Ur 150. nbonnementS'Bedlnsunseo: BSonncmentS- Preis Drünumcraniat «ierteljährl. 3,30 Mk,. monatl. 1,10 SKt, n-üchciMlch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit Mustricrtcr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnemcntS nehmen am Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. vlchtlrt Wich außer montags. 29. Jahrg." Die InfertknS'CcbBfjr lehSgt für die sechsgespaltene Kolons» zeile oder deren Sianm K0 Pfg„ für politische und gewerlschasiliche Vereins- und Vcrlaminlungs-Anzcigcn 80 Pia. „Al-in- Anreisen", das jcttgedruckie Wort 20 Pfg,(zulässig 2setlgebnickte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort B Pfg, Worte über 1B Buch» f chen zählen sür zwei Worte, Inserate r die nächste Nummer uiüsten bis Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Vevliner Volksblatt» Zcntratorgan der rozialdemohrati fehen Partei Deutfchlande. Telegramm-Adresse: „Sozialdduoarat ßerlia". Redaktion: 8tCl. 68, Lindenetraesc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplah, Nr. 1883. Expedition: SM.$8, Lindcnatraeae 69. Fernsprecher: Amt Moritiplat?, Nr. 1881« Sie forderung des Cages. Daß Herr v. BethmannHollweg ein großer Staatsmann oder auch nur ein geschickter Politiker sei, das wagen selbst seine glühendsten Beivunderer— wenn es deren überhaupt gibt— nicht zu behaupten. Wenn es hoch kommt, geben sie ihm das Zeugnis eines wohlmeinenden Mannes, der„über den Parteien" zu stehen versuche, nennen ihn einen „korrekten Beamten" und zollen ihm das Lob. daß er es „ehrlich meine"— das Gerede von dem„Philosophen auf dem Kanzlersessel" wagt sich seit Jahr und Tag schon nicht mehr recht hervor. Andere Leute, die es der Mühe sür wert halten, sich mit der Psyche des sozusagen leitenden Staatsmannes abzugeben, sind allerdings der Meinung, daß sich hinter diesem in die Politik verschlagenen Oberlehrer ein glatter Höfling, ein gewandter Streber verberge, im Vor- gleich zu dem selbst ein Bülom dem„kaiserlichen Herrn" gegenüber ein aufrechter Mann gewesen sei; sie sind weiter der Meinung, daß dieser Mann mit den Allüren eines dozierenden Professors auch im Verhältnis zu seinen„nach- geordneten Instanzen" und im parlamentarischen Kampfe die krummen Wege den geraden sehr skrupellos vorzuziehen wisse. Uns scheint es nicht interessant genug, uns in diesen Streit um das Wesen des auf alle Fälle durchaus unbeträchtlichen Herrn von Bethmann Hollweg hineinzumengen. Wir erwähnten diese Meinungsverschiedenheiten auch nur. um darauf hinzuweisen, daß man auch außerhalb der Sozial- demokratie in die„Ehrlichkeit" und„Aufrichtigkeit" der Politik des fünften deutschen Reichskanzlers sehr starke Zweifel setzt. Doch bedürfen wir unsererseits solcher psychologischen Aufklärung durch Gebärdenspäher und durch Hinter- treppenpolitiker eigentlich kaum; denn in der Tat beweisen ja auch die öffentlich bekannten Politt-I ganzen Gesetzes schen Taten dieses Herrn, daß er— allerdings mit durchaus mangelhaftem Können es nicht verschmäht, in der Politik die angenehmen Künste der Bauernfänger und Roß- täuschcr zur Anwendung zu bringen. Eine der wesentlichsten Finessen dieser Sorte von Politik besteht darin, Gesetzentwürfe, die im Kern durchaus arbeiter- feindlich und reaktionär sind, zu verquicken mit inhaltlosen und