Kr. 140. BbonnementS'BdnflgtinsMi: Wonnement»• Preis drSnumerantöi »ierteljährl. S20 Mk, monatL 1,10 Mk, wöchenUich 28 Pfg, frei ms Haus. Einzelne Nummer S Pfg. EonnlagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Slbonncment: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-geitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dinemarü Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, LiuinSmen, Schweden und die Schwei» Crfdittot täglich auBcr montags. __ �*■ Verlinev Volksblatt. 39. Jahrg. vle TnTertlonS'Gebfllf Betrügt für die sechsgefpallene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für polistsche und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine anzeigen", das settgedruckre Wort 20 Vsg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort s Psg. Worte über lö Buch- staven zählen für zwei Worte. Inserate ': die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition gegeben werden. Die Expedllion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, % Telegramm- Adresse: „SozIaltUmolirat Berlin" Zentralorgan der foztaldem okrati fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68» Lindcnetraaac 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. ISSZ. Sie verschuläung üer Lanck- ivittichast. Das jüngst erschienene S t a t i st i s ch e I a h r b u ch für den preußischen Staat(1911) enthält u. a. ein Kapitel über die Verschuldung der Landwirtschaft. Als Unterlage hierfür sind in der Hauptsache die Ergebnisse der preußischen Verschul- dungsstatistik aus dem Jahre 1992 verwendet worden. Bei dem großen Interesse, das die Sozialdemokratie an dem Problem der landwirtschaftlichen Verschuldung hat, und wegen der Unzuverlässigkeit und Einseitigkeit des amtlichen Quellen- Materials, lohnt es sich, auf die Frage der Verschuldung näher einzugehen. Die preußische Verschuldungsstatistik umfaßt 628 876 Landwirte im Hauptberuf, die ein Vermögen von 28,5 Mil- liarden Mark und eine Schuld von IVz Milliarden Mark aufweisen. Aus der Zahl der erfaßten Landwirte geht schon her- vor, daß bei weitem nicht alle von ihnen in die Statistik ein- bezogen worden sind. In der Tat sind es denn auch nur knapp die Hälfte, denn bei der letzten landwirtschaft- lichen Berufszählung im Jahre 1997 wurden in ganz Preußen 1 39-1 412 landwirtschaftliche Betriebe gezählt, die im Haupt- beruf bewirtschaftet wurden, während die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, also auch der im Nebenberuf be- wirtschafteten, 3 499144 betrug. Man sieht also schon daraus, daß die offizielle Statistik,' wenn man daraus Schlüsse auf die allgemeine Lage der Landwirtschaft ziehen will, nur mit Vor- ficht zu gebrauchen ist. Ein weiterer Mangel ist, daß die Statistik nur die Ver- schuldung solcher Landwirte darstellt, die mindestens 69 M. Grundsteuerreincrtrag zahlen. Diese Beschränkung hatte zur Folge, daß die k l e i n e n Landwirte von der Statistik nahezu ganz ausgeschlossen blieben. Da aber gerade die kleinen länd- lichen Besitzer meist sehr stark verschuldet sind, muß die offi- zielle Statistik auch aus diesem Grunde ein stark verzerrtes Bild ergeben. Das zeigt sich sofort, wenn man die Vcrschul- dungsziffern genauer ansieht. So soll z. B. die landwirtschaft- liche Verschuldung betragen: im Neg.-Bez. Danzig.. „„ Königsberg ,, Vrvmberg. Posen.. Liegnitz. 58,4 Proz. des Gesamtvermögens 47.. 4».„ 37,6„,„ 86 . Frankfurt a. O. 30,1.., . Schleswig.. 30.9,„„ *», Hildesheim. 16,6„, .. Münster... 11,6„„ . Köln.... 8,5, .. Wiesbaden.. 4.9„„„ .. Trier... 2,6 ,. ,„ Koblenz... 2.4,„ Aus diesen Zahlen geht hervor, daß in den westlichen Provinzen die Verschuldung am geringsten sein soll; je weiter man nach Osten kommt, desto größer werden die Verschul- dungsziffern. Das mag zunächst auffällig erscheinen, erklärt sich jedoch ans dem oben erwähnten Mangel der Statistik, daß die kleinen Landwirte nicht erfaßt sind. In den westlichen Provinzen ist der Klein- und Mittelbetrieb vorherrschend, wo- hingegen die landwirtschaftlichen Großbetriebe vorwiegend in den östlichen Provinzen und in Schleswig-Holstein anzu- treffen sind. Ter Großbetrieb wäre also hiernach im Vergleich zum Kleinbetrieb außerordentlich stark belastet. So müßte man annehmen, wenn man nur die trockenen Zahlen der amtlichen Statistik als Unterlage zur Verfügung hätte. Indessen kommen hier noch eine Änzahl anderer Momente in Betracht, die das Ergebnis gründlich korrigieren. Zunächst ist zu beachten, daß die obigen Ziffern den Ver- schuldungsstand zum Gesamt vermögen darstellen. Die Ziffern werden um so größer sein, je niedriger das Gesamt- vermögen angegeben ist. Durch ein Verschweigen von Ver- niögensbeständen kann daher das Verschuldungsverhältnis wesentlich beeinflußt werden. Und es will uns scheinen, als ob bei der Angabe des Vermögens der selbständigen Land- Wirte mit allzu großer„Bescheidenheit" verfahren worden Wäre. Wir brauchen zur Bekräftigung unserer Ansicht nur auf die bei den Kämpfen um die Reichsfinanzrcform vom Professor Delbrück schonungslos aufgedeckten systematischen Steuerdcfraudationen und Vcrmögensverschleierungen hinzu- weisen. Delbrück schätzte das alljährlich in Preußen zu wenig zur Steuer veranlagte Vermögen aus nicht weniger als 63 Mil- liarden Mark, eine Summe, die etwa 65 Proz.. also nahezu zwei Drittel, des wirklich angegebenen Vermögens ausmacht. Der konservative Publizist wies ferner nach, daß bei diesen Vermögensverschleierungen hauptsächlich die„patriotischen" Agrarier in Betracht kommen. Es ist ohne weiteres an- zunebmen. daß das Vermögen auch bei der Verschuldungs- slatistik zu gering angegeben worden ist. Machen wir nun die für die Agrarier günstige Annahme, daß auf sie nur die Hälfte der verheimlichten 93 Milliarden entfällt, so ergibt sich mit den in der Verschuldungsstatistik angegebenen 28,5 Milliarden ein Vermögen von 69 Milliarden. Bringt man diese Summe in Anrechnung, so wird schon dadurch das Verschuldungspro- zent der östlichen Provinzen erheblich heruntergedrückt. I Dazu kommt aber noch ein anderes bedeutsames Moment, das allerdings bei der Aufnahme der Statistik schwerlich bc- r rücksichtigt werden konnte, wenn sich nicht unübersehbare J Schwierigkeiten bei der Bearbeitung ergeben sollten. Schulden 'sind nänilich nicht immer gleich zu bewerten, wenn man sie zu irgend welchen Schlußfolgerungen auf die soziale Lage der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung benutzen will. Ein landwirtschastlicher Betrieb kann relativ hoch mit wert- bildenden Schulden belastet sein und dabei günstig Wirt- schaften, während andererseits ein Betrieb mit bedeutend weniger Not- oder Erbschulden bei sonst gleichen Produktions- bcdingungen einen erheblich geringeren Profit abwirft. In dem ersteren Falle sind die geliehenen Gelder für Maschinen, Bodenverbesserungen usw. angewendet worden, wodurch die Produktivität des Gutes außerordentlich gesteigert wurde, so daß außer den meist sehr geringen Verzinsungs- und Amortisationsbeträgen noch ein beträchtlicher Ueberschuß herausgewirtschaftet werden konnte. Muß aber beispielsweise im Erbfalle zur Abfindung der Miterben oder in Notfällen Kapital aufgenommen werden, dann belastet eine solche Schuld den landwirtschaftlichen Betrieb weit schwerer. Es ist nun eine bekannte Tatsache, daß der Großbetrieb viel mehr Kapital für wertsteigernde Anlagen, für Meliorationen, Drainagen, Maschinen usw. ausgeben kann und daß er zudem das Geld zu günstigeren Bedingungen im Bedarfsfalle erhält, als der landwirtschaftliche Kleinbetrieb. Auch aus diesem Grunde dürfen die Angaben der offiziellen Statistik über die Verschuldung des östlichen Großgrundbesitzes nicht kritiklos hingenommen werden. So unzuverlässig die große preußische Statistik über die tatsächliche Verschuldung in den östlichen Provinzen und da- mit über den landwirtschaftlichen Großbetrieb unterrichtet, so mangelhaft ist sie auch nach der anderen Seite, soweit die w e st l i ch e n Provinzen, vor allem das Rheinland, mit der dort herrschenden kleinbäuerlichen Betriebsweise in Frage kommen. Die Verschuldung soll z. B. in den Regierungs- bezirken Koblenz und Trier nur 2,4 resp. 2,6 Proz. des Ge- samtvcrmögenS betragen, wohingegen im Regierungsbezirk Düsseldorf die Verschuldung auf 19,7 Proz. des Gesamt- verniögens steigt. In der Einleitung des statistischen Quellen- Werkes heißt es denn auch, daß„im Rheinlande die Durch- schnittsverschuldung der selbständigen Landwirte im Haupt- beruf unter allen preußischen Provinzen am niedrigsten" sei. Die Zahl der Schuldenfreien sei hier mit fast vier Fünftel aller Besitzer weitaus am größten in Preußen. Diese Feststellungen sind nichts weniger als einwandfrei. Dem Kenner der rheinischen landwirtschaftlichen Verhältnisse müssen sie überraschen, zumal doch bekannt ist, daß gerade im südlichen Teil der Provinz, in der Eifel, die Landwirtschaft treibende Bevölkerung in den ärmlichsten Verhältnissen lebt. Schon allein die Tatsache, daß es nur sehr wenige große Güter in diesem Teile der Rheinprovinz gibt— man kann sie bequem an den Fingern abzählen � und daß die über- große Mehrheit der dortigen Landivirtc dürftig lebende Klein- dauern sind, läßt den Schluß zu, daß in dieser Gegend nur die kleine Schicht der wohlhabenderen landwirtschaftlichen Be- völkerung von der Verschuldungsstatistik berücksichtigt worden ist. Diese Schlußfolgerung wird zudem durch die amtliche Vertretung der rheinischen Landwirte, die Landwirt- schaftskammer für die Rh einProvinz, bestätigt, die in ihrem Jahresbericht von 1996 sich eingehend mit der preußischen Verschuldungsstatistik beschäftigt und durch Nach- erhebungen im einzelnen bewiesen hat, daß die offizielle Statistik alles andere als zuverlässig ist. So führt die Land- Wirtschaftskammer u. a. an. daß in der Rhcinprovinz f a st ein volles Viertel(22,9 Prozent) der landivirtschaftlich benutzten Fläche mit einem Reinertrag von mehr als 69 M. — im Regierungsbezirk Koblenz sogar fast einDrittel— von der Verschuldungsstatistik nicht erfaßt worden ist. Die Kammer gibt dann weitere Beispiele dafür an, daß in einzelnen Eifelkreisen noch ungünstigere Resultate erzielt worden sind; so sind im Kreise Adenau in die Statistik nur ein Siebentel der Landivirte einbezogen worden. Der Bericht stellt ferner die von der offiziellen Statistik und die von der Landwirtschaftskammer ermittelten Schulden einzelner Kreise miteinander in Vergleich. Daraus ergibt sich, daß beispielsweise in einem Kreise die offizielle Statistik 197 496 M., die Erhebung der Landwirt- schaftskammer aber 1 844 592 M., also f a st zehnmal soviel Schulden nachweist. In der niedrigsten Grund- steuer-Reinertragsklasse von 69—99 M. in demselben Kreise ist das Mißverhältnis noch ungleich krasser. In dieser Klasse soll die Schuldenlast nur 17 665 M. betragen; die Landwirt- schaftskammer rechnete aber eine solche von 794 545 M. heraus, das sind etwa 45 mal soviel. In einer Anzahl anderer rheinischer Kreise liegen die Dinge ähnlich so. Dem- gegenüber ist es sicher richtig, wenn die Landwirtschaftskammer die offizielle Statistik als„gänzlich irreführend" bezeichnet, zumal auch von ihr nicht einmal alle Schulden festgestellt werden konnten. Die Ermittelungen in den höchsten I Grundsteuer-Reinertragsklassen stimmen dagegen fast genau überein, eine Erscheinung, die zu dem Schluß berechtigt, daß � die preußische Statistik wohl allgemein die absolute Höhe der Schulden der großen Besitzer mit ziemlicher Genauigkeit festgestellt hat. Leider sind, soviel wir wissen, in den übrigen preußischen Provinzen Nacherbebungen, wie sie von der rheinischen Expedition: 8M. 68» Lindcnatraaac 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Landwirtschaftskammer veranstaltet worden sind, nicht erfolgt; es kann daher ein Beweis dafür, daß auch in den anderen Provinzen die offizielle Statistik ein vollständig verzerrtes Bild von der tatsächlichen Verschuldung der Landwirtschaft gibt, nicht an der Hand von konkreten Zahlen geführt werden. Das eine jedoch beweisen die obigen Ausführungen, daß der Großgrundbesitz in den östlichen Provinzen im Verhältnis zum Gesamtvermögen lange nicht so stark verschuldet ist, wie es nach der Statistik den Anschein haben könnte, daß im Gegen- teil die kleinen Landwirte ungleich stärker durch Schulden belastet sind. Die politische Bedeutung der Bodenverschuldung für die Sozialdemokratie ist vom Genossen Kautsky in seinem be- kannten Artikel im„Vorwärts" vom 12. März 1911 aus- führlich dargelegt worden. Es erübrigt sich daher, sie hier noch einmal auseinanderzusetzen. Es sei nur noch bemerkt, daß das Geschrei der„notleidenden" Agrarier über ihre be- drängte Lage in den Zahlen über die Verschuldung jedenfalls keine Stütze findet. Und wenn die Herren Junker bei der bevorstehenden Revision der Handelsverträge den„lückenlosen Zolltarif" auch mit dem Hinweis auf die hohen Verschuldungs- ziffern fordern sollten, dann wissen wir, was wir ihnen zu antworten haben._ Die lieuwahl in Ifcsenow-Grevcsinifylen findet am Donnerstag, den 20. d. M., statt. Sie ist erforder- lich geworden, weil der Reichstag trotz des SträubenS der Junker und der ihnen gewordenen Beihilfe des Zentrums das Mandat des konservativen Renommierhandwerkers August Pauli ans Potsdam für ungültig erklärt hat, und zwar, weil die Mandatsprüfung er- geben, daß nicht der sozialdemokratische, sondern der fortschrittliche Kandidat mit Pauli die Stichwahl hätte durchfechten müssen, wobei letzterer todsicher auf der Strecke geblieben wäre. Denn die Konservativen ergatterten sich 7000 Stimmen bei der Hauptwahl, die Fortschrittler zählten 6000 und die Sozialdemokraten musterten ebenfalls 6000 Stimmen, die bei der Stichwahl zwischen den erst« genannten Parteien die Wage zugunsten der Fortschrittler als des kleineren Uebels gesenkt haben würden. Die Wahl am Donnerstag findet nach den Wählerlisten der Januarwahl statt, da seitdem noch kein volles Jahr verflossen ist. Es ist dieser Umstand für die Sozial- demokratie äußerst nachteilig. Der Wahlkreis Hagenow-GreveSmühlen ist der westlichste Teil Mecklenburgs, un- mittelbar vor den Toren Lübecks gelagert, in seinem südlichen Teil nicht zu weit von Hamburg entfernt. DieS hat zur Folge, daß stets in den Sommermonaten eine verhältnismäßig große Anzahl von Arbeitern dieses(1. mecklenburgischen) Wahlkreises nach Lübeck und Hamburg als Bauarbeiter usw. gehen. Und die in den Städten deö Kreises zurückgebliebenen Maurer usw. liegen in der Jetztzeit während der ganzen Woche aus dem Lande aus. Andere Arbeiter sind im Sommer auf den Gütern dort als sogenannte .fremde Arbeiter" beschäftigt. Die Anwendung der alten Wähler- listen bringt also eine große Schar Arbeiter, selbst wenn sie im Lande geblieben sind, um ihr Wahlrecht. So wäre es mithin durchaus er- klärlich, wenn die Sozialdemokratie jetzt nicht die gleiche Stimmen- zahl aufweise» würde wie bei der Winterwahl. Natürlich lassen sich unsere Genossen durch diese Kenntnis der Dinge in ihrem Agitations- eifer nur anspornen. Neben der mündlichen Agitation durch Ab- halten von Versammlungen, wird die schriftliche betrieben durch Flugblattverbreitung und tägliche Verteilung der»Mecklenburgischen Volkszeitung', die dem Wahlkampf größte Aufmerksamkeit widmet. Unsere Gegner sind fieberhaft tätig. Sie wissen, daß der schließliche Ausgang der Wahl davon abhängt, wer mit den Konser- vativen in die Stichwahl kommt. Ist es die Sozialdemokratie, dann dürften die Konservativen das Mandat wieder heiintragen. Denn— man mag es bedauern, soll sich darüber aber nicht täuschen— die fortschrittlichen Wähler sind noch nicht dazu erzogen, in der Stich- wähl in größerer Zahl für den Sozialdemokraten und gegen den Konservativen zu stimmen. DaS hat die Januarwahl bewiesen, wo der Vorsitzende der Landcsorganisation her mecklenburgischen Fort- schrittler sich nicht nur mit der bekannten allgemeinen Stichwahl- Parole begnügt, sondern öffentlich und nachdrücklichst direkt zur Stimmabgabe für den sozialdemokratischen Stichwahlkandidaten aufgefordert hatte. Trotzdem kam dieses Resultat zustande: Hauptwahl Stichwahl Konservativ.... 7063 Konservativ.... 9865 Sozialdemokrat... 6161 Sozialdemokrat.. 8765 Forlschritt..... 6140 Die Fortschrittler lieferten also den Kreis bei der Stichwahl den Konservativen aus. Dahin wollen eS die Junker nun auch diesmal bringen, und darum ihre rastlose Agitation im allgemeinen und ihr Kampf gegen die Fortschrittler im besonderen. Sie haben eine wahre Flut von Wahlmachern aller Grade und aller Schattie« rungen in den Wahlkreis geworfen. Hochagrarier, Jungkonservative, Mittelstandsretter und ReichSverbändler sind für Pauli auf die Wähler losgelassen worden. Und sie betreiben eine Sgitation, daß sich die Balken biegen müßten I Sehr zu statten kommt den Kon- servativen noch, daß für die am Donnerstag stattfindende Neuwahl auch die Wahlbezirke und die Wahlvorsteher dieselben geblieben sind wie bei der Januarwahl. Es sind also wieder 80 Wahlbezirke vorhanden, die je höchstens bis zu 25 Wä hier zählen. Wer da weiß, wie in diesen Zwergbczirken (meist Gütern) die Tagelöhner usw. von den gutsherrlichen Inspektoren und Statthaltern im Gänsemarsch an die Suppenterrine oder Zigarrenkiste(.Wahlurne") geführt werden, ist nicht im Zweifel, wie diese Liliputbezirke der»Wahl" des konservativen Kandidaten Vorschub leiste» I Und wem bekannt ist, wie bei der Wahl im Januar verfahren worden ist— man hat selbst in einer Stadt (Hagenow) einen Adolf von Lübbe auf den Namen seines ver- storbenen Bruders Leopold wählen lassen— dem ist klar, was die Bestellung dieser selben Wahlvorsteher bedeutet. Wenn nun diese Wahlvorsteher gar die Bekanntmachung der mechlenburgischen Regie- rung wörtlich beherzigen, in der es neben der Ermahnung, keine Ver- anlassung zu einer nochmaligen Wahlbeanstandung zu geben, heißt: „Bei der Wahlhandlungansportai*beiterftmk in Großbritannien, London, 17. Juni.(Eig. Ber.) Es ist nunmehr klar, daß die Wirkung des Appells an die Transportarbeiter außer- halb Londons, sich dem Kampfe ihrer Londoner Kollegen an- zuschließen, nicht derart ist, wie die Streikleitung hoffte. Auch scheint es sicher zu sein, daß die Abstimmung, die von dem Verbände der Heizer und Matrosen vorgenommen wird, nicht zugunsten des Generalstreiks ausfallen wird. Manche sehen die Ursache dieses Mißerfolgs in der Abwesenheit Tom Manns, dessen hervorragende Persönlichkeit und Führer- talent den Streikenden jetzt mangele. Das wird dem ober- flächlichen Beobachter sehr plausibel klingen, wer aber etwas tiefer blickt, wird eine wahrscheinlichere Ursache erkennen. Im vorigen Sommer pflanzten sich die Sympathiestreiks wie ein Lauffeuer fort, weil alle Sektionen der Transportarbeiter überall gleich geplagt wurden und ähnliche Forderungen er- hoben. Heute genießen die Transportarbeiter in verschiedenen großen Hafenstädten die damals errungenen Vorteile und es ist daher schwer, die Arbeiter zu bewegen, in einen Kampf zu treten, in dem sie selbst wenig oder nichts gewinnen, aber unter Umständen viel verlieren könnten. Alle Beredsamkeit und alles Organisationstalent eines Tom Mann könnten an der Sachlage nichts ändern. Der Kampf wird daher in der Hauptsache auf London beschränkt bleiben. Die anderen Hafenstädte werden London finanziell unterstützen und auch tatkräftig unterstützen, wenn die Unternehmer versuchen sollten, die Londoner Schiffe nach anderen Häsen zu schicken. Nur in Southampton dauert der Streik noch an: dort handelt es sich aber um besondere Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern. Wie lange der Streik noch in London dauern wird, ist noch nicht abzusehen. Solange die Lichter- schiffer wie jetzt feststehen, ist alles Gerede der kapitalistischen Presse von dem Zusammenbruch des Streiks dummes Zeug. Als ziemlich gut bezahlte Arbeiter haben die Lichterschiffer einen langen Kredit und können noch wochenlang aushalten. Es verlautet, daß die Regierung Schritte tun wird, um dem Streik ein Ende zu bereiten, indem sie auf gesetzlichem Wege einen Standardlohn im Londoner Hafen einführt, der von allen Unternehmern eingeführt werden muß. Bis jetzt ist es aber bei dem Gerücht geblieben. Die Beratungen, die auf Anregung der Regierung im Jndustrierat stattfinden, haben natürlich mit der Beilegung des Streiks nichts zu tun, da sie sich wochenlang hinausziehen können. (lngarn. Das alte Spiel. Budapest, 18. Juni, die heutige Sitzung des Abge- o r d n e t e n h a u ses verlief sehr ruhig. Es waren nur Mitglieder der Regierungspartei anwesend. Präsident Graf Tisza teilte mit, daß das Mvgnatenhaus die Wehrvorlagen angenommen habe und daß sie der königlichen Sanktion unterbreitet werden würden.(Lebhafte Eljenrufe.) Hierauf wurde die erste Session durch ein königliches Reskript ge- schlössen. Die zweite Session wird morgen eröffnet. Die ausgeschlossenen oppositionellen Abgeord- n e t e n erschienen unter Führung der Abgeordneten Graf Apponyi und v. Justh beim Militärkordon, der das Abgeordnetenhaus umgibt. Als die Ausgeschlossenen zurück- gewiesen wurden, erklärten auch die nicht ausgeschlossenen Oppositionellen, sie twllten von ihrem Rechte im Abgeord- netenhause zu erscheinen, keinen Gebrauch machen, und zogen sich unter lebhaften Protesten v. Jusths geschlossen zurück. frankrcicd. Poincarö stellt in der Wahlreform die Kabinettssrage. Paris. 17. Juni. Die Kammer trat heute in die zweite Lesung der Wahlreform ein. Der ehemalige Minister Augagneur begründete einen vermittelnden Gegenentwurf und appellierte an die Einigkeit aller Republikaner. Groussier trat ihm unter großem Beifall entgegen. Ministerpräsident Poincare erklärte, er sei in bezug auf die wesentlichen Grundlagen seines Entwurfs unerbittlich. Er müsie auf der Ablehnung des Gegen- entwurfs Augagneur bestehen und. um die parlamentarische Lage zu klären, zurücktreten, wenn er in dieser Frage nicht die Majorität der Republikaner hinter sich haben sollte. Der Ministerrat hat sich am Mittwoch mit der Haltung Pom- caies einverstanden, erklärt. MillerandS Antwort auf die deutsche Wehrvorlage. Paris, 18. Juni. In der heutigen PormittagSsitzung wurde in der Deputierten kammer das Kriegsbudget beraten. Eine Anzahl Abgeordneter lenkte die Aufmerksamkeit des Kriegs- Ministers auf die deutschen W e h r v o r l a g e n und sprach im Anschluß daran für verschiedene Verbesserungen in der Bewaffnung und in der Mobilisierung der französischen Armee, um diese, die an Zahl der deutschen unterlegen sei. stärker auszubauen. Die Redner traten besonder» für die Selbstlader der Infanterie ein und für«ine dreijährige Dienstzeit bei der Kavallerie und bei der reitenden Artillerie. In seiner Antwort erinnerte Kriegsminister M i l l e r a n d zunächst an die Rede PoincareS. der erklärt habe, es sei kein Grund vorhanden, wegen der Aufrechterhaltung des Friedens Befürchtungen zu hegen. Wie sicher die Weltlage aber auch sei. das Ziel des Kriegsministers müsse immer die Vor- bereitung zum Kriege und die Bereithaltung der Armee für alle Eventualitäten sein. Man müsse anerkennen, daß die in Deutsch. land angnommenen Wehrvorkagen die größte Anstrengung darstell- ten, die seit langer Zeit gefordert worden sei. Durch sie werde nicht bloß der Effektivbestand der deutschen Truppen, sondern auch die Organisation des Kommandos verstärkt. Weiter erklärte Mille- rand, es sei unmöglich, in die Grcnzgarnisonen lauter ausgebildete Leute zu schicken, denn diese würden dann im Innern des Landes bei der Einstellung der Rekruten fehlen. Außerdem wäre es ein schlechter Zustand, wenn die Offiziere niemals bis zur vollständigen Ausbildung dieselben Soldaten behielten. Eine Wiederherstellung der dreijährigen Dienstzeit für die Kavallerie und für die Artillerie zu Pferde hielt der Minister nicht für nötig; man müsse diese Waffen nur an Zahl verstärken. Im übrigen sei die Länge der Dienstzeit eine Frage der Kredite. Millerand fuhr fort, es sei notwendig, die schwarzen Truppen nutzbar zu machen; er werde in Uebereinstimmung mit seinem Kollegen vom Kolonial- Ministerium von 1913 an eine mäßige Aushebung von kolonialen Kontingenten in Vorschlag bringen, aus der Frankreich einen be- trächtlichen Zuwachs an Kräften und eine kostbare Hilfe ziehen werde.(??) Der Minister sprach schließlich über die weiteren Maßnahmen, die er zu treffen gedenke und erklärte das Kader- gesetz für die wichtigste und dringendste dieser Maßnahmen. Er werde noch vor Ende dieses Jahres eine Verminderung des Marsch- gepäcks für Fußsoldaten durchführen. Was das Militärflugwesen anlange, so sei es notwendig, daß Frankreich seinen Vorsprung be- wahre, den keine andere Macht ihm streitig mache. Die Rede des Kriegsministers wurde mit großem Beifall aufgenommen. SnglancL Die Isolierung des Schatzkanzlers. London, 17. Juni.