Mr. 143. HbonnementS'Bedlnsttngtfl: WonnementS- PrelZ vrSnumeraniio: Bieiteljährl. 3.30 Mk.. monatl. 1,10 Me. wöchenlllch S8 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeiwngS. Preisllste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnenienis nehmen an: Belgien. Dünemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. VlchtM lüglich suBtr lilontagj. 29. Jahrg. Vevlinev Volksblnkt. � Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Parte» Deutfcblands. Die TnfertlonS'GebQlir kelrügt sür die sechSgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gcwerlschastliche Bercins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „irieine Sn--ig-n", das seitgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2 settgedrullte Worte), jedes weitere Wort 10 Ptg. 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Weil die ewig schreienden Ostelbier und ihre südlicher lebenden Kameraden es fertig gebracht haben, auf Kosten des Volkes fröhlich in den Tag hinein zu leben, wollen die Forstbesitzer von der Regierung das Recht erstreiten, den Landbündlern gleich gestellt zu werden I Schon im Frühjahr 1911 rückten einige ihrer Vertreter im Organisationsauftrag demDezernenten des Reichsamts des Innern, der die landwirtschaftlichen Angelegenheiten zu be- arbeiten hat, auf die Amtsbude. Das„Bittgesuch" um„Hilfe" ist dann noch durch eine äußerst interessante Denkschrift über die weitercAusgestaltung derTätigkeit des Deutschen For st Vereins zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen des deutschen Waldes genauer begründet und ausführlicher besprochen worden. Der Deutsche Forstverein und der von ihm gegründete Deutsche Forstwirtschaftsrat vertreten heute mehr als ziveiDrittel des gesamten deutschen Waldes; alle hohen, höchsten und allerhöchsten Forstbehörden— mit Ausnahme von Reust ältere und jüngere Linie—, die Mehrzahl der Gemeindewaldungs- besitzer und viele Privatforstherren sind in ihm organisiert. Interessant ist, was diese Herren in ihrer„Bittschrift" an den Minister des Innern über die vergangene, gegen- wärtige und zukünftige Berücksichtigung ihres Geldbeutels— sie verwechseln das immer mit den Interessen des deutschen Waldes—. am Mäste des Bundes der Landwirte gemessen, zu sagen haben. „Für allgemeine Zwecke der Landwirtschast und einzelne Betriebe derselben... fliesten reichliche Zuwendungen seitens des Reiches und der einzelnen Staaten; sür die allgemeine Hebung der Forstwirtschaft... wendet das Reich nichts auf.. „Auch die staatlich organisierten landwirtschaftlichen Interessenvertretungen haben lokal sehr tüchtiges zur Hebung der Forstwirtschaft geleistet, im grasten und ganzen überwiegt aber bei ihnen doch das agrarische Interesse. Wo die Gemeinsamkeit der Interessen der Land- und Forstwirt- schaft einmal zur besonderen Betonung komnit, ist in der Regel der Wald der gebende, die Landwirtschaft der nehmende Teil. Beispiel: der gegenwärtige Zolltarif." So steht es wörtlich in der Denkschrift zu lesen l I Was wollen nun eigentlich die armen, elend schlecht be- handelten und hilfsbedürftigen Forstwirte von der Regierung? Das Vorprogramm ist nicht von Pappe. Soweit es allgemeine Oualitätsverbesserung der Forsten, rationellere Bewirt- schaftung. bessere Forstschulen, exaktere und umfassende Wirt- schaftsstatistik verlangt, wird jeder mit ihnen übereinstimmen, trotzdem nicht vergessen werden darf, dast im besonderen den Privatforstbesitzern diese Vorteile in Goldstücke umgemünzt, in erster Linie in den eigenen Kasten fallen. Kritischer zu betrachten sind schon die Forderungen, die darauf hinaus laufen. Vor- arbeiten für die Erneuerung des deutschen Zolltarifes— der bekanntlich l917 abläuft— zu be- treiben, die Gestaltung der Verkehrslarife zu beeinflussen. beiderBeschlustfassungüberHandels- Verträge und bei allen ähnlichen Gelegenheiten gehört zu werden. Die Denkschrift meint:„Die Interessen der beiden großen Bodenwirtschaftcn laufen zwar in vielen Dingen parallel. nicht selten aber kollidieren sie auch und es ist deshalb dringend erforderlich, dast die Forstivirtschaft sich selbständig regt, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten." Die Klagen über die Zurücksetzung„in der allgemeinen staatlichen Fürsorge" gegenüber dem großen Bruder Land- Wirtschaft verstummen durch das ganze Bitt- und Forderungsprogramm nicht. Dabei darf nicht außer acht gelassen werden, daß die gepflegten Landwirtsbttndler und die jammernden Forstwirte oft ein und dieselben Personen sind l Beinahe lustig wirkt auch, dast sich die Herren über die „ungerechtfertigten Beeinflussungen des Marktes durch das Großkapital im Holzhandel" beschweren und deswegen von der Regierung Subvention zur Gründung einer Zentralstelle fordern. die gegenüber diesen Leuten die Interessen der Produzenten wahrnimmt. Ja, wenn nun das an- aegrifiene Großkapital im Holzhandel Unterstützungen aur Kontrollierung der Holzproduzenten verlangt, was macht die Regierung. die den Forstwirten ebenso wie den Landbündlern ein nur allzu williges Ohr leiht. dann? Und was noch viel, viel wichtiger ist. wenn die For st arbeitet und Arbeiterinnen immer und immer wieder gerade in den staatlichen Riesenforsten auf- sieben und gerechten Lohn für ihre schwere und von aller Kultur ausschließende Arbeit fordern, hat man sich da schon einmal mit Vertretern dieser Organisationen im Ministerium des Innern unterhalten? Sehen wir uns doch einmal etwas genauer an, was aus den forstwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland alljährlich ?erausgewirtschaftct wird. Vorerst einmal'die Staats- , r st e n von über 10 000 Hettar Umfang. j Staatsforsten von über 10000 Hektar Umfang. In einem Jahre sind aus den großen Staatsforsten Deutschlands allein über 140 Millionen Mark Reingewinn herausgeholt worden I Im Durchschnitt verblieben 1909— und das war durchaus ein normales Jahr— in den einzelnen Bilanzen Ueberschüsse von 40, 50 ja auch 60 und mehr Prozent der Einnahmen als reiner Ge- winn. Angesichts solcher Tatsachen dürfte man doch annehmen, dast gerade die Forstarbeiter mit ihrem Jammerlos zufriedengestellt iverden könnten. Dies verdient noch um deswillen besonderer Be- achtung, weil ja die Reingewinne aus den Staatsforsten zu- meist nicht einmal als Kapitalverzinsung gerechnet zu werden brauchen. Die Riesenwaldungen, die heute Staatsbesitz sind, waren früher bis auf den letzten Baum Geineineigentum, der Wald gehörte jedem Dorfsassen, und jeder Freie hatte daran sein Nutzniestungsrecht. Die Forsten der deutschen Staaten sind Erbteil der alten deutschen Gemeinfr�iheit, sie sind nicht erkaufte und erhandelte Werte. Zu den Staatsforsten kommen als interessante Verdienst- Möglichkeit auch die sogenannten Kronforsten hinzu. Sehen wir uns heute einmal die preußischen Krön- Waldungen in ihrem Jahresgewinn pro 1909 etwas genauer an. Vorweg sei bemerkt, dast die Zahlen, wie wir sie bringen. absolut authentische sind, denn sie wurden durch die staatlichen, die privaten und die Kronwaldbesitzer— die alle Mitglieder des deutschen Forstvereins sind— ihrer Organisation selbst angegeben I Die preußischen Kronforsten umfassen 74410Hektar. Ihre Jahreseinnahmeseite schließt mit 2 567 686 Mark, ihr Ausgabeetat mit 982 334 Mark, es verblieb ein reiner Ueberschust von 1635 470 Mark oder 64 Proz. der Einnahme! Bei den großen Privat forsten ist in ganz Deutschland kein einziger, der nicht anständige Ueberschüsse hätte II Und gerade die Waldarbeiter der Forstherren sind es, die über schlechte Entlohnung und auch sonst jeden anderen Mangel an den Voraussetzungen einer normalen Arbeiterexistenz klagen. Für die Gewinne der privaten For st besitzer nur einige Beispiele aus den Provinzen Branden- bürg und Schlesien, dem Dorado der adeligen Groß- forstherren. Graf zu Lynar-Lübbenau holte aus seinen Forsten im Jahre 1909 47 Proz. der Einnahme, gleich 36 533 M. Gewinn heraus. Gras von der Schulen- burg-Lieberose 63 Proz., das sind 185 488 M. Herr von Waldow und Reitzen st ein-Königs Walde 72 Hundertteile oder 227 123 M. Für st Henckel von Donners marck-Neudeck brachte es aus seinen Forsten auf 524 649 M., gleich 55 Proz. der Einnahme; Graf Henckel von Donnersmarck- B e u t b e n auf„nur" 47 Proz. Prinz Hohenlohe- Jngelfingen-Koschentin verdiente„durch seiner Hände und seines Geistes Arbeit" aus seinem Waldbesitz 283 233 M., das sind 48 Proz. der Gesamteinnahmen. Für st Hohenlohe-Oehri n gen, Schloß Ujest. holte aus seinem Forstbesitz �— dabei immer ohne Jagd- einnahmen gerechnet!— 1 625 046 M. oder 53 Proz. heraus. Fürst von Plest sogar 2 092 683 M. Die Forstherrschast K a m en z des Prinzen Heinrich von Preußen brachte 53 Proz. Ueberschust der Einnahme, das sind 583 636 M. Der König von Sachsen holte aus seinen schlesischen Jagdgründen 2 425 509 M. gleich 52 Proz. der Jahres- einnähme. Derlei gleichlautender Jahresbilanzen könnten wir noch Dutzende, ja Hunderte, im besonderen auch von Gemeinden aus allen Teilen des Deutschen Reiches bringen; alle, alle, mit höchstens fünf oder sechs Ausnahmen, haben in jedem Jahre aus ihren Waldungen ganz riesige Einnahmen I Eins steht also fest: wenn für die deutsche Forstwirtschaft eine rasche Aktion dringend notwendig ist, dann ist es die, den Waldbesitzern plausibel zu machen, dast es zu den ersten Pflichten gehört, seine Arbeiter a n st ä n d i g zu entlohnen. Denn diese müssen davon leben und ihre Familie ernähren. Die unverschämte Verschämtheit haben die Forst- besitzer von dem Bund der Landwirte schon gelernt. Bei- nahe lustig ist dabei, dast die Regierungsforstbehördcn eifrigst mitarbeiten, um die Forderungen der„nolleidenden" Forst- Wirte mit durchzudrücken. ein unglaubliche; llrteil fällte am Mittwoch die 3. Breslauer Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsrats Ehr Harb gegen einige Genossen, weil diese am Wahltage beim Feststellen von Verstößen gegen das Wahlreglement sich des gemeinschaftlichen Haus- friedensbruchs im Wahllokal und der Beleidigung des Wahlvorstehers v. Naehrich schuldig gemacht haben sollen. Angeklagt waren der Parteisekretär für Breslau- Land Genosse Srowig, sowie die Genossen Reboll, Lang- feld, Teubert und Pau.e.r. Der Sachverhalt ist folgender: Im Auftrage der Wahlkreisleitung sollte Genosse Reboll das Wahlgeschäft in Puschkowa überwachen. Nachdem eine Anfrage an den Wahlvorsteher zur Zufriedenheit Rebolls erledigt war, verlangte der erstere eine Legitimation. Die von der sozialdemokratischen Wahlkreisleitung ausgestellte Legitimation genügte dem Agrarier nicht, er verlangte vielmehr einen Aus- weis vom zuständigen Gemeindevorstand. Alle Ver- suche Rebolls, dem Wahlvorsteher klarzumachen, daß er etwas II n- gesetzliches verlange, blieben resultatlos. Reboll wurde auf- gefordert, das Lokal zu verlassen, was er aber zunächst nicht tat. Später ging er freiwillig. Er setzte von dem Vorfall die Wahl- kreisleitung telephonisch in Kenntnis. Daraufhin kam nach- mittags der Parteisekretär Genosse Srowig nach Puschkowa, um den Wahlvorsteher zu belehren, daß sein Vorgehen ungesetzlich sei, und um eine Beschwerde an den Landrat einzureichen. Srowig wollte auch das Wahlgeschäft kontrollieren, da er inzwischen Kenntnis davon erhalten hatte, daß ein Gutsinfpektor aus dem Wahllokal eine Anzahl amtlicher Wahl- kouverts mit den dazu gehörigen konservativen Stimmzetteln geholt und diese unter„seine Leute" verteilt Haben soll. Ferner war dem Genossen Srowig mit- geteilt worden, daß amtliche Wahlkuverts außer- halb des Wahllokals mit konservativen Stimm- zetteln verteilt worden seien. Srowig hatte also be- gründete Ursache, mit dem Wahlvorsteher Rücksprache zw nehmen. Bevor er sein Anliegen vorbringen konnte, wurde er vom Wahl- Vorsteher nach seiner Legitimation gefragt. Die der Wahl- kreisleitung genügte aber wieder nicht, es wurde wieder der Ausweis»von zuständiger Stelle" verlangt. Auf die Ant- wort:„Wissen Sie nicht, dast jedermann hier Zutritt hat" und nach einem Hinweis auf das Wahlgesetz wurde Srowig aufgefordert, das Wahllokal sofort zw ver» lassen. Worauf Srowig ebenso bestimmt erwiderte:„Nein, das habe ich nicht nötig." Der Wahlvorsteher liest hierauf zwei Arbeiter aus der von ihm geleiteten Zuckerfabrik holen und erteilte diesen mit folgenden Worten:„Schlagt den Kerlen auf meine Verantwortung �einS hinter die Ohren, wenn sie sich zur Wehr setzenl" den Auf- trag. Srowig mit Gewalt aus dem Wahllokale zu bringen. Dieser liest es ober nicht zu Gewalttätigkeiten kommen, sondern ging freiwillig. Bevor er ging, rief er den als Rausschmeißer kommandierten Arbeitern zü:„Ihr wollt Arbeiter sein! Schämr Euch was, daß Ihr so Furcht vor Eurem Brotherrn habt und Euch zu Rausschmeißern eines Arbeiters hergeben wollt." Die noch im Wahl- lokal anwesenden Wahlkontrolleure Reboll, Langfeld, Teu- bert und Pauer ermahnte er noch im Weggehen ihren Dienst genau zu versehen und sich durch die Anordnungen des Wahlvor- steherS nicht beirren zu lassen. Nachdem Srowig das Wahllokal verlassen hatte, wurden die übrigen Genossen ebenfalls a u f g e- fordert, das Wahllokal zu verlassen. Der Aufforde- rung wurde unter Hinweis auf die bestehenden Vorschriften des Wahlreglements nicht Folge gegeben. Durch die Weigerung aus dem Wahllokal zu geben, sollen sich nun alle fünf Genossen des gemeinschaftlichen Haus- friedensbruchs und Genosse Srowig der Beleidigung des Wahlvorstehers sowie der beiden zum Hinauswerfen bestimmten Arbeiter schuldig gemacht haben. Obwohl der hier geschilderte Tat- bestand vor Gericht erwiesen wurde, obwohl gerichtlich festgestellt wurde, daß tatsächlich grobe Verstöße gegen das Wahlgesetz mit Wissen des Wahlvor- stehers vorgekommen find, beantragte der Staatsanwalt gegen Srowig wegen Beleidigung und genieinschaftlichen Haus- friedensbruchs 6 Monate Gefängnis, gegen Reboll 2 M o- n a t e und gegen die übrigen drei Genossen je einen Monat Gefängnis. Die Richter erkannten, trotzdem der Minister v. Dallwitz recht deutlich sagte: „Die Oeffentlichkeit gestattet jedermann den Zutritt zum Wahllokale und die Anwesenheit in demselben während der ganzen Dauer der Wahl einschließlich der Ermittelung des Wahl- crgebnisscs. Eine Ausweisung ist nicht deshalb zulässig, weil der Anwesende nicht im Mghlhezixle waWcrechjigt ist oder well er sich nicht legitimieren kann, oder Neil er sich dem Wahl- Vorstande dadurch lästig macht, dast er ihn auf bei ihm vor- gekommene Verstöste gegen die Wahlvorschriften aufmerksam macht," und trotzdem der Wahlvorsteher noch am Tage der Wahl vom Landrat telegraphisch belehrt worden ist, daß sein Verhalten ungesetzlich ist, gegen Srowig auf eine Gesamtstrafe von 4 Monaten Gefängniß, gegen die übrigen vier Genossen auf je einen Monat. Und diese unendlich harten Strafen dasäir, weil die Verurteil- ten Wahlmogeleien verhindern und ihr wohlbegründetes Recht als Staatsbürger ausüben wollten. Wir sind ja aus BreS-laui im Laufe der Jahre an außer- gewöhnlich harte Urteile gegen dieimDienftder Arbeiterbewegung tätigen Genossen gewöhnt, aber die 8 Monate Gefängnis für die Erfüllung gesetzlich gewährleisteter Rechte ist denn d o ch da A st ä r k st e, was, wir bisher von dort gehört haben. Wenn schon das Gericht in dem Zusammenstoß mit dem Wahlvorsteher und den sozia ldemok ra t i schen Kontrolleuren eine Handlung zu erblicken glaubte, die bestraft werden müsse, dann hätte er aber auf jeden Fall prüfen müssen, ob nicht durch das Verhalten des Wahlvorstehers und die gerichtlich festgestellten Verstöße gegen das Gesetz die Verurteilten gereizt worden sind und daher mil- dernde Umstände verdient hätten. Aber von mildernden Um- ständen scheint man in Breslau, namentlich dann, wenn eS sich um Ungehörige der Arbeiterschaft handelt, nichts wissen zu wollen. Sie Rschurahl in fjagenow-GrevesnfihIeD Nach der vorläufigen amtlichen Feststellung des Wahl- ergebnisses in Hagenow-Grevesmühlen stellt sich die Wahl- beteiligung doch etwas stärker heraus, als das gestrige Abend- telegramm angab. Es haben erhalten unser Genosse Kober 4288, Sivkovich(Forschrittler) 7018 und Pauli(konservativ) 6815 Stimmen. Es hat demnach Kober ungefähr 1900 und Pauli 250 Stimmen weniger erhalten als am 12. Januar, während der fortschrittliche Kandidat ungefähr 900 Stimmen gewonnen hat. Unser Stimmenverlust erklärt sich daraus, daß nach den alten, schon im Dezember vorigen Jahres aufgestellten Wählerlisten gewählt wurde. Inzwischen haben natürlich viele Umzüge stattgefunden. Was aber die Hauptsache ist: verhältnismäßig viele Arbeiter des Kreises arbeiten während der Sommermonate als Bauarbeiter in Lübeck, Hamburg oder sonst außerhalb ihres Wohnortes. Hinzu kam, daß uns Versammlungssäle auf dem Lande nur in äußerst geringer Zahl zur Verfügung standen, was um so schwerer ins Ge- wicht fällt, weil ein Drittel der Wähler auf dem platten Lande direkt unter der Fuchtel des Gutsherrn haust. Einige konservative Blätter stellen die verlogene Be- Häuptling auf, die Sozialdemokratie hätte auf ihrer Seite den Wahlkampf„gedi»npft" oder sogar einen Teil ihrer Wähler zur Abstimmung für den freisinnigen Wahlkandidaten Sivkovich abkommandiert. So schreiben die„Berliner Neuesten Nachrichten": „Mit anderen Worten: eine erhebliche Anzahl von sozial- demokratischen Wählern hat diesmal, bielleicht parteiamtlich ab- kommandiert, dem befreundeten fortschrittlichen Kandidaten die Stimme gegeben, um ihn ganz sicher in die Stichwahl zu bringen iwv die konservativen SiegesauSsichten zu beseitigen. Zu einem eigenen Siege zu schwach, hat die Sozialdemokratie nicht noch einmal, wie bei den Januarwahlen, die liberalen Wähler vor die Stichwahlfrage stellen wollen: konservativ oder sozialoeinokratisch? Also auf roten Krücken wird auch dieser Fortschrittsmann in den Reichstag humpeln." Das ist eine perfide Lüge, der durch den Ausfall der Wahl enttäuschten Konservativen, bedeutet doch dieser Ausfall den sicheren Verlust des Mandats. Die Liberalen hatten bei der Januarwahl eine Stimmenzahl, die nur um 11 hinter der der Sozialdemokratie znrückblieb. Sie arbeiteten deshalb von vornherein mit allen Kräften, um uns aus der Stichwahl zu verdrängen. Ihr Kandidat, Oberlehrer Sivkovich, ist ein richtiger Dreh- scheibenmann. Formell ist er der Kandidat der Fortschrittler. Aber die Zeitungen und Redner der Fortschrittler selbst ver- kündeten, daß er„der nationalliberalcn Partei näher steht, als mancher andere". Ilm die große Frage der politischen Weltansckjauung stritten die liberalen Fechter nicht. Jndivi- dualismus, Sozialismus, konservative Autoritätsgläubigkeit wurden nicht berührt, immer ging es nur um Kirchturms- oder die engsten persönlichen Interessen. Nur darüber ließ man keinen Zweifel, daß man„patriotisch bis auf die Knochen" sei. Die Konservativen trieben es bei der Verwendung des Wahlspecks noch toller. Auf dem Lande ließen sie agra- rische Schreier auf die Wähler los: in den Städten schickten sie Handwerksmeister, wie zum Beispiel den reaktionären Schorn- steinfegermsister Konrad aus Breslau, auf den Wählerfang aus. Mich„gebildet" wollten sie den städtischen Wählern kom- men. Deshalb ließe« sie einem Oberlehrer aus Rostock einige Gehversuche in der politischen Arena machen. Dieser Schul- mann glaubte auch im Wahlkampfe in seiner Schulstube zu sein. Er stellte den Wählern frisch und froh die Zensur aus, daß sie noch gar nicht reif seien für eine mecklenburgische Verfassung. Den junkerlichen Grazien standen ob dieser„Un- geschicklichkeit" die Haare zu Berge und Herr Pauli mußte nun rasch noch mehr den Volksfreund mimen, um den Schaden möglichst wieder zu reparieren. Pauli h a t die junkerlichen Auguren befriedigt. Der„schlichte Mann aus der W e r k st a t t" ritt in allen Sätteln. Seine Abstimmung im Reichstage— kurz vor seinem Hinauswurf— gegen die amtliche Einführung anständiger Wahlurnen suchte er unter verständnisinnigem Augenzwinkern der Junker den� Wählern als ein bloßes Versehen einzureden. Und wie die Konser- vativen im Reichstage Herrn Pauli gestattet haben, sich für die Erbschaftssteuer zu erklären— so ein Konzefsionsschulze ist für alle Fälle gut—, so durfte er jetzt in der Wahlagitation sich für die Geheimhaltung der Abstimmung begeistern. Die Junker hatten ihre Gutsinspektoren und Statthalter ja be- reits instruiert, wie das Wahlgeheimnis wieder genotzüchtigt werden sollt'.... Wie im Lande der Obotriten selbstverständlich ist, hat die Junkerpartei wieder mit allerlei ungesetzlichen Mitteln ge- arbeitet. Das Mandat des Herrn Pauli ist bekanntlich wegen der zahllosen Ungesetzlichkeiten für ungültig erklärt worden. Die Junkerpartei hat das freilich nicht geschreckt. Sie hat im Gegenteil ihre Wahlmacher offen aufgefordert, das Wahl- glück durch Ungesetzlichkeiten zu korrigieren. So gab die konservative Presse ganz ungeniert die Weisung an die Wahlvorsteher aus. sich um den einstimmigen Beschluß der Wahlprüfungskommission nicht zu kümmern, wonach den gesetzlichen Vorschriften entsprechend der Schluß des Wahl- aktes(Feststellung des Resultats) nicht vor 7 Uhr abends er- folgen dürfe. Zwar hat auch die mecklenburgische Regierung selbst ausdrücklich auf diese Bestimmung hingewiesen. Aber in Mecklenburg, diesem klassischem Lande der Junkerwillkür, regieren ja in Wirklichkeit die„Ritter", und die kümmern sich den Teufel was um die Meinung des Regierungsperso- nals! Darum ließen sie auch die Regierungsbekanntmachuug, daß als Wahlurnen keine Suppenterrinen oder Zigarren- kisten verwendet werden durften, einfach unbeachtet. Die Stichwahl findet bereits am 28. Juni statt. An der Wahl deS fortschrittlichen Kandidaten Sivkovich ist nicht zu zweifeln. (leberlKbr. Berlin, den 21. Juni 1912. Klerikaler Sophismus. Wir haben schon vorgestern darauf hingewiesen, daß die- selbe Zentrumsvresse kölnischer Richtung, die noch vor wenigen Tagen dem Papst das Recht und die Autorität bestritt, die Organisation und Politik der christlichen Gewerkschaften zu verurteilen, und von einer Einmischung des„Heiligen Stuhls" in rein wirtschaftliche Fragen sprach, nun plötzlich, nachdem der Papst durch die Nuntiatur in München erklärt hat, mit den deutschen Bischöfen die Gewerkschaftsfrage regeln zu wollen, ihre eigene Theorie von der Beschränktheit der Autorität des Papstes auf religiöse Dinge fahren läßt und demütig dem Papst für seine Zusage dankt. Selbst die vom Zentrums- abgeordneten Giesberts inspirierte„Essener V o I k s z t g.", die noch vor wenigen Tagen weisheitsvoll allerlei der katho- lischen Kirchenlehre widerstreitende, häretische Anschauungen über die Grenzen der päpstlichen Unfehlbarkeit äußerte, hat schnell ihre Meinung revidiert und fügt sich dem Schweige- «bot. Sie schreibt zustimmend: „Die Prüfung und Entscheidung wird sich auf die Frage be- ziehen, ob den Katholiken der Beilritt zu den bestehenden tnter» konfessionellen Gewerkschaften nach wie vor gestaltet werden kann, oder ob er aus rcligiös-stttlichen Gründen unstatthaft ist. Das ist die Gewissensfrage, die vor daS kirch- liche Forum gehört. Die Nichlkatholiken haben nicht darein zu reden. Wenn dem päpstlichen Wunsche gemäß die öffentliche Erörterung der Streitfrage eingestellt wird, so schließt da? natitr- lich nicht aus, daß die beteiligten Arbeitervereine und deren Leiter ihren Bischöfen das Material unterbreiten, was sie zu ihrer Rechtfertigung und zur Klärung der Sache für angebracht erachten." Diese Bekehrung ist für den Anfang schon recht nett. Auch der„ W e st f. Merkur" und die„ S ch l e s. Bolksztg." sind für daS Schweigegebot. Der„ W e st f ä l i s ch e Merkur" meint: „Man darf nun wohl erwarten, daß auf katholischer Seite dieser hoch st dankenswerten Kundgebung des Hl. Stuhles, die aufs neue das Juteresse des Hl. Vaters an der Einigkeit und dem Wohl der Katholiken Deutschlands beweist, auch entschieden und treu entsprochen werde. Nur so scheint uns ein AuSweg aus dem vcrdeblichen Wirrwarr möglich, um die Einigkeit und damit die Kraft der deutschen Katholiken zu be- wahren." Und die„Schlesische Volsszeitung" schreibt: „Wir begrüßen diese Kundgebung und hoffen, daß der Wunsch des Hl. Vaters die gebührende Beachtung findet und daß der ganze schwebende Streit— die Stellungnahme der«Schlcs. Volks- zeitung" braucht hiernach keiner Rebision unterzogen zu werden— nunmehr ruht, da ja von Rom aus„im Einverständnis mit den Bischöfen" zu erlasiende„angemessene Ver- Haltungsmaßregeln" in Aussicht gestellt sind." Hält man gegen solche Verbeugungen vor der Autorität des Papstes in politischen Organisationsfragen das Gerede der im Schlepptau der„Kölnischen Volkszeitung" segelnden ultra- montanen Presse vor vier, fünf, sechs Tagen, so muß man erstaunen über die CHSnuilevnsnatur der ehrsamen Zentrumspresse. Sie wechselt ihre heiligsten Ueberzeugungen noch schneller als ihre schmutzigen Hemden. Einen schönen Reinfall hat übrigens bei dieser Ge- legenheit wieder die bachemitische„Kölnische Volkszcitung" erlebt, das Hauptorgan des von Herrn Stegerwald als„schlauere opportunistische Richtung" bezeichneten München-Gladbacher Heerlagers. Noch vorgestern brachte dieses Blatt eine über Spalten lange sophistische Auseinander- setzung des bekannten Führers der Zentrumspartei in Baden, des Geistl. Rats Th. Wacker, in welchem mit allerlei Redens- arten nachgewiesen wurde, daß die Päpste und Bischöfe sich in die Streitfragen des politischen Lebens nicht einmischen dürften lind die Zentrunt spartet sich in keinem Fall der päp st lichen Autorität unterstellen dürfe. Wörtlich heißt es in diesem sophistischen Geschwätz: „Je mehr man den Bischof oder gar den Papst in Streit- fragen und Ktlmpfe deS öffentlichen Lebens hineinzuzerren sticht. defc.