Por- 4SI zcllan) KrankheitStage 25—34 35—54 Jahre 6 654 10 456. 7 533 9 607. 9 981 14 807, 12 168 19 363. 7 381 11 615 Wird der Verbrauch von animalischem Eiweiß für die An- gehörigen der Nahrungsmittelindustrie gleich 100 gesetzt, so sinkt er für die Textilindustrie und Industrie der Steine und Erden auf 87 und 60,6."Die Zahl der Krankheitstage steigt umgekehrt(Nahnmgs- inittelindustrie wieder gleich 100 gesetzt) aus 113 und 147 bei der Textilindustrie und der Industrie der Steine und Erden. Nach dieser Feststellung kommt Bauer mit Recht zu dem Ergebnis:„Das Ausmaß des animalischen Eiweiß, das sich die Arbeiter durch die Kauf- kraft ihres LohneinkommenS in einer Industrie verschaffen können, steht in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer relativen Krankheitsdauer. Je weniger tierisches Eiweiß verfügbar ist, desto stärker ihre Kcankheits- Wahrscheinlichkeit." Bauer folgert hieraus weiter, daß«S ein hygienisches Lohnminimum gibt, das sich berechnen läßt und daß dieses Minimum den Reallohn erfassen muß und daß jede Preis- und Zollpolitik, die die Quote der Unter- ernährten vergrößert, nicht Schutz, sondern Bela st un g der Industrie bedeutet. Hua der Frauenbewegung. Die Muttcrschaftsversicherung in Schwede». Wie wir seinerzeit mitteilten, beabsichtigt man in Schweden eine obligatorische Mutterschaftsversicherung einzuführen, und der Plan dazu war bereits von einem besonderen Komitee ausgearbeitet worden. Nachdem die Oeffentlichkeit sich dann viel mit der Frage beschäftigt und die Vorschläge des Komitees erwogen hatte, kam der GesetzeSauSswuß des schwedischen Reichstage« zu der Ansicht, daß eS vorläufig nicht zweckmäßig und nicht gut durchführbar fein werde, eine obligatorische Mutterschaftsversicherung zu schaffen und an die ja noch immer freiwillige Krankenversicherung anzugliedern. Man müsse jedoch die Krankenkassen auf daS kräftigste darin unterstützen und dazu anregen, daß die Versicherung ihrer weiblichen Mitglieder ohne weiteres auch auf die Mutterschaft ausgedehnt werde, um aus diese Weise einem obligatorischen System für beide Versicherungszweige die Wege zu ebnen.— Entsprechend dieser Ausi fassung hatte nun die Regierung dem Reichstage vorgeschlagen, für das laufende Budgetjahr 25 000 Kronen als Zuschuß für die Krankenkassen zu bewilligen, die Mutterschaftsunterstützung ge- währen. In der verflossenen Woche kam dieser Borschlag im Reichstag zur Verhandlung und wurde in der Zweiten Kammer, weil keiner sich dagegen wandte, ohne formelle Abstimmung, also so gut wie einstimmig angenommen, in der Ersten Kammer mit 75 gegen 66 Stimmen ebenfalls angenommen.— In der Ersten Kaminer dominieren die Herren vom größten Geldsack, die Sozialdemokratie ist hier nur durch 12 Abgeordnete vertreten, während in der Zweiten Kanlmer 64 Sozialdemokraten sitzen, und daraus erklärt es sich, daß diese bescheidene Maßnahme in einer so außerordentlich wichtigen Frage der Sozialversicherung in der Ersten Kammer nur eine knappe Mehrheit fand. Die Frauen der Reichen bedürfen ja solcher Unttr- stiitzung nicht. Seridrts- Kettling. Durch eine grobe Mystifikation des Rcbiervorstandes des 8. Polizeireviers ist der Angestellte H. eines im Westen gelegenen Restaurants in eine sehr üble Situation gebracht worden. Gegen den Betreffenden, der ein naher Ver- wandtcr eines bekannten hiesigen Theaterdirektors ist, schwebte bei dem Landgericht I wegen eines in angetrunkener Stimmung ge- schehenen nächtlichen Vorkommnisses ein Strafverfahren. Er war seinerzeit auch festgenommen worden, dann aber auf die erhobene Beschwerde hin von der Strafkammer gegen Stellung einer Kaution von 1000 M. wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Am 29. d. M. kam er gegen 4 Uhr nachmittags von seinem Dienst in seine in der Nähe des Weddings gelegen Wohnung zurück. Er fand hier zu seinem Erstaunen zwei uniformierte Schutzleute, die ihn für verhaftet erklärten. Auf seine Frage wurde ihm erklärt, daß die Verhaftung in dem schwebenden Strafverfahren auf Anordnung des Kriminalkommissars Metelmann erfolgt sei. Das Erscheinen der Schutzleute hatte natürlich in dem Hause großes Aussehen erregt, so daß H. mit der üblichen Eskorte des Publikums von den zwei Schutzleuten nach dem 8. Polizeirevier transportiert wurde. Er teilte hier sofort dem Reviervorstand mit, daß er gegen Stellung einer Kaution aus der Haft entlassen sei. Der Polizeileutnant konnte ihm nur erwidern, saß das Revier von dem Kriminal- kommissar Metelmann telephonisch beaustragt worden sei, die Ver- Haftung vorzunehmen. Es wurde nun versucht, den Kommissar telephonisch zu erreichen, um eine Aufklärung zu erhalten. Von der Wohnung aus wurde der Bescheid zuteil, daß der Kommissar erst gegen 9 Uhr nach Hause komme. Nachdem H. geduldig fünf Stunden auf der Revierwache gesessen hatte, meldete sich der Kom- missar Metelmann telephonisch und erklärte, daß er keinen Auf- trag gegeben habe und offenbar sein Name mißbraucht worden sei. H. wurde nunmöhr sofort entlassen.— Wie angenommen wird. handelt es sich um einen Rachealt gegen H., der von einer Person ausgeht, die mit den bei der Polizei bestehenden internen Dienst- Vorschriften genau bekannt sein muß, da bei der Erteilung des telephonischen Auftrags die Dienstnummer des Kriminalkommissars Rietelmann angegeben worden war. Dieser Vorfall hat zu einem Strafverfahren gegen„Unbekannt" wegen Freiheitsberaubung und unbefugter Ausübung eines öffentlichen Amtes geführt, verwendet wurden.) Unweit von dieser Stätte liegt die als germanische Ganburg bekannte Römerschanze mit ihren Erdwällen, gegenüber am Sceufer wurden bronzezeitliche Gußformen für Pfeil- und Speerspitzen gefunden: wir haben es also mit einem sehr interessanten Terrain zu tun. Theater. Komische Oper. Ensemble-Gastspiel des Reuen Schauspiel- hauseS:. Evatöchter", ein Zyklus- Lustspiel von M a g u S Hansen. Aus welchem Grunde diese drei Einakter, die einen Theaterabend füllen und diesem Füllungszweck vermutlich ihre Existenz verdanken, sich Zyklus-Lustspiel nennen, blieb wie so manches andere Geheimnis des Verfassers. Der Erfindung wie dem Dialog merkt man auf Schritt und Tritt ein absichtsvoll mühseliges Be- treben, Pikanterien auszuklügeln, an. Da gibt es eine Witwe, die mit einer halben Million partout nicht auskommt und sich von einem verliebten Bankier den Inhalt der neuesten Depeschen für ihre Börsenspekulationen nicht einfach telephonisch, sondern in poetischer Blumensprache, durch Uebersendung roter oder weißer Buketts, mitteilen läßt; und die kluge Dame kommt, indem sie just das Gegenteil der ihr auf diesem Wege von dem heimtückischen Bewerber angeratenen Orders aus- ührt, zu den nun einmal unentbehrlichen Millionen.— Oder eine Romanschriftstellerin lockt, um sich die Langeweile ihres Sommeraufentbalts zu kürzen, einen jungen, blöd dreinschauenden FischerSmann in ihr Zimmer, der das Stelldichein zu einem richtigen Erpressungsversuch ausnutzt und zuguterletzt doch als Düpierter ab- zieht. Den Abschluß in der Galerie der schönen Frauenlöpse bildete eine fromme Italienerin, die durch Gefälligkeiten, die sie dem Herrn Minister in Aussicht stellt, ihrem Trottel von Ehemann eine lukrative Lotteriekollekleurstellung verschafft und dem Gehörnten vorschwitzt, der heilige Franziskus sei Spender dieser guten Gabe. Breit aus« gesponnene, steifleinene, anmutlose Frivolitäten, denen nur die un- verwüstlich muntere Laune Ida W Ü st s da und dort etwelche drollige Effekte abgewann. dt Notizen. — Vorträge. Uran und Radiumemanation ist im Spektrum des neuen Sternes in den Zwillingen von Prof. K ü st n e r entdeckt worden, wie ein Telegramm der astronomischen Zentralstelle in Kiel berichtet.— Aus der Treptow-Sternwarte wird Direktor Dr. A r ch e n- hold am Sonntag, den 2. Juni, abends 7 Uhr, in seinem Vortrag „Vom Erdinnern bis zu den Weltfernen" auch über die Bedeutung des Radiums im Weltall sprechen. — Das internationale Schachturnier in Pisthan. Nach der 10. Runde war der Stand des Meisterturniers: Rubinstein 7>/,; Alapin, Duras, Spielmann 7; Lowitzki, Schlechter, Teichmann 5lf3; Sterk, Marshall, Breyer 5; Balla 4>/z; Cohn, Hromadka, Salwe, AtiteZ 4; BaraSz 3'/?: Johner 3, Leonhnrdt 2'/,. Wegen einer vor zwei Jahren bcgaogenen Freiheitsberaubung gegenüber seiner eigenen Ehefrau hatte gestern die 7. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Splett- stößer gegen den Gastwirt M. zu verhandeln.— Die Verhandlung ergab verschiedene recht tomische Momente, die an das Zwerchfell der Zuhörer starke Anforderungen stellten. Der Angeklagte ist zum zweiten Wale verheiratet, und zwar hatte er eine Wittib geehelicht, die. wie sich erst später ergab, den großen Fehler hatte, daß sie ihren „Seligen" nicht vergessen konnte und bei jeder passenden und un- passenden Gelegenheit dem Angellagten die Worte auftischte, daß ihr„Seliger" das so und so gemacht hatte. Zwischen dem schon in reiferen Jahren stehenden Ehepaare gab es deshalb von Anfang an Reibereien. Der Angeklagte behauptete, daß seine Frau mit anderen Gästen stark gekneipt und zu diesen dann mehr als ver- traulich geworden sei, während sie zu ihm rabiat wurde. In dieser Stimmung habe sie dann häufig ein Bombardement mit Bier- gläsern, Kochtöpfen und anderen Gegenständen auf ihn eröffnet. Die als Zeugin vernommene Frau des Angeklagten, mit der er in Scheidung lebt, behauptete dagegen, daß ihr Mann die„Mächens" zu gerne gehabt habe. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob es richtig sei, daß er seine Frau häufig an den Haaren gezogen habe, erklärte der Angeklagte, daß dies absolut keinen Zweck gehabt haben würde. da sie ja nur falsche habe.— In dem zur Anklag« stehenden Fall soll der Angeklagte seine Frau anläßlich eines ehelichen Gewitters einfach in einem Hinterzimmer eingesperrt haben. Zu seiner Ver- teidigung behauptet der Angeklagte, daß er hierzu gezwungen ge- Wesen sei, um zu verhindern, daß infolge d«S fortwährenden Schimpsens und Keifens der Frau seine Gaste wegliefen.— DaS Strafverfahren selbst ist auf eine sehr merkwürdige Weise anhängig gemacht worden. Die Eheftau M. hatte in der Scheidungsklage jenen zwei Jahre zurückliegenden Vorfall mit angegeben. Dies hatte zur Folge, daß von Amts wegen das Strafverfahren einge- leitet wurde.