Ur. 130. NdoiMmmk-VeDWgeii: ttJonncmentä. Preis btänmnotmiM; «ierteljähr� 3£0 SKf, tiionatl. 1,10 Mk. »vöchelUIich W Pfg. frei ins Haus. Einzeln« Rümmer 5 Pfg. EonntagS- nummer mit illuftrierler Sonntags� Beilage.Die Reue Welt' 10 Abonnement: 1,10 Marl pro Post. onat. L Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nebmen am Belgien. Dlinemarl, öolland, Italien, Luxemburg. Portugal. "nänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Dfe TnffrtionS'Gcbflftf teitflgi für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gcwerlichasMche Bercin». und VersanimlungS-Anzeigen M Pfg. „Aleine Anreisen", das fcttgedruille Wort 20 Psg.(zulälsig 2 fettgedruiZte Worte), icde» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlafftellenan- «eigen das erste Wort 10 Psg., j-deS werter« Wort S Pfg. Worte über IS Buch- liaben zählen für zwei Wort«. Inserate für die nächste Stummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Srpedtlion ist bis 7 Uhr abends geöffnet. CrtiMRt tilzll» auB« Eontas». Berliner VolkSblnK. Telegramm- Adresse! „Soiislliemollist ffelilS". �entralorgan dcv fozialdcmokrati fcben Partei Deutfchlanda. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplay. Nr. 19S3. Freitag, den 7. Inn! 1913. Expedition: SM. 68, Lindenetrasse 69* Fernsprecher: Amt Moriyplay, Nr. 1984» Cinc klerikale Infamie. Aus Wien wird uns vom 4. Juni geschrieben: Am Morgen des gestrigen Montags ist die Leiche des seit Anfang Januar vermißten sozialdemokratischen Abgeordneten Franz S i l b e r e r auf dem Hundstein, einem Berge bei Zell am See in Salzburg, aufgefunden worden.... In dieser tatsächlichen Mitteilung ist der Abschluß einer Vcrleumdungs- kampagne enthalten, die in ähnlicher Schufterei der Partei- haß wohl noch nirgends gezeitigt hat. Und da die lumpige Werleuuidung aus dem klerikalen Wiener Blatt, der„Reich s- p 0 st", ihren Weg auch in die rei ch s d e u t s ch e Zentrums- presse genommen— die Klerikalen bleiben sich unter allen Himmelsstrichen gleich—, so soll sie in ihrer abscheulichen Nacktheit nun auch hier geschildert werden. Der Genosse Silberer, der Obmann der Bäckergehilfen und bei den letzten Wahlen im Wiener dritten Bezirke in den Reichsrat gewählt, benützte eine Agitationsreise nach Kärnten und Kratn. die er anfangs Januar machte, um einen Skiausflug ins Gebirge zu unternehmen. Als er am 14. Januar, für welchen Tag er seine Rückkehr bestimmt hatte, nicht angelangt »aar. bemächtigte sich seiner Familie und seiner Freunde natür- lich große Unruhe, zumal seine letzte Nachricht, von Zell am See, vom 6. Januar herrührte. Es wurde sofort eine Nettungsexpedition veranstaltet und acht Tage lang das ganze Gebiet, in das sich Silberer begeben hatte, aufs genaueste durchsucht. Der Weg, den er eingeschlagen, wurde mit aller Genauigkeit festgestellt, auch wo er die letzte Nacht verbracht, wann er aufgebrochen und die letzte Begegnung, die er gehabt. Man konnte gleichsam die Spur verfolgen, bis sie sich in der nienschcnleeren Einsamkeit der schneebedeckten Berge verlor. Alles Suchen war vergebens, in keiner Almhütte, in keiner Schutzhütte, nicht im Tale wurde Silberer gefunden. So blieb kein Zweifel übrig, daß er den Tod in den Bergen gefunden habe, daß er irgendwo unter den gewaltigen Schnecmaflen, die damals niedergegangen waren, begraben lag. Die Ver- suche, die Leiche zu bergen, waren ganz aussichtslos; sie hätten jeden, der sie unternommen, in Lebensgefahr gebracht und dennoch zu keinem Ziele geführt. Man mußte sie bis zum Frühjahr vertagen, wo die Sonne den Schnee zum Ab- schmelzen bringen wird. Und da setzte nun jene klerikale Lumperei ein. die in ihrer Scheußlichkeit geradezu Entsetzen erregt. Die Christlich- sozialen beschlossen nämlich, die Tatsache, daß der Leichnam Silbcrcrs nicht geborgen werden konnte, dazu zu benützen, dem im Gebirge Verunglückten als einen Defrau- danten auszugeben, der sich um der Ent- deckung seiner Diebereien zu entgehen, nach Amerika geflüchtet habe! Der entsetzliche Schurken- streich wurde mit der größten Kaltblütigkeit, mit wahrhaft teuflischem Raffinement ins Werk gesetzt. Der Herd der Schufterei war die christlichsoziale„Reichspost"— die, man merke sich das wohl, als Organ des Thronfolgers gilt und jedenfalls dessen Leibblatt ist l— und der eigentliche Ersinner und Leiter der gräßlichen Verlcumdungs- kampagne ihr Herausgeber, der Dr. Friedrich F u n d e r, den man auch an dieser Stelle nennen muß, weil sein Name auf allen Katholikentagen anzutreffen ist. Um den scheinbaren Anlaß für den Feldzug zu gewinnen, fabrizierte die Fälscherbande vor allem eine anonyme mit verstellter Schrift geschriebene Strafanzeige, die ihnen zum„Anhaltspunkt" für die weiteren Verleumdungen werden sollte. Tag für Tag wurde in dem frommen Schand- blatt die„Affäre Silbcrer" breitgetrcten. auf dem unglücklichen Toten, der irgendwo im Gebirge im Todesschlaf lag, der kleri- kale Geifer gespieen, mit einem frechen Grinsen der angebliche Verunglückte verhöhnt, der wehrlose Mann gemein besudelt. Alle Beweise nützten nichts; obwohl alles rest- und lückenlos aufgeklärt war und sich die„Arbeiterzeitung" die Finger wund schrieb, um dem schamlosen Treiben der Verleumder Einhalt zu tun, ging das Schmähen und Verhöhnen, das Begeifern und Lästern ununterbrochen weiter. All' die seilen Anspie- lungen über„Defraudationen", die Silbercr zur Flucht ge- trieben haben sollen, wurden sofort wiederlegt, durch eidliche Aussagen aller in Betracht kommenden Personen, durch die behördliche Untersuchung aller Kassen bis zu dem aller- letzten Schein einer Möglichkeit widerlegt. Die infolge der anonymen Strafanzeige unternommene strafgcrichtliche� Untersuchung wurde vom Staatsanwalt mangels jedeö erdenkbaren Tatbeslandes eingestellt. Ter Koffer mit seinem Straßen- anzug, den Silberer. bevor er ins Gebirge ging, zurückgeschickt hatte, wurde im Wiener Bahnamt aufgefunden. Als eine zufällig in Wien anwesende Bäckersfrau aus New Jork im Familienkreise die harmlose Bemerkung machte, sie glaube, ihr Mann hätte ihr einmal gesagt, er habe Silberer in New Jork gesehen, wurde er von dem Schuftcnblatt als der absolute Beweis von Silberers flucht hingestellt. Es nützte nichts, daß der Mann sofort in Kabeldepeschcn den Irrtum richtig stellte und unter Eidcsstatt angab,— wobei der Genosse Schlüter von der„New I orker Voltszeitung" intervenierte— seine Frau habe sich nur geirrt, er habe Silbcrer nie in New Bork gesehen. vielmehr von einem anderen österreichischen Bäcker, dem ehemaligen steicrmärkischen Landtagsabgeordneten odlbauer. der seit Jahren in Amerika lebt, zu ihr gesprochen. "e Widerlegungen und Klarstellungen, alle Beweise So! All nützten nichts; die Leiche war noch nicht geborgen, und so bellte das Schandblatt die Lüge Tag um Tag weiter. Und ihr eiferte das christlichsoziale Preß- gelichter der ganzen Monarchie nach. und in allen christlichsozialen Versammlungen anläßlich der Gcmeinderats- Wahlen war die„Affäre Silberer" das beliebteste Thema und jede Erwähnung des verunglückten Silberer war dem klerikalen Spießerpack das Stichwort zum viehischen Gelächter. Keine Schilderung vermöchte die Gemeinheit dieser kleri- kalen Infamie vollständig wiederzugeben. Man muß die Schufte selber sprechen lassen und deshalb lese man, wie die „Reichspost" über den zweifellos ver- ungückten und toten Sozialdemokraten s ch lv ä tz t e: Der sozialdemokratische Abgeordnete Silberer, der im Jänner auf einer Skipartie am Hundstein.verunglückte", ist wohl- behalten im.Jenseits" aller Europa müden an- gekommen... Eines der neuen Mandate, die im Juni die Sozialdemokraten mit freisinniger Hilfe den Christlichsozialen ab- nahmen, ist von seinem ungetreuen Verwalter an Amerika ausgeliefert worden. Ans der versprochenen unbeschränkten Fleischeinfuhr auS Argentinien nach Wien ist eine MandatsauSfuhr nach Amerika geworden... Wenn die Wähler des Wahlkreises Landstraße heute ihren Wünschen und Anliegen im Hause der Gesetzgebung Gehör verschaffen wollen, dann mögen sie zunächst ihr Leben versichern lassen, viel Geld für eine Ozeanreise in ihren Beutel tun und drüben ihr Glück mit ihrem Vertreter ver- suchen... Der Junisieger und Genosienführer Silberer hat also in den gastlichen Vereinigten Staaten, wo man noch viel immuner als im österreichischen Abgeordnetenhause und vor AuS- lieferungen an die österreichische Justiz viel sicherer ist, Aufenthalt genommen, in Amerika, im.Jenseits", an daS auch der ungläubigste Sozialdemokrat glaubt."... SilbererS Mitwisser und Helfer haben seine Flucht Über den Ozean durch die Erzählung eines mysteriösenSkiunfallS derOeffentlichkeit gegenüber zu decken gesucht... Man hat den Flücht- ung noch von dem Mitleid, das Wien keinem Verunglückten vorenthält, bestrählen lassen wollen. Dieses Arrangement war ganz ungeheuerlich in seiner Slrupellosigk«it und offenbart eine Gefühlsroheit der Urheber, die an die Nerven geht... Wir überlasten es den amtlichen Erhebungen, die Motive der Flucht des Junisiegers Silberer klarzustellen. Ohne gewichtige Gründe hat der Mann gewiß nicht den jüngsten Weltteil aufgesucht... Wenn die roten Führer wieder der Kitzel überfallen sollte, ihr politisches Glück auf Ehrabschneiderei zu stellen, so winkt ihnen auS dem»Jen- seit»" der Geist des JunisiegerS SilbererS. der sie.wohl zu fahren heißt"... Und in diesem schamlos gemeinen Tone ging es Tag für Tag fort. Noch am 29. Mai wiederholte man die ent- setzliche Lüge:„Die ganze Hundsteingeschichte ist ein überschlau erfundenes Märchen der Sozial- demokraten, um die Suche nach Silberer von der rechten Spur abzulenken; Silberer „ivar nie auf dem Hund stein und kann darum dort auch nie gefunden werden". Silbcrer„hat sich nach Amerika hinüber— aufgelöst und die ganze sozialdemokratische Parteileitung hat ihn dabei aus Wahlpolitik Mauer gemacht!" Und noch am letzten Sonntag, einen Tag vor der Bergung der Leiche aus dem Schnee, wurde die Be- schuldigung in gleicher Gemeinheit wiederholt:„Heute weiß bereits alle Welt, daß das angebliche Skiunglück am Hund- stein eine Erfindung der sozialdemokratischen Führer war, die damit eine unangenehme Affäre vertuschen wollten".... Und all das über einen wehrlosen Toten! All' das über einen Mann, an dessen Leben nicht der geringste Makel haftete, an den sich auch, als er noch unter den Lebenden weilte, die Verleumdung nie gewagt, über einen Mann, dessen tragischer Tod in jedem fühlenden Herzen tiefstes Mitgefühl ivccken mußte! Das sind die österreichischen Christen, die so die Majestät deS Todes entweihen, die den toten Abgeordneten mit diesem Schurkenstreich übers Grab verfolgten. Einer solchen Schurkerei sind wohl nur Klerikale fähig und so muß diese grenzen- lose Infamie überall die Entschlossenheit stärken, die schwarze Brut bis zur letzten Ausrottung zu bekämpfen. •• » Der unglückliche Genosse Silberer ist bloß 49 Jahre alt geworden. Er stammt ans Steiermark, wo er das Bäckergewerbe erlernt hat. Seit seinen Jünglingsjahren stand er in der Organi- sation. Bor 15 Jahren kam er nach Wien und durch seine In- telligenz lenkte er bald die Aufmerksamkeit seiner Berufsgenossen auf sich. Zwei Jahre nachdem er in Wien war, war er der leitende Kopf der österreichischen Bäckerorganisaston, und die Unermüdlichkeit, die in dem so ruhig scheinenden Mann lebte, hatte großen Anteil daran, daß die österreichische Bäcker- organisation in den letzten Jahren einen starken Ausschwung nahm und mächtige Erfolge erzielte. Silbcrer gehörte zu den besten Männern der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, er war auch Mitglied der Reichsgewerkschaftskommission und deS Arbeitsbeirates. Bei den ersten Reichsratslvahlen nach dem gleichen Wahlrechte wurde er als Kandidat im Wiener Wahlbezirk Landstraße aufgestellt, und bei der letzten Wahl gelang es ihm, dieses Mandat, das bis dahin ein hervor- ragender Christlichsozialer innegehabt hatte, der Sozialdemo- kratie zu erobern. Die Suche nach dem verunglückten Genossen war überaus zeitraubend und anstrengend. Seit dem Frühjahr sind mehrere große Expeditionen von Mitgliedern des Arbeiter-Touristen- Vereins„Die Naturfreunde" ausgerüstet lvorden. Nicht nur Salzburgische, sondern auch Jnnsbrucker und Wiener Genossen nahmen daran teil. Die Genossen aus Zell am See und aus Saalfelden suchten an jedem Sonntag den Berg ab. Am letzten Sonntag ging wieder eine größere Zahl von ihnen auf die Suche. Sie kehrten schon sehr ermüdet zurück und das Glück war, daß einer so müde wurde, daß er eine Zeit- lang rastete. Da sah er zlvei Skier; weiter zu suchen hatte er nicht mehr die Kraft. Er ging ins Tal und beim Morgen- grauen ssiegen zwei andere Genossen auf, die in der Nähe der Skier den Leichnam fanden. Die Leiche wird nach Wien gebracht und am Donnerstag bestattet werden. ••* Wien, 6. Juni.(Privattelegramm deS„Vorwärts".) DaS Leichenbegängnis des Abgeordneten S i l b e r e r war eine gewaltige Demonstration in Wien. Selbst die Polizei zählte 30 000 Teilnehmer. ES waren Zehntausende, die dem Trauerzuge zusahen, voll von Sympathie für den verstorbenen Parteigenossen, um dessen Leiche sich die schmählichsten Verleum- düngen der Christlichen gedreht hatten. 400 Kränze wurden der Leiche nachgefahren. Am Grab sprach Perner st orfer in Ver- tretung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, ferner namens der sozialdemokratischen Parteivertretung und der sozialdemokratischen Abgeordneten. Dann sprach Beer für die Gcwerkschaftskommisston Zipper für die Bäckerorganisation und Rohr lauer für die Naturfreunde. Das einzige Mittel. In der Presse der Großindustrie wird mit verstärktem Eifer für ein ZuchthauSgesetz Propaganda gemacht. Die gewaltige Mehrheit, die im Reichstag daS Ansinnen der Konservativen abwies. schrecke die Scharfmacher nicht; steter Tropfen höhlt den Stein, sagen sie sich, und lasten nicht Ruhe, bis die Regierung selbst dem Drängen nachgibt. Ein Industrieller schreibt der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung": „Der Herr Staatssekretär des RelchSamtS des Innern mag sich sperren und sträuben wie er will; er wird die Tatsache nicht auS der Welt schaffen können, daß die Erkenntnis der Not- wendigkeit eine? verstärkten Arbeitswilligen- schutzeö aus den: Marsche ist und Fort- schritte macht. Die Erfahrungen. die der Ruhr- streik gebracht hat, haben wirklich allen, die etwa noch nicht sehend waren, die Augen öffnen müssen. Ganz abgesehen davon, daß die Entsendung von Militär in das Streik- gebiet, die immer etwas Mißliches hat, bei genügendem gesetzlichen Schutz der Arbeitswilligen voraussichtlich nicht erforder- lich gewesen wäre, die wegen Streikvergehen ver- fügten Strafen reden eine überaus ernste Sprache. Mit den Bestimmungen des Strafgesetzbuches ist der Arbeiter nicht vertraut. In vielen Fällen sind sich die Streitenden der Schwere ihrer Vergehen kaum bewußt gewesen. Ganz anders, wenn ein kurzes, allgemein verständliches Gesetz vorhanden ist, von seinem Dasein und seiner Bedeutung wird auch der einfachste Arbeiter Kenntnis haben können, und da? allein wird zumeist genügen, die Arbeiter von Ausschreitungen abzuhalten, die ihnen di, Streikleitung nahelegt oder gar anempfiehlt. Das ist so einleuchtend, baß man sich gar nicht Wundern kann, wenn seitdem eine Gesetzgebung zum Schutze der Arbeits- willigen beinahe als das einzige Mittel bewertet wird, das noch eine Besserung der gegenwärtigen unerträglichen Zustände zu bringen vermag. Eine so umfassende Beveutung hat ein ArbeitSwilligenschntzgesetz natürlich nicht, aber eS muß doch zu denken geben, daß das preußische Herrenhaus erneut und dringlich den Erlaß eines solchen Gesetzes befürwortet hat, daß unter denen, die in der Ersten Kammer des Landtags für einen verstärkten Schutz der Arbeitswilligen eingetreten sind, auch der Nestor der deutschen VolkswirtschastSlehrer, der Begründer und erste Vertreter der wissenschaftlichen Lehre vom StaatSsozialiSmuS Prof. Adolf Wagner sich befindet.... Die christlichen Gewerkschaften der nattonalen und der evangelischen Arbeitervereine stehen samt und sonders auf dem Boden der Forderung, daß ein verstärkter Schutz der Arbeits- willigen unerläßlich ist...." Es handelt sich in diesem Schrei nach einem ZuchthauSgesetz um die Stimme eines einzelnen Scharfmachers, aber man darf die Ge« fahr trotzdem nicht unterschätzen. ES liegt System in dieser Pro- paganda, die ununterbrochen rege ist. Dazu kommt, daß sich Bethmann Holl weg seinerzeit selbst für„verstärkten Arbeits- willigenschntz" ausgesprochen und daß das Zentrum sich diesmal im Reichstag nur deshalb gegen den konservativen Antrag wandte, weil er nicht sofort realisierbar erschien. Das Zentrum hütet sich unnötigerweise Agitationsstoffe gegen sich zu häufen; wird die Frage des sogenannten Arbeitswilligenschutzes einmal brennend, wird niemand energischer die scharfmacherischen Pläne unterstützen als das Zentrum. Die Kieler Handelskammer will dagegen von einem besonderen Arbeitswilligengesetz nichts wissen; sie hat auf die An- regung des Deutschen Handelstages bei einer Anzahl größerer Be- triebe Kiels angefragt, ob die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen über den Schutz der Arbeitswilligen genossen und gelangte auf Grund der Antworten zu der Ueherzeugunu, dlch die jetzigen Be- stimmungtu ausreichte», dag aver bielfach über eine» UN- genügenden polizeilichen Schutz geklagt werde. In den kleinen Orten lägen die Verhältnisse ziemlich einfach, dort kämen Ausschreitungen selten vor. In Kiel sei nur auf geschlossenen Arbeitsstätten ein Schutz der Arbeitswilligen durchführbar. Auf offenen Arbeitsstätten und auf den Wegen nach den Arbeitsstätten seien Belästigungen schwer zu vermeiden.— Da verlangt nun die Kieler Handelskammer verstärkten Polizeischutz. Ein Verlangen, das von recht wenig Einsicht zengt, denn gerade durch die Einmischung der Polizei in wirtschaftliche Kämpfe wurden bisher die Unruhen und Zusammenstöße provoziert._ ein Seilenltiidt zum Fall Diiwcll. Unser Parteiblatt in Essen bringt in seinem Feldzuge gegen die dortige Polizei einen Artikel, der die polizeiliche Lockspitzel- Wirtschaft an den Pranger stellt, daneben aber auch noch um des- willen intcrcstani ist, als dabei sich Begleitumstände ergeben haben, die die skandalöse Entrechtung des jungen D ü tv e I l in noch grellerem Lichte erscheinen lassen. Es handelt sich um folgende Tatsachen: Vor der Essener Strafkammer fand am letzten Freitag die Verhandlung gegen einen jungen Genossen wegen angeblicher Auf- reizung zum militärischen Ungehorsam statt, die mit einer eklatanten Niederlage der Essener politischen Polizei endete. Dieser gebührt nämlich das Verdienst, die.anti- militaristische Propaganda" auf dem Wege der Bespitzelung entdeckt und die verfehlte Anklage veranlaßt zu haben. Der aus- führende Geist dieser Behörde, Kriminalkommissar Leschnik, war selbst als Zeuge zugegen und mußte den Schmerz erleben, daß der Sünder freigesprochen wurde. Herr Leschnik nannte in der Verhandlung seine Gewährsleute, »lias Spitzel, und zwar außer einem jungen Herrn Jansewig noch den Namen eines zweiten polizeilichen.Vertrauensmannes", dessen Tätigkeit symptomatisch für die Methoden der Essener Polizei ist. Wie dieser Herr Max Sauerbrei, der inzwischen nach London abgereist ist, von dem Kommiffar Leschnik für den heimlichen Polizei- dienst gewonnen wurde, das ist ein Kapitel von besonderem Interesse. Sauerbrei war im Konsumverein.Eintracht" beschäftigt und zwar, da er ein intelligenter junger Mensch ist, an verbältnismäßig wichtiger Stelle. Das Organ der gelben Arbeiterzersplitterungs- vereine in Rheinland-Westsalen, der„Werk verein", brachte im vorigen Jahre allerlei giftige Ausfälle gegen den Konsumverein die aber in ihrem Grunde eine ganz bestimmte Kenntnis der Ver- Hältnisse verrieten. Das führte auf die Spur des Herrn Sauerbrei. und wirklich— als dieser kündigungslos aus der Beschäftigung bei der„Eintracht" entlassen wurde, da konnte der„Werkvercin" nur noch etlichen aus den Fingern gesogenen Tratsch veröffeut- licheir, bis er ganz schwieg. Der kgl. Kriminalkommissar Leschnik fand es nicht unter seiner Würde, mit dem kaum 18jährigen Sauerbrei einen engen Freundschaftsbund zu schließen, der durch Duzbruder- schaft gekrönt wurde. Unseren Essener Genossen lagen einige anscheinend nichtssagende Briefchen vor, die aber dennoch nicht un- interessant sind. Der erste ist vom 4. Juli 1S11 datiert und lautet: Lieber Freund! Deine Nachricht vom 23. 6. habe ich erhalten. Verlegte meinen Urlaub auf den 10. 7. Falls Du Zeit hast, kannst Du mich heut Dienstag 9 Uhr abend treffen. Gruß Müller. Zwei andere Briefchen sagen nur dies: E. 2. 8. Lieber Freund I Ich erwarte Dich heut um 9.30 abends. Gruß Müller. E. 10. 8. 11. Lieber Freund! Ich erwarte Dich heut nach dem Unterricht. Gruß Müller. „Müller" ist natürlich Leschnik, und seine Einladungen lauten auf— solenne Kneipereien, wobei cS offenkundig nicht darauf abgesehen war, den jungen Sauerbrci zu möglichster Mäßig- keit anzuhalten. Herr Sauerbrei erklärte unseren Essener Partei- genossen selbst, daß bei diesen Gelegenheiten ziemlich viel Bier getrunken und— von, Herrn Leschnik viel gefragt wurde. Die Zusammenkünfte waren diesem so wertvoll und an- regend, daß er stets anstandslos die Zeche bezahlte. Aber auch bar Geld händigte er dem jungen Manne ein. Die Polizei hat natürlich auch noch andere Dinge an die Leute zu vergeben, die ihr gefällig sind, oder von denen sie Gefälligkeiten wie die Bespitzelung der Arbeiterbewegung erhofft. Herr Sauerbrei hatte die Absicht, sich zur Adlcistiiiig des Einjährig-Freiwilligen- ExamenS zu melden. Um zugelassen zu werde», bedurfte er eines polizeilichen Führungszeugnisses, daS ihm auch anstandslos auS- gefertigt wurde. Es hat folgenden Wortlaut: Der Polizeipräsident. J.-Nr. VÜb 3888. Essen, den 5. August 1911. F ü h r u n g S- Z e u g n i s. Dem Herrn Max Sauerbrei, am 16. Juni 1893 zu Schmiede- feld geboren, wird zwecks Vorlage bei der Prüfungskommission für Einjährig- Freiwillige in Düsseldorf hierdurch' amtlich be- scheinigt, daß über seine Führung lvährend des hiesigen Auf- entHalts..... bis jetzt nichts Nachteiliges bekannt geworden ist. (I-. 8.) Im Auftrage: H a n s ch. Dazu ist zu bemerken, daß der Polizeibehörde selbstverständlich die Teilnahme des Empfängers dieses Zeugnisses an der freie» Jugendbewegung bekannt war. Hat doch Herr Leschnik selbst in einer öffentlichen Protestversammlung des Konsumvereins„Eintracht" im Städtischen Saalbau zu ihm gesagt: er verstehe nicht, wie Sauerbrei alsHandlungSgehilfe Sozialdemo krat und Anhänger der freien Jugendbewegung fein könne! Dies bildete übrigens den Ausgangspunkt der Freund- schaft zwischen Leschnik und Sauerbrei! Das Gravierendste ist aber, daß Sauerbrei tatsächlich vor Ausstellung des Führungszeugnisses wegen Beleidigung des Herrn Leschnik durch einen Zei- tungsartikel von der Strafkamrner zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, was im Anschluß an die Teilnahme des S. an einem vom Genossen Rühle abgehal- tenen BildungSkursuS geschah! Der Ausstellungstermin des Führungszeugnisses fällt in die Zeit des Duzverkehrs zwischen Leschnik und Sanerbrei! Man sieht aus alle dem, daß die so korrekte königlich preußische Polizeibehörde einen Menschen für würdig hält, als Einjährig-Frei- williger zu dienen, der das erbärmliche und ehrlose Ge- werbe eines Lockspitzels ausübt. Ein solcher Menscher« scheint der Polizei auch als„unbescholten", selbst wenn er auf Grund des Strafgesetzbuches verurteilt worden ist. Man vergleiche dagegen das Verhalten der Behörden im Fall D ü w e l l! lieber diesen schreibt jetzt die„Hilfe": „Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich, heißt es in der preußischen Verfassung. Einen Fall von anscheinend unerhörter Verletzung dieses Grundrechtes haben die Sozialdemo- kraten in der letzten Sitzung des Reichstags zur Sprache gebracht. Der Sohn des VorwärtsredakteurS Düwell hat als Kaufmannslehrling einen Jugendverein mit angeblich— aber nicht ausgesprochen oder zu- gestanden— sozialdemokratischer Tendenz begründet. Er hat den Perein nicht angemeldet, weil ein unpolitischer Verein dem AnmeldungS- zwang nicht unterliegt. Man hat aber den unpolitischen Charakter nicht anerkannt. Und so ist denn der sonst un- bestrafte und unbescholtene junge Mann wegen Ueber- tretung des Vereinsgesetzes zu 6 M. Geldstrafe verurteilt worden. Diese geringfügige Bestrafung hat nun die ungeheuerlichsten Folgen nach sich gezogen. Düwell studiert zurzeit an der Berliner Handels- Hochschule. Nebenher hat er sich, da er nur das Einjährigenzeugnis besitzt, privatim für die Reifeprüfung fortgebildet. Seine Bewerbung um Zulassung zur Prüfung ist ihm aber abschlägig beschieden worden, weil er— durch jene Nichtanmeldung— die Staatsgesetze absichtlich übertreten, dabei die Wahrhaftigkeit habe vermissen lassen und dadurch einen Mangel an moralischer Reife bekundet habe.— Wie das zur Vermeidung einer Unter- brechung des Studiums allgemein üblich ist, hat Düwell die Aushändigung seines Berechtigungsscheines für den einjährigen Militärdienst und, unter Befürwortung durch den Rektor, die Zurückstellung bis nach Beendigung seines Studiums beantragt. Beide Anträge sind von allen Instanzen abgelehnt worden, weil er wegen seiner Bestrafung nicht mehr die vorgeschriebene Unbescholtenheit besitze. Im Reichstage hat der Kriegs- minister für die Entziehung der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst die Verantwortung auf die Zivilbehörde abgewälzt, die dem Düwell kein UnbescholtenheitSzeugnis gegeben habe. Jetzt ver- öffentlicht aber der„Vorwärts" den Wortlaut des polizeilichen Füh- rungszeugnisses, in dem steht, daß außer jener„Bestrafung nichts Nachteiliges über die Führung des Düwell bekannt geworden" sei.