Nr. 133. ilbonliements-KeDMgea: AionnementS> Preis pränumerando: Vierleljährl. s.zo Mr„ tnonoJL 1,10 Mk,, Wöchentlich 28 Psg. frei WS Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg, SonntagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Ewgetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, nnnicn, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. vle Insertion;-Ledghs beträgt für die sechsgefpaltene Kolonel- zelle oder deren Raum 60 Pfg,, für Politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen SO Pfg, »Ktetne Hmcfgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig Slcttgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 P,g, Stellengesuche und Schlasstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedcZ wettere Worts Pfg, Worte über IS Buch- laben zählen für zwei Worte, Inserate "c die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Erpedition. apuöjeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erlcheiii tialld) auBtr montaas. Devlinev Volksblstt. Telegramm. Adresse: ,.S»a!alika» Stkliä". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutschlands. Rcdahtxon: SM. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Koloniale Ifjerrcnmoral. In Hamburg tagte am Mittwoch und Donnerstag die Hauptversammlung der Deutschen Kolonial- g e s e l l s ch a f t. Der Prinzregent von Braunschweig. be- kanntlich aus mecklenburgischem Geschlecht, präsidierte, ein an- derer mecklenburgischer Herzog, im Nebenberuf Amateur- Afrikaforscher, nahm an den Verhandlungen teil und auch ein bayerischer Prinz war zugegen. Ein Geheimrat des Kolonial- amtes versprach, die gegebenen Anregungen gewissenhaft der Kolonialverwaltung zu übermitteln. An Parlamentariern waren zugegen die nationalliberalen Herren Paaschs und Bassermann, die Korona bildeten Kolonialinteressenten und Kolonialideologen, darunter eine Anzahl Wissenschaftler. Denn wie es im Wesen der kapitalistischen Produktion begründet liegt, daß sich die Bourgeoisie die Wissenschaft dienstbar gemacht hat. ihre Forschungsergebnisse ausnutzt und sie zu neuen Worteil versprechenden Forschungen anspornt, so hat auch die Kolonialpolitik die Wissenschaft in ihren Dienst gestellt. Die meisten Geologen, Botaniker. Zoologen. Ethnographen usw., die ihre Forschungen während der letzten 30 Jahre in den kolonialen Gefilden ausgeführt haben, sind sich wohl kaum der Abhängigkeit ihrer Wissenschaft von kapitalistischen Profit- interesseri bewußt geworden, sie glaubten der„voraussetzungs- losen" Wissenschaft zu dienen und waren doch nur Werkzeuge der imperialistischer Expansionstendenz des Kapitalismus. Wenn sich aber die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse um ihrer selbst willen Geltung verschaffen wollten, da erregten sie den Zorn der kolonialen Ausbeuter. Professor Schillings hat in Hamburg davon ein Liedchen singen können. Und er hatte doch nur, wie in der Freitagnummer des„Vorwärts" mit- geteilt wurde, auf Grund seiner zoologischen Forschungen für einen rationellen Wildschutz in den Kolonien plädiert. Die Redner auf dem Hamburger Kolonialtage haben natürlich kein Wort über die wahren Triebfedern der Kolonial- Politik gesprochen. Für sie existtert scheinbar die Tatsache nicht, daß es ganz bestimmte, kleine aber einflußreiche Jnter- essentcngruppen sind, die aus der kolonialen Expansion Nutzen ziehen. Aus den Hamburger Verhandlungen klang nur immer heraus, daß deMation als Ganzem der„Segen" der Kolonial- Politik zugute komme. Dabei ist gerade in den letzten dreißig Jahren Lebenshaltung und Ernährung des arbeitenden Volkes verteuert und erschwert worden, und je mehr sich unser kolo- nialer Machtbereich ausdehnte, desto weniger machte die soziale Fürsorge im Mutterlande Fortschritte. Wenn die deutsche Arbeiterklasse wirtschastlick leistungsfähig blieb und kulturell auf ein höheres Niveau kani, so ist das nicht der Kolonial- Politik zu danken, sondern dem zähen Ringen der Arbeiter- bewegung, der gewerkschaftlichen wie der politischen. Von alle dem wissen natürlich die Kolonialschwärmer in Hamburg nichts; die Dämpfe aus dem„nationalen" Weih- rauchfaß umnebelten ihren Blick, sie redeten viel von Kultur- arbeit, von nationaler Größe, von Rassenstolz und dergleichen mehr, in Wirklichkeit waren sie aber Herolde des egoistischen Herrenmenschentums. Es war ganz selbstverständlich, daß sich die Hamburger Kolonialtagung mit dem Marokko- und Kongoabkommen be- schäftigte. Da der marokkanische Kuchen nicht zu haben war, sucht sich jetzt die Kolonialgesellschaft mit dem dürftigen Kongo- Happen abzufinden. Sie wünscht, daß jetzt bei der Grenz- rcgulierung von Neukamerun noch möglichst günstige Be- dingungen herausgeschlagen werden. Auch den französischen Ausbeutungsgesellschaften, die dort die ersten Raubbauprofite eingeheimst haben, soll mehr auf die Finger gesehen werden; die Herren in Hamburg wünschen sogar, daß die unan- genehmen Konkurrenten„abgefunden" werden sollen, natür- lieh mit dem Gelbe der deutschen Steuerzahler. Wir Sozialdemokraten haben uns noch nie irgend welchen Illusionen über das neue Kongojuwel hingegeben, und erst vor kurzem hat der„Vorwärts" darauf hin- geiviesen, daß im kommenden Herbst dem Reichstage eine respektable Kongorechnung präsentiert werde. Ob dann die Inseln, die dem„Zipfel" am Ubanghifluß vorgelagert sind, zu Deutschland oder Frankreich gehören, ist für das deutsche Volk keine so erschütternde Frage wie sie es für die Herren in Hamburg war. Wenn Herr Stabsarzt a. D. Arning der in. sensationell sein sollender Manier Mitteilungen machte, so ist das ivohl für die Art charakteristisch, wie unter Herrn v. Kiderlen- Wacchter auswärtige Politik gemacht wird.aber eswird das nichts an der Tatsache ändern, daß die Partei, der Herr Arning einst im Reichstage angehörte, alles bewilligen wird, was für die schöne Kongoerwerbung gefordert wird, und Herr Arning wird seinen Segen dazu geben, obwohl ihm ob des Kongo- scbachers die„Haare zu Berge gestanden" haben. Ob„Tal- wea" oder Ufergrenze am Ubanghifluß.— unsere Kolonial- sere schlucken alles, denn ihr Appetit geht auf weitere„Ab- runduna" des deutschen afrikanischen Besitzes. Das letzte Ziel ihrer Sehnsucht gipfelt in der Forderung: Ganz Mittel- gfrika deutsch. Die Kulturhöhe kapitalistischer Kolonialpolitik äußert sich w erster Linie auf dem Gebiete der Eingeborenenbehandlung. Die Hamburger Tagung warf darauf recht charakteristische Streiflichter. Die Herren liefen Sturm gegen die Resolution Reichstages, die sich gegen das Verbot der Mischehen in den Kolonien richtet. Der Kolonialtag nahm folgende Re- Solution an: „Die Deutsche Kolonialgesellschast hält in der Mischlingsfrage an ihrem Beschluß vom 4. Dezember 1908 fest. Sie erachtet eS nach wie vor im nationalen Interesse für unerläßlich, der Ver- mehrung des MischlingtumS in den deutschen Kolonien mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten. Sie spricht infolge- dessen im Gegensatz zu der am 8. Mai d. I. gefaßten Resolution des Reichstages sich dahin aus, daß die gegen die Ehen zwischen Weißen und Farbigen erlassenen Verordnungen aufrecht erhalten werden. Sie ist zugleich der Anficht, daß auch dem außerehelichen Berkehr zwischen Weißen und Farbigen nach Möglichkeit entgegen- getreten werden muß, und erneuert zu diesem Zweck die Auf- forderung an die Deutschen in den Schutzgebieten, auch an ihrem Teil dazu beizutragen, daß das Aufkommen einer Mischlingsrasse verhindert wird, und, ihrer deutschen Stammeszugehörigkeit bewußt, den Umgang mit eingeborenen Frauen zu meiden. Sie ist zugleich der Ansicht, daß die Sicherstellung der Alimentation der außer- ehelichen Mischlinge ein Gebot der Menschlichkeit ist. Der Herr Präsident wird gebeten, den vorstehenden Beschluß dem Herrn Reichskanzler zu übermitteln und für seine Verbreitung auch in den Kolonien Sorge zu tragen." Die Debatte über diese Frage variierte in bunter Mannig- faltigkeit das Thema: Wir sind die Herrenrasse, die Ein- geborenen sind die unterworfene Rasse und müssen es ewig bleiben. Und warum? Ein Herr Pastor Thyssen sprach den Grund in seiner alles andere als christlich-humanen Rede klar und deutlich aus:„Die Mischlinge sind immer ein Fremd- körper in der Kolonialgeschichte aller Länder; sie zeigen, daß die Mischlinge die geborenen Führer der Eingeborenen gegen die Weißen sind." Es ist die Angst des ausbeutenden Herren- Volkes, die aus diesen Worten und aus der systematischen Niederhaltung der Mischlingsbevölkerung spricht, die Angst, daß aus den ausgebeuteten und unterdrückten Rassen einst Rächer entstehen möchten. Darum will man den Neger nur soweit fördern und Pflegen, als er den Bedarf nach Arbeits- kräften deckt. Aus Furcht vor der„Leutenot" geht man hier und da zu einer rationelleren Behandlung der Eingeborenen über, aber von diesen Maßnahmen bis zu wirklicher Kultur- arbeit ist noch ein sehr ioeiter Weg, ein Weg den die kapita- listischen Kolonisatoren gar nicht beschreiten wollen, denn sonst wäre es mit der kolonialen Ausbeutung vorbei. Darum die Deklassierung der Mischlinge, denen man zahllose Fehler nach- sagt, nachdem man diese Fehler künstlich erzeugt hat. Denn überall, wenigstens in den englischen und deutschen Kolonien sowie in Nordamerika hat nian sie von jeher mit Ver- achtung behandelt und sie systematisch verlottern lassen. Ein einziger Mann, der Konsul Vohsen, hat in Hamburg den Mut gehabt, dem Gerede über die Mischlingsgefahr entgegenzutreten. Er wies nach, daß 99 Prozent der Mischlinge in den Kolonien dem illegitimen Geschlechtsverkehr der Männer aus der Herren- rasse ihr Dasein verdanken. Daran wird auch der platonische Wunsch der Hamburger Resolution nichts ändern. Die sexuelle Reizbarkeit in den Kolonien ist stärker als aller Rassendünkel. Karl Peters war gewiß ein rassestolzer Herrenmensch erster Klasse, aber in puncto punoti...... Geradezu pharisäisch ist aber der Passus von der Alimentationspflicht in der Reso- lution. Nach deutschem, auch in den Kolonien geltendem Rechte ist für den Unterhalt des unehelichen Kindes die soziale Position der Mutter maßgebend. Man kann sich daher vorstellen, wie schiver der europäische Herrenmensch an einer Alimentations- Pflicht zu tragen hat, die nach den Lebensbedürfnissen einer Negerin abgemessen wird. Die Hamburger Debatte über die Mischlingsehen ist ein kunterbuntes Durcheinander von nationalen Phrasen, von Aeußerungen des borniertesten Rassendünkels und der kultur- feindlichsten Ethik. Am besten verstand es der Prinzregent von Braunschweig, der sogar Shakespeares„Othello" als ab- schreckendes Beispiel der Mischlingsverworfenheit hinstellte und gar rührende Worte über das„seelische Empfinden der deutschen Frau" zu sagen wußte. Der Herr Herzog scheint zu meinen, daß in deutschen Landen Verbrechen und Leiden- schaft nicht vorkommen. Es erübrigt sich, an dieser Stelle noch einmal die ganze Mischlinasfrage aufzurollen, nachdem vor wenigen Wochen erst unsere Genossen Ledebour und David im Reichstage sie gründlich erörtert haben. Immerhin ist das Bekenntnis zur brutalen Rassen- und Herrenmoral durch die Deutsche Kolonialgesellschaft sehr wertvoll für unseren Kampf gegen die kapitalistische Kolonialpolitik. Diese Moral trat auch noch bei anderen Punkten in Er- scheinung. Bei der Frage des Strafrechts in den Kolonien sprach der Referent Direktor Dr. Hupfcld-Berlin den Grund- satz aus, daß bei der Rechtspflege dem Eingeborenen gegen- über ausschlaggebend sein müsse die Rücksicht auf die Aufrecht- erhaltung des Ansehens der Weißen. Es ist das ins Juristische übertragen, was im neuesten Hefte des„Tropen- Pflanzers" Dr. Hartmann in einem Artikel über die koloniale Arbeiterfrage sagt: Der Neger befindet sich im Stadium der Halbkultur, in diesem Stadium ist er nicht nur stehen ge- blieben, sondern sogar ausgereift. Es ist daher unrichtig, an- zunehmen, daß er durch Erziehung auf eine höhere Stufe emporgehoben werden kann.— Dieselben Anschauungen mögen die stolzen Römer gehabt haben, die die mit Fellen bekleideten germanischen Barbaren für sich fechten ließen. Aber solche Herrenmoral hat sich stets gerächt, und auch die Herren, die sie in Hamburg stolz verkündeten, werden noch einmal erkennen, daß mit ihr auf die Dauer keine Herrschaft behauptet werden kann. Expedition: 8Al. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Schlug im vreiklaiienhsuse. Der Anblick der Versammlung in der Prinz-Albrc'cht-Sttaße, aus der unbequeme Mitglieder entfernt werden gleich unliebsamen Gästen aus obskuren Lokalen, bleibt nun dem Lande einige Mo- nate erspart. Erst am 22. Oktober wird man sich wieder zusammen- finden und ob man nicht gleich wieder auf Wunsch einer hohen Regierung auseinandergehen wird, ist noch keineswegs sicher. Gestern hat man zuerst noch einmal das Gefetz über die l a n d- wirtschaftliche Unfallversicherung an das Herren- haus zurückgeschickt, da man durchaus vermieden haben wollte, daß auch die Grundsteuer zum Maßstab für die Umlegung der Bei- träge gemacht werden könnte. Die anderen Junker fügten sich nicht, und so fügten sich diese. In der Herrenhaussassung, also in ihrer ursprünglichen Fassung, wurde die Vorlage verabschiedet. Bei den Försterpetitionen gab es ein allKmeines Wettrennen um den ersten Preis im großen Jagdrennen um die Gunst der Grünröcke, die jetzt im graublauen Kittel stecken. Der Minister von Schorlemer bestritt die Notwendigkeit irgendwelcher Besserung der Lage der Förster und warnte sie recht nachdrücklich vor— dem Gebrauch des Koalitionsrechts. Sein gegen das Haus gerichteter Vorwurf, durch die Erhebung von solchen Forde- rungen die Beamten unzufrieden zu machen, blieb bezeichnender- weise von den natwnalliberalen und konservativen Antragstellern ohne die nötige kräftige Antwort. Genosse Ströbel anwortcte dem Minister, daß man sich vor einer Aufrollung der Besoldungs- frage gar nicht bange machen lassen sollte, da.sie die Gelegenheit geben würde, den berechtigten Forderung der mittleren und kleine- ren Beamten Rechnung zu tragen, was ja allerdings diese Mehrheit samt ihrer Regierung kaum will. Die Försterfrage ging an die Kommission zurück.•. Nach Verdienst brandmarkte Genosse Dr. Liebknecht den Versuch des Oktavio von Zedlitz, die Gewährung von Umzugs- entschädigungen an die Lehrer auch als— Belohnung für sträütm antisozialdemokratische Gesinnung auszumünzen. Vizepräsident Dr. Krause rief unseren Redner dafür viermal zur Ordnung und einmal auch den Genossen Hoffmann� der eine Zedlitzsche Wahrheit eine Lüge nannte.'«•»: Weitere Petitionen gaben noch unseren Genossen Hdffmann und Borchardt Gelegenheit zu treffenden Bemerkungen über Animierkneipen, Prostitution und Bauschwindel. Statt des Herrn v. Bethmann, der also in der ganzen Früh- jahrSsesfion dem Hause fernblieb— offenbar ist ihm dessen Anblick so widerwärtig, daß er es zwar nicht durch eine Wahlreform be- seitigt, aber doch konsequent meidet—, verlas der LandwirtschaftS- minister die Vertagungsurkunde. Und nun müssen wir ausein- andergehen, sagte Herr Krause. Gesagt, getan. Und nicht einmal Herrn Kolb wurde Dank für die hilfreiche Mitarbeit entboten. So hat denn das Dreiklassenparlament zum letzkeilmal in dieser Legislaturperiode seine Sommerferien angetreten. Seelen- ruhig, als ob es in Preußen gar keine Wahlrechtsfrage gäbe! Und doch gibt es nach dem nächsten Zusammentritt im Herbst keine Vertagung mehr, sondern Neuwahlen! Aber frei- lich, das ficht unsere Erkorene von Gnaden des Geldsacks und der agrarischen Wlahlkreisgeometrie verteufelt wenig an, denn sie wissen ja, daß ihre Wiederwahl in fast allen Fällen gesichert ist, solange sich die preußischen Wahlrechtsheloten ein solch empören. des Wahlrecht gefallen lassen! Beim Reichstagswahlrecht ist es anders. Da rächen sich die Sünden der regierenden Parteien bei den Neuwahlen/ da läuft der protzige Funker und der schwerste industrielle Geldsack Gefahr, mit Eleganz aus dem Sattel gehoben zu werden. Denn bei dem Reichstagswahlrecht kann ja die ausgeplünderte Wählermasse Ver- geltung für Steuerraub und Volksverhöhnung üben! In Preußen dagegen braucht sich selbst in gefährdeten Wvhl- kreisen nur der reaktionäre Mischmasch zusammenzufinden, u in aller Erbitterung der W ä h l e r m e h r h e i t spotten zu können! Denn erstens stehen ja alle Beamte« und sonstigen Abhängigen unter der Fuchtel der öffentlichen Abstimmung, und zweitens genügen die vier bis fünf Prozent der„erstklassigen" und die gute Hälfte der zweitklassigen Wähler, insgesamt also schon etwa 12 vom Hundert der Wähler überhaupt, um das Votum der übrigen 88 oder 99 Proz. der Wühler für null und nichtig zu er- klären! Um ein solch ideales Wahlrecht für alle Reaktionäre und Finsterlinge in vollster Schönheit unvcrsehr zu erhalten, dazu lohnte sich schon für das Zentrum der p 0 l i t i s ch e S ch u r k e n st r e i ch, von der entscheidenden Abstimmung mehr als 49 Proz. aller Abgc- ordneten entfernt zu halten! Und daß die Regierung, das gc- fügige Werkzeug des blauschwarzen Blocks und des nationallibc- ralen Unternehmertums, gar nicht daran dachte, das verpfändete Königswort einzulösen trotz aller Wnkelzüge und Komödien der jetzigen Nutznießer der Dreiklassenschmach, das ist ja hinlänglich festgenagelt worden! 1- 1. 1•> Darum bleibt der demokratischen Wahrheit letzter Schluß, daß das Volk der Entrechteten, daß die preußischen Heloten sich s c l b st rühren müssen, wenn sie eine Wahl- reform durchsetzen wollen. Weder die Regierung noch die Parteien �werden dem in Preußen nur als Objekt der Gesetzgebung geltenden Volke ein besseres Wahlrecht auf dem Präsentierteller servieren. Politische Rechte müssen vyji dey«ntreHteten Klassen eben er, lämLit tndmi;'~ Die Greigniffe in Belgien.. Die Woge des Bolkszornes. Man schreibt uns aus Brüssel: Seit dem 2. Juni rast ein unbeschreiblicher Sturm der Eutritstung durch Belgien. Das allem Schwindel Vorschub leistende Plural- system im Verem mit der unerhörtesten, nicht zuletzt von der hohen Regierung praktizierten Wahlkorruption hat die Mehr- heit der Stimmen wieder auf die Seite der Klerikalen geführt. Die andere Hälfte aber, das belgische Volk, erhebt sich in einem Auffchrei der Empörung über den Sieg der klerikalen Reaktion. Und wieder wie einst, da das Volk gegen das - Zensuswahlrecht anstürmte, hallt der Kampsschrei nach dem allgemeinen Wahlrecht aus den Stätten der Industrie und der Arbeit. Morgen tritt der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei zusammen, mn in ernstester Stunde über die nächste Zukunft zu beratschlagen. Aber das beleidigte Volksgewissen hat seine Ungeduld gegenüber den Nutznießern der Püiralschande nicht zu zügeln vcrmockft. In der Hauptstadt Brüssel, im Kohlenland des„Centre" und des Borinage, im verträumten Brügge und im industriellen Gent, im Textilgebiet von Verviers, in den Kathedralftädten Tournai und Antwerpen, im Eisenland von Lüttich, ja in der frommen Stadt des streitbaren Kardinals Mercier, in Mecheln— überall haben die Arbeiter und manchmal das Bürgertum, zu- mal die Studentenschaft mit ihnen, manifestiert, überall ist der Volkszorn gegen die wiedererstandene und neu gestärkte Klosterregienmg losgebrochen. Und auch in Belgien geschah, Ivos auch anderlvürts geschieht, wenn sich das Volk auf der Straße demonstrierend zeigt oder gar sein Recht fordert: Man berief Polizei, Gendarmen, Bürgergarde, Militär.... In den öffentlichen Gebäuden harrt die Gendarmerie, die Truppen stehen in den Kasernen bereit, die Bürgerwehr kampiert in offenen Quartieren. Und vor den Kirchen- und Klosterpforten stehen die Schutzleute. Denn war vor den Wahlen der Landessrieden, die Religion, die heilige kapitalistische Ordnung in Gefahr, so sind es nun nach den Wahlen die Klöster. die Kirchen, die katholischen Gymnasien, die klerikalen Redaktionen.,. Und so gab's Verhaftungen, gab's Verwundete, gab's Tote... Man schoß auf Kinder, auf Arbeiter, man feuerte auf ein sozialistisches Volkshaus mit verschlossenen Läden... Hat das Volkstemperanicnt durch Singen, durch Rufe und Manifestationen seinen zornigen Schmerz entladen, so gibt es in seiner ungeduldigen, aber frellich so verständlichen Geberde der Arbeitseinstellung seinem Protest gegen das Gesetz der„Vier Infamien'' Ausdruck. Der„Eentre" hat den Generalstreik beschlossen und zur Tat werden lassen. In Ln Louvierc, Haine St. Pierre, Morlanwelz sind die Etablissements geschlossen. In den Stein- brirchen von Ecaussinnes und Soignies rühr die Arbeit. Und eben bringt der Telegraph die Meldung von weiteren Arbeitseinstellungen aus dem Kohlengebiet des Centre. In Mariemont streiken die Glasarbeiter, in Charlcroi ist der Ausstand allgemein. In Sera in, in den Etablissements von Cockerill haben 10000 Arbeiter die Arbeit nieder- gelegt und Bergarbeiter und Metallarbeiter folgen ihnen. Die roten Fahnen in den Arbeiteraufzügen und„Nieder mit den Kutten",„Hoch das Wahlrecht" klingr es nun allerorten. Das Leichenbegängnis der Opfer des Lntticher Blutbades. Man schreibt uns auS Brüssel unterm 6. Juni: Die Partei hat zweien der Opfer, die bei der Gendarmerie attacke auf das sozialistische VolkshauS in Lüttich von den Kugeln der Ordnungsioächter niedergestreckr wurden, ein feierlich-würdiges Leichenbegängnis veranstaltet. Eine Fülle von Kränzen der ver« schiedensten Organisationen, deren Vertreter mit ihren Fahnen er- schienen, deckte die beiden Särge. Der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei war durch Vandervelde und den Sekretär P l a d e l vertreten. Außerdem waren delegiert der Parteisekretär B a n d e rsm i s s e n, Vinck, der Sekretär des Verbandes der sozialistischen Gemeinderäte, ferner die Brüsseler Föderation, die Metallarbeiter-Föderation durch zwei Vertreter, die Gewerkschafts lommiffion usw. Aeutzerst zahlreich war natürlich die Provinz Lültich mit den sozialistischen Mandataren, darunter der alte Hektar Denis, und den Parteifunktionären vertreten. Ansprachen hielten die Ver- treter der Lütiicher Organisationen He.nault, Deputierter T r o c l e t und Vandervelde, der an die Reihe der in den belgischen WahlrechtSkämpfen gefallenen Opfer von 183«, 1893 und 1902 erinnerte. Trotz der anhaltenden Erregung und inneren Bewegung der kolossalen Massen vollzogen sich die Feierlichleiten in beiden Gemeinden, wo die Begräbnisse stattfanden. ohne Zwischenfälle. Das Aufgebot von zlvei Kompagnien Bürger- wehr diente nur der provokatorischen Wichligtuerei des Gouverneurs. der sich auch— vergebens— bemühte, den Umzug zu verbieten. Beide Opfer erhielten Zivilbeerdigung. Der Gemeinderat von Glan« bei Lüttich wird dem einen der Opfer ein Denkmal errichten- Tie Frau des Bürgermeisters hat für den alten Vater des in Glain bestatteten Arbeiters, der die einzige Stütze des Achtzigjährigen war, eine Kollekte veranstaltet. Auch für die anderen Hinterbliebenen wird gesorgt werden. Entgegen den niederträchtigen Lügen des klerikalen.XX. Stöcke', deS Organs des Herrn v. Broqueville, das die Gendarmen gegen eine wütende Volksmenge in der Notlvehr zeigen will, konstatieren neben der sozialdemokratischen Presse auch einige bürgerliche Blätter und der radikale.Expresse" die gegenteilige Sachlage. Er schreibt: Eine furchtbare Feststellung winde bei der ärztliche» BeHand- lung der Verwundeten gemacht. Unter den behandelten Opfern ist auch nicht eitles, das nicht in den Rücken getroffen wäre! Aus- genommen die drei Unglücklichen, die sitzend getötet wurden, wurde auf Fliehende geschossen! Das war die Notwehr! I Ein anderes gemäßigtes Blatt erkennt an, daß die Gendarmen das Schießen unnötig ausdehnten— nämlich.als die Menge schon flüchtete"..Wäre daS dicht der Fall gewesen, wären vielleicht die unschuldigen Opfer noch am Leben." Und auch die liberale Brüsseler.Gazette' erklärt rundweg, daß eS sich bei all de» Opfern in Lüttich. Brüffel, Verviers, Brügge, Verwundeten»nd Toten, um harmlose Passanten handelt, die nicht« getan hatten, der bewaffneten Macht keinen.Widerstand" entgegen- gesetzt, ja nicht einmal„manifestiert", geschweige„Exzesse" begangen hatten. Und nach einer scharfen Aullage gegen Polizei und Gen- darmerie meint das bürgerliche Blatt, daß die Todesstrafe, die in Belgien selbst den größten Verbrechern erspart wird, in politisch bewegter Zeit durch»stupide Massakers" gegen die Bürger des Landes geübt wird. Auch die gerichtlichen Feststellungen am Tatorte, im Lütticher sozialistischen Volkshause nämlich, haben durch die Messungen und aufgefundeiieil Kugelspuren ergeben, daß die Gendarmen zielten, um zu töten. An einer Stelle, wo Frauen und Kinder standen, wurden Kugelsptircn gefilnden. Die Gendarinen zu Pferde konnten von ihrer Höhe genau sehen, wer da war. auf den sie zielten. Man wartet indes auf Aiiszcichmuigen, obwohl es diesmal nicht ein» mal verletzte Gendarmen gibt und alle Opfer auf Seite des Publikums find. Die Situation im Streikgebict. Brüssel, 8. Juni.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Im Ge- biet von Möns haben die Gewerkschaften die Resolutionen, die die Arbeitsaufnahme erkläre»!.akzeptiert, desgleichen in Charte- r o i. Selbst im Haut Pahs nn Borinage, wo die stärkste Stim- mung für die Fortdauer des Streiks war, ist es den Bemühungen des neugewählten Deputierten- B a st i e n gelungen, den Beschluß auf Ausnahme der Arbeit am Montag durchzusetzen, so daß allent- halben, der Streik am, Montag zu Ende sein wird. Die Bergarbeiter im Lütticher Kohlenbassin und die Metallarbeiter arbeiten fast voll- zählig. Die Bürgerwehr ist dort bereits zurückgezogen. In Brügge wurden unter großem Militärischen Aufgebot die Opfer der Zusammenstöße heute begraben. Die Mitführung von Fahnen war verboten, in die Kirche durften nur die Angehörigen. politische(leberficht. Berlin, den 8. Juni 1912. Schallende Heiterkeit im Herrenhause. Mit lebhafter Schadenfreude wurde gestern im Hause der Er- lauchten und Edlen die Nachricht aufgenommen, daß die Geehrten im anderen Hause dem AussührungSgrsetz zur ReichSversicherungs- ordnung, soweit sie die landwirtschaftliche Unfallversicherung regelt, endlich in der ursprünglichen Fassung zugestimmt haben. ES handelt sich bekanntlich darum, daß die Vorlage im§ 19 den Berufsgenossen- schasten volle Freiheit lassen will, wie sie die Beiträge aufbringen und nach welchem Maßstab sie sie umlegen wollen. Hierbei können auch gewisse Steuerleistungen, z. B. die Grundsteuer, zugrunde ge- legt werden. Da? wollten nun die Dreiklassen-Konservativen nicht. Die Berechnung der Beiträge nach der Grundsteuer wollten sie' unmöglich machen. Da aber daS Herrenhaus nicht nachgab, mußten sie schließlich Abstand von ihrer Opposition nehmen. Sie konnten es um so ruhiger tun, als ja zurzeit in Preußen die preußische Eigenart, daß die Junker nicht genieret werden dürfen, noch un- gebrochen dasteht. Außer dem Behagen über das Sich-Fügen der Dreiklassew Mehrheit ist aus der HcrrenhauSfitzung wenig zu vermelden. Pro- fessor Waldeyer wünscht einen Anbau an das geologische Museum zur Unterbringung der in Ostafrika ausgegrabenen Ricscnskclette vorsintl icher Echsen. Eine Vorlage, die eine Zwangs-EntwässerungS- genossenschaft für das Industriegebiet links des Riederrheins bilden will, wurde ohne Debatte angenommen; nur Herr v. Rheinbaben mußte natürlich'dazu reden, da es sich um eine Sache in der Rheinprovinz handelte, deren Bewohner übrigens, nach des Nichtstreikers Giesberts Wort Preußen in diesem — etwa dem Nhcinbabenschen Sinne— nie sein wollen. Uebrigens, wie wärs, wenn sich der Herr Oberpräsident bei seinem lebhaften Interesse für alles Rheinische auch mal um gewisse Eigcnartigkciten mancher Essener Polizeibeamten kümmer wollte?! Noch eine liebevolle Erörterung des Antrag? des Fürsten zu Inn- und Kniephausen aus Einbeziehung der Provinz Hannover in das Geltungsbereich der Jagdordnung� und dann übt auch hier Herr v. Schorlemer die einem künftigen Reichskanzler so gut zu Gesicht stehende Tätigkeit, Vertagungsurkundcn zu verlesen. Ohne Haß geht man auseinander, heimwärts auf, die Schlösser, see» uud bcrgwärts in die Sommerfrischen, mich auf die Rennbahnen uud Liegatten. denn schön ist das- Leben für den, der das nötige Geld dazu hat. tScgc» den Papst. Die„Kölnische Volkszeitung" ist durch die authentische Erklärung des Prälaten Heiner in tödliche Verlegenheit gesetzt worden. Sie Iveiß. daß darin eine Verurteilung der Zentrums- Geiverkschaften und ihrer ganzen Politik aus- gesprochen ist; sie kann das aber nicht ohne weiteres zugeben, weil sie dann den Kampf gegen den Papst direkt führen müßte. Und so hilft sie sich mit versteckter Polemik. Sie konstatiert zunächst, daß die Erklärung keine Beruhigung bringen, könne. „Und zwar schon aus dem einen Grunde, daß auS der ganzen Situation, wie sie druck die jüngsten Lorgänge geickaffen wurde, nicht mehr auszuscheiden ist, was seitens des Berti nerBer» b a n d e S geschehen ist. Darauf geht die Erklärung nickt ein; daher kann das, was sie über die. wie sie erklärt, nicktauthentiicken münd« lichen Aeußernngen des Heiligen Vaters und über die Telegramme des Kardinal-SlaatSsekretärs sagt, wohl eine gewisse abschwächende Wirkung haben, aber den Emdruck jener Borgänge insgesamt leider nicht ungeschehen machen. Man wird uns in Deutschland sagen, im Grunde genommen bleibe doch bestehen: uneingeschränktes Lob für die katholi- schen Arbeitervereine(Sitz Berlin), wohlwollende Mahnung für die katholischen Arbeitervereine von West-, Süd- und Ostdeutschland, unverkennbares Misftraucu gegenüber den christlichen Gewerkschaften. Und davon ist, wie gesagt, nicht mehr zu trennen die weitere Frage: Wie ist der Heilige Stuhl zu dieser Auffassung gelangt? Darauf kann die Antwort nur lauten: Durch die„Informationen" der„Berliner" und ihrer Wortführer in Rom. Man kann diese Antwort mit Sicherheil geben, va man weiß, daß weder der aposto- liscke Nunzius in München, noch die große Mehrzahl der deutschen Bischöfe in fltom Informationen im Sinne jener Stellungnahme ge- geben haben." Das Blatt beruft sich dann wieder auf die deutschen Bischöfe, die bisher keine Bedenken darin sahen, daß diese Arbeitervereine ihre Mitglieder für die wirtschaftlichen Orga- nisatioliSzwecke in die christlichen Gewerkschaften entsandten.— Nur die sogenannten Berliner hätten von jeher einen Ver- dächtigungsfeldzug gegen die beiden Organisationen geführt, wobei außer dem Assessor a. D. v. Savigny und dem Pfarrer Beyer noch verschiedene andere tätig gewesen seien, die zu nennen überflüssig sei. Dann fährt das Blatt fort: „Wie die Lage der Düige rm katholischen Deutschland, soweit es nicht der„Berliner" Fahne folgt, empfunden wird, das brauchen wir nicht auszuführen. Wie sie wirlt. wo sie Schwierigkeiten b e« reitet und wer den Nutzen davon hat, darüber lassen die Kund- gebungen der Parteien, welche den deutschen Katholiken und beson- der» ihrer Betätigung im sozialen Leben am sckroffslen gegenüber- stehen, nickt de» geringsten Zweifel. Ob angesickts dessen eine wirk- tichc Beruhigung der betreffenden katholiicken Arbeiterkreise— welche daö Rückgrat der christlichuationaleii Arbeiterbewegung und den starken Halt gegenüber der Sozialdemokratie darstellen, während die Arbeitervereine(Sitz Berlin) von nur geringer und neuerdings noch geringer gewordener Bedeutung für unser öffentliches Leben sind— infolge etwaiger weiterer authentischer Verlautbarungen eintreten wird, bleibt abzuwarten." Das klingt ziemlich kleinlaut und ebenso die Abwehr gegen die Beschuldigung der„Germania", die Ausrede der „Kölnerin" von dem schlecht informierten Pap st verletzte die schuldige Ehrfurcht. Der Appell an den besser zu unterrichtenden Papst sei keine Ehrfurchtsverletzung, viel- mehr ein Recht jedes Katholiken. Wir fürchte», nur, daß die bösen„Berliner" daran erinnern»verde», daß kein anderer als Luther mit solchem Appell angefangen habe. In Wirklichkeit verhehlt diese Polemik nur schlecht die W u t über den Vatikan, die die Kölner erfüllt. Um so mehr machen sie ihrem gepreßten Herzen gegen die„Berliner" Luft. In der„Köln. VolkSzeitnng" erlassen, wie uns ein Pnvat- telcgramm meldet, vierzehn rheinische Präsiden der katho- lischen Arbeitervereine München-Gladbacher Richtung und zahl- reiche Geistliche eine Erklärung, in der es heißt: .Die katholischen Arbeitervereine müssen aufl daS schärfste Einspruch erheben gegen das unerhörte Vorgehen des Berliner Verbandes, das eine absichtliche Umgehung der deutschen Bischöfe und eine schmähliche Verdächtigung Hunderttausender katholischer Arbeiter sowie Tausender katholischer Priester darstellt, deren korrekte kirchliche Haltung über allem Zweifel erhaben sei und die den gewerkschaftlichen Gedanken in den Arbeitervereinen pflegen unter ausdrücklicher Zustimmung und Ermunterung ihrer zuständigen Bischöfe. Durch diese anhaltenden Verdächtigungen füge der Berliner Verband der kirchlichen Autorität größeren Schaden zu, als es die Hetze der Sozialdemokratie jemals vermocht hätte." Und noch kräftigere Töne schlägt der christliche Metallarbeiter. Verband an. In einer Erklärung legt er Verwahrung ein gegen die fortgesetzten B e u n- ruhigungen und Verdächtigungen der christlichen Gewerkschaften. Er erklärt, daß die christlichen Gewerkschaften sich von jeher der Zustimmung und Aufmunterung von hohen geistlichen Würdenträgern beider Konfessionen erfreuten. Wiederholt haben sich die deutschen Bischöfe für ihre Unter- stütznng ausgesprochen. Die christlichen Metallarbeiter, ob katholisch oder evangelisch, würden unentwegt fernerhin f e st zusammen st ehen und in Treue verbunden bleiben. Nun, man wird ja sehen, wieweit die Festigkeit reicht. wenn der Papst noch deutlicher werden sollte. Unter dem Regime Hertling. Ein geradezu ungeheuerliches Dokument veröffentlicht die„Mannheimer Volksstimme". Nämlich einen Entscheid des Königlichen Amtsgerichts Dachau. Therese K. in Mann- heim hatte ein unehelickpts Kind, das bei seinem Großvater und Lormund in Bayern untergebracht war. Als sich die Mutter verheiratete, verlangte sie ihr Kind zurück. Das Amtsgericht Dachau wies das Verlangen ab, weil die Mutter mit ihrem Manne, einem Hausierer, so oft abwesend sei, um ihr Kind genügend überwachen zu können. Die Mutter ant- wartete dem Amtsgericht Dachau, daß sie ihren Mann auf seinen Gesckästsgängen gar nicht begleite, sondern zu Hause bleibe. Zugleich holte sie ihr Kind nach Mannheim. Nun rückte das Amtsgericht mit seinen eigentlichen Beweg- gründen heraus, indem es der Mutter folgendes Aktenstück zugehen ließ: V. V. Rr. 42/1909. Dachau. 