Nr. 134« 39. Jahrg. flbonnements-Rtdlttgunaen: Hl A\ �8 Die Tnfcrtions-GcbOfir «bonnemenls. Preis pränumerando:■9 WW S|H Hl HB M» HJF/� � betrügt für die sechsgespaltene Kalonef. Bicrtcljührl. 3�0 Mb, monatl. l.io Mb, MW MM I �BD H| X/ BH WM WW M> WW I zeile oder deren Raum«o Pfa„ für wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. DWI LrflH I MM H9 BB MM 1B BH BB MM f/ SB politische und aewcrtschaftiiche Vereins- Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- �MRsn I r�KH I MM MW|B| W) BS HB BD BB|�9(Z HM BH f— 1/ und Verfammlungs-Anzeigen 30 Psg. Nummer mit illusnrcrler Sonntags- USKfl I WM MH BD'— DB MM WM«B BB B> SM MM //„Kleine Hnretgen", das setlaedruckte Beilage.Die Neue Weit- 10 Pfa� Post. ÄW?| H DW Bf B| B B B B B H BM I mL. Wort 20 Pfg. iiuläffig 2 fettgedruckte Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. VvJB I MB I �M B» MM DB �M BB DB �H Worte), jedes weitere Wort>0 Psg. Eingetragen in die Poft.Zeiwngs. DB MB I BS» BWV JHit. BHl DM B �MMMU i Elellcngesuche und Echlafftellenan- Preisliste. 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Als Herr Tisza begann, die Manieren der Kaschemme in den ungarischen Reichstag einzuführen und die Opposition ein- fach mit Polizeigewalt an die Luft setzen ließ, jubelten ihm nicht nur die Budapester und Wiener Preßlakaien zu; auch unsere Reaktionäre stimmten mit Begeisterung in das Beifalls- gejohle ein. Herr Tisza hatte in die Tat umgesetzt, was ihres eigenen nicht immer verschwiegenen Herzens heißestes Sehnen schon seit vielen Jahren ist, und sie, die schon so lange vergebens auf den„starken Mann" warten, betrachten nun die Vorgänge in Ungarn als eine Art Generalprobe der internationalen Reaktion. Sie bedenken dabei nicht, daß die so laut und etwas marktschreierisch auftretende Opposition des ungarischen Reichstages zum großen Teil innerlich hohl ist. weil sie ebenso wenig die wirklichen Volkskräfte vertritt wie die„nationale Arbeitspartei" und daß selbst jetzt die wirkliche Stütze der Opposition nur das in Ungarn erst verhältnismäßig schwach entwickelte industrielle Proletariat ist. Aber unsere Reaktionäre haben jetzt noch einen be- sonderen Grund zu ihrer Freude über den ungarischen Ge- waltstreich, und die„ D e u t s ch e T a g e s z e i t u n g" z. B. hat ihn unlängst deutlich zu erkennen gegeben�. Die gewält- same Entfernung des Genossen Borchardt aus dem preußischen Abgeordnetenhause liegt den Herren noch schwer im Magen. Innerlich fühlen sie doch, daß sie damit nicht nur politisch ein gefährliches und ungeschicktes Spiel gewagt haben, sondern auch, daß ihr Vorgehen selbst nach bürgerlich-rechtlichen Ve- griffen ein Verbrechen war. Und aus diescni Grunde war es ihnen besonders unangenehm, daß eine bürgerliche Partei wie die Freisinnigen sich nicht rückhaltlos auf ihren Gewalt- standpunkt stellte, daß insbcsonders einige liberale Blätter eine, wenn auch recht liberal-schüchtcrne Kritik an dem Vor- gehen ihres Präsidenten wagten und sich auch ihrer juristi- scheu Konstruktion des Falles Borchardt nicht ohne weiteres entschlossen. Da kam ihnen nun Graf Tisza, der Führer der„libe- ralen" Partei Ungarns, gerade recht.„Gott sei Dank", riefen sie nun. die Liberalen machen es, wenn sie an der Macht sind, auch nicht anders als wir. Und sie bereiteten sich vor. dieses glänzende Argument gegen ihre freisinnigen Gegner auszuspielen. Freilich, hätten sich die Herren die Sache etwas ruhiger überlegt, ihre Freude wäre doch Wohl etwas geschmälert worden. Denn Herr Tisza hat unseren Reaktionären ihre schöne juristische Verteidigung der Gewalttaten ihres Präsidenten glatt über den Haufen geworfen. Der Fall lag juristisch klar genug. Genosse Borchardt hatte den Präsidenten und seinen polizeilichen Helfer aus- drücklich darauf aufmerksam gemacht, daß das Strafgesetz- buch des Deutschen Reiches ihr Vorgehen ausdrücklich als Verbrechen bezeichnete. Trotzdem war er mit Gewaltanwendung aus dem Sitzungssaal entfernt und an der weiteren Teilnahme an den Verhandlungen aber- mals mit Gewaltanwendung verhindert worden. Man sollte meinen, daß es für das Strafgesetz keinen Unterschied macht, wer sich dieses Verbrechens schuldig macht, und daß es deshalb nicht aufhört, ein solches zu sein, weil der Präsident des Hauses es begeht und sich zu seiner Ausfühning der königl. Polizeibehörde bedient. Die Berufung auf die Geschäfts- ordnung des preußischen Abgeordnetenhauses konnte nichts helfen, weil bekanntlich Reichsrecht Landrecht bricht und daher natürlich noch weniger durch einfachen Beschluß eines Einzel- laudtages aufgehoben werden kann. In dieser Verlegenheit kommen nun die konservativen Jurisien auf zwei Ausreden: Erstens habe der Gesetzgeber bei seiner Strafverfügung„selbstverständlich" nur an eine äußere Gewalt gedacht, die Abgeordnete an der Ausübung ihrer Pflicht hindern, nicht aber an den vom Hause selbst gewählten Präsidenten, der seine Disziplinargewalt ausübe. Eine zweite. noch schönere juristische Konstruktion hat dann der Herr„Erste Staatsanwalt beim kgl. Landgericht I, Berlin" in seiner Antwort auf die von den Genossen Borchardt und Leinert erstattete Strafanzeige geleistet. Daraus, daß in der Ver- fassungsurkunde nicht ausdrücklich steht, daß die Kammern bei der Schaffung der Geschäftsordnung an die Bestimmungen des Strafgesetzbuchs gebunden sind, ergebe sich, daß die Wahl der Disziplinmittel vollkommen„dem Ermessen jeder der beiden Kammern überlassen sein soll." Herr Tisza hat nun wie an einem Schulbeispiel gezeigt, wohin diese schönen juristischen Konstruktionen führen. Er gibt sich nicht mit Kleinarbeit ab, er geht aufs ganze und läßt nun tagtäglich einfach von seinen Panduren die ganze Opposition zum Tempel hinauswerfen, worauf die Gesetzfabrikation glatt von statten geht. Das bißchen Schießen eines oppositionellen Abgeordneten kann daran nichts ändern. Nach der Auffassung unserer Krön- juristen ist das auch ganz in der Ordnung: denn Graf Tisza ist der gewählte Präsident dos Abgeordnetenhauses, er übt daher ebenso wie Herr v. Erffa nur sein Tis- ziplinarrecht aus, und die Majorität des ungarischen Reichs- tags grölt ihrem Präsidenten Beifall zu. Und würde Herr Tisza morgen beschließen, daß seine Panduren ihre Flinten und Revolver nicht mehr allein auf der Straße gegen Arbeiter ausprobieren sollen, sondern daß sie etliche Mittlvoch, den 13. Juni 1913. Führer der Opposition nicht nur aus dem Parlaments- Gebäude, sondern überhaupt aus diesem irdischen Jammertal schaffen sollen, nicht nur seine getreuen Mamelucken von der „Arbeitspartei" würden ihm zujubeln, auch der Herr Erste Staatsanwalt beim Kgl. Landgericht I in Berlin müßte ihm Beifall spenden; denn auch die ungarische Verfassungsurkunde enthält keine ausdrückliche Bestimmung, daß der Präsident des Abgeordnetenhanses in der Ausübung seiner Disziplinargewalt keinen Mord begehen darf. Natürlich ist damit nichts getan, wenn man den Rechts- bruch Tiszas als Verbrechen bezeichnet. Das Verbrechen ist die Auflehnung einzelner gegen die Gesetze des Landes. Der Staatsstreich ist ebensowenig ein Verbrechen wie die Revolution. Beide schaffen neues Recht und finden dessen Maß nur in ihrer eigenen Kraft und Gewalt. Deshalb liegt immer eine gewisse Heuchelei in dem Gerichtsverfahren, das der Sieger gegen den Besiegten einschlägt. Die englische und die französische Revolution haben die Könige vertilgt, nicht weil sie Verbrechen begangen hatten, sondern weil sie politisch schädlich waren. Und ebenso wütete die siegreiche Reaktion stets gegen ihre besiegten Widersacher, nicht weil diese verbrecherisch, sondern einfach iveil sie unterlegen waren. Siegt in dem Ringen zwischen Adelsabsolutismus und Demokratie in Ungarn das Volk, dann ist Graf Tisza der „überführte Verbrecher", d. h. dann fällt er mit dem absolutistischen Prinzip, zu dessen Handlanger er sich jetzt hergibt. Siegen aber die Krone und das Junkertum. dann wird sich kein Richter finden, der zu fragen wagt, ob der Weg, der zum Siege führte, über Aktionen ging, die in friedlichen Zeiten die Anwartschaft auf das Zuchhaus bedeutet hätten. Beim Staatsstreich wie bei der Revolution gibt es Richter nur für den Unterliegenden. Denn sie sind nicht Rechts-, sondern reine Machtfragen. Graf Tisza hat bewußt und ohne Scham das Recht ge» brachen, weil ihm das zu erreichende Ziel, die Festhaltung der unversehrten Adelsherrschaft, wichtiger und wertvoller er- scheint als die Einlialtung des formalen Rechts. Die preußi- schen Richter werden im Falle Borchardt zu zeigen haben, ob sie das Vorgehen des Herrn v. Erffa nach dem Beispiel Tiszas werten oder nicht, ob auch ihnen das angestrebte Ziel, die Aufrechterhaltung der ungestörten Junkerherrschaft wich- tiger und wertvoller erscheint, als die Einhaltung des formalen Rechts. Stellen sie sich auf die Seite des präsidialen Rechts- bruchs, dann zeigen sie, daß es sich hier nach ihrer Auffassung nicht mehr um das Vorgehen eines einzelnen handelt, der sich gegen das bestehende Gesetz vergangen hat, sondern um den Akt einer ganzen Klasse, die zur Aufrechterhaltung ihrer Macht auch vor revolutionären Mitteln nicht zurückschreckt, daß sie sich unzuständig fühlen, einen Fall zu beurteilen, der kein Verbrechen mehr beinhaltet, sondern einen Staatsstreich. eine velchuflchtlgungznote aus dem päpitlicheD Lager. Der Auditor Heiner hat der„Kölnischen Volkszeitung' eine neue Erklärung zu der Gewerkschaftsfrage gesandt. Der Papst wolle die christlichen Gewerkschaften mit ihrem interkonfessionellen Charakter weder billigen noch verurteilen, wie dies ausdrücklich im„Osfervatore romano" vom 24. Januar ISO« erklärt sei:„Der apostolische Stuhl hat eS ausdrücklich den Bischöfen freigestellt, die« jenige Richtung der Gewerkschaften zuzulassen, zu billigen und zu bevorzugen, welche den jeweiligen Bedürfnissen einer Diözese und Provinz am besten entspricht." Beide Richtungen, fährt Dr. Heiner sott, habe der Papst al» gut bezeichnet, wenn er auch vom prinzipiellen Standpunkte die nicht« interkonfesfionellen Gewerkschaften bevorzuge. Auf diesem Standpunkt stehe der Papst heute noch. Was er fürchte, sei nur, daß für den katho- tischen Arbeiter mit der Zugehörigkeit zu den akonfessionellen Ge- werkschaften Gefahren verbunden sein könnten, und diese Furcht be« stehe jetzt noch. DaS keine Verurteilung, kein Mißtrauen, sondern Fürsorge ftir die katholischen Arbeiter. In der Hand der maß- gebenden Persönlichkeiten der christlichen Gewerkschaften liege eS. diese Gefahren hintanzuhalten. besonders durch allseitige Pflege der konfessionelle« Arbeitervereine. Die ersten und höchsten Ziele der Arbeiterorgani« s a t i o n e n lägen auf geistigem und religiösem Gebiet. An zweiter Stelle käme die materielleBesserung der Lage der Arbeiter. Sei der Arbeiter geistig, religiös und sittlich gestählt, so werde die Furcht des Papstes schwinden, oder wenigsten» gemildert. Empfehlen könne der Papst die christlichen Gewerkschaften nicht, er könne ihnen nur duldend und mahnend gegenüberstehen, ohne sie jedoch zu verurteilen, so lange nicht Tatsachen vorlägen, die eine Duldung unmöglich machten und ein Einschreiten gebölen. Bei den christlichen Gewerkschaften sind solche bis jetzt tatsächlich vermieden worden, weshalb sie der Päpstliche Stuhl bisher geduldet hat und auch weiter dulden wird, so lange die bisher ein- geschlagenen Wege eingehalten werden. Erstreben sie doch die Besser- stellung der arbeitenden Klasse und die Bekämpfung der Sozialdemokratie, des Feindes der Kirche und des Staates. Vermeiden sie dabei die Verletzung christlicher und kirchlicher Grund- sätze, und haben ihre katholischen Mitglieder die Intention, sich gegebenenfalls den-Anweisungen des Apostolischen Stuhles zu unterwerfen, so werden sie keine Gefahr lausen, von der höchsten kirchlichen Autorität verurteilt zu werden. expeditiom 803. 68, Lindcnstraoae 69. || Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr» 1984. llmsomehr liebt der heilige Vater sämtliche katholische Arbeiter- vereine sich spreche aus sicherer Kenntnis) und wenn er eine Richtung derselben ermahnt hat, so sollte das kein Zeichen des Mißtrauens sein, sondern seiner väterlichen Liebe und Güte. Ich bin in der Lage, dafür Zeugnis ablegen zu können." Die„Kölnische Volkszeitung" ist mit dieser Erklärung sehr zu« stieben. WaS von den katholischen Arbeitern und den katholischen Mitgliedern der christlichen Gewerkschaften verlangt werde, sei alles geleistet worden, wovon das deutsche Episkopat Zeugnis ablegen werde. Im übrigen beschuldigt sie von neuem die Berliner Richtung deS Verdächtigungsfeldzuges gegen die übrigen Arbeitervereine. An sie sei die Mahnung zu friedlichem und gemeinsamem Zusammen« gehen an erster Stelle zu richten. Die Zufriedenheit der„Kölnischen Volkszeitung" nimmt kein Wunder, sie klamniert sich an jedes Wort, um eine strikte Ver- urteilung der interkonfessionellen Gewerkschaften durch den Papst nicht eingestehen zu müssen. Für den objektiven Leser auch des neuesten Kommentars des Auditor Heiner kann freilich nicht der geringste Zweifel bestehen, daß entweder die interkonfessionellen Ge« werkschaften durch den Papst verurteilt werden, oder daß sie sich einfach bedingungslos den Weisungen des apostolischen Stuhles unterwerfen. Der Auffassung ist man auch in der antikölnischen Richtung. Noch ehe die letzte Erklärung Heiners abgegeben wurde, schreibt die„Kölner Korrespondenz", ein Organ, daS gegen Bachem und die„Kölnische Volkszeitung" arbeitet: „Die(erste) Erklärung, die Msgr. Heiner, Uditore bei der römischen Rota, als„Wort für Wort den Intentionen des Aposto- lischen Stuhles entsprechend" veröffentlicht hat, ist ein neuer schwerer Hieb gegen die„Köln°Gladbacher". Sie bestätigt die Angaben deS Pfarrers Beyer auf dem Berliner Kongreß der katholischen Fachabteilungen und besagt, daß die interkonfessionellen Gewerkschaften, die„bis jetzt" nicht verurteilt wurden, für ihre katholischen Mit- glieder eine Gefahr bilden können. Die„Kölnische VolkSzeitung" (Nr. 503. 7. Juni 191.2) findet diese Erklärung„beruhigend". Wie bescheiden I Sie sitzt unter einem Damoklesschwert, beruhigt sich aber bei dem Gedanken, daß der Faden, an dein das Schwert hängt,„bis jetzt" noch nicht gerissen ist und noch eine kurze Zeit halten wird. Ja gewiß, noch eine kurze Zeit. denn Rom kann warten. Aber der TodeS st oß kommt und zwar nicht nur für die Gewerkschaften, sondern für die ganze Kölner Richtung. WaS Rom für die gewerkschaftliche Betätigung der deutschen Katholiken ver- langt, das verlangt es auch für die öffentliche und politische Betätigung im Zentrum. Wenn der Papst die München-Gladbacher Richtung im Prinzip mißbilligt, weil sie den Einfluß der Kirche aus den gewerkschaftlichen Organi« sationen katholischer Arbeiter ausschalten will, um wie viel mehr muß er denn die Kölner Richtung verurteilen I In der Tat: Während die christlichen Gewerkschaften sich gegen die Neuein- führung deS katholischen Prinzip«, welches ihnen immer fremd war, zur Wehr setzen, will die Kölner Richtung dem Zentrum sein altes katholisches Prinzip, sein katholisches Fundament rauben. Dabei ist das Zentrum für die deutschen Katholiken eine unvef» gleichlich wichtigere Organisation als die Gewerkschaften...." Bei so scharfen Gegensätzen haben die Worte Heiners, die zum Frieden mahnen, zunächst kaum viel Aussicht, beachtet zu werden. Denn für die Bachemiten ist die„Berliner Richtung", für die der Pap st auch nach dem neuen Kommentar Heiners so unbedingt und nachdrücklich eintritt, eine Brutstätte von Verleumdern und für die„Berliner" und die„Bachemiten" die schlimmsten Feinde deS Katholizismus. Daß übrigens die Kurie momentan etwas gelindere Saiten aufzieht, verdanken die christlichen Gewerkschaften vielleicht auch der Protektion des Herrn v. Bethmann Hollweg. Blättermeldungen zufolge soll der Reichskanzler in Rom entschieden zugunsten der christlichen Gewerkschaften interveniert und mit der Ab- berufung des preußischen Gesandten gedroht haben. Man sieht, die christlichen Gewerkschaften sind das Schoßkind aller Feinde der Arbeiterbewegung, ganz wie sonst die Gelben. Eine Kundgebung der Evangelischen. Eine Konferenz von 25 evangelischen Arbeiter- und GewerkschastSsekretären aus dem rheinisch■ westfälischen Jndustricbezirk nahm am Montag in H a g e n i. W. zum Gewerkschaftsstreit einen Beschluß an, in dem bedauert wird, daß neue Beunruhigung in die christlich-nationale Gewerkschaftsbewegung hineingetragen worden sei. Die Konferenz nehme mit großer Be- friedigung von der Erklärung des Gesamtverbandes der christlichen Gewerlschaften und der angeschlossenen Unterverbände Kenntnis. Durch diese Erklärung sei öffentlich die Jnterkonfessionalität, die politische Neutralität und die Unabhängigkeil der christlichen Gewerk- schaften festgestellt worden. Die evangelischen Kollegen werden auf- gefordert, al« völlig gleichberechtigter Teil der christlichen GeWerk- schaften nachdrücklichst sür die Stärkung der christlichen Gewerkschaften einzutreten._ Die Ereignisse in Belgien. Was die edlen Seelen gerne möchten... Brüssel, 8. Juni.(.Etg. Ber.) In ernstester Stunde, da der Völkszorn in den wallonischen Provinzen über das Wahlresultat und den sichtbaren Schwindel, dem er zu danken war, losbrach, hat der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei, seiner Verantwortlichkeit für Ge- lingen und Mißlingen aber auch für Blut und Leben der Arbeit Arbeiter bewußt, die Arbeiterschaft zur Wiederaufnahme der veranlaßt, sie zur Ruhe, zur Kaltblüttgkeit beschworen. Die Partei hat ihre einflußreichsten Kämpfer nach Lüttich, nach dem Centte, nach dem Bonnaae geschickt und inmitten der un- geheuerlichsten Verbitterung, die eine Augenblickstat forderte und ollen Argumenten taub schien, haben sie Besinnung, Disziplin gepredigt. Alle Welt, die die Reden der Genossen las, vor allein auch das Parteimanifest, das die Arbeiter zu einem Kongreß ladet, der ausschließlich die Kvmpfesmittel für die Erreichung des gleichen Rechtes beraten wird, hat daraus entnommen, daß die Partei, weit entfernt, den Kampf auf- zugeben, ihn mit allen Kr ästen aufrechterhalten, ja im verstärkten Maße weiterführen wird. Und nur aus dieser Anschauung der Dinge konnte es gelingen, die aufgeregte Volksseele zu beschwichtigen, umzustimmen. So sahen sich die Verhältnisse für jedermann an. Ausgenommen tür die Klerikalen selbstverständlich, denen ein zorniges LoA stürmen der Arbeiter weit lieber gewesen wäre, als die Ent scheidung der Partei, den Kampf vorzubereiten, zu organi sieren. Während nun die klerikale Presse in den Tagen des Generalstreiks und der Unruhen über Revolution und Aufruhr schrie und nicht genug Militär, Polizei und Gendarmerie für die „Erhaltung der Ordnung" haben konnte, geht nun ein Gespött über die Führer nieder,„die den� Kampf fliehen" Es verlohnte sich nicht, auf derlei Blödsinn einzugehen, wenn sich damit nicht auch die Gelegenheit böte, auf gewisse Er scheinungen in der Woche nach der Wahl einzugehen und ge wisse klerikale Manöver ins Licht zu setzen. Es ist nänilich über allen Zweifel festgestellt worden, daß sich während der Ausschreitungen insbesondere in Brüssel und Lüttich junge Leute herumgetrieben haben, deren Gebaren darauf schließen ließ, daß sie aus der ehrenwerten Familie P o u r b a i x stammen, der unter dem Ministerium Beer- n a e r t sein feines Handwerk trieb.... Wo immer es zu Zusammenstößen und Angriffen verschiedener Art kam, sah man eine Bande verdächtiger Gesellen, die nach dem Kommando von Anführern„arbeiteten". Alle diese „Attentate" auf Klöster, das Einschlagen von Fenstern und Laternen, die Manöver, die Tramways zur Entgleisung zu bringen, vor allem die Revolverschüsse aus der Menge, sobald sich Gendarmerie und Polizei zeigte— sind auf diese Banden zurückzuführen, die nach dem Pfiff ihrer Führer„losgingen". Man hat beobachtet, daß junge Burschen, die nachgewiesenermaßen tätigsten Anteil an den Unruhen hatten, Studentenkappen der„freien Univer' sität" trugen, obgleich das Handwerk, dem sie sichtlich oblagen, an keiner Fakultät gelehrt wird... Die Studenten haben auch in einem Aufruf die Sache festgestellt und die Presse— mit Ausnahme natürlich der klerikalen— hat wiederholt auf das schon nicht mehr zweideutige Gesindel aufmerksam ge- macht, das in nicht zu verkennender Weise die Agentprovokateur- rolle durchführte und das immer obenan war, sobald Gendarmerie und Bürgerwehr anrückte. Wer war diese Bande? oder diese Banden? Und unter wessen Befehlen handelten sie? Das Organ des Regierungschefs, das„XX. Siscle", höhnt die Leitung der belgischen Sozialdemokratie, daß sie die Arbeiter zum Aufgeben des Streiks veranlaßt hat, nachdem es vorher den Hohn nach der andern Seite geübt und gefragt hatte, ob die Führer auch die Macht haben werden, die Be- wegung zu unterdrücken.... Es ist nicht schwer zu erraten. was den Herrschaften lieber gewesen wäre und was ihnen zu ihrem Sieg gepaßt hätte.... Ein verpuffter Massenstreik mit einem kleinen Blutbad und Herr V. Broqueville, nachdem er die Kirche gerettet, nun noch als Retter des Staates und der Ordnung— es>vär' zu schön gewesen.... Daß nun die belgische Partei, statt die Entrüstung der Massen in einem blutigen und aussichtslosen Abenteuer enden zu lassen, zur nüchternen Prüfung seiner Kampfmittel schreitet und für den ihr richtig scheinenden Moment die Massen vorbereitet, um den Kampf für das gleiche politische Recht zum Siege zu führen, ist offenkundig eine bittere Enttäuschung für diese edlen Seelen. Das Komplott des Herrn v. Broqueville. Man schreibt uns aus Brüssel unterm 10. Juni: Herr Edmond Picard, der ehemalige Sozialist, der jetzt nur mehr aus den reinen Sphären der Parteilosigkeit auf die Heftigkeiten der inferioren Parteimenschheit spöttische Geist reicheleien herniedersendet, hat in der Literatur die„belgische Seele" entdeckt. Herrn v. Broqueville gebührt das Ver- die„belgische Seele" in der Politik entdeckt zu haben. Diese belgische Seele ist sozusagen der Geist der Mäßigung. Er pfeift auf Finanz- und Wehrreformen; er pfeift auf Schul und soziale Fragen; er pfeift sogar auf den Klerikalismus... Er verachtet jedoch die Extreme, die Erhitzheiten der Politik, er haßt die Taktik der Angriffe und flieht die Aergernisse der Demokratie. Aus dieser Erkenntnis der„Kme beige" der— liberalen Geldbourgeoisie oder auch nur der schwankenden überzeugungs: losen Plutokratie ist Herrn v. Broqueville und den Seinen— nicht ohne die freundliche Beihilfe von ein bißchen Kor ruption— das Heil widersahren, am 2. Juni mit verstärtter Majorität aus dem Kampf zu treten. Schon hat sich, den Dank an die neue Wählerschaft allsogleich quittierend, die klerikale Partei als„große nationale" Partei, als Partei der Mäßigung, des juste rnilieu etabliert. Wie die Minister bereits verkünden ließen, wird die klerikale Partei keine„eng herzige Partcipolittk" betreiben, sondern„nattonale" kow servative, vom Geist der Toleranz beseelte Landespolittk! Und so ist es gekommen, daß nun seit dem 2. Juni Herr v. Broqueville von der Siegerpartei als größter Staatsmann gepriesen wird. Als solcher hat sich der klerikal-konservative Chef von einem Spezialgesandten der Pariser antisemitischen„Libre Parole" interviewen lassen, und sicher erst ist es auch außer- halb der klerikalen Partei bekannt worden, w e l ch ein Staats- mann dieser Broqueville ist! Die„Libre Parole" teilt näm- lich mit, daß der klerikale Regierungschef einem Komplott auf d°- Svur war, durch welches Belgien in unendliches Elend hätte gepürzt werden können, wenn— ja wenn eben nicht die vorsorgende Staatskunst des Herrn v. Broqueville ge- Ivaltet hätte. Herr v. Broqueville hatte nämlich durch Agenten in einer alle Ziveifel ausschließenden Weise erfahren, daß für den 9. Juni im Fall eines Sieges oer Klerikalen in Belgien eine revo- lutionäre Insurrektion ausbrechen würde. Und Herr v. Broqueville antwortet auf die Frage dcs Jnter- Viewers, ob er aus dieser Besorgnis heraus die dreiJahrgängeReservisten einberufen habe, mit einem lauten und vernehmlichen„Ja"... Dies ist, knapp erzählt, die Geschichte vom„Komplott" des Herrn v. Broqueville, die allerdings die belgische klerikale Presse hartnäckig verschweigt. Zu wiederholten Malen fordert der„Peuple" die Regierung auf, mit ihrem„Komplott" herauszurücken. Aber der Ministerpräsident schweigt, und die klerikale Presse schweigt, die doch sonst nicht prüde ist, wenn es gilt, mit revoluttonären„Attentaten" den Bürger zu schrecken und die erst in diesen Tagen die exzedierenden Burschen, deren zwei deutiges Treiben alle Welt richtig taxiert hatte, als in der Volksbewegung agierende Anarchisten und Revolutionäre hin stellte. Nur von dem dem Ausland präsentierten„Komplott" weiß sie kein Sterbenswörtchen zu erzählen. Indes: Herr v. Broqueville wird schon noch gefragt werden, und man wird ja dann sehen, was es mit diesem Komplott auf sich hat und ob die Staatskunst des Herrn v. Broqueville nicht bei der Staatskunst des Beernaert eine Anleihe gemacht hat, dessen Laufbahn für elvige Zeiten mit dem glorreichen Komplott-Pourbaix im Andenken des belgischen Proletariats belastet bleibt. Her Krieg. Eine neue Aktion der italienische« Flotte? London, 11. Juni. Wie das Reutersche Bureau unter dem 10. Juni aus Smyrna erfährt, sollen am Sonnabend 19 italienische Kreuzer auf der Höhe der Insel L e r o s bemerkt ivorden sein. Sie bewegten sich in der Richtung auf die türkische Küste. Vom tripolitanischen Kriegsschauplätze. Tripolis, 11. Juni. �Meldung der Agenzia Stefan!.) Gestern früh machte eine Kavalleriebrigade einen Erkundungszug bis über Sidi Abb El Gili hinaus. In der Nähe der Verschanzung, wo die Brigade Rainaldi gekämpft hatte, fand man zahlreiche Gefallene von dcr Mahalla der Tuaregs. Sodann durchforschte die Brigade die Oase von Zanzur und steckte das an der Grenze gelegene feindliche Lager, dessen Baracken soeben verlassen worden waren, in Brand. Zahlreiche Telegraphen- und Telephonleitungen die von den Türken benutzt waren, wurden zerstört.