U». 137. llb«Bn„ein neues Mittel" liege. Der konservative Abgeordnete von Helldorf- Bebra erklärte(am 4. März 1879): Es wird nun wesentlich der Regierung zum Vorwurf ge- macht, daß sie einen Gesetzentwurs bringe, der in die Dis- ziplinarverhältniffe des Reichstages, die derselbe verfassungS- mäßig selbständig zu regeln hat, eingreift. Wir müssen aber doch aus der anderen Seite zugestehen, daß die Ordnung dieses Verhältnisses ohne Gesetz nicht möglich ist; denn d i e Frage, ob ein Mitglied auch nur auf Zeit aus- geschlossen werden kann ohne eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen, ist doch minde- stens äußerst zweifelhaft. Der konservative Abgeordnete und spätereMinistervonGoßler vertrat gleichfalls den Standpunkt, daß eine Ausweisungsbcfugnis ohne ein beson- deres Gesetz nur auf Grund der Geschäftsordnung unzulässig sei. Er führte am 7. März 1879 im Reichstag aus: Wir wollen... durch Gesetz unsere Disziplinar- befugnis erweitern. Wir wollen uns das Recht er- ringen, vin Mitglied, welches! wir unserer nicht für würdig halten, auszuschließen, das Recht erringen, solches Mitglied auszuschließen. Wirfini klar darüber, daß der Aus- schlutz eine» Mitgliedes auf Grund der bis- herigen Verfassung oder Geschäftsordnung dtzrch Beschluß des Hauses oder durch Erweite- rung der- Geschäftsordnung niemals eintreten kann. Wir halten dafür, daß nur durch Gesetz die Frage geregelt werden kann. Als in den Verhandlungen über das Maulkorbgesetz frei- sinnige Redner darauf hinwiesen, wenn man die Autonomie des Reichstages, die durch einige andere Vorschriften des Maulkorbgesetzes angegriffen war, nicht habe antasten wollen, so hätte doch ein Vorschlag genügt, in die Verfassung hineinzuschreiben, der Reichstag hat die Befugnis, ein Mit- glied auszuschließen usw., der Präsident habe die Geschäfts- ordnung durchaus tüchtig gehandhabt, erwiderte der I u st i z- m i n i st e r Dr. F r i e d b e r g, die Regierung habe dem Präsidenten keinen Vorwurf machen wollen, sondern habe gerade weil die Geschäftsordnung im Stiche lasse, neue Mittel, nämlich das Mittel der Ausschließung dem Reichs- tag geben wollen. Die Motive zu dem Maulkorbgesetz führten aus: Schon die Frage, ob aus der dem Reichstag durch den Ar- tikel 27 gewährten Autonomie die Befugnis abgeleitet werden konnte, ein Mitglied auch nur zeitweilig von der Teilnahme an den Verhandlungen auszuschließen, läßt sich rechtlich in Zweifel ziehen. In ähnlicher Weise äußerte sich im Plenum der Justiz- minister am 4.März 1879: Man ersieht hieraus, daß es im Jahre 1879 communis opiuio(allgemeine Ueberzeugung) war, daß die Geschäftsord- nung des Reichstages ein Recht auf Ausweisung eines Abge- ordneten nicht gebe, weil dieseAusschließung eine Verfassungsverletzung wäre. Das, was für die Geschäftsordnung des Reichstages gilt, gilt in verstärktem Maße für die des preußischen Abgeordnetenhauses. Es ist ein starkes Stück, daß Dr. Hamm, dem doch nicht entgangen sein kann, daß die Rechtswidrigkeit des preußischen Haus- knechtsparagraphen im Abgeordnetenhause unter anderem von dem nationalliberalen Landgerichtsdirektor B 0 i s l y, dem fortschrittlichen Abgeordneten Justizrat Träger und dem polnischen Abgeordneten Dr. v. Jazdzewski dargelegt war. und dem doch die Vorgänge des Jahres 1879 nickt ganz unbekannt sein dürften, behauptet:„Die gesetzliche Gültig- keit der die Ausschließung zulassenden Bestimmung unter- liegt keinem Zweifel." Rein, keinem Zweifel unterliegt, daß eine solche Bestimmung gegen die Verfassung verstößt und keinerlei Gültigkeit hat. Die Ausschließung und die Entfernung eines Abgeord- neten verstößt aber auch gegen die88 1v5und196des Strafgesetzbuchs. Diese Vorschriften sind erst durch das Reich gegeben. Sie waren im altpreußischen Strafgesetz- büch nicht vorhanden. Der§ 195 bedroht mit Zuchthaus oder mit Festungshaft nicht unter 5 Jahren den, der es unternimmt..„ Mitglieder aus einer gesetzgebenden Ver- sammtung des Reichs oder eines Bundesstaats gewaltsam zu entfernen, s 196 bedroht mit der gleichen Strafe den, der ein Mitglied einer solchen Versammlung durch Gewalt oder durch Bedrohung mit einer strafbaren Handlung hindert, ... zu stimmen. Diese Vorschriften hat der Gesetzgeber für nötig erachtet, um die freie und unabhängige Ausübung der den Mitgliedern einer gesetzgebenden Körperschaft obliegen- den Funktion zu sichern. Hierdurch ist d i e m a t e r i e l l e, Expedition: SM. 68» Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. nur durch Neichsgesetzgebung veränderliche Rechtsnorm geschaffen, daß ein Mitgliro einer ge- setzgebenden Versammlung aus derselben weder gewaltsam entfernt noch gewaltsam am Stimmen gehindert werden darf. Die in den§§ 195 und 196 mit Strafe bedrohten Handlun- gen sind an Hochverrat grenzende Verbrechen, die gegen die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte sich wenden. Solche Verbrecher kann auch kein preußisches Gesetz, geschweige eine Geschäftsordnung schützen. Wenn Dr. Hamm meint, in dem Fall Borchardt sei der Leutnant nicht strafbar, weil er auf Befehl seines Vorgesetzten, des Ministers, gehandelt habe, so würde ja, wenn in der Tat der Polizeileutnant deshalb nicht zu verfolgen wäre, statt seiner der Minister, der das Verbrechen ihm anbefohlen hat, unter Anklage zu stellen sein. Aber auch diese Deduktion des ehemaligen Oberreichsanwalts ist verfehlt. Selbst wenn man den von Dr. Hamm als Oberreichsanwalt vertretenen Grund- satz billigen würde, ein Beamter sei nicht strafbar, wenn er einen Befehl ausführt, den ihm sein Vorgesetzter erteilt hat, so trifft er doch für alle die Fälle n i ch t z u, w 0 s e l b st Soldaten sich durch Ausführung eines Be° fehls strafbar machen. Das Militärstrafgesetzbuch schreibt ausdrücklich vor, daß bei Ausführung von Verbrechen sowohl der Vorgesetzte, der sie anordnet, wie der Soldat, der sie ausführt, von strafrechtlicher Ahndung nicht freibleiben. Der Rechtsgrundsatz, daß ein Polizeibeamter verpflichtet sei, Verbrechen auf Befehl auszuführen und für den Fall der Ausführung straftos sei, wäre die närrischste Auflehnung gegen die Ordnung und die skrupelloseste Aufreizung zu Ver- brechen. Die schüchternen Versuche des früheren Oberreichsanwalts Exzellenz Dr. Hamm, das gegenüber dem Abgeordneten Ge- nossen Borchardt ausgeübte Verbrechen in eine rechtmäßige Handlung zu verwandeln,* ist mißlungen. Die Verbrecher müssen, wenn das Gesetz richtig angewandt wird, unter An- klage gestellt werden. Einen Freibrief zu Verbrechen für konservative Präsidenten, Minister oder Polizeileutnants kennt die bestehende Rechtsordnung in Deutschland noch nicht. Die Ausstellung eines solchen würde heißen, Preußens Rechts- ordnung bestehe in Rechtsbruch und Verbrechen. orgsniiierter Ashlbetrug der Dortmunder Zentrnmspartel. Wegen Wahlmogeleien war das Stadtverordneten- Mandat des Zentrumsvertreters B i ck h 0 f f in Dortmund von der Stadtverordnetenversammlung für ungültig erklärt worden. Das Zentrum hatte an dieser ersten Blamage nicht genug und ließ Herrn Bickhoff gegen den Beschluß des Stadt- Parlaments Klage im Verwaltungsstreitver- fahren erheben. Am 12. Juni fand vor dem Bezirksaus- schuß in Arnsberg die Verhandlung statt, die schier unglaub- liche Wahlfälschungen durch Zentrumswähler feststellte und demgemäß mit der Abweisung der.Klage Bickhoffs endete. Der„Dortmunder Arbeiterzeitung" cnt- nehmen wir folgenden Bericht: Der Bezirksausschuß hatte in seiner Sitzung am 14. Mai, in der die Klage bereits zur Verhandlung stand, beschlossen, d i e Zeugen eidlich zu vernehmen. Diese eidliche Zeugen- Vernehmung hat am 29. Mai in Dortmund stattgefunden. Es wurde von den vernommenen Zeugen nicht nur unter Eid er- härtet, was sie bereits bei der polizeilichen Vernehmung ausgesagt haben, sondern es wurde auch noch von anderen Per- sonen, die im Protest gar nicht benannt waren, bekun»et, daß sie entweder vom Zentrum beauftragt wurden, auf Lcgitima- tionen, welche auf andere Personen lauteten, für Bickhoff zu stim- men, daß Wahllegitimationen aus Häusern geholt wurden, auf die Personen, die dazu nicht berechtigt waren, für Bickhoff stimmten, ja daß sogar von einem Zen- trumswählcr dreimal die Stimme für Bickhoff abgegeven wurde. Kurz: die eidliche Zeugenvernehmung hat bewiesen, daß das Zen- trum die Wahlmogeleien im Großen betrieben hat, ja daß der gange Wählschwindel von den Vertrauensleuten des Zentrums gut vorbereitet und organisiert war. Wir wollen eine Anzahl eidlicher Zeugenaussagen hier folgen lassen:> Zeuge Monteur M.: Ich war zur Zeit der Wahl nicht in Dortmund, sondern auswärts auf Montage. Ich habe aus diesem Grunde mein Wahlrecht nicht ausüben können. Meine Frau sagte mir nach der Wahl, daß die Wahllegitimation von einem ihr unbe- kannten Manne abgeholt worden sei. Frau M. gibt an, daß ein Mann in ihre Wohnung gekommen sei und habe die Wahllegiti- mation ihres Mannes gefordert. Da sie sich bei der Sache weiter nichts dachte, habe sie dieselbe auch ausgehändigt. Gewählt wurde auf diese Legitimation für Bickhoff. Zeuge Barbier D.: Meine Wahllegitimation ist bereits bei der Hauptwahl von zwei Herren abgeholt worden. Als ich das gewahr wurde, nahm ich sofort meinen Steuerzettel, ging zum Wahllokal und gab meine Stimme' für Blomenkamp ab. Als ich bei der Stichwahl wieder auf einen Steuerzettel wählen wollte, war auf meinen Namen bereits für Bickhoff gewählt. Zeuge W.: Ich bin am ersten Stichwahltage verunglückt und mußte im Brüderkrankenhaufe untergebracht werden. Ich habe ausdiesemGrundemeinWahlrechtni cht ausüben könne». Frau W. bekundet, daß«in Mann zu ihr in die Woh- nung gekommen sei und' Hove die WaWegitimaiiot« derlaM mit der Bemerkung, gv wolle dafür sorgen, daß auf den Zettel noch gewählt werde. Auch auf diese Legitimation ist für Bickhoff ge- stimmt worden. Zeuge Sch.: Ich wiederhole meine Aussage vom 10. Ja- nuar. Ich konnte bei der Stichwahl mein Wahlrecht nicht aus- üben, da bereits von einem anderen auf meinen Name« gewählt war. Die Stimme war für Bickhoff abgegeben. Zeuge Schneidermeister B.: Ich kam zunächst ohne Legitimation zum Wahltisch und mutzte infolgedessen nochmal um- kehren, um dieselbe zu holen. Als ich zurückkam, wurde mir mit- geteilt, daß auf meinen Namen bereits gewählte i. Als Legitimation hatte ich den Steuerzettel mit. Zeuge Bahnarbeiter Sp.: Ich ging am zweiten Stichwahltage abends in die Wirtschaft.Teütenberg, wo mir eine'Legitimation, soviel ich weitz auf den Namen Schimustki lautend, gegeben wurde, damit ich Bickhoff wählen sollte. Ich weigerte mich erst, bin aber dann an den Wahltisch herangetreten. Der Wahl- Vorsteher stellte fest, daß auf den Namen schon gewählt war und veranlatzte, datz ein Polizeibeamter meine Personalien aufschrieb. Zeuge St.: Ich versuchte, mit einer mir von einem gewissen Maurer E. gegebenen Wahllegitimation— auf wessen Namen die- selbe lautete, weitz ich nicht mehr— zu wählen. Der Wahl. Vorsteher stellte fest, datz auf de n Na m en bereit« gewählt war und wies mich zurück. Ich sollte Bickhoff wählen. Zeuge Rentner Eppelsheim lHerr Eppelsheim war Wahlvorsteher): Der beiden Vorfälle Sp. und St., deren Aussagen mir vorgelesen sind, entsinne ich mich noch, wenn mir auch die Namen entfallen waren. Die Aussagen sind zutreffend. Außerdem ist am Neben tisch, an dem«ine andere Abstim- mungsgruppe wählte, ein anderer Fall ermittelt worden, in dem ein Mann dreimal seine Stimme für Bickhoff, jedesmal auf eine andere Legitimation, abgegeben hat. ES war«in Arbeiter der Gasanstalt, dessen Name, wie ich annehme, von dem Polizei- heamten ermittelt sein wird.' Zeuge Straß enbahnschaffner F.: Ich wollte mein« Stimme abgeben, wurde aber zurückgewiesen. Weil bereits auf meinen Namen gewähltwar. Als Wahllegitimation hatte ich meinen Steuerzettel bei mir, da meine Wahlsinladung bereits bei der Hauptwahl von einem mir nicht bebannten Mann« bei meiner Frau, während ich zum Dienst war. abgeholt worden ist. Auf diese Legitimation ist die Stimme für Bickhoff abgegeben worden. Zeuge ZimmererSch: Mir wurde von einem mir nicht bekannten Manne eine Wahllegitimation, auf den Namen Atzmann lautend, übergeben mit der Aufforderung, darauf für Bickhoff meine Stimme abzugeben. Ich wurde aber am Wahltisch abg«. wiesen, weil Atzmann bereits auf seinen Steuerzettel gewählt hatte. Zeuge I. B.: Ich hatte keine Wahllegitimation bekommen und wollte auf meinen Steuerzettel wählen. Da die Wahllisten- nummer nicht gleich zu finden war. ging ich wieder fort. Im Hausflur gab mir jemand eine Legitimation und sagte, darauf tonnte ich wählen. Dabei wurdie mir auch ein Wahlzettel für Bickhoff gegeben. Am Wahltisch wurde ich zurückgewiesen, da auf den Namen bereits gewählt war. Auf den Namen des Arbeiters Theophil Kowalski ist gloichfalls die Stimme für Bickhoff abgegeben worden. Festgestellt wurde, datz sich Kowalski bereits seit Ende August im Kloster zu Trier befindet, Er war an beiden Stichjwahltagen nicht in Dgrtmgnd. Auch auf diese. nFcmren hat ein a»derrr Heiliger 4ie Stimme für Bickhoff abgegeben. �' k Ferner ist der M a u r« r L a m be r t G r o s ch vor der hiesigen Gtraskammcr zu drei Tagen Gefängnis, verurteilt, weil rr gleich. falls auf die Legitimation eines anderen für Bickhoff gewählt hat. Grosch hatte feine Legitimation im Zentrumswahlbureau er- halten. Von Zentrumssekte waren einige Zeugen benannt, die selbst nicht gewählt haben sollen, auf deren Namen aber die Stimme für Blomenkamp(den Sozialdemokraten) abgegeben war- den ist. Die Zeugenaussagen ergeben folgendes: Zeuge Hauer P. sagt aus: Ich wiederhole meine Aussage vom 9. Januar. Ich habe persönlich Blomenkamp gewählt. Zeuge Invalide I. Pach sagt aus: Ich wiederhole meine Aussage vom 19. Januar, Ich habe am 2. Gtichwahltage persönlich Blomenkamp gewählt. Auch vom Fuhrmann B. ist behauptet worden, datz auf dessen Legitimation jemand anders gewählt haben soll. B. bekundet unter Eid. datz er bei der Stichwahl persö.nlich Blomenkamp gewählt habe. Das sind also die„Wahlmogeleien". die da» Zentrum von sozialdemokratischer Seite anzugeben wußte!........ Der Krieg. Eine nene Dardanellensperre? Konstantinopel, 14. Juni. Da in den Gewässern von S m h r n a zahlreiche italienische Kriegsschiffe und Transportdampfer einge- troffen sind und Kundschafter zu berichten wissen, datz die Italiener beabsichtigen, die Befestigungen von Plajari, nördlich von Galipoli, anzugreifen, beschloß die Pforte, sofort nach Besetzung einer der Inseln durch Italien aus Gründen der Sicherheit und Verteidigung die Dardanellen auch für Handelsschiff« durch Legung von Minen zu sperren. Von hier ist nach Galipoli, wo 39 999 Mann kon- zentriert sind, ein Artillerieregiment abgegangen. Nach Smyrna wurden zwei Haubitzenbatterien abgesandt. t Gewaltsame Ausweisung der Italiener. Saloniki, 13. Juni. Die Polizei hat gestern mit der z w a n g S- weisen Entfernung derjenigen italienischen Staatsange- hörigen begonnen, die keine behördliche Erlaubnis zu weiterem Aufenthalte besitzen. Die Ausgewiesenen wurden von der Polizei an Bord eines nach Griechenland abgehenden Dampfers geschafft. Ihre Zahl beträgt ungefähr 199, sie gehören zumeist der ärm- sten Klasse an. Hilter ihnen befinden sich 4b alte Leute und auch solche, die nach dem Attest deS deutschen Konsulat» hätten hier bleiben können. Ihre Atteste waren aber von den türkischen Behörden nicht beglaubigt worden. Die Leute mutzten den grötzten Teil ihrer Habe verkaufen, um das Reisegeld zusammen zu bringen. Der Aufstand in Albanien. Konstantinopel, 14. Juni. DaS Ministerium des Innern ver- öffentlicht ein Communique. in dem mitgeteilt wird, daß das Generalquartier der von Mitrowitza nach Jpek dirigierten Division nach Kurekofnje verlegt worden ist. Die Stratze von Jpet nach Mitrowitza ist gesichert und der Postdienst wieder aufgenommen. In der Umgebung von Jstok werden die militärischen Operationen fortgesetzt, um die wahren Anstifter der Aufstandsbewegung un- schädlich zu machen. Mit der Durchführung der Reformen wird fortgefahren. Die Bauern kehren in ihre Dörfer zurück.— Ein zweites CommuniquL besagt daß hie Bewegung in per Gegend von Dibra erlpschen sei..'.)..~ politische Qcberficbt. Berlin, den 14. Juni 1912. , Niedliche Konsequenzen. Der§ 64 scheint Folgen nach sich zu ziehen, die seine Urheber wohl nicht geahnt haben und wovor sie am Ende doch ein Grauen erfassen wird. Den Genossen Borchardt und Le inert ist jetzt wegen ihres angeblichen Hausfriedensbruches und Wider- standes gegen die Staatsgewalt die Anklageschrift zu- gegangen. Sie enthält nichts weiter als eine Schilderung der Borgänge im Abgeordnetenhause am 9. Mai. Den Nachweis der Behauptung, daß Borchardt nicht befugt war, im Saale zu ver- weilen, und datz die Schutzleute sich in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befanden, hat sich der Herr Oberstaatsanwalt g e- schenkt, ebenso wie die Prüfung der Frage, ob sein Vorgehen mit den KZ 196 und 196 des Strafgesetzbuches in Einklang steht. Auf den ersten Blick mutz man sich wundern, weshalb die Vor- gänge vom 9. Mai, unter ausgiebiger Benutzung des stenographi- schen Berichts, mit solcher Breite in der Anklageschrift geschildert werden. Soll denn das, was vor der Ausschließung von unseren Genossen und vom Präsidenten in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete getan worden ist, ebenfalls vom Gericht nachgeprüft und beurteilt werden? Bei einigem Nachdenken jedoch wird man in diesem Punkte den Staatsanwalt in der Tat recht geben müssen. Wollte man nämlich wirklich die Gültigkeit des§ 64 annehmen, so ge- stattet er ja die Ausschließung eines Abgeordneten nur„im Falle besonders grober, die Würde deS Hauses schädigender Verletzung der Ordnung". Das Gericht würde also dann nachprüfen müssen, ob Genosse Borchardt in„besonders grober" Weise gegen die Ordnung verstotzen, ob er„die Würde des Hauses geschädigt" hat. Das ist aber nichts anderes als die gerichtliche Nachprüfung, ob die Matznahmen des Präsidenten dem Falle an- gemessen und notwendig waren! Mit anderen Worten: wenn der§ 64 gültig ist. so stellt er die ganze Geschäfts- führung des Präsidenten unter die Kontrolle deS Gerichts! Der Sinn der Immunität ist aber gerade, datz das Parlament über den Gerichten stehen und in seinen Handlungen ihnen nicht unterworfen sein soll. Es liegt also in diesen Konsequenzen eine arge Herabwürdigung des Parla- ments und besonders seines Präsidenten. Ob sich die Väter des§ 64, als sie ihn zeugten, das wohl haben träumen lassen? Aus dem Lager der Frommen. Die patentpäpstliche„Kölner Korresp." hatte kürzlich den Bachemiten verkündet:„Der Todesstoß kommt und zwar nicht nur für die Gewerkschaften, sondern für die ganze Kölner Richtung." Darauf erklärt die«Köln. BolkSztg." wütend: „Ist dieser Ausbruch deS Has,eS. diese Drohung mit dem Todesstoß von„Rom" her. nicht der reinste Hohn auf die Liebe atmende und Eintracht predigende Kundgebung des Heiligen Vaters durch den Mund seines Münchener Nunzius? Das Ouer- treiberorgan imputiert dem Papste Absichten, die ihn in den denk- bar schneidendsten Widerspruch zu sich selbst setzen würden. Und das nennt sich„päpstlich" I Aber man fragt sich— und diese frage bleibt noch zu beantworten—: Woher nehmen diese reise den Mut. fortgesetzt und immer wieder im Namen„Rom" zu sprechen und päpstliche Eni- scheidungen im voraus zu formulieren und anzukündigen, ja pch'stlich« Antworten zu verlesen, von denen sich nachher heraus- stellt, daß sie oller und' jeder Sluthentizität entbebren?" Ja, daS mit der„christlichen Liebe" hat schon seine Richtigkeit: aber lpie stehtS denn damit bei den Bachemiten. Hören wir ihre lieblichen Stimmen! Die„Essener Volkszeitung" sagt, niemals sei das Autoritätsgefühl im deutschen Volke gegenüber dem Heiligen Stuhl schlimmer he rabgedrückt worden, als jetzt in- folge des unverantwortlichen Vorgehens der Berliner. Der„Aachener Volksfreund" bezeichnet die Berliner Denunziation als einen Schurken st reich, die Autorität der deutschen Bischöfe sei durch das Treiben der Berliner Kreise, insbesondere der Schwester Marie Gertrud. aufs schwerste gefährdet gewesen. Blätter seien gegründet. der päpstliche Segen sei erschlichen worden, man anti- chambricrte in Rom. um in einer Weise zu verleumden, die maßloses Erstaunen wachrufen werde, wenn alles ans Tageslicht kommen sollte. Der„Bergknappe", das Organ des Gewerkvereins christ- licher Bergarbeiter, schreibt: „Ueber den Kopf der zuständigen deutschen Bischöfe und de? päpstlichen Gesandte» in München wird in Rom gcklüngelt, um von dort aus eine Verurteilung der christlichen Gewerkschaften zu erwirken. DaS ist U m so gemeiner, als bisher nicht«in» mal der Versuch gemacht wuroe, eine wirkliche Verurteilung der offen religionSfeinolichen sozialdemokratischen Gewerkschaften zu erzielen..., Ein Skandal ohnegleichen! Und sehr be- dauerlich ist, daß er so lange anhalten konnte, daß den„Ber- linern" von den zuständigen Stellen nicht längst das Handwerk gelegt wurde. Eine Verurteilung der christlichen Gewerlschasten von Rom ist gar nicht möglich." In der M i t t a g s a'u s g a b e der„Köln. Volkszeitung" äußert der Diözcsanpräses Dr. O. Müller- M.-Gladbach seine Unzufriedenheit mit den Erklärungen des Auditors Heiners. Sie genügen ihm keineswegs, da sie die Auslassungen des Papstes, die sich ebenso auf die Arbeitervereine, wie auf die christlichen Gewerkschaften bezogen, nicht aufgehoben. sondern bestätigt hätten. Auch er wendet sich in seiner Polemik in der bekannten Weise gegen die Berliner und schließt mit den Worten:„Mit Mahnung ist es hier nicht mehr getan, es muß ein anderes Ende gefunden werden, und dieses kann nur sein eine gründliche Abschütte- l u n g dicserart frivoler Verdächtigungen, die den mühsam geschaffenen Organisationen ein freudiges Wirken vergiften." Von christlicher Liebe ist also in diesen Kundgebungen auch nicht gerade viel zu spüren, aber noch weniger von Wahrhaftigkeit. Die Bachemiten wissen nämlich recht gut, daß die Verurteilung der christlichen Gewerkschaften nur die Kon- sequenz der Politik ist, die schon nnter Leo XIII. begonnen und unter Pius X. ständig fortgeführt worden ist. Sie hauen auf die„Berliner Richtung", meinen aber den Papst. Sic hoffen ihn einzuschüchtern um so mehr, da ja die deutsche „protestantische" Regierung mit allen Mitteln sie unterstützt. Wenn der Papst nachgegeben haben wird, werden sie dann umso lauter ihm ihre Ergebenheit versichern. Schwetzer Konsequenz. Man schreibt uns aus Danzig: Der frühere freisinnige Landtagsabgeordnete, jetziges Mit- glied des Zentralvorstandes der Fortschrittlichen Volkspartei. Kom- merzienrat Otto Münsterberg, gilt bei seinen Danziger Partei- freunden als großer Diplomat und sehr geistreich. Beide Tugenden scheinen jedoch erhebliche Einbuße erlitten zu haben. DaS zeigt der Vergleich zwischen den Erklärungen, die er im«Vorwärts" und iL des Danziger bürgerlichen Blättern wegen seiner Be- teiligüng an den Schwetzer Wahlskandalen zngünsten de» frei- konservativen Zuchthausschwärmers von Halem abgab. Im„Vorwärts", der bekanntlich weit vom hakatistischen Ost- elbien mit seinen freisinnigen Bedrängnissen in Berlin erscheint, gab der freisinnige Politiker am 12. Juni die Erklärung ab, daß die Verladung der Danziger Studenten, die in Schwetz mit Alkohol, Spaten usw. für das Teutschtum gekämpft haben, nicht auf feine Kosten erfolgt sei. Die Erklärung hat den ganz unzweideutigen Sinn, daß der Äommerzienrat die Behauptung, datz er den Frei- konservativen Hilfe leistete, als Vorwurf empfindet, den er zur Wahrung seiner politischen Ehre zurückweisen mutz. Die in Danzig abgegebene Erklärung erfolgt ebenfalls gegen den„Vorwärts" und die„Danziger Volksmacht". Auch dort ver- wahrt Münsterberg sich dagegen, datz er das den Studenten vor- geschossene Geld nicht zurückerhalten habe. Dann fährt er aber fort: „Datz ich Liberaler bin, ist bekannt. In solchem Kampfe aber um unser Volkstum tritt die Parteirichtung zurück vor der P f l i ch t des Deutschen, den Deutschen zu helfen, auch wenn der Kandidat ein Konservativer ist. Von dieser Auffassung gedenke ich mich auch durch sozialdemokratische An- griffe nicht abdrängen zu lassen." Hier erklärt derselbe Münsterberg klipp und klar, datz er es auch in Zukunft für seine Ehrenpflicht ansieht, trotz des skandalösen Schwetzer Wahlbetruges, landrätlichen Zuchthausschwärmern Hilfe zu leisten. Mit urteutscher Todesverachtung will der jüdische Kom- merzienrat wieder für den mindestens halbantisemitischen Frei- konservativen eintreten. Warum er dieses schöne Bekenntnis lieber in Tanzig vergrub, statt es durch den„Vorwärts" abzugeben, liegt auf der Hand. Dagegen ist weniger verständlich weshalb der Herr gerade nach dieser Versicherung das Geständnis machte, datz er Liberaler ist. Er irrt mindestens gewaltig in der Annahme, daß er dafür bekannt ist. Tatsächlich ist nur bekannt, daß er sich liberal nennt. Glauben wird man ihm seinen Liberalis- mus jetzt aber noch viel weniger als früher. Ein Leutnant, der einen Schuljungen attackiert. Der Leutnant Freiherr Sigmund Kretz von Kressen- stein vom ersten Chevauxleger-Regiment in Nürnberg hatte sich wegen Körperverletzung zu verantworten. Der Leutnant ritt vor einigen Wochen aus der Nürnberger Chevauxlegerkaserne, ans der Straße spielte ein achtjähriger Junge. Bor diesem hatte das Offizierspferd offenbar Angst, denn es scheute und machte einen Seiten- sprung. Hieraus geriet anscheinend auch der Junge in Schrecken, denn er lief schreiend davon. Der Leutnant hatte mehr Courage als Pferd und Knabe und sprengte dem Jungen nach. ES glückte dem Reiteroffizier auch, den Achtjährigen einzuholen, und pfeifend fuhr deS Leutnants Reitpeitsche auf des Buben Kopf, ob- wobl der Knabe schrie:„Ich tue es nicht mehr." Der Anklagevertreter deS Nürnberger Kriegsgerichts beantragte 19 Mark Geldstrafe. DaS Gericht sprach den LeuMant frei, weil es ihm glaubte, datz er in Putativnotwehr gehandelt habe. Der Leutnant hatte angegeben, er fürchtete, datz der Junge noch einmal auf ihn losgehe und fein Pferd vielleicht noch mal ängstige; aus Notwehr habe er deshalb nach dem Jungen geschlagen. Sie wissen das Geld zu schätze«. Während in anderen Staaten die Mitglieder der Ersten Kammer gar nichts oder höchstens die Hülste der Summe be- kommen, die die Mitglieder der Zweiten Kammer erhalten, be- anspruchen die Herren der Ersten Kammer des elsatz-lothringischen Parlaments 1699 M. gegenüber den 2599 M. Diäten der Zweiten Kammer. Bisher haben die Mitglieder der Ersten Kammer Tag für Tag 29 M. Diäten bezogen, auch wenn sie nicht tagten, so datz sie eigentlich für jede Sitzüng, die sie abhielten, 299 M. Diäten eingesteckt haben. Bedenkt man, datz die Herren Senatoren durch die Bank gutbezahlte Staatsstellungen haben oder den reichsten Kreisen des Landes angehören, so versteht man ihren Patriotismus. Die Präsidenten der beiden Kammern erhalten eine besondere jährliche Entschädigung von 3999 M. Ver Ctonsportarbeiterftreik in Großbritannien. London. 13. Juni.