N». las. Bbonnemcnts-Bedlnguna«: «bonnements> Preis vränmnerando: «ierleljährl. 330 OTf, monatl. 1,10 Mli, wöchentlich 28 Psg. frei ins Hau». Einzelne Nununer 5 Pfg. Sonntag»- nunmier mit illuiiriericr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfa. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Poftadonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Lureinburg, Portugal. nänicn. Schweden und die Schweiz. 39- Jahrg. Die Tnlertions-Gebüftr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg., für Wort 20 Psg. izulässig 2 sctigedrulkte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etellenaesuche und Schlafstellenan. zeigen Las erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- 'laben zählen für zwei Worte. Jnscraie "r die nächste Nummer müssen bis vlchelot täglich aoSer montags. Nerlinev VoMsblettt. Zcntralorgan äer fozialdcmoferatifd�en Parte? Deutfchlands. Telegramm- Adresse: „SKiaWmollkal RcrliB". Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Zum Gcnoncnldjaftstag. Morgen abend tritt in den Konkordiafestsälen der neunte ordentliche Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zusammen. Welch Aufschwung des Genossenschaftswesens seit der Gründung des Verbandes der deutschen Konsumvereine bis heute! Im Jahre 1903 zählte er 375 540 Mitglieder, 1911 1 324 722, der Gesamtumsatz stieg von 1761H Millionen im Jahre 1903 auf über 506 Millionen Mark im Jahre 1911. In eigener Produktion wurden im Jahre 1903 für 14� Millionen Mark Waren hergestellt, im Jahre 1911 für über 801/4 Millionen Mark. Daneben sind von den Konsumvereinen eine Reihe sozialpolitischer Aufgaben seit Jahren in Angriff genommen, an deren Verwirklichung im Jahre 1903 über Haupt nur sehr schüchtern gedacht werden konnte. Nicht ohne innere Kämpfe konnte die gewaltige Vorwärts� bewegung sich entwickeln. Uebertreibungen es gutmeinender Nur-Gewcrkschaftler, die da glauben machen wollten, die Kon fumgenossenschaftsbewegung könne die bürgerliche Gesell schaftsordnung ummodeln, den Klassenkampf beseitigen, führten naturgemäß auf der anderen Seite vielfach zu Unter- schätzungen der großen wirtschaftlichen und kulturellen Vor- teile, die eine in sozialistischem Sinne geleitete Genossenschafts bewegung den einzelnen Arbeitern und der Arbeiterklasse zu bringen vermag. Von dem Augenblick an, wo die Gedanken über die Möglichkeit des Erfolges der Genossenschaften aus dem Hiinmel phantastischer Illusionen auf den Boden der harten Wirklichkeit gestellt wurden, wuchs die Genossenschafts- bewegung kräftig. Das hat sich in einigen Orten früher, in anderen später gezeigt. Ein Schulbeispiel hierfür bietet die Entwicklung des Genossenschaftswesens in Berlin. Im Jahre 1902/03 wiesen die Berliner Konsumvereine 4487 Mitglieder mit 833 000 Mark Umsatz auf..Im 1. Juli 1908 erfolgte die Aufhebung der Zersplitterung in Berlin, von da an suchte Berlin den Orten mit älteren Konfumvereinsbewegungen nach- zueilen. Innerhalb eines Jahres, bis zum 30. Juni 1909 stieg die Mitgliederzahl von 10 221 auf fast das Doppelte, nämlich auf 19172. Heute gehören dem Berliner Konsumverein rund 54 000 Mitglieder bei einem Umsatz von über 10 Millionen Mark an.>.. Klar und unzweideutig hat der internationale Kongreß zu Kopenhagen und der Parteitag zu Magdeburg im Jahre 1910 sich über das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den Konsumvereinen ausgesprochen. Die in Magdeburg ange- uommene Resolution lautete: „Die Konsumvereine sind Organisationen zur Erzielung wirtschaftlicher Vorteile, indem sie durch direkte Uebermittclung der wichtigsten Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs an die Konsumenten deren Kaufkraft erhöhen. Die allgemeine Verteuerung der Lebensmittel und der not- wendigsten Gebrauchsgegenstände, die vor allem eine Folge der agrarischen Zoll- und Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches ist, hat die breiten Volksmassen in steigendem Maße auf die Nützlichkeit des Zusamcnschlusses in Konsumentengenossenschaften hingewiesen.. Je mehr die Massen den Konsumvereinen beitreten und dort ihre Bedürfnisse decken. desto mehr steigert sich die Leistungsfähigkeit dieser Organisationen auf wirtschaftlichem Gebiete. Je mehr die Mitglieder der Konsumvereine mit den Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei und der freien Ge- werkschaften identisch werden und von deren Geist erfüllt sind, desto besser können sie wertvolle soziale Arbeit leisten durch Schaffung vorbildlicher, mit den Gewerksckaften verein- barter Lohn- und Arbeitsverhältnisse für ihre Angestellten. Durch Einrichtung von Not- und Hilfsfonds für ihre Mitglieder, durch Einwirkung auf die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter jener Be- ' triebe, deren Abnehmer die Genossenschaften sind, durch Ueber- gang zur Eigenproduktion und durch Erziehung der Arbeiter zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheiten können die Konsum- genossenschaften ein wirksames Mittel zur Unter- ftützung im Klassenkampfe fein. Die Konsumvereine erledigen ihre Aufgaben selbständig und unabhängig. Mit ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeu- tung und der Verschärfung der Klassengegensätze wächst ihre Gegnerschaft in bürgerlichen Kreisen; durch ausnahmegesctzliche Bestimmungen und schikanöse Verwaltungsmaßnahmen suchen die Behörden und bürgerlichen Parteien ihre Entwickelung zu hemmen.' Die gleichen Kreise haben ehedem die Gründung von Konsum- vereinen als eines der vornehmsten Mittel für die Lösung der sozialen Frage empfohlen. Die sozialdemokratische Partei vertritt die Interessen der Konsumgenossenschaften in der Presse und in den parlamenta- rifchen Körperschaften wider die Angriffe ihrer Gegner. Dieses Eintreten für die Konsumvereine entspricht den Klasseninteressen des Proletariats, d.nn die genossenschaftliche Tätig- keitisteinewirksameErgänzungdespolitischcn und gewerkschaftlichen Kampfes für die Hebung der Lage der Arbeiterklasse. Ter Parteitag fordert die Genossinnen und Genossen drin- gend auf, in diesem Sinne zu wirken und die im Geiste der modernen Arbeiterbewegung geleiteten Konsumvereine zu unter- stützen." Die großen Erfolge der Konsumgenossenschaftsbewegung dürfen nicht zur Rast verleiten. Die Hauptträger der Konsum- genossenschaften sind die Arbeiter. Viele gewerkschaftlich und politisch organisierte Arbeiter stehen leider noch abseits Und doch sollte ein jeder Klassenkämpfer bemüht sein, die Ge nossenschaftsbewegung zu unterstützen. Sie ist auf demo kratischer Grundlage aufgebaut; je mehr der einzelne bestrebt ist, sie mit sozialistischem Geiste zu erfüllen, desto besser können die Konsumvereine als Waffen im proletarischen Emanzi patipnskaurpf Anwendung finden. Das größte Interesse an der diesmaligen Tagung bietet der Tagesordnungspunkt 6„Die Err ich tung einer ge wer kschaftlich- genossenschaftlichen Volks Versicherung s- Aktiengesellschaft Volksfür sorg e." Der großzügige Plan einer Volksversicherung gegen Unbilden des Lebens soll in Gemeinschaft mit den in der Gene- ralkommission zentralisierten freien Geioerkschaften ausgeführt werden. Tie Durchführung dieses Planes bedeutet ein gewaltiges sozialpolitisches Werk für Millionen von Arbeitern. Ein Glückauf dem Genossenschaftstag zu seinen Arbeiten. Mögen diese in freundnachbarlichem Verhältnis zu der gewerkschaftlichen und der politischen Or ganisation der Arbeiterklasse sich vollziehen und einem Vor wärts in dem großen Emanzipationskampfe zur Befreiung aus wirtschaftlichem Elend und politischer Knechtschaft dienen. Die flusltcllung der deutlchen Kontoni vereine im„Clou". Als Auftakt zu dem morgen beginnenden Genossenschaftstag fand gestern Sonnabend mittags die Eröffnung einer Ausstellung der Konsumvereine statt, die bis Ende des Monats zugänglich bleiben wird. Ausstellungslokal ist der.Clou" in der Mauerstraße. Die Eröffnungsfeier war schlicht und würdig. Der eine der Geschäftsführer der Großeinkaufsgesellschaft, Genosse Lorenz- Hamburg, leitete sie mit einer kurzen Ansprache ein. in der er einen ganz knapp gehaltenen Ueberblick über die Leistungen der deutscheu ArbeiterkonsumgenvfsenschaftSbewegung gab. Dann er- klärte er die Ausstellung für eröffnet. : Man darf sich nun diese Ausstellung der Konsumvereine nicht wie eine der üblichen, vom Privatkapital veranstalteten Ausstellungen vorstellen/ Sie unterscheidet sich von allen dieser Art ebenso sehr. wie sich konsumgenossenschastliche von privatkapitalistischen Unter nehmungen unterscheiden. Letztere sind aufgebaut auf dem Kapital, das man in sie steckte, diese auf der Kundschaft der Mitglieder, die man sammelte, ehe man den Verein und das Geschäft überhaupt er- öffnete. Dort werden Käufer erst nach Inbetriebsetzung des Unter- nehmenS mit dem Mittel oft kostspieliger und großzügiger Reklame zu gewinnen versucht; hier sind die Känfer, also ein festes Absatz gebiet, bereits in den gesammelten Mitgliedern vorhanden, und erst im Laufe deS Geschäftsbetriebes sammelt sich aus den Ueberschüssen und Reingewinnen der Grundstock eines Kapitals an, der dann der Ausgangspunkt von Geschäftserweilerungen großen und größten StilS wird. Dementsprechend gehen auch alle privatkapitalistischen Aus- stellungen, große wie kleinere, darauf aus, Käufer und Kunden zu Winnen. Nichts anderes als dies ist die Absicht derer, die sich als Aussteller an diesen Ausstellungen beteiligen. Und um solche Kunden und Käufer, direkte oder indirekte, noch zahlreicher heranzuziehen, werden mit dem eigentlichen ernsten AusstellungSteil VergnügungS- Veranstaltungen verbunden, die oft gar zur Hauptsache werden und den anderen Zweck überwuchern. In der konsumgenosienschaftlichen Ausstellung ist von alledem keine Rede. Weder von irgendwelchen Vergnügungsgelegenheiten— man müßte denn die bescheidene indisch oder persisch frisierte Tee- stube, die in einer Ecke etabliert ist, als eine solche ansehen—, noch von Absichten. Geschäfte zu machen, ist irgend etwas zu spüren. Vielleicht sind in letzterer Beziehung nur zwei Stellen davon ein wenig auszunehmen: Unter den 48 Ausstellern befinden sich auch zwei privatkapitalistische Firmen, die Backöfen und Bäckereimaschinen aus- stellen, Dinge also, die besonders nötig und zahlreich gebrauchte Bedarfsartikel der Konsumvereine bilden, und die von diesen schlechterdings noch nicht selbst hergestellt werden können: hier macht sich der privatkapitalistische Einschlag sofort bemerkbar. Die Angestellten find, wie man das auch von den sonstigen Ausstellungen her kennt, eiftig, und in diesen zwei Fällen auch mit Recht, bemüht, den Besuchern ihre Maschinen vorzuführen, zu erklären, anzupreisen. Sonst aber ist alles, was ausgestellt wird, ohne Rücksicht aus Abnehmer hingestellt. Denn die Abnehmer sind eben in den IV» Millionen Genossenschaftsmitgliedern fest vorhanden und ein nur winziger Prozentsatz von ihnen kann ja auch die Ausstellung selbst besichtigen. Was also hier geboten ist, ist geboten, um zu zeigen, auf welcher Höhe wirtschaftlicher Leistungs- fähigkeit unsere deutschen Arbciterkonsumvereinc sich heute befinden: den zahlreichen Gegnern, um ihnen womöglich mit ihren Angriffen den Mund mehr als bisher zu stopfen, den noch immer zahlreich zweifelnden Genossen aber, um ihnen endlich die letzten Zweifel an der Kraft des letzte» großen Zweiges am Baume der deutschen Ar- beiterbewegung zu nehmen und sie endlich zu neuen und tatkräftigen Freunden und Konsumgenossenschaftsmitgliedern zu machen. UnS scheint, daß namentlich die letztere Absicht durch die AuS- stellung vollauf erreicht werden wird. Sie zeigt, freilich nur in einer Auswahl des ungeheuren Materials, was im ganzen Reiche vorliegt und das hätte ausgestellt werden können, welchen ungeheuren Aufschwung die deutsche Konsumgenoffenschaftsbewegung in der letzten Zeit genommen hat. Was auf den Verhandlungen der nächsten Woche durch Mitteilungen aus dem Jahresbericht, durch die Statistiken, den imposanten Besuch der Delegierten und durch.den Inhalt der Verhandlungen selbst noch einmal in anderer und vielleicht noch nachdrücklicherer Weise zum Ausdruck kommen wird, das wird hier auf dieser Ausstellung durch drastisch in die Augen springende Bilder dokumentiert. Wie ungeheuer groß der Fortschritt dieser Bewegung sich gestaltet hat, wurde dem Schreiber dieser Zeilen an einer Er« innerung deutlich, die ihm bei der Besichtigung der AuS- stellung überkam. Vor ungefähr 10 Jahren fand einmal in Leipzig der jährliche Genossenschaftstag statt. Und im An- schluß an ihn auch eine, damals erste,„Warenaustellung". Aber während die diesjährige den ungeheuren Raum der ehemals größten Berliner Markthalle fast völlig, wenn auch sehr bequem und daneben sehr geschmackvoll und behaglich ausfüllt, fand jene in einem kleinen Nebensaale des damaligen Versammlungs- raumes statt. Und waS damals geboten wurde, waren fast aus- schließlich Produkte derjenigen privatkapitalistischen Firmen, die damals mit Vorliebe und unter guten Gewinnen mit den Konsum- vereinen Geschäfte machten; daneben erregten die ebenfalls aus- gestellten Eigenprodukte englischer Konsumvereinsfabriken berechtigtes und fast neidisches Aufsehen, und nur in einer Ecke befanden sich auch einige bescheidene Produkte einzelner weniger deutscher konsum- genossenschaftlicher, vor allem des Leipzig-Plagwitzer Betriebes. Wie anders heute! Heute sind, mit Ausnahme der zwei ge- nannten Bäckereiutensilienfirmen, alle privatkapitalistischen Unter- nehmnngen völlig ausgeschlossen; auch eine Ausstellung englischer oder anderer ausländischer Konsumvereine fehlt, und nur deutsche Konsum- vereine, neben ihnen die mit ihnen aufs engste verbundenen Produktiv- genossenschaften, sowie der Zentralverband deutscher Konsumvereine und dessen Hamburger Großeinkaufsgesellschaft sind die Aussteller. Dabei haben von den fast 1200 Konsumvereinen, die in Deutschland dem Zentralverbande angeschloffen sind, nur im ganzen 46, allerdings unter ihnen die größten, ausgestellt. Und was sie ausstellten, ist auch nicht die Totalität dessen, was sie in ihrer erstaunlichen Viel- seitigkeit leisten, sondern nur besonders hervorragende und charak- teristische Produkte und Produktionsstätten ihrer Organisation. Dennoch ergibt daS Ganze ein überaus anschauliche?, und wie man wohl hinzufügen darf, auch erschöpfendes Bild von der heutigen Leistungsfähigkett der deutschen Srbetterkonsumgenossenschasts- bewegung. Da' stellt— um nur einige Beffpiele zu nennen— die Groß- einkaufsgesellschaft in immer ncuaufsteigentten. teil? geradezü impo- nierenden Pyramiden die parfümduftenden Produkte ihrer Gröbaer Seifenfabrik aus. Daneben zeigt sie an einer Dreiheit von in Betrieb besindlichen Maschinen, wie � auS Rohseife die Toiletten- seife entsteht, für den Laien ein überraschend sauberer Prozeß. Zahl« reiche Photographien und ein wunderschönes Reliefmodell der ganzen mächtigen Fabrikanlage erzengen das lebendige Bild von Leben und Treiben in dieser Genossenschaftsfabrik auf das anschaulichste. Die Dütenfabrik der EEG hat daneben ihre Produkte ausgebreitet: alle ihre Tüten, die größten wie die kleinsten sind gefüllt, so daß man den vielseitigen Verwendungszweck aller dieser Dinge sofort über- sieht; dabei fällt besonders auf, daß die Tüten mit zahlreichen ge- nossenschaftlichen Aussprüchen und Schlagworten bedruckt sind— so werden sie zugleich ein Mittel zu unauffälliger genossenschaftlicher Erziehung der taufenden Mitglieder. An einer anderen Stelle sind die„GEg-Artikel" aufgebaut, wieder eine besonders charakteristische Sache. Nicht nur nämlich, daß Großeinkaufsgesellschaft und Zentral- verband selbst Fabrikbettiebe haben(augenblicklich eine Seifenfabrik, drei Zigarrcnfabriken, eine Riesenkaffeerösterei, eine Buchdruckerei, eine Papierwarenfabrik, ein Elektrizitätswerk, außerdem in der nächsten Zukunft noch mehrere Zigarrenfabriken, eine zweite Seifenfabrik, eine Zündholzfabrik, eine Mühlei und Teigwaren- fabrik; nicht nur ferner, daß beide in engster Geschäfts- Verbindung fmit Genoffenschafts- Schuhfabriken, Zuckerwaren- produktivvereinen, Genossenschaft zur Produktion von Laden- einrichtungen und Kontormöbeln. Kautabacksarbeiter» Genossen- schaft, Korbwarenproduktivgenossenschaft, Genossenschaftsweberei sowie Genossenschafts» Schneiderei stehen, deren fast alleinige Konsumenten sie bilden; die beiden haben auch bereits eine ganze Anzahl von privatkapitalistischen Bettieben mehr oder weniger völlig von sich abhängig gemacht. Und zwar so, daß diese ihnen nicht nur, wie manche andere Firmen, Waren liefern, sondern sie so liefern müssen, daß sie in Originalpackungen der Großeinkaufsgesellschaft aus den Martt kommen, ohne von einem Firmenzeichen des eigenen Betriebes mehr begleitet zu sein. Die Waren dieser Betriebe und vielfach diese Bettiebe selbst erscheinen also auch schon in der Oeffent- lichkeit völlig als Produkte und Glieder der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine. Während früher die Arbeiterkonsumenten völlig in den Händen der Unternehmer und Kaufleute waren, be« ginnt sich jetzt und hier eine umgekehrte Konstellation! anzubabnenn. Einen besonderen Ruhmestitel der deutschen Konsumvereine bedeuten auch die fast 400 Brotfabriken, die sie im Betrieb haben. Sie haben mit ihnen die Produktion von Brot, also von einem der wichtigsten Volksnahrungsmittel, geradezu und im guten Sinne revolutioniert. Denn in diesen ihren Brotfabriken wird Brot und Backware in der denkbar hygienischsten Weise her- gestellr, ohne daß die Ware in irgend einem Produktionsstadium mit menschlicher Hand in Berührung kommt! Um den ganzen Fort- schritt auf diesem Gebiete zu zeigen, ist in Naturgröße das Modell einer Kellerbäckerei ausgestellt, die noch bis vor kurzem im Betrieb war. Schon die Besichtigung dieser Gebäude lohnt den Besuch der ganzen Ausstellung. Man kann nur Brr l sagen, wenn man in diesen verwahrlosten Räumen steht, und lernt die Kulturleistungen der Konsumvereine gerade auf diesem Gebiete gründlich würdigen. Einen besonders gefälligen und nachhaltigen Eindruck macht schließ- lich die große Schar der Modelle von ganzen, großen Genossenschafts- betriebe wie Leipzig, Magdeburg, Braunschweig, Hamburg, Bremen, Stettin, Dortmund, Mainz— um auch hier nur einige mit Namen anzuführen. Ueberall findet sich in den Gebäuden der Ausdruck strenger Sachlichkeit und darum auch großer Gefälligkeit; hier und da find die Gebäude sogar selbst für ästhetisch verloöhnte Augen schon. Unter allen sticht aber das stattliche Modell der Lichteubcrger Anlagen der Berliner Konsumgenossenschaft besonders hervor. Was ist da in kürzester Frist Tüchtiges und Umfassendes geschaffen worden! Die Berliner haben in der Tat sich das Recht erarbeitet, daß endlich einmal der Genossenschaftstag auch bei ihnen einkehrte. Mag er und seine Ausstellung die ganze Bewegung ein neueS mächtiges Stück vorlvärts bringen. P. Göhrs. fünf fahre Staatsstreich. Am 16. Juni 1907 wurde auf Befehl des Aaren die zweite Duma aufgelöst, die sozialdemokratische Fraktion iuS Gefängnis ge- worfen und dem Volke ein neues Wahlgesetz aufgezwungen, das die Duma den Junkern und den Kapitalisten auslieferte. Von diesem Tage datiert das heutige r u s s i s ch e S t a a t s w e s e n; an diesem Tage nahm die Gegenrevolution'den Charakter einer ungezügelt blutigen Orgie an, die das ganze Reick in ihre Fesseln schlug. Der Staatsstreich, der vom Umsturzministerium Stolypin vollstreckt wurde, führt in seincn inneren Zusammenhängen zurück auf die revolutionären Ereignisse der Jahre 190S und 1906. DaS liberale Wahlgesetz vom[ll.ßi. Dezember 1905 war eine unmittelbare Frucht der vorhergehenden revolm tionären Kämpfe. Zwar waren die Kräfte der Revolution durch die Niederwerfung des Moskauer Aufstandes und das Wüten der Straf- expeditionen geschwächt, aber ihre Nachwirkung in der Mafien- bewegung der Arbeiter und der Bauern war 1906 noch so stark, daß die erste Duma, die im Mai zusammentrat, trotz der Vorherrschaft der liberalen Bourgeoisie in derselben, noch völlig unter ihren, Banne stand. Die Regierung löste im Juli die erste Duma auf. sie wagte aber nicht das Wahlgesetz zu ändern, sondern begnügte sich mit der Einführung der Feldgerichte und der Vornahme tief«inschneidender. reaktionärer Gesetzesmaßnahmen auf Grund des Notparagraphen 87 der Verfassung. Die zweite Duma, die zu drei Vierteln au? oppositionellen Parteien bestand und 55 Sozialdemokraten in ihren Reihen zählte, trat am 6. März 1907 zusammen und stand während ihrer dreimonatigen Existenz fortwährend unter dem Damoklesschwert der Auflösung. Das Kräfteverhältnis war für sie noch ungünstiger als für ihre Vorgängerin: die Massenbewegung flaute immer mehr ab, während die Bourgeoisie, durch die.Begehrlichkeit' der Arbeiter in ihren heiligsten Gefühlen verletzt, sich, dem Junkertum in die Arme warf und dessen politische Vorherrschaft anerkannte. Der Staats- streich der Regierung brachte nur die Tatsache zum Ausdruck, daß der Großgrundbesitz, das Kapital und die Bureaukratie sich zur gemeinsamen Abwehr der ihnen drohenden Gefahren vereinigt hatten, und der infame Gewaltstrcich gegen die sozialdemokratische Fraktion, die unter der fälschlichen Anklage des.Hochderrats' eingekerkert wurde, unterstrich noch die Absicht des konterrevolutionären Blocks, seine Schläge vor allem gegen die Arbeiterklasse zu richren. Das Wahlgesetz vom 16. Juni 1907 brachte diese Absicht in krafier Weise zum Ausdruck. Das ohnedies recht unzulängliche und arbeiterfeindliche erste Wahlgesetz von 1906 wurde in der Weise um- gestaltet, daß der Großgrundbesitz allein die absolute Mehr- heil und zusammen mit der Geistlichkeit und der Großbourgeoisie fast drei Viertel aller Mandate besaß, während die Vertretung de, Bauernschaft, die die auf sie gesetzten reaktionären Erwartungen nicht gerechtfertigt hatte, im Derein mit den Ärbeiterabgeordneten auf ein Drittel ihrer früheren Stärke herabgefetzt wurde. Äiach dem neuen Gesetz entfällt nach den Berechnungen von P. OrlowSki j�-ein Wshlmaun auf: 230 Personen in der Kurie der Großgrundbesitzer 1000.