>— Wie Kundschafter und Kriegsgefangene übereinstimmend versichern, haben an dem Kampfe bei Zanzur außer den regulären türkischen Truppen sämtliche Mahallas, auch diejenigen aus den entferntesten Lagern, teilgenommen. Wie aus Benghasi gemeldet wird, zerstreuten italienische Kavallerie und Kamelreiter gestern früh bei einem Erkundungszuge einige Gruppen von Beduinen. Die italienischen Verluste. Rom, 11. Juni. Nach Mitteilungen des KriegSministeriumS sind bis jetzt auf den Schlachtfeldern oder infolge von Verwundungen während des italienisch-türkischen Krieges 57 Offiziere und 588 Sol baten gestorben. In diese Zahlen sind die Vermißten nicht ein« begriffen, deren Zahl sich auf zwei Offiziere und 325 Mann beläuft, die zum größten Teil dem 11. Bersaglieri-Regiment angehören und eit dem 23. Oktober 1911, dem Tage des Gefechts bei Schara-Schat, nicht mehr gesehen wurden. Der Aufstand in Albanien. Man schreibt uns aus Belgrad: Die Unterschätzung der Arnautenbewegung in den türkischen offiziellen Auslassungen steht in direktem Widerspruch mit den um- ästenden Maßnahmen, die die Regierung unternommen hat, um des AusstandeS Herr zu werden. Zurzeit sind über 40900 Soldaten in Albanien konzentriert, und die Militärbehörden berichten, daß deren Zahl in einem Monat 60 000 erreichen wird. Das würde genügen, um den Widerstand der Arnauten zu brechen. Die militärisch wi-btigsten Pässe im Wilajet Kosowo find teilweise von den RegierungStruppen, teilweise von den Sufftändischen besetzt, so daß der Verkehr unterbrochen ist. Die großen militärischen Maßnahmen der Regierung haben die freie Bewegung der Führer und die rasche Verbreitung des AusstandeS wesentlich eingeschränkt. Andererseits, wahrscheinlich in der Absicht, die sowieso schwierige Lage nicht nocki zu erschweren, versucht die Regierung, mit den Arnauten zu verhandeln und sie durch Konzessionen zur Ruhe zu bewegen. Der Minister des Innern hat persönlich diese Unter Handlungen geführt und es bleibt jetzt abzuwatten, mit welchen Vorschlägen die Regierung kommen wird. Die Mehrzahl der Sippen sin denen die Arnauten noch immer organisiert sind) haben Bessa(das Ehrenwort, welches als heilig immer gehalten wird) gegeben, bis zur Beendigung der Verhandlungen die Ruhe zu wahren. Wie verlautet, haben die Arnautenführer folgende Forderungen aufgestellt: Albanien bleibt unter der türkischen Oberherrschast. be kommt aber eine Art der Selbstverwaltung durch die Verwirklichung nachstehender Maßnahmen: 1. die politischen Grenzen Albaniens, die bisher nicht bestanden, sollen aufgestellt werden; 2. Anerkennung der albanischen Fahne; 3. Anstellung eines Albanesen zum Gouverneur von Albanien; 4. Entlassung aller Beamten von nichtalbanischer Herkunft und die Wahl der Beamten durch Gouverneur und ein- heimische Bevölkerung; 5. Anerkennung der arnautischen Sprache als Staatssprache in Albanien; S. Garantien der Großmächte, daß die türkische Regierung diese Reformen ausführen werde. Die intransigenteren Elemente, besonders die im Auslande weilenden, verlangen entschieden einen Bruch mit der Türkei und Schaffung einer Personalunion zwischen Albanien und Montenegro. Es ist nicht ausgeschlosten, daß Montenegro irgendwelche Be� ziehungen zu diesem Aufstande hat. Wie bekannt, wurden voriges Jahr die Malisoren von ihm kräftig unterstützt. ES ist auffallend, daß der König von Montenegro gerade jetzt bestrebt ist, Ruhe in seinem Lande zu schaffen. Er hatte eine Verfassung proklamiert. Auf Grund dieser Verfassung wurde ein Parlament gewählt, das, etwas demokratisch gestimmt, die bisherige Serailwirtschaft einer Kritik unterzog. Da jagte der damalige Fürst das Parlament aus- einander, erdichtete eine Verschwörung, ließ eine Anzahl von Ab- geordneten erschießen und die anderen einkerkern. Ohne jemals vor ein Gericht geführt zu werden, blieben sie drei Jahre wie ein- gemauert. Vor kurzer Zeit befahl der König, sie freilassen und empfing sie nachher in einer feierlichen Audienz. Er ist offenkundig bestrebt, die Popularität im Volke wiederzugewinnen, um sich dessen Vertrauen zu einer willkürlichen„nationalen" Politik zu sichern. Die wichtigste Frage ist aber, ob nicht eine der europäischen Großmächte hinter dem Aufstande der Arnauten steckt. Es liegt auf der Hand, daß nian gleich an Italien denken müßte. In türkischen Kreisen aber schiebt man die ganze Schuld Oesterreich-Ungarn zu. Man behanptet, daß viele albanische Revolutionäre von Oesterreich- Ungarn unterhalten werden, daß von dxn katholischen Priestern in Albanien selbst eine große antiislamische Propaganda geführt wird und viele Bestechungsgelder an angesehene Persönlichkeiten gegeben wurden. Der montenegrinische König selbst sei nicht» andere» als ein Agent von Wien, der unter österreichisch-ungarischer Protektion seinen rein dynastischen Interessen dient. Es läßt sich zurzeit nicht prüfen, ob diese Beschuldigungen wahr find. Das eine aber ist sicher: der italienische Einfluß in Montenegro ist in der letzten Zeit sehr abgeschwächt, der österreichisch- ungarische dagegen hat wesentlich zugenommen. Sobald Italien durch den Krieg für eine Balkanpolitik untauglich wurde, ließ der montenegrinische König alle italienische Unternehmungen in seinem Lande im Stich; sie verkrachten und wanderten größtenteils aus, um den österreichischen Platz zu machen. In Wien wurde Montenegro eine Staatsanleihe von drei Millionen Kronen gegeben, österreichische Ingenieure bauen die Wege in Montenegro, um es mit Dalmatien wirtschaftlich zu binden; das montenegrinische Geld durfte in Oesterreich zirkulieren, eine Kommission österreichischer Juristen bereitet jetzt eine Gerichtsordnung' für Montenegro vor, und es wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Zollunion zwischen der österreichischen Monarchie und Montenegro hingearbeitet. poUtifebe öcb erficht. Berlin, den 11. Juni 1912. Erffns Nachfolger. Verschiedene Blätter wissen bereits über die porailssichk» liche Nachfolgerschaft des verstorbenen Präsidenten des Ab- geordnetenhauses zu berichten. So meint die„Tägliche R u n d s ch a u", daß das Zünglein der Wage zwischen den beiden Konservativen Arnim-Züsedom und Freiherrn von Richthofen schwanken werde..... Tie sozialdemokratische Fraktion könnte sich zu der Wahl jedes der beiden Kandidaten gratulieren. Herr v. Arnim- Züsedom ist eine politisch höchst unbeträchtliche Persönlichkeit von den allerbescheidensten parlamentarischen Fähigkeiten, die iin Plenum während der letzten Legislaturperiode nur dadurch bekannter wurde, daß sie sich zum Handlanger und Zwischen- träger aller von konservativer Seite gestellten Anträge auf Schluß der Debatte zur Abschn�idung unbe- quemer sozialdemokratischer Redner hergegeben hat. Denn die Don Quichoterie, daß Herr v. Arnim-Züsedom vor Jahren einmal einem sozialdemokratischen Abgeordneten gegenüber erklärt hatte, nur seine Satisfaktionsunsähigkeit schütze ihn vor einer Duellsorderung des körperlich wie rednerisch gleich langstieligen Grafen, hat seinerzeit berech- tigtermaßen nur ein sehr geringes Auffehen erregt. Sollten die Konservativen also wirklich diesen Herrn an Erffas Stelle vorschlagen, so dürften dem Abgeordnetenhause die b e f r e m d l i ch st e n Szenen auch in Zukunft nicht vorenthalten bleiben, Szenen freilich, deren h u m o« r i st i s ch e r Einschlag überwiegen würde. Im übrigen sei noch mitgeteilt, daß Herr ff. Arnim- Züsedom bereits am 13. April 1919 in der Geschäftsord- nungskommission des Abgeordnetenhauses die Ansicht ver- trat, daß schon der bloße Eintritt dersozialdemo- kratischen Partei in das Junker- und Geld- sackparlamenlt die Notwendigkeit einer Ver- schärfung der Geschäftsordnung beweise. Einen so„unparteiischen" und intelligenten Präsidenten kann sich die Sozialdemokratie nur wünschen! Der Konkurrent des Herrn v. Arnim-Züsedom, Freiherr v. Richthofen, ist in gewisser Hinsicht immerhin eine andere Nummer. Er ist ein ungleich gewandterer Redner und Politiker, ein Mann zwar von ultrareaktionären An- schauungen, aber zugleich doch auch von gewissen Fähigkeiten, Nichtsdestoweniger dürfte sich auch die Sozialdemokratie zu seiner Präsidentenwahl nur beglückwünschen. Denn Herr v. Richthofen ist eine so temperamentvolle Persönlich- keit, ein so vollblütiger Junker, daß seine Präsidialführung die Geschichte des preußischen Abgeordnetenhauses sicherlich gar bald um die seltsamsten und aufreizendsten Episoden bereichern würde! Es wird der reaktionären lingen, ein neues Präsidium Mehrheit überhaupt nicht ge- zu schaffen, das Oel in die Wogen der politischen Erregung zu gießen vermöchte. Inner- halb eines solchen Zerrbildes von einem Parlament. wie es das preußische Dreiklassenparlament darstellt, konnte nur so lange die Stagnation der Fäulnis herrschen, als eine wirkliche Volksvertretung fehlte! Mit dem Augenblick, wo die Forderungen der Volksmehrheit durch den Mund der sozialdemokratischen Abgeordneten ihre Vertretung fanden, niußte auch der erbitterteKampf zwischen der Handvoll Vertreter der Volksmehrheit und der ungeheuren Uebermacht der parlamentarischen Vertreter der Volksminder- heit mit aller Leidenschaftlichkeit entbrennen. Und ein Prä- sidium, das bewußtermaßen die Geschäfte der parlamentari- schen Mehrheit und Volks Minderheit besorgen und die wenigen Vertreter der Volksmehrheit knebeln und koujonieren soll, kann selbstverständlich nun und nimmer mehr aus Verlegenheiten aller Art herausZ kommen!_ Die Wahlziffern in Schwarzburg-Rudolstadt zeigen, daß wir nicht nur die Mandate behauptet, sondern auch noch einen ansehnlichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben. Es wurden insgesamt 8285 sozialdemokrattsche und 6856 bürgerliche Stimmen abgegeben, das sind für uns 371 Stimmen mehr als am 10. November. Die bürgerliche Koalition brachte trotz der verzweifeltsten Anstrengungen und obwohl sie einige Tage vor der Wahl noch in prahlerischer Weise erklärt hatten, über 1000 neue Staats- bürger gemacht zu haben, nur 393 Stimmen mehr auf. Die Wahl- beteiligung war eine sehr starke und kann auf zirka 85—90 Proz. veranschlagt werden. In vielen Wahlorten erschienen fast sämtliche Wähler an der Urne. Rechnet man zu der Anzahl der Abstimmenden noch_ die Kranken, die Abwesenden und die notorischen Wahl- chwänzer. so ergibt sich, daß in unserem Fürstentum die Zunahme der Wählerstimmen für unsere Partei sowohl, als auch für die Gegner so ziemlich erschöpft ist. � Das Mandat in Stadtilm, wo wir mit 784 gegen 735 Stimmen unterlagen, dürfte nicht lange im Befitze der Gegner ein. Es sind zahlreiche Unregelmäßigkeiten vorgekommen, die zu einem Protest unserer Partei gegen das Mandat geführt haben. In einer eventuellen Nachwahl wird es uns möglich fein, hier bei An- trengung aller Kräfte das 10. Mandat zu holen, um so mehr als diesmal eine ganze Reihe Arbeiter am Wahltage einer Reserveü'buna genügen mußten und um ihr Wahlrecht kamen. U Der neue Landtag dürfte wahrsch--""ch erst annnentreten._ " Vergnügen abhalten. Das ist der nackte Grund der Verbote Schliinmer kann die Einschätzung der Arbeiter als Staatsbürqer minderen Rechtes nicht vordcmonstriert werden. Dem Herrn Landrat und preußischen.Volksvertreter' ivird klargemacht werden müssen daß daS ReichsvereinSgesctz auch für daS Königreich Brütt Gültigkeit hat. l)ie SmgmlTc in Ungarn. Budapest. 11. Juni.(Privattclegramm.) Im Land? lodert die Empörung des Volkes über den Staatsstreich Tiszas und über die Gewaltherrfchaft der Re- gierung hell auf. Die Arbeiter und ein Teil des Bürgertums machen gemeinsame Sache. Aus Grostwardern wird der Generalstreik gemeldet. Montag abend zogen große Volksmassen vor Tiszas Haus und demolierten sämtliche Fensterscheiben. Dann zog die Menge nach dein Komitatshaus, nach dem Gerichts- gebäude und nach dem Hause der nationalen Partei, um dort die Empörung zum Ausdruck zu bringen. Schließlich kam es zu heftigen Z u s a m m e n st ö ß e n mit der Polizei, die sich aber vor der Menge zurückziehen mußte. Bald erschien ein Bataillon Infanterie im Sturmschritt und eine Eskadron Husaren. Gegen 11 Uhr nachts war die Ruhe wieder hergestellt. Das Militär hält die Straßen und die Hauptplätze der Stadt besetzt. Eine Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. In Debreczin, einer Stai>t von 80 OCK) Einwohnern, kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Militär und der Volksmenge. Es gab viele Verwundete. Sämtliche Geschäfte sind geschlossen. Der Verkehr stockt völlig. Zwei Straßen- bahnwagen wurden demoliert. Auch am Bischofssitz K a s ch a u, ferner in Gollnow und Klausenburg ist die Revolution im Gange. Ueberall stehen sich die Volksmassen und die bewaffnete Macht gegenüber. In Kaschau gab es eine Anzahl Verwundete. Für Dienstag abend sind große Demonstra- tionen in vielen Städten geplant. Nach einer Meldung aus Wien soll auch Militär aus Oesterreich nach Ungarn ab- gehen. Die Parteileitung hat sofort nach allen Rich- tungen Delegierte entsandt, die sich mit den Ar- beitermassen verständigen sollen. Vormittag versammelten sich die oppositionellen Abgeordneten in ihrem gemeinsamen Versammlungs- lokal, wo Graf A p p o n y i in einer Rede flammenden Protest gegen das Vorgehen des Grafen Tisza und gegen die Aus- Weisung der oppositionellen Abgeordneten aus dem Reichstage erhob. Tann begaben sich die Abgeordneten nach dem Par- lamentsgebäude, wurden aber von dem dreifachen Kordon von Militär zu Pferde und zu Fuß abgewiesen. Die ausgeschlossenen Abgeordneten begaben sich dann zum Klub- lokale der Volkspartei. Unterwegs hatte sich eine Menschen- menge angeschlossen, die sortpährend in den Ruf ausbrach: „Abzug Tisza!" Es wurde das Kossuthlied gesungen. Plötz- lich an einer Straßenbiegung sprengte berittene Polizei und Gendarmerie herbei und ritt in die Menge. Es entstand eine furchtbare Panik. Zahlreiche Personen wurden um- geritten. Die Menge wurde in drei Gruppen auseinander- getrieben. Auch heute wurde unser Parteiblatt konfisziert, teils, um das Blatt zugrunde zu richten, teils um zu verhindern, daß die Massen über die Vorgänge und über die Anordnungen der Partei unterrichtet werden. Die Bewegung gegen die Reaktion nimmt im ganzen Lande zu. Im Reichstage herrschte Stelle, da die Opposition fehlte. Nachdem die neue Hausordnung angenommen war, vertagte sich das Haus bis 18. Juni. Tas Oberhaus wird am Sonnabend über die Militär- Vorlage verhandeln. Zu dieser Sitzung rüstet sich die Opposi- tion. Wenn dieses Gesetz vom Oberhaus angenommen ist, wird es an den Reichstag zurückgehen, wo es am kommenden Dienstag zur Beratung stehen wird. Der Präsident des Reichstages, Graf Tisza, ist mit dem 2. Vizepräsidenten zur Audienz nach Wien beordert. Der Bahnhof war nachmittag von Militär und Gendarmen voll- ständig abgesperrt. So zieht das Reichstagspräsidium unter dem Schutze der Bajonette nach Wien. Der Streik im Londoner Daten. London, 11. Juni, lieber den Beschluß der Arbeitgeber des Transportgcwcrbcs, die Vorschläge der Regierung abzu- lehnen, wird im einzelnen gemeldet: Die Arbeitgeber er- kannten an. daß die Hinterlegung einer beträchtlichen Summe seitens der Arbeiterorganisationen bessere Garantien schaffen würde, glaubten aber nicht, daß der Plan der Regierung zu dem beabsichtigten Ziele führen würde. Die Organisation der Arbeitgeber im Transportgewerbe erscheine ihnen undurch- führbar, und gegen Ursachen, wie sie dem gegenwärtigen Streik zugrunde lägen, seien im Regierungsplane keine Vorkehrungen getroffen. Ferner würden, wenn der Plan Gesetz würde, die ausländischen Reeder nicht davon betroffen werden, so daß die englischen Reeder sich gegen sie im Nachteil befinden würden. Auch sei in dem Plane keine Vertretung der nicht- organisierten Arbeiter vorgesehen. Eine dauernde Regelung der koniplizierten Arbeitsverhältnisse im Londoner Hasen sei nur nach erschöpfender Diskussion zu erreichen. Nach Ansicht der Arbeitgeber dürfte diese Diskussion erst nach Wiederaus- nähme der Arbeit beginnen.— Auch die Londoner Hafen- behörde hat die Vorschläge der Regierung abgelehnt. Der Streik sei durchaus nicht gerechtfertigt, und die Behörde ziehe es vor, den Dingen ihren Laus zu lassen und es der Negierung zu überlassen, die Schritte zu tun, die sie für geeignet halte. — Falls der National streik der Transport- a r b e i t e r vollständig durchgeführt wird, werden gegen 300 000 Mann an dem Streik teilnehmen. Vorläufig ist nicht zu übersehen, wie weit der Streikbeschluß Anerkennung finden wird. Eine Erklärung der Regierung. London, 11. Juni.(Unterhaus.) Auf eine Anfrage wegen der Streiklage erklärte Premierminister A s q u i t h, die Regierung habe während der letzten zehn Tage jeden Ver- such gemacht, den unglücklichen Streit zu einer befriedigenden Lösung zu bringen. Tie Vorschläge der Regierung seien aber von beiden Seiten nicht für annehmbar befunden worden. RamsayMacdonald fragte, ob die Regierung noch auf dem Standpunkt stehe, den beiden Parteien ihre guten Dienste anzubieten. Asquith bejahte die Anfrage. Schweiz. Ein Kriegsminister für Gehorsamsverweigerung! Bern, 10. Juni.(Eig. Ber.) Kriegsminister scheinen in der Regel Anhänger der strikten, widerspruchslosen Unter- ordnung, des Kadavergehorsams zu sein. Eine Ausnahme macht der Vorsteher des schweizerischen Militärdeparte- mentes. Es hatten sich in der letzten Zeit besonders krasse Fälle roher S o l d a t e n mi ß h a n d l u n g e n ereignet. Das übliche„Schlauchen" genügte den militärischen Vorgesetzten nicht mehr, sie sannen auf andere Mittel. Auf offener Straße mußte sich eine ganze Kompagnie bis aufs Hemd ausziehen und in diesem Kostüm crerzieren. Ein anderer Offizier er- teilte einem Subalternen den Auftrag, eineu etwas lang- sam arbeitenden, beschränkten Rekruten zu verprügeln. Der Befehl wurde prompt ausgeführt. Drei Mann sind nachts an das Bett des Rekruten kominandiert worden, Bajo- nettriemen sausten auf den armen Teufel nieder und nachher wurde dem Vorgesetzten die Ausfübr».ng des Befehls vorschriftsgemäß gemeldet. Der Fall war für Schweizer Ver- Hältnisse so ungeheuerlich, daß unter dem Eindruck der öffent- lichen Meinung das Kriegsgericht als zuständige Behörde ein- greifen mußte. Die Bestrafung war indes eine außerordent- lich gelinde, das Kriegsgericht erwies sich als ein Klassen- gericht. Der Offizier erhielt zehn Tage Gefängnis, der Sub- alterne wurde vollständig freigesprochen, da er— wie es in den Motiven des Urteils heißt—„nur den Befehl seines Vor- gesetzten ausgeführt habe und dazu auf Grund der Militär- gesetze verpflichtet gewesen sei." Also die offene Prokla- mierung des Kadavergehorsams! Selbstverständlich erfuhr das Urteil allgemein harte Anfechtung und den Klassenrichtern im buntscheckigen Gewände wurden nicht gerade angenehme Dinge ins Gesicht gesagt. Dieser Fall hat nun auch den Nationalrat beschäftigt. Gelegentlich der Behandlung einer Motion, die die Schaffung fester Garantien gegen die Ueberhandnahme der Soldaten- schindereien forderte, ist das Urteil von sozialdemokratischer Seite scharf gegeißelt und verlangt worden, daß die Soldaten, wenn ihnen neuerdings zugemutet werden sollte, sich als Werk- zeuge zur Ausübung von Soldatenmißhandlungen gebrauchen zu lassen, den Gehorsam zu verweigern hätten. Der Vorsteher des schweizerischen Militärde- partements, Bundesrat Hoffmann, stellte sich auf den gleichen Standpunkt. Er erklärte, daß er mit den Motionären insofern einig gehe, als Soldatenmißhand- lungen geahndet und die fehlbaren Offiziere so bestraft wer- den müßten, daß man selbst vor den härtesten Maßnahmen nicht zurückschrecken dürfe. Den Beschönigungsversuchen sei scharf entgegenzutreten. Der Redner sagte ferner, er stehe nicht auf dem Boden des blinden Gehorsams, Soldaten, denen von ihren Vorgesetzten zugemutet werde, Schindereienzu begehen, hättendiese Befehle nicht auszuführen und einfach den Gehorsam zu verweigern. Das war vom Stand- Punkt eines Kriegsministers aus sicher mutig gesprochen- Selbstverständlich werden deswegen die Soldatenschindereien, die ja lediglich den Ausfluß der Klassengegensätze bilden, nicht verschwinden. Aber es ist immerhin wertvoll, daß von höch- ster militärischer Stelle aus das Recht der Gehorsamsver- Weigerung den Soldaten ausdrücklich zuerkannt wurde. Die Sozialdemokratie wird dafür sorgen, daß die Soldaten Kennt- nis davon erhalten und von diesem Rechte gegeberMfaIs Gebrauch machen. Frankreich. Das Gesamtergebnis der Gemeinderatswahle» deS Seine- Departements. Paris, 10. Juni.(Eig. Ber.) Die gestrigen Stichwahlen für den Generalrat des Seine-Dcpartements haben der Partei einen unerwarteten Erfolg gebracht. Nicht nur wurde das eine in der Stichwahl zu verteidigende Mandat behauptet, sondern noch drei dazu gewonnen, so daß die Partei jetzt sieben von den 22 Mandaten inne hat— gegen drei im vorigen Generalrat. Die Verlusttragenden sind die Radikalen und die„unabhängigen' Sozialisten, welche nun« mehr ganz ausgeschaltet sind. Sie verlieren auch die Vorstadt I v r y, wo die Tage der Bürgermeister« und Deputiertenschaft deS Radikaldemagogen C o u t a n t wohl gezählt sind. Die Sozialisten danken ihre Siege zum Teil der Wahlhilfe der Proporzanhänger und der gemäßigten Parteien. Italien. Der Exminister Nasi wieder wählbar. Rom, den 3. Juni.(Eig. Ber.) Am 5. Juni d. I. ist die Zeit abgelaufen, während der über den früheren Unterrichtsminister Nasi auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt war. Bekanntlich wurde Nasi wegen Unterschlagung im Amt von dem Senat als oberstem Gerichtshof zu 11 Monaten und 20 Tagen Gefängnis und zu 4 Jahren 2 Monaten Ehrverlust verurteilt. Trotzdem er nicht wählbar war, hat sein Wahlkreis Trapani ihn die ganze Zeit über unentwegt weiter gewählt, wobei jede Wahl annulliert werden mußte. Auch heute ist der Wahlkreis vakant. Freilich spricht daS neue Wahlgesetz das akive und passive Wahlrecht denen ab. die wegen Betruges verurteilt sind, aber es ist in hohem Maße zweifelt Haft, ob Nasis Verbrechen als Betrug im Sinne des Wahlgesetzes aufzufassen ist. Der Exminister dürfte demnächst seinen alten Platze in der Kammer wieder einnehmen. Wieder zwei„Komplizen" D'AlbaS in Freiheit. Rom, den 8. Juni.