Ur. 149. IlbonntmentS'ßtdlndQngen: NboimcmentS■ Preis btänumetanbo: «ierleljShrl. 330 TOt., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg- frei WS HauS. Einzcwe Nummer K Pfg. Sonntags- nummer nnt illustrierter Soimtags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Pofl-ZeltungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Mark pro Monat. Postavonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, VIchtiilt tiiglich außer montags. 39. Iahty. Berliner VolktsblnK. �enrralorgan der foztaldcmokratifcbcn partes Deutfcblands. Die Insertion!-Lebilhe Beträgt für die sechsgespaltene Uolonek» zeile oder deren Raum 80 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versanunlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Uteine Unreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2settgedrltckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über 15 Buch- ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nuninier müssen bis i Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „Soalalltemollrat Berlin". Redaktion: SRI. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morwplatz, Nr- 1S8S. fiskalHcfter Bodenwucljer. Die ganze reichsstädtische Presse fast ohne Unterschied der Partei scheint sich einig darüber zu sein, daß die Forderung. die der preußische Fiskus für den vom Zwcckverband für Groß-Berlin vorzunehmenden Erwerb der 112Ll) Hektar fiskalischen Geländes gestellt hat, viel zu hoch ist. Und es scheint denn auch sicher, daß der Fiskus noch ganz erheblich in seinen Forderungen heruntergehen wird, da ja im Zwed verbände nur eine Meinung darüber besteht, daß die Bediw gungen des Fiskus unannehmbar sind. Aber selbst dann, ivenn sich der preußische Staat, vertreten durch die Forstverwaltung. auch eine erkleckliche Summe abhandeln läßt, ja selbst wenn von den 173 Millionen, die für die 11 200 Hektar gefordert werden, schließlich glatte 100 Millionen abgingen, so wäre diese Restfordcrung von 78 Millionen noch immer viel zu hoch! Denn der Betrag von 7000 M. für den Hektar wäre noch immer das Mehrfache dessen, was eine e i n s i ch tige und den Volksinteressen Rechnung tra gende Staatsbehörde von Groß-Berlin zu fordern berechtigt wäre I Denn um was handelt es sich? Um nichts Geringeres. als der Hauptstadt des Reiches, der gewaltig sich entivickclnden Metropole dcsStaates dieMöglichkeit zu einer vernünftigen Wohnungspolitik und einer den modernen Anforde rungen sich einigermaßen anpassenden Hygiene zu geben. Denn es kann dem Staate so wenig gleichgültig sein, wie der Bevölkerung von Groß-Berlin selbst, ob die annähernd vier Millionen Groß-Berlins, deren Zahl noch ganz gewaltig an lvachsen wird. unter gesundheitswidrigen. unhygienischen Wohnungs- und Lebensverhältnissen dahinvegetieren müssen, oder ob ihnen gesunde, wohlfeilere Wohnungen und die Möglichkeit, sich in den Erholungsstunden in frischer Lust zu be wegen, geboten sind. Deshalb wäre es nicht nur notlvciidig und die vornehm st e Auf gäbe der preußischen Regierung, unter allen Umständen und ohne von E Berlin außerordentliche finanzielle Opfer zu fordern, für die Millionen der hauptstädtischen Bevölkerung die Erhaltung der 11200 Hektar Waldes zu sichern, sondern der preußische Staat hätte noch darüber hinaus die unabweislichc Verpflichtung, durch weitere Ueberlassung von billigem Bau- g e l ä n d e an Groß-Berlin auch für eine Verbesserung der Groß Berliner Wohnungsverhältnisse zu sorgen I Statt dessen aber will der Fiskus selbst von der Boden> spekulation nach Möglichkeit profitieren, indem er sich die Verwertung des besonders für Bauzwecke geeigneten Ge ländes vorbehält und dem Ztveckverband Groß-Berlin lediglich die Verpflichtung auferlegt, gegen Zahlung eines exorbitanten Wucherpreises an den preußischen Staat für die Erhaltung eines Wald- und Wicsengürtcls zu sorgen. Da sich jetzt so ziemlich die ganze Presse aller Parteien so gebärdet, als mißbillige sie die Wucherpraktiken des preußischen Forstfiskus, und da in der letzten Zeit auch von bürgerlicher Seite eine Agitation für die Schaffung einer vernünftigeren, großzügigen Wohnungspolitik inszeniert worden ist, ist es doch vonnöten, einmal f e st z u st e l l e n. daß in den letzten Jahren an der Stelle. wo diese Fragen in e r st e r Linie die g r ü n d l i ch st e Er- örterung verdient hätten, von den bürgerlichen Parteien auch nicht das geringste getan worden ist. um der preußischen Regierung ihre Pflichten gegenüber Groß- Berlin und speziell den nichtbesitzenden Klassen Groß-Berlins einzuschärfen. Auch im preußischen Landtage ist es wieder einmal die sozialdeni akratische Partei geivesen, die, ohne leider die Unterstützung bürgerlicher Parteien zu finden, gegen die Bodenwuchcrpläne der Regierung energisch Sturm gelaufen hat l Da ivar es am 30. Januar 1911 der Redner der sozial- demokratischen Partei, der bei der Beratung des Forstetats nach eingehender Besprechung der wucherischen und höchst un- sozialen forstfiskalischen Verkäufe im Norden und Südosten Berlins besonders auf die so ivichtige Frage des zu schaffenden Wald- und Wiese ngürtefls zu sprechen kam. Er beinangelte in der fchärssten Weise das damals schon, vor einunveinhalb Jahren, in der Presse erörterte Projekt, für die 11 200 Hektar einen Kaufpreis von 178 Millionen Mark zu fordern. Er führte wörtlich aus: „Meine Herren,»10» juinmert ja immer über die zunehmende Miliiäruiuaugliäiteit der Großstädter; man jammert darüber, daß deren körperliche Gesundheit so viel zu wünschen übrig läßt. Da sollte man doch durch eine vernünftige foisifiskaliiche Politik dafür sorgen, daß auch wenigstens die nötigen Erholungsstätten für diese Millionen- bevölkerung der Großstädte erhalten blieben; nicht aber sollte man eine Politik for st fiskalischen Boden« Wuchers treiben, durch die die Verkümmerung und Bereiendung des großstädtischen Proletariats geradezu gefördert wird. Der Bevölkerung, die in Berlin W. und Berlin WW. wohnt, bleibt weutgsieus ein großer Teil des GruueivaldeS erhalten, und diese Bevölkerung hat eine solche Erholungsstätte nicht einmal in so hohem Maße nötig, wie die industrielle Bevölkerung im Südosten und im Norden Berlins. Die Be- Völkeruug der wohlhabenden Klassen wohnt in den feudalen villenvororten, in Gärten usw., sie kann in ein paar Minuten den Proletariern, von Arbeitern, die tagaus tagein in den dumpfen Fabriken schmachten müssen, die sich mit Mühe und Not am Sonntag freimachen können, um die nächste Umgebung zu erreichen, dieser Bevölke r u n g, dieser schwerarbeitenden Bevölkerung die in engen, dumpfigen Hofwohnungen zu wohnen gezwungen ist, raubt man durch solchen fiskalischen Bodenwucher ihre sonn- täglichen Erholungsstätten. Das ist keine Politik der sozialen Fürsorge, keine vernünftige, weitschauende und weitsichtige Politik, sondern das ist eine Politik der brutalen VolkSauSfgugung und Volks Verelendung. Meine Herren, durch solche forstfiökalische Waldpolitik ver eitelt man auch die kommunale WohlfahrtS pflege auf dem Gebiete des Wohnungsbaues. Es wäre sehr wohl möglich, wenn die Städte Groß-Berlins billiges Terrain kaufen könnten, daß manches Arbeiterquartie verschwände und dafür schöne Bororte entstünden. in denen auch die Arbeiterbevölkerung in hygienischer Beziehung vernünftig leben und wohnen könnte. Das könnten die Städte sich leisten, wenn ihnen eben die Möglichkeit geboten würde, billiges Gelände zu kaufen. Aber man denkt ja nicht daran. Das Reich hat nicht im mindesten daran gedacht. als das Tempelhofer Feld verkauft-wurde; das ist zu einem Riesenpreise verkaust worden, so daß dort auch nur ent- weder Mielskasernen oder kostspielige Villen für die besitzenden Klassen entstehen können. Und ebenso treibt es der preußisch Staat durch seine wucherischen For st Verkäufe." Der Land wirtschaftsmini st er hatte damals nichts als einige faule Ausreden vorzubringen, indem er be teuerte.„daß der Forstfiskus allerdings nicht in der Lage sei, den Grundbesitz größerer Städte zu verschenken oder zu besonders billigen Preisen abzugeben", daß er aber immerhin„den Großstädten entgegenkommen" wolle Sämtliche bürgerliche Parteien schwiegen sich zu dieser so außerordentlich wichtigen Frage aus! Kaum daß sie sich bei der späteren Beratung. über de» Zweckverbaud Groß-Berlin zu einigen flüchtigen Bemerkungen über die Forderungen des Fiskus bei der Schaffung des Wald- und Wiesengürtels bereitfinden ließen Unh auch im. Jahre 1912 war der s 0 z i« l d e ni 0 k r a t i s ch e Redner wieder der einzige' Abgeordnete, der bei der Beratung des Forstetats mit Nachdruck auf die Frage der Forstverkäufe an den Zweckverband Groß-Berlin einging. Er führte unter anderem in der Sitzung vom 16. Februar aus: „Wenn der Staat bereit wäre, den Kommunen größere l ä ch e u Landes und Forsten in der Nähe der Großstadt i l l i g zu verkaufen, dann wären die Koinmunen wirklich in der Lage, eine vernünftige und zeitgemäße Wohnungspolitik zu treiben. Das ist aber leider nicht möglich, und wir wissen auch noch gar nicht, wie viel denn eigentlich der Forstfiölus für die Ländereie» des Wald- und Wiesengürtels, der um Berlin geschaffen werden soll, verlangt. Ich habe im vorigen Jahre daraus angespielt, habe aber leider keine Antwort erhalten. ES haben vertrauliche Berhand lungen zwischen den verschiedenen Bürgermeistern und der Behörde staugefunde». Etwas Näheres darüber ist aber nicht bekannt geworden. Es wäre doch so dringend notwendig, daß hier das preußische Abgeordnetenhaus beizeiten etwas darüber ei führe... Bon den 337 Millionen Einkommensteuern werden allein von den Städten 257 Millionen bezahlt, von dem platten Lande nur 80 Millionen. Berlin allein zahlt 51 Millionen gegenüber den 80 Millionen, die vom ganzen Lande bezahlt werden. (Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie sehen also, daß die Großstädte, die einen so kolossalen Anteil an Staatsbeiträgen leisten, auch ein moralisches Anrecht darauf haben, daß ihnen der Forstfiskus möglichst ent- gegenkommt. Wenn das Abgeordnetenhaus sich mit diesen Dingen dann be- schäfligt, wen» die Verträge abgeschlossen sein werde», dann können wir nichts mehr dabei machen. Ich meine, es wäre not- wendig, daß alle Parteien schon jetzt ihre Stimme dagegen erhöben, daß nicht wiederum von dein Forstfiskus gegenüber den Koinmunen, gegenüber Groß-Berlin Bode»Wucher ge- trieben wird." Aber nicht genug damit, daß sich auch in diesen Jahren kein einziger bürgerlicher Abgeordneter fand, der die Forderuiigen des sozialdemokratischen Redners unterstützt hätte; das Zentrum, das bereits bei der Beratung des Ziveckverbandes Groß Berlin im Jahre zuvor durch den Abg. Linz hatte erklären lassen, daß es von einem besonderen Entgegenkoinmen gegen Groß Berlin nichts wissen wolle, erklärte durch den Mund des Abg. Busch, daß das Zentrum keinerlei Begünstigung Groß-Berlins wünsche: „Meine Herren, wer hat denn Berlin reich gemacht? Doch nur das Land, der preußische Staat und das D e u t s ch e Reich. (Sehr richtig 1 im Zentrum.) Wer hat denn so viel gemeinnützige Aufgaben in Berlin erfüllt wie der Staat dlirch Schaffung von Museen, von Theatern, der technischen Hochschule, der Universität usw., Einrichtungen, deren Kosten das Land aufbringt, und von denen die Berliner Bevölkerung den ersten Nutzen hat! Meine Herren, gerade das platte Land hat vom Staate nicht die Zliweiidnngen, wie sie die Stadl Berlin und andere Großstädte vom Staate genießen. (Sehr richtig I im Zentrum.)"' Der sozialdemokratische Redner verlvies den Klopffechter des Zcntrnnis darauf, daß das Entgegenkommen des Forst- fiskus Groß- Berlin gegenüber schon deshalb notivcndig sei, Expedition t SRl. 68, Lindcnstrassc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. ältnisse, zur Hebung der Volksgesundheit und Volkssittlichkeit. st fuhr dann nach dem Stenogramm wörtlich fort: „Ich konstatiere, daß der Herr Abgeordnete Busch für diese Forderung nichts als einige Witze übrig gehabt hat, daß er der Meinung ist, daß der Forstfiskus das nicht tun sollte, der Forstfiskus viel eher Ursache hätte, sich erst mal um die Verhält- nisse der ländlichen Gemeinden zu kümmern. Wir fordern, daß den ü'/z Millionen Groß-Berlins. die bald 4, s'/a und 6 Millionen sein werden, durch den Fiskus gerade Gelegeiiheit gegeben wird, vernünftige Wohnungs Verhältnisse zu erhalten, damit die Bevölkerung nicht degeneriert wird, sondern unter gesundheitsgemäßen Verhältnissen ihre Existenz zu fristen vermag. Das ist eine Forderung, für die sogar ein Herr vom Zentrum eintreten sollte, gegen die von keiner Seite auch nur der geringste Widerspruch geltend gemacht werden sollte. Der Herr Abg. Busch ist merkwürdigerweise mit keinem Wort auf meine Ausführungen eingegangen, die dahin gingen, daß der A u S s a l l gedeckt werden müßte durch dieJagdve rjp a ch t u n g e n. Der Forstfiskus soll ja nichts einbüßen, er soll nur nicht Boden- Wucher treiben gegenüber den Städten, sondern von dem volkswirtschaftlichen Wert, fa,n das Kapital unseres Wildbestandes repräsentiert, einen rationellen Gebrauch machen. Das ist eine Forderung, für die auch Herr Busch hätte eintreten müssen. Statt deffen hat er Worte der Entrüstung gefunden, daß ich gesagt habe, daß dem Zweckverband von Groß-Berlin bei den Verpach- tungen möglichst günstige Bedingungen gestellt würden. D a S werden sich die Berliner Arbeiter und die groß- städtische Bevölkerung überhaupt merken. Dann bat Herr Busch die ebenfalls verblüffende Behauptung aufgestellt, Berlin sei durch die Arbeit vom Lande groß geworden. Es ist nicht groß geworden, meine Herren, durch die Arbeit vom Lande I Allerdings hat Groß-Berlin Hunderttausend von Landproletariern, die auf ihrer Scholle keine Existenz mehr fanden, in derJndustnie unter- gebracht. (Widerspruch) — Meine Herren, Sie bestreiten die offenbarsten Tat» fachen. Ich erstaune, welchen Mut der Naivität Sie besitzen; ich will keinen anderen Ausdruck gebrauchen. (Heiterkeit.) Denn eS ist bekannt, daß zu den Zeiten, als Preußen A g r a r- st a a t ivar, viele Hunderttausende alljährlich übers Meer ziehen mußte ir, um eine neue Heimat zu eriverben. Aber in dem Maße, wie die Industrie sich vergrößerte, war den Landbewohnern, die auf dem Lande keine Ernährung mehr finden konnten, die Möglichkeit gegeben, nach den Industrie- bezirken, nach den großen Städten abzuziehen. (Glocke des Präsidenten.) Präsident Dr. Frhr. v. Erssa(den Redner unterbrechend): Herr Abgeordneter Siröbel, ich ersuche Sie nunmehr, auf den Gegenstand der Verhandlungen.Oberforstmeister und Forstmeister" zurückzukoinmen. Ströbel, Abgeordneter(Soz., fortfahrend): Meine Herren, ich will mich darüber nicht weiter verbreiten; ich glaube, daß diese wenigen Andeutungen genügen werden, um Ihnen zu beweisen, daß gerade die Großstädte Anspruch darauf haben, daß sie von den Landesbehörden möglich st entgegenkonimend behandelt werden. Es sind auch 51 Millionen Mark Ein- kommensteuer, die gerade von Groß-Berlin aufgebracht werden, die gezahlt werden können, nicht weil das Land diese Summe indirekt aufbrächte, nein— das Agrariertum belltet die städtische Bevölkerung durch den Zollloucher aus,— sondern weil die Arbeiter der Großstädte durch ihre produktiveArbeit alle dieseMilliouen schaffen, die der Allgemeinheit zugute kommen. Es ist gerade u in- gekehrt, wie Herr Busch behauptet hat: gerade von den vielen Millionen, die Berlin aufbringt, können sehr große Summen für das Wohlergehen des Landes verwendet werden, wie das auch g a n z i n d e r O r d n u n g i st. Wir treibe» keine Kirch- t u r in s p 0 l i t i k. Kirchturinspolitik hat ja eben der Herr Ab« geordnete Busch zu treiben versucht." Die preußischen Parlamentsvcrhandlungen der letzten beiden Jahre beweisen also nicht nur eine schier u n b