Ur. 143. HbonnemcntS'Bedingungen: Abonnements. Preis vränumerandoi Vierteljährb 3,30 Mb, monaü. 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Numnier 5 Pfg. Sonntags. numiner mit illustrierter Sonntags. Vellage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. PrelSliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland g Mark pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemark, öolland. Italien, Luxemburg, Portugal, llänieil, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die Tnfcrtlons-Gcliüljf keträgt für die sechsgespallene Kolonek- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für CrfdKlot tSgll» auBer montaas. Nevlinev Volltsblskk. I fettgedrums Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schiafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserat« ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werdem Die Expedition ist biS? Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozialiUnioKrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratilcben Parte» Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasse 09. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Freitag, den 2l. Juni 1913. Expedition: SM. 68, Lindcnatraaae 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. Die doppelt und dreifach betrogenen Bergleute. Aus Bochum wird uns geschrieben: Unter den Forderungen, die den Zechenverwaltungen am 19. Februar d. I. seitens der Vorstände des„Dreibundes" (alter Bergarbeitcrverband, Polen und Hirsch-Duncker) über reicht wurden, befand sich als sechste folgende: Die Werks> Verwaltungen möchten ihre Delegierten in der General- Versammlung des Knappschaftsvereins beaustragen, .dafür einzutreten, datz Aufrechnungen der reichs- gesetzlichen Leistungen für KnappschaftSinvaliden, Witwen und Waisen seitens des Knappschaftsvereins nicht mehr statt» finden". Die Bergleute genießen nämlich den besonderen„Vorzug", daß ihnen die reichsgesetzlich den Versicherten bezw. ihren Hinter- bliebenen gewährten Pensionen und Renten nicht voll zu kommen, sondern um die entsprechenden Beträge werden die Knappschaftspensionen und-renten gekürzt. Sonach zahlen die Bergleute in zwei Versicherungsinstitute die Vollbeiträge, erhalten aber nur aus einem die Voll Pensionen. Das ist auch so beschlossen worden in der Reichs Versicherungsordnung, die ausdrücklich vorsieht, daß die reichs gesetzlichen Witwen- und Waisengelder von den Knappschafts lassen zur Hälfte aufgerechnet'werden, wenn die Statuten nicht das Gegenteil vorsehen. Selbstverständlich hat die sozial demokratische Fraktion bei der Beratung der Reichsversiche rungsordnung beantragt, jene Bestimmung zu streichen, wo durch die Vollzahlung der Renten gewährleistet worden wäre. Ebenso selbstverständlich haben unter der Führung des Zentrums die Mehrheitsparteien den sozialdemo kratischen Autrag abgelehnt. Die Folge war, daß als bald im rheinisch-westfälischen Knappschaftsverein diese Renten- abzugsbestimmung in Kraft trat, weil die Zechenbesitzer die Anträge der Aeltesten(Arbeitervertreter) aller Richtungen, statutarisch die Vollzahlung der Renten zu bestimmen, ab lehnten. Aus dieser Ablehnung folgte die Herabsetzung der Pensionskassenbeiträge um je einen Pfennig wöchentlich für die Arbeiter und die Zechenbesitzer. Die Arbeiter waren gern bereit, auf die. Beitragsherabsetzung zu verzichten, wenn dafür den Hinterbliebenen der Knappschaftsgenossen die vollen Renten gesichert würden. Dagegen bestanden die Zechenbesitzer auf die Rentenkürzung und die ihr entsprechende Beitragsermäßi- gung. Diese wurde auf rund 150 000 M. pro Jahr berechnet. Um diese Summe, für den Millionenhaushalt der Werke eine Lappalie, auch noch einzuheimsen, deshalb entschieden sich die Zechenbesitzer für die Kürzung der knappschaftlichen Witwen- und Waisengelder. So sehen sie aus, die„wohlwollenden" Zcchenherren l Natürlich erregte diese Handlungsweise bei den Arbeitern böses Blut. Die stärksten Worte der Verurteilung fanden „christliche" Gewerkvereinsvertreter. Als der Dreibund die Aufhebung des Rentenkürzungsbeschlusses forderte, wurde damit dem allgemeinen Wunsche der Bergarbeiterschaft ent- sprochen. Nun haben aber die ultramontancn Streikbruchorgani- satoren mit dafür gesorgt, daß das Zechenkapital über die Bergarbeiterschaft siegte. Es konnte darum auch die knapp- schaftliche Rentenforderung nicht durchgesetzt werden. Die Streikbruchorganisatoreu versicherten ihren Anhängern.„in Güte" ließe sich von den„Herren Werksbesitzern" mehr er- reichen,„mit Gewalt" sei nichts zu machen. Lohnerhöhungen seien bereits versprochen, und auch gegenüber den anderen Forderungen würden die„Herren Werksbesitzer" Entgegen- kommen zeigen. So wurden die zaghaften Elemente an die Seite der gelben Liebediener gedrängt, die Reihen der Kampf- bereiten gelockert und der kapitalistische Triumph gefördert. Jetzt ist die„christliche" Vertrauensfrage an die„wohl- wollenden".„entgegenkommenden" Zecheubesitzer gestellt worden. Es fand am letzten Donnerstag die Generalvcrsamm- lung des rheinischiwcstfälischen Knappschaftsvereins statt. Unter der Leitung des„christlichen" Generalsekretärs S t e g e r hatten sich vorher die Gewerkvercinsältesten versammelt. Steger feierte den Triumph des Zechen- kapitals über die streikenden Bergleute als einen„Sieg des christlichenGewerkvereins"! Und der Generalsekretär schlug vor, nun den im Vorjahre werksseitig abgelehnten Antrag, die Rentenkürzung aufzuheben, abermals einzubringen. Damit sollte der„christliche" Streik- bruchgewerkverein als„energische Arbcitervcrtretung" er- scheinen und die Streikbruchorganisatoren mochten hoffen, daß nun die Zcchenbesitzer den„christlichen" Antrag ge- nehmigten, um so die Stellung der Streikbruchorganisatoren zu stützen. Es kam aber anders, nämlich genau so wie die Drei- bundführer vorausgesagt haben. Die Vertreter der Zechenbesitzer in der knappschaftlichen Generalversammlung lehnten den„christ- lichen" Antrag nicht nur glatt ab. sondern weigerten sich sogar, ibn überhaupt zu dis- kutierenl Die Verbandsältesten traten natürlich für die Behandlung des„christlichen" Antrages ein und erklärten, für ihn stimmen zu wollen. Aber die Werksvertreter ließen sich auf gar nichts ein, sie blieben auf ihrem schroff ablehnenden Standpunkte stehen! Als darum der„christliche" Werkführerälteste Kleine wehleidig klagte, durch diesen Standpunkt würde die„An- Näherung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber nicht gefördert, da brachen die Verbandsältesten und die polnischen Aeltesten in Helles Gelächter aus und riefen den um alle Hoffnungen betrogenen„Christen" dröhnend zu:„Streikbrecherl Da habt Ihr den Dank für EurenStreikbruchl" Die Werksbesitzer weigern sich also, den Witwen und Waisen der Knappschaftsmitglieder den vollen Rentenbetrag zu zahlen. Die finanzielle Mehrleistung an Knappschafts- beitrügen würde für sämtliche Ruhrzechenbesitzer nur 150000 M. jährlich ausmachen, ebenso viel für die Arbeiter. Die Zechen- besitzer erhalten durch die letzte Kohlen-, Koks- und Brikett- Preiserhöhung eine jährliche Mehreinnahme von etwa 100 Millionen Mark! Hiervon auch nur 150000 M. für die Aufbesserung der jetzt recht knappen knapp- schaftlichen Witwen- und Waisenpensionen herzugeben, weigern sich die Herren hartnäckig. Besser können sie ihre„wohltätige Gesinnung".nicht illustrieren. Klarer als durch die schroffe Ab- lehnung des„christlichen" Knappschaftsantrages konnte aber auch nicht offenkundig werden, welches schmähliche Spiel die ultramon- tane Streikbruchorganisatoren mit den Arbeiterinteressen getrieben haben. Erst wird unter Zentrumsführung durch die Reichs- Versicherungsordnung den Zechenherren die Kürzung der Witwen- und Waisengelder ermöglicht. Dann vereiteln die ultramontanen Streikbruchorganifatoren die Durchsetzung der knappschaftlichen Statutreform und ermöglichen es den triumphierenden Zechenherren, jetzt kaltlächelnd die Renten- Verbesserungsanträge in den Papierkorb zu werfen. Diese Täuschung der Bergleute hinsichtlich der Knappschaftsreform gesellt sich zu der Täuschung betreffend die„versprochene Lohnerhöhung". Drei Monate nach Beendigung des Streiks ist die„versprochene" allgemeine Lohnerhöhung noch nicht eingetreten und der „christliche" Antrag, die Rentenkürzung auf- zuheben, ist von den„entgegenkommenden" Zechenherren verächtlich in den Papierkorb geworfen worden! Wenn diese Vorgänge keine unheilvolle Schädigung der Arbeiterinteressen bedeuteten, dann könnte man Genugtuung über diesen Dank vom Hause Kapitalismus für den infamen Streikbruch empfinden. Leider sind die Bergleute die doppelt und dreifach Betrogenen. Die Lohnerhöhung blieb aus, die Rentenvcrbesserung wurde werksseitig abgelehnt. Alle Be- niühungen der Strcickbruchorganisatoren, nun durch maul- athletischen Radikalismus ihre frivol irregeführte und schwer geschädigte Gefolgschaft über die fehlgeschlagenen Hoffnungen hinwegzutäuschen, werden auf die Dauer nicht ziehen. Die gerechte Vergeltung für den Streikbruch kommt, früher oder später doch._ ,. polnische AirtichaN". Es wird heute kaum noch einen verständigen Menschen geben, der sich glauben machen ließe, daß mit den Mitteln, welche die p reu ßi s ch e P 0 le np 0 li ti k anwendet, die Ziele, welche diese Politik angeblich erreichen soll, überhaupt erreicht werden können. Bekanntlich ist seit nunmehr 2S Jahren ein„Kampf um den Boden" im Gange, der den preußischen Steuerzahlern bis jetzt rund 700 Millionen Mark gekostet hat. Nebenbei bemerkt: man erinnert sich, welch ein Geschrei regelmäßig erhoben wird, wenn die Sozial- demokraten für die Schule Einrichtungen vorschlagen, die viel Geld kosten; aber für die Polenpolitik, die das preußische Volk ganz entschieden mißbilligt, sind die Hunderte von Millionen übrig. Doch hiervon abgesehen— was ist denn selbst im Sinne der Befürworter unserer Polenpolitik mit diesen 700 Millionen bisher geschaffen worden? Als kürzlich die Regierung dem Landtage wieder ein neues Gesetz zur Polenbekämpfung vorlegte, das wieder neue 100 Millionen fordert, hat sie selbst mitgeteilt, daß in diesem Vierteljahrhundert die Polen rund 100 000 Hektar mehr aus deutscher Hand erworben haben, als die Deutschen aus polnischer Hand l Diese eine Tatsache schlägt alles zu Boden, was selbst der wütendste Hakatist zugunsten einer solchen Politik anführen mag. Selbst wenn man die Zurück- drängung des PolentumS für äußerst notwendig hält, so ist doch mit jener Tatsache bewiesen, daß eS auf d i e s e Art nicht geht. Wären also wirklich keine anderen Gründe für die preußische Polenpolitik maßgebend, so müßten Freund und Feind über schleunigste Abkehr von diesem Wege einig sein. Und selbst der Vertrauensseligste muß einsehen, daß, wenn dies nicht geschieht, andere Interessen dahinter stecken müssen, als die man öffentlich nennt. Man versteht, wie groß unter diesen Umständen die Verlegenheit der Polentöter sein muß, wenn es sich darum handelt, eine halb- wegS plausible Verteidigung ihres Standpunktes vorzubringen. Selten kam diese Verlegenheit so kraß zum Ausdruck, wie in der Rede, die im Herrenhause am 7. Juni der ehemalige Minister Herr b. Rb»i-baben gehalten hat. Bekanntlich sind es im ganzen drei Argumente, auf denen die Hakatisten immer wieder herumreiten. Erstens soll eS die„Ge- reibtigkeit" unbedingt erfordern, daß so gegen die Polen vorgegangen wird; wir haben erst vor ein paar Wochen gezeigt, mit welcher Kunst Herr Beseler, Preußens Justizniinister, diese Gerechtigkeit zu „beweisen" verstand, eine Kunst, die unfehlbar wieder eine ganze Menge polnischer Arbeiter ins Lager der Sozialdemokratie treiben wird.— Der zweite Grund ist die angebliche„Notwehr"; das arme Deutschtum sei von den Polen so bedrängt, daß die Regierung ihm zu Hilfe kommen müsse. Nun hatte gerade dieses Argument in den Debatten des Abgeordnetenhauses ein schmähliches Fiasko erlitten. Denn dort war dem Landwirtschaftsminister Herrn v. Schorlemer jene böse Entgleisung passiert, daß er das coormdium und commercium(die verwandtschaftliche und wirtschaftliche Vermischung) mit den Polen unter allen Umständen verhängnisvoll für das Deutsch- tum bezeichnete. Damit war nun aber zugegeben, daß es nicht die Polen sind, die sich absondern wollen und dadurch etwa eine Gefahr für den preußischen Staat heraufbeschwören, sondern daß es umgekehrt die Absicht der preußischen Regierung ist, die Polen zurückzustoßen und von der deutschen Bevölkerung fernzuhalten. Wenn also wirklich— wie die Hakatisten behaupten— die Absonderung der Polen, ihre angeblichen Träume von der Wiederherstellung des polnischen Reichs die Sicherheit des preußischen Staates bedroht, so wäre dies erst recht ein Grund, von einer Politik abzulassen, die sie zu einer Ab- sonderung geradezu zwingt. Und wenn die preußische Regierung das gerade Gegenteil tut. so beweist sie damit, daß sie an eine solche Gefahr im Ernste nicht glaubt. Das hatte Herr v. Schorlemer durch feine unbedachte Aeußerung vor aller Welt kundgetan. Da holte denn Herr v. Rheinbaben in seiner„glänzenden" Rede, die ihm(laut stenographischem Bericht) durch wiederholtes lebhaftes Bravo und Händeklatschen(I) gelohnt wurde, das dritte, das abgegriffenste aller Hakatistenargu- mente hervor: das Märchen.von der sogenannten„polnischen Wirt- schaft". Man muß, rief er pathetisch aus „die Geschichte Friedrichs des Großen studiert haben, um zu wissen, in welchem Zustande der g e i st i g e n P e r w a h r l 0 s u n g, des vollständigen wirtschaftlichen Niederganges und der Rechtlosigkeit der unteren Klassen sich diese Landesteile befanden, als sie an Preußen zurückfielen." Dank der preußischen Tüchtigkeit aber sei ihnen jetzt„ein Wirt- schastlicher Aufschwung sondergleichen" bcschiedcn worden. Die Behauptung, daß die Polen aus sich heraus es zu keiner hohen Kultur hätten bringen können, ist nachgerade zu abgeschmackt, um sich noch ernstlich mit ihr zu beschäftigen. Es genüge, darauf hinzuweisen— wie es auch unser Fraktionsredner im Abgeordneten- Hause getan hat— daß vor wenigen Jahren erst in einer konser- vativen Zeitschrist ein konservativer Verfasser die hohe Kultur ge- rühmt hat, die sich die Polen im Gegensatz und im Kampfe mit den behördlichen Bedrückungen geschaffen haben. Er sprach von der „reichen, vielseitigen, stetig entwickelten Literatur und Kunst" der Polen; er sprach davon, daß die 100 Jahre der Fremdherrschaft „daS nationale Pflichtgefühl, die Treue und Opferwilligkeit erst recht geweckt" haben; er sprach von dem„lodernden Flammenmeer" der polnischen StaatSidee,„das nun die ehemals polnischen Landesteile durchbraust". Von einem solchen Volke zu behaupten, eS habe zu seinem kulturellen Aufschwung erst den preußischen Korporalstock nötig gehabt, ist ja einfach lächerlich. Aber die Aeußerung des Herrn v. Rheinbaben interessiert uns aus einem ganz anderen Grunde. Als Zeichen dessen, was man in seinen Kreisen„polnische Wirtschaft" nennt, führte er an die geistige Verwahrlosung, den vollständigen wirtschaftlichen Niedergang und die Rechtlosigkeit der unteren Klassen. Ja um alles in der Welt, wenn diese Dinge schlimm sind— und daß sie schlimm sind, werden wir ganz gewiß nicht bestreiten— hätte denn da nicht der preußische Staat alle Veranlassung, sich erst einmal recht nachdrücklich an die eigene Nase zu fassen? Die geistige Verwahrlosung der unteren Klaffen! Sollen wir erinnern an den traurigen Zustand der preußischen Volksschule, deren Tiefstand auf dem Lande die schlimmsten Erwartungen noch übertrifft, und die selbst in den Bezirken ihrer besten Leistungen, in den großen Städten, die Proletarierkinder noch nicht einmal so weit zu bringen vermag, daß sie ihre Muttersprache richtig lesen und schreiben können? Der wirtschaftliche Niedergangl Sollen wir verweisen aus die amtliche Statistik, die erst soeben wieder gezeigt hat, daß mehr als die Hälfte der preußischen Bevölkerung noch nicht mal ein Einkommen von 900 M. im Jahre hat? Und endlich die Recht- losigkeit der unteren Klassen I Wer denkt dabei nicht sofort an? preußische Wahlrecht, an die Gesindeordnung, an das zweierlei Recht. daS gerade durch die Polengesetze geschaffen worden ist? Das war nicht gut getan. Herr v. Rheinbaben I Wenn Sie f 0 die„polnische Wirtschaft" definieren, dann können wir Ihnen viel näher liegende Gegenden zeigen, wo sie herrscht; dann brauchen wir nicht bis in die polnischen Landesteile zu gehen. Und dann können wir Ihnen für die 700 Millionen wahrlich eine bessere Verwendung sagen als die Bedrückung unserer polnischen Mitbürger. Zum Genosscnlchaftstag. Der neunte ordentliche Genossenschaftstag des Zentral- Verbandes deutscher Konsumvereine hat feine Tagung bc- endigt. Der großzügige Plan einer Volksversicherung durch eine gewerkschaftlich-genossenschaftliche Aktiengesellschaft ist ein- stimmig gutgeheißen. Der Aufbau einer Volksver» s i ch e r u n g auf sicherer Grundlage und auf der Grundlage der Solidarität hat stattgefunden. Wenn die Erfolge einer solchen Versicherung auch keineswegs, wie der Referent mit Recht betonte, goldene Vehge schaffen können, so kann doch durch die Ausschaltung des kapitalistischen Betriebes ganz Erhebliches auf sozialpolitischem Gebiete zugunsten der Ar» beiterklasse durch diese„Gründung" erreicht werden. Möge der Erfolg den Erwartungen entsprechen. Ein großer Teil der übrigen Verhandlungsgegenstände betraf die Organisation der Konsumvereine» des Zentralverbandes und der Verlagsan' stalk. Dnr'ch Aufstellung eines Muster'stalu'ts ist eine' Prak- tisch werrdoi?e Arbeit geleistet. Die Umwandlung der Ver- fassung des Zentralv erbandes und der Verlagsanstalt gibt den einzelnen KonfumvereinSverbänden einen größeren Einfluß auf diesem Gebiete wie bisher./ Bei der Besprechung des V o r st a n d s b e r i ch t s ist nüt Recht von einem.Teilnehmer hervorgehoben, daß die Borstände trotz aller politischen Bedeivken. von denen sie gar zu sehr erfüllt' sind. Initiative beim Kampf gegen die Teuerung hätten ergreifen müssen. Daß dies nicht ge- fchehcn ist. ist ein außerordentlicher Fehler, der auf jener durchaus zu bekämpfe uden Ueberspannung des Reutralitäts- gedankens und lieber fchätzimg einer Nur-Konsnmvereins- bewegung beruht. Was die Konsumvereine und insbesondere der Zentralverband gegr'nüber der Teuerung mehr hätten tun können, wöllsn wir nicht eingehend erörtern. Die über- große Zahl der Konsumvereinsmitglieder sind Arbeiter und gewerkschaftlich und politisch organisierte Sozialdemokraten. An ihnen muß es- liegen, mehr wie bisher, auch auf tarif. lichem Gebiete, die genossenschaftliche Tätigkeit mit sozia- listischem Geiste zu erfüllen. Wie notwendig dies ist. zeigte der Vortrag des Redatteurs Dr. Müller über die Volkswirt- schaftliche Bedeutung des Kleinhandels. Ausführungen wie die,„gegenüber den Kartellen ist die Genossenschafts- bcwegung das Korrelat", sind Utopien, die zeigen, wie weit entfernt der Vortragende von einem Verständnis des�Zu- fammenhangeS der wirtschaftlichen und politischen Dinge steht. Dasselbe gilt von seiner Prophezeiung, daß„der Konsumverein dein Kapitalismus gegenüber siegen" werde. Ohne politische Betätigung ist an eine Ueberwindung des Kapitalismus- nicht zu denken, und wer da glaubt, daß die Konsumvereinsbewegung so hinten herum den Kapitalismus in schön-harmonischer Gegenwartsarbeit überwinden könne, so daß eines Tages der Kapitalismus von der Konsum- Vereinsbewegung niedergestreckt daliege und eine neue Ge- sellschaftsordnung beginne, ist ein Illusionär, dessen rück- ständige Auffassung der Konsumvereinsbewegung mehr schadet als nützt. Die übergroße Menge der Konsumvereins- Mitglieder steht auf dem harten Boden der Wirklichkeit und lehnt solche phantastischen Träume ab. Sie wird auch mit manchem anderen Ausführungen gerade dieses Vortrages, der nichts weniger als konsumvereinsfördernd war. so auch mit der gegen die Gewerbefreiheit gerichteten Aeußerung keineswegs einverstanden sein. Die Ueberspannung des Neutralitätsgedankens kam auch in der Art der Einladung zum Genossen- s ch a f t s t a g zu einem der Konsumvereinssache keineswegs förderlichen Ausdruck. Wenn Förderer der Konsumvereins- bewegung, wie die Propagandakommission zur Förderung der Konsumvereinsbewegung in Groß-Berlin, keine Ein- ladung erhielten, so mag das vielleicht nur auf einem Ver- sehen beruhen. Wenn aber der konservative Reichs- tagskandidat des dritten mecklenburgischen Wahlkreises, das hervorragendste Mitglied des Bundes der Landwirte, Professor Dade, als Gast eingeladen wurde, so muß das nicht nur Be- fremden erregen, sondern hat wie ein Faustschlag gegen die Bestrebungen der Arbeiterklasse auf politischem, gewerkschaft- "lichem und genossenschaftlichem Gebiete gewirkt. Und mußte so wirken. Unsere Leser erinnern sich, wie wir am 27. März mitteilten, am 16. März haben eine Reihe Agrarier aus Pommern und Mecklenburg Vereinbarungen getroffen, die dahin gingen, Tagelöhner und Deputatisten nicht in Arbeit zu nehmen, falls diese der Sozialdemokratie oder einem Konsumver- eine angehören. Nach jener Vereinbarung, die bis zum 36. Juni 1914 in Geltung ist, dürfen„sogenannte fremde Arbeiter, die einem von der Sozialdemokratie ins Leben gerufenen Konsumverein angehören, nicht be- fchäftigt werden". Unter den sozialdemokratischen Vereinen ist natürlich auch, und zwar in allererster Reihe, der Land- arbeiter verband zu verstehen. Kürzlich brachten wir die Nachricht, daß Mecklenburger Gutsbesitzer, um die Land- arbeiter aus den Konsumvereinen zu treiben, sogenannte Rabatte bis 25 Mk. jährlich an die Arbeiter zu zahlen sich verpflichtet haben, die von Kleinhändlern kaufen. Einen ausgesprochenen Anhänger solcher gegen die politische, ge- werkschaftliche und genossenschaftliche Betätigung der Ar- beiter gerichteten terroristischen Bestrebungen zu dem Ge- nossenschaftstage als Gast einzuladen, übersteigt das Maß dessen, was selbst Anhänger einer Neutralität für richtig er- achten dürften. An den gewerkschaftlich und politisch organisierten Ar- beitern, die, wie wir wiederholen, den weitaus größten Teil der Konsumvereinsmitglieder bilden,' liegt es nunmehr, kräftiger wie zuvor im Sinne des Kopenhagener und Magde- burger ParteitagZbeschlusses dafür einzutreten, daß die Genossenschafts bewegung mit sozia- l i st i s ch e m G e i st e erfüllt werde. Die Generalver- sammlungen der Konsumvereine sind bislang vielleicht zu wenig von unseren Genossen beachtet. Das muß in Zukunft im Interesse einer energischen Weiterentwickelung der Ge- nossenschaftsbewegung unterbleiben. Die von uns erwähn- ten Vorkommnisse auf dem Gcnossenschaftstage mögen hierzu anspornen und nicht etwa dazu, sich von einer Bewegung ab- zuwenden, die. in echt genossenschaftlichem Geiste geleitet, in erheblicher Weise den politischen und gewerkschaftlichen Kampf für die Hebung der Lage der Arbeiterklasse ergänzen kann. Vorwärts, hinein in die Konsumver- eine, daniit das von der Arbeiterklasse ersehnte Ziel um so schneller erreicht werden kann. iZer Krieg. Kampfe in der Cyrenaika. 