(Gig. Ber.) Um die Blamage nicht allzu groß zu machen, setzt das Gericht die unschuldig der Mitschuld an einem Komplott gegen den König verdächtigten Personen erst all- mählich in Freiheit. Mit dem Rechtsanwalt Di B l a s i o und dem Setzer B o s c o l o hat man den Anfang gemacht. Am 7. d. M. wurde auch der Anarchist Z a v a t t e r o entlassen, und dem- nächst kommt die Reihe an den Rumänen Tacit, der sich seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft befindet. Es konnte ihm absolut nichts nachgewiesen werden, was den Behörden Grund ge. nug ist, ihn aus Italien auszuweisen. Nach den während der Unten- suchungshaft genossenen Freuden dürste! dem Mgnjne der Abschied nicht allzu schwer werden... England. Die Begnadigung der Miß Malecka. Der»Daily Chronicle' meldet, daß Miß Malecka, die englische Staatsbürgerin polnischer Herkunst, die wegen ihrer Beziehungen zur polnischen sozialistischen Partei von einem Warschauer Gericht zu vier Jahren Zuchthaus und darauf folgender Verbannung nach Sibirien verurteilt wurde, vom Zaren begnadigt worden ist. Sie wird sofort in Freiheit gesetzt werden und hat Rußland zu verlassen. Die freiheitlich denkenden Kreise in England und vor allem die eng« lische Arbeiterschaft haben allen Grund, mit Genugtuung auf diesen Ausgang der Angelegenheit zu blicken. Leicht war es nicht, diese» Opfer den Krallen des russischen Zarismus zu entreißen. Monate« lang mußte die Agitation lebendig gehalten werden, in Tausenden von Versammlungen wurden entrüstete Proteste erhoben, im Parla- ment selber ließ eine kleine Gruppe von Abgeordneten die An. gelegenheit nicht von der Tagesordnung verschwinden. Sir Edward Greh hatte eine heiße Zeit durchzumachen, und er mochte wohl ein« sehen, daß die öffentliche Meinung Englands, die seiner russischen Politik ohnehin schon mit großem und stetig wachsendem Mißtrauen zusieht, sich diese entehrende Liebedienerei gegen den Zarismus doch nicht ruhig gefallen lassen würde. Er sah sich deshalb genötigt, einen entsprechenden Druck auf die Zarenregierung auszuüben und dieser hat natürlich auch gefruchtet. Mrokko. Mnlay Hafid und der Protektoratsvertrag. Paris, 11. Juni. Der Deputierte Long, der bereits Bericht- erstatter über das deutsch-französische Abkommen vom 4. November 1311 war, wird heute dem Kammerausschutz für auswärtige An- gelegenheiten seinen Bericht über den mit Mulah Hafid abge- schloffene» Protektoratsvertrag vorlegen. Long gibt in dem Bericht unter anderem mehrere von Mulay Hafid herrührende Schriftstücke wieder. In einem dieser Schriftstücke weist der waltungsgebände, was immer ohne Widerspruch betreten werden konnte. Vor etwa 14 Tagen ersuchten die Schmiede neben der Be- Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil vergntv� settigung verschiedener Mißstände auch noch um die Beschaffung von Trinkwasser. Eine Antwort auf die gewiß sehr berechtigten Miß- stände zu geben, hielt die Direktion nicht für notwendig. Im Gegenteil, sie verbot den Arbeitern das fernere Be- treten deS Verwaltungsgebäudes zwecks Wasjerholens. Als am Freitag fünf Kollegen infolge der Hitze und dem Mangel an Trinkwasser ohnmächtig zu« sammen brachen, machten die Schmiede insgesamt Feier- abend, weil sie ohne Wasser nicht weiter arbeiten konnten, ohne sich der Gefahr des SchlappwerdenS auszusetzen. Am Sonnabend früh fanden sich alle wieder vollzählig zur Arbeit ein. Als ihnen aber das Trinkwasser von neuem verweigert wurde und der leitende Betriebsingenieur in nicht niißzuverstehender Weise bekannt gab, daß auf die Tätigkeit der Schmiede verzichtet wird und T r i n k w a s s e r n i ch t b e s o r gst wird, legtenalleeinmüt�ig die Arbeit nieder. Freie Gewerkschaften, Hirsch- Dunckersche, Christliche und Vaterländische ver- ließen einmütig die Fabrik. Kein einziger blieb. Zu er- wähnen ist noch, daß die Linke-Hofmaim-Aktiengesellschaft, die ihren Schmieden das in der jetzigen Jahreszeit unbedingt notwendige Trinkwasser vorenthält, alljährlich Millionengewinne ein- heimst und ihren Aktionären Entbehrungslöhne bis zur Höhe von 35 Proz. bezahlt._ Einen prächtigen Erfolg erzielten auf dem Wege der Berein- barung die Arbeiter in den Breslauer Gießereien. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde auf 55 Stunden vermindert; Ueber- stunden werden mit 25 Proz., SonntagSarbeit mit 50 Proz. Auf- schläg bezahlt und der Lohn im allgemeinen erhöht. Der Akkord- lohn ist dem Arbeiter sofort mitzuteilen, Fehlguß wird mit dem Stundenlohn entschädigt. Auch sonst sind noch eine Reihe anderer Forderungen bewilligt worden. Dem Wunsch der Metalliudustriellen, von Firma zu Firma zu verhandeln, kam der Metallarbeiter- verband nach._ Eine Massenkundgebung der Augsburger Texttl- arbeiter. Wie schon gemeldet, haben die Textilarbeiter Augsburgs beschlossen, Lohnforderungen durch die Organisationen, den Textil« arbeiterverband, christlicher Textilarbeiterverband und Hirsch-Duncker- scher Gcwerkverein den Textilunternehmern zu unterbreiten. Die vom Verband süddeutscher Textilarbeitgeber eingelaufene Antwort ist eine glatte Ablehnung der gestellten Forderungen, wobei sich die Unter- nehmer auf den Standpunkt stellen, mit den Organisationen überhaupt nicht zu verhandeln. In einer am Sonntagnachmittag unter freiem Himmel abgehal- tenen Versammlung nahmen die Textilarbeiter Stellung zu der Ant- wort der Textilindustriellen. Die Versammlung wies einen riefen- haften Besuch auf, über 20 000 Personen hatten sich auf dem Ver- sammluugsplatze eingefunden, auf dem von sechs Tribünen gesprochen wurde. Die Demonstratiousversammlung endete mit der einstimmigen Annahme einer Resolution, in der die gestellten Forderungen aufrecht erhalten werden und die drei Organisationen beauftragt werden, in den nächsten Tagen gemeinsam Fabrikversammlungen abzuhalten und durch Kommissionen den einzelnen Firmen die Forderung der Ar- bester erneut vorzulegen. Diese Massenkundgebung der Augsburger Textilarbeiter macht auf weite Kreise der Bevölkerung tiefen Eindruck. Ausland. Die Dockarbeiter in Calais sind nun ebenfalls in den AuZ- stand getreten, nachdem der Streik der Seeleute, der mit der Nieder- legung der Arbeit auf der„La France" begann, ziemlich allgemein geworden ist. Die Docker verlangen Anerkennung der Organisation. Die Bierbrauer in Riga sind in den Ausstand getreten. Der finnische Gewerkschaftökongrcft. Im„Volkshause" zu Hclsingfors tagte vom 20. bis 26. Mai der Kongreß der Landesorganifation der Gewerkschaften Finnlands. Die Landesorganisation, die Zentrale der finnischen Gewerkschafts- bewegung, zählte bereits vor einigen Jahren rund 25 000 Mit- glieder in den angeschlossenen Verbänden. Jetzt sind es ungefähr 23 000 Mitglieder. Die verhältnismäßig große Freiheit, der das finnische Volk sich nach den Ereignissen von 1905 zeitweilig erfreuen konnte, hatte auch einen starken Aufschwung der Gewerkschafts- bewegung zur Folge. Aber die russische Knutenherrschast gewann wieder die Oberhand, dazu kamen schwere und opferreiche Kämpfe mit dem Unternehmertum, die in der Zeit wirtschaftlichen Nieder- ganges nicht zu dem gewünschten Erfolg führen konnten, und das alles trug dazu bei, daß ein Rückgang in der Gewerkschaftsbewegung eintrat. Gegenwärtig macht sich jedoch schon wieder ein Aufstieg bemerkbar, obwohl die gesamte Arbeiterbewegung mit einem un- geheuerlichen System der Unterdrückung und Verfolgung zu kämpfen hat. An dem Kongreß nahmen 185 Delegierte teil, und außerdem waren Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszcntralen von Schweden, Norwegen und Dänemark erschienen. Aus dem Vor- standsbericht war zu entnehmen, daß die angeschlossenen Gewcrk- schaften im Jahre 1911 im ganzen 517 279,56 finnische Mark (1 finn. Mark— 0,81 Mk.) Einnahmen hatten, denen 621 071,61 Mark Ausgaben gegenüberstehen. Bon den Ausgaben kommen 363 568 Mk. auf Streikunterstützung.� Die Landesorganisation der Gewerkschaften unterstützte die Lohnkämpfe des verflossenen Jahres mit 120 930 Mk. Der größte Kampf war der der Buchdrucker. Er erforderte allein 350 000 Mk. an Unterstützung, und davon wurden 89 240 Mk. durch die Landesorganifation aufgebracht, 128 422 Mk. kamen vom Auslande und das übrige wurde durch den Thpo- graphenverband selbst gedeckt. Arbeitslosenunterstützung wird nur in fünf Verbänden gezahlt und sie machte im Jahre 1911 51 948 Mark aus. Die Landesorganifation veranstaltet gemeinsam mit der Partei unter anderem auch sozialistische Vorlesungskurse. Ein folcher Kursus wird alljährlich abgehalten, und dazu kommen Arbeiter aus dem ganzen Lande nach, der Hauptstadt. Im letzten Jahre war die Zahl der Teilnehmer 53. Tie Kosten werden von der Partei und den Gewerkschaften gemeinsam gedeckt, so daß den Teilnehmern keine Unkosten erwachsen. Der Geschäfts- und Rechenschaftsbericht wurde vom Kongreß einstimmig gutgeheißen. Man beschäftigte sich ferner mit ver- schiedenen Anträgen auf Umgestaltung der Organisationsform. Teils gingen diese Vorfchläge darauf aus, die Verufsverbände als solche aufzuheben und statt dessen gemeinfame Ortsabteilungen zu bilden, die sich direkt der Landesorganifation anschließen sollten; teils wollte man statt der kleinen Berufsverbände nur noch all- gemeine Jndustrieverbände haben. Dieser Gedanke fand am meisten Anklang, und es wurde eine Resolution angenommen, durch die die naheverwandten Berufe aufgefordert werden, sich zu größeren Verbänden zusammenzufchkicßcn. Im übrigen aber wählte der Kongreß eine Kommission von 7 Mitgliedern, die bis zum nächsten Kongreß die Frage der Organisationsform prüfen und Vorschläge dazu ausarbeiten soll. Ferner wurde die Agitation gründlich besprochen und Be- schluß gefaßt, vier besoldete Agitatoren, unter ihnen auch eine Frau, anzustellen; bisher hatte die Landesorganisation nur einen Mann, der als besoldeter Agitator für die gesamte GewcrkschaftS- bewegung tätig war. Die Agitatoren der Landesorganisation follen zugleich auch für die sozialdemokratische Jugendbewegung tätig sein, die ihrerseits die Gewerkschasts- wie die politische Bewegung lebhaft unterstützt. Sodann nahm der Kongreß einen Antrag an, der besagt, daß alle Gewerkickjasten der Landesorganifation angeschlossen sein sollen, wenn sie nicht als solche betrachtet werden wollen, die nicht auf dem Boden des Klassenkampfes stehen.— Von einer skandinavischen Arbeiterkonferenz, die vor einiger Zeit in Gotenburg stattgefunden hat. lagen Vorschläge zu einem stärkeren Zufammenarbeiten der Gewerkschaften Skandinaviens bor, die übrigens auch noch den Ansang September in Stockholm abzu- haltenden skandinavischen Arbeiterkongreß beschäftigen werden. Th. Glocke, Bedia. Drück u. Verlag: BorwärtS Buchdr. u Verlagsanstalt Der Getverkschaftskongreß gab diesen Vorschlägst� seine Zu- stimmung.— Ein Antrag, wonach keiner Mitglied einer GeWerk- fchast werden sollte, ohne zugleich organisierter Sozialdemokrat zu sein, wurde den einzelnen Verbänden zur Entscheidung überwiesen. Man beschäftigte sich auch mit der Frage der Gründung einer gemeinsamen Arbeitslosenkasse für alle angeschlossenen Verbände und wählte ein Komitee, das bis zum nächsten Kongreß Vorschläge zu einer solchen Einrichtung ausarbeiten soll. Die ordentlichen Verwaltungsbeiträge zur Landesorganisation wurden von 40 und 20 penni auf 50 und 25 penni pro Mitglied erhöht. Außerdem wurde ein Beschluß gefaßt, der dem Landes- sekrrtariat das Recht der Ausschreibung von Extrabeiträgen gibt, wodurch eine festere Form für die Unterstützung bei größeren Lohn- kämpfen geschaffen wird.— Als Vorsitzender der Landesorganisa- tion wurde Oskari Tokoi gewählt— merkwürdigerweise ein Parteigenosse, der Kleinbauer ist und keiner Gewerkschaft qngehört. Er gilt aber als eine außerordentlich tüchtige Kraft. Hua der Frauenbewegung. Neue internationale Arbeiterinnenschutzgesetze. Auch im Jahre 1911 hat die Arbeiterschutzgesetzgehung nicht vollständig still gestanden, wenn auch in den einzelnen Staaten es immer schwieriger wird, größere Vorteile für die Arbeiter dadurch zu gewinnen. Der Widerstand und der Ein- fluß der Unternehmer werden immer größer, und die Re- gierungen werden durch die Steuerpolitik immer abhängiger von den großen Geldmagnaten, so daß nur spärliche Tropfen für die Arbeiter an neuen Gesetzen zu haben sind. Für die Frauen und Kinder ist noch hier und da ein erweiterter Schutz zu erlangen. In Portugal wurde im vergangenen Jahre endlich das Verbot der Frauennachtarbeit gesetzlich erledigt. Tas neue Fabrikgesetz in Japan zeigt die große Rückständig. keit der dortigen Verhältnisse. Es sieht für die Frauen und die jugendlichen Knaben unter 15 Jahren den 12stündigen Arbeitstag vor. Man höre und staune: 15jährige Kinder sollen 12 volle Stunden arbeiten- und dabei darf der Minister des Innern noch die ersten vier Jahre die tägliche Arbeitszeit auf 14 Stunden erhöhen, wenn die Unternehmer darum nach- suchen. Kinder und Frauen sollen in der Zeit von 19 Uhr abends bis 4 Uhr früh nicht beschäftigt werden. Das Gesetz steht auch die Einführung von Fabrikinspektoren vor. Im selben Jahre wurde in Britisch-Jndien gleichfalls ein neues Fabrikgesetz durchberaten und angenommen, das in ein- zelnen Teilen einen bedeutenden Fortschritt nicht nur gegen- über dem japanischen bedeutend, sondern auch gegen viele )er europäischen Staaten. Kinder zwischen 9 bis 14 Jahren dürfen nur auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses beschäf- tigt werden. Die jungen Arbeiter werden in den Textil- 'abriken nur 6 Stunden täglich arbeiten dürfen, in den an- deren Betrieben nur 7 Stunden. In den Textilfabriken lürfen Frauen und Männer noch 12 Stunden arbeiten, aber in den anderen Fabriken ist der Elfstundentag eingeführt. Tie Nachtarbeit und die Sonntagsarbeit sind vollständig ver- boten..."> In Holland dürfen Kinder nach dem neuen Gesetz über die Verwendung von Frauen. Jugendlichen und Kindern nicht unter 13 Jahren beschäftigt werden. Die Jugendlichen beiderlei Geschlechts haben einen Normalarbeitstag von zehn Stunden erhalten. Sie dürfen in der Zeit vor 6 Uhr früh und nach 7 Uhr abends nicht verwendet werden. Weibliche Per- sonen, die Haushaltungspflichten zu verrichten haben, dürfen Sonnabends um 1 Uhr mittags nach Hause gehen. An Sonn- tagen und sonstigen Ruhetagen dürfen jugendliche Arbeiter und Frauen nicht beschäftigt werden, ebenso darf die Nacht- arbeit nur ausnahmsweise gestattet werden. Den jugendlichen Arbeitern muß von 5 Uhr ab der Besuch von Schulen oder Religionsunterricht erlaubt werden, damit sie ihre Ausbildung vollenden können. Letzt* ffochrichten. Die erpreßte Wehrvorlage. Wien, lt. Juni.(W. T. B.) Der WchrauSschuh nahm die Paragraphen 1 bis 7 der Wehrvorlage in der Fassung, in der sie von demi ungarischen Abgeordnetenhaus beschlossen worden ist, an. Entlassung der belgischen Reservisten. Brüssel, 11. Juni.(W. T. B.) Di« aus Anlaß der Wahlen zum Parlament einberufenen drei Reservistenjahrgänge sind heute entlassen worden._ Um die Verkaufspreise zu heben. Prag, 11. Juni.(W. T. B,> In den Glasschleifereien im Bezirke Gablonz und Semil sind 3000 Arbeiter in den Streik getreten, um durch eine Unterbrechung der Produk- tion die Vorräte zu erschöpfen und die unrentablen Preise und somit auch dir Löhne aufzubessern. Der französische Seemannsstreik. Paris, 11. Juni.(W. T. B.> Aus Brest wird gemeldet, daß die Mannschaften de? dortigen Schifssgesellschpst in den Ausstand getreten sind, so daß vier Kauffahrteidampfer nicht abgehen konnten. Tie eingerschriebenen Seeleute in Marseille beschlossen, in den Streik zu treten, falls die Regierung die Ausständigen durch Matrosen der Kriegsmarine ersetzen sollte. Beim Streik geht alles. Kristiania, 11. Juni.(W. T. B.) Die Regierung schkägj ein« Abänderung des Maschinistengesetzes in der Weise vor. daß der König ermächtigt wird, unter außerordentlichen Umständen, bei- spielsweise während eines Streiks, die Bedienung der Maschinen anderen Personen als geprüfte» Maschinistev»U ge- statten._ Ein Schutzmannseid. Dessau, 11. Juni.(B. H.) Heute wurde der Schutzmann Max Steuer aus Zerbst von der hiesigen Strafkammer wegen fahr- lässigen Falschcides zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte vor dem Schöffengericht in einem Schlägereiprozeß falsche Aus- sagen gemacht. Als er nach der Verhandlung in seine Zelle ge- führt wurde, schoß er sich aus einem bisher versteckt gehaltenen Revolver eine Kugel in die Schläfe. Lebensgefährlich verletzt wurde er in das Krankenhaus gebracht. Tie Autoraserei. Bayreuth, 11. Juni.(P. C.) Ein schwerer Autounfall hat sich heute vormittag bei Gefrees ereignet. Als hier ein Automobil an einem anderen vorbeifahren wollte, fuhr es so heftig gegen einen Baum, daß die Insassen herausgeschleudert wurden. Ter Benzin- behälter e x p l o d i e r t e und im Nu stand der Wagen in hellen Flammen. Der Besitzer des Wagens. Sandler aus Kulmbach, wurde mit schweren Verletzungen nach Hause gebracht. Sein Pro- kurist. Müller, hat so schwere Verletzungen davongetragen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird._ MulSingerLCo..BkrlivLU. Hierzu 3 Beilggell p. glllLrbaltiuiükbl. Ar. 134. 29. Iahrglmg. 1. Keilage des Jutmitlf Knlim PldsM Mittwoch. 12. Juni t912. Vorlage betreffend Aenderung des Organisationsstatuts. ZZ 1— i unverändert. Gliederung. § 6, Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirlsver» bänden und Landesorganisationen überlassen. Der Mindestbeitrag beträgt für männliche Mitglieder monatlich 40 Pfennig oder wöchentlich 10 Pfennig, und für weibliche Mitglieder monatlich 20 Pfennig oder wöchentlich 5 Pfennig. Mindestens 20 Prozent der erhobenen regelmäßigen Mitgliederbeiträge sind an die Zentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand kann den Wahlkreisen mit Zu- stimmung des Vorstandes der Bezirks- oder Landesorganisation einen über 80 Prozent dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung überlassen. § 6 unverändert. Berichterstattung. Parteitag. 8 7. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme an ihm sind berechtigt: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags- Wahlkreisen. Die Wahl der Delegierten erfolgt nach Matz- gäbe der Mitgliederzahl. Es können gewählt werden: In Wahlkreisen bis 1500 Mitglieder ein Delegierter, bis 3000 zwei, bis 6000 drei, bis 12 000 vier, bis 18 000 fünf und über 18 000 sechs Delegierte. Die Vertretung richtet sich nach der vom Parteivorstand auf Grund der nach§ b abgeführten Beiträge festgestellten Mitgliederzahl. Wo mehrere Dele- gierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. 2. Eine Vertretung der ReichStagSfraktion bis zu einem Drittel ihrer Mitgliederzahl, 3. Die Mitglieder des Parteivorstandes, des Partriausschusses und der Kontrollkommission. 4. Die vom Parteivorstand berufenen Referenten. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion haben in allen die par- lamentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die geschäftliche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur beratende Stimme. Nur beratende Stimme haben auch die vom Parteivor» stand hinzugezogenen Vertreter von Parteiinstitutionen. § 8. Der Parteitag prüft die Legitimation seiner Teilnehmer, wählt seine Leitung und bestimmt seine Geschäftsordnung. Zur Gültigkeit der Beschlüsse des Parteitages ist die absolute Mehrheit der stimmberechtigten Anwesenden erforderlich. § 9. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von dem Par- teivorstande einzuberufen ist. Hat der vorhergehende Parteitag über den Ort, an welchem der nächste Parteitag stattfinden soll, keine Bestimmung getroffen, oder kann in dem vom Parteitag bestimmten Ort der Parteitag nicht tagen, so hat der Parteivorstand gemeinsam mit dem Parteiansschuß den Ort zu bestimmen. ß 10. Die Einberufung des Parteitages mutz spätestens vier Wochen vorher mit der vorläufigen Tagesordnung im Zentralorgan der Partei veröffentlicht werden. Diese Veröffentlichung ist min- destens dreimal in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholen. Anträge der Parteigenossen für die Tagesordnung des Partei- tages sind dem Parteivorstande einzureichen, der sie spätestens drei Wochen vor dem Parteitag im Zentralorgan der Partei zu ver- öffentlichen hat. § 11. Zu den Aufgaben des Parteitages gehören: 1. Entgegennahme der Berichte über d,e Geschäftstätigkeit des Parteivorstandes und der Kontrollkommission sowie über die parlamentarische Tätigkeit der Reichstagsabgeordneten. 2. Die Bestimmung des OrteS, an dem der Parteivorstand seinen Sitz zu nehmen hat. 3. Die Wahl des Parteivorstandes, des Parteiausschusses und der Kontrollkommission. 4. Die Beschlußfassung über die Parteiorganisation und alle das Parteileben berührenden Fragen. 5. Die Beschlutzfassung über die eingegangenen Anträge. 8 12. Ein außerordentlicher Parteitag ist einzuberufen: 1. auf einstimmigen Beschlutz des Parteivorstandes; 2. auf einstimmigen Beschluß des ParteiausschusseS; 3. auf einstimmig gestellten Antrag der Kontrollkommission; 4. auf Antrag von mindestens 10 Vorständen der Bezirks- oder Landesorganisationen. Falls der Parteivorstand sich weigert, einem nach Ziffer 2, 3 oder 4 gestellten Antrage stattzugeben, ist der Parteitag von den Antragstellern zu berufen. Als Versammlungsort eines nutzer- ordentlichen Parteitages ist ein geographisch möglichst günstig ge- legener Ort zu bestimmen. 8 13. Die Einberufung deS außerordentlichen Parteitages mutz spätestens 14 Tage vorher im Zentralorgan der Partei in wenig- stcnS-drei aufeinanderfolgenden Nummern mit Angabe der Tages- ordnung veröffentlicht werden. Anträge der Parteigenossen sind spätestens b Tage vor der Ab- Haltung des Parteitages im Zentralorgan zu veröffentlichen. Im übrigen gelten für�die autzerordentlichen Parteitage dieselben Bestimmungen wie für die ordentlichen Parteitage.(88 � und 8.) Parteivorstand. § 14. Die Zahl der Mitglieder des Parteivorstandes wird vom Parteitag bestimmt. Der Parteivorstand besteht auS zwei Vor- sitzenden, einem Kassierer, den Schriftführern, unter denen sich eine Genossin befinden mutz, und zwei Beisitzern. Die Mitglieder des Parteivorstandes sind berechtigt sich gegenseitig zu vertreten. Die Wahl des Vorsitzenden, des Kassierers und der Schrift- führer erfolgt durch den Parteitag mittels Stimmzettel in einem Wahlgange und nach absoluter Mehrheit. Hat ein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nicht erhalten, so findet Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, auf die die meisten Stimmen gefallen sind. Bei Stimmengleichheit ent- scheidet das LoS. Die Wahl der zwei Beisitzer erfolgt durch»den Parteiausschuß. Nach erfolgter Wahl hat der Parteivorstand seine Konstitution vorzunehmen und sie im Zentralorgan der Partei zu verösfent- lichen. § 15. Scheidet ein Mitglied des PartcivorstandeS vorzeitig aus, so hat der PartciauSschutz eine Ersatzwahl vorzunehmen. ß 16. Die Mitglieder des ParteivorstandcS können für ihre Tätigkeit eine Besoldung beziehen, deren Höhe durch den Parteitag festgesetzt wird. § 17. Der Parteiborstand verfügt nach eigenem Ermessen über die vorhandenen Gelder. Der Parteivorstand, der Parteiausschuß oder die Kontrollkom- Mission können durch keinerlei RcchtSgeschäste die einzelnen Parteigenossen oder die Partei verbindlich machen. Auch erwirbt kein Parteigenosse oder ein anderer durch Verträge mit dem Parteivor» stände, dem Partciausschuß oder der Kontrollkommission ein klag- bares Recht gegen diese oder ihre Mitglieder. 8.18. Kein Parteigenosse hat ohne ausdrücklichen Beschlutz deS Parteitages ein klagbares Recht, die Geschäftsbücher oder Papiere des Parteivorstandes, deS ParteiausschusseS, der Kontrollkommission oder der Partei einzusehen oder sich au» ihnen Abschriften oder AuSzuge anzufertigen oder eine Auskunft oder Uebersicht über den Stand des Parteivermögens zu verlangen. Hierdurch wird das Recht der Delegierten, während der Ta gung des Parteitages Einsicht in die Bücher zu nehmen, nicht be-� rührt. § 19. Der Parteivorstand besorgt die Parteigeschäfte und kon- trolliert die prinzipielle Haltung der Parteiorgane. Der Parteivorstand entscheidet über Differenzen, die sich bei der Aufstellung von Reithstagskandidaturen zwischen der Organisation eines Wahlkreises und dem Bezirksverband oder der Landesorgani- sation ergeben. Anm.: Jetziger Abs. 8 des 8 19 fällt weg. Parteiausschuß. 8 20. Der ParteiauSschutz besteht aus 32 Mitgliedern, die vom Parteitag gewählt werden. Die Mitglieder sind den einzelnen Landesteilen zu entnehmen. Zu diesem Zwecke beschließt der Par- tcitag eine Wahlbezirkseinteilung und eine Wahlordnung. Die Wahl- kreiSorganisationen jcdeS Wahlbezirks bilden einen Wahlkörper, der berechtigt ist, für seinen Bezirk einen Wahlvorschlag zu machen. § 21. Der Parteiausschuß entscheidet gemeinsam mit dem Par- teivorstand über wichtige, die Gesamtpartei berührende politische Fragen, über die Einrichtung zentraler Parteiinstitutionen, die die Partei finanziell dauernd erheblich belasten, sowie über die Fest- setzung der Tagesordnung des Parteitages und die Bestellung der Referenten. 8 22. Regelmäßig alle Bierteljahre ist der Parteiausschuß vom Parteivorstand unter Angabe der Tagesordnung zu einer Sitzung zu berufen. Wenn notwendig, sind auch außerordentliche Sitzungen einzuberufen. Das muß geschehen, wenn ein Drittel der Ausschuß- Mitglieder unter Angabe der Gründe es beantragen. Weigert sich der Parteivorstand, eine ordnungsmäßig beantragte Sitzung zu be- rufen, dann kann sie durch die Antragsteller einberufen werden. Die Einberufung des Parteiausschusses soll in der Regel mindestens fünf Tage vor den Sitzungstagen erfolgen. Kontrollkommission. 