N- 1S7. BbonnementS'BcdingOflgen: Bbomtemeniä• Preis dränumerand»: «ierleljShrl. 5,Z0 Mk, monall. 1,10 Mk, wcchemlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Swinmer 5 Psg. EonntagS» nuniuier mit illustrierter Sonnt-gS» Beilage„Die Neue Well" 10 Psg. Post« Nbonneuient: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS« Preisliste. Ulster Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungan, 2 Mark, für das übrige Auslan!» L Mari pro Monat. PostabonnementS nebtnen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Lumänien, Schweden und die Schweiz, S9. Jahrg. filAtlot täglich»6er Ottnftgi. Nevlinev Volksblstt. Zcntralorgan der fozialdemokrati fcheti parte! DewtfcMands. Die Tnferßon$>Geba|tr beträgt für die fechSgespallcnc Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschajtllche LereinS- und BersamnuungS-Anzeigen 30 Pfg. „klteinc Snoeigen", das festgedruilte Wort 20 Pfg.(zulässig 2festgedri:ckie Worte), jedes wcstere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes westcre Wort S Pfg. Worte über 13 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Rnseroie für die nächste Nummer müsse» bis t> Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abendZ geöffnet. relegramm-Adress« „talilileiiiomt RcrliD". Redaktion: 8Al. 68, Lindenstrassc 69» Fernsprecher: Zlmt Moritzplatz. Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, binden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Sie belgische» Nahleo. Die Wahlschlacht hat mit dem Siege der kleri� kalen Regierung geendet. Die Klerikalen, die bis her eine Mehrheit von nur sechs Stimmen hatten, werden in der neuen um 20 Abgeordnete vermehrten Kammer sechzehn oder achtzehn Stimmen über die Majorität zählen. Der liberal-sozialistische Block ist nicht imstande gewesen, der Tücken des Pluralwahlrechts und des klerikalen Terrorismus Herr zu werden. Die Klerikalen haben ihren Gegnern je einen Sitz in Courtrai, Tongres, Hasselt, Nivelles und Huy entrissen. Auch von den zwanzig neuen Kammersitzen erhalten die Klcri- kalen die Hälfte, nämlich zwei Sitze in Brüssel und je einen in Gent, in Tongres, in Virton, in Lüttich, in Ter- monde, in Roulers, in Turnhout und in Antwerpen. Die Opposition erhält von den zwanzjg neuen Kammersitzen drei in Brüssel und je einen in Ostende, Antwerpen. Mecheln, Loewen und in Möns und zwei in Charleroi; in Brügge wurde durch die Liberalen der demokratische Abbs FonteyneS gewählt. Die genauen Resultate sind noch nicht festgestellt. Nach einer offiziösen Darstellung setzt sich die neue Kamnier zu- sammen aus 101 Klerikale, io Liberale. 38 Sozialisten. 2 demokratische Christlichen, dagegen zählte die alte Kammer 86 Klerikale. 45 Liberale, 34 Sozialisten, 1 demokratisch Christ licher. Der Hauptgrund für die Wahlniederlage ist das V e r- halten der Großbourgeoisie. Die Industriellen und Kaufleute, die früher liberal gewählt haben, wollten von dem liberal-sozialistischen Wahlkartell nichts wissen und haben die Klerikalen als die sichersten Verfechter ihrer Ausbeuterinteressen gewählt. Aus Angst vor der Sozialdeniokratie sind sie ins klerikale Lager ab- geschwenkt; sie fürchteten die Stärkung der Arbeiterpartei mehr, als die weitere Verpfaffung der Schule und sie wollten weder das gleiche Wahlrecht, noch die stärkere Heraw ziehung des Besitzes zur Steuerleistung. Die Block- Politik hat damit besagt und man darf hosten, daß die stärkere Betonung der völligen Un- abhängigkeit unserer Partei in Zukunft auch ihre Angriffskraft gegen den Klerikalismus stärken und ihre Werbe kraft bei den noch klerikalen Arbeitern erhöhen werde. Unsere Partei hat sich gut geschlagen. Sie gewinnt vier oder fünf Mandate. Darüber hinaus hat unsere Partei ihre Stimmenzahl beträchtlich vermehrt. Die Klerikalen sind im Volke selbst in der Minorität und verdanken ihre parlamentarische Mehrheit nur den Infamien des Pluralwahlsystems. Der Kampf für das gleiche Wahlrecht tritt jetzt in den Vordergrund und die große Erregung, die die Arbeiter angesichts der Wahlniederlage erfaßt hat, wird sich rasch in politische Energie umsetzen. Der Wahlrechtskampf. der jetzt einsetzt, wird den Klerikalen bald den erschwindelten und erpreßten Wahlsieg entreißen. Tie Ursachen des Wahlausfalls. Brüssel, 3. Juni.(Privattclegr des„Vorw.".) Schuld an dein gestrigen klerikalen Wahlerfolg tragen die Perfidicn des P l u r a l s cha ndwah l r e cht S und eine unerhörte Wahlkorruption sowie die am Vorabend des Wahltages auf die Wähler ausgeübten Pressionen. Mini- sterielle Erlasse kündigten den Beamten Gratisitationen und Gc- haltsausbesserungcn an. Aber auch durch das Zurückweichen des eingeschüchterten Bürgertums ist der klerikale Wahlerfolg initoerschuldet. Von klerikaler Seite war dem Bürger- tum Angst vor der radikalen Politik eingejagt worden und es bc- fürchtete eine Antastung seiner wirtschaftlichen Privilegien. Der eigentliche Besiegte ist der Liberalismus, dessen Gewinne und Verluste sich decken, der also von den 20 neuen Sitzen nichts erobert hat. Die Soziali st en haben günstig ab- geschnitten. Fünf neue Sitze— davon einen in Brüssel— haben sie gewonnen, einen dagegen an die Klerikalen verloren. Die Sozialdemokratie verfügt jetzt über 39 Sitze gegenüber 3ö früher. Die Klerikalen haben von den 29 neuen Sitzen 19 erobert, worun- ter 3 von den 9 Brüsseler neuen. Die Zahl der klerikalen Frak- tion wird vermutlich von 86 auf 191 steigen und damit in der Kammer eine Majorität von 16 Stimmen besitzen, während sie früher nur 6 Stimmen Mehrheit aufwies. In 9 Kreisen siegten die Klerikalen über das sozialistisch-liberale Kartell. Es ist daher tvohl der Schluß eklaubt, daß die Kartellpolitik in Bel- g i e n gescheitert ist, da sie für beide Teile nur nachteilig ivar und von den Klerikalen geschickt ausgebeutet wurde, um den ge- mäßigten Liberalen durch Vorhaltung des Revolutionsgespenstes (nach rechts zü treiben. Die Bestürzung und Empörung über die Wahl- »esultate ist allgemein und nach der mindestens eine Ver- Minderung der klerikalen Majoritätsziffer versprechenden Wahl- kampagne auch unerwartet. Ausbrüche der Empörung �ind daher allenthalben wahrscheinlich. Vandcrvelde kündigt eine neue Wahlrechtsbelve» gy ng zugunsten der Beseitigung dcö Mchrstimmcnrechts ay. Das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei.Le Peuple" sprich! von einem Siege der Korruption und des Schwin- d e l s. Der schlimmste Antagonismus und der gefährlichste Wider- spruch in dem Konflikt bestehe zwischen der gesetzgeberischen Gewalt und dem nationalen festen Willen, ein anderes Regime her- beizuführen. Die Senatswahlk». Brüssel, 3. Juni. Die genauen Ergebnisse der Kammer. wählen mit Stimmenzahl dürften erst nach der amtlichen Fest- stellung des Resultats bekannt werden. Von den Resultaten der Senatswahlen verlautet im Augenblick noch nichts. Das Wahlresultat dürfte erst in einigen Tagen feststehen, da in ver- schiedenen Wahlkreisen nachträglich Abstimmungen stattfinden müssen. Das Ergebnis dürfte im Verhältnis zu den Kammer- wählen eine bedeutend verstärkte Mehrheit der Klerikalen bringen. Außer kleinen unwesentlichen Zusammen- stoßen sind heute nacht keinerlei Zwischenfälle borge- kommen. Rüstungen der Regierung. Brüssel, 3. Juni. Die einberufenen Reservisten sind bereits vollzählig versammelt, so daß von mittag ab dem Kriegsminister 49999 Mann zur Verfügung stehen, da für den Abend Unruhen befürchtet werden. Der gestern in Huy gewählte Katholik Pitsaerk ist heute vormittag vermutlich infolge der Aufregung gestorben. Die Erregung der Arbeiter. Brüssel, 3. Juni.(W. T. B.) Wegen des Sieges der Regierung haben heute die A r b e i t e r im Gebiet C h a r l c- r 0 i die Arbeit niedergelegt. Aus V e r v i e r s wird ge- meldet: Da dort die Arbeiter trotz des Verbotes Umzüge ver- anstalteten, kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und der Gendarmerie, wober mehrere Personen verwundet wurden. Wahlsonntaguachmittag in Brüssel. Man schreibt uns aus Brüssel unterm 2. Juni: Wer hier fühlte es im Augenblick nicht: heute, heute, wird die fieberhafte Spannung genommen werden.... Schon liegt Belgiens politische Zukunft in den Urnen beschlossen, aber noch Stunden und Stunden wird es dauern, ehe die gierig Wartenden die Resultate erfahren; denn das belgische Wahlsystem erfordert langwierige, komplizierte Berechnungen.... Aber zu Hause hält es doch keinen. Jeden drängt es nach der Straße, nach dem Zentrum der Stadt. Auch wir nehmen uns von der Peripherie der Stadt, wo sich der mächtige Arbeitervorort Schaerbeek dehnt, die schöne offene Tram, die ob ihrer braunen Farbe im VolkSmund den freund- lichcn Namen Schokolade-Tram führt, und fahren durch St. Gosse, wo man im Augenblick just mit„Olckoeken* und grell kreischenden Karussells»Kermesse' feiert, quer durch die Stadt, bis zu den inneren Boulevards und vor die Börse. Erst meint man, es wäre ein Sonntag wie sonst. Der Himmel ist be- deckt, vielleicht wird'S auch wieder regnen— man bummelt also auch diesen trüben Frühlingsnachmittag von einem„Estaminet* zum anderen.... Nun, es ist doch nicht ganz so wie an sonstigen trüben Sonntagnachmittagen. Schon die Menge schiebt sich viel, viel langsamer vorwärts, und der Autoverkehr scheint sich verdoppelt, verdreifacht zu haben, die Trams sind alle überfüllt, die Cafes bis an den Rand der Straße dicht besetzt. Die Frauen, die Männer, die jungen Leute, alles trägt ein blaues oder ein rotes Blümchen im Knopfloch oder an die Brust gesteckt. Wo sind eigentlich die Klerikalen, fragt man sich. Nein, es ist meiner Treu kein gewöhnlicher Sonntag. Die Stadt atmet, dampft, sprüht Politik. Kein Mensch kann etwas anderes heute denken, reden als: Wird es sein? Gibt eS Sieg? Die Boulevards entlang ein Schreien, ein Uebertönen der Camelotsstimmen: 19 Centimes die Klosterbroschüre I 19 Centimes die rote, die blaue Blume; und alles kauft, alles liest, alles schmückt sich, und mancher brave Bürger gleich mit dem liberalen und sozialistischen Abzeichen. Wir dringen zur Grand Place vor, wo die dunkle Gothik deS Rathauses unter dem heutigen Himmel noch dunller, feierlicher blickt. Die beleuchtete Uhr sagt: Ihr müßt noch warten, Ver- ehrte.... Ununterbrochen fahren Autos mit sichtlichen, politischen Würdenträgern vor und wieder weg. Das VereinShauS der Liberalen ist blau drapiert— auch die leere Leinwand, auf der abends die Wahlresultate sichtbar sein werden, sagt zu der immer mehr anwachsenden Menge: Ihr müßt Euch gedulden.... Zu beiden Seiten und an der Hinterfront ist dos Ralhaus mit Hunderten Plakaten bedeckt: mit riesengroßen und kleinen, mit grellen und künstlerischen, einigen belehrenden— ein Hexensabbath von politischer Karikatur: da ist eine Nonne, die in einem der berüchtigten„Ouvroirs* der Klöster die Kinder zur Arbeit anhält. Da das„rote Ge- spenst", das die politischen Kinder schrecken soll. Hier sind Luftfahr- zeuge mit Ministern, die ins Meer sinken. Auf einem anderen Plakat steht A n s e e l e, der nach klerikaler Auffassung die Liberalen als Kreisel behandelt, die nach seinen Anweisungen tanzen.... Hier eine Henne, Belgien symbolisierend. Alle die guten appetit- lichen Eier reißen Pfaffen und Minister nnd andere Volks- auSsauger an sich— während, über die Planke gelehnt, das arme Volk zusieht. Da zeigt der Staatsminister Woeste auf einem klerikalen Plakat auf den roten Tiger, dort wird das Unglück Belgiens durch sozialistisch- liberale Wahlbündnisse demonstriert, dem armen Liberalismus von Klerikalen eine phrygische Mütze aufgesetzt. Eines der neuesten Plakate ist das„Die schwarzen Pocken* benannte. Es ist die Landkarte Belgien? mit etwa 3699 Flecken, Punkten und Pünktchen. Klöster, liebe Belgier, SS09 Klöster im„kleinen Belgien*!... Und für diese Klöster, erläutert ein anderes Plakat, sollt ihr neue 29 Millionen opfern, falls Herr v. Broqueville als Sieger heute hervorginge. Ein klerikales Plakat will die Geistes- Verwandtschaft der Pariser Apachen mit Ferrer und daher den Sozialisten beweisen.... Die Augen schmerzen uns, lange noch bevor wir mit der Galerie der Wahlplakate fertig sind, die die Menge umsteht, belacht, bewitzelt, gutheißt. Wir ziehen weiter, einige Straßen bergan, durch die Rue Haute. wo das quellende Straßenleben des MarollequartierS pulst. Hier gibt es kein Gehen. Hier schiebt man nur und wird geschoben, denn hier gehts direkt zum Maison du Peuple hinauf und herunter. Vor dem sozialistischen Volkshans selbst flutende Menge. Stimmt für die Liste Nr. 4 1 prangts in Riesenlettern. Aach dort Plakate über Plakate. Man schaut diese an und etwas höher, wo der Platz ist, von dem abends, nachts die Ziffern sprechen werden. Wie werden sie sprechen, wie...? Indessen klingt die Internationale da und dort auf, das altgewohnte„ä das la, oalotte"(Nieder mit den Pfaffen) ertönt und alles steckt sein roteS Blümchen mittlerweile an. Und wir warten, alles wartet.... Die spanischen Regierenden. Genosse Pablo JglesiaS schreibt unS aus Madrid: Es gibt sicherlich kein Land, dessen Minister, was gemeingefährliche Handlungen und Nichtachtung des Volkes au- belangt, mit denen der spanischen Regierung einen Vergleich aushielten. Neulich nahmen auS Gründen, die man bis jetzt noch nicht genau erklären kann, drei der damals, wie jetzt, von Herrn Canalejas geleiteten Negierung Abschied. Einer von diesen veröffentlichte sofort rachetrunken im„El Jmpar- cial*, dessen Miteigentümer er ist, eine Serie von Artikeln, in denen er die Politik der Regierung, der er früher angehörte, angriff und sich hauptsächlich gegen den Krieg in Marokko wandte. Er behauptete, daß Spaniens Zerfall eine Folge sei des Mangels an tüchtigen Männern in der Negierung. Er kritisierte den Pariser Vertrag, das Werk des jetzigen Senatspräsidenten; mit kräftigen Worten verurteilte er die Unterstützung, die die liberalen und konservativen Regierungen den mächtigen Geschäftsunternehmungen zuteil werden ließen und richtete starke Angriffe gegen seinen früheren Chef in der Regierung, außerdem klagte er einen seiner früheren Minister- kollegen, den Minister des Innern, Herrn Barroso, der Amts- Pflichtverletzung an. Die Anklage bestand in der Behauptung, daß Barroso im Jahre 1906. als er Justiz- und Kultusminister»vor, verschiedene Personen in seiner Privatwohnung versammelt habe, um mit ihnen zu beraten, wie eine dem Kriminalgericht von Cordova vorzuschlagende Form zu finden sei, um ver- schiedene Individuen, die wegen Fälschung von Wahl- Protokollen zu 12 bis 14 Jahren Zuchthaus verurteilt waren. von der Strafe zu befreien. Diese Wahlprotokollfälschungen hatten den Sieg eines Schwagers des Herrn Barroso, Sanchez Guerra, gesichert, der Minister unter Mauras Regierung war. Weiter behauptet derselbe anklagende Exminister in den Spalten des„Jmparcials", daß er in seiner Tasche die Beweise der Amtspflichtverletzung seines ftüheren Kollegen in der Rc- gierung habe. Diese schweren Beschuldigungen des Herrn Gasset, so heißt der Exminister, auf den ich hindeute, erregten großes Aufsehen im Lande; hauptsächlich seine Anklage gegen Barroso. den gegenwärtigen Minister des Innern und Exkultus- und Justizminister. Vielleicht wird man annehmen, daß dieser Herr auf Grund der gegen ihn erhobenen Anklage seines Exkollegen sich beeilte, von seinem Amte Abschied zu nehmen und feinem Ankläger Rede zu stehen. Nichts davon geschah I Er nahm weder seinen Abschied, noch sprach er längere Zeit ein Wort über das, was ihn so sehr anging. Erst als die Parlamentseröffnung herannahte, erklärte er, daß er das, was über seine Person gesagt werde, richtig stellen würde. Das Benehmen des Ministerpräsidenten Canalejas war noch weit sonderbarer. Er warf weder einen so schwer be- lasteten Mann aus seinem Ministerium heraus, noch trat erden Beschuldigungen entgegen und sagte nicht das geringste zur Verteidigung seines angeklagten Ministers. Solch nierklvürdiges und skandalöses Betragen bewirkte, daß Sozialisten und Republikaner, die heute zusammengehen. um die Republik herbeizuführen, eine Versammlung abhielten, in der das Venehmen der ganzen Regierung und hauptsächlich des Ministerpräsidenten und seines Ministers des Innern schwer getadelt wurde; die Korruption, die in der Justiz- Verwaltung Spaniens herrscht, wurde an den Pranger gestellt. Ueber diese Versammlung sagte Canalejas, sie sei ern Manöver gegen ihn. Dagegen sagte er nichts, was das Verbleiben Barrosos im Ministerium rechtfertigen konnte; ebenso schwieg er über die Gründe, aus denen er zu den gegen jenen erhobenen An- klagen geschwiegen habe. Nach Eröffnung des Parlaments wurde diese wichtige Angelegenheit dort sofort behandelt. Der kompromittierte Minister machte selbst den Anfang. Der Minister stellte in Abrede, daß er Personen ein- geladen und in der Zusammenkunft präsidiert Ihäite, in der das Cordova Gericht beeinflußt werden sollte, um die Fälscher der Wahlprotokolle zu befreien. Er gab jedoch zu, daß sie in seinem Hause sich versammelt hätten und daß der Staatsanwalt, der die Klage gegen den Fälscher zurückgezogen hat, ein Busenfreund von ihm sei. Alle Schritte, die in dieser Sache seit fünf oder sechs Jahren unternommen worden sind, zeigen, daß der Minister seinen Einfluß über die Justizbehörden dazu benutzt hat, die Befreiung der Schuldigen zu erwirken. Außerdem wurde in der Debatte bewiesen, daß der Gerichtshof, der die Fälscher der Wahlprotokolle befreite, zu der Provinz gehört, in der der Minister des Innern der Kazike(politische Ober- Herr) ist. Trotz alledem erklärte der Ministerpräsident, indem er sich hinter die Bestimmungen der Verfassung über die Handhabung des Rechtes verschanzte, daß der Minister des Innern, früher Kultus- und Justizmiuister, sich der Amtspflicht- Verletzung nicht schuldig gemacht habe und daß er seines hohen Amtes durchaus würdig sei. Kann man noch schamloser sein? Gibt es eine größere politische Heuchelei und eine rücksichtslosere Verhöhnung des Volkes? Alles das hat der Chef der Negierung auf seinem Ge- wissen. Er tat aber»och mehr. Obwohl jener Minister politisch tot und unmoralischer Handlungen beschuldigt ist, behält er ihn im Ministerium� Eine knechtische Mehrheit, die fortdauernd die Gegner ver- unglinipst, unterstützt Herrn Canalejas in dieser elenden und ekelhaften Politik. Herrn Canalejas Vorgänger waren schlechte Negierende, aber keiner von ihnen hat zu solchen kränkenden und erbärmlichen Mitteln gegriffen. Gewiß Barroso wird bald auf seine Ministerwürde ver- zichten niiissen, aber er wird nicht verzichten, weil der Chef der Ncgiernng sich der Nation gegenüber entgegenkommend zeigen oder ein Beispiel politischer Moral geben will, sondern weil die Parteien der Linken nicht aufhören lverden dem einen wie dem anderen die schweren Verfehlungen und den schamlosen Zynismus, den sie beweisen, vorzuhalten. In unserem Lande ist noch viel Arbeit nötig, um die Regierenden zu zwingen, solch unsaubere Geschäfte zu unter- lassen. Auf jeden Fall muß ihnen eine exemplarische Züchtigung verabfolgt werden.__ Der Krieg. Eine türkische Rechtfertigung der Jtalicneransweisnngen. Koustantinopcl, 3. Juni. Die Pforte veröffentlicht die am 2t. Mai signalisierte Z i r k u l a r n o te an die Mächte, worin die Ausweisung der Italiener begründet wird. Die Note führt aus: Infolge der Schwierigkeiten, denen die Expedition von Tripolis und Benghasi begegnet und infolge des noch immer bestehenden Unvermögens, den Widerstand der Ottomanen zu Lande zu brechen, hat Italien geglaubt, alle Mittel an- wenden zu dürfen, um die ottomanische Negierung und die otto- manische Ration zur Abtretung der Provinzen zu bewegen, deren Besetzung ihm nicht gelingt. Die ottomanische Negierung hat gegen die Vorteile, die Italien aus seiner maritimen Ueberlegen- heit zu ziehen in der Lage war, nichts einzuwenden, sie ist aber berechtigt, gegen jene Mittel Einspruch zu erheben, die Italien entgegen dem Völkerrecht und den Grundsätzen der Haager Kon- ferenz und mit Hintansetzung von Menschlichkeit und Zivilisation anwendet. Tie Rote erinnert an die Massakers in Tripolis und erklärt: Die Pforte hat damals das Aufwallen der Entrüstung und des Bedürfnisses nach Repressalien zurückgehalten und davon Abstand genommen, mit der Ausweisung der Italiener zu ant- Worten, die vollauf gerechtfertigt gewesen wäre. Diese Zurück- Haltung ermutigte jedoch nur Italien, welches mit der absichtlichen Verletzung der modernen Kriegsbräuche fortfuhr, indem es un- befestigte Städte bombardierte, aus Luftschiffen und Aeroplancn auf die Bevölkerung, die Truppen und Sanitätsabteilungen Bomben herabwarf und Handelsschiffe anhielt. Die Italiener landeten auf Rhodos und führten die Vertreter der Behörden, die in gar keiner Beziehung zu den militärischen Operationen standen, als Kriegsgefangene mit sich, sogar die Gerichtsbeamten. In der Absicht, unter der Bevölkerung Zwietracht zu säen, machte Italien viele Einwohner unter dem Vorioande, sie gehörten dem Komitee für Einheit und Fortschritt an, zu Kriegsgefangenen und gab sich den Anschein, die Christen zu begünstigen, indem es eine Ein- schränkung der Freiheiten der Muselmanen vornahm. Durch dieses Vorgehen wurde bei den Ottomanen das Matz der Ent- rüstung voll. Die Pforte war nunmehr nach so lange bewiesener Langmut genötigt, zur Ausweisung der Italiener ihre Zuflucht zu nehmen. Die Art und Weise des Vorgehens, wie es sich Italien gestattet, ist dem grötzten Teil nach von der Haager Konferenz formell untersagt, während das Ausweisungsrecht zu jener Gattung von Kriegsmatznahmen gehört, gegen welche die genannte Konferenz sich nicht aussprechen wollte. Eine italienische Niederlage? Paris, 3. Juni. Der„Excelsior" bringt die Meldung von einem Siege der Türken über die Italiener bei Tehibat(an der tunesischen Grenze). Danach seien die Italiener bei einem Streif- zuge von B u ch a m e z aus auf eine Abteilung türkischer und arabischer Streitkräfte gestotzen. Da sich die vereinigten Türren und Araber in der Ucbermacht befanden/ sahen sich die Italiener genötigt, sich zurückzuziehen. Den Türken fielen grotze MunitionS- Vorräte, die von den Italienern zurückgelassen worden loaren, in die Hände. Die Verluste der Italiener sollen ziemlich erheblich gewesen sein. Die Türken hatten S Tote und 28 Verwundete. Die italienischen Streitkräfte bestanden aus 5 Bataillonen Bcrsaglieri, 1 Batterie Gebirgsartillerie, 1 Abteilung Maschinen- gewehre und 1 Abteilung AZlaris. Die italienischen Berichte über dieses Gefecht schreiben den Sieg natürlich den Italienern zu. politische(leberliedt. Berlin, den 3. Juni 1912. „Post"- Eseleien. Wir haben kürzlich einen Artikel der„Post" zisiert, in dem Herr Bassermann beschimpft und„Führer zum Ab- arund" getauft worden ist. Der von einem„Altnationalliberalen F— n" gezeichnete Artikel wurde vielfach Herrn Fuhrmann zugeschrieben und erregte deshalb einiges Auf- sehen. Hinterher stellte sich heraus, daß der angebliche Originalartikel ein Auszug aus einer alldeutsch-antisemitischen Broschüre war, die unter dem Pseudonym„Frymann" er- schienen ist. Die„Post" hatte also wieder mal geschwindelt. doä' darin wäre weiter nichts erwähnenswertes. Lustig aber ist. daß der Verfasser auch über die s r e i k o n s e r v a t i v e Partei einige Urteile fällt, die die„Post" wiederzugeben sich wohl hüten wird. Es heißt nämlich in der von der„Post" selbst nachträglich erwähnten und sehr empfehlenswerten Broschüre: «De» Uebergang von den Nationalliberalen zu den Konser- vativcn bildet die Reichspartei.... ES ist ihr gegangen wie den Natioualliberalen: sie hat sich nicht dazu aufgerafft, ihre politischen Schlutzfolgermigen aus Bismarcks Entlassung zu ziehen und hat als Partei fast alle die zahllosen Fehler seiner Nachfolger mitgemacht: dabei ist gern anerkannt, datz hervor- ragende Freikouservalive für ihre Person Bismarck die Treue ge- halten haben, vor allem ihr Führer v. Kardorff.... Als nach seinem Tode im Reichstage Fürst Hatzfeld die Führung übernahm, ging das Ansehen mit einem Schlage verloren; denn eine Partei, die sich ein national gleichgültiges und an Charakter unbeschriebenes Oberhaupt gibt, dankt ab. Im Sinne nationaler Politik ist die Leitung im preußischen Abgeordnetenhause ebenso unzulänglich, die dem Freiherrn v. Zedlitz und Neukirch anvertraut ist, dem Diplomaten der inneren Politik, einem Manne von großen Fähigkeiten und reicher Erfahrung, zweifellos auch von Einsicht— aber auch nur allzu st i e f m ü tterlich bedacht mit den männlichen Eigenschaften des Charakters und deshalb ohne Größe der Auffassung und Haltung; er ist eine Figur des politischen Helldunkels, hat seine Hände in allem und findet Vertrauen bei keinem.. Also Herr v. Z e d l i tz ist ein Führer ohne C h a- r a k t e r. Und daß dem Herrn„Frymann" Glauben bei- zumessen ist, das sagen nicht nur Postesel. Der„Reichsbote" erklärt:„Ausgezeichnet sind die großen Parteien in ihren Grundzügen dargestellt." Und auch die„Kreuz- Zeitung" meint, daß der Herr wohl verdient, gehört und be- achtet zu werden. Wo solche Autoritäten sprechen, müssen wir uns wohl bescheiden und die Charakteristik des Herrn v. Zedlitz als eines charakterlosen und vertrauensunwürdigen Menschen als richtig anerkennen._ Der Fall Düwell. Genosse Düwell schreibt uns: Als unsere Genossen am 22. Mai im Reichstage den Fall Düwell vorgebracht hatten und zwar mit Berufung auf das im „Vorwärts" veröffentlichte polizeiliche Führungsattest, behauptete der Herr Kricgsminister, das Unbescholtenheitszeugnis sei später zurückgezogen worden. Er rief damit den Eindruck hervor, als wolle er sagen, die Polizei habe widerrufen, datz außer der Be- strafung meines Sohnes wegen Uxbertretung des Vereinsgesetzcs nichts Nachteiliges gegen ihn bekannt sei. Unterm 27. Mai richtete ich daraufhin an den Polizeipräsidenten von Lichtenberg ein Schrei- ben mit der höflichen Bitte, mir als Vater des jungen Mannes gefl. mitzuteilen, ob tatsächlich ein mir unbekanntes Führungs- attest ausgestellt worden sei und welchen Inhalt es habe. Auf diese Bitte ist mir bisher keinerlei Antwort zugegangen. Ein Kommen- tar hierzu erübrigt sich jetzt an dieser Stelle. Zu dem skandalösem Fall schreibt die„Welt am Montag": „Nun hat er den amtlichen Stempel! Er darf nicht mehr Ein- jähriger werden, er darf nicht studieren, er darf kein Abiturienten- examen machen. Er kriegt es schriftlich: Er hat mit Absicht die Ge- setze des Staates übertreten, hat daS auch noch abgeleugnet und damit„dip Wahrhaftigkeit vermissen lassen, die für jeden Menschen, namentlich abc für einen gebildeten Mann uncrlässig ist.