«» erste» städtischen Kurie(der Großbourgeoisie) 16 000.»» zweiten städtischen Kurie(der Kleiubourgeoisie) 60 000„», Bauernkurie 125 000,. Arbeiterkurie d. h. eiu Großgrundbesitzer besitzt dasselbe Wahlrecht wie 68 städtische Bürger oder 261 Bauern oder 644 Arbeiter! Hierzu kommt noch «in ganz raffiniertes System von zwei- und mehrstufigen Wahlen, das die Junker und die Pfaffen zu unbeschränkten Herren über das Wahlgeschäft macht. Krasser konnte das Bestreben nicht zum Ausdruck gelangen, den Großgrundbesitz und mit ihm die Groß« bourgeoiste zu den unbeschränkten Herren im Parlament zu machen und die Vertreter der arbeitenden Klassen zu einer bedeutungslosen Gruppe zu degradieren. Die Tätigkeit der auf diese Weise zusammengestoppelten.Volks- Vertretung" entsprach vollkommen den auf sie gesetzten Hoffnungen. Sie zeigte sich in allen Dingen als das gehorsame Werkzeug Stolypin», dessen Name untrennbar mit dieser Epoche verknüpft ist. Als Repräsentant des Junkertums trat dieser.russische Bismarck' brutal und rücksichtslos für die Jnterefien feines Standes in die Schranken; mit dem Instinkt des Barbaren witterte er das reale Kräfte- Verhältnis der Gesellschaftsklassen, die Schwäche und die Feigheit de» liberalen Bürgertums, den Eigentumsfanatismus der Dorf- bourgeoiste. den nationalen Chauvinismus des Kleinbürgertums. Während er die Meute seiner Polizeihalunkcn auf die sozialistischen Parteien losließ, die Gefängnisse mit Zehntausenden von politischen Gefangenen füllte und 4000 Galgen errichtete, zertrümmerte er mit eiserner Faust die Organisationen der Arbeiter und trieb mittels seiner raffiuierten Agrargesetzgebung, die die Landgemeinde ver- nichtcte und die Dorfbourgcoiste und den Adel bereicherte, einen tiefen Keil in die Bauernschaft hinein. Für die liberale Bourgeoisie hatte er nur noch Fußtritte übrig, doch auch diese genügte», um der schwachbrüstigen„Opposuion Sr. Majestät' das Lebenslicht aiiSzu- löschen. Endlich erkor er als das vereinigende.schöpferische' Prinzip seiner Politik den.nationalen Kurs', d. h. die Unter- drückung der Grenzmarken und der.Fremdstäinmigen", die Hetze gegen Finnland und Polen, die mit der Begünstigung deS großrussischen Chauvinismus und einer nie erlöschenden Pogromagiwtion Hand in Hand ging. Bei allen diesen Maßnahmen fand er in der dritte» Duma ein williges Werkzeug— und zeigte sie sich hie und da störrisch, so brachte er ihr mit Fußtritten.Staatsräson' bei. Lauge aber konnte dieses System nicht aufrechterhalten werden. Die Furcht vor der.Anarchie", die von der Regiernng großgczüchtet wurde, verschwand ungeachtet aller gegenteiligen Bemühnngen der großen und kleinen AsewS; die Gegensätze im Regierungsblock ver« tieften sich; die i, meren und äußere» Schlvier'gkeitcn ließen sich mittels der Polizeirepression und der chauvinistischen Rationalitäten- hetze nicht aus der Welt schaffen. Das System der Staatsstreiche krachte in allen Fugen, und als sein. Vollstrecker und Repräsentant am 14. September v. I. von der Kugel BogrowS zu Boden gestreckt wurde, war er eigentlich politisch schon ein toter Mann. Sein Nachfolger Kokowzew wandelte weiter in seinen Spuren, nur mit der« Unterschiede, daß er die nach Rußland ge» wendete Seite des JanuSkopfeS, den Stolypin allein verkörperte. dem Polizeibrireaukraten Makaroff überließ, und selbst die Funktion übernahm, die bluibcsudelte Fassade des auf schwankendem Grunde errichteten Regierungsgebäude» mittels schöner Reden reinzuwaschen. Inzwischen aber hatte der historische Kreislauf, der 1907 abgeschlossen schien, erneut eingesetzt. Die Studentenunruhen im Winter 1910/11 waren die Vorboten eines neuen Kristallisationsprozesses, der sich i» den demokratischen Schichten vollzieht. In der Arbeiter- klaffe ist dieser Prozeß bereits klar zutage getreten. Auf dem Boden des Aufschwunges, der sich in den meisten Industriezweigen zeigt, getrieben von der heftigen Lebensmittel- teuerung, die den Reallohn tief unter das frühere Niveau herab- gedrückt hat, und der infamen Praxis des Polizeistaates, der dem Arbeiter daS vom Uniernehmer frei genutzte Koalitionsrecht ver lveigert, hat die russische Arbeiterklasse in den letzten Monaten die Fesseln der jüngsten ReaktionSpenode gesprengt. Die gewaltigen Massenstreiks, die zuerst aus Anlaß der Arbeitermetzelei an der Lena einsetzten, dann zu Maldenwiistrationen übergingen und in zahlreiche wirtschaftliche Streiks ausmündeten, unterstrichen in wirkungsvoller Weise die Niederlage deS Systems, das mit Stolypins Regierungslerror und dem Staatsstreich einsetzte und nun in völliger Auflösung begriffen ist. Die bevorstehenden Wahlen für die vierte Duma versprechen zwar angesichts' des infamen Wahl- gesetzes ckeino sonderlichen Ueberraschungcn; sie wetden aber den Prozeß der Kristallisierung innerhalb der Demokratie beschleunigen und namentlich für die Organisationsarbeit der Sozialdemokratie neue Ausblicke eröffnen. Diese Partei, gegen die der Staatsstreich vor allem gerichtet war. und die unter den Verfolgungen der Gegenrevolntiön am meisten zu leiden hatte, ist nun als die erste wieder auf dem Kampfplatze erschienen, getragen von den ehernen Gesetzen der wirtschaftlichen EntWickelung, deren die agrarisch- kapitalistische Reaktion ebensowenig Herr zu werden vermag, wie deS Proletariats, da« stets und überall als der Totengräber der bestehenden Ordnung auftritt._ politilcbc QeberUcbt. Berlin, den 15. Juni 1912, Solotänzer? .BöseS Werk muß untergehen, Rache folgt der Freveltat.' An dieses Schillersche Wort wird man erinnert durch folgendes kleine Malheur, das jüngst dein Zentrum passiert ist. Am 23. Februar d. I. erhob sich im preußischen Abgeovdneten- hause der rühmlickst bekannte Herr Gro'nowski, seines Zeichens ckristkatholiscker Arb-itersekretär zu Dortmund. Herr Gronowski liebt cS, in Augenblicken, wo niemand etwas BöseS ahnt, und wo er deshalb hofft, ungestraft zu bleiben, urplötzlich über die Sozial- demokratie herzufallen. Das tat er auch an jenem Tage. Zur Debatte stand der Justizetat, Kapitel Staatsanwälte. Wer konnte denken, daß es möglich sei. einen Zusammenhang zu konstruieren zwischen dem Gehalt preußischer Staatsanwälte und der Sozial- demokratie I Aber Herr Gronowski brachte das Kunststück fertig. Er forderte den Justizminister auf, die Staatsanwälte anzuweisen, daß sie in viel schärferer Weise als bisher.im öffentlichen Jnter- esse" gegen die sozialdemokratischen Zeitungen vorgehen sollen. Und um die Berechtigung seines Wunsches darzutun, gab er eine Reihe gar erschröcklicher Beispiele zum besten, wie„ehrenwerte Männer, die den Mut haben, im öffentlichen Leben den Kampf für Christentum und Vaterland gegen den Umsturz zu führen", von der sozialdemokratischen Presse angeblich.mit Schimpf und Hohn überschüttet werden, ohne daß' ihnen ein preußisches Gericht zu Hilfe kommt". Die» letztere war natürlich der Zweck der Uebung. Denn Herr Gronowski wußte selbstverständlich so gut wie jeder andere, daß gegen dic� Sozialdemokratie die preußisch« StaatSantvaltschask schon so viel tut, daß ihr zu kün säst nichts weht übrig bleibt, und daß folglich der Minister ihm nichts weiter antworten werde, als daß sein Wunsch bereits längst erfüllt sei. Herrn Gronowski war es eben nur darum ßu Um, in einem Augenblick über dir Sozial- demokratie herzufallen und von ihr möglichst viel Schlechtes zu sagen, wo er annehmen durfte, daß deren Vertreter in keiner Weise .zur Erwiderung gerüstet seien. Nun, er hat sich geirrt. Die ver- diente Abfuhr wurde ihm auf der Stelle zuteil, indem der Redner unserer Partei darauf hinwies, daß Ausschreitungen gelegentlich in der Presie aller Parteien vorkommen, daß aber gerade die Zentrumspresse ein besonders vollgerüttcltes Maß von Sün- den aufzuweisen habe. Er konnte dabei sogar die Aeußerung eines katholischen Theologen anführen, die mit dem Satze schließt: .Die katholische Presse ist hier nicht besser, vielmehr«och schlechter als die gegnerische." Hierauf half sich Herr Gronowski mit der Ausrede, es stehe noch gar nicht fest, daß das wirklich ein Katholik geschrieben habe, und übrigens fei es auch möglich,.daß irgendein Solotän- zer sich in der Verärgerung zum Schreiben eines solchen Artikels habe verleiten lassen". Tann wurde-- die Debatte geschlossen, so daß unser Redner nicht mehr erwidern konnte! Das war im Februar und schien jetzt längst vergessen zu sein. Doch die Rache schläft nicht. In den letzten Wochen ist das Zcn- trum bekanntlich mit dem katholischen Landwirtschaftsminister Herrn v. Schorlen? er hart aneinandergeraten, und in der be- rüchtigten Radausitzung vom 23. Mai, wo der Minister die Faust gegen das Zentrum ballte und dieses dafür versuchte, ihn durch wüsten Lärm mundtot zu machen, hat Herr v. Schorlemer sich unter anderem bitter beklagt über die Art und Weise, wie sein ver- storbener Vater, der ein hervorragender Zentrumsführer ge- Wesen, von der Zentrumspressc behandelt worden ist. Die Folge waren erneute heftige Angriffe der Zentrumspresse gegen den Landwirtschaftsminister und diese gaben ihm Anlaß, am 7. Juni im Herrenhause noch einmal auf die Sache zurückzukommen, weil — wie er sich ausdrückte— dies die einzige Gelegenheit für ihn war, vor Schluß des Landtags vor der breitesten Oeffentlichkeit die Vorwürfe des Zentrums zurückzuweisen. � In dieser Rede vom 7. Juni hat nun Herr v. Schorlemer über die Art und Weise, wie die Zentrumspresse operiert, Worte gesprochen, die denn doch nicht im Staub der Archive verkümmern, sondern aller Welt mitgeteilt werden sollten« Er sagte unter anderem: »Um rrreinc Worte zu verstehen, muh man Hie Taktik einer gewissen P r e s s e(d. h. der Zentrumspresse) und auch die Psyche(den Geisteszustand) ihres Leserkreises verstehen. In der in Rede stehenden Presse kommt es nicht darauf gn, daß man mit ausdrücklichen Worten sagt: du bist ein schlechter Katho- lik, nein, es genügt, wenn man einen Rückblick auf die Bergangen- heit wirft, die Gegenwart dazu in Gegensatz stellt und dann fragt: was soll das katholische Volk von diesem Manne denken?" Der Minister zitierte dann die„Kölner Korrespondenz" der sogenannten O sterdienStagsleute, die sich wie folgt ausdrückt: .Dem Volke galten dann solche Zentruinsmänner der alten Schule als Parteivcrräter, ja als schlechte Katholiken.... Wer nicht Zentrum wählt, gilt als M a r g a r i n e k a t h o l i k." Und dann führte der Minister an, wie er selbst zur Zeit, als er noch Oberpräsidcnt der Rheinprovinz war und nicht ganz nach der Pscife des Zentrums tanzte, von der Zentrumspartei behandelt worden ist. In einer Versammlung des Katholischen Volksvereins habe er im Jahre 1907 die Worte zu hören bekommen: .Der Oberpräsident hat eS nur den Katholiken zu verdanken. daß er Obcrpräsident geworden ist; nachdem er so weit war. hat er den Katholiken schmählich den Rücken gekehrt und ist zum Verräter des katholischen Volkes geworden." Er hat sich daraufhin in einer Zuschrift an die»Kölnische Volkszeitung" beklagt über den „Eifer, mit welchem solche Aeußerungeir in der Zentrumspresse verbreitet und dazu benutzt worden sind, meine amtliche und außeramtliche Tätigkeit zu verdächtigen". hat aber gleich hinzugefügt, er müsse wohl erwarten, daß die gleiche Kampfesweise gegen Katholiken, die nicht dem Zentrum angehöre«, „auch fernerhin fortgesetzt werden soll". Und am 7. Juni 1912 hat er der Meinung Ausdruck gegeben, daß diese Worte auch heute noch zutreffen! Was sagt nun Herr Gronowski zu dieser Blütenlese von Schimpf und Hohn, womit die Zentrumspressc. ohne daß ihm ein preußisches Gericht zu Hilfe kommt, einen Mann überschüttet, der „den Mut hat, im öffentlichen Leben den Kampf für Christentum und Vaterland zu führen"? Wird er auch hier die Ausrede ver- suche», daß es sich nur um einen„Solotänzer" handelt? Und sind auch die Osterdienstagsleute nur Solotänzer? Wie dem auch sei— die Ausführungen des Ministers erbringen den Beweis, wie sehr gerade Vertreter der Zentrumspartei vor der eigenen Tür kehren sollten, wenn von Beleidigungen, Verdäch- tigungen und Verunglimpfungen im politischen Kampf die Rede ist. Papst, Zentrum und Regierung. In dem ansibachemitischen„Kathol. Sonntagsblatt Oester- reichs"' liest man: „Es ist hochinteressant, die Bewegungen zu verfolgen, die sich hinte'r den Kulissen abspielen und die Zukuirft des Katho- lizismus in Deutschland zum Gegenstand haben. Die beiden Partner, die der große Schachspieler am Rhein(gemeint ist Herr Julius Bachem) gegeneinander spielen läßt, mn das bedrohte Schiff seines Lebenswerkes sicher durch die grollenden Wogen und Klippen zu bringen, sind Rom und die preußische Diplo- matie. Auf die kirchenpolitischen Ziele der preußischen„Staats- Notwendigkeit" soll jetzt hier nicht näher eingegangen werde,?, auch nicht darauf, inwieweit die Programmideen der Kölner Richtung mit diesen Zielen sympathisieren oder nicht. Es soll nur die Augenblick' konstellation gezeichnet werden und deren Bedeutung für die nächste EntWickelung der innerkatholi- schen Bewegungen. Der Kanzler des Deutschen Reiches brallcht gegenwärtig eine zuverlässige Basis für seine Politik. Diese Basis kann der starken Linksentwickelung gegenüber nur die Ver- einigung der rechtsbürgerlichen Elemente ergeben: Konservative, Alt- liberale und— Zentrum. Hier ist der Weg, a?lf dem das deutsche Zentr?im nicht nur in den Entscheidungen von Fall zu Fall positive Politik?nachen, sondern auch seine alte einflußreiche Stellung als Regierungspartei und stärkste Position eines rechtsseitigen Blocks iviedererobcrn kann. Nun ist aber ei??e dauernde Sympathie mit den Konservativen und in noch stärkerem Maße eine Annäherung an die Altlibcralen nur möglich bei eine?» nach Kräften betonten„MinimaliSmus" des katholischen Standpunktes. Es ist ein ganz geläufiger. selbst in der Zentrumspresse in Form von Mahi?ungen und Warl?ungen schon angedeuteter Gedanke. daß die übermäßige Betonung des Konfessionellen auf den verschiedenen Kuliurgebieten. zumal in der Politik, den Konservativen ein Zusammengehen mit dem Zentrum unmöglich mache. Nicht als ob ein H e h d e- b r a n d den ITuror protestanticus empfände, aber hinter ihm und seinen Fraktionsgenossen stehen die Kreise des Evangelischen Bundes, deren Einwirkung auf die konservative Fraktion u??d ihre politischen Angelegenheiten nicht so strikte aus- geschaltet ist, wie der Einfluß der katholischen Hierarchie aus das Zentrum. Der Altliberalismus andererseits, so wenig er die Sozialistenfreundschaft der Linksliberalen mitmachen würde, so wenig will er aber auch Bundesbruder der konfessionellen Orthodoxie sein. Alles in allem, die Zukunft und das Eigeninterefie der Partei fordert einen Standpunkt im Sinne der jeder engherzigen Konfessionalität fernstehenden Kölner Richtung. Nur in dieser Form kann auch der Kanzler daS Zentrum gebrauchen undfo wird er zum selbstverständlichen P r o t«t t o r der Kölner Richtung. Schon an« diesem Grund« muß die preußische Re- g?en?ng wünschen, daß ein liberalerer Kurs unier den deutschen Katholiken nicht von Rom auS unmöglich gemacht wird. Die Kölner Richtung wäre töricht, würde sie diesen Machtfaktor, der ihr so an die Hand gegeben ist, nicht zu ihrem Schutze ausnutzen. ES ist deshalb kein Wunder, wenn die preußische Diplomatie de?» erhobenen Arm der Kirche sich entgegenwirft, bevor er niederfallen kann. Ist Rom abhängig von Berlin? DaS nicht, aber die meisterhaste Diplomatie deS Vatikans hat noch nie den Kampf mit einer Regierung vom Zaune gebrochen, so lange andere EntwickelungSmöglichkeiten für die Lösung einer Schwierigkeit offen blieben. Rom hat einen Kampf nicht zu fürchten, aber eS bricht ihn auch nicht vom Zaun. Ein solcher Kampf wäre auS- geschlossen, wenn RomS Entscheidung die geschlossene Einheit des deutschen Episkopats in entschiedenster Haltung vereinigte. Ja. in diesem Falle wäre eine öffentliche Entscheidung nicht einmal not- wendig, es genügte die Orientierung des Episkopats. So ruht auch hier ii? letzter Linie die Verantwortung in den Händen der deutschen Bischöfe." Man sieht, die Extremkatholiken möchten die Bachemiten als die Verbündeten und Schrittmacher des Protestantismus denunzieren. Zugleich wollen sie andeuten, daß das-Zentrum mit Hilfe der deutschen Re- gierung dem Pap st Zwang antut. Weicht der Papst in der Frage der Gewerkschaften noch einmal zurück, so können die„Berliner" ihren Anhängern sagen, daß die Entscheidung nicht frei, der Papst von der Regierung tm Interesse des Zentrums vergewaltigt worden sei. Die„Kölner" Spionage. Unter diesem Titel schreibt die antibachemitische»Kölner Kor- respondenz": .Eines ihrer(der Bachemiten) infamsten Mittel ist ihr persönliches Verdächtigungs« und Spionageshstem. Sie führen über jeden ihrer bekannten Gegner eigene Dossiers und einer unter ihnen hat auf der jüngsten Tagung des AugustiniuSvereinS in Köln sogar zum persönlichen Kampf gegen die Gegner der Kölner Richtung aufgefordert. Wir kennen einen Fall, wo die„Kölner" sich auf Umwegen an einen ausländischen Gesandten heranmachten, um einen hochangesehenen aber ihnen unliebsamen Katholiken zu vernichten." An anderer Stelle sagt die gleiche„Korrespondenz": „Die Kölner Richtung sagt, das Zentrum als solches habe auf dem katholischen Standpunkte nie gestanden, sondern eS stehe auf dem Boden eines verwaschenen, nichtkonfesfionellen„Christen- tums". Indem die Kölner Richtung das sagt, lügt sie. Sie ist überhaupt ein Gewinilnel von Lügen, Widersprüchen»nd I«- konscquenzrn, sie ist die größte Lüge m unserem gesamten Partei- leben."_ Die Finanzen des Reiches und der Bundesstaate«. DaS Statistische Amt veröffentlicht eine Darstellung der Finanzen de» Reiche» und der deutscheu Bundesstaaten. Di« Nach- weise beziehen sich durchwog für die Voranschläge aus daS Rech- nungsjahr 1911. Insgesamt betragen die EtaatSauSgaben nach den Voranschlägen der Bundesstaaten 6097 Millionen Mark(dar- ?mter außerordentliche 308), für das Reich 3163(darunter außer- ordentliche 217), zusammen in Reich und Bundesstaaten 9250(dar- unter außerordentliche 525). Die Staatseinnahmen belaufen sich in den Bundesstaaten auf 6083 Millionen Mark, im Reich auf 3163, zusammen in Reich uno Bundesstaaten 9236(darunter außerordent- liche au» Grundstock, Anlehen und sonstigen Staatsfonds 818 bezw. 217). Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen die ErwerbSeinkünfte mit 2S6S bezw. 3937 Millionen Mark an erster Stelle. Der Hauptanteil entfällt auf die Staatscisenbahncn mit 215S bezw. 2866. Der Rest verteilt sich auf Domänen, Forsten, Bergwerke, Staatsdampfschiffahrt, Post, Tele- graph und die sonstigen Staatsbetriebe. Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des Reiches aus Erwerbsanstalten(783 bezw. SOS Millionen Mark) entfallen hauptsächlich auf Post und Telegraph (663 bezw. 746) und die Eisenbahnen(116 bezw. 129). Nach den Erwerbseinkünften gewähren Steuern und Zölle die stärksten Ein- nahmen. Die Bundesstaaten erheben an direkten Steuern 768, Aufwandsteucrn 116, Verkehrssteuern 166 und Erbschaftssteuern 23. zusammen 997 Millionen Mark. DaS Reich bezieht aus Zöllen 787, aus indirekten Steuern 669, aus Verkehrssteuern 238 und aus der Erbschaftssteuer 39. zusammen 1733 Millionen Mark. Zahlen- mätzige Nachweise über das Staatsvermögen der einzelnen Bundesstaaten sind nur in bezug auf wichtigere Bestandteile zu erbringen. Neben Ueberschüsien früherer Rechnungsjahre, verfüg- barem Staatskapitalvermögen ufw. besitzen die Bundesstaaten an Domänen ein Areal von 769 697 Hektar, an Forsten K 617 616 Hektar. Die Staalseisenbahnen repräsentieren eine Länge von 54 763 Kilometer(im Reich 1895) und ein Anlagekapital von 16 236 (im Reich 822) Millionen Mark. Die fundierten Staats- s ch u l d e n beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahre? 1911 für die Bundesstaaten auf 14 886(darunter Preußen 8922, Bayern 2166), für das Reich auf 4324 Millionen Mark. Die schwebenden Schulden betragen insgesamt 991 Millionen Mark; sie entfallen m der Hauptsache auf das Reich(366) und Preußen(616). Streikjustiz. Tortmund, 14. Juni.(Eig. Ber.) Bis jetzt haben am Dort- Wunder Landgericht ständig die zwei eingesetzten Sonderkammern an der Aburteilung der Streikverbrecher„gearbeitet". Vor wie nach fanden in der Regel an vier Tagen in der Woche Verhand- lungen statt. Jetzt hört man, daß von Mitte Juni ab die eine der beiden Sonderkammern die Streikdelikte, die sie noch zur Ab- nrteilung übertragen bekommen hat, an die andere Streikkammer abgeben wird. Beide Sonderkammern bleiben aber bestehen, die eine Kammer wird einen Betrugsprozetz, für den eine längere Zeit angesetzt ist, übernehmen. Ob später wieder beide Sonder- kammern an der.Beruhigung" der Bergarbeiter arbeiten werden. oder ob die Masscnjustiz nun endlich abflauen soll, ist noch nicht zu crkenncu.