5iom, so. Juni. Die Agcnzia Stefani meldet aus Ben- g Ij a s i: Am 19. Juni früh mußte die Brigade Buonini eine Re- tognoszierung in der Oase Suani Ben Osman ausführen, die glänzend durchgeführt wurde. Die italienischen Truppen blieben, nachdem sie die Beduinen, welche in sehr gut gewählten Stellungen heftigen Widerstand leisteten, zurückgetrieben hatten, drei Stunden in der Oase und kehrten dann nach einem vorher festgesetzten Plan nach Benghasi zurück. Die Verluste des Feindes wurden noch nicht festgestellt, sind aber beträchtlich. Auf Seiten der Italiener wurden ein Kamelreiter und ein eingeborener Askari getötet und 11 Mann verwundet, darunter ein- Unteroffizier aus Erythräa und ein Kamclreiter und zwei Askaris aus Benghasi. Aus Derna wird gemeldet: Am Morgen des 19. Juni gab daS Fort Picmonte einige sehr wirksame Schüsse ab, um feind- liche Haufen zu zerstreuen, welche Anstalten trafep, die Arbeiten avf dem Wege nach Feteia zu störew Der Feind wurde zwischen zwei Feuer genommen uüd zog sich zurück, nachdem er beträchtliche Verluste gehabt hatte. Die Arbeiten gingen dann ohne Unter- brechung weiter. Die Not der Ausgewiesenen. Bei der am 18. d. M. in G e n u a erfolgten Ausschiffung von 230 aus der Türkei ausgewiesenen Italienern kam es zu einer erbarmungswürdigen Szene. Als der Dampfer, der seit dem vorigen Abend im Hafen lag, von den Hafenbeamten besucht wurde, brachen die Ausgewiesenen in den Ruf aus:„Wir haben Hunger, wir sterben vor Hunger." Es wurde sofort auf Veranlassung des Auswanderungskommissars Milch und Brot ge- reicht. Eine Dame wurde ohnmächtig und sagte als sie wieder zu sich kam:„Es ist nur vor Hunger." Die Stadtverwaltung hat sofort eine Enquete veranlaßt. Alle Ausgewiesenen geben ein- stimmig an, daß sie an Bord hungern mutzten. Die Unglücklichen wurden nach der Abspeisung zur Desinfektion und zur Impfung in das Lazarett gebracht. Der Vorfall zeigt, wie wenig die Re- gierung und die verschiedenen Komitees für die Ausgewiesenen sorgen. An patriotischen Flausen fehlt es nicht, aber die Ratio- nalisten, die den Mund so voll nehmen, verstehen nicht zur rechten Zeit daS Richtige zu tun. Der Gesundheitszustand der Truppen in der Cyrenaika. Dem„Avanti" zufolge läßt der Gesundheitszustand der Truppen in der Cyrenaika sehr zu wünschen übrig. Im Gegensatz zu den offiziellen Nachrichten sollen die Truppen in hohem Grade durch Infektionskrankheiten leiden und zwar besonders durch Typhus. In einem Brief, der am 28. Mai von Derna ab- gegangen ist, heißt es, daß allabendlich 10 bis IS Soldaten, die an Krankheit gestorben sind, begraben werden. Im 7. Infanterie- regiment sollen mehrere Todesfälle zu beklagen sein; am schwersten ist aber das 3S. betroffen, das 200 Todesfälle an Infektionskrankheiten gehabt haben soll. In dem Brief heißt es, daß die Sani- tätSbehörden es ablehnen, weiter die Verantwortlichkeit für diesen Zustand zu übernehmen. Und dabei sind wir noch nicht in der heißesten Periode des Jahres angelangt! Der Brief behauptet weiter, daß am 26. Mai ein Soldat gestorben sei, nachdem er 4 Stunden in Fußeisen geschloffen der Sonne ausgesetzt worden -wäre. Man darf nun neugierig sein, wie sich das Kriegs- Ministerium zu diesen schweren Anklagen stellen wird. politifcbe Oebcrltcbt. Berlin, den 20. Juni 1912. Armselige Komödianten. Der zu Köln versammelte Vorstand des Gesamtver- bandes christlicher Gewerkschaften hat gestern die mit vielem Tamtam angekündigte Protesterklärung gegen die päpstliche Verurteilung der christlichen Gewerkschaftsbewegung zustande gebracht. Wer aber nach den Aeußerungen christlicher Ge- werkschaftsblätter' erwartet haben sollte, der Vorstand werde sich gegen die bekundete Auffassung des Vatikans und das von ihm beanspruchte Recht der Beaufsichtigung und Zurecht- Weisung der wirtschaftlichen Arbeitervereine wenden, wird sich recht enttäuscht fühlen. So weit reicht der Mut und die kuriose Prinzipientreue der christlichen Gewerkschaftsführer nicht. Die„Herren" beschränken sich in Weiser vorsichtiger Mäßigung darauf, den Papst, die römische Kurie und den dentschen Episkopat völlig aus dem Spiel zu lassen und ent- rüstet gegen c?n„Verleumdungsfeldzug" der Berliner katholischen Fächvereinsbewegung zu deklamieren. Stolz verkündeten sie der Welt, daß sie— wohl doch nur vor- läufig?— an ihren bewährten Grundsätzen gewerkschaftlicher Vereinigung festhalten. Daneben wird, da so etwas doch immerhin recht dekorativ wirkt, und auf gewisse patriotisch- kapitalistische Kreise die Wirkung nicht verfehlt, vym„Ver- fassungsleben unseres Vaterlande s", von „wirtschaftlicher Freiheit" usw. gesprochen. Wörtlich lautet die schöne Protesterklärung der'christ- lichen Gewerkschaftsführer: „Der Vorstand l)atte in seiner heutigen Sitzung zu prüfen, ob zur Ergeifung etwaiger neuer Maßnahmen und Vor- kehrungen in Sachen des Gewerkschaftsstreites ein außerordent- licher Gewerkschaftskongreß einberufen werden soll. Die Be- ratung führte zu folgendem einstimmigen Beschluß: Ein außer- ordentlicher Gewerkschaftskongreß erweift sich mit Rücksicht auf den ohnehin im Herbst stattfindenden ordentlichen Kongreß im gegenwärtigen Stadium der Auseinandersetzungen nicht als notwendig. Der W er le/umd ung s fe ldzug der ka- tholischen Fachabteilungsbewegungen ist auf der ganzen Linie erfolreich abgeschlagen worden. Roch nie Hai sich die öffentliche Meinung so entschieden und so einmütig für unsere Bewegung eingesetzt. Nach den letzten Ereignissen fehlt den Sonderbestrrbungen der Fachabteilungen in Deutschland jedweder Resonanzboden. Zu Aenderungen in den Grundzügen und der Praxis der christlichen Gewerkschaften liegt keiner- lei Veranlassung vor. Die gesamte christlich-nationale Arbeiterschaft katholischer und evangelischer Konfesfion steht wie ein Mann fest in der unerschütterlichen Uebcrzeugung von der wirtschaftlichen und nationalen Notwendigkeit ihres gewerkschaft- lichen Zusammenarbeitens. Die grundsätzlichen Angriffe der Fachabteilungsbewegung gegen den christlichen Gewerkschafts- gcdauken erachtet sie in ihren letzten Konsequenzen als An- griffe auf das Wirtschafts- und Verfassungs- leben unseres Vaterlandes. Wir protestieren daher erneut gegen die unablässigen Verdächtigungen und Beunruhi- gungen, wie sie von der bekannten Presse des In- und Aus- landes seit Jahren gegen die christlichen Gewerkschaften be- trieben werden. Ehrenmännerart ist es nicht, zu unterstellen, wo die Tatsachen unzweideutig reden. Wir preotestieren vor allem gegen die ungleiche Behandlung der Arbeiter im Gegen- satz zu allen anderen Ständen. Gegen unsere Grundsätze und unsere bisherige gewerkschaftliche Tätigkeit konnten stichhaltige und tatsächliche Einwände sittlich-religiöser Art, auch nach dem Zeugnisse berufener Instanzen, nicht beigebracht werden. Die christlichen Gewerkschaften beanspruchen deshalb gleich allen anderen Ständen ihre wirtschaftliche Frei- heit und Selbständigkeit." Schön zusammengerührter Mehlbrei mit einigen Paprikaphrasen._ Sie schweigen und dncken sich. Die von der päpstlichen Nuntiatur in München verkündete Mitteilung, Pius X. wünsche, daß die katholische Presse die Polemik über die katholischen Arbeiterorganisationen in Deutschland einstelle und es dem„Heiligen Stuhl" überlasse, die Gewerkschaftsfragen mit den deutschen Bischöfen zu regeln, findet bei den Zentrumsblättern der Kölner Richtung lebhafte Zustimmung, fällt damit doch dieser Presse, die sich in den letzten Tagen so manche häretischen Aussprüche geleistet hat, ein schwerer Stein vom Herzen. Selbst die bachemitische «Kölnische Volkszeitung" erklärt: „Wenn die derzeitige unerquickliche Erörterung, für die wir nicht die Verantwortung tragen, eingestellt werden kann, so wird dies niemand mit größerer Genugtuung be- g r ü ß e n a l s w i r. Es versteht sich darum- auch von selbst, daß wir dem Wunsche des Heiligen Vaters und der nunmehrigen Lage gern Rechnung tragen, in der sicheren Hoffnung, daß die Angelegenheit auf diesem Wege, nämlich auf dem Wege über die deutschen Bischöfe, auf de n wir von allem An- sang an verwiesen haben, eine baldige Lösung finden wird, die dauernde Beruhigung schafft.... Die rein referierende , Mitteilung neuer Tatsachen wird die„Kölnische Volkszeitung" natürlich auch fernerhin nicht unterlassen können." Und dem Beispiel der politischen Blätter von der Art der „Köln. Volkszeitung" werden die christlichen Gewerkschafts- blätter alsbald folgen, wie voll sie auch noch in den letzten Tagen ihren Mund genommen haben. So erklärte zum Bei- spiel noch gestern der ehrsame christliche„Bergknappe", sich in keinem Fall auf einen Wafsenstillstand einlassen'zu wollen: „AuS dem Verlauf der ganzen Angelegenheit geht hervor, daß die„Berliner" diesmal wieder nicht auf ihre Rechnung kom- men. Sie ziehen den Kürzeren. Es wird deshalb von ihnen ver- sucht werden, den Streit jetzt versanden zu lassen, damit sie ihn zu gelegener Zeit wieder aufnehmen können. Das darf aber nicht geschehen. Eine große Bewegung kann nicht in ständiger Beunruhigung leben. Wir müssen verlangen, daß der Streit jetzt endgültig ausgetragen und zum Abschlu ß gebra cht wird. Unsere Bewegung hat wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als sich jahraus, jahrein mit den Ber- lincrn herumzustreiten. Wir sind den Streit jetzt leid und werden uns auf keinen Waffenstillstand ein- lassen. Es besteht gar keine Hoffnung mehr, daß die„Ber- liner" sich bessern, wenn sie nicht zur Besserung gezwungen wer- den. Deshalb muß man sie dazu zwingen im Interesse der guten Sache, der wir dienen." Doch man darf solche klerikale Unentwegtheit nicht zu hoch einschätzen. Wenn die Redaktion des„Bergknappen" von Köln einen deutlichen Wink erhält, kappt sie demütig zu- sammen. Fast scheint es, als sei inzwischen das Zusammen- klappen schon'erfolgt, denn nach einer Mitteilung der„Köln. Volkszeitung" von heute abend hat die Leitung der katholi- schen Arbeitervereine Westdeutschlands am Mittwoch folgende Zuschrift erhalten: „Die in Hildesheim gelegentlich der Generalversammlung des Bonifaziusvereins anwesenden Bischöfe haben die GeWerk- schaftsangelgenheit in ernste und wohlwollende Beratung ge- nommen. Auf Grund dessen werden die katholischen Arbeiter- vereine Westdeutschlands die öffentliche Auseinandersetzung über die Streitfrage vorläufig einstellen. München-Gladbach, den 20. Juni 1912. Dr. Otto Müller.". Die ganze Sache ist höchst komisch. Noch vorgestern ver- sicherte die Zentrumspresse kölnischer Richtung, dem Papst stände nur in religiösen Dingen ein Auf- sichtsrecht und Urteil zu. nicht aber in rein wirt- schaftlichen und politischen Fragen, jeder gute deutsche Kathollkseibereit,auchdem„HelligenStuhl" gegenüber seine politische und Wirtschaft- liche Freiheit zu verfechten usw. usw.— und nuix sind dieselben Blätter ganz entzückt, daß der Papst mit den Bischöfen ohne Beteiligung der am meisten Interessierten, der christlichen Gewerkschaftler, die Frage der gewerkschaftlichen Organisation von oben herab ordnen will. Kein einziges der Blätter wagt in Konsequenz seiner eigenen schönen Theorie dem Papst zu erklären:„Bleibe doch davon, derartige res» wirtschaftliche Dinge gehen Dich ja gar nichts anl" Ein echt klerikaler Mumpitz! Elektrizitäksmonopol und Gemeknds Durch ihre gewaltige Kapitalmacht besitzen die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschast und der Siemens-(Halske-Schuckerh-Konzern ein Monopol in der Elektrizitätsindustrie. Macht dieses sich schon drückend genug für die großen und kleinen Konsumenten von Elek» trizitätsprodukten geltend, so muß eS um so mehr erstaunen. daß die beiden Gesellschaften durch Staat und Gemeinde in ihren monopolisierenden Tendenzen noch unterstützt werden. Besonders die Kommunen zeigen fest einiger Zeit starke Neigung, die Elektrizitätslieferungen privaten Gesell» schaften von vornherein zu überlassen oder sie nachträglich an sie zu verpachten. Oft geschieht diese Auslieferung auch so, daß Gemeinde und Gesellschaft gemeinsam Anlage und Betrieb von Elektrizitätswerken und-bahnen übernehmen. So soll in Saarbrücken eine Anlage geschaffen werden, bei der die Stadt- gemeinde 49 Prozent, die benachbarte Gemeinde Bischmisheim 10 Prozent, der Landkreis Saarbrücken 7 Prozent, die A. E.-G. 31 Prozent und die Berlin-Anhaltische Maschinenfabrik A.-G. 3 Pro- zent des erforderlichen Kapitals beisteuern. Trotzdem min die be- teiligten Gemeinden insgesamt 66 Prozent des Kapitals liefern und die absolute Mehrheit besitzen und einen entsprechenden Anteil an der Verwaltung beanspruchen könnten, haben sie doch die Macht in erheblichem Grade ans ihren Händen gegeben. Die General- Versammlung beschließt mit Dreiviertelmehrheit, so daß die 31 Stimmen der A. E. G. jeden Beschluß hindern können. Die A. E. G. stellt weiter einen der beiden Direktoren. Am schlimmsten ist aber, daß ihr ein großer Anteil am zu erzielenden Reingewinn und an der gesamten Materiallieferung zugesichert worden sind. Die„Saarbr. Ztg." führt davon im einzelnen auf: Die A. E. G. erhält für ihre Arbeit eine Entschädigung vom Reingewinn, falls die Dividende mehr als 5 Proz. des Aklieukapitals beträgt, und zwar bei mehr als 5 bis 6 Proz.: 21l3 vom Tausend des Aklienkapilals, bei mehr als 6 bis 7 Proz. 3>/z vom Tausend des Aktienkapitals, von da ab steigend für jedes Prozent Dividende um Vz vom Tausend des Aktienkapitals. Jede außergewöhnliche Tätigkeit wird der A. E. G. jedoch noch nach be- sonderer Vereinbarung vergütet. Ferner überträgt die Vertriebsgesellschaft der A. E. G. die Ausführung sämtlicher Betriebseinrichtungen für die Stromäbgabe der Vertriebsgesellschaft. An Bezahlung dafür erhäll die Ä. E. G.: für A. E. G.-Fabrikate die Listenpreise abzüglich 271l2 Prozent; für eigene Fabrikate, die nicht lisiemnäßig geführt werden, die Herstellungsselbstkosten plus 2S Prozent Aufschlag; für Lieferung syndizierter und kartellierter Waren die vor- geschriebenen Mindestpreise; für Frcmd-Liefcrnngen und-Leistungen sdas sind solche, die die A. E. G. nicht im eigenen Geschäftsbetriebe herstellt bezw. ausführt, sondern die sie an Dritte weiter ver- gibt, 10 Prozent Gewinnzuschlag; auf Montagelöhne 20 Prozent Aufschlag; auf Fracht- und Anfuhrkosten LVz Proz. Ausschlag; für die Bauleitung 8 Proz. Aufschlag auf die Auflragsendsnmme. Diese Bestimimncgcn über die Ausführung der Arbeiten und Liefernngen durch die A. E. G. gelten zehii Jahre, bis zum 30. September 1922. Der Vertrag läuft fünf Jahre weiter, wenn er nicht fünf Jahre vor seinem Ablauf gekündigt wird. Beim Abschluß solcher Bedingungen ist es kein Wunder, wenn die Stadtverordneten nur in geheimer Sitzung, hinter verschlossenen Türen, der 8. E. G. solche Monopolprofite zu sichern wagten. Streikjustizbliiten. Welche Verwirrung die Erledigung der niasscnhaften Streik- fachen bei den Gerichten im Ruhrgebiet angerichtet hat, dafür ist im Laufe der letzten Wochen schon manch illustres Beispiel bekannt ge- worden. Heute ein neues. Vor etwa drei Wochen wurde ein Berg- arbeiter aus Dahlhausen vom Schöffengericht in Steele a. d. Ruhr wegen angeblicher Mißhandlung eines Arbeitswilligen zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte hat Berufung ein- gelegt. Aber noch bevor die Berufung zur Verhandlung kam, er- hielt er nach dem Wnrmrevier, wo er infolge seiner Maßregelung hatte Arbeit suchen müssen, um Frau und Kind zu ernähren, eine neue Anklageschrift nebst Ladung zum Schöffengericht Steele zugesandt. Mit banger Erwartung tritt der Mann die Reise vom Aachener Revier nach Steele an. Und siehe da: mit wachsen- dem Erstaunen wird ihm in der Verhandlung klar, daß über dieselbe Sache verhandelt wird, wegen der er von demselben Gericht unter demselben Vor- sitzenden bereits verurteilt worden ist! Schon hatte der Vertreter der Anklage den Strafantrag gestellt, als dem An- geklagten die Situation vollends klar wird und er sagt: er sei doch deswegen schon verurteilt I— Der Richter sieht den Angeklagten un- gläubig an, er frägt seinen Belastungszeugen, ob das wahr sei; dieser bestätigt es mit dem Vermerk, daß ja doch der Borsitzende selbst die Verhandlung geleitet habe. Da dämmerts auch dem Vorsitzenden, und der Missetäter kann gehen. So geschehen im Lande der vollendetsten Rechtsgarantien I Reine Bahn. Der Vorstand des KreiskriegerverbandeZ Nordhausen- Grafschaft Hohenstein hat den Vereinen des Verbandes folgende Eröffnung zur Mitteilung an ihre Mitglieder zugehen lassen! „Wer bei Gelegenbeit der letzten ReichStagsstichwahl daS frei- willig abgelegte Gelöbnis, die in den KriegervereinSsatzuugen niedergelegten Grundsätze gewissenhaft zu beobachten, nicht ge» halten und auch die daraus hinweisenden Aufrufe des Borstandes des Deutschen Kriegerbundes, den Satzungsbestimmungen gemäß zn wählen, nicht befolgt hat, wird aufgefordert, als ehrlicher Mann ans seinem Kciegerverein auszuscheiden, da niemand gehalten werden soll, aber auch niemand geduldet werden darf, der sich nicht mehr zu den für die Kriegervereine geltenden Grundsätzen bekennen Ivill." Das ist konsequent. Sozialdemokratische Wähler sollten, sofern sie noch einem Kriegerverein angehören, ebenso konsequent fühlen und denken und den Hurrapatrioten den Rücken lehren I Abgelehnt. Die Mehrheit der Bürgerschaft der„freien" Hansestadt B r e- in en hat sich wieder ein Denkmal der Schande gesetzt. Die Bürger- schaft lehnte mit 57 gegen 30 Stimmen folgenden Antrag der sozial- demokratischen Fraktion ab: „Die Bürgerschaft wolle beschließen, an Stelle des heutigen, den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen nicht mehr ent- sprechenden Klassenwahlrechts für die Wahlen zur Bürgerschaft das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht einzuführen und den Senat um eine dahingehende Vorlage zu ersuchen." Sammlungen für die National-Flugspcnde in Volksschulen. Die Kühnheit der Flugsporipatrioten übersteigt nachgerade alle Grenzen. In Bochum geben sich die Volksschullchrer dazu her, die Kinder während des Unterrichts aufzUssrdern, sich an-' der National-Flugspende zu beteiligen. Zur Begründung erzählte einer dieser Herren den Kinder», daß die Franzosen einst den Deutschen Land weggenommen; dies fei zurückerobert, und»un wollten die Franzosen Deutschland mit Krieg überziehen, um es wieder„zurück- zuerobcrn". Auch England wollte Deutschland mit Krieg überfalle». Deshalb baue Deutschland Luftschiffe, um mit deren Hilfe die Feinde vernichten zu können.— Als einer der Lehrer mit Hilfe solchen imerhörte» MißbrauchS seiner pädagogischen Pflichten ganze 27 Ps zusammengeschiiorrt hatte, bemerkte er, das sei gar nichts, 27 Mark müßten es wenigstens sein, und forderte auf, am andern Tage mehr zu bringen. Da dieser Unfug nicht vereinzelt borkommt, ist nicht aus- geschlossen, daß er auf höhere Weistliig zurückzuführen. ist. Spionagcprozest. In dem Spionagcprozeß gegen den Bildhauer Anton Nicolas ans Metz wurde gegen 5 Uhr uachmiltags das Uneil verkündet. Der Angeklagte wurde wegen versuchten Verbrechens nach Z 3 des Spiouagcgesetzcs zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. 