(„Un- erlässig" stammt aus dem Amtsbriefe.) Bei dem bckuudeten Man- gel an moralischer Reife vermögen wir Sie zur Reifeprüfung nicht zuzulassen"..,.,- Siehsie? Nu weißt du, lieber Düwell, was du für ein Kerl bist! Du wirst den bunten Rock zwei Jahre lang tragen; die rote Note wird hiyter dir her berichtet ans Regiment! Du. wirst nie eine Robe tragen, du wirst verdammt sein, Redakteur zu bleiben wie dein Vater; du wirst deinen Kindern das Mol an deiner Stirne vererben, du wirst die rote Rotte vermehren helfen;— kurz, nun hast du das Unheil an deinen Fersen! Du bist gekennzeichnet! Wenn du nun dienen wirst, dann wird vielleicht neben dir im Glieds ein Kerl stehen, der ein Ausbund von Liederlichkeit ist, der in Bonn oder Heidelberg alle tollen Streiche der goldenen Jugend ausgefressen, der hinter sich ein zertretenes Mädchen oder ein hungerndes Kind hat; der aber auf seidenen Kissen in die Welt geiommen ist und nichts„Unsittliches" getan hat. Er trägt die Schnüre, wird bald die Tressen tragen und endlich die Epau- lettcs. An ihm magst du zu deiner Schande und Scham erkennen, was die sittliche Reife ist, die dir so ganz und gar fehlt!" Und die„Zeit am Montag" sagt: „Hätte der junge Düwell ein NotzuchtSdclikt oder ein an- deres feudales Verbrechen begangen, so hätte sich für ihn unter Umständen Rat schaffen lassen. Aber er hatte Schlimmere? ver- brachen— hatte sich sozialistischer Gesinnung verdächtig gemacht und einen Verein gegründet, der die Jugendaufklärung zum Zweck hatte. Dafür soll er nun lebenslänglich gestraft, um dieser Misse- tat willen mutz all sein redliches Mühen und Streben zunichte ge- macht und seine Zukunft im voraus zugrunde gerichtet werden... Datz es dem Kricgsminister äußerst peinlich war, über diesen Fall ini Reichstag Rede und Antwort stehen zu müssen, ist durchaus erklärlich. Seine Antwort war denn auch danach. Mit der Kraft der Verzweiflung klammerte er sich an das behördliche Attest und an die angebliche Bescholtenheit des jungen Mannes. Mehr konnte er zur Rechtfertigung eines so ungeheuerlichen Verfahren? nicht vorbringen. Das aber war in hohem Grade bezeichnend für den Geist, der in Preußen die Behörden beseelt. Der Geist nichtsnutziger, kleinlicher und gehässiger Schikane ist so recht bezeichnend für da? Preutzentum, dessen Ruhm die Maulhelden von der„Deutschen Tageszeitung" und anderen Or- ganen des gleichen Kalibers täglich verkünden. Dieser erbärmliche Geist wird am letzten Ende aber doch nur dazu beitragen, datz end- lich ein System geslürzt wird, dessen Vertreter in ihm seine Haupt- stütze erblicken. Und so wird auch der Fall Düwell großen Nutzen stiften, weil er zur Diskreditierung eines Systems beiträgt, das zur Folge hat und haben mutz, datz immer größer die Zahl der anständig denkenden Leute wird, die allen Ernstes sich die Frage vorlegen, ob man nicht doch allen Grund habe, seines Preußentums sich zu schämen"._ Zentrum und Papst. Angesichts der beiden päpstlichen Kundgebungen herrscht. wie aus Köln gemeldet wird, im Lager der O st e r- dienstagsleute große Freude und feste Zuversicht, daß die weitere Entwickelung in der Zentrumspartei den von ihnen gewünschten Erfolg haben und die Niederringung der Kölner Richtung nur noch eine Frage der Zeit sein werde. Ans Rom sind unterdessen Mitteilungen ein- getroffen, die die Hoffnung der Kölner Richtung znschanden machen, daß Merry del Val zum Rückzüge blasen werde, wenn er erkenne, welche Aufnahme die Depeschen in Deutsch- lemd gefunden haben. £ie auf dein Standpunkte Roerens stehende„Kölner Korrespondenz" schreibt in ihrer Montag herausgekommenen Nummer:„Die Nr. 27 der„Kölner Korrespondenz" sollte am 80. Mai erscheinen,«sie handelte von den jüngsten päpstlichen Verlautbarungen zum Gewerkschaftsstreik. Aus besonderen taktischen Gründen, die uns erst nach Fertigstellung der Nr. 27 bekannt wurden, haben wir dieselbe nicht verschickt, sie ging nur an einzelne Private." In einer weiteren Notiz schreibt die„Kölner Korrespondenz":„Wenn auch das päpstliche Telegramm an Herrn Giesberts im Gegensatz zu dem an den Berliner Verband mit Absicht sehr kühl gehalten wurde, so ist doch eine offizielle Verurteilung der christlichen Gewerkschaften nicht als bevorstehend zu betrachten." Interessant ist auch, daß Graf Oppersdorfs, der vom Zentrum bekanntlich aus der Fraktion ausgeschloffen worden ist, vom P a p st in Audienz empfangen und vom Empfang sehr befriedigt ist._ Zentrumsarbeiter werden rebellisch! „Unsere Bergarbeiter und Hüttenleute im Industriegebiete müssenseiteinigenTagen Spieß- ruten laufen wegen der angeblichen Ablomman- dierung des Zentrums." So schrieb das bekannte Dortmunder gentrumSblatt, die „T r e m o n i a". Sie schrieb weiter, die Zentrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses habe bei den letzten namentlichen Abstimmungen den traurigen Ruhm erworben, die meisten Fraktions- schivänzer zu besitzen. Es sei tief beschämend, wenn ein Drittel der Fraktion ohne jede Entschuldigung bei der Abstimmung fehle. Von den 44 Zentrumsabgeordneten, die bei der Abstimmung über den freisinnigen Eventualantrag zum Wahlrecht gefehlt hätten, feien 33 ohne jede Entschuldigung ferngeblieben. Die Abstimmung-- zahlen würden gegen die Fraktionsschwänzer ständige Ankläger sein. Die„Tremonia" droht für die Wiederholung mit Verösfent- lichung der Namen der Fehlenden, und sie schreibt, da« Gros habe „aus grober Nachlässigkeit gefehlt und die Ehre der Partei dadurch gefährdet". Es ist nun wieder weiter nichts wie Schaumschlägerei und „Oogenverblennen". WaS haben denn Zentrumpresse und Zentrums- fnhrer vorher getan, um allen Beteiligten die Wichtigkeit der Ab- stimmung ins Bewußtsein zu hämmern 1 Gar nichts, die Zentrums» presse hat sich vielmehr über die Situation geradezu lustig gemacht. Man vergleiche dagegen nur, wie daS Zentrum alle Minen bei der bülowslürzenden Abstimmung über die Erbanfall st euer springen ließ und Disziplin erzwang. Da standen eben die heiligsten Geld- schrankgüter auf dem Spiel. Die„gräßliche" Wahlrechlsfrage aber läßt sich das Zentrum immer erst vor den Bauch stoßen und auch dann sucht es noch mit allerhand schäbigen Finessen um die Frage herum zu kommen. Die nachträglich gespielte„Entrüstung" ist eitel Komödie l Das werden nachgerade auch die katholischen Arbeiter einsehen. Im Lager des Feindes. Im Wahlkreise des Frei Herrn S Erffa, des Präsidenten des preußischen Landtags, ßatrd am Sonntag nachmittag eine Protestversammlung gegen die Ausweisung deS Genossen Bo r ch a r d t statt. Der Landtagswahlkreis ErffaS bildet einen Teil des ReichBtagswahllreises Erfurt-Schleusingen-Ziegew- rück. Erffa selbst bewirtschaftet ein Ritedrgut im Kreise Ziegen- rück; sein Sohn ist dort Landrat. Dem Druck der matzgeben!den Kreise ist es zu danken, daß die Landarbeiter des Kreises Ziegenrück in wirtschaftlicher Beziehung zu den schlechtbezahltcstcn Ar- beitern ganz Deutschlands gehören; in politischer Beziehung wird ein solcher Terrorismus geübt, daß kein Wirt des ganzen Kreises seinen Saal zu einer Versammlung hergibt- Nur einem be- sonderen Umstände war eS zu danken, datz am vergangenen Sonn- tag in einem der grötzten Orte, in K ö l p a, eine Versammlung stattfinden konnte. In hellen Haufen waren die Arbeiter von fern und nah herbeigeströmt, um den Genossen Julian Borchardt über die Vorgänge im Landtage und über den Wahlrechtskampf! in Preußen zu hören. Mit brausenden Hochrufen wurde Genosse Borchardt im Wahlkreise des Herrn v. Erffa empfangen, mit ge- spanntester Aufmerksamkeit folgte die Versammlung seinen Aus- führungen und durch stürmisichn Beifall gab sie zum Schluß zu er- kennen, datz sie entgegen Herrn v. Erffa und entgegen der Mehr- heit des preußischen Abgeordnetenhauses auf Seiten des Genossen Borchardt steht. Nach dem Genossen Borchardt ergriff noch der NeichStagsabgeordnete des Kreise», Genosse Heinrich Schulz, das Wort; er wie» darauf hin, daß im LandtagSwahlkreise Erffvs bei der letzten RcichStagswahl S000 sozialdemokradifchen Stimmen nur insgesamt 6000 bürgerliche, darunter 24 konservative, gegen- überstanden. Erffa könne sich also nicht als Vertreter des Volkes betrachten. Nur dem Dreiklassenwahlrecht, diesem Geldsack- und Privilegienwahlrecht habe er seine Wahl zu verdanken. Der Auf- forderung des Redners, die Vorbereitungen zur nach- sten Landtagswahl noch intensiver als früher zu betreiben, um durch den erneuten Nachweis der aufreizenden Ungerechtigkeit des Dreiklassenwahlrechts um so mehr zu seiner Be- seitigung beizutragen, stimmte die Versammlung mit brausendem Beifall und unter Hochrufen aus die Sozialdemokratie zu. Herr v. Erffa. dem volle Redefreiheit und volle Freihei! zu Zwischenrufen eingeräumt worden war, war in der Versamm- lung natürlich nicht erschienen. Polizei und Stadtverwaltung. In der letzten Stadtverordnetensitzung in Essen richteten die sozialdemokratischen Stadtverordneten an den Oberbürgermeister die Anfrage, ob ihm der mehrfache Amtsmißbrauch von Essener Polizeibeamten bekanntgeworden sei, der darin bestand, daß sie sich die Namen von Mitgliedern gewerkschaftlicher Organisationen auf ungesetzlichem Wege beschafft und Interessenten mitgeteilt haben. Bejahendenfalls wurde weiter gefragt, ob der Oberbürgermeister bereit sei. für die dadurch brotlos gewordenen Bürger einzutreten und bei der Regierung dahin zu wirken, daß die Beanncn zur Rechenschaft gezogen und zur Beachtung der Gesetze angehalten werden. Nach einer längeren Ans- spräche, in der der Oberbürgermeister zunächst bestritt, daß diese Angelegenheit zur Kompetenz der Stadtverordnetenversammlung ge- höre, lehnte er daS Verlangen rundweg ab. Bemerkenswert ist, daß da? Zentrum sich völlig ausschwieg, während ein den Gelben nahestehender liberaler Stadtverordneter dem Oberbürgermeister zu Hilfe eilte._ Die Waylnnruhen i« Schwetz. In dem Aufruhr- und Landfriedensbruchprozeß in Schwetz, der infolge der Kundgebungen polnischer Wählerkreise, die über die frei- konservative Wahtdeeinflussung empört waren, inszeniert worden war, wurde am Sonntag daS Urteil verkündet. Die Geschworenen ver- n einten die auf Aufruhr gestellten Schuldfragen, bejahten da- gegen die Frage nach schwerem und einfachem Landfriedens- bruch. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurden die Arbeiter Subkowski, PiotrowSli und Gadzinski zu je zehn Monaten Gefängnis wegen schweren La'ndfriedenSbruchs, die Arbeiter Wilinöki. Simon, Jurkiewicz und Grajcwski zu je sechs Monaten wegen einfachen LandfriedenSbruchs verurteilt. Den Verurreilten wurde die Uutersuchungshaft voll angerechnet und Sub- kowsii sofort au« der Haft entlassen. Die übrigen sieben Angeklagten wurden freigesprochen. Organisierter Wahlschwindel der Zentrumschristcn. Auf der christlichen Tagung in Frankfurt a. M. erklärt« Herr Landtagsabgeordueter Andre- Stutrgart, datz die christlichen Ar- beiter sich mit allem Nachdruck auch an den sozialen Wahlen (Gewerbcgerichl, Krankenkassen usw.) beteiligen müßten. Bei dem Pcoportionalwahlsystem bestehe die Aussicht, daß die christlichen Ar- beiter wenigstens einige Leute durchbrüchlen. Diese Möglichkeit sei namentlich bei den Wahlen zu den BetriebSlrankenkassen gegeben. CS käme vor allen Dingen darauf an. dafe man geschickt arveite. ES müßten drei bis vier Wahlzettel ausgegeben und so namentlich die indifferenten Arbeiter irregeführt werden, wohingegen natürlich die christlichen Arbeiter wissen müßten, welcher Zettel der richtig sei. So Herr Andre. Man wird sich die mit tollpatschiger Offenherzigkeit vorgetragenen Ratschläge des christlichen Führers, die Empfehlung des organisierten Wahlschwindels für kommende Fälle zu merken haben. Der Neichstagspräsident Kaempf wird nach der Meldung einer parlamentarischen Nachrichtenstelle sein angefochtenes Mandat für den Reichstag nicht niederlegen, sondern dvS Resultat der Beweiserhebungen abwarten._ Der Streik im Londoner Daten. Die Bauarbeiter kommen den Transportarbeitern z« Hilfe. London, 3. Juni. Der Verband der Londoner Bauarbeiter hat beschlossen, diejenigen Mitglieder, die im Londoner Hafen beschäftigt sind, zum sofortigen Streik aufzufordern. Der Verband beschloß ferner, die ausgeschlossenen Gewerkschaften aufzufordern, ihre Mitglieder in dem ganzen Bezirk des Londoner Hafens zum sofortigen Ausstand zu veranlassen, falls Nichtorganisierte Arbeiter mit ihnen zusammen eingestellt werden würden. Differenzen im Hafen von Sonthampton. Southampton, 3. Juni. Die hiesigen Hafenarbeiter drohen mit einem neuen Streik, der 7000—8000 Mann umfassen dürfte. Sie haben neue Forderungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen gestellt, aber die Arbeitgeber haben wegen der im letzten Sommer bewilligten Aufbesserungen ab- gelehnt, sich in eine Erörterung der Forderungen einzulasien. OeflUrreicK-(Jngam. Leere Vcrsprechimgeu der ungarischen Regierung. Budapest, 3. Juni. In einer ausführlichen Abhandlung hat Mini st erpräsident v. Lukacz die Wahl- reform Vorschläge der Opposition beant- wartet. Den Vorschlag, daß an Stelle der definitiven Wehrreform ein Provisorium mit erhöhtem Nekrutenkontingent bewilligt werde, lehnt er ab. Die Anträge der Opposition zur Wahlreform unterzieht der Ministerpräsident einer eingehenden Kritik und weist darauf hin, daß die vor- geschlagene Erhöhung der gegenwärtigen Wählerzahl von 1,2 Millionen auf 2,9 Millionen für eine ruhige Eni- Wickelung nicht unbedenklich sei, da dies eine Ver- mchrung um 150 Prozent bedeute. Er verpflichtet sich neuer- dings zur Vorlage einer Wahlreform in der H e r b st s e s s i o n. Dieser Gesctzentivurf werde auf den Prinzipien eines allgemeinen gleichen Wahlrechts, jedoch mit gewissen Einschränkungen aufgebaut sein. Der Regierungsentwurf werde den Intelligenz- z e n s u s einfuhren, und nur für Analphabeten aus- hilfswcise einen sehr geringen Vermögenszensus zu- lassen. Demgegenüber sollen sich die oppositionellen Parteien verpflichten, an der raschesteil Erledigung der Wehrgrsetze mitzuwirken und dann ein erhöhtes Nekrutenkontingent von 136 000 Mann zu bewilligen. Auch soll im Zusammenhang mit der Wahlrcform die Hausordnung des Abgeordnetenhauses revidiert werden. Diese Anträge werden als unab- änderlicher Standpunkt der Regierung b e- kanntgegeben. Ucber das Militär als Polizei gab es im Wehrausschuß deS Abgeordnetenhauses eine Debatte. Sie war durch sozialdemokratische und tschechisch- radikale Anträge auf Streichung der Bestininiung, die das Militär auch zu Polizcizwecken zu verwenden gestattet, und durch weitere Anträge hervorgerufen, wonach die Regierung die Verwendung deS Militärs' zu Polizeizwecken in jedem Fall binnen 12 Tagen vor dem Parlament zu rechtfertigen habe. Baron H e i n o l d, der Minister des Jiluern, der den er- krankten Ministerpräsidenten vertritt, erklärte, solche Ver- Wendung des Militärs sei in allen Staaten vorgesehen und die Regierung müsse auch jetzt schon inimer ini Parlament Rede stehen. Unsere Genossen D a s z y n S k i und L e u t h n e r verwiesen aber darauf, daß leider gerade in Oesterreich Militärsalven gegen streikende Arbeiter. Hungerdemonstranten und oppositionelle Wöhlcrsin Galizien» häufiger seien, als in irgend einem zivisierten Staat, außer Italien und Nordamerika, dem Lande des kapitalistischen Absolutis- mus.— Au der Ablehnung der Anträge ist selbstverständlich nicht zu zweifeln. Namentlich die„Dcutschfreiheitlichen" be- kämpfen sie am heftigsten.___ Die christlichsoziale« Verleumder entlarvt. Wien, 3. Juni.(Privattelegramm des„Vorwärts�.) Die Leiche unseres seit 6. Januar vermißten Reichstagsabgeord- neten Genossen Franz S i l b e r e r wurde auf dem Hundstein bei Zell am See von einem Tischlergehilsen aufgefunden. Allem Anschein nach lvurde Silberer, der sich auf einer Ski- tour befand, im Abfahren von Schneemassen begraben. Die„Reichspost". das offizielle Organ der Christlich- sozialen, hatte bald nach dem Tode Silberers die schuftige Verleumdung aufgebracht, daß Silbcrer nicht verunglückt, fon- dern nach Amerika entflohen sei, nachdem er als Obmann der Bäckcrgenosseuschaft Unterschlagungen von Vereinsgeldenl ver- übt habe. Trotzdem diese Behauptungen sofort als unwahr bewiesen wurden, hielten die Chrisilichsozialen an dieser Luge fest und benutzten sie als Hauptagitationsmittel beim Wiener Gemeindewahlkampf. Sie produzierten auch ein gefälschtes Zeugnis, dem zufolge Silberer in New Jork gesehen morden sei, und beschuldigten unsere Genossen, die Nachforschungen nach Silbcrer nur lässig betrieben zu haben. Nun sind die elenden Leichenschänder völlig entlarvt. frankreicb. Vor der Entscheidung über die Wahlreform. Paris, 2. Juni. lEig. Ber.) Die Dienetagsitzung der Kammer wird für die Zukunft der französischen Teniokratie von entscheidender Bedeutung sein. Der Ministerprastoent wird in ihr die Stellung der Regierung zur Wahlreform dar- legen und die Vertrauensfrage stellen. Damit wird, wenn auch jede weitere Intrige der Reformgegner, so doch jede Ver- dunkelung der Verantwortlichkeiten verhindert sein. Das ausschlaggebende Hindernis der Wahlreform be- stand bekanntlich darin, daß in der Deputiertenkammer zwar eine entschiedene Mehrheit für den Proporz vorhanden mar. die Mehrheit der bürgerlichen Linken aber sich ihm widersetzte. Tie Regierung, deren Mitglieder � zumeist Proportionalisten sind, hatte erklärt, daß sie die Reform mir mit einer„republikanischen Majorität"— diese wird von der demokratischen Union" an. den großbürgerlichen Deputierten des linken Zentrums an gerechnet—.durchführen wolle, was für ein Ministerium, das in allen übrigen Fragen auf die Linke angewiesen ist, durchaus angezeigt war. praktisch indes als Anreiz zu immer neuen Intrigen der radikalen Proporz- gegner wirkte. Nun ist die innerpolitische Situation durch die Verzettelung der Reform einfach unerträglich ge- worden. Die Nachwahlen für die Kammer wie die Gemeindewahlen zeigten, daß der Radikalismus immerzu an Boden verliert, und die Regierung sah ein, daß sie ohne die Unpopularität des ohnehin durch die zunehmenden reaktionären Modeströmungen in den besitzenden Klassen in Mitleidenschaft gezogenen parlamen- tarischen Regimes zu steigern, die Rücksicht auf jene Radikalen, die für die Tatsachen der politischen und sozialen Entwickelung blind noch immer an die Möglichkeit eines jakobinischen Regimes glauben, oder gar nur noch daran denken, ihre Mandatseinkünste so lange wie möglich festzuhalten, nicht weiter bewahren konnte. Sie wird also, was die Anhänger der Reform längst wollten, ihre Stellung klarlegen und einen eigenen Vorschlag bekanntgeben, für dessen Annahme sie auf die Stimmen der Republikaner rechnet. Die nächste Frage ist nun, wie dieser Entwurf— das Vertrauensvotum einmal vorausgesetzt— zur Beratung kommen soll. In der Deputiertenkammer ist diese Beratung nach der Geschäftsordnung nur möglich, wenn die Dringlich- keit des in der ersten Lesung erledigten Gesetzes über die Wahlreform aufgehoben wird, andernfalls müßte die Re- gierung ihren Entwurf, um seine baldige Erledigung zu sichern, zunächst dem Senat vorlegen, der ihn schnell be- raten würde, während die Deputiertcnkammer an dem— durch den Regierungsvorschlag tatsächlich beseitigten— Gesetz weiterzukauen hätte. Die„Delegation der Linken" hat beschlossen, die Beratung der Regierungsvorlage in der Deputiertenkammer durch einen Antrag auf die Zurückziehung der Dringlichkeit des in erster Lesung beratenen Entwurfes zu sichern. Dieser Beschluß er- scheint als eine Absage an die vom Obstruktionsgeneral Breton empfohlene Taktik, die darauf abzielte, die Kammer möglichst lang mit einem aussichtslos gewordenen Entwurf zu beschäftigen und gleichzeitig von der radikalen Scnatsmehrheit die Regierungsvorlage erwürgen zu lassen. Es ist möglich, daß die Vernünftigeren unter den bis- herigen Proporzgegnern doch einsehen, daß sie durch weiteren Widerstand ihre Partei nur vollends zugrunde richten, ohne die Reform auf die Dauer aufhalten zu können. Freilich muß auch damit gerechnet werden, daß an die Stelle der Obstruktion gegen den alten Entwurf Versuche, den neuen zu obstruieren, treten werden. Die Anhänger der Reform, die sich auf den alten Entivurf nicht versteifen, wofern ihnen die Regierungsvorlage in den entscheidenden Punkten Genug- tuung gibt, werden sich jedenfalls solcher Tücken versehen müssen. Die Hauptsache ist allerdings der Inhalt der Re- gierungsvorschläge. Vermutlich wäre die Mehrheit der Reform- freunde bereit, einen Vermittelungsvorschlag anzunehmen, der die Mandate mit einer„Prämie" für die Wählermehrheit aufteilt. Aber wobei sie bleiben muß, wenn sie nicht das Prinzip der Reform überhaupt preisgeben will, ist das System des„Wahlqnoticnten", der den Minderheiten ihre Ver- tretung sichert. In keinem Fall kann sie auf die Wünsche der Radikalen eingehen, die eine einfache Wiederherstellung des Listenskrutiniums oder eine Beibehaltung des zweiten Wahlgangs wollen. Hält aber der Regierungsentwurf die Hauptgrundsätze der Reformanhänger fest, so ist die Frage, ob Poincarö sein Vertrauensvotum, wie dies nach seinen früheren Er- klärungen notwendig wäre, aus den Händen der Mehrheit der BürgerlichcnFemPfängt. Darum wird die Verhandlung am Dienstag.auch für das Schicksal der Regierung ent- scheidend sein. Marokko. Tie französische Aktion vor den Mauern von Fez. Paris, 2. Juni. General Lyautey sandte dem Mi» nister des Aeußern folgende Telegramme aus Fez unter dem 1. Juni 9 Uhr abends: Die Kolonne des Obersten Gouraud, welche fünf Bataillone Infanterie, sechs Ab» teilungen Artillerie und 2 Eskadrons Kavallerie umfaßt, rückte um 5 Uhr früh gegen den Feind vor, der sich zehn Kilo- meter nordöstlich von Fez an den Ufern des Sebu gesammelt hatte. Das Feuer wurde um 6 Uhr durch die Vorhut gegen die Feinde auf den Abhängen im Süden- von Zelagh eröffnet. Die Kolonne machte einen heftigen Angriff gegen die feind- lichcn Abteilungen, die infolge des Artilleriefeuers von-den Abhängen nicht herabsteigen konnten. Um 19 Uhr gelangte die Kolonne zu einem der großen feindlichen Lager, das von der Artillerie bombardiert und vom Feinde schnell geräumt wurde, der in hellewHaufen in die Berge floh. Eleissami. der Anführer der Ha-rka, fiel in unsere Hände. Der Feind ließ zahlreiche Tote zurück. Wir hatten 9 Tote und 28 Ver- mundete. Ein englischer Instrukteur wurde getötet. Um 11 Uhr 30 Minuten machte die Kolonne auf dem rechten- Ufer des Sebu Halt. Die Operation wird morgen fortgesetzt. Fez, 3. Juni. Die Kolonne-des Obersten Gouraud ist zurückgekehrt und hat während der Nacht bei Siha- faine gelagert. Nachdem Genietruppen den Butscharapaß für schwere Artillerie befahrbar gemacht hatten, sind diese und die Verwundeten durch den Paß gezogen-, um nach Fez zurückzukehren, während eine starke Abteilung mit Gebirgs» artillerie an den Abhängen im Norden von Zelagh entlang marschierte und den Bernussipaß benutzte. Seit gestern mit- tag ist kein Schuß gefallen. Der Feind scheint vollständig zerstreut zu sein. Die Generale Lyautey, Moinier, Brulard sowie El Mokri kamen der Kolonne entgegen, die mit Musik die Hauptstraße durchzog. Die Verluste der Franzosen be- tragen nach neueren Feststellungen 12Toteund31 Ver- wundete. Der Sultan Mulay Hasid und der Gesandte Regnault werden in Kürze gemeinsam abreisen, wenn die Lage es gestattet. Notgedrungene Milde. Paris, 3. Juni. Generalresiden-t Lyautey hat wegen der Haltung derBewohnervonFez während der letzten Ereignisse die Absicht, der Stadt die aufgelegte Kriegs- kontribution zu erlassen. Die Bevölkerung ist darüber sehr befriedigt. Die Kämpfe bei Masagan. Paris, 3. Juni. Der vorgestern aus Masagan(West- Marokko, südlich von Casablanca) gemeldete Angriff der Uled Fre-dj richtete sich nicht gegen eine Sanitätsabteilung, son- dern gegen eine Erkundungstruppe, sechs Kilometer von dem Lager de-r Sanitätsabteilung entfernt. Der Kampf war sehr lebhaft, die Goumiers hatten- einen Tote«: und zwei Ver- letzte. Von Sidi Ali sind in den- Morgenstunden Truppen abgegangen. Wie die letzten Meldungen besagen, hat sich die Lage gebessert. Französische Verstärkungen. Toulon, 2. Juni. 867 Mann Kolonialinfanterie und eine Maschinengewehrabteilung haben sich auf dem Postdampfer „Mingrslie" nach Casablanca eingeschifft. Ein zweites Bataillon folgt nächsten Sonnabend. Auch von O r a n (Algerien) sind Verstärkungen nach Marokko abgegangen. Französische Verluste. Paris, 2. Juni. Nach einer Zusammenstellung des „Journal" betragen die Verluste der Franzosen in Marokko vom 1. Januar bis zum 1. Mai d. I. 1 0 5 T o t e, darunter 16 Offiziere, und 239 Verwundete, darunter 9 Ossi- ziere. Die Verluste durch Krankheiten sind natürlich auch be- trächtlich. Die Eingeborenen Algeriens gegen die Dienstpflicht. Paris, 2. Juni. In N e d r o m a(Algerien) sollten vier eingeborene Stämme 170 Militärpflichtige stellen, doch er- schien vor der Gestellungskommission nur ein einziger, der Sohn eines eingeborenen Straßenaufsehers. Aus Ne- droma sind aus Furcht vor Unruhen 280 europäische Familien geflüchtet. Ein großer Eingeborenenprozeß in Tunis. Tunis, 3. Juni. Vor dem Gerichtshof begannen heute die Verhandlungen über die Ruhestörungen auf dem moham- medanischen Friedhof im November letzten Jahres. Es wurden damals gegen mehrere Europäer Attentate verübt. 72 Personen sind angeklagt. Die Verhandlungen werden ungefähr einen Monat dauern. China. Eine Ehrengabe für Sunjatsen. Peking, den 31. Mai.(Meldung der Agence d'Exireme Orient.) Duanschikai und Tangaichac-Ui haben in VorWag gebracht, Sun- jatsen in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um China und die Republik ein einmaliges Ehrengeschenk von 4000030 Frank und eine jährliche Entschädigung von 20000 Frank anzubieten. Die Nationalversammlung wird über den Antrag demnächst beraten. Außerdem will! man die Ministergchälter auf 2ö00 Frank pro Monat festsetzen. Ein Minister kann jedoch niemals zwei Gehälter auf einmal beziehen, auch wenn er zwei Ministerien zu gleicher Zeit zu leiten kjajt JMexiko. Ermordung eines Deutschen. Mexiko, 3. Juni. Der Deutsche Hugo Beel ist am 30. Mai in San Miguel am Rio Demesquilal von Banditen er- mordet worden. San Miguel ist ein abgelegenes Städtchen von 4000 Einwohnern im gefährlichisten Aufstandsgebiet. ES war hier bekannt, daß gegen Beel im- Februar ein« Erpressung verübt wor- den war, und daß er sich danach, entsprechend der Warnung des Gesandten, nicht in schlecht garnisonierten und abgelegenen Orten zu bleiben, mit seiner Familie nach der Gouvernementsstadt Durango begeben hatte. Von seiner Rückkehr in das gefährdete San Miguel hat man hier keine Kenntnis gehabt. Seine Frau mit zwei Kindern befinden, sich noch dort. Auf Antrag des Ec- sandten sind die mexikanischen Behörden bemüht, die Familie in Sicherheit zu bringen. Ein Rural-Korps befindet sich aus dem Marsche nach San Miguel._ Hus Induftrie und Kandel. Der Arbeitsmarkt im Juni. Während der Sommermonate herrscht in Handel und Ge- werbe gewöhnlich st i l l e Zeit. Die Zahl der in der gewerb- lichen Warenherstellung beschäftigten Arbeitskräfte erfährt selbst in Hochkonjunkturjahren von Mai auf Juni eine recht beachten-- werte Verminderung. Die infolgedeisen eintretende Mattigkeit am gewerblichen Arbeitsmarkt wird jedoch meist annähernd ausge. glichen durch die Zunahme der Arbeitsgelegenheit auf dem platten Lande. Die Landwirtschaft arbeitet in den Monaten Juni bis September mit dem stärksten Aufgebot von Arbeits- k r ä f t e n. Die Zahl der in landwirtschaftlichen Betrieben beschäf- tigten Kräfte steigt in dieser Zeit um annähernd 60 Proz. Das will bei dem Riesenheer von Kräften, das die Landwirtschaft in Anspruch nimmt, besagen, daß die Zahl der Beschäftigten auf nahezu 15 Millionen steigt. Während der Erntezeit entfallen auf die Landwirtschaft von der Gesamtzahl der Erwerbstätigen etwas über 50 Proz., in den übrigen Monaten etwa ein Drittel. Nach der Zählung von 1007 betrug das Gesamtpersonal der landwirtschaft- lichen Betriebe 15,17 Millionen Köpfe. Hiervon sind allerdings mehr als die Hälfte Familienangehörige, von denen wiederum rund 3 Millionen Köpfe nur während der Ernte und zur Zeit der Feld- bestellung in der Landwirtschaft mitarbeitet. Immerhin verbleiben noch zirka 4,5 Millionen Angehörige, die ständig in landwirtschaft- lichen Betrieben tätig sind, die Mehrzahl derselben ist weiblichen Geschlechts. Die Vermehrung der Arbeitsgelegenheit in der Land- Wirtschaft in den Sommermonaten kommt dem heimischen Arbeits. markt nicht in vollem Umfange zugute, da gleic�eitig durch die Z u» Wanderung fremder Arbeitskräfte eine starke Zu- nähme deS Angebots eintritt. Infolgedessen weist das durch- schnittliche Andrangsniveau im Juni vielfach gegenüber dem Vor- monat eine nicht unerhebliche Steigerung auf. Die Bewegung von Angebot und Nachfrage in den Monaten Mai und Juni 1006 bis 1011 ergibt sich aus nachstehender Zusammenstellung. Es kamen auf je 100 offene Stellen durchschnittlich Arbeitsuchende: 1006 1007 1008 1000 1010 1011 Mai: 08�07 07,37 138,80 147.83 140,24 126,10 Juni: 100,00 00,08 146,37 155,61 152,07 128,70 Aus verschiedenen Gründen kann im laufenden Jahre mit einer besonders starken Belastung des Arbeitsmarktes ge- rechnet werden. Die Zahl der Arbeitsuchenden war schon un Frühjahr 1912 ungewöhnlich hoch. Sie belief sich im April dieses Jahres auf 478 000 Köpfe gegen 401 000 im vorjährigen Parallel- monat. Diese starke Zunahme des Angebots erklärt sich aus den Nachteilen, die dem Stande der Kleinbauern und Jnstleute aus den abnormen WitterungSverhältniffcn und den Viehseuchen im Jahre 1011 erwachsen sind. Ein großer Teil der bisher im eigenen oder elterlichen Betriebe beschäftigten Arbeitskräfte mußte im Hin- blick auf die Verteuerung der Lebenshaltung Stellung in fremden Diensten suchen. Die Zunahme der Arbeitsgelegen- heit vollzog sich trotz der sich kräftig bessern- den gewerblichen Konjunktur nicht in so raschem Tempo wie die Steigerung des Angebots. Die Zahl der offenen Stellen betrug im April 1912 insgesamt 354 000 gegen 318 000 im vorjährigen Parallelmonat. Als weiteres un- günstiges Moment kom-mt hinzu das Daniederliegen der Bautätigkeit in verschiedenen Landestcilen. In Groß-Berlin und in einer ganzen Reihe süd- und mitteldeutscher Städte sind. die Aussichten deS Baugewerbes gegenwärtig ziemlich trübe. Die Zahl der im Baugewerbe Beschäftigten hat bei Beginn der dies- jährigen Saison nicht in gewohntem Maße zugenommen. Auch der Eingang von neuen Bauprojekten zur Genehmigung war bei den Polizeibehörden einer ganzen Reihe größerer Städte wesentlich geringer als in früheren Jahren. AuS all diesen Symptomen rann auf eine ziemlich starke Belastung des deutsch� UxbeitS- Marktes im Monat Juni 1012 geschloffen werde», GewerfercbaftUcbes. Das Einsammeln von Beiträgen ift keine Kollekte I In Ruß sollte eine neue Zahlstelle des Fabrikarbeiter- Verbandes gegründet werden. In dem Scheerschen Nestau- rationslokal in Ruß hatten sich dazu eine Reihe Von Ar- beitern zusammengefunden, welche auch dem Verbände bzw. der neuen Zahlstelle beitraten, nachdem ihnen der Vorsitzende Götze der Zahlstelle Tilsit des Verbandes die Vorteile des Verbandes auseinandergesetzt hatte. Götze sammelte von den Beigetretenen je 1 M. ein, nämlich 50 Pf. Eintrittsgeld und einen Wochenbeitrag von 50 Pf. Er wurde demnächst vom Landgericht Memel als der Be- rufungsinstanz zu einer Geldstrafe wegen Uebertretung der Polizeiverordnung des Oberpräsidenten der Provinz Ost- Preußen vom 12. April 1877 verurteilt. Die Verordnung macht� die Veranstaltung und Ausführung„öffentlicher Kol- lekten" von einer behördlichen Genehmigung abhängig und bestimmt in ihrem§ 2, daß zu den Hauskollekten auch Samm- lungen von Beiträgen gehörten, wenn sie an öffentlichen Orten vorgenommen würden. Das Landgericht ging davon aus, daß es sich bei dem Einkassieren der Beiträge um eine Kollekte in diesem Sinne handle, weil das Lokal von Scheer ein öffentlicher Ort sei. Es habe einer unbeschränkten Zahl von Besuchern offen gestanden. Götze legte Revision ein. Sein Vertreter, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, machte vor dem Kammergericht geltend, daß es sich hier überhaupt nicht um eine Kollekte bandle, sondern um eine statutenmäßige Einnahme von Bei- trägen und Einschreibegeldcrn. Im übrigen könnten auch nur Hanskollekten, nämlich das Einsammeln f r c i w i l l i- g e r Beiträge von Haus zu Haus, von einer Genehmi- gung abhängig gemacht werden, während hier nur die Ein- nähme der Beiträge in einem Hause in Frage stehe. Wenn die Verordnung des Oberpräsidenten darüber hinausgehe und das Sammeln von Beiträgen an einem öffentlichen Orte für eine Kollekte erklären wolle, dann sei sie mindestens insoweit ungültig. Das Kammergericht hob die Vorentscheidung auf und sprach den Angeklagten frei. Auf die Frage, ob bei der Ein- nähme von statutenmäßigen Beiträgen für eine Gewerkschaft überhaupt der Begriff der Kollekte in Frage kommen könne, ging das Kammorgericht in der Urteilsbegründung nicht ein. Dagegen betonte es, daß nach den in Betracht koinnienden Be- stimmungen des Landrechts und der Oberpräsidialinstruktion von 1825 als genehmigungspflichtige Kollekten nur die Sammlungen freüvilligcr Beiträge von Haus zu Haus, d. h. das Angehen der Personen von Haus zu Haus, verstanden werden könnten. Sollte die erwähnte Bestimmung der Ver- ordnung des Obcrpräsidcnten darunter noch etwas weiteres verstehen wollen, dann wäre sie ungültig und unanwendbar. Hier fei nun lediglich der Vorgang des Einsammelns von Beiträgen in einem einzelnen Lokal festgestellt worden. Das sei zweifellos kein Einsammeln von Haus zu Haus. Schon deshalb müsse die Freisprechung erfolgen. Berlin und Qmzegend. Tie Weltfirma A. E.