8 23. Der Parteitag wählt eine Kontrollkommission von neun Mitgliedern» die die Verwaltung des Parteivorstandes kontrolliert und über Beschwerden entscheidet, die gegen den Parteivorstand aus seiner Tätigkeit nach§§ 17 und 19 des Statuts erhoben werden. Die Wahl erfolgt nach einfacher Mehrheit. Bei gleicher Stim- menzahl entscheidet das Los. Zur Leitung ihrer Geschäfte wählt die Kontrollkommission einen Vorsitzenden, der Ort und Zeit der Sitzungen bestimmt, soweit die Kontrollkommission nicht darüber be- schlictzt. Die Kontrolle mutz mindestens vierteljährlich einmal statt- finden. Alle Einsendungen für die Kontrollkommission sind an den Vorsitzenden derselben zu richten, der seine Adresse im Zentralorgan der Partei mitzuteilen hat. Auf Antrag der Kontrollkommission oder des Parteivorstandes finden gemeinsame Sitzungen statt. Zentralorgan�der Partei. 8 24. Zentralorgan der Partei ist der.Vorwärts", Berliner Volksblatt. Die offiziellen Bekanntmachungen sind an hervorragender Stelle des redaktionellen Teils zu veröffentlichen. § 25. Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung de? Zentralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Pretzlommission, die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstags- Wahlkreis bestehen darf. Die Pretzkommission entscheidet in Gemeinschaft mit dem Par- teivorstande über alle Angelegenheiten des Zentralorgans, insbeson- dere über Anstellung und Entlassungen im Personal der Redaktion und Expedition. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Par- teivorstand und der Pretzkommission entscheiden der Parteiausschuß, der Parteivorstand und die Pretzkommission in der Art mit gleichen Rechten, daß jedes dieser drei Organe eine Stimme hat. Ausschluß. 88 26— 29 unverändert(früher 88 23— 26). 88 30. Mit dem Tode, dem Austritt oder der Ausschließung aus der Partei verliert der frühere Parteigenosse jedes Recht, das er etwa gegen die Partei, gegen den Parteivorstand, gegen den Partciausschuß, gegen die Kontrollkommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Parteimitgliedschaft erworben hat. Wiederaufnahme. 88 31 und 32 unverändert(früher§8 28 und 29). 8 33. Die neuen Bestimmungen dieses Statuts treten am Tage der Veröffentlichung in Kraft. Wahlordnung. Den Wahlmodus, nach welchem die dem Parteitag für den Parteiausschutz borzuschlagenden Genossen gewählt werden, be- stimmen die Bezirks- bczw. Landesvorstände im Einverständnis mit den Wahlkreisorganisationen ihres Bezirke?. Sie leiten auch die Wahl. Können sich mehrere Agitationsbezirke, die zu einem Wahl- bezirk gehören, nicht über einen einheitlichen Wahlmodus einigen, so entscheidet der Parteivorstand über den WahlmoduS dieses Be- zirkes. Die Wahlbezirke, die mehr als ein Mitglied zu wählen haben, sollen möglichst auch eine Genossin als Mitglied wählen. Das Ergebnis der Wahl ist dem Parteivorstand vor dem Par- tcitag schriftlich mitzuteilen. Nach§ 20 des Organisationsstatuts werden Wahlkörper ge- bildet wie folgt: Es wählen die Agitallonsbezirke: Ostpreußen und Westpreußen...... 1 Mitglied Pommern und Posen........ 1, Groß' Berlin........... 3, Brandenburg........... 1. Breslau. Kattowitz, Görlitz und Langenbielau 1 Magdeburg............ 1. Salle.............. 1, rsurt und Kassel.......... 1, Frankiurt............. 1, Thüringenl u.U. Altenburg, Gotha. Meiningen 1 Schlesiiiig-Holstein......... 1, Hannover............ I, Oes«, und Westl. Westfalen...... 1 Oberrhein und Saargebiet...... 1, Niederrhein............ 1, Siidbayern............ 1 Nordbayern............ 1. Pfalz.............. 1 Dresden............ 1, Leipzig............ 1 Chemnitz und Zwickau...... 1, Württemberg......... 1. Baden............. 1» Hessen............. 1. Mecklenburg und Lübeck........ 1. Braunschweig und Anhalt....... 1, Nordwest und Oldenburg....... 1• Hamburg............. 2, Elsaß-Lothringen.......... 1 82 Mitglieds Bemerkungen zu den vorgeschlagenen Aendemngen des Organisationsstatuts. Der Jenaer Parteitag nahm im vorigen Jahre einen Antrag 73 Auer-Ouarck an, der in seinem zweiten Teile wie folgt lautet: „Der Parteitag beschließt: Zwecks Beratung einer Reor- ganisation des Parteivorstandes und der Kontrollkommission unter Zuziehung des Parteivorstandes eine 21gKedrige Kam- Mission zu wählen, die dem nächsten Parteitag Bericht zu er- statten hat." Die Kommission wurde auf Parteitagsbeschluß auf 22 Mit- glieder erhöht und Genosse Dictz, der Vorsitzende des Parteitages, hat nach Annahme des Antrages festgestellt, daß die Kommission das Organisationsstatut auch auf die Notwendigkeit sonstiger Aende- rungen zu prüfen habe. Die Kommission tagte am 13. und 14. Mai dieses Jahres in Berlin. Die von der Kommission beschlosseneu Aenderungen des Organisationsstatuts sind in dem vorstehend wiedergegebenen Entwürfe fettgedruckt. In der Kommission wurde der Wunsch geäußert, daß der Parteivorstand dem EntWurfe bei der Veröffentlichung eine kurze Begründung beigeben möchte. Wir kommen diesem Wunsche hiermit nach, bemerken jedoch im voraus, daß an den meisten Paragraphen des Organisationsstatuts Aende- rungen nicht vorgenommen wurden, da es sich im allgemeinen durch- aus bewährt hat. Die Kommission beschloß die erste Aenderung beim§ v. Der bisherige monatliche Mindestbeitrag für Männer von 36 Pf. wurde auf 40 Pf. monatlich bezw. 10 Pf. pro Woche, und der Beitrag der Genossinnen wurde von 15 auf 20 Pf. bezw. 5 Pf. wöchentlich er» höht. Eine solche Erhöhung war bereits auf dem Leipziger Par- teitag von vielen Seiten lebhaft verlangt worden. Inzwischen haben die politischen Kämpfe an Intensität zugenommen, sür die Wahlen werden von allen bürgerlichen Parteien immer größere Aufwendungen gemacht und die Aufgaben der Partei werden immer umfangreicher. Das hat in der Praxis dazu geführt, daß der 40-Pf.-Monats- bezw. 10-Pf.-Wochenbeitrag sich immer mehr durchgesetzt hat. Bereits im v o r i g e n Jahre hatten 82 Kreise den 10-Pf.-Wochenbeitrag, 43 Kreise den 40-Ps.-Monatsbeitrag und 3 Kreise den 50-Pf.-Monatsbeitrag für männliche Mitglieder. Die Beitragserhöhung kann jetzt ohne Bedenken beschlossen werden, da der 10-Pf.-Wochenbeitrag selbst in vielen Gegenden mit gering ent- lohnter Arbeiterschaft durchgeführt worden ist, ohne datz die Orga- nisation dadurch Mitglieder verlor. Nach dem bisherigen Z 7 ist die gesamte Reichstagsfraktion zur Teilnahme an dem Parteitag berechtigt und hat— abgesehen von den die Fraktion betreffenden Fragen— volles Stimmrecht. Die Fraktion hat seit den letzten Wahlen erfreulicherweise eine Stärke von 110 Mann. Die Kommission war der Meinung, daß es genüge, wenn die Fraktion auf dem Parteitag durch eine Delegation ver- treten würde. Diese Aenderung wurde bei allen früheren Bera. tungen über das Organisationsstatut bereits diskutiert, als die Reichstagsfraktion noch wesentlich geringer an Zahl war. Da neben der Delegation der Fraktion, bis zu einem Drittel ihrer Stärke, eine Anzahl Abgeordnete in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Parteiausschusses anwesend sind, so wird auch nach der Aenderung des Statuts weit mehr als die Hälfte der Fraktion auf dem Parteitage vertretet»" sein. Nach dem neuen§ 14 soll die Vertreterin der Genossinnen-in-l Zukunft als Sekretärin gewählt werden. Seit dem Nürnberger Parteitag sind die weiblichen Mitglieder im Parteivorstand durch eine Genossin vertreten, die als Beisitzerin gewählt wurde. Diese als Uebergangsbestimmung gedachte Form der Vertretung der Ge- nossinnen im Parteivorstand kann jetzt geändert werden, nachdem sich die gemeinsame Organisation eingelebt hat. Nach dem neuen 8 20 soll ein Parteiausschutz eingesetzt werden. Diese Institution ist für die sozialdemokratische Partei neu. Die großen bürgerlichen Parteien haben seit langem unter verschiedenen Namen ähnliche Ausschüsse. Der Antrag 73 wurde in Jena damit begründet, daß die politischen Führer der einzelnen Landesteile an der Leitung der Partei beteiligt werden müßten. Nach dem Vor- schlag der Kommission sollen diese Genossen zu einem 32gliedri- gen Ausschutz vereinigt werden, der alle Vierteljahr mindestens ein. mal zusammentritt. Die Befugnisse des Parteiausschusses ergeben sich aus dem Wortlaut des Entwurfes. Die Zahl von 32 wurde festgesetzt, weil bei einer grötzeren Zahl die Parteileitung zu schwer. fällig werden müßte. Die Ausschutzmitglieder, die nicht nur eine begutachtende, sondern auch eine beschließende Stimme haben, sollen vom Parteitage gewählt werden, da sie ihm Rechenschaft abzulegen hoben. Da die einzelnen Landesteile durch Vertrauensleute im ParteiauSschutz vertreten sein sollen, so hielt es die Kommission für zweckmäßig, diesen ein Vorschlagsrecht für die Wahl einzu- räumen. Zu diesem Zweck müssen die Landesteile in Wahlkörper eingeteilt werden. Die gegenwärtige Bezirkseinteilung konnte schon auS dem Grunde nicht glatt übernommen werden, weil wir jetzt 45 Bezirke haben. Bei der Abgrenzung der Wahlbezirke mutzte darauf Rücksicht genommen werden, datz nicht nur die ein- zelnen Landesteile soweit als möglich vertreten sind, sondern datz auch Bezirke mit sehr großer Mitgliederzahl eine entsprechende Vertretung erhalten. Aus den 32 Wahlbezirken, die die Wahlordnung vorsieht, soll dem Parteitag der Vorschlag zur Wahl des Parteiausschusses gemacht werden. Für die Wahl der ParteiauSschutz-Mitglieder in den Wahlbezirken wurde eS nicht für nötig erachtet, einen einheitliozea Modus festzusetzen, vielmehr soll, wie bei den Delegiertenwahlen zum Parteitag, den Organisationen Spielraum gelassen werden. Die Wahl der Kandidaten für den Parteiausschutz kann auf den Bezirkstagen vorgenommen werden oder sie kann durch die Wahl- kreiSorganisationen des Wahlbezirks direkt im Wege der Urab- stimmung oder auf den Generalversammlungen erfolgen. Für den diesjährigen Parteitag sollen bereits Vorschläge ge- mvcht werden, damit die Wahl der ParteiauSschutz-Mitglieder auf dem Parteitag erfolgen kann für den Fall, datz der Parteitag die vorgeschlagenen Aenderungen beschließt. Der Absatz 3 des bisherigen§ 19 fällt weg. Die gutachtlichen Konferenzen der Bezirks- und Landesvorstände sollen zur Bera- tung organisatorischer Fragen und geschäftlicher Angelegenheiten nach Bedarf auch weiterhin abgehalten werden, ebenso wie bisher schon Redakteurkonferenzen und Geschäftsführerkonferenzen statt- fanden, ohne datz das ausdrücklich im Statut festgelegr ,st. Die Kontrollkommission bleibt nach dem EntWurfe erhalten als Instanz zur Kontrollierung der Verwaltung des Parteivorstandes und zur Entscheidung über Beschwerden gegen den Parteivorstand. ES erschien bedenklich, diese Funktionen auf den ParteiauSschutz zu übertragen, der in politischen Fragen kollegial mit dem Partei- vorstand entscheidet. Die Kommission wird bor dem Parteitag nochmals zusammen- treten, nachdem der Entwurf in den Organisationen und in der Presse diskutiert ist und die Anträge zum Parteitag vorliegen. Bn�fftarten der Redaktion. H. 5. 1. Nein. 2. Ja, falls Zeugen vorhanden sind. — 83. H. 25. Derartige Erklärungen, ob schriftlich oder mündlich ab- gegeben, sind nicht rechtsverbindlich.— R. W. 64. Ein Adoptionsvertrag vor einem Notar oder Gericht. Die Eltern des Kindes bezw. der Vormund müflen zustimmen. AlSdann Antrag an den Justizminister.— L. Pb. 46. Die Frage ist zweiselhaft. Wir halten die Kürzung nach SS 394, 400 des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht für zulässig.— 8t. X. Für die zurückliegenden letzten vier Jahre und für die Zeit bis zum 30. Oktober 1916 kann der Anspruch noch geltend gemacht werden. Aulmann 5. Nach Abiaus eines Jahres, gerechnet von dem Zeitpunkt, zu dem die Unterstützung entzogen Ist, erwirbt die Frau i« Beriht den Unterstützungswohnsitz.— 168. Das ist möglich und zulässig.— G. O. 64. 1 ES wird nur der Wert ersetzt, den die Sachen zur Zeit des Brand- schadens haben. 2. Ja, sosern derselbe zahlungsfähig ist.— H. 17. In 30 Jahren. Ob die Beschlagnahiiie rcchtswirksam ist oder nicht, läßt sich nur nach Kenntnis der Polize sagen.— R. B. 96. 1. Ja. 2. Nein.— ganz, ohne-Soda!! eine neuartige r>ausbaltreife von fabelhafter Maschkraft. Stück S0 Pf. Die Reinigungswirkung ist einfach fabelhaft. Selbft durch und durch verfchmutzte Wäfche wird mit Kavon-Seife bei spielend leichter Arbeit wie ueu. Empfindliche Stoffe wie Seide, Wolle, Spitzen, Gardinen usw. bleiben vollständig unverändert. Kein Einlaufen! Kein Farbenverblaffen! Dabei billig: Bei richtiger An- Wendung braucht man von Kavon-Seise halb fo viel Seise wie sonst. Die Kavon-Seife ift nach Zufammenfehung und Wafchkraft die reinfte und vollkommenste Hansfeife, die die Seifen-Jnduftrie je hervorgebracht hat. Todes-Anzeigen SozialdeiaoRraliscIierWalilyereini für den i Berliner ReicJistags-WaWkreis. Stralauer Aicrtcl. Bez. 336 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Tischler Robert peteer Boxhagcner Str. 17, gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Lcichcnballc des Zentral- sriedboss inFriedrichsjeide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Äorstaud. SozialdeiflokratisctierWalilvereiii Wümersdopf. Am 10. Juni ist unser Mitglied, der Tischler UemridiHanimerer im Alter von 52 Jahren verstorben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Juni, nach� mittags 3 Uhr, von der Leichern balle des städtischen Fricdhoses zu Wilmcrsdors, Berliner Strasic, auS statt. 202/5 Der Boritaud. veutseder öueddilttlei'-Verbsilll. (latilsteiis Bsriin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dag unser Kollege PsuB Reuschel Neukölln, Mainzer Str. 7 nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mitlwach, den 12. Juni, nachmittags'/,3Uhr, auf dem Neuköllner Gemeinde- Friedhof, MariendorferWeg, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortöverwaltnng. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, das; meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Schwe- ster und Tante Anna Kokot geb. Schulze am 9. Juni verstorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Alhect Kokot nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dony�rstagnachmittag 3>/, Uhr von der Halle des Friedhofs in Ahrensfelde aus statt. 35A Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Otto Peschke sogen wir allen Freunden und Bc- kannten, dem Deutschen Bauarbeiter- verband und dem Lotterievercin .Pechvogel" unseren ausrichtigsten Dank. SSa Frau WM. Peschke«edft Kindern. Lichtenberg, 11. Juni 1912. Dankfagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Tuiisch geb. Schmidt sage ich allen Verwandten und Bc- kannten sowie dem Ches und den Kollegen der Firma W. Ouehl meinen herzlichen Dank. 2054b Der trauernde Gatte «ustav Tausch, Rummelsburg, Kantstr. 11. OeiitscIiGr Transportarbeiter-Verband,] Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Lager- arbeiter ßugust Rosi am 9. b. Mts. im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Ehre sciucin Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Fricdcns-Kirchhoses in Nordend aus statt, Um rege Beteiligung ersucht 64/14 Die Bezirksverwaltung. Kenner O. Rokalirs Wer ist, der kaut Mp.l(raDl{eiH.Sterbel{asse ilerDeuteöllrEelsiefE.«se BcrwaltuiigSstclle Berlin B. Nachruf. Am 6. Juni verstarb unser Mitglied Epns� Dix. Ehre seinem Anbeuten l Die Beerdigung erfolgte am 9. Juni in Weida. Dankfagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Fran Binuia Krontcldt sagen wir allen Verwandten, Ve- kannten und Freunden, besonders dem Gesangverein der Töpfer, dem Sir- beitcri urnverein Pankow und dem Geselligkcitsvercin Garbella unseren tiefgefühltesten Dank, Pankow, 9, Juni 1912, Otto Krontcldt 20556 nebst Kindern, Extra- Abteiinns; Ii. Gesch.: BerlinW., Mohren- 1 Stra8e37a(2. Haus von der| Jerusalemer Straße). | II. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. 1 1 5(2, Haus| von der Andreasstraße). 1 Sehrgr. Ausw. fert. Kleider, I J Hüte, Handschuhe, Schleier 1 ■etc. v. einfachsten bis zum| ] hochelegant.Genrez.äußerstj niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: KaBanrertligung in 10 bis 12 Stunden. Export-Kautabak Unübertroffen in Qualität. X Sparsam im Gebrauch. = Hauptniederlage: Berlin C. 2, Klosterstraße 63.= Amt Kgst. 8498. •''ji'- f- X Zühnc 1,50 II. 19 Jahre Garantie. 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Karl Anders, Salzwedelerftr. 8. SW. H. Werner, Gneisenauftr 72. ikaehn, Hagelberger Str. 27. 8. St. ftzrih, Prinzenstr. 31. F. Lehman«, Kottbuser Damm 8. SQ. Paul Böhl», Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch, Engeiuser 15. �«llcrnliok. Karl Schwarzlose, Hoffmannstr. 9. Bannischnlcnwcg. H. Hornig, Marienthalerstr. 13, 1. BorvilgaalUc. Paul Kienast, Räuschstr. 10. Oharlottcnbnrs» Gustau Scharnberg, Sesenheimer Str. 1. l'riedrichshaecn. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. Orünua. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johunnlsthal. Pielicke. Kaiser-ZPlhelm-Platz 6. KurlshorMt. Richard Stüter, Rödelftr. 9, Q. Köpenick. Emil Wisiler, Kietzerstr. 6, Laden. I-ichtcat»crs. Otto Settel, Wartenbergstr. 1. Xlcclcr-Schöncvcldc. GeHrt, Britzer Str. 6. Zson-nncu. Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7. Ober- Schöne weide. Alfred Bader. Wilhelminenhosstr. tt IL Pankow. Otto Riftmann, Mühlenstt. 30. Bclnlckendorck. P. Gursch, Provinzstr. 55, Laden. Uixdorf. M. Heinrich, Neckarstr. 2. Conrad, Hermwmstr. 50. C. Rohr. Siegsriedstr. 28/29. Banimclnharx. A. Rosenkranz, Alt-Bcxhagen 55. Schöneberzx. Wilhelm Bäumier, Marnn-LutHer-Str. 59 im Laden. Spandau. Kuppen. Breiteste. 64. Stcslit-, H. Bernsee. Atsenftr. 5. Pcnipelhol. Joh. Krohn, Borussiaftr. 62. Treptow. Rodert Gramenz, Kiesbolzstr. 412, Laden. IVeillcnsce. Fuhrmann. Sedanstr. 105. Schillert. König-Thaussee 39» Wllmeradorl. Paul Schubert, Wilhelmsaue 27. eine dewÄhrl-s Krankenkost für Erwachsene bei Störungen der Verdauung, bei Schwäche u. Appetitlosigkeit. ist der schönste Ausflugsort? + Immer noch Pichelsweroer» - ttÄe.fc" beim Alte« Freund. |nt lchiikUWZ kt ftiftutitljilftii! In solgenden Geschäften sind die Arbeitsbedingungen tariflich geregelt. Wir richten die Bitte an die Berliner Bevölterung, diese Liste beim Besuch der Friscurgeschäste zu beachten. Ackerstr. SS, Glogner Ackerstr. 81. Well Adalbertstr. Kl. Eckert Adalbertstr. 96. Grund Alndtstr. 22, 5knoll Belsorter Str. v, Lau Bellcrmannstr. 88, Müller Bcllerniannstr. 95, du Maire Berlichingenstr. 6, Reihe Berlichingenftr. 11, Johannjen Beussclstr. 8a, Bormann Beusfclstr. 47, Hasselbarth Beuiselstr. 86, Peters Beusselstr. 84, Rister Bernauer Str. 18, Kosch Blumenstr. 54, Toepser Bödikerstr. 3, Stephan Bornholmer Str. 3. Dum« Bornemaiinstr. 4, Dirschla Boppslr. 8, Liebenau Boeckhstr. 56, Hanne Böltgerstr. 2, Münzberg Boichagencr Str. 27, Berger Boxhagener Str. 3la, Anders Boxhagcner Str. 42, Schuster BreSlaucr Str. IIa, Strocks Britzer«tr. 14, Schreiber Brunncnslr. 92, Wirth Brüsseler Str. 43, Klappstein Brüsseler Str. 46.Hcicrmann Bullmaniistr. 8, Knuth Cadincr Str. 8, Scholz Cadiner Str. 17, Fröhlich Carinen-Shlvastr. 153, Döhring Christianiastr. 124, Langner Christinenftr. 26, Schilling Christinenstr. 35, Schmidt Chorincr Str. 28, Bunge Gulmstr. 26, Hagen Cuvrhstr. 8, Böhm Cuvrystr, 23, Reinicke Cuvrystr. 41, Schröder Danziger Str. 31, Zickert Drieicner Str. 7, Nissel Driesener Str. II, Donnisch Drontheimer Str. 26, Maniewsli Dunckerstr. 4, Littmann Dunckerstr. 11, Braatz Ebertystr. 42. Scholle Ebertystr. 47, Drechsel Elbingerflr. 6, Riedel Elbinger Str. 18, Neumeister Ebelingstr. 16, Vogel Euldener Str. 25, Burdack Engcluscr 4a, Krüger Engeluser 17, Prenzel ErasrruSstr. 9, Hahn Exerzierftr. Sa, Jacob Exerzicrstr. 11, Koch Exerzierftr. Sla, Leonhardt Faickensleinitr. 26, Zachwei Falckenstcinstr. 45, Chmilewski Fennstr. 16, Pose Fcunstr. 52, Schmidt Fehrbelliner Str. 26, Moritz Freienwalder Str. 4, John Friedenltr. 38, Bednarel Friedcbcrger Str. 11, Janzen FriedrichSbcrger Str. 5, Roch er Frtedrichsscldcr Str. 18, Bölke Friedrichsscider Str. 31, Fleischer Forstcrstr. 2. Witt Forstrrstr. 43, Gand Fruchlstr. 4, Gcelhar Fruchtslr. 31, Messerschmidt Fruchlstr. 56. Wille Fürstenbergstr. 12, Stier Gabclsbergtrstr. 6, Puple Gartcnstr. 54, Kappe Gartenstr. 66, Kirchner Gaudyslr. 12, Kaniowski Genchtstr. 19, Engel Gerichtstr. 46, Freihube Gcrichtstr. 86, Schilling Gerichtstr. 82, Freihube Glcimstr. 2, Anklam. Glogauer str. 18, Nehrle Glogauer Str. 24, Handro Görlitzer Str. 1, Grade Görlitzer Str. 34, Klose Görlitzer Str. 41, Scholz Gormannstr. 12 u. 25, Lorbeer Gräsestr. 9, Kathen Grcifenhagencr Str. 33, Neye Grünthaler Str. 13, Kolberg Grünthaler Str. 35, Koch Guineastr. 7, Münchow Gubener Str. 3a, AmboS Gubener Str. 48, Preß Große Hamburger Str. 16, Meiscrt Hausburgstr. 3, Danunick Hausburgstr. 15, Fenzlaff Hcnnigsdorser Str. 1, Brauns Hochstr. 33, Lolh Neue Hochstr. 16, Janitzki Höchilcstr. 4t, Zacharsli Hochstädtcr Str. 17, Kretschmer yübuerstr. 8, Beil Hussitenstr. 45, Henke Hussiteustr. 76, Ebcll Huttensir. 36, Mielke Hnttcnstr. 62, Grosch Jagowslr. 22, Voigt Jahnstr. 21, Heise Kameruner Str. 53. Barthel Kastanienallee 15, Busse Kochhannslr. 16, Zipprich Kochhannstr. 28, Eieslinsli Kochhannslr. 46. Wölfling Koloniestr. 36, Bärtel Koloniestr. 68, Weber Korsörer Str. 5, Jde Korsöer Str. 15, Göde Kopernikusstr. 2, PetcrS Köpenicker Str. 48, Rohde Kopenhagener Str. 76, Warnet Krautstr. 33, Seiffcrt Kuglerstr. 1, Grche Kuzlerstr. 44, Müller Lange Str. 86, Bärloinkel Langestr. 162, Neinholz Landwehrstr. 3, Schrolle Lausitzer Str. 32, Prieman« Lausitzer Platz 12a, Ficlitz Libauer Str. 14, Bonin Libauer Str. 21, Barth Lichtenberger Str. 15, Vergin Liebenwalder Str. 35/36, Prochnow Liebigstr. 2, Gendolla Liebigstr. 14, Hoppmann Lindenstr. 79, Kochmana Linienstr. 3a, Paucr Linienstr. 78, Maaz Lortzingstr. 8. Witikops Lortzingstr. 41, Witt Lychcner Str. 12, PotrhkuS Lychener Str. 106, Schiebe! Lychener Str. 166, König Lynarstr. 15, Papensuß Malplaquetstr. 23, Völler Manteufselstr. 5, Mücke Mantcuffelstr. 9, Fabian Manteunclitr. 66, Röhle Mantcuflclstr. 68, Wolf Mnnteuffelslr. 75, Cardinal Mantcuffelstr. 86, Metz Marlgrafendamm 34, Jurisch Marianncnslr. 53, Schober MarsiliuSstr. 23, Lutsche Rtatternstr. 4, Schwankt Memeler Str. 6, Manigl Memeler Str. 23, Striepling Memeler Str. 36/37, Buchholz Memeler Str. 81, Patzer Moabit(Alt) 54, Gaedicke Moritzstr. 2, Bcthge Mühlenstr. 47a, Rudols Mulackstr. 26. Fröhlich Müllerstr. 58, Brandt Müllerstr. 62, Lücke Müllerstr. 129, Deniger Muslauer Str. 22, Bellgardt Naunynstr. 27, Mohwinlcl Naunynstr. 34, Nitschle Naunhustr. 75, Beyer Nollendorsslr. 34, Feldheim Norweger Str. 3, Martin Nostizstr. 58, Schmidt Oderberger Str. 56, Grabenschroer Oppelner Str. 11, Bunzel Oudenarderstr. 36, Feuerherd Oudcnarderstr. 42, Strautz Panlstr. 7, Thierse Paulstr. 62, Schmidt Pappclallce 9, Leuschner Pappclallcc 33, Daunert Pappelallee 65, Trojauowsli Pastcurstr. 39, Schmidt Perleherger str. 39, Artelt Petersburger Str. 5, Buchholz Pillauer Str. 6, Nowack Pintschslr. 26, Geelhaar Prinzcnallce 11, Hohmann Prinzcnallce 26, Hübncr Pros lauer Str. 3, Elende Pücklerstr. 45, Prenzler Putbuser Str. 2, Lowack Putbuser str. 19, Billerbeck Putbuser Str. 46, Kühn Putbuser Str. 47a, Beccardt Ramlerstr. 33, Dahlle Reichenberger Str. 51, Weniger Reicheuberger Str. 88, Drcws Reichenberger Str. 162, BclS Reuchlinstr. 7, Thiele Rhinomer Str. 5, Beck Rigaer Str. 4, Laute Rigaer Str. 57, Baumhammel Rigaer Str. 91, Schmidt Rigaer Str. 98, Gärtner Romintener Str. 7, Welsert Romintcner Str. 22. 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Neffen Schlcsische Str. 15, Malchereck schliemannstr. 26, Tellschow Schliemannstr. 33, Dziuba Schliemanllstr.�45, Fleischer Schivelbeiner Str. 39, Saalmann Schioelbeincr str. 44, Stcinhoss Schönhauser Allee 56a, Flügel Schönholzer Str. 12, Neugebauer Schönleinstr. 18, Unger Schönlcinstr. 28, Ebell Schönleinstr. 29, Weigt Schönwalder Str. 2, Wisockt Schreinerstr. 8, Marx Schreincrstr. 26, Folleher Schreinerstr. 52, Karpe Stallschreiberstr. 59, Rinke Stargarder Str. 14, Klasli Stargarder Str. 18, Krei Stargarder Str. 58, Scholz Stettiner Str. 23, Otte Stcphanstr. 63, Porl Straffmannstr. 27, Weit Strausberger Str. 26, Rittenberg Strelltzer Str. 12, Jäckel Stolpijche Str. 37, Langer Tegeler Sir. 25, Reichel Tegeler Str. 33/34, Gebrk« Trcsckowstr. 12, Lindenberg Triststr. 1, Peckel Trislstr. 46, Lehrend Tilsiter Str. 12, Beul Togostr. 74, Baarsch Torsstr. 26, Kläre Thaerstr. 32, Görlitz Ucckermünder Str. 1, Linke Uscdomstr. 2, Lange Uscdomstr. 9. Lorenz Utrechter Str. 19, Gennrich Veteraneustr. 