e- greifliche Gleichgültigkeit der liberalen Parteien gegenüber den so außerordentlichen Interessen Groß-Berlins, sondern auch die Tatsache, daß der blau- chwarze Block auch diesmal wieder den proletarischen Interessen diametral gegenüberstand und daß es speziell der Redner des Zentrums ivar, der eine so ungeheuerliche Verständ- nislosigkeit und Feindseligkeit den Volksintcrcssen Groß- Berlins wie der Großstädte überhaupt gegenüber bewies. Mit Recht sagte ja der sozialdemokratische Redner:„Das werden sich die Berliner Arbeiter und die groß- städtische Bevölkerung überhaupt merken!" Sie folge« der militaristischen Politik. Grunewald erreichen, außerdem reist sie sogar ini Winter ins Ge-»m den granenhaften. barbarischen Zustand zu beseitigen, daß birge und treibt dort den Skisvort. Rodelsport usw. Für ihres 300 000 Berliner Proletarierkinder keine Spielplätze haben. Erholung ist in jeder Weise gesorgt. Aber den Millionen von daß er notwendig sei zur Verbesserung der' hygienischen Ver- Man schreibt uns aus Belgrad: Als die deutschen Wehrvorlagen vom Reichstag beraten wurden, da hörte man wieder das alte Lied, daß die Steigerung der Be» wafftiung der Aufrechterhaltung des Friedens dienen solle. Ost haben chon die Tatsachen diese Phrasen Lügen gestraft, und das bleibt natürlich auch jetzt nicht ans. Denn was geschah nach der Be- willigung der deutschen Wehrvorlagen? Um sich.bündnisfähig" zu erweisen, trat man in Ungarn die Versaffniig und die Gesetze mit Füßenund hob gewaltsam die Friedensstärke derArmee um 60000 Manu. DaS ist aber nicht alles. In dasselbe Kapitel gehört die Umwandlung der bosnischen Politik der habsburgischen Monarchie. Eben in diesen Tagen wurde dort die ganze Zivilverwaltung an den Militärkoinmaii» danten übertragen, dem Landtag ein Plan unterbreitet, eine Anleihe von 200 Mill. Kronen zu beschließen, um die zu zwei Drittel strategischen Eisenbahnen zu bauen, die �m Besitze der Mililärverwaltnng bleiben und deren Unlosten ebenfalls zu zwei Dritteln von der Monarchie getragen werden solle». Der gemeinsame Finanzminister Bilinski weilt in Serajewo, wo er dem Landtage eine Frist von zehn Tagen gegeben hat, innerhalb dieser evne Mehrheit zur Ver- lvirklichnng des Programms zu bilden oder airSeinaiiderztzgehett hat. Die Antwort auf diese Masmahmsn der. Bundessrenudin", die ebenfalls nur der Erhaltung des Friedens di snen sollen, kam seht bald. Da sind nicht nur die fünfhundert Millionen Rubel, die die russische Duma zum Ausbau der Flotte m ihrer letzten Sitzung bewilligte, da ist vor allem die mörderische Anstci ngung der kleinen Balkan st aaten, ihren Militarismus und ihre Bewaffnung zu vergrößern. Einen großen Teil von der nenab zuschließenden Anleihe im Betrage voa töv 000 000 Frank ivird die bulgarische Re- gierung z!> Militärzwecken verbrauchen. Und sobald die öfter- reichisch- nngartlchen W-Hrgesetze.angenommen" waren, trat� die serbische Regierung vor die Skupschlina � mit einer Forderung von zwei außerordentlichen Krediten. Mit dem ersten, im Betrage von' 3 Millionen Frank, sollen die patriotischen Schützengesellschaflen unterstützt, und aus dem zweiten, in Höhe> von 2l Millionen Frank, sollen nach den Angaben des Berichterstatters 60 000 Schießgewehre der neuesten Konstruktion angeschafft werden. Damit aber nicht genug das Kriegsmiimsterlum hat außerdem schon eine Gesetzesvorlage über eine neue Formation der. serbischen Armee ausgearbeitet. Nach ihr sollen zwei neue Divisionen gebildet werden, wodurch die MedenSstärke der Arme« um ein ganzes Drittel erhöht würde. Diese Heeresvermehrung wird unerträglich neue Lasten mit sich bringen. Die Opfer, die Serbien für die Züchtung des Militarismus bis jetzt schon getragen hat. bedrohen sein Wirtschaftsleben mit dem Ruin. Allein seit der Zeitj der Annektionskrisis wurden über 200 Millionen Frank für das Militär au-gegeben. Gm., neue, dein Stande der modernsten Technik entsprechende Waffen wurden gekauft. Die Artillerie bekam die modernen französischen und deutschen Schnellfeuergeschütze, alle Infanterie- und Kavallerieregimenter je zwei Maximmitrailleusen. Die alten Gewehrsysteme wurden modernisiert, so daß alle mit Ge- wehren ausgerüsteten Truppen die gleiche Munition gebrauchen können. In Frankreich bilden sich die serbischen Piloten im Luft- fiuge aus. dort sind auch Aeroplane bestellt. Man spricht sogar ernstlich davon, einige Kriegsschiffe anzuschaffen, um die lye- herrschung der Donau durch die österreichijch-ungarischen Monitoren zu verhindern. Wie man sieht: unseren herrschenden Klaffen ist es ganz ernst mit der Frage, das militaristische Beispiel der europäischen „Kulturstaaten" vollständig nachzuahmen. Die Tatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen, daß die chit wahnsinniger Hast vor sich gehende Erhöhung der Militärmacht der Balkanstaate» zum großen Teil auf die Angst vor der Ver- größerung der Militärmacht der großkapitalistischen Kolosse zurück- zuführen ist. Glaubt man wirklich, daß durch den unaufhörlichen Rüstungsaureiz und die dadurch hervorgerufene Beunruhigung der Balkanstaaten der Sache des Friedens gedient wird? Im Gegenteil. Je rapider die Militärlasten in den wirtschaftlich nicht entwickelten Valkanstaaten steigen, desto näher sind wir dem Augenblick, in dem das ruhige Leben unter den bestehenden Zuständen unmöglich wird, in dem die KriegSvorbercitung unfehlbar in den Krieg selbst um- schlägt. Die Tatsachen sprechen laut und klar: die letzten Militär- vorlagen in den europäischen Staaten haben die Aussichten auf Erhaltung des Friedens auf europäischem Boden gewaltig getrübt. Wir Sozialdemokraten wissen, was wir in dem Moment zu tun haben. Wir kämpfen gegen den Krieg durch die Bekämpfung der Kriegspolitik, durch die Bekämpfung des Militarismus. Nach dem Beispiel unserer Genossen in Deutschland und Oesterreich-Ungarn setzen auch wir in Serbien die ganze Kraft auf die DiskreditieruW.uad Bekämpfung des Militarismus. Wir haben ihm selbst in den schwerste» Stunden der Annektionskrisis, wo er der Gegenstand der nationalen Leidenschaft war. nicht einen Brocken Vertrauen geschenkt, und wir stellen uns heute mit derselben Entschlossenheit ihm gegenüber, ungeachtet der Beschimpfungen im nationalistischen Lager. Unsere Parteiabgeordueteu Genossen LaptschewitS und KatzlerowitS haben in glänzenden Reden die verwüstenden Folgen der militaristischen Politik klargelegt. Sie haben gezeigt, daß die wirsschastliche Lahm- legung des Landes, die Verelendung des. Lebens der breitesten Massen, die Unfähigkeit des Staates und anderer öffentlichen Körper- schaften, das Volk kulturell zu heben— alles Folgen der Wahn- sinnigen Idee sind, das Land in ein.Kriegslage« ,. zu verwandeln. Gerade dadurch wird seine Widerstandskraft vernichtet; es wird den beutegierigen großkapitalistischen Ausbeutern ausgeliefert. Unsere Losung ist nicht die Aussaugung der Völker durch den Militarismus, nicht das Menschenmorden in einem Kriege mit irgendwem, sondern der freie und friedliche Zusammenschluß aller Balkauvölker in einer föderativen Republik, die alle» Völkern die vollste EntwickelungSmöglichkeit bieten, einen Strich durch die un- sauberen Rechnungen der großkavitalistischen Ausbeuter ziehen und das Bolllverk des europäischen Friedens auf dem Balkan darstellen würde. Um das zu erreichen, kämpfen wir in allen Ländern gegen den Nationalismus und Militarismus. ger belgische IPartelbongreß vom 30. Jun). (Die Gencralstreikfrage.) Brüssel. 26. Juni.(Eig. Ber.) Diesen Sonntag tritt der Kongreß zusammen, der über die Kampf e.s mittel zu.r Erringung d e s gleichen politischen Rechtes beraten, wird. fiebernde Erwartung geht dieser Parteiberatung voraus, deren Delegiertenzahl ihr Umfang und Rahmen erner Rlesen- Volksversammlung geben wird. Nicht wenrqer als 15V0 De- legierte wird der Kongreß vereinen, der seiner Teilnehmerzahl wie seinem Gegenstand nach zu einem der bedeutungsvollsten der belgischen Arbeiterpartei iDerdew wird. Das Parteivorstandsbureau hat angeordnet und auch vom Plenum we Zustimntuirg erhalten, daß auch die beruslichen Fodera-. -tionen und Gewerkschaftszentralen, die der Gewerkschafts- kommission. aber nicht der Partei angeschlossen sind, zum Kongreß delegieren, ebenso lokale gewerkschaftliche und sonstige Ärbeiterorganisationen, die auf dem Boden des 'Klassenkampfes stehen und von den regionalen Föderationen anerkannt sind. iJede dieser Gruppen hat indes. nur das Recht auf einen Vertreter mit beratender Stimme. Die Einschränkung der.-Delegiertenzahl ist auch schon aus Raumgründen notwendig. Bis Mittooch»varen bereits 800 Gruppen mit 1102 Delegierten angemeldet und '180. von dzn Föderationen zugelassen-: gewerkschaftliche Gruppen, denen das Recht auf 180.Vertreter zugesprochen 'wurde. 1500 Personen sind aber das Maximuin.der Teilnehmer für den großen Saal des Brüsseler„Maison du Peuple". wenn diese Platz zum Sitzen finden sollen. Es kann daher auch kein Publikum zuge». lassen werden� doch wird für die Pressevertreter Raum reserviert.— Als Kongreßvorsitzender wurde vom Generalrat .Genosse Wauters, Chesredakteur am„Peuple" designiert. Den Bericht über d i e politische Situation wird V a n d e r v e l-d e-erstatten...- � i Seit dem 2. Juni, seit der Zorncsexplosion des Masten- .streiks in den wallonischen Provinzen, ist die Parteidiskussion unausgesetzt mit der Generalstrelkfrage beschästigt. Bei der wallonischen Bevölkerung insbesondere herrscht eine Kampfesstimmung, eine Spannung des Erwartens, eine Dis- Position zum Losstürmen.' die für die Kongreßdebatten hohe Temperaturen verheißen. Zum dritten Male innerhalb eines Zeitraumes von knapp 20 Jahren— der erste Generalstreik, der das Zensuswahlrecht wegfegte, war 1893, der zweite, fehlgeschlagene, 1902— will das belgische Proletariat,.wenn ihm sein Recht nicht wird, zur Waffe der allgemeinen Arbeitseinstellung greifen und sich mit einem dritten Hieb endlich ein gerechtes, unverfälschtes Wahlrecht holen. Die Debatten und Resolutionen der großen Föderationen, der Gewerkschaftszentralen, der Gewerkschafts- kommission, schließlich des Parteivorstandes lasten voraus- sehen, daß der Kongreß ein Votum in dem Sinne abgeben wird, daß der Generalstreik im Kampfe'für eine Verfassungs- revision parat zu halten ist und das Proletariat, ohne sich auf ein Datum festzulegen. alleVorbereitungen und Vorarbeiten zu treffen hat, um alle Chancen für einen Blutopfer vermeidenden, glücklichen Ausgang zu sichern. In einer ausgezeichneten Artikelserie im„Peuple" faßt dessen'Chefredakteur, Genoste W a u t e r s, in einer plastisch klaren und logischen Gruppierung der Argumente die Bedin- gungen zusammen, unter welchen ein Generalstreik in der heutigen Lage der Dinge Aussicht auf Erfolg verspricht. Da die Auffassung Wauters mit der anderer führender Genossen identisch ist. und auch die Beschließungen des Parteivorstandes, der Gewerkschaftskommission, der großen Föderationen und BerufZorganisationen von derselben Art der Auffassung in- spiriert sind, sei sie hier in ihren Hinrissen wiedergegeben. Als Haupterfordernis eines Generalstreiks, wenn er nicht in einem unfruchtbaren Protestakt verpuffen oder zu einer bloßen Geste der Revolte mit einem möglicherweise blutigen Finale entarten soll, gehört, führt Wauters aus, vor allem Z e i t, um den Streik vorzubereiten— sowohl in bezug auf die. Sicherung des Menschenmaterials und der Beschaffung der Munition, wie der nötigen Beeinflussung der östentlichen Meinung. Also keinen extemporierten, keinen improvisierten, keinen ungenügend vorbereiteten Streik— keinen mit einem fixierten Datum: sondern einen vorbereiteten, planvollen, organisierten Streik mit einem festgelegten Pro- gramm, mit klaren Richtlinien und sicheren Berechnungen.— Ein Beschluß, im.Juli loszuschlagen, wäre, daher, da alle diese Bedingungen noch zu schaffen sind, Wahnsinn. Es muß von vornherein damit gerechnet toerden, daß ein Generalstreik wochenlang dauern kann. Nichts wäre schlimmer, als ein Abbruch infolge Erschöpfung der Kräfte. Es gilt also die Kasten der Organisationen zu füllen, Fonds zu sammeln, Hilfs- kästen zu organisieren, den ganzen Parteiapparat einschließlich der Genossenschaften und Krankenkassen in Bewegung setzen, damit der Hunger nicht alle Feldzugspläne zunichte macht. Denn wenn auch, wie verschiedentlich vorgeschlagen wurde und was bei dem Opfermut der Arbeiter zu erwarten ist, die ersten vierzehn Tage etwa keine Unterstützung verabfolgt wird, so sind doch große Fonds vonnoten, zumal der diesmalige Generalstrerk den ersten, der schon 300 000 Arbeiter in die Bewegung zog, überragen würde und auch müßte. Und dann: der Generalstreik muß methodisch, in vollster Disziplin in Szene gesetzt und vollführt werden. Die 125 000 organisierten Arbeiter iverden leichthin der Taktik und dtzr Parole der., 'Partei folgen. Die große Masse der übrigen Arbeiter aber Muß mit dieser.'Taktik infiltriert werden, damit nicht durch Spitzelmanöver die Volksbewegung- abirrt," das Ziel der Aktion, ja das ganze Parteiwerk gefährdet wird.— Aber nicht allein um die Geister vorzubereiten, die Dis- ziplin zu festigen und die Kriegsmunition zu beschaffen, wäre ein frühzeitiges Losschlagen, etwa im Juli bei Kammerbeginn, eine bös? Unvorsichtigkeit. Der politische Moment anund für sichwäreun günstig. Es ist notwendig. daß die Volksbewegung mit einer entsprechenden parlamen- tarischen Situation zusammenfällt. Die Kammer tritt nun zu einer außerordentlichen Session zusammen und hat keine andere Verpflichtung, als die Gültigkeitserklärung der Man- date und die Konstituierung vorzunehmen. ZHann kann die ROgicrung die Session für geschlossen erklären und der parla- nientarische Mechanismus ist derart, daß die Regierung auch die geschickteste Obstruktion nicht zu einer Stellungnahme zwingen kann.. Fügen wir diesen Ausführungen noch hin�u, daß der Bericht des Partcivorstandes an den Kongreß in denselben Richtlinien gehalten sein wird, wie die hier umrissenen. Die Partei will einen friedlichen, einen wohlvorberesteten General- streik: sie verwirft die Tekretierung eines Generalstreiks für den Juli und befütworket die Gründung eines aus Delegierten aller großen Polstischen und wixtschaftlichen Organisationen gebildeten Komitees, das unverzüglich alle Maßnahmen zur Vorbereitung des Generalstreiks zu treffen hat. Die Partei Wird, sobald sie die Ueberzeugung haben wird, daß die Ar- beiterschast bereit und der Moment günstig ist, die Parole für den Generalstreik ausgeben.