— Also wegen einer geringfügigen Uebertretung des Reichsvereinsgesetzes wird dem jungen Mann daS Recht ge- nommen, einjährig zu dienen, soll ihm sein Studium an der Handelshochschule zerrissen werden, wird ihm die Zulassung zur Reifeprüfung und damit die Zulassung zum Studium an einer Universität oder Technischen Hochschule verweigert. DaS ist denn doch so ungeheuerlich, daß man sich versucht fühlt, nach einem Grunde zu forschen, der hinter dem Vorwand steckt. Sollte wirklich die sozialdemokratische Gesinnung oder gar die Tatsache, daß der Vater Redakteur am sozialdemokratischen Hauptorgan ist, Anlaß zu so vielHärte, Ungerechtigkeitund— Dummheit der Behörden gegeben haben? Konrad Haußmaun hatte ganz recht, als er bei Erörterung dieses Falles im Reichstage sagte, daß gerade, wenn man die Sozialdemokratie bekämpfen will, nichts wichtiger ist, als daß die strengste Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit gegen alle geübt wird, auch gegen die Sozialdemokratie." Die erelgnllle In Belgien. Das Manifest des Parteivorstandes hat folgenden Wort- laut: „An die sozialistischen Arbeiter! Nicht ohne Ergriffenheit hat der Generalrat der Arbeiterpartei von den ver- schicdenen Protestkundgebungen Kenntnis genommen, die in den verschiedenen Landesteilen spontan veranstaltet worden sind. Tat- sächlich konnte die Arbeiterklasse das Urteil des Mehrstimmen- wahllörpers nicht ohne Empörung hinnehmen. Aber man darf sich nicht träger Mutlosigkeit oder der Wut mit VerzweislungS- ausbrüchen hingeben. Der zweite Juni, der für die Demokratie eine grausame Enttäuschung bedeutet, bleibt nichtsdestoweniger bei sorgsamer Prüfung sehr zufriedenstellend vom sozialistischen Stand- punkt. Was das allgemeine Stimmrecht angeht, so erscheint es mehr denn je als das notwendige Abbilfsmittel gegen die Fälscbungen und Ungerechtigkeiten, welche die Kombination des Mehrstimmensystems mit einer vorgetäuschten und unanständigen Verhältnisvertretung mit sich bringt. Sofort bei Eröffnung der Kainmer wird die sozialistische Kainmerfraktion neue Anträge aus Verfassungsrevision einbringen. Für den 30. Juni wird ein außerordentlicher Partei- tag einberufen, um über die wirksamsten Mittel zu beraten, damit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht zum Siege verholfen werde. » Wir ersuchen Euch, zur Tagesordnung des Kongresses Stellung zu nehmen, damit in seinen Beschlüssen der einheitliche Wille der gesamten Arbeiterklasse zum Ausdruck kommt, und deren Durchführung mit allen Kräften und in strenger Disziplin erfolgeir kmni. Bis dahin laßt Eure.Begeisterung nicht abkühlen, bereitet Euch darauf vor, Eure Vertreter im Parlament in ihrem Kampfe um die politische Gleichberechtigung mit allen Kräften zu unterstützen. Gleichzeitig aber mahnen wir Euch im eigensten Interesse unserer guten Sache: Verliert nicht Eure Kaltblütigkeit, erinnert Euch an P o u r b a i x; laßt Provokationen, sie mögen kommen, woher immer sie wollen, unbeachtet; hütet Euch, die Sache der Reaktion zu fördern, die nur zu gern unsere Bewegung im Blute ersticken möchte. Der Wille der Majorität des Landes ist durch die Privilegierten des Pluralwahlrechts gefälscht worden. Wir schwören, nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis wir das gleiche Wahlrecht errungen haben. Der Generalrat der Arbeiterpartei." «• • Der Bürgermeister vonBrüffel erließ ausdrück- lich ein Verbot aller Ansammlungen und Manifestationen auf der Straße, weil angeblich in zwei Vorstädten Attentate auf Kirchen verübt sein sollen. In Brüsseler Parteikreisen ver- mutet nian. daß die Wallonen nicht ruhig bleiben werden, da in diesem Teil des Landes die Antiklerikalen Dreiviertel der Bevölkerung ausmachen. Polizribrutalitäten in Brüssel. Brüssel, 6. Juni. Jni Laufe der Nacht kam es trotz der umfassendsten polizeilichen Maßregeln und des Verbotes der Ansammlung auf offener Straße zu Zwischenfällen. Die Polizei ging mit blanker Waffe gegen die Menge vor, be- sonders aufgeregt war die Stimmung in der Umgebung der Börse. Verschiedene Personen wurden hierbei verletzt. Unter den Verletzten befindet sich auch eine Dame, die eben einem Straßenbahnwagen entstieg, ein älterer Herr, der einen Säbelhieb auf den Kopf erhielt, sowie ein zweiter Herr, der ebenfalls durch einen Säbelhieb verletzt wurde, ohne daß er sich irgendwie au den Demonstrationen beteiligt hatte. Spät abends war das Gerücht verbreitet, daß das 9. In- fanterie-Regiment gemeutert habe, was sich aber als unrichtig herausgestellt hat. Die Kundgebungen vor der Börse dauerten bis nach Mitternacht. Unter den Verlvundeten zählt man zahlreiche Frauen und auch Kinder. Die Kaffeehäuser in der Börsengegend wurden geschlossen. Generalstreik im Centre und Borinage. Brüssel, 6. Juni.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die vom Parteivorstande in das Streikgebiet entsendeten Delegierten vermochten die empörte Volksmeinung nicht zur Arbeitsaufnahme umzustimmen. Tie Redner wurden mit steten Rufen„Hoch der Generalstreik!" unterbrochen. Zur Stunde feiert das ganze Bassin des Centre. Truppen sind massenhaft aufgeboten, überall sind die st r e n g st e n Polizeimaßnahmen getroffen. Ueberall finden riesige Manifestationen und Streikakklamationen statt. 1 AM Iffi B orr n ä g 6 6reiH sich 5er Skreik weiter au?- Die Kohlen-, Glas-Werkstättenarbeiter feiern in dieser Region, obwohl in einer Massenversammlung der Deputierte von Möns zur Ruhe und Arbeitsaufnahme gemahnt hatte. In M o n s herrscht infolge des Eintreffens von Gendarmerie- Verstärkungen große Erregung: es kam bereits zu Zusammen- stoßen. In Charleroi besteht trotz erbitterter Stim- mung der Arbeiter die Tendenz zur Aufnahme der Arbeit. Der„Soir" meldet für L ü t t i ch 5000 Streikende, für S e r a i n g 1299 streikende Bergarbeiter und 4999 Metall- arbeiter, in den Gruben von Havre 1599, im ganzen 35 9 90 Streikende. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen: auch der Berichterstatter unseres Brüsseler Parteiblattes„Peuple" wurde verhaftet. Die Situa- t i o n i st s e h r e r n st. Die Situation in der Provinz wird in den Meldungen bürgerlicher Rachrichtenburcaus folgendermaßen geschildert: In V e r v i e r s ist die Arbeit in den meisten Fabriken wieder aufgenommen worden. In der Borinage nimmt die Streikbewegung dagegen weiter zu, der Aus- stand ist hier ziemlich allgemein. Die Meldung über den Beschluß des Generalrates, der sich gegen einen Generalstreik aussprach und die Arbeiter auffordert, die Arbeit wieder aufzunehmen, fand eine ziemlich schlechte Aufnahme. Ernste Zwischenfälle haben bisher im Streikgebiet nicht statt- gefunden. Im Z e n t r a l b e ck e n hat der Ausstand ebenfalls zugenommen, besondere Zwischenfälle sind aber auch hier nicht zu verzeichnen. Unter der Bürgerwehr in Charleroi kam es wiederholt zu Kundgebungen. Zu den blutigen Vorgängen in Lüttich meldet uns noch unser Korrespondent folgendes: Entgegen dm: Darstellungen der klerikalen Presse, die, um die Schießerei auf daS sozialistische Volkshaus„La Populaire' in Lüttich zu rechtfertigen, behauptet, daß von dort die ersten Schüsse gefallen find, muß fest- gestellt werden, daß aus dem Bolkshaus selbst nicht geschossen wurde und keine Provokation erfolgt ist. Die Strategik der Gendarmerie ging in nicht zu verkennender Absicht dahin, die demonstrierenden Arbeiter durch Absperrung der Straßen gegen da? Volkshaus hinzudrängen, von dem sie wußte, daß eS mit Menschen gefüllt war. Als dann aus einer anstoßenden Straße der erste verhängnisvolle Schuß fiel, fand die Gendarmerie nichts Besseres zu tun, als ihre durch nichts zu rechtfertigende Schießattacke auf das VolkShauS zu eröffnen, also bewußterweise ihre geladenen Browning? mrd Mauser- gewehre auf eine in geschlossenem Räume befindliche dicht gedrängte Menschenmaffe zu richten. Das mag die klerikale Presse, die nun die Gendarmerie als Märtyrer hinstellt, als Not- oder Gegenwehr charakterisieren, die Arbeiter, übrigens auch die Bürger, die Zeugen der blutigen Borfälle waren, nennen das Mord und diese Auffassung der Sachlage wird der Regierung auch beim Kammerzusammentritt als Begrüßung mit allem Nachdruck entgegengehalten werden. Die Scheiben des Lüttischer Volkshauses find wie ein Sieb von den Kugeln durchlöchert und man kann so daraus„die Schüsse zählen, die die Comiets ä poü", wie die Gendarmen im Volksmund heißen, abgefeuert haben. Aber während nun der klerikale Geist der Ordnung wegen jeder zerbrochenen Kirchenscheibe Zeter und Mordio schreit, sind die kugelgesiebten Scheiben des sozialistischen Genossen- schastshauseS für die klerikale Preßmeute nur ein Beweis des Martyriums und der Heldenhaftigkeit der„Schützer der Ordnung". Der Bürgermeister Lüttichs, obgleich immerhin ein wenn auch gemäßigter Liberaler, der eigentlich Verantwortliche der Borfälle. der ohne Not die Gendarmerie losließ, erntet natürlich daS Lob der Klerikalen, die offen in ihrer Presse bedauern, daß der Brüsseler Bürgermeister nicht zu denselben„eiter- zischen" Maßnahmen, das heißt zu einem kleinen Aderlaß chreitet, weil ein paar aufgeregte junge Leute einigen Pfarrern die Fenster einschlugen oder studeutisch-kindische„Angriffe" auf ein Klostergymnafium und ähnliche Dinge inszenierten. Be- önderS das Organ des Regierungschefs, der übrigens hinter aller eleganten Gelassenheit den skrupellosesten und kecksten Parteimann birgt, plädiert eifrig dafür, die Volksbewegung mit ihren gewiß be- klagenswerten, im Augenblick freilich nur zu begreiflichen AuS- lchreitungen, durch eine etwas„energischere Haltung", wie man diplomatisch diese Aderlasse wie in Lüttich nennt,„im Keime zu er- sticken". AlS ironische Begleitung zu diesem Text läßt die Regierung verkünden, daß sie von,„Geist der Toleranz" beseelt sei. Man siehtS! Am liebsten möchten sie zu jedem Kloster ein Regiment und zu jeder Pfaffenschule eine Eskadron Gendarmerie hinpflanzen. Bei dieser Gelegenheit soll erwähnt sein, daß die klerikale Meute, die es nicht verwinden kann, daß auf städtischem Boden, just vis-a-vis einem Kirchengebäude— ganz wie aus dem Montmartre in Paris vor der Sacrs-Coeur-Kirche— das Monument eines Opfers des klerikalen VerfolgungSgeisteS steht, das schöne Ferrermonument in der gemeinsten Weise besudelt haben. Eine anmutige Siegung des idealistisch-sentimentalen VolkSgeisteS hat in diesen Tagen, da sich die klerikale Reaktion neu erhob, den Sockel des Monuments mit schlichten Frühlingsblumen geschmückt. Diese Aufmerksamkeit hat die christliche Jugend veranlaßt, das Denkmal mit einer Pech- oder ölartigen Flüssigkeit zu beschmieren, die zu entfernen eine gründliche Steinmetzarbeit erfordern wird. Den ganzen Tag nmstehen nun Leute das Monument, die diese christliche Tat in zorniger Entrüstung betrachten. Gestern waren die Genossen Vandervelde, De Broucköre, Parteisekretär Bandersmissen und der Deputierte H u b i n als Delegierte des Generalrates der Partei in Lüttich, wo sie in Mee- ting» die Menge zur Ruhe und Kaltblütigkeit beschworen und sie anriefen, nicht durch Unbesonnenheiten die Regierung zu weiteren Gewalttaten zu reizen. Die Lüttichcr Föderation hat folgendes Dokument als Manifest an die Bevölkerung erlassen: Sonntag, den 2. Juni, war die Gendarmerie, nachdem fie in den Angriffen in nicht zn rechffertigender Weise die Menge„chargiert" hatte, allein auf der Place Berte(der Platz, auf dem das Volks- haus steht). Die Glastüren der„Populaire" waren geschloffen. Zwei Abteilungen Gendarmerie haben sich vor unserem Lokal auf- gestellt, von dem auS keinerlei Provokatio» erfolgt ist, und haben friedliche Menschen, die ohne Waffe in unserem Lokal versammelt waren, füsiliert. Drei der Unseren find den Kugeln erlegen. Zwanzig andere sind verwundet. Die Arbeiterklasse zählt neue Opfer. Möge die Verantwortung über das vergossene Blut auf.jene zurückfallen, die die Füsileure gerufen haben I Genossen, Festigkeit und kaltes Blut! Geht nicht in die Schlingen, die Euch die Regierung reicht, die sich als Retter der Gesellschaft aufspielen möchte. AuS der gewissen- haften Organisation der Arbeiterklasse wird die neue Ordnung erstehen. Festigkeit 1 Kaltes Blut! Im selben Sinne spricht der heutige Leitarsitel de?„Penple" Worte der Beruhigung an die gesamte arbeitende Bevölkerung. Der Krieg. Die Ausweisung der Italiener. AonpantinoPel, 6. Juni. Gestern abend sind 70t) Italiener mit dem Dampfer„Thasos* abgereist. Morgen geht ein weiterer Dampfer ab. Bis gestern abend sind 2000 Pässe für S000 Personen verabfolgt worden. Eiue Kundgebung aus Tripolis. Konstantinopel, 6. Juni. Der Deputierte von Dschebel Giharbi Sulaiman Elbaruni richtete an die türkische Kammer und die türkische Presse ein Telegramm. daS aus D e h i b a t datiert ist. In diesem beschwören die T ri p o li t a n e r die Türken, sie nicht aufzugeben, da dies der Beginn zur Teilung der Türkei wäre und das Vertrauen der Jslamswclt erschüttern werde. Selbst wenn die Türken Tripolis aufgäben, würden fie, die Tripolitaner. weiter kämpfen und den Feind vernichten oder zugrunde gehen. Politilcke(leberlicbt. Berlin, den 6. Juni 1912. Der Zwist in der nationalliberalen Partei. In der nationalliberalen Partei dauern die Auseinander- setznngen zwischen Jung- und Altlibcralen fort und nehmen an Heftigkeit zu. Jüngst hatte der nationalliberale General- sekretär für Pommern, Herr Mittelmann den Altliberalen mit Recht erklärt, sie seien im Grunde genommen Konservative und wollten die völlige Unterwerfung der nationalliberalen Partei unter konservatives Kommando. Darauf antwortet nun der Generalsekretär der Provinz Sachsen, Herr Calebow in der„Rhcin.-Westf. Ztg." folgendes: »Ob der Artikelschreiber die Gründung des Altnationalliberalen Verbandes als berechtigt anerkennt oder nicht, ist schließlich irre- levant. Was aber die Altnationalliberalen sich nicht gefallen zu lassen brauchen, daS ist die unerhörte Behauptung jenes Herrn, daß die westfälischen und holsteinischen Nationalliberalen die klare Forderung aufstellten, unsere Partei bedingungslos der konservativen Partei zu unterwerfen. Wenn uns Altnationallibe- ralen etwas Derartiges nachgesagt wird, so sind wir ja im allgemeinen gewohnt, derartige lächerlicheBehauptunge» so einzuschätzen, wie sie eS verdienen, und mit einem Achsel« zucken darüber zu quittieren. Wenn aber von einem Beamten unserer Partei, deren Stellung ihm von vornherein eine große Verantwortung auferlegt, eine so schwere und haltlose Beschuldigung ausgesprochen wird, so bedeutet da« einen unverantwortlichen Angriff auf die vielen Hunderte alt angesehener, erfahrener und erprobter Parteiführer und Mit- glieder. Wenn der Artikelschreibcr schließlich darauf hindeutet, daß bei so verschiedenen Anschauuugen die Trennung derPartei unvermeidlich wäre, so brauchen wir wohl nicht erst darauf hinzuweisen, daß gerade das ganze Verhalten der rechtsstehenden Herren wohl den vollgültigen VelveiS dafür erbracht hat, wie ernst eS ihnen mit dem Wunsche der Erhaltung der Einigkeit der Partei gewesen ist. Wenn aber freilich von der linken Seite von neuem mit solchen Unterstellungen gearbeitet wird, wenn von vornherein alle diejenigen, die nicht auf dem linken Flügel der Partei stehen, als Nationalliberale zweiter Klasse, als inner- lich schon längst konservative Menschen angesehen und hingestellt werden, dann liegt allerdings die Gefahr vor, daß sich auch dre so unverantwortlich Angegriffenen auf das energischste ihrer Haut lvehre». DaS sind, wie man sieht, recht kräftige Worte. Und die Altliberalen oder Neukonscrvativen wissen ganz gut, dasi ihre Sprache auf die pflaumweichen Junglibcralen noch stets die gewünschte Wirkung hervorgebracht hat. Zuletzt haben sich die Jungliberalcn noch stets gefügt und der Rückmarsch der Nationalliberalen ins blanschivarze iLagcr ist in Wirklichkeit ja schon eingeleitet, wie das Steuerkomproiniß Basser- mann-Erzberger beweist._ Ter Zentrumsstrcit. Die„Köln. Volksztg." veröffentlicht die Zuschrift eines Geistlichen gegen die„Berliner Richtung", die nach Rom ge- schlichen sei, um über die Köpfe der meisten deutschen Bischöfe hinlveg ein obsiegendes Urteil zu erlangen. Damit gibt jetzt auch die„Köln. Volksztg." also zu. daß die päpst- liche Kundgebung einen Sieg der„Berliner" über die„Kölner" bedeutet. Dann fährt die Zuschrift fort: »DaS Vorgehen des Berliner Verbandes ist unter Berück- silhtigung aller dieser Umstände ein wahrer Skandal, der allen Anforderungen treuer Kirchlichkeit Hohn spricht und wegen seiner Taktlosigkeit gegen die Bischöfe öffentlich ge- brandmarkt zu werden verdient. Wir haben in München einen Nunziuö, aber daneben eine Anzahl Winkel nunziaturen, die tortgesetzt in Betrieb sind. Der Berliner Verband bildet in Deutschland fast«ine.Kirche" für sich, die autonom auch über die Bisckwse sich stellt. Kanu das so weiter gehen?" So! Und von dieser Brutstätte der Verleumdungen und Intrigen sagt der P a p st. daß er ihre Ziele billige, daß er ihre Bestrebungen auf das lebhafteste loben müsse. Die „Gcnnania" hat doch dann wirklich recht, wenn sie meint, daß die gebührende Ghrfurcht für den Papst dabei bedenklich zur kurz konimt._ Erkrankung des Präsidenten desSlbgeordnetenhauses. Wie un« ein Pcivattelegramm au« Poeßneck meldet, ist Präsident v. Erffa am Sonnabend von einem schweren Schlaganfall be- troffen Ivordcn und liegt auf Schloß Wernburg bewußtlos danieder. Herr v. Erffa ist 03 Jahre alt und sein Zustand daher sehr be- denklich. Am 1«. Januar wurde er als Nachfolger Herrn v. Kröchers mit 347 Stimmen zum Präsidenten deS preußischen Abgeordnetenhauses gewählt._ Opfer der prensiischcn Ausweis, ingspolitik. In F r e i b u r g in Schlesien erschoß sich am Donnerstag voriger Woche der 60 Jahre alte Tischlergesclle Franz Pohl, der Oesterreicher war und den Ausweisungsbefehl erhalten hatte, trotzdem er über 35 Jahre in Freiburg gelebt und sich recht- schaffen durchs Leben geschlagen hatte. Am 25. April erhielt er die Ausweisung. Gesuche und Bitten um Angabe der Gründe zu dieser rigorosen Maßregel bezw. um Aufhebung deS Ausweisungsbefehls bliebe» resultatlos. Vor wenigen Tagen erhielt Pohl den endgültigen Bescheid, daß er den Polizeistaat Preußen bis zum 1. Juni ganz bestimmt zu verlassen habe. Die Kollegen hatte Pohl von dem Gang der Dinge in Kenntnis gesetzt, zugleich aber hinzugefügt, daß er Preußen nicht verlassen, sondern seinem Leben freiwillig ein Ende macken würde. Er ordnete vorher seine Verhältnisse, bestellte und bezahlte seinen Sarg und schrieb die Bestimmungen über sein Begräbnis nieder. Alsdann nahm er von seinen Freunden Abschied und jagte sich dann eine Kugel durch die Schläfe, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Auf einem hinterlasienen Zettel standen die Worte, daß ihm die letzte halbe Stunde seines Lebens außerordentlich schwer geworden sei. Und der Grund zu der rigorosen Maßregel? Pohl war Mit- glied derPartei und s e i n e r G e w e r k s ch a f t, zog sich aber mit Rücksicht auf die Tatsache, daß er Ausländer war, vom Partei- und Gewerkschaftsleben ganz zurück. Trotzdem aber hat er sich als„ A u s l ä n d e r l ä st i g gemacht", wie eS in der polizeilichen Verfügung heißt. Die Genossen von Freiburg und Umgegend folgten in überaus großer Zahl der Leiche des Opfers preußischer Polizeiwillkür und demonstrierten damit gegen den preußisch-deutschen Polizeigeist in wirksamer Weise. Ein anderes Opfer der AuSweifungspolitik ist der Arbeiter Karl Hansen in Apenrade. Er wurde im Herbst vorigen Jahres ausgewiesen, weil er trotz seiner Heimatlosigkeit geheiratet und seinen Wohnsitz in Apenrade genommen hatte. Die Behörden waren jedoch so gnädig, ihm eine Frist bis zum 1. April d. I. zu gewähren. Anfang April wurde Hansen wieder zum Verlassen deS Landes aufgefordert. Da der vollständig Mittellose nicht wußte, wohin er sich mit seiner Familie wenden sollte, folgte er der AuSweisungsorder nicht. Am Dienstag wurde der Heimatlose nach dem LandralSamt gerufen, wo ihm mitgeteilt wurde, daß er nun- mehr das preußische Staatsgebiet binnen fünf Tagen zu ver- lassen habe. Leiste er dieser Ausweisung keine Folge, wisse er wohl, was ihm bevorstände. Da Hansen noch immer nicht weiß, wohin er sich wenden toll, wird er bleiben, wo er ist. Die von dem Landrat angedrohten Maßnahmen werden dann zweifellos zur An- Wendung kommen, und die nächste Zeit wird die preußische Behörde sich in ihrer nacktesten Brutalität zeigen. Man wird einen völlig unbescholtenen Mann inS Gefängnis werfen, nur weil er ein eigenes Heim gegründet hatte und bestrebt ist, sich mit seiner Familie redlich und schlicht durchs Leben zu schlagen. Die„menschenfürchtigen" Klerikalen. Die in Koblenz erscheinende Halbmonatsschrift.Stände- ordnung", deren geistiger Leiter der Pater Tillmanns ist, vertritt einen Standpunkt, wie er ursprünglich den Ultramon- tanen eigen war, wie er unzweifelhaft am konsequentesten dem Katholizismus entspricht und wie er beispielsweise noch in den älteren Schriften H i tz e S zum Ausdruck kommt. DaS Blatt will an Stelle deS heutigen„StaatSsozialiSmuS" und der sozialen Gesetzgebung die Selbsthilfe und die Charitas. Es erinnert in seiner neuesten Nummer daran, daß W in d th o r st.jeden einen v o lle n d eten Sozialdemokraten genannt" habe, der für d a S erste Versicherungsgesetz stimmen werde. DaS Blatt hört .deutlich daS Drohnen der Schritte von 4'/« Millionen sozialdcmo- kratischen Proletariern, die im Anmarsch sind zum Kampf gegen das heutige System, welches die arme Volksklasse so unglücklich gemacht hat". ES sei längst kein Geheimnis mehr und die bisherigen Führer der Gesellschaft sprechen eS unter sich offen aus: EinKrieg, der die Aufmerksamkeit ablenkt und die Kräfte anderweitig in Anspruch nimmt, ist die einzige Rettung". Da sei eS bester, statt der unausbleiblichen schrecklichen Erschütterungen, die die.heutige Erwerbsweise und Ge- setzgebuugswut" bringen müsse, zu einer.wahrhast christkatholischen Sozialreform" zu schreiten. Zu diesen Bemerkungen ist das Blatt veranlaßt worden durch eine Zuschrift deS Pfarrers Dr. Nieborowsky(Reichthal), des Herausgebers der OpperSdorffschen Wochenschrift»DaS katholische Deutschland". Nieborowsky erklärt, er.fürchte", daß er sich.auch einmal von der R i ch t i g k e i t u n d Konsequenz deS Stand- punkte« der.Ständeordnung" überzeuge, was bis jetzt noch nicht ganz(!) der Fall ist." Die.Ständeordnung" nennt den.Mut" NieborowSkyS, dies öffentlich zu erklären,.in uuserer menschenfürchtigen Zeit doppelt wertvoll", und sie schreibt weiter: .Nicht nur mit den vorsichtigen Vorbehalten, die der hochw. Pfarrer Dr. N. gemacht hat, sondern ohne diese Vorbehalte hat eine ganze Reihe hervorragender und bekannter Theologen, Soziologen und Politiker daö Programm der.Ständcordnung" als das allein richtige und als daS Ideal anerkannt, dem wir als Katholiken nachzustreben haben."... Was die .St.-O." in sozialer Hinsicht erstrebt, ist... nichts anderes, als was alle alten katholischen Philosophen und Soziologen gefordert haben: eine ständische Organisation, durchdrungem vom christlichen Geiste.... Es ist darum tief bedauerlich, daß gerade die hervorragenden und bekannten Soziologen. auf deren Urteil man solchen Wert legt, nur fast im Geheimen ihre Ansicht sagen und oft a u S Menschenfurcht und Feigheit vor dem moderuen Protzentum nicht wagen, offen auf» zutreten."_ Unehrlichkeit des Zentrums. AIS im Jahre 1904 in Baden das Wahlrecht geändert und die Zahl der Mitglieder der Zweiten Kammer von 63 auf 73 erhöht wurde, nahm die Kammer einstimmig eine Resolution an, wonach vom Jahre 1912 ab die Zahl der Abgeordneten 74 betragen sollte. Vom genannten Zeitpunkt ab sollte die Stadt Mannheim, wie das die Regierungsvorlage schon vorgesehen batte. anstatt fünf, ihrer Bevölkerungszahl entsprechend sechs Abgeordnete erhalten. Die Regierung hatte nun auch, dem damals gefaßten Beschlüsse gemäß, eine entsprechende Borlage eingebracht. In der Justizkommission, welcher die Vorlage zur Vorberatnng überwiesen worden war. wurde diese am Mittwoch abgelehnt, weil die zu einer Verfastungsänderung ersorder- liche Zweidrittelmehrheit nicht vorhanden war. indem Zentrum und Konservative dagegen stimmten. ES unterliegt keinem Zweifel, daß die Vorlage auch im Plenum fällt. Damit hat daS Zentrum sein 1904 feierlichst gegebene« Wort gebrochen. Männer wie Zehnter. Fahrenbach, Schöler, Dosfner, von denen die beiden Erstgenannten auch im ReichStagSzentrum eine führende Stellung innehaben, scheuen vor den Bruch eines öffentlich abgegebenen Ver- sprechen« nickt zurück, wenn eS sich darum handelt, die Arbeiter- schast zu schädigen. Die weitaus größte Industriestadt deS badischen Landes hatte gegenüber seiner Bevölkerungsziffer zu wenig Abgeordnete. DaS Verhältnis wurde aber nicht nur durch die rapide Zunahme der Bevölkerung von Jahr zu Jahr ungünstiger, sondern eS sind jetzt auch noch drei wichtige Vororte mit zusannncn rund 18 000 Einwohnern eingemeindet worden, die nach dem Wahl- gesetz den Mannheimer Kreisen zuzuzählen sind. Anstatt fünf müßte Mannheim seiner Einwohnerzahl von rechtswegen sieben Abgeordnete haben. Hätte da« Zentrum nur einen Funken politischer Ehre, so wäre dieser perfide Wortbruch nicht möglich gewesen. Der geborene Gesetzgeber. Im reußischen Landtage hat nach der Verfassung deS Fürsten- tum? der jeweilige Inhaber deS Lehens Reuß-Köstritz Sitz und Stimme. Da das Lehen erblich ist, geht beim Tode des Lehen- inhaberS der Landtagssitz stets auf den ältesten Sohn über. DaS LandtagSwahlgesetz schreibt nun aber für die Abgeordneten ein Mindestalter von 25 Jahren vor. Dieses Lebensalter hat der gegen- wärtige LehcnSinhaber noch nicht erreicht und deshalb wollte, wie erinnerlich, die rcußiscke Regierung im Landtage durchsetzen, daß für ihn ein Vertreter im Landtage Sitz und Stimme bekomme. Dieses Bestreben wurde durck die Obstruktion der Sozialdemokraten ver- citelt und die Regierung hat nun erklärt, daß die Vorschrift über das Alter nur für die gewählten Abgeordneten Geltung habe, nicht aber für ein erbliches Mitglied des Parlaments. Hier genüge es. wenn dieses Mitglied mündig sei, und deshalb werde man den gegenwärtigen Fürsten von Reuß-Köstritz in den Landtageinberufen. Ob der Fürst auch daS nötig« Verständnis für die Aufgaben hat, die im Landtage an ihn heruntreteit, bleibt völlig außer Be« tracht, denn er ist geborener Gesetzgeber, und dre bürgerlichen Par- teien empfinden es anscheinend schon als ein uewipes Entgegenkommen, daß die Regierung wenigstens an dem Kriorvernts der Mündigkeit festhält._ Der Streik im Londoner Rafen. London, 5, Juni.