Ur. 144. Abonnements-Bedingungen: Nbonnements■ Preis Stänumcranbo: Sicrtcljä�rl. 3,30 SKf., monaü. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonnlagS- nummer mit illustrierler Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitunas. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deulschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. Die IntertlonS'Gcbflljr beträgt sür die sechSgespaltene Uolonel« geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschastliche BereinS. und Vcrsanunulngs-Anzcigcn 30 Pfg. „Klelne Hnzcfgcn", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- ltaben zählen für zwei Worte. 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Nicht nur, daß der Fortschritt der Sozialdemokratie eines Landes, an dem sie unmittelbar gewirkt haben, zugleich eine Stärkung der Ge samtbewegung bedeutet: das Persönliche ihrer Leistung wird fruchtbar auch für die Politik anderer Länder, und bei dem engen Band, das namentlich die deutsche und die österreichische Bewegung und ihre führenden Persönlichkeiten verknüpft, i die Feier unseres österreichischen Genossen auch die unserige. wünschen auch wir ihrem Führer herzlich Glück und noch lange währende Wirksamkeit. Adlers historische Tat ist die Einigung des österreichischen Proletariats. Die Bewegung der österreichischen Arbeiter schaft, die Ende der 60er Jahre noch in unmittelbarem Zu fammenhang mit der deutschen hoffnungsvoll begonnen hatte. war allmählich immer mehr durch innere Spaltungen gelähmt worden. Namentlich seitdem das Sozialistengesetz in Deutsch- land fast jede öffentliche Betätigung der Sozialdemokratie uu .»nöglich gemacht hatte, fanden in Oesterreich die unfruchtbaren und verderblichen Lehren des Anarchismus unter den recht losen, von einer brutalen Polizei und einer unfähig-boshaften Bureaukratie geknüttelten Arbeitern, die auch von jeder par lamentarischen Betätigung ansgeschlosscn waren, rasch Ein� gang. Und die Regierung benützte einige anarchistische Attentate, um die letzten Reste sozialdemokratischer Bewegung im Jahre 1864 durch die Verhängung eines Ausnahme zustandes zu vernichten, der in der Brutalität seiner Anwen dung hinter keiner Infamie des Sozialistengesetzes zurückblieb aber auf die schwächere, durch den Streit der Gemäßigten und Radikalen zerklüftete, jeder Widerstandskraft beraubte öfter reichische Arbeiterschaft ungleich zerstörender wirkte. Die österreichische Sozialdemokratie schien vernichtet, die Aus sichten auch für die Zukunft hoffnungslos. In diesem verzweifelten Moment beginnt die Tätigkei Viktor Adlers. Als Student gehörte er zu den radikalen deutschnationalcn Ideologen, die von der großen deutschen Republik träumten, die endlich die nationale Einheit dem deutschen Volke bringen sollte, um die der alte Streit der Fürsten das deutsche Volk gebracht, die auch Bismarcks Politik unvollendet gelassen hatte. Früh schon tauchten in diesem Kreise auch die sozialpolitischen Probleme auf, noch nationa! gefärbt, als Frage, wie man den deutschen Arbeiter als tätige Kraft dem nationalen Ideal gewinnen könne. Bald aber wurde dem Arzte Viktor Adler der Arbeiter aus dem Mittel zum Zweck, und seine Studien machten ihn zum Sozialdemo traten, zum Schüler von Marx und Engels. Noch aber gab es eine kurze Zeit des Schwankens. Viktor Adler ist der geborene Arzt. Heilen ist seine tiefste Leidenschaft. Schon hatte er erkannt, daß die individuelle Heilmethode versagt und versagen muß, solange die sozialen Ursachen, solange Elend und Ausbeutung immer neu Krank heit zeugen. Aber schien das radikale Verfahren in Oesterreich vorläufig nicht aussichtslos, war es schon möglich, aus den verfolgten, mutlosen, an sich selbst verzweifelnden Arbeitern ihre eigenen Netter, ihre eigenen Aerzte zu machen? Da schien ein Ausweg offen. Endlich war in Oesterreich das erste - Arbciterschutzgcsetz zustande gekommen, die Fabrikinspektion eingeführt. Viktor Adler hatte die Einrichtung gründlich studiert und feine Studien als Buch veröffentlicht. Die Fabrikinspektion eröffnete der sozialen Medizin ein weites Feld. Sollte er nicht selbst als Fabrikinspektor seinen Beruf gefunden haben? Noch zweifelte er? Er fuhr 1885 nach Borsdorf und lernte Bebel und Liebknecht kennen: von ihnen fuhr er zu Friedrich Engels nach London. Er schilderte ihm die politische Situation und erbat seinen Rat. Und Engels meinte: Agitatoren haben wir genug, aber noch keinen Fabrik- Inspektor, werden Sie Fabrikinspektor! Ungern wohl ist damals schon der Rat vernommen worden, doch er wurde be- folgt, Adler kam um die Stellung ein. Die österreichische Regierung war zum Glück klüger, sie gab abschlägigen Be- scheid und jedes Schwanken hatte ein Ende. Im nächsten Jahre wurde die„Gleichheit" gegründet, der Kantpf gegen das Ausnahmegesetz begann. Es war ein zäher, opferreicher Kampf, der Kampf zunächst eines einzelnen gegen die Staatsmacht. Das Blatt wurde Woche für Woche konfisziert, die Redakteure bestraft, Viktor Adler selbst vor das Ausnahmegericht gestellt und verurteilt und— Viktor Adler blieb Sieger. Der Kampf nach außen, den er mit der großen Kraft seiner glänzenden Begabung, niit allen Waffen der Satire und einer ganz unösterreichisckzen, nie ermiidenden Zähigkeit und Energie geführt hatte, ein Kampf, dem er nicht nur all seine Zeit, fondern auch sein Vermögen opferte, dieser Kampf war zugleich ein Ringen um die Seele der Ar- beiter, ein Ringen um das Vertrauen der wenig noch übrig gebliebenen Kämpfer, die sich, durch die Er- fahrungen des infamsten Lockspitzelsystems geschreckt, nicht untereinander und am wenigsten einem Neuling trauten: ein Ringen zugleich, um den Verschüchterten, Verzagten Mut und Selbstvertrauen zurückzugeben. Und wieder war es ein un- endliches Mühen fast um jeden einzelnen, der gewonnen werden mußte in stundenlangen Debatten, die ihn überzeugten, daß die Formeln„Freiheit durch Bildung oder Bildung durch Freiheit" Gemäßigte und Radikale nicht auf immer unvcr- söhnlich zu scheiden brauchten, daß parlamentarische Betäti- gung und revolutionäre Klassenbewcgung nicht sich aus- schließende, sondern einander ergänzende und fördernde Be- tätigungen des Emanzipationskampfes der Arbeiterklasse bilden. Und es gelang. Die„Gleichheit" wurde 1889 ver boten, Adler selbst als Anarchist von dem Ausnahmegericht verurteilt— aber kurz vorher, zu Weihnachten 1888, hatte sich eine kleine Schar Vertrauensmänner, Radikale und Ge mäßigte, in Hainfeld zum ersten Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie zusammengefunden und in dem von Adler musterhaft entworfenen Programm die neuen, durch und durch marxistischen Richtlinien fruchtbaren sozialdemokratischen Wirkens festgelegt. Seitdem ging es vorwärts, aufwärts. Und wieder war es eine historische Tat Adlers, die mächtig eingriff in das Schicksal der noch werdenden Partei. Der Ausnahmezustand war zu Ende. Die Partei war geeint, aber zu Organisationen gab es erst Ansätze, die Massen der Arbeiter waren noch ganz indifferent, erst eine schwache Elite der Arbeiterschaft war von der Heilsbotschaft des Sozialismus berührt. Da kam der e r st e M a i heran, dessen Feier der Internationale Kongreß 1889 in Paris beschlossen hatte. Was sollte geschehen? Man hätte denken müssen, daß in einigen Vorstadtlokalen die Ge- nossen den Abend festlich begehen würden: auf mehr war nicht zu hoffen. Der erste Mai 1890 war in Oesterreich eine imposante Massenkundgebung des Proletariats, das, in feinen Tiefen aufgewühlt, plötzlich vor den erschreckten und erstaunten Augen der Machthaber die Bühne der Geschichte betrat, die bisher nur den Herren vom Großgrundbesitz mit ihrem bäuerlichen Gefolge und den Steuerzahlern der Städte reserviert war. Es wirkte wie ein Wunder. Und wenn e i n Mann an diesem Wunder gewirkt hat, so ist es Viktor Adler gewesen. Mit einer unerhörten Kühnheit hatte er den Plan gefaßt, das österreichische Proletariat aufzurufen, den ersten Mai durch den Generalstreik, durch Arbeitsruhe zu begehen. Was man sonst nirgends wagte, hier in diesem Lande, wo die Arbeiter Organisationen noch ganz unentwickelt waren, wo man noch ein Jahr vorher keine öffentliche Versammlung abhalten konnte, wurde es gewagt. Arbeitsruhe und machtvolle Straßendemonstrationen zeugten von dem politischen Er wachen des schlummerden Riesen. Zeigt uns die Zeit der Einigung Viktor Adler als den aufopfernden, unermüdlichen, vor keiner noch so unscheinbaren Aufgabe sich scheuenden, zähen Arbeiter, so zeigt uns der da mals ungeheure Entschluß, eine solche Maifeier in Oesterreich durchzusetzen, den entschlossenen, kühnen, alle Kraft auf ein Ziel einsetzenden Führer. Die Vereinigung dieser Eigenschaften ist es, die Viktor Adler auch in der weiteren Entwickelung der österreichischen Bewegung die unbestrittene Führung gesichert hat. Unter ihr hat die österreichische Arbeiterschaft in einem Kampfe, dessen Zähigkeit und Ausdauer ebenso unermüdlich ist wie seine Opferbereitschaft und Kühnheit, sich die politische und gewerk- chaftliche Bewegungsfreiheit erkämpft, die sie heute besitzt, und das allgemeine, gleiche Wahlrecht erobert. Aber Viktor Adler ist nicht nur ein politischer Führer, dessen politischer Instinkt untrüglich ist, ein glänzender Publi- zist, ein Redner, dem man mit nimmermüden Interesse zu- hört, ein umsichtiger Parlamentarier. Er ist nie aufgegangen in der Tagespolitik und er hat stets alle Seiten der prole- tarischen Bewegung umfaßt. Nicht weniger als die politische, dankt ihm in ihren Anfängen die gewerkschaftliche Bewegung. Dank seiner Einsicht nicht zuletzt ist die untrennbare Einheit gewerkschaftlicher und politischer Bewegung in Oesterreich tets das Selbstverständliche gewesen und manchen Streik hat er durch sein Eintreten zum siegreichen Ende bringen helfen. Auch hier ist seines Wesens Art an einem Beispiel am besten zu erkennen. In der Umgebung Wiens sind Ziegelwerke, deren Arbeiter, Tschechen, Slowenen, Polen zu den Ge- drücktesten und Widerstandslosesten gehörten. Eines Tages war das Maß voll: zu aller Ueberraschung brach der Streik aus. Viktor Adler schlich des Nachts verkleidet in die Werke, wo in entsetzlichen Löchern Männer und Weiber und Kinder hausten. Er sah und fragte. Und dann begann er am nächsten Tage eine Kampagne in der Arbeiterzeitung und in Ver- sammlungen,— das Parlament war ihm noch verschlossen die die Regierung zwang, einzugreifen und die Ausbeuter- gesellschaft zur Kapitulation zu zwingen. Es war ein er- greifendes Bild, als am nächsten ersten Mai die Ziegelarbeiter in ihrer charakteristischen Tracht zum erstenmal am Demon- strationszug teilnahmen und aufjubelnd ihren Adler cnt- deckten, der zu ihnen gekommen war in ihre Höhlen und sie herausgeführt hatte ans Licht. �« Das ist der Mann, den heute Oesterreichs Arbeiter feiert». Mit der Siegesgewißheit, die die wissenschaftliche Ueberzeu- gung gibt, hat er stets das revolutionäre Ziel im Auge be- halten und in allen Wirrnissen der österreichischen Politik, in allen Versuchungen, die dieses Land der Demagogie und des Chauvinismus dem Politiker bringt, ist er nie ab- gewichen von der geraden Linie der Klassenkampf- Politik. Nicht nur seine klare marxistische Erkennt- nis behütete ihn vor solchen Irrwegen, sondern auch seine unbeirrbare Wahrhaftigkeit und das präch- tige revolutionäre Temperament. Adler liebt das Proletariat leidenschaftlich, er fühlt persönlich allen Druck und alles Leid, das ihm widerfährt, und nie ist seine Rede ergreifender, als wenn der tiefe Groll durchbricht über diese Gesellschaft, die über alle Mittel verfügt, die Menschen gesund und kraftvoll und glücklich zu machen und die sie doch krank und schwach und elend macht. Und so haßt und verachtet Adler alle Stützen und Nutznießer der Ausbeutung, verfolgt sie mit seinem fürchterlichen Hohn und ist ihr schonungsloser Feind. Und deshalb ist es ihm auch ein unfaßbarer Gedanke, die Sache der Arbeiter je zu verbinden mit der Sache ihrer Todfeinde. Dieser Mann, dem die Kunst des Verbindens und Aufbauens im höchsten Grade eignet, der in inneren Partei- fragen stets an das Einigende denkt, hat nie ein Kompromiß mit den Gegnern geschlossen, die völlige Unabhängigkeit proletarischer Politik stets als etwas Selbstverständliches betrachtet und gezeigt, daß höchste politische Kraftentfaltung des Proletariats wohl vereinbar ist mit schärfster prinzipieller Haltung. In Viktor Adler ver- ehrt und liebt das Proletariat aller Nationen Oesterreichs seinen Führer, und die tschechischen, polnischen und slowenischen Arbeiter verdanken ihm nicht weniger als die deutschen. Nur die tschechischen Separatisten stehen abseits, weil sie den tra- genden Gedanken der Internationale aufgegeben haben. Das ist der Schatten, der auf den heutigen Tag fällt. Das Werk der Einigung ist von den Nationalisten gefährdet. Gefährdet, aber nicht zerstört. Dazu ist Viktor Adlers Lebenswerk zu fest gegründet. Die internationale Gesinnung, die in Oester- reich noch mehr als anderswo die Vorbedingung jeder starken und erfolgreichen proletarischen Politik ist, zu fest verankert in den Köpfen des Proletariats, sie entspringt so sehr seinen unmittelbarsten lebendigsten Interessen, daß sie zuletzt über alle nationalistische Borniertheit, über alle chauvinistische De- magogie den Sieg davontragen muß. Das weiß auch Viktor Adler, der mit zäher Geduld an der Wiederherstellung seines Werkes arbeitet, und er weiß, daß aus dem unvermeidlichen Kampf die österreichische Internationale kräftiger und ge« festigter hervorgehen wird. Und wenn in den Kämpfen des Tages manchmal die Ver- zweiflung über dieses Oesterreich, über diesen Staat, dem einst sein Jugendhaß galt und den er im Alter nur verstehen, aber wahrlich nicht lieben gelernt hatte, die Mitkämpfer allzusehr übermannte, dann hat Viktor Adler immer sie fast unwillig zur Ordnung gerufen: der Sozialist in ihm blieb immer siegessicher, und als der harte Kampf ums Wahlrecht zu Ende gegangen war, galt seine erste Sorge der Vertiefung des so- zialistischen Wissens, der Bildungsarbeit. Mehr Sozialis- mus, mehr Aufklärung über unsere letzten, unsere eigenen Ziele, das war jetzt seine Forderung des Tages. „Frei von Vorurteilen und hergebrachten Ansichten, frei von Menschenfurcht und den Fesseln der Selbstsucht, frei von der Herrschaft der eigenen Leidenschaften und Schwächen, frei von der«cheu vor Verantwortung und Wagnis, selbstlos nur der Sache dienend und körperlich wie geistig allen Anstren- gungen gewachsen, so muß der Feldherr an seine Aufgabe herantreten, die sich ihm in zwei Formen darstellt: im Planen und im Handeln, Formen, die sich zwar wechselseitig bedingen und ergänzen�«her doch ganz verschiedene Arten der Leistungsfähigkeit voraussetzen. Beim Planen tritt vor- wiegend mehr die geistige, beim Handeln mehr die sittliche Persönlichkeit in Tätigkeit, und doch müssen sich geistiges Können und sittliche Kraft fortwährend stützen und ergänzen." An dieses Ideal des Feldherren, das General v. Bern- Hardt hier zeichnet, erinnert das Leben Viktor Adlers. Aber zu anderen Zielen lebt er und nicht Vernichtung, sondern Erhöhung des Lebens dürfen wir ihm danken dem guten Arzte.____ Die belglfchen Wahle». Brüssel, im Juni.(Eig. Bericht.) in. Die klerikale Majorität. Die Opposition hoffte die klerikale Partei zu schlagen und sieht nun deren Position gestärkt, die zusammengeschrumpfte alte Majorität von S auf 16 Stimmen hinaufgeschnellt. Ein Triumph, sicherlich I Aber doch minder grotz, minder imponierend, als es nach dieser Ziffer zu urteilen den Anschein hat. Denn was drücken diese 16 Stimmen aus, welche politische Kraft strahlen sie aus? Welche reelle Macht repräsentieren sie? Man kennt wohl autzerhalb Belgiens ein wenig die„Chinoiserien" seines Wahlrechts, aber weit weniger seine schreienden Ungerechtig« leiten, seine perfiden Tücken und Tricks— vielleicht deshalb nicht, weil schon ein vaterländisches Interesse dazu gehört, sich in das Gestrüpp seiner logischen und rechnerischen Fallstricke zu begeben. Wir wollen hier dem Leser einige an der Hand von Beispielen an- schaulich machen, um zu zeigen, auf welch tönernen Füßen der klerikale Koloß ruht. Ohne Bild gesprochen: auf welchem Trug diese klerikale Mehrheit von 16 Stimmen aufgebaut ist. Die Klerikalen haben am 2. Juni um rund 80 006 Stimmen*) mehr bekommen, als die Liberalen und Sozialisten zusammen. Diese 80 000 Stimmen gäben aber bei einer korrekten und ehrlichen Anwendung der Verhältnisvertretung den Klerikalen höchstens einen Anspruch auf— s e ch S Sitze. Um 16 Stimmen Majorität unter der Verhältnisvertretung zu rechtfertigen, müßten die Klerikalen mindestens auf ein politisches Uebergewicht von 160 000 verweisen können, da der Wählerguotient— d. h. die Stimmenzahl, die nötig ist. am ein Mandat zu beanspruchen— durchschnittlich über 10000 Stimmen beträgt. Wie ist es aber unter der derzeitigen unehrlichen, wie man sehen wird, ganz zugunsten der Klerikalen verfälschten Verhältniswahl mit diesem Wählerquotienten überhaupt bestellt? CS zeigen sich da die merkwürdigsten Unterschiede, wenn man den Wählerquotienten der vlämisch-klerikalen lbäuerlichen) Wahlkreise mit dem der wallonisch-antiklerikalen �städtischen) Wahlkreise vergleicht. Der Wählerquotient im vlämischen R o u l e r s beträgt z. B. 98S0. im wallonffchen Thuin 10164 Stimmen! In Turnhout, in Termonde, in Brügge, in Courtrai, wo die Klerikalen die Sitze ihrer klerikalen Plnralwähler zu verteilen haben, beträgt überall der Quotient nur etwas über 10000 Stimmen. In Nivellos.in Mons, inTournai inHuy, in Dinant, wo die aufgeklärte antiklerikale und demokratische wallonische Be- Völkerung zu wählen hat, beträgt der Wählerquotient zwischen 14 000 und 16 0001, so daß also nach der raffinierten Abgrenzung der �Mffissenden, ganz im Banne deS Klerus gehaltenen Landbevölkerung von vornherein ein politisches Uebergewicht gegenüber der städtischen Bevölkerung»kngeräumt ist, und die Klerikalen weit geringere An- strengunge» machen müssen, um ein Mandat zu gewinnen, als die Oppositionsparteien. WaS folgende Ziffern noch treffender belegen: Im Wahlkreis von T o u r n a i geben 67 000 Stimmen drei oppositionelle Abgeordnete; in Löwen 66 000 Stimmen vier klerikale Abgeordnete! In Noulers sFlandern) find gar nur 49 200 klerikale Stimmen nötig, um fünf klerikale Mandate zu ergattern. In N i v e l l e s(Brabant) kamen auf die vereinigte Opposition bei fast 44 000 Stimmen zwei Sitze! In Tournhout bracht und die Zahl ihrer eingeschriebenen Mitglieder wider Er warten vermehrt. Ihr Zuwachs wird jedoch für diese und die nächsten Wahlperioden nicht ausreichend fein, die Herrschaft der beiden alten Parteien ernstlich zu gefährden. Viel gefährlicher kann der seit 1996 herrschenden Partei die demokratische werden. Sie sammelte im Jahre 1998 6 499 194 Stiw men, blieb um 1 269 849 Stimmen hinter ihrer bürgerlichen Gegnerin zurück. Dieses numerische Uebergewicht der Republi kaner mag als ein genügend schweres Argument gegen den demo kratischen Optimismus angesehen werden. Allein seit jener all- gemeinen Abstimmung hat sich vieles zuungunsten der republikani- schen Partei gewandelt. DaS Jahr 1919 brachte den Demokraten die Mehrheit im Abgeordnetenhaus(227 Sitze gegen 162 republi kanische und einem sozialistischen). Nichts spricht gegen die An- nähme, daß die vor zwei Jahren begonnene Abwanderung der republikanischen Wähler auch bei der bevorstehenden Präsidenten- wähl fortdauere. Denn die republikanische Partei hat nichts getan was ihr Sympathien im Volke einbringen könnte, und der herbe Streit zwischen Roosevelt und Taft ist auch nicht geeignet, ihre Werbckraft zu erhöhen. Die Arbeiterklasse hat keine Ursache, sich für die eine oder Schluß des Internationalen ArbeiterkongresseS in Zürich, in Ge- sellschaft von Friedrich Engels nach Wien, wobei es denn ohne eine kleine Fete und eine große Versammlung, in der wir als Redner auf das Trapez muhten, nicht abging. Seit jener Zeit sind meine Beziehungen zu Viktor Adler stets die allerbesten gewesen, selten daß wir in einer wichtigen Frage in tiefere Meinungsverschiedenheiten gerieten, die aber unser freundschaftliches VerlKltnis nicht beeinträchtigten. Er selbst hat sich von Jahr zu Jahr in immer höherem Grade als das Haupt der österreichischen Bewegung und als einer der führenden Geister in der Internationale erwiesen, der es auch verstand, einen Gene- ralstab erstklassiger Kräfte um sich zu vereinigen. lind so wollen wir ihm zu seinem sec�igsten Geburtstag un- seren herzlichsten Dank abstatten für alles, was er für unsere große Sache getan und geopfert, auch wollen wir den wärmsten Wünschen für sein ferneres Wohlergehen Ausdruck geben, das ihm noch eine Iveitcre Jahrzehnte währende Wirksamkeit ermögliche. Noch ist er der Unentbehrliche I Viktor Adler, alter Freund und Kampfgenossel Im Namen vieler Millionen begrüße und beglückwünsche ich Dich. Nie werden wir zurückmarschieren, wohl aber immer vorwärts, dem Kampf und dem Sieg entgegen! Bor dem Tage. Drei Frauen gingen auf der Lebensstraße, da eS Abend ward. Vornehm und reich war die erste gekleidet, trug den Kopf hoch — blickte stolz und kalt. Sie ging zum Feste, um beim Anblick einer Komödie der Tragödie im eigenen Heim— deS erloschenen KaminseuerS zu vergessen. „Du mußt erfrieren, arme« Weib, du und deine Schwestern'— sagte der Weltgeist. Die zweite tänzelte auf Stöckelschuhen die Straße entlang, ge- schminkt, gepudert, und lauschte entzückt dem Rauschen ihrer seidenen Röcke. Ihr unechtes Geschmeide blitzte auf im Licht der Straßen- lalerne. Sie eilte zu einem Souper mit dem Galan. Eine Nacht tollen ZechenS und DurchfchwärmenS harrte ihrer, eine Nacht, der ein trubselig-graueS Erwachen voll Ekel und Oede folgen würde. Und wieder eine tolle Nacht— und wieder ein trübseliges Er- wachen.— „Du mußt versinken, du und deine Schwestern, wenn dich nicht Liebe erlöset"— sprach der Weltgeist. Ruhig, sicher und stark schrttt die dritte einher. Schmucklos war ihr Kleid, hart und rauh waren ihre Hände. Aber in ihren Augen lag das tiefe Leuchten de« Glücks. Sie trug ihren Knaben auf dem Arm und ging dem Manne entgegen, der von der Arbeit kam, und für den sie das ärmliche Heim mit Feldblumen schmückte.' „Glückselige du, dir gehört die Zukunft, dir und deinen Schwestern aus dem Volke!" tönte des Weltgeists Stimme. Leise sank die Nacht herab. Im Dunkel harrte die Erde des neuen MorgenroteS. B. II. Humor und Saktre. Kostfrauentratsch.»DaS Buberl ist aber winzig klein und schwach.' „ES ist auch von einem— Sittlichkeitsapostel.' andere der bürgerlichen Parteien zu begeistern. Für ihre Sache ist weder durch den Sieg der Republikaner noch den der Demokraten etwas gewonnen. Und wenn behauptet werden sollte, daß der Einzug der Demokraten ins Weiße HauS ein größeres Uebel für die arbeitende Klasse sei als der der Republikaner, so wird eS auch noch seine Schwierigkeit haben, es zu widerlegen. Dts republikanische Partei ist die Reaktion engros, die demokratische die endetail. In der einen stehen die gesättigten, in dev anderen die hungerigen Stellenjäger. Nach dem Programm, der Tendenz und dem Handeln sind sich beide gleich. Hohe Ideale, große Ziele sucht man bei beiden vergeblich. Die Republikaner wollen nichts au den demo- kratischen Einrichtungen des Landes ändern, den Demokraten fällt es nicht ein, an der Republik zu rütteln, und alle beide wollen und werden nichts für das ausgebeutete Volk tun. Zwar wissen die journalistischen Sherlock Holmes von gewichtigen Unterschieden im Ziel, Satzung und Forderungen der beiden Parteien zu berichten. Auf dem Papier mag das stimmen, auch in den Wählerversammlun- gen werden solche Unterschiede konstruiert. Man darf jedoch nicht vergessen, daß man im Lande des Bluffs und der Uebertreibung ist. Um die eigene Daseinsberechtigung darzutun, wird aus dem Gegner ein schrecklicher Popanz gemacht und dagegen Wortgeschosse und Lufthiebe gerichtet. Es wird gegen einen Gegner gekämpft, der nicht existiert. Es wird gegen Absichten gedonnert, die niemand hegt. Es werden Forderungen aufgestellt, an deren Durchführung nach Beendigung der Wahlkampagne kein Mensch denkt. Die eine Partei tadelt, was die andere nicht verficht. Das alles kann die ignorante Wählermasse nicht hindern, einen politischen Klimawechsel zu wünschen, es wieder einmal mit der demokratischen Partei zu versuchen. Sie ist seit Clevelands Zeiten(1396) nicht mehr an die Futter» krippe der Union gekommen. Ihre markanteste Persönlichkeit, der „silberzüngige Redner" Bryan, ist dreimal unterlegen. Seine letzte Niederlage vor vier Jahren schien jede Erfolgsaussicht vernichtet zu haben. Die großen unerwarteten Fortschritte bei den letzten Kom- munal- und Abgeordnetenwahlen hat die demokratischen Haufen mit neuem Mut und großen Hoffnungen erfüllt. Die Uneinigkeit in der herrschenden Partei läßt ihnen den Sieg diesmal als leicht möglich erscheinen. Alle Kräfte werden jetzt daran gesetzt, diese Möglichkeit zur Wirklichkeit zu machen. Der Kampf«m die republikanische Kandidatur. Chicago, 21. Juni. Bei dem heutigen Wiederzusammentritt des Nationalkonvents hatte der WnhlprüfungSanSschuß, obwohl er die ganze Nacht hindurch verhandelt hatte, feine Arbeit noch nicht beendet, da die Anhänger RooseveltS auf genauester Prüfung jedes einzelnen bestrittenen Mandats bestanden. Der Aus» schuß legte daher nur einen unvollständigen Bericht über die al» gültig zu erklärenden Mandate vor. Darunter be- finden sich auch die Mandate der Taft-Delegierten auS dem neunten Alabamabezirk, gegen deren Anerkennung Roosevelt schärfsten Protest erhoben hatte. Der Antrag HadlcyS, die bestrittenen Delegierten von der Stimmabgabe auszuschließen, wurde abgewiesen; des« gleichen auch der Bericht der Minorität des Wahlprüfungsausschusses. und zwar mit 695 gegen 464 Stimmen. Dies bedeutet einen wichtigen Gewinn für Taft. Die Nomination des Präsident- schaftSkandidaten wird für morgen erwartet. Chicago, 21. Juni. Am Abend wurde bei der Prüfung der Mandate der angefochtenen Delegaten nicht mehr Namensaufruf ver- langt, sondern alles mit größter Schnelligkeit erledigt. Der Konvent vertagte sich darauf bis 19 Uhr morgens. Der Streit im demokratischen Lager. Chicago, 21. Juni. Bryan hat eine Anzahl hervorragender Demokraten im ganzen Lande telegraphisch aufgefordert, sich mit ihm zu verbinden, um eine Wahl ParkerS zum zeitweiligen Vorsitzenden des demokratischen Konvents in Baltimore zu ver» hindern. Stolz.„WoS, fpiel'n soll i mit Euch? DöS fallat mir«i wo i fcho in an Film als tot'S Kind auftret'n bin!" Vorteil.„Eins hat ja der Flugsport vor dem Bergsport voraus: Man brancht nicht so lange zu kraxeln, bis man eine richtige Absturzgelegenheit findet!'