Nr. 136. iZbsnnemeniz-MlWMN:, «Sonnemcnts< PreiK vrSnumcrandai Bierteljährl, Z,Z0 monatl. 1,10 M5, wöchentlich 28 Pfg. frei ms HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Polt. «bonnement: 1,10 Mark pro Monatl Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Demschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Liumämen. Schweden und die Schweiz. GrtAtiBt tüfilldi Mßer Bientaas, Verlinev Volksblntt. 29. Jahrg. vle Inlertlonz- Lebiis»' beträgt für die sechsgcspaltenc Kolonel. zeile oder deren Raum So Pfg. für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs-Aiizcigcn 80 Pfg. „Klein- anicigcn", das fettgedruckte Wort so Pfa.(zulastig 2 fettgedruckte Worte), jcdeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstelleiian. zeigen das erste Wort IN Pfg., jedes wettere Wort 5 Pfg. Wort- über 15 Buch- staben zahlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SbzialdtinoKrat Rirlia". Zcntmlorgan der fozialdemokrati fcben Partei Deutfcblandd. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasae 69, Fernsprecher: Amt Moritzplats, Nr. IS8Z. Freitag, den 14. Juni 191Ä. Expedition: SM. 68, Lindenstra&se 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1.984. Arbkitkk, mkldkt den Schnaps! Vom Leipziger Parteitag, der im September 1909 stattgefunden hat, ist die folgende Resolution eiiistimmig an- genommen worden: „Die von der agrarisch-Ilerikal-reaktionären ReichStagSmehr- hcit beschlossene Erhöhung der Branntwein st euer bezweckt, einen großen Teil der durch die wahnsinnige Rüstungs> Politik verursachten Einnahmen des Reichs den Schultern der Aermsten aufzuerlegen. Zugleich soll durch die Aufrechterhaltung der Kontingentierungspolitik auch fernerhin dem Großgrund» besitz auf Kosten der Branntweiutrinker ein jährlicher Extraprofit von über bv Millionen Mark zugesichert werden. Um dieser verbrecherischen Volksausbeutung zu begegnen und zu» gleich dem durch den Branntwein genuß verur- sachten und geförderten körperlichen und m 0 r a- lischen Elend weiter Volksschichten entgegenzuwirken, richtet der Parteitag an alle Parteigenossen und Arbeiter die Auf- forderung, den Branntwein genuß zu meiden. Die Parteiorganisationen und die Parteipresse werden aufgefordert, diesen Beschluß in energischer Weise zur Durchführung zu bringen." Der Kampf gegen den Branntwein ist erfreulicherweise von großem Erfolg gewesen. Wie aus der amtlichen Statistik klar hervorgeht, ist der Schnapskonsum ganz er- heblich zurückgegangen. Diese Wirkung wird noch größer werden, sobald erst der Einfluß der klassenbewußten Arbeiterschaft in denjenigen Bezirken wächst, in denen der Schnapskonsum am größten ist. So groß unsere Freude über den Erfolg der Kriegs- crklärnng gegen den Schnaps, so groß ist der Schmerz der Schnapsbrenner, die um so bessere Geschäfte machen, je mehr von ihrem Fusel getrunken wird. In dreister Ableugnung der Gesundheitsschädigungen, die mit dem Schnapskonsum verbunden sind, ging ihr Bestreben darauf aus. unter allen Umständen ihren Profit zu retten. Wenn sie vor kurzem im Reichstage der Regierungsvorlage zu- stimmten, die scheinbar die Liebesgabe beseitigte, um den Verbündeten Regierungen die Mittel'zur Deckung der neuen Heeres- und Marinevorlagen zu schaffen, so sollte das Sand in die Augen des Volkes sein. Denn die Liebesgabe ist in Wirklichkeit nicht beseitigt, sondern nur verschleiert worden. Da die Bestimmungen über de» Durchschnittsbrand und den Vergällungszwang aufrecht- erhalten worden sind, so wurden die großen Brenner wieder aus den Kassen der Allgemeinheit in ungeheuerlichster Weise begünstigt. Worauf das jetzt angenommene Gesetz hinaus- läuft, hat ein sozialdemokratischer Redner im Reichstage wie folgt dargestellt: „Es ist ein offenes Geheimnis in den Fachkreisen, daß dieses Gesetz noch eine neue Preis st eigerung durch die Spiritus- zentrale bringen wird, und daß man bereits von einem festen Satz von 12 M. spricht, den als Preiserhöhung die Zentrale ins Aiige gefaßt hat. CS ist ein R a u b an den Aermsten der Armen, den sie begehen; denn diese Verelendeten, die zum Schnaps greifen, müssen wieder die neuen Abgaben, die durch Gesetz entstehen, zahlen, und die R e i ch s k a s s e g i b t b e r e i t willig st is Millionen her für die Brenner- interessen; nichtfür daS Publikum, das den denatu- rierten Spiritus verbraucht, sondern für die Brenner.... Bekämen fie die IS Millionen nicht, der Spiritus würde doch billiger werden— und deshalb haben wir verlangt, daß die Veteranen des Krieges und die Veteranen der Arbeit diese IS Millionen bekommen; aber die Herren, die Nimmersatten, geben keinen Pfennig dafür her.' Es stelll sich die angebliche Abschaffung der Liebes� gäbe für die Schnapsbrenner in Wirklichkeit also dar, als eine weitere Ausplünderung der Armen, die der irrigen Meinung sind, auf den Schnapsgenuß nicht gänzlich verzichten zu können. Arbeiter in Stadt und Land! Gebt den Schnapsbrennern und den ihr gefügigen Verbündeten Regie rungen die einzig richtige Antwort auf ihr Verhalten. Der Leipziger Beschluß muß noch eifriger propa giert werden, als seither. Verkündet es immer wieder in Dorf und Stadt: Wer Schnaps trinkt. schädigt seine Gesundheit und fördert seine bösartigsten Feinde, die preußischen Junker Meidet den Schnaps! Der Vorstand der sozialdemokratische» Partei. Die politische Lage in Schweden. 11. Der schwedische Liberalismus ist gewiß nicht die konsequente politische Interessenvertretung einer einheitlichen sozialen Ve- völkerungsklasse, von der man klare politische Ziele erwarten kann. Die Parteiorganisation ist lose und die Presse ist auf der ganzen Linie in Privathänden, wie bei den Konservativen auch. Die Politik wird von den Führern gemacht, den „großen Männern" in Presse und Parlament. Die demo- kratische Kontrolle der Parteitätigkeit üben die Wählermassen am Wahltage aus. Diese Wählermassen bestehen aus Klein- bürgern und-bauern, Beamten des Staates, der Gemeinden und der Industrie, also der Mittelschicht der Bevölkerung. Je mehr diese mit dem Kapitalismus gleiche Interessen hat, desto mehr pendelt sie zwischen den beiden politischen Begriffen„liberal" oder„konservativ". Und je mehr ihre Interessen mit denen der Arbeiterklasse zusammen- fallen, desto mehr neigt sie auch einer radikaleren Politik zu. Einstweilen hat die zweite Richtung noch die Oberhand, was ein parlamentarisches Zusammenwirken der Sozialdemokraten nnt den Liberalen in gewissen gemeinsamen Fragen ermöglicht, so z. B. in den jahrzehntelangen Kämpfen um das Wahlrecht, wo das Zusammenwirken sich nicht in der gemeinsamen Opposition im Parlament erschöpfte, sondern auch durch die gegenseitige Unterstützung außerhalb des Parlaments bei den Wahlen als in der Propaganda des allgemeinen Wahlrechts stattfand. Seit dem Siege des Wahlrechtsgedankens und Ein- führung des erweiterten Stimmrechts auf proportionaler Grundlage gehen die beiden Parteien im Wahlkampfe jede für sich selbständig vor, das Zusammenwirken kommt daher nur im Parlament selbst in Frage. Die sozialdemokratische Fraktion hat aber auch hier ihre Selbständigkeit vollständig gewahrt, eine Blockpolitik existiert nicht. Die von uns letzten Herbst ge- schilderte Stellung des Genossen B r a n t i n g, der liberalen R� giernng abwartend gegenüber zu treten, ist von der Fraktion akzeptiert worden. Man hat geprüft, was die Regierung brachte, hat Verbcsserungsanträge durchzusetzen versucht und hat sich in allen Fragen die Entscheidung vorbehalten. Das Angebot, an der Regierung direkt teilzunehmen, wurde abgelehnt, man hat die Regierung gestützt, wo sie brauchbare Vorschläge machte, opponiert, wenn sie in der Vertretung demokratischer Ziele zögerte. Eine Taktik also, wie sie auch in der parlamcn- tarischen Arbeit der deutschen Sozialdemokratie üblich ist. Da die Liberalen auf die sozialdemokratische Hilfe angewiesen sind, wollen sie nicht ihre Politik mit den Konservativen machen und dadurch einen großen Teil ihrer Wähler abstoßen, so haben sie in manchem Punkt den sozialdemokratischen Wünschen schon bei der Einbringung der Vorlagen entgegenkommen müssen. Aber leider mußte stets auf die Erste-Kammerinajorität Rücksicht genommen werden, die die Ablehnung der meisten Vorlagen in der Hand hat. Es ist notwendig, diese konservative Vor Herrschaft zu berücksichtigen, wenn man die politischen Ergeb- nisse des letzten Winters bewerten will. Trotzdem also unsere Fraktion sich durchaus innerhalb der von der internationalen Sozialdemokratie befolgten parlamen tarischen Taktik bewegte, hat unter den Parteigenossen eine heftige Opposition sich gebildet. Vertreten wird diese von dem Stockholmer Bürgernieister Lindhagen und einigen Wort führern der Jugendorganisation. Die letztere hat zirka 7000 Mitglieder, deren Mehrheit die Opposition ihrer führenden Leute zweifellos gutheißt. Dagegen ist in der eigentlichen Parteiorganisation wenig oder gar nichts von der Opposition zu spüren gewesen, sodaß die Partei selbst mit den Treibereien gegen die Fraktionspolitik nichts gemein hat. Die Opposition richtet sich, wenn man von der mehr be lustigenden Republikaktion Lindhagens absteht, vornehmlich gegen folgende praktisch formulierte Punkte: 1. gegen das Zusammenwirken mit den Liberalen; 2. gegen die Haltung der Fraktion in der Militärfrage: 3. gegen die Zusammen- setzung der sozialdemokratischen Fraktion der Ersten Kammer. Um den letzten Punkt vorwegzunehmen, kann der Opposition hier eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden. In der Ersten-Kanimer-Fraktion sitzen mehrere Abgeordnete, die der Partei erst beitraten, als ihnen das Mandat bereits über tragen oder doch mindestens sicher war. Die bemerkens werteste Persönlichkeit unter diesen ist der Professor Steffen aus Gothenbura. eine an sich gewiß schätzenswerte Kraft, dessen innerer Zusanimenhang nnt der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung jedoch bisher nicht erwiesen ist. Die von ihm eingenommene Stellung zum Marxismus hätte der Partei nahelegen sollen, daS neue Parteimitglied zunächst au einem weniger exponierten Posten als in der Ersten Reichstags kammer zu beschäftigen. Ein anderes Erste-Kamniernütglied ist der Partei erst beigetreten nach erfolgter Wahl zum Reichstagsabgeordnetcn. Das Mandat wurde ihm zuteil, weil er— Abstinent ist. An dieser Erwerbung ist die Partei leitung freilich unschuldig, denn sie hatte den langjährigen Redakteur deS Zcntralorgans der Partei. Genossen M a g n 11 s s 0 n vorgeschlagen, fiel aber mit diesem Vorschlage bei den sozialdemokratischen Gemeindevertretern des Bezirkes, die hier Wähler waren, durch. Magnusson ist zwar eine tüchtige Kraft und überzeugter Parteigenosse, aber er ist halt nicht Abstinent I Das sind nur ein paar Beispiele für eine in der schwedischen Sozialdemokratie ungesunde Erscheinung: eine starke Einwanderung bürgerlicher Akademiker, die ohne Be- sehen zu Amt und Würden gelangen. Zu diesen Leuten gehören aber nicht nur die rechtsstehenden Elemente, 'andern auch die Führer der jugendlichen Oppo- i t i 0 n. Was gegen Steffen spricht, kann mit noch größerem Recht gegen Herrn Lindhagen angeführt werden. Wohl trat er noch als liberaler( 1) Abgeordneter der Partei bei, er wartete also nicht bis die Mandatfrage aktuell wurde. Aber 'eine Taten als sozialdemokratischer Abgeordneter ind ein direktes Menetekel gegen derartige Erwerbungen. Er begann nnt einem Vorbehalt, auch als Fraktionsmitglied seine eigenen Wege gehen zu dürfen, durchkreuzte die Aktion der Fraktion hinsichtlich der Nachtarbeit der Frauen, lehnte im wissenschaftlichen Organ der Partei den historischen Materialismus als Richtschnur der Partei ab, verfocht anstatt dessen die Bodenreform Henry Georges, obgleich diese auch ihm etwas zu eng ist, ferner die Vernunft und das Rcchtsgcfühl als Leitsterne der sozialdemo- kratischen Politik. Vernunft und Recktsgefühl ist für ihn aber nicht aus den materiellen Lebensbedingungen der Menschen abzuleiten, sondern„eine Fähigkeit deS menschlichen Gehirns. gewonnen während dessen Entwickelung in vorhistorischen Zeit- Perioden, eine Fähigkeit der Gehirnzellen, verschiedene Wahr- nehmungen unparteiisch und parteilos, oder mit andern Worten harmonisch, zusammenzustellen."...„Eine Menge, ja man kann sagen alle Mißverhältnisse, deren Beibehaltung man auf das eigene Interesse zurückführt, haben ihren eigent- lichen Ursprung in schlechten Gewohnheiten des eigenen In- tercsses."(„Tiden" Nr. 1, 1910.) Um diese schlechten Gc- wohnheiten des Egoismus abzuschaffen bedarf es nur der Uebung des Gehirns! Man sieht: Schon 1910 entwickelte Herr Lindhagen die Theorie für sein» diesjährige Republikaktion im Reichstage, den König zu ersuchen, auf die schlechte Gewohnheit, König zu sein, Verzicht zu leisten. Nach diesen Stichproben bedarf es für deutsche Leser kaum des Hinweises, daß Herr Lindhagen sich besser als Führer einer salonanarchistischen Sekte denn als Berater und Vertrauensmann des klassenbewußten Proletariats eignet. Wenn also eine Reinigung der schwedischen Partei der Opposition mit einigem Recht notwendig erscheint, so darf man sie selbst nicht übergehen. Aehnliche Figuren, wie Lind- Hagen, gibt es da noch mehrere. Der zweite Einwand der Opposition betrifft die M i l i t ä r- frage. Die Fraktion fordert im Interesse des arbeitenden Volkes möglichste Herabsetzung der Militäraus» gaben und sie hat nicht verfehlt, auf das sozialdemokratische Endziel des Völkerfriedens hinzuweisen. Allein dieses Ziel kann unter dem Kapitalismus nicht verwirklicht werden und dieVölker sind daher genötigt, Maßnahmen zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit zu ergreifen. Für Schweden erscheint das besonders naheliegend, weil hier die Gefahr vom Osten her droht. Rußland strebt seit langem nach einem eisfreien Mcereshafen und die Russifizierung Finnlands ist nur ein Glied in dieser Kette. In weitesten Kreisen deS schivedischen Volkes, auch der Partei, steht nian diesem Streben des russischen Blutregiments nnt bangen Gefühlen gegenüber, und wenngleich die Militaristen dieses volkspsychologische Moment kräftig für ihre Zwecke aus- nutzen, so darf die Partei die Gefahr nicht ignorieren. Mit wenigen bedeutungslosen Ausnahmen hat die Sozialdemo- kratic in allen Ländern die Landesverteidigung gegen feind- liche Invasionen als notwendig anerkannt. Ihr Kampf gilt dem Militarismus als solchen, der dem kapitalistischen Expan- sionsbedürfnis und der Niederzwingung fortschrittlicher Be- wegungen der eigenen Staatsbürger dient. In Schweden besteht nun eine Kombination zwischen Miliz und stehendem Heer, wobei das letztere die geringere Rolle spielt. Jeder wehrfähige Mann wird ausgehoben und je nach den Waffengattungen acht Monate bis ein Jahr aus- gebildet. Die Militaristen erstreben die einjährige Dienstzeit für alle Waffen, womit ihr Ideal, das stehende Heer, erreicht werden soll. Die sozialdemokratische Parteileitung und Reichs- tagssraktion haben die liberale Regierung in ihrem Bestreben, eine eingehende Untersuchung der Landesverteidigungssrage zur Grundlage iveiterer gesetzlicher Maßnahmen vorzunehmen, unterstützt und Parteigenossen gehören der Untersuchungs- kommission an. Die Fraktion war auch bereit, der in unserem ersten Artikel erwähnten Versuchsmobilisierung zuzustimmen, wenn diese bestimmte Beschränkungen erführe. Als diese Vor- schlüge nicht beachtet wurden, stimmte die Fraktion gegen die Vorlage. Da der letzte Parteitag ausdrücklich einen Antrag ablehnte, die sofortige Abrüstung zu fordern- bleibt die Haltung der Fraktion durchaus im Rahmen der Partei- beschlüsie. Die Opposition vertritt die gegenteilige Auffaßung. Für sie ist. mit lvenigen Ausnahmen vielleicht, der Kampf gegen den Militarismus ein solcher gegen die Landesverteidigung überhaupt. Die Argumente sind vollends dem anarchistischen Arsenal entlehnt. Das Jugcndorgan propagiert Auffassungen. die ausschließlich anarchistischer Herkunft sind. Sich auf die Landesverteidigung einrichten, ist den Völkermord organisieren, daher Kampf gegen die staatliche Legalisation und Organi- sation des Blutvergießens. Schlägt dich jemand auf die linke Backe, so halte ihm auch die rechte hin! In teils versteckter, teils offener Weise wird der Militär streik propagiert. letztens sogar an erster Stelle im Jugcndorgan. Die Be- folgung einer derartigen Taktik würde für die Partei dem Selbstmord gleichkommen. Sie kann nur die Forderung auf eine demokratische Organisation der Landesverteidigung vertreten, die möglichste Effektivität mit größter Sparsamkeit ver- bindet und den militaristischen Neigungen der Reaktion einen Riegel vorschiebt. Die Frage, wie weit eine Ver- teidigung möglich ist, hätte größere Berechtigung als die reine Negation des Antiniilitarismus. Daß sie auf die Dauer eines langen Krieges mit einer Großmacht unmöglich ist, dürfte feststehen. Allein sie kann auf mehrere Monate ge- lingen, was einer Intervention anderer Großmächte zuungunsten des Eroberers gleichkommen würde, während eine Widerstands- lose Preisgabe des Landes eine solche Intervention erschiveren oder gar unmöglich machen würde. Der schließliche Vorivurf des Paktierens mit den Liberalen� ist, wie wir gesehen haben, nicht berechtigt. Die Fraktion steht unabhängig da, sie bestimnit ihre Haltung von Fall zu Fall auf Grund eingehender Prüfung der resp. Vorlagen. Einen Block mit den Liberalen ist sie nicht ein- gegangen. Wohl könnte man, ganz besonders in Arbeiterschutz- fragen und in der ganzen Sozialgesetzgebung, eine stärkere Betonung des sozialdemokratischen Standpunktes wünschen, auch mehr Initiative und Verständnis für dieses Gebiet sozial- demokratischer Politik ebenso, aber hier versagt die Opposition noch mehr als die Fraktion. In ihrer Würdigung der diesjährigen Reichstagsarbeit hat die Opposition kein Wort für den verbesserten Arbeiterschutz und für die ausgedehnte Gewerbeinspektion gefunden, nur das selbständige arbeitsrecht- liche Amt schien ihr der Erwähnung wert. Eine Opposition auf derartiger Grundlage ist nicht nur parteischädigend. sie muß in ihrer Wirkung Partei- auslösend ausarten, werden nicht rechtzeitig Maßnahmen dagegen ergriffen. Die Gründung eines besonderen Oppositions- klubs, des„Linkenvereins", unter der bewährten Führung Lindhagens spricht Bände. Daß man die Zersplitterungs- absicht leugnet, ändert an der Tendenz nichts. Offen ist die Auflehnung gegen die P a r t e i d i s z i p l i n, die Grundlage jeder ersprießlichen Parteiarbeit ausgesprochen worden. Wäre die theoretische Schulung, eine gefestigte theoretische Grundlage für die Parteitätigkeit, nicht so vernachlässigt in der schwedischen Sozialdemokratie, würden derartige Erscheinungen unmöglich, zum mindesten ungefährlich sein. Hier muß der Hebel angesetzt werden, selbst wenn die finanziellen Möglichkeiten zurzeit nicht rosig sind. Salonanarchistische und studentenpolitische Strömungen werden sonst leicht zu einem Pfahl iin Fleische der Arbeiter- klasse. Soltistenschkliial. Die Fälle, daß krankhaft veranlagte und geistig minderwertige junge Leute beim Militär eingestellt, dann aber nach einiger Zeit wieder für dienstuntauglich erklärt werden, mehren sich in er- schreckender Weise. Leider werden solche Soldaten erst vom Militär entlassen, wenn sie kriminell geworden sind, hinterher erfolgt aber dann wegen der während der Dienstzeit begangenen„Verfehlungen gegen die Disziplin" ihre Bestrafung. Es ist geradezu e r- schütternd, wenn man diese kranken, oft elenden Gestalten auf der Anklagebank sitzen sieht und die amtlichen S a ch v e r st ä n- d i g e n dann mit lakonischer Kürze erklären,„der Angeklagte ist zwar krankhaft veranlagt, geistig minderwertig und dien st untauglich, aber für seine beim Militär begangenen Straftaten verantwortlich zn machen". Die Zahl der Pstzchopathen im Heere ist ohne Zweifel im Zunehmen begriffen, es ist deshalb unbedingt nötig, daß diesem traurigen Kapitel, wie schon unser Genosse Edmund Fischer vor kurzem bei Beratung des Militäretats im Reichstage forderte,- die größte Aufmerksamkeit zu- gewendet wird. Zum schärfsten Widerspruch muß es herausfordern, daß man gegen solch bedauernswerten Elemente noch rigoros vorgeht und schließlich exorbitant harte Strafen gegen sie verhängt. Besonders bemerkenswert ist in dieser Beziehung ein Fall, der jetzt in letzter Instanz das Neichsmilitärgericht beschäftigte. Es ist das Schicksal und die Leidensgeschichte eines dienstuntauglichen Soldaten, wie sie erschütternder nicht gedacht werden kann. Der Bergarbeiter, jetzige Arbeitssoldat Vogel mußte trotz seiner eigenartigen Veranlagung im Herbst ISM beim Militär eingestellt. Wegen einiger in der Erregung begangener Verfehlungen erhielt er mehrere Disziplinarstrafen und als „schlechtes Element" wurde er bald in einen anderen Truppenteil versetzt.— Die Arreststrafen hörten aber nicht auf. Eines Tages brachte män ihn wegen einer Insubordination zur Meldung und das Kriegsgericht verurteilte ihn zu drei Monaten G e f ä n g n i s I Im FestungSgefängnis regnete es wieder Arreststrafen und nach der Strafverbüßung kam Vogel nicht zur Truppe zurück, sondern wegen„schlechter Führung" in die Arbeiter- a b tei lun gl Dadurch wurde es naturgemäß nicht besser, V. fühlte sich zu unrecht in die Arbeiterabtcilnng versetzt und geriet in eine sehr deprimierte Stimmung, die ihm oft die Lust zum Dienst nahm und sich in eine gewisse Erregung umwandelte. Nach- dem man ihn auch hier mehrfach in Arrest gesteckt hatte, brachte man V. wegen einer„schweren Insubordination" vor Gericht. Er hatte nichts weiter getan, als beim Turnen eine Uebung nicht ausgeführt und beim Exerzieren eine unvorfchriftsmäßige Stellung ein- genommen. Von den Borgesetzten wurde Vogel als ein Mann ge- schildert, der sich durch Vorspiegelung geistiger Minderwertigkeit der Dien st Pflicht z u entziehen v e r s u ch e 1 1 Die Militärjnstiz schickte den bedauernsiverten Mann diesmal mit Rücksicht auf seine„Diszitzlinlosilskeit" auf vier Monate ins Gefängnis!! Der an sich schon schwermütige Angeklagte verlor nunmehr den Kopf und unternahm gleich danach einen Selbstmordversuch, da durch die fortgesetzten Bestrafungen ein Ende seiner Dienstzeit nicht abzusehen war. Der Hosenträger, an den er sich aufgehängt halte, riß aber. Gegen die letzte Strafe wendete sich V. mit einer Berufung. Bald danach kam er abermals mit einem Unteroffizier in Differenzen. Er hatte eines Tages nur mit einer Hand gearbeitet und seine Strümpfe nicht zur rechten Zeit gestopft. Wegen dieser Lappalien wurde V. sofort arretiert und in Untersuchungshaft gebracht!! Er wollte seiner Leidensgeschichte gewaltsam ein Ende machen und hängte sich eines Nachts mit dem zerrissenen Bettuch in seiner Zelle auf. Auch dieser ztvcite Selbstmordversuch führte nicht zum Ziele; von einem kontrollierenden Unteroffizier wurde Vogel hängend aufgefunden und abgeschnitten. Die angestellten Wieder- belebungsver suche waren von Erfolg, worauf die Ueber- führung in das Lazarett erfolgte. Im Anschluß an seine Behandlung wurde Bogel dann endlich auf denGeisteszustand beobachtet- Hinterher erhielt er aber noch eine Arreststrafe, weil er zum Selbst- Mordversuch das Bettuch verwendet hatte! Besonders bemerkenswert ist, daß die Vorgesetzten die Selb st Mordversuche Vogels als markiert bezeichneten l I Wegen der letzten Insubordination kam B. abermals vor Gericht. Der ärztliche Sachverständige Stabsarzt Dr. Krüger bezeichnete den Angeklagten für moralisch nnd geistig minderwertig iiud dienstuntauglich, aber für verantwort- lich!! Jetzt erhielt V. vier Monate drei Tage Gefängnis I Gegen dieses Urteil legte er ebenfalls Berufung ein. Das Dresdener Oberkriegsgericht verhandelte vor kurzem über beide Berufungen. Der Sachverständige gab das gleiche Gutachten ab und der Anklagevertreter erklärte, daß nach seiner Meinung Vogel von der Vorinstanz noch„glimpflich" behandelt worden sei! Er bat, die Gesamtstrafe recht hoch zu bemessen, denn der Angeklagte müsse auf lange Zeit unschädlich gemacht werden!! Zum Schluß bedauerte er sogar, daß der Gerichtsherr zwecks Er- höhung der Strafe nicht Berufung eingelegt habe! Das Berufungs- gericht hob die beiden letzten Urteile auf und bildete eine Gesamt- strafe von-- acht Monaten Gefängnis!!