(Gig. Ber.) Der von der kapita» listischen Presse verbreitete Schwindel, der Londoner Hafen» arbeiterstreik sei zusammengebrochen, ist durch die Ereignisse des gestrigen Tages glänzend widerlegt worden. Die Klopf- fechter des Kapitalismus scheuten sich nicht, gestern in langen Leitartikeln tiefsinnige Betrachtungen über den„verlorenen Streik" anzustellen. Heute müssen sie, wie sich der englisch« Volksmund ausdrückt, ihre eigenen Worte fressen; sie müssen zugeben, daß die Lage höchst kritisch geworden ist. Die Unter» nehmer haben der Regierung geantwortet, daß die Gründung eines allgemeinen Unternehmerverbandes für die Londoner Transportgewerbe, den die Regierung als die Vorbedingung eines allgemeinen Einigungsamtes anzusehen scheint, unaus- führbar ist. Dieselben Unternehmer, die geschlossen gegen die Arbeiterschaft känlpfen können, wollen die Welt glauben machen, daß sie nicht als eine Organisation mit der Arbeiter- schast verhandeln können. Ferner haben die Unternehmer der Regierung zu verstehen gegeben, daß sie keinen Vorschlag dev Minister, so vernüisitig er auch sein möge, annehmen werden, wenn nicht die Arbeiter im ganzen Hafen zuerst zur Arbeit zurückkehren. Auch wollen sie unter keinen Umständen die Mitgliedskarte des Transportarbeiterverbandes anerkennen! noch über die Frage dieser Anerkennung diskutieren. Ehe noch die Antwort der Unternehmer bekannt war, unter- breitete die Streikleitung der Regierung folgende modifizierte Forderungen:„Dieses Londoner Streikkomitee des Ratio- nalen Transportarbeitervcrbandes nimmt den Bericht Sin Edward Clarkes an wie auch den Vorschlag, ein gemeinschaft- liches Amt zu errichten, in dem die verschiedenen Transport- arbeiterinteressen der Themse und der Medway vertreten sind. Drittens verlangen wir. daß der Transportarbeiterverband als Vertreter der Arbeiterschaft anerkannt wird und daß alle Arbeiter in die Arbeitsstellen zurückkehren, die sie vor dem Ausbruch des Streiks einnahmen." Die nachmittags tagende Konferenz des Allgemeinen Rats des Transportarbeiterver- bandes erklärte sich mit der Londoner Streikleitung solidarisch und faßte den Beschluß, sofort einen nationalen Streik der Transportarbeiter zu proklamieren, wenn es nicht unmittelbar auf Grundlage der obigen Forderungen zu einer Einigung kommen sollte. Was den Kapitalisten im Magen liegt, ist die Haltung der Lichterführer, die, sämtlich organisiert, stramm zu ihren schlechter entlohnten Arbeitsbrüdern halten und ohne deren Hilfe alle Streikbrecher der Welt nichts ausrichten können. Die Londoner Lichterführer haben eine äußerst starke Position inue: man kann sie nicht ersetzen, ohne das Gesetz zu brechen- Sie werden nämlich durch den Freibrief einer der Citygildeu beschützt. Die meisten der Gilden der Londoner City bestehen! heute nur noch als gesellige Einrichtungen; ihre Mitglieder betreiben nur ausnahmsweise den Beruf, dem die Gilde ge- widmet war. Aber mit der Gilde der Fährmänner und Lichterschiffer verhält es sich anders. Ihre Mitglieder be- treiben wirklich das Geschäft, das der Name der Vereinigulyj angibt, und wachen mit großer Eifersucht über die alten der- brieften Rechte. Der Freibrief der Gilde macht es ungesetzlich, einen Arbeiter auf der Themse als Fährmann oder Lichter- schiffer zu beschäftigen, der nicht seine regelrechte Lehrzeit durchgemacht und von der Gilde die Konzession erhalten hat. Run gibt zwar das Gesetz vom Jahre 1998 der Londoner Hafenbehörde das Recht, die Konzessionsbedingungen zu ver» ändern; diese Behörde kann jedoch keinem Arbeiter die Kon- zession verleihen, der nicht wenigstens zwei Jahre auf einem Fahrzeug im Londoner Hafen gearbeitet hat. Wer hätte wohl daran gedacht, daß as mittelalterliche Zunftwesen in einem modernen Streik eine solche Bedeutung erlangen könnte.>' Portugal. Ministerkrise. Lissabon, 6. Juni. Trotzdem die Kammer der Regierung zwei- mal ihr Vertrauen ausgesprochen hatte, hat der Ministerpräsident dem Präsidenten der Republik die Demission des Kabi- netts endgültig überreicht. Der Präsident der Republik hat die Kammerpräsidenten und die Führer der parlamentarischen Gruppen zu einer Beratung zusammenberufen. � Marokko. Eine spanisch-französische Einigung. Paris, 6. Juni. Aus Madrid wird gemeldet: Die spanisch-französischen Verhandlungen über die Gebietsaufteilung in Marokko können nunmehr als ab- geschlossen angesehen werden. Die Teilnahme der Uergastämme an den Angriffen auf Fez hat die spanische Regierung davon überzeugt, daß sich Frankreich bei seinen Forderungen betreffs des Uergatals lediglich von Gründen der Sicherheit hat leiten lassen. Den Spaniern wurde der Ucbergang über die Pässe im Norden des Uergatals be- willigt und damit ihrer Forderung nach einer direkten Ver» bindung zwischen Elksar und Alhucemas Rechnung getragen. Was die Jnter Nationalisierung Tangers an» langt, so ist beschlossen worden, nach Madrid eine Art inter- nationaler Kommission einzuberufen, vor welcher die diplo- matischen Vertreter der Mächte den Standpunkt ihrer Regie- rungen in dieser Frage darlegen würden. Der Sultan aus der Reise«ach Rabat. Paris, 6. Juni. Aus Fez wird gemeldet: Am Morgen sind der Sultan und der Gesandte Regnault abgereist. Generalresident Lyautey gab ihnen einige Kilometer weit das Geleite. Von dem rechten Ufer des Sebu werden neue Unruhen gemeldet. i Bis jetzt haben sich 7S5 ASkariS wieder qniverben lassen, 255 weigerten sich. China. Rationalistische Strömungen. Peking, 6. Juui. Nach hier eingegangenen Konsularberichten nimmt die Opposition in den Provinzen gegen die ausländische Anleihe den Charakter einer fremden» feindlichen Bewegung an. Vor allem in Szetschuan werden mystische Reden gehalten und Tänze ausgeführt, gleich denen, die vor dem Boxeraufstand beobachtet wurden. Die Regierung tf* klärt, von den Vorgängen nichts zu wissen, Gewcrhrchaftlkbes» „Verwendung von Hrbeitergrofcben." Alljährlich zur Zeit der sauren Gurke bemüht sich irgend- ein bürgerlicher Zeitungsschreiber vergeblich, die Abrechnung der Gewerkschaften zu verstehen. Diesmal hat sich anscheinend ein Beauftragter des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie der für ihn nutzlosen Mühe unterzogen, die Abrechnung des Schneiderverbandes zu zergliedern. Er hat darin entdeckt, daß für einen Posten von 323 251 Mk. jeder Nachweis fehlt, und er hat diese exorbiant hohe Sunune in bekannter Reichsverbandsmanier dann einfach als Verwal- tungskosten(Bureaukosten, Gehälter der Verbandsangestell- ten und Spesen) gebucht. Natürlich ist. wie in allen solchen Millen, auch in der Abrechnung des Schneiderverbandes der Nachweis für diesen Posten zu finden. In diesem Betrag sind zunächst 3146,67 Mark für Unterstützung und 3514,17 M. für Rechtsschutz. Ter größte Teil— 171 345,29 M.— ist aber den 300 Orts- gruppen des Verbandes zur Verfügung geblieben. Es sind das die 20 Proz., die den Filialen zur Bestreitung ihrer ort- lichen Ausgaben verbleiben, und die also an die Hauptkasse gar nicht abgeliefert werden. Dazu kommen noch 13 270,38 Mark, die als Bestand in den einzelnen Ortsvereinen vor- handen sind. Ferner sind in dieser Summe enthalten 39 500 Mark für den Druck der Fachzeitung. Für Gehälter und Entschädigungen der im Hauptver- band beschäftigten sieben Angestellten wurden insgesamt nur 18 907 ausgegeben, das inacht im Durchschnitt pro Person 2700 M. Was dann noch für Agitation(einschließlich der Gehälter für fünf Gauleiter), Verwaltungsmaterial, Porto, Delegationen, Beiträge an die Generalkommission usw. aus- gegeben wurde, darüber gibt die Abrechnung hinreichend Auskunft. Die Beweisführung über die kolossale Verschwendung von Arbeitergroschen durch die Gehälter der Gewerkschafts- angestellten ist weder neu noch für denkende Menschen irgendwie überzeugend, denn daß der Schneiderverband mit so wenig Angestellten nicht über 300 000 M. für Gehälter ver- ausgabt, könnte selbst Karlchen Miesenick begreifen. Wenn trotzden: die bürgerliche Presse solche albernen Reichsver- bansnotizen übernimmt, und nachdem eine Berichtigung der Organisation ablehnt, wie das die„Hamburger Nachrichten" getan haben, so beweist sie damit nur. daß bei ihr schüler- hafte Dummheit mit journalistischer Unanständigkeit aus einem Holze wachsen.__ Berlin und Omgcgend. Metallarbeiter! Die Firmen Siemens u. Halske und Siemens u. Schuckert stehen bei. der Arbeiterschaft infolge des in den Betrieben gezüchteten gelben Vereins in sehr schlechtem Ruf. Arbeiter und Arbeiterinnen, die es unter ihrer Würde halten, gelb zu werden, meiden die Siemens-Betriebe. Jnfolgedesien leiden die Siemens-Werle unter großem Arbeitermangel und bemühen sich nun, durch Inserate in bürgerlichen Blättern vornehmlich gelernte Ar- beiter unter grotzen Versprechungen in die Betriebe zu locken. Wer in den Siemens-Werken Arbeit nimmt, muß auf dem gelben Nachweis 50 Pf. an die Obergelben entrichten. In den Lohn- bureaus werden die Neueingestellten unter allen möglichen Mani- pulationen zur Mitgliedschaft beim� gelben Verein, genannt Unter- "stützungsverein, veranlaßt.— Von frei organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen verlangt man bei der Einstellung die Abgabe der Mitgliedsbücher ihrer Gewerkschaft. Nur durch unbeschränkte lleberstunden erreichen die Arbeiter Verdienste, wie sie anderwärts bei normaler Arbeitszeit üblich sind. Diese Zustände bei der Weltfirma Siemens veranlassen uns, alle Metallarbeiter aufzufordern, unter solchen entehrenden Be- dingungen keine Arbeit in den SiemenS-Werken anzunehmen. Arbeiterfceundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Lohnbewegung der Werkzeugarbeiter in den Schraubenfabriken beendigt. Am Mittwoch nahmen die in den Schraubenfabriken beschäftigten Werkzeugmacher, Werkzeugdreher und Reparaturschlosscr den Bericht der Lohnkommission von den Verhandlungen mit den Unternehmern (Vereinigung der Berliner Schraubenfabriken) entgegen. Handle berichtete. Die Verhandlungen gestalteten sich sehr langwierig, da die Unternehmer sich durchaus nicht auf den geforderten Mindest- lohn einlassen wollten und erst nach längerem Widerstande soweit entgegen kamen, daß sie sich mit einem Mindcstlohn von 70 Pf. ein- verstanden erklärten, jedoch erst nach vierwöchiger Beschäftigung. Ebenso ablehnend standen sie einer allgemeinen Lohnzulage gegen- über und es dauerte auch hier geraume Zeit, ehe sie sich zu den unten wiedergegebenen Zugeständnissen herbeiließen. Die wesentlichsten Forderungen hatten gelautet: als Mindestlohn ist 70 Pf. pro Stunde zu zahlen, des weiteren ist eine allgemeine Zulage von b Pf. pro Stunde auf all« bestehenden Löhne zu gewähren. Das Resultat der Verhandlungen sind nun folgende Vorschläge, die von der Versamm- lung der Arbeitnehmer nach längerer Debatte angenommen wurden: Werkzeugmacher erhalten»ach vierwöchiger Beschäftigung 70 Pf. Stundenlohn: denselben Lohn erhalten Maschinenbauer. Werk- zeugmachcr, welche im Betriebe ihre Lehrzeit beendet haben, er- halten nach Beendigung der Lehrzeit im ersten halben Jahr einen Stundenlohn nach freier Vereinbarung; dieselben erhalten im zweiten halben Jahr einen Stundenlohn von 60 Pf. Als Werkzeugmacher werden betrachtet Arbeiter, die minde- stens eine der nachgenannten Arbeiten ausgeführt haben, wie: Her- stellung von Schneid, und Zieheisen, von Bohrern, Gewindebohrern, Fassonstählen, Fräsern, von Schnitten und Stanzen.— Die Herstellung von Werkzeugdreharbeilen oder Dreharbeitcn an der Leit- spindelbank, welche zu Werkzeugen gehören. Werkzeugmacher, deren Stundenlohn jetzt noch nicht 80 Pf. be- trägt und die seit dem 1. März 1012 noch keine Zulage erhalten haben, bekommen eine Zulage von 2% Pf. pro Stunde. Ueber- stunden werden mit 25 Proz. Aufschlag bezahlt. Sonntag Sarbeit, soweit solch« zur Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig ist, mit 50 Proz.— Etwaige bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen dürfen durch diese Vereinbarung nicht verschlechtert werden. Diese Vereinbarungen sollen nunmehr auch den Nichtmitglie- dern der oben genannten Vereinigung unterbreitet werden. Von der G rosten Berliner. Bekanntlich ist die liebe„Große" daS umfangreichste Unter- nehmen aller Straßenbahnbetriebe: aber inbezug auf Lohn und Arbeitsverhältnisse bestehen leider bei dieser Millionengesellschaft recht verbesserungsbedürftige Zustände. Unter diesen leiden nicht nur die Angestellten des Fahrpersonals, sondern in erster Linie die Handwerker und Arbeiter. Die SnfangSlöhne für Handwerker betragen 42>/z Pf. und für ungelernte Arbeiter 35 Pf. pro Stunde. Daß auf Grund dieser besonderen niedrigen Löhne die Fluktuation im Betriebe groß ist. versteht sich am Rande. Da die Leute nun aber bei einer Arbeitszeit, welche 60 Stunden wöchentlich beträgt, nicht so viel verdienen, um damit eine Familie ernähren zu können, wird von feiten einiger Aufsichtsbeamlen das Ueberstundenwesen direkt künstlich eingeführt._ Es würde begreiflich Lerantw. Redakteur: Albert Wach«, Berlin. Inseratenteil verantwl; erscheinen, wenn solche bei wichtigen aus den Verhältnissen heraus sich notwendig machenden Arbeiten zu leisten sind; aber zum Streichen von Haltern oder Richten der Masten brauchten wirklich keine lleberstunden geleistet zu werden. Diese Arbeit kann in der so wie so schon zu langen Arbeitszeit er- ledigt werden. Anders denkt jedoch der Herr Revisor Bollof. Der- selbe erklärt: Wer auf Verlangen keine lleberstunden macht, gleich- viel, ob dieselben notwendig oder nicht, der fliegt. Notwendig sind sie nicht, das wurde in einer Betriebsbesprechung des Bahnhofs 15 an der Hand von Beispielen von dem Referenten Ortmann nach- gewiesen und von den Versammelten bestätigt. Die sonst so spar- same„Große" scheint hier also mit dem Gelde der Aktionäre nicht gerade wirtschaftlich umzugehen. Vielleicht sucht man hier einen andern Modus, die Handwerker und Arbeiter mehr verdienen zu lassen. Die beste Lösung dieser Frage wäre eine Erhöhung des miserablen Lohnes. Vielleicht interessieren sich die neugebackenen Direktoren für diese Angelegenheit? Es würde im Interesse der Gesellschaft sowie zum Nutzen der Beschäftigten sein, wenn den Herren Bollof und Genossen etwas mehr auf die Finger gesehen würde. Ter Streik der Sattler im Deutschen Offizierverein dauert ent- gegen den Erklärungen der Geschäftsleitung unverändert fort. Eine Vermittlung durch das Einigungsamt des Berliner Gewerbegcrichts wurde von der Direktion mit der Begründung abgelehnt, daß die Sattler seit dem 27. April entlassen seien und da keiner von diesen wieder eingestellt würde, müßte man auf eine Vermittlung des Einigungsamtes verzichten. Trotz dieser Erklärung bemüht sich der Abteilungschef, Herr Knetsch, durch Vermittlung eines Arbeits- willigen, verschiedene Streikende zur� Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen; nur solle es nicht so aussehen, als wenn die Sache Von der Geschäftsleitung ausginge. Alle diese Versuche sind aber bisher gescheitert. Da es der Geschäftsleitung auch sonst nicht gelingt, ge- nügenden Ersatz ftir die Streikenden zu finden, so ist das Prinzip der Eigenproduktion heute schon stark durchlöchert. Denn wenn auch die paar Arbeitswilligen jetzt Gelegenheit haben, in unbe- schränkte! Arbeitszeit zu schaffen und außerdem noch Arbeit mit nach Hause zu nehmen, so genügt dies doch nicht, um den Bedar der Firma annähernd zu decken. Wir ersuchen daher, die Kollegen, Arbeitsangebote des Deutschen OfftziervercinS nach wie vor streng zurückzuweisen. Die Ortsvcrwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Deutsches Reich. Ter Strastcnbahnerstrcik i» Königsberg. Zwecks Bekämpfung von Streiks haben die Direktoren der Straßcnbahnbetriebe und Elektrizitäts- werke einen Ring geschlossen, der jetzt in Königsberg seine erste Kraftprobe ablegt. Hier versucht der llking zu beweisen, was er zu leisten vermag, daher auch der hartnäckige Kampf im Be- triebe der Straßenbahn. Noch nie hat ein Straßenbahnerstreik solange gedauert wie der Königsbergec. Wie der Direktorenring vorgeht, ersieht man aus folgenden Zeilen:„Bricht der Streik aus. so sind alle Direktoren verpflichtet, das entbehrliche Personal sofort in das Streitgebiet zu senden." Um nicht Erregung unter den Straßenbahnern über die Ab- schickung der Arbeitswilligen herbeizuführen, teilt man den Streik- blechern erst kurz vor der Abreise mit, zu welch ehrender Mission sie auserwählt seien. Befürchtet man aber dennoch, daß die Straßenbahner unruhig werden könnten, so schickt manjiur K o n- trolleure und Burcaupcrsonal in das Streikgebiet. Zur glcick)en Zeit werden Hintzebrüder angeworben, die den Auf- trag erhalten, die Depots zu schützen. Dazu sind sie ja leicht im- stände, da sie alle mit Schießwaffen ausgerüstet sind. Die auswärtigen Straßenbahner, Kontrolleure, Schreiber usw. haben im Streikgebiet vor allem die Aufgabe, die angeworbenen Arbeitswilligen, die man Aspiranten nennt, in die Führung der Wagen und als Schaffner auszubilden. Daneben lassen auch in anderen Städten die Direktoren Aspiranten ausbilden, um sie dann in den bestreikten Betrieb zu senden. Tie Hintzebrüder lverden auch auf Lager gehalten, damit sie zur Aushilfe verwendet werden tönnen, falls etwa die Arbeiter des Elektrizitätswerks in den Streik treten. In Königsberg wird nach diesem Programm des Direktoren- ringes gearbeitet. Geld spielt gar keine Rolle. Hinter dem Kampf steht ja auch die A. E. G., der es auf einige hunderttausend Mark nicht ankommt, wenn Arbeiter niedergcknültelt und ihres Koalitionsrcchtes beraubt werden, sollen. Daß die Verhandlungen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben, nur Komödie waren, hat man selbst in bürgerlichen Kreisen anerkannt. Die Direktoren kamen mit ganz unannehmbaren Bedingungen, nur damit eine Einigung nicht zustande kommen sollte. DaS vom Direktorenring festgelegte Programm sollte eben erprobt werden, und deshalb durfte es zu einer Einigung nicht kommen. Hier sieht man so recht, wie der Großkapitalistenklüngel immer frecher sein Haupt erhebt. Mit den Hintzebrüdern kann die Direktion übrigens sehr wenig anfangen. Täglich gibt es zahlreiche Zusammenstöße der Straßenbahnwagen mit Fuhrwerken. Am Mittwoch wurden zehn Hintzegardisten verhaftet, weil sie in der Nacht einen Droschkenkutscher überfallen und in der schwersten Weise miß- handelt hatten. Am Montag fand eine von 6000 Personen be- suchte Volksversammlung statt, die zum Ausstand Stellung nahm und zum Ausdruck brachte, daß die gesamte Arbeiterschaft in diesem schweren Kampfe den Straßenbahnern den weitgehendsten Bei- stand leisten werde. Vom Hamburger Hafen. Der mit dem Verband der Heizer und Maschinisten für die Fkußdampfschiffmaschinisten abgeschlossene Tarif wird auch mit dem Transportarbeiterverband für die diesem angeschlossenen Arbeiter ab- schlössen werden. Der Verein Hamburger Reeder hat den Vertretern der Seeleute die iu Ausficht gestellten Erläuterungen zu der Erhöhung der lieber- stundenlöhne usw.� nunmehr übermittelt. Im Anschluß daran ist bezüglich des VeköstiguiigSwesens eine bessere Auswahl der Köche und eine geregelte Kontrolle des Essens zugesichert. Endlich ist eine anderweitige Ordnung der Beschwerdekommifsion für das An- heuerungswesen vorgesehen. Die Seeleute werden zu dieser Angelegen- heit nocb Stellung nehmen. Es bedürfen jetzt einer Regelung nur noch die Forderungen der Dcckslcute und Molorschiffer und der Speditionsarbeiler. Die im Anschluß an die große Hafenarbeiterbewegung ent» standene Lohnbewegung der Werkstaltarbeiler der Amerika-Linie ist gleichfalls beendet; sie brachte eine Reihe materieller Verbesserungen nickt unwesentlichen Umfanges, mit denen sich die Arbeiter zufrieden erklärten. Kusland. Ende des Londoner Tchneiderstreiks. London, 5. Juni 1012.(Eig. Ber.) Ter Londoner Schneider- streit endete gestern nach einer Dauer von über 5 Wochen mit der Niederlage der Arbeiter. Zwar gewährten etwa 50 kleinere Ge- schäfte die Forderungen der Arbeiter im Laufe des Kampfes, aber die großen Firmen, meist Gesellschaften mit beschränkter Haft- Pflicht, weigerten sich bis zuletzt, auch nur mit der Organisation der Arbeiter zu verhandeln. Was zur Niederlage führte, war nament- lich die Zersplitterung der gewerkschaftlichen Kräfte und die Soli- darität der oberen Zehntausend. Der Kampf um bessere Lohn, und Arbeitsverhältnisse wurde von der Gewerkschaft der Londoner Schneider und Schneiderinnen, eine Absplittcrung des Zlllgemeinen Schneiderverbandes, begonnen. Viele der Londoner Mitglieder des letzten Verbandes machten de» Kampf mit, obwohl ihre Organisation den Streik mißbilligte und während des Kampfes gegen die Lon- doner Gewerkschaft polemisierte. Aber mehr»och als dieser innere Zwist wird die feindselige Haltung der feinen Welt zum Mißerfolg beigetragen haben. Die Geschäfte erklären, daß sich ihre Kunden Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.lt Verlagsanstall gern bereit finden, mit der Ausführung von Auftragen zu Warden; einige Kunden gaben ihre Aufträge nur unter der Bedingung, dag die Geschäfte die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligen dursten. Ein netter Kommentar zu den Bestrebungen, die Arbeiterklasse zu heben und zufrieden zu stellen, die jetzt so teilnahmsvoll von der herrschenden Klasse Großbritanniens diskutiert werden! Hus der frauenbewegung* Wahl einer Frau in den böhmischen Landtag, In Jungbunzlau hat heute bei der Wahl in den böhmi- scheu Landtag eine Frau, die Schriftstellerin Bozena Vik- Kuneticky, die meisten Stimmen erhalten, und nach der Ver- teilung der heute abgegebenen Stimmen auf die Kandidaten ist es zweifellos, daß bei der entscheidenden Stichwahl die ab- solute Stimmenmehrheit auf sie entfallen wird. Zum ersten- mal wird damit in Oesterreich bei der Wahl in eine zur Ge- setzgebnng berufene Körperschaft eine Frau gewählt. Frau Kuneticky dürste den böhmischen Landtag vorläufig kaum be- treten, da Statthalter Fürst Thun die Wahl einer Frau nach der geltenden böhmischen Landesordnung für ungesetzlich hält und das Wahlzertisikat verweigern will. Es wird je- doch, auch ohne daß Frau Kuneticky zur Ausübung des Mandats kommt, einen bleibenden Eindruck in der Oeffent- lichkeit hinterlassen, daß die Mehrheit der männlichen Wähler eines großen städtischen Landtagswahlbezirkes in Böhmen die Vertretung ihrer Interessen einer Frau über- geben will. Die Kandidatur der Schriftstellerin Frau Ku- ncticky, die eine der Vorkämpferinnen der tschechischen Frauen- bewegung ist und seit Jahren für das Wahlrecht der Frauen eintritt, war eine Demonstration zugunsten des Landtags- Wahlrechtes der Frau. Bei den Verhandlungen über die neue Landtagswahlordnung, die im Zusammenhang mit dem nationalen Ausgleich in Böhmen geführt wurden, haben die tschechischen Parteien Anträge auf Erteilung des Stimm- rechtes an die Frauen gestellt. Die Kandidatur und Wahl einer Frau in dem nächsten frei gewordenen Bezirke sollte der Forderung nach dem Frauenwahlrecht Nachdruck ver- leihen. Diese Demonstration für die tätige Teilnahme der Frau an dem wichtigsten politischen Rechte hat mit einem großen Erfolge geschlossen._ Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation. Unter diesem Namen hat sich ein Verein gebildet, der in einem Aufruf, den reaktionäre Blätter veröffentlichen, seine Leitsätze klar- legt. Sie lassen sich kurz dahin zusammenfassen: 1. Die schematische Gleichstellung von Mann und Frau ist widersinnig. 2. Das aktive und passive Wahlrecht für Landesvertretungen, sowie für Gemeinden und kirchliche Körperschaften muß dem Mann vorbehalten bleiben. 3. Staalsderwaltung. geistliche und richterliche Acmter müssen, wie bisher, dem Mann belassen werden. 4. Frauen dürfen nur solche Sludienzweige eröffnet werden, in denen sie ihre Eigenart zur Geltung bringen können; für diese weiblichen Studierenden sind besondere Akademien zu gründen. 5. Die Auswüchse der Mutterschaftsbewegung sind zu be- kämpfen. Die Mitglieder des Geschäftssührenden Ausschusses, an dessen Spitze ein Professor Dr. Sigismund- Weimar steht, sind in den weitesten Kreisen völlig unbekannt. Dem Aufruf haben sich u. a. angeschlossen Minister a. D. Matthias v. K ö l I e r und General Keim— zwei waschechte Reaktionäre. Versammlungen— Veranstaltungen. Sechster KreiS. Die Genossinnen der 18. und 19. Ab- teilung veranstalten am Montag, den 10. Juni, im Nestau- rant von Schüßler,„Schloßpark Nicderschönhausen". ein Kaffee- kochen. Treffpunkt 2 Uhr: Prinzenallee Ecke Soldiner Straße. Spandau. Am Sonntag, den 9. Juni, findet ein von den organi- sierten Frauen veranstalteter FamilicnauSflug nach Restaurant „Weinmeistcrhorn", an der Scharfen Lanks, statt. Der Ab- marsch nach dort erfolgt nachmittag 2 Uhr vom Restanrant „Flora", Pichelsdorf« Str. 39, au». Für Nachzügler Motor- bootverbindungen ab Scharfe Lanke(Waldow), pro Person 10 Pf._ Hetzte JVacbrichten« Ter französische Senat über die Kriegsbereitschaft. Paris, 6. Juni. Im Senat wurde heute die Jnter- pellation betreffend die gesetzliche Organisation der nationalen Verteidigung, insbesondere die Frage der Regierungsweise in Frank- reich während eines Krieges verhandelt. Die Konstitution von 1875 regelt diesen speziellen Punkt nicht. Kriegsminister Millerand erwiderte auf die Interpellation, es seien eine Reihe von Projekten seit längerer Zeit in Vorbereitung, um diese Frage zu regeln. Die gegenwärtige Regierung werde nichts verabsäumen, um allen künf- tigen Notwendigkeiten zu begegnen, und werds ihrer Pflicht voll« kommen genügen für den Fall, daß unglücklicherweise ein Krieg ausbrechen sollte. Es sei unmöglich, Einzelheiten dieser Projekte anzugeben, aber alles werde dem einen Gedanken untergeordnet werden, Frankreich den Sieg um jeden Preis und mit allen Mitteln sicher zu stellen. Deshalb werde der militärischen Autorität uneingeschränkte Freiheit eingeräumt werden und jede andere werde demgegenüber verschwinden.