— In ähnlichem Sinne ist auch die Resolution der Brüsseler Föderation gehalten. ver Krieg. Ein ernster Kampf bei Buchamez . Rom, 28. Juni. Die-„Agenzia Stefani" meldet aus Bucha- mez sin der Nähe der tunesischen Grenze) unter dem 27. Juni: Bei Tagesanbruch' machten die italienischen Truppen von Buchamez, unterstützt von heftigem Gcschützfeuer,«inen Angriff auf die Stellungen der Feinde gegenüber von Sidi Said. Die Feinde, über 6000 Mann stark, wurden aus ihren Verschanzungen vertrieben und zur Flucht gezwungen. In den erstürmten feindlichen Stellungen fanden die Italiener 600 Leichen. Während dieses Angriffs auf die Front drang die italienische äußerste. Linke bis tief in das tückische Lager hinein, das sie zerstörte. Die Italiener machten mehrere Gefangene. Sie selbst hatten 18 Tote, 114 Verwundete, darüntec 2 Offiziere. Die siegreichen Truppen bleiben die Nacht in den eroberten Stellungen. poUtiftbe GeberHebte Berlin, den 28. Juni 1912. Klerikales Kasperletheater. D?e Zentrumsregierung hält mit ihrer Mischung hilfloser Unfähigkeit und brutqler Gewalt das ganze parlamentarische und politische Leben Bayerns auf. Die Landtagsverhandlungcn verlieren sich fast täglich in einer Reihe stürmischer Zwischenfälle. Ter Zentrumspräsident hat Halt und Besonnenheit verlören. So rügte er Freitag in der Fortsetzung der Debatte über den Etat des Innern dreimal den Genossen Auer, weil er in seiner Rede über 'die Zentrumspolitik des VcrfaffüngSbruchS von der Phrase der Monarchie sprach pfferner, weil er dem Minister zurief: Heraus mit Eurem Flederwischl Auer stellte fest, daß in der Tat die christlichen IVetverkschaften die für kirchliche Ziüecke ausgestellten Polizeilisten zu politischer Agitation benutzen. Auer fragte den Minister, ob er sich bei der Uebernahme seines Amies verpflichtet hätte, sozialdemokratische Bürgermeister nicht mehr zu bestätigen. Die Behauptung des Ministers, daß Sozialdemokraten nicht bc- stätigt werden, weil sie nicht vertrauenswürdig seien, sei eine un- erhörte Beleidigung aller jener Männer, die sich bisher in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hätten. Auch der Rechtsnationallibcrale Casselmann, Oberbürger- meister von Bayreuth,' der der Regierung das Rechr einräumt, Sozialdemokraten von der Beamtenschaft fernzuhalten, warnte die Regierung vor der jetzigen Taktik der prinzipiellen Nichtbestätigung sozialdemokratischer Bürgermeister. Zum Schluß nahm der Minister V. Soden da? Wort. Er will nicht als Rückschrittler gelten.' Er ist auch durchaus kein Gegner der � Gedankenfreiheit, nur kommt es darauf an, was es für Gedanken sind.(Schallende Heiterkeit.) Auf wiederholte An- fragen über das Schicksal des Jesuitenerlasses gab er endlich diu Auskunft, daß ein neuer Erlaß in der Jesuitenfraae nicht er- gangen sei;'d. h. also, der erste Erlaß nicht suspendiert worden sei. Herr v. Soden beharrt dabei, daß zur Leichenverbrennung in Bayern zurzeit kein Bedürfnis vorliege.(Genosse Hall er ruft: Lassen Sie sich doch verbrennen!) Aengstlich fragt Soden, der den Zwischenruf nicht verstanden hat: Was, Sie wollen mich ver- brennen?— Darauf fanden fortgesetzte Zwiegespräche zwischen dem Minister und der Linken über die Verbrennung statt. Der Minister fragte: Würden Sie einen monarchisch gesinnten Mann zu Ihren' Beamten machen? Ihm wurde entgegnet. Gewiß, wenn er seine Pflicht tut?— Genosse Haller ruft: Wenn Sie. fähiger wären, würden wir Sie sogar zum Minister machen!— Haller erhielt dafür einen Ordnungsruf und später noch einen zweiten. Der Minister bittet, höflicher zu sein, er sei nicht in der Lage, so grob zu antworten. Nach Schluß der Sitzung redeten Zcntrumsabgeordnete auf den Minister ein und gaben ihm Verhaltungsmaßregeln; er solle nicht auf die Zwischenrufe der Linken reagieren Dabei, meinte der Abg. Heidt, zöge der Minister doch den kürzeren. Oberschlefische Kulturzustände. In Ellguth-Woischnit wurde im Frühjahr dieses Jahres der Gärtner Peter Soika als Gemeindevertreter gewählt, der den OrtS« gewaltigen als oppositioneller Geist nicht gerade sympathisch war. Aber Soika erhielt von 2l abgegebenen Stimmen 16, und in einem späteren Wahlgange von 31 abgegebenen Stimmen 22; die Mehr- heit der Wähler stand also ohne Zweifel hinter ihm. Nicht jedoch der OrtSgewaltige. der Gemeindevorsteher, ber ihm gleich nach be- endetem Wablgange im Tone eine? oberschlefischen Gewalthabers erklärte:.Die anderen bestätige ich(I), Sie aber nicht/ Dieser Ankündigung entprechend erhielt Soika dieser Tage folgenden med» lichen UkaS: .Ellguth-Woischnik. den 22. Juni 1912. Hiermit stellen wir Ihnen den Bescheid zu, daß die Gemeinde» Vertretung in der Sitzung vom 6. Mai d. I. Ihre Wahl zum Gemeiudevertreter nicht bestätigt hat, da Sie sich Ihren Wählern nach der Wahl durch Schuapsspenden erkenntlich gezeigt haben, woran« eine Wahlbeeinflussung zu ersehen ist. Bis auf den Gemeindevertreter Franz Heryl sind sämtliche Gemeindevertreter gegen Ihre Aufnahme in die Gemeindevertretung, ha Sie eine ...mit dsu in. der. Gemeinde, bestehenden Verhältnissen h ö ichst un- zufriedene,'sowie eine a ü f w i« g l« r isch«, r ä rt re»und p r o z e ß s ü ch t i g e Person, sind, welche.den Fried.on..iw der Gemeinde fortwährend störi Auch sind Sie kein deutsch» gesinnter Mann: bei den ReichStagstvahken haben Sic stets für den Polen agitiert, und bei der diesjährigen Wahl waren Sie sogar für den Sozialdemokraten zustimmen entschlossen. Aus alledem werde» Sie selbst ersehen, daß Sie für die Gemeindevertretung, in der Sie über das Wohl der Gemeinde mitbestimmen sollen, eine ganz un- geeignete Person sind. Der Gemeindevorstand: Kulisch/ Soila vennochte es leider nicht einzusehen, daß er ein höchst imgeetgneter Gemeiudevertreter ist; er hat, gestützt auf seine Stimmenmehrheit, Beschwerde gegen die.Nichtlkstätigung* des Ortsgewaltigen erhoben. Aber für die Rechtsanschauungen, die bei den Behörden in Obcrschlesien herrschen, liefert das obige Schreiben ein llassischeS Zeugnis._ Ein neues Kaiserschloh. Der Wiesbadener Magistrat verhandelt mit der Luxemburgischen jnanzverwaltung über die Erwerbung dcS der Luxemburgischen rone gehörenden Jagdschlosses Platte bei Wiesbaden. Das Schloß soll zwei Millionen Mark kosten. Die Stadtverwaltung Wiesbadens will dem Kaiser ein neues Schloß erbauen und dazu den Luxemburgischen Besitz verwenden. Die Stadt Homburg hat seinerzeit eine Leitung ihrer Heilguellen ins königliche Schloß führen lassen, so daß das Kaiserpaar die Mineralbäder im Schlosse selbst'zur Verfugung hat. Nun will Wiesbaden nicht zurüMeiben und gleich ein neues Kaiserschloß bauen, da es besonders der Kaiserin in dem alten Schloß, das inmitten des SiraßenlärmZ der Stadt liegt, nicht mehr gefallen soll. Kolonialpolitischer Heiratsztvang. Die altdeutsch. scharfmacherische„Rhetnisch-Westfälische Ztg." will den neuen Gouverneur von Samoa absolut unter den P a n- tof se l bringen. Sie dekretiert in einem'Leitartikel: ..Man hat Dr. Solf den Vorwurf nicht ersparen können, daß ihm die bessere Einsicht in diesem Punkte erst in Deutsch» land kam; vielleicht auch war sie eine Folge seintr Verehe- lichung mit einer weihen deutschen Krau. Dr. Schultz ist Junggeselle. Da nun der Gouverneur von Samoa dem Deutschtum eine ganz besondere Stüye sein soll, so möchlen wir ihm doch di� N i ch t besolgung des pauliuischen Rates recht sehr ans Herz legen, der da sagt:„Heiraten ist gut, nicht heiraten besser." Der Gouverneur muß unbedingt mit einer weißen deutschen Frau v e rch'e i r a t'e t sein, damit sein Haus der Mittelpunkt des deutschen Lebens werde, damit vor allem die von den Farbigen und besonders von den MischlingSweib'ern .so sehr geschmähte weiße Frau des Ansiedlers weiß, daß sie in ibrcr Vereinsamung stets eine Stütze findet im Hause des deut- schen Gouverneurs. Hoffen wir, daß Dr. Schultz von vornherein durch seine Amtsführung keinen Zwc'fel aufkommen lassen möge, daß Samoa von Grund auf deutsch ist und bleiben wird, saß weiß die Farbe seiner Ve>ve-tUcbes ulw. DaS beleidigte Offizierkorps. Wegen Beleidigung des Offizierskorps des 192. Regiments in Zittau war am Freitag Genosse Emil Rauch von der„Volks- zeitung" in Zittau vor dem dortigen Schöffengericht angeklagt. Die Beleidigung wurde gefunden in einem Artikel der„VolkSzeitung", im dem im Anschluß an eine Mitteilung, wonach die' ganze Regipentskapelle zu Ehren von drei zur Kon- firmation gehenden Offizierssöhnen aufspielen mutzte, von Kaste. Kastengeist und Kastendünkel gesprochen wurde; namentlich den letzteren Ausdruck hatte man als Zeichen der Mißachtung aufgefaßt. Das Justizministerium in Dresden hatte die Staatsanwaltschaft in Bautzen veranlaßt, gegen den sozial- demokratischen Preßsündcr das Strafverfahren einzuleiten. Rauch wurde wegen formaler Beleidigung zu 59 M. Strafe verurteilt, wobei seine Vorstrafen als Preßsünder immerhin noch ins Gewicht fielen. DaS Gericht stellte sich aber auch andernteils auf den Standpunkt, daß es sich nur um eine verhältnismäßig geringfügige Formalbeleidigung handele. Aber Strafe mutz fein! Berichtigungen brauchen nicht wahr zu sein. 499 M. Geldstrafe wegen Beleidigung zweier Zcchendirektoren erhielt Genosse Wagen er als Redakteur der„Bergarbeiter. Zeitung" von der Strafkammer in Bochum zudiktiert, weil er einigen„Berichtigungen" der Zechenbeamten die bekannte Kammer- gerichtsentscheidung, wonach Berichtigungen nicht wahr zu sein brau- chen und dennoch aufgenommen werden müssen, vorangesetzt hatte. Es ist allgemein bekannt, daß die Zechenverwaltungen den Berichtigungsparagraphen geradezu mißbrauchen, indem sie auf die in den Leserkreisen vorherrschende Meinung hinzielen, daß Be- richtigungen aufgenommen werden müßten, wenn sich die Sache als unwahr herausgestellt habe. Die Höhe der Strafe zeigt, welcher Wind jetzt wieder an den Gerichten weht. Jugendbewegung. Der Jungdeutschlandbund al» Sprengkörper. Di« Gründung deS Jungdeutschlandbundes erfolgte bekanntlich zu dem doppelten Zwecke, um einmal militärische Ju�endvereine inS Leben zu rufen und um zweitens— und dies im besonderen— die bestehend«?. bürgerlichen Jugendbereine und die in ihnen tätigen Persönlichkeiten züsainmenzuschließen, um durch d'aS geeinte Bot- gehen größere Scharen der arbeitenden Jugend für die patriotische „Jugendpflege" zu gewinnen. Obwohl es die Gründer des Bundes an einer marktschreierischen Reklame nicht fehlen ließen, kam ihr Plan dennoch gar nicht erst zur Ausführung. Das lag an dem Umstände, daß die Interessen der einzelnen Kreise im Bürgertum zu verschiedenartig und der daraus entspringende Konkurrenzneid zu giftig sind, um ein geschlossenes Vorgehen der bürgerlichen Jugendbewegung zu ermöglichen. Ihre einzelnen Gruppen halten es mit dem Wort: getrennt marschieren und vereint schlagen. Der gemeinsame Feind aber, der da geschlagen werden soll, ist die prole- tarijche Jugendbewegung. Während diese sich kräftig weiterentwickelt, st e i g t durch die Tätigkeit des Jungdeutschlandbundes mit jedem Tage die V e r- w i r r u n g, die seine Gründung im bürgerlichen Lager her- vorgerufen hat. Immer größer wächst die Zahl der Vereine, die sich für die einigende Wirksamkeit des Jungdeutschlandbundes bestens bedanken, und die gegen die Gründungen von Ortsgruppen des Bundes energisch protestieren. Die Leiter der konfessionellen Jugendvereine benutzen den angeblich religionslosen Charakter des Bundes, um ihn unter diesem Vorwande zu bekämpfen. Das Zentralkomitee der katholischen Jugendvereine Deutfchlands hat die Leitung des Jungdeutschlandbundes zu be- wegen gewußt, dafür zu sorgen,„daß die katholische Jugendpflege nirgendwo durch Veranstaltungen von„Jungdeutschland" geschädigt werde, insbesondere, daß dort, wo Jugendvereine bestehen, in denen für körperliche Ausbildung gesorgt ist, keine Neugrün- düngen von Jungdeut schlandsvereinigungen er- folgen." Damit solche Neubildungen in den Orten, wo katholische Bereine bestehen, verhindert werden, hat das Zentralkomitee gleich- zeitig die katholischen Vereine aufgefordert, die körperliche Ertüchti- gung(man mache uns nicht verantwortlich für dies neue teutsche Wort) zu Pflegen. Die Demagogen der katholischen Bewegung hätten demnach dafür gesorgt, daß sie vor der Konkurrenz des Jung- deütschlandbundes bewahrt bleiben, vorausgesetzt, daß dieser sein Versprechen hält, woran aber, nach den Mitteilungen der katholi- schen Jugendblätter zu urteilen, stark zu zweifeln ist. Die evangelischen Jugendvereinsleiter sind ihren katholi- schen Kollegen getreulich gefolgt. Die Nationalvereinigung der zehn evangelischen Jünglingsbündnisse Deutschlands, in der 2399 Vereine mit 127 999 Mitgliedern zusammengeschlossen sind, hat den einstimmigen Beschluß gefaßt,„einem Zusammengehen mit dem Jungdeutschlandbund abwartend gegenüberzustehen. bis er entsprechend dem Erlaß des preußischen Kultusministers vom 18. Januar 1911 neben der körperlichen und sittlichen Kräfti- gung der schulentlassenen Jugend auch deren religiöse Beeinflussung für nötig erachte und die dahingehenden Bestrebungen anerkenne. Gleichzeitig wird in selbstgefälliger Art hervorgehoben, daß„eine Reihe von Bestrebungen, wie sie..Jungdeutschland" heute pflegt, von feiten der evangelischen Jünglingsvereine und christlichen Ver- eine junger Männer bereits vor Gründung von Jungdeutschland ausgeführt worden sind." Die lärmende Agitation, die die Leiter des Jungdeutschland- bundes betrieben, haben selbst den Ehrgeiz des preußischen Kultusministers arg verletzt. In einem längeren Schreiben an den Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. vom 23. April 1912 macht der gekränkte Kultusminister seinem Herzen Luft. Er weist darauf hin, daß die einheitliche Leitung der ge- samten Jugendpflege ihm übertragen sei und nicht dem Jung. deutschlandbunde. Auch war er eS. der die Bildung der Jugendpflegeausschüsse angeregt habe, die die Träger aller Vergünstigungen, welche den ihnen angeschlossenen Jugendbereinen gewährt werden, seien. Diesen Ausschüssen habe sich in Preußen auch die Vereinigung „Jungdeutschland" einzugliedern. Die katholischen und evangelischen Jugendvereine, die teilweise eine Abschrift von dem Schreiben erhalten haben, machen davon natürlich eifrigen Gebrauch, wodurch die Klust zwischen Jungdeutsch- landbund und konfessionelle Jugendvereine wiederum vergrößert wird. Und neuerdings gesellen sich zu den Frondeuren auch die teutschen Turner, die sich aufgerafft haben, ihre Klingen gegen den Jungdeutschlandbund zu erheben. In der letzten Sitzung deS Aus- schusscs der Deutschen Turnerschaft zog zunächst der Vor- sitzende. Dr. G o e tz. gegen die Jungdeutschlandbewegung zu Felde. Sie gehe nicht die anfangs erhofften Wege. Ein Fehler sei es, daß überall pensionierte Offiziere als Leiter der Be- zirksvereine berufen würden. Als Geschäftsführer sei ein Generalmajor mit 6999 M. Gehalt tätig, der noch einen Major a. D. als Helfer mit 3499 M. z u r Seite bekommen hat. Generalfeldmars chall v. d. Goltz habe ebenfalls erklärt, daß er einen Major zur Hilfe haben müsse. DaS bedeute weiter 3999 M. Ge- halt. Das sei keine richtige Jugendpflege. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. med. P a r t s ch- Breslau warf dem Bunde vor, daß sein Organ lediglich Borarbeit für die Wchrvereine leiste. Auch würden überall neue Vereine ins Leben gerufen, obwohl gerade das vermieden werden sollte. Wenn-der Bund so weiter ver- fahren wolle, dann müsse die Deutsche Turner- schaft deutlich zum Ausdruck bringen, daß sie dem Bund nicht mehr angehöre. Prof. Dr. B e r g e r- Magdeburg pflichtete diesen Ausführungen bei und forderte ebenfalls eine Trennung vom Jungdeutschlandbunde. Schließlich besannen sich die teutschen Turner, dah sie mit dem Jungdeutschlandbunde,„der lediglich Vorarbeit für Wehr- vereine leiste", doch zu wesensverwandt sind, als daß sie mit ihm brechen dürften. Die tapferen Mannen steckten die Degen in die Scheiden und baten(!) in einer Entschließung die Leitung des Jungdeutschlandbundes, Neugründungen nur da vornehmen zu lassen, wo andere Vereine für Jugendpflege nicht bestehen und ferner dafür zu sorgen, daß auch die Bezirksverbände mehr Fühlung mit der Deutschen Turnerschaft nehmen. Immerhin zeigt sich auch hier die Wirkung des Bundes, statt Klarheit und Einigkeit Ver- wirrung und Streit im bürgerlichen Lager hervorgerufen zu haben. Demnach ist die Stellung des MilitärversorgungSbundes, wie der Jungdeutschlandbund entsprechend seiner Tätigkeit genannt zu werden verdient, innerhalb der bürgerlichen Jugendbewegung keineswegs so hervorragend, wie nach seiner Agitation anzunehmen man geneigt ist.