— Die Verhandlung selbst endete mit einer Frei- sprechung des Angeklagten auf Antrag des Staatsanwalts, da die Beweisaufnahme ergab, daß sich die Eingesperrte seinerzeit, wenn sie cs gewollt hätte, selbst hätte befreien können. Zu dem Bericht über de» Bcleidigungsprpzeß der vttwittweten Frau Oberstaatsanwalt Henke am 28. Mai vor dem Königlichen Landgericht III Berlin teilt uns der Verteidiger Dr. Karl Lieb- knecht im Auftrage seiner Klientin folgendes mit: Die in diesem Bericht erwähnte Diedstablsaffäre wurde in dieser Verhandlung kaum berührt. Nur der Nebenkläger Renftanz versuchte, sie in die Verhandlung zu ziehen, indem er behauptete, die Angriffe der Angeklagten gegen ihn seien erst durch diese Affäre veranlaßt. Tatsache ist jedoch, daß die Differenzen zwischen der Angeklagten und Renfranz bereits monatelang vorher schwebten. Der angeb- liche Diebstahl der Angellagten soll nebenbei erwähnt darin be- standen haben, daß sie einen Schirm und einen Stock, die von anderen Reisenden in einem Eiscnbahncoupe stehen gelassen waren. mit ihrem eigenen sehr zahlreichen Reisegepäck in der Dunkelheit mitgenommen und nicht abgeliefert hatte, weil sie nach ihrer meines Erachtens glaubhaften Angabe infolge verschiedener Umstände den Irrtum nicht alsbald bemerkt hatte. Es schwebt in dieser Affäre ein Wiederaufnahmeverfahren, das meiner Ueberzeugung nach günstigen Erfolg verspricht.. lieber die Berechtigung der Angriffe der Angeklagten gegen Renftanz erweckt Ihr Bericht gleichfalls nicht ganz zutreffende Vorstellung. Es war von der Angeklagten ein umfangreicher Wahr- heitsbeweis in der Berufungsinstanz� angetreten. Dieser Wahr- heitsbeweis, für den auch dokumentarische Belege vorhanden waren, wurde im Einverständnis aller Beteiligten um deswillen gar nicht erhoben, weil die Angeklagte, wie auch der Staatsantoalt anerkannte und das Gericht ausdrücklich feststellte, ihre Eingaben in Wahrnehmung berechtigter Interessen geschrieben hatte und daher, soweit sie nur Angriffe tatsächlicher Art gegen Renftanz gerichtet hatte, ohne weiteres straflos waren. Im Gegensatz zu dem Urteil des Amtsgerichts Alt-LandSberg hat das Landgericht ausschließlich verurteilt wegen einiger scharfer Wendungen in den Eingaben, aus denen das Gericht die Absicht der Beleidigung folgerte- WttterungSüberstcht vom 31. Mai ISIS. Statwnm Swinemde. 758 W Hamburg 759NNW Berlin Franks.aM- 758,NO München 758NO Wien 1 755 NNO Z- « iü II g« WcUcr I 2 bedeckt 3 bedeckt Sbedcckt Lwolkenl Sheller ijwollent »K d* d. II h hSj Stationen £_ 5= Saparanda Petersburg Sctlly Aberdeen PartS 755 NO 752ISO 755 SO 762NNO 75�NNW Wetterprognose für Sonnabend, den 1. Juni litis. Ein wenig wärmer, vielfach heiter bei mäßigen westlichen Winde»; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Todes-Anzeigen Sozialtaokrat. Mverein für den 4. Eerl Reiehslagswikreis. �öpcnicker Viertel. Sej. 14511. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schloffer Willi Kretschmar gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. 2l6/t5 Der Vorstand. SaziählMliM Wim Neukölln. Den Parteigenossen zur Nach- richt, dasz unser Mitglied, der Lackierer 237/11 Iheoclor Kleber Fuldastr. 65/56(5. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachm. 1'/, Uhr,� von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde> Friedhoses, Marien» dorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ven Vor.tsnS. Deutsclm Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer Theodor Kleber gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet ain Sonntag, den 2. Juni, nach- mittags!>/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Neuköllner Gc- meinde-FriedhofcS in Tcmpelhos, Mariendorser Weg, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 118/7 Die Ortsverwaltung. Deuteeber' j Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Wilhelm Lchüa am 30. v. MtS. im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des AirchhoseS der Gnaden-Gemeinde, Barsusstraße, auS statt. 64/11 0!e Bezirksverwaltung. Deutscher Körsclmer- Verband Filiale Berlin. Am Donnerstag, den 30. Mai, verstarb unser Mitglied, der Kürschner dohaim Raschka. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Juni, nachmittags 2»/, Uhr, von der Leichenhalle des Zciural. Friedhofes in Friedrichs. selbe aus statt. 100/10 Um rege Beteiligung ersucht Die LrtSverwaltung. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen SohneS, Bruders, Schwagers und Onkels Otto Heinrich , sprechen wir allen Verwandten, I Freunden und Bekannten, inS- 9 desondere dem Gesangvereine »Libcrtö- unseren tiefempfun- denen Tank aus. St/7 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Klax Heinrich. Verwandien am 30. Mai R Bekannten und zur Nachricht, daß Frau Witwe �u�uste Boke geb. Plaliert an Herzleiden verstorben ist. Die Beerdigung findet<-m Sonntag, 2V, Ubr, von der Leichenhalle deS Luisen-KirchhosS, Ripdorf. Hermannstratze. aus statt. Um stille Teilnahme ersucht 1A«vnrad MöbinS. Tantsagnng. Für die Beteiligung und die Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sage ich dem Deutschen Mctallarbeiterverband, sowie dem Wahlverein und der Lichtenberger Krankenkasse meinen herzlichsten Dank. Arbeitsnachweii; Hos I. Amt Norden, Nr. 1233. ferwaltiptelie Berlin CharitSstraste 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden. Nr. 1387 Montag, den S. Juni, abends 8V, Uhr, im arofte« Saale des Gcwerkschaftshauses, Engelufer 15: W Große Versammlung"MS der Metalldriicker Berlins u. Umgegend. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Heinemann über:»DaS ttoa, litionsrecht der Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen I In Anbetracht deS überaus lehrreichen Vortrages ersuchen wir um vollzähliges Erschemen I Zu beächten ist. daft die Versammlung diesmal erst um SM- 8'/, Uhr-MO stattfindet. 118/16 3(ltglled8bnch legitimiert. Di© Orterwaltnng. Gegr. 1S93. Gegr. 1893. Sommerpreise. � i. B. KOCH � Kohlen- und Brikett-Großhandlung Baoptkontor; Berlin 0. 34, Petersburger Straße 1. Telephon: Amt KSnigstadt, 3040 und 3036. Lagerplatz 1: O. 84, Rüdersdorter Str.71(Küstriner Plate, altOstb.). Lagerplatz 2: 0. 17, FruchtstraBe 13(Ostbahn-Qüterbahnhof) Preise Iuris Marken ab meinen Lagerplätzen von 10 Zentnern an; Ynlkan-Salon-Briketts Krone-Salon-.. Ilse, Kaiser u. Akv.. pr. Ztr. 0.90 m. 0.90 m. 1.00 m. pr. Ztr. Krone Halbsteine... 0.85 m, Ilse, Kaisern. Akv.Halbst. 0.90 m. Anthraeit Calle.... 2.30 u. Ein Zentner(enth. 110—120 Stück) Holz zerkleinert 1.90 M. Bei Frankolieferung je nach Quantum per Ztr. B— 15 Pf. mehr. Steinkohlen billigst. Koks zu Anstaltspreiseu. SM- Bei grOCeren Abschlössen in Origlnalwaggone verlangen Sie"Mfl meine SpezialOfferte. Sonntags wieder von 8— 10 Uhr geöffnet. NPIlhPit* Vom Jnnl or. an findet die Anlieferung ilCUUCli« jer griketts auf Wunsch in meinen patentamtlich geschützten verschließbaren, staubfreien Kohlentransportküsten statt, welche den Konsumenten leihweihe überlassen werden, Bestellungen darauf werden von allen besseren Kohlenhandlungen sowie durch meine Finna direkt ausgeführt.* Orts- Krankenkasse der Stellmacher. Freitag, de» 7. Juni 191S, abends 81/, Uhr, findet im Rose«. thaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12, eine 13S2b Anßerordentllche General-Yersammiung statt. Tagesordnung: L Antrag des Vorstandes aus Bei» tragserhöhung. 2. Der Fall Wenskh. S. Neuwahl von zwei Vorstandsmitgliedern(Arbeitgeber). 4. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes(Arbeitnehmer). 5. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Per Vorstand. M. 35 t e ch e 1 1, Vorsitzender. Vereine! Mehrere Sonnabende und Sonntage frei. Itüdwlgs Itoriapten. freptos. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,«'SÄ 10— 2. 6—7. Sonntags 10— 12. 2—4 Gardinen und Teppiche Erstklassige Bezugsquelle Qardinenhaus Bernhard Schwartz Wallstr. 13(dreizehn). ipais-GarderoPe! Die besten Sommer« Paletots und 4—500 getragene Anzüge sür Herren, Smoktng-Zlnzüge, Frack- anzüge, sowie von Kavalieren ge- tragene,sastneueSachen(a.Seide), jür jede Figur passend, in gröBtor Auswahl zu unübertroffen(87/7' bMixen preisen. lTr.,dcshalbbilliger wteimLaden. -, Wasserfor- iStraBs12/1S I Qualiiäi$= — raucher ¥ fordern ¥ und rauchen nur Wwe. Balzer. i- in ■ und verwandter Berufsgenossen■■- � Zahlstelle Berlin. GeschästSstelle: O. 54, Mulackstr. 10 I. Femsprecher: Amt Norden. 4518 Sonntag, den 3. Juni, nachmittags 3 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59(gr. Saal): Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 43/3' 1. Vortrag des Koll. Adam Huebner, Sekretär-Schatzmeister des amerikanischen Brauereiarbeiterverbandes, über: „Die Organisation der Kranereiarbeiter in Amerika." 2. Besprechung der Anträge zum diesjährigen VcrbandStag.(Veröffentlicht in Nr. 16 der VcrbandSzeitung.) 3. VerbandSangelcgenheiien. Wir fordern unsere iviitglieder aus, zahlreich und pünlilich in dieser Versammlung zn erscheinen. Die Oz-tsvcrwaltans:. P. ist der schönste Ausflugsort? Jjl � Immer noch Pichelsmerder, an der neuen Heerstraste beim Alte» Freund. menstrM kOcrrsnulurte�tr,>>S, Nunberq Saison-Preise verkaufe ich zum Teil ReiseKostüme zu IE.» 20.» 89.» BastKostüme zu 36.» 52.» 68.» Seidenmäntel zu 14.» 24.» 38.» kurz und lang LodenKapes zu 6'/« IS3/, 18.» Reisemäntel zu 71/, IZVa 19.» bis m den Wehsten Preislagen! Kleidern Kostümen Hanteln früher bis 300.— Jetzt M. WS Ein Posten früher die 39.— Jetzt nur M, WU" Alle LIngen, alle Welten! 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Pfund ZZ?t. Zwiebel- od. Rotwurst....Pfund HZ??. Nusschinken................. pumd 1,25 Schinkenspeck............. ptundl.M Butter und Käse A.3andorf&€ Beüe-Aiiiancestrasse Gr. Frankfurterstrasse Brunnensfrasse Kottbuser Damm Kolonialwaren Äl Dio mit H bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen Soweit'Vorrat Friseii@i Fleisch Schinken ��"ptundSOpt Schulterblatt..�d SSp-. ISauch................. Pfund �Opt. Spitzbeine....... Pfand 15pr. Hammelkeule im GinZen p�d 90 pt Dicke Kippe....Pfund SS p. Dünnung.......... Pfund?0p iCalbskeuie SSpl Kalbsbrust od.-Kamm Pfand HSpi. Schmorfleisch Knochen Pfund 95 Pf. Kamm oder Tehlrippe p�nd S5pf. Rrust oder Querrippe p�nd S0pf. feinste Tafeihutter ia Pakpfennnd Allerleinste Molkereibutler � �und .... ......... Pfund Pfund 58, ........ Pfund Emmentaler Käse Schweizer Käse Tilsiter Käse...... Limburger Käse. Brie-Käse Romatour-Käse Faust- cd. Spitzkäse 3 stock Karzer Käse............... 4 stock Pfund 1.30 1.35 1.15 8Spi. 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Pfand 20, 25, 30"- Gries................... p-nnd 22, 25 pt Pudding-Pulver �ch�Ä SSpl Himbeer-o. Kirschsaft �.1.i5, �.öSpl Räucherwaren LaChS in Stocken....... Pfund 75, 95". LaChS(geschnitten)......... � Pfund 30 PL Aale geiknchert................. Pfund 1,2� Adle geräuchert.................. Bund �.HpL Bücklinge.................. 5 stock 1A� Flundern................. stock 7, 10p Sprotten....................... pfnnd EZpL Sardellen.......... ca. t Pfund-Dose 83 pl Lachsheringe........... 2 stock ISpl Rollmöpse...;............. 5 stock Igpt I 6 bsexb .Stück 2.25, 2.50 1 I | 1 A I K SpittelmarKt Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse . K.r"" Damen-Hüte Brunnenstrasse Kottbuser Damm neue Formen und Farben in verschiedenen Geflechten............... 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Am Montag und Dienstag wird der Bortrag„In den Dolomiten", am Mittwoch der Vortrag.„Der Großglockncr, Gastein und die Salz» burger Alpen", am Domrerstag der Vorttag„Durch Dänemark und Südschweden" gehalten, während am Freitag der Vortrag»Bon Meran zum Ortler" wiederholt wird.> Vorort- Nacbrid)ten. Neukölln. Morgen, Sonntag, den 2. Juni, findet von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends die Stadtvero» dnetenwahl für den 10. Bezirk der dritten Abteilung j�att. Bekanntlich ist der Genosse Schuch zweimal gewählt, in der ztmeiten und in der dritten Abteilung. Schuch hat die Wahl für die zweite Abteilung angenommen und infolge dessen findet morgen die Ersatzwahl statt. Da die Wahl wieder auf einen Sonntag gelegt ist, so ist eS den Wählern leicht gemacht, ihr Wahlrecht auSzuülxn. Wir ersuchen unsere Parteigenossen, intensiv dafür tätig zu sein, daß jeder Wähler von seinem Wahlrecht Gebrauch macht, damit der sozialdemokratische Kandidat mit einer möglichst großen StimmenzaHl gewählt wird. Die Wähler mögen sich mit Legitimation versehen. Der 10. Bezirk umfaßt Gärttierstraße, HertzbergLtratze, Hohen« zollernplatz, Kirchgasse, Kirchhosstr. 1— V und 35—50, Richardplatz, Richardstr. 26—53 und 64—97, Schöneweider Straße. Das Wahllokal befindet sich bei Johann Cenkl, Kaiser-Friedrich» Sttaße 36. Ecke Treptower Stt. 97/98. Kandidat der sozialdemokratischen Partei ist der Eigentümer Ernst Röhl. Schillerpromenade 27. In der letzten Nummer des„Freien Volk" setzt Herr Roß seine „lehrreiche Wahlgeschichle' weiter fort. Insbesondere beschäftigt.« sich mit der Frage, ob die Sozialdemokratie die Demokratie um Unterstützung beim Wahlrechtsraub angegangen ist. Er schildert dort Borgänge, die von unseren beteiligten Parteigenossen ganz anders dargestellt werden, als Herr Roß das mitteilt. Ganz schiefe Darstellungen gibt dann der Herr noch von den Wablrechlsprozesien. So behauptet er, daß der Prozeß Scholz ein Luflhied war, weil er die aus Grund der Wählerliste von 1909 voll- zogenen Wahlen nicht ebenfalls angefochten habe. Der Herr weiß anscheinend gar nicht, daß die ordnungsmäßigen Staldtverortmeten» wählen auf Grund der Wählerlisten von 1908 und zwei Jahre später von 1910— nicht aber 1909— stattgefunden haben; ein ebenso„großer Irrtum' ist, daß die Demokraten die Aste von 1910 angefochten hoben. In den gerichtlichen Akten, die wir darüber erhalten haben, rst von einer demokratischen Klage nichts zu merken. Die ganze Taktik des Herrn Roß scheint darauf hinauszugehen, durch allerlei Nebensächlichkeiten die überaus schmähliche Haltung der Demokraten zu bemänteln. Darauf werden wir uns in Zukunft nicht mehr einlassen. Fest steht soviel, daß die Demo» kraten durch die Taktik der Sozialdemokratie verärgert waren, und die Führer der Demokratie durch diese Vorgänge sich veranlaßt ge- sehen haben, die Grundsätze der Demokratie mit Füßen zu treten. Daran werden auch die weiteren Fortsetzungen, die Herr Roß über „lehrreiche Wahlgeschichten" schreiben wird, nichts ändern, und mit dieser Lehre ist die ganze Angelegenheit für uns erledigt und Herr Roß abgetan. Lichtenberg. In der Stadtverordnetensitzung am letzten Donnerstag lag den Stadlverordneten der Bericht über das Ergebnis einer Eingabe deS Magistrats an die Eisenbahndirektion vor. Der Mvglstrat hatte gegen die Einstellung deS Stadt-Ringbahnverkebr» und ihren Ersatz durch Bollringzüge eine Reihe Bedenken geltend gemacht. Die Eisenbahndireklion erwiderte, daß die Aenderung nur für die Sonn« tage im Sommer geplant sei, um durch vermehrte Einlegung von Vorortzügen den wachsenden Ausflugsverkehr bewältigen zu können. An Werktagen bleibe der Ringbahnverkehr in der alten Weise be- stehen. Oberbürgermeister Ziethen gab der Neberzeugung Ausdruck, daß die Eisenbahnverwaltung nur gegen den Osten so rigoros vor» gehe. Den Bewohnern der westlichen Vororte würde man die Zumutung eines Umsteigeverkehrs, wie er infolge der Reform bei dem Berkehr nach Berlin für Lichtenberg und ander« Vororte in Rummelsburg nötig sei, sicher nicht stellen. Weiter wurde die Befürchtung ausgesprochen. daß man nachher die Einrichtung zu einer dauernden machen und auch die Werktage in die eigenartige Berkehrsresorm einbeziehen werde. Ein anderer Redner hob hervor, daß die Ein- stellung des Nordringes eine Benutzung der Stadlbahn für den Ber« kehr nach Berlin einfach unmöglich mache, denn daß jemand in Rummelsburg in den aus den Vororten einfahrenden Zügen ein Plätzchen finde, sei gänzlich ausgeschlossen. Dos Einstellen des Nord- und Südringverkehres aus der Stadtbahn bedeutet eine ge- wallsame Abschiebung der Fahrgäste an die Sttaßenbahn. Einem Ersuchen gemäß toll der Magistrat in einer neuen Eingabe für die Wiederaufnahme deS Nordringverkehr» eintreten. Nochmals beschäftigte die Sitzung dann die Vorlage be» tresfs Austausch eines Grundstücks mit der KrankenhauSstiftung, dt« schon in voriger Sitzung unendlich lange Debatten veranlaßte. Auch jetzt wieder versuchte die Gruppe Schachtel» Rott die Annahme der Vorlage zu verhindern. Ihre Annahme erfolgte mit 30 gegen 27 Stimmen. AIS Armenkommisiar für den 18. Bezirk amttert Lehrer Schröer, Scharnweberstr. 64. weiter; er hatte zunächst eine Wiederwahl abgelehnt, dann aber doch erneut zugesagt.— Im Einklänge mit dem vom Magistrat gemachten Vorschlage akzeptiert« die Versammlung den Stadtrat Dr. Maretzky als Vorsitzenden, den Magistratsassessor Vockrodt als stellverttetenden Vorsitzenden des Gewerbegerichtes. Die beiden Herren Bürgermeister verzichteten wegen Ueberlastung auf die Wiederwahl als Vorsitzende. Eine inter» «siante Auseinandersetzn7.g kmipfte sich an die Petition der städtischen Arbeiter betreffend Regelung der Arbeitsverhältnisse. Gefordert werden: neunstündige Arbeitszeit, Minimallohn von 4,25 M.. steigend bis aus 4.50 M. nach einjähriger Dienstzeit. 25 resp. 50 Proz. Lohnaufschlag für UeBer« resp. Sonntags- oder Nachtarbeit, Er Weiterung des SommerurlaubeS auf 7 resp. 14 Tage nach 1- resp. bjähriger Dienstzeit, Bezahlung der Differenz zwischen Lohn- und Krankengeld für 26 Wochen, Einrichtung eines gemeinsamen Arbeiter miSschusseS für alle Betriebe außer den städtischen Werken und Erlag einer allgemewen Arbeitsordnung. Der PetitionSausschuß war den Anträgen in der Hauptsache beigetreten. Wie eine Reihe anderer Petitionen so wurde auch diese bis nach der Eingemeindung zurückgestellt. Nun beantragt die Gruppe Schachtel-Rott Ueberweisung an den Magistrat zur Erwägung und eoentl. SJennksichtigung. Genosse Brühl protestierte dagegen, gab in einem Rnckblnk ans die Ge- schichte dieser Forderung der Arbeiter und das reizende Spiel mit den Teuerungszulagen usw. einen einivandfreicii Nachweis für die absolute Berechtigung der Forderungen und ihrer sofortigen An- erkcnnung. Genosse Grauer ergänzte die Darlegungen und wies nach, daß sie als übermäßig bescheiden angesehen werden müßten. Er hätte zu einer solchen Bescheidenheit feine Zustimmung nicht ge gegeben. Die Herren Kaliicher und Bigte wollten etwas entgegew kommen und beantragten Ueberweisung zur Berücksichtigung. Roch' mals wandten sich unsere Genosien gegen die Berschleppungs< taklik. Düwell bemerkte, das Verfahren verstoße objektiv Wider Treu und Glauben und beHafte die Versammlung mit einem Makel l die Erledigung sei zugesagt und die Berechliaung der Forderungen allerseits anerkannt worden. Unsere Genossen beantragten Zustimmung zur Petition event. An- nähme der Anträge des PetitionsauSschusics. Nunmehr bequemten die bürgerlichen Herren sich zu einem Aulrage, der den Magistrot verpflichten soll, die Petition zu berücksichtigen und in der nächsten Persanimlung eine entsprechende Borlage zu unterbreiten. In der namentlichen Abstimmung erfolgte, Ablehnung unseres Antrages mit 36 gegen 25 respektive 34 gegen 28 Stimme». Daraufhin fand der letzte Antrag der Bürgerlichen einstimmige Annahme. Unsere Ge Nossen haben die Bürgerlichen zu ihrem Entgegenkommen gezwungen. Die weitere» Petitionen, die den Petiiionsausschuß noch nicht beschäftigt hatten, wurden dem Magistrate über- wiesen. Die Petitionen betreffen Erhöhung der Ortszulagen für die Lehrer. Gehaltsaufbesierung der mittleren Beamten, der Kanzlisten und der Unterbeamten. Unsere Genosien forderten, daß onck die übrigen nicht erfaßten Angestellten und die nicht auf die TageS Ordnung gebrachte Petition der Lehrerinnen mit berücksichtigt werden sollten. Ferner sollten die Mehrsorderungen mit rückwirkender Kraft ab l. April Geltung bekommen. In diesem Sinne stimmten unsere Genossen dem Antrag auf Ueberweisung zu. Dasselbe geschab mit einer Petition des Landcsvereins Preußischer Lehrerinnen betreffend FortbildnngSunterricht für Handlungsgehilfinnen und gewerbliche Arbeiterinnen. Die schon an dieser Stelle erwähnte Borlage, die eine nochmalige Zustimmung zum Etat verlangt, brachte eine Kontrv Verse zwischen dem Genosien Grauer und Herrn Schachtel über die Frage, ob der Etat bereits gesetzmäßig sei oder nicht. Grauer be� antragte, aus den Ueberschüssen der Werke 100 000 M. mehr in Ein* nähme der Gemeindekasse einzustellen. Der Betrag solle zur Deckung der Unkosten dienen, die sich auS der Zustimmung zu den Petitionen ergeben. Diesen Antrag lehnten die Bürgerlichen ab. Ein zunächst von Grauer erhobener Widerspruch gegen die zweite Lesung wurde nicht aufrecht erhallen, weil Befürchtungen in bezug auf das Recht der Steuererhebung in der Zwischenzeit laut wurden. So konnten den» endlich die Bürgerlichen den Etat ordnungSmäß unter Dach und Fach bringen. Eme endlose Debatte zeitigte dann noch eine die Herstellimg der Bürgersteige in der Blumenthalstraße betreffende Vorlage. Die Jntereffenten gerieten sich in die Wolle; unsere Ge- nossen ergötzten sich an dem reizenden Schauspiel passiv. ES er- müdete die Herren so sehr, daß sie gegen>/,tO Uhr die Vertagung beantragten und beschloffen. 