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion wurde alsdann geschloffen und eine Tagesordnung an- genommen, durch die die Erklärungen des Ministers gut- geheißen werden._ Eine lästige Gesellschaft. Madrid, 6. Juni.(P. E.) Da die aus Portugal aus- gewanderten Rohali st en infolge ihrer Mittellosigkeit Spanien lästig fallen, so beschäftigte sich heute der Minister- r a t mit der Frage, wie sie abzuschieben seien und beschloß sich dieserhalb mit der portugiesischen Regierung in Verbindung zu setzen._ Italienische Äriegsführung. Benghasi, 6. Juni.(Meldung der Agenzia Stefan i.) Ein lenkbares Luftschiff hat heute das feindliche Lager überflogen und mehrere Bomben hineingeschleudert, die alle im Lager selbst explodiert sind. Tödlicher Absturz beim Probeflug. .Hamburg. 6. Juni.(W. T. B.) Heute abend stürzte auf dem Flugplatz Fulhsbüttel bei einem Probeflug für den über. morgen beginnenden Hamburger Flugwettbewerb der Flieger Gottlieb Rost ab und erlitt tödliche Verletzungen. Durch Blitzschlag verunglückt. Königsberg i. Pr.. 6. Juni.(W. T. B.) J» dem Neubau des Krüppelheims schlug heute nachmittag der Blitz ein. Durch den Schlag wurde das Gerüst zertrümmert und drei Ar- bester stürzten zwei Stockwerke tief herab. Sie erlitte« sämtlich schwere Verletzungen. Paul Singer& üO.,S3erIin SW. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Nr. 180. 29. Iahtgaug. 1. KcilM te„öotBärtü" f ftlinet lolWliill. Freitag, 7. Zan! 1912. Sieg der{(reihenden„Cena"'Meiter. Die gewaltigen Proteststreils der russischen Arbeiter aus Anlaß der Metzelei in den Lenagoldbergwerken sind nicht ergebnislos ver- laufen. Sie haben nicht nur eine neue Epoche in der russischen Arbeiterbewegung eröffnet und die Arbeiterfrage wie einen Keil in daS konterredolutionäre Chaos hineingetrieben, sie haben auch den streikenden Arbeitern in der fernen sibirischen Taiga zum Siege ver- Holsen. Die Regierung und die herrschenden Parteien suchten aller- dingS durch den Hinweis auf die bevorstehende Senatorenrevision die unbequeme Angelegenheit aus der Welt zu schaffen und das ramponierte Ansehen der Galgenregiernng vor der öffentliche» Meinung der Kulturwelt zu rehabilitieren. Aber die andauernden Protest- streiks im Reiche, die fortgesetzte Arbeitsverweigerung der „Lena"-Arbeiter, die Nachrichten, die immerfort ouS dem Streik- gebiet einliefen und die ganze Atmosphäre der verschärften Aufmerk- snmkeit gegenüber der Arbeiterbewegung ließen die Angelegenheit nicht, wie die Regierungsleute und die Börsenwölfe es ge- wünscht hatten, auf den toten Strang schieben. Zwar ver- suchten die beamteten Kreaturen der Lenagoldgesellschaft, den kühnen Widerstand der streikenden Arbeiter durch Ver- basiungen, Exmissionen, Bluturteile und sonstige terroristische Maßnahmen zu brechen; zwar setzten die hohen Gönner dieser Ansbeutungsgekellschast alle Hebel in Bewegung, um die Niederlage der Arbeiter schon in Petersburg vorzubereiten,— es gelang ihnen doch nicht, den Sieg der Streikenden aufzuhalten. Noch war daS zum Revisor ernannte Reichsraimitglied M a n u ch i n nicht nach dem Streikgebiet abgereist, alS die Direktion der Lenagoldgesellschaft, nach längeren Unterhandlungen mit dem Handelsminisler T i m a s ch o w und den Vertretern des Berg» deparlements fa st sämtliche Forderungen der strei- kenden Arbeiter annahm. Die„Lena'-Arbeiter hatten durch den Bezirksbergingenienr Tultschinski, der die Unterhandlungen mit ihnen führte, folgende Ultimativforderungen gestellt: Erhöhung des Arbeitslohnes. Achtstundentag für die schwersten Arbeiten, Wieder- eiustellung sämtlicher streikenden Arbeiter und anderes. Ferner verlangten sie daS Versprechen, daß kein Arbeiter bis zur Beendigung der Senatorenrevision verhaftet werden würde. Die Direktion der Lenagesellschaft akzeptierte die sämtlichen Forderungen mit Ausnahme der ersten betreffend die Lohnerhöhung Aber nach einem sanften Druck des Ministeriums, welches die Ab- lehnung dieser Forderung als nicht zeitgemäß betrachtete, erklärte sich die Direktion endlich bereit, die Löhne zu erhöhen, allerdings mit der Einschränkung, daß die Gesamlerhöhung nicht mehr als ZOO 000 Rubel im Jahre betragen dürfe. Werden diese Beschlüsse in Wirklichkeit umgesetzt und nicht durch irgendwelche Streiche der Kapitalisten durchkreuzt, so können die streikenden Arbeiter mit Genugtuung einen Erfolg ihres Kampfes verzeichnen. Das wird sie allerdings nicht davon abhalten, mit Unterstützung der Rechtsanwälte, die aus Petersburg, Moskau und JrkutSk nach dem Streikgebiet gereist sind, die Vorgänge, die zu der blutigen Metzelei geiührt haben, aufzudecken und ihre Forderungen für den Kontraitbruch der Direktion geltend zu machen. Daß die volle Wahrheit über diese Vorgänge jetzt ans Licht kommen könnte, ist kaum anzunehmen. Zu stark ist die Interessen« genieinschaft der RegierungSleute und der Großaktionäre der Bold- geicllschast, als daß alle dunklen Vorgänge, die zu der Nieder- metzelung von 600 Arbeitern geführt haben, aufgedeckt werden könnten. Indessen genügt auch schon, was bisher in der Presie bekannt geworden ist, um sich ein annäherndes Bild von dem wahnsinnigen verbrecherischen Spiel zu machen, daS die Börsenwölfe im Bunde mit den Regiennigsleuten mit der Gesundheit und dem Leben Tausender von Arbeitern getrieben haben. Einen wert- vollen Beitrag hierzu liefert B a j a n in der.Rußkoje Slowo", welche als größtes bürgerliches Blatt Moskaus von den Börsenmachinationen der Lenainteressenten sehr gut unter« richtet ist:.In der Lenaaffäre— schreibt er— ist der Hund in den Bankkreisen begraben. Wenn Senator Mannchin kleines fcuillcton Die Ausrottung der kolonialen Tierwelt. In seiner Kolonial- Politik und-Wirlichast fällt der moderne Kapitalismus in die Methoden seiner Anfänge zurück. Die Gewaltsamkeiten und Greuel, die ruchlose Zerstörung von Naturschätzen, die roheste Ausplünderung von Volk und Land werden da wieder lebendig— wie in den Zeiten der ersten Raubzüge barbarischer Konquistadoren. Wir haben in Südostafrika die Vermchlung der HereroS mit ansehen müssen. Immer wieder dringen Berichte über die menschenmörderischen Praktiken deS Kaulschukhandeis in die Oeffentlichkeit. Und häufiger werden neuerdings auch die Klagen über die mutwillige Ausrottung der Tierwelt, die gemeinsten Gewinninteressen und kannibalischen Schicßgelüstcn geopfert wird. Auf der Hauptveriammlung der Deutschen Ko- l o n i a l g e s e l l s ch a f t. die in Hamburg tagt, ist auch der W i l d s ch u tz in unseren Kolonien behandelt worden. Dabei sind dann ganz unerträgliche Zustände ans Licht gekommen. Die Wild- schutzkommission. die ihren Bericht erstattete, hat es für dringend notwendig erachtet, daß ein wirksamerer Wildschutz in unseren Ko- lonien Platz greife, um zu verhindern, daß weiter dort aus das Wild losgeknallt und der Wildstand vernichtet werde. AuS den Kreisen der Ansiedler wird aber ein heftiger Widerstand gegen schärfere Wildschutzbestimmnngen geltend gemacht. Reichs- tagsabgeordneter Paasche trat lebhaft für den Wildschutz ein, da es höchste Zeit sei. eine weitschauende Wirtschaftspolitik zu treiben und zu verhindern, daß der Wildstand vernichtet werde. ES handle sich um ein Kapital für unsere Kolonien. daS man sichern müsse; denn gerade in den tropischen Gebieten unserer Kolonien seien die Wildarten so zahlreich wie nirgends anderSwo. Aber eS ginge nicht an. daß jeder Weiße in den Kolonien daS Wild als herrenloses Gut betrachtet und ohne Rücksicht auf wirtschaftliche und andere Grund- sätze niederknallen könne. Am Kilimandscharo seien in den letzten Jahren etwa 30000 Nashörner niedergemetzelt worden. Tiere, die niemand etwas zuleide tun. Der Nutzen aus diesen Tieren sei ein ganz minimaler. Wichtig waren besonders die AnSführnngen deS bekannten Naturi'childerers Prof. Schilling. Er hat wegen seines Ein- treiens für die koloniale Tierwelt zahllose gewöhnliche und ein« geschriebene Schmähbriefe erhalten. Wir könnten, meint er, von den Angelsachsen, die unS m mancher Beziehung in der Kultur voraus sind, manches lernen. England hat den Paradiesvogel voll- ständig geschützt. Deutschland dagegen bilanciert den Etat von Neu- guinea mit den Steuerertragnisien aus der Paradiesvogeljagd I Mir ist sogar gemeldet worden, daß unsere Beamten, und leibst Missio- nare diese Jagd betreiben. Ich bitte, daß die Missionen das ein- stellen, denn cS kann doch nicht m ihrem Sinne liegen, Natur» wunder vernichtet zu sehen. Auch die leisten Gottesdienst, die für die Erhaltung der Natur eintreten. Nicht die Jäger, sondern die Händler rotten das Wild aus und die Regierung hat die Pflicht, die Händler zu überwachen. Damit treiben wir keine Schwärmerei, fonderil vertreten einen sehr realen Standpunkt. sich für diese Kreise interessiert und die wichtigsten Jahresabschlüsse mit den Lenaaktien prüft, so wird er sehen, daß das Steigen und das Fallen der Preise den Stürmen und den Strömungen in den Bankkreisen wie in der sibirischen Taiga entsprochen haben.... Wendet man sich zu den Zahlen der letzten Jahresabrechnung, so sieht man, daß die Summe der ausgeteilten Dividende sich auf 4 233 000 Rubel belief und die Gesamtsumme der Arbeitslöhne, die 3 360 000 Rubel betrugen, um ein Bedeutendes übersteigen, was in keiner Bilanz eines anderen Unternehmens zu finden ist. Bei einem solchen Verhältnis der genannten Zahlen ist es begreiflich, weshalb die Direktion sich gegen jede Lohnerhöhung der Arbeiter gesträubt hat: jeder Rubel, der den Arbeitern gewährt wird, bedeutet einen Verlust für die Dividende und muß„auf den Preis der Aktien drücken". Da an dieser Dividende nicht nur die russischen und die englischen Großaktionäre, sondern auch die höchsten Regierungsbeamten intereisirt waren(derselbe Autor erzählt, daß die Beamten des Bcrgdepartements in Petersburg schon im Februar die Lenaaktien verkauften und ihre Bekannten vor neuen Ankäufen warnten), so war es absolut kein Wunder, daß die geringen Forde- rungen der bis aufs Blut ausgebeuteten Arbeiter erst nach den gewaltigsten Anstrengungen und mit den größten Opfern erkämpft werden mußten. 13. Nerbaudstag des Ztutraloerbandes der Schmiede. Düsseldorf. 6. Juni. Dritter Verhandlungstag. Die Diskussion über die Frage des Uebertrittz zum Deutschen Mctallarbeiterverband währte auch heute noch den ganzen Tag und es kamen zirka 50 Redner zum Wort. Aber nicht ein einziger sprach sich grundsätzlich als Gegner der Verschmelzung aus, sondern die Ansicht fast aller Redner ging dahin, daß die Frage reif zur End- schcidung sei. Die Streitfrage war nur, ab die Verschmelzung durch ein Votum der Generalversammlung oder durch eine Urabstimmung entschieden werden sollte. Die Vertreter beider Ansichten unter den 41 Delegierten hielten sich so ziemlich die Wage, deshalb brachte der erweiterte Vor st and folgende Resolution ein, die vom zweiten Vorsitzenden Kamps begründet wurde: „Die Generalversammlung des ZentralverbandcS aller in der Schmiederei beschäftigten Personen empfiehlt den Mitgliedern, den Uebertritt zum Deutschen Metallarbeiterverband unter den von diesem gewährten Bedingungen in einer Urabstimmung zu beschließen. Dieselbe findet für alle Mitglieder gemeinsam am 13., 14. und 15. Juli statt, die Tagesstunden werden von den Verwaltungsstellen festgesetzt. Beschließen die Mitglieder in der Urabstimmung mit Stimmenmehrheit den Uebertritt, so hat der- selbe am 1. Oktober 1912 zu erfolgen, die nähere Regelung des Uebcrtritts geschieht durch den Vorstand. Bei Mitgliedern, die nicht spätestens bis 31. Dezember 1912 übergetreten sind, kommen die UebertritlAbedingungen nicht mehr in Frage. Wird die Verschmelzung von den Mitgliedern abgelehnt, so hat der Vorstand die Delegierten der 13. Generalversammlung erneut zu einer Generalversammlung zusammenzuberufen." Kamps führte zur Begründung dieser Resolution aus, daß man, da die gestrige Diskussion ergeben, daß wohl die Hälfte der Delegierten außerordentlichen Wert auf die Urabstimmung lege, durch die Anwendung dieses weitgehendsten demokratischen Mittels die größtmöglichste Einheitlichkeit unter den Mitgliedern, herbei- führen wolle. Man gebe sich dann aber auch der Hoffnung hin, daß unter den Mitgliedern der demokratische Gedanke soweit Eingang gefunden hat, daß sie geschlossen das Votum der Urabstimmung an» erkennen. In der darauf folgenden Diskussion sprachen neben 39 Dele- gierten auch die Vertreter des Metallarbeiterverbandes und der Vertreter der Generalkommission zu der Sache. Schlicke vom Metallarbeitervevband führte zunächst aus, daß der Metallarbeitcrverband allen Beamten, die übertreten, das weiteste Entgegenkommen zeigen werde. Alle Beamten würden untergebracht. Allerdings könne keine Garantie gegeben werden, die und die Beamte auf den voraus bestimmten Posten zu stellen. Das müsse sich nach den Eigenschaften und Fähigkeiten der be- treffenden Beamten und nach den Erforderniffen der Agitation und Organisation richten. Es sei getadelt worden, daß die Zugeständnisse in bezug auf die Berufs konferenzen zu gering sind. Wir Dieser reale, d. h. wirtschaftliche Standpunkt fand denn auch so viel Anklang, daß die von der Koinmiision für Wildschutz vor- geschlagenen Richtlinien angenommen wurden. Die ersten Stunden im Gefängnis. Der ftühere Gefängnis- inspeltor I. Schiwek hat ein Buch„Hinter Schloß und Riegel"(im Deutschen Verlagsbause Vita) erscheinen lassen, in dein er Er- fahrungen und Beobachtungen aus dem Leben der Enterbten und Ausgestoßenen aus dem Gefängnis mitteilt. Eines der bezeichnend- sten und ergreifendsten Kapitel, da» uns so recht den klaffenden Ab- grund zwischen dem Leben in Freiheit und im Gefängnis vor Augen führt, handelt von den ersten Stunden, in denen sich der Ge- fangene abfinden muß mit der neuen Umgebung. Zwar treten die meisten vestraflen, die sich bereits während der gerichtlichen Unter- suchung mit dem Gedanken einer Freiheitsstrafe vertraut gemacht haben, mit einem gewissen Gleichmut in das Gefängnis ein. Doch gibt es auch viele Personen,„denen dieser Gang vielleicht schwerer fällt, als manchem Raubmörder der Weg zum Schafott." Erschütternder noch wirkt das Benehmen der meisten Unter- suchungSgesangenen. die ja vielfach unverhofft durch eine Festnahme aus ihren Verhältnissen herausgerissen werden. Während der Ver« Haftung, Vorführung. Vernehmung. Aufnahme in daS Gefängnis haben sie wenig Zeit gehabt, über ihre traurige Lage nachzudenken; nun in der einsamen, engen Zelle erwachen sie aus ihrer Betäubung ihre Lage kommt ihnen mit allen Schrecknissen voll zum Bewußt- sein und die Verzweiflung bricht mit aller Macht loS.„ES ist viel- fach etwas Furchtbares, die Unglücklichen jetzt ldurch das kleine Beobachtungsfenster in der Tür) zu beobachten. Manche gebärden sich wie wilde Tiere. Wenn dieser Zustand hier und da falsch ver- standen wird und zu Maßregelungen Veranlassung gibt, so ist daS nur zu bedauern!" „Manche sitzen stundenlang wie versteinert da und starren in daS Leere. Andere weinen und klagen sich heftig an. In den meisten Fällen wird aber die Unschuld beteuert. Andere denken wiederum in ihrer Verzweiflung nur an ihre Angehörigen, denen sie so viel Kummer, Schmerz und Sorgen bereitet haben. In der ersten Nacht, die für die UntersuchungSgesangenen die gräßlichsten Stunden bringt, wird wohl auch bei diesen Gefangenen Verzweiflung sich einstellen. Mütter schreien wie wahnsinnig nach ihren Kindern." In der ersten Verzweiflung werden sogar Selbstmordversuche unternommen; daher müssen die Beaniten zu Ansang besonders auf die Gefangenen achten. Bei solchen mit sich selbst und der Welt zerfallenen Menschen aber wirkt ein teilnehmendes Wort, mitunter aber auch nur ein stummer Händedruck Wunder, und neben der Anteilnahme deS Inspektors und der Wärter erweist sich auch daS Buch als ein willkommener Tröster. Das Lesen ist vielen eine wahre Wohltat, auch in den Nachtstunden, denen viele UntersuchungSgefangene mit besonderem Grauen entgegensehen. DaS elektrische Begräbnis. An der Wende des Jahrhunderts wurde die Prophezeiung ausgesprochen, daß erst das 20. Jahrhundert das der Elektrizität sein und alles Vorangegangene sich nur als An« fang dazu erweisen werde. In der Tat erobert die Elektrizität ein Gebiet nach dem anderen, und man kann wohl sagen, daß das erste schematisieren hier nicht. Wir halten viele BerufÄonferenzen ab, aber nicht schemadisch, sondern nur, wenn die Notwendigkeit dazu vorliegt. Es ist die Frage gestellt worden, ob der Metall- arbeiterverband die Garantie geben kann, daß die Schmiede inner- halb derselben nicht in dieselbe finanzielle Bedrängnis geraten, wie jetzt in ihrer Einzelorqanisation. Nun, eine Garantie liegt schon darin, daß dann die Schmiede ein Teil der großen, allgemeinen Kampfcsorganisation sind, mit der dann die Unternehmer des Schmiedeberufes in ganz anderer Weise rechnen müssen, als sie es jetzt mit dem Schmiedeverband tun. Außerdem ist der Metall- arbeiterverband ein Jndustrievcvband und es kommt kaum jemals die Situation, daß alle Gruppen des Verbandes zu gleicher Zeit im Feuer des Kampfes stehen. Dasselbe ist auch in bezug auf die Krisen zu sagen; immer bleiben noch Gruppen frei, die dann für die anderen eintreten können. Die Befürchtung, daß auch der Metallarbeiterverband bald wieder seine Beiträge erhöhen muß, ist ebenfalls unbegründet. Wir haben den Verband jetzt so fundiert, daß er voraussichtlich mit seinen Mitteln auskommen kann. Ebenfalls ist die Ansicht nicht zutreffend, daß in der großen Or- ganisation die Verhältnisse in den kleinen Betrieben nicht mehr so berücksichtigt würden. Das hängt einzig von dem Eifer und Ernst ab, mit dem die Schmiede sich betätigen innerhalb der großen Organisation. Der arotze Verband leuchtet genau so gut in die kleinen Betriebe hinein, als die Schmiedeorganisation das bis jetzt getan hat. Die Lo ka l ka s se n so n d s, die die Schmiede als Heiratsgut mitbringen, sollen ihnen sicher gestellt werden. Nicht möglich aber ist es, durch besondere Lokalkassenbeiträge den Schmieden besondere Unterstützungseinrichtungen zu ermöglichen. Aber so gut wie die Former und Gießereiarbeiter sich eingefügt haben in den Rahmen der gemeinsamen Organisation, so gut werden das auch die Schmiede verstehen. Der Redner zeichnete zum Schluß unter vielseitiger Zustimmung, wie die Entwicklung im Schmiedegewerbe zum Großbetrieb geht. Da müssen die Schmiede ihre Organisationsform so einrichten, daß sie ihre Frontstellung den Großbetrieben gegenüber nehmen können. Mit den Kleinen werden wir dann von selber fertig. Die endgültige Enffcheidung über die ganze Frage wurde auf Freitag vertagt. Am Donnerstag fallen die Verhandlungen aus. Sechster Derbandstag der Gemeinde- und Stnatsarbeiter. München, 6. Junt. Die Debatte über den Geschäftsbericht ist auch heute noch eine sehr lebhafte, doch wurde ein Antrag auf beschränkte Redezeit angenommen. Unter Zustimmung deS Verbandstages wandte sich P e tz o l d» Nürnberg scharf gegen die Uneinigkeit der Vorstands- Mitglieder. Es müsse den Kollegen an der Spitze des Verbandes einmal deutlich gesagt werden, daß sie kein Recht haben, das An- sehen der Organisation durch ihr Verhalten herabzusetzen.(Leb- hafte Zustimmung.) Durch einen Schlußantrag wurde, nachdem noch mehrere Redner gesprochen, die aber neue Gesichtspunkte nicht mehr aufweisen, die Deoatte schließlich geschlossen. Das unbesoldete Vorstandsmitglied Becker- Berlin stellte fest, daß die Zwistigkeiten innerhalb des Vorstandes sich nicht derart er- weitert haben, wie es den Anschein habe. Betriebsfremde Personen habe der Verbandsvorstand schon seit Jahren angestellt. Gewiß seien im Verbände viele befähigte Kollegen— wenn sie sich nur um die Beamtenstellen melden würden. DaS Material, das den Vorstand gezwungen habe, den Vorschlag zu machen, an Stelle von Mohs einen anderen Vorsitzenden zu wählen, werde der Vorstand dem Verbandstag noch vorlegen. Genösse Ku Fe-Berlin wies die Angriffe auf die General- kommission mit Nachdruck zurück. In- der Frage der Grenzstreitig. leiten könne kaum etwas Neues mehr. gejagt werden. Auf den früheren Verbandstagen der Gemeindearbeiter haben die Vertreter der Generalkommission deren Standpunkt ausführlich dargelegt. Daran habe sich bisher nichts geändert, was eine andere Stellung- nähme bedingen würde. Mohs und D i t t m e r haben ja in ihren Geschäftsberichten erklärt, daß mit den übrigen Gewerkschaften leid- lich ausgekommen wurde. Es sei daher etwas unverständlich, daß diese Frage hier so scharf behandelt wurde. Bei Grenzstreitigkeiten müssen sich die Beteiligten Rücksichten auferlegen, dann wird es meist zu einer Verständigung kommen. Die Organisation müsse versuchen, den richtigen Weg zu finden, den man gehen kann. Der Redner weist den Vorwurf, daß die Generalkommission nicht das richtige Verständnis für die Verhältnisse und Bedürfnisse des Ge- meindearbeiterverbandeS habe, zurück. Man mutz eben die Sache Jahrzehnt jener Voraussage Genüge getan hat. Das neueste ist, daß man sich jetzt auch schon elektrisch begraben lassen kann, das heißt natürlich: verbrennen. Bisher wird in den Krematorien zum Ein- äschern der Leichen nur Gas oder stark erhitzte Luft benutzt, aber eS ist gezeigt worden, daß auch hier die Einführung der Elektrizität erhebliche Verbesserungen mit sich bringen kamt. Die Stellungnahme zu dieser Bestattungsart ist für ledermann Gefühlsiache. aber außer anderen Bedenken wird noch die Frage mitsprechen, wie die Verbrennung vor sich geht. Da bietet nun die Elektrizität wie gewöhnlich den Vorteil einer unübertroffenen Rein- lichkeit der Arbeit, und das dürfte gerade dabei besonders ins Gewicht fallen. ES entwickelt sich bei der elektrischen Ver- brennuna kein Rauch, und was an Resten überbleibt, hat wegen seiner Sauberkeit nichts Abstoßendes. Aber auch für die Verwaltung eines Krematoriums verdient die Elektrizität den Vorzug, weil die Temperatur sicherer geregelt und vor allem weil der Ofen jeden Augenblick in Bereitschaft gesetzt werden kann. Die Temperatur muß 1500—1800 Grad erreichen, und eS ist sehr wichtig, daß sie mich nicht darüber steigt, da sonst ein unbeftiedigen- des Ergebnis erzielt wird. Der„Elektrotechnische Anzeiger" beschreibt einen elektrischen Verbrennungsofen von GiddingS, bei dem die Luft durch elektrische Widerstände gerade bis auf den verlangten Grad erhitzt wird. Nach einer anderen Konstruktion werden statt der Widerstände offene elektrische Bogen benutzt, die sogar noch sicherer wirksam sein sollen. Notizen. — Ein Kolleg über die Stadt Berlin kündigt in dem neuen Vorlesungsverzeichnis der Berliner Universität der Pro- fessor Zoepfl an. Er will darin Berlin in seinen volkswirtschaftlichen Beziehungen behandeln. — Eine elektrotechnische Ausstellung für Haus, Gewerbe und Landwirtschaft wurde in Leipzig eröffnet, — Fe st spiele Hellerau. DaS sächsische Ministerium deS Innern hat der Bildimgsanstalt Jaqucs-Dalcroze in Dresden- Hellerau für ihre Schulfcste eine.einmalige Beihilfe von 1000 M. gewährt. — Ruhe im Grabe. Der von Prof. Frortep aufgefundene Schillerschädel wird der profanen Neugier nicht länger ein Schauspiel bieten und hoffentlich auch nicht welter zu Debatten Anlaß geben, ob er der allein echte ist. Er wird in dem Kassen- gewölbe, das auf dem Weimarer Jalobsfriedhof in aller Form wiederhergestellt werden soll, beigesetzt werden. — Ein Befähigungsnachweis der Frau. In G ö t t i n g e n stellte sich bei der Preisverteilung f»r die im Vor- jähre gestellten Preisaufgaben der Universität heraus, daß nur einer einzigen Arbeit ein Preis zuerkannt werden konnte, nämlich der philosophischen Preisaufgabe: über die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus. Als Verfasser wurde bei Oeffnuug des Kuverts eine Studentin festgestellt. bom Standpunkt der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung ansehen, dann komme man zu einem anderen Urteil. Das Tun und Lassen der Generalkommission werde durch die Beschlüsse der Gewerkschafts- kongresse bestimmt. Es sei unmöglich, den Gemeindearbeitern gegen. über eine andere Haltung einzunehmen. Die Grundlage der Ge- werkschaften ist die Berufs- und in weiterem Verfolg die Industrie- organisation. An deren Stelle wollen nun die Gemeindearbeiter die Betriebsorganisation setzen. Mag sein, daß für die Gemeinde- arbeiter eine Betriebsorganisation vielleicht besser wäre; so lange aber de Beschlüsse der Gewerkschaftskongresse zu Recht bestehen, müssen sie respektiert werden. Heckmann habe ganz richtig gesagt, man dürfe die Forderung der Betriebsorganisation nicht für die allgemeine Gewerkschaftsbewegung aufstellen. Wenn sich der Ver- bandstag aus diesen Standpunkt stelle, werde die Sache einfacher. Die Beschlüsse der Gewerkschaftskongresse müssen natürlich hochgehal- ten werden, doch wäre der Weg der Verständigung beschritten. Die Frage müsse in Zukunft viel kühler betrachtet und behandelt werden. Das Rekrutierungsgebiet für den Gemeinde- und Staatsarbeiter- verband sei immer noch sehr groß und man brauche nicht auf andere Berufe überzugreifen. In seinem Schlußwort ging der Verbandsvorsitzende M o h s auf die gegen ihn gerichteten Angriffe ausführlich ein. In der Grenzstreitigkeitsfrage sei den Vorständen der übrigen Gewerk- schaften der Standpunkt der Gemeindearbeiter genau bekannt,; der Vorstand könne in den Vorstandskonferenzen nicht anders auftreten. Das beste sei, auf gütlichem Wege sich mit den anderen Gewerk- schaften zu verständigen. Daß die Straßenbahner den Transport- arbeitern überlassen wurden, damit müsse man sich abfinden. Da- gegen lasse sich der Gemeindearbeitcrverband die Depot- und Streckenarbeiter nicht nehmen. Gegenüber den übrigen Angriffen betonte Mohs, er sei immer mit Arbeiten stark überhäuft gewesen und habe viele Vertretungen— im Jahre 1910 12 Wochen lang— übernehmen müssen. Die Arbeiten im Verbandsbureau werden durch den starken Wechsel der Hilfskräfte beeinträchtigt; es müssen fortwährend neue Hilfskräfte ausgebildet werden. Die Anstellung eines Sekretärs sei dringend nötig. Mohs meint, die Arbeit sei ihm durch das Verhalten der übrigen Vorstandsmitglieder sehr er- ischwert worden; man habe ihm das Leben sauer gemacht. Die Verhältnisse im Verbandsbureau müssen anders werden, ob nun der Vorsitzende Wutzkh oder Mohs heiße!