(Eig. Ber.) Die Beförderung Lord H a l d a n e s zum Lordkanzler, die des Obersten S e e l y. eines konservativen Ueberläufers, zum Kriegsminister und die Beförderung verschiedener anderer Imperialisten haben bei den englischen Linksliberalen großen Ingrimm hervorgerufen. Ohnmächtig müssen sie zusehen, wie man ihre Leute und ihre Grundsätze immer mehr beiseite schiebt. Nur mit oer äußersten Kraftanstrengung gelang es ihnen vor kurzem, ihrem Parteigenossen Robertson einen untergeordneten Posten in der Regierung zu verschaffen. Churchill, zu dem sie einst hoffnungsvoll emporblickten, hat sich durch die Rivalität mit Lloyd George immer mehr nach rechts entwickelt und wird heute von den Konservativen bejubelt. Der Minister B u r n s. der Hüter der Tradition der liberalen Arbeitervertretung, hält es mit den großen Bataillonen, die ihm Amt und Auskommen sichern, und duckt sich, indem er sehr geschäftig tut.„Und was den Radikalismus anlangt", ruft Herr M a s s i n g h a m, der Redakteur der„Nation" aus,„seine Fahne wird nur noch emporgehalten von einer einsamen Gestalt, Herrn Lloyd George".„Wenn das nicht anders wird," sagt er weiter, „wird die Einigkeit der Partei nicht bis zu den allgemeinen Wahlen aufrechterhalten werden und wir werden uns draußen nach den anregenden Kräften und Grundsätzen umzusehen haben, die die liberale Regierung vom Jahre 1905 schufen und deren Zurückziehung die Negierung des Jahres 1912 stürzen kann." Seit dem Tode Campbell-Bannermans, dessen Ehrlichkeit und politischer Mut die Jmperalisten der „Liberal League" in Schach hielten, ist es. mit dem „Neuen Liberalismus" mit seinem sozialen Evangelium reißend bergab gegangen. Die hoffnungsvollen jungen Politiker, die ihn" schufen oder die er anzog, verloren entweder ihren Sitz in den Parlamentswahlcn des Jahres 1910, oder haben sich allmählich den neuen Existenzbedingungen angepaßt. Die Leute, die die liberale Partei als regierungsfähige Organisation aufrecht erhalten, die freihändlc- rischen Kapitalisten, die mächtigen Personen und Cliquen, die sich um die Würden und Stellen balgen, haben den Glauben an die Wirksamkeit der Politik Lloyd Georges verloren, und das liberale Bürgertum ist zur Einsicht gelangt, daß eS an der Zeit ist, mit der Sozialpolitik ein wenig Schluß zu machen, damit das Land wieder Ruhe be- kommt. Eine sonderbare Schlußfolgerung, die aber den Leuten ganz natürlich vorkommt, denen der ungestörte Ver- lauf des„Geschäfts" als das höchste zu erstrebende Ziel der Politik gilt. So findet sich Lloyd George denn ver- einsamt; ans dem vergötterten Staatsmann» ist ein gewöhn- lichcr Sterblicher geworden, von dem die früheren Freunde immer mehr abrücken. Es scheint, daß der englische Liberalismus am Ende seiner Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete der Sozialpolitik rnv gekommen ist und sich in Zukunft lediglich mit der Kor- rigierung des Geschaffenen beschäftigen wird. Mit dem Alters- pensionsgesetz hat er sein sozialpolitisches Programm erschöpft und er findet jetzt, daß die Arbeiterschaft, weit davon entfernt, befriedigt zu sein, ungeduldiger und unzufriedener ist denn je. Während er Reformen auf dem Gebiete des sozialen Sanitäts Wesens schuf, kam es den Massen zum Bewußtsein, daß sie von dem gewaltigen Zuwachs des nationalen Reichtums rein gar nichts erhielten, während sich die besitzenden Klassen einem immer größer werdenden Luxus Hingaben. Das soziale Problem spitzte sich auf die Frage zu, wie eine gerechtere Per- teilung des Produktes des Nationalfleißes zu erzielen sei. Man muß es den englischen Liberalen lassen, daß sie den Kern der Sache wohl verstanden und selbst bereit sind, der Arbeiter- schaft einen größeren Teil an dem Produkte seiner Arbeits- kraft zuzusprechen. Jedoch dasselbe Perständnis und dieselbe Bereitwilligkeit findet man auch in gewissen konservativen Kreisen. Die Schwierigkeit ist nur, jemand in den besitzenden Klassen zu finden, der bereit ist, mit der Entsagung einen Anfang zu machen. Jedermann glaubt, daß sein Nachbar ein passendes Versuchsobjekt ist. Uebcr kurz oder lang muß alle Sozialpolitik zu dem Grundproblem führen. Ter englische Liberalismus ist vor einem Problem angelangt, das er nicht lösen kann und zu dem allein der Sozialismus den Schlüssel besitzt. Daher auch die Müdigkeit des liberalen Bürgertums, der Zug nach rechts zum Imperialismus, der Ingrimm der Linkslibcralen und die Isolierung des Schatzkanzlers. Ckina. Der streikende Premierminister. Peking, 17. Juni. Tangschaoyi fit noch nicht nach Peking zurückgekehrt, obgleich Uuanschikai txw Sekretär Liangshihyi am Sonmabend in einem Sonderzu-g nach Ticntsin entsandt hatte, um den Premierminister dringend zur Rückkehr außz-ufordern. Als Ergebnis des heutigen Ministerrats ist Liangshihyi abermals mit einem ähnlichen Auftrag nach Ticntsin geschickt worden. Der Präsident und die übrigen Mitglieder des Kabinetts halten die geheimnisvolle Abreise des Premierministers für unerklärlich ES scheint festzustehen, daß Tangschaoyi nicht zurückzukehren beabsichtigt. Ei«? Erklärung dafür liegt möglicher- weise in der MitteUunig der Behörden von Eanton an- die Zentral- regierung, daß die UnabhcmgigkeitAerklärun-g von Canton ausi- gearbeitet würde. Peking, 18. Junk. Tangschaoyi hat erklärt, er beabsichtige zurückzutreten, da er das Vertrauen seiner Partei und zu den Fremden verloren habe. Man versucht, ihn von seinem Bor- haben abzubringen. Soldatcnunruhen. Peking, 18. Juni. Die Mandschw-Abteilung, die im Sommer, Palast einquartiert ist, ist in der letzten Nacht nach Peking mit der ausgesprochenen Absicht aufgebrochen, den rückständigen S o l d zu verlangen. Truppen Vuanschikais stellten sich ihr ent- gegen und unterdrückten den Ausbruch einev Meuterei. Die Führer wurden verhaftet. Nach Nachrichten aus Schanfi. Schenfi und Schantung drohein auch dort Meutereien aus- zubrechen, falls die Soldaten nicht ihren Sold erhalten. Es ist wesentlich daß die Regierung nicht später als morgen Summen für diesen und für andere Zwecke zur Verfügung erhält. Die Regierung hat sich angesichts dieser Lage an die internationale Bankgruppe gewandt, die einen Vorschuß von drei Millionen Taels gewährt hat. Trotz dieser beunruhigenden Erscheinungen ist Nuanschikais Einfluß ständig im Wachsen begrifstn, wie sich die Lage überhaupt allgemein bessert. Huö der parte!» Zur Beilegung des Göppinger ParteistreiteS. Mit den Beschlüssen der Kreis-Generalversammlung ist die Göppinger Affäre in zufriedenstellender Weise erledigt worden. Der Parteivorstand hat von Anfang an den einzigen richtigen Stand- punkt vertreten, daß nämlich ein Parteiblatt in taktischen Fragen die Meinung seiner Organisation zum Ausdruck bringen muß. Da, her mutzte der Parteivorstand auch die Verschmelzung der Partei- blätter in Ulm und Göppingen ablehnen, weil dadurch zugleich eine vollständige Aenderung in der taktischen Haltung des Blattes ein- getreten wäre. Die jetzige Regelung gibt sowohl den Göppingern als den Ulmern ihr Recht. Kann man sich also mit dem Abschluß dieser Affäre durchaus einverstanden erklären, so geben die Begleitumstände doch noch zu einigen Bemerkungen Anlaß. Man kann jetzt als festgestellt be- trachten, daß der Parteivorstand anders, als er es tat, in dieser Sache gar nicht verfahren konnte, daß die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, ganz unbegründet waren. Nun hätten aber diese Vorwürfe gar nicht erhoben werden können, wenn der Partei- vorstand, wie er es forderte und erwarten mußte, rechtzeitig über das Verschmelzungsprojekt, das vorher nie zur Diskussion ge- standen hatte, unterrichtet worden wäre. Daß das nicht geschehen ist, ist eine Unterlassung, die vor allem Schuld der Göppinger Genossen ist. Hätten sich die Göppinger Ge- nossen, wie eS ihre Pflicht gewesen wäre, rechtzeitig mit dem ParteiNrstand in Verbindung gesetzt, so hätten sie erfahren, daß die Sanierung des Blattes auch ohne die Verschmelzung geschehen würde. Daß sie es nicht getan haben, ist um so unbegreifliche� weil der Vorstand sie zur Berichterstattung ausdrücklich aufgefordert hatte in demselben Schreiben, in dem er ihnen auch mitteilte, daß die dringenden Forderungen sofort bezahlt würden. Dieser letzte Punkt zeigt aber auch, daß wenigstens ein Teil der Göppinger Genossen nicht der Meinung sein konnte, daß sie sich in finanzieller Abhängigkeit befänden. Zweifellos ist aber, daß ein anderer Teil dennoch dieses Gefühl hatte. Das kann nur so erklärt werden, daß dieser Teil über die wirklichen Vorgänge im unklaren ge- lassen-wurde und deshalb glaubte, auf die Verschmelzung ein- gehen zu müssen, um die Sanierung möglich zu machen. Daß diese Meinung entstehen konnte, daran trägt aber nicht nur ein Teil der Göppinger Genossen die Schuld, sondern auch der würt- tembergische Landesvorstand. Denn unserer Meinung nach hätte der Landesvorstand, um völlig korrekt zu verfahren, den Parteivorstand von dem Verschmelzungsprojekt rechtzeitig verstän- digen müssen, und er hätte bei den Verhandlungen völlig Klarheit darüber schaffen müssen, daß die Verschmelzung keine Bedingung der Sanierung sei. Wäre dies vom Landesvorstand offen ausge- sprachen worden, so wären alle Göppinger Parteigenossen über die völlige Unabhängigkeit ihrer Entschließung klar gewesen und dem Landesvorstand wären die Vorwürfe erspart worden, die mit Recht von einem Teil der Göppinger Genossen gegen ihn erhoben worden sind. Zum Schluß noch einige Worte über die Haltung einzelner Ge- nossen. Die Berichterstattung über die Vorgänge wird überall den Wunsch verstärken, daß über Parteistreitigkeiten in möglichst genauer Weise unterrichtet werden soll und einseitige Darstellungen vermieden werden müßten. Solche Einseitigkeiten sind aber diesmal vorgekommen, und das bleibt bedauerlich, auch wenn man den Berichterstattern zugute halten kann, daß sie sich mit einem Teil der Göppinger Genossen- über die tatsächlichen Ver- hältnisse im Irrtum befunden haben. Mit diesen Bemerkungen- ist für uns eine Affäre erledigt, mit deren Ausgang alle Parteigenossen einverstanden sein können, die aber vielen daran Beteiligten nicht zum Ruhme gereicht. Zur Eiscnachcr Konferenz. Genosse Heilmann, Redakteur der„Chemnitzer Volksstimme", sendet uns folgende Zuschrift: Die gestrige Zuschrift über die Eiscnacher Konferenz eines Teiles der ReichstagSfraktion könnt« leicht zu dem Mißverständnis verleiten, als ob die„Chemnitzer Volks- stimme" etwas von einer Sprengung der Partei geschrieben habe. Sie hat jedoch in Wahrheit am Sonnabend nur folgende Notiz gebracht: Dem„linken Flügel" der sozialdemolratischen Reichstags- fraktion angehörige ReichstagSabgeorvnete versammeln sich auf Ein- ladung des Genossen Ledebour morgen fSonntag) in Eisenach, um in einer Vorbcsprechnng zu den Arbeiten des diesjährigen Partei- tagcS und einigen anderen aktuellen Fragen unseres ParteilebenS Stellung zn nehmen. Für alle Zusätze„geistvoller" liberaler Zeitungsschreiber müssen die Genossen m der Chemnitzer Redaktion jede Verantwortung ab- lehnen. Im eigenen H-im. Unser Parteiorgan in B r a n d e n b u r g a. H. ist jetzt in ein eigenes Geschäftshaus, das die Genossen im Herzen der Stadt mit einem Kostenauswand von einer Biertelmillion errichten ließen, ver- legt worden. Gleichzeitig wurden die Druckerei erweitert und die maschinellen Einrichtungen verbessert.— Die„Brandenburger Ztg." erscheint jetzt als Parteiorgan im 22. Jahrgang. Die Zeitung ge« hört zu denjenigen Parteiblättern, denen eS gelang, stets ohne Zu- schütz aus der Parteikasse auszukommen. Da auch die zum Bau notwendigen Gelder ausschließlich auS dem Unternehmen sowie von der Brandenburger Organisation stammen, und so die Hypotheken- frage gut gelöst ist, können die Brandenburger Arbeiter mit be- rechtigtem Stolz auf die Entwickelung ihre« Organs als Wahrer ihrer Interessen blicken und den Einzug deS vlatteS in daS neue Heim mit Freude begrüßen. Gewerkfchaftlicbcg. (Hürde I Die beleidigte Würde eines Berufsgenossen rechtfertigt für alle anderen desselben Standes den Bruch eines Vertrags- Verhältnisses! So hat das Reichsgericht entschieden! Mancher, der das liest, wird ungläubig den Kopf schütteln. Man denke nur: Ein Unternehmer verlangt von einem organisierten Arbeiter, er solle durch Verübung von Streikbruck) oder Anfertigung von Streikarbeit seinen Berufs- und Klassengenofsen in den Rücken fallen! Wegen solcher beleidigenden Zumutung wer- den seine Kollegen mit ihm kontraktbrüchig. Glaubt jemand, daß sich ein Gericht finden werde, das den Streikbruch für gerechtfertigt erklärte? Wer solcher Hoffnung sich hingibt, ist ein weltfremder Narr! Und doch hat das Reichsgericht den obigen Grundsatz aufgestellt. Die„Juristische Wochen- schrift" berichtet darüber folgendes. Zwei Kassenärzte hatten der Bitte eines Kaufmannes, seiner Frau Geburtshilfe zu leisten, nicht entsprochen. Den Vertragspslichten zufolge, waren sie auf Grund einer, im vorliegenden Falle allerdings direkt nicht vorhandenen Bescheinigung einer Hebamme der- bunden gewesen, dem Anspruch zu genügen. Den beiden Aerzten legte die Kasse die Kosten der Zuziehung eines be- amteten Arztes auf, kürzte ihnen das Gehalt und überwies ihnen einen anderen Stadtteil als Wohnsitz. Hierin erblickte das Reichsgericht, der Vorinstanz folgend, die Anmaßung einer Strafgewalt und einen mit der Würde und Stellung des Arztes unvereinbarlichen Mißbrauch der Dienstgewalt. Wegen dieses die Rechte der Aerzte verletzen- den Vorgehens waren nicht bloß die zunächstbetroffenen, son- dern auch die anderen Kassenärzte berechtigt gewesen, das Vertragsverhältnis als nichtig zu betrachten, weil alle Aerzte vom gleichen Vorgehen bedroht waren. Daß die Kasse das Wohl der Kassenmitglieder so energisch wahrnahm, muß sympathisch berühren, während die Weige- rung der Aerzte, aus rein formalen Gründen einer Frau in ihrer schwersten Stunde Hilfe angedeihen zu lassen, nichts anderes ist, wie ein Shylockpochen auf ein Scheinrecht I Die materiellen Voraussetzungen für die verlangte Hilfe waren gegeben, sonst hätte die Kasse natürlich überhaupt nichts gegen die— unfreundlichen Herren unternehmen können! Trotz alledem, obwohl Menschenleben in Frage kamen: die Würde des Standes geht über alles! So ent- schied das höchste Gericht! Solches Urteil muß aufpeitschend, wie klatschende Hiebe ins Gesicht der Streikbrecher und ähnlicher Gentlemen wir- ken. Das Gericht erklärt die Solidarität der Berufsgenossen für eine Pflicht der Standeswürde. Ja, das Gefühl der Würde soll sogar so stark sein, daß man materiell berechtigte Maßnahmen gegen einige Berufsgenossen mit Vertragsbruch beantwortet und beantworten darf! Aber, solches Würderecht spricht man den Arbeitern ab! Diese sollen Streikbruch und ähnliche bezahlte Verrätereien fleißig üben. Während man den Arzt, RechtsaniMlt mit Schimpf und Schande aus seinem Stande ausstößt, der sich in ähnlicher Weise gegen seine Berufsgenossen verginge wie ein Streikbrecher gegen seine Arbeitsbrüder, lobt man die Streikbruchlumperei als brave, vom Staate extra zu schützende Heldentat. Und die Streikjustiz demonstriert die Würde- differenzierung mit wünschenswerter Deutlichkeit. Nicht der Arbeiter, der auf Würde hält, der dem Streikbrecher und Kon- sorten die gebührende Verachtung bekundet, wird gegen die unwürdig handelnden Berufsgenossen geschützt, sondern um- gekehrt: die Justiz versucht, dem Streikbruch, dem Arbeiter- verrate alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen! Sie, die dort als Verteidigerin der Sjandeswürde funktioniert, tritt hier als Schutzengel des Verrates gegen Berufsgenossen auf. Nur in einer Beziehung besteht eine Aehnlichkeit: in beiden Fällen verteidigt man an sich unanständige, der- dammenswerte Handlungen! Diese zwiespältige Rechtsprechung und Auffassung ist der Reflex einer unsagbaren Arbeitermißachtung. Für diese soll eS keine Würde, keine Selbstachtung geben. Dem Arzt macht man die rücksichtslose Wahrnehmung der Interessen aller feiner Berufsgenossen zur Standespflicht, der Arbeiter aber soll aus kleinlichem Egoismus seine Arbeitsgenossen schädi- gen. weil das Interesse des Kapitals es also gebietet. Solche Wertung der Arbeiter muß empörend, muß aufreizend und hoffentlich auch belehrend auf die noch nicht ganz verlumpten Strikbrechergesellen wirken. Wer solche Hoffnung täuscht, verdient die Verachtung, die ihm durch die unterschiedliche Wertung ausgesprochen wird. Sie bleiben Lumpen trotz des Dekorums, Stützen der Plünderordnung zu sein! Berlin und Omgcgcnd. Achtung, Steinarbeiter und Bauarbeiter aller Berufe! Der Streik bei Jüngers u. Schills ist auf sämtliche Bauten ausgedehnt worden. Außer dem Neubau„Sarotti*. Tempelhof, kommen die Bauten in der Beymestraße im Grunewald und Köpenicker Straße, Ecke Adalberistraße in Betracht. Zu den gemeldeten 22 Kollegen kommen noch neun hinzu. Ein Steinmetz, namens Max Schultz, geboren 3. März 1839 in Denn bei Brück a. d. Ahr, ist abtrünnig geworden. Im Streik stehen jetzt 31 Steinmetzen. Um sie zu er- setzen, greift man zu den kuriosesten Mitteln. Man stellt ungelernte Arbeiter an ihre Stelle, g'bt ihnen Steinmetzwerkzeuge in die Hand und läßt sie auf den zu bearbeitenden Beton loShauen. Zur Aus- Übung deS SteinmetzhandwerkeS gehört jedoch noch etwas mehr, und um dieses zu erreichen--- bindet man.den Pseudosteinmetzen noch eine nagelneue blaue Schürze(das aus der zünftlerischen Zeit übernommene Wahrzeichen der Steinmetzen) um. Wenn das nicht zieht... Welchen Zweck dieses Manöver verfolgen soll, ist nur zu durchsichtig. ES fragt sich nur, wer am meisten getäuscht werden soll, die Streikenden— die einen vollgültigen Ersatz ihrer Arbeits- kraft durch die.Beschürzten" erblicken und dadurch wankelmütig ge- macht werden sollen— oder die Bauleitung der Firma Sarotti. Nun, wir werden beides zu verhindern wissen. Die Hauptsache ist. daß der Zuzug von Stein- und Betonarbeitern strikte ferngehalten wird und ersuchen deswegen die Arbeiter aller Bauberufe, uns in der Fernhaltung von Arbeitswilligen zu unterstützen. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Nachdruck gebeten. Zentralverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. An die Arbeiter und Parteigenossen Groß-Berlins! Seit Jahren schon sind die Fensterputzer Berlins be- müht, sich im Deutschen TranSportarbeiter-Verbande zu organi« fieren. Leider gelingt da» nickt in der erforderlichen Werse, da eine große Anzahl Frrmen in ihren Betrieben keinen organisierten Arbeiter dulden. Diese Firmen haben jedoch viel Proletarierkundschaft. Sie nehmen also, da ja Geld nicht riecht, das Geld der organisierten oder freiheitlich denkenden Geschäftsleute; aber der Organisation selber stehen sie feindlich gegenüber. Hier können uns aber die Ar- beiter und Geschäftsinhaber, insbesondere unsere Parteigenossen, sehr viel unterstützen. Frage jeder Geschäftsmann seinen Fensterputzer nach seiner Verbandslegitimation. Bernntw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.;' Ie d e r A r b e i t er fordere imBierlokak oder in der Zerkstatt die Legitimation de« Verbandes von dem Fensterputzer und er verhilft dadurch einer kleinen, aber vorwärts strebenden Gruppe zum Siege. Arbeiter, Genossen! Wo ihr einen Fensterputzer trefft, fragt ihn nach seiner grünen Legitimations- karte für 1312. Die Sektion der Fensterputzer. Deutscher Transportarbeiter-Verband Groß-Berlin. Achtung, Kunststeinarbeiter! Bei der Firma B o r ch m a n n u. C o. ist es wegen Nichtinnehaltung der tariflichen Bestimmung zur Ge- samtarbeitseinftellung gekommen. Der Betrieb ist für alle Kunst- fteinarbeiter gesperrt. Fabrikarbeiterverband. Verwaltung Berlin. Achtung, Friscurgchllfcn! Aufgehoben ist die Sperre bei Herrn Möller, Zielenstr. 31. In die Liste der Geschäfte, deren Inhaber bewilligt haben, ist nachzutragen: In Neukölln: Euchen, Kaiser- Friedrich-Str. 78; Waldau, Weichselstr. 68; Henschke, Karls- gartenstr. 29. Reinickendorf: Jost, Herbststr. 14; Gahde, Scharn- wcbcrstr. 116. Ferner: Borowsky, Ruppiner Str. 24; Pfützen- r e u t e r, Lausitzer Str. 24. Verband der Friseurgehilfen. veutkcbes BeieK. Die Lohnbewegung der Stukkateure im Jahre 1911. Seit Anfang dieses Jahres ist der Verband der Stukkateure dem Bauarbeiterverband angeschlossen. Ueber das letzte Jahr seiner Tätigkeit sollen hier einige Angaben folgen, um zu zeigen, daß der Verband durchaus imstande war, seiner Aufgabe, die wirtschaftliche Lage der Mitglieder zu heben, gerecht zu werden. Trotz der besse- ren Baukonjunktur war das Jahr 1911 nicht reich an Lohn. bewegungen, weil viele bestehende Verträge darüber hinaus Gültigkeit hatten. Von den 8319 Verbandsmitgliedern unter- standen nicht weniger als 6796 oder 84,2 Proz. den bestehenden Verträgen. In 41 Fällen stellten die Stukkateure Forderungen, in 74 Fällen hatten sie sich gegen von den Unternehmern beabsichtigte Arbeits- Verschlechterungen zu wehren. Von den 74 Abwehrbewegungen konnten 66 ohne Arbeitseinstellung erledigt werden. Zu den 41 Angriffs- und 8 Abwehrstreiks kam noch eine Aussperrung in Berlin, aus Anlaß der Maifeier. An den Angriffsstreiks waren 4�3, an den Abwehrstreiks 184 Arbeiter, an der Aussperrung 11 Personen beteiligt. Von den insgesamt£59 Lohnbewegungen konnten 42 durch Verhandlungen erledigt werden, in 36 Fällen fanden diese Verhandlungen zwischen den Vertretern der beiden Organisationen statt, in 6 Fällen zwischen Arbeitern und Unter- nehmer direkt und in zwei Fällen unter Mitwirkung eines Un- parteiischen. Von diesen Bewegungen endeten 46 erfolgreich und 2 erfolglos; 38 Tarife wurden abgeschlossen, 24 zum erstenmal. Insgesamt wurde erzielt für 574 Beteiligte eine Verminderung der Arbeitszeit von wöchentlich 1879 Stunden; außerdem wurde zurück» gewiesen für 65 Personen eine ArbeitSzeitverlängcrung. Lohnerhöhungen wurden insgesamt für 2213 Personen um wöchentlich 7942 M. oder pro Person 3,18 M. erreicht. Ferner wurden für 2927 Personen sonstige Vorteile erreicht, wie Regelung der Auslösung bei auswärtigen Arbeiten, höhere Bezahlung der Ueberstunden usw. Die gesamten Unkosten der Bewegungen belaufen sich auf 15 939 M., von denen 7968 M. auf die Durchführung der Sperren aus den Filialkassen verwandt wurden. Das Bestreben der Organisation, überall geregelte Arbeits- Verhältnisse zu schaffen, ist im Jahre 1911 um einen guten Schritt weitergekommen. Von den 19 492 Mitgliedern, die die Organi- sation im Jahresdurchschnitt 1911 zählte, arbeiteten nicht weniger als 9954 oder 95,7 Proz. unter tariflich geregelten Verhältnissen. Die Scharfmacher im Töpfer- und Ofensetzergewerbe. In der Schlußversammlung des 7. VerbandZtages des Ver- bandeS der Arbeitgeber des Töpfer- und Ofensetzergewerbes Deutsch- landS, der dieser Tage in Hannover tagte, beantragte der Provinzial- verband Berlin und Umgegend Festsetzung eines einheitlichen Ablauftermins für sämtliche Lohntarife im Bcrbandsgebiet. Die Besprechung dieses Antrages war in vieler Beziehung inter- essant. Meister Unterberger- Breslau erlaubte sich den be- scheidenen Einwurf, daß es bei den Eigenorten des Gewerbes sehr schwierig sein würde, einen einheitlichen Ablaufstermin festzusetzen bezw. durchzuführen. Aus diesem Grunde würde man sich wohl daran genügen lassen müssen, das Ziel des Antrages nach Möglichkeit anzustreben. Demgegenüber markierten ver- schieden- andere Delegierte die starken Männer, sie schwadronierten von Einheitstarifen, Tarifgemeinschaflen und ähnlichen schönen Dingen, die erforderlich seien, um den doch wiederkehrenden Ansprüchen der Gehilfen einen wirksamen Damm entgegen- zusetzen. Ein Hamburger Redner war so ehrlich, zu er- klären, daß die vorher von dem Provinzialverbande Hamburg beantragte Erhöhung deS Jahresbeitrages von 3 auf 5 M. in erster Linie dazu dienen sollte, für Kampfzwecke Geld in die Verbandskasse zu bekommen. Groß war ferner der Aerger, als von einem Brandenburger Delegierten der ziemlich kritische Begrüßungsartikel im„Töpfer" verlesen wurde. Der Vcrbandstag beschloß dann, den Vorstand zu beauftragen, bezüglich des Ablausstcrmins, worin ein Zusammengehen mit den Bestrebungen des ArbeitgeberverbandeS für das Baugeioerbe betont wurde, mit dem Fabrilanlenverbande und auch mit dem— Gesellenverbande in Unterhandlungen zu treten. Hierauf kam ein noch scharfmacherischer Antrag des Provinzialver- bandes Schlesien: „Der Hauptverbandstag möge beschließen, für den Fall, daß in irgend einem Unterverbande trotz des Bestehens einer Tarif- gemeinschaft die Gehilfen in einen Sympathiestreik eintreten, solle der Hauplverband ohne weiteres, nach Prüfung der Sachlage, er- mächtigt sein, innerbalb einer Frist von 8 Tagen, bei Firmen, die mit ihren Leuten Kündigungsfristen Vereinbarl haben, unter Zu- grundelegung der kürzesten Kündigungsfrist, die Aussperrung für den betreffenden Provinzialverband und innerhalb 14 Tagen für den Hauplverband zu veranlassen." Unterberg- Breslau begründete den Antrag mit dem Hin- weise, daß ein Hauptzweck des Verbandes darauf gerichtet sein müsse, bezüglich der Organisation der Arbeitnehmer ein Gegengewicht zu schaffen behufs Ermöglichung von Tarifgemeinschaflen und deren Geltendmachung durch Eintreten einer geschlossenen Korporation gegenüber dem Arbeitnehmerverbande. Allemhalben würde wohl das Gefühl bestehen, daß man aufhören müsse, die teilweise exorbitanten(!) Gehilsenforderungen zu befriedigen, und eS angebracht erscheine, das Ueberlegenheitögefühl der Arbeilnehmerverbände auf ein vernünftiges Maß zurückzusühren, ein Zweck, der nur durch eine allgemeine Aussperrung erreicht werden könne. Dabei gelte die alte Regel:„Die beste Abwehr ist der Hieb". Antrag und Begründung der biederen Schlefier gefielen so aus- nehmend, daß der VerbandSlag ohne Debatte zur einstimmigen An- nähme kam!! Vom Hamburger Hafen. Während es anfangs den Anschein hatte, als würde für das Schiffs- und Kesselreinigergewerbe kein von beiden Parteien aner- kannter Tarif zustande kommen, ist nunmehr doch Aussicht dafür vorhanden. Dxn Stein des Anstoßes bildeten für die Arbeiter der AnfangSlohn und die Ueberstundenlöhne. Sie lehnten deswegen den ersten Tarifcntwurf ab und ersuchten unter eingehender Be- gründung ihres Standpunktes die Unternehmer um anderweite Re- gelung. Obwohl die Unternehmer durch den Hafenbetriebsverein hatten erklären lassen, daß sie im Falle der Ablehnung den Tarif autonom, aber ohne die vorgesehene Staffelung, einführen würden, haben sie sich doch offenbar den Gründen der Arbeiter nicht ver- schließen können und sind deren Wünschen entgegengekommen. Der neue Entwurf beseitigt die am meisten beanstandeten Mängel. Wenn die Arbeiter in ihrer dieser Tage stattfindenden Versamm- LH. Glocke, Berl'i. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsamtalt lung dem neuen Tarife zustimmen, ist für eine weitere starke Ar« beitergruppe das Arbeitsverhältnis tariflich geregelt. Das Ergeb- nis der Lohnbewegung besteht in einer nicht unerheblichen Lohn- erhöhung, namentlich für die jugendlichen Arbeiter, die endlich für ihre schwere und ungesunde Tätigkeit eine halbwegs angemessene Bezahlung bekommen. Für die Schiffsreiniger beträgt die Lohn- zulage für das erste Jahr— bis 39. September 1913— 29 Pf., für das zweite 39, für das dritte 49 Pf. pro Stunde, für die Kessel- reiniger über 18 Jahren 79, 89 bezw. 99 Pf., für die jugendlichen 59 Pf. Außerdem sind in den Sonderbestimmungen über Extra- löhne usw. verschiedene Verbesserungen geschaffen.— Weitere Ab- schlösse sind zurzeit nicht zu verzeichnen, dürften aber in der nach- sten Woche erfolgen._ Auf dem Stahlwerk Mark in W e n g e r n/Ruhr wurde wegen Differenzen am 39. Mai sämtlichen Arbeitern zum 15. Juni das Arbeitsverhältnis gekündigt. Am 12. Mai machte die Direktion durch Anschlag bekannt, daß diejenigen Arbeiter, die weiter arbeiten wollten, sich bei ihrem Meister melden sollten. Die Direktion be- halte sich aber die Wiederannahme vor. Ein Teil der Unorgani- sierten ist wieder zu Kreuze gekrochen; die Organisierten haben aber diesem Lockruf keine Folge geleistet. Sie waren überzeugt, daß die Direktion eine Auslese vornehmen würde und sind am 15. Mai in den Streik getreten. Die Gießerei liegt vollständig still; nur einige Lehrlinge sind am Arbeiten. Wenn es gelingt, den Zuzug von Formern fernzuhalten, wird eS nicht lange dauern und die Firma wird sich mit ihren Leuten einigen münen.— Zuzug von Metall- arbcitern aller Branchen ist von dem Stahlwerk Mark streng fern- zuhalten. Ausland. Zuzug von Waggonarbeitcrn aller Branchen ist von Nessels- darf in Mähren unbedingt fernzuhalten. Wie unS ein Telegramm von dort meldet, sind gestern dort 197 deutsche Streik- b r e ch e r(!) angekommen. Die in Frage kommenden OrganisationZ- leitungen werden gebeten, alles zu tun, was den Zuzug verhindern kann. Berliner Streikbrecherexport. Wie der Reichenberger „Vorwärts" mitteilt, sind als Arbeitswillige bei dem Formerstreik in der Automobilfabrik Christian Linser in Reichenberg, Nord- böhmen, auch etliche Leute aus Berlin tätig. Sie heißen: Karl Zander, Neukölln-Berlin, Otto M a t H e S aus Pankow bei Berlin, Heinrich Berek aus Berlin.— Ob das Hintzesche Sieben- monatskinder sind, wird nicht angegeben. Ein staatliches Amt gegen italienische Streikbrecherdienste. (Eig. Ber.) Italienische bürgerliche Blätter haben viel Lärmens davon gemacht, daß das staatliche italienische Auswanderungsamt in der Schweiz dort vielen aus der Türkei ausgewiesenen Arbcitern Beschäftigung nachgewiesen hätte. Demgegenüber teilt das Aus- wanderungsamt mit, daß es nicht daran denke, die aus der Türkei ausgewiesenen Arbeiter in der Schweiz anzustellen, wo zurzeit eine nicht unbedeutende Arbeitslosigkeit herrscht. Das Amt teilt weiter mit, daß es die Gesuche mehrerer Schweizer Firmen um Zuweisung von Arbeitern abgelehnt hat, weil die Konsulatsbehörden die Arbeits- bedingungcn für unangemessen und unannehmbar hielten. Somit erbringt ein staatliches Amt den Beweis, daß das Unternehmertum sofort aus dem Unglück der Ausgewiesenen Vorteil zu ziehen gesucht hat, um sich billige Arbeitskräfte zu verschaffen. Rührend ist dabei der internationale Geist des Kapitalismus: die Türkei weist italienische Arbeiter aus, und gleich sind die Schweizer Kapitalisten bereit, ihre einheimischen Arbeiter zu entlassen, um die ausgewiesenen Italiener...unterTarif anzustellen! ZrCtzU Nachrichten. Die Lage in Peking. Peking, 18. Juni. Hier ist ein Manifest veröffentlicht worden, welches dem Ministerpräsidenten Tangschaoyi einen Urlaub von 5 Tagen gibt, damit er sich in Tientsin ausruhen und seine Krankheit heilen lassen könne. Ter Privatsekretär Duanschi- kais, Liangshiyi, der nach Tientsin gesandt worden war, um den Ministerpräsidenten zur Rückkehr zu bewegen, berichtete, der Ministerpräsident wünsche Tientsin nicht zu verlassen, da er erwarte, daß die Nationalversammlung die provisorische Ernennung Liugt- sengtangs zum Ministerpräsidenten billigen werde. Man glaubt hier allgemein, daß Tanschaohi nicht zurückkehren werde. Die Frage, wer sein Nachfolger werden wird, beschäftigt bereits das öffentliche Interesse._ Ein hochstapelnder Fahnenjunker. Dresden, 18. Juni.(H. B.) In Obermößnitz bei Dresden ist der frühere Fahnenjunker Richard Eich au» Marienbura, der in Frankfurt a. M. Waren im Werte von 29 999 M. erschwindelt und dabei die Uniform eines preußischen Ulanenfähnrichs getragen hatte, auf der Flucht hier verhaftet worden. Rangierers Los. Frankfurt a. M., 13. Juni.(P.-C.) Der 19jährige Strecken- arbeiter Heinrich Schroth aus JgelSbach, der am hiesigen Haupt- bahnhof als Rangierer beschäftigt war, fiel heute nachmittag von dem Bremserhäuschen eines Güterwagens auf das Gleis. Leide Beine wurden ihm abgefahren. Drei Abstürze bei der Kieler Flugwoche. Kiel, 18. Juni.(W. T. B.) Der heutige Flugtag begann bei prächtigem Wetter. Es fanden zahlreiche Aufstiege statt. Leider stürzten drei Flugzeuge ab; zuerst Stiefvater mit Leutnant Grevenschütz als Fahrgast. Beide Flieger trugen erheb- liche Verletzungen im Gesicht davon und wurden sogleich nach dem Krankenhause gebracht. Das Flugzeug war voll- ständig zertrümmert. Ferner stürzte Krieger mit Kor- vettenkapitän a. D. F r i e d l ä n d e r bei der Levensauer Hochbrücke ab. Beide Flieger blieben unversehrt. Ihr Flugzeug ist beschädigt. Der dritte Absturz ereignete sich in der Nähe des Flugplatzes. Der Flieger K r u m s i e k mußte nämlich infolge Versagens de» Motors plötzlich niedergehen, wobei sich der Apparat überschlug. Der Flieger blieb unversehrt, das Flugzeug wurde nur gering beschädigt. Im übrigen wurden dem Publikum prächtige Flüge geboten. Neuer Weltrekord in der Aviatik. Paris, 18. Juni. Nach einer Blättermeldung legt« der Militär- flieger Leutnant de MarmieS mit einem Fluggast heute früh die 285 Kilometer lange Strecke von Buc bei Versailles nach Verdun in 2 Stutzdeu zurück und stellte damit einen Weltrekord auf. Schwerer Kraftomnibusunfall in Paris. Paris, 18. Juni.(P.-C.) In der Rue de la Roquette fuhr heute nachmittag um 4 Uhr ein Kraftomnibus, der einem entgegen- kommenden Lieferungskraftwagen einer großen Firma ausweichen wollte, in einen Laden hinein. 8 Insassen de« Autobu» wurden schwer verletzt. Zwei sind ihren Lerletzuagen erlege». Raubüberfall in einem Bahnzuge. JekaterinoSlaw, 18. Juni.(W. T. B.) Vergangene Nacht überfielen acht bewaffnete Banditen in einem Zuge auf der Strecke Ejadowaja— Kolatschewskoje den Kassierer einer russisch-belgischen Gesellschaft, raubten elftausend Rubel, brachten den Zug zum Stehen und entkamen. Bei dem Ueberfall wurde ein Polizist ge» t öt e t, der Überfallene Kassierer und zwei andere Passagiere ver- w u n d e t. Paul Singer ä Co., Berlin LV/. Hierzu 3 Beilagen m Unterhaltungsbl. Dr. M 89. IahrgM l Ktilxst des.Mmiirls" Kerlim ZcksdIM Pfltudj, 19. Im! 1912. Zu der vorgekchlzgeneii Bendcrung des Organifaflonsttatuts. Ii. (Schluß.) gh. Die Kommission hat im Einverständnis mit dem Partei- vorstand ferner vorgeschlagen, daß nicht mehr alle Mitglieder unserer Reichstagsfraktion, sondern nur noch eine Vertretung bis zu einem Drittel der Mitglieder zur Teilnahme an dem Parteitage be- rechtigt sein sollen. Der Grund dieses Vorschlags liegt in der großen Zahl unserer Reichstagsabgeordneten. Zunächst mag die Belastung der Parteikasie durch die Kosten der Teilnahme aller Fraltionsmitglieder in Betracht kommen. Dem kann aber dadurch Rechnung getragen werden, daß die Fraktions» käste, die bekanntlich die Fraktionsgenosten selbst speisen, die Kosten übernimmt. Ferner ist es als unerwünscht bezeichnet worden, daß auf dem Parteitag, der ja eine Vertretung der großen Masse unserer Partei» genosten sein soll, die Reichstagsfraklion immer mehr Stimmen solcher Genossen stellt, die nicht als Vertreter auf den Parteitag gewählt sind. Das kann aber dadurch der» hindert werden, daß die Fraktionsgenostcn, die nur als Reichstags- abgeordnete auf dem Parteitage anwesend sind, auch nur beratende Stimme haben. Wichtiger ist der Hinweis auf die verhältnismäßig sehr große Zahl der Teilnehmer an unseren Parteitagen. Sie beläuft sich auf 300 bis 400. Je mehr die Teilnehmerzahl durch die Fraktions genossen vergrößert wird. um so mehr wird unter diesen Umständen die Arbeit des Parteitages erschwert. Auf der anderen Seite ist aber zu berücksichtigen, weshalb bis jetzt alle Mitglieder der Reichstagsfraktion zur Teilnahme an dem Parteitage berechtigt sind. Die Fraktion ist die Vertretung der Gesamtpartei: sie hat für die Forderungen der Gesamtportei einzutreten, muß sich nach unseren Parteigrundsätzen und nach den Beschlüssen unserer Parteitage richten und ist für ihre Tätigkeit Rechenschast der Gesamt- Partei schuldig. Sie erstattet daher jedes Jahr schriftlich Bericht über ihre Tätigkeit. Zu dem Bericht kann die Gesamtportei nur auf ihrem Parteitag Stellung nehmen. Das erfordert, daß die Fraktion auf dem Parteitag Anstagen beantwortet und sich gegen Anklagen ver- teidigt, ihre Stellung zu den einzelnen Fragen rechtfertigt. Der schriftliche Bericht der Fraktion wird allerdings von einem einzigen Fraktionsgenossen ausgearbeitet. Dies geschieht aber nach sorgfältiger Vorbereitung, und überdies sehen alle Fraktions- genossen den Entwurf des Berichts durch und regen die nötigen Berichtigungen an. Auf dem Parteitag dagegen soll die Fraktion sofort die Beschwerden beantworten. Das kann nur der Fraktionsgenosse, der die in Betracht kommenden Einzelheiten der Angelegenheit im Gedächtnis hat. Die Tätigkeit unserer Fraktion erstreckt sich aber auf so viele Angelegenheiten, daß kein Mensch stets alle Einzelheiren aller dieser Angelegenheiten ohne weiteres übersehen kann. Und gerade mit den Fragen, die am ersten Anlaß zu Beschwerden geben können, mit neu auf- tauchenden Fragen oder mit Fragen, die sich auf besondere Verhält niste beziehen, können sich naturgemäß immer nur einige wenige Frattionskollegen eingehend beschäftigen. So ist z. B. die Frage, wie der Vertrieb der deutschen Diamanten geregelt werden soll, auch von einem unserer Fraktionsgenossen besprochen worden. Die Frage ist stir den Fernstehenden so schwierig zu übersehen und zum Teil so streitig, daß unmöglich irgend ein anderer Fraktions� genoste als der Redner selbst die Einzelheiten, die er in seiner Rede dargelegt hat, rechtfertigen kann. So ist es aber auf allen Gebieten. Schließlich können auf den Parteitagen Beschwerden vorgetragen werden, die die zufällig anwesenden Fraktionsgenossen als mehr oder weniger berechtigt anerkennen müsten. Dann fehlt es an jeder sachlichen Verteidigung des angegriffenen FraktionSgenosten. Aus diesen Gründen ist eS notwendig, daß alle FraktionSgenosten zur Teil- »ahme an dem Parteitage berechtigt sind, wenn wir nicht der Gesamt- kleines feuiUeton Opernverschandclung durch Warenhäuser. Richard Wagner, dem bei Lebzeiten seine Neider und Widersacher immer auch zum Vorwurf machten, wie gut cr's verstände, künstlerischen Jdealis- muS mit ausgeprägtem GeschästSsinm zu vereinigen, würde doch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ob des großkapitali- . stischen Handelstalents seiner musikalischen Epigonen. Sie, nach deren Werken vielleicht niemand mehr Verlangen haben wird, sobald einmal«Freund Hein" von der Körperlichkeit Besitz ge- nommen, wissen tausendmal besser die„Konjunktur" auszunützen. Was heißt Unsterblichkeit für sie! Man sei der Modemusikmacher, bei dessen„Melodien" oder auch kakophonischen Monstrositäten sich die geld- und geburtsadelige Gesellschaft wie vom Veitstanz bc- sessen gebärdet— dann häuft man Säcke gleißenden Goldes auf. Fast will es scheine� als beeiferten sich die Theaterleiter— und Warenhäuser, nach die profitwahnwitzigen Geschäftspraktiken englisch-amcrikanischer Musik-Großkaufileute zu übertrumpfen,. Der Londoner Direktor Hammerstein— übrigens ein Reichsdeutscher wird im nächsten Jahre in Newyork neue Opernaufsührungen veranstalten. Es verlautet, daß Hamincrstein laut dein mit der Newyorker Metropolitan>-Opern-Gcsellschaft geschlossenen Vertrag verpflichtet sei, zehn Jahre lang in Ncwyork keine Opernbühne zu führen— oder 200 000 Dollar, also mehr als 800 000 M., kontrakt- jlich vorgesehener Konventionalstrafe zu zahlen. Was livgt an dieser „Kleinigkeit"! Hammerstein erlegt einfach die Buße, um, bereits im nächsten Herbst mit dem Bau seines neuen Newyorker Opern- lhauses zu beginnen. Man, sieht: Kunst kostet Geld. Aber„Kunst" bringt auch Geld— vorausgesetzt, daß der richige„zug- kräftigste" Komponist eingefangen, werde. Bei uns hat sich das Warenhaus von A. Wert he im des großen Ricardo Strauß bemächtigt, um dessen allerneueste Oper„Ariadne auf N a x o s" im Stuttgarter Hostheater demmächt zur Ausführung zu bringen. Man will wissen, daß A. Wertheim für„seme" drei ersten Vorstellungen 120000 Mark Pachtgeld gezahlt habe. Das kann ja ein exorbitanter Billettschacher werden� Und die Aus- sichten? Wenn erst einmal die Warenhäuser�alle Kunst erobert haben sollten— Wertheim scheint aus dem bWen Wege dazu zu sein!— dann sind künstlerisch gebildete Theaterleiter überhaupt nicht mehr nötig. Anstatt ihrer schießt ein nur kaufmännisch ge- schütter Direktor mit Rcisebühnen-Unternehmern seine Pach- Verträge— und geht im übrigen spazieren. Aber die Sanger und Schauspieler werden, ein gleiches tun müssen oder sie verkaufen ihr Talent dem Kientopp. Die Riesenwasscrleitung New Forks. Die ausreichende. allen hygienischen Anforderungen entsprechende Versorgung großer Städte mit Trinkwasser gehört mit zu den hervor- rasendsten Problemen unserer Zeit. In den meisten Fallen macht �ie Heranschaffung der nötigen Massermengen große Schwierig- partei das Recht»nd die Pflicht, Rechenschast von der Fraktion über ihre Tätigkeit zu fordern, tatsächlich nehmen und die Aussprache auf dem Parteitage über die Tätigkeit der Fraktion zu einem Spiel mit Worten machen wollen. Allerdings haben noch auf jedem Parteitage Fraktionsgenossen gefehlt. Das ist niemals zu. vermeiden, weil diesen oder jenen Genossen zwingende Gründe fernhalten. Bisher aber hatte jeder Fraktionsgenosse die Pflicht, auf dem Parteitage anwesend zu sein. Wer trotzdem nicht zugegen ist, hat kein Recht, sich zu beschweren, wenn seine Tätigkeit im Reichstage getadelt und er nicht genügend verteidigt worden ist. Wenn aber FraktionSgenosten, gegen die sich die Beschwerden auf dem Parteitage richten sollen, nicht anwesend sein dürfen, dann muß jede sachliche Beschwerde verstummen. Außerdem haben die Parteitage oft genug der Reichstags« staktion wichtige Anregungen zu Anträgen im Reichstage gegeben. Dazu ist notwendig, daß die Vorschläge von sachverständigen FraktionSgenosten geprüft werden, damit irrtümliche Auffassungen namentlich über die Behandlung der Angelegenheit im Reichstage sofort berichtigt werden und der Parteitag zu den Anregungen so, wie sie durchgeführt werden können, Stellung nimmt. Das ist nur möglich, wenn auch wirklich alle FraktionSgenosten zugegen sein können, wenn sie alle zur Teilnahme an den Parteitagen be- rechtigt sind. Eine Vertretung der Fraktion durch einen Teil ihrer Mitglieder hat keinen Wert. Nach welchem Gesichtspunkte soll die Fraktion ihre Vertreter bestimmen. Kein Mensch kann vorher wissen, welche An- gelegenheiten auf dem Parteitage besprochen, gegen welche FraktionS- genossen Beschwerden erhoben werden. Die Fraktion hat daher trotz der Vertretung keine Sicherheit, daß sie auf dem Parteitage in genügendem Maße Red' und Antwort stehen, daß sie dort die Anregungen sachgemäß würdigen können. Sie muß eS vielmehr dem Zufall überlasten, ob auf dem Parteitage die FraktionSgenosten anwesend sein werden, die dort sein müßten. Demgemäß würde die Vertretung nur eine Form ohne sachlichen Inhalt sein. Der Parteivorstand hatte denn auch— von dieser Auffassung ganz berechtigt— eine Vertretung durch eine möglichst geringe Zahl von Fraklionsgenossen, durch 8, vorgeschlagen. Die Kommission hat die Vertretung auf ein Drittel der Fraktionsstärke erhöht, also bei der jetzigen Zahl sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneten auf 30..DaS ist eine Vergeudung von Zeit, Kraft und Geld und eine in der Tat nutzlose Vergrößerung der Teilnehmerzahl an den Parteitagen. Ueberdies wird bei den Parteigenossen der An- schein erweckt, als ob eS sich um eine ernsthafte Vertretung der ReichStagSfraktion handelt. Deshalb weg mit dieser sogenannten Vertretung. So beschwerlich der weite Kreis von Teilnehmern an den Partei- tagen auch ist, ist doch gerade wegen der großen Zahl von Fraktions- genossen im Interesse der Partei dringend zu wünschen, daß nicht nur der bisherige Zustand erhalten bleibt, also jeder Fraktions- genösse berechtigt ist, auf dem Parteitage anwesend zu sein, sondern, daß ihm dies sogar als eine wichtige Pflicht auferlegt wird. Je größer die Fraktion wird, desto größer ist die Möglichkeit, daß wir in die Fraktion Genossen bekommen, die glauben, ihre eigenen Wege gehen zu können, wenn sie nur die Genosten ihres Wahl« kreiseS hinter sich haben. Demgegenüber ist es jetzt notwendiger als je, daß die Gesamtpartei sich auf ihren Parteitagen das Recht und die Möglichkeit erhält, sachlich zu der Tätigkeit der Reichstags- fraktion Stellung zu nehmen. Nur so kann sie in jedem Jahre von neuem bekunden, daß die Fraktionsgenossen im Dienste der Gesamt- Partei stehen und sich unbedingt den Beschlüssen und der Geschlossen« heit der Gesamtpartei zu fügen haben. Hua Induftrie und ftandel. Rentabilität in der Landwirtschaft! Daß trotz aller Liebesgaben die Landwirtschaft nicht rentiere, ist eine ständige Klage der Schnapsjunker. Für ordentlich betriebene Wirtschaften hat ihr Lamento sicher keine Berechtigung. Bei ratio- nellem Betrieb springen vielmehr ganz prächtige Gewinne heraus. Das bestätigen auch eingehende Würtschaftsrcchnungen, die der Be- leiten. Da, wo in der Nähe nicht genügend ertragreiche Quellen oder Niederschlagsgebiete vorhanden sind, muß das Wasser oft weit hergeholt werden, was den Bau großer Leitungen notwendig macht. Eines der größten neueren Werke dieser Art stellt die Wiener Hochquellenwasserleitung dar. Sie wird aber bei weitem durch die neue, sogenannte Catskill-Wasserleitung für New Aork übertroffen, deren Bau im Jahre 1015 beendet sein soll. Die Wassernot der amerikanischen Riesenstadt erhöhte sich immer mehr, weshalb eine durchgreifende Regelung der Trinkwasserbeschaffung erforderlich wurde. Der Hudsonfluß hätte wohl genug Wasser geliefert, doch machte dessen Verwendung ungeheuer kostspielige Filtrieranlagen notwendig. Als ertragreichstes Gebiet erwies sich schließlich nach vielem Suchen das etwas mehr als 200 Kilometer von New Uork entfernte Catskill-Gebirge, dessen Leistungsfähigkeit man auf über drei Milliarden Liter schätzte. Die Kosten der Anlage wurden auf etwa 650 Millionen Mark veranschlagt, wozu noch 55 Millionen für den Bau der»vasserverteilenden Tunnels in der Stadt selbst kommen. Ende 1906 begannen die ersten Arbeiten im Catskill-Gebirge mit der Erbauung einer riesigen Talsperre. Das Tal des Esopus- flusses, in dem das Niederschlagswasser gesammelt werden soll, hat 600 Quadratkilometer Flächeninhalt. Zur Errichtung dieses Stau- Weihers mußten sieben Ortschaften mit 3000 Einwohnern beseitigt, zahlreiche Straßen und Eisenbahngleise verlegt werden. Die so geschaffene Stauanlage hat eine ungeheure Ausdehnung und wird durch einen riesigen Daickm aus Mauerwerk, Erdreich und Beton in zwei Becken geteilt. Die vier Einlaßschleusen sind natürlich auch von kolossaler Größe und wiegen beiläufig je 10 000 Kilogramm. Der interessanteste Teil der ganzen Anlage ist aber der Aquädukt, der das Wasser vom Ashokan-Stauweiher nach New Aork leitet. Da der Aquädukt in den einzelnen Gegenden unter oft ganz grund- verschiedenen Verhältnissen zu verlegen war, so mußten für die Leitung auch die verschiedensten, der jeweiligen Umgebung ange- paßte Konstruktionen verwendet werden. Zunächst war darauf Rücksicht zu nehmen, daß das Wasser ein überaus großes natürliches Gefälle hat und infolgedessen mit furchtbarer Kraft in dickem Strahl dahinfließt. Bei der Ueberwindung von Bergen und Hügeln werden Tunnels durch sie hindurchgebohrt, deren Wände eine Betonverkleidung erhalten. Zur Ueberqueruug kleinerer Täler hat man mächtige Stahlrähren von 2 bis 3 Meter Weite, innen und außen mit Beton bekleidet, verlegt. Die größten Schwierigkeiten machte aber die Kreuzung der großen Täler und Flüsse, insbesondere des Hudson. Die Erbauung von Brücken oder die Legung von Röhren wäre einesteils zu kostspielig, andernteils zu wenig sicher gewesen. Hier zog man vor. an beiden Ufern der Flüsse tiefe, senkrechte Schächte abzuteufen und deren Grund durch waaerechte Stollen, unter dem Tal oder Flußbett hinweg, hu ver- binden. Die Schächte und Stollen haben durchweg eine Weite von rund 4 Metern und sind mit Beton von mehr als einem halben Meter Stärke ausgemauert. In einem Tale tritt das Wasser in einen ISS Meter tiefen Schacht ein, durchfließt einen wagerechtev sitzer des Rittergutes Zollen-Neum in der„Illustrierten Landwirt- sachfts-Zeitung", Nr. 40 vom 18. Mai, veröffentlicht. Aus seinen Aufzeichnungen für das Jahr 1011 stellen.wir folgende Kejultate zusammen: Anlagewert..... 242 032,40 M. Gesamteinnahme... 110 122,75, Gesamtausgabe.... 82 283,10» Reingewinn 27 839,65 M. Der nach Abzug aller Ausgaben verbleibende Neingewinn mächt 11,5 Proz. des angegebenen Anlagcwertes aus. Da bleibt zu klagen doch wahrlich kaum noch Veranlassung. Leider fehlen die An« gaben über hypothekarische Belastungen, so daß man nicht weiß, wie hoch sich die Verzinsung des wirklich angezahlten Kapitals stellt. Für dos allgemeine Urteil über die Rentabilität deS investierten Kapi- tales ist das allerdings gleichgültig. Von großem Interesse sind aber noch einige Spezialangaben aus der Rechnung. An den Einnahmen sinid beteiligt: Weizen mit 21740 M., Roggen 14 204 M., Zucker- rüben 8507 M.. Milchvieh 7710 M.. Kartoffeln 27 992 M., und die Brennerei mit 8883 M. Und das erbrachte das verschrieen schlechte Erntejahr 1911! Die günstige Position der Rittergutsbesitzer als Steuerzahler kommt in der Ausgabe für Steuern und Aibgäben ganz nett zum Ausdruck. Erforderte diese Position insgesamt doch nur 2320 M. In dem angegebenen Reingewinn ist dieser Betrag übri- genS nicht mehr enthalten. Ein Schlaglicht auf die landwirtfchaft- lichea Arbeitsverhältnisse wirst die Position: Löhne. Sie bean- spruchte Summa Summarum— von einigen unbedeutenden Depu- taten abgesehen— 31 OOS M., also nur 3820 M. mehr als wie der angegebene Reingewinn ausmacht. Auf jede Mark Lohn, die an die Arbeiter gezahlt wurden, kommen 88 Pf. Reingewinn, die der Rittergutsbesitzer einstreicht. Für die Erhaltung solcher„Eigenart Preußens" kämpfen die Junker auch durch die Verhinderung einer Wahlreform. Verschleuderung deutscher Kohlen a« daö Ausland. Im Zechenbesitzerorgan„Glück auf" stellt Dr. Jüngst die Er« gebnisse des deutschen Kohlenhandels seit 1885 zusammen. Danach hat betragen in 1090 Tonnen die Einfuhr I Ausfuhr an Kohlen, Koks und Briketts Steinkohlen« Förderung 1885 1900 1910 1911 Bei 2 376 109 290 152 823 160 748 2 573 8121 12 122 11769 9 821 18 483 30 943 35 056 Inländischer Verbrauch pro Kopf Tonnen 1,09 1,77 2,08 2,10 der Ein» und Ausfuhr sind Koks und Briketts auf Kohle zurückgerechnet. 