6 Monate Uutersuchimgshaft wurden ihm angerechnet. Nicolas hatte sich seit Jahren an Soldaten in Metz heraugeniacht, um für Frankreich militärische Geheimiiisse auszukundschaften. Ein Soldat ging scheinbar auf das Ansimrcn des Nicolas ein und ver- schaffte ihm einen Plan, der aber keinerlei Geheimnisse enthielt. frankreick. Die Reaktion im Pariser Gemeinderat. Mit 33— 43 unter 65 abgegebenen Stimmen hat der neu- gewählte Pariser Gemeinderat ein völlig reaktionäres Bureau gewählt. Selbst die früher beliebte Ueberlassung einiger Posten an gemäßigte Republikaner wurde diesmal für überflüssig gehalten. Die 15 Sozialisten beteiligten sich nicht an der Wahl. In einer durch Genossen Varenne verlesenen Protesterklärung weisen sie darauf hin, daß das arbeitende nnd republi- konische Paris dank dem geltenden Wahlsystem nicht gerecht im Gemeinderat vertreten ist, und daß sie es ablehnen, diese Ungc- rcchtigkeit durch Teilnahm- an der Bnreautoahl gutzuheißen. Zugleich wandten sie sich damit gegen die republikamselM MehrhcitS- Partei, die Radikalen:„die Männer der Vergangenheit, die seit vielen Jahren die Macht innehaben ohne die unabweisbaren Reformen verwirklicht zu haben". Deren Kandidat Lampu«, für den 21 Siadikale und unabhängige Sozialisten stimmten, hatte in der Eröffnungsansprache, die er als Alterspräsident hielt, in albern-gehässiger Weise die Organisation der Gemeindearbeiter angegriffen und sich gegen jede Ausdehnung des Gemeindebetriebes ausgesprochen. Wie sehr die heutige Gemeindevertretung mit dem wirklichen Willen der Pariser Wähler im Widerspruche steht, zeigt Genosse C a chi n in der„H u m a n i t e". Am 5. Mai haben 373 666 Wäh- ler abgestimmt. Davon stimmten für die Konservativen 135, S o z i a l i st e n 116, Radikalen 166, unabhängige Sozialisten 21 Tausend. Danach müßten sie Vertreter zählen: Konservative 29 (statt 39), Sozialisten 25(statt' 15), Radikalen 22, unabhängige .Sozialisten 4. Wie die Bureauwahl zeigt, zahlen einige Gemeinde- rätc noch als Radikale, während sie tatsächlich den Konservativen zuzuzählen sind. Die ungleiche Verteilung der Mandate beruht auf der Ungleichheit der Wahlbezirke, die ein Zerrbild des gleichen Wahlrechts geschaffen hat. Die zwölf kleinsten Bezirke, fast samt- lich reaktionär vertreten, zählen 155 246 Einwohner. Sie haben ebensoviel Vertreter wie did zwölf größten mit 836 366 Ein- wohnern. von denen zehn durch Sozialisten vertreten sind. Der größte Bezirk. Clignancourt. zählt 112860 Bewohner, fast neun- zehnmal soviel wie der kleinste, Gaillon, Mit 6160. Hier merkt man freilich nichts von dem Eifer für die Gerechtigkeit deS Proportionalwahlsystems, den die Konservativen in der Frage des Wahlrechts zur Kammer bekunden. CKtna. Die Ministerkrise. Peking, 19. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Es wird berichtet, daß T a n g s ch a o y i sich zur Abreise nachHong- long rüstet. Der Unterrichtsminister Tsaiyuenpai, ein Anhänger Tangschaoyis, ist gestern nach Ticntsin abgereist. Man nimmt an, daß er nicht mehr hierhev zurückkehren werde. Weitere Anstritte aus dem Kabinett werden nicht erwartet. Sämtliche übrigen Kabinettsminister haben in einer Sitzung beschlossen» Duanschikai zn unterstützen. Man erörtert eifrig die Frage, wer der nächste Premierminister sein wird. Eine wachsende Gruppe begünstigt die Ernennung Wutingfangs, denn man glaubt, daß er das starke Band zwischen dem Norden und dem Süden bilden würde. Da- gegen drängt die Nationalversammlung auf Abschaffung des Amtes des Premierministers, das eine ständige Quelle von Reibungen gewesen sei und die Machtbefugnisse des Präsidenten beschränke. Soldatenmeuterei in Mnkden. Peking, 26. Juni. Eine gemischte Brigade in MuWen meuterte gestern abend. Regelloses Gewehrfeucr dauerte die ganze Nacht an. Mehrere Banken und Juweliergeschäfte wurden geplündert und ver- brannt. Hunderte von Häusern wurden zerstört. Leben und Eigen- tum der Fremden wurde gewissenhaft respektiert. Frauen nnd Kinder flüchteten in das englische Konsulat. Heute ist die Stadt ruhig, aber die Läden sind geschlossen» Starke chinesische Wachen sind an den Stadttoren aufgestellt. Marokko. Kämpfe in der Umgebung von Fez. Fez, 26. Juni. DaS Bataillon Gerald verließ vorgestern daS Lager-des Generals Gouraud, zerstreute den Feind und erbeutete eine Fahne. Gestern wurde Geschützfeuer in Richtung des Lagers Gouraud gehört. Man glaubt an ein neues Treffen, da bedeutende Truppenansammlungen gemeldet sind. Der Gegensultan von Agadir. Paris, 19. Juni. Nach einer Blättermcldung aus Mogador ist der Prätendent des Susgebietes Hriba zum Sultan von Agadir ausgerufen worden. Afrika. Einführung der Miliz in Britisch-Südafrika. Wie daS„Militär-Wochenblatt" nach der«Army and Navy Gazette" Nr. 2732 mitteilt, hat das Abgeordnetenhaus in Kap- st a d t(Uouss ok �sssmdlzc) das neue Wehrgesetz in dritter Lesung angenommen und dem Senat zur weiteren Beratung über- wiesen. Es bestimmt, daß eine ständige Wehrmacht von 2566 be- rittenen Schützen nebst fünf Feldbatterien unterhalten werden soll, von denen 2660 Mann zu Polizeizwecksn Verwendung finden, während der Rest militärisch ausgebildet wird. Ferner wird eine Reserve gebildet, die die auf verschiedene Bezirke verteilten Schützen ablöst, wenn die Zusammenziehung der gesamten Streitkräfte nötig wird, sei es zu weiterer militärischer Uebung oder zu sonstigen Zwecken.'V Im Kriegsfalle wird die männliche Bevölkerung von ganz Britisch- Südafrika(d. h. der früheren Staaten Kupkolon� Natgl,-Transvaal und Oraujefreistaat) auf Grund eines Milizsystems aufgeboten. Die heranwachsende Jugend wird in Kadettenorganisationen aus- gebildet; 56 vom Hundert dieser Kadetten müssen während vier auf einander folgenden Jahren an Uebungen teilnehmen. Der Rest muß Schützenvereinen beitreten, die gewisse Schießbedingungen mit staatlicher Munition erfüllen müssen. Bis zum vollendeten 45. Lebens- jähre verbleiben alle Dienstpflichtigen in der Reserve und können im Notfalle noch bis zum 66. Lebensjahre zur Verteidigung des Landes aufgeboten werden. Zunächst wird nach Annahme des Gesetzes zur Errichtung eines Oberkommandos und der erforderlichen Stäbe geschritten, zu welchem Zwecke im Juli dieses Jahres in Bloemfontein ein sechsmonatlicher Lehrgang für südafrikanische Stabsoffiziere beginnt, zu dem auch eine Anzahl frühere rBurenoffiziere, die sich im letzten Kriege auszeichneten, herangezogen werden. Auch die Errichtung einer Fliegerschule ist in Aussicht genommen. Hmcnka. Tasts und Roosevelts Boxwettkampf um die republikanische Kandidatur. Chicago, 19. Juni. Die Führer der Anhänger Roosevelts und der Anhänger Tafts haben drei Stunden lang über den Antrag des Gouverneurs Hadleh beraten, der 92 der angefochtenen Taftdele- gaten aus der Liste streichen und sie durch Anhänger Roosevelts er- setzen will. Als Watson, der Führer der Anhängerschaft Tafts, die Debatte schloß, wurde Hadlcy eine ohrenbetäubende Ovation dargebracht. Die Rooseveltanhänger zogen umher und schrien sich vor Begeisterung fast heiser. Als eine Dame dann von der Galerie herab ein Bild Roosevelts schwenkte, wuchs der Tumult ins Gren- zcnlose. Die Dame wurde von einigen Delegaten in den Saal geholt und auf den Schultern zur Rednertribüne getragen. Aus dem Höllenlärm ertönten abwechselnd die Rufe: Wir wollen Roose- velt, wir wollen Hadley! Der Lärm hielt dreiviertel Stunden lang an, und die Sitzung mußte während dieser Zeit unterbrochen werden. Sobald Hadley sich wieder Gehör verschaffen konnte, beantragte er, daß seine Re- solution der Kommission zur Prüfung der Beglaubigungsschreiben der Delegaten überwiesen werden solle. Gouverneur Deneen- Illinois brachte einen Zusatzantrag ein, daß kein Delegat, dessen Mandat bestritten sei, sich an der Abstimmung beteiligen dürfe. Hierauf beantragte Watson, das Amendement Deneens unberück- ächtigt zu lassen. Der Antrag Watsons wurde mit 564 gegen 516 Stimmen angenommen. Die Annahme bedeutet einen Triumph ür Taft. Die Abstimmung zeigt, daß Taft seit der gestrigen Ab- stimmung 6 Stimmen gewonnen hat.— Die Angelegenheit der an- gcfochtcnen Mandate wurde sodann unter Beifallskundgebungen der Anhänger Tafts dem Prüfungsausschuß überwiesen, und die Sitzung wurde vertagt. Chicago, 26. Juni. Die Wahlprüfungskommiffion des repu- blikanischen Nationalkonvents hat gestern einen Anhänger Tafts gegen einen Anhänger Roosevelts mit 36 gegen 13 Stimmen zu ihrem Präsidenten erwählt. Im Laufe des Abends verließen die Anhänger Roosevelts unter Protest die Kommission, da die Freiheit des Wortes unterdrückt werde. Sie kehrten zwar später zurück, ver- ließen jedoch bald darauf die Beratungen wieder, da sie auf ihr Ersuchen, die Wahlen aller angefochtenen Delegierten nachzuprüfen, keine befriedigende Zusicherung erhalten konnten. Hus der Partei. Die Vorberatung zum italienischen Parteitag. Rom, 18. Juni.(Eig. Ber.) Der Kongreß der Sozialisten des Piemont, der unter dem Vorsitz der Geiioffen Treves, Lerda und Pistoja am 16. d. M. in Turin stattgefunden hat, hat mit einem Siege der revolutionären Tagesordnung geendet. Die Tages- ordnung Lerda � erhielt 1228, die linksreformistische Tagesordnung Modigliani 818 Stimmen bei 268 Stimmenthaltungen. Auch der gleichzeitig in F o r l i tagende Kongreß der Sozialisten der R o m a g n a ergab eine große Mehrheit für die revolutionäre Tagesordnung mit der Variante, daß die zur Annahme gelangte Tages- ordnung Francesco CiccottiS die Ausstoßung der Freimaurer aus der Partei fordert. Da in der italienischen Partei sehr viele Frei- maurer sind und auch einige in erster Linie kämpfende revolutionäre Genossen schon seit der Zeit, als noch keine sozialistische Partei be» stand, dem Freimaurerorden angehören, kann diese Forderung mög- licherweise zu einer Spaltung im revolutionären Lager führen. Schließlich nahm auch der provinziale Parteitag von Cremona eine revolutionäre Tagesordnung an. Wie weit diese vorbereitende» Abstimmungen auf einen Sieg der revolutionären Fraktion zu schließen berechtigen, das wird in der Folge in einem Artikel dar- zulegen sein. Gerade die Sozialisten der Romagna scheinen nicht übel Lust zu haben, ein Bündnis der Liiiksreformisten und der Revolutionären herbeizuführen. Jugendbewegung. Aus dem Krieg Spfade gegen die Arbeiterjugend. Im Februar d. I. unternahm die Arbeiterjugend Lichten» berg- Rummelsburg bei Berlin einen Ausflug nach den Gosener Bergen, wobei einige Volkslieder gesungen wurden. Als die Teilnehmer, zirka 66 an der Zahl, in losen Zügen durch Köpenick zogen, wurden sie von einem Polizisten angehalten. Dieser bemühte sich, den Leiter des Zuges festzustellen. Als ihm aber niemand den Leiter bezeichnen konnte, glaubte er in dem Jugendlichen R o t h e r den Leiter deS großen nicht angemeldeten Aufzuges sehen zu müssen, weil dieser die Bemerkung machte, die Jugendlichen sollten nicht stehen bleiben und weiter gehen. Rother mit dem Zeugen Klicm wurden zur Polizeiwache sisticrt. Obwohl noch b— 6 Minuten an 9>/z Uhr fehlten, die Glocken aber schon läuteten, wurde hier ein Vergehen gegen die„Sonntogsheiligung" festgestellt. Bei den Boruntersuchungen in Lichtenberg, auf dem Polizei- Präsidium und vor dem Untersuchungsrichter gab man sich die größte Mühe, den Leiter des Zuges ausfindig zu machen, weil Rother be- stritt, der Leiter zu sein. Auch das Vorhandensein eines Vereins konnte nicht festgestellt werden. Das Schöffengericht Köpenick hatte sich am Mittwoch mit der Angelegenheit zu befassen. Auch hier konnte kein Leiter ermittelt werden. Der Amtsanwalt beantragte eine Strafe von 16 M. oder zwei Togen Haft. In der Urteilsbegründung wurde zum Ausdruck gebracht, daß nicht erwiesen werden könnte, wer der Leiter des Zuges sei. Strafbar macht sich aber derjenige, der sich in einem derarrigen Zuge befindet. Ebenso wurde als erwiesen an- gesehen, daß der Hauptgottesdienst begonnen hatte, weil die Glocken der katholischen Kirche schon läuteten. Der Angeklagte Rother wurde infolgedessen zu 2 M. Geldstrafe oder zu einen Tag Hast und zur Tragung der Kosten verurteilt. Der Richter bemerkte in seiner Begründung, daß cS bei der- artigen Fällen immer so sei, die Sozialdemokratie habe zwar ihre Führer, aber sie seien in solchen Fällen niemals zu finden. Ob man auch gegen Mitglieder des Pfadsinderbundes und andere„nationale" Jugendorganisationen um einer ähnlichen Nichtig- keit willen das schwere Geschütz von Polizei und Justiz aufgefahren hätte? Der Arbeiterjugendbewegung können solche Nadelstiche na- türlich keinen Abbruch tun. Im Gegenteil! Soziales. Beseitigung der Kenkurrenzklausel! Der Ausschuß des Berliner Kaufmannsgerichts beschäftigte sich am Mittwoch mit folgendem Antrage, welcher von Gehilfenbeisitzern (Verein für Handlungskommis von 1358 in Hamburg und Kauf- männischcr Hilfsverein, Verein Berlin) gestellt war:„Die bestehen- den 8§ 74 und 75 des Handelsgesetzbuches kommen in Wegfall. An deren Stelle ist ein§ 74 mit folgendem Wortlaut zu setzen:„Jede Konkurenzklausel, ob sie schriftlich oder mündlich in irgendwelcher Form und Absprache vereinbart wird, ist nichtig." Falls dieser Antrag vom Ausschutz deö StaufmannsgerichtS nicht angenommen werden sollte, hatten die Antragsteller folgenden Eventualantrag eingebracht, der die Forderungen des Hansavundes zur Frage der Konkurrenzklausel präzisiert: 1. Die bisherige Vorschrift des§ 74 des Handelsgesetzbuchs: „Eine Vereinbarung zwischen dem Prinzipal und Handlungsgehil- fen, durch welche dieser für die Zeit nach der Beendigung des Dienst- Verhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird, ist für den Handlungsgehilfen nur insoweit verbindlich, als die Be- schränkung nach Zeit, Ort und Gegenstand nicht die Grenzen über- Ichreitet, durch Welche eine unbillige Erschwerung des Fortkommens >es Handlungsgehilsen ausgeschlossen wird," soll dahin ergänzt werden, daß nach den Worten„nur insoweit verbindlich" hinzuzu- ügen ist:„als berechtigte Interessen des Geschäfts geschützt werden sollen und". 2. Es ist erforderlich, festzusetzen, daß die Konkurrenzklausel nur noch für solche Handlungsgehilfen zulässig sein soll, welche ein Gehalt von mehr als 3666 M. beziehen. 3. Die Vereinbarung einer Konkurrenzklausel soll nur dann rechtswirksam sein, wenn dem Handlungsgehilfen für die über die Vertragsdauer hinausgehende Beschränkung seiner kaufmännischen Tätigkeit eine Entschädigung gewährt wird. Diese vom Hansabund befürworteten sogenannten Verbesse- rungcn der Konkurrenzklausel wurden von dem größten Teil der Gehilfcnbeisitzer auf das schärfste bekämpft, weil den Handlungs- gehilfcn nur mit einer völligen Beseitigung der Konknrrenztlausel gedient werden kann. Als der Minister des Innern im Juni 1916 ein Gutachten auch von den Ausschüssen der Kaufmannsgerichte verlangte, stellte sich der Ausschuß des Berliner Kaufmannsgerichts in seinen Sitzun» gen im Oktober und November 1916 prinzipiell auf den Stand- Punkt, daß die Konkurrenzklausel in jeder Form zu beseitigen sei. Seit jener Zeit hätten sich die Verhältnisse wesentlich nicht verändert, so daß auch heute nur der erste Antrag auf völlige Beseitigung de« Konkurrenzklausel in Frage kommen kann. Von feiten der bürger- lichen Kauflcutebeisitzer waren nur 4 Herren erschienen. Diese erklärten, daß sie über die Zugeständnisse, welche sie im Jahr 1916 bei Beratung der Vorschläge des Ministers des Innern gemacht hätten, auch heute nicht hinausgehen könnten.— Sie befürworteten das Weiterbestehen der Konkurrenzklausel, weil diese für da? Handelsgewerbe unentbehrlich sei und der Handel bei Abschaffung derselben großen Schaden erleiden- würde. Der Hauptantragsteller, der Vertreter des Vereins für Hand» lungskommis von 1853, fehlte in dieser Sitzung, ebenso die Ver- treter der Bankbeamten und des Leipziger Verbandes. Bei der Abstimmung mußten trotzdem noch 2 Gehilfen aus- scheiden, da auf der Seite der Kaufleute nur 5 Beisitzer anwesend waren. Für den Antrag auf völlige Beseitigung der Kontürrenz» klauscl stimmten der sozialdemokratische Kaufmann und die 5 Ge- Hilfenbeisitzer, dagegen die 4 bürgerlichen Kaufleute. Der Antrag wurde also mit 6 gegen 4 Stimmen angenommen. Zum Schluß der Sitzung wurde zur Sprache gebracht, daß der Ausschuß im Oktober 1916 durch eine Kommission verschiedene Beschwerden über die unzulänglichen Räume deS Berliner Gewerbe- und KanfmnnnSgerichts beim Oberbürgermeister Kirschner an» gebracht habe. Hierauf erfolgte seitens des Magistrats erst eine Antwort im Mai dieses Jahres dahingehend, daß für Gewerbe- und Kaufmannsgericht zurzeit andere Räume nicht zur Verfügung stehen. Der Ausschuß erwartet von dem neugewählten Oberbürgcr- meister Mermuth mehr Entgegenkommen seiner Wünsche und will sich die seinerzeit gewählte Kommission an Herrn Mermuth zwecks Abhilfe der zurzeit bestehenden Mißstände wenden. GewerkfcbaftUcbea. Die chnftUcben Gewcrkrchaften beim Cdcttlmecbcii 1 Kürzlich hatte die christlich-nationale Arbeiterichast der Minden-Ravensberger Lande auf der Porta-Westfalica eine Kundgebung veranstaltet, bei der neben einer Reihe anti- semitischer Leuchten auch der christliche Generalsekretär Stegerwald als Redner austrat. Von zwei Tribünen wurde auf 25 000 Menschen eingesprochen, ein Zeichen, daß man bei christlich-nationalen Veranstaltungen das Zählen verlernen kann. Mit den christlichen Gewerkschastsphrasen hielten die Redner zurück, dafür wurde mehr die nationale Trommel geschlagen. Die„christliche Weltanschauung" lockt die Ar- beiter nicht mehr in zu großer Anzahl hinter dem Ofen weg, und die Agitation der Geistlichen und der Zentrumspresse bringt das auch nicht fertig. Also müssen alle nationalen Parteien, die Behörden und die Regierung für die christliche Gewerkschaftsidee scharf gemacht werden, sonst bleibt die Ent- Wickelung der christlichen Gewerkschaften auf dem toten Punkt stehen. Besonders eindringlich mahnte Stegerwald, sich der nationalen Eigenschaften der christlichen Streik- brecherorganisationen zu erinnern. Welchen Nachhall diese Kundgebung hatte und welche weitere Wirkung sie ausüben sollte, darüber gibt die„West- fälisch-Lippische Volkszeitung" offenherzig Auskunst. Sie schreibt: »Eins freut unS, daß wenigstens die Regierungen mehr und mehr der christlich-nationalen Arbeiterbewegung Anerkennung widerfahren lassen. Die Herren Landräte der beiden Kreise Minden und Lübbecke waren des zum Zeichen bei den Kund- gebung anwesend. Heute geht zudem durch die Blätter das Telegramm des Herrn Reichskanzlers an Lizentiat Weber, worin er von der„wachsenden Bedeutung der christlich-natio- ' nalen Arbeiterorganisation für unsere soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung" spricht. Das ist hocherfreulich. Wo aber bleibt die Anerkennung von seiten der Arbeitgeber? Wie lange will der deutsche Ar- beitgeber noch voller Mißtrauen dieser christlichen und natio- nalen Bewegung gegenüberstehen? Bis es zu spät ist? Wir meinen, das blödeste Auge müßte seit dem Scheitern des Bergarbeiterstreiks infolge der Nichtbeteiligung der„Christ- lichen" in diesen Dinge» klar sehen, müßte einsehen, welch wahr- hast christliche und»»tionale Bedeutung der christlichen Gewcrk- schaftsbewegung innewohnt." Also die Behörden erkennen die Betriebsamkeit der Vristlich-nationalen Arbeiterbewegung schon an. Nun noch die Unternehmerl Wo bleibt die Anerkennung der Arbeit- geber? Seit dem Streikbruch der christlichen Ruhrbergleute sollten die Unternehmer doch endlich lernen, die christlichen Gewerkschaften als Schutztruppen gegen fordernde Arbeiter zu gebrauchen. Was die gelben Werkvereine leisten, können die christlichen Gewerkschaften auch. Beweis: Ruhrberg- arbeiterstreik I Wir danken dem nationalen Organ für diese Offenherzigkeit._ Berlin und Umgegend. Lohnbewegung der Bierfahrer in den Brauerei- Niederlagen. Die in den Niederlagen der Brauereien Berlin? und llmgegend beschäftigten Bierfahrer sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie hatten bereits Mitte April dieses JahreS bei einer Reihe von Brauereien ihre Forderungen eingereicht, erhielten aber dann den Bescheid, daß die Angelegenheit dem Verein der Brauereien über- wiesen sei. Dieses Verfahren war merkwürdig insofern, als bei den Verhandlungen über den allgemeinen Tarif für die Arbeiterschaft der Brauereien im Jahre ISIS die Bier- fahrcr der Niederlagen leine Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse erzielen konnten, sondern von den Vertretern des Vereins der Brauereien darauf verwiesen wurden, mit den einzelnen Brauereien über ihre Wünsche zu verhandeln. Die Ansichten haben sich also auf seiten der Brauereibesitzer geändert, was aber natürlich die Bierfahrer und ihre Organisation, den Transportarbeiterverband nicht abhalten konnte, sich zu Verhandlungen mit dem Verein bereit zu erklären. Jedoch kam bei der Sache nichts heraus. Die Forderungen wurden abgelehnt mit der Begründung, daß das Geschäft schlecht gehe und die Brauereien zurzeit nicht in der Lage seien, den Wünschen Rechnung zu tragen. Die Bierfahrer sollten sich gedulden, bis im Jahre 1314 der Tarif für die übrige Brauereiarbeiterschaft abläuft, und würden dann bei einem neuen Tarifabschluß berücksichtigt werden. Es fand nun gestern abend im Gewerkschaftshause eine Versammlung der Bierfahrer