(Starker Beifall.) .. Angenommen wurden folgende Anträge: / 1. Bei Anstellung von Beamten sind in erster Linie Mit- glieder unserer Organisation zu berücksichtigen. Erst wenn sich keine geeigneten Mitglieder unserer Organisation um die Stellen bewerben, kann der Verbandsvorstand Bewerber aus anderen Organisationen berücksichtigen. 2. Die alljährlichen Geschäftsberichte des Verbandsvorstandes find so zeitig herauszugeben, daß sie spätestens am 30. Juni dos darauffolgenden Jahres in Händen der Filialleitungen sich be- finden. 3. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, jedes Jahr einen Kollegen zum Besuch der Parteischule zu delegieren. Die Kosten trägt die Hauptkasse. 4. Der Verbandstag wolle beschließen, die zwischen dem 6. und ö. Verbandstage innerhalb der Filialen verloren gegangenen Beitragsmarken auf das Konto der Hauptkasse zu übernehmen. 5. Die Organisierung sämtlicher Arbeiter der militärischen Betriebe ohne Unterschied des etwaigen Berufes erfolgt zweck- mäßigerweise durch den Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter. Es liegt das nicht nur im Interesse der Militärarbeiter selbst, sondern es wird damit auch der bisherigen endlosen Zer- splitterung und Vergeudung an Zeit und Geld ein Ende gesetzt. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, dieserhalb mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands in Verbin- dung zu treten. Zustimmung findet auch ein vom Vorstand vorgelegtes Wahl- reglement. Mit 43 gegen 34 Stimmen wurde beschlossen, den Sitz des Ausschusses von Hamburg nach Süddeutschland zu verlege ni— Dem Vorstand wurde eine Reihe von Anträgen, die Ausgestaltung des Verbandsorgans betreffend, zur Berücksichtigung «überwiesen. Hierauf referierte Maroke- Frankfurt in kurzen Zügen über die Frage der Organisierung des etatsmäßigen Personals. Der Verbandstag stimmte folgender, von einer Kommission auSgear- beiteten Resolution einmütig zu. Sie lautet: „Das Bestreben der Stadtverwaltungen geht in immer stär- kerem Maße dahin, einen Teil der Arbeiter zu Beamten zu machen oder in beamtenähnliche Stellungen zu bringen, um sie dadurch von den organisierten Arbeitern zu trennen und ihren besonderen Zwecken dienstbar zu machen. Der Verbandstag ist sich dessen bewußt, daß die Interessen aller dieser Angestellten am besten durch den Verband der Ge- meinde- und Staatsarbeiter wahrgenommen werden, da ihre Dienstverhältnisse in engster Verbindung mit denen der Arbeiter stehen und die durch die Organisation erreichten Verbesserungen der Arbeiterverhältnisse auch auf die ihrigen einwirkt. Der Verbandstag betont ausdrücklich die Zuständigkeit unserer Organisation für diese Kategorien und fordert daher alle sich in solchen Stellungen befindlichen Kollegen auf, ihre Interessen durch die Mitgliedschaft beim Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wahrzunehmen." Donnerstag findet keine Sitzung statt. Ztsatverontoeteit-Veilsminliing. IS. Sitzung bom Donnerstag, den 6. Juni 1912, nachmittags SUHr. Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5K- Uhr. Die Abteilungen haben vier Ausschüsse gewählt. In dem Aus- schuß für d'e Vorberatung des Ortsstatuts über die Anstellung und die Befugnisse von Direktoren in der Verwaltung der Stadt Berlin ist die sozialdemokratische Fraktion durch die Stadtvv. Grunwald, Hei mann, Dr. Wehl und Woldersky, in demjenigen für die Vorlage wegen provisorischen Anschlustcs des westlichen Tempclhofer Feldes an die Berliner Kanalisation durch Drescher, Kerfin. Koblenzer, Mars und P f a n n k u ch vertreten. Vor Eintritt in die Tagesordnung spricht der Vorsteher- Stellvertreter Cassel den Dank der nach Wien entsandten Mit- glieder der Versammlung für den„überaus glänzenden, lkbens- würdigen, freundschaftlichen und herzlichen" Empfang, den die Besucher dort gefunden haben, aus. Man habe volle Veranlassung gehabt, die Schönheit der Stadt Wien zu bewundern und das Vor- handensein vorbildlicher städtischer Einrichtungen zu konstatieren; insbesondere habe man den schönen Wald- und Wiesengürtel bewundert, der Wien umgibt, und der nicht bloß Eigentum der Stadt sei. sondern auch in ihrem Weichbilde liege und der Verwaltung und der Bevölkerung zurvoklenfreienVer- f ü g u n g stehe. Unter dem Beifall der Versammlung schlägt der Vorsteher die Abfindung eines Danktelegramms an den Wiener Gemeinderat vor. Hierauf begrüßt der Vorsteher-Stellvertreter die auf der Tribüne des Sitzungssaales erschienenen Vertreter der schwedischen Städte Stockholm, Göteborg und Malmö im Namen der Versammlung und heißt sie unter lebhaftem Beifall willkommen. Tie Versammlung hat sich zu Ehren der Gäste von den Plätzen erhoben. Die Wahl des Beigeordneten B e r n d t- Mainz zum besoldeten Berliner Stadtrat ist vom Oberpräsidenten bestätigt worden. Mit der Gemeinde Treptow hat der Magistrat einen Vertrag vereinbart, der die Leistung von Anliegerbeiträgen in Höhe von 259 702 M. zu den Kosten der Pflasterung usw. von Teilen der Parkstratze, Treptower Chaussee und Bouchestratze und die gegenseitige Verpflichtung zur Aufnahme von Schülern in die beiderseitigen höheren Lehranstalten ohne erhöhte Sätze stipuliert. Stadtv. Zylicz(A. L.) bemängelt, daß Berlin auf Kosten der Steuerzahler den bessersituierten Treptowern mit dem Verzicht auf die Erhöhung der Schulgelder ein Geschenk von 5000 M. und mehr machen soll, und beantragt, diesen Teil der Vorlage ab- z u l e h r. r n. Von dem Stadtrat N a m s l a u sowie von den Stadtvv. Sachs(A. L.) und R o s e n o w(N. L.) wird diesem Antrage lebhaft widersprochen; es zeigt sich, daß Herr Zylicz mit dieser„Kleinigkeitskrämerei" in der Versammlung allein steht. Die Vorlage wird angenommen. Für die städtische Desinfektionsanstalt I wird für 1912 über den Etat hinaus eine Mehrbewilligung von 23 744 M. gefordert. Stadtv. Koblenzer(Soz.): Wir werden selbstverständlich f ü r die Bewilligung dieses Nachtrages stimmen, denn die Des- infektionsanstalt muß möglichst gut ausgebaut werden. Wir freuen uns insbesondere, daß die Desinfektoren den Straßen- reinigern in bezug auf Lohn gleichgestellt werden, und damit einem großen Mißstande endlich Abhilfe werden soll. Zu tadeln ist, daß die Verwaltung bei den Desinfektionen der Schulen öfter zu sparsam vorgeht; gegen die Verlegung der betr. Arbeiten auf den Sonntag haben wir auch Bedenken. Der Magistrat sollte erwägen, ob nicht auch dieser Zweig der Ver- waliung einer Deputation angegliedert werden kann; zurzeit untersteht er einfach einem Dezernenten. Die Summe wird bewilligt. Der Neubau des Stadthauses, für den 0 973 800 M. bewilligt waren, hat 390 790 M. Mehrkosten verursacht. Die Neubauten der Gemeindedoppel schulen an der Gotzler- und an der Scherenberg st ratze haben gegenüber dem Anschlag von 988 300 M. und 709 000 M. Mehrkosten von 30 000 bezw. 4000 M. ergeben. Bei der Einrichtung des städtischen Grundstücks am Stralauer Platz zu einem städtischen Kohlenplatz ist eine Ueberschreitung der Anschlagssumme von 295 000 M. um 57 550 M. zu erwarten. Für diese Anschlagsüberschreitungen sucht der Magi- strat die Zustimmung der Versammlung nach, indem er gleichzeitig mitteilt, daß bei 12 anderen städtischen Bauten sich Minderkosten im Gesamtbetrage von 054 527 M. ergeben haben. Auf Vorschlag des Stadtv. Cremer(A. L.), dem Stadtv. Gold- schmidt(N. L.) beitritt, wird die Vorlage einem Ausschussevon 15 Mitgliedern überwiesen. Für im Oktober d. I. abzuhaltende Seefischkochkurfi soll ein Beitrag von 800 M. bewilligt werden. Die Kurse werden auf Anregung des Deutschen Seefischereivereins veranstaltet und sollen in 0 Schulküchen, je zwei hintereinander, für Mütter der Gemeindeschulkinder abgehalten werden. Die Fische für die Kurse stellt der Verein unentgeltlich zur Verfügung. Nachdem Stadtschulrat Fischer noch hervorgehoben hat, daß in Aussicht genommen ist, die sämtlichen Mädchen der ersten Klassen der betreffenden Schulen an den Kursen teilnehmen zu lassen, wird der Betrag bewilligt. Zur Gewährung eines Ehrenpreises für die A u s s ch e i- dungswettkämpfe der deutschen Schwimmer zu den Olympischen Spielen in Stockholm beantragt der Magi- strat die Gewährung von 1000 M. Der Deutsche Schwimmerverband hat diese Wettkämpfe am 2. Juni cr. im Seebad Mariendorf abgehalten. Die Vorlage datiert vom 31. Mai. Stadtv. Rosenfrld(Soz.): Wiederholt ist getadelt worden, daß Vorlagen des Magistrats s e h r stpä t an dre Versammlung gebracht werden. Die heutige Vorlage kommt sogar zu spät. Es sollen hier Mittel bewilligt werden für einen Zweck, der bereits erfüllt worden ist; das Wettschwimmen hat schon am 2. Juni stattgefunden. Wir wünschen denn doch Aufllärung darüber, wie es möglich ist, daß eine derartige Vorlage erst an uns kommt, wo das Geld schon ausgegeben sein soll. Es liegt hier eine gewisse Nichtachtung der Versammlung gegenüber vor, wogegen wir P r o t e st erheben müssen. Stadtrat Namslau: Das Geld ist bewilligt, vorbehaltlich der Zustimmung der Versammlung. Weshalb die Vorlage so spät kommt, kann ich nicht sagen. Die Sache pressiert, weil die Spiele schon im Juni stattfinden. Eine Mißachtung der Versammlung hat dem Magistrat ferngelegen. Stadtv. Dr. Rosenfeld: Diese Erklärung kann ich nicht als ausreichend ansehen. Mindestens hätte der jetzt erwähnt« Vor- behalt in der Vorlage zum Ausdruck gebracht werden müssen. Ich beharre dabei, daß hier unsere Rechte verletzt worden sind. Die Bewilligung wird ausgesprochen. Das st ä d t i s ch e Grundstück Seestraße 19(jetzt 49), 2102 Quadratmeter, soll für 152 421 M., d. h. für 70,50 pro Quadratmeter an den Moonschen Blindenverein zur Errichtung eineS Blindenheims mit Versammlungs-, Lese- und Musiksaal verkauft werden. Stadtv. Psannkuch(Soz.): Gegen die Veräußerung haben wir ebenso wenig wie gegen den Verkaufspreis etwas einzuwenden. Der Magistrat hat bei diesem Vertrage alle die Vorsichtsmaßregeln getroffen, die wir sonst manchmal bei ihm vermissen. So ist auch der Rückfall des Grundstücks an die Stadt zu demselben Preise vor- gesehen, wenn es seinem Zwecke nicht mehr dienen sollte. Es fehlt aber eine Bestimumng darüber, daß dieser Vorbehalt auch g r u n d- b u ch l i ch gesichert wird. Stadtrat Rast: Es ist das hier vielleicht nur übersehen war- den. Meines Wissens wird immer so verfahren, wie der Borredner anregt. Die Versammlung nimmt die Vorlage an. Die Vorlage betreffend: 1. Tie Festsetzung eines BcbaunngSplancS für das Stadtgebiet zu beiden Seiten der Müllerstraße, 2) zwischen der O t a v i st r a ß e und der Gemarkungsgrenze gegen die königliche Forst Tegel(Block III und IV), d) zwischen der L 0 n d 0 n e r S t r a ß e(nordöstlich der Müller- straße und der Gemarkungsgrenze gegen Reinickendorf(Block II); 2. den Abschluß von Verträgen mit der Terrainaktiengesellschaft Müllerstraße und der Bodenaktiengefillschaft Berlin-Nord, wird auf Antrag des Stadtv. Bcrghoff(Fr. Fr.) einem Ausschuß von 15 M i t g l i c d e r n ü b e r w i e s e n, der vorn Vorstande sofort ernannt wird, und dem auch die sozialdemokratischen Stadtvv. Leid, Ewald, Gottsried Schulz und Woldersky angehören. Auch die Vorlage betreffend den Erwerb von Straßen- l a n d von dem Grundstück A l e x a n d e r st r. 25 wird ohne Debatte angenommen. Schluß der öffentlichen Sitzung%7 Uhr. Hiis der Partei. Landcsparteitage. Der L a n d e s p a r t e i t a g der S 0 z» �. 0 e m okra ti e Bayerns findet am 3., 4. und 5. August in Landshut statt. Die vorläufige Tagesordnung enthält außer den Vorstands» und OrganisationSberichIen u. dergl. folgende Punkte: Parlamentarischer Bericht der Landtagsfraktion. a) Allgemeine Politik. Berichterstatter: Adolf Müller. b> Steuerpolitik. Berichterstatter: Dr. v. Haller. 0) Sozialpolitik. Berichterstatter: Konrad Dorn. Gemeindewahlprogramm. Berichterstatter: M. Segitz und Dr, A. Südekum. Heimatrecht oder UnterstützungSwohnfitz. Lertchterstatter: Ed. S ch m i d. Der Vollzug der Reichsversicherungsordnung in Bayern. Berichterstatter: I. Timm. Die Sozialdemokratie Hessens hält ihre Landes» konferenz am 31. August und 1. September in Erbach i. O. �ab. Außer den Berichten ist ein Referat des Genossen B u s 0 l d über die Reichs- und Landtagswahlen und ein solches des Genossen Ulrich über den Parteitag in Chemnitz vorgesehen. pollreilickes. OerichtUches uft». Wie unsere Gegner veflraft werden. Der Vorsitzende deS sozialdemokratischen KreiSvereinS Reckling» hausen, Genosse Töneböhn, sollte nach einem BersammlungSbericht des dortigen Zentrumsorgans behauptet haben, ein Gendarm habe eine 70 jährige Frau mit dem Karabinerkolben traktiert. Töneböhn schickte dem Blatt eine Berichtigung, an die die Redaktion die Be» merkung knüpfte, daß ihre Darstellung der Wahrheit entspreche. An» schließend hieran sprach das Blatt sogar von lügnerischer Gefolgschaft, die sich erdreiste, feststehende Tatsachen abzu- streiten. Als gegen den Redakteur Privatklage erhoben wurde, siel dieser mit dem angebotenen Wahrheitsbeweis glatt ab. DaS Ge- richt hielt aber nur eine Geldstrafe von 25 M. angebracht. Ein anderes Beispiel: Als während der Reichstagswahl die Schaukästen des.Bochumer Volksblatt" wiederholt demoliert wurden, gelang es, einen erwachsenen Sprößling gut situierter Bürgersleute dabei zu ertappen. Urteil: Drei Mark Geldstrafe. £Iiis Industrie und Kandel. Ein Riesenunternehmen. Schon mit der Kapitalerhöhung auf 100 Million«! Mark war die De u tsch-Lu x e mb urg i sche Bergwerks- gefellfchaft in die Reihe der deutschen Montanriesen ein- gerückt, mit der neuen Kapitalserhöhung auf 130 Millionen Mark ist der Riese wieder um Haupteslänge gewachsen. Ob dieses schnelle Wachstum seiner Gesurtdheit zuträglich sein wird, muß die Zu- kunft lehren. Entstanden ist der Riese jedenfalls aus einem kranken Keim, der in der ersten Zeit mühsam herangezüchtet wurde, um dessen Weiterleben man ernstlich besorgt war. Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entstand aus der Fusion der Differ- dinger Hochofen-Aktien-Gesellschaft in Differdingen(Großherzog- tum Luxemburg) und der Aktien-Gesellschaft Zeche Tannenbaum in Bochum die Aktien-Gesellschaft für Eisen- und Kohlenindustrie Differdingen-Dannenbaum. Die Gesellschaft, deren Sitz im Aus- lande lag, mußte die für auslandische Unternehmungen von unserer Rcichsgewerbeordnung vorgeschriebene Geschäftsbetriebserlaubnis erst nachsuchen und erhielt sie am 0. März 1900. Die Aktien wurden zum Handel an der Berliner Börse zugelassen, aber die Börse er- lebte nicht viel Freude daran, die Gesellschaft wurde vielmehr eine ganze Zeitlang ihr Schmerzenskind. Es wurde eine Sanierung vorgenommen, die sich aber als unzureichend erwies und der bald darauf eine neue Sanierung erfolgte. Aber das Unternehmen konnte sich nicht halten und mußte unter erheblichen Verlusten der Aktionäre und Gläubiger in Liquidation treten. Am 15. Juni 1901 wurde die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Mtien- Gesellschaft mit dem Sitz in Bochum errichtet. DaS Kapital betrug bei der Gründung 1 000 000 M. Am 18. Juli 1901 schloß die neue Gesellschaft ein Uebernahmeabkommen mit der in der Auflösung be- griffenLN Aktien-Gesellschaft für Eisen- und Kohlen-Jndustrie Differdingen-Dannenbaum. Am 19. Dezember desselben JahreS 'chon wurde das Kavital der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-Aktien-Gesellschast zwecks Uebernahme des verkrachten Unternehmens um rund 24 Millionen Mark erhöht. Aber trotz der erheblichen Mittel hqtte auch die neue Gesellschaft kein Glück. Die GeueÄlversammlung vom 30. September 1904 mußte die Zusam- menlegung der Aktien im Verhältnis von 2:1 genehmigen. Zugleich wurde die Fusion mit der Bergbau-Aktien-Gcsellschaft Friedlicher Nachbar zu Linden a. Ruhr und die Erhöhung des Kapitals auf 20 Millionen Mark beschlossen. Von da an nimmt die Erweite- rungSpolitik der Deutsch-Luremburgischen Bergwerks- und Hütten- Aktien-Gesellschast riesige Geschwindigkeit an. Am 18. November 1905 wurde das Kapital auf 24 Mill. Mark erhöht, und zwar zum Zweck des Zusammenschlusses mit der Aktiengesellschaft Bergwerksverein FriedrichMilhelms-Hütte zu Mülheim a. Ruhr und zur Erwerbung der sämtlichen europäischen Grey-Patente. Diese Grey-Patente haben bekanntlich dem StahlwerkSverbande bei den kürzlich be» endeten Erneuerungsverhandlungen viel zu schaffen gemacht. Am 3. Oktober 1908 erfolgte schon wieder eine ssirpitalSerhöhunK und zwar diesmal gleich um 18 Millionen Mark zwecks Uebernahme der Aktien-Gesellschaft Dortmunder Steinkohlenbergwerk Louise Tief- bau zu Barop. Genau ein Jahr darauf wurde das Kapital auf 50 Millionen Mark erhöht und ungefähr ein halbes Fahr danach auf 03,5 Millionen Mark. Von dieser letzten Kapitalserhöhung dienten 3,5 Millionen Mark zum Aufschluß des umfangreichen Erz- bcsitzes der Gesellschaft und 10 Millionen Mark zum Erwerb des gleichen Nominalbetrages Aktien der Saar- und Moselgesellschaft. Während bisher die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-Gesellschaft hauptsächlich ihren Besitz im Ruhrbezirk ausgedehnt hatte, erwarb sie mit den Aktien der Saar- und Mosel-Bergwerks-Gesellschaft in Karlingen bestimmenden Einfluß auf die westlichste Kokskohle er- zeugende Kohlenzeche und sicherte damit dem Diffirdinger Werk eine ichr wesentliche Frachtersparnis. Ganz kurze Zeit danach tat die Gesellschaft einen neuen großen Schritt in ihrer EntWickelung zum Montan-Trust. Sie gliederte sich die Union, Aktien-Gesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie in Dortmund, an und fitzte zwecks Durchführung der Fusion das Kapital um 30,5 Millionen Mark auf 100 Millionen Mark herauf. Man fragte sich damals ängstlich, was eigentlich die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- gesellschast, die doch in Westfalen kaum genügend Kohle für ihren eigenen.Bedarf habe, mit einem großen Hüttenwerke wolle, das ganz außer Verbindung zu dem Diffirdinger Werke steht. Man wollte zunächst wissen, daß der Zusammenschluß mft der Dort- munder Union seinen Grund in privaten Vorteilen einzelner hätte. Maßgebend für den Zusammenschluß war jedoch wohl die Tatfache, daß die Diffirdinger Eisenwerke wohl für den Export nach Frank- reich, Belgien und übers Meer in Betracht kamen, der Konkurrenz der rheinisch-westfälischen Werke in Mittel- und Ostdeutschland je- doch nicht gewachsen waren. Dem Kohlenmangel in Westfalen suchte man nun durch die Aufnahme der Zechen Tremonia und Kaiser Friedrich abzuhelfen. Da man mit der Saar- und Mjofil-Gefill- schaft eine breite Kohlenbasis im Westen erlangt hatte, konnte in diesem Gebiete des Unternehmens an eine Ausdehnung der Eisen- Produktion gedacht werden, die durch Einbeziehung der Hochofen- und Stahlwrke Rümelingen und St. Ingbert in den Deutsch-Luxem- burgcr Konzern vorgenommen wurde. Dieser riesige Besitz mußte nun betriebs- und verwaltungstechnisch ausgebaut und umgeändert werden. Der geistige Leiter, Hugo Stinnes, ging mit Eifer an diese Aufgabe. Das Ziel aller dieser Maßnahmen war. die Produktionen an den einzelnen Orten möglichst zu vereinheitlichen. Differdingen wurde der Schwerpunkt der Trägerfabrikation, Dort- mund der Mittelpunkt der Eisenbahnmaterialhersb-vung. Dabei war die treibende Kraft stets das Bestreben, die Gestehungskosten durch Frachtcrfparnisse und technische Vervollkommnungen herabzu- setzen. Wie sehr dieser Gedanke StinneS beherrschte, geht auS seinem Plane hervor, die untere Ruhr für seine Schiffe befahrbar zu machen, um für sein großes Mülheimer Gießereiwerk eine direkte Wasserverbindung zu haben. Es heißt, daß das Bauprogramm jetzt einigermaßen abgeschlossen sei. aber man muß sich darauf gefaßt machen, daß Stinnes noch erhebliche neue Ausdehnungen vornehmen wird. Dabei kommt nicht nur die Eisenproduktion mit Hilfe zahl- reicher Kohlengruben in Betracht, sondern Stinnes will auch an- scheinend im Kohlenhandel eine bedeutende und maßgebende Macht werden. Dieses Bestreben hat sich ja schon an einer Reihe von Plätzen, in Berlin, Königsberg, Riga und Petersburg fühlbar ge» macht, Sozialed. Welcher Tarif ist maßgebend? Zwei Buchbinder llagten gestern vor dem hiesigen Gewerbe- gericht gegen die Kartonfabril Ed. Jacobsohn auf Zahlung des Lohns für drei Feiertage. Die Kläger stützten sich auf den Buchbinder- tarif, welcher die Bezahlung der Feiertage vorschreibt. Die beklagte Firma verwies ihrerseits wieder auf den Kartonarbeitcrtarif, der im Gegensatz dazu die Bezahlung der Feiertage ausschließt. Neben etwa 400 Kartonarbeitern beschäftigt die Firma noch 10— 12 Buchbinder, welche in der Hauptsacke auch mit Kartonarbeiten beschäftigt werden und nur in seltenen Fallen zu einer vorkommenden reinen Buchbinderarbeit herangezogen werden. Den Kartonarbeitertari � hat die Firma anerkannt, mit dem Buchbindertarif will sie nichts zu tun gehabt haben. Die Kläger gaben zu, in der Hauptsache Kar tcnarbeiten gemacht zu haben, sie seien aber als Buchbinder einge- stellt worden. Die Kammer 8 unter Vorsitz des Magistratsrats Schultz wies die Kläger mit ihrer Klage ab. Es sei unbestritten, daß sie im wesentlichen mit Kartonarbeiten beschäftigt worden seien, deshalb sei für sie der Kartonarbeitertarif maßgebend gewesen; nach diesem sind aber die Feiertage nicht zu bezahlen. Zur Aufhebung des Hilfskassengesetzes. Das Hilfskassengesetz ist seit dem 1. Juni d. I. aufgehoben. Bei manchen Mitgliedern dieser Kaffen hat sich nun eine gewisse Be- unruhigung eingestellt. Demgegenüber ist zu bemerken, daß an dem Fortbestehen der Hilfskasien durch die Aufhebung des Gesetzes nichts geändert wird. Nach wie vor sind die Mitglieder derjenigen Hilfskassen, welche eine nach§ 75a des Krankenversicherungsgesetzes ausgestellte Bescheinigung besitzen, davon befreit, einer Zwangskasse beitreten zu müssen. Die Aufhebung des Hilfskassengesetzes hat in der Hauptsache zunächst nur die Wirkung, daß diejenigen Kassen, deren Geschäftsbetrieb sich über das Gebiet eines Bundesstaates hinaus erstreckt, nicht mehr der seitherigen Auffichtsbehörde, sondern dem Reichs-Aufsichtsamt für Privatvcrsicherung in Berlin unter- stellt sind und daß statutarische Bestimmungen, welche etwa mit den jetzt für die„Eingeschriebenen Hilfskassen"— fernerhin„Versiche rungsvereine auf Gegenseitigkeit" genannt— maßgebenden gesetzlichen Bestimmungen in Widerspruch stehen, ohne weiteres außer Wirksamkeit getreten sind. Im übrigen haben die Kassen ihre Stawten(Satzungen) bis zu einem bestimmten, jedenfalls aber noch ziemlich fernliegenden Termin den neuen Rechtsverhältnissen an- zupassen._ Hinterbliebenenrente und Bedürftigkeit. Bekanntlich bestimmt§ 18 des Gewerbe-Unfallversicherungs gesetzes, daß Verwandte aufsteigender Linie nur dann Anspruch au Hinterbliebenenrente haben, wenn„ihr Lebensunterhalt ganz oder doch überwiegend durch den Verstorbenen bestritten worden war, bis zum Wegfall der Bedürftigkeit". Die Berufsgenossenschasten veo stehen es daher meisterhaft, immer die Frage des„Ernährers" zu verneinen und die Bedürftigkeit auch in Fällen zu bestreiten, m denen es kaum möglich ist. Leider hilft unsere Rechtsprechung den Berufsgenossenschaften in jeder Weise, wie wieder nachstehender Fall beweisen wird. Der 24 Jahre alte Schlosser Sch. wurde bei einem schweren Unfall in den Opelwerken zu Rüsselsheim getötet. Seine Mutter machte nun bei der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik ihre An sprüche geltend, weil ihr unehelicher Sohn ihr Ernährer gewesen sei. Laut Arztgutachten war die Mutter invalide und bezog eine Rente von 136 M. pro Jahr. Ihren weiteren Lebensunterhalt be- stritt sie durch die laufende Unterstützung ihres SohneS, der ihr alle Monat 30— 40 M. gegeben habe- Sie besaß keinen Pfennig Privat- vermögen und wurde von einer bekannten Familie aus Gnade und Barmherzigkeit aufgenommen und bezog neben freier Station noch 10 M. Lohn pro Monat. Diesen Umstand benutzte die Berufs- genossenschaft und erklärte, daß unter diesen Umständen der Ver- storbene gar nicht als Ernährer der Mutter betrachtet werden Linne, die ja sich selbst ernähren konnte, auch könne„von einer Bedürfttg kcit im Sinne des Gesetzes nicht die Rede sein". In der Berufung machte nun die arme Mutter geltend, daß sie seit dem Tode ihres Sohnes zu gar keiner Arbeit mehr fähig sei, bei Bekannten im Odenwald wohne und legte ein Zeugnis ihrer ehemaligen Herrschaft vor. nach welchem sie nur zu ganz leichten Hausarbeiten fähig war, keine Ausgänge infolge ihres Leidens be- sorgen konnte, nur aus Mitleid und Dankbarkeit behalten wurde, weil sie mit der Rente von 136 M. pro Jahr nicht leben konnte, aus Dankbarkeit, weil sie den Vater der Dicnstherrin bis zu seinem Tode gut verpflegt hatte. Das Schiedsgericht erklärte jedoch, daß die Mutter folgende Einkünfte hatte: Invalidenrente 136 M., Lohn 120 M., Summe 256 M. pro Jahr. Von einer Bedürftigkeit könne also keine Rede sein, sie müsse „hiernach entschieden verneint werden". Auch dos Reichs-Versiche- rungsamt zerstörte die letzte Hoffnung der armen Mutter, denn das Urteil erklärte ganz kaltblütig, daß„die eigenen Einnahmen der Klägerin zur Zeit des Unfalls jedenfalls höher oder doch zum winde sten gleich hoch waren wie die von ihrem verstorbenen Sohne G. ge lvährten Unterstützungen". Der Sohn habe ihr im Monat höchstens 25 M. gegeben, das eigene Einkommen der Klägerin habe aber an Jirvalidenrente 11,35 M. pro Monat und 10 M. an Barlohn be- tragen. Dem Rekurse müsse also der Erfolg versagt werden. Daß die arme Mutter nur aus Mitleid beschäftigt wurde und durch den schrecklichen Tod ihres Kindes jetzt gänzlich erwerbsunfähig ihren Verwandten zur Last fallen muß, wird vom Gesetz und Recht- sprechung nicht begchtct._ Regierung und Bolksversicherung. Die Vereinigung von Krankenkassen in Rheinland und West- falen, die sich im höchsten Maße des„Vertrauens" der Regierung erfreut, hielt in Essen ihre diesjährige Generalversammlung ab. Auf Wunsch der Regierung war auch die Frage der Volksver- s i ch e r u n g auf die Tagesordnung gesetzt worden. Direktor Meyer von der Vereinsversichcrungsbank teilte mit, daß die Regierung eine Stellungnahme darüber wünsche, ob und wie eine Mitwirkung der öffentlichen Krankenkassen bei der Durchführung einer Volks- Versicherung möglich sei. Anscheinend sei eine Volksversicherung im Anschluß an die Krankenkassen im Wege der Gesetzgebung in Er- tvägung gezogen. In diesem Sinne sei auch bereits an die Regie- rung berichtet und darauf hingewiesen worden, daß es sehr wohl möglich sei, daß die Krankenkassen an der Durchführung der Volks- Versicherung mit geringen Kosten mitwirken. Im Anschluß daran machte der Direktor der im Jahre 1907 von Industriellen und Ar- beitgeberverbänden gegründeten, angeblich gemeinnützigen Vereins- Versicherungsbank in Düsseldorf Reklame für diese Versicherungs- bank. Wie der Redner weiter mitteilte, hat sich bereits die Aufsichts- behörde damit einverstanden erklärt, daß die Krankenkassen mit der Vereinsversicherungsbank zusammen arbeiten.