__ Hirn Industrie und Kandel. Die abgelehnte AuSwanhererkonzession für Emde». Die Entscheidung des Bundesrats, der vom Fürstentrust ge- stützten Deutschen Reedereigesellschaft die AuSwandercrkonzession für Emden zu versagen, ist in rechtsstehenden Blättern vielfach kritisiert worden. Man hatte auf die Konzession um so mehr ge- hofft, alS Fürst Fürstenberg zu den Freunden deS Kaisers gehört und Preußen für den Ausbau des Emdener Hafens gegen 199 Mil« lionen und für den Dortmund-Emskanal 59 Millionen Mark aus- gewendet hat. Mit der Ablehnung des Fürstentrustgesuches wurde gleichzeitig die Gewährung der Konzession für Emden an die beiden großen Schiffahrtsgesellschaften in Hamburg und Bremen veröffentlicht. Da das Auswanderergeschäft erhebliche Gewinne gewährt und die beiden Unternehmen jetzt ein Monopol darauf besitzen, ist durch die Entscheidung des Bundesrats für sie ein un- angenehmer Konkurrent beseitigt worden. Die„Kreuzzeitung" wandte nun u. a. ein. daß di« Anhäufung des fremden AuSwan- dererverkehrs von 259 999 bis 364 999 Köpfen jährlich in Hamburg und Bremen bedenklich sei, und seine AbVerteilung schon aus sozialen und gesundheitlichen Gründen wünschenswert wäre. Auch könne Emden nur durch den Auswandererverkehr in die Höhe kommen; jedenfalls fei das der gangbarste und aussichtsreichste Weg dazu. Da Preußen an dem Aufschwung Emdens als seines Hafens stark interessiert sei, müsse es wohl im Bundesrat eine Niederlage erlitten oder ein nicht recht verständliches Opfer ge- bracht haben. Wohl um sich vor allem gegen diesen Vorwurf zu verteidigen, lätzt sich die„Nordd. Allgemeine Ztg." also offiziös aus: „Ein kleüeS Schiffahrisunlevnehmen müßte in schweren Kampf mit den bereits bestehenden treten. Daß durch einen solchen Kampf die beiden großen deutschen Schisfahrtsgesellschaften in erster Linie in Mitleidenschaft gezogen werden würden, ist klar. Diese Gesell- schaften stehen aber bereits an zahlreichen Stellen des Weltver- kehrs im heißen Konkurrenzkampfe mit ausländischen Unter- nchmungen; ihre Lage durch Schaffung eines neuen Konkurrenz- kampfes im eigenen Lande zu erschweren, dürfte mehr als uner- wünscht sein. Dabei darf nicht übersehen werden, daß der Nord- deutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie durchaus nicht lediglich Unternehmen der Hansestädte Bremen und Hamburg sind, sondern an diesen Weltunternehmen deutsches Kapital aus dem ganzen Reichsgebiet beteiligt ist, und daß durch die Erhaltung und Erstarkung dieser Linien auch sonst die Interessen des Reiches in lebhafter Weise berührt werden." Die Regierung gibt hier also ganz offen zu, daß sie neue Unternehmen nicht auflommen lasse, um nicht den alten Kon- kurrenz zu schaffen. Ob das wirklich Aufgabe des Reiches ist, pri- bäte Monopolbcsitze zu stützen, erscheint mehr als ziveifelhaft. Das „Berl. Tagebl." ereifert sich aber in begeisterter Weise für diese Losung:„Die preußische Regierung hat vielmehr in anerkennend- werter Weise ihre partikularistischen Interessen hinter die allge- meinen Gesichtspunkte zurücktreten lassen und damit wahrhafte Reichspolitik getrieben."(!) Die„Post" wendet aber mit Recht ein, auch in der deutschen Montan- und Eisenindustrie liegen Millionen von Kapitalswertcn aus allen Teilen des Reiches; hindere deshalb die Regierung die Konkurrenz? Zugeben kann man allerdings, daß die Interessen Emdens ge- wahrt worden sind. Die„Norddeutsche" schreibt:„Die beiden Gesellschaften haben sich verpflichtet, bei Gewährung dieser Erlaubnis entweder, wie es die„Deutsche Reederei" plante, eine eigene, zunächst alle 14 Tage verkehrende, gegebenenfalls zu einer wöchentlichen auszugestaltende Dampferlinie zwischen Emden und New Dork zur Beförderung von Auswanderern und Gütern einzu- richten und zu diesem Behuf alle erforderlichen Einrichtungen zu treffen, insbesondere eine Auswandererhalle auf eigene Kosten herzustellen, auch eine angemessene Zahl von Auswanderern über Emden zu leiten, oder aber diesen Dienst zwischen Emden utf Nordamerika zunächst— solange er eigene Linien nicht genügend versorgt— durch Anlaufen mit ihren Dampfern von Bremen und Hamburg aus zu bewirken und daneben noch einen vierwöchent- lichcn Frachtdienst zwischen Emden und 1. Ostasien, 2. Australien, 3. Südamerika zu unterhalten." Wenig einleuchtend erscheint der Einwand der„Rheinisch- Westfälischen Ztg.". daß diese Entscheidung nicht auf Emden als den gegebenen Ausfuhrhafen für den rheinisch-wesifälischen In- dustriebezirk Rücksicht nehme. Wenn heute tatsächlich noch der Güterverkehr aus diesem Gebiet über belgische, holländische und französische Häfen geht, so liegt das nicht an der mangelnden Unterstützung Emdens als AuSwandererhafen, sondern daran, daß es dort bisher an benutzbaren Hafenanlagen fehlte. Prämienschwindeleien russischer Zuckerexporteure. Das„Berl. Tagebl." berichtet:„Der Fincmzminister ist seit einiger Zeit auf abnorm niedrige Preise für russischen Zucker im Auslande aufmerksam gemacht worden. Eine daraufhin eingeleitete Untersuchung stellte fest, daß mehrere große russische Exportfirmen Schwindeleien mit den Ausfuhrprämien trieben. Sie gaben Zucker als für den fernen Osten destimmt auf und steckten die Prämie ein, worauf sie den Zucker in einem beliebigen Hafen des Aus- landeS verkauften. Dos Resultat ist, daß die Staatsverwaltung etwa eine halbe Million Mark an fiktiven Aus- fuhrprämien gezahlt ha t." Die Zuckerausfuhrprämien, die Rußland noch allein von allen europäischen Staaten zahlt, bildet nicht nur für den Bestand der" Brüsseler Zuckerkonvcntion eine dauernde Gefahr, sondern hat jetzt' auch zu Schädigungen der russischen Staatskasse geführt. 6 Hiid der frauenbewegung. Fabrikarbeit verheirateter Frauen in den Niederlanden. In den Jahren 1998 und 1999 hat dem„ReichSarbeiisblatt" (Heft 6) zufolge das niederländische Arbeitsamt durch die vier Gc- werbeaufiichtsbeamtinnen eine Untersuchung über Umfang. Art, Gründe und Wirkungen der Fabrikarbeit verheirateter Frauen sowie unverheirateter Mütter angestellt. Insgesamt handelte es sich um 4227 Frauen, 794 Witwen, 235 Geschiedene und Ehever- lassene, 214 unverheiratete Mütter. Gliedert man nach Betriebs- gruppen, so entfällt die größte Zahl verheirateter Frauen auf die Textilindustrie, die Gruppen Nahrungs- und Aenußmittcl sowie Erden und Steine und Bekleidung und Reinigung. Dem Alter nach standen die meisten verheirateten Fabrikarbeiterinnen zwischen 29 und 29 Jahren(41,2 Proz.) und zwischen 39 und 39 Jahren (39,6 Proz.). Eine Uebersicht über die Reinverdienste in der Woche für regelmäßige Fabrikarbeit und für Saisonarbeit zeigt, daß die meisten(etwa% aller) bei regelmäßiger Arbeit nicht mehr als bis zu 11,83 M.( 7 Gulden) verdienen. Noch ungünstiger stellen sich die Zahlen für solche, die nur Saisonarbeit verrichten; 72 Proz. verdienen hier nur bis 4.56 M.(4 Gulden). Von den Wirkungen der Fabrikarbeit auf den Gesund- heitszustand legen die mannigfachen Klagen Zeugnis ab. Von 1649 befragten Arbeiterinnen hatten 638 Beschwerden. Am häufig- sten(etwa 27 Proz. aller Fälle) zeigten sich Kopfschmerz, chronische Müdigkeit, Nervenkrankheiten. Ebenso sind Schwäche, Blutarmut, Rücken- und Seitenschmcrzen stark verbreitet. Ueber die Gründe der Fabrikarbeit gaben in fast einem Viertel der Fälle(23,6 Proz.) die Frauen an, daß der Verdienst des Mannes so gering sei, daß sie mitverdienen müßteni Arbeits- losigkeit des Mannes zwingt ein weiteres Zehntel zur Fabrikarbeit. In einem Fünftel der Fälle ist die Frau die einzige Ernährerin der Familie(Witwe, Geschiedene. Eheverlassene). Durch die Fabrikarbeit kann die Frau für die häusliche Tätigkeit keine oder nur sehr geringe Zeit aufwenden. Trotz- dem zeigt sich, baß fast 45 Proz. der Frauen ihren Haushalt neben- bei allein versorgen, während etwa 15 Proz. häuslich« Hilfe durch ein Familienglied erhalten. Ungefähr 19 Proz. geben nur die Wäsche aus dem Haus« und 13 Proz. lassen die Wirtschaft gänzlich von Familiengliedern besorgen. Fremde Hilfe gegen Entgelt kommt selten vor, Hilfe nur zum Kochen schon öfter, dagegen findet sich häufiger der Fall, daß eine fremde Frau im Hause gegen freie Wohnung tätig ist. Von den befragten Frauen hatten weitaus die Mehrzahl Kinder. In Holland dürfen Frauen erst vier Wochen nach der Niederkunft wieder in Fabriken und Werkstätten arbeiten. Auch besteht für gewisse Betriebe die Vorschrift einer alljährlichen ärztlichen Untersuchung, durch die eine Umgehung der Vorschrift ver- hütet wird. Bei der Niederkunft können die Mütter nur selten Wartefrauen zur Pflege und für den Haushalt annehmen. Auch in Holland zeigt sich die bekannte Tatsache, daß Brustkinder den KrankheitSgefahren viel leichter zu widerstehen imstande sind als künstlich ernährte Säuglinge. Die Säuglingssterblichkeit stellte sich bei letzteren etwa doppelt so groß wie bei jenen. Selbst in Ge- nieindcn. wo viele Hausfrauen ständig in Fabriken tätig sind, be- stehen keine entsprechenden Einrichtungen(Anstalten zur gemein- kämen Bereitung des Essens, Kinderhorte u. dgl.). Das Aufhören des Stillens infolge der Hast der Mutter, rechtzeitig nach der Fabrik zurückzukommen, hat eine zunehmende Kindersterblichkeit zur Folge. Die für diese Frauen so notwendigen Säuglingsheime fehlen vollständig. In den großen Städten bestehen Krippen. Sie werden aber von anderen außer dem Hause tätigen Frauen für ihre Kinder denutzt, z. B. von Handels- und Waschfrauen. Auch öffnen die Anstalten deS Morgens zu spät, um. von den Fabrik- arbeiterinnen benutzt werden zu können. § 218. In Leipzig wurde gegen 29 Frauen und Mädchen verhandelt, die sich des Vergehens gegen da» keimende Leben schuldig gemacht hatten. Wie aus der summarischen Urteilsbegründung hervorging. haben die verschiedensten Gründe die Angeklagten bewogen, sich jener Frau anzuvertrauen, die eS durch Buchführung und Auf- bewahren von Briefen verschuldet hat, daß so viel Unglück über viele Familien gekommen ist. Tie meisten sind aus purer Not zu dem Schritt gedrängt worden, sei es, daß sie als Familieninüttcr die Zukunft der Ihren zu bedenken hatten, fei es, daß sie als lcdige Erwerbstätige ihren Beruf und ihr Brot gefährdet sahen. Eine Mutter, die ihr Kind zu dem Vergehen angestiftet hat, muß dies mit 8 Monaten Gefängnis bezahlen, eine Frau, die ihrer Freundin einen guten Rat zu geben glaubte, soll dafür drei Monate büßen. Eine Frau, die Grund hatte, bei eintretender Schwangerschaft für ihr Leben zu fürchten, ist trotzdem noch mit einigen Wochen Ge- fängnis bestraft worden. Keine der unglücklichen Frauen hat aus purem Lcichlsinn oder Mutwillen gehandelt, ße alle trieb die eherne Notwendigkeit: sie mutzten ihre Position. behaupten, die in dem gelobten Gegenwartsftaat durch eine Schwangerschaft gefährdet war. Diese Auffassung hat augenscheinlich auch das Gericht gehabt, denn eS hat sämtlichen Angeklagten nnldernde Umstände zugebilligt, so daß sie vor dem Zuchthause bewahrt blieben. Aber die Strafen, die auf Grund unserer Gesetze für das in Frage stehende Vergehen an- gedroht werden, sind auch bei Zuerkennung mildernder Umstände noch furchtbar hart._ Erfolge der katholischen Arbeiterinnenvereine in der Pfalz. In dem Organ des Verbandes süddeutscher katholischer Ar- beiterinnenvereine findet sich folgende charakteristische„Briefkasten"- notiz: L. H. i. P.„Warum liest man denn gerade von den Pfälzern keinen Bericht mehr in der„Arbeiterin"? So fragen Ihre Mit- glicder. Die Redaktion hat sich auch schon manchmal diese Frage borgelegt; noch mehr, sie hat sich schon bemüht, über den Stand der Arbeiterinnenfrage in der Pfalz, über die wirtschaftliche Lage der Arbeiterinnen eigene Artikel zu bekommen. Leider blieben alle Versuche bisher ohne Erfolg. Mir dünkt, daß die Sozial- demokratie zuerst noch mehr Verheerungen unter den Arbeite- rinnen der Pfalz anrichten muß, ehe man der kath. Arbeiterinnen- vereinsbetvegung die gebührende Beachtung schenkt. Es ist das ein recht bitteres Bewußtsein.— Bisher scheint eS also in der Pfalz nur Nichtachtung des katholischen Arbciterinnenvereins zu geben. Das erregt bei uns durchaus kein bitteres Bewußtsein. Ueber den Stand der Arbeite. rinnenfrage und die Lage der Arbeiterinnen in der Pfalz Berichte zu erhalten, kann doch aber gar nicht schwer werden. Man wende sich nur an die richtige Stelle, die Gewerkschaften und die politische Organisation in der Pfalz! Tie Frau in der Kommune. Eine soeben angestellte Enquete ergibt, daß in Baden bereits in 42 Städten 160 Frauen in städti- scheu Koimnifsionen tätig sind: in Schulkommissionen 62, in Hon- dels- und Gewerbeschulkommissioncn 24, in Armcnkommissionen 49, in den Kommissionen für öffentliche Gesundheitspflege 12 und in Kommissionen für nützliche und soziale Angelegenheiten 13 Frauen. Dazu kommt noch Mannheim, das in 19 Kommissionen 44 Frauen hat._ 0cncbt9- Zeitung. Urteil im Prozeß Kaim. In dem großen Unterschlagungsprozeß, über dessen Inhalt wir berichteten, wurde gestern das Urteil verkündet. ES lautet gegen den Agenten Georg Kaim auf 4 Jahr« 6 Monate Gefängnis, 2560 M. Geldstrafe evcnt. noch 259 Tage Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Ter Angeklagte wurde in Haft genommen. Der Ge- richtshof hat den Angeklagten in fünf Fällen des Betruges, in einem Fall der Unterschlagung, ferner des Bankrotts für schuldig btfundcn. Da» Urteil hob u. a. he.-vor. daß die Versicherung der Firma Heycr, d. h. deren Inhaber, daß sie getäuscht worden seien, dem Gerichtshof den Eindruck der vollsten Glaubwürdigkeit gemacht babc. Diese hochanständigen Leute seien durch den Angeklagten ge- schädigt worden, der es verstanden habe, sie mit immer größerem Vertrauen zu seiner Person zu erfüllen. Ter Gerichtshof habe eine fortgesetzte Handlung angenommen. Auch in den Fällen Thomas u. Rost und Clemens u. Wittkowski sei der'Betrug bzw. die Unterschlagung erwiesen. WaS den Darlehnsschwindel seitens des Angeklagten betrifft, so sei das Gericht der Ueberzeugung, daß auf feiten der Herren Wittkowski irgendwelche unreellen Maß- nahmen nicht festzustellen sind. Bei der Strafabmessung ist folge» des erwogen: Dem Angeklagten konnte nicht widerlegt werden, daß er aus den Transaktionen große persönliche Vorteile nicht gezogen und nennenswerte Beträge nicht hinter sich habe, ferner hat er den Schaden zum Teil wieder gut gemacht. Andererseits aber war zu berücksichtigen, daß die Verfehlungen sich über einen großen Zeit- räum erstreckten und daß durch ihn die Firma Heyer an den Rand des Konkurses geführt worden ist und einen Zwangsbergleich eingehen mußte, die andere Firma aber zusammengebrochen ist. AuS diesen Erwäaungcn sind dem Angeklagten mildernde Umstände versagt Worten.___ Polizeistunde und Lokalfchluß. Eine Polizeiberordnung des Regierungspräsidenten zu Posen bestimmt: Wenn für eine Ortschaft(des Regierungsbezirks), in welcher an Lohn- und Borschußzahltagen infolge übermäßigen Ge- nusses geistiger Getränke Störungen der öffentlichen Ordnung vor- gekommen sind, von der Ortsvolizeibehörde bestimmte Tage als Lohn- und Vorschußzahltage festgestellt sind, kann die Ortspolizei- behördc allgemein oder für bestimmte Wirtschaften eine frühere Polizeistunde als die regelmäßige festsetzen. Nun hat der Polizeipräsident von Pose» durch Bekanntmachung vom 12. Oktober 1911 für das Gebiet der Stadt Posen alle Sonn- abende für Lohn- und Vorschutzzahltage im Sinne jener Verord- r:ung des Regierungspräsidenten erklärt und vorgeschrieben: An diesen Tagen sind Gast- und Schanlwirtschaften hinsichtlich der Räume, wo der Ausschank gewöhnlichen Branntweins betrieben wird, um 5 Uhr nachmittags zu schließen» d. h. die bezeichneten Räume müssen um 5 Uhr geschlossen werden und es sind von da ab in ihnen keinerlei Gäste zu dulden. Eine große Anzahl Poscnscher Gastwirte(Dhter und� Gen.) wurden wegen Uebcrtretung der Bekanntmachung des Polizei- Präsidenten tn Verbindung mit der Verordnung deS Regierungspräsidenten angeklagt. Das Landgericht hob das freisprechende Urteil des Schöffengerichts auf und entschied im Gegensatz zu diesem, daß die Bekannt- machung des Polizeipräsidenten vom 12. Oktober 1911 gültig sei. Die Angeklagten legten gegen das landgerichtliche Urteil Rc- Vision beim Kammcrgericht ein und machten geltend, daß die Be- kanntmachung dez Polizeipräsidenten ungültig sei. Das Kammergrricht hob am Mittwoch das Urteil deS Landgerichts auf und sprach die Angeklagten frei. Es erklärte die Bc- kanntmachung des Polizeipräsidenten vom 12. Oktober 1911 für ungültig und führte kurz auS: Nach seiner Bekanntmachung habe der Polizeipräsident nicht die Polizeisti-nde anderweit festgesetzt für die betreffenden Lokalitäten, wozu ihn d'e Verordnung des Regierungspräsidenten ermächtigte, sondern er habe überhaupt die gänzliche, uneingeschränkte Schließung der betreffenden Lokalitäten an den Lohn- und Vorschußzahltagen von b Uhr nachmittags ab angeordnet. Dazu sei er aber nicht berechtigt gewesen. Daraus ergebe sich die Freisprechung. Erfurter Streifjustiz. Wegen angeblicher Mißhandlung eines Arbeitswilligen während der vorjährigen Metallarbeiteraussperrung in Erfurt wurden am Dienstag zwei Arbeiter zu? schwerer Strafe verurteilt. Die„Miß- Handlung" bestand nach der Beweisaufnahme darin, daß der eine Angeklagte K. dem Arbeitswilligen Okko Jung einen Stöck forknahm und der zweite Angeklagte N. dem Arbeitswilligen einen Schlag mit der Hand gab. In der ersten Verhandlung am 31. Oktober v. I. wurden die Angeklagten zu 5 Monaten, 3 Wochen und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt; der Staatsanwalt hatte je drei. Monate beantragt. Das Reichsgericht hob das Urteil auf» weil § 153 G.