der Brauerei-Niederlagcn statt, in der A l i s ch über die Angelegenheit berichtete. Die Versammlung beauftragte dann die Organisationsleitung, nochmals mit den Vertretern der Arbeitgeber Rücksprache zu nehmen. Im übrigen aber zeigte es sich deutlich, daß die Bierfahrer nicht die Absicht haben, ihre Forderungen etwa fallen zu lassen oder bis 1914 hinter den Ofen zu stecken. Es sind vorläufig die Brauereien Königstadt, Patzenhofer, Oswald Berliner, Bötzow und Böhmisches Brauhaus, denen die Forderungen eingereicht sind, Ein Streik bei der Berliner Paketsahrtgesellschast. Bei der Berliner Paketfahrtgesellschaft in der Ritterstraße traten die Kutscher und ihre Begleiter gestern morgen plötzlich in den Streik. Die Ursache dieses Vorgehens ist hauptsächlich darin zu suchen, daß die Gesellschaft ihren Angestellten das Koalitionsrecht vorenthält. Jedem Kutscher und Begleiter wird bei der Anstellung die Ver- pflichtung auferlegt, nicht Mitglied des Transportarbeiterverbandes zu sein, solange seine Tätigkeit bei der Gesellschaft dauert, und der Revers, den er unterschreiben muß, enthält überdies die Be- stimmung, daß eine Kaution von 53 M. zu hinterlegen ist, die der Gesellschaft zufallen als Strafe für Kontraktbruch, falls der An- gestellte einmal in Streik treten sollte. Aber dieser gesetzwidrige Revers konnte die Kutscher wie auch die übrigen Transportarbeiter der Gesellschaft nicht abhalten, sich doch in immer größerer Zahl ihrem Verbände anzuschließen. Als die Direktion das erfuhr, stellte sie an fünf der Transportarbeiter, die von ihren Kollegen als Vertrauensmänner gewählt waren, unter Drohung mit Ent- lassung das Ansinnen, aus dem Verbände auszutreten, und entließ sie auch, als sie sich weigerten, das ihnen ja doch gesetzlich zustehende Koalitionsrecht preiszugeben. Da trat die übrige Arbeiterschaft des Betriebes für sie ein, suchte zunächst auf gütlichem Wege ihre Weitcrbcschästigung zu erwirken, und als das nicht gelang, kam es zur Arbeitsniederlegung, die einmütig durchgeführt wurde. Die Leitung des Transportarbcitcrverbandes war überrascht von diesem Schritt und erhielt erst um 13 Uhr Kenntnis davon. Inzwischen hatte die Direktion dafür gesorgt, daß der Betrieb durch ein Massen- aufgebot von Schutzleuten unter Führung eines Leutnants und Wachtmeisters„bewacht" wurde. Das verursachte, wie leicht begreif- lich, große Erregung unter der Bevölkerung der ganzen Gegend. Die Organisationslcitung bot, nachdem sie von dem Streik Kennt- nis erhalten hatte, der Direktion sofort ihre Vermittelung an, und es fand dann auch bald darauf eine Aussprache zwischen der Direktion und den Verbandsvertretcrn sowie Vertretern aus den Reihen der Streikenden statü Auf Vorschlag der Direktion einigte man sich dann zunächst dahin, daß mit einer Kommission von zehn Mann aus den Reihen der Streikenden über deren Wünsche ver- handelt werden sollte; ferner, daß die 6 Entlassenen solange zur Disposition stehen sollten, bis die Verhandlungen erledigt waren, und daß unter diesen Bedingungen die Arbeit sofort wieder auf- genommen werden sollte._ Die Streikenden erklärten sich mit diesen «erantw. Redakteur: Albert Wachs, Berluü" Jnjeratenteil verantw.: Vorschlägen vorläufig einverstanden, wählten eine Kommission von 11 Mann, und die Arbeit wurde dann kurz nach 2 Uhr nachmittags in vollem Umfange wieder aufgenommen. Die Wünsche, die an die Direktion gestellt werden, sind: 1. daß der Anstellungsrevers zurück- gezogen wird; 2, daß die Zugehörigkeit zum Verband keinen Ent- lassungsgrund bilden darf; 3, Weiterbeschäftigung der 5 Entlassenen; 4. Umwandlung des Monatslohnes in Wochenlohn; 5. einige Auf- besserung der Anfangslöhne.— Es bleibt abzuwarten, ob die Di- rektion den Wünschen Rechnung trägt. Das würde jedenfalls auch im eigenen Interesse der Gesellschaft liegen, die bekanntlich auch mit der organisierten Arbeiterschaft in Geschäftsverbindung steht und verständigerweise darauf Rücksicht nehmen müßte. Achtung! Wäsche-, Neglige-, Blusen-, Krawatten- und Korsett- Zuschneider Berlins. In der Maßregelungs- und Kündigungsan- angelegenheit der Maschinenzuschneider bei der Firma Ullstein u. Co., „Berliner Morgenpost", tritt am Montag nachmittag 5 Uhr in den Räumen des Gewerbegerichts das Schiedsgericht zur Entscheidung zusammen. Die Differenzen haben sich in letzter Stunde noch ver- schärft. Der Vertrauensmann der Zuschneider und gleichzeitiger Obmann der Schnittmusterabteilung bat am Dienstag dieser Woche die Betriebsleitung, vor Arbeitsschluß eine Stunde stüher gehen zu können und gab hierfür die richtigen Gründe, daß er eine auf- getragene Funktion seiner Organisation ausführen wolle, an. Der nachgesuchte Urlaub wurde nicht genehmigt, worauf der Zuschnei- der aber doch eine Stunde vor Arbeitsschluß fortging. Am an- deren Morgen erhielt der Betreffende mit der ersten Post folgendes Schreiben der Firma Ullstein u. Co. zugesandt: „Wir teilen Ihnen hierdurch mit, daß Sie infolge Ihres heutigen Verhaltens von uns mit dem heutigen Tage entlassen sind. Ihr Lohn und Papiere folgen anbei. Ihr Arbeitszeug steht Ihnen in unserm Lohnbureau zur Verfügung. Das Be- treten der übrigen Arbeitsräume ist Ihnen hiermit untersagt." Dies Schreiben ist unterzeichnet von Herrn Dreher, demselben Mann, welcher sich wiederholt abfällig äußerte, wenn Arbeiter oder Arbeiterinnen beim Urlaubnachsuchen nicht die wahren Gründe angegeben haben. Hier erfolgt nun die Entlassung wegen einer versäumten Arbeitsstunde und Uebertreten eines selbst erlassenen Verbots. Schön ist das von der Firma nicht gehandelt, noch dazu, wenn man nach außen hin, um den Leserkreis nicht zu verlieren, besonders arbeitersteundlich tut. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands, Filiale Berlin III, Neue Königstr. 6. Tarifbrüche i« der Mappen- und Galanteriewaren- industrie. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Album-, Mappen- und Galanteriewarenindustrie hatten sich am Mittwoch bei Graumann in der NaunHnstraße versammelt, um über die Frage zu beraten, wie man der fortgesetzten Mißachtung der tariflichen Bestim- mungen entgegentreten kann. Dm: Referent Würzberger führte aus, daß ja Streitigkeiten über die Auslegung eines Tarif- Vertrages, namentlich in der ersten Zeit nach einem Vertrags- abschluß, nicht zu vermeiden seien und daß man davon auch nicht viel Aufhebens mache, sondern sie einfach den Tarifinstanzen zur Entscheidung überweise. Aber hier handele es sich nicht um solche Meinungsverschiedenheiten, sondern die Aeußerungen und daS Ver- halten der Fabrikanten ließen vielmehr Zweifel darüber auf- kommen, ob es der Unternehmerorganisation überhaupt ernst sei, den Tarifvertrag, der am 1. Juli vorigen Jahres abgeschloffen wurde, gewissenhast durchzuführen.— Zunächst handelt es sich um die Bezahlung der Zeit, die an den Vorabenden der in die Woche fallenden Feiertage kürzer als sonst gearbeitet wird. Daß diese Zeit zu bezahlen ist, war bei der Eile, mit der der Tarifvertrag seinerzeit durchberaten wurde, nicht so klar ausgedrückt worden, wie es notwendig gewesen wäre. Aber es ist dann durch einen Schiedsspruch des EinigungSamteS, also der höchsten Instanz, fest- gelegt worden, daß die ausfallenden Arbeitsstunden zu bezahlen sind. Hätten die Fabrikanten sich dem gefügt, so wäre die Sache damit erledigt gewesen. Aber nur ein Teil von ihnen tat das; einige Fabrikanten, und sogar solche, die iix der Aufstellung und dem Abschluß des Tarifvertrages mitgewirkt haben, weigern sich immer noch, die Zeit zu bezahlen. Solchem Verhalten gegenüber, erklärte der Redner, bleibe vorläufig nichts anderes übrig, als durch Klagen beim Gewerbegericht den zu wenig erhaltenen Lohn einzufordern. Es sollten darum alle Arbeiter und Arbeiterinnen. die hier in Betracht kommen, der Organisationsleitung Vollmacht zur Einreichung der Klage erteilen. Ferner handelte es sich um die Frage, wie weit der Passus des Tarifvertrages Geltung haben soll, der von der Ausschaltung der Heimarbeit handelt. Diese Frage hat schon monatelang das Schiedsgericht und auch das Einigungsamt beschäftigt. Die Arbeiter waren in diesem Punst den Wünschen der Fabrikanten entgegengekommen. Aber dann kamen die Fabrikanten mit dem weitergehenden Verlangen. Nach langem hin und her und nachdem das Schiedsgericht einen Spruch gefällt, dieser aber vom Einigungsamt wieder aufgehoben war, kam es endlich am 22. Mai zu einer friedlichen Vereinbarung zwischen den Vertretern der Parteien, die einstimmig anerkannt und unterschrieben wurde und folgendes festlegte: Alle Mappen fallen unter dem roten(besseren) Tarif. Alle weichen Ledermappen, die keine feste Pappdeckeleinlage haben, ob aufgezogen oder nicht, sind für die Heimarbeit freigegeben. Nun geschah aber das Merkwürdige, daß dieser einstimmig von den Fabrikantenvertretern gefaßte Beschluß von der Mit- gliederversammlung der Fabrikanten abgelehnt wurde, und das, wie sie mitteilten, einstimmig. Die Fabrikantenversammlunq hatte gleichzeitig beschlossen, die Arbeiter zu neuen Verhandlungen ein- zuladen, die aus Grundlage eines von einer Fabrikantenkommission am 1. Dezember gefaßten Beschlusses aeführt werden sollten, welcher besagt, daß eine Trennung der Mappen nach dem roten und dem grauen Tarif stattfinden soll. Die Arbeiter haben je- doch den Vorschlag zu solchen abermaliaen Verbandlungen abge- lehnt. Die Arbeiter müßten darauf bebarren, daß alle Mappen unter dem roten Tarif fallen. Durch einen Spruch des Einigungs- amtes werde sich die Sacke nach den Erfahrunaen, hie man bis- her gemacht, auch nicht mehr erledigen lassen, und wenn die Fabri- kanten nicht in allernächster Zeit einlenkten, werde man. wo es nötig sei, zur Arbeitsniederlegung greifen. Auf jeden Fall müsse alles aufgeboten werden, um den Tarif in feinem vollen Umfange zur Geltung zu bringen.— Der weitere Verlauf der Vcrsamm- lung zeigte, daß man mit den Ausfübrunaen des Referenten durchaus einverstanden war und sich die Tarifbrüche unter keinen Umständen länger gefallen lassen will. Die Versammlung bestätigte ausdrücklich die Auffassung der Kommission, daß alle Mavvcn unter dem roten Tarif fallen und beauftragte dieselbe, alle Maßnabmcn zu treffen, auch vor einem entscheidenden Schritt nicht zurückzuschrecken, um endgültig Klar- best in der Mappcnfrage zu schaffen. Ferner protestierte die Per- sammlung gegen die Nichtbeachtung eines Spruches der höchsten Tarifinstanz fdem Einigungsamt) seitens der Unternehmer, die sich weigern, die an den Vorabenden der in die Woche fallenden Feiertage ausfallende Arbeitsstunden nachzuzahlen.> veuvlches lkxich. Lohnbewegungen der Bauarbeiter in der Provinz Brandenburg. Vor einigen Tagen entließen zwei Unternehmer in Drossen die Maurer, worauf die übrigen die Arbeit einstellten. Die Ur- fache ist eine Lohnforderung. Die Maurer verlangen eine Auf- besserung des jetzigen Lohnes, der zurzeit 35 bis 38 Pf. beträgt. auf 42 Pf. Bisher Herrichten in dem gut bürgerlichen Städtchen auch im Baugewerbe recht idyllische Verhältnisse; die Maurer waren fast alle unorganisiert. Die Lohnforderung scheint nun die Ge- müter der Unternehmer arg zu erschüttern. Am 12. Juni richteten sie an den Zwcigverein der Maurer folgenden Brief: „Auf Ihren heutigen eingeschriebenen Brief haben wir Ihnen mitzuteilen, daß wir Unterzeichneten Ihre Forderungen Ttz.Glicke.Beri'n. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstatt für diese Saison leider vollständig ablehnen müssen, da uns die jetzigen Verhältnisse keine Lohnzulage gestatten. Gleichzeitig erwähnen wir noch, daß wir Unterzeichnoten uns heute gegenseitig strikte verpflichtet haben, daß jcder von uns jeden um Arbeit ansprechenden Maurer zurückweist, wenn derselbe einen von uns wogen Lohndiffcrenz vorläßt. Als Erklärung zum letzten Satz sei Ihnen noch erklärt, daß wir nach Ihrer heutigen Stellungnahme gezwungen waren, uns gegenseitig zu verpflichten, neue um Arbeit ansprechende Maurer nur dann einzustellen, wenn derselbe eine schriftliche EinWilli- gung seines letzten Meisters mitbringt. Lassen Sie sich warnen, denn bei einem etwaigen Ausbruch des Streiks würde das jetzige gemütliche und schöne Verhältnis zwischen Arbeiter und Arbeit- geber für immer aufhören." �. Dieses„gemütliche und schöne Verhältnis" ist nun gestört. Hoffentlich gelingt es der Organisation, diese Anmaßungen und Einschüchterungsversuche der Unternehmer für die Zukunft un- möglich zu machen. Der Streik in Schön fließ dauert fort. Der Unternehmer Albrecht sucht durch Annoncen Maurer, und auch die„Berliner Morgenpost" beteiligt sich an diesen edlen Bestrebungen._ Natürlich begehrt der Herr nur„Unorganisierte Maurer". Bei der in Berlin im Baugewerbe herrschenden Arbeitslosigkeit meldete sich auch eine Anzahl Maurer, die aber nach erfolgter Erkundigung im Bureau des Bauarbciterverbandes es entschieden ablehnten, den streikenden Kollegen die Solidrität zu brechen. � Im So r a u er Streik ist ebenfalls noch keine Aenderung eingetreten. Auch hier bemühen sich die Unternehmer, stemde Maurer heranzuziehen. Die Bauarbeiter sollten allerorts dafür sorgen, daß dieses Werben ohne Erfolg bleibt. � Der Streik der Maurer in P ritz erbe ist nach viertägiger Dauer mit vollem Erfolg beendet worden. Das Ergebnis besteht in der Abschließung eines Vertrages, der bis zum 31. März 1914 Gültigkeit hat, und einer sofortigen Lohnerhöhung von 3 Vf. pro Stunde und einer weiteren Lohnerhöhung von 3 Pf. vom 1. April nächsten Jahres ab. Außerdem wurden Zulagen für Landarbeit von 3 und 5 Pf. für die Stunde und 13 Pf. für Ueberswnden-, Nacht- und Sonntags- und Wasserarbeit gewährt. Von allgemei- ner Bedeutung ist außerdem, daß die Unternehmer in Zukunft ge- kälten sind, bei Ausführung von Arbeiten in anderen Lohn- und Vertragsgebieten den dort üblichen Lohn zu zahlen. Bisher mach- ten sie vielfach in Schmutzkonkurrenz, indem sie ihren aus der Heimat mitgebrachten Arbeitern erheblich niedrigere Löhne zahlten. Zu einem günstigen Abschluß führte auch der Streik in Oder- b e r g(Mark). Es kam hier zum erstmaligen Abschluß eines Ver- träges, in t>em Qußer Lohn für M-ourer— der fortan 50 Pf. pro Stunde beträgt— auch der Lohn für Bauhilfsarbeiter geregelt ist. Sic erhalten 38 Pf. die Stunde. Der Vertrag erreicht am 31. März 1913 sein Ende..„..L. Der Streik bei der Zementfirma Vockerot in E u st r i n ist durch eine Vereinbarung zwiscben der Firma und den Arbeitern beendet. Es tritt eine Lohnerhöhung von 2% Pf. pro Stunde ei». Ein Organisationsvertrag konnte noch nicht durchgesetzt werden. Der Dachdeckerstreik in N-rdhausen wurde am Montag vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt zugunsten der Arbeiter er- ledigt. Die Arbeit konnte am selben Tage mittags wieder auf- genommen werden. Achtung, Metallarbeiter! In Leipzig streiken in den Polophonwcrken die Plattenpresser. Wir ersuchen, Arbeitsangebote nach dorthin abzulehnen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Klempner und Installateure! Die Klempner und Installateure in Landshut i. B. stehen in einer Lohnbewegung. Bisher war keine Verständigung mit den Meistern möglich, es wird voraussichtlich zur Arbeitsniederlegung kommen. Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten. Hetzte Nachrichten. Neuwahl in Hagcnow-Grevesmiihlen. Hagcnow, 20. Juni.(W. T. 23.) Bei der heutigen Reichstagsneuwahl im ersten niecklenburgischen Wahlkreise Hagenow-Grevesmühlen wurden abgegeben für Pauli (kons.) 6130, für S i v k o v i ch(lib.) 6580 und für Kober (Soz.) 4065 Stimmen. Eine kleine Anzahl Ortschaften steht noch aus. Danach istStichwahlzwischenPauIi und S i V k o V i ch erforderlich. Daß wir diesmal aus der Stichwahl ausscheiden würden, 9haben wst schon am. Mittwoch angedeutet. Durch die Anwendung der alten Wählerlisten sowie Abwände- rung der Arbeiter sind eine große Anzahl Arbeiter um ihr Wahlrecht gekommen und erklärt sich daraus die Ab- nähme der für uns abgegebenen Stimmenzahl. In der Hauptwahl am 12. Januar erhielten Stimmen: Sozialdemo- krat 6151, Fortschritt 6140, Konservativ 7063. Bei der Stich- Wahl siegte der Konservative mit 9865(2802 mehr wie bei der Hauptwahl) über unseren Genossen, dessen Stimmenzahl um 2604 auf 8755 stieg. Austritt aus der polnischen Landtagssraktion. Breslau, 23. Juni.(P.-E.) Der polnische Landtagsabgeordnete Pfarrer K a p i tz a, der den Wahlkreis Oppeln Stadt und Land vertritt, hat der polnischen Landtagsfraktion ein Schreiben zugestellt, in dem er seinen Austritt aus der Fraktion erklärt. Er begründet diesen Schritt damit, daß die Politik der polnischen Fraktion sich immer mehr von der Richtung des Zen- trums entferne. Die Wählerschaft des Kreises Oppeln wird sich in Kürze mit der Frage beschäftigen, ob Kapitza weiterhin sein Mandat ausüben soll oder ob ihm die Niederlegung anzu- empfehlen sei. Italienische Klage über französische Barbarei. Rom, 23. Juni.(W. T. B.) In der heutigen' Sitzung der Teputiertenkammer richtete der Deputierte Cavagnari eine Anfrage an die Regierung über die schlechte Behandlung der aus der Türkei ausgewiesenen Italiener auf dem französi. scheu Dampfer„I späh an", mit dem die Italiener von Konstantinopcl nach Genua reisten. Unterstaatssckrctär Fürst Diescalea entgegnete, es wäre eine Untersuchung eingeleitet; wenn die Klagen berechtigt seien, werde die Regierung Maßregeln ergreifen. Cavagnari erklärte, die Untersuchung sei unnötig; es sei Tatsache, daß die Italiener auf dem Schiffe hungerten, und daß die Behörden in Genua sofort bei der Ankunft für Nahrung sorgen mußten. Er protestierte gegen die unmenschliche Behandlung seiner Landsleute von seiten derer, die es lieben, sich Brüder der Italiener zu nennen.(Siehe auch unter„Krieg".) Die Kriegsbegeisterung der italienischen Soldaten. Trient, 23. Juni.(P.-C.) In verschiedenen Orten Südtirols melden sich fast täglich italienische Deserteure, die ihre Truppenkörper in Oberitalien verlassen haben, um nicht nach Tripolis ausrücken zu müssen. Generalstreik spanischer Weber. Lissabon, 23. Jum.(W. T. B.) Die Weber in Covilhao haben den Generalstreik erklärt. laulSingeraCo.,Berlm8)�. Hcerzu Z Beilagen u. UnterhaltungSbl. Nr. 142. 29. Jahrgang. kilM des, Amiirls" kreilag,?l< Zmi>912. Die belgischen Ashlen. Brüssel, im Juni.