— im Interesse der Disziplin! Gegen seine Verurteilimg wendete sich Bogel mit einer Revision an das Reichsmilitärgericht. Dies hat aber das Rechts- mittel als unbegründet zurückgewiesen! und damit das Schicksal des bedauernswerten jungen Mannes besiegelt. Da Vogel d i e n st u n t a u g l i ch ist, muß er die lange Strafzeit in einer Z i v i l st r a f a n st a l t verbüßen und dann kehrt er endlich wieder in die Freiheit zurück, als Opfer des Militarismiis! ver Krieg. Kämpfe bei Homs. Konstantinopel, 13. Juni. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgende Depesche aus Homs: In der Nacht vom 4. Juni griff ein türkisches Detachement die italienische Front bei Merkab an und er- beutete eine Feldküche und Lebensmittel. Am 3. Juni fand ein Kampf statt, bei dem die Türken nnd Araber ein italienisches Fort einnahmen. Die Italiener hatten zwanzig Tote. Am 7. d. Mts. besetzten die Italiener das Fort wieder, mußten es aber nach einem bis zum Abend andauernden Kampfe abermals verlassen. Die Italiener zogen sich teils auf Homs, teils auf Merkab zurück. Rom, 13. Juni. Die Agenzia Stefaui meldet aus Homs von gestern: In der Nacht vom 11. zum 12. d. Mts. machte der Feind, nachdem er die italienischen Linien hier und dort beunruhigt hatte, um Uhr einen unvorhergesehenen und heftigen Angriff gegen die italienischen Streitkräfte, die die Hügel bei Lebda besetzt hielten. Als die Lage geklärt war, ließ General Reisoli von allen in Homs verfügbaren Truppen einen Gegenangriff in die Flanke nnd im Rücken des Feindes unternehmen. Der Kampf war sehr erbittert. Um 8 Uhr 15 Minuten waren die Araber und Türken bereits überwunden und dezimiert. Ein Teil der Feinde entfloh eiligst, von den Jtaliern verfolgt und den italienischen Batterien bombadiert. Ein anderer Teil wurde in der Oase umzingelt und aufgerieben. Die Hauptstreitmacht des Feinde? bestand aus Stämmen der Syrte, die von vier Geschützen und regulären türkischen Truppen unterstützt wurden. Diese Streitkräfte waren merklich stärker, als die bisher gegen die italienischen Stellungen bei Homs verwandten. Die Verluste der Araber und Türken sind sehr be- deutend. Die Oase und das Gelände der Umgebung sind mit Leich- namen der Feinde geradezu übersät. Nicht nur die nächste Umgegend, auch die sich daran anschließenden kleinen Berge bei Lebda sind vom Feinde verlassen. ES sind dort 421 Leichen gefunden worden, von denen 213 bestattet wurden. Viele andere sind vom Feind während der Schlacht fort- geschafft worden. Noch andere liegen in großer Anzahl auf einem von den italienischen Befestigungen weit entfernten Gelände und auf der Rückzugslinie des Feindes zerstreut umher. Die Italiener haben zahlreiche Gewehre und eine große Menge Munition erbeutet. Ihre Verluste betragen zwei Offiziere und 29 Mann tot und zwei Offiziere und 57 Mann verwundet. Politische deberlicbt. Berlin, den 13. Juni 1912. Große Ernten, Mangel und hohe Preise. Die letzten Saatenstandsberichte rechtfertigen die Hoffnung auf eine gute Durchschnittsernte. Gegenüber dem vergangenen Monat ist jedenfalls eine erhebliche Verbesserung der Situation und der Ernteaussichten eingetreten. Trotzdem sind in der letzten Woche die Getreidepreise in Deutschland wieder stark gestiegen. Während an den ausländischen Märkten die Preise ziemlich unverändert blieben, neben kleinen Steigerungen auch Abschwächungen zu konstatieren waren, zeigen die Notierungen m Berlin ein erhebliches Aufsteigen. Sie ergeben dieses Bild: 4. Juni.. Juli-Roggen 2241/3 Juli-Weizen 1888/« 11. Juni.. Juli-Roggen 229*U Juli-Weizen l933/4 Also in einer Woche eine Steigerung um rund 5 Mark pro Tonne. Da sich angeblich Mangel an Ware fühlbar macht, soll noch mit weiteren Preisaufschlägen zu rechnen sein. Ungewöhnlich hohe Preise und Mangel an Getreide, wie reimt sich das mit der Tatsache großer Ernten? In den letzten Jahren ergaben die Vrotgetreideernten folgende Mengen in 10CO Tonnen: 1907 1908 1909 1910 1911 Weizen 3479 3768 3756 3861 4066 Roggen 9758 10 737 11348 10 511 10 866 Das letzte Jahr brachte die größte Weizen- und die zweit- größte� Roggenernte, der wir uns je erfreuen konnten. Und trotzdem Mangel! Woher er rührt, zeigt ein Blick'auf die Außenhandelsziffern. Namentlich die Ausfuhr deutschen Roggens schwillt fortgesetzt an! In der Zeit voni i. August bis 31. April des letzten Berichtsjahres betrug der Ausfuhrüberschuß— ohne Mehl— 4 694 512 Doppelzentner, gegen nur 2 724 732 Doppelzentner in der gleichen Zeit des Jahres vorher. Unter Berücksichtigung der Mehlausfuhr ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß von an- nähernd 7 Millionen Doppelzentner Roggen. So entblößt man Deutschland von Getreide, und die Preise schnellen in die Höhe l Und die auf solche Weise bewerkstelligte Ver- teuerung muß der einheimische Konsum noch extra bezahlen. Der bei der Ausfuhr ausgestellte E i n f u h r s ch e i n, der zu der zollfreien Einfuhr anderer Waren berechtigt, ist eine ver- deckte Ausfuhrprämie. Als solche kommt sie für die Mehrausfuhr ganz zweifellos voll zur Geltung. Sie beträgt pro Doppelzentner 5 M. Dem deutschen-Volke kostete die Ausfuhr der letzten neun Monate demnach den netten Betrag von zirka 35 Millionen Mark! Diese Suume müssen die Konsumenten aufbringen. damit die Ausfuhr deutschen Roggens den Inlandsmarkt ent- blößt und den Preis in die Höhe treibt. Das ist die sine Seite der nationalen Wirtschaftspolitik! Sie hat noch cin� andere ebenso reizvolle. Der hauptsächlich von den Großgrundbesitzern kultivierte Körnerbau lohnt, weil der hohe Eingangszoll von 50 M. pro Tonne, in Verbindung mit der Ausfuhrprämie gleicher Höhe, glänzende. Einnahmen gewährt. Man fördert den am wenigsten Mühe machenden Roggenbau und wirft erhebliche Mengen des Getreides ins Ausland. Diese Praxis bedingt eine Vernachlässigung anderer Kulturen. Das hat wieder den Vorteil, daß auch die Preise der im Jnlande nicht genügend erzeugten Lebensmittel dauernd hoch bleiben. Das gilt u. a. von Eiern, deren Produktion in Deutschland arg vernachlässigt wird. Eine bedeutende Ein- fuhr ist notwendig, um den einheimischen Bedarf zu decken. Es betrug die Einfuhr in den ersten 4 Monaten: 1911 499 292 Doppelzentner im Werte von 54 423 000 M. 1912 512 614.... 55 875 000„ Außerdem wurden eingeführt 1911 11 346 Doppelzentner Eigelb im Werte von 1 078 000 M., 1912 16 468 Doppcl- zentner im Werte von 1 564 000 M. Der Gesamtwert der diesjährigen Einfuhr stellt sich demnach auf 57Vs Millionen Mark. Eier tragen einen Zoll von 2 M., was natürlich eben- falls auf das Preisniveau wirkt. Mit den von den Agrariern eingesteckten Ausfuhrprämien auf Roggen ließen sich anders Kulturen fördern. Aber das verbietet das Portemonnaie- Interesse der Junker. Nicht gute Ernährung des Volkes, sondern Liebesgaben ohne Maß fürsie ist das Ziel ihrer nationalen Wirtschaftspolitik! Tie„Kölner" trumpfen auf. „So kann es nicht weitergehen," erklärt die„Kölnische Volkszeitung",„mit der zelotischen, ketzersuchenden und ketzer- riecherischen Berliner Richtung." Und sie schildert die Um- triebe der Patentfrommen folgendermaßen: „Neuerdings hat sich eine förmliche inter« nationale Verschwörung gebildet, um die christlichen Gewerkschaften, den Volksverein und die Zentrumspartei im Vatikan als des Abfalls vom reinen unverfälschten Katholizismus verdächtig hinzustellen. Dies geschieht mit einem Eifer, der einer befferen Sache würdig wäre. U n- Wahrheit und Entstellung werden dabei nicht gescheut, und besonders sind es wieder die italienischen und französischen Mithelfer, die im eigenen Lande genug zu tun hätten, aber bei diesem Kampfe gegen die große Mehrheit der deutschen Katholiken die bei den Romanen von jeher übliche Unkenntnis der deutschen Verhältnisse zeigen. Mit aller Macht sucht diese internationale Verschwörung seit einigen Jahren das Ohr des Heiligen Stuhles zu gewinnen und die päpstliche Autorität zugunsten ihrer Sonder- richtung auszuspielen, sich dadurch als die wahren vom Vatikan beglaubigten Katholiken, die anderen aber als religiös verdächtig und kirchlich minderwertig hinzustellen. In der Tat lesen wir in regelmäßigen Zwischenräumen von angeblichen Aussprüchen des Heiligen Vaters gegen die christlichen Gewerkschaften, ebenso regelmäßig kommt dann wieder ein beruhigender Artikel in den« Sinne, daß der Heilige Vater beiden Richtungen gleich wohl- wollend gegenüberstehe und auch die christlichen Gewerkschaften nicht bekämpfe— unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß ihre Mitglieder treu katholisch bleiben. Dieses wiederhole sich jetzt wieder bei der Adresse, welcher der Delegiertenverband katholischer Arbeitervereine(Sitz Berlin) an Pfingsten an den Heiligen Vater gerichtet hat, bezw. mit der Antwort des Heiligen Vaters. Man darf sicher annehmen, daß in einigen Monaten das Spiel von neuem angeht: Aus- schlachtung einer ganz unkontrollierbaren Aeußerung des Heiligen Vaters oder eines Herrn seiner Umgebung, Beruhigung von feiten der angegriffenen, weitaus größten Richtung unter den deutschen Katholiken usw. Das ist ein unwürdiges Spiel und kann so nicht weiter gehen. Die Schuld an diesem Spiel trägt einzig die Berliner Richtung, die immer und immer wieder auf Hintertüren und Schleichwegen eine Verurteilung ihrer Gegner durch die päpstliche Autorität er- reichen will. Dieses Spiel schädigt aber die Autorität de? Heiligen Stuhles ganz außerordentlich und ist dessen unwürdig; das muß einmal bei aller Ehrerbietung vor dem Heiligen Vater mit deutschem Freimut ausgesprochen werden." Und so fordert denn die„Kölnische Volkszeitung" eine radikale Remedur: „Es kann gar nichts nützen, daß man die Sache einmal wieder sozusagen versumpfen läßt. Wenn die Streitigkeiten unter den deutschen Katholiken ein Ende nehmen sollen, dann muß vor allen Dingen das System der Verdächti- g u n g e n und der Umgehung der zuständigen kirchlichen und politischen Instanzen ein Ende nehmen, nach dem die Unfrieden- stifter bisher verfuhren, und es mutz die Möglichkeit ein Ende nehmen, durch die Mithilfe einzelner Förderer in Rom dieses System mit einem Schein von Erfolg und offener oder geheimer Billigung zu umkleiden. Die Zerstörung dieses Scheines wird mit einem Schlage dem ganzen Spuk den Garaus machen. Bittere Erfahrungen soll man nützen. Darum war und ist es notwendig, die Akten über den jüngsten Zwischenfall nicht zu schließen, bevor die Nutzanwendungen aus ihm ge- zogen sind." Dieser Meinung sind auch die leitenden Kreise der christ« lichen Gewerkschaften. Ihnen genügen die Erklärungen Dr. Heiners und des Münchencr Nuntius Dr. Frühwirth ebenfalls nicht. Sie meinen, daß eine autoritative Erklärung kommen müsse, eher werde die Ruhe in den führenden Ge- werkfchaftskreisen nicht wieder einkehren. Der Papst als Urheber eines weltgeschichtliche« Skandals. Ueber den Verband der katholischen Arbeitervereine(Sitz Berlin) schreibt in der„Köln. Volksztg." der Redakteur Becker-Berlin: „Dieser Verband bildet den Mittelpunkt der sogenannten„Ber- liner Richtung" innerhalb des katholischen Lagers Deutschlands. Während Volksvcrcin, katholische Arbeitervereine West- und Süd- deutschlands und christliche Gewerkschaften, wenni zeitweise auch nur langsam, so doch unausgesetzt in der EntWickelung vorangeschritten sind, befindet sich der Berliner Arbeitervereinsver- band mit all seinen Einrichtungen geradezu in einer jämmer« lichen Lag e." Im einzelnen wird dann auf den stetigen' Rück- gang der Sterbekassew und der katholischen Fachabteilungen bes Berliner Verbandes unter Anführung von Ziffern hingewiesen und bemerkt:„Diese Ziffern sprechen für den Vevsicheruugsmathema- tiker und Organisationspraktiker eine geradezu erschütternde Sprache: Sinkende Einnahmen, steigende Aus- gaben. Hält diese EntWickelung an, ist eine Katastrophe für die Männer- und Frauensterbekasse des Berliner Verbandes unver. weidlich. Für die Fachabteilungen ist diese bereits im letzten Jahre schon eingetreten. 1910 reduzierte man die Leistungen mit dem Ergebnis, daß 1911 ein Drittel dev Gesamtmitglieder fluchtartig aus den katholischen Fachabteilungen austraten." Becker führt dann als Gegensatz die Einnahme-, Ausgabe- und Vermögenszifsern der christlichen Gewerkschaften an und fügt hinzu: „Aus diesen Ziffern geht mit aller Deutlichkeit hervor, auf welcher Seite solide, schöpferische und aufbauende Arbeit geleistet wird. Dem Berliner Organisationssystem fehlt zunächst jede innere Wcrbekrast, und dann haben sich seine Leiter organisa- torisch als zu vollständig unfähig erwiesen, als daß man mit gutem Gewissen der katholischen Arbeiterschaft den Beitritt zu den Kasseneinrichtungeu des Berliner Verbandes empfehlen könnte. Und für ein solch durchunddurchmorschesund ißaules Gebilde su.cht mu auf im Wege der LrpejMuvg URS Täuschung unS üSefc 5e?t Kohf der ßieuhischen- Bischöfe hin- weg das Oberhaupt der katholischen Christenheit zu engagieren. Dieses Verhalten grenzt an einen weltgeschichtlichen Skandal." Man sieht, die klerikale Polemik ist nicht von Pappe. Abgeschüttelt. Donnerstagabend kommt endlich die„Germania" auf die sensationelle Mitteilung der„Rhein.-Westfälischen Ztg." zurück, in der dem Pater Esser die Verfasserschaft der beiden Depeschen, die von Rom nach Berlin und nach Frankfurt gingen, zugeschrieben wurde. Die„Germania" schreibt:„Wir geben diese Sensationsmeldung hier wieder, um sie niedriger zu hängen, und stimmen im übrigen dem„Münsterschen Anzeiger" zu, wenn er vermutet, dasj es mit diesem Zcntrumsabgeordneten gerade so bestellt ist, wie mit den katholischen Priestern, deren Mitarbeit sich die„Rheinisch-Westsälische Zeitung" so gern von Zeit zu Zeit rühmt, und daß er nur in der etwas lebhaften und sensationsbedürstigen Phantasie des alldeutschen kulturkämpscrischen Blattes lebt. Wir können uns nicht denken, daß ein Zentrumsabgeordneter sich so weit vergessen und so un- geschickt stin kann, solche Auslassungen an solcher Stelle zu ver- öffentlichen." Ja, die U n g e s ch i ck l i ch k e i t, die macht diese Abschüttelung freilich nötig und verständlich. Wie steht der Episkopat zum schwarzen Gewcrk- schaftsstrcit? Die bisher einzige öffentliche Stellungnahme des deutschen Gesamtepiskopat zur christlichen Gewerkschaftsfrage war das Fuldaer Pastorale vom Jahre 1900. Keine Auslcgungskunst vermag aus dieser Kundgebung eine Billigung d�r christlichen Gewerkschaften her- znleiten, sie war im Gegenteil scharf gegen die„Gefahren" dieser Bewegung gerichtet. Auch die Beschlüsse der Fuldaer Bischofs- konferenz von 1910 stellen keine Billigung höchstens eine Duldung der christlichen Gewerkschaften dar. Gegenüber den Versuchen der„Köln-Gladbacher", die Stellungnahme einzelner Bischöfe zugunsten der christlichen Gewerlschaftcn auSzunuhcn, schreibt nun die„Kölner Korrespondenz": „Da man nun nicht annehmen kann, daß die Mschöfe sich selbst widersprechen und in Fuldn�etwas anderes sagen als in ihren Aö- zesen, so drängt sich der Schluß auf, daß sie ausnahmslos im Prinzip keine Sympathien für die intcr- und überkonfessionellen Gewerkschaften haben und diese nur aus Opportunitätsgründen billigten. Aehnlich, wie das bisher auch Pius X. getan hat. Was man aber nur aus Opportunität billigt, das toleriert man. In den bischöflichen Kundgebungen zugunsten, der Gewerkschaften hätten wir also lediglich ein„toierari polest", auch wenn die Form der Kundgebungen noch so verbindlich und freundschaftlich gehalten war. Die Bischöfe konnten dieses tolerari polest sogar in die Form eines Vertrauensvotums kleiden. Sie standen vor den fertigen Gewerkschaften als einer vollendeten Tatsache, das bessere, die katholischen Facßabteilungcn, war in ihren Diözesen nicht oder kaum» vorhanden. Was blieb ihnen da anders übrig, als ihr Vertrauen auf die Gewerkschaften zn sehen, zumal diese Gcwerkschaiten doch fast ganz aus Katholiken bestehen? Dazu kam, daß Kardinal Fischer wiederholt betonte, der Heilige Vater billige beide Richtungen, die Berliner und die M.-Gladbacher. Kenner der Verhältnisse wußten, allerdings, daß die Weisungen an den Kölner Llirchenfürsten einem tolcrari polest gleichkamen, aber sie enthielten doch eine ausdrückliche Billigung, aus die die Bischöfe sick stützen konnten. Wenn trotzdem nur drei oder vier Bischöfe mit Rücksicht auf die besondere Lage der Verhältnisse in ihren Diözesen von der päpstlichen Erlaubnis Gebrauch machten und ihr Vertrauen den Gewerkschaften gegenüber öffentlich zum Ausdruck brachen, so liegt gerade darin ein Beweis für die Tat- fache, daß die Kirche von ihrer Verdrängung aus der wichigsken sozialen Organisation katholischer Arbeiter im Prinzip nichs wissen will." Bundesrat und Erbschaftssteuer. Die offiziösen„Verl. Pol. Nachr." schreiben: Wie jetzt bekannt wird, hat der Bundesrat dein von den Abgg. Bassennann und Erzbergcr eingebrachten Gesetzentwurf auf Hinausschiebung der Ziickcrsteucrherabsetzung und auf Bor- l c g u n g einer allgemeinen B e s i tz st e n e r bis zuni 30.' April 1913 z u g e st i m in t und dadurch die Neichsfinanz- Verwaltung mit der Ausarbeitung einer entsprechcndeil Bor- läge beauftragt. Hiermit entfiel für den Bundesrat die Mog- lichkeit, dem Antrage der Fortschrittlichen Volkspartei auf Wiederholung des Erbschaftssteuerentwurfes vom 14. Juni 1909 zuzustimmen. Während der Reichstag beide Anträge an- nehnicn und damit, wie es der Abg. Basscrmann im Plennm des Reichstages ausdrückte, den Verbündeten Regierungen zwei Offerten nebeneinander niachen konnte, war es für den Bundesrat ausgeschlossen, der Reichsfinanzverwaltung zwei Aufträge zu erteilen, von denen der zweite spezialisiertere dem ersten allgemeineren Vorgriff. Wenn da- her der Bundesrat den Gesetzentivurf Vasscrmann-Erzbergcr und nicht den der Fortschrittlichen VolkSpartei annahm, so hat er damit entsprechend den Erklärungen des Reichsschatzsekretärs im Reichstage sich völlig freie Hand über die Ans- gestaltung der seinerzeit vorzulegenden allgemeinen Besitz- steucr gelaffen, ohne etwa gegen die in dem zweiten Entwurf empfohlene Erbschaftssteuer Stel- lung zu nehmen._ Eine Spaltung im rheinischen Freisinn. AnS Elberfeld wird uns geschrieben: Der Rheinische Bezirksverband der Fortschritt- lichen VolkSpartei mit dem Sitz in D ü s s e l d o r f hat in der letzten Zeit wiederholt fortschrittliche Anwandlungen bekundet. Das zeigte sich namentlich bei der ReichStagöwahl im Wahlkreise Düsseldorf und bei der vorausgegangenen Ersatzwahl in demselben Kreise, wobei beide Male unser Genosse Habcrland den Sieg davontrug. Die unter Führung des Prof. Schloßinann stehende freisinnige Organisation in Düsseldorf glaubte die fortschritt- lichen Interessen am besten dadurch in die Tat umsetzen zu können, daß sie zur Bekämpfung der schwarze» Reaktion nicht einem ZcntrumSrcaktionär zu einem Reichstagsniandat verhalf, sondern das Zentrum bekämpfte, indem es für den sozialdemokratischen Kandidaten Haberland eintrat. DaS mag nun ja mit dem fortschrittlichen Parteiprogramm in Einklang stehen. aber mit der politischen Praxis der maßgebenden FreisinnSleute im Westen harmoniert eS nicht. Die Mehrzahl der rheinischen Freisinnsleute steht mehr aus dem bekannten Standpunkt des gegen unseren Genossen Dittmann im Wahlkreise Lennep- Remscheid- Mettmann durchgefallenen Prof. Eickhoff, obgleich der ja der frei- konservativen Partei bedeutend näher steht als der Fortschrittlichen Volks- Partei. Da Prof. Schloßinann mm Vorsitzender des Rheinischen Bezirks- Verbandes ist, begann ein allgemeines Kesseltreiben gegen ihn. Von Remscheid, der Residenz Eickhoffs, ging die Anregung aus, den Rhei- nischen Bczirksverband zu sprengen und einen Bergischen Verband, der die Wahlkreise Lennep-Remscheid-Mettmann, Elberfeld-Barmen, vielleicht auch Hagen-Schwelm und Solingen umfaßt, zu gründen. AlleS zu dem ausgesprochenen Zwecke, die fortschrittliche Politik Düsseldorfs zu unterbinden und den erzreaktionären Kurs der Eickhoffianer mehr zu propagieren. In dem ehemaligen Wahlkreise Eickhoffs konnte man dieses Ziel noch nicht durchführen, da die Frei- sinnigen außerhalb des Hauptortes Remscheid sich immer noch nicht dazu entschließen konnten, die letzten fortschrittlichen Grundsätze über Bord zu werfen. Jetzt aber haben die Frcisinnsmannen des Wahlkreises Elberfeld-Barmen den Anfang gemacht und beschlossen, aus dem Rheinischen Bezirks verbände auszutreten und einen Bergischen Verband mit dem Sitze in Elberfeld zu gründen. Die Elberfeld-Barmer Freisinnigen haben auch bei der letzten Reichstagswahl fast Mann für Mann für den Frei- konservativen Linz gestimmt, trotz der offiziellen frei- sinnigen Wahlparole, für den Sozialdemokraten einzutreten. Sie halfen sich damit, daß sie den Beschluß ihrer Partei- leitung überhaupt nicht publizierten. Unsere Genossen siegten aus eigener Kraft. Durch diesen Beschluß aber haben sich die Wuppertaler Freisinns- leute jetzt auch äußerlich von' jeder wirklich fortschrittlichen Be- tätigung losgesagt und die Bahn freigemacht für freisinnig-frei- konservative Propaganda. Die anderen Wahlkreise werden sich sicher dem Bergischen Verbände anschließen. Vielleicht folgt als nächste Etappe der EntWickelung auch eine offizielle Fusion mit den Freikonscrvativen. Denn:„die Entwickeln, cg steht nicht still!" Eine nationalliberale Organisation gegen die hessischen Heylmänner. Die nationalliberalen Wahlkreisorganisationen von Mainz- Oppenheim, Slsfeld-Lauterbach und auS dem Odenwald, die auf der letzten Sitzung des Landesausschusses der hessischen national« liberalen Landespartei unter Protest den Saal verlassen hatten, haben sich zu einer freien Bereinigung hessischer Nationalliberaler zusammengeschlossen. Durch die Be- stellung eine? Geschäftsführers und durch Herausgabe einer Kor- respondenz wollen sie sich als Finanz- und Arbeitsgemeinschaft organisieren. Man will die Mitglieder der Freien Vereinigung in keiner Weise politisch binden. Die Gründer wollen aber die Kämpfe gegen die politische„Unterjochung" der Partei durch wirtschaftliche Verbände, insbesondere durch den Bund der Landwirte, mit Nachdruck führen. Die neue Organisation will der Politik der nationaUiberaken ReichstagSfraltion und insbesondere BassermannS eine stärkere Grund- läge schaffen._ vie GrcigniUc in öngarn. Von Friedensverhandlungen berichten Donnerstag die bürgerlichen Blätter aus Ungarn. Es heißt, Tisza habe in Wien Fiasko erlitten; seine scharfen Maßnahmen seien ver- urteilt worden, und die Regierungskreise in Wien drängen auf Frieden mit der Opposition. Gerüchte wollen sogar wissen, Graf Stefan Tisza werde auf ein bis zwei Wochen seine Würde als Präsident niederlegen, allerdings erst dann, wenn alle Wehrvorlagen auch vom Magnateuhause angenommen worden sind. Die Opposition scheint sich an solch leeres Gerede nicht zu kehren. Die oppositionellen Abgeordneten begaben sich in ihre Wahlkreise, wo sie Versammlungen abhalten. Nach den uns am Donnerstag zugegangenen Drahtnachrichten herrscht in Budapest augenblicklich Ruhe. Auch in der Provinz sind die Demonstrationen zunächst eingestellt worden. Für nächsten Sonntag sind in allen Städten des Landes VolkSvcrsamm- lungen angesetzt. Unter den nichtigsten Vorwänden erheben jedoch die Behörden gegen die Versammlungen Einspruch. In einigen Städten wurden wegen— Scharlach und Masern Vcrsammliingsvcrbote erlassen. Trotz der Verbote werden sich aber die Volksmassen von dem Vcrsammlungsbesuch nicht ab- halten lassen. Am Sonnabend findet die Sitzung im Oberhause statt, in der aller Wahrscheinlichkeit nach trotz der heftigsten Kämpfe der Opposition die ungesetzlichen Wchrgesctze angenommen werden. Am Dienstag beginnen dann wieder die alten Kämpfe im Reichstage. Nicht von Friedensstimmung diktiert ist die neueste Schandtat der Regierung. Sie lid; in allen Provinzstädtcn, wo Zusammenstöße mit der bewaffneten Macht stattfanden. die Arbeiterführer verhaften, um die Arbeiter einzuschüchtern. Das Befinden K o v a c z s hat sich verschlechtert. Die Arbeiter Wiens protestierten in einer Massenver- sanmilung gegen das Hausknechtsrcgiment im ungarischen Parlament und die Drohung der österreichischen Regierung, die Wehrreform durch Staatsstreich in Kraft zu setzen, wenn das Abgeordnetenhaus sie nicht noch im Jlini verabschiede. � Den Regierungsparteien, namentlich dem vor den Wählern radikal tuenden Deutschen Nationalverband wäre die rechts- widrige Oktroyierung der Wehrvorlage höchst erwünscht, denn er könnte dann darauf schimpfen und brauchte nicht dafür zu stimmen._ franhrneb.