31. Mai 1S12. K. Amtsgericht Dachau. An Herrn Rechtsaiitvalt Dr. Ludwig Frank in Mannheim. Betreff: Vormundschaft über Elsa Maria K., uneheliches Kind der Therese K. in Mannheim. Gemäß§ 1««« B. G.-B. wurde durch dtesbezugltchen Be- schlug vom 1«. September 1911 angeordnet, daß das Kind in der Obhut seines Vormundes zu belassen sei. Die Kinds mutier hat das Kind mit List dieser Obhut ent- zogen(ß 235 R.�vt.-G.-B.) und will nun das Kind gegen den Willen des Vormundes und Großvaters behalten. Das VormundsdhaftSgericht bat der KindSmuttcr mit Zu- fchrift vom 24. Mai 1912 schon bekannt gegeben, daß es sich dem strasgesetzwidrigen Vorgehen der KindSmutter nicht beugt und auf Antrag des Vormundes die Zurückbringung des Kindes verlangt und eventuell mit polizeilicher Hilfe durchführt. Es besteht für das VormundschaftZgericht zurzeit kein Anlaß. von den getroffenen Anordnungen abzugehen, �schon mit Rücksicht aus die tief verletzenden religiösen Gefühle des für daS katholische Kind bestellten katholischen Vormundes, welcher nach eigenem Vorbringen und nach Brief der KindS- mutier diese immer noch auffordert» ihren Ehemann zu verlassen. Die gesetzlich gültige Ehe der KindSmutter ist nach den durch§ 1588 des Bürgerlichen Gesetzbuches gedeckten kirch. lichen Anschauungen des Vormunde? ein Konkubinat und ehebrecherisches Verhältnis, weshalb Vormund im Zusammenhalt mit früher geltend gemachten Beanstandungen aus Zurückführung des Kindes besteht. Nun hat KindSmutter in Zuschrift vom 2b. Mai 1912 erklärt, sie erkenne den Beschluß vom 29. September 11 nicht an und lasse sich das Erziehungsrecht absolut nicht entziehen. Da diese Erklärung als Beschwerde gegen den Beschluß des Vormundschaftsgerichts gemäß§ 19/29 Fr. G. Gs. auSgefaßt werden kann, ergeht Anfrage, ob die Akten an das Beschwerde- geeicht vorgelegt werden sollen oder nicht. Der königliche ObcramtSrichter:(gez.) Kreichgauer. Der§ 1588 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der diese der» letzten Gefühle„decken" soll, lautet: „Die kirchlichen Verpflichtungen in Ansehung der Ehe werden durch die Vorschriften dieses Abschnittes(über die bürgerliche Ehe) nicht berührt." Weil das Bürgerliche Gesetzbuch also erklärt, daß der Kirche das Recht auf kirchliche Einsegnung der Ehe nicht ge- schmälert werden soll, sofern die Eheschließenden dieses Segens bedürftig zu sein glauben, glaubt ein bayerisches Amtsgericht das Recht zu haben, eine nach dem Reichsgesetz rechtsgültig geschlossene Ehe als„Konku- b i n a t und verbrecherisches Verhältnis" be- zeichnen und einer Mutter deshalb das Recht auf ibr Kind vorenthalten zu können! Daß katholische Geistliche sich gelegentlich solche Schmähungen lelsten. ,ft ia bekannt genug. Daß sich aber ein A m t s g e r i ch t auf den Standpunkt eines solch aesetzes- verächterischen Zelotismus stellt, ist etwas ganz Neues! Aber das Regime Hertling und die dominierende Rolle die das Zentrum im Bunde mlt den Junkern auch im R e i'ch e spielt, erklärt alles!_ Die Christlichen für ein Znchthausgesetz. Wie es nach der ganzen Entwickelung der Schwarzgelben nicht anders zu erwarten war. sind sie heute die beliebtesten Eideshelfer derjenigen Scharfmacher geworden, die sich heiser schreien nach ernem neuen Zuchthausgesetz. Die„Rheinisch- Westfälische Ztg." veröffentlicht in ihrer Nummer vom 5. Junt eine Zuschrift aus industriellen Kreisen, nach der in den ver- schiedensten Bevölkerungskreisen geradezu eine wahre Sehn- sucht nach einem neuen ZuchthauSgesetz vorhanden sein soll. Da heißt eS: .Die christlichen Gewerkschaften der nationalen und der evangelischen Arbeitervereine stehen samt und sonders ans dem Boden der Forderung, daß ein verstärkter Schutz der Arbeits- willigen unerläßlich ist. So ist der verstärkte Arbeitswilligenschutz eine Forderung der Vernunft und des Rechts. Das sollten sich in erster Linie diejenigen gesagt fem lassen, die dafür verant- wortlich find, fcafe Vernunft und Recht im GtaarSleben nicht zu Schaden kommen." Auch hier muß also die arbeiterverräterische Haltung der Christlichen wieder dazu dienen, die Zuchthausgesetzsehnsucht der Scharfmacher als berechtigt erscheinen zu lassen. Bochumer Streikjustiz. In Essen und Duisburg haben die Slreikprozesse allmählich ihr Ende erreicht, aber neben Dortmund wird auch in Bochum noch täglich gegen die.Streikbrecher" verhandelt. Am Dienstag standen vor zwei Strafkammern rund 15 Sachen an. Es handelt sich zumeist um Anklagen wegen angeblicher Beleidigung von ArbeilSwilligen. Zwei der verhandelten Sachen dürften jedoch insofern von allgemeinem Interesse sein, al« sie sehr trefflich die Art und Weise illustrieren, wie Streikanklagcn zustande kommen. In der ersten dieser Sachen war eine BergmannSfrau angeklagt, einem Arbeitswilligen mit drohender Hand.Du Schwein Hund" zugerufen zu haben. Die Angeklagte bestritt jede Schuld. Der Kronzeuge des Staatsanwalts, ber ongeblicv beleidigte Arbeitswillige. wußte nichts darüber zu bekunden, daß die Angeklagte ihn einen Schweinhund geschimpft hatte. AuS der Menge fei wohl.Streik- brcchcr" gerufen, aber ob die Angeklagte dies gerufen, wisse er schon deshalb nicht, weil er sie überhaupt nicht kenne. Auch bei seiner polizeilichen Vernehmung habe er nicht behauptet, daß irgend jemand Schweinhund gerufen habe. Angesichts dieses völlig negativen Er- gcbniffeS der Beweisaufnahme beantragte selbst der Vertreter der Anklage Freisprechung, aus die daS Gericht auch, unter Auferlegung der Kosten auf die Staatskaffe, erkannte. Im zweiten Falle war«in Bergmann wegen versuchter Nö- tigung angeklagt. Er sollte nach dem Streik auf der Treppe senies HauleS, in dem auch zwei Arbeitswillige wohnten, gerufen haben:.Hier wohnen die Streikbrecher, denen manZeigentlich die Hälse abschneiden sollte." Die Frauen der Arbeitswilligen bestätigten die Behauptung der Anklage. Der Staatsanwalt beantragte Ver- urteilung wegen versuchter Nötigung. Der Verteidiger wies darauf hin, daß Z L40 des Str.-G.-B. doch schon deshalb uicht in Frage komme» könne, weil der Streik zu Ende gewesen sei. und eS des» halb gar nicht ersichtlich erscheine, wozu der Angeklagte denn die Arbeitswilligen habe nötigen wollen. Diesen Darlegungen folgte daS Gericht, indem eS den Angeklagten freisprach. Bei einer nur einigermaßen eingehenderen Prüfung der Um- stände hätte sich die UnHaltbarkeit dieser beiden Anklagen ohne weiteres ergeben müflen. Den Angeklagten wären die vielen Un- annehmlichkeiten und Geldopfer für Verteidigung, Fahrt usw. und dem Staate die Kosten erspart geblieben. Noch ein Fall verdient registriert zu werden. Ein Bergmann war wegen Nötigung angeklagt. Auf dem Nachbarhofe seines Hauses wäre ein Arbeitswilliger beinahe von einem Stein getroffen worden. Der Arbeitswillige selbst bekundet, nur den Stein gesehen zu haben, für die Tälerichaft de« Angeklagten habe er indessen auch nicht den mindesten Anhalt. Der Sohn dieses Zeugen,«in zwölfjähriger Schüler, sagt au«, er habe nicht gesehen, wer den Stein geworfen habe, aber kurze Zeit nach dem Vorfall habe der Angeklagte aus dem zu seinem Hause gehörigen Hofe gestanden. Drei Enl- laslungSzeugen bekundeten eidlich, zu der hier fraglichen Zeit sei der Angeklagte mit ihnen in einem anderen Stadt- teile mehrere Stunden gewesen. Der Staatsanwalt meinte hierzu. die Täterschaft des Angeklagten sei unzweifelhaft. denn erstens habe er gestreikt und zweitens wohne er in dem Nebenhanse, dritten» sei er nach dem Vorfall gesehen. Der Verteidiger betonte demgegenüber, daß kein Mensch gesehen habe, daß der Angeklagte geworfen habe, daß ferner in feinem Hauke ein« ganze Anzahl streikender Bergleute gewohnt hätten, daß die fraglich« Mauer 2'/, Meter hoch sei und deshalb der Stein gar nicht vom Hofe des Angeklagten aus geworfen fein konnte und daß schließlich drei einwandfreie Zeugen bekundet hätten, der Angeklagte sei zur Zeit de« Vorfall« an einem ganz anderen Ort gewesen. Da« Gericht hielt offenbar die Argumente des Staatsanwalt« für durchschlagend, e« verurteilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis. Die Urteilsbegründung ist um deswillen inter- effant. weil in ihr gesagt wird, daß die drei Entlastungszeugen— e« waren eigentlich fünf, auf Bruder und Schwester verzichtete der Angeklagt«— sich unmöglich noch genau der Zeit und Vorgänge erinnert hätten, daß dahingegen die LuSsage des zwölfjährigen Schüler« unbedingten Glauben verdiene. Diese» sonderbare Urteil wird der Nichtjurist mit Verständnis- losem Kopsschütteln aufnehmen. Ein Nachspiel zur ReichstagSwahl in Ostpreust«,. Am 6. Juni fand in dem«ikerbürgerstädtchen Friedland(Ost- Preußens eine SchöffengerichtSverhandlung statt, die sich mit einem am l2. November v. I. in Friedland stattgefundenen Wahlkrawall beschäftigte. Gelegentlich einer konservativen Wählerversammlung, zu der alle Arbeiter eingeladen waren, kam eS zu Zwischenrufen, alS vom konservativen Kandidaten die Sozialdemokratie ip der schofelsten Weise angegriffen wurde. Al» die Zwischenrufer aus dem Lokal gewiesen wurden, gingen die anderen Arbeiter auch hinaus. Auf dem vor dem Lokal gelegenen Marktplatz kam eS zu Menschen- ansammtungen. Der Bürgermeister und die ganze verfügbare Polizeimacht, zwei Polizisten und ein Gendarm, konnten da» Entfernen der zu einigen Hundert angewachsenen Menschenmenge nicht erzwingen. Der Auf- forderung der Beamten, sich zu entfernen, wurde nicht Folge gc- leistet. Wie die Beweisaufnahme ergab, hatte der Menschenauflauf keinen bösartigen Eharatter. Rur.Dummheiten" wurden gemacht, wie der Bürgermeister vor Gericht aussagte. Trotzdem hatte man sich gg Arbeiter herausgesucht und Anklage wegen Auflauf«. Wider st ands und Beleidigung gegen sie er- hoben. Kein einziger Bürger und keine Bürgersfrau, die gleichfalls als Neugierige an der Ansammlung teilnahmen und die Aufforderung, sich zu entfernen, nicht befolgt hatten, waren an- geklagt! Der«mtsanwalt faßte die Sache auch durchaus nicht trogisch aus und beantragte Gefängnisstrafen von 8. 6. 4 und 2 Wochen sowie Geldstrafen von 80 M. oder t« Tagen Haft. da» Gericht, bei dem ein Rittmeister und Gutsbesitzer v. Wedel und ein AmtSvorsteher und Gutsbesitzer Schwarz al« Schöffen fungierten. fällte ein auffallend Harles Urteil. Die in F r i e d l a n d wohnenden Angeklagten kamen mit 2—6 Wochen Gefängnis bezw. 30 M. Geldstrafen weg. Zu der Zeit des Krawalls arbeiteten aber drei Arbeiter aus Königsberg dort. Auch sie waren an dem harmlosen Auflauf ebenso wie die anderen beteiligt. Die Anklage nahm aber an. daß diese drei KönigSberger die Anführer und Aufwiegler gewesen seien. Der Borfitzende fragte bei der Beweisaufnahm« ausdrücklich de« Bürgermeister und auch die Polizisten, ob ihnen nicht bekannt sei. daß von auswärts Leute gekommen feien, die SchnapS ausgegeben, die Arbeiter be- trunkrn gemacht und aufgereizt hatten. Alle drei Beamte verneinte« diese Frag«, keiner wußte etwa« Derartiges. Auch sonst ergab, trotz aufgrwendeter Mühe, die Beweiserhebung auch nicht den geringsten Anlaß für diese offenbar von konservativer Seite aufgestellten dem Grund- satz!.wa» ich selber tu», da» trau ich anderen zu", huldigenden vehauptungl Da« Gericht aber hielt daran fest, daß KömgS- 1 herger Sozialdemokraten zu dem Zweck nach Friedland gekommen feien, un> duich Schnapsjpenden eme tonleroative Ber'ommlung zu sim«. ES betrachtete die drei jungen Leute, die gar nicht der sozialdemokratischen Organisation angehören und nachwiesen, daß sie von ihrem Arbeitgeber nach Fricdland zur Arbeit geschickt worden waren, trotz- dem als Aufwiegler und verurteilte einen zu 8 Monate«, den anderen zu 3 Monaten und de» dritten zu 2 Monaten Gefängnis. Außerdem wurde gegen die drei auf sofortige Inhaftnahme erkannt wegen Fluchtverdachts. Dieses Tendenzurteil kann das Berufungsgericht unmöglich auf- recht erhalten. DaS schlimmste ist aber, daß diese drei Verurteilten nun monatelang im Gefängnis zu sitzen ge- zwungen sind, ohne Rücksicht auf den etwaigen Erfolg ihrer Berufung! Ansschlust der Frondeure in Roerens früherem Wahlkreis? Während die große Zentrumspresse ebenso wie Bachem im .Tag" sich über den kläglichen Aussall der Wahl damit trösten, daß auch die auf den Gegenkandidaten Stauch gefallenen Stimmen 3 entru in« stimmen seien, fordert die.Saarbrücker Volksztg." in einem Nachwort zur Wahl Ausschluß der Frondeure. Die.verführten" Arbeiter hofft daS Blatt für das Zentrum zurück- Zugewinnen. .EiwaS anderes ist es aber mit den Führern, den eigcnt- lichen Frandeuren, den Aach, Stauck, Wcyand uiw. Für diese Leute darf kein Platz mehr in der Parteiorganisation sein. Sie haben sich selbst außerhalb der Partei gestellt und dort werden sie auch so lange zu verbleiben haben, bis sie durch ihr Verhallen gezeigt haben, daß sie bezügl. Parteitreue und Parleidisziplin sich völlig andere Grundsätze zu eigen gemacht haben. Um so mehr, als dieie Personen allein den ganzen Wirrwarr verschuldet haben. nicht.lediglich das System", wie die»Köln. Volkszlg." in einem Arnkel in ihrer Nr. 482 vom 31. Mai meint." Eine geborstene Ordnnngssäule. In Tilsit hat der P o li z e i k o m m i s s a r F r i tz R e tz l a f f eine Reihe Betrügereien verübt. Er wurde vor etwa einem Jahre angestellt, lebte auf großem Fuße, legte sich einen Weinkeller an. richtete sich eine hochelegante Wohnung ein und war in allen Vereinen und Gesellschasien tonangebend. Da er die Re- Visionen der Kelliierinnenlisten zu bearbeiten halte, so hatte er auch Verbindung mit den Rcstanraleiiren. was er dazu benutzte, um sie anzupumpen, damit er zur Fortsübrnng seines lockeren Lebens- wandelS die nötigen Mittel in die Hände bekam. Unter der Vor- spicgelung, daß er demnächst UmzugSentichädigung bekomme, betrog er einen Rcstauratcur um 600 M., einen anderen um 300 M. Von einem Nestaurateur hatte er ein Sparkassenbuch erhalten; er sollte 500 M abheben. Er hob aber daneben einmal 100 M., das zweite Mal 450 M. ab und verbrauckle das Geld siir sich. Insgesamt hat er die Gastwirte um etwa 3000 M. geschädigt. Der Betrug kam heraus, und der Polizeikommissar mußte seine Stellung verlassen. Dieser Tage hatte er sich vor dem Schöffengericht zu verantworten, das ihn wegen der Betrügereien zu der verhältnismäßig gelinden Strafe von vier Wochen Gefängnis verurteilte. Das„schwere Jnsubordinationsvergehen". Ein Musketier vom Infanterieregiment Nr. 44, das sich ans der Reise befand, sollte eines Tages auf Befehl feines Unteroffiziers seine Kleider reinigen. Er befolgte das anfäng- lich aber nicht, sondern meinte, mit Steinen könne er nicht abbürsten. Schließlich tat er aber doch, was ihm der Vor- gesetzte befohlen hatte, und als er damit fertig ivar, zog er eine Flasche hervor, warf einen Blick auf den Unteroffizier und rief:«Prost Kinder, aus den Schreck wollen wir einen trinken I" Das wurde als ein überaus schweres Jnsub- ordinationsvergehen aligesehen, tind der Mann erhielt voni Kriegsgericht nicht weniger als sechs Monate Gefängnis!! Er legte Berufung ein, doch das Oberkrtegsgericht zu Königs- berg gab nichts auf seine Bitten um eine mildere Strafe, sondern erkannte auf Verwerfung der Berufung. Die CreigmlTe in Clngam. Budapest, 8. Juni.(Privattelcgramm des.Vorwärts".) Die heutige.Nepszaiva" wurde ebenso wie die gestrige und auch das deutsche Parteiorgan„Volkssttmme" wieder konfisziert. Die erste Auflage wurde konfisziert laut richter- lichen Bescheides Seite 1. 2, 8, 4, 8 und 9. Die Partei hat sofort um 9 Uhr vormittags eine zweite Auflage heraus- gegeben, jedoch wurde dieselbe wieder konfisziert, angeblich, weil in dem richterlichen Bescheid ein Irrtum enthalten sei und zwar Seite 5, 6 und 7 ebenfalls konfisziert werden sollten, die im ersten Bescheid aber nicht angegeben lvaren. 30(XK) Exemplare sind wieder konfisziert, so daß jetzt um 10 Uhr die dritte Auflage herausgegeben lvurde. Nicht etwa, um unsere Leser zu befriedigen, sondern um der Welt zu zeigen, daß die ungarische Zensur in einem IKseitigen Blatt 9'/, Seiten konfisziert. Bemerkenswert ist, daß auch die Rede des ReichstagSpräsidenten T i s z a konfisziert wurde, ebenso wie ein Erlaß des Ober- stadthauptmannes. der die gestrige Bluttat betrifft. Im Grunde genommen wissen wir jedoch ganz gut, warum die „NepSzawa" konfisziert wird. Die Herren von der Negienuig wollen mit Gewalt der ungemein kritischen Situation ein Ende bereiten und da dies im Reichstage nicht möglich ist,»vollen sie es auf der Straße tun. Sie glauben, mit einem Blutbad auf der Sttaße werde diese kritische Situatton ein Ende nehmen. Es ist daher die Absicht der Regierung, die arbeitende Klasse, die ausschließlich Leser des Parteiorgans sind, dadurch noch mehr in Erbitterung zu bringen und sie zum Aufruhr zu treiben. Natürlich hat die Parteileitung Mühe �enug. dies zu verhindern und deshalb geben wir auch eine ziveite, wenn not- wendig, auch eine dritte Auflage heraus. Ueber die Bluttat, die gestern im Reichstag geschehen, hat die Regierung sofort lügnerische Berichte ausgegeben, und zwar wurde auf der Börse kolporttert, daß der Abg. Jul. Kovacz aus Verzweiflung darüber, daß sein Vermögen durch waghalsige Spekulationen zerrüttet sei. auf diese Weise seinem Leben ein Ende machen ivollte. Sofort haben wir uns bei der Familie des Abg. K. erkundigt, haben auch persön- lich in den Banken, die angegeben wurden, nachgefragt, und da stellte es sich heraus, daß der Abg. K o v a c s ein reichbegüterter Mann, sein Vater ein Millionär, und der Abg. K. noch ledig ist. Er ist ein äußerst solider Mensch. der in Wien und auch im Auslande die Hochschule besucht hat. Demnach sind diese Gerüchte, die verbreitet wurden, falsch. Ueber die Bluttat wird noch folgendes berichtet: Unsere Berichterstatter im Reichstag erzählen, und auch die opposi- tionellen Blätter bringen es heute, daß es ein G r a u e n war für jeden Menschen, der die Szenen mit angesehen hat. Auf den schwervcrwundctcn Abgeordneten stürzten sich eine Horde von Abgeordneten der Regierungspartei, die aus den stärksten Männern besteht und die sogenannte Schutzwache bildet, auf den blutüberströmt am Boden Liegenden und bearbeiteten ihn mit Fäusten und Stöcken. Nur den Journalisten gelang es, die Leute von dem Schwcrverwundeten wegzubringen. Während dies mit dem schwerverwundeten Abgeordneten geschah, stand der Präsident T i S z a bleich vor Wut, traute sich weder vor uoai in» iq» eine Schar Abgevidneier umringte und aus dem Saale führte. Das haben wir von einigen Zeugen verschiedener Richtungen erfahren und trotzdem ver- kündet die Reglerungspresse heute, wie tapfer und mutig sich der Präsident dabei benahm. Die Opposition hat gestern abend wieder ihre Kon- ferenz abgehalten und das weitere Vorgehen beraten. Am gestrigen Nachmittag zogen wieder die gesamten Oppositionellen in den Reichstag, verhielten sich aber ruhig. Bevor die Sitzung eröffnet wurde, marschierte wieder die P o l i z ei t r u p p e in den Saal und forderte die Abgeordneten auf, das Gebäude zu verlassen. Der Führer der Oppositionellen, I u st h. er- klärte, daß er an dem Tage, an welchem ein Abgeordneter Kollege in den letzten Zügen liege, keine Ruhestörung ver- Ursachen wolle, und entfernte sich mit der gesamten Opposition aus dem Saal. Bei der Abendkonferenz wurde beschlossen, heute vormittag wieder im Reichstage zu erscheinen und das alte Spiel fortzusetzen. Die Negierung hat ebenfalls ihre Konferenz abgehalten und ihre alte Taktik fortzusetzen beschlossen. Die Abgeordneten der Opposition werden von der Polizeitruppe immer ruhig in den Reichstag eingelassen und erst aus dem Saal herausgeholt. Es geschieht dies deshalb, weil die Regierung fürchtet, und das mit Recht, daß. wenn den Abgeordneten am Tore des Gebäudes der Einlaß verweigert wird, daß dann die auf der Straße harrende Be- völkerung mit den Reichstagsabgcordneten gemeinsame Sache macht. Jetzt soeben beginnt der Reichstag. Vor der Eröffnung das alte Spiel: Kein einziger Abgeordneter der Regierungs- parte! ist im Saale und die aus 102 Mann bestehende Oppo- sition verharrt ruhig auf ihren Sitzen. Jetzt gibt der Prä- sident Tisza dem Polizeinspektor die Order, sämtliche Aus- gesperrten(69 an der Zahl) aus dem Saal zu führen. Das geschah. Hierauf begründete Abgeordneter Leopold V a d a s z von der Regierungspartei einen Antrag auf V e r s ch ä r- fung der Hausordnung, dessen Verhandlung auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt wurde. Das Ergebnis der Untersuchung. Budapest, 8. Juni. Da? Attentat auf den Präsidenten TiSza wurde, wie durch die Untersuchung festgestellt worden ist. mittels eines Bulldoggrevolvers verübt, aus dem KovacS vier Schüsse abgegeben hat. Die Schüsse wurden aus einer Entfernung von 8'/, Meter auf den Präsidenten abgefeuert. In einem mit K o v a c S vorgenommenen Verhör leugnete dieser, die Absicht gehabt zu haben, TiSza zu töten. Er erklärte, er habe den Präsidenten nur einschüchtern wollen, um ihn zu bewegen, seine Politik zu ändern. Nach Blättermeldungen wurde in einer Bank, nahe der Stelle, wo KovacS gestanden hatte, eine auS einem Browning« r e v o l v e r abgefeuerte S t a h l ku g e! gefunden. Da Kovac« bei seinem Attentat mit Bleikugeln geschossen hatte, nimmt man an, daß, nachdem KovacS geschoffen hatte, irgend jemand ebenfalls auf ihn gefeuert hat. Kaiser Franz Josef sandte dem Präsidenten de» Ab- geordnetenhauseS Grafen TiSza ein in herzlichen Worten ab- gefaßte» Glückwunschtelegramm. Ein Attentat auf den BannS. Agram, 8. Juni. Als der königliche Kommissar Bonus Eduard C u v a j heute mittag 12� Uhr in Begleitung seintzr Gemahlin sowie des Leiters der Unterrichtsabteilung der kroatischen Landesregierung Hcrvoics und jeineS Sekretärs Pavsics von einer Festlichkeit im Automobil zurückkehrie, feuerte ein Student aus einer Gruppe von jungen Leuten einen Revolverschuß gegen das Automobil ab. Der Schuß traf, den im Wagen sitzenden H e r v o i c s. Der Täter ergriff die Flucht und wurde von Polizeibeamten und Gendarmen verfolgt. Auf der Flucht schoß er einen S ch u tz m a n n n i e d e r, der auf der Stelle tot blieb. Da- durch gewann er einen Vorsprung und verwundete während der Flucht noch einen zweiten ihn verfolgenden Polizei- beamten. Schließlich wurde er, nachdem er von seinen Ver- folgern verwundet worden war, festgenommen. Er heißt Lukas Jukics, ist etwa 20 Jahre alt. aus Bosnien ge- bürtig und an der Universität Agram als Hörer der Rechte inskribiert. Er befindet sich in einem derartigen Zustande der Aufregung, daß das Verhör mit ihm noch nicht zu Ende ge- führt werden konnte. Der schwerverletzte Rat Hervoics wurde in seine Wohnung gebracht. Das Attentat dürfte politische Motive haben. Ter Täter wollte die Aufhebung der Verfassung rächen. Snglanck. Allgemeiner Transportarbeiterstreik. London, 8. Juni. Die Mitglieder des National- auSschusses des TransportarbeiterverbandeL haben in der letzten Nacht für ganz England die telegraphische Order ausgegeben, am Montag mit dem National st reik zu beginnen, falls die Antwort der Arbeitgeber unbefriedigend ist. Marokko. Zug der Riskabylen auf Fez. Madrid, 7. Juni. Nach einer Meldung au« Penon de Velez de la Gomera, die auf Mitteilungen von Eingeborenen beruhen, sind von den in der Gegend von Penon de Velez und im östlichen Rifgebiet wohnenden Stämmen starke Kriegerabteilun. gen nach Fez aufgebrochen. Zehn Stämme unter ihnen sollen je 1000 Mann abgeschickt haben. Die Situation im Sus-Gebiet. tcoln, 8. Juni. Die„Kölnische Zeitung" meldet auS Tanger: Herr Schmidt-Schröder, der aus T a r u d a n t hier eingetroffen ist, bestätigt, daß alle Rachrichten über die Gefangennahme von Deutschen in Tarudant erfunden seien. Tarudant sei völlig ruhig. Es sei durchaus nicht sicher, daß der Sohn Mael AininS die ihm angebotene Würde eines SultanS des Südens an- genommen habe. Dagegen sei eS falsch, daß Kaid Gelluli ihn als Sultan anerkannt habe und daß sein Bruder Hadsch Hassan vor den Anhängern des neuen Sultans Agadir geräumt habe. Ein militärisches Eingreifen im Süden dürfte freilich die Sachlage von Grund auf ändern. Der Statthalter von Lyautehs Gnade»». Paris, 7. Juni. Aus Fez wird gemeldet: General Lyautey stellte den Behörden den Bruder des SultanS. Malay Jus so f. welcher in Fez verbleibt, als Statthalter Mulay Hafids vor. Der Sultan ist ungehindert am Zegota-Paß angelangt. General Gouraud wird ihn dort verlaffen. da die Eskorte nach Fez zurückkehren muß. Die Gärung unter den Stämmen in der Um- gebung von Fez dauert fort. Ein Angriff auf die Stadt istnochimmermöglich. Die Bevölkerung enthielt sich bei der Abreise jeder Kundgebung, beobachtet jedoch nach wie vor eine tückische Kaltung. GewerfefcbaftUtbea» 50000 JMCtgUedcr im öchneiderverband I Der Verband der Schneider hat mit Abschluß des ersten Quartals die Mitgliederzahl von SO 000 überschritten. 38 998 männliche und 11 394 weibliche, insgesamt also SO 390 Mitglieder, wurden gezählt. Trotz des umfangreichen Kampfes in diesem Frühjahr in der Herren- schneiderei, der eine Ausgabe von 450 000 M. verursachte, hatte der Verband doch am Schluß des ersten Quartals noch einen Bestand von S26 343 M. in der Hauptkasse und 130 000 M. in den Lokal- lassen. Die Mitgliederzahl betrug im Jahre 1900, nach zwölfjährigem Bestehen des Verbandes, erst 15 320, 1903: 21 725, 1905: 30 294, 1907: 40 271, 1910: 44 432 und 1911: 48 485. In den Jahren 1903 und 1909 war ein kleiner Rückgang der Mtgliederzahl zu ver« zeichnen. Verhältnismäßig schneller ist die Zahl der weiblichen Mit- glieder gestiegen. Mit 1287 war im Jahre 1904 da? erste Tausend überschritten, im Jahre 1905 wurden 2673 gezählt, 1906: 3712, 1907: 7640, 1910: 8942, 1911: 10 499. In den Jahren 1908 und 1909 ging auch die Zahl der weiblichen Mitglieder zurück- Die Fluktuation der Mitglieder ist leider noch immer sehr groß. Im Jahre 1911 war die Zahl der Neuaufgenommenen fast fünfmal so groß wie die effektive Mitgliederzunahme. Der Verband, der im nächsten Jahre auf ein 2Sjähriges Bestehen zurückblicken kann, hat noch ein großes Qrganisatiosfeld zu bearbeiten. Nament« lich in der Damenkonfektion und Wäscheindustrie, in denen über« wiegend weibliche Arbeitskräfte beschäftigt werden, könnte die Qrga« nisation noch bedeutend mehr Einfluß auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen ausüben, wenn der Jndifferentismus unter den Arbeiterinnen nicht so groß wäre. Nicht nur die große Zahl der Heimarbeiterinnen, auch viele Werkstatt- und Fabrikarbeitermnen sind sehr schwer als Mitglieder zu gewinnen. Bei dieser Gelegenheit seien übrigens die gewerkschaftlich or- ganisierten Männer aller Berufe an ihre ihnen durch Beschluß mehrerer Gewerkschastskartelle auferlegte Pflicht erinnert, ihre er- werbstätigen weiblichen Familienangehörigen auf die für sie in Betracht kommende' GewerkschastSorganisation aufmerksam zu machen._ Berlin und Umgegend. Die gelbe Zwangsmitgliedschaft in der A. E.-G., Brunnenstrahe. Tie Herren Direktoren der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesell- schaft stellen stets in Abrede, daß ein Terrorismus zum Beitritt in den gelben Fabrikverein ausgeübt werde. Sie behaupten immer, daß der Beitritt ein rein freiwilliger sei und daß auch Austreten- den keinerlei Schwierigkeiten bereitet werde. Doch alle diese Be- hauptungen sind vage Redensarten. In Wirklichkeit stehen die Tinge anders. In dem Werk A. E. G., Brunnenstratze, wird von den Meistern mit terroristischem Hochdruck gearbeitet, die alle bis- herige Agitationsarbeit bei weitem in den Schatten stellen. Den- jenigen, die ihren Austritt aus dem Fabrikverein erklären, wird gesagt, daß sie noch ein Vierteljahr beschäftigt werden, weil sie für diese Zeit noch Beiträge an den Verein zu zahlen haben. Wenn diese Zeit um sei, werde die Entlassung erfolgen. Arbeiter, die noch nicht Mitglsxd sind, werden mit allen erdenklichen Schikanen bedacht. Ein Meister Stommel hat Arbeitern, die zum Beitritt in den Fabrikverein keine Neigung verspüren, keine Arbeit gegeben, sondern ihnen wird bedeutet, daß sie wegen Arveitsmangel zur Ent- lassung gelangen müßten. Auf diese Weise sind Leute nach lang- jähriger Tätigkeit zur Entlassung gelangt. Meister Korth hat allen, die noch nicht Mitglieder des Fabrikvereins sind, eine Beitritts- erklärung überreichen lassen mit dem Bemerken, daß er bis Sonn- abend, den 8. Juni, Antwort wünscht, ob sie zum Eintritt bereit sind, widrigenfalls die Entlassung erfolge. Meister Thieme vom 'Probierfeld stellt an die Neueinzustellenden die Frage, ob sie ge- werkschaftlich organisiert sind und außerdem, ob sie gewillt seien, dem Fabrikverein beizutreten. Im verneinenden Falle wird er- klärt, daß die Einstellung nicht erfolgen könne. Auch von der Schmiede wird Klage geführt, daß die dortigen Vorgesetzten in der wüstesten Weise für den gelben Fabrikvercin Agitation betreiben. Wenn die Arbeiter für die freien Gewerkschaften in derselben Weise sich betätigten, dann könnte leicht eintreten, daß der Direktion Angst und Bange werden würde. Das Unternehmertum hat wahrlich keinen Grund, über Terrorismus der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu schreien, denn das von ihnen geduldete Vorgehen der Fabrikvereine stellt nach dieser Richtung hin olles Dagewesene in den Hintergrund. Sollte die Direktion der A. E. G. nickt beizeiten dafür Sorge tragen, daß solchen Zuständen ein baldiges Ende gemacht wird, dann darf sie sich auch später nicht beschweren, wenn ihr böses Beispiel die guten Sitten verdirbt._ Zu den Lohnbewegungen im Gastwirtsgewerbe. Der von den Gastwirten ins Leben gerufene sogenannte Zweck- verband will sich, wie es scheint, in Zukunft die Entscheidung in allen einzelnen Lohnbewegungen vorbehalten. Im Restaurant „ B ö h in t s ch e S B r a u h äu s' hat der Verband der Gastwirts- gehilfen für die dort angestellten Kellner verschiedene Forderungen gestellt. Der Inhaber, Herr G isselmann, lehnte die Unter- Handlungen zunächst ab mit dem Hinweis, er müsse sich erst mit dem Zweckverband in Verbindung setzen. Tie koalierten Scharfmacher im Gastwirtgewerbe. Zu dem in Nr. 123 im»Vorwärts" unter obiger Ueberschrist veröffentlichten Artikel über den Jnteressen'verband für das Gast- wirtsgcwcrbe werden wir um Veröffentlichung folgender Erklärung ersucht: »Dem Jnteressenverband bin ich seinerzeit beigetreten, von der Ansicht ausgehend, daß etwa entstehende Differenzen mit dem Personal von Verband zu Verband geregelt werden sollten. Von der Anfertigung des fraglichen Plakates hatte ich keine Kenntnis, weswegen ich den Jnteressenverband sofort interpellierte und um Berichtigung im»Vorwärts" bat. Da dies nicht geschehen ist, erkläre ich hiermit ausdrücklich, daß ich mich mit der Anfertigung von schwarzen Listen durchaus nicht einverstanden erkläre und ich mein Personal nach wie vor nur durch den Gast- wirtsgchilfenverband beziehe. Im übrigen bemerke ich noch, daß ich meinen Austritt aus dem Jnteressenverband erklärt habe. Hochachtungsvoll Max Pawel, Qekonom des Musiker-Vereinshauses." Zum Fleischerboykott in Neukölln. Flcischerinnungsvorswnd und Polizeipräsident wollen dem Streik und Boykott jetzt ein Ende machen; ein Beweis, daß er beiden nichr angenehm ist. Aber nickt durch Verhandlungen mit dem Zentralverband der Fleischer, sondern durch ein großes, rotes Plakat, das folgenden Wortlaut hat: „Die Forderungen der Gesellen, welche in der Fleischer- gesellenversammlung am 28. Mai 1912 aufgestellt und beschlossen und am 4. Juni vereinbart, wurden von dem Fleischermeister Herrn.... bewilligt. Im Auftrage der Kleischergesellen Neuköllns. Der Ausschuß. Tie Richtigkeit wird auf Grund des vorgelegten Tarif- Vertrages vom 4. Juni 1912 bescheinigt. Neukölln, den 6. Juni 1912. (Stempel.) Königliches Polizeipräsidium." Wenn es in dem Plakat heißt, daß die Forderungen der Ge- sellenversammlung vom 28. Mai bewilligt sind, so ist zu bemerken, Berantw. Redakteur: Albert Vachs, Berlin. Inseratenteil verantw7: baß an diesem Tage einige gelbe Geselle« in einer Gastwirtschaft zusammengekommen waren und an die Innung das Ersuchen richteten, einer 7Sstündigen Arbeitszeit pro Woche zuzustimmen, was letztere auch getan. Die Jnnungsmeister kümmern sich jedoch nicht um diesen Beschluß; viele beschäftigen ihre Gesellen pro Woche über 100 Stunden, und derjenige Geselle, der verlangt, daß die von der Innung beschlossene Arbeitszeit eingehalten wird, wird ent- lassen und als Hetzer auf die schwarze Liste gebracht,«elbst Streik- brecher, die nicht mehr so lange arbeiten wollten, sind als Hetzer entlassen. An das kaufende Publikum richten wir die dringende Bitte, die streikenden Fleischergescllen nach wie vor zu unterstützen und Fleisch- und Wurstwaren nur in denjenigen Geschäften zu kaufen, die im „Vorwärts" veröffentlicht werden. Diejenigen Geschäfte, in denen die roten Plakate, unterstempelt vom Polizeipräsidium, aushängen, sind boykottiert und daher streng zu meiden. Zentralverband der Fleischer. Elisabcthstr. 