.Jugend.' Notizen. — Hermann Nissen, der zurzeit noch immer heftig be- kämpfte Präsident der Bühnengenossenschaft, wird seine kontraktlich auf mehrere Jahre festgelegte schauspielerische Tätigkeit beim Deutschen Schauspielhause am 1. September beginnen. — Oskar Fried wurde für die Leitung von sechs Sinfonie- konzerlen mit dem philharmonischen Orchester in Berlin verpflichtet. Auf dem Programm dieser Abende stehen unter anderem: MahlerS „Neunte" und DeliuS'„LebenStanz", dann Werke von Reger, Bufoni, Schönberg, Dcbussy und MnssorgSky. — Hermann Suder mannS neuestes und modernstoffliches Schauspiel„Der gute Ruf" wurde zur Aufführung im künftigen Komödienhaus erworben. — Im Nachlaß Otto Ludwigs, des Dichters der Makkabäer", des„Erbförster", der klassischen Dachdeckernodelle „Zwischen Himmel und Erde", hat Professor Erich Schmidt außer einem Skizzenbuch zahlreiche fertig skizzierte, ja toilwetse schon weitergeführte Einwürfe zu Lustspielen und Erzählungen sowie Pläne zu verschiedenen historischen Dramen ernster Gattung vorgefunden. — Eine Jean- Jacques Rousseau- Feier in Berlin veranstaltet die hier erscheinende französische Zeitung Journal d'Allemagne" unter Mitwirkung des Pariser Rousseau-Komitees in den Fcstsälen des Hotel Esplanade am 23. Juni, abends 8 Uhr. ES werden drei Vorträge gehalten. — Alle malenden und bildhauernden Bühnen» k ü n st l e r planen eine Ausstellung ihrer„Werke". DaS kann ja eine recht amüsante Bilderschau werden. — 9739 Meter Meerestiefe wurden kürzlich durch das Vermessungsschiff der kaiserlichen Marine„Planet" an der Ostküste der Philippinen gelotet. Die bislaug bekannte größte Tiefe betrug 9685 Meter und wurde erst im veraangeuen Jahre flidlich der Mariamieninsel Gnom durch einen amerikanischen Kabelvampfer ge« funde». — Die größte Talsperre in Deutschland wird die deS M ö h n c t a l S in Westfalen darstellen. Sie geht bereits im August, also V/t Jahr vor dem vertragsmäßigen Termine, ihrer Vollendung entgegen imd wird 139 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. — Das dalmatinische Städtchen Crlvice in der Nähe von Cattaro ist der regenreichste Ort Europa«. Crkvice liegt 1917 Meter hoch. Die mittlere Höhe der Niederschläge erreicht dort nach den während der letzten 22 Jahre gemachten Beobachtungen 4642 Millimeter. 1991 gab eS sogar 6135 Millimeter. Es regnet fast täg- lich— was für Sommerfrischler recht erbaulich zu hören ist. ZeDtrallfation der Orts-Krankenliatfei Berlins. Eine Versammlung der Vorstände und Verwaltungsbeamten der Krankenkassen Berlins und der Vororte, einberufen von der Zentral- kommiision der Krankenkassen, fand am Freitag im großen Saale der„Neuen Philharmonie" statt. Den Hauptpunkt der Tagcsorfr nung bildete der Bericht über die bisheriuen Zentralisationsbestre bungen der Ortskrankenkassen Berlins unter Bezuznahme auf die Ministerialverfiigung und das Anschreiben des Magistratskommissars. Es referierte hierüber Genosse Koblenzer. Er wies zunächst auf die Vorzüge und größere Leistungsfähigkeit großer zentrali sierter Krankenkassen hin und besprach sodann das von uns mit geteilte Rundschreiben des Magistratskommissars an die Orts-, Betriebs- und Jnnungskassen, das dazu bestimmt ist, die Vorarbeiten für das Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung in die Wege zu leiten,— Im Anschluß hieran teilte Simanowski das Ergebnis der Abstimmungen über die von der Zentralkommission gemachten Vorschläge zur Branchenzentralisation mit. Es ist folgendes: Von 53 Kassen sind 5 Kassen für allgemeine Zentralisation Berlin und Vororte, S Kassen für die Zentralisation Berlin, 18 Kassen für Branchengruppen-Zentralisation nach dem Vorschlag der Zentral- kommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte, 17 Kassen sind überhaupt nicht für Zentralisation und 4 Kassen haben sich gar nicht geäußert. Nach längerer und lebhafter Debatte wurde gegen 24 Stimmen der Ortskrankenkassen der Buchdrucker, Goldschmiede, Graveure, Posamentiere, Steindrucker und Weber folgende Resolution an- genommen: „Die am 21. Juni 1812 in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 96/87, tagende Versammlung der Krankenkassen- vorstände und Verwaltungsbeamten der Krankenkassen Berlins und der Vororte beschließt: Die Versammlung steht nach wie vor auf dem Boden der Zentralisation der Krankenkassen und empfiehlt den Kassenvor- ständen, das Schreiben des Magistratskommissars folgendermaßen zu beantworten: „Wir sind fü eine Zentralisation der Krankenkassen und beabsichtigen, dieselbe durch einen Anschluß an eine andere Krankenkasse möglichst noch unter dem bestehenden Gesetz herbei- zuführen. Maßnahmen dazu sind bereits in die Weg« geleitet. Sollten diese Bestrebungen nicht zum Abschluß gelangen, so wären wir auch bereit, einer von der Behörde als allgemeine Ortskrankenkasse bezeichneten Kasse auf dem Wege der Äereinr gung beizutreten. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte ist von uns beauftragt, in diesem Sinne weiter zu wirken." An der Abstimmung beteiligten sich nur die Ortskrankenkassen Berlins. Anwesend waren in der Versammlung 438 Personen, und zwar als Vertreter von: 48 Berliner Ortskrankenkasien, sechs Berliner Betriebskrankenkassen, 4 Berliner Jnnungskrankenkassen, 24 Vororts-Ortskrankenkassen, 1 Vororts-Betriebskrankenkasse, 1 Vor- orts-Jnnungskrankenkasse und 23 Hilfskrankenkassen, in Summa i07 Krankenkassen. Es wurde ferner über die Berhandlungen mit den Badeanstalts bcsitzern über die Erhöhung der Bäderpreise referiert. Genosse Simanowski schilderte den Verlauf der gepflogenen Verhandlungen. Der Vertrag, der eigentlich schon zum 1. April abgelaufen war, wurde seinerzeit, da eine Einigung mit der Zentralkommission noch nicht zustande gekommen war, um 3 Monate verlängert. Inzwischen ist nun die Einigung erfolgt. Es ist dabei festgelegt, daß das Be- dienungsgeld nicht mehr direkt an die Angestellten, sondern gleich bei der Bezahlung des Bades an der Anstaltskasse erhoben wird. Die im Tarif vorgesehenen Preise der 28 verschiedenen Bäder sind erhöht worden, und zwar die Bäder 1— 14 um 5 Pf. und die Bäder 15— 28 um 10 Pf. Die erhöhten Preise sollen bereits vom 1. Juni ab rückwirkende Kraft haben. Der Vertrag soll auf 5 Jahre gelten. 'Di« Versammlung stimmte dem Vertrage einmütig zu. Schließlich teilte Simanowski noch einen Bescheid deS könig- lichen Klinikums und des Kuratoriums für das städtische Rettungs- Wesen mit. Der Verwaltungsdirektor der Klinik teilt mit, daß auf seinen Antrag die Ressortminister der Nichterhebung der Auslagen für Nachtwachen bei den Krankenkassenmitgliedern zugestimmt haben. Die Abgabe von Flanellbinden an die Kassenmitglieder unter Wiedereinziehung der Kosten derselben finde seit längerer Zeit nicht mehr statt. Dagegen könne davon nicht abgegangen wer- den. für Röntgenaufnahmen und Röntgenbehandlung Gebühren wenigstens insoweit zu erheben, als dadurch die baren Auslagen gedeckt werden. Der ärztliche Direktor der Chirurgischen Klinik hat sich auf Ansuchen bereit erklärt, den Tarif für die Erhebung der Röntgengebühren bei den Krankenkassenmitgliedern ganz er- heblich zu ermäßigen, sofern es zu einer Vereinbarung mit den Krankenkassen kommen sollte. Das Kuratorium für das städtische Rettungswesen hat be- schlössen, daß in Uebereinstimmung mit dem bis zum 1. April er. ,n Geltung gewesenen Vertrage für die Behandlung von Kassen- Mitgliedern im städtischen Nachtdienst der Hilfswachen des Berliner Rettungswesens bis zur vollständigen Vcrstadtlichung des letzteren von den Krankenkassen erhoben werden sollen: s) für jede Hilfeleistung innerhalb der Hilfswach« einschließlich Verbandstoffe 2,75 M.: b) für Besuche außerhalb der Wache 4 M.? c) für eine geburtshilfliche Dienstleistung 10 M. Eine endgültige Neuregelung, welche mit der vollständigen Ver- stadtlichung des Berliner Rettungswesens in Kraft treten soll, bleibt vorbehalten._ Der Deutsche(holzarbelterverband. Am heutigen Sonntagabend findet in der„Neuen Welt" die Eröffnungsfeier zum 8. ordentlichen Verbandstag des Deutsch«» Holzarbeiterverbandes statt. Der Verbandstag selbst wird im Ge- werkschaftshaus tagen; die Verhandlungen beginnen am Montag- vormittag. Der Verband hat sich in den seit dem vorigen Verbandstag verflossenen zwei Jahren rüstig vorwärts entwickelt und eine an Bewegungen und auch an Erfolgest»eiche Zeit durchgemacht. Wie der gedruckt vorliegende Bericht dss Vorstandes ausweist, haben im Laufe der beiden Jahre 2130 Lohnbewegungen mit 166 110 Be- teiligten stattgefunden gegenüber 984 Bewegungen mit 69 842 Be- teiligten in der vorhergegangenen zweijährigen Periode. Ohne Ar- beitseinstellung Verliesen 1193 Bewegungen; Angriffsstreiks fanden 531, Abwehrstreiks 278 und Aussperrungen 78 statt. Ueber die Erfolge der Lohnbewegungen gibt, soweit die Hauptforderungen: Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung in Frage kommen, die folgende Tabelle Aufschluß. Die Kosten der Streiks und Aussperrungen beliefen sich auf 8771 940 M. gegenüber 1263701 M. in den Vahren 1903 und 1900, find affo fast auf das Dreifache angekSachfen. GedeR Wurden von diesen Ausgaben 2 625 823 M. aus der Verbandskasse, 962 270 Mark aus den Lokalkaffen und 183 297 M. durch sonstige Einnahmen. Tarifverträge wurden in den beiden Berichtsjahren 794 abgeschlossen oder erneuert, und zwar für 11 424 Betriebe mit 116 481 beschäftig ten Personen, wogegen die beiden vorhergegangenen Jahre nur 226 Tarifverträge für 4736 Betriebe mit 36 319 Beschäftigten gebracht hatten. Der Verband hat sich auch nach besten Kräften an der Unter stützung großer Kämpfe anderer Gewerkschaften sowie ausländischer Bruderverbände beteiligt. Für die ausgesperrten Bauarbeiter hat der Verband im ganzen 80 000 M. beigesteuert, wovon 32 300 M. durch Einsendungen d«r Zahlstellen gedeckt wurden, das übrige die Hauptkasse zahlte. Die ausgesteuerten Tabakarbeiter unterstützte der Verband mit 15 000 M., die Bergarbeiter mit 10 000 M., die Porzellanarbeiter mit 1000 M.. wozu noch 690 M. aus den Zahl stellen kamen, und zur Unterstützung von Lohnkämpfen im Auslande bewilligte der Vorstand: für den Oesterreichischen Holzarbeiterver> band 15 000 M., für den Holländischen Möbelarbeiterverband 300 M. Die in der vorigen Berichtsperiode nach Oesterreich und nach Schwe- den gesandten Darlehen sind inzwischen zurückgezahlt worden. Dem Beschluß der in diesem Frühjahr abgehaltenen Vorstände- konferenz der deutschen Gewerkschaften, der für die Zukunft di« Einführung eines Umlageverfahrens zur Aufbringung von Unter stützungsmitteln bei großen Lohnkänipfen vorsieht, empfiehlt der Vorstand dem Verbandstag, seine Zustimmung zu geben; jedoch unter der Voraussetzung, daß für die Verwendung der Gelder ähn liche Bedingungen aufgestellt werden, wie sie im Holzarbeiterver band für die Unterstützung streikender Mitglieder gelten. Außer dem muß nach Meinung des Vorstandes bei Abstimmungen der Vor stände in dieser Angelegenheit die Mitgliederzahl der Verbände maß gebend sein, und auf die öffentlichen Sammlungen sollte man trotz des Umlageverfahrens nicht ganz verzichten. Hinsichtlich der Beziehungen zu anderen Verbänden wird mit Bedauern erwähnt, daß eine Verschärfung der Grenzstreitigkeiten mit dem Fabrikarbeiter- und dem Transportarbeiterverband ein getreten ist. und daß diese Streitigkeiten auch bis jetzt noch nicht aus der Welt geschafit werden konnten. Es find von der General kommission Verhandlungen hierüber in Aussicht genommen, haben aber noch nicht stattgefunden. Mit dem Bauarbeiterverband ist da gegen im Februar 1812 ein Kartellvertrag abgeschlossen, der die Beitragspflicht und den Uebertritt solcher Bauarbeiter regelt, die in den Wintermonaten regelmäßig in der Holzbranche arbeiten. Der geplanten gewerkschaftlich-genossenschaftlichen Versicherung� aktiengesellschaft„Volksfürsorge" hat der Vorstand die Teilnahme des Verbandes zugesichert und die Einzahlung deS Aktienanteils in Aussicht gestellt. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist im Laufe der Bericht? zeit von 151 827 auf 182 750, die Anzahl seiner Zahlstellen von 825 auf 874 gestiegen. Die Zunahme an Mitgliedern beträgt rund 20 Proz. gegenüber kaum 3 Proz. in der vorhergegangenen Berichts� Periode. Im Jahresdurchschnitt betrug die Zahl der Mitglieder im Jahre 1908: 146 337, 1909: 148 943, 1910: 153 767 und 1911: 176 838. Die Zahl der weiblichen Mitglieder ist von durchschnitt- lich 3034 im Jahre 1909 auf durchschnittlich 5919 im Jahre 1911 gestiegen, die der jugendlichen Mitglieder im selben Zeitraum von 129 auf 758. Ueber die gesamten Einnahmen und Ausgaben de? Verbandes im Vergleich zu der vorhergegangenen Berichtsperiode gibt die fol- gende Tabelle Auskunst. 1808/09 1910/11 Gesamteinnahme.. 10 157 330 M. 14 165 005 M. Gesamtausgabe... 9 468 939. 1251581«. Vermögensbestand.. 3 434 314. 5 086 532. Pro Kopf deS Mitgliedes hat sich hiernach das Vermögen des Gesamtverbandes von 22,60 M. auf 27,80 M. vermehrt. Für Unter- stützungen an die Mitglieder waren in den beiden Berichtsperioden 'olgende Aufwendungen erforderlich: 1808/09 1910/11 Streikunterstützung....... 1 334 37« M. 3 977 600 M. Arbeitslosen- und Reiseunterstützung 2 346 413 m 2 233 063, Krankenunterstützung...... 1 643 538, 1672 323. Sonstige Unterstützungen.... 510 076. 51154« � Zusammen 6 334 403 M. 8 394 532 M. Das ergibt eine Vermehrung der Ausgaben für Unterstützungen um 32 Proz., obgleich die Mitgliederzahl nur um 20 Proz. ge- stiegen ist. Zur Förderung der Agitation sind vom Haupivorstand nicht weniger als 16 Broschüren und 19 verschiedene Flugblätter heraus- gegeben worden, teils in Auflagen bis zu 100 000 und 150 000 Exemplaren, teils in kleineren Auflagen, je nach dem Kreis von Berufsgenossen oder Branchenangehörigen, für die sie bestimmt waren. Dazu kamen dann noch eine große Zahl Flugblätter, die von den Gauvorständen und den Lokalverwaltungen herausgegeben wurden. Unter den verschiedenen anderen Agitationsmitteln sind auch die Lichtbildervorträge zu erwähnen, von denen bisher zwei, mit je 100 Lichtbildern, veranstaltet wurden, der eine über:„Die Geschichte des Mobiliars und die Möbelstile", der andere über: „Unfallverhütung und Arbeiterschutz in der Holzindustrie". Im Oktober wurde die erste Vortragstour unternommen, und die Vor- träge haben bisher überall gute Aufnahme gefunden. Die Zahl der besoldeten Beamten des Verbandes war Ende des Jahres 1911: im Verbandsbureau 19(außerdem sind 2 Kontoristin- nen, 5 Packer und ein Laufbursche beschäftigt), bei der„Holz- arbeiter-Zeitung" und im.Fachblatt" 4, als Gauvorsteher 21, Lokalbeamte 88, also im ganzen 132 Beamte, gegenüber 114 vor zwei Jahren. Die Polizei versuchte in der Berichtsperiode in verschiedenen Städten wiederholt, die Zahlstellen des Holzarbeiterverbandes zu politischen Bereinen zu stempeln. DaS veranlatzte den Vorstand im November vorigen Jahres, an alle Zahlstellenverwaltungen ein Zirkular zu versenden, worin zu energischem Widerstand gegen derartige Versuche, und demgemäß dazu aufgefordert wurde, keine der im Vereinsgesetz den politischen Vereinen auferlegten Anzeige- pflichten zu erfüllen. Gleichzeitig enthielt daS Zirkular die Mah- nung:„streng darauf zu sehen, daß der Polizei nicht durch über- eifrige Kollegen willkommenes Beweismaterial für eine politische Betätigung der Zahlstelle am Orte geliefert wird. Es muß der alte Grundsatz bestehen bleiben, daß jedes Mitglied die Pflicht hat, wie jeder andere Staatsbürger sich in der politischen Partei poli- tisch zu betätigen. Das mutz aber außerhalb des Verbandes ge- chehen; der Deutsche Holzarbeiterverband soll unpolitisch sein und bleiben", besagte das Zirkular. Der Bericht des Ausschusses, der meist von beanstandeten Aus- chlüssen, Streitigkeiten über Unterstützung und Rechtsschutz ein- zelner Mitglieder handelt, hat für die breite Oeffentlichkeit kein Interesse. Erwähnt sei nur noch, daß Vorstand und Ausschuß übereinstimmend die Einverleibung der Zahlstelle Charlottenburg in Berlin beschlossen haben, daß aber dieser Beschluß bis jetzt nicht durchgeführt ist, und di»>. endgültige Regelung der Angelegenheit vom Verbandstag erwartet wird. Der Bericht der Preßkommission ist sehr kurz; bs ivird darin festgestellt, daß in der BeriKtszeit Beschwerden über die Bedaftign ver„Holzarveikek-Zeiklltsg" nichk eittKMgen sind aus den Kreisen der Mitglieder._ 11. Gevttalversamvlluug des Deutsches TeMarbeiter- Verbandes. Stuttgart, 21. Juni. Fünfter Verhandlungstag. Am Freitagmorgen wurde die Beratung der zum Statut ge- stellten Anträge beendet. Die Beschlüsse sind mehr interner Na- tur und interessieren daher die Oeffentlichkeit weniger. Samt- liche beschlossenen neuen Bestimmungen des Statuts treten am 1. Januar 1913 in Kraft. Die nächste Generalversammlung des Verbandes wird 1914 in Dresden abgehalten. Vorstand und Redaktion wurden in ihrer jetzigen Zusammensetzung ein- stimmig per Akklamation wiedergewählt. Heber den Punkt Lohnstatistik referierte Schräder(Vorstand); er betont, daß an der vom Vor- stand betriebenen Lohnstatistik leider nur ein viel zu geringer Teil der Mitglieder sich beteiligte. Die nach der Bearbeitung der Sta- tistik gewonnenen Resultate sind in wirtschaftlicher Hinsicht absolut zuverlässig. Es haben sich aus der Spinnerbranche zirka 2000 Personen au der Statistik beteiligt; der Lohn, der füc die Spinner im Jahre 1910/11 ermittelt wurde, steht im Durch- schnitt auf 19,17 M., für die Spinnerinnen auf 12.05 M. wöchentlich. Aber gerade bei der Spinnerbranche haben die Lohn- angaben nicht Anspruch auf absolute Richtigkeit, weil hier die besser bezahlten Kräfte zumeist noch nicht der Organisation angehören. Für Weber beträgt der ermittelte Durchschnitt 21,07 M., für Weberinnen 11,82 M., für Wirker 20,96 M., für Wirkerinnen 13,08 M.; für die Branche der Färber und Dekateure usw.: bei Männern 18,05 M., bei Frauen 10,36 M.; für die Män- ner in, der W i r k e r b r a n ch e 31,43 M., für die Frauen 17,79 Mark; für die Männer in der Posamentenindustrie 25,45 Mark, für die Frauen 11,33 M.; für männliche Seiler 24,24 M.. für Frauen 12.78 M.; für die Männer in der Jutei ndustrre 19,36 M.. für die Frauen 14,22 M. Vergleicht man diese Satze mtt den Lohnnachweisen der TextilberufSgenossenschaften, so ergeben sie ein mit diesen ziemlich genau übereinstimmendes Bild. Die Nach- weise aller Berufsgenossenschaften zusammen berechnet, ergeben 1911 einen Reichsdurchschnitt von 15,96 M. pro Woche; bei der Verbandsstatistik steht der Durchschnitt nach richtiger Umrechnung auf 16,24 M. Die 28 Pf., die die Statistik des Verbandes mehr aufweist, ist darauf zurückzuführen, daß sich in� der Organisation im allgemeinen die besser bezahlten Arbeitskräfte der einzelnen Branchen zusammenfinden. An der Erhebung im zweiten Halbjahr 1910 beteiligten sich 26 233 Mitglieder, im ersten Halbjahr 1911 beteiligten sich 22 733. Die darauf aufgebaute Statistik zeigt ein Bild großen Tiefstandes der durchschnittlichen Existenzverhältnisse. In der Erhebung von 1911 wird zahlenmäßig nachgewiesen, daß sich die Verhältnisse für Männer wie Frauen bezüglich der V e r d i e n st h ö h e sogar noch verschlechtert haben. Die Statistik gibt auch Auffchlutz über die Altersklassen, aus denen sich die Mitglieder zu, sqmmensetzen, und weist nach, daß 82 Proz. der Beteiligten über 22 Jahre alt waren. Weiter erstreckt sich die Statistik auf den Naöwveis der tatsächlichen Arbeitszeiten. Das einzig er- freuliche ist hier die Feststellung, daß die Unternehmer sich mehr und mehr bequemen müssen, bezüglich der Arbeitszeit die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten— allerdings mehr unter dem Drucke drastischer Mittel der Arbeiter selbst, als unter dem der Aufiichts- behörden.„. 1910 wurden trotz des Gesetzes noch 6 Proz. der an der Sta- tistik beteiligten Arbeiterinnen über die gesetzliche Arbeitszeit hin- aus beschäftigt; 1911 ist das fast ganz verschwunden. Das ist aber den Beobachtungen nach neben dem Drucke der Organisation mehr auf die ungünstige Konjunktur innerhalb der Textilindustrie, als auf die Wirkungen des Gesetzes zurückzuführen. Erst bei besserer Konjunktur wird sich einwandfrei feststellen lassen, inwieweit Gesetz und Gewerkschaft erzieherisch auf die Unternehmer gewirkt haben. Nach der Statistik hatte noch nahezu der dritte Teil der befragten Kollegen länger als 10 Stunden pro Tag zu arbeiten. Nach Branchen'berechnet sind es in erster Linie die Ar- beiter der Färbereien, Appreturen usw., von denen die Verkürzung der Arbeitszeit energisch gefordert werden muß, denn gerade diese Branche ist es, die in den meisten Fällen noch Arbeitszeiten von 62, 63, 65 und noch mehr Stunden pro Woche aufzuweisen hat. Der Referent Schräder begründete den großen Wert, ja die unbedingte Notwendigkeit einer ausgedehnten Lohnstatistik, die daS zuverlässigste Mittel ist. sichere Lohnangaben über größere ge- schlossene Lohngebiete machen zu können, um den falschen Angaben in der Presse, die gemacht werden, um die Kämpfe und Verbesse- rungsbestrebungen der Arbeiter zu diskreditieren, entgegenzutreten, Aber eine viel stärkere Beteiligung der Mitglie. der an der Pflege des Gebietes der Lohnstatistik durch den Verband ist dringend notwendig. Nicht 20 Proz., nein, womöglich alle Mitglieder müssen sichanderLohnstatistikbeteiligen. Um das zu erreichen, will der Vorstand die Erhebungen in Zu- kunft auf einfachere Basis stellen, um dadurch die Mitglie- der und Ortsverwaltungen zu entlasten und arbeitsfreudiger zu machen. Die Generalversammlung beschloß nach den Ausführungen deS Kollegen Schräder und der vorliegenden Lohnstatistikkarte mit der bis jetzt bestehenden Art der Statistik zu brechen und dieselbe in eine periodische umzuwandeln. Es erstattete dann Martha Hoppe-Berlm. gestutzt auf ein reiches Material, das Referat über Der freie Sonnabcndnachmittag. Der inhaltreiche Vortrag der Referentin wurde mit großem Beifall aufgenommen. Ein Antrag, den Vortrag als Broschüre gedruckt erscheinen zu lassen, wurde in der Intention abgelehnt» die Kollegen auf das Studium dieses Vortrages im Protokoll aus. drücklich aufmerksam zu machen. Nachdem Anna S i m o n- Brandenburg. Anna Theil- bar- Chemnitz und Bertha Hornig! in der Diskussion ge- sprochen, wurde folgende Resolution angenommen: „Die Einführung des freien Samstagnachmittag bedeutet für die Textilarbeiter und-Arbeiterinnen einen erheblichen Fort» schritt in dem Bestreben nach Verkürzung der Arbeitszeit. Es ist deshalb notivendig, diese Forderung immer und immer wieder zu erheben._.. Es ist jedoch unzulässig, diese Freigabe mit einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit zu erkaufen. Verbandsinstanzen dürfen zu solchen Verem» barungen ihre Zustimmung nicht geben."..... Der Verbondsvorsitzende Hübsch hielt dann daS einleitende Referat über den Tagesordnungspunkt: ..Die gegnerischen Gewerkschaften". Nach einer durch Schlußantrag beendeten grundsätzlichen Di?» kussion, an der sich F li e g e r- Crefeld. T r i m b o r n- Bamberg. Nickel- Greiz, Steinbrink- Düsseldorf, S i t t i g- Limbach. Brügge mann- Crcfeld, Butz-Crefeld, Kuhnen-Aachen und Dörr-Cottbus beteiligten, wurde eine vom Referenten vor- gelegte Resolution gegen eine starke Minorität abgelehnt. Rössel (Vorstand) konstatierte, daß die verschiedenen Diskussionsredner es begrüßt haben, daß die Frage ans der Generalversammlung zur Besprechung gelangt ist und daß unbeschadet der Haltung der christ- lichen Führer der agitatorische Kampf in prinzipieller Weise ge- führt werden soll, daß es aber auch gilt, den Arbeitern zu zeigen. daß der Deutsche Textilarbeiterverband gewillt ist, unbekümmert um den religiösen Glauben der einzelnen, gemeinsam mit allen Arbeitern für die Verbesserung der Arbeiterlage zu arbeiten, Die Verhandlungen wurden auf Sonnabend vertagt. Hus der Partei» Widerliche Prcßtreiderei. Die«Bremer Bllrgerzeitung' betreibt seit einigen Tagen den Sport,.Vorwärts" und Parteivorstand wegen der -Göppinger Angelegenheit in ganz unqualifizierbarer Art anzu» -rempeln. Ander» läßt sich die zurzeit in Bremen beliebte, polemische Methode, deren Hauptträger ein nur mit sehr bedingter Kenntnis des deutschen OrganisationSlebenS.belasteter" Genosse ist, beim besten Willen nicht bezeichnen. Unser.Verbrechen" besteht im vor« liegenden Falle darin, dag wir eine zweiundeinehalbe Spalten lange Erklärung des Genossen Rädel, unter der auch der Name des Genossen Thalheimer stand, auf Grund genauer Informationen ab- gelehnt habe», da w i r der Meinung sind, daß ein Parteiblatt nicht die Ablagernngsstätte maßloser persönlicher Jnvektiven sein soll. Wir sind jederzeit bereit, die Verantwortung für unser Tun und Unterlassen in der Göppinger Angelegenheit zu übernehmen, trotz aller Angriffe, die von rechts und von links dabei auf uns erfolgt sind. Wir erblicken unsere Aufgabe nicht darin, um jeden Preis Schützer und Verteidiger des Parteivorstandes zu fein, aber wir be- sitzen andererseits genug Verantwortlichkeitsgefühl, um unliebsame Erscheinungen in unserem Parteileben, wie die Göppinger Affäre eine war, nicht zu einem künstlich geschürten Parteikrakeel aus- wachsen zu lassen. Daran wird unS auch die liebenswürdige Absicht der.Bremer Bürgerzeitung" und ihrer Treiber, die Berliner Arbeiter gegen unS scharf zu machen, nicht irre machen. Gerade wenn man. wie in Bremen, so großen Nachdruck auf die„Massen" legt, sollte man sich einmal fragen, ob durch solche Polemiken der Aufklärungsarbeit und der Geschlossenheit dieser Massen gedient, oder ob dadurch nicht Verwirrung und Mißtrauen gesät wird. Auch wir legen großen Wert auf die Bedeutung der Massen in der Partei, auch wir wollen weder vertuschen noch beschönigen, wenn etwaS faul ist in unserem Parteilcben, aber wir wollen in unserer deutschen Partei leine Zustände einreißen lassen, wie fie leider heute die sozialistische Bewegung in einigen slawischen Ländern aufweist. Ein WandlungSfähiger. Im Wahllampfe in Hagenow-GreveSmühlen hat neben anderen Kapazitäten des Reichsverbandes auch Herr Otto Bürge« meister eine Gastrolle als Sendapostel der Reaktion gegeben. Genannter Herr dürfte unseren Parteigenossen nicht ganz unbekannt sein. Bis Ende ISO? betätigte er sich als liberaler Zeitung?« redakteur, entdeckte dann sein warmeS Herz für die Sozialdemo» kratie und machte vergebliche Anstrengungen, eine Redakteurstellung «m der„Mecklenburgischen Bolkszeitung" zu ergattern. Das nutzlose Mühen schreckte den.Genossen' Burgemeister aber nicht ab, seine »sozialdemokratische UeberzeugungStreue" beizubehalten und so ge« lang eS ihm, an unserem H o f e r Parteiblatt als Redakteur unter« zukommen. Aber schon nach dreiviertel Jahren war die Herrlichkeit in Hof zu Ende und Burgemeister kehrte infolgedesien der Partei den Rücken. Bald hatte er seine seelische Verwandtschaft mit dem Reichsverband begriffen, dem Reichs- verbände, über den er in seiner Sünden Maienblüte schrieb: .ES ist der bürgerliche Mischmasch, der in diesem Verbände (.Reichsverband") den allen gemeinsamen reaktionären Grundton zum Symbol der Einigung gemacht und die politische Ver« leumdung zu einer Kunst erhoben hat. Das Ver- fahren ist in der Tat einfach genug, man nimmt Reden der sozial« demokratischen Abgeordneten vor, reißt einige Stücke aus dem Zusammenhang heraus, gibt ihnen«ine möglichst sinnent st eilende Deutung, mit der man ein« Verneinung absichtlich durch die gesamte Sotzkonstruktion so verbindet, daß sie nachher mit Leichtigkeit herausgeholt werden kann, um den sozial- demokratischen Redner der vom Reichsverband selbst hinein- gelogenen Lüge zu bezichtigen.... Sein ganzes S y st« m ist schließlich weiter nichts als die organrsierte Verlogenheit." Gesucht und gefunden!