(Eig. Ber.) Ehe noch der nationale Streik der Transportarbeiter proklamiert worden war, hietz es in der englischen Unternehmerpresse, datz die Bewegung Fiasko-gemacht habe. Aber die Taktik der Unternehmer ist zu durchsichtig, als daß man diesen irreführenden Nachrichten irgendwelche Beachtung zu schenken brauchte. Die anständi- gere bürgerliche Presse Großbritanniens beteiligt sich nicht an diesen Versuchen, die Transportarbeiter durch falsche oder tendenziös entstellte Nachrichten zu entmutigen. In Wirk- lichkeit dehnt sich der nationale Streik mit jedem Tage mehr aus. In dem vorhergehenden Berichte wurde schon darauf hingewiesen, daß der allgemeine Streik der Transportarbei- ter. die den verschiedensten Beschäftigungen nachgehen, sich nicht mit jener Einheitlichkeit entfalten kann wie zum Beispiel ein Generalstreik der Bergarbeiter. Die Streikleitung ist mit den bisherigen Resultaten ganz zufrieden; sie schätzt die Zahl der in London und anderen Häfen des Landes streikenden Transportarbeiter auf 169 999. In Bristol. Swansea, South- ainpton, Plymouth und Manchester ruht der Hafenperkehr schon ganz oder ist doch wenigstens schon stark unterbunden. In London wird in den nächsten Tagen die mit Hilfe der Polizei aufrechterhaltene Lebensmittelzufuhr stark beein- trächtigt werden durch den Beschluß der Maschinenbauer und der verwandten Berufe, ihre Mitglieder zurückzuziehen. Die Maschinen in den Docks werden dann zum Stillstand kommen. Das Hauptergebnis des Tages war gestern die Debatte über das von der konservativen Opposition beantragte Tadels- Votum, das sich gegen den Minister des Innern richtete. Die Tories haben wirklich Pech mit ihren Führern. Was diese dazu veranlaßt haben kann, gerade über Mc. Kenna wegen dessen sehr vernünftigen, von allen unparteiischen Personen gebilligten Worten und Taten in der Affäre mit dem Streik- brecherschiff herzufallen und den Liberalen eine Gelegenheit zu schenken, sich als die wahren Freunde der Arbeiterschaft aufzuspielen, ist ein Rätsel. Die Debatte bot wenig Jnter- essantes. Schwere akademische Ünverdatilichkeiten über das Recht des arbeitswilligen Lumpenproletariats, das sonst von dieser Gesellschaft in den Kot getreten wird, bildeten die Sub- stanz der Reden des langweiligen Chamberlain und des noch langweiligeren Bonar Law. Die Regierungsver- treter nutzten die Gelegenheit weidlich aus, um die Tories bei der Arbeiterschaft zu verdächtigen und sich reinzuwaschen. „Die Männer, die sich im Streik befinden," sagte M c. Kenna.„betrachten die„Lady Jocelyn"(das Streikbrecher- schiff) als ein Banner, als eine Flagge. Ihnen ist sie alles, was sie unter dem Namen Streikbrecher hassen und verab- scheuen. Es mag unrecht sein, daß sie diese Gefühle hegen. Die ehrenwerten Herren mögen sagen, daß allein der Besitz eines solchen Gefühls einem Verbrechen so nahe kommt, daß sofort das Militär requiriert werden sollte.(Protestruse bei der Opposition uud Beifall bei der Regierungsmehrheit.) Aber Kenn irglnSetn Minisksr wunW, die Ordnung aufreHt zu erhalten, muh es ein notwendiger Te»! seiner Politik sein. sich mit den besten Mitteln vertraut zu machen, womit die Ordnung bewahrt werden kann." Herr A s q u i t h verteidigte seinen Kollegen, der für sich das Recht einer diskreten' Anwendung der Gesetze in Anspruch nahm, mit folgenden: Gleichnis:..Wenn, um einen extremen Fall zu nehmen, ein übellauniger und provozierender Mensch — ein exzentrischer Mensch, wenn Sie wollen-- den Plan saht, in der Ausübung dessen, was er für sein gesetzlich ver- bürgtes Recht hält, vor einer gewissen Anzahl seiner Mit. bürger Abzeichen oder Symbole zur Schau zu tragen oder sich in einer Weise aufzuführen, von der er weih, daß sie provo- zierend wirken und Liefen Unwillen erzeugen wird, so hat er ein Recht dazu: wenn er aber dann die Polizeibehörde auf. fordert, ihm Schutz angedeihen zu lassen, so hat die Polizei- behörde das Recht, rtz: sagen: Andere Aufforderungen sind dringender als die Ihre und obwohl Sie die Ihnen gesetzlich verbürgten Rechte nicht überschreiten würden, kann ich Ihnen den Schutz dennoch nicht angedeihen lassen, bis ich andere an mich gerichtete Anforderungen befriedigt habe." Oeftcmicb-Clngfarn. Die Obstruktion der Ruthcnen. Wien, 14. Juni. Im Wehraus schuh sprach der Ruthene Baczyntkr. der seit gestern abend Uhr das Wort hat. vor- mittags um 10� Uhr noch, nachdem er drei ganz kurze Unter» Brechungen gemacht hatte. Der Landesverteidigungsminister sowie die Regierungsvertreter wohnen der Sitzung seit gestern vormittag mit einer kaum einstündigen Unterbrechung bei. Der Obmann Pcgacnik ist gleichfalls Tag und Nacht im Ausschuß anwesend ge» Wesen. Wien. 14. Juni. Der Abgeordnet« Baczhnski beendete im Wehrausschuß um 11 � Uhr seine IZstündigeObstruktions» rede. Die Sitzung dauert fort.» franhmcb. Poincarä über die auswärtige Politik. Paris, 14. Juni. Deputiertenkammer. In der beutigen Vormittagssitzung ergriff bei der Beratung über das Budget des Ministeriums des Auswärtigen Ministerpräsident P o i n c a r« da? Wort zu einer häufig von Beifall unterbrochenen Rede. Er antwortete verschiedenen Rednern und sagte unter anderem folgendes: In dem italienisch, türkischen Kriege beobachten wir gewissenhaste Neutralität. Unsere Be- Ziehungen zu I t a l i e n. die einen Augenblick wegen der Zwischen- fälle mit der„Carthage" und der.Manuba" schwierig wurden. sind wieder ausgezeichnet. Unsere Beziehungen zur Türkei sind gleichfalls ausgezeichnet. Poincare sprach dann von den Vor- Handlungen mit Spanien und sagte: Der auf beiden Seiten vorhandene gute Wille gestattet die Hoffnung, daß eine Verständigung sehr bald zu erwarten ist.(Beifall.) Unsere Beziehungen zu Deutschland sind loyal, höflich und korrekt. Wir bemühen uns. die gleiche von» Mes in sie hineinzulegen. Sollte sich in Marokko die geringst« Schwierigkeit ergeben, so haben wir die Möglichkeit, ein Schiedsgericht anzurufen. (Beifall.) Ministerpräsident Poincare erklärte weiter, daß die Be- Ziehungen zu Rußland und England niemals besser gewesen wären als gegenwärtig. Die Allianz mit Rußland und die Freund» würden überall als ein« Stütze des Friedens betrachtet.(Beifall.) �erinnerte an die englisch-französischen Unterredungen über«ine wllianz zwischen Frankreich und England und erklärte, daß. wenn die Entente cordiale auch einer Urkunde ermangele, sie doch die Majorität der beiden Völker für sich habe. Die Tripekentente trage gleichfalls dazu bei, den europäischen Frieden zu sichern, ohne jemand zu beunruhigen. Der Mtnisterpräsident schloß: In uns selbst ruht der Kern unserer Kraft, und Bündnisse mit uns werden im Verhältnis unserer Stärk« gesucht werden.(Lebhafter Beifall.) Darauf wurde die allgemeine Berawng geschlossen und das Budget des Ministerium des Aeußeren angenommen. -> Marokkodcbatten. Paris, 14. Juni. Deputiertenkammer. Heute fand die Besprechung der verschiedenen Interpellationen über Marokko statt. Gleichzeitig wurde der Bericht von Maurice Long über das marokkanische Protektorat besprochen. Der Radikale L a ch a u d kritisierte das Verhalten der Jntendanturbehorden und des Sanitätskorps während der letzten Expedition in Marokko. Ter Interpellant machte dem Generalstab Vorwürfe über seine Sorglosigkeit. Der frühere Kriegsminister Messimy unterbrach ihn und erklärte: Es handelte sich darum, schnell vorzugchen und ohne Unruhe die Rückzugslinie zu organisieren, um das Leben der Europäer in Fez zu retten.(Beifall.) Der Progresfist Chappedelaine interpellierte über die Politik der Regierung in Marokko. Er lobt« Lliautey und sprach sich dafür aus. von jetzt an starke Truppenkontingente nach Marokko zu senden, um das Protektorat zu organi- sieren. Der Radikale D u m e s n i l interpellierte über die Gründe der Massaker in Fez und der allgemeinen Erhebung der Stämme und die Operationen des Generals Ditt in Tafilet. Di« Rede des Sozialistischradikalen Dumesnil rief wiederholt lebhafte Zwischenfälle hervor. Dumesnil kritisierte scharf die in einigen Teilen Marokkos getroffenen militärischen Maßnahmen. insbesondere das Vorgehen de» Generals Dutte. Er behauptete, daß wiederholt Schlappen verschleiert worden seien und zitierte den Brief eines Offiziers, der heftige Angriffe gegen die Oberleitung enthält. Ein konservativer Deputierter ruft dazwischen: Ein solcher Brief ist eine Feigheit, nennen Sie den Namen dieses Offiziers. Dumesnil antwortete: Sie wollen den Namen wissen; nun denn, der Briefschreiber ist der Leutnant Esparbeve. der heldenmütig fiel, al» er seinen verwundeten Leuten zu Hilf« eilt«.(Stürmischer Beifall auf der äußersten Linien.) Im weiteren Verlaufe seiner Rede verlangte Dumesnil dringend Abhilfe gegen da» Treiben der Terraingesellschaften, deren in Marokko nicht weni, ger als ISO beständen und von denen die meisten die zügelloseste Grundstücksspekulation treiben. Er erwähnte sodann, daß seit der Besetzung Marokkos durch Frankreich di« Einfuhr von Alkohol in der bedenklichsten Weise gestiegen sei.(Rufe auf der äußersten Linken: Da» ist in« Zivilisation I) Redner wie» ferner auf die in der islamitischen Welt herrschend« Erregung hin und bedauerte, daß Kriegsmivster Millerand gerade jetzt, wo Algerien infolge der nach Marokko entsandten Verstärkungen von einem großen Teil seiner Garnison entblößt sei. durch die Ein- führung der Militärpflicht die Eingeborenen in Erregung versetze. Zum Schluß erhob Dumesnil Einspruch gegen eine Eroberung»- Politik in Marokko, welche immer neue Verstärkungstruppen erfor- dern würde.— Das französische Volk wolle den Frieden, aber wenn trotz der ungowisson Lag« Europas 100000 Mann nach Marokko ent« sandt werden würden, dann lauf« man Gefahr, das Unwetter zu entfesseln und Eroberungsgelüst« anzufachen.(Lebhafter Beifall link-.) � 1 Auf Ansuchen Millerands beschließt die Käntmrr. so rasch als möglich die Beratung des Kadregesetzes in Angriff zu nehmen, damit dieses Gesetz, welches der Kriegsminister als sehr dringend bezeichnete, noch vor den Ferien erledigt«krhezx lönge.. Darauf wurde die Sitzung geschlossen.''' ßclgfcn. Die belgische Partei rüstet. Man meldet uns aus Brüssel unterm 13. Juni: Zögernd nur und grollend, ihr Temperament aus Achtung vor der Parteidisziplin niederringend: sind die Arbeiter der luallonischen Landesteile wieder an die Arbeit zurückgekehrt. Aber entsprechend der Losung des Generalrats wird nun dort und in ganz Belgien der Kampf vorbereitet, der nun aus der nüchternen Abwägung der Tatsachen, der ruhigen Prüfung der Möglichkeiten und Mittel geführt werden wird. Aus dem Hennegau. aus Lüttich und Namur und anderwärts kommen bereits Nachrichten, daß die Organisationen über die Situation beraten, die Mittel für d e n- W a h Ire ch ts kamp f dis- kutieren, um allenthalben die Meinungen zu kläre» und den Delegierten für den Landeskongreß fachlich fundiertes Material, reife Entschließungen mitzugeben. Nach der Beratung der Gruppen werden gegebenenfalls noch die regionalen oder- provinzialen Kongresse die Fragen beraten, ehe sie auf dem all- gemeinen Kongreß am 30. Juni zur Entscheidung kommen. Auch die Brüsseler Föderation hat gestern in einer Plenarversammlung im Maison du Peuple, die von etwa 3000 Parteimitgliedern besucht war— der Eintritt war nur gegen Vorweisung der Mitgliedskarte ge- stattet-- über die durch den Wahlaussall geschaffene politische Situation und' im Anschluß daran über die Mittel für den WahlrschtskämPf beraten. Die Beratung nah«: einen äußerst bewegten Verlauf und wenn wir eS uns auch aus guten Gründen versagen, über die interne taktische Seite in der Oeffentlichkeit zu sprechen, so kann über den Kern der Frage immerhin einiges gesagt sein. Wie das Manifest des Generalrates es ausgesprochen, ist für die Arbeiterpartei der' klerikale Wahlsieg ein erneutes Signal für den Kamps um das gleiche politische Recht, von dem allein eine Entwurzelung der politischen Herrschaft des KlcrikaliSmus zu erhoffen isst.Nichts liegt für Belgien, das alS erstes Land den Generalstreik zur Erreichung eines poli- tischen Zweckes einführte, näher/ als mit diesem äußersten legalen Repressionsmittel gegen eine privilegienwütige Regie- rung vorzugehen, zumal dieses Mittel schon einmal der Arbeiterschaft einen RechtSanteil verschafft hatte. Daß seine Anwendung heute darum nicht weniger heikel, die Entscheidung für diejenigen, die sie im gegebenen Fall zu treffen haben. nicht weniger'der tiefsten Verantwortung voll ist, braucht freilich nicht gesagt zu werden. Wenn nun der Generalrat durch seinen Beschkuß. die streikenden Arbeiter' der wallonischen Provinzen zur Arbeit zurückzurufen. einem aus einer jähen Volks- stimnlung geborenen spontanen Massenstreik seine Billigung nicht gab, so hat er damit in keiner Weise das Mittel im Kampfe ums Wahlrecht ausschalton wollen, was auch auS der Faffung des Manifestes hervorgeht'. Nicht über seine p r i n- zipielle Anwendung, sondern nur über die Bedin- g u n g e n seiner Anwendung hat der Generalrar in einem Li nm j) t igen Beschluß über die Notwendigkeit' der Arbeits- ausnähme ein Verdikt abgegeben.' ,r" Diese Bedingungen zu untersuche», die Opportunität dieses Kampfmittels festzustellen, ist nun Sache der Organi- sattonen der Einzelfongresse und' schließlich des Landes- kongreffes. Dis Versammlung der Brüsseler Föderation zeigte wohl kein einheitliches Bild der Auffassung über die Generalstreik- frage. Alle Redner waren sich aber in dem einen Punkte einig, daß. wenn der Generalstreik zur Notwendigkeit werden sollte, er nur auf der Basis einer gründlichen, umfassenden Vorbereitung vor allem durch die Gewerkschaften selbst, an- gewendet werden darf. Und eines noch wurde von allen Seiten als Hauptmoment in der Ausfassung der Dinge hervor- gehoben: keine Festlegung»pelchen Datums immer. Vorbereiten, bereit sein, aber keine Bindung durch eine Festlegung der Zeit. Besondere Betonung legten die Redner auf die parlamentarische Obstruktion durch die sozia- listische Gruppe, die durch die Volksbewegung zu unterstützen, zu stärken sein wird. Diese' Vökksbewegung im Gange zu erhalten. daS ganze politische Loben mit ihr zu durchtränken. Leu Eisthusiasmus für den Kampf unausgesetzt zu steigern, das muß darüber herrschte nur eine Stimme � für die nächste Zukunft daS unausgesetzte Bestreben der Arbeiterpartei sein. Die be- geisterte Stimmung der Versammelten zeugte für diese Kampf- sreudigkeit. Italien. Disziplinarverfahren gegen die Ossiziere der„San Georgia". Der Komnwndant Albanga und der. erst« Offizier B 0 r d i g i p n i, die, wie wir berichtet haben. voftV Kriegsgericht Wegen des Unterganges der..San Giorgia" freigesprochen worden sind, sind nunmehr vom Kriegsminister dem Disziplinarrat über- stellt worden, da daS Fehlen strafrechtlicher Verantwortlichkeit es nicht ausschließt, daß sich die betreffenden Offiziere disziplinarische Verfehlungen zuschulden kommen ließen. Die Presse nimmt diese Nachricht mit Genugtuung auf. Vielleicht wird das Disziplinar- verfahren auch an den Tag bringe», ob wirklich an Bord des auf- gelaufenen Schiffes bei der Probefahrt eine Dame anwesend War, wie gleich nach dem Unfall verbreitet wurde. Ein Urteil gegen demostriercnde Soldaten. Rem, 12. Juni.(Eig. Ber.) Am 9. Mai dieses Jahre» hahen zirka 300 Soldaten auf der Piazza dslla Signoria in Florenz eine Demonstration gegen die verspätete Entlassung ihres Jahr- ganges abgehalten. Gegen S von ihnen hat bereits am 11. Juni der Prozeß stattgefunden. Zwei wurden freigesprochen, die übrigen zu Gefängnisstrafen von zwei bis fünf Monaten verurteilt wegen Ungehorsams und Mitwirkung bei einer Volksversammlung. Natürlich wurde die ganze Dache zuerst'von jier Presse yöllig in Abrede gestellt. Erst durch die Verurteilung erfährt man offiziell, daß die Demonstration nicht ein»«evolutionäre Ersindung war. Lkina. Soldatenunruhen in der Provinz Schantung. Peking, 14. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Uebcr 2000 chinesische Soldaten haben gestern abend in Tsinanfu (Schantung) gemeutert. Es kam zu Plünderung und Brand» stistung! um 10 Uhr vormittags waren die von den Meuterern an» gelegten Brände erloschen. Die Plünderungen hatten aber noch nicht aufgehört. Während der Nacht wurden zwischen den Meute-. rern und der Wache des Gouverneurs gerauRe Zeit hhiimrcb Schüsse. gewechselt. Der Gouverneur flüchtete in die katholische Mission. Von den g«plünderten Häusern gehören drei Japanern. Fremde sind anscheinend nicht verletzt worden. Schließlich wurde die Ordnung wiederhergestellt. Die Ursache der Meuterei war die Furcht der Soldaten, ohne Sold entlassen zu werden. Nach Meldungen, die bei der Berliner Deutsch-Chinesischen Eisenbahngesellschaft eingegangen sind, sind in Tsinunfu Unruhen ausgebrochen, die aber nur lokaler Natur find. Für die europäischen Beamten besteht augenblicklich keinerlei Gefahr, ßtos Induftne und FtandeL Das Weltvermöge« in Wertpapieren. Nach einem soeben erschienenen Berichte des amerikanischen Handels- und Arbeitsamtes wird das in Wertpapieren angelegte Kapital der ganzen Welt auf 110 000 bis IIS 000 Millionen Dollar geschätzt, von welcher gewaltige» Summe allein in England. Deutsch- land und Frankreich sich nahezu 64000 Millionen befinden. Wenn man annimmt, daß dieses in Papieren angelegte Kapital sich nur mit 4Proz. verzinst, so bringen allein diesen drei Staaten die Wert- Papiere ein Einkommen von über LS OOO Millionen. Nachstehende Tabelle gibt eine» Ueberblick über den Umfang, in dem die einzelnen Nationen an dem Besitz von Wertpapieren beteiligt sind. Der stete Austausch und die Kursschwankungen drücken sich in der Gegenüber- stellung von Minimal- und Maximalzahlen aus. Zugleich gibt die Tabelle einen Ueberblick über da» Wachstum an Wertpapieren wäh- Ende 1210 in Millionen Dollar 27 020 bis 27 406 LS 090„ 25 476 20 468, 21 280 17 370„ 18 335 6 597, 5 983 4439. 4 632 2 509, 2702 1737. 2 816 6 755„ 7 720 Zusammen 100 039 bis 106 343 110 975 bis 116 800 Wenn man also die Maximalzahlen dcS in Wertpapieren an- gelegten Kapitals der Welt annimmt, ergibt sich, daß das Welt- vermöge» in Wertpapieren sich auf 116 800 Millionen Dollar, also auf weit über 463 200 Millionen Mark belauft. Nach der Statistik de» amerikanischen Handelsamtes ist Deutschland an diesem Reichtum mit rund 73 350 Millionen Mark beteiligt. Soziales. ■->' Ferienkvlonien für Schulkinder. Wie richtig es ist, daß man die Schaffung von Fersenkokonien nicht dem Gutdünken privater„Philanthropen" überläßt, dafür liefert eben wieder die ztvettgrößt« Stadt Preußens, Kol», den Beweis. Der dortig« Verein für Ferienkolonien läßt zu seinen dreiwöchigen Kuren nur Kinder zu, die„sich durch gutes Betragen und mustergültigen Fleiß vor anderen auszeichnen". An der Spitze dieses Vereins stehen auch zwei Stadtfchulräte, also Leute, denen man eigentlich pädagogisches Verständnis zutrauen sollte. Dennoch scheinen diese Herren immer noch auf dem mittelalterlichen Stand- Punkt zu stehen, daß die minder guten Schulkinder aus purer Niedertracht, wohl um den Herrn Lehrer zu ärgern, nicht fleißig und wohlerzogen sind. Tatsächlich aber müßte jeder Erzieher mit normaler Beobachtungsgabe den« doch wissen, daß geistige Trägheit und'schlechtes Betragen"der"Kinder' aufs engste zusammenhangen mit deren körperlichem und gesundheitkichem Befinden. Ein ge- sundes. /vernünftig u«rd auskchnmlich ernährtes, richtig gepflegtes und nicht ermüdetes Kind ist in der Regel auch artig und emsig. Darüber streiten sich fortgeschrittene Erzieher und Aerzte längst Nicht mehr. Und das»st auch dem Kölner Verein für Ferienkolonien sehr wohl bekannt. Hat doch einer der mit an der Spitze dcS Ver, eins stehenden Herren, Schulrad Dr. Brandenburg, in einer aus Anlaß des Deutschen Naturforscher- und Aerztetages im Jahre 1903 im Auftrag« der Stadt Köln herausgegebenen Festschrift ge- schrieben: Manches Kind ist durch den Aufenthalt in der Ferienkolonie vor einem frühzeitigen Siechtum bewahrt und für die Anforde. rungen des Lebens gestählt worden. Die Folgen des Landauf, enthalte» für die geistige EntWickelung sind geradezu erstaunlich. Räch den Ferien glaubt der Lehrer eS mit einem ganz andere» Kinde zu tun zu haben. Borher träg, schlaff und wenig emp- fänglich, zeigt es sich jetzt angeregt, munter und den Lehren der Schule zugänglich. Nicht weniger reich ist der Getvinn für das Gemütslcbe».,.. Ein begeisterteres Lied kann man wohl nicht über die Ferien- kolonien fingen. Zugleich aber ist dieses Zeugnis des Schulrats ein vernichtendes Urteil über die von seinem eigenen Berein geübte Praxis, gerade diejenigen Kinder, die es am nötigsten haben, Von den Vorteilen der Ferienkolonien auszuschließen. Praktiken einer„christlichen" Konsumgenossenschaft. Die Konsumgenossenschaft„Eintracht" in Mülheim am Rhein, deren Bereich sich über den ganzen Regierungsbezirk Köln erstreckt. und die wohl die größte aller„christlichen" Genossenschaften ist. hatte gegen den Kaufmann Peitz in Bonn auf Unterlassung und Schadenersatz geklagt, weil dieser Mittelstandsmann behauptet hatte, die„Eintracht" gebe in ihren Filialen Mindergewichte von zwölf bis fünfzehn Prozent. Die„Eintracht" wurde von dem Landgericht Bonn kostenfällig abgewiesen. In den Gründen heißt es:„Die Beweisaufnahme hat in einem großen Umfange die Ab- gäbe von Mindergewichten in Höhe bis zu zwanzig Prozent er- geben"; bei dem großen Umfange der Abgabe von Mmdergewichtcn in den Verkaufsstellen der Genossenschaft könne nicht angenommen werden, daß es sich um einzelne auf bloßem Zufall beruhende Fälle handle. Der Wahrheitsbeweis sei von dem Betlogien erbracht. „Chuzbe"— eine erhebliche Ehrverletzung? DaS Jargonwort„Chuzbe"— zu Deutsch„Dreistigkeit" bildete den Ausgangspunkt eines vor der 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgcrichts ausgefochtenen Rechtsstreites. Eine Ver. käuferin fühlte sich in ihrer Ehre verletzt, weil die Chefin ihr auf eine ganz sachlich gehaltene Erklärung zur Antwort gab:„Das ist eine Chuzbe". Da ihr damit zu Unrecht der Vorwurf der Frechheit oder Unverschämtheit gemacht worden sei, habe sie sich für berechtigt gehalten, das Dienstverhältnis ihrerseits sofort zur Losung zu bringen, und sei darum fortgeblieben. Die beklagte Prinzipalin dagegen führt an. das Wort sei ihr allerdings in der Erregung entschlüpft, sie habe sich aber um so weniger etwas BäseS dabe: ge- dacht, als sie den Ausdruck mit„vorlaut" oder„anmaßend" für richtig übersetzt hielt. Sie habe dann ihre Deutung auch von Per- svnen jüdischen Glaubens bestätigt erhalten. Trotzdem sei sie der Klägerin entgegengekommen, habe sich bei der Klägerin schriftlich entschuldigt und sie gebeten, wieder anzutreten. Letztere kam aber gleich darauf mit der Klage. ES bedurfte nicht erst der Vernehmung eines„Sachverstän- djgen" über die Auslegung des inkriminierten Wortes, das Kauf- mannSgericht kam vielmehr nach eigener freier Ueberzeugung zu der Auffassung, daß eins erhebliche Verletzung der Ehre der Klägerist nschj versiege und MG ftlif MWsüNg der rend per Zeit von 1908 bis Ende 1910. Ende 190S in Millionen Dollar Großbritannien.. 25 090 bis 26 055 Bereinigte Staaten 22 195. 23 160 Frankreich... 19879. 20265 Deutschland... 15 440, 16 405 Rußland.... 4825. 6211 Oesterreich-Ungarn 4 053, 4 246 Italien.... 1930„ 2816 Japan..... 1 158„ 1 851 Andere Länder.. 6 369„ 7334 6ewerhfcbaftlicbe9. Ctter ift ein Streikbrecher? „Eine müßige Frage!" So denkt gewiß jeder Getverk- schaftler.