«aeyr läuft i.icm Gefahr, damit eine Quelle größter Schwierig- leiten und bitterster Verlegenheiten zu schaffen. ES gibt Leute, die noch jetzt davon träumen, daß das Zentrum der kirchlichen Autorität unterstellt werden solle.... Endlich ist noch auf eine Seite der Sache hinzuweisen, die man gleichfalls nicht übersehen darf: den kirchentrcnen Katholiken wird«S, wie bereits hervorgehoben wurde, nicht schwer an- kommen, der kirchlichen Autorität den schuldigen Gehorsam zu leisten; sie werden diese Pflicht nicht al« ein Joch ansehen, unter daS man sich überhaupt nicht beugt oder höchstens sehr wider- willig. Daneben gibt e» aber noch andere Kreise, über deren Meinung und Stimmung man nicht einfach hinwegsehen darf. In diesen Kreisen ist man in. Sachen der kirchlichen Autorität und ihrer Zuständigkeit sowie ihrer Geltendmachung allenthalben sehr empfindlich und in hohem Grade mißtrauisch. Die Anklage auf ungemesscne Herrschsucht wird in unseren Tagen gegen die Träger kirchlicher Autorität so viel und so heftig erhoben wie je. Und die Kreise derer find sehr zahlreich, welche solche An- schuldigungen ohne alles weitere al» zweifellos wahr ansehen. Sie sind giftig und wirken vergiftend; sie stoßen in hohem Maße ab und befestigen in den Vorurteilen gegen die Kirche und in dem Widerstreben, ihrer Autorität Geltung und Wirksamkeit zu gewähren. Wäre nun daS Zentrum eben dieser Autorität unterstellt, so würde ein solches Berhälwi» wie eine unversiegbare Nährquelle derartigen Verdachte» und der- artiger Anschuldigungen Wider die Kirch« und deren Autorität wirken. Nach all' dem kann also nur auf daS allerbestimmteste erklärt werden: Für die Kirche und deren Autorität wie für die Träger derselben geht«S nicht»», daß daS Zentrum ihr unterstellt wird... Das war am Mittwoch, den 19. Juni, und bereits am Donnerstag, den 20. Juni, fand die„Köln. Volks- zeitung" es für selbstverständlich, daß der Papst kraft seiner Autorität als Oberhaupt der katholischen Kirche beansprucht, die Gewerkschaftsfrage mit den Bischöfen nach seinem Ermessen zu regeln. Und Blätter von solcher Qualität und inneren Unwahrheit verlangen ernst genommen zu werden. Ehrenbogen für Streikbrecher. Ein Bergmann aus Altenbochum war auf den schnurrigen Ein« fall gelommen, zu Ehren der Streikbrecher einen Triumphbogen zu errichten, an dem altes Brot, Speckschwarten, Kar- t o s f e l n und Heringsköpf« baumelten. Gar kein schlechter Scberz! Aber die Streikbrecher sind deS preußischen Staates wert- vollste, heilige Stützen. Sie dürsen nicht scheel angesehen, nicht ge- bänselt werden. Die Bochumcr Strafkammer verurteilte� also den Mann wegen dieser Lappalie zu einem Monat Gcsängnis. O, du herrliche Justiz des westkalmnckischen Reiches! Ein Aufruf nationalliberaler Parteiführer. Die„Na t i o n a l z t g." veröffentlicht Freitag abend einen Aufruf, der, wie das Blatt meldet, von vielen Hunderten national. liberaler Parteiführer aus allen Teilen des Reiches unterzeichnet ist. Der Appell richtet sich gegen die Gründung de»„Alt- nationalliberalen Reich»Verbandes". E» heißt in dem Aufruf: „Der„Altnationalliberale Reichsverband", der eine eigene Zentralstelle, einen eigenen Generalsekretär und eine eigene Presse besitzt, schafft überall neben der offiziellen Spitze eine zweite und trägt auf die Art die Verwirrung in die Rethen�der Partei. Das bedeutet zweifellos eine Zersplitterung der Kräfte, eine Schwächung der Stoßkraft, eine unheilvolle Lockerung de» gesamten Parteigesüges. Und zwar müssen diese Folgen um so sicherer eintreten, als der„Altnationalliberale Reichsverband" naturgemäß, um seine Existenzberechtigung zu erweisen, den Kampf gegen alle seine Auffassung nicht teilenden Parteilich- tungen auf seine Fahne schreiben muß. Daß die? in der Tat bereits geschieht, beweist ein Blick in die erste Nummer der„Alt- nationalliberalen Reichskorrespondenz", die sich fast auSschließ- lich mit Gegensätzen innerhalb der Partei beschäftigt. Soll da» das gegenseitige Verständnis und die Einigkeit der Partei fördern? Der„Altnationalliberale Reichsverband" will innerhalb der Partei eine bestimmte politisch« Richtung vertreten. Soweit eine solche dem Parteiprogramm entspricht, bedarf sie keiner beson- deren Organisation— in den örtlichen Vereinen, den Wahlkreis- organisationen, den Provinzial- und Landesverbänden, im Jen- tralvorstand und aus dem Allgemeinen Vertretertag ist jeder An- ficht hinreichend Raum und Gelegenheit gegeben, zu Worte zu kommen und sich Geltung zu veqchasfen.... In ernster Besorgnis warnen wir alle Parteifreunde, dem neugegründeten Sonderverbande beizutreten. Wir bitten sie, ihre Ansichten. nach welcher Richtung sie auch neigen, nach wie vor nur in den bewährten Organisationsformen der Partei zum Ausdruck bringen und ihnen ihre Kräfte zu widmen. Wir halten e» für notwendig, daß ohne Sonderbündeleien die verschiedenen Ansichten in der Partei in den satzungsgemäßen Instanzen in Erscheinung treten, damit die nationalliberale Partei entsprechend ihrer großen Vergangenheit die Vertreterin des gesamten national und liberal fühlenden Bürgertums bleibt." Zwölf Jahre Zuchthaus! Der Infanterist Lorenz Beck des 7. bayerischen Jnfanterle« Regiments in Bayreuth, Sohn eines Drehorgelspielers, ist nach Aussage der Aerzte ein erblich belasteter, degenerierter und geistig m i n d e r w e r t i g e r M e n s ch, der keinerlei ge» regelte Erziehung genoß und in einem sehr trüben Milieu aufwuchs. Beck wurde schon mit 12 Jahren(!) wegen Diebstahls mit Ge- f ä n g n i S(!) bestraft und pendelte seit jener Zeit zwischen dem Gefängnis und der Landstraße hin und her. Bei Beginn seiner Mililärzeit stahl Beck einige Kleinigkeiten und wurde deS« wegen, wegen Diebstahl» im Rückialle, zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite»lasse de» Soldatenslandes verurteilt. Am 1. Mai lllll, nach Vcrbüßimg der Gefängnisstrafe wurde Beck fahnenflüchtig und trieb sich bis im September in Nordbayer», Baden und Sachsen herum, auch war er in Siraßburq und Nancy.— Kleidung und sonstige LebeuSbedürf» nisie verschaffte er sich durch Einbrüche, seine Beule war nie groß. Im September 1S11 wurde Beck in Hof festgenommen, wobei er ans die Schutzleute drei Schreckichüfie abgab. Da Beck krank schien, wurde er nach Nürnberg ins städtische Kranlenhau» verbracht. Dort sprang er nachrS vom 2. Stock in den Hos und entkam. Auch jetzt vorschaffte sich Beck seine Lebensbedürfnisse durch Einbrüche. Im November v. I. wurde Beck in einer Blockhütte bei Waldsassen in der nördlichen Oberpfalz schlafend überrascht und festgenommen. Der Anklagevertreter beantragte wegen schweren Diebstahls im Rückfall und wegen TotschlagSverstichS an Einzelstrafen nicht weniger als VS Jahre acht Monat« Zuchthaus und bildet daraus die höchst zulässige Gesamtstrafe von lö Jahren Zuchthaus. Urteil: 12 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.— Ter Verteidiger plädierte auf Freisprechung und verwies auf die Freisprechung der Fürstin Wrede, auch Beck leide an Kleptomanie, denn er stahl dielfach Dinge. die für ihn nicht den geringsten Werl halten! Der Reichsvcrband gegen die Sozialdemokratie hat ein neues Flugblatt erscheinen lassen, das den Titel trägt:„Die Frauen und die Politik" und da», wie es in der Mitteilung au die bürgerliche Press« heißt,„gegenüber den Bestrebungen der Sozial- demokrati«, die Frauen ihren Parteiintercssen dienstbar zu machen, eine dringend notwendige Aufklärung vom bürgerlichen Standpunkte" ein soll.— Diese„Aufklärungsarbeit" ist vom gleichen Genre wie die übrigen Flugblätter dieses Verbandes. Dr. Semler mandatsmüde? Nach ZeitiingSincldungen wird Dr. Seinler sein Reichstag»« mandat aus Gesundheitsrücksichten niederlegen. Der nationalliberale Hamburger Rechtsanwalt vertritt den 2. hannoverschen Wahlkreis Aurich-Wittmuud._ Wegen Soldatenmisthandlung und BeleibigunA eines Vorgesetzten stand vor dem Kriegsgericht der Iki. Division e»n Sergeant des Fubarlillerieregimenls Rr. 9 in Koblenz. Nach dem Ergebnis der Voruntersuchung hat er seine Untergebenen aus dem Exerzierplatz hecumgejogr und derart schikaniert, daß nach l3/« Stunden langer Dauer dieser Quälerei«in Gefreiter ohnmächtig zusammenbrach. Ferner soll der Sergeant den Dienst dadurch verlängert haben, daß er die Leute unter Absinge» von Marschliederu im Kreise um sich herum marschieren uud laufen ließ. Die Aussagen der Zeugen deckten sich, wie da« häufiy bei ölchen Prozessen vorkommt, in der Verhandlung nicht mehr nnt der Darstellung in der Bornnterfuchung. Das Gericht verurteilte den Sergeanten nur„wegen Anmaßung einer Befehlsbefugnis und wegen Beleidigung eine» Borgesetzten" zu IS Tagen Mittelarrest. Oesterreich. Verabschiedung der Dienstpragmatik. Nach fünfmonatiger Beratung im Plenum und AuSschutz hat das Abgeordnetenhaus nun das Gesetz über das Dienst» Verhältnis der Staatsbeamten und Staatsdiener verabschiedet. Durch den programmäßigen Umsall des vordem so stramm beamtenfreundlichen Deutschen Nationalverbandes und der Christlichsozialen wurden die Bemühungen der Sozialdemo- kraten— namentlich des Genossen Glocke l. des von Lueger gemaßregelten Lehrers— auf Sicherung des Koalitionsrechts gegen alle Einschrän- k u n g e n zu Fall gebracht. Das Gesetz erhielt eine Kaut- schukfassung, die es ermöglichen soll, nach Bedarf Orga- sationen zu verbieten und die Beteiligung an ihnen zu be- strafen. Auch sonst entwickeln sich die Dinge immer deutsch-frei- hcitlicher. Seitdem der Justizminister, der Exlaternenmann v. Hochenburger, von dem seit zehn Jahren die Preßresorm nicht beratenden Preßausschuß die Immunität der Jnter- pellationen bedauerlich und beseitigenswert gefunden hat, ist den Staatsanwälten der Mut gewachsen: soeben hat man den Grazer„Arbeiterwille" wegen Abdrucks einer im Abge- crdnetenhause eingebrachten Interpellation schlankweg konfisziert. franhreieb. Die Wahlreform auf dem Vormarsch. Paris, 20. Juni.(Eig. Ber.) Man brauckt von der Wahl- reform, die sich jetzt für Frankreich als unaufhaltsam darstellt, keine Wunderwirkungen auf die politische Moral und auf das Niveau der parlamentarischen Känipfe zu erwarten. Sie wird, als ein Flickwcrk, woran der Besitzstandegoismus und die Furcht vor dem Unberechenbaren ihren Anteil haben, noch genug weit von der Sicherung der großen prinzipiell abge- grenzten Parteibildungen, wie sie die reine Verhältniswahl fördert, entfernt bleiben. Aber trotzdem wird man die vorgestrige Ab- stimmung über den Augagneurschen Gegenentwurf, der gestern die so jäinmerlich zusammengebrochene Verzweiflungsattacke der Re- sormgegner und das demonstrative Vertrauensvotum für die Regierung folgte, als ein glückliches Ereignis für die parla- mentarische Republik bezeichnen dürfen. Vor allem darum, weil so eine politische Krise vermieden worden ist, die die antirepublikanifchen Treibereien und Stimmungen gestärkt hätte. PoincarS hatte sich auf den Entschluß festgelegt, die Reform nur aus den Händen der„republikanischen"Mehrheit" zu empfangen und die Grenzen dieser Mehrheit durch die rcligionspolitischen Auffassungen bestimmt. Die Mehrheit, die er in der Kammer gefunden hat, umfaßt offenkundig die Mehrzahl der antiklerikalen Republikaner, und den proporzfeindlichen Radikalen ist darum ihr stärkstes Argument genommen. Sie fahren freilich fort, die Reform als den„Ruin der Republik" zu verschreien und sich derart das Monopol auf die republikanische Gesinnung oder doch auf den politischen Verstand anzumaßen. Aber sie verstärken damit nur den Unwillen über die jakobinische Herrschsucht und Kliingeldiktatur und sind so auf dem besten Wege, das Gegenteil dessen, was sie anstreben, zu erreichen, nämlich die völlige Zerstörung der herrschenden Stellung des Radikalismus in der Demokratie. Die Reformfeinde behaupten, das Land interessiere sich nicht für den Proporz. Es mag schon stimmen, daß die Massen der Wähler sich noch keine Mühe gegeben haben, in die Formeln der vorgeschlagenen neuen Systeme einzudringen. Aber wenn der Wahlkampf unter der Parole durchgeführt Würde: Für oder gegen den Parlamentarismus von gestern unir heute, so ist der Ausgang nicht ziveifelhaft. Die Reform wird, vielleicht noch über schwere Hindernisse hinweg, durchgeführt werden. Wie sie im Detail aussehen wird,' läßt sich noch nicht sagen und noch dunkler sind die Wirkungen, die sie auf das Kräfteverhältnis im Parlament und damit auch auf die Eutwickelung der inneren Politik haben wird. Es ist sehr leicht möglich, daß die gecinigten Sozia- listen, ihre leidenschaftlichen Vorkämpfer, zunächst die Zahl ihrer parlamentarischen Vertreter gemindert sehen werden. Eins aber haben die letzten Tage mit Sicherheit angezeigt: die Herrschaft der radikalen Partei über die Republik ist dahin. Der hartnäckigste, boshafteste Widerstand gegen die Wahlreform, den die Mehrzahl ihrer Augehörigen betreibt, hat nicht nur die Desorganisation in ihren Gruppen ver- größert, sondern auch den Gegensatz zwischen ihr und der sozialistischen Partei noch verschärft. Für die Ent- Wickelung der Republik ist die Reform des Wahlsystems heute von so entscheidender Bedeutung, daß der Versuch, das kirchenpolitische Programm als Richtpunkt für die ganze innere Politik festznhalten, alle Aussicht verliert. Das bedeutet den endgültigen Abschied von der repnblikani- schcn Blockpolitik und für die Sozialisten die Erringung eines sicheren Terrains für eine selbständige, nur die Interessen des Proletariats und der sozialen Revolution ins Auge fassenden Klassenpolitik im Parlament. SugUnd. Ei» interessanter Wahlkampf. London, 20. Juni.(Eig. Ber.) Ein höchst interessanter Wahlkampf wird heute in dem Wahlkreis Holmfirth in Norkshire entschieden werden. Dort stehen sich ein Liberaler, ein Konservativer und ein Kandidail der Arbeiterpartei in heißem Kampfe gegenüber. Bisher gehörte der'Kreis den Liberalen, die die größten Anstrcnguirgeir machen, Um ihren Besitz gegen den Genossen William L u n n zu verteidigen, der zu einem der energischsten Vertreter des sozialistischen Flügels der britischen Bergarbeitcrföderatron gehört. Die Mehrheit der Wähler sind Bergarbeiter und Textilarbeiter, unter welch letztern die sozialistischen Ideen schon seid einigen Jahren kräftig gedeihen. Die Vergavbeiter Rorkshires, ob- wohl sie sich einen sozialistischen Präsidenten(Herbert Smith) gewählt haben, gehörten bisher zu den verläßlichsten Truppen des Liberalismus, und ihren eigenen parlamentarischen Vertretern fallt es äußerst schwer, die Fesseln der liberalen Partei- orgauisation, die ihre Wahl vermittelt, abzuschütiieln. Die sogenannten politischen Tagcssragen der herrschenden Par- teien spielen in dein Kampfe keine Rolle: alles wird durch die soziale Frage überschattet. Die Konservative» bemängeln die sozialpolitischen Gesetze der Liberalen und führen aus, wie sie alles besser gemacht haben würden, die Liberalen prahlen mit ihrer Arbeitcrfrenndlicksteit und Lunn entwickelt sein sozialistisches Programm. Der eigentliche Kampf ist der zwischen dem Kandidalrn der�liberalen Partei und dem der Arbeiterpartei, der von den Sozialisten aller Sckjattierungen tatkräftig unterstützt wird. Der Liberale besindet sich in einer wenig beneidenswerten Lage: er hat die Regierung zu ver- teidigen, die sich noch vor wenigen Wochen weigerte, praktische Beweise ihrer Arbeiterfreundlichkeit zu geben und die von den Bergarbeitern geforderten Minimallohnsätze der Minimal- lohnvorlage einzuverleiben. Das wird ihm wahrscheinlich den Hals brechen. Bei der zweiten Wahl des Jahres 1910 wurde dem Liberalen kein Gegenkandidat gegenübergestellt: bei der ersten Wahl desselben Jahres bekam der Liberale 6339, der Konservative 3043 und der Arbeiterparteiler 1643 Stimmen. Die Liberalen sind sehr nervös und drohen mit Gegen- angriffen auf Arbeitervertreter in anderen Wahlkreisen. Rußland. Väterchen will eine neue starke Flotte haben. Petersburg, 19. Juni. Auf der heutigen Tagesordnung der Reichsduma stand die Gesetzvorlage betreffend das Schiffs- bauprogramm für 1912 bis 1916. Der Referent der Kommission für Landesverteidigung Chwoschtschinsky erklärte, die geforderten 692 Millionen Rubel seien für folgenden Be- darf notwendig: Für den Bau einer Kriegsflotte 392 Millionen. Diese Flotte soll umfassen: vier Panzer- krcuzer mit Gesamtkosten von 182 Millionen, acht leichte Kreuzer, davon vier für das Baltische Meer, zwei für das Schwarze Meer und zwei für den Stillen Ozean, ferner 36 Torpedobootszerstörer für die baltische Flotte mit einem Kostenaufwand von 92 Millionen, 18 Unterseeboote, davon 12 für Äe baltische Flotte, sechs für die Stillc-Ozeanflotte, mit einem Kostenaufwand von 33 Millionen. Außerdem seien erforderlich 16 499 999 Rubel für Hilfsschiffe, 13 133 999 Rubel für schwinunende Hafeneinrichtungen. 79 999 999 Rubel für den Ausbau der Häfen Reval, Kronstadt, Svcaborg, Se- bastopol, Nikolajew und Wladiwostok. Der gesamte Hafenbau er- fordert 112 Millionen und wird 1923 abgeschlossen sein. Von den für das bestehende Ouinquennat geforderten 79 999999 Rubel ent- fallen 49 Millionen auf den Hafen von Reval. Außerdem sind für Erweiterungen und Vervollkommnungen der baltischen und der Obuchowschen Admiralitäts-Schiffswerften 19 664 999 Rubel er- forderlich. Es ist geplant, in der Ostsee eine Operationsbasis zu schaffen!, was bis 1923 79 Millionen erforderlich macht. Eine zweitklassige Basis für kleinere Schiffe soll Sveaborg bilden. Der Referent wies darauf hin, daß die Reichskasse den Anforderungen der Landesverteidigung durchaus gewachsen sei und daß die ver- langten Summen ohne Staatsanleihen gedeckt werden könnten. Zum Schluß forderte der Referent die Duma auf, auch das Schiffs- bauprogramm anzunehmen.- Sie werde damit eine Pflicht gegen das Vaterland und„das erlauchte Oberhaupt der russischen Kriegs- macht" erfüllen. Miljukow erklärte, die Kadcttcnpartei sei nicht grundsätzlich gegen eine Flotte, wohl aber gegen eine Aus- dehnung deS Flottenprogramms und gegen eine Fesselung der Volksvertretung auf Jahre hinaus. Die Furchtvor der Mög- lichkeit eines deutschen Uebcrfalls sei das Produkt einer kranken Phantasie. Die russische Diplomatie habe in der letzten Zeit vielfach Ultimata gestellt, die Rußland durch seine Macht nicht zu unterstützen vermochte. Die aggressive russische Diplomatie Werde nach der Annahme der Marinevorlagen noch ungezwungener handeln nnd die Majorität, die dies Flottenprogramm annehme, trage die Verantwortlichkeit für die Möglichkeit eines nahen Krieges. Petersburg. 29. Juni. Nach längeren Debatten wurde die Flottenvorlage in der Fassung der Budgetkommission, also mit Streichung von 71 Millionen für den Ausbau der Häfen, an- genommen. Ferner wurde ein Antrag des Oktobristenführers Autschkow angenommen, in dem die Regierung aufgefordert wird, unverzüglich den Stand der Reichswehr zu Lande und die Be- dürfnisse der Armee zu prüfen solvie die nötigen Kredite zu fordern, um auch diesen wichtigen Teil der Reichswehr auf die nötige Höhe zu bringen. ekina. Der neue Premierminister. Peking, 29. Juni, yuanschikai hat dem Kabinett heute nachmittag mitgeteilt, er wünsche die Aemter des Präsidenten und deS Premierministers nicht in seiner Person zu vereinigen. Er schlage vor, das Amt deS Premierministers dem bekannten Süd- chinesen Changchien, und wenn dieser ablehne, dem ehemaligen Vormund des Kaisers Hsüchichang anzubieten. Beides seien ernst- hafte Männer mit tiefer wissenschaftlicher Bildung und lauterem Charakter, ohne persönlichen Ehrgeiz. Das Kabinett stimmte dem Vorschlag zu. Die Soldatenmeutcrei in Mulden. Mukden, 21. Juni. Die Meuterei unter den Truppen der Garnison, die vorgestern ausgebrochen war, dauert auch heute noch an. Die Meuterer fahren fort, die Stadt zu plündern. Marokko. BcruhiguNssSärbeit mit Schrapnell und Brandfackel. Paris, 21. Juni. Ein Funkspruch aus Fez vom 19. Juni bestätigt, daß die Kolonne G o u r a u d mehrere heftige Schar« mützcl zu bestehen hatte. Die Franzosen hatten im ganzen 12 Tote, darunter einen Leutnant und etwa 19 Verwundete. Ten Marokkanern wurden durch die französische Artillerie große Verluste zugefügt. General Gouraud beauftragte seine Truppen, die Dörfer und Getreidefelder der um- wohnenden aufrührerischen Stämme zu verbrennen, da dies das einzige Mittel sei, deren Unterwerfung zu erzwingen. Die„H u m a n i t e" veröffentlicht einen Artikel über das marokkanische Unternehmen und bezeichnet dasselbe als das „Mexiko der Radikalen". Man würde 199 999 Mann nach Marokko schicken müssen, was ungeheure Kosten verursachen würde. Die Sicherheit an der algcrisch-marokkanischen Grenze. Colemb Bechar, 29. Juni. Eine starke Berberabtcilung griff bei Buanan einen französischen Militärtransport an. Mehrere algerische Schützen wurden getötet oder verwundet. Die Berber wurden von den zu Hilfe eilenden Verstärkungen in die Flucht geschlagen. Amerika. Der ehrliche Roosevelt und die ehrlich Gewählten. Chicago, 21. Juni. Der Nationalkonvent hat sich auf heute vertagt, da die angefochtenen Delcgicrtcmoahleu noch un- erledigt sind. Es geht das Gerücht, Roosevelt werde im Konvent erscheinen. Roosevelt sagt in einer längeren Erklärung, er hoffe, die ehrlich gewählte Mehrheit des Konvents werde sofort die Rei- nigung der Delegiertenliste von den unehrlich Gewählten fordern. Falls dies nicht geschehe, hoffe er, die ehrlich Gcivählten würden die weiteren Beziehungen zum Konvent abbrechen. Falls die ehrlich Gewählten die Leitung selbst übernehmen und ihn nomi- nieren würden, nehm« er an. Falls einige Delegierte sich scheuen sollten, einen solchen Standpunkt einzunehmen, die übrigen aber ihn nominieren würden, werde er gleichfalls annehmen. Er habe dem Volke keinen Lohn für die ihm im Wahlkampfe geleisteten Dienste zu versprechen. Chicago. 21. Juni. Roosevelt erklärte gestern, daß er unter Umständen aus der republikanischen Partei aus. treten und die Führerschaft einer neuen fort- schrittlichen Partei übernehmen werde, rr. Das Wahl- prüfungskomitee hat während der Nacht-über 30 itt fco» Roosevelt angefochtenen Mandate für gültig erklärt, Bus der paiteL Aus der italienischen Partei. Rom, den 19. Juni.(Eig. Ber.) Am 18. dS. hat die römisSe Partcisektion in nameuilicher Abstimmung eine revolutionäre Tages- ordnung L e r d a angenommen. Diese Resolution die für die Hallung der Sektion ans dem vorstehenden Parteitag ausschlag- gebend ist, erhielt 178 Stimmen, die der Linksreformisteir 74 und die der Bisiodatianer 68._ poUzciUcheo, 0 erleb tlict, es ufw. Der gesetzeskundige Polizist. Wegen Beleidigung der Polizisten Sternberg in BrunS« büttel hatte sich am Mittwoch der verantwortliche Redakteur unseres Kieler Parteiblattcs, Genosse Bielenberg, vor dem Kieler Schöffengericht zu verantworten. Während des RerchstagS-- Wahlkampfes fand in Brunsbüttel eine Wählerversammlung statt, die der Polizist überwachte. Kaum war die Versammlung eröffnet. da erschien das Auge des Gesetzes und ließ den Vorsitzenden rufen. um ihm zu erklären, er müsse die Versammlung auflösen, weil sie eine politische sei. Der Vorsitzende belehrte den Beamten, daß das doch ganz selbstverständlich sei, die Versammlung sei eine Versammlung der ReichStagswähler und da könne die Politik schlecht ausgeschlossen werden. Im weiteren interpellierte der Vor- sitzende den Polizisten, von wem er denn eigentlich den Auftrag er- halten habe, die Versammlung aufzulösen, worauf dieser ganz kühn erwiderte, er handele eigenmächtig. Die„Schleswig-Holfteinsche Volkszeitung' hatte von diesem eigenartigen Vorkommnis Notiz genommen und wurde wegen der Worte Dorfpolizist, schlauer Dorfpolizist und Gesetzesunkenntniö an- gellagt. Der Amtsanwalt beantragte 69 M. Geldstrafe mit der Begründung, daß es schon eine Beleidigung sei, einem Beamten Unkenntnis der Gesetze vorzuwerfen. Die Vorstrafen des Angeklagten deuteten auch darauf hin, daß er eine gewisse Neigung hätte, andere Leute zu beleidigen. DaS Gericht verurteilte Bielenberg wegen formaler Beleidigung zu 19 M. Geld- st r a f e event. zwei Tagen Gefängnis. Wie kann man aber auch an den Qualitäten eines OrtSpolizisten zweifeln. Beamte sind immer gesetzeskundig l Klagende Liberale. Vor dem Schöffengericht zu Detmold wurde am Mittwoch gegen den verantwortlichen Redakteur der Bielefelder„Volkswacht", Genossen Dreckshage, verhandelt. Es handelte sich wieder um eine Klage des Redakteurs der liberalen„Lippischen Landes- zeitung" wegen formaler Beleidigungen. Die„Landcszeitung" hatte vor einigen Monaten öfter hämische Artikel über die Sozial- demokratie gebracht und als ihr darauf die gebührende knappe Aut- wort zuteil geworden war, lief der verantwortliche Redakleur zum Kadi. DaS Urteil lautete auf 76 Mark Geldstrafe. Jugendbewegung. Arbeiter-Jngciid. Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. 18 heben wir hervor: Die proletarische Dreieinigkeit.— Von Smith bis Marx. Bon Wilhelm Schröder.— Vom Tee und seiner Gewinnung(mit Abbildungen). Von Hermann Krafft.— VerbandStag der deutschösterreichischen Jugendorganisation.— AuS der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit. Des Lehrlings LcidenSchromk. Vom Kriegsschauplatz usw. Beilage: Der Mann mit der Flasche. Erzählung von Rudyard Kipling.— Die Spanier in Wcstiudieu. Von A. Conrady. Moderne Schifföriescn. Zum Siapcllauf des„Imperator"(mit Ab- bildungen). Von R. Peruer.— Wandern! Von Lucy Peters.— Spiele fürs Freie.