-O. zu Unrecht angezogen worden war. In der erneuten Verhandlung beantragte der Staatsanwalt, das Strafmaß nicht herabzusetzen, jedoch ließ das Gericht„Milde" walten: es ver- urteilte den Angeklagten K. zu 4 Monaten� 2 Wochen und den Angeklagten N. zu 5 Monaten Gefängnis. Versammlungen. Eine außerordentliche Branchenversammlung der Kranken- kassenangestellten war von der Leitung der Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Bureauangestellten am Dienstag nach den„Musiker- sälen" einberufen worden, um zu dem vom Verbandsvorstand aus- gearbeiteten Entwurf einer Dienstordnung Stellung zu nehmen. Das Referat hatte Giebel übernommen, welcher eingangs seiner Ausführungen erklärte, daß die späte Veröffent- lichung des Entwurfs, welche bei den Mitgliedern eine große Miß- stimmung hervorgerufen habe, nicht dem Verbandsvorstand zur Last zu legen sei. Der Vorstand des Verbandes der Ortskranken- lassen, der vom Krankenkassentag in Dresden den Auftrag er- halten habe, eine Dienstordnung auszuarbeiten, habe eine Ver- ständigung mit dem Verbandsvorstand der Bureauangestellten illu- sorisch gemacht und dann selbsiänbig einen Entwurf ausgearbeitet, der aber der Oeffentlichkeit nicht unterbreitet worden ist. Dieser Entwurf berücksichtige aber so wenig die berechtigten Forderungen der Krankenkaffenangestellten, daß sich der Verbandsvorstand ver- anlaßt sah, einen Gegenentwurf auszuarbeiten, welcher ebenfalls dem diesjährigen Krankenkassentag, der vom 4.— 6. August in Köln stattfindet, vorgelegt werden soll. Die in diesem Entwurf enthal. tenen Forderungen, seien auf das Mindestmaß herabgedrängt worden, um von vornherein keinen Anstoß beim Krankenkassentag zu erregen; es werde nur das unbedingt Erreichbare gefordert. Die wichtigste Förderung sei die Sicherung der Existenz der An- gestellten. Der Anstellungsvertrag, der heute bestehe, greife ja ganz gewaltig in das Kiindigungsrecht der Kassenvorstände ein, weswegen diese ob ihrer Zustimmung zu diesem Vertrage vielen Angriffen ausgesetzt gewesen seien. Es ist aber trotzdem dieser Punkt in dem Entwurf wieder aufgenommen worden, obgleich eine Reihe von Kasscnvorsiänden überhaupt keine Einengung des Kündigungsrechts haben wollen. Die Verjährungsfrist für einmal erteilte Verwarnungen sei aber fallen gelassen worden; in dieser Frage ist die Konzession gemacht worden, daß ohne Rücksicht auf die zeitliche Entfernung wegen wiederholter Pflichtvergessenheit und Verwarnung die Kündigung ausgesprochen werden kann. Ferner enthalte der Entwurf die Einteilung der Angestellten in fünf Gruppen; diese Einteilung spiele für Berlin keine Rolle, da hier wohl nach wie vor nur drei Gruppen gebildet werden wür- den. Die Einteilung in fünf Gruppen berücksichtige nur die Ve» Hältnisse in Sachsen, wo es Brauch sei. jugendliche Angestellte bis herab zu 16 Jahren zu beschäftigen. Redner empfahl der Versammlung, diesem Entwurf ihre Zustimmung zu geben, da er die Forderungen enthalte, die der Verbandstag aufrecht erhalten habe.— In der hierauf folgenden Generaldiskussion wurde teils für, teils gegen den Entwurf Stellung genommen. Die Gegner desselben führten aus. daß es nicht zu verstehen sei, daß Verschlechterungen platzgreifen sollen, obgleich das Gesetz dazu nicht zwinge. Nachdem man verschiedene Artikel im„Bureau- angestellten" vor Erscheinen des Entwurfs gelesen habe, sei man sehr enttäuscht gewesen, als der Entwurf veröffentlicht wurde. Der Entwurf einer Dienstordnung für die Angestellten der BcrufSgenossenschaften enthalte mehr Verbesserungen.— In der anschließenden Spezialdiskussion wurden die Vorschläge einer Kommission, welche von der Vertrauensmännerversammlung gewählt worden war, um entsprechende Abänderungsanträge für den Entwurf auszuarbeiten, nach eingehender Debatte gutgeheißen und auch aus der Versammlung heraus noch Streichungen und Ab- änderungen beantragt und vorgenommen. Die Versammlung brachte zum Ausdruck, daß diese Forderungen nur berechtigt seien, und erwartet von dem Krankenkassentag so viel soziales Empfinden, daß diese Forderungen keinem Widerstand begegnen werden. An unserem Bericht über die Versammlung der Kinderschutz- kommission wird uns berichtigend mitgeteilt, daß der Genosse Christian nicht Kontrolleur der Kommission ist; er gehörte der- selben vielmehr früher als Helfer an.— Der Name des Genossen, der auf die Schädlichkeit der Kinos hinwies, ist nicht«,D e t l o n, sondern D e t l o f._ Hub aller Welt. Daa Luftlchiff„Schwaben'4 verbrannt 30 Personen verletzt. DaS in Düsseldorf stationierte Zeppelin-Luftschiff„Schwaben" ist am Freitagmittag nach einer glücklich verlaufenen Fahrt, auf seinem-Änkerplahe neben der Ballonhalle von einem Windstoße erfaßt worden, der das Luftschiff mehrere Meter. emporriß. Dabei wurde die Hülle des Luftschiffes ausgerissen, die Gasballons ent- lernten sich und das entweichende Gas kam zur Explosion. Der entstehende Brand vernichtete das Luftschiff fast vollständig. Durch die Explosion wurden etwa 36 Personen verletzt, darunter sieben schwer. Unter den Verletzten befindet sich auch der Führer des Luftschiffes, Oberingenieur Dörr. Ueber die Katastrophe wird uns auS Düsseldorf folgende Darstellung gegeben: Im stolzen Fluge war heute vormittag um MIO Uhr das imposante Luftschiff„Schwaben" von Fbankfurt kommend nach schöner Fahrt über dem Flugplätze angelangt. Es war um 6 Uhr heute früh in Frankfurt a. M. aufgestiegen, um in Düsseldorf stationiert zu werden und Passagierfahrten zu unter- nehmen. Irgend welche Schwierigkeiten hatten sich während der Fahrt nicht gezeigt, auch die Motoren funktionierten tadellos. AIS das Luftschiff sich Düsseldorf näherte, fuhr ihm der Parsevalballon „Charlotte" entgegcen, der die Luftschiffhalle geräumt hatte, um dem großen Bruder Platz zu machen. Plötzlich aber setzte ein ziemlich heftiger Sturm ein, und man hatte daher Be- denken, das Luftschiff in die Halle hineinzubringen, weil man fürchtete, daß bei dieser Operation sich wie bei ähnlichen Anlässen ein Unfall ereignen könnte. Man verankerte daher das Luftschiff •int Freien und suchte es nach Möglichkeit zu sichern. Um die Mittagsstunde wurde der Wind aber immer heftiger und gegen %2 Uhr setzte mit einem Schlage eine sturmartige Boe ein, die das Luftschiff einige Meter hoch emporriß. Die Hülle wurde auf- gerissen und die Gasbehälter, die gleichfalls Beschädigungen er- litten hatten, als das Luftschiff durch den erhaltenen Stoß durch- brach, begannen sich zu entleeren. � AuS bisher unbekannter Ursache entzündete sich eine GaSzelle, und eS erfolgte eine große Explosion, die in wenigen Minuten den stolzen Lustkreuzer zerstörte und nur die Gerippe übrig ließ. Leider ist eS nicht beim Materialverlust geblieben, sondern die Katastrophe führte die Verwundung einer grckßen Reihe von Personen herbem JnL- besondere wurden hierbei die Soldaten betroffen, die bestimmt waren, die Seile des Luftschiffes zu halten, und auch die Be- dienungsmannschaften wurden in die Katastrophe mithineingezogen. *** AuS der Unglückschronik der Zeppelinschiffe. Der erste Lenkhalloii. der einem Unfall zum Opfer fiel, d'er L". Z. 2, dessen Erbauung itt Een November 1905 fällt. Im Januar 1966 wurde es nach einer glücklichen Landung vom Sturm zerstört. Dann folgte die Katastrophe von E ch t e r d i n g e n, bei welcher L. Z. 4 nach Ausführung der von der Militärbehörde zwecks Uebernahme vorgeschriebenen Uebungsfahrt total vernichtet wurde. Der Ersatz dieses Schiffes, O. Z. 5, der im Mai 1969 seinen ersten Aufstieg machte, erlitt bei Göttingen eine schwere Havarie, konnte aber umgebaut werden und wurde als Z. II vom Reich übernommen. Das Schicksal spielte dem Luftkreuzer abermals böse mit und brachte ihn bei Weilburg zum scheitern. Auch den L. Z. 7, der für Passagierfahrten der Frankfurter Delag- Gesellschaft bestimmt war, traf das Unglück. Er strandete im Teutoburger Walde, als er die„Pressefahrt" unternahm. Dann folgte die Katastraphe des L. Z. 6, der nach seiner glänzen- den Fahrt nach Berlin bei Bülzig schwer verunglückte. Am 14. September vorigen Jahres wurde O. Z. 6 durch Feuer zerstört. das beim Ausfüllen des Benzin in die Hintere Maschinen- gondel entstand. Die Explofionskatastrophe bei Schönebeck a. E. Ueber die bereits gestern gemeldete Explosion in der A l.l e n» dorffschen Sprengstoff- und Patronenfabrik Schönebeck a. E. werden uns noch folgende Einzelheiten ge- meldet: Die Fabrik, inmitten weiter Zuckerrübenfelder, auf der Feldmark von Groß-Salze gelegen, beschäftigt 250 Arbeiter. Ver- arbeitet wird in der Hauptsache Dorphit und eine Spezialmarke der Fabrik„Alldorphit". Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache explodierten im Waschhaus die dort bearbeiteten Stoffe und dieses sowie das benachbarte Trockenhaus flogen mit donner« ähnlichem, weithin hörbarem Knall in die Luft. Meterdicke Eisenträger wurden wie Halme geknickt und Eisen- teile und Fenstertrümmer wurden weit ins Feld hinausgeschleudert. In den Nachbarorten Groß-Salze, Schönebeck a. E. und Frohse wurden zahlreiche Fensterscheiben durch den gewaltigen Luftdruck zertrümmert, vielfach löste sich der Kalk von den Fassaden der be- nachbarten Häuser. Der schrecklichen Katastrophe sind leider auch blühende Menschenleben zum Opfer gefallen. Sofort getötet wurden vier Personen, schwer verletzt drei und leicht verletzt eine Person. Die Namen der Toten sind: Arbeiter Reinicke.Göhre» Rätsel und Meister Meyer. Letzterer wurde fast bis zur Un- kenntlichkeit verstümmelt unter den Trümmern hervorgezogen. Schwer verletzt sind die Arbeiter Lindner. Schüßler und Hadert, leicht verletzt der Arbeiter Krummbiege l. Die Verunglückten— mit Ausnahme deS getöteten Arbeiters Göhre find sämtlich verheiratet. Die furchtbare Explosionskatastrophe ist übrigens yicht die erste dieser Art. Bereits am 6. Mai 1909 und genau ein Jahr später. am 6. Mai 1910, flogen verschiedene Teile der Fabrik in die Luft und töteten mehrere Arbeiter. Jetzt wie damals war die Ursache wohl in einer Ueberhitzung des verarbeiteten Mate- r i a l S(Salpetersäure, Alkohol, Quecksilber usw.) zu suchen. Klar» heit wird jedoch kaum zu schaffen sein, da die unmittelbaren Augen- zeugen der Explosion sämtlich tot sind. Der General der Dominikaner vor Gericht. Aus Rom wird uns geschrieben: Ein Dominikanermönch namenS Trischitta hat gegen den General seines Ordens eine Schadenersatzklage anhängig gemacht, die zurzeit vor dem römischen Appellationsgericht verhandelt wird. Vor einigen Jahren wurde der Mönch Trischitta an die hiesige kirchliche Hochschule des hl. Thomas von Aquino als Lehrer der Philosophie berufen. Diese Berufung, die nicht durch den General des Ordens, sondern durch eine andere Instanz erfolgt, trug ihm die Feindschaft seiner Vorgesetzten ein. die diese Stelle gern einem Franzosen oder Deutschen zugedacht hätten, da diese beiden Nationen im Dominikanerorden das Ueber- gewicht haben. Es wurde daher den, Mönch geraten, die Stell« nicht anzutreten. Als er dem Rat nicht folgte, wurde er in Rom in jeder Weise verfolgt. Matt, verweigerte ihm ärztlich verordnete Bäder unter dem Vorwande, baß der Orden für sie zu arm wäre. Während der Mönch krank war, wurde er im Hochsommer dienstlich nach Sizilien geschickt. Da er bei einer höheren kirch- lichen Instanz vorstellig wurde, setzte eS der General durch, daß der Mönch bei seinen Ausgängen von zwei Polizisten, die die römische Polizeidireltion zur Verfügung stellte, beobachtet wurde. Auch seine Korrespondenz wurde widerrechtlich geöffnet. Schließlich stieß man ihn. unter Androhung von Gewalt aus dem Orden aus und inachte den kranken und mittellosen Mann obdachlos. Der beklagte Dominikanergeneral C o r m i« r macht geltend, daß der Dominikanerorden in Italien aufgehoben ist und also keine juridische Existenz hat, wogegen der Privatkläger anführt, daß der Orden tatsächlich besteht. waS er dadurch beweist, daß die Dominikaner unlängst in Rom einen Bauplatz für drei Millionen Lire erworben haben. Weiter hebt der Bellagte hervor, daß die Ausstoßung deS Mönches direlt vom Hl. Stuhl verfügt wurde, also ans Grund des GarantiegesetzeS zu keiner RechtSmaßnahme Anlaß geben kann. Die Rechtsvertreter des Privatklägers entgegnen darauf, daß das Garantiegesetz den Papst und seine Organe nur in bezug auf ihre Matznahmen religiöser Natur außerhalb der weltlichen Gerichtsbarkeit stellt, daß aber die zivilrcchtlichen Folgen, die die Ausführung der religiösen Maßnahmen nach sich ziehen, nicht der Immunität deS Hl. Stuhles teilhaftig werden können. Ein treffendes Betspiel christlicher Toleranz und Nächstenliebe. Bei einem Wirte Vrnndermild... Die„Kösliner Zeitung" bringt als Inserat das folgende sonderbare Selbstbekenntnis eines Gastwirtes: Einem geehrten Pnblilum von Köslin und Umgegend die er- gebene Mitteilung, daß ich wegen Ueberhandnahme de« Ungeziefers gezwungen bm. die Verabfolg» ng von Diners und EouperS einzustellen, um mich dadurch vor Strafe zu schützen. Hockachtungsvoll H. Metzke. Ob da nicht mancher, der bei dem Gastronomen speiste, nach- träglich noö�Bauchgrimmen bekommt? Meine Notizen. Djrri Streckenarbeiter überfahren. Der H-Zug 189 von Eisenach nach Eger ist Freitag früh bei Tröbsdorf in eine Kolonne Streckenarbeiter hineingefahren. Zwei Mann würden sofort getötet, einer schwer verletzt. Auch der Schwer- verletzte starb einige Stunden später im Krankenhause. Schwerer Betriebsunfall. In der Kruppschen Fabrik in Essen explodierte eine Giespfanne mit flüssigem Stahl. Die Masse ergoß sich über die darunter stehenden Arbeiter, von denen fünf lebensgefährlich verletzt wurden. Lebendig verbrannt. In einer chemischen Fabrik in Sos. nowice ist durch Benzinexplosion ein Brandschaden von 100 009 Rubel entstanden. Drei Arbeiter sind in den Flammen um» gekommen, ein vierter liegt hoffnungslos da» nieder. Das Testament deS Geisteskranken. Ein im Jrrenhause ver- storbener Rentner namens S a p e n e hatte dem König von Spanien sein ganzes, 2 Vi Millionen Frank betragendes Vermögen vermacht. In dem Erbschaftsprozeß, den die Schwester Sapcncs angestrengt hat, hat das ZtVilgericht von Saint Ga u d e n s (Dep. Oberpyrinäen) die Pflegerin ermächtigt, den König Alfons durch einen Gerichtsvollzieher aufzufordern, am 29. Juli vor dem Gerichtshof zu erscheinen. Allein-Verkauf fOr Gross-Berlin! Fovorit-Socken medizinisch imprägniert, vielfach begutachtet, bestens empfohiem Beseitigen Schweissfüase faar... SSf 1.35 A.3andorf&ß Belle-Alliancesfrasse Gr. 