«Selbstverständlich weiß jeder, wer und was ein Streikbrecher istl"— Gemach, nur keine Ueberhebung. Man erlebt ja so oft. daß anscheinend einfache und selbstverständ- liche Dinge falsch beurteilt werden. Wenn Aerzte nach Jahren entdecken, daß eine vermeintliche„Sie" ein„Er" sei oder um- gekehrt, warum sollte da ein sozialer Allerweltsdoktor�nicht finden können: ein Streikbrecher ist eigentlich gar keiner! Und ein solcher Pfadfinder ist uns in dem Hansabund er- standen. Geheimrat R i e ß e r, der Wundermann, der die Agrardemagogie vernichtet, den Sozialismus tötet, den Ultra- montanismus erwürgt, unter der stolz wehenden Flagge der goldenen Internationale das Heil der Welt verkündet, hat in dem Generaldirektor Dr. W a l d s ch m i d t einen gewaltigen Konkurrenten gefunden. Ein neuer Kolumbus, der die tief- gründige Antwort auf die angeschnittene Frage gab. In einer Ausschußsitzung des Hansabundes, am Mittwoch, gab er seine grandiose Antwort zum besten. Nach übereinstimmenden Be- richten entsprangen seinem Haupte folgende Gedanken, die er bei der Besprechung der allerneuesten Richtlinien des Hansa- bundes zutage förderte: .. Den Grundsatz der Gewerbe- und Koalitionsfreiheit halten wir hoch. Aber ebenso verlangen wir, daß Willens- und Aktionsfreiheit geachtet wird. Es ist geradezu ein Unfug, der heute mit dem Worte„Streikbrecher" getrieben wird. Streik- brecher ist nur der, der sich von vornherein zur Niederlegung der Arbeit verpflichtet hat und dies Versprechen nicht hält, keines- Wegs aber der, der aus gewichtigen Gründen von vornherein erklärt hat, daß er nicht mitmache...." Lebhafter Beifall belohnte den Redner � für seine jedes Spießergemüt von bänglichen Stimmungen befreiende, genial einfache Interpretation. Wie geradezu hausbacken vernünftig sie sich ausnimmt, wie, so unumstößlich wahr! Die ausge- kochtesten Scharfmacher werden ihr die Anerkennung nicht per- sagen, daß die Klarheit der Begriffsbestimmung und die Treffsicherhe.it der Erläuterung, was Streikbruch sei, unüber- trefflich sei. Diese Tatsache hebt die Bedeutung der Tat in die rechte Beleuchtung. Daß ein Arbeiter vielleicht aus Furcht vor Unternehmerterror, aus Angst vor der ihm und seinen Angehörigen drohenden Hungerpeitsche,„freiwillig" auf die Teilnahme an einem Streik verzichtet, das stört die das un- bedingte Recht der Selbstbestimmung postulierenden Strate- gen des Hansabundes natürlich nicht. Vor dem Unternehmer- terror macht der streitbare, freiheittrunkene Hansabund ehr- sürchtig Halt. Und den nicht auf der geistigen Höhe eines Börsenhanseaten wandelnden Arbeitern kommen noch andere Gedanken. Sie hören von dem Grundsatz der unbedingten Freiheit der Arbeit und denken an die schwarzen Listen, jeden Arbeiter und Unternehmer an freiwilliger Arbeti hindern zu dürfen. Ja, es gibt Unfug! Man treibt sie mit der heuchle- rischen Phrase von der„Freiheit der Arbeit", von der„Frei- heit der Selbstbestimmung". Ungestört zwingt das koalierte Unternehmertum Mitglieder und NichtMitglieder, mißliebige Arbeiter zu entlassen oder nicht einzustellen. Man fragt nicht danach, ob einzelne Unternehmer mit der Diktatur der Kon- ventionen usw. einverstanden sind oder nicht. Wer sich nicht fügt, wird gesperrt. Die Entziehung von Material zwingt Manchen unter verhaßte Despotie. Welcher Unternehmer ist noch frei in seinen Entschließungen? Wer kann ganz nach Be- lieben, ohne sich Einmischungen von seinen Berufsgenossen gefallen lassen zu müssen, die Lohn- und Arbeitsverhältniffe, ferner seine Verkaufsbedingungen regeln? Niemand! Ja, manchem Unternehmer ist es sogar verwehrt, sich mit seinen Arbeitern friedlich zu verständigen, wenn Wünsche, Forderun- gen, Meinungsverschiedenheiten auftauchen. Schwere Geld- strafen, den„Terroristen" durch gezwungen hinterlegte Wechsel gesichert, treffen sie für jedes Mißachten des Willens der anderen. Gegen solche Unterbindung der Selbstbestim- mung, gegen solche Negation der Freiheit der Arbeit, erhebt sich bei den Hütern der Freiheit l�er— Streikbrecher kein Protest! Kein Schrei der Entrüstung gibt Kunde von der Verletzung ihres Moralempfindens! Dieser funktioniert, genau wie die Rechtsprechung, niemals gegen das Klasseninter- esse der Ausbeuter der Arbeitskraft. Wie ein Vlitzlicht beleuchtet die Hansabundserklärung den klaffenden Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit. Man kon- struiert eine doppelte Moral! Zwang, von den Unternehmern ausgeübt, als Mittel der Profitsicherung und Profitsteigerung, ist sittlich erlaubt, verstößt nicht gegen Ordnung und Recht. Dagegen ist dieses Recht, diese Ordnung, diese Moral verletzt, wenn Arbeiter selbst nur durch moralische Einwirkung eine Gefährdung ihrer auf Befriedigung des nackten Lebens ge- richteten Interessen zu verhindern versuchen. Der Hansabund rechtfertigt die große soziale Sünde des Streikbruches, wenn sie„freiwillig" geübt wird! Wahrlich. eine prächtige Moral! Das geht beinahe noch über die Christenlogik und die Argumentation des scharfmacherischen Herrenmenschentums! Banditen, Straßenräuber und Mörder werden sicher nicht ermangeln, aus dem Moralkodex der Hansabllndler geeignete Schlußfolgerungen zu ziehen. verlin uncl Clmgegend. Die Kämpfe im(«nstmirtsgewerbe. Dem Unternebmertnm im Gastwirtsgcwcrbe ist der Gedanke, daß ihre Angcsiellicn sich organisieren, daß sie bestimmte Forde- rungcn stellen, die sie mit r Umständen selbst durch Arbcitsnieder- legung durchzudrüclen suchen, gar zu schrecklich. Wir teilten schon mit, daß die Inhaber der Berliner gastwirtschaftlichen Betriebe, die sonst auf strenge Klassenscheidung und Rangunterschiede sehen, sich brüderlich zusammengefunden haben, ihre h e i l i g st e n Rechte auf unbeschränkte Ausbeutungsfreiheit zu wahren. Tie Herren Scharfmacher der Innung und des Hotcliervereins haben nicht bloß die Inhaber der großen Saal- geschäfte mit herangezogen, selbst die Hackepeter haben sie nicht verschmäht. So ist das berüchtigte Plakat, durch das den An- gestellten bei Androhung des Aushungerns verboten wurde, an einer Lohnbewegung sich zu beteiligen, u. a. auch von dem„Hackepeter" Herrn M a r t i n in der Münzstraße unterzeichnet worden. Durch diesen Ukas wollten die Scharfmacher den Schrecken unter den Angestellten verbreiten, sie veranlassen, aus der Organi- sation auszuscheiden. Das Gegenteil ist eingetreten, die Erbitterung unter den Gehilfen ist gewachsen, und wo sich die Unzufriedenheit nicht offen zeigen kann aus Furcht vor Maßregelung, wirkt sie um so stärker unter der Oberfläche. Der Verband der Gast- Wirtsgehilfen aber hat in den letzten Wochen wiederum zirka 350 Neuaufnahmen zu verzeichnen gehabt, nachdem der Ver- band in Berlin im ersten Quartal 1912 von 4289 auf 5196 Mt- verantw. Redakteur: Albert WM,«. Berlin. Jnie��nteil verantw.:" glieder gestiegen war. Diejenigen Unternehmer, die mit dem Ver« band Tarife abgeschlossen haben, wurden von dem Scharfmacher- verband, an dessen Spitze die Herren Elkan, Generaldirektor der Berliner Hotelgesellschaft Zentralhotel, der auch die Restaurationsräume des Zoologischen Gartens gehören, und Herr Schwarz, Direktor der Trarbach-Weinstuben und Mitinhaber von Schwarz' Etablissement in Lichtenberg stehen, mit besonderer Aufdringlichkeit umworben, und mit Vor- würfen bedacht, weil sie mit dem„roten" Verband friedliche Ver- einbarungen eingegangen sind. Nun mutzte der Scharfmacherverband aber auch seine Existenzberechtigung nachweisen und Beweise von seiner Nützlichkeit für die Gastwirte erbringen. Ein Sieg mußte er- fochten werden. Das wurde so gemacht: Man lancierte in die bürgerliche Presse ein Mitteilung, wonach für die P fingst- feiertage in Berlin ein großer Kellner st reik geplant sei. Nach dem Feste wurde in den Unternehmerblättern trium- phierend verkündet, daß der Streik aus Furcht von dem„Interessen- verband der Gastwirte" untkrblicben sei. Da in den Kreisen der Gehilfen auch nicht die leiseste Absicht bestanden hatte, zu Pfingsten einen derartigen Streik zu unternehmen, war es nicht schwer geworden, diesen Sieg zu erringen. Um nun zu der Gründung und dem Vorgehen des„Interessen- Verbandes" Stellung zu nehmen, war für die Donnerstagnacht eine Versammlung der Gehilfen einberufen. Der Referent Zeiske empfahl die nachstehende Resolution zur Annahme: Die heute in den Jndustriefestsälen tagende öffentliche Ver- sammlung der gastwirtschaftlichen Angestellten hat Kenntnis ge- nommen von der Gründung und dem Vorgehen des sogenannten Jnteressenverbandes der ga st wirtschaftlichen Unternehmer. Die Versammelten sind davon entfernt, den Unternehmern irgendwie das Recht streitig machen zu wollen, sich zu organi- sieren, selbst, wenn diese Organisation sich gegen die Gehilfen wendet. Dagegen legt die Versammlung entschieden Verwahrung ein gegen den Versuch des koalierten Unternehmertums, der Gehilfen- schaft durch schwarze Listen, Verrufserklärung, Maßregelungen usw. das ihr durch das Gesetz gewährleistete Kolitionsrecht zu unterbinden. Die Versammelten werden sich durch das brutale Vorgehen der Unternehmer nicht abhalten lassen, ihr Ziel auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Gastwirtsgewerbe auch fernerhin weiter zu verfolgen. Nach wie vor erblicken die gast- wirtschaftlichen Angestellten im Verband der Gastwirtsgchilfen diejenige Organisation, die allein geeignet und gewillt ist, die Existenzbedingungen der Angestellten im Gastwirtsgewerbe zu heben und sie versprechen deshalb, unausgesetzt tätig zu sein, «dem Verbände neue Mitglieder zu werben, um dessen Macht zu vergrößern. Sie wiederholen ferner die schon mehrfach abge- gebene Erklärung, daß sie jederzeit bereit sind, durch die Vertreter des Verbandes mit den Unternehmern in Untcrhand- l u n g zu treten, um Vereinbarungen über Lohne und Arbeits- bedingungen herbeizuführen. Die Resolution fand einstimmige Annahme, und es er- folgten etwa 49 Beitrittserklärungen zum Verband. Da dem Scharfmacherverband auch eine Anzahl Cafetiers beigetreten sind, werden die Cafcangestellten am Montagmorgen in einer besonderen Versammlung sich mit der Angelegenheit be- schäftigen. Die Unternehmer dieses Zweigs bemühen sich seit Jahren krampfhaft, sich in einem gelben Gehilfenverband eine Prätorianer- garde herauzuzüchten. Sie möchten die gewerkschaftlich organisierten Gehilfen gern ganz und gar aus ihren Betrieben ausschalten. Das wird ihnen indes nicht gelingen, denn die Abteilung der Cafekellner beim Verband der Gastwirtsgehilfen zählt jetzt bereits 1647 Mitglieder. Und so werden auch hier die scharfmacherischen Absichten in ihr Gegenteil sich kehren, die Gehilfen werden immer mehr im engen Zusammenschluß eine Stütze suchen und finden müssen. Die Unterstützung der Arbeiterschaft dürfte ihnen dabei nicht fehlen. Die Situation im Putzergewerbe wurde in der am Donnerstag abgehaltenen Versammlung der Putzer besprochen. Es wurde unter anderem ausgeführt: Die Situation im Baugewerbe ist im allgemeinen ungünstig, und es ist auch keine Aussicht auf Besserung vorhanden. Für die Putzarbeiten ist gegenwärtig die beste Zeit. Die Putzer stehen größtenteils in Arbeit, aber diese Zeit wird nicht lange anhalten. Es ist anzunehmen, daß ein Teil der Rohbauten, die nächstens zum Putzen reif werden müßten, verzögert werden, weil es wahrscheinlich zu einem Kampf der Dachdecker kommen wird. Die allgemeine schlechte Konjunktur hat ein wesentliches Sinken der Akkoropreise zur Folge gehabt. Die Preise sind auch gegenwärtig, trotz ausreichender Arbeitsgelegenheit, in den meisten Fällen so niedrig, daß es ganz unmöglich ist, bei Junehaltung der ordnungsmäßigen Arbeitszeit den üblichen Lohn zu verdienen. So wird denn die Mittagspause verkürzt und auch noch über Feier- abend gearbeitet. Ein Unfug, gegen den sich die Organisation mit aller Entschiedenheit wendet. In letzter Zeit ist eine lebhaste Agitation auf den Bauten entfaltet worden. Sie hat auch den Erfolg gehabt, daß das Verständnis für die Organisation und ihre Forderungen unter den Kollegen wieder wesentlich gestärkt worden ift._ Fleischerboykott in Neukölln. Um das Täuschungsmanöver der Innung und der Gelben zu durchkreuzen, ist allen Schlächtereien, die den Tarifvertrag des Zeniralverbandes der Fleischer unterzeichnet haben, durch die Streik- leitung ein Plakat(weiß mit rotem Rand) folgenden Inhalts zu- gestellt worden: Meiner geschätzten Kundschaft zur gefälligen Kenntnis: In meinem Geschäft sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen mit dem Zentralverband der Fleischer und BerusSgenossen Deutsch- lands larflick, geregell I Es eriolgt dieserhalb keine Preiserhöhung der Fleisch- und Wurslwaren. Bestätigt durch Stempel der Streikleitung. Paul Bergmann. Tieies Plakat wird von den Inhabern der Firmen, die bewilligt haben, im Schaufenster oder Laden an sichtbarer Stelle ausgehängt. Wir ersuchen das kaufende Publikum, hierauf zu achten und sich durch das rote, von der Innung und den Gelben herausgegebene Plakat nicht läuschen zu lassen. Zentralverband der Fleischer. Berlin, Elisabethstr. 11. Teleph.: Königstadt 3924. Oeutfcbeo Reick). Zum Streik beim Bau des Mittellandkanals. Trotz großer Anstrengungen ist eS der Firma Held u. Franke nicht gelungen, Anfang dieser Woche den Betrieb mit 499 Mann wieder voll aufnehmen zu können, wie die Firma groß- spurig verkündet hatte. 42 Pf. Stundenlohn den Arbeitern zu gewähren, war ihr zu viel, weil nach ihrer Meinung die Arbeits- leistung der früheren Arbeiter dieser Lohnung nicht entspräche. Bei der jetzigen Bedienung der zwei im Betrieb befindlichen Bagger leisten diese täglich nicht das, was vordem ein Bagger in einem halben Tage schaffte. Wird der Zuzug von Arbeitswilligen streng ferngehalten, so dürfte die bestreikte Firma in kurzer Zeit zu der Einsicht kommen, daß 42 Pf. Stundenlohn für die mühevolle Arbeit wirklich keine„unberechtigte" Forderung ist._ Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Ver lag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Kuslanck. Der Seemannsstreik in Frankreich. Die Streikiommession in Havre hat ein Telegramm des Nationalausschusses der Seeleute erhalten, in welchem zum Aus- druck gebracht wird, daß sich die Seeleute in allen Häfen Frank- reichs mit den streikenden Matrosen solidarisch erklären. Bis jetzt sind die Forderungen der Streikenden« nur von zwei Jachteigen- tümern anerkannt worden, und zwar von Edmund Rothschild, dem Besitzer der Jacht„Atmah", und Henry Rothschild, dem Besitzer der Jacht„Eros". Für die Bewegung ist dies völlig ohne Be- deutung. Inzwischen mustern die Seeleute aller einlaufenden Schiffe weiter ab. In B r e st liegen eine große Anzahl von Dampfern still, ohne auslaufen zu können. Die Schifiahrtsgesellschaften haben be- schlössen, den Matrosen eine Lohnerhöhung von 19 Frank pro Monat zu gewähren. Die Streikenden haben diese Zulage aber abge- lehnt; sie verlangen eine Lohnerhöhung von 29 Frank monatlich Der Bürgermeister von Brest hat auf den Kais mit den Streikenden Verhandlungen angeknüpft, um sie zum Nachgeben zu bewegen. Es« ist ihm aber nicht gelungen, einen Erfolg zu erzielen. In Dünkirchen haben die Seeleute ebenfalls den Strei? erklärt. Als gestern morgen der Dampfe»„Ville de Dunkerqüe" im dortigen Hafen vor Anker ging, kam es auf dem Kai zu vor- übergehenden Ruhestörungen, als die Ausständigen, die sich in großer Zahl am Hafen eingefunden hatten, die vom Schliff kom- menden Seeleute zu bewegen suchten, sich dem Streik anzuschließen. Gestern nachmittag fand in der Arbeiterbörse eine Versammlung der Streikenden statt, zu der sich auch die Mannschaft des„Ville de Dunkerque" eingefunden hatte. Es gelang der Versammlungs- leitung, die Matrosen des Schiffes zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Sie werden also nicht mehr an Bord des Dampfers zurückkehren. Versammlungen. Zentralverband der Sattler und Portefeuiller. Die Zahlstelle Berlin hielt am Donnerstag eine außerordentliche Generalver- sammlung ab. Den Bericht vom Münchener Verbandstag erstattete Ernst Schulze. Wir haben unseren Lesern einen Bericht von diesen Verhandlungen gegeben. An den Bericht schloß sich eine kurze Diskussion, in der aber eine wesentliche Kritik an den Be- schlüssen und Arbeiten des Verbandstages nicht geübt wurde. Im allgemeinen klang aus den Aeußerungen der einzelnen Redner die Zufriedenheit mit den Ergebnissen des Verbandstages. Bei den Wahlen zum Ortsvorstand wurden einstimmig gewählt: Ernst Schulze wieder als 1. Vorsitzender, Weyher wieder als Kassierer und Hauptmann wieder als Arbeitsvermittler. Die Wahlen zum Ausschutz und Zentralvorstand wurden per Stimm- zettel vorgenommen. Gewählt wurden: In den Zentralvor- stand: Wilhelm Bänsch, Adolf Döhnert, Ernst Kreplin, Jakob Martens; in den Ausschuß: Adolf Hahn, Franz Langer, Rein- hold Starke, Hermann Wolf. K-ctztc Nachrichten. Zwei Personen in der Müggel ertrunken. Ein schweres Bootsunglück, bei dem zwei junge Männer den Tod fanden, ereignete sich gestern mittag auf dem Müggelsee. Ein Doppclskuller des Vereins„Sturmvogel" wurde von vier Ruderern zu einer Fahrt nach dem Müggelsee benutzt. In der Rahnsdorfer Bucht, in der Nähe der Basedowschen und Holzbrücke, wurde das Boot durch den starken Wellengang voll Wasser schlagen und kenterte. Alle vier Personen fielen ins Wasser. Ihre gellenden Hilferufe wurden von dem Inhaber des Restaurants Müggelhorst bei Rahnsdorf gehört. Sofort sprang der Wirt Hecht in sein Motorboot und fuhr zur Unfallstell«. Als er hier ankam, schwammen noch zwei der Ruderer, während die beiden anderen untergegangen waren. Die beiden Schwimmenden hatten sich, schon dreiviertel Stunden mit den starken Wellen kämpfend über Wasser gehalten und wurden jetzt nach vielen Mühen durch das Motorboot gerettet. Die beiden Gerotteten heißen Hans Kerberg und Fritz Hofmeister, die beiden Ertrunkenen Rudolf Werth und Erich Palm._ Die Badische Erste Kammer und die Verhältniswahl. Karlsruhe, 14. Juni.(W. T. B.) Der Kommissionsantrag, betreffend die Verhältniswahl, wurde in seinem ersten Teile, der sich gegen Einführung der Verhältniswahl noch in dieser Session ausspricht, einstimmig angenommen. In seinem zweiten Teile, der von der Regierung eine Denkschrift über diese Frage fordert, mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Umfall der Ruthenen. Wien, 14. Juni.(W. T. B.) Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses gab der Untcrrichtsminister Hussarek eine mit dem Polenilub vereinbarte Erklärung ab, in der er hervor- hob, daß zwischen den in dem Entwurf der kaiserlichen Eni- schließung in Aussicht gestellten Matznahmen betreffend die Errich- tung einer ruthcnischen Universität und den Bestrebungen der Ruthenen keine solche Differenzen beständen, daß eine Berständi- gung unmöglich sei. Die kaiserliche Entschließung biete ein voll- wertiges Unterpfand für die Bestrebungen der Ruthenen, sonach sei die Bahn zu neuen Verhandlungen über sämtliche zwischen den Ruthenen und Polen bestehenden Differenzen geöffnet. Die Ver- treter der Ruthenen erklärten, sowohl im Budgetausschuß wie im Wehrausschutz, daß die ministerielle Erklärung ge- eignet sei, eine neue Verhandlungsbasis zu bilden. Im WehrauS- schütz fügte der Abg. L e w i ck y i hinzu, die Ruthenen würden sonach ihre bisherige Haltung ändern. Die Sitzung wurde nach 4bstün- diger Dauer geschlossen.(Siehe auch Oesterreich-Ungarn.) Der großbritannische Transportarbeiterstreik. London, 14. Juni.(W. T. B.) Bei einem Meeting der Stvei» kenden in der Tower Hill erschien eine große Abteilung der Polizei, welche die Streikenden organisiert haben, um ihre Interessen gegen» über der privaten Polizei der Unternehmer zu schützen, bewaffnet mit Knütteln, unter Vorantritt einer Musikkapelle. Ein Führer machte bekannt, daß 2999 Leute in Southwark gedrillt worden seien. Er fügte hinzu, daß er von der Polizei belangt werden würde wegen Uebertretung der Parkvorschriften. Einer der Führer der Gewerkschaft der Dockarbeiter erklärte, wenn der Streik über das Ende der Woche hinaus andauern sollte, würden alle Eiseabahu- arbeitcr im ganzen Lande am Montag in den Ausstand treten. Das Ende des kubanischen NegeraufstandeS. Hamburg, 14. Juni.(W. T. B.) Nach einem heute beim hiesigen kubanischen Generalkonsul eingegangenen Telegramm haben die Truppen der Regierung gestern in Jarahueca die Haupt- gruppen der Aufständischen, die von ihren beiden Hauptanführern befehligt waren, geschlagen. Die Zahl der Toten, die die fliehenden Neger auf dem Schlachtfelde ließen, ist groß. Nach diesem Kampfe haben sich die Neger nach allen Richtungen zerstreut und fliehen in kleinen Gruppen, verfolgt von Truppen. 'VaulSinger�Co..BerlinLW. Hierzu 4 Beilage»».Unterhaltungsil. it. 187. 29. ZahrMg. 1. JJtilnjc»es Jonoätts" Iniinn lolMIntt Sollvltbtlld, 15. Itttti 1012. Die flcndcrungcn des Organifationsltatuts der Parte). Die Aufpeitschung des politischen Lebens durch die Marokko wirren des vorigen Jahres erstreckte sich auch auf das innere Organisationsleben unserer Partei. In den Debatten des vor- jährigen Parieitages in Jena, die sich an den Vorstandsbericht anschlössen, trat das besonders klar und scharf in die Er- scheinung. Die dort geübte Kritik, die von links und rechts geäußerten Forderungen und Wünsche kristallisierten sich in Anträgen, die auf eine Entlastung des Partcivorstandes und auf eine Stärkung seiner Initiative und Aktionskrait hinaus- liefen. Die Entlastung glaubte der Parteitag durch die Schaffung zweier weiterer Sekretärstellcn im Parteivorstand zu schaffen. Außerdem»vurde die 21glicdcrige Kommission gewählt, die Vorschläge zu einer Reorganisation auszuarbeiten hatte. Das Ergebnis dieser Kommissionsarbeit ist in der in Nr. 134 des„Vorwärts" veröffentlichten Vorlage niedergelegt und steht jetzt zur Diskussion. Die bedeutsamste Aenderung oder richtiger Neuerung ist in den 20, 21 und 22 formuliert, in denen die Schaffung einer neuen Instanz vorgeschlagen wird, die Bildung eines Parteiausschusses, bestehend aus 32 vom Parteitag zu wählenden Mitgliedern, die den einzelnen Landcstcilcn zu entnehmen sind. Die wichtigste Aufgabe, die diesem Parteiausschuß zu gewiesen werden soll, besteht darin, daß er gemeinsam mit dem Parteivorstande über wichtige, die Gesamtpartci be- rührende Fragen entscheiden soll. Alle Vierteljahre soll eine gemeinschaftliche Sitzung von Vorstand und Ausschuß statt- finden, außerordentliche Sitzungen sollen stattfinden, wenn es mindestens ein Drittel der Ausschußmitglieder beantragt. Der Vorteil, der in diesem Ausbau der Spitze unseres Parteigebäudes liegt, kann darin erblickt werden, daß der Parteivorstand mehr als bisher mit unterrichteten und füh- renden Genossen aus allen deutschen Landcstcilen in Fühlung kommt, deren Meinung über bestimmte politische Fragen sowie über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit besonderer Partciaktionen hören kann. Die verschiedenartige Beurteilung politischer Fragen, wie sie nun einmal durch die gegebene Verschiedenheit norddeutscher und süddeutscher Verhältnisse manchmal in Erscheinung tritt, kann durch die Tätigkeit de- Ausschusses zu einem Ausgleich gebracht werden, der eine ein heitliche Parteiaktion ermöglicht. Mau könnte z. B. sagen, daß es ein großer Vorteil sei, wenn es der gemeinschaftlichen Arbeit des Vorstandes und des Ausschusses gelingen lvürde, in einer folgenschweren Situation, wie es z. B. der Marokko- streit war, eine einheitliche, geschlossene Protestaktion in ganz Deutschland zu inszenieren. Ein lveiterer Vorteil der vorgeschlagenen Institution kann darin erblickt werden, daß der Vorstand durch sie in viel engere Fühlung mit dem Organisationslcbcn der Partei in allen Landesteilen gebracht wird, als das bisher der Fall>var. Diesen Vorteilen können aber Nachteile entgegengehalten werden, die sogar so groß sind, daß der Zweck, der mit der Schaffung des Parteiausschusses erreicht werden soll, über- Haupt aufgehoben wird. Man kann in dieser Instanz schließlich nur eine Vermehrung des burcaukratischen Apparates der Partei, in dringenden Fragen sogar eine Verzögerung schneller Entscheidungen befürchten. Was die Fühlungnahme des Parteivorstandes mit den Organisationen im Reiche anbetrifft, so ist dazu die Schaffung einer neuen Instanz nicht notwendig. Schon jetzt tritt der Parteivorstand mit den Bczirkssckrctären und Bezirkslcitern in bestimmten Perioden zusammen, um mit jenen über Or- ganisations- und Agitationsfragcn. über Wahlen und der- gleichen zu beraten. ES handelt sich dabei um Genossen, die zweifellos über die Parteivcrhältnisse, über die Möglichkeit politischer Aktionen usw. in ihrem Bezirk am besten unter- kichtet sind. Die Schaffung einer komplizierten neuen Instanz könnte sehr wohl vermieden werden, wenn dem Parteivorstand anheimgegeben wird, diese Zusammenkünfte häufiger zu ver- Alegmarken proletarifcker Kunft Es gibt zurzeit mehr Anzeichen wachsender proletarischer Kunst, als der oberflächliche Beobachter wahrnimmt. Es geht nicht mit Sturm und Brausen, es reist allmählich. Um das zu erkennen, dürfen wir nicht auf das komplizierte Wesen der Kunst hin- starren, wie das oft von„Literaten" geschieht, die sich besonders für die sogenannte„Schöne Literatur" interessieren. In den hervorragenden Industrieländern, wo sich die Industrie in aufsteigender Kurve bewegt, sehen wir architektonische Verwirk- lichungen entstehen, die einen erfreulichen Charakter tragen. In den kleinen Reichen, mit rückständiger oder abhängiger Industrie, gerät die Baukunst in den Hintergrund, dort werden die Anzeichen proletarischen Denk- und Gefühlslebens künstlerisch kraftvoller und bemerkenswerter. Das eine ist die Folge des anderen. In Amerika, dem Trust- land gar excellcnce, wuchern Scnsationsprodukte für den„litera- rischen" Markt, wird deriThpus„Künstler", so wie wir ihn kennen, abgetötet, ruft der Kapitalismus Gebäudekolosse aus Stein und Eisen ins Dasein, um mehr Profit aus dem Proletariat zu ziehen, schmiedet aber damit gleichzeitig Kettenglieder für die Zukunft. In Deutschland, das im Verhältnis zu seinem erwachten Prolc- tariat noch so befremdend wenig proletarische Dichter hat, finden wir architektonisch-wohlerwogcnc, einen gewissen Grad von Schön- heit verkörpernde Fabrikgebäude, Warenhäuser, Bahnhöfe, Volks- restaurants. Es gibt beispielsweise Fabriken, die äußerlich mit der umringenden Natur barmonieren, denen die scheußlichen plumpen Schuppen und klobigen Schornsteine fehlen— und die im Innern von derartig gutem Geschmack zeugen, daß sie kaum noch an die Gefängnisse erinnern, worin jetzt noch das Gros dcL Prolc- tariats als Mehrwertsklaven arbeitet. Das Bestreben der kapita- kistischen Gesellschaft, das körperliche Wohlergehen des Proletariats, wo es ihr paßt, zu„fördern", beginnt dunkle Arbcitshöhlen in gut- erwärmte, gut-ventilierte, gut-bclcuchtcte Säle mit hßgicnischen Nebengelassen und stattlichen Treppenhäusern umzuwandeln. Die Triebfedern sind uns vollauf bekannt. Das Warum ist klar. Ohne die starke Stimme des Proletariats würde das Zuchthauslebcn, wovon schon zu Marx' Zeiten gesprochen wurde, noch keine Aus- nahmen kennen— aber es wäre Torheit, sich den ersten Massen- aebäuden gegenüber, in denen die moderne Wissenschaft Neues, Angenehmes und vor allen Dingen Menschliches erreichte, blind zu stellen. Einige neue Fabriken, die logisch und geräumig aus dem besten, solidesten Material und im Anschluß an die modernsten technischen Errungenschaften(Badceinrichtungen, Klosetts, Venti- latoren, elektrisches Licht usw.) errichtet, die noch in Millionen von Arbeiterwohnungen fehlen, zeigen den Weg in die Zukunft— venit die Produktionsmittel ist.cht mehr in den Händen des aus- �anstalten, und wenn den Bezirksleitern eine gewisse Initiative »ctuf Einberufung solcher Konferenzen zugebilligt werde. Was die Tätigkeit des geplanten Ausschusses aber in bo sonders dringenden und brennenden politischen Fragen an betrifft, so kann sie die Aktionsfähigkeit der Partei eher lähmen als schlagkräftig gestalten. In gespannten Situationen der äußeren Politik kann sich die Itotwcndigkeit einer Parten aktion innerhalb weniger Stunden ergeben. Unter den gegew wärtigen Organisationsvcrhältnissen kann oder muß der Vor stand hier handelnd eingreifen. Besteht aber der Ausschuß, wird der Vorstand auf diese ihm durch die Statuten bei- und gleichgeordnete Instanz Rücksicht nehmen wollen, er wird in ihm eine durchaus legitime Rückendeckung sehen. Und wenn er dann auch Telegraph und Telephon spielen läßt, so Iverden doch vielleicht Tage vergehen, che die 32 Ausschuß- Mitglieder sich mit den Vertretern des Parteivorstandcs in Berlin über einen Entschluß einigen, der den Ereignissen nachhinkt. Aehnlich liegen die Dinge, wenn die Wogen der inneren Politik Dcntschlands einmal hochgehen. Namentlich wenn man der Meinung ist, daß auch in Prenßen-Deutschland einmal die Zeit stürmischer Entlvickelung, die augenblickliche Ent- schlüsse fordert, kommen kann, Ivird mau sich kauni mit der Schaffung des vorgeschlagenen Ausschusses einverstanden erklären, der friedlich-schiedlich alle Vierteljahre in Berlin mit dem Vorstande Rede und Gegenrede pflegt, der, wenn der politische Wind etwas stärker bläst, vielleicht auch nach Ost und West, nach Süd und Nord Zirkulare verschickt, um Unter- schriften zu sammeln, die dem statutenmäßigen Drittel das Recht geben, eine außerordentliche Sitzung zu verlangen. Denn dann ist die Gefahr vorhanden, daß, ehe die Unterschriften der Ausschußmitglieder zusammenkommen, der Augenblick, in dem gehandelt Iverden mußte, längst verpaßt ist. Der Partei- vorstand aber, dem die Partei in dem Ausschuß einen Mit- verantwortlichen gegeben hat, wird nur schwer ohne diesen zu selbständigen Entschließungen kommen, muß er doch fürchten, vom Ausschuß desavouiert zu werden, wenn er einmal schnell und auf eigene Initiative handeln zu müssen glaubt- Daher kann derjenige, der an die Möglichkeit stürmischer Zeiten auch im politischen Leben Deutschlands glaubt, die Schaffung des vorgeschlagenen Ausschusses nicht als einen Vorteil ansehen. Der muß zu der Ansicht kommen, daß das Verhältnis zwischen Parteiausschuß und Parteivorstand un- gcfähr das gleiche wird ivie das des Hofkriegsrates in Wien und der österreichischen Generäle im 18. Jahrhundert, die vor lauter Kompetenzängstcn nicht zum Schlagen kamen. Da»vir mit der Schaffung des Parteiausschusses nicht ein- verstanden sind, rückt für mrs die vorgeschlagene Zusaminen- setzung sowie der Wahlmodus in die zivcite Linie. Wer aber in der neuen Instanz keine Erhöhung der Schlagkraft der Partei und kein leichteres Funktionieren des Partciapparates erblicken kann, Ivird nach einer Möglichkeit suchen, die den Wünschen nach einer Reorganisation der obersten Leitung der Partei möglichst entgegenkommt. Vorausgeschickt sei hier, daß es vollständig absurd wäre, »vcnn man von vornherein auf dem Standpu>ikte stände, daß man dem Parteivorstande und allem,»vas dieser tut oder unterläßt, mit absolutem Mißtrauen gegenüberstehen müßte, als ob man seine Tätigkeit ungefähr so beurteilen müßte,»vie »vir die der Regierung des Klassenstaates beurteilen. Nein, die Genossen, die durch den Parteitag, also durch eine kon- zentrierte Willensäußerung der Gesaintpartei mit der Ver- antwortnng betraut werden, an exponiertester Stelle deren Geschick zu leiten, müssen von vornherein ein reichlich Maß von Vertrauen auf ihren politischen Blick und ihre Leistungs- fähigkeit genießen, uin überhaupt gewählt zu werden. Es »nuß schon der Ausfluß einer eigenartigen psychischen Ver- fassung sein,»venn nian in dem Genossen, dein die Mehrheit des Parteitages ein Amt im Vorstände anvertraut, von dem Momente seiner Wahl ab einen unsicheren Kantonisten sieht. Aber sieht man von einer solchen Beurteilung des Partcivorstandes ab, so niuß man doch zugeben, daß auch die Parteivorstands- Mitglieder dem Irrtum unterworfen sein können, daß sie bc- stimmte politische Situationen nicht von allen Seiten erfassen können und daß dadurch ihr Handeln zu einem Fehlgriff oder zu einer Unterlassungssünde»verden kamt. Da wäre es dann beutenden Kapitals sein werden. Wir stehen hier natürlich noch vor Ausnahmen, wir wissen zu gut, daß mindestens neunundneunzig Prozent des internationalen Proletariats ein jämmerliches Fabrik- leben führen— aber der Anfang ist vorhanden— und wir wollen ihn nicht unterschätzen. In den kleineren Ländern bringt eL der Kapitalismus in den Fabrikstädten nicht über geringfügige Konzessionen hinaus. Der Andrang auf dem Weltmarkt ist zu groß, die Kapitalien sind meistens zu klein, um in größerem Maßstabe den Anforderungen niodcrner Baukunst zu genügen. Die erfreulichen Erscheinungen, denen wir hier und dort dennoch begegnen, sind nicht mehr Kund- gedungen einer blühenden Industrie, sind keine der anarchistischen Produktionsweise abgerungenen Resultate, sondern entspringen dem Einfluß rein-geistiger Strömungen oder dem Scharfsinn, der Ucbcrzeugung und dem Enthusiasmus pon einzelnen Arbeiter- konsumgcnossenschaften und Gewerkschaften. In den großen Industrieländern— ein Zeichen, worauf mit Nachdruck hingewiesen werden muß!