• Ein infamer Streich MillerandS. Vor kurzem ist in der französischen Kammer ein Gesetz durch- gegangen, das alle„Großtaten" des Kriegsministers M i l l e r a n d, des früheren„Sozialisten", in den Schatten stellt. Es handelt sich um das Gesetz über die afrikanischen Strafbataillone (Bat. d'Af.). Die ständigen Klagen über Apachentum im Heere hatten einige Anträge über Verweisung verbrecherischer Elemente in die afrikanischen Truppen veranlaßt. Diese für die„Kultur- Mission Frankreichs" schon recht eigentümlichen Forderungen benutzte Millerand zu einem infamen Streich gegen die Arbeiter- b c w e g u n g. In Verschärfung einiger der vorgeschlagenen Be- stimmungen ließ er beschließen, daß neben Zuhältern und ähnlichem Gesindel, die eine anständige Armee überhaupt ausschließen müßte, in die afrikanischen Slrafbataillone verwiesen werden sollen:„Leute, die mit mindestens drei Monaten wegen Beleidigung der Armee bestraft sind, desgleichen wegen Aufforderung von Soldaten zum Ungehorsam, wegen Aufforderung zur Desertion oder sonstiger auf Gehorsamsverweigerung gerichteter Bestrebungen." Danach sollen brave Arbeiter, weil sie vielleicht Soldaten vor dem Streikbrccherhandwerk, zu dem sie so oft von der Regierung kom- maudiert werden, oder vor dem Niederschießen ihrer Brüder im RrbeitSrock gewarnt, oder vielleicht auch in unklarem aber ehrlichem Idealismus das ganze System militärischer Brntalisierung und Eharaktervcrnichtung mit scharfen Worten bekämpft haben, mit dem Auswurf des kapitalistischen Sumpfes auf eine Stufe gestellt, den MißhandliNigcn der Schinderknechte der Strafabtcilungcn, der An- steckung durch die dort grassierenden schmutzigen Laster überantwortet werden I Die sozialistische Kammerfraktion hat, leider verspätet, eine Aktion auf Aufhebung dieser eingeschmuggelten Bestimmungen ein-- geleitet, die natürlich auch die sofortige Billigung des bei allen sozialen Gesetzen so unerträglich langsam arbeitenden Senats ge- funde» haben. Daß es sich hier wie bei dem Uebrigen um systema- tische Arbeit handelt, geht ans dem Artikel einiger sozialrstischcn Offiziere hervor, der eine ganze Serie in der„Humanitö" einleitet. Darin wird Millerand, der nicht umsonst die Würde eines russischen BaronS genießt, offen beschuldigt, auf die volle Wiederherstellung der ganzen reaktionären Wirtschaft, wie sie vor der DreysuS-Sache sich eingenistet hatte, hinzuarbeiten. Lelglen. Belohnung für die Polizei, Man schreibt uns aus Brüssel unterm 11. Juni: Die Brutalisierung des Publikums— nicht allein des manifestierenden, was sich sozusagen von selbst versteht, sondern auch des harmlos zusehenden— durch die Polizei und die Gendarmerie ist kürzlich auch im Brüsseler Gemeinderat zur Sprache ge- kommen. Der Brüsseler Bürgermeister Max beanreagte nämlich einen Kredit von 22 999 Frank für die Gendarmen, Feuerwehr- leute und Polizisten, die in der Wahlwoche zu„außerordent- lichen" Dienstleistungen herangezogen waren. Die sozialistischen Vertreter erklärten, für die Gratifikationen für die Polizisten und Gendarmen nicht zu stimmen, um gegenüber dem Lob des Bürger- meisters gegen das parteiische und unerhört brutale Vorgehen von Polizei und Gendarmerie zu p r o t e st i e r e n. In der Tat zeigte die Kritik der sozialistischen Gcmeinderäte die Ordnungswächter in einer ganz empörenden Rolle. Ihre Roheit gegen das Publikum leitet sich, wie mannigfach beobachtet wurde, nicht zuletzt von der Sympathie für de» KlerikaliLmus ab, dessen Schlag- Worte sie auch ungeniert gegen die sozialdemokratischen Arbeiter bei ihrer Ordnungsmacherei gebrauchten. Manchen beliebte es, die Manifestanten einfach mit Bonnot und Garnier anzureden, wie das dem sozialistischen Gemeinderat eines Brüsseler Vorortes passiert ist, der inter- vcnieren wollte, als er sah, wie die Polizisten harmlose Passanten brutalisierten. Dieser Gemeinderat, Genosse G o ffin aus St. Gilles, wurde verhaftet und mußte die Nacht über in Polizei« Verwahrung zubringen!— Kinder und Frauen wurden am 3. Juni mit Fäusten bearbeitet, harmlose Passanten mit dem Säbel vorwärts getrieben und das Publikum mit„schmierige Sozialistenbande" und„schmierige Liberale" zum„Auseinandergehen" veranlaßt. Bei der Börse drangen die Polizisten sogar in ein Cafs ein, mit einem wie tobsüchtig sich gebärdenden Offizier an der Spitze, wo sie die ruhigen Gäste brutalisierten. Ebenso skandalös wie gegen die Arbeiter benahm sich die Polizei gegen die Studenten. Die sozialistischen Redner verlangten eine strenge Untersuchung der Borfälle, die denn der Bürgermeister auch zusagte. Die Sozialisten stimmten gegen die Gratifikation der Polizisten und Gendarmen, aber für die der Feuerwehrleute.— Eine von den Liberalen eingebrachte Resolution stellt der Brüsseler Bevölkerung das Zeugnis aus, daß sie sich trotz aller Provokationen ruhig und würdig ver- halten habe. Außerdem quittiert sie durch ein Lob des Bürger- meisters die von den Klerikalen unternommene perfide Hetze, die sie aus Rache über die Haltung des Bürgermeisters in der Schulfrage, wie überhaupt wegen seiner antiklerikalen Gesinnung gegen diesen eingeleitet hatten und die zur Verbreitung aller möglichen blöd- sinnigen Gerüchte Anlaß gab. Snglancl. Der TraiiSportarbeiterstreik. London, 12. Juni. Offiziell wird angegeben, daß auf III Schiffen und von 8530 Leuten gearbeitet wird. In einem vom Transportarbeiter-Verband ver- öffentlichten Manifest wird erklärt, daß bereits eine internationale Aktion erwogen werde. Einer der Führer des Dockarbeiter-Vcrbandes, O r b e l l, erklärte, die internationale Aktion würde in der Arbeitsverweigerung aus von England kommenden Schiffen bestehen. Orbell war der Meinung, daß 23 000 Dockarbeiter außerhalb Londons streikten; dies mache mit den 22 000 in London zusammen 45 000 Streikende. Der Streikführer T i l l e t t schätzte die ahl der Transportarbeiter aller Klassen, die außerhalb ondons streikten, auf 50 000. Er erklärte, ihre Zahl nehme täglich zu. R.uvian«i. Neue Gewaltmaßregeln gegen die Arbeiter tu de« Lena-Minen. Petersburg, 12. Juni. In den Lena-Goldwäsche- reicn hat der Polizeimeister eine Bekanntmachung erlassen, daß die Arbeiter, da sie die von der Gesellschaft angebotenen Arbeitsbedingungen nicht angenonimen hätten, als Personen ohne bestimmten Beruf behandelt würden. Infolgedessen werden sie aufgefordert, binnen acht Tagen ihren Lohn ab- zuhcben und abzureisen. Nach der angegebenen Frist werden diejenigen, die weder ihren Lohn abgehoben haben und frei- willig abgereist sino, noch mit der Gesellschaft einigen wollen, zwangsweise ausgewiesen. Lulgarien. Der sozialistische Wahlsieg. Sofia, 11. Juni.(Eig. Ber.) In der gestern statt- gefundenen Ergänzungslvahl für einen Kammcrdcputiertcn der Hauptstadt Sofia hat die bulgarische Vereinigte sozial- demokratische Partei einen glänzenden Sieg errungen, indem sie ihren alten Vorkämpfer I a n k o S a k a s o f f als De- putierten erwählte. Diese Wahl ist die letzte nach dem Majoritätssystem. Die nächsten Parlamentswahlen in Bulgarien finden nach einem ziemlich liberalen Proporzsystem statt, das für alle Wahlen eingeführt ist. Lkuia. Die finanziellen Schwierigkeiten der Republik. Peking, 12. Juni. Premierminister Tangschaohi hat der ausländischen Bankengruppe mitgeteilt, daß er während des Monats Juni neunzehn Millionen Taels brauche. Falls er diese Summe nicht erhalte, werde er sich für berechtigt halten, sie an anderer Stelle aufzunehmen. Die Banken- gruppe will das Ergebnis der aufgeschobenen Versammlung in Paris abivartcn. Halbamtlich tvird festgestellt, daß Ruß- land an der Transaktion und an den Anteilen sich schwerlich beteiligen werde; dagegen werde möglicherweise Japan Rußlands Anteil übernehmen. Das Parlament hat den Plan, nichtamortisierbare Schatzscheine auszugeben, abgelehnt! es hat die Einission nationaler Obligationen zu 95 Prozent, rückzahlbar in zehn Jahren, in einem Gesamt- betrage von 100 Millionen Dollar genehmigt. GewerkfcbaftUcbcs. Die füufte Cagung des Zentral-Bcbiedsgeincbts für das Baugewerbe hat, wie wir dem„Zimmerer" entnehmen, am 10. Juni begonnen. Die Sitzungen finden im Neichstagsgcbäude statt. 41 Sachen stehen auf der Tagesordnung, und zwar 21 vom Arbeitgeberverband, zehn vom Bauarbeiterverband und zehn vom Zimmererverband. Nicht weniger als 21 Sachen betreffen die unerhörten Zustände in Mecklen« bürg. Hier hat offenbar der Arbeitgeberverband seine Mitglieder veranlagt, den Tarifvertrag durch Sonderabreden zu durchlöchern, und diese begnügen sich vielfach auch damit nicht, sondern erzwingen diese Sondcrabredcn in der Weise, daß sie die Arbeiter vor die Frage stellen:„Vogel friß oder stirb", was in diesem Falle bedeuten will: Der Arbeiter geht entweder auf die Sonderabrede ein, oder er wird entlassen. In nahezu allen Fällen handelt es sich darum, den Arbeitern den Zuschlag für Arbeiten über Land abzuknöpfen. Wenn nicht in allen Fällen, so bedeutet das doch in den meisten oder vielen Fällen, daß dem Arbeiter die Lohnerhöhung auf Grund des Dresdener Schiedsspruches ganz oder zum guten Teil illusorisch gemacht wird. Mit den lnifflichsten Argumenten ist in den Schlichtungskommissionen und vor dem Landesschiedsgericht für und wider die Rechtmäßigkeit dieser unerhörten Machinationen ge- stritten; das Landesschiedsgericht ist darüber zu den konfusesten Eni- scheidungen gekommen, und nun kommt die Bescherung ans Zentral- schiedsgericht. Der„Zimmerer" bespricht sodann einige sehr interessante Streitfälle, die dem Zentralschiedsgericht zur Entscheidung vorliegen. Er resümiert seine Meinung über die Anträge der Unternehmer dahin, daß alle diese Anträge und Machinationen nicht den Zweck verfolgen, den Tarifvertrag aufrechtzuerhalten und zu sichern, sondern daß sie von der Absicht diktiert sind, den Tarifvertrag zuungunsten der Ar- beiter zu verändern und dem in der großen Aussperrung lölv nicht durchgesetzten Scharfmacherlvillen vermittelst der Tarifinstanzen Geltung zu verschaffen._ Berlin und Qmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Die Verhandlungen mit dem Vcr- bände Berliner Metallindustricller wegen der Forderungen der Eisen- konstruktionsarbeiter wurden am Mittwoch. den 12. d. Mrs., fort- gesetzt. Eine endgültige Einigung wurde noch nicht erzielt soweit es sich um die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit und der An- fangslöhne handelt. Von den beiderseitigen Kommissionen der Arbeitgeber und Ar- beitnehmer ist eine paritätische Redaktionskommission von vier Per- sonen eingesetzt, welche am Montag, den 17. Juni, eine Sitzung ab- hält, um den genauen Wortlaut der einzelnen Paragraphen festzu- legen. Am Dienstag tagt die Vertrauenskommission des Verbandes Berliner Metallindustrieller, um zu den noch strittigen Punkten Stellung zu nehmen. Am Donnerstag findet dann nochmals eine gemeinsame Sitzung beider Kommissionen(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) statt. Alsdann werden die Arbeiter in einer noch einzuberufenden Branchenversammlung endgültig Stellung nehmen. Wir ersuchen alle Kollegen, dies zu beachten. _ Die Ortsverwaltung. Mit der Lehrlinaszüchterei bei der Firma Orenstein u. Koppel beschäftigte sich eine Betriebsversammlung, die der Zentralverband der Hanolungsgehilfen einberufen hatte. Der Referent F. S ch m i d t behandelte die Lchrlingsfrage im engsten Zusammenhang mit der Gehaltsfrage und konnte sestsiellen, daß bei dieser Firma noch Ge- hälter von 70, 80, 90 M. an Handlungsgehilsen gezahlt werden. Die j.,, Firma Orenstein u. Koppel, die einen Weltruf genießt und ganz nette Profite erzielt, beschäftigt bei einem Personalbestand von ca. 1200 An- gestellten mehr als 400 Lehrlinge, die mit 20, 80 und 40 M. entlohnt werden. Durchschnittlich 2S Lehrlinge verlassen schon im ersten Jahre der Lehrzeit die gastliche Firma. Ein Zeichen für die Qualität der Lehre ist auch die Tatsache, daß nur ein ganz kleiner Teil der Lehrlinge die Aussicht hat, nach der Lehr- zeit weiter beschäftigt zu werden. Ein Vertreter der Firma antwortete auf die Frage, was denn die jungen Leute nachher tun sollen":„Die Betreffenden müssen eben sehen, wie sie weiter kommen". Es ist geradezu unglaublich, daß die Firma glauben machen will, daß die jungen Leute etwas bei ihr lernen. Bei der ungeheuren Zahl der Lehrlinge ist es aber gänzlich ausgeschlossen, daß auf die Ausbildung die durch Gesetz vor- geschriebene Sorgfalt verwandt werden kann. Der Lehrhcrr ist laut § 78 des Handelsgesetzbuchs verpflichtet, entweder selbst oder durch einen geeigneten Vertreter die Unterweisung des Lehrlings in den im Betriebe des Geschäfts vorkommenden kaufmännischen Arbeiten zu leiten. Daß diese Gesetzesbestimmung bei einer so massenhaften Züchtung von Lehrlingen übertreten werden muß, ist klar. Die Eltern sollten aber in solchen Fällen das ihnen zustehende Recht des Schadenersatzes in Anwendung bringen, damit solchen Dingen ein Ende gemacht wird. Die Chauffeure und Kutscher der Kohlensäure-Jndustrie-Aktien- Gesellschaft Niederschöneweide befinden sich in Lohndifferenzen. Die- selben haben Aufbesserung ihrer Löhne gewünscht. Die Direktion machte nur minimale Zugeständnisse. Die Kutscher und Chauffeure wurden hierauf nochmals vorstellig, worauf der Geschäftsführer er- klärte, wer auf Zulage beharre, sei sofort entlassem Die Eni. laffung erfolgte auch hinterher. Die Kutscher und Chauffeure Machen wir darauf aufmerksam, daß der Äetrieb als gesperrt gilt. Deutscher Transportarbcitcrverband, Ortsverwaltung Berlin. veutkckea Reich, Tarifabschlüsse im Steindruckgewerbe. Der Verband der Lithographen und Steindrucker hat bereits mit zahlreichen Betrieben feste Tarifverträge abgeschlossen, die sich in mehreren Fällen sogar auf sämtliche Betriebe bestimmter Orte oder Bezirke erstrecken. Jetzt werden wieder eine Reihe abge- schlossener Tarife bekanntgegeben.— In Aschersleben wurde mit den biden Firmen H. C. Bcstehorn und Georg' Gerson ein Tarifvertrag vereinbart mit der Gültigkeitsdauer bis 1. April 1915. Festgelegt wurde eine Arbeitszeit für Lithographen 48, für Stein- drucker 53 Stunden wöchentlich. Der Mindestlohn beträgt pro Woche 25 M., Maschinenmeister an Rotationsmaschinen erhalten nach halbjährlicher Lehrzeit eine Zulage von 3 M. und mindestens 35 M. pro Woche. Nach einem weiteren Jahr wird eine weitere Zulage von 2 M. gewährt. Dazu kommen noch eine Reihe weiterer Verbesserungen. Aehnliche Tarife wurden in Magdeburg mit der Firma Hugo Bestehorn, in Elberfeld mit der Kunstanstalt Koch u. Palm und in Wald bei Solingen mit der Westd. Groß- druckerei Vossen Söhne abgeschlossen. Ende des Kürschncrstreiks in Weißenfels. Auch in der letzten Verhandlung am Sonnabend lehnten die Unternehmer, wie schon vorher, die Einbeziehung der Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen in das Tarifverhältnis ab, sie bewilligten aber für die Hilfsarbeiter eine Lohnzulage von 10 und 5 Proz. Weiter wurde auch den Arbeiterinnen eine Lohnzulage zugesichert, deren Höhe aber den einzelnen Unternehmern überlassen bleiben soll. Da die Unternehmer noch andere Zugeständnisse zu den bisherigen mach- ten, so empfahl die Verhandlungskommission einer Versammlung am Sonntag den Streikenden die Annahme der getroffenen Ver- einbarungen. die denn auch mit 133 gegen 9 Stimmen angenom- men wurden. Berantw. Redaktelir: Albert Wachs, Berlin, Inseratenteil verantw.� Nachdem am Montag der für 3 Jahre gültige Tarifvertrag zu- sammengestellt und unterschrieben war, beschlossen die Streikenden am 11. die Wiederaufnahme der Arbeit für Mittwoch, den 12. Juni. Sind auch nicht alle Forderungen erfüllt worden, so wurde aber doch eine Arbeitszeitverkürzung von wöchentlich 3 Stunden und eine Lohnerhöhung von 8 bis 10 Proz. erreicht. Damit hat dieser über 9 Wochen dauernde Kampf einen für die Arbeiter und Ar- bciterinnen annehmbaren Erfolg gebracht. Ein Tischlerstreik in den Unterweserorten. Seit dem 6. Juni streiken in Bremerhaven, Lehe und Geeste- münde die Tischler. Durch Werbeagenten sind Streikbrecher von auswärts unterwegs. Es wird deshalb gebeten, den Zuzug von Tischlern nach den Unterweserorten fernzuhalten. Zustand. Streik in der Waggon-, Wagen- und Automobilfabrik in Nessels- dorf(Mähren). Sämtliche Arbeiter stehen seit dem 9. Mai d. I. im Streik. Die elenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse in dem Be- trieb haben zur Arbeitsniederlegung geführt. Im Streik stehen etwa 1700 Arbeiter, hauptsächlich Metallarbeiter aller Kate- gorien, ferner Holzarbeiter, An st reicher und Lackierer, Wagner und Tapezierer. Seit einigen Wochen suchen in Berlin zwei Seelenkäufer für die Nesselsdorfer Fabrik Streik- brccher anzuwerben, woher tatsächlich zwei Lieferungen von 250 Mann unter falschen Vorspiegelungen hierherkamen. Deshalb werden die Kollegen aufgefordert, solchen Agenten die richtige Ant- wort zu geben. Zuzug nach Nesselsdorf ist strengstens fernzuhalten. Der Seemannsstreik in Frankreich. Die Matrosen und Heizer sämtlicher im Hafen von Brest liegenden Transportschiffe, die daz» bestimmt waren, Truppen und Munition an Bord nach Marokko zu nehmen, haben sich eben- falls dem Streik der französischen Hafenarbeiter angeschlossen. Von den französischen tranSallantischen Passagierdampfern in Cherbourg sind alle Matrosen ferngeblieben. Die Dampfer „Quebec" und„Basse Terre" mußten aus diesem Grunde ihre Ab- fahrt verschieben. Im Hafen arbeiten nur einige ausländische Ma- trosen. Die Streikenven haben der Marineverwaltung mitteilen lassen, daß sie ein Schiedsgericht nicht anerkennen würden. Die Direktionen verschiedener Uebersee-Linicn in Le Havre und Cherbourg haben bekanntgegeben, daß sie bereit seien, den Ausständigen eine kleine Lohnaufbesserung zu gewähren. Die Antwort der Ausständigen auf dieses Angebot steht noch aus. 800 Hafenarbeiter der Russischen Gesellschaft für Schiffahrt und tandel in Odessa sind in den Ausstand getreten. Sie verlangen ohnerhöhtlng._ Em Induftnc und RandeL Erhöhung der Zündholzprcise. Der Verein deutscher Zündholzfabrikanten hielt in Berlin eine vom größten Teil der deutschen Zündholzfabri. kanten beschickte Versammlung ab, in der die Preisfrage zur Beratung stand, ferner wurde über die Lage der Industrie berichtet. Der Vorstand teilt über die gestrige Sitzung folgendes mit: „Der Verein deutscher Zündholzfabrikantcn hat in der in Berlin stattgehabten Versammlung einstimmig beschlossen, infolge der Notlage, in der die Industrie wegen des noch immer geringen Absatzes sich befindet, die Preise mit sofortiger Wirkung entsprechend zu erhöhen." Ucber den Umfang der vorgenommenen Erhöhung wurden Mitteilungen nicht gemacht. Aus den Kreisen der anwesenden Zündholzfabrikanten wurden aufs neue Klagen darüber laut, daß die sogenannten Zündholzersatzmittel noch immer nicht mit einer Steuer belegt worden seien. Es wurde weiter be- schlössen, zum Zwecke der Herbeiführung einer Besteuerung der Zündholzersatzmittcl eine Petition an das Reichs- fchatzamt zu richten. Im übrigen Wunde in der gestrigen Ver- sammlung auch wieder über einen eventuellen näheren Zu- sammenschluß der Fabriken beraten, die indessen zu einem Resultat nicht führten. Diese Preiserhöhung ist natürlich auch nur die Folge der blau-schwarzen Finanzreform. Es wäre dringend nötig, endlich die Zündholzsteuer wieder zu beseitigen und damit auch der künstlichen Vertrustung, die diese Wucherpolitik möglich macht, ein Ende zu machen. Hus der frauenbewe�ung» Löhne nnd Strafabzüge der Textilarbeiterinnen. DaS Unternehmertum in der Textilindustrie sowie seine Tra- bauten behaupten immer, die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft dieser Industrie sei auf die von den Gewerkschaftsagitatorcn geübte „Verhetzung" zurückzuführen. Die ständig steigenden Mitglieder- zahlen des Deutschen Textilarbeiterverbandes liegen dem Unter- nchmertum der Textilindustrie schwer im Magen. Und daß nun auch die Arbeiterinnen in immer wachsendem Maße sich der Organi- sation zuwenden, bereitet den Herren ganz besonders schwere Sorgen. Die Bescheidenheit der Arbeiterinnen war ja so einträg- lich, daß man den Schmerz begreifen kann, der die Herren immer wieder die längst verbrauchte Redensart von der„verhetzenden Tätigkeit der Gewerkschaften" gebrauchen läßt. In niedriger Entlohnung der Arbeiterinnen bei ständig sich steigernder Arbeitsleistung und in der Erhebung außerordentlich hoher Strafen bei den verschiedensten Anlässen, haben die Textil- barone sich förmlich überboten. Eine der vom Textilarbeiterverband aufgenommenen Lohn- statistiken, an der sich 22 738 Mitglieder beteiligten, ergab, daß sich 7562 Arbeiterinnen mit einem Verdienst bis zu 16 M. pro Woche begnügen müssen, daß nur 742 18 M. und mehr, aber 4903 der von der Statistik erfaßten Arbeiterinnen noch nicht einmal einen Tages- verdienst von 2 M. haben. Diese Verdienste werden in den seltensten Fällen den Arbeiterinnen voll ausgezahlt, sondern durch die ver- schiedenften Strafabzüge noch gekürzt. Einige ganz besonders krasse Fälle von niedrigen Löhnen und hoher Straferhebung seien hier angeführt. In dem Betrieb eines Unternehmers in Zeil a. M., der als Autorität im Baumwollhandel gilt, verdiente eine 17jährjge Spule- rin 4 M. in zwei Wochen. Nicht das im Betrieb zur Verarbeitung gekommene schlechte Material soll nach des Herrn KommcrzienratS Auffassung schuld daran sein, sondern die„Faulheit" des Mädchens. Von diesem Lohn wurde aber auch noch Strafe abgezogen, so daß dem jungen Mädchen„17 Pf. bar" in einer zweiwöchigen Zahlungs- Periode ausgezahlt wurden. Die Weberinnen dieses Betriebes ver- dienen in zwei Wochen 10 M. Ueber die Löhne der Arbeiterinnen bei der bekannten Firma Gebr. Uebel in Adorf i. Vgtl. geben die Lohntüten Aufschluß. Da- nach hatte eine Weberin, die auf zwei Stühlen arbeitet, einen Rein- verdienst von 8,36 M. in einer Woche. Eine andere Arbeiterin, die gleichfalls an zwei Stühlen arbeitet, verdiente in derselben Zeit gar nur 5,20 M. Nicht so sparsam wie bei der Lohnzahlung, ist die Firma bei der Erhebung von Strafen. Eine Arbeiterin war nach vorheriger Meldung am 1. Mai mit ihrem kranken Kinde zum Arzt gegangen. Am Zahltag zog man ihr dafür von den verdienten 5,78 M. 5,78 M. ab, so daß ihr nur 2 Pf. ausgezahlt wurden. Man vermutete wahr- icheinlich, daß die Arbeiterin den Gang zum Arzt als Vorwand benutzt hätte, um erst an der Maifeier teilzunehmen. Denn bei tzh. Glocke» Berttu. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt 5 ihrer Reklamation berief man sich auf den§ 32 der Fabrikordnun«� in dem die Berechtigung zu dieser Straferhebung niedergelegt sei. Der Niedrigkeit solcher Löhne und der Erbärmlichkeit solcher Straf- erhebungen schämen sich die Unternehmer natürlich nicht. Daß solche Löhne und Strafen aufreizend auf die Arbeiterinnen wirken müssen, kommt den Herren auch gar nicht in den Sinn. An der zunehmenden Unzufriedenheit der Arbeiterinnen ist ja nur die„ver- hetzende Tätigkeit der Gewerkschaften" schuld, nicht etwa die unter dem Existenzminimum bleibenden Löhne, die die Unternehmer zu zahlen für gut befinden. Die wachsende Unzufriedenheit der Ar- beiterinnen findet in den ständig steigenden Mitgliederzahlen des Verbandes ihren Ausdruck. Die Aprilzählung ergab 52 366, die Maizählung 53 219 weibliche Mitglieder des Deutschen Textil- arbeiterverbandes. Je schneller die Zahlen der weiblichen Mit- glieder steigen, mit um so mehr Nachdruck kann die Organisation auf die Abschaffung so unerhörter Strafen dringen, die die schlecht entlohnten Arbeiterinnen so furchtbar treffen, und mit noch größerem Erfolg als bisher für die Erhöhung der Arbeiterinnenlöhne ein- treten. Das haben die Arbeiterinnen in ihrer großen Mehrzahl auch erkannt und das spornt sie auch zu lebhafter Agitationsarbeit an. Wie die Zahlen beweisen, hat ihre Werbearbeit auch Erfolg. Leseabende. Steglitz'. Am Montag, den 17. Juni, bei Heizmann, Florastr. 