— Handelt es sich bei dem Vorgehen der Regierung um einen wohlüberlegten Schach- zug gegen die von den Gewerkschaften und Genossenschaften be- schlossene Volksversicherung?_ Bormundschaftsgcricht und Landwirtschaft. Bekanntlich strebt unsere„herrliche" Fürsorgegesetzgebung in Preußen in erster Linie danach, der Landwirtschaft recht billig« und auch„gefügige" Arbeitskräfte zu verschaffen. Oft werden Kinder armer Leute für irgend einen dummen Streich oder zur Strafe ihrer Armut in Fürsorge genommen und dann einfach der Land- Wirtschaft als billige Arbeitskräfte zugewiesen. Was dann häufig die armen Kinder auf dem platten Lande auszustehen haben, ist oft unbeschreiblich. Kein Wunder, ivenn so viele junge Leute wieder davon lausen und dann vom Gendarm wieder zurückgebracht werden müssen. Es gibt aber auch Vormundschaftsrichter, welche sogar die Wkündel, die im freien Arbeitsvertrag ihr Brod redlich verdienen, gerne der Landwirtschaft zuführen möchten. Dafür em Beispiel: Ein Sattler im Alter von 20 Jahren steht unter Vormundschaft und verdiente seither in Frankfurt a. M. seinen Unterhalt. Er besitzt ein Vermögen von 5000 M., welches von seinem Vormund in Burghaun bei Fulda verwaltet wird. Der junge Mann wurde nun arbeitslos und schrieb seinem Vormund, daß er einen Betrag von seinem Vermögen für seinen Unterhalt benötige. Der Vormund sandte jedoch nur einen kleinen Betrag ein. Als auf weitere Bitten keine Antwort mehr kam, so führte der junge Mann, der doch in Jahresfrist volljährig wird und somit bald über sein Vermögen verfügen kann, bei dem zuständigen Vormundschaftsgericht Burg- haun Beschwerde. Statt dem erhofften Geldbetrag wurde ihm vom Vormundschaftsgericht folgende Antwort: „Sie haben alle Ihre Ausgaben, die Sie machen, genau auf- zuschreiben und die Aufstellung vorzulegen. Außerdem haben Sie sich eifrigst und sofort um Beschaffung einer anderen Arbeitsstelle umzusehen, da Sie nach Ihrem Brief an den Vormund schon seit dem 29. März ohne Arbeit sind. Sollten Sie sich keine andere Arbeit baldigst beschaffen, wird der Bormund diesseits angewiesen werden, Sie nach Hause zu holen und als landwirtschaftlichen Arbeiter zu beschäftigen. Burghaun, den 24. April 1912. Kgl. Amtsgericht." Weil also der junge Mann als Sattler innerhalb 4 Wochen keine passende Arbeit in der Großstadt finden konnte, so wird der Vormund„diesseits angewiesen", ihn sofort„nach Hause zu holen" und als„landwirtschaftlichen Arbeiter zu beschäftigen". Das würde dem braven Vormund so passen. Er„holt" sein Mündel einfach auf Grund des amtlichen Schreibens, das er ja in der Tasche hat, in Frankfurt a. M. ab und beschäftigt ihn als— Knecht. Der Landwirtschaft würde auf diese„einfache" Art und Weise ein ge- lernter und tüchtiger Sattkcrgehilfe als billige Kraft zugeführt. Der junge Mann ist natürlich nicht auf diese Einladung einge- gongen, da er inzwischen Arbeit auf seinem Berufe wieder gefunden hat. Das Wort„Arbeitslosigkeit" scheint man in Burgham nicht zu kennen und als ein Verbrechen anzusehen, welches mit„Ueber- führung" auf das Land geahndet werden muß. Hinterpommcrsche Kulturbilder. Bekanntlich besitzen die konservativen Abgeordneten immer wieder die Unverfrorenheit, ein Loblied auf die patriarchalischen Zustände des flachen Landes anzustimmen, wo so schön für die Ar- beiter gesorgt werde. Hierzu ein paar Bilder, die etwas anderes besagen. Eine Zwergschule fristet in Bietzke bei Lanzig im Winter ihr Dasein. Ihre Schülerzahl umfaßt die heilige Zahl sieben. Am 1. Mai wird allemal Schluß gemacht. Dann holen die Schulpflichti- gen ihre Weisheit im benachbarten Krolow. Man fand nun. daß daS Schulhaus nicht rationell genug ausgenutzt sei und so pferchte man eine Polenfamilie in den Raum neben der Schule. Da kann „Mann polnisches" auch noch etwas profitieren von der„deitschen Sprak". Er braucht nur die Türe zu öffnen, dann sieht er den Lehrer stets und ständig vor sich und kann dem ganzen Unterricht folgen. Es ist aber besser, die Türe bleibt zu, denn selbst durch die geschlossene Tür dringen Düfte, die nicht an die Wohlgerüche Arabiens erinnern. Als dem Lehrer der Zustand im Bereich des Herrn v. Zitzewitz zu ungemütlich wurde, wandte er sich an die Re- gierung. Diese erlöste ihn aus der Einsamkeit von wo aus er nur mit einem Kahn über die unter Wasser gesetzten Wiesen und über einen halsbrecherischen Steg nach dem 20 Minuten entfernten Lanzig gelangen konnte. Einige Kilometer weiter. Man gelangt nach dem Dorfe Scheddm. Da findet man in idyllischer Gemeinschaft Schulhaus und Armenhaus unter einem Strohdach. Das Schulhaus, das vor- dem als Arbeiterwohnhaus diente, wurde vor einigen Jahren zur Hälfte von der Gemeinde erworben. Zum Kauf der anderen Hälfte konnte man sich in rührender Sparsamkeit nicht entschließen und so sind..Klipp"schule und Armenhaus noch immer friedlich neben einander. Aber Kulturaufgaben leiden nicht. Einige Kilometer weiter. In dem Dorfe Ritzow bei Stolp. einem Vorort, in der Nähe von sogenannten Landhäusern, befindet sich in verschwiegener Ecke das Armenhaus. Ursprünglich von 4 Familien bewohnt, be- finden sich nur noch zwei dort, da zwei Stuben nicht mehr zu be- wohnen sind, was in Hinterpommcrn viel bedeutet. Der Fußboden ist aus Lehmschlag in einer schönen Wölbung, so daß das Regen- Wasser, welches durch das von Stroh entblößte Dach eindringt, sich sammelt. Die Stuben sind kopfhoch mit von Regen aufgeweichten Decken. Die Fenster sind Schießscharten und mit Werg verstopft. Die Türen hängen schief in den Angeln und sind kaum zu öffnen. Am krassesten fällt dieser entsetzliche Zustand in die Augen, wenn man die in der Nähe befindlichen Villen und die Schweineställe des „Schulzenhofes" ansieht. Die letzteren sind im wahren Sinne des Wortes Paläste. Wohl beabsichtigt man ein Armenhaus zu bauen, aber auf dem in Aussicht genommenen Lande wachsen Kartoffeln und so muß bis zum Herbst gewartet werden. Inzwischen stürzt vielleicht das Gebäude zusammen und begräbt die Insassen unter sich. Und dann rühmt man, wie väterlich für das Alter gesorgt ist. Versammlungen. Die Bureauangestellten der Fabrikbetriebe waren am Montag zahlreich erschienen in einer vom Verband der Bureauangestellten nach den Moabiter Bürgersälen einberufenen Versammlung. Reichs- tagsabgeordneter Giebel sprach über„Die wirtschaftliche Lage der Jndustricangestellten". Er zeichnete an Haird einer vom genannten Verband aufgenommenen Statistik die traurigen Arbeitsbedingungen dieser Angestelltenschicht. In der Berliner/Großindustrie sind hier Wochenlöhne bis herunter zu 12 Mk. an' der Tagesordnung. In der Diskussion wurde das Bild noch vielfach ergänzt. Jnsbe- sondere wurde auf das Bestreben der Allgemeinen Elektrizitäts- gesellschaft hingewiesen, die jetzt versucht, die Werkstattschreiber und anderen Angestellten für ihren gelben Verein zu pressen, nachdem sie bei der Arbeiterschaft damit abgeblitzt ist. Ein VerbandSmiwlied ist bereits gemaßregelt worden, weil er sich dem von dem Werk- meister ausgeübten Druck nicht gefügt hat. Ein Vertrauensmann deS Metallarbeiterverbandes aus den A.-E.-G.-Betrieben gab dem Wunsche Ausdruck, daß die organisierte Arbeiterschaft das schwierige Organisationswerk des BuroauangestelltenverbandeS unterstützen niöge. Eine große Anzahl der Anwesenden erklärten ihren Bei- tritt zur Organisation. Zentralverband der Schuhmacher. In der am Mittwoch abge- haltenen Generalversammlung sprach Dr. Kuczinski, Mitglied des Propagandaausschusses Groß-Berlin, über„Das Berliner Wohnungswesen". Der mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vor- trag gab einen lehrreichen Ueberblick über das Wohnungselend, unter dem die proletarische Bevölkerung Berlins zu leiden hat und wandte sich an die Zuhörer mit dem Ersuchen, durch Agitation in ihren Kreisen die Bestrebungen des Propagandaausschusses zu unter- tützen, damit der Zweckverband Groß-Berlin veranlaßt werde, eine gesunde, dem Interesse der breiten Massen dienende großzügige Wohnungspolitik zu betreiben.— Hierauf ging die Versammlung zur Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten über. Der Kassierer Bend ig begründete einen Antrag der Vertrauensleute: den Lokalbeitrag von 5 Pf. auf 10 Pf. wöchentlich zu erhöhen, da- mit die notwendigen Ausgaben, namentlich die alljährlicy wieder- kehrende Unterstützung der Maiausgesperrten ohne Veranstaltung von Extrasammlungen gedeckt werden können. Nach längerer Dis- kussion wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. örUfluften der Redahtion. Tic lurlstlschc e»rk«ft»ndk findet Ltndenstr-se 69, vorn vier XttW" — F a h r sl u d i—, woacnttalicki vou vi» 7 Vi u»r adendS, Eonnabcnd», «o» 4 Vi Iis 6 Uhr adendS statt. Jeder ittr den Brtkstasten bestimmten Anfrage ist ein ivachsiabc und eine Zahl als Mertjeichen«etznftigra. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AdonnementSguittnng beigefügt ist, werde» nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man t» der eprcchstuude vor. N. 17. 1. Ihre Zugehörigkeit zur sozialdemokrattlchen Partei ist kein Grund zur Aberkennung des Titels. 2. Tie brauchen nicht Verzicht zu leisten. Todes-Anzeigen SozialtakratischerWalilm! kür den 4. Berliner Reiehstags-WaMkreis. Gorliyer Viertel. Bezirk 1991. j Den Mitglieder« zur Nachricht, da» unser Genosse, der Tischler Theodor Sehultlieiß Wiener Strasse 33, gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 8. Juni, nachm.'/, Uhr,! von der Halle des Emmaus-Kirch-> Hosts, Neukölln, Hermannstrasse, I aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/2 Der Porstaud. , Am 5. Juni verschied nach lan- I gem. schwerem Leiden mein lieber | Mann, unser guter Vater, Schmie- I gersohn, Bruder, Schwager und I Onkel, der Böttcher 2003b . Wilhelm Reiuhardt | im Alter von 42 Jahren. Dies i zeigt ticsbetrübl an I tobanna Reinhardt geb. Brinkmann 2 nebst Kindern, Kl. Andreasstr. 18. I Die Beerdigung findet Sonn- » abend, nachm. 5Ubr, aus dem städt. 1 Friedhos in Friedrichsseide statt. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Frankfurter Viertel. Bez. 284. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Böttcher VVilhelm Reinhardt Kl. Andreasstr. 18, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 8. Juni, nachm. 4 Uhr, oon der Halle des Zentral-Fried- böses in FriedrichSjelde ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/1 Der Vorstand. ZentralveM der Weder. Weinküfer und ifsarbeiter fleiitsehlantls (Filiale Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wilhelm Reinhard im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichssetde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 39/4 Der Borstand. SozlaldemokralischerWalilvereiD des 6. Herl. Relchstags-Wahlkreises. Am 4. Juni verstarb unsere Genossin, Frau Berta Sternbeck Schivelbeiner Str. 6. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Juni, nach mittag» tst, Uhr, von der Halle de» Zentral- Friedhofes in Fried- richssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/7 voi- Vorstand, Nach kurzem schweren Leiden verschied im Krankenhause Pankow am Dienstag, den 4. d. M. mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Ulbert klamme! im Alter von 49 Jahren. Dies zeigt in tieser Trauer an Hedwig Hammel geb. Müller nebst Sohn. Niederschönhausen, Eichenstrasse 8. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. d. M., nach. mittags VI, Uhr, von der Leichen- balle deS neuen Nieder-Schön- Häuser Friedhofes in der Schön. holzer Heide neben der Schule statt. Linie 36. IgA Ein sanfter Tod erlöste nach langem Leiden meinen guten, braven Mann, unseren lieben Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel, den Schmied Wilhelm Tesch im 59. Lebensjahre. Dies zeigt schmerzersüllt an Zlariv Tesel» geb. Heinze im Namen aller Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 8. Juni, nachmittags 3'/, Uhr, ans dem städtischen Fried- Hof, Seestrasse, statt. SA Hiermit zur Nachricht, daß 1 mem« liebe Frau, unsere treu- j sorgende Mutter Emmo Kronfeldl geb. Zastrow I heute nachmittag'/.2 Uhr sanft entschlafen ist Pankow, 5. Juni 1912. Otto Kronfeldt | ISA nebst Kindern. Die Beerdigung findet am öonntag, den 9. Juni, nach- ! mittags 51/, Uhr, von der Halle des Friedhoss der Freireliglöse» I Gemeinde. Pavpelallee, aus statt. Am Dienstag, abends 10 Uhr, 2 verstarb meine liebe Frau 2 /tans Tunsch| geb. Schmidt im 60. Lebensjahre. DieS zeigt tiesbetrübt an Gustav Tunsch. Die Beerdigung findet Sonn. abend, den 8. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom Krankenhaus 9hnn.n melsburg, Prinz- Albert- Strasse, aus statt. 72A Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau EIisv Brock geb. Franhen sage ich allen Berwaudtcn und Be- kannten meinen herzlichsten Dank. Faul Orocle, 352t Nomintener Str. 12. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler lihert Aufgebauer Baumschulenweg, am 4. b. M. an Gesichtsrose ge- storben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am f reitag, den 7. d. M., nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Gemeinde- Frtedhoses in Treptow aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118117 Tie OrtSverwaltuna. Verband der freien ßast-und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle»erfht. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau deS Kollegen llSK'iLC Luise, geb Rupprecht Tilstter Str. 82, Bezirk 3, ver- storben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Juni, nach- mittags 2'/i Uhr, von der Leichen- Halle des ZentralftiedhoseS in Friedrichssetde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/7 Der Borftaud. Danksagung. Für die Beweise herzlichster Teil- nähme beim Begräbnis meiner lieben Frau spreche ich allen Bekannten sowie den Kollegen der Firma Rotophot. Gesellschaft meine» herz- lichsten Dank auS. 1A Angnmt Ondnscb. Für die zahlreiche Beteiligung und dle Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne», unsere» guten Vater» Otto Wilcko sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Ches und Personal der Firma Rotenfeld, dem 6. Reichstagswahlkreis, dem Holzarbeiter-Verband, dem Vergnügungs- vereüi„Rote Nelke", serner für die trostreichen Worte am Sarg« unseren herzlichsten Dank. 2002 Die trauernde Witwe IKwrl« W 1 1 c k e und Kinder. Danksaauna. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Tochter, unserer guten Schwester �uua Allmer sagen wir allen Kollegen sohlt« dem Zentralverband der Buchdruckereihilss- arbeiter unseren innigsten Dank. Weissensee, den 5. Mai 1912. ISA Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen lieben Vaters Hermann major sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie die Kollegen der Firma Alken» Ludwig und Schttlke Nachf. unseren tiefempfundenen Dank. LOOlb Die trauernden Hinterbliebenen Blax Major und Schwestern. ' ü. lDertheim H G.M.B. H Cefyztomfn 132=37 Königsfrasse 31=32 Rosentbalcrstr* 27-31 Oraniensfrassc 52 55 Soweit vorhanden: Backobst Billige Lebensmittel Die mit# bezeichneten ArtiKel sind vw der Zusendung aasgeschlossen. Türk. Pflaumen Pfand 32, 36 pf. Pflaumen ohne Stein, Pfd. 48, 58 Pf. Kaliforn. Pflaumen?». 44. 48 pf. Kaliforn. Pfirsiche Pfd. 58, 70 pt Kaliforn. Birnen prund 56, 63 pt. Italienische Prünellen Pfd. 73 pf. Ringäpfel..... Pfund 45, 55 pt Hagebutten...... Pfund 55 pr. Speisen-Fabrikate gefärbt Pudding- u. Gries-Puddingpulver mit Tersobiedenem Geschmack Oß 5 Pakete CKi"■ Rote Crutze Puiver mit rerech. Geschmack, 5 Pak. 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Ueber die Reichstagskänchfe in dem abgelaufenen ersten Sessionsabschnitt wird Genosse Ledebour in folgenden drei Versammlungen Bericht erstatten. 1. Am1l.JuniimPatzenhoserBrauereiallsschank.Turmstr.2Z/27. Thema:»Die innere Politik". 2. Am 18. Juni in den Pharussälen, Müllerstr. 142. Thema:„Verfassungsfragen". 3, Am 25. Juni in der Brauerei Königsta dt, Sch önhauserAllce lO. Thema:„Die auswärtige Politik". Rudow. Am Sonntag, den 9. Juni 1912, nachmittags 4 Uhr, findet die Versammlung des WahlvereinZ im Lokal von Richard Rolle statt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Tegel. Slm Sonntag, den 9. Juni, findet eine Besichtigung des ReichsragZgebälldes statt. Der Eintrittspreis beträgt pro Person 80 Pf. Treffpunkt>/z11 Uhr vormittags an der Endhaltestelle der Slratzenbahn in der Hauptstraße. Nieder- Schönhauscn und Nieder- SchSnhausen- West. Sonntag. den 9. Juni, früh 8 Uhr: Wichtige Flugblattverbreitung zur Ge- meindewahl von den bekannten Stellen aus. Die Beteiligung aller Genossen erwartet_ Das Wahlkomitee. Berliner JVacbncbten» Ans der Stadtverordnetenversammlung, Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten gehörte nach dem Inhalt der Tagesordnung wie nach der Dauer der Vcr- Handlungen nicht zu den„großen". Sie erhielt aber einen sozusagen feierlichen Anstrich durch ein paar Ansprachen, mit denen der Stadtverordnete Cassel als Stellvertreter des Vorstehers sie einleitete. Herr Cassel erinnerte an die R e i s e nach Wien, die eine Anzahl Stadtverordnete und Magistratsmitglieder soeben überstanden haben, und dankte noch einmal öffentlich für die dort genossenen Freuden. So- dann» bewillkommnete er die Gäste der Stadt Berlin, die Vertreter schwedischer Städte, die zu Beginn der Stadtverordlietensitzung auf der Zuhörertribüne er- schienen waren. Die Verhandlungen boten nicht viel des Bemerkens- werten. Eine notwendig gewordene Nachforderung von Mitteln für die Desinfektionsanstalt, deren Arbeit seit dem vorigen Jahre sich stark gemehrt hat, wurde bewilligt. Genosse Koblenzer begrüßte es mit Freude, daß der Magistrat bei dieser Gelegenheit sich entschlossen hat. den Desinfektoren eine Aufbesserung ihres Einkommens zu gewähren. In der Magistratsvorlage ist davon die Rede, daß die Desinfektionen der schulen „künftig mit dem Personal in Notfällen und zum Teil noch aus wirtschaftlichen Rücksichten Sonntags erledigt werden sollen". Hiergegen wandte sich unser Redner, indem er zu- gleich den Magistrat um Auskunft über die geradezu unver- ständliche Begründung ersuchte. Stadtrat Straß mann, den der Magistrat noch immer zum Sachverständigen für das Gesundheitswesen hat. war nicht anwesend. Der Magistrat blieb daher die Antwort schuldig. Jugendpflege und Kirche, die sonst für einander Geschmack haben, scheinen sich neuerdings in die Haare geraten zu wollen. Auf der Berliner Kreissynode Friedrich-Werder I zog der GeneralsupMntendent I). Lahusen in der an ihm schon genügend bekannten Art über die Berliner her. die am Sonntagvormittag in den Wald gehen statt in die Kirche. Eür den Wald genüge der halbe Tag, so daß die andere älfte der Kirche gewidiitet werden könne. Daran an- knüpfend, mißbilligte es Herr Lahusen. daß die großen nationalen Jugendorganisationen Jungdcutschland, Pfadsinderbund und Wandervogel ihre Ausslüge schon auf den Sonntagdormittag verlegen. Könne man keinen anderen Gebrauch ausfindig machen, so müsse wenigstens für diese Jugendorganisationen am Sonntagvormittag ein Feldgottesdienst stattsinden, damit die jungen Leute nicht den ganzen Sommer über der Kirche entzogen werden. Wir finden das ganz in der Ordmrng. Denjenigen Eltern, welche sich für den nationalen Jugendrummel be- geistern, kann es nichts schaden, wenn sie auch noch die kirch- lichen Rockschöße angehängt bekommen. Das junge Kriegs- Volk ivird wohl weniger davon erbaut sein und bald auö dem Lager der Ritter und Heiligen desertieren. Das Achtklassensystem der Berliner Gemeindeschnle soll, so nieint die„Pädagogische Zeitung", erhalten bleiben. Das Lehrcrblatt erfährt, daß die Beratungen über den L e h r- plan für die V o l ks s ch u l en G r o ß- B e rlin s jetzt abgebrochen seien. Es teilt über daS Ergebnis mit: „Die Gestaltung deS neuen Lehrplans ist dem achtklasfigen Schulsystem angepaßt. Der Stoff ist unter Ausscheidung von mancherlei Ucberfliissiqem auf acht Schuljahre in der Weise ver» teilt, daß nach dem fiebeiilen Schuljahre ein Abschluß erfolgt, der Stoff für das achte Schuljahr sich ober durchaus im Rahmen des Volksschulwissens hält. Wie wir weiter erfahren, soll die Zählung der Klaffen den einzelnen Gemeinden llberlaffen bl-jbcn, so daß die achtklaisigcn Schulen von VIII bis I, die siedenklassigen von VII bis I zählen. Tie Vertreter der Bororte waren zumeist für eine la Klaffe oberhalb der siebenten Klaffe, die Bertreier Berlins ober hielten mit erfreulicher Eneraie au der«chltlafsigkeit des Systems fest." Die„Päd. Ztg." hält hiernach die Versuche, das Acht- tlassenproblem durch die la-Klasse zu erledigen, für gescheitert. Sie begrüßt die jetzige Lösung als eine glückliche Beendigung des langen und Hefligen Streites und hofft, daß die in Berlin erhalten gebliebene A ch t k l a s s e n s ch u l e ihre vorbildliche Kraft geltend machen und den Vorort- gemeinden ein Ansporn sein wird, ihr siebenklassiges System über kurz oder lang in ein achtklassiges umzuwandeln. Tie Zukunft wird lehren, ob dieser Freudenausbruch des Lehrerblattes so ganz berechtigt war. Verdächtig ist das. was für Berlin eine„Reform" gegenüber dem bisherigen Zustand bedeuten soll: nämlich der Beschluß, daß„nach dem s i e b e u t e u S ch u l j a h r ein Abschluß erfolgt." Wir vermuten, daß fortan ans den Kreisen der Eltern die Gesuche. ihre Kinder vorzeitig aus der Schulpflicht zu entlassen, noch zahlreicher als bisher kommen werden. Und wir fürchten, daß bei der Schulverwalüing die Bereit- Willigkeit, dieses Verlangen zu erfüllen, noch zunehmen wird. Wenn dann die ersten Klassen immer leerer werden, wird die Schulverwaltung unserer Stadt sich in nicht zu ferner Zeit am Ziel der Wünsche des Berliner Stadtfrei- sinns scben. Sie wird iinmer mehr erste Klassen einziehen „müssen", weil die vorschriftsmäßige Füllimg nicht zu erreichen ist. Das„Achtklassensystem" der Gcmetndeschnle Berlins be- steht dann auf dem Papier weiter, aber die für das achte Schuljahr bestimmte Klasse I wird man als Rarität mit der Laterne suchen müssen._ Eine neue Waldvcrwüstnng bei Berlin ist geplant. UnS wird geschrieben:„Diesmal soll die Axt den allen Berlinern Wohl- bekannten Park im Schloß Rahlvald bei Westend niederlegen, natür- lich um Raum zu gewinnen für Spekulation und Bebauung. I» dieser Gegend liegen noch weite Gelände brach. Ausgerechnet macht man sich an dasjenige heran, welches mit seinem herrlichen Baum- bestände erhalten werden sollte. Die Nähe des Grunewalds hat damit nichts zu tun, denn Wald und Pari sind zweierlei. Bereit» erhebt sich aus der Mitte der zunächst am meisten intereisierlen Charlottenburger starker Protest gegen die beabsichtigte Natur- Verwüstung. Man hofft, daß die Sladtgemeinde Charlottcnburg, die sich das bei ibren guten Finanzen leisten kann, die Spekulation aus dem Felde schlagen und den Schloßpark Ruhwald, der seit Jahren dem Publikum zugänglich ist, in ihren Besitz bringen wird. Es ist ja doch nur eine Frage der Zeit, daß sich die bauliche EntWickelung, die am Westeuder Kraukenhause vorläufig Halt gemacht hat, weiter bis»ach dem Spandauer Bock hinauf ausdehnt. Dann hat die Stadt Charlottenburg dort einen Stadtpark von großer Schönheit und ist der Sorge um die Neuanlage eines solchen enthoben." Bestätigt. Im Berliner Rathause ist gestern die Bestätigung der Wahl des Beigeordneten Berndt-Mainz zum besoldeten Stadtrat von Berlin an Stelle des verstorbenen Stadtrat Böhm ein- getroffen. Wann der Gewählte sein Amt antritt, steht noch nicht fest. Zur Vernichtung von geschichtlichen und Naturdenkmälern tragen, wie der KuliuSminister in eineni Erlaffe hervorhebt, die sogenannten „Rother�schen Bedingungen vom Jahre 1834(!) dort, wo sie bei Anlegung von Chausseen noch zur Anwendung gelangen, bei. Aber auch sonst lasse daS Verfahren bei Wegebauten nicht selten die wünschenswerte Rücksichtnahme auf die Interessen des HeimatschutzeS und der Naturdenkmalpflege vermissen. Der Schutz des Landschafts- bildes werde sich aber in den meisten Fällen durch rücksichtsvolle Linienführung des Wege» ohne weiteres erreichen lassen. In An- schung der Einzelheiten ist darauf zu achten, daß z. B. FelSgebilde, schmückende Bäume. Fundstellen seltener Pflanzen usw., soweit irgend möglich, vor Vernichtung bewahrt bleiben. In einzelnen Berichten sowohl wie neuerdings wieder in der Presse sei besonders darauf hingewiesen worden, wie die für manche Landestcile sehr charakteristischen freiliegenden erratischen Blöcke, die sogenannten Findlinge, infolge der Wegebauten mit völliger Bernichtung bedroht und schützender Maß- regeln in hohem Maße bedürftig sind. Die Oberpräsidenten sollen auf tunliche Förderung der bedrohten Heimatschutzinteressen durch die staatlichen und kommunalen Organe hinwirken. AlS eine all- gemeine Schutzmaßregel dürfte vor allem in Frage kommen, die mterefsierten Heiinatschiitzkreife möglichst frühzeitig von dem geplanten Neubau oder Umbau einer Chauffee usw. in Kenntnis zu setzen. Selbstverständlich bliebe die Pflicht der Behörden bestehen, möglichst auch selbst auf die Erhaltung schutzbedllrftiger Naturdenkmäler Bedacht zu nehmen. Um den Anordnungen der Behörden und den Wünschen der Jntereffenten Nachdruck zu verleihen, empfehle es sich, die Bewilli» gung von Beihilfen, wie sie Provinzial- usw. Verbände zu Wegebauten gewähren, mit Bedingungen im Sinne des HeimatschutzeS zu ver- kuüpfeu. Auch die Verträge mit den Unternehmern von Chauffee« usw. Bauten würden zur Schonung der geschichtlichen usw. Denkmäler vertraglich anzuhalten sein, Der Kultusminister sollte vor allem seinem Kollegen von„der anderen Fakultät", nämlich dem Forstminister, eine Vorlesung halten, daß auch Wälder Naturdenkmäler sind und daß diese in erster Linie vor Vcrschandelung bewahrt werden sollten. Im Streit um die Tegeler Inseln ist gestern vom Kammergericht Berlin das Urteil gefällt worden. Die Klage des Magistrats, durch die der Gutsherrin von Tegel, Frau v. Heinz, das Vorkaufsrecht auf die Inseln bestritten wurde, ist vom Kammergericht zurückgewiesen worden. Im Einzelnen wird berichtet: Vor dem Kammer- gericht stand gestern in dem Prozeß, den die Stadt Berlin gegen die Gutsherrin von Tegel, Frau v, Heinz, angestrengt hat. ein neuer Termiu an. Es handelt sich, wie mehrfach berichtet, darum, daß der Berliner Magistrat Frau v. Heinz die Ausübung des aus dem Jahre 1332 stammenden Vorkaufsrechtes auf die Inseln Scharfenberg, Lindwerder und Baumwerder im Tegeler See bestreitet. Berlin hat diese Inseln von dem Rentier Ad. Bolle für den Gesamtpreis von 850000 M. zu dem Zweck erworben, um sie als Stützpunkt für die Druckrohre des geplameii Wasserwerks Hciligensee zu verwenden. Da besondere Aufbauten hierzu nicht nötig find, ist ferner in Aus« ficht genommen, die Inseln, von denen sich besonders Scharfenberg durch seine wertvollen dendrologischcn Anlagen auszeichnet, für den Zweckverband Groß-Verlin al» Freiland zu sichern. Schon einmal ichwcble» wegen dieses Prozesse« Vergleichsverhandlungen, die jedoch Ei»de vorigen Jahres scheiterten. Nun hat das Kammergericht das Urteil deS Landgericht» Berlin I bestätigt, das im Oklober 1910 die Keslslellmigsklage Berlins zurückwies. Die Stadt Berlin hat jedoch die Inseln gar nicht nötig, um die Druckrohre des Wasserwerks zu lege». Der Bollesche Verkauf an den Magistrat ist nunmehr null und nichtig. Verhaftung eineS SittlichkeitsvcrbrecherS. In der Nähe der Späthschen Baumschulen konnte gestern ein Sittlichkeitsverbrecher ver- hastet werden, der die fünfjährige Tochter eines LademeisterS ans Tempclhof nach den Britzer Wiesen am Teltowkanal gelockt und in einem Kornfelde vergewaltigt hatte. Der Verhaftete ift ein Arbeiter Wegener aus Neukölln. Er wurde dem Berliner Polizeipräsidium zu- geführt. Der Vater de» Kindes hat sofort Strafanzeige erstattet. DaS Mädchen inußte in ärztliche Behandlung begeben werden, Wegencr gab bei seiner Veruehmung an, daß er schon mehrere Male im Irren- Hause gewesen sei. Eine uiysteriöse Affäre beschäftigt zurzeit die Spandauer Ge- richtsbehörden. Im März d. I. wurde aus der Havel die Leiche deS Bankbeamten Jost aus Magdeburg gelandet, der nach Unterschlagung von 100 000 M. flüchtig geworden war. Neuerdings ist nun der Verdacht ausgetaucht, daß dem Toten die hunderttausend Mark ge- stöhlen worden sind. Die Brusttasche des Anzugs war zerrissen. Die Leiche soll jetzt wieder ausgegraben werden, um festzustellen, ob der Tote wirklich der Bankbeamte Jost ist. In der seltsamen Affäre ist bereits eine Verhaftung erfolgt. , Seinen Berletmiigen erlegen ist der 18 Jahre alte Arbeiter Erich Fi'ch aus der Fennsir. 