— steigt der Kapitalismus den Pfad moderner proletarischer Baukunst hinan— in den kleineren Staaten fehlt das. Dafür offenbart sich dort in den von dem Proletariat selbst aufgerichteten Gebäuden oft das Verlangen nach Schönheit. Die Tatsachen reden. Die mächtigsten Proletarier- gruppcn der Welt haben noch abstoßcnd-häßliche„Heime"— die kleineren, weniger mächtigen überraschen vielfach durch Gebäude, die Einfachheit, gesunden Verstand, vortrefflichen Geschmack und Anfänge dekorativer Kunst zeigen. In den großen Ländern mangelt eS an Dichtern von Ruf. die ich dem Proletariat an die Seite stellen— in den kleinen gibt es eine wachsende Anzahl proletarisch-dichterisch empfindender. Das mutz so sein. Es ist kein Zufall. Die Baukunst für industrielle Ziuecke mußte in den großen Staaten beginnen, die proletarische Dichtkunst in den kleinen. Der Dichter in den großen Ländern muß ein ganz außer- gewöhnlicher Kerl sein, wenn er dem Schicksal der Geld und„Ehre" gewährenden bürgerlichen Kunst entrinnen will. Von Jugend auf in dieser Kunst aufgezogen, hat er es gelernt, die bürgerliche „Tendenz" als einzig richtige und logische zu betrachten. Kommt er durch Nachsinnen über den wirklichen Begriff Kunst zu der Einsicht, daß das, was heute als Kunst verschlissen wird, nur zu oft ein erbärmliches Surrogat darstellt— geht er zur sozialdemo- kratischen Lcbensanschauung. über, dann ist er, sofern er von seiner „Feder abhängig" ist, aüf ein Dasein voll andauernder Sorgen und in den meisten Ländern sogar auf Armut angewiesen. Dem gegen- über steht daö Luxuslcben, das die Bourgeoisie ihm fast mit Be- stimmtheit bietet, wenn er„Talent" hat und die abweichende oder revolutionäre„Tendenz" meidet. Nur sehr starke Naturen ringen sich durch. Mit Ausnahme einiger russischer Schriftsteller entdeckt man in den großen Ländern der zivilisierten Welt keine derartig gut, wenn eine Instanz vorhanden wäre, die dem Partei- vorstände Anregungen geben, ihn in bestimmter Richtung vor- wärts treiben könnte, eine Instanz freilich, die nicht ein so fchtverfälliger Apparat sein dürfte, wie der vorgeschlagene Ausschuß. Allerdings halten wir dafür, daß ja unsere Partei- presse stets die Möglichkeit der Initiative hat und daß be- gründeten Anregungen auch bei der bisherigen Organisation unserer Partei fast stets die gebührende Beachtung geschenkt »vorden ist. Zwei Wege könnten zur Schaffung einer solchen Instanz beschritten werden. Der erste könnte in dem Ausbau der Institution beschritten werden, die schon durch uiffcr Organi- sationsstatut gegeben ist, nämlich die K o n t r o l l- k o m m i s s i o n. Das Statut und die Abänderungsvorschläge weisen dieser Kommission jetzt nur rein Vcrtvaltungs- und organisationstechnische Funktionen zu. Es wäre aber sehr »vöhl denkbar, daß den Mitgliedern der Kontrollkommission be- stimmte Initiativrechte und Jnitiativpflichten gegeben werden, etwa dergestalt, daß drei von den neun Mitgliedern der Koinmission in kritischen politischen Zeiten oder in sonstigen dringenden Fällen eine sofortige gemeinsame Sitzung von Vorstand und Koinmission beantragen können,»velchem Antrage der Partei- vorstand stattgeben muß. Andererseits muß dann auch der Parteivorstand das Recht haben, die Koinmission jederzeit zu- sammenberufen zu können. Daß bei der Wahl der Personen für die Kontrollkommission diese Jnitiativbefugnisse in erster Linie bestimmend sein müssen, liegt klar auf der Hand. Dieser Weg hat den Vorteil, daß den schon bestehenden Institutionen keine neue Instanz hinzugefügt»verden brauchte. Der Nach- teil liegt darin, daß die Mitglieder der Kommission auch wieder über ganz Deutschland verstreut sind, daß die Zu- sammenberufung von neun Personen zwar»veniger Zeit er- fordert als die von 32 Genossen, aber immerhin Zeit erfordert, die in bestimmten Momenten sehr kostbar sein kann. Ein zweiter Vorschlag wünscht die Schaffung einer Art Beirat des Parteivorstandes, der seinen Sitz in Berlin hat. Dieser Beirat, der aus neun Personen bestehen könnte, hätte ungefähr die Funktionen auszuführen, die der Bundesratsausschuß für ausivärtige Angelegenheiten in» Reiche ausüben müßte. Die finanziellen und verivaltungstechnischen Obliegenheiten, die der vorgeschlagene Parteiausschuß auf sich nehmen soll, müßten für den Beirat»vcgfallen— der vor- handene bureaukratische Parteiapparat genügt hierfür voll- ständig. Die Aufgaben des Beirats müßten einzig und allein darin bestehen, gemeinsam mit dem Partcivorstand in außer- gewöhnlichen politischen Situationen zu beraten und Ent- scheidungen zu treffen, dann aber auch den Vorstand zu not- »vendig erscheinenden Aktionen zu veranlassen. Vielleicht in der Weise, daß drei Mitglieder des Beirates die Ein- berufung einer gemeinschaftlichen Sitzung fordern können. Die Genossen, aus denen sich dieser Beirat zusammen- setzen würde, müßten natürlich vom Parteitage geivählt werden. Als Vorteil eines solchen Berliner, aber von Vertretern des ganzen Reiches geivählten Beirates könnte man anführen, daß der Vorstand in allerkürzester Zeit mit ihm in Verbindung treten könnte, daß weiter die Mit- glieder des Beirates sich sehr schnell unter sich verständigen und in kürzester Zeit gemeinsam mit dem Vorstande nottvendigc Aktionen der Partei veranlassen können. Dagegen fällt aber schtverlviegend ins Gewicht, daß auch ein solcher„Beirat", der in Wirklichkeit nur eine starke Erweiterung des Partei- Vorstandes»väre, in der Praxis sich ebenfalls mehr als Hemmnis denn als Förderung der Parteiführung erweisen könnte. Zudem fiel der wesentlichste Vorteil eines Partei- ausschusses, bis zu einem gewissen Grad Repräsentant der Gesamtpartei zu sein, bei einem solchen Berliner Beirat völlig fort. Die anderen Abänderungsvorschläge werden kaum zu größeren Debatten Anlaß'geben. Die Festsetzung des Mit- gliederbcitrages auf 40 beziehungsweise 20 Pfennig usw. legt nur etwas fest, was in der Praxis von den meisten Wahlkreisen schon durchgeführt worden ist. Daß die Genossin, die bisher im Vorstande nur als Beisitzerin fungierte, von jetzt ab als Sekretärin geführt werden soll, ist zu billigen. Eine lebhaftere Erörterung wird der Vorschlag hervor- „starke Naturen". Bei den Dänen, Schweden, Norwegern, Nieder- ländern ist die Situation anders. Die geringere Anzahl von Zeitungen, Zeitschriften und Intellektuellen, das engere Nachbar- schaftslcben, das Mehr-aufeinander-angewiesensein bewirkt, daß eine geistige Strömung schneller durchsickert, Freunde und An- Hänger gewinnt. In einem kleineren Land wird ruhiger gelesen, bleibt man besser über einander unterrichtet. In einem kleinen Land ist ein„Dichter", der durch seine Feder zu„Wohlstand" ge- langt, selbst wenn er die Abgötter der Bourgeoisie anbetet, kaum möglich. Der„Absatz" an Büchern und der Ertrag von Theater- stücken ist gering. Wienn ein„Dichter" eines kleinen Landes nicht „übersetzt" wird und auf diese Weise von der internationalen Kunst. ReiSschüssel, von der süßen„essiette au beurre" mitschmausen kann, bleibt er in kleinbürgerlichen Lebensverhältnissen stecken. einerlei, ob er revolutionär ist oder nicht. Man hat also in einem kleinen Land nicht solch einen finanziellen Abstand, wie in einem großen, wo nur d i e Literatur mit Aufmerksamkeit gelesen und— gekauft wird, die durch die Lobpreisungen der bürgerlichen Zei- tungen zu einer Modesensation aufgebauscht wird. DaL alles zusammen mit der mehr intimen geistigen Reibung in einem kleinen Land, erklärt daS Auftreten sozialistischer Dichter in den weniger industriellen, weniger machtvollen Staaten Europas. Daß ihre Namen noch keinen„Weltklang" bekommen, ist selbst- verständlich. Die bürgerlichen Verleger haben die absolute Macht in Händen. Die von sozialistischen Künstlern gelieferte„Ware" ist in Dänemark, Schlveden, Holland usw. keine Wäre für die lesende Bourgeoisie. Ibsens„revolutionäre" Gedanken waren willkommen. Sie schloffen sich der„Revolution" des freisinnigsten Teils der bürgerlichen Parteien an. Björnson schlug zwar ein wenig über die Stränge, aber der zweite Teil von„Ueber unsere Kraft" mit seinen Bomben und seiner versöhnlich-rührsamen Apotheose enthielt imposante und interessante Thcatereffektc. Strindberg ward ge- lesen— seine Artikel für sozialdemokratische- Blätter blieben un- übersetzt, und als er mit der Bibel in den Händen starb, ging eS wie ein Seufzer der Erleichterung durch die Presse. Wirkliche Dichtungen von Sozialdemokraten für Sozialdemokraten bleiben in der Regel innerhalb der eigenen Landesgrenzen. Vorläufig wird sich das wahrscheinlich nicht ändern. Und es eilt nicht mit dem Anderswerden, weil auf politischem und ökonomischem Gebiet dringendere Aufgaben harren: die Befreiung des Proletariats, die Vernichtung des Klassenstaates. Wir gönnen der Bourgeoisie ihre heutige Kunst von Herzen— die unsere wird mit jedem Tag lebensfähiger, zielbewußter, ge- sünder. Weil wir nicht nur eine dürr-politische„Partei" bilden, sondern den Lenz im Völkerleben darstellen, weil unsere Lebensanschauung unsere Freude und das unverrückbar-internationale Ideal ist, haben wir Zeit, können wir warten. Heinz Sperber. rufen, der ilur etrtdlh Drittel der ReichstagZfraktion die Ver- trctung auf dem Parteitage gewährt. Man kommt damit Wünschen entgegen, die schon in früheren Jahren laut ge- ivorden sind. In der Tat würde bei dem Anwachsen der Neichstagsfraktion das parlamentarische Element auf den Parteitagen überwiegen, das mit einem Drittel der Fraktion vollständig zu seinem Rechte kommen kann. Nicht als ob den in den Reichstag gewählten Genossen auf den Parteitagen mit Mißtrauen begegnet werden müßte, sondern weil es im Interesse der Partei liegt, daß dort mehr Genossen aus der Organisations- und Agitationspraxis, sowie solche, die die politischen Ereignisse nicht nur unter dem parlamentarischen Gesichtswinkel be- trachten, zu Worte kommen. Uebrigens ist es den Reichstags- abgeordneten, die nicht zu dem Fraktionsdrittel gehören, leicht, ein Parteitagsmandat zu bekommen. Ausschlaggebend für die Neugestaltung unseres Partei- statuts muß sein, daß die Schlag- und Stoßkraft der Partei erhöht wird. Mag die jetzt einsetzende Diskussion, die in den Beschlüssen des Chemnitzer Parteitages ihren praktischen Niederschlag finden wird, dieses Ziel erreichen. DeiiNcHes Zentralltomitee zur ßeltämpfuDa der tuberliulote. Unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern der Behörden und von Vertretern der Korporationen zur Bekämpfung der Tuber- tulose aus dem ganzen Reiche trat gestern das Deutsche Zentral- tomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose im Plcnarsitzungssaale des Reichstags zu seiner 16. Generalversammlung zusammen. Der Vorsitzende, Staatssekretär im ReichSamt des Innern Dr. Delbrück, führte in seiner Begrüßungsrede u. a. aus: Ganz besondere Fortschritte hat die Entwickelung der Auskunfts- und Fürsorgestellcn gemacht. Zum Teil haben die Frauenvereine diese neue Aufgabe in ihre bewährten Hände genommen, teils haben sich besondere Kreisvereine dieser Aufgabe unterzogen. Die Arbeit auf diesem Gebiet ist so umfangreich geworden, daß morgen ein besonderer Fürsorgetag dieser Beratungsstellen stattfindet. Eine weitere Unterstützung haben unsere Bestrebungen durch den Aus- bau der Reichsversicherungsgesetzgebung gefunden. Die Reichsver- sicherungsordnung mit ihrer erheblichen Ausdehnung der Kranken- Versicherung und mit ihrer Erweiterung der Aufgaben der Kran- kcnkassen wird hier ebenso wie das Gesetz über die Versicherung der Privatangestellten den weitesten Kreisen des deuttchen Voltes die Fürsorge der Reichsversicherungsordnung zugute kommen lassen und neue Möglichkeiten geben, die Tuberkulose in angemessener Weise zu bekämpfen. Wenn die Reichsgesetzgebung'mit der Privat- beamtenversicherung über den bisher erfaßten Kreis ihre Wirksam- lcit ausgedehnt hat auf Kreise des Mittelstandes, so haben auch unsere Bestrebungen nicht an der Grenz« des Mittelstandes Halt gemacht. Namentlich denen wollen wir zu Hilfe kommen, denen die Wohltaten des neuen Privatbeamtenvevsicherungsgesetzes nicht zuteil werden. Wir haben deshalb eine besondere Koniiiiission zur Ziirsorge gegen die Tuberkulose im Mittelstande gebildet und ihr eine besondere Vertretung im Hauptvorftand eingeräumt. Hierauf erstattete Generalsekretär Professor Dr. Nietner- Berlin den Geschäftsbericht. Aus'dem Geschäftsbericht geht herbor, daß das Deutsche Reich die Bestrebungen des Komitees durch einen Zuschuß von 66 666 M. jährlich unterstützt. Die Gesamteinnahmen betragen 316 471 M. Unter den Ausgaben sind hervorzuheben Zu- schüsse fsjr Heilstätten und andere Tuberkuloseeinrichtungen. in Höhe von 838 666 M. sowie Unterstützungen für Tuberkulosemuseen und Ausstellungen in Höhe von 22 847 M. Die Gesamtausgaben betrugen 165 647 M. Ein eigenes Konto ist der Bekämpfung deS Lupus gewidmet. Die Einnahmen betrugen hier 134 234 M., unter den Ausgaben sind Kostenvorschüsse zur Behandlung unbemittelter LupuSkranker in Höhe von 13 413 M. zu nennen. Geh. Regicrungsrat Dr. Dieb-Darmstadt, der Vorsitzende des Vorstandes der Landesversichcrungsanstalt Großhcrzogtum Hessen, sprach über: -„Tuberkulosebekämpfung im Mittelstand". Redner verwies zunächst auf die am 5. Januar d. I. im Reichs- amt des Innern abgehaltenen Beratungen über die Frage der Be- kämpfung der Tubo-rkulose im Mittelstand. Die Beratungen hatten einen solchen Erfolg, daß bereits am 25. Januar eine eigene Ab- tcilung des Vereins„Rotes Kreuz" hinter dem Titel„Mittelstandsheim" gegründet werden konnte. Dieser Abteilung sollte die Unterbringung tuberkulosegcfähr- deter Mittelstandsangehöriger im Anschluß an die bestehenden Organisationen obliegen. Die Abteilung hat sofort den Anschluß an"das Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose gesucht, da sich das Zentralkomitee von Anfang an durchaus nicht auf die Bekämpfung der Tuberkulose in Arbeiterkreisen beschränken wollte. Schon im Jahre 1869 auf dem Internationalen Tuberkulosekongreß Notizen. — S. Alapin, der Leiter unserer Schachspalte, ist während deS internationalen Turniers in Pisiyan von einem bedauerlichen Unfall betroffen worden: er hat sich die rechte Hand gebrochen. Sein Spiel' war dadurch bereits in den letzten Partien sehr ge- hindert. Die Schachspalte fällt aus dem gleichen Grunde heute aus. — Bühnenchronik. Kammersänger JuliuS Lieban, der kürz- lich seine» Abschied vom königl. Opernhanse feierte, bleibt der Berliner Opernbühne erhalten. Er ist für das Deutsche Opernhaus in Eharlottenburg auf drei Jahre gewonnen worden. — Eine Wartburgverschan delu ng beschloß die Thüringer Vereinigung zur Heimatpflcge, die eben in Mühlhausen tagte: man plant am Fuße der Wartburg ein Waldtheater zu schaffen.(Wo für? Wozu?) — Ein Theaterzwischenfall in Paris. Donnerstag abend ereignete sich im Pariser Theater Chatelet ein aufsehen- erregender Zwischenfall bei der Aufführung von Wildes. S a l o m e". Das Publikum machte sich lustig über das Stück. Der miiwirkcnde Schauspieler Max wandte sich inmitten des Spiels an das Publikum und sagte:«Wir spielen ein tragisches Stück, es ist mir unmöglich weiterzuspielen, wenn einige Dummköpfe fortfahren, das Stück zu verlachen." Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, gelang eS schließlich, das Stück zu Ende zu führen. — Spanien im Kampf für feine Kunst schätze. Da? Berliner Kaifer-Friedrich-Mu feum hat feil Jahr und Tag den Mönchen des spanischen Klosters M o n f o r t e ein altflämifchr- Gemälde jdie Anbetung der hl. drei Könige) abgekauft. Das Bild ist echt, aber schwerlich von van der GoeS, wie Herr Bode behauptet, und ist dank der amerikanischen usw. Konkurrenz bis auf eine runde Million hinaufgetrieben worden. Da sich aber in Spanien gegen die Ausfuhr des Bildes Protest erhob, verbot der llnicrrichtSminister sie. Jetzt kam die Angelegenheit in der spanischen Kammer erneut zur Verhandlung, und das Schicksal des Bildes ist immer noch fraglich. ES ist jedenfalls das gute Recht der spanische» Regiernng, daS Bild dem Lande zu erhalten und sich gegen allen iMernationalen Kunftschacher zu wehren, zumal da daS Kloster gar nicht daS Recht zur Veräußerung deS gestifteten Bilde» zu haben scheint. Zudem würde die Million Mark in den Händen spanischer Mönche die kulturell denkbar schlechteste Verwendung finden. — Suder man irs„Heimat" in Japan. Nachdem SudermannS Schauspiel„Heimat" auf dem modernen Theater in Tokio länger« Zeit unter großem Zulauf aufgeführt war, wurde es plötzlich auf Veranlassung des Ministeriums des Innern verboten, weil das Stück staais- und sittengefährliche Gedanken enthalte und insbesondere das Gebot der Kinderliebe verletze. Die Aufführung wurde aber dam, erlaubt, nachdem der Schluß dabei abgeändert war, daß Magda die unkindliche Behandlung ihres Vaters bereut. irt Berlin Kurde von deutscher Seite die Forderung erhoben, für den tubcrkulosegefährdeten Mittelstand eigene Anstalten zu er- richten. Die Landesversicherungsanstalten treten nur für Per- soncn ein, die nicht über 2666 M. Einkommen haben, außerdem nach der Reichsversicherungsordnung für die Witwen von Ver- sicherten. Das Privatbeamtcnversicherungsgesetz umfaßt die An- gestellten mit einem Einkommen bis 5666 M. jährlich, für die das Heilverfahren von der Reichsversichcrungsanstalt übernommen wer- den kann, wie bei versicherten Arbeitern usw. von den Landesver- sicherungsanstalten. Nun haben die Erhebungen ergeben, daß von 1 466 666 Privatangestellten rund 666 666, also%, ein Gehalt bis 2666 M. bezogen und von 366 666 weiblichen Angestellten 266 666 ebenfalls ein Gehalt in dieser Höhe. Die große Mehrzahl der An- gestellten ioat also schon bisher durch die Versicherung versorgt, und es kann in Zukunft nur die Frage entstehen, wie sich Reichsver- sicherungsanstalt und und Landesversichcrungsanstalt in die Kosten für die Doppelversicherung teilen werden. Die Reichsversicherungs- ordnung gestattet aber denjenigen, deren Einkommen über 2666 M. steigt, die Weiterversicherung, und solchen Personen, die ein Ein- kommen bis zu 3666 M. haben, die freiwillige Versicherung. Sie ermöglicht dem Bundesrat, die Versicherungspflicht noch weiter auszudehnen, so. daß auch das Handwerk einbezogen werden könnte. Der Bundesrat' hat aber bisher von dieser Vollmacht noch keinen Gebrauch gemacht, und auf Grund dieser Erfahrungen sind weite Kreise zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine Versicherung des Handwerks nur auf Grund der Zwangsversichcrung herbeigeführt werden kann. Durch Selbstversicherung hätten sich kleine Hand- werker schon bisher das Heilverfahren sichern können, und mancher wäre dadurch vor Not bewahrt geblieben. Der Mittelstand war also im wesentlichen auf sich selbst und seine eigene Einsicht an- gewiesen. Nach den Feststellungen des Reichsgesundheitsamtes und nach privaten Umfragen ergibt sich, daß die Inanspruchnahme der Volksheilstätten gegen Tuberkulose durch Angehörige des Mittel- standes bisher immerhin noch sehr gering gewesen ist. Für mich ist nach den Veröffentlichungen des Rcichsgesund- heitsamtes der Wert der Heilstättenbehandlung unzweifelhaft fest- gestellt. Für den Mittelstand kommen die vorhandenen Volksheil- stätten in Betracht und diejenigen Privatheilstätten, die gegen mäßiges Entgelt zugänglich sind. Nun hat sich herausgestellt, daß zwar in den Sommermonaten ein gewaltiger Andrang zu den golksheilstättcn herrscht, so daß viele Bewerber monatelang warten müssen, daß jedoch in den Wintermonaten zahlreiche Betten leer- tchen. In Hessen, Bade» und Württemberg ist übrigens die Gc- samtinanspruchnahme der Anstalten wesentlich zurückgegangen. Wenn man behauptet, daß dies darauf zurückzuführen sei, daß von den Aerzten in immer steigendem Maße die Tuberkulinbehandlung angewendet werde, so kann das wenigstens für Hessen nicht zu- treffend sein. Dort ist die geringere Inanspruchnahme nur auf den Erfolg des seit 15 Jahren geführten energischen Kampfes gegen die Tuberkulose zurückzuführen. Zu der Frage, ob es möglich ist, Arbeiter und Mittclstanbsangchörige geineinsam in einer Heilstätte zu behandeln, meint der Vortragende, daß ja auch die Tuberkulose keine Standesunterschiede kenne, so das) eigentlich gegen eine ge- meinsame Unterbringung nichts einzuwenden wäre. Es erscheint im Gegenteil durchaus möglich, daß eine Verständigung zwischen Angehörigen dieser beiden Bevölkerungsllassen nur von Nutzen sein könnte, namentlich wenn sich alle Pfleglinge ausschließlich von dem Gedanken leiten lassen, wieder gesund zu werden. Am besten kommen die Angehörigen des Arbeiterstandes und des Mittel- standes noch in den Frauenheilstätten aus. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, daß dort keine Politik getrieben wird. Aber aus praktischen Gründen empfiehlt sich eine Trennung doch, weil die Heilwirkung sehr in Frage gestellt ist, wenn die Pfleglinge mit Widerwillen in die Anstalt hineingehen. Auf das gute Einver- nehmen in der Anstalt selbst ist natürlich die Persönlichkeit des leitenden Arztes von sehr großem Einfluß. Jedenfalls ist die Tren- nung der Pfleglinge in verschiedene Abteilungen durchführbar. Noch besser wäre die Trennung der Heilstätten in solche für Arbeiter und für Mittelstandsangehörige. Große Aenderungen dürften zur Umwandlung von heutigen Volkshcilstätten in Mittel- standsanstalten nicht nötig sein, denn unsere Volksheilstätten sind im allgemeinen gut eingerichtet, ja, man wirft ihnen sogar einen gewissen Luxus bor. Die einzige erforderliche bauliche Aenderung würde die Umwandlung der gemeinschaftlichen Schlafsäle in Einzel- schlafzimmer sein. Aber mit der Hcilstättenkur allein ist es nicht getan. Wie Robert Koch so nachdrücklich ausgeführt hat, muß vor allem die Ansteckung von Mensch zu Mensch verhütet werden, und das könnte im Mittelstand noch besser geschehen als im Arbeiterstand; denn gewöhnlich hat der Mittelstand doch bessere und geräumigere Woh- nungen. Die Mittel für den Kampf gegen die Tuberkulose im Mittelstand aufzubringen, wird ja heute bei den großen Anforde- rungen, die an Reich, Staat und Gemeinden gestellt werden, gewiß nicht leicht sein. Aber daß durch freiwillige Kostendeckung etwas geleistet werden kann, beweisen die Kaufmannserholungsheime. Sehr bedauerlich ist, daß der Mittelstand heute noch den großen Vereinigungen zur Bekämpfung der Tuberkulose fast ganz fern- geblieben ist. Er weiß vielleicht �gar nicht, daß es ihm möglich ist, für einen verhältnismäßig billigen Preis im Inland Heilstätten zu besuchen, und daß er dazu nicht ins Ausland zu gehen braucht. Wenn ich mich also mit der Errichtung von Mittelstandsheilstätten einverstanden erkläre, bin ich doch der Meinung, daß hierbei große Vorsicht geübt werden muß. Zunächst wäre nur an die Umwand- lung von Volksheilstätten in solche für den Mittelstand zu denken und dahin zu wirken, daß in den Privatheilstätten Betten für Personen des Mittelstandes aufgestellt werden, und daß eine Form für die zu gewährende Unterstützung gefunden wird, die das Ge- fühl, unterstützt zu sein, nicht aufkommen läßt. Auf die Verzinsung des für die Mittelstandsheilstätten aufgewendeten Kapitals müßte allerdings von vornherein verzichtet werden. Jedenfalls wird daS Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose alle diese Be- strebungen aufs wärmste unterstützen, denn es ist, wie der Leiter des preußischen Medizinalwesens, Geheimrat Professor Kirchner, jüngst ausgeführt hat, eine Ehrenpflicht des deutschen Volles, für den Mittelstand einzutreten. In der Diskussion verweist Regierungörat v. Bergemann darauf, daß sich auch die Versicherungsgesellschaften mit der Be- kämpfung der Tuberkulose befassen und eventuell Kapitalien darin investieren müßten. Professor Lennhoff-Berlin: Manche Versiche- rungsgesellsckaften gewähren schon heute gegen Prämienzuschlag Hcilstättcnbehandlung, so z. B. die Schwedische Bolksversicherungs» gescllschaft. Die Kosten für die Heilstättenbchandlung werden als Vorschuß aus die Versicherungssumme betrachtet und fvr die Zeit der Erkrankung besteht Freiheit von der Prämienzahlung. Auch die Holländische allgemeine Kranken- und LebensversicherungSgesell- schuft hat einen ähnlichen Modus gewählt. Wir haben übrigens in Deutschland ein Vorbild, wie auf diesem Wege durch Selbsthilfe etwas geschehen kann. In Nürnberg besteht schon seit 25 Jahren ein Versicherungsverein gegen Geisteskrankheit, der den Mitgliedern gegen einen Jahresbeitrag von 2 M., bei Ehepaaren von 4 M., in Fällen geistiger Erkrankung die Unterbringung in eine Irren- anstalt gewährt. Der Verein hat bereits 6l66 Mitglieder und er bat seit seinem Bestehen über 16 666 M. Berpflegungsrosten bezahlt. Gegenwärtig sind 34 seiner Mitglieder in Irrenanstalten unter- gebracht. Wenn nun auch ein Unterschied darin besteht, als Geistes- kranke ja meist für Jahre untergebracht werden, während dies bei Tuberkulosen nur für kurze Zeit geschieht, so wäre es vielleicht doch möglich, nach diesem Beispiel eine Organisation des Mittelstandes zur Bekämpfung der Tuberkulose zu schaffen. Die Prophylaxe müßte allerdings den Fürsorgestcllen im allgemeinen überlassen bleiben. Für die Aufbringung der Kosten kämen besonders die Be- amtenvereine sowie die Handwerks- und Gewerbekammern in Be- tracht. Auch die Handelskammern sollten sich hieran beteiligen, denn unter den eingetragenen Kaufleuten gibt es genug, die einer Tuberkulosefürsorge bedürftig wären, sie aber aus eigener Kraft nicht bestreiten