_ Zur Nenderung des Organisationsstatuts. Unter dem Titel„Wohin führt der Weg" nimmt in der „Leipziger Volkszeitung" der Reichstagsabgeordnete Genosse Geyer Stellung zu dem Entwurf des neuen Organisation». statuts der Partei und kommt zu einer Ablehnung des Einwurfs, soweit die Vorlage den neu vorgesehenen Parteiausschuß be- handelt. Genosse Geyer meint, daß der von der Kommission ge- zeigte Weg der bedenklichste sei, und schreibt dann weiter: «Wie? Die Initiative des Parteivorstandes in politischen Angelegenheiten soll durch einen über ganz Deutschland verstreuten Parteiausschuß gefördert werden? Nach meiner Auffassung ist das nur möglich, wenn die Beratungen des Parteivorstandes in kurzen Zwischenzeiten stattfinden und auf dem laufenden bleiben, sowie die Beratenden in stetem Kontakt miteinander stehen sollen. Der nach den§§ 20 bis 22 des Entwurfs einzusetzende Partei- ausschuß, der überdies nur über wichtige, die Gesamtpartei berührende politische Fragen und andere abgegrenzte Angelegen- heiten mitentscheiden soll, schließt diese unerläßlichen Be- dingungen geradezu aus. Außerdem ist es völlig in das Belieben deS Parteivorstandes gestellt, was er für wichtig genug hält, um den Parteiausschuß einzuberufen. Nach dem Wortlaut des K 21 des Entwurfs werden es nur außergewöhnliche Fälle sein, die den Parteivorstand veranlassen werden, den Parteiausschuß einzu- berufen. Dient das der politischen Aktivität unserer Partei. leitung, kann das auf ihre Entschlußkraft, ihre Entschlußfähigkeit fördernd einwirken? Den möchte ich sehen, der das behaupten wollte! Die Schwerfälligkeit dieses vorgeschlagenen neuen Apparates muß jeden in die Augen springen, der nur seine Zusammensetzung überdenkt. Nicht allein hindert seine Berstreuung über das ganze Reich die Schnelligkeit eines nötigen Eingreifens, es fehlt ihm auch der geistige Kontakt, den herzustellen erst nach der Einberufung versucht werden muß. In diesem Parteiausschuß werden alle Richtungen in der Partei vertreten sein. Die Partei- leitung aber muß im Sinne der Parteitagsbe- schlüsse einheitlich handeln. Um das zu können, muß die eine oder andere Richtung erst nach der Einberufung des Ausschusses überzeugt werden. Die Aktivität wird also gestört, mehr gehemmt als gefördert. Es könnten noch weitere praktische Einwände gegen dis vorgeschlagene neue Institution gemacht werden, aber sie sind für mich nicht das wichtigste, das gegen sie spricht. Weit wichtiger ist die grundsätzliche Aenderung, die damit in unserer Parteiorganisation vorgenommen werden soll. Ueber diese grund- sätzliche Aenderung befindet sich in den Motiven zu dem vorge- schlagenen Statut kein Wort. Es scheint, daß sie in der Kom- Mission gar nicht zur Sprache gekommen ist oder daß sie nicht Bedenken genug erregt hat, um über sie überhaupt etwas in den „Äemerkungen"(Motiven) zu sagen." Weiter meint Geyer, daß die Schaffung deS Parteiausschusses zur Dezentralisation und Förderung des Föderalismus innerhalb der Partei führe und fährt fort: „Die Disziplin kann in der groß gewordenen Partei am besten durch stramme Zusammenfassung unserer Parteileitung er- halten und gefördert werden. Daher muß man sich gegen die vorgeschlagene Neueinrichtung wenden. Der Vorschlag der Organisationskommission greift aber noch weiter. Er beschränkt die Rechte unserer höchsten Instanz, des Parteitages: das Wahlrecht des Parteitags wird zum Bestätigungs recht herabgedrückt. Die unglückselige Wahl- ordnung, die dem Entwurf angehängt ist. bringt das fertig. Zwar heißt eS darin, daß die Personen für den Parteiausschuß dem Parteitag vorzuschlagen seien, aber diese Personen werden in den abgeteilten 32 Bezirken gewählt. Es ist eine regelrechte for- melle Wahl vorgeschrieben. Nun ist doch klar, daß dem Parteitag in der Regel nichts übrig bleibt, als die formell in den einzelnen Bezirken Gewählten nun seinerseits nochmal zu wählen resp. zu bestätigen. Tut er es nicht, kommt es zu Konflikten. Die Be- zirke werden auf ihrem Recht bestehen, das ihnen das Statut gewährt. Diese? Recht dient dem Föderalismus..... Mit der Neueinrichtung des Parteiausschusses ist noch eine weitere Aenderung verknüpft, die für die Partei schädlich ist. Die Kontrollkommission wird als dritte Instanz zur simplen Beschwerde- kommission herabgedrückt, der man freilich auch die Kontrolle über die rein technischen Verwaltungsgeschafte des Parteivor- standeS belassen will. Bisher bestanden schon Zweifel, ob denn die Kontrollkommission ihre Befugnisse voll ausübe und im ge- gebenen Falle auch die politische Tätigkeit des Parteivorstandcs auf Grund ihrer Befugnisse beobachtet. Daher ist mehrfach der Wunsch laut geworden, entweder durch eine authentische Dekla- ration der Bestimmung in§ 20 deS Statuts, die da lautet:«Zur Kontrollierung des Parteivor standeS usw. wählt der Parteitag eine Kontrollkommission"— der Kontrollkommission größere Befugnisse zu geben oder diese Bestimmung im Statut so umzugestalten, daß der Kontrollkommission das Recht gegeben wird, über die politische Tätigkeit deS Parteivorstandes zu befinden. Letzteres wäre weit eher geeignet, für die Initiative des Parteivorstandes einen Anreiz zu bilden. Verbände man mit einer Erweiterung der Befug- niffe der Kontrollkommission eine Erweiterung ihrer Mitgliederzahl und würde dazu unser Parteivorstand ebenfalls in seiner Mitgliederzahl verstärkt, sowie seine Zusammensetzung in einer Weife gestaltet, die eine unausgesetzte und lebendige Behandlung aller politischen Fragen ermöglichte, dann wäre den in Jena ausgesprochenen Wünschen Genüge geleistet und die Reorganisation ohne Schädi- gung für die Partei vollzogen. Das könnte geschehen durch Hin- zuwahl unbesoldeter Mitglieder, die mit bureautechnischen Ar- betten nicht» zu tun haben, aber an den Beratungen des Gesamt- Vorstandes teilnehmen. Die praktische Verwirklichung dieses Vor- schlageS bietet nicht entfernt die Schwierigkeiten, trne die Schaffung des vorgeschlagenen Parteiausschusses. Die Vorschläge der Organisationskommission entsprechen da- gegen weder den auf dem Jenaer Parteitag gestellten Forderungen, noch tragen sie der Entwicklung der Partei Rechnung. Vielmehr müßte ihre Verwirklichung die Differenzen zwischen den beiden vorhandenen Richtungen verschärfen. Vorschub leisten sie in der Tat allen revisionistischen Neigungen, die sich in einer födera- listisch gearteten Organisation viel mehr breitmachen könnten. Da- mit wird die Einheit der Partei in Frage gestellt. Die Einheit der Partei ist iedoch so kostbar, daß wir daran nicht rütteln lassen dürfen." flua der frauenbewegung* Ueber 8600 neue Reichspoststellen für weibliche Angestellte. Eine„Neue Frauen-Korrespondenz' meldet: Die Reiiibspostver- waltung hat sich entschlossen, um Ersparnisse in ihren Personal« ausgaben zu machen, eine Reihe von Beamtendienstgeschäften auf weib- liche Personen zu übertragen. Es handelt sich dabei um zwei ver- schieden« Stellungen. Einmal sollten durchweg bei den Postämtern dritter Klasse die nachgeordneten männlichen Beamten(zirka 3600) durch außerhalb deö Beamtenverhältnisses stehende weibliche Personen er- setzt werde». Die Vergütung für die Tätigkeit bei diesen Postämtern wrrd im Durchschnitt 750 M. betragen, wobei die Postverwaltung durch die Verwendung weiblicher Angestellter in Zukunft über 2 Millionen jährliche Ersparnisse erzielt. Außerdem soll eine Reihe von Dienstzweigen, die jetzt von männlichen Be- amten versehen werden, Frauen übertragen werden. Dabei werden an die Stelle von 4500 männlichen Beamten 6100 weibliche treten und, da das Gehalt einer etatsmäßig angestellten Gehilfin in diesen Stellungen sich auf 1028 M. jährlich beläuft, so erspart die Post hierdurch weitere 4 Millionen jährlich. > Im gegensvärtigen Ekai ver ReichSpostverkvaktung finv 0104 ekatSmäßige Stellen für Post- und Telegraphengehilfinnen vor« Händen. Ihr Gehalt beläuft sich auf 1300 bis 1800 M., im Durchschnitt auf 1550 M. Dazu kommt ein Wohnungsarldzuschuß von durchschnittlich 378 M. Die durchschnittlichen Bezüge aller etats- mäßig angestellten Gehilfinnen belaufen sich also auf 1938 M. Außerdem waren im Beginn dieses Jahres insgesamt 13 545 nicht etatsmäßig angestellte Gehilfinnen beschäftigt. Sie beziehen eir» Tagegeld von 2,76 M. bis 3,80 M., das sind jährlich 1003,75 bi9 1387 M.. im Durchschnitt 1195 M. Um 6 Millionen Mark jährlich zu ersparen, fördert auch die Reichsregierung, die sich gegen politische Frauenrechte wehrt, Frauen� arbeit. Heißt eS noch immer: Die Frau gehört ins Haus? Frauenausstellung für 1913 iu Holland. In Holland hat sich ein Frauenkomitee gebildet, da» für ve» Sommer 1913 in Amsterdam eine Ausstellung organisieren will« Diese Ausstellung soll den Besuchern vor Augen führen, was die Arbeit der Frau im Haushalt vor hundert Jahren ausgemacht und? was für unsere Zeit davon übriggeblieben ist, wobei man zugleich trachten wird, auch einen Begriff der Vielseitigkeit der Frauen- arbeit auf gesellschaftlichem Gebiet, in Berufs-, Fach- und soziale» Wirksamkeit zu geben. Der Zweck der Ausstellung soll sein, Staad und Gesellschaft davon zu überzeugen, wie wichtig es wäre, de» bis heute indirekten Einfluß der Frau in einen direkten zu ver- wandeln. Alle Frauenorganisationen find zur Beteiligung auf« gerufen, auch die sozialistischen Frauen. Das proletarische Frauenblatt in Holland schreibt dazu: „Was den Plan anbetrifft, zweifeln wir keineswegs, daß e» ausgezeichnet ausgeführt werden wird und erinnern nur an di» vorzüglich gelungene Frauenarbeitsausstellung im Jahre 1898, Wir werden sicher 1913 weit Bedeutenderes zu schauen bekommen« Aber im übrigen müssen wir doch davon absehen, unS an der Aus« stellung zu beteiligen. Denn das uns durch Martina G. KramerS zugegangene Zirkular beginnt mit derartig patriotischen Phrasen, daß sie uns zurückschrecken. � Da heißt eS beispielsweise:„ES ist beabsichtigt, die Ereignisse deS Jahres 1813 im Jahre 1913 wieder aufleben zu lassen, um uns soviel wie möglich der Blüte und Wohlfahrt unseres Landes zu erfreuen und der En twickelung des Volkes, seit e» durch die Hilfe der vereinten Mächte seine Unabhängig« keiterrungen."... Wir weichen zurück vor diesen Phrasen, vor diesen sinnlose» Bezeugungen von Vaterlandsliebe, die wir natürlich nicht unter- schreiben können. Blüte! Wohlfahrt I EntWickelung deS Volkes k Wir erfreuen uns nicht dessen. Wir sind die arbeitende Klasse, der man alles vorenthält, besonders, so lange wie eben möglich, die politischen Rechte. Wir betrachten die niedrigen Löhne, die sehlende Arbeiterversicherungsgesetzgebung, den schlechten Volks- Unterricht, das Verspotten unserer Nöte, unserer Wünsche, unserer Forderungen. Nein, wir erfreuen uns absolut nicht. Und bis 1913 dürfte da? auch wohl kaum anders werden. Wir freuen unS höchstens der wachsenden Streitkraft der prole- tarischen Frauen, und wir hoffen, mit dieser Kraft 1913 bei den Wahlen kräftigst zu demonstrieren. Nach dieser Richtung hin haben die prole tari- schen Frauen auch besondere Pläne für 1913." Bravo! holländische Genossinnen! Wer aber muß bei diesen Mitteilungen nicht der verflossenen deutsch-bürgerlichen Ausstellung:„Die Frau in Hau? und Beruf" noch lächeln, die auch die gesamte Frauenarbeitslcistun� vor Augen bringen wollte, und die Arbeiterinnen selbst dabei auS dem „Spiel" ließ?_ ....... Leseabend« am Montag, de» 24. Juni. Erster Wahlkreis. Bei Weihnacht. Grünstr. LI: Vortrag der Ge- nossin Cohn-Hart über:«Die Beziehungen der Proletarieri» zur Kunst." t Hansaviertel: bei Rothe, Flensburger Straße 24. Fünfter Wahlkreis 1. und 1s. Abteilung: bei Rausch. WinSstr. IS. BohnSd-rf. Im Lokal„Villa Kahl"(Inhaber Bakofzer). Tage»- ordnung:„Die genossenschaftliche EntWickelung in Groß- Berlin." Franz.-Buchholz: bei Kähne, Berliner Straße 39. Friedenau. Bei Mechelke, Handjerhstr. 60/61. Vortrag der Ge« nossin Emma Döltz:«Die Frau im Altertum." Friedrichshagen. Friedrichstr. 60, 2. Hof links pari.: Vortrog de» Genossen Dittmer über:„Arbeiterschutz— Kinderschutz." Pankow. Bei Stark,„Türkisches Zelt", Breitestr. 14. Vortrag des Genossen Wyscha:„Die Aufgaben der genossenschaftlichen Organisation." Reinickendorf-Ost. Bei Sadau, Residenzstr. 124. Rechtsanwalt Dr. Weinberg spricht über:„Die Benachteiligung der Frauen im Eherecht." Renickendorf-West. In dem Lokal von Halman, Scharnweberstr. 5», Vortrag des Genossen Kiesel über:„Die verflossene Reichs« talsperiode." Wahl der Leiterin. Rummelsburg. Bei Blum, Alt-Boxhagen 56, hält Genosse Zimmer- mann den Vortrag und bei Krüger, Türrschmidtstraße. Genosse Klajus. Tegel. Im Jugendheim, Schlieperstr. 30: Vortrag des Genossen Max Sassen:„Parlamentarismus und Demokratie." Treptow-Baumschulenweg. Für Abteilung 1: Baumschulenweg» Ernststr. 22. Hof Part.; Abteilung 2: Treptow, bei Schmidt, Kiefholzstr. 22. KSnigswusterhause«. Im Lokale von Ww. Wedhorn,»AlteS Schützenhaus". Vortrag. Borsigwalde. Dienstag, den 25. Juni, in den Borsigwalder Feste sälen: Vortrag des Genossen Kurt Heinig. Adlershof. Mittwoch, den 26. Juni, Bismarckstr. II. Vortrag der Genossin Magies-Berlin über:„Die Frau im Wirtschafts- leben." KavonSeife ohme Soda!! eine neuartige rtaudbaltfeife von fabelhafter Maschkraft. Stück SV Pf. Die Neinigungswirkung ist einfach fabelhaft. Selbst durch und durch verschmutzte Wäsche wird mit Kavon-Seife bei spielend leichter Arbeit wie neu. Empfindliche Stoffe wie Seide, Wolle, Spitzen, Gardinen usw. bleiben vollständig unverändert. Kein Einlaufen! Kein Farbenverblaffen! Dabei billig: Bei richtiger An- Wendung braucht man von Kavon-Seife halb so viel Seife wie sonst. Die Kavon-Seife ist nach Znfammensetznng und Waschkrast die reinste und vollkommenste Hausseife, die die Seifen-Jndnstrie je hervorgebracht hat. G.M.B.H Versand-Abteilung Berlin W.66, Lelpzlgerstr. 132/37 Die Firma A. WertHeim hat za ähnlich lautenden Firmen Keinerlei Beziehung Ceipzigerstr. W Königstr. Kosenthalerstr. Oranienstr* veika/fV Mode-Album qc mit AhbildutiK. von Damenkleidern. 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Droht das Schreckgespenst vermehrter Arbeitslosigkeit?— denn ganz verschwindet die durch die kapitalistische Produltionsanarchis hervorgerufene Ge- fahr des Hungerns nie. Eine gewisses Nachlassen des Geschäftsganges ist zurzeit un- zweifelhaft. Speziell auf dem Koks-, Kohlen- und Eisenmarkt nimmt die Kauflust etwas ab. Das Rheinisch- Westfälische Kohlenshndikat meldet, daß sich die im Mai begonnene Verschlechterung im Kohlen- absatz im Monat Juni weiter fortsetzt, so daß es die Förder- einschränkung für Koks erhöhen will. Eine Einschränkung ist auch für Kohle vorgesehen, da sich hier ebenfalls ein schärferer Absatz- mangel bemerkbar macht. Aus dem Eisenmarkt ist die Nachfrage ouS dem Jnlande ebenfalls ruhiger geworden. Die Stabeisenpreise find sogar etwas ermäßigt worden. Deuten diese Faktoren wirklich aus einen momentan wirksamen Konjunkturwechsel? Sie lassen sich ebenso gut durch die regelmäßig im Sommer eintretende Geschäftsstille erklären. Im Frühjahr, nach Abschluß des Geschäftsjahres, werden die Pläne für das kommende Jahr entworfen, die großen Be- stellungen in Austrag gegeben. In den Sommermonaten tritt dann etwas Ruhe ein. Die Fabriken sind für die folgenden Monate ver- sorgt. Diese.Sättigung" ist in diesem Jahre früher und intensiver eingetreten. So berichtet, um nur ein Beispiel herauszuheben, einer der größten deutschen Montanbetriebe, die Phönix A.-G-, daß die Gesellschaft für das laufende Jahr in B-Produkten vollkommen ausverkauft ist. Der Stahlwerksverband gab im Laufe der verflossenen Woche folgenden Bericht aus: Das Jnlandsgeschäft in Halbzeug ist nach wie Vor sehr lebhaft. Dem äußerst dnngenden Abrufe der Vet- braucher kann vielfach nicht entsprochen werden. Vom Ausland ist der Spezifikationseingang fortgesetzt stark. In schwerem Oberbaubedars sind von den badischen und württembergischen StaatSbahnen weitere Nachbestellungen auf Schienen, Schwellen und Kleineisenzeug für das laufende Jahr angemeldet worden. Auf dem Auslandsmärkte für Vignolschienen ist die Lage noch immer günstig. Die Absatzmöglichkeit scheint sich für die nächsten Monate aufsteigend zu bewegen. Das Grubenschienengeschäft im Jnlande und Auslände ist sehr lebhast. In Formeisen ist im Jnlande der Eingang der Spezifikationen sehr rege, so daß der Juliversand eine weitere Steigerung erfahren dürfte. Im Auslande schreitet die Eni- Wickelung des Trägergeschäfts weiter fort. Der Auftragseingang und der Abruf sind sehr zufriedenstellend. In Englanh übt der Streik der Hafenarbeiter aus die Geschäftslage keinen nennenswerten Einfluß aus. Auf den übrigen Absatzgebieten ist das Geschäft nach wie vor recht befriedigend. Aehnliche Nachrichten liegen auch auS anderen Staaten vor. In Kanada find die Stahlwerke bis zur vollen Leistungsfähigkeit beschäftigt, so daß sich die Canada Pacific-Bahn ISOOll Tonnen Stahlschienen aus der Union liefern läßt. England wieder soll in Kanada Nachfrage nach Stahl halten. Die erwähnte Kohlen- und KokSahschwächung erklärt sich leicht auS dem Aufhören des eng- tischen Bergarbetterstreiks: England produziert wieder so viel, daß Me Mehrlieferungen Deutschlands an die britischen Absatzgevicte überflüssig wurden und zurückgingen. Auf der Generalversammlung de« Eisest- und Stahlwerks Haspe äußerte sich dessen Direktor P. Klöckner vor einigen Tagen dementsprechend über die allgemeine Marktlage sehr günstig: Vom Roheisenverband ist dem Werke bis zum Jahresende über IVO Prozent der Beteiligungsziffer überwiesen worden. Vom Ausland sind noch große Anfragen am Markte, da die englischen, französischen und belgischen Hütten bis zum Jahres- ende ausverkauft sind, so daß der Auslandsdedarf auf Deutschland angewiesen ist. Augenblicklich herrscht eine gewisse Knappheit an Rohstahl. Die Situation ist daher— trotz der andauernden. Stille im Baugewerbe— günstig. Sie wird noch weiter anhalten, da in Amerika infolge der Präsidentenwahl, in China und der Türkei in- folge der politischen Wirren Bestellungen noch zurückgehalten werden. Die Kriegsrüstungen und Flottenvergrößerungen Italiens und Ruß- lands werden die. Nachfrage weiter steigern. Bietet so das aus« ländische Absatzgebiet gute Aussichten, so wird sich auch der inlän- dische Markt noch bessern. Die günstigen Ernteaussichten sind eine starke Gewähr dafür. In der Tat würde eine reiche Ernte die Kaufkraft der Land- Wirtschaft und die der breiten Massen, infolge billigerer NahrungS- mittel, günstig beeinflussen. Die noch immer ungeschwächte T e u e- rung ist ja das größte Hemmnis der vollen Entfaltung der Kon- junktur. Der deutsche Außenhandel hat sich auch im Mai ent- sprechend der günstigen Wirtschaftslage entwickelt. Die Einfuhr ist zwar um 1,46 Millionen Doppelzentner gegen den gleichen Mo- nat des Vorjahres zurückgegangen, aber nur der Menge nach, an Wert ist sie um L2,46 Millionen Mark gestiegen. Den Rückgang betreffen Ackerbau-Erzeugnisse, Brennstoffe, Papiern>aren, Kupfer und Kupfernxiren, Maschinen. Die Aussuhr zeigte gegen den Mai ISN eine Steigerung von 4,04 Millionen Doppclzentner und 60,77 Millionen Mark. Beteiligt daran sind besonders Chemikalien, Düngemittel, Eisen, Maschinen, Brennstoffe, elektrotechnische Erzeugnisse. Auch der Binnenhandel, gemessen an den Eisenbahnverkehrs- einnahmen, hat im Mai weiter stark zugenommen. Der Personen- bcrkehr, der durch das in den Mai fallende Pfingstfest belebt wurde, zeigte eine Mehreinnahme von 2L4 M. oder 22, S Proz. pro Kilometer gegen das Vorjahr. Die Einnahme aus dem Güterverkehr wuchs trotz der Abschwächung durch das Pfingstfest um 114 M. oder 3,S Proz. pro Kilometer. Der Arbeits markt müßte eigentlich ein besseres Bild bieten als die?lrbcitsnachweisstellcn berichten. Mit Recht weist CalwerS ,, Wirtschaftliche- Correspondenz" darauf hin, daß trotz des Neberangebots an einheimischen Arbeitskräften dauernd und in vermehrter Zahl ausländische Arbeiter ins Land gezogen werden. ..AuS Mitteldeutschland wird gemeldet, daß trotz starten Angebots einheimischer Arbeitskräfte bei Bahnbauten fast nur frcmde Arbciter eingestellt werden." Niedrigere Entloh- nung und Befreiung von den sozialen„Lasten" sind die Motive für hies„nationale" Verhalten der Unternehmer zur Unterdrückung der aufstrebenden Arbeiter. Nur im Baugewerbe besteht ein wirklicher Stillstand. Auch in der Holzindustrie, insbesondere der Berliner, herrscht Ueoerangebot. Ebenso ist die Lage in der Nahrungsmittel- und in der Textilindustrie, den beiden besten Maßstäben für die Kaufkraft der breiten Massen, ungünstig. Von allen anderen Ge- werbezwcigen wird eine normale und zum Teil gute Beschäfti- gung gemeldet. Eine wirkliche Besserung des Arbeitsmarktes weist aber nur das Rheinland auf. Die Börse hat die Konjunktur schon seit langem durch Kurs« steigerungen ausgenutzt. Es besteht bereits eine gewisse Tendenz zu Kursabickiwächungen. Auch die in der Mitte des Monats erfolgte Herabsetzung des NeichSbankzinSfußes von 5 auf 4'/z Proz. bat auf dem Geldinark kaum Bewegungen hervorgernfe». Die Reichsbankleitung soll keine Neigung gehabt haben, ihren Diskont zu ermäßigen: erst auf sanften Druck der Hochfinanz ist es ge- fchehen, trotzdem zwischen dem Zinsfuß Englands bezw. Frankreichs und dem Deutschlands auch nach der Herabsetzung noch eine Spannung von P'v Proz. besteht. Jetzt macht sich auf der Börse bereits der Terminwechsel, der einen größeren Bargeldverbrauch zeitigt, ab- schwächend bemerkbar. Die Sorge unserer Regierung bildet der fortdauernde Rück« gang der Staatspapierkurse. Am 14. Juni fiel die drei- prozentige Deutsche Reichsanlcihe bis auf 80, und sie hat sich nicht erholt. Im Jahre 18b0 war ihr niedrigster Kurs immerhin erst 85,30; im Jahre 1806 betrug er aar noch 37,60. Aber seit 1896 ist sie mit geringen Schwankungen stetig im Kurs gesunken. Sie hat in diesem Monat einen noch nie erreichten Tiefstand gezeigt. Was nutzt es, daß man darauf hinweist, daß auch die französischen, österreichischen und englischen Renten fallen. Das Angebot an diesen Papieren infolge der dauernden Schuldentvirtschast ist zu groß. Mehrere bürgerliche Blätter haben sich in dieser Woche— soll man sagen— den Scherz geleistet, auf die größere Rentabilität, die höhere Verzinsung der Staatspapiere empfehlend hinzuweisen, um zum Ankauf zu animieren. Je geringer der Ankaufspreis, um so höher, bei gleichbleibendem Zinsfuß, der Ertrag; gewiß I Aber was nutzt der geringe Einkaufs- preis mit relativ guter Verzinsung— bei der 3 prozentige» Anleihe im Kurs von 30 stellt sie sich effektiv auf 3,75 Prozent—, wenn beim Berkauf ein Verlust infolge weiter gesunkenen Kurses erlitten wird. So hat die Berliner städtische Sparkasse im abgelaufenen Geschäftsjahre allein durch ihren Besitz an Staatspapieren sieben Millionen verloren. Der Verband deutscher Lebensversicherungsanstalten teilt mit, daß 37 deutsche LebensversicherungSgesellichasten in den Jahren 1903 bis 1910 insgesamt 7,4 Millionen Mark Kursverlust erlitten haben. Gegen den Ankauf von Staatspapieren sträubt sich daher alles, und neben dem gesetzlichen Druck auf öffentliche Anstalten zu ver- mehrter Anlage von Kapitalien in diesen Werten greift daher der Staat jetzt zu Maßregeln auf dem Verwaltungswege. So hat nach der„Frankfurter Zeitung" der preußische Minister für Handel und Gewerbe durch eine Handelskammer das Vorgehen einer Bank rügen lassen, die private Schuldverschreibungen eine» industriellen Werkes ihren Kunden für bessere Anlägewerte als Staatspapiere erklärte und zu entsprechendem Umtausch animierte. Aehnliche auch nur gelegentliche oder mündliche Anpreisungen seien unbedingt zu vermeiden I Ein Rückgang der StaatSrentenkurse ist aber unmittelbar mit Hochkonjunkturzeiten verbunden. Je höhere Rentabilität Privat- Unternehmungen in Aussicht stellen, um so mehr meidet man Staats- papiere. Am Börsenmarkt zeigten die auffälligste Bewegung die Akten der.Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken" A.-G. Berlin. Diese Fabrik stellt Gewehre, Pistolen. Maschinen« gewehre, Maschinengeschütze, Kriegsartikel aus Aluminium(Koch- geschirre usw.j, auch Kugeln und Kugellager her. Sie ist entstanden aus der Loewe A.-G. und steht noch heute mit ihr und deren Tochter- und Schwestcrgesellschasten in enger Verbindung.�so mit der Dürener Metallwarenfabrik sPatronenhülsen-Metall) und den Köln-Rottweiler Pulverfabriken. Schon im Vorjahre stieg der Kurs der.Deutsche» Waffen" um etwa b0 Proz., seit Jahresbeginn ist er weiter um 1b9 Prozent in die Höhe geschnellt. Er steht jetzt auf etwa 562, hat aber schon vorübergehend 576 pro Hundert betragen. Das Aktienkapital beträgt 15 Millionen Mark. An Dividende wurden in den letzten sechs Jahren 29 bis 25 Proz. gezahlt. Abschreibungen und Rückstellungen wurden daneben in reichlicherer Ausnahme vorgenommen. DaS KriegSrllsten nährt eben seine Leute I Die sprunghaften KurSerhöhungen werden auf Aktienkäufe durch die Dresdener Bank oder ein sonstiges großes Kapitalinstitut zurückgeführt. An der Börse ver- lautete auch gerüchtweise, daß daS Riich�'vder Krüpp sich durch die Dresdner Baut--Einfluß sichern wollen. Als weitere Gründ«, der KtzrKbewtguM werde» �ie Aussicht auf höhere Dividenden, Ausgabe von Gratisaktien oder eine beabsichtigte- Kapitalserhöhung mit wertvollen vezu�Srechten für die Aktionäre angegeben. Bemerkenswert ist, daß diesmal die Presse sich nicht über die. Kurssteigerung so ereifert, als sie es im Falle der Voigt- ländischen Maschinenfabrik tat. Erscheint die Spekulation in Kriegs- werten weniger bedenklich? Mit einer gewissen Liebe wird in einzelnen Blättern von den Unternehmungen der.Deutschen Waffen" berichtet. — Zu der amerikanischen Präsidentschaftswahl hat die Börse keine Stellung genommen. Von polilischen Ereignissen macht sich für die Wirtschaftslage allein der italienisch-türlische Krieg und die drohende Dardanellensperre wesentlich heinmend bemerkbar. Die Finanzwelt beschäftigte außerdem das Sechsmächtedarlehen von 60 Millionen Pfund Sterling an China. Nachdem es nach langen Verhandlungen, in denen einzelne der sechs Großstaaten sDeutschland, England, Frankreich, Rußland, Amerika, Japan) hart aneinander gerieten. endlich zustande gekommen, versichert ein offizielles Communiquä, daß sie in.freundschaftlichem Geiste" verlaufen seien und daß China mit allem freiwillig einverstanden gewesen sei. Tatsächlich ist China der Strick um den Hals gelegt worden, es hat in seine Selbständigkeit arg einschränkende Bedingungen willigen müssen. ver§chapiropro?eg. D a t m st ab t, 22. Juni.