45. der, wie wir miitcilten, in der Kohlen- sliflefabrik von Gebrüder Siemens u. Co. zu Lichtenberg von einem Treibriemen erfaßt und so heftig auf den Fußboden geschleudert lvurde, daß er außer Brüchen beider Arme und Beine schwere innere Verletzungen davontrug. In der Charitö, wohin er mit einem Rünzelschcn Krankenwagen gebracht wurde, stellte man Nieren- und Lungenzcrrcißung fest, an deren Folgen der Verunglückte kurze Zeit nach der Einlicfcrung starb. Tot aufgeftiiiden wurde Mitlwochabend gegen 10'Nhr in den Anlagen am Huinboldthafen ein»iigcfähr 40 Jahre alter Mann, dessen Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Ein Schutzmann, der den Mann daliegen sah. brachte ihn zur Charitö, wo die Aerzte aber nur noch seinen Tod feststellen konnten. Der Unbekannte, der dem Arbeiterslande angehört zu haben jcheüit, ist 1,65 Meter groß, hat rotblondes Haar und Schnurrbart und trug einen dunlellarierten Jackettanzug, eine Schirmmütze und braune Sandalen. Aus der Selbstmordchronik. Im Gasthause vergiftet und erhängt hat sich gestern der 30 Jahre alte frühere Bäcker Josef Sellin aus Frankfurt a. d. Oder. Arbeits- und Mittellosigkeit haben sicherlich den Mann in den Toi- getrieben, da man in seinen Taschen kein bares Geld mehr fand. Häusliche Zwistigkeiten haben den 26 Jahre alten Slubenmaler Max Blümicke aus der Franieckystraße>41 in den Tod getrieben. Der Mann erhängte sich am Bettpfosten. Krankheit hat die 44 Jahre alte Handelsfrau Witwe Berta Kerschke geb. Vogel zum Selbstmord veranlaßt. Die Frau litt seit längerer Zeit an den Nerven und mußte wiederholt dieserhalb Heil- anstalten aufsuchen. Hier fand sie aber auch keine dauernde Besserung. In einem schweren Anfalle ihres alten Leidens erhängte sie sich gestern in ihrer Wohnung in der Fichtestraße 26. Als man sie auffand, war sie schon tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Auf dem Arlonaplatz erschossen hat sich in der vergangenen Nacht der 52 Jahre alte Arbeiter Emil Landsberg aus der Bernauer Straße 75.•_ Ein mutmaßlicher KindeSmord beschäftigt die Kriminalpolizei. Im Flur des Hauses Eifenbahnitr. 9 fanden Bewohner gestern abend ein verschnürtes, in gelbes Packpapier und einer Zeitung ein- gewickeltes Paket, das die Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. Das Kind scheint gleich nach der Geburt erwürgt und dann ver» schnürt worden zu sein. Die kleine Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein schwerer Straßrnbahnunfall ereignete sich am Mittwochabend gegen 9 Uhr vor dem Hause Kommandautcnstraße 24. Die bei einem Kaufmann in der Metzer Straße 42 bedieustete Marie Ladwig verließ den Hinterperron eines Motorwagens der Linie 48E an jener Stelle während der Fahrt, kam dabei zu Fall und blieb neben dem Zuge bewußtlos liegen. Die Ladwig erlitt eine sehr schwere Kopfverletzung und erhielt die erste Hilfe auf der Unfallstation in der Kommandantenstraße. Von dort wurde sie nach dem Kranken- hause Moabit gebracht. Vorort- l�acbricbten. Charlottenburff. Eharlottenburger Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurden eine Reihe kleinerer Vorlagen erledigt. Eine größere Debatte entspann sich über die Errichtung einer Abort- und Bedürfnisanstalt auf dem Reichs kanzlerplatz, die der Magistrat niit einem Kostenaufwand von 43 000 M. unterirdisch erbauen will. während eine oberirdische Anstalt nur 20 000 M. erfordern würde. Stadtv. Jolenberg(lib.) betonte, daß eine oberirdische Anstalt praktischer, handlicher, leichter erreichbar und beliebter sei. Genosse Lehmann regte an, auch auf dem Platz v im Norden der Stadt sowie am Lietzensee eine Bedürfnisanstalt zu errichten._ Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, der speziell auch die Frage, ob oberirdisch oder unterirdisch, einer näheren Prüfung unterziehen soll. 30 000 M. zu einem Barackenbau für das Krankenhaus Westend wurden ohne weseutliche Debatte bewilligt. Der Bau ist notwendig, um Räume zur Unterbringung von Personen zu haben, die von einer gemeingesährlichen Krankheit(Cholera, Pocken und ähnliche) befallen oder lranlheitSverdächtig sind. Auf Grund des Seuchen- gesetzeS ist die Stadt zur Bereithaltung solcher Räume verpflichtet und muß dem Polizeipräsidium den Nachweis der Bereithaltung führen. Bisher konnten zwei halbe Pavillons der allgemeinen In» fektionsabteilung für diese Zwecke frei gehalten werden; doch ist dies bei der von Jahr zu Jahr gestiegenen Zahl der Jnseltions« kranken nicht mehr möglich. Schon im Januar hatte des« halb der Magistrat die Mittel für diesen Barackenbau der- langt, damals erklärten aber die Liberalen mit dem Aufwand großer Lungenkraft eine solche Vorsicht für überflüssig, obwohl sie von unseren Genossen sehr energisch auf die Folgen dieser üblen Spar- samleit hingewiesen wurden, die dahin führen müßte, daß die Stadt von der Polizei zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Verpflichtung auf dem Gebiet der Seuchenbekämpsung angehalten würde. Inzwischen haben die Liberalen wohl eingesehen, wie blamabel das wäre, und bewilligten sang- und klanglos, was sie vor knapp vier Monaten als überflüssig gestrichen hatten. Genosse Vogel hielt ihnen ihre jetzt eingestandene Sparsamkeit am falschen Ort gründlich vor, was sie mit verlegenem Schweigen hinnahmen. Natürlich handelt eS sich bei diesem Barackenbau nicht um eine Bekämpfung einer etwa aus- gebrochenen Epidemie, sondern lediglich um die nach dem Gesetz notwendige Bereithaltung von Räumen zur Unterbrlnguitg der ersten verdächtigen Fälle von Cholera. Pocken und ähnlichen Krankheiten; bei Ausbruch einer wirklichen Epidemie würden weit umfaffendere Maßregeln getroffen werden müssen. Zu einer etwas erregten Auseinandersetzung führte eine Vor« läge, die 1500 M. zur Beschaffung und Ausschmückung von Blumen« schalen für die Berliner Straße forderte. Stadtv. Zander (Alte Fr.) klagte lebhaft über die Vernachlässigung der Berliner Straße, die immer mehr geradezu zu einer Dorfstraße herabsinke; während sie vor 20 Jahren im Konversationslexikon noch als eine hervorragende Prachtstraße genannt wurde, sei sie in der neuen Auf- läge nicht mehr erwähnt. Er forderte mehr Wohlwollen für daS alte Charlottenburg und beantragte, die geforderte Summe zu verdoppeln, um auch die Südseite der Berliner Straße mit Blumenschmuck ver- sehen zu können. Der Oberbürgermeister SchustehruS bestritt energisch, daß der Magistrat für Alt-Charlottenburg und die Berliner Straße kein Herz habe, für diese Straße sei sogar sehr viel geschehen; daß sie ins Hintertreffeir geraten sei, liege an der EntWickelung deS Verkehrs, der von Berlm nach dem Grunewald geht und dem Ausbau des Kurfürstendamms, der Kantstraße und der Bismarckstraße zugute ge« kommen sei. Die Berliner Straße werde erst wieder gewinnen, wenn sie ein Hinterland bekomme, und da» sei nur möglich durch Ausschließung deS Stadtteils nördlich der Spree. WaS der Magistrat dazu tun könne, werde er tun, wie er ja zu diesem Zweck auch die Jungfernheide für S1� Millionen erworben habe. Die Lorlage wurde mit der vom Stadtverordneten Zander be» antragten Verdoppelung der Summe angenommen. Neukölln. Eine Revision der Löhne der städtischen Arbeiter und Angestellten beabsichtigt der Magistrat demnächst vorzunehmen. Hierfür sind in den diesjährigen Etat 20 000 M. eingestellt worden. Da etwa 1100 Personen in Betracht kommen, so entkallen auf den Kopf ganz? 18 M., das macht auf da» Halbjahr von Oltober 1912 bis Ende März 1913 verteilt, pro Woche 70 Pf. aus. Eine solche Lohn- aufbcsseruug, die eine Steigerung der Löhne um nur 2—8 Proz. bedeutet, ist natürlich gegenüber den anhaltend hohen Lebensmittel- preisen ganz unzureichend. Wenn aber geplant sein sollte, nur ein- zelne Kategorien aufzubessern— seinerzeit wurde von 600 Personen gesprochen—, so ist das noch schlimmer, da dann die andere Hälfte voll- ständig leer ausgehen würde. Die letzte Lohnaufbesserung im Oktober 1909 war aber ebenfalls ganz unzulänglich; nur mit großer Mühe war es damals der sozialdemokratischen Stadtverordneteufraktiou gelungen, eine Loh»ziilnge_ von täglich 25 Pf. durchzudrückend Auch die Forderung, die Höchstlöhne schon nach einer BeschäftiguugSdaucr von fünf Jahren zu zahlen, konnte nicht erreicht werden; es gibt heute noch Gruppen, die diese Höchstlöhne erst nach 8—10 Jahren erhalten. Die Bezahlung der Ueberswnden ist vollständig ungeregelt; m Vielen Betrieben drückt man sich um die Bezahlung herum. Auch die Arbeitszeit bedarf noch einer weiteren Regelung. Während zu», Beispiel die Maschinisten und Heizer in der Gasmistall die achtstündige Arbeitszeit bereits haben, arbeite» dieselben Berussgruppen im Krankenhaus und in der Pumpstation noch V Stunden. Eine Gleichstellung ist schon längst versprochen, bis jetzt aber noch nicht durchgeführt worden. Vom Pflege- und Hauspersonal im Krankenhans wird noch eine 14 ständige Dienstbercitschaft ge- fordert, und auch die OmnibnSangestellten haben noch eine 13stündige Arbeitszeit, wozu noch häufig Ileberstunden kommen. Um zu dieser bevorstehenden Neuregelung der Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter und Angestellten Stellung zu nehmen, hatte der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter zu Mittwochabend eine Versammlung nach den„Biirgersälen* einberufen. In der vorigen Woche hatte sich schon eine' Vertrauensniännerversammlung mit dieser Fr?ze beschäftigt, welche sich über die Art des Vorgehens einigte. Danach sollen dem Magistrat die Wünsche der gesamten städtischen Arbeiter und Angestellten unterbreitet sowie die Forderung aufgestellt werden, einen Lohnvcrtrag auf der Basis der Tarif- Verträge abzuschlieben. Die allgemeine Versammlung erklärte sich nach einem eingehenden Referat des Genossen P o l e n s k e mit den Vorschlägen der Vertraucnsmännerversammlung einverstanden und nahm darauf folgende Resolution einstimmig an: .Die am S. Juni 1912 in den„Burgersälen", Bergstr. 147, der- sammelten Handwerker. Arbeiter, Arbeiterinnen und Augestellten der städtischen Betriebe Neuköllns beauftragen den Verband der Gemeinde und Staatsarbciter, zur bevorstehenden Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse die nachstehenden Anträge zu stellen: Die Neuregelung der Arbeitsbedingungen erfolgt aus der Grunb läge eines zwischen der Stadtverwaltung und dem Verbände der Ge- meinde- und Staatsarbeiter abzuschließenden Tarifvertrages. Dieser Tarif soll enthalten: I.Entlohnung, a) Einführung von Wochenlöhnen an Stelle der bisherigen Stunden- und Tagelöhne. Aufbesserung der Löhne um inindestens 2 M. pro Woche.' b> Bezahlung der Ucberstunden mit 26 Proz., der Sonntags- und Nachtarbeit mit 69 Proz. Aufschlag. 2. Arbeitszeit, a) Die achtstündige Schicht für alle kon- tinuierlichen Betriebe. dj Die neunstündige Arbeitszeit für alle übrigen Betriebe exklusive des Omnibnsbetriebes und des Pflege- und Hausperfonals des Krankenhauses. c) Die zwölsstündige Arbeitszeit für den Omnibusbetrieb und das Pflege- und Hauspersonal des Krankenhauses. Wilmersdorf-Halensee. AuS der Stadtvemduetenversammlung. Von den 18 Gegenständen, mit denen die Stadtverordnetenversammlung sich in ihrer Sitzung vom Mittwoch zu beschäftigen hatte, wurden die meisten im Geschwindschritt erledigt. Selbst die doch immerhin belangreiche Magistratsvorlage, die für Schulhäuser und andere städtische Bauten die Ausnahme einer Anleihe von 26 Millionen Mark empfahl. löste nur eine kurze Debatte aus. Von sozialdemokratischer Seite wurde auf ein von der Stadt Wiesbaden eingeführtes Verfahren hingewiesen, das nicht die sonst übliche ratenweise, sondern eine einmalige Tilgung der Anleiheschuld vorsieht und dadurch eine günstigere Aufnahme der Schuldverschreibungen bewirken soll. Nachdem einige Redner die gegen das Wiesbadener Verfahren erhobenen Bedenken hervorgekehrt hatten, fand die vom Finanzausschuß in verschiedenen Stücken ab- geänderte Magistratsvorlage Annahme. Ebenso stimmte die Versammlung einer Magistratsvorlage zu, die die Uebernahme des bisher vom Gemeinnützigen Verein geleiteten Arbeitsnachweises in städtische Verwaltung bezweckt. Bei diesem Gegenstande wurde von sozialdemokratischer Seite betont, daß es an der Zeit sei, den bis jetzt nur für weibliches Dienstpersonal in Be- trachl kommenden Arbeitsnachweis nach Schöneberger Muster weiter auszubauen. Wie wir schon mitgeteilt haben, wird der im Hause Gasteiner Str. 11 befindliche Nachweis im Hause Trautenaustr. l eine Filiale erhalten. Eine Auseinandersetzung gab eS bei der Erörterung der Magistrats Vorlage, wonach für eine Müllverladestelle und ein Armen haus von der durch Herrn Haberland vertretenen offenen Handels- gesellschaft B. Gutmann in Dresden ein an der Forckendeckstraße belegenes Grundstück gekauft werden soll. Während einige Fachleute den vereinbarten Preis von 316 194 M. für das 309,37 Quadrat» ruten große Grundstück als viel zu hoch bezeichneten, beklagte Stadtverordneter Dr. Heinitz sich darüber, daß gerade die Gegend am Bahnhof Schmargendorf, in der doch als Zierde der Stadt das Amtsgericht errichtet werden solle, auch einige öffentliche Gebäude von zweifelhafter Güte erhalten werde. Ihm trat der Genoffe Schröder mit dem Bedeuten ent- gegen, daß nach seinen als Redakteur gemachten Erfahrungen ein Gerichtsgebäude oft auch bei anständigen Menschen nicht gerade anheimelnde Empfindungen auslöse. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet seien die Gefühle, die der Anblick eines Armen- Hauses wecke, immerhin dem Allgemeininteresse dienlicher; und daher brauche man sich auch nicht auf alle Fälle der von Herrn Dr. Heinitz ausgesprochenen Genugtuung über die MagistratSvorkage anzuschließen, die das Armenhaus als Hintergebäude errichten und eS so dem Anblick der Straßenpassanten entziehen will. Auch diese Borlage fand schließlich Annahme. Eine weitere Magistratsvorlage, die das Ausscheiden der�Stadt- gemeinde Wilmersdorf aus der Brandenburgischen Beamten-, Witwen- und Waisenversorgungsanstalt und die Gründung eine? eigenen Fonds für die Witwen- und Waisenversorgung zum Ziel hatte, wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Hierauf sollte eine Angelegenheit zur Beratung kommen, die in der Oeffentlichkeit die Gemüter lebhaft bewegt hat. Das von der Regierung an die Stadt verkaufte Grundstück des Joachimsthal- schen Gymnasiums enthält einen großen Schulgarten, den der Magistrat zum Teil der Bebauung überantworten will, während die Bevölkerung ihn ganz als Park erhalten sehen möchte. Eine Aussprache über diese Angelegenheit war dringend notwendig. aber die maßgebende konservative Fraktion hatte es ander» be- schlössen. Der fortschrittliche Stadtverordnete Cohn trat in kurzen Worten für Erhaltung des Parkes ein, und der Stadtbaurat Herrnring suchte den Magistrat von dem Verdachte zu reinigen, daß er nicht aus Förderung der Kultur bedacht sei. Dann erhob sich der Stadtverordnete D r ö s e als Vorsitzender der großen Fraktion� um die Minderheit mit der Er- klärung zu überraschen, daß ein Schlußantrag gestellt werde. Gen. Schröder wandte sich mit Schärfe gegen diese in Wilmersdorf öfter angewandte Vergewaltigung der Minderheit: er hob hervor, daß die Mehrheit mit dem von ihr beliebten Verfahren sich selbst einen Bärendienst leiste, weil die Unterdrückung der Aussprache die Stadt Wilmersdorf in ein außerordentlich ungünstiges Licht stelle. Aber der Beschluß der Konservativen wurde unter dem ein- dringlichen Protest der Opposition mit knapper Mehrheit durchgeführt. Die einzige Genugtuung, die sich die Minderheit verschaffen konnte, bestand darin, daß sie durch den Demokraten Moll gegen die zweite Lesung der Vorlage Einspruch erhob. Dadurch wurde er- reicht, daß die Parkangelegenheit in der nächsten Sitzung noch einmal beraten werden muß. wurde mit schloffen. Lankwitz. begeisterten Hochrufen auf die Sozialdemokratie ge- Boxhagen- Rummelsburg. In einer imposanten von etwa 2999 Personen besuchten Volks- Versammlung im Garten des„Cafo Bellevue" referierte am Dienstag Genosse Dr. B r e i t s ch e i d über da? Thema:.Ich bin ein Preuße". Nach einem historischen Rückblick über die Vergangenheit der Hohenzollern und des preußischen Junkertums geißelte der Referent an Hand der letzten Ereignisse die skandalösen Zustände Preußens. Der WahlrechtSkampf müsse mit größerer Verve als bisher geführt werden. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bortrag entspann sich eine Diskussion, in der u. a. auch die Ereignisse in Budapest besprochen wurden. Allgemein wurde die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß es die Pflicht der Arbeiterschaft sei. sich auf größere entscheidende Kämpfe vorzubereiten. Die Versammlung Kinderspiele. Am nächsten Sonntag veranstaltet der BildungS- auSschuß Kinderspiele auf unserem Platz, Ecke Mühlen- und Luther- straße. Beginn 3 Uhr. Bei Regenwetter finden die Spiele bei Schulz. Mühlenstraße, statt. Weiftensee. Schöffe Rathmann spürt zurzeit, daß er amtSmüde wird. Zum I._ Juli will er sein Schöffeiiamt niederlegen, das erst im Februar nächsten JahreS abläuft. Die Ausfichten auf eine Wiederwahl, sind nicht die besten, daher der vorzeitige Entschluß. Sein Name wird bekannt bleiben, weil er sich seinerzeit weigerte, eine erhaltene Pro- Vision von 2369 M. herauszugeben, welche in seine Tasche floß, als die Gemeinde ein Friedhofsgelände in Wartenberg kaufte. Damats sollte er aus Beschluß der Gemeindeverwaltung sein Amt nieder- legen; aber der Landrat empfahl ihm zu bleiben. Als Direktor des Banvereiits und Agent von Länderverkäufen sollte es sein Beruf sein, Provisionen einzustecken, auch wenn er als Gemeiiideschöffe seiner eigenen Gemeinde Land vermittelte. Die Begriffe sind eben verschieden. Seinen Posten als Brandinspektor legt er nicht nieder, trotz seines hohen Alters. Herzfelde. Ein schwerer Betriebsunfall hat sich am Dienstag abend auf der im Bau befindlichen Kalksandsteinfabrik am Stienitzsee zugetragen. Dem Arbeiter Kiele aus der Stransberger Straße Hierselbst fiel ein Flaschenzug, der zum Transport eines Kessels in das Gebäude benutzt wurde, auf den Schädel, wodurch ihm schwere Verletzungen zugefügt wurden. Er brach blutüberströmt zusammen und mußte sofort nach dem Rüdersdorfer Krankenhause gebracht werden. An den, Aufkommen des Bedauernswerten, der übrigens ein sehr eifriger Parteigenosse ist, wird ernstlich gezweifelt. Spandan. Die zum Mittwoch abend nach der Brauerei Pichelsdorf ein- berufene Bolksversammlnng war trotz des herrlichen Wetters so stark besucht, daß der große Saal der Brauerei nicht im entferntesten alle An- wesenden fassen konnte, so daß sämtliche Borhallen überfüllt waren und ein Teil der BersainmlungSbesucher im Garten Platz nehmen mußten. Jin Saale selbst herrschte eine solche Schwüle, daß die Samariter« Hilfe mehrmals in Anspruch genommen wurde. Es mögen wohl an 3599 Personen, darunter ein Drittel Frauen, anwesend gewesen sein. Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann referierte über das Thema:.Der Mißbrauch der Religion zu politischen und Wirtschaft- lichen Zwecken". In dem mit großem Beifall aufgenommenen Vor- trage brachte der Referent durch zahlreiche Beispiele den Beweis, daß die herrschenden Klassen die Religion zum Zwecke der Ausbeutung der großen Masse der Bevölkerung und zum Eigennutz miß- brauchen. Zum Schlüsse ermahnte der Referent insbesondere die anwesenden Frauen und Mütter, die Kinder im Sinne der prole- tarischen Bewegung zu erziehen und forderte alle, die mit der Kirche gebrochen haben, auf, sich der Freireligiösen Gemeinde anzu- 'chließen._ ßericbtö- Zeitung. »Georg Wertheim. Eine öffentliche Anklage." Ein umfangreicher Prozeß wegen versuchter Erpressung und Beleidigung begann gestern vor der 3. Strafkammer des Land- gerichts II. Angeklagt war der Kaufmann Otto Gerson, jetzt in Hamburg wohnhaft.. Der Anklage liegt im einzelnen folgendes zugrunde: Der An- geklagte war vor mehreren Jahren Angestellter der Firma A. Wert- heim. Da es ihm gelungen war, das besondere Vertrauen des Kaufmanns Georg Mertheim zu erringen, wurde ihm von diesem ein besonderer Vertrauensposten zugeteilt. Dieser bestand darin, daß er während des Baues des Warenhauses in der Leipziger Straße die Bestellungen bei den Lieferanten zu machen und dann mit diesen abzurechnen hatte. Wie sich später herausstellte, mißbrauchte der Angeklagte diese Vertrauensstellung. Er ließ sich, nach seinem eigenen Zugeständnis, von mehreren Lieferanten Provisionen für die Zuerteilung von Aufträgen in Höhe von vielen tausend Mark zahlen. Trotzdem eS sich herausstellte, daß hierbei auch verschiedene fingierte Rechnungen und auch nachträglich erhöhte Rechnungen eine Rolle spielten, wurde von den Brüdern Wertheim mit Rücksicht auf die Familie des Angeklagten kein Strafantrag gestellt. Er wurde sofort entlassen, nachdem er sich verpflichtet hatte, wenigstens einen Teil der Beträge, um die er die Firma Wertheim geschädigt hatte, zurückzuzahlen. Der Angeklagte erklärte sich dem Justizrat Dr. Meschelsohn gegenüber bereit, an die Firma Wertheim sein Konto von zirka 26 999 M. von der Deutschen Bank herauszahlen zu lassen. Dies geschah dann auch bald darauf. Längere Zeit darauf richtete der Angeklagte an Georg Wertheim einen Brief, in welchem er seine augenblicklich« schlechte materielle Lage schilderte und mitteilte, daß er nicht einmal das Geld für eine Augenoperation seines Kindes habe. Die Firma Wertheim ließ sich auch dazu herhei, die Ope- rationskosten in Höhe von etwa 469 M. zu bezahlen, während weiter- gehende Ansprüche zurückgewiesen wurden. Diesen Akt der reinen Liheralität soll der Angeklagte, wie die Anklage behauptet, später durch schnöden Undank belohnt haben. Er trat plötzlich mit der Be- hauptung hervor, daß jene seinerzeit an die Firma Wertheim ge- zahlten Summen seine Ersparnisse gewesen seien, die mit den Provisionen nicht das geringste zu tun haben. Sein Verlangen, die ganze Summe wieder herauszugeben, wurde mit aller Entschieden- heit zurückgewiesen. In mehreren Briefen drohte er dann mit „Enthüllungen" über gewisse Vorgänge bei der Firma Wertheim. Diese Drohungen verdichteten sich schließlich zu einer in Genua ge- druckten Broschüre mit dem Titel„Georg Wrrtheim. Eine öffent- liche Anklage". In dieser Broschüre behauptete er bunt durchein- ander alles mögliche. Er warf der Firma u. a. Zolldefraudationen, Bestechungen von Zollbeamten und Beamten der Baupolizei usw. vor. Diese Verdächtigungen, die sich sämtlich als unrichtig heraus- stellten, veranlasste die betreffenden Behörden, Strafantrag gegen den Angeklagten wegen Beleidigung zu stellen. Diese Strafanträge wurden später jedoch zurückgenommen, nachdem der Angeklagte er- klärt hatte, daß er jene Beschuldigungen nach keiner Richtung hin aufrechterhalten könne. Von der sehr umfangreichen Anklage blieben dann nur noch zwei Fälle der versuchten Erpressung und eine Be- leidigung des Justizrats Dr. Meschelsohn übrig. Bezüglich der letzteren hat der Angeklagte inzwischen die Erklärung abgegeben, daß er sich von der Unrichtigkeit überzeugt habe und die Vorwürfe mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurücknehme. In der gestrigen Verhandlung erklärte Justizrat Dr. Meschel- söhn in seiner Eigenschaft als Nebenkläger, daß er trotz jener ent- schuldigenden Erklärung des Angeklagten sich noch nicht entschließen könne, den Strafantrag zurückzunehmen, sondern daß er erst die völlige Klarstellung in der Verhandlung selbst abwarten wolle.