1907 betrug die Einfuhr sogar ll'/z Millionen Tonnen, sie ist also bis 1911 ganz bedeutend zurückgegangen, während die Ausfuhr in derselben Zeit von 25,7 auf über 35 Millionen Tonnen stieg. Der Löwenanteil der Ausfuhrsteigerung entfällt auf die rheinisch-westfälischen Shndikatszechen.' Die Gesamtkohlenförderung wurde verkauft von den Zechen 1885 1910 1885 1910 im Inland im Ausland Oberschlesien. 83,39 Proz. 71.75 Proz. 16,61 Proz. 28.25 Proz. Niederschlesten 75,71„ 75,45. 24.29. 24,55„ Saargebiet, 73,51, 83,66, 26,49, 16,44„ Ruhrgebiet. 90,79„ 80,60„ 9,21, 19,40„ Der Gesamtkohlenabsatz der Ruhrzechen in das Ausland ist bis 1909 nicht genau kontrolliert worden. Genaue Uebersichten gewährt das Geschäftsgebaren des rheinisch- westfälischen Kohlensyndikats seit 1896 über seinen In- und Auslandsabsatz. Von dem Gesamt- verkauf gingen ins Inland Ausland 1896.... 84.10 Proz. 15.90 Proz. 1910.... 78.23, 21,72, 1911.... 76,98. 23,02, Die Vertreter deS KohlenshndikatS behaupten, es sei zu dieser enorm gesteigerten Ausfuhrtätigkeit gezwungen, weil im Jnlande die Förderung immer weniger untergebracht werden könne. DaS kann man nur zugeben, wenn man auf dem Standpunkt steht, daß die fortgesetzte Vermehrung der Förderschächte ohne Rücksicht auf den Bedarf und dann die Verschleuderung der deutschen Kohle in das Ausland weit unter dem Inlandspreis im Interesse der deutschen Volkswirtschaft liegt. Diese Jntercssensolidarität liegt aber nicht vor, vielmehr hören die Klagen inländischer Kohlenverbraucher über die hohen Kohlenpreise und die Begünstigung der ausländischen Stollen von über 7 Kilometer Länge und steigt aus 350 Meter Tiefe wieder hinauf. Beim Hudsonflnß war die Unterführung insofern schwierig, als zunächst keine, dem ungeheuren Druck ge- nügend Widerstand leistende Schicht zu finden war. Man suchte hier jahrelang nach einer geeigneten Stelle und wählte schließlich eine 240 Meter unter dem Wasserspiegel liegende dicke Felsfchicht. Diese Anlage dürfte wohl einzig in ihrer Art dastehen. Ebenso intressant und schwierig wie die ganze Wasserzuleitung ist auch die Verteilung in New Uork selbst. Vor der Stadt liegt ein riesiges Ausgleichreservoir, von dem uns ein 20 Kilometer langer, über 4 Meter breiter, in die Felsen hineingehaucner Tunnel führt. Eine Betonauskleidung von einem halben Meter Stärke sichert ihm eine glatte Oberfläche. Natürlich muß der Tunnel, um bei dem kolossalen Wasserdruck jeder Gefahr vorzubeugen, besonders tief in der Felsschicht eingebettet liegen. 24 riesige Steigschächte leiten das Wasser in die städtischen VertcilungSrohre. Bei dem überaus starken natürlichen Gefälle ist eS möglich, das Wasser ohne Pumpwerke bis in die obersten Stockwerke der meisten Gebäude mit ausreichendem Ueberdruck zu bringen. Nur für die höchsten Wolkenkratzer sind entsprechende Pumpanlagen er» forderlich. Künftighin werden der Stadt täglich über eine Milliarde Liker Wasser zugeführt. Die Anlag« ist so berechnet, daß sich ihre Leistung bei Bedarf noch über das Doppelte hinaus steigern läßt- Notizen. — Arbeiter möbel. Um den Delogierten und Gasten des Genofsenfchaftsitages Gelegenheit zw geben, die beiden Typen der Arbeitermöbel nach Entwürfen von Hermann Münchhauser und Peter Behrens kennen zu lernen, Wirt» die Ausstellung im Berliner- Gewerkschaftshaus, Engelnfer 15, von Mittwoch bis Sonnabend täglich zwischen 4 bis 9 Uhr geöffnet sein. — Städtische Kunstdeputat'ion und Sezession. Wie geahnt, so istS gekommen. Die ratLihöuSliche Kunistdeputafion hat sich richtig an Herrn Bürgermeister ReickeS seltsamlicher Kunst« anschauuny ihres Freisinns Rückgrat gesteist. Sie erklärt nämlich daß der Brief der Sezession, durch den ihr vorgeschrieben wurde(!), wen sie zur Besichtigung der Ausstellung senden solle und wen nicht, nmche eS ihr„leider" zurzeit unmöglich ihres Amtes zu Watten. Brav gegackert. Aber wenn- die Seßeffionssten jetzt nicht sofort zu Kreuze kriechen— was dann? — Wettbewerb für das Opernhaus. Bekanntlich hat die Regierung außer Mitgliedern des Bundes und des Ver- bandes Deutscher Architekten noch verschiedene Künstler extra zum Wettbewerb aufgefordert. Unter den Ausgeschlossenen herrscht des- halb berechtigter Unwillen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie abermals Protest erheben. Ludwig Thomas neues Drama„Magdalena" kommt am gleiches Tage an einer Reihe großer Kühnen zur Uv- auMhrung. Industrie durch die ihnen weit unter dem Inlandspreis gelieferten deutschen Kohlen nicht auf. Manche ausländische Unternehmungen können nur deshalb mit Erfolg gegen deutsche, sogar im deutschen E»lande konluriercn, weil das Kohlcnshndikat der ausländischen onkurrenz billige Kohlen und der Stahlverband billiges Roheisen und Halbzeug liefert. Soziales. Bolkszählungsergebnisse. Nach der Volkszählung vom t. Dezember tStv gab es in Deutschland 329 Lbl männliche und 715 882 weibliche, zusammen 1045143 einzeln lebende Personen. Die vorhandenen 13 283 237 Familienhaushaltungen von mehr als 2 Personen zählten 30 223 818 männliche und 31 541 252 weibliche, zusammen 61 765 065 Mitglieder. Außerdem gab es 63 312 andere Haushaltungen iAnstalten) mit 1 4871692 männlichen und 628 693 weiblichen, zusammen 2 115 785 Personen. Nach Staaten geordnet zeigt sich in der Kopf- zahl der FainilienhauShalten ein grofzer Unterschied. Die folgende Ausstellung veranschaulicht da«: Preußen....... Bayern....... Sachsen....... Württemberg..... Baden........ Hessen........ Mecklenburg-Schwerin.. Großherzoglum Sachsen. Mecklenburg-Strelitz... Oldenburg...... Brau,«schweig..... Sachsen-Meiningen... Sachsen-Altenburg... Sachsen-Eoburg-Gotha.. Anhalt........ Schwarzburg-Sondershausen Schwarzburg-Rudolstadt. Wnldeck....... Reuß ältere Linie.... Reux jüngere Linie... Schaumbnrg-Lippe... Lippe........ Lübeck........ Bremen....... Hamburg....... Elsaß-Lothringen.... Deutsches Reich.... Zahl d.HauS- haltungen . 8 145 423 . 1 339 962 . 1 052 346 491 426 427 574 262 790 136 328 85 983 22 432 94 065 107 409 56 412 45 576 54 744 73 846 18 970 20 848 11 659 16 443 83 751 9 649 81 133 25 527 63 244 228 312 382 357 Zahl der Personen 38 261 776 6 367 016 4 585 022 2 317 894 2 032 898 1 226 548 595 500 398 865 98 993 463 777 468 257 267 723 207 825 247 633 310 999 86 842 97 254 59 259 70 416 146 748 45 232 145 328 108 132 282 351 958 039 1 714 836 pro Haushalt Personen 4,69 4,90 4,35 4,72 4,73 4,66 4.37 4,64 4,41 4,93 4,37 4,74 4,56 4,52 4.21 4,58 4,60 5.08 4,28 4,33 4,79 4,66 4,24 4,46 4.19 4,48 13 238 237 61 765 065 4,66 Hier treten mit den größten Unterschieden ein Kleinstaat und Hamburg aus dem Rahmen heraus. Größere Differenzen ergeben sich bei dem Bergleiche der Provinzen in Preußen mit dem Stadt- kreis Berlin, �n diesem zählt im Durchschnitt jede der 498 537 Familien nur 3,89 Köpfe, Dagegen weist Westfalen 756 078 Haus- Haltungen mit durchschnittlich je 5,20 Personen ans. Ucber fünf Köpfe zählen ferner noch die 385 337 Familien Poscns(5,02) und die 322 521 Familien Westprcußens(5,06). Dem Rheinland fehlt nur ein kleiner Bruchteil an dem Durchschnitt von 5 Personen auf seinen 1 382 522 Faiuilienhaushaltungcn. Die katholischen Gegen- den haben augenscheinlich die stärksten Familien. Von der Gesamtzahl der FamilienhauShalte entfallen auf die 48 Großstädte 3 044 293, mit 12 002 378 oder pro Familie 4,26 Köpfen. In den Großstädten ist die Zahl der einzelnen Lebenden verhältnismäßig größer als wie im Gcsamtdurchschnitt. Nach diesem kommen auf 100 in Familien lebenden Personen 1,7 einzeln Lebende, in den Großstädten jedoch 1,9! Weniger groß ist der Unter- schied, wenn man die weiblichen einzeln Lebenden berücksichtig, t. Im Gesamtdurchschnitt kommen auf eine männliche Person 2,17 weib- liche, in den Großstädten iedoch auf eine männliche Person 2,22 weibliche!__ Grnbenbeamte und Krankenkasse». In der letzten Generalversammlung des Allgemeinen Knapp- schaftsvereinS zu Bochum wurde darauf hingewiesen, daß schon in absehbarer Zeit eine Umänderung der jetzt bestehenden Satzungen erfolgen wird. Die Ursache hierzu liegt in dem Erlaß der neuen Berggesetznovelle, durch die die Bestimmungen der Äteichsversiche- rungsordnung sowie der Reichsangestelltenversicherung auf die preußischen Bergbauverhälinisse überiragen worden sind. Die Ge- setzgebung, hat in diesem Falle den besser bezahlten Grubenbeamten einen bösen Streich gespielt. Denn alle, die jährlich mehr als 4000 Mark verdienen, müssen aus den Krankenkassen ausgeschlossen wer- den. Die Schuld an dem Ausschluß trägt der Leipziger Aerzte- Perband. Seinen Mitgliedern wurde durch die Erweiterung der Verfichcrungspslicht auf Angestellte bis zu 2500 M. Einkommen ein Teil ihrer Privatkundschaft entzogen. Um ihnen hierfür in etwas Ersatz zu bieten, schloß man alle Angestellte mit mehr als 4000 M. Einkommen auch von der freiwilligen Versicherung aus. Von dem Ausschluß wurden im Allgemeinen Knappschaftsvcrein zu Bochum alle Betriebsführer und Fahrsteiger betroffen, außer- dem eine Anzahl Revier- und Maschinensteiger. Diesen Angestellten hat in diesem Falle die Gesetzgebung Rechte geraubt, die die Be- troffenen solange im Besitz halten, als Knappschaftskassen bestehen. Und das sind Hunderte von Jahren. Außerdem hat der Reichstag mit der bisher fast immer geübten Praxis gebrochen, in den ein- zelnen Bundesstaaten bestehende bessere soziale Einrichtungen nicht anzutasten. In diesem Falle hat er es doch getan. Er widerstand dem Drängen der organisierten Aerzte nicht, weil die höheren Grubenbeamten, die Betriel'Ssührer und Fahrsteigcr keine Orga- nisation besitzen, die ihre Wünsche vorbringen konnte. Sehr eigenartig liegt die Sache für eine Anzahl Revier- und Maschinensteiger. Diese Leute haben inklusive von Prämien und Gratifikationen so eben 4000 M. pro Jahr verdient und dies sofort der Knappschaftskasse mitgeteilt, um in die IV. Klasse der Beamten. abterlung der PensionSkassc ausgenommen zu werden. Sie müßten in Zukunft auch ans der Krankenkasse ausgeschlossen werden. Sinken nun ihre Prämien oder werden sie von einem Vorgesetzten ganz oder teilweise gestrichen, so bleibt ihr Einkommen unter 4000 Mark. Nun müßte wiederum ihre Aufnahme in die Krankenkasse erfolgen. Da ein solcher Zustand unhaltbar wäre, hat der Steiger- verband an den Vorstand des Allgemeinen Knappschaftsvereins zu Bochum eine Eingabe gerichtet, in der er die Bitte ausspricht. An- gestellte mit schwnnkciidem Einkommen nur dann auszuschließen, wann ihr Einkommen drei Jahre lang die Summe von 4600 M. übersteigi. In dieser Eingabe ist außerdem zur Begründung folgendes unsoziale Verhalten mancher Grubenbesitzer erwähnt worden. Das Berggesetz bestimmt, daß Angestellte im Falle ihrer Krankheit sechs Wochen lang ihr Gehalt weilerbeziehen. Das legen manche Ver- waltungen nun so auS, daß sie nur das reine Gehalt weiter be- zahlen, die Prämien dagegen einhalten. Der Sinn des Gesetzes wird auf diese Weise umgangen. Zur Klassenscheibiing in Tuberkulosenheikstnitc«. Zu den Ausführungen, die Dr. Liebe auf der 16. Generalver- sammlung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose machte, gehen uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgende von einer Reihe Patienten unterschriebene Ausführungen aus der Heilstätte Waldhof(flgerStjansen zu: „Aus dem heutigen„Vorwärts" haben wir den Bericht von der Gencralverfaminlung des Vereins zur Bekämpfung der Tubcr- kulose gelesen. Dazu haben wir als Patienlen der Dr. Licbeschen Heilstätte zu den Ausführungen des Dr. IJiehe über Rittelstands- versicherung folgendes zu ertlären: Wie in Ihrer Betrachtung über die Tagung schon darauf hin- gewiesen wurde, sind die Anschuldigungen über das Verhalten der Arbciterpatienten den Zollbeamten gegenüber einseitig ent- stellt wiedergegeben. Wir haben von dem betreffenden Patienten festgestellt, daß nicht er das politische Gespräch angefangen hat, sondern einer von den Zollbeamten, mit welchem er schon eine Woche auf demselben Zimmer lag, die Behauptung aufstellte, daß zur Wohnung Liebknechts Extraaufgängc für Arbeiter beständen. Daraufhin erst hat der betrefsendc Patient unseren Standpunkt vertreten; darüber haben sich die Zollbeamten beschwert und die Ausguarfterung erfolgte. Dann ereignete sich acht Tage später der andere Fall. Es sollte ein Patient, um ein Zimmer zu räumen, bei demselben Be- amten, mit welchem er durchaus nicht auf dem Kriegsfuß stand, einziehen. Er verweigerte dieses jedoch aus zwei Gründen. Erstens weil der erste Patient erst vor acht Tagen rausgewicsen wurde, und zweitens weil er deshalb Auseinandersetzungen befürchtete. Daß sogenannte Schmeichler hier existieren,' ist leider eine Tatsache; die vermuten wir sogar unter unseren„Vorwärts"- lesern. Ich hatte schon die Gelegenheit, einen auf frischer Tat zu ertappen. Die Behauptung, baß Nicht-„Borwärts"leser boykottiert wer- den, ist unwahr schon aus dem Grunde, weil wir nur höchstens 10 bis 12 ,.Vorwärts"leser sind und daher keine 50 bis 60 Patienten boykottieren können. Was nun die Frage anbetrifft:„Liest Du den Vorwärts?" so ist zu bemerken, daß die meisten neuen Pa- tienten sich selbst nach einer Zeitung erkundigen und daraufhin von den älteren Patienten ihnen der„Vorwärts" abgegeben wird. Sollte es mal vorgekommen sein, was wir noch sehr bezweifeln, so hat Dr. Liebe immer noch keinen Grund, dies als Norm hinzu- stellen. Das Du-Anrcden sollte auch von vielen Patienten als lästig empfunden werden. Wenn das auch eine Sitte ist, die nicht jedem zusagt, so ist sie doch wohl niemals den Beamten gegenüber geübt worden. Uns ist von Beamten erklärt worden, daß ihnen unsere Gesellschaft angenehmer ist als die ihresgleichen. Es hat anschei- nend überhaupt auf der Versammlung an Stoff gemangelt, sonst hätte wohl Dr. Liebe nicht mit solchen nichtigen Argumenten auf- gewartet." Die mit so großem Aplomb zur Begründung einer Klassen- schcidung auch in Heilstätten von Dr. Liebe vorgetragenen Erzäh- lungen wären ja, wie wir seinerzeit berichteten, keineswegs ge- eignet, seine Förderung zu begründen. Sie zerfallen nach der Zu- schrift auch in ihren tatsächlichen Behauptungen in nichts. Zur Reform deZ Tcchnikerrechts. Der Soziale Ausschuß von Vereinen technischer Privatangestell- ten war am Montag zu einer Konferenz in das Reichsamt des Innern geladen, an der als Vertreter der Regierung Wirklicher Geheimer Rat Ministerialdirektor Dr. Caspar und Geheimer Re- gicrungSrat Siefart, seitens der verbündeten Technikervereine die Herren Schubert(Deutscher Technikerverband), Lüdemann(Bund der technisch-industriellen Beamten), Weiß(Verband deutscher Kunst- gcwerbezeichner) und Schulz(Dentscher Zuschneiderverband) teil- nahmen. Gegenstand der Besprechung waren die Wünsche auf Schaffung incs besseren TechnikcrrcchtS, die bekanntlich schon wieder- holt die gesetzgebenden Körperschaften— den Reichstag zuletzt 1908/9— bschäftigt baben, ohne daß cS bisher zu irgend einem greifbaren Ergebnis gekommen wäre. Die dem Reichstag 1907 zu- gegangene sogenannte große Novelle zur Gewerbeordnung enthielt zwar einige wichtige Aendcrungen für die Techniker und wurde von der Kommission des Reichstages noch mit verschiedenen Verbesserun- gen verschen, konnte aber infolge des plötzlichen Reichstagsschluffes im Juli 1909 nicht mehr zur Erledigung kommen.— Wie den Vertretern der Technikcrverbände eröffnet wurde, steht nun die Regierung auf dem Standpunkt, daß die Wiedereinbringung dieser Vorlage keinen Zweck bat, solange in wichtigen Punkten zwischen dem Reichstag und den Verbündeten Regierungen prinzipielle Mei- nungsverschiedenheiten bestehen. Diese betreffen hauptsächlich die Gchaltsfortzahlung in Krankheitsfällen und die Regelung der Kon- kumnzklausel. Besonders in der letztgenannten Frage scheint die Regierung zu großem Entgegenkommen an das interessierte Unter- nchmertum bereit zu sein, denn während eben erst eine Gesetzes- porlage über die Einschränkung der Konkurrenzklausel für die Handlungsgehilfen angekündigt worden ist. ist von einem gleich- artigen Vorgehen für die Techniker ausdrücklich abgesehen worden. Aehnlich steht es mit der Frage der Sonntagsruhe, die auch zu- nächst einseitig für die kaufmännischen Angestellten geregelt werden soll. Mit Rücksicht auf den immer stärker einsetzenden Ruf nach einem dem Wege zu räumen, denn schließlich können doch die technischen Angestellten nicht dauernd darunter leiden, wenn Reichstag und Die Einigung wäre sehr leicht, wenn die Regierungen endlich ihren einseitigen, dem Recht der Arbeit entgegenstehenden Stand- Punkt aufgäben. Sembts- Zeitung* Ist unmittelbarer Zwang zur Impfung zulässig? Diese Frage wurde bei Gelegenheit von acht Prozessen aufge- warfen, die gestern das preußische Ober-Berwaltungsgericht be- schäftigten. ES handelte sich um drei Fälle aus Westsalen(Sou- vagcal-HaSpe, MaguS-Hagen, Deckwitz-Münster) und fünf Fälle aus Frankfurt a. M.(Richter, Bruck, Lipprrt, Wchlung und Cäsar). In Betracht kam die Anwendung folgender Bestimmung des§ 2 des Reichs-Jmpfgesetzes: „Ein Jmpfpflichtiger, welcher nach ärztlichem Zeugnis ohne Gefahr für Leben oder Gesundheit nicht geimpft werden kann, ist binnen Jahresfrist nach AufhSren des dir Impfung hindernden Zu- ftandcs der Impfung zu unterziehen. Ob die Gefahr noch fort- besteht, hat in ZweifelSfällcn der zuständige Jmpfarzt zu ent- scheiden." In allen Streitfällen war nun, abgesehen von gewissen, mehr untergeordneten Abweichungen, der Hergang der folgende: Die Kläger hatten Aufschub der Impfung ihrer impfpflichtigen Kinder dadurch erzielt, daß sie ärztlich« Zeugnisse beibrachten, wonach wegen gewisser Schwäche- oder Krankheitserscheinungen die Impfung eine Gefahr für Leben oder Gesundheit bedeuten würde. In einzelnen Fällen ist nach Ablauf eines bestimmten Zeitraumes von den Eltern ein entsprechendes neues ärztliches Zeugnis bei- gebracht worden. Zum Teil wurde ein Beharren dieses Zuftandes auf mehrere Jahre in Aussicht gestellt. In einem Falle(Souvageal) meinte der Arzt sogar, die Impfung müßte zeitlebens unterbleiben. Der Polizeipräsident in Frankfurt a. M. und die verschiedenen anderen Polizeiverwaltungen(HaSpe, Hagen, Münster) hielten nun die vorliegenden Fälle für Zwcifclsfälle im Sinne des Z 2 des ReichS-Jmpfgesetzcs und erließen polizeiliche Verfügungen an die Väter, worin sie aufgefordert wurden, ihre Kinder dem zuständigen Jmpfarzt zur Untersuchung vorzuführen, damit er feststelle, ob der die Impfung hindernde Zustand noch fortbestehe. Für den Fall der Zuwiderhandlung wurde teils die zwangsweise Borführung, teils eine sogenannte Zwangsstrafe gemäß dem preußischen Landes- VerwaltungSgcsetz angedroht. Dagegen wurde Beschwerde(in zwei Fällen Klage beim Be- zirkSausschuß) erhoben. Nachdem die Vorinstanzen zuungunsten der Beschwerdeführer e'kannt hatten, hatte sich auf deren Klagen jetzt der 9. Senat des Ober-BerwaltungsgerichtS damit zu befassen. Sämtliche Kläger wurden durch Rechtsanwalt Dr. jur. Spohr vertreten. Aus der Entstehungsgeschichte des ReichS-JmpfgefetzeS leitete er her, daß ein absoluter Zwang zyr Impfung nicht festgelegt sei und die Ne- Hörden die Impfung nicht zwangsweise hcrbeifllhVeN dwrfleck. Wa» nun die Anwendung der zitierten Bestimmung des§ 2 des Gesetzes betreffe, so sei entscheidend, daß das Gesetz hier ausgehe von der Tatsache des Vorliegens eines ärztlichen Aufschubattestes. Es sei darum anzunehmen, daß«in„zweifelhafter Fall", in dem der Jmpfarzt entscheiden solle, dann nicht vorliege, wenn ein ärzt- liches Attest vorhanden sei. worin die Gefahr bescheinigt werde. Ein solches sei unangreifbar, sofern es nicht selber Zweifel aus- drücke oder dem Strafgesetzbuch widerspreche. Es sei nicht dem Er� messen der Polizei vorbehalten, ob ein„zweifelhafter Fall" vor, liege. Das Ober-Vcrwaltungsgericht wies sämtliche Klagen nach übet sechsstündiger Verhandlung und Beratung ab. Gründe: Mit Be- zug auf die Auslegung des Z 2 Absatz 2 sei der Senat der Meinung. daß es nicht bloß dann auf die Entscheidung des Jmpsarztes ankommen könne, wenn das Attest eines anderen Arztes selber Zweifel ausdrücke oder strafgesctzwidrig sei. Sonst könnte ja immer, ganz im Widerspruch mit dem Gesetz, die Durchführung der Jmpfpfticht vereitelt werden. Vielmehr solle auch bei Meinungsverschieden- heften mit anderen Aerzten der Jmpfarzt daS� Recht der Entscheidung haben. Der Verwaltungsrichter habe natürlich nach- zuprüfen, ob ein„Zweifelsfall" vorliege. Das sei h'.er in allen Fällen mit Rücksicht auf die obwaltenden Umstände(jahrelanges Hinausschieben, Gutachten bekannter Jmpfge�ner usw.) ange- nommen worden.— Im übrigen sei das Gericht bei seiner Auf- sassung geblieben, daß die Behörden innerhalb ihrer Zuständigkeit unmittelbare« Zwang zur Durchführung der Jmpfpflicht anwenden dürften._ Die Bestimmungen über den Ladenschloß sollte Herr Horstmann übertreten baben. Er hat im Pschorrhause gegenüber der Kaiscr-Wilhelm-Gedächtniskirche einen ganz kleinen Laden mit einem Ausgang zur Straße und einem Verkaufsschalter zum Vorraum des großen Pschorr-Restaurants. Weil er diesen Schalter zum Verkauf von Zigarren an die Gäste de? Pjchorr- Restaurants auch nach dem Eintritt der gesetzlichen Schlußßeit für ossene Verkaufsstellen offen hielt, wurde er angeklagt. Das Land- gericht Berlin III sprach ihn aber frei, indem es annahm, ein Ver- stoß gegen die Ladenschlußbestimmungen läge unter den obwalten- den Umständen nicht vor. Das Kammergericht hob gestern da? Urteil auf und»erwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Es müßte erst nachgeprüft werden, ob der Be- trieb, wie er von jenem Verkaufsschalter aus stattfand, ein inte- grierender Bestandteil des Restaurationsbetriebes im Pschorrhause sei. Nur dann falle er nicht unter die Ladenschlußbestimmungen. Ein gefährlicher Jugendverderber wurde gestern von der 4. Strafkammer des Landgerichts I auf lange Kit unschädlich gemacht. Aus der Untersuchungshaft wurde der Kaufmann Emanuel Meyer-Leth vorgeführt, um sich wegen Diebstahls und Vergehens gegen den Z 175 zu verantworten. Mit- angeklagt wegen Vergehens gegen den genannten Paragraphen waren die 15. bzw. 16jährigen Lehrlinge Sch. und W. Der An» geklagte, welcher dänischer Staatsuntertan ist, war in einem be- kannten Warenhause im Zentrum angestellt gewesen. Wie kürzlich mitgeteilt, waren vor einigen Wochen von der Schöneberger Kri- minalpolizei der ehemalige Lehrer Gersdorf und der Maler Fahrendorf unter dem Verdacht verhaftet worden, in dem von F. betriebenen„Kunstatelier" gewisse Festlichkeiten veranstaltet zu haben, zu denen junge Burschen hinzugezogen wurden. Hierbei wurde festgestellt, daß sich auch die beiden jetzigen Mitangeklagten Sch. und W. an jenen Orgien beteiligt hatten. Bei den Ver- nehmungen ergab eS sich dann, daß die beiden jungen Burschen von dem Angeklagten Meyer-Leth auf diesen Weg gesührt worden waren. Als ein Kriminalwachtweister des zuständigen Dezernats in der Wohnung des Angeklagten eine Haussuchung vornahm, wurden Dutzende von seidenen Oberhemden, seidenen Strümpfen und anderen Sachen gefunden>die der Angeklagte in dem Waren- hause gestohlen hatte.— Das Gericht erkannte gegen Meyer-Leth auf 19 Monate Gefängnis und gegen den Lehrling Sch. auf 2 Wochen Gefängnis. Der dritte Angeklagte wurde freigesprochen. Bmfharten der Redahtion. Sie(»rtftlfrtie Sprechstunde findet stndenfttoste 69,«ent Met Treppe» — Sa» rft u h I—,«echeatstglich nett 4V4 MS TU Uhr adeud», eonnadtnds, »au MS 6 Uhr abeudS statt. Jeder für de- Brieflaste-»esttmmte»«»frage ist ei- Buchstabe und eine gahl als Merljetckeu beizufügen. Briefliche Auiwur« wird nicht erteilt,«nirage». denen feine Abeii-eme-tSa-Itt--g»eigefügt ist, werde- nicht dranNeertrt.«Uige Fragen trage man ia der e»rcchft-»de ver. Erbfchaftssache 8. Die Kinder beider Ehen die Hälft« zu gleichen Teilen, die Frau ebenfalls die Hülste.—- K. K. 387. Ja.— O.®. 80. Die Angaben genügen nicht. Kommen Sie In die Sprechstunde.— F. M. 79. Die Rechtslage ist sür Sie ungünstig. Versuchen Sie eine Einigung.— CT. M. 25. 1. u. 2. Geburtsurkunden, die nom Standesamt zu erlangen sind, außerdem Müitärpaß oder Ausweis der Polizei- behörde über Ihre Staatszugchörigkcit. 3. u, 4. Ist reichsgesetzlich geregelt. — B. V., Parteigenosse, Weisfeusee. 1. Ja, etwa 7 M. 2. Etwa 3,50 M, 3. Katholilcn beim Eintommcn von mehr als 1200 M., Evangelische beim Eintommcn von mehr als 1500 M,— H. 8. COO. 1. Im» beschränkt. 2. Nein. 3. Soweit Paßzwang herrscht, für jede Person. 4. u. 5. Fragen Sie bei Ihrer Gewertschast an. 6, Ja. 7. Ja. Verjähriinc, tritt erst nach Ablauf von 4 Jahren ein.— 31. M 100. Da Sie nicht Ihre gesamten Sachen angegeben, auch nicht mttgeteUt habe«, au« wieviel Kopsen Ihre Familie besteht, nicht zu beantworten,— G. 08. Ja.— Nirdcrbnrntm 19. Eine nochmalige Reklamation ist nicht erforderlich,— P. I. 31. Nein.- 101 H. S. 1. u. 2. Ja,- St. 8. 100. ES liegt Verjährung vor,—®. B. 15. 1. Rein. 2. Ja,— K. K. 7. 1. Ja. 2. Nein.— jp.®. 60. Ihr« Mutter soll eS mit einem Antrage ver» suchen. ES kommt auf daS Gutachten deS ArzteS an.— R. C. Rein. — M. Z. 80. 1. Soweit ersichtlich— sosern nicht etwa sortgesetzt« Güter» gemc!nschast besteht— nein. Es müßten sämtliche Erben kündigen. 