(Pcivattelegr. des„Vorw.".), Der heutige fünfte Verhandlungstag brachte zunächst eine interessante Würdigung der Tätigkeit der Polizeiassistentin dulrch den Geh. Medizhralrnt Balzer. Er könne«ur sagen, daß Frau Schapiro ihre Arifffabe mit großem Verständnis angepackt habe und zweifellos auch mit Erfolg. Als Beweis führte der Zeuge einen Fall an, in welchem Frau Schapiro sofort erkannt hatte, daß es sich um eine abnorme Weibsperson handele. Frau Schapiro Hütte das Verbiensb, diese Frau, die wegen ständig rückfälliger Diebereien vorerst nicht auS dem Zuchthaus herausgekommen wäre, richtig beurteilt zu Hadem, Es sei das ein Beweis dafür, tnit welchem Verständnis die Assistentin in indi» viduell gelagerten Fällen vorgeht. Im ProstitutionSwrsen hat die Assistentin das hohe Verdienst, daß sie hter rücksichtslos und sehr energisch vorging, um die Ausbeutung der Mädchen zu mildvrn. Sie hat eine Kasse für die Prostituierten gebildet, die als eine Unterstützungskasse bei Krankheiten dienen soll. Frau Schapiro hat wiederholt bedauert, daß sie im Fürsorgewesen zu wenig beim ZwangSerziehungSwcsen beschäftigt sei. Soweit sie hier zu tun gehabt hat, beobachtete der Zeuge ein durchaus sachgemäßes Vor- gehen. Der Zeuge kennt nur zwei Fälle, in welchen sich zwei Ge- fangene über Frau Schapiro beklagt haben. ES waren aber im wahren Sinne des Wortes Unverbesserliche, deren sich die Assi- stentin in diesen beiden Fällen angenommen hatte. Im übrigen könne er nur sagen, daß die Hilfe der Frau Schapiro von ihren Schutzbefohlenen im weitesten Maße anerkannt werde. AIS ein Beispiel dafür, wie die Tätigkeit der Assistentin im Prostitutions- Wesen von den Zöglingen anerkannt wird, betrachte er die von ihm selbst gehörte Aeußerung in diesen Kreisen:»Um Gottes Willen, die Frau Schapiro wird doch nicht abgesetzt werdvn." Hinsichtlich der Beschwerde der Bordellinhaber meint auf Befragen der Zeuge, daß es doch nur ein Vorzug ist, wenn jemand von dieser Seite beschimpft wird. Zweifellos beständen hier sehr große Mißstände, hauptsächlich durch das System der Uebervorteilung. Die Mädchen müßten alle Kleidung und Wäschestücke vom Inhaber beziehen und dafür ganz enorme Preise zahlen. Hier habe die Assistentin erfolgreich eingegriffen. Frau Schapiro hat ein genaueres M- rechnungssystsm eingeführt und die vom„Vorwärts" seinerzeit aus- führlich beschriebenen Einrichtungen gegen zu große Ausbeutung durchgefochten. Des weiteren läßt sich der Zeuge über den Schwindel mit angeblichen Abtreibungsmitteln aus. In Mainz sei dieser infolge von Inseraten in dortigen Blättern stark im Schwung. Der Zeuge hat Kenntnis von einem Fall, wo eine Frau einen direkten Schleppdienst für ihre schwindelhaften Abtreibungs- mittel unterhielt. Weitere Zeugnisse über die Polizerassisteutin. Zeugin Fräulein Walz-Darmstadt, Vorstandsdame des Darm- städter Vereins„Freundinnen junger Mädchen", sprach Frau Scha- Piro den Dank des Vereins aus, ebenso für ihre Dienste an Jugendlichen. In Darmstadt führten meist die Eltern selbst die ge- sährdeten Mädchen der Fürsorge zu. Auch sonst setzt sich der Verein mit den Eltern in Beziehung. Was die Kreise anlangt, aus denen die Pfleglinge herkommen, so seien es oft mutterlose Kinder oder solche, denen die mütterliche Erziehung gefehlt habe, weil die Mütter tagsüber im Erwerbsleben stehen. Der Zeugin ist es noch nicht vorgekommen, daß Leute, die durch ihre Tätigkeit betroffen waren, gegen sie Vorwürfe erhöben haben. Die Mädchen, die schon bei Frau Schapiro waren und mit denen die Zeugin in Berührung gekommen ist, hingen sehr an der Assistentin und sind dieser für ihre Fürsorge sehr dankbar, bis auf einige ganz schlechte Elemente. Zwischen dem städtischen Pflegeamt und dem Verein besteht eine Vereinbarung, wonach jedes junge minderjährige, von auswärts zuziehende Mädchen, das nicht in elterlicher oder Verwandtschaft- sicher Obhut steht, dem Verein gemeldet und von diesem auf solche Weise unter eine Art Schutzaufsicht genommen wird. Die Ver- quickung der Fürsorgetätigkeit mit der Polizei ist nach der Ansicht der Zeugin für die Trägerin des Asiistentenamtes nicht gerade an- genehm, sie liege aber im Interesse der Sache. Dem Zeugen Dr. Curschmann, Arzt des städtischen Krankenhauses in Mainz, erscheint die Notwendigkeit einer pcksizeiassistent- lichen Fürsorge in Mainz dringend angebracht. Denn die Zahl der jungen und jugendlichen Geschlechtskranken sei sehr groß. 38 Proz. der Geschlechtskranken ständen im Alter bis zu 19 Jahren, darunter sind solche von 14 und 15 Jahren. Auffallend sei eS auch, daß sich unter den Jugendlichsten Bürgerstöchter, bessere Elemente, befinden. Der Zeuge stand zu Anfang der Tätigkeit der Assistentin skeptisch gegenüber. Er konnte dann konstatieren, daß die Zahl der eingelieferten Geschlechtskranke» ganz bedeutend abgenommen hat. Ob dieses die Folge der Tätigkeit der Assistentin allein ist, weiß der Zeuge nicht. Er vermutet aber, daß die Besserung des Zustandes auf ihre Fürsorgetätigkeit zurückzuführen sei. Ansichten über Bcrndt und Frau Dr. Schapiro. Aeuge Landgerichtsdirektor Rees war Verhandlungsletter in der Verhandlung vor der Mainzer Strafkammer. Der Angeklagte habe dort fast nach jedem erledigten Punkte der Anklage erklärt, falsch informiert gewesen und darum bereit zu sein, Herrn Berndt und Frau Schapiro jede Genugtuung zu geben. Hirsch hat damals auch gesagt, der Prozeß möge ausgehen, wie er wolle, er werde in seinem Blatt nichts mehr bringen. Schon am Tage nach dem Pisozeß'fing Hirsch die Neue Fehde in seiner Zeitung an. Die Ms- sage Berndts zu den Briefen an Fräulein G. machte absolut nicht den Eindruck einer, wenn auch nur fahrlässigen Nichtachtung W Briefinhalts. Berndt war damals nach Ansicht dies Zeugen zu offen. Er hat ja zugegeben, daß die G. die Auffassung haben konnte, es liege ein Eheversprechen vor. Stadtverordneter Stein, Vorsitzender des Mainzer OrtsgerichtS» bezeugt, daß Frau Schapiro etwa 60 Vormundschaften führt und dabei sehr energisch die Alimentationspflicht betreibe. Der Bei- geordnete Berndt habe nie ein pharisäerhaftes Wesen an den Tag gelegt. Berndt griff mit Energie ein, wo es notwendig ist, ver- suchte aber stets vorher, die Dinge mit d-cr grShtien Milde einzu- renken. Der Zeuge glaubt, daß Hirsch ursprünglich im guten Glauben gehandelt hat, daß«r dann aber klüger getan hätte, zuzu. geben, falsch belehrt worden zu sein. Kriminalkommissar Neumer, der Frau Schapiro bei ihrem Ein- tritt in städtische Dienste beschäftigte, bezeichnet den Vorwurf, daß sie selbständig Untersuchungen vorgenommen habe, als unbe- gründet. Stets habe die Assistentin sich mit ihm in Beziehungen gesetzt. Ein besonderer Uebereifer,«daß sie sich um Dinge ge- kümmert habe, die sie nichts angingen, lag nie vor. Zeug« Stadtverordneter Adelung kann sich vorstellen, daß itt der Institution der Polizeiassistentin manches anders angefaßt wer- den könnte. Aber maßgebend in der Beurteilung sei ihm gewesen. daß die Assistentin die Dinge im einzelnen doch näher kenne und daß sie mit großer Liebe zu ihrem Berus vorging. Er hat auch Klagen über die Assistentin gehört, aber von Leuten, die die guten Absichten der Assistentin nicht begriffen. Noch vor kurzem sei eine Beschwerde über die Assistentin bei ihm eingelaufen. Bei näherer Prüfung stellte eS sich heraus, daß die Assistentin«in Mädchen unterbringen wollte, was nur in deren Interesse gelegen hätte, auch in dem der Eltern angesichts ihrer Verhältnisse, aber sie wollten eS nun mal nicht. Der Zeuge hat nie eine Beschwerde von Zög- fingen gehört, daß sie von der Assistentin zu strenge gehalten würden. In der Stadtverordnetenversammlung ist dier Gedanke zum Ausdruck gekommen, daß die Assistrivfin viel zu mildie Wer- fahre und daß das Gebot von Schuld und Sühne durchkreuzt wbrde. Große Erfolge hat die Assistentin erzielt insbesondere gerade mit ihrem Vorgehen in ben Bordellen. Wenn sonst nichts mit der An» strllung der Polizeiassistentin«reicht wvrdsen sei als dieses, fp wäre das allein schon genügend, um die Einrichtung zu riecht- fertigen. Es fei ihm nicht bekannt, daß der Beigeordnete Brrndt für besondere Verschärfung auf sittenpolizeilichem Gebiete ein- getreten ist. Zeug« hat nicht den geringsten Anlaß, an.der Un. Parteilichkeit und Gewissenhaftigkeit des Beigeordneten Berndt bei der Untersuchung der Bürgermeisterei zu zweifeln. Berndt sei nach Kenntnis des Zeugen ein offener, ehrlicher, heinahe granssim ehr- licher Mensch. Der Zeuge hat schon oft Differenzen mit ihm in der Stadtverordnetenversammlung gehabt, aber nie dabei gefunden, daß Berndt nicht zu dem stehe, was er meine. Er hätte Berndt geradezu für einen Fanatiker der Wahrheit. Auch der Vorwurf. baß Berndt etwa au!f seine untergebenen Beamten irgendwelchen Zwang ausübe, sei gänzlich unbegründet. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt. Soziales, Wohltätig auf Kosten de« Personals. Mit einer recht eigentümlichen.Wohlfahrtseinrichtung" hatte sich letzthin die Erst« Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts zu beschäftigen. Es klagte dort der Verkäufer Franz L. gegen das Kaufhaus Hermann Engel. L. verlangt u. a. die Herauszahlung von Prämienanteilen, die ihm nach seiner Ansicht unberechtigt ah- ßsZMn ffiStFeft seien. AuZ Fee BerHanFIuffg?tgdb sich, datz bei der beklagten Firma ein ganz verwickeltes Prämien- und Pro- Visionssystem für das Verkaufspersonal eingeführt ist. Für den Verkauf zurückgesetzter Waren, also sog.„Bowel", sind bestimmte Prämien ausgesetzt; je älter der Ladenhüter, desto höher die Prämie für den„tüchtigen" Verkäufer. Außerdem gibt es in Form eines Staffelsystems eine Umsatzprovision. Nun führt der Kläger aus, seien die Gehälter so niedrig normiert, daß jeder Verkäufer au' einen recht hohen Umsatz und Prämienverdienst hinarbeite. Die Folge davon sei, daß sich das Personal im wahrsten Sinne des Wortes um die Bedienung eines Kunden geschlagen habe. So sei auch bei ihm der Konflikt im Hause dadurch entstanden, daß er wegen der Bedienung eines Kunden mit einem Mitangestellten in Tätlichkeiten geriet. Betrete ein Kunde eine Abteilung der oberen Etagen, so fallen gleich ein Dutzend Verkäufer wie die hungrigen Hunde über den Kunden her. Bei diesem System des Ellenbogenkam�fes habe er sich im Dezember v. I. 140 M. Prämien und Provision erarbeitet, während er als verheirateter Mann nur 123 M. festes Gehalt bekam. Nun sollte er aber noch nicht einmal die sauer verdienten Prämien in voller Höhe ausgezahlt erhalten, sondern 13 Proz. davon sollte er der Kassiererin abgeben. Diesen Betrag, der ihm trotz seines Protestes mehrmals abgezogen worden sei, verlange er zurück. Der Vertreter der Beklagten wendet ein, daß die Kassiererinnen von den Prämien etwas abbekommen, sei vom sozialen Standpunkt durchaus berechtigt, denn sie hätten auch die Arbeit des Eintragens und Buchens der Prämie. Im übrigen habe sich das ganze Prämien- und Provisionssystem in 20jähriger Praxis bei der Firma gut bewährt. Ein Sachverständiger werde auch bekunden können, daß diese Geschäftshandhabung in Berlin allgemein üblich sei. Letztere Behauptung wies der Vorsitzende. Magistratsrat Techow, mit der Bemerkung zurück, man könne höchstens von einer Ausnahme, nicht von einer Usance in der Berliner Geschäftswelt sprechen.— Das Kaufmannsgericht billigte dann durch Urteilsspruch dem Kläger die ,hm von den Prämien abgezogenen Gelder zu. Die Abzüge seien unberechtigt.> bürgerliche Sozialpolitik. Am 3. Dezember vorigen Jahres hat der Reichstag den§ 120 der Gewerbeordnung dahin geändert, daß die Gemeinden das Recht haben, den Fortbildungsschulunterricht auch für die gewcrb- lichen Arbeiterinnen unter 18 Jahren einzuführen. Die Kommunen werden hoftentlich nach dieser Richtung vorgehen, und wo das nicht geschieht, werden sicherlich die organisierten Arbeiter und ihre Vertreter ganz energisch darauf dringen. Aus Anlaß dieser Aenderung der Gewerbeordnung hatten in Königsberg einige Verbünde der Handlungsgehilfen und Ge- hilfinnen in Petitionen an die Stadtverwaltung Stellung für und Wider die Einführung des überaus nokwendigen Hauswirt- schaft lichen Unterrichts in� den Fortbildungsschulen für alle Mädchen unter 18 Jahren genommen. Daß ein derartiger Unterricht einem dringenden Bedürfnis entspricht, hat man bereits anerkannt, indem man in den Volks- und Mittelschulen den 13 bis >14 Jahre alten Mädchen Haushaltsunterricht erteilt. In Sachsen- Mciningen besteht ein Landesgesetz, nach dem alle aus der Volks- schule entlassenen Mädchen noch zwei Jahre hindurch zum Besuch der hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule verpflichtet sind. Im Entwurf des sächsischen Volksschulgesetzes ist die landesgesetzliche Verpflichtung aller aus der Volksschule entlassenen Mädchen zum Besuche der Haushaltsschule vorgesehen. In Elsaß-Lothringen ist dem zweiten Landtage ein Gesetzentwurf zugegangen, der ähnliche Bestwmnungen enthält. Man ist mehr und mehr davon überzeugt, daß der hauswirtschaftliche Unterricht, wie er den 13 bis 14 Jahre alten Mädchen in den Volks- und Mittelschulen erteilt wird, nicht den richtigen Wert hat, weil in diesem Alter die Mädchen noch nicht den nötigen Ernst und die erforderliche Reife besitzen, um die Wich- tigkeit des HaushaltSunterrichts im vollen Maße zu ermessen. Der Magistrat der Stadt Königsberg hatte sich d»r Einführung des HaushaltSunterrichts in den Fortbildungsschulen gegenüber ablehnend verhalten. Er ist der Meinung, daß der Unterricht in Än Volks- und Mittelschulen genügt. Darauf stellte die sozial- demokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung den An- trag, den HaushaltSunterricht für alle erwerbstätigen Mädchen unter 18 Jahren in den Fortbildungsschulen einzuführen, und zwar durch Vermehrung der Stundenzahl und ohne Kürzung des nnssen- fchaftlichen und fachlichen Unterrichts. Es wurde von unserer Seite darauf hingewiesen, daß die Vermittelung hauswirkschaftlicher Kenntnisse für die weitesten Volksschichten von der größten Be- deutung sei. Er herrsche große Unkenntnis über eine zweckmäßige Wirtschaftsführung und über den Nährwert der einzelnen Nahrungsmittel. Der Volkswirtschaft würde außerordentlich ge- dient, wenn die Fortbildungsschule mehr Kenntnis über diese Dinge verbreiten würde. Tie unzweckmäßige Wirtschaftsführung und mangelhafte Zubereitung der Speisen führe oft zu trostlosen Zuständen im Haushalt der Minderbemittelten. Und besonders bei deren geringem'Verdienst sei es für die Familie von großem Vorteil, wenn die Frau zweckmäßig zu wirtschaften und kochen ver- stehe. Man schwärme doch sonst so gern für die Erhaltung eineS gesunden Familienlebens. Dazu könne man wesentlich beitragen, wenn man den HaushaltSunterricht in den Fortbildungsschulen einführe. Das sei auch besonders wichtig in gesundheitlicher Be- ziehung. Unzweckmäßige' Ernährung führe zu Krankheiten aller Art. Das Kapitel Säuglingssterblichkeit habe zum Teil seinen Ursprung darin, daß die Säuglinge unzweckmäßig ernährt und be- handelt würden. Auch hierüber könnte die Fortbildungsschule Auf. klärung verschafsm. Hier habe man Gelegenheit, wirklich etwas für das Allgemeinwohl zu tun. In der Debatte erkannte man wohl allgemein die schweren Mißstände an, und man betonte auch, wie nützlich es sei, Hauswirt- schastliche Kenntnisse zu verbreiten. Trotzdem wurde der Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Die Arbeit- geber hätten den Mädchen vielleicht einige Stunden mehr pro Woche freigeben müssen, und das durfte nicht sein. Deswegen mußte dieser Antrag fallen. ES wäre überaus nützlich, ihn in anderen Gemeinden ebenfalls zu stellen. Kann man doch dann wieder einmvl der Bevölkerung recht drastisch vor Augen führen, wie weit dir bürgerliche Sozialpolitik geht, nämlich nur bis an den Geldbeutel der Kapitalisten._ Eine koalitionsfeindliche EisenbahnbchZrbe. Wie uns mitgeteilt wird, forderte der Präsident der Eisen- bahndirektion Essen einen technischen Beamten, der mit Privat- dienstvertrag bei der Eisenbahn angestellt ist, auf. aus seiner Orga- nisation, dem Bund der technisch-industriellen Beamten, auSzu- treten, widrigenfalls ihm gekündigt werden müsse. Der Beamte hat das Ansinnen, seine Koalitionsfreiheit aufzugeben, zurückgc- wiesen �ind sich mit einer Beschwerde an den Eisenbahnminister ge- wandt. Wird Herr b. Breitenbach den Präsidenten der Essener Eisen- bahndirektion darüber aufklären, daß auch den Angestellten staat- licher Behörden nach dem Gesetz das Recht der freien Vereinigung zusteht und daß der Beamteneid auch die Hochhaltung dieses Ge- setzes fordert?_ Klingende Medizin. Die Lohnhöhe dev Adresseixschreiber wird durch folgende An«?- fcoke illustriert: Zu einem Kassenarzat der Berliner Krankenkasse für Kaufleute usw. kam kürylich ein junger Mann in die Sprechstunde und meldete sich krank. Arzt:„Worüber klagen Sie?" Patient:.kStuhlberstopfunfll" Arzt fnach eingehender Untersuchung):«Sie sind gesund, mein Freund, sogar beneidenswert gesund!" „Aber Herr Doktor, wie kann ich gesund fein, ich habe seit fünf Tagen keinen Stuhlgang gehabt!" Arzt inachdenklich geworden):„Was sind Hie und«o sind Sie Selchöftigt?"'' PaHenk:„Ich M MesseAschreMr Fei R-Hedt TeWttr, Chat- loltenstraße 84!" Arzt(aufspringend):„Das hätten Sie aber gleich sagen sollen (indem er ihm 3 Mark reicht), so mein Freund, jetzt gehen Sie in ein Restaurant und essen Sie sich ordentlich satt, dann werden Sie auch Stuhlgang haben." Der junge Mann ging und aß und ward gesund zu derselbigen Stunde. Dem Arzt muß offenbar bekannt gewesen sein, daß die Lohn- musteradressenschreibanstalt an seine Angestellten Wvchenlöhne von 3 Mark aufwärts zahlt._ Die dänische Genmkschaftsbeuikgllug. Am 10. und 11. Juni hielt der Gesamtverband der dänischen Gewerkschaften seine RepräsentantschaftSversammlung ab, die all- jährlich stattfindet und sich aus Vertretern der angeschlossenen Ge- werkschaftcn auS dem ganzen Lande zusammensetzt. Ter Jahres- bericht, den der Vorsitzende C. F. Madsen vorlegte, ließ erkennen, daß die Organisation wiederum an Umfang zugenommen hat. Am Ansang des Jahres 1011 gehörten dem Gesamtverbande 34 Jen- tralverbände und 7 alleinstehende Fachvereine an, die zusammen 101363 Mitglieder hatten; am Jahresschluß waren es 33 Zentral- verbände und 6 alleinstehende Vereine mit zusammen 105 269 Mit- gliedern. Die Zahl der Ortsabteilungen der Zentralverbände war im selben Zeitraum von 1284 auf 1203 gestiegen. Für Unter- stützung bei Streiks und Aussperrungen in Dänemark selbst wur- den 1 233 030 Kronen ausgegeben, für Unterstützung von Lohn- kämpfen im Auslande 112 323 Kronen. 470 492 Kronen der Aus- gaben für Streikunterstützung wurden vom Gesamtverband der Gewerkschaften durch die obligatorischen Extrabeiträge aufgebracht. Der Gewerkschaftskongreß von 1311 hatte den geschäftsführenden Ausschuß des Gesamtverbandes ermächtigt, besondere Extrabeiträge auszuschreiben, um den Vorschußfonds für Streikunterstützung von den damals vorhandenen 11 000 Kronen auf 32 000 zu erhöhen. Das hat sich aber als unnötig erwiesen, da von 473 343 Kronen, die als Extrabeiträge zur Unterstützung der ausgesperrten Tischler. Maurer, Elektriker und Holzindustriearbeiter eingingen, 39 000 Kronen übrig blieben und dem Vorschußfonds überwiesen werden konnten. Die angeschlossenen Organisationen hatten am Jahres- schluß zusammen ein Vermögen von 4 353 100 Kronen, was gegen- über dem vorhergegangenen Jahre einen Zuwachs von rund einer Viertelmillion bedeutet. Ueber die Lohnbewegungen lagen dem Gesamtverband Berichte von 46 Organisationen vor, die zusammen 99 902 Mitglieder zählen. Von diesen haben 38 033 Mitglieder Lohnbewegungen durchgemacht, die fiir 3196 zum Streik, für 10 069 zur Aussperrung führten. Außerdem waren 18 901 Mitglieder ausgesperrt infolge von Konflikten in anderen Berufen. Das Er- gebnis der Kämpfe ist in der Hauptsache Arbeitszeitverkürzung für 13 426 männliche und 1507 weibliche Mitglieder; Erhöhung der Akkordlöhne für 9039, des MinimallohneS für 31 723 Mitglieder, des Tagelohnes für 2699, des Monatslohnes für 2630 Mitglieder. Die Arbeitslosigkeit war im verflossenen Jahre noch so groß, daß von rund 110 600 Arbeitern das ganze Jahr über durchschnitt- lich 10 000 arbeitslos waren. Die Zahl der arbeitslosen Tage war 2 431 000. Der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit war für das ganze Jahr 9,2 gegenüber 10,5 im Jahre 1910. DaS permanente Schiedsgericht hatte über 29 Klagen zu ent- scheiden. Von den Entscheidungen dieser mit Strafkompetenz aus- gestatteten gesetzlichen Institution ist ganz besonders eine be- merkenswert, durch die der Ziegeleibesitzer Clausen zu 400 Kronen Geldstrafe verurteilt wurde, weil er Arbeiter entließ, als sie seinem Verlangen, aus ihrer Gewerkschaft auszutreten, nicht nach- kommen wollten. In dem Urteil wird auSdrücklicb hervorgehoben, daß dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt wurden; in anderen Fällen werden also Unternehmer, die auf Raub am Koalitionsrecht ihrer Arbeiter ausgehen, nicht so billig davon- kommen. Der Vorstand des Gesamtverbandcs hat sich unter anderem mit dem Plan der Gründung einer Arheiier-Feuerversichcrung be- faßt; diese Angelegenheit soll jedoch nun erst noch den nächsten sozialdemokratischen Parteitag beschäftigen. Vertreten war der Ge- samtverband auch auf der 7. Internationalen Gewerkschafts- konfercnz in Budapest im August vorigen Jahres, sowie auf der skandinavischen Arbeiterkonferenz zu Gotenburg in diesem Früh- jähr, die die Vorbereitungen zu dem vom 2. bis 4. September in Stockholm stattfindenden skandinavischen Arbeiterkongreß traf und Vorschläge zu einem Gegcnseitigkeitsübereinkommen der nordischen Länder zwecks Unterstützung bei großen Lohnkämpfen gut bieß. Nach Erledigung des Jahresberichts befaßte die Repräsentant. schaftsversammlung sich unter anderem mit einem Vorschlag auf Errichtung eines Gewerkschastshauses in Kopenhagen, zu welchem Zweck ein Extrabeitrag von 1.Krone und von 30 Oere erhoben werden sollte" Es wurde jedoch beschlossen, die Sache bis zur nach- sten Generalversammlung zu vertagen. Außerdem stand die Rc- organisation deS Gesamtverbandes auf der Tagesordnung; diese Frage konnte aber nicht erledigt werden, da der seinerzeit zur Vor- beratung eingesetzte Ausschuß seine Arbeiten noch nicht beendet hatte._ Hu9 Induftrie und Handel. Ter arostkapitalistischc Wucher mit Patenten. Nicht nur die physische Arbeitskraft, auch die Leistungen des grübelnden Geistes sind heute AuKbcutungsgesck�st«. Hat der Er- finder glücklich eine neue Lösung alter technischer Fragen zustande gebracht, sind weltumwälzende chemische Entdeckungen möglich ge- worden, ist es gelungen, Eisenbahnzüge automatisch zu sichern oder Papiertüten rasch und sauber zu kleben— der erste Gedanke ist Musterschutz und Patent. Im Berliner Südosten steht der Riescnfricdhof menschlicher Grübeleihoffnungen und Erfinder- träume. Nach monatelangem Harren wird dort verkündigt, ob ein Gedanke schon einmal praktisch' gedacht worden ist, nötabene, wenn das nötige Geld dazu da war, überhaupt zur Patentanmeldung zu schreiten) Das Erfinderclend ist eine ganz bestiiwnte Form der kapitalistischen Unterdrückung. Sei eS die größte oder auch die kleinste Erfindung, die harmloseste oder die bedentendste Origina- lität, wenn daS Geld, das Vcrdiensnnteresse, die kapitalistische G. m. b. H. oder die Aktiengesellschaft dahinter steckt, dann strömt es in goldenen Bächen in die Taschen der— Geldgeber. Der Kulturfti rtschritt allem hat nicktS zu bedeuten. Die Technik nickt der PatentauSnützung, sondern die Geschicklichkeit der kapitalisti- chen GründungSarbeit schafft golbeiue Berge aus Erfinder- leistungen. Die Riedel u.,Co. Aktiengesellschaft-Berlin stellt im besonderen pharmazeutische Prävarate her. Schon daran wird außerordentlich verdient. Eigene Tochtergesellschaften und Jnter- esscnvcrtrctungen in Petersburg, London, New SJork und Sidney beweisen dies. Eine Konvention sorgt für anständige Preise! Das ganze Geschäft arbeitet mit 3,2 Millionen Mark Aktienkapital. Die Riedel A,-G. hat vor einigen Jahren die Patente auf ein Verfahren zur Einrichtung von Reinigungsanlagen für Enthärtung und Enteisung von Gebrauchslwässern erworben. Es wurde dann rasch eine G. m, b. H.. die P e r m u t i t- F i l t e r g e s e l I s ch a f t gegründet, welche die Ausbeutung der Patente übernahm. Dieses Tochterunternehmen der Riedel A,-G, hat jetzt je ein Patent für Belgien, Rumänien. Luxemburg und die Türkei, je zwei Patente für Italien und Ungarn und ie drei Patente kür Spanien an ein internationales Syndikat verkauft. Die englischen und französi- schen Patente wurden sckim früher verhökert. Das Syndikat international du Permutit Societe Anonyme in Brüssel ist mit einem vorläufigen Aktienkapital von rund 25 Millionen Francs ausgerüstet. Von welcher Bedeutung das Unternehmen ist, geht daraus hervor, daß unter den Gründern erste deutsche Bankinteressenten zck finden sind. Für die Patentein- hxmgung wurden xund A) Nfllivpen Francs in Aktien uftF sSMitliche 76000 GenußanteN« g e lö 2 h r kk Ein Riesengeschäft, nur für das Abgeben der Patente. Dabei muß be- achtet werden, daß diese noch nicht einmal sicher sind, sie werden durch eine Konkurrenz, die Deutsche Filter Co., eifrigst und pro- zessual bekämpft.'Die Patentinhaber haben bis jetzt ihre Haupt- einnähme nur in der Gründungstätigkcit zur Ausbeutung des Patentes gefunden'. Wie planmäßig dabei vorgegangen wird, dafür kann noch als Beispiet angeführt werden, daß das internationale Permutitssyndikat zur Ausbeutung seiner Erfindungsrechte in Deutschland wieder eine besondere Tochtergesellschaft, die Permutit A.-G,, gegründet hat. Dies Unternehmen, an dem � Namen wie 9kathen.au, M a n k i e w i tz und Fürstenberg beteiligt sind, wurde mit 2 Millionen Mark Aktienkapital gegründet. um von dem belgischen Unternehmern die deutschen Patente zurück- zuerwerben und den deutschen Markt zu bearbeiten! Also Dutzende von Millionen Mark sind bis jetzt für diese einet sicher bedeutungsvolle Erfindung schon ausgegeben worden, und- nur zu dem Zweck, um die Sache zu finanzieren, ihr eine Unter- läge zu schaffen. Wieviele Hunderttausende, ja Millionen müssen aus dem Patent jährlich herausgewirtschaftet werden, um nur Zinsenleistung zu ermöglichen!