2a: Vortrag der Genossin Elisabeth Röhl über:„D e r W c r t der Kinderferienspiele." Versammlungen. Eine öffentliche Böckerversammlung hatte der Verband der Bäcker und Konditoren am Dienstag einberufen, um den Angc- hörigen des Berufes Gelegenheit zur politischen Aufklärung und Belehrung zu bieten. Die preußische Politik war es in der Haupt- fache, die der Referent, Genosse S t r ö b e l, an der Hand einiger markanter Tatsachen kennzeichnete. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung betonte er zum Schluß, daß sich das preußische Volk die Gelvaltberrschaft der besitzenden Klassen nicht gefallen lassen wird, daß der Kampf gegen das Dreiklassenwahlrccht weiter ge- führt werden mutz, bis auch in Preußen ein freies Wahlrecht er- rungen ist. Bei der Erörterung gewerkschaftlicher Angelegenheiten machte der Vorsitzende Schneider darauf aufmerksam, daß sich kein Bäcker nach Schweden anwerben lassen darf, weil die dortigen Kollegen im Streik stehen. Jeder Bäcker, der nach Schweden verlangt wird, ist zum Streikbrecher ausersehen. Auch in mehreren größeren Städten Deutschlands sind zurzeit noch Lohnbewegungen im Gange. Es ist deshalb dringend gebeten, daß jeder Kollege, der von Berlin nach auswärts gehen will, sich erst bei der Vcrbandslcitung er- kundigt, ob in dem betreffenden Orte die Verhältnisse geregelt sind. J*etzU Nadmchten. Ruthcnischc Obstruktion gcgrn die Wchrvorlage. Wien, 13. Juni.(W. T. B.) Tie Ruthenen haben bei der Behandlung der Wehrvorlage in der Sitzung des Wehrausschusses mit einer scharfen Obstruktionstaktik eingesetzt; die Sitzung wurde fast vollständig durch ruthcnischc Obstruktionsreden ausgefüllt. Gegen 10 Uhr abends beendigte der Ruthcne Lcwickijj seine 5'chstündige Rede. Die Demonstration für das Fraucnwahlrecht geglückt. Prag, 13. Juni,(P.-C.) Bei der heute stattgefundenen Wahl für den böhmischen Landtag aus dem Städtcbczirk Jungbunzlau wurde die tschechische Schriftstellerin Frau Vyk-Kuneticky mit 1160 Stimmen gewählt. Frau Kuncticky ist der erste weibliche Abgeordnete im Landtag in Oesterreich überhaupt. Nach Mittei- lungen, die der Minister des Innern Freiherr v. Heinold Ab- geordneten und Journalisten, die ihn über das Ergebnis der Wahl interpellierten, machte, geht aber klar hervor, daß der Statthalter von Böhmen der Gewählten das Wahlzertifikat verweigern wird. Frau Kuncticky stände dann die Beschwerde beim Reichs- geeicht offen, das aber gemäß der Tendenz des Gesetzes vermut- lich im Sinne der Entscheidung des Statthalters sein Urteil fällen dürfte. Ter englische Jndustrierat als Pfadsucher. London, 13. Juni.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Unterhauses teilte Premierminister ASquith mit, daß die Regierung auf Grund der Erfahrung, die sich aus den jüngsten industriellen Zwistigkeitcn ergeben hat, beschlossen habe, dem Jndustrierat als Vertreter der Arbeitgeber und Arbeiter zwei Fragen vorzulegen, nämlich: die beste Methode zu finden, um Industriellen die ge- bührende Erfüllung zu sichern, und wietveit industrielle Verträge, die zwischen Vertretern der Körperschaften der Arbeitgeber und der Arbeiter geschlossen sind, in einer bestimmten Branche oder einem bestimmten Bezirk durchgeführt werden können. Premierminister Asquith erklärte, von dem Jndustrierat gemachte Vorschläge Würden von der Regierung aufs sorgfältigste erwogen. Bruch der Gesetze zuungunsten der Streikenden. London, 13. Juni.(W. T. B.) Das Haupthindernis einer weiteren Aufnahme der Arbeit auf den Londoner Docks ist der Mangel an Leichtern, die man unmöglich fahren lassen kann, da die Korporation der Leichterleute, deren sämtliche Mitglieder sich in dem Ausstand befinden, ein Monopol haben und niemand sonst auf den Leichtern fahren darf. Die Hafenbehörden haben eine Aende-� rung der Bestimmungen beschlossen, die es ermöglichen, die Lizenz als Lcichtcrleute allen dazu befähigten Bewerbern zu gewähre», Wer lügt? Rom, 13. Juni. Tie„Agencia Stefan!" erklärt die vom oSmanischen Kriegsministerium veröffentlichten Nachrichten über die am 5., 6. und 7. Juni bei H o m s stattgefundenen Kämpfe für falsch. Am 5. und 6. Juni habe kein Kampf bei HomS stattge- funden und am 7. Juni seien die Türken mit beträchtlichen Ver- lusten in die Flucht getrieben worden. Bürgerrechtsverweigcrung gegen Sozialdemokraten. Washington, 13. Juni.(W. T. B.) Ter Kongreß hat einen Unterausschuß beauftragt, das Verhalten des Bundesrichters Ha n- ford in Seattle zu untersuchen, der einem Eingewanderten namens O l e s e n die Bürgerrechte verweigert hatte, weil dieser ein Sozialist war. Werden die Siamesen Nachahmer finden? Bangkok, 13. Juni. Tie aktiven Offiziere der Armee sind freiwillig übereingekommen, auf einen Teil ihres Gehalts für 12 Monate zu verzichten, um einen Fonds für den Erwerb schwerer Geschütze zu schaffen. Tie Opfer des Bahnnnglücks in Amerika. Atlanta, 13. Juni.(P.-C.) Nach genauen Feststellungen sind bei dem Eisenbahnunglück bei Dalton(Georgia) drei Personen ge- tötet und sicbzfg schwer verletzt worden. M Singer& Co.,BerIln SW. Hierzu 2 Beilagen u. UaterhaltungSbl. Nr. 1B6. 29. Jahrgang. 1. DeilM des Joiwüts" ßttlintt öollisliialt. Freitag, 14. Juni 1912. Stadtverordnetenversammlung. 20. Sitzung vom Donnerstag, den 13. Juni 1912. nachmit tags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach ü'/, Uhr. Die Versammlung ist nur sehr mäßig besucht. Eine weitere lange Reihe von Urlaubsanzeigen wird zur Kenntnis gebracht. Dem freihändigen Verkauf des Teilstücks von 1281 Quadratmeter an der Landsberger und Landwehr« st r a ß e(Ecke Katharinenstratze) für 594 000 M. hat der eingesetzte Sonderausschutz zugestimmt. Berichterstatter ist der Stadtverordnete B r u n z l o w(A. L.>. Der Ausschutz hat sich mit acht gegen drei Stimmen für den Magistratsvorschlag entschieden; die Versammlung beschlietzt ohne Debatte in gleichem Sinne. Von den Stadtverordneten D o v e. Caffel, Cremer u. Gen. (A. L.) ist der Antrag eingebracht: .Den Magistrat um Auskunft darüber zu ersuchen, in welcher Lage sich das Projekt des sogenannten Wcsthafcns befindet, welcheHinderniffe insbesondere der endlichen Inangriffnahme der durch den Fortichrilt des Baues des Grotz-Schiffahrtsweges Berlin— Stettin dringlich gewordenen Arbeiten zur Errichtung dieieS Hafens im Wege stehen.* Stadt». Dove: Schon 1905 haben wir dem Plane der Errichtung eines Westhafens im Prinzip zugestimmt; das Terrain des Johannis- stisls und das der Neuschateler Asphalt-Compagnie ist erworben worden. Es wurden dann Verhandlungen mit der Eisenbahn- direksion über de» Ankauf von dem Eisenbahnfiskus gehörigen Terrain und über die Gleisanschlüsse an die Hamburger und Lehrter Bahn gepflogen; diese Verhandlungen haben viele Stadien durchgemacht. sind anfangs glatt, später aber weniger erfreulich verlaufen. Das Ministerium hat verlangt, die Stadt müsse sich verpflichten, eine Gleisoerbindung herzustellen, auch für den Fall, dah das Terrain für die Aufnahme des zu erwartenden größeren Verkehrs nicht ausreichen sollte. Die städtischerseits angestellten Berechnungen über die Kosten- erhöhung führten zu neuen Anträgen an den Minister; das geschah vor iVa Jahren, und seitdem wissen wir nichts mehr von der Sache, sie ist praktisch nicht weiter vorwärts gekommen. Wo ist das Hindernis zu suchen? Darüber mutz öffentlich diskutiert werden; vielleicht gibt diese Diskussion der Sache einen neuen Anstoß. Im nächsten Frühjahr dürfte die neue Grotz- Schiffahrtsstraße bereits eröffnet werden. Die Stadt wird ja den Verkehr zunächst mit den vorhandenen Anlagen noch bewältigen können; kommen uns aber die Nachbarstädte mit ihren Hafenprojekten zuvor, so können wir in dieselbe Gefahr kommen. wie eS uns bei dem Osthofen schon passiert ist. daß wir plötzlich unliebsamer Konkurrenz gegenüberstehen und als Wasserstadt be- einträchtigt werden. Hat uns doch bereits Nuhrort überholt, während Berlin bisher als Binnenhafenstadt an erster Stelle ni Preußen stand! Oberbürgermeister Kirschner: Die Eisenbahnverwallung ver- langte ursprünglich neben dem Anschlüsse der Wasserstraße an die Eisenbahn beim Lehrter Bahnhof noch einen zweiten An- schlutz weiter westlich bei Fürstenbrunn. Unsere Verkehrs- deputation hielt das für untunlich wegen der großen Eni- fernung und der dadurch entstehenden bedeutenden Mehrkosten, zumal uns für das zweite Projekt die Enteignung nicht zugestanden worden wäre. Das war im Dezember 1910. Die Eisenbahnbehörde hat uns darauf beschieden, daß sie von dem zweiten Anschluß Abstand nehmen wolle; sie verlangte aber nun von uns die Ausaibeitung eines neuen Projektes betreffend den Anschluß in Moabit. Wir haben daS ausgearbeitet, es wurde aber im Januar 1912 ab- gelehnt und uns mitgeteilt, daß die Eisenbahnverwaltung nun- mehr ihrerseits ein neues Projekt ausarbeite. Bisher baden wir darüber näheres nicht«rfaheen können. Was den Erwerb von Terrains im Eigentum des FiskuS betrifft, so sollen diese hergegeben werden, aber nur tauschweise. Ueber die auszutauschenden Grundstücke ist eine Einigung erzielt worden; es handelt sich jetzt um die Aufstellung von Taxen, wozu beiderseits Sachverständige bestellt worden sind. Am 14. Mai ist eine gemein- schaftliche Taxe aufgestellt worden. Stadtv. Dove: Der Zweck des Antrages ist erreicht; wir haben Auskunft erhalten. Daß diese sehr erfreulich sei. kann ich freilich nicht behaupten.(Lebhaftes Sehr richtig I) In der Hoffnung, daß die Angelegenheit jetzt schleunigeren Fortgang nehme, ziehe ich den Antrag zurück. Für den seitens des ZentralvereiuS für Arbeitsnachweis in der Rückerstraße geplanten Neubau hat die Stadt bekanntlich der Landesversicherungsanstalt Berlin Kleines feuilleron Aus den Nöten eines deutschen Schriftstellers. Die Pfändung der Schriflstellerbibliothek. von der hier kürzlich berichtet wurde. läßt an ähnliche Heimsuchungen denken, die Detlev v. Liliencron des öfteren begegneten.(Die Ironie des Zufalls will es, daß unter dem gepfändeten Handwerkszeug auch Liliencrons Werke waren. Der Arme ist also nach dem Tode so wenig vor der Pfändung sicher wie zu seinen Lebzeiten.) Liliencron hat in feinem„Mäcen' dieses Elend selber geschildert, und als klassisches Kullurdokument mag feine Darstellung hier Platz finden: „Daß ich hungern mutzte, habe ich immer ertragen. Ich sagte mir, daß cö nicht anders möglich sei in Deutschland, ehe man sich als Schriftsteller durchgebissen hat; daß es vielen anderen auch so ergangen sei. Böse aber war es, daß die Gerichte mir bei den Pfändungen mein Handwerkszeug fortnahmen, meine Nach- schlagebücher und Lexika. Jedem Schuster, jedem Schneider im Vaterlande wird, bei Psändungen, das zum Leben Notwendigste ge- lassen durch das Gesetz. Der Dichter macht eine Ausnahme: es werden ihm die Hilfsbücher genommen. Als es anfing, mir besser zu gehen, konnte ich jahrelang nicht vorwärts kommen, weil nach jeder Rezension, nach jeder Kritik über Bücher von mir, mochten sie(die Kritiken) gut oder schlecht sein, die Gläubiger mit erneuter Wut und verstärktem Eifer über mich herfielen und mich peinigten. J-h zitterte wenn ich Be- urteilungen über meine Schriften las; ich wußte, daß mir wenige Tage darauf eine Klage überreicht würde.* „Auch das wußte ich. daß die Menschen, die jetzt meiner Armut toegen nicht mit mir umgehen mochten, später prahlen würden: Ja, ia, den Hab ich genau gekannt, das war mein Duzbruder.* '„Als mein erstes Drama zum erstenmal aufgeführt wurde, hatte der Intendant die Liebenswürdigkeit, mich einzuladen. Ich mußte 'unter irgend einem Vorwande absagen: Ich hätte keine fünf Mark aufbringen können, geschweige denn die dreihundert Mark, die Fahrt und Aufenthalt mich gekostet hätten. Statt daß ich in der Loge des Intendanten saß, ging ich bei starkem Unwetter um 7 Uhr abends zu dem vor der Stadl wohnenden Gerichtsvollzieher, um mit diesem, der in dienstlichen Angelegenheiten mein täglicher Besuch war, etwas in Ordnung zu bringen. Ehe ich sein Haus erreichte. geriet ich in der Dunkelheit in eine Dornenhecke und zerriß mir Gesicht und Hände. Während im selben Augenblicke Hunderte von Menschen ihre Operngläser auf die Bühne richteten, wo mein Stück gcaeben wurde, arbeitete ich mich, aus Hunger und Schwäche kaum mehr leben könnend, mit Anstrengung aus den Dornen heraus. Blutend traf ich bei dem Exekutor ein. Diesem muß ich hier herz- liehen Dank aussprechen: er blieb stets freundlich, blieb immer ein Mensch. Als ich wegging von ihm. entlieh ich drei Mark. Er war der einzige, der mir seinerzeit Geld vorschoß: ein strenger Gerichtsvollzieher einem deutschen Dichter! Mit den drei Mark wußte Gegenüber eine Z i n s g a r a n t i e bis zu 20 090 M. übernommen. !etzt wird beantragt, den Betrag auf 25 000 M. zu erhöhen, da das Reichsversickernngsamt die Genehmigung der Verwendung der Anstaltsgelder für den Bau von einer solche» Erhöhung abhängig gemacht hat. Die Versammlung stimmt zu. Der spezielle Entwurf und der mit 913 000 M. abschließende Kostenanschlag für den Bau der 8. höhereu Mädchenschule in der G r e i f s w a l d e r Str. 24/25(Wurstsches Vermächtnis) wird ohne Diskussion genehmigt. Dem 6. Internationalen Kongreß für Gynäkologie und Gehurtf Hilfe, der in diesem Jahre vom 9.— 13. September in B e r l i n im Herrenhause tagt, soll in den Festräumen des Rathauses ein Empfang angeboten und durch eine gemischte Deputation vor- bereitet werden/ Der Kostenbetrag ist auf 12 000 M. veranschlagt. Die Versanimlung ist einverstanden und bewilligt die geforderte Summe. Die Entscheidung über die Antriebskraft für das neue Wasserwerk Wuhlheide war am 21. September 1911 ausgesetzt worden, da man sich über die Frage, ob Dieselmotoren oder elektrischer Betrieb, nicht einigen konnte. Nunmehr hat sich die Verwaltung nach gründlichem Studium dieser Frage für den elektrischen Betrieb entschieden, der auch eine Ermäßigung der Anlagckosten um 400 000 M. mit sich bringt. Die Gesamlkostensumme des Werks stellt sich danach auf 13900000 M. Der elektrische Strom soll von den B. E.-W. aus deren Zentralen Oberspree nnd Rummelsburg bezogen werden. Die Z u st i m m u n g der Versammlung erfolgt ohne Diskussion. Oberbürgermeister Dr. K i r s ch n e r hat auf die Mitteilung des Gemeindebeschlusses vom 15. Mai, wonach ihm beim Ausscheiden aus dem Amte das Ehrenbürgerrecht verliehen und das volle Gehalt von 36 000 M. als jährliche Pension belassen wird, in dem bekannten Dankschreiben geantwortet. Die Versammlung nimmt davon Kenntnis. Das Bauprojekt für das Radialsystem XI der Kanalisation ist umgeändert worden, nachdem Weißensee, dessen Ge- markung ursprünglich teilweise diesem System angeschlossen werden sollte, sich eine eigene Kanalisation eingerichtet hat. Die Kosten des Entwässerungsprojckls für das Radialsystem XI vermindern sich dadurch von 19 200 000 auf 15 595 000 M.— Für den schon Ende v. I. genehmiglen Entwurf des Um- und Erweiterungsbaue« der Pumpstation VIII in Ält-Moabit läßt der Magistrat an die Versammlung einen neuen Entwurf gelangen, der anstatt der vorher zum Antrieb der Regenwasserpumpcn vorgesehenen Dieselmotoren Elektromotoren vor- schlägt, nachdem die B. E.-W. den Preis pro Kilowattstunde von 16 auf 11.25 Pf. herabgesetzt und den Rabatt beträchtlich erhöht haben. Der Kostenanschlag vermindert sich von 000000 auf 343 000 Mark.— Endlich werden 939 000 M. verlangt für die Erneuerung derjenigen Maschinen und Dampfkessel, welche auf der Pumpstation lV, Scharnhorststraße, schon seit 1873 im Betriebe und abgenutzi sind. Stadtv. Koblenzer(Soz.) ergreift zu der Vorlage betreffend das Radialsystem XI das Wort, ist aber bei der im Saale herrschenden andauernden großen Unruhe auf der Tribüne nur bruchstückweise zu verstehen. Er bemängell. daß die Herabsetzung der Kostensumme um 3�/z Millionen den latsächlichen Verhältnissen insoweit nicht ent» spreche, als daS ursprüngliche Projekt des Radialsystems XI und das fast gleich große Gebiet von Weißensee umfaßt habe; der Kostenanschlag hätte danach doch beträchtlicher heruntergehen müssen. Vielleicht sei auch der NotauSlaß zu groß oder vorher nicht groß genug pro- jektiert gewejeu...... Direktor Meier(in Vertretung des StadtbauratS Krause): Weißensee hatte ein Gebiet von 300, das Radialsystem XI. aber 420 Hekiar; das Verhältnis steht also 4.2: 3. Nun darf aber auch weiter nicht übersehen werden, daß die Summe von 19,2 Millionen nur das Plus miienihielt, was bei Vergrößerung der Leitungen auf Berliner Gebiet entsteht. Allerdings ist der Notauslaß rechnungs- mäßig zu groß berechnet mit 23,2 Sekundenkubikmeter, während er jetzt nur 25,2 Sekundenkubikmeter zu bewältigen braucht. Wie not« wendig wir solche Reserven haben, zeigte sich erst noch im vorigen Jahre in der Greifswalder Straße anläßlich einer durch Gewitter hervorgerufenen Uebcrschwemmung. Die Vorlage wird angenommen, ebenso diejenige betr. die Pumpstation VIII. Für die Vorlage betr. die Puuipstation IV beantragt Stadtv. Dr. Levy II(A. L.) AuSschußberatung, um die aufgestellte Betrieskostenrechnung nochmals prüfen zu lassen. ich, was ich ausführen wollte: mich sinnlos betrinken. Ich, der ich nie oder selten über den Durst in den Krug sehe, ging an jenem Abend ins Wirtshaus und trank, bis ich bewußtlos wurde.* Frcderic Passy, einer der ganz Alten des französischen Bourgeois- liberalismuS, ist am Mittwoch. 90 Jahre alt, gestorben. Schon in seiner Jugend war er ein beträchilichcs Stück hinter der errungenen wissenschaftlichen Erkenntnis des gesellschaftlichen Prozesses zurück. Als er 1857 sein erstes nationalökonomisches Buch veröffentlichte, hatte der französische Sozialismus längst seine glänzenden Schlachten geschlagen, setzte Proudhon seine leidenschaftliche Kritik des kapita- listiichen Staates fort, suchte daS Kaisertum die unbezwinglich empor- steigendejMacht des Proletariats durch sozialreformerische Konzessionen um revolutionäre Energie zu bringen. Passy aber war nicht weiter als bis zum Manchesterliberalismus mit seinen Illusionen Vom sozialen Frieden und friedlichen Völkerbund im Zeichen des Freihandels gekommen. Er blieb bei B a st i a t, seinem Lehrer, stehen. Und dabei ist er geblieben, in fünf und einhalb Jahrzehnten der ungeheuersten Umwälzungen. Er hat 1867 die internationale Friedensverciniguna und später— in Gemeinschaft mit Randal Cremer, der' einst der Internationale angehört hatte— die inter- parlamentarische Fricdensunion, in der es erst unlängst, beim AuS« brnch des tückisch-italienifchen Krieges so schön rgekracht hat, ge- gründet. Im übrigen war er ein kreuzbraver Mann, der redlich glaubte, daß die Töne aus der Münchhansenschen Trompete Zukunfts- mufik seien und eine bewunderungswürdig zähe Natur, die bis zum Schluß keine Abnahme der Kraft zum Reden und Schreiben erlitt. Theater. Deutsches Theater. Wedekind« Gastspiel:, O a h a', die Satire der Satire. Für„Oaha*, das einzige in Berlin noch nicht gespielte Stück des Wedekind» Zyklus, dürfte» sich auch die feurigsten Bewunderer des Dichters schwerlich erwärmen. Die An- griffe, die er hier gegen ihm früher nahestehende Kreise, den Gründer des„Simplicissimus" und einige der bekanntesten Mitarbeiter des Blattes richtet, machen den Eindruck geradezu pathologischer Ge- hässigkeit, und die peinliche Empfindung wird durch das künstlerische Unvermögen, über anekdotisch- grotesken Kleinkram zu irgendeiner anschaulich gegliederten Gestaltung vorzudringen, noch gesteigert. Während der ersten Hälfte des Abends erregte der Aplomb kari- katurischer Verzerrungen noch manche Heiterkeitsausbrüche, aber dann flaute bei der Wiederholung der Effekte, die der Autor durch immer abruptere, sinnlosere Seitensprünge noch zu überbieten sucht, die Stimmung ständig ab, um schließlich auf den Nullpunkt zu gelangen. Der verstorbene ,SinipIicissimus*-Verleger, der einst wegen eines staatsanwaltichaftlich inkriminierten, von ihm veröffentlichien Ge- dichtes mit dem Verfasser zusammen floh und dann durch die Ver- Mittelung seines Schwiegervaters, des alten Björnson heißt es, Be- gnadigung erhielt, wird in dem dramatischen Pamphlete als Typ heimtückisch-hinterhältigen AuSbeutertumS vermöbelt. Das ganze Man wolle hier bei den Dieselmotoren bleiben, deren Anlagelosten doch viel höher seien als diejenigen von Elektromotoren. Stadtv. Koblenzer tritt diesen Bedenken bei und schließt sich dem Antrage auf Ausschußberatung namens seiner Freunde an. Direktor Meier: Bei der Pumpstation IV liegen die Verhält- nisse ganz anders als bei der Pumpstation VIII. In der Schorn- Horststraße handelt es sich nur um jährlich 800 Betriebsstunden. Die mit aller Gründlichkeit angestellten Untersuchungen, denen vier ver- schiedene Projekte zugrunde lagen, haben uns dazu geführt, bei der Station IV die Dieselmotoren als das Richtige und Angemessene zu er- kennen. Den Ausschuß bitte ich, recht rasch zur Entscheidung zu kommen, damit das Plenum über die Sache noch vor den Ferien Be- schluß fassen kann und wir die Lieferungen ausschreiben können. Stadtv. Dr. Levy II beantragt Ernennung des Ausschusses durch den Vorstand. Es wird demgemäß beschlossen. Dem vom Vorstande sogleich ernannten Ausschuß gehören auch die sozialdemokratischen Stadtverordneten Koblenzer, Glocke. Fischer und Kerfin an. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen 7 Uhr. Her MelterleSer in amtlicher Beleuchtung. In den Jahresberichten der kgl. preußischen Regierungs« und Gewerberäte ist in diesem Jahre u. a. die Frage behandelt: Wie ist für die Befriedigung des Lesebedürfnisses der gewerblichen Arbeiter gesorgt? Die Antworten darauf sind naturgemäß recht verschieden ausgefallen, neben knappen Auskünften im Sinne der obigen Frage finden sich recht interessante Beobachtungen über den Arbeiter als Leser. Was zunächst das Lefebedürfnis im allgemeinen anbetrifft, so machen sich verschiedene Differenzierungen bemerkbar. Zunächst geographische: im Osten ist das Lesebedürfnis geringer als im Westen.(Königsberg:„nur schwach entwickelt*. G u m- binnen und A l l e n st e i n:„in den Städten größer als auf dem Lande", Marienwerder:„an vielen Orte» wird sehr fleißig gelesen, an anderen über mangelndes Interesse geklagt*, Posen: «Bedürfnis nach guten Büchern läßt zu wünschen übrig.*) Für Posen wird aber weiter festgestellt, daß sich eine Besserung bemerkbar macht. Auch für L i e g n i tz wird berichtet, daß das Bildungs- und Lesebedürfnis„ganz erheblich gestiegen" sei. Bei der Berliner Arbeiterschaft ist das Lesebedürfnis„ziemlich lebhaft" entwickelt. In Hannover ist es„von Jahr zu Jahr gestiegen*. Im Bezirk Hildes heim tritt„das Bestreben der arbeitenden Kreise nach Weiterbildung durch gute Bücher stark hervor". Dann differenziert sich das LesebedürsniS nach dem Alter: jüngere Leute lesen eher als erwachsene. Für Potsdam und Erfurt, sowie für die Kruppsche Bücherhalle in E s s e n wird das ausdrücklich festgestellt. Von Köln wird dagegen berichtet, daß daS Lesebedürfnis hauptsächlich bei erwachsenen gelernten Arbeitern ent- wickelt sei. während jugendliche und ungelernte erwachsene Arbeiter weniger lesen und dabei unterhaltende Bücher bevorzugen. Auch nach den Geschlechtern machen sich Differenzierungen bemerkbar: die Arbeiterin liest weniger als der männliche Arbeiter. Die Gründe liegen auf der Hand.(Köln:„Erwachsene Ar- beiterinnen sind vielfach durch häusliche Pflichten nach der Arbeit in Anspruch genommen und verlieren dann wohl die Fähigkeit und Lust zum Lesen.") Berlin berichtet, daß die Ar- beiterinnen sich weniger für politische Tagesfragen interessieren, fip bevorzugen UnterhaltungSlektüre.