wertlosen Scheinkonzessionen an die„Linke" und ihnen auf diese Weise das Mäntelchen fortschrittlicher Maß- nahmen umzuhängen. So drapierte Herr von Bethmann Hollweg im Februar 1910 seinen urreaktionärcn preußischen Wahlrechtsentwurf, der auf die Infamie der Drciklassenschande noch die Ungeheuerlichkeit des Mchrstimmenrechts der samosen „Kulturträger" pfropfte und der außerdem die öffentliche Stimmabgabe beibehielt, mit der vergleickSweise bcdeutungs- losen Abschaffung des indirekten Wahlverfahrens. So war auch die schanilose Arbeiterentrechtung der neuen Reichsversicherungsordnung verquickt mit einigen un- bedeutenden sozialpolitischen Konzessionen. Und diese politische Methode des Sand-in-die-Äugen-Strcuens setzte die Regierung des Herrn von Bethmann Hollweg nun auch fort bei den Wehrvorlagen dieses Früh- j a h r s. Die gemeingefährliche Steigerung der Kriegsgefahr durch die Fortsetzung des Wettrüstens, die ungeheuerliche Mehrbelastung des deutschen Volkes durch Hunderte von Millionen neuer Rüstungsausgaben: diese Dinge suchte die Regierung dem Volke schniackhaft zu machen einmal durch eine(in der Regierungsvorlage zunächst obendrein noch weit hinausgeschobene und außerdem völlig unzuläng- liche) Erhöhung der Mannschaftslöhne, wie sie— allerdings weit durchgreifender— die Sozialdemokratie feit langem gefordert hatte, und zweitens durch die angeb- liche Aufhebung der bisher an die feudalen SchnaPsbrennerOstelbicnsgezahlteVrannt- Weinliebesgabe. Es kann in diesem Zusammenhang ganz davon abgesehen werden, daß die paar Dutzend Millionen, die durch die scheinbare Aufhebung der Liebesgabe(dies vielgebrauchte Wort stammt von dem konservativen Herrn v. Wedel Malchow) jährlich der Reichskasse zufließen, natürlich auch nickt im enifernlcsten ausreichen. um die Kosten zu decken, die die neuen Wehrvorlagen der Reichskasse auferlegen. Wer wirklich noch daran geziveifelt hätte, daß man es auch hier mit nichts anderem zu tun hat als mit der Prakti- zirrung des:„Sand in die Augen I", den müßte jedenfalls der Rücktritt des Rcichsschatzsckretärs Mermuth, der diese Art von„Kostendeckung" für eine unwürdige Komödie hielt, eines Besseren belehrt haben. Aber ganz abgesehen davon: auch an sich betrachtet ist das Gerede von der Aufhebung der Liebesgabe und von der großen Konzession, die man damit an die Auffaffungen der„Linken" gemacht habe, nichts anderes als ein zwar raffiniert ausgedachter, im Grunde aber doch recht p l u m p e r S ch w i n d e l, ein Schlviudel. auf den die deutsche Arbeiterklasse nun und ninnuermehr hereinfallen wird. Von den Rednern unserer Fraktion in der Kommission und im Pkeuum des Reichstages, besonders vom Genossen Wurm, ist iviederholt in unwiderleglicher Weise anSeiuaudcr- gesetzt ivordcn, daß es sich bei dem neuen Gesetz keines- wegL um eine Beseitigung, sondern nur um eine Verschleierung der Liebesgabe handelt. Solange nämlich die Bestimmungen über den sogenannten „Durchschnittsbrand" und über den„Vergällungszwang" (das ist das neue Wort für Denaturierung) in Kraft bleiben, solange ist an eine' Verbilligung des Spiritus und damit an eine Schmälerung des Profits der junkerlichen Spiritusfabrt kanten gar nicht zu denken. Haben sich diese doch in ihrer berüchtigten Spirituszentrale, deren Direktor