6, Kroll Vctcranenstr. 23. Virchow Waldstr. 15, Fuhrmann Waldslr. 38. Achenbach Waldemarstr. 36, Gogalla Waldemarsir. 65, Schurig Waldenserslr. 12, Kinder- Warschauer Str. 63, Nestel Wafsertorstr. 38, Kuhrmana Wcbcrftr. 11, Brandt Weideuweg 73, Matz Wcidcmveg 86, Stülpner Wcndenstr. 6, Schulz Wichertstr. 154, Bethke Wiener Str. 16, Heinrich Wiener Str. 53, Lipski Wiener Str. 56. Adler Wiener Str. 68a, Okupnick Wilhelm-Stolze-Str. 16, Bürlner Wittslocker Str. 2, Oehlke Wittstocker Str. 8. Lück Wittstockcr Str. 26, Hossmann Wrangelstr. 21, Rütz Wrangelstr. 86, Pattloch Wrangelstr. 135, Luplow Wörther Str. 26, Liiblow Astader Str. 15, Dahlenburg Zionskirchftr. 46, Berkner Zorndorser Str. 17, Regenberg Zwinglistr. 11, Mclhner Bismarckstr. 3a, Dehme! Bismarckstr. 53, Tschirschke Hackenbergstr. 7, Müller. Britz. Chausseestr. 67, Beuth Charlottenbarg. 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Jägerstr. 14, Scheeler. Ober- und lVleder-Schöne- weide- Johannisthal. Berliner Str. 37. Eis Berliner Str. 46, Matz Kaiser-Wilhclmstr. 13, Hoffmann Rathcnauslr. 4, Stippekohl IVenkbllja, Allerstr. 6, Jezierski. Berliner Str. 89, Vogel Bcrthelsdorferstr. 8, Schulze Bruscndorfer Str. 5, Weiland Boddinstr. 9, Nacsliewicz Boddinstr. 1/2, Weidcnthal Bodestr. 14, Jlgenstein. Böhmische Str. 56, Skarzinski Bürknerstr. 1, Sauerwald Z. Donaustr. 136, Ludwig Elbcstr. 8, Goltz Elbcstr. 37, Moldenhauer Elbestr. 15, Laaser Elsterstr. 2, Höring Emser Str. 35, Mieles Emier Str. 56, Pietratzek Emser Str. 161, Goziza Emser Str. 136/31, Hanisch Fuldastr. 45, Henning Goethestr. 8, Brosin arzerstr. 32, Hoffmann eidelberger Str. 28, Wille awsurthstr. 6, Stephan errsurthstr. 37, Mrohmann erniannftr. 22, Sichert crmannstr. 91/92, Gransee crmannstr. 267, Roh ermannjtr. 229, Weiß crmannstr. 255, Ncumann ertzbergstr. 17, Guse obrechtstr. 2, Schmidtke obrechtstr. 6, Stöbe obrechtstr. 66, Sela . gerstr. 55, Rabe Jägerstr. 75, Schitzsch Kottbuser Damm 91, Beutel Knesebeckstr. 36, Barnack Knescbeckstr. 59, Rosenke Kliejebeckstr, 84, Rumrich Leinestr. 1, Kellner Lesfing str. 27, Zicgler Mahlower Str. 8, Votz Mainzer Str. 5, Malet Nogatstr. 6, Weber Okerstr. 3, schilberg Pannierstr. 26, ZelmanSkt Pannierstr. 31, Heß Pannierstr. 53a, Strchl Prinz-Handserh-Str. 18, Jakob Prinz-Handjery-Str. 54, Jungmann Reuterstr. 31, Gabriel Sanderftr. 16, Hosfmam» Sanderstr. 22, Hörenz Schierkestr. 27, Schiel Schillerpromenade 5, Schimmel Schillerpromenade 7, Choinowski Steinmctzstr. 71, Schiesert Teupitzerstr. 28, Warams Treptower Str. 15, Lohm Walterstr. 36/31. Rausch Walterstr. 55, Schneider Wartheitr. 16, Heinris. Warthestr. 69, Eichardr Weiseslr. 9, Heider Weisestr. 25, Rostek Weisestr. 31, Walter Weserstr. 266, Lenz Weserstr. 162/3, Pohla Weserstr. 177, Kluge Weserstr. 215, Maudrich Wildenbruchstr. 54, Neumann Wiffmannstr. 21/22, Nagel Ziethenstr. 31, Alpen Ziethenstr. 58, Darsow Ziethenstr. 46, Kleiu Pankow. Berliner Str. 78, Fäder Brehmestr. 26, Lange Florastr. 35, Kleiber Belnlekendorl-Ost u. West. Amendestr. 18, Berghoff Granatenftr. 37, Eggenstet» Herbststr. 26, Schirm Holländerstr. 24, Holzheimer Klixstr. 1, Genz Thunerstr. 45, Appel Sclibucberg. Ebcrsstr. 74, Müller Feurigstr. 45, LiebS Goltzstr. 46, Raffel Hohensriedbergstr. 1, Abelt Hohensriedbergstr. 27, Härtel Tegel. Bahnhosstr. 16, Knebel Brunowstr. 49, Etcke Ränschstr. 53, Straube Scharsenbergstr. 32, Strecker Xreptow- Banmschnlenwcg. Baumschul enstr. 95, Hallas Baumschulenstr. 166, VogeS Beermannftr. 2, Thiele Elsenstr. 37, Hecht. Elsenstr. 116, Kulessa Graetzstr. 12, Fasel Graetzstr. 54, Weise Graetzstr. 66, Krüger Kiejholzstr. 183, Adomat. WelLensev. Charlottenburger Str. 95, Simson Friedrichstr. 42, Schleicher Langhansstr. 16, Geser Rölckestr. 135, Olschack Straffburgstr. 16, Kauf Str-atzburgstr. 99, Simon Strcustr. 4, Junke Uckermartstr. 10, Simon. Potzdam-Asowawez. Alte Luiscnstr. 13, Weitzner Alte Luissnstr. 43, Wescnbcrg Priesterstr. 31, Wolter Wilhelmltr. 59, Warnick f'l» In den oben genannten Barbiergeschästen werden Gehilsen dauernd oder aushilssweise beschästigt. Jeder daselbst arbeitende Gehilse hat zum Beweise, datz er vom Arbeitsnachweis des Verbandes der Friseurgehiljen angenommen wurde, eine Kontrollkarte, die lausend gestempelt sein mutz, zu führen. Aus letzteres ersttchcn wir besonders zu achten. Geschäfte, in denen keine Gehilfe» beschäftigt werden, führen keine Kontrollkarte. Uebt Solidarität! 292/5 Der Verband der Frtsenrgehilfe». Ubeater. Mittwoch, den 12. Juni. Ansang 7 Uhr. Kal. Opernhaus. Tristan und Isolde. Kgl. Schauspielhaus. Maria Stuart. Aiifang 7'/, Ubr. Prater. O diese Berliner. Animig 8 Ubr. Urania. Der Grotzglockner. Gastein. Salzburg. Deutsches. Oaba. Kammerspiele. Mein Freund Teddy. Letiing. Der Vogelhändlcr. Koiniiche Over. Heiligenwald. LLcstc». Die schöne Helena. Röniggrnhcr Straffe. Die süns Franksurter. Kursürstcnopcr. Der Tanzanwalt. Neues. Ter liebe Augustin. tlieiidcuz. Alles für die Firma. Berliner. Giofic Nosiiien. Schiller<>. Die Haubenlerche. Set>-»er. Eliarlottciiburg. Dcr scharse Junler. Neues Ovrrette«. Der Kongretz von Sevilla. Dlialia. Autolicbchen. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr- mit der grünen Krawatte. Metrovat. Schwindclmcicr u. Co. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Svezialitälcn. Passage. Spezialitäten. Reitlishalle». Stettiner Sänger. Sanatorium Sonnenstich. Anfang 8'/, Uhr. NeneS Schauspielhans. Parkett- sitz Nr. 10. Lustspielliaus. So'n Windhund. Rose. Bilanzen des Lebens. Fricdr.- Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Walhalla. Um eine Krone. Ansang 8.26 Uhr. Lnisen. Schwester Carmen. rlnsaug 8'/, Ubr. Neues Volkstheater. Geographie und Liebe. »önigstadt-Kastno. Spezialitäten. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— bL. 8evjI!er-7desler0.A?a7en Mittwoch, abends 8 Uhr: Ble Haubenlerche. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der scharfe Jankor. Freitag, abends 8 Uhr: Xachraiim. Theater des Westens AbendS 8 Uhr: Die schöne Helena. I0SE=THEATE Sthlller-Thealer'"'"J*"' Mittwoch, abends»Uhr: Der scharfe Jnnker. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Freitag, abends 8 Uhr: Die Lokalbahn. Hieraus: Die Hedallle. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosine«. rdestei'ilillel'WigMei'Ztl'M Abends 8 Uhr: Die S Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Angustin. Operette von Leo Fall. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 3 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M. Hennequin und G. Mitchell. 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Berlin 1; 130 000 0,50 u. 1,— M. 132... 1: 130 000 1,— u. 1,50 M. 500,,, 1: 300 000 1,— u. 1,50 2)1. Spezialkarten von 247/9- Bernau-Biesenthal, Buckow, Eberswalde-Chorin, Freienwalde u. Umg., MUritz-See, Oberspree, Oranienburg u. Umg., Potsdam, Rheinsberg, Rüdersdorf, Spandau-Tegel, Sprecwald, Strausberg- Blumental u. a. Straubes Märkisches Wanderbuch (Ausflüge in die Marl Brandenburg) 70 Karte«. 4 Teile je 1.— M. zusammen im Karton 3,— M. Bnehhandttmg Vorwärts lilndenntratte 00(Laden). Im ' 1■ Verwaltung Berlin. Einsetzer! Donnerstag, den 13. Juni, abends 8 Uhr: Bezirks-Versammlungen: 1. Bezirk bei Mcrkowski, Andreasstr. 26. 2.„„ Gliesche, Kopenhagener Straße 74« 4.„„ Schenk, Neukölln, Roseustr. 24. 7.„„ Thunack, Charlottenburg, Wielaudstr. 4. Sonntagvormittag 9 Uhr: l».» Melzer, Wiesenstr. 29. 85/1 U»le Ortnverwaltniig. Reparaturen. Tpez.t Unerläßlich saubere Mensur für Schüler. Tonverbesse- rung, aus Wunsch auch solche, die dem alt-itallenischenTone täuschend ähnlich ist. 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Zu derselben find mitzubringen: und Arbeitslosenfondskarteu.— Die Mitgliedsbücher. Ztatiniken Wahlvereinsmitglieder bringen außerdem ihre Wahlvereinsbücher und»Borwürts-leser die letzte O-utttung mit. SHT Jedes Mitglied ist verpflichtet, sich der Kontrolle ,« «ntcrziehe».— Agitiere jeder für vollzählige Beteiligung. 176/16- Die OrtsTerwaltnng. Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden, Prinzenslr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 1 Zigarren- U Herbst Fabriken V l W �» gegr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. BURI.IV SW., Rltterstr. 83 Erstklassige Ware. Zigarrenhändlern bestens empfohlen. 1 Ta rifarbelt. 1 rnj.. Folgende Fleischermeister haben die Forderungen der Gesellen anerkannt und den Tarifvertrag unterzeichnet: Allerstr. 12, K. Träder Allerstr. 43, Wähner Berliner Str. 28, P. Lukaschek Bergstr. 39, A. Baum Bergstr. 84, H. Schulz Bodestr. 26, 33. Dörr Doddinstr. 49, I. Paul Bilrknerstr. 5, P. Jünger Canner Str. 51, M. Maucrsberger Donaustr. 7, M. Falkner Donausir. 15, G. Kubin Emser Str. 12, W. Bauer Emser Str. 21, H, Schmidt Emser Str. 26, I. Orth Emser Str. 40, Gleich Emser Str. 76, K. Kroll Emser Str. Iii, K. Stock Asenstr. 74, G. Amling iedelstr. 46, O. Weiland iedelftr. 51, O. Berfikow aitstr. 20. P. Schmidt alkstr. 20, M. Riese zarzerstr. 118, H. Burck zerrsurthslr. 23, K. Schilde hertzbergstr. 21, W. Kräger» hobrechlstr. 19, W. Rademacher Hobrech tslr. 38, O. Selsert yobrechtstr. 42, R. Kleischmann Hermannstr. 46, B. Riedel Hermannslr. 114, Erste Neuköllner EngroS-Schlächtcrei Hermannstr. 169, O. Perfike Hermannstr. 210, Neuköllner Fleisch- zentrale Heidewerger Str. 80, 81, volland Jägerstr. 7, G. Seidel Jägerstr. 59, P. Kuznik JulmSstr. 48. W. Mücke Johann-Huß-Str. 3, H. Rudols IonaSstraße(Neue) 29. G. Färber KarlSgartenstr. 2, W. Riedel KarlSgartenstr. 16, G. Regber Kottbuser Damm 12, F. Klein Knesebeckstr. 41. P. Bartsch Knesebeckstr. 68/69, K. Tschepe Knesebeckstr. 117, P. Hennig Knesebeckstr. 150, O. Loose Kaiser-Friedrick-Str. 7, I. Holz Kaiser-Friedrich-Str. 22, G.«ehrend Kaiser-�riedrich-Str. 73, E. PacholSkt Kaiser-Friedrich-Str. 76, S. Härtel Kaiser-Friedrich-Str. 245, I. KaminSki Lessingsll. 18, Grzemba. Leffingstr. 24, C. Sterner Lessingstr. 9, I. Awrecht Leinestr. 2. A. Uschmann Niemctzstr. 8, R. Lmdner Nogatstr. 23, E. Krause Nogalstr. 31, R. Kauer Nogatstr. 40, H. König Mahlower Str. 3, W. Rahn Mareschstr� 14/16, I. Blümlew Mainzer Str. 8, O. Schleußner Münchner Str. 47, H. Schulz. Olerstr. 12, 81. Prager Okerstr. 45, E. Uekert Pannierstr. 8, R. Bergseld Pannierstr. 12, G. Schmiedel Pannierstr. 34, M. Kapusta Prinz-Handjcrystr. 37, O. Friebel Richardftr. 3l/32, F. Lindemann Richardstr. 61, O. Schönbrunn Reuterstr. 66, H. Bcierfuß Selchower Sir. 1, W. Fitcher elchower Str. 28, 81. Müller «elchower Str. 35, I. Wasowicz Schöneweider Str. 16. Wwe. KnolL Schudomastr. 42/44, P. Golle Schudomastr. 49, A. Bock Steinmetzilr. 28, F. Näke Steinmetzstr. 36, R. Klammer. Steinmetzstr. 110, P. Schmel ThomaSstr. 36, C. Flehming(Wurst» sabrik) Tellilr. 13, E. Schlicht Teupitzer Str. 12, S. Knebel. Teupitzer Str. 110, A. Szezyiel. Warlhcftr. 7, W. Friedmann. Warthcstr. 58, G. Sast. Wariheslr. 70, K. Gerlach. Warthestr. 73. Th. Pahnke. Wcichielstr. 31. G. Sch-rle Wcichselstr. 49. F. Schmidt. Wcichsclftr. 57. Rod. Arndh Wcichselstr. 64. E. Kowalski. Weichtelpiatz 4. H. Burck. Weiscstr. 8. A. Müsch. Wellestr. 24, P. Wonncberger. Weisetlr. 30, G. Knappe. Wetsestr. 51. F. Schilde. Weserstr. 44. A Winter. Weserstr. 16«. M. Meier. Wissmannstr. 1, G. Riedel. Wildenbruchstr. 54, W. Körte. Zietenstr. l3, H. Rauchscld. Zietcnstr. 23, M. Kailer. Zietenstr. 41, H. Jochmann. Zietenstr. 51, W. Fischer. Ter Ausschusi der GewerkschaftStommisstou B-rttnS«nd Umgegemo«nd die Zeutralleitnna de« BerbandS s-zialdemo. kratischer Wahlvereine haben ihr- Zustimmung zur Bcrhanguna deS Boykotts gegen solche Fteischermeister gegeben, welche die Fordenmam der Gesellen nicht anerkennen. Arbeiter I Mitbürger l Hausfrauen! Unterstützt daher die um ewe ge» regelte Arbeitszeit streikenden Fleischergesellen. Kaust Eure Fleisch- und «ursiwaren nur da, wo der Tarisvertrag unterschristlich anerkannt ist. 292/4 Die Streikleitung. Berlin,«iisabethstr. 11. Telephon: Amt Königstadt Nr. 3024. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für de» gnseratenleil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: vorwart»»vuchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer u. Äerlin ZW» Nr. 134. 39. Jahrgang. 2. Stilnjc to Llirmrls" Knlim PcksdlM Mtwoch. 12. Inn! 1912. Achter Ntlbllvdstag des Dentscheu Transportarbeiter' Verbandes. Breslau» 10. Juni 1012. An den Verhandlungen nehmen 18g Delegierte. 19 Gauver- »reter und je ein Vertreter des Ausschusses, der Revisionskom. vmiswn, der Rcichssektion der Ctratzenbahner, sswie der Eisenbahner KU. Für die Redaltion der Verbandszeitung der„Courier" ist Berlin anwesend. Nach Berufen gesondert gehören Iio delegierte den Transport-, 4Ü den Hafenarbeitern und 11 dem «eemannsberuf und 10 den Gruppen der verschiedenen Verkehrs- gewerbe an. S ch um an n gab den mündlichen Geschäftsbericht, in einer ZjUlammenfassung alles dessen, n?as in den vom Vorstand heraus- gegebenen Jahrbüchern niedergelegt ist, ausserdem tn Ergänzungen und kritischen Bemerkunaen über das gesamte Verbandslcben. Der «vorstand hat in den Jahrbüchern besondere Rubriken für die ein- Aetnen Berufe eingeführt, um allen Gruppen gerecht zu'wsrdett. £0» Mt tn diesem Jahre insbesondere über die Verhälinisse der �'Z�V'sch'ner und der in der Seeschiffahrt beschäftigten Kollegen geschehen eine ausführlich« Lühnftatistik über letztere solle im Ochsten Jahrbuch erscheinen.- Die ausserordentlich günstige Eni- > ckclung des Verbandes führt Redner auf zwei Ursachen zurück! auf. den Zusammenschluß der beteiligten Verbände Und auf die günstige Geschaftskonjunktur.— dazu wirkten noch die Maßnahmen iK} i>� erun®' e Steuervorlwgen, die Teuerung und weiter die �abldcwegung. Im weiteren gab Redner Schilderungen der reichen Mtatwnsarbeit und des Einsetzens aller Kräfte der im Dienste � Arbeitenden.— Es fanden in der Berichtsperiode 4 Versammlungen statt: neben der mündlichen Agitation hat i linnüS Agitation stark zugenommen. Es wurden , id» mm Flugblatter verbreitet, ferner zirka 500 090 Agitations- r � 5? Agitationsbroschüren und weiter noch eine recht er- pmichc Zahl anfeuernder kleiner Agitationsbroschüren. Der Er r T... i«.y UUllUil»ÜtU|tVUl.tlU Äict Vi,L= >>1 Nicht ausgeblieben, der Verband kann jetzt über 200 000 «IttgUeS« mustern, das Ziel müsse jetzt das dritte Hundert- HMzeetb sein. • insgesamt 193 355 Neueintritte und Uebertritte erzielt, �ie Aufnahmen und Uebertritte aus die einzelnen Berufs- yruppen vertrilt. ergeben für Kutscher und Fuhrleute 32 063, für 25 691, für Speditionsarbeiter verschiedener Art L« 506. für Hilfsarbeiter 24 201, für Hausdiener und Packer 19 961, bür Binnenschiffer 15 817, für Seeleute 14 208, für Straßenbahner USoO und für die übrigen Gruppen 912 000 Personen. ' Januar bis zum 1. Juni d. I. ist ein Zuwachs von fJ5v?- 00 äu verzeichnen. Nach der BerufSgewerbczählung von I r»'1 � 000 Berufsangehörige in Frage, darin find alle auf Eisenbahnen beschäftigten und die gelernten Arbeiter des Handels, und Transportgewcrbes nicht mit enthalten. Nach diesen Z'f.etn ergibt sich, daß am 1. Januar d. I. 18 Proz. Örganisatioils- .ahige im Verband organisiert waren. Die Zahl der Orte, in denen sich Verbandsmitgliedschaften befinden, ist von »22 auf 392 in die Höhe gegangen. Gleichen Schritt mit der numc- rischcn Steigerung der Organisation hielt auch die Gesundung ihrer finanziellen Basis. Die Durchschnittszahl der geleisteten Beiträge im Jahre 1911 betrug 44.2 gegen 42.9 im Jahre 1909.— Der Borstand hat allen Anforderungen in bezug auf Abhaltung von besonderen Berufskonferenzen nach Möglichkeit stattge- geben. Es haben Branchenkonferenzen für einzelne Berufe und Zusammenkünfte besonderer Art stattgefunden.— In der Frage der Grenzstreitigkeiten ist das Verhältnis zum Verbände der Brauer dasselbe geblieben. Neue Differenzen entstanden mit dem Ver- bandc der Gemeindearbeiter betreffs der Strahenbahner; zur Schlichtung wurde die Generalkoinmission angerufen, die zugunsten unseres Verbandes entschied, desgleichen in der Unstimmigkeit, die mit dem Verband der Bureaua«gestellten entstand. Um Differenzen zu vermeiden, sind mit dem geeinten Bauarbeiter- verband und mit dem Verband der Maschinisten und Heizer Kartellverträge abgeschlossen. In dem Verhältnis zur Internationalen Transportarbeiterorganisation hat sich in der letzten Geschäftsperiode nichts geändert. Der Verband hat in den zwei Jahren 1774 L o h n k ä m p f e mit 152 287 Beteiligten geführt. Die Unterstützung dieser Kämpfe hat in den beiden Jahren 1 152 000 M. erfordert. Die zahlenmäßigen Erfolge der Bewegungen haben wir bereits im Vorbericht erläutert.— DaS Unter ftützungswefen erforderte in der Berichtszeit 3 335 000 M., eS hat sich als ein ausserordentlich guter Kitt in der Organisation erwiesen. Redner erörterte dann die kleines feuilleton. Die Maler der Tagtränme. Die Bilder der Futuristen, die kürzlich in Berlin gezeigt wurden, scheinen eine allgemeine Ab- lehnung gefunden zu haben. Damit ist natürlich diese Malerei nicht ein für allemal erledigt. Die Erfahrung lehrt unS, gegenüber neuen Kunstlendeiizen vorsichtig zu sein, denn nicht zum ersten Male ist eine anfangs verketzerte neue Kunstrichtung später tonangebend ge- worden. Aber ebenso wenig beweist nun die Tatsache der all« gemeinen Ablehnung etwa die Unfähigkeit der Kritik— und die zukünftige Grösse dieser ZukunfiSmalcr. Inzwischen wäre eS interessant, den soziologischen fgesellschaft- lichenj Ursachen nachzuforschen, au« denen diese scheinbar oder wirklich verrückte Malerei zu erklären wäre. Es kämen in Frage: Er- schöpfungs- oder Entartungserscheinungen bestimmter Gesellschasls- schichten: die Sucht nach unerhört Neuem, um sich durchzusetzen, oder auch um den Mangel an produktivem Können zu verdecken; die Auf- lösung aller Kuiisistile. weil die Kunst ihre natürlichen Funktionen in der kapitalistischen Gesellschaft nicht mehr vollziehe» kann usw. Dergleichen Versuche liegen natürlich der zünftigen Kunstkritik zu fern— und es sind deswegen auch keine erfolgt. Dagegen glaubt jetzt ein von« Kerr entdeckter Kniistforscher Max Deri im »Pan* eine Art physiologische Erklärung der Futuristen gefunden zu haben. Sie würde, wenn sie richtig wäre, freilich auch erst der gesellschaftlichen Begründnng bedürfen, da die Menschen in ihrer Natur sich nicht plötzlich verändert haben. Herr Deri schreibt(.Pan* Nr. 29):»Einen grossen Teil de» Dasein« verbringt man in Tagträumen', indem man die Er- iiincrungsvorstellungen im Kopfe ihr eigen Spiel treiben läßt. Be- weglich und ziemlich ungeorknet reiht sich Element an Element, und schliesst sich ohne feste Haltung aneinander. Diese seelische Ver- fassniig nun zn malen, gibt allerduigs einen Naturalismus, der noch über den Impressionismus hinausgeht. Dieser Naturalismus erst zieht die letzte Konsequenz, malt wirklich daS menschliche Gehirn ab. in einer beliebraen Stunde des Daseins, ohne jede Veränderung. ohne jedes»ptbnen" auf einen bestimmten Zioeck hin. Und da« gibt die Mehrzahl der Bilder� der Futuristen: ungeordnete Ennnerungsvorstellunaen irgendeines Erlebnisses, in jener �lüsftgkert und losen Verbindung beiku,alten, in der sie sich bei wirklich ehrlicher Selbstbeobachtung in uns vorsinden.— Die. Erinnerungen einer Nacht* umfasien z. B. Reste von hundert Erlebnissen. Da finde ich beim Zurückträumen die Hand» des Mädchens vor dem Champagnerglas am Tisch, den Saal der Tanzenden, den Kopf des Mädchens on face, gleichzeitig im Profil, fi»de mich selber, wie ich Arm in ArNr mit ihr den Ballsaal verlasse, finde die ErinnerungSrclte an die Droschke, an die aufgehende Sonne, an zwei lange Schattemnämier gegen diese Sonne. Und indem ich dies alles so mal«, wie eS mir gerade in der Erinnerung aufsteigt, entsteht natürlich, ungezwungen und wahr- hast«in Bild wie daS von Swisolo.' Angelegenheit betreffs Schaffung eines eigenen Heim». Er empfiehlt, daß alle Mitglieder einen einmaligen Beitrag zur Anlage eines Hausbausonds beisteuern sollen. Dann gab der Kassierer Kahler den Kassenbericht, den wir hier übergehen können, da wir die wichtigsten Zahlen schon im Vor- bericht gebracht haben. Für die Revisoren berichtete Streitner- Berlin. Er erklärte, daß der Kassierer seine Geschäftsführung in Ordnung hatte und stets seine Schuldigkeit getan habe. Den Aus- schussbericht gibt L ü d e ck e- Magdeburg. Die vorgetragenen Fälle betreffelt interne Verbandsangelegenheiten, die für die Oeffent- lichkeit kein Interesse haben. Die dann einsetzende Diskussion wurde, nachdem neun Redner gesprochen, vertagt._ Em Induftric und Kandel. Die NeichSbank hat Dienstag ihren Wechselzinsfuss von 5 a u f 4'/« Prozent herabgesetzt. Präsident H a v e n st e i n, der bie Sitzung leitete, verlas zunächst den bekannten Ausweis der Reichsbank vom 7. d. Mts. und führte aus, daß der Status ver- hältniSmnssig g ü n st i g fei. Allerdings sei die Belastung durch die Anlagen immer noch etwa um 100 Millionen Mark höher als im Vorjahre, es sei aber unverkennbar, daß in der abgelaufenen Woche ein« stärkere Abspannung als im Vorjahre sich vollzogen habe. Wenn man auch aus der Bewegung einer Woche noch keinen sicheren Schluß ziehen könne, so sei doch zu erkennen, dah Bestrebungen auf eine Kreditentspannung vorhanden seien. Notwendig sei, dah sie anhalten, besonders wenn man berücksichtige, dah der Geldmarkt nach wie vor stark angespannt sei. obgleich der Privatsatz in den letzten Tagen eine kleine Neigung nach unten ge- zeigt habe. Eine starke Anspannung für den Ultimo sei voraus- zusehen. Das Direktorium der Reichsbank habe aber geglaubt, nicht länger mit einer Herabsetzung des Diskonts hintanhalten zu können und schlage eine Ermässigung um'/s Proz. vor, auch der in Absicht, dem heimischen Wirtschaftsleben entgegenzukommen. Es hege dabei die Hoffnung, daß die Banken auch fernerhin Zurück- Haltung Üben werden und daß es gelingen werde, nicht nur lurze Wochen, sondern bis zum Herbst mit dem 4VzProzentigen Satze auszukommen. Der ZentralauSschuss nahm diese AuSsührungen ohne Wider- spruch entgegen und stimmte den Vorschlägen de« Direktoriums zu. Auswärtiger Handel. In dem zweiten Vicrteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs wird der SpezialHandel des deutschen Wirt- sch a f t s g e b i e t e s im Jahre 1911 unter Vergleichung mit den vier Vorjahren dargestellt. Die Einfuhr hatte nach 1911 ohne Edelmetalle einen Wert von 9706 Millionen Mark(in den Vorjahren 1910 bis 1907 8934, 8527, 7667 und 8749 Millionen Mark). Gegen das Jahr 1910 hat die Einfuhr 772 Millionen Mark oder 8,6 v. H., gegen 1901 957 Millionen Mark oder 10,9 v. H. zugenommen. Der Wert der einge- führten Edelmetalle bclief sich 1911 aus 301 Millionen Mark(gegen 376 Millionen Mark im Borjahre und 334, 411 und 252 Millionen Mark in den Jahren 1909, 1908 und 1907); er ist hiernach nur gegenüber 1907 gestiegen. Bon den einzelnen Warengruppen nahmen„Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft und andere tierische und pflanzliche Naturerzcugnisse; Nahrungs- und Genussmittel" im Jahre 1911 mit 6542 Millionen Mark 67 v. H. des gesamten Wareneinfuhrwerts (ohne Edelmetalle) in Anspruch. Es folgten„mineralische und fossile Rohstoffe; Mineralöle* mit 900 Millionen oder 9 v. H. des Gesamtwertes,„tierische und pflanzliche Spinnstoffe und Waren daraus; Menschenhaare; zugerichtete Schmuckfedern, Fächer und Hüte" mit 790 Millionen Mark oder 8 v. H.,„unedle Metalle und Waren daraus" mit 517 Millionen oder 5 v. H. sowie„chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Farben und Farbwaren" mit 346 Millionen oder annähernd 4 v. H. des Gesamtwertes. Für die übrigen vierzehn Tarifabschnitte verblieben hiernach nur noch 611 Millionen oder 6 bis 7 v. H. des Gesamtwertes der Einfuhr(ohne Edelmetalle). Die Ausfuhr erreichte 1911 ohne Edelmetalle einen Wert von 8106 Millionen Mark, sonach erheblich weniger als die Ein- fuhr. Die Vorjahrswerte waren 7475, 6594, 6399 und 6846(1907) Millionen Mark. Die Steigerung im Vergleiche mit 1910 belief sich auf 631 Millionen oder 8 v. H., im Verhältnisse zum Jahre 1907 auf 1260 Millionen oder 18 v. H. Edelmetalle wurden im letzten Jahre für 118 Millionen Mark ausgeführt, in den Vorjahren Der Futurist malt also Wachtränme, Erinnerungsbilder ohne festen Blickpunkt. Herr Deri findet da« als Konsequenz der im« pressionistischcn Malerei ganz in der Ordnung und er will diese Maler deswegen auch nicht„ZukunftSnialer* sondern„Plusquam- perfektionisten*(Vergangeiiheitsvollender) nennen. Und damit hat er. ohne es zu wissen, den rechten Ausgangspunkt gefunden: Die Futuristen fallen auf eine primitive Stufe der Kunst zurück.