können. Auf dem von mir genannten Wege würde es doch wohl gelingen, die nötigen Mittel zusammenzubringen. Geheimrat Bitter-Berlin: Di« Bestrebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose im Mittelstand werden von den Zentrgsbehöxdxn des Reiches durchaus ufikerstutzk. Däs. Gas für unsere Arbeiter an hygienischen Einrichtungen geschehen ist, hätten wir nicht schaffen können ohne den Zwang der sozialen Gesetzgebung. Deshalb sollten nach diesem Vorbild auch für den Mittelstand Zwangskrankenkasscn eingerichtet werden, denn nur auf diese Weise können die Kosten für die Heilstättenbchandlung aufgebracht werden. Der Mittel- stand mutz auf die Fürsorgestcllen aufmerksam gemacht werden, da- mit er erfährt, wie er sich vor der Verbreitung dieser Volkskranl- heit schützen kann. Sollte die Einführung von Zwangskranken- kassen fiir den kleinen Mittelstand nicht in Aussicht genommen sein, so wäre eine private Versicherung gegen Volkskrankheiten für das ganze Reich zu erwägen, in die jeder eintreten kann, der sich gegen Volkskrankheiten, und zwar nicht bloß Tuberkulose, sondern auch Alkohol- und Geschlechtskrankheiten, versichern will. Dr. Lieber-WaldhoftElgarshausen berichtet aus der Praxis verschiedene Fälle, aus denen hervorgehe, daß sich die Selbstzahler unter den Arbeitern in den Heilstätten nicht wohlfühlen. Es bilden sich da verschiedene Gruppen unter den Mittelstandspatientcn, so die Schmeichler, die den Arbeitern sagen, daß sie auf ihrem poli- tischen Standpunkt stehen, und die dann iwch die Arbeiter gegen die Aerzte aufhetzen und sie zu ungerechtfertigten Beschwerden an die Landesversicherungsanstalten veranlassen. Dann gibt eS da die Dulder, die sich eben keine andere Anstalt leisten können und des- halb alles in den Kauf nehmen. Es ist wiederholt vorgekommen, daß neu eintretende Patienten gefragt wurden:„Liest Du den „Vorwärts"?" Nun ist es nicht jedermanns Sache, sich mit„Du" anreden zu lassen und noch weniger, den„Vorwärts" zu lesen. Manche Patienten wurden aus diesem Grunde geradezu boykottiert und mußten ein einsames Waldleben führen. Katholiken wurden verspottet, weil sie sich bei Tisch bekreuzigten. Schließlich zahlten manche armen Patienten aus eigenen Mitteln zu, um nur in die erste Klasse zu kommen. Ein anderer Teil der Patienten geht fort, weil er diese Behandlung der Mitpatienten nicht mehr ertragen kann. Es kam weiter vor, daß ein Arbeiter, der in ein Zimmer gelegt wurde, in dem Zollbeamte untergebracht waren, seine so- fortige Entlassung verlangte, weil er nicht mit Beamten zusammen sein wollte. Andere Beamte beschwerten sich wieder, daß ein zu ihnen gebrachter Arbeiter sofort mit sozialdemokratischen Reden an- gefangen hätte. Es scheint überhaupt, als ob auf die Arbeiter ein Beamter wie ein rotes Tuch wirkt. Lieber lassen sie sich auf die Straße werfen und verzichten auf das Hcimreisegeld, als daß sie mit Beamten denselben Raum teilen. Deshalb ist eS für Angehörige des Mittelstandes außerordentlich peinlich, gemeinsam mit Arbeitern untergebracht zu sein. Wenn die Arbeiter es auch nicht immer so böse meinen, als es von manchem aufgefaßt wird. Ich bin deshalb unbedingt für Trennung der Patienten nach Arbeitern und Mittel- standsangehörigen. Zu bedenken ist bei der ganzen Frage auch die Schädigung vo» Arbeitern, Kauflcuten usw. durch den Aufenthalt in den Heilstätten. Es sind wiederholt Fälle vorgekommen, daß z. B. ein Kaufmann, der die besten Zeugnisse hatte, sich aus der Heilstätte Görbersdorf vergeblich um einen Posten bewarb. Als er aber die Offerte in Breslau in den Kasten warf, erhielt er so- fort eine Zusage. Die Arbeiter, die in den Heilstätten sind, ver- lieren oft ihre Stellung. Direktor Schudt von der Anstalt Vogelsang bei Gommern ist zwar für Unterbringung in gemeinsamen Anstalten, aber in be- sonderen Abteilungen. In seinem Schluhwort bewnt Geh. Regicrungsrat Dr. Dietz- Darmstadt nochmals, daß die Aufbringung der Mittel für die Mittelstandsheilstätten ungeheuer schwierig sei. Er stehe seit zehn Jahren in Verbindung mit dem Verband deutscher Gewerbevereine und wisse, daß«in heftiger Kamps geführt werde um die Frage der freiwilligen oder zwangsweisen Kassierung der Gelder. Im all- gemeinen sei man aber der Ansicht, daß bei der Freiwilligenkasste- rung mehr erreicht werde. Mit Schluß- und Dankcswvrten wurde hierauf die Tagung geschlossen. •#'-ii- Die Generalversammlung zeichnet sich von ihren Vor- gättgern nicht zu ihrem Vorteil aus. Man sieht, daß irfut tvachsendem Maße im Zentralkomitee, dessen auf Bekämpfung" der Tuberkulose gerichtete Arbeiten insbesondere in den ersten Jahren durch Sozialdemokraten besonders gefördert wurden, gehässige, politische Klasseninteressen gegen die Arbeiterklasse eine«Stätte gefunden haben. Und das zum Schade« wirk- samer Bekämpfung der Tuberkulose. Mit Recht meinte Dr. Dietz: So wenig die Tuberkulose Standesuntcrschicde kennt, sowenig dürften in der Behandlung an Tuberkulose Erkrankter Unterschiede gemacht werden. Aber derKlassenhaß gegen Arbeiter, der selbstgefällige Dünkel, Nichtarbeiter seien etwas Besseres als Arbeiter, führt ebenso wie zu verschiedenen Klassen in Krankenhäusern zu dem einer Bekämpfung der Krankheit ent- gegenstehenden Wunsch, Klassenunterschiede bei der Behandlung der von der Tuberkulose Erfaßten zu machen. Daneben führt die Furcht, der Mittelstand, den man zu einem Bollwerk gegen die Sozialdemokratie zu gestalten wähnt, könnte vou der politischen Ansicht der Sozialdemokratie infiziert werden. zu der Forderung nach Differenzierung von Heilstätten für den Mittelstand und solchen für die Arbeiter. Der Tuberkel- bazillus macht einen Unterschied nur insofern, als er Arbeiter massenhafter als andere Klaffen erfaßt. Die Beobachtungen, die Dr. Lieber über Differenzen zwischen Sozialdemokraten und anders gesinnten Patientew, zwischen Arbeitern und Beamten gemacht haben will, zeigen, baß dieser Herr so einseitig wie möglich beobachtet. Mag sein, daß bedauerlicherweise Fälle wie die von ihm vor- getragenen vorgekommen sind, wiewohl sie auf einseitiger Schilderung nur einer Partei zu beruhen scheinen. Aber ist denn dem Vortragenden nicht bekannt, daß ähnliche. ja viel schlimmer acartete Fälle Sozialdemokraten und Ar- beitern gegenüber leider viel häufiger vorkommen? Sind ihm die vielen Drangsalierungen der politischen und religiösen An- sichten von Arbeitern in Krankenhäusern und Heilanstalten völlig entgangen? Mit der die Verhandlung durchziehenden Feindseligkeit gegen Arbeiter und Sozialdemokraten steht in heiterem Wider- spruch, daß die einzige verständige Forderung, die dort ge- äußert wurde, nämlich die Notwendigkeit einer Zwangs- Versicherung auch des Mittelstandes, bereits vor dreißig Jahren in gesetzgeberischer Form von der Arbeiter- klaffe und der sozialdemokratischen Fraktion vor- geschlagen wurde. Bei Beratung des ersten Krankenversicherungsgesetzes im Jahre 1882 wurde verlangt, auch den Mittelstand in die Versicherungsgesetzgebung einzuziehen. Die Heilstätten haben heute noch lange nicht den durch sie zu ermöglichenden Erfolg, weil der Erkrankte nach dem Gesetz leider kein Recht auf Aufnahme und Behandlung hat. Hätte die Generalversammlung diese seit Jahrzehnten von der Sozial- demokratie aufgestellte Forderung zu der ihrigen gemacht, so hätte sie etwas für die Arbeiterklasse einschließlich des Mittel- standes geleistet. Ihre von Dünkel gegen die Arbeiterklasse und von Selbstlob überfließende Tagung kann als wertvoll für die Bekämpfung der Tuberkulose leider nicht bezeichnet werden. Marktbericht von Berlin am 13. Juni ISIS, nach Ermlttrlung deS königl. Polizeipräsidiums. Marttballenpr-ise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Srbscn. gelbe, zum Kochen 34.00—50,60. Speiiebohnen. weitze, 30,00—59,00. Linsen 40,00-80,00. Kartosseln sKleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1 70—2.40. Rindfleisch, Bauchfletsch 1.40—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2.40. Hammelfleisch 1.80—2.40. Bulter 2.40—3,00. 90 Stück»icr 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpsc» 1.20—2,20. Aale 1,80—320. Zander 1,90—3,90. Hechte 1.60—3,00. Barsche 0.80-SM Schleie 1,40-3,80. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00—40,00. � flbzahlunBBBeachäfte � Berliner Credit-Haus E8wi§ Kommandantenstr. 67. � Alkoholfreie Getränke� �rauz Abraham iftnb. MessinÄ-a.Römertrank-Kell. K 4.Bsr(elgtr.8i, Fernap. Kgst.13708 IErs —Jl Erscheint 2 mal Schentlich. | BezugsqyeiieBi"¥erze5chnEs« . Kgs 1 Seiter- u.Limonad.-Fabrik !S, Thaerstr. 44. T. A.7.8176. Sdiutze, Em Weberstr. 15a, T. 7, 1 1 1 25. Si-Si Bestet alh«l)«I- treies öetränk. _ Berlin O.giitalfB. 4 { flrbeltep-Bekleldunn *7* cu 1 l��ös!m«retr3? *•* Bergiiiannjt.98 Hambarger Laden, Charl.,Wallil.69 J. Kastn ePgRw�Xl Koter�26ev�3edöQe�?»nptsti�8 Backerelen. Konditor. Kuranstalt Eifisfe0�"1' langjähr. I. Assistent d. ehemals weltberühmt. Jakobi-Heilanstalt ZW Pflauzenheilverfahren Atteste von Geheilten. Boxhagen- Rumbg., — Sonntagstr. 4.— • �1» UZSI<> Lehlesisehe Ltr.31. Itotthnser vamm 75 FriedrichWilhelmsbad Chausseestr. 87. Bandagen, Summlw.) R. Bauke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. Lange, A. E., Brunnenstr. 137. Liepe, Schöneberg, Gninewaldstr.30. Meyer, P.,Nklla.,Berliner3tr.49— 50 J. Ch. Pollmann, Lothringerstr. 60. Turmstr. 34 Optiker. Bioitner's GroBbäckerei Geschäfte l» Berlin, Charlottonburo. Schöneberg, Wilmersdorf. Adlersbofer Bäckerei, M. ZogvusL Max Backer, Ramlerstr. 36. cinll Beyer, Thornerstr. 6. ��dojT�läck�KjiiigsberjersWO Orot-Fabrik„Vorwärts kernmni��lrich��ö�enick. Wende, A.,TüoT«?er34' Poirho Ä Seydelstraße 15. I\ClLIICt M. Lief.iUerKassen Fritz Reibe, Sthöneberg, Hnptitr. 18 Fr.Schulte, Adlershof.Bismirckit.ä Zaremba D�hTIr�eb { BeerdlB.-flfat., SarnmT� | BredlöwESenwänereUeWorSenUS A. Butti, Zorndorfer Str. 23. Otto Buttner. Neiik(illi,RiDgbaliiftSi. Hn.rhn, Skllo., Hohenzollernpl.il .llUill!) Bockov i Kud. Krinteabiu. MaftttaMÄneem HIekel, Fr., Gr. Hamburgerst. 37 Moldt, Fritz, Kklli., Reuterplati. Gust. Nobert, Potsdamerstr. 115a H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Fe ter-Scbley, Wilh., ZuMienti.U. W. ÜM. Nans?ies".�?e'|l-"nb.28ä z.BrotfaünKS� Brotfabrik Buehl&Sohn, Willy Defor, Prenzlauer Allee 42. Paul Dolly, Markusstr. 16. Mrrra. Carl, Seolölla, Dermaiiiitr. iJl, Herrn. Eder, Scbonenscbestr. 1 d I 11 E. Ftcrer, Biaarnslr. 72, E. HarbnMlr SCIirUniHlär, II.. Eä Enqel's Landbrot Heinendorfer Mühle Verbfssle'il.: Koloiiesl.9, KadesbergiL I, biäerllzrl»5,8cblrklb-la»it.44�»lKr- Btidfrzlr. 43. Pankow, Flormr. 80. Wiiö. EE9S1 Wallfns°tfafjf£tr. 4. Verkauf in Milchgeschäften Berlins. Bekannt qegeoen. d. Plakat». Bunzel.R.�eT-�i [arli!DeiDD...ÄSri55. Büttner, A., Danzigerstr. 9«. — Neukölln Biehardßt.118. £ lisckaer. Görlitzerstr. 65. PalkcnsteiBBtr. 20, KSpenlckeratr. 173. W. Gerlach, Schdnebj. Sedanitr. 6/7. Alfred Graf, Beusselstr. 24. Karl Giesmann, Wittstockstr. 7. H. Gluck, Wilhelmshavenerstr. 51. HU pp cd Dunkerstr. 78 • n&uau Freazl&ner Allen 192. August Hübner, Schwedterstr.52. ßskai Mü EiotlMerei| 7S Geschäfte | in allen Stadtteilen Berlins| und In Rixdorf. Gegründet I«»«. 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Personen, zu denen die der Arbeiterklasse angehörenden Pfleg- linge mehr Vertrauen als zu der Verwaltung haben, könnten ihr bei ihren Versuchen, die Zufriedenheit wieder herzustellen, sehr wirksam helfen. Indes, sie fürchtet wohl, daß sie dann nicht mehr, wie man so schön sagt,»Herr im Hause" bleiben würde. ES scheint, daß sie nach Hilfe von dieser Seite nicht verlangt, sondern sie als.un- befugte Einmischung" ablehnt. Das müssen wir annehmen im Hin- blick auf eine Erfahrung, die eben jetzt in Hohenelse gemacht worden ist. Eine Beschwerde über Hohenelse war vor kurzem an die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte und in demselben Wortlaut auch an die Redaktion des.Vorwärts" gelangt. Sie enthielt neben einigen Nichtigkeiten manches recht Gewichtige, so daß der Wunsch rege werden mußte, eine Beseitigung der beklagten Mißstände herbei- zuführen. Wir wollen eS unterlassen, die einzelnen Beschwerde- punkte hier sämtlich aufzuzählen oder wörtlich die für Hohenelse nicht schmeichelhaften Erläuterungen wiederzugeben, die hinzugefügt waren. Zu besierem Verständnis der Angelegenheit wird es aber nötig sein, wenigstens auszugsweise mitzuteilen, um waS eS sich handelte. In Beschwerden über Anstalten kehrt fast stets die Klage wieder, die Kost lasse sehr zu wünschen übrig. Es wunderte unS nicht, daß auch Pfleglinge von Hohenelse manches an der Kost be- mängelten. Für die FrühstückSstullen werde, so wurde geklagt, Butter nur knapp verwendet, auch sei der dazu gegebene Belag von geringer Quantität und nicht immer von der besten Qualität. Da» Abendessen bestehe regelmäßig a»S Stullen und immer wieder Stullen, obwohl viele Pfleglinge leidend seien. Beim Mittagsmahl komme es oft vor, daß im Gemüse noch Sand gefunden werde. ES sei schon passiert, daß eine ganze Reihe Patienten dann auf daS Gemüse verzichteten. Die Trockenmilch, deren Verwendung wohl ouS Sparsamkeitsrücksichten zu erklären sei, hinterlasse in den Gefäßen einen dicken Bodensatz. Vielleicht müsse man das. wie überhaupt die Mängel der Speisenzubereitnng. darauf zurückführen, daß das Wirtschaftspersonal nicht ausreiche. Als wichtiger bezeichnete die Beschwerdeschrift die Klagen über die Heilbehandlung. Diese wird geleitet von zwei Aerzten, die in dem etwa eine Stund« entfernten Rheinsberg wohnen und dreimal in jeder Woche nach Hohenelse kommen. Hohenelse hat über 100 und gelegentlich wohl bis an 120 Insassen, da könnte also die Angabe zutreffen, daß der einzelne Pflegling nicht oft— die Be- schwerde sagt: alle 14 Tage— vor seinen Arzt gelaugt. Geklagt wird besonders über die nach Ansicht der Pfleglinge manchmal allzu- reichliche Zuweisung von Arbeit, die in der Hausordnung, wie wir aus ihr ersehen, als„vollwertiges Heilmittel" ge- priese» wird. Mitunter seien Pfleglinge, die bei ihrem Arzt über ihr Befinden klagten, durch Zudiktierung von noch mehr Arbeit über- raschr worden. Gerade hier müssen wir eS uns versagen, die Einzelbehauptungen der Beschwerdeschtift ausführlich wiederzugeben. Sie sind kennzeichnend für die Stimmung mancher Pfleglinge und für die Auffassung, die sie von der Verordnung des.vollwertigen Heilmittels" Arbeit haben. Ergänzend wollen wir anfügen, was über die Art der den Pfleglingen auferlegten Arbeiten die geltende Hausordnung sagt. Wir lesen da:„ES sind Einrichtungen getroffen für allerlei Arbeits- gelcgenheiten. Neben größerer Garten- und Feldwirtschaft sind kleinere Werlstälten vorhanden fiir Schlosser, Schmiede, Tischler, Slellmacher, Buchbinder, Schneider, Schuhmacher, Korbmacher, damit die Ge- nesenden ebenso ihre eigentliche Berufsarbeit pflegen, wie auch andere nützliche Fertigkeiten sich zu eigen machen können." Wir wissen nicht, ob alle diese Arbeiten jetzt in Hohenelse wirklich ausgeführt werden. Wird über den Bedarf der An st alt hinaus gearbeitet, so wäre das als ungehörig zu rügen. Bei der jetzt in Hohenelse be- triebcnen Anfertigung von Liegestühlen, die in der Hausordnung nicht besonders erwähnt ist, trifft eS zu. daß sie nicht der Befriedigung des eigenen Bedarfs dient. Hohnelse selber gewährt den Patienten keine Liegestühle. Auch eine übermäßrge Aus- »ehnung der Arbeitsdauer— die Beschwerde spricht von 4 Stunden— ist unzulässig. Da die Pfleglinge einen Rechtsanspruch auf Behandlung und Verpflegung haben, so darf nicht auL ihrer Arbeitskraft ein Gewin» herausgeholt werden, ohne daß ihnen ein Lohn zugebilligt wird. Behauptet wurde in der Beschwerdeschrift weiter, daß durch Ueberbürdung des nicht zahlreichen Pflege- Personals die Pfleglinge geschädigt würden. Den Pflegern sei eS trotz gutem Willen nicht möglich.Jihre Aufgabe recht zu erfüllen. Durch Massage, die an jedem Morgen von 6—9 Uhr dauere, durch Dienst im Speisesaal, durch Teilnahme an den verordneten Arbeiten seien sie den ganzen Tag in Anspruch genommen. Aus dieser Ueber- bürdung habe man eS zu erklären, daß ein Patient in einem Schwitz- bad zu' Schaden gekommen sei, so daß er mit einer Verbrennung deS Schienbeins eine Woche lang habe das Bett hüten müssen. Mit Verdruß wurde auch das hervorgehoben, daß die In- fassen von Hohenelse bezüglich ihrer geistigen .Kost bevormundet werden. Die Anstalt hält drei Zeitungen, die ihr als nnverfänglich gelten: Die.Berliner Allgemeine Zeiwng". die.Deutsche Warte" und eine RheinSberger Zeitung. Die Beschwerdeschrift sagt, daß alle anderen Zeitungen auch auf Kosten der Pfleglinge nicht gehalten werden dürfen, andern- falls habe man Entlassung zu gewärtigen. ES sei vorgekommen. daß Pfleglinge sogar die ihnen zugesandten Zeitungen einfach nicht erhielten. UebrigenS biete die Anstaltsbibliothek eine ähnliche Kost, Wie die drei obengenannten Zeitungen. Zur Prüfung all dieser Beschwerden hielt der Vorfitzende der Zentralkommission der Krankenkassen. Genosse SimanowSki, eS für ratsam, in Hohenelse an Ort und Stelle eine Ausklärung des Sachverhalte» zu versuchen. Dieser Gedanke mußte ihm um so näher liegen, da er schon oft bei Klagen über Anstalten dasselbe Verfahren mit gutem Erfolg an- gewendet und das auch in Hohenelse bei einer früheren Gelegenheit schon mal getan hat. Er fuhr hinaus mit einem Begleiter— und zwar genau so. wie damals, ohne vorherige Anmeldung— aber diesmal wurde ihm von einein Stellvertreter des erkrankten Ober- inspektorS erklärt, daß er lediglich die Mitteilung der Beschwerde- punkte von ihm entgegennehmen dürfe. Mehr zu gestatten, sei gegen die Instruktion, im besonderen köune nicht zugelassen werden, daß SimanowSki selber durch Besichtigung der Anstalt und durch Be- fragung von Pfleglingen etwas festzustellen unternehme. Dem Be« amten schien es unfaßbar zu sein, daß SimanowSki der Anstalt eine unangemeldete Visite machen wollte, und er bezeichnete die frühere, tatsächlich ohne vorherige Anmeldung gemachte Visite nach- träglich als eine unzulässige. Der Versuch, durch sofortige tele- phonische Anfrage bei der LandeS-VersicherungSanstalt Brandenburg über diese Auffassung der Instruktion eine Entscheidung herbei- zuführen. blieb ergebnislos. SimanowSki verzichtete dann darauf, dem Beamten lediglich die Beschwerde einzuhändigen oder »«zutragen, und beide Besucher verließen unverrichteter Sache die Anstalt. Wir sind der Meinung, daß dieses auf eine vermutlich neue Jnstrultivo sich stützende vxrfghM detz Peamten nicht dazu beitragen wird, in Hohenelse die Zufriedenheit wieder herzustellen. Die Ver- waltung wird sich nicht wundern dürfen, wenn i h r das n i ch t ge- lingt. An Bemühungen, der Unzufriedenheit den Boden zu entziehen, läßt fie'S nicht fehlen, aber sie hat damit wenig Glück. Sie ver- spricht sich Erfolg von dem Rezept, die.sozialdemo- kratischen Hetzer" fernzuhalten,— und erreicht damit gerade das Gegenteil. Hierher gehört auch die Verbannung des»Vorwärts" aus Hohenelse. Andere Zeitungen dürfen— entgegen der in der Be- schwerde geäußerten Annahme— gelesen werden, wenn einer danach verlangt. Den neu eintretenden Pfleglingen wird neben der Haus- ordnung noch ein Zettel mit VerhaltungSnmßregeln überreicht, unter denen wir die folgende finden:„Parteipolitische Blätter, welcher Richtung sie auch immer angehören, sollen dem GenesungS- heim ferngehalten werden." DaS richtet sich aber lediglich gegen den.Vorwärts". Die Folge dieser Bevormundung er- wachsener Männer, die man bei Strafe der Entlassung zum Verzicht auf die gewohnte Lektüre zwingt, ist nicht Fernhaltung der Unzufriedenheit, sondern gerade eine Störung deS Friedens. 18. Nerlmdstag der Kranerei- und UWenarbeiter. Mannheim, 13. Juni. 3. BerhandlungStag. Die heutige Sitzung war wiederum eine geschlossene. Verbandsvorsitzender Etzel-Berlin hielt ein groß angelegtes, fast dreistündiges Referat über: „Richtlinien für Lohnbewegungen und Kämpfe." Die Lohnbewegungen des Verbandes waren in den letzten Jahren sehr zahlreich— die genauen Zahlen haben im Vorbericht ge- standen—, und gelang es der Organisation auch, schöne Erfolge für die Arbeiter zu erzielen. Das Etzelsche Referat bewegte sich nun in der Richtung: die Kämpfe kritisch zu würdigen, die Taktik der Unternehmer zu zeigen und aus den gemachten Erfahrungen her- aus bestimmte Richtlinien für die Einleitung und Führung der Kämpfe aufzustellen. Etzel verbreitete sich besonders über das Bestreben der Unternehmer, die Verhandlungen zu zentralisieren, und wies darauf hin. es sei unbedingte Notwendigkeit des Verbandes, sich darauf gefaßt zu machen, daß es auch im Brauerberufe zu zentralen Bewegungen und Kämpfen kommen wird. Das Mittel des Boykotts solle man nicht überschätzen. Der Redner wies dabei auf die Schwierigkeit der Durchführung des Boykotts in der Mühlen- industrie hin. Er empfahl den Delegierten, dafür zu sorgen, daß die Vereinbarungen mit dem Zentralvorstand deutscher Konsumver- eine in allen Fällen eingehalten werden.— Zum Schlüsse seiner Ausführungen betonte Etzel die Notwendigkeit der Schaffung eines Kriegsschatzes, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Die Diskussion über diesen Punkt wird morgen fortgesetzt. Eue der Partei. Der sächsische LandeSparteitag beginnt am 18. August im Volkshaus zu Dresden und soll zwei Tage dauern. Die Tagesordnung enthält u. a. folgende Punkte: Bericht der LandtagSfraktion. Referent: Otto Uhlig. Die Land- gemeindeordnung. Referent: Ernst Schulze. Jugendfürsorge in Sachsen. Referent: Alfred Keimling. Zu der Göphinger Angelegenheit ist uns eine lange Erklärung der Genossen Rädel und Thal heim er zugegangen. Nun findet Sonntag in Göppingen eine Kreiskonferenz statt, an der auch Vertreter des Parteivorstandes teilnehmen. Es ist zu hoffen, daß es auf dieser Konferenz zu einer definitiven und be- friedigenden Regelung der Angelegenheit kommen wird. Da darüber Verhandlungen schweben, halten wir es im Parteiinteresse für an- gezeigt, erst dann, wenn die Ergebnisse der Konferenz vorliegen, auf die Angelegenheit zurückzukommen. Pnrteiliteratur. Abhandlungen und Borträge zur sozialistischen Bildung, herausgegeben vom Genossen MarGrunwald, werden in den nächsten Tagen ihr Erscheinen im Verlage von Kaden u. Co. in Dresden beginnen. Diese Abhandlungen und Vorträge sollen ihren unterschiedlichen und wesentlichen Charakter vor ahnlichen Unternehmungen darin zeigen, daß zunächst jede Abhandlung und jeder Vortrag in sich abgeschlossen erscheint und doch zugleich durch das genau bezeichnete Ouellenmaterial zu weiteren Studien an- regt. DaS agitatorische Moment soll nur in der Sache, in dem Material liegen, nicht in der Form. Daher wird in erster Linie auf Leser gerechnet, die in der sozialistischen Lehre bereits einige Kenntnisse besitzen und sich fortbilden wollen. Vom Heraus- geber und einer Reihe sachkundiger Mitarbeiter werden zunächst folgende Gegenstände behandelt werden:„Zur Einführung in Marx' Kapital";„Partei und Gewerkschaft in vergleichender Sta- tistik";„Goethe und die Arbeiter";„Die Bedeutung der Ver- kürzung der Arbeitszeit";„Die sozialdemokratischen Reichstags- Wähler in ihrer sozialen Gliederung";„Technik, Natur und Gesell- schaft";„Lohn und Zeit der Arbeit in Deutschland";„Die Eni- Wickelung von Landwirtschaft und Industrie in Deutschland".— Heft 2: August Mai,„Partei und Gewerkschaft in vergleichender Statistik", und Heft 3: Max Grun- wald,„Goethe und die Arbeiter", sind bereits erschienen und zum Preise von 40 Pf. pro Heft durch alle Buchhandlungen und Kolporteure sowie direkt vom Verlag zu beziehen. poUreilickea. OcrfchtUches ufw. Schwarzer Wahlterrorismus. Der Zimmermann Jakob S ch a l l e r in Dachau verteilte am 12. Januar gelegentlich der ReichstagSwahl im SchulhauS in Für. kirchen sozialdemokratische Stimmzettel. Der Zentrumsagitator, Zimmermeister Johann G a t t i n g e r. wies den Genossen weg. Schallcr verbat sich diese Anmaßung und erwiderte, daß er das Recht habe, vor dem Wahllokale Stimmzettel zu verteilen. Der Zentrumsterrorist machte kurzen Prozeß, er packte den Genossen und warf ihn 4 bis 5 Stufen die Treppe hinab! Hätte sich Schaller zum Glück nicht am Treppengeländer anhalten können, wäre er kopfüber die Treppe hinuntergeflogen. Schallcr war infolge der erhaltenen Verletzungen bis zum 3. Februar erwerbsunfähig. Er stellte beim Schöffengericht Dachau Privatklage und Strafantrag wegen Körperverletzung. In der Verhandlung verteidigte sich der Zentrumschrist Gattinger damit, daß er meinte:..Wir braucha koana Sozi auf dem Land!" Im übrigen will der Zentrumschrist dem Sozi nur einen„sanften Stupfer" gegeben haben. Der fromme Mann mutzte sich aber vom Richter belehren lassen, daß das Ver. teilen von Wahlzetteln bis jetzt noch immer etwas Erlaubtes war, und der Vertreter des Schaller setzte hinzu, daß ein solcher schwarzer Terrorismus einstweilen noch nicht erlaubt sei. Schließlich verstand sich der schwarze Zimmermeister zu einem Vergleich: Der Zimmer- meister zahlt an den verhaßten Sozi eine Buße von ISO M., bittet ihn um Entschuldigung und zahlt außerdem sämtliche Kosten, die in dem gegen ihn anhängig gemachten Zivilprozeß entstanden sind. Gerichts-Leitung. Die Verzweiflungstat einer Frau bilde?« üett Gegenstand einer Verhandlung, welche gestern das KchMpgerickjt de» LandgenchtS I beschäftigte. Wegen versuchten Mordes war die Frau Lina Siegmunb angeklagt. Die jetzt LI Jahre alte Angeklagte ging im Alter von 19 Jahren mit dem Kutscher Siegmund eine Ehe ein, der später ein Kind entsproß. Während die Frau sehr an ihrem Kinde und auch an ihrem Mann hing» trieb sich dieser mit Mädchen umher und verbrachte seinen Lohn in den Kneipen. Da er nach keiner Richtung hin für Frau und Kind sorgte, mußte sich die Angeklagte den Lebensunterhalt durch Frühstück- austragen und Blusennähen verdienen. Der Ehemann der Ange- klagten ging sogar so weit, daß er die Milch, welche die Frau von der Armenverwaltung für ihr Kind geliefert erhielt, wiederholt selbst austrank, so daß das kleine Wesen hungern mutzte. Schließ- lich sagte er sich ganz von seiner Frau los, die von seinen eigenen Eltern bereitwilligst aufgenommen wurde, während er selbst mit einer Arbeiterin Margarete Schröder in der Pappelallee zusammen hauste. Da die Angeklagte trotz aller Vorkommnisse immer noch nicht von ihrem Mann lassen konnte, suchte sie eines Tages die Schröder auf. um sie zu veranlassen, ihren Mann freizugeben. Als die Sch. nur notdürftig bekleidet ihr öffnete, drängte sich ihr Mann vor und schlug sie ohne weiteres ins Gesicht. Wie die Angeklagte früher angegeben hatte, sei sie dann, ihrer Sinne nicht mehr mächtig, nach Hause gelaufen und habe sich den Revolver ihreS Mannes geholt. Als sie ihn dann in Begleitung der Schröder in der Pappelallee vor einem Lokal traf, in welchem die beiden tanzen wollten, habe sie auf ihn zwei Schüsse aus dem Revolver abgegeben, um ihn zu erschrecken.