„Sin lebhaftes Interesse haben'" auch viele Arbeiterinnen, oft in der ausgesprochenen Erwartung, da- durch ihre Männer vom Wirtshausbesuche abzuhalten." Im allgemeinen dürfte der Gewerberat von HildeSheim das Lesebedürfnis zutreffend begutachten, wenn er sagt:„Es wurde von der Bildungsstufe der Arbeiterschaft, der Intensität der geleisteten Arbeit und der Tätigkeit der Arbeiter nach Feierabend beeinflußt, und wuchs mit der Gelegenheit, dem Geschmack angepaßte Bücher zu entleihen.* Es hätte allerdings nicht übersehen werden dürfen, daß erfahrungSgemätz auch verkürzte Arbeitszeit das Lese- bedürfniö steigert. Die Gelegenheiten zur Befriedigung des LesebedürfnisseS sind in manchen Bezirken des Ostens(z. B. Danzig) und auf dem Lande (z. B. Magdeburg und Erfurt) vielfach ungenügend. Im übrigen wird in der Hauptsache über vorhandene Volksbibliotheken und *) Hier wie später bezieht sich der Ortsname ohne besondere Angabe auf den ganzen Regierungsbezirk. Streben dieses Herrn in dem Stücke geht dahin, die engagierten künstlerischen und literarischen Kräfte— selbst eine Bande hirnverrückter und skrupelloser Gesellen I— nach Kräften zu prellen und der halbbankerotten Kasse durch die Reklame sensationeller Majestäts- beleidigungsprozesse aufzuhelfen. Im Übrigen figuriert er als hoff- nungslos beschränkter Kerl, und seine Idiotie hat sich, als er von seiner Auslandsflucht zurückkehrt. nur noch ungeheuerlicher potenziert. Er nötigt den Gehallsverbesserung verlangen- den Bouterweck, den einzigen braven Menschen in der ganzen Schar(Wedekind scheint sich selbst damit zu meinen), auf einen Sessel mit gebrochenem Sitz und amüsiert sich kindisch, wie der Harmlose hilflos strampelnd dort versinkt. Oder er er- muntert ganz naiv die ihm nachgereiste russische Maitresse, sich zu erschießen. Ein Schicksal, dem die Dame nur dadurch entgeht, daß sie sich auf denselben ominösen Sessel niederläßt und über dem Schreck des krachenden Zusammenbruchs den Selbstmordplan vergißt. Die geschröpften Mitarbeiter, an deren Stelle er einen taubstummen Schweizer Trottel— einen unvergleichlichen Meister des Witzes, wie er behauptet— setzen will, erzwingen endlich seinen Rücktritt von der Leitung, und die importierte Schweizer Leuchte, an die als Orakel appelliert wird, schreibt auf die vorgelegte Schiefertafel, sein boher Gönner könne künftig beim Journal die Funktionen eines Sitzredakteurs übernehmen. DaS ist die Schlnßpointe, zu der sich die„Satire der Satire" nach zweistündigen Bemühungen empor- schwingt! W e d e k i n d spielte den Popanz von Verleger gewandter, manierierender im Ausdruck als man bei seiner starren Art es sonst gewohnt ist. Die Mitarbeiter oder die vier Temperamente wurden, zum Teil nicht übel, von den Herren Paulsen, Lassen, Henrich, Dannegger dargestellt. Else B a s s e r m a n n gab der verrückten Russin pikante Erscheinung und Allüren. Höchst drollig wirkte W i n t e r st e i» in der die donnernde Rhetorik Björnson," persiflierenden kleinen Episodenrolle. dt. Humor und Satire. Gebet für den Papst! Dieses Wort, das oft geschrieben steht, wird auf andere Weise jetzt betont als bisher. Man spricht es aus:„Geböt für den Papst!* Und das klingt ungewohnt. Meistens nämlich klingt es anders:„Gäbet für den Papst!" So wird akzentuiert, wenn den Peterspfennig man erhebet, den man kräftiger als Gebete spürt. Doch gewiß ist das Gebät viel bill'ger als das gäbet, und ich zweifle nicht: jeder fromme Mann erfüllt weit will'ger die Gebets- alS wie die Gebepflicht. Franz iveiter«Ver Werkskibliotheken verichtet. Die letzteren sind bekanntlich Einrichtungen der Unternehmer, die zur ausschließlichen Benutzuna der Werksangehörigen bestimmt sind. Nach dem Muster der Krupp. schen Blicherhalle in Essen eingerichtet, bezwecken diese Bibliotheken eme Beeinflussung der Arbeiter»ach den Interessen der Unter. nehmer. Jedenfalls wird dem Arbeiter alles vorenthalten, was ihn über seine Lage aufklären könnte. Aus den Berichten der Gewerbe- rate ,st zu ersehen, wie zahlreich solche Werks- oder Fabrik- vlbliothekeii bereits vorhanden sind: ein Beweis dafür, daß diese „Wohlfahrts"einrichtiliigen den Unternehmeransprüchen gerecht werden. Vor allen Dingen ist es die Schwerindustrie, die die Werks- bibliotheken pflegt. Im Bezirk Düsseldorf besitzen eigene Bibliotheken mit rund 138 000 Bänden 36 Werke mit fast 70 006 Arbeitern, dre 13,4 Proz. der Gesamtarbeiterschaft ausmachen. Auch von Trier wird berichtet, daß die größten Werke schon seit Jahren durch Anlage eigener Bibliotheken für das Lesebedürfnis gesorgt haben und daß die Aufwendungen durch großes Interesse der Arbeiter belohnt werden. In anderen Bezirken sind die Werksbibliotheken weniger zahlreich oder von geringerer Bedeutung, zum Beispiel Aachen, Arnsberg, Hannover. Schleswig und Breslau. Verf-biedentlich macht sich eine gesunde Reaktion gegen sie bemerkbar. Von Dussel- d ors heißt es sehr vorsichtig:.Jedenfalls darf behauptet werden, daß die Leitung einer Werksbücherei sehr pfleglich sein muß. wenn sie wirklich den Erfolg haben soll, sich dauernd einen größeren interessierten SrbeiterlcserkreiS zu schaffen. Eine Bibliothek mußte wegen mangelnden Interesses der Arbeiter aufgegeben werden, eine andere zeigte in den letzten acht Jahren einen Rückgang um mehr als die Hälfte, dessen Erklärung schwierig ist. Deutlicher ist schon der Bericht von Breslau:.Einige Ansätze sind vorhanden: im allgemeinen ist die Sache schwach gepflegt worden, öfter auch an der Ablehnung der Arbeiter gescheitert, die sich in der Wahl der Lektüre nicht bestimmen lassen wollten." In ähnlichem Sinne ist wohl auch der Bericht von Hannover zu verstehen, in dem gesagt wird, daß drei Werke einen Rückgang der Bücherei- benutzung meldeten,.wobei anscheinend gewisse politische Strömungen maßgebend sein mögen". Dasselbe wird von einer Lesehalle in Sigmaringen berichtet. Eine ganze Reihe von Unternehmern haben Verträge auf Liefe- rung und Auswechselung von Büchern mit einer Gesellschaft ab- Seschlossen. Sehr viele liefern den Arbeitern christliche und gelbe eitschriften gratis. Der besonderen Aufmerksamkeit der Unternehmer erfreuen sich die jugendlichen Arbeiter. Ueber die Beteiligung der Arbeiter an öffent- lichen Bibliotheken werden vereinzelte Mitteilungen gemacht, die ein recht buntes Bild ergeben. So beträgt z. B. bei den Berliner Lolksbibliotheken die Zahl der Arbeiterleser b3 Proz.. Handlung?- gehilfen 22 Proz., Schüler, Studenten, Handwerker 25 Proz. Für die Charlotteuburger Volksbibliotheken wird die Beteiligung der Arbeiter auf 40 Proz., für die Stadt Forst(Laus.) auf 4ö Proz., für die Städte Breslau und Bromberg und den Bezirk Oppeln auf 80 Proz. und für Wilhelmsburg bei Harburg auf mehr als die Hälfte der Gesamtleserschaft geschätzt. Für die Stadt Neu- stettin wird berichtet, es gehöre nur ein auffallend kleiner Prozentsatz der Leser dem Arbeiterstande an. Die Görlitzer Volks« bücherei wird zwar von Arbeitern benutzt, jedoch nicht so stark, wie man es bei der zahlreichen Arbeiterbevölkerung erwarten könnte. Die Provinzial-Wanderbücherei Posen verzeichnete nur 11, S Proz. Arbeiterleser. Auch von Düsseldorf wird berichtet, daß die Be- Nutzung keineswegs überall stark ist. Der Anteil der Arbeiter an der Benutzung des Lesesaales in Halle a. S. betrug gar nur 6 Proz., was auf die Zentralbibliothek im.Volkshaus" zurück- geführt wird. Ueber die Bibliothekseinrichtungen der organi- fierten Arbeiterschaft äußern sich nur wenige Berichte. Einige Gewerberäte begnügen sich mit der bloßen Feststellung des Vorhandenseins, andere registrieren einfach den Bücherbestand unserer Organisationen. Von Stettin und Stralsund wird erwähnt, daß mehrere Gewerkschaften über.gute Büchereien" verfügen, während für D ü s s e l d o r f das.planmäßige und rührige Vor- gehen" der Arbeiterorganisationen anerkannt wird. Ein sehr gutes Zeugnis wird schließlich den Arbeiterlesern im Bericht des Kölner Gewerberats ausgestellt. Er schreibt nämlich: „Ueber mangelhafte Behandlung der Bücher wird nur selten ge- klagt, dagegen wird mehrfach das gesittete Benehmen der Bücher- leiher in den Ausgabe- und Leseräumen betont und die Gewissen- haftigkeit, mit der die Leseordnung befolgt wird." Das Bild, das die Gewerberäte von dem Arbeiterleser zeichnen, ist im allgemeinen recht vorteilhaft. Indessen muß auS den Berichten die wichtige Lehre gezogen werden, daß den Anstrengungen der Unternehmer auf Errichtung von Werksbibliotheken ein fach- gemäßer Ausbau unserer Arbeiterbibliotheken entgegengesetzt werden muß._ Achter Nerbandstag des Deutschen Trunspurturbeiter- Derbandes. Breslau, 12. Juni. Dritter Berhanblungstag. Die Verhandlungen begannen mit der Berichterstattung der Beschwerdekommission über fünf der Kommission überwiesene Be- schwerden, die sich auf interne Verbandsangelegenheitcn bezogen. Danach erhielt Paul Müller das Wort zum Punkt: »Die sozialpolitischen Aufgaben deS Verbandes." Der Referent behandelte die Frage in einem großzügigen Referat sowohl in prinzipieller wie praktischer Hinsicht und betonte, daß der Verbandstag alle Ursache habe, der sozialdemokratischen Partei und ihrer parlamentarischen Vertretung das vollste Vertrauen dafür auszusprechen, daß sie stets das Interesse der Transportarbeiter im Parlament vertreten habe.— Die vom Referenten vorgelegte Reso- lution führt in ihrem Gedankengang aus, wie Sozialpolitik, Zlr- beiterschutz und Sozialversicherung gemeinsam in ideeller, rechtlicher und materieller Hinsicht lindernd gegenüber den unterdrücken- den und ausbeuterischen Tendenzen des Kapitalismus und seinen Auswüchsen wirken. In diesem Sinne hat die moderne Gewerk. schaftSbewegung durch ihre eigene praktische Tätigkeit eine ständige und durchgreifende Sozialpolitik getrieben. Aber die Tätigkeit der Gewerkschaften zur Bekämpfung bezw. Linderung der sozialen Schäden und Sünden mutz ergänzt werden durch daS Eingreifen des Staates und seiner Gesetzgebung. Es müssen also gewerkschaftliche und politische Aktionen des Proletariats sich einander ergänzen. Besonders rückständig ist die sozialpolitische Gesetzgebung in bezug auf die Handels-, Transport- und Verkehrs- Arbeiterschaft zu Wasser und zu Lande. Der Verbandstag fordert deshalb den Vorstand auf, energisch die Initiative zur Durchsetzung der sozialpolitischen Forderungen dieser Arbeiterschaft zu ergreifen. Abgesehen von der Erweiterung und Anerkennung des Koalitionsrechts und der Organisationsfreiheit, erstrecken sich diese Forderungen auf: „1. eine durchgreifende und fortschrittliche Revision der geltenden Reichs- und Landesgesetzgebung; 2. die Einschränkung der sonderbehörblichen Machtbefugnis und Willkür; 3. die Anerkennung einer normalen Gerichtsbarkeit; 4. die Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit durch Au- erkcnnung eines Normalarbeitstages 5. ein Verbot bezw. die Einschränkung der Nacht-, Sonn- und Festtagsarbeit; 6. eine Erhöhung der Betriebssicherheit, d. h. erhöhten Schutz für Leben und Gesundheit durch Vermehrung der Arbeitskraft. Einführung moderner technischer, sanitärer und hygienischer Hilfs- mittel; 7. die Einführung und Anerkennung der staatlichen Betriebs- kontrolle durch angestellte Inspektoren und Assistenten aus Ar- beiterkreisen; 6. das Verbot des heutigen Kost- und LogiSwesenS, bezw.«ine «oderne Umgestaltung des Kost- und LogiswesenS; 9. den weitgehendsten Schutz für die weiblichen und jugend. lichen Arbeiter unter Berücksichtigung ihrer physischen Leistungs- fähigkeit und natürlichen Veranlagung; 10. die Anerkennung hinreichender Essenspausen, generelle Durchführung des 3 Uhr-Laden-, Geschäfts- und Arbeitsschluß und Einführung des 6 Uhr-Postschalter- und Bahnschlusses; 11. Rücksichtnahme auf die Betriebssicherheit bei Einstellung fremdsprachiger Arbeiter und umfassende Maßnahmen zur Ver- hütung bezw. Einschränkung der Berufskrankheiten aller Art; 12. die staatlicherseits anzuerkennende Mitwirkung der Organisationsvertreter bei beruflich-stalistischen Erhebungen und Enqueten, Ausarbeitung und Begutachtung von Gesetzentwürfen, Erlassen und Verordnungen." In einer Anlage zu der Resolution des Referenten sind dann die besonderen Spezialforderungen niedergelegt, die in Anlehnung an die 12 Punkte der Resolution für die Handels-, Transport-, Verkehrs-, Hafenarbeiter, Binnenschiffer und Flößer und für die Seeleute entsprechend den besonderen Verhältnissen dieser Kategorien erhoben werden müssen. An die Proklamierung dieses sozialpolitischen Programms des Verbandes schloß sich eine impulsiv geführte Diskussion, bestritten von täglich im Beruf tätigen Kollegen, die zum Teil ein geradezu entsetzliches Bild krasser Mißstände besonders aus der Binnen- schiffahrt und aus dem Fischer- und Scemannsleben zeichneten: überlange Arbeitszeiten; Arbeitszeiten, die ins Groteske gehen, bei denen nicht einmal am Sonntag eine Ruhepause eingelegt wird; schlechte L o g i s v e r hä l t n i s s e, besonders an Bord, und schlechte Ernährungsverhältnisse. Es wird Aufgabe der Delegierten sein, in ihrer Heimat das Material zu sammeln, zu begründen und es dem Vorstand zur Sichtung zu übersenden, da- mit dieser es in zweckmäßiger Weise den gesetzgebenden Instanzen zum Eingreifen unterbreiten kann. Von einigen der vertretenen Gruppen wurden Ergänzungen zu der Anlage begründet, die von Seeleuten, Kraftwagenführern, den Kutschern der verschiedensten Arten ausgingen. Diese Ergänzungsanträge sollen durch die Re- daktionSkommission gruppiert und in die Anlage hineingearbeitet und dann am Donnerstag darüber abgestimmt werden. Schumann gab bekannt, daß den Eisenbahnern Ge- legenheit gegeben wird, auf einer besonderen Tagung ihre Spezialforderungen aufzustellen und diese dann in das allgemeine Programm aufgenommen werden. Eine Anzahl Anträge wurden dem Vorstand als Material überwiesen und die Verhandlungen auf Donnerstag vertagt. » Eine Richtigstellung zum Bericht über die Generalversammlung de? Transportarbeiterverbandes sendet uns der Vorstand des Ver- bandcs der Bureauangestellten. Er schreibt: In dem Bericht über die Verhandlungen am 10. Juni auf dem 8. Verbandstag des Transportarbeiterverbandes wird über Grenz- streitigkeiten gesagt: „Zur Schlichtung von Streitigkeiten(mit dem Gemeinde- arbeiterverband) wurde die Generalkommission angerufen, die zugunsten unserer Organisation(des Transportarbeiterverbandes) entschied, desgleichen in der Unstimmigkeit, die mit dem Ver- band der Bureauangestellten entstand." Wenn auf der Tagung des TransportarbeiterverbandeS in der Weise über die Unstimmigkeiten zwischen ihm und unserem Ver. band berichtet worden ist, so war eine solche Berichterstattung in jeder Beziehung unzutreffend. Vor der Generalkommission ist über die Differenzen überhaupt noch nicht verhandelt worden, eS hat also auch keine Entscheidung zugunsten des Transportarbeiterverbandes ergehen können. 18. Derdundstug der Kranerei- und Mühlenuldeiter. Mannheim, 12. Juni. Zweiter Berhanblungstag. Im Schlußwort zum Geschäftsbericht ging Verbands- Vorsitzender Etzel- Berlin auf alle in der Debatte aufgeworfenen Fragen ein. Besonders ausführlich besprach er die Grenzstreitig- leiten, wobei er nochmals seinen von uns schon skizzierten Stand- Punkt präzisierte. Dem Gesamtvorstande wurde Entlastung erteilt. Die strittigen Punkte zwischen Vorstand und Ausschuß(Anstellung von Lokalbeamten usw.) werden einer Kommission überwiesen. Der Verbandstag nahm dann in geschlossener Sitzung den Be- richt des Geschäftsführers der Gesellschaftsbrauerei zu Augsburg entgegen. An den Bericht schloß sich eine längere Debatte. Dann wurden die Verhandlungen auf Donnerstag vertagt. Eue der Partei. Der Gcneralrat der belgischen Arbeiterpartei hat beschlossen, für die Verwundeten und Hinterbliebenen der Opfer der Manifestationen der Wahlwoche eine Sammelliste hcranszugebcn. ES sind bis jetzt, einschließlich der Spende des Gencralrats, zirka 600 Fr. gezeichnet worden. Unter anderen hat sich auch da» ä r z t- liche Personal zweier Spitäler, in denen die Verwundeten ge- pflegt wurden, an der Sammlung beteiligt. poUzeülcfos, Omebtliehce ulw. Die Zeugnisfolter gegen die Presse. Gegen den Redakteur vom.Bochumer Volksblatt" ist das Zeugniszwangsverfahren eingeleitet worden. Der Staalsanwalt will den Einsender eines Artikels wissen, der schon abgeurteilt ist. Bei dieser Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, daß dem Berichterstatter von einer Person in fahrlässiger Weise falsch berichtet worden war. Genosse P i e r e n k ä m p e r. der als ver- antwortlichcr Redakteur in Frage kam, lehnte die Namensnennung des Berichterstatters ab, weshalb der Untersuchungsrichter vorläufig auf eine Geldstrafe von 100 M. erkannte. Gegen die Straf- Verfügung ist Beschwerde eingelegt worden. 8o2iales. Geschäftsbericht deS ZentralvcrbandeS deutscher Konsumvereine. In der nächsten Woche hält bekanntlich hier in Berlin der Zentralverband deutscher Konsumvereine seinen 9. Gcnossenschaftstag ab. Dem vom Vorsitzenden Max Radestock-Dresden und General- sekretär Kaufmann erstatteten Geschäftsbericht ist zu eut- nehmen, daß die Konsumvereinsbewcgung im Jahre 1911 eine Eni- Wickelung genommen hat, die der früheren bei weitem Lbertriffr. Die Zahl der Verbandsvereine ist auk 1183 gestiegen. Die Eni- Wickelung der deutschen Konsumvereinsbewcgung machte sich be- sonders in dem Wachstum der Zahl der Mitglieder und in der steigenden Intensität der wictschastlichen Betätigung geltend. Die Mitgliederzahl der Genossenschaften stieg von 1 181 000 auf 1 328 000. Der Geschäftsbericht führt die Ursache dieses außer- ordentlichen, noch in keinem Vorjahre erreichten Wachstums auf die hohen Preise wichtiger Nahrungsmittel zurück. Die breiten Mafien der Bevölkerung seien dadurch gezwungen worden, sich einzuschränken. sorgfältig zu rechnen und auch kleine Vorteile nicht von der Hand zu weisen. An einigen Orten gehört der weitaus größte Teil der Bevölkerung den Konsumvereinen an. Der Gesamtumsatz der Genossenschaften deS Verbandes stieg von 433 auf 806 Millionen Mark. In eigener Produktion wurden von den Verbandsvercinen für 81 Millionen Mark Waren hergestellt gegen 66 Millionen Mark im Vorjahre. Die Zahl der in der Gesamtorganisation beschäftigten Personen stieg von 18 923 auf 21 939. An Warenbeständen waren 80 Millionen, an Maschinen und Inventar 14 Millivnen nnd an Grundbesitz 74 Millionen Mark investiert. DaS eigene und fremde Kapital, mit dem die Verbands« organisationen arbeiteten, betrug 182 Millionen Mark. Im verflossenen Jahr hat eine große Zahl von Konsumveremen neue Zcntrallagcr und Bäckereien eingerichtet. � Neuerdings wendet sich die Eigenproduktion immer mehr dem Gebiet der Milch- und Fleischversorgung zu. Die genossenschaftliche Milchversorgung stellt'sich als ein besonders schwieriges Gebiet dar. Die Schwierigkeiten liegen nicht nur in der Verteilung und in dem schwankendem Absatz, sondern noch mehr in der Beschaffung der erforderlichen Milch, weil die Konsumvereine dabei von den landwirtschaftlichen Milchproduzenten abhängig find. Der Be- richt hofft, daß engere Beziehungen zwischen der deutschen Konsum- vercinsbewegung und der deutschen landwirtschaftlichen Genosten- schaftsbewegung diese Schwierigkeiten überwinden könnten. Ein Hand-in-Hand-Arbeiten würde für beide Teile so große Vorteile haben, daß man annehmen sollte, es würde schon das pekuniäre Interesse ein leichteres Zusammenarbeiten, als es gegenwärtig der Fall sei, herbeiführen. Große Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Warenverteilung machte einer großen Anzahl RevisionSverbanden das preußische Warenhaussteuergesetz. Eine erhebliche Steigerung der Kapitolkraft der Genossenschaften kommt auch in der Entwickelung der Bankabteilung der Großeinkaufs- Genossenschaft deutscher Konsumvereine zum Ausdruck, die jetzt in der Lage ist, jedem gut geleiteten und gesunden Konsumverein für die Erweiterung seines Geschäftsbetriebes mit Hypotheken zu dienen. Irreführende Lohnstatistik. Eine brauchbare Lohnstatistik, als den wichtigsten Maßstab zu einer richtigen Erfassung der sozialen Lage der Arbeiter, fehlt uns ebenso wie eine einwandfreie Statistik über die Bewegung der Nahrungsmittelpreise. Die Vorbedingung für eine gute, das Einkommen nach Jahresdurchschnitten, Tagesverdiensten und Stunden- löhnen erfassende Lohnstatistik wäre in den Lohnbüchern der Unter- nehmer gegeben. Wo solche nicht geführt werden, bilden sicher nicht technische oder materielle Schwierigkeiten die Ursache deS Mangels. Viele Unternehmer bezeugen eine starke Antipathie gegen daS Be- kanntwerden der von ihnen gezahlten Löhne. Im Handelsgewerbe wird fast allgemein den Angestellten die Geheimhaltung ihrer Be- züge anempfohlen. Auch in der Großindustrie betrachtet man die Entlohnung als ein zu hütendes Geschäftsgeheimnis. Vielfach mag überkommene Gewohnheit die Ursache der Geheimniskrämerei sein. Obwohl in der Großindustrie die von den einzelnen Arbeitern geleisteten Schichten und ihre Lohnbezüge mehrmals gebucht werden, eine genaue Verdienstermittelung nach der Stundenleistung also leicht zu ermöglichen wäre, stößt die Forderung nach der Einrichtung einer gründlichen Lohnstatistik auch hier auf hartnäckigsten Wider- stand. Nur aus dem den Landcs-Berggesetzen unterstehenden Berg- bau werden die Löhne nach den Angaben der. Unternehmer amtlich festgestellt und veröffentlicht. Für die übrigen Arbeiter ist man im allgemeinen auf die berufsgenossenschaftlichen Angaben angewiesen. Sie werden auch durchweg bei der Ermittelung von Durchschnitts« löhnen sowie deren Veränderungen benutzt. Eine große Summe von Fehlerquellen, die sie enthalten, beeinflussen nicht nur die ab- solute Höhe der Löhne, sondern auch ihre Vergleichbarkeit nach Jahresreihcn für dieselbe Gruppe Arbeiter. Der Hauptmangel ist, daß nicht allgemein die wirklich gezahlten, sondern sogenannte an- rechnungsfähige Löhne ausgewiesen werden. Bis zum I. Oktober 1900 wurden die den Betrag von 4 M. pro Tag übersteigenden Verdienste nur zu einem Drittel ausgewiesen, seit dieser Zeit sind die Löhne bis zu einem Jahreseinkommen von 1800 M. restlos nach- zuweisen, der darüber hinausgehende Mehrverdienst kommt nur zu einem Drittel in Anrechnung. Außerdem sind vielfach sogenannte pauschalierte Einstellungen zulässig. Die Methode der Berechnung der Jahresdurchschnittslöhne erfolgt weiter bei den verschiedenen Berufsgenossenschaften nach verschiedenen Methoden. Die Verände- rung in der Berechnung des anrechnungSfäHigen Lohnes hat die Vergleichbarkeit unterbrochen; dazu bleibt die nicht restlose Er- fassung des Lohnes eine Fehlerquelle von veränderlicher Größe- Nun werden allerdings teilweise auch„tatsächlich gezahlte Lohn# summen" angegeben, und dazu sogenannte Vollarbeiter. Die ge« wählten Begriffsbestimmungen führen leicht zu einer falschen Auf- fassung. In den tatsächlich gezahlten Löhnen stecken in Wirklichkeit noch geschätzte Summen. Diese sind wiederum nach Jahren und Berufsgenossenschaftcn sehr verschieden. Für Lehrlinge. Jugendliche usw. kommen die ortsüblichen Tagelöhne Erwachsener in Ansatz. So ergeben sich für die Lohnberechnung Störungen nach beiden Richtungen; teilweise bleiben die Ansätze hinter den wirklich ge- zahlten Löhnen zurück, und zu einem anderen Teil werden höhere Beträge eingesetzt, als zur Auszahlung gelangen. Da eS sich dabei um schwankende Größen handelt, die Berechnungsmethoden ver- schieden sind und zudem wechseln, ist die Vergleichbarkeit der Nach- Weisungen sehr in Frage gestellt. Und ebensowenig wie die Lohn- bercchnungcn nach gleichen Grundsätzen erfolgen, geschieht das bei der Ermittelung der Zahl der durchschnittlich beschäftigten Personen oder der sogenannten Vollarbciter. Die landwirtschaftlichen Be- rufsgenossenschaften liefern überhaupt nur rechnungsmäßig er- mittelte Zahlen, sowohl für die Lohnnachweisung, wie für die Zahl der Beschäftigten. Die Secberufsgenossenschaft arbeitet nur mit rechnerisch erfaßten Durchschnittsbeträgen. Bei der Angabe der Vollarbeiter herrscht ebenfalls keine Einheitlichkeit. Die Brauerei- berufsgenossenschaft z. B. hat für die Jahre bis zum Erlaß des Sonntagsruhegesetzcs für einen Vollarbeiter 368 Arbeitstage unter- stellt, darauf einige Jahre 300 Tage, dann für eine lange Periode 330 Tage und schließlich wieder 300 Arbeitstage, wie daS Reichsversicherungsamt anweist. Unberücksichtigt bleibt ferner überall die Dauer der Arbeitszeit, oder es werden gar bei kürzerer als zehn- stündiger Arbeitszeit 10 Stunden als ein Arbeitstag gerechnet, wo- durch natürlich die Zahl der Vollarbeiter kleiner wird und die Löhne höher erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. Ueberstunden kommen nicht zur Anrechnung. Wie skeptisch man den Angaben gegenüber- stehen muß, demonstriert die folgende Zusammenstellung auS den Nachweisungen der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie. Danach betrug die Zahl der hurchschnittl. beschäst. Pers. Vollarbeitet 1903..... 