— Die Pfingstfahrt der Kieler Jugend nach Däne- mark. Von HammerSdorff._ Hu9 Industrie und Dandcl. Roggcnteuermig in Frankreich. Auch in Frankreich macht sich infolge deS Zolls sine starke Roggenteueriing gellend. So wurde in einer Sitzung des Stadtrats von T r o p e S in der Frag« der Roggenpreissteigerung eine Protesteingabe an das Ministerium deS Jimer» beschlossen. Darin gelangte zum Ausdruck, daß der Roggen in letzter Zeil auf 29 M. gestiegen sei und eine Hungersnot zu befürchien wäre, falls nicht Hingehend Abhilfe gc- schaffen würde. Es wird vorgeschlagen, ausländischen Roggen ein- zuführe», unter gänzlicher Ucbernahmc des Zolls auf den Staat. (sii der Tat sind einige Mühlen in der Umgegend von Trohes vollständig ohne Roggen und viele Mehlhändler ohne Mehl. Der Brotpreis ist bereits so boch gestiegen, daß sich unter der ärmeren Bevölkerung eine starke Notlage fühlbar macht. Bor einiger Zeit hat die französische Kammer die Aufhebung deS Zolls abgelehnt._ Internationales Schicnenkartcll. In diesen Tagen ist das Jnternalionale Schienenkartell auf dyet Jahre verlängert worden. Es ist bemerkenswert, daß die Ver- längcrung kurz nach der Erneuerung des StahlwerkSverbaudeS vor- genommen worden ist. DaS Schicksal des Internationalen Schienen- tartells hängt mit dem des StahlwerkSverbaudeS ziemlich eng zusammen. Der StahlwerkSverbaud wurde im Jahre 1994'errichtet und kurze Zeit darauf erfolgte die Gründung des SchienenkarlcllS. Als im Dezember 1999 die ersten ErneucrungSverhandlungen der Mitglieder des SchieueukartellS in Londd» stattfanden, übte die Un« gewißheit darüber, ob der Stahlwerksverband im Jahre 1997 verlängert werden würde, einen ungünstigen Einfluß auf den Gang der Verhandlungen aus. Die Verireter der deutschen Gruppe des Internationalen SchieuciikartellS wurden damals ermächrigt, ein neues iuternatioiiales Schienenabkomme» auf die Dauer von längstens fünf Jahren für alle Mitglieder'des StahlwerkSverbaudeS rechtsgültig abzuschließen, jedoch niit der Bedingung, daß die deutsche Gruppe da« Rech: haben sollte, das Abkommen im Juni 1997 auf den 39. September 1997 zu kündigen, falls eine Ber- längerung des StahllverkSverbandcS über den 39. Juni 1997 hinaus nicht zustande komme» würde. Das Kartell hat im Laufe der Jahre an Ausdehnung erheblich gewonnen. Das Kartell stellt aber nur eine lose Abmachung dar. Noch immer steht eine ganze Anzahl wichtiger Werke außerhalb deS Kartells. Im vorigen Jahre hieß eS, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf Grund des Anti- trustgesctzcs gegen das internationale Schienenkarlell vorgehen wolle. Damals erfuhr man zum crsteunial, wie da« Kartell die Ausfuhr der einzelne» Länder an Stahlschienen ver- teilt hat. Es waren zu jener Zeit beteiligt: England mit 37,89 Proz., die Vereinigten Staaten mit 26,79 Proz., Deutsch» land mit 29.13 Proz, Belgien mit 12,34 Proz., Frankreich mit 4,47 Proz. England verlangte im vorigen Jahre eine höhere AuS- fuhrbeteiligmig für Stahlschicuen. Diese Forderung und das Bor» gehe» der Vereinigten Staaten machten den Fortbestand des Jnter- nationalen Schienenkartells zweifelhaft. Ob bei der jetzigen Ver» längerung eine Aenderung der Ausfuhrbeteiligung vorgenommen worden ist, darüber verlautete bisher in der Oeffentlichreit nicht». Die Regierung der Vereinigten Staaten wurde zu Schritten gegen da« Julernationale Schienenkartell veranlaßt, weil dieses Kartell den amerikanischen Stahlwerken die Möglichkeit gab, die Preise im Innern deS Landes dauernd hochzuhalten. Inzwischen ist jedoch die Absicht der amerikanischen Regierung wieder eingeschlafen. GewcrhrchaftUcbes. Unternebmcr-Ceiror. Die Scharfmacherpresse wird nicht müde, über den an- g etlichen TerrorismusderArbeiterzu zetern. Bei näherer Untersuchung des vorgebrachten Materials ergibt sich dann, daß es sich in drei Vierteln der Fälle um glatt aufge- legten Schwindel, Uebertreibungen, Verdrehungen handelt. ' Was übrig bleibt, ist das durchaus berechtigte Bestreben der kämpfenden Arbeiter, ihre Genossen zum Anschluß und zu tat- kräftiger Mitwirkung an diesem Kampfe zu bewegen. Daß dieser Druck auf die beiseite stehenden Berufsgenossen ein rein moralischer bleibe, daß er sich in den Grenzen des ge- setzlich Zulässigen halte, liegt so sehr im Interesse der orga- visierten Arbeiterschaft, daß die Gewerkschaftsleitungen jeder- zeit eifrigst bemüht sind, den Terror aus den Agitations- Mitteln auszuschalten. Dagegen lassen sich täglich Beispiele dafür beibringen, wie die Unternehmer in dieser Beziehung ohne jeden Ge- Wissensskrupel vorgehen, wie sie Arbeiter, die es nur wagten, an den Bestrebungen zur Herbeiführung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse sich zu beteiligen, auf Jahre hinaus aus» zuhungern suchen. Hier ein neuer Beitrag zu diesem Kapitel. Im Berliner Bureau des«Verbandes der Gast- w i r t s g e h i l s e n" erschien dieser Tage ein Kellner, der nachstehendes zu Protokoll gab: „Ich war seit vergangenem Freitag, den 7. Juni 19:2, im „Franziskaner". Georgenstraßc 13, lJnh. G. Schwarz) in fester Stellung. Nachdem ich ziemlich eine Woche dort beschäf- tigt war. kam gestern abend der Geschäftsführer Schneider zu mir und fragte mich im Auftrage des Herrn Schwarze: Ich sei doch im vergangenen Sommer im Restaurant„Schult. heiß" am Potsdamer Platz beschäftigt gewesen und hätte mich auch mit am Streik beteiligt? Nachdem ich ihm dies zugab, sagte er mir, daß sie sdie Firma) vom„Z w e ck v e r b a n d" ein Schrei- ben bekommen hätten, wonach sie mich zu entlassen hätten. Er sagte mir serner noch, daß sie doch laufenddie Personal- listen an den Verband einsenden müßten zwecks Kontrolle; es täte ihm sehr leid, mich entlassen zu müssen, daersonstmit.nirzufriedensei, aber sie könnten nicht anders handeln, es sei Hauptzweck des neuen Verbandes, die- jenigen Kellner, die sich irgendwie mal an einem Streik beteilig- ten, vom Gewerbe überhaupt auszuschließen." Um die Brutalität des Vorgehens des«Interessen- Verbandes der Ga st wir de" ganz würdigen zu können, muß man noch folgendes dabei bedenken: Der Streik im„Schultheiß" liegt jetzt nahezu e i n volles Jahr zurück. Der Inhaber des genannten Restaurants einigte sich da- mals nach 48 Stunden mit seinen Kellnern und schloß mit der Organisation einen Vertrag. Sämtliche Streikende wurden wieder eingestellt und der jetzt von Herrn Schwarz im„Franziskaner" Gemäß- regelte war bis vor kurzem im„Schultheiß" beschäftigt. Ferner: Zur Zeit des Schultheiß-Slreiks bestand der Scharfmacherverband noch gar nicht«. Die geheime Feme wird also rückwirkend auf Vorgänge ausgedehnt, die v o r der Gründung des Unternehmerverbandes geschehen. Schließlich: die Hungerpeibsche traf den Sünder zu einer Zeit, in der Unterhandlungen zwischen dem Interessen- verband einerseits und zwischen den Zentralen der Ber- liner Partei- und Gewerkschaftsorgani- s a t i o n e n. sowie dem„Verband der Ga st Wirts- ge Hilfen" andererseits über die Beseitigung eben dieses Maßregelungsbeschlusses der Unternehmer schwebten. Es genügt, dies festzustellen, um das ganze hinterlistige und brutale Vorgehen erkennen zu lassen. Serlin und Umgegend. Tarifbewegung der Kutscher usw. aus den Bau- und Arbeits-Fuhrwerksbetricben Grost-Berlins. Am Donnerstag fand eine Branchenversammlung statt, in der der Bericht der Lohnkommission über die bisherigen Verhandlungen mit den Vertretern der Fuhrherren erstattet wurde. Dem seinerzeit an dieser Stelle wiedergegebenen Tarifentwurfe haben die Unter- nehmer einen Gegentarif entgegengestellt, über den die Vertrauens- männcr der Arbeiter in einer Sitzung beraten haben. Das Ergebnis dieftr Beratung war, daß dem Entwurf der Unternehmer Zusatz- antrage beigefügt wurden. Die solchermaßen entstandene Tarif. Vorlage unterlag nun der Beschlußfassung der oben erwähnten Ver- sammlung. Den Bericht gab Franke. Die wesentlichsten Posi- tionen in dem Unternehinerentwurf sind: Die Arbeitszeit beginnt a) in Schwerfuhrwerksbetrieben «Baufuhrwerk usw.) früh um ö Uhr; d) in Speditions- und Möbel- transportbetrieben früh um �-6 Uhr; sie endigt in allen Betrieben abends um Uhr, vorausgesetzt, daß das Tagcspensum erledigt ist. Aufträge, welche der Arbeitgeber nach 7� Uhr abends erteilt, er- greifen die Verpflichtung zur Bezahlung von Ueberstunden mit je 59 Pf. Angefangene halbe Ueberstunden kommen hierbei nicht zur Berechnung. Die Ruhepausen sind derart innezuhalten, wie es die Wirtschaftslage des Betriebes bedingt. Der Arbeitslohn beträgt für Kutscher: a) in Betrieben mit gemischtem Fuhrwerk(Spedition. Möbeltransport, Luxusfuhr- werk usw.) pro Woche 29 M.; d) in Betrieben mit schwerem Fuhr- werk(Baufuhrwerk usw. 32 M« für A r b e i t e r und S t a l l e u t e pro Woche 27 M. und wird für die geleisteten Arbeitstage jeben Freitag nach Beendigung der Arbeit ausgezahlt. Die Abzüge fjesetz- licher Versicherungsbeiträge muß sich der Arbeitnehmer gefallen lassen. Nach zwei Jahren tritt eine Erhöhung der Lohnsätze um 1 M. pro Woche ein. Die bereits bestehenden Lohnsätze bleiben in Kraft. Nachtarbeit wird mit 59 Pf. pro Stunde bezahlt. Diese Wochenlöhne gelten nur für Personen über 21 Jahren. Für nicht voll erwerbsfähige Arbeiter und Kutscher unterliegt der Lohn einer freien Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. In dem Entwurf der Arbeitnehmer hingegen wird in den Hauptpunkten gefordert: Die Arbeitszeit beginnt: a) in Schwerfuhrwerksbetrieben (Baufuhrtverk usw.) früh um 5)4 Uhr; b) in Betrieben mit gemisch- tem Fuhrwerk, wie Spedition, Möbeltranspart(in Vororten) Luxus und dergleichen früh 5V- Uhr; für Arbeiter früh 6 Uhr; sie endigt in allen Betrieben abends 7 Uhr, vorausgesetzt, daß das Tagespen- fum erledigt ist. Das Tagespenfum ist seitens der Fuhrhcrrcn. bezw. deren Betriebsinspektoren so zu bemessen, daß die Beendigung der Arbeitszeit um 7 Uhr abends erfolgen kann. Aufträge, welche Ar- Zeitgeber erteilen, die voraussichtlich und auch erfahrungsgemäß bis 7 Uhr abends nicht erledigt werden können, bedingen die Verpflich. tung zur Bezahlung von Ueberstunden mit je 99 Pf. Desgleichen werben auch Aufträge, welche den Kutschern etwa noch in drin- «enden Fällen nach 7 Uhr abends erteilt werden, pro Stunde mit 99 Pf. bezahlt. Angefangene halbe Ueberstunden kommen nicht zur Berechnung. Die Pausen zur Einnahme von Mahlzeiten betragen am Tage zwei Stunden und sind da abzuhalten, wo sich der Kutscher gerade befindet oder wie sie die Wirtschaftslage des Betriebes be- dingt. Der Arbeitslohn beträgt für Kutscher: a) in Betrieben mit gemischtem Fuhrwerk(Spedition. Möbeltransport. Luxusfuhr- werk usw.) pro Woche 39,59 M.; b) in Betrieben mit schwerem Fuhrwerk(Baufuhrwerk usw.) 34 M.; c) für Stalleute pro Woche 39 M.; verantw. Rkdatteur: Ulbert Wach». Berlin. Inseratenteil veranitw.: d) für Arbeiter pro Tag 5 M. Der Lohn wird für die geleisteten Arbeitstage jeden Freitag nach Beendigung der Arbeit ausgezahlt. Die Abzüge gesetzlicher Versicherungsbeiträge muß sich der Arbeit- nehmer gefallen lassen. Vom 1. Juli 1913 werden die Lohnsätze für alle Kutschergruppen und Stalleute um 1 M. pro Woche erhöht. Der Lohn für Arbeiter erhöht sich gleichfalls von diesem Zeitpunkt ab um 25 Pf. pro Tag. Am 1. Juli 1914 tritt eine Lohnaufbesserung in gleicher Höhe wie vorstehend angegeben in Kraft. Die vorstehen- den Lohnsätze gelten als Minimallohn. Die bei Abschluß dieses Vertrages bereits bestehenden höheren Lohnsätze bleiben in Kraft. Für diesen Tarif kommen in Groß-Berlin etwa 1999 bis 1299 Firmen mit zirka 15 999 Arbeitern in Betracht. Der Tarif soll auf drei Jahre festgesetzt werden. Die Arbeitgeber hatten 5, die Arbeit- nehmer nur 2 Jahre gewünscht, doch haben sich beide Parteien dann auf 3 Jahre geeinigt. Es wäre dies auch der erste Tarif, der für diese Gruppe abgeschlossen würde. An die Bericbterstattung knüpfte sich eine kurze Diskussion, in der»och einige SpezialWünsche geäußert wurden. Einige Redner bezeichneten die Zugeständnisse bezw. Forderungen als nicht ge- nügend, jedoch stimmte die Versammlung gegen einige Stim- m e n der Vorlage, die von den Vertrauensmännern ausgearbeitet wurde, einschließlich eines Zusatzantrages zu. Die weiteren Ver- Handlungen nehmen nun ihren Fortgang, wozu die Versammlung die Lohnkommifsion ermächtigte. Nach der schnellen Beendigung des Streiks in der Berliner Paketfahrtgcsellschaft mußte es Befremden erregen, daß die Gesellschaft gestern durch ein großes Plakat an den Anschlagsäulen unorganisierte Kutscher und Arbeiter suchte. Nachdem oer Streik durch die Vermittelung des Trausportarbcitcrvcrbandes beigelegt und auf Wunsch der Gesellschaft mit einer aus den Reihen ihrer eigenen Leute ge- wählten Kommission Verhandlungen angeknüpft wurden, liegt doch, wenn man ehrlich den Frieden will, wahrhaftig kein Grund vor, andere und unorganisierte Leute anzustellen— oder anstellen z u wollen, denn Suchen und Finden sind ja noch zwei sehr verschie- dene Dinge. Wenn der Transportarbeiterverband am Donnerstag- vormittag durch seine Vermittelung dafür sorgte, daß der Streik aufgehoben, der Betrieb so schnell wie möglich wieder in Gang kam, so tat er das sicherlich nicht, damit die Gesellschaft nun nachträglich machen kann was sie will. Uebrigens würde die werte Direktion, soweit wir die Verhältnisse zu überblicken vermögen, sich ganz bedenklich in die Nesseln setzen, wenn sie wirklich dazu überginge, die organisierten Leute zu entlassen und unorganisierte einzustellen._ Der Streik der Schiffsmaschiuisten in der Berlin- Stcttiner Exprest-Tampfschiffahrt beendet. Am 18. Juni früh legten sämtliche Maschinisten der Dampf- schisfahrtsreederci von Heinrich Maß Rachf., Berlin, die Arbeit nieder, da obige Reederei jedes Eingehen auf die minimalen For- derungen ihrer Maschinisten rundweg abgelehnt hatte und jede Verständigung mit der Organisation zurückwies. Prompt wie die Arbeit niedergelegt, ivarcn noch an demselben Tage die verlassenen Stellen auf sämtlichen Dampfern durch Ar- bcitswillige besetzt. Die Streikbrecher kamen von den bekannten Hamburger Vermittelungsinstitut„Hoppe" und tragen die Brief- bagen dieses Herrn Hoppe den bezeichnenden Kopfabruck:„Anti- sozialdemokratischer Arbeitsnachweis". Dieser Herr Hoppe empfahl der Reederei seine Truppen und wies in einem Sdsteiben an die Firma rühmend darauf hin, daß seine Leute allen an sie gestellten Anforderungen gewachsen wären und bereits beim letzten Rheinschifferstreik mir Erfolg tätig gewesen sind. Die von, Hamburg herbeigeschafften Arbeitswilligen nahmen die Plätze der streikenden Maschinisten ein; doch die Dampfer konnten trotzdem — nicht fahren. Auf dem Dampfer„Eberswalde" brachten die Streikbrecher die Maschine nicht in Gang Die Maschine wurde auseinandergenommen, der Schiffsführer half mit, doch die Ma- schine drehte sich nicht, sondern streikte auch. Der auf Dampfer „Schwedt" untergebrachte Arbeitswillige mußte den Schiffsführer fragen, wie die Maschine eigentlich zum Drehen(!) gebracht werden könnte!— Der Schiffs führer versuchte zu fahren. Das Resultat war, daß die Packung aus der Luft- und Speisepumpe in die Luft flog! Währenddessen war der Wasser st and im Kessel bedenklich gesunken! Sie versuchten in den Dampfkessel Wasser zu pumpen, vergaßen hier aber, den Grundhahn zu öffnen. Da nun die Leute sich keinen Rat mehr wußten, waren sie. um ein« Katastrophe zu verhüten, gezwungen,«inen Monteur von der Firma Döring u. Rückert zu holen, welcher dann den Kessel wieder in Ordnung brachte. Der Arbeitswillige auf Dampfer„Schwedt" folg nun infolge seiner bewiesenen Unfähigkeit sofort von Bord und wurde der alte Maschinist wieder geholt. Auf Dampfer„Berlin" jagte der Arbeitswillige die Windkessel in die Luft. Der Dampfer„Spree" fuhr mit einem Arbeits- willigen am 18. Juni früh 6 Uhr auS Stettin und traf abends 7 Uhr in Meserin ein. Gewöhnlich beträgt die Fährzeit von Stettin nach Meserin 2 Stunden— der Arbeitswillige gondelte 13 Stunden! So ging das Treiben auf allen Dampfern. Den von Hamburg gesandten Rausreißern war durch diese Vorgänge kein langes Bleiben beschieden. So schnell wie diese Sorte von Maschinisten gekommen, so schnell wurden die Herrschaften von der Firma selbst wieder von den Dampfern gejagt. Jetzt erklärte sich die Reederei zu Verhandlungen bereit und kam ein Tarifvertrag zustande. Die Arbeitszeit wurde festgesetzt in den Häfen und Endstationen von morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr, bei Freigabe von Vt Stunde Frühstücks-, 1 Stunde Mittagsund Yt Stunde Vesperpause. Zu de» bisher bezogenen Monats- löhnen erhalten die Maschinisten ab 1. Juni 1912 eine Zulage von 19 M. mit Gültigkeit bis 31. Mai 1913. Am 1. Juni 1913 erfolgt für Maschinisten eine weitere Lohnzulage von 5 M. mit Gültigkeit bis 31. Mai 1914. Ueberstunden, Sonntags- und Fest- tagsarbeit werden mit 59 Pf. pro Stunde extra vergütet. Die Vermittelung von Maschinisten erfolgt durch die Arbeitsnachweise des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer. Der Tarif- vertrag tritt am 1. Juni 1912 in Kraft und läuft bis 31. Mai 1914. Somit ist diese Bewegung nach eintägigem Streik trotz des Eingreifens des„antisozialdemokratischen" Arbeitsnachweises von Hoppe- Hamburg mit vollem Erfolg für die Maschinisten beendet. Mit der Reederei von C. Rothenbücher, Berlin, sind vorläufig bis 31. Dezember ds. Js. Vereinbarungen getroffen und schaltet diese Reederei aus der ferneren Bewegung aus. Bei der Reederei von F. Joost-Hamburg haben die Maschi- nisten und Heizer durch die Organisation ihre Kündigung einge- reicht. Wird bis 39. Juni eine Verständigung nicht erzielt, legen am 1. Juli die Maschinisten und Heizer bei dieser Reederei die Arbeit nieder. Die Reederei von F. Joost-Hamburg ist für organisiertes Kessel- und Maschinenpersonal gesperrt. Streik der Bierfahrer in den Branerei-Niederlagen. Unter Bezugnahme auf die Notiz vom 21. Juni im„Vorwärts" teilen wir mit, daß auf Grund des Beschlusses der Versammlung die unterzeichnete Organisation noch einmal versucht hat. mit dem Verein der Brauereien zu verhandeln. Da auch diese Verhandlung abgelehnt wurde, haben die Fahrer in folgenden Niederlagen die Arbeit niedergelegt: Patzenhofer in Köpenick. Kaulsdorf und Tegel; Böhmisches Brauhaus in Te�el und Zehlendorf; Bockbrauerei in Friedrichshagen und Bötzow in Köpenick. Die organisierte Arbeiterschaft bitten wir, Zuzug fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk Groß-Berlin. Fleifcherboykott in Nenkölln. Wir ersuchen die Partei- und Aetverkschaftsgcnossen, ihre Frauen darauf aufmerksam zu machen, daß im heutigen„Vor- wärts" die Liste der Fleischermeister veröffentlicht ist, welche die Forderungen bewilligt haben. Fleisch- und Wurstwären sind nur Ah. Glocke. Berlin. 2rucku.VcrIag:VocwärtSBuchdr.u, verlagZanstgt» in solchen Geschäften zu holen, wo das Plakat(weiß mit rokem Rand) unterzeichnet Paul Bergmann aushängt. Alle Ge- schäfte, in denen das von der Innung und den Gelben heraus- gegebene rote Plakat, unterstempelt vom Polizeipräsidium, aus- hängt, sind boykottiert. Ferner teilen wir mit. daß der Gastwitt Z e m k u S, Kott- buser Damm 32, seine Fleisch- und Wurstwaren nur noch aus Fleischereien bezieht, deren Verhältnisse tariflich geregelt sind. In der Gastwirtschaft L i e b e r t s Nachf., Kottbuser Damm 22, werden Wurst- und Fleischwaren ans boykottierten Fleische- reien verkauft. Zentralverband der Fleischer _ Elisabethstr. 11. Deutfchea Reich. Bom Hamburger Hafen. Die Schiffs- und Slhiffskesselreiniger haben dem verbesserten Tarifverträge mit großer Mehrheit zugestimmt. Ihre Lohnbewegung ist damit beendet. Nach einem kurzen partiellen Streik sind auch die Barkassenführer zu einer Verständigung mit den Unternehmern ge- langt. Sie erreichten eine Erhöhung des Anfangslobnes um eine Mark, während für die bereits Beschäftigten Lohnerhöhungen bis zu 4 M. pro Woche erzielt wurden. Noch nicht erledigt ist die Be- wcguug der bei den sogenannten Ouartiersleulen beschäftigten, Speditionsarbeiter, doch ist zu hoffen, daß es bei erneuten Ver- Handlungen zu einer Verständigung kommt. Dann wäre auch für die letzte große Arbeilergruppe ein Berlragsverhältnis geschaffen. Ausland. Verhandlungen im französischen Seemaunsstreik? Der Ausstand der eingeschriebenen Seeleute dauert in allen französischen Häfen fort. In Marseille haben die Docker beschlossen, ihr möglichstes zu tun, um eine Ausladung der Schiffe, auf denen staatliche Matrosen beschäftigt sind, zu verhindern. In Bordeaux haben die Seeleute noch keinen Beschluß gefaßt. In Algier gibt der Ausstand für den algerischen Handel zu ernstes Besorgnissen Anlaß. Mehrere Senatoren und Deputierte Algeriens ersuchten den Marine- minister, den Schiffahrtsdienst mit Frankreich und Algetteiv insbesondere behufs Besörderung der infolge des Streiks in den Häfen zurückgehaltenen Waren zu sichern. Delcassü versprach die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Der Deputierte Roy kündigte unter Hinweis auf den Seemannsstreik eine Interpellation über die Maßregeln an, die die Regierung zur Beförderung der in der algerischen Häfen lagernden Getreidevorräte zu ergreifen gedenke. Der Minister des Innern hatte am Donnerstagabend 9 Uhr die Vertreter der bedeutendsten französischen Schiffahrlsgesellschaflen zu sich geladen und längere Konferenzen mit ihnen, wobei er ihnen die Ansicht der Regierung auseinandersetzte, die dahin geht, daß der Streik unbedingt in kürzester Frist in friedlicher Weise beigelegt werden müsse. Die Vertreter der Gesell- schatten erklärten sich außerstande, bündige Erklärungen ab- zugeben, versprachen jedoch, die Ansicht der Regierung ihren Gesellschaften mitzuteilen. Die Regierung ist im allgemeinen geneigt, selbst wider den Willen der Streikenden ein Schiedsgericht einzusetzen. Wie aus L e H a v r e gemeldet wird, wird gegen 233 Mattosen und Heizer des TronsportdampferS.La France" ein Zivilgerichts- verfahren vor dem Marinegericht wegen unerlaubter Entfernung von ihrem Schiff eingeleitet werden. Dasselbe Verfahren soll gegen die Mannschaften verschiedener anderer Dampfer eingeleitet werde».— Zweihundert Ausständige verhindetten die Abreise des Dampfers „Dschibuti", der mit der Besatzung eines vormittags in Havre an- gekommenen Dampfers abgehen sollte. Le Havre, 21. Juni. Die hiesigen eingeschttebenen Seeleute haben sich im Prinzip damit einverstanden erklärt, ihren Streit mit den Reedern einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Sie haben sich jedoch eine 24stünt>ige Bedenkzeit bis zu ihrer Entscheidung ausgebeten. Streik der Bahnangestellten auf Sardinien. Auf der Insel Sardinien streiken die Angestellten beider Neben- bahnnetze, weil ein über die Forderungen und Behandlung de» Personals der Privatbahnen in der Kammer eingebrachter Gesetz- entwurf ihren Wünschen nicht entspricht. Letzt* Nachrichten. Ersatz für Roeren im Dreiklassenhaus. Trier, 21. Juni.(P.-C.) Bei der heutigen LandtagSersatz- wähl im Wahlkreise Merzig-Saarburg-Saarlouis wurde an Stelle des zurückgetretenen Abgeordneten R o«"r en Generalleutnant a. D. Freiherr v. Steinäcker(Zentrum) mit 399 gegen 3 libc- rale Stimmen gewählt. Freiherr v. Steinäcker ist Rheinländer und war bis vor kurzem Kommandant von Posen. Der Sieg Tafts im Nationalkonvent. Chicago, 21. Juni.(P.-C.) Bei den weiteren Abstimmungen über den Ausschluß der Delegierten für Taft, deren Mandate von der Rooseveltpartei angefochten waren, zeigte sich ein weiteres Steigen der Majorität für Taft, dem nunmehr 569 Delegierte zu- gesprochen sind, gegen 499 für Rooscvclt. Eisenbahnunglück in England» London, 21. Juni.(W. T. B.) Der Expreßzug Man- chester— Leeds ist heute nachmittag bei Todmorden ent» gleist, wobei drei Wagen ineinandergeschoben wurden, Vier Personen wurden getötet und 2v bis 3l) verwundet. Widerrechtliche Verhaftungen in Portugal. Lissabon, 21. Juni.(W. T. B.) Die Anstifter de? Straßenbahner st reiks und die Mitglieder des Streikkomitees wurden heute in ihren Wohnungen v e r � haftet. Die Straßenbahnschuppen werden bewacht. Karbidexplosion in der Kaserne. München, 21. Juni.(H. B.) Gelegentlich von Hebungen mit der Azethylenbe leuchtung ereignete sich heute in der Pionierkaserne durch Herausspringen der Glasglocke eine Karbidexplosion. Drei Mann wurden schwer verletzt; wäh- rend einer mit leichteren Verletzungen davonkam. Die Pioniere sind dem Eisenbahnbataillon zugeteilt. Zum Brand des Donaudampfers. Budapest, 21. Juni.(W. T. B.) Gegenüber anderweitigen Meldungen erklärt die ungarische Fluß- und See, sch i f fahrt sg esel lschaft, daß bei der Katastrophe deS Dampfers„Kömgin Elisabeth" bei Cernavoda im ganzen drei Personen vermißt lverden. zwei Schiffsangestellte sind ver- brannt. Der Vorderteil des Schiffes, etwa ein Dttttel des ganzen Dampfers einschließlich der Kessel, blieb unversehrt. Auf dem Schiffe hat eine Explosion nicht stattgefunden.(Siehe auch „Aus aller Welt".) SaulSiuLerä Co., Berlin 2\V. Hierzu 3 Beilagen u. UntcrhaltungSbl. Kr. 143. 89. Aahrgavs. 1. KeilM des.Hmiirls" Kerlim WWM ZSttttaM, 22. Iiittl 1912. Die Strafgefetzbucf�novelle. Die Nummer des„Rcichsgesetzblatts". welche die Straf- gesetzbuchnovelle enthält, ist seit gestern zur Versendung gc- langt. Die Vorschriften des neuen Gesetzes treten daher mit dem 5. Juli in Kraft. Die Strafgcsetzbuchnovelle wurde im März 1909 und dann in einer veränderten Form, die den Beschlüssen des Reichstages über Milderung von Strafen in größerem Maße Rechnung trug, im Dezember 1910 dem Reichstage vorgelegt. Sieben den jetzt Gesetz gewordenen Vorschriften enthielt der Entwurf aber insbesondere Bestimmungen über höhere Bestrafung von Beleidigungen, ferner Vorschriften über E r- Pressung und Tierquälerei. Die Vorschläge zur Acnderung der Belcidigungs- Paragraphen enthielten eine schwere Beeinträchtigung ins- besondere der Presse und der öffentlichen Kritik. Die Geld- strafen und Bußen sollten erhöht, der Wahrheitsbeweis ge- hindert werden. In der Kommission wurden diese Be- stimmungen beseitigt. Es gelang aber den Konservativen bei der zweiten Beratung im Plenum am 12. Januar 1911, durch eine heimtückische Ilcberrumpelung die Rcgierungs- Vorlage im wesentlichen wiederherzustellen. Die von der Regierung damals vorgeschlagene Aenderung des Erpressungs- Paragraphen änderte nichts an dem Zustand, daß ehrliche Arbeiter mit dem Makel der Erpressung durch Gerichte deshalb belegt wurden, weil sie von ihrem Recht Gebrauch machten, das Bevorstehen eines Streiks anzukündigen oder Mitglieder zur Organisation zu werben. Vergeblich versuchten die Sozialdemokraten, den Erprcssungsparagraph so zu ändern, daß die Handlungen, deren Charakterisierung als Erpressung das Rcchtsgefühl aller normal empfindenden Menschen aufs tiefste empören müßte, nicht mehr zu strafbaren Handlungen gestempelt werden könnten. Ihre Anträge wurden abgelehnt. Der NegicrungSentwurf enthielt ferner strengere Strafen wegen Tier- quälerei. Diese wurden angenommen, gleichzeitig aber auch ein Antrag des Zentrums, der dafür Sorge trug, daß Schächten nicht ohne weiteres als Tierquälerei erachtet werden könnte. Im Plenum des Reichstages war es den Sozialdemokraten ge- lungen, für Betteln auS Not Straflosigkeit durchzusetzen. Dieser Beschluß fand den lebhaftesten Widerspruch seitens der Regierung. Vergebens bemühten sich im Jahre 1911 insbesondere die Sozialdemokraten, aus der Strafgesetzbuchnovelle das zu retten, was alle Parteien an ihr freudig begrüßt hatten: Milderungen bei einer Reihe kleinerer Delikte und Erhöhung der Straf- minima für Mißhandlungen von Personen unter 18 Jahren, sowie die Erweiterung des Begriffes der Tierquälerei. Der Kompromiß scheiterte daran, daß die wirtschaftliche Ver- cinigung und ein Teil der Nationalliberalen an der Straf- losigkeit einer religiös vorgeschriebenen Schlachtmethode An- stoß nahm, während das Zentrum glaubte, die völlige Aus- scheidung der Tierquälereivorschriften nicht verantworten zu können. So scheiterte ein Kompromiß in dein im Dezember 1911 aufgelösten Reichstag. In der letzten Session brachten die Sozialdemokraten die kleine Strafgesetzbuchnovelle unter Fortlassung der Vorschriften über die Beleidigung und Er- Pressung, so wie in der zweiten Lesung der Reichstagssession 1911 beschlossen war, als Initiativantrag ein. Nunmehr einigten sich alle Parteien dahin, daß die Straf- gesetzbuchnovelle in dieser Form, aber unter Aus- scheidung der Vorschläge über Tierquälerei und Betteln, als gemeinsamer Initiativantrag ein- kleines feuilleton. MusiklSrm. Karl Kraus sagt einmal irgendwo:„Wenn zwei Deutsche zusammen sind, so gründen sie einen Verein. Stirbt der eine, so erhebt sich der andere zum Zeichen der Trauer von seinem Platzt Einen„Antilärm" zu gründen, bekommen nur Deutsche fertig. Immerhin, es gibt ihn. Der Lärm spielender Kinder auf den Straßen... baut Spiel- Plätze I— Babygeschrei in den Wohnungen... Rabitzwände— zwei Schwurfinger der Bauschieber dick. Teppichklopfen, Hnndewauwau, die Straßenbahnen—: alles ist noch zu ertragen. Aber wie. wenn eine o-fötmig den Mund öffnet, eine den Klavier- seffel höher dreht, einer das Kolophonium zückt?— Hier läßt uns alles im Stich: die Justiz, die ein Ausziehen nicht für gerechtfertigt hält— saus der Stelle würden die Wirte die Kontrakte ändern), die Verwaltung, die sich, wenn sie Polizei heißt, eher damit befaßt, die Parteiangehörigkcit der Droschkenpferde zu ermitteln,— wir sind geliefert. Das hämmert, da? gackert, das kratzt und lärmt. Wenn es noch gute Musik wäre!— Wenn es noch eine stille Stunde wäre, die dem Nachbar eingibt: Du mußt jetzt emmal ein schönes Volks-- lieb spielen, einen Tanz.... ES ist sin. den meisten Fällen) die schmierige Eitelkeit, sich durch diesen Lärm herauszustellen. Die Musik wird überschätzt. Wenn einer zu stumpf ist. je ein ordentliches Buch zu lesen, zu dumpf, sich um Politik zu kümmern: Musik wird in seinem Haus gemacht.(Sie wird gemacht: da ist sie nicht.)— Nichts gegen gute Konzerte, gegen schöne Wanderlieder, rhythmische Lustigkeit— nur nicht diese? kleinbürgerliche:»Meine Tochter muß Klavierstunden haben." Nein! sie muß nicht. Es ist geradezu fürchterlich, daß man keine drei Häuser weit mehr gehen kann, ohne dieser Musikpest zu begegnen, die die Gesunden, Nichtbeteiligten ansteckt, aber die Aus- über leider nicht tötet... ES will nichts, aber auch gar nichts heißen, daß eine den Schubert ganz hübsch singen kann, eine andere den LiSzt geläufig spielt. Na und—? Sie tun eS nicht, sicher nicht, nur, um ihre Mitmenschen mit der fertigen Leistung zu erfreuen. Es ist eine liebe, aufgeblasene Eitel- keit, die uns das Leben, nein die Wohnung zur Hölle macht. Künstler tun das nicht. Es sind bourgeoise Dilettanten, die sich und die Musik überschätzen. Man sollte sie in ihre Klaviere sperren. tu. Die Wahrscheinlichkeit eines erneute» heißen Sommers. Zweifellos befindet sich, so lesen wir in der..Umschau", Mittel- curopa seit Jahresfrist in einer Periode absonderlicher, unnormaler Witterung. Auffallend war die lange und große Hitze des Sommers tZt t, ebenso die außerordentliche Dürre des letzten Jahres, sowie die eigenartigen Temperaturverhältnisse des Winters 1ÜU/l2. Nach den bisher gemachten Wetterbeobachtungen glaubt R. Hcnnig, daß der bevorstehende Sommer ebenfalls häufigen Witterungswechseln ab- geneigt sein wird; es dürfte daher ein abermaliger, recht heißer und wahrscheinlich auch dürrer Sommer in diesem Jahre zu erwarten sei». Tiefe Vermutung läßt sich auch theoretisch bis zu einem ge- wissen Grad- stützen. Es ist sicher, daß die Ursache der großen Hitze- und Türreperiode des Sommers tblt in einer ungewöhnlich weit Aach Norden reichendes Ausdehnung des sogengsslen Azorennigxi- gebracht werde. Dieser Antrag ist am 8. März vom Reichs- tag in dritter Lesung verabschiedet. Die nunmehr Gesetz gewordene Strafgesetzbuchnovclle enthält folgende Aenderungen gegenüber dem bestehende» l. Milderungen. 