_' Zur französischen Roggenteuerung. Aus Paris wird offiziell gemeldet: Der Präsident des srangö» fischen Bäckersyndikats erklärte einem Berichterstatter, die Vor» röte an Mehl seien so zusammengeschmolzen, daß die Lage wirk- lich kritisch zu werden beginne. Die Bäcker seien genötigt, die Brot- preise von neuem zu erhöhen. In einigen Provinzgegenden seien die Mehlvorräte fast vollständig ausgegangen, so daß die Bäcker sich nach Paris hätten wenden müssen. Eine„rollende" Ausstellung in Kanada. Der Konkurrenzkampf der Industrie Kanadas mit derjenigen der Vereinigten Staaten hat eine neue Form der Ausstellungs- Propaganda gezeitigt: Die„rollende" Ausstellung, die man kürz- lich in Kanada bewundern konnte. In der Absicht nämlich, dem Nordwesten des Landes in Form einer Anschauungslektion vor Augen zu führen, daß die Industrie im östlichen Kanada ebenso billige und preiswerte Fabrikale liefert, wie die Konkurrenz in den Vereinigten Staaten von Amerika, hat, wie die„Ständige Aus- stellungskommission für die Deutsche Industrie" bekanntgibt, eine Vereinigung kanadischer Industrieller einen Eisenbahnzug mit einer Ausstellung ihrer Fabrikate nach den nordwestlichen Provinzen ab- gesandt. Der Zug besteht aus zehn besonders hergerichteten Wagen. darunter Speise- und Schlafwagen, und führt eine Reihe von Leuten mit, die Auskünste über die Fabrikate zu geben und Vorträge zu halten haben. Die Wagen nebst der Lokomotive find ebenfalls tn Kanada hergestellt und gehören der Canadian Pacific Company. Die Ausstellung, die von elwa 30 Firmen beschickt ist, umfaßt Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände, Oefen. Kleidungsstücke, Strumpf- waren, Trikotagen, landwirtschaftliche und sonstige Maschinen sowie Pumpen, Klcineisenwaren, Gummiwaren, Farben, photographische Apparate, ein Automobil, Biskuits, Schokolade und Zuckerwaren. Nachdem der Ausstellungszug zunächst in Montreal, Ottawa und Toronto zur Besichtigung gestanden hatte, ist er dann nach dem Westen abgedampft._ Geriebtö-Zeitung. Der Entschädigungsprozeß der Witwe Herrmanu war bis Ende April so weit gediehen, daß daS Landgericht Berlin l durch die Zivilkammer 38(unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Geheimen Justizrats Hahn) entschied, der Anspruch auf Entschädigung sei als dem Grunde nach als gerechtfertigt anzusehen. Das Gericht hielt für erwiesen, daß im September 1910 bei Gelegenheit der Polizeiattacken in Moabit der Arbeiter Herrmauu ohne eigene Schuld dadurch ums Leben gekommen war, daß er von einem Polizeibeamten mit dem Säbel niedergeschlagen und tödlich verwundet wurde. In welcher Höhe die Witwe des infolge der Verletzungen ge- storbenen Arbeiters Herrinann durch den verklagten Polizei- fiskus zu entschädigen sei, das wurde besonderer Entscheidung vorbehalten. Damit nun die des Ernährers beraubte Witwe nicht noch länger hilflos zu warten brauchte, erwirkte ihr Prozeßvertreter Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld eine einstweilige Verfügung deS Gerichts, die ihr zunächst eine Rente von 19 M. pro Woche zusprach. Hiergegen hat der Polizeifiskus Widerspruch er- hoben, über den gestern das Landgericht Berlin I durch die Zivilkammer 18, an die inzwischen die Sache Herrmann über- wiesen worden ist, entscheiden sollte. Den Widerspruch wollte der PolizeifiSkus begründen durch das von seinem Prozeß- Vertreter Assessor Wilh. Kühne vorzulegende Ergebnis der von einem Kriminalpolizisten ausgeführten Ermittelungen über die Höhe des Arbeitsverdienstes, den der Arbeiter Herr- mann gehabt habe. Nach Meinung der Polizei soll Herrmann nicht einen Lohn in der Höhe verdient haben, die in dem Entschädigungsprozeß angegeben worden war und der einstweiligen Verfügung als Grundlage gedient hatte. Da diese Begründung dem Rechtsbeistand der Klägerin erst kurz vor dem gestrigen Tcrniin bekannt geworden war, so beantragte er Vertagung, um für die behauptete Höhe des Verdienstes weiteres Beweismaterial beibringen zu können. Hierzu bemerkte der Borsitzende, Landgcrichtsdirektor Geheimer Justizrat Berg:»Dann steht in der Zeitung, die Sache ist vom Gericht in unverantwortlicher Weise verschleppt worden!" Als Rechtsanwalt Roscnfeld fragte:„Wo steht das l?? gab der Vorsitzende an:„In der„Kölnischen Zeitung", im„Vor- wärts"...!" Auf die Erwiderung:„Im„Vorwärts" hat das nicht gestanden!" erklärte der Vorsitzende:„Jedenfalls hat es in der Zeitung gestanden. Mir ist egal) ob eS der „Vorwärts" oder die„Kölnische Zeitung" war." Der An- trag, zu vertagen, wurde aus dem oben angegebenen Grunde aufrechterhalten und das Gericht beschloß so. Der„Vorwärts" hat den Vorwurf einer Verschleppung in dieser Angelegenheit dem Gericht gegenüber nie erhoben. Im Gegenteil hat er darauf hingewiesen, daß durch das Ver- halten des beklagten Polizeifiskus und durch das zeitweise Vorenthalten der Strafakten dem Zivilgericht die Hände ge- Kunden sind. Nicht das Gericht, sondern die Polizei ist im „Vorwärts" dafür verantwortlich aemacht, daß �ic Witwe Herrmann, der ein Polizist den Ernährer totschlng, noch immer ans die ihr zukommende Reute warten muß. Auch diesmal ist es ja wieder der Polizeifiskus, der durch seinen Wider- spruch gegen die einstweilige Verfügung die Zahlung dxs zu» nächst auf 10 M. Pro Woche festgesetzten Betrages verzögert. Ein Lockspitzel. „Lockspitzel gibt es nicht!" fuhr der in Geistesumnachtung ver- storbene Landgerichtsdircktor Brausewetter in dem Gummischlauch- Prozeß auf. Die damalige Verhandlung erwies, wie auch das Urteil zum Ausdruck brachte, daß als Arbeitslose verkleidete, von der Polizei bezahlte Personen ohne jeden Anlaß mit Gummi- knüppeln loSkciltcn, nur Verwirrung anzustiftc». Em-, Anzahl dieser im Polizcidicnst stehenden Bravis wurde von uniformierten Schutzleuten mit dem Säbel verdroschen. Schade jeder Hieb—» der vorbeiging. An diese und ähnliche Vorgänge erinnerte eine Ge« richtSöerhandlung, Sie cht DienSlag in Moabit sich abspielke un? in der der Beweis geführt wurde, dah ein von der Polizei bezahlter Lockspitzel andere Leute zum Diebstahl verführte, trotzdem aber nicht wegen Diebstahls angeklagt, sondern als Belastungszeuge gegen die von ihm Verführten vernommen wurde. Vergeblich haben wir bis heute auf eine Aufklärung von der Polizei oder von der Staatsanwaltschaft gewartet, weshalb dieser Anstifter nicht wegen Diebstahls angeklagt wurde. Der Sachverhalt war folgender: Die fugendlichen Arbeiter Leopold Weife und Emil Wohlrab aus Neukölln standen unter der Anklage des vollendeten und versuchten Diebstahls vor der 4. Straf- kammer des Landgerichts II. Nach den unwiderlegten Angaben der Angeklagten hat der 22- jährige„Arbeiter" Paul Albrccht, der Weise von der Schule her kennt, sich an diesen herangemacht, indem er ihm in Aussicht stellte, ihm Arbeit zu verschaffen. Diese„Arbeit" bestand aber darin, datz er Weise und dessen Freund Wohlrab anstachelte, mit ihm bei einem Schuhmachermeister einzubrechen. Albrecht gebrauchte Dietriche und ein von seinen Verführten auf sein Verlangen ihm nach erstmali- gem, fruchtlosem Einbruchsversuch verschafften Stemmeisen. Weist und Wohlrab wurden später verhaftet, nachdem er von den von ihm„geschobenen" Diebstählen der Polizei, seinem„Arbeitsvertrag" mit der Polizei entsprechend, Kenntnis gegeben und einen der von ihm Verführten in dieselbe Kneipe bestellt hatte, in die er einen Kriminalb'eamtpn dirigiert hatte. Albrccht, der Haupttäter, wurde nicht verhaftet, sondern als Hilfsorgan der Polizei mit der Eskor- tierung eines beschlagnahmten Ueberführungsstücks beauftragt und dann in der Anklage als Belastungszeuge benannt. Der in der Verhandlung als Zeuge vernommene Albrecht wurde aus dem Nntersuchungsgefängnis in den Gerichtssaal geleitet. Dorthin hatte er inzwischen wegen anderer Straftaten wandern müssen. Er wurde vom Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld cindring- lich nach seinen etwaigen Beziehungen zur Polizei befragt und er- sucht, Auskunft darüber zu geben, ob er die Angeklagten zu den Straftaten verführt und sie dann der Polizei angezeigt habe. Albrecht erklärte, dah er über diese Punkte die Aussage verweigern müsse. Ter Staatsanwalt beantragte gegen Weise, der außerdem noch wegen Sachbeschädigung angeklagt war, weil er seinen Namen in die Wand seiner Zelle eingekritzelt hatte, 1 Jahr g Monate, gegen Wohlrab 1 Jahr 4 Monate Gefängnis.— Der Verteidiger erklärte es für ganz ungeheuerlich, daß— wie die Beweisaufnahme ergeben habe— ein Vertrauensmann der Polizei andere Leute dazu an- stiftet, Diebstähle zu begehen. Er habe eS bis dahin auch für unmöglich gehalten, daß in Preußen, wenn die Polizei Mitteilung von der Anteilnahme eines Mannes an Verbrechen erhält, dieser Mann sAlbrecht) dann nicht angeklagt wird. Da dir beiden Ange- klagten tatsächlich durch Albrecht verführt worden seien, sei die exorbitant hohe Strafe, die der Staatsanwalt beantragte, nicht gerechtfertigt; es empfehle sich vielmehr eine weit mildere Strafe. Das Gericht unter Vorsitz des Landgerichtsrats Ortel hielt es für erwiesen, daß Albrecht die beiden Angeklagten verführt und in der ganzen Sache eine zweifelhafte Rolle gespielt habe. Unter Würdigung der ganzen Situation wurde Weife zu 6 Monaten und Wohlrab zu 4 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von je sechs Wochen auf die Untersuchungshaft verurteilt. Weshalb ist Albrecht nicht angeklagt? Weshalb ist ferner die- jenigc Person nicht verurteilt und angeklagt, die Albrecht mit von den Steuern der Bürger aufgebrachtem Geld bezahlt und ihn zu der Ansicht verleitet hat, er solle zu Verbrechen provozieren. Wie steht es, Herr Justizminister und Herr Polizeipräsident: sind agerfts provocateurs(Lockspitzel), dieser Abschaum der Gesellschaft, immun, weil sie noch über die jederzeitige Vereitschaft von Duell- anhängern zur Begehung von Duellverbrechen zu den gemeinsten Verbrechen, der Verführung zu Verbrechen, bereit sind?) Eine Anklage wegen eines Wahlprotestes. Auf thönernen Füßen ruhte das Anklagegebäude, das die PotS- damer Staatsanwaltschaft gegen den Maurer Wilhelm MSllendorf, den Zimmernian» Hermann Tümke und den Maurer Albert Zie- gcner, sämtlich aus Schenkcndorf, errichtet hatte. Die beiden ersten waren wegen Beleidigung des Gemeindevorstehers Eichelbaum in Schenkendorf, Möllendorf auch wegen Hausfriedensbruches ange- klagt.» Am 19. März fand in Schenkcndorf Gemeindevertreterwahl statt, an der die Angeklagten als Wahlberechtigte teilnahmen. Gc- lvählt wurde in der Weberscken Gastwirtschaft. Im Vorraum des Wahllokals wurden von der Wählerschaft einige vermeintliche Män- gel der Wählerliste beanstandet und nian hörte auch scharfe Urteile. Es wurden Stimmen laut, die behaupteten, daß die Wählerliste falsch sei und die Wohl ungültig wäre. An diesen Kritiken soll auch Möllen- dorf teilgenommen haben, der sich zwei Tage später mit den beiden anderen Angeklagten in die Wohnung des Gemeindevorstehers begab, um Prolest gegen die Wahl zu erheben. Dabei sollen beleidi- gendc Aeußerungen über den Gemeindevorsteher gefallen sein, der daraufhin den Möllendorf aus seiner Wohnung wies, die er zögernd verließ. Damit hielt die Anklagebehörde den Tatbestand des Haus- friedensbruches erfüllt. Ihre Behauptungen fanden in der gestri- gen Gerichtsverhandlung keinen Boden. Die vage Anklage verlor in der Beweisaufnahme sämtliche Stützen. Gegen Ziegener lag überhaupt kein Strafantrag vor. Nach den Bekundungen der Zeugen wurde am Wahltag von anderen Per- fönen die Wählerliste lebhaft kritisiert. Man hielt sich dazu für be- rechtigt, weil man wußte, daß ein Wähler der 2. Abteilung, der als 7. bei der letzten Wahl in der Liste stand, diesmal in der ll. Abteilung wählte. Daran knüpften sich weitere Schlüsse der Wahl- beteiligten und daraus ergab sich auch der Protest gegen das Wahl- resultat. Von Möllendorf hatte kein Zeuge eine den Gemeindevor- steher Eichelbaum kränkende Aeußerung gehört. Am 21. März suchte Möllendorf mit seinen Genossen den Gemeindevorsteher in der Wohnung auf. Sein Kommen begründete er mit der Absicht, Protest zu erhebe», da zu Unrecht durch Bevollmächtigte Stimmen abgegeben worden seien. Dümke setzte dann den Einspruch mit den Worten fort: Wie kommt es denn, der Gutsmeier Liesegang stand bei der Auslegung der Liste im Januar in der 2. Abteilung und heute har er" in der 3. Abteilung gewählt, das kann doch nicht stimmen? Erregt sprang der Gemeindevorsteher aus und benierkte: das wäre Behauptung einer Urkundenfälschung, die Wählerliste müsse er ge- fälscht haben, Dümke solle sich den Tag merken, denn damit habe er ihn beleidigt. Trotzdem D. erwiderte, eine solche Absicht habe ihm ferngelegen, cr wollte nur um Aufklärung bitten, wurde er hinaus- gewwsen. Möllendorf zögerte ein wenig, da er hoffte, der Gemeinde- Vorsteher würde, wie es sich gehöre, den Protest zu Protokoll auf- nehmen. Seiner Ansicht gab cr mit den Worten Ausdruck: Wenn man in amtlichen Angelegenheiten kommt, Hot man wohl ein Recht, n der Wohnung zu bleiben und angehört zu werden. Taraus erwuchs die Anklage wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung! In der Verhandlung erklärte der Gemeindevorsteher die Aenderung in der Wählerliste damit, daß Liesegang einen Teil seines versteuerten Kapitalvermögens zu Bauzwecken abgehoben habe und dadurch von der 2. in die 3. Klasse zurückversetzt worden sei. Der BmtSanwalt beantragte gegen Möllendorf 15 Mark und c-nrn Tümre 19 Mark. Ziegener wollte er mangels Strafantrages freigesprochen wissen. Das Schöffengericht sprach alle Angeklagten frei und stellte das Verfahren gegen Ziegener ein, da cS de-. Grundlagen entbehrte. Durch die Beweisaufnahme, hieß es in den Grün- den, ist dargetan, daß die erste Aeußerung im Wohllokal dem M. nicht zuzuschreiben sei. In die Wohnung des Gemeindevorstehers tsien sie nur gegangen, un. als Staatsbürger Wahlmängel zu rügen, wozu sie unbedingt alL. wahlfähige Bürge berechtigt seien. Sub- jektlv sei Kwar tue Behauptung des Düvle dklkidigend, sie ljUr aber niH dazü, einen Protestgrund anzuführen. D. sei aber übet das durch§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) gezogene Matz nicht hinausgegangen. Beiden komme ihre irrige Annahme zugute, die Wählerliste sei falsch Nach der ganzen Sachlage sei aber auch ein Hausfriedensbruch ausgeschlossen. Der Vorgang nahm nur kurze Zeit in Anspruch und Möllendorf habe ein Recht zum Verbleiben ge- habt, da er glauben mußte, der Gemeindevorsteher würde, wie er gesetzlich verpflichtet sei, den Protest anhören und ihn dann zu Pro- tokoll bringen. Der Gemeindevorsteher habe in seiner Erregung zu voreilig gehandelt und damit entfalle für die Angeklagten das straf- bare Moment._ Das schwere Automobilunglück, bei dem die Frau des Amtsrichters Dr. Hirschfeld aus Spandau ge- tötet wurde, hatte gestern vor der Strafkammer des Landge- richts III ein Nachspiel in einer Anklage gegen den Chauffeur Carl Hoffmaun wegen fahrlässiger Tötung. Am 7. Februar, nachmittags, hatte die Frau Dr. H. hier am Wittenbergplatz die vom Angeklagten geführte Kraftdroschke be- stiegen, um nach Spandau zu fahren. Als das Auto hinter Westend die Spanbauer Chaussee entlang fuhr, wurde eS von einem Hunde belästigt. An der Ecke der Kirschenallee wollte der Chauffeur dem Hund, der in Gefahr geriet, überfahren zu werden, ausweichen. Er lenkte sein Gefährt etwas nach rechts, das Auto fing aber bei dem glitschigen Boden unvorhergesehen zu schleudern an und prallte mit solcher Wucht gegen einen Baum, daß es völlig zertrümmert wurde und die Insassin aus dem Wagen geschleudert wurde— leider so unglücklich, daß sie infolge erlittenen Schädelbruches auf der Stelle verstarb.— Der Staatsanwalt hiölt den Angeklagten für verantwortlich an dem Unglücksfall, da nach seiner Meinung die Zeugenaussagen keinen Zweifel darüber ließen, daß er unvor- sichtig und zu schnell gefahren sei. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr Gefängnis.— Nachdem die Sachverständigen Chefingenieur Vollmer-Charlottenburg und Ingenieur Brätsch ein dem Ange- klagten günstiges Gutachten abgegeben, beantragte R.-A. Dr. Litter- scheid die Freisprechung des Angekla-gten, auf die der Gerichtshof auch erkannte._ Ein Nachspiel zum Essener Meineidsprozrh. Durch Verfügung des Justizministers ist dem Bergmann Max Willing in Scharnhorst, einem der Freigesprochenen im Essener Meineidsprozesse, im Juni vorigen Jahres als Ersatz für den Ver- mögensschaden, der ihm durch die erlittene Untersuchungshaft und die Vollstreckung der dreijährigen Zuchthausstrafe entstanden ist, eine Entschädigung von 4009 M. zugebilligt worden. Wilting gab sich damit nicht zufrieden, erhob vielmehr Klage gegen d-iese Ver. fügung und stützte seinen Anspruch auf ß 2 des Gesetzes vom 29. Mai 1898 betr. dte Entschädigung der im Wiedercküfnahmever- fahren freigesprochenen Personen.§ 2 dieses Gesetzes sagt: „Gegenstand des dem Verurteilten zu leistenden Ersatzes ist der für ihn durch die Strafvollstreckung entstandene Vermogensschaden." Wilting erklärte, für die erlittene UntersuchungS- und Strafhaft ausreichend entschädigt zu sein, behauptete aber, darüber hinaus sei ihm noch ein weiterer Schaden erwachsen. Während der Straf- Haft im Zuchthause zu Hamm sei er äußerst scharf behandelt wor- den. Diese Behandlung in Verbindung mit Entziehung von Licht und Luft sowie die durch die unschuldige Hast heovorgerufenen seelischen Qualen hätten ihn krank und siech gemacht. Nach seiner Entlassung sei er deshalb unfähig zur Bergarbeit gewesen. Andere Arbeit habe er nicht verrichten können, da er von Jugend auf Berg- mann gewesen sei und nur Bergarbeit verstehe. Die Arbeits- Unfähigkeit habe 9 volle Monate gewährt und er beanspruche dafür als Schadenersatz bei einem täglichen Verdienste von 5,49 M. den Betrag von 11gZ,29 M. Weiter habe er infolge der Untersuchungs- Haft und der nachfolgenden Zuchthausstrafe seine Zugehörigkeit zur Knappschaft verloren. Der JustizfiskuS sei daher verpflichtet, ihm oder seinen Hinterbliebenen alle die Rechte zu gewähren, die er haben würde, wenn er Mitglied der Knappschaft geblieben wäre. Der Justizfiskus beantragte Klageabweisung. Dem Wilking sei ein Arbeitslohn im Betrage von 3985 M. entgangen. Es müsse aber berücksichtigt werden, daß er während seines Ausenthaltes im Zuchthause an Verpflegungskosten gespart habe. Ein Satz von 69 Pf. für den Tag fei angemessen, an den 1143 Tagen habe er somit 686,89 M. an Verpflegungstosten gespart. Bringe man den Betrag von der Summe von 3985 M. in Abzug, dann belaufe sich der Schaden des Klägers nur auf 3399 M. Vom Justizminister seien ihm aber 4999 M. zugebilligt. Der überschießende Betrag von etww 790 M. sei ihm nur mit Rücksicht auf den Schaden nach der Haftzeit zuerkannt worden, so daß Wilking hinreichend entschädigt sei. Die Zugehörigkeit zur Knappschaftskasse habe Kläger durch die mit einer anderen Strafe verbundene Arbeitsniederlegung ver- loren und sich später um die Erlangung der Mitgliedschaft nicht mehr bemüht. Tie 2. Zivilkammer d«S Landgerichts Dortmund hat vor einigen Tagen die Klage abgewiesen. Das Gericht trat durchweg den Einwänden des Justizfiskus bei. Diese„Spflrtheorie" sollte unsere Staatsanwälte und den Justizfiskus veranlassen, zwecks Ersparnisses Freiheitsstrafen zu verbüßen. Wir hätten nichts dagegen, wenn auch der Finanz- minister und der Reichskanzler diese famose Spartheorie am eigenen Körper probieren möchten.___ Zur Strafgesetzbuchnovclle. Durch eine Verfügung des Justizministers sind die Staats- anwälte angewiesen, Vorkehrungen dahin zu treffen, daß auf die bereits rechtskräftig verurteilten Personen, die ihre Strafe noch nicht verbüßt haben, die milderen Vorschriften des neuen Gesetzes rückwirkende Kraft erhalten. Diese justizministerielle Verfügung entspricht der Billigkeit. Bei dieser Gelegenheit mag ein Versehen Korrektur finden, das durch Fortfall einer Zeile in dem gestrigen Artikel sich eingeschlichen'hat: Di? Strafgesetzbuchnovelle ist in am 8. März 1912 nicht in dritter Lesung vom Reichstag verabschie- dct, sondern war an diesem Tage als Initiativantrag eingebracht und ist am 9. Mai in der dritten Lesung vom Reichstag verabschiedet worden._ Das Gesev betr. die Sicherung von Bauforderungen beschäftigte am Freitag zum ersten Male das Reichsgericht. Das Landgericht Hildesheim hat am 23. Februar den Maurer- meister Heinrich Strüber in Lehrte auf Grund der 88 I, 2 und'6 dieses Gesetzes zu 59 M. Geldstrafe verurteilt. Strüber baute im Sommer 1911 in Lehrte an der Bahnhofstraße zwei nebeneinander liegende Häuser, für welche er Baugelder von verschiedenen Geld- gcbern erhielt. Am 13. Oktober mußte cr den Konkurs anmelden, der mit einem Zwangsverglcich zu 59 Proz. endete. � Den Vor- schriften des Gesetzes zuwider hatte Str. als gewerbsmäßiger Bau- Unternehmer es unterlassen, für jedes Haus ein besonderes Bau- buch zu führen und er hatte dieses obendrein so unordentlich ge- führt, daß nicht immer zu ersehen war, wofür die Gelder ausge- geben worden sind. Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgerichte verworfen. Wenn der Angeklagte die Häuser auch für sich selbst baute, führte das Gericht aus, so war er doch als ge- werbsmäßigcr Baugewerbotrcibender im Sinne des Gesetzes anzu- sehen. Für das Vergehen gegen 8 6(unordentliche Buchführung im Falle des Bankrotts) ist Vorsatz nicht erforderlich, es genügt das Verschulden._ Huö aller Gleit. Die nachte Macke. Das Städtchen Rotenburg bei Fulda hat zu dem Kapitel „Kiiitst und Silllichkeil" ebenfalls einen Beitrag geliefert. Wie wir in der„Frankfurter Bolksstimme" lesen, sind vor dem Hauptportale de» dortigen Lehrerseminars vor einiger Zeit zwei lebensgroße allegorische weibliche Figuren aufgestellt worden, die der Berliner Bildhauer Professyr Bürgel geschaffen hat, iHie farbig be« handelten Gewänder dieser Figuren lassen die Kdrperformen deutlich hervortreten; außerdem ist— o Schreck!— das vor- gestellte rechte Bein, das sogenannte Spielbein, bis zum Knie un verhüllt. Diese nackte Wade, die infolge der koloristischen Behandlung der Statuen besonders auffallen soll, hat nun bei schämigen Leuten Anstoß erregt und zu einer Beschwerde bei der Regierung geführt. Die Behörde soll auch jetzt angeordnet haben, daß die Figuren durch eine andere Bemalung ein dezenteres Aussehen bekommen. Wie kann man aber auch weibliche Figuren vor einem Lehrer- seminar aufstellen, ohne den beiden Damen die„deutlich hervor« tretendeu Körperformen" zu verdecken. Wenn man nur durch- brochene Strümpfe diesen schamlosen Weibern angezogen hätte, dann wäre doch wenigsten? den angehenden Lehrern dieser unsittliche Aitblick erspart geblieben. Hoffentlich hat die Regierungs- behörde nun auch wirklich kunstsinnige Beamte, die die Figuren denn auch so bemalen, daß sie ein dezenteres Aussehen bekommen. Es geht nichts über eine keusche Behörde! Liberale Schweifwedelei. In der liberalen„Neuwieder Zeitung" wird der Einzug de? jungvermählten Prinzen Viktor von Wied und seiner Frau durch em Poem verherrlicht, dem wir folgende Schlußzeilen entnehmen: Oft noch Neuwied durch Besuch zu beglücken, Laden die jubelnden Bürger D i ch ein, Rührung umfaßt uns, Dich heut zu erblicken als Neuvermählte! Möge e« immer so sein. Was die Redaktion dieses liberalen Blattes sich bei der Auf- nähme des blödsinnigen Geschwafels gedacht hat, mögen die Götter wissend Ob das Paar immer neuvermählt bleibe» soll, oder ob die „Rührung" immer so bleiben soll, wer kann es außer der„Neu- wieder Zeitung" und dem Poeten wissen l Jedenfalls wird auch der angedichtete Prinz sich für die Zumutung, sein ganzes Leben in den Flitterwochen zu verbringen, schönstens bedanken! Kleine Notizen. Ein dreifacher Mörder. In Amsterdam hat sich eine entsetz« liche Bluttat ereignet. Ein gewissert Dort tötete seine im Alter von zwei bis acht Jahren befindlichen drei Kinder. Der Mörder wurde in dem Moment verhaftet, als er noch das Messer mit dem Blute seiner jungen Opfer in der Hand hielt./ Vom Hungertod« errettet. Zwei deutsche Studenten, Kern und Schelle, die sich bei einer Bergbesteigung bei Gre noble ver- irrt hatten, wurden von den Soldaten, die zu ihrer Rettung aus» gezogen waren, lebend aufgefunden. Sie hatten zwei Tage und zioei Nächte in einer Höhe von 1399 Meter ohne Nahrung ver- bracht und waren infolgedessen vollkommen erschöpft. Ein Sittlichkeitsstandal im Seine-Babel. In Paris ist wieder einmal ein großer Skandal ausgebrochen, der das peinlichste Aus» sehen hervorgerufen hat. da in ihm mehrere einflußreiche Personen verwickelt sein sollen. Sie sollen ständige Gäste in dem Hause einer Frau gewesen sein, die bei sich junge Mädchen und Burschen versammelte, und wo dann die wüstesten Orgien gefeiert wurden. Der Weltmeister als Kleptomane. Der Weltmeisterschaftsboxer Johnson ist in C h i k a g o verhaftet worden, weil er beschuldigt wird, sich unrechtmäßigerweise ein D i a m a n t k o l l i e r im Werte von 13 999 M a r k angeeignet zu haben. Wahrscheinlich hat der preisgekrönte Kraftmensch gelegentlich eineS Liebesabenteuers die Kleinigkeit mitgehen heißen. ßriefhaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen HcUftitte«. Dtejentgen unserer Abonnenten, dte noch während des ganzen nächsten Monats„str der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberwcisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. All« Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Witterungsübersicht vom 22. Juni 19X3. Stationen Swinemde. tamburg erlin FranksimM. München 765|0 Wien 764 NW 7S5WSW 76SNW 764iNNW Lheiter 2 heiter 1 halb bd. Iwolkcnl 2 Wolken l l hedeckt Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris N NO 757 SSO 756:3'3D 766® 2deiter Nebel wolkig bedeckt wölken! Wetterprognose für Sonntag, den 23. Jnni 1913. Etwa» wärmer, vielfach heiter, aber veränderlich mit Gewitterneigung und ziemlich lebhasten südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserftands-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m- I. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrlmm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby . Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall— Allen Bekannten, Genossen und Sangcsbrüdcrn zur Nachricht, daß ich mein Lokal von Gräscstr. 9 nach Boeckhstr. 49 verlegt habe und bitte uin geneigten Zuspruch. Jeden Sonntag ÄKorgensprache der Sangesbrüder. st Unterpegel. R. Sciialler. � Gneisen austraße 10, � 2 S. 4*i'u u, billigste u. beste u Bezugsquelle für* � Röbel jeüsr Art. k � Kassa und Teilzahlung. 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Nach einer von der Organisation aufgenommenen ts t a t i st i k ging die Zahl der Gehilfen seit dem Jahre 1995 bis 1911 um mehr als ein Fünftel zurück. 1996 wurden 8291 Ge- Hilfen ermittelt und 1911 nur 6444. Der Grund dieses Rückganges ist der Niedergang des Gewerbes, mit dem eine große Arbeits- los i gleit der Bildhauer verbunden ist. Im Vergleich mit anderen Berufen stehen die Bildhauer bezüglich der Arbeitslosigkeit immer an e r st e r Stelle. Bei dieser Berufsflucht ist es fast er- klärlich, daß der Verband in der Berichtszeit s1999— 1911) keinen Fortschritt zu verzeichnen hat. Bei Beginn der Periode betrug die Mitgliederzahl 3988, am Schlüsse nur 3797. Der Verlust be- .trägt also 191. Die Lohnbewegungen waren in der Be- richtszeit geringer als in der vorhergehenden Periode. Die Zahl der Kämpfe betrug insgesamt ISo mit 2574 Beteiligten. In der Periode 1996— 1908 hatte der Verband 212 Bewegungen mit 3999 Beteiligten zu führen, also erheblich mehr als diesmal. In der Branche kam dem Verband die Tariftaktik des Deutschen Holz- arbeiterverbandes zustatten. Fast in allen in Betracht kommenden Orten erklärten sich die Kollegen mit den übrigen Holzarbeitern solidarisch und konnten so Vorteile erringen. Auch in der S t e i n. blanche sind mehrere gul verlaufene Lohnbewegungen zu ver- zeichnen. Nur in der Modellbranche konnte bisher wenig oder nichts unternommen werden. Durch die 155 Bewegungen wurden für 689 Personen eine Arbeitszeitverkürzung um 926 Stunden pro Woche und eine Lohnerhöhung um 3913 M. für 1912 Personen erreicht. Diese Errungenschaften stehen hinter den der letzten Geschäftsperiode. Die Zahl der Tarif- verträte hat in der Berichtszcit zugenommen. Bei Beginn der Geschäftsperiode bestanden 32 Tarifverträge für 465 Betriebe mit 1448 Personen, und am Schlüsse des Jahres 1911 46 für 679 Be- triebe mit 1749 Personen. Die Entwickelung der Kassen ver- h ä l t n i s s e hebt sich günstig gegenüber den Vorjahren ab. Auf dem letzten Verbandstag wurde eine Sanierung der Finanzen vor» genommen, und diese hatte eine starke Vermehrung des Verbands- Vermögens nach sich gezogen. Das Vermögen stieg von 38 733 M. bei Beginn der Geschäftsperiode auf 98 761 M. am Schlüsse der- selben. Bei dieser Entwickelung haben nach Anficht des Kassierers nicht nur die Beschlüsse des letzten Verbandstages, sondern auch die geringe Zahl von Streiks und die verminderte Arbeitslosigkeit mit- gewirkt. Die Einnahmen des Verbandes betrugen in der Berichts- zeit 456 139 M. Pro Mitglied kam 1911 eine Einnahme von 42,22 Mark, dem eine Ausgabe von 32,89 M., davon 29,44 M. für Unter- stützungen, gegenübersteht. Ter wichtigste Punkt, mit dem sich die Generalversammlung beschäftigen wird, ist die V e r s ch m e l- zungsfrage. Schon auf der letzten Generalversammlung wurde diese Frage eingehend erörtert und der A n s ch l u tz an den Holzarbeiterverband gefordert. Bei einer dann später vorgenommenen Urabstimmung fand sich aber hierfür keine Mehrheit. Diesmal wird eS voraussichtlich anders kommen. Nicht weniger wie 23 Zahlstellen verlangen den korporativen Anschluß an den Holzarbeiterverband. 