11 Pirnkle der Tagesordnung blieben unerledigt I Fichtenau. Mit eiuem neuen Trick arbeitet ein Schwindler, der die Ab- Wesenheit der Ehemänner benutzt, um Gelegenheit zu Diebstählen usw. 'zu suchen. Vorgestern erschien in der Wohnung eines Einwohners ein älterer mit einer Aktenmappe versehener Mann in ZivilNeidung, Stellte sich als Beamter der Sandesversicherungsanstalt vor und vor- langte die Vorlegung der DuittungSkarten zur Kontrolle. Da die Ehefrau zufällig nicht anwesend war, sondern nur ein Sommergast, mußte der„Beamte"'»»verrichteter Dinge wieder abziehen, erklärte aber, wiederzukommen. Was natürlich nicht geschah. Da die LandeSversicheruligsanstalten nur die Kontrolle der OiiiltungSkarten bei dem Arbeitgeber— nicht in der Privatwohiiung des Arbeiters— und zwar durch uniformierte Beamte ausüben lassen, ist schon von vornherein daS Borliegen eines Schwindels zu erkennen. Weihensee. Der hiesige Arbeiter-SchwimmkliiS„Neptun" beginnt seine diesjährig« Schwimmsaison am Sonmag, den 2. Juni, nachmittag» 3'/z Uhr, mit einem Propaganda-Schauschwiinmen und Springen in der neucrbanten Seebadeanstalt bei freiem Eintritt. In der Abteilung Sir Fraiien und Mädchen ist den Frauen und Mädchen der arbeitenden lasse Gelegenheit gegeben, sich an einer der Gesundheit des Körpers dieiienden Leibesübung zu betätigen. Auskunft erteilt F. Menschel, Weißensee. Rölkestr. 12. Herzfelde. In der letzten Gcmemdevertretcrfitzung wurde zunächst einem Nachtrag zur Ordnung betr. die Ausbringung der direkten Gemeinde- steuern in der Landgemeinde Herzfelde zugestimmt.— Ein Tiefbrunnen aus dem neuen Schulhausgrnndstück in der Möllenstraße soll vorläufig noch nicht angelegl werden.— Darauf kam wieder die Slrahciipflasterungsangelegeiiheit zur Erörterung. Der Vorsitzende, Gemeindevorsteher Jg'ler. teilte hierzu mit, daß. wenn sämtliche pflasterungSbcdürstigen Straßen gepflastert würden, 50 000 M. ge- liehen werden müßten, was eine Erhöhung der Äommunalsteuern um 10 Proz. und der Realsteuern um 15 Proz. zur Folge hätte. Beschloffen wurde, die Pflasterung der Garten- und Liudeiistraße noch in diesem Jahre für die Summe von rund 14 000 M. vor- nehmen zu lassen.— Zwecks Schaffung einer Anlage am Straßen- pfuhl wurden noch ergänzende Beschlüsse gefaßt; die Anpflanzungen soll der Berschönerungsverein. der nebenbei bemerkt überhaupt n, cht? von sich höreu läßt, vornehmen. Später soll auch ein Promenaden- weg angelegt werden.— Der Antrag, betr. Erlaß einer Geschäfts- ordnuug für die Gemeindevertretung verfiel der Ablehnung._ Mahlsdorf an der Ostdahn. Ueber Gememdepolitik referierte in einer am Donnerstag, den 30. Mai, stattgehabten öffentlichen Versammlung Genosse Stadtv. D u p o n. In klarer, verständlicher Weife führte er den Anwesenden die Aufgaben vor Augen, welche die Sozialdemokratie in der Gemeinde zu erfüllen hat. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, immer und energisch für ein weiteres Vordringen der Sozialdemokratie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu wirken, schloß der Redner seinen mit Beifall auf. genommenen Vortrag. An der Diskussion beteiligten sich die Ge. noffen A. Schmidt, Ludwig und Käming. Zum Schluß forderte der Genosse Wiedemann als Vorsitzender noch auf, bei der am kommenden Sonntag stattfindenden Gemeindever- t r e t e r w a h l olles aufzubieten, um unserem Kandidaten Genossen Ludwig zum Siege zu verhelfen. Arbeiter- Samariter- Bund(Kreis Brandenburg). Lehrabend haben in dieser Woche: Neukölln am Freitag, Weichselstr. 8(stdeal-Passage), 8'/} Uhr; Schöneweide am Montag, SiemenSstraße 12, abends 81/, Uhr; Friedrichshagen am Donnerstag. Friedrichitr. 60, 2. Hof, abends 8'/, Uhr. Nretreltgtöie«Semeinde. Sonntag, den 3. Juni, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17, und Rixdorf, �Zdeal-Passage-: Freireligiös« Borlesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine Franksurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. H. Hasse:„Mcnscheusegetl— Erntesegen". Damen und. Herren als Gäste sehr willkommen. Eue aller Welt. Unrentable Silbergruben. Nachdem mit dem Sinken des SilberpreiseS der Bergbau immer unrentabler geworden fft, soll nunmehr der Abbau auf Silber im Freiberger Revier mit 1913 endgültig eingestellt werden. Der Freiberger Bergbau besteht seit dem 12. Jahrhundert und hat in den mehr als 700 Jahren seines Bestehens nach Be- rechnung der sächsischen Regierung rund fünf Millionen Kilo gramm Silber im Werte von fast einer Milliarde Mark geliefert, wozu noch der Ertrag der dort geförderten bedeutenden Mengen an Zink, Arsen, Schwefel, Blei usw. kommt. 1884 zählte man noch 60 Gruben, die sich im Besitze des Staates, von Gewerkschaften und Privaten befanden; von den letzteren gingen 1836 die meisten in Staatsbesitz über. Schon 1902 waren nur noch 30 Gruben in Betrieb, von denen die bedeutendsten, „Himmelfahrt" und.Himmelssürst", mit zusammen 2300 Berg- leuten 12 000 Kilogramm Silber und 17 000 Doppelzentner Blei lieferten; im selben Jahre verhütteten die dortigen iskalischen Muldener und HalSbrücke-Schmelzhütten noch 947 Kilo- gramm Gold, 91 716 Kilogramm Silber im Werte von 9.2 Millionen Mark und für im ganzen 2 Millionen Mark Wis- mut, Nickel. Zink, Arsenik usw. Trotzdem begann seit 1903 eine allmähliche, jährlich erhöhte Stillegung der Gruben, die 1913 vollständig durchgeführt sein wird. Dann wird auch der erst 1874 bis 1877 mit einem Kostenaufwand von 12 Millionen Mark hergestellte Rotschönberger Stollen überflüssig, der den großartigsten der wohl 100 Kilometer laugen Revierstollen darstellt, durch die die unterirdischen Waffer ihren Abfluß finden. Die wichtigsten Bergbau- rciheite» verlieh schon um 1175 Markgraf Otto der Reiche von Meißen; seine Nachfolger vermehrten sie beträchtlich. Die am 13. November 1765 errichtete Bergakademie mit ihren vorzüglichen mineralogischen, geognostischen und Modellsanimlungen wird Übrigens bestehen bleiben. Mit dem Eingehen des Freiberger Bergbaues ist der zweite deutsche Silberabbau stillgelegt, denn der Silberdergbau im Oberharz hat schon 1910 sein Ende gefunden. Nicht zu spät schieben! Der Erlaß des Herrn v. I a g o w an die Schutzmannschast, bei vermeintlicher Gefahr nicht zu spät von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, hat bei der Pariser Polizei verständnisvolle Billigung und Anwendung gefunden. Am Mittwoch früh wollte ein Pariser Geheimschutzmann B a t e st i eine Frau verhasten, als sich«in un- bekannter Mann ins Mittel legte und Partei für die Frau ergriff. Der Schutzmann, in dem Glauben, e» mit einem Apachen zu tun zu haben, schoß fünfmal hinter- eineinder auf den Mann und streckte ihn tot zu Boden. Durch die Schüsse angelockt, stellte sich nun anscheinend ein Neugieriger ein. auf den der Geheimschutzmann ohne weiteres ebenfalls schoß, wobei er auch ihn tötete. Die beiden Leichen wurden zunächst nach dem nächsten Polizeiposten geschafft, wo man die Identität de» einen der Getöteten feststellte; es war der Polizeiinspektor Monteil, der infolge eine« Miß- verftändniffes vom Schutzmann Batesti niedergeschossen worden war. Die sonst beliebte Ausrede, daß der Schutzmann sich durch den Polizeiinspektor bedrobt fühlte, wird diesmal wohl nicht durchschlagen. Und so wird der bedauerliche Doppelmord hoffentlich die gute Wir- lung haben, daß in Zukunft die Polizeibeamten etwas weniger vor- eilig zur Schußwaffe greifen. Ob Herr v. Jagow aus diesem Vor- kommniS die einzig richtige Schlußfolgerung zieht und den Schieß- erlaß zurückzieht?__ Kinder saust, der Wirt braucht leere Fässer! Diesen drastischen Ausspruch hat sich offenbar die Gast- und Schankwirteinnung zu Reichen ba ch i. v. zu ihrem Wablspruch erkoren. Im.Reichenbacher Tageblatt" erläßt die genannte Korpo- ration den folgenden Aufruf: Einwohner Retchenbachs l Die häufigen Klagen über mangelhaften Berlehr und Umsatz seitens unserer Kollegen sind wohl kaum je berechtigter gewesen, als gerade jetzt in einer Zeit, wo so viele Faktoren als„Abstinenz, Sport, Reisen" und nicht zuletzt„Schrebergärten", sowie et- höhte Lebenshaltung und teuere Lebensmittelpreise so eminent auf jeden WirtShauSbesucher einwirken I Rechnet man hinzu daS Vorhandensein von Flaschenbier in einer großen Anzahl von Haus- Haltungen, sowie die sogenannten Spielabende, welche durch gegen- seitlge Einladungen unter fich in Privat abgehalten werden, sowie die in so hoher Blüte stehende„Vereinsmeierei", so wird man eS den Wirten nachfühlen können, daß ihre Lage keine„beneiden?