174 669 168 960 1904..... 183 832 177 461 1905..... 192 381 185 820 1906..... 202177 195 356 1907..... 214 904 214 904 1908..... 216 157 216187 1909..... 219 601 219 601 1910..... 230 446 230 448 Seit 1907 stimmt die Zahl der Vollarbeiter mit der der durch- schnittlich Versicherten überein, vorher war diese erheblich größer' als wie erstere. Verteilt man nun die ausgewiesene Lohnsummi: auf die angegebenen Vollarbeiter, um die vermeintlichen vergleich-- baren Lohnangaben zu erhalten, dann ist das Resultat zweifellos' irreführend. Auf ähnliche Unstimmigkeiten stößt man in den meisten Jahresberichten der Berufsgenossenschaften. Und zu all den Fehlerquellen kommt noch die Unzuverlässigkeit der von den Unter-' nehmern angegebenen Löhne. Wie es nach dieser Richtung aussieht,. illustriert folgende Angabe aus dem Jahresbericht der Berufs-- genossenschaft der Molkerei-, Brennerei», und Stärkeindustrie fürr 1911. Dort liest man: „... Revidiert wurden 1911 von den 6 RechnuNgsbeamtei t im ganzen 795 Betriebe, also etwa 8,17 Proz. der eingetragene» r Unternehmungen. Unregelmäßigkeiten wurden in 192 Betrieben, da» find 24 Proz. der revidierten Betriebe, gefunden; und zwar wurde festgestellt, dag aus diesen 192 Betrieben 399311 M. an Löhnen zu wenig nachgewiesen worden waren....* Fast ein Viertel aller revidierten Betriebe hatten falsche An- gaben gemacht. Dah ein so wenig zuverlässiges Material nicht als geeignetes Instrument zur Ermittelung der Lohnverhältnisse gelten kann, liegt auf der Hand. Die Unternehmer wollen daS Dunkel nicht lichten, sie befürchten, daß eine einwandfreie Lohnstatistik das Mißverhältnis zwischen Lohn, und ZkiKpitcrlprofit allzu deutlich in die Erscheinung treten lassen könnte. Der Wille des Unternehmertums darf aber nicht maßgebend bleiben. Die Regierung hat die zweifellos viel schwierigere Produktionsstatistik eingerichtet, der Mangel einer einwandfreien Lohnstatistik sollte nun eigentlich nicht mehr zu be« klagen sein! Hus aller Melt. Wieder ein Unterseeboot in Gefahr. Wie daS.Echo de Paris" meldet, ist das französische Untersee- boot.Charles Brun" beinahe von einem schweren Unfall be- troffen worden. Als das Boot nämlich auf der Reede von VignetteS ein Manöver unter Wasser ausführen wollte, kippte es plötzlich nach vorn über und sank 39 Meter tief. Der Komman« dam ließ sofort die Plomben öffnen, so daß das Schiff wieder an die Oberfläche schoß. Die französische Marineverwaltung will die Nachricht von diesem Vorfall nicht bestätigen, kann sie aber auch nicht dementieren. � Das französische Marineministerium veröffentlicht jetzt den Be- richt der Untersuchungskommission über die Katastrophe der.Vcndö- miaire". Die Kommission ist der Ansicht, daß die Kollision nach der auS den Routen der beiden Fahrzeuge sich ergebenden Lage u n- verm eidlich gewesen sei, und daß infolgedessen der Kom- niandant der.Saint Louis" in keiner Weise für den Zu- sammenstoß verantwortlich gemacht werden könne. Des weiteren ist die Kommission der Ansicht, daß das Unter- seeboot durch den Sporn der.Saint Louis" entzwei- geschnitten wurde. Der Bug der.Vendsmiaire" sei sofort gesunken, der Stern habe sich gehoben und sei dann auch ge- funken. nachdem er dann ganz an Barkbord der.St. Louis" hin- gestreift hatte. Das Boot sei in 53 Meter auf Grund geraten. Die Schotten hätten sicherlich dem Wasserdruck nicht widerstanden, und ein starkes Ausbrodeln während fünf Minuten habe bewiesen, daß die.Vendömiaire" vollständig voll Wasser gelaufen s e i. Es sei deshalb zweifellos, daß die Besatzung sehr schnell umgekommen sei. Die Kommission sei überzeugt, daß nichts zur Rettung de? Unterseebootes getan werden konnte. Bon den Toten anferstanden. Der Köpenicker Hauptmann lebt! DaS ist die Sensation des Tages, durch das offiziöse Telegraphenbureau pflichtschuldigst der Mitwelt verkündet. Die vor einigen Tagen gebrachte Nachricht, daß der Schuhmacher und.Hauptmann a. D." Wilhelm Voigt in einem Londoner Spital gestorben sei, wird widerrufen, er erfreut sich vielmehr besten Wohlseins und weilt zurzeit in Lauscha in Thüringen zum Besuch. Wenn es wahr ist, daß Totgesagten ein langes Leben zu prophezeien ist, dann wird wohl der Hauptmann von Köpenick noch recht lange als ein lebendes Wahrzeichen der unbegrenzten Ehrfurcht vor der Offiziersuniform— und stamme sie auch auS einem Trödellaben der Rosenstrbßr— auf Erden wandeln. „Ein merkwürdiger Studentennlk" überschreibt ein Heidelberger Blatt folgende Notiz im offenen Sprechsaal: .Gestern sSonntag) abend nach der Schloßbeleuchtung gingen einige Studenten durch die Hauptstraße, als ihnen ein Kutscher mit einem Pferd begegnete. Die Studenten überredeten den Kutscher, mit ihnen in das Gasthaus.Zum Seppl" einzukehren und als dieser darauf einging, und hinter dem Bier saß, stieg ein Student auf das vor der Tür stehende Pferd, ritt zum Er- staunen der Gäste in die G a st st u b e und setzte dann den Ritt auf der Straße bis zum Bezirksamt fort. Als der Kutscher nachging und das Pferd verlangte, kam es zu einer Balgerei. Ein Schutzmann erschien und nahm den Kutscher wegen LärmenS in Haft. Die Studenten durften unbehindert weitergehen. Der Besitzer des Pferdes mußte es selbst zurückholen. Also die.Herren Studenten" durften.unbehindert" weitergehen, der Kutscher aber, dem man daS Pferd ausgespannt hatte, der wurde verhaftet. Heidelberg wird immer.berühmter" I Ordnung muft sein. Schon seit Jahren wird, wie der„G.-A." mitteilt, einem Ein- wohner der Stadt Düsseldorf seitens der Sleucrkasse der Nachbar- gemeinde Neuß regelmäßig in einem mit einer Zehnpfennig- marke beklebten Umschlage folgende Rechnung zugestellt:.Für Grundsteuer 5 Pfennig, davon ab als Gutschein für Jagdpacht 3 Pfennig, verbleiben 2 P f e n n i g, die an die Steucrkasse Neuß zu zahlen sind." Bisher hat der Steuerpflichtige diese Schuld prompt in Jahresraten aus der Welt geschafft. Nunmehr beabsichtigt er jedoch, die Steuer mit 1 M. für fünfzig Jahre im voraus zu zahlen. Von dem Entgegenkommen der Steuerkasse Neuß erwartet er dagegen, daß diese ihm das für den gleichen Zeitraum ersparte Porto mit 6 M. vergütet._ Kleine Notizen. Typhusausbruch, In Vormholz a. d. Ruhr ist der T h p h u S ausgebrochen. Vier Familien sind bisher dem Krankenhause zugeführt. Bis jetzt sind zwölf Fälle bekannt. Folgenschwere Kcssclexplosion, Am Donnerstagmorgen knrz nach S Uhr ereignete sich in den Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalz- werken eine schwere Kesselexplosion, wobei zwei A r b e it e r s o f o r t g e t ö t e t und zwei andere schwer verletzt wurden. Das Dach des Kesselhauses wurde zerstört und der Kessel 59 Meter weit von seinem Standort weggeschleudert. Die Ursache der Erplosion konnte noch nicht festgestellt werden. In der Kirche vom Blitz erschlagen. Wie aus Krakau gemeldet wird, schlug der Blitz in die Kapelle des Dorfes Krzywaczka in der Nähe von Krakau während des Gottesdienstes ein. Vier Per- sonen wurden getötet, sechs schwer und zwölf leicht verletzt. Der Bulkanausbruch in Alaska, lieber die Verheerungen, die der vor einigen Tagen tätig gewordene Vulkan Katmay anrichtete, wird noch gemeldet: Der Ausbruch des Vulkans hat sieben Fischer- orte zerstört, zweihundert Personen� sind um« gekommen. In der Umgebung von Kodiak herrschte infolge des dichten Aschenregens eine vierzig st ündige Dunkelheit. Der Pflanzenwuchs ist zerstört. Smgegangene Druchrcbriften. Noch in diesem Monat beschließt die in unserem Berliner Partei- Verlage erscheinende Zcilschrist.In Freien Stunden� den ersten Halb- jabresband 1312, Der in diesem zum Abdruck gelangende illustrierte Hauptröman.Terminal" von Emile Zola sür die Leier der»Freien Stunden" erreicht damit seinen Abschluß, Der Verlag gibt den Wonnenten der Zeitichrist mit dem letzten Heft eine gute Reproduktion des Kunstblattes von Walter Craine,.Der Triumph der Arbeit" gratis. .In Freien Stunden" kostet pro Hest 10 Ps, und wird durch alle Buch- Handlungen, Spediteure und Kolporteure geliefert. Auf Wunsch stehen auch Probehefte kostenlos zur Verfügung. .Kommunale Praxis�. Wochenschrist für Kommunalpolittk und Gemeindesozialismus, Verag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b, H,, Berlin. Jede Woche erscheint ein Hest zum Preise von 30 Pf. Abonnements losten pro Quartal 3 M, Bestellungen nehmen alle Post- anstaltcn, Buchhandlungen und Speditionen entgegen. Probenummern kostenlos vom Verlag., Die im Schatten leben. Drama auf der roten Erde, Bon Emil Rosenow. 1öS S, H, Essig, Berlin, Das Depofitenwefe» tn Deutschland. Von H. Meitzer. 4 M. G, Fischer, Jena. Was Halten Sie von „RornfrancK"? 26 Den echten„Kornfranck" xlbt es nur in den grünen Pakelen. Todes-Anzeigen 3 Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der ehemalige Stadtverordnete, Gast» Wirt 6031 Karl Seidel nach langen, schweren Leiden sanft entschlascn ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme ticsbctrübt an Vvau A. Sicidel neb» Kindern. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 14. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des ThomaSkirchhofcs, Neukölln, Her- mannstraßc, aus statt. Sozialdemokrat. Wahlverei» sür den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Köpeniiter Viertel. Bez. 163, Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt ItarK Seidel gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 14, Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des ThomaS-Kirchhoses, Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/S Der Vorstand. Veriignlj Meisn Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Gustav Joch Alt-Glienicke am DienSIag, den 11. d. MtS,, gestorben ist. Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 14, Juni, nach- mittags 4 Uhr, vom Traucrhause, Köpenicker Straße 45. auS statt, 73/8_ Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsdalle Berlin. Ten Kollegen zur Nachrichi, daß unser Mitglied, der Mechaniker krunc) lkrtack am 11. d. M, an Lungenentzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15, Juni, nach- mittags 1 Uhr, in Leipzig statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Lodert Klitsdier (Treptow, Baumschulenftr, 13/20) am 13. d, M. an Lungenleiden, Die Beerdigung findet ain Sonntag, den 16, d, M,, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Treptower Gemeinde- Kirchhofes, Neue Krugallee aus statt.- 113/4 Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet 113/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbel- Polierer Wilketm Wendt Kochharr-straße 25, im Alter von 40 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 14. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Aus- crstebungS-Kirchhofcs inWeißenscc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/3 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Dem Deutschen Transportarbeiter- Verband sür die Kranzspende meinen herzlichsten Dank. 20a Mtwe iyeri« Rvst. iMfäl-Miei!- und Sterbe- {M. deutschen Wapbaußr Filiale Neukölln II. Am 10. Juni verstarb unser Mitglied, der Schmied Wilhelm Hadon Rosenslr. 4. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Frctag, den 14, Juni, nachmittags 2ll% Uhr, vom Neuköllner Ge- mcmdc- Friedhos, Mariendorscr Weg, aus statt. 257/15 Die Ortsverwaltung. Verhand der Böttcher, ffeinkiifer und Billsarbeiter Deutschlands K? Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Xuxust Hotfinsim am 10. Juni im Alter von 66 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag aus dem Fried- Hose in Ahrensselde statt.— Ab- sahrt 2 Uhr vom Schlcfischen Bahn- hos(Wriezener Baonsleig). Um rege Beteiligung ersucht 33/6 Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters �Voelltv lagen wir allen Freunden und Be- kannten, dem Holzarbeiter-Verband sowie Herrn Schütte sür die trosl- reichen Worte am Sarge des Ent- fchlasencn herzlichen Dank, 2071b �'ilkivlailiie HVovIIrv nednt liindera. Danksaguny. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie sür die Kranzspenden bei dem Hinscheiden unseres lieben Vaters sagen wir den Kolleginnen und Kollegen der Firma Professor H, Aron unseren herzlichsten Dank, 2066b Geschwister Rothe. Segel-Klub Jralernitas" E. If. Berlin 1891. Öttwajl erfüllen wir die trau- rige Pflicht, unseren Mitgliedern von dem Ableben unseres Sports- genossen Walter Lemkk Kenntnis zu geben. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jerusalemer Kirch- boscS in Neukölln, Hermann- ftraße, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 2074b Der Vorstand. Arbeiter- Radtahrer- Bund Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den Iß. Juni. Alle Abteilungen am 15., abends 8 Uhr, am 16., früh 6 Uhr: Trebbin. 1, u. 2, Abt.: 12 Uhr: Trebbin. Start: Bülowfw. 58. 2. Abt. Start: Schönleinsir, 6, 3, Abt.: 12'/, Uhr: Malchow-Linden- berg. Start: Lausitzer Platz 11. 5, Abt.: 2 Uhr: Hirschgarten. Start: Elyfium. 6, Abt.: 1 Uhr: Mönchsmühle, Start: Oderbcrger Str. 28. 7. Abt.: 1 Uhr: NichterShorn(Reck). Start: Schulstr. 23, 8. Abt.: 12 Uhr: Lindenberg. Start: Levctzowstr. 21. 3, Abt: 8 u, 1'/, Uhr: Reinicken- dors(SttstungSsest), Start: Schilling- straße 22. Jugendliche Bundesgenossen: 7 Uhr: Trebbin. 1 Uhr: Mariendors. Start: Stralauer Brücke 3. Achtung! Bezirksfest! DaS BezirkSseft deS 21. Bezirks findet am Sonntag, de« SS. Juni, in Rummelburg(Cass Bcllevue) statt, Um zahlreiche Beteiligung der Bundes- genossen und deren Angehörigen bittet Die Bezirksleitung. Reinickendorf. 7. Stiftungsfest bei Paul Anders, Hauptstr, 51. Korso: 3 Uhr, Start: im Festlokal. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. 11/17 1 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden beider Beerdigung unseres lieben Sohnes, des Schlossers franz Binkowski sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, dem Metallarbetterverbande, dem Wahlverein des 4, Reichstags- Wahlkreises, den Deutschen Telephon- merken, dem Sparverein.Fortuna" sowie den Sängern unseren ttes- gesühltesten Dank, 60� Familie Binkowski. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung msincS lieben Mannes sage ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank, 10a Witwe Emma Beuschel, Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2—4 VorwärtS'BibHothek Eine Sammlung volkstümlicher Romane und Erz&hlnngen Soeben neu erschienen: Band H Der Ausweg Erzählung von Ernst Preozang Preis: gebunden I M. Band I Erweckt Roman aus dem Proletarierleben von A. 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Die Parteigenossen wollen, damit diese Arbeit gewissenhast ausgeführt wird, sich in den bekannten Lokalen vollzählig einfinden. Das Wahlkomilee. Wannseee. Morgen� Sonnabend, den 15. d. Mls., abends /z9 Uhr, im„Fürstenhof"(D. Ackermannl■' Generalversammlung des Wahlvereins. Neuwahl des gesamten Vorstandes. Da außerdem eine reichhaltige und wichtige Tagesordnung zu erledigen ist, werden die Mitglieder gebeten, pünktlich zu erscheinen. Britz- Buckow. Zur Rosenblüle in Britz am 16. Juni feiert der dortige Wahlvereiii ein Rosenfest in„Raddatz Festsälen", verbunden mit Gartenkonzert und Spezialiiätenvorstcllung. Das Konzert wird vom Neuen Tonkünstlerorchester, Dirigent Hollfelder, ausgeführt. Billetts a 30 Pf. find an der Kasse zu haben. Der AuSichilfi. Ober-Schöneweidc. Am Sonntag, den 16. Juni, findet ein Aus- flug der Parreigenofien nach Ahrensfelde, Lokal Schneider, statt. Es wird erwartet, dafi sich die Parteigenossen mit ihren Familien daran beteiligen. Abfahrt vom Bahnhof Friedrichsfelde sWriezener Bahn) 2 Uhr 40 Minuten bis Ahrensselde. Fahrpreis 20 Pf. Die Bezirksleitung. Niederlehine. Sonnabend, den 15. Juni, abends 8 Uhr, im Lokal von Gustav Koch, Jägersruh, Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: Vortrag des Genossen Max Groger. Abrechnung von der Maifeier. Verschiedenes. Zernsdorf. Am Sonnabend, den 15. Juni, abends 8>/z Uhr, im Lokale von I. Knorr: Ordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung.- 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vorstandes, der Funktionäre und Neuwahl derselben. 3. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Der Lorstand. Lichtenrade. Sonnabend, den 15. Juni, abends 8>/z Uhr: Mit- gliederversammlung. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu er- ledigen. Alt-Glie»icke. Am Sonnabend, 15. Juni, abends 8Vz llhr. findet für den Bezirk Ortsteil Falkenberg Zahlabend bei Schäfer statt. Der Vorstand. WaidmannSlust und Umgegend. Sonnabend, den 15. Juni, abends 8V, Uhr: Fortsetzung unserer letzten Mitgliederversammlung im Lokal„Waldschenke" der Gartenstadt Frohnau sJnhaber W. Blesfinl, am Bahnhof Stolpe. Die Bezirksleitung. Miihlrnbcck(Bezirk Nieder- Schönhausen). Am Sonntag, den 16. Juni, nachmittags 4 Uhr, im„Gasthof zur Sonne"(Inhaber A. Barsch): Oeffcntliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung:„Reichstag und Preußischer Landtag". Referent: Redakteur Genosse'Paul I o h n- Berlin. Die Einwohnerschaft von Blankenfelde, Schildow, Summt und Schönfließ ist zu dieser Ver- sammlung eingeladen. Die Agitationskommission. Siaiida». Heute, Freitag, den 14. Juni, abends SVa Uhr. außerordentliche Generalversammlung im Lokale von Emil Kocpenick, Pichelsdorfer Straße 39. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Enril Unger. 2. Stellungnahme zu dem Statntenenlwurf des Ver- bandeS der Wahlvercine der Provinz Brandenburg. 3. An den Bor- stand gestellte Anträge. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. berliner J�acbricbten. Am Scharmützclfee. „Groh ist er und schön zugleich," singt Fontane, der Dichter der Mark.„Wer ihn einmal gesehen hat. vergißt ihn nicht wieder. In wohliger Freiheit schwelgte ich. als tch auf diesem zwei deutsche Meilen langen und anderthalb Kilonicter breiten herrlichen Wasser kreuzte. Ein brandenburgisches Meer ist es. Hier sind alle intimen Schönheiten der Mark ver- treten." Als der beste Schildere! märkischer Naturpoesie das schrieb, war die Umgebung des Scharmützelsees noch eine von der Kultur fast unberührte halbe Wildnis. Ringsum wogendes Schilf, dichter Nadel- und Laubwald, über den Wipfeln die blaugrauen Konturen der Rauener, Dubrower und Soldaten- berge. Schon die alten Germanen haben, wie Gräberfunde beweisen, hier an der„märkischen Ostsee" gehaust, an ihre Stelle sind später brandcnburgische Rittergeschlechter getreten, deren Herrensitze noch jetzt wie Adlerhorste versteckt an den see- umsäumenden Bergen zwischen lieblichen Dörfern mit wallen- den Kornfeldern kleben. Die letzten Jahre erst haben den Scharmützelsee auS dem Dornröschenschlaf geweckt. Modernes Leben leckte gleich mit Macht heran. Das bebaute oder be- bauungsreise Neuland, unnnttelbar an den Seeufern, ist auf wohlhabendere Verhältnisse zugeschnitten. Fünf Minuten vom See entfernt erhebt sich die Landhauskolonie Saarow- Pieskow. Gent wird diese Siedelung beim Scharmützelsee mit einer Art besserer Laubenkolonie verglichen und mit dem „WeeK end", wie der in England typisch gewordene große Wochenfeierabend heißt. Die dem See an seinen beiden Spitzen vorgelagerten Rittergüter Saarow und PieSkow sind von der Berliner Landbank angekauft und mit der 1575 Hektar großen Wasserfläche, die früher dem Freiherrn v. Reitzenstein gehörte, sowie mit der ganzen Nordhälfte der 4000 Morgen umfassenden Landgebiete am See zu einem Großbetriebe ge- fügt worden. Prächtige Villen und saubere Straßen haben einen regelrechten Kurort erschlossen, dem eine Zukunft blüht nach dem Muster der Grnnewaldkolonien. Aus der simplen „Pechhütte", wo einstmals- der einsame Wanderer belebenden Trank heischte, ist ein hochmodernes Kurhaus mit Glasveranden und Aussichtsturm geworden. Daneben finden wir bereits ein Pädagogium(Reformrealgymnasium), ein Mittelstands- sanatorium.cineFamilienschule. einenWassertum, einen prächtigen Kurpark und aüe sonstigen Errungenschaften neuzeitlicher Gartcnbautechnik. Eine in großem Stil angelegte Promenaden- firaße mit vierfachen Baumreihen führt von der Kolonie Scharmützelsee-Nord in lcichlen Linien nach der zweiten Land- baukolonic, dem eine halbe Stunde entfernten Pieskow. Für Ruder- Segel-, Angelsport ist in weitreichendster Form gesorgt. Ter KischreickttlM des Soet toll ungeheuer sein. Tie Bfo-e- anflalten sind von morgen?-7 bis abends 8 Uhr geöffnet. Auf dem aroßen Werl, einer der beiden Inseln im See. wurden umzäunte Lust- und Lichtbäder eingerichtet. Den Touristen, der mit Gcldausgaben haushalten will, interessieren ins- besondere die zahlreichen und vielseitigen herrlichen Einzel- vartten. Zu empfehlen sind �.ouren nach dem„Lärchen- arund" mit prächtigen Laubholzbeständen, nach„Fontane- park" und„Alte Eichen" an der Motorboothaltestelle, nach der„Schönen Aussicht", dem„Pieskower Hals", ferner nach den Soldatenbergen mit Ausblick auf den Peters- dorfer See, über Neu-Holm nach den wundervollen Wald- gebieten an den Dubrowbcrgen, bor allem nach den Eichen- gründen der Rauener Berge mit den sagenunnvobcnen Mark- grafensteinen. Sämtliche Touren sind farbig markiert, so daß man leicht zurechtfindet. Man erreicht den Scharmützelsee am bequemsten mit der Staatsbahn in anderthalb Stunden bis nach Fürftenwalde, von da in 20 Minuten mit der Kreisbahn bis nach Saarow-Ost. Billige Nachtquartiere(schon von 1 M. an) ermöglichen es, sich den ganzen Sonntag zu un- getrübtem Naturgenuß freizuhalten. Umständlicher, doch sehr reizvoll ist eine sechsstündige Dampferfahrt von der Jannowitz- brücke über die Oberspree und Dahme, den Wolziger und Dolgen-See nach Jagdschloß Schwarzhorn am Scharmützelsee; also eine ähnliche Dauerfahrt wie die nach Teupitz. Wer es mit seiner Zeit einrichten kann, soll lieber den Zweitagetouren- Dampfer, in dessen Fahrgeld auch das Nachtquartier ein- begriffen ist, benutzen. Man hat dann für Fontanes Lieblingssee mehr als einen vollen Tag übrig. Beim HeranSlchnen von Lokomotiven oder Wagen sind auf Bahn- Höfen häufig Angestellte der Staatsbahn durch Anstoßen an feste Gegenstände zu Schaden gekommen. Wenn auch der vorgeschriebene lichte Raum freigehalten war und die Verletzten sich zu weit vor- gebeugt vatten, so hat die Untersuchung doch ergeben, daß die Gegen- stände entweder weiter vom Gleis abgerückt werden tonnten, oder daß eine Notwendigkeit sie zwischen oder unmittelbar neben den Gleisen aufzustellen nicht vorlag. Bei der Aufstellung solcher Gegen- stände soll daher mehr wie bisher den aus dem Betriebe ent- springenden Gefahren Rechnung getragen werden. Ter Magistrat hat die Berlin-Trcptow-Sternwarte verpflichtet, vom 1. April 1912 ab den von Lehrern geführten Schülern der städtischen Schule» nickt nur den Besuch der Sternwarle, sondern auch den des damit verbundenen astronomischen Museums unter sach- verständiger Führung und einen Lichtbildervortrag im großen Vor- iragssaal kostenfrei darzubieten. Für den Besuch sind die Wochen- tage Montag oder auf besonderen Wunsch auch Mittwoch in Aussicht genommen. Als Besuchszeit sind die Vormittagsstunden 9 oder 9'/z Ubr festgesetzt. ES kommen nur Schüler und Schülerinnen der I. Klassen in Frage. Das Kuratorium der städtischen Heimstätten hat in seiner letzten Sitzung u. a. beschlossen, von einem Erweilerungsbau der Heimstätte in Buch in Rücksicht darauf abzusehen, daß die Unterkunftsstätten für Tuberkulöse möglichst bald geschaffen werden. Es soll aber für Kinder, die der Tuberkulose verdächtig sind(skrofulöse, unter« ernährte usw.), durch Errichtung von Heimstätten in größerem Um fange gesorgt werden. Ein Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag in der Neuen Königstratze. Als die 40 Jahre alle Frau Wilhelmine des Schneiders Weiß aus der Christburger Str. 13 den Fahrdamm überschreiten wollte, geriet sie zwischen einen Straßenbahnivagen und eiuen Omnibus. Außer einigen Ouetschungen erlitt sie eine Gehirnerschütterung und mußte nach der Hilfswache in der Keibelstraße gebracht werden. Nach- dem sie hier einige Zeit behandelt worden war, wurde sie, da sie das Bewußtsein wieder erlangte, auf eigenen Wunsch nach ihrer Wohnung entlassen. Zu iev Schreckenstat einer Mutter, die, wie wir berichteten, am Dienstag in der elften Nachtstunde an der Schloßbrücke zu Charlottenburg mit ihren zwei kleinen Kindern inS Wasser sprang und mit dem Mädchen ertrank, wird mitgeteilt, daß es sich um die Ehefrau des Schlossers Ernst Hellmuth aus der Kiefholzftraße in Treptow handelt. Seit sechs Jahren hat H. mit seiner Frau in glücklicher Ehe gelebt, doch ist die Frau schon längere Zeit sehr nervös und leidend gewesen. Am Dienstagmittag ist sie mit den beiden Kindern von Haus fortgegangen und hat in einem hinter- lassenen Briefe die Absicht geäußert, aus dem Leben zu scheiden. Die Kinder werde sie mitnehmen. Der Ehemann suchte zunächst in Treptow nach seiner Familie, ohne sie zu finden. Der im Kranken- bause Westend befindliche Knabe wurde gestern mittag von dem Vater mitgenommen. Zahlreiche Personen an Fleischvergiftung erkrankt. In Ober- schöneweide sind zahlreiche Personen, darunter zwölf schwer, an Fleischoergiftuitg erkrankt. Nach den angestellten Ermittelungen sind die Erkrankungen auf den Genuß von Schabe- und Hackfleisch zurück- zuführen, das von einem Schlächter in der Westeiidstraße gekaust worden war. Der Rest des Fleisches ist beschlagnahmt und der NntersuchungSanstalt für NahrungS- und Genußmittel übergeben worden. Ein schwerer Strahenunfall, bei dein ein kleines Kind seinen Tod fand, ereignete sich gestern an der Ecke der Marienbitrger und Winsstraße. Dort wurde ein vier Jahre alles Mädchen von einem Scklächterwagen eines Engrosschlächtermeisters überfahren. Das Kind erlitt schwere Kopfverletzungen und wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht, der aber nur noch den Tod fest- stellen konnte. Die Schuldsrage ist noch nicht aufgeklärt. Eine kaum glaubliche SittlichkeitSaffäre beschäftigt die hiesige Kriminalpolizei. Vor einiger Zeit halte sich der Wiesenstr. 