1. Nach dem bestehenden Gesetz muß der Hausfriedens- bruch, wenn er von einer mit Waffen versehenen Person oder von mehreren Personen gemeinschaftlich begangen ist, von Amts wegen verfolgt werden und ist mit Gefängnis von mindestells einer Woche bis zu einem Jahre bedroht. Nun-' mehr � ist die Verfolgung aller Arten von Hausfriedensbruch von einem Antrag abhängig gemacht, dessen Znrücknahine zu- lässig ist. Das Minimum der Freiheitsstrafe ist auf einen Tag herabgesetzt und statt der Freiheitsstrafe Geldstrafe von drei Mark bis zu 1000 M. zugelassen. Es sollen aber künftig- hin auch abgeschlossene, zum öffentlichen Verkehr bestimmte Räume, wie Personenabteile in Eisenbahnzügen, Straßenbahn- wagen, Omnibusse, den strafrechtlichen Schutz gegen die Ver- letzung des Hausfriedens genießen. 2. Die Vorschriften für Arrestbruch, Siegelbruck), Ver- eitelnng der Zwangsvollstreckung, Nötigung einer Behörde oder eines Beamten zur Vornahme oder Unterlassung einer Amts- Handlung, Freiheitsberaubung, Ucbertrctung von Maßregeln zur Verhütung der Einführung einer Krankheit. Entziehung Miuderjährigcr den Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten gegenüber kannten bis jetzt nur Gefänguisstrafe. Sie sind dahin geändert, daß auch Geldstrafe statt Gefängnisstrafe zu- gelassen ist. 3. Aus Not begangene Delikte. Der Kritik, daß Dieb- stähle und Unterschlagungen von geringfügigen Gegenständen, insbesondere wenn sie aus Not begangen sind, mit drakonischen Strafen belegt werden mußten, kommt die Novelle etwas ent- gegen. Nach dem geltenden Recht muß, wer zum drittenmal gestohlen hat, mit mindestens drei Monaten Gefängnis, und wenn ihm mildernde Umstände versagt werden, mit Zuchthans bis zu zehn Jahren bestraft werden, auch wenn es sich nur um ganz geringwertige Gegenstände handelt und bitterste Not zur Tat gedrängt hat. Eine mildere Bestimmung— Haft bis zu sechs Wochen oder Geldstrafe bis zu 150 M.— tritt nach§ 370 Ziffer 5 Str.-G. ein, aber nur, wenn es sich um Nahrungs- oder Gcnußmittcl handelt, die in geringen Mengen zum alsbaldigen Verbrauch entwendet worden sind. In solchem Falle tritt eine Verfolgung außerdem nur auf Antrag ein. Das neue Gesetz schlägt nach mehreren Richtungen hin Milde- rungen vor. Es soll, auch wenn es sich um einen Rückfall handelt, die Entwendung und Unterschlagung geringwertiger Gegenstände, wenn sie ans Not erfolgt ist, mit Geldstrafe bis z» 399 M. oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft werden. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein, die Zurück- nähme des Antrages ist zulässig. Die gleiche Strafmilderung und Abhängigmachung der Strafverfolgung von einem zurück- nehmbaren Antrag billigt ein neuer§ 264-» des Strafgesetzbuchs dem zu, der aus Not sich oder einem Dritten geringwertige Gegenstände zum Schaden eines anderen dnrch Täuschung verschafft. Die Novelle hat ferner die Geltung des§ 370 Nr. 5 auf die Entwendung von Gegenstände» des Hauswirt- schastlichen Verbrauches überhaupt ausgedehnt und auch die Nnterschlagniig solcher Gegenstände ebenso wie die von Nahrungs- und Genußmittcln in diesen Paragraphen ein- gefügt. Mußte bislang, wer auch nur ein wenig Holz, Kohlen oder sonstiges Brennmaterial entwendete oder unterschlug, um sich oder seine Angehörtgen vor Kälte zu schützeu, nach dem bestehenden Gesetz mit Gefängnis und wenn es sich um so- genannten Rückfall handelte, mit Zuchthaus oder mindestens drei Monaten Gefängnis bestraft werden, so ist jetzt die Ver- folgung aller dieser Delikte von einem zurücknehmbaren An- trag abhängig und als Strafe nur Haft oder Geldstrafe bis zu 150 M. zulässig. II. Strafverschärfungen. Die öffentliche Kritik, die sich an die hinimelschreienden, von sozialdemokratischer Seite aufgedeckten Brutalitäten in Erziehungsanstalten— wie Blohmcschc Wildnis(Prozeß Collandcr) und Micltschin(Pastor Brcithaupt)— und an andere brutale Mißhandlung Wehrloser anschloß, hat zu einer Strafverschärfung für Mißhandlungen von Kindern unter 18 Jahren oder von Personen, die wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlos sind, geführt. Das neue Gesetz schreibt als Strafminimum für Körper- Verletzungen„gegen eine noch nicht 18 Jahre alte oder ivegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die der Fürsorge oder der Obhut des Täters untersteht oder seinem Hausstände angehört oder die der Für- sorgepflichtige der Gewalt des Täters überlassen hat", zwei Monate Gefängnis vor. Die Verfolgung solcher Körpcrvcr- letzungen geschieht von Amts wegen, so daß künftighin(jrau- same oder boshafte Mißhandlung zum Beispiel von Lchrftngc» oder Gefinde unter 18 Jahren ohne Antrag verfolgt werden muß. Die Versuche im Reichstag, das Schutzalter auf 21 Jahre zu erhöhen, scheiterten an dem Einwand, den Konservative und die Regierung erhoben, daß ja dann auch rohe oder boshafte Soldatenmißhandlungen von Amts wegen verfolgt und mit einer Mindeststrase von zwei Monaten Gefängnis bestraft werden müßten. III. Durch Acnderung des§ 355 hat die Novelle die durch eine öffentlichen Zwecken dienende Fernsprechanlage ver- mittelten Nachrichten dem strafrechtlichen Schutz gleichgestellt, die die in einer Telegraphcnanstalt anvertrauten Depeschen genießen. Die Mindeststrafe ist von drei Monaten auf einen Tag Gefängnis fiir das Vergehen aus Z 355 herabgesetzt. Endlich ist einem alten Praktisch zienilich bedeutungslosen Wunsch der Schlosser entsprechend Z 369 Absatz 1 Nr. 1 des Strafgesetzbuches dahin geändert, daß nicht nur Schlosser, die unbefugt Hausschlüssel anfertigen oder ohne Erlaubnis der Polizeibehörde Nachschlüssel oder Dietriche verabfolgen, sondern alle Personen, die dergleichen tun, mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft bis zu vier Wochen bedroht werden. Es sei darauf hingewiesen, daß die neuen Vorschriften, soweit sie Strafmilderungen betreffen oder die Strafverfolgung von einem Antrag abhängig machen, auch für schwebende Strafverfahren von Geltung sind. Wer also nach dem 4. Juli in irgendeiner Instanz abgeurteilt wird, ist nach dem milderen Strafgesetzbuch zu beurteilen. Das ist für alle jene Fälle von Wcscntlichkeit, wo in erster Instanz gegenüber einem aus Not begangenen Delikt die drakonischen Strafen des be- stehenden Rechts haben angewendet werden müssen und die Bemfung nach dem 4. Juli verhandelt wird. Der Schaplroprozeß. Darmstadt, 21. Juni(Privattelegramm des„VorTBärlS"). Bei der heutigen Verhandlung über die Nachtragsklage des Beigeordneten Berndt dreht eS sich um ehrenrührige Vorwürfe, d!b'- der Angeklagte Hirsch aus anderen Blättern im Anschluß au seine Verurteilung abgedruckt hat, obwohl er aus dem ersten Prozeß wußte, das? sie nicht begründet waren. Darunter ist ein Artikel Theodor WolffS vom„Berliner Tageblatt", betitelt„Der Kampf mit dem Drache n", in dem es hieß, der Beigeordnete Berndt habe ein gegebenes Eheversprechcn nicht gehalten. Ferner fühlt sich Berndt beleidigt durch die Verbreitung cincS Briefes, mums zu suchen war, das zumeist in den südwestlich von Europa gelegenen Teilen des Ozeans, ettva mit einem Kern bei der Azoren- gruppe zu finden ist. Manche Anzeichen sprechen nun auch Heuer für ein solches Verhalten des Azorcnminimums. Im Vorfrühling lag das entscheidende Maximum nicht im Süden, sondern im Osten Europas. Seit Ende März ist das Azorcnmaximum bereits mehrfach aus der Wetterkarte erschienen. Ob es im Sommer weit genug nach Norden vordringen wird, ist sehr wahrscheinlich, denn schon in den letzten Monaten war es auffallend, wie selten die vom Ozean kom- Menden Depressionen bedeutenderen Einfluß auf die Witterung Mitteleuropas erlangten: die Regcnfälle waren weder häufig noch ergiebig, und die Frühjahrsstürme fehlten bis nahezu Ende März vollständig, erst Ende März machten sie sich bemerkbar. Sollte also das Azorenmaximum an Ausdehnung jetzt wieder zunehmen, und die barometrischen Minima noch weiter von Europa abgedrängt wer- den. so dürften Niederschläge seltener werden und der vorjährige Wettertyp wieder eintreten. Dies ist um so wahrscheinlicher, als wir seit Mitte April dasselbe charakteristische Frühlingswetter wie im Frühjahr IStl haben. Aber noch ein anderer Grund spricht dafür. Die Geschichte der Witterung Mitteleuropas lehrt, daß ver- hältnismäßig häufig die warmen Sommer gruppenweise auftreten. Theater. Beide Schiller-Theater warteten vorgestern mit „Premieren" auf. Im Charlottenburger Hause gab es„Das Konzert" von Hermann Bahr. Der Eindruck, daß diese auch in der Freien Volksbühne bereits aufgeführte Komödie eins der besten deutschen Lustspiele überhaupt, nicht nur der letzten Jahrzehnte sei, daß sie, ihren Reiz behauptend, ein bleibender Besitz der Bühnen werden müßte, wurde durch die Vorstellung des Schiller-Thcaters neu be- kräftigt. Wenn in der Leffing-Theater-Premiere vor ein paar Jahren hochberühmte Kräfte zusammenwirken, so fehlte hier jeder bekanntere Name. Dennoch war die Wirkung zündeild, kam die graziöse, nachdentlick lustige Ironie der Szenen aufs glücklichste heraus. Karl N o a ck. der den komödiantisch launenhafte» Virtuosen Heink, das gehetzte Opfer weiblichen Anbetungsbedürsiiisses spielte, hatte eine Maske, die die Last der Jahre allzu stark unterstrich und zu der faszinierenden Anziehungslraft des Helden den Damen gegenüber nicht recht stimmte. In allem Ucbrigen aber brachte er die Wesensart und Tragikomik des eitel aufgeblasenen, maßlos verwöhnten Kindskopfes, der nie daran gedacht, daß seine Frau sich einstmals bei ihni revanchieren könne, mit trefflichem Humor zum Ausdruck. Fanny Wolf, die sonst in älteren Fraucnrollcn auftritt, gelang die geistvoll-spöttische lebenskluge KünstlerSgatlin, die in unerschöpflicher Geduld und scherzend, als sei es nichts, die Untreue des„großen Mannes" trägt, über jedes Erwarten. Güte, Resignation, Munterkeit und Witz ergänzten sich in der diskreten Darstellung zu einem lebensvoll in sich geschlossenem Ganzen. Auch die angeborene, etwas bedächtig phlegmatische Klangfarbe des Organs gliederte sich passend dem Charakierbilde ein. Zu einer hervor� ragenden Leistung, die selbst die Vergleichung mit der Lessing-Theatcr Premiere nicht zu scheuen brauchte, erhob sich A l f r e d B r a u n in der schwierigen, beim Lesen in einer Fülle glänzender Epigramme zerfallenden Rolle des philosophierenden Dr. Jura. DaS breite blasse bartlose Gesicht unter der blonden Mähne, der gutmütig süßliche Mund, die feurigen intelligenten Augen hinter den blanken Brillengläsern, die drollig eindringlichen Gestikulationen, die lindlich-temperameutvolle Vergnügtheit— alles griff ineinander, um deni quecksilbern-übermütigen Raisonncur zu- gleich den Anschein einer leibhaft wirklichen, psychologisch-einheitlichcn Persönlichkeit zu leihen, die Freude an dem sprühenden Feuerwerk der Paradoxien durch Illusion zu steigern. Die Aufführung, von der Regie des Herrn Walter H o r st aufs sorgsamste gefeilt und vorbereitet, reiht sich den besten Abenden des Schiller-Theaters au. Jede Pointe des Dialogs fand Resonanz im Publikum, das sich offenbar von Herzen freute, einmal, anders als bei den Dutzend- Lustspielen und»Schwünlen, auch mit Berstand lachen zu dürfen. dt, Im Schiller-Theater O. kam Richard Skowronnek mit dem Schwank„ H o h e P o l i t i l" zu Wort.„Olle Kamellen" in neuem Älifguß; ein Portiönchen Scribesche Jntrigeuhaftigkeit und übermäßig viel Schablone, bei ziemlich lederner SituationS- komik. Aus dem jungen Herzog Ottomar konnte selbst Georg Paeschke nichts Befferes als einen lackierten Uniformständer machen, und an dem von Richard Wirth übernommenen Minister Pfundtmann wirkte lediglich die BismarckmaSke komisch. Die anderen? Dr. Billung(Fritz Achterberg), seine Frau, die Malerin(Gertrud D e t t m a» n), der Leibkammerdiener Mcck (Martin Hartwig) Durchschnittspuppenspiel. Die Prinzessin Adalgisa(Hilde Engel) ist der Annaliese deS alten Deffauer nach- gemacht. Sie schwäbelt so schlecht, als sie unecht geraten ist. Ais Lichtpatze», frisch, ungeniert, mag das Dienstmädchen Rosa in der Haut Hella ThorneggS gelten. Hingegen schnitzte Skowronnek— obwohl reichlich aus altem Holz— eine drollige Schwauksigur in Jonas, dem jüdischen Kommissionär aus Rakel. Und Max Gülstorfs verlebendigte diesen gerissenen, dennoch gutmütigen Schnorrer wirklich famos. Er entschied den Lacherfolg.«. k. Notizen. — Das Interessanteste am neuen Opernhaus w>crden— die höfischen„Rcpräscntationsräume" sein, als da sind: die große Hoflogc(80 Sitze), ein„Vor-" und ein„Jnncn-Salon", ferner ein 200 Quadratmeter großer Salon und ein 00 Quadrat- meter großer Speisesaal. Fast scheint's, als sei der Zuschauerraum Nebensache. Und dafür 12 Millionen Mark Baukosten! — Direktor Reinhardt will den Sportpalast in der Potsdamer Straße für seine.,Fünftausciid"-Thcatcrci pachten, um darin Zirkus zu mimen. —„Schloß Weit erst ein", ein Wedekindscher Einakter- zyklus wurde für die nächsten Kammcrspicle des Deutschen Theaters erworben. — Eine Frcilicht-Aufführung von„Wallen- st eins Lager" will die Jenaer Studentenschaft Mitte Juli aus dem Tatzcnd veranstalten. Wie es bei studentischen„Kunst"-Lcijtun- gen hergehe» mag, läßt sich aus einer Nachricht aus Lauchstädt er- sehen. Danach haben die Leipziger Nikolaischüler gelegentlich ihrer „Räubcr"-Vorstcllung dermaßen vandalijch gehaust, daß der Landes- Hauptmann für die Wiederherstellungsarbcitcn der Bühne 200 Mark Schadenersatz fordert... — August StrindbcrgS Werke werden in cuglischcr Sprache in London erscheinen, Ellin Echlcußncr besorgt die Uebex- tragung.""'r- Sftt n vis ReferwvR: 1899/1900 oh fein damaliges Verhältnis geschrieben hat, der jenes Eheversprechen enthalten soll. Der Angeklagte hat den Brief photographieren lassen und in Mainz herumgezeigt. In dem zur Verlesung kommenden Briefe spricht der damalige Referendar Berndt davon, Auditeur zu werden und bald eine Stellung zu haben, auf die hin er heiraten könne, so daß dann der gemeinsame Herzenswunsch in Erfüllung gehen könne. Wenn sie auch noch zwei Jahre warten müßte, so sei das doch noch zu ertragen: er erwarte indessen, daß die Adressatin ihr ständiges Mißtrauen aufgebe und verweist zum Schluß auf Schwierigkeiten, die unter anderem im Glaubcnsunterschicd liegen. Die Empfängerin dieses Briefes sagte heute als Zeugin aus, daß sie mit Berndt nicht verlobt war. Den Brief fasse sie aber als ein Eheversprechen auf. Die Beziehungen zu Berndt wurden definitiv pelüft im Jahre 1903 infolge persönlicher Zwistigkeiten, die aus einem Maskcnballbesuch entstanden waren. Die Zeugin erklärt, daß sie Berndt nichts vorzuwerfen habe; sie wünsche ihm alles gute:..schön wars aber nicht". Der Angeklagte habe sie selbst um den Brief Berndts ersucht mit der Angabe, er gebrauche ihn zur Begründung seiner Revision. Auf Befragen bestätigt die Zeugin, daß sie den Brief nur zu diesem BeHufe ausgehändigt hatte. Sie habe dem Hirsch ausdrücklich gesagt, er könne keinen anderweitigen Gebrauch von dem Brief machen. haben würde wenn sie gewußt hätte, daß er photographiert werden Eine Frage des Staatsanwalts, ob sie den Brief herausgegeben solle, beantwortet die Zeugin mit einem bestimmten Nein. Weiter hat der Beigeordnete Berndt neuerdings geklagt wegen des versteckten Borwurfes des Meineides. Hierzu bekundete der Stadtverordnete Weiß: Der Angeklagte habe ihm die mehrerwähnte Briefphoiographie zu lesen gegeben mit der Bemerkung, daß Berndt das Eheversprechen unter Eid in Abrede gestellt habe. Darauf hat der Zeuge gesagt:„Ja, da hat er ja einen Meineid geschworen", worauf der Angeklagte erwiderte:„Und noch andere." Auch wei- tere Zeugen bekunden, den photographierten Brief gelesen zu haben. In der Nachmittagslsitzung wurde die viel erörterte Razzia verhandelt, bei der Frau Schapiro nach der Behauptung des Angc- klagten einem Polizeianwärter Vorwürfe gemacht haben soll, daß er eS nicht richtig anfasse, die Mädchen nicht durch Lächeln usw. animiere. Der betreffende Polizeianwärter, jetziger Polizei- tommissar in Halle Stoehring, der als Zeuge auftritt, scheint alles andere eher zu sein als eine Leuchte seiner Zunft. Nach seiner Aussage hat damals, als die Razzia ergebnislos verlaufen war, Frau Schapiro zu ihm gesagt, er mache ein viel zu ernstes Gesicht, er müsse die Mädchen anlächeln und dann anreden. Die Polizei- assistentin Frau Schapiro bestreitet ganz entschieden diese Bemer- kung. Auch der Kriminalschutzmann Belzer, der mit bei der Partie war, kann sich auf eine solche Aeußerung nicht entsinnen. Frau Schapiro will nur gesagt haben, ihr' Mann, der Wissenschaftler ist, würde sich gerade so angestellt haben. Der damalige Polizei» anwärter hat nämlich, als die Teilnehmer des Streifzuges auf dem Nachhausewege waren, ein Mädchen, das sich in einer engen Gaffe herumtrieb, angesprochen. Das Mädchen habe ihm geantwortet, eS heiße Mignon Lugnet(Lügenicht) und komme aus einer Näh- stunde. Da habe er es laufen lassen. Die beiden anderen haben ihn daraufhin ausgelacht. Das Mädchen war nämlich verdächtig und eine polizeilich sehr gesuchte, schon vielfach vorbestrafte ge- schlechtskranke Person. Wie weiter festgestellt wird, hat dieser jetzige Polizeikommissar in Halle damals als Polizeianwärter in Mainz einmal einen vermeintlichen Bettler sistiert, der sich dann als Mitglied des Mainzer Karnevalvereins entpuppte. Diese Fest. ftellung rief große Heiterkeit im Auditorium hervor. Nach der Bekundung der Frau Schapiro hatte sie jene Razzia unternommen. um junge Mädchen zu suchen, die sie als Pfleglinge hatte. Auf die Frage eines Beisitzers, ob es auch vorkomme, daß bei solchen Streifen auch anständige Mädchen sistiert würden, antwortete der Zeuge Belzer, daß sie sich immer erst die Mädchen betrachten, und dann kennen sie doch zumeist die in Betracht kommenden Per- sonen, nach denen gestreift wird. Zu ihm hat Frau Schapiro nie gesagt, er solle die Mädchen anlächeln usw. Er sehe auch gar nicht so aus, kokettieren zu können. Das Gericht und das Publikum nahmen dieses Selbstporträt des Zeugen mit schallender Heiter- keit auf. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. U. GemalversWinluiig des Deutschen Teztilarbeiter- Verbandes. Stuttgark, 20. Juni. Bierter Berhandlungstag. Zur Debatte gelangen die»um Statut gestellten Anträge. DaS Vorstandsmitglied Prillw'tz beleuchtete in längeren Ausführungen vor allem die Anträge, die eine Belastung der Kasse bedeute».— Ohne Generaldiskussion wurde gleich m ine©pezml- be&atte eingetreten. Vorher wurde folgender Antrag, das Tarif- Wesen betreffend, angenommen: „In jedem Gau kann erne Zentral tat t f ro m- Mission eingeseht werden, die Verbindung mu den örtlichen Tarifkommissionen und dem Tarifamt des Zentralvorstandcs haben muß. Bei Ausarbeitungen von Tarifen und Statistiken zu Lohnbewegungen hat dieselbe gemeinsam mit dem Gau- vorstand zu beraten und zu beschließen. Werden auf Kon- ferenzen tarifliche oder statistische Angelegenheiten verhandelt. dann muß die Tarifkommisfion vertreten sein. Die Vertreter sind von der Tarifkommission selbst zu wählen. Die Kosten trägt die Gaukassc. Ihre Sitzungen hält die Gautarifkoinmi,s,on nach Bedarf ab. Ueber dieselben ist ein Protokoll zu fuhren. Ein Vorsitzender und ein Schriftführer, die von der Komm,,ston gewählt werden, haben die Sitzungen zu leiten. DaS Tarifamt deS Zentralvorstandes ist von allen Vorgängen rechtzeitig zu unterrichten, damit, wenn notwendig,«ine Vertretung entsmwt werden kann." � � �- Eine längere Debatte verursachte ein Antrag, oer btc Auf- kjebung der 40 Pf.-Beitragsklasse. die heute die niedrigste ist, forderte. In namentlicher Abstimmung wurde derselbe mit 121 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Ein weiterer Antrag, für Mitglieder, die infolge A l t e r oder Invalidität erwerbsunfähig werden oder für solche, die zeitweise ihren Beruf nicht mehr ausüben können oder den- selben aanz an fa eben und in keinen anderen Beruf eintreten, eine Beitragsklasse von vielleicht 20 Pf. zu schaffen unter entsprechender Reduzierung der Unterstützungsberechtigungcn. wurde dem Vorstand überwiesen. � � Ortsgruppen, die mit ihren am Ort verbleibenden Beitrags. Prozenten dauernd nicht auskommen, müssen Lokal- »uschläge erheben. Der tz 6 des Statuts, das Beitragswesen betreffend, wird dahin erweitert, daß Filialen unter näher bezeichneten Voraus- sebungen auch für einzelne Branchen innerhalb der Filiale «inen höheren äls den statutenmäßigen Mindestbeitrag festsetzen können.- Die 10 Pf.-Beitragsklasse für Jugendlich e wurde abgeschafft, so daß fürderhin für Jugendliche b,S zu 17 Jahren ein Beitrag von 20 Pf. besteht. Im Statut werden überall die Worte„jugendliche" resp.„jungen" gestrichen.— Das Kintrittsgeld wird von 30 auf SO P f. e r h o h t. Es bleibt den Filialen überlassen, bei wiederholtem Eintritt höheres Eintrittsgeld zu erheben. Jede Ausdehnung des Unter st ützungswesenS wird durch die Annahme des Antrages Langenbielau abgelehnt, die Kranken-, Sterbe-, Reise-, Umzugs- und Notstandsunterstützung nicht noch weiter zu erhöhen, sondern die Beiträge mehr zu Kampf- zwecken zu verwenden. Die danach noch gefaßten Beschlüsse zum Unterstützungswesen bezwecken denn auch nur, Unebenheiten im Unterstützungswesen zu beseitigen. Zum Streikreglement wird beschlossen, daß unver- heiratete Mitglieder, die Alleinernährer der Familie sind, bei Streik oder Maßregelung für die G e s ch w i st e r unter 14 Jahren gleichfalls die Unterstützung für Kinder erhalten, ferner, daß die Streikunterstützung vom e r st e n Tage an gezahlt wird (bisher vom dritten). Am Freitag wird llie Beratung der Anträge weitergeführt. Sozialed. Generalversammlnug der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine. Am Donnerstag fand im Anschluß an den am Mittwoch geschlossenen Genosscnschaftstag die Generalversammlung der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine statt. Die Oeffentlichkeit wurde jedoch ausgeschlossen, unser Berichter st atter nicht zugelassen. Jetzt wird von einer Korrespondenz, der die Anwesenheit gestattet war, ein Bericht über die Tagung versendet. Selbstredend lehnen>vir die Aufnahme eines solchen Berichts ab. Unsere Leser werden mit uns der Ansicht sein, daß der Ausschluß der Oeffentlichkeit und die Brüskierung der Presse, wie sie die Leitung dieser General- Versammlung geübt hat, durchaus zu verurteilen ist. Dieses Gebaren geht noch weit über bureaukratische Geheimnis- krämerei bürgerlicher Vereine. Die Oeffentlichkeit und die Konsumvereine haben ein Recht darauf, daß die durch und für die Arbeiter gegründeten Institutionen in vollster Oeffent- lichkeit verhandeln und nicht die Arbeiterkonsumvereine und deren Werk durch bureaukratischcn Unverstand aufs schwerste schädigen. Die Leitung der Großeinkaufsgesellschaft ruft durch ihren einer Arbeitervereinigung unwürdigen Versuch, die Presse zu bevormunden, den Anschein wach, daß von den Maßnahmen der Großeinkaufsgesellschaft etwas vor der Ar- beiterklasse zu verbergen sei. Die Konsumvereine sollten gegen ein solches Vorgehen mit Entschiedenheit sich wenden und auf ihren Generalversammlungen Rechenschaft verlangen. Arbeiterfeindlichkeit der A. E. G. In dem Betriebe der A. E. G. war ein sogenannter Werkver- ein, d. h. ein gelber Berein, gegründet worden. Die neu gewönne- nen Mitglieder desselben entfalteten eine rege Agitation für den- selben. Diejenigen Arbeiter, welche dieser Art Organisationen mit einem Gefühl äußersten Widerwillens gegenüberstehen, fühlten sich durch diese Agitation belästigt. Sie wählten eine Kommission, wel«he bei der Direktion wiederholt vorstellig wurde und um Abhilfe bat. Diese wurde auch jedesmal versprochen, es blieb aber immer beim alten, nur mit dem Unterschied, daß zuletzt die Meister selbst die Agitation in die Hand nahmen und jeden einzeln bearbeiteten. Die Kommission wurde nochmals vorstellig und wies darauf hin, daß doch laut Arbeitsordnung jegliche Agitation innerhalb des Be- triebe» verboten sei. Die Direktion ließ jetzt die Maske fallen und erklärte, daß die Arbeitsordnung nur für die Arbeiter gelte, nicht aber für die Meister. Diese Antwort bewog am 24. Februar d. I. 400 Arbeiter zu einem Beschluß, die Arbeit nicht wieder aufzuneh- men. Nach Beilegung des Streiks wurden viele Arbeiter nicht wie- der eingestellt. Zu diesen gehörte auch der Zählerkontrolleur S., welcher 11� Jahre bei der A. E. G. beschäftigt gewesen war. In seinem Zeugnis wurde ihm bestätigt, daß man mit seinen Leistun- gen und seiner Führung zufrieden gewesen war. Doch wäre die Direktion der A. E. G. wahrscheinlich von ihrer Tradition abge- wichen, wenn sie dem Arbeiter nicht noch ein Kennzeichen aufge- drückt hätte. Sie fügte deshalb dem Zeugnis noch den Satz hinzu, daß der Kläger unter Kontraktbruch die Arbeit verlassen habe. Vor dem Gcwerbcgericht stützte sich die Beklagte auf eine Entscheidung des Landgerichts, wonach eine derartige Eintragung in ein Zeug- nis zulässig sei! Die Kammer 5 verurteilte jedoch die Beklagte, dem Kläger ein Zeugnis auszustellen, in dem der angefochtene Passus fehlt. Bc- gründend führte der Vorsitzende,- Magistratsrat Wölbling, auS, daß zwar die Arbeitsniederlegung nur am Schluß des Tages hätte ge- schehen dürfen und der Kläger, da dies nicht geschehen sei, un- zweifelhaft gegen den Arbeitsvertrag verstoßen habe. Wenn ober ein Zeugnis über die Führung ausgestellt werde, so müsse die Füh- rung zusammenfassend während der ganzen Beschäftigungsdauer beurteilt werden; geringfügige Einzelmomente müssen außer acht gelassen werden. Im Vergleich zu der anerkannt guten Führung während annähernd 12 Jahren sei aber der vorliegende Verstoß ein geringfügiges Rtoment. Die Beklagte sei daher nicht berechtigt, dieses einzige Vergehen in dem Zeugnis zu vermerken. Serickts-Leitung. Wodurch man auf der Straße„die Ordnung stören« kann! Am 7. Mai, mittags gegen ZH2 Uhr, entstand vor dem Hause Neue Schönhauser Straße 17 eine Menschenansammlung, wie sie hier wegen der Nähe des Pfandkammerlokals öfter vorkommt. Es ereignete sich zwar nichts Besonderes, aber ein Schutzmann war so- gleich zur Stelle und suchte sich nützlich zu machen, indem er sich bemühte, die Neugierigen zu„zerstreuen". Nachdem er einige Male gemahnt hatte, weiterzugehen, und diese Ausforderung durch tatkräftiges Eingreifen unterstützt hatte, bemerkte er auf dem Bür- gersteig einen Maler KurkopSti, der sich eine Zigarette anzündete. den nahm er mit zur Polizciivachc, weil er meinte, daß Kurkowski die auch an ihn gerichtete Aufforderung nicht befolgt habe. Unter- Wegs legte der Schutzmann ihm bald die Handfessel an, so daß Kur- koivski, der heftige Schmerzen empfand, in seiner Verwirrung „Hilfe" rief. Einige Tage nachher schickte die Polizei ihm ein Strafmandat. Er habe, las er darin, in verkehrshindernder Weise auf den Granitplatten des Bürgersteiges gestanden, habe der mehr- maligen Auftordcrung weiterzugehen nicht Folge geleistet und habe bei seiner Sistierung durch lautes Lärmen einen Auslauf erregt. Diese drei Uebertretungen sollte er mit zusammen 9 M. Geldstrafe büßen. Da Kurkowski hiergegen Widerspruch erhob, so hatte am Don- nerstag das Amtsgericht Berlin-Mitte zu entscheiden. Der Angeklagte erklärte, stehen geblieben sei er nur. um sich ein« Zigarette anzuzün- den, die er soeben in einem benachbarten Laden gekauft hatte. Als er festgehalten wurde, habe