— Ein langjähriger Zuchthäusler hat als„beleidigter" Arbeits- williger vier Personen zur Anzeige gebracht; davon sind zwei frei- gesprochen worden, eine Frau erhielt eine Woche Gefängnis. Im vierten Falle gelang es endlich, wenigstens etwas Genaueres aus dem Leben des beleidigten Zuchthäuslers und Arbeitswilligen zu erfahren. Das staatstreue nützliche Element hat einmal vom Schwurgericht vier Jahre Zuchthaus wegen schweren Diebstahls bekommen, dann zwei Jahre sechs Wochen Zuchthaus vom Schwurgericht wegen Beleidigung und Be- drohung, dann weitere zwei Jahre Zuchthaus, wieder ein Jahr Zuchthaus, weiter viele andere schwere Strafen i Der beleidigte arbeitswillige Zuchthäusler kam in die neue Verhandlung mit einer Nummer der Dortmunder„Arbeiter- zeitung", die einige Striche über das Auftreten des Mustermenschen in einer früheren Verhandlung gezeichnet hatte. Daran wollte der Willige dem„hoben Gerichtshof" zeigen,„wie man gegen ihn vor- gehe". Als der Vorsitzende abwinkte, versuchte es der Zuchthäusler auf eine andere Art� er wies darauf hin, daß der„hohe Gerichts- Hof" in dem Bericht„auch nicht glimpflich weg- komme"! Der Verteidiger beantragte, die sämtlichen Strafakten in den Fällen heranzuschaffen und die Verhandlung zu vertagen. Das Gericht beschloß also. Der„Streikverbrecher" selbst war wieder, wie in den weitaus allermeisten Fällen, völlig u übe straft. Zwölf Monate Gefängnis hatte der Staatsanwalt bei einem Streikenden beantragt, der in der Angctrunkenhcit einem bekannten Arbeitswilligen einen Schlag mit der Faust ins Gesicht gegeben, mit einem dreieckigen Gegenstand eine leichte, unbedeutende Verletzung beigebracht und mit„Rachcnabschneiden" bedroht hatte! Nach den Angaben des Willigen. Es gab sechs Monate Ge- f ä n g n i S._ Folgen der Zollpolitik. Vor kurzem wurde das pommersche Gut Neu-c Hof mit lebendem und totem Inventar sowie mit den Erntevorräten für rund 275 000 M. verkauft. Das Gut, das zirka 1100 Morgen umfaßt, wurde vor Jahresfrist unter sonst gleichen Bedingungen für 280000 Mk. erstanden. Der Verkäufer erzielte also an diesem Gutstausch 45 000 M. Gewinn, was schon ein glänzendes Geschäft wäre, selbst wenn er in der Zwischenzeit aus dem Gute nichts Herausgewirt- schaftet hätte. Wenn den Agrariern solche Gewinne mühelos zufließen, ist es allerdings begreiflich, daß der Arbeiter kaum noch seinen Bissen Brot zu einem erschwinglichen Preise er- halten kann._ Tie Fortbildungsschule im bayerischen Landtag. In einer zweitägigen Debatte besprach die bayerische Abgeord- netenkammer daS Fortbildungsschulwesen. Die Regierung plant auf dem BerordnungSwege eine Umgestaltung des Fortbildungs- schulwesenS in der Weise, daß die größeren Städte die fach- liche Fortbildungsschule, die kleineren Städte und das Land die allgemeine Fortbildungsschule erhalten. Beide Schulgattungen sollen obligatorisch sein. Die allgemeine Fortbildungsschule ist gedacht als eine geringfügige Umgestaltung der bisherigen Sonntagsschule, die der sozialdemokratische Redner Lämmermann Kontrollvcrsammlungen nannte, die den Zweck haben, zu sehen, ob die Schüler noch leben. Der Hauptzweck der Reform ist aber die Klerikalisierung auch des Fortbil- dungsschulwesens, die Einführung oder Vermehrung der Religions stunden. Kirchen zwang der Schüler usw. Während die Sozialdemokraten und Liberalen für ein einheitliches, unabhängiges, sachliche? Fortbildungöschulwesen für das ganze Land eintraten, ging den Zentrumsrcdnern der Plan der Re- gierung noch nicht weit genug; sie forderten auch für die Fort- bildungSschule die �konfessionelle Trennung, geistliche Schulaufsicht und dergleichen. Für das Land wollen sie von der obligatorischen Einführung der Fortbildungsschule überhaupt nichts wissen. Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion, nichts anderes soll die Fort- bildungSschule leisten. Auch in Preußen hat ja da» Zentrum ähnliche Vorstöße unternommen? Der ertrunkene Ulan in Saarbrücken. Anfangs Juni wurden vom Kriegsgericht Saarbrücken der Leut. nant Lantz vom 7. Ulanenrcgiment zu 3 Wochen Stubenarrest und der Leutnant Brem» des gleichen Regiments zu 8 Tagen Stuben- arrest wegen Beleidigung, mangelhafter Beaufsichtigung und vor- schristswidriger Behandlung Untergebener während des Schwimmunterrichts verurteilt. Da, wie ja selbswerständ- lich. die Oeffentlichkeit wegen„Gefähidung der Disziplin" ausge- schlössen wurde, sind genaue Detail» nicht bekannt geworden. Man hat nur erfahren, daß die Angeklagten nochungeubte Schwimm- schüler von einem 6MeterhohenTurmindie Saar springen ließen. Die Leute wurden hierauf durch Nachgeben der Leine sich flbst überlassen und einige Zeit unter Wasser ge- alten. Dabei ist der Ulan Kirten ertrunken! Wir nehmen diese Gerichtsverhandlung wahr, um auf die eigenartige Lehrmethode des militärischen Schwimmunterrichts überhaupt hinzuweisen. Kommt der Soldat als Anfänger zum ersten Male in die Schwimmschule, so wird ihm der an einer Art Angel befestigte Gurt umgehängt und nun mutz der Mann, der noch gar nicht schwimmen kann, in das 4 Meter tiefe Wasser springen. Wie kann man denn von einem Menschen, der noch nicht schwimmen kann, fordern, daß er in ein mehr als mannstiefes Wasser hineinspringt. Damit macht man ängstliche Naturen noch ängstlicher und verdirbt ihnen die Lust am Schwimmunterricht. Am Schluß der Lektion kommt auch noch das recht angenehme Unter- tauchen. Da senkt der Lehrer die Spitze der Stange, an der�die Gurtleine befestigt ist, und der Anfänger, der bei diesem Manöver unter die Wasseroberfläche sinkt, kann warten, bis ihn der Herr Unteroffizier wieder an die Luft heraufzieht. DaS Untertauchen ereignet sich auch dann sehr leicht, wenn der Schüler ungeschickt ist und der Unteroffizier sich ärgert. Und zwar dauert es meistens um so länger, je erboster der Unteroffizier ist. In der obenerwähnten Gerichtsverhandlung wurde sogar kon- statiert, daß Soldaten, die im Schwimmen noch unfertig waren, befohlen wurde, von einem 6 Meter hohen Turm in den Fluß zu springen. 6 Meter stellt die Höhe von zwei Zimmern vor. Und von einer solchen Höhe mußten Leute herunterspringen, die des Schwimmens noch gar nicht kundig waren. Danach kam noch das Untertauchen, das bei einem Ulanen so lange beliebt wurde, bis er mau se t o t war. Die Herren Offiziere und Generale, die im Reichstage usw. für die unantastbaren Schönheiten unseres militärischen Systems ein- treten, werden natürlich versichern, daß solche Barbareien in den Militärschwimmanstalten nicht vorkommen. Aber wir sind über- zeugt, daß Zehntausende aus ihrer Kasernenerfahrung unS zustimmen werden, wenn wir sagen, daß für sie der Schwimmunter- richt eine Qual, aber keine erfrischende und stählende Erziehung ge- wesen ist.__ Der nationale Cransportarbelterltrelh in Englancl. London, 14. Juni.(Eig. Ber.) Die Streikleitung erklärt, daß gegenwärtig ungefähr 200 000 Transportarbei- ter streiken und daß die Zahl der Streikenden täglich wächst. Inzwischen setzt die Unternehmerpresse ihre krampfhaften Versuche fort, durch die Verbreitung tendenziös entstellter Nachrichten die Arbeiterschaft zu entmutigen. Sie erhält zweifelsohne ihren dankbqrsten Stoff von gewissen Personen. die sich als Arbeiterführer aufspielen. Da ist zum Beispiel ein Pater Hopkins, der in dem Verband der Seeleute eine Vertrauensstellung einnimmt. Diese Person hat von Anfang an keine Gelegenheit vorbeigehen lassen, ohne den Streikenden einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Gestern besuchte der Herr das Zentralstreikbureau in Lon- don, wo ihm von der versammelten Menge ein warmer Emp- fang bereitet wurde: Wörter wie Verräter. Streikbrecher wurden ihin zugerufen.,. Die Regierung versuchte gestern nachmittag noch einmal. die Unternehmer zu bewegen, sich auf Verhandlungen einzu- lassen. Sie fragte telephonisch an, ob die Arbeitgeber bereit seien, die Vertreter der Arbeiter zu empfangen, wenn die Streikenden zuerst die Arbeit wieder aufnähmen. Die Unter- 'nehmer verneinten die Frage. Auch dem Ungläubigsten muß es jetzt klar sein, daß die Unternehmer Londons ent- schlössen sind, die Organisation der Transportarbeiter zu vernichten. Eine der erstaunlichsten Tatsachen in Verbindung mit diesem Streik ist die, daß der Vorsitzende einer öffentlichen Behörde, des Londoner Hafenamts. Lord Devenport, der von der liberalen Regierung zu diesem Posten befördert worden ist, die Führung der Unternehmerschaft unternommen hat. Diese Behörde hat jetzt einen Angriff auf die Kern- truppen der Londoner Transportarbeiter, die Lichterschiffer, unternommen. Wie in einem früheren Berichte erwähnt wurde, können die streikenden Lichterschiffer wegen der ihnen verbrieften alten Vorrechte nicht ersetzt werden. Die Lon» doner Hafenbehörde hat jedoch das Recht, nach dem Gesetz des Jahres 1908, dem sie ihre Entstehung verdankt, die An- tellungsbedingungen dieser Arbeiter innerhalb gewisser Grenzen zu verändern. Sie hat sich nun entschlossen, ihre Macht auszunützen, offenbar, um die Streikenden einzuschüch- tern; denn unmittelbare Folgen, die auf den Streik einen Einfluß haben könnten, kann die Veränderung nicht nach sich ziehen. Die neuen Bestimmungen könnten erst in drei Mo- naten Gesetzeskraft erlangen. Zuerst müßten sie 14 Tage veröffentlicht werden, dann müßte ein Monat für Einwände verfließen, darauf wären sie dem Handelsamt zur Genehmi- gung zu unterbreiteiz. und dann müßte noch ein Monat verfließen, um interessierten Personen Gelegenheit zu geben, weitere Einwände zu machen. Uebrigens ist es sehr un- wahrscheinlich, daß die Regierung durch die Genehmigung der meuen Bestimmungen die Arbeiterschaft unnötig reizen würde. Die Hafenbehörde ist im Begriff, neue Bestimmun- gen zu entwerfen, nach denen auch Personen, die im Lon- doner Hafen zwei Jahre lang auf einem Fahrzeug beschäftigt waren, die Konzession eines Lichterschiffers erlangen können. Bisher mußte gemäß den Vorrechten der Gilde der Lichter- führer und Fährmänner, die aus den Jahren 1514, 1555 und 1603 datiere�, jede Person, die im Londoner Hafen das Geschäft eines Lichterschiffers ausüben wollte, eine Lehrzeit von 5 Jahren durchmachen; nach zweijähriger Lehrzeit konnte der Lehrling je!»)ch ein provisorisches Befähigungsattest er- halten, das es ihm erlaubte, die Führung eines Lichters zu übernehmen. Außer den gelernten und lernenden Lichter- schiffern gibt es noch eine geringe Zahl sogenannter Kon- traktsleute, die keine Lehrlingszeit durchzumachen haben und sich auf zwei Ja>'e als Hilfsarbeiter verdingen. Das Monopol kommt der gesamten Arbeiterschaft in diesem Kampfe trefflich zustatten. Ob sie sich ihrer Vorrechte aber noch lange erfreuen werden? Es scheint, als ob der Kapitalismus diesem Handwerk wie so vielen anderen bald den Garaus machen wird. Wer vor 20 Jahren die Themse herauffuhr, wird sich erinnern, wie er alle 100 Meter Lichtern begegnete, die von muskulösen Männern mit riesigen Rudern geschickt gelenkt wurden. Zur Ausübung- disses Geschäfts gehörte in dem großen geschäftigen Hafen, der über ein Viertel des ganzen Ein- und Ausfuhrhandels Groß- britanniens vermittelt, keine geringe Kunst und Geschicklich- keitj Heute weiden diese mit Menschensraft betriebenen Lichter immer seltener; Schlepper verrichten die Arbeit in zunehmendem Maße und das Können des Lichterschiffers verliert immer mehr an Wichtigkeit. Oetterrelcb-DnFam. Wegen des Attentats auf den Bonus vvn Kroatien sitzen nun außer dem Attentäter. noch 36 Studenten und der Redakteur Bornemiso von der sozialdemokratischen«Slo- bodna Rijaz" bei Wasser und Brök in Unkersu'chungS- hast. Ein Photograph, der Ansichtskarten mit dem Bild des Attentäters Jukitsch angefertigt hatte, wurde ebenfalls v e r- haftet. KeKweis. Die Deckungsfrage. Bern, 14. Juni.(Eig. Ber.) Die ganze Dekadenz des einst radikalen Bürgertums enthüllten die heutigen Verhandlungen des Nationalrates über die D e ck u n g S v o r l a g e zu den neuen, bereits bewilligten Militärkrediten. Nachdem die Kredite einmal bewilligt waren, trachtete die sozialdemokratische Fraktion danach. wenigstens eine weitere Mehrbelastung des Militärbudgets zu ver- hindern. Sie stellte sich auf den gleichen Standpunkt, der früher wiederholt auch vom oppositionellen Teil des Bürgertums einge- nommen wurde. Die Fraktion beantragte, daß die durch Verzinsung und Amortisation der außerordentlichen Militärausgabe entstehende Belastung der Verwaltungsrechnung durch Ersparnisse im Militärwesen zu decken sei und zwar in der Weise, daß während der Amortisationsdauer die Militärausgaben die Summe von zwölf Frank per Kopf der Bevölkerung und Jahr nicht über- steigen. Diese maximale Begrenzung hätte der gegenwärtigen Belastung entsprochen und ein weiteres Anwachsen der Militäraus- gaben verhindert. Dem Antrage traten geschlossen die bürgerlichen Parteien ent- gegen. Weniger deshalb, weil sie von der absoluten Notwendigkeit der stets größer werdenden Militärausgaben im Interesse der Landesverteidigung überzeugt gewesen wären. Seitdem ihnen der frühere Vorsteher des Militärdcpartements vorgerechnet hatte, daß etwa neunzig Prozent der Militärausgaben direkt dem Kapialismus zugute kommen, wußten sie auch in dieser Situation, waS sie zu tun hatten und so verleugneten sie im Interesse deS Prozent- Patriotismus ihre eigene Vergangenheit. Die Schamlosigkeit aber trieben sie auf die Spitze, als ein weiterer Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zur Diskussion stand. Im Gegensatz zu einzelnen Kantonen gibt es im Bund kein Finanzreferendum. Die Bundesverfassung schreibt ausdrücklich bor, daß„Beschlüsse nicht allgemein verbindlicher Natur" dem Rcfc- rendum und der Volksabstimmung entzogen werden können.?.uf diese Weise konnte das Parlament Ausgaben über Ausgaben be- schließen, die Schuldenwirtschaft ins Unermeßliche betreiben, ohne daß daS Volk auch nur ein Wort dazu zu sagen hatte. Auf sozial- demokratischer Seite war man nun der Ansicht, daß eine Militär- anleihe im Betrage von 31 Millionen Frank einen für die Staats- bürger durchaus verbindlichen Charakter besitze, da selbst- verständlich die Steuerzahler es sind, die zur Tilgung der Staats- schulden herangezogen werden. Aber auch hier waren eS just die sogenannten Demokraten, die dem Antrag, eS sei der Finanzbcschluß dem Volksentscheide zu unterstellen, Opposition machten. Während der ganzen Debatte wurde von den bürgerlichen Rednern in be- weglichen Tönen der Standpunkt vertreten, daß das Volk von der Notwendigkeit und Dringlichkeit der vermehrten Militärausgaben vollständig überzeugt sei. Wäre dies der Fall, so hätten die Mili- taristen auch das Referendum nicht fürchten und logischerwcise dem sozialdemokratischen Antrag zustimmen müssen. Sie scheuten indes die Volksbefragung und stimmten daher den Antrag nieder. firanftrclcb. Eine Aktion gegen MillerandS Schandgesetz. Paris, 15. Juni. Die geeinigten Sozialisten haben in der Deputiertenkammer einen Antrag eingebracht auf Abänderung des Gesetzentwurfs vom 20. März d. I., nach welchem die Apachen und die A n t i m i l t t a r i st e u in die afrikanischen Strafbataillone geschickt werden sollen._ Ein Gelber als Totschläger. Aus Paris wird uns geschrieben: Die Serie der von Gelben verübten Bluttaten setzt sich fort. Am Dienstagabend hat in Argenteuil bei Paris der Erdarbeiter B r o s f a r d, ein berüchligter Streikbrecher, zuerst den Gewerkschaftler Mulon angeschossen»nd tödlich verletzt. Während sich Passanten um den Sterbenden be- mühten, setzte der Gelbe die Schießerei auf die Freunde seines Opfer« fort. Der Lärm lockte zwei Polizisten herbei. Brossard erschoß den einen und verletzte den anderen schwer. Der Verbrecher ist ein notorischer Alkoholiker und die bürgerliche Presse setzt denn auch seine Bluttaten auf das Konto des Trinklasters. Man stelle sich aber ihre Anklagen, Verleumdungen und Hetzereien vor, die sie im Fall, daß der Totschläger zufällig ein Organisterter gewesen wäre, produziert hätte. Marokko. General Lyauteys Programm. Paris» 14. Juni. General Lhauteh hat an den Mi- nisterpväsidenten Poincare ein Telegramm gerichtet, in dem er die Richtlinien des Programms darlegt, das er in Marokko zu bv- folgen beabsichtigt. Danach soll 1. die französische Aktion streng auf die okkupierten Gebiete beschränkt bleiben, jedoch so, daß ihre Sicherheit und ihre politische, soziale und wirtschaftliche Organi- sation durchaus sichergestellt wird. Die Aktton wird auch auf das Schaujagebict und seine Verbindungsstraßen ausgedehnt werden sowie auf die Zone zwischen Rabat und Fez, Gebiete, die im Norden durch die spanische Grenze und im Süden durch das Land der Zaiani begrenzt werden. 2. Das Gebiet außerhalb der angegebenen Zone soll nach Möglichkeit neutralisiert werden. General Lhautey wird dies zu erreichen suchen, indem er sich auf die bedeutenden Kaids stützt, deren Autorität und Interessengemeinschaft mit Frank- reich er auf diese Weise sichern wird. 3. Für daS Schaujagebiet selbst, wo alles gut geht, ist keine Aenderung vorgesehen. Jede Tätigkeit wird sich zunächst auf die Zone zwischen Rabat und Fez erstrecken. DaS Schwergewicht ist auf Fez zu legen. 4. Lhautey wird demgemäß östlich und südlich von Fez eine Sicherheitszone bilden, deren politische und militärische Leitung General Gouraud übernehmen wird. Gouraud soll die Aufständischen zerstreuen und Unterwerfungen entgegennehmen. Er wird von eingeborenen Per- sönlichkeiten umgeben sein, um den Grundsatz der Kooperation mit dem Machsen zu wahren. Diese Aktion wird solange dauern, wie es nötig ist. 5. Eine entsprechende Aktion wird im Süden von MekineS unternommen werden, um die Beni Mter und die Sem- mur zu unterwerfen. 6. General Moinier wird die Ausführung dieses Programms sicherstellen. 7. In den oben genannten Sicher- heitszonen wird die Autorität der Lokalbehörden und diejenige des Machsen soweit wie möglich wieder hergestellt werden. 8.. Solange als diese erste Bedingung, Sicherheit zu schaffen, nicht erfüllt ist. kann in administrativer und ökonomischer Beziehung keine durch- greifende Maßregel getroffen werden. Lhautey wird mit Gaillard, solange es notwendig ist, in Fez bleiben, um die Durchführung des obigen Programms zu sichern. Er wird die Sorge für alle diploma- tischen und ökonomischen Fragen im Küstengebiet einstweilen auf Saint Aulaire übertragen. Gewerklckaftttckes. Streiks und Husfpcrrungen. Meter Streiks und Aussperrungen im 1. Vierteljahr 1312 b'e- richtet das Kaiserl. Statistische Amt in den Viertcljahrsheften (I. 1312). Mit dem gebotenen Vorbehalt, der sich gegenüber der polizeilichen Berichterstattung rechtfertigt, geben wir aus dem Mate- rial folgende Ucbebsicht.— Die Vergleichszahlen aus dem Vorjahre in Klammern.— Begonnene Streiks 317(355), beendete Streiks 420(406). An den Streiks waren 973(1399) Betriebe mit 125 352 (86 923) darin beschäftigten Personen beteiligt. Von den beendeten Streiks hatten vollen Erfolg: 75(77), teilwcisen Erfolg 179(162), keinen Erfolg 166(169). Danach übertraf das diesjährige Erfolgs- resultat das vorjährige. Die über Streiks lamentierenden Unter- nehmer störten die Produktion durch eine aufsälli�e umfangreiche Aussperrungstätigkeit, soweit die Zahl der Fälle in Betracht kommt. 51(13y neue Aussperrungen wurden angeordnet, 139(21) Aus- sperrungen'beendet. Hierbei kamen 548(476) Betriebe mit 48 487 (21 758) Beschäftigten in Betracht. Angeblich war der Ausgang folgender: voller Erfolg 71(8), teilweiser Erfolg 65(12), kein Er- folg 3(1). Die diesjährigen Aussperrungen waren, was die Zahl der erfaßten Betriebe und dex beschäftigten Arbeiter anlangt, weni- ger bedeutend alK wie die vorjährigen. Ueber die Motive und begleitenden Umstände der Streiks und Aussperrungen im Jahre 1911, in dem amtlichen Material nach Berufsgruppen und Landesteilen geordnet, geben wir folgende all- gemeine Ilebersicht: Die beendeten 2566 Streiks hatten 10 640 Betriebe mit 594 860 beschäftigten Personen betroffen. Die Höchstzahl der gleichzeitig Streikenden betrug 217 809. Von den Streikenden waren 42 190 kontraktbrüchig. Die amtliche Statistik registriert, wohl aus einem bestimmten Grunde und in bestimmter Absicht, überall die Zahl der beteiligten unter 21 Jahre alten Personen. Diese Altersgrenze hatten von den Beschäftigten überhaupt 90 154, von den Kontraktbrüchigen 7520 nicht erreicht. Die Forderungen der Streikenden waren, in Fällen: Ausrecht- erhaltung der bisherigen Löhne 129, Erhöhung der Löhne 1753, Bezahlung von Ueberstunden 281, Entlohnung von Nebenarbeit 115, sonstige Lohnforderungen 271, Aufrechterhaltung der bisherigen Ar- beitszeit 16, Verkürzung derselben 657, Abschaffung bezw. Einschränkung der Ueberstundenarbeit 22, früherer Arbeitsschluß an Sonnabenden 93, Nichteinführung von Ueberstunden 3, Bestimmun- gen über die Regelung der Arlbeitszeit 11, sonstige Forderungen 94. In einer erheblich großen Zahl von Fällen mutzten demnach die Ar- beiter zur Waffe des Streiks greifen, um eine Verschlechterung der bisherigen Verhältnisse abzuwehren. Das Ergebnis der Streiks war in 688 Fällen Erhöhung der Löhne, in 21 Fällen Verkürzung der Arbeitszeit, in 289 Fällen beides zusammen; 883 Streiks endeten ohne Erfolg. Die Beendigung des Streiks wurde in 989 Fällen durch Verhandlungen zwischen den Parteien, in 99 Fällen durch Verhandlungen vor dem Gewerbegericht und in 1001 Fällen durch Vermittslung von Bevufsvereinen oder dritter Personen Ijerbei- geführt. Die Verhandlungen erfolgten in 1527 Fällen auf Antrag der Arbeiter, in 693 Fällen auf Antrag der Unternehmer. Eine son- derbare„Feststellung" ist noch die folgende: 2021 Streiks entstanden oder fanden Unterstützung durch„dritte Personen" oder„Berufs- Vereinigungen". In 1534 Fällen geschah die Einwirkung durch Geldbeträge. Man darf gespannt darauf sein, was man mit der „Ermittelung" der Einwirkung von„dritter" Seite bezweckt. Der . Eifer der Polizei und der Rechtsprechung im Kampfe gegen die Ar- beiterbewegung ist über jeden Zweifel erhaben. Daher ist das er- zielte Resultat eine glänzende Verteidigung der Arbeiter. Trotz der eigenartigen polizeilichen Psyche, die in jedem Streikposten ein möglich werdendes Verkehrshindernis ahnt, kommt man bei den Streiks doch nur in 735 Fällen Anlaß zu einem Einschreiten der Polizei finden, in 486 Fällen bemühte man den Staatsanwalt. Von 232 beendeten Aussperrungen waren 1933 Betriebe mit 300 953 Beschäftigten, darunter 44 054 noch nicht 21 Jahre alte Per- sonen betroffen worden. Die Höchstzahl der gleichzeitig Ausge- sperrten betrug 138 354. Mit den Aussperrungen machten sich die Unternehmer 950 Personen gegenüber vertragsbrüchig. Der Zweck ver Maßnahmen war, in Fällen: Aufrechterhaltung des bisherigen Lohnes 116, Lohnverkürzungen 3, Sonstiges 44, Beibehaltung von Ueberstundenarbeit 2, sonstige die Arbeitszeit betreffende Zwecke 4, Aufgabe von Streiks 94;„andere Gegenstände" betrafen 113 AuS- sperrungen. Neben 13 negativen Resultaten der Aussperrungen wcvden angegeben: 73 volle und 146 teilweise Erfolge. Die Bc- endigung erfolgte in 199 Fällen durch Verhandlungen zwischen den Parteien, in 19 Fällen durch solche vor dem Gewerbegericht und in 192 Fällen unter Vcrmittelung von Berufsvereinen oder direkten Personen. Die Antragsteller waren in 141 Fällen Arbeiter, in 78 Fällen Unternehmer. 