- werte" ist; dazu kommt noch eine kaum zu erlragende Besteuerung durch„Kommune und Staat", daß wohl mancher von ihnen keinen sehnlicheren Wunsch hat, als diesem in früherer Zeit so geachteten und wohlhabenden Stand„Valet" zu sagen, wenn er nur wüßte, was er dann anfangen sollte. Wie berechtigt die Klagen sind seitens hier Neuzugezogener oder nach hier kommender Fremden über die in hiesigen Kneipen herrschende„Oede und mangelnde Geselligkeit", davon kann man sich jeden Tag selbst überzeugen. Im Anschluß an die in letzter Zeit hier sich bemerkbar machende fortschreitende Enlwickelung und Verjüngung lassen wir den Mahnruf erschallen an olle, die eS angeht,„wendet Euch wieder mehr Eurer gemütlichen Kneipe zm". die jedem gereisten Mann als Ort der Unterhaltung und gegen- feitigen Belehrung beim Glase Bier ein Bedürfnis sein sollre. Es ist nicht„Männer art" und namentlich für Geschäftsleute nicht von Vorteil, der Kneipe gänzlich fernzubleiben und die Abende bei„Muttern", bei Tee oder Schokolade zuzubringen I Die Reichenbacher JnnungSwirte scheinen der Meinung zu sein. daß die Einwohnerschaft nur vorhanden ist, um fich in den Kneipen den Magen voll Alkohol zu pumpen, damit sich das Portemonnaie der Wirte füllt._ Kleine Notizen. Die genarrten Byzantiner. In den Zeitungen wurde berichtet, daß der Kronprinz von Sachsen auf dem Wien-Neu« st ä Her Flugfelde festlich empfangen sei, sowie', daß er einen Ausstieg in einem Flugzeuge unternommen habe. Der Krön- Prinz von Sachsen ist jedoch überhaupt nicht in Wien-Neustadt ge- Wesen. Ein unbekannter Hochstapler hat sich für den Kronprinzen von Saöksen ausgegeben. Straßeilbahnzusammcnstoß in München. Zwischen der Bayerischen und Goelhestraße stießen gestern nachmittag zwei Straßenbahnwagen aufeinander.' Der Materialschaden ist bedeute n d. Elf Per« sonen wurden leicht verletzt, ein Wagenführer erlitt außer verschiedenen Verletzungen eine schwere Gehirnerfchütte» rung. Kultur des 20. Jahrhunderts. Gestern früh fand in Hildes- heim die Hinrichtung des Stallschweizers Jakob Esser statt, der in der Nacht zum 5. November vorigen Jahres in der Feldmark Martinsbüttel im Kreise Gifhorn gemeinschaftlich mit zwei anderen Stallschweizern den Oberschweizer Hermann Bullmann ermordet und beraubt hatte. Durch einen Sprengschuß getötet. Beim Bau der Enneberg- traße in Innsbruck explodierte am Freitag unvorsichtigerweise ein Sprengschuß. Zwei Mineure wurden auf der Stelle ge» tötet, mehrere Arbeiter sind schwer verletzt. Straßenbahnkatastrophe. In der Saljetarjanerstraße in Buda» , est ftürzl« gestern ein Wagen der elektrischen Straßenbahn einen echS Meter hohen Damm hinab. AuS den Trümmern wurden fünf schwer und sieben leichter Verletzte ge« borgen. Bon der Sutomobilraserei. Ein Auto, daS von Verona nach Vicenza fuhr, geriet bei Caldiero einen Abhang hinunter. Die zwei Insassen. ein Berliner namens Hollweg und ,ein New Dorker wurden herausgeschleudert und trugen.t ö dli che Verletzungen davon.'_ Bmfharten der Redafttfon. Die luristische Svrcaftuude findet«tudenstrase SS, vor»»1» Xrifttn — Sah rft»» I—, woaentSglia von tH diS 714 Uhr airnd», eoaiiatcnd», von«14»IS 6 Uhr llvrndS st««. Jcdcr für den Srtrffaftcn»eftlmmtev Anfrage ist ein vnchftade und rinr Zahl als Merlietchcn delzufügen. ivrieflickie Anlworl wird»tau rrtrllt.'Anfragen, denen letne«tannrmrntsqntttnng»eigesligt IN, «erde» nicht»eantvorlet. Sillgr Frage» trage man t» der«»rrihftnnde vor. K. SS. Die Enlscheidung datiert vom 2. Oktober 1911, Aktenzeichen VI.«76. 10.- A. K. SS. Etwa 6 Monate, Kosten 800 613 400 M.«». trag an daS Polizeipräsidium.— Mick, Gräsestrafte. Kinder bis zu 4 fahren, sür die ein besonderer Platz nicht bcantprucht wird, find srei zu besorbern. Fahrpreisermäßigung tritt ein sür Kinder bis zu 10 Jahren.— Jnv. 76. Anspruch auf Alters c ent« besteht nicht.— H. H. 1. Die vi«. zehntägige Kündiaungtsrlst raten wir trmezuhalten. 2. Arbeitsbuch netn. Anmeldung zur Kranlenkasse ja.—«.«. 117. Den Abdruck der betr. ScletzcSbcslimmung gestattet der Raum nicht. Den«esetzeStext erhalten Sie zum Beispiel in der Guttentagschen Buchhandlung.— P.<5. Nur dann, wenn die Frau nach der Verheiratung erwerbstätig ist.— 81. 10. Ja, salls Die nicht selber unterstühungSbedurfttg find.— St. L61. Beim AmlSgericht Neukölln.— H. ffl. 318. 1. Das tan» einer besorgen. 2. Geburtsurkunden, mit RechtSlrastatteft versehenes Scheidungsurteil, Militärpaß, bei Vorhandensein von Kindern AuSeinandersetzungSbeschctnigung des BormundschaftSgcrichts.— H. S. 100. Der Erstehet könnte bis zum 3. Juli mit Wirkung zum t. Oktober wndigen.— Zähne. 1. In einem solchen Falle ja. 2. Bei der AusfichtSbehörde, Stralauer Str. 8—6. — H. G. I. Bierzehntägige Kündigungsfrist.— Alfred 27. 1. Gleich. gültig. 2. Ja.—<£. C. 46. Wenden Sie sich an daS ArbeUctfcfrclariat, Engelufer 15.—®ch. 18 Die Kündigung ist verspätet.— O. 600. HeimatSurkunde, Sühneattest.— L. D. 1. und 2. Je zur Hälsic.— R. P. SO. Nein.- N. S. 04. Nein.- M. H. 42. Soweit er. sichtlich, ja.- L. 118. Ja.-«. G. 100. 1. AIS konjessionSIos 2. Hai unseres Erachten; keinen Einfluß,— M. M. 27. 1. und 2, I. 8. bis 5. Nein.— K. K. Den Urlaub können Sie alsdann nicht beanspruchen.— A. Wt. IS. Sie können die vercürbcrte VertragSstrase durch Klage bei dem für dtn Wohnsitz des Beklagten zuständigen Anusaerickit geltend wachen.— P. IS. 1. Mehr als 660 R. jährlich. Die Schwaae->' ist steuerpflichtig. 2. Ihre Schwägerin soll Adzahlima vorschlagen, monatlich etwa 1 M. 3. Gegen den Mann verjährt.- I. L. 100. Mi» Bon, endung des 18. Lebensjahre».— Amtsgericht. 1. Durch Jnanivruck. nähme der Polizeibehörde. 2. Nach vorauigenangener Klage, unter Uevo?. reichung de« Urteils. Antrag beim Amtsgericht aus Pfändung und lieb-', Weisung. 3. Bescheinigung des BormundschastSgerichls über die«rmm des Mündels beifügen. 4. Möglich. Versuchen sie eS.— x. g" Wir behaupten dass die H. K. G. infolge ihres Verkaufssystems Selbstkostenpreis+ 10% Provision dem Publikum bedeutende Ersparnisse bietet, da sie ihre Verkaufspreise um ca. 20-30 0/o billiger berechnet, wie allgemein regulär üblich. Selbstkostenpreis, Umsatzprovision sowie Verkaufspreis sind auf jeder Bikeife deutlich vorgeschrieben, ein reelleres Verkaufssystem ist also nicht denkbar. Unsere Läger in fertigen Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sportklcidem sind in allen Preislagen, Ausführungen und Grössen reichhaltig sortiert. Herren-Kleider-Vcrtriebs-Gcs.V Neue Schönhauserstr. 1 Deuttchlands grdsstes SpcciaMicschflft dieser Art.* Wir haben keine Filialen« Wir beweisen die strenge und gewissenhafte Durchführung unseres Vcrkaufesystcms: Selbstkostenpreis+ I00/o Provision durch folgendes Attest des vereidigten, gerichtlichen Bücher- Revisors: /m Auftrage der Herren-Kleider-Vertr.-Ces. m. b. H., Neu« Schönhauserstr. 1, halie ich eine Prüfung des Warenlagers an der Hand der Einkaufsrechnungen vorgenommen; ich habe hiernach einwandfrei festgestellt, dass die zum Verkauf angebotenen Waren *__ tr_ r.____~1. I«st/W_.. 6. BVI/f dem Verkaufssystem entsprechend Selbstkostenpreis ausgezeichnet sind. Berlin, den 28. Februar /P/2. (Siegel) ��lOy�J�rovielon berechnet und gez. Ford. Grau, Gerichtlich reretdlgter Btehetrerteor. EckeWehuneüter- ond Münzstrawc. [ AbialilmiB«oe8ch8fte � Borliner Credit-Haus Kommandantenstr. 67.'WA � iHtcohoifi*ele Cotranke� .Franz Abraham SUEb. Messina-u.Romertrank-Kell. y 4, Barielitr. Sa, Fernsp. Kg8t.l3708 flrtfayli Seiter- u. Limonad.-Fabrik Uliela, Thaeretr, 44. T. A.7.8176. Schütze, Em Wcbcrstr. 15t, 1.7, 1 1 1 25. liitttt alkobol- treie» kcttZnk. Berlin O.jBiibalfg. 4 � ArbeKer-BeMeidunB � U? llrf Zu!«iimtr. 3J *•*.«Jl-ä**-» Berjiiuiii«t.96 Bacibnrger Laden, Cbarl.,Willrt.63 JelCastnerÄÄ RotcrLad8ix,Sch5neb. �Aaptstr. 1 08 f Bac'k'eroien, Konditor� Blotiner's Großbäckerei GeichUte In Berlin, Chzrlottanburo« Schöneberg, Wilmersdorf. I Ad Isrsholer Bäckerei, ü. Zugtruti. Max Backer, Kamlerstr. 36. Emi! Beyer, Thornorstr. 6. I ür ot- 1 abrik„Vorwärts" �Honr.ann üllricb, Köpenick. rBroifaürik"baS�26 Brotfabrik Buehl& Sohn, f£St Willy Delor. Prenzlauer Allee,Ei!jenber!iil2, I.üü(riiat,55,SrtiTelbej|irtt<4,6rrta6- aarientr. 43, Pankow, Flamtr. 80. ä W'llli. E052l Weitfis«,'Virgil. 4. c Verkauf in Milcheeschäftex» [BorJma Bekannt gegma. d. Plakits. IErs — j: Erscheint 2 mal Schentiich. | Bezugsquellen- Uutenstehende Geschäfte r mofehlen sieh hol Einkäufen Silesia s�a�is"""" VlKlorMn- Rzicl—— Kottbnser Damm 75 FpledrlCkiWIlhelmsbail Chaasseestr. B7. { Band gge n, Gum m 1 v/.) R. Bauko, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpcnickcrstr. 70. Lange, A. E.r Brunnenstr. 187. Liepe, Schöneberg, Gninewal4str.30. MeveryP.zKklliL.Berlinerstr�a— 50 J. Che Pollmann, Lotkringerslr. 60. Wende, A.f TÄr841 Reiche. A. SÄ« Fritz Reibe, SckÄneUrg, Haiptstr. 18 Fr.Schulte, Adlershof, BismarckstS Zaremba�rmkli ([ BeordlBÜ-flwstirSarflm. j A. Butt!, Zorndorfer Str. 23. Otto Büttner, beBkoi!a,P.ingbslmit32. BCirifr, NtHl.,Hohenrol3ernpl.ll . rlJUlbf Bickew a. Kixd. Krt'lcnlijiu. «äl fach MS�inee 170 Hielte!, Fr., Gr. Hamburgerst. 37 Moldt, Frlta, Sklln., Routerplatz. Oast. Nobert, Potsdarnorstr. 116a H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Petor-Schley, Wllh.,Z»>»!nerslr.n. W. Oflaa, Nanaeu""� lelNent 281 Q Belaiicht.-Beiienst��i Rnnypi R Neukölln V DUIIICI, lt. Kais.Friedr.-St.49 Grüner Weg 15 aa d«r Mukuitntt Büttner, A., Danagcratr. 96. Schrammar, 11., siewa"°ia C|~BÖ�rfrtIeiduno~~� M. Bertram, Norden, Maxscr. 17. Keiner, Otto, Gerichtstraße 36. Wecker, A., Z. c Bottfedecn u. Betten G. Behrsnds, Nf ab. Kaeiabtckur. 108 P.Berliner, KkIlt.,Honnannat.230. A.Hampel,Iii..Iier slr.44-45.r,citigaog Carl Henze, Aidraautr. 65, ütiaigaag. Mut Crhnnn Landsberger AUoeltD IHUA dUiUlid reell und billig. H. Zysnarsbl, Alt Moabit 82. Tb. Scblrbel, N. Stettineratr. 8. C-Sommer, Wriaa»l»144ABU7 12066 Topfpflanzen aliep Art Brig,Rudowerstr.92;93Tel.!ieitk.l34 Aug. Trothe, Wrangelatr. II. . Wandelt, Sklla., Bergstr. 1 nke. Sswsww.Frlidr.- ETrisrient. JButterlianUlaiig J. F. Assmann 20 Filialen in Berlin O. 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Nehring.CbirIb9.�(Nachdruck verboten.) 177 254 310 SS 489 693«93 843 72 920 24 1034 171 224 489 622 35 716 830 37 53 961 2034 42 60 313 (3000] 418 41 76 807 72[1000] 79 999 3193 229 93 829 34 41 452 69 74 605 17 638[5000] 768 843 62 69 960 84 4063 110 210 87 474 578 738 814 965[500] 5167 669 774 924 8072 87 122 213 23 618 627 764 821 078 7209 347 604[3000] 42 723 34 66 91 835 83 041 8003 48 202 730 862 78 9181 280 483 613 89 [600] 729 812 19055 133 291 403 36 68 633 908 66 77 09 11061 136 395 428 600 0 01 854 980 12063 249 345[3000] 60 69[500] 577 608 857[100001 979 13032 117 217 [1000] 348[1000] 409 88 682 67 630 737 89 000 8[500] 83 14028 88 178 365 438 777 885 15100 408 29 60 77 84 680 05 611 792 16168 216 473 504 75 84 635 02[1000] 702 13 965[600] 76 17141 94 320 36 447 88 653 793 074 84 18152 62 316 640 612 704 60 80 88 863 84 982[1000] 19045 64 116 256 59 30« 48 77 490 607 30 768 887 29063 280 03 308 23 45 437 69 650 700 17 49 893 21173[6001 219 664 844 63 028 91 22267 320 427 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Ziehung 5. Kl- 226. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 81. Mal 19 Ii nachmittags. Anf Jode geaogene Nummer sind awal gleleh hohe Gewinn» gefallen, nnd awar Je einer nnf die Lese gleicher Nummer In den beiden Abtellnngea 1 and U Nur die Oerwinne Ober HO Mark sind den betreuenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohas Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 64 273 494 914 18 60 68 91 1003 46«1[500) 108 62 90 800 613 28 800 67 2207 82[3000] 385 400 643 85 635 937 3019 63 177 255 65 303 94 435 46 670 99 664 63 837 933 38[600] 4043 236 419 641 67 62 80 742 888 6010 38[500] 197 218[8900] 315 698 706 937 09 6063 127 326 77 608 9 31 706 930 81 7130[3000] 305 84 774 8104 34 234 81 377 462 605 32 755 900 32 39 9011 346 493 641 63 771 845 82 I- 1O004 78 849 92 603 29 46 744 90 840 916 87 11044 629 652[3000] 762 950 12079 108 03 436 612[600] 761 933 1 3483 611 783 897 14074 80 240 62 70[1000] 321 40 676 823 39 47 094 1 5078 136 40 60 265 SOS 468 839 912 31 72[500] 16012 187 340 79 644 48 673 798 875 073 17000 19 125 89 256 561 821 69[1000] 88 94 910 45 76 88 1 8270 431 39 66[500] 680 685 967 19363 405 515 4L 79 603 .745 810 080[1000]'" 20015 172 236 304 449 71 77 635 633 853 70 903 21 21239 716 22 871 22070 150 99 295[500] 337 453 75 600 72 724 876 93 913 60 23053[500] 74 278 392 695 701[1000] 84 878 984 2 4248 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51093 [500] 119[3000] 40 298 337{10001 604 628 781 898 979 52220 438 737 071 63179 278 820 640 613 764 77[500] 82 091 54113 63[3000] 95[500] 371 643 [500] 748 63 84 884 65034 101 215 13 62 79 308 406 66 621 887 955[1000] 63 56194 202 408 32 685 751 95 57045 120 75 542 63 602[1000] 25 703 854 [500] 926 58060 142 271 97 689 705 7[500] SO 63 955 59052 125 03 278 359 031 043 91 6O056[1000] 116 30 23 5 09 330 88 457 670 637 68 93 708 7 906 64 61169[500] 350 63 66 62 428 685 658 798 828 53 02001 12[500] 36 123 44 322 65 93 640 92 659 688[30001 63001 109 29 60[500] 243 60 654 721 42 809 903 64018 123 225 417 62 [500] 633 772 832 922 66 65017 149 79 230[500] 321 63 682 618 700 30 68034 195 212 422 668«81 703 67163 248 70 99 635 843 78 99 88067 76 292 816 954 69114 411 618 832 997 79013 19 169 96 223 329 623 823 960 71045 97 158 290 576 616 742 74 72043 61[500] 131 41 218 70 447 06 697 73003 200 63 70[500] 88 784 98 7 4105 642 617[500] 44[1000] 716 889 934 37 7 5098 132 219 65 307 739 838 41 60 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Berlin. Für den Inseratenteil derantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co, Berlin SW. Nr. 125. 29. Zahrgaag. 3. Sdliiijt des Jotiuüite" Sttliiict Ällislilitt. Zonnabend. 1. Juni 1912. 2. Gkneralversumlulnug brr Suttlrr und Hprtfffiiillfr. München, 30. Mai 1912. Ten Geschäftsberichten folgte eine ergiebige Diskussion. Den Ne-.gen eröffnete Jung- �ffenbach, der sich gegen die lange Dauer de: Tarifpcriode in der Lederwarcnbranche wendete.— Be rge r- Lcipzig verlangt, datz die Äostcn eines nicht genehmigten Streiks in Lc'pzig auf die Hauptk<�se übernommen werden und verteidigte die Berechtigung dieses Streiks. Richter- Dresden wünscht, das; auf die Gewerkschaftsschule nicht immer nur Beamte, sondern auch befähigte Kollegen geschickt werde ü. Steiner- Leipzig konsta- tieri. daß der Vorstand seine Pflicht und Schuldigkeit getan habe, bedauerlich sei die Fluktuation im Perbande. Ter Redner rügte, daß an der Gewerkschaftsschule Leute wie C a l w e r und Bernhard als Lehrer tätig sind.— Vo ß- Berlin verlangt, daß die Tarifdaucr nicht allzulange ausgedehnt werde. Den Standpunkt des Perbandsvorsitzenden, daß die Heimarbeit heute nicht abzuschaffen sei, könne er nicht begreife». Sie sei wohl ab- zuschaffen, natürlich nicht im Automobiltempo. Dann ecke- Mühlhausen ist über die schönen Fortschritte der Organisation er- freut, doch gebe ihm die starke Fluktuation zu denken. Tie Stellung Blums zur Heimarbeit sei zu bedauern. Wir müssen uns überall gegen die Heimarbeit wenden. Höf- Offcnbach stellte sich in der Frage der Heimarbeit auf den Standpunkt Blums. Die Abschaf- fung der Heimarbeit sei zwar ein schöner Wunsch, aber man sei gegen ihre Ausbreitung einfach machtlos. Mit Worten allein könne man die Heimarbeit nicht auS der Welt schaffen.— Winter- Oberlmuscn sieht in dem Z w i s ch e n m e i st e r- S v st e m das gröhte Hebel. ES müssen Mittel und Wege gesucht werden, daS Zwischenmeistershstem zu bekämpfen. Schulze- Berlin meint, dah man die Fruktuation nicht völlig untcrbinoen kann. Die Tätigkeit der angestellten Kollegen zeige, dag Me Agitation erfolgreich war und alles getan wurde, die Fluktuation zu hemmen. — Einige Redner wandten sich gegen die lange Tarifdauer.— Nachdem die Trbattc durch einen Selilussantrag geschlossen wurde, gingen die Berichterstatter auf die in der Debatte aufgeworfenen Fragen näher ein. Der Vorsitzende der Tarifkommission für die Leder- warcnbranche, W e i n s ch i l d- Berlin, macht darauf aufmerksam. das; bei Lohnbewegungen die Konjunktur und Organisationsvcr- Hältnisse berücksichtigt werden müssen. Dann müsse auch die Psyche der Heimarbeiter bei allen Lohnbewegungen berücksichtigt werden. Diese seien sehr mihtrauisch, glauben sie doch, bah durch die Agitation der Gewerkschaften ihre Existenz gefährdet werde. Auf der anderen Seite bedrohe die Heimarbeiter die Entwickclung zum Zwischenmeistersystem. Es müsse alles getan werden, die Heim- arbeiter über ihre Lage aufzuklären und sie zur Mitarbeit heran- zuziehen. Tie Erfolge der Tarifbewegungen seien nicht zu unter- schätzen und können wir zufrieden sein, wenn alle Bcrufsgenossen das Errungene festhalten und verteidigen.— Vcrbandsvorsitzender Blum betonte. Mischen der Anbahnung eines Reichstarifs in der llNlitärbranche und in der Ledcrwarenbranche sei ein grosser Unter- schied. In der Militärbranche unterstütze der Verband das Ve- streben nach einem Reichstarif, in der Lcderwarenindustrie könne er das nicht. Bei der A b st i m m u n g über die zu diesem Punkte gestellten Anträge wird mit grosser Mehrheit beschlossen, die Kosten eines Streiks in Leipzig in der Höhe von 423 M. auf die Hauptkasse zu übernehmen. In einem Streitfalle zwischen Vorstand und AuS- schuss über die Frage, ob erkrankte, erwerbsunfähige Mitglieder, die während ihrer Krankheit Gehalt bezichen, vom Verband Kranken- Unterstützung erhalten, stellte sich die Mehrheit des VerbandStageS auf den Standpunkt des Ausschusses, der entschied, bah diese Kol- legen Krankcnunterstützung bekommen.— Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erleilt. In seinem einleitenden Referat zu der Statutenberatung begründete der Kassierer Riedel- Berlin die Notwendigkeit einer Beitragserhöhung um 10 Pf. für männliche und ö Pf. für weibliche Mitglieder. Es müsse mit grossen Kämpfen gerechnet und ein Kampffonds geschaffen werden. Die Beitragserhöhung soll im Januar 1913 in Kraft treten. Um den Mitgliedern in Wirtschaft- lich zurückgebliebenen Gegenden Rechnung zu tragen, empfehle Vor- stand und Ausschuss. in den dortigen Verwaltungsstellen eine längere Karenzzeit bis zur Einführung des erhöhten Beitrages, aber nicht .über den 1. Januar 1914, festzusetzen. Bei neu zu errichtenden Verwaltungsstellen in diesen Gegenden soll der Beitrag nach den alten Bestimmungen festgesetzt werden können. Der Referent wandte sich gegen die beantragten Staffel beitrüge. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Diskussion» Marktbericht von Berlin am.30. Mai 1912, nach Ermittelung de? königl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise. kKleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00-— Sl), 00. Speilcbohncn, weisse. 30,00— 56,00. Linien 40,00—80,00. Kartoffeln kKIeinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Nindfleisch. von der Keule 1.70—2,40. Rindflellch. Bouchsteilch 1,40—1.80. Schweinefleisch 1,40—1.90. KalbNeffch 1.40—2.60. Hammelfleisch 1 40—2 40. Butter 2.40—3.20. 60 Stück Eler 3,00—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1.20—2,00. Aale 1,60—3,20. Zander 1.60-8,60. Hechte 1.60—2,80. Barsch« 1.00-2,00. Schleie 1,60-3,40. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4.00-40.00. wm ganz- ohne-Soda!! eine neuartige fjaushaltfeife von fabelhafter Maschkraft. 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Zum crsteren Punkt lagen Proteste gegen oie Wahl des Maurermeisters Wilhelm Schuch sSoz.) vor, die, wie verlautete, in dem vor dem Plenum tagenden Wahlausschutz bereits wegen ihrer Haltlosigkeit zu hef- tigen Zusammcnstötzen geführt hatten. Es stand also zu erwarten, datz vor der Einführung der im Foyer versammelten neuen Mit- glieder in der Versammlung ein heftiger Kampf entbrennen würde. Aber es kamen weder die neugebackenen Stadtväter zu ihrem Amt, noch die auf den überfüllten Tribünen harrenden Zuhörer zu der wohl erwarteten Sensation; denn die Sitzung nahm ein vor- schnelles Ende. Nur ein kleines Intermezzo zwischen der sozial- demokratischen Fraktion und dem Magistrat gab es. Nachhem der hilflose«Stellvertreter des abwesenden Stadtverordnetcnvorstehers, Herr P ö g e l k e, ein paar geschäftliche Mitteilungen gemacht hatte, »ahm Stadtv. Dr. Silberstein sSoz.) das Wort zu einer Er- klärung: Es ist uns bekannt geworden, datz wieder einmal vom Magistrat über die Besetzung zweier wichtiger Bcamtcnstellen ver- fügt worden ist, ohne die zuständigen Kommissionen auch nur mit einem Worte vorher davon zu unterrichten. Wir wollen keineswegs in die Rechte des Magistrats eingreifen; aber wir sind um so mehr erstaunt über das Gehörte, als erst kürzlich in der Etatsberatung einmütig von der Versammlung der Wille zur Mitarbeit bei Be- sctzung wichtiger Beamtenstellen zum Ausdruck gebracht wurde und Oberbürgermeister Kaiser selbst infolgedessen versprach, künftig dementsprechend zu verfahren. Jetzt soll aber nichtsdestoweniger bereits für das Krankenhaus ein neuer Direktor ernannt und ein neuer Verkehrsinspektor gar schon provisorisch im Dienst sein. Beides ist den zuständigen Deputationen wieder nicht unterbreitet worden, wogegen wir Einspruch erheben.— Der Oberbürgermeister glaubte diese Kritik seiner autokratischen Neigungen mit einem schlechten Witz abtun jrn können und erklärte mit absichtlich gewähl- ter komisch-errrster Miene, begleitet von beifälligem Lachen der bürgerlichen Mehrheit, daß auch er sehr erstaunt über das Vor- getragene sei, weil er selbst ganz ahnungslos über die angebliche Besetzung der bezeichneten Stellen sei. Dem Herrn Oberbürger- meistcr blieb aber ebenso der Witz, wie der Mehrheit das Lachen im Halse stecken, als der sozialdemokratische Redner feststellte, datz der Verkehrsinspektor tatsächlich schon provisorisch im Dienste ist und für den Direktorposten im Krankenhause der Vorsteher des Rechnungsbureaus. Gutjahr, in Aussicht genommen sei. Gegen dies« genauen Angaben wagte sich kein Wort mehr vom Magistrats- tische hervor; die Annahme fand also Bestätigung, datz wieder ein- mal Protektionskinder lanciert werden sollen in Stellen, wo das Interesse der Stadt erstklassig qualifizierte Kräfte verlangt.