er dem Schutzmann ruhig gesagt:„Ich habe doch nichts getan." Der Schutzmann habe jetzt sogleich mit den Worten:«Ach so, Du willst noch Widerstand leisten!" ihm die Fessel angelegt. Weil die Hand anschwoll und die Fessel trotz Bitten nicht gelockert wurde, habe Kurkowski, so gab er weiter an, vor Schmerz unwillkürlich„Hilfe" gerufen. Hierzu habe der Schutz- mann gesagt:„Jetzt kriegst Du noch ein Strafmandat wegen groben Unfugs!" Diese Darstellung des Angeklagten wurde in ihrem ersten Teil durch einen Zeugen unterstützt, durch einen Arbeiter Robert Schulze, der die Vorgänge bis zur Sistierung beobachtet hatte. Schulze bekundete, daß Kurkowski, als der Schutzmann zum Weitergehen mahnte, noch gar nicht dabei gewesen sei. Nachher habe er gesehen, wie Kurkowski, an der Haustvand stehend, sich eine Zigarette anzündeke. Kurkowski sei, als der Schutzmann nmi auch ihn mahnte, sofort weitergegangen, indem er ganz anständig sagte: „Herr Wachtmeister, ich habe mir nur eine Zigarette angeraucht". Darauf habe der Schutzmann ihn mitgenommen und ihn auch so- gleich geknebelt. Zeuge erklärte sich dieses Vorgehen des Schutz- manncs daraus, daß er„wohl schon ein bißchen wütend" gewesen sei, weil er„von jungen Bengels veralbert" worden war. Dem- gegenüber bekundete Schutzmann Rohde, daß Kurkowski von vorn- herein unter der Menge gestanden habe. Er habe ihn, den Schutz- mann,„verächtlich angesehen", indem er seine Zigarette rauchte, und sei trotz wiederholter Aufforderung nicht gegangen. Nach der Sistierung habe er sich losgerissen, daher habe ihm der Knebel an- gelegt werden müssen. Unterwegs habe er gelärmt, indem er rief, das tue ihm so weh, und laut„Hilfe" schrie. Infolgedessen habe ihn ein großer Schwärm Menschen begleitet. Zeuge fügte hinzu, es sei„ganz ausgeschlossen, daß die Fessel weh tun konnte". Der Vorsitzende unterließ, ihm vorzuhalten, daß er dem„Hilfe" schrei- enden Kurkowski, wie dieser behauptete, gesagt haben sollte:„Jetzt kriegst Du noch ein Strafmandat wegen groben Unfugs!" Auch der Angeklagte gebrauchte nicht sein Recht, dem Zeugen das vorzuhal- ten. Dagegen wurde Zeuge Schulze vom Vorsitzenden darauf hin- gewiesen, daß nach des Schutzmanns Aussage der Angeklagte schon vorher unter der Menge gewesen sei. Jetzt erklärte Zeuge Schulze, das könne möglich sein, er selber habe es aber nicht bemerkt. Wei- tere Zeugen konnten nicht vernommen werden. Einer, auf den der Angeklagte sich berief, war trotz Ladung ausgeblieben. Einige andere hatte das Gericht nicht geladen, weil Kurkowski in seinem Antrag auf Ladung nicht gesagt hatte, was sie bekunden sollten. Der Amtsanwalt sah die drei Uebertretungen als erwiesen an und beantragte eine Geldstrafe von zusammen 9 Mark. Bezüglich des„LärmS hob der Angeklagte zu seiner Verteidigung noch hervor, daß die schmerzhafte Fesselung, durch die er zu dem Hilferuf genötigt worden sei, ihn auf 14 Tage arbeitsunfähig gemacht habe. Dem Schutzmann, der kühn den Schmerz bei der Fesselung für „ausgeschlossen" erklärt hakte und den Hilferuf als„Lärm" bc- zeichnet hatte, trat in diesem Punkt das Gericht nicht bei. Es sah in dem Hilferuf nicht eine Absicht zu lärmen, und kam hier zu einer Freisprechung. Dagegen hielt es die beiden anderen Ueber- tretungen für erwiesen und erkannte auf zusammen 6 Mark Geld- strafe. Gegen den ohne Entschuldigung ausgebliebenen Zeugen wurde eine Ordnungsstrafe von 9 M. festgesetzt. Wegen 2 Pfennig 2 Wochen Gefängnis! Wegen eines Betruges, bei dem eS sich um ei» Objekt im 'Werte von 2 Pfennigen handelte, soll der Handelsmann Tresp auf zwei Wochen ins Gefängnis wandern! Tresp hielt eines TageS in der Nähe der Ottostraße in Moabit auf einem Wagen Kirschen feil. Die Wiegeschale, auf der den Käufern ihr Quantum zugc- messen wurde, befand sich oben auf dem Kutscherbock deS Wagens. Ein Herr, der sich ein Pfund Kirschen für 10 Pf. gekauft hatte, glaubte Veranlassung zu haben, die Tüte mit den Kirschen privatim nackftuwiegen und stellte ein Untergewicht von öS Gramm fest, so daß er um den Wert von 1 Pf. benachteiligt war. Er lief sofort zur Polizei und meldete den Vorfall. Da die bloße Aussage dcS Käufers nicht als beweiskräftig gelten konnte,»vurde er auf der Polizei veranlaßt, noch ein Pfund Kirschen zu kaufen und damit sofort zu einem unauffällig in der Nähe wartenden Schutzmann zu kommen. So geschah eS. Der Schutzmann wog in einem Grün- kramkeller auf einer zweifelsfreien Wage die Kirschen nach und stellte fest, daß wiederum zu wenig geliefert worden war, und zwar genau wieder Sö Gramm. Der Angeklagte, deswegen zur Rede gestellt, bestritt jede betrügerische Absicht und behauptete auch, daß seine Wage richtig wiege. Als der Schutzmann dann von der auf dem Kutscherbock stehenden Wage die Schale herunternahm, sah er, daß auf dem Boden noch 7 bis 8 Kirschen lagen. Der Angesagte suchte darzulegen, daß diese Kirschen beim Einfüllen in dip Tüte ohne sein Wissen heruntergefallen sein! mögen. DaS Schöffengericht folgte ihm darin aber nicht, sondern hielt sich überzeugt, daß der Angeklagte, der vor etwa 10 Jahren schon eine erhebliche Strafe erlitten hat, auf Betrug ausgegangen sei, und verurteilte ihn trotz des minimalen Objekts, das in Frage stand, zu 2 Wochen Ge- fängnis. In der gestrigen Berufungsverhandlung bor der v. Straf. kammer bestritt der Verteidiger, daß dem Angeklagten ein Dolus nachgewiesen werden könne; auf alle Fälle sei eS aber doch nicht zu rechtfertigen, wegen eines Wertobjekts von 2 Pf. jemand, der sich 10 Jahre lang ordentlich geführt, ins Gefängnis zu stecken. Eine ganz kleine Geldstrafe würde eventuell genügen.— DaS Berufungsgericht kam aber zu einer Berwcrfung der Berufung, wobei es berücksichtigte, daß schon die Placierung der Wage auf dem Kutscherbock, wo sie von den Küufern nicht kontrolliert werden konnte, und daS Verhalten des Angeklagten einer anderen Käuferin gegenüber für dessen betrügerische Absicht und sein böseS Gewissen spreche. Außerdem fei zweifellos anzunehmen, daß sein betrüge- rischeS Vorgehen sich keineswegs auf diesen einen Fall beschränkt haben wird. ES bleibt also bei den zwei Wochen Gefängnis, wozu noch die nicht unbedeutenden GerichtSkosten für das Verfahren in zwei Instanzen treten. Gegenüber solchen Anschauungen wird au?h die Strafgesetzbuchnovelle erfolglos sein. LrUflusten der Redahtion. Sit lurlftlsche S»re«pn»de findet««»denftrale SS, vor» dt«»»rcvve» — Sayrftnhl—, wochcntäglich von»I»"Vi Uhr abend»,«aanabend», da« 416 dl» 6 Uhr abend» statt. Jeder für den vrtestafte»»estimmtea Anfrage ist et»»nchstabe and eine Zahl al» Merkzeichen betzusügen. vrtesttche Antwort wird nicht rrteUt.«nirigr», denen keine Adounementsauittun« beigefügt ist, werde» nicht-»eantwortet. Eilige Frage» trage man ta der«»rechftunde dar. E. T. SO. ES find die Geburtsurkunden sotvle ein Zeugnis der russischen Hcimatbehörde darüber beizubringen, daß ein nach den russischen Gesetzen bestehende» Ehehindernis nicht bekannt ist Dieses Zeugnis mutz von einem deutschen Konsul oder Gesandten legalisiert werden. Bon dem Erfordernis der Beibringung dieses Zeugnisse» kann der Justizministcr Befreiung bewilligen: ein dahingebcnder Anirag ist bei dem Standesamt anzubringen.— I. 101. Fragen Sie bei der Berwaltung des Frauen- gesängnisscs, Barnimstraße, an.— Z. H. 1046. Die VcrsicherungS- gesellschast bastet.— 101. B. A. An die Postdireltion.— G. O. 110. Der Eigentümer, sallS nicht aus Bestimmungen deS MictSvertrageS Ihre Ersatzpflicht gefolgert werden kann.— Georg 100. DaS ist zulässig. Den Aufenthalt bestimmt die Mutter.— 1 A. LS. Fragen Sie bei dem Amis- gericht, in dessen Bezirk die Tante gestorben ist, an, ob ein Testament existiert.— 31. 17. 1. Nein. Die Führung von Büchern ist aber zweckmäßig. 2. Erscheint gültig. 3. Falls schrisllich ja. 4.») Ja, soweit nicht zum eigenen Gebrauch nötig. d) Ja. o) und ä) Nein. S. Ja. S. Zwischen 4 und S Ubr.— O. H. 23». 1. Ja. 2. Nein. 3. Wenn das Borhanoensein von Haus- schwamm nachweisbar ist, kann der Bertrag sosort gelöst werden. Zur Ausführung notwendiger RenovierungSarbeitcn ist der Wirt verpflichtet. H. 30. Sie können allmonatlich kündigen. Vierteljährliche Kündigung ist ebenfalls wirksam.— O. H. 100. Die Frau hastet sür die Hälfte für die Zeit bis einschließlich Dezember 1312.— A. K. 103. Ja. Den zustän- digen Arzt erfahren Sie aus dem Polizeirevier.— P. F. 72. Legen Sie Berufung ein.— F. R. 74. Die Kosten richte» sich nach dem Objekt. — B. B. 10. Ja, josern mit Rücksicht aus das Eheversprechen Geschlechts» verkehr stattgesundcn hat.— M.®. 1912. 1. Am ersten OuartalStag. 2. In der Tageszeit zwischen 10 und S Uhr. 3. Rur dann, wenn im MictSvettrag vorgesehen. 4. Nein.— Adolf 80. 1. Befragen Sie einen Fachmann. 2. In Berlin bei geschlossenem Fenster bis 11 Uhr.— I. C. H. 100. Ja, bei der Stadtkasse in den BormittagSswnden.— B. Or. 13. Die BersiiberungSbedingungen find maßgebend. Fall» Sie im Termin nicht erscheinen, ergeht Versäumnisurteil.— K. Sch. 41. 1. Ja. 2. Läßt sich erst sagen, wen» der Zeitpunkt der Eheschließung und der erste Ehewohnfitz bekannt ist 3. u. 4. Nein.— 330 B. 1. u. 2. DaZ liegt im Ermessen der StaatSanwaltlchast bezw. deS Untersuchungsrichters. 3. Verjährung liegt nicht vor. 4. Nein- S. Für den Fall der Psändung lami Ihre Frau Intervent««:.— W. 8. 52. 1. Ja. 2. Liegt Im Ermessen der Armenbchörde. D« Antrag kann gestellt werden. 3. Mit monatlich je etwa SM.— F. Tie können auf Grund einer schrift- lichcn Vollmacht die Klage aus Zahlung des tarismätzigcn Lohnes beim Gewerbegerichl anhängig machen, auch im Termin austreten. In der Voll- macht muh Ihnen die VcrtretungsbcfugniS übertragen sein.— H. E. 4. Ja. — 21. M. 91. Die Lehrzeit endigt am LS. August, da nach Z 130a der Gewerbeordnung die Lehrzeit 4 Jahre nicht überschreiten dars. Am LS. August können Sie die Papiere sordern.— B. O. 88. Das Kind können Sie zu sich nehmen, sosern nicht etwa durch Beschluh des Vormund- schastsberichts Ihnen das Sorgcrecht entzogen ist. In der Frage der Abfindungssumme wird die Kindesmutler in der Regel vom Vormundschasts- gericht, bevor dieses die zur Wirksamkeit notwendige Zustimmung erteilt, gehört. Jedenfalls können Sie Ihre etwaigen Bedenken dem Vormund- Ichastsgericht mitteilen.— Sch. 13. 1. Pflichtteil kann gefordert werden. S. Antrag an das Nachlaßgcricht, d. i. das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz gehabt hat.— D. F. 199. Der Inhalt des Bestellscheins ist sür die Beantwortung der Fragen maßgebend. — E. L. 199. Falls Ihre Behauptungen bewiesen werden können, er- scheint die Scheidung wahrscheinlich. Der Unterhaltsanspruch würde etwa 70 M. monatlich betragen.— Obersprce 39. 1. und 5. Die Klage er- scheint aussichtsvoll. 2. Das ist zweckmäßig. 3. Nein. 4. Bedeutet keinen wirlsamc» Verzicht.— I. B. 399. Sie haben Anspruch. Klagen Sie eventuell.— Sella 91. Mit Vollendung des 21. Lebensjahres. kauft kleiÄer bei der U.K. G. dann bleibt gefüllt das Portemonnaie Selbstkostenpreis+ 10 1 0 Das Verkaufssystem der H. K. G verurteilt die Handlungsweise von Geschäften, welche durch fortwährende„Ausnahmetage" sowie„Sonder-Angebote" bestimmter Artikel das Publikum anzulocken suchen, um dann bei anderen Artikeln Preise zu fordern, welche einen Gewinn-Aufschlag von 50, 60 Prozent oder noch mehr enthalten. Jederzeit gleichmässig billige Preise, das ist die Parole unseres Verkaufssystems Selbstkostenpreis+ 10%. Wer also seinen Bedarf an fertiger Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sport-Bekleidung jeder Art bei der H. K. G deckt, erzielt nicht nur bedeutende Ersparnisse, er wird auch streng reell bedient, da die H. K G. niemals einen höheren Nutzen wie 10% Umsatzprovision berechnen darf. Für Reise und Sport grösste Auswahl in allen gangbaren Artikeln. Herren-Kleider-Vertriebs- Ges. m. b. H. 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SozialdemokratischerWalilYereiii des ß. Kerl. Reichstags-Wahlkreises. Am Mitttwoch, 19. Juni, verstarb unser Genosse, der Schankwirt Heinrich Hoppe Chausseestr. 129. Ehre seineni Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Juni, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Philippus-Apostel-KirchhoseS aus aus dem städtischen Friedhofe, Müllerstraße, Ecke Seestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/18 Ikee Vorntami. Am 15. Juni verschied plötzlich und unerwartet mein Herzens- guter Mann und sorgsamer Vater. der Maurer 39A August Wulff Malmöer Str. 29. Die zeigt tiesbetrübt an Die trauernde Witwe. Die Beerdigung findet heute Sonnabend nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhoses in FriedrichSselde aus statt. Am Mittwoch, den 19. Juni, morgens 5 Uhr, erlöste ein Plötz- licher Tod nach langen, schweren Leiden meinen in der Sommer- frische Genesung suchenden lieben Mann und herzensguten Vater, Sohn, Bruder und Schwager, den Restaurateur 2159b Wilhelm Erämnnn im 48. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen zeigt die« tiesbetrübt an iic»» Erdmann u.Sohn Walter. Die Beerdigung findet Montag nachm. 5 Uhr von der Leichen. Halle des St. Georgen-KirchhojS, Landsberger Allee. auS statt. Denlsclm Metallarbeiter-Verbandl AcrwaltnngSstcllr Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß j 1 unser Mitglied, der Maschinen. | arbeitcr frieclrichHriinwnlci! Licgnitzcrstr. 39, am 19. d. M. an Lungcnleidcn gpstorbcn ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet am Montag, den 24. Juni, nachmittags 4 Ugv, von der Leichenhalle des Zcnlral-FriedhofcS in FriedrichSselde aus statt. 19/919 Rege Beteiligung erwartet 119/14 Tic iCrtSverwaltung. lenhal-Vkibanl! der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 22. Den BerusSgcnosscn zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mit- > glied (iustav Schmete | nach schweren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am äonntag, den 23. d. MtS., nach» I mittags 5 Uhr, aus dem Fricdhos � in ZiuhlSdors bei Teltow statt. Um rege Beteiligung ersucht' 1254/13 Nee Vorstaiul. Deutscher Bauarbeiter-Verbaud Xsvcievcrcin Ucrlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bau- arbeitcr Heinrich dust am 18. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 22. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des St. Simeons-Kirchhoses. Germaniaslraße in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 149/6 Der Vorstand. m monrenstryg0rrfanl M. Versandhaus Germania 21. Unter den Linden 21.* Imls-GanWie! Die besten Sommer- PaletotS und 4—509 getragene Anzüge für Herren, Smoling-Anzüge, Frack- anzüge, sowie von Kavalieren ge- tragene, fast neue Sachen(a.Scide), sür jede Figur pasjend, in gröllter guswsbl zu unübertroffen(96/16" dillixen preisen. l Tr.,dcshalbbilliger wie im Laden. hi�ehllielerhsW.�7i2',°3i I! 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Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten- und Korsettbranche hatten sich am Dienstag in den„Königssälen" recht zahlreich versammelt, um zu den tariflichen Verstößen verschiedener Wäschefabrikantcn Stellung zu nehmen. Ganz allgemein wurde der Vorwurf erhoben, daß die Bestimmungen über die Einstellung von Lehrlingen nicht beachtet werden. Einer anderen Vertragsverletzung machte sich die Firma Cohn u. Ellen bürg schuldig. Dort sind den Plätterinnen verschiedene Akkordlöhne reduziert worden, weil ihnen angeblich die Arbeit dadurch erleichtert ist, daß die Umlege- kragen, um die es sich handelt, vorher durch eine Maschine gehen. Die Firma hat nun zwar diesen Tarifnachtrag, vorschriftsmäßig beim Gewcrbegericht eingereicht; doch die Art und Weise, wie die vorgeschriebene Zustimmung der davon betroffenen Arbeiterinnen eingeholt wurde, fordert zum Protest heraus. Man hat sich aus- gerechnet zwei junge Mädchen, die erst vier Wochen als Lehrlinge im Geschäft waren, bcrausgcsucht, die durch ihre Unterschrift das Einverständnis aller Plätterinnen dokumentieren mutzten. Selbst- verständlich ist gegen diesen Nachtrag Protest eingelegt worden. Die Löhne bei dieser Firma gehören überhaupt zu den schlechtesten in dieser Branche. Bei angestrengtester Tätigkeit verdienten dort ausgelernte Arbeiterinnen Stundenlöhne, die zwischen 12 und IßVi Pfennig schwanken. In schreiendem Gegensatz hierzu stehen die Strafen für Zuspätkommen. Bei 13— 20 Minuten werden 15 Pf., über 20—30 Minuten SOJßi. und für jede weitere halbe Stunde 15 Pf. abgezogen. Diese«trafen sind selbst von dem Obmann der Unternehmer nicht gebilligt worden; die Firma kümmert sich aber nicht darum.— Bei der Firma S. Jacks ist die frühere achtstün- dige Arbeitszeit für Zuschneider in eine neunstündige umgewandelt worden. Das bedeutet eine Verschlechterung bestehender besserer Arbeitsverhältnisse und ist nach dem Tarif nicht statthaft.— Bei Gebr. B o r ch a r d t kommt es vor, datz die Zuschneider nur bis Mittag arbeiten. Am Lohnzahlungstagc verlangt man nun von ihnen, datz sie nachmittags zur Empfangnahme des Lohnes noch- mals ins Geschäft kommen, ohne datz ihnen die Zeit vergütet wird. — Die Firma E. G r ü n b a u m hat ebenfalls die Arbeitszeit ver- längert, und zwar von 0 auf 9% Stunden; ferner wird dort mit neueintretenden Arbeitern und Arbeiterinnen Kündigungsausschlutz vereinbart. Beide Matznahmen Verstössen gegen den Tarif.— Die Firma Blumenau u. Sohn hat mit Genehmigung der Polizei- bchörde die Mittagspause von einer auf eine halbe Stunde herab- gesetzt. Diese Regelung liegt nicht im Interesse der Arbeiterinnen und verstötzt ebenfalls gegen den Tarif.— Den Näherinnen der Firma O. Levh sollte die Frcilieferung der Nadeln entzogen wer- den. Nach hiner Aussprache hat sich die Firma doch bequemt, wenig- Gerichtstratze verlegt. Leider sind dabei allerlei veraltete und neueingestellte Näherinnen bekommen aber gar keine. Auch hier sind bei einzelnen Akkordlöhnen Reduktionen vorgenommen worden. — Bei der Firma I. u. W. Häuser sehen sich die Zuschneider durch die Einführung der Maschine bedroht. Des weiteren wird dort über den Mißstand geklagt, datz sich die Fenster schwer öffnen lassen, so daß bei eintretender Feucrsgefahr nur eine Tür den Weg ins Freie gestattet.— Uebertretungen der Gewerbeordnung leistet sich die Firma I. Becher, indem dort die Plätterinnen des Sonnabends oft noch bis 7 Uhr abends beschäftigt werden. Hier hätte die Gcwerbeinspektion Gelegenheit, einmal einzugreifen.— Die E r st e Berliner Wäschefabrik A.-G.(vorm. Gebr. Ritter) hat ihren Betrieb in ein neuerrichtetes Gebäude in der Gerichtsstratze verlegt. Leider sind dabei allerlei veraltete und gefährliche Betriebseinrichtungen, wie offene Gas- und Spiritus- tzmer, mit übergesiedelt. Schliesslich hat man auch beim Bau ver- gessen, die Arbeitsräume mit ausreichender Ventilation zu ver- sehen. Auf Betreiben der Baukommission ist die nachträgliche An- bringung derselben jetzt angeordnet worden.— Einen breiten Raum in der Besprechung nahm auch die Matzregelung des ältesten Zu- schneidcrs in der Schnittmusterabteilung der Firma U l l st e i n u. C o. ei». Tort hatten sich die sämtlichen Kollegen des Gemäss- regelten mit diesem solidarisch erklärt und ihre Kündigung ein- gereicht. Eine Verhandlung mit der Geschäftsleitung hat bisher noch zu keinem Ziel geführt. Die Angelegenheit ist deshalb dem Gewerbcgericht als Schiedsinstanz unterbreitet worden.— Die Versammlung nahm Kenntnis von allen diesen Vorkommnissen und beauftragte den Vorstand, energische Schritte zu tun, um die ge- fährdeten Interessen der Bcrussangehörigen zu schützen.— Anschließend hielt Genosse Dr. Zadel einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema:„Der Hunger und die Liebe".— Vor Beginn der Versammlung war in einem Nebensaal die Wahl der Delegierten zum Verbandstag vorgenommen worden. Gewählt wurden Eue und Riecke. Durch Stichwahl müssen nun noch zwei weitere Delegierte gewählt werden, da Frl. Joseph, G. Trinis und Frau Rosenstengel nicht die erforderliche Stimmcnzahl erhielten._ Marktbericht von Berlin am 20. Juni ISIS, nach Ermittelimg des königl. Polizeipräsidiuins. M q r k t b a I l e n p r c i s c.(Kleinhalidel) 100 Kilograinin Erbsen, gelbe, zum Kochen 31,00—50,00. Spcijcbohncn, weisse, 30,00—55,00. Linsen 10,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindsleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchs! ciich 1,40— 1,80. Schwcincsleisch 1,40—2,00. Kalbsleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,80—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,20-2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,60-3,00. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4,00-40,00.__ Wasserstands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') UnterPegel. Für die Reise un�ew®�n�c� �re�se äußerst günstige Kaufgelegenheit Blusen-Anzüge Wa5�t0fl'. Ä'Ä Blusen- Wasch-Anzüge fUr 8bis Matrosen-Wasch- Anzüge . Einheitspreis M. Kragen mit _ Garnierung für 3—8 Jahre.................. Einheitspreis M. T ia vielen Formen und Mustern, Leaersatm-' Anzüge für 3_8 Jahre, Einheitspreis M. 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Juni 1912, vormittags 10 Uhr, im großen Saal der Srauerei Friedrichshain, �in�«Ak' VF Versammlung"WS aller in den Eifenkonftruktionsbetrieben Groß- Berlins beschäftigten Arbeiter. Tagesordnung: 1. Bericht über die letzten Verhandlungen mit de« Arbeit- gebern und unsere Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. Die Vertrauensleute treffen sich eine Stunde vorher im kleinen Saal.— Die Mitgliedsbücher sind zwecks Kontrolle mit. zubringen.— Kollegen I Sorgt sür vollzähligen Besuch der Versammlung. 119/13 Die Ortsverwaltang. Holzarbeitcrverband. Für die ausgesteuerten Mitglieder gingen folgende Beiträge ein: Treppengeländers. Vogt u. Söhne 12,—. Tischt. Conradt, Plume u. Beller 4,05. Leistens. Manicke 10.—. I. C. Pfasf Saal I, II, IV, V und Polierer und Maschincnarbeiter 116,85. Tischt. Latz 10,—. Tischt. Hahn u. Metzkow 10,80. Tisch!. Arndt 6,55. Tischt. Ostermann 4,50. Tischl. Banne- mann 2. Rate 15,—. Tischl. Herzig 2. Rate 24,90. Möbels. Goltz 10,—. Tischt. Neumann 12,50. Drechslerei Bredow 8,—. Tischl. Volkmann 6,50 Tischl. Reschke 3. Rate 7,50. Tischl. Sachse u. Hesse 11,25. Tischl. Müller u. Ko. 15,—. Möbels. Zipfel 11,70. Tischl. Graskc u. Schulze 13,45. Tischl. Haase 17,95. Tischl. Sieroka 2. Rate 9,15. Modcllabt. Nileswerke 17,10. „■Stellm. Oberspree 10,50. Stellm. N. 81.®. Obcrschöneweide 12,—. Tischl. Schulz u. Diltmer 11,50. Tischl. Schulz u. Hinsche 8,25. Tischt. Steinte 4,10. Tischl. Stilllatz 5,95. Tischl. Klinke Nachs. 22,—. Gen. Weitzcnsee 13,65. Tischl. Müller-Weitzcnsee 7.—. Tischl. Friedrich 15.-. Tischl. Ball 7.90. Tischl. Thomas 5,10. Tischl. Schreier 4.—. Tischl. Grünthal u. Passot 11,90. Sammlung der Ladenbranche 20,95. Tischl. Fickler 3,10. Tischl. Dibbcl u. Robde 13,75. Tischl. Prause 10,—. Tischl. Sudcrslebcn 5,20. Tischl. Klinkc-Pankow 6,85. M. F. Bcrndt 14,—. Stocks. Ludwig u. Co. 2. Rate 8,65. Stocks. Redlich 7,85. Stocks. Rctzlasi 4,40. Schirms. Remack u. Silber 5,—. Schirms. Daus II. Rate 2,50. Stocks. Philipp u. Co. 2,75. Stocks. Goldbach 5.30. Federhalters. Ouaas 3,—. Tischl. John u. Bester 4. Rate 8,25. Tischt. Zander 5,25, Tischl. Dittmar 18,60. Tischt. Eichler u. Haas 8,—. Tischl. M. H. Wegner 2. Rate 14,75. Summa 667,25 M. Bereits quiMert 3080,20 M. Gesamtbetrag 3747,45 M. 85/13 Hie OrtsTerwaltnng. Gegr. 1893. Gegr. 1893. pr. Sommerpreise. � A. B. KOCH � Kohlen- und Brikett-Großhandlung Haoptkontor: Berlin 0. 34, Petersburger Straße 1. Telephon; Amt Königstadt, 3040 und 3096. Lagerplatz 1: O. 34, Rüdersdorfer Str. 7t(Küstriner Platz, alt. Ostb.). Lagerplatz 2: 0. 17, FruchtslraBe 13(Ostbalm-Güterbalmhof) Preise lürla Marten ab meinen Lagerplätzen von 10 Zentnern an: Ztr. pr. Ztr. I m. Krone Ballisteine... 01 m. i m. Ilse, Kaisern. Akv.Hallist. 0.90 m. Ilse, Kaiser u. Äkw... 1.00 m. Anthracit Cade.... 2.30 m. Ein Zentner(enth. 110— 120 Stück) Holz zerkleinert 1.90 M. Bei Frankolieferung je nacb Quantum per Ztr. 8—15 Pf. mehr. Steinkohlen billigst. Koks zu Anstaltspreisen. 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Blümlein Mainzer Str. 8, O. Schleutzner Münchner Str. 47, H. Schulz. Okerstr. 12, A. Prager Okerstr. 45, E. Uekert Pannierstr. 8, R. Bergseid Pannierstr. 12, G. Schmiedel Pannierstr. 34, M. Kapusta Prinz-Handjerhstr. 37, O. Friede! Richardstr. 31/32, F. Lindemann Richardstr. 61, O. Schönbrunn Reuterstr. 66, H. Beiersutz Selchower Str. 1, W. Fischer Sclchowcr Str. 28, A. Müller Selchower Str. 35, I. Wasowicz Schöncwcider Str. 16, Wwe. Knoll. Schillerpromenade 1, E. Bodinek Schudomaslr. 42/44, P. Golle Schudomastr. 49, A. Bock Steinmetzstr. 28, F. Näke Steinmctzstr. 86, R. Klammer. Steinmetzstr. 110, P. Schmel Thomasstr. 36, C. Flehming(Wurst- sabrik) Tcllstr. 13, E. Schlicht Teupitzer Str. 12, S. Knebel. Teupitzer Str. HO. A. Szezhiel. Warthestr. 7, W. Friedmann. Warthestr. 58, G. Sast. Warthestr. 70, K. Gerlach. Warthestr. 73, Th. Pahnke. elstr. 31. G. Scherls 'elftr. 49, F. Schmidt. elstr. 57, Rod. Arndt. elstr. 64, C. Kowalski. elplatz 4, H. Burck. tr. 8. A. Nikufch. e tr. 24, SB. Wonneberger. e tr. 30, G. Knappe. Wei estr. 51, F. Schilde. Weserstr. 44, 8l. Winter. Weserstr. 168, M. Meier. Wissmannstr. 1, G. Riedel. Wissmannstr. 13, P. Bodenstein. Wildenbruchstr. 54, W. Körte. Zietenstr. 41, Zietenstr. 51, Jochmann. Fischer. Meiner geschätzten Kundschaft zur gefälligen Kenntnis: In meinem Geschäft sind die :: Lohn- und Arbeitsbedingungen:: mit dem Zentralverband der Fleischer n. B. D. _ tariflich geregelt. AM" Es erfolgt dieserhalb keine Preiserhöhung der Fleisch- und Wurstwaren. Stempel der Streikleitung. Bestätigt durch Paul Bergmann. Alle Geschäfte, In denen das rote, von der Innung und den Gelben herausgegebene Plakat aushängt, sind boykottiert. 292/16 Die Strelkleitnng. Berlin, Elisabeth str. 11. _ Telephon: Amt Königstadt Nr. 3024._ Das größte Abonnemeatshaus feinster Herfen-Moden J. Stock& Co. verkauft seine Monats-Garderobe direkt an Private. Anzüge und Paletots von 10 H. an. Friedrichstr. 108, Bing. Johannisstr., vis-a-vis der Karlstr. Möbelfabrik„Stern" Eingetragene Genossenschaft mit be> schränkter Hastpflicht. Bilanz per 31. Dezember 1911. Kassenbestand.... 4 185,79 M. Warenbestand....42 793,—, Jnvcntar-Konta, 20°/o 2 271,44. Debitoren-Konto.,. 33 089,55„ Bank-Konto.... 12771,50„ Passiva. Anteil-Konto,,. Darlehen-Konto,,. Reserve-Fonds... Debitoren-Konto... Unkosten-Konto n. z. z. Unsichere Forderungen. Gewinn- u. Verlustkonto 95 111,28 M. 540,— M. > 85 403,48„ , 395,—„ 3 795,90. 1390,—. 2 000,—, 1586,90. 95 111,28 M. Die Zahl der Genossen beträgt am Schluß des Gcschästsjahrcs 18: ein- getreten keiner, ausgetreten zwei. DaS Gefchäsisguthaben der Ge- nassen beträgt 540 M., ebenfalls die Haftsumnle 540 M. Der Vorstand. 2165b Krüger. Kornetzky. Bekanntmachung. Berlin, den 19. Juni 1912. Gewerbegericht zu Berlin. J.-Nr. 435 Gew.-Ger. 12. Zur Beilegung der Streitigkeiten über die Arbeitsbedingungen im Stukkateurgewerbe war von den beiden Verbände» der Arbeitgeber und Arbeitnehmer das hiesige Gewerbe- gericht als EinigungSamt angerufen worden. In der von diesem ab- gehaltenen Sitzung vom 81. Mai d. I., an welcher teilgenommen haben: 1. Magistratsrat Dr. Leo als Vor- sitzender, 2. Kaufmann Löliger, 3. Kaufmann Mancher, Arbeitgeber: 4. Mechaniker Cohen, 5. Töpfer Drunsel, Arbeitnehmer(als Ver- traucnsmänner), kam es nach längeren Verhandlungen zu dem Ergebnis, daß das Einigungsamt folgende von den beiderseitigen Organisations- Vertretern angenommenen Grundsätze alsVergleichSvorschlag emp- sabl: 1. Die Verkürzung der normalen Arbeitszeit um eine Viert elswnde pro Tag tritt vom 1. Oktober 1912 und um eine weitere Viertelstunde vom 1. Oktober 1913 ab ein, utid zwar sowohl sür Bau- wie sür Werk. stattarbeitcn. 