11.— Telephon: Königstadt, 3024. Achtung! Wäsche-, Regligö«, Blusen-, Krawatten- und Korsett- Zuschneider Berlins! Die Firma Ullstein u. Co.,»Berliner Morgenpost", Schnittmusterabteilung, hat zwei Zu- schneider wegen Mangel an Arbeit entlassen. Die weiteren sechs beschäftigten Maschinenzuschneider erblicken in der Entlassung des einen Zuschneiders eine Maßregelung und haben deshalb Sonnabend sämtlich ihre Kündigung eingereicht. Nehme bis auf weiteres keiner hier Arbeit an. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands Filiale Berlin Hl, Neue Königstr. 6. veutlcbes KeicK. Lohnbewegung der Bauarbeiter in der Provinz Brandenburg. 350 Maurer und Bauhilfsarbeiter des Lohngebietes Sorau in der Lausitz stellten am 3. Juni die Arbeit ein. Die Unter- nehmer haben von den Rechten der Arbeiter recht eigenartige Be- griffe. Es bestand schon ein Vertrag, der am 1. April ablief und rechtzeitig gekündigt wurde, wobei auch die neuen Forderungen eingereicht und Verhandlungen beantragt wurden. In einer ge- meinsamen Sitzung verlangten die Unternehmer dann, daß die Bauhilfsarbeiter und der Gauleiter sich aus der Sitzung entfernen sollten. Dieses Ansinnen wurde natürlich abgelehnt und die Ver- Handlung kam nicht zustande. Auf diesen Ton ist auch der dann folgende schriftliche Verkehr gestimmt, der außerdem die Tendenz verfolgt, die Verhandlungen bis zu Beendigung der dringendsten Arbeiten hinauszuziehen. Eine von den Arbeitern in der Woche nach Pfingsten auf das dringendste gewünschte Verhandlung wurde deshalb hartnäckig und wiederholt abgelehnt, weil die Herren Unternehmer durch Teilnahme am Schützenfest behindert waren. Jetzt riß den Bauarbeitern der Geduldfaden; sie stellten ein- mütig die Arbeit ein. Gefordert wird für Maurer eine Lohn- erhöhung von 40 auf 48 Pf. und für Bauhilfsarbeiter eine solche von 30 auf 38 Pf. In Pritzerbe stellten 100 Maurer und Bauhilfsarbeiter die Arbeit ein; sie fordern eine Lohnerhöhung von 5 Pf. VerHand- lungen verliefen resultatlos. Den Maurern in Oderberg in der Mark wurde durch die Unternehmer versprochen, daß. wenn ihren Kollegen in Angermünde ihre Forderungen erfüllt würden, auch sie die geforderte Lohn- erhöhung von 2 Pf. bekommen. Als der Angermünder Streik mit dem Abschluß des Vertrages und der Bewilligung des geforderten Lohnes endete, erinnerten die Oderberger Maurer die Unter- nehmer an das gegebene Versprechen. Die Unternehmer erkannten wohl an, was sie versprochen, aber, so schrieb einer der Herren an die Leitung des Bauarbeitervexbandcs, da die Arbeitsgelegen- heit sich nicht so, wie erwartet, entwickelt habe, könnten sie das ge- gebene Versprechen nicht erfüllen. Die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter haben nun die Arbeit eingestellt. In Bad Schönflicß wird noch 11 Stunden bej einem Stunden- lohn von 38 Pf. gearbeitet. Auch hier kam es zum Streik. Ver- Handlungen waren ergebnislos. In Küstrin sind die Zementarbeiter der Firma Vockrot aus- ständig. Der Herr will durchaus die Organisation nicht an- erkennen und weder einen Vertrag schließen, noch mit einem Organisationsvertreter verhandeln. Dabei ist er Mitglied des Arbeitgeberverbandcs für das Baugewerbe und für den Hochbau- betrieb mit an dem Tarifvertrag für das Hochbaugewerbe de- teiligt. Er glaubt den Arbeitern der Zementbranche das Recht der vertraglichen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verweigern zu können, weil sie erst kurze Zeit organisiert sind. Der Unternehmer Aug. Wiemann in Gr.-Köris führt im Lohn- gebiet Gr.-Besten ständig Bauarbeiten aus. Dabei ist er aber nicht zu bewegen, die in diesem Gebiet durch Vertrag festgelegten Löhne zu zahlen. Der Vertragslohn beträgt 70 Pf. Wicmann zahlt nur SO und 55 Pf., einigen Maurern 60 Pf. Die Organisierten haben die Arbeit eingestellt und erwartet die Organisation, daß die Maurer und Bauhilfsarbeiter so lange die Arbeit des Herrn Wiemann meiden, bis er die Vertragsbedingungen an- erkennt. Lohnbewegungen im Sattlergciverbe. Der Militärsattlerstreik bei der Firma Hermann-Erfurt wurde nach sechswöchiger Dauer erfolgreich beendet. Der Berliner Tarif konnte mit Ausnahme einer Position, an deren Stelle die sächsischen Bestimmungen traten, zur Anerkennung gebracht werden. Die bei den JnnungSmeistern in Dresden beschäftigten Sattler- gesellen erzielten auf dem Verhandlungswege des GesellenausschuffeS mit der Innung eine Lohnerhöhung, und zwar 10 Proz. bei Wochen- löhnen bis zu 28 M. und 6 Proz. bei über 28 M. Außerdem wurden die geforderten Mindestlöhne bewilligt. Sie betragen für Ausgelernte nach dreijähriger Lehrzeit 35 Pf., nach vierjähriger Lehr« zeit 40 Pf., für ältere Gehilfen 45 Pf. Mindestlohn. Ende des Strastenbahnerstreiks in Königsberg. Nach dreiwöchigem harten Kampfe ist es, wie schon tele- graphisch gemeldet, zum Abschluß des Ausstandes gekommen. In den letzten Tagen fanden unter Vermittelung deS Reichstagsabgeordneten Genossen H a a s e Einigungsverhandlungen statt, die durch beiderseiliges Entgegenkommen einen ehrlichen Frieden herbei- führten. Die Bedingungen, unter denen der Streik beendet wurde, sind im wesentlichen folgende: Die Kaution wird für Fahrer auf 100 M., für Schaffner auf 150 M. festgesetzt. Die alte Kaution wird zum Schadenersatz nicht herangezogen, der überhaupt wegfällt bei allen denen, die bis zum 9. Juni ihre Ausrüstungsgegenstände und das Geld abgeliefert haben. Sind wichtige Verzögerungsgründe vorhanden, so wird die Ablieferungsfrist verlängert. Die Witwen- und Waisen- Unterstützung bleibt bestehen. In Forlfall kommt die Pension, doch soll eine Pensionskasse neu gegründet werden, bei der die Streikenden dieselben Rechte und Vorteile ge- nießen wie die anderen. Die Familienzulage von 3 M. für jedes Kind wird weiter gewährt. Der Urlaub mit Lohn wird vom 1. Januar 1914 ab gewährt. L 0 h n z u s ch u ß bei unbedeutenden Verhinderungen, wie Krankheit, militärische Uebungen usw., b l e i b t b e st e h e n. doch tritt eine zweitägige Karenzzeit ein, und die Zeit für den Lohnzuschuß wird von jetzt ab berechnet. Bei der neu vorzunehmenden Tienstregelung soll auf die Wünsche deS Personals möglichst Rücksicht genommen werden. Die Wiederein st elluug erfolgt nach dem Dien st- alter und zwar in der Form, daß immer ein Schaffner und ein Führer zugleich eingestellt werden. Sie beginnt schon am Sonn- abend früh. Diejenigen, die wegen Sabotage oder Mißhandlung Arbeitswilliger unter Anklage gestellt werden, rücken bei Einstellung deS Verfahrens oder Freisprechung an die erste Stelle. Die Gerichtskosten tragen die Beklagten, die Direklion bezahlt ihren Rechtsanwalt selbst. Innerhalb deS Betriebes ist Agitation untersagt, desgleichen Veranstaltung von Sammlunnen ohne Ge- TH.Glocke,- Perl'N. Druck u. VerlagsVörwärts Buchdr. u. VerlaManjtals nehmigung der Direktion und Emkasfiernng von Beiträge«; ferner ist nicht gestattet die Bedrohung von Arbeitern mit Mißhandlungen oder wirlschaftlichen Nachteilen zu dem Zweck, sie in eine religiöse, politische, oder gewerkschaftliche Organisatton zu zwingen oder von der Arbeit fernzuhalten. Dagegen ist ausdrücklich aus- gesprochen, daß im übrigen die den Arbeitern zu- stehenden gesetzlichen Befugnisse durch den Ver- trag nicht geändert werden. Damit ist der Anschlag auf das Koalitionsrecht abgewehrt. Dann hat der Lohn eine weitere Erhöhung erfahren. Wenn die Straßenbahner auch nicht alles erreicht haben, so find doch Erfolge erzielt worden. Die Niederlage, die ihnen unter allen Umständen bereitet werden sollte, ist nicht eingetreten. Freilich haben die Straßenbahner das auch nur erreicht, weil sie so tapfer gekämpft haben und weil die übrige organisierte Arbeiterschaft hinter ihnen stand. Abgesprungen find während des Ausswndes nur wenige, obwohl die Direktion alles aufbot, um eine Zersplitterung herbei- zuführen. Den ersten Kampf haben die Straßenbahner Königsbergs mit Bravour bestanden. Im übrigen hat dieser Ausstand den Straßenbahnern eine Reihe wichtiger Lehren für die weiteren Kämpfe geliefert._ Die Scharfmacher im Holzgcwerbe. Am Freitag begannen in Köln die Verhandlungen der zehnten Generalversammlung des Ardeitgebervcrbandes für das deutsche Holzgewerbe. Den' Vorsitz führte Landtagsabgeordneter R a- Hardt- Berlin. Er berichtete, daß heute 134 Verbände dem Schutzverband angehörten gegen 17 vor 10 Jahren. Brafch-Bremen referierte über die Tarifverhandlungen, die in Berlin stattgefun- den haben. In der Aussprache befaßte man sich hauptsächlich mit der Frage der Arbeitszeit. Schöndorf-Düffeldorf stellte sich auf den Standpunkt, daß es eine der wichtgisten Aufgaben der Arbeitgeber sei, sich gegen die Arbeitszeitverkürzung zur Wehr z« setzen. Das sei viel wichtiger, als eine kleine Erhöhung der Stuw denlöhne, da man der Verteuerung der Lebenshaltung Rechnung tragen müsse. Die Regelung der Arbeitszeit sei Sache der einzelnen Bezirksverbände nnd dürfe nicht von'Berlin aus zentral erfolgen. Fuchs-Düsseldorf gab die Erklärung ab, daß man dort bei der nach- sten Lohnbewegung strikte jede Arbeitszeitverkürzung ablehnen werde. Weiter befaßte man sich mit der Maifeier. In der vorigen Generalversammlung war beschlossen worden, die Arbeiter, die am 1. Mai feiern, aus drei Tage auszusperren. Nach den eingegange- nen Berichten sollen in Berlin Feiernde aus 10 000 Tage, in Leipzig auf 3000, in Bremen auf 1300 und in Königsberg auf 800 Tage ausgesperrt worden sein. Der Ortsverband Leipzig hat fol- gcnden Anttag eingebracht: 1. Bewilligung des Betrages von 1 M. als Entschädigungsquote für jeden durch die Arbeitseinstellung aus- fallenden Arbeitstag und für jeden angemeldeten und bis zum 1. Mai beschäftigt gewesenen Arbeiter über 18 Jahren; 2. ein Ver- bandsmitglied darf Arbeiter, die bei anderen Mitgliedern dcn 1. Mai gefeiert haben, nicht vor sechs Wochen �einstellen. Diese„furchtbare" Drohung soll für das nächste Jahr noch nicht zur Wahrheit gemacht werden, da im Jahre 1913 der 1. Mai— glücklicherweise!— auf einen Feiertag(Himmelfahrt) fällt. So er- übrigte sich eine Beschlußfassung. Die weiteren Verhandlungen, darunter Beratung eines neuen Satzungsentwurfs, fand unter Aus. sckluß der Oeffentlichkeit statt. Die nächste Generalversammluna soll in Leipzig stattfinden. Auslanck. Streik und Aussperrung im Bäckereigewerbe Schwedens. Seit Ende voriger Woche stehen die Bäcker in Lund, Eskilstuna, Helfingborg und einigen anderen Städten Schwedens im Streik, und am Montag hat der Arbeitgeberverband im Bäckergewerbe eine all- gemeine Aussperrung über das ganze Land veranstaltet, soweit die Macht dieses Verbandes reicht. Ein großer Teil Arbeitgeber, vor allem die nichtorganifierten, und ferner die Genossenschaftsbäckereien haben die Forderungen onerlannt und beteiligen sich nicht an' der' AüSsperrung. In Stöckholnt hätten Ende der Woche bereits zwanzig Arbeitgeber ein llebereinkommen mit dem Bäckerverband gettoffen, wonach es bei ihnen nicht zum Kampf kommt. Natürlich vermögen diese Firmen den Brotbedarf der Hauptstadt nicht zu decken, und der Mangel wird sich umso stärker fühlbar machen, als die internationalen Olympischen Spiele einen außerordentlich starken Zustrom von Fremden erwarten lassen.— Die Lohnbewegung im Bäckergewerbe Schweden? dauert schon seit einigen Monaten, und noch in der vorigen Woche fanden in Stockholm zentrale Verhandlungen statt, durch die eine Grundlage für die verschiedenen örtlichen Tarifverttäge geschaffen werden sollte. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, und die Arbeitnehmervertreter lehnten die vom Schlichtungsbeamten gemachten Einigungsvorschläge ab, da sie keine Gewähr für eine annehmbare Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse boten und die Arbeirgeber die ganze Sache so lange verschleppt hatten, daß in einer Reihe von Orten der Streik nicht mehr zu verhindern war. Die Lage des Kampfes ist übrigens sehr günstig für die Arbeiter, umso mehr, als ihnen auch bereirs internationale Unterstützung zugesichert ist. Vertreter des internationalen Bäckersekretariats aus Hamburg waren in der vorigen Woche in Stockholm und haben dort mit den Vertretern des Schwedischen Bruderverbandes gemeinsame Beratungen gepflogen und sich über die vielleicht notwendig werdenden Maßnahmen ver- ständigt. �_ Hetzte Nachrichten. Groftfeuer in einer Lederfabrik. Gestern abend, wenige Minuten vor 10 Uhr. wurden mehrere Löschzüge der Berliner Feuerwehr nach der Thaerstraße 29 am Städtischen Schlacht, und Viehhof gerufen, wo in der Lederfabrik von Gebrüder Steinlein ein gefährlicher Brand ausge- brachen war. DaS Feuer hatte in einem Schuppen zwischen dem Maschinen, und Keffelhause über zwei Waggons Eichen-« lohe erfaßt und war weithin sichtbar. Während der Löscharbeiten verunglückte der Feuerwehrmann Schäfer; er erlitt schmerzhafte Schnittwunden am linken Handgelenk. Die Hitzeentwickelung war so groß, daß in der Nachbarschaft fast sämtliche Scheiben zerplatzten. Mit den Nachlösch, und Aufräumnngsarbeiten hatte die Wehr noch lange bis nach Mitternacht zu tun. Die Brandstelle war bis in die Nachtstunden hinein von einer großen Menschenmenge umlagert. Das Agramer Attentat. Agram, 8. Juni.(P- C.) Zum Attentat auf den Bann? wird weiter gemeldet: Es steht� nunmehr fest, daß der Attentäter I u k i c S im ganzen fünf Schüsse abgegeben hat. Zwei Projektile trafen den Banalrat H e r v 0 i c z in den Hals. Hcrvoicz, der dem Banns mit seiner Gemahlin gegenüber saß, brach sofort zuscnnmen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, erlag jedoch am späten Abend seinen Verletzungen. I u k i c s gibt die Tat zu. leugnet aber. Mitschuldige zu haben. Mehrere Studenten wurden verhaftet. Nachklänge der�belgischen Wahlcu. Antwerpen, 8. Juni.(W. T. 23.) Heute find fünf Soldaten verhaftet worden, welche die I n t e rn a t i 0 n a l e sa n ge». Aus dem Lande der Donischen Kosaken. Taganrog, 8. Juni.(W. T. B.) Im Dorfe Dmitrkwka in der Nähe von Makejewka umzingelte die Polizei ein Haus, in dem eine Räuberbande versteckt war. Auf die Aufforderung, sich zu ergeben. eröffneten die Räuber das Feuer. Herbeigerufene Truppen beschossen nunmehr das Haus. Fünf Raube rm> u rd e n getötet. I Paul Singer i fc Co., Berlin' SV/.'''_ Hierzu 4 Beilagen. St 132. 29. AMang. L Sfilngc te.HmSlls« Knlim WMM. Zamtaz,?«» lSIZ. ei» ungelöstes Problem. Eine der auffälligsten Erscheinungen der ftanzösischen Volkswirtschaft ist der unaufhaltsame Rückgang der Geburten- Ziffern. Ist doch im letzten Jahre die Bevölkerung Frankreichs absolut um etwa 34 000 Seelen gesunken. Dieser dem Wirt- schaftsleben gefahrdrohenden Tatsache entgegenzuwirken, hat Frankreich alles Mögliche versucht, ohne jedoch bisher den weiteren Rückgang der Geburtenziffer aufhalten zu können. Die Ursachen des sogenannten Zweikindersystems in Frank- reich liegen beim Kleinbürger- und Bauerntum zum Teil in dem Bestreben, den Besitz bei der Erbteilung nicht zu zersplittern. Bei der Arbeiterschaft spielen zwar diese Gründe naturgemäß keine Rolle, wohl aber zwingen andere Ursachen wirtschaftlicher Natur, die Kinderproduktion bewußt zu be- schränken. Jedoch nicht nur in Frankreich zeigt sich ein alldauernder Rückgang der Geburtenziffer, auch Preußen steht vor der- selben Kalamität, wenn sich hier auch die Wirkungen des Ge- burtenrückganges noch nicht mit so erschreckender Deutlichkeit zeigen. Wie wir dem vor kurzem im Verlage von Richard S ch o e tz in Berlin erschienen Bericht über das Gesundheits- Wesen im preußischen Staate für das Jahr 1910 entnehmen, betrug der Bevölkerungsüberschuß im Jahre 1910 581 465, während der Bevölkerungsüberschuß des Jahres 1909 581 258 betrug. Der gesteigerte Ueberschuß wurde jedoch nur dadurch erzielt, daß die Gesamtsterblichkeit des Jahres 1910 auf 16,13 pro 1000 Einwohner gegen 19,17 im Jahre 1909 zurückging. Ohne diesen recht erfreulichen Rückgang wäre der Ge- burtenüberschuß im Jahre 1910 um 29 523 geringer als im Jahre 1909. Nun hat aber der Rückgang der Sterblichkeit seine natür- lichen Grenzen, während der Rückgang der Geburten sowohl als auch der Eheschließungen überhaupt keinen durch Natur- gesetze vorgeschriebenen Grenzen unterliegt. Während das Jahr 1901 noch 36,52 Lebendgeborene auf 1000 Einwohner aufwies, ging die Zahl— mit Ausnahme eines geringen Aufschwunges im Jahre 1904— stetig zurück uild sank auf 30,83 im Jahre 1910. Wie schon erwähnt, geht aber nicht nur die Geburtenziffer von Jahr zu Jahr zurück, sondern auch die Zahl der Eheschließungen fällt seit dem Jahre 1906 andauernd. Während im Jahre 1906 von je 1000 Einwohnern beider Geschlechter 16,6 die Ehe schlössen, sank das Verhältnis in den folgenden Jahren auf 16,3, 16,2, 15,8 und erreichte im Jahre 1910 mit 15,7 seinen größten Tiefstand. Diese wenigen Zahlen eröffnen für die Zukunft Preußens manche unangenehme Perspektiven und die konservative „Kreuz-Zeitung", die den Bericht einer Besprechung würdigt, fühlt instinktiv das Gefährliche der auffallenden Minderung der natürlichen Volksvermehrung. In reaktionärer Kurz- sichtigkeit sucht das konservative Organ aber die Ursache der gefahrdrohenden Erscheinung in Nebensächlichkeiten. Die Haus- Wirte der Großstädte mit ihrer Kinderfeindlichkeit sollen schuld sein, weilsie kinderreichen FamiliendasWohnen erschweren. Gewiß nimmt die Mehrzahl der großstädtischen Hauswirte diesen bornierten Standpunkt ein, aber die„Kreuzzeitung" muß doch in ihrer Besprechung selbst eingestehen, daß das ständige Sinken der Geburtenziffer und die Abnahme der Eheschließungen nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande zu verzeichnen ist. Um die wirklichen Ursachen aufzuhellen, muß man freilich etwas tiefer schürfen, die ganzen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse Preußens einer Betrachtung unterziehen. Und da wird man vor allem die Tatsache entdecken, daß die ganze Zoll- und Wucher Politik der Regierungs- Parteien die Schuld an beiden Erscheinungen trägt. die Wucherpolitik der Herrschenden, die den Preis fast sämt- licher Nahrungs- und Genußmittel andauernd steigert, ist die Hauptursache des Rückganges der Geburten sowohl wie auch des Sinkens der Eheschließungen. Der Arbeiter, der mit seiner Familie mit Stockschlägen auf den Wagen bedacht wird, muß ja zu der Ueberzeugung kommen, daß jedes neue Kind den schon vorhandenen das Brot aus dem Munde stiehlt. Diese Erkenntnis wird noch kleines feuilleton. Wilhelm II.— Bonaparte, Kowacz— Marat. Zwei Ereignisse der jüngsten Zeit muten wieder einmal wie schlechte Kopien früherer und berühmterer Vorgänge an: des Kaisers Scherbenrede und des ungarischen Abgeordneten Kowacz Selbstmord- versuch. Es war im Oktober 1797, als die Oesterreicher sich genötigt fanden, mit dem siegreichen General Bonaparte Frieden zu schlietzen, mit dem General derselben Republik, von der sie noch eben hochmütig erklärt hatten:„Man kennt in Wien keine französische Republik." Am Schlosse von Campo Formio verhandelte Bonaparte mit dem österreichischen Diplomaten Cobentzl. Dieser versuchte es, mit dem Hinweis aus Rußland aufzutrumpfen. Da ritz dem General der Republik die Geduld; er griff nach einer kostbaren Vase, einem Ge- schenk Katharina der Zweiten, schmetterte sie zu Boden, datz sie in Scherben sprang, und rief:„Nun gut. der Waffenstillstand ist zu Ende und der Krieg erklärt. Aber nehmt euch in acht; ich werde euer Reich in so viel Stücke schlagen, als hier Scherben liegen." � Das war die erste historische Scherbenrede— die überdws großen Erfolg hatte, denn Cobentzl mutzte sich fügen. Die zweite hatte weder den Erfolg, noch war sie so effektvoll. WaS die Revolveraffäre im ungarischen Parlament betrifft, so ist ihr Vorläufer noch etwas älter als der Wilhelms II. Wieder war es ein Franzose, und zwar kein geringerer als Marat. Der Freund des Volkes" ist uns heute dreifach sympathisch, als kon- sequenter Demokrat, als scharfer, wenn auch nicht methodischer Beobachter der wirtschaftlichen Grundlagen und der Klassen- strömungen der Revolution, und als das Opfer der schäm- losesten und stumpfsinmgsten liberalen und konservativen Ge- ickickitsfälscher. Marat— und übrigens nicht er allein in einem so-yaltierten Zeitalter— besaß eine starke theatralische «der und das verleitete ,hn zu einer Pistolendemonstration im Varläment. die bei der Drohung blieb und deshalb vielfach als Komödie verulkt wurde. Marat durfte freilich bei der bloßen Drohung bleiben, denn er erreichte seinen Zweck. Die Sache kam so: Nach den Septembermorden verschärfte sich der Kampf gegen die Gironde im Konvent, der sich am 20. September 1792 konstituiert hatte. Die Girondisten bekamen eine Vorahnung von Halsweh. obwohl sie nach den Neuwahlen noch die Ueberniacht besatzen. Sie versuchten vorzubeugen, indem sie zunächst Robespierre angriffen. Der saß aber bereits viel zu fest im Sattel, während Mgrat leichter zu beseitigen schien. Lm 24. Sep- tembec sprachen Roland, Kersaint und Bergniond mit wenn er beobachten muß, mit welch brutalen die Herrschenden versuchen, die Organisattonen der Arbeiter zu vernichten, das einzige Mittel, mit dessen Hilfe die Arbeiterschaft eine Besserstellung ihrer Lebenshaltung er- reichen kann. Und nicht zuletzt sind es gerade die preußischen Konservattven, denen jedes Mittel recht ist, sich auf Kosten der Arbeiterklasse zu bereichern. Solange die Arbeiter zu Heloten degradiert sind, werden sie es sich weislich überlegen, ob sie den Besitzenden neue Ausbeutungsobjekte in unbegrenzter Zahl liefern. Erst eine freiere Gestaltung des ganzen Wirtschaftslebens wird der natürlichen Volksvermehrung die Wege bahnen. ver Krieg. Türkische Truppenkonzentration bei Smyrna. Konstantinopal, 8. Juni. Die Truppenkonzenttationen in der Gegend von Smyrna nehmen eine größere Ausdehnung an. Außer der Redifdivision von Koma werden auch die Redif- divisionen von Uschak, Aidin, Smyrna und Denizli mobi- lisiert. Mit der zweiten Nizamdivision von Konstantinopel sowie mit der bestehenden halben Nizamdivision von Smyrna sollen im ganzen etwa 6�/, Divisionen im Smyrnaer Rayon zusammengezogen werden. Sicherem Vernehmen nach er- hielten zwei Regimenter der Redifidivision Jschtip den Mobili- sierungsbefehl. Infolge der Gefahr eines Angriffes gegen M y t i l e n e hat die Regierung beschlossen, die dort befindlichen Würdenträger des alten Regimes nach Balikesri auf dem asiatischen Festlande zu bringen. Ein Zwischenfall an der türkisch-vulgarischen Grenze. Saloniki, 8. Juni. An der türkisch- bulgarischen Grenze bei Palanka ereignete sich ein Zwischenfall, der dadurch verursacht wurde, datz bulgarische Soldaten aus unbekannter Ursache auf drei türkische Wachthäuser ein heftiges Feuer eröffnet hatten, das die türkische Be- satzung erwiderte. Auf beiden Seiten sollen Verluste zu verzeichnen sein. Der türkische Grenzkommissar Aghia-Beh ist nach Palanka ab- gereist, uni den Tatdestand festzustellen. Hbgcordmtenbaiis. 8 2. Sitzung. Sonnabend, den 3. I u v i, vormittags 10 Uhr.> Am Ministertisch: Kommissare. Vor Eintritt in die Tagesordnung Seist Abg. Dr. Wendlandt snatl.) die in einer an das HauS gerichteten Petition der Vertreter der Eisenschwellen-Jndustrie gegen seine Person enthaltenen Verun- glimpfungen zurück. Auf der Tagesordnung steht zunächst daS noch gestern abend vom Herrenhaus zurückgekommene Bussührungsgesetz zur landwirtschaftlichen Unfall, Versicherung. Die Reichsversicherungsordnung gibt den Prodinzialinstituten vollständige Freiheit, den VcranlagungSmatzstab nach den Verhält- nissen in der Provinz zu bestimmen, unter anderem auch die Veran- lagung zur Grundsteuer als Matzstab zu nehmen.. Dies sieht auch die Regierungsvorlage des Ausführungsgefetzes vor. Das Abgeord- netenhaus hat die Grundsteuer als Matzstab gesttichen; das Herren- baus hat gestern die Fassung des Regierungsentwurfs wieder her- gestellt, so daß eine erneute Beratung im Abgeordnetenhaus not- wendig ist. Ein von den Konservativen und Freikonservativen gestellter Antrag will die Fassung deS Abgeordnetenhauses wieder herstellen. Abg. Freiherr v. Maltzahn(k.): Die vom Herrenhaus be- schloffene Aenderung ist eine ungerechte Verschlechterung, die wir wieder umstoßen müssen.(Beifall rechts.) Abg. Herold(Z.): Eine Freiheit, die ein Reichsgeseß, die Reichs Versicherungsordnung, den Berufsgenossenschaften gibt, sollten wir durch die Landesgesetzgebung nicht aufheben. Deshalb sollten wir die Fassung des Herrenhauses annehmen.(Zustimmung links und im Zentrum.) Abg. Dr. Schrocder-Kassel(natl.) schließt sich dem Vorredner an. Nach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten v. d. Groeben (k.), Stockhausen(k.), Kuntze(k.) wird der Antrag auf Weder- Herstellung der Fassung des Abgeordnetenhauses mit knapper Mehr- heit gegen die Stimmen des schwachbesetzten Zentrums und der Linken angenommen. Der Entwurf muß daher nochmals an das Herrenhaus gehen. unverkennbarer Spitze gegen Marat von der Notwendige keit, die Aufhetzer zum Morde ausS Schafott zu bringen. Am nächsten Tage ging es ähnlich. Man beschuldigte RobeSpierre, er strebe nach der Diktatur. Danton verteidigte ihn, und im Laufe der Debatte erschien auch Marat auf der Redner- tribüne, mit großem Lärm empfangen. Er reizte die Girondisten maßlos durch seine kalte Ruhe:«Mir scheint, viele Mitglieder dieser Versammlung sind meine persönlichen Feinde".—„Alle, alle!" schrien die Girondisten.—„Ich rufe Sie zum Anstand zurück. Ich ermahne Sie, sich nicht solch wütendes Geschrei und so unziemliche Drohungen gegen einen Mann zu erlauben. der der Freiheit und Ihnen allen mehr Dienste geleistet hat, als Sie meinen." Dann legte er seine Ansicht über die Diktatur dar, die er allerdings fordere, aber in Gestalt eines„Diktators mit einer Kugel am Bein". Hierauf forderte ein Girondist die Anklage gegen Marat. Marat verteidigte sich mit Erfolg, die Anklage wurde abgelehnt, und nun zog er eine Pistole ans der Tasche, setzte sie an die Stirn und rief, er würde sich den Kopf zerschmettert haben, wenn der Anklageantrag durchgegangen wäre. Schmarotzer und Kunstsammler. Aus Paris wird uns ge schrieben: Im Hotel Drouot, dem Versteigerungsamt, tanzen jetzt die Millionen. Die Auflösung der Sammlung des Herrn JaequeS Doucet hat die Schwermillionäre und die großen Bilderhändler auf die Beine gebracht. Wenn man den ganzen Wahnwitz unserer sozialen Ordnung sehen will, so betrachte man die ungeheuerlichen Summen, die der Eitelkeit, irgendein von der Mode emporgetrageneS Werk mit Beschlag zu belegen, geopfert werden. Da ist z. B. ein Porträt des liebenswürdigen Rokokomalers de Latour. 1903 wurde es mit S210 Frank bezahlt, jetzt ist es um 660 000 Frank verkaust worden I Der Erwerber ist ein Rothschild. Der glückliche Kauf wird offenbar die Eisenbahner von der Nordgesellschast, die vor zwei Jahren für den Minimallohn von 6 Fr. gestreikt haben, aber vom Staat dem Großaktionär Rothschild zunutz zur Raison gebracht worden sind, ebenso mit Genugtuung erfüllen, wie die Schneidermädchen, die um 2�/z und 3 Fr. täglich— so lange nicht morto saison ist» im Haus Doucet an den Toiletten der Millionärinnen und Millionärmaitressen arbeiten.— Bei derselben Versteigerung sind für andere Bilder derselben Epoche 440000 Fr.. 396 000 Fr. bezahlt worden, im ganzen über drei Millionen für 30 Kunstwerke, die vor 15 Jahren zusammen um 220 000 Fr. verkauft worden sind I Diese tolle Preistreiberei ist die natürliche Folge der Profitanhäufung in den Händen der modernen kapitalistischen Monopolisten. Millionen Menschen müssen in Elend, Schmutz und Häßlichkeit leben, damit ein paar Privilegierte in einer hirnrissigen Sammlerwut ihrj„Kulturbewutztsein" beruhigen. Die Kmip wird ihr» soziglen Bedeutung im wörilichsten Sinn beraubt Es folgt die Beratung einer Petition einiger Förster um eine andere Regelung der Einkommensverhältnisse der Förster. Die Kommission beantragt, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Abg. Braemer(k.) begründet einen Antrag, den Förstern vom I. April 1913 ab eine außerordentliche Stellenzulage von 300 M. zu gewähren. Abg. Schroedcr-Kassel(natlj wünscht, daß die Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen werde. Man sollte den Förstern eine pensionsfähige Stellenzulage von 400 M. und Dienst- land zu angemessenen Pachtpreisen gewähren. Abg. Busch(Z.) freut sich, daß jetzt in bezug auf die Förster auch die Konservativen aus Saulusse Paulusse geworden sind. (Zuruf rechts: Das waren wir immer!)' Abg. Dclius(Vp.): Man sollte doch die Förster mindestens mit den Lokomotivführern gleichstellen. Abg. v. Pappenheim(k.): Diese Gleichstellung haben wir seiner- zeit abgelehnt, weil sonst die ganze Besoldungsordnung gescheitert wäre. Herrn Busch bemerke ich, wir waren schon Paulusse als er noch in der Wiege lag.(Heiterkeit.) Landwirtschaftsminister v. Schorlemer: Man kann unmöglich die Besoldungsordnung jetzt schon wieder durchbrechen. Man sollte auch nicht unerfüllbare Hoffnungen bei den Förstern erregen, durch die nur Beunruhigung in diese Beamtengruppe getragen wird. Gleich dem Eisenbahnminister werde auch ich nicht dulden, daß sich Vereine der Beamten bilden, die auf die Regierung und da? Paria- ment einen politischen Einfluß ausüben wollen. Dadurch würde die Disziplin in dem so vortrefflichen Stande der Förster unter- graben werden.(Bravo! rechts.) Abg. Spinzig(fk.) und Abg. v. Wolf-Metternich(Z.)' versichcrtt die Förster ihres Wohlwollens. Abg. Ströbel(Soz.): Wir brauchen den Wettlauf um die Gunst Her Beamten durch lange Reden nicht mitzumachen, die Beamten wissen, daß wir für ihre berechtigten Forderungen jederzeit eintreten.(Sehr wahr.' bei den Sozialdemokraten.) Interessant ist es immerhin, daß die anderen Parteien diesen Wettlauf um die Beamtengunst bei einer Kategorie von Beamten veranstalten, die noch relativ gut ge- stellt ist, daß sie es aber an diesem Eifer fehlen lassen bei den viel schlechter gestellten mittleren und unteren Beamten.' Gewiß würde durch Annahme des Antrages Schroc- der die Frage der Besoldungsordnung von neuem aufgerollt wer- den. Aber das ist kein Grund für uns, gegen ihn zu stimmen, wir wünschen vielmehr, daß die gesamte Besoldungs- frage von neuem aufgerollt werde, und wir erwarten, daß die Herren, die sich jetzt so warm für die. Förster ins Zeug legen, dann auch ebenso warm für die unteren und mittleren Beamten ein- treten werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hoff(Vp.): Die Besoldungsordnung darf keineswegs als etwas Starres, Unveränderliches hingestellt werden. Datz der Minister den Spuren des Eisenbahnministers folgen will, ist falsch? das Recht der Beamten, sich zu Berufsorganisationen zusammen- zuschließen, die in angemessener Weise ihre Interessen vertreten, wollen wir nach jeder Seite gewahrt wissen.