(Wie übrigens auch zum Teil die Gauguins und ihre Nachläufer.) Sie scheinen uns daher durchaus ein Zersetzungsprodukt zu fein. Dnnit ist freilich auch gesagt, dass sie eS zum Rang einer Modekunst immer noch bringen können. Der Grabstein als Reklamrschild. Von seltsamen Reklamehelden, die in ihrer Jagd nach Geld selbst vor der Friedhofsmauer nicht Halt machen, erzählt eine englische Zeitschrift einige eigenartige Beispiele. In England, insbesondere aber in Amerika, gibt eS eine ganze Reihe von Grabsteinen, die mit unbekümmerter Offenheit, zu geschäftlicher Reklame missbraucht worden sind und noch heute den Besuchern jener Kirchhöfe von dem„smarten Geschäftssinn* tieftrauernder Hinter- bliebener erzählen. In einem englischen Provinzsriedhof findet man so auf einem Grabe die Inschrift:„Hier liegt..., der geliebte, selig entschlafene Gatte der Frau..., die jetzt sein Geschäft in Haushaltungsgcräten weiter führt und nur gute Waren liefert. Bar- zahlung.* Noch schlauer war ein Huthändler in einer der grössten Städte des Staate« Ohio. Dieser findige Geschäftsmann kaufte zu Lebzeiten sein Grab, lieh einen prächtigen Grabstein setzen und jeder Borübergehende konnte lesen:„Hier ruht John Emerson, der beste Hutmacher des Staate« Ohio'. Mr. Emerson hatte anfangs einige Schwierigkeiten zn überwinden, ehe eS ihm gelang, schon zu Leb- zelten von der Friedhofverwaltung die Erlaubnis zur Auf- stellung dieses Grabsteines zu erlangen, aber er setzte seinen Willen durch. Die Angelegenheit erregte heftige Diskussion, die Reklame wirkte glänzend und er machte ein ausgezeichnetes Geschäft. Den Gipfel aber hat eine kanadische Firma erklommen, deren Begründer und Seniorches vor Jahren starb.*-ie trauernden Hinterbliebenen setzten ihm folgenden Grabstein:„Hier ruht Abraham StokeS, Begründer der Firma Stake», StokeS u. Co., die seit vielen Jahren PickleS und eingemachtes Obst herstellt. Das beste von allem.' BiSiveilen freilich lehnt die Friedhofsverwaltung solche wenig pietätvollen Grabsprnche ab. Theater. Münchener Theater. DaS Mllnchener Künstler» Theater, da« schon mit seiner Eröffnungsvorstellung„Circe' das Publikum in einem Ausstellungsrausch mit Farben- und Bildwundern „umgeworfen* hatte, wie Nietzsche e-Z nennen würde, trieb in seiner zioeiten Aufführung„K i S m e t", einem grotesken Traumspiel anS Tausend und einer Nacht, die koloristische Phantasie noch mehr in den Vordergrund. Tie Farbengeber, der Maler Ernst Stern, der für 170. 265, 82 und 249(1907) Millionen Mark. Der Absatz hier- von ist demnach seit 1909 dem Werte nach zurückgegangen und über- traf im vergangenen Jahre nur noch denjenigen von 1908 um 36 Millionen Mark. Von den einzelnen Tarifabschnitten wiesen„unedle Metalle und Waren daraus" mit 1438 Millionen Mark den höchsten Ausfuhrwert auf. Annähernd hohe Wertziffern erreichten„Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft und andere tierische und pflanzliche Naturerzeugnisse; Nahrungs- und Genussmittel" mit 1424 und „tierische und pflanzliche Spinnstoffe und Waren daraus; Menschen- haare; zugerichtete Schmuckfedern, Fächer und Hüte* mit 1411 Mil- lionen Mark. Zusammen brachten diese drei Abschnitte 53 v. H. des Gesamtwertes(ohne Edelmetalle) auf. Hiernächst sind„Ma- schinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Fahrzeuge" mit 913 Millionen oder 11 v. H. des Gesamtwertes zu erwähnen, ferner noch„chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Farben und Farbwaren" mit 756 oder 9 v. H. und„mineralische und fossile Rohstoffe; Mineral- öle" mit 640 oder 8 v. H. Auf die Vevbleibende» dreizehn Tarif- abschnitte entfielen 1524 Millionen Mark oder 19 v. H. des Gesamt- wertes.-_ Soziales« Vorbereitung zu einer Zeutralisation der Berliner Krankenkassen? Der Handelsmiilister und der Landwirtschastsminister haben unter dem 3. Mar die Regierungspräsidenten und den Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg ersucht, um einen Ueberblick über die künftige Organisation der Kassen zu gewinnen, schon jetzt mit den Arbeiten für die Durchführung der Krankenversicherung zn beginnen. Die Vorschläge sollen beim Ministerium bis zum 1. August eingehen. Im Anschluss an diesen Ministerialerlaß hat der Magistratskommissar für die Orts- und Betriebs- krankenkassen und die Gewerbedeputation die Orts-, Betriebs- und JnnungSkranlenkassen um eine zurzeit noch unver- bindliche Aeusscrung darüber ersucht,.ob die dortige Kassen- Vertretung im Hinblick auf§ 240 der NeichSverstcherungSordnung oder aus sonstigen Gründen beabsichtigt, die Auflösung der Kasse zu beschliessen und alsdann ihre Vereinigung mit anderen bestehenden OrtSkrankenlassen zu beantragen. Gleichzeitig wolle die Vertretung der Kasse mitteilen, ob Bereitwilligkeit zur Auflösung auch für den Fall besteht, dass der Gemeindeverband Berlin beschliessen sollte, gemäss§ 231 der NeichSversicherungsordnung eine oll- gemeine Ortskrankenkasse zu errichten und dadurch die allseitig für zweckmässig erkannte Zentralisation des Krankenversicherungswesens zu fordern, oder ob beabsichtigt wird, ohne Rücksicht auf eine Zusammenlegung die Zulassung der... Krankenkasse der... als besondere... Krankenkasse gemäss Artikel 18 des Einführungsgesetzes zu beantragen. Auch die Beantwortung dieser Frage ist jetzt noch eine unverbindliche.* Hoffentlich fördert die Umfrage eine allgemeine Zentralisation durch Zusammenlegung aller Krankeilkaffen zu einer einheitlichen Krankenkasje, zum mindesten aber die von der Zentrallommission der Krankenkassen mit Recht als schon jetzt durchführbar bezeichnete Zu- sammenlegung der vielen Krankenkassen zu vier bis acht nach grossen Berufsgruppen gegliederten Kassen. Ist Fahrgeld vom steuerpflichtigen Einkommen adziehiar? Nach§ 81 des Einkommensteuergesetzes sind„die Aufwendungen zur Erwcrburg, Sicherung und Erhaltung des Ertrages*— so- genannte Werbungskosten— von dem steuerpflichtigen Einkommen in Abzug zu bringen. Bei den Steuerbehörden hat sich in neuerer Zeit eine Praxis ausgebildet, die den Begriff der„Werbungskosten* so einengend aus- legt, daß er für die Arbeiter und Angestellten kaum mehr zur An- Wendling kommt. In früheren Jahren wurde z. B. das Fahrgeld für die Fahrt zwischen Arbeitsstelle und Wohnung zutreffenderweise als„Auf- Wendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung* des Arbeits- Verdienstes angesehen und vom Einkommen in Abzug gebracht. In den letzten Jahren wird dieser Abzug nur Arbeitern zugebilligt, die infolge ihres Berufes gezwungen sind, die Arbeitsstelle häufig zu wechseln, wie z. B. Bauarbeiter. Die Anträge anderer Arbeiter- und Angestelltenkategorien werden durchweg abgelehnt mit der Bc- länder mit dem wohlriechenden Namen Eduard Knoblauch). Eine Kritik über„KiSmel" darf daher die buntzusammengewürfelte Hand- lung im Stil der Bagdadmärchen ausschließen und nur da« schillernde Psauenrad der bildhaften Faktoren als Sensation würdigen. In dieser dem Kientopp zustrebenden Richtung wurde hier das Menschen- mögliche erreicht. Man sah ein Bacchanal von malerischen Effekten, die sich zu unvergleichlichen Bildern orientalischen Leben? zusammen- schlössen._ m. Notizen. — Emil Rosenow» verbotene» Drama:„Die im Schatten leben* ist jetzt auch separat erschienen(Verlag von Hermann Essig, Berlin). Vielen, denen die Gesamtausgabe zu teuer war, ist damit gedient. — DerBerein deutscher Ingenieure veschloss auf der Hauptversammlung in Stuttgart eine Stiftung von 6000 M. für Schüler zum Besuch des Deutschen Museums in München und eine namhafte Geldunterstiitzung für das Unternehmen von illustrierten technischen Wörterbüchern>n sechs Sprachen sowie einen jährlichen Beitrag von 10 000 M. zugunsten der deutschen Versuchsanstalt für Luftschlffahrt und Flugtechnik. — Ein Denkmal für zwei Helden. AuS Paris wird der„Voss. Ztg.* geschrieben:„Unter persönlicher Beteiligung des Ministerpräsidenten und des FinanzministcrS wird in dem kleinen Ort La Faloife ein bisher einzig dastehendes Denkmal enthüllt werden, � nämlich eine Gruppe für die beiden Streckenarbeiter GraS und Foh, die, um einen mitten im Gleise von einem Schnellzug überraschten Kameraden zu retten, hinzusprangen und mit ihm gleich- zeitig von der Maschine zermalmt wurden. Dieses ist der erste Fall, dass der Opfermut zweier gewöhnlicher Tagelöhner durch ein Denkmal verewigt wird, das überlieferungsgemäss nur den Hauptdarstellern auf der Bühne der Weltgeschichte vorbehalten war.* Welch eine boshafte Ironie für unsere Gesellsihaft steckt in dieser harmlosen Mitteilung. Der Heroismus der Arbeit, die solidarische Hilfe der Arbeitsgenossen, täglich und stündlich geübt, hat bisher nie die(bürgerliche) Anerkennung und Glorifizieruna gefunden, die jeder ausrangierten Grösse der Klaffengesellschaft geboten wird l — Ein neues LebenSelixier? Prof. Metschnikow, der sich viel mit der Frage beschäftigt, warum der Mensch so früh der Altersschwäche erliegt, glaubt einem Mittel auf der Spur zu sein, wie man daS Leben verlängern kann. Nach seinen Forschungen wird der alternde Mensch durch eine bestimmte Darmflora ver- giftet. Schädliche Darmbakterien produzieren Phenol und Jndol, zwei Gifte, die Arterienverkalkung und Nierenleiden hervorrufen, typische Altersbeschwerden. Die Bildung solcher Bakteriengifte will er nun durch eine Mikrobe (Glzicodactsr) verhindern, die nach dem Tierexperiment im stände sein soll. Zuckerstoffe in den Dickdarm zu führen. Auch die Bazillen der sauren Milch und des Koghurts sind nach Metschnikow geeignet, die schädlichen Darmanfiedler zu verdrängen. Aber von dem Glyco- dqcter vcrspricht er sich noch vi;l mehr, grllndung, daß die Betreffenden aus BequemlichkeitSrück sichten Fahrgelegenheiten benutzen oder auS persönlichen Gründen so entfernt von der Arbeitsstelle wohnen, daß sie diese ohne Benutzung von Fahrgelegenheit nicht erreichen können. Diese Entscheidungen der unteren Behörden werden leider durch das Oberverwaltungsgericht gestützt. Aus neuerer Leit liegt uns ein solches Urteil des Oberverwaltuugsgerichts vor.— Ein Buch druckereigehilfe, der, in einem Berliner Zeitungsbetrieb beschäftigt, in Lichtenberg wohnhaft ist, hatte Abzug des Fahrgeldes beantragt Mit der obigen Begründung hatten Beranlagungs- und Berufungs kommission die Rechtsniittel zurückgewiesen, daS OberverwaltungS gericht hat einen Verstob gegen bestehendes Recht nicht für vor- liegend erachtet. Bekanntlich liegen die ZeitungSbetriebe, überhaupt die Drucke reien fast durchweg im Innern der Stadt, genau so, wie sich andere Gewerbe- und Geschäftsbetriebe in bestimmten Stadtteilen, Haupt sächlich im Stadtinnern konzentrieren, also in Stadtteilen, in denen es dem Arbeiter und Angestellten unmöglich ist, Wohnung zu nehmen. Soweit Wohnungen überhaupt noch vorhanden sind, sind die Mietspreise dafür für den Arbeiter und Angestellten un- erschwinglich. Diese beziehen daher Wohnungen an der Peripherie oder in Vororten nicht aus persönlichen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Für den oft stundenlangen Weg benutzt der Arbeiter die Fahrgelegenheit nicht auS Bequemlichkeitsrücksichten, sondern weil es in einer Grobstadt wie Berlin physisch rein unmöglich ist, die weiten Strecken zu Fub zurückzulegen, weil die Dauer der Arbeitszeit und die Grob-Berliner WohuungSverhältniffe ihn zur Benutzung der Fahrgelegenheit geradezu zwingen. In früheren Jahren hat das Oberverwaltungsgericht wesentlich andere und richtigere Grundsätze aufgestellt. So heibt es in einer Entscheidung vom 13. Juni 1901 u. a.:.Die Auffassung, dab das Einkommen... unabhängig von den Fahrgeldern bestehe und be� zogen werde, ist nicht haltbar; denn wenn der Erwerbende sich nicht zu seiner Arbeitsstelle begibt, so verdient er auch nichts. An anderer Stelle:„Jeder Steuerpflichtige kann sich sein Leben einrichten und wohnen, wie und wo er will; wenn hierdurch die Bedingungen für die Benutzung einer bestimmten Ein- kommensquelle für ihn erschwert werden und Kosten erwachsen, die andernfalls vermieden werden könnten, s o bleiben dies doch für ihn Ausgaben zur Erlangung des Ein kommenS. So wenig ein Steuerpflichtiger die Verpflichtung hat, eine ihm zugängliche Einkommensquelle überhaupt zu benutzen, und. wenn er das nicht tut, einen möglichen, wenn auch nicht bezogenen Gewinn zu versteuern, ebenso wenig kann verlangt oder davon auS- gegangen werden, daß der Steuerpflichtige bei der Benutzung einer bestimmten Einkommensquelle die hiermit für ihn verbundenen Aus gaben vermeide oder beschränke. Die geltend gemachten Ausgaben entstehen nicht durch das Wohnen, sondern lediglich dadurch, dah er zur Erfüllung seiner Obliegenheiten fährt." Ferner sagt das Oberverwaltungsgericht im Urteil vom 29. No vember 1902:.Ueberhaupt musj die Entscheidung darüber, welche wirtschaftlichen Einrichtungen seinen Erwerbsverhältnissen am besten entsprechen, ausschließlich dem Steuerpflichtigen selbst überlassen bleiben." Diese Grundsätze sind so natürlich und selbstverständlich, daß eine andere Gesetzesauslegung gar nicht möglich erscheint. Wir er- warten, daß die Steuerbehörden zu diesen vernünftigen An- schauungen zurückkehren. Bei der Beratung der Einkommensteuergesetznovelle, die ja noch nicht verabschiedet ist, wird es Aufgabe unserer Genossen im Land- tage sein, auf eine klare Vorschrift über die Berechtigung der Kürzung deö Fahrgeldes— ebenfalls über die Aurechnungsfähigkeit der Kosten für die notwendige Arbeitskleidung, die ebenfalls in der Regel verweigert wird, zu dringen. GemKrs- Deining» Eine fingierte Briefberaubung tag einer Anklage wegen versuchten Betruges zugrunde, die geprern den 28jährigen Kaufmann Wilhelm Hümmerich vor die 10. Straf- kammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte war in Iserlohn bei einer Metallwarenfabrik in einer kaufmännischen Stellung tätig, Mitte Februar wurde ihm diese aber aufgekündigt. Er kam dann Ausgang März nach Berlin und logierte im Hotel„Helvctia" in der Mittelstratze. Dort empfing er einen an seine Adresse von Hamburg aus aufgegebenen mit ö Siegeln geschlossenen Wertbrief, der mit 120 000 M. deklariert und mit Briefmarken in Höhe von über 20 M. frankiert war. Am 22. März gab der Angeklagte, der vorher Kl verschiedenen Bank- instistuten bezüglich der Zinsbedingungen usw. für Hiugabe von Kapitalien angefragt hatte, hier in Berlin auf dem Postamt 9 einen mit 120 000 M. deklarierten Wertbrief auf, der an die Württem- bergische Vereinsbank in Stuttgart adressiert und ganz vorschrists- mähig verschlossen und frankiert war. Der Schalterbeamte, der den Brief in Empfang nahm, hat an ihm nichts Auffälliges wahrge- nomine», ebensowenig die anderen Beamten, die amtlich damit zu tun hatten. Ausfallend erschien nur das leichte Gewicht des Briefes. Doch erklärte der Angeklagte auf eine diesbezügliche Bemerkung, datz zwei Schecks a 60 000 M. den Bricfinhalt bildeten. Der Brief ist dann in der vorgeschriebenen postalischen Behandlung nach Stutt- gart befördert und dort an die Kasse der Vereinsbank abgeliefert worden. Als der Brief dort geöffnet wurde, stellte sich heraus, datz der Inhalt des Briefes nur aus einem an das Kuvert angeklebten graugrünen Briefumschlag und einigen Papierschnibel» bestand. Man hat nachher die letzteren zusammenzustellen versucht und da ergab sich, datz sich daraus ein württembergischer PosteinlicferungS- schein zusammenstellen lietz. Eine genaue Untersuchung des Kuverts zeigte an diesem keinerlei äutzerlich wahrnehmbare Ver- letzungen, doch konnte festgestellt werden, datz die eine Seite des Kuverts äutzerst fein und sauber aufgeschnitten und dann wieder überaus geschickt zusammengeklebt worden war. Die Anklage nimmt an, datz der Angekalget den Wertbrief in dieser Form selbst zurechtgemacht und so hier in Berlin zur Post gegeben habe, ohne datz die mit ihm vorgenommene Manipulation von den Beamten bemerkt worden sei. Die Anklage hält es für sehr naheliegend, datz der Angeklagte überhaupt keine Schecks in den Brief gelegt habe, sondern nur den Anschein einer Beraubung des Briefes durch einen Dritten habe hervorrufen wollen, um später EntschädigungS- onsprüche gegen den Postfiskus geltend machen zu können. Man nimmt an, datz auch der aus Hamburg an ihn hierher gesandte Wertbrief von ihm zum eventuellen Ausweis zurechtgemacht und in Hamburg von ihm selbst an seine hiesige Adresse aufgegeben worden sei. Sein ganzes Verhalten in dieser Affäre war ganz ungewöhnlich. Dem Postinspektor Riedel, der nach der telcpho- nischcn Meldung von dem seltsamen Inhalt dieses„Wertbriefes" den Angeklagten sofort aufsuchte, um mit ihm Rucksprtche zu nehmen, kam die Art, wie der Angeklagte die Meldung von dem Vorkommnis entgegennahm, sehr sonderbar vor. Dieser war gar nicht sehr bestürzt und erörterte auch gar nicht die Frage einer Re- gretzpflicht der Post, sondern beschränkte sich auf ziemlich belanglose Bemerkungen. Er zeigte das Kuvert vor, in welchem die ihm aus Hamburg zugestellten Schecks enthalten gewesen sein sollten. Er behauptete, datz die 6 Siegel auf diesem Kuvert ein Monogramm mit einer Krone gezeigt hätten, von ihm aber mit rotem Siegellack überzogen worden seien, um die Initialen des Monogramms und die Krone nicht erkennbar zu machen. Der Absender der beiden Schecks sei sein Gönner, der ihm diese Summe für Dienste, die er ihm geleistet, und zwar Dienste persönlicher Natur, zugedacht habe. Er habe diesem Gomw feilt EhllllllNkt gegeben, seinen Namen unker keinen Umständen zu nennen und werde fich niemals dazu verstehen, nach dieser Richtung hin seine Aussage zu machen. Um auch jede Erkennungsmöglichkeit auszuschlietzen, habe er auch nach träglich die schwarzen Siegel auf dem Kuvert des Hamburger Wert. briefes rot übersiegelt. Dem Postinspekwr kam es auffällig vor, datz ein jung-r Kaufmann einen Barscheck über 120 000 M. in dieser wenig kaufmännischen Weise unter solcher Deklaration als Geld- brief verschicken sollte. Dazu kam, datz der Angeklagte über den angeblichen Gönner und über den Rechtstitel, der der Absendung deS Schecks zugrunde lag, ebenso die Aussage verweigerte wie über die angebliche französische Bank, auf die die Schecks gezogen sein sollten, Auch mutzte er über Aussehen, Papierfarbe der Schecks usw. keiner- lei Angaben zu machen. Der Angeklagte ist zwei Tage nach seiner Unterhaltung mit dem Postinspektor von hier abgereist, und zwar zuerst nach Köln, wo er mit seinem Gönner eine Unterredung und von diesem reichlich Geld erhalten haben will, dann nach Brüssel und Paris, wo er die ihm neu als Ersatz gegebenen Schecks bei einer Bank eingelöst haben will, über die er die Aussage verweigert. Tann will er in Begleitung einer„Dame" nach Monte Carlo ge- gangen sein, sich dort einen Monat aufgehalten, mit Unglück ge- spielt und 50 000 Frank verloren haben. Dann ist er auf längere Zeit nach Ostende gegangen. Nachdem inzwischen ein Steckbrief hinter ihm erlassen worden war, hat er sich schlietzlich in Brüssel dem deutsche» Konsul selbst gestellt und ist über die Grenze und hierher ins Untersuchungsgefängnis befördert worden. Er blieb im gestrigen Termin dabei, datz der mysteriöse Brief an die Vereinsbank tatsächlich die beiden Schecks enthalten habe, über deren Zlbsender und deren Adresse er weiter jede Auskunft ver- weigerte. Gerichtschemiker Dr. Jeserich konnte besondere Momente zur Beurteilung der Frage, ob das Kuvert schon vor der Aufgabe auf der Post so kunstvoll geklebt worden, nicht beibringen. Da- gegen hat er auf dem Hamburger Kuvert das ursprüngliche Siegel soweit blotzlegen können, datz er die Behauptung des Angeklagten, es sei autzeb einem Monogramm auch eine Krone gewesen, als falsch bezeichnen zu können glaubte. Es wurden zahlreiche Post- beamte aus den Berliner Postämtern 7 und 9 und die in Frage kommenden Kassenbcamten aus Stuttgart und Hamburger Post- beamte vernommen. Staatsanwalts-Assessor Dr. Klcimann beantragte mit Rücksicht auf die überaus raffinierte Ausführung der Tat eine Gefängnis- straf« von 2 Jahren.— Das Gericht erkannte nach längerer Be- ratung, die sich bis in die achte Abendstunde hinzog, auf eine Ge- fängnisstrafe von einem Jahre unter Anrechnung von 6 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Mißbrauch des Sprechzimmers. Unter einer schweren Anklage mutzten sich gestern der Zahn- arzt Scheper und der Kaufmann Körner vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I verantworten. Nach längerer, unter her- metischem Ausschlutz der Oeffentlichkeit geführter Verhandlung hielt das Gericht für festgestellt, datz sich beide Angeklagte wiederholt, zum Teil auch in dem Sprechzimmer des Scheyer, an einer minder- ährigen Schülerin in unsittlicher Weise vergangen hatten. Das öffentlich verkündete Urteil lautete gegen Scheyer auf 9 Monate und gegen Körner auf 6 Monate Gefängnis. Versammlungen. Deutscher Bauarbeiterverband. Am Sonntag hielt der Verein eine ordentliche Generalversammlung ab, in welcher zunächst der Kassierer den Kassenbericht vom 1. Quartal erstattete. Die Ein- nahmen und Ausgaben für die Hauptkasse schlietzen ab mit 36 876,85 Mark. Die Lokalkaffe hatte inkl. Bestände eine Einnahme von 212 531,51 M., welcher eine Ausgabe von 18 289 M. gegenübersteht, so datz ein Bestand von 194 242,51 M. zu verzeichnen ist. Für die Bibliothek ist ein verfügbarer Bestand von 279,42 M. vorhanden. Tie Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des Quartals 13 346. Sie hat sich gegen das vorhergehende Quartal um 1343 erhöht. Durch den Uebertritt der Stukkateure sind 774 und durch den Uebertritl des Verbandes der Staker 120 Mitglieder dem Zweigverein zugc- ührt. Aufgenommen wurden 1291 Mitglieder. Von den Revi- oren wurde der Wunsch ausgesprochen, datz der Vorstand in mög- lichst kurzer Zeit eine Vorlage ausarbeiten möge, welche Anstellung von Hauskassierern vorsieht. Es haben sich Od der jetzigen Form der Beitragseinziehung schwerwiegende Unzuträglichkeiten heraus- gestellt, welche dadurch behoben werden können.— Einen breiten Raum der Verhandlungen erforderten Agitationsfragen: das An- wachsen der Mitgliederzahl im Zwcigverein steht in keinem Ver- hältuis zu den Zahlen des Gesamtverbandes. Kann dieser eine Steigerung von rund 25 Proz. für das Jahr 1911 nachweisen, so ist diese im Zweigverein geringer. Ueberaus hemmend wirke die sehr daniederliegende Bautätigkeit und die damit verbundene grotze Arbeitslosigkeit, welche Hunderte von Mitgliedern veranlatzt hat, abzureisen und sich in anderen Orten um Arbeit zu bemühen. In- dessen geht es aber auch in diesem Jahre hier rüstig vorwärts. Der Vorstand hat beschlutzgemätz zwei Kollegen freigestellt, welche die Agitation von Bau zu Bau betreiben. Der Ernst der Situation, die Schinderei und Mitzstände verschiedener Art machen die Kol- legen empfänglich für die Organisation, so datz in allen Bauten- Versammlungen eine erfreuliche Anzahl von Aufnahmen zu ver- zeichne» sind. Die Aussprache über diesen Gegenstand-bot den Delegierten genügend Material, praktische Agitation zu entfalten: die Rüstungen der Unternehmer auf den schier unausbleiblich erscheinenden Kampf im nach st en Jahre diene allen als Vorbild.— Nach Erledigung einiger weniger wichtigen Anträge unterbreitete der Kassierer Warten- b e r g im Namen des Vorstandes eine Vorlage, welche die Er- Hebung eines Winterbcitrages bezweckt. Die Vorlage stützt sich auf Beschlüsse, welche in einer früheren Generalversammlung gefatzt ind und ihren Grund in der Tatsache finden, datz der Kassenbestand zurückgegangen ist. Die in früheren Jahren durchgeführte Form der Zuschlogsboiträge hält der Vorstand nicht für opportun, sondern er hält die Erhebung eines Beitrages für die zwölf beitragsfreien Winterwochen für leichter und zweckmätziger. Er empfehle daher die Erhebung eines nach Lohnklassen gestaffelten Beitrages.