(Eig. Bericht.) II. Wie der klerikale Wahlsieg zustande kam. Die Flucht der gemässigt liberalen und der„schwankenden" oder auch verschämt klerikalen Bourgeoisie war also entscheidend für den Sieg der alten Mehrheit. Die doktrinärliberale„Eloile Belge" gab das am Tag nach der Wahl ebenso unumwunden zu wie das offi- ziöse„Journal de Bruxelles", das glückselig erklärte, dass für die „klerikale" Regierung viele nicht klerikale Elemente gestimmt haben' Aber ganz erklärt sich der Sieg damit nicht. Sehen wir zu, welche Uinstände und Fakten ihn weiter bewirkt haben. Da muss vor allem bemerkt werden, dass, wenn die Opposition die Wahlpropaganda mit allen Kräften betrieb, die Klerikalen mit ihrer Art der Vorbereitungen wahrhaftig nicht träge waren. Der diesmal entfaltete Apparat stellt vielmehr alles in den Schatten, was klerikaler Fanatismus ersonnen, was sich die Skrupellosigkeit und Korruption einer herrschenden und um ihre Existenz kämpfenden Partei je geleistet. Schreckte man die Geschäftsbourgeoisie damit, dass ein Ministerium der Linken mit sozialen Reformen ihrem Profit, ihrem Portemonnaie zu Leibe gehen würde, so liess man die Einfältigen und Frommen um ihren Glanben zittern. Kinder beteten in den Schulen auf Anordmmg des Kardinal-Erzbischofs Mereier, dass Gott sie bewahren möge vor einem Regime von Liberalen und Sozialisten, das gleichbedeutend wäre mit der Zerstörung der Klöster, der kon- fessionellen Schulen, der Verjagung der Nonnen und Priester. In dem flandrischen Städtchen I s e p h e m gingen in der Wahlzeit Kinderzüge durch die Strassen mit Kreuzen auf der Brust und hielten Tafeln mit der Aufschrist:„Familienväter, denkt an die Seelen eurer Kinder und stimmtfür dieKatholiken!" Ein Kreuz- zug der Kinder idurch Gebete— das war die offene Losung deS Klerus, um die„bedrohte Religion" zu retten. Priester gingen von Haus zu HauS in den ländlichen vlämifchen Gemeinden, öffentliche„Wahl" Gebete wurden abgehalten, Prozessionen veranstaltet und eine Woche vor der Wahl läuteten die Kirchenglocken, während die BitV gebete zum Himmel stiegen.... Der entfachte Fanatismus der Armen im Geiste trug Früchte. Vor mir liegt ein Dossier der oben- teuerlichsten, ach! nur zu wahren Geschichtchen, die sich im bäuer- lichen Flandern zugetragen. Da ist eine vornehme Dame, die in einem flandrischen Orte die Leute, die in ihren Häusern wohnten, zusamnienbefiehlt und sie in Gegenwart des Pfarrers auf das Kruzifix schwören lässt, dass sie für die Katho- likenstimmenwerdenl In Limbourg wurde in einem Dorfe am Vortage der Wahl das Gerücht verbreitet, in Brüssel sei die Revolution ausgebrochen. Die antiklerikale Bevölkerung, an- gestiftet von Sozialisten und Liberalen, erstürmten die Klöster, massakrierten Mönche und Nonnen, und es gäbe bereits Tote.. Und das schon am Vortage der Wahl l— In derselben Provinz er- schien in einem Dorfe gleichfalls einen Tag vor der Wahl der Bürgermeister, begleitet von zwei Feldmessern, bei den Bauern, die des Liberalismus verdächtig waren und nahmen Messungen an ihrem Grundbesitz vor. Der Gemeinde bevollmächtigte erklärte den Leuten dann mit ernster Miene auf ihre Frage, was diese Messungen zu bedeuten hätten, dass im Falle des Sturzes der klerikalen Regierung die Güter unverzüglich geteilt würden, und so treffe man bereits die notwendigen Massnahmen.... Und die des Unterrichts bare oder mit der klerikalen Volksschulwissenschaft be lehrte Bevölkerung Flanderns und Limburgs bringt diesen Dingen mehr oder weniger Glauben entgegen. Neben der Bearbeitung durch die Schule und die Kirche wirkte nicht minder die durch das gedruckte Wort und das Bild. In dem schon zitierten Städtchen Jsegehem war die Kirche�.biS zu 20 Meter mit katholischen Plakaten bedeckt; die Mieter wurden dort von ihren Hausherren gezwungen, klerikale Plakate und d'e Porträts der Regierungskandidaten an- zubringen, falls sie nicht die Kündigung wollten. In Limburg wie in Flandern waren die Wahllokale mit diesen Plakaten ge- schmückt I Man vergesse nicht, dass dort eben viele Wahllokale in kongregationistischen Schulen ihren Sitz hatten. Welcher Art diese Plakate waren, davon war hier schon die Rede. Geben wir noch das hübsche Sittenbildchen klerikalen Stumpfsinns, dass mancherorts in der Provinz Limburg am Wahlsonntag die Missionäre erklärten, dies sei nun die letzte Messe, die die Priester heute eelebrierten, denn morgen... Und man weinte. warf sich zu Boden, betete... und stimmte natürlich für die Klerikalen. Das war so die moralische Be- arbeitung der unwissenden bäuerlichen Wählermassen, die das gegen- wärtige Wahlsystem wohlweislich mit einem politischen Uebergewicht ausstattet. Aber die Klerikalen sind tüchtige Leute. Sie„arbeiten" nach jedermanns Geschmack, ganz nach dem Rezept des Theater- direktors im Faust. Und Herr v. Broqueville ist ganz der Mann dafür, ein solches„Ragout" zu bereiten, unberührt durch etwaige Skrupel„wie schleckt ein solches Handwerk sei". Herr v. Broqueville hat unter sich 80 00 0 staatliche An- gestellte, die man schlechthin nicht mit denselben Methoden ge- Winnen kann, wie die vlännschen Pluralwähler wie die Börsenleute, die KaufmaimSwelt und Industriellen. Damit konunen wir zu dem wirklich imposanten Kapitel der offiziellen Korruption, ausgeführt vom Chef der Regierung Herrn v. Broqueville zu Zwecken einer, in dieser Art wohl noch nicht dagewesenen Wählerbeeinflussung durch finanzielle Mittel. Wir meinen den Goldregen in Form von Gehaltsausbessermigen. Gratifikationen, Indemnitäten und sonstigen materiellen Gunstbezeigungen irgendwelcher Gestalt, den Herr v. Broqueville auf die Angestellten der staatlichen Ressorts buch- stäblich am Vorabend der Wahlen niedergehen liess. Klagen, die 25 Jahre ungehört blieben, obgleich sie bei jeder Budgetrede ans Ohr der Minister tönten, fanden mit einemmal und„ausgerechnet am Vorabend der Wahl Gehör. Wie harthörig und hartherzig die klerikalen Minister seit ihrer Wirksamkeit gegenüber„ihrem" Personal waren, mag mmr daraus ersehen, dass sie sich selbst— und vor noch nicht so langer Zeit— der Forderung eines Mindestlohnes von 3 Fr. pro Tag für die Eisenbahnarbeiter widersetzt hatten!- Und was sie sonst für die breite Masse der staatlich Angestellten übrig hatten, lässt sich daraus beurteilen, dass die Herren Minister eine Zeitlang daran dachten, ihren Untergebenen daS Stimmrecht zu nehmen. Selbst in der Zeit des allerchristlichen und demokratischen Eisenbahnministers Helle putte waren die Bemühungen der sozialistischen Befürworter des staatlichen Personals vielfach vergebens. Da kamen die Wahlen vom 2. Juni. Die Regierung hatte mit ihrem Schulgesetz einen bösen Schlag erlitten. Die erzwungene Demission Schollaerts hatte ihr moralisches Ansehen schwer geschädigt. Die sechs Stimmen Majorität waren sichtlich in Gefahr in der dieS- maligen, von den Antiklerikalen gut ausgenützten Situation. Auf jeden Wähler kam es diesmal an. Und Herr v. Broque ville hat 80000 unter sich, die er— beeinflussen kann. Und so erschien am 29. Mai— am 2. Juni war die Wahl!— das Zirkular der Eisenbahnverwaltung, worin die Gehaltserhöhungen. Ernennungen, Avaneementsbedingungen für alle Kategorien und Grade mitgeteilt waren. Die ministerielle Gunst schloss hoch und niedrig ein: Direktoren und Inspektoren, Abteilungs- und Bureauchefs im Verwaltungsdienst, Kontrolleure, Stationschess, Kondukteure, das technische, das Speditionspersonal, die Post- und Telegraphen angestellten. Wir lesen aus der bor uns liegenden offiziellen Liste einige Brocken auf und finden unter anderem: alle Beamten erhielten oder werden erhalten je nach ihrem Dienstalter eine Indemnität von 500 oder 1000 Fr. Ein Teil der Beamtelt erhielt die Er- nennung am Vortag der Wahl, die anderen wurden) der- ständigt, daß sie in der allernächsten Zeit die Ernennung bezw. Ge- Haltserhöhung erhalten würden. Ferner wurden Verkürzungen der Wartezeit für das Gehaltsmaximum gewährt 12 BcrwaltungS dircklorcn und 35 Inspektoren usw. Diese erhalten ferner eine In- demnität von je 1000 Fr. Gehaltserhöhungen erhielten oder erhalten weitere 12 Inspektoren, 87 Abteilungs- und Vureouchefs, 221 Haupt- bureauchefs und Kontrolleure, 632 UnterchesS usw. Die letzleren Abteilungen erhielten am Vorabend der Wahl den Bescheid, dass ihnen eine Indemnität von 509 Fr. gewährt wird. Verkürzung der Wartezeit für daS Avancement wurde weiter gewährt 336 Haupt- stationschess 1., 2. und 3. Klasse, eine Gehaltserhöhung von 400 Fr- 429 Stationschess 4. Klaffe. In die Gunstbezeugungen sind noch einbezogen das Zugpersonal, 3200 Bahnaugestellte und 437 Beamte deS technischen Personals, die Angestellten des Post- und Telegraphen- dienstes, Gerichtsdiener, Rechnungsbeamte, Boten, Werkmeister, Bahn- meister usw. Alle dekorierten manuellen Arbeiter erhielten eine Gratifikation von 50 Fr., die Angestellten bis zu einem Gehalt von 3100 Fr. eine Gratifikation von 100 Fr. Manche Angestellte, deren Aufbesserungen noch nicht geregelt tvaren, erhielten vor der Wahl durch Staatstelegrainine die Mitteilung von der bevorstehenden Gehaltserhöhung.— In einer Staatswerkstätte in Namur erfreuten sich von 1100 Angestellten 600 einer Lohnerhöhung.— Wieviel längst geforderte, längst fällige und nur zu sehr berechtigte materielle Ausbesserungen diese Liste brachte. haben wir angedeutet. Aber wie will man eö nennen, dass nach einem Vierteljahrhundert brutaler Weigerung die klerikale Partei bezw. ihr Chef just den Augenblick der Wahlen aussucht, um auf die staatlich Angestellten das Füllhorn ihrer Gnade auszustreuen. Neben der grossen Korruption der Negierung gab es die der klerikalen Partei im allgemeinen. In der Provinz Limburg z. B. wurden in vielen Städten Fünffrankstücke und„sogar" Zwanzig- frankscheine verteilt, mit dem Versprechen, dass auch noch später waS abfiele, wenn die Klerikalen triumphierten. Mau kaufte die Wähler in den Strassen, in der Kirche, vor dem Wahllokal, und in den Dörfern gab es Gratisgelage in den Kneipen. Ein ehemaliger katho lischer«Deputierter, ein klerikaler Dissident, erzählt in seinem Blatt, dass bei der Wahl in Dinant in der Provinz Namur Geld in der skandalösesten Weise zu Vestechungszwccken ver- wendet wurde. Neben dieser Korruption wirkte für den klerikalen Wahlsieg der offene Schwindel bei der Abstimmung selbst, dessen Fakten jetzt die Parteien der Linken sammeln, um ihn in der Kammer aktenmässig zu belegen. Besonders hervorragend waltete der Wahl« schwinde! in der Provinz Limburg, in den beiden Flandern, im Wahlkreis von Nivelles in Brabant, in den Wahlkreisen von Dinant und Namur. I» Dinant zum Beispiel fand man 4000 markierte Bulletins in den Urnen. Im Borinage wurden tausend Wähler durch eine unehrliche Anlegung der Listen um ihr Wahlrecht gebracht. Seltsame„Irrtümer" zugunsten der Klerikalen ereigneten sich auch bei der Kartellwahl im Wahlkreise Verton in Luxemburg, in Courtrai in Flandern usw. Die Interpellationen in der Kammer werden, wie gesagt, aufzeigen, in welchem Masse der Wahlschwindel zum klerikalen Wahlsieg beigetragen hat. In dem dritten und letzten Artikel werden wir nachweisen, inwiefern des Pluralwahlrecht und die verfälschte Proportionalvertretung den Klerilalen zu ihrer Majorität von 16 Stimmen mitverholfen haben. kleines feuitteton. Joseph Olbrich. Im Lichthof des Kunstgewerbemuseums ist der zeichnerische Nachlah von Joseph Maria Olbrich ausgestellt. Er soll dauernd der Bibliothek des Museums angehören. Man kann für diese Bereicherung an künstlerischem Vergnügen und ästhetischer Erziehung nur dankbar sein. Alle Kunstfreunde, besonders aber alle Schaffenden, die Architekten, die Naumbildner, die Buch- gewerbler, werden immer wieder diese Entwürfe eines der empfind- samsterz Talente unserer Zeit studieren müssen.— Olbrich war ein fabelhafter Zeichner; keiner in dem üblen Sinne des Fassaden- reissers, vielmehr ein Zeichner aus dem Geiste des alten Handwer- kes, aus dem Geiste Dürers, Vischels und derer, die den gotischen Türmen das plastische Leben, den Sakramentschreinen die glühende Herrlichkeit gaben. Recht betrachtet, tvar oben Olbrichs Zeichnung nie papiernen, nie leblos, aber auch nie phantastisch. Jeder Strich war Produktion und darum blieb alles Schaffen, jede Materials- sation anmutig, glutvoll und reich an Phantasie. Es ist sehr leicht, nackzuweisen, das; Olbrich vieles unrichtig und gegen alle Tradition gemacht hat; dass er eigentlich niemals ein Architekt gewesen sei, sondern stets nach der Art der Maler mit leichtbewcglichen Stoffen geschaltet habe. Das alles kann ganz ruhig zugegeben werden; Olbrich hat wirklich oft der Gesetze gespottet und die Notwendig- keit missachtet, hat oft mehr gedichtet als gebaut, war oft mehr Mu- siker als 5lonstrukteur. Aber all diese Fehler und Eigenwilligkeiten wandelten sich unter seinen Händen doch schliesslich zu seltsamen Blüten, die voll schweren Duftes waren, die vom Sonnenschein trunken schienen. Er war ein Amateur, dem die Regel wenig galt, der nur einen Gott hatte: den Geschmack, der ihm in den Nerven sah. Alles Hähliche war ihm unerträglich und bereitete ihm körperliches Weh; Wohttlang und Harmonie muhten um ihn sein. Aber wiederum unerträglich war ihm eintönige Vernünftigkeit und harmlose Solidität; er bedurste der Akzente, der Nuancen. Er liebte es, absonderlich zu sein, aber er war es stets mit Grazie. Er ging ungern gewohnte Wege; neue Möglichkeiten zu finden, war sein Sport. Indessen trotz aller Willkür drang er doch zur ge- kcklossenen Wirkung. Der Notdurft des Tages vergessend, ging sein Streben danack. den Heiterkeiten glücklicher Stunden einen reifen Ausdruck zu gewinnen. Und so. mehr schwelgend als arbei- tend und weniger der Aufgabe als dem eigenen Gemessen dienend, war Olbrich einer der entschiedensten Förderer des jungen deu5 fchen Kunstgewerbes, hat er wesentlich dazu beigetragen, den Sieg � �Eins"freilich bleibt anzumerken: auch an Olbrich bewährt sich der alte Spruch vom guten Zeichner und vom schlechten Arkitekten. Vergleicht man Olbrichs Zeichnungen mit der Photographie nach dem fertigen Objekt, so steht man verblüfft vor einer wörtlichen. Atom für Awm durchgeführten Verwirklichung der kalligraphisch hingeschriebenen Idee. Und dennoch: das Wirkliche scheint«r.nser gesund, weniger selbstverständlich, scheint härter, unsinnlicher, leb- loser. Letzten Sinnes war Olbrich, wie alle neuen Wiener, ein Flächeukünstler und kein Architett. R. Br. Der Kampf gegen Kinematographen und Schnndliteratur brennt gegenwärtig lichterloh. Ziuneist in geschäftlicher Hinsicht, dann auch aus künstlerischen Erwägungen bekämpft Rechtsanwalt Dr. Artur Wolff namens des„Deutschen Vühnenvereins". dem ja fast nur lauter Direktoren angehören, den„Kieutopp". In seiner Denkschrist bedauert er zunächst, dass die Lichlbildbühnen heute gesetzlich besser gestellt seien, als die wirklichen Theater. Deshalb sei die Eiusührung her Konzessioiispflicht, die Präventivzensur u. a. notwendig. Die grundsätzliche Stellung des deutschen Bühnenvereins zum Kinemato- graphen ergibt sich aus den programmatisch geformeltcn Schluß- worten Wolffs:„Nicht ein Kamps gegen irgend eine Kunstart ist es, der hier geführt wird. Im Gegenteil I Die„Kientöppe" bilden einen gefährlichen, schwer zu brechenden Widerstand gegen alle künstlerischen Bestrebungen, sip verdrängen das hohe Wort und die edle Geste, nur ein klägliches Surrogat bieien sie. Jede meckaiiische Vervielfältigung schliesst jede Kunst, wie sie bis heute verstanden worden ist, aus. Die mechanische Dar- stellulig deS Kinematographen ist bar jedes höheren Interesses der Kunst. Der Kincmatograph und die dramatische Kunst sind geborene Feinde. Anders ist es natürlich da, wo der Kinematograph sich der Wissenschaft dienstbar macht. Ans diesem Felde, als Mittel wissenschaftlicher Vollsa u flläru n g, Ivird er der sorg- samsten Pflege aller Kreise deS Volkes gewiss sein, frei von aller Sensation, frei von aller falschen Kunst, einem grossen Zweck Untertan. Um deswillen müssen die Kinematographen ans dieses eine Gebiet beschränkt bleiben." Ein neues Mittel gegen die Gefahr der Eisberge. Um die Nähe von Eisbergen zu erkennen, werden bei transatlantischen Dampfer- fahrten bei unsichtigem Wetter oder zur Nachtzeit in kurzen Zwischenräumen die Meerestemperaturen gemessen, da ein rasches Falle» der Wasserwärme in den meisten Fällen die Nachbarschaft von Eisbergen ankündigt. Aber diese Temperatursenkungen sind nur in der unmittelbaren Nähe der Eisberge einwandfrei festzu- stellen. Nun tritt der Professor an der Universität von Leeds, Myer Coplais, mit einem neuen Beobachtungssystem hervor, das sich auf die Schwankung der elektrischen Leitungsfähigkeit im Meer- Wasser stützt. Das Süsslvasser ist bekanntlich kein Leiter; das Auf- tauen der Eisberge führt dem Mecrwasser Süsswasser zu und der- mindert damit die Leitungsfähigkeit. Experimente haben gezeigt, dass bereits ein Zusatz von ein Achtzigstel getauten Süsswassers die Leitungskraft des Meerwassers um 1 Proz. vermindert, bei ein Zehntel Süsswasierzusatz sinkt die Leitungsfähigkeit bereits um 12 Proz. Ein Apparat, der diese Wandlungen registriert, würde also auf sichere und zuverlässigere Feststellungen rechnen lassen, als sie das Thermometer gegeben hat, Der Schapiroprozeß. Am zweiten Verhandlungstage bekundet als Zeuge der jetzige Berliner Stadtrat Berndt: Die Anregung der sozialdemokratischen Stadwerordnetenfraktion, eine Polizeiassistentin anzustellen, fand bei mir sofort sympathische Ausnahme. Ich habe auch das Arbeits- Programm für die Assistentin aufgestellt.(Das zur Vorlesung kom- inende, sehr ausführliche Programm sieht drei HaupipmEle für die Tätigkeit der Assistentin vor: polizeiliche Mitwirkung, öffentliche Gemeindcfürsorgc und öffentlick»e Krankenpflcge.l In ftrafpry- zessualen Dingen sollte die Assistentin nicht selbständig vorgehen, sondern immer unter der Verautjvortung des zuständigen Beamten arbeiten. Das hatte die Obcrstaatsantvaltschaft gewünscht. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte einstimmig das Arbeits» Programm. Von den vielen Bewerberinnen wurde Frau Schapiro gewählt, die in Freiburg(Schweiz) ein Spital gegründet hatte, das später von der Gemeinde übernommen wurde. Nach mehr als zwei- iiioiiatiger informatorischcr Beschäftigung bei der Polizei übernahui Frau Schapiro anfangs März 1910 ihre Geschäfte. Der Zeuge hatte mit ihr allwöchentlich eine Konferenz, in der eingehend alle Vor- kommnisse besprochen wurden. Nach der ihr von ihm beigegcbencn. Instruktion hatten sich der Polizeirat und die Assistentin in ständiger Fühlung zu halten. Frau Sch. sollte mit dem grösstcn Takt vor- gehen, sich weniger als Polizei, mehr als Fürsorgedame betrachten, die Dinge an sich herankommen lassen, nicht aber sie aufsuchen; Humor und Satire. Der Reichslü-rikverband. Hörer, hört und reckt die Hälse, fühlt die hohe Wonne gans, nach der Edith ward die Else Heilige des ReichsvcrbandS. Edith war nur so ein Dirncken, froh des ReichsverbandsprofitS, Else hat ein Dichterstiruchen, und der Ludwig protegiert's. Seinen Einfluh lässt er fließen auf die Kritilasterschar, dass sie besser kann genießen, waS der Pegasus gebar. Aber ach, der Zwischenhändler ging zu unvorsichtig los, und als ReichSlü— rikverbändler steht er nackig da und bloß. Les' ich diese kleine feine reichsverbäudlerische Tat, staun' ich, was für kurze Beine manchmal auch die Lürik hat. O b a d j a. Notizen. — DerProtest von 39 Schauspielern gegen die Be- soldung des Präsidenten der Bühnengenossenschaft. Nissen, wurde vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg zurückgewiesen. — Die Jury der Großen Berliner Kunstaus» stell un g am Lehrter Bahnhos hat von 3246 eingereichten Bild« werken und Skulpturen 2330 zurückgewiesen, also nur 916 an- genommen. — In der Komischen Oper will Frau Revy-Chapmann vom 1. Juli ab wieder zwei Monate hindurch populäre Opern aufführen. — L u st s p i e l s e g e n. Ernste Dramen„gehen" nicht. Um so forscher verlegen sich die Bühnendichter auf die Fabrikalion leichter Ware. Mindestens ein halb Dutzend Autoren, darunter Schöiithan, Rößler, Brand, Stein, Wagenhof und andere warten schon mit neuen Lustspielen, Schwänken und Possen der Erfolge, die da kommen sollen. — Otto BorngräberS Mysterium„Die ersten Menschen" wurde von der Münchcner Zensurbehörde nur be- dingungsweise für sünf Aufführungen freigegeben. — Der vom Verband der Kun st geWerbezeichner geplante„Allgemeine Kunstgcwerbezeichnertag" findet in der Zeit vom 29. Juni bis 2. Juli in München statt. Der Zeichnertag soll die Oeffeutlichkeit über die Bedeutung der Zeichner für das heutige Kunstgewerbe, über ihre künstlerische Gesiiinuiig sowie über ihre soziale Lage aufklären. — Die Tänzerin Otöro ist unter die Kehlkopfkünstler gegangen. Neulich debütierte sie als„Carmen" in der Pariser Komischen Oper mit„glänzendem Erfolg"— berichtet die Kritik. fcther sollte sie sich nicht xtth sogetMnte feste Verhältnisse keküÄ- mern. Bei str� rozessualen Dingen hatte sie nicht selbstärrdig zu handeln, sondern- sich erst von der Polizei Auftrag geben zu lassen. Ausdrücklich habe Zeuge ihr eingeschärft, daß es ein Sichfürberech- llgthalten, weiter.zu gehen, nicht gebe. In sittenpolizeilichen Sachen sollte sie mindestens der Hälfte der Fälle kein Gewicht beilegen, da sie meist aus unlauteren Denunziationen erwachsen. Der An- geklagte habe von ihm gesagt, daß er den Alba und Torquemada spiele, heimlich aber Don Juan oder Faust sei. Der Zeuge erklärt stets für Milde in allen solchen Angelegenheiten eingetreten zu sein. Gerade auf seine Anordnung hin wurde in Mainz mit dem früheren Brauch gebrochen, sofort Akten in Sittlichkeitsdingcn anzulegen. Wenn es einmal vorkam, daß gegen ein bisher anständiges Mäd- chen durch irgendeine Anzeige Akten entstanden und dann nichts gegen das Mädchen festgestellt wurde, halbe er immer angeordnet, daß ein ausdrücklicher Vermerk darüber zu machen war. Im übri- gen müsse doch gesagt werden, daß die Mainzer Polizei ein selbstän- digeS Institut sei, bis auf die Erlassung von Polizeiverordnungen. die nach der Städteordnung der Bürgermeisterei zustehen. Ueber die Tätigkeit der Frau Schapir« hat Zeuge nie eine Klage gehabt; die Dame sei außerordentlich klug und gewandt, die sehr leicht faßt und»irkliche Liebe für ihren Beruf hegt. Sie habe seine volle, uneingeschränkte Anerkennung. Es ist ihr in vielen Fällen gelun- gen, Mädäjen vor sittlicher Verwahrlosung zu retten, insbesondere habe sie es vorzüglich fertiggebracht, auch solche Mädchen mit ihren Familien auszusShnen. In ihrer Tätigkeit gehe sie so weit, daß sie in die eigene Tasche greife, um fortzuhelfen. Sie verstand immer, sofort in der praktischen Weise zuzugreifen, was wohl auch ihre Erfolge erklärte. Da kamen plötzlich die beiden Artikel im„Neuesten Anzeiger vom IS. und 21. Oktober mit Angriffen auf die Polizeiassistentin. Der Zeuge war darüber um so mehr erstaunt, als noch am Tage vorher das Blatt einen Artikel mit viel Anerkennung fsir die Assi- strntin brachte. Der Zeuge war der Meinung, daß Justizrat Horch der Verfasser der Angriffe war. Im Zweifel, was er tun solle fragte der Zeuge den Obersekretär Schäfer, der ihm von einer Be- richtigung abriet; dann ging er zum Oberbürgermeister, der unbe- dingt für Berichtigung war, ivährend der Zeuge nicht wollte. Er mutzte die Berichtigung aufsetzen. Datz sie nicht unterzeichnet wurde. geschah»ach der bis dahin auf der Bürgermeisterei gehandhabten Hebung. Die zweite Berichtigung hat er aber unterzeichnet, weil Hirsch an das Nichtunterzeichnen der ersten Berichtigung seine Glossen geknüpft hatte. Der Zeuge war schon damals für Klage- erhebung. Gegenüber der Behauptung des Angeklagten, der Zeuge habe ihm in der Berichtigung Mangel an Mut, Mangel an Anstand vorgeworfen, sei zu konstatieren, datz er(der Zeuge) ja wcsprüng- lich der Meinung war, Justizrat Horch sei der Verfasser, der Wort- laut der Berichtigung habe sich darum auch nur an die Adresse Horch gewandt. Trotzdem