-G. und der Arbeiterinnenschutz. Vor etwa Jahresfrist wurde der Arbeiterausschuß des Werkes Brunnenftraßc um seine Zustimmung dazu ersucht, daß fiir die Stanzer innen von Abteilung ä eine durchgehende Arbeitszeit ohne r'-stiindrge Pause eingeführt werden könne. Diese Zustimmung wurde aus durchaus berechtigten Gründen versagt. D>c durch- gehende Schichtarbcitszeit wirkt nicht nur gesundheitsschädigend fiir die Arbeiterinnen, sondern auch für die sie ablösenden männlichen Arbeiter. Der Mann muß bei Schichtarbeit mit Arbeiterinnen das ganze Jahr hindurch nachmittags bis in die Nacht hinein arbeiten und hat somit nicht einen Abend, an dem er sich seiner Familie, viel weniger noch etwa irgendwelchen bescheidenen Genüssen widmen kann. Jetzt begnügt Jich die Wcrksdircktion mit der auf die Stanzerei beschränkten Frauciischichtarbcit nicht mehr, sondern verlangt auch von den übrigen Arbeiterinnen, daß sie in der gesetzwidrigen Weise arbeite» sollen. Wenn schon die Fabrikarbcit ganz gewaltig an ditz: Gesund- beit der armen Arbeiterinnen nagt, so trifft dies aber noch in er- heblickerein Maße bei der Arbeit ohne Ruhepausen zu. Dies wird «m deutlichsten illustriert durch die häufigen Krankmeldungen und d-e fast täglich sich ereignenden Ilnglülksfällc. Daß die Arbeite- rinnen sich vielleicht aus Unlust krank melden, kann nicht angcnoin- men lvcrden, denn den krank gewordenen Arbeiterinnen werden auch bei der ernstesten Krankheit die Papiere ins Haus geschickt. Ja, es ist sogar vorgekommen, daß die Aermsten die Entlassungs- Papiere iin Krankenhaus erhielten. Dieses Vorgehen kann nur als eine Warnung der Direktion an die Gesunden angesehen wer- den, in der gesagt wird: Rafft Eure letzten Kräfte zusammen, sonst werdet Ihr entlassen. In welch eigenartige Situation die Dirck- tion bei diesem Vorgehen kommen kann, beweist folgender Fall: Ein Arbeiter L. wurde von der Landesversicherung nach der Lungenheilstätte Beelitz überwiesen. In der gleichen Abteilung arbeitet der Bruder des L. Anstatt dem Kranken hat man dem Gesunden die Papiere ins Haus geschickt.. Hierüber höchst erstaunt, gab dieser ain nächsten Morgen die Papiere wieder zurück, wobei ihm bedeutet wurde, es sei ein Irrtum. Sofort wurde in der bei der Firma üblichen Weise die Sache„korrigiert", indem nian dem armen Lungenleidenden, der bereits über ein Jahr in Diensten der Firma gearbeitet hatte, die Papiere zuschickte. Daß aber auch die Gesundheit der Arbeiterinnen infolge der überaus anstrengenden Arbeit erheblich leiden mutz, erklärt sich daraus, daß man von ihnen verlangt, Lasten bis zu einem Zent- ner Schwere zu heben und damit zu hantieren. Während nun die Männer bei dieser Arbeit durch intensive Tätigkeit auf einen Stundenvcrdienst von 7ö Pf. kommen, erhalten die Arbeiterinnen für die gleiche Arbeit nur die Hälfte des Akkordpreiscs. Daß die Firma nicht die Absicht hat, von diesem ihrem Vor- gehen abzugchen, geht aus einem Vortrag hervor, den sich die Herren Direktoren der Firma von einem ihrer Lberingenieure in der Aula der A. E. G. über die Verwendung weiblicher Arbeits- kräfte halten ließen. Ter Firma scheint allerdings bereits der Gedanke gekommen zu sein, daß dieser Zustand mit der Zeit den Arbeiterinnen un- erträglich werden mutz, so daß sie eines Tages im Deutschen Me- tallarbeiterverbande vereinigt ihrem Herzen Luft machen könnten, um die Weltfirma zu zwingen, ein den heutigen teuren Verhält- nisscn und dem Arbeiterinnenschutzgesetz entsprechendes Arbeitsver- hältnis einzuführen. Aus diesem Grunde macht man die größten Anstrengungen, die Arbeiterinnen für den gelben Arbeiterverein zu gewinnen. Dabei reiht man an die vorhandenen eine neue Gesetzesübertretung, indem man den Arbeiterinnen den Vereins- bcitrag vom Verdienst in Abzug bringt. Selbst Arbeiterinnen, die durch Einschreibebrief ihren Austritt aus dem Verein erklärt haben, bringt die Firma den Beitrag weiter in Abzug. Nun schreibt dos Statut des Arbeitervereins der A. E. G. ausdrücklich vor. daß mit dem Ausscheiden aus dem Betriebe die Mitgliedschaft erlischt. Wer also krank wird, wird entlassen und hat damit keinerlei Anrecht an den Verein. Mithin wird nicht nur Preisgabe der Gesinnung und der Rechte verlangt, sondern es wird auch noch der sauer er- worbene Verdienst gekürzt. Unserer Memimg noch ist die Behörde 'Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.l verpfkichtek, hier einzugreifen, um die«. E.®. zur Jnnehastung der Gesetzesvorschriften zu zwingen. Zur Tarifbewegung im Dachdeckergewerbe nahm am Sonntag eine zahlreich besuchte Versammlung der Dach- decker-Hilfsarbeiter Stellung. Die Arbeiter haben bei dieser Bewegung von vornherein auf Forderungen von Lohnerhö- hung und Arbeitszeitverkürzung verzichtet, beantragen jedoch einige Verbesserungen des Tarifvertrages, die meist nur darauf gerichtet sind, Mißverständnissen und Streitigkeiten über die einzelnen Be- stimmungen vorzubeugen, und verlangen vor allem, daß auch die Lghn- und Arbeitsverhältnisse der Hilfsarbeiter durch den allge- meinen Tarifvertrag geregelt werden. Auf Wunsch der Unter- nehmer sind die dementsprechenden Forderungen schriftlich formu- liert worden. Die Unternehmer legten dann jedoch einen Gegen- entwurf vor, der verschiedene Verschlechterungen enthält. Wenn es nach ihrem Wunsche geht, soll der neue Tarifvertrag ohne wei- teres nur bis zum 31. März 1913 gelten und mit diesem Tage auf- gehoben sein, sofern nicht vorher andere„ausführliche Vereinbarun- gen" getroffen werden.— Die Dachdeckermeister wollen also auch das ihre dazu beitragen, daß dem vom Bauunternehmertum zum nächsten Frühjahr geplanten allgemeinen Kampf keine tariflichen Hindernisse bereitet werden.— Ihr Tarifentwurf enthält ferner die Bestimmung, daß, wenn die Arbeitsverteilung auf dem Kontor oder dem Lager des Unternehmers erfolgt, die Arbeiter dort eine Viertelstunde vor Beginn der Arbeitszeit zu erscheinen haben, ohne dafür irgendwelche Vergütung zu erhalten. Die im alten Vertrage festgelegte 8'/bstündige Arbeitszeit würde sich damit also um eine Viertelstunde verlängern. Als Minimalstundenlohn für die Hilfs- arbeitcr schlagen sie SS Pf. vor, während der Lohn jetzt schon auf Grund von den mit den einzelnen Unternehmern bestehenden Tarifverträgen der Hilfsarbeiter meist 69 Pf. beträgt; für Papp- decker schlagen sie 60 Pf. vor, statt 67� Pf., für die Tragearbeiten 70 Pf. statt 80 Pf. Ferner enthalten auch ihre Vorschläge zum Akkordtarif für Tragcarbeit Verschlechterungen, und im übrigen wollen sie den Zuschlag für Ueberzeitarbeit von 15 auf 10 Proz. herabgesetzt wissen.— Inzwischen ist nun bereits zweimal mit den Unternehmern ver- handelt worden, ohne daß etwas Greifbares dabei herausgekommen ist. In der ersten Sitzung am 17. Mai machten die Unternehmer unter anderem den Vorschlag, entweder den geltenden Tarifver- trag bis zum 31. März nächsten Jahres, oder bis zum 31. März 1916 zu verlängern, oder vom 1. Juli laufenden Jahres ab bis auf weiteres, tariflos die Arbeit fortzusetzen. Tic Arbeiter konnten auf keinen dieser Vorschläge eingehen. In der zweiten Sitzung am 31. Mai kam es nach längerem Verhandeln dahin, daß die Unter- nehmcr sich bereit erklärten, den Stundenlohn der Hilfsarbeiter eventuell auf 571*. Pf. festzusetzen, aber eine Einigung war natür- lich auch auf dieser Grundlage nicht möglich. ES ist nun eine neue Sitzung zum 11. Juni anberaumt. Auf feiten der Arbeitcr hatte Görnitz erklärt, daß man eventuell einer Verlängerung des bestehenden Tarifvertrages auf weitere 2 Jahre zustimmen werde, und auch die übrigen Kommissionsvntglieder der Arbeit- nchmcr haben sich damit einverstanden erklärt. Eine Einigung auf dieser Grundlage scheint aber auch noch große Schwierigkeiten zu bieten, da die Unternehmer den Ablaufstermin auf den 31. März festgelegt wissen wollen, während die Arbeiter auf den 1. Juli be- stehen.— Nachdem der Hilfsarbeitervorsitzende Marin sowie der Dach- deckervorsitzende Görnitz über den Stand der Bewegung und die Verhandlungen berichtet hatten, folgte eine kurze Diskussion, in der klar hervortrat, daß die Arbeiter aus keinen Fall irgend- welche Verschlechterungen ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse gut- beißen werden, und wenn es darüber auch zum Kampf kommen sollte. Eine Resolution, die dies ausspricht, wurde einstimmig an- genommen. Deutfcbes Reich. Rüstungen der Bauunternehmer. Die Vorbereitungen zu den im nächsten Frühjahre im ganzen Reiche ablaufenden Tarifverträgen im Baugewerbe werden mit unermüdlichem Eifer getroffen. In den Bauarbciterverbändcn zci- gen die Mitglicdcrzahlcn und die Rnsscnbcständc eine itarke Aus- wärtsbcwcgung. Die Bauarbeiter wissen, um was es sich handelt. Doch auch aus Unternehmerseite wird eifrig zum Kampfe gerüstet. Die örtlichen Vereine des llntcrnchmerverbandcs machen durch Zir- kularc ihre Mitglieder auf den Ablaufstermin am 31. März 1913 aufmerksam und ersuchen sie, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Einige solche Rundschreiben wurden schon bekannt. Be- sondere Beachtung jedoch verdient dos Zirkular der Kölner Ge- schäftsstcllc des Arbcitgcbcrvcrbandcs für das Baugewerbe. Darin wird den Bauunternehmern geraten, ihre Bauherren, Architekten und sonstigen Jntcressenten auf die außerordentlich kritische Lage, in der sich das Baugewerbe aller Voraussicht nach im Frühjahr 1913 befinden wird, aufmerksam zu machen und sie dringend zu bitten, für diese Zeit etwa geplante Bauten vor diesem Termin zur Fertig- stellung zu bringen und auf die Lage ganz besonders Rücksicht zu nehmen. Ferner sollen sie ihren ganzen Einfluß dahin geltend machen und darauf achten, daß in alle Verträge über Leistungen und Lieferungen folgendes aufgenommen wird: Bei eintretenden Streiks oder eintretenden Aussperrungen werden die Verträge und die Fristen um die Dauer des Streiks und der Aussperrung verlängert. Ein dem Sinne nach ähnliches Rundschreiben, in dem nur noch zahlenmäßig die Fortschritte der Bauarbeitcrorganisation aufgc- führt werden, ift vom Syndikus der Geschäftsstelle für die Provinz Posen verschickt worden. Lohnbewegung der Brauereiarbeiter in Kiel. .Nur selten dürften einer Lohnbewegung so viele Schwierig- leiten bereitet worden sein, wie der der Kieler Brauerciarbeitcr. Anfänglich erklärten die Brauereibcsitzcr, daß sie eine weitere Be- lastung der Produktion durch Lohnerhöhungen nicht ertragen könn- ten, also eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse aus- geschlossen sei. Einen sehr schweren Stand hatte die Arbeitcrkom- Mission, mutzte sie doch jede einzelne Position in längerer Rede vertreten, was um so schwieriger war, weil die Verhandlungen nicht direkt mit den Brauereien, sondern mit dem Vertreter des Arbeitgeberverbandes, dem die Brauereien sich angeschlossen haben, geführt werden mußten. Nicht weniger als zehn Verhandlungen hat es bedurft, um ein Resultat zu erreichen, das, wenn auch nicht befriedigend, so doch als annehmbar bezeichnet werden kann. Eine Versammlung am 30. Mai nahm schließlich das Angebot gegen eine sehr erhebliche Minorität an. Die wesentlichsten Verbcsse- rungen des für 4 Jahre geltenden Tarifcs sind nachstehende: Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung um eine halbe Stunde tritt für das letzte Vertragsjahr ein. Tie Achtstundenschicht für Heizer wird bei der Sonntagsschicht um 2 Stunden verkürzt. Die Wochen- töhne erhöhen sich während der Tarifdauer im Durchschnitt um 1,25M. Die Nachtschichtzulage erhöht sich um 25 Pf. und beträgt bis zu drei Schichten 1.50 M.. über drei Schichten 2.75 M. Neu- eingeführt wird eine Zulage für Nachtschichten der Heizer von je 50 M. Die Entlohnungssätze für Ueberstunden- und Sonntags- arbeiten echöhen sich um je 5 Pf. Schließlich wurde noch ein Urlaub von 2— 4 Tagen mit Lohnzahlung vereinbart. Warnung vor Zuzug. Wir erhalten folgendes Privattelegramm: Bodenbach, 8. Juni. Auf dem Bergmanniverke in Bodenbach sind Differenzen ausgebrochen. Tic Firma ist gesperrt. Zuzug fernzuhalten. Aussperrung in der Fürther Glasindustrie. In der Fürtber Glasindustrie ist eS nun doch zur Aussperrung gekommen. Es sind von den im Glasarbeitcrvervand organisierten Arbeitern 308 verheiratete und 122 ledige, und von den orgaNi- sierten Arbeiterinnen 93 verheiratete und 16 ledige ausgesperrt worden. Tie verheirateten Arbeiter und Arbeiterinnen haben zu» 'jth.Glock�Berlio. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.lt Verlagsanstast kämmen SSV Kinder zu ernährerk. Der neu örrkchkeke vnkernelsnke» verband hat also seine Tätigkeit damit eröffnet, wegen eine? Unter. nehmers, der nicht einmal die durchschnittlichen Arbeitsbedingungen gewähren will, die gesamte Arbeiterschaft auf? Pflaster zu werfen. Von den anderen beteiligten Verbänden dürfte zusammen die gleiche Zahl Ausgesperrter in Betracht kommen. Von den Organs sationsleitungen sind Verhandlungen angebahnt worden, die auch schon zu einigen Zugeständnissen der Unternehmer geführt haben. Die Verhandlungen werden fortgeführt, und steht noch zu hoffen, daß die Aussperrung in einigen Tagen beendet sein könnte. Sollten aber die Verhandlungen scheitern, so können die Fürther Glas- gewaltigen sicher sein, daß die Arbeiter den Kampf mit voller Kraft aufnehmen und zu einem siegreichen Ende führen werden. Tlusiand. Erfolgreiche Tarifbewegung im Lithographie- und Steindruckgewerbe Norwegens. Die Gehilfenschaft dieses Gewerbes ist fast sämtlich organi- sicrt. Nachdem der seitherige Tarif abgelaufen war. stellten die Gehilfen Forderungen auf Verbesserungen der Tarifpositionen. Diese wurden jedoch von den Arbeitgebern abgelehnt, ebenso scher- terten verschiedene Verhandinngen, so daß die Gehilfen einmütig ihre Kündigungen einreichten. In letzter Stunde, bevor der all- gemeine Streik ausbrach, fand jedoch noch eine Einigung statt, und es wurde ein neuer Tarif mit ganz bedeutenden Verbesserungen auf 5 Jahre abgeschlossen. In diesem ist nunmehr auch das Hilfs- personal mit einbezogen.— Verbesserungen fanden besonders statt bei der Arbeitszeit. Minimallohn, Teuerungszulage und in der Ferienfrage.— Festgelegt wurde: Die Arbeitszeit beträgt für Lithographen 46 Stunden, für Steindrucker und Hilfsarbeiter 51 Stunden pro Woche; bei durchgehender(englischer) Arbeits- zeit ist dieselbe pro Tag 20 Minuten kürzer, so daß diese(wie zum Beispiel in Christiania) für Lithographen 44 Stunden und für Steindrucker und das Hilfspersonal 49 Stunden pro Woche beträgt.— An Mindest lohn wird den Lithographen im ersten Gehilfenjahre 22 Kronen, im zweiten 26 Kronen bezahlt, von da ab bleibt er der freien Vereinbarung überlassen. Füv die Stein- druckec wird im ersten Gchilfenjahre 22 Kronen und im zweiten 25 Kronen bezahlt; für Steinschleifer vom dritten Fahre ab 22 Kronen, im vierten 24 Kronen; für Anleger und Anlegerinnen vom zweiten Jahre ab 10 Kronen und im dritten Jahre 12 Kronen. Für Rotationsmaschinenmeister werden mindestens 36 Kronen pro Woche bezahlt. Jeder Arbeiter, der seit dem 15. März 1910 bei einer Firma tätig ist und seit dieser Zeit keine Zulage erhielt, be- kommt 1 Krone Teuerungszulage pro Woche bei einem Gehalt von 31 bis 35 Kronen und 2 Kronen unter 31 Kronen Wochenlohn. Fiir die ersten fünf Ueberstunden werden 25 Proz. Zuschlag bezahlt, bis 10 Ueberstunden 50 Proz. und dann 100 Proz. Ueberstunden an Sonn- und Feiertagen und an Tagen vor diesen werden mit 100 Proz. bezahlt, für an Rotations- Maschinen geleistete Ueberstunden werden allgemein 100 P-az. Zu. schlag bezahlt. Lehrlinge dürfen keine Ueberstunden machen.— Die gesetzlichen und vom Geschäft angeordneten Feiertage werden bezahlt.— Akkord- und Heimarbeit ist verboten. — Ferien erhält jeder 6 Tage, der mindestens ein halbes Jahr in der Firma beschäftigt ist.— Die Zahl der zu haltenden Lehr- l i n g e ist nach der Anzahl der beschäftigten Gehilfen und die Lehrlingslöhnc nach den Lehrjahren gestaffelt.— Ein Maschinen. mcister darf nur eine Maschine bedienen. An Rotationsmaschinen dürfen nur ausgelernte Drucker beschäftigt werden.-- Die Gehilfen haben die Verpflichtung übernommen, nur in tariftreuen Firmen zu arbeiten und die Prinzipale Haben sich verpflichtet, nur organi. sicrte Arbeiter zu beschäftigen.— Im Tarif ist außerdem eine Be. stimmung enthalten, daß. wo ev. günstigere Lohn, und ArbettS. bedingungen bestehen, diese bleiben müssen.—, t„ Dieser günstige Tarifabschluß legt wiederum beredtes Zeug. nis davon ab, was eine starke Arbeiterorganisation zu leisten im- stände ist.__ Achtung! Arbeiter der Akkumulatorenwerkstätte»! In Petersburg streiken die Arbeiter der Akkumulatoren. f i r ma A.-G. T ü d o r. Es ist einer von den zahllosen Streiks. die in Petersburg im Anschluß an den Sympathiestreik für die hin. gemordeten Arbeiter der Lena-Goldbergwerke sowie an die Maifeier und die damit verknüpfte allgemeine Belebung des Gewerkschafts- kampfeS ausgebrochen sind. Die Leitung der Tüdorwerke bcab- sichtigt, Ersatzarbeiter aus Deutschland und Oesterreich anzuwer- den. Die deutschen Kollegen werden deshalb dringend gewarnt! Zuzug nach Petersburg ist streng fernzuhalten! Der Kellnerstreik in New York breitet sich immer mehr auS. Gestern traten abermals die Angestellten mehrerer Hotels in den Streik. Teilweise beschäftigen die Hotelbesitzer jetzt Streikbrecher, während ein anderer Teil die Lokale geschlossen hält und alle Gäste zurückweist. Es befinden sich über 3000 Kellner im Ausstand. Ihre Aussichten haben sich erheblich gebessert, da sie die Sympathien der gesamten Arbeiterschaft anderer Gewerbe für sich haben. letzte Nachrichten. Neue Wahlrechtskämpfe in Aussicht. Budapest, 3. Juni. Eine Konferenz der der- einigten Opposition erklärte, daß sie die Vorschläge der Regierung hinsichtlich der W a h l- und W e h r r e f o r m. da die Regierung sie als ein Ultimatum betrachte, ablehne und sich volle Aktionsfreiheit vor- behalte._ Wahlkrowalle in Belgien. Liittich, 3. Juni.(32. T. B.) Abends kam es zu rubestören. den Kundgebungen vor dem Rathause und in dem sozialistischen Volkshause. Die Menge versuchte Verhaftete zu befreie». Die Bügergarde und die Gendarmerie schritten ein und gaben Sal- ven ab. Mehrere Personen wurden verwundet. Die Erregung in der Stadt ist groß.._ Die feindlichen klerikalen Brüder. Köln, 3. Juni. Zum Gewerkschafts st reit im katho- lischen Lager gibt der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands soeben ein« äußerst scharfe Erklärung auS, in der er sich gegen die Angriffe der Ber- liner Fachabteilungen in der bekannten Huldigungsadrcssc an den Papst wendet._ Ter Nordwestflug. Hannover, 3. Juni.(W. T. B.) Nach Mitteilung des heute abend in Münster zusammengetretenen Organisationsausschusses für den Nordwestflug wird das Abfliegen von Münster aus am Dienstag stattfinden. Angesichts der ungünstige» Wetterlage be- steht die Absicht, den Flug ganz abzubrechen. Hierzu ist die Zu- stimmung sämtlicher für den Flug gemeldeten Flieger erforderlich. Zwei Flieger haben bereits ihre Zustimmung erteilt, die Zustim- mung der übrigen soll schleunigst eingeholt werden. Der Ausstand der Pariser Straßenbahner. Pari?, 8. Juni.(P. E.) Ter Ausstand der Straßenbahner macht sich bereits unangenehm fühlbar. Besonders die in den Vororten wohnenden Arbeiter sind übel dran, da sie nicht rechtzeitig zu ihren Arbeitsstellen gelangen können. Feucrsbrunst in Konstantinopel. Konstantinopel, ,3. Juni.(H. B.) Seit 10 Uhr vormiiags wütet hier ein großer Brand, der in der Nähe des Justizpalastes aus� gebrochen ist. Paul SingeraCoi.Berlin'LVV. Hierzu 3 Beilagen«.Nntrrhaltungsb� Nr. 127. 29. Iahrgaag. 1. Itilap des Juimitts" Kcrlim ÜMIttt. Sitüsfui), l Zill 1912. Der Parteitag der i C. P. London, 30. Mai.(Eig. Ber.) Dev Parteitag der I. L. P. fand dieses Jahr in M e r t h h r, Südwales, statt. Es waren über 200 Delegierte aus allen Teilen des Landes anwesend. Der Parteitag wurde von dem Bürger- meister iwr Stadt begrüßt. Den Vorsitz führte Genosse Ander- f o n, der Präsident der I. L. P. Bei der Beratung des Vorstands- Berichtes entspann sich eine längere Debatte über einen Passus, der von dem Beschluß des Vorstandes handelte, die Parlamentsmitglie- der der I. L. P. zu beauftragen, gegen irgendeine Wahlrechtsvor- läge zu stimmen, die den Frauen nicht zu denselben Bedingungen das Stimmrecht gebe wie den Männern. Die Kritiker dieses Be- schlusses wandten dagegen ein, daß sie nicht einsehen könnten, wie die Ablehnung des allgemeinen Männerstimmrechts dem Frauen- stimmrecht dienen könne. Ein Delegierter meinte, die Partei müsse, um ihre Aufrichtigkeit zu beweisen, auch gegen die Homerulevorlage stimmen, wenn diese das Frauenstimmrecht für das irische Parla- ment nicht einführe. Der Antrag, den Passus an den Vorstand zurückzuverweisen, wurde aber mit großer Mehrheit abgelehnt. Auch der parlamentarische Bericht gab zur Kritik Anlaß. B u r g e ß(Bradford) bezeichnete ihn als höchst unzufriedenstellend. Er enthalte nichts, das darauf hinweise, daß die I. L. P. eine sozialistische Organisation sei. Die Arbeiterpartei sollte in jeder Session mindestens«ine deutlich sozialistische Maßregel, wie zum Beispiel die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Vorschlag bringen. B a d l e y(Leeds) führte aus, daß in den Reihen der Partei ein beträchtliches Maß Unzufriedenheit mit der Handlungsweise der Arbeitergruppe im Parlament bestehe, und zwar wegen ihrer Be- ziehungen zu der liberalen Regierung, die der schlimmste Feind der Arbeiterklasse sei. Keir Hardie wies in seiner Erwiderung darauf hin, daß das Programm der Arbeiterpartei in dieser Session die Gewerkschaftsvorlage(Osbornevorlage), die Vorlage betreffend das Recht aus Arbeit und eine Vorlage zur unentgeltlichen Speisung bedürftiger Schulkinder enthalte. Wolle irgendein Sozialist be- haupten, daß die Verstaatlichung der Eisenbahnen oder der Berg- werke wichtiger seien als eine dieser Maßregeln? Was nötig sei, sei nicht die Kritik der Parlamentarier, sondern energische Agitation außerhalb des Parlaments, damit die Partei wachse und wirksamer borgehen könne. Die parlamentarische Taktik wurde später wieder eingehend diskutiert. Das Parlamentsmitglied für Bradford Genosse Jowett hatte folgende Resolution vorgeschlagen:„Um die Autorität der ge- wählten Volksvertreter im Parlament gegenüber der überwälti- genden politischen Macht von Mitgliedern der Regierung, die fast jede wichtige Abstimmung im Unterhause behandeln, als ob sie eine mögliche Demission des Ministeriums in sich schließe, herzu stellen, möge die Arbeitergruppe im Unterhause ersucht werden, alle derartigen angedrohten Folgen zu ignorieren und bei allen Fragen nach dem prinzipiellen Werte zu stimmen." Jowett bemerkte, daß die Arbeitervertreter unter dem Herr- schenden System so stimmen müßten, daß die Regierung am Ruder bleibe, ob sie die in Frage kommende Maßregel billigten oder nicht. In den Jahren 1900 bis 1910 sei die Haltung der Arbeiterpartei unabhängiger gewesen, sie habe damals keinen entscheidenden Ein- iflutz auf die Abstimmung gehabt und dennoch habe sie von der Re- gierung mehr Zugeständnisse errungen als in den letzten Jahren. Die Regierung wisse, sie könne sich auf die Unterstützung der Ar- heiterpartei verlassen und deshalb behandle sie sie von oben herab. Eonnelley(Bradford), der den Antrag unterstützte, verlangte, die Parlamentsmitglieder der I. L. P. sollten ihre Unabhängigkeit beweisen. Gegenwärtig seien die Parlamentsmitglieder nichts als Stimmaschinen. M u r r a y(London-Hendon) stellte folgenden Abänderungs- antrag zur Resolution:„Diese Konferenz erkennt an, daß die Arbeiterpartei, um ihren Zweck wirksam zu erfüllen, alle möglichen unmittelbaren und sonstigen Folgen und Wirkungen irgendeiner Handlungsweise in Betracht ziehen muß, ehe sie sich dafür entscheidet, und im Auge behalten mutz, daß sie sich in ihren Entscheidungen einzig und allein bestimmen lassen muß durch Rücksichten auf ihre eigenen Interessen als Partei und durch den Wunsch, die günsti- gen Gelegenheiten zur Erreichung ihrer Ziele zu vermehren." Der Antragsteller führte hierzu aus, daß die Kritik Jowetts mehr dem herrschenden parlamentarischen System als der Parter gelte. Wie könne man von den 8 parlamentarischen Vertretern der I. L. P. verlangen, daß sie dieses System ändern sollten?» Das erste ftädtifche Volkshonzcrt in ßerlin. Das Konzert der Philharmoniker am Sonnabend im Brauereisaale Friedrichshain läßt sich als ein gewichtiges Ereignis in unserer lokalen Musikgeschichte bezeichnen— und überdies als ein gut gelungenes. Wie schon gemeldet, bat das Phil- harmonische Orchester mit der Stadt Berlin vereinbart, daß eS billige Volkskonzerte, einschließlich einiger Schüleraufführungen, gebe. Die Stadt beteiligt sich mit einer Unterstützung von OOO00 M. auf die Dauer eines JahreS. Dafür sind die Verpflichtungen festgelegt, insbesondere der Eintrittspreis(30 Pf.) mit Gratisabgabe des Programms. Zunächst sollen in verschiedenen größeren Sälen fünf jeweilig verschiedene Konzerte von ernster Mufik, sogenannte Sinfoniekonzerte, stattfinden. An diese Reihe, die bis zum Ib. Juni dauert, schließen sich fünf„populäre" Konzerte mit leichterer Musik, bis zum 3. Juli. Dann beginnt wieder eine Reihe der ersteren Art, und so fort. Das Ereignis wurde noch dadurch vergrößert, daß der neue Dirigent des Philharmonischen Orchesters, der Nachfolger des viel- beliebten K u n w a l d. Herr Camillo Hildebr an d. sein Amt mit eben diesem Konzert begann, so daß der Friedrichshainer Teil von Berlin auch noch den Borsprung bekam, den Dirigenten früher kennen zu lernen als der Potsdamer Teil. Das Programm begann diesmal mit R. WagnerS.Tannhäuser"-Ouvertüre und schloß mit der fünften Sinfonie von Beethoven. Das Orchester selbst ist längst in so sicherer Weise als eines der besten in der Welt bekannt, daß der Kritiker gut tut. sich nicht erst nach besonderen Ausdrücken der Anerkennung zu bemühen. Der neue Dirigent überrascht geradezu als ein Mann von Geschmack, von Vornehmheit, von Vor- liebe für daS Milde, selbst Weiche. Wie er die Klangfarben gegen- einander zu halten versteht, sodaß sich nichts vordrängt, doch alles seine akustische Stelle findet, das war namentlich bei den ersten Nummern des Konzertes so erfreulich, daß man allem Weitereu erst recht froh entgegensehen kann. Die geschilderte Eigenart des Dirigenten hält ihn weit fern von allem, was extrem, schroff, über- trieben ist— nach manchem Geschmack vielleicht allzuweit entfernt. Man verlangt heute von einem Dirigenten nicht die Fort- tevuna der Revolution, welche Hans v. Bülow im Dirigieren aebrackt hat, und die hauptsächlich im freien Tempowechsel beitebt So„spielt" denn auch Hildebrand sozusagen mit ge- bundenem Tempo. In spezifisch modernen Stücken fällt das weniger auf als in solchen von älterer Art, da ja unsere klassische Musik weit weniaer Gegensätzlichkeit rn sich trägt, als moderne. Kommt dann noch hinzu, daß der Dlr.gent, wie eben dieser, langsame Zeit- maße liebt, so ergibt sich eine Ruhe, über deren Maß maii streiten kann. Näher läßt sich hier nicht darauf eingehen; man mußte bei. spielsweise den zweiten Satz von Beethovens„Schickials- Emfonie Takt für Takt durchgehen.. Das Philharmonische Orchester ist kem stadsischeS. wie eben H a g e r t y(Miles Platting), der den Abönderungsantrag unterstützte, bemerkte, daß die Bradforder Resolution so häufig zu allgemeinen Wahlen führen werde, daß es die Parteifinanzen nicht aushalten könnten. M c L a ch l a n(Manchester) antwortete darauf, daß die Parlamentsauflösungen der Partei nur nützen könnten. Wenn die Regierung durch die Unabhängigkeit der Partei gestürzt werde, so habe dies einen großen erzieherischen Wert. Er glaube jedoch nicht, daß eine Auflösung der anderen folgen werde. Wahrscheinlicher sei, daß sich die beiden bürgerlichen Parteien zu- sammenschließen würden, und je eher das geschehe, um so besser sei es für den Sozialismus. Wenn die Partei jedes Mandat durch ihre Unabhängigkeit verliere, würde das dem Sozialismus mehr nützen als alle Zugeständnisse, die ihr die Regierung gegen ihre Unterstützung mache. Keir Hardie führte folgendes aus: Es ist eine Täuschung, zu glauben, daß die Arbeiterpartei im Unterhaus den Ausschlag gibt. In dieser Session hat die Arbeiterpartei ebenso energisch gearbeitet wie in dem Parlament der Jahre 1900 bis 1910. Der Fehler liegt nicht bei den Parlamentariern der I. L. P. oder bei der Partei als ganzes, sondern bei der Bergarbeiterföderation. deren Mitglieder mit dem Eintritt in die Arbeiterpartei ihre An- schauungen nicht geändert haben und nur dem Namen nach der Arbeiterpartei angehören. Es ist absurd, zu sagen, die Partei muß bei jeder einzelnen Frage ohne Rücksicht auf die Folgen prin- zipiell stimmen. Die Parteimaschinerie und das Parteisystem be- darf der Remedur, und solange diese Unzulänglichkeiten bestehen. können die Parlamentarier nur versuchen, den größten Vorteil aus den bestehenden Verhältnissen zu ziehen. Lansbury verlangte größere Bewegungsfreiheit für die Mitglieder der Partei, damit sich diese der demoralisierenden Pflicht entziehen könnten, gegen ihre Ucberzeugung zu stimmen, um eine liberale Regierung am Ruder zu erhalten. Was moralisch unrecht sei, könne nicht politisch recht sein. Snowden bemerkt, sein Kampfinstinkt bestimme ihn, für die Resolution einzutreten, aber sein gesunder Menschenverstand, seine Erfahrung und seine Urteils- kraft hießen ihn für das Amendement stimmen. In Wirklichkeit stimmten die Parlamentarier der Partei prinzipiell, wenn der prin- zipielle Wert der Frage die Abstimmung wert sei. So werde die Partei zum Beispiel in der Wahlrechtsfrage stimmen. Wenn man die Regierung wegen kleiner Fragen stürze, würde man die Wähler- schaft irritieren; auch werde die Parteikasse dieser Politik nicht ge- wachsen sein. Burgetz(Bradford) führte aus, das Uebel in der Partei sei, daß die Parlamentarier den Staatsmännern nachäfften und vergäßen, daß sie Propagandisten seien. Das Amendement wurde mit 195 gegen 73 Stimmen ange- nommen. Unter den sonstigen Resolutionen, die zur Annahme gelangten, ist eine zu erwähnen, in der die deutsche Sozialdemokratie zu ihrem großen Siege bei den letzten Reichstagswahlen beglückwünscht wird. Als Vorsitzender der Partei wird Genosse Anderson mit 180 Stimmen gegen 112, die auf Genossen Lansbury fielen, wiedergewählt. Genosse Benson wird wieder Kassierer. Als Vorstandsmitglieder werden gewählt: Bruce G.sazier» Jowett, Lansbury und Genossin MaeArtHur. 