(Bravol links.h Die Debatte schließt. Die Petition wird mit den d.azu gestelltes Anträgen an die Budgetkommission verwiesen. Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.) begründet eitlen Antrag seiner Partei, die Vergütung der Umzugskosten bei Lehrern und Lehre- rinnen an öffentlichen Volksschulen den für die mittleren Beamten bestehenden Sätzen entsprechend zu erhöhen. � ,7 Abg. Schroeder-Kassel(natl.) Mt diese Regelung ebenfalls für notwendig und bittet, den Antrag an die Budgetkommission zu überweisen. iü: Abg. Hoff(Vp.) schließt sich dem an. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Wir stimmen dem Antrage zu, es ist aber lächerlich, hier von Standesehre zu sprechen. Für den Abgeordneten v. Zedlitz war es wieder einmal bezeichnend, daß er den Lehrern nur deshalb eine Belohnung gönnt, weil sie auf ihrem jüngsten Kongreß der Sozialdemokratie eine so scharfe Absage erteilt haben. Also die Gehaltserhöhung soll eine Beloh- nung für reaktionäre Gesinnung fein. Das soll eine politische Be- stechung sein.(Lärm rechts.) Vizepräsident Dr. Krause: Ich rufe Sie zur Ordnung! Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Das war der Standpunkt polt- tischer Unmoral, die hier der Abg. v. Zedlitz vertrat. Vizepräsident Dr. Krause: Ich rufe Sie nochmals zur Ord- nung! Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Trotz dieser Kampfesweise'treten' wir für den Antrag ein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Das Schlußwort erhält' Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Die Worte des Abg. Liebknecht stehen unter dem Niveau dessen, worauf ich einzu- gehen brauche.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Ich habe bei diesem Standpunkt sicher die Zustimmung aller anständigen Leute in diesem Hause.(Beifall rechts.) Die Lehrer wissen, was sie von und zur verbrecherischen Spielerei mißbraucht. Zur Spielerei, aber auch oft zu skrupellosem Börsenspiel, loenn eS sich darum handelt, für die Werke irgend eines in Vergessenheit geratenen MalerS im Händlerinteresse eine Hausse zu erzeugen. Vor ein paar Tagen ist hier ein mittelmäßiges Bild deS MalerS Regnault, dessen Nachruhm hauptsächlich darauf gegründet ist, daß er bei einem Ausfall der Pariser im deutsch-französischen Kriege gefallen ist, an einen Händler um eine balbe Million verkauft worden, worauf sofort eine „nationale Sammlung" eingeleitet wurde, um eS für den Louvre zu erwerben. Ein paar Parasiten präsentieren sich der Nation als Mäcene und die Besitzer von RegnaultS wittern Profit. Der untergehende Geruchssinn. Eine Verkümmerung deS mensch« lichen Empfindungslebens gegenüber dem der Tierwelt sieht H. Ahlenstiel, wie er in der„Umschau" ausführt, an unserem mangelhaft entwickelten Geruchssinn: der Mensch ist Augen- und Ohrenmensch, während die Eindrücke der Nase nur eine Verhältnis« mäßig geringe Rolle spielen. Entschieden hat der Geruchssinn im Laufe der Jahrhunderte an Stärke verloren. Die Aerzte des Mittel- alters konnten zum Beispiel noch Krankheiten an dem Gerüche er- kennen; die Indianer verfolgten jüne Wildfährte so gut wie unsere Spürhunde. Aber nicht nur schwacher ist die Fähigkeit des Riechens geworden, auch die Leistungskraft deS Geruches ist gesunken. DaS beweist schon die Sprache, die zur Bezeichnung von Gerüchen nur sehr wenige Nuanzierungen hat. dann vor allem das Unvermägen des Menschen, Mißgerüche zu zerlegen. Die dritte Erscheinung, die sür eine Degeneration des Geruchssinnes spricht, ist die sehr schnell eintretende Ermüdung. Unsere Nase ist gegen starke Gerüche sehr rasch abgestumpft. Parfümierte Personen nehmen nach kurzer Zeit den Duft nicht mehr wahr, der für einen anderen außerordentlich stark empfindlich sein kann; Kloakenarbeiter merken bald nichts mehr von den unangenehmen Düften ihrer Arbeits- stätte. Diese Ermüdung macht sich in einem eigentümlichen Vorgang bemerkbar, der erst in unserer Zeit von der Dichtung vielfach dargestellt wird. Immer wieder lesen wir bei modernen Schrift- stellern, daß ein plötzlich zugewehter Geruch die Erinnerung an der- gangene Zeiten mit großer Lebendigkeit wachruft. Und da? gleiche Erlebnis können wir an uns selbst beobachten. Wo solche Schilderungen der Literatur der Vergangenheit vorkommen, so treten sie bei ungewöhnlich modern empfindenden Menschen auf, wie z. B. bei der Rahel. Dieser heute so häufige Zusammenhang zwischen Geruch und Erinnerung erklärt sich aus den Verfallserscheinungen dieses Sinnes, denn dieser langvergessene ungewöhnliche Geruch tritt als etwas Fremdes, Seltsames in unsere Phantasie,� während wir an den uns alltäglichen und viel mehr verttauten Einknicken von Auge und Ohr kein so außerordentliches Merkmal für die Erinnerung haben. ben Sozialdemokraken zü Halten HabeN, die ihnen hier soeben die Standesehre abgesprochen haben. Abg. Hoffmann(Soz.): Das ist eine Lüge. Vizepräsident Dr. Krause ruft den Abg. Hoffmann zur Ordnung. SJbg. Hoffmann(Soz.): Dann rufen Sie doch auch den Abg. v. Zedlitz zur Ordnung, er hat hier«ine Lüge ausgesprochen. Abg. Dr. Liebknecht(zur persönlichen Bemerkung): Freiherr d. Zedlitz ist als ein Mann von politischer Charakterlosigkeit erst jüngst in der Ocffentlichkeit gekennzeichnet worden. Vizepräsident Dr. Krause: Sie wollen die Ordnung des Hauses absichtlich stören. Ich rufe Sie zur Ordnung. Abg. Dr. Liebknecht(fortfahrend): Dieses Urteil über Herrn v. Zedlitz ist in einem Buch von Frymann enthalten, das in der„Post", also im eigenen Organ des Herrn v. Zedlitz als besonders lesenswert bezeichnet wird. Ich möchte mich mit aller Schärfe gegen die neue von geringer politischer Moralität zeugende Nnterstcllnng des Abg. v. Zedlitz wenden, i Stürmische Zurufe rechts.) Vizepräsident Dr. Krause: Sie dürfen jetzt nicht mehr in eine Diskussion eintreten. Wehen der zuletzt von Ihnen ausgesprochc- nen Beleidigung rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. Dr. Liebknecht: Der Abg. v. Zedlitz hat zu verstehen ge- geben, ich hätte den Lehrern die Standesehre abge- s p r o ch c n. Dabei weiß er ganz genau, was ich gesagt habe, und ich möchte wissen, was man sonst als niedriges Niveau be zeichnen soll, wenn nicht eine solche Verdrehung.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Krause: Sie wollen absichtlich die Ordnung des Hauses stören. Ich rufe Sie zur O r d- n u n g. Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Diese Angriffe der Sozialdemo- kratcn kann ich mir nur zur Ehre anrechnen. Der Antrag wird der Budgetkommission überwiesen. Zu einer Petition von Männervereincn zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit und Abänderung der Gewerbeordnung (Vorschläge zur Bekämpfung der Animierkneipen) ergreift das Wort Abg. Hoffmann(Soz.): Mit dem Zweck der Petition sind wir sicher alle einverstanden. nur wird das Ziel durch die vorgeschlagenen Mittel n i ch t c r r e i ch t. Unter anderem wird vorgeschlagen, daß die Ein- stellung weiblicher Personen in Wirtschaftsbctrieben nur auf der Basis einer festen, nicht durch irgendwelche Gegenleistung zu er- setzenden Entlohnung, die nicht unter dem ortsüblichen Tagelohn bleiben darf, gestattet werden soll. Diese Bestimmung, der wir sehr sympathisch gegenüberstehen, mühte auch auf alle Arbeiter ausge- dehnt werden. Gerade bei staatlichen Betrieben und vei den Agra- riern sieht es mit den Lobuverhältnissen noch sehr trübe aus. Durch eine Heranziehung zum Familienleben würde man das Kneipen- leben vermindern; dazu gehört avcr vor allem ein guter Per- dien st für das Familicnhoupt.(Sehr ricktig! bei den Sozialdemokraten.) In Reidfcnbach i. B. hat die Gastwirteinnung vor ein paar Tagen einen Aufruf erlassen, die Bürger möchten doch wieder mehr in den Kneipen verkehren, eines Mannes sei es nicht würdig, bei Muttern zu sitzen.(Heiterkeit.) Je mehr die Volks- menge an öffentlichen Angelegenheiten teilnimmt und an Bildung und Wissen gewinnt, um so mehr wendet sie sich vom Kneipenlebcn ab. Auch das Wohnungswesen ge- hört dazu. Schaffen Sie hier Wandel, dann graben Sie den Knci- pen den Boden ab. Das Berliner Schlafstellenwesen treibt ja die jungen Leute direkt in die Kneipe. Aber die Petition verlangt y.ne Beschränkung des DienstversonalS und ein Verbot der weiblichen Bedienung übcrhaupl. Sic alle kennen doch Süddeutschland und Oesterreich, wo weibliches Personal in Hülle und Fülle vorkommt, das keineswegs in Animicrkncipcn angestellt ist. Man kann doch nicht weibliche Bedienung einfach als unsittlich bezeichnen. Und wer bevölkert denn die Animicrkncipen? Die Arbeiterjugend sehr wenig, wohl aber die jungen Burschen aus der besseren Gesellschaft beim Beginn der Geschlechtsreife, und die alten Herren, die über die Geschlechtsreife hinaus sind.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn diese Leute sich schämen würden, sich dort neppen zu lassen, dann würden die Animierkneipen von selbst verschwinden, weil sie keine Kundschaft mehr hätten. Sie geben ja so viel für die Jugendbewegung aus. Statt die Jugend in hurrapatrio- tischen Allotrias zu üben, sollten Sie sie lieber a u f k l ä- reu. Nicht die Polizei kann gegen die Animierkneipen helfen. fondern die Aufklärung der Jugend.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Die Petition wird der Regierung als Material überwiesen. Eine Petition des Deutschen Drogistcnverbandes um Auf- Hebung von Bestimmungen über die Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln ausserhalb der Apotheken beantragt die Kommission der Regierung als Material zu überweisen. Humor und Satire. Aber nein— I Und eS sprach an seine« Thrones Stufen Heydebrand:„Ja— wollen Sie denn sehn, wie Herr Bethumun und sein Bore(unberufen!) auf denselben Wahltopf gehn?"— Bethmann und sein Bote... diesen Heid«! gleiche Rechte bei der Landtagswahl?— Aber»ein—1 wir wollen es nicht leiden, diese beiden sind ja nicht egal. Denn der Jüngling mit der Botenmütze ist gewiss politisch informiert— Bethmann aber ist des Reiches Stütze, Kanzler, lang und etwa« angeschmiert. Kurt. Notizen. — Die Fronk-Wedekind-Spielerm Deutschen Theater bringen Montag. Dienstag und Freitag„Erdgeist", Mittwoch und DomrerStag„Oaha".„Die Satire der Satire". Sonnabend und Sonntag(als letzte Vorstellung vor den Ferien)„Marquis von Keith". — In der Grossen Berliner Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof ist der 9. Juni ein sog. billiger Sonntag. Eintrittspreis von 2 Uhr nachmittags an 2ö Pf. — A u s st e l l u» g s ch r o» i k. Die Zeitschrift ,D e r S t u r m" veranstaltet eine dritte Ansstellung(Königin-Angusta-Str. 51 täglich 19— 6 Uhr), in der die Zeichnungen eines Fräulein Paula K a r st e n zu sehen sind. Sie komme» in einer Art somnambulen Zustande» zustande und sollen zur futuristischen Kunst in auffallender Bc- zichung stehen. — Strindberg in Berlin. Die Direktion de? D eu tschen Schauspielhauses(Komische Oper) hat eine Reihe von StrindbergS Dramen zur Aufführung erworben: O st e r n „Advent",.Gespenstersonate",»Krön braut", .Schwane»weiss",»Traum spiel". — Die Premierenjäger auf Reisen. Richard Straussens neuestes Werk„Ariadne auf Naxos" wird im Oktober seine Erstaufsii&rnilg im Stuttgarter Hostheater erleben. Da unsere Berliner Hofoper grundsätzlich nur ameri- konische usw. Premieren bringt, werden die Berliner, die überall dabei sein müssen, natürlich nach Slultgart fahren I ES solle» nach der»Franks. Ztg." denn auch zwei Drittel der Plätze an ein Berliner Warenhaus vergeben sein.«Kein Vergnüge» ohne Holzbock." — S ch a ch n a ch r i ch t e n. Der Stand der Teilnehmer im internationalen Turnier von Pistyan war nach der 15. Runde: Rnbinstein-j- 13. Spielmann+ 10, Marshall+ 9% Dura»+ 9(1), Schlechter st- 9, Alapin, Balla, Tcichmann-st ö'/z, Vreyer-s- T'/a(1), Salve+ 7, Lowtzky, Sterk+ 6'/,(1). Cohn+ 5, Aates+ 4'/«(2), Baräsz, Hromadka, Johner, Leonhardt je-j» i1/* Abg. Hoffmann(Soz.): Wir würden den Antrag auf Ueberweisung zur Berücksichtigung stellen, wenn er nicht aussichtslos wäre. Es wäre dringend not- wendig, den alten Zopf des Apothekenmonopols abzuschneiden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag der Kommission wird angenommen. Petitionen verschiedener Grundbesitzervereine um unverzügliche Einführung des zweiten Teiles des Gesetzes über die Sicherung der Baufordcruugen empfiehlt die Kommission der Regierung zur Be- rücksichtigung zu überweisen. Abg. Fetisch(k(ons.) tritt für diesen Antrag im Interesse der Bauhandwcrker ein. Abg. Rosenow(Vp.) beantragt, die Beschlußfassung zu vertagen. Abg. Borchardt(Soz.): Es ist nicht angemessen, im letzten Augenblick, gewissermaßen mit dem Koffer in der Hand, der Regierung"einen Wunsch von so weittragender Bedeutung vorzulegen. In dem Wunsch, dem Bauschwindel entgegenzutreten, begegnen sich wohl alle Parteien. Die vorgeschlagenen Mittel erreichen aber keineswegs dos Ziel, sondern tragen vielmehr zur Verschärfung bei. Die Ursache des Bauschwindels liegt darin, daß die soliden Elemente bei den Bau- Unternehmern immer mehr ausgeschaltet werden. Den letzten Grund des Bauschwindels bildet der Tcrrainschwindel. Die kapitalkräftigen grossen Terrainhändlcr verkaufen ihre Terrains mit Vorliebe an mittellose Bauunternehmer.(Abg. Fe- lisch: Nur an solche?) Jawohl, nur an solche. Der, welcher noch Mittel hat, bekommt gar kein Terrain verkauft. Das ist eine ganz einzigartige Erscheinung. Jeder andere Verkäufer hat ein Interesse daran, daß sein Kunde Geld hat, der Tcrratnhändler dagegen will einen Kunden, der kein Geld hat, denn diesem ist die Höhe des Preises ganz gleich, und er bleibt beständig ein Werkzeug in der Hand des Tcrraii.händlcrs. Der Händler sichert sich bei zeiten durch Eintragung des Kaufgeldcs als erste Hypothek und ausserdem gibt er einen Teil des Baugeldes, wovon zunächst der Käufer lebt, das ist das Interesse, das der Käufer an der Sache hat, und dann wird der Bau errichtet und kommt zur S u b h a st a t i o n. wöbet ihn den Tcrrainhändler zurückerwirbt, während die Liefe- ranten nichts bekommen. Tiesein Uebrl steuert man nicht mit den mechanische» Mitteln des zweiten Teiles des Gesetzes zur Sicherung der Baufordcruugen. Denn hier schlägt man vor. den mittel- losen Bauunternehmern den Kredit noch mehr zu erschweren. Man verschärft also das Hebel, das man bekämpfen will.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag, die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen, wird angenommen. Landwirtschaftsminister Freiherr v. Schsrlemer verliest die Königliche Verordnung, durch die der Landtag bis zum 22. Oktober vertagt wird. Vicepräsident Dr. Krause schließt hieraus um 2)4 Uhr die Sitzung._ Hus der Partei. Revolutionäre Vdehrheit in der Mailänder Parteisektiom Rom, den 6. Juni.(Eig. Bcr.) Bei den Telegiertenwahlen zum Parteitag von Reggio Emtlia Haber» die Revolutionäre in Mailand eine Mehrheit von 14 Stimmen davongetragen, so dass ihnen vier von den sechs Delcgicrtenmandaten, zum Parteitag zu- gefallen sind. Dieser Ausgang ist um so bemerkenswerter, als in Mailand keine Rechlsreformisten in Frage kommen, so dass der Sieg über die Linksreformislen oder Turatianer crrunaen> wurde. Die revolutionäre Tagesordnung setzt fest, dass die Mailänder Tele- gierten auf dem Parteitag den Ausschluss der Recht Sreformisten und die unbedingte Ablehnung jedes MinisterialismuA vertreten sollen. Mit Mailand sind nunmehr alle grösseren Städte in Händen der Revolutionär«, nämlich— da Neapel in der Partei- bcwcgung keine Rolle spielt— Rom, Turin, FlorenK Venedig und Bari. Den Linksreformisten dürften nur Bologna, Livorno und Genua treu bleiben. Der Ausgang der Mailänder Wahl ist ins» fern von Bedeutung, als Mailand als die Hochburg des Links- rcformiSmus galt._ poUzeUiches» Gerichtliches u!w. Der Prozeh Doinanico in der Appellinstanz. Ron», den 6. Juni.(Eig. Ber.> Vor dem Appellationshof von Florenz ist soeben der Prozess Domanico in zweiter Instanz verhandelt worden. Wie erinnerlich, hatte der frühere Sozialist Giovanni Domanico unser Florentiner Parteiblatt, die„Difesa", wegen, Verleumdung angeklagt, weil da? Blatt in einem Artikel behauptet hatte, Domanico hätte vor Jahren im Dienst des Mini- sleriums gestanden und wäre für seinen zum Schaden der Partei geleisteten Spionagedienst aus dem Geheimfonds besoldet worden. Wegen dieser Behauptungen wurden, die Genossen Dal Buono, Pogn i und Ee n n i in erster Instanz zu je einem Jahr Gefäng- nis verurteilt. Die Sache ging an die zweite Instanz und in dieser wurden die drei Angeklagten freigesprochen weil daS Gericht- das Fehlen des dolus, der verleumderischen Absicht, annahm. Domanico wurde zur Tragung der Kosten verurteilt. Der bisherigen Gerichts- Praxis in Italien entspricht eS übrigens nicht, dass bei Vcrleum- dungsklagen das Bestehen des dolus zur Verurteilung als not- wendig angenommen wird. Ferri wurde seiner Zeit in dem Prozess Bettolo verurteilt, obwohl das Gericht annahm, dass er seine Bc- schuldigungen, in gutem.Glauben vorgebracht haste. Jugendbewegung. Arbciterjugcndbekämpfnng durch Lehrverträge. AuS H a l l e a. S. berichtet man uns: Einen neuen Vorstoss gegen die Arbeiterjugendbestrebungen und die gewerkschaftliche Or- ganisation unternimmt die Innung vor dem Zivilgericht. Der Böttcherlebrling SB., der zu Ostern ausgelernt hat, in seinen Arbeiten firm ist und auch ein anerkannt gutes Gesellenstück ge- liefert hat, wurde von der Böttcherinnung nicht zum Gesellen„los- gesprochen", wel er vor Beendigung seiner Lehrzeit dem Ver- band« der Böttcher usw.. einer gewerkichastlichen Organi- sation, beigetreten ist. Die Innung stützt sich bei ihrem Tun auf einen mit dem Lehrling abgeschlossenen Vertrag, nach dem der Lehrling ohne Genehmigung des Lehrherrn während der Lehrzeit Vereinen irgendwelcher Art nicht beitreten durste. Der junge SB. verzichtete auf den»Lehrbrief- setzen"; er wurde von einem anderen Meister mit Freuden als Geselle aufgenommen und erbrachte dort den Befähigungsnachweis als tüchtiger Böttcher. Die Innung, die jedenfalls nichts dagegen gehabt hätte, wenn der Lehrling einen, evangelischen Jünglings- verein, dem Wehrkraftverein nfw. beigetreten wäre, ist empört über den„Lehrling" und fein Meister klagt nun vor dem Amtsgericht. Er verlangt„nur", dass der Lehrling wegen Verstösse« gegen den Lehrvertrag 29 M. zahle und eventuell noch drei Monate nach- lerne.— Was das Gericht zu der„außergewöhnlich bescheidenen" Forderung sagen wird, darauf darf man sehr gespannt sein. £Iiis Industrie und Kandel. Die einheitliche Versorgung Deutschlands mit elektrischdr Energie. Auf der 29. Jahresversammlung des Verbanldes beut- scher Elektrotechniker hielt Regierungsbaumeister a. D. B a r t e l. Charlottenburg, einen interessanten, Vortrag über die einheitliche Versorgung Deutschlands mit elektrischer Energie. Er ging aus von dem Jdealzustand für das Deutsche Reich, der er- reicht ish wenn alles mit elektrischer Kraft betrieben wird, und zeigt, welch ungeheure wirtschaftliche Vorteile eine einheitliche Versorgung unserer Industrie und unserer Landwirtschaft mit eleklrischer Energie zur Folge haben würbe. W ist hMe«MA durch Spafle nungen tsirn 100009 bis f5000ö Vsrk> fcw trnc sicher be- berrschen, vorhandene Energie auf alle für uns praktisch ,n Frage kommenden Entfernungen wirtschaftlich zu übertragen. ES sei nur an das Projekt der Versorgung von Paris durch die Rhone- Wasserkraft erinnert und an die Elektr,s,erung der Berliner Stadt- und Ringbahn vom Kraftwerk von B i t t e r f e, d aus. Das Loslösen von, den, engen, Grenzen, für die Kraftverteilung hat uns die Möglichkeit gegeben, die Krafterzeugung zu zentralisieren' rinb die Energiecsixellen am Otf1 iTyxcä V-Olchanoen- seins auszunutzen..Wir sind in der Lage, Wasserkräfte an beliebigen Stellen durch elektrische Kraftuber- tragung zu verwerten. Die Kohle wird nicht mehr dem Eisenbahnzug anvertraut, der sie im Schneckentempo dem Dampf- kessel zuführt, sondern mit BlitzesgeschwindigLeit eilt sie als Elek- triziiät am blanken Trabt dem Verbraucher zu, der sie gerade im Augenblick nötig hat. Für die Versorgung von Suddeutschland würden die vor�mdenen Wasserkräfte ausreichen. Die Eisenbahnen Sachsens-,, Batzerns. Württembergs. Badens und die von Elsass- Lothringen könuten durch die Wasserkräfte Suddeutsch- la n d s mit elektrischer Energie versorgt werden, und eS blieben nur die Bahnen der preussischheisischen Eisenbahngemeinscbaft für die Versorgung durch Dampfwerke übrig. Die Höchstleistung, d,e hier- für in Frage käme, wären S Millionen, Kilowatt. Die Energie- quellen, die Teutschland zur Verfügung stehen, beschranken sich für Norddeutschland fast ausschliesslich auf Kohlen. An Wasserkräften kämen höchstens in Ostpreussen die Augerapp und Pissa bei Jnsterburg in Frage. Zur Erzeugung der, notwendigen Leistung von 60 000 Kilowatt in Westpreussen wäre die Errichtung von nicht weniger als 100 Kraftwerken mit einem Anlagekapital von 4 5 Millionen Mark erforderlich. Der Bettieb dieser hundert Kraftwerke aber würde für eine einheitliche Versorgung zu den größten Schwierigkeiten führen. Ebenso schwierig biegen die Ver- bältnisse in Pommern und Posen. Die einzige Wasserkraft. die dort verwendbar wäre, wäre die der Brahe, jedoch dürfte der Aushau nur bei einer etwaigen Kanalisterung dieses Flusses von wirtschaftlichem Werte sein. Die Wasserkräfte Mitteldeutschlands und der Rheinprovinz sind nur gering zu veranschlagen, sie sind ebenso wie die Wasserkräfte der Edertalsperre und der Diemelsperre beziehungstveise der Sperre zur Eckst ffbarmachung der Aller und Weser nur in Verbindung mit Wassersttassen nutzbar auszubauen. Auch die Benutzung von Ebbe und Flut kommt wirtschpftlich noch nicht in Frage. Auch die 150 009 TonS Petroleum, die jahrlich in Deutschland gefördert werden, werden zum größten Teil noch für andere Zwecke als zur Kraftgewinnung in den nächsten Jahren Verwendung finden. Die Ausnutzung anderer Energiequellen, wie Wind und Sonnenstrahlen, sind nicht von besonderer Be- deutung. Es bleibt also nur Kohle und Torf zum Betriebe der Großkraftwerke übrig. Die Steinkohlenvorräte Deutsch- lands sind auf 299 Milliarden Tons zu schätzen. Bei der heutigen Förderung würde diese Menge für 1354 Jahre genügen- Aber das Vorkommen von Steinkohle beschränkt sich eigentlich irt Deulsckstand auf zwei Gebiete. Schlesien, und die Rheinprovinz. Will man die Steinkohle direkt an der Grube ausnutzen, so müßte man mit der Kraftübertragung einen Umkreis vou zirka, 499 Kilometer Radius bestreickjen. Auf einen weitaus größeren Teil Deutschlands erstreckt sich das Vorkommen der B r a u n k o h l e. Die heute noch göwinnbare Menge an Braunkohlen ist auf 8 Milliarden Tons zu schätzen. Bei der jetzigen Art der Förderung würde diese Menge noch für 199 Jahre reichen. Da die Förderung aber ausserordentlich schnell ansteigt, so dürfte man mit einer Förderdauer bei den jetzt er- schkossenen Kohlenfeldern von höchstens 59 bis 69 Jahren zu rechnen haben. Eine weitere Kraftquelle stellen die Torflager Deutsch. landS dar. Sie werden auf zirka 2bd Millionen Hektar oeschätzll Die größten, Torflager befinden sich im Hannover und Oldenburg mit 663 999 Hektar. Die Torflager dieser Provinz sind insofern günstig für den Abbau, weil sie zum größten Teil aus Hochmooren bestehen. Eine ganze Reihe Gründe sprechen dafür, der Braunkohle und dem Torf grössere Beachtung zu schenken als der Steinkahle. Redner untersucht nun im eimzelnen, wie sich die Verteilung der Kraftwerke über Deutschland an der Hand der Energielager gestaltet. Er bespricht dann die Grösse und Lage der einzelnen Kraftwerke sowie die Möglichkeit der Ueberttagung der elekttischen Energie. Wir haben, heute bereits die Spannung von 199 999 Volt in einer be- stehenden Anlage gemeistert, und es dürfte nicht schwierig sein, auf eine Spannung bis 159099 Volt hinaufzugehen. Diese Spannung aber wird so ziemlich die Grenze sein, die mit den heutigen, Mitteln erreicht werden kann. Redner stellt weiter ein. gebende Berechnungen an über die Anlagekosten und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß der Bau von großen Kraftwerken mit Spannungen von 109 099 bis 159 999 Volt jedenfalls die wirk- schaftlichste Form der Krafterzeugung darstellt. Er empfiehlt dann vor allem die Benutzung von Torf und den Abbau von Torfschichten. Der neue Kulturboden ist mit möglichster Eile zu bearbeiten, um unseren Nachwuchs an Menschenmaterial anzusiedeln und um Ge- treibe und Vieh für die Wolksernährung zu schaffen. ES ist au». gerechmet worden, daß auf unseren Mooren 79909 Bauern- familien angesiedelt und dass die Moore, als Weide be- nutzt, Fletsch für 15 Millionen Menschen liefern könn-' ten. Bei ausschliesslicher Verwendung des Torfes könnte man den Energiebedarf Norddeutschlands für 256 Jahre decken. Man ist gerade jetzt in Deutschland mit einer genauen Fesistellung der Moor- flächen beschäftigt. Man sieht aus diesen interessanten Ausführungen. Kelche grosse Kulturaufgaben der Erfüllung durch die sozialistische Gesellschaft harren. Der Kapitalismus verschwendet Pro- duktionskräfte und Arbeit in wahnwitziger Rüstungs- und Kolonialpolitik, während er im Innern sich zur Bewältigung wahrer Kulturarbeit immer unfähiger erweist. Soziales* Die Unternehmer pfeifen auf daS Gesetz. Der Widerstand von Unternehmern gegen alle dem Schutz der Gesundheit des Arbeiters oder einem Rechte des Arbeiters dienenden gesetzlichen Vorschriften wird immer dreister. Eine Reihe Großindttstrieller haben auf Geheiß des scharfmacherischen ZentralverbandeS in ihren Arbeitsordnungen die Anwendbarkeit des Z 616 Bürgerlichen Gesetzbuches(Ver- pflichtung des Arbeitgebers zur Lohnzahlung für eine nicht erhebliche Zeit, in der zu arbeiten oer Arbeiter ohne sein Verschulden verhindert war. z. B. Krankheit. Kontroll- versanimlungen u. dergl.) ausgeschlossen. Das verstößt gegen das Gesetz und gegen die guten Sitten. Als Gewerbe- inspektoren hierauf die Entfernung der gegen die guten Sitten verstoßenden Klausel verlangten, kamen die Herren dem Ver- langen nicht nach. Der Generalsekretär des Verbandes hauchte in öffentlicher Sitzung die Gewerbeinspektoren und die Polizei an, die sich unterständen, von ihnen so etwas zu verlangen. WaS gegen die guten Sitten verstoße, darüber hätten sie allein zu befinden. Der Staatssekretär des Innern meinte im Reichstage, man muffe die Austragung der Frage den Ge- richten überlassen. Kein Minister, kein Staatssekretär, kein Reichskanzler rührte einen Finger zur Ver- teidiguug der von dem Verband wegen Erfüllung ihrer Pflicht schwer angegriffenen Beamten. Heute steht unstreitig fest, daß eine allgemeine Klausel, die den § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ausschließt, das Gesetz (Lohnbeschlagnahmegesetz und Bürgerliches Gesetzbuch) verletzt und gegen die guten Sitten verstößt. Aber— die Gewerbe- inspektoren dürfen auf Beseitigung dieser dem Gesetz ins Gesicht schlagenden Klauseln nichts unternehmen. Die in den Fesseln der Interessen des Scharfmachers liegende Regierung schaut mit Behagen dem gesetzwidrigen Treiben der Arbeit geber zu. SchwarzeListen gegen Arbeiter werden von Arbeit Lebern gefuhrt. Das Reichsgericht— zuerst im Jahre 1903 m emein Schadcnersatzprozcß gegen Keyling u. Thomas zu Berlin— anerkennt, daß die Führung schwarzer Listen, die Verfemung von Arbeitern durch Arbcitgebernachweise ein grober Verstost gegen die guten Sitten ist, der schadenersatz- Pflichtig macht. Dennoch werden schwarze Listen geführt, die Regierung sieht mit gekreuzten Armen diesem Terrorismus, dieser schamlosesten Behinderung Arbeitswilliger zu. Gegen die Ausübung des Koalitionsrechts der Arbeiter wütet das Scharfmachertum. Die Rcgierungsorgane machen ihre Verbeugung vor dem Scharfmachertum und ver- sichern ihm, besondere Gesetze zur völligen Vernichtung des Koalittoiisrcchts seien nicht von nöten, die bestehenden Gesetze reichten zur Vestrafung der Ausübung des Koalitionsrechts aus. � Gesetzwidrige Behinderungen des Streikpostenstehens, militärische Diktatur in Streikgebieten, drakonische Urteile gegen Streikeiide bestätigen die Richtigkeit der Prophezeiung der unternehmerfreundlichen Regierung. Immer kecker werden bei dieser Begünstigung der Auf- lehnung Grostindustrieller gegen das Gesetz und bei dieser Unterdrückung von Arbeitern, die von ihrem gesetzlich garan- tierten Rechte Gebrauch machen, die Grostiudustriellen. Sie ver- treten jetzt kühn �den Grundsatz, daß der Arbeiter ohne Wider- stand sich selbst Schädigungen der Gesundheit durch den Unter- nchmer gefallen lassen müsse, ohne auch nur zivilrechtliche Schadenersatzansprüche erheben zu dürfen. Da ist in der Fabrik von Keyling u. Thomas zu Berlin jetzt folgender Revers zur Unterschrift für Arbeiter hergestellt: Verzicht auf Schadenersatzansprüche. Hiermit verzichte ich auf Schadenersatzansprüche jeder Art, insbcsoiidcre aber ans solche wegen Berlctznngcn oder sonstige Schädigungen meiner Gesundheit, die mir möglicherweise im Betriebe der Eifcngicßcrci-Rkticilgcscllschaft vonnalS Kchling «. Thomas zu Berlin heute oder späterhin zustoßen. Berlin, den Selbstverständlich ist solcher Verzicht rechtsungültig, weil er gegen das� Gesetz und gegen die guten Sitten verstöstt. Aber die Talsache, dast solche Verzichte Arbeitern zugemutet werden, zeigt, wie selbstherrlich sich das Großkapital gegen- über der Arbeit fühlt. Wann endlich wird der Reichskanzler Schutzgesetze gegen dies Gesetz und Recht verachtende Treiben von Großindustriellen vorschlagen? ZnilfffK sind schiiiutzsg und verräuchert, der Fußboden dreckig tvie die liebe Erde, und die Luft ist zum Ersticken. Hier paßt das Wort, das einst auf die Gutsarbeiter angewendet wurde: Die Biehställe sind besser als die Arbcitcrwohnungcn. In den Familienhäusern erhalten die verheirateten Arbeiter Wohnung. Ihr Zweck ist schon oben genannt; diesen erfüllen sie auch in der Tat. Ein Arbeiter, der in einem Familienhause wohnt, hat seine Rechte und Freiheiten so gut wie verlauft. Er darf sich nicht organisieren, er darf keine Gewerkschaftsversammlungen be- suchen, weil er befürchten mutz, daß die Spitzel, die seitens der Ver- waltungen in die Versammlungen entsandt werden, ihn dcnun- zieren und er dafür an die Luft befördert wird. Nickt selten mutz er bei politischen Wahlen darauf verzichten, seiner Gesinnung Aus- druck zu geben. Nicht besser geht es ihm bei den Wahlen zu den sozialpolitischen Körperschaften. Es ist daher kein Wunder, wenn bei Knappschaftsältesten-, Arbeiterausschutz-, Pensiouskassen- und Krankenkassenwahlen die Arbeiter nur die Werkskandidaten oder gar nicht wählen. Kein Wunder ist eS also auch, wen» sogar am Schiedsgericht fiiif Arbeiterversicherung die Arbeiter nicht von Ar- beitern, sondern von Direktoren, Berginspektoren und sonstigen Be- amten vertreten werden, wie uns das aus der Rechtsschutzpraxis bekannt ist." Was das zentrumschristliche Gewerkschaftsblatt da aus der ober- schlesischen Zeutrumsdomäne mitteilt, ist ja nichis Neues; die sozial- demokratische Presse hat oft genug auf die aller Kultur hohnsprechen- den Zustände hingewiesen. Dringend erforderlich ist eine Bcseiti- gung der Möglichkeit einer Verckuiqung des Arbeitsvertrages mit einem Mietsvertrag. Wird das Zentrum helfen, diese Verquickung durch Aenderung des Z IIS der Gewerbeordnung zu verbieten? Eine eigenartige Klage besdbäftigte das hiesige Kaufmannsgcricht. Verklagt war die Aktien- gescilschaft„Zoologischer Garten". Der Kläger Alfred Schmidt war bei der Gesellschaft 7 Jahre in Stellung, verscherzte sich aber das in ihn gesetzte Vertrauen durch Annahme von Schmiergeldern. Nach Bekanntwerden seiner Verfehlung eröffnete ihm Direktor Meißner, er solle sich um eine andere Stellung umsehen, vorläufig könne er bleiben. Die Direktion ließ ihm zur Erlangung einer neuen Posi- tion ein ganzes Jahr Zeit. Als er noch immer keine Stellung ge- fundcn haben wollte, entlief? sie ihn. Sic gab ihm ein sonst recht vorteilhaftes Zeugnis, nur über die Führung schwieg sich dieses aus. Der Kläger fechtet nun die Kündigung als ungültig an. indem er ausführt, nach§ 22 der Statuten der beklagten Gesellschaft mutz der Aussichtsrat jede Kündigung genehmigen, und das sei in diesem 'Falle nicht gesefchen. Außerdem sei es ihm trotz größter Bemühung unmöglich gewesen, ohne Testicrung der Führung eine Stellung zu finden. Sein kaufmännischer Verband lehnte die Vcrmittelung ab, und auch direkte Bemühung blieb erfolglos, obgleich er über 400 Offerten ausschrieb. Dem gegenüber betonte Direktor Meissner» daß