kam dann Hirsch» Angriff auf den Zeu gen als.Eato". In der Stadtverordnetenversammlung antwortete der Zeuge ausführlich auf die Vorwürfe gegenüber Frau Schapiro. Es sei dabei zu einem Zusammenstoh zwischen Horch und dem Zeugen ge- kommen wegen der Aeutzerung Jagdgründe". Mit diesem Aus- druck hat der Zeuge nur an Interessenten von Animierkneipen ge- dacht. Er habe bei dieser Gelegenheit auch keine„wüsten Ausfälle gegen die Presse" gemacht wie das Hirsch nachher behauptete. In keinem anderen Blatte wird auch eine solche Behauptung aufge- stellt. Am 27. Oktober richtete dann Hirsch ein Schreiben an den Oberbürgermeister, das eine Flut von Beleidigungen enthielt; so in der Bemerkung:„Die Polizeiassistentin würde auch hier(in Mainz), wenn sie es nicht verstände, zuweilen ein Auge ihres Sittengesetzes zuzudrücken, Nimrode vorfinden, die öffentlich jedem den Jagdpatz verweigern, aber selbst heimlich Schnepfen schietzen". Zeuge bestreitet im weiteren Verlaufe feiner Aussage noch, datz er irgendwie Moral gepredigt habe. Er habe auch wiederholt die Po- lizeiorgane ersucht, doch nicht von Amts wegen Ehrabschneiderei 6U'stf der zweiten Berichtigung hat der Zeuge die gewissenhafteste Prüfung des Materials des H. zugesichert, sogar unter Zuziehung einer Kommission. Trotzdem die Bürgermeisterei gar nicht der- pflichtet war, eine Kommission, zuzulassen, haben wir das doch zu- gestanden. In Mainz bestand doch auch die Meinung, datz er eher zu scharf gegen die Beamten vorging als zu milde. Er sei bereit gewesen, die Führung der Untersuchung abzutreten, wenn dabei er- klärt worden wäre, datz ihm damit kein MitztrauenSvotum erteilt werde Einstimmig wurde er dann mit der Untersuchung betraut. Mit der Redewendung, ein« Untersuchung des Hirschchen Materials werde in Nichts zerrinnen, habe er seiner festen Ueberzcugung Ausdruck gegeben, die ich gewonnen hatte aus den allwöchentlichen Besprechungen mit der Assistentin, datz ich ihr absolutes Vertrauen entgegenbringen konnte. Auf den Vorhalt, datz man dem Zeugen doch in der Sache Befangenheit entgegengebracht habe, erwidert der Zeuge: Rückschauend würde er heute den Ausdruck„in Nichts zerrinnen" nicht gebrauchen, nachdem er weitz, datz man ,hm den Vorwurf der Befangenheit macht. Damals habe er jedenfalls mcht annehmen können, datz man ihn darum für befangen hielt. Der Assistentin habe er immer die Weisung gegeben, leidenschaftslos und unbefangen die Dinge zu betrachten, namentlich bei Denun- »iationssachen. Das habe er sich zur Amtsregel gemacht. Die Be- hauptungen HirschS über die Beamkenuntersuchungen haben sich nach Prüfung als Phantasien und unbegründete Beschuldigungen erwiesen. Im ganzen Deutschen Reiche wird mit Deckadressen ge- arbeitet. Das Verfahren ist nicht schön, aber die Polizei kann diese Mittel nicht entbehren. Die Mitwirkung der Assistentin dabei zial- demokratie fordert höhere Löhne für Arbeiterinnen— aber sie ist eine Feindin der Frauenarbeit! Ein solcher Akrobat müßte jede Konkurrenz im Lunapark mit Leichtigkeit in die Flucht schlagen. Er hat übrigens auch seine moralische Pose noch nicht verloren, und so läßt er im Brustton der Ueberteugung sich weiter vernehmen: .Die Tatsache, daß die weiblichen Arbeitskräfte hauptsächlich für weniger qualifizierte, meist mechanische Arbeitsleistung in Betracht kommen, kann auch von der Sozialdemokratie nicht weg- geleugnet werden und rechtfertigt natürlich auch eine unterschied- liche Bezahlung." Also in einer Reihe Berufe leistet die Frau besseres als der Mann— aber ihre Leistung ist minderwertig, darum unter- schiedliche Bezahlung!— Mit solchen geistigen Bravourleistungen ist natürlich die höhere Qualifikation des Mannes über jeden Zweifel erhaben erwiesen. Aus dem Gefühl heraus, daß fein Nachweis von der Feindschaft der Sozialdemokratie gegen die Frauenarbeit noch nicht genüge, geht er noch weiter ins Zeug. Die Sozialdemokratie fordert mehr Arbeiterinnenschutz— folglich ist sie gegen Frauenarbeit! An die Größe dussdr Feststellung reicht wieder nicht die schöne Entrüstung heran, daß die Sozialdemokraten m der Entfernung der proletarischen Mütter von ihren Kindern keinen Jdealzustand erblicken. Das sind für die Gemütsathleten „weiter nichts wie Phrasen". Und schließlich reißt er der sozial- demokratischen Partei vollends die Maske vom Gesicht mit der welterschütternden Enthüllung, daß in der Partei nur einzelne radikale Genossinnen zu Amt und Würden gelangen. Jetzt merkt man ungefähr, was der in der„Allgemeinen" über den Schellen- daus gelobte Bund gegen Frauenemanzipation für schöne Auf- gaben lösen könnte. Erstens, die Sozialdemokratie für die Fabrik- arbeit— der Proletarierinnen begeistern, zweitens, für niedrige Entlohnung der Frauenarbeit kämpfen, drittens, Arbeiterinnen- schütz verhindern, viertens, die volle Gleichberechtigung der Frauen in der Sozialdemokratie erkämpfen! Versammlungen— Veranstaltungen. Vierter Kreis. Die Genossen und Genossinnen der 34. Abteilung des vierten Kreises unternehmen am Sonntag, den 23. Juni, eine Besichtigung der Konsumgenossenschafts-AuS- stellung im Clou. Treffpunkt nachmittags 2>/z Uhr Bei Schulz, Schreinerstr. 18, Billetts a 10 Pf. find dort noch zu haben. Stralau. Die Genossinnen veranstalten am Sonntag, den 23. Juni, einen Familienausflug nach Sadowa sWaldschänke). Treffpunkt vormittags O'/s Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Nach- zügler werden dort erwarter. Die Bezirksleitung. Serickts- Leitung. Das Herumtragen von Wahlplakaten ist verboten. Daß es endlich an der Zeit ist, mit den veralteten Plakatgesetzen aufzuräumen, und auch diese Materie im neuzeitlichen Sinne reichsgesetzlich zu regeln, beweist wieder einmal aufs Schlagendste ein Prozeß, der am Montag das Kammergericht beschäftigte. Am Tage der Reichstagswahl(12. Januar) verteilte Klemm in Halle a. S. vor dem Wahllokal in der Lerchenfelder Straße sozialdemo- kratische Stimmzettel. Zugleich trug er, wie das alle Parteien machen lassen, auf der Brust ein größeres Plakat. Es zeigte im Bilde auf gelbem Untergrunde eine Gruppe von Personen vor einer aufgehenden roten Sonne. Dazu enthielt es eine Inschrift, die die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Fritz Kunert nahelegte und andeutete, daß, wer Fritz Kunert wähle, zugleich gegen Aus- beutung, für billige Lebensmittel, für Beseitigung indirekter Steuern und für allgemeines Wahlrecht stimme. Wegen des Tragens dieses Plakats wnrde Klemm angeklagt. Er sollte dadurch gegen Z 9 des alten Preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 verstoßen haben, der durch§ 30 Absatz 2 des Reichs- Preßgesetzes aufrecht erhalten ist. Er lautet:„Anschlagzettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Ver- gnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffent- lich ausgestellt werden." Folgt eine Ausnahme bezüglich amtlicher Bekanntmachungen., K. berief sich gegenüber der Anklage auf§ 43 Absatz 3 der Gewerbeordnung, wonach ohne polizeiliche Erlaubnis auch auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen zulässig ist,„die Bertei, lung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften in der Zeit von der amt- lichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes. K. meinte, das Verteilen von Druckschriften� sei mehr als das Herumtragen eines Wahlplakats. Folglich müsse ange- nommen werden, daß das letztere durch K 43 Absatz 3 der Gewerbeordnung mit umfaßt sei. Es müsse danach in der angegebenen Zeit, also auch am Wahltage zulässig sein. Das Landgericht in Halle als Berufungsinstanz verurteilte jedoch den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Das Kammergericht, bei dem K. Revision einlegte, verwarf baS Rechtsmittel mit folgender Begründung: Daß es sich um ein Plakat handele, sei ohne Rechtsirrtum festgestellt worden, da der Inhalt der aüf einen Pappbogen aufgeklebten, sich an das Publikum wen- denden Drucksache ohne weiteres für das Publikum verständlich sei. Auch handele es sich zweifellos um ein öffentliches Ausstellen des Plakats, wenn es jemand auf der Brust trage und öffentlich zur Schau stelle. Nun habe sich Angeklagter auf§ 43 Absatz 3 der Gewerbeordnung berufen. Dieser könne aber nicht Anwendung fin- den, denn er spreche nur von einem Verteilen von Druckschriften zu Wahlzwecken, nicht aber von einem öffentlichen Ausstellen solcher Druckschriften. K 9 des preußischen Preßgesetzes werde nicht davon berührt. Er sei auch noch rechtsgültig, da 8 30 Absatz 2 des Reichs- Preßgesetzes ausdrücklich bestimme, daß durch dieses Gesetz nicht berührt werde das Recht der Landesgesetzgebung, u. a. Vorschriften über das öffentliche Anheften, Anschlagen und Ausstellen von Pla- katen zu erlassen. Da nun solch Äahlplakat einen anderen Inhalt habe, als ihn§ 9 des preußischen Prchgesetzes zulasse, so set sein öffentliches Ausstellest verboten. Je feiner Sie den„KornfrancK" mahlen, desto größer ist der Nutzen, den Sie aus ihm ziehen Können* Cs gibt nur einen„KornfrancK"! 23 Den echten„Kornfranck" gibt es nur In den grünen Paketen. "6 ,••• o»e e falfon-AufverkauF /Mif Schuhwaren-_____. 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München Wien 758!IO 757» 758,® 762 SW 761 5® 762 Still 63 Vetter as 3% 1- Stationen 3: heiter 2 bedeckt 2 wolkig 4i»olkig 'Regen 2wolktg Üj h m Haparanba BclerSburg scilly Aberdeen Paris 7551 SSO 760 A® 764® 758®© 7609!® Vetter Nebel I Ibciter 8, wolkig 8 halb bd 3halb bd. e-» S» ffv« Sä o 13 14 12 17 BSctlerprognose für Freitag, den 31. Juni 1913. Etwas kühler, vielsach heiter, aber sehr veränderlich mit leichten Regen» fällen und ziemlich frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. �EEEßSS««»SSSsSIj öS? Unserem Genossen Fritz K? Slebert und unserer Ge- � nossi»«ort» 8Ivdvrt die öj bcrzlichsten Glückwünsche zur silbernen Hochzeit. 20A Z Die Genossen vom Bezirk S05, Todes-Anzeigen j Sozialdemokrat. Wahlveretn für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Frankfurter Viertel. Bez. LKS. ItartcKrtiKriHK. Die Beerdigung des Genossen HeinricK Noz findet Sonnabendnachm.'1,5 Uhr von der Halle des Zentral-Fried- böses in miedrichsselde aus flatt. VeeKsliilileeDsttleeu.l'oeleleuIIIei' Ortsverwaltnng Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Treibriemensailler ttvini'ivk Wcrtstatt Kemmrich, verstorben ist. 157/12 Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. Juni, nach- mittags i'J, Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet vis art»vor«ealtung. SozlaiilemokratiseherWaiilvereiD des 6. Beri. Reichstags-Wahlkreises. Am Sonnabend, den 15. Juni, verstarb unser Genosse Wolf Malmöer Straße 20. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/17 Der Vorstand. Oeutseher Batiarbeiterverbaml. Sektton der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern deS Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege 140/5 August Wolf (Bez. Schönhauser Vorstadt) plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. d. MtS., nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Friedrichs- selde aus statt. Um recht rege Beteiligung bittet Die örtliche Verwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Straßen- bahnarbeiter keloliolll voers am 18. d. MtS. im Alter von 23 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. d. Mts., nachmittags 6 Uhr. von der Leichen. Halle des städtischen Friedhofes in Köpenick aus statt. Ferner verstarb unser Mitglied, der Fraisctulscher von der Firnia Fengler August Seduli am 13. d. MS, im Alter von 33 Jahren. Ehre feinem Andenken! DieBeerdigung findet am Sonn« abend, den 22. d. MtS., nach- mittag 4 Uhr. von der Leichen. balle des städtischen Friedhofes in Ahrensfelde aus statt. Einzige Fahrgelegenheit 2 Uhr 30 Min nachm. vom Wriezener Kleinbahnhos, Fruchtstraße. Um rege Beteiligung ersucht ö4/lö Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, Mutter, Schwester, Schwiegermutter und Großmutter Augusts Bjeske geb. niemer sagen wir hiermit allen Verwandten, Bekannten, sowie dem 525. Bezirk des 6. Berliner Wahlkreises unseren herzlichsten Dank. 214gb Im Namen der Hinterbliebenen I. Bjeske. 1 Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann und guter Vater, der Stercotypeur Tdeoltor tfeyland am 13. Juni nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten Helene Wrylaud geb. tiellwig nebst Sohn. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 22. d. M.. nachmittags 5'!, Uhr, von der Leichenhalle des städlischen Kirchhofs, Seestraße, aus statt. 2152b SozIalileiDokratiseiierWiililyereiD des 6. Berl. Reichstags-Wahlkreises. Am 10. Juni verstarb unser Genosse und Bezirkssührer, der Stereotypeur Theodor Koloniestr. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. d. Mts., nach- mittags b'l, Uhr, von der Halle des Philippus- Apostel- Kirchhofes aus aus dem städtischen Friedhose, Müllcrstraße, Ecke Secslraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/18 Der Vorstand. Weyland estr. 35. Verein der Stereotypeure und GaWanoplastiker Berlins und Umgegend. Am 13. d. Mts. verschied nach langem qualvollen Leiden unser langjähriges Mitglied, der Stereo- typeur Theodor Weyland im 53. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. d. Mts., nachmittags b'l, Uhr, von der Leichenhalle des Philippus-Apostel- Kirchhofes, Müllerstr. 44/45, aus nach dem städtischen Friedhos statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. �llgein. Kranken- u. Sterbekasse der Drechsler u. Berufsgen. (E. H. 86.) Verwaltungsstelle Berlin D. Nachruf. Am 15. Juni verstarb unser Mitglied krledrleh KQbart. Ehre seinem Andenke«!.. Die Becrdigungsand am DienS- tag. den 18. Juni statt. � 292/13,1 Die Ortsverwiltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Venvalenngsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maschinen- arbeiter Karl 8tolienlmrg, Schliemannstr. 18, am 19. d. M. an Lungcnleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. Juni, nach. mittags 4 Wr, von der Leichen- halle deS Getbscmane-KirchhoseS in Nordend-Nieder-Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/12 Die OrtSverwaltung. Heute, am 18. Juni 1312, ver- schied nach langem schweren Leiden mein innig geliebter Mann, unser herzensguter Sohn, Bruder und Schwager, der Schankwirt 30A Kavl Vorwerk im 38. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Marie Vorwerk und Hinterbliebene. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. Juni, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhaufe Dunckerstraße 63 aus statt. Küpenick. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß der Straßcnbadnarbeiter fteinhold Goers am 18. Juni tödlich verunglückt ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. Juni, nachmittags 6 Uhr, aus dem Köpenicker Fried- hose statt. 21S0b Um stille Teilnahme bitten Die trauernden tiinterdiiebenen: Eltern. Geschwister. Schwager und Onkel. Allen Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß unsere geliebte Tochter, Schwester und Schwägerin Msnjgfets Richter (28 Jahre) am 13. Juni in Grünau erttank. Die tiesbetrübten Eltern lllax Richter. Friedrichsselder Straße Nr. 20. Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein Sohn, unser lieber Bruder, Schwager, s Neffe und Onkel, der Metallfchleiser Reinhard Richter nach langer schwerer Krankheit im Alter von 24 Jahren verschieden ist. Statt besonderer Meldung zeig' dies, um stilles Beileid bittend trauernd an 2142b Meinhard Richter nebst Familie. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemewde-Fried- Hofs, Mariendorser Weg, aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner licbenFrau, unserer guten Mutter Harle Vetter sagen wir allen Bekannten und Verwandten, insbesondere den Angestellten der Buch- Handlung Vorwärts. Botensraucn der Vorwärtsspeditton Neckarstraße, Spe- diteurcn, dem Transportarbeiter-Ver« band sowie dem sozialdemokrafischen Wahlverein(13. Bezirk) unseren herz- lichslen Dank. 2l43b Franz Better nebst Kindern. MeMaitfahra'- fiimd Solidarität Ortsgruppe Berlin. Tonren znm Sonntag, den 23. Jnni. 1. Abt.: 4 Uhr: Neu-Ruppin (Schäler), 1 Ubr: Papenberge(Endri- jad). Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: Am 22., abends 3>/, Uhr: Streijzüge durch den Blumenthal, am 23., 12 Uhr: Strausberg(Hungr. Wolf). Start: Schönleinstr. 6. 3. Abt.: 6 u. 11-/, Uhr: Motzen, Start: Laufitzer Platz 11. 4. Abt.: Am 22., abends 8 Uhr: Guben, am 23�, 1 Uhr: Schöneiche (Mann). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 4 Uhr: Buckow(Schweizer- us), 9 Uhr: Strausberg(Hungr. off). Start: EIhsium. 6. Abt.: 4'/, Uhr: Wriezen a. O., 1 Uhr: Familientour nach WaidmannS- luft(Schwclzerhäuschen). Start: Oderberger Str. 28. 7. Abt.: Am 22.. abends 8'/, Uhr: Lampiontour nach Glienicke a. Nordb. (Altermann). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: Am 22.. 7 Uhr: Mondschein- fahrt. Ziel wird am Start bekannt- gegeben. Am 23., 1 Uhr: Eichwalde (Witte). Start: Levetzowstr. 2r 3. Abt.: 3 u. 12'/, Uhr: Motzen. Start: Schillingstraße 22. 11. Abt.: Am 26., 3 Uhr: Rahns- dors. Start: Gr. Hamburg. Str. 18/13. Jugendliche Bundesgenossen: 1 Uhr: Spielpartie nach Fichtenau(Gesell- I chastshaus). Start: Stralauer Brücke 3. Agitationstour am Sonntag, den 23. Juni, nach Wriezen a. Oder. Der wichtigen Ver« sammlung wegen werden die- Ge- nassen dringend ersucht, fich rege an der Tour zu beteiligen. Sammel- start: 5 Uhr: Frankfurter Allee, am Bahnhos. 11/13 Die Agitationskommifsion. am Donnerstag, den 27. Juni, abends 8'/, Uhr, Stralauer Brücke 3. Reinickendorf. 1. u. 2. Abt.: 9 Uhr: Liebenwalde. 2 Uhr: Bezirkssest. Start: Schorn- weberstr. 37 und Amendestr. 83. Sezirk 31: Beiirilskest. Die Bundesgenossen werden ae- beten, sich zahlreich an der Korsosahrt zu beteiligen. Der Start ist aus 2'/, Uhr am Boxhagener Platz in der Grünberger Straße sestgesetzt, von hier aus um 3 Uhr mit Musik durch Rummelsburg nach.Casü Btllevue" am See, Hauptslr. 2. Einlaßkarten sind am Start zuhaben. Die Bezirksleitung. Gäste an allen Douren und Ver- anstaltungen willkommen. !ahnar!t freund. B�inft"««. Sprechzeit 8—8 abends. � Schmerzlos. Zahnzieh., Plomb., Gebiffe billig. Behandl. all. Kassenmitgliedcr. Unbem. u. Arbeitslose Beh. unentgeltl. Ä»' W.«erbst gerr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. IIRHI.IN 8W., Ritterstr.83 Erstklassige Ware. Zigarren- händlem bestens emptohlen. —— Tarirarbelt.- Buchhandlung Vorwärts Llndenstr. 69(Laden). Ncaerscheinnngon: Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung. Herausgegeben von Max Cfrnnwald. Heft»: Partei und Gewerkschaft In vergleichender Statistik von An gast M ai. 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Ansang 8 Ubr. Urania. Der Grobglockner, Gastetn, Salzburg. Koini'che Oper. Heiligenwald. Königgrnher Strafte. Di« süns Franlsurter. Knrtürfteuoper. Der Tanzanwall. Reue». Der liebe Augustin. Resibey». Alle» für die Firma. Berliner. Giotze Rofinen. Schiller O. Hohe Polilik. Sch n c>. Eharloitendurg. Da» Konzert. Rencs Overette«. Der Kongreß von Sevilla. Thalia. Autoliebchen. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Vietruvu!. Schwindelmeier U. Eo. Rose. Bilanzen de» Leben». Apollo. Svezialiläten. Paffage. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Lesstug. Vergnügungsreise. Aeues SctiauiPielhauS. Parkett» sitz Nr. 10. LustsPiclsiauS. Sa'n Windhund. Frtebr.> Wild. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Kol ies. Verschiedenes. 145/17' lültglled.bnch legitimiert. Um starken Versammlungsbesuch wird gebeten, vor Verbandsvorstan*. ttr II« Arbeitsnachweis: , H°s I. Sinti Norden, Nr. 1239. IfervaltuDptelle Berlin Eharitestraße 3. Hauptbureau: Hos in. Amt Norden, Nr. 1987 Sonntag, den 23. Juni tSt2, vormittags 10 Uhr, im gr. Saal d. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23; Versammlung aller in den Eisenkonstruktions-Betrieben Groß-Berlins beschäft. Arbeiter Tagesordnung: 1. Bericht über die letzten Verhandlungen mit den Arbeit- gebern und unsere Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. Die Bertrauensleute treffen sich eine WKM Stunde vorher im kleinen Saal. Alltglledsbtleher»lud zweeh» Kontrolle mitzubringen. Kollegen I Sorgt sllr vollzähligen Besuch der Versammlung. Sonntag, den 23. Juni 1012, vormittags 10 Uhr, in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelmstr. 18 m, großer Saal: Krauche«-Versammlung der Eisen-, Metall- und Revolver- dreher sowie Rundschleifer. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Diskussion. 3. DaS Ueberstunden- Unwesen. 4. Verschiedenes. Die Kollegen der Firma Dalrnler-Marienfelde «IWff werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. llltglledsbncb legitimiert.—. Achtung I Zur Ausstellung der Konsumgeuossenschast sind für unsere Mitglieder Balletts a 10 Pfennig im Bureau zu habe». 119/11_ Die Ortaverwaltnng. Sechster Vahlkreis. Die Stichwahl zwischen den Genossen Frank und Joseph findet am Sonntag, den 23. Juni, in folgenden Lokalen statt: Obiglo, Schwedter Stt. 23. Lopper, Zionskirchstr. 11. Gründet» Wörther Stt. 18. Dobrohlaw, Schliemannstt. 39. Precht» Wichertstr. 