2. Genttalottsmmllmg der Sattler avd Portefemller. München, 1. Juni 1912. In der weiteren Beratung über die Anträge zum Statut wurde ein Antrag angenommen, wonach Beisitzer des Vorstandes und Aus- schusses ein Amt in der Ortsverwaltung nicht annehmen dürfen. Die Zahl der Mitglieder, auf die ein Delegierter zur General- Versammlung entfällt, wurde auf 300—350 erhöht. Auf eine über- schüssige Zahl von 175 Mitgliedern ist ein weiterer Delegierter zu wählen.— Auch beim Streikreglement wurden einige wichtige Aenderungen vorgenommen. Ein Antrag Leipzig(der vom Vorstand bekämpft wurde), wonach bei Abwehrstreiks die Zu- stimmung der Gauleiter genügt, wurde mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Beschloffen wurde, daß der Zentralvorstand keine Bewegung eigenmächtig abbrechen darf. Die Entscheidung treffen die Beteiligten.— Die Kündigung eines örtlichen Tarif- Vertrags darf nur erfolgen, wenn zwei Drittel der in der betreffen- den Versammlung anwesenden Mitglieder sich dafür erklären.— Sämtliche Anträge auf Anstellung von Beamten, Sitzverlegung von Gauverwaltungen wurden abgelehnt. Für einen Antrag Ham- bürg und München, den Zentralvorstand zu beauftragen, die Verschmelzung mit anderen freien Lederarbeiterorgani- sationen herbeizuführen, stimmten nur 2 Delegierte.— Beschlossen wurde, das Vermögen des Verbandes bei der Großeinkaufsgesell- schaft anzulegen.— Das neue Statut tritt am 1. Oktober 1912 in Kraft. Zum nächsten Punkt l Unsere sozialpolitischen Aufgaben beleuchtete der Referent Busch- Leipzig ausführlich die Ge* fängnisarbeit und unterbreitete dem Verbandstag folgende Resolution: „1. Die vom 29. Mai bis f. Juni 1912 in München tagende Generalversammlung des Verbandes der Sattler und Porte- feuiller, welche von 00 Delegierten aus allen Teilen Deutschlands besucht ist, stellt fest, daß die Gefängnisarbeit auf Produkte un- seres Berufes einen immer größeren Umfang annimmt. Durch dieses werden viele Berufsangehörige in ihrer Existenz geschädigt. In den letzten Jahren haben eine Anzahl Sattler ihre Stellung durch die Neueinführung von Gefängnisarbeit verloren. Viele Firmen, die Gefängnisarbeit anfertigen lassen, betreiben nach- weisbar eine Schmutzkonkurrenz, welche ein erhebliches Niederdrücken der Warenpreise sowie der Arbeitslöhne zur Folge hat. Alle hier versammelten Delegierten, welche 15 000 Sattler und Portefeuiller Deutschlands vertreten, richten an die V e r« bündeten Regierungen wie auch an die gesetz« gebenden Körperschaften die Bitte, die Gefängnis- arbeit auf Sattler- und Portefeuilleswaren einzuschränken. Durch die Heimindustrie, Frauenarbeit und Lehrlingszüchterei wird bereits der Sattler- und Portefeuillerberuf schwer in Mitleiden- schaft gezogen, welches durch die Gefängnisarbeit erheblich vcr- schlimmert wird. Die Anwesenden ersuchen des« halb, daß zu den Beratungen, welche die Rc« gierungen über die Gefängnisarbeit mit Ver- tretern der einzelnen Stände abhalten, auch Arbeitervertreter mit hinzugezogen werden. 2. Die Generalversammlung ersucht die Vertreter der sozialdemokratischen Partei im Reichstage und in den Landtagen der einzelnen Bundesstaaten, sich dieser Sache an- zunehmen und bei Gelegenheit zu vertreten. Sie beauftragt den Zentralvorstand, Material zur Verfügung zu halten, um dieses zu gegebener Zeit den Fraktionen zur Verfügung zu stellen. 3. Die Generalversammlung beauftragt den Zentralvorstand, sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands in Verbindung zu setzen, um ein gemeinsames Vorgehen aller von der Gefängnisarbeit betroffenen Berufe in die Wege zu leiten, Des weiteren ersucht sie, daß alle Vertreter unseres Verbau- des in den örtlichen Kartellen beantragen, daß die Frage der Gefängnisarbeit auf die Tagesordnung gesetzt wird und Veranstaltungen getroffen werden, wodurch die Oeffentlichkeit im weitesten Maße auf die Nachteile der Gefängnisarbeit für die Industrie und die Arbeiter aufmerksam gemacht wird. 4. Der Vorstand wird ferner beauftragt, mit den Unter« nchmerorganisationen unseres Berufes in Verbindung zu treten, um auch diese zu veranlassen, in dieser Angelegenheit Schritte zu unternehmen." , Die Resolution wurde einstimmig angenomMy� Hieraus referierte W ei nschild- Berlin über Das neue Heimarbeitsgesetz. Der Referent unterzog die einzelnen Bestimmungen einer scharfen Kritik und kam zu dem Schluß, daß das Gesetz den Heimarbeitern keine Vorteile, sondern eher Nachteile bringt. Nur eine starke Organisation sei in der Lage, die Auswüchse der Heimarbeit zu unterbinden. Redner empfiehlt, Material über die Arbeitsver- Hältnisse in der Lederindustrie zu sammeln und dem Bundesrat und den Gewerbeaufsichtsbehörden als Denkschrift zu unterbreiten. mit der Maßgabe, für die Heimarbeits- und Zwischenmeisterbctriebe der Portefeuillesindustrie Anregungen zu treffen, die den hygic- Nischen Ansprüchen genügen,(Beifall.) Zum nächsten Punkt? Die geplante gewerkschaftlich-genossenschaftliche Volks, Versicherung, referiert kurz Verbandsvorsitzendcr Blum-Berlin. Zu diesetfl Punkte faßte der Verbandstag einstimmig folgende Resolution: Der zweite ordentliche Verbandstag der Sattler und Port» feuiller erkennt die Gründung einer gewerkschaftlich-genossen- schaftlichen Volksversichcrungsgesellschaft als eine wirtschaftliche andere Städte solche Orchester besitzen, und wie beispielsweise das hiesige königliche Opernhaus sein Orchester besitzt, das dann ab und zu eigene Konzerte gibt. Die Philharmoniker sind eine freie Genossenschaft, ein Verein, wie jeglicher andere, der in eigener Regie arbeitet und seinen eigenen Borsitzenden hat; auf dessen Schultern ruht natürlich die Hauptlast und nun auch das Haupt- verdienst der Siege, die unsere-.ünstlerschar erficht.- Die Herren sind ungefähr 70 an der Zahl; wenn wir recht berichtet sind, sollen jedesmal 55 Musiker mitwirken und eS soll sck eingerichtet sein, daß in regelmäßiger Reihe die Mitglieder ihren Urlaub bekommen. Tat- sächlich erscheinen die Herren in etwas größerer Anzahl, ungefähr 00 Mann, darunter 10 erste, 8 zweite Geigen, 0 Bratschen, 5 Celli und 5 Bässe. Der Friedrichshainer Saal ist im Verhältnis zu seiner Größe gut akustisch, was ich mir auch durch einen Begleiter be- stätigen ließ, der die Güte hatte, im Saale„spazieren zu hören". Wären die Verhältnisse noch günstiger, so könnte man mit dem Wunsche einer Verstärkung der Streicher kommen. Das gesamte Unternehmen ist von vornherein auf eine er- zieherische Bedeutung eingerichtet. Wahrscheinlich gab es bei den Vorbereitungen mancherlei Leid dadurch, daß von der einen Seite eine allzu„gelehrte", von der anderen eine allzu„unterhaltliche" Musik befürchtet wurde. Dem aufgestellten Ideal wird nun nicht nur durch die von uns bereits erwähnten Verhältnisse und Einrichtungen, sondern auch durch die Zusammenstellung der Programme ent- sprachen. Und es dürste wohl auch viel Einkocht und Zufriedenheit herrschen, daß auf diesem Wege wirklich erzieherisch vorgegangen wird. Wohl nur wenige werden über diese Dinge so denken, wie der Berichterstatter es schon mehrmals ausgesprochen hat. Nach seiner unverbindlichen Meinung haben solche Vorführungen für musikalisch Unerfahrene nicht genug Bedeutung, wenn nicht„Erklärungen" dazu- gegeben werden. Müssen wir nun davon vorläufig schon deshalb ablehen, weil diese Konzerte mit verschiedenem Programm zu rasch aufeinander folgen, so bleibt doch noch die Frage nach der Auswahl der Stücke. Die radikalste Ansicht verwirft die Herübernahme samt- sicher Bestandteile musikdramn tischer Werke in den Konzertsaal, seien eS auch noch so„abgeschlossene" Ouvertüren.(Anders die sogenannten Konzertouvertüren, wie namentlich von Mendelssohn, die gerade für solche Konzerte außerordentlich zu empfehlen sind.) Außerdem sollte niemals aus einem Konzertstück etwas herausgerissen oder irgendwie verändert werden. Kurz: lediglich Aufführung von Werken, die für den Konzertsaal geschrieben sind, und genau so wie sie geschrieben sind! Vermittelnde Ansichten gestatten dies und das, verwerfen das und jenes. So kann es schon beim zweiten Konzert, das am Mittwoch in der Bockbrauerei stattfinden wird,«nfichtsverschiedenheiten geben, wenn auf die große Leonorenouvertüre Beethowens das Larghetto aus Mozarts Klarinettquintett und am Schluß der Einzug der Götter in Walhall aus Rheingold folgen soll. Indessen begnügen wir uns damit, nur noch kurz zu erwähnen, daß im dritten Konzert(Sonn- abend, Königstadt) unter anderem ein besonders schöner Smetana kommen wird, im vierten Konzert(12. Juni. Konkordia) u. a. Tschaikowski und Berlioz, im fünften(15. Juni, Germania) u. a. ein selten zu hörender Volksmann. kleines Feuilleton. Junimeteore. Der Monat Juni weist eine ziemlich große Zahl von Metcorschwärmen auf. steht aber hinsichtlich ihrer Bedeutung sogar hinter den übrigen Monaten des ersten Halbjahrs zurück, das als Ganzes wiederum von dem zweiten Halbjahr im Durchschnitt weit überkoffen wird. In. der ersten Juniwoche braucht man über« Haupt kaum nach Sternschnuppen auszuschauen, da das erste Maximum ihres AufKetenS erst zwischen dem 7. und 8. Juni erfolgt. Dann folgt ein zweites am 11. Juni, ein drittes am 15. Juni. All diese Schwärme aber sind nicht dicht genug, um ein außergewöhn- liches Schauspiel erwarten zu lassen. Man teilt jetzt, nachdem die Erforschung der Meteorschwärme, die früher sehr vernach- lässigt gewesen ist, eine größere Vollkommenheit erreicht hat, auch diese Himmelskörper oder vielmehr Gruppen solcher in Größenklassen ein, ähnlich denen, durch die man die Helligkeit der Fixsterne unterscheidet. So wird beispielsweise ein Meteor- schwärm, der schon am 3. und 4. Juni die Erdatmosphäre schneidet der 24. Größenklasse zugeteilt, ein Merkmal seiner außerordentlich geringfügigen Bedeutung. Der bereits er- wähnte Schwärm vom 7. Juni wird immerhin als von 3. Größe bezeichnet. Der kräftigste Schwärm dieses Monats überhaupt ist der vom 15. Juni, der noch zwei weitere Maxima am 17. Juni erfährt, nämlich von etwa 2. Größenklasse. Was sonst noch vorkommt, ist kaum nennenswert, und man wird überhaupt bis zum Juli und August warten müssen, ehe man mit besserem Erfolg nach Sternschnuppen aussehen kann. UebrigenS hat der deutsche Astronom Kuno Hoffmeister in den„Astronomischen Nachrichten" eine neue Untersuchung über den vermuteten Zusammen- hang des im Mai austretenden Meteorschwarmes aus dem Stern- bilde des Wassermanns(Aquariden) und dem in der Auflösung be- griffenen Halleyschen Kometen angestellt. Er hat die Beobachtungen der letzten Jahre sorgfältig geprüft und mit denen deS Kometen verglichen und der Schluß lautet dahin, daß an einer engen Be« Ziehung zwischen den Meteoren und diesem Kometen kaum noch ein Zweifel bestehen kann. Das Handwerkszeug deS Schriftstellers. Ein Parteigenosse schreibt uns: Zu der Notiz in Nr. 125 möchte ich Ihnen das Gegen« stück mitteilen. Ich wurde im Jahre 1907/08 in Rostock i. M. vom Gerichtsvollzieher ausgepfändet, d. h. es kam nicht so weit, weil daS Landgericht die Handlung des Gerichtsvollziehers auf Grund meiner Beschwerde nicht bis zu Ende kommen ließ. Der Gerichts- Vollzieher erklärte zwar selbst, daß er mir die eigene Bibliothek wegen meines Redakteurberufes nicht pfänden könne, da die Bücher(darunter ebenfalls eine ganze Anzahl Klassiker) für mich unentbehrlich seien bei Ausübung meines Berufs. Daraufhin pfändete der Mann aber allerhand andere Gegenstände, die er in der Behausung vorfand. Auch diese(Uhren, Möbel usw.) gab das Gericht frei, weil ich deren Unentbehrlichkeit in meinem Hausstand deS näheren begründete. Notwendigkeit im Interesse der arbeitenden Bevölkerung an und verpflichtet die Delegierten, dem neuen Unternehmen die groß- möglichste Unterstützung zuteil werden zu lassen. Die seitherigen Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt.— Der nächste Verbandstag findet ISIS in Leipzig statt. Damit waren die Arbeiten der Generalversammlung erledigt. Mit dem Wunsche, daß die gefaßten Beschlüsse zum Wohle der Kollegen ausfallen mögen, wurde die Generalversammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Sattler- und Porte- feuillervcrband geschlossen._ Huö der Partei. Zur Klarstellung. Unter der Ueberschrift:.Ein Parteiskandal" bringt die.Breiner Bürger-Zeitung" vom 1. d. M. eine Notiz, in der folgendes be- hauptet wird: .Der Parteivorstand und der Württembergische Landesvorstand versprachen nun, da unbedingt Hilfe kommen mußte, zu helfen, wenn der bestgehaßte Redakteur des Göppinger Parteiblattes, Genosse Thalheim er, aus der Redaktion, die er allein be- sorgte, ausscheide und dafür der Genosse Erich Roßmann, ein junger, strebsamer Mann, der früher ein genau so hartnäckiger Gegner der württembergischen Opportunisten war, wie er jetzt ihr Freund und Günstling ist, die Redaktion übernehme. Der Parteivorstand hat seine Hilfe davon abhängig gemacht, daß das Ulmer Parteiblatt, das Noßmann, der früher Mitglied der Redaktion der„Schwäbischen Tagwacht" war, bisher redigierte, fortan in der Druckerei in Göppingen gedruckt werde." Diese Behauptungen widersprechen der Wahr« heit. Die Borgänge, die in der Notiz behandelt werden, Habensich wie folgt zugetragen: Die.Freie Volkszeitung" in Göppingen, die früher als Kopf- blatt erschien, machte sich im Jahre ISII selbständig, erwarb zu diesem Zwecke ein eigenes Grundstück und errichtete eine eigene Druckerei, obwohl die finanziellen Grundlagen für ein solches Unter- nehmen fehlten und deshalb der Parteivorstand, mit dem vorher keine Fühlung genommen war, entschieden Widerspruch erhob, als er da- von erfuhr. Wie vorauszusehen war, geriet das Geschäft bald in Zahlungsschwierigkeiten, die die Geschäftsleitung veranlaßten. die Hilfe des Parteivorstandes in Anspruch zu nehmen. Der Parteivorstand setzte sich darauf, wie immer in solchen Fällen. mit dem zuständigen Landesvorstand in Verbindung, und verhandelte sodann in Stuttgart mit dem Landes- vorstand, dem Landesausschuß und den Vertretern des Göppinger Geschäfts und den Vertretern des Ulmer Parteiorgans, um dessen Druck die Göppinger Geschäftsleitung sich schon vorher aus eigenem Antriebebemühthatle.darüber.obundwiedasGöppingerGeschäftsaniert werden könne. Alle Beteiligten kamen dahin überein, daß der Partei- vorstand und der LandeSvorstand dem Göppinger Geschäft gemeinsam finanzielle Hilfe leisten sollten. Der Landesvorstand, die Göppinger und die Ulmer Genossen wurden beaustragt, die zur Sanierung geeigneten Maßnahmen im einzelnen zu beraten, insbesondere auch zu erwägen, ob der Druck des Ulmer Parteiblattes, der jetzt in der Stuttgarter Druckerei ausgeführt wird, sich nicht in Göppingen ausführen ließe. Genosse T h a l h e i m e r, der bei dieser Konferenz zugegen war, erklärte, daß eine Regelung mit Ulm sich sehr wohl würde herbei- führen lassen. Am 12. Mai ist uns dann ein zwischen dem Landes- vorstand, der Gesellschaft.Schwäbische Tagwacht" und den Ver- tretern der Göppinger.Freien Volkszeitung" vereinbarter Vorschlag über die geschäftliche Regelung zugegangen, ohne daß der Druck des Ulmer Blattes erwähnt wurde. Bei den großen Zuschüssen, die künftig für daS Göppinger Unter- nehmen erforderlich sein werden, ivar diese Frage für unsere endgültige Entschließung von großer Bedeutung. Auf unsere Frage, wie es damit stehe, teilte der Verlag der Göppinger.Freien Volks- zeitung" unS am 24. Mai mit, daß die Verhandlungen mit den Ulmer Genossen noch nicht abgeschlossen seien, jedoch begründete Aussicht auf eine Einigung bestehe. Wir haben jedoch inzwischen dem Göppinger Geschäft die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung Theater. Deutsches Theater. Wedekind-Ga st spiel:„So ist das Leben". Der Wedekind-Zyklus, in dem der Dichter sein eigener Regisseur und Hauptdarsteller ist. wurde am Sonnabend im Deutschen Theater mit der Aufführung von.So ist das Leben" er- öffnet. Ein Drama von programmatischer Bedeutung für Wedekinds Wesen oder doch die Auffassung, die er von seinem Wesen hegt. Man hatte seine Paradoxien lange für den Ausfluß zynisch-skeptischer Grundstimmung gehalten, die. losgelöst von jeder positiven lieber- zeugung und jedem UeberzeugungSinleresse. die Nichtigkeit von allem, was sich mit solchem Namen schmückt, höhnend enthüllen, durch ihr ZerslörungSwerk daS oberste zu unterst kehrend, verblüffen und ver- wirren will. Er galt als Glaubensloser, der innerlich verzweifelt, sich und die Welt zum Spielball überlegen kalten Spottes macht und im Ver- Nichten fein Genüge findet. So faßte man die Lulu-Tragikomödie feines .Erdgeist" aus, die vor etwa einem Jahrzehnt in Reinhardts glänzender«ufiührung seinen Ruhm hier tn Berlin begründete-, so wurde er interpretiert und gefeiert. Aber in Wedclind, dem Skeptiker, steckte zugleich etwas von einem Moralisten. Er war es nicht zufrieden, daß man seine Gebilde um de« Kontrastes willen, in dem sie zum Gewohnten standen, als die Aeußerungsformcn eines eigenartig seltsamen Temperaments ästhetisch wertete. Er. der nichts Vorhandenes, Anerkanntes als Wahrheit stehen lassen wollte. fühlte sich selbst als einen, der auf neuen Pfaden neue Wahrheit sucht. Der Ungläubige, der alles zu verachten schien, besaß den Glauben an seine eigenen Paradoxien, empfand es als tragische Entmündigung, daß man, wo er in vollem Ernst zu sprechen meinte, seine Worte'für schillernde Ironien nahm. Er wollte mehr als Spötter, ein Verkündcr sein. Sein Drama.So ist das Leben" stellt diesen von ihm empfun- denen Zwiespalt zwischen Sein und Schein im Gleichnis einer rmnantisch-abenteuerlichcn Handlung dar— ein Selbstbekenntnis in symbolischen Formen. Der aus Perugia durch eine Revolution ver- triebene Herrscher Nicola, von dem Bewußtsein seines Gotteögnadcn- tums inniglichst durchdrungen, irrt unerkannt und flüchtig durch daS Land. Er wird Knecht. Schneider, büßt eine Majestätsbeleidigimg mit Gefängnis und tritt zn guter Letzt in eine Komödiantentruppe. Bor dem fahrenden Volle auf der Elendswiese trägt er, all seine Erinnerungen und all sein Sehnen in die Worte legend, die Verse eines KönigSmonologes vor. Aber die Menge, die er zu erschüttern dachte, klatscht ihm al» Spaßmacher Beifall. Die Schmierendirektoren sind entzückt, wie drollig er das Fürstenpatho« karikiert, und wetteisern in Anerbietungen, um ihn als Possenreißer zu gclviiinen. Wie dem Könige, geht es dem Dichter— er meint sein Innerstes zu offenbaren, und man applan- diert ihm mit verständnislosem Lachen. In dieser groß enlworsencn Szene knlminiert der Sinn des Stückes. Der Schluß lenkt dann auf völlig andere Gedankenbahnen ab. Während nach der Anlage des Drama« der Entthronte ein von Natur zum Höchsten Auserkorener sein soll, erscheint am Ende der revolutionäre Usurpator und chemalige Schlächtermeister Folchi als der besonnen EinsichlSvollere. Er sieht den fremden Mimen auf dem Schaugerüst die Königsrolle spielen und wählt ihn. weil seine Worte weise klingen, unter drm Titel eines Hofnarren zum Freund und Berater. Wedekind, der solche Rollen, wie den utvpistisch verstiegenen Schönheitsapostel Doktor Hetmann in„Hidalla" mit starker Wirkung herauszubringen vermag, blieb in der Gestalt de» flüchtigen Königs ohne Eindruck. Sein trocken nüchternes Organ versagt sich den gestellt. Damit haben wir eine Ausnahme von der Regel gemacht, daß Geschäften, die ohne genügenden finanziellen Rückhalt gegen den Willen des Parteivorstandes gegründet werden. Unterstützung aus allgemeinen Parteinntteln nicht gewährt wird. In diesem Ausnahme- fall war die Hilfeleistung nach Meinung aller Beteiligten im all- gemeinen Parteiintereffe aber geboten. Wir müssen mit aller Entschiedenheit die Behauptung als un- wahr zurückweisen, daß der Parteivorstand an die Unterstützung deS Göppinger Geschäfts die Bedingung geknüpft habe, daß der Genosse Thalheimer aus der Redaktion austrete. Bei den Verhandlungen in Stuttgart hat der Partcivorstand vielmehr ausdrücklich erklärt und auch später keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Wirtschaft- liche Bedrängnis des Göppinger Geschäfts nicht etwa dazu ausgenutzt werden dürfe, die politische und parteitaktische Haltung des Göppinger Organs zu beeinflussen. Wir bedauern es im Interesse der Partei, wie tl»seres Göppinger Geschäfts, daß wir durch den unwahren Bericht in der„Bremer Bürgcrzeitung" gezwungen worden sind, interne geschäftliche Angelegenheiten eines Parteiorgans öffentlich zu erörtern. Bemerken wollen wir noch, daß wir von der weiteren Entwickelung der Angelegenheit erst jetzt durch den nach- folgenden Bericht des Göppinger Parteiorgans vom 1. d. M. Kennt- nis erlangt haben. Der Parteivorstaud. Die Fusion der Göppinger„Freien Volks- zeitung" und der.Donauwacht'. Donnerstagabend fand die Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Göppingen statt. Auf der Tagesordnung stand die Frage der Erweiterung der finanziellen Basis der.Freien Volkszeitung". Zu diesem Zwecke wurde von den betreffenden Parteiinstanzen die Fusion der Ulmer.Donauwacht" und unseres Blattes angeregt, zu der der Berliner Parteivorstand und die Gesellschaft der „Schwäbischen Tagwacht" die finanzielle Grundlage geben. Genosse Kinkel, der über die in dieser Angelegenheit gepflogenen Berhand- lungen berichtete, legte im Namen des Kreisausschusses eine Ne- solution vor, in der die Göppinger Genossen fordern, daß die Redaktion des Blattes durch die Genossen Thalheimer und Noßmann geleitet wird. Daraufhin gab Genosse Dr. A. Thalheimer folgende Er- klärung ab: Angesichts dessen, daß infolge Aufgabe der finanziellen Selbst- ständigleit der„Freien Volkszeitmig" und ihrer Verschmelzung mit der.Donanwacht" auch eine Aenderung der Faktoren zu erwarten ist, die über die politische Haltung der„Freien Volkszeitung" zu bestimmen haben, sehe ich mich außerstande, weiter in der Redaktion der„Freien Volkszeitung" zu verbleiben. Angesichts dessen brachte Genosse Schepperle, Vorsitzender des Kreisausschusses, folgende Resolution ein, die einstimmig an- genommen wurde: „Die Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Göppingen nimmt mit dem grüßten Bedauern den Rücktritt des Genossen Thalheimer von der Redaktion der.Freien Volkszeitung" zur Kenntnis. Sie spricht ihm den wärmsten Dank für seine Tätigkeit aus, mit der sie in prinzipieller und taktischer Beziehung völlig einverstanden war." Daraufhin wurde eine längere Debatte geführt über die praktische Durchführung der Fusion, die mit der Amiahme folgender Resolution (mit allen gegen sechs Stimmen) endete: „Die beiden Parteiorgane„Freie VolkSzeiwng' und„Donau- wacht" werden verschmolzen und die geschäftliche Leitung der Gesellschaft.Schwäbische Tagwacht" übertragen. Die beiden Parteiorgane werden unter eine Redaktion ge- stellt. Ueber die taktische und prinzipielle Haltung des Blattes sowie über die Besetzung der Redaltion entscheidet eine Preß- kommission, die aus je drei Genossen vom Landesvorstand, aus dem 10. und dem 14. Wahlkreis gewählt wird. Falls in dieser Preßkommission eine Einigung nicht erzielt wird, entscheidet endgültig der Parteivorstand." Eine Landeskonferenz für das Großherzogtum Sachscn-Weimar tagte vergangenen Sonntag im Volkshause zu Weimar. Sie war insgesamt von 79 Delegierten besucht, von denen auf den I. Wahl- Gefühlsakzenten, die hier erfordert werden. Frau Tilly Wedekind gab der Königstochter, die dem Vertriebenen in Knabenlleidung folgt, eine anmutig geschmeidige Erscheinung. Gut war Josef Klein« durch die Revolution zum Thron emporgelragener Schlächtermeister. Die Inszenierung arbeitete im Gegensatz zu dem stilvoll malerischen Rahmen, den Reinhardts Kunst dem Stücke einst gegeben hatte, mit ungewöhnlich primitiven Mitteln, verzichtete aus jeden Anreiz für die Phantasie. DaS Publikum, das sich bis dahin abwartend ver- halten, bereitete am Schlüsse dem Dichter eine Ovation. dt. Schiller-Theater- O. Robert M i s ch s Lustspiel„Nach- rühm" gehört nach Thema, Entstehungsjahr und Technik in die Zeit der Nachwehen deS.süiigsten Deutschland", da man anfing, das bis zum Ueberdruß tragödienhi'.ft behandelte Künstlerproblein für die heiteren Musen zurückzuerobern. Hatten die.Modernen" den echten, darum„anerkannten" Dichter stets ats Erliegenden mit einem Revolverknall in die ewigen Jagdgründe befördert, so ließen die logenannten Lnstspleldichter nun ihren Helden einfach im kritischen Moment verduften, um ihn dann rotznfagen. Jetzt regnete eS nur fo ZeitungSnelrologe auf den elendig zugrunde Ge- gangenen, was wieder zur Folge hatte, daß seine dichterische oder künstlerische Werkhinterlassenschaft mit kolossalen Erfolgen über die Bretter ging und er selber plötzlich berühmt wurde. Dann aber begab sich auch daS große Wunder, daß der vermeintlich Tote, der gar nicht tot war, aus der Versenkung auftauchte und nunmehr Ge- legenbeit genug fand, sich über die Borniertheit der Zunftkritik wie über die Dummgläubigkeit des Publikums weidlich lustig zu machen. Zweifellos ist das ein Stoff für eine wirkliche tiefgeschürfte Ko- mödie. Aber die Aristophanesse fehlen uns I und Robert Misch ist auch keiner. Immerhin versteht er sich auf das Lachen- machen nach dem erprobten Rezept der Moser- Schöuthan. wonach die Personen bloß Puppen, die drastische Situationskomik und daS witzige Spiel mit Worten die Hauptsache bleibt. Man wird zwar bei der ganzen Schaumschlägcrei mit ihren mehr künstlich alö künstlerisch eingebauten Gemütskisten nicht recht warm— aber man lacht. Das Schillertheater-Publikum des Ostens hat also hier- mit seine lustige Sommerspielzeit eröffnet— und die Kamönen können schlafen gehe». Reinhold K ö st l i n, Gustel Hansen und Harry F ö r st e r nebst Adolf Joseph, Karl Noack, Karl Elzer und allen übrigen zu Ernsthaftigkeit oder Faxenmachcrei verurteilten Darstellern sorgen schon, daß der Lachreiz permanent bleibt. o. K. MuM.