2. Ja. 3. Rein,—«.(f. 7. 1. Zur Auszählung der Gründe reicht der 31aum deS BricikastenS nicht auS. 2, Die Stiaj v e r f o l g u n g in 10 Jahren.— Beussrlstrastc 3. 1 u. 2. Nein, Es müßte ein« neue Wartezeit von mindestens 200 Beitragswochen zurückgelegt werden; dabei müßten mindestens 100 BciiragSwochcn ans Grund einer verficherungSpflichtigen Beschäsligung geleistet sein.— F. I. 500. Ein Testament läßt sich durch eigenhändige, mit OrtSbezeichnung und Datum versehen« Niederschrift errichten,—(5. P. H. 101. Ja, bis zur Dauer von 14 Tagen,— 91. B. 36. Die Verheiratung ist kein Grund dasar.— H. 8.. Wtusstr. Ja,— H. D. 85. 1. Alimente nicht; Fahrgeld nur vet Arbeitern, die vermöge ihres BerusS genötigt sind, die Arbeitsstelle häufig zu wechseln fz B, Bauarbeiter). 2, Versiichen Sie cS, 3. Ja, sofern beide ehelich,— M. D. 44. V e rp 1 1 i ch t e t nicht; jcdensallS machen Sie den Veftuch. Die 125 M. monatlich übersteigende Gehaltssorderung ist pfändbar.— <0.®. 5. t n. 2. Ja. 3. Nein.— A. 76. Erscheint aussichiSIoS.— H. P. 110. Die Kinder der verstorbene» Schwester erben deren Anteil. — H. Sch. 49. Etwa 30 M.-®. H. 101. 1. u, 2. Nein. 3. Ja. — Ff. F. 100. 1. Kein SchcidungSgrund. 2. Strafbar nicht. 3. In erster Linie der Mann, sallS das VorinundschastSgerlcht nicht anders ent- scheidet.— M. B. 41. Wenn der Eigentümer genehmigt, nichts.— C. Nr. 8 Friedenau. 1. Nein. Die Steuerbehörde tann aber direkt Auskunst erfordern. 2. Machen Sie Strafanzeige. 3. Sie nicht; die Frau ist aber zahtungSpstichtig.— N. W. 70. 1, Nein. 8. Ja. Lese» und Di�utierklnb»Südost«. Heut« Mittwoch, abend« 8"/, Uhr, bei Neidhardt, Görlitzer Str. 58. Vortrag. Gäste willkommen. Marktbericht von Berlin am 17. Juni 1918, nach Ermittelung de? kvnigl Polizeipräsidiums. Markthallenpreise. fKleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Spcsiebohncn, weiße, 30,00— 56,00, Linsen 40,00—80,00, Kartoffeln(KlemHdl,) 8,00—>3,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,80—2,40. Hammelfleisch 1,80—2,40. Butler 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Sachsen 1,20-2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-8,60. Hechte 1,60-3,00. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,10-3,20. Biest 0,«0-1,60. 60 Stück Krebst 4,00—40,00. Berliner Credit-Haus S?Py gommandantcpstr, 67."Wg � AlhoholfrBle Gotränke� f ranz Abraham Hamb. Messina-u Jlömertrank-Kell. N< BgrelstT. 8», Fernsp. Kgst. 13708 fintfrSi Seiter- n. Limonad.-Fabrik USiUlU, Th.ierstr. 44. T. A.7.&176. ScfaDtze, L., Weberstr. 15». 17. IN 2T. � Bxfitt alkobd- �.�1 Trti« ßeträttk. BambuTser Laden, Cbarl., Will» 1.69 J.Kastnerg�Xs'i RoterLaden,Schoneh. �Hfcoptstr. 1 08 Bäckereien, Konditor. Bloitner's Großbäckerei GeacUfte tu BeWki, Char»otte nburg, Schdneberg, Wilmeraitorf. AdlerstaoferBäcfcerei.l. Zogeursl Max Backer, Ramlerstr. 36.- Emil Beyer, Thornerstr. 6. BohndorFs Bäck..K"»i(i»li«iyer«tr.3(> Ul Erscheint 2 mal öchentlich. Bezugsquellen- Untenitchende Geschäfte rmefehlen sich bei Einkäufen Kuranstalt eSÄ?.* langjShr. I. Assistent d. ehemals weltberühmt. 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Er wird Von Barth- München erstattet, schließt sich an das Von unS in seinem Hauptinhalt bereits besprochene Jahrbuch an und be- tont namentlick, die erfreuliche Eutwickelung des Zentralverbandes, seiner Verlagsanstalt, der Verbandsvereine und ihrer Notkonds, Sterbekassen. Wohnungsfürsorge, der Bankabteilung und der genossen- schaftlichen Aus- und Fortbildung durch Kurse. Die Verwendung von Uebcrschüssen zu Wohlfahrtskassen und zum Wohnungsbau ist weitaus den spurlos verschwindenden hohen Dividenden vor- zuziehen. Der Besuch der Verbandstage wird immer stärker, die Neugründuug von Verbänden in Süddeutschland hat ein weiteres starkes Wachstum der Konsumentcnorganisation und ihrer�Stärke zur Folge gehabt. Der Redner berichtet dann über das Tarisamt, die Fortbildungskommission und die Abwehr« und Verteidigungskommissronen in Steuersachen sowie die Delegierung zu ausländischen Kongressen und bespricht dann die mittelständlerisck- bureaukratischen Steueratlcntate auf die Konsumvereine, die um so merkwürdiger sind, als die Staatsregierungen selbst die größten Konsumvereine für ihre Beamten betreiben- namentlich die Eisen« bahner. Der Mittelstand ruiniert sich am ehesten selbst durch sein eigenes Jammern. Er rühre sich und schreite mit der Zeit vor- wärls l Statt mit der gebührenden Achtung, werden wir als Aschenbrödel behandelt, aber unser Anwachsen wird uns die An- erkennung und Gleichberechtigung verschaffen, die uns jene versagen wollen, die sich einbilden, ein Monopol auf einen entbehrlichen Zwischenhandel zu besitzen! sLebhafter Beifall.) Generalsekretär Kaufmann- Hamburg verweist auf den schrift« lichen Bericht des Sekretariats. Aus dem reichen Zahlenmaterial, das er vorträgt, sei mitgeteilt, daß der Zentralverband umfaßte 1903 1907 1911 angeschlossene Vereine. 666 959 1 142 i mit Mitgliedern... 573 085 879 221 1 313 422 eigenem Kapital in M. 16 827 888 26 061 243 41 363 787 wozu noch 39 Produktivgenossenschaften und die Großeinkaufs- gesellschaft kommen. Bei Besprechung des Entwickelungsganges des Zentralverbandes betont der Redner, daß es das Prinzip der Ge- nossenschasten sei. um nicht sagen zu müssen, das nicht zu können, was sie wollen, nur das zu wollen, was sie können. sHeiterkeit und Zustimmung.) Denn, führt er aus, daß die Revisionen zwar besser, aber eS doch nötig geworden sei, b e- s o l d e t e Revisoren in den Revifionsverbändcn anzustellen, die im Hauptamt tätig sein und in einer besonderen Körperschaft unter dem Borsitz und auf Einberufung des Zentralvorstandes ihre Er- fahrungen austauschen sollen. Dadurch wird die Schärfe und Ge- nauigkeit der Revisionen gewinnen. Zentralvorstand und Groß- einkaussgesellschast sollen Kopien der Revisionsberichte zum Durch- arbeiten durch besondere Beamte und zur Sammlung erhallen. Jedes Zeichen beginnenden Abstieges soll da erkannt werden, was nicht nur die G. E. G.. sondern auch die Nachbar- vereine bei Hilfsaktionen vor manchem Schaden bewahren wird. Die Bankabteilung und die Verlagsanstalt haben 36 000 M. zur Verfügung gestellt, so daß wir den Rcvisionsverbänden je 4000 M. zur Anstellung eines weiteren Beamten geben können. Eine Bezirksteilung der Revisionsverbände wird nötig werden. Mehrere Revisionsverbände haben dieses Pro« gramm schon durchgeführt, andere sind dabei. Die Größe des Ge« nossenschaftstages beschränkt die Möglichkeit eingehender Beratung derart und verbietet die Erörterung gewisser Angelegenheiten, die Wir der Oeffentlichkeit nicht auf die geschätzte Nase binden wollen (Heiterkeit), so daß sich die Einschiebung eines neuen Organs des Verbandes notwendig macht; eS sollen zu nichtöffentlichen und Detailberatungen Vorstand, Ausschuß, AuffichtSrat der Verlagsanstalt mit den Vertretern der Unterverbände zusammentreten. Dabei wird die Umwandlung der Verlagsanstalt aus einer Handelsgesellschaft in eine G. m. b. H. aller Genossenschaften anzustreben sein. Eine be- sondere Kommission, bestehend aus v. Elm, Lorenz und mir, soll auf Beschluß deS Vorstandes die Vorentwürfe für diese Einrichtungen ausarbeiten, die dienen sollen dem Wohl des Zentralverbandes und dem Heil der organisierten Konsumenten.(Lebhafter Beifall.) All diese Anregungen find in folgenden Anträgen des Vor- standes niedergelegt, auch die auf Erweiterung der Revifions- einrichtungen: A) Zur Erweiterung der Revisionsverbands- fekretariate. 1. Den Revisionsverbänden wird empfohlen, den Bedürfnissen einer fortgeschrittenen Konsumaenossenschaftsbewegung entsprechend, die angeschlossenen Genossenschaften möglichst jedes Jahr ein- mal zu revidieren und außerordentliche Revisionen nach Bedarf vorzunehmen. 2. Zu diesem Zweck ist ein weiterer Sekretariatsbeamter an- zustellen, mit der Maßgabe, daß einer der beiden Sekretariats- beamten im besonderen die Funktion eines Revisors auSzu- üben hat. 3. Die im Hauptberufe tätigen Verbandsrevisoren bilden eine Körperschaft, die nach Bedarf zum Zweck des Austausches ihrer Erfahrungen, der Vereinbarung einheitlicher Revisionsgrundsätze und der Vervollkommnung der konsumgenossenschastlichen Revisions- Methoden zusammentritt. 4. Den Vorsitz in dieser Körperschaft übernimmt ein vom Vorstande des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zu be- stimmendes Mitglied dieses Borstandes, das unter möglichster Be« rücksichtigung der Anträge der RevifionSverbandsvorstände und Sekretäre die Tagesordnung festzusetzen und die Sitzung ein- zuberufen hat. 5. Von dem schriftlichen Revisionsberichte find zwei Abschnsten dem Vorstande des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zur Verfügung zu stellen, welcher eine besondere Registratur über das Revisionswesen einrichten wird. 6. Zur Deckung der durch die Anstellung eines weiteren Ver- bandSbeamten erwachsenden Unkosten erhalten die RevisionS- verbände vom Zentralverbande deutscher Konsumvereine aus den diesem von der Bankabteilung der Grotzeinkaufsgeiellschaft deutscher Konsumvereine und der Verlagsanstalt des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zur Verfügung gestellten Mitteln einen Zuschuß. Die Höbe deS in den einzelnen Revisionsverbänden zu gewährenden Zuschusses haben Vorstand und Ausschuß des Zentral- Verbandes deutscher Konsumvereine zu bestimmen. Ueber die Wahl des Beamten ist mit dem Zentralverbande deutscher Konsumvereine und der Großeinkaussgesellschaft deutscher Konsumvereine Rück- spräche zu nehmen. L) Zur ilenderung oer Verfassung der Revisionsverbände. 7. Den Revifionsverbänden wird ferner empfohlen, ihre Ver« fassung dahin abzuändern, daß das Sekretariat zu einem aus« führenden Organ des Verbandes unter der Oberleitung und Kon- trolle des Vcrbandsvorstandes ausgestaltet wird.. 8. Ferner wird cmpsohlen, zwischen dem Vorstande dcS Revifionsoerbandcs und dem Verbandstag eine weitere aus fünf bis sieben Mitgliedern bestehende beschlußfassende Körperschaft, den AufsichtSrat, einzusetzen, dem diejenigen Funktionen zuzuweisen sind, die nach konsumgenossenschaftlicher Praxis einem Aufsichtsrate zufallen. 9. Bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrats ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß möglichst jeder Bezirk des Revisions- Verbandes gleichmäßig vertreten ist. Die Bezirksgliederung des Verbandes kann im Anschluß an die Bezirke der Einkaufs- Vereinigungen erfolgen, sie kann aber auch durch Zusammen- legung oder Teilung von Bezirken der Ein'aufsvereinigungen vor- genommen werden. 10. Die AufsichtsratSmitglieder des Revisionsverbandes sind sür die Bezirke, die sie vertreten, die Vertrauensleute der Ver- bandsleitung und haben den Verbandsvorstand und das Sekretariat in deren Tätigkeit, z. B. in der Beratung der Vereine, Hilfe- leistung bei Neugründungen und Verschmelzungen von Vereinen, Agitation, Abhaltung von Vorträgen u. dgl. nach besten Kräften zu unterstützen. Oj Zur Aenderung der Verfassung des Zentral- Verbandes deutscher Konsumvereine. 11. Aus den Vorstandsmitgliedern, Aufsichtsratsmitgliedern und Sekretären der Revisionsverbände, den Geschäftsführern und Aufsichtsratsmitgliedern der Großeinkaussgesellschaft ist eine weitere Körperschaft, ein Generalrat des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zu bilden. Er hat wichtige und für die Konsumgenossenschafrsbewegung bedeutungsvolle Fragen vorzu- beraten und kann über weniger wichtige und interne Angelegen- heften endgültig entscheiden. 12. Der Ausschuß des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine, der aus den Vorsitzenden der Revisionsverbände oder dessen Stellvertretern und drei vom Genossenschaftstage frei hinzugewählten Personen besteht, übernimmt nach dem Grundsatze der konsumgenossenschaftlichen Praxis die Funktion eines Aufsichtsrates des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine. 13. Das Sekretariat des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine hört auf, ein selbständiges Organ des Verbandes zu sein. Die Funktionen des Generalsekretärs gehen auf den Verbands- vorstand über. 14. Der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine besteht aus drei im Hauptberuf und vier ehrenamtlich täftgen Personen, die kollegial die Geschäfte des Zentralverbandes in der Weise zu führen und zu leiten hoben, datz die im Haupt- berufe tätigen Vorstandsmitglieder die laufenden Geschäfte führen, während zu wichtigen Beschlutzfassungen der Gesamtvorstand zu« sammentritt. Auch können die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder den Vorstand in den für besondere Zwecke eingesetzten Spezial- kommissionen vertreten. v) Zur Aenderung der juristischen Form der V e r l a g S a n st a l t. 15. Die Verlagsanstalt des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine von Heinrich Kaufpiann u. Co. wird aus der juristischen Form einer offenen Handelsgesellschafs in die Form einer Gesellschaft mit beschränkter Hastung, mit einem Stamm- kapital von 1 bis 2 Millionen Mark, unter der Firma Verlags- gesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H. umgewandelt. 16. Der heutige Charakter der Verlagsanstalt als eineS eigenen Unternehmens des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine ist bei dieser Umwandlung unbedingt zu wahrem Es sollen daher satzungsgemäß die Revlsionsverbände und Verbands- genossenschasten des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine gehalten sein, die Mitgliedschaft der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine zu erioerben. Die Generalversammlung der Berlagsgesellschaft soll bei Gelegenheit des Genossenschaftstages des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine stattfinden. Der Ausschutz des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine bildet den Aussichlsrat, der Vorstand die Geschäftsführung der Verlags- gesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H. E) Zur Ausführung dieser Beschlüsse. 17. Der Vorstand und Ausschuß des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine werden beaustragt, aus Grund der vor- stehenden Beschlüsse die Satzungen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine zu revidieren und den Gesellschastsvertrag der Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine zu entwerfen. 18. Vor Ende deS laufenden Jahres ist ein außerordentlicher Genossenschaflstag zur Beschlutzsassung über- die abgeänderten Satzungen des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine und in Verbindung damit die Gründungsversammlung der Verlagsgesell- schaft deutscher Konsumvereine zur./Beschlußfassung über den Gesellschaftsvertrag einzuberufen. Wolf- Hamburg begründet einen Antrag, da? Kapital für die Verlagsgesellschaft G. m. b. H. nicht mit 1—2 Millionen, sondern aus 100 000—200 000 M. festzusetzen, da die Genossenschaften kein eigenes Geld haben und kaum die Anteilscheine von 1000 M. erwerben könnten. Unser Generalsekretär muß das doch als geborener Kaufmann einsehen.(Große Heiterkeit.) Franke- Leipzig stinimt diesen Bedenken zu. Von den Leipziger Genossenschaftern sind 8 Proz. an dortigen Druckereigenossenschaflen interessiert und können nicht dafür sein, die Druckarbeiten nach Hain- bürg zu geben. Schmidt- Elberfeld: Man lasse doch auch die Verlagsanstalt in die G.- E.- G. übergehen, das wäre das gesündeste. Kaufmann soll aber der VcrlagSanstalt erhalten bleiben. Krüger- Leipzig: Unser Vorstand hätte trotz seiner„politischen' Bedenken die Initiative zum Kampf gegen die Teuerung ergreifen müssen. Schöne Reden nützen da nichts! Wir müssen in der Druckereifrage die Presse unterstützen, die allein auf unserer Seite steht.(Beisall.) Generalsekretär Kaufmann(Schlußwort): Die Ausführung der Anregung Schmidts würde, da die Großeinkaufsgescllschaft ihre wichtigsten Aufgaben auf anderen Gebieten hat, nicht im Interesse des raschen Ausbaues der BerlagSanstalt liegen. Konkurrenzgründe können unS nicht zur Aufgabe gesunder Genossenschaftseinrichlungen bestimmen. Der Zentralvcrband will doch sein Zeitungs- und Presse- wesen in der Hand behalten und nicht in ideelle und wirtschaftliche Abhängigkeit von der G.-E.-G. komnien. Die Verlagsanstalt bringt überdies die Kosten der Verbandstätigkeit zu großem Teil auf. Uebrigens wird das Statut der G. m. b. H. dem der G.-E.-G. möglichst angepaßt werden,— kommt der Zeitpunkt der Verschmelzung, werden wir von Hamburg uns nicht widersetzen. Die von Leipzig an- gedrohte Verweigerung der Mittel würde gegen die genossenschaft- liche Treue verstoßen und darauf hinauslaufen, Ihr eigenes Geschäft pleite zu machen. Die große Mehrzahl der Vereine beschreitet diesen Weg nicht!(Lebhafte Zustimmung.) Die von dem um seine Ham- burger„Produktion' unnütz besorgte» Herrn Wolf beantragte Be- schränkung des Kapitals der Verlagsanstall G. m. b. H. würde das teure Arbeiten mit dem Bankkredit der G. E. G. zur dauernden Einrichtung machen, also ganz unrentabel sein. Das wäre die reine Trebertrocknung I(Große Hefterkeit.) Mit solchem Beispiel gehen wir unseren Vereinen nicht voran. Die Anteile dürften sich wohl nut 4j/z Proz. verzinsen(Hört I hört I), was den Konsumvereinen eine günstige Anlage ihrer Spar- einlagen— viel günstiger als in Staatspapieren— gewährt. ES braucht ja auch nur V« eingezahlt werden, das übrige kann durch die Rückvergümngen erzielt werden. Die Verantwortlich- keit der Konsumvereine verschafft uns überall den Kredit des nötigen KapitalSrestcs.(Beifall.) Franke-Leipzig bemerkt persönlich, daß die 80 Proz. der Leipziger Genossenschaften doch ihren Druckereien die Treue wahren müssen. Sie VorstandScmtrage zu Punkt 4 und 5 werden ukiter M- lehnung des Antrages Wolf-Hamburg mit sehr großer Mehrheit au- genommen. Die gewerkschaftlich- genossenschaftliche Aktiengesellschaft „Bolksfürsorge". Referent A. v. Elm bespricht zunächst die Mißstände der privat- kapitalistischen Volksversicherung, die im Gegensatz zu dem gesunden alten Prinzip der gegenseitigen genossenschaftlichen Hilfeleistung steht. Schuld daran ist, daß viele Gegcnseitigkeitsvereine mangels des nöligen Weitblicks und der rechnerischen Grundlagen zugrunde gingen. In Deutichland datiert die EntWickelung der Volks- Versicherung von 1382, wo die«Friedrich Wilhelm' und nach- her die„Victoria" sie einführten. 1911 bestanden 8,3 Millionen Volksversicherungspolicen mit 1730 Millionen Mark versichertem Kapital, wovon 800 Millionen auf die„Victoria' und über 200 Millionen auf die„Friedrich Wilhelm' entfallen. Jeder achte Deutsche besitzt heute eine Versicherungspolice. l2/g Proz. der ganzen Bevölkerung Deutschlands sind im letzten Jahre den Volks- Versicherungen beigetreten. Vom rein kapitalistischen Geschäfts- standpunkte kann man nur sagen, daß diese Gesellschaften die Interessen ihrer— Aktionäre großartig gewahrt haben. Hat doch die„Victoria' 36 Millionen Ueberschuß erzielt. Ihr Direktor Gerstenberg hatte aus Gehalt und Tantieme 780 000 Mark Jahreseinkomme»(Hört! hört!), die sieben Aufsichtsräte erhielten 150 000 M., die Aktionäre 1 180 000 M.— 39 Proz. deS Aktien« Nennwertes und bald wohl schon 50 Proz. Brillant genug ist auch der 4Vz-Millionen-Profit der Volksversicherung der«Friedrich- Wilhelm'. Der Aktionär erhält seine Dividende auS dem, was die Gesellschaft dem Versicherten zu viel abgenommen hat. Die Teil� nehmerdividende stellt nur eine geringe Rückerstattung dar. Die Volksversicherten bei der„Victoria' erhielten jahraus jahrein nur die Hälfte dessen zurück, was sie bar eingezahlt hatten, und bei der „Friedrich-Wilhelm" gar nur 18 Mill. gegen 63Mill.I Diese Art des Sparens ist dem Volk wirklich nicht zu empfehlen I(Sehr wahr I) Gewiß müssen die Kosten in Rechnung gestellt werden, die entstehen, aber diese sind bei der privalkapitalistrschen Werbetätigkeit eben zu hoch, bedeuten doch die Abschlüsse die Haupteinnahme der Agenten. 7 Mark kostet jeder Abschluß— in vielen Fällen ist das eine Jahres« leistung der Volksversicherten. Die Bestlmmungen über Erlöschen der Versicherung bewirken den Verfall von 30 Proz. der Policen und von 35—38 Vroz, der Versicherungssumme. In den letzten drei Jahren haben über eine Million Versicherte bei beiden Gesellschaften ihre Ansprüche verloren. Die gesamte Volksversicherung ist mit Prämie»freien Policen über- wuchert. Gerade die Aermsten der Armen verlieren also ihre vom Munde abgedarbten Prämienbeiträgc. Trotz der schlechten Bczah- lung ihrer Agenten haben die kapitalistischen Gesellschaften enorm hohe Verwaltungskosten. Die Abschlußprovisionen machen 4,4 bis 4,5 Proz. der Prämien, die Inkassoprovision 12,8 Proz., die sonstigen Verwaltungskostcn 6,4 Proz. aus. In den letzten drei Jahren hat die„Viktoria" 23,6 Proz. bis 23,3 Proz. der Prämien für Vertvaltungskosten verbraucht.(Hört! hört!) Die„Friedrich- Wilhelm" hat prozentual noch höhere Verwaltungskostcn. Wie kommen dann aber, wird man fragen, die hohen Ueberschüsse dieser Gesellschaften zustande? Die Gewinnquellen sind verschieden. Die „Viktoria" verwendet die alte Sterbetafel von 1871— 1881; da die Sterblichkeit inzwischen günstiger geworden ist, entstehen sogenannte Sterblichkeits gewinne. Bei der sogenannten großen Lebensversicherung(über 1500 M.) betrug der Sterblichkeitsgewinn der„Viktoria" 14,7 Millionen M., bei ihrer Volksversicherung 4,3 Millionen Mark; bei der„Friedrich-Wilhelm" betrug der Stcrb- lichkeitsgewinn bei der große» Lebensversicherung in den letzten drei Jahren 2,3 Millionen Mark, bei ihrer Volksversicherung über 6 Millionen Mark. Die„Viktoria" hat also bei der großen Lebens- Versicherung, die„Friedrich-Wilhelm" bei der Volksvcrsicherung den größeren Gewinn, was auf die Benutzung verschiedener Sterblich- keitstafcln hinweist. Die zweite Quelle des Gewinnes ist, daß die Gesellschaft bei der Berechnung der Prämien einen weit höheren Aufschlag für Verwaltungskosten nehmen als er der Wirklichkeit entspricht. Für Verwaltungskosten berechnet die„Viktoria' 40 Pro- zent, während sie nur 23 Proz. betragen. Die dritte Quelle ist der Zinsgewi.nn. Die„Viktoria" legt eine Verzinsung ihres Ka- pitals von S'A Proz. ihren Berechnungen zugrunde, während sie 414 Proz. erzielt. Es ist ein Irrtum, trenn in Laienkreisen angc- nommen wird, die hohen Gewinne resultierten aus dem Verfall der Policen. Gerade die verfallenen Policen verursachen so hohe Verwaltungskosten, daß von der„Viktoria" alles mögliche geschieht, um den Verfall zu verhindern. Die Gewinnbeteiligung ist nichts weiter als die bescheidene Rückgewährung allzu hoher Prämien. Ein so entschiedener Gegner der Sozialdemokratie wie Söhner, kommt �u dem Urteil, daß die Versicherten in der„Viktoria" und der„Friedrich-Wilhelm" in einer 15jährigen Periode 374 Millionen Mark mehr eingezahlt haben, als sie zurückerhalten haben. Diese gewaltige Summe ist von den Agenturen, der Reklame, der Pro- paganda, der Bekämpfung der Konkurrenz und den Dividenden ver- schlungen lvorden. Söhner kommt zu dem Gesamturteil, daß die Volksversicherung so wie sie hier betrieben wird, im Sinne einer ökonomischen Zweckmäßigkeit für die breiten Volksschichten auch nicht den kleinsten Vorteil biete, daß sie vom sozialpoli- tischen Standpunkt aus keinen ökonomischen Wert habe. Die kapi- talistischen Gesellschaften haben nur verstanden, der Volksversichc- rung nach außen hin ein glänzendes Gepräge zu geben, während sie ihrer inneren Struktur nach für die Minderbemittelten wert- los sind.(Hört! hört!) Nun wird gesagt werden, Kritik ist leicht, wie wollt Ihr eS besser machen? Wir antworten darauf mit den Gedanken, die der alte Gray in Birmingham seinerzeit entwickelt hat: Die Volksver- sichcrung muh ihrer kapitalistischen Erwerbsform entkleidet und wieder auf der Basis der Solidarität aufgebaut werden, aber auf so großer und breiter Basis, daß sie rechnungsmäßig auf s i ch c- ren Grundlagen beruht. Durch das gemeinsame Vorgehen von Gewerkschaften und Genossenschaften ist diese Basis sür unS gegeben. Der Interessentenkreis ist so groß, daß wir auf dem Grunde des Gesetzes der großen Zahl die notwendige Sicherheit haben. Wir haben in Deutschland 2)� Millionen Gewerkschafter und VA Millionen Genossenschafter. Wir können mit 3 Millionen Männern rechnen, die zum größten Teil verheiratet sind. Wenn auch die Arbeiter genug an Beiträgen für die staat- liche Versicherung zu zahlen haben, so ist doch gerade das Pflicht- bewuhtscin bei ihnen so stark entwickelt, ihren Angehörigen in den Notfällen des Lebens ausreichenden Schutz zu gewähren. W i r versprechen denen, die sich uns anschließen, keine goldenen Berge. Aber eines garantieren wir ihnen: Das linternehmen hat eine Grundlage er» halten, die für alle Zeiten seine kapitalistische Entartung ausschließt.(Lebhafter Beifall.) In unserer Volksfürsorge ist für den Dividcndenhunger der Aktionäre und die Tantiemenlust der Direktoren kein Platz. Auf den wohlmeinenden Rat von Mitgliedern des Reichsauftichtsamtes für Privawersiche» rung haben wir beschlossen, uns unter das Gesetz über die Privat- Versicherung zu stellen. Wir nehmen die Form einer Aktiengesell- schaft an. Aber nicht die Form, der Geist macht lebendig. Das Grundkapital soll 1 Million Mark betragen. Schon heute können wir erklären: Die Zeichnung des Grundkapitals ist gesichert.