— Für die Verhandlung, die im Schwurgerichtssaal deS Landgerichts II stattfindet, sind vorläufig drei Sitzungstage in Aussicht genommen. — Wir werden das Ergebnis mitteilen. Eine wohltätige Diebin. An die Legende vom heiligen Crispin, der bekanntlich Leder gestohlen haben soll, um den Armen Stiefel daraus zu machen, er- innert die Handlungsweise der Frau Marie Rcumann, die sich unter der Anklage des Diebstahls vor dem Schöffengericht Berlin-Schöne- berg zu verantworten hatte. Die Angeklagte wurde am 6. April d. I. von einem Polizcibeamten sestgenoinmen, der beobachtet hatte, wie sie ein Stück Fleisch von der Auslage eines Schlächters cntwen- dete. Auf der Polizeiwache gab die Angeklagte an. daß sie das Fleisch nicht für sich selbst, sondern für eine arme Frau haben wollte, deren Mann erkrankt war und die mit ihren Kindern hungern Nuhte. Kine Nachfrage ergab, daß hie Angeklagte, die jelbst jg ärmlichen Verhältnissen leb?, tatsächlich jener Frau Eiesserholt ein Stück Fleisch geschenkt hatte, damit diese ihrem kranken Manne eine kräftigende Suppe kochen konnte.— Da die Angeklagte bisher völlig unbescholten ist, erkannte das Gericht auf die niedrigste gesetz- lich zulässige Strafe von 1 Tag Gefängnis. Der Angeklagten wurde jedoch von dem Vorsitzenden, Amtsgerichtsrat Bennewitz, mitgeteilt, daß das Gericht beschlossen habe, sie der sogenannten bedingten Bc- gnadigung zu empfehlen, so daß die Angeklagte bei guter Führung die Strafe nicht zu verbüßen braucht. Grenzen des polizeilichen Berfügungsrechts. An die Terraingesellschaft Maraunenhof, welche einen Bauplajf in Königsberg i. Pr. für Lustbarkeitszwecke(Karussells, Schaukeln. Schieß- und Würfelbuden usw.) verpachtet, war eine polizeiliche Ver- fügung ergangen, durch welche der Gesellschaft untersagt wurde, dort weiter solche Lustbarkeiten veranstalten zu lassen. Zur Be- gründung wurde ausgeführt: Die Besucher dieser Veranstaltungen setzten sich zum Teil aus Strolchen im jugendlichen Alter und aus liederlichen Frauenzimmern zusammen. Es komme fast jeden Abend in der Nähe zu schlimmen Ausschreitungen, namentlich nach Schluß der Vorstellungen usw. sei die Benutzung der Lutherstratze für Frauen so gut wie ausgeschlossen, da sie sonst Belästigungen zu erwarten hätten. Springer, einer der beteiligten Schausteller, erhob nach ver- geblichen Beschwerden Klage beim Oberverwaltungsgcricht. Das Oberverwaltungsgericht setzte am Montag die Verfügung der Polizei mit folgender Begründung außer Kraft: Aus der Verfügung gehe hervor, daß sie erlassen sei, weil sich Unzuträglichkeiten nicht aus den Schaustellungen selber, sondern aus den Ansammlungen des Publikums ergäben, welches durch die Schaustellungen angelockt würde. In einem solchen Falle könne die Polizei nur gegen das Publikum einschreiten, das die Unzuträglichkeiten herbeiführe. Gegen die Veranstaltungen(Schaustellungen, Schaukeln, Würfel- buden usw.) könnte die Polizei nur einschreiten, wenn diese Ver- anstaltungen selbst und unmittelbar polizeiwidrige Zustände auf der Straße herbeiführten. Das würde zum Beispiel dann der Fall sein, wenn der Betrieb einer Schaukel der Straße so nahe gerückt sei, daß dadurch das Scheuen von Pferden und somit Störungen der Sicherheit auf der Straße herbeigeführt werden könnten. Kus aller Melt. Pommerrcbe GciftcebUtze. Einige pommersche Großgrundbesitzer haben in vereinter Geistes» anstrengung einen verflucht gescheiten Gedanken geboren. ES handelt sich um nichts weniger, als um die endgültige Vernichtung der proletarischen Organisationen. DaS ist schon des Schweißes der Edlen wert und so hat denn einer der Denker, das Mitglied des Herrenhauses, Herr v. Hertzberg- Lottin, den seltenen Gedankenblitz fein säuberlich zu Papier gebracht und der geistesverwandten.Deutschen Tageszeitung" übermittelt. Dort er« blickt denn auch das Wunderwerk pommerscher Junkerschläue unter dem Titel:.Gegen die Sozialdemokratie l' das Licht der Oeffent- lichkeit. Da wird der staunenden Mitwelt verkündet, daß. wenn nicht bald die bürgerliche Gesellschaft— Juden haben freflich keinen Zu» tritt— gegen den sozialdemokratischen Terrorismus zur Selbst- Hilfe greife, wir mit Riefenschritten der Revolution entgegengehen. Die preußische Fahne müsse aus- gerollt werden und unter dem Schlachtruf:.Monarchie. Autorität und Christentum' der Kampf gegen die rote Rotte bis zum endgültigen Siege durchgeführt werden. Die Feinde des Terrorismus und Anhänger des EhristentumS einwickeln weiter folgende Idee: ES sind nun ja alle möglichen Vereine gegründet, um die Jugend der Sozialdemolratie zu entreißen— das sind aber doch nur Wechsel auf eine ferne Zukunft, welche vielleicht einmal eingelöst werden. M. E. muß der Feind direkt angegriffen werden, und zwar an seiner empfindlichsten Stelle, der sozial- demokratischen Organisation. Dieser Organisatton müssen solche der bürgerlichen Gesellschaft entgegengesetzt werden, welchen die doppelte Aufgabe zufällt, erstens die außerhalb der fozialdemo- kratischen Organisation stehenden Arbeiter vor dem fozialdemo- kratischen Terrorismus zu schützen, und zweitens die sozialdemo- kratisch organisierten Arbeiter allmählich ganz von den Arbeitsstätten staatserhallender Betriebe auszuschalten. Der Anfang zu solcher Organisatton ist in Pommern durch einen Auftuf einiger Grundbesitzer zur Bildung eineS Verbandes pommerich e�r Bauherrn gemacht worden. Die Mtglieder sollen nur solche Bauunternehmer be- schäftigen, welche sich verpflichten, ihre Bauten ausführen zu lassen durch nicht sozialdemokratisch organisierte Arbeiter. ES wird auch beabsichtigt, gleichzeitig damit Vor- kehrungen für das materielle Wohlder Bauarbeiter zu treffen. Der Verband soll in nächster Zeit ins Leben gerufen werden. DaS Ei de« Kolumbus hat nur einen Fehler— eS ist ein W i n d e i I Denn bei Ausschaltung der sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter au» dem modernen Wirtschaftsleben könnte eS leicht passieren, daß die wohledlen Herren eines elendigen Hungertodes sterben müßten. Aber vielleicht ist beabsichtigt, eine Genossenschaft zur gegenseitigen Hilfe bei BauauSsührungen auf pommerschen Gütern zu gründen: Herr v. Böhlendorff« Kölpin mauert, Herr v. H e r tz b e r g- Lottin trägt den Kalk. Als Polier wäre Herr Dr. O e r t e l zu empfehlen, der dann durch feine strenge Zucht dafür sorgt, daß seine Gesellen in den Ausstand treten. Schiffskatastrophen. Nach einer Kollision mit dem Dampfer„Jngermanland" sank gestern morgen an der norwegischen Küste bei Sunds» Dall der Bugsierdampfer„Styrbjörn". Bon den 11 Mann der Besatzung des Schiffes konnten nur der Kapitän und zwei Mann gerettet werden. Wie aus Brest gemeldet wird, herrscht an der ganzen Nordwestküste von Frankreich ein furchtbarer Sturm. der bereits mehrfach zu Unglücksfällen geführt hat. So ist der Schlepper„Flavie" mit Mann und Maus unter- gegangen. Bis jetzt konnten die Leichen der Mannschaft noch nicht geborgen werden. Man nimmt an, daß die Be- satznng aus acht Mann bestanden hat. Auch das Fischer- boot„St. Anne", das aus Quimper ausgelaufen war, ist mit seiner aus vier Mann bestehenden Besatzung unter- gegangen. Ferner ist noch ein kleiner Dampfer un- bekannten Namens in der Nähe von Brest gescheitert. Man glaubt, daß es sich um einen spanischen Dampfer handelt. Mehrere Leichen sind bereits ans Ufer gespült worden.__ Die Durchführung altpreustischer Sparsamkeit. Im August dieses Jahres besucht Wilhelm II. die Stadt Merseburg. Die dazu notwendigen Vorbereitungen machen sich schon jetzt bemerkbar. Wir lesen darüber in einer Mersebnrger Zeitung folgende Notiz: Während der Dauer der Anwesenheit Sr. Maj. des Kaisers in Merseburg Ende August d. I. ist die Unter- bringnng von etwa hundert Dienern erforderlich, für die die EinyiiartiernngSdepiitation geeignete Privatquartiere in der Rahe des Äönigl. Schlosses sucht. Die geringe Anzahl von Dienern ergibt sich aus den verteuerten Lebensverhältnissen, die auch das Kaiserl. Hofmarschallamt zwingen, sich in den engsten Grenzen zu halten. Der konfiszierte Reiseführer. Oesterreich will hinter der neupreuhischen Kultur nicht zurückbleiben. Wenn in Berlin Herr v. I a g o w die Aufführung eines Rosenow- schen DramaS verbietet, übertrumpfen österreichische Behörden ihn, indem sie einen Reifeführer durch die Berchtesgadener Alpen konfiszieren. Der Verfasser, ein Schriftsteller Zeller, soll darin das furchtbare Verbrechen der Beleidigung eines Mit- gliedes deS kaiserlichen Hauses begangen haben. Die Beleidigung wird erblickt in der folgenden wahrheitsgetreuen Schilderung des Jagdgebietes des Erzherzog-Thronfolgers im Blühnbachtale: »Die Jagverwaltung scheint den Verfall der„Wegservitute* auf folgende Weise erreichen zu wollen: Man treibt jeden Touristen, den man erwischt, mit Anwendung von mehr oder weniger G e- w a I t, je nach Bedarf, durch Gendarmerie talauswärts und beruft sich dann wohl nach einer Reihe von Jahren darauf, dah diese Uebergangswege vom Blühnbachtal auf die drei Gebirgs- stöcke„Uebergossene Alpe",»Steinernes Meer" und»Hagengebirge" nicht mehr begangen werden, um so unter Zuhilfenahme von allerlei Praktiken die Löschung des Oeffentlichkeits- rechts für dieselben zu erlangen. Außerdem baut die Jagd- Verwaltung im Hintergrunde des Blühnbachtales überall neue Wege, die natürlich Privatwege sind und macht die alten öffentlichen Wege nach Möglichkeit durch Sprengungen und dergleichen ungangbar, oder läßt sie zum mindesten gänzlich verfallen. Hier kann die Touristik unter keinen Umständen mehr ruhig zusehen. Der beste Weg wäre wohl der eines regulären Prozesies gegen den Jagdinhaber." Es ist ja auch leichter, ein Buch zu konfiszieren, als eine» Thronfolger zur Einhaltung der Gesetze zu zwingen. Kleine Notizen. Eine Kulturtat deS 20. Jahrhunderts. Im Hofe des Land- gerichtsgebäudes in Leipzig wurde gestern der vom Schwurgericht wegen Raubmordes an dem Zigarrenhändler Beug zum Tode ver- urteilte Geschirrführer K l i e m a n n mittels Guillotine hin- gerichtet. Pom Blitz erschlagen. In WalterSdorf in Schlesien wurde auf dem Felde eine Tochter des Gutsbesitzers Herbst vom Blitze getötet, eine andere gelähmt. Der Vater und zwei Söhne wurden betäubt. Die schwarze» Pocken. Bei einem Kinde sind in D i r s ch a u schwarze Pocken festgestellt worden. Die aus sechs Köpfen bestehende Arbeiterfamilie wnrde in die Isolierbaracke deS dortigen Johanniter-KrankenhauseS eingeliefert. An hundert Personen wurden Schutzimpfungen vorgenommen. Schweres Automobilunglück in Frankreich. Im Walde von Compiögne ereignete sich am Mittwochabend ein Automobil- Unglück, bei dem eine Nichte des Direktors des chilenischen Zoll- wesenS Ezcobar getötet, dieser selb st und drei andere Damen lebensgefährlich verletzt wurden. Drei Personen ertrunken. In dem lothringischen Orte L a g a r d e ertrank der Schiffer Lecoq sowie dessen Frau im Marnekanal. Ein gebürtiger Sachse, der den Eheleuten nachsprang, um sie zu rettten, ertrank ebenfalls. Ein Schiffer Millard konnte alle drei nur als Leichen an Land schaffen. Touristenverein»Die Naturfreunde«, Orlsgruppe Berlin: Sonntag, dcu S. Juni, Wanderung von Lehnitz nach Grabowsce, Bernöwe, Nassenheide. Absahrt vom Stettiner Vorortbahnhos nach Lehnitz, srüh 5,50. Gäste willkommen. Arbeitcr-Wanderverein»Berlin«. Veranstaltungen am 9. Juni: Besuch von Potsdam und Sanssouci. Gang durch die Stadt, Russische Kolonie, Ruincnberg, Sanssouci und anschließende Gärten, gemeinschaftliche Kaffeetasel in Bornstcdt-Wildpark.— Teilnehmerkarten a 3S Pf. inkl. Nachmittagskaffee in unseren drei Zahlstellen. Treffpunkt Uhr Potsdamer Hauptbahnhos. Absahrt 7,52. WaflerftandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Smgegangene DrucKfcKrifiten. Von der»Neuen Zeit« ist soeben das 3S. Heft deS 30. Jahrganges erschiene». AuS dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die prole- tarische Faust. Von Friedrich Austerlitz- Wien.— Oelonomie und Wehr- hastigkcit. Von K. Kautsky.(Schluß.)— Der Separatismus in Wien. Von Otto Bauer.— Eine Improvisation. Von Paul Lcnsch.(Schluß.)— Die Wurzeln des Syndikalismus in Frankreich. Von Gustav Eckstein. (Schluß.)— Literarische Rundschau: Graham Wallas, Politik und mensch- liche Natur. Von M. Beer. Die»Neue Zeit« erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Marktbericht von Berlin am 5. Juni lgl2, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreis c.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speisebohnen, weiße, 30,00— bS.OO. Linsen 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00— 13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,80. Rindfleisch, Bauchflcis' 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Kalbfleisch 1,50-2,80. Hammelfleisl. 1,80— 2,80. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,20. Barsche 1,00-2,00. 4,00-40,00. Aale 1,60-3,20. Zander 1,60-4,00. Hechte 1,60-3,20. Schleie 1,40-4,00. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse WitterungSubersicht vom S. Juni 1912. Stationen L E ZS ?-=> S= =£ P-I Swinemde. icrlin Franks.a.M München Wien 761 759 �§ c 3 if Still SSW 762 S 761 SW 762 ZW 762jD Setter wolkig 4 halb bd. 1 bedeckt 2'halb bd. liwolfig 1 wölken! (•£ Äll £2» Wo Stationen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris Wetterprog»ose für Freitag, den 7. Juni 1912. Ziemlich warm, vielfach heiter, aber noch veränderlich bei mäßigen süd- lichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilfit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm Landsberg N eC-, Vordamm Eibe, Lcitmeritz , Dresden » Berby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximilirmtau » Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier am b. 6. om 58 30 12 68 82 128 193 506 268 254 50 117 30 fest 4. 6. om') —6 _ o 0 0 _ J —3 0 —4 —5 +5 —2 —4 ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•} UnterPegel,') höchster Wasserstand: 228 cm am 4. um 8 Uhr abends. ( /4iiifö*Up42ii£) yii&iuwM OQiH&mtym' föll'yVißlMt I Verkauf nur Im Fabrikgebäude! I rnfl Sie sparen Geld! i Iflöbel ä Möbelfabrik! i H.Walter u.: Willi Maaß, 35} I uu/ Tel.: A. III, 5157"5. kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebäude— eigene I Tischlerei und Polstere).— AufWunsoh Teilzahlung. 35■■ Permanente 35 Den echten„KornfrancK" gibt es nur in den grünen PaKeten mit den dunkelgrünen Bändern! Den echten„Kornfranck" gibt es nur in den grünen Paketen. Freitag, den 7. Juni. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. OPerntzauS. Der Wildschütz. Kgl. Schauspielhaus. Die Welt, in der man sich langweilt. Prater. O diese Berliner. Ansang 8 Ubr. Urania. Bon Meran zum Ortler. Deutsches. Musik. Kainmerspielc. Frühlings Erwachen. Lessing. Die Fledermaus. Koniische Oper. Evatöchter. Weste». Die schöne Helena. Königgrätzer Straffe. Die fünf Frankfurter. Kurfürstenoper. Der Tanzanwalt. Sieues Schauspielhaus. Parkett- sitz Nr. 10. Neues. Der liebe Auguslin. Residenz. Alles für die Firma. Luftspielhaus. So'n Windhund. Berliner. Große Rosinen. Schiller O. Die Gesährtin. Paracclsus. Sch».«kliarlotteuburg. Der Probcpscil. Neues Operetten. Der Kongreß von Sevilla. Rose. Der Psarrer von Kirchfcld. Dhalia. Autolicbchcn. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehrc. Der Herr mit der grünen Krawatte. Metro,» Schwindelmcier u. Co. Wintergart»». Spezialitäten. Apollo. Spezialitäten. Passage. Svezialitätcn. ReichShallwe. Stettiner Sänger. Sanatorium Sonnenstich. Ansang 8'/. Ubr. Fricdr.. Will). Schauspielhaus. Die keusche Susanne. itzolicSE ap riee.Parisiana-Enscmble Walhalla. Um eine Krone. Ansang 8.20 Uhr. Luisen. Schwester Carmen. Ansqng 8>/, Ubr. Neues Bolkstheater. Der Raub der Sabinerinnen. Königftadt-Kafino. Spezialitäten. *** Sternwarte, Invalidenstr. 57—62. Sehiller-ThealerO.lS: Freitag, abends 8 Uhr: Die Getahrtin— Paracelsus. Der grüne Kakadu. Sonnabend, abcndS 8 Uhr: Kachruhm. Sonntag, nachm. 3 Uhr: _ KyritB-Pyritz. Sonntag, abends 8 Uhr: VI« Haubenlerche. Sehiller-Thealer Chabrü?gtt8n" Freitag, abends 8 Ubr: Der ProbepfclI. Sonnabend, abends 8 Uhr: sjirttfln lica. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Plarrcrvon Kirchfcld Sonntag, abends 8 Ubr: Die Lokalbahn. Hierauf: Die Medaille. Berliner Theater. AbendS 8 Uhr: Große Rosinen. fdMiiiilei'MgMei'Sli'älZe Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Operette von Leo Fall. !0H-7He/VH Große Frankfurter Str. 132. Der Pfarrer Ansang 8 Uhr.--- ätuf der Gartenbühne: Die große JahreSrevue: Juhu! Es ist erreicht. Idealer des Westens AbendS 8 Uhr: Die schöne Helena. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Morgen u. solgende Tage: Alles für die Firma. �etropol-lkeat er. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Schlvindtlmeicr& Comp. Phantastisch musikalische Komödie in 3 Akten aus dem Eilglischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Mufft von R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene zesetzl vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr Bollständig neues Programm! tO große Attraktionen. Raflkaeettcfi, Wunderhunde. Paul Beckers. Voigt-Theater. Gesundbruniieii Badstraße b8. Heute sowie täglich: Die Tochter der heie Gr. ronl. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue Bcleuchtungscffekte usw. usw. u. d. große Spezialitäten-Programm. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. tocizcHek GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf.; Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Jahres- Abonnements an allen drei Schalterkassen. O.. KOPPENSTRASSE 29. AA\ FRANKFURTER TOR Freitag: Volkatae' Entree auf allen Plätzen 20 Pf. ohne Abruf. Ljp KübIark Sonnabend, den 8. Juni: Grandioser Kllte-Tas! Das größte, je gezeigte Pracht- Feuerwerk(Deichmann u. GaU- witz)— Kongo frei I Entree 1 M., bis 6 Uhr 50 Pf. Kinder bis 6 Uhr frei! Tempelhofer- Feld. Täglich: Gr. Vorslellünp von II Uhr vorm. bis 10 Uhr abends geöffnet. Entrec 50 Pf- Res. Sitzplätze: Loge 2 M. l. Tribüne 1,50. M. II. Tribüne I,— M. Königsiadl-Kasino. Herrliches Sommer-Theater. Täglich abends>/,8 Uhr, Sonn- tags'/,5 Uhr: Vorstellung (Theater und Barietb). Vom 1. bis 16. Juni 8 Spezialglanz- nummeru u. Paulas Beichte. Gr. Operettenburl. v. W. Gericke. ReietlskaHen-Iluklei'. Stettiner Sänger Zum Schluß»eu: Sanatorium Sonnenstich. Burleske vonMeysel. Ansang Wochent. 8, Sonntags 7'/, Uhr. �.ctmiralspslast am Bahnhof Friedriohstraße, z. Zeit einziger Eis= palast Deutschlands Allabendlich das sensationelle Eisballett„Yvonne'*. Weltmeister Brcr Meyer. Bis 6 Uhr und nach 10'/, Uhr abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges Wein- und Bier-Abteilung. Arboitsnachweii: Amt No�en�Nr. 1239. Htuoptelle Berlin HauÄin,u: Charitestrahc 3. Amt Norden, Nr. 1987 Sonntag, de» 9. Juni lSti!, vormittags 19 Uhr � Versammlung* aller in den Eifenkollftruktionsbetrieben Grotz-Berlins beschäftigten Arbeiter im großen Saale der Brauerei Jriedrichshain Am Frjedrichshai» 1K— SS. Tagesordnung: i Bericht über die gepflogenen VerHand- lungen mit den Arbeitgebern. 2. Diskussion. rST- Die Aertraucnsleirte treffe» fich zu einer Borbesprrchung ilhr im kleine» Saal. Tie Mitgliedsbücher suid zwecks Kontrolle mitzubringen. Kollegen I Sorgt für vollzähligen Besuch der Bersauimlung. 118/16__ Ple OrtsverwaUnng. Zklltllillltrblllid der Maslhillistt« u»d Heiltr sawit Kerilssgrlllijsk« Dtlltslhi«lids —-— TcrwnJtiuigsstelle Berlin.= Sonnabend, den 8. Juni, abends 8'/z Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Allßcrsrdelliiiche Gcllttlil-vcrslimmlilnz. TagcSord nung: Bericht vom Verbandstag München. Die Mitglieder werden dringend ersucht, wegen der wichtigen TageS» ordnung recht zahlreich zu erscheinen. . Mitgliedsbuch legitimiert.--------- ItS/iS_ PI« Verwaltnng. der übernommenen Schuhwaren Straße 40-41 Hackescher Markt•—- Bahnhof Ben«. Damen-Stiefel schwarz im. Chovreauz mit Lackkappe, moderne M.__ Fassons.... jetzt nur"W"'' sdiwarz Chovreaux mit Ladekappe, schlanke und breite K ak Fassons..., jetzt nur 9*99 schwarz prima Chevreaux mit Ladekappe, auch ohne, die ele- gantsst. Fassons, Good-*7 06 year-Welt.., jetzt nur»»«rÄ braun Chevreaux mit Lackkappe, moderne q_ Fassons.... jetzt nur'9*99 braun la Chevreaux m. 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Uhr, im Gewerkschastshause, ufer 14/15, Saal 4(ArbeitSlosensaal): TttEURHg rßvn Ortsvorwattunfi. Sonntag, den 23. Juni, abends 7 Uhr, in der Renen Welt: Eröffiillllzs-Ftikr zum Unbliudsisgc. Eintrittskarten find auf allen Zahlstellen nnd bei den Obleuten zu Habel». 84/16 Die Ortsverwaltung. Pichelswerder. 1 ' Umstände halber ist mein groffer Saal Sonntage im Monat Juni| j an geschlossene Gesellschasien srei zu vergeben. Der Alte, C. Freund.» schreibe ich nicht aus, dafür enthält jtdtt Piktt des so beliebten vk.«tiitiltk't Veilchensrifenpulvers „Goidperle� asa ein reizendes Geschenk. Alleiniger Fabrikant auch des flüssigen Metallputzmittels„Leittol": toft Stimm. Fabrik chenu-techn. Prvd. SöppIngeiL Tertretans lär ClroB Max Hirsch. Neukölln, KaTser-Friedrich-Str. 216. irlieiter-Railfaliper-' Biifld Solidarität Ortsgruppe Berlin. Touren znm Sonntag, de» 9. Juni. 1. Abt.: 7 Uhr: Rüdersdorf(Kalk- berge). 1 Uhr: Stralau(Bezirkssesy. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: 5 Uhr: Ferch am Schmie- lowsee /Abkochen). 1 Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. Start: Schänleinstr. 6. 8. Abt.: 5 Uhr: Buckow(Schweizer- Haus). 2 Uhr: Stralau. Start: Lausitzer Platz 11. 4 Abt.: 6 Uhr: Grünheide(Werl- fte). I llhr: Rahnsdorf(nicht Klemm). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 3 Uhr: Brandenburg. l Uhr: Müggelheim. Start: Elysium. 6. Abt.: 6 Uhr: Waldtour(Richtung Nauen). 1 Ubr: Picheiswerder. Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt.: Am 8.. 8 Uhr abends: Buckow(Mark. Schweiz). 1 Uhr: Gorinsee. Start: Schulstr. 29. i'l2 Uhr: Buckow(Mark. 1'Uhr: Stralau(Neu- Start: Levetzowstr. 21. 8 Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. VI, Uhr: Pichelswerdcr(Alter Freund). Start: Schillingstr. 22. II. Abt.: Am 13., 9 Uhr: Tiefensee. Start: Große Hamburger Str.>8. Jugendliche Bundesgenossen II Uhr: Bernail-Liepnitzsee. Start: Stralauer Brücke. Reinickendorf. 1. und 2. Abt.: 8 Uhr: Zur Unter- b-zirlsversammlung. Starl: Vereins- lokal. 8. Abt.: Schweiz). Seeland). 9. Abt.: Sonntag, de» 9. Jnni. 2, Bezirk. 9. Bezirksfest in S t r a l a u, bei Schonett,.Neu-Seeland", Statt zur Korsofahrt, Markgrajendamm 34, nachmittags 2>/, Uhr. U/IS Um rege Beteiligung erbittet Die Bezirksleitung. Berlin: 200/12* Lieferwagen und alle Sorten Tel. Neukölln 9280. Räder Palisadenstratze 101. 19426 Zur Hufklärung! Der Arbeiter-Radfahrcr-Bund.Solidarität'(Sitz Offenbach a. M.), der etwa 150 000 Mitglieder zählt hat für diese eine Ginkaufs-Genoffenschaft ins Leben gerufen, durch deren Vermittclung den Mitgliedern und auch anderen radsahrenden Arbeitern der Einkauf»ur bester Ware zu annehmbaren Preise» ermög- licht wird. Die Genossenschaft, in Offenbach am Main-in welche unter der Firma �»»irraoyaUS„�rifCYlUls Zentrallazer sowie in sast allen Städlen Filialen unterhält und im Jahre 1911 bereits für 1 Million Mark Waren umsetzte, hat sich den Hast eines Teiles der Fahrradhändlcr zugezogen, anscheinend nur. well sie sich durch ihre reellen Geschästsgrundsätze die Zuiicigung der Konsumenten aus dem Fahrradmarkte in steigendem Maße erringt. das Recht als ihr f____________________|____ kämpfen die Genossenschaft der Arbeiter In der schärfsten Weise, wobei sie die Fabrikanten der Branche als Werkzeuge benutzen. Diese haben sich den Händlern gegenüber verpflichten müffe», an die Genoffenschaft, daS Fahrradhaus.Frischauf", keine Waren zu liefern; die Fabrikanten, die diese Verpflichtung nicht ein- gehen, werden von den Händlern bonkottiert. Die an.Frischaus" liefernden Firmen sind wegen ihrer Vertragstreue dem Fahrradbaus.Frischaus" gegenüber in der Oeffentlichkeit den schwersten Angriffen ausgesetzt. Das Fahrradhaus.Fttschaus" hat bisher das Treiben der Händler ignoriert. Die Leitung des Unler- nehmens sieht fich jedoch jetzt genötigt, zur Abwehr zu schreiten und alle radfahrenden Arbeiter um Unter- stützung gegen das unberechtigte Borgehen der Händler anzugehen. Die Händler wollen die Gcnoffenschaft der Arbciter-Radfahrer unterdrücken, weil diese Reellirät und Ehrlichkeit im Handel hochhält und die Arbeiter vor Uebervorteilung schützt. Im Interesse aller radsahrenden Arbeiter liegt es deshalb, die Genossenichast zu unterstützen und die Absichten der Händler zu vereiteln. DieS geschieht aber am besten, wenn alle Arbeiter ihre Einläps« w den Filialen der Genossenschaft machen. Solche befinden sich in 104/19 MB A n 1 4 wb BrnnnenstraBe 35. "1. J. X Ii. y Kottbnacr Str. 9. Arbttter-Rtldfahrtt-Simd„ZotidariM" Fahrradhaus„Frischauf", Offenbach a. M. Jeder Hrbcitcr, jeder Handwerker Tollte zur Hrbdt die Leöerhoso H Herkules tragen. S Unerreichte S Leistungefähigkeit. Allein-Verkanf. 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Verlag: Vorwart» vuchdruitere, u.«eciag�nM��i Singer u. tferimüMfr