4 Zahlstellen be- antragen Auflösung des Zentralverbandes und Anschluß der ein- zelnen Branchen an die zuständigen Jndustrieverbände. Der Ver- bandsvorstand wandte sich in einer Erklärung in der„Bildhauer- zeitung" gegen diesen Antrag. Nur der g e s ch l o s s e n e U e b e r- tritt zum Holzarbeiterverband könne in Frage kommen, eine Zersplitterung in verschiedene Verbände müßte auf alle Fälle vermieden werden. Die Generalversammlung wird nun über diese Frage die Entscheidung fällen. 14. Ordeiitlicher Nkrbaudstag der Schuhmacher. Im Volkshause zu Dresden beginnt am Montag, den 24. Juni, der 14. Verbandstag der Schuhmacher. Seit der letzten Generalversammlung in Köln a. Rh. ist die Organisation in sehr erfreulicher Weise gewachsen; der Verband umfaßt jetzt 45 792 Mit- glieder. Das bedeutet eine Zunahme in den zwei Jahren von 26,92 Proz. Wenn man die Zahl aller in der Schuhindustrie Be- schäftigten zugrunde legt, so kommt man zu dem Resultat, daß 47 Proz. davon organisiert sind. Naturgemäß stellen die in den Fabriken beschäftigten Kollegen den größten Prozentsatz zur Or- ganisation. Di« im Handwerksbetrieb tätigen Berufsgenossen können in vielen Fällen von der Organisation überhaupt nicht er- faßt werden, weiter spielt auch die Fluktuation unter den Schoß- arbeitern eine sehr hemmende Rolle. Der von dem Verbands- vorstand soeben veröffentlichte Geschäftsbericht stellt hierzu fest, daß in den kleinen und mittleren Orten es oft ganz unmöglich ist, Zahlstellen des Verbandes zu schaffen. Die Organisierung gerade dieser Kollegen ist aber für den Verband sehr wichtig, da die über- große Zahl aller in der Schuhindustrie beschäftigten Personen im handwerksmäßigen Betrieb arbeitet. Am besten organisiert ist der Bezirk Halle mit 79,59 Proz., dann folgt Pirmasens mit 53,15 und Dresden mit 42,43 Proz. usw., bis Breslau, das mit 19,31 Proz. an letzter Stelle steht. Weibliche Mitglieder sind 8562 vorhanden. DaS Resultat der letzten Geschäftsperiode mutz also in organisatori- scher Hinsicht ein sehr gutes genannt werden. Besonders noch aus dem Grunde, daß der Geschäftsgang in der Schuhindustrie ein an- dauernd schlechter war. Die Reichsfinanzreform hat hier sehr viel auf dem Gewissen, da durch die Teuerung� der notwendigsten Lebensmittel meist an der Kleidung und den Schuhen gespart wird. In einzelnen Schuhzentren, wie in Weitzenfels, hat die Arbeits- losigkeit eine Höhe erreicht, wie sie noch nie zu verzeichnen war. Davon wurde der Verband auch noch in anderer Weise getroffen, seine ausgezahlten Gelder für Arbeitslosenunterstützung sind ganz enorm gestiegen. So haben die Gewerkschaften die Folgen der privatkapitalistischen Produktionsweise mitzutragen, und mit Recht fordert der Bericht, daß es Pflicht des Staates wäre, wenigstens Zuschüsse zu den ausgezahlten Riesensummen zu leisten. Tarifverträge bestanden am 31. Dezember 1911 124 für 5762 Betriebe mit 14 966 Beschäftigten. Den Löwenanteil an den Verträgen hat der handwerksmäßige Betrieb. 9799 Arbeiter in 5712 Betrieben haben hier ihre Tarifverträge. Erfreulicherweise zeigte sich aber auch in den Fabrihbetrieben eine langsame, aber stetig steigende Aufwärtsbcwcgung. Während am Schlüsse der letzten Geschäftsperiode nur 23 Verträge abgeschlossen waren, ist die Zahl jetzt auf 29 gestiegen und die von den Verträgen erfaßten Arbeiter von 3478 auf 4294. Viele Fabrikanten, die sich früher wei- gerten, einen Vertrag abzuschließen, sind heute Freunde der Tarif- — aui— a— iiiiiiiMimiiBg—B■— a—m vertrüge geworden, und für die Folge ist deshalb ein weiteres Steigen zu erwarten. Daß das Unternehmertum hie und da auch versucht hat, mit den Tarifverträgen im Trüben zu fischen, versteht sich von selbst. Die Organisation hatte aber auf diese Art von „Tariffreunden" ein wachsames Auge und verzichtete lieber auf einen Abschluß, als daß sie sich„ködern" ließ. Die Frage der Ge« Währung von Ferien ist von den Unternehmern zu einer Prin» zipienfrage gemacht worden, es wurde quasi verboren, den Ar» beitcrn Ferien zu gewähren. Wenn trotzdem auch hier ein beachtens- werter Fortschritt erzielt worden ist, dann gewiß nicht, weil daS Unternehmertum in sozialer Beziehung humaner geworden ist, son- der» weil der Druck der Organisation zu groß war. Gegenwärtig werden in 27 Betrieben Ferien gewährt, wovon etwa 1899 Arbeiter betroffen werden. Hier gilt es also, noch einen ernsthaften Vorstoß zu machen. Ueber die Lohnbewegungen und Streiks ist zu be» richten, daß sie eine Höhe erreicht haben, die alle früheren Zahlen übersteigt. Insgesamt wurden 1919/11 699 Bewegungen durch- geführt, an denen rund 48 721 Beteiligte gezählt wurden. 1998/99 waren es nur 272 Bewegungen mit 14 977 Kollegen. Aussperrungen hatte die Organisation 7 abzuwehren. Wenn man das Ergebnis der Lohnbewegungen der letzten beiden Jahre zusammenfaßt, dann ergibt sich folgendes Resultat: 25 514 Personen erzielten 97 574 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 19 942 Personen 33 543 M. Lohnerhöhung pro Woche. Das sind pro Person 3*1, Stunden Arbeitszeitverkürzung und 1,68 M. Lohnerhöhung pro Woche. Rechnet man das Jahr zu 59 Arbeitswochen, dann haben bei einer kürzeren Arbeitszeit 19 942 Personen im Durchschnitt 84 M. mehr Lohn erzielt. Gewiß ein Resultat, welches als ein gutes bezeichnet wer- den kann. Die Gesamteinnahmen des Verbandes betrugen in der Berichtszeit 2 354 914,44 M.. die Ausgaben 1798 369,43 M. An Kassenbestand weist das Verbandsvermögen 556 654,91 M. auf. Unter den Ausgaben finden wir: für Arbeitslosenunterstützung 254 666,69 M., für Krankenunterstützung 387 715,95 M., für Reise-, Umzug- und Notfallunterstützung zusammen 66 294,39 M., an Sterbeunierstützung 18 399,69 M., an Wöchnerinnenunterstützung 8169 M. Die Lohnbewegungen und Streiks, Matzregelungen und Rechtsschutz kosteten der Organisation die Summe von 378 529,49 Mark, so daß in die Hände der Mitglieder insgesamt an Unter- stützungen� zurückflössen: 1 113 657,94 M., das find etwa 65 Proz. der Einnahmen der Hauptverwaltung. Das Verbandsorgan kostete rund 196 997,97 M. Wenn man den umfassenden Bericht aufmerksam studiert, kommt man zu dem erfreulichen Resultat, daß die Vertreter, die sich jetzt in Dresden zusammenfinden werden, über den Stand der Organisation befriedigt sein können. Was besonders auffällt, ist das große Mißverhältnis zwischen Beitragsleistung und Unter- stützungssätze. Der Veroandstag wird, wie aus der im Fachblatt bereits vorausgegangenen Diskussion ersichtlich ist, sich mit dieser Frage befassen. Die vorliegenden Anträge geben allerdings noch keine Handhabe, wie der Entscheid ausfallen wird. Es kann sich nur um eine Beitragserhöhung handeln, die Delegierten dürften kaum eine Erniedrigung der Unterstützungssätze gutheißen. Aber auch sonst wird der Verbandstag reiche Arbeit vorfinden. Das Jnter- esse der Kollegen im Lande ist ein sehr großes, wie die Zahl der eingegangener Anträge beweist. Als hefonderer Punkt wird die Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks besprochen werden. Von verschiedenen Orten wird die Anstellung eines zweiten Nc- dakteurs gefordert, und andere Vorschläge befassen sich mit der Jugend im Berufe, dem Genossenschaftswesen usw. Alles in allem wird der Verbandstag tüchtig zu tun bekommen. Hoffen wir, daß seine Arbeit der Organisation wieder neue Wege weist. fltelMBplBtZ IIb St. H in allen Abteilungen ausnahmslos bedeutend herabgesetzte Preise, selten günstige Kaufgelegenheit spez. für die Reisezeit KlelderstoHe and Seide relmll. Musseline . jetzt Meter M. 0,50 Ein großer Posten Punkte sowie moderne Bordüren.., Weiße Schweizer LßC2lStiCk6rßlStOf[8 ca. 120 cm breit Serie 1 Serie 2_ Serie 3 jetzt Meter M. 1.70 2.30 2.90 Ei. gro«., p.*„ ShuntunHelnen baslfarbig............ jetzt Meter M. 0.68 Rnrfrofrfnn Reinseidene in- und ausländische Fabrikate, UUiliClUtlh früher Meter M. 1.40 bis 2.70 _ Serie 1_ Serie 2 Serie 3 jetzt Meter M. 0.95 1.23 1.73 Slrumpfwaren Mehrer» TeutendPaer 1 Baumwolle, Floru. Musselin, i schwarz malle modern.Farb. 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Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Morgen und folgende Tage: _ Paa Konzert. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. berliner Ttienter. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Abends 8 Uhr: vis 5 Frankfurter. Residenz-Theater. 8 Uhr: Allks für die Mm. Schwank in 3 Akten von M.Henneauin und G. Mitchell. Morgen u. folgende Tage: Slllcö für die Firma. OH-IHHiTe Große Frankfurt ei Str. 132. Ansang 8 Uhr. Kacht und Korgen. Drama in 6 Akt. v. Ch. Birch-Pseisfer SJSJT" Aus der Aartenbühne:-WWI Juhul Es ist erreicht! Gr. Revue. I Vorletzter Sonntag! Ab 8 Uhr. 10 große Attraktionen. BalTayettca Wunderhunde. Paul Beckers. Relebstiallen-Theater. Stettiner Sünger Zum Schluß neu: Sanat orlnm Sonnenstich. Burleske vonMeyfel. Anfang Wochent. 3, Sonntags ?'/. Uhr. Metropol-Theater. ielüier& Phantastisch musikalische Komödie in 3 Akten aus dem Englischen völlig frei bearbeitet von I. Freund. Musik von R. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestatiei. �.dmiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße, x. X. einziger Eispalast. Angenehm kühl. Aufenthalt £> Heute: & Vorstellungen 1 � Nachmittags und abends: „Yvonne", Eis-Ballett Bis 6 Uhr und von lO3/. Uhr abends halbe Kassenpreise. Uestanrant 1. Rangen Wein- und Bier-Abteilung. Voigt-Theater. Gesundbruimen Badstraße 58. Heute sowie täglich: Die Tochter der here Gr. rom. AusslattungSstllck m. Tanz und Gesang in S Bildern. Neue BcleuchtungScffekle usw. usw. u. d. große Spezialitäten-Programm. Kassenerösinung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Diellnfallgefahren in derHolzindustrie iiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiii Wander-Ausstellung des Deutschen Holzarbeiterverbandes iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiii vom 23. Juni bis 21. Juli 1912 im Berliner Gewerkschaftshaus, Saal III Engelufer 14-15 Geöffnet v.9-1 u. 4-9 Uhr Sonntags von 9-T Uhr:u Deutscher Holzarbeiter-Verband Leute: Großer Festlag. Konzerte u. Spezialltlltonvorstellanjr. Vollständig neues Programm. Hervorragende Künstler. Sensationelle Attraktionen. Volksbelustigungen aller Art. � Eintritt SS Pf. An Elitetagen Donnerstags: GroBes Gala-Parade-Hühen- und Fronten-Feuerwerk. i Restaurant Neu-Seeland, Stralau am Bummelsborger See. Inh. Wwe. Schonert. Jeden Sonntag Spezialitäten-Vorstellung o. Konzert. Im Vergnügungspark: 3212L» Großes Volksfest ä la Stralauer Fischzug. Im Saal: Gr. Ball. Jeden Mittwoch: Gr. Kinderlest. Abends: Spree-Athener, Dir. M. Zerner. Mentes Volksgarten Inh. Walter Sehröter Telephon: Amt Lichtenberg Nr. 184, Lichtenberg, Roederftr. L8/SS Verlängerte Landsberger Allee. Vom Alexanderplatz 15 Minute». Linie 84. 87. 7t. Linie Kurzestraße— Hohenschönhausen. Jeden Sonntag: Ero�kk flflll. Jede» Dienstag und Donnerstag: Freitanz, Gratis-Dkriosung. Täglich geöffnet von 11 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends. Haupt-Vorstellungen; 11'/, Vra., Nrn. 3, 4'/, 6, VI, u. 9'/, Uhr. �r: Doppelkonzert nÄ Kgl. Obermusikmeisters a. D. Knstav Offeney. FoBgänger-Promenade 50 Pfg. Eeserv. Sitzplätze: Loge 2.—, I. Trib, 1,50, fi. 1,—. Kinder u. Militär die Hälfte. Unbescbränkter Aufenthalt. €lysluiii Landsberger Allee 40-41. Heute Sonntag: Konzert □ Theater □ Spezialitäten □ Oroßer Ball. Famitien-Kasseefochen. Ansang 3'/, Uhr. Entree 10 Ps. (INA ARK Sonntags von 3 Uhr ab voller Betrieb. ■■■■■■ .Sozialdemokratischer Wahlverein Bezirk. Lichtenberg. Sonntag, den 23. Juni 1912: Großes Sommerfest in Mentes Volksgarteng Inhaber Walter Schröder, Lichtenberg, Röderstraße 28/29. Von 4 Uhr ab: Qroßer ßclll. zahlen 50 Pf. nach. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Jedes Rind erhSIt einen Bon zur Stoeklaterne und eine Rarosselifatirt ptis. Berliner Praler-Thealer Kaatanlenallee 7-9. Täglich: Ansang 4'/, Uhr. O, diese Berliner! Ausstatt.'Posse von Freund. Musik von EinödShoser. Ersth lassige Spezialitäten. Konzert. X KALL. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt« a. Alexanderstr. Täglich- Theater und Variete. Ansang wochentags 8, Sonntags 5 Uhr. Vom 18. Juni bis 1. Juli: Erklaoo. Spezialitäten u.„Rosen a. d. Süden", gr. Operettenburleske Volksgarten-Theater Badstr. 8 und Bellermannstr. 20/25. Täglich, Konzert, Theater- and Spezinlltätcn-VorBtelliuig Neues Programm. Täglich: Flotte Weiber. Poffe mit Gesang u. Tanz in 4 Alten. Gesellschaftshaos Wahrendorf, Heute Sonntag von 4 Uhr ab: H Soiree K der tili- Ulrich• HUnger, Durchschlagendes Repertoir.— G roher Lacherfolg. Kinder-Karussell vorhanden.— Während und nach der Soiree: Tanz. Entree 20 Pf._ Kinder frei._ Gebr. Arnhold Schwarzer Wer Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 6. Täglich: KONZERT und Spezialitäten-Vorstellung mit Willy Meybrlnk. Jeden Mittwoch: E 1 i 1 6 a T a g. Sonntag: Tanz> Reunlon. Aossiellund deutscher Konsum? Vereine 16.-30. Juni 1914. CLOU Berlin. 1 MauersfxSa Geöffnet vro» lOUbrVbrm. Mittwoch, den 26. Juni 1912: Großes Konzert ausgeführt durch das Neue Tonkünstler»Orchester Dirigent Eranz Uollfelder. fr. Siegesi Theaterbühne fif. Frailkllirter Stf. 30. 2 Kegelbahnen Empfehle den Gewerlschasten sowie Vereinen meine Verein»- ziininer sowie SSle 130 bi« 360 Personen fassend) zur Ab. Haltung von Sitzungen, Bersammlurgen sowie Festlichkeiten zu den kulantesten Bedingungen. 3432L' HB. Sonnabende u. Sonntage im Auguet, September, Oktober noch frei. Publmanns Theater Schönhauser Alice 148. Heute sowie täglich: Mot und Spezialitaten. Im Saale: Familien- Tanz. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Ansang 4'/, Uhr. Entree SO Pf. i bdftwadhta Seebad Reinickendorf wtoir.« Straßenbahnlinien 32, 35 und 41. Herrlicher Matargarten am groBen See gelegen. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: ♦ Theater, Spezialitäten und Konzert. ♦ im Saale-. Großer Familien-Ball. Jeden Olcnstaj »tag: Kinder- u. Familienfest Verstellung. Anfang des Konzerte 4 Uhr, der Vorstellung 5 ühi.* Schweizer-Garten. Am Königstor Am Friedrichshain Täglich: • Theater, Spezlalltlten und Llehlsplele. Heute extra uenes Programm Im Saale«Vrmi < täglich: i Ans.: Sonntg. 4, Wochentg.5�,Uhr. h HD'W'W VMM VWVMW'VW'VMW'WHi' V. Sommer- Theater Landsberger Allee 76/77. Täglich: Gr. Konzert u. Spezialitäten- Vorstellung. Im Saal: Gr. Ball» Jeden 1. und 16.: ReueS Pro- ramm. Wochentags Entree frei. 5 Uhr. 82412 HrgMUleo Bes. 0. Ernert, Kreuzbergstr. 48. Joden Cr.Spezialität- SonntagUl.l forsteltag'Ät"" Eintr.frei, Prgr. pr.Pera. 10 Pf.— Jeden Montag: Jeden Freitag: Paul iffantheya _ Lästige Sttnger. Passepartouts u.Vorzugsk. gültig. Einige Sonnabende unL kul. Bedingungen an Vereine zu vergeh. Markgrafen-Säle 34, Harkgrafen-Diunni 34. ------- An der Stralauer Allee.. Täglich: Grolle KIne-Verslellung. Im Restaurant täglich inusifalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, st.Biere u. Weine, Billard u.Kegelbahn �Ikaindrs Lalluer-Theaterstraße 15. Großer Ball Großes Orchester. Anfang Sonntags ö Uhr. A. Zuiucitat. Buss* Ball-Salon Große Frankfurter Str. 85. Heute: Gr. Bali. Sonnabende im Herdst noch frei. Franz lauer. Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13« Jeden Sonntag: CanzkränzclKD. Ter Garten ist eröffnet. 21785 C. MiOIe. Burgtheater- Kino und PacfcÖIo SchBnhauser Allee 129. rCaldtllC, Säle für Hochzeiten n. Vereinsvergnügon. 4 hocholeg. Kegelbahnen. Tägl. Prei-Konzert und Frei-Kino im Garten. Bndoir Ken. inton Dockers Festsäle Webcrstp. 17. Tel: Amt Königst-Ui 13 414. Empfiehlt seine Säle za Versammlungen und Fesllichleiten jeder Art. Kleine und große Säle, großer Garten mit seststehender Theaterbühne sowie große Vereinszimmer stehen den geehrten Gewerlschasten und Bereinen jederzeit zur Verfügung. Ergebenst Anten Boeker, Weberstraße 17. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Stedaktiou dem Publikum gegenüber teiuerlet Berauttvortunz. Sozialdemokratischer Wahtaereiti des 4. Berliner jleiehstags-Wahlkreises. Dienstag, den 25. Juni, abends pünktlich 8% Ahr, in den„Kollkordia-Söten" Andreasstr. 64: Ansterordenttiche General- Uersammlung. Tagesordnung: t. Beratung und Belchwßsaflung über den Entwurf der SluSführungSbestimmungen deS WahlregulattvS und Anträge. 2. Beratung und Beschlußfassung über Anstellung eines dritten Angestellten und Anträge. 3. BereinSangelegenheiten. 217/11' DV Mitgliedsbuch legitimiert~WI Der Torstand. Sechster Wahlkreis. Die Stichwahl zwischen den Genossen Frank und Joseph findet am Sonntag, den SZ. Juni, in folgenden Lokalen statt: Obiglo, Schwedter Str. 23. Lopper, Zionskirchstr. 11. Griindel, Wörther Str. 15. Dobrohlaw, Schliemannstr. 39. P recht, Wichertstr. 3. Bachgänger, Schivelbeiner Str. 23. Gliesche, Kopenhagener Str. 74. Hoffmanu, Swinemünder Str. 47. Henkel, Stralsunder Str. 17. Thomae» Hussitenstr. 35. Bruder, Schlegelstr. 9. Faber, Stephanstr. 11. Paersch» Oldenburger Str. 19. Köhler, Wittstocker Str. 19. Petermann, Havelberger Str. 15. Funke, Triftstr. 63. Schade, Kösliner Str. 9. Baer, Badstr. 44. Pose, Koloniestr. 15. Glawe, Liebenwalder Str. 4. Doye, Müllerstr. 38». Tanschel, Kameruner Str. 53. iewählt wird in der Zeit von 10 bis 1 Uhr. Ultglledsbnch legitimiert. 220/14* Wer länger als drei Monate mit seinen Beiträgen restiert, kann nicht wählen. Vi Der Torstand. Möbelfabrik„Phönix" Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht Bilanz per 31. Dezember 1911. Aktiva: Kassa-Konto...... 3624,14 Waren-Konto...... 33670,65 Inventur-Konto..... 9971,83 Debitoren-Konto.... 26200,83 Bankanieil-Konto.... 1370,— Kautions-Konto..... 350,— Gewinn- und Verlust-Konto 9190,09 Summa 84377,;* Passiva: Kreditoren-Konto.... 10161,32 Akzepte-Konto..... 4889,12 *""' 390,— 66394,84 544,58 163,89 190,14 1643,65 Anteil-Konto Darlehns-Konto?..... Reservesonds-Konto... Spezial-Reservesonds-Konto Waren-Konto...... Unkosten-Konto Summa 84377,54 Die Mitgliederzahl am 31. De�cm- der 1911 betrug 13, eingetreten emer, ausgetreten keiner. Betrag deS Ge- lchSstsguthabens und der Haftsumme je 330,— Mark. 105/5 Der Torstand. H. Krämer. M. Kaufmann Tersvaltnng Berlin. Heute Sonntag, den 23, Juni, Im großen Saale der„Neuen Welt", Hasenheide 193—114: Lröffnungsfeier zum lleunten ordentlichen Oerbandstag. Das Konzert wird ausgeführt vom»Berliner Bolkschor* lM. d. D. A.-S.-B.). Dirigent Herr Dr. Zander— unter Mitwirkung des»Berliner Sinfonie-OrchefterS«. Dirigent Herr Maximilian Fischer. Einlaß 6 Uhr, Anfang 7 Uhr abends. Eintrittsgeld 60 Pf. inkl. Garderobe und Programm. Kinder haben zur EröffnungSseier keinen Zutritt. Karten sind bei S ch w e m k e, Schönleinstraße 34, im Restaurant Zehrend, Hasenheide 3, und im GewerkschastShause, Saal 2, zu haben. Aus Anlaß des LerbaudstageS bleiben am Donnerstag, den 27. Juni, nachmittags sämtliche Bureaus geschlossen. Brnnchenversammlungen. Montag, den 24. Juni, abends 8 Uhr: K i st e n- und Koffermacher in den Audreas-Fcstsälcn, Andreasstr.»1. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten.— 2. Wahl von zwei BezirlSkassterern. Mittwoch, den 26. Juni: Kamm- und Haarfchmuck-Arbeiter und Arbeiterinnen abeudS 8 Uhr, bei MerlowSkt, Andreasstr.»6. Tagesordnung: 1. Bortrag.— 2. Diskussion.— 3. ArbettSnachweiSirage.— 4. Per- bands- und Branchenangelegenheiten. abend» Jalousie > 8'/, Uhr, bei I Arbeiter Boeker. Weberftr. 17. Tagesordnung: Bericht über den Stand der Tarifbewegung bei den«letnmeiftern. Bürsten- und Pinselmacher Berlins abendS 8'/, Uhr, im Lokal Preuft, Holzmarttftr.«S. Tagesordnung: 1. Vortrag über:»Die Lage der Arbeiter und Arbeiterinne» in der Bnrstenfabrtkation«'. Reserent: Kollege Erhard Wallauer aus Nürnberg. 2. Branchenangelegenheiten. Bodenleger abendS 8 Uhr bei Bocker, Weberftr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Anton Ra-ith, München. 2. Branchen- angelegenheiten._ Stellmacher abendS 8'/, Uhr im Rofenthaler Hof. Rofrnthaler Str. 11/1». Tagesordnung: 1. Vortrag(ein auswärtiger Kollege wird referieren). 2. Branchen- angelegenheiten._ Sihmöbkl-Kranche Kerlins und der Vororte abends 8 Uhr tm Märkischen Hof. Admtralstrafte 18c. Tagesordnung: 1, Unsere Branchenverhältntsfe in den verschiedenen Gauen Deutschlands. (VerbandSiagSdelcgierte werden rcserieren.) 2. Branchenangelegenhetten. 85/15_ Die Ortsverwaltnng. Arbeitsnachweis: Amt Norden. Nr. 1239. lölmltuptelle Berlin EharitSftrafte 3. Hauptbureau: Hos in. Amt Norden, Nr. 1987 Rohrleger und Helfer. MIhm! Dienstag, den SS. Juni, abendS 8 Uhr, tm großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engeluser 15: Krauche«- Uersammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen W. Slerlng über:»Die vereinte Arbeiterbewegung und ihre Macht«. 2. DiSIusflon. 3. Verbands- und Brauchenangelegenheiten und Verschiedenes. SS?- Mitgliedsbuch legitimiert.'WQ 119/15 0V Sehr nichtiger Angelegenheiten wegen wird pünktlicher und bestimmter Besuch erwartet_ ieMungl Gürtler. lod»ml Dirnstag, den XS. Juni, abends 6 Uhr, in den»Rittersälen», Ritterstraße 75: Große Versammlung aller in den Betrieben der Militär- esfektenbranche beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. Tagesordnung: 1. Die jüngsten Borkommntste in der Branche. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. MC- In dieser Versammlung darf niemand fehlen. Alle müssen erscheinen I Besonders sind die Kollegen der Finnen Couvrcur und Mattes«. Schwabe eingeladen. DienStag, den»v. Juni, abend« 8 Uhr, in den»Borusfia-Sälen«. Ackerstraße 6/7: Srattchett-Versammlung der Fahrstuhl- Montenre, Helfer und in diesen Ketriebe« beschäftigten Arbeiter. Tagesordnung: 1. Vortrag des ReichStagsabgeordneten Otto Büchner. 2. Branchen- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. MM- Da in dieser Versammlung wichtige Angelegenheiten erledigt werden, ist es Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen. A ch t u n a I Zur Ansftellung der Konsnmgenoflenschaft find für nnserr Mitglieder Billetts a IV Pf. im Bureau zu haben. Die Drtsverwnltnng. Deutscher Arbeiter-Sängerbund,! Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 30. Jnni 1912, vormittags präzise 10 Uhr, im großen Saale der Brauerei Friedrichshain: Uebniigs- stunde"WD für den Bezirk I. Geübt werden folgende Lieder: Weihe des Gesanges. Dem Lenz entgegen. Jägerchor. Sturm. 17/0 Bor Torstand. MMWMMMMWtWWMSOWMMf Getreidegesehäft (Futterartikel, Kunstdünger und Kohlen) direkt am Berladedamm und Chaussee gelegen, zu 200 Waggon Umsatz, anderer Unternehmungen halber so- fort zu verkaufen. 2156b* A. Linder, Loppow (Ostbahn), bei Dühringshof. IS Mark monatliche Teilzahlung licsett elegante Herrcngarderobe nach Maß I. Tonpomski, ÄSrffi' (BilligePreiseJPerKastePreiSermSßig. F. gut, sitz in. garant., cigenc« Slofslag. im Achtang! Achtung! Allgemeine Orts-Krankenkafse Spandau. Montag, de« 1. Jult 19118, abends S'/j Uhr, Restaurant Krause, Schön- walder Straße 2: GeiieralyersaiiiiiilDiig. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes(Arbeitnehmer). 2. Statutenänderung(Z 13 Erhöhung des Krankengeldes). 3. Verschiedenes. 276/15 Der Torstand. R. Appvldt, Vorfitzender. Orts-Kmbkckaffk Reinickendorf. -*- Bekanntmachung. AnßcrordeutUche General-Versammlung der Orts-Krankenkasse hierselbst am Mittwoch, den 3. Juli 1912, abends 5 Uhr, im Sadauscheu Restaurant, Residenzstr. 124 hierselbst. Tagesordnung: 1. Antrag deS Vorstandes betreffend Acnderung deS K 30 des Statuts. 2. Mitteilungen und Verschiedenes. In der General-Versammlung sind nnr die gewählten Vertreter stimm- berechtigt und werden dieselben init dem Ersuchen unr recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen hierdurch eingeladen..276/13 Die Delegierten haben zu ihrer Legitimation die besonders ergehenden Einladungen vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kasten- Vertretung gehören, kann der Zutritt nicht gestattet werden. Ansraaen und Beschwerden, zu deren Beantwortung Einsichtnahme in die Bücher ersorderlich ist, sind spätestens drei Tage vor Stattfinden der General-Versammlung an die Kaffenverwaltung: Relnlckendocs, Hauptstr. 33, einzusenden. Berlin- Reinickendorf, den 20. Juni 1912. Der Vorstand der Orts-Krankenkafse. Bensch. Neubecker. Bekanntmachung. Wir geben hiermit bekannt, daß die Nationale Kranken- und Sterbckasse der Droschkenkutscher und verwandten Berussgenossen, E. H.-K. Nr. 75, Sitz Berlin 80., Engcluser 15 II, Zimmer 43/44, laut Gencralversamm« ungSbeschluß vom 9. Mai 1912 zum 1. Juli 1912 ausgelöst wlrd. Die Beiträge müffe« am l.JuN biS zur 20. iivoche bezahlt fein. Mitglieder, welche dem nicht nach- kommen, gehen ihrer Anrechte vcr- lustig. Die Mitgliedsbücher sind bis zum IS. Juli im Bureau Engel- uier 15, Zimmer 43/44 abzugeben und wird dem Ueberbringer des Buche» eine Quittung ausgehändigt Ilm einen geregelten Geschäfts� abschlust herbeizuführen, wollen wir dringend ersuchen, obigen Bestimmungen nachzukommen. Der Torstand. 276/14 SS. Kniitter, Borsitzender. Bosentlialer Sfr. 40-41 Baekesektr SarkL gern aal die Emsnma«' 1 n aebteo. BObelfabrlk„Stern" Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz Per 31. Dezember 1911. Kassenbestand.... 4 185,79 M. Warenbestand.... 42 793,—, Inventar-Konto, 20°/« 2 271,44, Debitoren-Konto... 38 089,55, Banl-Konto.... 12 771,50, 95 111,28 M. 640,— M. 85 403,48. 395,—, 3 795,90, 1 390,-. 2 000,— 1 586,90 Passiva. Anteil-Konto... Darlehen-Konto.. Rcserve-FondS.•. Kreditoren-Konto... Unkosten-Konto n. j. z. Unsichere Forderungen. Gewinn-».Verlustkonto . 95 111,28 M. Die Zahl der Genossen beträgt am Schluß veS Geschäftsjahre» 18: ein- getreten keiner, ausgetreten zwei. DaS GeichästSguthaben der Ge- noffen beträgt 540 M., ebensallS die Hastsumme 540 M. Der Borftand. 