er die Fuhrung ans Loyalitätsgründen fortgelassen habe, wie auch aus denselben Gründen keine Anzeige gegen Kläger erstattet worden sei. Es sei doch gewiß human, wenn man einem Angestell- tcn, der das Vertrauen derartig getäuscht habe, wie der Kläger, ein ganzes Jahr Zeit zur Beichaffung eincS anderen Postens gebe. Zugleich legte Direktor Meißner ein Dokument vor, in dem sich der Vorsitzende des AussichtSrats mit der Kündigung des Klägers voll und ganz einverstanden erklärt. Das Kaufmannsgericht kam mit Recht zur Abweisung des Klä- gers. Beide Klagcgründe seien verfehlt. Wegen des Zeugnisses könne Kläger leinen Schadenersatz beanspruchen. Denn eine Testie- rung Vvr Führung hätte hier nur schlecht ausfallen können. Aus der Tatsache aber, daß die Beklagte die Verfehlung des Klägers aus gutem Willen vcrschloeigt, könne ihr nicht ein Strick gedreht werden. Die Frage, ob die Statuten innegehalten worden sind, sei eine rein interne Frage, die Dritten gegenüber ganz ohne rechtliche Bedeu- hing sei._ Wohnungs- und Arbciterverhältnisse in einer Zentrumsdomänr. Wie eS im oberschlesischen Industriegebiet mit den Wohnungs- und sonstigen Verhältnissen der Arbeiter bestellt ist, ist wieder ein» mal an einem Artikel„Oberschlesisches" in der Nr. 22 des„Deut- schen Metallarbeiter", dem Duisburger Blatt des„christlichen" Me- tallarbeiterverbande-,, zu erkennen. Ueber die Schlaf- und Fa- milienhäuser und ihre„Wohlfahrts"eigcnschaft heißt es in dem zen- trumschristlichen Blatt: „Wenn man den oberschlesischen Jndustriebezirk zum erstenmal betritt, so fällt es einem sofort auf, daß ganze Dörfer und Stadt- teile ein kascrncnmätzigcs Aussehen haben. Allerwärts, wo man hinschaut, sieht man die in Reih und Glied stehenden, alle nach einer Schablone gebauten, rauchgeschwärzten Gebäude. Es sind dies die Schlaf- und Familienhäuser. Unter einem einzigen Dache wohnen da bis z>, fünsundsicbzig Familien. In den Schlafhäusern werden vor ollem die Ausländer unter- gebracht. Aber auch die einheimischen ledigen Arbeiter finden da- selbst„billige" Schlafgelegenheit. Wie„billig" diese ist und welche Gewinne die Verwaltungen noch davon haben, kann man aus oem Nachfolgenden ersehen. In der Regel mutz jeder Arbeiter für den Tag 10 Pf. zahlen, macht aufs Jahr 36,50 M. Wir haben Schlaf- Häuser getroffen, wo in einem verhältnismäßig kleinen Zimnqep 24 Mann untergebracht waren. Diese 2t Mann bringen eine Jahresmiete von 876 M. für das eine Zimmer auf. Hieraus ist er- sichtlich, datz die Arbeitgeber es furchtbar leicht haben,«Wohlfahrts- einrichtungen" zu schaffen; von Uneigennützigkeit kann da doch nicht geredet werden, wo eine solche Rente einkommt. Welchem Haus- besitzer bringt ein einziges Zimmer 876 M. Miete im Jahre ein? Dabei mutz dieser das Haus in sauberem und wohnlichem Zustande erhalten. Von den Schlashausern kann man das nicht sagen. Die WohnungSgescy und Baugenossenschaften. Auf dem gestern in Erfurt abgehaltenen 16. Verbandstag der deutschen Baugenossenschaften sprachen sich die Redner für Erlatz eines WohnungSgesetzeS auS. Der Borsitzende. Professor A l b r e ch t, führte aus: Das größte Interesse mutz die Tätigkeit der Kommission erregen, die der Reichstag zur besonderen Be- arbeitung des Wohnungswesens eingesetzt hat. Es handelt sid um die Borbereituug eines Reichswohnungsgeseves. Auch verschiedenie Vorgänge in Preußen zeigen eine erfreulich« Wendung an. So ist das seit 8 Jahren in den Atter ruhende und damals bereits als Entwurf veröffentlichte preußische Wohnungsgesetz wieder hervor- geholt und den beteiligten Kreisen unterbreitet worden. Es haben bereits Berhandlungen unter dien einzelnen preußischen Ministerien stattgefunden. Man ist jetzt weiter daran gegangen, einen neuen Entwurf fertigzustellen und ihn Sachverständige aus der Praxi? zu unterbreiten. Als erfreuliches Zeichen ftir die Baugenossenschafts- bcwcguug kann betrachtet werden, datz auch mir als Vorsitzenden dieses Verbandes der Entwurf zur Vcgutachtuiig vorgelegt worden ist. Wir können also der Zukunft mit Zuversicht entgegcngchcn und aus eine baldige Erfüllung einer Reihe unserer Forderungen rechnen. Die Grundzügc der von der Kommission de? Reichstags für die Wohnungsfrage beschlossenen Resolution enthalten eine ganze Reihe Punkte, mit denen wir un» durchaus einverstanden erklären können. Ich erinnere nur an die Forderung der Kredit- gewährung an gemeinnützige Baugenossenschaften unter staatlicher Garantie, an die Forderung einer Umarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuches in bczug auf das Erbbaurccht, und zwar nach der Richtung, datz das jetzt schlummernde Erbbaurecht, daS niemand beleihen will, zu einer l-ichteren Handhabung ausgestaltet wird. Wir können mit diesen Errungenschaften zufrieden sein. Aller- dingS sind wir andererseits in den letzten Jahren durch eine Reihe von Gesetzesbestimmungen und Verwaltungsmatznahmen betroffen worden, die uns gerade nicht mit Freude erfüllen. Die Reichs- versichrrungsordnung wird uns sicherlich große Kapitalien entziehen und der preußische Sparkassengcschcntwurf, wonach ein bestimmter Prozentsatz der Sparkasscntapitalien in Reichs- und Staats- papieren anzulegen ist, wird uns auch Schwierigkeiten bereiten. Da- zu kommt, datz das Reichsversichcrnngsamt uns den Zinsfuß herauf- gesetzt hat. Trotz dieser Erscheinungen aber brauchen wir den Mut nicht zu verlieren. In der kurzen Besprechung sprach Stefan-Jena gegen die ablehnende Haltung des Bundesrat gegenüber den Ar- Veiten des Reichstags. Der Bundesrat begründe seine Ablehnung mit der Motivierung, datz die Wohnungsfrage nur im Nahmen der Einzclstaatcn gelöst werden könne. Die Wohnungsfrage ist aber so brennend geworden, datz sie von den Einzelstaaten nicht mehr gelöst werden kann, sondern datz das Reich sie übernehmen mutz. In den Städten haben sich Wohnungsverhältnisse entwickelt, die eine schwere Versündigung an der Volksgesundheit darstellen. In Elberfeld z. B. ist festgestellt worden, datz 46 Proz. der Ehescheidungen auf die schlechten Wohnungsverhältnifse zurückzuführen sind.(Hört! hört!) Die Ausbreitung der Tuberkulose wird, durch die Wohnungs- Verhältnisse ganz eminent gefördert. Wir haben daher idie Pflicht, uns gegen die Verschleppungstaktik des Bundesrats zu wenden und auszusprechen, daß wir eine baldige reichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens im Interesse der Volksgesundheit verlangen. Professor Laux-Berlin vom Bund Deutscher Bodenreformer meinte, datz nur mit Hilfe des Reichsseuchengesetzes beim Bundes- rat eine Aenderung seines Standpunkts in der reichSgesetzlichen Regelung der Wohnungsfrage zu erreichen ist. Soweit sind wir schon gekommen, datz wir dieses Gesetz zu Hilfe nehmen müssen, um der Bundesrat zu ejner Aenderung seiner ablehnenden Haltung zubringen. Hub der Frauenbewegung. Weibliche Erwerbstätige im Handelsgewerbe. Der wirtschaftliche Aufschwung, der seit Bestehen des geeinig- ten Deutschen Reiches festgestellt werden mutz, hat natürlich ganz besonders eine Belebung des Handelsgewerbes zur Folge gehabt, die zum Ausdruck kommt in den Zahlen der im Handelsgewerbe tätigen Personen. Noch 1883 waren in dieser Berufsabteilung kaum etwas über 1t< Millionen erwerbstätig, 1907 aber wurden bereits nahezu 3� Millionen gezählt. Prozentual ist die Erwerbs- tätigenziffer in keinem anderen Berufe so in die Höhe gegangen, als im Handelsgewerbe. Selbstverständlich ist auch der Anteil der Frauenarbeit hier ein bedeutender und seine Steigerung prozen- tual noch einmal so hych als die Zunahme der insgesamt Erwerbs- tätigen ausmacht. Betrug diese 121,5 Proz., so die der weiblichen Personen allein 212,4 Proz. Die absolute Zahl stieg von rund 298 000 im Jahre 1882 auf 931 000 im Jahre 1907. Nahezu den achten Teil aller weiblichen Erwerbstätigen beschäftigt also das Handelsgewcrbe. Zu diesem zählk auch der Hausierhandel und daS Gast- und Schankwirtsgewerbe. Daher ist es verständlich, daß die Z'sfer der weiblichen Selbständigen hier erheblich in die Höhe gegangen ist, um rund 96 000 Personen, während sie in der Landwirtschaft, bei Höheree Beschäftigiingsziffee, ifttv ii« 50 000 gesiwM und m der Industrie sogar um über 100 000 zurückgegangen ist. Daneben aber zeigt die Zahl der beschäftigten weiblichen Personen im Handels- gewerbc auch den Vormarsch des Großbetriebes. Deutlich kommt dieser in der seit 1882 erfolgten Zunahme der Beschäftigungsziffer unselbständiger weiblicher Personen zur Geltung. Von 147 538 im Jahre 1882 stieg sie bis 1907 um 365 Proz.'auf 684 732. Diese relative Zunahme ist in keinem anderen Berufszweige zu ver- zeichnen._ Hieraus erklärt sich vieles. Vor allen Dingen die ungunstigen Gehaltsbcdingungcn der weiblichen Angestellten des Handelsge- Werkes. Bei lang ausgedehnter Arbeitszeit entspricht der Verdienst durchaus nicht den Leistungen, die verlangt werden. Gehälter von mehr als 50 M. im Monat sind nicht allgemein üblich und über 70—80 M. wird schon seltener bezahlt. Dabei werden in bezug auf Kleidung an das Geschäfts- und Kontorpersonal größere Anforde- rungen gestellt, als an die Arbeiterinnen in Fabriken und Werk- slätten. In der Großstadt verursacht außerdem die meist in Kon- toreu und VerkausSgeschäften übliche geteilte Arbeitzeit mit lan- gerer Mittaaspause erhebliche Ausgaben an Fahrgeld, so daß für die eigentliche Körperpflege nicht viel übrig bleibt._ C,.,, Auch die sonstigen Anforderungen sind nicht ,0 gering, wie so häufig angenontwen wird. Die Arbeit in Verkaufsgeschästen und Kontoren ist durchaus keine leichte. Meist sind hier die jungen Mädcken als Masckinenschreiberinnen. Stenotypistinnen usw. tätig, von denen die Fortbildungs- und Handelsschulen ständig Tausende in kurzen Kursen für ihren Beruf vorbereiten. In der Haupt. fache handelt es sich also anck im Handelsgewerbe um ungelernte Arbeiterinnen. Es war auch hier der Großbetrieb mit der m ihm bedingten Arbeitsteilung, die diesen Zustand mit sich brachte und die Beschäftigung ungelernter Arbeitskräfte in größerer Zahl er- laubte. �_ Die starke Heranziehung ungelernter, und zwar nicht nur weist. licher Arbeitskräfte im Handclsgewerbe hat denn auch das sprich- wörtliche Elend der sogenannten Stehkragenproletarier mit ver- nnlaßt. Um so mehr mutz es immer wieder Verwunderung erregen, datz diese Kreise so schwer den Weg zur Selbsthilfe finden. Noch schwieriger als die Akbeitcrinnen in der Industrie sind die Ange- stellten des Sandelsgcwerbes zu organisieren, und ganz besonders die weiblichen. Hier tritt als besonders erschwerendes Moment nock hinzu, datz diese nicht nur aus der Arbeiterklasse hervorgehen, sondern zum erheblichen Teil Töchter kleiner Beamten. Kailfleute. Handwerker usw. sind. Der Verband der Bureauangestellten hat kürzlich für Verlin fest�stcllt, datz die letzteren über zwei Drittel aller weiblichen Angestellten ausmachten, bei denen Feststellungen möglich waren. Der Beruf als Maschinenschreiberin, Verkäuferin. Kontoristin usw. gilt eben immer noch als„ein etwas besserer". Dies allein genügt, um alles Unangenehme der Stellungen mit in Kauf zu nehmen.. �. Die gewerkschaftlichen Organisationen des Handelsgewerbes haben also mit erheblichen Sckwierigkeitcn zu kämpfen, wollen sie die Vereinigungen der Angestellten zu Institutionen ausbauen, die den Mitgliedern in allen Lebenslagen eine Stütze sein könne». Versammlungen— Veranstaltungen. Sechste» Kreis. Die Genossinnen der 8., 18. und 19. Ab- t e i l u n g veranstalten am Montag, den 10. Juni, im Nestau- rant von Schüßler,„Schloßpark Niederschönhausen", ein Kaffee. lochen. Treffpunkt 2 Uhr: Prinzenallee Ecke Soldiner Straße. Brnfhaftcn der Redaktion. »I«»««stische Sprechsinnd« find?» L»a»enft«»Se S9, vorn N» Stepfea — N»»rftuhl—, wochentä,«« von*14 VIS 7�, N»r aveuv», SonnnbendS, von*14 vis S Uhr abends statt. Jeder slir den Brteslaste» bestimmten«nseaze ist ein«iulbstabe und ein» Zahl als Merrjelchen betjusüiien. Briefliche Antwort wird nicht erteilt,«»fragen, denen lclnr AbonnemcntSgnIttnng brigrsstgt itst� Wieden nicht beantwortet. Eilig- Fragen trage man t» der«»rechftunde bor. <£.®. 5. Sic müssen sich an eine der Gesellschaften wenden oder auch im Gciverbesaal, Turnistr. 86.— A. B. 42. 1. Ein Abgeordnöltr-a mebr als die Hälfte. 2. Alle bürgerlichen Partelen haben dafür gestimmt. — A. H. SV.' Emil Metzle, Pankoiv, Florastr. 14.— A. 17. Ingenieur Richard Woldt, KarlShorst, Heutigstr. 23.— R. G. 58. Unverständlich 1 Firmen der Elektrotechnik finden Sie im Adreßbuch.— Heimstätte 4VVU. Der Genosse Schlegel, Neukölln, Ldcalpassage, Fuldastr. bl, wird Ihnen sachlichen Rat erteilen.— K. 11..'SO. Regeuwiirmer, Mehlwürmer und Fische. Am besten in einem viereckigen Aquarium.— Hans. Es bleibt nur möglich, bei dem Vorstande des Wahlvereins anzufragen, dem der Mann angehört hat.— E. G. 31. Die Adressen dieser Privatschulen finden Sie im Adreßbuch. Die Baugewerkschule ist Lindenstr. 97/93. W. L. 171 Sie können vom Vermieter Abhilse verlangen.�— M. L. 83. 1. Wir müßten den Inhalt des Vertrages kennen. 2. Ihr Mann kann aus dem angegebenen Grunde nicht verfolgt werden.— K. 8. 6. Der Antrag ist an die Waisendeputation, Alte Jakobstr. 33, zu richten unter An- gäbe der Gründe und Beweismittel. Gegen deren Entscheidung, falls un- günstig, ist Beschwerde beim Vormnndschastsgericht zulässig.— B. W. 16. 1. Eltern bezw. Geschwister des Verstorbenen sind mit erbberechtigt. 2. Durch Testament. Eltern bleiben jedoch pflichttetisberechttgt.— O. S. 72. Jede der Marken in den Wcrtstusen von IS— 48 Ps. gilt nur für eine Beitrags- wache.— P. S. Pöfsnect IVOO. 1. Der Steuerbetrag richtet sich nicht nach der Anzahl der beschästigtcn Arbeiter, sondern nach der Höhe des Ein- kommenS und des Anlagekapitals. Ein Antrag. 2. Magistrat in Kirch» Hain Bi./S. Bei dem Antrage ist zu betonen, daß der Betrieb naifi fünf« monatlicher Dauer ausgegeben ist. 3. Möglick. Verpflichtet ist der FiskuS nicht. 4. An das preußische Finanzministerium.— R. B. Kirchen- steucr. 1. und 4. Ja. 2. und 3. Nein.— M. 3. 70. 1. und 2. Ja. — H. H. G. 70. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— K. 8. 100. 1. Eine solche Verpflichtung besteht nicht. Bei Weigerung machen Sie der Steuerbehörde Mitteilung. 2. Nicht gestattet. 3. Nein. 4. Von„Pelle der Eroberer" wird noch ein vierter Teil erscheinen.- Gr. I. 1. Nur dann, wenn da? Geld verzinslich angelegt ist. 2. Der Schuldner. 3. Der vereinbarte Prozentsatz. 4. Wird von der Summe gekürzt.— M. 3. 26. 1. An das Polizeipräsidium. 2. Ja, falls die Vermutung begründet erscheint.— A. K. 1000. 1. und 2. Nein.' j— WafferstandS-Nachrlchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verltner Wetterbureau. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnstcrburg Weichsel, Thorn Oder. Ratibor . Krassen . Frankfurt a r t h e, Schrimm , Land-berg Netze, Vordamm Elbe, Lcltmcritz , Dresden „ Berby , Magdeburg ")+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel, ganz- ohne-Soda!! eine neuartige ftauBbaltfeife von fabelhafter Maschkraft. Stück 20 Pf. M?W W,**"4■ (Ii ü, wercheim H � G.M.B.H Lcipzigcrsfr. UZ Köimstrassesi-sz Am Rahnhof Hlexanderolatz Versand- Ab teilungi Berlin W. 66, Leipziger Str. 132/37 Die Firma A. WertHeim hat zu ahnlich lautenden Firmen Keinerlei Beziehungen RosiilArr1in#a in neuen Dessins, f. Kleider HtL p. * omarain© un(j Blusen...... Mtr.• � Zephyr................ Mtr. 35 Pk. Ca. 4000 Mtr. Französ. 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Düsseldorf, 7. Juni. Heute morgen erfolgte die Abstimmung über die vom erweiter- ien Vorstande eingereichte Verschmelzunssresolution, deren Wortlaut wir bereits im Bericht vom vorigen Verhandlungs- tage mitgeteilt haben. Die Resolution ist in ihrem ersten Absatz noch etwas präziser gefaßt worden und der letzte Satz ist gestrichen, prinzipiell ist jedoch nichts daran geändert worden. Vor der Ab- stimmung gab R a m b o w- Hamburg im Namen derjenigen Dele- gierten, die für Verschmelzung aber gegen die Urabstimmung sich ausgesprochen, die Erklärung ab, daß sie alle, um die Sache zu einem einheitlichen Abschlüsse zu bringen, für die Urabstimmung stimmen würden. Die Resolution wnrde darauf einstimmig ange- nommen. Das Abstimmungsresultat wurde mit lebhaftem Bravo entgegengenommen. B a s n e r- Berlin knüpfte daran nur noch die ernsten Worte, so einig wie man hier für die Ver. schmelzung gestimmt, so einig und Mann für Mann auch zu Hause für diesen Beschluß einzu- treten. Dann gab Schmitz- Mannheim den Bericht der Beschwerde- kommission über den Münchener Konfliktsfall. Die Beschwerde- kommission ist zu dem Antrag an den Verbandstag gekommen, den betreffenden Münchener Kollegen eine Rüge zu erteilen, im übrigen aber sie als Verbandsmitglieder anzuerkennen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Gleichfalls angenommen wurde dann ein Antrag des erweiterten Vorstandes, die Revision des Statuts zu unterlassen und das alte Statut bis zum Uebertritt des Verbandes bestehen zu lassen. Damit waren alle darauf bezüg- lichen Anträge hinfällig geworden. Dann erstattete Gauleiter Ritter- Mannheim das Referat über Punkt 6 der Tagesordnung: »Die Verteilung des Akkordverdienstes zwischen Feuer- schmied und Jungschmied." (Ter Jungschmied ist nicht etwa ein junger Schmied, sondern der- jenige Arbeiter, der beim Feuerschmied als Helfer ist. Er kann unter Umständen älter als der Feuerschmied sein.) Die Ansichten des Referenten und die Sache, um die es sich handelt, sind in einer von ihm eingereichten Resolution klar zum Ausdruck gebracht. Es heißt darin: „...Es zeigt sich vielfach, daß der Verdienstunterschied zwischen Feuerschmied und Jungschmicd zu groß, der Lohn des Jungschmieds zu niedrig bemessen ist. Eine Verringerung des Preisunterschiedes und Annäherung des Jung- schmiedelohnes an den Lohn des Feuerschmiedes ist in vielen Fällen angebracht, womit nicht gesagt sein soll, daß dies auf Kosten der Feuerschmiede geschieht. Gänzlich zu verwerfen ist jene Entlohnungsmethode, wonach der Feuerschmied im Akkord arbeitet und akkordmäßig entlohnt wird, während der Jungschmied im Zeitlohn entlohnt wird, dabei aber mit im Akkord arbeiten muß. Diese Methode widerspricht der Moral und Gerechtigkeit, da sie den Jungschmied zum Ausbeutungsobjekt nicht nur des Unternehmers, son- dern auch des Feuerschmicdes stempelt. Als nächste Aufgabe zur Lösung der Frage betrachten die Delegierten: l. Behandlung und Klärung der Angelegenheit in Wort und Schrift durch die Kollegen selbst; 2. Vornahme von statistischen Erhebungen über das ganze Reich über die vorhandenen Zustände auf diesem Gc- biete; 3. Abhaltung einer in Bälde stattfindenden Konferenz der Schmiede Deutschlands, die an der Hand des gewonnenen statistischen Materials die weiteren Schritte in dieser Angelegen- heit vorzünchmen hat." Der erste Diskussionsredner, Gauleiter K a u l f u ß- Magde- bürg, stellte der Ritterschen Resolution eine andere Resolution gegen- über, die im wesentlichen dasselbe besagt, aber kürzer gefaßt ist. Es folgte dann eine eingehende Aussprache, worin Peter(Gau- Icitert, Lecheler(Gauleiter), Schlicke(Metallarbeiter), M ü l le r- Zwickau, Bormann- Leipzig/ Klotz-Halle, S ch m i d t- Flensburg, S ch l i n s k i- Berlin das Wort ergriffen. Es zeigte sich, daß die Frage gegenwärtig unmöglich ausgiebig be- handelt werden kann, weil die notwendigen statistischen Unterlagen fehlen. Indessen wurde allseitig anerkannt, daß es auf dem an- geregten Gebiete dringend eines Eingreifens und einer Regelung durch die Organisation bedarf, da ganz unhaltbare Mißstände bc- stehen. Es soll deshalb in der nächsten Zeit die Frage eingehend studiert, das Material gesammelt und auf Berufsko uferen- z e n auf Abhilfe gesonnen werden. Aus Vorschlag von B a s n e r- Berlin wurden beide Resolutionen zurückgezogen und sich mit der Aussprache begnügt, durch die die Sache in Fluß gebracht ist. Die Verhandlungen wurden auf Sonnabend vertagt.. Sechster Uerbiuidstag der Gemeinde- und Staatsarbeiter. München, 7. Juni ISIS. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen referierte Verbands« Vorsitzender Mohs über «Die Arbeiterfürsorgc in den Gcmeindebetricben". Der Redner führte aus. daß der Verband die aktive Arbeiter- fürsorge nicht bekämpfe, das Gute von ihr anerkenne, sie aber nicht überschätze Tie Organisation habe zu der städtischen Ar- beiterfürsorge schoir'wicderholt Stellung genommen und stelle an die Gemeinden folgenve Forderungen: Alljährlicher Sommerurlaub unter Weiterzahlung des Lohnes. •o» Krankheitsfällen sollen die Gemeinden den Arbeitern einen Zuschuß in der Hohe der Differenz zivischen Krankengeld und Arbeitslohn zahlen. Sämtliche in städtischen Diensten stehende Personen erlangen nach zehnjähriger Dienstzeit das Recht der Alters- und Hinterbliebenenversorgung. Für kürzere Arbeits- Versäumnisse und militärische Hebungen ist der Lohn weiter zu bezahlen. Gemeinden, die für die in ihren Betrieben beschäftigten Arbeiter Wohnungen bauen, dürfen in den Mietskontraiten keine Bestimmungen aufnehmen, die mit dem Arbeitsverhältnis in Verbindung stehen., Ter Redner erinnerte an diese gemeinnützigen Forderungen und verlangt IN seinen weiteren Ausführungen gleichmäßige Be- Handlung der Arbeiter und Beamten und Gewährung der Für- süll oöc Jrbcitcr, ob ftänbiQ ober iiiiftänbi{j. Qcbc �toots Verwaltungen, die Arbeiter, denen der Schutz der Fürsorge ge- währt werden mußte, einfach entlassen.- Das sei keine Arbeiter- fürsorge. Urlaub werde nur unter der Boraussetzung gewährt. daß die anderen Kollegen die Arbeit der in Urlaub sich befindenden Angestellten mit erledigen müssen. Tagegen müsse man sich wenden, ebenso dagegen, daß die Arbeiter keinen Rechtsanspruch auf die Fürsorge hoben. Die Wahnungsfürsorge für die städ- tischen Angestellten sei zu dem einfachen Zweck eingeführt, die Arbeiter abhängig zu machen, sie für den Betrieb zu halten. So- bald die Arbeiter Streikarbeit verweigern, werde ihnen erklärt, daß sie in 14 Tagen die Wohnung zu räumen hätten. Gegen ein solches Vorgehen müsse energisch protestiert werden. � Die städtischen Arbeitsnachweise werden von den städtischen Betrieben meist nicht berücksichtigt. Auch sonst würden Arbeitsbestimmungen, die in der Privatindustrie durchgeführt, von den städtischen Be- Hörden»i.cht beachtet. Die Arbeiterfürsvrge müsse in erster Linie in vorbeugenden Maßregeln bestehen: Ausreichende hygienische Einrichtungen. Das beste Mittel, um die Arbeiterfürsorge zu entlasten, sei die Verkürzung der Arbeitszeit und die Gewährung höherer Löhne. Das sei die beste Sozialpolitik, die sicherste, vorbeugendste Maßregel. Hinter dieser ersten Forderung müsse aber vor allem eine starke Organisation stehen.(Beifall.) In der lebhaften Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten wirkungsvoll ergänzt und die städtische Arbeiterfür- sorge einer kritischem Beleuchtung unterzogen. Was von den einzelnen Stadtverwaltungen Gutes geschaffen, wurde anerkannt. Doch war man allgemein der Ansicht, daß man die Fürsorge- bestrebungen sehr vorsichtig aufnehmen müsse, da sie meist den Zweck verfolgen, die Arbeiter vom Betrieb abhängig zu machen. Sebald- München tvandte sich gegen das Bestreben der Stadtverwaltungen, einzelne Arbciterkategorien zu Beamten zu machen, in der Absicht, dein Betrieb willige Arbeitskräste zu sichern. Dieses Beamtenverhältnis dürfe nicht mehr angestrebt werden. Die Löhne der städtischen Arbeiter stehen weit hinter denen der Privatindustrie zurück. Wird die Forderung der Gleich- stellung erhoben, dann wird in den Stadtverwaltungen vorge- rechnet, was sie an Arbeiterfürsorge aufwenden. Diese wird gewissermaßen als Lohn aufgerechnet. So wie die Arbeiterfür- sorge gehandhabt werde, möchte man sie lieber vermissen. Durch sie soll nur die Aktionsfähigkeit des Verbandes geschwächt werden. Die Schaffung eines Arbeitsnachweises für die städtischen Arbeiter sei unbedingt notwendig.— Sch ö n b e rg- Hamburg meint, es sei nicht richtig, daß die Arbeiter die Beiträge zur Pensionskasse nicht zurückerhalten, wenn sie ausscheiden. Die Versorgungs- kassen als Fürsorgeeinrichtung müßten unter allen Umständen be- kämpft werden. Man sollte andererseits aber auch das nicht verkleinern, was die Stadtverwaltungen ihren Arbeitern an Für- sorge gewähren. Solche Ausführungen könnten von den Stadt- Verwaltungen leicht so aufgefaßt werden, als wenn man ihnen überhaupt kein Wort der Anerkennung für das, was sie an so- zialer Fürsorge für die Arbeiter geschaffen, zollen möchte.— M a r o k e° Frankfurt: Eine neue Erscheinung auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge ist die Sozialisierung der Löhne nach dem Stande der Familie, der Kinderzahl. Man gewährt Mietzuschüffe. Nachdem in Frankfurt a. M. der Anfang gemacht wurde, sind andere Städte gefolgt. Ich bin kein grundsätzlicher Gegner dieser Zuschüsse, doch müssen die sonstigen Voraussetzungen in der Lohnfrage erfüllt sein. Nicht Zuschüsse für den einzelnen, sondern allgemein höhere Löhne müssen wir fordern. Dieser Frage muß mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.(Beifall.) Röthenbach er- München: Arbeiterfürsorge ist in Staats- betrieben ein fremdes Wort. So rückständig, wie die Verhältnisse bei uns in den Staatsbetrieben sind, sind sie in keinem Gemeinde« betrieb. Daran ist die rückständige Mehrheit im bayrischen Land- tag schuld. Bei uns werden Leute mit 25 bis 40 Dienstjahren ganz rücksichtslos entlassen. Die Pensionsverhältnisse seien ganz erbärmlich, 3S bis 45 M. monatlich. Dabei wird, wenn ein Pensionierter Unterstützung als Veteran erhält, diese ihm abge« zogen.(Pfui!) Tie Arbeiterausschüsse haben keine Bedeutung, sie werden wohl gehört, aber man richtet sich nicht nach ihren Wünschen. Gauleiter B ü r k u s- Straßiburg hätte gewünscht, daß der Referent auch die Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung behandelt hätte, nach der diejenigen städtischen Arbeiter nicht mehr versicherungspflichtig sind, die von ihren Stadtverwaltungen Ruhe- lohn oder Hinterbliebenenleistungen in der Höhe der Mindest- leistungen der Reichsversickerungsordnung erhalten. Durch die sozialen Einrichtungen werde die Kampffähigkeit und die Kampfes- tust ungünstig beeinflußt, während andererseits die Stadtver- waltungen gute Geschäfte damit machen, indem sie die Löhne niedrig und die Arbeitszeit lang erhalten. In seinem Schlußwort ging MohS auf die Ausführungen Schönbergs ein und betonte, er habe wohl, soweit es überhaupt möglich sei, die Arbeiterfürsorge anerkannt. Daran müsse er aber festhalten, daß die Fürsorge von den Stadtverwaltungen rein kaufmännisch betrachtet würde. Die Verwaltungen würden die Unkosten für diese Fürsorge als Ausgabe der Löhne ansehen und bei Lohnforderungen auf diese besonders hinweisen. Ar- beiterfürsorge sei dem Verband angenehm, man dürfe sie aber nicht überschätzen.(Zustimmung.) Der Verbandstag legte seinen Standpunkt in folgender Re- solution. die einstimmig angenommen wurde, fest: „Der Verbandstag erklärt es für die Pflicht der städtischen und staatlichen Verwaltungen, ihren Arbeitern eine ausreichende Fürsorge angedeihen zu lassen, wie sie im Programm des Ver- bandcs gefordert wird. Die Erfüllung dieser sozialen Ver- pflichtung darf aber nicht durch längere Arbeitszeit oder Zah- lung eines niedrigeren Lohnes ausgeglichen werden; auch die in letzter Zeit mehrfach eingeführtem Familienzulagen dürfen nicht dazu führen, daß der Lohn der übrigen Arbeiter unter den ortsüblichen Wert der Arbeitsleistung herabgedrückt wird, besonders ist die Schaffung ausreichender Garantien notwendig, daß den in Dienst genommenen Arbeitern die in Aussicht gestell- ten Fürsorgecinrichiungen auch wirklich zuteil werden. Durch Schaffung spezieller Arbeitsnachweise ist Vorsorge zu treffen, daß entlassene Arbeiter wieder in städtischen oder staatlichen Betrieben unterkommen können, wobei ihnen die früher geleistete Dienstzeit voll anzurechnen ist." Der Verbandstag tritt hierauf in die Statutenberatung ein, die in einer Abend-sitzung weitergeführt wird. Achter Verbandstag des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes. Breslau, 8. Juni. In der Woche vom 9. bis 15. Juni hält der Deutsche Trans- vortarbeiierverband. mit dem sick auf der letzten Generalversamm- lung 1910 in Hamburg die Verbände der Hafenarbeiter und See- lcutc verschmolzen, seinen achten Verbandstag ab, den ersten feit jener Verschmelzung. Der Verband machte, wie der jetzt vor- liegende Geschäftsbericht über das Jahr 1911 erweist, seit jener Verschmelzung eine geradezu glänzende Entwickelung durch. Bereits am Schlüsse des Jahres 1910 zeigten sich die außcrordenitlich günsti- gen Wirkungen der am 1. Juli desselben Jahres vollzogenen Ver- einigung. Ter Bericht über das 1911, der zum ersten Male seit dem Zusammenschluß die Ergebnisse eines vollen Jahres bringen kann, bestätigt das gleiche und noch in erhöhtem Maße. Der Verband hatte 1911 insgesamt 98 394 Ein- und Ueber- t r i t t e zu verzeichnen. Im Jahre vorher waren es 94 961, jedoch war darin infolge des Zusammenschlusses die Zahl von ungefähr 27 000 in den Verbänden der Hafenarbeiter und Seeleute bereits organisierten Kollegen zu verzeichnen. Das Ergebnis beweist also, daß sich die auf das Konto des Zusammenschlusses zu setzende Steigerung der Wcrbekraft des geeinten Verbandes noch erhöht hat. Das ist— wie der Bericht betont— vor allem der rücksichtslosen Durchführung des Verbandsprogramms und der selbstlosen, energi- scheu Arbeit der Funktionäre der örtlichen Verwaltungsstellen und der angestellten Beamten des Verbandes zu danken. Man erhält einen Begriff von der geleisteten Werbearbeit, wenn man vernimmt. daß von den Gau- und OrtSverwaltungen allein im Jahre 1911 12 702 Versammlungen und 21 104 Sitzungen und Besprechungen abgehalten wurden und ferner 933 000 Flugblätter und Aufrufe. 153 000 Agitationskarten und 25 000 Agitationsbroschüren ver- breitet worden sind. Neben dieser Werbearbeit darf allerdings nicht außer Acht gelassen werben, daß die günstigen wirtschastlichen Verhältnisse ebenfalls eine entsprechende Wirkung auf die Steigerung der Mitgliederzahl ausgeübt haben. �* Dem außerordenlich günstigen Ergebnis in bezug auf die er- zielte hohe Eintrittsziffer steht allerdings auch ein hoher V e r l u st von Mitgliedern gegenüber. Derselbe betrug im abgelaufenen Jahre 56 099, so daß also eine wirkliche Zunahme an Mitgliedern von 42 295 zu verzeichnen war, gegen eine solche von 56 331 im Vorjahr. Nach Abzug den übergetretenen Mitglieder der Verbände der Hafens- arbeiter und Seeleute blieb allerdings im Jahre 1910 nur eine tat- sächliche Zunahme von 32 615. Die absolute Ziffer ist demnach im letzten Jahre um nahezu 10 000 höher als im. Jahre 1910. Am Jahresschluß 1911 zählte der Verband 392 Berwal« tungs stellen, gegen 348 am Schlüsse des Jahres ItzlO. Die Zahl der Verbandsmitgliedschaften ist demnach um 44 in nie Höhe gegangen. Die M i t g l i e d e r za h l des Verbandes betrug am Schlüsse des Jahres 1911 195 249, darunter waren 6817 weibliche. Die Mitgliederbewegung seit 1905 wird durch folgende Zahlen illustriert: Ende 1905: 50 654, 1906: 81 784, 1907: 88 961, 1908: 87 746, 1909: 96 623, 1910: 152 954. 