— Vor Gericht erklärte die Angeklagte, daß sie selbst nicht wisse, wie sie zu der Tat gekommen sei. Der als Sachverständiger geladene Gerichtsarzt Dr. Marx be- kündete, daß die durch Kummer, Sorgen und schwere Arbeit zer- mürbte Frau die Tat offenbar in einem Zustande der furchtbarsten Erregung verübt habe. Rechtsanwalt Dr. Bruno Friedländer be. antragte, die Angeklagte freizusprechen, da sie offenbar in einem Zustande gehandelt habe, in welchem ihre freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. Schlimmstenfalls könne die Angeklagte nur wegen Bedrohung bestraft werden. Die Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen. Das Urteil lautete demgemäß auf Frei- sprechung._ Worin besteht der TcrroriSmuS? Der Glaser Ernst Thiel in Breslau hatte den Kollegen seine Beteiligung am Glaserstreik zugesagt, dieses Versprechen aber gebrochen. Um ihn jedoch noch für die Sache der Kollegen zu ge- Winnen, begab sich der Streikleiter Nitsche aus Berlin und ein anderer Kollege vor das Geschäft, in dem Thiel arbeitete und warteten ihn zum Feierabend ab. Der Unternehmer Holzmann hatte das bemerkt und begleitete seinen lieben Arbeitswilligen nach Haufe. Dadurch ließen sich die Verbandsmitglieder aber von ihrem Vorhaben nicht abbringen, sondern sie traten an Thiel heran und Nitsche sagte:„Kollege Thiel, ich möchte Sie einmal sprechen. Am besten wäre eS, wir gingen in ei« Lokal, da läßt stch'S besser verhandeln." Nichts weiter! Die paar Worte genügten aber, um den Arbeitgeber wild zu machen. Er sprang nach dem in solchen Fällen immer schnell auffindbaren Schutzmann, und die Attentäter wurden wegen Streikvergehen nach Z 1S3 vor Gericht gebracht. Worin bestand der Terror? Während die Leute ange- sprachen wurden, waren Nitsche und Bensch vor sie hingetreten. Sie hatten dem Arbeitswilligen also„den Weg verstellt"! Dafür diktierte das Schöffengericht in Breslau— einen Tag Gefängnis. Am Donnerstag kam die Sache durch Berufung der Verurteilten vor die berühmte Strafkammer des Herrn Mundry. Obwohl einer der nainhaftesten Berliner Juristen die unmöglichen Konsequenzen einer solchen Rechtsprechung dem Kollegium vor Augen führte— jeder Straßenhändler verübt dann TerrorismüS und Nötigung»» blieb es bei dem Urteil der Vorinstanz. Für ein Verhalten gegenüber Arbeitswilligen, Gie e» vor- sichtiger überhaupt nicht denkbar ist, muß der organisierte Arbeiter ins Gefängnis! Und dabei verlangte dieser Tage der„Schlesische Gewerbetag" aller reaktionären Handwerksmeister eine Verschär- fung der Gesetzgebung, weil die bestehenden Gesetze zur Ahndung des Terrors der Arbeiter— nicht genügen. Selbst dem Ober- bürgermefftev von Breslau, Herrenhausmitglied Dr. Bender, ging da» über die Hutschnur, und er wandte sich energisch gegen eine solche Beschränkung der Arbeitcrrechte. Gesinderecht in Preußen. In den Gefilden ostelbischer Junker ist der Kontraktbruch für die Landarbeiter meist die einzige Möglichkeit, sich unwürdiger Be- Handlung oder Mißhandlungen durch die Besitzer zu entziehen. Prompt arbeitet jedoch die behördliche Guillotine durch Verhängung eines polizeilichen Strafbefehls„wegen Uebcrtretung des Gesetzes vom 24. April 1864". Zu den größten Seltenheiten gehört eS, daß ein zur Entscheidung angerufenes Gericht den Kontraftbruch für berechtigt erklärt. In Krojanke(Westpreußen) hatte sich ein Knecht mehrfach über schlechtes Essen beschwert. Eines Mittags'hatte er wieder Ursache, sich über das Essen zu beklagen,, das aus schlecht gewordene« Heringen bestand. Er warf in seinem Unmut einen Hering auf den Boden. Der Besitzer stellte ihn deshalb später zur Rede. Die Auseinandersetzung endete damit, daß der Guts» besitzer dem Knecht Faustschläge inS Gesicht versetzte, ihn zur Türe hinauswarf und ihm nachschrie, er solle sich aus dem Haus scheren. Als der Knecht letzteren Rat> befolgte, erreichte ihn eine Polizei- liche Strafverfügung in Höhe von IS Mark. Das zuständige Schöffengericht bestätigte diese Strafe in etwas verminderter Höhe, trotzdem in der Verhandlung von dem Besitzer als Zeugen zu- gegeben war. daß er dem Knecht„einige Stöße versetzt, die mög- licherweise den Angeklagten im Gesicht trafen". Etwa» eingehender beschäftigte sich die Strafkammer de» Land- gerichts in Könitz als Berufungsinstanz mit dem Fall. Die Würdi. gung der Tatumstände geschah natürlich wiederum zugunsten des Agrariers. Der Arbeitgeber durfte vor Gericht feststellen, der zu Boden geworfene, vom Angeklagten als verfault bezeichnete Hering fei„genießbar" gewesen; ihm habe er„ganz gut geschmeckt«". DaS Hinauswerfen fei mehr ein„Zur-Türe-hinauSschieben" gewesen. „Möglich" sei. daß er dem Knecht auch Schläge in» Gesicht versetzt habe. Ein« Entlassung, wie der Knecht beHaupt«, sei dies nicht ge- Wesen. Denn der Besitzer habe lediglich auf eine Aeußerung de» Knechts,„er sch.... auf solches Essen", sagen wollen, daS soll er nicht in der Stube, sondern draußen tun. Das Gericht glaubte nur dem Besitzer und stellte im Urteil zum Ueberfluß fest:«Wegen einer etwaigen Mißhandlung konnte der Angeklagte auch nicht den Dienst verlassen." Durch den Artikel S6 der Gcsindeordnung ist freilich jedes Züchtigungsrecht der Herrschaft, auch das indirekte, aus§ 77 der preußischen Gesinde- ordnung folgend, beseitigt: der mißhandelnde Gutsherr kann trotz 8 77 wegen Mißhandlung bestraft werden. Aber aus dem Dienste gehen darf das Gesinde nicht, denn die§8 136, 137 der Gesindeordnung gestatten eine Aufhebung de» Vertrages wegen Mißhandlungen nur in solchen Fällen, in denen da» Gesinde durch Mißhandlungen von der Herrschaft i» Gefahr deS Lebens oder der Gesundheit ver- setzt worden ist oder wenn e». auch ohne solche Gefahr, jedoch mit S«s,chy»eifender»]$««ßw-tzyljKer Härte fce&rnWt iß. Hus der Frauenbewegung. Frauentaktik im amerikanischen Wahlkampf. Die herannahende Wahlkampagne in den Vereinigten Staaten wird ein kräftigeres Eingreifen der amerikanischen Frauen in das„große politische Spiel" zeitigen, als bei irgendeiner früheren Wahlbewegung davon die Rede sein konnte. Ueberall kreuzen mutige Frauen die Pfade der mit ihrem allerpersönlichsten Reklame- tamtam und den stärksten gegenseitigen Schmähungen durchs Land hetzenden bürgerlichen Möchte-gern-Kandidaten: des honorigen Präsidenten Taft und seines„distinguierten" Amtsvorgängers Roosevelt, die beide, o so recht haben, weam sie sich jetzt vor aller Welt untereinander als„Betrüger",„Truftdiener" und grundver- logene„Demagogen" denunzieren. Tafts Niederlage in den Vor- Wahlen Kaliforniens und des Mittelwestens wird direkt als das Werk der entweder bereits stimmberechtigten oder doch schon einen bestimmenden Einfluß aus die öffentliche Meinung ausübenden Frauen bezeichnet. In Kalifonien und einigen anderen Staaten ist es augenscheinlich und unbestritten, daß die wahlberechtigten Bürgerinnen, soweit sie sich als republikanische Wählerinnen an den Primärwahlen beteiligten, den Ausschlag zugunsten Roosevelts gegeben haben, der jetzt wieder als radikaler Volkstribun posiert. Roosevelts Antwort auf die Frage:„Was dünket Dir vom Wahl- recht der Frau?" lautet:„Die Frauen werden das Wahlrecht über- all bekommen und sollen es haben, sobald sich klar hekausstellt, daß sie es in ihrer Mehrheit überhaupt wünschen." Ein Beispiel der demagogischen Kunst, sich in allen großen Fragen um eine offene persönliche Stellungnahme„bedingungsweis gewissermaßen" her- umzudrücken. Im Osten hat der Rauhreiter der politischen Phrase bei den Stimmrechtskämpferinnen denn auch nicht entfernt die Gegenliebe gefunden, wie im Westen. So haben die New D o r k e r Frauen sich eine ihnen in Aussicht gestellte Beteiligung Roosevelts an ihrer kürzlichen großen Parade, in der auch unsere Genossinnen marschierten, kühl verbeten, und die Stimmung der bürgerlichen Frauen ist hier, wie im ganzen Osten, mehr für den dritten republi- konischen Kandidaturaspiranten, den Senator lsta F o l e t t e, der sich mit aller Schärfe für das Frauenstimmrecht erklärt und prophe- zeit hat, in fünf bis zehn Jahren würden die Frauen der ganzen Union das„Ballot" besitzen. Die„Suffragetten" treten im Staate New Dork aber auch schon sehr aktiv auf und greifen auch in die gleichzeitig mit den nationalen Wahlen stattfindende Kampagne zur Erneuerung des Staatsparlaments ein. Gewitzigt durch die Erfahrungen dieses Frühjahrs, wobei sie durch die Wort- brüchigkeit einiger Senatoren um den schon sicher geglaubten Sieg des Frauenstimmrechtsamendements geprellt wurden, präsentieren sie jetzt schon einem jeden Kandidaten schriftliche Prinzipienerklä- rungen zur Unterzeichnung, und diese Erklärungen besagen dreier- lei: erstens, daß der Kandidat, wenn gewählt und zum Mitgliede des zuständigen Assemblylomitees bestimmt, alles in seiner Macht Stehende tun werde, um das Komitee gegebenenfalls zu veranlassen, das Frauenstimmrechtsamendement in günstigem Sinne„einzu- berichten"— zweitens, daß er im Plenum dafür eintrete, das Amendement der vorgeschriebenen Urabstimmung des Voltes zu unterbreiten— drittens, daß er jede menschenmögliche Anstrengung machen werde, anwesend zu sein, wenn das Frauenwohl- recht im Komitee oder Plenum zur Verhandlung steht. Zur Taktik der verschiedenen, teilweise gut organisierten und außerordentlich starken bürgerlichen ,.Suffragctten"-Verbände gehört aber auch der persönliche Appell an möglichst jeden einzelnen Wähler im Staate, nicht nur an Gatten, Brüder und Väter, deren politische Bearbci- tung natürlich in erster Reihe kommt. Vielfach geht man auch schon daran, die wirtschaftliche Macht der Frau als Verausgaberin eigenen Geldes wie des größeren Teils der Einkünfte des Gatten im Wahltampf zu fruktisizieren, .. und es ist sicher, daß die Frauen besonders in der Opposition gegen reaktionäre Kandidaten einen großen, oft genug entscheidenden Einfluß entwickeln werden. Die Führerinnen sagen denn auch schon zuversichtlich' den Sieg des Frauenstimmrechts-AmendementS im Jahre 1913 voraus. Die Frauen schlagen aber auch dann, wenn sie den Kamps n i ch t in der Opposition führen, zuweilen bereits große und siegreiche Schlachten. Beweis dafür war vor wenigen Monaten die Bürgermeisterwahl in Philadelphia, wo die Frauen die Wahl eines bürgerlichen Reformers, Rudolph Blanken- bürg, des Gatten der lokalen Sussragettenführerin, durchsetzten, womit sie gleichzeitig eine für schier unbezwinglich gehaltene ge- walttätige Korruptionsherrschafd brachen, die noch über die Tammany-Spitzbubenwirtschaft von New Dork geht. Die„Sufsra- getten" kämpften dort gemeinschaftlich mit dem„ehrbaren" Bür- gertum und bildeten ein S009 Personon starkes„Frauenkomitee für gute Stadtregierung", ein« Organisation, di« sich bei aller Rechilosigkeit der Frauen in den Wahllokalen selber doch als mächtiger erwies, als beide bürgerliche Parteiorganisationen idie sogenannten„Maschinen"). Die Frauen hielten riesige Versamm- lungen, und um ein Beispiel für den Ton amerikanischer „Suffragetten" zu geben, sei zitiert, was beispielsweise Frau Jmogene Oakleh als Rednerin in einer solchen Versammlung zum Besten gab: „Es ist Zeit für uns Frauen, uns mit der Politik zu de- schäftigen, weil die Politik sich immer mehr mit uns beschäftigt. Sie macht sich in unseren Häusern, in unseren Schulen geltend. Sicbenundzwanzig Schulgebäude der Stadt find ohne Feuer- Nottreppen. Die NahrungSmittelinfpektion. der Zustand unserer Straßen, der Gaspreis, den wir zahlen, alles das sind Fragen der Politik" usw. In anderen Staaten wenden die Frauen auch originelle Mittel an, wenn sie an politisch minder interessierte„Herren der Schöpfung" appellieren. So gibt es in Kansas City— des Mannes Liebe gaht durch den Magen— periodische Frauenstimmrechts-BankettS, wozu jeder Bürger, zugängig den Gaben weiblicher Kochkunst und der Ueberredsamkeit politischer Tafelrednerinnen, freien Eintritt hat. In Kalifornien pilgerten die Frauen mit Zeltausrüstungen durch den Staat und delektierten die„Boys" mit ftischgebackenem Kuchen. um dann von den Gästen, denen der Kuchen gefallen habe, das Ge- lübde zu fordern, im Referendum für das Frauenwahlrechts- Amendement zu stimmen, und die Gelübde wurden überall prompt geleistet und augenscheinlich auch meist gehalten! Sehr beliebt sind auch„Susftagetten-Bälle",„Sufsragetten-Theater" usw., taktische Mittel, die dem europäischen Geschmack oft wunderlich er- schom« und die chr« Reihtferftgiwg auch«a Jihtich gen Erfolg erhalten, mit dem sie angewendet werden. Versammlungen— Veraustaltnngeu. Die Senoffinueu der 37, Abteilung deS vierten Kreises veranstalten am DienStag, den 18. Juni, nachmittags 8 Uhr, in MenteS Volksgarten ein Familien- Kaffeekochen. Um rege Beteiligung ersucht_ Die Leiterin. Hus aller Alelt. Rückkehr zur altpreußtlcben Einfachheit. Wie die Scherlpresse zu melden weiß, Haben die Bonner Korps- studenten Selbsteinkehr gehalten, und wollten in Zukunft ihre Lebens- führung auf einfachere Grundlage basieren. Der in der Oeffentlich« keit in den letzten Jahren wiederholt gemachte Vorwurf, daß die in den Bonner Korps vereinigte Goldene Jugend übertriebenem Luxus huldige, hat die alten Herren der Korps Borussia und P a l a t i a so schmerzlich bewegt, daß sie bei dem diesjährigen Alten- Herrenfest in Godesberg Rats pflogen und die Feststellung machten, daß, wenn auch die Teuerungsverhältnisse deS Bonner Korps- lebens von der Oeffentlichkeit erheblich übertrieben würden, doch in vielen Beziehungen die bessernde Hand angelegt werden könne, um unnütze Geld- ausgaben zu vermeiden. Um solche llebelstände, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben, zu beseittgen, wurde aus den Llten-Herren-Vereinigungen aller Korps«ine Kommission gewählt, die in festen Zwischenräumen zusammentreten und den Akttven beratend zur Seite stehen soll. Es muß schon sehr arg sei», wenn die eigenen Standes- genossen, die doch wahrlich auch kein« Spartaner find, zu solchen Feststellungen gezwungen sind. Aber auch nach der noch sehr fern liegenden Besserung wird ein feudaler Bonner Swdent in einem Monat erheblich mehr ausgeben, als ein Arbeiter m einem Jahre verdient._ Räuberische Ueberfälle. Wie aus Paris gemeldet wird, überfielen drei Personen am hellen Tage einen Handelsreisenden in Cernaylaville. Der Ueberfallene begegnete den Räubern am Abend in der Nähe des Bahnhofes von BoullayleSttoux und wollte sie anhalten. Einer der Räuber feuerte und verletzte ihn schwer. Die Angreifer entflohen im Automobil. Aus Rußland, dem klassischen Lande des Räuberunwesens, werden zwei verwegene Ueberfälle gemeldet. Auf der Landstraße nach Pabjanice überfielen Bewaffnete einen Straßenbahn- wagen, töteten den Schaffner und eine» Fahr- g a st, verwundeten drei weitere Fahrgäste und raubten sämtliche Fahrgäste aus.— In der Nähe des Bahnhofe« P o r a i wurde ein Ueberfall auf den Kassierer einer Fabrik in Dombrowa verübt. Der Kassierer wurde verwundet. Durch herbeieilende Polizeibeamte wurde das Geld gerettet. Bon den Beamten wurde einer getötet und einer verletzt. Ein Priester als Wechselfälscher. Wie uns aus Rom geschrieben wird, hat am 11. d. M. vor den Assisen von Perugia ein Prozeß gegen den Priester und Stadtpfarrer von Piscianv, Girolamo Rosati, begonnen. der der W e ch s e l f ä l s ch u n g in 49 Fällen angeklagt ist. Der Priester hat sogar die Unterschrist des Bürgermeisters und des Notar« feines Ortes gefälscht. Vier Geldverleiher sind als Mit- schuldige angeklagt. Der Priester gibt an, daß er schon bei Ueber« nähme seiner Pfarre schwer verschuldet war und in der Folge Wuckerern in die Hände geriet, die ihn 299 bis 399 Prozent bezahlen ließen. WaS die Fälschungen selbst bettifft, so ist der Geistliche rückhaltlos geständig. Räumungsausverkauf. Wie daS Warenverzeichnis eines Kaufhauses mutet das Inserat eines Berliner HeiratSbureauS in einer ungarischen Zeitung, dem .Budapester Volksblatt", an. Im Ramsch hat die Firma abzugeben: 21 jährige Waise, Deutschamerikanerin, 129 000 Dollar Barmitgift, ferner 38jährige kinderlos« Witwe, ohne Anhang, 76 999 Kronen, 18 jahrige Serbin, 159999 Frank, 2Sjährige evang. Landwirtstochter, 59 999 M.. 23jährige Russin, 59 999 Rubel, 28 jährige MajorSwitwe, 429 999 Kronen Ver- mögen und noch viele 199 vermögende Damen mit 19 999—599 999 M. wünschen rasche Heirat. Hier ist also für eine ganze Anzahl Schwärmern für die Heiligkeit der christlichen Ehe Gelegenheit, in den Hafen der Ehe einzuschiffen. Die Mailänder Rechtsanwälte im Streit. Am 17. Juni werden sämtliche Rechtsanwälte der Stadt Mailand in Streik treten, um hierdurch gegen die unerträglichen Ge- richtSverhältnisse ihrer Stadt zu protestieren. Die Mai- länder Gerichte sind seit Jahren den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr gewachsen und müssen eine bedeutende Vermehrung erfahren. Die Prozesse stauen sich und bleiben monatelang liegen, weil e« an der erforderlichen Beamtenschast fehlt. Der Justizminister hat die Rechtsanwälte damit vertröstet, daß die der Kammer vorliegende Reform der Sttaf- Prozeßordnung die Gerichte wesentlich entlasten würde. Eine be- deutende Vermehrung des Gerichtspersonals hat er abgelehnt. Dieser Bescheid hat den letzten Anlaß zum Stteik gegeben. Ein treffliches Beispiel für die Fixigkeit des italienischen Rechts- Weges ist ein Urteil, das am 11. d. MtS. der Florentiner KassationShof in einem Streite über die Waldgerechtsame der Gemeinden von Bodo und Borea gefällt hat. Der Rechtsstreit begann im 18. Jahrhundert und wurde durch daS ganze vorige Jahrhundert hindurch mit großer Energie von beiden Gemeinden geführt. Jetzt ist der Gemeinde von Bodo die Nutznießung des strittigen Waldes zugesprochen worden. Meine Notizen. Selbstmord oder Unfall? Leutnant v. B o n i n vom Bückeburger Jägerbataillon, der sich erst vor etwa 8 Tagen verlobt hatte, ver- unglückte in der vergangenen Nacht tödlich in seiner Wohnung infolge eines Schusses atts seinem Jagd g eweh r. � Die näheren Umstände des traurigen Falles find noch nicht aufgeklärt. Fleischvergiftungen. Eine Anzahl junger Mädchen w einem Pensionat in Montpellier sind infolge Genuffes von ver- dorbenem Fleisch erkrankt. Sechs der Mädchen schweben in Lebensgefahr. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. Großfcuer in Galata. Im Geschäftsviertel von Galata(Türkei) ist ein Brand ausgebrochen, dem sechs Gebäude zum Opfer fielen. Andere Häuser wurden beschädigt. Sechs Personen wurden schwer verletzt. Der Schaden ist bedeutend. Unfall eines englischen Armccluftschiffes. DaS Armeelustschiff .Gamma", das schon so viele Unglücksfälle zu verzeichnen hatte. verließ gestern seinen Schuppen in A I d e r s h o t, um eine Fahrt anzutreten, als der führende Offizier sich plötzlich genötigt sah, die R e i ß l e i n e zu ziehen, um einem Zusammenstoß mit einem Fabrikgebäude auszuweichen. DaS Luftschiff fiel hierauf in sich zusammen und die Gashülle wurde durch daS die Fabrik umgebende Gitter beschädigt. Eingegangene Vruckfckritten. Bon der»Neuen Zeit» ist soeben daS 37. Heft bei 80. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt deS HesteS heben wir hervor: DaS Ende einer Lüge. Von I. Meerseld(Köln).— Erfahrungen mit dem schweize- rifchen Milizsystcm. Von Robert Grimm(Bern).— Konsumvereine und Sozialdemokratie. Von Paul Göhre.— Unternebmergewinne und Arbeiter. löhne in der Textilindustrie. Von Hermann Jäckel.— Krankenkassen und Aerzte. Von I. Frätzdors(Dresden).— Zur syndilalisttsche» Agitation in England. Von I. B. AZkciv.— Literarische Rundschau; Pros. G. Zocpfl, Kolonien und Kolonialpolitik. Dr. Ludwig Reinhardt, Kulturgeschichte der Nutzpflanzen.— Zeitschristenschau.,„, Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und«st dnrch alle Luch- bandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest tostet 25 Pf. Bon der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interesse» der«rbetterwne» ist uns soeben Nr. 13 deS 22. Jahrgangs zugegangen. Au» dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die FraueuerwerbSarbeit im Deutschen Reiche. I.— Von der Tätigkeit der sozialdemolratischeu Frauen in Finnland. Bon Hilja Pärsfincn.— Die Frau als Spiegel. Bon R. Wagner.— Ucbersüllte Klassen. Von J. B.— Die Verwaltungszentrale des Deutschen HolzarbeitcrverbandeZ. Von fk. Die.Gleichhen" erscheint alle 14 Tage einmal. Prei» d« Nummer 10 Ps. durch die Post bezogen beträgt der AbonnemeniSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 M. Vom»Wahren Jacob" ist soeben die 13. Nummer de» 28. Jahr. gange» 16 Seiten stark erschiene««. Aus ihrem Inhalte erwähne» wir sol« gende Beiträge: Zeichnungen: 84 muß alle» gelernt werden.— Dorichlag zur Güte. Von I. Eberz.— DaS Strasversahren gegen Borchardt und Leinert. — Ein praktisches Beruhigungsmittel.— Nach der GeschästSordnungSresorm des Deutschen Reichstags.— Noble Ausrede. Bon R. tzannich.— Da» nattonalliberale Führergenie.— Die Krönung des Gebäude». Vo« Leo usw.' Text: Der flüchttge Theobald. Bon Tobias.— Budapest.—»ailer. Worte.— Die Urweramworttichen. Von Lehmann.— Lieber Jakob I Von Jotthilf Rauke.— Strindberg. Von Paul Enderling.(Mit dem Porträt des Dichters.)— Der letzte Groschen. Von lQ. usw. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Probeninmnen» find jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nächst G. m. 6. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehe««. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter zu Hamburg.(E. H. 23.) Filiale B e r l i n 1. Sonntag, 16. Juni, vor- mittag» 10 Uhr, in Habels Brauerei, Bergmaimstr. S— 7: Versammlung.—. Filiale Berlin 4. Sonnabend, 15. Juni, abends 8«/, Uhr, bei MeriowSk«, AndreaSstr. 26: Wahl der Ortsverwaltung.— Filiale Berlin 6. Sonnabend, 15. Juni, abends 81/, Uhr, bei Hoffmann, Dragonerftr. 15: Wahl der Ortsverwaltung.— Filiale Berlin 11. Somitag, 16. Juni, vorm. 10 Uhr, bei Nitzle, Dennewitzstr. 13; Vortrag und Neuwahl der OrtSver. waltung.— FUiale Baumschulenweg. Sonnabend, 15. Juni, abend» S'/, Uhr, bei Schmidt, Kiesholzstr. 22: Entgegennahme von Beiträgen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 16. Jilni, vormittags 3 Uhr, Pappel-Allee 15/17, und Rixdorst,„Jdeal-Pa'sage": Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankjurter Str. 6: Vorttag von Herrn E. Vogtherr:»DaS Christentum und die neue Moral". Damen urid Herren als Gäste sehr willkommen.— Montagabend 81/, Uhr in Brst� Chaussee- sttaße 37. Herr A. Hoffmann:»Glaube und Beruunjt". Bnefkafteti der Redaktion. Ate turtsttsche Spre-lttiuade stndet L»»deupe«Ie 63, vor» die» Xeenpe« — g« 5 t ft u 6 l—, w-qe-laglta«an bt» 7H Uhr abends, eonnabtnb*, «an»zz bi» 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieftaften dcsttmMten Anfrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl als Mertzetchen deUn fügen. Briefliche AüNaart wird nicht cricllt. Anfragen, denen leine AdbnnetneniSgnittnng beigefügt ist, werben nicht beantworlct. Eilige Fragen trage«an in der e»rcchstnndc bar. Erbschaftssache 8. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sie noch an, wann die zweite Ehe geschlossen und wo der erste Wohnsitz»ach der zweiten Eheschließung gewesen ist.— P. K. 100. Der Lehrer erscheint haftbar. Falls dieser aus Auffoiderung hm nicht zahlt und anerkennt, für den weiteren Schaden haftbar zu sein, bleibt nur Klage übrig. Der KrankenhauSverwaltung beziehungsweise der Stadtgemeinde gegenüber sind Sie hastbar.— A. B. 199. Ihre Darstellung genügt nicht. Kommen Sie in die Sprechstunde.— A. 28. 88. 1., 3. und 4. Ja. 2. Ja, sofern diese anderwest Stellung, um die fich bemühen muß, nicht findet.— E. M. 20. 1. Nur in Höhe der einmaligen GerichtSgebühr und der anteiligen Schreibgebühren. 2. Nichts. 3. Ja, soweit der Wochenlohn 28,85 R. über- steigt. 4. Durch Antrag bei dem Armenvorsteher, w deffen Bezirk die Frau wohnt. Die übrigen Fragen erledigen sich dadurch, daß die Frau als Aus. wärterm nicht krankenverficherungSpstichtig war.— G. 8. 1. Die Gerichts. kaffe kann aus Antrag Ratenzahlung gewähren. 2. Ja. ES sind etwa 27 M. wöchentlich zu belassen.— M. R. 16. DaS könnte als strafbare Handlung angesehen werden.— E. T. 199. Die sofortige Entlastung war un. begründet. Gegen die Lohnforderung kann die.Herrschast" aber aus. rechnen mit den Kosten, die durch die Krankheit entstehen. Für letztere bis zur Dauer von sechs Wochen hastet die Herrschast Wer seinen Bedarf an fertiger Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sport-Bekleidung jeder Art bei der R K. G. deckt, erzielt bedeofende Ersparnisse, da die R K. G. ihre Verkaufspreise um ca. 20-309/o billiger berechnet, wie allgemein regulär üblich» Unser Verkaufssystem Selbstkostenpreis+ 10% bietet jeden Sdiutz gegen Unrcellitat und Uebervorteilung, da der Laie bei uns den Wert der Waren sofort aus dem Selbstkostenpreis erkennt und als Gewinn bei allen Artikeln nur eine Umsatzprovision von 10% zu zahlen bat Jedes Etiquett zeigt Selbstkostenpreis und Umsatzprovision deutlich an. Grösse der VerkaufsrSume ca. 1000 Quadratmeter. Sonntags 8-10 Uhr geöffnet Herren-Kleider-Vertriebs-Ges. Nur Neue Schönhauserstrasse 1 m. b. H. und Münzsfratse Lagerbestand ca. V« MULMark. Grösste Auswahl In allen Preis- lagen, Wellen u. Ausführungen. Todes-Anzeigen SozialdeinoMeli. Hierein l B für den Zahlmorgen. Am Mittwoch, den 12. Jmii, verstarb unser Mitglied «lotmtin Bitinsky Sprengelstraße 41. Ehre seinem Zlndenkeu! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. Juni, nach- mittags 3 Uhr, vom Virchow- Krankenhause aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet vvi» Vonstwnd, VeM der Buch- und Steiudruekepei-üsarbeiter u. Irbeiterinneo Deutschlands. = Ortsverwaltung Berlin.- Am 12. d. M. verstarb nach turzem, schwerem Leiden unier Mitglied �odsaa Bitinsky im Mer von 30 Jahren. Ehre seinem Andenke«; Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Virchow- Arankenhaule nach dem neuen Johannis-Kirchhos in Plötzentee statt. 27/17 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratisch, ffablverein im 5. Berl Reichstags-ffahlkreis. (I. Abteilung.) Nachruf. Am 13. Mai 1912 starb in Jena, wo er Heilung seiner Krankheit suchte, unser lieber und arbeitsfreudiger Genosse Paul Schmidt. Am 17. Mai er. fand daselbst die Einäscherung statt. Ehre seinem Andenke«; 223/14 Uvr Vorstand. f Sozialdemokrat Wablverein NeukolBn. Den Parteigenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglieds, der Gastwirt Wilhelm Weisel I Herrsurthslrabe 18/19(21. BezirY ] verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 16. d. MtS., nach- I mittags 5 Uhr, von der Leichen- I balle des neuen Jakobi-Kirchhoses, � Hermannstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Fdor Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband verivaltungöftelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Hennsnil Fabian, Neanderstr. 14, am 12. d. Mts. an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. d. Mts., mittags 12 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Luisenstädtischcn KirchhoseS in Neukölln, Hermann- straße. aus statt. Ziege Beteiligung erwartet 119/6 Die OrtSvcrwaltnng. Allen Verwandten und Bc- kannten die traurige Nachricht, daß mein geliebter Mann Pohert Klitscher nach langem Leiden am 13, Juni entschlasen ist. 2078b Dies zeigt ticsbetrübt an KInra Kutscher. Baumschulenweg, Baumschulenstr. 19—20. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16, d. ÄtS,, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Treptower Gemeinde- Fricdhoses, Neue Krugallee, aus statt, Nach langen, schweren Leiden entschliej sanst am 13. Juni mein lieber Mann, unser guter Bater, der Gemüsehändler Bennaim Ernst im 52. Lebensjahre. 