(Stür» Mischer Beifall.) Die eine Hälfte wird von den Gewerkschaften, die andere von den Genossenschaften bar eingezahlt. Der Vorstand wird zu gleichen Teilen von Gewerkschaften und Genossenschaften besetzt. Die Aktien können nur unter Zustimmung des Vorstandes in anderen Besitz übergehen. Damit ist die Gefahr beseitigt, daß sie an der Börse gehandelt werden. Der Höchstbetrag der Verzin- sung des Aktienkapitals soll 4 Proz. betragen. Der ganze Rein- gewinn soll nach Abzug der Reserven den Versicherten zugute kom- men. Kein Pfennig gebt ihnen verloren. Das ist bei dem anti» kapitalistischen Demokratencharakter der Volksfürsorge für alle Zest ten ausgeschlossen. Die Kommission hat beschlossen, alle Arten der Volksversichernng einzuführen. Die große Zahl der bei der..Vik- foria" und bei der„Friedrich-Wilhelm" neu abgeschlossenen Ver- sicherungen beweist das Bedürfnis der breiten Voltsmasten nach der Versicherung. Bei der Versicherung ohne ärztliche Untersuchung ist die Kapitalversicherung auf den Todesfall die Regel. Diese Art der Versicherung hat zur Voraussetzung� daß Wochen- oder Monats- Prämien gezahlt werden. Dann also, wird man einwenden, muß die Bolksfürsorge mit einem gleich großen Verfall von Policen wie die kapitalistischen Gesellschaften rechnen. Gewiß. Arbeitslosigkeit Und Krankheit werden auch unsere Mitglieder treffen. Wir brau- chen aber dann nicht so gewissenlos zu handeln, wie die kapitalisti- schen Gesellschaften. Neben der Kapitalversicherung werden wir eine Spar- und Lebensversicherung haben und ohne weiteres sollen die Policen der Kapitalversicherung in solche der Spar» und Lebend lustig. An der Grenze von IblXZ M. muß, wenn keine ärztliche Untersuchung vorgenommen ist, festgehalten werden. Wohl aber können Einrichtungen getroffen werden, um diese Grenze hinaus- zurücken. Hat sich jemand mit 1500 M. für den Todesfall de» sichert und ist diese Summe nach der Sterbetafel der Spar- und Lebensversicherung durch die Prämienzahlung gedeckt, so soll sich bei der Fortzahlung der Beiträge die Versicherungssumme über 1500 Mark hinaus erhöhen. Wir können heute noch nicht eine Tabelle über die Kapitalversicherung vorlegen. Die Arbeit der Versiche- rungsmathematiker erfordert Zeit. Hoffentlich aber wird es uns gelingen, die noch entgegenstehenden Schwierigkeiten im Laufe dieses Jahres zu überwinden, so daß mit Anfang des nächsten Jahres die Bolksfürsorge ihre Wirksamkeit beginnen rann.(Lebhafter Beifall.) Redner wirft noch einen Blick auf das gehässige Treiben der Gegner. Im„Archiv für Versicherungswissenschaft" war zu lesen, daß die Ueberschüsse der Volksfürsorge zu Parteizwecken verwendet werden sollten, und daß das Reichsauffichtsamt eingreifen müsse. (Große Heiterkeit.) Solche Esel sind wir nun wirklich nicht. Die „Zeitschrist für Versicherungswesen" ist etwas vorsichtiger. Sie meint, daß wir„die im Hintergrund stehenden politischen Ziele zu verbergen suchen", damit wir nicht an der Klippe des AufsichtsamteS scheitern. Eine andere Frage aber sei. ob nicht das neue Unter- nehmen dem AufsichtSamt später Anlaß zum Einschreiten geben dürfte(Aha-Rufe), wenn seine politischen Tendenzen deutlicher her- vortreten. Insbesondere mahnt die„Zeitschrift", auf die A n la g e der ge- sammelten Kapitalien genau Obacht zu geben. Welche Angst haben doch diese profitwütigen Herren! Wir werden niemals Geld für Partei- oder Streikzwecke hergeben. Wollten nur unsere Gegner so korrekt verfahren! Die Scharfmacher fordern ein Verbot der „Volksfürsorge" von vornherein. Ein Gewährsmann der Zentrale des Verbandes deutscher Arbeitgeberverbände prophezeit die Besol» dung eines neuen großen Heeres von Angestellten, verdienter Agi- tatorcn, und eine gewaltige Machtsteigerung der Sozialdemokratie. Wären wir so dumm, ein großes Heer von Angestellten hoch zu be- soldcn, so verdienten wir Prügel, denn dann wäre die„Volksfür- sorge" ein totgeborenes Kind. Von der Ersparnis an Verwaltungs- kosten hängt der Erfolg des neuen Unternehmens ab. Nur weil wir die neue Organisation an die bestehenden angliedern können, ist unser Unternehmen so gesund. Bei den Gewerkschaften macht das wenig Schwierigkeit, die Beitragssammler ziehen die Versiche- rnngsprämien gegen geringe Entschädigung mit ein. Bei den Kon- sumvcreinen wird sich der Mangel einer demokratisch durchgebilde- ten Verfassung schmerzlich bemerkbar machen. Aber das muß eben anders werden, weil die Mitarbeit der Mitglieder auch für die eigentlichen KonsumvereinSzwecke notwendig ist. Denn die Kon- sumgenossenschaft will ja nicht nur billige Lebensmittel herbcischaf- feti, sondern den ganzen Menschen mit allen seinen Bedürfnissen umfassen. In diesem Sinne wollen Genossenschaften und Gewerkschaften mit Errichtung der„Volksfürsorge" nicht nur die Volks- Versicherung verbessern und verbilligen, sondern auch ihrer eigenen Bewegung neue Stützpunkte schaffen. Gerade das würden sie aber unmöglich machen, wenn sie mit der„Volksfürsorge" Nebenzwecke verbänden. Die„Volksfürsorge" ist an und für sich eine so große und herrliche Aufgabe, daß sie des Schweißes der Edlen wohl wert ist. Handeln wir darum nach dem alten GenossenschaftSwort: Arbeite und warte!(Stürmischer Beifall.) Bauer(Generalkommission) schließt sich den. Ausführungen v. Elms vollinhaltlich an und macht auf die merkwürdigen Treib»- reien gegnerischer Interessenten in Rheinland-Westfalen aufmerk- sam. Die Regierung habe bei den Krankenkassen angefragt, ob sie bei der Durchführung der Volksversicherung»litwirken wollten. Diese hätten geantwortet, sie würden gern ihre Arbeit in den Dienst dieser sozialen Aufgabe stellen, sobald das Gesetz entsprechend ge- ändert sei. Aber das meinte die Regierung nicht; es handelt sich vielmehr um die Förderung der Düsseldorfer BersicherungSbank, die die Voltsversicherung mit der Züchtung von gelben Arbeiterver- einen verbindet, durch die Krankenkassen. Es wäre beleidigend für die Regierung, anzunehmen, daß sie nicht unserer„Volksfürsorge" dieselbe Förderung sollte zuteil werden lassen.(Große Heiterkert.) Aber wir brauchen gar keine Hilfe, wir ruhen fest auf dem Boden des Vertrauens zu GeWerk, und Genossenschaften, das sich in den rasch wachsenden Mitgliederzahlen bekundet. Dieses Vertrauen macht unsere„Volksfürsorge lebensfähig und wird uns ermög- lichen. eine positive Leistung von größter sozialer Bedeutung zu vollbringen und ein neues Wahrzeichen der genossenschaftlich-gewerk- schaftlichen Selbsthilfe zu errichten.(Lebhafter Beifall.) Damit schließt die Besprechung. Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung: Das Musterstatut für Konsumvereine referiert S ch m i d t ch e n- Remscheid. Das von der Kommission ausgearbeitete Musterstatut ist vom Ausschuß, Vorstand und Kommission mit einer kleinen Aenderung angenommen worden, die den Grundsatz der Barzahlung schärfer betont. Dieses Musterstatut wird unter Ablehnung aller AbänderungS- antrage vom Genossenschaftstag einstimmig genehmigt. Nächste Sitzung: Mittwoch. »* Berichtigung: Der russische Delegierte Lentzky ersucht unS, richtigzustellen, daß nicht der Umsatz aller dortigen Vereine, sondern der des GenossenschaftSvevbandeS 12 Millionen Mark beträgt. Jener beträgt vielmehr über 200 Millionen. oitelbssche; aus dem„freien" Wien. Wer die Verhältnisse in den Kleinstädten kennt, weiß, daß eS wohl allerorts gewisse Personen gibt, welche kraft ihrer Geburt. Stellung oder anderer Umstände als Respektspersonen gelten, um welche sich höhere Beamte und sonstige in besseren Verhältnissen lebende Menschen gruppieren und so mit diesen die„tonangebenden Kreise" des Ortes bilden. Solch eine Respektsperson, die bei allen offiziellen und inoffiziellen Feiern und sonstigen Angelegenheiten obenan steht, glaubt sich natürlich alles erlauben zu können, was andere Sterbliche nicht dürfen, und keiner aller der Trabanten, die sich um sie geschart, wie der Sterne Chor um die Sonne, wird eS wagen, dem eventuellen Missetäter ernsthaft zu nahe zu treten. Eine solche Respektsperson ist der auch über die Grenzen Bad Nauheims hinaus bekannte Major a. D. Stamm daselbst. Trotzdem konnte er nicht verhindern, daß er am vorigen Donnerstag auf dem Anklagebänkchen des Schöffengerichts Bad Nauheim Platz nehmen mußte, und zwar aus folgendem Grunde: Am Ausgange des Stadtwaldes zum Felde sitzt auf einer der dort aufgestellten Bänke ein kleiner Landwirt und erwartet sein Fuhrwerk. Neben ihm sitzt sein Hund, den er an der Leine hat und vorsorglich am Halsband hält. Da naht eben jener Major, der dort Jagdpächter ist.„Wie heißen Sie, Sie haben Ihren Hund nicht angeleint," ruft er dem Bauern zu.„DaS brauche ich wohl nicht zu sagen," erklärte dieser ruhig, worauf jener von neuem nach dem Namen fragt, dann die Flinte herunternimmt, und sie mit den Worten:„Marsch! Zehn Schritt vor mir her! BorwärtS zur Polizei!" auf den ganz bestürzten Mann richtet. Zufällig kommen zwei Frauen des Weges, welche entsetzt davonlaufen, weil sie fürch- teten, der Major würde schießen. Die Folge jenes Vorfalles war, daß der Bauer einen Nervenchok erlitt, der mehrere Wochen ärzt- liche Behandlung und Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte. Auf ergangene Anzeige kam der Major a. D. aufs Bänkchen wegen Nötigungsversuchs und Körperverletzung. Ueber die Ver- Handlung selbst ausführlich zu berichten, würde zu weit führen. Es genügen einige Einzelheiten. Vor allem mußte dem unbefangenen Zuhörer sofort auffallen, daß sich der Amtsanwalt fortgesetzt bemühte, Unstimmigkeiten in den Aussagen des Hauptbelastungszeugen, nämlich des an seiner nach Aussage des Arztes an seiner Gesundheit schwer geschädigten Landwirtes zu finden. Obwohl die zwei Frauen unter Eid die Dar- stellung desselben fast genau bestätigt und insbesondere beide ge- sehen hatten, daß der Hund angeleint war. suchte der Anklag» Vertreter immer wieder daS Gegenteil herauszubringen. Warum? Um folgende Begründung der Anklage zu bringen:„Nach§ 127 Str.-P.-O. hat jeder, der einen Menschen bei einer strafbaren Hand- lung auf frischer Tat ertappt und sofern Fluchtverdacht vorliegt und seine Persönlichkeit nicht in anderer Weise festgestellt werden kann, das Recht, denselben zu verhaften und zur Polizei zu bringen. Wenn auch die Zeugen nicht gesehen haben, daß sich der Hund von seinem Besitzer entfernt hat. so liegt doch die Möglichkeit vor, daß er sich entfernt hat und nicht angeleint war, was einen Verstoß gegen die Polizeiordnung bedeutet, also eine strafbare Handlung darstellt. War das aber der Fall, dann hatte der Angeklagte das Recht nach§ 127 Str.-P.-O. die Festnahme vorzunehmen, sofern auf andere Weise die Person nicht festzustellen war. Der Ange- klagte hat mithin in gutem Glauben gehandelt. Nur hat er ver- säumt, vorher noch die beiden Frauen zu fragen, ob sie den Mann kennen, von denen eine denselben gekannt hat. Deshalb ist Strafe geboten. Ich beantrage unter Zuerkennung weitgehendster Milde- rungSgründe eine kleine Geldstrafe, deren Höhe ich dem Gerichte überlasse." So der Amtsanwalt. Glücklicherweise war der Ver- letzte als Nebenkläger mit einem Anwalt zur Stelle. Dieser machte darauf aufmerksam, daß Mörler, so heißt der Betroffene, ja gar keine strafbare Handlung begangen hatte, mithin auch die Boraus- setzungen des amtsanwaltlichen Aufbaues gar nicht zutreffen, daß serner gar keine Festnahme erfolgte, sondern eine schwere Bedrohung und Körperverletzung, daß der Anklagevertreter diese Körper- Verletzung, wegen der doch auch Anklage vorliege, ganz vergessen habe und fragt schließlich: Was würde denn geschehen, wenn etwa umgekehrt ein Fall vorkäme und der Hund wirklich frei umherliefe und der Angreifer vielleicht eben dieser Bauer oder gar ein Hand- werkSbursche feien, welche einem Kurfrenidcn eine Pistole mit den gleichen Worten vorhielten? Dann müßte der Amtsanwalt nach seiner Auffassung Freisprechung beantragen, selbst wenn der Kur- fremde infolge der Aufregung einen Herzschlag bekomme. Wenn dann Freisprechung erfolge, dann würde alle Welt rufen: Es gibt keine Gerechtigkeit. Das Urteil lautet auf 20 M. Geldstrafe. Was würde wohl der vom Nebenkläger angeführte Handwerksbursche er- halten haben? ver neue SchapIro-ProaeB. Darmstadt, 18. Juni. Die Stadt Mainz hat seit Frühjahr 1010 durch die Initiative unserer Genoffen im Sta-dtparlament eine Polizeiassistentin. Solche an und für sich segensreiche Neuerung hatte naturgemäß bald ihre offenen und stillen Feinde, nicht zuletzt in Kreisen, die„Jugendfürsorge" aus konfessionellen Nebenabsichten betreiben, und ganz besonders auch in jenen Zirkeln großer und kleiner Lebemänner, die sich bald in ihrer Jagdfreiheit bedroht sahen. Es kam zu Angriffen in der Stadtverordnetenversamm- lung, doch stellten sich diese als unberechtigt heraus. Nichtsdesto- weniger entwickelte sich.weiter eine starke Stimmung gegen die Polizeiassi st entill Frau Dr. Schapiro wie auch gegen den Beigeordnet en Berndt, dem das Polizeiwesen unter- stand. Der dabei üppig ins Kraut schießende Klatsch wurde dem Herausgeber des„Neuesten Anzeiger", H. Hirsch, zugetragen, der dann in einer Artikelserie die Amtsführung der Frau Schapiro und die Dienstaufsicht BerndtS scharf angriff. ES wurde der Polizeiassistentin vorgeworfen, ihre Maßnahmen in sittenpolizei- licher Hinsicht seien nicht allein ungesetzlich, sondern hätten für viele Mädchen und deren Familien großes Unglück gebracht. Diese Beschuldigungen waren mit Spitzen gegen den Beigeordneten Berndt wegen dessen angeblich nicht einwandfreien Lebenswandel garniert. Auf die Strafanzeige der Beiden kam eS am 13. Sep- tember v. I. zu viertägiger Verhandlung vor der S t r a f k a m m e r z u M a i n z, die den Hirsch wegen Beleidigung des Berndt und der Schapiro zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte. In dem Urteil wurde festgestellt, daß nur zwei Fälle von Lockspitzeltum vorgekommen seien, in denen die Assistentin ungeschickt vorgegangen war, sonst hätten die Artikel das Ansehen beider Beleidigten in frivoler und gehässiger Weise geschädigt, ein Schutz des§ 193 könne dem Angeklagten nicht zuteil werden, er selbst habe ja auch darauf verzichtet. Straferhöhend kam in Betracht die Schwere und Zahl der Angriffe, die Gehässigkeit, frivole Klatschsucht und Sensations- lust, die auch eine Lockerung der Beamtendisziplin herbeigeführt, Ehre, Gesundheit und Ansehen beider Personen schwer geschädigt hätten. Dem Angeklagten kam zugute, daß er daS, was ihm zuge- tragen, geglaubt habe. Da ein einheitlicher Entschluß zu beleidigen gegen beide Personen vorgelegen habe, sei nur auf eine Straf« zu erkennen. Auf die Revision des Verurteilten hat das Reichs- g e r i ch t das Urteil aufgehoben. Die Annahme einer einheitlichen Handlung in den Beleidigungen wäre unstatthaft; auch die Frage der Wahrung berechtigter Interessen hätte der gesonderten Prüfung bedurft; weiter sei das erstinstanzliche Urteil in zwei Fällen (Kimbel und Wagner) als unmittelbar auf Rcchtsirrtum be- ruhend zu beanstanden. Zur nochmaligen Verhandlung wurde die Sache der Straf- kammer in Darmstadt überwiesen, vor der heute eine Neu- aufläge des Prozesses, der schon soviel Staub aufgewirbelt hat, ihren Anfang nahm. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Nagel, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Bernhards, Vertreter der Nebenkläger Berndt und Schapiro sind die Mainzer Rechtsanwälte Cause, Pagenstecher und LowinKerger, als Verleidiger fungieren Justizrat Bernstein-München und Dr. Bopp-Darmstadt. ScitenZ der Anklage sind 108 Zeugen, von der Verteidigung 79 geladen. 11. Eeutlaloersmmlmg des Devtschtv TeMarbeiter- Verbandes. Stuttgart. 17. Juni 1912. Im großen Festsaal des Stuttgarter Gewerkschaftshauses be- gann heute die Generalversammlung unter Teilnahme von 126 De- legierten und der Vertreter des Vorstandes, der Redaktion, der Revisoren und des Ausschusses sowie von 3 Gauleitern. Vertreter der Bruderorganisation des Auslandes sind erschienen aus Oester» reich, Ungarn, der Schweiz, Frankreich. Danemark, Schweden. Holland und England. Verbandsvorsitzender Hübsch eröffnete mit einem herzlichen Willkommen die Generalversammlung, der er leider die traurige Mitteilung machen mußte, daß der Genosse Andersen, Vor- standsmitglied des dänischen Verbandes, auf dem Wege zur Generalversammlung plötzlich verstorben ist. Die Generalversamm- lung ehrte sein Andenken durch Erheben von den Plätzen. Nach den üblichen Begrüßungsansprachen gab der Berdandsvor- sitzende Hübsch den mündlichen Geschäftsbericht. Innerhalb der letzten zwei Jahre hat der Verband günstiger wirtschaften können als in der vorigen Geschäftsperiode, weil immerhin in einzelnen Zweigen der Industrie ein etwas günsti- gerer Geschäftsgang war. Das war in der letzten Zeit der Fall mit der Baumwollindustrie, während ein durchaus guter Geschäftsgang seit längerer Zeit in der Samtindustrie herrschte. Während der Vorstand in der vorigen Berichtsperiode einen Rückgang des Ver- bandes von 22 223 Mitgliedern vermelden mußte, kann er für die jetzige Geschäftszeit einen Ausschwung von 27 126 registrieren. Die gegenwärtige Mitgliederzahl beträgt 140 133, der höchste Stand, den der Verband jemals erreichte. Prozentual gegenüber der ric- sigen Gesamtzahl der Textilarbeiter ist die Organisation noch sehr schwach. Erfreulich ist, daß der Verband das VO. Tausend weiblicher Mitglieder überschritten hat und eS den Anschein hat. daß die zahlreich vertreten« weibliche Arbeitskraft allgemein sich auf- zulehnen beginnt. Zu den Schattenseiten der EntWickelung gehört die noch allzu starke Fluktuation im Verband. Hübsch berechnet aus den verein- nahmten Eintrittsgeldern, daß in der Berichtszeit 87 636 Mitglieder aufgenommen wurden. Daraus spricht zwar eine recht gute Agi» tation, aber auch die Tatsache, daß der Verband nicht die Mög- lichkeit hatte, alle Aufgenommenen zu halten. Der Verband müsse also auf Mittel und Wege zur Hemmung dieser Fluktuation sinnen. Dem Verbände ist es bis jetzt gelungen, 3153 Mitglieder zu gewinnen, die in den Beitragsklassen der Jugendlichen zahlen. Hübsch erörterte die Mittel und Wege, die zur Aufklärung und Ge- winnung der Jugendlichen angewendet wurden und fernerhin sich nötig machen. Zur Werbung von Mitgliedern im allgemeinen hat der Vorstand weniger mit großen Versammlungen und Flug- blättern gearbeitet, sondern durch zweckentsprechendes Agitations- Material und durch Direktiven mit sachlichen Anleitungen an die Gau. und Ortsvorstände. Redner ging dann auf die Tätigkeit des im Hauptvorstande geschaffenen T a r i f a m t e s ein, das den Zweck hat. Tarife aus den einzelnen Bezirken zu sammeln und Übersicht- lich zu ordnen, um an der Hand dieser Aufstellungen den em- zelnen Orten, die in eine Bewegung eintreten wollen, Ratschläge erteilen zu können. Als ein sehr wirksames Propagandamittel wandte der Verband Branchenkonferenzen an. So habe z. B. die wohlvorbereitete Tucharbeiterkonferenz in Thüringen wirk- lich etwas erreicht. Es fanden weiter Konferenzen für die Plüsch, und Teppichweber und für die Posamentiere statt. In bezug aus Streiks und Lohnbewegungen hat der Verband in den letzten Jahren nicht ungünstig abgeschnitten. Redner nannte die auf die Bewegung bezüglichen Zahlen, die wir bereits zur Hauptsache im Vorbericht brachten. Im Laufe der letzten Geschäftsperiode hat der Verband fast mit sämtlichen Be- trieben der Jutefabrikation im Kampfe gestanden. Dann ging der Referent näher auf das Unter st ützungS» Wesen ein und wies nach, daß wider Erwarten die Arbeitslosen- Unterstützung mehr Aufwendungen für die Frauen als für die Männer erfordert. Dasselbe ist aber in noch viel stärkerem Maße bei der K r a n k e n u n t e r st ü tz u n g der Fall. DieS ist eine Entwickelung, die den Verband ohne weiteres zwingt, sein beson- deres Augenmerk darauf zu richten. Zum Schluß mng Hübsch auf Veränderungen in der Gaueinteilung und im Geschäftsführer- wesen ein. In der Nachmittagssitzung erstatteten der Hauptkassierer Zeh ms(die wichtigsten Zahlen siehe im Vorbericht), der Redak- teur W a g« n e r. der Ausschußvorsitzende V e t t e r l e i n und der Vertreter der Revisoren N l e me tz-Berlin ihre Berichte. Die darauf einsetzende Debatte wurde, nachdem vier Redner gesprochen, auf Dienstag vertagt. «IttterungvüberNcht vom 18. Juni 191«. Etattonen Iwinemde. Hamburg Berlin Franks.a.Ad München Wien E„ LZ ü 761«NW 76ÄWSW 763.» 763S» 766« 765» Settel wolkig bedeckt 2 bedeckt Nebel bbedeckt 3 bedeckt 1* 11 10 10 13 15 15 Etattonen Haparanda Petersburg Icilly Aberdeen Part» 761 757 763 756 ® SSW WS» SSO 766 SW Setter »bedeckt 1 Nebel ».bedeckt 3Regen 2cheiler t* 9 13 13 10 17 Wetterprognose für Mittwoch, den 19. Juni 191«. Kühl und vorwiegend trübe mit Regensällen und ziemlich frischen westlichen Winden. verltner Wetterbare«» WasserstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, TIlfi« P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor „ Krassen . Franliurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elb«, Leitmeritz , Dresden , Berby » Magdeburg ') bedeutet Wuchs,— Fall.—>) Unterpegel. Kraft-Rolwein � Uo. 2.oo biachnhmnn�cn bitte zarUckznwelscn. Käuflich in Apotbekon, Drogerien und Delikatessen• Qoschäften. Um sieh vor Infektionskrankheiten zu schützen, trinken die Völker des Südens Wasser nicht ohne Zusatz von Wein. Daß das Volksbewußtsein richtig ist, haben unsere Gelehrten durch Versuche bestätigt. Durch Vermischen gleicher Teile gewöhnlichen Trinkwassers mit Wein wurde die Zahl det Infektionskeime zu•/« vernichtet, nach kurzer Zeit sogar vollständig, so daß nach dem Bericht l- 1 des Dr. Mfg. Wasser durch Weinzusatz absolut keimfrei wurde..»......>..j.. Sei Darmkatarrh, JXagenverstimtnnng Santa Sncia Todes-Anzeigen SojialSemoErnt. Wahlvcrein für den 4. Berliner Rcichötags- «Sahlkreis. LSelitree Viertel, öerirlt 20S I. Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Genosse, der Handels- mann Ksi»! Schultz (Reicheub erger Str. 91) gestorben ist Ehre seinem Ülttbcnfen! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Kirchhoje der Martha- Gemeinde in Ahrensfelde von der Halle aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/6 Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiter-Verband.| Zweigverein Berlin. Am 15. Juni verstarb imfer j Mitglied, der Maurer tteinrick Meier (Bezirk Moabit). Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet h e u t e I Mittwoch, den 19. Juni, vormittags l 10 Uhr. von der Halle des neuen St. Johannis- Kirchhofes in| Plötzcnsee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 140/4 Der Borstand. Zentral-Verband der Handlungsgehilfen. Bezirk Grost-Berltn. Am Montag, den 17. Juni, verstarb unser Kollege (Zustsv kottctier. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 20. Juni, nach. mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Lvchener Straße 29 aus nach dem Kirchhos der St. Georgen« Gemeinde in Weißensee, Rölcke- straße, statt. Rege Beteiligung erwartet 292/12 Die OrtSverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband.! Bezirksverwaltung GroS-Beriin. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Kollege, der Hausdiener j Albert Galonsky am 16. d. MtZ. im Alter von 48 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 19. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr von der Leichen- halle deS BartholomäuS-KirchhofeS in Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 64/16 Die Bezirksverwaltung Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale GroB-Berlln. Durch den Tod ist uns einer unserer Mitkämpfer, der Kollege loidwix Bischof Weißensee (von der Kanalisation) entrissen worden. 34/13 Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet heute Mittwoch, den 19. Juni, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Gemcindc-FriedhoseS w Weißens« aus statt. Die Ortsverwaltung. Telleiuut�elzxe. Am 17. d. Mts. starb nach langem schweren Leiden mein innig ge- liebter Mann, unser guter Binder, Schwager und Onkel, der Schrift- setzer IgA Emil Jüngling im Aller von 46 Jahren. DieS zeigen, um stille Teilnahme bittend, tiesbetrübt an Huiiia Jüngling, als Gattin, Adolf, Emma, Berta Jüngling, Geschwister. Die Beerdigung findet am Don- nerstag, den 20. Juni, nach- mittags 5 Uhr, vom Gemeinde- Friedhos in Weißensee aus statt. �iscdrii?. Hiermit allen Freunden und Bekannten zur Kenntnis, daß mein ieber Sohn, unser Bruder und Schwager, der Mechaniker Wilhelm Teublef am 9. Juni 1912 infolge Absturzes von der Dreitorspitze tödlich vir» unglllckt ist Die Beerdigung fand, dem Wunsche des Verstorbenen gemäß. tu Partenkirchen am 14. Juni statt. Aug. Tcnbler, Witwe, 4bB Charlottenburg. Zenhal-Vertjand der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 25. Nachruf. Den Kameraden zur Nachricht, daß unser Mitglied Gustav PapeufuK am 9. d. M. verstorben und am 113. d. M. beerdigt worden ist Ehre seinem Andenken! »254/12 Der Vorstand. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Emina Dickel sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Wahloerein Lichtenberg, den Kollegen der Möbel- sabrik Merkur, der Konirollkommisfion deS Deutschen HolzarbeitervcrbandeS, Bezirk Oesuiche Vororte, meinen herzlichsten Dank. 55A Albert Nickel. Dunh. Für die liebevolle Teilnahme bcimsHinscheiden unseres geliebten, unvergeßlichen Sohnes, Bruders. Schwagers, Onkels und CoufinS Hermann Grimm sagen mir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Besonderen Dank Herrn Stadtverordneten Schulz für seine frostreichen Worte, dem Gesangverein.Harmonie" für die erhebenden Gesänge, als auch für den reichen Blumenschmuck. Gleichen Dank auch dem Sozial- demokratischen Wahlvcrein des dritten Berliner Reichstagswahl- lreiscS für die letzte Widmung ihres FreundeS und Genossen und zahl- reichesGelcite zur letzten Ruhestätte. Dir aber, teurer Entschlajener, rufen wir ein.Habe Dank" und .Ruhe sanft" in Deine stille Gruft nach. Plauen i. Vogtl., 11. Juni 1912. Rosa Richter geb. Grimm im Namen aller Hinterbliebenen. Danksagung. Sage hiermit allen Teilnehmern bei der Beerdigung meiner lieben Frau Uftinns Balzen insbesondere meinen Kollegen und den Mitbewohnern des HauseS unseren herzlichsten Dank. 3öA Karl Balzer nebst Kindern. Krankenkasse der Fersonen- Lotinluhrwerks-Innung zu Berlin. Bekanntmachnng. Am Donnerstag, den 27. d.M.» abends 3 Uhr findet im»Prälaten-, Wappensaal, Dircksensttaße, Stadt- bahnbogen 110, eine Didenti. General-Versammlung der Delegierten statt. 276/11 Tagesordnung: 1. Abcndö S Uhr für die Arbeit- nehmer i Neuwahl für ein aus- geschiedenes Vorstandsmitglied durch Arbeitnehmer, 2. Abends 8'/i Uhr: a) Wahl der RechnungsprüsungS- Kommission, d) Abnahme der JahreSrechnung für 1911. Wahlberechtigt find alle diejenigen, welche das 21. Lebensjahr vollendet haben oder für großjährig erklärt sind, sich Im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und bei einem JnnungSmitglicde beschästtgt find. I. A.: G. R o s e, Vorsitzender. Haben Sie Llott-' Ich hrtiai; davon Anzug od. Paletot rttge M nss, schick. Jauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade 8, U.{Sladib. Bort.) Zentralverband der Zimmerer ■ Zahlstelle Berlin und Umgegend.. Donnerstag, den 20. Juni, abends 8� Uhr, i« der„Alhambra", Wallner-Theater-Straße 15: Hllaemelne Mgiieäer- Versammlung. Tagesordnung: i.„Staatshilfe und Selbsthilfe." Ref.: Genosse Dl. Dudelt Dseitscbeid. 2. Bekanntmachungen. 254/11* An alle im Berliner Lohngebiet beschäftigten Verbandsmitglieder richten wir hiermit das Ersuchen, in dieser Versammlung zu erscheinen._ Der Vorstand. I» !tl Verwaltung Berlin. MgNeüer'Versammlungen Bezirk Schöneberg. Donnerstag, den 20. Juni, abends«'/, Uhr, in de« Rene« Rat- Haus-Säle». Martin-Lutherstr. 00. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wendel über:»England, Land und Leute". 2. Bericht von der Generalver|ammlung. S. Verbands- angelegenhetten._ Korbmacher! Heute Mittwoch, den 10. Juni, abendS 8'/, Uhr, im GewerkschaftShauS. Engelufer IS. Saal 4(Arbeitslosensaal). Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu einer allgemeinen Korbmacher- konserenz. 2. Branchenangelegcnheiten. 3. Verschiedenes. MssvkmsnsR'Azsrten. Heute Mittwoch, den 10. Juni 1012, abendS 8'/, Uhr, in de» Prachtsiilen»Blt-Berlin". Blumenftraste 10 i Vertrau ensiuänner-Versammlttttg. Tagesordnung: 1. Die Unfallgefahre« in der Holzindustrie. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Sonntag, de« 23. Juni 1912, vormittags 10 Uhr: Eröffnuilgsfkitt der Nllllder-Anostelsnnsi im Gewerkschaftshaus» Saal 1. Zahlreiche Beteiligung erwartet»Iv Kommission. Achtung! Die Bibliothek wird im Juli zwecks Inventur ge» schloffen. Alle Bücher müssen bis zum SO. Juni eingeliefert werden. 85/9 Die OrtSverwaltung. Mittwoch, den 20. Juni. abendS 8'/, Uhr, in XrapPS KeftsSlen (Jnh. M. Gamm, Tegel), Bahnhosstr. 1: AlißkmdeMcht Gcilttlll-Nersllmmlllng. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über Grundstückserwerbung. 2. Vereinsangelegen- Helten. 105,4 Der Aufsichtsrat des Konsumvereins für Tegel u. Umgegend, Eingetragene Genossenschaft mit beschrankter Haftpflicht U. Rarndt, Vorsitzender. leittralonM d» MWiiißen°>d Scher foniit Sttiifsgcnofftn DtilWimds Sonntag, de« 2S. Juni 1012, vormittags 10 Uhr, im grossen Saal des GewerkschastShauses zu Berlin, Engeluscr 15: Kombiuierte Mitglieder-Versammlung folgender Zahlstellen: Berlin, Charlottenburg, Jriedrichshagen, Herzfelde, Kallberge, Köpenick, Königswusterhausen, Körbis- krng, Nowawes, Oberschöneweide, Spandau, Velten. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl des BerbandSvorstandcS und der Preßkommission 2. Zusammenschlug der Zahlstellen zu einer Geschäftsstelle Groß-Berlin. 3. Verschiedenes. 145/17' — JUtjfllcdBbneh legitimiert. Um starken VersammlungSbesuch wird gebeten. Ger Verbandsvorstand. Zabnarct Freund,»oIÄVeo. Sprechzeit 8—8 abends.• Schmerzlos. Zahnzich.. Plomb., Gebisse billig. Behandl. all. Kassenmilgliedcr. Unbem. u. Arbeitslose Bch. unealgeltl. Rxtra.�ktellniig 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- BBj StraBe 37a(2. Haus von der f Jerusalemer StraBe). III. Gesch.: Berlin NO., GroBe Frankfurt. Str. IIS(2. Haus j von der AndreasstraSe). | Sehrgr.Äusw.fert. Kleider, I : Hüte, Handschuhe, Schleier |etc. v. einfachsten bis zum I | hochelegant.Genrez.äußerstj niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: Jlallanfertlgang in 10 bis 12 Stunden. Teclmiknm Hoppe, Mathieustraste 13. Prospekte gratis. 204/15* Arbeitsnachweis: S°I I. Amt Norden, Nr. 1239. Vemltulfslelle Berlin Charitestrasse 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1987. Donnerstag, de» SV. Juni ISIS, abends VV, Uhr: = Prrsammlung« loMMLklW gr.TrankfürterStr.llS. llo! SiliSt lies Ssiil-taeMs Nur Neuheitenl _/ Abteilung I Ulli! mi Kliidü Jetzt: Loden..IS. 18, 23 dl» 4« Kimmg. 15,20, 27 bis 70 Leinen.«.», 12 bl» 45 Fbautas. 7*1,. 10 IS bis 42 Abteilung II Häntel Jetzt: lod.lP3pt!lnt lO.fJ.1 8 b. S8 Kamme..12,15 22 b. VO Lsls«. Voll«. 13,18,25 b. 80 Ulster... 7. 10. ,2 b. 4 5 lz Zurückgesetzte Konfektion! Nu- vormlttaga! Mäntel früher bis 75.—.,,.. letzt M. 18,— Ulster(rüber bis 56.—..... letzt M. 12.— Kleider früher bis 66.—..... Jetzt M. 10__ Rücke früher bis 25.—..... jetzt M. 7'/, Passende StUoke IQr s ärksls Figuren In allen Ableilungenl Sonntag acOIlnet 8—10 vormittag». der Metallfchleifer, Galvaniseure u. Hilfs- arbeiter und-arbeiterinnen in den Alrminhallen, Kommandantenstr. 68/59(großer Saal). Tagesordnung: 1. Jahresbericht.— 2. Neuwahl des BranchenvertteterS und der ge- samten Branchenkommission.— 3. Verbandsangelegenheiten u. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. ==- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 119/8 Die OrtSverwaltung. DcuWr TruiisplirtiirbM- Uerbilnd. Gewerkschaftshaus. Bezirk Groß-Berlin. Engelnfer 14/13 II. VM Achtung! Achtung l Ksilegtll Kutscher, Mitfahrer, Stalleute u. Arbeiter aus den Kau- u. Arbeits-Fuhrwerksbetriebeu o. Groß-Kerli«! Donnerstag, den SO. Juni ISIS, abends 8'/, Uhr, in der Neuen Philharmonie, Köpenickerstr. 96/97: Krauche»- Uersamminng. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommisfion über die stattgefundenen Berhandlunaen mit den Vertreter» der Fuhrherren." 2. Diskiistion und Beschlußfassung.— S. Branchen» und Verbands» angelegenhetten. MF~ DaS Berbandsmttgltedsbuch muft am Eingang deS Gaaies zur Kontrolle vorgelegt werde». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt zur Versammlung. 64/17 vi« Branchenlcitang. 2kissrfellunrf deufscher Konsum? J Vereine lft-30. Juni 1913. C ROU Geöffnet von lOührVfcna bi»ÖUUr> Heute: Kousfiert. VorwärtS'Bibliothek Eine Sammlung volkstümlicher Romane and Erzählungen Soeben neu erschienen: Band Q Der Ausweg Erzählung von Ernst Preczang Preis; gebunden 1 M. Band I Erweckt Roman aus dem Proletarierleben von A. Oer Preis: gebunden 1,25 M. Buchhandlung Vorwärts Ltad(eLaden)e 69 ffißfcvpßiuw ' AHtfielftflPtuf Atutf nn' nc... � vnwMvf 44»4?4l kHtCt&htUCili Theater. fünf Mittwoch, den 19. Juni 1912. Nnwnq 7'/, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Der große König. Prater. O diese Berlwer. Aniang 8 Ubr. Kgl. Opernhaus. Mignon. Urania. Im Lande der Mllter- nachtssonne. Kpmiiche Oper. Heiligenwald. MniggriiNcr Strahe. Die Fianlsurter. 51ursurstr»oper. Der Tanzanwalt. Reuee. Der liebe Allgustin. Residenz. Alles für die Firma. Berliner. Gioße Rosinen. Schiller O. Nachruhm. Schiller. Charlotteiidura« Die Lokalbahn. Die Medaille. Neues Operetten. Der Kongreß von Sevilla. Thalia. Autoliebchen. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Merro>>»l. 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Abends 8 Uhr: Der liebe Augustl«. Operette von Leo Fall. Ideater des Westens Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwant in 3 Akten von M. Hennequln und G. Mitchell. Morgen u. folgende Tage: RlleS für die Firma. Ab 3 Uhr IIg8 Iggö8gö8psSliIl Mrcü! 10 große AttlMouen. Kan'aycttes Wunderhunde. Paul Beckers. Metropol'-flieater. »M& Phantastisch mufikalische Komödie in 3 Akten aus dem Englischen völlig frei bearbestet von I. Freund. Mustt von R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr: Rauchen gestattet. OnigstalMazlno. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstr. Täglich: Theater und Variete. Ansang wochentags 8, Sonntags S Uhr. Vom 18. Juni bis 1. Juli: llrhlass. SpoeialltSIen u.„Rosen a. d. Süden", gr. Operettenburleske IOSE-THEATE Große Franksurter Str. 132. Ansang 3 Uhr. Bilanzen des Lebens. DOT* Aus der Gartenbühne:~9(S Zum 25. Male: Die große Revue i Juhut Es ist erreicht. 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UN den für Spandau die Abteilungsversammlungen in folgenden �.okalen statt: Erste Abteilung bei Madetzki, Bismarckstr. 8; zweite Abteilung bei E. Schubert. Kurstr. 21; dritte Abteilung bei G. Borchardt, Seeburger Str. 26. Tagesordnung in allen Ver- sammlungen: 1. Jahresbericht der Abteilungsführer. 2. Neuwahl derselben und der BezirkSsührer. 3. Vorschläge zur Besetzung des Vorstandes und der Kommissionen. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Berliner I�admcdten. Altberliner Irrenhäuser. Die ersten Nachrichten über die Berliner Jrrenpflege reichen nur bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Tamals wurden die Irren in dem an der Waisenbrücke be legenen allgemeinen Armenhause, dem Fnedrichs-Hospitale, zusammen mit Armen und Waisenkindern verpflegt. Im Jahre 1711 verlegte die unter dem 3. April 1699 ernannte „Königliche Kommission des Armenwesens" die Irren in das bei dem Dorotheen-Hospital vor dem Königstor befindliche Armen- und Krankenhaus, wo sie bis 1728 verblieben. Dann bezogen sie das dem Armenwesen zugefallene, zu einem Irren- und Arbeitshause umgebaute Haus in der Krausenstrasie des ohne Erben gestorbenen Kaufmanns Ernst Gottlieb Faber. Auch arbeitssckzeue, vagabondierende Personen wurden dort hin gebracht und namentlich zum Wollespinnen angehalten. Später kaufte man ein Haus auf dem Hintergrundstück an der Schützenstraße an, das aber bald abgebrochen wurde. Es entstand an derselben Stelle ein Garten mit einer Mauer. Zu beiden Seiten des Hofes waren sogenannte„Dollkästen" für tobsüchtige Irren angelegt. Nach Zerstörung dieses Irren- Gefängnisses durch eine Fcuersbrunst kamen die Insassen teils nach der Charitä, teils nach dem Arbeitshause in der König- stadt. Es war damals schon die Erbauung eines eigenen neuen Irrenhauses auf der Wiese bei der Eharits in Aussicht genommen. Eine Königliche Verordnung bestimmte jedoch den Ausbau des an der Waiseit'brücke in der Wallstraße be- legenen ehemaligen Splittgerberschen Zuckcrsiedereigebäudes zu einem Hospital, wodurch die Charitä entlastet und ihr die Aufnahme sämtlicher Irren aus Berlin ermöglicht wurde. Im Jahre 1899 wurde die Königliche Kommission des Armen- Wesens aufgelöst, das Armenwesen ging auf die Stadt- gemeinde über. Nach mehrjährigem Streite entschied der Kultusminister, daß gefährliche, unheilbare und arme Ber- liner Geisteskranke unentgeltlich in der Charit� zu verpflegen und nur die harmlosen Kranken der Stadt zu überweisen feien. Dementsprechend bestimmte die Armendirektion, daß in das Hospital des städtischen Arbeitshauses nur„Blöde und Schwachsinnige gutmütiger Art" aufgenommen werden sollen. Trotzdem war der Raummangel nach wie vor fürchterlich, eine eigentliche Jrrenpflege, die ja heute so gewaltige Fortschritte gemacht hat, gänzlich ausgeschlossen. Zudem stand das Wissen der Irrenärzte auf einem äußerst niedrigen Niveau. In den vierziger Jahren entschied man sich dahin, das Schuld- gefangenenhaus am Äleranderplatz mit weiblichen Irren zu belegen und das Arbeitshaus durch Fortnahme der geistesgesundcn Hospitalisten zu entlasten, so daß also auch hier nur Irre blieben. Aber schon im Jahre 1859 erwies sich abermals eine Aenderung als notwendig. Sämtliche Geistes- kranke sollten das Hospital Wallstraße 55, das von nun an „Städtische Jrrenverpflegungsänstalt" hieß, beziehen. In diesem für seinen neuen Zweck sehr wenig geeigneten ehe- maligen Fabrikgebäude konnten aber nur 294 Kranke unter- gebracht werden. Es mußten deshalb 79 überzählige Pa- tienten in der alten Jrrenstation des Arbeitshauses bleiben. Den Mvicrigen Raumverhältnissen gesellten sich neue Geld- strcitigkeiten zwischen Charits und Stadt hinzu. Die Zahl der polizeilichen Ueberweisungen wurde immer größer, und die Stadt weigerte sich, derartige Kranke in ihre für frische Fälle erst recht ungeeigneten Verpflegungsstationen aufzu- nehmen. Am 1. April 1863 genehmigten die Stadtverord- neten, daß die früher von den Irren benutzten Räume des Arbeitshauses zu einer besonderen Anstalt für männliche Irre nnd Epileptiker eingerichtet würden, während die Anstalt in der Wallstraße nur für weibliche Irre dienen sollte. Auch das war bei dem rapiden Steigen der Zahl der Geisteskranken nur Stückwerk. Einigermaßen bessere Verhältnisse traten erst mit der Eröffnung der ersten- städtischen Irrenanstalt in Dalldorf im Jahre 1881 ein, die damals als etwas Groß- artiges gerühmt wurde und bekanntlich heute schon wieder ein gänzlich veralteter Typ ist._ Die städtische Kunstdcpiiti'tio» tagte gestern unter Borsitz des Oberbürgelineislers. Gegcnslaild der Tagesordnung war unter anderem der Ankauf von Gemälden bezw. die Erteilung von Epren- preisen in der Ausstellung der Sezession 1912. Die Stadt Berlin stellt für diesen Zweck bekannilich sowohl für die Große Berliner Kunstausstellung wie die Sezession alljährlich eine Sunime zur Ver- sngiing. Die Bedingungen, welche die städtische Kunstdeputation hierfür ausgearbeitet hat, sind von den Volständcn der beiden Künstlerverelnigungen angenommen worden. Demgemäß tritt in jedem Jahre eine von der JVunstdeputation ausgewählte Kommission zur Erfüllung obiger Zivccke zusammen. Der Komniiision gehören an der Oberbürgermeister, der Bürgermeister, ver- schiedcne Mitglieder der Kuiiudeputation, die zum Teil dieser als Stadtverordnete, zum Teil als Bürgerdeputicrle angehöre»; unter letzteren befinden sich Künstler, welche deni Voistandc der Sezession und dem der Großen Berliner Kunst- ausstellung angehören oder diesen Vereinigungen nahestehen. Der Bürgermeister, der niit den beiden Vereinigungen den Tag für den Besuch der Kommission vereinbare» sollte, ließ bei der Sezession anfragen, ob dem Vorstände der Besuch der Kommission an einem bestimmtcir Tage angenehm sei. Darauf ist der Kunst- deputation von dem Vorstande der Sezession schriftlich mitgeteilt Worden, daß ihm der Besuch der Kommission an dem betrefsendcn Tage sehr willkommen sei, daß es ihm jedoch unmöglich sei, den Bürgermeister Reicks nach den Vorgängen— diese sind durch die Er- örterungen in der Presse bekannt— in ihren Räumen zu empfangen. Die Kunstdeputation hat daraufhin gestern beschlossen, dem Vorstand der I Sezession zu antworten, daß sie den betreffenden Brief empfangen und von seinem Inhalt Kenntnis genommen habe, und daß sie es r bedaure, daß es ihr danach zurzeit unmöglich sei, die Ausstellung zu 'besuchen und eine Auswahl wegen des Ankaufs oder der Erteilung von Preisen zu treffen. Des weiteren berichtete Geheimer Baurat Hoffmann über eine Aenderung der Fahnen und Wappen der Stadt Berlin. Die Kunfi deputation ist vom Magistrat ersucht worden, hierzu sich gutachtlich zu äußern. SQie Deputation hat den Maler Döblein beauftragt, ihr verschiedene Entwürfe anzufertigen. Diese lagen gestern vor und fanden im allgemeinen die Zustimmung der Kunstdeputatton. Diese wird nunmehr beim Magistrat entsprechend berichten. Nach diesen Entwürfen ist in Aussicht genommen, die Fahne so einzuteilen, daß der breite weiße Mittelstreifen von zwei schmaleren roten Streifen eingefaßt wird. Ungefähr in der Mitte des weißen Feldes ist der Berliner Bär, über dem die Mauerkrone schwebt, in heraldischer Form angebracht. Schaudervoll, höchst schaudervoll I Der Osthafen am Stralauer Anger, nahe der Oberbaumbrücke, geht seiner Vollendung entgegen. Die Speicher stud im Rohbau so weit vorgeschritten, daß ihre Fertigstellung und Abnahme im Herbst mit Sicherheit zu erwarten steht. Nunmehr soll noch ein großes Benzinlager mit einer Fassungskrast von einer Million Liter dort errichtet werden, darunter 6 Behälter mit je 60 000 Liter, 8 Behälter mit je 25 000 Liter und 22 Behälter mit je 20 000 Liter. Die Kosten für diese Anlage sind mit 445 000 M. vorgesehen. Bei der Anlage und Lagerung wird das bekannte System der Firma Martini u. Künecke, Hannover(Oelverschluß), zur Anwendung kommen. Ein großes Straßenbahndepot für die städtischen Straßenbahnen soll nun auf dem städtischen Gelände an der Urbanstraße gegenüber deni Urbanhafen erbaut werden. Daß große, vom Planufer, der Urban- und Geibelstraße sowie der Straße Am Urban eingeschlossene Bauqnartier soll zur befferen Ausnutzung ringsum mit Wohnhäusern und einem Dienstgebäude besetzt werden. Auf dem inneren Grund stück können nach Aushebung der den Baublock durchschneidenden Straße 14L, Abt. II vier große Wagenhallen für 120 Wagen er- rilbtet werden. Später können diese Hallen durch Aussetzen von Geschossen nach Bedarf erweitert werden. Werkstätten usw. sind vor gesehen für kleinere Reparaturen, größere sollen im Depot in der Kniprodestraße ausgeführt werden. Die Baukosten sind mit 682 000 M. veranschlagt. Mit dem Bau soll möglichst bald be gönnen werden, um die beschlossenen städtischen Straßenbahnen nach dem Dönhoffplatz usw. in Angriff nehmen zu können. Ladenschluß an Sonn- und Festtagen. Der Polizeipräsident gibt bekannt:„Es ist wie es scheint den hiesigen Geschäftsinhabern immer noch nicht genügend bekannt, daß nach der Entscheidung des Reichsgerichts vom 29. Juni 1995 an Sonn- und Festtagen die Käufer bis zum Laden schluß der Verkaufsstellen bereits verlassen haben müssen und ein Ausbedienen der vor Ladenschluß eingetretenen Kundschaft nicht zulässig ist, und daß auch die Angestellten pünktlich zu ent lassen und nicht etwa nach Ladenschluß noch mit Abrechnen. Aufräumen oder sonstwie beschäftigt werden dürfen. Die Geschäftsinhaber und deren Stellvertreter haben für pünktliche Jnnehaltung der zugelassenen Verkaufs- und Bcschäftigungs zeiten an Sonn- und Festtagen Sorge zu tragen. Die Exekutivbeamten sind neuerdings angewiesen worden, streng auf etwaige Zuwiderhandlungen zu achten und jede lieber tretung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Der Gattenmörder Zinke hat von Leipzig aus an einen Be> kannten in der Flottwellstraße und einen Gastwirt in Gransee Briefe gerichtet, in denen er seinen Entschluß kundgibt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Seine Tat bereue er aufrichtig, obwohl er durch seine Frau maßlos gereizt worden sei. Die Briefe sind in dem Bestellbezirk des Postamts 2 in Leipzig zwischen 8 und 9 Uhr aufgegeben worden. Die Polizei glaubt nicht recht an die Selbstmordabsichten des Zinke, ist vielmehr der Ansicht, daß er die Behörden absichtlich durch die Briefe irreführen will. Die Polizei sahkidet deshalb auch weiter auf den Gattenmörder, der möglicherweise nach Berlin zurückgekehrt ist, und hat zu diesem Zweck lO Kinematographenlhealer in ihren Dienst gestellt. In diesen wird durch den Film die reproduzierte Photographie des Zinke einem größeren Publikum vorgeführt werden.— Die Auffindung der Leiche eines etwa SOjährigen Mannes in den Anlagen von Grünau gab gestern abend zu dem Gerücht Anlaß, der Galtenmörder Zinke habe durch Selbstmord geendet. ES konnte aber bald festgestellt werden, daß der Tote mit dem gesuchten Mörder nicht identisch ist. Auf der Straßenbahnlinie 8 sGrunewaldring) wird von jetzt ab dauernd in den Nachmittags- und Abendstunden ein Siebenminut«n- verkehr eingerichtet werden. Das unvorsichtige Umgehen mit einer Schußwaffe hat wieder einmal Unheil angerichtet. In Hohen-Neuendorf benutzte gestern nachmittag ein Sohn des Zimmermeisters Böhm ein Teicking, um noch Kaninchen zu schießen. Unvorsichtig stellte er dann die Waffe, ohne sie zu entladen, so hin, daß sie jedermann zugänglich war. Sein jüngerer Bruder, ein Knabe von acht Jahren, nahm sie nun und hantierte damit in Gegenwart seiner elf Jahre alte Schwester Charlotte, weil er nicht wußte, daß sie geladen war. Plötzlich krachte ein Schuß und die Kugel traf das Mädchen in den Kopf. Die Un- glückliche brach schwer verletzt zusammen. Ein Arzt in Hohen- Neuendorf legte ihr einen Notverband an und ließ sie dann nach Berlin in die CharitS bringen. Ein geisteskranker Mann erregte gestern abend auf dem Hockeschen Markt großes Aufsehen, indem er sich in einem Tobsuchtsanfall die Kleider zerriß und vom Leibe zog. Der Unglückliche wurde fest- gestellt als ein 30 Jahre alter Gustav Nitschke aus Salzbrunn. Die Polizei brachte ihn nach Herzberge. Wo er gewohnt hat, ist noch nicht bekannt. In der Maske eines Juristen tritt ein Paletotdieb auf, der es auf die Pensionate abgesehen zu haben scheint. Zuletzt erschien er. um ein Zimmer zu mieten, in einem Pensionär im Zentrum der Stadt und spiegelte den Leuten vor, daß er nach Berlin gekommen sei, um das Assessor- oder Referendarexamen zu machen. Sobald sich ihm eine Gelegenheit bot. verschwand er wieder und nahm den Ueberzieher eines anderen Gastes mit. Der«Spezialist", vor dem gewarnt sei, ist etwa 22—23 Jahre alt. mittelgroß und schlank und bat dunkelblondes Haar, das er gescheitelt trägt, einen kleinen dunkelblonden Schnurrbart, ein frisches gebräuntes Gesicht und eine Stulpnase. Trübe Sittenbilder wurden gestern in einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht der königliche» Kommandantur entrollt. Unter der Anklage der Zuhälterei halte sich der Matrose Kehmer zu ver- antworten. Einige Zeit vor seiner Einstellung zur Marine lernte der Angeklagte in einer Gastwirtschaft mit Damenbedienung in der Linienstraße die Kellnerin Lina Schmidt kennen. Da die Sch. der ge- werbsmäßigen Unzucht nachging, legte die Anklage ihm zur Last, dies in eigennützigem Interesse ausgenutzt zu haben. Die als Zeugin' vernommene Schmidt bekundete, sie habe längere Zeit hindurch dem Angeklagten fast täglich zwei, drei und auch fünf Mark gegeben. K. pflegte in einem Vonillonkoller zu sitzen und dort das Geld durchzubriugen. Es kam auch vor, daß der Angeklagte die Sch. schlug. In einem anderen Falle beobachtete der Matrose die Geliebte am Arme eines anderen jungen Mannes. Er ging mit mehreren Bekannten auf die beiden zu und der Be- gleitet wurde nun mit Gummischläuchen bearbeitet, während die Sch. die Flucht ergriff. AIS das Mädchen dann im Krankenhaus lag, ging der Angeklagte mit einer anderen, und man schrieb ihr nach dem Krankenhaus, K. bekomme jetzt 15 Mark und mehr. Später verfolgte er sie dann wieder auf Schrltt und Tritt und eines Abends habe sie in der Wut Sittenbeamte auf den Angeklagten aufmerksam gemacht. Nachher habe es ihr aber wieder leid getan. Der Vertreter der Anklage war der Ansicht, daß derartige weiße Sklavenhalter nicht Hort genug bestraft werden könnten; er beantrage sieben Monate Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Das Gericht gelangte jedoch zu einem freisprechenden Urteil, weil die Schuld nicht voll und ganz im Sinne des Gesetzes nachgewiesen sei. Gram über den Tod seiner Geliebte« hat den 25 Jahre alten aus Neu-Lewin gebürtigen Friseur Emil Olm zu einem Selbstmord- versuch veranlaßt. Der junge Mann, der seit Oktober v. I. in der Neuen Grünstraße wohnte und in der Friedrichstraße beschäftigt war, hatte acht Wochen lang ein Verhältnis mit einer Verkäuferin. Dann starb das Mädchen an den Folgen einer Operation in einem hiesigen Krankenhause. Olm konnte den Verlust nicht verwinden. Nachdem er schon wiederholt Selbstmordgedanken geäußert hatte, schoß er sich in der vergangenen Nacht in einem Hotel in der Jnvalidenstraße eine Revolverkugel in die rechte Schläfe. Schwerverletzt wurde der Verzweifelte nach der Charits gebracht. Wer sind die Toten? Am 14. Juni cr wurde im Kanal bor Stadtschleuse 9 die Leiche einer 20 bis 30 Jahre alten Frau ge- landet, deren Identität bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Die Tote, die 1,60 bis 1,65 Meter groß ist und dunkelblondes Haar hat, war bekleidet mit grünrotgestreifter Bluse, grauem Rock, braunen Strümpfen und trug goldene Ohrringe. Die Leiche hat anscheinend 10— 14 Tage im Wasser gelegen und befindet sich im Schauhause. Nachrichten zwecks Rekognoszierung der Leiche erbittet die Kriminal- Polizei Berlin zu 2387 IV. 55. 