1911: 195 249. Die Mit- glicderzahl des Verbandes ist also in den letzten sechs Jahren in einer Weise in die Höhe gegangen, daß wohl jeder Freund der Arbeiterbewegung mit Stolz auf dieses Resultat blicken wird. Betrachten wir die Zusammensetzung der Mitglieder nach Berufsgruppen, so bilden die Hausdiener und Packer mit 45 839 Mitgliedern die stärkste Gruppe. An zweiter Stelle steht mit 38 101 Mitgliedern die Gruppe der Kutscher und Fuhrleute. Die Hafenarbeiter stellen 22 341 Mitglieder, die Speditionsarbeiter 19 017, die Binnenschiffer und Flößer 11175, die Seeleute 10873, die Hilfsarbeiter verschiedener Art 10 787, die Straßenbahner 9261, die Droschkenführer 7329, die Arbeiterinnen 6817. die Kohlen- arbeiter 6051, die Bierfahrer 4507, die Fensterputzer 2298. Als „Diverse" sind 853 Mitglieder aufgeführt. Von der Fachpresse dieser Mitglieder hatte der„Courier" am Jahresschluß 1911 eine Auflage von 175 000, der„Seemann" von 25 000. der„Straßenbahner" von 17 000 Exemplaren. Wie die Bewegung im Jahre 1911 in fast allen Punkten eine intensiver war als im vorhergegangenen Jahre, so auch in puncto Lohnbewegungen. Allein im Jahre 1911 wurden über tausend Lohnbewegungen geführt(1012 in 5657 Betrieben mit 115 811 Beteiligten�. Für 20 866 Personen wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit um 99 239 Stunden pro Woche oder durchschnittlich 4,8 Stunden für jeden Beteiligten errungen. Im Jahre 1910 waren es für 14 160 Personen 63 072 Stunden pro Woche oder im Durchschnitt 4sh Stunde für jeden einzelnen. An Lohnerhöhungen wurden 1911 für 92 235 Personen 177 925.18 M. pro Woche errungen oder für jeden einzelnen durch- schnittlich 1, 9 3 M. Im Jahre 1910 wurde für 38 051 Personen eine durchschnittliche Erhöhung von 2.0 9 M. pro Woche erreicht. Verrechnet man die wöchentliche Erhöhung auf'das Jahr, so ergibt sich für 1911 die Riesensumme von 9 252109 M., für 1910 eine solche von 4 145 187 M.. die für die Arbeiterschaft erobert wurde. Dazu kommen aber noch für viele Zehntausende von Berufskollegen sonstige Verbesserungen, der mannigfachsten Art. die in diese zwei Kategorien Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung nicht mit ein- bezogen werden können. Ter Verband hatte am Ende des Jahres 1911 809 Tarif- vertrüge in 7851 Betrieben für 76011 Personen in Geltung. Daran partizipierte das Handelsgewerbe mit 424 Tariferx, 2212 Betrieben und 21 878 Personen, das Transportgewerbe mit 225 Tarisen, 4550 Betrieben und 43 064 Personen, das Verkehrsgewerbe mit 15 Tarifen, 250 Betrieben und 1666 Personen, diverse Gewerbe mit 145 Tarifen, 839 Betrieben und 9493 Pcrsonen>. Der Verband erzielte eine Reineinnahme von 4 543 058,43 Mark im Jahre 1911 und 2 907 284.74 M. im Jahre 1910. Also auch die finanzielle Wirkung des Zusammenschlusses kommt voll erst im Jahre 1911 zur Geltung. Gegenüber der Einnahme steht eine Gesamtausgabe von 3 854 255,70 M. in 1911 und 2 863 827,58 Mark in 1910. Ter am ersten Januar dieses Jahres in der Haupt- lasse befindliche Kassenbestand betrug 1 124 246,90 M. Dem Verbandstage liegen nicht weniger denn 392 Anträge vor. —- Wir werden über die Verhandlungen berichten. !8. Verbandstllg der KrMem- und Muhlenurbeiter. Der Brauerei- urid Mühlenarbeiter-Verband hält demnächst seinen 18. Verbandstag in Mannheim ab. Der Verband hat in den letzten fünf Jahren tüchtige Fortschritte gemacht. Nach dem Stande im letzten Quartal hob sich die Mit- gliederzahl von 33 177 im Jahre 1907 auf 47 669 im letzten Jahre. Der im Oktober 1910 vollzogene Anschluß des frühe- ren Mühlenarbciterverbandes an den Brauereiarbeiterverband stärkte diesen �im rund 11000 Mitglieder. In der angegebenen Zeit stiegen die Einnahmen von 665 147 M. auf 1 104 982 M., die Ausgaben wuchsen von 542 863 M. auf 942 625 M. Aus diesen Ziffern resultiert eine Erhöhung des Vermögensbestandes von 379 213 M. auf 1168 690 M. Die finanzielle Grundlage der Or- ganisation hat sich demnach weit über die numerische Stärkung hinaus gehoben. Die Summe an reinen Unterstützungen— Krankengeld—, ist viel schneller gestiegen als die für Unterstützungen im akuten Kampf. 1906 z. B. wurden für Streiks 62 071 M., an Kran- kenunterstützung 70 311 M. verausgabt, im Jahre 1911 jedoch 141343 M. für Streiks, und 200 663 M. an Krankengeld. Die Ar- beitslosenunterstützung absorbierte außerdem 62 205 M., 1906 nur 18 641 M. An Sterbegeld wurden 25 613 M.. damals 7375 M.,— an Gcmaßrcgeltcnunterstützung 0654 M. verausgabt. Ferner für Rechtsschutz 13 391 M. und für außerordentliche Unterstützungen 8303 M.— Die Lokalkassen weisen 392 871,01 M. Einnahme. 130 894,92 M. Ausgaben und einen Kassenbestand von 239 141,92 Mark aus. Die Lohnbewegilligen des Jahres 1911 übertrafen an Zahl die der Vorjahre ganz bedeutend, aber es waren Verhältnis- mäßig wenig Personen dabei beteiligt. Während im Jahre 1919 330 Bewegungen in 913 Betrieben 29 050 Personen erfaßte, ergaben sich für 1911 nur 17 229 beteiligte Personen in 710 Bctric- den mit 418 Bewegungen in der Brauindustrie. Hinzu kommen noch für das letzte Jahr 86 Bewegungen in 144 Müllereibetricbcn, wobei 3293 Personen in Frage kamen. Mit den Bewegungen wur- den ganz gute Erfolge erzielt. Angriffsbewegungen brachten zu- sammen für 101 154 Personen pro Woche 38 666 Stunden Arbeits- zcitverkürzung und für 15 543 Personen 32 950 M. Lohnerhöhung. Sogar bei einigen Abwchrbewegungen wurden Arbeitszeitverkür- zuiigen und Lohnerhöhungen durchgesetzt. Auf Grund von Tarif- abschlüssen aus früheren Jahren ergaben sich u. a. für 4711 Per- sonen 3963 M. Lohnerhöhungen pro Woche. Bemerkenswert ist, daß es der Organisation gelang, in einer Reihe von Fällen Teue- rungszulagen zu erwirken. Zuerst gewährten die Berliner Ring- brauercien eine Teuerungszulage, und zwar für jeden Arbeiter vom 1. Dezember 1911 bis Ende März 1912 pro Woche 1 Mark. Die übrigen Lagerbierbrauereien, sowie die Malz- und Weißbierbrauc- rcien folgten später mit'demselben Zugeständnis. In derselben Form und Höhe wie die Berliner Brauereien entspräche» den Wün- schen der Arbeiter die Brauereien Haase, Kipke und Abteilung V. der Berliner«chultheißbrauerei in Breslau. Für Frauen gewähr- ten die genannten Betriebe in Breslau anstatt 1 M. nur 50 Pf. pro Woche. Von den übrigen Brauereien in Breslau gewährten Teuerungszulagen Uilion-Brauerei 20 M., Genossenschaftsbrauerei 15 M., Brauerei Hopf und Görke 10 M., Schlejische Mühlenwcrle 10 M. Diese einmaligen Teuerungszulagen kamen noch vor Weih- nachten zur Auszahlung. Ein weiterer durch die Organisation er- zielter Erfolg ist das mehr und mehr sich durchsetzende Ablösen des sogenannten Freitrunkes. Im Berichtsjahre wurde in 13 Betrie- den das Freibier vollständig abgeschafft, und durch eine entsprechende Barvergütung ersetzt; in 36 Betrieben wird für das nicht getrunkene Quantum Bier eine Vergütung gezahlt. Sodann brachte das vergangene Jahr in Wv Betrieben eine Verbesserung in der Ford zahluna des Lohnes in Krankheitsfällen. Ein weiterer unvemnw barer Fortschritt ist die Erwirkung von Erhohlungsurlaub. Aus diesem Gebiete erlangte die Organisation in 4b0 Betrieben mit 46 793 Betrieben neue Zugeständnisse. Eine ziemlich umfangreiche und fruchtbare Tätigkeil opferte man dem Abschluß von Tarifverträgen. Deren wurden im letzten Jahre 34l für 522 Betriebe mit 14 000 Personen neu eingeführt. Dadurch erhöhte sich die Zahl der abgeschlossenen Tarife auf 796 für 1537 Betriebe mit d4 d40 Per- sonen. Eine iehr interessante Statistik, die allerdings erst noch ejne längere Periode umfasse» muß, che man ganz einwandfreie Schluß- solgerungen daraus ziehen kann, liefert die«terbecwidunterstützung. Aus ihr erfährt man das Alter der verstorbenen Ritglieder. Ob- Wohl das bi-K-rig« Material nur 7 Jahre zurückreicht, läßt e» eine Erhöhung des Durchschnittsalters der verstorbenen Mitglieder er- kennen. Diese Seite ivohltätiger Wirkung der durch die Organisq- tionen geförderten Verbesserung der Arbeitsverhältnisse ist bisher sehr wenig beachtet und nickt genau erfaßt worden. Nach den Aufzeich- nungen des Brauereiarbeiterverbandes stieg im Gesamtdurchschnitt d<,S Alter der Verstorbenen von 196? bis lOll in folgende? Weise: 33,1- 46.8 41,6- 41.7 und schließlich auf 43.4 Jahr«. Aus irgendwelchen besonderen Umständen sank in der Gruppe Maschi- nisten. Heizer und Handwerker das Durchschnittsalter in den letzten drei Jahren von Sl.l auf 44,3 Jahre. Ob statistische Fehlerquellen oder rein äußere Umstände diese Erscheinung erklären, läßt sich nicht feststellen. Wenn auch bei den anderen Gruppen retn zu- fällige Momente in derselben oder entgegengesetzten Richtung ge- wirkt haben, so darf man doch wohl als erkennbare Tendenz ein Ansteigen des Durchschnittsalters konstatieren. Zweifellos ist das vorwiegend ein Erfolg der gewerkschaftlichen Arbeit. Der Kampf gegen Unsitten im Braucreigewerbe, die mehr gewohnheitsmäßig sich ausgebildet hatten, als in den technischen Bcrhüllnissen begründet waren, brachte eine Verbesserung der Gesundheitiverhältnisse und rettete den Arbeitern ungezählte Lebensjahre. Da» ist wahre Kulturarbeit, die das Scharfinachertum zu stören sucht. Gembts- Leitung. „Georg Wertheim. Eine öffentlich« AnHuge." Die vor drei Togen vor der 3. Strafkammer des Landgericht» II unter Vorsitz des Landgerichtsdirekwrs Schulz begonnene VerHand- luna gegen den Kaufmann Otto Gersen, der wegen versuchter Er- Pressung gegenüber der Firma A. Wertheim angeklagt war. ist gestern zu Ende gegangen. Von dem als Zeugen vorgeladenen Herrn Wolf Werthei« war «i» Telegramm aus Venedig eingegangen, inhalts dessen er auf einer Ge>chäftsreise»ach Konstantinopel sich im Mittelmeer befinde Und deshalb nicht erscheinen könne. Die umfangreiche Beweisaufnahme ergab, baß der Angeklagte. der bei der Firma A. Wertheim ein« seltene Vertrauensstellung inne hatte, dieses Vertrauen durch Annahme von Schmiergeldern aufs schnödeste gemißbraucht und nachdem er entlassen worden war, völlig ungerechtfertigte Entschädigungsansprüche gegen Herrn Georg Werlheim geltend gemacht, durch Veröffentlichung einer Broschüre „Georg Werthcim. Eine öffentliche Anklage" einen Druck aus Wolf Wertheim und Georg Wertheim auszuüben versucht hat. Aus der � Beweisaufnahme ist folgendes hervorzuheben, �eu.ge Geoxg Wert heim bekundete u. a.: Der Angeklagte hatte im Baudureau der � Firma die kaufmännisch« Kontrolle. Diese Stellung habe n be- nutzt, um einen Tischlermeister, der für die Firma Austräge erhielt. zu verleiten. Rechnungen auszustellen über Arbeiicn. die er gar � nicht geliefert hatte, serner Kostenanschläge in Rechnungen umzu-' Wandeln und darauf Zahlungen anzuweisen und andere Durch � siechere ien zu verübe». Die technische Kontrolle habe hersagt, weil der betreffende Baubeamte fahrlässigerweise die Zahlungsanweisung unterschrieb, ohne zu prüfen, ob die Arbeiten geliefert waren. Aus s diese Art habe sich der Angeklagte allein mit Hilfe de» einen Tisch- lermeisterS. der für 7b 660 M. Arbeiten ausführte, 2b 666 M. zu Unrecht angeeignet. Bon einer Reihe von Firmen habe er Taufende an Provifiont dessen Unter, stützung wurde die Sachlage dem Ehef der dortigen Polizei unter- breitet. Er Hab« mit Gerion«ine Unterredung in Gegenwart des deutschen Konsul» gehabt, außerdem waren zwei italienische Beamte zugegen. Dabei bestritt Gerson, irgendwelche Werte hinter sich zu haben, sein Notizbuch bestätigte aber doch diese Annahme und an seinem Schlüsselbund wurde ein Saseschlüffel der Deutschen Bank vorgefunden. Nunmehr gab er zu, daß er dort 46066 M. Wert- papier« zu liegen habe und willigte ein, daß die Deutsche Bank den Safeinhalt an die Firma Wcrtheim ausliefere. Der deutsche Kon- sul beglaubigte diese seine Erklärung. Erst nach cttva% Johr trat Gerson in einem Pries» mit der Behauptung hervor, die Wert- papiere feien ihm zu Unreckt abgenommen, da er nichts Strafbares begangen, sondern nur Provisionen von Lieferanten genommen Hab«, die er behalten durfte. Der Rebeiilläger wie» darauf hin. daß. selbst wenn die Papier« nur au» Schmiergeldern gestammt hätten, die Firma Werlheim sie nach d«" g«>»tzlichen Bestimmungen und vorliegenden Entscheidungen de« Reichsgericht« hätte in An- jpruch nehmen dürfen.— Die Beweisaufnahm, ergab weiter, daß alle beleidigenden Beschuldigungen, die Angeklagter gegen den Ne- den Häger erhoben hatte, keine Spur von Berechtigung hatten.— Auf eine auf die Zurücknahme de» Strafantrages seitens des Justiz. ratS Meschelsohn bezügliche Anregung erklärte der Angeklagte: Es tue ihm sehr leid, den Nebenkläger so beleidigt zu haben und er sehe ein, daß er ihm großes Unrecht getan habe. Nach Sckluh der eingehenden Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwallfchaftsrat Tolki eine Olesamtstrafe von 1 Jahr Ge- sängniS, unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft, er- mäßigte aber den Antrag auf 9 Monate Gefängnis, nachdem Justizrat Meschelsohn seinen Strafantrag mit der Begründung zurück- gezogen hatte, daß die Beweisaufnahme seine Rolle in der ganzen Affäre so zweifelsfrei klargestellt habe, daß er an einer Bestrafung kein Interesse mehr habe.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer plädierte auf Freisprechung des Angeklagte», da derselbe sicher nicht das Be- wußtsein gehabt habe, einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu erstreben.— Das Gericht hielt zwei Fälle der versuchte» Erpressung für erwiesen und verurteilte den Angeklagten zu 7 Monaten Ge- fängniS unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft. Der nnrntschuldigt ausgebliebene Zeuge Wolf Wrrcheiw wurde in«ine Ordnungsstrafe von 266 M. genommen und i» hie durch sein Ausbleiben entstandene« Kosten verurteilt. Nachwehe» vom Scharmachprozeß. Der Bezirksvcrband Berlin-Brandenburg des Reichsverbandes der deutsche» Presse hatte gegen das Verhalten des Landgerichts- direktors Vriesekorn gegenüber der Presse Beschwerde eingelegt. Der Landgerichtspräsident Fabricius hat erwidert, daß nach der Dar- stellung des Lanbgerichtsdireltors eine Verletzung der Ehre und Stellung der Presse nicht vorliegt. Nach dieier Darstellung war eine Krankung nicht beabsichtigt und nur der Ansicht Raum gegeben, daß, wenn kein Platz für die Sachverständigen und Zeugen im Ver» Handlungszimmer sei. die Presse in den Zuschauerraum müsse. Lasset die Kindlein ,« mir kommen. In einer Zeit, in der sich die Jugendrettung in den Kreisen gewisser„Jugendfreunde" in der aufdringlichsten Weis» breit macht. verurteilt die Hallesche Strafkammer einen ILjährigen Schulknaben zu einem Jahre Gefängnis. Der Junge hatte mehrere Einbrüche verübt und gewiß verwerflich gehandelt. Aber in wie hohem Maße in der Erziehung bei ihm gesündigt worden ist, ergab die Tatsache. daß er sich schon in Fürsorgeerziehung befindet. Di« Verurteilung wurde auch nicht in bedingter Form ausgesprochen, sondern man will den Jungen durch die lange Straf«„bessern". In dem Bessern ist unsere christliche Gesellschaft unverbesserlich.— Von der Kanzel herunter ruft man: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solches ist das Reich Gottes. Und am grünen Tische verurteilt man«in mühselig beladene». kaum ftrafmündig gewordene» Jndividium zu einem Jahre Gefängnis. r~. Herrliche Gesellschaftsordnung. Witterungsübersich» vom S. Juni 1»!*. Glatt« neu „st iE Vetter ■"■ t ii i•■. vwinemde 757 RS®: Wegen Hamburg 75�.®« W Atvouiz Berlin iaiolha Frants a R 761«S 2 mollig München 7 ti.i« j 3 siegen Sien 760S| 4 heiler i) 18 17 ia n u 21 «tattone» In ß Haparanba 763,«5B Be!er«burg�57lS«O Scill» tlberdcea Paris 759 Still TlllN« 763|SS molltu: walkig wolkig Z-halb bd. 2hedelkl tt t* wSi S 17 13 9 12 Wattarpragnai» inr Sonntag, de»«. Juni IUI Ii. Zunächst lühler. vielfach heiter bei ziemlich irischen lüdöftliche» Winden, später wieder zunehmende Erwärmung und«ewUterneigung. Perlt»«» W« tt« r b ure au kreis�verte Sommer- Schuhwaren Für Damen Eleganter Chevrette■ Halbschuh zum Soinüren. in. Ladkappe und Derby-Schastschnitt Chevrette- SdmOrstiefel mit Lackkappe und amenkanischem Absatz, sehr preiswert.. Boxkalf- und Chevreau• Sdinürstiefel, auch braun Chevreau, mit u. ohne Lackkappen und Derby-SchastsdinUt. 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Putzer! Achtung! Donnerstag, 13. Juni, abds. 9 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/39: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: l. EitualionS- und Kontrollbericht. 2. Verschiedenes. HO/r Zahlreiches und pünktliches Ericheinen erwartet Dl« ttrtlleUe Verwaltung. Tischler zur Beteiligung an Senossenlchast gesucht. Ossctten O, J. 2ZSS Rudolf Moss», Frank- furter Allee 6l/KS, Berlin._ 95/5 n Juh! Georg Wolflgramm Ackerslraße No. 6/7 Tel.: Amt Nord. SStt empfiehlt seine 4 Gäle, 100—800 Pers. sassend. zn Versamml. U. Festlichkeiten. Kulant. Entgegenkommen. Prächtiger Naturgarten mit Bühne. Einige Sonn- abend« und Sonntag« noch frei.* Vornehme Bekleidnns fertig und nach Maß irhtlltn Sit t» if madtnun Mus«- Scbncldcr el J. Kurzbers auf Wunsch Wochcnratc. Roscnthaler Strasse 40 Uackeecder Markt. Frankfurter Allee 104 K«k* I'rledeoatraue. RelnlcUcndorIerStr.4 WcddlniplaU. ArbtiUnaehnele: Amt Norken, Nr. 1239. EharitSstrafte 3. Naupiduroaa: Hos III. Amt Norden. Ztr. 1987. m Verwaltung Berlin. nntgtieder-Ver Sammlungen Montag, den 10. Juni: Sedcatca Is abend»»»/, Uhr in den Raunpii-AeftsSle«. Naunhnstr.S. SUdoatcn II- abend» 5'/, Uhr im Rrichendrrger Hof, Reichen. berger Siratze 147. ftiöhvipoiiorvr. Osten: abends»'/, Ehrl in den EomentuS.Kälen, Memeler Str.»7. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Äenolsen Wermnth. 2. Bericht von der Seneralvcrsammlimg. 3. VcrbandSangelegenheilen. kUdosteu: abends 5'/, Uhr. im Wliirfifdjeit Hof. Admlralitr. 18a. Tagesordnung: 1. Btiden die Polierer im Sinne der Handwerks, kammer einen Berus 7 2. Bericht von der Generalversammlung, g. Per- bands- und Branchenangeiegenheiien. Zd'ardcu- abend« 5'/, Uhr. im Swinrmünder GesellschaftShau». Tagesordnung � 1. Bilden die Polierer im Sinne der Handwerk«. kammer einen Berus 7 L. Berich' von der Generaloersammlung. 8. Ber» baudS- und Bianchctiangelegenheiten. Rahmenvergolder. D-«ntrStag,1S.J»ni, al.ds.8Uhr, im GcwerkschaftshauS.Saal 3: i=ü Versammlung« VteUungnahme zum Slblauf unseres B-rtrageS. Ol« Qraacheahommlsslan. Achtung! Die Bibliothek wird im Juli zweck« Inventur ge. schloffen. Alle Bücher müssen bis zum 39. Juni ein. geliefert werde»,«om 17. I«»»«b werden keine M-r mehr-usgegebe». IZKK»»« �.. der Möbelfabrik„Hoffnung", Berlin KrantHtraBe 55J Eingetragene öenossenscbalt mit beschränkter Hattpkllcnt am 31. Dezember 1911. Aktiva.""*— I. Kassenbeltand... i. Varenbestanb... 8. Ratcrialienbeslano.< 4. Maschinen..... 6............... 6. Utenfilien.■ 7. Rull er uttb Modell«. 8. Pjerd und Vagen.. S. Debiloren..»>- 10. Wechsel...... 11. Bank...-- 12. Gewimt-u.V»rWIt'Kto Marl 472,84 21 318.67 13 886.02 8 800.— 4 700.— 1 200,— 1800.— 700— 40 704.80 4 168.- 8 442 69 144.81 10t 057.66 Passiv». L Kreditoren-Konto 2. Darlcbn-Konto 8. Antell-Konto. Mark 20 748.27 78 853.39 . 1 350,- 101 057.6« Mm Schwil« de» JabreS 1910 waren 27 Genossen, im verlause de» Jahres 1911 trat 1 Genosse au«, I» das, am Ende de« Jobre» 1911 noch LS Genossen mit«wem Gesamtgulhaben und einer Ges-mihastsumme von 1300 Marl vorhanden waren: sonnt hat sich das Guthaben und dt« Hal>- stmunc um t.°0 Rar. verringert, Votlianh. B. Fengler. K. Bcbmldt, Verband der SattleriBii Portefeuillar. Ortsvcvwaltung Berlin. votilirrstag. de» 13. Juvl 1912, abends SV, Uhr, in den..Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59: Ailßtrerdkllililht Gtlikrol-Nechiiimliiiig. Tagesordnung! 1. Berichterstattung vom Münchener VerdandStag. 2. Wahl von 4 Bei, sitzern zum Zenttalvorstand unb van 4 Beisitzern zum Ausschuß. 8. Wahl de« VerwaltungSvorsitzenben, de» Kassierers und de« AtbettSvermIttlir». 4. Antrag der Milttärbtanch» aus tluSschluh der Mitglieder August Reimann. Robert Schräder und Karl Ilrausi. 5. PerschtedencS. 157/10 ttar Ohne Mitgliedsbuch(«in Zutritt I IM Zahlreiche» Erscheinen der Kollegen erwavttt _ Die OrtsverwaltanA« Montag, bcit 10. Juni: ßezlrks- Versammlungen für die sefamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Horden*. Pk»*u«M»e, Müllerstr. 148, abends 8',. Uhr. ÜOrökll' Festsäle, Schwedter Straße 83, abend« Horden! Frankes Feststlle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. fenal• Wohl fahr ts FestsUle, Reinickendorf-West, Eichborn. IcQcl. strasie 60, abends 6 Uhr. Ilaakit* Patsenhater• Brauerei, Xurmftratze 85/86, fflUnOil. abend« 8-/, Uhr. Kesten unil Zedijoedergt Osten: Comentnasine, Memeler Strafte 67, adendt 6>/, Uhr. Ucdteiiberg:*" K""t' Stralau und Rummelsburg; WkÄ.M'i.V'' SDdenbeitrke: MtS""'""""""*** WelSensee: SÄW"""" e""""""e Heukölln: P»0rt8 ÄUtftbs Sir übettb® Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der ansterordentltche« Generalversamm» lung und Stellnngnqhme zur ordentlichen General- Versammlung. SM- Mitgliedsbuch legitimiert. 118/20 Die Versammlungen werden piinttlich eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. DivnStag» den 11. Juni 1912, abendS 8'/, Uhr: Versammlttng s sämtlicher in der Gelbnietall- und Be- leuchtuugs-Jnvustrie beschäft. Klempner im Gewerkschaftshaus, Gngelufer IS(Saal 4). Tagesordnung,* 1. Vortrag über Tarisverttäge, unter Zugrundelegung der Tarisabschlüsse in ber Gelbmetallindusttie. Rescrent: Kollege Behrendt. 2. Diskussion. 3. Branchenangeiegenheiien. Kollegen I Agittere ein jeder sür guten Besuch. Auch ist«» Zeit, daß Ihr Euch Euerer Lebenslage besinnt- Jeder Betateb mutz vertreten sein, wsdejondere diejenigen Betriebe, wo lein BerttauenSmann vorhanden ist. Ble Ortsverwaltanff. MX st At ssttz�Kertt«» Mb N teilet� V Umgegend. Dlenstaa, den II. Jaal 1918, nachm. S Uhr, großer Saal d. Gawerksobartsbsnses, Engeluser 15: Öffentliche Versammlung Tagesordnung: Die Willkurherrschaft im preustische« Abgeordnetenhaus und der Kamps um daS freie Wahlrecht tu Prenste». Rcserent: LandtagSabgeordneter vtrNibel. DtSkusston und Berschledene». Zu dieser versammlun« sind alle Bäcker verttn» freundlichst eingeladen. "''" suchen wir die BcrbandSmttglieder vollzählig ,« erscheine«. Ganz besonder« ersuchen Mit kollegialem Gruß f«0/«j Der vertranenSrnann. llingeiragsva Senmuaaobatt mit btasbrlaktar Hall. Zentrale< L-Iehtenber», Bittersutstr. 10— SO. -. T.|5 i' 1 1 1:' t. i i..'..1,.. j■. 1 j V Am 10, Juni 1912 eröffnen wir in Köpenick, Berliner Str. 5 und Borsmnnnstr. S je eine VerkanlssteUe. Verkauf nur aa Mitglieder.— Ola Mltgllederzahl betrlgl aurzell B5000. Oer llmsats betrug im Monat Mai in unseren 65 Vetkaufßstellen 1 4>40 410 Bark; im laufenden GesebWtejahr wird er über 10'/, Billionen betragen.— In der eigenen GrofibUckerel In Llehtenbcrs worden im Mona» Mai IDr 182 872,14 M. Brot und Backwurea hergestellt. Eigene Kalfeerßsterei und Selterwasserfabrikation. Ber Eintritt aar Oenoasensehaft steht Jedem frei. Eintrittsgeld 60 Pt— Geschllftaaeteü 30 M, der aber nicht aotort eingezahlt werden braucht, sondern von der JUlckvergütung abgerogen werden kann._.. Aufnahme sowie wettere Angkunft in obigen VerkanlasteUen. In Laote des nächsten Monats eröffnen wir in Kftpenick, Müg/gelhcimcr Str. 48 unsere 86. VetksutMteÜ«. m» v...:• Panamahüte t Exoten I für Herren und Dame»(auch Einzel- Umtausch gestattet. Ueberseeiscbfi Panamahut-Indöstrie Spezialbaas X, UoBges Berlht, Wllhelmstfabfl 40a Veredelter TordemBösten gereinigter KAFFEE -nrisaenAChaftlieb und irztlicb empfohlen Erhältlich bei JobumeK Gerold, Ujtzowitr.94•ad. Undea 24 und In den Qeeehäften d. Nahrungemittelbranebe. V Bestes Kosmetikum , d.Welt.z.Pileee d.Fiiße. j Kein Wundlaufen, I kein Geruch mehr 1 Von ärztl-Autorititsehr empfohl. Zu haben in aU. 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Es wird daher ersucht, Billetts für dieses Vergnügen zurückzuweisen._ Zehlendorf sWannseebahn). Mittwoch, den 12. Juni, in allen Bezirken: Zahlabend. Die Bezirke 4 und Schlachtensee halten sden Zahlabend gemeinschaftlich bei Benno Mickleh, Potsdamer Straße, ab. Ferner machen wir die Parteigenossen noch darauf aufmerksam. daß der angesetzte Ausflug nach dem Grunewald heute Sonntag nicht stattfindet.— Die Beerdigung des Genossen Hanich findet heute nachmittag 3 Uhr statt. Die Parteigenossen treffen sich um 2 Uhr bei Mickley. Der Vorstand. Johannisthal. Der Zahlabend findet am Mittwoch gemeinsam für den ganzen Ort bei Otto Senstleben, Friedrichstr. 48, statt. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am Mittwoch, den 12. Juni, abends 8ll3 Uhr, im Lokale von Ritze, Grünaner Straße, wichtige Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins. Der Vorstand. Nowawes. Mittwoch, den 12. Juni, abends 8� Ubr, im Schmidtschen Lokal, Wilhelmstr. 41/43: Versammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1.„Die Kirche im Dienste gegen die Freiheit". Referent: Genosse U n g e r- Berlin. 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt; auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Staaken. Dienstag, den 11. d. Mts.. abends 8>/z Uhr, in Gnädigs Gasthof: Außerordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. _ Der Vorstand. Berliner Nacbnchtem „Laubenmission." Weil die Arbeiter nicht mehr in die Kirche kommen wollen, wird immer mehr die Kirche den Arbeitern nachgetragen. Schon vor mehreren Jahren wurde der Gedanke verwirklicht, mit„fliegenden" Kirchen auch die Lauben- kolonien zu„beglücken". Besonders die Stadtmission hat es sich angelegen sein lassen, die Laubenkolonien in Be- arbeitung zu nehmen. In einer werbenden Zuschrift, die ihr der„Lokalanzeiger" veröffentlicht, frohlockt sie, daß sie in Laubenkolonien der verschiedensten Gegenden Berlins sich nun schon sieben Mittelpunkte für ihre Agitation geschaffen hat. Lauben sinds, in denen ihre Frommen und Gläubigen samt denen, die dafür gelten wollen, zusammenkommen. Nach- mittags versammelt die Stadtmission hier Kinder oder alte Frauen, abends stellt sie für Jungfrauen oder Jünglinge ihre Missionslauben als„Gebetskämmerlein" zur Verfügung, an Sonntagen aber treibt sie„Evangelisation", um das Häuflein ihrer Anhänger zu mehren. Man sieht, daß die Agitatoren der Kirche nichts unversucht lassen, um mit ihren Zufrieden- heitspredigten immer wieder an das arbeitende Volk heran- zugelangen. In den von der Stadtmission heimgesuchten Laubenkolonien kann unseren Genossen nur empfohlen werden, diese„Laubenmission" im Auge zu behalten. Wenn ebenso die sozialdemokratische Partei sich in den Laubenkolonien eigene Versammlungsstätten schaffen wollte, um von hier aus Agitation zu treiben— welches Geschrei würde sich da in den Reihen der Frommen erheben I Wenn man Besuch hat, erwartet man, daß einem der Gast nicht Grobheiten an den Kopf wirst. Wenn die S t a d t B e r l i n die Vertreter fremder Städte bei sich zu Gaste sieht, rechnet auch unser Stadtfreisinn darauf, daß die Gäste ihm nicht unter die Rase reiben werden, auf wie wenig Gebieten sie Berlin als„Musterstadt" empfinden. Auch die Gäste aus Schweden, die in der letzten Woche in Berlin weilten, scheinen im ganzen die auf sie gesetzte Hoffnung erfüllt zu haben. daß sie bei den Besichtigungen der Anstalten unserer Stadt mit ihrem Lob nicht kargen würden. Solche Besichtigungen durch Vertreter fremder Städte bieten der Berliner Freisinnspresse die erwünschte Gelegenheit, in die Welt hinauszuposaunen, wie„großartig" die Besucher alles gefunden haben. Die„Vosstsche Zeitung" hat einem der schwedischen Gäste, dem Stockholmer Stadtverordneten Dr. v. Friesen, sogar einen eigenen Ausfrager ins Haus geschickt, der ihm das nötige Quantum Anerkennung abzwacken sollte. Für ein besonders wichttges Gebiet kommunaler Betätigung ist daS dem Abgesandten dieses kommunal- liberalen Preßorgans allerdings nicht gelungen, nämlich— wie zu erwarten war— für das Schulwesen, lieber sein hierauf bezügliches Gespräch mit Dr. v. Friesen, der selber ein alter Schul- mann ist, berichtet der Ausfrager: „Mit seiner Liebenswürdigkeit verband er große Vorsicht; er wollte, als wir z. B. auf Schulfragen zu sprechen kamen,„nicht anstoßen". Um so offener plauderte er über Dinge, die ihm Berlin im vorteilhaftesten Lichte zeigten." Nachdem dann die anerkennenden Aeußerungen über das Birchow-Krankenhaus, über das Waisenhaus, über das Märkische Museum usw. wiedergegeben worden sind, schließt der Bericht: „Zum Schluß kamen wir nochmals auf die„Schulfrage" und unser.Lehrsystem". Unser Gast schien nicht sehr entzückt davon. „Soll ich Ihnen mit Schlagworten antworten? Das mag ich nicht! Soll ich in wenigen Sätzen ein Urteil fällen? Ich täte damit dem Schulwesen Deutschlands ein großes Unrecht. Ein Buch wäre nicht zu viel über diese Frage. Ich will dies sagen: Ich habe in dieser Beziehung viel gesehen, was uns sympathisch, manches, was uns unsympathisch war. Auszusprechen, was das letztere ist. wäre— unhöflich." Auszusprechen, was am Schulwesen Berlins ihm un- sympathisch war, scheint der vorsichtige Gast für besonders„unhöf- sich" gehalten zu haben._ Das Kuratorium für das städtische Rettungs- wesen hat beschlossen, daß von jetzt ab in Uebereinstimmung mit dem bis zum 1. April cr. in Geltung gewesenen Vertrage für die Behandlung von Kassenmitgliedern im städtischen Nachtdienste der Hilfswachen des Rettungswesens bis zur vollständigen Verstadtlichung des letzteren von den Krankenkassen erhoben werden sollen: a) für jede Hilfeleistung innerhalb der Hilfswache einschließlich Verbandsstoffe 2,75 M., b) für Besuche außerhalb der Wache 4 M., o) für eine geburtshilfliche Dienst- leistung 10 M. Eine endgültige Neuregelung, welche mit der vollständigen Verstadtlichung des Berliner Rettungswesens in Kraft treten soll, bleibt vorbehalten. Tie Unterschlagungen bei der Borsigwalder Terrain-Gesell- schaft, die, wie erinnerlich, durch ihren Direktor Hempel schwer ge- schädigt worden ist, betragen nach den jetzigen Feststellungen an- nähernd 340 000 M.■ In dem jetzt erschienenen Geschäftsbericht der Gesellschaft werden darüber folgende Mitteilungen gemacht: Die per 31. Dezember 1911 von Hempel unterschlagenen Beträge be- laufen sich auf 283 433 M. Dazu treten die im Januar und Fe- bruar 1912 unterschlagenen Beträge mit 52 759 M., so daß sich insgesamt ein Fehlbetrag von 339 184 M. ergibt. In dieser Summe ist aber ein Betrag von rund 69 990 M. enthalten, den einer unserer Schuldner an Hempel persönlich und gegen dessen alleinige Quittung gezahlt hat, während Hempel zur alleinigen Zeichnung unserer Firma nicht befugt war. Wir sind der Ueberzeugrkfig, daß uns in diesem Falle kein Verlust treffen kann. Darüber hinaus hat sich Hempel bei Ausführung eines zwischen uns und einer auswärtigen Firma geschlossenen Grundstücksverwertungsvertrages widerrechtlich 57 912 M. angeeignet, bezüglich deren wir mit der Firma einen Vergleich geschlossen haben. Der erwähnte Grundstücksvertrag ist in gegenseitigem Einverständnis per Mitte April 1912 aufgehoben worden. Strittig ist ein Betrag von 57 999 M., der durch Hempel für unsere Gesellschaft an eine für uns tätig gewesene Straßen- baufirma sukzessive gezahlt worden ist; die Firma bestreitet den Empfang der Zahlungen mit der Behauptung, mit ihrer Firma versehene Quittungen seien von ihm gefälscht. Für den größten Teil der von Hempel unterschlagenen Summen besitzen wir Zweifels- freie Garantien. Unter Berücksichtigung dieses Ümstandes haben wir früher den Verlust, der uns aus den Verfehlungen Hempels treffen kann, auf zirka 85 999 M. geschätzt; es liegt für uns zur» zeit kein Anlaß vor, diese Schätzung zu ändern. Sobald die Höhe des Verlustes endgültig feststeht, wird die Verbuchung erfolgen. Den Nationalpolen kommt die von unseren Genossen zu heute nach den Andreas-Festsälen einberufene polnische Volksversammlung recht ungelegen. Sie befürchten anscheinend, daß ihre Anhänger desertieren und sie fordern deshalb in ihrem hiesigen Moniteur, dem „Dziennik Berliuski" auf. der Versammlung fernzubleiben. ES wird nichtsdestoweniger für guten Besuch gesorgt werden. Einen bösen Ausgang nahm Freitag ein Streit zwischen dem 31 Jahre alten Eisendreher Georg Kleusberg vom Kottbuser Ufer 46 und dem im selben Hause wohnenden 47 Jahre alten Ar- beiter Otto Buchwald. Buchwald hat in dem Hause die Portiers- stelle inne und wohnte, ebenso wie Kleusberg, im Hochparterre. Zwischen beiden Familien kam es häufig zu Zwistigkeiten, weil der Pförtner die Kinder Kleusbergs aus dem Hausflur verwies, wenn sie dort spielen wollten. Auch versuchte Buchwald öfter, sich mit der Familie Kleusberg anzufreunden, was dieser aber nicht angenehm war. Als Kleusberg Freitagabend um 19 Uhr ein Schanklokal in der Britzer Straße in der Nähe des Kottbuser Ufers ausgesucht hatte, erschien bald nach ihm Buchwald und nahm an seinem Tische Platz. Dies hielt Kleusberg für eine Herausforde- rung und war darüber so erbost, daß er in seiner Wut den auf dem Tische stehenden Pfeffer- und Salznapf nahm und damit dem Buchwald einen Schlag gegen die linke Schläfe versetzte. Der Schlag war mit solcher Wucht und so unglücklich geführt worden, daß Buch- wald gleich zusammenbrach. Man brachte ihn gleich nach dem Krankenhaus Am Urban, doch konnten die Aerzte hier nur noch seinen Tod feststellen. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause übergeführt. Der Täter stellte sich gleich darauf selbst der Polizei.« Vom Bankdefraudanten Jost. Gestern mittag erfolgte auf dem Spandauer Gemeindefriedhof die Ausgrabung der im März aus der Havel gelandeten Leiche des angeblichen Bankbeamten Jost, der, wie wir berichteten, nach Unterschlagung von 199 999 M. aus Magdeburg flüchtig geworden war. Es handelt sich darum, festzu- stellen, ob der Leichnam tatsächlich der des flüchtigen Deftaudanten ist oder nicht. Bekanntlich hatte man bei der Leiche kein Geld mehr gefunden, die Taschen waren geleert, so daß die Vermutung nicht von der Hand zu weisen war, daß I. ausgeplündert worden ist. Bei der gestern mittag borgenommenen Ausgrabung der Leiche waren außer der Gerichtskommisfion und dem Kreisarzt Dr. Jaenicke aus Spandau noch drei Herren aus dem Wohnort des Jost, Lohburg bei Magdeburg zugegen, die den Jost genau gekannt haben. Diese letzteren stellten mit Sicherheit fest, daß es sich tatsächlich um die Leiche des Defraudanten I. handelt. Das Gericht wird nun zu prüfen haben, ob I. einem Verbrechen zum Opfer gefallen öder ob die Leiche des I. nach ihrer Auffindung erst beraubt worden ist. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß I. noch im Besitze größerer Geldmittel gewesen ist. Die Verhaftung des Hausdieners, dem die Bewachung der Leiche seinerzeit nach ihrer Auffindung übertragen worden ist und der im Verdacht steht, die Beraubung der Leiche vor- genommen zu haben, wird aufrecht erhalten. Ein Straßenbahnunfall ereignete sich am Freitagnächmittag bor dem Hause Berliner Straße 139 in Charlottenburg. Dort wollte der Bauarbeiter Erich Glashagen aus Weitzensee eine La- dung Bretter auf der Schulter tragend, die Stratzenbahngleise passieren, als der Motorwagen 293 der Linie R herannahte. G. wurde umgestoßen und blieb neben dem Waggon liegen. Der Ver- unglückte, der eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen hatte, wurde nach der nächsten Unfallstation und von dort nach dem Krankenhaus Westend geschafft. Eines der gefährlichen Gaunerpaare, die nach dem Quartals- und Monatsersten bei Hausverwaltern oder Pförtnern die einge- zogenen Mieten stehlen, ist nach langer Zeit wieder einmal aufge- treten. Bei dem Verwalter des Hauses Roederstraße 59 zu Lichten- berg erschien eine Frau mit einem ungefähr 6 Jahre alten Knaben und ließ sich eine leerstehende Wohnung zeigen. Die Frau hielt solange wie möglich den Verwalter dabei auf, um dem Manne, mit dem sie zusammen„arbeitet", Gelegenheit zum Einbruch in dessen Wohnräume zu geben. Als der Verwalter, nachdem sich die Frau verabschiedet hatte, seine Wohnung aufsuchte, machte er die Eni- deckung, daß ein Einbrecher sie heimgesucht und die eingezogenen Mieten in Höhe von ungefähr 1799 M. gestohlen hatte. Vor diesen Gaunerpaaren, die früher mehr von sich reden machten, und jetzt ihre gemeingefährliche Tätigkeit wieder aufgenommen haben, sei hiermit gewarnt. Wegen betrügerischer Manipulationen sind der alleinige Inhaber des Bankhauses Funk u. Steig, Georgenstr. 47, Hugo Steig und sein Geschäftsführer, der Kaufmann Kurt Mitzlaff, beides jüngere Leute in den dreißiger Jahren, auf Veranlassung des Untersuchungsrickters verhaftet und dein Untersuchungsgesängnis in Moabit zugeführt worden. Das Bankhaus, das sich bereits seit längerer Zeil keines guten Rufes mehr erfreute, befaßte sich mit Präiniengeschäften und dem Vertrieb von Kuxen von Pelroleumbohrquellen in Galizien an unerfahrene Laute. Die hochtönenden Anpreisungen standen dabei in keinem Vergleich zu den tatsächlichen Verhältnissen. Vollständig ausgeräumt haben Einbrecher die Wohnung der Beamtemxjtwp Anton in der Rathenower Straße öS. Während sich die Frau auf einem NachmittagsauSgange befand und ihr Sohn seinen Dienst versah, suchten Klingelfahrer ihre im 4. Stock des Vorderhauses gelegene Wohnung heim. Die Diebe, die sich mit einem Nachschlüssel Eingang verschafften, stahlen alles, was sie nur fortschaffen konnten. Außer den Schmucksachen nahmen Jie alle Kleider und Wäschestücke mit. Sie zogen sogar die Bettbezüge ab und ließen auch diese mitgehen. Die Bestohlene ist nicht ver- sichert. Den Schaden, den sie erleidet, konnte sie noch nicht über- sehen. Aus dem Schreibtisch stahlen die Einbrecher auch noch eine Kasse, die ihr Sohn als Vorstandsmitglied eines Beamtenvereins für diesen verwaltete. Wieviel diese enthielt, weiß man auch noch nicht genau.. Arbeiter-Bildungsschule, Berlin. Wir erinnern, daß die Kurse des Genossen Grunwald am heutigen Sonntag im Grunewald abgehalten werden; nur wenn es regnet, finden-sie im Schullokal statt. Die Konsum-Genoffenschaft Berlin und Umgegend veröffentlicht so» eben ihren Umsatz vom Monat Mai dieses Jahres. Aus demselben ist zu ersehen, daß in den 85 Verlaufsstellen, die die Genossenschaft zurzeit unterhält, für 1 949 419 M. Waren umgesetzt worden find. Damit ist im laufenden Geschäftsjahre zum viertenmal ein monat- licher Umsatz von über einer Million erreicht worden. Gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahre beträgt die Steigerung des Um- satzes 358 743 M. oder gleich 52 Proz.— Wir haben schon früher geschrieben, daß in den Reihen der Genossenschaft bestimmt mit einem Umsatz von 19 Millionen Mark im laufenden Geschäftsjahre gerechnet wird. Dieses Ziel dürfte nicht nur erreicht, sondern weit überholt werden, denn jetzt bereits beträgt der Umsatz in den elf Monaten des laufenden Geschäftsjahres 9 778 299 M. Wird also im Monat Juni auch nur der gleiche Umsatz erreicht wie im Monat Mai, so find bereits 19% Millionen Umsatz gesichert. Mit Rücksicht auf die fortgesetzte Ausdehnung des Betriebes und die stets wachsende Zahl der Mitglieder, sowie des Umsatzes, sah sich die Leitung der Genossenschaft veranlaßt, Umschau zu halten nach Grund und Boden, um weitere Produktionsbetriebe eröffnen zu können. Die Ge- nossenschaft hat angrenzend an ihr jetziges Grundstück ein weiteres 798,35 Ouadratruten großes Grundstück erworben, so daß sie nunmehr über ein Grundstück von 259 Meter Front und 125 Meter Tiefe verfügt. In welcher Weise dieses Grundstück verwendet werden soll, steht zurzeit noch nicht fest, da die Beratungen darüber noch nicht abgeschloffen sind. In der Zeit vom 15.— 29. Juni findet in Berlin der Genossen- schaftstag statt. Die auswärtigen Delegierten werden an den vor- handenen Betriebsanlagen erkennen können, daß der genoffenschast« liche Gedanke in Berlin stark auf dem Bormarsch begriffen ist, und damit dürfte manches Vorurteil auswärtiger Freunde ein für alle- mal beseitigt sein. Außerdem findet in der Zeit vom 14.— 39. Juni in Berlin eine genossenschaftliche Ausstellung statt, an der sich selbstverständlich auch die Berliner Konsum-Genoffenschaft beteiligen wird. Selbstmord eines Lehrlings. Der 17 Jahre alte Bäckerlehrling Max Lenz hat sich gestern nachmittag nach vorausgegangenem Streit mit dem Werkführer im Hause seines Meisters Hänisch, Adolf- strahe 12a, auf dem Trockenboden erhängt. Erst nach drei Stunden wurde die unselige Tat entdeckt und hatten Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg. - tlltU Warnung vor Schwindlern l In Nummer 63 unseres Blattes haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß die Konsum-Genoffenschaft auf dem Wege zur genossen» schaftlichen Feuerversicherung ist. Wir haben damals geschrieben, daß der Zentralverband der deutschen Konsumvereine zunächst eine Generalagentur übernommen hat, um auf diese Weise die genoffen» schastliche Feuerversicherung vorzubereiten. Die Konsum-Genoffen« schast Berlin und Umgegend konnte bereits eine große Zahl von Policen gegen Feuersgefahr und Einbruchsdiebstahl abschließen. Diese Abschlüsse bewirken natürlich, daß die für Privatgesellschaften tätigen Agenten nicht mehr in solch großem Umfange Versicherungen abschließen können, wie es früher der Fall war. Agenten dieser Gesellschaften versuchen nun durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu Versicherungsabschlüssen zu kommen. So ist der Konsum- Genossenschaft schon von verschiedenen Seiten mitgeteilt worden, daß Versicherungsagenten versucht haben, durch unlautere Manipulationen die demnächst ablaufenden Policen auf weitere 19 Jahre prolongieren zu können. Jetzt wird der Konsum- Genossenschaft weiter mitgeteilt, daß sich Agenten zunächst einführen als Beauftragte der Konsum-Genoffenschaft, und daß fie dann, wenn die Police abgeschlossen und unterzeichnet werden soll. Formulare von ihrer Privatgesellschaft vorlegen, und die Versicherer, die das Formular nicht vorher genau durchlesen, damit gegen ihren Willen Privatgesellschaften zuführen. Die Konsum-Genoffenschaft warnt ihre Mitglieder auf diesem Wege vor derarttgen Agenten, und ersucht sie, bevor sie einen Versicherungsantrag unterzeichnen, sich durch genaues Durchlesen des Antrages zu überzeugen, daß es sich um einen Antrag für die genoffenschaftliche Feuerversicherung, und nicht für eine Privatgesellschaft handelt. Ebenso bittet die Konsum-Genoffenschaft ihr weiter vorkommend« derartige Fälle umgehend mitzuteilen, um eventuell klagbar gegeu diese Agenten vorgehen zu können. Vorort- �acdricbteva Lichtenberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eine enksprechenLe Anfrage des Genossen Kertscher beantwortete der Oberbürgermeister dahin, daß zu der nächsten Sitzung eine Vorlage betreffend Regu- lierung der Arbeitsiverhältnisse der städtischen Arbeiter verliegea werde.— Gen. Grauer ersucht um Auskunft, weshalb die Regu- lierung des Löperplatzes verzögert werde und wie es> mit den AuSein- andersetzungen über die Eigentumsstreitigkeiten, das Schulgrundstück betreffend, stehe. Bürgermeister Unger erklärte, über die letztere Angelegenheit werde der Versammlung demnächst eine Vorlage zu- gehen; die Regelung des Platzes scheitere an der Passivität der Straßenbahngesellschaft, die keine Verlegung der Geleise vornehme, Genosse Grauer protestierte unter allgemeinem Beifall der Ver- sammlung gegen das Verhalten der Straßenbahn. Der Magistrat soll energische Schritte zur Abstellung des Mißstandes«nternehmen. — Der beantragten Aufnahme einer Anleihe in der Höhe von 899 999 M., zwecks Erweiterung und Kulttir des Rieselfeldes in Tasdorf, stimmte die Versammlung zu.— Eine ziemlich umfangreiche Debatte entfesselte eine Vorlage, die den Neubau eines Rathauses an der Möllendorff- und RathauSstraße zum Ziele hat. Das unterbreitete Projekt, das sich nur mit dem Terrain be- schäftigt, hat zur Voraussetzung die Entfernung der alten Schule in der Möllendorsfstraße. Dagegen bäumt sich der Sparsinn der Schachicl-Gruppe auf. Die Schule sei noch 15 Jahre und länger gebrauchsfähig, überhaupt fehle noch der Nachweis der Notwendig- keit eines repräsentativen Rathauses, eine Erweiterung des jetzigen Baues genüge wahrscheinlich auch noch� Herr Schachtel sucht in der Vorlage gar den Versuch des Magistrats, einen Konflikt mit der Stadwerordnetenversammlung heraufzubeschwören. Der Ober- bürgermeister protestierte entschieden gegen solche Unterstellung. Es sei doch das Recht des Magistrats zu sagen» daß nach seiner An- IM ohne EisiserMßg der Schule dss exvMvle AruMM tu, etrtäft RaWuZneuHm iiicht tn Vekracht kMWeft JBrtlie. Genosse Grauer vertrat die Ansicht, dasi die Erbauung eines neuen Rat- Hauses unbedingt notwendig sei. Herr Rott fand, daß die Schule noch lange Dienste tun könne. Genosse Tüwell bemerkte, man könne vielleicht über die dringende Notwendigkeit der Erbauung eines neuen Rathauses noch verschiedener Ansicht sein, aber darin müßte man doch einig sein, daß die Schule verschwinden müsse, ehe die „Mausefalle" eine Katastrophe herausibeschwöre. Jedenfalls sei ihre baldige Entfernung viel dringender als wie die Schuffung eines pompösen Rathauses. Solches zu errichten und die Schule nicht beseitigen, wäre ein unverantwortlicher Skandal.— Auch Herr Lindner ist der Ansicht, daß sehr leicht, z. B. durch den Ruf„Feuer", eine Panik mit unabsehbaren Folgen eintreten könne. Genosse Grauer erklärte, daß, wenn eine solche Katastrophe eintrete, die Versammlung die Verantwortung dafür nicht ablehnen könne. Ge- nosse Heckert schilderte die Verhältnisse. Die Subsellien seien schlecht und die Ursache mancher Verletzung: dasselbe sei von dem Fußboden zu sagen. Die Aborte befänden sich im Keller; die Treppen seien zu holperig und zu enge; vier Klassen mündeten auf einen Raum von 9 Quadratmeter Größe. Die Ausgangstüren nach der Straße könnten nicht benutzt werden. Massenunglücke bei einer Panik seien unvermeidlich. Er beantrage, daß die ins Auge gefaßte Kommission zur Vorberatung der Vorlage zuerst eine Be- kichtigung der Schule vornehme.— Oberbürgermeister Ziethen hielt die Schule zwar noch für gebrauchsfähig, wenn sich auch nicht be- streiten lasse, daß sie heutigen Ansprüchen nicht mehr genüge.— Herr Schachtel erlaubte sich, die Kritik an der Schule als tcndcm. Äiose Uebertreibungen und Reklame zu bezeichnen. Beweise spart sich der Mann. Der Antwort entging er infolge eines von feinem Freunde gestellten Schlußantrages. Die Vorlage gelangte an eine Kommission, der die Genossen John, Heckert, Grauer und Tüwell angehören. Der Antrag Heckert, wurde angenommen.— Der Magistrat beantragte, das Boxhagen-Rummelsburger Wahlkartenshstem mit dem Lichtenberger in Einklang zu bringen. Der Beschluß ent- sprach dem Antrage.— Einem Antrag der Bürgerlichen ent- sprechend, beschloh die Versammlung, den Magistrad zu ersuchen, schleunigst eine Zusammenstellung aller für Lichtenberg gültigen Ortsstatute, Steuerverordnungen usw. zu bewirken.— Einstimmig Annahme fand auch der Antrag, die Zahl der demnächstigen Stadt- verordneten durch Ortsstatut auf 66 festzusetzen.— Die vom Magistrat beantragte Ermäßigung der Strompreise fiir Kraftzwecke von 16 auf 16 Pf.— für Großabnehmer werden besondere Tarife abgeschlossen—, die Herabsetzung des Preises für elektrisches Licht von 46 auf 66 Pf. für die Zeit vom 1. April bis 36. September. öwie eine Verbilligung der Zählermiete für die kleinen Verbraucher länd Annahme. Die Bürgerlichen hatten auch noch die Einführung des Einheitspreises für Gas— 13 Pf. pro Kubikmeter—, und zwar mit Wirksamkeit ab 1. Juli gefordert. Nun beantragten und beschlossen sie die Verweisung dieses Punktes an eine besondere Kommission. Aus Bemerkungen der bürgerlichen Herren Kalischcr und Lindner hörte man gegen die Schachtel-Gruppe den Vorwurf des Wahlmanövers. Genosse Spiekcrmann bemühte sich vergeblich, einen sofortigen Beschluß herbeizuführen, obwohl Herr Schumacher von der Mehrheit ihm bezeugte, daß seine Ausführungen den Tat- fachen durchaus entsprächen.— Mit einer geringen Aenderung ge- nehmigte die Versammlung eine Vorlage, die folgende Anlagen>m Stadtpark bezweckt: eine Bedürfnisanstalt, Kosten 6666 M., eine Wandelhalle, 13 606 M., ein Schutzdach. 356 M., ejne Spring- brunnenanlage, 1666 M., Ausbau der Terrasse, 1366 M., diverse Arbeiten, 750 M., zusammen 23 606 M.— Genosse Düwell interpellierte bei dieser Gelegenheit den Magistrat wegen eines Un- glücksfalles, der einem Kinde das Leben gekostet. Angeblich soll der schwere Riegel eines eisernen ToreS gebrochen sein, weil sich drei Kinder daran wippten. Das Tor fiel heraus und verletzte ein da- neben stehendes Kind. Das Gewicht von 26 Kindern hätte aber zu dem Zerreißen des Riegels nicht gereicht, die Bruchstelle, über �i«en Zoll Quadrat, sei vollständig gesund. Ten Bruch habe sicher ein gegen das Tor gefahrener Wagen verursacht. Nach einigen Tafpen sei auch der andere Torpfosten umgefahren worden. Mit ocm Versuche, schaukelnden Kindern die Schuld zuzuschieben, dürfe man sich nicht beruhigen. Baurat Uhlig erklärte, es sei-Sache der Staatsanwaltschaft, die Ursache>dcS Unglücksfalles zu ermiitteln, der Tatort gehöre nicht mehr zum städtischen Eigentum.— Die Versammlung bewilligte noch die Mittel zur Einfriedigung des FriodhofeS in der Rathausstraßc und erteilte die Genehmigung zur anbaufähigen Herstellung der Straße Q.-- In geheimer Sitzung wurde die Anstellung des Herrn Dr, Jng. Aleye als selbständiger Leiter des TiesdauamjeS beschlossen. Steglitz. In seltener Eintracht erledigte die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Freitag die Tagesordnung. Fast ohne Debatte wurde allen Anträgen zugestimmt und die geforderten Gelder be- willigt. So z. B. 166 666 M. für weitere Aptierungen auf dem Nieselgute Klein-Ziethen und 21 666 M. für die am Schulgebäude am Stubenrauchplatz vorzunehmenden baulichen Veränderungen und Neuausstattung. Dieses SchulhauS beherbergt zurzeit die höhere Mädchenschule, die im August den Neubau am Fichtenberg beziehen wird. Das jetzige Heim wird dann wieder von der Real- schule benutzt werden, die vor einigen Jahren der höheren Töchter- schule weichen mußte. So wird nach zweimaligem Umbau der frühere Zustand wieder erreicht werden. Von den sonstigen Be- fchlüssen sei nur noch der erwähnt, die Gunkelsche Privatschule für höhere Töchter am 1. Oktober 1612 in die Verwaltung der Ge- mcinde zu übernehmen. Nachdem die Gemeinde vor zwei Jahren das Grundstück zur eventuellen Vergrößerung des Rathauses von Fräulein Gunkel käuflich erworben hatte, war vorauszusehen, wie die Sache kommen würde. Jetzt haben angeblich Anordnungen der Schulaufsichtsbehörde wegen Neueinftcllung einer wissenschaftlich gebildeten Lehrkraft Fräulein Gwnkcl veranlaßt, die Schule auf« aulösen. Um dem vorzubeugen, übernimmt die Gemeinde die Verwaltung mit der Absicht, die Schule abzubauen. Zu diesem Zweck werden am 1. April 1913 die Klassen 1 bis 4 und 19 in die höhere Mädchenschule der Gemeinde überführt. Die übrigen Klassen dürften später in eine zu errichtende zweite höhere Mädchenschule übernommen werden. Daß nach dem vorgelegten Etat für das Schulhalbjahr Oktober bis April aus diesem Geschäft der Gemeinde ein U e b e r s ch u ß von rund 1866 M. erstehen soll, sei aus Gründen des Humors erwähnt. Neukölln. In den diesjährigen Sommerferien sollen die nachstehend be« zeichneten Schulhöse unter denselben Bedingungen wie im Vorjahre als Spielplätze für die Kinder freigegeben werden: Schulhof Boddin- straße, Erkstraße, Weserstraße, Rütlisiraße, Prinz-Handjery-Straße und Kopfstraße., Charlottenburg. Das Gewerbcgericht hat nach Abschluß des Berichtsjahres eine 26jährige Tätigkeit hinter sich. Im Berichtsjahre sind anhängig gemacht 1626 Streitsachen: 18 mehr als wie im Vorjahre. Als unerledigt sind aus dem Vorjahre 18 übernommen, dazu kommen noch ungefähr 866 Streitfälle, in denen durch die Gerichtsschrciber außergerickttich zwischen den Parteien eine Einigung vermittelt wurde. Die Zahl der Kläger betrug 1691. Von den Streit« fachen entfallen auf das Baugewerbe und Bauhandwerk 579-- 35,7 Proz. Gegen das Borjahr ein Mehr von 6,6 Proz. Die meisten Klagen, 8 Proz., wurden von Maurern und die wenigsten, 6.1 Proz., von den Töpfern und Ofensetzern angestrengt. Die auf Fabriken aller Art entfallenden Strcifälle betragen 125--- 16 Proz. Das übrige Handwerk und Gewerbe ist in 834 Fällen oder mit 54,6 Proz. der Fälle an den Streitsachen beteiligt. 82 Sachen fallen nicht unter die Zuständigkeit des Gerichts. Klagen sind erhoben von Arbeitgebern gegen Arbeiter 24, von Arbeitern gegen Arbeitgeber 1539 und von Arbeitern gegen Arbeiter sieben. Der Slreitgegenstand betraf 1264 mal Leistungen aus dem Arbeits- Verhältnis, 558 mal Anspruch auf Schadenersatz oder Zahlung einer Bertragsstrafe. 43 Streitfälle resultierten in Schwierigkeiten, die au» Antritt, Fortsetzung und Auflösung deS Arbeitsverhältnisses entstanden sind. Ju 85 Fällen handelte es sich um Rückgave von Zeugnissen usw. und Gegenständen, Berechnung und Anrechnung der Krankenverficherungsbetträge. Unter diesen Klagen waren 353— 21,8 Proz., in welchen Entschädigung wegen nicht inne- gehaltener Kündigung gefordert wurde. Der Wert des Streitgegenstandes belies sich in 635 Fällen bis 26 M.. in 482 Fassen über 20—56, in 299 Fällen über 56—166 und in 175 Fällen über 160 M. Ohne Wertangabe waren 29 Sachen anhängig gemacht. Von den Klagen wurden erledigt vor dem Vor- sitzenden 1266, vor dem Spruchgericht 354. Unerledigt blieben 24. Beachtenswert ist die Art der Erledigung der Klagen. Vergleiche kamen vor dem Borsitzenden 459, vor dem Spruchgericht 86 zu- stände. VersäumniSurleile in 227 bezw. 39 Fällen. Durch Verurteilung fanden vor dem Vorsitzenden 7 und vor dem Spruchgericht 64 Klagen ihren Abschluß. Durch Ruhenlassen des Prozesses, Ab- Weisung wegen Unzuständigkeit usw. erledigten sich 333 Klagen vor dem Vorsitzenden und 41 vor dem Spruchgericht. Terminsklagen wurden 143(1916: 183) abgehalten. Die Höchstzahl der an einem Tage verhandelten Klagen beziffert sich auf 25 vor dein Vorsitzenden und auf 13 vor dem vollbesetzten Gericht; die Jahresdurchschnitts- zahl auf 16 bezw. 11. In weniger als einer Woche sind 76 Prozent aller Streitsachen zu Ende geführt worden. Zeugen und Sach- verständige wurden 183 in 127 Sachen vernommen. Berufungsfähige Urteile sind ergangen 23. 3 mal ist Berufung eingelegt worden. Ferner verzeichnet der Bericht auch noch einige Bestrafungen: Zwei Beisitzer wurden mit je 5 M. Strafe bedacht wegen nicht rechtzeitiger Meldung des Wohnungswechsels und wegen unentschuldigten Fern- bleibens vom Termin. Zwei Kläger wurden wegen Ungebühr mit 8 M. bestraft. Für die Tätigkeit des Gerichts werden von den Parteien Beiträge nicht erhoben. Die Kosten trägt die Stadt- gemeinde: dieselben sind fiir das Gewerbe« und KaufmannSgericht mit 32 000 M�in Ansatz gebracht.. Lankwitz. Die Kinderspiele finden heute nachmittag auf dem Platz Ecke Mühlen« und Lutherstraße statt. Beginn 3 Uhr. Auch die Elter» sind eingeladen. Bei Regenwetter werden die Spiele bei Schulz, Mühlenstraße, abgehalten. Mahlsdorf an der Ostbahn. Bei der hier stattgehabte» Ersatzwahl zur Gemeindevertretung hat sich der Hausbesitzerverein eine» sonderbaren Streich geleistet. Die im März erfolgte Wahl unseres Genossen Lehnig wurde vom Hausbesitzerverein angefochten, weil ein Angesessener zu wählen war, was der Gemeindevorsteher erst bei der Eröffnung der Wahlhand- lung milteilie. Die Wahl wurde in der Gemeindevertretung mit Stimmengleichheit für ungültig erklärt; dies war nur dem Umstände zuzuschreiben, daß einer unserer Genossen durch Krankheit verhindert war, an der Sitzung teilzunehmen. Man hälte nun er- lvarten sollen, daß die Herren, wenn sie schon eine Ersatzwahl herbeiführlen, sich»un auch mit regem Eifer daran beteiligen würden, Aber weit gefehlt; ihr Kandidat erzielte nur 16 Stimmen, wovon elf Stimmen von Nichtmitgliedern ihres Vereins herrührten, so daß sie selber ganze fünf Stimmen aufbrachten. Sie haben allem An- scheine nach unter ihre» Mitgliedern die Parole ausgegeben, nicht zur' Wahl zu gehen und die fünf Mann hatten jedenfalls nichts davon erfahren. Bei der vorigen Wahl hatten sie noch 46 Stimmen erzielt. Fragen muß man sich, was derartige Streiche für einen Zweck haben sollen. Etst fechten die Herren eine Wahl an, stellen jogar zur Ersatzwahl einen Kandidaten aus, um denselben schließlich elend im Stich zu lassen. Da» ganze Manöver zeigt nur, daß der Hausbesitzerverein sich einer Wahl in der dritten Abteilung nicht mehr gewachsen fühlt.— Unser Genosse Ludwig erhielt 133 Stimmen, da« bedeutet insofern einen schönen Erfolg, als unsere Genossen aus besonderen Gründen von einer Schlepp- arbeit Abstand nahmen. Bei dieser Gelegenheit sei noch auf den Mißstand hingewiesen, daß die Wahlen iminer in dem ungeeignetsten Lokal stattfliideii. Der Zugang zum Wahlraum ist geradezu mise- rabcl. Es gibt in nächster Nähe bessere Lokale und außerdem im SchulhauS eine sehr schöne Aula; die letztere scheint nur für den evangelischen Frauenverein bestimmt zu sein. Auch die Turnhalle würde sich sehr gut als Wahllokal eignen. Wenn sie dem Arbeiter- turnverein anck verweigert wird, weil seine Mitglieder im Geruch sozialdemokratischer Gesinnung stehen, so würde eine Gemeinde- vertreierwohl diese heiligen Hallen doch gewiß nicht entweihen. Alt-Gli-niöke. Mit dem Bau deS für den hiesigen Ort so dringend notwendigen neuen Schulhauses soll nun endlich begonnen werden. Die Gemeinde- Vertretung hatle sich in ihrer letzten Sitzung mit einigen letzien Aendcrungen, die die Regierung an dem Projekt aus„SparsomkeitS- rücksichten" vorgenommen hatte, zu befassen. So wurde die vor« gesehene Warmwasserheizung, welche nach eingeholten Gutachten die bligienilch einwandsreiesle sein soll, falls nicht die Gemeinde die Mehrkosten gegenüber der Dampfheizung allein tragen will, ge- stricken. Unsere Genossen vertraten energisch die Auffassung, daß iür die Jugend das Beste gerade gut genug sei. Um nun den Bau nicht noch iveiter hinauszuschieben, wurde beschlossen, Niederdruck- dampsheizung anzulegen. Außer einigen anderen Angelegenheiten wurde noch beschlossen, vom Ankauf einer Kirchhofsparzelle zur Arrondierung des Volksparks Abstand zn nehmen, da die Kirchen- gemeinde den Verkauf ablehnt, aber die Parzelle für Parkzwecke zur Verfügung stellt. Sonderbare postalische Verhältnisse, dir von der hiesigen Ein- Wohnerschaft recht unangenehni einpfunden werden, bestehen am hiesigen Orte. In dem etwa 4560 Bewohner zählenden Alt-Glienicke gilt außer der OrtStaxe auch die Ferntaxe. Die nach dem Bahnhof Grünau liegenden Straßen werden nicht vom hiesigen Postamt. sondern von Grünau bestellt. Alle von einem zum anderen OrtS- teil gehenden Sendungen gelangen also erst ans Umwegen an den Adressaten und sind nach der Ferntaxe zu frankieren. ES wäre die höhste Zeit, daß dieser Mißstand etwa durch Zusammenlegung der One zu einem Nachbarortsgebiet mit einheitlicher Posttaxe be- seitigt wird. Weifjensee. Verhaftet wurde vorgestern die auf dem Grundstück Falkenberg- straße 76 in einer Gemüsegärtnerei beschäftigte 2viährige polnische Arbeiterin Alwine Kowatcek, die sich bereits bei Antritt der Stellung in guter Hoffnung befand. Am Abend zuvor gab die K. einem Mädchen das Leben; sie versuchte sich jedoch deS Kindes dadurch zu entledigen, daß sie ihm mehrere Schnitte am Hals beibrachte und eS dann in einem Sack in einem von dem Wohnhause ziemlich weit entfeniten Schuppen niederlegte. Der Sohn des Besitzers fand den Säugling im Schuppen. Man schaffte das Kind sofort nach dem Säuglingskrankenhaus, wo es hoffnungslos daniederliegt. Die Mutter fand im Auguste-Bittoria-Krankenhaus Aufnahme. Nieder- Schönhausen. Die am Freitag stattgefundene Gemeindevertretersitzung hatte sich nochmals mit der Asphaltierung der Kaiser-Wilhelm-Straße von Eichen- bis Schillerstraße zu beschäftigen. Durch den Umbau der Straße müssen zirka 160 Bäume entfernt werden und zwar besteht, da die Große Berliner während der Umpflasterung ihre Gleise ver- lege» muß, die Gefahr, daß die Fahrgäste auf den Verdeckwagen durch die Bäume Verletzungen ausgesetzt sind. Die Asphaltierung sollte Mitte Juni vorgenommen werden, dagegen wandten sich unsere Vertreter, da hktrdurch die Geschäftsleute geschädigt werden; diese Arbeit dauere zirka drei Monate und es müsse, wenn man jetzt da- mit beginne, das Sommergeschäst darunter leiden. Dem Wunsche, mit dem Umbau am 15. August zu beginnen, wurde zugestimmt. Genosse Breitmann machte die Mitteilimg, daß die kürzlich be- schloffene Lohnzulage nicht alle Gemeindearbeiter erhalten hätten, er ersuchte um strikte Durchführung des BeschluffeS der Gemeinde- Vertretung, vom Bürgermeister wurde eine genau» Untersuchung dieser Angelegenheit zugesagt. NowaweS. GemeinssellertreterfitzunK. Der Bürgermeiske? gab zunächst! bekannt, daß der.Gemeindevertreter Frenze! krankheitshalber sein Amt niedergelegt habe. Eine Ersatzwahl erscheine nicht not- wendig, da bereits im nächsten Frühjahr die ordnungsmäßigen Neuwahlen fällig feien. Des weiteren teilte er mit. daß die Deffaüec Gasgesellschaft sich an die der Gemeinde gemachten Zusicherungen zwecks Verlängerung des Easvertragcs nur bis zum 15. August d. I. gebunden fühle.— Den Bericht über die Geschäftstätigkeit des Gewerbegerichts für die Zeit vom, 1. Oktober 1911 bis 31. März 1912 erstattete Schöffe Obst.— Der§ 38 der Ortssatzung für Äas Gewerbegericht, der in der Sitzung vom 1. Mai d. I. dahingehenlt beschlossen wurde, daß als Entschädigung für die Beisitzer für Spruchsitzungen wie beim Kausmannsgericht für einen, halben Tag 3 M. und für den darüber Hinausgehenden Zeitraum 6 M. zu zahlen, sind, lag der Vertretung zur nochmaligen Beschlußfassung vor, weil eine auf Veranlassung des Bezirksauschusses auf den 26. Mai d. I. einberufene Versammlung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich für Beibehaltung der früheren Fassung des§ 38, die höhere Bezüge(6 M. pro Sitzung) Vorsicht, ausgesprochen, hat. Nach längerer Debatte beschloß die Vertretung, an den Sätzen von 3 und 6 M. festzuhalten, da andere Orte auch nicht höhere, teil- weise sogar niedrigere Entschädigung gewähren.— Die geforderten Mittel für Aufstellung eines neuen Baufluchtlinienplanes für die Großbcerenstraße, in der bekanntlich künftig die Vorgärten weg- fallen sollen, wurden in Höhe von etwa 866 M. bewilligt. Tie Arbeiten sollen der Firma Hertel u. Geschall, die auch den Gesamt- bebauungsplan ausgearbeitet hat, übertragen werden.— Der Ausbau von zwei Erdgejchoßräumcn des Schulhauses in der Schorn- horststraße für die Zwecke der Volksbücherei, was der Gemeinde etwa 1566 M. Kosten verursacht hätte, wurde nach längerer Debatte abgelehnt.' Genosse Zöllner begründete den ablehnenden, Standpunkt seiner Fraktionskollegen damit, daß die Erdgeschoßräume sich für die geplante Einrichtung einer Wirffchoftsschule für Schäle- rinnen, besser eignen, als für die Zwecke der Volksbibliothek. Uebrigens würde sich späterhin bei Einrichtung der Wirtschaftsschule sicher ein nochmaliger Umbau der betreffenden Räume notwendig machen, und die jetzt geforderte Summe wäre dann nutzlos aus- gegeben. Der Bolksbildungsverein könne sich nicht über mangeln- des Entgegenkommen der Gemeinde beklagen� da er eine ganz an- sehnliche Subvention erhalte. Die Gemeinde hat bereits einmal eine- größere Summe— 666 M.— für seine Zwecke unnütz ge- opfert, als es sich um Schaffung von Räumen im Fortbildung� schulgebäude handelte. Die bürgerlichen Vertreter Reiff. Schneider, Nathan und Nuß sprachen, sich im gleichen Sinne� auÄ. Auf die Anfrage des Gcmeindcvertreters Reiff, ob die Räume im Fort- bildungsschulgebäude nicht weiter benutzt werden könnten, erwiderte der Bürgermeister, daß dies aus dem Grunde nicht möglich sei, weil die Räume zur Erweiterung der Unterrichtsklassen benötigt wprden und die betreffenden Arbeiten bereits ausgeschrieben seien, — DaS der Gemeinde gehörige Haus Lindenspraße 56 soll für Bureauzwecke ausgebaut werden, um dann die gegenwärtig in einer Mietkwohnung in de? Kleiststraße untergebrachten Bureaus für das Standesamt, die Invalidenversicherung, für das Gewerbe- und Kaufmannsgericht aufzunehmen. Die Ausbaukosten sollen etwa 1860 M. betragen.— Ter Jahresbeitrag für die Freiwillige Sanitätskolonne und die Krankenpftegergenossenlschaft wurde auf Ansuchen von 36 auf 56 M. erhöht. Das von der Arbeiter- samariterkolonne eingegangene Gesuch um Gewährung eines Jahresbeitrages wurde dagegen zurückgestellt, da nach Ansicht des Bürgermeisters die von der Kolonne gemachten Angaben über die bisher ausgeübte Samaritertätigkeit und die ärztliche Ausbildung der Mitglieder einer näheren Nachprüfung bedürfen.— Zum Schluß fanden zwei Dringlichkeitsvorlagen Erledigung. Die erste betraf den Abschluß eines Vertrages mit dem Eisenbahnfiskus über Anlegung der Böschungen, und deren Unterhaltung durch die Ge- meinde, wofür letztere ein» einmalige Abfindung von 2466 M. erhalten soll. Die zweite Vorlage hetrgs hie Abänderung deS Abf. 2 § 11 der Hundestcuerordnung. Potsdam. Das EtatSjahr für 1911 hat trotz Ueberschreltung de» Etats Ueberschüsse in Höhe von 366 766 M. gebracht. Diese Ueberschüsse sind fast ausschließlich auf das Konto des Elektrizitätswerkes, der Straßenbahn, der Wasserwerke und der Gemeindeabgaben zu schreiben. Das Elektrizitätswerk und die Straßenbahn haben sich zu der besten Einnahmequelle der Stadt herausgebildet. Das Wasserwerk hat seinen Ueberschutz zu einem großen Teile dem heißen Sommer de? Vorjahres zu verdanken. Trotz einer ziemlich hohen Mehreinnahme aus den Gemeindeabgaben soll zu einer Herabsetzung des Gemeinde- einkommenzuschlages nicht geschritten, sondern erst ein SteuerauS- gleichssonds von mindestens einer Viertel Million geschaffen werden. Zurzeit besteht ein SteuerausgleichsfpndS in Höhe von 86 666 Mark. Die Ueberschüsse sollen folgende vertei- lung finden: 88 666 Mark sind bereit» im außerordent« lichen Etat für 1912 in Einnahme gestellt, 165 669 M. sollen dazu verwendet werden, den nächstjährigen Etat ebenso wie den dies« jährigen balancieren zu lassen, 56 666 M. sollen an den Steuer- ausgleichsfonds abgeführt werden, der dann eine Höhe von 130 660 M. erreichen würde, 16 066 M. sollen zur Bildung eines Schulbaufonds Verwendung finden und der Rest soll für den außer- ordentlichen Etat 1913 vorgetragen werden. Wenn aus den Ge- meindcabgaben derart hohe Einnahmen erzielt werden, wäre es rat« fam, die Einkommen bi» 336 M. nicht zur Einkommensteuer heran- zuziehen, denn heute müssen schon die Kinder, die kaum die Schule verlassen haben und nur einige Groschen verdienen, ihren Steuer- beitrug zahlen, ebenso ist e» mit den Witwen und anderen weiblichen Personen, welche sich nur mühsam ihren Unterhalt erwerben müssen. In der letzten Wahlvereinsversammlung gab der Kassierer einen Bericht über die BewegungSstatistik der Mitglieder am Ort, au» dem unter anderem hervorging, daß in letzter Zeit eine Anzahl Mit- glieder gestrichen werden mußten, weil sie ihren ZahlungS« Verpflichtungen nicht nachgekommen waren. In die ZeitungS- kommiffion wurden die Genossen Erich Krüger, Ziemann. Stoof und Rottmann gewählt. Der Vorsitzende des BildungSauSschusse» gab hierauf einen Bericht Über das abgelaufene Geschäftsjahr. In den Ausschuß wurden die Genossen Krüger und Rottmann gewählt. Am 23. Juni soll ein AuSflug nach Waimsee stattfinden. Arbeiter-Samariterbund, KreiS Brandenburg. Lchrabend haben tn dieser Woche: Berlin. Am Montag, 1. Abteilung: w den(MttersSlen, RMer- straße 75, abends S'/, Uhr. Schöneberg. Am Donnerstag, Vorbergstraße V, M Haendel, abends 81/, Uhr. Lichtenberg. Am Donnerstag, Scharnweberstr. 