135 Aussperrungen waren auf Veranlassung oder Mitwirkung dritter Personen oder von Berussvereinigungen erfolgt, in 18 Fällen„insbesondere" durch Hergabe von Geld- betrügen. Den Aussperrungen entsprangen 49 polizeiliche Eingriffe und 46 staatsanw�ltliche Aktionen. Die Statistik wäre außerordentlich bereichert worden, hätte erst die richtige Koloratur bekommen, wenn sie erkennen ließe, daß bei den Eingriffen der Staatsmacht das Kapital stets begünstigt, die Arbeiterschaft immer benachteiligt worden ist. Anders geht eS im Staate der besten Rechtlgaranticn nicht! ßerlin und Clmgegend. Friede im Wagenlackierergewerbe. Nach 5 wöchentlichem Kampfe ist der Tarifabschluß mit den Jnnungsmeistcrn zustande gekommen. Die bisherige Arbeitszeit wurde um 1 Stunde,.auf 53 Stunden wöchentlich reduziert. Der Lohnsatz beträgt für Lackierer 65 Pf., resp. für JungauSgelernte im ersten Gescllenjahr 60 Pf. pro Stunde. Prozentuale Zuschläge wurden festgelegt für Ueberstunden mit 25 und für Nacht- und Sonntagsarbeit mit 50 Proz. Die Bestimmungen der Bundesrats- Verordnung betr. die Verarbeitung bleihaltiger Farben wurden dem Tarifvertrag in detaillierter Fassung gleichfalls einverleibt, um den fortgesetzten Durchbrechungen seitens der Unternehmer durch die eingesetzte Schlichtungskommission zu begegnen. Die Vertragsdauer des�Tarifcs ist auf 2 Jahre festgelegt. Durch diesen Tarifabschluß hat somit die Innung selbst ihren früheren„Tarif", welcher, was wir nochmals hervorheben, den Lohnsatz von 50 Pf. pro Stunde vorsah und von dem k'fl niemand etwas wußte, fallen gelassen. Einen wesentlichen �'jZrcnzpunki bildete das Verlangen der Organisationsleitung. bei diesem Tarif- obschluß die Möbellackierer nicht einzubeziehen, weil in diesem Gewerbe bereits bedeutend bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen vor- Händen sind und zudem die in Frage kommende Branche für die Angehörigen der Innung nicht in Frage kommt. Die Innung ließ schließlich ihren ursprünglichen Slandpunkt— einen allgemeinen Tarif für sämAiche ihr angebörigen Branchen ,u schaffen— lallen, wodurch nunmehr die Grundlage zu einer Verständigung gegeben war. Soweit die Situation bis jetzt zu übersehen ist, haben die Unternehmer ihre Zusage, daß keine Matzregelungen stattfinden, gehalten und alle Streikenden haben ihre früheren Plätze bereits wieder eingenommen._ Zur Zigarrenarbeiterbewegnng in Grost-Bcrlin. Die Zigarrenfirma Grüneberg u. Sohn, deren Kontor und Lager sich�in Berlin befindet, läßt gleichwohl ihre sämtlichen Zigarren im südlichen Deutschland herstellen und die Grünebergschen Berantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: Zigarren aus Auheim und Steinheim werden in einer großen An- ahl von Läden in Berlin und Umgegend abgefetzt. Nun möchte ie Firma gerne den Vorzug der grünen Plakate ebenso genießen wie die Konkurrenten, die den Weg des Tarifs mit dem Deutschen Tabakarbeiterverband beschritten haben. Da man aber nicht die geringste Lust verspürte, der Firma, die mit ihren„großen" Löhnen prunken möchte, gleichwohl aber jeder tariflieben Abmachung in weitem Bogen aus dem Wege geht, das grüne Plakat freizugeben, so laden Grüneberg u. Sohn ihren Groll in der allezeit den Unter- nchmern dienstwilUgen christlichen Tabakarbeitcr-Zeitung ab. Mit weinerlicher Stimme wird da erzählt, daß über die Firma der Boykott in Berlin verhängt sei, daß sie veranlaßt werden sollte, sämtliche christlichen und unorganisierten Arbeiter zu entlassen und was ähnliche Märchen mehr sind. Bezahlen Sie die Löhne des geltenden Minimaltarifs,� Herr Grüneberg, werden Sie den billigen Forderungen der Organisation der Tabakurbeiter gerecht, iu werden Sie schnell im Besitz des gewünschten Plakats sein. Arbeiter, Raucher! Fragt überall bei Euren Zigarren- einkäufen, in Kantinen. Zigarrengefchäften, Gastwirtschaften, nach den mit Alwin Schulze unterschriebenen grünen Plakaten. Be- achtet die Veröffentlichung der Tariffirmen im„Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Zigarettenarbeiter! Die Arbeiter der Firma Josetti sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Dieselben haben ihre Forderungen, die sehr mäßig zu nennen sind, bereits der in Dresden befindlichen Direktion der genannten Firma unterbreitet. Der Vertrauensmann. Lohnbewegung im Gastwirtsgewerbe. Zwischen dem Oekonomen der Genosscnschaftsbrauerei Frie- drichshagen, Herrn Richard Büttner, und dem Verband der Gastwirtsgehilfen sind Differenzen ausgebrochen. Herr Büttner weigert sich, den ortsüblichen Minimallohn zu zahlen. Statt der teforderten 30 M. erhalten die festen Kellner nur 20 M. monatlich. -ie müssen außerdem ihr Logis bezahlen, was bei den übrigen gleichartigen Lokalen nicht der Fall ist. Die Anerkennung der Or- ganisation sowie des kostenlosen Arbeitsnachweises wird ebenfalls abgelehnt. Alle bisherigen Bemühungen der Gehilfenbertretcr zur Beilegung der Differenzen blieben infolge des unzugänglichen Ver- Haltens des Herrn Büttner erfolglos. Die zurzeit im Betriebe tätigen Kellner gehören nicht dem Verband der Gastwirtsgehilfen an. Für organisierte Gehilfen ist die Genossenschaftsbrauerei Friedrickshagen gesperrt. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. Aussperrung der Kestner im Paradiesgarten, Treptow. Seit einiger Zeit bemühten sich die Kellner obigen Etablisse- ments, ihre überaus traurigen Arbeits- und Lohnverhältnisse mit Hilfe der Organisation zu verbessern. Diese sollte in den nächsten Tagen mit dem Inhaber, Herrn Hiller, darüber verhandeln. Der Verpflichtung, die Arbeitsverhältnisse zu verbessern, glaubte der Unternehmer sich dadurch am besten zu entziehen, indem er gestern abend sämtliche Kellner kurzerhand entließ. Verhandlungen lehnte terr Hiller ab und setzte sich sofort mit der Polizei und seinem eschäftsfreunde, dem gewerbsmäßigen Stellenvermittler, in Per- bindung. Unter den 25 Ausgesperrten, welche meist Familien- Väter sind, befinden sich Leute, die bereits über 10 Jahre im Be- trieb waren. Finanziell interessiert am Geschäftsgang des„Para- dicsgarten" ist die Bergschloßbrauerei, Hasenheide. Für organi- sterbe Gehilfen ist der Betrieb gesperrt. Verband der Ga st Wirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. Zum Fleischerboykott in SIcukölln. Ausnahmsweise sehr besorgt war die Polizei gestern um die boykottierten Schlächtermeister. Uniformierte und Geheime waren in großer Zähl auf den Beinen, um die verhaßten Boykobtposten zu verhaften und zur Wache zu transportieren, damit die„bedräng- ten" Meister.m Ruhe ihr Geschäft machen konnten. Aber auch die boykottierten Schlächtermeister sorgten für die nötigen Denunzia- tionen, wo sie nur einen„Verdächtigen" erblickten, gaben sie den „Wachthabenden" die nötigen Fingerzeige. Die meisten hatten ja auch Zeit genug dazu. Dringend nötig ist es aber, die Frauen noch besser über die Be- deutung des Boykotts aufzuklären und namentlich dafür zu sorgen, daß nicht Kinder in die boykottierten Gefchäste zum Einkauf geschickt werden. Daß Boykottbruch gleich- bedeutend ist mit Strcikbruch, scheinen viele Frauen noch nicht zu wissen. Die nichtboykottierten Firmen haben olle das Plakat vom Zen- tralverband der Fleischer im Laden ausgehängt, das den Namen Paul Bergmann trägt. Dieses Plakat ist weiß mit rotem Rand. Der Tarif ist jetzt auch abgeschlossen mit dem Schlächtermeister' Bodineck, Schillerpromenade 1. Zentralverband der Fleischer. Berlin, Elisabethstr. 11, Tel.: Königstadt 3024. Deuvtebea Reich. Der Stukkatcurstreik in Bremen endete nach acht Wochen mit vollem Erfolgs für die Arbeiter und mit der Erringung des Acht- stundentages.— Ende vorigen Jahres formulierten die Stukkateure ihre Lohnforderung; unter Beibehaltung der neunstündigen Arbeits- zeit verlangten sie 85 Pf. Stundenlohn, bisher wurden 74 Pf. ge- zahlt. Nach der am 1. Januar 1911 erfolgten Verschmelzung mit dem Bauarbeiterverbande wurde die Lohnforderung auf 99 Pf. erhöht und außerdem die achtstündige Arbeitszeit gefordert; dazu kamen diverse kleinere Nebenforderungen. Am 13. Mai 1912 wurde nun tariflich festgelegt, daß bis 1. November 1912 bei neunstündiger Arbeitszeit 80 Pf., von da ab bis 1. Juli 1913 bei 8�stündigcr Ar- beitszeit 85 Pf. und vom 1. Juli 1913 bis 30. Juni 1914 bei acht- stündiger Arbeitszeit 90 Pf. Stundenlohn gezahlt werden müssen. Auch die Ncbenforderungcn wurden größtenteils bewilligt. Der Lohn für Hilfsarbeiter beträgt 10 Pf. weniger. Wesentlich becin- flußt wurde die Haltung der Unternehmer durch den Beschluß der bremischen Maurer: bei allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten, für die durch Spczialberufe der Achtstundentag anerkannt ist, weigern ich die Maurer, unter deren Lohn zu arbeiten. Ter Lohn der Maurer beträgt zurzeit nur 71 Pf. pro Stunde. Innerhalb 14 Tagen behalten die abgereisten Streikenden das Vorzugsrecht der Ein- stellung bei ihren bisherigen Unternehmern. Im Miinchcner Steinsetzergewcrbe drohen Differenzen auszu- brechen, weil sich die Unternehmer weigern, die Münchener Gehilfen bei einer bestimmten Arbeit(Kleinpflaster) einzustellen, wen» sie stck danir nicht einen I5prozentigen Lohnabzug gefallen lassen. Den zahlreichen fremden dabei be'chäftigten Gehilfen haben sie bisher den höbcrcn Lohn'atz geivährt. Es handelt sich für die Miir.chcncr Unternehmer darum, die Konkurrenz zweier fremder Firmen auszu- halten; die Kosten dieses Kampfes sollen aber die Arbeiter tragen. Die Kohlenarbeiter, Kranführer und sonstige» Werk- stättenarbeiter der Strastbnrger Kohlenbetriebe haben am 24. Mai cr. an die Unternehmer Forderungen gestellt. Die Löhne, die dort gezablt werden, fpott-n jeder Beschreibung. Bei den Kohlenmagnaten Stinncs(Brikettfabrik) werden Löhne von 17—20 M. pro Woche an verheiratete, langjährig im Betriebe be- schäftigte Arbeiter, bei Raab und Karcher Löhne von 15— 19,50 M., bei den Firmen Rapp Moedcr, Haldy, Jung, Drcxlcr solche von 14— 19 M. pro Woche bezahlt. Kranführer erhalten Stundenlöhne von 45— 48 Pf. Daß mit solchen Löhnen eine Familie nickt auS- kommen kann und unter den denkbar schlechtesten Verlstiltnissen leben muß, kann sich jeder vorstellen. Tie Unternehmer wurden gebeten, bis zum 30. Mai eine Antwort aus die eingereichten Forde- rungen zu geben. Eine Antwort lief nicht ein. Taraufhin wurde Tlb Glocke. Berl'N. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Bertagsanstall beschlossen, das Bürgermeisteramk der Stadt Siraßburg als Ver- Mittelung anzurufen. Es sagte die UebernaHme der Vermittclung zu. Dem Bürgermeisteramt erging es aber ebenso, wie den Ar- beitcrn; von sieben Unternehmern antworteten zwei, und diese auch noch ablehnend resp. ausweichend. Alle gangbaren Wege wurden versucht, um die Angelegenheit auf friedlichem Wege zu regeln; aber die Unternehmer waren unzugänglich. Der jetzt entbrannte Kampf der Stvaßburger Kohlenarbeiter, Kranführer usw. geht um das täglicke Brot für sich und ihre Familien. Kein Arbeiter, der es mit sich und seinen Arbeitskollegen ehrlich meint, darf daher den käinpfenden Arbeitern in den Rücken fallen. Ter Zuzug ist streng fernzuhalten. Tliisland. Die Bewegung der französischen Seeleute. Stus Brest kommt die Nachricht, daß auf Befehl des Marine- Ministeriums sich 203 Matrosen und Heizer der Staatsmarine nach H a v r e begeben haben, um die Streikenden auf'dem Posildampfer „Provence" zu ersetzen. Nun haben sich die Stewards und das Küchenpersonal des Schiffes bereit erklärt, die Arbeit wieder auf- zunehmen. Die„Provence" soll also, obgleich der Streik im Hafen von Havre vollständig ist, nach Amerika abifahren. Diese Nachricht hat in den Kreisen der Seeleute große Erregung hervorgerufen. Für gestern war fn Paris eine allgemeine Versammlung der großen Syndikate an der Arbeitsbörse einberufen worden, in welcher über den Generalstreik abgestimmt werden sollte. Unterdessen laufen aus allen Häfen Frankreichs Nachrichten von Sympathiekundgebungen der Seeleute ein, die erkennen lassen, daß von feiten der Arbeiter an ein Nachgeben nicht gedacht wird. Der Schifssmaschinistenstreik in Norwegen. Die norwegische Regierung hat nun endlich dafür gesorgt, daß neue Verhandlungen zwischen der Reederorganisation und dem Maschinistenverband angeknüpft wurden, um diesen Streik, der in den nördlichen Landesteilen leicht eine Hungersnot zur Folge haben könnte, beizulegen. Hätte die Regierung ihren Einfluß in dieser Richtung früher geltend gemacht, so wäre der Streit vielleicht über- Haupt nicht zum Ausbruch gekommen. Statt dessen hat sie zunächst, angeblich nur um einem Notstand in der Bevölkerung vorzubeugen, eine Anzahl Dampfer von den Reedern leihweise übernommen, sie mit Marinemaschinisten ausgestattet und überdies auch noch Massen von Schußwaffen und Munition aus die Schiffe bringen lassen, als müßte man auf gewaltsame Angriffe von feite» der streikenden Maschinisten gefaßt sein, die übrigens meist politisch konservativ gesinnte Leute sind, deren Verband nicht der Landesorganisation der Gewerkschaften angeschlossen ist und die sich nicht als klassenbewußte Arbeiter fühlen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Chr. H. Knudsen hat die Regierung im. Storthing über ihr Verhalten interpelliert; er hat damit zwar keinen Anklang bei Sen bürgerlichen Parteien gefunden, aber die Interpellation brachte doch den Erfolg, daß die Regierung sich nun wenigstens ernstlich bemüht, vermittelnd einzugreifen. Merkwürdig ist es allerdings auch, daß zwei sozial- demokratische Storthingmanner, Dr. Eriksen und Foshaug, die Maß- nahinen der Regierung guthießen als ein notwendiges Mittel zur Vorbeugung eines Notstandes unter der Bevölkerung der nördlichen Landesteile. Uebrigens will die Regierung zugunsten der Reeder auch noch die gesetzliche Vorschrift außer Kraft setzen, daß nur Leute, die ihre Prüfungen bestanden und mit dem Zertifikat als erste oder zweite Maschinisten ausgestattet sind, als solche beschäftigt werden können. Män erteilt den Reedern jetzt schon Dispensation von dem Gesetz und betrachtet den Streik als einen außerordent- lichen Notstand, der Ausnahmen rechtfertigt. So kommt es vor, daß sogar Leute, die wegen Trunksucht nicht als Schiffsmaschinisten zu- gelassen wurden, jetzt mit diesem verantwortungsvollen Posten be- traut werden. Versammlungen..,.*. Der Verband der Maler, Lackierer und Anstreicher(Filiale lin) hielt' am Tonndrstäg im Gewerkschaftshause eine Mitgliederversammlung ab, in welcher Genosse Ernst Daum ig ein mit starkem Beifall belohntes Referat über..Verfassungskämpfe" vortrüg. Der Versammlung wurde dann ein Antrag der Sektion der Lackierer unterbreitet, beim Hauptvorstand die Anstellung eines vierten Filialbeamten zu beantragen, welcher hauptsächlich die Agitation unter den Lackierern zu betreiben und die Durchführung der tariflichen Bestimmungen zu überwachen hätte. Dieser Antrag, welcher von der Ortsverwaltung unterstützt wurde, gelangte nach längerer Debatte, in der sich die meisten Redner für diese An- stellung aussprachen, gegen wenige Stimmen zur Annahme. Die Abrechnung für das erste Quartal 1912 lag der Versammlung ge- druckt vor. Derselben ist zu entnehmen, daß die Hauptkasse eine Einnahme von 18 261,45 M. und eine Ausgabe von 18 668,20 M. hatte. In der letzteren Summe sind enthalten 207,30 M. für Streiks, 6513,40 M. für Gemaßregeltenunterftützung und 8238,20 Mark für Krankenunterstützung; 1100 M. wurden an den Haupt- vorstand abgeführt. Die Filialkasse weist eine Einnahme von 133 695,89 M. und eine Ausgabe von 25 553,59 M. auf, so daß ein Bestand von 113 142,39 M. verbleibt. L,ctzU Nachrichten« Die Wehrvorlagen vom Magnatenhaus angenommen. Budapest, 15. Juni.(P.-C.) Das Magnatenhaus hat die Wehr- vorlagen in allen drei Lesungen mit überwiegender Majo- ritätangenommen, ebenso die Honvedvorlage und die beiden Strafprozeßordnungen für die Armee und Marine. Zum russischen Schiffahrtsstreik. Petersburg, 15. Juni.(W. T. B.) Da trotz des für heute fest- gesetzten Termins für die Wiederaufnahme der Arbeit die Arbeiter weiterstreiken, hat die Administration der russischen Gesellschaft für Schiffahrt und Handel alle Arbeiter, mit Ausnahme von 150 Arbeits- willigen, für entlassen erklärt. Ein betrügerischer Jnnnngökassierer. Hamburg, 15. Juni.(H. 58.) Der Rechnungsführer Hirsch der Maler- und Lackiererinnung, der, wie berichtet, nach UuLc'chlaguiig von etwa 4000 Mark sich verborgen hielt, ist heute morgen o e r h a f t e t worden. Folgenschwere Benzinexplosion. Lnzern, 15. Juni. lk. Imi lNZ. Sie flcnderungcD des Organiiatlons. Statuts der Partei. Der Artikel in der gestrigen Nummer über die Acndcrnngen des Organisationsstatuts der Partei kann nicht unwidersprochen bleiben. Das ist um so mehr notwendig, als sicher viele Genossen in Berliner Parteikreisen anderer Meinung sein dürften, als sie der gestrige Artikel zum Ausdruck bringt, und selbst in der Redaktion verschiedene Auffassungen über die Organisationsfrage vorhanden sind. Deshalb erscheint es geboten, mit einigen Bemerkungen auf die in dem Artikel gemachten kritischen Darlegungen etwas näher einzugehen. In dem Artikel wird betont, daß in dem Vorhandensein eines Parteicrusschusses schließlich nur eine Vermehrung des bureaukratisck�n Apparates der Partei, in dringenden Fragen sogar eine Verzögerung schneller Entscheidungen zu erblicken sei. In brennenden und besonders dringenden politischen Fragen namentlich der äußeren Politik, wo schnelles Entschließen und Handeln am Platze sei. könne die Aktionsfähigkeit der Partei durch den Parteiausschuß eher gelähmt als schlag- kräftig gestaltet werden. Und der Parteivorstand müsse bc- fürchten, wenn er wider Erwarten zu selbständigem schnellen Entschließen gezwungen werde, später von dem Ausschuß des- avouiert zu werden. Wenn man von diesem Standpunkt aus die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßiakcit einer solchen dem Partei- vorstand neu beizugebenden beschließenden Körperschaft beurteilt, mag allerdings viel gegen die Schaffung des Parteiausschusses sprechen. Unter den Mitgliedern der Llgliedrigen Kommission dürfte kaum ein Genosse gewesen sein, der bei der Beratung dieser wichtigen reorganisatorischcn' Bestimmung die Möglich- keit politischer Konflikte, bei denen schnelles Entschließen und Handeln am Platze ist. außer acht gelassen hätte. Nur ein politischer Kindskopf könnte nach den Ereignissen der letzten Zeit noch anderer Meinung sein. Das sind aber Momente sekun- därer Natur, die für die Schaffung des Parteiausschusses nicht ausschlaggebend sein können. Politische Katastrophen und internationale Konflikte brechen nur selten über Nacht herein. sie künden sich durch gewisse Vorzeichen mindestens so lange vorher an. daß der Parteivorstand, der auch für die Zukunft noch in wichtigen Dingen die Initiative ergreifen muß, die Ausschußmitglieder zeitig genug zusammenberufen kann. Wo aber auch in ausnahmsweisen Fällen der Partei- vorstand selbständig handeln muß, wird bei den für die Eni- schließungen des Parteivorstandes mitverantwortlichen Ans- schußmitgliedern so viel politischer Weitblick und Einsicht an- zutreffen sein, daß sie das Vorgehen des Parteivorstandcs billigen. Es klingt eigentlich ganz sonderbar, daß derselbe Partei- vorstand, den, wie in dem gestrigen Artikel mit Recht betont wird, eine konzentrierte Willensäußerung der Gesamtpartei zur Leitung deren Geschicke betraut hat, ein Dcsavcu zu be- fürchten haben sollte, sobald er in dringenden Fällen einmal schnelle, selbständige Initiative ergreift. Nein! Gerade weil man von den mit der Leitung der Parteigcschäfte betrauten Genossen politische Einsicht, Weitblick und Entschlußkraft er- wartet und voraussetzt, ist das nicht zu befürchten. Die Gründe, die gegen die Zweckmäßigkeit eines solchen Partei- ausschusses angeführt werden, sind daher mir hypothetischer Art. Tagegen greifen die selbst von den Gegnern zugegebenen Vorteile tief ein in die Vielgestaltigkeit unseres Parteilcbcns. Für den niit einer Fülle der verschiedensten Aufgaben be- ladenen Partcivorstand wird es immer schwerer, die von ein- ander abweichenden politischen Verhältnisse der einzelnen Landesteilc zu überblicken. Er kann des Rates der Vertreter dieser Staaten auf die Dauer nicht entbehren. Ihres Einvcr- ständnisses bedarf es auch, sobald anläßlich wichtiger Vorkommnisse politische Aktionen geplant werden. Ohne sich vor- her mit den Parteivertretern der Landesteile in gemeinsamer Beratung genügend verständigt zu haben, ist eine Schlag- sertigkeit der Partei nicht zu erwarten. Gabriel Schillings flucht. Gerhart Hauptmanns Drama hat nun seine Urauf- führung erlebt. Im Badestädtchen Lauchsted t, aus der kleinen Bühne, die unter Goethes Beihilfe hergerichtet wurde, erfüllte sich am Freitag des Dichters Wunsch. Vor sechs Jahren wurde das Drama gedichtet, aber damals geschah, was noch keinem Werke Hauptmanns geschehen war: Die Berliner Einftudierung tvurde unterbrochen. Die Ursache mutz man durchaus in dem innigen Verhältnis des Dichters gerade zu diesem Werke suchen. Haupt- mann zweifelte, datz sein Werk eine Angelegenheit des grotzen Publikums sei. Er zweifelte nicht an der Kraft des Werkes. Wahrscheinlich darf man sagen er stellt es unendlich hoch. So viel ist gewiß: die ihm aus Freundschaft das Geschenk der Lauchstedter Aufführung darbrachten, gaben ihm viel. Man stand unter dem Eindruck eines hohen, absoluten Wertes. Aus der Lektüre des Dramas brachte man Urteile, Fragen, Unsicherheiten mit. Vor- sichtiges Abwarten kam hinzu, ob die kleine Bühne den Stimmungen der Dichtung, die sich in die endlose, seltsam belebte Weite des Meeres hinausdehnt, gewachsen sein werde. Die schlimmsten Zweifler fürchteten, die Gebrochcnheit des Malers Schilling, der keiner ernsthaften Willenstat