10 wohnhafte 35 jährige Richard W. wegen Mißbrauchs der fünfzehnjährigen Slichtochter vor dem Strafrichter zu verantworten. Das juiige Mädchen ivurde, als eS kaum die Schule verlassen hatte. Mutter. Bald hatte sich ein beftiminter Verdacht gegen den Stiefvater ge- richtet, er könne der Vater des neugeborenen Kindes sein. Er wurde auch verhaftet, doch konnte vor Gericht seine Verurteilung nicht er- folgen, weil sowohl die Stieflockter als auch seine Ebefratt die Aussagen verweigerten. Aus dem UntersuchmigsgefättaniS entlassen, soll 28. die Attentate auf seine Stieftochter fortgesetzt haben. Die Ehefrau begab sich mit ihrer Tochter wieder zur Polizei und gaben die Strasiaien des MainteS an. Auch erklärte sie, niflj der Tochler nunmehr vor Gericht aussagen zu wollen 28. wurde daraufhin sofort verhaftet. Unvorsichtiges Hantieren mit der Schusiwasie hat wieder einmal großes Unheil hervorgerufen. Gestern abend wurde die Müller- straße 65 wohnhafte Ebefrau Stephan von dem Kaufmann Stolzen- berg angeschossen und ichiver verletzt. Frau St. war in der nettttien Stunde aus dem Hause Müllerflr. 179-». wo sie Bekannte besucht hatte, herausgetreten, als plötzlich in nächster Nähe eilt Schuß krackte. Getroffen brach die Passanttit zusammen. Eine Kugel hatle der Utt- glücklichen die Schlagader am Hals durchbohrt. Blutüberslröint wurde Frau St. nach der Unfallstation in der Lindower Straße und von dorr nach Anlegung vo» Notverbänden nach dem Birchow- Kranlenhause gebracht Der Zustand ist reckt bedenklich, da die Bmt- Verluste äußerst starke ivaren. Der verhängiiisvolle Schuß war, wie sich herausstellte, von Sl. abgegeben worden. Sl. hatte von einem Portier ein Tesching zur Besichtigung erhaltttt. doch wußte er nicht, daß die Waffe geladen war. Während er mnr an der Waffe herum- hantierte, entlud sie sich von selbst und das Geschoß traf unglücklicher- weise die vortiberkommende Frau Stephan. Als St. sah, was er angerichtet hatte, wollte er sich das Leben nehmen. Er wurde jedoch daran gehindert tntd fortwährend beaufsichtigt. Das Bcrbrrchcii von Frohnau hnt nach langwierigen Ermitte- lungen der Krtminalpolizei jetzt endlich seine Ausklärttng gesunden. Wie wir mitteilten, wurde am 3. v. Mts. der Forstausseher Scherf von einem Einbrecher, den er auf der Chaussee stellte, durch mehrere Schüsse in den Unterleib so schwer verletzt, daß er starb. Die Nach- forschungen der Polizei haben jetzt zweifelsfrei ergeben, daß der Mörder deS Amtsdicners Klcinschmidt aus Nauen auch der Mörder des Forstaufschers Scherf ist. also der am 29. April 1879 ge- borene Schlosser Fritz Pieper. Man konnte feststellen, daß der Einbruch in Gransee bei dem Kattsmann Söhring, der am Tage vor dem Verbrechen in Frohnau ansgesühtt wurde, von dem- selben Manne und einem zweiten verübt wurde, der den Forst- aufseher niederschoß. Die beiden Einbrecher in Gransee sind niemand anders gewesen als Pieper und sein Spießgeselle Koch. In der Wohnung des Kock wurden außer der Schokolade, deren Fund wir mitteilten, auch noch einige Karton? gefunden, die bei Söhring gestohlen worden sind. Wie es kommt, daß nur Pieper das Zn- sammentreffen mit dem Forstanfseher hatte, erklärt sich so: Als beide am Abend vorher den Einbruch ausgeführt hatten, fuhr Koch mit der Beute mit der Bahn nach Berlin, Pieper dagegen, der ein Rad bei sich führte, um nickt aufzufallen, mit dem Rade. Aus der Fahrt von Gransee nach Berlin wurde er dann von Scherf ange- halten. Daß Pieper auch der Mörder des Forstaufsehers ist, geht noch daraus hervor, daß Kleinschmtdi sowohl wie Scherf mit Kugeln aus einer Pistole erschossen worden sind, und zwar mit der bei Pieper gefundenen Dienstpistole eines Gendarmen. Erschossen hat sich der 39 Jahre alte Maurer Wilhelm Baußmann aus der Pappelallee 65. Unglückliche Familienverhältnisse haben ihn zu der Tat veranlaßt. Gleichfalls durch Erschießen hat sich auch der 42 Jahre alte Arbeiter Otto Schulz aus der Reinickendorfer Str. 42 das Leven genommen. Der Grund soll in einer Abweisung eines Heiralsantrages zu suchen sein. Die Kehle zu durchschneiden versuchte sich vorgestern nachmittag der 44 Jahre alte frühere Referendar Wilhelm Betttnelburg aus der Ticckitraße 16. Beumelburg ist der Sohn eines Rittergutsbesitzers aus Ostpreußen. Bis vor fünf Jahren stand der Mann wegen seiner Trunkenheit unter Kuratel. Auch jetzt ist er noch ein starker Trinker. Wenn ihm am ersten eines jeden Monats von seinem Vater 150 M. zum Lebensunterhalt geschickt wurden, so trank er so lange, bis das Geld verbraucht war. Vorgestern versuchte er, da er schon wieder einmal kein Geld mehr hatte, seine Wirtin um 20 M. anzuborgen. Das schlug diese ihm jedoch ab. Darauf schliff Beumelburg sein Rasiermesser, steckte es ein und ging zum Tiergarten. Auf einer Bank sitzend versuchte er nun sich damit die Kehle zu durchschneiden. Ein Schutzmann, der sein Vorhaben sah. sprang hinzu und riß ihm das Messer weg. Er hatte sich aber schon eine stark blutende Ver- letzung beigebracht. Der Beamte brachte ihn deshalb mit einer Droschke zur Charitö, wo er noch schwer daniederliegt. Verloren hat am Sonnavendnachmittag um 4 Uhr ein zwölf- jähriges Mädchen ein kleines schwarzes Portemonnaie, das ein Zehn- mar'slück enthielt, in der Skalitzer Straße vor den Häusern 6— 8. Der ehrliche Finder wird gebeten, eS Adalbertftr. 20, Hof rechts in, abzugeben. Am Sonnabendabend ist in dem Zuge 6,40 Görlitzer Bahn— Wusterhausen ein Paket in griin-grauem Packpapier liegen geblieben, das eine neue Wagenlaterne und eine neue vernickelte Radfahrer- laterne enthielt. Da der Verlierer ersatzpflichtig ist, bittet er um Rückgabe der Laternen in der Fundannahmestelle auf dem Görlitzer Bahnhof._' Torort- Nacbncbten» Wilmersdorf-Halensee. Finanzen, Rathausbau und Nordpark. Die Stadtgemeinde Wilmersdorf oder vielmehr die für ihre Leitung maßgebende große konservative Fraktion tat sich bisher, sehr viel darauf zugute, daß sie unter der allgemeinen Groß-Berliner Finanzkalamiiät nicht zu leiden habe. Als die Gemeinde mit der zahlungsfähigsten Einwohnerschaft in ganz Preußen verschmähte sie es hochmütig, mit den übrigen Groß-Berliner Stadtgemeinden zur gemeinsamen Regelung der Steuerfrage zusammenzuwirken und die vom kurzsichtigen Egoismus eingegebene Eigenbrödelei brachte Wilmers- dorf in kommunalen Kreisen allgemach in den Ruf, den in der Arbeiter- schaft die für den Staat besonders nützlichen Elemente, die Arbeits- willigen, genießen. Verschiedene Zlnzeichen sprechen dafür, daß das Sprich- wort, wonach Hochmut vor dem Fall kommt, sich auch hier bewahr- heilet. Man wird sich selbst in den Kreisen der Koinmunal-Konser- vativen darüber klar, daß in fittaitzieller Hinsicht der Stadt das Feuer unter den Nägeln brennt, und daß es in diesem Jahre höchst- ivahrscheinlich daS letzte Mal gewesen sein wird, wo man sich in der Frage der gemeinsamen Erhöhung des Steuerzuschlages dem Groß-Berliner Verlangen widersetzte. Inzwischen wendet man aber zum Ausgleich Mittel an, die recht sehr an die Gepflogenheiten gewisser Krediispekulanten erinnern. Wie diese vor allem durch ei» protziges Auftreten ihre Gläubiger zu täuschen suchen, so glaubt auch Wilmersdorf in Aeußerlichkeiten etwas draufgehen lassen zu müssen. Der Plan, ein Zehnmillionenrathaus zu bauen, ist in dieser Hinsicht bezeichnend. ES wurde hervorgehoben, daß die Stadt die verlangten zehn Millionen Mark draufgehen lassen müsse, wenn sie ein würdiges und den späteren Bedürfnissen vollständig genügendes Bauwerk errichten wollte. Mag�sein. Dem ist aber entgegenzuhalten erstens, daß es der Stadt noch vielfach an wichtigeren Einrichtungen als dem Rathause fehlt, zweitens, daß die Frage des kommunalen Zusammenschlusses mit Charlotten bürg oder S ch ö n e b e r g, der ein Rathaus überflüssig macht, nicht wieder von der Bildfläche verschwinden wird, und drittens, daß aus diesem Grunde ein als Provisorium durchaus genügendes VerioaltuitgSgebäude bereits vorhanden ist. In dem von der Stadt erworbenen Joachimsthalschen Gymnasium nämlich. daS an die 300 Zimmer und Säle zählt und mit Llufwendtiitg ciniaer hunderttausend Mark recht stattlich für Bureau- und Sitzungszwecke hergerichtet werden kann. Kommt dieser auch in der Stadtverordnetenversammlung gemachte Vorschlag zur Verwirklichung, dann ist Wilmersdorf auch der Sorge ob der Aus- Nutzung des Schulgartens, der das Gymnasium umgibt, überhoben. Der zum Teil gerade von den konservativen Leuten dem Magisir-rf gemachte Vorwurf, daß er eS auf Demolierung der Parkanlagen ab- gesehen habe, ist zwar hinfällig; aber so belanglos, wie es von den Interessenten hingestellt wird, ist die Frage denn doch nicht, ob das Gelände ganz oder nur zum Teil als öffentlicher Park hergerichtet wird. Der Magistrat kann es niit gutem Gewissen den Steuerzahlern gegenüber verantworten, einzig das Hauptgebäude auf dem Grundstück stehen zu lassen und alles andere Gelände in einen Park umzuwandeln, wenn er die zehn Millionen für einen RathauSbau spart. Aber auch für den wenig wünschenswerten Fall, daß auS finanziellen Rücksichten die Professorenhäuser im Garten der Terrain- spekulaiion überantwortet und noch einiges Gelände mehr mit öffentlicheit Gebäuden bepflanzt werden sollte, muß mit aller Ent- schicdeiiheil dagegen Einspruch erhoben werden, daß zum Ueberfluß auch noch eine K t r ch e im Park zu stehen kommt. Nach allem, was aus früheren DeputationSverhandluitgen herauSsickert, hat eine zeitlang tu der Tat heim Magistrat die Absicht bestanden, der evangelischen Kirchengemeinde ganz umsonst einen Platz im Joach�vsthalschen Gelände zu überantworten. Für eine solche Parkziero? bat nun selbst in- Wilmersdorf die Mehrheit der Bevölkerung kei.' Verständnis; und es wird darauf hinzuarbeiten sein, daß der Kirchengemeinde selbst gegen Bezahlung nichts von dem Platze überlassen wird. Alle? in allem aber ist es möglich, die 4Vg Millionen Mark, die für das JoachimSthalsche Grundstück an den Fiskus zu eittrichien sind, derart zu buchen, daß die Ausgabe die Bevölkerung nicht allzu- sehr drückt. Man braucht sich in Wilmersdorf nur einer Protzen- haftigkeit zu entledigen, die den tatsächlichen Verhältnissen ganz und gar nicht entspricht. Neukölln. Wahlrecht und KrankcuhaiiLbchaudluug. Schon bei den letzten Etatsberatungen wurde von unseren Parteigenossen im Stadt- Parlament darauf hingewiesen, daß eS ein'unhaltbarer Zustand sei, daß Wähler, welche für sich oder ihre Familienangehörigen Kraulen- Hausbehandlung in Anspruch genommen baben, die Kosten dafür aber nicht gleich bezahlen können, ihres Wahlrechts verlustig gehen, da die nicht bezahlte Krankeuhausrechuung als Armen- Unterstützung angesehen wird. Unsere Genossen verlangten, daß ein Extrafonds für derartige Zwecke angelegt werden sollte, damit die Krankenhauskosten nicht aus der Armenkasse gezahlt zu werden brauchten. Vom Magistrat wurden verschiedene rechtliche Ein- Wendungen gemacht,' schließlich wurde aber doch die Angelegenheit an die Armendeputation verwiesen. Die Etatsberatungen waren kaum vorbei, da erschien in der „Neuköllnischen Zeitung" am 12. April eine Notiz, wonach den Grosp Berliner Gemeinden demnächst ein Antrag zugehen wird, der Maß- nahmen treffen soll, daß die Gewährung von Krankenhauspflege nicht mehr als Armenunterstützung anzusehen ist. In der Notiz wurde dann auf die Maßnahmen Charlottenburgs verwiesen, wo man eS verstanden hat, eine andere Regelung zu treffen, und gleich zeitig wurde bemerkt, daß der Neuköllner Magistrat sich bereit er- klärt hat, den gleichen Weg einzuschlagen, wie Charlottenburg. Wenn nun der Magistrat die Absicht hatte, hier Aenderuugen zu treffen, so wäre es notwendig gewesen, doch noch vor der neuen Aufstellung der Wählerlisten eine dementsprechende Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung zu bringen, bis jetzt ist es jedoch noch nicht geschehen. Da aber gleich nach dem Juliumzugs termin mit der Aufstellung der neuen Wählerlisten begonnen wird, so dürfte es allerhöchste Zeit sein, daß der Magistrat dem noch nachkommt, da sonst die ganze Angelegenheit wieder auf ein Jahr verzögert wird. Inzwischen ist nun selbst durch ein Urteil des Bezirksausschusses zu Potsdam vom 5. März 1912 eine kleine Besserung in der Rechts läge eingetreten. Durch die Städteordnung wird bestimmt, daß derjenige, der im letzten Jahre Armeiiuuterstützung erhalten hat, seines Wahlrechts verlustig geht. Und da nicht bezahlte Krankenhauskosten als Armenunterstützung betrachtet werden, so wurde es vielfach von der Gemeinde so geHand- habt, daß ein Wähler seines Wahlrechts verlustig ging, auch wenn er bereits die Kosten ratenweise zurückerstattet hatte, jedoch seit der Inanspruchnahme der Unterstützung noch kein Jahr vergangen war. In dem oben erwähnten Urteil handelt es sich um einen Neu- köllner Wähler, der gegen seine Nichtaufnahme in die Wählerliste Klage beim Bezirksausschuß erhoben hatte. Die Stadtverordneten- Versammlung hatte aus zweierlei Gründen seine Aufnahme in die Liste abgelehnt. Der zweite Grund, der hier interessiert, war, daß seine Ehefrau Krankenhausunterstützung in Anspruch genommen hätte. Dieser Auffassung trat der Bezirksausschutz entgegen, indem er erklärte: „Dieser Versagungsgrund greift nicht durch, weil eine Armen- Unterstützung nur die Eigenschaft eines Vorschusies hat, dessen Tilgung auch die politischen Folgen der Armenunterstützung beseitigt." Gegen dieses Urteil ist keine Berufung eingelegt, somit hat es Rechtskraft erlangt. Demnach sind die Gemeindeverwaltungen jetzt verpflichtet, alle diejenigen in die Wählerliste aufzunehmen, welche Krankenhausunterstützung in Anspruch genommen haben, sie aber bis zum Tage der Auslegung der Wählerliste zurückgezahlt haben; serner alle diejenigen, welche in einer vorübergehenden Notlage Armen- Unterstützung in Anspruch nehmen, diese aber bis Auslegung der Listen zurückzahlen. Hoffentlich kommen die Gemeinden Groß- Berlins bald dazu, einige der gröbsten Härten des Wahlrechts durch Schaffung solcher Fonds zu beseitigen. Ei» schwerer Automobilunfall ereignete sich am gestrigen Donnerstagnachmiltag gegen'�S Uhr am Hermannplatz. Dort wollte der Llljährige Kaufmann Gustav Rummel, Weserstr. 215 wohnhaft, kurz vor einem herannahenden Privatautomobil den Fahrdamm überschreiten, wurde jedoch von dem Kraftwagen erfaßt und überfahren. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation in der Stcinmetzstraße gebracht, wo der anwesende Arzt mehrere schwere Rippenbrüche, einen Bruch der rechten Hand, sowie Haut- abschürfungen am Kopf und den Beinen feststellte. Der Schwer- verletzte wurde nach Anlegung von Notverbänden in das hiesige Krankenhaus eingeliefert. Ober-Schönctveide. Bei den am Montag vollzogenen Vermehrungswahlen wurden gewählt: in der ersten Klasse die Fabrikdirektoren Weber und Prieger und in der zweiten Klasse der Grundbesitzer Schmecke! und der Bau- meister Nordquist von der Terraingesellschaft Oberspree. Die Sozial- demokratie war an diesen Wahlen nicht beteiligt. Nach der von der Vertretung demnächst vorzunehmenden Wahl eines besoldeten und eines unbesoldeten Schöffen, hat dieselbe ihre höchstzulässige Stärke, nämlich 30 Mitglieder erreicht. Für die Stelle des besoldeten Schöffen sind 117 Bewerbungen eingegangen. Der Berein Jugendheim ist, nachdem die vor Jahresfrist von der Polizeibehörde gegen den Verein verfügte Auflösung mangels jeg- lichen Grundes zurückgenommen werden mußte, doch noch für politisch erklärt worden. Die Handhabe zu diesem Borgehen glaubt die Polizei in einem in einer Jugendversammlung behandelten Thema und eines dort verbreiteten Flugblattes gefunden zu haben. Es wird von der Polizei daher die Einreichung der Vereins- fatzungen und eines Verzeichnisses der Vorstandsmitglieder gefordert. Beides ist jedoch nicht vorhanden. Bei der anerkannten Objektivität der Polizeibehörden werden nun demnächst wohl auch diverse andere Vereine, die sich sehr lebhaft der Bekämpfung der Sozialdemokratie widmen, dem gleichen Schicksal anheimfallen. Der Arbeiterschaft kann diese Maßnahme der Behörde nur recht sein, indem' dadurch mehr als sonst das Interesse an den Be- strebungeck der Arbeiterjugend geweckt und damit zugleich die Aus- gestaltung des Jugendheims gefördert wird. Lichtenrade. Der hiesige Arbeiter-Radfahrerverein feiert am Sonntag, den 1«. Juni, sein diesjähriges Stiftungsfest. Da genannter Verein bei Arbeiterverguügungen stets mitwirkt, wird die Arbeiterschaft ersucht, sich rege ai, dem Fest zu beteiligen. Spandau. „Sozi- Karten" bringt das am Abonnentenschwund leidende „Spandauer Tageblatt" heraus. Es solle», wie auf einer derselben bemerkt wird, Anregungen gegen die Sozialdemokratie sein, in Wirk- lichkeit sind es die plumpesten Schwindel, die jemals über die Sozial- demokratie verbreitet wurden. Allem Anschein nach sucht das Blatt die infolge seines geringen AbonnentenstaudeS wenig lohnende Verleumdung der Sozialdemokratie durch Karten, für dies eS noch Geld herausschlagen will, zu ersetzen. Die Sozialdemokratie des Kreises Potsdam« Spandau- Ost- Havelland hat von solchen Schwindelpostlarlen ebensowenig zu be- fürchten, wie dies von den allen Ladenhütern des Reichsverbandcs der Fall ist. Von solchen Lügenprodukten wendet sich jeder denkfähige Mensch mit Ekel ab. Potsdam. Ei» Waldcrholuugsstättenvcrein ist dieser Tage hier gegründet worden. Der Zweck des Vereins ist die Errichtung und Unter- Haltung einer Walderholungsstätte für Potsdam, Nowawes und Um- gegend, um wenig bemittelten Rekonvaleszenten einen geregelten Waldaufenthalt init Verpflegung während der Tageszeit zu ver- schaffen und der bei derartigen Paticulen schnell um sich greisenden Lungentuberkulose vorzubeugen. Die Walderholungsstätte soll auf dem Brauhausberge womöglich noch in diesem Jahre errichtet werden. Der betreffende Bau ist mit ungefähr 25 900 M. veranschlagt worden. Von privater Seile sind bereits einige größere Beträge gezeichnet. Die OrtSkrankenkassen von Potsdam und Nowawes haben sich ver- pflichtet, dieser Walderholungsstätte geeignete Kranke gegen Erstattung der Verpflegungskosten zu überweisen. » Badegelegenheit. Im vergangenen Jahre war am Luftschisthafen an der Pirschheide ein Freibad entstanden, das auch in dieiem Jahre wieder von den vorjährigen Besuchern eröffnet wurde. Von der Direktion des Luftschiffhafens wird jetzt daS Baden an dieser Stelle verboten, Zuwiderhandelnde sollen unnachsichtig zur Anzeige gebracht werden. Nach einer öffentlichen Mitteilung der Luftschiffhafendirektion sollen einige halbwüchsige Burschen die Vorübergehenden belästigt und auch einzelne Einrichtungen des Luftschiffhafens beschädigt haben. Auch wir verurteilen es, daß einzelne Personen sich Ungezogenheiten erlauben; das brauchte aber für die Direktion des Luftschiffhafens kein Anlaß zu sein, hierunter nun alle Badenden leiden zu lassen. Gerade in der Brandenburger Vorstadt, wo leider so wenig Badegelegenheit vorhanden ist, war das Freibad ein dringendes Bedürfnis. Hätte die Direktion des LuftschiffhafenS an die Badenden eine Aufforderung gerichtet, auf Ausschreitungen etwas Obacht zu geben, so wären weitere Flegeleien einzelner Personen sicher unterblieben. Jugendveranstaltungea. Arbeiterjugend Pankow-Ichönhausen. Sonntag, den IS. Juni: Spielsahrt nach Buch. Die Arbeiterschaft von Pankow-Schouhausen ist dazu mit ihren Kindern besonders eingeladen. Abmarsch mittags 2 Uhr Pank. Kirche. Fahrgeld 20 Ps. Proviant und Liederbüchex mitbringen. Genchtö- Zeitung Besteht ein Schimpfrecht der Richter? Durch eine Ausführung in der mündlichen Begründung eines Urteils fühlte sich der Bergmann Bernhard Lönnermann aus Gelsenkirchen beleidigt und strengte dieserhalb gegen den Vorsitzenden der 3. Strafkammer des Essener Landgerichts,. Landgerichtsdirektor Richter, vor dem Essener' Schöffengericht die Privat- klage wegen Beleidigung an. Der Privatkläger wurde am 28. März cr. von der erwähnten Strafkammer wegen Streikvergehens— versuchter Nötigung— zu einem Monat Gefängnis verurteilt. In der Begründung des Urteils rügte der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des erkennenden Gerichts die Art der Verteidigung des jetzigen Privatklägers mit folgenden Worten:„Es ist lächerlich, wenn der Angeklagte behauptet, am frühen Morgen spazieren ge- gangen zu sein, um sich am Gesang der Vögel zu erfreuen." Darauf übte der Vorsitzende unter Bezugnahme auf einen von einem Zeugen geschilderten, mit dem Vergehen Linnermanns im Zusammenhang stehenden Vorfall folgende persönliche Kritik an demselben:„Als die Arbeitswilligen in Begleitung von Gendarmen kamen, verschwand der Angeklagte nach Art der feigen Memmen, das sind die r i ch t i g e n I" Die Verhandlung in der Beleidigungsklage endete mit Freisprechung des Angeklagten. Sie wurde folgendermaßen begründet: Der Privatkläger hat in seiner Eigenschaft als Angeklagter in der in Frage stehenden Ver- Handlung ganz unglaublich dreiste Unwahrheiten zu seiner Verteidigung vorgebracht. Einen solch krassen Mißbrauch der Strafprozeßordnung und die damit verbundene Mißachtung des richterlichen Ansehens, die geeignet war, die staatliche Rechtsordnung zu untergraben, war der Angeklagte nicht allein berechtigt, sondern sogar verpflichtet, auf das ent- schiedenste zurückzuweisen. Die Ausführungen in der Urteils- begründüng waren'in tatsächlicher Beziehung richtige und an- gebrachte, um das Presttge des Gerichts zu wahren. Ein Richter handelt bei Verkündung der Urteilsgründe in Wahrnehmung berechtigter Interessen und in Ausübung einer Pflicht. Wenn er aber diese Gelegenheit mißbraucht, um zu beleidigen, so ist er strafbar. Im Gegensatz zu den Gründen des freisprechenden Urteils wird die allgemeine Rechts- empfindung dahin gehen: der Vorsitzende hat durch den Gebrauch des Schimpfwortes„feige Memmen" gezeigt, daß er beleidigen wollte. Er hat überdies den mit der angeblichen Straftat des Angeklagten in keinem Zusammenhang stehenden Vorfall herangezogen nicht in Ausübung seines Rechts und seiner Pflicht einer Urteilsbegründung, sondern lediglich bei Gelegenheit derselben. Seine Ausführung, es„ver- 'chwand der Angeklagte nach Art der feigen Memmen, das ind die richtigen", beweist eine parteiische Voreingenommen- heit gegen den Angeklagten und enthält eine grobe Beleidigung. Wenn solche Beleidigungen, die Gerichtsvorsitzende unter dem Schutz ihrer Autorität ausüben, straflos bleiben sollen, so bleibt dem Verletzten, falls er nicht der vernünftigen Ansicht ist, daß auch ein Landgerichtsdirektor seine Ehre nicht verletzen könne, nichts übrig als Wiedervergeltung durch körperliche Züchsigung auf der Stelle. Damit dieser Zustand nicht eintrete, ist zu wünschen, daß das Reichsgericht den unhaltbaren Freispruch aufhebt. Brandstiftung in der Lortzingstraße. In drei Tagessitzungen verhandelte das Schwur- g e r i ch t am Landgericht I unter Vorsitz des Kammergerichtsrats S ch n i tz k e r eine Anklage wegen vorsätzlicher Brand- t i f t u n g gegen den Schankwirt Otto Anton aus der Lortzing- traße. Der Angeklagte hat durch seine verbrecherische Tat in der Nacht zum 1. März in dem Hause Lortzingstr. 