� Die Beschlutzfassung über die Vorlage wurde bis zur nächsten Versamm- lung ausgesetzt, da die Bezirke erst dazu Stellung nehmen sollen. Hiid aller Alelt. Öntemebmennoral. Skrupellosigkeit im Geldverdienen ist eine der hervorstechendsten Eigenschaften der modernen Kapitalisten. Ist doch ihr Herrschafts- mittel, das ihnen Macht gibt und Ansehen bei ihresgleichen verleih». einzig das blinkende Gold. Was Wunder daher, datz sie mit heitzestem Jngrimme die EntWickelung der Arbeiterorganisationen verfolgen. Fühlt die Kapitalistenklasse doch, datz ihr hier ein Feind erstanden ist. der in der Gegenwart der unbeschränkten Ausbeutung der Arbeitskraft einen Damm entgegensetzte; ein Feind, der in nicht allzuferner Zukunft den Kapitalismus niederringen wird und auf seinen Trümmern eine freie ProdultionS- gemeinschaft aufbaut. Jede Gelegenheit ist daher den Herren recht, die Arbeiterorganisationen zu begeifern und ihre Führer zu beschimpfen. So hat dieser Tage ein Stadtverordneter Pflaume in der Leipziger Stadtverordnetenversammlung gelegentlich der Beratung des Baues kleiner Wohnungen folgende» Epistel vom Stapel gelassen: Wie ist es denn früher gewesen. Ich entstamme einer kleinen Zimmererfamilie. Mein Vater, mein Großvater haben alle gearbeitet. Die Leute haben sich jährlich hundert Mark gespart, das macht in zwanzig Jahren zweitausend Marl Dann nahmen sie daS Geld und bauten sich ein Häuschen— das Rüstzeug lieferte der Meister— mit sechs Wohnungen, Stube. Kammer und Küche. Da wohnten sie mietefrek. Heute aber darf ein Arbeiter nicht mehr sparen. Die hundert Mark, die er ftüher sparte, kostet ihm heute die sozialdemokra- tische Vereinigung. Das Sparen ist den Arbeitern aus- getrieben worden von den Gewerkschaftsführern und Sozialdemokraten. Es ist ihnen gesagt worden, zu was wollt ihr denn sparen, ihr habt zu fordern von euren Aus- saugen,. Auch die Herren des Gelehrtenstandes sind schuld, die immer wieder predigen, was man den armen Leuten schuldig sei und wie man für die Armen Sozialpolitik treiben müsse. Der Menschenwürde entspricht eS. datz jeder für sich selber sorgt; was man geschenkt bekommt, hat keinen Wert. Wenn die Verhältnisse schlechter geworden sind, liegt das nur an der Verhetzung durch die Sozialdemokraten. Jede Hinzusügung würde die Wirkung der Ausführungen ab« schwächen. Gott Hab den Braven selig I Sagt's der eine Unternehmer in klobiger Prosa, so«in anderer. der Metallindustrielle Rawie in Schinkel, Schriftführer des Verbandes Osnabrücker Metallindustrieller, in zarter Poesie. Der Herr hat in seinem Kontor folgenden modernen.Haussegen' an- geschlagen: .Wenn man nichts hat und auch nichts ist, Wird man gewöhnlich Sozialist; Schimpft auf die Neichen höchst gemein Und möchte selber einer sein I Doch kommt man zu etwas Vermögen, Dann wird sich dieses Schimpfen legen, Denn jeder echte Demokrat Haßt nur das Geld, was er nicht hat l Deshalb ein Arbeitersekretär, Der sich Genossen wünscht noch mehr, Mutz sie vor allein erst bewahren, Datz sie sich einen Groschen sparen; Und sie darüber aufzuklären, Ihn ja durch Fleiß nicht zu vermehrend Wir haben zwar schon bessere Verse gelesen, nehmen aber doch den guten Wullen für die Tat. Denn schließlich gibt nur ein Schuft mehr als er hat._ 59 Menschen verbrannt. Eine furchtbares Brandunglück hat sich aus einem Gute in dem russischen Gouvernement T a m b o w zugetragen. Auf dem Vorwerke des Gutes des Grafen Orlow Dawydow nächtigten 59 Feldarbeiter in einer Getreidedarre. Während der letzten Nacht geriet das Gebäude aus unbekannten Ur- fachen in Brand, die schlafenden Arbeiter kamen sämtlich in den Flammen u m. Fernflug Berlin— Wien. Bis zum Dienstag hatte noch kein zweiter Flieger Wien zu erreichen vermocht. Der Oberleuwant B l a f ch k e, einer der beiden ausgezeichneten österreichischen Flieger, die die Strecke bis Breslau glatt zurückgelegt hatten, machte bei dem Start in Breslau Klein« holz, so datz er erst in vorgerückter Zeit am Montagnachmittag, nämlich gegen 1/.16 Uhr. nach bewerkstelligter Reparatur seines Apparates, den Weiterflug an- treten konnte. Nach einem bravourösen Flug von vier Stunden Dauer gelangte er auch in unmittelbar st e Nähe Wien», mutzte dann aber infolge der totalen Dunkelheit und sich bemerkbar machenden Benzinmangels kaum eine deutsche Meile vom Ziel entfernt landen. Diese Landung vollzog sich bei der Finsternis und dem ungünstigen Landungsterrain so unglücklich, datz der Apparat schwer beschädigt und kür den dies- maligen Wettbewerb, dessen Frist an, Dienstagabend um 9 Uhr abläuft, außer Gefecht gesetzt wurde. So scheidet Blaschke aus dem Wettbewerb aus, trotzdem seine sportliche Flugleistung der des Siegers Hirth durchaus ebenbürtig war. Ob es einem der anderen Flieger noch gelinge» wird, vor Toresschluß das Ziel in Wien zu erreichen, bleibt abzuwarten. Der deutsche Flieger Krieger auf Jeannin-Eindecker hat am Dienstag Breslau erreicht und ist trotz einer ebenfalls allzu heftigen Landung nach Bornahme der erforderlichen Reparaturen in der Richtung auf Wien weitergeflogen. Auch der österreichische Oberleutnant Miller, der wegen des schlechten Terrains, auf dem er am Montag dreißig Kilometer südlich von Breslau eine Notlandung vollziehen mutzte, erst am Dienstag in letzter Stunde loskommen konnte, ist zum Fluge nach Wien aufgestiegen. Da die Witterung»licht als allzugünstig ge- schildert wird, sind weitere Zwischenfälle nicht ausgeschlossen. Alle anderen Piloten haben definitiv auf die Kon- kurrenz verzichtet. Auch der Pilot der Albatrotz-Doppel- taube, Thelen, hat, angeblich wegen der ungünstige» Wetter- Meldungen, aus jeden erneuten Start verzichtet. Da» End- r e s u l t a t des ganzen Flugwettbewerbes bleibt also die Tatsache der derzeitigen unbestreitbaren Minderwertig- keit des deutschen Flugwesens. Kleine Notizen. Der Hauptmann von Köpenick gestorben. In einem Londoner Hospital ist dieser Tage der Schuhmacher Wilhelm Voigt ge- starben. Der Verstorbene hat vor einigen Jahren durch seinen Sturm auf das Köpenicker Rathaus und die Festnahme de» Bürgermeisters Langerhans die Lachmuskeln der ganzen Welt in Bewegung gesetzt. Eine würdige JnnungSstütze. Der Buchbinderobermeister und häftSführer der Leipziger Grotzbuchbinderei Bösenberg, m. b. H., Alfred G ö h r e, ist nach Unterschlagung einer größeren Geldsumme, die angeblich hundert- tausend Mark beträgt, flüchtig geworden. Blutiges Familiendrama. Im Verlaufe eines Streites gab gestern der Malermeister Lind in Kirch Hain(N.-Lausitz) auf seine Schwiegermutter aus einem Revolver drei Schüsse ab und tötete sie. Darauf verletzte er seine Frau durch einen weiteren Schutz und jagte sich selber eine Kugel in denKopf. Der Mörder wurde verhaftet. �. Abstürze französischer Militärflieger. Der Jnfanterieleutnant E t i e n n e stürzte bei einem Fluge von St. Ehr nach G u Y e n- c o u r t auS etwa 30 Meter Höhe ab und zog sich l e b e n s« gefährliche Verletzungen zu.— Auf dem Flugfelde von B u c bei Versailles überschlug sich bei der Landung daS Flugzeug des ArtillerieleutnautS Hoppe, der schwer verletzt wurde. TodeSstnrz eines Wiener Touristen. Vom K a n z l e r st e i g auf dem Schneeberg ist der Tourist Krieger auS Wien abgestürzt und hat dabei sein Leben eingebüßt. Der Fürsorge entwichen. Zwanzig Zöglinge der Hogenauer ZwangSerziehungSanstalt haben nach ememSpaziergang Gelegen- heitzurFlucht gefunden. Zwei von»hnen konnten wieder zurückgebracht werden. Nach den übrigen fahndet man bisher ver- gebens.___ Marktbericht von Berlin am 10. Juni ISIS, nach Ermittelung de» königl. Polizeipräsidium». Markthallenpreis«. Glcmhaiidd) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00-S0.00. Speisebohnen, weihe, 30,00—66,00. Linsen 40,00-80 00 Kartoffeln tKIeinbdl) 8,00-13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70-2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—200 Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,80—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3.00—4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,00-2,00. Schlei« 1,40-3,20. Blei« 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-40,00. Berliner Credit-Haus c Kommandantenstr. 67. Alkoholfreie Getränke D Franz Abraham Hamb. Messina-u-Römertrank-Kell. N 4, Bartelstr. 8a, Fernsp. Kgst. 13703 f-ntcrh Selter-u. Limonad.-Fabrik UUlHll, Thaerstr. 44. T.A.7.8176. S"diQtze�EMWeber8tr.l5>, T, 7, 11125. £ Sestes alkohol- AI. AI öetränk. Berlin 0,Sn)i«lfM •* Bergmannstaß feiumburger Laden, Charl, Wallst. 69 J-Kastner�Äl BäckereienT* Konditor.} "la Blottner's Großbäckerei Geichäfte in Berlin. Charlottenburg. Schöneberg, Wilmersdorf. Adlershofer Bäckerei, M ZagwusL Max Backer, Kamlerstr. 36. Emil Beyer, Thorncrstr. 6. Bohndorfs Bäok.,Kfinig8bfr(|eriitr.30 IErs _» Erscheint 2 mal Schentlich. | BeziigsqMeHen«yerzeSchmSg| Untenstehende Geschäfte emefehlcn sich bei Einkäufen Kuranstalt E�isÄ* langjähr. I. Assistent d. ehemals weltberühmt. Jakobi-Heilanstalt AW" Pflauzenheilverfahren'Wg Atteste von Geheilten. Brot-Fabrik,.Vorwärts" Hermann Ullrich, Köpenick. ,.BrotfäöriKS:K Brotfabrik BuehUSohn, Willy Delor, Prenzlauer Allee 42. Paul Delly, Markusstr. 15. Herrn. Carl. Neukölln, Hermanne ir. 231 Herrn. Eder, Schonenscbestr. 1 E. Freyer� Elamepstr. 72,£. Markusatr � Ennftl'ft Landbrot Heinersdorfer Muhle Verkfssici!.: Koloniesl.9, Rodenbergsl 2, Lüderiüsl.55)Schiv?lbeiner8t.44)SwiDe- miiadfratr. 43. Pankow, Floraatr. 80. Willi,[nsel Weijfns?�1*»rkstr. 4. Verkauf in Milchgeschäften Berlins. Bekannt gegeben, d. Plakate. Falkensteinstr. 20, Köpenickeratr. 172. W. Gerlach. Schönebg. Sedanstr. 6J7. Alfred Grat, Beusselstr. 24. Karl Giesmann, Wittstockstr. 7. II. Glück, Wilhelmshavenerstr. 51. H Hoc CD vunkerstr. 78 • Huuju Prenzlauer Allee 192. August Hübner, Schwedterstr.52. August Hauck, Cöpenink. 73 OescHütte | in allen Stadtteilen Berlins| und in Rixdorf. Ooffi'iirdot 1H9Ä. Kilies-GroBbäckerei, Boüostr. 8. Carl Laudahn, Weberstr. 30. Landbrot-Bäck., Sclüi Ii, Fr..Batbboli. Landbrot- GroBbäckerol O. Senf, Ncfaf. Krug, Waldatr. 4 Hermann Lebelt, Huasittenatr.SB Alfred Ller, Wielefstr. 36. liöitEDtoger Eroltatilik Ä Emil Lieske, Grüner Weg 122. Mattke, Gipsstr. 9. E. Merlins, Keichenbergeret. 168. E. Martin, Gleimstr. 55. Gustav Muhlsleph, Rhinoweratr. 2. Th.Neuraann,Oldenburgar8tr.21. Friedrich Oste, Madaiatr. 10, Herrn. Proeil, Sonnendamm. Bäckerei„Nordstern" Ind.! Gust. Müller Filialen i. verschied. Stadtteilen Albert Pfenzig, Grätzstr. 10, lliehard Reinke wÄs. Paul Rißmann, Turinerstr. 86. Max Sander, vunkerstr. 28. | OttO SZÜlat fstt'BackwaVe® SchÜtt, O. Berlic oIno. Sikorski.WeiCcniM, HeiDarsdorferitr.ll Staehr's BSckerei, N. Triftjlr. 66. Paul Stemel, Baumschulonweg. Rieh. Schenk mÄ38. A. Schreier, ürbanstr. 61. H. Spillmann, Grüner Weg 115. dcatr.T Tanplli, Prinzen-Allee 61. Thoma s bew. Bäckerei Ackerstr. III. Gerichtstr. 84. Fehmarnatr. 10 Mirbachstr. 13 Häselcrstr. 11 E Häaelerst. IGE Mcarscheidiiir.g.KöDiqiBF.liäibethet.Tb Jos. Wagenknecht, Clognenl. 17. Albert Wiese, Kolonieatr. 34. E. Wollt, Grüner Weg 76 Heinrich Wittler PaBperaiekel- Sebwanbrot-«. gtani- broi-Fabnk. 1. II, 3213, Mantr 7 Yerktufeelell. itll.Gegead.Grol-Beriia» Badeanstalten Arkona-Bad, Anklamer-Str. 3i An gusta-Bad, KSpenick.-Str. 60,61 «£~j Uandsbergerstr. 107 •OtKVl Goltnowstr. 41. r,»inif7-Bai.S Vereinigte 48 Pommersche Verkaufs- Meiereien* Stettiner Butterhalle Invalidenstr 123 Stettiner Bahnhof Prinzenstr. 103 A!tred ieMM. �57 Ecke Miincbebergeralr. Cacao, Chocolade j Althan«, Krauicr-Bonb�lindowerstr.ie. Tl/llClV G H'ilialeni.all- \jjr llitAf VJg� Stadtteilen. Ferd.Hahn, Berlin.Perterbburgerst.72a H.Paehlke,8chilliDgBtr.l0. Koafiiüren. Brauerei Ffetferberg Versand- nnd PilsenerBier. Brauerei Tivoli Frnchtatr. 37 Die Fabrikate der „Sarotti" Chokoladen-u.Cacao-lndustrle. Aktiengesellschaft sind überall erhältlich. Nem Slmpll-Schokolade Caramel- W eilsbier fast alkoholfrei, erfrischend, bekömmlich, Berliner Weißb.-Branerei E.Willncr. Schütz, Warschauerst. b2,ggr.l900 Seiffert, Erieh, �VorÄ I Qnnff Andreasstr. 36 !• Uullll Bezugsqu. f. Händler. 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In den iiachsolgenden «nd Karofieriefadriken bennden sich die Arbeiter im streit und sind alle ArbcitSangeböte dieser Firmen strikte zurückzuweisen. Grdmann u. Rolfi. Linien- Nudott �Franke, Jnselstr. 11 und Lavage � n! ViUrtjeU. Frankfurter Allee 22/23._. In Frage kommen: Stellmacher, Schmiede, Schloffer, Lackierer und Sattler. Zuzug ist streng fernzuhalten. 176/8*_ Die Streikleitung. gMM a?#w 3. Keilllge des„UljWlirts" Kerliller Wldsdllltt. 12 m m Heute Zablabend in Groß-BcrUn. Partei-?Zngelegenkeiten. Zweiter Wnhlfreis, Friedrichstadt. Mittwoch, den 12. Juni, abends 1I312 Uhr, bei Julius Meyer, Oramenstraße 103: Zahlnacht für Buchdrucker, Stereotypeure, Kinooperateure. Donnerstag, den 13. Juni, früh 5 Uhr: Zahlmorgen für ZeitungSdruckereinachtperfonal. Stralau. Die Genossen wollen zu dem heutigen Zahlabend ihr Verbandsbuch mitbringen. Die Bezirksleitung. Adleröhof. Für die Genossen, welche Nachtarbeit verrichten. findet morgen Donnerstag, vormittag 10 Uhr, Bismarckstr. 11, ein Zahlmorgen statt. Der Vorstand. Biesdorf. Der Zahlabend findet von heute ab immer mit den Zahlabenden von Grofi-Berlin am zweiten Mittwoch in jedem Monat im Lokal von Friedrich Haack, Marzahner Strohe, abends 8% Uhr, statt. Die Bezirksleitung. Erkner. Heute: Mitgliederversammlung des hiesigen Bezirks bei Degebrodt. Die Bezirksleitung. Grünau. Heute Mittwoch, abends SVa Uhr, im Lokal.Zur grünen Ecke", Mitgliederversammlung des Wahlvereins. TageS- ordnung: 1. Vortrag: Die proletarischen Bildungsbestrebungen. Referent: Genosse Pieck. 2. Bereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Bernau. Donnerstag, den 13. Juni: Zahlabend in den bekannten Bezirkslokalen._ Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Zweckvcrband und Waldankäufe. Ueber die Waldankäufe durch den Zweckverband hat am Montag im Schlosse eine Konferenz stattgefunden, an der außer dem Kaiser der Finanzminister, der Landwirtschafts- minister, der Oberpräsident, der Chef des Zivilkabinctts, der Verbandsdirektor Steiniger, der Oberbürgermeister Kirschner und diverse Räte teilnahmen. Ueber die Audienz meldet das Wolffsche Telegraphenbureau: „In der Konferenz, welche auf Befehl und unter Leitung des Kaisers im königl. Schlosse in Berlin stattfand, und an der die Ressortminister, der Oberpräsident und die Vertreter des Ver- bandes Grotz-Berlin teilnahmen, gelangten alle einschlägigen Fragen der Abtretung von fiskalischem Gelände an den Verband sowohl hinsichtlich des Umfangcs der abzutretenden Flächen, wie hinsichtlich des Preises zur eingehenden Erörte- rung. Es wurde eine Basis für die weiteren Verhandlungen gewonnen." Verschiedene Blätter wissen das warme Interesse und das große Wohlwollen des Kaisers für Erhaltung der Wälder nicht genug zu rühmen. In Wirklichkeit handelt es sich lediglich um die Einleitung eines großen Geschäfts, das der FiskuS mit dem Zweckverband machen will. Es darf doch nicht außer acht gelassen werden, daß auch der Staat in erster Linie die Aufgabe hat, für genügend Er- holungsmöglichkeit der Bevölkerung und nicht zuletzt auch der großstädtischen Bevölkerung in Groß-Berlin zu sorgen. Die Einwohner von Groß-Berlin sind doch auch Staats- bürger, die dem preußischen Staate zu seiner Erhaltung un- erineßliche Mittel zuführen und ihn außerdem durch ihre Arbeit lebensfähig machen. Die„Vossische Zeitung" weiß über die Verhandlungen noch folgende Einzelheiten zu berichten: „Wie von anschcinciid unterrichteter Seite verlautet, erkannte der Monarch an, daß die Preisforderung des Fiskus für die in Betracht kommenden Wälder exorbitant hoch seien. Der Fiskus hatte seinerzeit in unverbindlichen Vorbesprechungen sich bereit erklärt, etwas über 40 000 Morgen Wald in der Umgebung Grotz-Berlins an die Gemeinden zu verkaufen und hatte eine summe von 178 Millionen als Kaufpreis genannt. £Vne1t'a'k. wollte er Berlin ein Stück ablassen, und zwar 12 OOO Morgen für 60 Millionen Mark. In der Audienz ließen die Herren vom Zweckverband keinen Zweifel darüber, daß die Gemeinden Groß-Berlins so horrende Summen nicht zu zahlen vermöchten, und daß der FiSku» von seinen Forderungen erheb- lich nachlassen müsse, wenn sein Angebot ernstlich in Betracht ge- zogen werden solle. Es kam in der Erörterung, in die der Kaiser wiederholt und sehr nachdrücklich eingriff, vor allem zum Aus- druck, daß eS am besten sei. mit der Wald- und Frciflächenfrage bald reinen Tisch zu machen und nicht nur einzelne Waldgebiete zu berücksichtigen. Wenn man vermeiden soll, daß sich einzelne Gebiete Groß-Berlins(so der Osten) vor anderen benachteiligt fühlen, müsse das Problem des Wald, und Wiesen. gürtels in großzügiger, umfassender Weisebe- handelt und schließlich geregelt werden. Die Herren vom Zweck- verband, die der Audienz beiwohnten, erhielten den Eindruck daß dank dem Interesse des Kaisers an der Waldfrage die Sache ein gutes Stück weiter gediehen sei, und man schied mit der sicheren üeberzeuguna.'daß der FiSkuS in der Preisfrage mit sich reden lasse. Ein direktes festes Angebot lag bis jetzt nicht vor, und daS Ministerium ließ sich Zeit, weil es die Konstituierung und In. gangsetzung des Ziveckverbandes abwarten wollte. Jetzt sind bindende Vorschläge gemacht worden, die bald genug den Verband zur Stellungnahme veranlassen werden." Unserer Meinung nach hätten die Herren vom Zweck- verband in dieser Konferenz sehr deutlich auf die Pflichten des Staates hinweisen müssen, wie wir das oben schon getan haben. Die Gemeinden können nicht lediglich die Opfer sein, die dem Fiskalismus des Staates dargebracht werden. Arbeitshaus statt JrrenhauS. Dir Zeitschrift-Jrrenrechts-Reform" schrieb in einer ihrer ,cyten Nummern, es werde auch von den schärfsten Gegnern der Psychiatrie anerkannt, daß der Psychiater schon so manchen wirk- lichen Geisteskranken, den unerfahrene, irrende Richter unbedingt verurteilt hätten, vor dem Gefängnis bewahrt haben. Gegenüber dieser Tatsache verliere fast an Bedeutung die weitere Erscheinung. daß gewisse Leute, neben notorischen Gewohnheitsverbrechern auch einflußreiche, hochgestellte und— last not least— sehr bemittelte Gelegenheitssünder, von den Irrenärzten reklamiert werden, ob- wohl jeweils die öffentliche Meinung ganz und gar nicht damit einverstanden sein kann. ES sei immer noch besser, zehn Verbrecher dem Jrrenhause zu überliefern, statt einen einzigen Geisteskranken dem Strafgefängnis. Ueber einen Fall, der diese sehr richtigen Auslassungen der genannten Zeitschrift bestätigt, werden uns an der Hand von Aus- zügen aus den Akten der städtischen Irrenanstalt Herzberge— die Deputation für die Berliner städtische Jrrenpflege möge daraus gleichzeitig ersehen, wie leicht e» ist, qyttliches AftepMtexigs gu» den städtischen Irrenanstalten ohne Wissen der Direktion zu er» halten— eingehende Mitteilungen gemacht. Hiernach ist der heute 32 Jahre alte, von Jugend auf degenerierte und schwachsinnige jetzige Jrrenhauspatieut D. jahrelang viele Male wegen Vagabon. dierenS, BettelnS, Arbeitsscheu polizeilich aufgegriffen, mit der. ganzen Strenge des Gesetzes bestraft und ins Arbeitshaus gesteckt worden, ohne daß die beteiligten Polizeibehörden, Gerichte und sonstigen Verwaltungsstellen in diesen langen Jahren die geistige Beschaffenheit des„Vagabonden" zu würdigen verstanden. Lassen wir die Akten sprechen: 1300 wegen Nichtbeschaffung von Unter- kunft und wegen Bettelns 6 Monate Arbeitshaus— 1301 wegen BettelnS mehrmals Haftstrafe— 1302 wegen desselben Delikts O Monate Arbeitshaus 1803 wieder Haftstrafen (nähere Angaben fehlen)— 1304 wegen Obdachlosigkeit aufgegriffen, 12 Monate ArbeitShauS. Zwischendurch hat D. gelegent- lich mehrere Monate gearbeitet, ohne indes lange auszuhalten, was mit seiner Geistesbeschaffenheit im engsten Zusammenhang steht. Im Sommer 1303 war D. kurze Zeit im Krankenhause Friedrichs- Hain. Auch hier hat man offenbar den Geisteszüstand nicht erkannt. Seit April 1305 hat D. in Pommern bei Demmin gls Hofgänger gearbeitet, anscheinend länger als ein Jahr. Es heißt darübet amtlich:„Am 23. 7. 06 heimllch entwichen, ist arbeitsscheu; will möglichst gut leben, aber andere für sich arbeiten lassen." Am 30. 8. 06 wird ausweislich der Akten des Landeshauptmanns voy Pommern er in das SiechenhauS Demmin aufgenommen. In dem Bericht der Armendeputätion Demmin taucht am 6. 3. 06 zum ersten Male die Bemerkung auf, daß der der öffentlichen Armen- pflege anheimgefallene Hofgänger D,„anscheinend b.lödsinni.g und nicht vernehmungsfähig, Simulation nicht nach- weisbar" ist. Unterm 15. 11. 06 wird abermals seitens der Dem- miner Armendeputation erklärt, daß D. den Eindruck eines Blöd- sinnigen mache. Bisher hat. man vergeblich auf das Stichwort JrrenhauS gewartet. Endlich am 2. 3. 07 wird der Blödsinnige, vermutlich auf Anordnung des Landeshauptmanns, in die pommersche Provinzial-Jrrenanstalt Ueckermünde geschafft, am 18. 7. 07 von dort zu einem Gutspächter in Pflege, das heißt wohl, in Arbeit gegeben, wo er bis Mitte Dezember 1308 verbleibt. Das Jahr 1303 verzeichnet in den Akten, daß D. bei einem Bäcker einige Monate arbeitete, dann wieder hungernd in Brandenburg, Mecklen- bürg, Hamburg vagabondierte. endlich im Berliner städtischen Ob- dach landete und von hier auS am 28. 3� 03 der städtischen Irrenanstalt Herzberge zugeführt würde, wo eine gründliche Unter- suchung des Geisteszustandes erfolgte. Die. uns im Wortlaute vor- liegenden Gutachten der Anstaltsoberärzte Dr. Otto und Dr- Klipp- stein lassen nicht den geringsten Zweifel darüber, daß D. ein„ent- artetes, psychopathisch veranlagtes, seit der Kindheit geistesschwaches Individuum ist, welches gar nicht fähig war zur Erlangung einer dauernden Lebensstellung, und daß sein jahrelang vor der Aufnahme in das Irrenhaus bestandener geisteskranker Zustand schon längst eine- Anstaltsbehandluug erfordert hätte." Dabei heben die Gut- achter besonders hervor, daß die Äte» und fogstigen Erhebungen viele Anhaltspunkte für.-die..bei D.. schon seit seiner Jugendzeit bestandene Geistesschwäche ergeben. Und trotz alledem haben die Behörden ein Jahrzehnt lang den für seine ArbeitSunlust oder richtiger Arbeitsunfähigkeit und für die Vagabondage völlig Un- verantwortlichen wie einen strafrechtlich vollwertigen Menschen be° handelt und bestraft! Haben den erheblich Geistesschwachen, dessen Zustand auch dem Laien klar werden mutzte, jahrelang ins Arbeits- haus gesteckt, ihn alle Martern dieser„Besferungskur" durchkosten lassen! Haben auch dann noch nicht die Jrrcnhausbehandlung ver- fügt, als amtlich erklärt wird, daß D. blödfinnig ist! Wie weiter aus den Akten hervorgeht, ist zuletzt zwischen Armenverwaltung und Krankenkasse ein Streit entstanden über die Kostenregelung. Nur diesem Streite soll es überhaupt zu verdanken gewesen sein, daß D. endlich nach der Irrenanstalt kam. in die er, um dem Polizei- und Strafrichter zu entgehen, längst gehört hätte. Sonst wäre er wahrscheinlich noch öfter in das preußische Arbeits- Haus gesteckt worden, gegen welches das moderne JrrenhauS für einen wirklich Geisteskranken jm immer noch ein Dorado ist. Da drängt sich vor allem auch die Frage auf: Wie viele Obdach- lose und Bettler, die durch erbliche Belastung, schlechte Erziehung und soziales Elend in gleicher Geistesverfassung sind, werden„von Rechts wegen" genau so drakonisch behandelt? Die Bücherausgabcstclle der Stadtbibliothcl ist vom 17. bis 20. Juni einschließlich wegen baulicher Arbeiten geschlossen. Die auf Grund des AuSfühningSgesetzes zum Biehscuchcngesctz vom 25. Juli 1Ö11 von der Stadtgemeinde Berlin beschlossenen Satzungen über die Gewährung von Entschädigungen aus Anlaß von Viehseuchen sind im Druck erschienen und in der Geschäftsstelle des Gemeindcblattes, Rathaus, 3. Stockwerk, Zimmer Nr. 123, zum Preise von.0,25 M. käuflich zu erwerben. Die Waisendeputation beriet und genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung den Vorentwurf zum Erweiterungsbau des Kinderasyls. Ferner wurde beschlossen, als Gehalt für den neu zu wählenden Direktor der Erziehungsanstalt Lichtenberg den Betrag von 4800 Mk., steigend in 12 Jahren bis auf 7200 Mk., dem Magistrat vorzuschlagen. Die Deputation hofft mit dieser Gehaltsfestsetzung eine besonders für den Posten befähigte Persönlichkeit zu bekommen. Bisher hat die Deputation mit der Besetzung der Direktorstelle für Lichtenberg keine besonders glückliche Hand gehabt. Zurzeit ist die Stelle verwaist und der Direktor für das Fürsorgewesen, Herr Knaut, verwaltet die Funktionen mit. Dieses Provisorium sollte so schnell als möglich aufgehoben werden. Beide Posten zu gleicher Zeit gewissenhaft zu versehen, ist nicht möglich. Besonders dringlich erscheint die imdliche Inangriffnahme von 3ieu- und Umbauten, die in der Erziehungsanstalt Lichten- berg als Anfang einer Reform auf dem Gebiete des Fürsorge- Wesens geplant sind. Es sollen Handwerker-Lehrwerkstätten errichtet werden, in denen Zöglinge unter fachkundiger Lei- tung für bestimmte Handwerke ausgebildet werden. � Als solche gelten Tischler, Schneider. Schuhmacher, Buchbinder. Schmiede und Gärtner. Um den letzteren Kenntnisse in der Gartenkunst beibringen zu können, soll ein größeres Ge- Wächshaus errichtet werden. Die Kostenfrage bereitete der Deputation einige Kopfschmerzen und es wurden die vor- liegenden Bauprojekte daraufhin einer längeren Durchbera- tung unterzogen. Es wurde ällseitig gewünscht, daß mit größter Beschleunigung die Bauprojekte gefördert werden sogsn. Beim Spieleu ertrunke« ist am Dienstagabend am Schleswiger Ufer zwischen der Hansa- und Achenbachbrücke ein neunjähriger Knabe namens Broun aus der Lübecker Str. 21. Der Kieme war beim Spielen mit gleichaltrigen Gefährten dem Uferrand zu nahe gekommen und ins Wasser gefallen. Trotzdem man ihn kurze Zeit darauf herausholen konnte, hatten aber die an dem bewußtlosen Körper angestellten Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg mehr. Bei einem Rcttungswerk den Tod gefunden. Auf tragische Weise ist der 23jährige Materialienverwalter Erich Spitzig, Schillingstr. 