30. bei Picken- Hagen, abends 8'/, Uhr. Wilhelmsruh. Am Freitag, Viltoriastraße 7, bei Barth, abends 3 Uhr. Spandau. Am Mittwoch, Pichelsdorf« Straße 5, bei PeczileS, abend» 3'/, Uhr. N o w a w e S. Am Freitag in der FortbildunaSschule, abends 8st, Uhr. Friedrtchshage». Am Donnerstag, Fricdrichftr. 60, 2. Hoj, abends 3'/, Uhr.__ Die Kreisleitung. Hus aller Melt. Nach uns die Bündflut 1 Au» London wird uns geschrieben: Die? ist die große Woche der Londoner Saison, in der ein kostspieliges Vergnügen dem anderen dicht auf den Fersen folgt, in der die feine Welt in e im e r Nacht ganze Vermögen verjuxt, in der man im tollen Taumel die Schreck. nisse der letzten zwölf Monate zu vergessen sucht. Wie haben die Zeitungsschprocks das Volk, das von all dem fetten Braten nur den Geruch verspürt, seit Wochen auf diese Herrlichkeiten vorbereitet! Mrd des Königs Gaul das Derbhrennen gewinnen? Welch ein Mjlck tms fcfill Wie ttiiiie iefc? pqtriotischs Hers Mer fchw.ellen! Un5 tjöft Set elngehenSen Beschreitung SeZ königlichen Gauls kommt man auf die Strümpfe, die die Lady Soundso auf dem großen„Ball wie vor hundert Jahren" tragen wird, zu sprechen. Die Frivolität läßt die Zügsl schießen und man sollte meinen, es gebe in der Welt nichts Wichtigeres zu besprechen, als Bälle und Wettrennen, Diamanten und Kleider, schöne Damen und schnelle .Pferde. Aber eins stört den Genuß. Der Streik. Da steht er wie ein Gespenst am Eingang des Festsaals und mahnt an die Wirklich- keit. Können uns diese Proleten auch nicht einen Tag mit ihrer verfluchten Streikerei zufrieden lassen! ruft der Gentleman aus. Zum Teufel mit den Agitatoren! Hängt sie auf! Aber den Streikführern fällt es gar nicht ein, zum Teufel zu gehen; sie wollen zum Richter und Gerechtigkeit haben für die betrogenen Ar- beitermassen des Ostens. Lügt den Streik aus der Welt! lautet jetzt das Kommando, und hundert Skribler setzen sich in Bewegung und beweisen haarscharf, daß der Streik längst tot und begraben ist. Aber der Streik läßt sich nicht aus der Welt lügen. Dort war- ten im Osten 100 000 der ärmlichst entlohnten Arbeiter des Landes, die sich um die Arbeit schlagen, sobald ein Schiff im Hafen ein- läuft, die gern bereit sind, 24 und 3ö Stunden in einem fort zu arbeiten, um nur das Leben zu fristen, sie warten, daß man ihnen Gerechtigkeit widerfahren lasse. Hat denn nicht jemand eine pa° tentierte Medizin, die nicht viel kostet und das soziale Fieber ku- Vieren kann?> Es hilft alles nichts. An der Schwelle der„großen Woche" steht das Gespenst des Streiks und will dabei sein, wenn auf dem Renn- platz zu Epsom Millionen den Besitzer wechseln und die feinen Herrschaften von heute auf dem„Ball wie vor hundert Jahren" die schlüpfrige Gesellschaft der Regentschaft mimen. Die graue Mähre hat das Derbyrennen gewonnen. Eine famose Gelegenheit, um in dithyrambischen Ergüssen über das graue Ladh-Pferd, das all den Gentlemen-Pferden die silberbeschlagenen Hufe gezeigt hat, das Getöse des Klassenkampfes zu vergessen. Jedoch das Leitmotiv der Zeitensymphonie dringt immer wieder durch. Elf Geistliche aus dem Hafengebiet haben sich der Streikenden angenommen..„Was," rufen sie dazwischen,„kann mehr erbitternd auf die Arbeiter wir- ken, denen gesagt worden ist, daß die Arbeitszeit und die Lohn- sätze durch ein gegenseitiges Abkommen geregelt worden sind, als zu finden, daß der Vertrag von gewissen Arbeitgebern ruhig ignoriert wird, selbst nachdem ein Schiedsgericht angerufen und die Gerechtig- keit der Arbeiterforderungen anerkannt worden ist?" Nach uns die Sündflut, sagen sich die Glücklichen. Vorerst gilt es jetzt, den Ball zu rekonstruieren, der vor hundert Jahren abge- halten wurde. Englische Gardisten, preußische Husaren, russische Dragoner, die Stutzer und schönen Damen vom Jahre 1812, der Herzog von Wellington, der junge Palmerston, der feuchtfröhliche Regent, alle sind sie in der großen Albert Hall, die man zu einem wahren Feenpalast gestaltet hat. Dort ist auch der junge Dichter Byron. Wer denkt da nicht an den Ball, den die Brüsseler Lebewelt am Tage der Schlacht bei Waterloo veranstaltete? Byron hat ihn in seinem„Childe Harold" beschrieben. In dem Jubel und Singen der Geigen hört man plötzlich das dumpfe Grollen der Geschütze. Ein unangenehmer Gedanke. Auch heute hört man ein Grollen, aber es rührt nicht von Geschützen her; es scheint von unten zu kommen. Fern von Sem Trubel Ser Hauptstadt ringen die Vertreter der Bergarbeiter in heißem Kampfe mit den Unternehmern um den Lohn ihrer Kameraden. Der Redner der Arbeitgeberinteressen hat soeben in langer Rede wie Shylock auf sein Pfund Fleisch bestanden, da erhebt sich der alte Wortführer der Arbeiter und sagt:„Meine Herren! Mit diesem schlechten Willen wird es nicht gehen. Der Geist, der die Worte des Vorredners durchweht, ist nicht der Geist des sozialen Verständnisses, von dem die Leute jetzt den Mund so Soll Nehtfteik, es ist Ser Geist SeS engherzigen, gefühllosen Kottt- merzialismus. Sie zwingen das Volk zur Revolution.� Untergang eines franzörifcben Unterseebootes. Die Mannschaft verloren. Ein furchtbares Schiffsunglück hat sich am Sonnabendmorgen in der französischen Marine zugetragen. Bei einem Manöver, das in der Bucht von Cherburg stattfand, stieß der Kreuzer„Saint- Louis" mit dem Unterseeboot„Vendomaire" zusammen. Der „Vendömaire", der, wie man glaubt, in zwei Teile zerschnitten wurde, sank sofort und liegt jetzt in einer Tiefe von b2 Metern auf dem Meeresboden gegenüber dem Kap„Hague". Die Besatzung des Bootes bestand aus 24 Mann und zwei Offizieren. Der Unfall ereignete sich morgens 7 Uhr. Der „Vendsmaire" ist ein Schwesterschiff der vor zwei Jahren gesunkenen „Pluviose", die mit 27 Mann unterging. Aus Cherburg sind sofort HebekraNe und Taucher nach der Unfallstelle abgegangen. In folge der außerordentlichen Tiefe, in der das Schiff liegt, haben die Taucher bisher jedoch nichts ausrichten können. Die Be- satzung gilt daher als verloren. Der Fernflug Berlin— Wien. Nachdem der Rheinische Zuverlässigkeitsflug, weniger durch die Leistungen der schließlich nur übriggebliebenen vier beteiligten Flieger, die ganz respektable waren, als durch das Ausscheiden einer so großen Zahl gemeldeter Flieger, nur einen sehr bedingten Erfolg, das völlige Mißlingen des Nordwest- f l u g e s dagegen ein recht bedenkliches Fiasko für das deutsche Flugwesen bedeutete, wird der am Sonntag, den 9. Juni, be- ginnende Fernflug Berlm-Wien im In- und Auslande um so leb- hafteres Interesse erregen. Wird es sich doch hier zeigen, ob die deutschen Flugzeuge und die deutschen Flieger wirklich in der Lage sind, Leistungen zu vollbringen, wie sie im Ausland, namentlich in Frankreich, als e�was Selbstverständliches gelten. Es hairdelt sich diesmal nämlich um einen Flug zwischen Wien und Berlin von insgesamt zirka 699 Kilometern, der in zwei Etappen, mit einer Landung von mindestens einstündiger Dauer in Breslau, zurückzulegen ist, also günstigenfalls bereits an einem Tage zurückgelegt zu werden vermag. Da in Frankreich bereits wiederholt an einem Tage Flüge über Entfernungen von 999 bis 749 Kilometer zurückgelegt worden sind, handelt es sich hier also keineswegs um eine exzeptionelle Leistung. Die Probe für das deutsche Flugwesen ist diesmal um so inier- essanter, als sie nicht unter dem üblichen Ausschluß der auslän- dischen Konkurrenten stattfindet, sondern wenigstens die bewähr- testen Flieger Oesterreichs mit einer Anzahl unserer besten deutschen Flieger in Konkurrenz treten. Von österreichischer Seite werden voraussichtlich starten Oberleutnant Miller(Etrich- Renneindecker), Heinrich Bier(Mars-Eindecker der Deutschen Flugzeugwerke), Oberleutnant Blaschke(Lohner-Pfeil-Doppel- decker), Josef Sallatnig(Nieuport-Eintzecker), Rudolf Stanger(Etrich-Renneindeckcr). Von deutscher Seite werden ins Feld rücken: Robert The- len(Albatros-Doppeltaube),»Hellmuth Hirth(Rumpler-Ein- decker), Karl Krieger(Jeannin-Eindecker), Alois S t i p l o sch e k (L.-V.-G.-Eindecker), Leutnant Freiherr von Thüna fL,-.V�G.- Eindecker), Eugen W i e o c z i e r s tL.-V.°G.-Eindecker).'■ Eine amtliche Luftpost. Wenn in der nächsten Zukunft ein Liebhaber aus Hessen feiner Herzliebsten tausend Küsse und Grüße senden will, kann er dies auf dem modernsten Wege, mittels Luftpost besorgen. Dies aller- neueste Postinstitut wird heute Sonntagvormittag eröffnet. Luftpost- ämter besinden sich in Frankfurt a. M., Offenbach, Darmstadt, Mainz und Worms. Für eitte Zusatzmarke von 10 Pf. erhält der Absender einer Postkarte nicht nur einen amtlichen Stempel.Flug« post am Rhein und Main" auf seine Postkarte gedrückt, sondern auch die Gewißheit, daß die abgesandte Karte ein Stück Weges mit dem Luftschiff„Schwaben" durch die Lust fliegt. Da die Luftpost nur während der sogenannten Postkartenwoche in Hessen in Betrieb ist, ist Eile in der Absendung geboten. Die Verurteilung des Lchrlingsschinders. Aus Rom wird uns unter dem 9. d. Mts. geschrieben: Bor den Mailänder Assisen ist soeben der Kaufmann Longhi wegen Mißhandlung eines Lehrlings mit tödlichem Ausgange zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die Wißhandlung er- folgte, wie bereits gemeldet, in der Weise, daß Longhi im Einve*» nehmen mit seinem Kompagnon Piro van o, dem Bruder des Opfers, den Lehrling wegen einer dienstlichen Verschuldung an einen Eisenpfeiler des Lagerraums anband und diese Strafe zwei Nächte nacheinander fortsetzte. An dem dazwischenliegenden Tage wurde dem Lehrling, einem löjährigen Jungen, keine Speise gereicht. Der Gepeinigte wurde am Morgen des zweiten Tages tot auf- gefunden, und zwar war der Tod durch Entkräftung und durch Erstickung erfolgt, da die um den Hals gelegten Stricke tief in die Haut einschnitten. Die Geschworenen verneinten die Frage nach absichtlicher Tötung und bejahten die andere, ob der Tod nicht ausschließlich den erlittenen Mißhandlungen, sondern auch besonderen organischen Verhältnissen zur Last zu legen sei. Der Bruder des Opfers, der seine Zustimmung zu der barbarischen Art der Strafe gegeben hatte, wurde freigesprochen. Kleine Notizen. Zur Explosion in Wollersdorf. Ueber die Ursache der Explosion des Pulvermagazins in Wöllersdors wurde festgestellt, daß eine Explosion des Motors eines Lastautomobils nicht stattgefunden hat, sondern daß in dem Gebäude selbst aus unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen ist. In dem zerstörten Gebäude befanden sich nicht nur Pulversorten, sondern auch ganze Geschosse, woraus sich die große Wirkung der Explosion erklärt. Waldbrand im Kreise Teltow. Durch einen Waldbrand wurden in der königl. Forst bei Kummersdorf etwa 12 Morgen Baumbestand vernichtet. Durch Hinzuziehung größerer Militärabteilungen konnte das Feuer nach vierstündigem Wüten erstickt werden. Berkehrsunzlück bei Hannover� Am Freitag entgleiste der dritte Wagen eines elektrischen Straßenbahnzuges hinter dem Dorfe Gehrden und fuhr mit voller Wucht gegen den Mast der Straßen- bahn, der umstürzte. Ein zweiter Zug, der kurz hinterher kam, wurde stromlos und fuhr mit voller Geschwindigkeit auf den entgleisten Wagen auf. Der Führer des zweiten Zuges erlitt schwere Verletzungen an den Beinen. Von den Insassen sind zahlreiche leicht und einige schwer verletzt worden. Das vergiftete HochzeitSmahl. In der Gemeinde Lienen im Rheinland erkrankten nach dem Genüsse eines Hochzeitsmahles 49 Personen unter Vergiftungserscheinungen. Mehrere Teilnehmer des Mahles liegen schwerkrank danieder, eine Frau ist bereits gestorben. Allgemeine Familiensterbetasse. Heute Zahl« und«Usttahmetag von 3—9 Uhr im Restaurant Ackerstr. 123. Marktbericht von Berlin am 7. Juni 191», nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. Markthalkcnpreise.(Kleinhandel) 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,90—90,00. Speisebohncn, weiße, 30,00— 99,00. Linsen 40,00-30,00. Kartosieln(Kleinhdl.) 3,00—13.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70-2,60. Nindsieisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40— 2,09. Kalbfleisch 1,60— 2,60. Hammelfleisch 1,80—2,80. Butter 2,40—8,00. 60 Stück Eier 3,00—4,60. 1 Kilogramm Karvsen 1,20—2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—3,30. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 4,00—40.00. V.7 W w «I> ■ w H «> 8 « Unserem alten Freund und Spargenossen Wildelm Schade nebst seiner treuen Gattin Ernestine zu ihrer am 10. Juni statt» sindenden Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche I Lpar» und Lotterie-Verein Eortnnn-Osten. W j Todes-Anzeigen| Sozialb. Wahlverein für den z. Berl. ReichStagstoahlkreis Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Hermann Grimm (Bezirk 151) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag. den 10. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deSZentral- gricdhos« in FriedrtchSlelo» aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 210/16 Her Vorstand. SozialüemokratiseiierWalilverelD des 6. Eerl, RelEhstags-WaWlffelSES. Am Donnerstag, den 6. Juni, oerstarb unser Genosse, der Zim- merer Heimnil Nieswandt Brunnenstr. 110. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Juni, nachmittags 12»/. Uhr, von der Halle des Buchow-Krankenhauses auS ans dem städtischen Fricdhose, Müller- straße. Eck- Scestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/9 Der Vorstand. Verband der Dranerel- und IHiihlcnarbeiter und verwandter Berufsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege, Flaschen- sahrer Min Vachovski (Schultheiß II) nach kurzem Krankenlager ver- swrben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 10. Juni,»ach- mittags 9'/, Uhr, von der Halle des Hellig- Kreuz. Kirchhofes in Martendorf, Eisenachcr Straße. statt.— Rege Beteiligung erwartet 43/4 Der Borstand. venlseder Lanardeller- Verband Zweigverein Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrer Karl Neumann Bezirk Osten I am 6. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, am 9. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Mrchhoses der St. Andreas- und St. Markus» Gemeinde in Hohen-Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 140/2 Der Borstand. Danksagung. Für die rege Beteiligung und Kranzipenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten und Bekannten sowie sämtlichen Vereinen meinen aus- richtigsten Dank. 72A krau Marie Fobke. Am Freitag, den 7. d. M., verstarb nach schwerem Leiden unser Chef, der Fabrikbesitzer, Herr Leopold Aron. Persönlich von lauterem Charakter hat sich derVerstorbene in jeder Beziehung trotz Wahrung seines Standpunktes die Achtung aller ihm Nahestehenden erworben. Die Arbeiter werden sein Andenken in Ehren halten. Die Arbeiter der Stookfabrik A. Schülbe Kacht. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. d. M., mittags 12 Uhr. von der neuen Halle des jüdischen Gemeindefriedhofes in Weißensee aus statt. 2038b Ifeitod iIbp Bottehep. leioklfer uQd üsarbeiter (Filiale Berlin). Am 81. Mai starb plötzlich an Herzschlag unser Kollege Otto Vatge im Alter von 50 Jahren. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4'/, Uhr aus dem Dankes-Kirchhose in Ret- nickendors-West statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. , llöutsctiös �ölgllsldöilgr-VgsdZNll Verwaltungastelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drahtweber Franz Fletz am 6. d. Mts. an Zuckerlrankheit gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FiiedhoseS In Friedrichsseloe aus statt. Rege Beteiligung erwartet 119/1 Die Ortsverwaltung. Vösdsnll der Sattler und Portefeuiller, 0rtsÄ,unB Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied. der Trcibriemensattler Hermann Dietze verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Juni, nachm. 9 Uhr, von der Leichenhalle deS Pankower Gemeinde-FriedhoseS 3 in der Schönholzer Heide aus statt. 197/11 Die Ortsverwaltung. Danksagung:. Für die vielen Beweise herz- sicher Teilnahme und die zahl- reichen Kranzspenden bei der Bc< erdigung meines liehen Mannes dodann Strauß sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Fauline StrauB geb. BShrtseh. Am Freitag verstarb unser Meister Max Böttcher nach schwerem Leiden im Alter von 94 Jahren. 2037b Ehre seinem Andenken! vi« organisierten Kollegen der Firma Karl Schulz. Hasenheide 9. Nach langem schweren Leiden enllchlics am 8. Juni mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwieger- und Großvater Joseph Woelhe im 53. LebensiaHre. 2036B Dies zeigt tiesbetrübt an �Vlll>«liiilne Woelkc geb. Gerhard» nebst Kindern, Palisadenstr. 28, II. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. Juni, nachm. 9 Uhr, von der Halle des Zentral- , Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterS, Sohnes, Schwieger- und Großvaters, des Kohlenhändlers IKurl Eisenberg sagen wir allen Freunden und Be- kanitten, den Mitgliedern des Wahl- Vereins. des Vereins selbständiger Kohlenhändler und deS Sparvereins „Freundschast" unseren herzlichsten Dank. 6021 Familie Elsenberg. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beisetzung meines geliebten Mannes, des Schuhmacher- Meisters 60.A. Georg Kördel sage ich allen Freunden und Be- kannten sowie allen teilnehmenden Vereinen, insbesondere Herrn Dr. Schütte für seine schönen Worte am Sarge deS teueren Enlschlasenen meinen herzlichsten Dank. Allmm KOrdel nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten VaterS Karl Und« sagen wir allen Verwandten und Be- kannten sowie dem Chef und den Kollegen der Firma A. Moldenhauer Söhne, den Modelldrechslern Berlins, den Sängern, dem Holzarbeiter-Ver- band und dem Wahlverein des vierten ReichStagswahlkretseS unseren herz- lichsteu Dank. 60A Die trauernde Witwe Kedwlg Linde nebst Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne« und guten Vaters 20A Emil Wegehaupt sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Gesang- verein, den Kollegen deS Metall- arbeiter-Verbandes und den Genossen deS 6. Wahlkreises unseren herzlichsten Dank. Wwe. Marie Wegehaupt und Sohn. Von der Heise zurück Or. Leopold Lilientlial, Arzt für Haut- und Harnleiden. Gr. Frankfurter Str. 107. kann sich jeder , Luden, der mit 100 M. Anzahlung eine Parzelle von 490 M. an in nord- westlichem Vorort(Gegend Spandaus) direkt am Bahnhof kaust. Auskimit M. Schwarz, Ä Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei dem Begräbnisse meines lieben Mannes, unseres guten Baters krledrieh Barthel sagen wir allen Freunden und Be- kannten innigsten Dank. 20399 Dir tranrnide» Hinterbliebeucn. Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- Stra6eS7a(2. Haus von der! ierusalemer Straße). | II. Gesch.: Berlin NO., GroBol Frankfurt. Str. 119(2. Haus I von der AndreasstraBe).| 1 Sehr gr.Answ.fert. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Schleierl loto. v. einfachsten bis zum! 1 hocheleBant.Genrez.äußerst[ niedrigen Freisen. Sonder- Ab teilnng: IHaßanfertlgung in 10 bin 12 Stunden. Sonöer-Verkauf! Ü Echter Plüsch- Teppiche Prima Qaalitlt(kein Azmlnstcr) wundervolle Master- Auswahl früher Mk. If.b« -Mk. Größe ca. 180/200 cm«ww!475 160/230 cm 80.00 21so 200/800 c»«4.00 8480 230/820 cm so.oo 47so 250/350 cm 70.00 SS50 800 400 cm los.oo 8/ jJ Nach auswärts per Nachnahme. Teppich-Spezlalhaus LW EmH Berlins. 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Kleider Halbf. Blusen Gardinen Steppdecken Gartendecken Küchenwäsche Morgenröcke Morgenjacken Damentrikotagen Handarbeiten Halbf. Kinderkleider Fertige Blusen Daunendecken Schlafdecken Hauswäsche Blusen Kinderwäsche Stickereistoffe Bettstellen Landeshuter Leinen- und GebiJd-Weberei F. V. GrünfeM Badewäsche Unterröcke Herrenwäsche Waschstoffe Bettfedern Größtes Leinen- und Waschehaus Berlin WS� Leipziger Straße 20-21. Groß-Berlin. Bitte, diese Liste aufzubewahren! GroßsBerlin. Wc tepip fiihibanttn, die de« Wims der Hmemdeiter m GrchKM bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Narteigenosten> Arbeiter, Interessenten, Uaucher! Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen getmllt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uedt Solidarität! Osten. *Ctto Tchirmcr, Franksurter Allee 7. -ZiiUH. Stlcin, Am Oberbaum 1. I -Zcl)ul,e, Friedrich«rr1der iEttafee 23.| TOI. Hannemann. BreSIauer Str. 8. «i. Ariete. Lannr,tr. 20. IV. -Paul Wot�rhlc, AndreaSftr. IS. -Hermann Tavid. Wcidenweg 3. Helene Kolberg. Memeler Str. 34. "Pool Peterson. Weidcnweg 83. Hermann Kaselow, Friedenstr. 74. Zyranz Krüger. Posener Str. 25. -Joh. Heiden. Weidcnweg 26. -Ernst Boft, Voigtstr. 6. �Sustav Brösel. Fruchlstr. 83. Max Lerche, Tilsiter Str. 44. -ylugust Körlin. Rigaer Str. 46. ®. Tornow. Wcidenweg 8. -Johann Liebich. Memeler Str. 7. Otto Koglin. Schreinerstr. 55. Anton Fröhlich. Langestr. 56. Fr.. Schubert. Romintener Str. 30. B. Gpenkoch. Tilsiter Str. 90. Robert Zisowski. Tilsiter Str. 76 II. Rudolf Pohl. KoPernikuSstr. 3 I. Adolf Löschte. KI. Andreasstr. 6. "Wilh. Göse, MarkuSstr. 27. -Friedrich Knrschner. Fruchtstr. 61. -Gcllings. Zorndorserstr. 3. Otto Sternke. Krautstr. la. -Scheuermann. Proslauerstr. 39. / Südosten. Adolf Domann» Lausitzcr Str. 7. -August Lefövre, Adalbertftr. 18. 'PH. Baehr. Naunhnstr-. 24. Emil Göbler. Cuvrhstr. 48. -Louis Fischer. Wiener Str. 57d. 'Gustav Zillich, Farster Str. 8. 'Robert Kessler, Mariannenstr. 37. -Jean Brunn, Wrangelstr. 15. -Fri« Lobbes, Adalbcrtstr. 58. 'Wilhelm Friebrl. Forster Str. 39. -Wilh. Ttüvner,(iöcnbabnstr. 33. -«iimmlrr, Aeichenberger Str. 157. -Baut Reievett. Wrangelstr. S2. -Slvoli ttunHe, Grünauer Str. ,. -Robert Franke. Britzer Str. M. Bernh. Müller. Rcichenbergerstr.141 -August Bogel. Admiralstr. 23. Koelpin. Admiralstr. 9. Wolff. Görlitzer Str. 57. Süden. -Wilh. Bocrncr. Ritterstr. 15. -August Zech, Gitschiner Str. 53. -Gustav Schmidt, Gräfestr. 68. -Gustav Lochmann. Wassirtorstr.49. Südwesten. Wwe. Lücke, Möckcrnstraße 116. Nordwesten. -Richard Kiepert, Zwinglistr. 29. Otto Bornkessel, Waldstr. 39. III. -Wilhelm Bundschuh. Birkenftr. 48. -Robert Kern. Stromstr. 25. Richard Schoppan. Wiclefstr. 46,1. -H. Hagedorn, Emdener Str. 47. 'Bösenberg. Zlostoiker Str. 21. -Paul Müller. Beusselstr. 28. Julius Löbel. Beusselstr. 62. Paul Galow. Beusselstr. 41. Norden. Alb. Boldnan. Stargarder Str. 64. -Wilh. Blanck. Ackerstr. 119. -I. Stabrey. Gleimftr. 10. Rudolf Runge. Jnvalidenstr. 20. -Emil Herforth. Rügener Str. 7, Eingang Putbuser S trage. -Frau Luise Rufs. Soldiner Str. 69. 'WachSmuth, Frcienwalder Str. 12. Schubert, Norweger Str. 4. August Bausdorf. Soldiner Str. 14. -Deglow. Hochstr. 2». -Paul Mazanke, Pantslr. 24. -Hermann Kornetskt. WollinerSt. 23 Kempers, Fehrbelliner Str. 57. -A. Lindemann. RheinSberg. Str. 37. -Fri« Sperber. Ruppwer Str. 44. -B. Moritz, Bernauer Str. 18. Liebrecht, Weißenburger Str. 83. -Julius Ricke, Saarbrücker Str. 7. -Wilh. Klein, Müllerstr. 184. -Paul Opitz. Lygarstr. 2. -B. Robrahn, GreifenhagenerStr.t6. -Engelhardt. Schönhauser Allee 50a. Hcllmann. Schönhauser Allee 40a II. -Frau Krause. Biesenthaler Str. 9. -Oskar Klose. ReinickcndorserStr.36. H. Bongardt. Gleimstr. 40. F. Zimmermann. TreZckowstr. 13. -Kriedemann. Stargarder Str. 74. Paul Roa, Malplaquetstr. 24, I. -Wilhelm Russ, Antonstr. 2. -W. Göppner. Maxftr. 13a. August Schirmer. Jnvalidenstr. 2. -Louis Hostmann. Gaudystr. 5. -Robert Eckert. Kolberger Str. 15. -Robert Grewe, Wiclenstr. 19. -P. Goriwoda. Stolpische Str. 44. -Aschcnbrenner, Schliemannstr. 4. -Ad. Kramer, Schwcdter Str. 18/19. -Friedrich Schulz, Wiesenstr. 60a. Albert Haspel, im Humboldthain. -August Beutel, BiesenthalerStr. 24. -Eduard Möhl.SchönholzerStr.11. -H. Herberg, Gleimstr. 65. -Karl Habersaath, Graunstr. 40. -Gustav Hennig. Koloniestr. 129. 'W. Pollwitz. Schliemannstr. 47. -A. Kaerger, Prenzlauer Allee 169. -Paul Kueifel. Ackerstr. 131. -Schlössers Rachf., Gerichlstr. 2. Jakob Götting.Liebenwalder Str. 5. 'G. Stahtderg, Dunckerstr. 12. Paul Noait. Schönhauser Allee 56. -Ernst Seitul,. Bernauer Str. 2. -Willy Serrr. Swinemilnder Str. 55. -tttustav Hen,r, Stettiner Str. S1. Otto Brann, Rupptncr Str. 14. -Rod. Genzkow. �ortzingstr. 24. »W. Balzer. Ramlerstr. 12. Prager, Ruppiner Str. 25 I. Friedr. Berlin, Ackerstr. 130. -Pflug, Reinickendorjer Str. 71. E. 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Weinstr. 2S. -Hugo Wache, Koppenstr. 4S. -Galka, Elbingcr Str. 41. Zentrum. A. Thaim, jetzt Mulackstr. 8, Hos, I Stfl. III. 'Otto Probst, Linienstr. 25. Bororte. Paul Schubart. Charlottenlurg, Usenaustr. 9. Otto Klemm. Bohndors b. Grünau, Arbeiterbaugen. Paradies, Ausg. 6. Paul Roack. Köpenick, Kaiser- Wilhelmstr. 103. Rob. Hellmer. Adlershos. Karl Jancke, AdlerShos, Friedenstr.16. 'Rud. Otto, Adlershos, Sedanstr. 29. Benkert, Adlershos, BiSmarckstr. 58a. Emil Rasenack. Nieder-Schöneweide, Brückenstr. 3. Albert Schumacher, Lichtenberg, Wartenbergstr. 68. 'Fritz Ehlert, Britz, Rudow« Str. 5. -H. Trompa, Lichtenberg, Scharn- webcrstr. 44. -Harting. Lichtcnb«g, Rummels- burger Str. 18. 'Kaiser. Lichtenberg, Möllendorff- stratze 15/17. -Joh. Bobrowski, Rummelsburg, Crossener Str. 17. -Maserkopff, Boxhagen, Wes«str.35. -Schütze, Neukölln, Witzmannst. 22/23. -Schulze, Neukölln, Steinmetzstr. 110. Gustav Becker, Neukölln, Jnnstr. 29. -Alb.Schuster.Neuköllu. Fuldastr. 15- I. 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Beyer, Palisadenstr. 95. Gärtner, Boxhaaen-Rummelsburg, Sonntagslr. 3. Wigand, Lhchener Str. 13. Blaurock, Heincrsdorjer Str. 15.'Genserowskt, Steinstr. 16. Albert Sonnabend, Alexanderstr. 30. Autzerdem sämtliche Verkaufsstellen der Grotzeinkaufsgesellschaft Hamburg sowie der Konsumgenossenschaft Berlin u. Umg.— UWT- Alle mit einem- versehenen Firmen haben Ladengeschäfte.-W> Raucher! Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Dop Vertrauensmann. Alwin Schulde, Große Hamburqer Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11— 12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, das? wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grüne« P.-w°°°n-°nwm. Vertrauensmann, a. st mu. AM" Die nächste Liste erscheint in 14 Tagen wieder."WW JbergntttorUlcher Öiebfllteurj Llhrrt Wachs. Aerliu. Für ds Lnierai-n:tziIvxr«mt«�Ttz.ö>l»är, Berlin. Druck«.Verlag: Korwärltz wuchdruckerei Beriagsanslalt Singer S-rl>sLÄS. Sr. 132. 29. Iahrglmg. 4, KeilW des.Amiick" önlimr WslilM Ao««tag, 9. Znvi l912. Mocden-Spielplan cler Se�linep Lkeater. Sönigl. Opernhaus. Sonntag: Die Zauberfiöte. Montag: Man an. Dienstag: Hansel und Grete!. Berfiegelt. Mitwoch: Tristan und Isolde. (Ansang 7 Ubr.) Donnerstag: La Traviata. Freitag: Tannhäuser. Sonn- abend: Geschlossen. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Madama Lutterfly.(Ansang 7'/, Uhr.) König!. Schauipielhaus. Sonntag: 181L. Montag: Der große König. Dienstag: Die Jungfrau von Orleans. Mittwoch: Maria Stuart. (Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Der groß« König. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Beschlossen. Sonntag: Der große König. Montag: Penthesilea.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: So ist das Leben. Montag und DienStag: Erdgeist. Mittwoch und Donnerstag: Oaha. Freitag: Erb- geist. Sonnabend und Sonntag: Der Marquis von Keith. Montag: Ge- schloffen.(Ansang 8 Uhr.) Kammerspiele,«onntag diS Mittwoch: Mein Freund Teddh. Donnerstag: Frühlings Erwachen. Freitag bis Sonntag: Mein Freund Teddy. Montag, 17. Juni: Geschloffen.(Ansang 8 Uhr.) Lesstng, Theater. Allabendlich: Johann Strauß-Theater: Sonntag, Montag, DonnerSlag: Die Fledermaus. DienStag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend, Sonntag: Der Bogclhändler.(Ansang 3 Uhr.) Montag: Ver- gnügungSreise.(Ansang VI, Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) NeueS Schauspielhans. Allabendlich: Parkettfitz Nr. 10.(Ansang »1, Uhr.) Komische Oper. Allabendlich: HeMgenwald.(Anfang 8 Uhr.) «nrfürsten-Ope«. Allabendlich: Der Tanzanwalt.(Ansang 3 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Der liebe Auguftin.(Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Leibgardist. All- abendlich: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte.(Ansang 8 Uhr.)' Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Khritz- Phritz. Abends: Die Haubenlerche. Montag und DienStag: Nachruhm. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag: Der scharfe Junker. Freitag: Nachruhm. Sonnabend: Die Haubenlerche. Sonntag und Montag: Nachruhm.(An- saug 8 Uhr.) Schtller-Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Psarrer von ffirchseld. Abend»: Di» Lokalbahn. Die Medaille. Montag und DienStag: Die Lokalbahn. Die Medaille. Mittwoch: Der ~ Sonnabend, Wl.■... keusche Susanne.(Ansang 8>U Uhr.) Restdenz< Theater. Bis aus weiteres täglich: Alle» für die Firma. (Ansang 8 Uhr.) Theater in der«öniggrätzer Strafte. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Bis aus wettere» täglich abends: Die sünf Frankfurter. (Ansang 8 Uhr.) .."- Allabendlich: Die schöne Helena.(Ansang Theater des WeftcnS. 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Autoliebchen. Luftspieldaus. Allabendlich: So'n Windhund.(Anfang 8 Uhr.) 8 Uhr: Polnische«trtschast. Neues Operetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Allabendlich: Der Kongreß von Sevilla.(Anfang 8 Uhr.) Rose- Theater. Sonntag und Montag: Der Psarrer von Kirch- selb. DienStag bis Montag: Bilanzen des Lebens.(Anfang 8'). Uhr.) Luisen< Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ich laffe Dich nicht. Allabendlich: Schwester Carmen.(Ansang 8.L0 Uhr.) Neues Volkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Königsleutnant. Abends: Der Raub der Sabmcrimien. Montag und DienStag: Der Raub der Sabinerinnen. Mittwoch: Geo- graphie und Liebe. Donnerstag: Der Raub der Sabinerinnen. Frettag: Der Königsleutnant. Sonnabend: Der Raub dex Sabinerinne». Sonntag: Ltteratur, Leibelei.(Anfang 81/, Uhr.) Metropol- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dorothea. Die kleinen Lämmer. Allabendlich: Schwindelmeier«. Co.(Anfang 8 Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Parisiana-Ensemble.(Ans. 81/« Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Um eine Krone.(Zlnsang 81/. Uhr.) Zlpollo> Theater. Abends täglich: Spezialitäten. lSInsang 8 Uhr.) Wintergarte«. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Ubr.i Reichshallen»Theater. Täglich: Sanatorium. sang 3 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Köntastadt-Kafino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Urania-Theater. Sonntag: Von Meran zum Ortler. Montag den Dolomtten. Dienstag: Im Lande der Mitternachtssonne. Mira Sonnenstich.(An- ! In och: ltag: Der Großglockner, Gastein, Salzburg. Donnerstag: In den Dolomtten. Freitag: Im Lande der MttternachiSsorme. Sounabend: Der Großglockner, Gastein, Salzburg. Sonntag: In den Dolomtten. 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DerPIarrer lonKircMelil. Ansang 8'/« Uhr. Morgen: Der Pfarrer von Kirehfeld. Aus der Gartcnbühne: Die groszc! Jahresrevue: Jnhuk ES ist erreicht. Das Konzert wird ausgeführt vom„Berliner Volkschor"(M. d. D. A.-8.-B.), Dirig. Herr Dr. Zander— unter Mitwirkung des �.Berliner Sinfonie-Orchesters-, Dirigent Herr Maximilian Fischer. Einlaß• Uhr, Anfang 7 Uhr abends. Eintrittsgeld 60 Pf. inkl. Garderobe u. Programm. Kinder haben zur Eröffnungsfeier keinen Zutritt. Dienstag:, den 25. Juni, nachmittags 6 Uhr: Besuch der Arheilerwoiaiirls-Äüsstelluug in Charloitenburg. Donnerstag:, den 27. Juni: Dampferpartie mit Musik nach nsrienlust bei Grünan.— Besteigen der Müggelberge, Rundfahrt auf dem Seddinsee. Abends Konzert und Tanz in der Krompcnbure- Billetts 75 Pf., Kinder frei.— Abfahrt Punkt 1 Uhr mittags vom Brandenburger Ufer (Jannowitzbrücke). Rückfahrt O'/j Uhr abends von der Krampenburg. 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