2. Nur sür Beendigung einer de« stimmten Arbeit sind an einer Arbeits- stelle ohne Zustimmung der vertrag» lichen Instanzen an einem Tage lieb erstunden, und zwar bis zu zwei Stunden, zulässig. 3. Em Zwang, eine sogenante Bau- bude einzurickten, dars nur eintreten, wenn mindestens drei Gehilsen aus dem betreffenden Bau beschäftigt sind. Bei weniger als drei Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber sür anderweite Unterkunst zu sorgen. 4. Der Zeitlohn wird»ach Stunden berechnet, und zwar Mndestlodn I. sür Baustukkateure sosort 91 Ps., vom 1. Oktober 1912 ah 94 Ps., vom 1. Oktober 1913 ab 97 PI., II. für Werkstattarbeiter: a) Gießer sosort 74 Ps., vom 1. Oktober 1912 ab 77 Pf.. vom 1. Oktober 1913 ab 80 Pf., b) Former, Zicher, Modellarbeitcr sosort 80 Pf., vom 1. Oktober 1912 ab 83 Ps., vom 1. Oktober 1913 ab 86 Pf. 5. Zur Ausarbeitung des Akkord- tarifs wird eine besondere Kommission gebildet. Gegen deren Festsetzung steht jeder der Parteien die Anrufung der im Tarifverträge vorgesehenen Schlichtungskommission zu. Gegen deren Entscheidung findet die end- gültige Berufung an das Einigungs- amt statt. Die letzte Instanz mutz gegebenensalls bis zum 7. Juni 1912 einschließlich angerufen sein. 6. Nach Abschluß deS BertrageS dürfen Maßregelungen aus Anlaß des vorangegangenen Lohnkampscs nicht stattfinden. 7. Der Vertrag dauert bis zum 31. März 1916. Diesen BcrgleichSvorschlägen haben die Organisationen nach der von ihren Vertretern am 3. Juni im Bureau des Gewerbegcrichts ab- gegebenen Erklärung ihre Zustimmung erteilt. Der Borsitzende deS EinigungSamtS. gez.: Dr. Leo. Achtung Kaufen Sie nur beim Fachmann Elegante fertige fim-Siii Teilzahlung von 1 Mark Wöchentlich an Julius Fabian iScKneidermeister I. Geschäft; Gr. Frankfurter Sil. 37" II. Geschäft: Tuimstrasse 18' 29-1 30—= 31-1 32-1 33-i 34-1 33-1 36-1 s I H M'/iiii'iiiiIhii Waworf. 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Fischer, SO., Michaclkircbstr-S J. Gebhardt BerUnent� 124.' George, Adolph, Bsdstr. 65. Ernst Qrüber, Brunnenstr. 73. M.GraBPDBrK?Ä.SÄ H. Kanimier, Charl., Krummestr.2. aE.SaLffi©lBru�.u"r" Kniebuscb.W., Frft. ChausseoSl Lehmann, Alb., Frankf. Allee 40. Lehmann, Wilh., KoUb.Damm23. | Lüders, H.,gtnS| Volte, K., Simon-Dachstr. 13. Ruäoll PlMi.Srir Quitzow, Job., Müllerstr. 1s. Emil Quade Carl Schlewinsky, Koppenstr. 4. ß. Schmelz, beSr"U3 Willy Schmidt, Priedenan.Hheinstr. 13, lüiistaif Itiioi��, j Schönemann, G-Mllii., Berl.-St.73 F. Schönwitz, Berl. O., Goszlvritr. 27 W.SchultzBoxüageQ,Neue Bababofatr.32 Schumacher,©.1T,ogel,Berl.-St.6a. Schulz, Osw., Frankf. Allee 24. Max Storch, Elbingerstr. 100. M. Tomedmn Nchf., Bröckenstr. 10. Paul Trenk, Cbarl.tSpand.-Str.32. A. Trenner, Wilbelmsrah, Uacplstr. 12. Truxa, W., Frankft. Allee 135. IreB- Berlin 220, Lindenstr. 16. Beate direkt.Bezugsquelle I Katalog gratii. Y ersand nach anSerb.ilb, billigate Preise. 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Residenz-Theater. 8 Uhr: Jlllts für die Firma. Schwank in 3 Akten von M. Hennequin und G. Mitchell. Morgen u. solgende Tage: AlleS für die Firma. Abends 8 Uhr: vis 5 Frau kfurter!_ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augusti». _ Operette von Leo Fall._ Theater des Westens Abends 8 Uhr: Die schöne Helena. I0SE=THEATEI Trotze Franksurler Str. 132. Ansang 3 Uhr. IM! und Morgen. Drama in S Akt. v. Eh. Birch-Pseisser. SV Aus der Kartenbühne:-U» Fuhuk ES ist erreicht! Gr. Revue. Metropol-Theater. imuer! Phantastisch musikalische Komödie in 3 ilkten auS dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musik vonR. Nelson. U. a. Tänze v. SS. Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang 8 Ubr: Rauchen gestaitel. Voigt-Theater. Tesundbrunnen Badstratze S8. Heule sowie täglich: Die Tochtcr der heie Gr. rom. AusstaltungSslück m. Tanz und Kesang in 5 Bildern. Neu« BeleuchtunaScssekle usw. usw. u. d. grosie Spezlalitäten-Prograiiim. Kaffeneröfsnung 2 Uhr. Ans, t Uhr. Verantwortlicher Redalteuri Eeictishallen-Theater. Stettiner Sltiiser Zum Schlutz neu: unatoriuin Sonnenstich. Burlesk« vonMcqsel. Ansang Wochent. 8, Sonntags TJ, Uhr. g Sozialdemokratischer Wahluerciu des 3. berliner Bßichstagswahlkreises. Sonntae, den 83. Jnnl 1012: Gr. Gartenfest bei Fritz Wilke, Sebastianstraße 39. Konzert, humoristische Vorträge, Theater- ===== Vorstellung und Tanz.= Anfang 4 Uhr.— Programm am Eingang gratla. Billetts für Mitglieder a 20 Pf. sind bei den Bezirksführern und beim zweiten Kassierer Genossen Felsmann, Bitterstraße 1. zu haben. - Die KaSeeküohe ist von 3 Uhr&n geöffnet.- Zahlreichen Besuch erwartet 210/17 Oer Torotand. i999999iH>9999999999999999999»4!F999/z Uhr. im Lokal von E. Kutzner, Bruchmühle: Zahlabend. Wahlvereins- und Verbandsbücher sind mitzubringen. Die Bezirksleitung. Strausberg. Sonntag, den 23. Juni, nachmittags'dl/„ Uhr, bei Weiß: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Gründung des BildungSausschusses. 4. Vereins- angelegenheiten._ Berliner JVacbricbten. Britz. ..Die rote Ros' im grünen Feld, Das ist sein Wappen und Zeichen!" Sanft legte sich die Abenddämmerung auf die nimmer- müde Erde. Mattgraue Tauschwaden zogen über die Felder. Fahlweitz trat ani azurblauen Himmelsbogen das letzte Mond- viertel in die Erscheinung. Im Westen sank die Sonne wie ein karfimkelroter Riesenball an dem von waldig-grünen Hügelland umkränzten Horizont hinab und spiegelte sich ver glühend mit blitzendem Strahlengesplitter in den flachen Dächern und Seitenwänden der Blumenbrutkästen, in den aus Glas gebauten Gewächshäusern, als wir in Britz anlangten. Eine leichte Brise kräuselte die BlÄterkronen der Rüstern, die eine breite Straße umsäumten, kräuselte das Linden- und Eichenlaub der prächtigen hochliegende» Marienfelder Allee, brachte die Roggenähren in leichte Wallung und beugte den Windhafer im nebenher laufenden Chausseegrabcn bis auf den Rasen. In der Ferne hoben sich der spitze Holztmrm eines Wasser- Werks, die Silhoutte einer Windmühle und ganz weit hinten vor Berlin viele hohe schlanke Fabrikschornsteine schtvarzdunkel ab von der noch wunderbar blau erglänzenden Aetherkuppel. Aus den vielen umzäunten Rosengärtnereien, die rechts und links unseres Weges lagen, ließen an Ketten zerrende Wachthunde ihr Helles Bellen und dumpfes Nachknurren bei unserem Borbeigehen ertönen. _ Hinter einem großen Eckhause spazierte gravitätisch ein einsamer Storch, der dort seit zwei Jahren, weil er zu schwach gewesen, mit den Seinigen ins heiße Pharaonenland zu schweben, ein beschauliches Haustierleben fühvtl Tie Steinklopfer anc Wege hatten ihr schweres, gefähr- liches Tagewerk beendet, die bereits zerkleinerten grauen Steinhaufen lagen sorgsam getrennt von den rechteckig auf- geschichteten dicken rohen Steinklumpen neben den mit Schutz- hüllen unrwickelten Bäumen. Zwischen den Freiland-Rojenstämmen aber schritten, der Joppe entledigt, in weißen Hemdärmeln, den unechten gelben Panama weit in den Nacken geschoben, in der rechten das silbern-blinkende Todesinstrument, den linken gekrümmten Arnc gefüllt mit duftig-dunkelroten Rosenblüten und Knospen, die sie wie schlaftrunkene Kinder beieinander betteten, die Britzer Rosengäriuer über ihr Land. Das wär' ein Bild für echte Künstlerschaft! Dreimal schneiden sie so bei kühler Witterung die frisch- erblühte Rosenpracht, bei Sonnenuntergang, wie wir das jetzt sahen und dann in erster Morgenfrühe. Doch wenn die Sonne sengend mederprallh, wird nur bei Tagesgrauen geknipst, um der zuzeitigen Entblätterung vorzubeugen. Nach Längen sortiert, in taufenden von rundlich-gefloch- tenen schmalen Henkcl-Weidenkörben, bringt nian die wurzel- echten und veredelten niedrigen drei Hauptarten, die Testout, die Fischer u. Holmes und die Ullrich Brunner, die auf dem aus Lehm und Sand gemischten Boden in Britz am besten gedeihen— sechzig bis hundert Knospen oft zugleich an einem Stamm— zwischen fünf und sieben Uhr früh in die Linden- halle nach Berlin zu Markt. Mehr als dreitausend solcher Blumenkinder bringt täglich so ein Morgen Rosenland her- vor. Und sechzig bis achtzig solcher Rosengärtncrcien befinden sich in Britz. Auch sieht man Nelken- und Fliederfelder da- neben. Die unzähligen Patentbrutkästen mit Röhren-Treibhaus- Wärme durch Kesselheizung bergen auch viel Tausende von Rosenstämmen, die aber jetzt ganz ohne Blüten stehen. Gegen Weihnachten fangen die Britzer an zu feuern, und wenn dann draußen Schnee und Eis sich türmt, und wüste Regenschauer niedergehen, im Februar. März und April, erglüht hier üppiger Winberrosenluxus. Die von Johannistal(Neukölln) hergelegte Wasserleitung ist der Komfort, durch den die nahe Großstadt den Rosengärtnern ihre ländliche Beschäftigung er- ieichwrt. Ein dicker Rosenstrauß ward uns in Britz verehrt. Die Leute in der Elektrischen saugten sich förmlich mit den Blicken daran fest, an den seltsam-schönen, frischen Exemplaren. Nun stehen sie in einer Base vor mir auf dem Tisch, das leuchtend- rote, bcrückend-duftende. Britzer Rosenblut. „Wie kommt, es," fragte meine Begleiterin einen der uns freundlich-redestehcnden Rosengartenbesitzcr,„wie kommt es, daß Sie hier nur rote Rosen ziehen?" „Weil ganz Berlin rot ist, mein liebes Fräulein— bedenken Sie die 110 im Reichstag— darunter sind zwei Gärtner— kauft's auch nur rote Rosen gern"!, so sprach Poll Stolz der Britzer.__ Neber die Fahrpreise der Schulfahrten im Bereiche des Wer- liner Stadt-, Ring- und Vororwerkchrs sino vielfach irrige An- sichten verbreitet, weshalb die TtagtsbahnverwaltMg sich veranlaßt sieht, den Dienststellen einige Beispiele kür die Berechnung des ermäßigten Einzelfahrpreises an die Hand zu geben. Der Mindest- fahrpreis soll 20 Pf. betragen, wo der gewöhnliche Fahrpreis, wie zum Beispiel auf der Strecke Schlesischer Bahnhof— Grunewald, 20 Pf. beträgt, tritt also eine Ermäßigung nicht ein. Für die 30 Pf.-Strecke haben die Schüler 20 Pf. zu zahlen, für die 45 Pf.-Strecke 25 Pf. usw., wobei immer nur der Preis der ein- fachen Fahrt zugrunde gelcht wird. Anders wird die Berechnung, sobald in dem Fahrpreis ein Steuerbetrag enthalten ist, z. B. Alexanderplatz— Charlottcnhof kostet C5 Pf.(darin 5 Pf. Steuer); der ermäßigte Preis beträgt die Hälfte des reinen Fahrpreises (60 Pf.), wozu der Steuersatz(5 Pf.) kommt, also 35 Pf. In der- selben Weise findet die Preisberechnung für die Strecken des Fern- und Vorortverkehr statt, wobei aber beide Preis« für sich getrennt berechnet werden. Die Baupolizeiverordnung für die Vororte Berlins hat um- fangreiche Aenderungen und bezügliche Ergänzungen erfahren. Zunächst wird ihr Geltungsbereich ausgedehnt auf weiter gelegene Ortschaften der Kreise Oberbarnim, Beeskow-Storkow, Osthavel- land und Zauch-Bclzig. Sodann wird die Bauklasseneinteilung für diese Kreise festgesetzt. So wird z. B. für die Gemeinden Pichelsdorf, Saakrow, Caputh, Seegefeld, den Forstgutsbezirk Pichelsdorf und den Gutsbezirk Potsdamer Forst die Bauklasse E, für die Gemeinden Staaken, Tiefwerder, Rohrbeck, Seeburg, einen Teil des Gutsbezirks Seegefeld die Bauklasie C vorgeschrieben. Die Steuerungen treten sofort in Kraft. Die nach den bisher gültigen Polizeiverordnungen bereits erteilten Bauscheine verlieren ihre Gültigkeit, wenn nicht innerhalb 3 Monaten die Fundamente gelegt und die Kcllermaueru bis zux Erdoberfläche hergestellt worden sind._ Aus den WalderholungSstätten vom Roten Kreuz kommen wieder Klagen von Krankenkassenmitgliedern.„Na, was gibts denn schon wieder!?" werden die leitenden Schwestern fragen. Wer nicht als Patient die Genüsse und Freuden der Walderholungs statten am eigenen Leibe kennen zu lernen braucht, der wird vielleicht dazu neigen, Beschwerden als bloße Nörgeleien anzu sehen. In der Tat mutz man den Kopf schütteln, wenn man hört, welche Kleinigkeiten da manchmal den Anlaß zu Klagen bilden. Aber auch geringste Anläffe können, wenn sie dauernd wirken, daS Behagen sehr fühlbar stören und schließlich zu schlimmster Unzufriedenheit führen. Und gerade da, wo es sich um Kleinigkeiten handelt, wäre es in der Regel auch ein Leichtes, sie zu beseitigen. Um so mehr trifft der Vorwurf dann die Verwaltung der Wald erholungsstätten, die es unterlassen hat, daS beizeiten zu tun. Ei gehört manchmal wirklich nicht viel dazu, der Unzufriedenheit den Boden zu entziehen. Der Fehler ist nur, daß das rechte Verständnis für die Lage und Stimmung der Patienten den Personen abgeht, die für die Mängel der Einrichtungen und des Betriebes der WalderholungSstätten verantwortlich sind. Wer Unzufriedenheit merken läßt, der gilt ihnen nur zu leicht als störendes Element, dessen baldigste Aus merzung dringend zu wünschen sei. „Kleinigkeiten" sind es auch. dicinderWalderh olung Sstätte Johannisthal den Anlaß zu Unzusriedenheit gebildet haben. GeUagt wurde in letzter Zeit über die Bestecks, die am Mittagesien benutzt werden mußten. Nebenbei bemerkt: meist werden nur Löffel und Gabeln, aber keine Messer hergegeben. Wenn dann einer Fleisch zerkleinern will, so muß er zu seinem Taschenmesser greifen oder mit dem Blechlöffel zu schneiden versuchen oder daS Fleisch mit den Zähnen zerreißen. Wir würden, wenn wir nicht selber einem solchen Mittagsmahl zuzuschauen Gelegenheit gehabt hätten, es nicht für möglich halten, daß man Berliner Arbeitern so etwa? zuzumuten wagt. Uns wurde gesagt, daß bisher Messer nur verteilt worden seien, wenn das Mittagessen aus Fleisch und Kartoffeln bestano. Unter den Bestecks gab es nun solche, deren Anblick manchem schon den Appetit verdarb. Sie waren alt und abgenutzt und mitunter auch so mangelhaft gereinigt, daß man an dem daran haftenden Rost sich die Finger beschmutzte. Ein Patient hatte die Idee, ein rostiges Messer aus der Walderholungs stätte mit nach Hause zu nehmen und es auf dem Bureau seiner Krankenkasse vorzuweisen. Die Folge davon war, daß die Wald- crholungsstätte von dort Besuch erhielt, der sich ihre Schön- heiten aus der Nähe besehen wollte. Ein Zufall fügte es, daß just an diesem Tage— bessere Bestecks ausgegeben wurden. Als am nächsten Tage wieder schlechtere Bestecks zum Vorschein kamen, nahm noch ein anderer Patient ein verrostetes Messer mit nach Hause, um es als Probe umherzuzeigen. Beide Patienten entgingen dem Schicksal, als störende Elemente behandelt und au die Luft gesetzt zu werden. Inzwischen sollen die verrosteten Messer und Gabeln sämtlich aus dem Gebrauch gezogen worden sein. Es gibt aber in der Walderholungsstätte Johannis- thal noch einige andere„Kleinigkeiten", durch deren Beseitigung manchem Patienten eine große Freude bereitet werden könnte. Diese Walderholungsstätte hat rund 150 Insassen, doch im Waschraum hängen für sie nur vier Handtücher. Patienten haben uns versichert, daß diese vier Handtücher die ganze Woche hindurch reichen müssen und immer nur am Sonntag durch frische ersetzt werden. Das halten wir für unglaublich, weil ein derartiger Zustand allen Forderungen der Hygiene ins Gesicht schlüge. Aber der Schmutz, den wir selber an den Handtüchern sahen, läßt es begreiflich erscheinen, daß jene für die Walderholungsstätten be- schämende Annahme entstehen konnte. Bemängelt wird auch, daß die Klosetts keine Wasserleitung haben. Es wäre gar nicht so schwer, eine solche einzurichten. Die Walderholungsstätte hat Anschluß an eine Wasserleitung, die z. B. auch den Waschraum mit Wasser ver- sorgt. Aber es scheint, daß man so etwas für die Klosetts als ent- behrlich ansieht. Erwähnen wollen wir schließlich noch, daß auch über die leitende Schwester Helene gekiagt wird. Die Dame soll eine Majorswitwe sein, die beim Roten Kreuz ein Unterkommen gesunde» hat. Manche Patienten empfinden ihre Umgangsformen als nicht sehr freundlich. Aus einer Reihe Klagen, die uns über die Walderholungsstätte Jungfernheide vorgetragen worden sind, wollen wir nur einiges mitteilen. Hier hatte in den letzten Wochen eine immer mehr zunehmende Unzufriedenheit init der Beköstigung sich bemerk- bar gemacht. Behauptet wird z. B., das Fleisch sei oft zähe ge- Wesen, daß man eS kaum mit den Zähnen zerreißen konnte. Messer gebe es in dieser Walderholungsstätte nccht, und selbst Gabeln seien bisher nur an Sonntagen verteilt worden. Seit einigen Tagen soll indes die). Reform" eingeführt worden sein, daß täglich Gabeln geliefert werden. Patienten hatten die Absicht gehabt, der leitenden Schwester Elisabeth ihre Beschwerden zu unterbreiten. Ein Patient, der im Auftrage der andern sprechen wollte. wr»de von ihr abgewiesen. Die Dixare wird wahrscheinlich der Meinung sein, daß diese Ablehnung nichts von Schroffheit an sich gehabt habe. UnS wird versichert, daß der zur Schwester ent- sandle Patient ihr durchaus höflich entgegengetreten sei. Sie aber habe, indem sie ihm das Fenster vor der Nase zuschob, unnötiger- weise einen Konflikt herbeigeführt. Der andere Tag brachte dann die übliche Lösung solcher Konflikte, daS heißt die vorzeitige und plötzliche Entlassung des Patienten. Als dieser in der Walderholungsstätte eintraf und seine Legttimations- karte zur Abstempelung vorlege» lassen wollte, wurde ihm von der Schwester kühl erklärt, sie habe ihn abgemeldet. In solchem Falle darf der Patient nicht noch bis zum Abend in der Erholungsstätte bleiben, sondern hat sich schleunigst nach Hause zu trollen. In der- selben Woche hat ein anderer Patient dasselbe Schicksal gehabt, der nach Meinung der Schwester„Reden gehalten" hatte. Er soll in einem Gespräch mit einer Gruppe Patienten gesagt haben, wenn das Essen wieder nicht schmecke, werde m«n eS mal zurückgeben müssen. Die Schwester soll ihm dann vorgeworfen haben, daß er Unzufrieden- heit errege. Und alsbald hatte er seine Entlassung I Mit plötzlichen Entlassungen ist man in den Walderholungsstätten, wie überhaupt in den Anstalten vom Roten Kreuz, rasch bei der Hand. Es entspricht das durchaus den Anschauungen, die beim Roten Kreuz herrschen. Patienten, die im Kreise ihrer Leidens- geführten offen ihre Unzufriedenheit äußern oder yar sich zum Sprecher der anderen Unzufriedenen inachen, werden leicht als „Aufwiegler" und„Hetzer" taxiert. Die Herrschaften, die da die Fürsorge für kranke Arbeiter betreiben wollen, können sichs gar nicht vorstellen, daß ein Arbeiter beim Roten Kreuz nicht alles großartig findet._ Vorschriftsmäßige Badehosen im Freibad. Für den Besuch des Freibades am Müggelsee ist jetzt eine besondere Polizetver- Ordnung erlassen worden. Nach§ 3 ist die Benutzung des Männer- und Frauenbades nur Angehörigen desselben Geschlechts gestattet. Das gemeinschaftliche Baden ist demnach verboten. Als Bade- bekleidung ist für Personen männlichen Geschlechts mindestens eine die Oberschenkel zur Hälfte bedeckende, nicht dreieckige Bade- hose, für Personen weiblichen Geschlechts ein die Schultern, Brust, Leib und Beine etwa bis zum Kniegelenk bedeckender Badeanzug vorgeschrieben. Verboten ist u. a. Zelte außer auf den hierfür angewiesenen Plätzen aufzustellen, Erdlöcher zu graben oder am Badestrands Sand aufzuwerfen, Hunde mitzubringen und zu photographieren. Personen, die wiederholt zum Einschreiten der Äusiichtsbeamten Veranlassung gegeben haben, kann auf bestimmte Zeit der Zu, tritt zur Badcstelle verboten bezw. verwehrt werden. Ungültige Grundsteucrordnnng für Schöneberg. Die Grundsteuer- ordnung der Stadt Schönebcrg, die in bestimmten Abstufungen für bebaute und unbebaute Grundstücke eine Steuer nach dem gemeinen Wert vorsieht, ist dieser Tage aus einem formalen Grunde für un- gültig erklärt worden. Es handelte sich um Mängel bei Durch- führung des Genehmigungsverfahrens. Für den Bau der städtischen Nord-Südbah» ist der Stadt Berlin das Enteignungsrecht verliehen worden. Besonders bemerkenstvert ist dabei, daß das Enteignungsrecht sich nach dem Erlasse vom 3. d. Mts. nicht auf einzelne Grundstücke. sondern auf das ganze Bahnunternehmen erstreckt. Es kann daher die Enteignung beliebiger Grundstücke be- antragt werden, bezüglich deren die Notwendigkeit der Ent- ziehung oder dauernden Beschränkung des Eigentums sich erst später herausstellen sollte. Die Familientragödic in Treptow, über die wir gestern kurz be« richteten, ist jetzt aufgeklärt. Die beiden Toten, die am Spree« tunnel aus dem Wasser gelandet wurden, sind eine Schuhmacher- frau Gieselmann aus der Graetzstr. 57 in Treptow und ihr Söhnchen. Die Frau ist wegen Ehezwistes mit dem Kinde inS Waffer gegangen. Bon einem Kraftdrcirad überfahren und getötet wurde gestern abend gegen S'/z Uhr an der Ecke der Scharnhorststraße und Kieler Straße ein 87 Jahre alter Arbeiter Karl Schenk, dessen Wohnung nicht bekannt ist. Als der Wagenführro Lier aus der Hermsdorfer Straße 8 mit einem Kraftdreirad der A. E.-G. durch die Scharn« horststratze kam, geriet Schenk so plötzlich vor daS Gefährt, daß er umgestoßen wurde und mit dem Kopf auf daS Straßenpflaster aufschlug. Schenk wurde überfahren und getötet. Ein Selbstmordversuch im Tiergarten wird schon ivieder ge« meldet. Gestern morgen um 7 Uhr hörte ein Schutzmann der Tiergartenwache auf einem Rundgang durch den Part"tft der Nähe des Spielplatzes einen Schuß fallen. Er forschte nach und fand in der Näh« einen jungen Mann bosinnungslos auf einer Ruhebank. Neben ihm lag ein Revolver, aus dem soeben geschossen worden war. Der Beamte brachte den Bewußtlosen nach der Charit« und hier ergab sich, daß er sich eine Kugel in die Brust geschossen hatte. Der Lebensmüde wurde festgestellt als ein Schiffskoch August Doxik. Wahrscheinlich hat ihn Mittel- und Stcllungslosigkeit zu dem Selbstmordversuch getrieben, denn man fand bei ihm nicht die geringste Barschaft vor. Ein aufregender Borfall spielte sich Donnerstag nachmittag aoj dem Bahnhof Charlottenburg ab. Als ein von Halensee kommender Zug herannahte, sprang plötzlich ein junges Mädchen, das aufgeregt auf dem Bahnsteig hin und her gelaufen war, auf die Schienen hinab, wo sie niederfiel. Durch Zurufe der zahlreichen Augenzeugen wurde der Führer des Zuges auf den Vorfall aufmerksam und gab sofort Gegendampf. Glücklicherweife gelang eS ihm auch, seinen Zug unmittelbar vor dem Mädchen zum Stehen zu bringen. Als Bahnbeamte die Selbstmordkan'oidatin in Sicherheit bringen wollten, fetzte diese ihrem Transport den heftigsten Widerstand entgegen, in- dem sie fortgesetzt schrie, man möge sie doch ruhig sterben lassen. In der Lebensmüden wurde die 2tjährige Ida Klankow aus der Joachim-Fricdnch-Straße festgestellt. Da die ärztliche Untersuchung auf der Unfallstation in der Kaiser-Friedrich-Straße ergab, daß die K. offenbar geisteskrank ist, wurde das Mädchen der Edelfchen An- statt zugeführt. Schwerer Verkehrsunfall auf dem Potsdamer Platz. Unter den eigenen Wagen geraten und schwer verletzt wurde der 39 jährige Mitfahrer Alexander Nowitzki, Gormannstr. 21. N. hatte auf emem Fuhrwerk der Firma Parlisch. Schönhauser Allee, gesessen. Als der Wagen den Potsdamer Platz kreuzte, stürzte N., der anscheinend einen Ohnmachtsanfall erlitten hatte, herunter und geriet Unglück« licherweise unter die Räder des Gefährts. Er wurde über Brust und beide Beine überfahren und in schwerverletztem Zustand inS Kranken- hauS Moabit eingeliefert. Neben Brüchen beider Beine hatte der Verunglückte innere Verletzungen davongetragen. Großfeuer auf den Zentralfricbhof der Berliner Stadtsynobe. Gestern vormittag, kurz nach 10 Uhr, kam in der Kapelle deS ZentralfriedhofS der Berliner Stadtsynode in Ahrensfelde hinter Weißensee ein Großfener zum Ausbruch. Der Brand entstand auf bisher nicht ermittelte Weise und ergriff in kurzer Zeit den ganzen Holzbau der Kapelle, die früher der Berliner Zwingli- gemeinde gehörte und etwa 500 Personen faßt. AuS Ahrensfelde und den umliegenden Ortschaften Blumberg, Mehrow, Falkenbcrg und Eiche waren bald die Freiwilligen Feuerwehren zur Stelle, doch konnte von der Kapelle nichts mehr gerettet we-den. Sie brannte vollständig nieder. Personen sind bei dem Feuer nicht zu- schaden gekommen. Mit den Nachlösch- und Aufräumungsarbeiten hatten die Wehren bis in die Nachmittagsstunden hinein zu tun. Dachstuhlbranb in Berlin SO. Gestern früh zwischen v und 6 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Reichenberger Str. 106 im Südosten Berlins gerufen, wo der Dachftuhl des Vorderhauses brannte. Da das Feuer schon eine größere Ausdehnung erlangt hatte, griff die Wehr sofort mit zwei Schlauchleitungen ein. Nach halbstündiger Löschtätiqteit war die Gefahr beseitigt. Der Dach- stuhl ist zu einem erheblichen Teil zerstört.— In dex Wiener Straße 17 und in der Ritterstraße 23 hatte die Wehr vorher zwei größere Kellerbrände zu löschen. An der ersten Stelle standen Spänevorräte und Vorschläge und an der zweiten größere Posten Holzwolle und Papier in Flammen. Hier wie dort nahmen die Löscharbciten lange Zeit in Anspruch.— Die Neuköllner Feuerwehr hatte in der Berliner Straße 3Z ifl einem Fabrikgebäude einen größerko DeckmblM' übzMche,u von einem Wüstling überfallen wurde gestekn eine Gkaserfrau M. aus der Sck>illerpromenade zu Reinickendorf. M. besitzt in der Kolonie an der Graf-Roeder-Allee, in der Nähe der Erholungs- statten vom Roten Kreuz, eine Laube, auf deren Gelände er auch einiges Kleinvieh hält. Während der Woche fährt seine Frau mit dem Rad täglich mehrere Male dorthin, um die Tiere zu futtern. Gestern morgen radelte ihr nun ein unbekannter Mann nach, holte sie ein, rih sie vom Rad und vergewaltigte sie, bevor auf ihr Hilfe- gcschrei noch Leute herbeigekommen waren. Er schwang sich dann sofort wieder auf sein Rad, entfloh eiligst von dem Laubengelände und entkam. Da die llebcrfallcne sich heftig zur Wehr gesetzt hatte, so hat der Täter ivahrscheinlich irgendwelche Verletzungen, vielleicht Kratzwunden am Gesicht oder den Händen davongetragen. Nach der Beschreibung die Frau M. Ben ihm gibt, ist er etwa 30 Jahre alt, mittelgrost und untersetzt. Er hat schwarzes Haar und Schnurr- und Spitzbart und trug einen grautarierten Jakettanzug, eine graue Ballonmütze und einen bunten Schal um den Hals. Vorort- l�sack richten. Lichtenberg. Angst vor dem Licht. In der Sitzung der Stadtverordneten vom Donnerstag beschloß die Majorität, entgegen einem Antrage des Genossen Grauner, nachdem ihre Kommandeure der Geschäfts- ordnung logische Gewalt angetan, die Vorlagen betreffend generelle Regulierung der Lehrergehälter und anderer Beamtenkategorien sowie die Arbeitsbedingungen der städtischen Arbeiter, in der gc- Heimen Sitzung zu verhandeln. Einem nochmaligen späteren Vor- stoß unserer Genossen gelang es, wenigstens die letztere Vorlage auf die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung zu bringen. Als Schiedsmann für den vierten Bezirk— Lrtstcil Rummelsburg nördlich der Ostbahn— wurde Herr R. Winkler, Schillerstr. 24, gewählt; als Stellvertreter amtiert laut Beschluß Herr Oskar Gast, Schillerstr. 