16, umS Leben gekommen. Spitzig hatte gemeinsam mit einem Freunde und zwei Damen auf dem Müggelsee eine Segelpartie unternommen. Bei Müggelhort kam das Fahrzeug infolge einer Gewitterboe zum Kentern und alle Insassen wurden in die Fluten geschleudert. Weder der Begleiter noch die beiden Damen konnten schwimmen und so machte sich Spitzig vor allem an die Rettung der weiblichen Be- gleiterinnen. Es gelang ihm auch, die eine derselben, die bereits untergegangen war, zu erfassen und so lange über Wasser zu halten, bis Rettung durch den Dampfer der Rettungsstation zur Stelle war. Als er dann auch noch die andere Dame bergen wollte, erlitt er plötzlich einen Herzschlag, ging unter und kam nicht wieder an die Oberfläche. Während die drei des Schwimmens unkundigen Segler gerettet werden konnten, mußte Spitzig den Tod in den Fluten finden. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Ein schwerer Bauunfall hat sich gestern abend gegen 6 Uhr auf dem Abrißgrundstück an der Ecke der Friedrich- und Taubenstraße zugetragen. Dort fiel dem 36 Jahre alten Bauarbeiter Andreas Rabiega aus der Zietenft ratze 25 zu Neukölln ein schweres Rohr auf den rechten Fuß, der vollständig vom Körper abgetrennt wurde. Der abgeschlagene Fuß blieb im Schuh stecken. Der Schwerverletzte wurde sofort nach der Unfallstation in der Kronen- straße und von dort in hoffnungslosem Zustand nach der Charits gebracht. Rabiega ist verheiratet und Familienvater. Bewußtlos aufgefunden wurde gestern nachmittag vor dem Hause Urbanstraße 186 eine den bessergestellten Kreisen angehörende Frau, deren Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Die Unbekannte starb kurz nach ihrer Aufnahme im Krankenhause, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. In ihren Taschen fand man Papiere auf den Namen einer 1863 geborenen Martha Piesternick. Die Leiche wurde nach dem Schanhause übergeführt. Bon einer Bulldogge schwer verletzt wurde gestern der achtjährige Schüler Fritz Schröter aus der Buttmannstr. 16. An der Ecke der Bad- und Buttmannstraße neckten spielende Knaben eine Bulldogge. Der Hund wurde schließlich bösartig. In diesem Augenblick kam der kleine Schröter vorbei, der still seines Weges ging. Die Dogge stürzte sich auf den Knaben, warf ihn zu Boden und biß sich in den Kleidern des Jungen fest, die ihm völlig vom Leibe gerissen wurden. Dann schnappte der Hund nach dem linken Ohr des Knaben und biß ihm die Hälfte der Ohrmuschel soweit ab, daß das Fleischstllck nur noch an einem dünnen Streifen hing. Glücklicherweise gelang es jetzt einigen beherzten Männern, das wütende Tür von dem Knaben fortzureißen. Man brachte den Verletzten nach der Unfallstation in der Badstraße und von dort nach dem Rudolf-Virchow-Kranken- hause, wo versucht werden soll, die Ohrmuschel zusammenzunähen. Das Befinden des Knaben, der auch cltn ganzen Körper Kratzwunöon davongetragen hat, ist infolge des ausgestandenen Schreckens be- deyklich.... Beim Baden ertrunken. Ein Unglücksfall, der die Veranlassung zu Gerüchten von einem Mord, begangen an einem 17jährigen Mädchen gab, hat sich am Montagabend in Ober-Schöneweide zu- getragen. Die 17jährige Fabrikarbeiterin Anna Köhler aus Lichten- berg war mit mehreren jungen Burschen ihrer Bekanntschaft nach Ober-Schöneweide gefahren, um dort in der Nähe des Uebungs- plotzes der Gardc-Pioniere ein Bad in der Spree zu nehmen. Das Mädchen lleidete sich aus und ging dann ebenso, wie zwei ihrer Begleiter sins Wasser, während die übrigen am Ufer blieben. Die K. wollte schwimmen lernen und bat einen ihrer Begleiter, fie darin zu unterrichten. Der junge Mensch wagte sich mit seiner Schülerin dabei unglücklicherweise zu tief in das Wasser hinein und verlor plötzlich den Grund unter den Füßen. Der junge Arbeiter, der 18jährige' Fritz Taubert aus Lichtenberg, war der Situation nicht gewachsen und anstatt seiner mit den Wellen ringenden Gefährtin zu helfen, rettete er sich selbst ans Ufer. Seine Genossen hatten den Vorfall beobachtet, konnten aber nicht helfend eingreifen, da sie des Schwimmens unkundig waren. Die K. war inzwischen immer tiefer in die Spree hineingeraten und auf ihre verzweifelten Hilferufe eilte ein in der Nähe befindlicher Offizier der Garde-Pioniere, der mit seinem Boot sich auf der anderen Seite des Flusses befand, herbei. In der Nähe der Unfallstelle sprang er der Verunglückten, die kurz vor seiner Ankunft unter der Oberfläche ver- schwunden war, nach und es gelang ihm nach einiger Zeit, den Körper des jungen Mädchens zu finden, doch waren Wiederbelebungs- versuche vergeblich. Inzwischen waren die am Ufer stehenden jungen Burschen von Gardepionieren festgenommen worden, da man ein Verbrechen vermutete, und der Polizei zugeführt worden. Sie wurden jedoch nach Feststellung ihrer Persönlichkeit und nach er- folgter Aufklärung des Unfalles sämtlich wieder entlassen. Selbstmordversuch einer Krankenschwester. Am Montagabend gegen 10 Uhr versuchte sich die 24jährige Krankenschwester ValeSka Viebig. die in dem Sanitas-Pfleäeheim in der Lauterstraße in Friedenau angestellt ist, in dem Hause CheruSkerstr. 4 zu Schöneberg auf dem Boden des genannten Gebäudes zu erschießen. Das junge Mädchen richtete die Mündung des Revolvers gegen das Herz und drückte die Waffe ab. Das Geschoß prallte jedoch an einer Korsett- stange ab, so daß es nicht daS Herz traf, sondern sich seitlich in die linke Brust einbohrte. Hausbewohner, die den Schutz gehört hatten, fanden die Krankenschwester blutüberströmt und bewußtlos auf. Ein rasch hinzugerufener Arzt legte der Schwerverletzten einen Notverband an und vcranlaßte ihre Ueberführung nach dem Schöneberger Krankenhaus, wo die Lebensmüde in bedenklichem Zustande danieder- liegt. DaS Motiv zu der Tat ist in einer unglücklichen Liebe zu suchen, die die Krankenschwester zu einem Arzt gefaßt hatte. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Dienstag mittag am Leipziger Platz. Dort wollte das Dienst- inädchen Minna Horn aus Groß-Salza, Edelmannftr. 2 wohnhaft, den Fahrdamm überschreiten, ohne die WarnungSstgnale des heran- nahenden in schneller Fahrt befindlichen Motorwagens 3023 der Linie 31 zu beachten. Das Mädchen wurde vom Vorderperron er- faßt und umgestoßen, wobei eS eine Gehirnerschütterung und einen Nervenchok erlitt. Die Verunglückte wurde nach der Unfallstation Und dann in die Wohnung ihrer Dienstherrschaft gebracht. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern Nachmittag gegen 6 Uhr vor dem Hause Kastanienallee 103, Dort fuhr um- diese Zeit ein Straßenbahnwagen der Linie 33(Richtung Pappelallee). Auf dem Hinterperron stand ein etwa 12- bis 13jähriger Knabe, der plötzlich mit den Worten:„Mr ist so schlecht" von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen herabsprang, zu Boden stürzte und be- wußtlos liegen blieb. Der nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebende Knabe, der allem Anschein nach in einem Anfall epileptischer Krümse von dem Gefährt heruntergesprungen ist, wurde nach der Rettungswache in der Gaudystraße geschafft, wo er bald darauf an Gehirnschlag verstarb. Die Personalien des Kindes konnten bis- her noch nicht ermittelt werden und so wurde die Leiche des Kleinen auf Anoxdnung der Polizei nach dem Schauhauje göbradjt. Der Bund der Arieiter-Theatervereme Deutschlands(Sitz Thar- lottenburg) ersucht un§ um Bekanntgabe folgender Notiz: Den Be- suchern der Theaterschule zur Mitteilung, daß der Unterricht am Mittwoch, den 12. Juni, des Zahlabends wegen ausfällt und dafür am Donnerstag, den 13. Juni, abends pünktlich um 9 Uhr, im Bolkshause, Charlottenburg, Rofinenstr. 3 erteilt wird. Vorort- JVadmcbtem Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die Uebersicht über die Frequenz der Volksschulen gab dem Genossen Hoffmann auch diesmal Ib1.der Anlaß zur scharfen Kritik. Redner stellte fest, daß die Frequenz schon wieder im Steigen begriffen und die durchschnitt- liche Zahl 13,3 einschließlich der Hilfsklassen viel zu hoch sei. Von einem gedeihlichen Unterricht könne in Klassen, in denen zuweilen 60 Kinder unterrichtet werden, keine Rede sein. Bedauerlich sei noch immer das Vorhandensein fliegender Klassen. Stadtschulrat Kob versuchte die Ausführungen unseres Redners zu entkräften. Die fliegenden Klassen seien eine Notwendigkeit. Auch die Besetzung der Klassen mit über 50 Kindern sei nicht besonders hoch. Es soll jedoch die Frequenz langsam und stetig herabgesetzt werden. Lassen(Lib. Fr.) referierte über den BebauungS- und Flucht linienplan für das Slldgelände, dabei betonte der Redner, daß der Plan geradezu glänzend sei. Spielplätze für die Jugend sind reich lich vorgesehen, es kämen hierfür 18 Hektar Land in Bettacht. Für Schulen und Kirchen sei ebenfalls genügend Raum vorhanden. Erholungsparkanlagen sollen das Ganze mit verschönern helfen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte beantragt: „Mindestens 20 Hektar des für die Bebauung in Aussicht ge� nommenen Geländes sollen für die Errichtung von Kleinwohnungen bestimmt werden, die den Bedürfnissen der Arbeiterbevölkerung, den wenig bemittelten Kleingewerbetreibenden und des kleinen Beamtentums entsprechen. In erster Linie soll für die Aus- sühruug dieses Beschlusses der Erwerb von Bauland durch die Stadt sowie der Bau und Betrieb der betreffenden Häuser in Eigenregie der Stadt in Aussicht genommen werden." Genosse Bern st ein betonte, daß sich Schöneberg in einer Zwangslage befände, da es in der Bebauung behindert sei. Das zu bebauende Gelände solle gegen 40 OM Seelen aufnehmen. In- ivietveit bei der Bebauung der arbeitenden Bevölkerung Rechnung getragen werde, sei nicht � ersichtlich. Es scheine, als ob die Be- bauung für die Wohlhabenden zugeschnitten sei. Dadurch, daß nur Vorderhäuser gebaut werden sollen, sei die Arbeiterschaft einfach von der Benutzung der Wohnungen ausgeschlossen. Jetzt sei die Gelegenheit da, das, was so häufig der Oberbürgermeister Dominicus betont habe, zu verwirlliiücn. Oberbürgermeister Dominicus betonte, im Augenblick materiell keine Erklärung abgeben, jedoch im Ausschuß auf den An- trag näher eingehen zu wollen. Die Stadt besitze im Südgelände soviel Gebiet, daß wenn alles abgezogen sei, immer noch H'/z Hektar verbleiben. I a tz o w(Lib. Vereinig.) erkennt an, daß der Antrag zur Beseitigung von Wohmtngselend beitrage. Die Angelegenheit müsse jedoch eingehend geprüft werden. Die Vorlage sotvie ein Antrag des Genossen M a g n a ir, jedem Stadtverordnelen und Ma- gistratsinitgliede die interessanten Ausführungen der Redner steno« graphisch zum Studium zuzusenden, Ivurden nunmehr einem Aus- schuß überwiesen, dem die Genossen Bernstein, Molkenbuhr und M a g n a n angehören. Hierauf wurde über eine Vorlage des Magistrats betreffs Ab- ändcrung der Kinosteuerordnung beraten. Wie wir bereits be- richteten, sollen die Kinobcsitzcr den Versuch gemacht haben, diese Steuer dadurch zu umgehen, daß sie an Wochentagen sogenannte Wohllätigkeilsvorstellungen veranstaltet haben. Dem will der Ma- gistrat begegnen. Engel(Lib. Frakt.) befürwortete die Vorlage und meinte. selbst im VertoaltttngSstrcitverfahren dürften die Kinobesitzer kein Stecht bekommen. Die sogenannten Wohltäligkeitsvorstellungcn könnten als solche nicht bezeichnet Iverden, da die Verwaltung keinen Einfluß darauf habe. I a tz o w(Lib. Vg.) hält die Steuer nicht für gerecht, da sich die- selbe gegen ein einzelnes Gewerbe richte. Die Vorlage sei abzu- lehnen. Genosse K ü t e r erklärte die ganze Steuerordnung für un- moralisch, denn sie treibe die Steuerzahler auf Abwege und erziehe Heuchler, ohne dadurch das System zu treffen. Häufig komme es vor, daß die Kinobesitzer nicht soviel Einnahme haben, um die Steuer, die täglich 17 M. betrage, zahlen zu können. Zwangsvollstreckungen seien an der Tagesordnung, Stundungen würden abgelehnt. Wenn nun die Besitzer zu einem gesetzlichen Mittel greifen, dann heißt es gleich, die Sieuer würde umgangen. Wiederum sei eS die Sozialdemokratie, die für die Kleingewerbetreibenden eintrete, während die Liberalen diesen Leuten Fesseln anlegen. Er beantrage, die Petition sowie die Vorlage einem Ausschuß zu überweisen.— Kämmerer M a ch o w i c z versuchte, die Ausführungen zu entkräften. Pflicht der Sozialdemokratie sei eS. für einmal beschlossene Gesetze, auch wenn dieselben gegen deren Stimmen zustande gekommen seien, für dieselben einzutreten. In der Abstimmung wurde die Vorlage mit 25 Stimmen der Liberalen gegen 22 Stimmen der Sozialdemokraten, Liberalen Vereinigung, Unabhängigen Fraktion und der Kommunal- fortschrittlichen angenommen. Zugestimmt wurde der Erweiterung der Schrankfächer der Spar- lasse und der Errichtung der dritten Sparkassenzweigstelle in der Nähe des Nollendorffplatzes. Dann folgte geheime Sitzung. Charlottenburg. Bürgermeister Matting Oberbürgermeister von Breslau. In einer am Montagabend tagenden gemeinschaftlichen Sitzung der Breslauer städtischen Kollegien wurde der bisherige Charlottenburger Bürger- meister Matttng mit 62 von 63 abgegebenen Stimmen zum Ober- bürgermeister von Breslau gewählt. Matting war seit dem 1. Januar 1895 an der Spitze der Charlottenburger Kommunal- Verwaltung tätig. Elternverein sür freie Erziehung. Sonntag, den 23. d. Mt�., findet eine Dampferpartie mit Musik nach Papenberge(Havelschloß), verbunden mit Rundfahrt auf der Oberhavel statt. Abfahrt morgens 8 Uhr pünktlich von der Anlegestelle der Reederei Kiek am Tegeler Weg. Fahrpreis 1,50 M. für Erwachsene(inkl. Belusttgungen), Kinder unter 14 Jahren frei. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können an der Partie teilnehmen. Billetts sind zu haben bei Friese, Neue Christstr. 7, Seitenflügel 3 Tr. und bei Grätz, Spreestt. 56, Ouergebäude 2 Tr. Der Vorstand. Grost-Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Zu Beginn der letzten Sitzung haben sich einige Frauen als ZuHörerinnen eingefunden, wahrschein- lich in der löblichen Abficht, von den Verhandlungen einiges für sich zu profitieren. Sie wurden aber, ebenso wie in früheren Fällen, als nicht berechtigt hierzu höflichst hinauskomplimentiert. Vom Berichterstattertisch wurde ihnen der gute Rat gegeben, den Reichs- oder Landtag während der Tagung zu besuchen; eine Gemeindevertretung sei eine zu hohe Parka- mentarische Körperschaft, als daß sie sich die Anwesenheit von Fraueit im Zuhörerraum gefallen lassen könnte. Ueber den Bescheid der Regierung in der Angelegenheit der Ge- Währung von Sladtrechlen an die Gemeinde referierte Gemeinde- Vorsteher Schulz. Die Gründe der Regierung, den Antrag der Gemeinde abzulehnen, sind dieselben, wie sie bereits gegenüber anderen Vorortgemeinden gellend gemacht worden sind. Die Er- klärung der Gemeinde, zunächst aus dem Kreise nicht auszuscheiden, könne rechtsverbindlich nicht festgelegt werden, da nach dem Gesetz eine städtische Gemeinde eben das Recht habe, auszu- scheiden. Ein Ausscheiden aus dem Kreise bedeute aber eine schwere Schädigung desselben. Im übrigen erkenne der Minister ein Bedürfnis der Gemeinde auf Erwerbung der Stadtrechte nicht an. Gemeiudevertreter B l e I l empfahl, den Antrag wegen Verleihung der Stadtrechte noch einmal zu wieder- holen, sobald im Abgeordnetenhause der Antrag Zedlitz bezüglich der Einführung der Städteordnung in den größeren Vorort- gemeinden zur Verhandlung gelange. Ein Beschluß in dieser Be- ziehung wurde nicht gefaßt. Auf Aulrag des Gemeinde- Vorstandes wurde der Aufnahme einer Anleihe von zwei Millionen Mark bei der Kurmärkischen Ritterschaftskasse zum Zinsfuß von 4 Prozent zugestimmt unter gleichzeitiger Annahme eines Antrages B l e l l. für die Zukunft bei Aufnahme von An- leihen eine größere Konkurrenz unter den Geldgebern eintreten zu lasten, um eventuell die jeweilige Konjunktur im Interesse der Ge- ineinde besser ausnützen zu können. Die Wahl der Armcnvorsteher und Armcnpfleger erfolgte nach dem Vorschlage des Gemeinde- Vorstandes. Unter ihnen befinden sich auch fünf Frauen, selbst- verständlich aus den b e st e n Gesellschaftskreisen; sie werden sicher- lich bereits tiefgründige Studien über die Armut und ihre Ursachen hinter sich haben.— Eine Anregung des Gemeinde- Vertreters S o u ch o n auf Entfernung des Bismarckdenkmals in der Wilhclmstraße aus verkehrstechnischen Gründen soll später die Wegekommission beschäftigen. Dazu sei bemerkt, daß die Entfernung des Denkmals schon jetzt notwendig ist, der alte biedere Urheber des Sozialistengesetzes steht auf einem recht kleinen, verkehrsreichen Platz, an dem sich vier Straßen kreuzen; nach der Fertigstellung der Eisenbahnunterführung kann dieses verkehrsstörende Hindernis unmöglich bestehen bleiben. Vielleicht erbarmt sich einer der Herren Gemeiudevertreter und stellt den steinernen Kanzler in seinem Garten auf. Außerhalb der Tagesordnung fand ein dringlicher Antrag der Gemeiudevertreter P r a u s e und Genossen Annahme, die bereits früher beschlossene Pflasterung der Jungfcrnstiegstraße zwischen Gärtner- und Boolhstraße in der Breite von 7>/z ans 7 Meter zu reduzieren— zum Schutz der Bäume. Es ist ein fataler Zufall, daß dieser Schutz der Bäume gleichzeitig zusammenfällt mit dem Schutz des Geldbeutels des Antragstellers. Herr Prause ist mit zirka 80 Meier Länge Anlieger dieser Straße und es ist selbstver- ständlich, daß seinJnleresse durch einen Beschluß. ob7oder7'/zMeter breit gepflastert werden soll, ganz erheblich berührt wird. Durch die An- nähme seines Antrages hat Herr Prause zweifellos einen schönen Batzen Geld an Pflasterkosten gespart. Nachdem er in dieser Weise an der Angelegenheit aufs höchste interessiert ist, durfte er vom moralisÄen wie vom gesetzlichen Standpunkt aus an der L e r- sammlung und an der Beschlußfassung über diesen Punkt nicht teilnehmen. Er hat aber ebenso wacker mitberaten und mitgestimmt. Da es nicht daS erstemal ist, daß persönlich interessierte Gemeindevertreter gewissermaßen in eigener Sache beschließen, wird eS sich empfehlen, diesen Uebelstand für die Zukunft zu beseittgen. Wie wir hören, soll eine Beschwerde an die Aussichtsinstanzen in der ftaglichen Angelegenheit gerichtet werden. Ober-Schöneweide. Bei den am Sonntag stattgefundenen Bermehrungswahleu zur Gemeindevertretung für die dritte Klasse wurde im ersten Bezirk Genosse L i e s e g a n g und im zweiten Bezirk Genosse Wesen- bürg mit 489 bezw. 416 Stimmen gewählt. Die Katholiken hatten ebenfalls Kandidaten zur Wahl gestellt und erhielten im ersten Be- zirk 40 und im zweiten Bezirk 28 Sttmmen. Köpenick. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Behufs Regelung der Eigentumsgrenzen in der Mahlsdorfer Straße, hat der Magistrat gelegentlich der Neupflasterung mit dem Forstfiskus wegen Austausch von Land unterhandelt. Nach beiderseitigem Uebereinkommen soll in Zukunft die Grenze zwischen Köpenicker und fiskalischem Gebiet die Mitte des Fahrdammes bilden. Die Unterhaltungspflicht ist so ge- regelt, daß die Sttaße ihrer Länge nach in zwei Hälften geteilt, und von jedem Beteiligten zur Hälfte unterhalten wird. Die Bersamm- lung stimmte diesem Vorschlag zu. Ebenso genehmigte die Ver- sammlung den Rechnungsabschluß des Elekttizitätswerkes �sür 1911, welcher in Einnahme und Ausgabe die Summ von 1 960 760,29 M. erqibt. Aus dem Bericht ist noch zu ersehen, daß der Ueberschuß für 1911 statt wie im Voranschlag eingestellt 70 000 M. 114 845,68 M. beträgt. Zu dem Antrag des Magistrats für die sieben Gemeindeschulen und der Seminarübungsschule je 50 M. zum Zweck der Jugendpflege zu bewilligen, erklärten unsere Genossen, daß sie jederzeit bereit seien Mittel zum weiteren Ausbau der Schulen, wie auch für daS Wohl- befinden der Schulkinder bereit zu stellen, daß sie aber für die ein- seitige und nur dem Hurrapatriotismus dienende sogenannte Jugend- pflege nicht einen Pfennig bewilligen. Wie vorauszusehen, wurde jedoch der Antrag des Magistrats mit 15 gegen 13 Stimmen unserer Genossen angenommen. Dem weiteren Antrage des Magistrats, die Grundfläche des Schulgartens der achten Gemeindeschule dem Kreise Teltow zur Anlegung und dauernden Unterhaltung eines Schul« gartens zu verpachten, stimmte die Versammlung zu. Kosten ent- stehen der Stadt dadurch nicht. Weiter wurden der Baukommission zur Vornahme baulicher Reparaturen am Krankenhause 1000 M. be- willigt. In geheimer Sitzung wurde noch beschlossen, das Haus- grundstück des Herrn Hackradt, Freiheit- und Wilhelm-Straßen-Ecke, für die Stadt käuflich zu erwerben. Ein schwerer Sttaßenunfall ereignete sich gestern mittag in der Berliner Straße. Dort fuhr der Schlosserlehrling Georg Kaiser aus Köpenick gegen ein ihm entgegenkommendes Automobil der Firma Suchard; er wurde umgerissen und eine Strecke von dem Automobil mitgeschleift. Dem Verunglückten wurde hierbei der Brustkasten stark gequetscht und eine Rippe gebrochen. In bedenklichem Zustande wurde er von einem Automobil der Firma Jandorf nach dem Kranken- Hause in Oberschöneweide übergeführt. WitterungSüberficht vom 1l. Juni ISIS. Stationen Z- s> Swinemde. 756 ND Hamburg|754iND Berlin 755 N Frankf.a.M. 754 NO München I753INO Wien------ Wetter 4 bedeckt LjDunit »bedeckt 2 bedeckt 4heiter 753jWSW, 1 Regen SK til Ms Stationen §'aparanda etcrsburg Scilly Abcrdeen Paris 756iW 758 28 75209® 7580NO 752ONO Wetter c* t* M« heiter halb bd. Z halb bd. ZNebel 2'bedcckt 12 13 13 10 14 Wetterprognose für Mittwoch, den IS. Juni 191S. Ein wenig wärmer, zeitweise aufklarend bei mähigen nordöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasserftandS-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , Dresden , Berby , Magdeburg am 10. S. cm 125 130 121 125 134 10 —7 -6 -61 -171 64 65 feit 9. 6. cm1) —7 —16 -1 —3 -11 0 —6 —5 —19 +1 -8 — 1 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximilians au , Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier am 10. 6. cm 64 28 8 80 129 200 492 253 236 70 114 23 seit 9. 6. cm1) 0 +3 —8 — 1 +17 +6 0 0 —4 +2 0 -13 ')+ bedeutet Wuch»,— Fall.—") Untertegel, flusnotae-Preisc für Wasch- n. LDMielduns Für Herren: Wasch-Joppe srQnlicher BaumvoIUtoS............... 85 pi. Wasch- Joppe snu gemusterter Wasdutoff ,1.■(»■■),.M, 2,25 asch—Joppe grOncs lagdtuch mit Falten. M. 3.90 LUster-Jackett s+van oder gemustert...... p■• i■• b H. 2.85 Lüster-Jackett schwarz oder fein gestreift, bbbiiiiibbbM. 5.- Lüster-Jackett grau, blau Oder gemustert M. 7.75 Wasch-Hosen grau oder grtinlieh....... M. 3.00 2.40 1.65 Weiße Wasch-Hosen Fatin n K6pergewcbe M. 4.50 3.75 2.50 Wasch-Westen sdiSne Muster.......,».bb»-. 1,85 Bast-Imitat.-Jacketts eremefarben..bibbbibbbsb.M; 4.90 Bast-Imitat.- Anzüge cremefarben, Hose mit Uoscblag.. M. 12,50 Gestreifte Flanell-Anzüge baumwollene Stoffe ron. H. 6.— an Für Knaben: Blusen-Anzüge gestreifter Waschstoff, für 3-8 Jahre., M. 1,30 70 Pf- Matrosen- Wasch-Anzüge Kragen, schSn gern.. ftir 3-8 Jahre M. 2.25 Ledersatin-Anzüge hochgeschlossen, für 3-8 Jahre...... M. 3.40 Kieler Anzüge gestr. Kadettstoff f. 3-8 J. M. 3.30 f. 9-12 J. H. 3.95 Prinz-Heinrich-Wasch-Anzüge w- 2—8 jahm m. 4.50, 3.10 Kittel-Anzüge einzelne Modelle.................. M, 5.— Einzelne Waschblusen f. 3-9 jähre m. 1.65, 1.15, 90, 45 Pf. Einzelne Waschhosen für 3-s jähre..... M. 1.15f 80, 45 M Satin-Sport-Hosen waschecht, f. 3—8 j. m. 1.60 f,9— izj. M. 1.95 Sport-Hemden in den neuesten Mustern........... M. 1,75 Knaben-Strohhüte neueste Formen..,B».�.... von 50 Pf. an Spiel-Hoschen fvr kleine Knaben..., B- M 2.50, 1,25, 95 Pf. Baer�Sohn Chausseestraße 29-30 11 Brückenstraße 11 Gr.Frankfurter Str.20 Schöneberg, Hauptstr. 10 Sonntag nur von 8— 10 Uhr geöffnet. Der Haupt- Katalog No. 44(Neueste Moden) kostenfrei. Verantwortlicher Redafteut; Ulbert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.iTH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer».So., Berlin SW.