• Auf den Ruinen der Kurfür st enoper haben sie eine provisorische Possenbude aufgeschlagen,- und statt darüber zu weinen, müssen wir nun lachen über die Situationen in dem Vaudeville „Der Tanzanwalt". ES ist die richtige Theaterware, dieses Stück mit dem hier bereits bekannten Motiv von dem Vcrwandlungs- künstler. Er vertritt einen Lebemannadvokaten und kommt dabei ebenso wie sein Partner in Situationen von bekannter„Unmöglich- keit" mit bekanntem„gutem" Ausgang. Der Komponist des bereits in Hamburg aufgeführten Stückes heißt Walter Schutt. Er ist zwar kein.Humperdinck der Operette", für den er hie und da zu gelten scheint. Aber ein zeit- weiligeS Hinausdrängen über die bloße Singspielerei, durch ge- wichtigere Orchcsterlünste.„läßt hoffen"— wie man zu sagen pflegt. Gesungen wurde hoffunngslos und gespielt fast ebenso, etwa Lisbeth Schlösser und vielleicht noch Margarete Fisch- b a ch ausgenommen. e& kreis 26, auf den n. 17 und auf den EL 85 Delegierte entfallen. Der Parteivorstand war durch Gen. Ebert- Berlin vertreten. Außerdem nahmen die beiden Bezirkssekretäre für Thüringen, die Gen. Baudert und Leber, sowie mehrere Vertreter der Partei- presse an der Tagung teil. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete der einmütige Antrag der Kreisvorstände aller drei weimari- scheu Wahlkreise, vom l. Januar1913 ab eine gemein- iame Landeszeitung für das Großherzogtum Sachsen-Weimar herauszugeben. Nach reichlich vier- stündiger Aussprache, in der alles Für und Wider eine gründliche Erörterung fand, faßte die Landeskonferenz in namentlicher Ab- stimmung mit 68 gegen 11 Stimmen zunächst den prinzipiellen Be- schluß auf Herausgabe einer gemeinsamen Presse für das gesamte Großherzogtum. Hierauf wurde in einer zweiten namentlichen Ab- stimmung mit 64 gegen 13 Stimmen, die sich auf Erfurt(9). Weimar s3) und Eisenach sl) verteilten, Jena zum Druckort für das neu zu gründende Parteiorgan bestimmt. Die Erledigung der aus diesen Beschlüssen erwachsenden Vorarbeiten übertrug die Konferenz den Kreisvorständen der drei weimarischen Wahlkreise.— Hierauf erstattete Genosse Leber-Jena ein Referat über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion des weimarischen Landtages während der abgelaufenen Legislaturperiode, an besten Schluß eine die Haltung unserer Vertreter billigende und die jämmer- liche Haltung der liberalen Abgeordneten bei den verschiedensten Anlässen scharf verurteilende Resolution einstimmige Annahme fand. Genosse Baudert- Weimar präzisierte in einem weiteren Referat die Forderungen, die die Sozialdemokratie anläßlich der bevor- siehenden Revision der weimarischen Gemeindeordnung zu stellen hat. Die Landeskonferenz stimmte den vom Referenten borgelegten Leit- I einhellig zu._ Die südslawische Sozialdemokratie Oesterreich» hielt in den letzten Tagen ihren gutbesuchten Parteitag in L a i b a ch ab. DaS nunmehr täglich erscheinende slowenische Parteiblatt entwickelt sich günstig, die Stimmenzahl bei den Parlamentswahlen hat sich seit 1907 von 13 000 auf 20 000 erhöht, jedoch besitzt die Partei noch kein Mandat. Der Parteitag verurteilte nach gründlicher Debatte jede nationale Zersplitterung der Gewerkschaften und chauvinistische Verseuchung der Arbeiterbewegung aufs schärfste. Die Sozialdemokratie der Bukowina� jener östlichsten Provinz Oesterreichs, die mit ihren sechs Nationen— Deutsche, Ruthenen, Rumänen, Polen, Juden und Armenier, die halbwilden Huzulen und die magyarischen und rumänischen Ausländer abgerechnet— ein Abbild des ganzen Reiches ist, hat sich in einer internationalen Zentralorganisation zusammengeschlossen. Die Erfahrunizen mit der nationalen Gliederung der österreichischen Sozialdemoktatie seit 1897 mögen dazu bestimmt haben._ Zum Parteisekretär für Westpreußcu ist der Genosse Julius Gehl au» Bromberg gewählt. polüeiUcffes. OerlrhtUchts uf». Und wieder Mansfelder Wahlterror. Wie lürzlich berichtet, wurde vom Schöffengericht Ei Sieben der Gutsbesitzer Rath aus dem Dorfe Neehausen aus dem Mans- feldischen zu 73 M. Geldstrafe und die nicht unerheblichen Kosten verurteilt, weil er am Stichwahltage unsere Genossen aufs gröblichste beleidigt hatte. Raths Kollege, der Gutsbesitzer Ramdohr, ging noch ganz anders gegen unsere Genossen vor. Er schimpfte nicht bloß„rote Bande", sondern trat den Genossen Morgenthal derartig in das Gesäß, daß dieser 3 Meter weit flog. Auch hatte er ihn vorsätzlich auf den Fuß getreten, daß der Nagel de» großen Zehes abging. Ramdohr hatte sich am 1. Juni ebenfalls vor dem Eislebener Gericht in der Privatklage gegen ihn zu verantworten.(Der Staats- anwalt hatte abgelehnt, im öffentsichen Jntereffe einzugreifen.) Bemerkenswert waren die Ausführungen des Wahlvorstehers und Ortsschulzen Schimpf, der als Entlastungszeuge auftrat. Er meinte, er stehe heute noch auf dem Standpunkt, daß die Reichstags- w a h l n i ch t ö f f e n t l i ch s e i. Er sei schon öfters Wahlvorsteher gewesen und könne nicht zugeben, daß daS Wahllokal ein öffentliches sei. Er würde höchstens nur sehr bekannte, gut legitimierte Leute zugelassen haben, aber nicht jeden besten. Der Angeklagte Ramdohr wurde zu 100 Mark Geldstrafe und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt nebst Publikationsbefugnis für den Kläger. Die angebotene Buße von 125 Mark wurde nicht angenommen. jEine Ehrung drS lippischen Lölkes. Im November v. I. hatte die Bielefelder„Volks- wacht" in einer Mitteilung aus Detmold kurz das Verhalten der liberalen„Lipp. LandeSzeitung" bei Gelegenheit der Veröffent» lichung eines Handschreibens deS Kaiser? an den Fürsten zu Lippe kritisiert. Das liberale Blatt hatte geschrieben, der Inhalt des Schreibens sei eine Ehrung für das ganze lippische Volk und werde von ihni dankbar begrüßt. Die„Lolkswacht" bemerkte dazu, daß sich das liberale Blatt wieder am devotesten benommen habe und sich eine Speichelleckerei gestatte. Der Redakteur der„Lipp. Landes- zeittmg" klagte, und erreichte vor dem Schöffengericht die Ver» urteilung des verantwortlicken Redalteurs der.Volksmacht", Genoffen Dreckshage, zu 75 M. Strafe. Das Urteil wurde mit einer merkwürdigen Begründung versehen, in der konstatiert wird, daß das Schreiben des Kaisers tatsächlich eine Ehrung deS ganzen lippischcn Volles bedeute, und in der es weiter heißt, daß bei der Straf- zumeffung strafverschärfend zu berücksichtigen sei, daß der.Bolls- wacht"arti!el„in schamloser Weise den patriotischen Sinn des Privat» klägerS der Lächerlichkeit preisgibt". Genosse Dreckshagc lehnte darauf für die Berufungsverhandlung sämtliche Richter de« lippischcn Landgerichts als befangen ab. Das Oberlandesgericht erachtete die Ablehnung aber nicht für begründet, so daß sich die Tetinolder Strafkammer mit der Berufung zu beschästigen hatte. Sie bestätigte daS Urteil des Schöffengerichts, folgte dem Erstrichter aber nicht in der sonderbaren Wertung einiger ironischer Wendungen.— Auch die Strafkammer hat angenommen, daß der Redakteur der„Lippischcn Landeszeitung" persönlich getroffen sei. Genannt war er nicht, auch nicht andeutungsweise._ Preußischer Wind in Württemberg. Gegen den Redakteur der.Freien Volkszeitung" in Göppingen, Genoffen Dr. T h a l h e i m e r. ist Anklage wegen Aufreizuiig zum Klasscnhaß und Aufforderung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt erhoben worden. Nach Ansicht des Staatsanwalts sollen die Straftaten in zwei Artikeln begangen worden sein, wovon der eine unter dem Titel.Reserve hat Ruh" sich an die entlassenen Soldaten wendete, während der andere sich mit einer Rede des Landtagsabgeordncte» Genosten Kinkel beschäftigte und einige von diesem getane Aeußerungen zitierte. Die Untersuchung hat über ein halbes Jahr gedauert, denn die Artikel sind bereits im Oktober vorigen Jahres erschienen. Verhandlungstermin wird voraussichtlich Ende dieses oder Anfang nächsten Monats vor dem Schwurgericht in Ulm stattfinden._ Jugendbewegung. Der BcrbandStag der dcntsch-östcrrcichischcn Jugendorganisation, der zu Pfingsten in Bodcnbach a. d. Elbe tagte, war von 177 De- legierten besucht, deren große Mehrzahl aus Deutschböhmen kam. was nur der tatsächlichen Entwicklung der Jugendbewegung seit 1909 entsprickit. Der VcrbandStag, dem auch Vertreter der Partei- leitung. der GewerlschaftSkommiision und der RcichsratSfraktion. so- wie der nichtdeutschcn Jugendorganisationen Oesterreich» beiwohnten, nahm den schönsten Verlaus. Hervorzuheben sind die Referate über die christlichsozialen und deutschradikalcn Gegner, über die Bildung-;- arbeit und den Kampf um den Tagesunterricht an den gewerblichen Fortbildungsschulen— daS großartige Zentralfortbilduiigsschul- gcbäude, daS die Wiener Stadtbeherrscher dieser Tage den Berliner Stadtvärern zeigten, steht tagsüber leerl Von den Beschlüssen sind namentlich die gegen de» AlkoholiSmuS und zugunsten der in Deutschböhmen bereits bewährten gemeinsamen Organisation der männlichen und weiblichen Jugend hervorzuheben. 8o2iaUs. Zum Inkrafttreten der Versichernngsämter. Der Minister für Handel, der Minister des Innern und der Landwirtschaftsminister haben nach einem im gestrigen „Reichsanzeiger" veröffentlichten Erlaß bestimmt, daß die Versicherungsämter am 1. Juli 1912 ins Leben treten. Ferner sind die Gemeindevorstände folgender nichtkreisfreier Gemeinden als„untere Ver- waltungsbehörden" bestimmt: in der Provinz O st- pre ußen: Braunsberg, Mcmel, Osterode; in der Provinz Westpreu-ßen: Zoppot; in der Provinz Branden- bürg: Finsterwalde Köpenick, Küstrin, Luckenwalde, Pankow, Rathenow, Sommerfeld, Steglitz. Weißen- s e e, Wittenberge; in der Provinz Pommern: Greifswald; in der Provinz Posen: Gnesen, Schneidemühl; in der Provinz Schlesien: Glatz, Glogau, Hagenau, Hirschberg, Waldenburg; in der Provinz Sachsen: Eilenburg, Merseburg, Schönebeck, Staßfurt, Suhl; in der Provinz Hannover: Goslar, Hameln, Peine; in der Provinz Westfalen: Ahlen i. W„ Bocholt, Gevelsberg, Gronau. Haspe, Hohenlimburg, Minden, Paderborn, Rheine. Schwerte. Siegen, Soest, Unna, Watten- scheid; in der Provinz Nessen-Nassau: Biebrich, Höchst, und in der R h e i'n p r o v i n z: Eschweiler, Heuß, Stolberg. Velbert, Viersen._ Neue Einwanderung von Italienern, Der Raubkrieg der Italiener in Tripolis hat bekanntlich ganze Scharen armer Proletarier von Deutschland geholt und als Kanonenfutter verwendet. Unternehmer haben dies bereits beklagt, weil sie ihre billigen Arbeitskräfte verloren haben. Nun ergreift die Türkei nach langem Zögern Maßregeln und wies viele Tausende von Italiener aus der Türkei aus. Großmäulig hat nun die Regie- rung in Rom der Welt erklärt, daß sie auch den Rest der in der Türkei verbleibenden Italiener zurückrufe, damit die Türkei bei Bahnbautcn usw. in Verlegenheit kommen soll. Man habe„Brot und Arbeit" genug im Lande Italien. Wäre dies der Fall, so müßten nicht alljährlich so viele Tau- sende armer Italiener über die Alpen wandern, um in Deutschland als Lohndrücker aufzutreten. Geheim muß aber die Ausweisung der Regierung in Rom doch größere Sorgen bereiten, als man öffentlich zugibt und in die Welt posaunt. Denn die Konsulate in Deutschland haben eine geheime Anweisung erhalten, für die Unter- bringung der Ausgewiesenen baldigst Sorge zu tragen. Die Kon- sulate stellen nun bereits Erhebungen an, ob in einzelnen Städten Deutschlands Arbeitermangel herrsche, ob auch Streiks usw. vor- Händen sind, damit man die armen Ausgewiesenen da sofort unter- bringen könne. Auch über die Aussperrungen in einzelnen Bran- chcn, wie in der Metallindustrie suchte man sich zu informieren, weil eben bei solchen Gelegenheiten viele„Kräfte" gbraucht würden. Man sieht also wiederum, daß die armen Italiener zu Lohn- Drückern, Streikbrechern von ihrer eigenen Regierung kommandiert werden sollen, nur damit sie aus dem Lande Italien abgeschoben werden können und dem Staat nicht zur Last fallen, der jetzt alle Mittel braucht, um das«Christentum" den Arabern zu bringen. Generalversammlung technischer Lehrerinnen. In der Pfingstwoche fand in Hagen in Westfalen unter leb- haftcr Beteiligung die 9. Generalversammlung des Landesvercins preußischer technischer Lehrerinnen statt. Die Tagung des über 8000 Mitglieder zählenden Vereins brachte einen sehr anregenden Verlauf. Der Antrag des Vereins Berliner Fachlehrerinncn, die Generalversammlung wolle beschließen, der Landcsverein preußischer technischer Lehrerinnen möge korporativen Anschluß an den Preußi- schen LandcSvcrcin für Fraucnstiminrecht zu erlangen suchen, wurde zwar abgelehnt, doch wurde den Ortsgruppen dringend emp- fohlen, ihrerseits sich den in ihren Orten bestehenden Vereinen für Fraucnstimmrecht anzuschließen und auch sonst in ihren Reihen aufklärend und werbend zur Erlangung des vollen Staatsbürger- recht? der Frau zu wirken. Ein Antrag, den Berlin und Neu- kölln gestellt hatten, der LandcSverein möge geeignete Schritte tun, um eine Aenderung der von den Ortszulagen handelnden 20 und 22 des Lehrcrbesoldungsgesetzes herbeizuführen, wurde einstimmig angenommen. Es wird eine gesetzliche Aenderung der betreffenden Paragraphen in dem Sinne verlangt, daß ein Unterschied in der Festsetzung der Ortszulagen bei den verschiedenen Kategorien von Lehrerinnen desselben Ortes nicht gemacht werden darf. Versammlungen. Organisation der Braucreiarbeiter in Amerika. Der Redner führte seine Zuhörer in die Anfänge der Organisa- tion in den Jahren 1879 bis 1881 zurück und zeigte, unter welchen Schwierigkeiten die Gewerkschaft sich Bahn brach, grimmig verfolgt von den Unternehmern und wenig gestützt von den Arbeitern, die durch die unerhört lange Arbeitszeit, oft 1-1— 18 Stunden lang, versklavt waren. Nach verschiedenen Rückschlägen faßte die Orga- nisation 1886 festen Fuß und schloß Tarifverträge ab. die für eine Mitgliedschaft von 6000 Arbeitern manche Verbesserung brachten und die Arbeitszeit auf 10 Stunden reduzierten. Das Jahr 1887 brachte mit dem Bombenwurf in Chicago und der folgenden großen Anarchistenhctze eine Krisis in der Arbeiterbewegung, unter der auch der Brauereiarbeiterverba.tid schwer zu leiden hatte; die Unter- nehmer versuchten mit allen Mitteln die Organisation zu zerstören, und 1888 zählte sie nur noch 1SOO Mitglieder. Nach jedem neuen Rückschlag wuchs aber die Bewegung immer mächtiger in die Höhe. Nach dem Jahre 1890 führte sie sehr wirksame Boykotts durch und gewann schnelle Ausdehnung bis 1893, als eine große Wirtschaft- liehe Krisis über das Land hereinbrach. Immer wieder versuchten hie Unternehmer durch große Aussperrungen, schwarze Listen, ge- richtliche Verfolgung usw. den Verband zu zerstören, aber es gelang ihnen nicht. Der Verband errang große Erfolge für die Arbeiter- schaft, ihre Löhne wurden stetm erhöht, ihre Arbeitszeit auf 9 und zu einem großen Teil auf 8 Stunden verringert, alle Verhältnisse verbessert, so daß die Unentbehrlichkeit der Organisation immer größeren Kreisen der Arbeiter klar wurde. Neben der Macht der Unternehmer hatte der Verband noch mit anderen großen Schwie- rigkeiten zu rechnen, die durch die Tcmperenzlerbewcgung in Ame- rika entstanden, ferner hatte er schwere Kämpfe, Grenzstreitigkeiten mit anderen Arbeiterverbänden zu führen, aber er hielt wacker durch. Im Jahre 1902 hatte der Verband eine Mitgliedschaft von 14 000. die gegenwärtig auf 53 600 angewachsen ist. 93 Prozent aller Arbeiter in den Brauereien gehören zum Vraucreiarbciterver. band. Im den Tarifverträgen, die abgeschlossen werden, steht als oberste Forderung, daß nur Mitglieder des Verbandes beschäftigt werden dürfen. Die Organisation genießt heute unbedingte An- erkennung, die Unternehmer verhandeln mit ihr als mit einer gleichberechtigten Macht. Wo Konflikte entstehen, da werden sie mit der größten Zähigkeit und ohne Rücksicht auf die Kosten aus- gefochten. In bezug auf die Löhne bemerkte der Redner, daß 13 bis 20 Dollar pro Woche nicht selten bezahlt werden. Diese Er- ihöhung gegenüber früheren Löhnen von 10—13 Dollar bedeute aber nicht sehr viel, denn seit einigen Jahren sind die Preise für Nah- rungsgiittel bedeutend gestiegen. Uebergehend zu den inneren Ein. richtuWn der Organisation in Amerika führte HuebtiSr all, daß von den Lokalverbanden 4 Dollar pro Jahr und Mitglied am die Zentrale abgeliefert werden müssen. In Streikfällen werden 7 Dollar pro Woche aus der Verbandskasse bewilligt, aber bei großen Streiks werden 12— 15 Dollar bezahlt, da durch Extrabeiträge ge- nügend Mittel aufgebracht werden. Alle Unterstützungen anderer Art sind Angelegenheiten der Lokalvcrbände, die nach ihrem Be- lieben Einrichtungen treffen können. Vor einiger Zeit erst hat die Mitgliedschaft eine allgemeine Unfall- und Altersversicherung, an der sich auch die Unternehmer zugunsten der Arbeiter beteiligen wollten, durch eine Urabstimmung abgelehnt.— Das Verbandsvermögen beträgt 600 000 Dollar, mit dem Vermögen der Lokalverbände über 3 000 000 Dollar. Es wird stets Wert darauf gelegt, daß ein großer Kriegsfonds flüssig ist, um sofort den größ- ten Kampf führen zu können. Zum Schluß kam der Redner noch auf die Einwanderung zu sprechen, die seit Jahren schon sehr nach- gelassen habe. Der Verband nimmt die Eingewanderten gern auf, aber sie müssen beweisen, daß sie schon in ihrem Heimatlande treue Mitglieder der Organisation waren. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Der Verbandsvorsitzende Etzel ging in der Diskussion auf einige Punkte näher ein und hob rühmend hervor, daß der Brauereiarbeitcrverband in Amerika an der Spitze steht unter den Gewerkschaften, die für den Sozialismus eintreten und über sozialistische Ideen volle Aufklärung verbreiten. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: Besprechung der An- träge zum VerbandStag, referierte H oda p p und unterzog eine Reihe von Anträgen, deren 214 vorlagen, einer kritischen Würdi- gung. Die Diskussion darüber, die sich besonders um die Fragen der Beitragserhöhung und der Verschmelzung mit anderen Ver- bänden bewegte, wurde auf Antrag aus der Versammlung bald ge- schlössen._ Huö der frauenbewegung. Leseabende. Treptow-Bliumschulcnwcg. Für den Ausfall des Leseabends im'Mai findet am Dienstag, den 4. Juni, abends 8'/� Uhr, bei Serpen- thin, Baumschulenstr. 73. eine gemeinschaftliche Versammlung der Genossinnen statt. Vortrag des Herrn Dr. med. Timmel:' „Der weibliche Organismus". Treffpunkt für die Genossinnen des Berliner und mittleren Ortsteils um 8 Uhr an der Mosaik- fabrik, Kiefholzstraße._ Hud aller Melt. GlückUcbc liiere. Die überaus große Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung be- trachtet es als ein außerordentliches Glück, dauernde Beschäftigung zu haben. Körper und Geist stärkende Ferien sind Millionen Ar- beitern bislang ein unerreichbares Ideal. Erst dann, wenn der Arbeiter durch die übermäßige Ausbeutung seiner Arbeitskraft marode geworden ist, muß er gezwungenermaßen ausspannen. Aber die Furcht, seine bisherige Arbeitsgelegenheit zu verlieren oder das unzulängliche Krankengeld zwingen ihn, seine unfreiwilligen Ferien vorzeitig zu beenden. Sollte ein Arbeiter in seiner Ver- blendung sich aber gar zu dem wahnwitzigen Gedanken versteigen, daß eigentlich doch der Unternehmer, der aus der Arbeitskraft seiner Arbeiter den Mehrwert zieht, moralisch verpflichtet sei, ihn zur Kräftigung seiner geschwächten Gesundheit in ein Seebad zu schicken, solch einen Arbeiter würde man in ein NarrenhauS stecken. Und doch ist das gar nicht so närrisch, wenn es sich nicht um Arbeiter, wohl aber um Rennpferde handelt. In der Berliner.Sportwelt" vom 29. Mai lesen wir:.AuS O st e n d ef schreibt uns unser belgischer Korrespondent: Die Hirsch- bergerschen Kandidaten für Hamburg und Bremen steigen in den letzten Tagen von ihrem Kothurn herab. Nachdem Monlhon, der sich von seinem Kölner Doppelsiege nicht so bald, wie erwartet, hat erholen können, und Coram Populo, welcher stark an- gegriffen auS der Grand Steeple Chase de Bruxelles zurückkam, schon seit Wochen hier Kräftigung in. stärkenden Seebädern suchen, hat man nun auch bei Ouatrams erstem Versuch in einem ernsteren Handicap— im Prix de l'Escant in Stockei— einsehen müssen, daß er zum Tragen eines größeren Gewichts doch noch nicht fähig ist, indem er erst neun Längen hinter dem fünfjährigen Wildfowler-Sohn AbattiS des Chev. van den Branden einkam. von welchem er drei 5kilo erhielt und sich auch noch vor dem sechsjährigen My Uncle mit fünf Längen beugen mußte." Was den Pferden recht ist, ist noch lange nicht den Arbeitern billig, so verlangt eS die vielgepriesene kapitalistische Weltordnung. Denn Rennpferde kosten Geld, Arbeitslose liegen genug auf der Straße, und wenn sie verbraucht sind, ist kostenloser Ersatz vor- Händen._ Tödliche Flicgerabstiirze. Bei der Abfahrt zum nordwestdeutschen Rundfluge, die am Sonntag früh in B r e m e n stattfand, hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Buchstätter, der kurz nach 7 Uhr mit Leutnant Stille vom 2. hannoverschen Infanterieregiment Nr. 77 auf- gestiegen war. stürzte beim Nehme» einer Kurve plötzlich ab. Der Apparat überschlug sich und begrub beide Insassen unter s i ch. Beide wurden durch Eisensägen und Beile erst aus den Trümmern befteit. Buchstätter gab noch einige Lebenszeichen von sich, verschied aber bald darauf. Leutnant Stille war sofort t o t. Die Veranstaltung wurde unterbrochen. Ein zweiter tödlicher Fliegerabsturz wird aus North-Da- k i m a(Nordamerika) gemeldet. Als der Aviatiker P a r m e l e e dort einen Aufftieg unternahm, wurde der Apparat plötzlich von einem Windstoß erfaßt und zur Erde gedrückt. Der Apparat wurde vollkommen zertrümmert. Parmelee war sofort tot. Erst am letzten Donnerstag verunglückte der Aviatiker, indem er mit seiner Maschine in die Zuschauermenge stürzte, wobei eine Per- son getötet, eine andere tödlich verletzt wurde. Der Kronprinz als Schriftsteller. „AuS meinem Jagdtagebuch. Von Friedrich Wilhelm, Kronprinz des Deutsches Reiches und von Preußen," Unter diesem Titel kündigt die Denlsche VcrlcigSanstalt in Stuttgart für Ende dieses Monat? eine Neuerscheinung an. Da dem Krön- Prinzen seine Reden und sein Auftreten un Reichstage nicht besonders geglückt sind, ist es recht erfreulich, daß seine Overstemätigkeit in Danzig ihm zu schriftstellerischer Belätigung Zeit ließ. Das neue Werk scheint dem„Berliner Tageblatt" wichtig genug, daß das linlsliberale Organ an der Spitze seines Feuilletons das feierliche Versprechen abgibt, am Tage der Buchausgabe in Leipzig eine ausführliche Besprechung zu bringen. Schon jetzt schreibt daS„Berliner Tageblatt": Da der Kronprinz ja durch feine hervorragende Stellung Jagden mitgemacht hat, die nicht jedem sterblichen Nimrod beschieden sind, so dürste sich in dem Buche auch für die Jagdkreise sehr viel Interessantes finden. Glücklicher Kronprinz— glücklicher Liberalismus. Furchtbare Familientragödic. Ueber die Verzweiflungstat eines Familienvaters wird aus Pürglitz in Böhmen gemeldet: Der bei einem Eisenbahnunfall verunglückte Lokomotivführer Wrba, der durch den Unfall sein Augenlicht verloren hatte, befand sich schon seit Jahttn in einem Prozeß gegen die Eisenbahndirektion, von der er eine aus- kömmliche Rente verlangte. Da die Frau des Wrba selbst kränk- ich war und seine beiden im Alter von 8 und 10 Jahren stehenden �Kinder noch nichts verdienen konnten, herrschte in der Familie oft die bitterste Not. Die jahrelange Prozessierung um sein Recht hatte die Nerven des verunglückten Staatsbeamten schließlich so zerrüttet, daß er in der letzten Nacht den unseligen Entschluß faßte, sich und seine Familie aus dem Leben zu schaffen. Beim heutigen Morgenkaffee gelang es ihm, seinen Familienangehörigen unbemerkt S t r y ch n i n, das er sich von einem Freunde verschafft hatte, in den Kaffee zu schütten. Alle drei Personen und Wrba selbst, der ebenfalls von dem Gift genossen hatte, starben nach kurzer Zeit unter schrecklichen Qualen. Die Eisenbahndireltion aber ist eine schwere Sorge loS. Jetzt braucht sie sich sinit der Klage des in ihrem Dienste Verunglückten nicht mehr zu befassen._ Selbstmordversuch des Leutnant Paterno. Ein dramatischer Zwischenfall ereignete sich am Sonnabend vor den Assisen in R o m während der Verhandlung des Mordprozesses gegen den Leutnant Paterno, der angeklagt ist, die Hosdame der Königin von Italien, Gräfin Trigona, getötet zu haben. Während der Aussagen eines Zeugen versuchte plötzlich Leutnant Pasterno seinem Leben ein Ende zu machen, indem er mehrmals »rit de in Kopf gegen das Eisengitter rannte, das die Anklagebank umzäunt. Blutüberströmt sank der Mörder zur Erde und mußte aus dem Saal getragen werden, während der Präsident unter großer Erregung des Publikums die Sitzung schloß. Der Zustand PaternoS gibt z u Bedenken Anlaß. Ueber die Skandalaffäre in der römischen Gesellschaft haben wir seinerzeit berichtet._ Sind das deutsche Frauen? Mit dieser Uebcrschrift bringt das„Leipziger Tageblatt*' von seinem Hamburger Korrespondenten folgendes: „Im Tierpark herrscht seit einigen Tagen unter der tapferen Bcduinenschar Unzufriedenheit, die bisweilen in temperamentvollen, schlagfertigen Meinungsäußerungen zum Ausdruck kommt- Schuld daran tragen aber nicht die Beduinen, sondern die vielen Hamburger jungen Frauen und Mädchen, die sich geradezu um die Gunst der Beduinen reißen. Wenn man die flammenden Blicke dieses schönen Geschlechts und dabei die Ausdauer— sie schleichen unermüdlich stundenlang um die Bcduincnstätte herum— berücksichtigt, so wird man verstehen können, daß die heißblütigen Beduinen diesem reizvollen Spiel nicht länger widerstehen können und die Gelegenheit, ein bißchen auf a r a b i s ch e A r t zu flirten, wahr- nehmen. Leider hat dieses Spiel unangenehme Begleiterscheinungen im Gefolge gehabt. Am zweiten Pfingslfeiertage ist es deS schönen Geschlechts wegen unter den Beduinen z u T ä tl i ch k e i t e n ge» kommen, die das sofortige Einschreiten der Polizei und der Wach- und Schließgesellschaft notwendig machten. Mehrere Beduinen hat man, wie wir hören, bereits nach ihrer Heimat zurückbefördert. Obschon die Firma Hagcnbeck in anerkennenswerter Weise Maßnahmen zur Verhütung von derartigen Zwischenfällen getroffen und die Beamten streng angewiesen hatte, die den Beduinen sich in zu auf- fälliger Weise nähernden Frauen und Mädchen ohne weiteres aus dem Park zu entfernen, haben sich in letzter Zeit solche unliebsame Szenen, wie vorstehend geschildert, wiederholt. Es ist tief bedauer- lich, daß die deutschen Frauen, die, was Charakter und Moral anbetrifft, anderen Leuten sonst zum Vorbild dienen, sich so weit herablassen und ihr eigenes Ich in den Schmutz ziehen. Noch bedauerlicher aber ist es, wenn Mutter und Tochter, wie. es hier der Fall gewesen ist, ein gemeinsames Liebes- werben beginnen und sich dabei gegenseitig Konkurrenz machen. Pfuit Wir wollen hoffen und wünschen, daß diese Zeilen dazu beitragen, in gutem Sinne auf die Frauen einzuwirken. Sie"" mögen sich auf sich selbst besinnen und zur Einsicht gelangen, ehe es für sie und vielleicht auch für ihre Familie zu spät ist." i Eine nette Probe der so viel gepriesenen Tugend des Bürger- tums. Dafür schimpft die Gefellschaft bei passender Gelegenheit nach Kräften über Unsittlichkeit � in den Arbeiterkreiseo. Der Amtsschimmel. Ein Görlitzer Kaufmann hatte von einer GütSrabferiigungs- stelle im Kreise Putzig auf einen größeren Betrag noch 15 Pf. zu erhalten. Daraufhin bekam er dieser Tage mittels einer Zehn- pfennigpostanweffung fünf Pfennige übersandt, die er nach Ouitticrung feierlich dem Briefträger als Abtragsgeld über- weisen mußte. Der Rest von 15 Pf. ist somit bezahlt, ohne daß der Gläubiger etwas davon bekommen hat, Kleine Notizen. Tödlich verunglückt. Auf dem Güterbahnhof iki Stolp lehnte sich der Lokomotivführer Otto Müller an einen stehenden Rangier- zug, um die Arbeit seines Heizers an der Maschine zu überwachen. Der Zug setzte sich plötzlich in Bewegung und Müller kam ins Fallen und geriet unter die Räder, die den Kopf vom Rumpfetrennten. BrramannSlos. In der Nacht zum Sonntag bemerkte die Be- legfchaft der obcrschlcsischen Radzicnkaugrube in Stollen 3 Brandgeruch und flüchtete daraufhin. Drei Bergleute 'ielen trotz angestellter Rettungsversuche giftigen Gasen zum Opfer.. Fünfundzwanzig Personen verunglückt. Infolge falscher Weichen st llung ereignete sich gestern auf der Linie Choisy-le- Roi— Jvri bei Paris ein schwerer Straßenbahn- unfall, bei dem 25 Personen verletzt weurden. Zwei von ihnen schwer. Mit dem Tobe gesühnt. In Vravillier bei Chartrcs an der OrleanSbahn in Frankreich ereignete sich Sonntag ein furcht. bares Unglück. Eine Bahnwärtersfrau, die mit einer Nach- barin in Gespräch begriffen war, hatte vergessen, die Schranke zu ch l i e ß e n. Die Tochter der Nachbarin sowie ein ihr ander- rautes Pflegekind spielten auf dem Gleise. Plötzlich brauste ein Schnellzug heran. Beide Frauen wollten die Kinder retten, wurden aber samt diesen von der Lokomotive erfaßt undgetötet. Ein verschwundener Tomherr. Der Kanonikus Piton, Pfarrer an der Kirche St. Serge in Angers, ist verschwunden. Es wird angenommen, daß der Geistliche von Verbrechern unter dem Vor- wände, er möge sie zu einem Sterbenden begleiten, in einen Hinterhalt gelockt und ermordet worden sei. Tampfkesselcxplosion. Am Landungsplatz der russischen Hafen- stadt W o l o g d a explodierte am Sonntag der Dampfkessel eines Passagierdampfers. Vier Personen wurden oetötet und viele verletzt._ Smgegaiigene Dnichlchnftcn. Ei» neuer Weg zur Behandlung von RlterScrscheinnngen— Lnngeneuiphhse»«nd Arterienverkalkung. Von Dr. I. Pick. 1 M. O. Cllblcntz. Berlin W. 30. Ter deutsche Buchbindcrvcrband im Jahre 1911. 