— Nach dieser interessanten Episode sollte zur Beschlutzfassung über die Er- gänzungswahlen geschritten werden. Stadtv. Prange(komm.- fortschrittlich) bezweifelte jedoch die Beschlußfähigkeit des Hauses. Die Auszählung gab dem Zweifler recht, so Satz die Sitzung abgebrochen werden mutzte. Der Vorsteher-Stellvertreter teilte mit, daß er für nächste Woche erneut zu einer Sitzung mit gleicher Tages- ordnung einladen werde, welche dann ohne Rücksicht auf die Zahl der Erschienenen beschlutzfähig sei. Stadtv. W u tz k y(Soz.) bestritt die Richtigkeit dieser Ausfassung. Die Beschlutzunsähigkeit sei nur für den Punkt 2 herbeigeführt worden; für die Verhandlung der anderen Gegenstände komme daS Vorgehen des Herrn Prange gar nicht in Betracht. Wollte dieser für den ganzen Beratungsstoff die Beschlußfähigkeit bezweifeln, so mutzte das geschäftsordnungsmätzig vor Eintritt in die Tagesordnung geschehen. Damit fand die Ver- sammlung ihr Ende; es wird voraussichtlich für Donnerstag näch- fter Woche wieder eine solche einberufen werden. Ueber das Ergebnis der Wahlausschutzsitzung wird uns noch berichtet: Mit sieben bürgerlichen gegen fünf sozialdemokratische Stimmen wurde beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, die Wahl des Genossen Wilhelm Schuch für ungültig zu erklären. Der Referent stützte sich darauf, datz ein Wähler den Maurermeister Hermann Schuch anstatt Wilhelm Schuch gewählt habe. Nach Entscheidungen des Obervcrwaltungsgerichts hätte diese Stimme für ungültig erklärt werden müssen, wodurch dann der bürgerliche Gegenkandidat Weber gewählt gewesen wäre. Unsere Genossen vertraten die Auffassung, daß zunächst einwandfrei nach- gewiesen werden mühte, ob ein Wähler einen verkehrten Vornamen genannt hätte, aus der Wählerliste oder dem Wahlprotokoll sei das nicht zu erweisen, und auf Griind von Behauptungen, die auf ihre Richtigkeit nicht geprüft sind, könne man Wahlen nicht für un- gültig erklären. Bei den Bürgerlichen war jedoch alles vergebens; sie erklärtsn, die Protesteinlegenden seien glaubwürdige Leute. So kam man denn zur Ungültigkeitserklärung der Wahl. Die nächste Stadtverordnetenversammlung wird sich mit dem Protest gu beschäftigen haben. Eharlottenburg. Der Neubau eiueS zweiten Waisenhauses soll in absehbarer Zeit in Angriff genommen werden. Die Bauverwaltung hat bereits den Vorentwurf dafür ausgearbeitet. Demnach wird der Bau auf dein Grundstück in der Sophie-Charlotten-Stratze, auf welchem sich das Bürgerhaus befindet, erstehen. In der Anstalt sollen 100 Kinder Auf- nähme finden. Die Kosten für den Bau— ohne innere Einrichtung— find auf SOOOOO M. veranschlagt. Ein Wasserrohriruch, der eine mehrstündige Verkehrsstörung zur Folge hatte, ereignete sich in der Nacht zum gestrigen Freitag auf Charlottenburger Gebiet. Gegen 2 Uhr früh brach an der Ecke der Tauentzien- und Nürnberger Stratze infolge einer Erdsackung, die durch den Untergrundbahnbau herbeigeführt worden war. ein Iliv Millimeter starkes Wasserrohr. Durch den hervorquellenden Wasserstrahl wurde das Erdreich an der Bruchstelle aufgerissen und die hervordringenden Fluten setzten die Stratze alsbald unter Wasser. Die benachrichtigte Verwaltung der Charloltenburger Wasserwerke ließ sofort die Zuführung zu dem defekten Rohre absperren und die AnSbesserungsarbeiten vornehmen, die gegen ü Uhr morgenö beendet waren. Infolge des Rohrbruchs war der Stratzenbahnverkehr vom Betriebsbeginn an bis gegen 10 Uhr unterbrochen. Die nach Berlin fahrenden Wagen der Linien 33, 64, 164, 76, 7S, 66, A, B, D und H wurden durch die Kurfürsten- und Maatzenstratze bezw. Lützow- Platz geleitet. Die Errichtung der Sophie-Charlotten-Schule aus dem Grund- stück BiSmarckstr. 48— S2 ist ernstlich in Frage gestellt. In dem SuS- schütz, welcher zur Durchbcratung der vom Magistrat der Stadtverordnetenversammlung unterbreiteten Vorlage eingesetzt worden ist, kam eS zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Magistrat und den Mitgliedern de« Ausschusses.'Der AuSschutz hielt in seiner grotzen Mehrheit daS ganze Projekt für viel zu teuer und sprach den Wunsch auS, datz der Magistrat ein anderes Grundstück dafür in Borschlag bringen möge. Der Magistrat hat daraufhin die Borlage zurückgezogen. Die Frage betreffend Beleuchtung der RathauSturmuhr ist nach langen Beratungen und vielfachen Beleuchtungsversuchen dahin- gehend gelöst ivorden. datz der Stadtverorditetenversaimnlung empfohlen werden soll. von einer Beleuchtung Abstand St nehmen. Die Versuche, die sich auf Belichtung der hr durch Scheinwerfer. aus leuchtende Zeiger und Ziffern «streckten, erwiesen sich als unwirksam. Der einzig gangbare Weg wäre der, transparente Zifferblätter einzubaue» und von innnen zu beleuchten. Abgesehen von der autzerordcntlichen Schwierigkeit dieser Aus- führung befürchtet man eine beträchtliche Herabminderung der architektonischen Wirkung des Rathausturmes und kam folgedessen zu einem ablehnenden Resultat. Wilmersdorf-Halensee. Zu den nächsten Stadtverordiietcuwahlen. In Grotz-Berlin war Wilmersdorf voriges Jahr die einzige Stadt, in der der Magistrat die Kommunalwahlen noch nicht auf einen Sonntag angesetzt hatte. Aus diesem Grunde hat der Vorsitzende des sozialdemo- kratischen Wahlvcreius am Ort es für seine Pflicht geHallen, in einer Zuschrift an den Magistrat auf die bisherige Ausnahmestellung Wilmersdorfs hinzuweisen und der Anregung Ausdruck zu geben. datz im Interesse besonders der arbeitenden Bevölkerung auch in Wilmersdorf für die dritte Abteilung die Sonntags- wählen eingeführt werden möchten. Die im November stattfindenden Wahlen sind von ganz be- sonderer Bedeutung. Vorab kommt in Betracht, datz die Zahl der Stadtverordneten von 48 auf 60 erhöht wird; rechnet man weiter hinzu, datz satzungsgemätz noch ein Drittel der jetzigen Stadt- verordneten ausscheidet, so sind im ganzen 23 Sitze neu zu ver- geben. In der e r st e n Abteilung scheiden aus die Hausbesitzer Contag, Hesse, Rösler, Speer und der Mieter Härtung; autzerdcm ist hier das Mandat des kürzlich ausgeschiedenen Hausbesitzers Pnmplun zu besetzen. In der zweiten Abteilung sind zu erledigen die Mandate der Hausbesitzer Dr. Bohl und Menzel und der Mieter G e f f e r S und Fischer. Endlich sind in der für die Sozial- demokratie einzig in Betracht kommenden dritten Ab- t eilung die Mandate der Hausbesitzer Gründling und Pincus und die der Mieter Gnädig. Kühnen, Dr. Heinitz und Moll neu zu besetzen. Mit Ausnahme der Demokraten Moll und Pincus gehören sämtliche ausscheidende Stadtverordnete der grotzen konservativen Fraktion an. Diese Tatsache könnte namentlich in den ersten beiden Abteilungen der Fortschrittlichen Partei Gelegenheit geben, ihren Mut zu erproben. Bis jetzt gibt es nur fünf Linlsliberale in der Stadt- verordnetenversammlung; und wenn die Herren in Rücksicht darauf, datz bei den letzten Reichstagswahlen ihr Kandidat 7721, der Kon- servative hingegen nur 2961 Stimmen erhalten hat, mit Energie eine wirklich liberale Politik treiben und einen Gegensatz zu der herrschenden konservativen Fraktion hervor- kehren wollten, so sollte man meinen, datz es ihnen ge- lingen müßte, den Einflutz der heute allmächtigen Konservativen ganz erheblich einzudämmen. Aber freilich hat es an Energie bisher ganz besonders den Wilmersdorfer Liberalen gefehlt; und im letzten Winter machte sich bereits in ih.en Vereinen eine Strömung geltend, die auf Beseitigung des letzten Restes des Liberalismus abzielte und eine Einigung mit der grotzen Fraktion anstrebte. Eine solche Einigung würde selbstverständlich nichts anderes als ein Untergehen in den konservativen Brei bedeuten und dem Liberalismus bei den nächstjährigen Landtagswahlen jeglichen Kredit rauben. Was nun letztens die Sozialdemokratie betrifft, so sind schon oft an dieser Stelle die Schwierigkeiten der Agitation in der Beamten- stadt Wilmersdorf geschildert worden. Bei de» Reichstagswahlen erhielt unser Kandidat Z u b e i l allerdinge 3810 Stimmen. Jedoch bildet diese Zahl für die Stadtverordnetenwahlen keinen Matzstab, da ein Beamter, der öffentlich sozialdemokratisch stimmte, dem Hunger überantwortet würde. Aber trotz des Terrorismus, den die Staatsbehörden im Verein mit der konservativen Partei ausüben, wird die Sozialdemokratie mit voller Kraft den Kampf aufnehmen; und sie hofft, zu den zwei Mandaten, die sie seit November 1910 besetzt hält, noch einige weitere hinzuerobern zu können. Hat doch unsere Partei vor den Bürgerliche» den einen Vorteil voraus, datz sie sich über die jämmerliche Bezirkspolitik hinweg- setzen kann. Es ist zum Lachen, wenn man erfährt, datz das Philisterium in Halensee empört ist. weil der Magistrat die Ab- ficht hat, den Namen dieses OrtSteilS nicht mehr gelten zu lassen, datz das Nheingauviertel um Umbenennung des Bahnhofs Schmargendorf kän,pfi und datz im alten Ortsteil die Hausbesitzer Entrüstung hervorkehren, weil der Magistrat die Anlieger zu den Kosten des S e'e p a r k s heranziehen will. Im Angesicht solcher„Wahlparolen" kann die Sozialdemokratie mit Stolz darauf hinweisen, datz sie auch die kommunalen Fragen von einer höheren Warte auS betrachtet und zum Wohle der Ge- meinde eine wahrhaft zielbewußte Politik treibt. Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Nach Einführung der neugewählten Gemeindeverordneten, worunter sich unser Genosse Welk befand, ge« nehmigte die Vertretung zunächst den Antrag des Kriegervereins zur Ausstellung eines Gedenksteins am Bismarckplatz in Südende, aller« dings mit jederzeitigem Widerruf, sofern einmal bauliche Bcrände- rungen die Entfernung notwendig machen.