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BcrwgSanstatt Paul Singer Berlin SVL, Kr.M. 2S. ZilhrgavK. 2.§n\m des Jsraätls" Kcrlm WsM Zolluabklld, 29. Im» 1912. Der Derbaudstag der Holzarbttter. Sine lebhaste Debatte entwickelte sich in der gestrigen Vor- mittagSsitzung über die Regelung der Arbeitszeit. Die Debatte dreht sich in der Hauptsache um die Frage de» freien Sonnabendnochmittags. Schneppenhorst-Nürn» be rg wendet sich gegen die im letzten Absatz der Resolution nieder- gelegte Auffassung. Di« Einführung des freien Sonnabendnach- mittags verswste nicht gegen die Grundsätze der Arbeiterbewegung. Trete coch auch die Reichstags fraktion sowie die bayerische Land- tagsfraktion(der der Redner angehört) für diese Forderung ein. In Nürnberg haben rund 4000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Bleistiftindustrie den freien Sonnabendnachmittag vertraglich fest- gelegt, und sie seien sehr froh darüber und würden diesen Vorteil nicht wieder preisgeben. Der Redner macht den Vorschlag,'daß eine Kommission vom Verbandstag zur Ausarbeitung einer Denk» schrift über den steien Sonnabendnachmittag eingesetzt werde. Schröder-Düsseldorf ist im Prinzip dafür, daß man von dem freien Sonnabendnachmittaa?lbstand nimmt und auf jeden Fall das Hauptgewicht auf die Verkürzung der täglichen Ar- beitSzeit legt. Reoner erklärt sich für die Resolution, wünscht jedoch die Aenderung, daß der freie Sonnabendnachmitiag schon bei 8�stündiger täglicher Arbeitszeit angestrebt werden kann. Mayer-Fürth erklärt, daß der freie Sonnabendnachmitiag von großem Vorteil für die Arbeiter und Arbeiterinnen sei. Er ist durch Vertrag in Fürth eingeführt. Man freue sich die ganze Woche darauf, und diese Einrichtung sei auch z. B. deswegen von Wert, weil man dadurch in Stand gesetzt werde, größere Ausflüge zu machen, und einen Ersatz für Ferien habe. Schleicher. Stuttgart wendet sich entschieden gegen die Auffassung von Schneppenhorst und Mayer. Es komme vor allem auf die Verringerung der täglichen Arbeitszeit an, namentlich auch mit Rücksicht auf die Unfallgefahr, die ja unter den Maschinen- arbcitern so ungeheure Opfer fordere. Sei doch festgestellt durch Reichsstatistik, daß% aller Unfälle auf die lange Arbeitszeit zurück- zuführen sind, während nur M auf die frühen Arbeitsstunden fallen. Schon auS Rücksicht auf die Toten und Verstümmelten vom Schlachtfelde der Arbeit müsse man alle Kraft auf die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit legen und sich nicht mit dem freien Sonn- abendnachmittag abspeisen lassen.— Der Redner äußert sich dann über einen Streitfall in Stuttgart, wo, besonders auf Betreiben der Metallarbeiter, die Arbeitszeit von 9 auf Ü'A Stunden täglich verlängert, und dafür der freie Sonnabendnachmitiag eingeführt wurde, und Zwar im Widerspruch zu dem allgemeinen Tarifvertrag. Die OrtSbcrwaltung des Holzarbeiterverbandes hat sich bemüht, die betreffenden Mitglieder davon zu überzeugen, daß ihr Ver- halten gegen die Grundsätze ihre» Verbände? verstößt, aber ver- geblich. ES ist nun Ausschlußantrag gegen diese Mitglieder ge- stellt. Lei pari(VcrbandSvorsitzender) führt au?: ES sei nicht zu leugnen, daß die Vorgänge in Stuttgart dazu beitrugen, daß der Punkt: Die Regelung der Arbeitszeit, auf die Tagesordnung de? VerbandStagcs gesetzt wurde. Der Vorstand mißbilligt da? Ver- halten der Kollegen in Stuttgart mit aller Entschiedenheit und schlägt folgende Erklärung dem Verbandstage zur Annahme vor: „Das Verhalten der Mitglieder in Stuttgart, welche zu- gunsten des freien Samstagnachmittags in eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit eingewilligt haben, mißbilligt der Ver- bandstag mit aller Entschiedenheit, weil damit unser Kampf um weitere Verkürzung der täglichen Arbeitszeit in hohem Maße erschwert wird. Da das Vorgehen der betreffenden Mitglieder zugleich einen Bruch des vom Verband in ihrem Namen und mit chrer Zustimmung abgeschlossenen Tarifvertrages bedeutet, muß der Verbandstag die Haltung dieser Mitglieder um so mehr ver- urteilen, als es dem Verband durch ein solches Verhalten in der Zukunft unmöglich gemacht Wird, die ihm obliegende, moralische und rechtliche Verantwortung für die Durchführung und Auf. rcchterhaltung der abgeschlossenen Tarifverträge zu tragen. Der VerbandStag betont mit Nachdruck, daß Verträge, die im Namen des Verbandes abgeschlossen sind, von den beteiligten Mitgliedern als unverletzlich angesehen und in allen Punkten streng ein- gehalten und vertreten werden müssen, und daß Mitglieder, die sich trotz Ermahnung weigern, für die Einhaltung und Durch- führung der Verträge einzutreten, mit solcher Haltung in grob- stcr Weise gegen die Interessen deS Verbandes verstoßen." Der Vorstand wird dem Kollegen N e u m a n n Auftrag er- teilen, gleich nach dem Verbandstage nach Stuttgart zu reisen, um die betreffenden Kollegen auf gütlichen: Wege für die Wieder- einführung der vertragsmäßigen Arbeitszeit zu gewinnen. Sollte der Versuch fehlschlagen, so w»rd der Vorstand über den Ausschluß- antrag entscheiden. Wenn der Vorstand des HolzarbeiterverbandeS Tarifverträgen zugestimmt habe, worin statt täglicher Arbeitszeit- Verkürzung der freie Sonnabendnachmitiag oder Verkürzung der Arbeitszeit an den Sonnabenden festgelegt wurde, so handle es sich eben um solche Verträge, denen man zustimme, obwohl man nicht von ihnen befriedigt sei. Die Ablehnung des freien Sonnabend- nachmittag«, wie sie in der Resolution dargestellt ist, sei keineswegs eine prinzipielle, sondern vielmehr eine taktische Maßnahme. Selbstverständlich sn man durchaus nicht gegen den freien Sonn- abendnachmittag, man müsse Wer vor allem für die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit sorgen. Schneider. Zeitz berichtet, daß in Zeitz, wo seinerzeit in der Kinderwagenindustrie nach einem verlorenen Streik der freie Sonnabendnachmitiag eingeführt wurde, inzwischen die Klavier- arbciter dasselbe erstrebt und erreicht haben, aber auch auf Kosten einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit von v auf 9% Stunden. Der Redner verwirst das entschieden und empfiehlt die vor- geschlagene Resolution.— Ueber einen ähnlichen Fall wie in Zeitz berichtet Niemann. Elberfeld aus der Nachbarstadt Barmen. Marie Amman- Nürnberg hält den freien Sonn- abendnachmittag im Interesse der Arbeiterinnen für außerordent- lich wertvoll. Er gebe den Frauen Zeit, ihren Haushalt zu ver- sorgen. Wenn Leipart nach Nürnberg komme, werde er mit seiner Auffassung bei den Arbeiterinnen aus größten Widerstand stoßen. Nachdem sich noch weitere Redner zu der Frage und zu den vorliegenden Anträgen geäußert haben, tritt Schluß der Debatte ein. N e u m a n n legt in seinem Schlußwort nochmals seinen Standpunkt dar, der übrigens der des gesamten Vorstandes ist. Es komme vor allem darauf an, prinzipiell auszusprechen, daß der Holzarbeiterverband in Zukunft nach den in der Resolution nieder- gelegten Grundsätzen handeln werde, und demgemäß sei das Verhalten der erwähnten Kollegen in Stuttgart, Zeitz und Barmen zu verurteilen. Der Vorstand könne sich jedoch mit einem inzwischen von Schneppenhorst eingebrachten Abänderungsvorschlag zur Resolution einverstanden erklären, welche besagt, daß im letzten Absatz der Satz, der deginnt mit den Worten:„Solange die täg- liche Arbeitszeit"— und endigt mit„anerkannt werden", ge- strichen, und statt dessen eingefügt wird: „An die Einführung des freien SonnäbendnachmittagS kann ernstlich erst herangetreten werden, wenn die täglich« Arbeits- zeit in ausreichendem Maße verkürzt ist."— Mit dieser Abänderung wird sodann die Resolution angenom- men. Ferner gibt der VerbandStag einstimmig seine Zustimmung zu einer Erklärung, die besagt, daß der VerbandStag einmütig auf dem Standpunkt steht, daß die Ueberzeitarbeit aufs schärfite be- kämpft werden muß. Die Erklärung zu der Stuttgarter Angelegenheit wird ein- stimmig angenommen. Dazu wird dann noch folgender Zusatz be- schlössen: „Der VerbandStag erwartet, daß die Kollegen in Stuttgart ihren die Organisation schädigenden Standpunkt revidieren und die vertragsmäßige Arbeitszeit sofort wieder einfiihren." Ueber die oben erwähnten Anträge wird entsprechend den Bor- schlagen der Kommission entschieden. In der Siachmittagssitzuvg kommt in erster Reihe die Frage der höheren Hanptkassenbeittagspflicht der leistungsfähigeren Zahlstellen zur Entscheidung. Leopold Berlin berichtet über das Ergebnis der neuen KommissionSverhand lungen. Die Kommission empfiehlt, den Münchener VerbandStagS' Beschluß in der Weise durchzuführen, daß die Zahlstellen, wo Lokal- Beiträge von 10 Pf. und darüber erhoben werden, von je 5 Pf. einen Pfennig an die Haupttasse abzuführen haben, so daß also, da der allgemeine Beitrag 60 Vf. beträgt, bei einem Gesamtbeitrag von 70 Pf. 2 Pf. mehr als bisher(somit im ganzen 52 Pf.) ab- zuliefern sind, bei 7b Pf. 3 Pf. usw. mehr. Zahlstellen mit 1 M. Gesamtbeitrag, wie Berlin, haben danach 58 Pf. pro Mit- glied und Woche der Hauptkasse zu überweisen. ES wird nochmals gründlich über die Frage diskutiert. Die meisten Redner treten für denKommissionSvorlchlag ein und erklären dies teils im Namen der Gaue. Glocke- Berlin erklärt, daß die Berliner Delegierten grundsätzlich dafür seien, daß bei Mehrbedarf an Mitteln der Beitrag zur Hauptkasse auf der ganzen Linie erhöht werde, daß sie aber nach Würdigung der ganzen Verhältnisse be- schlössen hätten, für den Kommisfionsantrag einzutreten, obwohl der Zahlstelle Berlin dadurch große Opfer auferlegt würden. Die Ber- liner wollten dadurch von neuem beweisen, daß sie jederzeit bereit sind, dem Verband gegenüber ihre Solidarität und Opferwilligkeit kundzutun. Der KommisfionSantrag wird schließlich in namentlicher Ab« stimmung mit 155 gegen 19 Stimmen angenommen, und damit wurde zugleich auch folgende Erklärung der Kommission gut« geheißen: „Werden Zahlstellen durch hohe Kosten bei Streiks oder Au«- fperrungen genötigt, vorübergehend ihren Loialbeitrag um mehr als 10 Pf. zu erhöhen, so soll dieser erhöhte Betrag von der Be- rechnung deS an die Verbandskasse abzuführenden Beitrages aus» genommen werden." Zur Verhandlung kommt dann: Die ArbeitSvermittelnng im deutsche« Holzgewerde. Leipart als Referent legte folgende Resolution vor: Die Notwendigkeit der allgemeinen ArbeitSlofenfürforge, die bereit« mehr und mehr da« öffentliche Gewissen bedrängt, zwingt die Gewerkschaften, der Arbeitsvermittelung al« dem wichtigsten Teil der Arbeitslosenfürsorge mehr als je ihr Augenmerk zu schenken. Um so mehr, als von der Regelung der ArbeitSvermitte- lung auch der materielle Erfolg aller Bestrebungen der Bewerk- fchaften, die auf die Verbesserung der Lohn- und Arbeit«- Bedingungen gerichtet sind, in hohem Maße abhängig ist. Ohne Arbeitsnachweis lasten fich die errungenen Vorteile, selbst wenn sie durch Tarifverträge geschützt sind, viel schwerer aufrecht er- holten, weil sie durch das regellose Arbeitsangebot der widerstand«- unfähigen Arbeitslosen täglich in Gefahr gebracht werden. Der VerbandStag verpflichtet aus diesen Gründen alle ver- bandSmitglieder. die Regelung der Arbeitsvermittelung überall und mit allen Kräften zu unterstützen und bei Arbeitslosigkeit selbst die bestehenden Arbeitsnachweise in jedem Falle zu benutze«. In Orten, in denen Arbeitsnachweise noch nicht bestehen, sind solche einzurichten. Die paritätische Grundlage deS Arbeitsnachweise« er- kennt der VerbandStag nach wie vor als richtig an und beauftragt die Lokalverwaltungen, nach Möglichkeit auf die Errichtung paritätischer Arbeitsnachweise für die Holzindustrie hinzuwirken, die in Städten mit kommunalen oder sonstigen öffentlichen Arbeits- nachweisen diesen als besondere FacharbeitSnachweise angegliedert werden können. Für die paritättschen Arbeitsnachweise betont der VerbandStag wiederholt die Notwendigkeit deS Obligatorium«. Wird ein Arbeitsnachweis von Arbeitgebern und Arbeitern gemeinschaftlich errichtet und verwaltet, so muß auch für alle Angehörigen beider Parteien die Pflicht bestehen, sich nur dieses Arbeitsnachweise« zu bedienen. Umgehung des paritätischen Arbeitsnachweise« ist«wer Verletzung deS Tarifvertrages gleich zu erachten. Hierbei bringt jedoch der VerbandStag gleichzeitig zum Ausdruck, da« auch bei der Vermittelung nach der Reihenfolge selbstverständlich da« Hauptgewicht darauf zu legen ist, den rechten Mann an den rechten Platz zu vermitteln, so daß den berechtigten Wünschen beider Teile in weitestem Maße Rechnung zu tragen ist. Ein paritätischer Arbeitsnachweis ohne Obligatorium, dessen Benutzung ganz in das Belieben de« einzelnen Arbeitgebers und Arbeiters gestellt ist, kann nicht alS eine gesunde und dem Frieden dienende Regelung der Arbeitsvennittelung angesehen werden. Solange die Arbeitgeber nicht zur Errichtung obligatorischer paritätischer Arbeitsnachweise bereit sind, muß in den betreffenden Städten der eigene Arbeitsnachweis de« Ver» Bandes mit allen Mitteln gefördert werden. Der Redner behandelte die ganze Frage noch eingehender, namentlich auch in Verbindung mit der Arbeitslosenfürsorge, wobei er u. a. die gesetzlich« Regelung in Dänemark erwähnte, und empfahl die Annahme der Resolution. Der Vortrag Leipart« über die Materie wurde mit leb- haftem Beifall aufgenommen.— Mit Rücksicht auf die vielen Punkte der Tagesordnung, die noch zu erledigen sind, wurde auf eine Debatte verzichtet und die Resolution einstimmig angenommen. Um am Sonnabend mit den Arbeiten des Verbandstages fertig zu werden, wird eine besondere Abendsitzung anberaumt. iL Ordrntlichtt Derbaudstag der Schuhmacher. Dresden, 27. Juni. Am heuttgen vierten Verhandlungstage wird die Diskussion über das Referat Lohnbewegungen und Streiks fortge- führt und den Ausführungen des Hauptvorsitzenden am dritten Ver- handlungStag noch manches interessante Moment hinzugefügt. Da die Aussprache ebenfalls in einer geschlossenen Sitzung stattfindet, können wir auf die vorgetragenen beachtenswerten Vorschläge nicht weiter eingehen. Zwischendurch wurde die Wahl einer EtatutenbcrotungSkom- Mission vorgenommen, der alle vorliegenden Anträge zum Statut und zur Beitragserhöhung überwiesen werden. In diese Kom- Mission werden gewählt: B e n d i g- Berlin, Feldmüller- Pirmasens, H e r r m a n n-DreSden, H ä r i n g-WeißenfelS, Kühn- Offenbach, M ü I l e r- Nürnberg, N o w a h- Erfurt, Sperr- Kornwestheim und Z i e g l e r- Burg. Unter Hinzuziehung de» Zentralvorstandes soll die Kommission versuchen, die verschiedenen Vorschläge, die in der Diskussion gemacht werden, zu einer Borlage zu verdichten. Die meisten Redner sprechen fich für eine BestragSerhöhung au», doch gehen die Meinungen darüber auseinander, wie man am besten den Wünschen der Kollegen gerecht wird. So wird von einem Teile der Kollegen eine Beitragserhöhung von 5 Pf. schon als ge- nügend erachtet, während ein anderer Teil, und da» ist die Mehrzahl, diesmal 10 Pf. festgesetzt wissen will. Dabei wird aber von allen Seiten betont, daß eine gleichzeitige Erhöhung der Unterstützungs,, sätze nicht in Frage kommen kann, denn die Unterstützungssätze sind schon heute gegenüber den Beiträgen auf einer Höhe, die al» kein günstige» Verhältnis bezeichnet werden kann. I Ueber die augenblickliche Situation in der Schuhindustrie, die geradezu dahindrängt, den Verband finanziell etwas fester auf die Füße zu stellen, sind sich die Delegierten alle einig. Einige Redner bedauern, daß das Referat des Kollegen Simon nicht von allen 46 000 Mitgliedern geHort worden ist. Dann würde über die Not- wendigkeit einer Beitragserhöhung nur eine Meinung sein, bis jetzt hat man sich in großen Bezirken noch nicht recht damit befreunden können. Von anderen Rednern wird es als auffallig bezeichnet, daß der Zentralvorstand in der Frage der Beitragserhöhung so untätig geblieben ist. Er mußte doch wissen, wa» ihm nottut, es sei schwer, den Kollegen diese» passive Verhalten deS Vorstandes klarzumachen. Mit Recht wird aber dem entgegengehalten, daß die Forderung nach einer Beitragserhöhung aus den Mitgliedern selbst kommen mutz, denn diese sind doch auch über die Lage orientiert. Die Kommission erstattet, da sie sich inzwischen über die Bei- tragSerhöhung schlüssig geworden ist, durch Bend ig-Berlin Bericht und beantragt eine Beitragserhöhung von 10 Pf. pro Woche. Gleichzeitig soll aber damit eine Erhöhung der Streikunterstützung beschlossen werden. Die Kommission habe fich nicht mit dem Satz von 5 Pf. befreunden können. Nachdem Genosse Simon- Nürnberg in einem längere» Schlußwort die vorgetragenen Einwände geprüft und nochmal» in anfeuernden Worten auf die Gesamtfituation verwiesen hatte, wurde der Antrag mit 38 gegen 87 Stimmen angenommen. FeelreliaUse«emetnde. Sonntag, den 80. Juni, vormittag»» Uhr. Pappel-All« 15/17, und Rixdorf,.Jd-al.Pasfage"- Freirrltgiisr vorUsimg. vormittag» 11 Uhr, Kleine Frankfurter'Ew.