33, und als Schiedsmann für den sechsten Bezirk, Orts- teil Boxhagen, westlich der Gryphiusstraßc, Herr Stadtverordneter «Engel, Simon-Dach-Straße 2. Die Steinsctzcrinnung verlangt in einer Petition die Beseitigung der in ihr Fach einschlagenden Regiearbciten in Lichtenberg. Bei der Besprechung dieser Petition, der.n Ablehnung auch der Ausschuß befürwortete, regte Genosse Grauer eine Erweiterung der Rcgiearbcit an. Begründend verwies er auf die im„Vorwärts" erörterten Vorgänge in Königswuster- hausen. Baurat Uhlig gab der Anficht Ausdruck, daß bei öffentlichen Ausschreibungen eine Verständigung der Unternehmer und Uebervorteilung der Gemeinden ziemlich ausgeschlossen sei. Sogar ein bürgerlicher Vertreter trat solch naiver Auffassung entgegen. Düwell wies darauf hin, daß Unternehmerorganisationen ihre Mit- gliedcr verpflichteten, der Zentrale von allen ihren Offerten Kenntnis zu geben, ferner würden allgemeine Grundlinien für die Preisberechnungen festgelegt, und manchmal erhielten die Verbände auch aus den Gemeindeburcaus Kenntnis über die eingegangenen Offerten. Die Petition fand durch Uebcrgang zur Tagesordnung ihre Erledigung. Herr Schachtel begründete eine Petition, die von der Stadt die Errichtung eines Hlipothekcnamtcs fordert. Ter Magistrat erklärte, demnächst eine entsprechende Vorlage zu unter- breiten. Mehrere Redner versprachen sich von der Errichtung große Vorteile für die Hausbesitzer und— Mieter. Düwell er- klärte, seine Freunde wären niit der Errichtung des Amtes ein- verstanden. Aber ausschweifende Hoffnungen seien an eine solche Einrichtung nicht zu knüpfen. Eine Anzahl der gewerbsmäßigen Wohnungsvermieter würde natürlich bei einer Vcrbilligung der Hypotheken Ersparnisse erzielen. Tie jetzigen Besitzer rechneten dann aber auch eine größere Rentabilität heraus, wonach bei den nächsten Verkäufen die Preise festgesetzt wurden. Nach einigen Jahren sei dann für die späteren Hausbesitzer der jetzige Zustand wieder vorhanden.— Die Versammlung erklärte sich mit dem Ein- bringen einer Vorlage einverstanden. Ein Ortsslatut, das die Zahl der Stadtverordneten auf 66 festlegt, fand einstimmige An- nähme. Auf eine Anfrage des Genossen Becker bemerkte der Ober- bürgermeistcr, die Vornahme einer Neuwahl vor November empfehle sich nicht. Eine frühere Wahl mache die sofortige Auf- Stellung der Wählerlisten erforderlich. Diese würde aber für spätere Wahlen keine Gültigkeit mehr haben, so daß auf jeden Fall im September nochmals eine Aufstellung erfolgen müsse. Genosse Grauer empfahl, die Arbeiten zu beschleunigen und die Wahl- legitimation einzuführen. Bei der sodann zur Beratung gestellten Vorlage betreffend Arbeitsbedingungen für die in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter gab Düwell der Enttäuschung der Arbeiter Ausdruck. Obwohl die Berechtigung ihrer Forderungen allseitig anerkannt worden sei, wage es nun der Magistrat, unter dem Scheine einer Reform bei kleinen Zugeständnissen erhebliche Verschlechterungen anzubieten. Obwohl bisher schon für die meisten Arbeiter die gstündige Schicht bestehe, wolle der Magistrat die all- gemeine Einführung doch noch verhindern und, soweit er Zuge- ständnisse mache, diese ab Oktober erst wirksam werden lassen. Der Festsetzung des ebenfalls schon für die meisten Arbeiter bestehenden Minimaklohnes sei der Magistrat überhaupt noch aus dem Wege gegangen. Das bedeutet für die Arbeiter im früheren Rummels- burger Bezirk eine Schädigung, denn dort seien auch die Feiertage bezahlt worden, was in Lichtenberg nicht der Fall sei. Eine wei- kere Verschlechterung bedeute der Antrag des Magistrats betreffend Bezahlung von Ueberarbeit. Bisher schon würden in den städtischen Werken Ueberstunden nach 3 Uhr abends mit 50 Proz. Aufschlag be- zahlt, nun werde vorgeschlagen, den Aufschlag auf 25 Proz. zu begrenzen. Das fei doch eine Reform— rückwärts. Weiter empfehle der Magistrat, es bei den bisherigen Ferien— nach fünf Jahren Dienstzeit 4 Tage, nach 10 Jahren 7 Tage— zu belassen. Da früher in Rummelsburg schon nach einer Dienstzeit von zwei Jahren 2 Tage, steigend auf 8 Tage bei 5 Jahren Dienstzeit, ge- währt wurden, enthalte auch dieser Vorschlag für einen Teil der Arbeiter eine direkte Schädigung. Solche erlaube man sich den Arbeitern zu bieten, obwohl ihnen ganz ausdrücklich zugesichert wor- den war, daß die Eingemeindung von keinerlei Schädigung für sie begleitet sein werde. Der Redner beantragte, alle materiellen Forderungen nach den Vorschlägen der Arbeiter sofort zu genehmi- gen. Den Vorschlägen des Magistrats betr. Einrichtung eines ge- meinsamen Arbeiterausschusses und einer allgemeinen Arbeitsord- nung stimme er zu.— Herr Schachtel beantragte Verweisung der Vorlage an eine Kommission. Oberbürgermeister Ziethen meinte, die Vorschläge enthielten doch Verbesserungen, denn eine immerhin ziemlich große Zahl der Beschäftigten arbeite bisher noch länger als 9 Stunden. Den Minimallohn könne man erst festlegen, wenn der finanzielle Effekt berechnet worden sei. Die Majorität beschloh natürlich, trotz ihrer versicherten Arbeiterfreundlichkcit. die Angelegenheit an eine Kommission zu verweisen. Sie ist damit wiederum auf die lange Bank geschoben. Eine solche empörende Behandlung der Arbeiter sollte man wirklich kaum noch für möglich halten.— Gegen einen Antrag des Magistrats, das..Lichtenberger Tageblatt" in Zukunft als alleiniges amtliches Publikationsorgan zu be- nutzen, wandte Genosse Brühl ein, daß eS endlich an der Zeit sei, wichtige amtliche Mitteilungen an alle größeren Zeitungen Berlins gelangen zu lassen. Der Antrag selbst verfiel alsdann der Wer- kogung. � geheimen Sitzung wurden sämtliche Anträge betr. Beamt-n- und Lehreraehälter einer zwölsgliederigen Kom- Mission überwiesen. Zustimmung fand der Antrag, den Herren Stadträten Kielblock und Kloster in Anerkennung ihrer 2ö,ahrlg«n Tätigkeit als Stadträte resp. Stadwerordnete den Titel„Stadt- älteste" zu verleihen. Obwohl auch eine Reihe Punkte der öffentlichen Sitzung durch Verweisung an Kommissionen ihre vorläufige Erledigung gefunden «hatte, war doch bei Schluß der Sitzung die zwölfte Stunde ange- brochen. Weihensee. AuS der Gemeindevertretung. Ein Privatvergnügen leisteten stch tzi« Herren Fechner und Schwartz. indem sie die Abwesenheit des beurlaubten Bürgermeisters benutzten, um mit ihrer Redekunst die Gemeinde und den darbenden Haus- und Grundbesitz dem Ver- derben zu entreißen. Eine Flut von Warnungen und der fort« währende Appell an die Bürgerschaft sollten verhindern, daß drei nunmehr bebaute Parzellen aus einer Pfandverbind- lichkeit entlassen werden, damit der Bauherr seine Hypotheken regeln konnte. Genau so verhielt es sich mit einer Vorrangs- einräumung zweier Sicherungshypotheken. Die Befürworter der Sache wurden von Herrn Fechner durch fortwährende Zwischenrufe gestört, was denselben Herrn jedoch nicht hinderte, den Genossen Fuhrmann wegen einer Bemerkung beim Vorsitzenden anzuschwärzen. Als Genosse Taubmann ihm einen Denunzianten an den Kopf warf, beantragte er auch für diesen einen Ordnungsruf. In der geheimen Sitzung sollten drei Grundstücke zur Bebauung von Wohnhäusern verkaust werden unter der Bedingung, daß die Gemeinde die zweite Hypothek hergebe. Auch hier war eS gerade Herr Fechner, der den Verkauf aus dem Grunde verhindern wollte, daß jeder Neu- bau wieder ein Ruin der seßhaften Hausbesitzer bedeute, die ihre leerstehenden Wohnungen»nd Läden nicht umsonst loswerden. Auch hierbei rückten feine Fraktionskollegen weit ab, denn auf Grund solcher Argumente wollten sie doch nicht der weiteren Bebauung Einhalt gebieten. Unter gewissen Kautelen waren auch diese für den Verkauf deS Geländes, so daß mit Mehrheit der Beschluß zu- stände kam. Hue der frauenbewegung. Beschwerdestellen für Arbeiterinnen. Die alljährlich erscheinenden Berichte der Gewerbeauf- fichtsbeamtrn beweisen immer wieder aufs neue, daß die Ar- beiterschlitzgesetze, so unzureichend sie sind, ohne die organisierte Mithilfe der Arbeiterschaft nicht durchgeführt werden können. Dabei geben die Berichte nur in knappster Form Aufschluß über die gemachten Ersahrungen. Die Beamten müssen sich auf kurze, sachliche Wiedergabe des Erlebten beschränken und köirnen keinerlei Schlußfolgerungen daran knüpfen, angeblich, weil die Berichte sonst zu umfangreich werden würden. Aber trotz ihrer Kürze reden die Berichte dennoch eine deutliche Sprache. Schon die nackten Zahlen über die in jedem Jahre festgestellien Verfehlungen geben Aufschluß über die Mängel der Arbeiterschutzgesetzgebung und der Institution, die für ihre Durchführung Sorge tragen soll. Mes wird auch von denen verstanden, die sich im allgenicincn für Zahlen nicht interessieren. Dabei reicht die Zahl der Gcwerbcaufsichtsbeamten bei weitem nicht aus, um sämtliche, revisionspflichtigen Betriebe auch nur einmal jährlich kontrollieren zu können. Im Jahre 1911 unierstanden der amtlichen Kontrolle in Preußen, über die jetzt die Berichte vorliegen, 163 379 Betriebe. Von diesen blieben 78 599, also nahezudieHälfte.unkontrol- l i e r t. Von den besichtigten Betrieben wurden 77 151 nur einmal besuchtl, 12 998 erfuhren zweimalige Kontrolle und nur 7392 konnten mehr als zweimal besichtigt werden. Wer nun selber in revisionspflichtigen Betrieben ge- arbeitet hat, wird wissen, wie sckpver es für einen Außen- stehenden ist, Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften fest- zustellen. Bei einmaligem Besuch ist dies in den seltensten Fällen möglich. Deshalb müssen sich die Beamten der Ge- werbcaufsicht in den nicistcn Fällen darauf beschränken,»ach- zuprsifcn, ob die Arbcitsräume nach ihrer Größe den Vor- schristen entsprechen, ob die vorgeschriebenen Auszüge aus der Gewerbeordnung in den Geschäftsräumen aushängen, ob die Arbeitsordnungen den Bestimmungen formell nicht zuwider- laufen und was sonst noch für formale Dinge in Frage kom- men. Aber ob danach gehandelt wird, das festzustellen bleibt dem Zufall und den beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen überlassen. Sie nur wissen, ob und in welcher Weise die Vor- schristen des Arbeiterschutzes in den Betrieben umgangen werden. Nur durch Beschwerden oder Anzeigen werden des- halb die Gcwerbeatlfsichtsbeansien oftmals erst auf Verfehlun- gen hingewiesen. Revidieren sie dann die Betriebe, dann ver- sagen aber häufig noch die Beschäftigten, weil sie den Verlust ihrer Stellungen befürchten, wenn sie der Wahrheit gemäß auf Fragen antworten. Ist die Arbeiterschaft gut organisiert, kann sie natürlich auch für die Durchführung des Arbeiterschutzes Sorge tragen. Anders liegen die Dinge aber überall dort, wo die Zahl der Organisierten im Verhältnis zu der der Beschäftigten nur klein ist. Dies ist nun häufig in den Betrieben der Fall, in denen die weibliche Arbeitskraft! eine erhebliche Rolle spielt. Daher entfällt die Mehrzahl der amtlicherseits festgestellten Verfehlungen denn auch auf diese Berufe. Um nun auch den Arbeiterinnen Gelegenheit zu geben, der Vorteile des Arbeiterschutzes teilhaftig zu werden, sind in einer Reihe von Orten Beschwerdestellen errichtet worden, in denen Arbeiterinnen ihre Klagen über Mißstände und Ungesetzlichkeiten im Arbeitsverhältnis unabhängigen weiblichen Personen vortragen können, die dann die Beschwerden den zuständigen Gewerbeaufsichtsboamten über- Mitteln, ohne die Namen der Beschwerdeführe- rinnen zu nennen. Es liegt im Interesse der Arbeiterinnen, an allen Orten solche Beschwerbestellen für Arbeiterinnen zu errichten und, wo solche vorhanden sind, in allen Betrieben auf s ie aufmerksam zu machen und zur Jnanspruch- nähme aufzufordersi. Für Berlin nehmen Beschwerden entigegen: � Das Arbeiterinnensekretariat der Generalkommission der Gewerkschaften, Berlin SO. 16, Engel-Ufer 15 IV. Sprechstunden täglich von 9 bis 5 Uhr, Donnerstags bis 8 Uhr. Bureau der sozialdem. Frauen, Berlin SW.. Lindenstr. 3, Hof IV. Sprechstunden täglich von 9 bis 4 Uhr. — verantwortlicher Redakteur:«Ibert Wach». Berlin. Sür de» Hud aller Melt. Opfer der Zlutoraserei. Auf der vom österreichischen Automobilklub arrangierten A l p e n f a h r t hat sich gestern ein schweres Unglück ereignet, dem ein Charlottenburger Ehepaar zum Opfer fiel. Die an der Wettfahrt beteiligten Kraftwagen sollten am Freitag die Strecke Triest-Abbazia durchfahren. Der Wagen deS Charlottenburger Fabrikbesitzers Fischer fuhr infolge Federbruchs an einer Kurve gegen einen Felsen und wurde total zer- t r ü m m e r t. Von den Insassen wurden F i s ch e r und seine Frau sofort getötet, der Kontrolleur deS Wagens, ein österreichischer Rittmeister W a l z l, erlitt einen schweren Schädelbruch und dürste kaum mit dem Leben davonkommen. Dem Chauffeur des WagenS gelang es, noch rechtzeitig abzuspringen, so daß er unverletzt blieb. Die Schuld ist in dem sportlichen Ehrgeiz des Fabrikbesitzers zu suchen. Der Wagen war schon in Trieft reparaturbedürftig. Fischer ließ die gebrochene Feder aber nur not- gnjergUnteU verantw.: Tb- Glocke. Berlin. Druck u. Perlag: Vorwart» dürftig ausbessern, da sein Wagen bei Einsetzen einer neuen Feder mit Strafpunkten bedacht worden wäre. Brand eines DonaudampferS. Ein entsetzliches Drama hat sich in der Nacht zum Freitag an Bord des rumänischen Donaudampfers„Königin Elisabeth" abgespielt. Auf dem mit 89 Passagieren besetzten Dampfer brach während der Fahrt Feuer aus, das bald den ganzen Schiffsraum ergriff. Viele Passagiere, die, soweit sie nicht in den Rettungsbooten Platz fanden, schwimmend das Ufer zu erreichen suchten, mußten infolge des herrschenden Hochwassers stundenlanganHölzeran- geklammert im Wasser verbleiben, bis aus Cernavoda Fischerboote und zwei Schleppdampfer zur Hilfe- leistung eingetroffen waren. 23 Personen werden vermißt. Es ist wahrscheinlich, daß sie von den Wogen mitgerissen und ertrunken sind. Der Dampfer ist bis auf den Rumpf verbrannt._ Ein Kaiserpreis gestohlen. In der letzten Nacht statteten Einbrecher der Eigelsteintorbyrg in Köln einen Besuch ab und ließen eine goldene Kette im Werte von 260 00 M. und andere kostbare Gegenstände, zumeist Münzen und Pokale, mit sich gehen. Die Kette war vom Kaiser dem Kölner Münnergesangverein gelegentlich seines 79 jährigen Be- stehenS gestiftet worden und wurde in einem Schranke der der Stadt gehörigen Burg aufbewahrt. Die Diebe sind mittels einer Strick- leiter in das Gebäude eingedrungen. Auf die Ergreifung der Spitz- bubcn ist ein Preis von 2090 M. gesetzt. Der rollende Rubel. Die Strafkammer in Köln verurteilte zwei städtischs Ange- stellte zu je einem Jahr, zwei Unternehmer zu 8 und 4 Monaten Gefängnis. Die Angestellten hatten den Unternehmern städtische Stratzenarbeiten in Rechnung gestellt, die diese nie gemacht hatten, um das Geld mit den Unternehmern zu teilen. Ferner haben sie den Unternehmern bei Submissionen wichtige Mit- teilungen verraten usw. Die Stadt ist um viele Tausende geschädigt. In der Voruntersuchung verweigerten 19 städtische Bau- beamte auf die Frage, ob sie G e s ch e n k e annähmen, die Aussage. Ein Unternehmer erklärte, er habe sämtliche st ädtischeBau- beamte in derTasche. Ein anderer Unternehmer sagte, wenn man für 199 M. städtische Arbeiten bekommt, sind 29 Angestellte da, diedieHandaufhalten. Die Verabreichung von Trink- geldern, das Spendieren von Bier und Wein usw. Nxir ziemlich ver- breitet. Wer Bestechungsgelder gab, wurde bei der Vergebung der Arbeiten bevorzugt. Gegenüber diesen Zuständen fiel mit Recht das Wort: Augiasstall._ Eine folgenschwere Ohnmacht. «Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich im südlichen Frank- reich bei Pont Evequo ereignet. Ein Straßenbahnführer wurde, als er gerade im Begriff war, seinen aus zwei Wagen bestehenden Straßenbahnzug einen steilen Abhang hinunterzuführen, plötzlich ohnmächtig. Er fiel vom Wagen, wurde eine Strecke weit mit- geschleift und dabei buchstäblich zermalmt. Der Straßen- bahnzug fuhr darauf mit rasender Geschwindigkeit den Abhang hin- unter. Beim Fuße des Abhanges stürzten beide Wagen u m. Die Insassen wurden sämtlich, teils durch den Sturz, teils durch herumfliegende Glassplitter der zerbrochenen Wagenscheiben verletzt. Ein Passagier erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Wege zum Hospital verstarb. Der Mailänder Advokatenstrcik. AuS Rom wird uns unter dem 19. d. M. geschrieben: Seit drei Tagen führen die Mailänder Rechtsanwälte ihren Streik durch, wobei sie sich vielleicht zahlreicher und länger als an den normalen Arbeitstagen in den Gerichtsgebäuden aufhalten. Sie überwachen den Streik, weil sie die Tätigkeit von Streikbrechern fürchten, welche Furcht sich bis jetzt als unberechtigt erweist. Bor dem Stadt- richter, vor dem die kleinen Prozesse verhandelt werden, hat die Streik- kommission beschlossen, einen Rechtsanwalt mit der Verteidigung zu beauftragen, soweit eS sich um Angeklagte handelt, die durch die Untersuchungshaft bereits ihre Strafe abgebüßt haben. In den Prozessen wegen Uebertretung, wo die Mitwirkung deS Verteidigers nicht vorgeschrieben ist, wurde eben- falls weiter verhandelt. In allen anderen Fällen beantragten die Angeklagten die Vertagung, weil ihr Anwalt fehle, und der Stadt- richter verurteilte die Fehlenden in die Kosten der Ver- t a g u n g. Vor dem Strafgericht mußten alle Verhandlungen ver- tagt werden, soweit nicht der Angeklagte flüchtig war. Um hier eine unbillige Schädigung der Angeklagten zu verhüten, haben die Rechts- anwälte für alle nicht Rückfälligen die Enklassung aus der Unter- suchungshaft beantragt. Vor dem AppellationSgericht schließlich mußte alles vertagt werden und alle Verteidiger wurden zu einer Disziplinarstrafe und der Tragung der Kosten verurteilt._ Klein« Notizen. Einsturz eines TampferstcgeS. Als die Schülerinnen der Se- minarübungsschule in Tilsit Freitag morgen auf einen Dampfer gingen, um einen Ausflug nach Ober-Eißcln zu machen, b r a ch d e r Landungssteg. Zehn Schülerinnen fielen ins Wasser; zwei von ihnen erlitten anscheinend schwere Ver» letzungcn. Zum Eisenbahnunglück bei Gaschwitz. Der Lokomotivführer Morgner- Reichenbach, Führer des Zuges 214, der das Halte- signal überfuhr und dadurch das Unglück bei Gaschwitz herbeiführte, wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Unter- suchungshaft genommen und an das Amtsgericht Reichen- dach eingeliefert. Die Gefahren der Arbeit. Auf einem Grundstück der Martin- strahe in Leipzig-Angererottendorf stürzte Freitag vormittag einGerüstein und begrub fünf Arbeit er unter sich. Drei wurden schwer verletzt, zwei leichter. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus gebracht. Blutiges Ehedrama. In der Nacht zum Freitag überfiel in Magdeburg ein Mechaniker seine jm Bette liegende Ehefrau und brachte rhr mit einem Küchenmesser mehrere anscheinend lebensgefährliche Stiche bei. Die Frau konnte noch zum Arzt laufen, von wo aus sie nach Anlegung eines Notverbandes in ein Krankenhaus übergeführt wurde. Der Mann schloß sich in der Wohnung ein und wurde, als man die Tür geivaltsam geöffnet hatte, mit schweren Schnitt- und Stichwunden aufgefunden. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Unwetter in Tiflis. Infolge von Regengüssen habesi mehrere Dörfer deS Bezirks Gunib großen Schaden gelitten. In einem Dorfe ist das Lehmdach einer Hütte eingestürzt und hat vier Frauen erschlagen. Die Saaten sind zum Teil vernichtet. Ein angeschwollener Bergstrom hat sechs Frauen uzit sich fortgerissen; auch viel Vieh ist ertrunken. Freireltglöse Gemeinde. Sonntag, den 23. Juni, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allce IS/17, und Rixdorf,.Ideal-Passage': Freireligiös« Borlesung. Vormittag» 11 Uhr, Kleine Franksurtcr Str. S: Vortrag von Herrn Dr. H. Hasse:„Die Ueberwindung des Spießbürgertums". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Tterbekalle der Metallarbeiter zu Hamburg.(E. H. 29.) Filiale Berlin 7. Sonnabend, 22. Junt, abends 8«/, Uhr, bei Preppermann, Pasewalker Str. 3: Bersammlung.— Filiale Neukölln. Sonnabend. 22. Juni, abends 8'/, Uhr, bei labbert, Stcinmctzstr. III: Neuwahl der Ortsvcrwaltung._ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Bcrim SW. Hr. 143. 29. Zchrg. Keilagt des.Awöck"- Amchm flr Mm lind Weßm. 22. Juri 1912. Torort- JNachricbtcn. Zvilmersdorf-Halcnsee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung vom ö. Juni d. I. wollte die Mehrheitsfraklion der Wilmersdorfer Stadtverordnetenversammlung die Angelegenheit des Joachims- thalschen Gymnasiums durch einen vorzeitigen Schluß der Erörterung slill begraben. Sie erreichte mit ihrem Plan das Gegenteil. Die vergewaltigte Minderheit erhob Einspruch gegen dies Verfahren; und es gelang ihr, die zweite Lesung der Vorlage zu verhindern. Als nun am Mittwoch von neuem die Magistratsvorlage betreffend die Einsetzung einer gemischten Deputation für die Verwertung des Joachimsthalschen Gymnasialgrundstncks aus der Tagesordnung stand, wurde im überreichen Umfange nachgeholt, was in der ersten Lesung dank dem Schluß der Debatte versäumt worden war. Nicht weniger als zehn Redner sprachen zum Teil mehrere Male zur Parkfrage; und als dann endlich die Rednerliste erschöpft war, regnete es noch eine Flut von persönlichen Bemerkungen. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, an dieser Stelle die so reichlich zum besten gegebene Weisheil festzulegen; und der rechtsnationalliberale Stadt- verordnete Dr. Leidig mag manche Herren schon richtig eingeschätzt haben mit der Behauptung, daß sie weniger Lärm gemacht haben würden, wenn sie nicht im Hinblick auf die im Herbst stattfindenden Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung um ihr Mandat fürchteten. Auch ist Herr Leidig in politischen Dingen erfahren genug, um Grund für seine Behauptung zu haben; daß die Politik ein schmutziges Geschäft sei. Alles in allein wollte keiner der Redner den Park preisgeben. Selbstverständlich erklärte sich auch Genosse Schröder dafür, daß für die Oeffentlichkeit alles, wa» nur möglich sei, ge- rettet werden müsse.„So Dalles, so Dalles", meinte er im Hin- weis auf die Schuldenlast, die Wilmersdorf sich ohnedies aufbürden muß und auf die Weigerung der Mehrheit, in der Behandlung der Steuerfragen mit den übrigen Groß-Berliner Gemeinden zusammen- zugeben. Nach der fast zweistündigen Debatte wurde die Angelegenheit einem Ausschuß überwiesen. Erst wenn dieser seine Arbeiten erledigt hat. wird sich zeigen, ob die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung wirklich das cngfiskalische Interesse hinter der Sorge um das Gesamtwohl zurückzustellen weiß. Von den übrigen Gegenständen der Tagesordnung verdient die Angelegenheit des Amtsgerichtsgrundstücks erwähnt zu werden. Die Stadt will dem Fiskus für ein Gerichtsgebäude seinen am Heidelberger Platz belegenen Bauplatz zur Verfügung stellen, deffen eine Hälfte von der Haberlandschen Terraingesellschast Verlin-Südwesten unter besonderen Bedingungen zum Kauf angeboten worden ist. Für den Fall nämlich, daß der Bau des Amtsgerichts nicht zustande kommt oder wenn er an einer anderen Stelle des Stadtbezirks errichtet ivird, soll die Stadt das Grrundstück innerhalb zwei Jahren nach der Auflassung entweder zur Errichtung eines anderen Gebäudes ähnlichen monumentalen Charakters verwenden oder das Grundstück zu dem gezahlten Preise zuzüglich 4 Proz. Zinsen der Gesellschaft zurückgeben oder es gegen ein ebenso großes an anderer Stelle des dann noch im Eigentum der Gesellschaft befindlichen Ge« ländes vertauschen. Es hatte sich das Bedenken erhoben, daß der FiSkuS sich über die Amtsgerichtsfrage nicht binnen zwei Jahren entschieden haben könnte; die Versammlung stimmte den Vertrags- bedingungen aber zu. nachdem die Terraingesellschaft den Termin von zwei Jahren auf drei Jahre verlängert hatte. Nun hat die Stadt noch die andere Hälfte des Grundstücks von der WilmerS- dorfer Terrain-Nheingaugesellschaft zu erwerbe». Uctcr die Frage der Gültigkeit der Wahl dcS Kaufmanns Lazarus zum Stadtverordneten verhandelte gestern das Ober- vcrwaltungsgericht, nachdem der Bezirksausschuß seinerzeit die am 3. November erfolgte Wahl für ungültig erklärt hatte. DaS Obcr- vcrwaltungSgcrichl hielt noch eine weitere Aufklärung der Rechts- materie für erforderlich und vertagte die Sache, nachdem sich die Parteien zu der entscheidenden Rechtsfrage nach der Bedeutung eines sogenannten Sichcrungsnießbrauchs geäußert hatten. Tempelhof. Mit dem Bau einer Gcoicindcdoppclschule erklärte sich die letzte Gcmeindevertretersitzung im Prinzip einverstanden. Dieselbe soll an der Lankwitzer Chaussee und dem Teltowkanal, am Alarichplatz, er- richtet werden und einen durch Anleihe zu deckenden Kostenaufwand von 785(XX) M. verursachen. Das Gebäude soll 37 Klassen, zwei Zeichensälen, einem Physikraum, Schularztzimmer, Bibliothek, zwei Turnsälen mit Galerien usw. Raum bieten. Unsere Genossen brachten verschiedene Wünsche zum Vortrag, so u. a. die Schaffung eines Er- frisckungsraums, sowie Trink-, Wasch- und Badegelegenheit. Auch die Toiletten seien in allen Stockwerken notwendig. Die weiter- gehenden Wünsche wurden als nicht erfüllbar bezeichnet, auch wird bei dem Bau auf einen größeren Turnsaal überhaupt keine Rücksicht genommen. Zu einer Schülcrwanderung eines hiesigen Turnvereins wurden zehn Schüler mit je 12 M. bedacht. Genosse Schmidt be- antragte, eine höhere Summe zu bewilligen, damit alle Schüler der ersten Klasse an der Wanderung teilnehmen könnten. Dieser Antrag wurde von den bürgerliche» Herren abgelehnt. Der' hierauf erstattete Bericht des Schularztes Sanitätsrat Dr. Magnussen war so dürftig, daß eS sich nicht verlohnt, hierauf einzugehen.— Die Freistellen an der höheren Mädchenschule sollen nicht"mehr 3, sondern 5 Proz. betragen. Genosse Müller schlug 10 Proz. vor, damit einige minderbemittelte Kinder die Schule bc- suchen können, zumal die Gemeinde einen jährlichen Zuschuß von über 30 000 M. leistet, was für jedes Kind der bessergestellten Eltern ein Geschenk von jährlich über 85 M. bedeutet. Selbst dieses kleine Entgegenkommen ivurde von den Bürgerlichen ohne Debatte ab- gelehnt.— Um ein einheitliches Straßenbild zu bekommen, Ivurde eine Polizeiverordnung über Anlegung von Straßen einer Aenderung unterworfen. Danach' müssen bei einer Breite des BürgersteigeS von unter 4 Meter 1,25 Meter breite Platten, bei über 4 Meter Bürgersteig solche von 1,50 Meter Breite, bei 5 Meter 1,75 Meter und bei über « Meter breitem Bürgersteig 2 Meter breite Platten gelegt werden. Außer anderen Straßenangclegenhciten und der Herstellung der weiteren Kanalisationsleitungen auf dein Tempelhofer Felde be- schäfligte sich die Vertretung auch mit der Benennung von Straßen auf dem Tempelhofer Felde. Größere Bezirke sollen den Namen Korso oder Ring erhalten. Drei Straßen will die Gemeinde nach Personen nennen, die noch am Leben sind und im Amte stehen. Eine trägt den Namen des Regierungspräsidenten, die zweite die des Landrats und die Straße 3 ist mit knapper Majorität nalch.dem Namen des Gemeindevorstehers— Mussehlstraße— getauft worden. Hierauf erfolgte geheime Sitzung. Die Beisiycrwahlen zum KanfmannSgcricht, die am Freitag hier zum erstenmal stattfanden, hatten folgendes Ergebnis: Es ent 4 Zentralverband der Handlungsgehilfen 10(1 Beisitzer). Eine Stimme war ungültig. Neukölln. Ans dem Wege von ThomaSstr. 30 über die Hermannstraße bis Lllerstr. 46 hat ein Bäckerlehrling die Summe von 53,69 M. per- loren. Der Finder des Geldes wird gebeten, dasselbe bei I. Treffer, Lllerstr. 46, abzugeben. Marienfelde. Der Arbeiter-Radfahrerverein feiert am Sonntag, den 28. Juni im Lokal von Hans Herrmann in Mariendorf, Großbeercnstr. 