2165b Krü g er. K o rn e tz k h. Wesl8�� Neutruhlutittt« Wtldgellnde D-RüievonJSMflrkDB ab Lehrter Bahnhof in 30 Min. DireLt am Bahnhof Seegefeld. ab GijarlotteDburg(Bahnhof*1% Jungternheidej In 20 Minuten FertlgeSommcrhAaiicheo too M. 300, 500. 700 aufwärts. Klfjonhclm© bereite 1*1. 6500 an. Auskunft auf dem Terrain: HanBaftlraBite. «/wmu Billigste und schönste Kolonie"brai.\c a B.n»tÄ.&rtÄ 85.-"«p K 35.- fÄöÄ-'HÄC Hlesclinlke& ititsche. Mar kurze Seit . � lelug« Vorrat» Pamen-Stieffel; j aobwan im. 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Im Name» der trauernde» Hinterbliebenen ftiedrick Hoffmeister, Gastwirt, Usedom,'iraste 4. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle der HimmeisahrtS-Gemeinde in Nordend aus statt. LOA SozialdemiM tfablm 4. Herl für den Gfirlltzer Viertel. Bezirk 206 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse friellriell Granwald Liegnitzer Str. 39, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 24. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deSZentralfriedhejes in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/11 Der Borstand. Deutscher Bauarbeiter-Verband Zwolgrvereln Berlin. Am 21. Juni starb unser Mit- glied, der Maurer Ludwig Ehrhardt (Bezirk Osten II.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle der Pfingstgemeinde in Weißensee, Lichtenberger Straße, aus statt. Am 21. Juni starb unser Mt. glied, der Maurer Heinrich Günther (Bezirk Süden.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Juni, nachm. 41/, Uhr, von der Leichenhalle des alten Thomas-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. - Um rege Beteiligung ersucht' 140/8 Der Vorstand. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Äikred Trettin am 19. d. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des St. SimeonS-KirchhoseS in Britz, Tempelhojer Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Gustav Dichter (Ueckermünder Sir. 5) am 20. d. Mts. an Bruchleiden. Die Beerdigung findet am Montag, den 24. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Gethsemane-Kirch- hos in Nieder-Schönhausen-Rord- end statt. 119/10 Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. SoziaidemokratisctierVatilTereiD des 6. Herl. Reiebstags- Wahlkreises. Am 21. Juni verstarb unser Genosse, der Schankwirt Karl Jäger Swinemünder Straße 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/11 Der Borstand. Verband der freien Last- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Karl Jäger Swinemünder Straße 20, Bezirk 2 nach langem schweren Leiden oer- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. Juni, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhoses, Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/13 Die OrtSverwaltung. Am 21. d. M. verschied nach langem schweren, mit großer Ge- duid getragenen Leiden mein lieber Mann, unser guter Bruder, Schwager und Onkel, der Gast« Wirt Karl Jäger im 55. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen Selma Inger geb. A p e I t. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. d. M.> nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Berlin, den 21. Juli 1912. Swinemünder Straße 20. MMu BauarbeiMaiid. Sektion der Patser. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, daß am 20. Juni unser Mitglied Dttn SchUnemann im Alter von 35 Jähren an Lungen- und Kehlkopsleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 0 Uhr, aus dem.Nieder- Schöneweider Kirchhos, hinter Alt-Glienicke, statt. Um recht rege Beteiligung bittet Die kirtliviie Verwaltung. Fahrgelegenheit ist bis Adlers- hos mit der Stadt- und Ring- Hahn sowie vom Görlitzer und Potsdamer Bahnhos. 140/7 SozialdeiiioiQ'at. VabM Spandau. Am Donnerstag, den 20. Juni, verstarb unser Genosse, der Ar- beiter Stanislaus Ferdynands (Pichelsdorser Str. 26.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 23. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Friedhofes, in den.Kifseln, aus statt. Zahlreich Beteiligung erwartete 292/17 Der Borstand. Zentral-Kranken- DDterstiitzuiigs- vereln der Sehinlede Zahlstelle Spandau. Am Donnerstag, den 20. Juni, verstarb unser Mitglied, der Ar- beiter Stanislaus Ferdynands Pichelsdorser Str. 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Friedhoses in den Kisseln aus statt. Um recht rege Beteiligung bittet 170/13 Die Ortsverwaltung. kialtaltfatisehJahM für Nlariendorf. Am 20. Juni verstarb nach kurzem Leiden unser Mitglied, die Genossin Frau /Vtertha Lakowitz im 33. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, niittags 1 Uhr, vom Trauerhause Königstr. 60 aus statt. Um rege Beteiligung bittet 202/7 Bee Vorstand. Am Freitag, den 21. Juni, verstarb nach langer, schwerer Krankheit unser lieber Kollege, der Schrtstsetzer Franz Dittmann im Alter von 31 Jahren. Sein aufrichtiges, kollegiales Wesen sichern ihm bei uns ein dauemdes Andenken. 2177b Die Kollegen der Buchdruckerei Gustav Sehenck Nachflg. P. M. Weber. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, des Schriftsetzers Lmil Jüngling sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Sängern für den erhebenden Gesang am Grabe des Enlschlasenen, sowie dem Sozial« demokratischen Wahlverein Weißensee, dem. Ortsverein der Buchdrucker zu Weißensee und dem Frauenverein meinen herzlichsten Dank. 19A Witwe Huld» Jüngling;. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten BaterS, des Gastwirts Jose! WltkowskJ, sagen wir allen Verwandten, Be- kannten und Freunden, insbesondere dem Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands(Orts- Verwaltung Neukölln), dem Wahlverein(8. Bezirk), dem Sänger- Quartett, dem Sparverein»Not- groschen', dem Rollschuhklub»Neu- kölln- und der Kolonie.Vergnügte Armut" unseren herzlichsten Dank. Frau Witkowski nebst Sohn. Verband der freien Gast- mid Schankwirte Deutsehlaniii Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedem zur Nachricht, daß der Kollege fiemricd Hoppe Chausseestr. 120, Bezirk 2, verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Man- tag, den 24. Jrmi, nachm. 4'/, Uhr, von der Halle des Philippus- Apostel-KirchhoseS aus auf dem städtischen Friedhofe, Müllerstraße, Ecke Seesttaße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/12 Die Ortsverwaltung. Verband der Gastvirtsgebiifen. Am 20. Juni verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kollege Hemrich Hoppe Chausseestraße 120. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Juni, nach- mittags i'U Uhr, von der Halle deS Philippus-Apoftel-Kirchhofes aus aus dem städtischen Friedhose, Müllerstraße, Ecke Seestraße, statt. Um rege Betelligung ersucht 31/11 Der Borftand. Nerbnud der Maler, Lackierer, Anstreicher vsV. Filiale Berlin. n e- 1 r k KW. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Max Oppat am 20. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 3'/, Uhr vom Kranken- hause Moabit aus nach dem Jo- hanniskirchhos in Plötzensee statt. 129/11 Die Ortsverwaltung. Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 5J5. Juni, abends S'/a Uhr: Zwei öffentliche politische Nersammlungen 1. In der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10: T--„pt äusiere iWitili.- Der Eiuberufer: Angnat Burkhard, Christinenstr. 13. 2, Im Stadttheater Moabit, Alt-Moabit 47/40: Tagesordnung: 1. Die Stellung der polnischen Fraktion im preußischen Abgeordnetenhause. Referent: Landtagsabgeordneter dullan Borchardt. 2. Diskussion. Wir ersuchen die Genofie«, ihre polnischen Kollegen«nd Bekannte« ans diese Ber, sammlung aufmerksam zu macheu. 229/15' Der Einberufer: I?aul Blntlng, Rostocker Str. 13. IQnderschntzkommission Am Mittwoch» den 30. Juni lOIS, abends S'/s Uhr: Oeffentliche rersammlimg/ in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21. Tagesordnung: i. Die Ltbkusverhültnisse als Schicksale der proletarischen Jugend. H. Barenthin. � 2. Diskussion.= 217/8* Die Einberuferin: Martha Demmning, Boxhagener Str. 29. Stoffe für elegante MaBanzDge, Paletots, Ulster etc., Mtr. 4.—, 6.—. 6.— M. Dämon- KostQmstoffe, Oamentuche -Neuheiten' Mtr. 2.—, 3.—, 4.— M., Loden f. Pelerinen Mtr. 1.50, 2.50 M. Schneidermeister, welche unsere StoSe tadellos verarbeiten, weisen wir noch. Arbeitslohn nebst Zutaten ca. 20 bis 30 M. Tuchlager Koch<£ Seeland G. m. b. H. CertrauiitEnstr. 20/21 vis-4-vi>der Petrikirche. IffestmnnsTraQemagaziiil Extra- Abteilang 1 1. Gesch.; Berlin W., Mahren-[ StraBe37a(2. Haus von der| Jerusalemer StraBe). III. Gesch.; Berlin NO., GroBe 1 Frankfurt. Str. 115(2. Haus| von der AndreasstraBe). 1 Sehrgr.Ausw. fert. 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FabrBi- Niederlage für Berlin und Vororte: Job. Scbmalor, Berlin M. 4, Tleckstraßc 11. Verantvortlicher Redakteur: vlbkrt Wachs, Berlin, gür de» Lnlergtenteil verantw.: Tb- Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer».Co, Berlin SW* 8,. iii 29.»M-. 4. Keilage des„Wmiirts" Kerlim Nolksblatt. Montag, den 24. lunl: frauen- Leseabend in Groß-Berlin. Partei- Angelegenheiten. Achtung, Taubstumme! Der Zahlabend der Taubstummensektion des Verbandes der Wahlvereine ist nach dem Lokal von O. Kall- mann, S ch i ck l e r st r. 12, verlegt. Der nächste Zahlabend wird daselbst am 1 0. I u l i abgehalten, die folgenden jeden zweiten Mittwoch im Monat. Die Mitglieder werden ersucht, hierauf zu achten. Da am nächsten Zahlabend Beschlutz über das Stiftungsfest gefatzt wird, wird vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet. Dritter Wahlkreis. Die Mitglieder werden auf das heute beim Genossen Fritz Wille stattfindende Gartenfest aufnierksam gemacht. BillettS für Mitglieder a 2l)Pf. sind bei den Bezirksführern und bei Felsmann, Ritterstr. 1, zu haben. Der Vorstand. Fünfter Kreis. Abt. Ib. DienStag, den 26. Juni, abends 8 Uhr, findet die Abteilungsversammlung im grotzen Saale.Zum Prälaten", Greifswalder Straße, Ecke Lehderstraße, statt. Der Abteilungsführer. Schöneberg. Am Dienstag, den 25. Juni, abends 8l/a Uhr, in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8: Wahlvereinsversamm» lung. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Die deutsche Arbeiter» bewegung. Referent: Genosse B u h l. 2. Stiftungsfest. S.Partei- fragen. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Steglitz. Am Dienstag, den 26. Juni, abends S'/g Uhr, bei Schellhase, Ahornstr. lös: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Jahresberichte des Vorstandes, deS BildungS» ausichusseS, der Lokal- und der Kinderschutzkommifsion. 2. Reu- Wahlen. Der Vorstand. Groß- Lichterfelde. DienStag, den 26. Juni, abends 3>/g Uhr: Generalversammlung deS Wahlvereins bei Fr. Wahrendorf, Bäke- stratze 7. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre; Neuwahl deS Gesamtvorstandes; Antrag: Einführung eines obligatorisch zu zahlenden Beitrages von 6 Pf. pro Monat für den BildungSausschutz. Mitgliedsbuch legitimiert. � Freitag, den 2 STJ uni: Volksversammlung bei Richter. Referent: Dr. Karl Liebknecht. Zehlendorf sWannseebahn). DienStag. den 26. d. M., abends S'/g Uhr: Außerordentliche Generalversammlung bei Benno Mickleh, Potsdamer Stratze. Tagesordnung: I.Jahresbericht deS Vorstandes und sämtlicher Funktionäre. 2. Neuwahl deS gesamten Vorstandes und der Funktionäre. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bibliothek bleibt der Inventur wegen bis zum 26. Juli ge- schlössen, die noch ausstehenden Bücher sind bis Ende diese» Monats abzuliefern. Der Vorstand. Lankwitz. Mittwoch, den 23. Juni, abends S'/g Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Schulz, Mühlenstr. 21. Tagesordnung: Vortrag, Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Köpenick. Der Frauen-Leseabend findet am Dienstagabend 8'/� Uhr im Sladttheater statt. Bortrag der Genossin Lola Haase: »Die Verwüstung der Volksgesundheit durch den Kapitalismus" Der Vorstand. Reinickendorf-Ost. DienStag. den 26. Juni, abends 8 Uhr. im Seebad, Residenzstr. 43: Generalversammlung. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre, Neuwahl derselben; Stellungnahme zur Generalversammlung des Kreises; Ausstellung eines Gemeinde- Vertreterkandidaten; Partei- und Vereinsangelegenheiten. Di« Bezirksleitung. NicderschSnhausen-Nordend. Umständehalber findet die General- Versammlung des Bezirkswahlvereins am Dienstag, den 2. Juli, abends S'A, Uhr, bei Manke, Charlottenstcatze 8, statt. Die Bezirksleitung. Tegel. Am DienStag, den 26. Juni, abends S'/g Uhr: General- Versammlung bei Klippenstein. Tagesordnung: 1. Borstandsbericht und Bericht der Kommissionen. 2. Kasienbericht. 8. Neuwahl de» Vorstandes. 4. Neuwahl der Kommissionen. 5. Verschiedenes.— M«»ritt nur gegen Vorzeigung deS Mitgliedsbuches. _ Die Bezirksleitung. Berliner JVadmchten* KönlgSwnsterhausen. Die Könige vertreiben sich die Regierungssorqen nicht mehr mit Tabakskollegien und ähnlichen Kumpaneien, wo- durch Schloß und Stadt. Königswusterhausen in der Geschichte. das heißt auch nur in der Hohenzollerngeschichte, einen ge- wissen Ruf und nicht gerade den besten erlangt hat. Es muß damals neben dem Negieren noch mehr Zeit als jetzt zum Ver- gnügen übrig gewesen sein, denn der Preußenkönig Friedrich Wilhelm soll in den Wusterhausener Forsten im Verlause eines einzigen Jahrzehnts 2000 Hasen, 2lKX> Fasanen, 3000 Wildschweine und 25 000 Rebhühner niedergeknallt haben. Heut. zutage amüsieren sich Könige auch noch auf solche Art, aber märkische Waldschlösser stehen ziemlich tief im königlichen Kurswerte, sind Zwerge für die höherfliegenden Pläne des Imperialismus. Längst ist das altpreußische Wusterhausener Jagdschloß aus den modernen Herrscheransprüchen herausge- wachsen. Auch wir interessieren uns bei einer Sonntags- Partie nach den Ufern der Dahme nicht für das verwunschene Schloß mit seinen Jagdkuriositäten, nehmen desto tiefer die Naturreize Wusterhausens mit seiner wasserreichen Umgebung in uns auf. Man hat es mit der Görlitzer Bahn sehr be- queni. Nach dreiviertel Stunden sind wir in dritter Klasse für 55 Pfennige angelangt. Wer mit der Stadtbahn fährt, muß in Johannisial oder Grünau umsteigen. Im Sommer gehen auch zahlreiche Dampfer hin. doch ist auf dem Wasser- wege das Fahrgeld noch recht teuer. Der Marktflecken selbst mit seinen 4000 Einwohnern liegt an dem Flüßchen Notte und zeigt kein besonderes Gepräge. Wir gehen gleich nach dem Tiergarten hinüber bis zur Schleuse und sehen die idyllische Neue Mühle vor uns liegen, ursprünglich ein großes Mühl- gut das seit Jahrzehnten an zahlreiche Einzelbesitzer aufge- teilt ist. Hier herscht reges Leben. Dampfer. Ruder- und Segelboote warten auf Durchschleusung. So interessant die Beobachtung des Wasserverkehrs ist. bleiben wir aber doch nicht allzulange in den dortigen schattigen Durststlllstatlonen, wandern auf der Wusterhausener Wasserseite weiter durch den Tiergarten mit seinen reichen, alten Baumbeständen bis zur Husarenecke, einer vorgestreckten Landzunge, von der sich Herr- liche Aussicht bietet. Um die Husarenbucht herum, in der em polizeireines Freibad etabliert ist, sind wir nach einer guten Viertelstunde im Dorfe Senzig, dessen drei großartige Linden am Dorfplatz auf ein. fast tausendjähriges Alter geschätzt werden. Hier ist Ueberfährtsgelegenheit über den von dichten Wäldern umkränzten Krüpel-See nach Zernsdorf, von wo aus die Tour am andern Dahmeufer nach Neue Muhle und Wusterhausen zurück angetreten wird. Wer frzsch ist. kann unweit des Bahnhofes einen Abstecher machen nach dem Krebs- see und der Fasanerie oder auf den Wusterhausener Berg klettern, der bei klarem Wetter den Ausblick über den ganzen Süden ld-� Teltower Kreises bis nach Mittenwalde gestattet. Diese Partie erfordert auch für weniger rüstige Fußgänger nicht viel Anstrengung, und man hat doch einen prächtigen Naturgenuß, der noch dadurch erhöht wird, daß selbst an schönsten Sonntagen kein beängstigendes Menschengedränge herrscht._ � Berliner Lehrcrverein. In seiner letzten Versammlung nahm der Berliner Lehrer- verein zu der kürzlich erfolgten Wahl eines Lehrers in die städtische Schuldeputation Stellung und faßte e i n st i m m i g folgende Eni- schließung: „Der Berliner Lehrerverein hält eS für gerecht und zweck- mäßig, daß bei der Wahl von Lehrern in die Schuldeputation solche Männer berücksichtigt werden, die der Gesamtheit der Lehrerschaft Berlins bekannt und von ihr als Vertrauenspersonen anerkannt sind. Er bedauert, daß die Mehrheit der WaHlberech- tigten sich nicht dazu verstanden hat, einen vom Berliner Lehrer- verein bezeichneten Vertreter der Lehrerschaft in die Schul» deputation zu wählen." Der Vorsitzende des Deutschen Lehrervereins, Lehrer G. Röhl-Berlin, gab einen Bericht über den Deut. schen Lehrerverein während der Geschäfts- Periode1g13bis1g12. Danach ist der Deutsche Lehrerverein in der Berichtszeit trotz des Abgangs der im Neuen Preußischen Lchrerverein organisierten Lehrer von 119 000 auf 124 000 Mit- glicder angewachsen. Als letztes Glied hat sich der Verein deutscher AuSIandSlehrer dem Deutschen Lehrervcrein angeschlossen. Der Slabtverordnetenausschuß zur Btzrberatnng der Magi- stratSvorlage über den Um- und Erweiterungsbau der Maschinen- anlage auf der Pumpstation IV(Scharnhorststratze) der Berliner Kanalisationswerke und die Aenderung des RadialshstemS XI trat gestern früh unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Dr. Paul zu- sammen. Nach sehr eingehender Beratung, an der auch der Direktor der Kanalisationswerke, Baurat Meier, sich beteiligte, wurde die Vorlage abgelehnt. Der Magistrat soll ersucht werdcn, eine neue Vorlage zu machen und untersuchen, ob nicht elektrische Anlagen rationeller sind. Vorgesehen waren ursprünglich neue Dampf- Maschinen. Ueber die AuSschußsitzung soll schon in der nächsten Stadtvcrordnctensitzung berichtet werdcn. Die Verfrommung von Strafgefangenen wird in Preußen auch als ein Erziehungsmittel angesehen. Hin und wieder mag ja mal der eine oder der andere in seinem Innersten weich werden und sich bewegt an bessere Tage erinnern, aber im allgemeinen erreicht der Zwang der Beteiligung am Gottesdienst, dieses Herden- weise Kommandicrtwerden, genau wie beim Militär, so gut wie nichts. Viele wissen nur zu wohl, daß es unsere göttliche Weltort»- nung ist, die sie in diese Janimerlage gebracht hat. Nun hat man nach dem Bericht konservativer Blätter in der Strafanstalt Plötzen- see an den Sonntagnachmittagen auch noch Gesangstunden einge- führt, die in der Anstaltskirche stattfinden. Wenn sich, wie es heißt. viele Strafgefangene an dem Choralplärren beteiligen, so tun sie eS sicher nur. um die Langeweile der Sonntagsstunden zu töten. Das schöne Volkslied„Freiheit, die ich meine, die mein Herz er- füllt" wird wahrscheinlich nicht einstudiert werden. Waldreinigung durch Schulkinder hat der Verein der Vororte Berlins in Vorschlag gebracht. Bekanntlich wird seit dem vorigen Jahre die Waldreinigung von Stüllenpapieren, Eierschalen, Flaschenscherben und dergleichen zum Teil durch Insassen der Ber. liner Arbeiterkolonie ausgeführt, aber abgesehen von dem Mangel an Geldmitteln hierfür reicht auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Mannschaften nicht aus. Gegen die beabsichtigte Ver- Wendung von Schulkindern wird man selbst im Falle angemessener Bezahlung schon aus prinzipiellen Gründen sich mit aller Ent- schiedenheit zu wenden haben, besonders wenn der Versuch gemacht werden sollte, seitens der Schule die Schulkinder zu animieren. Dazu haben die Lehrer nicht da» mindeste Recht, im Gegenteil würden sie und andere Personen mit solcher Einmischung ungesetz- lich handeln. Geradezu lächerlich ist eS, wenn der Verein der Vororte sich von der Waldreinigung durch Kinder unter Aufsicht von Lehrern einen erzieherischen Erfolg verspricht. Das ist denn doch ein bißchen sehr weit hergeholt. Jedes halbwegs geweckte Kind wird eS auch überaus demütigend empfinden, daß es, während besser situierte Kinder im Walde nach Herzenslust herumwllen, hier gezwungen sein soll, den Unrat aufzusammeln. Selbst Lehrer- kreise, denen dabei recht weniA Selbstgefühl zugetraut wird, wen- den sich bereits mit aller Schärfe gegen diesen Plan des Vereins der Vororte, der für das, was unseren.Kindern nottut, verteufelt wenig Verständnis zu haben scheint. Das fehlte auch noch gerade: der Fiskus will für verhältnismäßig geringe Waldkomplexe Hun- derte von Millionen einsacken, und die Kinder des Volkes sind gut genug, diese fiskalischen Wälder vom Dreck zu befreien! Grundstücksaufteilungen und Erwerbungen. Eine neue Straße von 20 Metern Breite soll nach einem Be- schluß deS Magistrats und einem Uebereinkommcn mit der Allge- meinen Bodengesellschaft zwischen der Landsberger Allee. Straße 61. Thaerstraße und Ringbahn angelegt werden. Der Danziger Platz soll aufgehoben, d. h. im Bebauungsplan kassiert werden, dafür sollen für die umliegenden Straßen neue Baufluchtlinien festgesetzt werden.—. Die Brücke über die Ringbahn am Bahnhof Schön- hauser Allee im Zuge dieser Straße soll nach einem Beschluß des Magistrats verbreitert werden. Das Grundstück Neue Königstr. 51 und Georgenkirchplatz 29 hat der Magistrat vorbehaltlich der Zu- stimmung der Stadtverordnetenversammlung zur Verbreiterung der Neuen Königstraße angekauft. Der Berliner Magistrat hat die Enteignung der Grundstücke Leipziger Straße 68/69 sowie Bcuthstr. 14, 15 und 16 wegen der Verlängerung der Lindenstraße nach dem Spittelmarkt beschlossen. Die Verhandlungen über den freihändigen Erwerb sind an den Forderungen der Eigentümer gescheitert. Für das Grundstück Leip- ziger Str. 68 mit einem Gcmeinwert von 906 000 M. sind 2 975 000 Mark verlangt, für Nr. 69 mit einem Gemeinwert von etwa 910000 Mark rund 1,9 Millionen Mark, für Beuthstr. 14 mit einem Ge- meinwert von 610 000 M. rund 800 000 M. und für Nr. 15 mit einem Gemeinwert von 463000 M. rund 925 000 M. Nicht auf den Stratzenbahngleisen fahren! Der Polizeipräsident erläßt folgende Bekanntmachung: „Die berechtigten Klagen über die rücksichtslose Art und Weife, in der vielfach Straßengefährte aller Art durch unbegründet lange? Verweilen auf den Straßenbahnschienen und durch Nicht beachten der gegebenen Warnungszeichen sowie durch unvorsichtiges und zu schnelles Fahren an den Straßenbahnhaltestellen den öffentlichen Verkehr beeinträchtigen und gefährden, geben mir erneut Vcran- lassung, folgendes zur öffentlichen Kenntnis zu bringen: Nach ß 3 der Polizcioerordnung vom 8. Dezember 1903 betreffend die mit Maschinen betriebenen Straßenbahnen, haben beim Ertönen der WarnungSzeiche» der Straßenbahnwagenführer auf der Fahr- bahn befindliche Fußgänger, Reiter, Radfahrer und die Führer von Wagen und Vieh sofort die Fahrbahn für den Bahnbetrieb freizugeben. Nach Z 4 derselben Verordnung haben, wenn an den Haltestellen Straßenbahnwagen halten, der Haltestelle sich nähernde Reiter, Radfahrer und Fuhrwerke ihre Geschwindigkeit zu mäßigen und so weit Raum zu geben, daß die Fahrgäste beim Ein. und Aus- steigen nicht gefährdet werden. Entwickelt sich an den Haltestellen ein lebhafterer Verkehr zu- und absteigender Personen, so kommt außerdem noch tz 54 Nr. 3 der Berliner Straßenordnung vom 31. Dezember 1899 zur Anwendung, der den Fuhrwerken das Schrittfahren vorschreibt. Die Straßenaufsichtsbeamten sind an- gewiesen, die Befolgung der vorstehend erwähnten Bestimmungen streng zu kontrollieren. Im Interesse der Sicherheit des Straßen- Verkehrs wird das Publikum ersucht, die Beamten hierin zu unter- stützen."