«: Vortrag von Herr» Dr. H. Hasse:.Gedantenwell und Ausgaben de» Freimaurertmn»».— Damen und Herren al««äste sehr wtlltouunen. «llgemetne«tranken, und Sterbekasse der Vtetallarbeiter »« Hamburg.(«. H. 29.) Filiale Ba«m?ch»lenweg. Sonnabend. den LS. Junt, abend« S'/, Uhr. bei KSdwg. Baumfchulenstr.«7:»ahl der OttSverwallung. Erdrückende Beweise gegen unsere Feinde jeder Zweifel, jedes Misstrauen geklfirtl Um unsere Behauptungen, die H. K. G. sei die billigste Bezugsquelle für Herren- und Knaben-Bekleidung und biete dem Publikum bedeutende Ersparnisse, jederzeit beweisen zu können, haben wir bei mehreren Konkurrenz-Firmen Einkäufe machen lassen und festgestellt dass diese Artikel bei regulären Verkaufspreisen bis zu 25% teurer sind wie bei uns. Die Beurteilung dieses Tatbestandes überlassen wir dem geehrten Publikum. Herren- Kleider- Vertriebs- Ges. Nur Neue Schönhauser Strasse 1» b. H iclster- ■aste. Selbstkostenpreis+10% DEUTSCHLANDS grösstes SPEZIAL-GESCHÄFT für Herren-, Jünglings-, Knaben- und Sport-Bekleidung mit dem Verkaufs-System Selbstkostenpreis+ 10°/° % Todes-Anzeigen Allen Freunden und Bekannten I die tieftraurige Nachricht, bajj Imew lieber, berzenSguter und unvergeßlicher Mann, guter Sohn, f Bruder, Schwager und Onkel psul Pressep I im Alter von 27 Jahren plötzlich durch Ertrinken verunglückt ist. DicS zeigt in tiefer Trauer an Witwe Margarete Preaser geb. Seidel nebst Angehörige» Wrangelstraße 76. Die Beerdigung findet Sonn- I abend, den 29. d. M., nachmittags 'hi Uhr. von der Leichenhalle des in Friedrichs. 2269b ! Zentralfriedhofes ! felde aus statt. lZeuMös Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unfer Mtglied, der Bohrer Psiri Pressen (Wranael-Str. 76) am 26. d. Mts. durch Ertrinken gestorben Ist. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 3'/. Uhr, von der Halle des Zeniral-Fried- Hofes in Friedrichsfelde guS statt. Rege Beteiligung erwartet 120/1 Die Ortsverwaltnng. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterm Anna Qallasch am 28. d. Mts. im Aller von 46 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. d. Mts, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Neuköllner Gemeinde» Friedhofs, aus statt. Mariendorfer Weg, Den Mitgliedern Nachricht, daß unfer Kollege, der Arbeiter Lmil Brazeit am 26. d. MtS. im Aller von 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Zentral-FriedhofeS in Friedrichs- felde aus statt. Um rege Beiellignng ersucht 65/1 Die Bezirksverwaltung. I Verband der Gemeinde- o. Staatsarbeiter. Filiale Clrofi-BerllB. Durch den Tod ist unS eweS unferer Mitglieder, der Kolleg« Gustsv Schräder welcher im Betriebe des Zentral» magazinS des ftädi. Gaswerks be- fchöfligt war, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Sonntag, den 30. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS ThomaS-KirchhofeS, Neukölln, Her- mannfttaße 179/18S, aus statt. 34/16 Die OrtSverwaltnng. jlleutscbertl'beliek-�ellogi'apben- W„System Arentls". 1 Mitgliedschaft Groß-Berlt«. Am 26. Juni verstarb unser > Mitglied 292/20 Emil Brozeit {nach langem, schwerem Leiden. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet Montag, ! den 1. Juli, nachmittags 6 Uhr, / auf dem städtische» Friedhos in FricdrichSselde statt. Um reg« Be- telligung ersucht Der Vorstand. . Musikverein Künstlerheim. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß unser langjähriges, tteueS Mitglied ihn Paul König an den Folgen eines Unfalles plötzlich durch de» Tod auS un- ferer Mitte gerissen wurde. kire seinem tadenteni Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- and Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2. 6-7. Bonataea 10—12. 2-4 Vornehme Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. E,- deutend herabgesotwien Preisen. Ma&- Anzüge aus den modernsten Stoffen von 45 M. an in eigener Betrlobawerkst&tte. 30702* Lieferant der Konsuln• Geeossentchaft Berlin und Umgegend. Von der Reise varflok[103/1* Dp. Badtf STene KAnlgstr. SB. wiidiRnfflciiB Teilzahlung He HerreD- Mn f e rttg und naeb M»ee. 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Kräger htstr. 19, S. Rademacher htstr. 88, O. Seifert htstr. 42, R. Kleischman» »str. 46.». Riedel ' 114, Erste N-ukSllner EnaroS-Schlächterei bennannfir. 169. O. Perfile �ermann sie. 210, Neuköllner Fleisch. zentrale Str. 80, kl. Bolland G. Seidel Jägerstr. 89. P. Kuznik Julwsftr. 48. W. Mücke Johaun-Huß-Str. 3, H. Zindols Jonasstraße(Reue) 29, G. Färber Karlsgarlenstr. 2, W. Riedel KarlSgartenstr. 16, G. Reader Kottbuser Damm 12, F. Klei» ' sebeckftr. 41. P.»a' ebeckstt. 68/69,«. «uesebeckstr. 117, P. Sueseb-ckstr. 180, O. Loose Kaiser-äriedrich-Stt. 7, J. Hot, Kaiscr-Friedrich-Etr. 22,®. Behrens Kaiser-Friedrich-Stt. 73, E PacholSki tr. 76. E. Härtel >tr. 89. W. Witte Kaifer-Friedrich-Str. 248, 1. KaminSki Lesfingstr. 9, I. Albrccht. Lefingftr. 18, Grzemba. Lesfingstr. 24, E. Steruer. Leinestr. 2. A. Uschmann Niemetzstr. 8, R. Lindner Nogalitr. 23, E. Krause Nogatstt. 31, R. Kauer Nogatstr. 40, H. König Mahlow« Str. 3, W. Rah» Mareschftr. 14/16, I. Blümlew Mainz« Str. 3, O. Schleuß»« Münchn« Str. 47, H. Schulz. Ot«str. 12, A. Prag« Okerstr. 48. E. Uekert Panni«str. 8, R. Bergseid Pannierstr. 12, G. Schmiedel Pannierstr. 34, M. Kastufta Prinz-Handjerystr. 37, O. Friede! Richardstr. 31/32, F. Lindeman» Richardsir. 61, O. Schönbrun» Reuterstt. 66, H. Beiersuß Selchow« Str. 1, W. Fisch« Selchow« Str. 28, A. Müll« Selchow« Str. 38, I. Wasowie, �chöneweid« Stt. 16, Wwe. Knall. Schillerpromenade 1, E. Bodinek Schudomastt. 42/44, P. Golle Schudomastt. 49, A. Bock Steinmetz str. 28, F. Näke Steinmetzstr.-36, R. Klammer. Steinmetzstt. 110, P. Schmel ThomaSstt. 36, C. Flehming(Wurst- sabrik) Tellftr. 13,£ Schlicht Teupitz« Stt. 12, S. Knebel. Teupitz« Stt. 110, A. Szezvid. Thürmg« Stt. 38, E. Kronbügtt Walleritr. 18. E. Friedlich Walterstr. 85, F. Brau« Warthestt. 7, W. Friedman«. Wartyestt. 88, G. Sast. Warthestt. 70. K.'' Warthestt. 73, Th. Pa Weichselstr. 31, G. Scherl« Weichselstt. 49. F. Schmidt. W-ichselstt. 87, Rob. Arndt. Weichselstt. 64, C. Kowalski. Weichselplatz 4. H. Burck. Weisestt. 8. A. Nikusch. Weisestt. 24, P. Wonneberg«. Weisestt. 30, G. Knappe. Weisestt. 81. F. Schilde. Weserstr. 44. A. Watt«. Weserstr. 163, M. Meia. Wissmannstt. 1. G. Riedel. Wissmann str. 13, P. �odenstet». Jochmann. Fisch«. Wewer geschätzten Kundschaft zur gefälligen Kenntnis: In meine« Geschäft find die n Lohn- and irbeitsbedinpngen r mit dem ZentralTerband der Fleincber a. B. D. tariflich geregelt. ■V ES erfolgt dieserhalb keine PreiSerhShung der Fleisch- und Wurstwaren. d«StteÄ�«g.****** dunh Alle Geschäfte, in denen das rote, von d« Innung und den Gelben h«auSgegebene Plakat aushängt, find boykottiert. 298/1 j»le Streikleitung. Berlin. Sllsabethstr. IL Telephon: Amt Käutgstadt Nr. 3024. TNfflVi loh bitte ta Prftlnc meine« heatieea Ascebetn! Kostnme I Hantel »um grÖPBtcn Teil eigenes Fabrikat, nur beste Stoffe, Fassons und Zutaten Mm Kammgarn. PUm. «aal«, Loden, Leina«, Baal tdmtaaliat PaUrt- kal). Saida«ta. Wlum- arllno. 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Glüdi, Wilbelmabavenerstr. 51. HUbccb Dunkeratr. 78 . Rbuu« Prenrlaner Allee 197. August Hübner, Schwedter»tr.51. Angust Hauch, Cbpeniek. 7S GescHnUte | in allen Stadtteilen Berlin«| und in Rixdorf. düecrllndet RftSS. KUIea-GroBbäckerel, BoBestr.& Carl Laudahn, Weberstr. 30. Landbrot-Büch., Schnli.Pr..Bnctkeli. Landbpot.ßrohbfickopal O. Senf, Nchf. Krag, Waldstr. 4 [ermann Lebelt, Husaittenatr.Sö Ifred Her, Wielefstr. 36. iditgnliürgEr Brottalirili Ä mll Lieske, Grüner Weg 122. iattke, Gipsstr. 9. . Merlins, Roichenbergerst. 198. . Martin, Gleimstr. 55. nttav Mühlstcpb, Rhinowerstr. 2. h.Neumann,01denburgerstr.21. -iedrlth Oste, Madaistr. 10, erm. Proell, Nonnendamm. Bäckerei„Nordstern71" Inh.: Gnst. Müller Filialen i. verschied. Stadtteflen Albert Pfcniig, Gratzstr. 10. Richard Rcinke a'Ä.s. Paul RIBmann, Turinerstr. 36. Max Sander, Donkeretr. 23. JOttoSzillataÄÄ Sehütt, Slkorskl, Weilenjee.Heinersilorferiir.il Staebr's Bäckerei, N. Iriftetr. 66. Paul Stenzel, Baumschulenweg. Rieh. 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Rambold, Prinzen-Alloe 18. CarlRobra,Langbansstr.5Su.l43, Willy RßUnß ÄÄV Runge, Otto, Nklln, II ermannst 55. A. Sägebarth, Fehrbelllnor Str.24. Schäfer, H., Neue Hochstr. 5. Schneider, F., Nkllu.Kai�r-FrieASt. 74 Scheffier, Carl, Badstr. 16. Fritz Scheel, öchwedtorstr. 47. Schienther, Emil, Huttenstr. 7. Gg. Feist, Nkl., Wesorstr. 4. Wiih.Schröder,Scliönhofzerstr.28 Wilü. Schulze, Ri., Bergstr. 96. Joh.SshüIzOivS�, Rudolf Sprembcri�Wörlberstr.l, P. Simund, NUin., Ziaibenstr. 46. Wilh. Thomas, Beinictcnit-Slr. 54. Otto Tüdt. Gubonerstr. II. lJlbrich,F.,SMln.. Watbesir. 13«69 Fnlz IM SS" r* Emst Wilde, Bastianstr. 1. Wcrnickö. Ober-Sckönewcide. Metxners I;euSr.G7, ........................ um i-toatiaE.Tcmaasg� ( Krankenbedarfcartik.| Fischer, Wilü., M, �ainfniuol-Si. III Lauge, A. E., Brunnenstr. 167. Portsetasun� siehe nUctiste Seito. Fortsetzung des Bezugsquellen-Verzeichnisses. c Laderwaren D iigemne�VramMu7.3vK.ft'iimtradf9t Hermann Callies�1;� Carl Fessel Bpw. Tueb., Itppei,»»w. 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Ab, ahrt 10 Uhr vormittags. Preis hin und zurück SO Pf. Reederei Zachow. Tel. Kst. 6985. Voigt-Theater. (Stsuntbrunnen Badstraß« 56. Heute sowie täglich: Die Tochter der ßne Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Reue BeleuchtungSefiekte usw. usw. u. d. große SpezlalitSien-Programm Kassenerösfnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Hagcnbedft Indien Täglich geöffnet von 11 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends. Haupt-Vorstellungen: ll'/a Vm., Nrn. 3, 4'/. 6, VI, u. 9'/, Uhr. �r8 Doppelkonzert Kgl. Obermusikmoistera a. D. Oustav Offeney. Fußgänger-Promenade SO Pfg, Reserv. Sitzplätze: Loge 2.—, L Trib. 1,50, II. 1,—. Kinder u. Militär die Hälfte. Uobescbränkter Aufenthalt. Neu! Neu! Ohne Extra-Entree Macri Soliothi's Vorletzter Tag! Ab 8 Uhr. 10 große AttrMolltll. Karl Edler mit seinem Kollegen.Nicki'. Faul Beckers»fw. Reiehshallen-Theater. Stettiner Süngcr Zum Schluß neu: Sanatorlnu Sonnenstich. Burleske von Meysel. Ansang Wochent. 8, Sonntags Vit Uhr. Könlgstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderftr. Täglich: Theater und Varietd. Ansang wochentags 8, Sonntags 5 Ubr. Vom 18. Juni bis 1. Juli: llrillass. Spozlalitäten u.„Rosen a. d.Sflden", gr.OpercttenburleSke verantwortlicher Nedalteur: Albert Wachs. Berlin. Sur des Lnjeratenteil verantw.t Tb- Blecke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdrucker, i u. Verlagsanstalt Vau! Singer».To, Berlin SM. flr. 149. 29. Zahrgaag. 3. Ktilm i>cs JonDitlö" Knlim HoMlalt. Zonnabtnd. 39. Inn! 1912. Partei- Angelegenheiten. Neukölln. Die noch ausstehenden Bücher der Wahlvereins- bibliolhek sind der Inventur wegen bis 30. d. M. zurückzugeben. Die Bibliothelkommlsston. Karlshorst. Sonntag, den 80. d. MtS., Familienausflug nach dem Restaurant Waldburg am Bahnhos Hirschgarten. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr am KarlShorster Bahnhof. Die Bezirksleitung. Erkner. Heute abends 9 Uhr bei Degebrodt: Generalversamm- lung. U. a.: Neuwahl deS Vorstandes. Die Bezirksleitung. KSnigs-Wusterhaufe». Die Beneralversammlung findet nicht Sonnabend, den 29. Juni, sondern erst am Mittwoch, den 3. Juli, abends 8 Uhr, im Lokale von Wilh. Kodaenk(Otto Schuhmann), Wildau, statt. Groß-Besten. Am Sonntag, den 30. Juni, nachmittags SVa Uhr, im Lokal von Schimmelpfennig, Generalversammlung des Wahl» Vereins. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl des gesamten Vorstandes. 3. Bericht der Gemeindevertreter. 4. Vor- schiedenes. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. � Der Vorstand. Röntgcntal. Heute Sonnabend, Generalversammlung in Bernau bei Salzmann, Basdorferstr. Mitgliedsbuch legitimiert. Treffpunkt am Bahnhof, Abfahrt 8,29. Borsigwalde-Wittenau. Morgen Sonntag, den 39. Juni, vor« mittags 9 Uhr findet die Generalversammlung des Wahlvereins in den Borsigwalder Festsälen statt. Tagesordnung: Bericht der Be- zirksleitung und Neuwahl derselben. Die Bezirksleitung. Bruchmühle-Eggersdorf. Sonntag, den 39. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, im Lokal Kühner, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. 2. Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung. 3. Verschiedenes. Groß-Lichterfelde. Sonntag früh Besichtigung der Ausstellung der Konsumgenossenschaften i m Clou. Treffpunkt früh 9 Uhr am Händelplatz. Billets a 19 Pf. sind dort zu haben. LerUner JVadmcbten. Vom Wandern. Sieht man um diese Jahreszeit den Leuten den Wander- trieb nicht an der Schirmmütze, der Plaidrolle, der Reisetasche und der schnuppernden Nasenspitze an, dann ganz gewiß an einem ostentativ zur Schau getragenen dicken, rotgebundenen Buch, dem„Bädeker". Das ist der gedruckte Führer für alle, die eine weitere Reise machen und von ihr erzählen wollen. Frau Fama will wissen, daß es auch eine renommistische Menschensorte gibt, die den Bädeker kauft, ihn halb auswendig lernt und— nicht verreist. Man darf dann doch begeistert mitreden und nach dem schönen Grundsatz handeln: Dicketun ist mein Reichtum! Ja, es existieren liebenswürdige Jnsti- tute, die auf Bestellung leere Reisekoffer hin und her senden, damit sie mit den ordnungsmäßigen Frachtzetteln beklebt werden, oder die von einem bestimmten Orte haufenweis Prä- parierte Ansichtskarten an den Bekanntenkreis des Auftrag- lgebers, der dann vorsichtig seine nähere Adresse verschweigt, loslassen. Bloß damit der Anschein erweckt wird, daß man das nötige Geld gehabt habe, um eine kostspielige Saison- reise zu unternehmen. Inzwischen aber sitzen die Aufschneider, da sie selbstredend nicht in der verräterischen Eigenwohnung bleiben können, irgendwo ganz in der Nähe in einer ver- schwiegenen und billigen Sommerfrische. Werden sie hier zu- fällig aufgespürt, so ist die Blamage fertig. Das sind die Folgen einer ebenso widerlichen als lächerlichen Großmanns- sucht, die heutzutage weite bürgerliche Kreise ergriffen hak. Arbeiterkreise kommen nicht in solche Verlegenheit und auch gar nicht auf solche Ideen. Sie fühlen sich vorübergehend schon halbwegs glücklich, wenn sie aus dem tosenden, branderp- den Lärm des Großstadtlebens in die nahegelegene grünende Welt hinauswandern, bei der urewigen Mutter Natur sich Sonntags Stärkung holen können für den in der arbeitsreichen Woche so freudlosen Daseinskampf. Aber auch der bescheidene Sonntagswanderer kann so etwas wie einen„Bädeker" kaum mehr entbehren. Eine Landpartie bringt nur dann volleix Genuß, wenn man sich nicht den ganzen oder halben Tag an einer bestimmteu Stelle, mag sie auch noch so schön sein, festsetzt. Die Natur ist in der Umgebung Berlins so reich an herrlichen, vielseitigsten Eindrücken, daß der Ausflügler wie ein Schmetterling von einer Blüte zur anderen flattern darf. Dazu ist eine genaue Kenntnis der Oertlichkeit oder ein Orientierungsvermögen vermittelst einer guten Landkarte fast unerläßlich. Wo Ausflügler und Tourenwanderer aus Geldrücksichten gern gesel>cn werden, haben ja schon Gastwirte. Verschönerungsvereine und andere Interessenten für Weg- weiser einigermaßen gesorgt. Das genügt aber nicht. Die Wegweiser sind auch gewöhnlich nur an den begangensten Wegen angebracht. Viel schöner wandert es sich abseits dieser Wege, und hier leitet eine gute Karte, in der jeder Gestellweg zwischen den einzelnen Jagen, jede Lichtung. Wasserfläche und Siedelnng eingezeichnet steht, ohne Schwierigkeit zurccht. Vor allem kann man auch die Entfernungen, die auf den wenigsten Wegweisern angegeben sind, ziemlich genau abmessen. Prak- tische Hinweise bietet die Karte für Seenwanderung. Manche Seen liegen mitten im Walde, andere sind ungleich bewaldet. Man wird also diejenige lHerseite wählen, welch? auf der Karte möglichst viel griine Fläch" zeigt. Mit solcher Hilfe werden auch kleinste, oft wunderluibsche Seen, an denen der große Strom der Ausflügler achtlos vorüberzieht, nicht links liegen gelassen. Karten von der ganzen Mark eignen sich natürlich nicht. Es gibt zahlreiche Tonristenkarten, die engere Spezialgebiete umfassen und für wenige Nickel in den meisten Buchhandlungen zu haben sind. Die Bewässerungsanlage für die Werderfchen Obstkulturen vom dortigen Stadtparlament beschlossen. Die Bewässerung der Obst. pkchntagen in der Obslkcimmer Berlins, in Werder a. H., gehörte seit Jahren zu den dringendsten Aufgaben, die im Interesse des Obstzüchterstandes in Werder keinen Aufschub duldete. Die lang-! wierigen Verhandlungen, die mit der Regierung gepflogen wurden.! fanden dort Entgegenkommen und Berücksichtigung und im Melio- rationsbauamt wurden die Pläne für die Bewässerung des Obst- baulandcs in Werder ausgearbeitet. Gestern verhandele nun das Stadtparlament über die„We>.„'rüh u>,t 11 tlär dein Verkebr übergeben werden. Dairnt wird ein langgehegter Wunsch der Bevölkeriing des Nordens und Nordwestens erfüllt. Strasseiisperrnng. Die Prenzlauer Allee, Ostseite, zwischen der Grellstrasse und Carmen-Sylva-Strasse, ist wegen Pflasterarbeil«- bis auf weiteres für Flihrlverke und Reiter gesperrt. Vorort- Nach nebten. Neukölln. Tie Stadtverirbneten traten ain Donnerstag zu ihrer letzten Sitzung vor den Ferien zusammen. Eine reichhaltige Tages- ordnung galt es zu erledigen. Die Wahl des Staotv. Röhl ssoz.j wurde für gültig erklärt und derselbe in sein Amt eingeführt. Zu einem scharfen Zusammen st otz mit dem Ma. g r st r a t und der gesamten Stadtverordneteiwersammlung führte erne mehr denn sonderbare Vorlage, welche der letzteren zur Be. »chluhfassung unterbreitet wurde. Mit einer seltenen Geschlossen. hrit traten einmütig die �Stadtverordneten der Zumutung entgegen, die im Falle der Annahme die schlimmst« Desavouierung der Ver» sammlung bedeutet hätte. ES handelt sich dabei um folgendes: a,urch das bekannte Urteil des ObervcrwaltungSgerichiS wurde plötzlich ein Rumpfparlament geschaffen. Ein großer Teil der �eputationSmitglieder wurden ihres Amt»s enthoben, da deren Wahlen für ungültig erklärt wurden. Au» dem verbleibenden Rest aiuhten die vakanten Plätze ergänzt werden, um die Beschlußfähig- kmt der Deputationen zu ermöglichen. Da» war notgedrungen und Provisorium. Sofort nach Zusammentritt der im März und ein April gewählten neuen nunmehr vollständigen Stadtverordneten- versanimlung kamen Seniorenkonvent und Wahlausschuß überein, die Neubildung der Deputationen nach der Stärke der einzelnen Zraktionen vorzunehmen. Der Wahlausschuß arbeitete ein« ent- sprechende Vorlage au» und unterbreitete diese der Stadtverord. Netenversammlung zur Beschlußfassung. Demgegenüber beantragte der Magistrat, �le anderweitig« Regelung der Ergänzung und Bc- setzuiig der Deputationen. Kommissionen und Ausschüsse erst im O e r b sr d< I. in einer gemischten Kommission zunächst vorzu- beraten. Die Möglichkeit eines Konflikts zwischen beiden Körperschaften war also in greifbare Nähe gerückt. Als Grund für tc:>,e Auffassung führte der Magistrat in seiner schriftlichen Be- grundung auö, daß er eine solche Acnderung für unstatthaft hält und cme Vermehrung der Zahl der DeputaiivnSnntglieder der Stadtverordneten notwendig auch eine Bermehrung der Zahl der MagistratSmitglirdrr erforderlich mache. Das hätte zur Folge, daß die Zahl der unbesoldeten Mitglieder erhöht werden mühte. Außer- dem standen die Ferien vor der Tür und zudem sei die Dauer der gegenwärtigen Amtszeit ein« kurze, daß mit Rüchsicht hierauf die »rage bedeutungslos sei. Stadtv. Abraham sAltbürgerlichs ver. hewigte demgegenüber die Beschlüsse des Wahlausschusses und be- dauert die ablehnend« Haltung des Magistrats. ES sei ein unhalt- . auä �ot von dem Rumpfparlament gcloähl- tcn Ausschüsse jetzt noch weiUr fungieren sollen, oa die Zusammen- setzuua der Stadtverordnetenversammlung eine wesentlich andere sei aks vor den Wahlen. Innerhalb der Fraktionen haben große Verschiebungen stattgefunden, und diese müssen berücksichtigt werden. Auch die rechtlich« Darstellung der Sachlage durch den Magistrat sei unhaltbar. Nach Auffassung des Redner» sei das Motiv in der Diellungnahme des Magistrats in der verletzten Eitelkeit zu erblicken. Stadtv. Groger(Soz.) trat der Auffassung de« Magistrats ebenfalls mit aller Schärfe entgegen. Bcr den Beratungen des Wahlausschusses sei der Magistrat zugegen gcwes«n. Auch der Oberbürgermeister Kaiser habe sie mit seiner Anwesenheit etwa fünf Minuten lang beehrt. Während dieser Zeit habe sich derselbe zedoch in Schlveigen gehüllt. De» weiteren sei auch nicht z»zu. geben, wenn durch die Saumseligkeit des MagtstraiS in äußerst wichtigen Dezernaten, wie die. welch« z. B. Stadtrat Dr. Glücksmann innc hatte, zurzeit eine Ueberbürdung einzelner Dezernenten ein- getreten sei, daß darunter die Stadtverordneten und die Besetzung der Deputationen leiden sollen. Selbst auf die Gefahr hin. daß der Oberbürgermeister e» zu einem Konflikt treiben wolle, müsse die Stadtverordnetenversammlung zu den Beschlüssen deS Wa�lauS- Stadtv. Winter(Fortschr.) schloß sich im wesentlichen diesen Ausführungen an. Einen Heiterkeitserfolg hakte der Oberbürgerr meister Kaiser mit seinen Ausführungen zu verzeichnen. Im Interesse der„Stetigkeit der Verwaltung" müsse der Magistrat bei seiner Auffassung beharren. ES könnte sonst eine Verschiebung in den Deputationen alle dr«i Wochen vorkommen. Er bestritt, daß verletzte Eitelkeit da« Motiv seiner Haltung sei, vielmehr könne nach Beurteilung der rechtlichen Seite eine andere Auf. fassung wie die des Magistrats gar nicht Platz greifen. Nachdem noch die Stabilst». Scholz und Sil 6 erst ein(Soz.) die Aut füh rangen des Herrn Oberbürgermeisters einer treffenden kritischen Würdigung unterzogen hatten, erteilte dt« Stadtverordnetenver- sammlung dem Magistrat eine ganz unzweideutige Antwozc?. E i n st i m m i g folgte sie den Beschlüssen de» Wahlausschusses und lehnte den Antrag des Magistrats auf Vertagung bis zum Herbst ebenso e i n st i m m i g ad. An Stelle des nach Guben übergesiedelten Stadtrat» Dr. Glücksmann wurde Stadtrat Mier per Akklamation in den Zweckvcrband gewählt. Die Neuregelung der Beamtengehälter und Ar- licltcrlöhne wurde dem neuen RechirungSauSschuß zur Vorberatung übrriviesen. Die Herstellung der Fuitermauern für den Körnerpark sowie die vorgesehenen Baulichkeiten an der Nordseite sollen als- bald in Angriff genommen werden. Bei dem Antr.lge auf Schaffung einer neuen Borflut für die Deaimvässer und NiederschlagSwäffer rügte Conradbb ilIiger wie im Laden. über 20 ett Fatarrftdcr Orcona-satfer schlagen Jede KonbnrrenrI Oretdoner dezv. BeMiner t-TMe Pennen I.. M., IV., V. ü. Vi. Preis auf Arccna- Rad gewrernen. 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H e ß o c r g, Kaulsdors, Ferdinand» straße 17. � lllarlcndorf: August Leip, Cbauffeestr. 296, Hos. Hartenfelde: Emil Weigert, Dorsstr. 14. hi euenhagxen: Gustav L e y, Wolterstraße. WIcder-Schancweldo: G e h r t, BritzersK. 6. Ziiowawcs: Wilhelm I av P e, Friedrichstr. 7. Obcr-Schttnewelde: Alfred Lader, Wilhelminenbosstr, 17 II. Bankow-hiledcrschduhanSeB: Zi i ß m a n n, Mühlenstr. 30. Kelnlchcndorf- Ost, Wilheliusruh und Schönholz; P. G u r s ch, Provlnzstr. 56, Laden. Klxdorf: M. Heinrich, Neckarslr. 2, tnt Laben! Rohr, Sitgsrieh» straße 28/29. Bnmmelshnrg, Boxhagen: A. R o s« n! r a n z. Mt-Boxhagen 56. SchÖnehcrg: Wilhelm Baumle r, Martin Lutberitr. 69, im Lade», Mpandu», h'omiendamm, Staaken, Seegefeld und B'alkenhagcu: K ü p p e u, Breitestr. 64. Tegel, Borsigwalde, WWtenan, W'aldiiiannslust, licrmsdorf mii) Keinlckendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm Bon 010. Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhof: Ich. K r 0 H n, äovujsiastr. 62. Treptow: Rod. Gramrnz, Krcshoizstraßc 412, Laden. Weflleiisee: St. Fuhrmann, Sedansir. 105, parterre. Wilrnersdorf-Kaiensee-Schmargeudorf: Paul Schubert. WiHelmsaue 27. Zeuthen, Kiersdorf: Ernst H Ü t i i g, Zeuthen, Dorsstr. 15. Sämtliche Parleiliteratur sowie alle wissenschastlicheu Werke werden geiiesert. Sominsrpreise. ni»U»»tm Kostam l».SO M. Oegr. 1893. Oegr, 1893. � 1. B. KOCH � Kohlen- und Brikett-Großhandlung Hanptkontor: Berlin 0. 84, Petersburger Straße i. Telephon: Ami Kinigttadt, 3040 und 3096. Lag erplab 1: O. 84, BUdersdorfer Str. 71(Küstriner Platz, alt.Ostb.). Lagerplatz 2: 0. 47, FruclitstraCe 13(Ostbahn-GäterbahnhoO Preise für la Marken ab meinen Lagerplätzen von 10 Zentnern an; Vulkan-Salon-Brlketts Krone-Salon-.. Ilse, Kaiser u. ikw.. pr. Ztr. 0.98 M. 0.99 M. l.Ofl M. pr. Ztr. Krone RaMine,.. 0,85 m. Ilse, Kaisen. ÄKv.RM 0.90 M. Anthracit Cade.... LSO m. 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Das Blatt hat offenbar geglaubh daß die Mitglieder der SanitätSkolonne ihre Kräfte aus reiner Menschenliebe in den Dienst der Allgemeinheit stellen, nicht aber der schönen Uniform wegen, oder deshalb, weil ihre Namen »so_ schön in die Zeitung gedruckt' werden. Daß diese Annahme falsch ist, beweist ein Brief des Herrn Hauptmann Schmidt, den daS betreffende Blatt veröffentlicht, und aus dem folgende äußerst charakteristische Sätze mitgeteilt werden sollen, die, wären sie nicht von dem Führer, sondern etwa von einem Sozialdemokraten ge- schrieben, offenbar als schwere Beleidigung der bürgerlichen Sanitäts- kolonne betrachtet würden. Der Herr Hauptmann schreibt der Re- daktion des BlatleS: .Wenn Sie es für wirklich zu unwichtig halten, die Sanitäts« kolonne als erste Retterin ses handelt sich um die Bergung einer Leiche aus dem Teltowkanal. D. B.) zu erwähnen, dann erfordert cS meines ErachtenS auch die Billigkeit, die Tätigkeit anderer unerwähnt zu lasse».n2i Tonriaten- 99 Anattge von U Lilster-Kleidung Leioeu-Kleidung Waseh-KIeidung Auffallend billige Preise .Reisebedarf i I fü den Fertig am Lager! Formvollendete und preiswerte Herren-Anzüge in grossen Farbensortimenten Jetzt: 18.- 21.- 24.- 28.- 32. 36.- 39.- 42.- 48.- 54.- Ulster praktische solide Stoffe neueste Madiert— vornehme Passform Jetzt: 16.— 19.- 21.- 24.- 28.- 32.- 36.- 39.- 44.- 50.- Str and-Anzüge ster, Tussor. imitierte Bastseide| r\SO .- 21.- 18.- 16.- 12— 1U Lust 24, Sport-Anzüge haltbare und ganz solide Stoffe � 32.- 28.- 24.- 21.- 19.- 10 Die Zeit ist da, wo es uns hinaustreibt in die schöne Natur, denn Geist u. Körper bedürfen der Erholung. 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Ramsch'vder fürs Auge gearbeitete Waren führe ich nicht. ■ Lassen Sie sich nicht durch sogenannte billige Verkäufe irre führen.•■■■■■ ■aaäl V bezahlen, können sie ja b e w i l l i g e n. Ein ganzes Drittel der bürgerlichen Herren hielt es überhaupt nicht für notwendig, an der Sitzung teilzunehmen. Von sozialdemokratischer Seite würde betont, dag auS Gemeindemitteln siir solche Zwecke kein Pfennig zu be- willigen sei, da die Gemeinde das Geld zu dringenderen Aufgaben verwenden könne. Die Spende arte zu einem Sport aus, um sich nach oben liebes Kind zu machen. Da die Gemeinde aber iminer bei solchen Gelegenheiten auf eine gute Frisur hält, so verfehlten die Worte ihre Wirkung! den geforderten 1000 M. warf die Vertretung noch eine gleiche Summe nach. Im patriotischen Taumel vergaß man die Sparsamkeit, auf die hin- gewiesen wird bei Forderungen an die Gemeinde, deren Erfüllung rhre Pflicht ist. Im Jahre 1878 hat die Gemeinde, um am Ort das Gas einzuführen, einen Vertrag mit der Gasgesellschaft aus S0 Jahre vereinbart, der dem heutigen Tempelhof nicht angenehm ist. Die Imperial Continental Gas Aflociation, die für Berlin und Umgegend eine besondere Aktiengescllschast gründen will, ist nun, wohl infolge der ihr erwachsenen Konkurrenz an die Gemeinde herangetreten, diesen Verlrag noch um weitere Jahrzehnte zu verlängern, zunial durch die Bebauung des Feldes für sie glänzende Geschäfte in Aussicht stehen. Anstatt den gehler, den die allen Tcmpelhofer seinerzeit gemacht haben, zu verbessern und diesen Vertrag nicht fortzusetzen, willigte die Vertretung in einen Vertrag, der auf ein Mcnschenalter hinaus die Gemeinde um die Möglichkeit, die Gasversorgung in eigene Regie zu über- nehmen, beraubt. Dabei erklärt sich die Gesellschaft nur bereit, eine Ermäßigung de? GaspreiseS für gewerbliche Betriebe eintreten zu lassen, elnen Rabatlsatz zu° gewähren und an die Gemeinde S Proz. der Bruttoeinnahme zu zahlen, was nach einer Berechnung für die Gemeinde eine Einnahme von 20 000 M. jährlich bedeutet. Unsere Genossen stimmten gegen den Vertrag. Gewerbegerichtswahl. Bei der gestern stattgefundenen Wahl der Arbeitnehmerbeisitzer erhielt unsere Liste 807 Stimmen. Eine Gegenliste war nicht aufgestellt.— Bei der Wahl der Arbeitgeber erzielte die Freie Arbeitgeberliste 30, der Gastwirteverein 11 und der Gewerbeverein 36 Stimmen. Potsdam. Eine von über 3000 Personen besuchte Versammlung tagte am Mittwoch auf dem Versammlungsplatz der sozialdemokratischen Partei in der Behlerlstraße. Referent war Reichstagsabgeordneter Scheid�- mann, der über die Staatskunst des Herrn b. Bethmann Hollweg sprach und in seinem zweistündigen Vortrag oft von Beifalls- kundgebungen unterbrochen wurde. Die Rieseitversammlungen der sozialdemokratischen Partei sind seit der letzten Reichstagswahl, wo man den Arbeitern ihr Lokal abgetrieben hatte, an der Tages- ordnung. Früher waren Versammlungen von 600—700 Personen eine Seltenheit, während heute die Besucher nach Tausenden zählen. Unsere Gegner haben sich bei der Saalabtreibung nicht wenig der- kalkuliert. Zöpfe. Sirklieli reelle Ifare.wÄ�den allex-billlgston Preisen. Irto Fialka, Neukillö, Erksta ZSpfe- und Perückenfabrik.* f kausen Sie gegen JllObel billigsten Kluge, WilmeFSdorlerstr. 19. RerllnerHIK-Trlii Adr.; Neukölln Vr l.alinstr.TsL eine SMirenbansiiiiserllaMl� gibt Lesern dieser Zeitung 5 Proz. in bar! Biete reichhaltigste Auswahl reeller Schuhwaren zu festen aber auffallend billigen Preisen.* Herrenstiefel von 675, Damenstiefel von 575an Großes Lager in Sandalen und Turnschohen. Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten will ich hierdurch mein in der Oranienstrahe 103 gelegenes Lokal in empsehlende Erinnerung bringen. 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