79—81 sein zehnjähriges Stiftungsfest. Da für die Arbeiterschaft in Marien- selbe sämtliche Lokale gesperrt sind, der obige Verein sich aber bei allen Parteiveranstaltungcn stets zur Verfügung stellt, werden die Genossen gebeten, das Fest recht zahlreich zu besuchen. Pankow. Die Gemeindevertretersitzung am Dienstag hatte sich zunächst mit der Beschlußfassung über dte Gültigkeit der Nachwahl am 12., 13. und 14. Mai zu beschäftigen. Bekanntlich sind hierbei unsere Genossen, deren Wahl am 3. März mit über 400 Stimmen Mehr- heit erfolgt, dann aber am 16. April von der bürgerlichen Mehrheit der Gemeindevertretung für ungültig erklärt worden war, den Bürgerlichen unterlegen. Es war den Wahlmachern der letzteren gelungen, durch den schofelsten TerroriSmuS die abhängige Wähler- schaft restlos an den Wahltisch zu zerren und so unseren Genossen den Sieg zu entreißen. Obwohl von unserer Seite formell gegen die Wahl kein Einspruch erhoben war, nahm Genosse K u b i g doch Veranlassung, in längeren Ausführungen gegen die Art des Zu- standekommens der Nachwahl wie des schließlichen Wahlergebnisses zu protestieren und die unsauberen Machinationen der Bürgerlichen bei der Wahl zu geißeln. Daß die bürgerliche Mehrheit von ihrem gelegentlich der Ungültigkeitserklärung der Wahl unserer Geiwssen am 16. April so ostentativ zur Schau getragenen„Gerechtigkeitsgefühl" diesmal nichts merken ließ, versteht sich am Rande. Die Gültigkeit der Nachwahl wurde denn auch gegen die Stimmen unserer Genossen glatt be> schlössen. Bei der hierauf vorgenommenen Einführung der in der Nachwahl Gewählten ertönte von der Zuhörertribüne ein kräftiges „Pfui, erschlichene Wahlen I", das die bürgerliche Mehrheit darüber belehrt haben dürfte, wie man in den Kreisen der am 16. April ver- gewaltigten Wählerschaft über das Zustandekommen dieser Wahlen denkt.— Hierauf nahm die Vertretung die Ergänzung der Kommissionen vor. Von unseren Genossen wurden gewählt: G a ß m a n n in die Hochbaukommission sowie in die Friedhof- und Gartenbaukommission, Larsen und Schmidt in die Tiefbau- kommission, K u b i g und Schmidt in die Finanzkommission; ferner noch Kubig in das Krankenhaus- und das Gutskuratorium sowie in die Beamtenkomprission.— Dann stand ein Fluchtliniew plan für das Gelände zwischen Breite- und Pestalozzistraße zur Beratung. In demselben sind drei von der Breitenstraße abgehende Querstraßen vorgesehen, von denen die wichtigste die Verlängerung der Mühlenstraßc über die Breitestraße bis zur Parkstraße ist. Nach längerer Debatte stimmte die Vertretung der Vorlage zu. desgleichen einem Fluchtlinicnplan der Gemeinde Heinersdorf, soweit diese Pankower Gebiet berührt.— Nach Erledigung einer Reihe weniger interessierender Angelegenheiten genehmigte die Vertretung dann noch einen Nachtrag zur Ümsatzsteuerordnung, wonach diese Steuer in Zukunft nicht mehr wie bisher innerhalb zwei Wochen, sondern so- fort nach Zustellung der VeranlaguugSbenachrichtiguirg zu entrichten ist.— Hierauf geheime Sitzung. Reinickendorf. Die Gewerbegerichtsbeisitzerwahlen hatten folgendes Ergebnis: Bei den Arbeitgeberwahlen erhielten Stimmen im 1. Bezirk die Liste der Bürgerlichen 18, die Liste der Sozialdemokratie 13 Stimmen; im 2. Bezirk die Liste der Bürgerlichen 29, die der Sozialdemo- kratie 18; im 3. Bezirk die Liste der Bürgerlichen 8 und die Liste der Sozialdemokrasie 11 Stimmen. Bei den Wahlen der Arbeit nehmer hatten die Gegner auf Aufstellung von Kairdidaten verzichtet; die Liste des Gewerkschaftskartells erhielt im 1. Bezirk 358, im 2. Bezirk 386 Stimmen. 7? Nicder-Schönhauscn. Die letzte Gemeindevertretersitzung hatte sich mit dem Projekt der Leichenhalle auf dem neuen Friedhof in der Schönholzer Heide zu beschäftigen. Die Baukosten sind auf 26 700 M. veranschlagt, die Leichenhalle soll außer dem Keller- und Hauptgeschoß einen Sezier« räum, ferner einen llnterkunftsraum für Leidtragende und Sänger erhalten. Unsere Genossen Breitmann und Hellrich wiesen darauf hin, daß im Verhältnis zu der Größe des Friedhofes(5>/z Morgen) die Leichenhalle viel zu teuer sei. Bürgermeister Abraham erklärte hierauf, daß zurzeit Verhandlungen mit dem FiSkuS zwecks Erweiterung des Friedhofs schweben. Die Zeit zu Verhandlungen sei augenblicklich sehr ungünstig, da der neue Bebauungsplan ver schicdene Aendermigen vorsieht, die Genehmigung jedoch noch aus steht. Nochmais machten unsere Genossen darauf aufmerksam, daß der Friedhof höchstens für zehn Jahre ausreiche, man sei dann gezwungen, einen neuen Friedhof anzulegen und damit wieder eine neue Leichenhalle zu bauen. Der Antrag auf Vertagung wurde abgelehnt und der Bau der Leichenhalle gegen die Stimmen unserer Genossen beschlossen. DaS Abkommen mit der Gemeinde Rosenthal betreffs Durchlegung einer Straßenbahnlinie 36 durch die Germanenstraße nach Roseiithal wurde einstimmig angenommen. Danach über- nimmt die hiesige Gemeinde ein Drittel, Rosenthal zwei Drittel der entstehenden Kosten, jedoch muß erst die Direktion der Siemensbahn� gefragt werden, ob sie nicht ihre Linie nach Rosenthal weiterführen will, da dem Ort laut Vertrag das Vorrecht zusteht. Hierauf folgte eine kurze nichtöffentliche Sitzung. NowaweS. In einer imposanten Versammlung referierte am Mittwochabend im Garten des Singerschen Lokals Reichstagsabgeordneter Genosse Scheidemann über das Thema«Preußen in der Welt voran". Etwa 2000 Personen füllten den großen Garten und lauschten in atcm- loser Stille den Worten des Referenten, der die Anmaßung und Ueberhcbung, die in dem Ausspruch liegt, mit beißender Ironie glossierte. Dem von der herrschenden Klasse viel gerühmten Bilde der politischen Rechte und sozialen Fürsorge stellte er die tatsächlichen Verhältnisse in Preußen-Deutschland gegenüber: Die bureaukratische Verwaltungspraxis, die Polizeiherrschaft, die Klassenjustiz, die Wirt- ichaftliche und politische Entrechtung und Bevormundung der Arbeiter- klaffe. Ein tausendstimmiges„Pfui" unterbrach den Redner, als er die ungeheuerlichen Strafen erwähnte, die von der Streikjustiz im Ruhrrevier über die von ihren christlichen Mitbrüdern verratenen Bergsklaven und ihre Familienangehörigen verhängt wurden. Unter Hinweis auf die letzten Reichstagswahlcn, die unter der Herrschaft des Philosophcnkanzlers trotz Reichsverband und der gesamten Reaktion der Sozialdemokratie l'/« Millionen Stimmen gebracht haben, zeigte Redner, wie notwendig es ist, neue Kämpfer zu werben. um das bisher Errichte nicht nur festzuhalten, sondern vor allem das Bollwerk der preußischen Junkerherrschast, das Dreiklasscnwahlrecht, zu zerschmettern. In der Diskussion brachte ein Genosse auf den Referenten unter Hinweis auf dessen ehemalige Präsidentschaft im Reichstage ein Hoch aus, in das die Anwesenden brausend ein- stimmten. Einen fast nnglaublichen polizeilichen Ueberariff haben sich zwei hiesige Polizeibeamle gegen die in der Blücherstraße gelegene Pols- damer Konsumbäckerei geleistet. In der Nacht vom Montag zum Dienstag nachts zwei Uhr erschienen zwei Polizeibeamte an der Tür der Konsumbäckerei und schlugen ziemlich heftig gegen die verschlossene Tür. Hierauf erschien einer der daselbst des Nachts tätigen Bäcker und fragte nach dem Begehr der Beamten, die ihn ersuchten, sofort zu öffnen. Nachdem dies verweigert worden war. erklärten die Beamten, Gewalt anwenden zu wollen, wenn ihrem Wunsche nicht sofort entsprochen werde. Der betreffende Bäcker, der nicht recht wußte, woran er war, kam dem Wunsche schließlich nach. Während nun der eine der Beamten unten postierte, ging der andere mit dem Bäcker in die Bückerei und ließ sich alle Räume zeigen. Aus eine am anderen Tage an die Nowaweser Polizeibehörde gerichtete Anfrage, aus welchem Grunde die nächtliche nach der Strafprozeßordnung unzulässige Durchsuchung stattgefunden habe, würbe erklärt, daß auf dem Amte von einer vorgenommenen Haussuchung nichts bekannt sei. Uebcr diesen unerklärlichen Fall ist sofort die Untersuchung in die Wege geleitet worden. Völlig rätsel« Haft bleibt es, was den Polizeibeamten zu dieser Haussuchung ver- anlaßt hat, wenn er, wie von seiner vorgesetzten Behörde versichert wird, keinen Auftrag hierzu hatte. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Der geplante Waldverkauf hatte die städtischen Behörden vielfachen Angriffen in der Presse ausgesetzt. Das veranlaßte Herrn Dr. Baumert und noch einige andere Stadt- verordnete, einen Antrag einzubringen, wonach eine gemischte Kom- Mission in Beratung darüber treten soll, wie die Presse mit Be« richten über die städtische Verwaltung regelmäßig zu versehen ist. Gegen diesen Antrag erhob sich von keiner Seite Widerspruch. Selbst der Magistrat war damit einverstanden; hatte er doch erst vor kurzem den Einfluß der Presse auf die öffentliche Meinung dadurch anerkannt, daß er Vertreter der großen Berliner Zeitungen zu einer Besich- tigung des zum Verkauf gestellten WaldgeländeS eingeladen hatte. Der Forderung unserer Genossen Pieck und Pieper, auch den „Vorwärts" mit diesen Nachrichten zu bedenken, begegnete Ober- bürgermeister K 0 e l tz e mit der Behauptung, der„Vorwärts" be- richte nicht objektiv, das werde er in der Kommission mit Beweisen belegen. Wie der Oberbürgermeister diesen Vorwurf beweisen wird, darauf sind wir wirklich gespannt. Vorläufig gestatten wir uns nur den Hinweis, daß gerade der„Vorwärts" die Frage des Wald- Verkaufs in der sachlichsten und objektivsten Weise be- handelt hat, die bei anderen Zeitungen nicht zu finde,? war. Wir haben unseren programmatischen Standpunkt be- tont, ohne die prekäre Lage und die tatsächlichen Verhältnisse der Stadt außer acht zu lassen. Wir haben gar keine Veranlassung, von einer wahrheitsgemäßen Darstellung abzuweichen. Im übrigen ist uns herzlich gleichgültig, ob der Spandauer Magistrat seine offiziellen Nachrichten uns zugehen lassen wird oder nicht. Schließ- lich braucht die Presse nicht den Spandaucr Magistrat, sondern um- gekehrt der Magistrat die Presse. Bei Herausgabe solcher Nachrichten kann es sich doch nur um Mitteilungen tatsächlicher Natur handeln und nicht etwa um solche, die die Verwaltung der Stadt Spandau in ein besonders helles Licht rücken sollen, sonst würden die herauszugebenden Nachrichten bald von der Presse unbeachtet bleiben. Die Ansichten und die Wirksamkeit des Herrn Oberbürgermeisters würden wir, wenn eS der Raum gestattete, viel umfänglicher würdigen, besorgt Herr Koeltze doch, wie Genosse Pieper bei einem anderen Punkt zum Ausdruck brachte, sehr gut die Geschäfte der Sozial« demokrarie. Dies zeigte sich bei der Kenntnisnahme des Magistrats- beschluffes, wonach die Benutzung der Rsdehalle auf dem Friedhof nur Geistlichen gestattet sein soll. Zweimal schon hatte die Stadt- verordnetenversanimlung ihren gegenteilige» Standpunkt dokumentiert. Der Magistrat jedoch beharrt auf seinem Beschluß, ivaS hauptsächlich auf den Oberbürgermeister zurückzuführen sein dürfte, der immer wieder betonte, daß, wenn zeder die Befugnis habe, in der Halle zu reden. Mißbrauch getrieben und gar eine Agitation für die gotk- lose Sozialdemokratie entfaltet werden könne. Ein wenig hat zwar der Oberbürgermeister seine Stellung geändert, indeni er auf die Ausführungen des Stadtverordneten Dr. Kantorowicz hin, daß eS doch auch Leute gebe, die nicht zur sozialdemokratischen Partei ge- hören, aber doch mit der Kirche gebrochen haben, sich zu dem Zu- geständnis bequemte, auch ausnahmsweise anderen Personen als Geistlichen die Genehmigung zum Reden in der Halle zu geben. Doch damit erklärten sich unsere Genossen nicht einversta»dü«tz.>�a man dann der Willkür des Magistrats unierworfen sei; sie kündigten einen neuen Antrag an, wonach die Herbeiführung des alten Zustand«, auf dem Friedhof jedermann die Halle zur Verfügung zu stellen, verlangt wird. ES gelangte dann ein Antrag Schreiber und Genossen zur Annahme, der den Magistrat ersucht, eine Vorlage zwecks Er- richtung einer Freibadeanstalt in der Wilhelmstadt und zwar in der„Scharfen Lanke" einzubringen. Die Sparkasse hat im vergangenen Jahre einen UcbcrschUß von 132 000 M. ergeben. Die Versammlung beschloß, die Hälfte davon zur Deckung des Etats- bedarfs 1913 und zwar zu gemeinnützigen Zwecke» zu verwenden. Eine Reihe kleinerer Borlagen gelangten noch zur Erledigung. Dann beschäftigte sich eine geheime Sitzung vorwiegend mit dem Erwerb fiskalischen und privaten Geländes. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung deS Vertriebes guter Unterhaltungslektnre hat das„GewcrkschastShauS" folgende Einrichtungen getroffen': 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10—30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweife gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den nachstehend angeführten Ausgabe- stellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat ent- weder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren..' Zunächst sind folgende''' Attsgabestelle« eingerichtet: Antonstr.»4. Zlgarrengefchäft von KriegSmann. Bon 6—6 Uhr. mit AnSnahine dcS SonttabendS. Blanlenfeldeftr. 10. Verband der Schuhmacher. Von 10—1 und 4 bis 7 Uhr mit Ausnahme des Freitags, und Sonnabends. BruNiieustr. IIS. Arbeiter-Jugendheim. Von 6—10 Uhr. Czarnikauer Str. ZI. Zigarrengeschäjt vo» GoSciniak. Von 8— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Eltsabcthftr. 11. Verband der Fleischer. Von 10—1 Uhr und 5—7 Uhr. Emdencr Str. Üv bei Worbs. MonlagS von 8— 9'/, Uyr. Engelufcr 15. Zlgarrengcschäst von Harsch, von 8— S Uhr, mit Au»- »ahme deS Sonnabends. Fehmarnstr. 8. Tabakarbeilergenolsenschast. Von 8—6 Uhr. mit Ausnahme dcS Sonnabends. Gartenstr. 101. Verband der Kupferschmiede. Von 10—11 Uhr und 6-7 Uhr. Gr. Frankfurter Str. 120. Arbeiter-Jugendhelm. Von 6—10 Uhr. Kopernikusstr. 11. Tabakarbeitergenosseuschast. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Linienftr. 73. Verband der Schmiede. Von 9'/,— 12 Uhr und 6>/, bis 8 Uhr, mit Ausnahme des sonnabends. Lippehiier Str. 15. Zigarrciigeschast' von Herforlh. Von 3— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Melchiorstr. 28. Verband der Maler. Von 9—1 Uhr. Möckcrnftr. Sl. Zigarren geschält von Eldor Schmidt. Von 8—8, Sonn- abends von 8-6 Uhr. Pappelallee 15/17. Bureau der Freireligiösen Gemeinde. Sonntags 10—12 Uhr, wochentags außer Donnerstag von 12— 5 Uhr. Petersburger Str. 5. Tavakarbeilergenossenlchalt. Bon 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Rostocker Str. 4V. Zigarrcngcschäst von Berner. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme deS Sonnabends. Notherstr. l. ZigarreiigefchSfl von Holm. Von S— S Uhr. mit Ausnahme des Sonnabends. 6onn. Scharnweberstr. I. Zlgarrengeschäst von Rich. DunIcheL. Bon 8— ö Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Sebastianstr. Z7/Z8. Verband der Schneider. Von 9—1 Uhr. Weinstr. 8, Part. Verband der Kürschner. Von 9—1 Uhr und 3— 7 Uhr. Verein der Frauen und Madchen der arbeitenden Klasse«. Vor und nach jeder Vereinsversammlung. Vororte: Boxhagen-Rummelsbnrg, Alt-Boxhagen SS. Jugendhelm, Bon 7'/, bis 9 Uhr, mit Ausnahme des Dienstags. Britz. Wahlverein, Ausgabestelle Restaurant Zilz, Werderstr. 23. abends von 8— 10 Uhr. Charlottenburg. Arbeiter-Jugendheim, Rosinenstr. 3. DimStag, Donners� tag. Sonnabend und Sonntag von 7—9'/, Uhr. Hermsdorf, Waidmannslust, Borsigwalde, Tegel. Ausgabestelle: Freie Scholle Nr. 4, Sonntags vormittags. Lichtenberg, Bürgerheimsir. 94, Arbeiter-Jugendheim. Von 10—7 Uhr. Neukölln, Weichselslr. 8, Arbeiter-Jugendheim. Mittwochs und Sonnabends von S'/z— 10 Uhr. Pankow, Muhlenslrage 30, ,,Borwärts"-SPedition. Von 10— 7 Uhr. , Brehmestr. 60. Zigarrengeschäst von Rötzner. Von 8— ö Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. » Kaiser-Friedrichstr. 66, Ausg. I, Erdgeschoß links, Buchbinderei Otto Walter. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Relnickendorf-West, Eichbornstr. 87, Zigarrengeschäst von Kiesel. Bon 8— 6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Schöneterg, Ebersstr. 32, Zigarrengeschäst von Dräger. Von 8— S Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Stralau, Krachtstr. 16 II, bei Rausch. Montag und DonnerZtagS von 3'/, bis 5 Uhr, Sonnabends von 5— 8 Uhr. Tegel, Schlicperstr. 30. Jugendheim. Montags und Donnerstags von 8—10 Uhr. Treptow, Graetzslr. 16, Hutgeschäst von Fritze. Von 8—8 Uhr, mit Aus- nähme des Sonnabends. Weitere Ausgabestellen werden auf Wunsch errichtet. Museen, Zamiulungen, ZehensurärdigKeitev. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.) Altes und Neues Museum. Am Luftgarten. Wochentags(außer Montags): April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Oster-, Psingstseiertagen: April bis September 12—6, Oktober und März 12—5, November und Februar. 12—4, Dezember und Januar 12— 3. Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen): geschlossen. Naturkunde-Museum. Jnvalidenstraße 43. Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Mten Museum. Post-Museum. Leipzigerstr. 16/18. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Ilm Sonntag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. Rauch-Musenm.(Werke von Christ. Rauch.) Klosterstr. 76. Wochen- tags: April bis September 10—4, Oktober bis März 10— 3. Rathaus. Königstraße. Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10—3, unentgeltlich. Turmbesteigung: April bis September, täglich(auch Donnerstag und Freitag) 10—3, Eintrittsgeld 20 Ps. Reichstagsgebäude. Königsplatz. An Wochentagen 8'/,— 9'/, vor- mittags, am Sonntag 2— 4. Eintrittsgeld.50 Pf. Sternwarte. Enckeplatz 3a. Mittwoch und Sonnabend, im Sommer 9—11, vormittags, im Winter 10—11 vormittags. Sternivarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abends. Eintritts- geld: 50 Ps. für Besichtigung der Sternwarte und des Astronomischen Museums, 1 M. sür Beobachtung mit dem großen Fernrohr. Sternwarte der„Urania". Jnvalidenstr. 57/62. Täglich 7'/,— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48. Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 50 Pfennig(sür Abend- Vorstellungen von 1 Mark an). Verkehrs- und Baumuseum. Jnvalidenstr. 51. Sonntag 11—4, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10— 4, Mittwoch und«onnabend 2—8. Völkerkunde-Mnseum. Königgrätzerstr. 120. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Museum für deutsche Volkstrachten und Volkskunde. Kloster- straße 36. Besuchszeit wie beim Alten und Neuen Museum. Zeughaus. An der Schloßbnicke. Wochentags(außer Sonnabend): März bis Oktober 10—3, November bis Februar 10—2/ am Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lützow-User, Kurfürstendamm und Stadtbahnhos. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mark,(abends nach 6 Uhr 50 Ps.), an isonn- und Festtagen 50 Ps.; Kinder die Hälfte. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Ps. Witteruugsübersicht vom St. Juni ISIS. Stationen a (|H ~-o Ö O Swinemde. tamburg crlin Franks.a.M. München Wien 762!wSW 762 WSW 763» 765NW 766» 764WNW Detter halb bd. 3 wolkig Scheiter 2bedeckt 4>wolkig Schall) bd. as d* »l! gts wlo Etationen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris 757 763 758 767 = 3 ss ws ni ü 762SSS R SSB SM Still t Wolken! l bedeckt ! halb bd. i wolkig wolkig 12 14 14 12 16 Wetterprognose für Sonnabend, den SS. Juni ISIS. Zunächst ziemlich heiter, am Tage wieder etwas wärmer ber lebhaste» südlichen Winden; später neue Trübung mit Gewitterregen. Berliner Wetterbureau. Ärchitertur-Mnseuin. Technische Hochschule, Cbarlottenburg, Berliner- straße 151. Montag 10— 3(auch 5>/z— 7'/,, vom Oktober bis März), Dienstag 12—3,(auch 10—12 für Studienzwecke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 (auch 10—12 sür Studienzwecke, auch 5'/,— 7'/. vom Oktober bis März), Freitag 10—3. Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Zlusstelliing für Zlrbeiterwohlfahrt. Charlottenburg, Fraunhoser- straße 11/12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag auch 6—9 abends. Sonntag 1—5. Baumuseum, siehe Verkehrsmufeum. Berg- und Hüttcumuseum. Jnvalidenstr. 44. Wochentag?(außer Sonnabend) 12—2, am Sonntag: April bis September 12—6, Oktober und März 12—5, November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unentgeltlich: Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Freitag 2—7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung des„Führers"(beim Psörtner).(Nur im Sommer geöffnet.) Botanisches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3—6, Mittwoch 9-6. Gisei! bah»museum. Siehe Verkehrsmuseum. Kaiser Friedrich-Museum. Monbijoustraße. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Oster« und Psingstseiertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April his September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintritts- geld: Montag 1 M., Dienstag und Mittwoch 50 Ps. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. Hygieuemuseum. Hessischestr. 4. Dienstag und Freitag 10—2; Sonntag: April bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember und Januar 1—3. Kunstgewerbe-Mnseum. Prinz Albrechtstr. 7. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Landwirtschaftsmuseum. Jnvalidenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag im Monat: 11—5. Märkisches Provinzial-Museum. Wallstr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10—3 Uhr. Eintritt frei. Gedruckte Führer 10 Pf. Mcereskundemusenm. Georgenstr. 34—36. Sonnabend und Montag 11—4, Sonntag 12—3. National-Galerie. Museumsinsel, an der Friedrichsbrücke. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10. am Donnerstag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Oster- und Psingstseiertagen um 12. Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. Eintritt an allen übrigen Tagen frei. Eingegangene DrucKlcbriften. Ein nationales Lesebuch für die deutsche Arbeiterjugend. Zu- sammengestellt von Robert Danneberg. Verlag des Verbandes der jugendlichen Arbester(Anton Jenschil). Wien V, Rechte Wienzeile 97. Preis 50 Ps. Kriechtiere und Lurche fremder Länder. Von Dr. K. Floericke. Franckhsche Verlagshandlung. I M., geb. 1.80 M. 1 Phantasten. Roman von E. v. Mendelssohn. Berlin. Oesterheld u. Co., Verlag. 3 M., geb. 4 M. Die Gewerkschaft. Organ der Gcwerkschaftskommission Oesterreichs. Erscheint jeden 2. und 4. Freitag. Jähr! 4,80 Kr.— Verlag: Wien V, Rechte Wienzeile 97. Impressionen. Aus dem Notizbuch eines Wanderjoumalisten von W. Fred. 3,50 M.. geb. 5 M. E. Rowohlt, Leipzig. Interessante Krimiualprozesse von knltnrhistvrischer Bedeutung. Aus Gegenwart und Jüngflvergangenheit. Bd. 7. Nach eigenen Erleb- nissen dargestellt von Hugo Friedländer, Gerichtsberichterstatter. H. Bars- dors, Berlin XV. 30. 3 M., in Originalband 4 M. Artur Schnitzler, Gesammelte Werke. Erste Abtellung: Die er- zählenden Schristen. In drei Bänden gebunden 10 M., in Halbleder 13 M., in Ganzleder 16 M. S. Fischer, Berlin, Bülowstr. 90. Franenstimmrecht k Hest 3. Monatsheste des Deutschen Verbandes —-- Dr. Anita Augsputg. 40 Pf. E. Rein- für Frauenstimmrecht. Herausg. Hardt. München. Nach des Tages Müh'. Fünszig Gedichte eines Arbeiters von A. Brüllmann. Zürich. Verlag: Art. Institut Orell Füßli. Leinwand 1,50 M. Richtlinien zur Entwickelungsgeschichte der Naturphilosophie im IS. Jahrhundert. Von Dr. H. Michelis. 75 Ps, Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt a. M. Fröhliches Wandern. Von Pros. H. Rahdt. Geh. 80 Ps.— B. G. Teubner, Leipzig. Der Mensch und die Erde. Lieser. 150—155. Herausgegeben von H. Kracmer. Lieser. 60 Pf. Bong u. Co., Berlin XV 57. Aus Natur und Geisteswelt. Bd. 96. Schulhygiene. Von L. Burgcrstein.— Bd. 180. Rousseau. Von P. Hensel.— Bd. 371. Einleitung in die Experimentalphysik. Von R. Börnstein.— Bd. 373. Niederländische Malerei im 17. Jahrhundert. Von H. Jantzen. Einzelbd. 1 M., geb. 1,25 M. B. G. Teubner, Leipzig. Pharus-Buch Berlin mit Vororten. Wegweiser. 75 Pf. Pharus- Verlag, Berlin L.XV. 68. Mikrokosmos. Hest 1—3. Zeitschrist sür praktische Arbeit aus dem Gebiete der Naturwissenschasten. Jährlich 12 Hejte 5,60 M. Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Ingenieur Brander und Anderes. Von HedenStjerna. 1 M., geb. 2 M. W. strübig, Leipzig-Gohlis. DaS Preußische Gesinderecht. Bearbeitet votz E. Lwdenberg. Kart. 1,80 M. S. W. Müller, Berlin XV. 35. Der Metallarbeiter. Ratgeber sür Dreher, Schlosser und Lehrlinge. Von O. Schwenn. 1 M. E. Herrmann, Berlin O. 17. Emil, oder„lieber die Erziehung". Von I. I. Rousseau. Volks- ausg. 2 Bde. 2 M. A. Kröner, Leipzig. Lieser. Weltgeschichte. Herausgegeben von Prof. Dr. I. v. Pffugk-Harttung. w. 130—160. Einzellieserung 60 Ps. Ullstein it. Co.. Berlin S.W. 68. Zeitmrgs Ausgabestelle» und Juserateu-Annahme. Sllbert Hahnisch, Augustftr. 50. Eingang Joachimtlraße. 2. Wahlkreis, XV.: Guft. Schmidt, Kirchbach str. 14, Hochparterre. S. und SW.: Hermann Werner, Gneisenauftr. 72. 8. Wahlkreis: st. Fritz. Priuzenstr. 31, Hos rechts part. 4. Wahlkreis: Oft e n: Robert Wengels, Gr. Franksurterstr. 120. — Richard H a ck e l b u s ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Süd o st e n: Paul Böhm, Laufitzerplatz 14/15. S. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuellirchstr. 12(Hos). G. Wahlkreis(Moabits: Karl Anders, Salzwedelerstr.«. Wedding: I. Hönisch, Nazarethkirchstraße 49. liosenthaier und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, Rheinsbergerstr. 67, Laden. Gesundbrnnnen: F. Trapp. Baslianstr. 6, Laden. 8>ehi»nha»ser Vorstadt: Karl MarS, Greisenhagener Str. 27. Adlershof: Karl Schwarzlose, Hofsmannstr. 9. Alt-Olicnickc: Wilhelm Dürre. Köpenickerstr. 6. Itannischnlenweg;: H. Hont ig, Marientbalerstr. 13, I. Bernan. Itönt�ental, Zepernick, Schönow und Schön« brück: Heinrich Brase, Mühlenilr. 5, Laden. Rohnsdork und Falkenbcrg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge» nossenschastshaus.Paradies"- Cbarlottenburg: Gustav Scharnberg, Sescnheimerstraße 1 Eichwalde: Oskar Mahle, Stubenrauchstt. 99. Erkner: Ernst H o f s in a n n, Friedrichshagener Chauffee. Prcdersdorf-Petershagen: E. Höselbarth, PeterShagen. l'riedcnau-Steglits-Südcnde-ClrC'ß-Iiicliterrelde-lianlC" witz: H. B e r n s e e, Alsenjtr. 5 in Sieglitz. Vriedrichshagen: Ernst Werkmann, Köpenicker Straße 18. Orünan: Franz Klein. Friedrich str. 10. •Johannisthal: P i e l i ckc, Kaiser-Wilhelm-Platz 6. liarishorst: Richard Stüter. Rödelstr. 9, Et. Königs-Wnstcrhausen: Friedrich B a u m a n N, Lahnhosstr. 13. Jiöpenick: Emil SS i Bier, Kietzerstr. 6, Laden. Liichtenbcrg, Friedrichsfelde, Ilohcnschönbansen: Otto S e i I c I, Wartenbergstraße 1(Laden). Mahlsdorf, Kuulsdorf: P. Heßberg, Kaulsdorj, Ferdinand« straße 17. Mariendorf: August Seif, Chausseestr. 296, Hos. Marienfelde: Emil W e i n e r t. Dorsstr. 14. Venenhagen: Gustav 2 et), Wolterstraße. Vieder-Schöneweide: G e h r t, Britzerstr. 6- > owawes: Wilhelm I a p p e, Friedrich str. 7. Ober-Schöneweide: Alfred Bader, WilHelminenHossir. 17 II. I'ankow-Viedcrschönhausen: Riß mann, Mühlenstr. 30. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholx* P. G u r s ch, Provinzstr. 56, Laden. Uixdorf: M. Heinrich, Neckarslr. 2, im Laden: Rohr, Siegsried» straße 28/29. Rnnnnelsburg, Roxhagen:A. Rosenkranz. Alt-Boxhagen 56. Schöneberg: Wilhelm Säumler, Martin Lutherstr. 69, im Laden. Spandau, Vonncndanim, Staaken, Seegefeld und Falken hagen: Koppen, Breiteslr. 64. Tegel, Uorsigwalde, Wittenau, Waidmannslast, Hermsdorf und Reinickendorf West: Paul Kienaft, Borsigwalde, Räujchsttaße 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhof: JoH. Krohn, Borussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Weiüensee: K. Fuhrmann. Sedanslr. 105, parterre. Wilmersdorf-Haiensec-tbchmargendorf: Paul Schubert, Wihelmsaue 27. Zeuthen, Miersdorf; Ernst Hüttig, Zeuthen, Dorsstr. 15. Sämtliche Partelliterawr sowie alle wissenschastlichen Werke werden geliefert. Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten will ich hierdurch mein in der Oranienstraße 103 mpfehlende Erinnerung bringen." 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