_ Am Spreetunnel ist gestern die erste Mammuthpumpe in TL« tigkeit getreten. Im vorderen Bauabschnitt war infolgedessen der Wasserspiegel am späten Nachmittag schon um mehr als 1 Meter gesunken. Eine starke Arbeiterkolonne ist damit beschäftigt, die Bresche, welche die Strömung Ende März in das Kopfenoe deS östlichen Fangdammes gelegt hatte, mit Sandmassen auszufüllen. Die neuen Rohrbrunen, welche an dieser Stelle gebohrt werden. dürften schon Anfang nächster Woche in Tätigkeit gesetzt werden; danach wird man an die völlige Trockenlegung dieses Teiles der Baugrube herantreten können. Wieder ein Todessturz eines Bviatikers. Abgestürzt ist bei einem Fluge in Döberitz Leutnant V. Falkenhayn. F., der seit Anfang Juni in Döberitz weilte, wölbte mit dem lOOpferdigen Aviatik-Eindecker einen Aufstieg machen. Die Wetter- läge war nicht allzu günstig, und sowohl vor dem Sturz als auch im Augenblick des Unfalles befanden sich mehrere Flugzeuge in der Luft, die, wie ihre Führer berichteten, nicht auf allzu starke Böen gestoßen waren. Wie von mehreren Augenzeugen beobachtet wurde, wollte Leutnant v. F. in ungefähr 80 Meter Höhe eine Kurve be- schreiben, wobei der Eindecker sich so stark überlegte, daß man all- gemein fürchtete, die Maschine werde seitlich abrutschen. Der Flieger merkte die Gefahr auch selbst und wollte ihr dadurch vor- beugen, daß er mit dem Höhensteuer parierte. Er gab dem Motor Vollgas und riß den Eindecker sehr heftig nach oben. Gleich darauf aber drückte er die Maschine wieder nach unten, so daß daS Flug. zeug in einen jähen Gleitflug nach unten schoß. Bei seinem Sturz trug der Fliegerofsizier einen mehrfachen Bruch der Wirbelsäule, Beinbrüche uno so schwere innere Verletzungen davon, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein Matcrialfehler, ein Versagen der Steuerung oder ein anderer Schaden an der Maschine liegt nicht vor. Kameraden deS V-erftorbenen trafen gestern in Döberitz ein, um die nötigen Schritte zur Beisetzung Leutnant von- FalkenhahnS zu tun._ Der Gattcnmörder Julius Zinke ist, nachdem er gestern geheilt aus dem Krankenhause entlassen worden ist. in Begleitung zweier Berliner Kriminalbeamten von Leipzig nach Berlin transportiert worden. Im Luft- und Sonnenbad erschossen hat sich in der vergange- nen Nacht am Dammweg in Treptow ein Mann von etwa 50 Iah« ren, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. AIS man ihn gestern morgen um 5 Uhr an einer entlegenen Stelle auf- fand, war er schon tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Bei ihr" fand man ein Notizbuch mit dem Namen Karl Drieler, Dresdener Straße 124. Ein Mann dieses Namens ist den jetzigen Bewohner«" des Hauses nicht bekannt, und gemeldet ist er auch früher nicht qu Wesen. Ein schauriger Fund wurde gestern in der Reinickendorfer Stratze gemacht. In dem Hause Reinickendorfer Str. 88 stieß ein Bewohner beim Passieren der Treppe auf einen in Zeitungspapier eingehüllten Gegenstand. Als er ihn emporhob, gewahrte er zu seinem Entsetzen die Leiche eines Kindes darin. Ob hier ein Kin- dcsmord vorliegt, wird erst die seitens der Behörde angeordnete Obduktion der Leiche ergeben. Seinen Verletzungen erlegen ist der 23 Jahre alte Kranführer Wilhelm Zurhose aus der Bcrnauer Stratze, der am Mittwoch im Betrieb der A. E. G. in der Brunnenstraße schwer verunglückte. Eine Stichflamme, die durch Kurzschluß in der Hochspannungs- leitung entstand, setzte seine Kleider in Brand, und der Unglückliche zog sich, bevor man ihm Hilfe bringen konnte, so schwere Brand- wunden zu, daß er in hoffnungslosem Zustande nach dem Lazarus- krankenhause gebracht weroen mußte. Dort ist er gestern gestorben. Ein gewerbsmäßiger Droschkenpreller wurde gestern von der Neuköllner Kriminalpolizei unschäldich gemacht. Ein 40 Jahre alter Bierbrauer Friedrich Gallin, oer sich ohne Wohnung luuhertreibt, scheint die unwiderstehliche Neigung zu haben, auf Kosten anderer den ganzen Tag spazieren zu fahren. Mancher Kutscher verzichtete darauf, ihn zur Rechenschaft ziehen zu lassen, weil doch nichts- von ihm zu holen ist. Ein Kraftwagensührer aber, mit dem er unter den verschiedensten Vorspiegelungen durch ganz Groß-Werlin ge- fahren war, ließ ihn eines Tages festnehmen, als er gelegenrnch erfuhr, daß sein Fahrgast lein Geld bei sich hatte. Gallin wurde nach sechswöchiger Untersuchungshast vor Gericht gestellt, aber frei- gesprochen. Er sagte in der Verhandlung, der Wagenführer hätte be timmt sein Geld bekommen, wenn er ihn nicht hätte verhaste« lassen. Denn er hätte ihn noch nach einem Hause fahren sollen� wo er. Gallin, sicher Geld bekommen hätte. Diese Behauptung konnte nicht widerlegt werden, und deshalb wurde Gallin nicht bestraft. Kaum auS dem Untersuchungsgefängnis entlassen,»ahm er seine Spazierfahrten wieder auf. Dev Droschkenkutscher Gaedtke aus der Bouch�straße, den er gestern am Gvrlitzer Bahnhof an- nahm, war so vorsichtig, ihn zu fragen, ob er auch Geld für die Fahrt besitze. Erst nachdem er dieses bestimmt versichert hatte, fuhr Gaedtke mit ihm los. AIS die Rechnung auf 8 M. angelaufen ivar. verlangte der Kutscher endlich Bezahlung. Jetzt aber ergab sich. daß der sonderbare Fahrgast keinen Pfennig besgß. Diesmal wird der Prellcr wohl nicht wieder freikommen. Feuer auf einem Holzplatz. Durch mehrfachen Alarm wurden gestern abend kurz nach 9 Uhr vier Löschzüge der Berliner Feuer- wehr nach der Graefestraße 71 im Süden Berlins gerufen, wo auf einem Holzplatz ein größerer Brand ausgebrochen war. Bei Ankunft der Wehr schlugen swckwerkhohe Flammen empor und dunkle Rauchwolken verfinsterten das Terrain. Nach halbstündiger Löschtätigkeit war der Brand erstickt. Ein Sonnciifleck, der einen starken Kern und größeren Halb- schatten zeigt, ist gestern von Dr. Archenhold mit dem großen Fern- rohr auf der Treptow-Sternwarte beobachtet und photograpbiert worden. Dieser Fleck hat eine solche Ausdehnung, daß unsere Erde zweimal hineingelegt werden könnte, er hat sich plötzlich auf der Mitte der Sonnenscheibe gebildet und wird voraussilbtlich noch etwa 6 Tage sichtbar bleiben. Es wird daher die Treptow-Sternwarte ausnahmsweise in dieser Woche statt um 2 Uhr nachmittags schon um 10 Uhr morgens für die Beobachtung der Sonne geöffnet sein. DaS Phariisbuch von Berlin, der unentbehrliche Wegweiser der Berliner Geschäftsmänner und der Fremden, ist soeben in der 16. Auflage erschienen. Das Buch, welches etwa 850 Seiten um- faßt, ist einer gründlichen Revision unterzogen worden. Es ent- hält in dem Hauptteile das Stratzenverzeichnis von Berlin und den Vorortgemeinden mit Verkehrsverbindungen, GerichtSzustän- digkeit, Behörden usw. Die größeren Straßen haben ihren eigenen Straßenplan mit Hausnummeranqabe. Zahlreiche Abbildungen illustrieren die Sehenswürdigkeiten. Ewi Theater- und Sportanhang repräsentiert das unterhaltende Berlin. Planbeigaben: ein vielfarbiger Pharusplan von Berlin, Zoologischer Garten, Theater, Platzpläne, farbige Straßentafeln. Im ersten Teil sind die Verkehrs- mittel, Straßenbahnen, Omnibuslinien ausführlich behandelt, ebenso die Tarife für Porto, Droschken usw. Das Buch ist in den sämtlichen Buchhandlungen sowie im PharuSverlag, Berlin EW. 68, Lindenstraße 3, erhältlich. Preis 7ö Pf. Vorort- j�admdttev. Lichtenberg. Der Polizeikampf gegen alle», was mit der Sozialdemokratie in Verbindung gebracht werden kann, treibt in Lichtenberg ganz sonder» bare Blüten. Der sozialdemokratische Wahlverein feiert heute im Lokale von Mente in der Röderstratze sein Sommerfest. Plakate, die auf dieses Fest hinweisen, mutzten auf Betreiben der Polizei aus den Schaufenster» und Läden der Geschäftsleute entfernt werden. Mehr als 200 Geschäftsleute suchten persönlich die Erlaubnis zum Aus- hängen der Plakate nach, jedoch vergeblich. Dagegen bleiben die Plakate der bürgerlichen Bereine unbeanstandet. Nun hat der Lichten» berger Polizeipräfident auch die beabsichtigte Dekoration des Festlokais durch Schreiben an den Gartenbesitzer verboten. Auf eingelegte Beschwerde des Wirtes ist im letzten Augenblick die Deko» ration des Gartens zugelassen worden, allerdings unter der Be- dingung, daß ja Passanten der Stratze die Dekoration nicht zu Gesicht bekommen. Das ganze Gebaren des Lichtenberger Polizeipräsidenten lätzt darauf schlietzen, dah er einen guten Anteil an der Aufrüttelung der noch politisch Lässigen nehmen möchte. DaS wird ihm auch gelingen. An dem Massenbesuch deS heutigen Festes soll er die erste Genugtuung haben. Eharlottenburg. Unentgeltlicher Nachhilfeunterricht wird für die Kinder auS den Gemeindeschulklassen I bis VI, die durch den Aufenthalt in einer Ferienkolonie den Schulunterricht versäumt haben, erteilt werden. Der Nachhilfeunterricht findet in Rechnen und Deutsch während der Sommerferien vom 9. Juli bis 3. August d. I. am Dienstag. Donnerstag und Sonnabend von 8— 11 Uhr in der Ge- memdeschul« XVI(Spreestr. 29) statt. Die Eltern werden ersucht. von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen. Meldungen der Kin- der am Dienstag, 9. Juli, morgens von TU Uhr in der Gemeinde- schule XVI(Spreestr. 29). Die Freie Turnrrschaft Charlottenburg veranstaltet am Sonn- tag, den 30. Juni, nachmittags 2— 6 Uhr, auf dem städtischen Spiel- platz Westend, mit mehreren Arbeiter-Turnvereinen Grotz-BerlinS volkstümliche Wettspiele. Zum Besuch dieser Veranstaltung ist die Arbeiterschaft eingeladen. Treptow-Baumschulentveg. Unter unseren Sirchturmpolitikern grassiert gegenwärtig wieder einmal die Sucht auf Namensänderungen. Die alten Strotzen- bezeichnungen find den Herren vom Hausbesitzer- und vom(konser- vativen) Kommunalverein nicht mehr gut genug. Diese Verein« haben beschlossen, beim Gemeindevorstand die Umbenennung einiger Stratzen zu beantragen. Dabei will es die Ironie des Schicksal», daß gerade der holprigste und unschönste Teil der Krefholzstratze zwischen Ringbahn und der Rixdorfer Anschlutzstrecke„Kaiser-Wilhelm-Damm" Heifeen soll, weil Wilhelm II. einmal eine dort befindliche GlaSmosaiksabrik besucht at. Der innere Teil der Kiefholzstratze soll.Görlitzer Allee', der utzere.Königsheide' benannt werden, die Baumschulenstratze zur grötzeren Hälfte»Wald-Allee' und ähnlich will man mit anderen bekannten Stratzen verfahren. Entgegen der m anderen Orten «"-erstrebten Gleichbenennung durchlaufender Stratzenzüge will man diesen hier bereits mehrfach vorhandenen Borzug aufgeben, weil vielleicht einige Bodenspekulanten glauben, aus.Dämmen' und„Alleen' mehr Geld herausschlagen zu können als aus den simplen„Stratzen'. Auch die Ortsteile sollen daran glauben und„Treptow-Ringbahn',.-Park' und.-Wald'(Baum- schulenweg) heitzen, während der Fortschrittliche Berein statt dessen jetzt.Treptow-Nord'.,-Mitte' und.-Süd' beantragt. Wenn schon einmal geändert werden mützte, wäre das letztere wohl zweifellos praktischer, doch sind diese Ortsbezeichnungen erst vor kurzem von der Bahnverwaltung abgelehnt worden. Ein Bedürfnis aber zur Aenderung bekannter Stratzenbezeichnungen liegt nicht vor. tvber-Schöneweide. AuS der Gemeindevertretung, von dem Gemeindevorsteher wurde zunächst mitgeteilt, datz das Rechnungsjahr 1911 einen voraussichtlichen Ueberfchutz von 34 000 M. ausweisen wird. Die Beschickung der Landgemeindetagungen gab unseren Genossen Anlatz . zu fordern, datz im Gegensatz zu der bisherigen Uebung auch auS den Reihen der Vertreter Delegierte zu entnehmen seien. Gewisse Vorgänge bei der Vergebung von SchulrenovationSarbeiten werden unseren Vertretern Anlatz sein, aufs neue den Antrag einzubringen, datz Ge- meindcverordnele mit Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde nicht betraut werden dürfen. Die Beschlutzfassung über die Gültigkeit der Wahl des Baron von der Popp als Vertreter der ersten Klasse führte zu einer ausgedehnten Debatte. ES lag ein Einspruch gegen die Wahl vor, der sich gegen die ungesetzliche Bildung des Wahlvorstandes richtete. Von unseren Genossen Muth und Grunow wurde ausgeführt, datz nach der Rechtsprechung die ordnungsmäßige Bildung des Wahlvorstandes ein wesentliches Erfordernis für die Gültigkeit der Wahlen sei: wenn hier die Vertreher der zwei Wähler der ersten Klasie als Beisitzer fungierten, fei dies ungesetzlich. Mit neun gegen acht Stimmen wurde die Wahl schließlich für ungültig erklärt. Bei der Verpachtung der neuen Gemeindebadeanstalt rügte Genosse Muth die Unterlassung einer öffentlichen Aus- fchreibung f unsere VeNreter stimmten aus diesem Grunde auch gegen die vorgeschlagene Verpachtung. Da eine vollständige Besetzung der Vertretung noch nicht perfekt ist, wurde beschlossen, die einzelnen Kommissionen in der jetzigen Besetzung bis zum 1. Oktober bestehen zu lassen. Eine eingegangene Petition betreffs Errichtung einer zweiten Badeanstalt im Ortsteil Ostend gab den Anlatz zu einer heftigen Geschäfts- ordnungsdebatte, in der es zu einem bemerkenswerten Zusammenstotz zwischen dem Gemeindevorsteher und dem Direktor PeierlS kam, welcher sich eine Abfertigung, wie sie der Gemeindevorsteher beliebe, ener- gisch verbat. Von allen Rednern wurde die Ausfassung des Vorstehers verurteilt, datz es ihm überlassen bleibe, eine an die Gemeinde- Vertretung gerichtete Petition zur Kenntnis und Verhandlung zu bringen oder nicht; stehe er auf dem Standpunkt, datz Fernstehende keine Anträge an die Vertretung stellen können, so müsse er auch die Peteuten benachrichtigen. Jedenfalls sei eine an die Vertretung ge- richtete Sache dieser zur Kenntnis zu bringen, anstatt sie in den Papierkorb wandern zu lassen. Zur Sache wurde beschlossen, diese Angelegenheit sowie das von unseren Vertretern angeregte Projekt einer V 0 l k s b a d e a n st a l t mit Schwimmbassin der Baukommisfion zu überweisen. Ein DrinalichkeitSantrag de» Genossen Grunow verlangt von der Gemeindeverwaltung auS Anlatz des in der F eri e n l 0 l 0 n i e K 0 l b e r g vorgekommenen Todesfalles eine gewisienhaste Fest- ftellung über die in den Ferienkolonien vorhandene ärztliche Be- aufsichtigung der Kinder. Es bedurste erst verschiedener lebhafter Auseinandersetzungen zwischen den Genossen Grunow und Muth und dem Gemeindevorsteher, um letzterem begreiflich zu machen, was mit dem Antrage bezweckt sei. Heiterkeit verursachte die zu dieser Angelegenheit gemachte weise Feststellung des Herrn Feldmann, datz ja öfter Kinder sterben und wie eS möglich fei, deswegen die Gemeindebehörde in Bewegung zu setzen. Es entsteht die Frage, ob Herr Feldmann sich nicht mehr dafür interessieren würde, wenn eS sein Kind betroffen hätte. Schlietzlich wurde der Antrag an« genommen. Ja der Ferienkolonie verstorben ist die zwölfjährige Tochter der Dretzlersrhen Eheleute, die auf Kosten der Gemeinde nach der Ferienkolonie in Kolberg zur Erholung geschickt war. Von den Eltern wirp es als höchst befremdlich empfunden, daß ihnen bis jetzt, acht Tage nach dem Tode und der inzwischen hier erfolgten Beerdigung, von der Anstaltsleitung noch keine genügende Auf- klärung über die Ursachen des Todes geworden ist. Die Anstalts- leitung hatte zunächst die telegraphische Einwilligung zur Operation eingeholt, sodann wurde mitgeteilt, daß eine Blinddarmoperation ausgeführt sei; am anderen Tage rraf ein Telegramm ein. welches den Tod des Kindes anzeigte. Die Eltern haben natürlich den Wunsch, daß ihnen über die näheren Umstände Mitteilung gemacht wird, die zu dem so schnellen Tode ihrer Tochter geführt haben. Hoffentlich holt die hiesige Gemeindebehörde eingehendere Jnfvr- mationen über diesen Fall ein. Hierzu ist sie schon deshalb ge- nötigt, weil jährlich zirka 60 Kinder von der Gemeinde nach den Ferienkolomen geschickt werden. Mariendorf. In der letzten Gemeindevertreterfitzung erstattete Genosse Reichert zunächst ausführlich Bericht über die Tagung der grötzeren Land« gemeinden in Beuthen. Der zu jener Tagung gleichfalls delegierte Gemeindevorsteher ergänzte die Ausführungen unseres Redners und schloß sich im wesentlichen seinen kritischen Darlegungen an. Das Gehalt eines Aktenhefter» wurde hieraus Gegenstand einer äußerst lebhaften und heftigen Debatte. Der Gemeindevorsteher will für diesen Posten einen gelernten Buchbinder einstellen, der neben seiner Tätigkeit auch gelegentlich als schreibgewandter Mensch leichtere Schreibarbeiten verrichten soll. Das Gehalt soll täglich— 4,25 M. betragen. Genosse Weber wandte sich entschieden gegen diesen Lohn- say und betonte, datz die gewerkschaftliche Organisation der Buch- binder nach Tarifverträgen die Löhne regele. Einen gelernten Buch- binder mit schöner Handschrist, der vielleicht gar verheiratet ist, könne man nicht mit 4,26 M. entlohnen. Nun trat der liberale, mit einem Stich inS Demokratische gefärbte Herr Sauer auf den Plan. Nachdem sich der Herr dreimal in der allergröbsten Weise wider- sprachen hatte, meinte er, datz die Gemeinde so billig wie möglich Arbeitskräfte suchen müsie, für den Posten eines AktenhefterS seien 4,26 M. allermeist genug. Selbstverständlich blieben unsere Genosien die Antwort nicht schuldig. Auf die Frage unserer Genosien. ob er, Herr Sauer, als Kaufmann nicht seme Ware so teuer wie möglich verkaufe, antwortete der Herr mit einem lauten AeS I worauf unser Redner betonte, datz der Arbeiter, der als einzige Ware seine Arbeits- kraft auf den Markt bringe, diese gleichfalls so teuer wie möglich kaufen mützte. Der Endeffekt der Debatte war, daß der Gemeinde- Vorsteher rund und nett erklärte, datz der Mann bereits da sei, er wollte nur für denselben die Mittel besonder» bewilligt haben. Die bürgerlichen Herren schwiegen. Schlietzlich versprach der Gemeinde- Vorsteher, in wohlwollender Erwägung die Regelung des Lohnes baldigst vorzunehmen.— Wenn der Herr Gemeindevorsteher einmal wohlwollend erwägt, so mag er gleich mit des Parkwächters in der Kaiserstratz« gedenken, der bei einer Arbeitszeit von morgen» S Uhr bis abends 9 Uhr täglich 2,76 M. bekommt. Adlershof. Die Enttvickelung in den deutschen Gewerkschaften lautete das Thema, über welches Genosse K. Wicke in der letzten Kartellsitzung referierte. Die vorzüglichen Ausführungen, bei welchen der Redner scharf mit den christlichen und gelben Verbänden abrechnete, fanden allgemeine Zustimmung. Bei Erörterung der geschäftlichen An- gelegenheiten gab der Obmann bekannt, daß sich der Verband der Maschinisten und Heizer mit 66 Mitgliedern der Unterkommisfion an- geschlossen hat. Die Delegierten deS Verbandes der Barbiere er- suchen nur die Geschäft« aufzusuchen, welche die letzten Forderungen anerkannt haben und in der Liste bekannt gegeben find. Die Wahlen zum KaufmannSgericht finden noch in diesem Jahre statt. Vom BildungSouSschutz ist für Mitte Oktober ein Lichtbildervortrag' von vier Abenden vorgesehen mit dem Thema:„Technische Wände- rungen durch die deutsche Großindustrie.' Am 7. Juli findet daS Gewerkschaftsfest statt. Nicht anwesend waren die Delegierten der Kaufleute und Schmiede. Wannsee. In der Generalversammlung des WahlvcreinS wurde als 1. Vorsitzender der Genosse H irche, als Schriftführer der Genosse Karl Schulze wiedergewählt. Neu gewählt wurde als Kassierer der Genosse Albert Anders. Alle anderen Funktionäre wurden wiedergewählt. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu erwähnen. datz im Berichtsjahre 16 Mitglieder neu aufgenommen wurden. „Vorwärts'leser sind 36. Leser der„Brandenburger Zeitung' 17 am Orte. Die Agitation ist eine äußerst schwierige, da von den wenigen Arbeitern am Orte die meisten sich wch in abhängiger Stellung befinden. Trotz alledem ist ein zwar langsamer aber doch steter Fortschritt zu verzeichnen. W ittenau-Borsigwalde. In der letzten Gemeindevertreterfitzung gab der Vorsteher be- kannt, daß der neue Schulhausbau für Borsigwalde bald vergeben werden könne. Neben den bis jetzt in Privathäusern gemieteten Schulräumen.müssen bis zum Oktober jedenfalls noch zwei weitere Klassen gemietet werden. Das beweist, wie recht unsere Vertreter hatten, wenn sie von Zeit zu Zeit auf die dringende Notwendigkeit des Schulbaucs hinwiesen. Zur Befestigung dxs Hofes und deS BürgersteigcS beim Feuerwehrdepot wurden 4800 M. bewilligt. Die neue Baugebührenordnung wurde vertagt, und der Entwurf einer Kommission zur nochmaligen Beratung überwiesen. Derselben ge- hört auch Genösse Liebelt an. Einstimmig angenommen wurde so- dann ein neues Ortsstatut über Einschränkung der Sonntagsarbeit in offenen Verkaufsstellen. Genosse Trapp forderte vollständige Sonntagsruhe. Sodann wurde die Zustimmung erteilt zur Er- richtung einer neuen Lehrer- und Lehrerinnenstelle für Borsig- walde. Der Bewerber muß das Rettorats-Examen bestanden haben, weil derselbe als Rektor für die neue Schule in Aussicht genommen ist. Die neue Lehrerin soll im Turnunterricht bewan- dert sein. Der Schulvorstand hat beschlossen, datz der Turnunter- richt jetzt auch im Winter gepflegt werden soll, und zwar mangels einer Turnhalle vorläufig im Gesellschastshaus und in den Borsig- walder Festsälen. Alsdann teilte der Gemeindevorsteher mit. datz von der Stadt Berlin trotz öfterer Ermahnung bisher keine Anstal- ten getroffen sind, um den seit Jahren bestehenden skandalösen Zu- stand der durch Brand verunstalteten Stallgebäude der Irrenanstalt in der Charlottenburger Straße zu beseitigen. Da die ganze An- läge der Stallgebäude, der Abfluß der Jauche usw. direkt gesund- heitsgefährlich ist, wurde dem Gemeindevorsteher anheimgegeben, etwas energischer gegen die Stadt Berlin vorzugehen. Alsdann schilderte Genosse Liebelt die Erregung, die unter der Einwohner- schaft aus Anlaß der Gaspreiserhöhuna entstanden ist. Er vertrat die Auffassung, daß Gemeindebetricbe nicht nur zur Erzielung von Ueberschüssen da sind, sondern vornehmlich dem Wohle der ganzen Gemeinde dienen sollen. Die durch Erhöhung des Gaspreises auf 15 Pf. für Leucht- und Kochgas erhofften Mehreinnahmen würden jedenfalls ausbleiben, da die Konsumenten ihren Verbrauch ein- schränken werden. Ihm wurde erwidert daß die Erhölnffg deS Gaspreises nur eine vorübergehende Erscheinung sein werde, da die EntWickelung der Gemeinde im nächsten Jahre wieder eine Herab- setzung des Preises ermöglichen werde, nach etwa drei Jahren 'werde eine weitere Ermäßigung folgen. Augenblicklich bcirage der Se/bstkostenpreis 14 Pf. Genosse Liebelt regte nunmehr an. die Zahlung der neueingefiihrten Kaution der ärmeren Bevölkerung in Raten von 2— 3 M. zu gestatten, waS auch zugesagt wurde. Des weiteren kritisierte unser Redner die schlechte Beschaffenheit der Parkanlagen in Borsigwalde. Während man in Wittenau reine Schmuckplätze errichte und erhalte, behandle man Borsigwalde richtig als Stieflind. Sein Antrag, auf dem Kirchplatz wenigstens einige Sitzbänke aufzustellen, wurde angenommen, und«ine bessere Pflege der Parkanlagen zugesagt. Bruchmühle. In der letzte« Gemeindevertreterfitzung zeigte eS sich wieder einmal, welche Mittel die Gegner anwenden, um die Arbeiterklasse um ihr Recht zu bringen. Genosse Lindholz beantragte, die Ergänzungswahl für ungültig zu erklären, weil durch das ungesetzliche Borgehen des Gemeindevorstehers die Wähler der dritten Klasie verhindert worden seien, ihr Wahlrecht auszuüben. Der Gemeindevorsteher als Wahl- Vorsteher habe eS geduldet, daß bei der Bureauwahl sämtliche Papierstimmen(also Stimmen nicht anwesender Personen) milgezählt worden seien. Unsere gegen diesen Gewaltstreich protestierenden Genossen haben hieraus verzichtet, bei einer derartigen Zusammen« setzuna des Wahlbureau» die Stimme abzugeben. Der uon unseren Genossen aus UngültigleitSerllärung der Wahl gestellte Antrag wurd» vom Gemeindevorsteher verlesen mit der Hinzufügung, daß über diesen Protest gar nicht verhandelt werden könne, da derselbe zu spät eingesandt worden sei. Die bürgerlichen Eemeindevertret"' er» klärten sich damit einverstanden und so wurde über diesen Antrag zur Tagesordnung übergegangen. Die Einführung des Genossen Biedermann fand erst nach der Erledigung des Protestes statt. ES wird nun Pflicht der Genossen sein, aus dem Vorgehen des Ge- meindevorstehers sowohl wie auch auS dem der Bürgerlichen eine Lehre zu ziehen und bei der nächsten Gelegenheit zu zeigen, datz die Arbeiterklasse nicht gewillt ist, sich ihr Recht nehmen zu lassen. Französisch- Vuchholz. Wie schützt der Arbeiter Leben und Gesundheit seiner Familie? lautete daS Thema, über welches Genosse Dr. Moses in der letzten Mitgliederversammlung deS Wahlvereins referierte? Der belehrende Vortrag fand den Beifall der Versammelten und wäre es erwünscht gewesen, wenn alle Mitglieder anwesend waren. Unter Vereins- angelegenheiten wurde die Maiabrechnung gegeben, die mit einem Defizit von 2,08 M. abschließt. Ferner wurde Stellung genommen zur Kreisgeneralversammlung. Vorschläge zur Neubesetzung deS KreisvorstandeS wurden nicht gemacht, auch wurden Anträge nicht gestellt. Spanda«. Ein tödlicher Bauunfall ereignete sich am Freitagabend um 7'/z Uhr auf dem Neubau der Patzenhofer Brauerei, Die Arbeiter der Firma Jost u, Co., Reinickendorf, waren damit beschäftigt, die Eisenlonstruktion für den oberen Teil des Neubaues aufzustellen. Die einzelnen vorher zu großen Blocks zusammengenieteten Teile wurden zu diesem Zwecke durch Kräne heraufbesördert. Als ein solcher Block am Krane hing, schlug der an dem Bock befestigte Kran um und traf den einen Arbeiter so unglücklich, datz demselben der Kopf gespalten wurde, so daß daS Gehip, auf die Rüstung fiel; zwei weitere Arbeiter wurden leicht verletz! Ein sofort hinzugerusener Arzt konnte nur noch den bereit» eingetretenen Tod des Arbeiters feststellen. Wie uns mitgeteilt wird, soll der leitende Polier, währenddem das Unglück geschah, nach Reinickendorf gefahren sein, um den Lohn für die Arbeiter zu holen. Große Verwunderung rief eS unter den Augenzeugen hervor, datz der Tote mittels Bierwagen nach der Leichenhalle an der Gatower Stratze geschafft wurde. Das zwei Minuten vom Unglücksplatz entfernte städtische Kranken» hau? wurde sofort um den Transportwagen telephonisch m, gerufen. derselbe war jedoch anderweit im Gebrauch, Es wäre wohl an- gebracht, wenn für einen Ersatzwagen gesorgt würde, damit bei vor- kommenden Unglücksfällen nicht zu so ungeeigneten Transportmitteln gegriffen zu werden braucht. Fugeudveranstaltungea. Schöneberg. Sonntag, den 23, Juni: Spielpartte nach Eichlavtp. Tresspunlt: Bahnhof EberSstratze nachmittags 2 Uhr, Arbeiter-Tamariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Wilhelmsruh. Am Mittwoch bei Barth, Viktoriaftrahe 7, abend» 8 Uhr.' Friedrichshagtn. Am Donnerstag,. Friedrichstr, 60, 2. Hof. abends Sll, Uhr, R 0 w a tv e S. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abend« 8 Uhr. Die Kreisleitung. Wocken-Spldpian der Berliner Cheater. Köntgl. Opernhau». Sonntag: Manon.(Ansang 7'/, Uhr.) Von Montag ab geschlossen. Kammerspicle. Täglich: Mein Freund Teddy,(Anfang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Allabendlich: Vergnügungsreise,(Anfang S'L Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich! Kroße Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Neues ZchanipiethniiS. Sonntag bis Freitag: Parlcttjitz Nr, 10. (Ansang 8>/. Uhr.) Von Sonnabend bis Montag: Sylvester Schässer. (Ansang T/t und 8 Uhr.)— Mittwoch, 26. Juni, nachmittag 3 Uhr: Schauspielschule: Othello, Komiichr Over. Allabendlich: Heiligenwald,(Anfang 8 Uhr.) Kurfürsteii-Opcr. Allabendlich: Der Tanzanwall,(Ansang 8 Uhr.) NeueS Theater. Allabendlich: Der liebe Augustin,(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich: Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre, Der Herr mit der grünen Krawatte,(Ansang 3 Uhu) Friedrich> WilhclmstödttschcS Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Sulamie,(Ansang 8'l4 Ubr.) Residenz- Theater. Bis aus weiteres täglich: Alles sür die Firma. (Ansang 8 Uhr.) Schiller-Tbeater v. Allabendlich: Hohe Politik.(Ansang 8 Uhr.) Tchillcr-Theater Charlottenburg. Allabendlich: Das Konzert. (Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrätzer Strafte. Bis aus weiteres täglich abends 8 Uhr: Die süns Franksmier, Thalia-Thcater. Allabendlich: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielbaus. Allabendlich: So'n Windhund.(Ansang 8'/, Uhr.) Neues Operetten< Theater. Sonntagnachmitiag 3 Uhr: Eva. Allabendlich: Der Kongreß von Sevilla,(Ansang 8 Uhr.) Rose> Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Nacht und Morgen, Mittwoch:' Der Pfarrer von Kirchseid, Donnerstag bis Montag: Nachl und Morgen,(Ansang 8 Uhr.) Luise»> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Schwester Carmen. Abends: Dk Waise aus Lowood, Montag;(Ich lasse Dich nicht. Dicns- tag: Die Waise aus Lowood, Mittwoch: Schwester Carmen. Donnerstag: Der Hüttenbesitzer, Freitag und Sonnabend: Schwester fCarmen. Sonntag: Der Hüttenbesitzer, Montag: Geschlossen,(Aiisang 8,20 Uhr.) Neues BolkSthcaecr.(Neue Freie Pottsbühne,) Sonntagnachmittag 3 Ubr: Der Raub der Sabincrinnen. Abends: Jugend, Montag: Literatur, Liebelei, Dienstag und Mittwoch: Der Raub der Sabinerinnen, Donners- tag: Der Königsieutnant, Freitag: Der Raub der Sabinerinnen, Sonn- abend: Der KönigSieutnaiit, Sonntag: Der Raub der Sabinerinnen. (Ansang 8'/, Uhr) Mctropol- Theater. Allabendlich: Schwindelmeier u. Co,(Ansang 8 Uhr.) Folie» Caprice. Allabendlich: Parisiana-Ensemble,(Ans. 8'/« Uhr.) Walhalla. Allabendlich: Um eine Krone,(Ansang 81/, Uhr) Abollo■ Tbraeer. Abends täglich■ Spezialitäten,(Ansang 8 Uhr.) Wintergarte«. Täglich: Spezialitäten,(Ansang 8 Uhr.) ReichoknUe«-Tbeater. Täglich: Sanatorium Sonnenstich.(An- sang 8 Ubr Sonntags 7 Ubr.) Königstadi-Kastno. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Urania, Theater. Sonntag: Durch Dänemark und Südschwcden. Montag und Dienstag: In den Dolomiten. Miltlvoch: Im Lande der Mitternachtssonne, Donnerstag: Durch Dänemark und Südschweden. Freitag: Im Lande der Mitternachtssonne, Sonnabend Durch Dänemark und Südschweden, Sonnlag: In de» Dolomtten. Montag: Unbestimmt. (Alisas 3 Uhr.)__ Allgemeine Familienfterbekasse. Heute Zahl- und Ausnahmetag von 3—6 Uhr im Restaurant Ackerstr. 123 und Sebastianstr. S6. Marktberich» von Berit« am 21. Juni ISIS, nach Ermittelung des königi, Polizeipräsidiums, Marktballenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Crbsen. gelbe, zum Kochen 34,00—50,00, Speis ebobnen, weiye. 30,00—65,00, Linsen«0,00—80,00, Kartoffeln(Klemhdl) 8,00—13,00. 1 Kilogramm Zündfleisch, von der Keule 1,70—2,40, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammetfleisch 1,80—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,00—4,80. I Kilogramm Karpsen 1,20-2,20. Aale 1,20-3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40-8,80. Barsche 1,00-2,00. Schiele 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 4.00-40.09. 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Für Moabit und Charlotten- bürg: Rorinunu i4ol»Io«ine«r, Herrenkonfektion,'-Berlin NW., Turmstr. 88.