28 die Hausbewohner in Angst und Schrecken versetzt und die Gesundheit mehrerer Per- onen gefährdet. In jener Nacht war in einem Keller unterhalb der Antonschen Schankwirtschast Feuer ausgekommen, welches, ehe es entdeckt wurde, mehrere Verschlüge und Mobilien, sowie die Balkenlage erfaßt und im Treppen- bause eine so starke Rauchentwickelung hervorgerufen hatte, daß die Treppen fast gar nicht mehr passierbar waren. Der Mieter des Hauses hatte sich eine gewaltige Panik bemächtigt und einige Be- wohner der oberen Stockwerke waren schon willens, aus dem Fenster zu springen. Auf die Hilferufe der Geängstigten wurden über zwei Hakenleiter- und zwei Steckleirergänge hinweg Mann- schaften der Feuerwehr nach oben geschickt, die eine Anzahl von' Personen ins Freie brachten. Ein Bewohner des Hauses war schon halb ohnmächtig und konnte sich nur auf allen Vieren zum Fenster schleppen. Bei Besichtigung des Brandherdes stellte es sich heraus, daß eS sick um eine vorsätzliche Brandstiftung handelt, die leicht eine gewaltige Ausdehnung hätte annehmen können. Unter dem Schanklokal des Anton lagen zwei Kellerräume, die beide zum Ausbruch eines Feuers vorbereitet waren. In dem einen Keller, dessen Inhalt mit Petroleum getränkt war, war unterhalb der Balkenlage eine brennende Lampe aufgestellt, welche die Balkenlage zum Schwälen gebracht hatte. Der Angeklagte hatte wohl gehofft, daß von dort das Feuer auch auf den anderen Keller- räum überspringen würde, denn dort hatte er verschiedene Kisten mit petroleumgetränkten Hobelspänen und anderen leicht brennbaren Stoffen aufgestellt. Seine Hoffnung, daß das überspringende Feuer diese Beweise seiner verbrecherischen Tat vernichten würde, erfüllte sich nicht. Das schnelle Eingreifen der Feuerwehr war sehr bald von Erfolg gekrönt. Der Angeklagte legte ein Geständnis dahin ab, daß er das Verbrechen begangen habe, weil er sich in drückender materieller Lage befunden und sich aus derselben durch Erhebung der Ver- sicherungssumme von 13000 M. herausreißen zu könne» hoffte. Die Versicherung war bedeutend zu hoch festgestellt. Das Votum der Geschworenen lautete auf Brandstiftung und Versicherungsbetrug unter Zubilligung mildernder Umstände. DaS Gericht hielt nur die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten für den einzigen Milderungsgrund und erwog, daß die Tat von großer Gemeingefährlichkeit zeuge. Das Urtell lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Verfehlter Polizeikampf gegen Bilder. An den Theaterdirektor Besten, der in Göttingen das Variete „Colosseum" innehat, erließ die Polizeiverwaltung eine Verfügung, durch die sie die Entfernung der Glasbilder aus den Fenstern der Parierrclokalitäten einer Bar forderte. Diese Bilder sind symbolische Verherrlichungen von Wein, Weib und Gesang. Die Polizei vertrat den Standpunkt, daß ihr Anblick geeignet ist, die Sittlichkeit zu gefährden, da sie Frauenspersonen mit nackten Brüsten darstellten. Das Publikum habe auch Anstoß daran genommen. Der Regierungspräsident und Oberpräsident verwarfen die Be- schwcrden des Herrn Besken. Darauf klagte B. beim Oberverwaltungsgericht. Hinsichtlich der Bilder der Fenster machte er geltend, daß sie unmöglich in sittlicher Beziehung Anstoß erregen könnten. Es seien künstlerische Reproduk- tionen eines Kunstmalers in Kassel. Jedes koste 200 M. Das Oberverwaltungsgericht hob dieser Tage die polizeiliche Verfügung auf, die die Beseitigung der Glasbilder forderte. Der Senat hat nach den vorliegenden Photographien nicht die Ueber- zeugung gewinnen können, daß durch die Bilder die öffentliche Sitt- lichkeit verletzt werde._ Konservative Wahlmanöver. Am 10. Januar fand in Konradswaldau, im Wahlkreise des feudalen Grafen Carmer-Osten, eine konservative Wählerversamm- lung unter Leitung des Rittergutsbesitzers, Landesältesten und Hauptmanns Nitschke statt. Im Verlauf der Versammlung erklärte Nitschke, daß er einen anonymen Brief erhalten habe, der den nationalliberalen Gegenkanditen Reinecke betreffe und Angaben über die sittliche Qualität desselben enthalte. Im allgemeinen, so behauptete der Herr Hauptmann und Rittergutsbesitzer, lege man anonymen Briefen wenig Bedeutung bei, aber er halte es trotzdem für sein Pflicht, diesen Brief in der Versammlung vor- zulesen, weil aus ihm hervorgehe, mit welchen Charaktereigenschaften der nationalliberale Gegenkandidat des Herrn Grafen Carmer aus- gestattet sei. Der mit so noblen Waffen kämpfende Agrarier las den von verleumderischen Angriffen triefenden Brief vor und fügte am Schluß noch hinzu, daß ein Mann, über den man so denke und schreibe, natürlich nicht geeignet sei, als Reichstagskandidat zu fungieren. Reinecke war in der Versammlung, wo die gemeinen Verleumdungen über seine Person durch den Rittergutsbesitzer Nitschke verbreitet wurden, nicht zugegen. Später erhielt er da- von Kenntnis. Da der Brief von Anfang bis Ende so ziemlich glatt die Tatsachen auf den Kopf stellte, verklagte er den Hauptmann Nitschke. Das Schöffengericht Guhrau hielt eS für berechtigt, daß ein Konservativer den politischen Gegner in der gemeinsten Weise verleumde und sprach deshalb den Rittergutsbesitzer, Landesältesten und Hauptmann frei. Die Strafkammer in Glogau, die jetzt als Berufungsinstanz zu urteilen hatte, hob den Freibrief für konser- vative Verleumder auf und erkannte auf 300 M. Geldstrafe wegen öffentlicher Beleidigung. Der schmutzige Inhalt des anonymen Briefes ist gar noch als Flugblatt im Wahlkreis verbreitet. Bezeichnend ist. daß kein konser- vatives Organ diese niederträchtige Kampfesweise verurteilt hat. Wie muß es mit der Partei bestellt sein, die mit solch schmutzigen Kampfmitteln arbeitet. AuS Mecklenburg. Eine eigenartige Anklage wurde am Montag vor dem Schöffen- gericht zu Bötzow an der Warnow verhandelt. 26 streikende Arbeiter aus der Bleekschen Papierfabrik hatten gerichtliche Entscheidung beantragt, weil sie wegen Streikpostenstehens und„ruhestörendcn Lärms" vom Magistrat mit einer Strafverfügung von 20 M. eventl. 5 Tagen Haft bedacht worden waren. Fabrikbesitzer Blcek, der als Zeuge vernommen wurde, wollt'e angeblich belästigt worden sein. Durch Befragen des Richters wurde festgestellt: an einem Abend hatten Ansammlungen stattgefunden, auch wurde„gejohlt". Zeuge Blee! legte im weiteren Verlaufe der Verhandlung das Geständnis ab, daß er nicht glaube, daß die Streikenden selbst gejohlt hätten, aber der Arbeiter Bernik, der unter den Streikenden gewesen sei, habe— Grimassen gemacht! Zeuge Schutzmann Ewald bekundete, die Ansammlungen in der Nähe der Bleekschen Fabrik hätten aus Frauen und Kindern be- standen; als ruhestörenden Lärm habe er es nicht aufgefaßt. Daß Streikende gejohlt hätten, habe er nicht gehört. Schutzmann Zeuge Ulrich sagte aus. daß er von der Behörde beauftragt worden sei, die Streikposten aufzuschreiben. Er habe alle Streikenden, die er getroffen habe, als Streikposten angesehen und aufgeschrieben; ob sie in der Tat Streikposten gestanden hätten, wisse er nicht! Bleel habe ihm erzählt, alle Streikenden stünden Posten, somit seien auch Arbeiter aufgeschrieben, die er gar nicht gesehen habe. Das Gericht sprach die Arbeiter allesamt frei; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Gesundem Rechtsempfinden entspräche es, daß die 26 unschuldig Angeklagten die ihnen erwachsenen Auslagen erstattet erhielten und daß die an der leichtfertigen Anklage Schuldigen auf die An- klagebank kämen._ «rbeiter Wanderverein„Berlin-. Wanderfahrt am Sonntag,' den 16. Juni, nach EberSwalde(Wasserfall), Zainhammer. Spechthausen. Nonnenssieh, Melchow, Biescnthal. Abfahrt 6 Uhr Stettiner Hauptbahnhos, nur biS Station EberSwalde(Wasserfall). Touriftenveretn„Die Naturfreunde-. Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 16. Juni; a> Wanderung von Grünau über die Müggel- berge nach Rahnsdorf(Freibad); Abfahrt nach Grünau früh 6.00 Görlitzcr Bahnhof i b) nach Rahnsdorf. Abfahrt Schlesischer Bahnhof mittags 12.23 nach Rahnsdorf. Gäste willkommen. Voranzeige! Am Sonntag, den 23. d. M., findet eine Spreewaldfahrt statt. Abfahrt am 22. Juni nach Vetschau nachmittags 3.25 und 7.15 vom Görlitzer Bahnhof. Zlllgemeine Krauten, und Sterbetasse der Metallarbeiter zu Hamburg.(E. H. 23.) Filiale Friedrichshagen. Sonnabend, den 15. Juni, abends 8'/, Uhr, Generalversammlung bei TininS, Wilhelm- straße 53._ Briefkarten der Redaktion. Sic(nttflMdic Sprechstunde findet Lludeustraye SS, dorn vier Steppen — Fahrstuhl—, wochcnlagltch von 4V4 bis 7Vi Uhr ubendS, eonnabcnd», dou 4H bis>l Uhr adendS statt. Jeder für dru vrtcfkastea tefttmmteu Anfrage ist ein Bnchftade und eine Zahl als Merkzeichen deizufügen. BrtcNtche Antwari wird nicht crteUt. Anfragen, denen feine«donncmentsgutttuno beigefügt tst, werden nicht dcautwartrt. Eilige Fragen trage man tu»er«prechstunde vor. CT. P. 50, Pankow. Ihre Frau soll sofort beim Amtsgericht Pankow die Einstellung der Zwangsvollstreckung beantragen und den EinstellungS- befchluß dem Gerichtsvollzieher übermitteln.— St. W. 100. Dazu find Sie verpflichtet.— W. 333. 1. und 2. Aussichtslos. 3. Wenn ausreichende Gründe vorhanden sind, ja.— A. Z. 03. Ohne nähere Sach- darltellung nicht zu beantworten. Wenn die Firma von den früheren Diebstählen Kenntnis erlangt, erscheint die Firma ersatzpflichtig.— A. B. 30. 1. und 3. Einen gesetzlichen Anspruch auf Herausgabe des KindeS hat Ihr Mann nicht. 2. Nur der Vormund.— äöilli 15. Nein. — R. R. 100. 1. und 2. Wegen der nicht länger als'I, Jahr fälligen Steuern unbcfchrälikt, wegen ällcrcr Steuerrückstände der 28.85 M. wöchent- lich übersteigende� Beirag. Wegen Alimente der etwa 20 M. übersteigende Betrag, falls Schuldner unverheiratet ist; falls verheiratet, der ctioa 27 M. übersteigende Betrag.— E. S. SS. Richten fich nach dem Objekt. — W. R. Der Standpunkt der Steuerbehörde entspricht dem Gesetz.— Alter Abonnent SS. 1. Die Halste. 2. 21 M. JahreSjteuer, auSfchließ- lich Zuschlag. 8.„ier",.meinem*,.meiner*. 4. DaS ist gesetzlich zulisfig. — L. UV. DaS Mädchen bedars keiner Einwilligung.— Z. 99. Ihr Erscheinen im Termin ist erforderlich.— E. 75. Ja.— Testament 10Ö. 1. Nein. 2. Ist zulässig, in der Regel nur sür die Dauer eines Jahres.— P. T. IVVV. Nein.— A. P. Oberschöneweide. Wir raten, mit den Ausrechnungsbescheinigungen beim Arbeitersekretariat, Engeluser IS, vorzu- sprechen.— I. 8. Gegen die zeitliche Begrenzung läßt sich nichts tun.— 3t. 3t. 25. Ja, soweit es nicht zu Beerdigungskosten verbraucht wird.— <£.®. 12. Die statutarischen Bestimmungen sind maßgebend.— L. 222. Unverständlich.— 101 P. W. Nur dann, wenn Sie einen dahingehenden Antrag stellen.— Lichtenberg III. Wetten entscheiden wir grundsätzlich nicht.— W. L. 9. Der Standesbeamte erlangt Kennwis durch die Geburtsurkunde. Eine Mitteilung an den Psarrer oder Küster ist nicht er- forderlich.— K. R. K. 4. Kann ohne Erlaubnis photographiert werden.— R. F. 75. l. 1,65 M. 2. Stillschweigen vorher schließt u. E. den Anspruch nicht aus; jedoch raten wir, darauf vor der Abreise aufmerk- sam zu machen.— W. 27. 1. Eine solche Genehmigung ist möglich. Der Antrag ist bei dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission an- zubringen. 2. Fragen Sie bei der Stistungskommission des Magistrats an. — Henni 38. 1. Militärpaß oder Ausweis über Staatszugehörigkeit kann verlangt werden. 2. Elterliche Erlaubnis nicht nötig, also auch keine Sterbe- Urkunden der Ellern. 3. Zweckmäßigerweise ja. 4. Ja. S. Einige Standesbeamte verlangen das. Das formelle Recht dazu haben sie.— G. L. IVO. 1. 11,70 M. monatlich. 2. Ja, um die— höhere— Invalidenrente sür den Fall d-rr Invalidität beanspruchen zu können. 3. Beim Schiedsgericht iür Arbeiter- Versicherung.— R. 7. Wir halten Sie überhaupt nicht sür zahlungs- psiichtig, falls Sie nachweisen können, daß Ihre Tochter ausreichend Kleidungs- stücke besaß. Sie haften nur im Rahmen der gesetzlichen Unterhaltspflicht, hatten also, falls Ihre Tochter keinen eigenen Erwerb hatte, der zum Unter- halt ausreichte, nur die standesgemäße Kleidung zu beschaffen. Die Ab- zahlungSverträge sind jedensallS sur Sie nicht rechtsverbindlich, Sie würden unseres Erachtens äußerstenfalls sür den wirklichen, eventuell durch Sachverständigengutachten festzustellenden Wert auszukommen haben. Zuständig ist das Amtsgericht Berlin-Mitte. weiße, 30,00—86,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln Witterungsübersicht vom 13. Juni 1912. Statwnen £1 || Swinemde. tamburg erlin Franks.a.M. München Wien 755 756 755 754 753 753 c B ONO NW NO NW SSO Wetter bedeckt wollig bedeckt wolkig 2 bedeckt �bedeckt m»® d* AS- Stationen 1= Haparanda Petersburg Seilly Aberdeen Paris cfi ss 753 SW O WNW SSO 759 NNW Wetter wolkenl wolkenl 4 wolkig 2 bedeckt 3 bedeckt w; Wetterprognose für Freitag, den 14. Juni 1912. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Marktbericht von Berlin am 12. Juni 1912, nach Ermittelung des königh Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speisebohnen, 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Schweinefleisch 1,40—2,00. (KUinhdl.) 8,00—13,00. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,80—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsch c 0,80-2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-40,00._ Wasserftands-Nachrichten d er LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby , Magdeburg »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. (ffascä--/* Kund Dauer bis Sonnabend Aiunohme-Preise für Mi- u. LflsteHtSelduns Für Herren: Wasch-Joppe grünlicher Oauirtwollstoft...... ö....... 85 P�. Wasch-Joppe grau gemusterter Woschstott........... 2.25 Wasch- Joppe grünes jagdluch mit Fallen............. H. 3. 90 Lüster-Jackett tchwarz oder gemustert j �,.... M, 2.85 Lüster-Jackett schwarz oder fein gestreift....* s M. 5»- Lüster-Jackett grau, blau oder gemustert......... M. 7.75 Wasch-Hosen grau oder grünlich....... M. 3.00 2.40 1.65 Weiße Wasch-Hosen Fatin u. Kopcrgcwcbe M. 4.50 3.75 2.50 Wasen- Westen schöne Muster.................. 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Chausseestraße 29-30 11 Brückenstraße 11 Gr.Frankfurter Str.20 Schöneberg, Hauptstr.10 Sonntag mir von 8— 10 Uhr geöffne'. v[ Der Haupt- Katalog No. 44(Neueste Moden) kostenfrei.|u Jeglicher Nachdruck verhoten.»■ ■VWWWVWVVWVVhWtfWWWWWWl Theater und Vergnügungen Freitag, den 14, Juni. Aniang r'/» Udr, Kgl. Operuhans. Tannhäujer, Kgl. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Pratcr. O diese Berliner. Aniang 8 Ubr, Urania. Im Laude der Mitter- nachtsioiine, Trutichos. Erdgeist. Kainmcrspiele. Mein Freund Teddy. Lessing. Der Bogelhändler. Koiiiiiche Cvcr. Heiligenwald. Westen. Die schöne Helena. Roniggräher Straße. Die süns Frankfurter. Kursürftcnoper. Der Tanzanwalt. Neues. Der liebe Augustin. Ncsidenz. Alles sür die Firma. Berliner. Große Rosinen. Schiller O. Nachruhm. Schiin i- Gparlottendurq. Die Lokalbahn.. Die Medaille. Neues Queretten. Der Kongreß von Sevilla. Thalia. Auloliebchen. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mil der grünen Krawatte. ivtettovol. Schwindelmeier u. Co. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Svezialitnien. Passage. Spezialitäten. Rcichshallen. Sietliner Sänger. Sanatorium Sonnenstich. Ansang 8'/, Uhr. Neues Slvauipiethaus. Parkett- sitz Nr. 10. Lustspielhaus. So'n Windhund. Rose. Bilanzen des Lebens. Fricdr.- Wiih. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Ztzolicslkaprice.Parisiana-Ensemble Walhalla. Um eine Krone. Ansang 8.S0 Ubr. Luisen. Schwester Carmen. Ansang 8'/, Uhr. Neues Bolkstheater. Der Königs- leutnant. Königstodt-Kasino. Spezialitäten. Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—62. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin» Operette von Leo Fall. Zekiller-Iliealef ChXuT' Freitag, abends 8 Uhr: Die liokaibahn. Hieraus: Die Medaille. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die l.okalbalm. Hieraus: Die Medaille. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Hauhcnlerohe. Abends 8 Uhr: Die l-okalbahn. Hieraus: Die SIedallle. Sehiller�liealerO�cmcr: Freitag, abends 8 Uhrn Kachrninn. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sonntag, abends 8 Uhr: Kachrnhm. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. fdMfivllLfiiöliigMei'�llke Abends 8 Uhr: Die 5 FrankfuFlep. Nesidenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: � AllcS für die �irma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Morgen u. solgende Tage: Alles sür die Firma. Theater des Westens Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. IUNA Hark Sonnabend, d. 15. Juni: Elite-Tag luit grandiosem Front- Feuerwerk"MW (ausgeführt von Deichmann und Gallwitz). l0SE=THEATEi Große Frankfurter Str. t32. Zum ersten Maie: _L Bilanzen des Lebens, . Ansang 81/, Uhr. Auf der Gartenbühne: Juhu! Es ist erreich». Droke Kevue. Ab.8 Uhr Vollständig neues Programm! Ii) große Attraktiouell. Itairaycttcs Wunderhunde. Paul Beckers. Königstadt-Kasiuo. Herrliches Sommer-Theater. Täglich abends ll,8 Uhr, Sonntags ll,5 Uhr: Vorstellung »Theater und Variets). Vom 1. bis 16. Juni 8 Spezialglanz- nuiiiiner» u. Paulas Beichte. �r�Operettenburstv�W�Gericke. �-M. 1 i�f* LOGISCHER Täglich ab 4 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf.; Kinder unter 10 Jahren die Hälfte.. Jahres-Abonnement an allen drei S ch alt erkass en. Metropol-Theater. MlBr l Phantastisch musikalische Komödie in 3 Akten aus dem Englischen völlig frei bearbeitet von I. Freund. Musik von R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. I» Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang 8 Uhr: Rauchen gestattet. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Heute sowie täglich: Die Tochter der Hne Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue Beleuchtungseffekte usw. usw. u. d. große Spezialitäten-Programm. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Adrniralspalast am Bahnhof Friedriohstraße, z. Z. einziger ElspalaHt. Angenehm kühl. Aufenthalt ASfd-„Yvonne." Eis-Ballett in drei Bildern. Bis 6 Uhr und von 10'/. Uhr abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges Wein- und Bier- Abteilung. Täglich: Große Vorstellungen von 11 Uhr vormittags bis 19 Uhr abends geöffnet. Entree 89 Pf. Res. Sitzplätze: Loge« M.» 1. Tribüne 1,S9 M. S. Tribüne 1 M. Alexanderplatz Unter den Linden Der Fernfluy Berlin Breslau Wien mit dem Sieger Helmuth Hirth. Moritzplatz Hasenheide Wedding Reietisliallen-ThealeF. Stettiner Sänger Zum Schluß neu: Sanatorium Sonnenstich. Surlcätc vonMeysei. Anfang Wochent. 8, Sonntags 7',. Uhr. I. ICH1> SCHAUSPIEl HAUS O.. KOPPENSTRASSE 29.. AM FRANKFURTER TOR' 1 Heute Freitag: VOllfStag!! [ Auf allen Plätzen ÄO Pf, f Kein Abruf!"VME I yteoeim flsnrr't"n.'-tf-,r"ßfrftjiicrw�|rf f Täglich; Konzerte und Spezialitäten- Vorstellung. Sensationelle Attraktionen. Volksbelustigungen aller Art. Eintritt 25 Ps. An Elitetaaen Donnerstags: Großes Gala» Parade- Höhen- und Fronten- Feuerwerk._ ISLA Intern. KongreS Lebender Abnormitäten. Die grISte Ausstellung lebender Naturwunder von 10 bis 10 Uhr in den Gesamträumen des iPassap-raipOlisJ Eintritt, alles inkl. Cfl Df Kinder, Sold. 25 Pf. 0" H, Mitglied des Verbandes der HauSarztvereine. Sonnabend, den 15. Juni, w Voigts Theater, Badstraße 58: Großes Sommer fest Konzert, Theater und Spezialitäten-Borstellung. Eutree ZU Pf.[292/6] Anfang 4 Uhr. Während der Pausen und nach der Vorstellung Tanz, Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach.— Die Kasfeeküche steht den geehrten Dcruicn von 3—6 Uhr zur Verfügung.— Jedes Kind erhält an der Kasse einen Bon für eine Stocklaterne gratis.— Anmeldungen für den Verein nimmt entgegen Vorsitzender Genosse O. Wölke. Brunnenstr. 109. Sechster Wahlkreis. Am Sonntag, den IS. Juni, findet die Wahl eines dritten Angestellten >» VsiMvaltimx Berlin. Heute, Freitag, abends 81� Uhr, im Gcwerkschaftshause, Sngel- ufer 14/15, Saal 4(Ärbcitslosensaal): Tife-img der OrtswerwalUang. Achtung! Die Bibliothek wird im Juli zwecks Inventur ge- schlössen. Alle Bücher müssen bis zum 30. Juni eingeliefert werden. Vom 17. Juni ab werden keine Bücher mehr ausgegeben. 85/1___ Die Lrtsvcrwaltung. Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 16. Juni, vormittags 10 Uhr: Versammlung der Dachdecker und Hilfsarbeiter im Gcwerkschaftshause, Engelufer IS, Saal 1. Tagesordnung: 51/14 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. 2. Stellungnahme zum Vergnügen. 3. VerbaudSangelegenhciten. Jedes Mitglied ist verpflichtet, w dieser Versammlung zu erscheinen.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Ber Vorstand. und anderer gewerblicher Arbeiter. 13. II. 3 Ilambnrg.— Verwaltung Berlin F. Sonntag, den 16. Juni, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlung im Lokale von Paul Obiglo, Schwedter Strasse 84. Tagesordnung: 184/2 1. Ttatutenbcrarung. 2. Delegiertenwahl zur Generaldersamm- lnng. Verschiedenes. Die Ortsverwaltnng. Steinarbeiter! Sonntag, den 16. Juni, vormittags von S bis 11 Uhr, in de» Zahlstellen: Allgemeine Kontrolle. Zu derselben sind mitzubringen: Die Mitgliedsbücher, Statistiken und Arbeitslosenfondskarten.— Wahlvereinsmitgliedcr bringen außerdem ihre WahlvereinSbücher und„Borwärts«teser die letzte O.»tttu»g mit. iZM- Jedes Mitglied ist verpflichtet, sich der Kontrolle z« unterziehen.— Agitiere jeder für vollzählige Beteiligung. 176/16"_ Die Ortsverwaltung Ter Einwohnerschast Neuköllns zur Mitteilung, daß in allen de- willigten Schlächtereien folgendes Plakat(weiß mit rotem Rand) aus gehängt ist: Meiner geschätzten Kundschaft zur gefälligen Kenntnis: In meinem Geschäft sind die :: Lobß- und Arbeitsbedingungen:: mit dem ZentralTerband der Fleischer n. B. D. tariflich geregelt. MW Es erfolgt dieserhalb keine Preiserhöhung der Fleisch- und Wurstwaren. der Streikleitung. Bestätigt durch Faul Bergmann. Hausfrauen k Arbeiter k Unterstützt die um eine geregelte Arbeitszeit kämpfenden Aleischergesellen. Meidet die Geschäfte, in denen das Plakat von den Gelben aushängt. Die Streikleitung. 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