106(5. Selbstverlag in Berlin. Tie Gewerkichaftöbcwegiiug in Bremen 1911. 70®. Verlag des GewcikichfltSkartells in Bremen. 5li»dcrschil»koinniiiüo!i Teltow-Beeskow. Montag, den 3. Juni. abends 8'iz Uhr, im GewerkschajtShauS, Engeluser 16(Eaal S): Sitzung der Kontrolleilrinncn. 1. Vortrag des Genossen Simon Katzenstcin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen oller Kontrolleurinnen ist dringend ersorderlich. »Der Kampf". Sozialdemokratische Monatsschrift sDiett). 5. Jahr- Heft 9. H. Weber: Der Wahlrechtskamps in Ungarn. Friedrich lusterlitz: Die Deutschbürgerlichen von heute. Karl Renner: Das Elend des Reiches. Otto Bauer: Der Arbeiter und die Nation. Jgnaz DaszynSkt: Galizische Parteisragcn. Hermann Diamand: Die Liebesgaben in Oester- reich. Asdolf Braun: Gewerkschaftliche Forderungen. Otto Wittner: Ein öfterreichicher Satiriker. Aus der Werkstatt des Chirurgen von Prof. A. Frhr. v. EiselSberg. 61 S. H. Heller u. Cie. Wien I. Das BerhSltnis der Mehrwerttheorien von Karl Marx uud ThomaS Hodgkin von Dr. C. Koepp. 289 S.— Feuerzauber. Roman von Sophie v. Kbuenberg. 3,b0 M.— Die Kouzertfnngeria von M. Pähl. 2 M.— Armenische Funken von P. Ohaniantz. 1,60 M. C. Konegcn, Wien. Zlmouren. Novellen von Hjalmar Bergmann. 4 M., geb. 5 M.— Das Testautent Sr. Gnaden. Roman von Hjalmar Bergmann. 4 M., geb. 5 M.— DaS Buch des Lappen Johom Turi. Erzählungen. 6 M., geb. 7,60 M.— Sechs Novellen von R. Schwerdlfeger. 3M., geb. 4,60 M. — Lukas Langkofler. Da? Bervrechen der Gkise Gettker. ZtveZ Erzählungen von H. Keffer. 3 M., geb. 4.60 M.— Die silberne Taube» Roman von Andre, Sjely. 6 M., geb. 6,60 M. Rütten u. Loenmg, Frank« surt a. M. Zeiten und Völker. Monatshefte für Geschichte, Kulturgeschichte, Länder- und Völkerkunde. Heft 3, 4 und 6. Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Jährlich 12 Hefte nebst zwei Buchbeilagen. 4,80 M- Reisegelcit zur Reisezeit! Von A. Ludwig. 60 Pf. Liedervcrlag, F. Hosmeister, Leipzig. Unserem allen Genossen und . Zahlabcndwirt 19S6b V zur Silberhochzeit f ® Ri Sa.. ad% 56 l raa A t Z G MeherzlichstenGlilckwiinscIie. G © Gen. d. 274. Bez., 4. Kreis. K �SAAAISSAHSß-SßHL�' � Todes-Anzeigen � Am 1. Juni verschied nach I langen Leiden mein inniggeliebter Mann, unser herzensguter Vater, | Schwieger- und Großvater Ernst Schmidt. Um stilles Beileid bitten Wtiwo Luise Schmidt nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Juni, nach- mittags 4'/., Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoscs in Friedrichsseide aus statt. 60A I Sozialdemokrat. Wahlverein jür den 4. Berliner ReichStags- W ahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 29«. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Zigarren- vracher IBnist Schmidt Hohenlohestr. 3, gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmiltags 4'/. Uhr, von der Halle des Zentral-Fried- hoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege. Beteiligung ersucht 216/17 Der Vorstand. Am 2. Juni, vorm. 10'/, Uhr, v erstarb plötzlich nach kurzem Lei- den mein lieber Mann, unser guter Vater, Onkel, Bruder und Schwager lS69b Otto Wilcke im Alter von 43 Jahren. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deS Zentral- friedbofs, Friedrichsselde, aus statt. tdarie Wilcke geb. Wendrich nebst Kindern. SozialdemokratiseberWahlTereiD des 6. Berl. ileiebstags-Walilkreises. Am 2. d. M. verstarb unser Genosse, der Arbeiter Otto Wilcke Weißenburger Straße 68. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Fried- richsfelde, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/20 Tortttand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unserKollege, dcrMaschilicnardciter Otto Wilcke Weißenburger Str. 08, im Alter von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Milt- woch, den 4. Juni, nachmiltags 4 Uhr, von der Halle des Zentral- frtedhosZ in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedcrm die traurige Nachricht, daß unsere langjährigen Mitglieder, die Kolleginnen Unna Ailmer, Weißenfee, Sedanstr. 68; Elise Kump, Dresdener Straße 76, verstorben sind. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung der Kollegin Elise Rump findet heute Dienstag, n den 4. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf dem neuen Luisen-Kirchhos in Neukölln, Hermauniiraße 186/190, und die der Kollegin Anna Allmcr morgen Mittiooch, den 6. Juni, nachmiltags>/,6 Uhr, auf dem Gemcinde-Friedhoj in Weißensce, Rölckestraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 24/12 vi» Ortsverwaltung. Sozialdemokrat Wabiverein Schmargendorf. Am Sonntag, den 2. Juni, morgens 2 Uhr, verstarb unser langjähriger Parteigenosse. der Gastwirt priedr. Barthel Warnemünder Str. 6. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. Juni, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Geineindesriedhoss, Breite- straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 2. Juni verschied nach längerem Krankenlager mein lieber Mann, unser guter Vater Eriedrich Barthel im Alter von 63 Jahren. Dies zeigt tiesbetrübt, um stilles Beileid bittend, an Frau Anna Barthel 1971b nebst Kindern. Berlin-Schmargendorf, Warne- Münder Str. 6. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. Juni, nach mittags 6 Uhr, von der Halle des Schmargendorser Friedhofes aus statt. Oeutscbös Metallarbeiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß I unser Mitglied, der Metallarbeiter Koi'l Ibscher am 19. Mai(Freitod) gestorben ist. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser koul Grieger am 20. Mai(Freitod). Ehre ihrem Andenke»! 118/11 Die Ortsverwaltung. Montag morgen 5'/, Uhr ent- ritz uns der unerbittliche Tod I nach langem schweren Leiden! meinen über alles geliebten Mann, I unseren herzensguten Vater,! Schwieger- undGroßvater.Bruder, I Schwager und Onkel, den Schuh- l machermeister 88AI Georg Kordel| im 56. Lebensjahre. Im tiefsten Schmerz zeigt dies hierdurch an Miims Kördel und Kinder. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Am 1. Juni verschied plötzlich unsere einzige Tochter Eros. DIeS zeigen tiesbetrübt, um stilles Beileid bittend, an Paul Atintovitic nebst Frau. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmittag 4 Uhr aus dem städtischen Fricdhos, Müller- straße. Ecke Seestraße, statt. 6A I Am 1. Juni verschied nach langen, schweren Leiden unsere langjährige Mitarbeiterin, die Waschiuensalzeri» Elise Kump geb. feicItUcittedt im Alter von 36 Jahren. Ehre ihrem Andenke»! Das Personal der Bnchdruckerei W. Moeser. Die Beerdigung findet am 4. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Luisenkirch- hosS, Neukölln, Hermannstraße, aus statt._ 19636 Zentral-Kranken- und Begräbniskasse für Frauen und Mädchen in Deutschland. (Eingeschricb. HilsSkasse Nr. 26.) Verwaltungsstelle Berlin IV. Xaciiruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 291/18 krau Aupste Finke am 30. Mai verstorben ist. llhre ihrem Andenken! Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sage ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. Zl»x Grlimu nebst Kindern. isf IpL £&*>. V vvX.;V~ HM i''V'i' v. . r Universal-Ferngias 19121 Ein billiges aber gutes Glas! Die hervorragende Lichtstärke, erzeugt durch Riesenokulare außergewöhnlicher Qualität, zaubert Bilder von überraschender Plastik hervor. 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Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsfelde au« statt. 19626 Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und schönen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sage ich allen Beteiligten, insbesondere dem Transportarbeiter-Verband und den Kollegen der Firma Bergmann (Rosenthal) meinen herzlichsten Dank. Wiiwe 5a Berta Müller. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen!kranz- spenden bei der Beerdigung meiner inniggeliebten Frau �Vilhelnitne Stahl geb. Becker sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Mitgliedern derTypograPhia unseren herzlichsten Dank. Paal Stahl und Tochter. H.Pfatl, Magill ®c"° Dircksenslraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.• Lieferant für alle Krankenkafie». Abonnenten erhalt. 10"st, Rabatt. Stoffe für elegante Maßanzüge, Paletots, Ulster etc., Mtr. 4.—, 5.—. 6.— M. 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Das Bureau ist geöffnet vormittags von!1— Z Utzr. Borsitzcnde sind H. Barcnthin, Stralaucr Platz 1/2, und Martha Dcmmning, Boxhagener Stratze 29. Beschwerden über Verstöße gegen das Kinderschutzgesetz sowie über Kindermißhandlungen werden von nachstehenden Kontrolleuren und Kontrolleurinncn entgegengenommen. Erster Kreis. Frau Emilie Richter. Berlin NW. 6, Karlstr. 11, 2 Tr. Zweiter Kreis. Frau Else Seyffarth, Berlin SW. 47, Wartenburgstr. 9, Stfl. IV'. Dritter Kreis. Frau H. Torgler, Berlin SW. 61, Gitschiner Str. 93. Vierter Kreis. Frau Emma Döltz, Leiterin, SO. 36, Forster Str. 44. Frau Martha Demmning, O. 34, Boxhagener Str. 29. Sprechstunde: Donnerstag von 7— 8 Uhr abends. Frau Rettschlag, Pettenkoferstr. 9. Frau Paulinc Bertram, Muskauer Str. 4. Frau Pauline Friese, Kochhannstr. 16. Fünfter KreiS. Frau Holzapfel, Leiterin, Berlin NO., Rückerstr. 7. Frau Rosa. Wöllstein, Lietzmannstr. 5. Sechster Kreis. Frau Minna Lohse, Leiterin, Oderberger Str. 29. Sprechstunden: Dienstag und Mittwoch von 3— 6 Uhr nachm. Frau Emilie Schramm, Lychencr Str. 25, Ouerg. 4 Tr. Sprechstunde: von 4—8 Uhr abends. Frau Emilie Witte, Rheinsberger Str. 32, Hof geradezu. Sprechstunde: täglich von 7—8 Uhr abends. Frau Emma Becher, Rhinomer«wir. 8, 4 Tr. Sprechstunde: täglich von 6— 8 Uhr abends. Frau Minna Adler, Zionsiirchstr. 39, 4 Tr. Sprechstunden: Dienstags und Mittwochs von 5— 6 Uhr abends. Paul Beldner, Oderberger Str. 28, Laden. Sprechstunden: Dienstag und Donnerstags von 4— 6 Uhr abends. Rudolf Guhn, Lychener Str. 29. Hof 3 Tr. Sprechstunde: täglich von 7— 8 Uhr abend». Ludwig Bunke, Dänenstr. 3." Frau Minna Weide, Ramlerstr. 5 III. Sprechstunde: täglich von 6— 7 Uhr abends. Frau Anna Schubert, Soldiner Str. 19, 4 Tr. Sprechstunde: täglich von 7— 8 Uhr abends. Frau Anna Matschke, Vinetaplatz 4. Sprechstunde: täglich von 2— 3 Uhr nachmittags. Frau Helene Rotitta, Müllcrftr. 133s, Hof geradezu parbevre. Sprechstunde: täglich von 7— 8 Uhr abends. Frau Marie Schulz, Brüsseler Str. 8, Ouerg. 1 Tr. Sprechstunden: Dienstags u. Donnerstags von 7— 8 Uhr abend». Frau Waldauer, Liebenwalder Str. 16. Frau Marie Malow, Kolonicstr. 25. Frau Marie Elratzke, Höchste. 32b, 1. Seitenfl. 4 Tr. Sprechstunde: täglich von 3—5 Uhr nachmittags. Frau Mathilde Flatau, Bandelstr. 18, Ouerg. 3 Tr. Sprechstunde: täglich von 6— 7 Uhr abends. Frau Josef, GotzkowSkystr. 2, 1 Tr. Sprechstunde: täglich von 6— 7 Uhr abends. Frau Lüdke, Stephanstr. 28. Frau Anna Dorn, Rostocker Str. 46, 8 Tr. Frau Sasse, Usedomstr. 32, l. Seitenfl. 2 Tr. Frau Else Schmitz, Eichendorffstr. 4. Frau Johannsen, Nordufer 2. Nieder-Barnim. Fräul. Frau Frau Fräul Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau Frau . Johanna Schulze, Leiterin, Rummelsburg, Alt-Boxhagcn 1s. Auguste Bogdan, Bernau i. M., Einbergstr. 57a. Martha Langer, AorsiKvaldc, Ernststr. 22. Martha Steuer, Erkner, Scharnweberstr. 12. Wauda Schmidt, Fricdrichsfelde, Berliner Str. 47. Sclma Schwarz, Fricdrichshagen, Viktoriastr. 22. Frieda Kintze, Hohenschönhausen, Berliner Str. 129. Eh. Kütcr, Karlshorst, Rödelstr. 9. Maria Buchmann, Kaulsdorf-Osibahn, Bredereckstr. 19. Emilie Schilling, Lichtenberg, Mainzer Str. 25. Mathilde Reich, Mahlsdorf-Ostbahn, Bahnhofstr. 41. A. Steinborn, Niederschönhauscn, Tresckowstr. 52. Berta Muche, Obcrschöneweide, Marienstr. 1. A. Großmann, Oranienburg, Mühlcnstr. 31. Schaum, Pankow, Brchmestr. 58. Olga Zepernick, Rcinickcndorf-Ost, Hansastr. 14. Martha Ehlcrt, Rcinickendorf-Wcst, Berliner Str. 108. Frieda Ritter, Rummelsburg, Crossener Str. 35. Luise Klockow, Fichtenau, Moltkestraßc. M. Tabcrkow, Stralau, Fricdrich-Jungestr. 5. Berta Tomaschka, Tegel-Berlin, Am Bahnhofsplatz 1, Minna Drescher, Weitzensee, Lehderstr. 95. Elise Haeske, Wilhelmsruh, Edelweißstr. 27. Klara Kurth, Zepernick(Post Röntgental), SicmenSstr. 2. Teltow-Bcestow. E. Ryncck, Leiterin, Treptow-Baumschulenweg, Äiefholz- straße 180. Frau Toni Sußmann, Charlottenburg, Berliner Str. 139. Frau Sicdcl, Neukölln, Jdcalpassagc 6. Frau B, Lietsch, Neukölln, Wildenbruchstr. 56. Frau Heulmann, Neukölln, Richardstr. 54. Frau Müller, Neukölln, Wanzlickstr. 13. Fräul. Radcmachcr, Neukölln, Thomasstr. 26. Frau Singclmann, Adlershof, Kronprinzenstr. 20. Frau Stut, Britz, Germania-Promenade 20. Frau Tölle, Friedenau, Deidesheimer� Str. 3 Frau Eonz, Groß-Lichterfelde, Hochstr. 16. Frau Mocbest, Grünau, Köpcnicker Str. 91. Frau Radnmkc, Johannisthal, Roonstr. 4. Frau Hackbarth, Köpenick, Flemmingstr. 18. Frau Modrak, Lankwitz, Charlottenstr. 47. Frau Greulich, Marienfelde, Kaiser-Allee 20. Frau Hantkc, Nowawes, Bülowstr. 21. Frau Schuschcnk, Schmargendorf, Sulzaer Str. 12. Frau Heide, Schönebcrg, Tempelhofer Str. 21. Frau Hirche, Wannsee, Chausseestr. 15. Frau Cohen, Treptow, Bouchöstr. 15. Frau Flöter, Steglitz, Sachsenwaldstr. 1. Frau E. Bahr, Wilmersdorf, Pfalzburger Str. 74. Frau Huf, Tempelhof, Berliner Str. 81. Frau Wrede, Niederschöneweide, Berliner Str. 6. Wir bitten, alle Fälle ungesetzlicher Erwerbsarbeit der Kinder. Mißhandlungen, sittliche Gefährdung und dergl. an diese Ge- nossinnen zu melden. Die Namen der Beschwerdeführer werden diskret bebandelt, können also ohne Besorgnis obigen Personen mitgeteilt werden. Gerichts-Leitung. Polizei und Staatsanwalt gegen Herwegh. man selbst in den Reaktionsjahren nach 1348 nicht erlebt hat, das ist heute eine fast alltägliche Erscheinung ge worden: Polizei und Staatsanwalt ziehen zu Felde gegen Herweghsche Lieder, die seit einem halben Jahrhundert ge druckt, verbreitet, gelesen, vorgetragen und gesungen werden, ohne dlkß jemand auf den Gedanken gekommen wäre, er könnte dadurch mit dem Strafgesetz in Konflikt kommen. Wir haben es in letzter Zeit öfter erlebt, daß Liederbücher, welche zum Gebrauch in Arbeiterkreisen bestimmt waren, in Beschlag genommen und die Herausgeber unter Anklage gestellt wurden, weil in den Büchern gewisse Lieder von Herwegh und anderen freiheitlich gesinnten Dichtern enthalten waren. Es sind in solchen Fällen auch schon Verurteilungen wegen Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegen einander erfolgt. Jetzt war es das von der Zentralstelle für die Arbeiterjugend herausgegebene„Jugendliederbuch", welches der Staatsanwaltschaft so aufreizend erschien, daß sie drei von ihr für verantwortliche Hersteller und Verbreiter des Buches angesehene Genossen unter Anklage stellte. Bernhard Bruns, der als Angestellter der Buch Handlung Vorwärts für die Verbreitung des Liederbuches in Frage kommen soll, und H a n s W e b c r, der es als der- antwortlicher Redakteur gezeichnet hat, erschienen gestern als Angeklagte vor der ersten Strafkammer des Land- g e r i ch t s I. Gegen den dritten Angeklagten, Fritz Ebert, der als Mitglied der Zentralstelle für die Arbeiterjugend in das Versahren verwickelt ist. konnte nicht verhandelt werden, weil er als Reichstagsabgeordneter zurzeit gegen gerichtliche Verfolgung geschützt ist.— Aus dem reichhaltigen Inhalt des Liederbuches hat die Staatsanwaltschaft zwei Lieder heraus- gegriffen: das allbekannte Lied von Herwegh:„ B e t' u n d arbeit' ruft die Welt" und die nicht minder bekannte „Internationale" von Pottier und Diederich. Durch die Ver- btzeitung dieser beiden Lieder soll der§ 130 des Strafgesetzbuches verletzt sein, welcher den mit Strafe bedroht, der in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegeneinander aufreizt. Der Staatsanwalt suchte der Sache schon dadurch einen staatsgefährlichen Anstrich zu geben, daß er beantragte, die Oeffentlichkeit auszuschließen, weil durch die öffentliche Verhandlung die öffent- lichc Ordnung gefährdet werde.— Der Ver- t e i d i g e r, R e ch t 6 a n>v a l t Dr. H e i n c m a n n, und die Angeklagten kvidersprachcn diesem Antrage. Das Gericht lehnte ihn denn auch ab. Zur Sache selbst hatte der Staatsanwalt wenig zu sagen. Es kann ja auch nicht leicht sein, für eine dem ge- sunden Rechtsempfinden widersprechende Anklage Gründe zu finden, die sich öffentlich hören lassen können. Der Staats- anwalt begnügte sich mit dem Hinweise, daß wegen der beiden Lieder bereits Verurteilungen erfolgt seien, was die An- geklagten doch gewußt haben müßten. Sie seien deshalb mit sc 200 M a r k Geldstrafe zu belegen. Der Verteidiger kennzeichnete die Grundlosigkeit der Anklage, indem er darauf verwies, daß die Lieder von Herwegh, einschließlich des heut unter Anklage stehenden, seit 40— 50 Jahren Gemeingut der Gebildeten seien, daß sie zum Liederschatz der Arbeiter gehören, in zahlreichen Sammlungen seither im- beanstandet verbreitet und bei Arbeiterfesten vor den Ohren der Polizei gesungen worden sind. Wenn Gründe der Kultur und die Achtung vor unseren klassischen Dichtern bis vor kurzem eine Verfolgung dieser Lieder mit Recht nicht auf- kommen ließen, so konnten die Angeklagten nicht auf den Ge- danken kommen, daß der Abdruck dieser Lieder jetzt eine straf- bare Handlung sein solle. Sie konnten um so weniger daran denken, als die von: Staatsanwalt erwähnten Verurteilungen lange nach dem Erscheinen des Jugendliederbuches erfolgt sind. Weiter führte der Verteidiger aus, daß es geraoczu sinnlos sei, wenn man die Bilder, deren sich der Dichter bedient, um seine Gedanken recht anschaulich zum Ausdruck zu bringen, wörtlich nimmt. Nicht nur Dichter, sondern auch Redner bedienen sich physischer Bilder, um geistige Vorgänge zu schildern. Man spreche von dem Schwert des Rechts, von der Flamme der Begeisterung, vom Zerschmettern des Gegners, man sage, daß Gesetz und Verfassung in Scherben geschlagen werden sollen, ohne daß bei der An- Wendung solcher Bilder an Aufreizung oder Gewalt gedacht werde. Die Angeklagten müßten freigesprochen werden, so- Wohl aus den bereits angeführten Gründen als auch deshalb, weil sie nicht als Verbreiter angesehen werden können. Das Urteil, welches das Gericht nach langer Bc- ratung fällte, ging dahin: Die beiden Lieder sind objektiv aufreizend, aber sie sind jahrelang unbeanstandet gesungen und gedruckt worden: es sind auch in Fällen, wo wegen der Lieder Anklage erhoben wurde, Freisprechungen erfolgt. Die Angeklagten konnten deshalb der Ansicht sein, daß die Lieder nicht aufreizend sind. Aus diesem Grunde niußten die An- geklagten, auch wenn sie als Täter verantwortlich sein sollten, freigesprochen werden. Mißglückter Feldzug gegen den ArbeitersLngerbuud, Am 2. März berichteten wir von den Versuchen der Polizei- behörden, den Arbeitersängerbund und dessen Zweigvereine zu politischen Vereinen zu stempeln. Der erste Versuch wurde in EberS- Wolde gemacht; er mißlang völlig. Wie unseren Lesern erinnerlich sprach das Schöffengericht Eberswalde den Vorsitzenden des Ge- sangvereinS zu Hegermühle von der Anklage frei, die Statuten des Verein? trotz Aufforderung nicht eingereicht zu haben. Gegen das freisprechende Urteil legte der Staatsanwalt Berufung ein. Die Angeklagte wurde wiederum durch den Rechtsanwalt Dr. Heinemann vertreten. Die Strafkammer kam nach eingehender Beweisaufnahme zu demselben Resultat, wie die erste Instanz. Sie sprach den Angeklagten frei mit der Begründung, daß in keiner Weise erwiesen sei, daß der Verein eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke. Verfolgen die Freimaurer religiöse Zwecke? Von dieser Frage hing wesentlich der Ausgang eines Pro- zesses ab, den der Älumnatenverein zur Gründung von Schüler- Heimen gegen den Landrat von Lennep führte. Der genannte Ver- ein mit' dem Sitz in Lennep: der sich bei Verfolgung seiner Zwecke vom.Geist der Freimaurerei leiten läßt", wollte in das Vereins- rcgister eingetragen werden. Der Landrat zu Lennep erhob da- gegen Einspruch auf Grund des§ 61 des Bürgerlichen Gesetzbuches, weil der Alumnatenverein religiöse Zwecke verfolge. Dafür spreche außer seinem Zusammenhange mit dem Deutschen Verein der Frei- maurer auch der Z 3 seine? Statuts, wonach die fraglichen Schüler zu religiöser Empfindung, opferbereiter Vaterlandsliebe, sittlicher, geistiger und körperlicher Vollkommenheit erzogen werden sollten. Das Oberverwaltungsgericht erkannte dieser Tage auf die Klage des Vorstandes dahin, baß der Einspruch des LandratS aufzuheben und für unbegründet zu erklären sei. Gründe: Wenn nach den Grundsätzen des Vereins auch daS religiöse Empfinden ge. pflegt werden solle, dann könne darin nicht ein religiöser Zweck gefunden werden. Es sei hier nur das allgemeine religiöse Empfin- den gemeint. Da nun aber auch das Wirken des Verein» vom frei- maurerischen Geiste getragen sein solle, so wäre zu untersuchen, ob die Freimaurerei religiöse Zwecke verfolge. In der Beziehung habe Dr. Bischhof, der Vorsitzende deS Vereins deuffcher Freimau- rer, ein objektives Guiachten abgegeben, das durch Werke über daS Freimaurerwesen bestätigt werde. Danach verfolge aber die Frei- maurerei als solche keinen religiösen Zweck, d. h. sie wolle nicht bestimmte religiöse Anschauungen verbreiten, nicht für ein bestimm- tcs religiöses Dogma eintreten. Die Freimaurerei wolle nur das sittliche Verhalten der Menschen beeinflussen. Dagegen spräche auch nicht, daß einzelne Logen tmr Christen aufnähmen.— Nach allem könne nicht angenommen werden, daß der Alumnatenverein reli- giöse Zwecke verfolge, und eS müsse der Einspruch deS Landrats verworfen werden._ Im Deutzer LanbfriebenSprozeß ist ein Wiederaufnahmeantrag des Verteidigers, der unter Beibrin- gung neuer Tatsachen und Beweise gestellt worden war, vom Land- gericht Köln verworfen worden. ganz* ohne 5oda!! eine neuartige 5)ausbaltleife von fabelhafter Walchkraft. Stück S0 Pf. 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Tie Zentralisation der Krankenkaffen Berlin». Reserent: Arbeitersekretär Genosse A.. Kitter. 2. DiSkuision. 3. Verbandsangelegmheiten. 127/6 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Dektionsleitung. SteZnsrbeZter. Mittwoch, den 5. Juni, abend-5 ppUpin»« 8t/z CIsp, im grosien Saale des„<*eweplisei»att»l»aa««»", Engeluser 15: Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Debatte über den geplanten obligatorischen Arbeitsnachweis und Beschlnstfasinng über die gestellten Abänderungs- und ErgänznngSanträge. Kollegen aller Branchen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert daS Erscheinen sämtlicher Kollegen. Versäume niemand, von seinem Mit- bestimmungsrecht Gebrauch zu machen. Die Ausübung dieses Rechts ist eine unerläßliche Pflicht. Die Ortaverwaltang. probieren Sie bitte MAGGI S �udcl-8uppe erböm.öchinken- Rumford- Königin- öterneben- Suppe 6rünherti-8uppc 8ago- Capioha- pilz- Kartof fei- Suppe ufw.(>Iehr als 35 Sorten). 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Abends 8 Uhr: Grotze Nosinen. fdeslei'ioiiei'jlliiijgMei'�i'zöe AbendS t> Uhr: vle S frsiikkurler. �ietropoi-Itieater. AbendS 8 Uhr: Rauchen gestattet. Schwind tlmeier 5 Komp. Phantastisch musikalische Komödie in 3 eikten auS dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musik von R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. Ab 8 Uhr Bollständig ncnes Programm! 1l) große Attraktionen. Kairagette», Wunderhunde. Paul Beckers. Theater des Westens AbendS 8 Uhr: Die schöne Helena. Resideuz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Henncquin . und G. Mitchel. Morgen u. folgende Tage: Alles für dle Firma. Voigt-Theater. Gesundbrunnen vadstraße ög. Heute sowie täglich: Die Tochter der here Gr. vom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang tn S Bilder». Reue Bcleuchtungscffelte usw. usw. u. d. große Spczialitäten-Programm. 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Schweizer- Am Könlgsfor Am Friedrichshain Harten Tügllcb: Ttieater, Spezialitäten, Lichtspiele und Tanz. � Anfang: Wochentags 51/, Uhr, tz I Sonntags 4 Uhr. � Ztznr Ben Inhalt der Jnierate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Deutscher Heizurbeiter-Yerhand. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den 3. Juni 1912, abends 8�2 Uhr: Uertrauensmänner Versammlungen der Kezirke und Kranchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Bertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten ' Jede Werkstatt muß vertreten sein. Hw w/1o Mitgliedsbuch und Vcrtraucnsmäunerkarte legitimiert. Versammlungslokale: ZikhUr. Sfidfresten: bei Fröhlich, Fontanepromenade 13. jSüdvu: bei Gliesing, Wassertorstr. K8. m �. Südosten I. n. II: in den Naunhu-Festsälen, Naunhnstr. S. I: bei Kluge, Lange Str. 53. Osten II i bei Zieh, Warschauer Str. 61. Osten III: bei Bergmann. Boxhagener Str. 26. OevtllcNv Vororte: bei W. Schulz, lichtenborg, Kronprinzen- stratze 47, Ecke Scharnwcberstratze. Nordottten: bei Merkmaun. Gr. Frankfurter Str. 16. Jede Sargtischlerei muh einen Vertrauensmann nach dieser Verfamm- lung senden. Hosenthiiler und SchUnhanscr Torstadt: bei Obiglo, Schwedter Strake 23. Weddin« nnd SlonKIt: bei Kaczorowski, RavenSstr. 6. Vreiitensee: im Pralate», Lehderstratze 122. Abend» 61/, Uhr. HenkOlln: im Ideal-Kasino, Wcichselstr. 8. «edvneders: um S>/, Uhr bei Kuschte, Mcininger Strahe 8. l�acleneinriclitungs- uncl l�ontormöbelbrancke im„Englischen Earten«, Alexanderstrahe 27o. BÜ�eNMödewrÄNcde bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 8. I�ILbel- u. StuklpoUerer sowie 1>Iaga2inarbeiter. Osten bei Boekrr, Wcberstr. 17. CMIdosten im„Markischen Hof«, Admiralstr. 18o. V orden bei Günther, Brunnenstr. 36. l�lasckinensrbeiter. Die Versammlung fällt aus. vrecksler, Oreppengeläncier- und kuxuomö'bd- Branche. Korden bei Diihltng, Brunnenstr. 73. Osten bei Nasin, Gubener Str. l9. hindosten nnd 8tidrvesten bei Pcrsike, RItterstr. 123. GinfctZCr im Gewcrkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 11. sVIodcUtifcbler bei Waldt, Pflugstr. 5. Pünktlich 8 Uhr. Stellmacker bei Hummel, Sophicnstr. 5. JalouNearbeiter bei Walter, Adawertsk. 62. Bisten- und Boffermacker«-rrinShau». Borbmadier bei Krause. Muslauer Sir. 20. Bürftemtiacbcr bei Prcuft, Holzmarktstr. 65. Bammacker bei Preuft. HolimmNfir. 65. Abend» 5'/z Uhr in HermelS VeretnShauS, citvtKUl'vi.lttr. Holzmarktstr. 21. Perlmutt-, Born- u. Steinnußarbeiter um e Uhr bei Ernst Thomas, Mclchiorstr. 5. Kl*x>icr*rhi?itov abend» 8 Uhr Im Gewerkschaftshause, Engel- rudVtltl'd, 14j Ziemer 4(Arbeitslosensaal). ßilderrahmcnmacber um G Uhr bei Strahe 22. Wähltsch, Skalitzcr Mitglieder-Versammlungen VerKvIder. Heute DicuStag, 4. Juni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause Saal l: Tagesordnung: 1. Beschlustfassung über die mit den Arbeitgebern vereinbarte Tarifvorlage für Berlin. L. Bericht der Branchenkommission. Bodenleger. Mittwoch, den 5. Juni, abends ö1/« Uhr, im BolkShause, Charlottenburg, Rosinenstr. 