— Hieraus verhandelte die Vertretung über die Bewilligung einer Flugspende. Unsere Ge- nassen Weber und Reichardt wandten sich mit aller Schärfe gegen die Bewilligung von Mitteln und betonten. datz die Regierung es nicht gewagt habe, dem Reichstage eine besondere Forderung für Flugzwecke zu unterbreiten, jetzt sich aber auf dem Bettel- wege in verkappter Form an Gemeinden usw. wende, um auf diese Weise Gelder für den Luflmilitarismus zu erlangen. Dazu dürften unter keinen Umständen Gelder auS Gemeindcmitteln bewilligt werden. Im übrige» sei eS sehr sonderbar, datz derselbe Gemeindevorsteher, der fast in jeder Sitzung über Geldmangel der Gemeinde stöhne und wiederholt mit diesem Argument dringend not« wendige Verbesserungen zurückgestellt habe, mit einem Male Geld übrig zu haben glaubt. Nach diesen Ausführungen unserer Genossen war eö der Mehrheit der Vertretung nicht möglich, auch nur 300 M. zu bewilligen, und so wurde der Antrag zum sichtlichen Bedauern deS Vorstehers abgelehnt.— Die Errichtung des Feuerwehr- dienstgebäudes wurde hierauf zum endgültigen Abschluß gebracht, nachdem sich die Vertretung volle zwei Jahre damit beschäftigt hatte. Der jetzt genehmigte dritte Entwurf machte sich hauptsächlich not- ivendig, iveil mit dem neuen Gemeindevorsteher die Zusammen- legung der Amts- und Gemeindeverwaltung beschlossen wurde. Da- durch ist eS aber notwendig geworden, datz zur sicheren und guten Geschäftsführung die Amtöverlvaltu'.ig von der gänzlich abgelegenen Tempelhoser Stratze nach den» Rathause oder wenigstens in aller- nächste Nähe verlegt wird. Die eingesetzte Baukommission hatte zu erwägen, entweder beim Rathause schon jetzt einen Anbau vorzu- nehmen, oder aber den ziveitcn Entwurf deS Feuerwehrdieust- gebäudes zu verwerfen und einen neuen anfertigen zu lassen, in tvelchem gleichzeitig Räume für die unterzubringende Amts- Verwaltung projektiert wurden. Da nun das Rathaus au sich durch den gegebenen Ranni nicht allzu anbaufähig ist und sich schlictzlich bei der rapiden Entwickelnng der Gemeinde ein Neubau doch not- wendig macht, genehmigte die Vertretung den dritten Entwurf deS Feuerwehrdieustgcbäudes. der Räume für die Amtsverwaltung vorsieht. Der Bau soll am 1. April 19l3 unter Dach sein. Zum erste» Male wird die Gemeinde einen Bau in eigener Regie ausführen, was als ein Erfolg unserer Genosse» zu betrachten ist. Und datz es für die Gemeinde von Vorteil ist, ergaben schon einige vom Gemeindevorsteher angeführte Zahlen. Während der Architekt für Zeichnung und Leitung deS Baues 11375 M? beanspruchte, er« hält derselbe jetzt einschließlich der verworfenen Entwürfe insgesamt 5975 M. Wenn auch die jetzt amtliche Bauleitung noch Kosten ver- ursachte, so sind bei den Gesamikostcn trotzdem grotze Ersparnisse zu machen. Veranschlagt sind nur für de» Bau des Gebäudes 227 000 Mark auSschlietzlich Ärchitekrenhonorar. Gedeckt werden die Kosten zunächst ans Anleihen. Jedoch ergibt die Berechnung, datz durch die Miete der 14 Wohnungen für Feuerleute, Ersparungen an den jetzt noch zu zahlenden Mieten für Ställe und Remisen gemacht werden. Neinickeudorf-Ost. Kinderspiele veranstaltet die„Freie Turnerschaft Schönholz" vom 2. Juni ab wieder an jedem Sonntag, vormittags von 10—12 Uhr, auf ihrer Spielwiese an der R a s ch d o r ffst r. 19— 21. Diese Spiele erfreuten sich in den Vorjahren stets wachsender Beliebtheit bei den Kindern und Eltern. Der hiesigen Arbeiterschaft kann daher nur empfohlen werden, ihre schulpflichtigen Kinder auch in diesem Jahre auf diese Veranstaltungen hinzuweisen und sie zur Teilnahme zu veranlassen. SPaudau. Stadtverordnetenversammlung. Einem längst sich geltend machenden Bedürfnis entsprachen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstag, als sie mit überwältigender Majorität die Beschaffung eines Automobillöschzuges beschlossen. Die Bedenken, welche bei früheren Beratungen gegen diese Vorlage vorgebracht wurden, schienen gänzlich geschwunden zu sein, denn es trat nie- mand mehr dagegen auf..Aus der Begründung, die der Bericht- erstatter zu dieser Vorlage bortrug, ging auch hervor, datz Spandau bisher im Gegensatz zu anderen deutschen Städten herzlich wenig für seine Feuerlöschmittel aufgewendet hat.— Es wurden ferner die Mittel bewilligt für den Umbau der Potsdamer Brücke und die Nivellierung der Stratze am Potsdamer Tor.— Die Abdeckerei zwischen der Stratze An der Kappe und der Stratze 27 soll nun eud- lich beseitigt werden. Der Magistrat beabsichtigt, durch dieses Gc- lände eine Baufluchtlinie festzusetzen und will zu diesem Zwecke das Abdeckereigrundstück erwerben. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, da durch alle Gerichtsinstanzen-hindurch festgestellt wor- den ist, daß das Privilegium der Abdeckerei untrennbar von dem Grundstück sei. Wohin die Abdeckerei nun verlegt wird, ist noch nicht heraus. Es war zunächst geplant worden, an der Falken- Hagener Grenze eine Fleischverwertungsanstalt zu errichten, doch ist von dortigen Anwohnern dagegen bereits Einspruch erhoben worden. Die Versammlung stimmte der Vorlage zu und ersuchte nochmals um möglichst baldige Ausführung derselben.— Für die Herrich- tung eines städtischen Lagerplatzes und öffentlichen Stätteplatzes am Nordhafen(zwischen Hohenzollern- und Askanierring östlich der Streitstratze) wurde dann die Summe von 66 000 M. bewilligt. Auf diesem Platz sollen für das Kanalisations- und Wasserwerk sowie für Pflasterbaustofse 16 300 Quadratmeter reserviert werden, wäh- rend 23 700 Quadratmeter Lägerflächcn verpachtet werden sollen. Der am Wröhmännerplatz belegene Stätte- und Lagerplatz soll dann zu einem kleinen Park mit Dampferanlegestellen hergerichtet werden.— Vom Magistrat war noch beantragt worden, die 53. Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Gas- und Wasserfachmänner in München durch zwei Magistratsmitglieder, zwei Stadtverordnete und einen Betriebsleiter zu beschicken. Die Versammlung beschloß aber nur die Entsendung je eines Magistratsmitgliedes, Stadtverordneten und Betriebsleiters, nach- dem sämtliche Redner sich gegen die Vorlage des Magistrats aus- gesprochen hatten.— Einige andere Sachen, darunter der Ankauf der Müllerschen Rustwiese zum Preise von 60 000 M., wurden in einer sich anschließenden geheimen Sitzung erledigt. Oranienburg. In der Stadtverordnetenversammlung wurde zunächst vom Vor- steher berichtet, datz der im vorigen Jahre gefaßte Beschlutz, den Magistrat zu ermächtigen, am Lehnitzsee eine Freibadeanstalt ein- zurichten, von der Negierung abgelehnt worden ist. Hierauf beschloß die Versammlung, den Arzt Dr. Kohls als Krankenhausarzt und Dr. Schmerl als Armenarzt mit jährlichein Vertrage an- zustellen.. Die Jahresentschädigung beträgt 1800 bezw. 750 M. Um Heiz« und Kochgas zu erlangen, soll entweder das Gaswerk in Sachsenhausen angelauft oder mit den Verliner Gaswerken ein Ver« trag abgeschlossen werden. Zunächst sollen die Geschäftsbücher des Herrn Hengstenberg über die Rentabilität des Gaswerks in Sachsen- hausen einer Prüfung unterzogen werden. Der Sachverständige liquidiert pro Tag 50 M., der Magistrat beantragt, die Kosten bis zu 300 M,' zu bewilligen. An der hierauf folgenden Diskussion be» teiligten sich auch die Genossen Garlipp und Schumann. Letzterer bemerkte, datz die Stadt wohl schwerlich auf eigenem Grund und Boden eine Gasanstalt erbauen könne, da sie sich gegenüber dem Elektrischen Werke die Hände gebunden habe. Der Magistrats- antrag wurde angenommen mit 23 gegen 4 Stimmen.— Die Kosten für die Instandsetzung der städtischen Badeanstalt sind auf 9000 M. veranschlagt worden, wovon allein 2721 Mark auf die Ausbaggerung entfallen. Der Magistrat schlägt nun vor, die Anstalt der besseren Zugänglichkeit wegen auf das gegenüber liegende Grundstück zu verlegen. Die Auskleidehallen sollen vergrößert und auf dem Sande in einem Abstand vom Wasser errichtet werden, so daß eS möglich ist. die Anstalt auch für Luft« und Sonnenbäder zu benutzen. An der hieraus folgenden Dislussion beteiligten sich die Genossen Garlipp, Schumann und Paris. Der Antrag des Magistrats wurde mit 24 gegen 3 Stimme» an- genommen. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Eingegangene Druckschriften. »Gabriel Schillings Flucht«. Drama von Gerhart Hauptmann. 81 S. S. Fischer, Berlin, Bülowstr. 90. Ein Licbcsidyll Ludwigs XIV. Louise de La Vallisre. Roman von Dora Dunckcr. Berlin, Rlch. Bong. 4 M., geb. 5 M. Das Malthusichc Bevölkerungsgesetz und die theoretische Nationalökonomie der letzten Javrzehnte. Von Dr. S. Budge. (Volkswirtsch. Abhandlungen der badischen Hochschulen. Heft 8). Karlsruhe 1912. G. Braunschc Hosbuchdruckerei und Verlag. 4,20 M. Der Zentralverband dcutichcr Konsumvereine im Jahre 1911. I. u. II. Teil. 654©. Selbstverlag in Hamburg. Der Schaiigräber, herausgegeben vom Dürerbund durch L. Freiherr v. Eglossstei». Nr. 73. Friedrich der Grotze von F. AvenattuS. 20 Ps. — Nr. 74. Schwedische Geschichte» von W. v. Heioenstamm.— Nr. 75. Blake». Von Björnstjerne Björnsen.— Nr. 76. AuS Kindertagen von Anna Schieber.— Nr. 77. Kleine Abenteuer von H. Bettsch.— Nr. 78. Gazcllcnjagd der Araber von M. M. v. Weber. Einzelnummer 10 Pf. G. D. W. Callwcy, München. AuS Natur und Geisteswelt. Bd. 42. Deutsches Wirtschafts- lebe» von Chr. Gruber.— Bd. 73. Arbetterschutz und Arbeiter« Versicherung von O. v. Zwiedinck-Südenhorst.— Bd. 95. Germanische Mythologie von I. v. Negelein.— Bd. 372. Das Auge und die Brille von M. v. Rohr.— Einzelb. 1 M., geb. 1,25 M. B. G. Teubner, Leipzig. Des Admetus Thermailkus kurzweiliger Dialog»Die Tafel- runde«. Ein Beilrag zum Thema von Kritik und Antikritik. Frankfurt a. M. (Frick U. Leber). 1,25 M._ Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Witterbureau. *)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Unterpegei. sjf, �v m Turnschulieii Sandalen m Kinderstiefeln Turnschuhe!n schwarz, braun und grau nScfm BERLIN SO. 26 Dresdener Strasse 4 offßuserTor 22/29 30/35 36/42 43/47 1 50 I 75 >25 >50 Römersandalen, la Rindleder, m. Fleck 21/24 25/26 27/30 31/35 36/42 43/47 275 325 350 390 450 490 Kinderstiefel in braun und schwarz, größte Auswahl, enorm billig. Schuhhaus Werner Schöneberg; Hauptstraße 160 Steglitz Albrechtstr. 2 Zeitmrgs'Ausgabestellen und Jnseraten-Annahme. ntl»i»: Zllbert H a h n i s ch L. WakIIirei«,\\r.:®uft® ch m i dt. Auguftstr. 50, Eingang Joachimstrabe. Kirchbachstr. 14, Hochparterre. 3. und L1V.: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. S.'WahlUrel«: St. Fritz, Prinzenstr. Zt, Hof rechts part. 4.'tVakIIrrel»: Ost e»: Nobert W e n g e l S, Gr. Franksurterstr. 120. — Richard H a ck c l b u s ch, PeterSburgerpIatz 4(Laden). 4. 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