mehr fähig ist, werde der Aufführung die Wucht nehmen. Aber schon wenn man das Drama wiederholt las, wich dieses Mitztrauen immer mehr. Man darf sich nicht durch den Namen, der ihm gegeben ist, falsch einstellen lassen. Es handelt sich nicht vor allen Dingen um Gestalt und Schicksal Gabriel Schillings, wenn dieser auch das tragischeolizelbehö�de und hat den für diese Erlaubnis auszustellenden, auf einen Namen lautenden Legitimationsschein bei sich zu führen." Das Kammergericht ging von folgenden Erwägungen aus: Ge- werbsmäßigkeit liege vor, wenn jemand eine Handlung des öfteren unternehme, um Gewinn daraus zu ziehen. Wenn nun das Landgericht hier Gewerbsmühigkeit feststelle, weil Angeklagter schon vor- dein Flugblätter verteilt und Geld dafür erhalten habe, dann sei ein Rcchtsirrtnm darin nicht zu finden. Für den Fall der ge- werbsmätzigen öffentlichen Verteilung kämen nur die Bestimmungen der Gewerbeordnung in Frage. Nun enthalte der tz 43 allerdings auch einige Ausnahmebestimmungen. So im Absatz 3 die folgendet „Zur Verteilr�g von Stunowitel» und Denkschriften zu Wahl- zwecken bei der Wahl zu gesebgebenden Korpenchasteil ist eine polizeiliche Erlaubnis in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlakts nicht erforderlich." Diese Bestimmung schliefe zwar auch gewerbsmäßiges Berteilen in sich, da sie vom Verteilen allgemein spreche. Sie komme aber dem Angeklagten nicht zugute, weil sie sich nur auf Wahlzwecke bei der Wahl zu gesehgebenden Körperschafte» beziehe, die Wahl zu einem Gewerbegcricht aber keine solche Wahl sei. Der folgende Absatz desselben Paragraphen«Absatz 4) schaffe dann zwar auch eine Ausnahme für die Verteilung von Stimmzelteln und Druckschriften zu Wahlzwccken nllgcMein, also nicht hloß bei Wahlen zu gesetzgebenden Körpepschafren, er beschränke diese Ausnahme aber andererseits wietx'r auf iiichtgewerhsmäßiges Verteilen. Teshalh könne auch sie, da ja hier Gewerbsuiäßjgkeit festgestellt sei, dem An- geklagten nicht zi/gute kommen. Sonnt rechtfertige sich seine Vcr- urteilung._ Eisenvahnfiskus und Unfallschutz. Klagen unsere Genossen im Dreiklassenhause den Minister an, daß der Eisenbahnfiskus nicht genügend Vorkehrungen für den Schutz des Lebens getroffen habe, dann bestreitet inan dies natürlich mit vielem Kifex oder lächelt recht hämisch über diese„unberechtigten Behauptungen". Immer uno immer wieder klagt man, daß z. B. die Bahnübergänge nicht genügend geschützt sind, daß keine«Schran- ken vorhanden od»er diese nicht richtig bedient werden können usw. Auch dies bestreitet der Minister ganz entschieden und hat natürlich die heulenden Jirnker auf feiner Seite. Deshalb ist es doppelt interessant, daß j jetzt auch die Berufsgenossenschaften diesen Mißstand öffentlich zugeben, weil sie dadurch geschadigt werden. Ties ist auch der einzige Grund weshalb z. B. die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgemoffenschaft in ihrem soeben erschienenen Bericht für das Jahr 1911 bemerkt: „In den Prozcßsacheu gegen den Eisenbahnfiskuö wegen des tödlich verlaufenen Unfalles des Bierfqhrers Kalka sowie des gleich- falls tödlich der. uiglücklcn BiexfahrerS Anton, in denen wir vom Landgericht Breslau bezw. Königsberg abgewiesen waren, soll auf die eingelegte Äerufung, das Oberlaichesgericht entscheiden. In beiden Fällen war der Unfall dadurch verursacht, daß der Bahn- Übergang nicht nickt Schrankc» und nicht eiunial mit Beleuchtung versehe» war. Dies hat uns veranlaßt, eine Zusammenstellung über die an solchen Bahnübergängen stntigehabten Unfälle anzu- fertigen. Danach send in der Zeit vom September 1997 bis August 1919 allein bei unserer Berufsgenossenschaft nicht weniger als 19 derartige Unfälle vorgekpmmc», die in dem kurzen Zeitraum bis Ende des Jahres lf)i9 nicht weniger als 17 740,12 W. Entschädigungen erforderten, deren Kapitalbelastung sich aber auf weit über 199 000 M. berechnen dürften. Die Unfälle sind in 9 Fällen dadurch herbeigeführt worden, daß die Schranken nicht geschlofscu waren, und in 9 Fällen, also in der Mehrzahl durch das Fehlen von Schranken. Wenn man bedenkt, daß nur verhältnismäßig wenig Bahnübergänge an Landstraßen noch ohne Schranken sind, so erscheint die Zahl den sknfällc, die durch das Fehlen der Schranken verursacht werden, außnryrdentlich hoch und es ist daraus die große Gefahr ersichtlich, die ui der Nichtaubringung von Schranken an solchen Bahnübergängen liegt. Die Gerichte sind zwar bisher noch vielfach geneigt, in der Nichtaubringung von Schranken auch an Landstraßen ein Verschulden auf feiten der Bahnvcrwaltung nicht zu erblicken. Allein die erwähnte hohe Gefährlichkeit des Zustandep dürste auch die Gerichte allmählich zu der Ueberzeuguiig bringen, daß die Verkehrssicherheit allgemein einen Schutz der Eisenbahn- Übergänge an Landstraßen durch Schranken unbedingt erfordert. Nachdem eine von uns dieserhalb an das preußische Eisenbahn- Ministerium gerichtete Eingabe erfolglos geblieben war, werden wir nunmehr uns in fon Prozessen chegen derartiger Unfälle auf die geschilderten Verhältniffe berufen und hoffen, daß dst Gerichte darauf Rücksicht nehmen werde,:." Diese Kritik aus Unternehmermunde ist daher doppelt wertvoll, zumal der Minister immer diese Mißstände abgeleugnel hat. Die Broßbrauer hoffen, daß die Kgl. Gerichte den Eisenbahnfiskus zur Vernunft bringen, da alle Eingaben erfolglos geblieben sind. Jedenfalls ist eine reiche Berufsgenossenschaft, hinser welcher die vielen Millionäre der Brauindustrie stehen, eher in der Lage, diese wichtige Frage zur Lösung zu bringen, als ein armer Arbeiter, der noch mehr unter diesem Mißstande zu leiden hat, wenn er etwa auf einem Spaziergang verunglückt, tsud daß die Berufsgeiwssen- kchaft mit Vorliebe jetzt solche wichtigen Fragen betreibt, gibt sie ,m Berich! wie folgt seshst zu: „Im allgemeinen ist zu bemerken, daß die Fälle, in denen wir zur EinZagung unserer Schadensersatzsoxderung kommen, sich jp ruiniert oder nicht, ist ganz Wurst, die Hauptsache sst. daß der „arme" Wirt auf seine Kosten kommt. Bei diesem ausschlveifcndeii Berliner Nachtleben ist es wohl selbstberständlich, haß der Körper rapide abnimmt...." Diese Klage ist so logisch, so svenig übextriehen, daß sie kaum an die Wahrheit heranreicht. Wie ist es nun mit dem Nettogewinn des M e t r o p o l- Palastes und der dazugehörigen Gebäude? Hier ein kleiner Uebcrblick: Vom 20. Dezember fOsS bis 31. Dezember Ml svurdcn ein- genemme«: An Eiiirje usw. ungefähr,...... 613,000 M. , Gewinn am Restaurant, Verkauf von Meinen iisix.. 232 000„ m Gewinn am Verkanf von Gebäck usw. 23 000» . G np i u N am Verkauf von Zigarren usw. 3 650„ 1 37.6 650 m. Die Ausgaben betrugen 600 000 M., so daß das letzte Jahr einen N e t t o g e Iv i n n von reichlich einer M i l k i o n z w e j m a l h u n d e r t t a u s e n d Mark auflveist. Reichlich eine Million Nettogewinn nur in einem einzigen der Lokale. wo Nachfrage und Angebot von gutgckleidetem Frquenfleisck geregelt wird. Ist es für die kapitalistische Welt nicht fast zu bedauern, wenn man diese Ziffern liest, daß die Bordelle reichsgesetzlich u n- statthaft sind? Würde nicht ei» an der Londoner Börse zuge- lassenes„Bordell G. m. R H." noch bessere Geschäfts machen? Durch Heimarbeit geht Gelvinn verloren. Siotize». « Bühnenchronik, Irene Driesch tritt schon oin t. Oktober in den Aerhand der Meiiihard-Bernauerschen Dhcoter. — K u n st k a p i t a l i s m u s. Freitag fand bei Shristie in London eine Versteigerung von 13 Gemälden Coro ts statt. Im Berlauf« von nur«7« Stauden wurde hierbei eine Einnahme von 1 2S0 000 M. erzielt, Das Bild.Erinnerung au Italien' brachte allein 220 600 M. Literarische Quarantäne. Otto Larngräber» erotisches Mhsteriu»,„Die ersten Menschen" ist Nack dreijährigem Landesverbor soeben von der Münch euer Polizeibehörde zur Auff.ihr.mg freigegeben worden. Strindbergs N a ch l a g. Per Stockholmer Verlag von Albert Bonnier bereitet ein« Gesamtausgab, von Striudbergtz Werken vor Sie wird auch den literarischen Nachlaß enthalten. In einem besonderen Band» werden Artikel ans Achtungen und Zeltschristen gesammelt werden. den letzten Jahren erheblich vermehrt haben. Ter Genossenschafts- vorstand geht dabei von der Erwägung aus, daß auch solche Pro- zesse anhängig zu machen sind, die wenn auch nicht mit Sicherheit, so doch einiger Wahrscheinlichkeit einen für uns günstigen Ausgang versprechen. Denn es handelt sich dabei zum Teil um sehr hohe Schadensbeträge, denen gegenüber die Prozeßkosten, die aufzuwenden find, von erheblich geringerer Bedeutung sind. Eine Zusammenstellung aus den drei letzten Jahren ergibt, daß wir insgesamt den an sich gewiß bedeutenden Betrag von 3334,66 M. an Prozeßkosten aufgewandt haben, dafür aber auch Schadenserfatzbeträge von zu- fammeu rund 3p 000 W. zugesprochen erhalten haben." �iis Induftrie und ftandd. Nene Bücher. Ter M i l ch r i>?g. Ein Beitrag zur Kartell- und Milchpreisfrage. Von Engelbert Mülhaupt. lVollsivirtschaftliche Abhandlungen der badischen Hochschulen. Neue Folge. Heft 9.) Karlsruhe 1912. 1.11 Seiten. Preis 2,40 M. Tie„Milchtriege" der letzte« Jahre haben die Öffentlich« Auf- merksanikait auf die Ursachen der Milchnot und Milchteuerung sowie auf die Abwehruiiitel gelenkt. Die Arbeit Mülhaupts beschäftigt sich mit einer Ursache, tze« Milchkartellc.r. In den beiden ersten Kapiteln werden die Trjpbl.räste zur Karjtellierung und die karlell- heiiimenden Momente aufgeführt. Die geringe Haltbarkpit und Tra. ysportfö h ig keil schaffen Produzenten und Händlern iu einem begrenzten Konfninlrcise ierner Stadt) ein natürliches Mono- pol gegenüber den Verbrauchern. In einem dritten Kapitel wird die. Geschickte und Organisation der Milchringe zu Berlin, Hanl- bürg, Frankfurt a. M., in Riederösterreich und iu der Schweiz in knappe» Umrissen gezeichnet.(Der„Anhang" bringt Statut, Geschäftsordnung und Bilanzen.der Berliner Milchzentrale im Wort- laut.) Ein Hauptabschihn schildert die Wirkungen der Mitchkartcll- bewegung. Sie sind selbst für die Produzenten zweischneidiger Natur. Reben den höheren Verkaufspreisen, der besseren Per- käuflichkeit und der Abwälzung.des AisUps auf den Handel und den Konsum fördert die Milchringbildung die„Entmilchung" des platten Landes. Die reine Abnreltwirtschaft beeinflußt die Landwirtschaft (Aufzucht von Jungvieh) ungünstig?„sie ist in der Regel Raub- Wirtschaft". Auch für die Gesurchheit der Landbevölkerung Hai die Milchringbildung ihre'Schädigungen. Ter Mitchkonsum auf dem Lande nimmt ab; in Württemberg z. B. ist er auf dem Lande bereits geringer als in der Stadt. Tie Zunahme der Säuglingssterblichkeit auf dem Lande gegenüber der Abnahme in den Städte» ist zum Teil darauf zurückzuführen. Von den begrüßenswerten Folgen siir die Konsumenten ist nur die zu konstaiieren, daß die Ringbildung „die Versorgung der Städte mit Milch in gesundheitlicher Hinsicht reformiert hat." Der Großbetrieb legt notwendig auf Fett- gehalt und Reinheit der Milch Wen, um sie aufbewahren und weiter transportieren zu können. Das trifft wohl ohne Ein- schräiikung für die Lieferung bis zum Kleinhändler zu; aber M. übersieht den Anreiz, der für den Händler gerade in den hohen Einkaufs- und Verkaufspreisen liegt, die Milch zu per- Ivässern. Als Abwehrmaßregel spielt die k o n s u m g e n o ff e n- s ch a f t l i ch e Milchversorgung bis jetzt in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle; stärker ist sie in Oesterreich und in der Schweiz ausgebildet. Zur Hebung der Mikckmot in her Stadt und auf dem Lande empfiehlt M.— von den„grosg!» Mitteln" der Auf- Hebung des.Butterzolls und der Zölle auf Futtermittel und Vieh sieht er ausdrücklich ab— I. die Vermehrung der Zahl der Milchkühe und Steigerung ihrer Leistung, insbesondere durch Schaffung von bäuerlichen Betriebe»; 2. Verbilligung der Frachttarife, evtl. Ein? setzung eines Miichportos, d. h. eines Einheitssatzes ohne Rücksicht ans Entfernung; Einlegung von Milchzügen, Beförderung der Milch auf Schnellzügen; 3. Ausschaltung des Zwischenhandels. Der Klein- Handel bedeutet nickst nur„eine unglaubliche Verschwendung von Zeit, Arbeit und Kapital"; her Großbetrieb könnte„dieselbe Arbeit ungleich billiger und auch hl?gienisch eiiuvandfreier besorgen als jene tinzahl von Kleinbetrieben."— In dem Schlußabschvitt behandelt M. auf 2'A(!) Seiten die„sozialen Wirlungen des Milchrings": die Verschärfung der Klassengegensätze zwischen den städtischen Kon- sunlmassen und den produzierenden Agrariern. Tie Arbeit will sich nicht auf den„kühlen Nur-Konsumenten- standpunkt" stellen; aber ein anderes Motiv für die Kartellbildung als Profitgier und Plusmacherei hat sw nicht nachzuweisen vep- raocht,_ Hus der Frauenbewegung. TaS Erwache» der Franc» in Persien. Bei den verschiedenen Revolutionen, die in den letzten Jahren in den östlichen Staaten ausgebrochen sind, finden wir eines, das ihnen allgemein zu sein scheint. Tiefe Revolutionen werden unter der tätigen Teilnahnie der Frauen, ja vielfach mit ihrer Unterstützung ausgeführt. Sowohl in China, wie in der Türkei und auch in Persien haben die Frauen nicht nur wichtige Berichterstatter- dienst« leisten können, weil sie ja viel weniger besbachtet wurde» als die Männer, sie haben auch in vielen Fällen bestimmend auf den Gang der Ereignisse eingelvirtt. Das ist um so mehr zu v.'r- ivundern, als die Frauen des Orients ja noch immer die Gefan- genen ihrer Männer sind, die in«tgcnen Häusern hinter hohen Mauern leben und nie allein und unverschleiert ausgehen dürfen. Di« wenigsten tpunen lesen und schreibe»; ihre Bildung besteht pur in den Künsten, die ihre Schönheit erhöhen sollen und>»> Lautenspiel. Trotzdem beginnt es yu» unter diesen Sklavinnen zu tagen und ihr Verlangen nach einer Schulbildung und nach besserer Erziehung wird immer lebhafter. Wie tapfer diese Frauen sind, zeigt ein Beispiel aus Persien. Nach dem Tode des Bruders des Ex-Schahs st:lll§ die Russische Bank in Teheran eine Forderung von einer Million Mark, die sie diesem Prinzen geborgt haben wolltf. Da kam eine Frau dieses Prinzen und teilte sein Testament mit. durch das bewiesen wurde, die Forderung sei falsch, Als darauf die russische Regierung ein iiltiniatum stellte und das Parlament diese Forderung anerkenne» wollte, kamen 300 Frauen aus den besten Kreisen der Hauptstadt, drohten den Abgeordneten mit den Revolvern und zwangen sie, die Forderung neuerlich abzulehnen- Ja, es gab sogar Frau,.'», die sich nicht scheute», selbst zu Volksredner» zu werde» und die zur nationalen Bewegung gegen den Einfluß der fremden Nationen agitierten. Es bestehen eine ganze Anzahl vow geheimen Verbin- düngen, die für die Befreiung des Landes und für die Befreiung der Frau eintreten. > Es wird überall Tag und bald werden die orientalischen Frauen mehr Rechte besitzen, als manche europäische Frauen, Leseabend«. Groß-Llchtcrfclde, Dienstag, den 18. Jnnt, abends pünktlich 8'/� Uhr. Im Kaiierhof(Kranoldplatz). Thema:.Die Verwüstmig der Volksgesuiidhejt durch d-:nKapitaIismu!'t Referenti»: Genossin Lola Haas«. Lichtenberg. Der Leseavcnd in den einzelnen Bierteln fällt dicsen Monat ans. Es findet ein gemeinsamer Leieabend am Montag, den 17. Juni, bei eZHuer. FrankfuT-'r Chaussee 128. statt. Tagesordnung: Vortrag der Genossin Klara Bohm-Schuch: „Die proletarische Mutter als Erzieherin'. Neuwahl der Bei« litzeri». � ßmcbto- Zeitung, Unzüchtige Pfefferkuchen. Tah man sich an Psefferkuchen den Magen verderben kann. wird mancher, der diesem süßen Gebäck zu reichlich zusprach, am eigenen Leibe erfahren haben. Etwas Neues aber durfte es den meisten Menichen sein, daß Pfefferkuchen nicht nur Magenbeschwer- den. sondern such sittliche Gefahren heraujbeschtwpren können. Dies« Entdeckung blich einem 40jährIgeK Fräulein Hedwig Arndt vorbe. halten. Hie hörte in der Zeit des Weihnachtsmarktes durch Kinder- gespräch etwas von einer Pseffcrkuchcnaufschrift, worin die unOc- streitbare Tatsache ausgesprochen wiick, daß ein junges Mädchen besser sei wie ein Floh. Fräulein Arndt geriet in Entrüstung wegen der sittliche» Bevderbtßeit der Psifterkuchenpoe-ste. Sogleich trat sie eine Entdeckungsreise durch die Reichenbergerstraße an"und fand in mehreren Schaufenstern Psefferkuchen mit der Inschrift über das Mädchen und der Floh, sowie noch eine» anderen Pfefscr- kuchenspruch, der k-ujy und. bÄndig die Alalmung au feeni Ehemann richnch sein Weibchen nicht zu vergessen. Da dieser Mahnung die Weisung vorausgeht, das Licht auszulöschen, so gab Fräulein Arndt auch diesem Verse eine uwsittliche Doutung. Doch die züchtige Jung- frau entdeckte noch mehr: Tierschwänze und Mohrrüben aus Mar- zipan mit der Aufschrift:«Aus Liebe".—, O, diese Sittenverderbnis im Pfesscrkuchenladen, dacht« Fxäulein Arndt. Sie schrieb an den Polizeipräsidenten, teilte ihm das Ergebnis ihrer Unsittlichkeits- forschung mtit mnd schloß mit der pathetischen Wendung:„Herr Präsident. Sie werden sich«in Verdienst erwerben, wenn Sie Ihre Schutzleute anweise», den Pseffexkgchen und Marzipansachen Ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden." Das Schreiben verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht. Tie Polizei fahndete in Bäckerläden und Weihnachtsmarktbudcn auf un- sittliche Pfefferkuchen und Marzipansachen. Der Erfolg dieses Sitt- lichicitsfeldzuges war der,'daß gegen 40 Personen: Bäcker, Kondi- toren, Händler-und Händlerinnen ein Strafverfahren wegen Her- stellnng resp. Pcrbmtl-ng unzüchtiger Schriften) und Darstellungen eingeleitet wurde, 36 den-Angeklagten hatten sich gestern vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß dex Oesscntlichkeit geführt, doch wurden die Presseverkceter zugelassen. Was die beiden unter Anklage stehenden Pfefserkuchenverse de- trifst, so sind sie Ausdrücke eines derben Bolkshumors. Man kann aus ihnen eine Anspielung aus das erotische Gebiet herauslesen, aber man m uß es nicht, unbedingt. Ein unbefangener Mensch kann auch, ohne dem Sinn der Worte Gewalt anzutun, den Versen eine harmlose Deutung geben. Jedenfalls kann ein unverdorbenes Ge- müt durch diese Psefferkuchenpoesie keinen Schaden an seiner ge- schlechtlichen Sittlichkeit nähmen. Auch die Angeklagten sind nicht ans den Gedanken gekommen, daß ihre Psefferkuchen als unzüchtige Schriften angeschen werden'önnten, um so weniger, als die frag- tichen Pfefserkuchenverse schon seit langer Zeit unbeanstandet ver- kaust worden sind.„Mein Vater und mein Großvater haben schon Psefferkuchen mit diesen Sprüchen angefertigt", sagte einer der Angeklagte«, und«in als Zeuge vernommener Kriminalschutzmann, der auch auf die Pfefferkuchen fahndete, mußte zugeben, daß ihm die ominösen Verse schon seit Jahren auf dem Weihnachtsmarkte begegnet sind. Also muß doch die Polizei seither auch nichts An- stößiges in der Pfefferkuchenpoesie gefunden haben. Von den An- geklagten aber wird angenommen, daß sie sich der geschlechtlichen Beziehungen, die in den Versen gesunden werden können, bewußt waren. „Lieber Man«, pust ans da« Licht.. so beginnt der Spruch, dessen-Verbreitung den meisten Angeklagten zum Vorwurf gemacht wird. Aus die Frage des Versiiienden, in welcher Hinsicht der Mann sein Weibchen nicht vergessen soll, gaben die einzelnen Angeklagten die verschiedensten Antworten:„Er soll von seiner Frau süß träumen," sagt« eine weibliche Angeklagte. Eine andere Angeklagte meinte:„Wenn das Licht ausgepustet ist, hat der Mann noch ver- schiedene Pflichten zu erfüllen." Ein« Dritte sagte:„Der Mann soll an seine Frau denke» und die Lampe auspusten, damit- kein Unglück geschieht." Einer der männlichen Angeklagten erklärte: „Wenn man das Licht ausgelöscht hat und schlafen geht, dann gibt man seiner Frau einen Kuß. Das tut doch jeder anständige Mann." Ten Nagel auf den Kops traf eine der amgeklagten Frauen, indem sie kurz und bündig erklärte:„Ich habe«nr bei dem Vers« nichts gsdachk, Rur der kann sich etwas Schlechtes dabei denken, der selber schlecht ist." Aehnliche Erörterungen rief der weniger verbreitete Spruch hervor, der mit den Worten beginnt:„Ein hübsches Mädchen drall uns nett.. f Während es bei den Pfefferkuchen die Worte sind, denen die Staatsanwaltschaft ein« unzüchtige Deutung gibt, betrachtet sie die Rüben und Schwänze aus Marzipan nicht als einfache Nachbildun- gen natürlicher Gegenstände, sondern gewissermaßen als symbolische Andeutungen desjenigen männlichen Körperteils, den man vor keuschen Ohren nicht nennen darf. Einige Exemplare der auf den Gerichtstisch liegenden Marzipansachen scheinen in der Tat- Nrchalts- punkte für diese Auffassung zu bieten. Andere Exemplare aber sind nichts anderes als zienAich naturgetreue NachbiSdungen von Mohrrüben und Tierschwänzen, äber sie zeigen die Aufschriften: „Aus Liebe".„Keine Liebe ohne",„Je länger, je lieber". Diese Aufschristen sollen die Beziehungen zum erotischen Gebiet darstellen. Das Gericht erklärte die Pfefserkuchenverse, in höherem Maße aber die Marzipansachen als unzüchtig. Die Händler mit Pfeffer- kuchen— 27 an her Zahl—. wurden zu je 10 M., hie Marzipan» Verkäufer zu je 30 M. Geldstrafe vevurteilt., Di« Sittlichkeitssanatiker können triumphieren. Nach mancheift vergeblichen Vorstoß gegen klassisch« Kunstwerke ist ihnen«in Schlag gegen die Pfefferkuchenpoesie gelungen. Bedauern braucht man es gerade nicht, wenn einige Blüten dieser Poesie vom Markte ver- schwinden. Daß man überhaupt mit splchem Aufwand gegen sie zu Felde zieht, das zeugt von übertriebener Prüderie. Ein gesundes sittliches Empfinden nimmt a» solche» harmlosen Anspielungen, wi» es die beide» Pfefserkuchenverse sind, keinen Anstoß. Die Marzi» pansachen, die weniger unzüchtig, als unanständig und geschmacklos sind, würde» überhaupt keine Käufer striden, wenn sich die öffentliche Erziehung die Hebung pes guten Geschmacks angelegen sein ließe,_, Durchstechereien im Moabit« Krimlnalgertcht lagen einer Antlage wegen versuchter und vollendeter Bestechung zugrunde, welche gestern den Kanzliste» Roscmeyer vor die vierte Strafkammer de» Landgerichts II führte. Der Angeklagte war längere Zeit bei dem Erinittelungsrichter des Amtsgerichts Schöne. brrg in dem Moabiter Kriminalgericht als Kanzlist beschäftigt und als solcher als Beamter vereidigt worden. Eines Tages erschien der Angeklagte bei dem praktischen Arzt Dr. I., gegen den ein Verfahren wegen Verbrechens gegen das keimende Leben schwebte, und teilte ihm mit, daß er in seiner Eigenschaft als Gcrichtsbeamter aus den Akten ersehen habe, daß eine Haussuchung in seiner Wohnung bevorstehe. D.r sich Dr. I. in der Sache selbst völlig frei von jeder Schuld sühU» er außerdem zu jener Zeit unter allen möglichen Erpressungen zu leiden hatte, glaubte er es in der Person des Angeklagten mit einem Erpresser zu tun zu haben. Er tclephonierte, nachdem ihm der Angeklagte zu versieh«, gegeben hatte, daß er diese Mitteilungen nicht umsonst mache, an die Polizei und ließ den Angeklagten fest- nehmen.