3. Bachgäuger» Schivelbeiner Stt. 23. Gliesche» Kopenhagener Stt. 74. toffmao», Swinemünder Stt. 47. enkel» Sttalsunder Stt. 17. Dhomae, Hussitenstr. 35. Bruder» Schlegelstr. 9. Faber, Stephanstt. 11. Paersch, Oldenburger Stt. 19. Köhler, Wittstocker Stt. 19. Petermann, Havelberger Stt. 15. Funke, Triftstr. 63. Schade» Kösliner Stt. 9. Baer, Badstr. 44. Pose, Koloniestr. 15. Glawe» Liebenwalder Stt. 4. Doye, Müllerstt. 38a. Tausche!, Kameruner Stt. 53. Gewählt wird tu der Zeit von 10 bis 1 Uhr. mtglledahneh legitimiert. 229/14*___ Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. 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Druck«.Verlag: Vorwart»»uchdruckere, u. VertagSanstalt Paul Singer u.Co� BerUn SW, Sonntags nur von 8—10 Uhr geöffnet »ososa fLeuInsohns Saison- IBosenttialer Str. 40-41 1 Hackescher Markt Bitte genau auf die HansoDminer z za achtes*© Sur kurze Zeit solange Vorrat | Daiiwen-Stieffei| schwarz im. Chevreaoz � mit liack kapp«. moderne A TC � JassooB... jetzb nur � � schwarz Ohevreaoz mit Lack- kappe, schlanke u. breite R Q R Fasson�.., jetzt uur schwarz prima Ohevreanx mit, auch ohne Lackkappe, die elegantesten Fassons, QC Goodyear-Welt jetzt nur*M%ßU, braun Chevroauz mit Lackkappe, moderne R Q r Fassons...jetzt nur braun Za Chovroanx mit Lackkappe, breite u. schlanke ß 7 K Fassons... jetzt nur Halbschuhe Damen» schwz.Chevrette O QC mit Lackk., jetzt nur braun Chevroauz A OK mod. Fassons, jetzt nur » aohwarz Derby, große A QE ) Oes., Lackk., jetzt nur«■' ' braun Chevr., Derby A QK ' mit Lackkn jetzt nur"■'■vvl Lack-Halbaohuhe amerikanisch. 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Steglitz. Die Privat-Theatergesellschast„Thalia" hält am Sonn- abend, den 22. Juni, im„Schlotzpark" einen Theaterabend ab, wozu sie besonders in Arbeilerkreisen Eintrittskarten abzusetzen sucht. Wir verweisen darauf, datz der„Schloßpark" der Arbeiterschaft für Wer- sammlungen nicht zur Verfügung steht. Tcmpclhof. Heute Freitag: Flugblattverbreitung von den be kannten Lokalen aus. llioscnthal, Wilhelmsruh, Nicdcr-Schönhausen-West. Sonntag, den 23. Juni, vormiltags 10 Uhr, bei Milbrodt, Kronprinzenstr. 15: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Bezirksleitung. 3. Neuwahl der Bezirksleitung. 4. Anträge und Verschiedenes. Bernau. Die Mitgliederversammlung am 22. Juni fällt aus, dafür ist Sonnabend, den 29. Juni, die Generalversammlung. __ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten» Aus der Stadtverordnetenversammlung. Für den„Preußischen Feuertvehrbeirat" hatten zur Förde- rung des geplanten Unternehmens eines Feuerwehr- Erholungsheims nebst einer Landes- Feue rwehr- schule ein Antrag Modler einen Veitrag aus Mitteln der Stadt Berlin gefordert. In dem Ausschuß, dem dieser Antrag zur Vorberatung überwiesen worden war, fand sich keine Mehrheit für ihn. Man war der Ansicht, daß das Heim wie die Schule mehr den Feuerwehren der Vororte und der �Zrovinzstädte als derjenigen Verlins not tue und nützen werde. Der Ausschuß empfahl, den Antrag abzulehnen, da ihm die Be- gründuug fehle, und dafür den Magistrat zu ersuchen, nötigenfalls in den nächsten Etat Mittel zu be- sonderer Fürsorge für Erholungsbedürftige der Feuerwehr einzustellen. Für diesen Vorschlag trat auch die sozial- demokratische Fraktion ein. Ihre Gründe wurden von unserem Genossen Drescher dargelegt, der im übrigen— unter dem Protest des Stadtverordneten Cassel— darauf hinwies, daß auch den Feuerwehrleuten die Gewährung eines ausköninilichen Gehaltes die erlvünschteste Fürsorge ist. Die Versammlung beschloß, was der Ausschuß vorschlug. Für die Kirche will der Magistrat etwas tun. Unter- stützen will er eine in Berlin bestehende schwedische K i r ch e n g e m e i n d e, der er unter für sie günstigen Be- dingungen einen Bauplatz überlassen möchte. Genosse H o f f ni a n n trat diesem Plan entgegen, indem er sich gegen jede Unterstützung von Kirchengemeinden durch Stadtgemeinden erklärte. Sein Rat, den An- trag des Magistrats ohne weiteres abzulehnen, fand nicht den Beifall des Stadtverordneten Cassel. Mit Eifer stritt der für die Kirche. die Hoffmann mit einem kalten „Wir geben nichts!" abfertigen wollte. In Anbetracht der„alten freundschaftlichen Verbindung" zwischen Schweden und Norddeutschland, die in der Magistratsvorlage als einziger Grund angegeben worden war, hielt Herr Cassel es für ein Gebot der Höflichkeit, die Sache in einen Ausschuß hinein zu retten. Das gelang ihm denn auch, nachdem zuvor der Oberbürgermeister K i r s ch n e r wegen dieser ivunderlichen Begründung der Vorlage sich bei unserem Genossen Hoff- mann eine amüsante Abfuhr geholt hatte. Schülerspielplätze im Grunewald sind auch eins der modernen Mittelchen, um die Jugend ins nationale Schlepp- tau zu nehmen und für Kriegsschalmeien zu begeistern. Wie bei allen solchen Dingen schiebt man große Erziehungsprobleine vor und läßt für die Oeffentlichkeit die Hauptsache mehr im Hintergrunde. Es wird darauf verwiesen, daß die Schulen der Großstadt nur selten in der glücklichen Lage seien, ihren Schülern in unmittelbarer Nähe der Schule einen großen Platz als Tummelstätte zu bieten. Die meisten Schillhöfe seien von Häuserblocks umschlossen, die Nachteile des Hallenturnens im Sommer ganz ofseukundig. Zudem dürfe nicht verkannt werden, daß der Schulturnunterricht an sich mit seinen Freiübungen und seinem Geräteturnen in der heute betriebenen Art auch eine gewisse geistige Anstrengung der Schüler, besonders gleich nach anderen Lehrstunden, mit sich bringe, während de» Turnunterricht einen Ausgleich in körperlicher Hinsicht für die geistige Anspannung in den Schulstubenstunden bilden solle. Deshalb seien höhere Lehr- anstalten schon auf den Ausweg des Wassersports verfallen, von dem aber aus sozialen und anderen Gründen nicht alle Schüler den entsprechenden Nutzen haben. So kamen andere höhere Lehranstalten des westlichen Groß-Berlin auf einen neuen Gedanken. Es entstand eine Vereinigung, die sich die Schaffung von Schülerspielplätzen im Walde zur Aufgabe macht, und es können an diesen Schulspielen unter Leitung von Turnlehrern auch� Gemeindcschüler, Mit- glieder von Turnvereinen lind andere nVer- e i n i g u n g e n teilnehmen. Der erste dieser Schüler- � spielplähe wurde vor drei Jahren, der zweite vor einigen Tagen eröffnet. Beide liegen an der Grenze deS Gr, ine i Waldes, bei Dahlem und Eichkamp. Der Forsrfi:>kus hat die! Benutzimg. auch im Winter, für eine billige Pachtjumme l hergegeben, auch Hallen zum Auskleiden, Ausrnben»sw. sind vorhanden. So weit ist alleS ganz schön. Aber schon an der Tatsache, daß ein Hohenzollernprinz Protektor der Vereinigung ist und bei der Eröffnung des zweiten Schüler- spielplatzes zugegen war, merkt man, wohin die Sache zielt. Die Jungen sollen nationalisiert, dem sozialen Zuge der Zeit entfremdet werden. Der rein turnerische, körperkräf- tigende Gedanke der Einrichtung ist genau identisch mit der Jugendpflege der Sozialdemokratie. Aber das hindert nicht, unserer Jugendpflege die denkbarsten und oft ungesetzlichsten Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Ob wohl der Fost- fiskus auch einer Arbeitervereinigung Spielgelände zur Verfügung stellen würde? Aus der Gcwerbedeputation. In der letzten Sitzung beschäftigte.sich die Gewerbedeputation von neuem mir dem Autrage der H a n d w e r k s k a m m e r Berlin, ihr zum Zwecke der Abhaliung vou Meisterkursen den Betrag von 5000 M. zu bewilligen. Die Angelegenheit zeitigte eine längere Debatte, weil nicht mit wünschenswerter Deutlichkeit aus dem Antrage hervorging, ob der angeforderte Betrag für entstandene Defizits früherer Jahre oder für das kommende Etatsjahr Verwendung finden solle. Es wurde beschlossen, nur unter der letzteren Voraussetzung dem Plenum des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung den Antrag zur Annahme zu empfehlen. Die Deputation für das Fort- bildungsschulwefeu, deren Gutachten eingeholt war und vorlag, empfahl ebenfalls die Bewilligung. Vom Vorstand der Bäcker-ZwangSinnung lag der Antrag vor, die Zustimmung des Gesellenausschusses zu 8 7 der von der Innung beschlossenen Bestimmungen für den Arbeitsnachweis zu ergänzen. ES handelte sich hier um die verschiedenartige Vermittelungsgebühr für Arbeitsuchende, die in Beträgen von 25 Pf. bis zu 1 M. erhoben werden sollen, und zwar je nach der Art der Arbeit, für die der Bäckergeselle eingestellt wird, ob als Kneter, dritter oder vierter Ge- selle»i'iv. Diesen Bestimmungen hatte der Gesellenausschutz seine Zu- stimmung versagt, so datz die Gewerbedeputation die verweigerte Zustimmung, wie es im 8 05 der Gewerbeordnung so hübsch heißt, „ergänzen" sollte. Vom Gesellenausschutz lag eine längere Be- gründung für die Ablehnung seiner Zustimmung vor. Es wurde ausgeführt, datz der Gesellenausschutz Wert lege auf eine e i n h e i t- liche Gebühr, und zwar auf keine Vermittclungs-, sondern auf eine Einschreibegebühr, wie dies von den paritätischen Arbeitsnachweisen gehandhabt werde, und die man einheitlich auf 20 oder 25 Pf. festsetzen könne. Die Einnahmen des Nachweises würden, wie rechnerisch dargelegt wurde, keineswegs leiden, überdies fei die Innung nicht dazu da, auS etwaigen Ueberschüffen sich be- sondere Einnahmen zu verschaffen. Für das Erheben einer Ein- schreibegebühr und keiner Verniittelungsgebühr wurde weiter geltend gemacht, daß jeder, der in die Listen des Nachweises eingetragen werde, dieselbe Arbeit verursache und daher die Erhebung dieser Gebühr eine gerechtere sei. Vor allem müsse aber der Gesellen- auSschutz dagegen protestieren, datz die bei Antritt der Stelle vom Arbeitslosen nicht sofort gezahlte Vermittelungsgebühr von dem betreffenden Arbeitgeber später bei der Lohnzahlung in Abzug ge- bracht werde. Dieser Zustand würde auf beiden Seiten zu dauernden Streitereien führen. Der Jnnungsvorstand begründete die Erhebung einer Ver- mittelungsgebühr und die staffelweise Erhebung damit, datz dem Arbeitsnachweis dadurch erhöhtere Arbeit und Unkosten entständen, weil gleichzeitig der Nachweis die Annieldung der vermittelten Arbeitskräfte an die Jnnungskrankenkaffe zu erledigen habe. Unseren Genossen gab dies Gelegenheit, zu betonen, datz es überhaupt nicht Aufgabe des Arbeitsnachweises, sondern Verpflichtung jedes Bäcker- meisters selbst sei, diese ihnen durch das Gesetz zugewiesene Arbeit zu erledigen. Den Jnnungsmeistern schemt es aber hierum mehr zu tun zu sein. Auf den vom Magistratsvertreter und von bürgerlicher Seite erhobenen Einwand, der Geselle der vermittelt werde, sei eher in der Lage, die Vermittelungsgebüh, zu zahlen, wurde von unseren Genossen geantwortet, datz es für den Arbeitslosen ganz gleich sei, ob er Einschreibe- oder Vermittelungsgebühr bezahle, über reichlichere Mittel verfüge der Vermittelte ebensowenig, als der in die Listen eingetragene. Es wurde nach längerer Debatte, behufs Einholung weiterer Informationen unter den beteiligten Kreisen, die Vertagung der Angelegenheit beschlossen. Die Anträge wegen anderweitiger Regelung der seit dem 1. Januar d. I. neu geregelten Sonntagsruhe wollen kein Ende nehmen. Es lagen Petitionen bezw. Gutachten verschiedener Körperschaften und Vereine vor. u. a.„Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft". „Berliner Handelskammer",„Verband deutscher Kohlenhändler" und „Verein der Fouragenunternehmer". Einige wünschten den Fortfall des Unterschiedes der Verkaufszeit im Sommer und Winter und Einführung der Einheitszeit: Verkaufszeit ohne Rücksicht auf die Jahreszeit' von 8—10 Uhr vormittags, die Kohlenhändler wollen, wenn dies nicht durchgeführt wird, völlige Sonntagsruhe. Unter Bezugnahme auf die bereits früher mitgeteilten Gründe (Siehe Bericht in Nr. 108 des„Vorwärts" vom 10. Mai d. I.) lehnte es die Deputation ab, auf diese geäußerten Wünsche ein- zugehen. Ein Ersuchen des Polizeipräjidenten um Acutzerung über die Freigabe einer Abendstunde(6—7 Uhr) für den Verkauf von Milch an Sonn- und Festtagen in Molkereien wurde in zustimmendem Sinne erledigt. Es betrifft dies, wie ausdrücklich noch Hervorgehoben sein mag, nur Molkereien. Auf gewöhnliche MilchhandlungS� gefchäfte soll diese Ausnahme keine Anwendung finden. Schildkröten an märkischen Gewässern kommen noch recht häufig vor. Besonders viele sind in den letzten Jahren in den Havelscenbeobachtet worden, vorzugsweise auch bei Pichelswerder. An warmen Sommer- abenden kann man das eigentümliche Pfeifen der Wasserschildkröte vernehmen, wenn gerade mal das liebliche Froschkonzert einen Augenblick verstummt. Wer mit den Gewohnheiten und den Lieblings- plnycn der Tiere vertraut ist, braucht gar nickt lange zu suchen, um mehrere zu erbeuten. Gewöhnlich sind es kleine Exemplare. Ueber Handtcllergrötze wachsen sie in unseren Gewässern selten hinaus. Stadtverordneter Richard Barth ist gestern im Virchow-Krankew hause im Alter von 50 Jahren gestorben. Barth vertrat feit 1900 den 5. Gemeindewahlbezirk in der 2. Abteilung. Der Verstorbene war ein sehr tätiges Mitglied der Alten Linken und gehörte mehreren ständigen Ausschüssen und Deputationen an. Die Straßenbahnlinie 92 wird eine Umleitung erfahren und nickt mehr durch die Motzstratzc, sondern über Lützowplatz, Kur- füisten-. Nürnberger. Spichernstratze und Kaiser-Allce verkehren. Einstellung deS städtischen Sccfischvcrkaufes. Mit Rücksicht darauf, datz der Sradrgemeinde die zur Erhaltung der Seefische während der heißen Jahreszeit nötigen KonservicrungSeinrichtungen nicht zur Verfügung flehen, wird der städtische Scefischvcrkauf mit dem 2. Juli dieses' Jahres bis auf weiteres eingestellt. Der.letzte Verkauf findet demnach am Dienstag, den 2. Juli d. I., statt. Besichtigungsfahrten der Berlin umgebenden Wälder und Frei- fläcker werden von den Mitgliedern des Ausschusses des Zweckvcr- bandeS für Grotz-Berlin vorgenommen. In nächster Zeit sind Be- sicht'.aimgsfahrten für die gesamten Mitglieder des ZwcckverbandeS und deren Ersatzmänner in Anssichl genommen; also für die £00 Personen. Ilm den Besuch der Wälder an Sonntagen kennen zu lernen, ist auch ein Sonntag für diesen Zweck vorgesehen. Auw- mobile und Motorboote oder Dampfer werden die Mitglieder nach den verschiedensten Gegenden befördern. Die Arbeite» am Sprcctuiinel sind in den letzten Wochen so außerordentlich schnell gefördert worden, datz man in den nächsten Tagen an das A u SP u m Pen der beiden groben Wasserreservoire gehen kann, die durch Ouerspundwände von der Gesamtbaustelle abgegrenzt worden find. Auf dem Hinterland der Ufergrundstücke stehen in einem Schuppen schon vier mächtige Lokomobilen und ebenso viel Kompressoren bereit, um die Mammutpumpen in Tätigkeit zu setzen. Nachdem die beiden Bassins entleert sein werden, wird man den Tunnel von der Spree bis zur Stralauer Straße einbauen. In der Mitte deS Flusses werden die letzten Spundpfähle, eiserne IJ-Eisen von nahezu 20 Meter Länge, eingerammt. Zwei haushohe Dampframmen, deren jede 42 Tonnen(— 840 Zentner) wiegt, bewegen sich auf den Schienen vor- und rückwärts; sie stehen auf drehbarer Plattform und holen die 60 Zentner schweren Pfähle mit fabelhafter Leichtigkeit heran. Diesen Gewichten entspricht der Bär, der mit 80 Zentner Schwere auf die Köpfe der Pfähle nieder- saust. Die Fangdämme sind nochmals gesichert und gedichtet worden, teils durch kräftige Verankerungen, teils durch Einschütten von Sandmassen, die noch jetzt aus der Baustelle Klosterstratze in Kipploren herangeschafft werden. In dem äußersten Teile des Fang- dammes, der das Kopfende des schon fertigen Tunnels umschließt, werden noch einige Tiefbrunnen gebohrt. Danach dürfte die Reparatur der schon fertigen Tunnelhälfte keine Schwierig- leiten mehr bieten; sie soll aber, wie schon gemeldet, erst in Angriff genommen werden, nachdem das jetzt in Arbeit befindliche Tunnel- stück und die nach der Klosterstratze emporführende Rampe vollendet worden ist.__ HeilerziehungSheim für psychopathische Kinder. Die Eröffnung dieser neuartigen, von der Deutschen gen» trale für Jugendfürsorge geschaffenen Anstalt in Templin (Marl) steht demnächst bevor. Es wird hier den minderbemittelten Schichten unserer Bevölkerung die Möglichkeit geeigneter AnstaltS- behandlung für solche Kinder geboten, die bei sonst guten oder doch an sich ausreichenden intellektuellen Fähigkeiten— das ist die unerläßliche Vorbedingung für die Aufnahme in das neue Heim in' der Schule nicht gedeihen oder im Elternhause allen Erziehungs- versuchen gegenüber nicht die für eine zulünftige Selbständig- keit im Leben erforderlichen Eigenschaften entwickeln. Die Ursache des Mißerfolges solcher Versuche sind häufig leichte psychische Ana- malten, die sich als Schwäche oder allzu leichte Bestimmbarkeit deS Willens darstellen, als Zerstreutheit, Unaufmerksamkeit, Unfähigkeit zu geistiger Konzentration, als häufige Stimmuugsschwankungen und-störuugen. als motorische Unruhe und Neigung zu unüberlegten Handlungen, als Abweichen oder verfrühtes Erwachen des Geschlechts- lebens, als übermätzige EntWickelung der Phantasie oder Neigung zu zwangsmätzigem Denken und Handeln. Für derartige Kinder ist nach neueren Forschungserfahrungen Heilung oder wenigstens weitgehende Besserung möglich; aber nur, wenn sie dauernd, d. h. j a h rel a n g in eine geeignete Umgebung versetzt und dort durch harmonisches Zusammenwirken von psychia» irischen und pädagogischen Grundsätzen behandelt werden. Geeignete SpezialHeilanstalten bestehen einstweilen nur für Kinder der Kreise, die in der Lage sind, erhebliche finanzielle Opfer für ihre Kinder zu bringen, und für Fürsorgezöglinge. Die schon an sich schwerer gefährdeten psychopathischen Kinder der minder- bemittelten Volkskreise mutzte man bis dahin rettungslos ihrem Schicksal überlassen, das sie fast mit Notwendigkeit dem Selbstmord oder dem sozialen Niedergang, ja sogar dem Verbrechen oder der Prostitution in die Arme treibt, sie häufig auch völliger geistiger Umnachtung überliefert. Hier sucht das von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge errichtete Heilerziehungsheim Templin zu- nächst in einem ersten Anfang Abhilfe zu schaffen. Das Heim ist vorerst nur für Knaben im Alter von 8 bis 14 oder 15 Jahren be- stimmt. Das Pflegegeld einschließlich Schulunterricht wird sich voraussichtlich auf 60 M. monatlich belaufen. Mit der Zeit sollen einige halbe vnd ganze Freistellen eingerichtet werden. Die Be« Handlung der Zöglinge wird das Hauptgewicht darauf legen, ihren Zustand durch ärztliche und pädagogische Einwirkung zu bessern und sie, wenn irgend möglich, so weit zu fördern, datz sie als nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft durchs Leben gehen können. Die Aufnahme in die Anstalt erfolgt auf Grund einer in Berlin stattfindenden ärztlichen Untersuchung seitens desjenigen VshchiaterS. der die Behandlung der Kinder in der Anstalt überwacht. An« Meldungen, denen ein Lebenslauf und ein Bericht über die Krank- heitserscheinungen deS betreffenden Kindes beizuftigen ist, werden von der Geschäftsstelle derDeutschen Zentrale für Jugend- fürsorge, Berlin C. 19, Wall st ratze 89, entgegengenommen._ Um die jugendlichen Teilnehmer des Pfadfinderbundes ist eine lebhafte Fehde ausgebrochen. Am Pfiugstsonntag waren die jungen Leutchen auf einen Exerzierplatz des Grunewaldes geladen uud der Gcncralsuperintendent Lahusen glaubte die Gelegenheit nicht vorüber» gehen lassen zu sollen, ohne den Jugendlichen GotteSwort verkündet zu haben. Diese Tatsache hat aber wiederum den Zorn der katho- tischen Blätter wie der„Germania" und der«Kölnischen Volksztg." herausbeschworen, die in der Sonntagspredigt des Herrn Lahusen eine„konfessionelle Ausschreitung" erblicken. Die„Kreuzztg." beeilte sich, den Vorfall zu verteidigen mit dem Hinweis, datz es sich an dem fraglichen Pstngstsonntag nicht um eine eigentliche Predigt, sondern um eine Feldandacht gehandelt habe. Die Feier sei weder kon- fessionslos noch interkonfessionell gewesen, sondern hätte eine freie patriotisch- religiöse Ansprache dargestellt. Diese Einwände lassen nun wieder die katholischen Blätter nicht gelten. Die„Ger- mania" erklärt, eS handele sich eben um einen evangelischen Gottes- dienst. Und dem Gcneralsuperintcndcnten müsse bekannt sein, datz einem Katholiken eine innere Teilnahme an einem nichtkatholischen Gottesdienst— und dahin gehöre auch eine„Feldandacht", wie sie war und mit der Pfadstndcr-Jugend abgehalten wurde— verboten sei, jedenfalls aber mützte Herr Lahusen schon vom Katechismus. Unterricht her das Kirchengebot bekannt sein, wonach jeder Katholik an allen Sonn- und Feiertagen eine heilige Messe mit Andacht hören soll. Wie der Streit ausläuft, ist nicht ganz uninteressant. Vielleicht werden in Zukunft die jugendlichen Teilnehmer des Pfadfinderbundes noch nach Konsessionen gegliedert. Damit ihnen ja kein Seelen- unheil geschieht. Dann aber dürfte das Interesse an den Ver- anstaltungen nur noch mehr nachlassen. Unserer Jugendbewegung kann diese Entwickelung der Dinge nur nützen. Der Gattcnmörder Zinke ist gestern nachmittag in Leipzig verhaftet worden. Bei seiner Vernehmung auf der Polizei räumte er die Tat ein. Zinke wollte seine Absicht, sich das Leben zu nehmen, die er in dem von Leipzig aus geschriebenen Briefe angekündigt hatte, gestern in einer Gastwirtschaft in der Berliner Stratze im Norden der Stadt ausführen. Er hatte bereits ein größeres Quantum Salzsäure ge- trunken. Dies war von anderen Gästen bemerkt worden, die sich um Zinke sofort bemühten, und ein herbeigerufener Schutzmann flößte ihm ein größeres Quantum Milch ein, so datz er den Magen- inhalt von sich gab. Zinke wurde nach dem städtischen Krankenhause St. Jakob gebracht, wo er vernommen wird. Datz er der Gesuchte ist. hat er bereits zugegeben, ob er die Mordtat zugeben wird, wird erst die Vernehmung beweisen. Dem Restauraleur Müller aus der Flottwellstr. 