2 t Tagesordnung: Berichte und Branchenangelegenheiten. Schirmmacher. Donnerstag, 6. Juni, abds. 7 Uhr, bei Hermel, Holzmarktstr. 81. Zweigverein Berlin. Am Mittwoch, den S. Juni, abends 8'/z llhr, finden folgende Grnppen-Versammlttngen statt, zu deren Besuch die Angehörigen der betreffenden Gruppen besonders eingeladen sind. Rohrer im Saal 10 des Berliner Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Tagesordnung: Stellungnahme zum VertragSablaus. Steinholzleger im Lokal Bürgcrgartcn, Me Schönhauser Straße 23. 139/18» Der Zweigvercinsvorstand. /trboltsnseksele: Hos I. Amt Norden. Nr. 1239. Charitestrahe 3. llsuptdueoau: Hof III. Amt Norden. Nr. 1987 Mittlvoch, den 5. Juni 1913, abends S'/i Uhr, in den Andreas-Fcstsälen, Andreasstr. Seit Versammlung aller in den Schranheufabriken beslhiistigten Merli- ppalher, Ntchtugdreher und Keparaturschlosser. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit. den Arbeitgebern und unsere weitere Stellungnahme. 2. Dislussion. Kollegen l In dieser Versammlung wird über die Anlwort bezw. Zu' gestöndniffe der Arbcilgeber anläßlich unserer Forderungen berichiet. Auch über unsere weitere Stellungnahme endgültig beschlossen werden. Es ist daher dringend notwendig, daß jeder von Ihnen in dieser Versammlung anwesend ist. 118/12 Die OrtSverwaltung. Mittwoch, den s. Juni, abends 8V2 Uhr, in den„Armin- hallen", Kommandantclrstr. 58/59: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1912. 2. Bericht über den Statutcnentwnrs deS Vorstandes für eine Ersaßkaffe. 8. Diskussion und Stellung von Anträgen zur Generalversammlung. 4. Ausstellung und Wahl der Delegierten zu der am 22. Juli d. I. und solgende Tage in Wiesbaden stattfindenden Generalversammlung. 5. Kasscnangelegenheitcn. 164/5 Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zuttitt. Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtSverwaltung. - Xhhne 1,50 W. 10 Jahre(»arantle. Zahnarzt Wolf, Potsdamer Straße 55(Hochbahnstalion). 19. Ziehung 8. Kl. 226. Kgl. Preuss. Lotterie. 'Zioliung Tom I. Juni 1911 Tormlttagi.' Alf J«4«»»«?«», Ku&a.r tlad mw.1 fLIeh hoho«»> wlu.(«tnU»,■■« iTr.r J.«la.r»f die Loee (telchor Kmaaer Ib dem beiden Abtellongea 1 nnd II t/ur dio Gewinne Uber IM Mark Bind den betreuenden Nummern in Klnmmcrn beigefügt. löbne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 07 129 6S[600] 255 609 793«3 846 77 850(1008] 02 1081 658[3000] 801 TO 2058 172 21« 71 390 691 504 988 91 3005 95 127 203 368[5001 708 009 4035 1600] 273 307 33 48 91 09 420 611[3000] 605[600] 82 78 711 861 5170 200 08 1500] 466 765 63 70 819 41000] 836 70 TS 922 95 6168 69 334 600 TS 823 (500] 65 SB 81 825 34 960 92 7033 64 65 375 486 811 88 89 870 87[1000] 612 34 39 8108 222 37 ESO 871 740 811[500] 61 85 64 698[600] 9014[1000] 163 869 380 94 821 26 30 741 826 48 61 > 10048 264 304 18 660 83 11017 159 237 78 381 «79 880 818 12144 239 499 788 866 13000] 963 69 il8040 264 310 73 470 665 813 98[600] 14069 05 149 62 94 214 472 608 98 740 61 808 15378 405 602 «77 720 68 923 25 85 16049 48 133 265 75 371 461 «3«08 793 850 089 17017 19 293 311 24 75 786 883 {600] 63 18169 268 402 681 829 19143 353 68 484 «17 65 746[600] 76 860 68 014 29102 238 328 67 661 86 681 2X039 158 69 480 861 763 921 76 22094 98 606 802[600] 23088 163 417 684 732 78 840 24682 89 640 787 889[1000] 25033 297 338 69 420 43 53 68 853 81 762 920 26180 229 372 424[3000] 660 75[600] 802 93 773 27035 52 61 210 33 340 414 616 766 936 26013 264 07 484 628 TOS 21 826 38 034[600] 29078 338 60 428 02 660 678 746 618 79[600] 86 39009 234 81 388 507 17 20 898 837 948 61 31040[600] 80 146 207[600] 32 60[1000] 358 430 03 £82 826 784 81 883 97[1000] 093 3 2033 67 60 110 331 300 32 644 84 762 607 33265'371 88 666 794 949 67 34087 402 4 868 69 708 35067 108 78 743 80 802[600] 36048[1000] 67 148 224 620 849 902 43 62 37032 288 377 453 808 614 20 35089 148 437 70 98 684 847 64 38003 83 88 90[3000] 112 643 66 717 64 94 49006 117[60001 305 64 541 722 04 S34 88 642 41209 314 16 81 401 734 60 861 42082 237 408 21 65 75 608 TOS 27(60001 79 43166 311 447 632[500] 749[1000] 78 44077[600] 98 127 66[600] 275 352 673 79 788 83 45380 461 744 832 13000] 46122 253 801 606 23 604[600] 69[3090] 824 018 47044 259 402 38 08 612 669 726 74 66 86 792 622 48127 381 818 816 868 666 49029 40 78 108 208 814 64 89 731 46[3000] 840 663 5 0010 113 309 83 928 TO 51088 216 39 376 788 03 984 TS 5 2 254 TS 338 63 419 99 817 61 867[600] «2 53167 676 54068 117 703 800 67 83 55018 36 49 77 220 878 707[800] 013 71 6 6 218 378 93 435 «10 36 763 873 81 680 67133 288 13000] 318 89 450 81 694 8C2[6001 64 069 92 99 58094 166 399 403 {6001 640 880 59037 142 606 791 306 60129 394 660 890 61061 166 224 624 28 84 62427 40 62 78 637 734 948 63130 83 208 9 20 614 47 62 748 978 64062 68 60 83[609] 68 177 426 828 ,729 848 918[600] 88 65064 198 386 522[600] 28 «26 833 61 69073 511 718 6 7206 22 333 407 51 736 Aar oh««oho RH os ITT an aag 49 91a 94z 52 88 69033' 89 140 86 378 99 432 639 70068 85 168 356 680 732 810 71281[1000] 638 «7 40 760 64 814 72024 149 576 867 73016 36 320 «20 22 605 08 084 74202 TO 342 423 28 608 64 91 744 75223 13000] 318 648 622 82 046 49 66[600]' «8 76061 267 322 412 761 77299 305 27 664[600] 84 BS[16000] 610 66 78069 308 06 637 66 712 66 179094 147[600] 464 74 828 688 07 I 89022 61 362 433 89[1000] 591 764 814 913 49 fn 78 8 1003 0 72 83 278 519 690 868 82109 289 «72[600] 099 768[600] 880 037 8 3071 132 44 94 225 348 79 416 42 1600] 607 712 49[1000] 73 89 «18 84006[6000] 84 239 388 148 30 889 13000] 913 85033 228 335 428[600] 99 660[1000] 66 800 766 «SO 967 06 98 88178 370 433 686 8 7247 308 831 61 77 905 23 80 88041 137 247 316 844 78 889 04 684 88080 164 321 22 89 467 643 710 623 61 69 1 90389 828 810 62 684 9 1 086[3000] 288 948 68 «48 900 896 668 9 2063 109 18 349 67 630 637 027 93106 469 831 787 018 9 4011 161 274 315 777 94 «29.628. 95088 834 600 99083 381 478 608 818[1000) 080 97188 624 95 067 723 71 871 027 02 90138 656 78 712 38 814 47 99104 205 60 318 75[1000] 493 663[1000] 972 100196 268[600] 350 67 421 680 882 708 823 23 40 058 101008 88 317 464 626 628 718 908 74 192072 206 30 68 90 619 87[3000] 702 989 193030[600] 81 143 246 324 467 602 798 998 104021 37 241 09 874 78 698 704[6001 04 975 77 108097 669 722 665 BS 918 42 106019 64[600] 108 209 344 03 487 863 653 v» 712 804 107233 320 22 37 612 79 862 748 833 100201 84[600] 430[600] 60 63 628 840 82 100011 T?«9.. 330 t500l 8a 444 633 832 70 790 866> '... 119068 234[1000] 85 00 308 487 630 78 728 TO SS J,1,1?00 896 765 981 82 112026 34 186 218 79 354 738 j1030) 833 914 36 68 113028 82 264 461] [1000] 687 00 783 804[3000] 46 017 114079 lOH 18 23 235 464 88 624 86 663 807 602 115280 379 89 5 718 62 ll"8! 839 010 61[600] 83[8001 «n iS? 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Juni 1911 nachmlttage. Aef Jede feiojeue Xiramer elnd»wet gleich hohe Oe- wiane gefallen, und»wir Je einer nnf die Lee. gteleber Nnnmer In den beiden Abteilangen I nnd II Qlut die Gewinne Uber 140 Mark sind den betreuenden Nummern In Kinmmern beigefügt. {Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) > 248 302 408 68 TIS 938 1206 27 40 76 68 438 630 �83 90 798 643 2027 86 308 48 68 646 851 762 804 >28 8223 318 82 97 478 761 817 39 4162 254 849 60 [401 28 665 768 679 6188 262 464[3000] 634 77 81 1034 769 864 6173 242 80 00 799[600] 888 7012 220 362 64 417 44 74 626 880 63 8168 89 206[600] Sil 464 602 67 887.742 636 43 62[3000] 9078 270 TS «38 88 840 10076 79 206 372 880 026 11191 330 68 463 83 09 500[600] 630 727 62 813 68 84 64 66 997 12071 172 77[1000] 86 98 243 439 628 70 83 90 608 48 88 07 714 63 876[600] 18170 238 37 304 663 866 974 75 114211[1000] 37 43 86 373 561 768 15196 258[600] >400 670[1000] 880 18022[1000] 60 100 79 234 330 «33 863 639 71 17095 232 332 463[1000] 98 691 93 766 941[600] 19248 70 630 72 720 64 19011 66 108 «37 305[1000] 49 430[10001 675 84 749 [ 20398[600] 603 927 40[3000] 72 21061 318 68 «22 765 832 37 637 67 22022[600] 122(600] 71 244 «09 743 47[3000] 23020 61 380 63 441[690] 45 08 95 686 685 72 718 24173 283 540 46[600] 67 665 066 25079 181 266 88 442 60 887 68 727 82 48 888 1800] 70 78 930 28012 31 61 430 31 06 616 63 739 {6001 808 68 27062 182 364 672 60 767(1000] 823 «78 64 28132[500] 878 648[1000] 29201[3000J 473 652 80 881 621 30062 80 106 316[1008] 42 461 510[1000] 683 31476 706 621 84 631 32036 127 202 63 363 63 744 60 832[600) 630 3 3067 106 43[600] 83 213 616 62 «50 725 93 65 802 040 34144 82 623 838 662 69 35112 422 624 SO 712 850 91 38183 317 03[600] ,78 510 628 68 823[600] 921[500] 67 78 37019 234 366 622 098 763 814 38347 127[600] 279 354[1000] >711 67 820 918 20 39013 61 118 37 214 310 83 84 «26 071 40148 428 880 4 1 060 296 339 465[1000] 610 869 -61[600] 88 600 763 928[lOoO] Bl 04027 t>Z 37 84. 138(80001 888 49 467 717 07 010 95063 171 264 319 644 788 96044 62 323[600] 497 622 tEOOl 603 T97i 97127[1000] 288 821 891 88069 103[800] 81 645 642 777 811 70 73 89 99009 61 108 249 08 Ol 370 .474 82 618 TOS 33 820 78 98[600] 090 /, 109176 240 4O0[1000] 657 86 716 698 1910071 '389 427 76[10003 79 513 17 727 77 871 102003 203 - 48 468 1 03081[600] 74 306[600] 28 07 408 42 BS [3000] 821 40 87 795 104067 164 70 689 777 630 74 : 105361 401 603 636 822 44 46 980 108167[500] 64 / 210 15 64 878 442 814 728 938 107087 124 95 353 600 65 628 1O&037 OB 117 25 427 630 48 605 47 93 .763 998 199023'45 100 24 34 42 76 359 631 006 724 84 305*-.- e... w tvc ,? 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Reflektiert wird auf einen sedergewandten, politisch erfahrenen Ge- nassen, der zur redaktionellen Leitung des Blattes befähigt ist. 291/17» Offerten mit Gehaltsansprüchen erbitten an den Verlag deS»Fränkischen VolkSsreund" M. Walther u. Co.. G. m. b. H., in Würzburg. gesucht. Die Zahlstelle Köln a. Rh. des Deutschen Holzarheiterverbandes sucht, infolge der Wahl des Kollegen Schultz zum Gauvorsteher, eine tüchtige Kraft als Lokalbeamten. Reflektiert wird auf einen Kollegen, der in der Organisation, Agitation, sowie in Kragen der Lohnbewegungen genügende Erfahrung besitzt. Kenntnisse in der allgemeinen Arbeiterbewegung, sowie tüchtige rednerische Befähigung werden erwartet. Bewerber müssen mindestens fünf Jahre Mitglied sein. Anfangsgehalt 2100 M., außerdem 20 M. pro Monat Teuerungszulage. Eventuelle Dienstjahre in gleicher Tätigkeit werden angerechnet. Offerten unter Angabe der bisherigen Tätigkeit auf benannten Gebieten sowie einer kurzen selbstgeschriebenen Abhandlung über die Aufgaben eines Lokalbeamten sind mit der Aufschrift:„Bewerbung" bis Montag, den 17. Juni an H. Sclunidt, Köln a. Kh., Severinstr. 1U!>, einzureichen._ 84/12* Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Parteigenosse, 23 Jahre, Handelsschule absolviert, sucht Beschäftigung in Kontor oder dergleichen. Offerten erbeten unter„E. F.", Vorwärts spedition, Kirchbachsttatze 14. 196�b Stellensnxehote. Kunstschmiede, tüchtig«, selbständige, sucht Ed. Puls, Tempelhos.* Grundierer verlangt Goldleisten- sabrik Neukölln, Pflügerstratze 18. Sattelmacher, selbständig oder auf Teilarbett, verlangt Wilh. Erd- mann, Wassertorstraße 65. 1974b Herreuhemden-Nähcrin verlangt L. Becker, Große Frankfurt erstt. III. 2 ESssnrts werden sür die Ortsttmikenkasie der Hutmacher, Gollnowstt. 46, gesucht. Mitglieder mit schöner Handschrift, gute Rechner, erhalten den Borzug. Meldungen bis 13. Juni er. a» die Kasse. 4976b Z. Dannhauser, Vorsitzender. Ächtung, Wagenbauer! In den nachfolgenden Wagen- und Karosseriefabrikeu befinden sich die Arbeiter im Streit und sind alle Arbeitsaugebote dieser Firmen strikte zurückzuweisen. Gesperrt sind: Erdmann u. Rossi, Linien- stratze 139/140. Rudolf Franke, Jnselstt. 11 und Courbierestt. 14. Lange u. Gutzeit, Franksurter Allee 22/23. In Frage komme«: Stellmacher. Schmiede, Schloffer, Lackierer und Sattler. Zuzug ist streng fernzuhalten. 176/8» Die Streikleitung. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Lohn. disserenzen sind gesperrt: Jaloustefabrik tSuuuioi» A Strodthoff, CHarlottenburg, Nehringstr. 19. Ju Betracht kommen folgende Bauten: ktlUIIer, Nonncndamm- Allee, Meckowttzstr., Schulstr., li'isctaei-, Wattstraste, Ecke Siemens- und Herzftraste. Leruf sverefn der Berliner Parkcttgescbäfte. CHarlottenburg, Uhlandstraste. Für Hartgummi< Arbeiter die Firma lflnttliueF', Schlcsische Strafte 32. Erzgebirgische Holzindustrie in Brand, Filiale Dessauer Str. Zl» DaS Berliner Arbeitswilligen- vermittelungsbureau d. gelben »HandwerkerfchustverbandeS". Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innnng und der Wagenfabri- kanten, Kaiser-Franz-Grcnadier- Platz. Zuzug ist streng sernzuhalten. Die Ortsverwaltoug Berlin des Deutsebeu Helzsrbeiterverdamks. Achtung! Stukkateure. Die Firmen Gebr. Frisecke, Britz, Chausseestr.64; Charniko, Waidmanns- lust und Roßberg u. Comp., Tempel- hos, Kunslsteinsabriken, sind sür Stukkateure gesperrt. 130/19 Die Sektiousleitung. Saekierev! Die Wagenlackicrcrcicn der Jnnungsmeister find wegen Streik gesperrt. Bei Arbeitsannahme bei Nicht- innungsmeisteru ersuchen wir um vorherige Jnsormattvn im Verbands- bureau. 129/8 Verband derMaler, Lackierer usw. Melchiorstr. 28 pari. Verantwortlicher Nedakteuri Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Kuchdruckeiei u. Verlagsanjtalt.Paul Hinger u, Co., Berlin L.W. Dr. 137. 39. Jahrgang. 3. KnIiP des.Ärmels" Serlim WIKsM Dienstag, 4. Juni 1912. Partei-?Zngelegenkeiten. Charlottcnburg. Heute abend 8',/z Uhr: Oeffentliche Versamm- lung im Volkshause, Rosinenstr. 3. Tagesordnung: 1. Vortrag des Redakteurs E. Unger: Religion und Sozialdemokratie. 2. Freie Aussprache. Genossen, sorgt für recht regen Besuch. Boxhagen-Rummelsburg. Heute abend SVa Uhr im Cass Bellevue: Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Breitscheid über:„Ich bin ein Preuße". Oberschönewcide. Donnerstag, den 6. Juni d. I., abends 8 Uhr, findet in Wilhelminenhof eine öffentliche Gemeindewählerversamm- lung statt, die sich mit der Aufstellung der Kandidaten zur Gemeinde- Vertretung zu beschäftigen hat. Am Freitag, den 7. Juni, von abends 7 Uhr ab: Flugblatt- Verbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksleitung. Potsdam. Mittwoch, den 5. Juni, bei Glaser: Wahlvereins- Versammlung. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Berliner JMaebriebten. Schwedische Städtevertreter in Berlin. In Erwiderung des vorjährigen Besuchs Berliner Stadt- Vertreter in Malmö, Gothenburg und Stockholm sind Ber- treter� der genannten Städte einer Einladung der hiesigen städtischen Behörden gefolgt, um die Einrichtungen der Ge- meinde Berlin zu besichtigen und Freundschaftsbezeugungen auszutauschen. Die Herren sind am Sonntag in Berlin ein- getroffen und wurden von den Vertretern des Magistrats und der Stadtverordneten am Bahnhof empfangen. Gestern vor- mittag fand im Rathause eine Begrüßungsfeier statt. Ober- bürgermeister Kirschner und Stadtverordneter Cassel begrüßten die Gäste, worauf die Stadtverordnetenvorsteher von Stock- Holm, Gothenburg und Malmö dankten. Nach einer Rund- fahrt durch die Stadt wurde das neue Stadthaus besichtigt und hier das von der Stadt gebotene Frühstück eingenommen. Der Ausschuß des Zweckverbandes Groß-Berlin trat gestern vormittag gegen 12 Uhr unter Vorsitz des Ober- bügermcisters Kirschner im Magistratssitzungssaale zu Berlin zusammen. Anwesend waren wieder Oberpräsident v. Conrad und Oberpräsidialrat Graf v. Roedern. Die Wahlvorschläge über die Besetzung der Stelleu eines Städtebauers, eines Verkehrstechnikers und des Juristen wurden vertagt. Dasselbe Schicksal traf nach mehrstündiger Verhandlung die Frage der Spandauer Waldverkäufe. Oberbürgermeister Koeltze-Spandau vertrat die Interessen seiner Stadt wieder persönlich. Als Ergebnis der Debatten darf nach der„Vossischen Zeitung" festgestellt werden, daß der Zweckverband weiter mit der Ge- meinde Spandau verhandelt. Zur Beratung stand ferner die Hochbahnangelegenheit der Stadt Schöneberg. Einer Polizei- Verordnung, die ein kleines Charlottenburger Territorium be- trifft, wurde zugestimmt. Es lagen noch weitere An- träge der Gemeinden Köpenick auf Erwerbung ihrer Wälder und Weißensee auf Schaffung eines Wald- und Wiesengürtels im Norden-Nordosten von Berlin vor, die aber noch genauer Prüfung bedürfen. Der Ausschuß wird Montag, 10. Juni, wiederum zusammentreten, um die schwebenden Fragen zu er- ledigen._ Die Wienfahrt der Berliner Stabtvertrcter hat mit Schluß boriger Woche ihr Ende gefunden. Das Programm war recht reichhaltig mit Vergnügen, Essen, Trinken und vielen Reden ge- würzt. Man sagte sich fortgesetzt neue Liebenswürdigkeiten und bekräftigte fast täglich die Freundschaft. Dabei ereignete es sich, daß die Berliner Gäste einer Einladung absagten, der sie erst zu- gesagt hatten, nämlich den Besuch des Wiener Volksheims. Diese Absage hat in Wien recht peinliches Aufsehen gemacht. Wir lesen über die Angelegenheit in der„Wiener Arbeiterzeitung": „Eine Anzahl von Berliner Stadtverordneten hatte den aus- drücklichen Wunsch geäußert, in Wien die Volksbildungseinrich- tungen zu besuchen, die der Berliner Bürgermeister Dr. Steide schon im Herbst teilweise besichtigt und als mustergültig bezeichnet hatte. In der Tat wurden der Volksbildungsverein und das Volks- heim vom Gemeinderatspräsidium offiziell verständigt, daß die Berliner Herren heute vormittag die beiden Volksbildungshäuser besuchen werden. Heute um 9 Uhr früh war der Ausschuß des Volksbildungs- Vereins, an Hessen Spitze der ehemalige Finanzminister Geheim- rat Dr. Meher, im Volksbildungshause in Margareten vollzählig versammelt, um die Berliner Gäste zu begrüßen und ihnen die Wiener Volksbildungseinrichtungen vorzuführen. Da kam um 9 Uhr im Austrag des Gemeinderats Oberlehrer Philp durch einen Magistratsbeamten die telephonische Verständigung, daß der Besuch der Berliner im Volksbildungshause unterbleibt. Auch im Volksheim hatten sich die Herren des Vorstandes, eine Anzahl Univcrsitätsprofessoren, die Vorstände der Fachab- teilungen und der Laboratorien vollzählig zur Begrüßung der Berliner Stadtverordneten eingefunden. In den Laboratorien waren auch Vorbereitungen für die Demonstrationen getroffen worden. Auch hier kam zur Zeit, da die Berliner eintreffen sollten, das gleiche telephonische Aviso im Auftrag des Stadt- rates Philp, daß der Besuch nicht stattfinde. Von anderer Seite erfahren wir, daß schon am Sonntag im Kreise des Wiener Gemeinderates bekannt war, daß die Führung nach den Wiener Volksbildungsanstaltcn nicht stattfinden werde." Als Grund der Absage wurde offiziell angegeben, daß das Programm zu sehr überladen gewesen, um das Volksheim zu be- suchen. Leute, die die Wiener Verhältnisse kennen, wissen es besser. Sie behaupten, daß das Wiener Volkshcim den christlichsozialen Machern ein Dorn im Auge ist, was bei den verschiedensten Ge- legcnhciten in Erscheinung getreten sei. Lediglich in Rücksicht auf die Gastgeber hätten die Berliner Stadtvertrctcr von dem Besuche Abgesehen. Heimatspiele nnd kein Ende. Auch das märkische Städtchen Trebbin hat nun sein Talent zu vaterländischen Festspielen entdeckt. Wenn das so weitergeht, wird wohl bald jedes kleinste Nest den modernen Patriotenrummel mitmachen wollen. „Dichter" und Darsteller dazu finden sich ja immer. Und ein Piepmätzchcn für die Leute an der Spritze füllt auch ab. Die Ullsteinsche„Berliner Morgenpost", die aus geschäftlichen Gründen krampfhaft nach der Volksgunst angelt und. um es mit der anderen Seite nicht zu verderben, nebenbei byzantinert, bringt von diesen Heimatspielen ein Bild, das zeigt, wie ein zum Tode Verurteilter, der barbarischen Sitte der damaligen Zeit entsprechend, auf Tierfellen von Henkersknechten zur Richtstätte geschleift wird. Das mag ja so etwas wie Natur- treue sein, wird aber auf feiner empfindende Naturen ab- stoßend wirken, weil die Prozedur auf öffentlicher Straße ge- schieht. Ist das nicht in die Praxis übertragene Schund- lektüre. die die Sitten verroht? Die Bevölkerungszahl Berlins wächst nicht ununterbrochen von Monat zu Monat, sondern bewegt sich im Laufe des Jahres in einem wechselnden Auf und Ab. Ein beträchtlicher Rückgang tritt alljährlich z. B. im März ein, weil da die Wegzüge stets sehr viel zahlreicher als die Zuzüge sind. In der Regel ergibt dann aber im April die Frühjahrshochflut der Zuzüge wieder einen so starken Zuwachs, daß der Verlust aus dem März reichlich aufgewogen wird und noch ein Plus herauskommt. Im Jahre 1912 fällt nun der April dadurch auf, daß er den Bevölkerungsrückgang vom März nicht auszugleichen vermocht. sondern sogar noch einen weiteren Rückgang gebracht hat. Nachdem das Jahr 1911 mit einer Bevölkerungszahl von 2981015 abgeschloffen hatte, war im Jahre 1912 die Bevölkerungs zahl bis Ende Januar auf 2 988 529 und bis Ende Februar weiter auf 2 999 972 gestiegen. Im März sank sie dann bis zum Monatsschluß auf 2 982119, so daß für diesen einen Monat die Abnahme sich auf 8532 stellt. Sie ist dadurch zustande gekommen, daß in ihm die Zahl der Zugezogenen(25 290 nach den Mel- düngen) hinter der Zahl der Weggezogenen(31639 nach den Mel- düngen nebst üblichem Zuschlag für unterlassene Meldungen) um 9319 zurllckblieb, während die Zahl der Lebendgeborenen(3648) über die der Gestorbenen(2810 ohne die Totgeborenen) nur um 898 hinausging. Mit einem Mehr an Wegzügen hat aber diesmal auch der April abgeschlossen. Ihm konnten zwar 12 419 Personen als zugezogen gebucht werden, aber als weggezogen waren nach den Meldungen(nebst Zuschlag) 46 526 Personen in Rechnung zu stellen, so daß die Zuzüge hinter den Wegzügen um 4116 Personen zurückblieben. Da bei 3355 Lebcndgeborenen und 2699 Gestorbenen(ohne Totgeborene) der Geburtenüberschuß nur 716 betrug, so hatte der April immer noch einen Bevölkerungsrückgang von 3379 Personen. Hieraus ergibt sich, daß von Ende März bis Ende April die Bevölkerungszahl Berlins von 2982119 weiter bis auf 2 979 979 gesunken ist._ Der Feucrkassenwert der Gebäude Berlins ist, wie die städtische Feuersozietäl in ihrem soeben erschienenen Jahresbericht für das Ge- schüftsjahr 1919/11 mitteilt, bis zum 1. Oktober 1911 auf mehr als 5�,0 Milliarden Mark(genauer: 5 191 895 299 M.) gestiegen. Hieran waren 27 161 Grundstücke beteiligt, so daß jetzt auf das Grundstück ein durchschnittlicher Feuerkassenwert von 196 899 M. kam. Bei den einzelnen Grundstücken ist natürlich der Feuorkassenwert sehr ungleich, da ja die Größe der Grundstücke und die Beschaffenheit der Gebäude sehr verschieden sind. In dem letzten Jahrzehnt, vom Oktober 1991 bis Oktober 1911, ist der durchschnittliche Fenerkassen- wert um ein volles Sechstel gestiegen, von damals 168 263 M. auf jetzt 196 899 M. Im Jahre 1875 war der Durchschnitt pro Grunb stück erst 87 516 M. Die Fürsorge- und Beratungsstelle des Krüppel-Heil- und Für- sorgcvcreins für Bcrlin-Brandeuburg E. B., Berlin LO. 26, Skalitzer Straße 9, dicht am Koitbuser Tor. hat seit ihrer Eröffnung im Juni vorigen Jahres orthopädisch Kranke und Krüppel in 559 Kon- sultationen behandelt und beraten. Uin die Fürsorge in weitestem Maße durchzuführen, ist jetzt neben der orthopädischen P o l i- klinik und Krüppelberatuug(wochentäglich 9—19 und 1—5 Uhr. leitender Arzt: Prof. Dr. BiesalSli) noch eine Poli- klinik für Kinderkrankheiten(Montags und Donnerstags von 2�/z— 3Vs Uhr, leitender Arzt: Dr. A. Reiche vom Kaiserin- Auguste-Viktoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche) und eine Poliklinik für Nervenkrank- heiten(Montags und Donnerstags von 1—2 Uhr, leitender Arzt: Dr. Simons von der Poliklinik für Nervenkrankheiten von Prof. Oppenheim und Dr. Cassirer) eingerichtet worden. Eine Cuvmissionsblüte. Das städtische Hochhauamt hatte für acht eichene Ausstellungsschränke eine beschränkte Submission aus- geschrieben nach einem Probeschrank, der in der Berliner Tischler- schule angefertigt worden war und der an Materialien und Aus- lagen(Arbeitslohn, Miete, Verdienst, Unkosten usw. sind nicht be- rechnet) 169 M. Kosten verursacht hatte. Für diese acht eichenen Schränke verlangte Oskar Antoni nur 1632 M., Robert Blöck 1319 M., Union Möbelfabrik 1872 M. Die höchste Forderung war 3329 M. von der Firma Netzband u. Ramslow. Diese Blüte hat allgemeines Erstaunen erregt. Der Herr Pfarrer auf dem Kricgspfade. Aus Friedrichshagen wird uns geschrieben: Auch in den Berliner Vororten macht die Jugendbewegung gute Fortschritte.— Vergebens läßt man Ein- ladungen an„alle Konfirmanden" ergehen, sich im Konfirmandew saale der Kirche einzufinden. Man durchschaute die Absichten der Herren. Ein paar Schäflein fanden sich ein, blieben aber später wieder weg.— Das ließ nun den Herrn Pfarrer keine Ruhe, er sann und sann, wie es wohl komme, daß sich die Jugend von heute gar nicht mehr einfangen läßt. Da traf es sich, daß er gerade über den Spielplatz kam, Ivo sich unsere Arbeiterjugend mit Turnen und Spiel unterhält. Jetzt war ihm klar, wer die Jugend eingefangen hatte. An einen« der nächsten Tage kam er„zufällig" dem betreffenden Hausbesitzer in die Quere und sagte ihm vieles von einem angeblich sozialdemokratischen Jngendverein, der in seinem Hause tagt, und er ließ wohl durchblicken, daß es sich nicht schickt für einen Kirchen- Vertreter, solchen ftaatsgefährlichen Leuten Unterkunst zu gewähren. Er kam aber schön an.„Die Leute sind gar nicht so schlecht. Herr Pfarrer, im Gegenteil, sie betragen sich sehr gut, und übrigens muß ich meine Wohnungen vermieten, an wen, ist mir gleich." Der Herr Pfarrer Braumann war abgeblitzt. Er wird sicherlich auf andere Mittel und Wege sinnen, die Arbeiterjugend für seine Zwecke einzu- fangen. Aber die Jugend wird lächeln über die Machinationen dieses Herrn. Warnung vor Rmgncppcrn. Ringnepper treiben fortgesetzt ihr Unwesen. Ein auf der Durchreise begriffener Kuhmelker E. aus Pritzwalk wurde in der Potsdamer Straße von einem Mann an- gehalten, der ihm nach allgemeinen Redensarten schließlich zu der« stehen gab, daß er gezwungen sei, einen sehr wertvollen goldenen Ring zu verkaufen oder zu versetzen. Durch das Hinzukommen zweier anderer Männer, die als Sachverständige die Echtheit des Ringes bestätigten, ließ sich der Augeredete schließlich bewegen, das kostbare Schmuckstück für„nur" 39 Mark zu kaufen. Zw spät sah der glückliche Besitzer des„goldenen" Ringes, daß nicht alles Gold ist, was glänzt. Als ihm ein etwas„hellerer" Mann, dem er sein „gutes Geschäft" erzählte, erklärte, daß der Ring kaum eine Mark wert sei, lief er zur Polizei, die ihm jedoch jetzt nicht mehr helfen konnte. Ei» schweres Brandunglück ereignete sich am Sonntagmittag 12>/z Uhr in der Mühlenstr. 35 im Osten Berlins. Als dort die 36 Jahre alte Frau Ida Böhm in ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung in Abwesenheit ihres Mannes mit einer brennenden Petroleumlampe hantierte, entglitt diese plötzlich ihren Händen und siel zu Boden. Die sich entwickelnde Stichflamme setzte«hre Kleider in Brand, und im Nu glich die Unglückliche einer Feuersäule. Laut um Hilfe schreiend stürzte sie aus ihrer Wohnung auf die Treppe und lief, am ganzen Körper lichterloh brennend, eine Etage tiefer, wo sie bewußtlos zusammeubrach. Andere Hausbewohner eilten so- fort hinzu und erstickten die Flammen durch Auswerfen von Decken. Frau Böhm hatte aber schon am ganzen Körper schreckliche Ver- brennungen davongetragen, sodaß sie in bedenklichem Zustand nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht werden mußte. Die alarmierte Feuerwehr konnte bald wieder abrücken, da in der Wohnung weiter kein Feuer entstanden war. Eine Liebcstragödie spielte sich in der vergangenen Nacht im Tiergarten ab. Dort erschoß der 29 Jahre alte, aus Neuwied ge» bürtige Hüttenarbeiter Hermann Vogel die ebenfalls 29 Jahre zählende ledige Paula Münch, die aus Opladen im Kreise Solingen stammt. Ein Hausdiener fand gestem früh gegen 4'/- Uhr die beiden Leichen in einem Gebüsch in der Nähe der Rouffeau-Jnsel liegen. Der junge Mann hatte eine Wunde an der rechten Schläfe und hielt einen Revolver in der Hand, das Mädchen blutete aus einer Schuß- wunde an der Stirn. Bei den Toten fand man einen von beiden unterschriebenen Zettel, auf dem sie mitteilen, daß sie die Tat mit beiderseitigem Einverständnis ausgeführt haben. Bogel habe zuerst feine Geliebte durch einen Schuß in die Stirn getötet und dann sich selbst, indem er sich in die rechte Schläfe schoß. Als Wohnung des jungen Mannes war Wiesdorf(Kreis Solingen). Hauptstraße 67, angegeben, während das Mädchen in Opladen(Kreis Solingen), Düffeldorfer Straße 67, gewohnt haben soll. Irgendwelche Angaben darüber, was sie beide zu diesem Schritt veranlaßt hat, enthielt der Zettel nicht. Allem Anschein nach scheint aber StellungS- und völlige Mittellosigkeit das junge Paar in den Tod getrieben zu haben. Beide waren nur sehr dürstig gekleidet und führten keine Barmittel bei sich. Eine Wohnung scheinen sie in Berlin gar nicht gehabt zu haben. Man nimmt an, daß das Pärchen hierher gekommen ist, um sich Arbeit zu suchen, aber keine gefunden hat. Die Heimatbehörden der Toten wurden sofort von der Polizei benachrichtigt. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein durchgehendes Dragonergespann versetzte gestern früh die Paffanten der Prinzenstraße in große Aufregung. DaS Gespann kam die Straße heruntergerast und fuhr an der Ecke der Annen- straße direkt in das Schaufenster der Obsthandlung von Gustke. Die große Schaufensterscheibe ging in tausend Trümmer und dio beiden Pferde zogen sich schwere Schnittwunden zu. Zur Befreiung der Tiere aus ihrer lebensgefährlichen Lage mutzte die Feuer-- wehr herbeigerufen werden. Das Geschäft von Gustke wurde durch den unerbetenen Besuch arg demoliert. Aus dem Fenster gestürzt ist Sonntagnachmittag die IV, Jahre alte Tochter Herta des Postschaffners Baumann aus der Kameruner- straße 11. Das Kind kletterte in einem unbewachten Augenblick auf das Fensterbrett des Küchenfensters, verlor das Gleichgewicht und fiel vom dritten Stock hinab auf den gepflasterten Hof. Schwer verletzt wurde die Kleine von ihrem Vater nach dem Paul Gerhardt- stift gebracht. Einbrecher, deren Spezialität es ist, kleine Wohnungen heim- zusuchen, und den armen Leuten, die sich sowieso kümmerlich durchs Leben schlagen, ihre wenigen Sachen zu stehlen, statteten am Sonn» abend nachmittag der Arbeiterwitwe Tennert in der Nieder« Baniimstr. 23 zu Lichtenberg einen Besuch ab. Während sich die .grau auf ihrer Arbeitsstelle befand, öffneten sie mit einem Nach- schlüssel ihre Wohnung und stahlen daraus alles, was auch nur des Mitnehmens wert war. Als die Frau abends müde von der Arbeit zurückkehrte, machte sie die betrübende Entdeckung, daß ihre ganze Wohnung ausgeräumt worden war. Von den Einbrechern haben die Nachbarn nichts gemerkt.— An anderen Stellen haben Einbrecher wiederum die Abwesenheit der Wohnungsinhaber am Sonntage zu Einbrüchen benutzt. Das Polizeipräsidium teilt mit: NöH immer nicht ermittelt ist die Mutter des am 28. April d. I. im Hause Rotherstr. 1 aus-, gesetzten, etwa acht Tage alten Kindes weiblichen Geschlechts. Das Kind trug weißes Jäckchen und Hemdchen und war in einer Winde» aus Bettzeug, einem Barchenttuch und einem grün und rotkarier-, ten Tuch eingewickelt. Personen, die über die Mutter des Kindes Mitteilung machen können, wollen sich bei der Kriminalpolizei Berlin, Zimmer 321, mündlich oder schriftlich zu den Akten 2131 J.\5 24. 12 melden. i,.«, ,«jj. � Die Verzweiflungstat eines jugendlichen Selbstmörders rief! am Sonntag nachmittag auf dem Nettelbeckplatz Aufsehen hervor. Der 19jährige Maler Richard Schönfeld, Fcn»fftr. 19 wohuhast, hatte sich auf einer Ruhebank niedergelassen und durch sein gebrücktes Wesen die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden hervorgerufen. Der junge Mensch griff plötzlich in die Rocktasche) holte einen scharf ge- ladenen Revolver hervor und schoß kurz hintereinander drei Schüsse auf sich ab. Die beiden ersten Kugeln gingen fehl, während das dritte Geschoß in die Stirn eindrang. Die Waffe entfiel jetzt den Händen des Lebensmüden und Sch. brach zusammen. Er wurde schleunigst nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht, doch ist sein Zustand völlig hoffnungslos. In einem hinterlassenen Schreiben an die Eltern gibt Sch. als Motiv unglückliche Liebe an. Er schreibt, er sei von seiner Braut schnöde verlgssen worden und könne dies nicht überleben., j.. Krankheit hat die 28 Jahre alte Ehefrau Ida des Arbeiters Floeth aus der Böttgerstraße in den Tod getrieben. Frau Floeth litt seit längerer Zeit an den Nerven. In einem Anfalle ihrer Krankheit legte sie gestern Hand an sich. Während ihr Mann ab- wesend war, erhängte sie sich in ihrer im vierten Stockwerk des Seitenflügels belegenen Wohnung am Fensterkreuz, i-*,,. Radrennen im Olympia-Park. Die Einleitung zu der am Sonn« tag stattfindenden Veranstaltung war ein heftiger Platzregen, der die Abhaltung der Rennen fast in Frage stellte, doch trocknete die Bahn rasch ab und auch ein später heraufziehendes Gewitter zog seitlich vorbei, so daß das Programm ohne Störung beendet werden konnte. Drei Dauerrennen bildeten den Hauptanziehungspunkt. Der Preis von Tegel, über 15 englische Meilen, war für Fahrer der Klasse B und wurde von M. G n i l l a in 18 Min. 14 Sek. leicht vor Pawke, Ad. Schulze und Jenske gewonnen und erwarb der Sieger die Startberechtigung zum Zehn Meilen-Rcnnen. Den Preis, von Charlottenburg, ebenfalls 15 engl. Meilen, errang Miguel in 17 Min. 16Vs Sek. vor Dcmke, Janke und Schipke. Die„Zehn Meilen" sahen diese fünf Fahrer am Start und der Franzose Miguel war hier unstreitig der beste Mann. Vom Beginn an der Spitze, konnte nur Guilka seinem Tempo folgen, während Janke, Demke und Schipke mehrmals überrundet wurden. Gnilka greift in der 29. Runde den Franzosen an, doch wehrt dieser den Angriff ab und kann nach zienilich eintönigem Verlauf dem jungen Berliner in der 119. Runde nach hartem Kampfe eine Bahn- länge abnehmen. In der 126. Runde platzt der Hinterreifen an Gnilkas Motor, der Schrittmacher stürzt der Maschine, doch fallen beide glücklich dem Jnnenraume zu, und ohne Schaden kann der Schrittmacher sich erheben. Auch Gnilka ist einem Sturz entgangen, doch da er keinen Ersatzmotor hat, muß er das aussichtsreiche Rennen aufgeben. Demke hat Raddefekt und fällt noch hinter den schlechtfahrenden Schipke. 12 Runden vor Schluß versagt Miguels Motor, und ehe ein zweiter für ihn in Schwung kommt, hat Janke die Spitze erobert und gewinnt mit 299 Meter Vorsprung das Rennen. Die Ehrenrunde überläßt er Miguel und folgt als Zweiter. Auch Gnilka mutz sich ihnen an- schließen. In dem Fliegerrennen war P�ter der beste Mann, der mit Techmer zusammen das Tandemrennen gewann. Ein Ver« folgungsrennen mit 8 Teilnehmern gewann Pawke und das Prämienrennen K. Müller. Vorort- bfoebricbten. W'Hlsteg. Bei der am Sonntag im HL Abteilung ftattgefundsnen Stadt- S!ettkölln. Sozialdemokratischer 19. Bezirk der dritten WähjJ verordnetenersatzwahl erhielt der sozialdemokratische Kandidat Eigentümer Ernst Röhl sämtliche 549 abgegebene Stimmen. Ein Gegenkandidat war seitens der bürgerlichen Par- teie» Mt aufgestellt. WilmerSdorf-Halensee. Kommunalisierung des Arbeitsnachweises. Der allgemeinen Haltung, die Wilmersdorf in sozialpolitischen Angelegenheiten ein- nimmt, entsprickt eS auch, daß am Orte manche Einrichtungen, die anderswo in den Händen der Gemeinde sind, von privaten Orga nisationen geleitet werden. So war in Wilmersdorf bisher auch der öffentliche Arbeitsnachweis von einem„Gemeinnützigen Verein" mit städtischer Beihilfe unterhalten worden. Nun aber hat sich der Gemeinnützige Verein vor kurzem aufgelöst; und der Magistrat empfiehlt aus diesem Grunde der Stadtverordnetenversammlung die Uebernahme des Arbeitsnachweises sGasteiner Straße 11) in stadtische Verwaltung. Im Jahre 1310 hat der Nachweis 2L38 und im vorigen Jahre 2975 Stellen vermittelt; hierbei kam ausschließlich weibliches Dienst- und Aufwartepersonal in Be- tracht. Einer Anregung des Bezirksvereins Norden folgend empfiehlt der Magistrat weiter, im Hause Trautenaustraße 4 einen zweiten srbe i tsna ch w eis für weibliches Dienstpersonal zu errichten. Gegen diese Vorlage ist selbstverständlich nichts einzuwenden; zu bedauern bleibt nur, daß der Magistrat bei dieser Gelegenheit den Arbeitsnachweis nicht nach Schöneberger Beispiel weiter aus- dehnen will. Lichtenberg. Große Taten verrichtet die Polizei in Lichtenberg. Am Tage vor der Maifeier mußten die Beamten ausschwärmen und alle Lokale heimsuchen, wo nach außen Maifeier-Plakate sichtbar waren. Sie forderten deren Entfernung. Manche andere Plakate sieht die Polizei natürlich nicht. Das tut der Eifer I Nunmehr erhielten viele Wirte Strafmandate. Sie sollen durch die Aushängung der Plakate gegen eine alte, verschimmelte, preußische Verordnung verstoßen haben. Daß man sich ihrer just im Kampfe gegen die Arbeiter erinnert und sie ini Kampfe gegen sie für rechtsgültig erklärt, spricht selbstverständlich nicht gegen preußische Moral, polizeiliche Un- Parteilichkeit und Unverletzlichkeit des Rechts--- in Preußen- Deutschland. ' Von der Umsicht unserer Polizei in der Sicherung der Staats- ordnnng zeugt ein anderer Vorgang. An den letzten Demonstrations« Versammlungen in Berlin hatten sich auch viele Lichtenberger be- teiligt. Nach Schluß der Demonstration begaben sich die Ver- snmmlungsbesucher nach Hause. Die Polizei fand keine andere Er- klärung für den Heimgang der vielen von einem Orte konimcnden Personen als die eines veranstalteten Aufzuges. Sie ergriff jemanden, den man zum Leiter stempelte, was ihm die Polizei durch Zusendung eines Strafmandats attestierte. An Genialität stellt diese Taten eine andere weit in den Schatten. Einer größeren Zahl Jugendlicher flatterten Straf- Mandate ins Haus. Sie sollten dem Staat einen Obolus entrichten, angeblich, weil sie als noch nicht 18 jährige einer politischen Versammlung beigewohnt hätten. Eigenartig ist die Beweisführung der Polizei insofern, als sie sich teilweise auf das Zeugnis der mit Strafmandaten Bedachten selbst beruft. Geni«l. ja direkt geheimnisvoll erscheinen dabei die Künste der Polizei, denn die gegeneinander als Zeugen ausgespielten und mit Strafmandaten beglückten jungen Leute wissen gar nichts davon, daß sie irgendwo in der Angelegenheit Zeugnis abgelegt hätten oder daß auch nur der Versuch einer Vernehmung gemacht worden sei. Man darf wirklich gespannt daraus sein, wie die Polizei ihre Beweisführung erklären wird. Da Herr v. Jagow immer noch nicht durch den Lichtenberger Polizeipräsidenten ersetzt worden ist, was nach der Ansicht polizeilicher Kreise über kurz oder lang der Fall sein muß, geht man wohl nicht fehl in der Annahme, daß der vermeintlich längst erbrachte Befähigungsnachweis doch noch nicht als vollwertig galt. Nun wird man'S aber wohl geschafft haben. Tempelhof. Die Wahlen zum Kaufmanns- und Gewerbcgcricht. Freitag, den 21. Juni, finden in der Zeit von 6 bis 9 Uhr abends die Wahlen zum Kaufmannsgericht statt. Die Wahlen für da» Gewerbegericht werden Freitag, den 28. Juni, in der Zeit von vormittags'8 bis 1 Uhr und von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr im Restaurant Pfeifer(früher Lehne), Dorfstraße, Ecke Berliner Str., vorgenommen. Die Vertrauensleute aller Branchen und Betriebe werden ersucht, ihre Adressen bis spätestens Sonnabend, den 3. Juni, an den Gc- Nossen L e n t s ch u, Tempelhof, Ringbahnstr. 6, gelangen zu lassen. Die Gewerkschaftskommission Tempelhof- Mariendorf- Marienselde. Schöneberg. Eine sechsköpsige Diebeshaude wurde gestern früh festgenommen. Gegen 3 Uhr nachts bemerkten Polizeibeamte in der Torwaldsen- straße sechs Männer, die in zwei nebeneinander liegenden Häusern einen Einbruch in leerstehende Wohnungen verüben wollten. Die Ueberraschtcn wurden nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hier verweigerten die Verhafteten jede Personalienangabe. Es konnte jedoch ermittelt werden, daß die Sechs einer Einbrecherbande an- gehörten, die unter der Leitung der Gebrüder Dusdal steht und seit längerer Zeit der Schrecken der westlichen Vororte war. Bei einer Haussuchung in den Wohnungen der Verbrecher und deren Geliebten wurde ein großes Lager gestohlener Gegenstände vorgefunden und beschlagnahmt. Die Verhafteten, denen bereits eine ganze Anzahl schwerer Einbrüche nachgewiesen werden konnte, wurden im Laufe des gestrigen Tages in das Untersuchungsgefängnis Moabit ein- geliefert. Ober-Schönctveide. Infolge der beschlossenen Erhöhung der Zahl der Gemeinde- Vertreter von 18 auf 24 sind auch für die dritte Klasse zwei weitere Gemeindevcrtreter zu wählen. Die Wahl dieser beiden Vertreter findet am Sonntag, den 9. Juni, von vormittags ll'/z Uhr bis nachmittags 4 Uhr statt. Zu wählen ist ein Nichthausbcsitzer und ein Hausbesitzer. Da die Wahl auf Antrag der sozialdemokratischen Gemeindcvertreter an einem Sonntag stattfindet, bei Ausübung des Wahlrechts also kein Verlust an Arbeitsverdienst entsteht, ist es Pflicht aller Wähler der dritten Klasse, zur Wahl zu gehen. Als Legitimation gelten die im Januar dieses Jahres zugestellten Wählcrkarten der Gemeinde eventuell Mietskontrakt oder anderweitige Ausweispapiere. Der Ort ist in zwei Wahlbezirke eingeteilt. Der erste Bezirk wird gebildet aus allen westlich der Schillerpromenade und der Triniusstraße belegenen Straßen wie Tabbert-, Nalepa-, Watt-, Rödern-, Fontane-, Paul Helmholtz-, Westend-, Edison-, Siemens-, Antoniuskirch-. Waldstraße bis zur Triniusstraße, Zeppelin- bis zur Triniusstraße, Rathaus bis zur Triniusstraße. Goethestraße bis zur Schillerpromenade, Bismarckstraße bis Schillerpromenade, Parseval- - straße sowie den westlichen Seiten der Schillerpromenade und der Triniusstraße. Der 2. Wahlbezirk besteht aus allen östlich der Schillerpromenade und der Triniusstraße belegenen Straßen einschließlich der ganzen Wilhelminenhofstraßc, also den östlichen Seiten der Schillerpromenade und' der Triniusstraße. der Frischen-, Klara-, Marien-, Mathilden-, Rathenau-, Luisen-, Goethe- und Bismarckstraße von der Schiller- Promenade bis zur Luiscnstraße, Lialhausstraße von der Schiller- Promenade bis zur Frischenstraße. Waldstraße von der Triniusstraße bis zur Gemeindegrenze. Zeppelinstraße von der Triniusstraße bis zur Frischenstrahe. HallenSleben-, Kottmeier-, Kapler-, Slaby-, Schloßpark-' Laufener-, Kunheim- und Buntzelstraße sowie den gc- samten Ortstcil Ostend. Jeder Wähler muß sein Wahlrecht in dem Bezirk auSuben, in Dezember vorigen Jahres gewohnt hat. ' Wahllokal des 1. Bezirks ist die Turnhalle in der Wattsiraße. Für den 2. Bezirk befindet sich dasselbe in der Turnhalle der Frischen- straße. Bezirk I wählt einen Nichthausbesitzer, Bezirk II einen Hausbesitzer. Sorge jeder Genosse dafür, daß der Wahltag wieder ein Sieges- tag der Sozialdemokratie wird. Nieder« Schönhausen. Die Gcmeindcwahl für die dritte Abteilung findet am Sonn- tag. den 16. Juni, von 11—5 Uhr, und am Montag, den 17. Juni, von 12—6 Uhr, in der Turnhalle der Gemeindeschule, Blankenburger Str. 79/71, statt. Die Neuwahl macht sich not- wendig, weil die Wahl des Genossen Hiege von der Gemeinde- Vertretung für ungültig erklärt worden ist. Der Grund, daß die Wahl an zwei Tagen stattfindet, ist wohl darin zu suchen, daß von der Beanttenvereinigung kürzlich eine Deputation beim Gemeinde- vorstand vorstellig geworden war und den Wunsch geäußert hatte, von einer SonntagSwahl doch Abstand zu nehmen, da die letzte SonntagSwahl eine ganze Reihe von Mißständen gezeitigt habe. Der Gemeindevorstand hat die Erfüllung dieses Wunsches rundweg abgelehnt. Der Beamtenverein hat nun in seiner letzten Sitzung beschlossen, für diese Wahl nicht zu agitieren, da die Wahl an einem Sonntage für den bürgerlichen Kandidaten nur geringe Sieges auSsichten böte. Jedoch sollen die Mitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Auf diesen Bluff darf natürlich die hiesige Arbeiterschaft nicht hereinfallen. Die beiden Grundbesitzervereine werden, da ein Hausbesitzer zu wählen ist, um so eifriger die Wahl- arbeit betreiben. Um nicht dasselbe Schauspiel wie in Pankow zu erleben, ist es notwendig, daß sich die Parteigenossen zahlreicher wie bei der letzten Wahl an den Wahlarbeilen vor und am Tage der Wahl beteiligen. Potsdam. Einen schweren Unfall erlitt gestern morgen die 16 jährige Elisabeth Forde aus Eiche, die mit dem Milchwagen die Maulbeer allee passierte. Durch das Scheuen der Pferde wurde sie vom Wagen geschleudert. Sie erlitt innere Verletzungen und wurde nach dem städtischen ftrankenhause gebracht. Berliner Arbeiter-Schachklnb. Osten I: jeden Donnerstag ff, 9 Uhr bei Hoffmann, KönigSberger Str. 28. „ II: jeden Donnerstag ff, 9 Uhr bei Rohde, Gr. Frankfurter Str. 52. Süden: jeden Donnerstag ff, 9 Uhr im GewerrfchaftShauS(Reftaur. Große). Westen: jeden Freitag ff, 9 Uhr bei Päfzler, Karlsbad 17, Ecke Flottwellstr. Norden I: jeden Freitag ff, 9 Uhr bei Nebel. Maxstr. 13b. „ II: jeden Dienstag ff.9 Uhr bei Frilfch, Drontheimer Str. 4. III: jeden Donncrstag'ff,9 Uhr bei Stall, Norduser 5, Ecke Torfstraße. IV: jeden Donnerstag ff, 9 Uhr bei Mahnkops, Greifcnhagcner Str.34. Lichtenberg: jeden Freitag ff,9 Uhr bei Möz, Sonntagstr. 32. Eharlottenbnrg: jeden Freitag ff,9 Uhr bei Wcrnicke, Bismarckfir. 38. Nordwest I: jeden Freitag, abends ff, 9 Uhr bei Lamprecht, Putlitzstr. 19. „ II: jeden Donnerstag, abd. ffz9 Uhr b. Pfafsenfchläger, Wiclesstr. 52. Odcr-Lchiinewcide: jeden Freitag ff,9 Uhr bei Prochowsky, Rathausslr. 19. Tempelhof: jeden Freitag ffz9 Uhr bei Hennig, Friedrich-Wilhclmflr. 7. Neukölln 1: jeden Freitag ff,9 Uhr bei Brandt, Pslügerstr. 10. , II: jeden Donnerstag ff, 9 Uhr bei Kremp, Hermannftr. 174. III• jeden Freitag ff, 9 Uhr bei Matnlat, Wildenbruchstr. 56. Zllcxandcrplay: jeden Sonnabend ff, 9 Uhr bei Lehmann, Kaiferfir. 25a, 6mcbt9- Zeitung. Ter Polizeisäbel. Gegen einen Händler Mucs aus der Zionskirchstraße hatte ein Schutzmann Buck zum Säbel gegriffen. Es verstand sich von selber, daß Mucs hinterher noch auf die Anllagebank kam. Nichtbcfolgung eines Schutzmannsbefehls, tätlicher Angriff auf den Schutzmann, Widerstand beim Transport zur Polizeiwache— das waren die Straftaten, die ihm zur Last gelegt wurden. Das Amtsgericht Berlin-Mitte fand, daß Schutzmann Buck als Zeuge einen sehr ruhi� gen Eindruck machte, und verurteilte den Angellaglen Mucs wegen Nichtbefolgung zu 3 Mk. Geldstrafe, wegen Angriffs und Wider- standes zu 39 Mk. Geldstrafe. Dieses Urteil wurde auf die von Mues eingelegte Berufung gestern vom Landgericht Berlin I durch Strafkammer 5 nachgeprüft. Die Beweisaufnahme zeigte, daß wieder mal, dank dem über- eifrigen Betätigungsdrang eines Polizisten, aus kleinen Ursachen große Wirkungen entstanden waren. Schutzmann Buck war, weil Frau Mues in ihrem Geschäftskcller einen Streit mit einem Frem» den hatte, durch irgendwen herbeigerufen worden. Als er eintraf und von der Straße aus in den Keller htnuntersah, war schon alles loieder ruhig. Hätte er sich sofort davon gemacht, so wäre es zu keiner„Störung der Ordnung" gekommen. Da er aber noch einige Zeit vor dem Keller verweilte, so öffnete Herr MueS die Tür und forderte ihn auf, er möge doch herunterkommen, wenn er etwas wolle. Jetzt hatte Schutzmann Buck den Einfall, sehr überflüssiger- weise dem Mues zuzurufen, er solle dafür sorgen, daß es bei ihm ruhig sei. Als Mues hinaufstieg und ihm antwortete:„Was wollen Sie denn!? Wer macht denn hier einen Auflauf? Sie machen den Auflauf!" war für den Schutzmann die erste Straftat fertig. Sie bestand nach seiner Auffassung darin, daß Mucs der Aufforde- rung, ruhig zu sein, die Folgeleistung verweigert hatte. Frau Mues wollte sich ms Mittel legen und ihren etwas angetrunkenen Mann durch entschlossenes Eingreifen in den Keller zurückbringen, aber Mues wehrte sie ab— und nun hielt der Schutzmann es für nötig, Mues zur Wache zu führen. Was von da an geschah, darüber gin- gen die Aussagen der Zeugenschar, die in der Beweiserhebung ver- nommen wurde, sehr auseinander. Der Angeklagte versicherte, Buck habe ihn wiederholt zu Boden gestoßen und schließlich nach ihm, während er dalag, einen Säbel- hieb geführt. Schutzmann Buck bekundete, Mues selber habe ihn angegriffen, indem er ihn gegen die Hauswand gestoßen habe. Schließlich habe Buck gegen ihn den Säbel gebrauchen müssen, doch habe MueS sich zu Boden geworfen, so daß er nur ein wenig an der Stirn verioundet worden sei. Bei der Sistierung habe zunächst ein Zivilist geholfen, den ein dazukommender Schutzmann Richter ckbgelöst habe. Unterwegs habe Mues, mit den Füßen sich gegen den Boden stemmend, Widerstand geleistet, so daß man ihn habe fesseln müssen. Diese Darstellung wurde in ihrem den Auftritt vor dem Keller betreffenden Teil durch mehrere Zeugen angefochten, durch einige andere aber bestätigt. Ein Zeuge bekundete, daß Buck, nachdem er Mues mehrfach geschubst und hingestoßen habe, ausrief:„Wenn Sie nicht mit zur Wache kommen, muß ich von meiner Waffe Gebrauch machen!" Darauf habe er den Säbel gezogen und zugehauen. Ein anderer Zeuge schilderte, wie Buck dem Mues„leine Ruhe gegeben" und ihn wiederholt gestoßen habe, so daß Mues„wie ein Kloß hin- siel". Buck habe dann— anscheinend, so fügte Zeuge hinzu, in seinem Aerger— den Säbel gezogen und dem Liegenden einen Säbelhieb versetzt. Als jetzt aus dem Publikum Stimmen laut wurden, habe der Schutzmann dem Mues zugerufen:„Leisten Sie keinen Widerstand!" Einer der von der Anklagcbehörde geladenen Zeugen meinte, Mueö sei der Angreifer gewesen und habe den Schutzmann sogar mehrmals gestoßen, ehe dieser zuhieb. Buck selber hatte nur von einem Stoß geredet und wußte jetzt auch auf nochmaliges Befragen nicht zu sagen, daß er mehrere Stöße gespürt habe. Ueber die Vorgänge auf dem Wege zur Wache gaben zwei Zeuginnen an, Mues habe gebeten, ihn loszulassen, da er selber mitgehen wolle. Schutzmann Richter sagte aus, Mues habe sich gesträubt, aber nicht gebeten, ihn loszulassen. Der Verteidiger, R.-A. Kurt Rojenfeld, kam nach eingehender Würdigung der einander widersprechenden Aussagen beider Zeugen- gruppen zu dem Ergebnis, daß eine Schuld des Angellaglen nicht erwiesen sei und daher Freisprechung erfolgen müsse. Die Aus- sage des Schutzmanns Buck könne trotz all ihrer Bestimmtheit nicht für das Gericht ausreichen, MueS für schuldig zu halten. Es sei dem er am 1_____________ m--- — verantwortlicher Redakteur Ulbert Wach». Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» ja begreiflich, daß Buck als Beteiligtet, dessen Verhalien keineswegs einwandfrei gewesen sei, von dem Hergang eine ihn selber ent- lastende Auffassung habe. Das Gericht kam in Uebereinstimmung� mik dem Antrag des Staatsanwalts zu dem Urteil, daß die Berufung zu verwerfen und die Verurteilung zu 3 M. und 30 M. aufrecht zu erhalten sei. Den Widerstreit der Zeugenaussagen hatte das Gericht dahin gelöst, daß es, wie die Urteilsbegründung sagte,„der Aussage des Schutz- manns den Vorzug gab"._ Die Coupierzange des Eisenbahnbeamtcn. Gelegentlich eines Ausfluges, den das Personal und der Chef der Firma Gebrüder Köppe nach dem Lehnitzsee unternommen hatten, sollte der Mechaniker Hürdel einem Eisenbahnbeamten auf dem Bahnhof Gesundbrunnen unter Anwendung von Gewalt Widerstand geleistet haben. Er wurde deswegen angeklagt, aber am 15. Januar 1912 vom Schöffengericht freigesprochen. Der Amtsanwalt aber legte Berufung ein. Die Anklage gründet sich darauf, daß Hürdel dem Stätions« beamten Hagemann ins Gesicht geschlagen haben soll. Das war auch bereits vor dem Schöffengericht von den Belastungszeugen behauptet worden, aber das Gericht hatte die Aussagen dieser Be- amten nicht für ausschlaggebend erachtet, da ihnen andere Zeugen gegenüberstanden, die gesehen hatten, daß Hagemann dem Hürdel einen Schlag versetzte. Gestern hatte sich die 5. Strafkammer des Landgerichts l als Berufungsinstanz mit der Sache zu befassen. Der Vorgang selbst hat sich in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1911 abgespielt, als die Ausflügler heimkehrten. Streit war dadurch ent- standen, daß unter den Fahrkarten drei waren, die nach der Auf- fassung der Beamten nicht zum Uebergang auf die Ringbahn be- rechtigtcn, sondern nur bis Stettiner Bahnhof Geltung hatten. Gegen Hürdel wurde ein Strafmandat in Höhe von 3 M. erlassen, weil er einen Auflauf verursacht habe. Hürdel bezahlte das, um sich keine Scherereien zu machen. Hürdel, der nach seinen eigenen, wie nach den Aussagen der Entlastungszeugen von Hage- mann mit der Billettcoupierzange auf den Kopf geschlagen worden war, so daß er sich auf der Unfallstation verbinden lassen mußte, hatte aber gegen den Beamten Strafanzeige erstattet. Die Anklage gegen ihn selbst war offenbar nur eine Folge dieser Anzeige. Kurz vor dem Zusammenstoß zwischen Hürdel und dem Schaffner war Herr Köppe, der Chef der Firma, nach dem Dienstraum gegangen, um sich bei dem Stationsvorsteher nach der Gültigkeit der betreffen- den Fahrkarten zu erkundigen: er wurde aber dort, wie er selbst als Zeuge aussagte und andere Zeugen bestätigten, von dem Be- amten hinausgestoßen. Der Angeklagte glaubte sich um so mehr verpflichtet, für seinen Chef einzutreten, als er selbst eigentlich der Leiter des Ausfluges war und die Fährkarten in dem guten Glauben besorgt hatte, daß sie auch Ins zu einer bestimmten Station für die Ringbahn galten. Er bestreitet ganz entschieden, irgendwie tätlich geworden zu sein. Er habe von dem Schutzmann die Feststellung des Namens des Bahnbeamten verlangt, der ihm ohne weiteres mit der Zange auf den Kopf geschlagen. Das Bcr- langen wurde von dem Schutzmann abgelehnt mit der Begründung, daß die Personalie» des bezeichneten Beamten ohnedies festgestellt werden könnten. j Die Entlastungszeugen bestätigten die Angabe des Angeklagten. Keiner von ihnen hat gesehen, daß er dem Hagemann einen Schlag versetzt hat, wogegen mehrere von ihnen gesehen haben, wie der genannte Vahnbeamte den Angeklagte» schlug und wie dieser blutete und eine klaffende Stirnwunde hatte. Diese Verletzung wird auch durch ein Attest der Unfallstation beglaubigt. Ter Zeuge Hagemann behauptet, den Angeklagten nicht geschlagen zu haben; vielleicht habe er, der Zeuge, mit der Hand, in der er die Zange bielt, Bewegungen gemacht, aber er selbst habe einen Schlag ins Gesicht von dem Angeklagten erhalten und ein blaues Auge davon- getragen. So wird die Sache auch von dem diensttuenden Stations- Vorsteher Schönbeck dargestellt und von einem Malergehilfen Strick. Diese Zeugen sowie der Schutzmann Hahns behaupten, nicht gc- sehen zu haben, daß der Angeklagte blutete oder überhaupt ver- wundct war. i Das Gericht hob die Entscheidung der Vorinstanz auf und verurteilte den Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe. In der Be- gründung wurde ausgxführt, es sei nach den Zeugenaussagen als erwiesen anzusehen, daß de? Angeklagte geschlagen wurde, aber nach den Aussagen der anderen Zeugen, und namentlich auch des an den Vorgängen unbeteiligten MalerS Strick müsse eS ebenso als feststehend angesehen werden, daß der Angeklagte den Hagemann geschlagen habe, wenn er sich dessen auch selbst vielleicht nicht ein- mal reckt bewußt geworden sei. Es lägen hier aber, besonders wegen des Schlages, den der Angeklagte erhielt, mildernde Umstände vor, so daß auf das geringe Strafmaß erkannt werden mußte, Lviefkaften der Redaktion. Tie txrlftisqe eprcchstniide findet Llndenstrake 69, von» biet Xreppe* — ya h r st n h l—, wochentSglia von 4V4 btJ 7V4 Ustr adcndS,«onnadendS, von Ui bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den lveteftaften destimmten»nfeage ist ein Buchstabe and eine Zahl als Mertzetchea beizufügen. Briefliche»ntwoet wird nicht erteUt. Anfragen, denen keine Rbo»neme»ts«ul«t»ng beigefügt ist, iveeden nicht beantwortet. tkUige Kragen trage mau tn der Sprechstunde vor. H. 2. 100. Fleißiges Waschen mit scharfer Seife und Einreibungen mit weißer oder grauer Quecksilbersalbe.— I. 100. Welten, werden im Brieslasten grundsätzlich nicht entschieden. Marktbericht von Verlin am 1. Juni 1918, mach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel) 199 Kilogramm Eicksen, gelbe, zum Kochen 34.99—59,99. Speisebohnen. weiße, 39.99—56,99. Linsen 49,99— 89,99. Kartoffeln(KIcinhdl.) 8.99— 13,99. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,79—2,49. Rindfleisch, Bauchfleiich 1,49— 1,89. Schweinefleisch 1,49—1,99. Kalbfleisch 1,59—2,69. Hammelfleisch 1,79— 2,49. Butter 2,49—3,99. 69 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,20-2,00. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,90-2,00. Schleie 1,40-3,40. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00—49,00._ WitterungSübersicht vom 3. Juni 1918. Etatlonen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf.a.M. München Wien Wetter 4 Regen Ibedeckt 3, wolkig 6 woINg 6 halb bd. 2 wolkig iss; c* «.II Bat h2> Stationen Haparanda Peiersburg Scilly Aberdeen Paris iE B 757ND 762 Still 752WRW 752;NNO 753WSW Wettet wolkenl wolkenl halb bd. wolfig 2 wolkig et 5>1 S? WS 8 11 9 11 13 Wetterprognose für Dienstag, den 4. Juni 1918. Vielfach wolkig mit leichten Rcgensälle» und ziemlich lebhasten füdwest- lichen Winden; Temperatur wenig veränderltth. Berliner Wetterburea». Wasser,'tands-Nachrichten der LandeSanstM für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Q-j- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Nnterpegel BuSdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Stöger iL Eo., Berlin SW.