207äb Um stille Teilnahme bitten Emma Ernst nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Heilands- KirchhoseS in Plötzensee auS statt, Von der Heise zurück Dr. P. Schwerin, Ant für Harnkrankheiten Oranieastr. IIS. 96/12 Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme bei der Beisetzung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS und Schwiegervaters Kohert Pelzer sowie für die zahlreichen Kranzspenden und trostreichen Worte sagen wir allen Beteiligten herzlichen Dank. 20835 Hedwig Pelzer, Reinhold und Helene Pelzer. Allg. Kranken- u. Sterbekasse der Metallarbeiter.( Hamburg f Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 15. Juni, abends 81/, Uhr, bei Merkowski. Aiidreasftr. 86: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Kassenbericht; Jahresbericht; Wahl der Ortsverwaltung; Verschiedenes, Zahlreichen Besuch erwartet 2075b_ Die Ortsverwaltung. ZentralbaosmodJerrenhekleidunQ I.;\cuc Frledrlchstr. 85 neben Zentral-Markthalle EI.: Tnrmstr. 67, I. Etage, liefert an jedermann elegante Herfen-Vardernben nach Baß"iStf unter Garantie sür tadellosen Sitz gegen wöchentliche Teilzahlung 1 Mark°n. von guschneiderei u, Werkstatt imHause. tlus Wunsch Besuch des Reisenden mit neuesten Stoffmustern. Sonntag geöffnet._ in» i. 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Neue Königstr. 26, gr. Saal, Eingang Wadzettstrasfe. Tagesordnung: 1, Vortrag:„Der Sunger und die Liebe." Referent: Genosse Dr. Z a d e k. 2. Die Kündigung der Zuschneider bei Ullstein u. Co., die Ablehnung des Tarifvertrages bei Cohn u. Eisenburg, unsere Beschwerden gegen die Firme» Jacks, Gebr. Borchardt, Grünbaum, Blumenau n. Sohn, I. u. W. Hauser und Otto LevY. 3. Verschiedenes und Ber- bandsangelegenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder. Kollegen und Kolleginnen! Gleichzeitig mit Einreichuna des Protestes»vegen Nichterfüllung der Tarifbeschlüsse durch die Wäschefabrikanten haben wir uns mit Beschwerden gegen obige Firmen zu beschäftigen und müsse» auch diese, wenn eine Rege- luug durch die beiderseitigen Organisationen nicht möglich ist. durch das Schiedsgericht entschiede» werde». Erscheint alle zur Versammlung! Gäste habe» Zutritt. Die Mitglieder können gleichzeitig die Wahl der Delegierten zum Verbandstag tu Köln vollziehen. Die Wahl findet im Nebensaal von 5—9'/- Uhr statt. Verband der Schneider und Wiischearbolter. _ Filiale Berlin III, Vene Königstr. G._ iils-GaMe! Die besten Sommer- PaletolS I und 4—500 getragene Anzüge für 1 Herren, Smoking-Anzüge, Frack- I anzüge, sowie von Kavalieren ge« I tragene, fast neue Sllchen(a.Scide), I sür jede Figur passend, in größter | Auswahl zu unübertroffen[96/16* billigen Preisen. 1 lTr.,dcshalbbiIligir wie im Laden, I HirsehKiefepbauffl,swaas8seir2,/0ir3i Techiiikum Hoppe, Mathteustrahe 13. Prospekte gratis. 204/15* Zigarren- U Herbst Fabriken gegr. 1862. Tel.; Moritzplatz 3873. UEKEIVSW., Bltterstr. 83 Erstklassige Ware. Zigarren- händlem bestens empfohlen. —— Tarifarbeit.—— sr. Siegel5 feftfäle Theaterbühne Gr. FrStlklUftOP Stp. 10, 2 Kegelbahnen Empfehle den Gewerl'chästcn sowie Vereinen meine Verelns- zlmmer sowie.Sftle(30 bis 360 Personen fassend) zur Ab- Haltung von Sitzungen. Versammlurgen sowie Festlichleiten zu den kulantesten Bedingungen, 3432L* NB. Sonnabende u.Sonntage im August, September, Oktober noch frei. Ar Wliemgmz im ftitaitliilftii! In der Liste vom Mittwoch, den 12. d. Mts., sind folgende Betriebe nachzutragen: Adalbertstr. 98, Schmalisch Anllamer Str. 53. Schulze Cuvrystr, 34, Nosental Emdcncr Str. 10, Klotsch Fruchtsw. 43, Geelhaar Glogauer Str. 32, Krause Grünauer Str. 4. Kohle Grünauer Str. 34, Schulze Hultenstr, 25, Wolgast Lausitzer Str. 21, Pützenreuler Manlcusselstr. 16, Dickmann Prenzlauer Allee 174, Witzig Ramlerstt. 16, Kellner Reichenbergcr Slr, 90, Kachel Rügener Str. 16, Köhler Schonenschestr, 11, Freinick Swinemünder Str. 84, Säger Waldstr. 24, Rhbicki Alt-Stralau. Alt-Stralau 17, Linke Eharlottenbnrzr. KnobelSdorssstr. 14, Messerknecht Britz. Nudower Str. 90, Meißner Lichtenberg. Friedrichstr. 58, Karras Gürtelstr. 29, Kleindick Herzbergstr. 150, Laube Margarctenstr. 26, Bratkow Neukölln. Emser Str. 118, Beyer Erkstr. 20, Gabriel Kirchhosstr, 33/34, FlemmWg Kranoldstr. 10, Bär Lenauslr, 7, Manzelmann Mainzer Str. 43, Kühlhon» Richardstr. 18, Berk >steinmetzstr. 20, Leichj ThomaSstr. 3, Blohin Wildenbruchstr. 53, Plan Zietenstr. 68, Seidler Pankow. Brehmestr. 1, Stiller Treptow. Baumschulenstr. 73, Rödiger Geschäfte, in denen keine Gehilfen beschäftigt werden, sind für den Besuch freigestellt. Für Verbandsmitglieder gs Sachs, Stallschreiberstr, IIa Kube, Bnchholzer Str. 9 Borges, Kolberger Str 12 Gellbrecht, Koppenstr, 30 Nebt Solidarität! perrt sind folgende Betriebe: Dittmann, Dunckerstr, 4 Reimschüssel, Neukölln, Berliner Straße 76 Wysocky, Neukölln, Kaiser-Friedrich- 244 Alpen, Neukölln, Zietenstr. 31. Barth, Tegel, Egellstr. 11 292/10 Nerband der Friseurgehilfeu. -y fQl DoNrcNLkM GrFrankfurter�tr.115. Keine JEteJclamevrare! KOSTÜME Imprägnierte Stoffe, Loden, Kammgarn. 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Inn! 1912, abends 6 Uhr: Versammlung aller w Metallgießereien Kerlins lllld Umgegend beschästigteil Former imd Kerufsgellossen im großen Saale des Gewerkschaftshanses, Engelnfer IS. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion, 3. Verbands, und Branchenangelegenheiten. == ES wird ersucht, pünktlich zu erscheinen. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den 17. Juni 1912, abends 6 Uhr: Versammlung aller in den Getrieben der Schnallen-, Kijonterie- and Ealavteriebrauche beschäst. Kollegen und Kolleginnen in den Rittersälen, Ritterstr. 73. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in obigen Betriebe». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. In dieser Versammlung darf niemand fehlen. Alle müsse« erscheinen. Montag, den 17. Juni 1912, abends 8 Uhr: Kranchen Uerjammlung der Schmiede, Kesselschmiede u. Autogen-Schmißer im Lokal Schulz(Mendts Jestsäle), Münzstr. 17, Eingang Königsgraben. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Jakob über:„Der Zweck ber gegnerischen Ge- werlschasten". 2. Diskussion, 3, VerbandSangelegenheilem 4. Branchen- angclegenhcitcn und Verschiedenes. Kollegen l Mit Rücksicht aus die Wichtigkett der Tagesordnung ist Ihr Erscheinen dringend notwendig. Jeder von Ihnen muß für einen gutm und zahlreichen Besuch dieser Versammlung sorgen, 119/5 Die Ortsverwaltunj. T Achtung Kaufen Sie nur beim Fachmann Elegante feptlga Jellzahlung Von 1 Uark wöchentlich alt JuliusFabian Schneidermeister I. Geschält: Gr. Ftankfurter Sti. 37" II. Geschäft: Ll II|I|(II im JiiifiilinfJiillJliiiiilm! 30-i a-f 32-1 33- 34-i 35-1 vorteil hafteisien Nur Im M 5 b e I- A| Magazin OTTO PIEHL BERUH x Brunnen- 11 G Str. 120 Warum? 1. Well billigere Preise. 2. Weil hohe Kulanz. 3. Well grosse Auswahl. 4. Weil Teilzahlungen gestattet. MchndOMUeiiM Folgende Fleischermeister haben die Forderungen der Ge- seilen anerkannt und den Tarifvertrag unterzeichnet: Allerstr. 12, K. Träder Allerstr, 43, Wähner Berliner SM 28, P, Lukasche! Bergstr. 3S, U. 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Klein Knesebeckstr. 41, P. Bartsch Knescbeckstr. 68/63, K. Tschcpe Kncicbeckstr. 117, B. Hennig Knesebeckstr. 150, O. Loose Kaiser-Friedrich-Str. 7. I. Hol, Kaijer-Friedrich-Str. 22, G. Bebrend Kaiscr-Fnedrich-Dtr. 73, E. PacholSki Kaiser-Friedrich-Str. 76, S. Härtel Kaiser-Friedrich-Str. 245, I. Kaminsli Lefingstr. 18, Nrzemba. Lcjsingstr. 24, C. Sterncr. Lessingstr. 3, I. Albrecht. Leinestr. 2. A. Uschmann Niemetzstr. 8, R. Lindner Nogatstr. 23, E. Krause Nogatstr. 3l, R. Kauer Nogatstr. 40. tz. König Mahlower Str. 3, W. Rahn Marcschstr. 14/16, I. Blümlein Mainzer Str. 8. O. Schleuhner Münchner Str. 47, H. Schulz. Olerstr. 12, A. Prager Okerstr. 45. E. Uckert Pannierstr. 8, R. Bergseid Pannicrstr. 12, G. Schmiedel Pannierstr. 34. M. Kapusta Prinz-Handjerystr. 37, O. Fricbel Richardstr. 31/32, Lindemann Richardstr. 61, O. Schönbrunn Rcuterstr. 66, H. Beiersuh Selchower Str. 1, W. Fischer Selchowcr Str. 28, A. Müller Selchowcr Str. 35, I. Wasowicz Schönewcider Str. 16, Wwe. Knoll. 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Juni, Im großen Saale der„Neuen Welt", Hasenheide 108—114: Eröffnungsfeier zum neunten ordentlichen Verbandstag. Das Konzert wird ausgeführt vom„Derllncr Volkschor"(M. d. D. A.-S.-B.), Dirig. Herr Dr. Zunder— unter Mitwirkung des ,, Berliner Slnlouie- Orchesters", Dirigent Herr Maximilian Fischer. Einlaß 6 Uhr, Anfang 7 Uhr abends. Eintrittsgeld 60 PI. inkl. Garderobe u. Programm. Kinder haben zur EröSnungskeior keinen Zutritt. 85/6 Karton sind in allen Zahlstellen, bei den Oblenten, bei Sohwomke, Schönl'einstr. 34, im Kostaurant Zehrend, Hasenhoide 9 und im Bureau zu haben. iceBa: h a a a a e BUBIBEB W« csSTks:: SStlJ sv? WahMn Rnelsburg veranstaltet am Sonntag, 16. Juni, im„Cafe Bellevue" am Rummelsburger See ein Großes Sommer-Fest unter Mitwirkung des verstärkten Wagnerschen Orcliesfers, sämllichcr Rummclsburger Gesangvereine(A.-S.-B.), sowie des Kraft- Turnvereins„Süd-Ost" und sonstiger Spezialitäten Anfang 4 Uhr. Billetts: Kasse 25 Pf. Vorverkauf(in den Bezirkslokalen) 20 Pf.— Kaöeoküche von 2 Uhr ab geöHnet('/, 1 35 Pf.)— Jedes Kind erhält Stocklatomo. 8/9 Dai. Komitee. kv2 Täglich; Große Vorstellungen von Ii Uhr vormittags bis IG Uhr abends geöffnet Entree SV Pf. Res. Siftpläfte: Loge L M., 1. Tribüne l.SV M. — 2. Tribüne 1 M. %üLSsidihmd deutscher Honsumr Vereine 16.-30. Juni 1913, c 1,0 u | früher Neues Kgl. Operrtheater (Tiei garten-Königsplatz) Naturfarben-Lichtspiele K 1 n e in a k o 1 o r. 1 Bis auf weiteres; Das neue groBe Programm. Täglich von 4—11 Uhr. Anläßlich des Gonossonschaftstages bleibt die Ausstellung am Montag, den 17. Juni, für das Publikum geschlossen. Am Mittwoch, den 19. Juni: Konzert._ Ahlahrlstelle __(am®i Ihürijfn Sonntag nach Bon miiagS 2 Uhr ob ca.'/zstündli Daselbst Gartenkonsert. Wvl Fahrgaste zahlen kein Eutree. Wolterstlorfer Selileuse.�n55o0'fratf Bahnhos.) nach Restaurant entagS 20, Sonntags S0 KviriiftiiBeR": 30 Pf., eins. Fahrt. L07Sb WmcWdt Hersel»: Gr. Festtag. 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Juni 1912 ist beschlossen worden, das Grundkapital unserer Gesellschaft um nom. M. 1 000 000,— und zwar von nom. Mark 3 000 000,— auf nom. M. 4 0C0 000,—, durch Ausgabe von Stück 1000 auf den Inhaber lautende Aktien über je M. 1000,—, welch« yojn 1. Januar 1912 ab dividendenberechtigt sind, zu erhöhen. Die neuen Aktien sind von einem Bankenkonsortium init der Verpflichtung überndmmen worden, sie den alten Aktionären der Gesellschaft mit einer Frist von mindestens 2 Wochen zum Kurqe von 140'h, zuzüglich 4°l0 Stückzinsen vom 1. Januar 1912 bis zum Zahlungstage derart zum Bezüge anzubieten, daß auf je nom. M. 3000,— alte Aktien eine junge Aktie von nom. M., 1000,— bezogen werden kann. Nachdem der Erhöhungsbeschluß und die erfolgte Durchführung am S.Juni a. c. in das Bandeisregister eingetragen worden sind, fordern wir die Aktionäre auf, das Bezugsrecht unter folgenden Bedingungen auszuüben: 1. Die Anmeldung zur Ausübung des Bezugsrechts hat bei Vermeidung des Ausschlusses vom 15. bis 39. Juni 1013 einschließlich in Berlin bei der Commerz- und Disconto-Bank „„„» Bankflrma S. Kaufmann u. Co. n Breslau bei dem Bankhause G. von Pachaly's Enkel innerhalb der bei diesen Stellen üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen. 2. Bei der Anmeldung sind die alten Aktien, auf welche das Bezugsrecht geltend gemacht werden soll, ohne Dividendenhogen mit einem doppelt ausgefertigten Anmeldeformular zur Abstempelung einzureichen. Entsprechende Formulare sind bei den oben erwähnten Stellen' kostenfrei erhältlich. Die alten Aktien werden abgestempelt zurückgegeben. 8. Der Bezugspreis von 140 0/0 zuzüglich 4°U Stüokzinsen vom I.Januar 1912 bis zum Zahlungstage und der ganze Schlußscheinstempel sind bei der Anmeldung in bar zu entrichten. 4. Beträge von weniger als nom. M. 3000,— bleiben unberücksichtigt, doch sind die Bezugsstellen bereit, die Verwertung oder den Zukauf der Bezugsrechte zu vermitteln. Die Aushändigung der bezogenen neuen Aktien erfolgt nach Ablauf der Bezugsfrist bei derjenigen Stelle, bei welcher die Anmeldung erfolgt ist. Gassen i. Lausitz, im Juni 1912. Maschinenbau-Anstalt und EisengieBerei vorm. Th. FlitherAktiengeseKsehaft. Sommerpreise. Gegf. 1893, Gegr. 1893. tfiBKOEH� Kohlen- und Brikett-Großhandlung BauptkoDiof: Berlin 0.34, Petersburger Straße i. Telephon: Amt Königstadt, 3040 und 3396. Lagerplatz 1: O. 34, Riidersdorter Str. 71(Küstriner Platz, alt. Ostb.), Lagerplatz 2: 0. 17, Fruchlstraße-Iä(Ostbahn-Güterbahnhof) Preise für la Marken ab meinen Lagerplätzen' von 10 Zentnern an; Vülkan-Saloii-BrMts Krone-Salon-„ Ilse, Kaiser u. Akw.. pr, Ztr. 0.30 H. 0.95 m. 1.00. M- pr. Ztr. Krone Halhsteine... 0.00 m. Ilse, Kaisern. Äkw. Halhsl O-STm. Anthracit Xade.... 2.30 m. Bin Zentner(erith. 110—120 Stüiik) Holz zerkleinert It90 M." Bei Frankölieferung je näch Quantum per Ztr. 8—15 mehr. Steinkohlen billigst.. Koks zu Anstaltspreltten. 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Emmeluth, 4. R. 6,90. Tisch! Bembenek. Koch u. Co. 12.— Tischt. Lochow u.Hering 5,60. Hermann,. Friedrichsselde 2,35. Tisch! Grun u. Hettwig 6,60/ Tisch! Hammer 6,—. Tisch! Sawatzki 6,50. Lischt. Petersen u. Co., 2. Rate 4,75. Von den.Angestellt»» Zahlstelle Berlm4Z.—. Modellabt. A. E.-K.. Brunuenstr. 17 65.—. Tisch! Nauke 10,—. Milcht. Hornig u. Co. 6,90. Tischt. Goldback 3.—. Tisch! F ritsch 4,50. iTrschi. Salmbach u. Mols 15.—. Tischt. Kaiser 12,25. Gen. Eiche 4,80. Polierer Gen. Eiche. 4,50. Tisch! Zöllmer u. Bartsch 8.10. Tisch! Abb u..Daum T.30. Tiichl. Ende, Mai u. Co. 5.—. Schirms. Daus 3,75. Stocks. Ludwig u. Co. 17.85. Tisch! Stemann 10,—. Tisch! Reschke 11,90.- Einsetzer v»>! Saioatzki-Bau Otaoistr. 5.50. Tisch! H. u. A. Schulz 23,05 Tisch! Nickel. Keruicke u. Lehmann 10,75. Tisch! starif u. Co., 5. R. 4,50. Tisch! Friedrich 15.—. Tischt. Ball, 4. R. 6,10. Tisch! Kutiner u. Hans 7.30. Tisch! Mittag," 2. N. 25.—. Modell! Lucas 4,30. Tisch! John it. Bester 5 75 Tisch! 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Juni, vormittags von 10 bis 1 Uhr, erfolgende Wahl eines dritten Angestellten auf- merksam. Die Wahllokale werden in der Sonntagnummcr des„Vorwärts" bekannt gegeben. Mitgliedsbuch legitimiert. Dienstag, den 18. Juni, abends 8'/s Uhr, findet in den Pharussälen, Müllcrstr. 112, eine Versammlung statt. Referent Reichstagsabgeordneter Genosse Ledebour wird zur Berichterstattung der verflossenen Reichstagskämpfe über Vcr- fassungsfragen sprechen. Zchlcndorf(Mannscebahn). Morgen Sonnlagnachmittag 2 Uhr treffen sich die Partei- und Gewerkschaftsmitglieder am Bahnhof .Mitte", um gemeinschaftlich mit den Mitgliedern des Konsumvereins die Genossenschaftliche Ausstellung in Berlin im„Clou", Mauerstrahe zu besuchen. Der Eintritt für die Mitglieder des Konsumvereins und deren Frauen ist frei. Nichtnmglicder zahlen 10 Pf. sKassenprcis 50 Pf) Der Vorstand. Schmargendorf. Wir machen die Genossen darauf aufmerksam, dag am Heuligen Sonnabend, abends 9 Uhr, der hiesige Arbeiter« Nadfahrcrvercin 8 sein Großes Sommcrvergniigen im Schützenhause, Hundekchleslr. 20. bestehend in Konzert, Prcisschießen, Rcigenfahrcn, Verlosung und Ball, abhält. Buch. Sonnabend, den 15. Juni, abends S1/. Uhr. bei Starke: Mitgliederversammlung. ES ist eine wichtige Tagesordnung zu er- ledigen. Hennigsdorf. A>n Sonnabend, den 13. Juni, abends 8 Uhr, in, Lokale des Herrn Gonschior,„Zum SangeSbrudcr": Generalversammlung dcS Wahlvcreins. ES ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Der Vorstand. Bruchmühlc und Uiuzegcnd. Am Sonntag, den lg. Juni, nach- mittags 4 Uhr, in Eggersdorf im Lokal von Pluciack: Ocffentliche Frauen Versammlung. Referentin: Genossin M. Reichert. Es wird ersucht, für den Besuch dieser Versammlung rege zu agitieren. __ Die Vezirlslcitung. Berliner Nachrichten* Elitcabcnd. Die Kapelle hatte eben die„Unvollendete" von Schubert vollendet und wenn auch kein Beifall hörbar wurde, der Kapellmeister freute sich dennoch, dast alle zehn Mitglieder seiner Kapelle zu gleicher Zeit bei dem letzten Takt angelangt waren. Gen-: hatte der Kapellmeister dieses Musikstück nicht gewählt. Aber aus dem Vorrate klassischer Stücke war es das am wenigsten gefährliche. Das andere klassische Musikstück, das Andante aus der Symphonie mit dem Paukenschlag eignete sich nicht, weil es sür ein klassisches Stück schon zu bekannt war. Gewählt mutzte jedoch eins werden, denn es war heute Eliteabcnd. Weil nämlich die Tage Montag und Freitag zu jenen fünf Wochentagen gehören, an denen die Leute sich einerseits vom Sonnabend und Sonntag finanziell erholen, andererseits für den Sonnabend und Sonntag sparen, so sagte sich der Cafätier, datz es ganz sicher Leute geben dürfte, die Wert darauf legen, für Leute gehalten zu werden, auch dann, wenn sie zwar einen Schatz, aber kein Geld haben. Für diese Leurc erfand er den Eliteabcnd und darum prangte dieser Anschlag in mehreren Exemplaren an dem Zaune des Casägartens. Ter Kapellmeister bezog die Ankündigung regelmätzig irrtümlich auf das Programm und fühlte sich eben verpflichtet, etwas Klassisches zu spielen, auf dtc Gefahr hin, die wenigen Gäste wieder zu vertreiben. Nichtig! Ein Herr, der in der Nähe der Kapelle satz, sah den Kapellmeister sehr langsam an und machte sich dann rasch wieder an die Bewältigung einer Schüssel voll kaltem Auf- schnitt. Bei diesem Blicke rückte der Kapellmeister sehr ver- legen seine schlanke Künstlerlocke zurecht. Er hatte es ja ge- ahnt, und las es dem Gaste am Gesicht ab, datz seine gute Ab- ficht schlechte Folgen haben werde. Sicher wird der Gast sich jetzt beim Geschäftsführer beschweren, datz die Kapelle so öde Sachen spiele. Das war ihm noch an jedem Eliteabcnd passiert. Ter Gast verzehrte restlos seinen kalten Aufschnitt, dann stand er auf. ging auf den Kapellmeister zu und sagte mit freundlichem Lächeln: „Sehr brav, Herr Musikdirektor. Jetzt spielen Sie aber einmal einen recht flotten Two step." Der Kapellmeister atmete auf. rückte abermals seine Locke zurecht, verneigte sich verbindlich, sagte:„Bitte sehr" und zwinkerte dem Künstler zu, der bei der grotzen Trommel satz, der die Pflicht hatte, die Noten auszugeben. Ter Bassist jcdock, war mit dieser Bereitwilligkeit seines Chefs durchaus nicht einverstanden. Er besaß noch Künstler- stolz, es kränkte ihn, daß der Kapellmeister so devot war und den Wünschen der Gäste entgegenkam, als hätte er eine Ver- pflichtung dazu. Der Bassist drehte sich dem Gaste zu, ver- neigte den Kopf seines Basses, und sagte mit bescheidenem Lächeln: „Wir sind zehn Mann..." Der Gast verstand nicht nur sofort, er war auch ein Kava- lier. Er rief nach dem Kellner, bestellte zehn Glas Bier für die Musik und zog sich dann auf seinen Platz zurück. Gleich darauf hatte der Bassist eine heftige Auseinandersetzung mit dem Sitzgcigcr. Dieser glaubte, mehr Kavalier sein zu müssen, als der Gast eines Elitcabends, er war jung und noch in den Vorurteilen der Hochschule für Musik besangen, aus der er eben kam. Das Neppen, meinte er zum Bassisten, ist musikantenhaft. Er drang aber mit seiner Meinung nicht durch, um so weniger, als der Bassist nun plötzlich ein doppeltes Interesse an der Lage hatte. Denn nun durfte der Sitzgcigcr schon aus Prinzip nicht mittrinken und der Bassist hatte dann zwei Glas Bier. Inzwischen kam der Kellner niit der Lage. Der Kapell- meister ergriff sein Glas, prostete dem Spender zu und spielte nun den Two step, dessen letzte Takte der Gast benutzte, um fröhlich angeregt und gestärkt feinen Gefchäften nachzugehen. Kaum hatte er den Garten verlassen, kam der Kellner, sah den leeren Platz und—„verfluchter Eliteabend" sagte er. jetzt ist der Kerl mit der Zeche durchgegangen!" Die Musiker hörten dies, verharrten in untätigem Schreck, nur der Bassist ermannte sich und rannte dem Kellner nach, der wieder dem Gaste nachgerannt war. Sie kamen aber gleich wieder zurück, und der Bassist erzählte empört, der Elitckavalier habe ihm von der eben abfahrenden Elektrischen freundlich zugewinkt, Das war mehr als frech, konnte aber an der Trauer des Kellners gar nichts ändern. Der Eliteabend verlief von da ab ereignislos, der Kapell meister spielte, was dem Trommler einfiel, der Sitzgeiger freute sich still und der Bassist strich so wütend, datz ihm der Kapellmeister begreiflich machen mutzte: Erstens gehe ihn die Geschichte gar nichts an und zweitens könne er für 3,30 M. täglicher Gage mitunter auch piano streichen. Am nächsten Tage, um die Mittagsstunde, stand ein Schutzmann am Tauentzienplatz und freute sich auf die Ab lösung. Die Erwartung und der Hunger schärften sein wach samcs Auge und verlängerten seinen strafenden, aber un tätigen Arm. Plötzlich guckte der Schutzmann scharf um die Ecke, denn ein Herr kam ihm entgegen, den er schon einmal gesehen haben nmtzte. Ter Herr bemerkte das Interesse des Schutzmanns und da er für die Erneuerung von Bekannt- schaften mit Schutzleuten nicht eingenommen zu sein schien, so bog er rasch ab, um ruhig nachdenken zu können, woher er den Schutzmann kenne. Dieser aber hatte sich eher besonnen, als der Herr. Er lief ihm nach und forderte ihn auf, mit zum Revier zu kommen. „Wenn Sie mir sagen: Warum? so will ich Ihnen sagen: Ob?" sagte der Herr. Als der Schutzmann die Stimme des Herrn vernahm, wurde er sehr sicher und ergriff den Herrn energisch am Arm. „Vorläufig haben Sie mitzukommen!" brüllte er. Auf dem Revier erklärte er dem diensthabenden Polizei- leutnant,' er bringe einen Mann, der gestern Abend in einem Charlottenburger Cafägarten mit der Zeche durchgegangen sei. „Stimmt das?" fragte der Leutnant. „Wenn der Schutzmann sagt, datz gestern in Charlotten- bürg ein Mann mit der Zeche durchgegangen ist, so wird er wohl recht haben. Ich aber bin es nicht gewesen. War ich es, Herr Schutzmann?" Ter Herr sah den Schutzmann lächelnd an und drehte sich einmal um seine Achse, damit der Schutzmann ihn gründlich betrachten könne. Ter arnie Schutzmann sah wie ein Mann aus, der bitter bereut, geboren worden zu sein. Er befand sich in einer bösen Klemme, aus der es kaum eine Rettung gab, denn er wußte nicht, ob er sich auf den Festgenommenen verlassen könne. Und wäre dies auch der Fall, der Leutnant würde sich nicht ohne weiteres abspeisen lassen, wenn er ihm den mitgebrachten Zechpreller wieder vom Munde entzog. Also sagte er:„Jawohl, Herr Leutnant, er ist es be- stimmt, denn ich habe es selbst beobachtet." Ter Zechpreller gab das Spiel auf. Aber der Schutz- mann sollte es gleichfalls aufgeben, denn es war streng ver- boten. Ter Zechpreller kam ins Loch und der Schutzmann wurde entlassen, weil er sich trotz wiederholter Verwarnung in einem Konzertcafä gegen Bezahlung als Baflist betätigt hatte._ Pflicht-Fortbildungsschule für Mädchen. Ter Magistrat hat in seiner letzten Sitzung den von der Deputation für das Fach- und Fortbildungsschulwesen vor- gelegten Entwurf eines O r t s st a t u t s für die Errichtung einer gewerblichen und kaufmänni- schenPflichtfortbildungsschulefürMädchen i n B e r l i n in erster Lesung beraten und mit einigen Aende- rungen angenommen. Die Grundsätze dieses Ortsstatuts sind folgende: Abgesehen von einigen Ausnahmen unterliegen sämtliche weibliche unverheiratete Arbeiter(Lehrlinge, Gesellen, Ge- Hilfen usw.), die in einem gewerblichen und kaufmännischen Betriebe im Wcichbilde der Stadt Berlin beschäftigt werden, nach Vollendung ihrer Volksschulpflicht bis zum Schlüsse des Schulhalbjahres, in welchem sie das 17. Lebensjahr vollendet haben, der Verpflichtung, die von der Stadt Berlin einge- richtete Fortbildungsschule zu besuchen, und zwar auch für die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit. Dienstmädchen können zum Be- such der Pflichtschule nicht herangezogen werden, da keine ge- fetzliche Handhabe dafür gegeben ist. Der-Unterricht erstreckt sich auf Rechnen, Buchführung. Zeichnen und Hauswirtschaft, sowie auf Berufs- und Lebens- künde. Letzteres Fach ist völlig neu und bisher in den Lehr- plan der Fortbildungsschule nicht aufgenommen. Es bezweckt neben der beruflichen Ausbildung die Erziehung des Mädchens zu seinen eigentlichen Pflichten als Gattin und Mutter. Befreit von dem Besuch der Fortbildungsschule sind unter anderem diejenigen, die enüvedcr eine höhere Schulbildung haben, anderen gleichwertigen Fortbildungsschulunterricht ge- nietzen oder nachweislich die allgemeine Bildung besitzen, welche das Ziel des Fortbildungsunterrichts ist. Die Unterrichtszeit ist in die Zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends gelegt. Sonntags findet kein Unterricht statt. Für die Beschaffung der Lehrmittel ist der Arbeitgeber verantwortlich, dem auch die Verpflichtung obliegt, für die Anmeldung dlss bei ihm beschäftigten schulpflichtigen Mädchens Sorge zu tragen und den Schulbesuch zu über- wachen. Der Schluß des Ortsstatuts enthält noch Straf- bestimmungen für Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften des Statuts. Der Zeitpunkt der Eröffnung der Fortbildungsschule kann noch nicht festgesetzt werden. Inzwischen wird jedoch schon mit den Arbeitgebern verhandelt werden, die nach den gesetzlichen Bestimmungen über das Statut gehört werden müssen. Das Statut wird alsdann den Magistrat noch ein- mal beschäftigen und dann der Stadtverordnetenversammlung zugehen. Zuletzt bedarf das Statut noch der Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Es steht aber zu hoffen, datz die Er- öffnung der Fortbildungsschule für Mädchen sobald wie mög- lich erfolgen kann. Nach den vorstehenden Mitteilungen dürfte sich die bei der Etatsbcratung im März ausgesprochene Absicht des Stadt- schulrats Michaelis, das Ortssttatut noch vor den Ferien der Stadtverordnetenversammlung zur Genehmigung und Ver- abschiedung gelangen zu lassen, nicht erfüllen. Lauft keinem Pastor nach! In Nr. 133 schilderten wir eine Friedhof»sz«ne, die bei dem Begräbnis eines Schriftsetzers Hoppe auf dem Fried-! hos der Stadt Berlin in der Scestratze sich abgespielt hatte. Vom � ..Evangelischen Sonntagsblatt der St.�Elisabcthgcmeinde" war fies beklagt worden als eine„peinliche Störung" durch„g o t t- 1 lose Element c", die dem Verstorbenen ins Grab nachgerufen hätten:„Auf Nimmerwiedersehen!" Zur Erwiderung stellten wir fest, wie bei dieser„Störung" der in der Elisabethgemeinde amtierende Pfarrer Köhler sich verhalten hatte. Wir ent- sprachen hiermit einem Wunsch der Kollegen des Verstorbenen und vor allem auch der Witwe, die im Hinblick auf jenen Auftritt es bedauerte, den Pfarrer Köhler zur Mitwirkung bei dem Begräb- nis ihres Gatten herangezogen zu haben. Nach ihrem Empfinden war nicht das eine„Störung", datz nach Schlutz der Begräbnisfeier einer der Kollegen am Grabe sagte:„Fahr wohl, lieber Freund, auf Nimmerwiedersehen!" Als„Störung" habe es gewirkt, datz der noch anwesende Pastor diese Worte als „Taktlosigkeit" und„Roheit" bezeichnete, eine Feststellung der Per- sonalicn des Kollegen forderte, erst auf wiederholte Bitten der Witwe sich zufrieden gab, aber mit der Bemerkung schloß:«Die riechen ja nach Schnaps!" Auf diese von uns wicdcrgegebene Darstellung antwortet uns jetzt Pfarrer Köhler mit einer Zuschrift, die sieben Punkte berichtigen will. Er schreibt: 1. Es ist nicht wahr, daß ich den Verstorbenen„gar nicht gekannt" hätte. Ich habe ihn in seiner Wohnung aufgesucht und anläßlich der Einsegnung seines Pflegcsohnes eingehend mit ihm über dessen Erziehung beraten. 