12, auch nimmt zweckdienliche Mit- teilungen jedes Polizeirevier entgegen. Am 13. Juni cr. wurde am Neuen Krug bei Wilhelmöhagen die Leiche einer 45—48 Jahre alten Frau gelandet, deren Identität bis- her noch nicht festgestellt ist. Die Tote, die 1,50—1,54 Meter, groß ist und dunkelblondes Haar hat, war bekleidet mit schwarzer wollener Weste, gelber Bluse, weißem Hemd; weißgrauem Korsett, schwarzen Knöpfschuhen, schwarzen Strümpfen, schwarzem Rock und trug eine goldene Brosche und Ohrringe iKuopf), ferner führte sie ein weißes Taschentuch, gezeichnet W. E. und ein Portemonnaie mit 62 Pfennig Inhalt bei sich. Die Leiche hat anscheinend acht bis zehn Tage im Wasser gelegen und befindet sich im Neuen Krug bei WilhelmShagen. Nachrichten zwecks Rekognoszierung der Leiche erbittet die Kriminal- Polizei Berlin zu 2336 IV. 7. 12, auch nimmt zweckdienliche Mit- teilungen jedes Polizeirevier entgegen. Vorort- l�ackricdten. Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. In Abwesenheit der beiden Vorsteher leitete der Aelteste, Stadtv. Salinger, die Ver- sammlung. Stadtv. Peine(Lib. Frakt.) referierte über den Iah- resbericht. Redner betonte, der Bericht könne gerade nicht als er- freulich bezeichnet werden, denn die Umsatzsteuer erscheine mit einem Minus von 422 000 M, während an Polizeikosten 160 000 M. mehr verbucht werden mußten. Auch in den übrigen Verwaltungen seien größtenteils Mehrausgaben zu verzeichnen, die infolge der allge- nieinen Teuerung entstanden sind.— Stadtv. L i n i c u s(HauSbes. Frakt.) betonte, daß der Magistrat und die jetzige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, die Liberale Fraktion, einen großen Teil Schuld an dem ungünstigen Stande der Finanzen trage. Wenn die Baugesellschaften hinaus gegrault würden, so daß vollständig baureifes Gelände liegen bleibe, und der Stadt große Einnah-men dadurch verloren gehen, so sei dies kein gesunder Zustand. Der Magistrat sollte sein Augenmerk mehr auf Belebung der Bautätig- keit richten.— Kämmerer M a cho w i c z betonte, daß es einzelnen Direktoren von Baugesellschaften ein Vergnügen zu bereiten scheine, inmitten eines Häusermecres baureifes Gelände ruhen zu lassen und dadurch eine Verteuerung der Mieten ins matzlose herbeizu- führen. Der Haus- und Grundbesitzerverein habe auch petitioniert, der Erschließung des Südgeländes nicht stattzugeben, das sei keine gesunde Politik.— Mit der Viktoria-Fortbildungs- und Fachschule in Berlin ist ein Vertrag abgeschlossen über die versuchsweise Ein- richtung einer hauswirtschaftlichcn Fortbildungsschule, deren Be- uch keinem Zwang unterliegt. Sollten die Ausgaben durch das Schulgeld nicht gedeckt werden, dann wäre die Stadt bereit, die Differenz zu tragen, jedoch mit der Einschränkung, daß die Stadt ür einen Kursus insgesamt nicht mehr als 4700 M. zuzahlt. Die Zahl der Schülerinnen hat den Erwartungen nicht entsprochen, so daß eine Mehrausgabe von 500 M. entstanden ist. Für die staat- lich anerkannten höheren Mädchenschulen soll die Bezeichnung„Ly- zeum" gewählt werden. Genosse Bernstein warnte vor der Sucht nach hochklingenden Namen, dies trage nur dazu bei, diese Schulen immer mehr als Standesfchulen hervorzuheben, währewd eigentlich das Bestreben nach der Einheitsschule gerichtet sein solle. Die Sozialdemokratie sei keine Gegnerin der höheren Schulen, nur gegen das heutige System laufe sie Sturm.— Die Namenumände- rung in Chamisso-, Fontane-, Uhland- und Rückert-Lyzeum wuckde angenommen.— Der Armenetat ist infolge von Ueberführungf--, Entbindungs-, Heil-, Verpflegungs- sowie Bekleidungskosten mm 38 000 M. überschritten worden.— Genosse M o h s wies darauf hin, daß die Diphtherie-Erkrankungen noch nicht erloschen sind» der eigentliche Krankheitsherd sei bis jetzt noch nicht gefunden wi>rden. Wünschenswert wäre, daß sich die Desinfektion nicht nur auf eine Klasse beschränke, sondern auf die ganze Schule ausgedehnt werde. — Stadtrat Dr. Rabnow betonte, daß alle wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen in Anwendung gebracht worden seiien, um der Krankheit Herr zu werden. Es ist ein großer Irrtum, wenn behauptet wird, daß eine starke Diphtherieepidemie vorhanden sei. Die Zahl der Erkrankungen sei nicht größer als in anderen Städten. Unter 14 000 Schulkindern seien zwei Erkrankungöfälle zu ve» zeichnen gewesen, deshalb lasse die Auffichtsbehörde eine Schließung der Klassen nicht zu.— Für die Erweiterung der Stadtgärtnerei im Südostgelände wurden 21 000 M. bewilligt. Der Entwurf betr. Neubau einer höheren Mädchenschule am Stadtpark wurde einem Ausschutz überwiesen, dem die Genossen Bäumler, Küter und Pe- terson angehören. Neukölln. Eine LieveStragödie hat sich gestern nachmittag in dem Haufe Reuterstr. 12 abgespielt. Dort vergiftete sich der 26jShrige Schrift- setzer Richard Gnez mitsamt seiner Braut, der gleichaltrigen Margarete Weidmann, mit Leuchtgas. Beide wurden in sehr be- denllichem Zustand noch dem Krankenhause Buckow gebracht. DaS Motiv zu der Verzweiflungstat soll in dauernder Arbeuslofigkett des Griez zu suchen sein. G. hatte vor längerer Zeit seine Stellung verloren und seitdem vergeblich versucht, wieder Beschäftigung zu erhalten. Er kam schließlich mit seiner Braut dahin überein, gemeinsam in den Tod zu gehen. Gestern nachmittag nahmen die Nachbarn einen starken Gasgeruch auf dem Flur wahr. Nichts Gutes ahnend, benachrichtigte man die Polizei, die die Tür zur Wohnung des G. gewaltsam öffnen' ließ. Im Wohnzimmer fand man dann das Paar in völlig leblosem Zustande ans. Die beiden Gashähne waren geöffnet. Nachdem die giftigen Gase Abzug erhalten hatten, traten die Samariter der Feuerwehr, die man in- zwischen herbeigerufen hatte, in Tätigkeit. Erst nach fast einstündiget Tätigkeit gelang es ihnen mit Hilfe des Sauerstoffappatats, die Vergifteten wieder ins Leben zurückzurufen. Sie wurden sodann nach dem städtischen Kransenhause in Buckow übergeführt, wo sie äußerst bedenklich daniederliegen. Friedrichsfelde. Ter Bericht der Schulärzte für Las abgelaufene dritte Geschäfts- fahr liegt nunmehr Nor. Der Ortsteil Friedrichsfclde hat zwei Schulärzte, der Ortstcil Karlshorft einen. Leider sind die Berichte der einzelnen Aerzte so verschiedenartig zusammengestellt, daß sich ein einheitliches Bild aus ihnen nicht gewinnen läßt. Während in dem einen Bericht die Krankheitsarten sowie Krankheitsfälle einzeln aufgeführt werden, gibt der andere nur einen summarischen Heber- blick. Beschämend für die Schulverwaltung ist es, wenn der eine Schularzt als Entschuldigung für die Unübersichtlichkeit folgendes sagen muß:„Da die Schüler auch im Berichtsjahre wieder vielfach von einer Schule in die andere übersiedelten— so wurde z. B. eine Klasse infolge Erkrankung einer Lehrerin mehrere Monate von der 3. in die 4. Schule verlegt—, so ließ sich auch diesmal eine Trennung des Schülermaterials nach Schulen nicht durchführen. Ich ziehe es deshalb vor. über meine Erfahrungen am Gesamt- Material zu berichten." Nach diesem Gesamtüberblick befanden sich 38 Kinder(im Vorjahre 35) in ärztlicher Kontrolle. An Tuber- kulose kamen zwei neue Fälle hinzu. Von Infektionskrankheiten traten Masern wieder recht häufig auf. Scharlach kam nur ver- einzelt vor. Einmal konnte der Arzt bei einer Klassenrevision einen von den Eltern übersehenen schon in der zweiten Krank- hcitswoche befindlichen Scharlachanfall entdecken und die schleunige Entfernung des Kindes aus der Schule sowie Desinfektion des Klassenzimmers veranlassen. Sonderbarerweise erkrankte kein Kind derselben Klasse, obwohl nachher noch die erwachsene Schwester des erkrankten Kindes angesteckt wurde. Die Kinder werden in drei Gesundhcitsklassen eingeteilt. In Klasse III(schlecht) rangieren olle Fälle von Tuberkulose, schweren chronischen Krankheiten— wie Nierenleiden, Herzfehler usw.— Muskellähmungen, schwere Verkrümmungen der Wirbelsäule, schwere Blutarmut und schwere Skrofulöse. Fernerhin alle Kinder, deren geistige Fähigkeit deut- lich herabgesetzt ist. Unter II(mittel) rangieren die Kinder mit allgemeiner Schwächlichkeit, leichter Blutarmut, leichter Skrofulöse, leichtem Herzfehler, chronischem Hautausschlag, leichter Mittelohr- eiterung, leichter Verkrümmung der Wirbelsäule und der langen Röhrentnochen usw. Da eine statistische Zusammenstellung aller Schulen auS den eingangs erörterten Gründen nicht möglich ist, lassen wir nur die stalistischen Ergebnisse der I. Gcmeindefchule folgen. Von 6W Schülern erhielten Note III 22 Kinder, Note II 127 und Note I 546 Kinder. Von den festgestellten Krankheiten entfielen auf Blutarmut 57, Skrofulöse 21, Lungenkatarrh 3, Herzfehler 2, Verkrümmung der Wirbelsäule 14, Lähmungen 7, Hanterkrankung 4, Bruchleidcn 16, Stotlcrn 4, Nervenerkrankung 2, Ohrcncrkrankung 7, Kurzsichtig- kcit 12, Augcnerkrankung anderer Art 13, Diphtcrie 6, Scharlach IS, geistige Minderwertigkeit 11 Fälle. An leichter Skrofulöse und leichter Blutarmut leiden zusammen 78 Kinder. Wie in dem Be- richt betoni wird, stammt ein großer Teil dieser Kinder von Eltern, die selbst blutarm sind. Es handelt sich dabei um eine vererbte allgemeine trankhafte Konstitution, gegen die therapeutisch sich am allerwenigsten erreichen läßt. Ferner sind darunter eine Reihe von Kindern mit schlechter Verdauung, dauernder Appetitlosigkeit und vor allem mit mangelhafter, sowie unzweckmäßiger Ernährung. Bei der Unterernährung, infolge Armut der Eltern könne, so br- 'tont der Bericht, ja durch Milchgewährung in der Schule etwas ab- geholfen werden, aber es reichten die Mittel lange nicht aus, um statistisch danach eine Besserung nachzuweisen. Anfallend bei allen Berichten ist die große Zahl der Rück- gratsvcrkrümmungen— Skoliose—. 10— 12 Proz. aller Kinder leiden an Erkrankungen der Wirbelsäule. Als Folge dieser ärzt- lichen Feststellungen wurde von der Gemeinde seit Sommer 1011 vorläufig in der Mädchenschule orthopädischer Unterricht eingc- führt, lieber den Wert des orthopädischen Turnens spricht sich der Schularzt Dr. Criwitz folgendermaßen aus: Das orihopädische Turnen in der IV. Volksschule wurde von mir dreimal iüspizicrt. Es wurden nicht nur Kinder mit ausge- bildeten Rückgratsverkrümmungen, sondern auch einige mit unge- wöhnlich schlechter Körperhaltung überwiesen. Bei diesen letzteren war die Kräftigung der Rückenmuskulatur von brillanter Wirkung auf die Körperhaltung; auch in einem Falle ausgebildeter Ver- krümmung konnte der Arzt bei Nachuntersuchung normale Ver- Hältnisse zu meiner Freude feststellen. Ich möchte wünschen, daß Las orthopädische Turnen weiter ausgebaut wird. Als vor nunmehr 8 Jahren Genosse Pinseler die Forderung er- hob, Schulärzte anzustellen, wurde ihm lachend erwidert, die Schul- arztfrage wäre eine Modekrankheit. Dadurch würde nur den faulen Müttern die Sorge für ihre Kinder abgenommen. Diesen Ein- Wurf erhob nicht etwa ein ungebildeter Mensch, sondern der Apotheker Roth, weiland Gcmeinde-Vcrtrcter, unter Assistenz des früheren Gemeindevorstehers Löchert. Die Sozialdemokraten haben unbeirrt die Einführung dieser..Modekrankheit" weiter gefordert und 4 Jahre später ihr Ziel erreicht. Würden die damaligen Gegner angesichts des Materials der Schulärzte auch jetzt noch wagen, diese Institution mit derartigen Argumenten zu bekämpfen? Es zeigt sich auch hier wieder, daß ohne Sozialdemokraten kein sozialer Fort- schritt denkbar ist. Spanva«. lieber Schule, Kuserne und Presse referierte in der letzten außer- ordeuttichen Generalversaininlung des Wahlvereins Genosse Emil Unge r. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum Statutenenlwurf dcS Verbandes der Provinz Brandenburg. DerselSe wurde mit einigen Zusatzanträge» angenommen. Ueber die an den Vorstand gestellten Anträge konnte der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr verhandelt werden. Genosse Scior bemängelte noch den schlechten Besuch der Versammlung und ersuchte die Genossen, mehr als bisher ihre Teil- nähme am Parteileben zu bekunden. Potsdam. Der Ordnnng und Sicherheit gefährdende Kindcrfnckclzug. Der Verband der Bauarbeiter, Zahlstelle Potsdam, feierte am Souutag ein Sommerfest in Bornim. Zu diesem Somnierfest war von dem Gastwirt Woywodt in Borninr ein Kinderfackelzug bei dem Amts- Vorsteher von Bornstedt nachgesucht worden, der sich außerhalb des Lokals bis zuni Ende der Mittelstraße, woselbst das Lokal steht, und wieder hminterbewegen sollte. Es handelt sich al>o um eine Strecke von nur drei Minuten. Dieser Fackelzug rst aus ordnungs- und sicherheitspolizeilichen Rücksichten nicht genehmigt worden. Hätte» die Bauarbeiter Kaisers Geburts- tag gefeiert, dann wäre ihnen jedenfalls ein Umzug durch das ganze Dorf erlaubt worden. �Zus dev frauende�egung. Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzip ation. Gegen den auch von uns kurz skizzierten Aufruf des Bundes zur Bekämpfung der Fraueuemaiizipation wendet sich eine Erklärung des Bundes deutscher Frauenvereine, die die„unwahren und entstellenden Behauptungen" ihrer Gegner kurz widerlegt: Die Frauenbewegung erstrebt nicht eine schematische Gleichstellung von Mann und Frau, sondern fordert eine neue Verteilung der Wirtschaft- lichen, sozialen und geistigen Arbeit unter die Geschlechter. � Zu den neuen Aufgaben gehört auch die Betätigung im öffent- lichen Leben und in den politischen Körperschaften. Allein in Deutschland sind im Laufe von l'/z Jahrzehnten bereits 12 000 Frauen ehrenamtlich und beruflich in der Komnmnalverwaltung eingetreten und arbeiten dort unter voller Anerkennung der zuständigen Per- sönlichkeiten. Die Tatsache, daß unter S�/z Millionen� deutschen Frauen 3 Millionen Ehefrauen hauptberuflich erwerbstätig sind, macht es vollkommen unmöglich, die weibliche Berufstätigkeir auf „ledige Frauen" in traditionell„weiblichen Berufen" einschränken zu wollen. Der gemeinsame Unterricht in Amerika hat nicht»schon ziemlich abgewirlschaftel". Im Jahre 1907/03 bestanden in den Ver- einigten Staaten 33 öffentliche höhere Schulen allein für Knaben, 23 allein für Mädchen. 8304 gemeinsame. Der letzte offizielle Bericht(für das Jahr 1910) nennt 34 öffentliche höhere Knabenschulen, 26 öffentliche höhere Mädchenschulen und 10 153 ge- meinsame Schulen. Die getrennten Schulen haben sich um 4 ver- mehrt, die gemeinsamen um 1249, prozentual ausgedrückt: die ge- trennten Schulen haben sich uin 7 Proz., die gemeinsamen um 14 Proz. verniehrt. Die Frauenbewegung lockert nichl die Ehe, verwirrt nicht die Begriffe von Zucht und Sitte, sondern kämpft entschieden für die Reinheit der Ehe und der sexuellen Sittlichkeit. Sie erhebt den An- spruch, echt nationalen und weiblichen Geist zu Pflegen, indem sie die Frauen befähigt, für den wirtschafllichen, sozialen und geistigen Aufstieg ihres Volkes nicht als eine lastende Bürde, sondern eine schaffende Kraft zu sein. Und sie hat erfahren, daß man für diese Auffassung der nationalen Pflicht der Frau überall dort Verständnis hat, wo man in der Frau die Gefährtin und Milarbciterin des Mannes und nicht seine Nebenbuhlerin sehen will. Die Erklärung der Frauenvereine schließt damit, daß sie auch nicht die nationale Zersplitlerung fürchten wollen.»Dagegen können wir nicht umhin, angesichts deS Vorgehens unserer Gegner darauf hinzuweisen, daß politische und soziale Gegensätze durch nichls so hervorgerufen und verschärft werden wie durch die bewußte Ver- keimunq und Verschleierung tatsächlicher Nolstände, durch skrupelloses Aburteilen auf Grund völlig unzureichender Sachkenntnis, und durch die entslellende, ungerechte Herabsetzung der ernsthasten und mühe- vollen Arbeit einer ganzen Volksschicht, die sich für ihre zeitgemäßen Pflichten tüchtig machen will."_ Frau Bozen« Bik-Kuncticksch ist, wie im politischen Teil bereits gemeldet, bei der Slichivahl am 13. Juni zum Landtagsabgeordneten für Hiinburg-Jungbuuzlau gewählt worden. Von 3243 Wahlberech- ligten haben 1248 ihre Stimmen abgegeben, davon enlstelen 1141 auf Frau Knnelitzkh. Diese erste Wahl einer Frau in den böhmischen Lnndiag verdient zweifellos große Beachtung. Bedauerlich ist nur, daß der böhmische Landtag seit langem ver- handlungsunfähig ist— durch den unseligen Rationalitätenstreit—, so daß er kaum in die Lage kommen dtirfle, zur Wahl einer Frau Stellung zu nehmen. Aber sicherlich wird die Talsache, ddß vor- wiegend männliche Wähler die Kandidatur einer Frau ernst genommen haben, dazu beitragen, der Sache des Fraucnwablrcchts in Oesterreich vorwärts zu helfen. Zu einer Ausübung des Mandats wird es überhaupt nicht kommen, da die Beftäligung der Wahl durch den böhmischen Statthalter verweigert werden wird. Leseabenve. Wilmersdorf. Am Donnerstag, den 20. Juni, abends 8>/z Uhr, bei Schimming, Lauenburgcr Straß« 20/21. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag und wichtige BereinSangelegenheiten. Beiträge werden entgegengenonnnen. Huö aller Alelt. „Zur Leemfluffung der Kritik". Unlängst saheni wir mit fröhlichen Augen Bilder auS dem Nichtfamilienlebcn jenes R e ichs v c r ba nid e s, der eigentlich doch gegründet ist, um das Familienicbew gegen die Sozialdcmo- kratie zu verteidigen. Aber die gcheimiuislvoll lockende Gestalt, die sich E d i th nairnte, Hab sicher einen größeren Reiz auf die Mensch- heit ausgeübt, als alle Rcichsvcrbändlcr zusammen. Schließlich gehört zu. jedem tapferen Kricgshrer auch die Marketenderin. Heute können wir ein airdcroS Bildchen aus dem Familien- leben des Rcichsvcrbandes zeichnen. Diesmal ist der Held der Geschichte nicht ein untcrgcvrdnctc-r Werber. Auch handelt eS sich nicht um Vorschüsse, die genommen, sondern die angeboten werden; und nicht irdische Minne entblößt ihre Gewaltmi, sondern die himmlische Muße leiht sich die Fittiche des Reichsverbandes, der als Reichsverband zur Erzielung literarischen RuhmS, als R e ichslyrikv erbau d erscheint und diesen idealen« Zwecken seine Feierstunden weiht. Vor uns liegt ein Brief, der am Kopf dag Datum des 10. April 19!2, den Vermerk„Vertraulich" und den Namen zeigt: Dr. Ludwig. Zweiter Hauptgeschäftsführer des ReichSverbandes gegen die Sozialdemokratie." Es wäre grausam» wenn wir nicht zur Bekämpfung der Sozial- demokratie unsere Dienste leihen und die Bekämpften inS Ver- trauen ziehen würden. Der Brief ist an eine Verlagsgesellschaft gerichtet und hat folgenden Worttaut: Sehr geehrter Verlag! Hierdurch wende ich mich an Sic mit der Anfrage, ob Sie geneigt sein würden, einen« Band Gedichte zu verlegen, der zum Verfasser eine der bekanntesten« österreichischen Schriftstellerinnen. Frau Else Kastner-Michalitschjke aus Wien, hat. Diese Da m e ist mit meiner Gattin persönlich befreundet. und ich möchte deshalb einen Schritt tun. um ihr den Weg viel- leicht etwas zu ebnen. Ich weiß sehr wohl, daß die Heraus- gäbe von selbst guten Gedichten heutzutage kein lukratives Gr- schast ist. Da es aber aus verschiedenen Gründen er- wünscht ist, daß ein neuer Band Gedichte aus ihrer Feder er- scheint, schlage ich Ihnen einen Weg vor, der Ihnen den Entschluß erleichtern dürste. Ick würde bereit sein, von diesem Band etwa 100 Exemplare zun« Preise von 3 Mark zu erwerben, die zur Beeinflussung der Kritik bestimmt sind und' von Wie aus an eiws Reihe mir bekannter fournakistafcher Persönlich- leiten persönlich gesandt werden, so daß Sie mit diesem/Betrage, wenn nickt sämtliche Druckkosten, so doch den größten, Teil der- selben« gedeckt hätten und« nur ein ganz minimales Risiko eingingen. Frau Kästner weiß von diesem meiner/ Vorgehen nichts und soll eZ auch nickt wissen, denn es würi/e ihr widerstreben, daß sie auf diese Weise zur HeranSgabe t/eS neuen Bandes von Gedichten käme. Der 300 M.-Mäcenas berührt dann auch die„literarische Seite der Sache" und erzählt, daß die zu ebnende Dichterin eine Zierde der österreichischen Literatur wäre; und er schließt mit der zart- sinnigen Bemerkung:„Um die Verfasserin nicht zu verletzen, bitte ich Sie, die rein geschäftliche Seile aus einem besonderen Brief- bogen zu erwähnen, so daß ich ihr Ihre Zusage senden, könnte, aus der nicht ersichtlich ist. daß ich bis zu einem gewissen Grade finan- ziell dahinter stehe." Der mit diesem« Angebot beglückte Verleger ward durch lieft Brief so belustigt, daß er das Material vollständig kennen zu lernen wünschte und erbat eine Auswahlfendung der lprischen Meisterwerke. Der Gatte der Freundin der Dichterin sandte dann« ein Sortiment. Tie Dichterin befaßt sich mit allerlei höchst aktu- ellen Dingen, mit dem Mai. mit der Liebe, mit goldenem Sonnen- licht und Sterncnglanz, mit einer schlanken Hand, die lässig-müd die Zigarette hält. Ein Ausverkauf alter lyrischer Reguisitew! Aus dem Inhalt des Schreibens des geschäftsgewandten! Herrn Dr. Ludwig aber ersehen wir, daß es nicht nur im p o l i t i- scheu Leben Reptils gibt, auch auf dem Gebiet der Lyrik spielt also Korruption eine nicht zu verachtende Rolle. Wer mögen die „journalistischen. Persönlichkeiten" fein? Die Eisenbahukatastrophe bei Malmslätt. Das furchtbare Unglück hat noch nachträglich mehrere Todes- opfer gefordert. Von den im Krankenhause Liegenden sind im Laufe des TageS drei Personen gestorben, so daß die Zahl der bei dem Unglück Un, gekommenen nunmehr auf 21 gestiegen ist. Deutsche befinden sich unter den Verunglückten nicht, da die aus Berlin ab- gelassenen Wagen beim Uebersetzen mit der Fähre sich ver- spätsten, so daß sie glücklicherweise den Anschluß verpaßten. Im Kampfe mit Wilderern. Im Walde bei P i s ch e n i ch im Rheinland kam eS in der Nacht zu einem Kampf zwischen dem Jagdaufseher, dem Sohn des Jagdbesitzers v. K e m p i g und Wilddieben. Die Wilderer schlugen v. Kempig mit einem Gewehr nieder und legten aus den Ausseher an. Dieser aber schoß zuerst und tötete den 30 jährigen verheirateten Summer durch einen Schuß in das Herz. Die anderen Wilderer sind entkommen. Kleine Notizen. DaS Ende einer StaatSstntze. Als Dienstag morgen der Ge- schäftsführer Karl Lampe der„Armee- und Marine- ionservenfabrik" in Melverode bei Braunschweig unter dem Ver- dacht der W e ch s e l f ä l s ck« u n g verhaftet loerden sollte, stürzte er sich voin Balkon seiner Wohnung aus die Straße und brach beide Anne. Außerdem erlitt er schwere Verletzungen am Kopf, so daß er in da? Herzoglich Braunschweigische Krankenhaus gebracht werde» mußte. Zu diensteifrig. In Ulm wollte gestern ein Schutzmann ein vom Stuttgarter Sladtpolizeiamt signalisiertes Sacharin- Schmuggler- Auto mobil anhalten und sprang zu diesem Zwecke auf das Trittbrett des Wagens. Der Ehnuffeur des Aulomobits fuhr mit rasender Geschwindigkeit davon und stieß, sobald das Autoinobil die Stadt verlassen hatte, den Schutzmann vom Wagen, der auf die Siraße stürzte und schwere Verletzungen erlilt. Das Automobil entkam. Das Drama des Zuchthäuslers. Gestern vormittag schoß in Plauen i. Vogtl. ein nach Verbüßung einer Zuchthausstrafe nach Hause znrückgekehner Gemüsehändler namens Koch aus Eisersucht aus seine Frau und deren Liebhaber, verwundete beide schwer und erschoß sich dann selbst. Unwetter auf einem russische» See. Auf dem 35 Ouadratwerst großen See bei Werchne Neiwinsk sind infolge heftigen S lnrines viele Fischerboote und Fahrzeuge mit Ausflüglern gekentert. Bisher sind zehn Ertrunkene geborgen worden. Fortgesetzt werden leere Boote ans Land geschwemmt. eingegangene Druchrchrlftcn. Tie Erscheinung. Novelle von Anselm« Heine. S4 Selten.| E. Fleischet u. Co., Bertiii W. 9. Schopeutmuers Briefe. Ausgelvählt und herausgegeben von M. Brahn. S M. Ursel-Verlag, Leipzig. Recht nnd SÄirtfchaft. Junihest. Schrisileiter: Prof. Dr. H. Reichel, F. Riß und Dr. M. Ramps. Jährl 10 Vi. C..Heljinaiin, Berlin W. 6. „Ncnestr Erfindnngeu und Erfahrungen-(Heft 8) aus dem Ge- biete der prakliichcu Technik, der Clektrotechnik, der c�elverde, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschast. A. HartlcbenS Verlag, Wien. Einzelne Hesse 70 Pf. Unsere Wasserinsektcn. Von G. Ulmer.(Naturwissenschaftliche Biblivldel.) Lcineiibaird 1.80 M.— Eäsar. Von®. Acilh.(Wissenschast und Bildung. Bd. 75.) 1 M.. in Leimmband 1,25 M.— Himmelsrunde. Von Prof. Dr. A. Marcilse.(Wissenschaft und Bildung. Bd. 106.) 1 M., in Lcinenband 1,L5 M. Quelle u. Meyer, Leipzig. Jlnlllicbaelss Eieliel-Kakao mif Zucker u. präparicrtein Tfie�l Als tSgliches Getränk, mit Milch gekocht, Vor- beugungsmittel gegen Darmstörungen namentlich in der heißen Jahreszeit. Mit Wasser zubereitet vorzügliches Mittel bei Brechdurchfall und Diarrhöe. Seit 25 Jahren ärztlich erprobt und anerkannt. 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