9 in Berlin ist gestern früh mit der ersten Post noch ein acht Seiten lauger Bries des Zinke aus Leipzig zugegangen. In dem langen und ziemlich konfusen Schreiben schütiet Zinke seinem Freunde Müller, bei dem er viel verkehrte und am Tage vor der Mordtat noch vorsprach, sein Herz ans. Er schiebt alle Schuld auf seine Schwiegermutter, die ihm systematisch das Herz seiner Frau entfremdet habe, um die letztere mit einem anderen Manne zu verheiraten. Drei Geldschrankeinvrecher wurden in der vergangenen Nacht auf dem grohen Kohlenplatz von Friedländer u. Co. in der Ouitzowstratze in Moabit auf frischer Tat überrascht und festgenommen. Sie waren von einem Nachbargrundstiick über den Bretterzaun gestiegen, hatten dann eine Fensterscheibe eingedrückt, das Fenster aufgeriegelt und waren so in das Privalkontor der Geschäftsleitung eingedrungen. Hier machten sie sich sofort daran, um das große und starke Spind aufzuknacken. Ein junger Mann aber hatte bemerkt, wie die drei Männer den Zaun überstiegen und benachrichtigte das 74. Polizei revier. Sechs Schutzmänner eilten nach dem Kohlenplatz. Während drei den Hof bewachten, drangen die anderen mit Gewalt in das Gebäude ein und überraschten die Einbrecher bei der Arbeit. Die Ertappten gaben sich ohne Widerstand gefangen und ließen sich willig nach der Nevierwache abführen. Bei einem eigentümliche» Samariterdienst wurde am 14. d. M. ein„Arbeiter* Georg gelten überrascht. Am Nachmittage dieses Tages war ein Mann, der etwas über den Durst getrunken hatte, an der Mauer der Maikäferkaserne in der Chausseestraße etwas zu sammeugesunken. Ein anderer kam dazu und machte sich an ihm zu schaffen, als ob er ihm hätte auf die Beine helfen wollen. Nach dem ihm dies halbwegs gelungen war, machte er sich aus dem Staube. Vorübergehenden fiel sein Gebaren auf. Sie folgten ihm, stellten ihn zur Rede und übergaben ihn der Polizei. Der Au gehaltene entpuppte sich als der alte, schon oft bestrafte Fledderer Georg Feiten. Er gestand auch, dem Betrunkenen 6 Mark weg genommen zu haben; in Wirklichkeit waren eS aber über 50 Mark. Das gestohlene Geld liegt jetzt sicher bei der Kriminalpolizei, der Fledderer sitzt in Moabit hinter Schloß und Riegel, der Gefledderte aber hat keine Anzeige gemacht, und es ist der Kriminalpolizei auch sonst nicht gelungen, ihn zu ermitteln. Auf eine Familientragödie läßt ein döppelker Leichenfund in Treptow schließen. Dort entdeckte man gestern nachmittag im Schilf am Ufer in der Nähe des SpreetunnclS die Leichen einer jungen Frau und eines kleinen Knaben. Beide wurden nach der Friedhofshalle in Treptow gebracht. Bis gestern spät abends gelang es noch nicht, die Toten festzustellen. Die Mutter ist etwa 25 bis 30 Jahre alt, blond und etwa 1,50 Meter groß. Sie trug unter anderem einen graugestreiften Mantel und schwarze Handschuhe und Strümpfe. Der etwa 2)4 Jahre alte Knabe hat ebenfalls blondes Haar und war mit einem rotschwarzkarrierten Kleidchen einer braunen Schürze und einer roten Mütze bekleidet. Zu dem Adressenverzeichnis der Kinderschiitzkommissiou werden wir gebeten mitzuteilen, daß die Sprechstunden der Genossin Flatau. Bandelstraße 18 sS. Kreis) am Mittwochabend von 7—8 Uhr statt- finden. Der Gesangverein„Männerchor Oft". M. d. D. A.-S-, Gau Berlin, veranstaltet am Sonntag, den 23. Juni, in der Brauerei Friedrichs- Hain ein Sommerkonzert. Mitwirkende sind das Berliner Blas- orchester, Dirigent Franz v. Blon. Anfang 4 Uhr. Eintritt 25 Pf. Vermißt wird seit dem 30. April der sechzehnjährige Former lehrling Max Wiegand. Der junge Mensch ist für sein Alter sehr stark entwickelt; er trug bei seinem Fortgang eine graumelierte Hose, schwarzes Jackett, ebensolche Weste, blaues Hemd, schwarze Schnür- schuhe, gelblich-blauen Schlapphut. Etwaige Mitteilungen werden an die Eltern, Max Wiegand, Soldtner Str. 68, erbeten. Wer sind die Toten? In der Jungfernheide wurde ein un- bekannter, etwa 60 Jahre alter Mann tot aufgefunden. Er hatte eine Karte vom Grunewald bei sich, auf der„Neukölln Cafö Zeppelin* geschrieben steht, außerdem zwei Tüten mit Stempeln über Ab- rechnungen vom 8/8. und 15./0. auf den Namen Sonnemann, und endlich eine Wochenkarte Schönholz— Reinickendorf.— Noch nicht be- kannt ist ferirer ein etwa 20—26 Jahre alter Mann, der sich im Grunewald in der Nähe des TeufelSsees erschossen hat. Er ist kaum mittelgroß und hellblond und hat viele Sommersprossen im Gesicht Vorort- JVacbncbtcih Charlotte, iburg. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am MittKo'ch wieder eine so umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, daß die Sitzung sich bis spät in die Nacht hinein erstreckte. Zu lebhasten Erörte- rungen führte u. a. die Mitteilung des Magistrats betreffend den Stand des Nachhilfeunterrichts. Der Magistrat kommt damit einem Wünsche der Versammlung entgegen, die ihn gelegent- lich der vorjährigen Etatsberatungen um statistische Angaben über den Stand des Nachhilfeunterrichts ersucht hat. Der Nachhilfe- Unterricht ist seit 1906 in den Charlottenburger Schulen eingeführt, in kurzer Zeit wird diese Einrichtung in allen Gcmeindeschulen bestehen. Von den etwa 15 000 Kindern, die im Bedarfsfalle des Nachhilfeunterrichts hätten teilhaftig werden können, haben im Laufe des Jahres 1910 3775 diesen Unterricht erhalten. DaS sind 25 Proz. der in Frage kommenden und 15 Proz. sämtlicher Ge- ' meindeschüler. Hieraus geht hervor, daß der Nachhilfeunterricht einen großen Umfang angenommen hat. Die Kosten beliefen sich im Jahre 1910/11 auf 12 940 M., auf den Kopf des Schülers be- trugen sie 3,60 M. Um noch weitere Auskünfte vom Magistrat zu erlangen, überwies die Stadtverordnetenversammlung die Vorlage einem besonderen Ausschuh. Die Vorlage betreffend Bewilligung von 20 000 M. als Bei- trag zur Nationalflugspcnde rief bei einem Teil der Versammlung Widerspruch hervor. Die Liberalen waren nur zum Teil dafür zu haben; die Sozialdemokraten, in deren Namen Genosse Richter sich scharf gegen derartige Sammlungen wandte, lehnten die Vorlage rundweg ab. Schließlich aber entschloß sich die große Mehrheit der Liberalen, ihren Worten nicht die Tat folgen zu lassen, sondern der Vorlage zuzustimmen. Die Annahme erfolgte mit knapper Mehrheit. Ausschüssen wurden überwiesen die Vorlage betreffend Errich- tung einer neuen Zweig st elle der Volksbücherei in der Kaiserin-Augustaallee 80, mit der eine ZeitungSlcsehalle verbunden werden soll; die Vorlage betreffend Nachbewilligungen im Armen�etat für 1911; die Vorlage betreffend den Bauentwurf für ein Schwesternhaus, ein Verwaltungsgebäude und ein Leichen- Haus des Geburtshilflichen Krankenhauses, sowie die Vorlage betreffend Beteiligung an der Errichtung eines deutschen Stadions. In dieser letzten Vorlage beantragt der Magistrat, ihn zu ermächtigen, mit dem Unionklub einen Vertrag abzuschließen, wonach die Stadt einen Zuschuß von jährlich 15 000 M. an den Unionklub bis zur planmäßigen Tilgung des zum Bau des Stadions aufzunehmenden Darlehens von 1,2 Millionen Mark gewährt. Auch diese Vorlage stieß auf Widerspruch. Stadtv. Dr. F r e u tz e l(liberal) bat um Ablehnung wegen der zu großen Verpflichtungen, die dadurch der Stadt auferlegt werden. Genosse Z i e t s ch erklärte sich bedingt für die Vorlage, allerdings unter der Voraussetzung, daß die Benutzung des Stadions allen Bevölkerungskreisen und Vereinen ohne Unterschied der religiösen und politischen Tendenz ermöglicht, daß also endlich auch der Arbeiterjugend ein Spielplatz geschaffen werde. Als letzten Punkt besprach die Versammlung dir Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion betreffend Teuerungszulagen. Die Anfrage lautet: „Ist dem Magistrat bekannt, daß die Auszahlung der Teue- rungszulagen an städtische Arbeiter in einer Weise erfolgt, die nicht im Einklang steht mit dem Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung, dem der Magistrat beigetreten ist, und ist der Magistrat bereit, Auskunft über die von ihm erlassenen Aus- führungsbestimmungen zu dem betreffenden.Gemeindebeschluß zu geben?" In seiner Begründung beschränkte sich Genosse Lehmann auf die Mitteilung der Beschwerden, die von einer Reihe von städtischen Arbeitern erhoben werden und die darin gipfeln, daß Arbeiter, die wegen Zkrankheit die Arbeit aussetzen mußten, von der Unterstützung ausi arbeiter, die in einem Jen wurden, oder daß Gasanstalts- etrieb mit geringeren Löhnen versetzt wor- den seien, infolgedessen eine gerinFtte öder gär keifte Unterstützung erhalten hätten._. Bürgermeister Ma t t i n g erwiderte, daß der Magistrat sich im allgemeinen bemüht habe, den Beschlutz der Stadtverordneten- Versammlung loyal auszuführen. Im ganzen hätten 1565 Personen 48 790 M. erhalten. Bei den Gasanstaltsarbeitern handele es sich um Arbeiter, die vor dem 1. April mehr als 2000 M. Jahresver- dienst gehabt haben und infolgedessen keinen Anspruch auf die Teuerungszulagen hatten. In den übrigen Fällen handele es sich um nichtständige Arbeiter. Wo eine Unterbrechung der Arbeit durch Krankheit oder Unfall herbeigeführt worden sei, sei die Teue- rungszulage für die ganze Dauer der Beschäftigung bezahlt worden. In der Besprechung ersuchte Genosse Wilk um eine nochmalige Nachprüfung aller Fälle, in denen Arbeiter sich benachteiligt fühlen. Das gelte besonders für die Retortenarbeiter der Gasanstalt und für einige weibliche, mit Schreibarbeiten beschäftigte Arbeitskräfte. Stadtv. Dr. Stadthagen stellte sich vollkommen auf den Stand Punkt des Magistrats. Damit war die Besprechung der Anfrage erledigt. Die letzte Sitzung bor den Ferien findet am nächsten Mitt- woch statt. Pflegestellen für Säuglinge, jedoch nur in Charlottenburg, wer- den gesucht. Gewährt wird ein monatliches Pflegegeld von 25 M. und Bekleidung, ärztliche Behandlung und Arznei. Meldungen müssen baldigst an die Geschäftsstelle der Waisenverwaltung: Char- lottenburg, Kirchhofstr. 9, Hinterhaus, Erdgeschoß, Zimmer 21, Sprechstunde werktäglich von 12—2 Uhr, gelangen. Der Gesangverein„Charlottenburger Liedertafel"(M. L. A.- S.-B.) veranstaltet morgen(Sonnabend), abends 8 Uhr, auf dem Spandauer Bock* ein Gartenkonzert iGesang, Alpenglühen, Reigen- fahren, Sommernachtsball usw.). Eintritt 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Da genannter Verein die Festlichkeiten der Arbeiterschaft am Orte durch Mitwirkung unterstützt, wird auf einen guten Besuch reflektiert. Neber moderne Säuglingsfürsorge in Charlottenburg hält heute Freitag, den 21. d. M., abends 8 Uhr, der leitende Arzt der Säug- lingsfürsorgestelle Hl, Herr Professor Dr. Bendix, im Festsaal des Rathauses einen Vortrag. Interessenten haben freien Eintritt. Lichtenberg. Ein Wüstling ist am Mittwochnachmittag unschädlich gemacht worden. Der Unhold hatte am Kietzer Weg ein Laubengelände ge- pachtet und dort eine Remise sowie eine Laube errichtet. Auf der Straße sprach derselbe in zahlreichen Fällen Kinder an und versprach ihnen wöchentlich 75 Pf. zu zahlen, wenn fie nachmittags zwei auf seinem Grundstück stehend« Blumentöpfe begössen. Sobald die Mädchen auf sein Anerbieten eingingen, lockte er fie in die Remise und verging sich an ihnen. Ober-Schöuetveide. Die Eroffnung der von der Gemeinde eröffneten Flußbadeanstalt öll am Mittwoch, den 26. Juni, erfolgen. Der Betrieb der Anstalt wird entgegen der Anregung unserer Vertreter einem Pächter über- tragen werden; die Beschlußfassung hierüber erfolgt in der nächsten Gemeindevertretersitzung. Die Badepreise sollen den üblichen gleich gestellt werden. Das Bauprojett für die 5. Volksschule beschäftigt zurzeit die Gemeindebaukommission; es wird beabsichtigt, auf dem Grundstück der Schule in der Wattstraße ein Gebäude mit zirka 30 Klassen zu errichten, wobei die dort stehenden Schulbaracken entfernt werden müssen. Schwierigkeiten bei diesem Projett macht jedoch die Unter- bringung einer Turnhalle, welche in Anbetracht des großen Be- dllrfnisses einer solchen als unbedingt notwendig erachtet werden muß. Es ist erwogen worden, die auf dem Grundstück bestehende zu entfernen und dafür eine den modernen Anforderungen ent- prechende Halle zu bauen. Die Gesamtlosten dieser Schule mit innerer Einrichtung dürften 500 000 M. übersteigen; es soll mit dem Bau im Herbst begonnen werden, so daß die Benutzung im Oktober 1913 erfolgen kann. Herzfelde.' Ein tödlicher vetriebSunfall ereignete sich gestern vormittag gegen 3 Uhr auf einer den Gebrüder Mann gehörigen Ziegeleien Dort wurde ein im Tonbruch beim Abraum beschäftigter junger deutsch russischer Arbeiter von herabstürzenden Tonklumpen, die sich von der Bruchwand losgelöst hatten, getroffen. Der Schädel des Arbeiters wurde total zertrümmert, so daß der Tod augenblicklich eintrat. Wildau-Hoherlehme. Die Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich ausschließlich mit dem Ausbau der im OrtSteil Wildau befindlichen, zirka 2 Kilometer langen Schwartzkopff- und Blankstraße. Der Fahrdamm soll in 'einer jetzigen Breite mit Kleinsteinpflaster auf einer 15 Zentimeter starken Betonschüttung ausgeführt, die Bürgersteige, soweit sie an bebauten Teilen der Straße liegen, in einer Breite von 1,80 Meter mit Kalksandsteinplatten belegt werden. Die an unbebauten Straßen- teilen entlangführenden Strecken sollen, wie die jetzt vorhandenen Bürgersteigc, mit Sand und Schlacke befestigt werden. Die gesamten Pflasterarbeiter wurden auf Vorschlag der Straßenbaukommission der Firma Dürre u. Hennig als Mindestfordernde für die Summe von 71 265 M. vergeben; die höchstfordende Firma hatte 121 097 M. verlangt. Ebenso erhielt obengenannte Firnra den Zuschlag für die noch zu bauende Entwässerungsanlage als Mindestfordernde mit 12 410,50 M. Das Höchstangebot lautete hier auf 18 154 M. Unter anderm wurde die Straßenbaukommission. der auch unsere Genossen Tänzer und Scholz angehören, ermächtigt, Angebote für die Verlegung der Gasrohrleitung einzufordern und zu vergeben. •erner wurde die Kommission beauftragt, zwecks Aenderung des laSlieferiingSvertrageS nochmals mit der Gemeinde Königs- Wusterhausen zu verhandeln. Die Vorarbeiten sollen möglichst be- 'chleunigt werden, so daß spätestens Anfang nächsten MonatS mit den eigentlichen Pflasterarbeiter begonnen werden kann. Es soll zuerst die Strecke von der Schwarzkopff-Briicke in der Richtung nach KönigS-Wusterhausen zuerst in Angriff genommen werden. Dabendorf bei Zossen. In der Generalversammlung des Wahlvereins referierte Genosse Gericke-Charlottenburg über„Sozialdemokratie und Volksverräter*. Sein 1'/,stüiidigeS Referat wurde von der starkbesuchten Veriamm- lung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Aus dem Jahresbericht, den Genosse Lau gab, ist zu ersehen, daß die Organisation am Orte Fortschritte zu verzeichnen hat. Aufgenommen lvurden in der Generalversammlung zwei Genossen und eine Genossin, so daß die augenblickliche Zahl der Mitglieder 30 männliche und 7 weibliche beträgt. Zum 1. Borsitzenden wurde Genosse Lau, zum 2. Vor- itzenden Genosse Nelle, zum Schriftführer Genosse Schunack und als Beisitzerin Genossin Bartelt wiedergewählt. Als Kassierer bleibt Genosse Kühn bis zu seinem Verzuge vom Orte. Als Revisoren wurden die Genossen August Schulze, Merkel und Degen gewählt. Trebbin(Kreis Teltow). Die letzte Stadwcrorduetenversammlnng hatte zunächst das Amt eines Beigeordneten neu zu besetzen. Der Zigarrenfabrikant Schurig hatte sein Amt niedergelegt, weil er seine Kraft nicht mehr in den Dienst der Stadt stellen könne. Dem von der Kommission sür dieses Amt in Vorschlag gebrachten Herrn Mandfuß wurde u. a. von unseren Genossen die Frage vorgelegt, wie er sich zu der Abschaffung des 13 Mark betragenden Bürgerrechtsgeldes stelle. Da der Herr zur Artwort gab, daß. wer sein Wahlrecht ausüben wolle, auch die 13 Mark Bürgerrechtsgeld zahlen müsse, erklärten unsere Genossen. lich bei der Wahl der Abstimmung zu enthalten. Hierauf wurde Herr Mandfuß von den 13 versammelten bürgerlichen Stadtver» ordneten zum Beigeordneten gewählt. Dem Kürschnermeister Weinert wurde die Erhebung des Marktstandgeldes für 700 M. pro Jahr wieder verpachtet mit der Maßgabe, daß demselben für jeden Markt, an welchem kein Rindvieh aufgetrieben wird, 20 M. in Abzug ge- kracht werden. Der Anstellung einer technisch geprüften HandarbeitS- und Turnlehrerin für die Mädchenklassen soll näher getreten werden. Die Versammlung bewilligte alsdann noch 400 W. für geleistete Ueberstunden im Handarbeitsunterricht. Jugeudveranstaltuugeu. Neukölln. Sonnlag. den 23. Juni: Badepartie. Treffpunkt: C'/j Uhr Reuterplatz. Fahrgeld 40 Pf. Der Sportplatz Pflügerstraße Ecke Rütlistraße steht Mittwochs und Frei- tags allen Jugendlichen zur Verfügung. Arbeitertouristeuvereiu„Die Naturfreunde*, Ortsgruppe Berlin Sprecwaldjahrt am Sonntag, den 23. Juni: Vetschau, Burg,«traupiter- Buschmühle, Polenzschenke. Kannomühle, Schützenhaus, Wotschofska, Lehde, Lübbenau. Abfahrt nach Velfchau vom Görlitzer Bahnhos am Sonnabend, den 22. Juni, nachm. 3,25 und 7,t5 sowie am 23. Juni früh 6,45. Treff« Punkt im Lokal.Zum Anker" in Vetschau. Zlrbeitcr-Waiidervcrei»„Berlin*. Veranstaltungen am Sonntag, den 23. Juni. I. Sprecwaldsahrt. Kahnjahrt von Lübbenau über Zauche, Forsthaus Eiche, Burg(Kirchgang der Wenden), Kannomühle, Polcnzschenke, Leipe, Lehde, Lübbenau. Wegen zu starker Beteiligung(80 Personen) können Teilnehmer nicht mehr angenommen'werden. Am 14. Juli findet «ine zweite Fahrt statt. Näheres siehe Inserat von heute. II. Grünau, Schmöckwitz, Eichwalde, Gosener Berge. Treffpunkt 8 bis 81/» Uhr Bahnhos Grünau._ Eingegangene Drucfcfdmften. Von der„Neuen Zeit* ist soeben daS 38. Heft des 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Vittor Adler. Erinnerungen zu seinem 60. Geburtstage. Von K. Kautsly.— Jean JacqueS Rousseau.(Zur 200 jährigen Gedächtnisseier seiner Geburt am 23. Juni 1712.) Von Henriette Roland-Holst.— Die Mairevolte des ungarischen Proletariats und ihre Folgen. Von Eugen Varga.— Ersahrungen mit dem schweizerischen Milizsyslem. Von Robert Grimm(Bern). Schluß.— Zur Wandersursorge. Von Emil Robold.— Literarische Rund- "au: Hisho Saito, Geschichte Japans. Von G.Eckstein.— Zeilschristen« au. Die»Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» bandlungcn, Postanstallen und Kolporleure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Geschichte der Schmiedebewegung. Bd. 1. Bearbeitet von Emil BaSner. 5 M. Verlag des Zcntrawerbandes aller in der schmiederei be- Ichästigien Personen in Hamburg 1. .I. I. Rousseauo Kulturideale. Zusammenstellung von Ed. Spranger. M., geb. 4 M. E. Diederichs, Jena. Wafferstands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewäfferlunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterburean. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratlbor , Krassen . Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leittneritz „ Dresden , Berby , Magdeburg ')> bedeutet Wuchs,— Fall. Wasserstand: 188 cm am 18. um 6 Uhr na Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximiUanSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrono Main, Hanau Mosel, Trier Unterpegel.— mittags. am 19.6. cm 72 32 2 98 82 134 230 574 355 332 52 125 45 s-it 18.6. cm1) +4 0 +8 —22 +1; +3 —4 —20 +11 +27 —11 + 5 +5 •) Höchster Ieäer Hrbeitcr, jeder Handwerker sollte zur Hrbdt die Lederhoso Herkules ~ tragen. s Unerreichte s Leistungsfähigkeit Allein•Verka.of. Sehr atarkes Ledor in grauen u. braunen Streifen, auch ein« farbig. Arn Bund ans einem Sf iek gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. Sehr feste Kappnähtom. stark. Otun Schwer« Leder-Pilot-Tatchen. CroEe Flicken umsonst. froti dieser vielen und anderer VonDge koslet die Herkules- Hose für normale Mannes- GröSe üehueg am 26. o. 27. Juni anwlderraflloh Grosse FnnKfurter lotterte IU Sunatan dea Frankfurtar Verelna filp Luftschiffahrt 4492 Qowlnne im Wertt von Hark 100000 1,60000 r loooo Frcnhfurter lose* 3 4 M. 50 Berufs- u. Schutzkleidung für alle Zweige der Gewerkc u. Industrie, Sanitätsdienst usw, BAERSOHN Spezlal-Haus grüßten MaßsfabM Cbauaseestr.>9-30— Brncbeostr- B Gr. Franklurtrrstr. 30 Schöneberg, Hauptstr. l». Haupt Katalog gratis und frank» Nacbdr. verbot " Mki Porto und Uaie so ctg. extra. in allen Lotteriegesehkften, Lose- verk&ufsstoUen und durch Lud. Müller& Co. in Berlin C., Breitestr. 6 ftathan ftfand 129 Skalitzer Str. 129. 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