-» In dem wetteren Ermittelungsverfahren ergab es sich. daß der Angeklagte auch noch in einem anderen Falle eine Durch- stecherei begangen hatte. Ein Rittmeister Freiherr v. R.. gegen den«in Strafverfahren wogen Vergehens gegen den§ 175 schwebt«. gab dem Angeklagten den Betrag von 100 W. in Form eines„Dar- lehns". Hierfür gab ihm der Angeklagte die sämtlichen Gericht«. allen zur Einsichtnahme. Da« Gericht hielt da« Vergehen des Angeklagten für ein über- aus strafwürdiges, da durch einen dnarjig grphkn Vertrauens- vruch eines Beamten die gerichtlichen Verfahren stark beeinträchtigt und gefährdet werden lyngen. Jas Urteil lautete auf 9 Monate Gefüngnis._ Bombenanschlag auf einen HofMg. Das Schwurgericht in Bcuthen O.-S. hat gestern den Schlepper Korhciorz aus Groß-Tombrowka lKreis Beuthen) wegen Vergehens wider das Sprengstoffgesev, wifseutlich falschek Anschuldigung, lfrei- heitsberaubung und Urkundenfälschung zu lb Jahren Zuchthaus, 19 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt- Korydorz hatte seinerzeit den Hausbesitzer Kozot verdächtigt, als Mitglied einer in Krakau aufaffigen geheimen Gesellschaft am 26. November 1919 einen Bombenanschlag auf den Hofzug des zur Enthüllung des Denkmals Friedrich» de» Grasten nach Bcuthen fahrenden Kaisers geplant zu haben. Im Laufe der Untersuchung stellte sich jedoch heraus, daß Korhciorz den Kozot Wider besseres Wissen angezeigt und die bei Kozot vorgefundenen Bomöe» und belastenden Korrespondenzen selbst in das Gehöft des Kozo.l ein? geschmuggelt hatte. Er wurde nun auch beschuldigt, die Bombe selbst auf das Gleis des Hofzuges gelegt zu haben. Während de» ganzen Prozesse« war die Ocsfenllichteit ausgeschloffen. Nackter Tanzkünstler. Tas Urteil, das das Landgericht München gegen den Nackt- tänzer Hieber in der Antlage wegen Sittlichteitsverbrcchen fällte, lautete auf 5 Jahre Gefängnis wegen acht Fälle festgestellter Eitt- lichkcitspxrprechen, die dieser Unhold begangen hatte. Tas Reichsgericht gegen die Rechte der Verteidigung. Ein Rechtsanwalt darf auch vor Gericht kein abfälliges Urteil über die Polizei in ihrer Gesamtheit fällen! Diese kuriose Ansicht hat das Reichsgericht in einer Sache wider den Rechtsanwalt Map Lichtenstcin aus Zabrze vertreten. Dieser war vom Landgericht Gleiwitz am 6. November v. I. wegen Beleidigung der Zabrzer Polizei zu 599 M. Geldstrafe verurteilt worden. L. hatte am 28. Februar 1911 vor dem Amtsgericht Zabrze in einer Strafsache als Verteidiger u. a. etwa folgendes gesagt: Es sei leider Tatsache, daß sich die Polizei sehr oft Ucbergrifsc erlaube und daß ein großer Teil oder der größte Teil derselben keinen Schuh, sondern eine Gesahr für das Publikum bilde». Und leider komme es dadurch oft vor, daß dann nicht der Beamte, sondern der Verletzte auf die Anklagebank kommt, und dast dann der Beamte derjenige sei, der, geschützt durch seinen Diensteid, alles beschwöre. Auch liebe es die Polizei, unbequeme Zeugen hinterher zu drangsalieren. Diese Aeustcrungen halte L. namentlich deshalb getan, weil in der Schöfscngerichtssitzung der Vorsihcnde gesagt hatte, dast bei öfscnt- lichen Zusammcustoßeii zwischen Polizei und Publikum, lcvteres leider meist gegen den Polizisten Partei ergreise. Das Gericht hat aber in den Behauptungen eine Beleidigung deshalb für vorliegend erachtet, weil sie sich aus die Eigenschaften der Polizcibcamten im allgemeinen bezog. Auch hat das Gericht die Absicht der Bc- leidigimg für vorliegend erachtet und deshalb L. den Schutz des 8 193 St.G.B. sWahrnchmung berechtigter Interessen) versagt, indem es der Ansicht war, dast L-, der ohnehin der Polizei feindlich gegen- überstand, diese Gelegenheit nur benutzt hat, um den Beamten einmal etwa» anhängen zu können. Gegen das Urteil hatte L. Revision eingelegt, in dieser rügte er, dast ihm der Schutz des§ 193 versagt worden war und dast verschiedene Anträge auf Vernehmung von Zeugen abgelehnt worden waren, die über der- artige Vorfälle bekunden sollten. TaS Reichsgericht verwarf am Freitag die Revision als unbegründek, indem es u. a. ausführte. daß auch durch die Zeugen und die Anführung einzelner Beispiele von Uebergrisfen der Wahrheitsbeweis für die Vorwürfe gegen die Polizei in ihrer Gesamtheit nicht hätte erbracht werden können. Älocken-Spielplan cler Lerliner Cfteater. Sölltgl. cpernhaus. Sonntag: Der stiegende Holländer. Montag: Madama Buttnilq. Dienstag: Der Rownlavaller. Mitwoch: Mignon. illiisanq 3 Uhr,) Tonnerslaa: Bohömc. Freitag: ttida. Sonnabend: Der Rvl>n?alter. Sonntag: Manvw Montag: Geschlossen.(Ansang?-/. Uhr.) Kiuisql. Schauspielhaus. Sonntag; Der grotze König. Montag: Peilt hefilca. Dienstag: Jtrtkrf Cäsar. Mittwoch: Der groge König. Donnerstag: Die Journalisten. �Ansang?-/. Uhr.) Von Freitag ab ge- "' �Dcuisches Theater. Sonntag: Der Marquis von Kclth.(Ansang 6 Ubr.) Bon Montag ab geschlossen. /lr. 0, K ammeriviele. Täglich; Mein Frcnnd Teddy.(Ansang 8 Uhr.) tsessinq-Thrater. Aliatcndlicki: Johann Strautz-Theater: Sonntag, Die pdemnvus. Montag bis Montag: Vergnügungsreise.(Ansang 8''/, Uhr.). Rletrvpol> Theater. Allabendlich: Schwindelmeier«. Co,(Ansang 3 Uhr.) Folie« Eaprlce. Allabendlich: Parisiana-Ensemble.(Ans. 8-/« Uhr.) ZLalhalla. Allabendlich: Um eine Krone.(Ansang Sß. Uhr.) Apollo- Theater. Abends täglich: Spezialitäten.(Rnsang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallen-Theater. Täglich: Sanatorium Sonnenstich.(Am sang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Königstadt-Kasnio. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Urania-Theater. Sonntag: In den Dolomiten. Montag: Durch Dänemark und Südschwedcu. Dienstag: Der Großglockner, Gastein, Salzburg. Mittwoch: Im Lande der Mitternachtssonne. Donnerstag: In den Dolomiten. Freitag: Der Großglockner, Gastein, Salzburg. Sonnabend: Im Lande der Mitternachtssonne. Sonntag: Durch Dänemark und Südschweden. Montag: Unbestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Arbeitcr-Samariterbuud, Kreis Brandenburg. Lchrabend haben in dieser Woche: Berlin. Am Montag, 1. Abteilung: bei Dase, Brunnenstraße 154, abends 8V, Uhr. M artenbor|. Montag bei Löwenhagen, Ehausscestr. 27, abends 6-/, Ubr. Spandau. Am Mittwoch bei Pccziles, Pichelsdorfer Straße 5, abends 8-/, Uhr. F r i e d r i ch s h a g e n. Ain Donnerstag, Friedrichstr. 60, 2. Hof, abends 8-/, Uhr. R o w aw e s. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abends 8 Uhr. ßrlefhaCtcn der Kcdahtion. P. K. Nr. 13. Nein.— Hansnrztin 100. Sie persönlich sind hast- bar; Ihr Mann nicht; dieser ist auch nicht verpflichtet, die Zwangs- Vollstreckung in das eingebrachte Gut zu dulden.— E. A. 100. Für den tatsächlich verursachten schaden sind Sie bastbar. In der Regel wird nur die Decke beschädigt sein.— B. FZ. 1. Ja. Versuchen Sie, ebenfalls ein Armeuattest zu erlangen. 2. VersäumnisurteU kann miseres Erachtcns nicht ergehen, da sogenannte notwendige Streitgenosscnschast vorliegt.— Nt. B. 241. 1. Aus dem Adreßbuch ersichtlich. 2. Kommt aus die Höhe Ihres Verdienstes an; wahrscheinlich monatlich.— R. 600. Antrag an das Potizeipräfidium. Die badische Staatszug ehörigkeit brauchen Sie. nicht auszugeben.— H. P. 48. Ja. sosern der Sohn zahlungsunsähig ist.— WnsierstandS-Nachrichten der LandeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. :,— Fall.—') Unterpegel. ')+ bedeutet Marktbericht von Berlin am 14. Jnni 1018. nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) Ivo Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speisebohnen, weiße, 30,00— 50,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindsleisch. von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch l,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,80—2,40, Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. X Kilogramm Karpsen 1,20-2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,60—3,00. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-40,00. qanz> ohne Soda!! eine neuartige fiausbaltfeifc von fabelhafter Maschkraft Stück S0 Pf. lln. LiiRHNAsii Echa-zliittlkühnngslicht ' Ittr Kchbilldtru.vmv.Gtuitrbt Nl Kerlin. Wir bringen hi-rmit zur Kenntnis, daß laut Beschluß der außerordent- lichen Scncralbersaminlung vom 13. Mai 1913 die Kasse am SV. Juni 1V1S aufgelöst wird. »«>' Pornttutil. I. 31.! H. Rhauda. Vorsitzender, _ Luiseu-UIer 17. 30836 Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Mdlcr�Pa:,2 10— stö— 7. Sonntags 10—13. 2—4 galentta Den„Vorwärts"-Lesern gewähre Rabatt. Sensationelle Neuiieit! Imitiert. Inder- Teppich gnnie rflckcH, smyrnn- artizrci, Octvcbe auf creme, bordeaux, oliv, bleu oder fraiso Fond, von den eebton Inderteppichen kaum zu unter- aclieidca. Große ca. 90X1 85 e>».., M. 180X198„„ 8,7t» 160X225,.... 14.7.'» 190X295„•.. d 28,60 250X350„..., 33,00 300X400„„ 48,00 l'aüucndc Bett- und Pnlt- Tcppiche Stele. B. 2, 8, 4 a.»,75. Nach ausw. p. 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Kleines Theater. Der Leibgardlst. Neues Operetten-Theater: Der Gras von Luxemburg. Abend» S Uhr: Neues VoliS-Theater. Liebelei.— Literatur. AbendS S'/, Uhr: Neues VolkS-Theater. Montag. Mi«. woch, Donnerstag, Sonnabend: Der Raub der Sabincrinnen. Dienstag, Freitag: Der KönigSleutuant. nun □OD □□□ Theater und Vergnügungen Sedmer-m»ler0.�S. Sonntag, abends 8 Uhr: Nacbrnhm. Montag, abends 6 Uhr: Biachrahm. Dienstag, abends 8 Uhr: Per KompaynoB. Sehiller-Theater Ch#br1!�B Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Die Haubenlerche. Abends 8 Uhr: Die Lokalbahn. Hieraui: Die HedalUe. Montag, abends 8 Uhr: Die Lokalbahn. Hierauf: Die Hedaillo. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. MefigliefWMfZtfck Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Operette von Leo Fall. Idealer des Westens AbendS 8 Uhr: Die schöne Helena. Residenz-Theater� Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwant in 3 Akten vo» M tzennequin und A. Mitchell. 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Juni. 1912, in der Brauerei Friedrieh« Ii ain, am Königstor. Mitwirkende: Berliner Blasorchester, Herr Musikdirektor Franz von Blon Von 5 Uhr an Ball) Herren zahlen dafür 50 Pf. nach. Bei nngüntiger Witterung findet das Konzert im großen Saale statt. Koatcrt- Anfang um 4 Iths. a Eintritt Ä5 Pfennige. Billetts sindin folgen den Geschäften zu haben: R.Schirnter, Wörther Sty. 22 P. Schneider, Hnfelandstr, 31. Bär, Bötzowstraße, dicht a. d. Brauerei ß'riodrichshäin.-Gennat, Friedenstraße 15, Ecke Weibslr. Palrti, Am Fried�nihsiFlöfBrUinfli Am Friedrichshain 28. Beiersdorf, Elbinger Str. 9. Konsum- Genossenschaft, Kopernikusstr. 3. Konsum- Genossenschaft, Mirbachstr. Engelmann, Ootheniustr. 13. Biebermann, Zorn- dorfer Str. 9. 59/2 >rter Str. 9. 59/2»1 ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦| ♦ t ■9 ♦ ♦ ❖ ♦ ♦ : ♦ nn ♦ lEXCELSlOR-H LICHTSPIELHAUS| Neukölln gfÄü.tr5Viii Passage 15. bis»I. Juni einschl. Grafensohtt und UHistin Fortsetzung des sensationellen Artistendramas „Ms 4 TeufeB"(Dreiakter). 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Jnni. abends«>/.«Hr. in de« Reue« Rat- Haus-Sälcn, Martin-Lutherstr.«S. Tagesordnung: I. Vortrag des Kollegen Wendel über:.England, Land und Leute*. 2. Bericht von der Generalvetfainmlung. 3. Verbands- angelegenheiten._ Korbmacher! Mittwoch, den 19. Juni, abends H'l, Uhr, im GewerkschaftShaus, Eugelufer 15. Saal 4(Ärbeitsloicnsaal). Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu einer allgemeinen Korbmacher» konferenz. 2. Branchenangclegenheiten. 3. Verschiedene». Achtmtg! Die Bibliothek wird im Juli zwecks Inventur ge- schloffen. Alle Bücher muffen bis zum SO. Juni ein- geliefert werden. 85/7 Die Ortsverwaltnng. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt Norden. Nr. l2SS. Verwaltuiptelle Berlin EharitHstrahc 3. Hauptbureau Hos in. Ami Norden, Nr. 1387. Dienstag, de« 18. Jnni 1912, abends 6 Uhr: Uersamminng sämtlicher in der Möbelschlotz-Brnnche beschäftigten Kollegen und Kolleginnen im Lokal von Mcrkowskt, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Bericht über über unsere letzte Tachbewegung. 2. Diskussion. 2 Branchenangclegenheiten und VerschtedeneS. r- Infolge der reichhaltigen Tagesordnung muß die Versammlung erösinei werden, deshalb wird das Erscheinen aller Kollegen be. stimmt und pünktlich erwartet. Den Mitgl-edern zur Kenntnis, daß die köllii. Wissmannslr. 10, nach t'rledrlch „lannftraste 8«. verlegt worden ist. 119/7 von Bartsch, Neu- luroho, Neukölln, Wtfs- Die Ortsverwaltnng. An bester Lage.— Nahe Bahn und Post. HmxHchlt«eine neneingerlchteten Hotelxlmmer. Elektrisch Licht— Zentralheizung— Bad. Angenehmer Aufenthalt. Reichhaltige Spelscnkarte. Aufmerksame Bedienung. »ernsvrecher 7496. 231,7» Ole Verwaltung. -- rowwwwwwwwwo Deutscher Kürschner- Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: NO. 43, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadt 6783 Mittwoch, den 19. Juni, abends«'/, Uhr. in den Musiker-Siile», Kaiser-Wilhelm-Ttraste 18m: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Dritter Vortrag der Genossin Ida Altmann über:»Die deutsche Literatur". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eine« jeden ist es, in der Bersammlung zu erscheinen. ' Die Ortsverwaltung. ein dtaturtrank aus frifchen Früchten mit eigener Kohlenfäure Vi Flafche(0,6 1)...... 27 Pf. Va Flafche(0,3 1)...... 20 Pf. Für die Flafche werden 7 Pf. suradcvergOtet. Wiederverköufer in allen Stadtteilen gefuchi �JÖoo�/e G. m. b. H, Berlin-Ch. 2, Charlottenburger Ufer 70 _ Fernsprecher: Amt Steinplatz Nr. 1904, 4661., leMunB! Bewilligte Bäckerei, tcmmig! Teile dem verehrten Publikum und meiner Nachbarschalt mit, daß ich untengenannle Bäckerei käuflich übernommen und zugleich die Forderungen deS Bäcker- und Kondiloren-Verbandes anerkannt habe: e« wird mein Be- streben sein, dem Publikum in j e d e r Weise entgegenzukommen und gute War«»u liefern. Achtungsvoll BnmoKpasI, Orannstr. 99. li5!Üj| Todes-Anzeigen|[i}{Si| » MMf SWmM.»IM. Schnell und unerwartet verschied am Mittwoch, den IL. Juni er. I unser Kollege 27/18. hisnmsnn Kisniini I an einem Herzschlage. Als ehemaliger Schrislsührer im Gau- vorstände war er jederzeit bemüht, den Ansorderungen der| Organisation gerecht zu werden, und betrauern wir in dem Dahin- fi geschiedenen einen Kollegen und Freund, welcher in allen Situationen i immer bereit war, seine Kraft der Kollegenschast zu widmen. Das Begräbnis findet am Montag, den 17. Juni er., nach- j mtttags 4'/, Uhr, aus dem Friedhos in Friedrichsseide statt. Der Vorstand. kür dsu 4. Berliner Reichslags-Wahlkreis. Stralauer Viertel. Bez. 233. Den Mttgliedeni zur Nachricht. daß unser Genosse, der Gastwirt Kugus� Lange Bossestr. 10, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 17. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Thomaskirchhoss in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. Sozialdemokrat. Watilvereio NeukoBln. Den Parteigenossen zur Nach- daß unsere Genossin Frau Heltvig Krebs Wissmannsttaße 22/23(24. Bezirk) verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 17. d. Mts., nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- halle des Neuköllner Gemeinde. siiedhoses, Mariendorser Weg, aus statt, Um rege Beteiligung ersucht 237/13_ Der Vorstand. Verband der Lederarbeiter. Fflinle Berlin I. Hiermit den Mitgliedern zur! Kenntnis, daß unser Kollege, der Handschuhmacher Otto Hoßfeld aus Friedrichshagen im Alter von| 57 Jahren gestorben ist Ehre seinem Aiidenken! Die Beerdigung findet am| Montag, den 17. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes Friedrichs- Hagen, Kirchstraße, ans statt. Um rege Beieiligung ersucht Der Vorftaud. Deutscher Bauarbeiter-Verband Kweigvereln Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mttglied, der Fahr- ftuhlarbeiter Max Meyer Bezirk Wedding am 12. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 16. Juni, nachmittags 3% Uhr, von der Leichenhalle de« Kirchhofes der Paulusgemeinde in Plötzensee, Donagesiell, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 140/3_ Der Vorstand. Vttblmd der Schntidtl und Zchntiderinukn. minie Berlin I. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Msx DommeB am 14. Juni im Alter von 32 Jahren verstorben Ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet an, Dienstag, den 18. Jimi, nach. mtttags 3 Uhr, von der Halle des Eriedhoses zu griedrichsselde aus !.tt. Allen Bekannien traurige Nachricht, daß meine liebe Mutter, Schwieger- und Großmutter, die Gastwirtin Minne Kühne geb. lanso, (Emdener Str. 40) nach kurzem schweren Leiden am 14. d. M., morgens K>/, Uhr, im 63. Lebens- jähre sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Montag, den 17. d. M., nachm. 4'/, Uhr, aus dem Stahnsdorser Friedhof statt, Ernst Schmidt und Iran. SozialdemokratisehJalilferein Kreis NiederbarDini Bezirk Lichtenberg. Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Näherin Lmme NickeB (Niederbarnimstr. 10) verstorben ist, Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet Montag, nachmittags'/,4 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/11 Die Bezirksleitung. Am 13. Juni verschied nach! ! langem schweren Leiden meine | herzensgute Frau S5A Lmnrce Dickel geb. Siemen. Dies zeigt tiefbetrübt an Ulbert Nickel. Lichtenberg, Niederbarnimstr. 10. Die Beerdigung findet Montag, nachnlittags'Li Uhr, auf dem Friedhofe in Marzahn statt. Verhaail der Steinsetzer, Ptlastererulerulsg. Deutschlands Filiale Berti». Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Mex Dinell verstorben ist. 175/2 •■i Ehre seinem Andenken!" Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. Juni, nach- »iittaas1-/z Uhr, von der Halle des' Sophien-Kirchhoses, Freien- walderstraße, ans statt. Rege Beteiligung erwartet Der Borstand. Verband der freien Gast- und I Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltuug Neiiköl!». Hiermit ersüllen wir die trau- rige Pflicht, die Kollegen von dem jj Hinscheiden unseres Mitgliedes Wilhelm Wetzel in Kenntnis zu setzen. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet kieute, U nachmittags 5 Uhr, von der L lichen- H halle des neuen Jakobi-Kirchhoses, K Hermannstraße ans statt. Um rege Beteiligung ersucht H 73/3 Die OrtSverwaltrenq. H Tischler-Verein zu Berlin. E. H.\o. 89. Den Mitgliedern zur Nachricht. S daß unser Kollege Friedrich Zehnpfundt! (Wilhelmstr. 128 wohnhast), am{ 14. Juni im Alter von 67 Jahren l verstorben ist. 20306( Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am) Montag, den 17. Juni, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle deS Dreisaltigkeits-KirchhoseS, I Mariendorf, Eifenacherstr. 61 aus j statt. Rege Beteiligung erwartet Iler VorHtand. I Hiermit zur Nachricht, daß mein H lieber Mann, Bater, Schwieger- ß oater und Großvater, der Nestau- ij rateur Hermann Herold am Montag, den 10, d, M. tödlich verunglückt ist. Berlin, Schonenfchestr, 3, Franziska Herold nebst Tochter und Schwiegersohn. Die Beerdigung findet heute Sonntagvormittag 11 Uhr von der Leichenhalle des neuen Pan- kower Friedhoses, Schönholzer Heide, miS statt. tl6 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MaMies, unseres guten Vaters, SohneS, Arn- ders, Schwagers und Onkels sage ich allen Freunden und Bekannten sowie den begleitenden Vereinen herzliche» Dank. Frau Witwe Jocll geb. Pansch «ebst Kinder». Enorm preiswerte Lodenrock�Bern" 1535 breit abgesteppt und mit Riegeln zum Aufknöpfen........... M. Lodenrock„Genf"«50 elegante Fasson mit Knopfgarnierung und reicher Stepperei ,....»»»»» M. Loden-Cape„Rigi" m ca 130 cm lang mit abnehmbarem Capucfaon und Trägern M, Loden-Cape„DaYOs"jj5o auch als Mantel zu tragen mit ansknopftarem Ärmel M. YJ« 1* T 1 n für 5-8 Jahre" 9-11 Jahre 12-16 Jahre Kinder-Loden-Capes„5" 8" r Katalog1. kostenlos! 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW» St. 138. 29. Jahrgang. 3. Mze des Jutiiiiitls" Kerlim lolMlott Sonntag. 16. litt» 1912. Partei- Angelegenheiten. Friedenau. Dienstag, den 18. Juni, im Kaiser-Mlhelmgarten, Ry�instratze 64 iklciner Saal): Walilvereinsversammlung. Vortrag des Genossen Piek:„Die Jugendbewegung". Tempclhof. Dienstag, den 18. d. M., abends 8� Uhr, bei Becker, Berliner Straße 41/42: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Vortrag, Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes. Ober-Schöneweide. Dienstag, den 18. Juni, abends 8H Uhr, Mitgliederversammlung bei Prochowski sSchöneweider Vereins- Haus). Vortrag des Genossen Spliedt:„Aus der Geschichte der Sozialpolitik"; Diskussion; Bezirksangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, den 18. Juni, abends 8)4 Uhr: Mitgliederversammlungen. Abteilung l. in Serpentins Festsälen, Baumschulenstraße 78: Vortrag des Genossen Max Grunwald über„Weltmarkt und Imperialismus". Abteil. II im Sport-Restaurant, Elsenstraße 115/116: Vortrag des Genossen Ludwig Zempelburg über:„Bürgerliche und proletarische Bildungsbestrebungen". Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Bntz-Buckow. Heute, Sonntag, den 16. Juni, früh 8 Uhr: Handzcttelverteilung von den bekannten Stellen aus. Montag, den 17. Juni, abends 8Z4 Uhr, im„Gesellschaftshaus", Ghauffeestraßc 97: Oeffentliche Versammlung; Tagesordnung: „Glaube und Vernunst", Referent: Landtagsabgeordneter Adolf Hofsmann. Der Vorstand. Rummelsburg. Heute Sonntag, den 16. Juni, findet im Cafe Bellevue das Sommerfest des hiesigen Wahlvereins statt. Da es das letzte Fest ist, welches der Wahlverein als selbständiger Bezirk abhält, und auch sonst für ein gutes und reichhaltiges Programm gesorgt ist, so wird rege Beteiligung erwartet. Einrittskarten zu 26 Pf. sind in den Bezirkslokalen und bei allen Bezirksführern zu haben, an der Kasse 26 Pf. Das Komitee. Rcinickendorf-West. Dienstag, den 18. d. M., abends 8 Uhr, im Lokal von Gördes, Eichborn, Ecke Waldstraße: Mitgliederver- sammlung des Bezirkswahlvereins. Die Bezirksleitung. Franz.-Buchholz. Dienstag, den 18. Juni, abends 8H Uhr: Mitgliederversammlung bei A. Rotzack. Hauptstraße 71. Tages- ordnung: Vortrag des Genossen Dr. Julius Moses:„Wie schützt der Arheiter Leben und Gesundheit seiner Familie"; Vereins- angelcgenheiten. Nowawcs. Mittwoch, den 19. Juni, abends 8Mt Uhr, im Singerschen Lokal, Priesterstraße 31: Volksversammlung. Genosse Scheidcmann spricht über das Thema:„Preußen in der Welt doran"._ Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Vom Blnmental. Das Reizvollste, was die Mark zu bieten hat, ist an- erkannt der Blumental nördlich von Strausberg. Zu be- dauern bleibt nur. daß ein großer Teil seiner schönsten, wild- romantischen Partien von der Besitzerin, der Prötzeler Guts- Herrschaft, kür Ausflügler gesperrt oder doch nur gegen Lösung einer Eintrillskarte für 1 Mark zu genießen ist. Glücklicher- weise frei von dieser Waldsteuer ist der benachbarte idyllische Gamengrund an der königl. Forst Eberswalde mit dem klamm- artig eingebetteten 30 Meter tiefen Gamensee und der vom Dichter Schmidt von Werneuchen besungenen Elfenwiese. Auch die südlich davon in der Gielsdorfer und Wilkendorfer Forst zlvischen der Prötzeler Chaussee und der Stadt Straus- berg gelegenen herrlichen Waldgebiete mit den entzückenden beiden Latt-Seen. leicht über das Vorwerk Heidekrug zu erreichen, sind frei. Viele zieht es aber doch mit Allgewalt weiter in die Wälder hinein, in den eigentlichen Blumental nördlich der Prötzeler Chaussee. Man geht am besten auf letzterer vom Gamengrund reichlich anderthalb Stunden bis zum Chausseehaus Blnmental, biegt links ab nach dem Russengrund, der, wie alles hier, einer urwaldähnlichen Wildnis gleicht, und steht nach halbstündiger Wanderung vor dem wunderlicblichen Pichesee, einem in dichtestem Laubwald versteckten Seckcssel mit über 50 Meter hohen Felswänden. Am Ufer des„Piche" entlang schlagen wir uns von der anderen Seespitze ab wieder rückwärts durch über Forsthaus Blumental nach dem ebenfalls in tiefem Laub- gründe träumenden, etwas größeren Blumentalsee, und un- weit davon liegt die sogenannte„Stadtstelle", an deren Ursprung und Geschichte sich noch immer die Gelehrten den Kopf zerbrechen. Die einen sage», daß es eine Blumental- stadt, wie die Sage erzählt, nie gegeben hat. Nur soviel steht zweifellos fest, daß der Blnmental in uralten Zeiten ein heiliger Hain der Semnonen war. Hiervon gibt noch heute ein mit Runen versehener gewaltiger granitener Opferblock, der Senmonenstein, überzeugend Kunde. Das Geheimnis der„Stadtstelle" ist aber damit nicht gelichtet. Der Blumental ist nämlich gerade in dieser Gegend so überreich an erratischen Blöcken, die zum Teil bearbeitet und mit Mörtel eisenfest verklebt sind, daß diese steinernen Zeugen die Phantasie sehr leicht dazu anregen können, hier eine untergegangene Stadt zu vermuten. Die Mörtelspurcn wohen aber auch nicht allzuviel bedeuten, denn es ist bekannt, daß in verklungcncn Jahrhunderten grotzs Steine, die sich bei Wald und Wiese in großen Massen vorfanden, dazu benutzt worden sind, um sie am Feldrain als Grenzzeichcn aufzuschichten. Ebenso gut kann angenommen werden, daß der erwähnte Opferstein, der mit dem Marktstein der Stadtstclle identisch ist und jetzt drei Meter unter dem Boden liegt, von den Semnonen mit anderen Steinen wie mit einer zyklopischen Mauer umgeben wurde, um die Opferstätte vor profanen Augen zu hüten. Auch die im Laufe der Jahrzehnte aufgefundenen Eisenschlacken, Töpfer- Warenreste. Nrnenrückstände. Pfeilspitzen können das ehemalige Vorhandensein einer Stadt, an das Fontane fest glaubte, nicht beweisen. Die heutige, naturvegelsterie Generation findet mehr Interesse an der in der Mark einzig dastehenden Flora des Blumcntals, die in neuerer Zeit zuerst der berühmte Afrika- reisende Schweinfilrth erforscht hat. Wacholder wächst hier baumartig und erreicht eine Höhe bis zu zehn Metern. Auch Kreuzdorn, Weißdorn und Haselnußsträuchcr gedeihen zu staunenerregcnder Größe. Selten trifft man anderswo in deutschen Landen so riesige Mengen von Maiglöckchen und Waldmeister unter der Weißbuche an. Und nur einmal in der Mark ist. hier die prächtige Lippenblume. Waldmelisse, deren Blüten durch Größe und Farbenpracht an die Tropen erinnern, zu finden. Natürlich soll es bei der Stadtstelle im Blumental auch „umgehen". Die alten Semnonen sind ausgestorben, ihre Schatten steigen nicht mehr aus der Vergangenheit empor. Wir stehen bewundernd vor der Größe der allgewaltigen Natur und kümmern uns nicht viel um das, was die Sage raunt._ Bolkskonzerte des Philharmonischen Orchesters. Die Berliner Gewerkschaftskommission hat auch für die weiteren Konzerte den Vertrieb eines Teiles der Eintritts- karten übernommen. Die Karten sind zu haben im Zimmer 13, in der Zeit von 9— 12 Uhr vormittags und 4—7 Uhr nach- mittags, sowie im Zigarrengeschäft von Horsch. Engelufer 15. Außerdem sind Karten zu haben für die Konzerte in der Brauerei Friedrichshain und in den Konkordiasälen, im Bureau des vierten Wahlkreises, Stralauer Platz 1/2. Für die Konzerte in der Brauerei Königstadt und in den Germaniasälen im Bureau des sechsten Wahlkreises, Neue Hoch- straße 23. Für die Konzerte in der Bockbrauerei in der Zeitungs- spedition Kirchbachstr. 14. In Betracht kommen für die Konzerte folgende Tage: 6. Juli: Brauerei Fricdrichshain. fl CViift• 10. 13. 17. juli: Bockbrauerei. Juli: Brauerei Königstadt. Juli: Konkordiasäle. 20. Juli: Germaniasäle. 24. Juli: Brauerei Friedrichshain. 27. Juli: Vockbrauerei. 31. Juli: Brauerei Königstadt. 3. August: Konkordiasäle. 7. August: Germaniasäle. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Garderobenzwang findet nicht statt. abends. Dauer der Konzerte von 7'/z bis 10'/« Uhr Soldaten als Dienstmädchen. In der Livländischen Straße /Wilmersdorf) wohnt eine Rechtsanwaltswitwe. Da die Dame den Rcinmachefrauen nur 19 Reichsp fennige pro Arbeitsstunde zu zahlen pflegt und bei dieser fürstlichen Entlohnung obendrein »och erwartet, daß ihre zweizimmerige Wohnung in allerkürzester Zeit— möglichst in einer Stunde!— aufgeräumt sein müsse, so kriegt sie keine Hilfe mehr. Tut aber nichts— wenn man Schwiegermutter eines Leutnants ist. Wozu sind auch die Soldaten in der Kaserne da, doch nicht bloß, um Burschen- und Küchendienste bei den Offiziersfrauen zu verrichten, sondern auch in deren Verwandtenhäusern den Pudel zu machen. So oft also die offiziersschwiegermütterliche Advokatenwitwe einen Stubenausseger, Botengänger, TeppichauSklopfer, Bodenkammerreiniger usw. braucht, steht ihr ein Vaterlandsverteidiger zur Verfügung. Das ist billig — und kostet ja nur die Groschen der Steuerzahler. Woher nimmt der Herr Eidam die Befugnis zur Dienstmädchenverwertung seiner Untergebenen? Und noch dazu bei aAderweiten Personen? Zur militärischen Ausbildung gehört das sicherlich nicht. Vom städtischen Obdach. In der gestrigen Sitzung der Depu- tation für das Arbeitshaus und das städtische Obdach wurde u. a. wiederum die dringende Notwendigkeit einer Erweiterung des städtischen Obdachs anerkannt. Die Deputation beschloß, die Hoch- baudeputation zu ersuchen, das ihr bereits vorliegende Projekt so- weit zu fördern, daß die Deputation in die Lage versetzt wird, für den nächsten Etat mit entsprechenden Vorschlägen bei den Gemeinde- behörden vorstellig zu werden. Ferner wurden die an den Magistrat gerichteten Petitionen verschiedener Grundbesitzervereine, in denen gegen die Erweiterung des Obdachs Einspruch erhoben und dafür eine Dezentralisation desselben gefordert wird, eingehend erörtert. Die Deputation beschloß, dem Magistrat zu empfehlen, diese Petition ablehnend zu bescheiden, und zwar zunächst aus dem Grunde, weil durch eine etwaige Dezentralisation des Obdachs und Errichtung neuer Stätten in anderen Stadtteilen diejenigen angeblichen Schädigungen, über die in der gegenwärtigen Umgebung des Od dachs geklagt wird, auch auf andere Stadtteile übertragen werden würden, ohne dem jetzt angeblich in Mitleidenschaft gezogenen Stadtteil irgendwelche Vorteile zu bringen. Ferner würde durch die Errichtung weiterer Obdachstätten der Verwaltung jede Kontrolle über die Besucher des Obdachs abgehen. Es wäre dann mit Sicher heit darauf zu rechnen, daß solche Obdachbesucher, die in der einen Obdachstätte die zulässige Anzahl von Tagen zugebracht haben, so fort der Reihe nach die übrigen Stätten auffuchen würden. Diese günstige Gelegenheit, die städtischen Obdacheinrichtungcn in so be- quemer Weise mißbrauchen zu können, würde aber bald der Stadt Berlin eine noch größere Anzahl derjenigen Elemente zuführen, über die sich gerade die petitionierenden Vereine beklagen. Bei der Einforderung von Kirchensteuern kommen in Berlin immer wieder die ärgsten Irrtümer vor. Ein Mißgriff, wie er vielleicht doch noch nicht da war, ist gegenüber einer Witwe H. begangen worden. An sie meinte die Berliner Stadtsynode einen Anspruch auf Nachzahlung von Kirchen st euern zu haben, da Frau H. die Erbin eines verstorbenen Steuerschuldners ge- worden sei. Die vermeintliche Kirchensteuerschuld sollte noch aus dem Rechnungsjahr 1998/99 herrühren, und der Tod des vermeint- lichen Schuldners sollte im Jahre 1999 eingetreten sein, den ver- meintlichen Anspruch aber machte die Stadtsynode erst im Dezember 1911 geltend. In einer an Frau H. gerichteten Zahlungsaufforde rung des Geschäfts führenden Ausschusses der Stadtsynode wurde ihr als der Verstorbene, den sie beerbt haben sollte, zu ihrer großen Ueberraschung der Handlungsgehilfe H.— ihr Sohn— genannt. Die Zuschrift gab nicht nur den Beruf des Sohnes richtig an, fondern fügte auch sämtliche Vornamen richtig hinzu. Nur das Stcrbedatum stimmte n�cht, denn der Sohn war— gar nicht g c st o r b e n. Daß der angeblich gestorbene Soh�, der außerhalb Berlins wohnte, sich noch seines Lebens freute, stellte die Mutter durch eiye schleunigst an ihn abgesandte Nachricht fest. Sie warf dann die Zahlungsaufforderung hciscite und unterließ es, den Geschäfts� führenden Ausschuß der Stadtsynode darüber aufzuklären, daß er wieder mal das Opfer eines Irrtums geworden war und einen urt- berechtigten Anspruch erhoben hatte. Als aber Frau H. nach etwa acht Wochen eine Mahnung nebst Androhung der Zwangsbeitrcibung erhielt, schrieb sie dem Ausschuß, daß sine irrige Mitteilung über ihren Sohn, der tatsächlich lebe, sie in große Aufregung versetzt habe. Drei Wochen später kam die Antwort, daß die Veranlagung des Sohnes zur Kirchensteuer auf eine der Stadtsynode zugegangene„falsche amtliche Aus- k u n f t" zurückzuführen sei. Es habe eine Verwechselung des Sohnes niit dem verstorbenen Ehemann der Frau H. stattgefunden, und hierauf beruhe auch die Mitteilung über den angeblichen Tod des Sohnes. Man bitte, das Verschen zu entschuldigen. Der Irr- tum sei berichtigt worden, und man habe nunmehr die Kirchensteuer, zu der der Sohn veranlagt war, abgesetzt. Also eine Pcrsoncnverwechselung und weiter nichts? Aber eS kommt noch ein besonderer Umstand hinzu. Der Vater, den man mit dem Sohn vertauscht hatte, war selber gar nicht mal kirchensteuerpflichtig gewesen. Der im Jahre 1999 ver- storbene Herr H. hatte seitlangcm nicht mehr zur Kirche gehört, da er schon vor einer Reihe von Jahren aus ihr ausge schieden war. Der Entschuldigungsbrief des Ausschusses der Stadt synode glitt über diesen zweiten Irrtum hinweg, indem er nur so ganz nebenbei erwähnte, daß der Vater Dissident gewesen sei Der sich entschuldigende Ausschuß nahm Bezug auf eine schon um zehn Monate zurückliegende Anfrage der Frau H., warum sie seit dem Tode ihres Ehemannes mehr Kirchensteuern zahlen müsse, als sie vorher gezahlt habe. Frau H. ist noch kirchensteuerpflichtig, weil sie noch der Kirche angehört. Jetzt, nach zehn Monaten, wurde� sie „bei dieser Gelegenheit" /so steht es im Schreiben des Ausschusses) belehrt, daß sie bei Lebzeiten des Ehemannes, der Dissident ge- Wesen sei, als kirchensteuerpflichtig gebliebene Ehehälfte für ihre Person die Hälfte der Steuer zu zahlen hatte, seit seinem. Tode aber die ganze Steuer zahlev müsse.„„. �. Das Versehen, einen nicht mehr kirchensteuerpflichtigen Disp- denten noch zur Kirchensteuer zu veranlagen,'ist ja nicht neu. Aber in dem geschilderten Falle kommt zu den beiden Irrtümern, wie wenn es an zweien nicht genug wäre, sogar noch ein dritter hinzu, der freilich ebenfalls nicht mehr neu ist. Der evangelischen Landeskirche, die durch die Berliner Stadtsynode von der Witwe und Erbin des verstorbenen H. noch nach 254 Jahrew die Nachzahlung einer Kirchensteuer forderte, obwohl er als Dissident keine Kirchensteuer mehr zu zahlen gehabt hatte, hat Herr H. auch vor seinem Austritte aus der Kirche— gar nicht angehört. Vorher war er nämlich Katholik. Es scheint, daß der Geschäfts- uhrcnde Ausschuß der Stadtsynode das noch nicht mal weiß; er ägt wenigstens nichts davon in seinem Entschuldjgungsbrief. Das erste Versehen erklärt er aus einer falschen amtlichen Auskunft. ohne anzugeben, welche Behörde den Fehler gemacht hat. Dos zweite Versehen korrigiert er, ohne zu sagen, wie es entstanden ist. Ueber das dritte Versehen schweigt er ganz. Aber nun sind es doch wohl genug der Irrtümer? Rem. noch nicht! Frau H.. die für ihre Person noch Kirchensteuer aus 1999 bis 1919. 1919/11, 1911/12 nachzahlen sollte, l)at deshalb wieder noch einen Schriftwechsel mit der Stadtsynode führen müssen. Ueber die für 1999/19 jetzt nachträglich geleistete Zahlung gab man ihr eine Quittung, auf der zwar der richtige Betrag, aber infolge eines Schreibfehlers irrtümlich das folgende Jahr verzeichnet war. Hiernach glaubte Frau H. annehmen zu müssen, daß sie für das folgende Jahr zweimal zahlen solle. Die Stadtsynode antwortete ihr, daß die Einziehung durch den Magistrat bewirkt worden sei. Dieses Versehen fällt also einem Beamten der städtischen Steuer- Verwaltung zur Last. � Frau H. hat jetzt keine Lust mehr, weiter der Kirche ihren Tribut zu entrichten. Sie ist entschlossen, nun gleichfalls a u s d e r Kirche auszuscheiden. Hoffentlich passiert es nicht auch ihr dann, daß sie noch nach Jahren mit einer irrtümlichen Kirchen- steuerveranlagung belästigt wird. DaS Stadion im Grunewald wird erbaut werden— nachdem der Unionklub die noch feblenden Mittel für den Bau bewilligte— und das Reich, der preußifche Staat und die Stadt Charlottenburg für die Verzinsung und Amortisation die Garantie übernommen haben. Der Bau soll in einer vertieften Geländemulde zwischen den Geläufen der Rennbahn nach Plänen des Geheimen Baurats March errichtet werden. Die elliptische Arena solle einen Längendurchmesser von 349 Meter erhalten; in ihrer Mitte lieat ein Rasenplatz für Rasen« spiele, der umgeben wird von einer für Dauerläufer bestimmten Bahn von 499 Meter Länge. Diese wird rechts und links flankiert von zwei großen Feldern für Barlauf. Hockehspiele usw. Die Peripherie der Arena bildet eine 666 Meter lange Radrennbahn. 39 999 Zufchauersitze sind amphitheatralisch auf- gebaut. Nach Nordosten öffnet sich daS Amphitheater nach einem dahinter liegenden Wasserbassin für den Schwimmsport. Die ganze Anlage wird einen Kostenaufwand von 2 909 999 M. verursachen. Das Stadion soll nicht nur ein lokaler Turn« und Sportplatz, sondern auch ein nationaler Kampfplatz werden, zu regelmäßigen Abhaltungen für große deutsche Kampsspiele und inter« nationale olympische Spiele. Charlottenburg erhält für seine Be» teiligung ein Entgelt darin, daß das Stadion an allen Tagen, mindestens aber an 129 vollen Sommertagen, wenn es nicht zur Abhaltung von Spielen gebraucht wird, der Stadt Charlottenburg zur Benutzung für die Stadtschüler und zur Vergebung an Char- lottenburger Turn- und Sportrennen zur Verfügung steht. Einbrecher und Schwindler in Soldatenuniform. Bei einem Einbruch in ein Zigarrengeschäft in der Köpenicker Straße wurde ein Mann überrascht, der eine Jnfanterieuniform trug. Es gelang dem Einbrecher zu entkommen. Der Inhaber des Zigarrengeschäfts im Hause Köpenicker Straße 134 hörte, als er sich kaum schlafen gelegt hatte, ein verdächtiges Geräusch an der Ladentür. Er sah deshalb nach und bemerkte nun, wie ein„Soldat" sich bemühte, die Tür aufzuschließen, dann aber wieder fortging. Der Geschäfts» inhabcr nahm an, daß es sich um einen Soldaten handelt, der in der Gastwirtschast im Nebenhause wohnt und sich in der Nummer geirrt habe. Er kümmerte sich deshalb auch nicht weiter darum. Nach einiger Zeit versuchte der Mann wieder die Tür'aufzuschließen. Als der Inhaber, immer noch in der Meinung, daß der„Soldat" es aus Versehen mache, zur Tür hinaustrat, lief dieser schnell davon. Wie sich am anderen Morgen herausstellte, hat derselbe Einbrecher die Tür des Gastwirts Schöneich im Nebenhause ausgekantelt und die Ladenkasse ausgeraubt. Der Zigarrenhändler ist der Ansicht, daß es sich nicht um einen Soldaten, sondern um einen verkleideten Einbrecher handelt, weil dieser, trotzdem er eine neue weiße Hose, eine Extramütze und ein Seitengewehr mit Messinggriff trug,, nicht den Eindruck eines aktiven Soldaten machte.— In der Uniform eines Sergeanten der Gardehusaren trit im Norden der Stadt ein Schlafftellenschwindler auf. Der Gauner nannte sich Paul Radüge und gab au, Zahlmeisteraspirant zu sein. Nachdem er längere Zeit in dem von ihm gemieteten Zimmer gewohnt hatte, verschwand er plötzlich unter Zurücklassung einer Logisschuld von ungefähr 89 M. Eine teure Bekanntschaft machte ein hier auf der Durchreise begriffener Kaufmann aus Ostpreußen. Er lernte ein ungefähr 17 bis 18 Jahre altes'Mädchen kennen, das sich als eine Studentin ausgab. Als das Mädchen gestern plötzlich verschwunden war, fehlte dem Kaufmann eine Brieftasche, in der sich 426 M. in deutschen, österreichischen und russischen Banknoten und ein Scheck über 599 Kronen auf das Bankhaus Morgenstern in Warschau befanden. Di: angebliche Studentin nannte sich Ludwiga Sönger. Sie hat ein südländisches Aussehen und spricht österreichische Mündart. TodrSsturz vom Balkon. Auf furchtbare Weise hat am gestrigen Sonnabendnachmittag der 59jährige Invalide Peter Schmidt, der bei seiner Tochter in der Föhrer Straße 7 wohnte, seinem Leben ein Ende gemacht. S. war seit längerer Zeit nervenkrank und daS Leiden hatte sich in den letzten Tagen so erheblich verschlimmert, daß der Invalide schon wiederholt Selbstmordgedanken äußerte. In« folgedessen wurde Schmidt von seinen Angehörigen streng bewacht. Gestern mußte die Tochter jedoch eine wichtige Besorgung machen und ihren Vater auf einige Augenblicke allein in der Wohnuug lassen. Diese Gelegenheit benutzte S-, um sich vom Balkon der in der dritten Etage belegenen Wohnung auf die Straße herabzustürzen, wo er mit gebrochenem Genick tot liegen blieb. Die Leiche wurde nach dem Schanhause gebracht. Straßenbahnnnfall. Beim Verlassen eines fahrenden Straßen- bahnwagens schwer verunglückt ist am gestrigen Sonnabend die 35jährige Ehefrau des Stellmachers Achtenhagen aus der Veteranen- straße 28. Frau A. hatte einen Straßenbahnwagen der Linie 57 benutzt und verließ diesen an der Ecke der Potsdamer und Bülow- straße während der Anfahrt zur Haltestelle und trotz der auSdrück- lichen Warnung des Schassners. Beim Abspringen kam die Frau zu Fall und geriet mit dem linken Beine unter de» Schutzrahmen. Mit Hilfe von' Passanten wurde der Wagen angehoben und die Ver- »»glückte befreit. Frau A. hatte eine schwere Quetschung de? linken FußeS und erhebliche Hautabschürfungen an den Händen und anr Kopfe erlitten. Sie erhielt auf der nahen Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann dem Elisabeth-Krankenhause zugeführt. Zu der Fleischvergiftung in Ober-Schöncweide erfahren wir, daß weitere Erlrankungen nicht vorgekommen sind. Das Befinden aller Patienten hat sich weiterhin erheblich gebessert. �Irgendeine Gefahr liegt bei keinem mehr vor. Die chemische Untersuchung des bei dem Schlächtermeister Grszemki beschlagnahmten Schabefleisches ist noch immer nicht abgeschlossen, doch dürste das Ergebnis der selben spätestens morgen bekannt werden. Zwei der gefährliche» Einbrecher, die es hauptsächlich nur auf die Wohnungeu kleinerer Leute abgesehen haben, konnten gestern nach längerei Jagd im Norden der Stadt festgenommen werden Es sind ein Schlosser Erich Görlitz und ein gewisser Max Netz, die beide zusammen auf dem Wedding eine Schlafstelle hatten. Görlitz verstand es als Schlosser, sich von den Flurtiiren Schlüsselabdriicke zu machen. Diese zeichnete er dann sorgfältig in sein Notizbuch ein und liest sich danach Nachschlüssel anfertigen. Wenn nun der Mann auf der Arbeit und die Frau mit ihren Kindern spazieren ge- gangen war, öffneten die beide Spießgesellen die Wohnungen und stahlen olles, was nicht niet- und nagelfest war. Gestern kehrte eine Frau aus der Bellermannstraste in rhre Wohnung zurück, als die beiden Einbrecher noch bei der„Arbeit" waren. Sie stiesten die eintretende Frau beiseite und liefen mit ihrer Beute, die sie in die Tisch- tücher eingeschlagen hatten, davon. Die Bestohlene lief ihnen aber nach und machte durch ihre Rufe Vorübergehende auf sie aufmerksam. Einer der beiden flüchtete sich in einen Hausflur, wo er aber bald gefunden wurde. Immerhin hatte er Zeit gehabt, seine Schlüssel und einige Beutestücke geschickt zu verstecken. Der zlöeite Einbrecher wurde erst nach längerer Jagd, an der sich zahlreiche Personen beteiligten, in der Grünthaler Straste gestellt und festgenommen. Auf dem Polizeirevier, wohin man beide brachte, gestanden sie, nachdem sie zuerst geleugnet hatten, schliestlich ein, zahlreiche derartige Diebstähle im Norden und Nordosten der Stadt verübt zu haben. Eine Durchsuchung ihrer Schlafstelle förderte eine Unmenge gestohlener Sachen zutage, unter anderem viele Wäschestücke mit den verschiedensten Zeichen. Zur Feststellung ihrer Besitzer sind die beschlagnahmten Gegenstände auf dem Zimmer 63 des Polizeipräsidiums ausgestellt worden. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag kurz nach 4 Uhr in der Pappelallee. Vor dem Hause Nr. 87 wollte der sechs Jahre alte Knabe Wilhelm Lohr aus der Pappelallee 6a mit mehreren Spielkameraden über den Fahrdamm laufen. Die Kinder liefen hinter einem dort haltenden Straßenbahnwagen und übersahen, wie von der anderen Seite ein Gcschäftswagen heran- gefahren kam. Dem Kutscher gelang es, die Pferde bald zum Stehen zu bringen, doch war schon der kleine Lohr umgerissen und von einem Rade über den Hals gefahren worden. Hierdurch erlitt das Kind einen Genickbruch und starb auf der Stelle. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die übrigen Kinder kamen zum Glück noch mit dem Schrecken davon. Zeugen, welche gesehen haben, wie am Sonntag, den 17. März, auf dem Hochbahnhof Prinzenstraste ein kleiner schwächlicher Ar- beitsbursche von einem Hochbahnbeamten geschlagen worden ist, werden gebeten, sich bei Herrn Paul Grostmann, Berlin, Tempel herrenstrahe 4, zu melden. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie am 8. April(2. Osterfeiertag) nachmittags zwischen 6 und 6 Uhr ein Betrunkener von einem Schutzmann in der Badstraste über den Fahrdamm zur Unfallstation nach der Hochstraße gebracht wurde, werden um Angabe ihrer Adresse bei Paul Oestmann, Reirucken dorf-Ost, Hansastr. 14, gebeten. Vorort- JVacbrichten, Eharlottenburg. Der Rathauserweiteruugsbau wird für den internen Verkehr im Hause einen„Paternoster"-Aufzug erhalten. Das„Paternoster" System ist wohl in Amerika austerordentlich verbreitet, hat aber in Deutschland bisher wenig Eingang gefunden, da es an die Geschick� lichkeit der zu befördernden Personen bestimmte Anforderungen stellt und da auch die Polizei der Einführung längere Zeit gewisse Schranken gesetzt hatte. In Deutschland findet man einige Aufzüge dieses Systems in Hamburg und Berlin. Das System beruht aus einer rotierenden Basis auf welcher dicht übereinander Kabinen an- gebracht sind, welche sich fortwährend in Bewegung befinden. Per sonen, welche befördert werden wollen, müssen daher die Kabinen betreten, während sich dieselben aufwärts resp. abwärts bewegen. Die Stadtverwaltung glaubt an dieser verkehrsfortschrittlichen Ein richtung nicht vorübergehen zu sollen. Ein schwerer Straßenbahnunfall bei dem ein Knabe zum Krüppel geworden ist, trug sich am Freitagabend gegen VzS Uhr vor dem Hause Berliner Straße 66 zu. Dort lief der 8jährige Max Janeck. dessen Eltern in der Wallstr. vv wohnen, im Eifer des Spieles gegen den Vorderperron eines herannahenden Straßenbahnwagens der Linie 17. Der Knabe wurde umgestoßen und geriet, obwohl der Führer hes Bahnwagens sofort alle ihm zur Verfügung stehenden BremSmittel anwandte, mit dem linken Bein unter den Schutzrahmen. Dem Kleinen wurde der linke Unterschenkel vollständig zermalmt. Der unglückliche Knabe erhielt auf der nahen Unfallstation die erste ärztliche Hilfe und fand dann im 5irankenhause Westend Aufnahme. Borernährung der Mütter in Charlottendurg. Die Stadt Char- lottenburg hat den, Hauspflegeverein eine Summe zur Verfügung gestellt, aus der an hiesige unbemittelte oder wenig bemittelte Schwangere vier Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beihilfen gewährt werden sollen, um sie für ihre Auf- gäbe des Selbststillens vorzubereiten. Die Beihilfe besteht meist i» der Verabreichung eines kräftigen Mittagessens. Zu diesem Zwecke sind folgende Speisungsstellen eingerichtet: Charlottenburger Ufer IS. Königsweg 64, Wilmersdorfer Str. III, Berliner Str. 137 und Alt- Moabit 39. Meldungen werden von der.Ernährungsabteilung Marchstr. 7k Dienstags und Freitag» zwischen 10 und 11 Uhr vormittags möglichst sechs Wochen vor der erwarteten Entbindung an- genommen. Der Hauspflegeverein hat die Verpflichtung über- nommen, die von ihm gepflegten Mütter stets rechtzeitig vor dem Aufhören seiner Pflege an die nächste SäuglingSfürsorgestelle zu überweisen, damit diese in unmittelbarem Anschluß an Hie Tätigkeit des Hauspflegevereins die weitere Fürsorge über- nehmen kann. Die Errichtung einer neuen Zweigstelle der Volksbücherei zum I. Oktober d. I. ist vom Magistrat in Aussicht genommen worden. Sie wird in den Räumen des Hauses Kaiserin-Augusta-Allee 80, Ecke Sömmeringstraße Unterkunft finden und besonders den Be- wobnern nördlich der Spree, denen bis jetzt die Benutzung der Volksbücherei sehr erschwert war. zugute kommen. Die neue Zweig- stelle enthält außer zwei AuSleih- und Magazinzimmern einen für SO— 100 Besucher ausreichenden Leseraum. Außerdem ist eine Leitungslesehalle vorgesehen. Wilmersdorf. Ein schweres Branbunglück hat sich vorgestern in der Pauls- borner Straße 1 zugetragen. Das Dienstmädchen des in dem ge- nannten Hause wohnhaften Kunstmalers Albrecht war mit Plätten beschäftigt und hatte für kurze Zeit das Plätteisen auf dem Gas- apparat unbeaufsichtigt stehen lassen. Die Kjährige Tochter des Kunstmalers machte sich während der Abwesenheit des Dienst- mädchens an dem Kochherde zu schaffen und kam dabei mit den Haaren der offenen Gasflamme zu nahe. Die Haare des Kindes fingen Feuer, von dem auch die Kleidung zum Teil ergriffen wurde. Aus die Hilserufe des Kindes eilte zwar das Dienstmädchen sosvrt hinzu, dem es gelang, die Flammen durch Auftversen von Decken bald zu ersticken, doch halte die Kleine bereits so schwere Brand» wunden am Kopf, im Gesicht und am Rücken-oavongetragen, daß sie sofort dem Krankenhaüse Westend zugeführt wexpen mußte. Teuipelhof Martendorf. Mit Strafmandaten wurden drei hiesige Genossen bedacht, die an einem Sonntag öffentlich Aufforderungen verteilten, in denen die Ausflügler ersucht wurden, diejenigen Lokale zu meiden, die der Arbeiterschasl zu sozialdemokratischen Versammlungen nicht zur Ver- sügung stehen. Herr Hoffmann, der Pächter des„Tivoli", rühmt sich, daß auf seine Veranlassung die Feststellung der Sünder durch die Polizei erfolgte. Was Herr Hoffmann allen andern Vereinen einräumt, verweigert er der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, die in Tempclhos den weitaus größten Teil der Bevölkerung bildet. Wird die Arbeiterschaft in ihrem Kampfe un, Erringung größerer Versammlungssäle von den Ausflüglern unterstützt, so kann der Aus gang desselben nicht zweifelhaft sein. Der Verein Jugendheim hält am Montag, den 17. Juni, abends 8l/z Uhr. im Wilhelmsgarten, Tempelhos, seine Generalversamm lung ab. Treptow-Baumschiileiiweg. Aus der Gemeindevertretung. Nach langer Pause bagte am 14. Juni wieder einmal unser Dorfparlament. Zunächst wurde der wiedergewählte Gemeindevertreter Gadegast von neuem auf sein Amt verpflichtet. Aus den Mitteilungen des Gemeindevor stehers ist zu entnehmen, daß die Eisenbahndirektion den zwischen Treptow und Rixdorf belegenen Güterbahnhof als„Neukölln Treptow" taufen will. Die Stadt Berlin hat die Errichtung einer dritten Bedürfnisanstalt im Plänterwald und zwar in der Nähe besaiten Treptower Friedhofes zugesagt. Mit Berlin ist weiter ein Uebereinkommen dahin erzielt, daß den Angehörigen beider Orte bei der Benutzung höherer Schulen nur das Schulgeld für Ein heimische berechnet wird. Da in einer Zeitungskorrespondenz die Nachricht mit der Bemerkiung versehen war, baß dabei Treptow nur der Nehmende sei, betonte der Gemeindevorsteher, daß Treptow sich im glücklichen Besitz eines Realgymnasiums und einer höheren Mädchenschule wisse. Beide Anstalten stehen danach auch den Ber linern zur Verfügung. Eine längere Auseinandersetzung rief die Nationalflug spende hervor, zu der der Gemeindevorstand 300 M. bewilligt wissen wollte. Genosse G e r i s ch vertrat den ab- lohnenden Standpunkt unserer Vertreter, die für diese Bettelei, die dazu dienen solle, die Flugtechnik in höherem Maße dem Militari-- mus und dem Völkermord dienstbar zu machen, keinen Pfennig be- willigen würden. Von den bürgerlichen Vertretern wollte einer in der Flugspende nur die Förderung der Flugwissenschaft sehen, während ein anderer den bösen Franzosen den Vorwurf machte, daß sie mit den Kriegsflugzeugen angefangen hätten und wir nun doch nicht zurückstehen dürften. Ein dritter, Herr Klapp, sah uns sogar schon im Geiste von den Franzosen überwältigt und hätte gern mehr gegeben— natürlich aus dem Gemeindesäckel. Der Be trag wurde dann selbstverständlich von der bürgerlichen Mehrheit bewilligt. Zur Abrundung des Friedhofsgeländes sollen vom Forstfiskus Geländestücke erworben werden. ES handelt sich zusammen um 13 200 Quadratmeter, die 147 907 M. kosten. Nach Abtretung des sehr erheblichen StraßenlandcS bleiben jedoch nur 0061 Quädratmeter Bauland, das dann der Gemeinde auf 16,30 Mark bezw. 18,09 M. Sebbstkosten pro Quadratmeter zu stehen kommt. Nach diesem Erwerb stößt dann das Gemeindegelände in voller Breite des Friedhofes an die beiden Straßen, Canner Chaussee und Kiefholzstraße. Die Gemeindevertretung stimmte der Vorlage zu. Zum Schluß der öffentlichen Sitzung spielte noch ein- mal der Fall der Frau Peterschun in die Verhandlung hinein, die bei der verunglückten Polizeiaktion gegen die Wahlrechtsdemon- stration vom 0. März 1910 zu Schaden gekommen war. Die Be- rittenen hatten damals mangels der Demonstranten, die in Wirk- lichkeit den Tiergarten bevölkerten, die friedlich nach dem Fried- tffe pilgernde Frau umgeritten. Die Gemeinde hat später der rau aus Grund des Aufruhrgesetzes Schadenersatz leisten müssen und hat sich seitdem gegen solche Fälle versichert. Diese Versiche- rung soll nun zunächst nur auf ein Jahr verlängert werden, da im nächsten Jahr der Zusammenschluß vieler deutscher Städte zu einer Versicherung auf Gegenseitigkeit für solche Fälle der Haftpflicht auf Grund des Aufruhrgesetzes in Aussicht steht, Klein-Ichönebeck-Fichtenau. Die Gemeindevertretung setzte in ihrer letzten Sitzung zunächst den Etat für 1912 fest, der unter Beibehaltung der bisherigen Steuerquoten mit 125 000 M. balanziert. Ms Ansiedlungsgebühr für den Bau an nicht fertiggestellten Straßen wird in Zukunft eine Pauschale von 200 M. erhoben. Dann beschäftigte sich die Vertre- tung erneut mit der in der vorletzten Sitzung mit acht gegen drei Stimmen abgelehnten Erweiterung des Schulhauses in Fichtenau. Nachdem der Gemeindevorsteher nochmals seine Gründe dafür vor- getragen, wiederholte Genosse Tobias in längeren Ausführungen alle Momente, die die Gemeindevertretung zur Errichtung einer der modernen Pädagogik entsprechenden Schule zwingen, und die auch die Mehrzahl der Gemeindevertreter bereits zu dem erfreulichen Beschluß in der vorletzten Sitzung veranlaßt lhciben. Nachdem noch von den Bürgerlichen Herr Schramm sich warm für den Antrag unserer Genossen ausgesprochen, folgte der Umfall der bürgerlichen Herren Betac und Förster. Trotzdem beide in vorletzter Sitzung für den Antrag unserer Genossen gestimmt und erklärt hatten, dem An- trage des Schulvorswnbes keine Unterstützung geben zu können, beliebten sie jetzt, anderer Meinung geworden zu sein. Zu ihrer Rechtfertigung stellten sie— unterstützt von dem Gemeindevorsteher — so unglaubliche Behauptungen auf, daß die Zuhörer aus dem Staunen und Kopfschütteln gar nicht herauskamen. Die Abstim- mung ergab Stimmengleichheit, die der Gemeindevorsteher benutzte, um den Ausschlag für den Antrag des Schulvorstandes zu geben. Es bleibt also dank des Umfalles der beiden bürgerlichen Vertreter bei den unhaltbaren Schulzuständen. Kenntnis genommen wurde von der Amtsniederlegung des Gemeindevertreters Geheimen Kanzleirates Neubert, der schon seit anderthalb Jahren seine Funktionen nicht mehr ausgeübt hatte, ohne besonders vermißt zu werden. Die Ergänzungswahl soll bald vorgenommen werden. Jngendveranstaltungea. Tempelhos- Mariendorf. Heute Spielausflug nach Lichlenrade. Treffpunkt für Tempclhos'1,2 Uhr Friedrich-Karlstraße Ecke Berliner e-traße, für Mariendors 2 Uhr Bahnhos Martendorf. Abfahrt 2". Fahrgeld 10 Pf. Sonntag, den 23. Juni, Allsflug nach dem Liepnitzfee. Treffpunkt llß Uhr Kanalbrücke, Berliner Straße. Fahrgeld für Jugendliche hin und zurück bO�ßs.— Für Nachzügler bis S Uhr am Liepnitzfee.— Badezeug kann mitgebracht werden. Die Arbeiterschaft wird ersucht, ihre schulentlaflencn Söhne und Töchter zur Teilnahme an diesen Veranstaltungen zu veranlassen. Hub aller Melt. Lindenberg(Kreis Niederbarnim). Sein erstes Stiftungsfest feiert am heutigen Sonntag, den 10. Juni, der mit allerlei behördlichen Schwierigkeiten.kämpfende Arbeiterradfahrerverein Listdenberg und Umgegend. Da dem Verein sowohl wie auch unserer Partei am,Ort kein Lokal zur Ver- fllgung steht, soll die Feier mit Korsofahren in Malchow im Lokal von Wangerowskie, begangen werden. Die Genossen werden ersucht, durch rege Beteiligung die Feier zu unterstützen. Treff- punkte Bernauer Chaussee und Bucher Straße. Nieder-Schönhausen. Heute, Sonntag, dcu 10., von 11 bis 5 Uhr nachmittags und morgen, Montag, den 17. Juni, von 12 bis 0 Uhr nach- mittags findet in der Turnhalle der Gemeindeschule, Blanken- burger Str. 70/71, die G e m e i n d e w a h l in der dritten Klasse statt. Als Kandidat für die Sozialdemokratie ist wiederum der Schriftsetzer Genosse Johannes H i e g e aufgestellt. Die Genossen werden besonders ersucht, vor der Eröffnung der Wahl im Wahl- lokal anwesend zu sein. Das sozialdemokratische Wahlbureau befindet sich in» Restaurant Ulitz, Vlaukenburger Str. 4. Dort wollen sich die Genossen gleichfalls an beiden Tagen zur Wahlarbeit zur Verfügung stellen. An die Berliner sowie Pankower Arbeiterschaft ergeht die Mahnung, die zahlreich in Nieder-Schönhausen wohnenden Straßen- b a h n e r aus die Wahl aufmerksam zu machen. Spandau. Heute, Sountag, de« 10. Juni, feiert die Freie Turnerschaft Spandau in den Gesamträumen der Brauerei Pichelsdorf ihr dies» jähriges Sommerfest. Die Polizeiverwaltung hat den geplanten Festzug durch die Stadt genehmigt. Abmarsch nachmittags um 214 Uhr vom städtischen Turnplatz in der Feldstvaße. Die Span- dauer Arbeiterschaft wird ersucht, sich rege gn dem Fest zu be- tetligen. heilige Sinkalt! Im„Freien Wort" schreibt der frühere katholische Pfarrw Rupert:„In Mariazell ist Jesuitenmission. Am interessanteste� ist eine Predigt für die Mütter. Der Pater schildert in be. redten Worten die hohe Aufgabe der Mutter; sie hat ihr Kind zu hegen, zu pflegen, muß ihm nötigenfalls Gesundheit, Leben und alles opfern. Doch alle diese Opfer sind nichts wert, wenn das Kind nicht christlich erzogen wird. Die christliche Erziehung muß aber schon im Mutterleibe beginnen. Da leistet der heilige Ignatius, der Stifter deZ Jesuitenordens, allen den Frauen» die sich Mutter fühlen, einen ausgezeichneten Beistand. In der Kirche steht beim Hochaltar ein Faß mit Jgnatiuswasser. Dieses Wasser mögen alle, die sich Mutter fühlen oder Mutterpflichten zu erfüllen haben, fleißig benutzen, damit die Leibes- frucht oder die Familie einen heiligenden Gewinn daraus ziehe. Die Mutter füge dem Trink- oder Kochwasser drei Tropfen des Jgnatiuswassers bei, träufle sie auch in das Bad der Kleinen— und der Segen des heiligen Ignatius wird nicht aus- bleiben. So der Jesuit auf der Kanzel. Neben dem Hochaltar steht das Faß, und neben dem Faß hält ein Glaser seine Flaschen zum Verkauf bereit, und dem Glaser hilft ein Kirchendiener, der die Zahl der frommen Mütter feststellt, die sich nach der Predigt zu dem hl. Wasser drängen. Um zum Fasse zu gelangen, müssen sie aber an dem großen Opfer stock vor« bei, und wo wäre die undankbare Seele, die nicht etwas für das heilige Wasser opferte! Ja, die Jesuiten verstehen ihr Geschäft! Furchtbare Familientragödie. In der Sommerfrische Rodau« bei Wien tötete der Lehrer Raschendorfer im Einverständnis mit seiner Gattin und seinem 19jährigen Sohn Franz aus erster Ehe seine drei Kinder aus der zweiten Ehe und zwar den 14jährigen Otto, die 13jährige Anna und den 8jährigen Gustav, indem er sie zunächst betäubte und ihnen sodann einen mit Zyankali versetzten Himbeersaft einflößte. Der Lehrer beging hierauf nüt seiner Frau und seinem Sohn Franz Selbstmord. Als Motiv der Tat werden miß- liche finanzielle Verhältnisse angegeben. Lasset die Kindlein zu mir kommen. Die Staatsanwaltschaft von Tours hat auf eine Anzeige hin nach einer Haussuchung gegen den Vorsteher Abbs Radenac des eistlichen Waisenhauses zum Heiligen Siegel in Saint adegonde das Strafverfahren eingeleitet, weil er die seiner An- stalt anvertrauten Waisenkinder in unerhörter Weise vernachlässigte. Der Zustand der Verwahrlosung, in dem die unglücklichen Kinder gefunden wurden, spottet jeder Beschreibung. Eine Waise erklärte, daß sie in sieben Jahren zwei Bäder bekommen habe; eine andere, die seit sechs Jahren in der Anstalt weilte, halte über- Haupt noch nie gebadet. Ein kranker Junge sagte, daß er sich seit 23 Tagen nicht gewaschen hatte; drei andere hatten seit Pfingstsonntag keine Berührung mit dem Wasser gehabt. Viele der Waisen beklagen sich über Mißhandlungen. In ihren Schlaf- sälen herrschte schrecklich st e Unsauberkeit. Acht Kinder, die am Ziegenpeter litten, bewegten sich frei zwischen ihren lleinen Ka- meraden und konnten sie nach Belieben anstecken. Der attackierte Premierminister. Zu welch albernen Demonstrationen sich die Vorkämpferinnen für das Damenwahlrecht hinreiße» lassen, zeigt ein Vorfall, der sich Freitagabend auf einer Festlichkeit im Indischen Amte in London zu- trug. Dort fand anläßlich des Geburtstages des Königs ein offizieller Empfang statt. Eine elegant gekleidete Dame im Alter von 30 Jahren erschien plötzlich im Saale, schritt auf den Minister- Präsidenten A s q u i t h zu und versuchte ihm die Epaulettcn von seiner Diplomaten uniform abzureißen. Man eilte dem Premierminister zu Hilfe. Die Attentäterin konnte nur mit Mühe aus dem Saale entfernt werden. Es handelt sich an- icheinend um eine fanatische Suffragette. Hurra! Alle nenne l Ein Leser schreibt der„Franks. Zeitung" au? einem bekannten keirischen Badeort: Am Anfang der Kaiser-Wilhelm-Promenade, dort. wo der Weg nach einem Cafe abzweigt, sind Tafeln zu sehen, auf denen das betreffende Lokal empfohlen wird. Um aber die Wirkung einer Anpreisung zu verstärken und dem Publikum mit einem ganz besonderen Lockmittel aufzuwarten, hat der Inhaber folgende inhalts- 'chwere Bekanntmachung auf die Tafeln malen lassen: Restaurant- Cafü Z., Besitzer 3£. D., ehemaliger Kegeljunge Kaiser Wilhelms I.— OL der� gesiunungStüchtige Kcgeljunge inzwischen gelernt hat, einen guten Kaffee zu sieden, geht aus seiner Anpreisung leider nicht hervor._ Kleine Notizen. Todessturz eines Berliners im Harz. Von der Roßtrappe ist am Freitag ein Berliner Tourist abgestürzt. Die zur Hilfeleistung Herbei« geeilten konnten nur noch die Leiche bergen. Eine glänzende Pleite. Der Agent der Pariser Warenbörse und ehemalige Handelsgerichtsbeisitzer V a l e n t i n H 6 n a ist mit Hinter- lassung von Passiven in Höhe von etwa 3 Millionen F r a n k v e r s ch w u n d e n. Er wird steckbrieflich wegen Vertrauens- bruchs und Bankrotts verfolgt. Streikende Professoren. Die Professoren der Bukare st er Universität sind in den Streik getreten, weil sie mit der Be- setzung der Lehrerkanzel für Handels- und Wechselrccht mit einer ihr nicht genehmen Persönlichkeit unzufrieden sind. Der Rektor D r. B o g d a n hat dieserhalb seine Demission gegeben. Wenn eS sich um Arbeiter handelt, erhebt in Preußen bei derartigen Anlässen die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Nötigung. ZliiisIlleWllMeb.Msel'M Mi iieder-Baiw Bezirk Pankow. Am Montag, den 10. Juni, verstarbplötzlich unser langjähriges Mitglied, der Restaurateur ttermann Gerold. Die Beerdigung findet heute Sonntag, vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pan- kowcr Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung bittet _ Die Bezirksleitung. Harz, Riesengebirge, Sächsische Schweiz, Berlin, Dresden«w. Buchbandiung Vorwärts LlndenstraBe 09(Laden). Zentrale iö fersanil; Andreasstr. 59 MaulsstelieD: Andreasstr. 59 Turmstr. 59 Frankfurt.ChausseeS Königsberger Str. 8 Joachimsthal. Str. 6 Wilmersdorf. Str. 57 Reisezeit.*) Jetzt geht die ganze Welt auf Reisen, Die halbe Welt, die tut es auch; In kleinen wie in hohen Kreisen Ist das Verreisen nämlich Brauch. Der Onkel Ede geht nach Ischl, Und dann nach Homburg vor der Höh) Herr Meyer reist nach 1*. eutomisch'l, Und Schulze muß nach Plötzensee. Frau Müller aber— merkste wat?— Geht ohne Mann nach Franzensbad. Und willst auch Du die Fahrt antreten, So pack' zwei wicht'go Dingo ein; Zuerst natürlich viel Moneten, Dann drei Paar Schuh von Arenstein. Die Firma führt allerhand Schuh1, Für Männer, Kinder und für Frau'n, Die schönsten Wanderschuh' und Strandschuh' Und Stiefel schwarz und weiß und braun.— Und willst auch Du zufrieden sein, Trag Stiefel nur von ArCllSteill. *) Nachdruck verboten. Tausende aller Gesellschaftsklassen bevorzugen -Stiefel wegen ihrer stadtbekannten Preiswürdigkeit und auserlesenen Formen i9f*enA4cut' Wj Einige Beispiele unserer Leistungsfähigkeit Für Herren Für Damen Braun und schwarz echt Chevr. Schnürstiefel Lackkappe, allemeueste Form une u. schi mit und ohne Lackkappe, ganz neue Hansschnhe in braun und schwarz. 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