2. Es ist also auch nicht wahr, datz ich bei der Fahrt zum Begräbnis auf nötige Zutaten der Frau Hoppe angewiesen gewesen bin. Ich kannte den Charakter des Verstorbenen, den ich schätzte und der mich schätzte, aus per- sönlichen Aufzeichnungen, die ich nach meinem Besuch mir» ge- macht hatte. 3. Es war der ausdrückliche Wunsch des Verstorbe- nen, datz ich ihn beerdigen sollte; von einem„Nachlaufen" kann also keine Rede sein. 4. Das Begräbnis war zwischen Frau Hoppe und mir auf 514 Uhr festgesetzt.- Von dem Wunsch der Kollegen, es um 5�1 beginnen zu lassen, war mir nichts bekannt. Ich habe ruhig gewartet, bis alle Sänger zur Stelle waren. Die anderen Genossen haben, soweit ich sehen konnte, die Friedhofs- kapelle gar nicht betreten. 5. Da die Sänger sich der Verpflich- tung, dem Geistlichen den Text der zu singenden Lieder zu unter- breiten, entzogen haben, konnte ich gar nicht wissen, wieviel Verse gesungen werden sollten. Gewöhnlich hat es bei einer Anfangs- strophe sein Bewenden. 6. Es ist nicht wahr, datz ich gesagt habe:„D i e riechen ja nach Schnaps." Eine diesbezügliche Be- merkung bezog sich lediglich auf den sprechenden Genossen und entsprach unbedingt den Tatsachen. 7. Frau Hoppe konnte mir gar keine Danksagung im„Vorwärts" bieten, da der„Vorwärts" laut Beschlutz Annoncen, in denen dem Pastor gedankt wird, gar nicht aufnimmt." Wir waren nicht wenig überrascht, als wir daS lasen. Wurde nicht hier der Verstorbene in das Licht eines treuen An- Hängers der Kirche gerückt? Und in welcher Beleuchtung erschien jetzt seine Witwe, die doch nach jener Friedhofsszene sich über Pfarrer Köhler zu Kollegen ihres verstorbenen Gatten und später zu einem Vertreter des„Vorwärts" in bittersten Worten ge- äuhert hatte! Als wir, um die Angaben des Pastorenbriefes zu prüfen, nochmals die Witwe und' einige der Kollegen aufi'uchten, wurde uns zunächst übereinstimmend erklärt, datz der Pastor in dem„Vorwärts"- Artikel noch viel zu milde behandelt worden sei. Wie dann die Vorlesung des Briefes wirkte, das zu sehen und zu hören, hätten wir dem Herrn Pastor gegönnt. Die Kollegen brachen nach der ersten Verblüffung in Gelächter aus, als ihnen das von dem Pfarrer Köhler entworfene Konterfei ihres alten Arbeits- gefährten Hoppe vorgehalten wurde. Die Witwe aber schlug buchstäblich die Hände über dem Kopf zusammen und wies ent- rüstet das angebliche„Charakterbild" ihres nach 30jähriger Ehe verstorbenen Gatten zurück, daS der Herr Pfarrer aus allerlei Mißverständnissen sich zurechtge? macht hatte. Pfarrer Köhler wird uns hoffentlich dankbar sein, wenn wir nach den uns gegebenen Aufklärungen seine„Berichtigung" be- richtigen. Er kann manches daraus lernen. Datz er Hoppe„kannte", will er beweisen aus einem Besuch, den er bei Hoppe aus Anlaß der Einsegnung des Pflegesohncs gemacht habe. Solche Besuche der Pastoren sind bei Einsegnungen wohl allgemein üblich, und auch Pfarrer Köhler hat damals, vor jetzt etwa vier Jahren, tatsächlich die Familie Hoppe besucht. Daß er aber mit Hoppe„über die Erziehung des Pflegesohnes eingehend beraten"' zu haben meint, rief bei Frau Hoppe und dem Pflegesohn, der ebenso, wie sie, bei jener Visite des Pastors zugegen gewesen war, heiteres Staunen hervor. Pfarrer Köhler, der anscheinend mit Lchrstellennachweisung sich befaßt und frommen Handwerksmeistern seine Konfirmanden zuzuweisen bemüht ist, hatte damals für Hoppes Pflegesohn eine Lehrstelle bei einem Schneidermeister an- geboten, holte sich aber eine Ablehnung. Seitdem„kannte" er den Charakter Hoppes, und in Notizen über jenen Besuch buchte er sich den achtungsvollen Empfang, den der stets freundliche und Höf- lichc Mann ihm bereiten zu sollen geglaubt hatte, als einen Beweis unbegrenzter Hochschätzung. Man sieht, wie leicht so ein wohl nicht durch viel Erfolge verwöhnter Pastor zufrieden zu stellen ist. Als es dann bei Hoppe zum Sterben kam und der Pastor von der Witwe um die Grabrede gebeten wurde, war dieser nicht auf „Zutaten" angewiesen. Freilich halten Frau Hoppe und ihr Pflegesohn, die beide mit dem Pastor zum Friedhof fuhren, die Angaben aufrecht, datz er sich unterwegs durch Mitteilungen der Witwe noch Zutaten habe liefern lassen. Aufrecht erhalten wird auch, datz er dann in seiner Grabrede eine dieser Zutaten unrichtig wiedergab, worüber nicht nur Angehörige, sondern auch Kollegen des Verstorbenen sich wunderten. Das hat übrigen? der Pastor in seiner Berichtigung ganz mit Stillschweigen ubergangen. Er ist offenbar in Verlegenheit, was er antworten soll, weil er selber nicht weiß, was er falsch gemacht hat. Von der Witwe nahm der Pastor auch eine Mitteilung entgegen, aus der er auf einen „Wunsch" Hoppe? schließt, von ihm beerdigt zu werden. Hoppe, der stets der Kirche ferngeblieben war, hatte bei der Tin- segnung des Pflegesohnes eine Ausnahme gemacht. Rachher sagte er zu seiner Gattin, dieser Pastor habe gar nicht so überschwängttch geredet, wie es sonst ein Pastor tue. Statt des Wortes„über- schwänglich" gebrauchte er einen sehr viel weniger respektvollen Ausdruck, aber wir wollen den lieber nicht hersetzen. Predigten gehören zu den„kirchlichen Einrichtungen", und wenn auch der Verstorbene nicht mehr wegen„Beschimpfung" einer solchen belangt werden kann, so könnte sie vielleicht noch an dem„Vorwärts" ge- ahndet werden. Damals sagte Frau Hoppe zu ihrem Gatten: „Nicht wahr, wenn mal bei uns was passiert, dann nehmen wir Pastor Köhler?" worauf Hoppe mit„Na ja!" antwortete. DaS teilte sie vor dem Begräbnis dem Pastor mit, wobei sie unter dem Eindruck der Stimmung des Augenblicks und in Rücksicht auf das Amt des Pastors unwillkürlich in die Wiedergabe jenes Gespräches mehr Ernst und Religiosität hineingelegt zu haben scheint, als die Unfrommheit des Verstorbenen eS rechtfertigte. Dem Pastor ge- nügte es, bei dem Verstorbenen einen„Wunsch" anzunehmen, daß er, Pfarrer Köhler, ihn mal beerdigen sollte. Von dem, was der Pastor über sein Verhalten am Grabe sagt, sind Punkt 4 und 5 nebensächlich. Feststellen wollen wir nur, datz. auch hier die Witwe und die Kollegen ihre Angaben wiederholt und noch weitere Angaben über den Zeitmangel deS PafwrS hm- zugefügt haben. Wichtig ist, datz er nicht bestreitet, jenes Wort tzom „Nimmerwiedersehen" als Taktlosigkeit und Roheit be- zeichnet zu haben.„Die riechen ja nach SchnapS!" habe er nicht gesagt, versichert er. Man beachte, datz er das Wort„die" unterstrichen hat. Nur von jenem einen Kallegen habe er es ge- sagt, muß man daraus schließen. DaS genügt! Dabei hat er den Mut, zu behaupten, daß es„unbedingt den Tatsachen entsprach". Nicht minder kühn ist, datz er sogar die Gründe„berichtigen" will, aus denen die Witwe in ihrer durch den„Vorwärts" veröffent- lichten Danksagungsannonce nicht auch dem Pastor ge- dankt hat. Er meint, sich mit der Erzählung helfen zu können, daß der„Vorwärts" so etwas gar nicht aufgenommen hätte. Dem- gegenüber erklärt die Witwe, sie habe dem Pastor den Dank ber- sagt, weil sie die Empfindung hatte, daß die Kollegen ihres Gatten sich durch des Pastors Verhalten am Grabe be- l e i d i g t fühlen mußten. Pfarrer Köhler ist nach Veröffentlichung des„Vor- wärts"-Artikels noch am selben Tage in sichtlicher Aufgeregtheit z u Frau Hoppe gelaufen. Da ihm niemand öffnete, so ließ er sie durch eine.Hausbewohnerin bitten, ihn zu besuchen. Was mag er von der Witwe gewollt haben? Sie hat kein Verlangen nach einer Unterredung mit ihm— und er wartet noch heute auf sie._ Die„Nebenverdienst-Zentrale". In den Tagesblättern sind häufig Inserate zu finden, in denen„hoher, lohnender Nebenverdienst" versprochen wird. Meist scheuen sich die Inserenten, ihren tvahren Namen zu nennen und geben eine Chiffre an. Wer auf diese Inserate eingeht, wird immer die Erfahrung machen, daß nicht er, sondern der Inserierende den lohnenden Nebenverdienst einsteckt. Auf Grund einer solchen, hohen Nebenverdienst ankündigenden Annonce in der„Morgenpost" wendeten sich Leser an den Auftrag- xeber. Sie erhielten darauf folgendes Zirkular: Wilhelm Welskop Berlin-Steglitz, Albrechtstr. 122. „Nebenverdienst-Zentrale". ' Berlin-Steglitz, den 11. Juni 1912. Sehr geehrte Frau! Im Besitze Ihrer gefälligen Anfrage betreffs Nebenbeschäfti- gung bietet sich Ihnen ' Ein neuer Weg, sich einen dauernden, hochlohnenden Nebenverdienst oder eine neue �k'stenz zu verschaffen. 25 M. täglich und mehr können Sie verdienen, wenn Sie nach meinen Ratschlägen handeln. Wollen Sie sich eine glänzende Zukunft verschaffen, wollen Sie ohne Aufgabe Ihres Berufes täglich 25 M. und mehr im Nebenberuf verdienen, so setze» Sie mir noch heute davon in Kenntnis. ES handelt sich hier um nur häusliche schriftliche Tätigkeit, welche Sie in Ihren freien Stunden des Abends oder auch am Tage ausführen können. Es kommt hier keine Schönschrift in Frage, so das diese schriftliche Arbeit von jedermann ausgeführt werden kann. Auch sind keine besonderen Vorkenntnisse dazu erforderlich. Die genaue Anleitung sowie das Anfangsmaterial erhalten Sie von mir geliefert und können Sic dann sofort mit der Arbeit beginnen. Es handelt sich hier um den Versand einer Liste über Reben- verdienst, welche Sie an von mir gelieferte Adressen von solchen Personen, die Nebenverdienst suchen, senden sollen. In der Liste, stehen solche Firmen, welche Nebenbeschäftigung oder Existenz ver, geben. Was Sie also zu tun haben ist kinderleicht, Sie brauchen nur die Namen der von mir gelieferten Adressen auf Kuverts zu schreiben und an diese Adressen senden Sie nun per Drucksache die Prospekte welche ich Ihnen auch liefere und bieten den Leuten darin die Liste an. An de» darauf folgenden Tagen werden Sie nun eine ganze Menge Bestellungen auf Listen erhalten, sowie 59 Pf. für jede bestellte Liste, denn diese Liste liefere ich Jhiien das Stück mit I Pf. und Sie erhalten dafür 59 Pf. Wenn Sie nun täglich blas llX) Prospekte versenden, was Sie mit Leichtig- kcit machen können und erhalten nur eine Bestellung auf 59 Listen, so verdienen Sie 109 Adressen liefere ich Ihne» für.... 2,59 M. WO Prospekte liefere ich Ihnen für.... 1,99 M. >99 Kuverts liefer« ich Ihnen für.... 9,59 M. 199 Marken a 3 Pf. z. vers. der Prospekte. 3,99 M. Gesamtauslagcn 7,99 M. Für 59 Listen a 59 Pf. erhalten Sie.... 25 M. Gesamtauslagen........ 7 M. Bleibt somit Ihr Verdienst 13 M. bei diesem Geschäft ist der Hauptwert, je mehr Sie Pro spekte versenden, desto mehr verdienen Sie. Es liegt also nur an Ihnen um Geld zu verdienen. Adressen zum versenden der Pro« spekte können Sie in jeder beliebigen Menge von mir beziehen, ebenso Prospekte, Listen und Kuverts. Tie genaue Anleitung, . sowie daß Anfangsmaterial Prospekte und Listen erhalten Sie gegen Boreinsendung von 1,59 M., Nachnahme 1,75 M. von mir zugesand. Sie sehen also, das man sich täglich 25,99 M. und mehr durch Nebenverdienst verdienen kann. Ich sehe nun Ihrer Antwort entgegen und zeichne Hochachtungsvoll Wilh. Welskop. Das Zirkular ist auf hektographischem Wege hergestellt und wird allen Bewerbern zugesandt. Daß die Bewerber von dem In- halte sehr enttäuscht sind, ist begreiflich. Und nur derjenige dürfte auf daS Angebot hereinfallen, der über eine entsprechende Portio» Dummheit verfügt. Andere Leute werden unschwer erkennen, daß der Unternehmer es auf die Abnahme der nötigen Adressen und Prospekte abgesehen hat und sich hierdurch einen lohnenden Neben- verdienst zu verschaffen sucht. Eine Kindesaussebung im Wartezimmer eines ArzteS. Auf eine ganz neue Art und Weise entledigte sich vorgestern nachmittag eine Mutter ihreS KindeS. In einer Kinderklinik im Zentrum der Stadt, dio täglich von einer großen Anzahl Frauen mit ihren Kindern auf- gesucht wird, hörte eine Frau, die zuletzt allein im Wartezimmer anwesend war, aus einer Ecke das Wimmern eines kleinen Kindes. Sie sah daraufhin genauer nach und jetzt fand sie in einem dunklen Tuch und weißen Windeln eingewickelt, ein ungefähr 14 Tage altes Mädchen. Sie machte von ihrem Funde der Oberin Mitteilung, die das Kind an sich nahm und bis zum Abend bei sich behielt. Sie nahm an, daß die Mutter nur eine Besorgung mache und das Kind wieder abholen werde. Es meldete sich aber niemand. Die Oberin teilte den Vorfall der Revierpolizei mit, die daS ausgesetzte Kmd nach dem Waisenhause bringen ließ. Den Bock zum Gärtner bestellt hat nach der letzten Nummer der „Verbandszeitung der Blumengeschäftsinhaber" eine Berliner Kirchen- gemeinde in der Person ihres Friedhofsinspektors, der darüber zu wachen hat, daß das Publikum genau nach der am Eingang des Friedhofes angebrachten Vorschrift verfährt:„Die Blumen sind der Toten Eigentum I Bedenk' dies, Freund, und ehr' dies Heiligtum!" Diesem Friedhossinspektor ist nämlich durch die Wachsamkeit einiger Bürger nachgewiesen worden, daß er mit einem Händler gemeinsame Sache machte und zu nachtschlafener Zeit, oder wenn der Morgen eben graute, geheimnisvolle Fuhren weißen und blauen Flieders aus dem Friedhofe entließ. Dabei ist weißer Flieder gar nicht und blauer Flieder nur in wenigen Pflanzen in den Beständen der dem Inspektor unterstellten Gärtnerei, während an den gliederbüschen der Grab- stellen frische Schnittspuren zu sehen waren und auch sonstige Um stände erkennen ließen, daß im Schutze der Nacht geraubt worden ist. Das Konsistorium der Provinz Brandenburg hat bereits, wir wir hören, eine Untersuchung eingeleitet. Eine Berliner Hebamme zu 1>/z Jahren Zuchthaus verurteilt. Die in der Potsdamer Straße zu Berlin wohnhafte Hebamme Wilhelmine Beuster stand gestern unter der Beschuldigung der voll- endeten Abtreibung vor den Potsdamer Geschworenen. Frau B., bisher unbestraft, verschaffte dem 29 jährigen Hausmädchen Luise Falk in Berlin verbotene Mittel zur Beseitigung der Mutterschaft. Frau Beuster, die 1854 geboren und seit 1884 verheiratet ist, übt den Hebammenberuf seit 1889 aus. Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen. Frau B. wurde zu i'/o Jahren Zuchthaus verurteilt, die Mitangeklagte Falk erhielt 6 Monate Gefängnis. Zu den Fleischvergiftungen in Oier-Schöneweide erfahren wir, daß die Zahl der bis zum gestrigen Morgen Erkrankten 89 beträgt, die sich auf 7 Familien verteilen. Nachgewiesenermaßen haben alle Personen Schabefleisch, das aus dem Geschäfte des Schlächtermeisters GrSzemski aus der Westendstr. 15 in Ober-Schöneweide stammt, ge- »ossen. Die Vergiftungserscheinungen äußerten sich durchweg durch hesiiges Erbrechen und Durchfall. Sämtliche Patienten konnten bisher in ihren Wohnungen verbleiben. Die Ursache der Ver> gifiungen ist bisher noch nicht genau festgestellt worden. Der Ueber- rest des angeblich verdorbenen Schabefleisches ist dem königlichen Medizinalamt übergeben worden. Der Schlächtermeister Grszemski hat bei seiner Vernehmung vor der Ober-Schöneweider Kriminal- Polizei angegeben, daß auch er und seine Angehörigen von dem an- geblich verdorbenen Schabefleisch gegessen haben. Diese Behauptung ist auch von mehreren Personen bestätigt worden. Ein unaufgeklärter Bootsfund beschäftigt die Polizeibehörden. Gestern nachmittag wurde auf der Spree unterhalb Nieder-Schone- weide ein Boot herrenlos auf dem Wasser treibend gefunden. Nach- fragen ergaben, daß das Boor dem Bootsverleiher Karl Schulz aus der Sedanstraße 57 zu Nieder-Schöneweide gehört. Zu diesem kam vormittags gegen U Uhr ein junger, ungefähr l6 Jahre alter Mann und lieb sich ein Ruderboot. Als Pfand hinterließ er dem Verleiher seinen Rock und seinen Hut. In diesem Rock fand man nichts weiter als eine Visitenkarte auf den Namen eines Alfred Jahn aus Berlin. Die Ermittelungen ergaben, daß es sich um den 15 Jahre alten KaufmannSlehrling Alfred Iah» aus der Langestraße handelt, der in einem Geschäft in der Jägerstraße angestellt war. Hier war er gestern nicht erschienen. Einen Grund für sein Ausbleiben hatte er nicht. Auch zu Hause und in der von ihm besuchten Fort- bildungsschule ist nicht« vorgefallen, waS den jungen Menschen zu einem Selbstmord veranlaßt haben könnte. Mit einem solchen ist jedoch nach dem Befunde zu rechnen. Die Leiche Jahns hat man noch nicht gelandet. Der Arbclter-Schwiwmerbund bittet die Vereinsvorstände und Kommissionen, Bestellungen von Rettungswachen frühzeitig an den Gen. F. Mensche.!, Weißensee. Rölckeslr. 12, zu richten. Die Wünsche der Vereine können nur berücksichtigt werden, wenn dieselben mindestens 14 Tage vorher mitgeteilt werden, da die Anforderungen an die NettungSmanilschaften in den Sommermonaten besonders groß sind. Feuer in einer Koffcrsabrik. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr nach dem„Vikioriahof" in der Köpenicker Str. 128 gerufen, wo in der Kofferfabrik von Emil Trebesius u. Knappe Feuer ausgebrochen war. Der Brandherd lag in einem Fabrikraum im Dachgeschoß. Bei Ankunft der Wehr standen Koffer, Schaldecken und Balkenlage in Flammen, so daß längere Zeit mit einer Schlauch- leitung Wasser gegeben werden mußte, um die Gesabr zu beseitigen. Die Brandursache ist nicht ermittelt. Eine Betriebsstörung tritt nicht ein.— Zwei Ladenbrände mußten außerdem noch in der Zwingst- strahe 18 und in der Johanniterstr. 19 abgelöscht werden. Vermißt wird seit dem 25. Just borigen Jahre? der Schloffer Albrecht Ecke, der zuletzt Schreinerstr. 27 wohnie. Ecke ist am 7. Januar 1877 in Böhmisch-Leipa geboren und seit seinem Fortgang unauffindbar. Bekannte oder Kollegen, die näheres über Ecke wissen sollten, werden um Mitteilung von Angaben an Marie Ecke, Schreiner- ftraße 27, gebeten. Zeugengesuch. Personen, welche gesehen haben, wie am 3. d. M. in der Zeit von'/4 bis VjlO Uhr früh ein Zeitungshändler in der Leipziger Straße vorm Geschäft von Bitth Lachmann von einem Ge- schäftswagen überfahren wurde, werden höflichst gebeten, ihre Adresse an Franz Kork, 0. 117, Bödikerstr. 5, einzusenden. Vorort- ffadmcbtem Charlottenburg. Grober Unfug. Aus Charlottenburg wird uns geschrieben: Unter ganz eigenartigen Umständen wurde den Bewohnern von Westend ein Kunstgenuß durch einen Demonstrationsumzug der .Elisabether" in der Nacht vom 11. zum 12. d. M. verschafft. Der Umzug mit Regimentsmusik fand um 21l3 Uhr nachts statt. Ohne Rücksicht auf die Patienten deS in der"Nähe des Offizierkasinos gelegenen Krankenhauses Westend und die schlafenden Anwohner der Gegend ging es mit Sang und Klang, die Pausen durch lautes „Singen" ausfüllend, durch die Soorstraße nach dem„Villenviertel" und wieder zurück nach dem Kasino, also wieder zum Krankenhaus, in der Annahme jedenfalls, daß die Begeisterung infolge des Ge- nusseS der durch häufiges„Danebenhauen" des Paukenschlägers ge- würzten patriotischen Musik die Kranken heilen würde. Der Exzeß dauerte zirka eine halbe Stunde. Wo blieben da die Schutzleute? Dabei war der Radau gar nicht zu überhören? Und wer waren die Leute, die an dem genannten Abend vom Kasino au» den Um- zug veranlaßten? Neukölln. Aufsehen erregt der Tod de? Hauseigentümers Hermann Adomat aus der Mainzer Str. 59/89. Adomat, der nur 48 Jahre alt ge- worden ist, war früher Klempnermeister und wurde von den Bürger- lichen oft als Stadtverordnelenkandidat ausgestellt. Wie es heißt. soll Adomat an den Folgen einer Mißhandlung gestorben sein. Am zweiten Pfingstfeiertage sei er angetrunken nach Hause gekommen und habe im Hause Streit bekommen. Als er seine Wohnung auf- suchte, habe er nur noch gesagt:„Meine Rippen sind gebrochen". Aalsdann sei er in Ohnmackt gefallen. Er wurde in eine Privat- klinik gebracht, wo er vorgestern an einer Bauchfellentzündung, die nach Ansicht des Arztes auf Mißhandlung zurückzuführen ist, verstarb. Die Mißhandlung soll von einem Mieter seines HauseS herrühren, gegen den deshalb eine Untersuchung eingeleitet worden ist. Dieser wird beschuldigt, mit seinem Hausdiener über Adomat hergefallen zu sein, als dieser Gegenstände auS dem Hausflur schaffte, denen Ausstellen er schon wiederholt dem Meter verboten hatte. Die Untersuchung gegen den Mieter und seinen Hausdiener ist noch nicht abgeschloffen. Beide bestreiten den Ueberfall. Wilmersdorf-Halensee. Der Gesangverein WilwcrSdorfcr Männrrchor sM. d. A.- S.i, feiert am heutigen Sonnabend im Restaurani Stadtpark, Kaiser- allee 51/52, sein Stiftungsfest. Da der Verein bei allen Arbeiter- festen bisher freudig mitgewirkt hat, wirb erwartet, daß die Partei- genossinnen und Genossen zahlreich zu dem auf das beste arrangierten. abends 8 Uhr beginnenden Stiftungsfest erscheinen. Groß-LichterfeN»«. Am Sonntag, den 18. Juni, feiert der hiesige Gesangverein .Männerchor" sM. d. D. A.-S.-B.) im Etablissement Fr. Wahrendorf. Bäkestr. 7, sein HL Stiftungsfest, bestehend ou» Konzert, Gesang und Theater. Da der Gesangverein bei den Veranstaltungen des Sozialdemokratischen WahlvereinS bisher mitwirkte, werden die Genossen um recht rege Beteiligung ersucht. Anfang 2 Uhr. Eintritts- preis LS Pf. Grünau. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in der letzten Sitzung mit einer Reihe kleinerer Anträge. Der Vertrag mit den B. E. W.. die die Straßenbeleuchtung übernommen hat, wurde verlängert. Die Kurfürstenstiaße soll in voller Breite mit Kleinsteinpflaster auf Betonunterbett»«g versehen werden. Eine längere Auseinander- setzung verursachte der von einigen Vertretern eingebrachte Antrag. die Instandhaltung der Parkwege, die jetzt vom Verschönerung?- verein besorgt wird, durch die Gemeinde zu übernehmen. Trotzdem ein formeller Antrag des BerschönerungSverein« nicht vorlag, kam ein Beschluß zustande, der eine jährliche Beisteuer von 899 Mark festsetzte, eventuell soll die Instandhaltung der Hauptwege vom 1. April ab durch die Gemeinde übernommen werden. Einige bürgerliche Vertreter habe» die Ab- ficht, die Geschäftsordnung nach ihrem Sinne umzumodeln. In nächster Sitzung soll ein Antrag beraten werden, der das Intel- pellationsrechl beschneiden soll. Unser Genosse wird diesem Antrag V.n Sonnabend, den.5, bis j,, M,, WeijUIM MZeiUMlM VHMügM III Sonnabend, den 22. Juni a. er. Einige ßoispielo ans unserer Serien- Woche 1 Posten Kostüm- u. Rock- etnHo in vvel" Qenr«, bi» QR pf SlOlie ,#) rm hreit Meter 33 � 1 Posten Stickerei- Stoffe grotu Muster- Auswahl Qfj p, ca, 500 m Seidenstoff-Reste mit tiDd ohne Bordüren QR pf _ jetat Meter Kostüm-Rock��rÄSS 1 Russenkittel 95 w 1 Wasch-Bluse 95" 1 Wasch-Unterrockg'rd�e 95 pt 1 Matinee 95«• 1 Robespterekragen ans Batist mit Tüll und QR p« _ Soitze_ � Grosse Posten KostUmstoffe io oogliachem Genre, UO bi» 1 QR 130 am breit.. jetM Mater 1.»»! 1 Posten halbfertige Blusen weiss und farbig, in Leiosn, 1 QR Zsphir. 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I Querboh. 6.33 1 Blusenschurze eatin,-> qr marine, weiß a»» I Knaben-Pyjack aS�- 3 95 •tlckarai, für 3—9 Jahre.• J 5,3 1 Knaben-Matrosen-Anzug Wala Satin mit Dobart-mgoo, Q QR tür 8—9 Jahre,•••,*.-' IKnaben-Loden-Pelenne« qr wettarfaat. ra. a-12 jabra...«.S« 1 Kombination stiskarat- _ 3.95 Beachten Sie bitte nnsere Schanfenster-Apslagen. Auf unsere Lichthof- Ausstellung lKnab.-Wasch-Anz.Ä.. qi. »toftm-garpMaU-Krag. f. 3-9 J. 0■ 5>« mochen wir ganx besonders «ufmerbaam.- J entschiede» entgegentreten. Der langerwartete Bericht deZ Schul- arztes wurde nun endlich den Vertretern zugestellt. Derselbe gibt im allgemeinen ein günstiges Bild. Nichtsdestoweniger wird betont, daß häufig vorkommende Nervosität und Blutarmut, in einzelnen Fällen verursacht durch Unterernährung, festgestellt werden mußten. In mehrfachen Fällen wurden ererbte Syphilis und Rückgrats- Verkrümmungen festgestellt. Auch Zahnerkrankungcn waren recht häufig. Es muß Aufgabe der Vertretung sein, an der Hand dieses Materials alles daran zu setzen, um das begonnene Werk zum Nutzen der heranwachsenden Jugend auszubauen. Motze«(4 1,20 1,65 1,15 0,85 0,65 0,65 0,95 0,95 1,05 1,35 1,35 1,20 Bei Abnahme von 5 Psd. Wurst- waren 5 Ps. I ennäßigung. pro Psund Preis- netto odoe Ratiatt. ohne Rabatt. Seik, Neukölln. Qemn-6ommsr-9ileidmg Wasch-Joppen erün,lc,ier BnumwoIl8,oa»«»»*<>» 1.25 m.»n Schilfleinen-Joppen elett und Faltenform, s, von 9.50 M. an Lüster- Jacketts.Obwar* und kein gemustert, f Ton 3.00 U. an Lüster-Jacketts blau. ,1- uns n-reihig.,,,,.00 7.50 M. an Imitierte Bast-Anzüge cremekartea.,,,, Ton 12.50 M. an Imitierte Bast-Jacketts cremefarben-.,. roa 5.50 M. aa Leinen- u. Flanelltiosen veiss und gestreikt» voll 2.50 5t. an Waschwesten ncue-ie blaster TO» 1.85 M, an Hr dfe Reise: Loden-Sport-Anzüge, Loden- Pelerinen, Bozener Mäntel. Echt engl.- Gummi• Mäntel M. M August Schega vorm. A. Wormann G. m. b. 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Blumenvase 1 KartoffelSChÜSSel mit Deckel 1 Kehrschaufel- 1 Küchenlampe 1 Toilettenhalter 2 Rollen Klosettpapier 1 Likör-Service... 3 Eß- und 3 Kaffeelöffel, zusammen 1 Paar Bestecke, Messer und Gabel 3 Küchenmesser, Solinger Stahl. 3 Erühstückshretter(Holz), Schweinchen oder Blätter 2 Vorratstonnen, Deift-Muster..... I Garderobenleiste.......... 25 1 Wichsbürste............ 25 I Kleiderbürste............ 25 I Schrubber............. 25 I Brennscheere............. 25 1 Frisierapparat............ 25 I Spirituskocher............ 25 1 Sturzkaraffe, bunt mit Glas...... 25 1 Goldfischglas groß.......... 25 4 Kompottschalen, Glas......... 25 1 Butterdose, Glas, Steinchenmuster.... 25 1 Käseglocke............. 25 3 Gaszylinder............. 25 3 extra starke Bierbecher,«/, Liter... 25 1 Emaille-Kaffeebecher mit BUd..... 25 I großer Blech-Durchschlag...... 25 6 Kleiderbügel............. 25 10 Meter Küchenspitze, bunt...... 25 95 25 25 1 Kaffeekanne, echt Porzellan mit Goldrand 1 Satz(4 Stück) Kompottschüsseln, Glas, neue Stoinchenmuster..... 1 Likörservice, Flasche m. SGIäsem u. Tablett 6 Weingläser mit Tablett........ 2 Wandteller, Terrakotta........ 1 Brot- od. Küchenkorb, fein dekor., echt Porz. 1 Kinder-Eßservice, steilig, bunt..... 1 Scherz-Tasse, extra groß, Porzellan... 3 Paar Porzellan-Tassen m. koh. Bd... 1 Gießkanne.............. 1 Emaille-Wanne, ca. 35 cm....... 6 Küchenbüchsen, Helft, Kaffee, Zucker, Zichorie etc...... 2 Blumentöpfe, extra groß....... 2 Paar Solinger Bestecks mit stahigahei. I gr. Alluminium-Schmortopf...... 1 Marktnetz, extra.gr., mit Bügel u. Holzgriff 1 Wachstuch-Tasche, groß....... 1 Petroleumkanne, 3 Liter, Deift..... 95 1 Picknickkoffer mit Blecheinlage..... 95 1 Roßhaarbesen............ 95 1 eleganter Rucksack.......... 95 1 Feldstuhl mit Lehne.......... 95 1 eleganter Spazierstock........ 95 1 dekorierte Küchenlampe....... 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 I Brotbüchse, nenblan oder Delft..... 95 1 Kaffeemühle und 1 Kaffeelot..... 95 1 Reibemaschine............ 95 12 Kaffeelöffel) T M, ,�05 12 Eßlöffel) Martinstahl, gemustert VO I Emaille-Eimer, I Scheuerbürste 1 I Scheuertuch, 1 Schrubber. 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