der be kannte konservative Abg. K r e t h ist, eine Institution geschaffen, die tatsächlich die Funktionen eines Monopols ausübt; dieses Privatmonopol, das infolge der Zollgesetz- gebung keinerlei ausländische Konkurrenz zu fürchten hat, hat es verstanden, in scharfem Kampfe auch den(im Unter- schiede von den junkerlichen so genannten) gewerblichen Brennereien seinen Willen aufzuzwingen und bestimmt seit Jahr und Tag völlig selbstherrlich den Preis sowohl des Trinkbranntweins wie auch des für gewerbliche Zwecke be- stimmten vergällten Spiritus. Diese Macht der Spiritus- zentrale hat es mit sich gebracht, daß die formelle Beseitigung der„Liebesgabe", die vor 10 Jahren noch den Junkern sehr schmerzlich gewesen wäre, ihnen heute keinerlei Schaden mehr tun kann, so daß also Herr v. Bethmann Holliveg diese famose „Konzession an die Linke" ruhig machen konnte, ohne einen Konflikt mit seinen agrarischen Schützlingen befürchten zu müssen. Ja, noch mehr: wie diese Spirituszentrale die formelle Aufhebung der Liebesgabe sogar noch in eine Erhöhung des junkerlichen Extraprofits um- zumünzen gedenkt, das hat Genosse Wurm im Reichs- tage deutlich genug gekennzeichnet, als er dort(am 21. Mai) ausführte:„Es ist ein offenes Geheimnis in den Fraktionen, daß dieses Gesetz noch eine neue Preis- steigerung durch die Zentrale bringen wird und daß man bereits von einem festen Satz von 12 Mark spricht, den als Preiserhöhung die Zentrale ins Auge gefaßt hat." it vollem Recht nannte Genosse Wurm den Effekt des sie einen neuen„Raub an den Aermsten der Armen", die Schaffung„neuer Lasten für die ärmsten Schichten des Volkesi" Wir beabsichtigen heute nicht, den Leser noch einmal in das wilde Labyrinth der einzelnen Bestimmungen der Branntweinstcuergesetzgebung in ihrer alten und neuen Fassung hineinzuführen— es sind ja an dieser Stelle in den letzten Monaten auch mehr als einmal diese Einzelheiten eingehend erörtert worden. Worauf es uns hier ankonunt, ist vielmehr die Beantwortung der F�ge. auf welche Weise die Massen sich wirksam zu wehren ver mögen gegen diesen neuen Raubzug, den unter der Firma einer Aufhebung der BranntweinlicbeSgabe die Roßtäuscher Politik des Herrn v. Bethmann Hollweg und der bürgerlichen Reichstagsmehrheit ihnen beschert hat. Müssen die Massen in der Tat sich diese skandalöse neue Auswuchcrung still schweigc*nd gefallen lassen? Das brauchen nicht zu tun und das dürfen sie also auch nicht tun l Wenn durch die Zollwucherpolitik das Brot schamlos ver teuert wird, wenn die zum Zwecke des Junkerschutzes, nicht des SeuchenschutzeS, durchgeführten Grenzsperren die Fleisch- preise in ungeheuerlicher Weise in die Höhe treiben, wenn durch Steuerraubzüge wie den vom Sommer 1909 die Preise von Streichhölzern, von Kaffee und Tee wucherisch gesteigert werden: dagegen hat— außer seinen Protesten— das arbeitende Volk zurzeit noch kein wirksames Mittel direkter Abivehr, das also müssen, wenn auch zähneknirschend, die Ausgeplünderten wehrlos über sich er- gehen lassen. Anders aber liegen die Dinge beim BranntiveinI Der Schnaps ist kein unentbchr- lichcs Nahrungsmittel, der Schnaps ist auch durchaus kein unschädliches Genußmittel! Zum Schnapstrinkeu kann uicmaiid und nichts die Arbeiter zwingen! Durch den Schnapsgenuß zahlen die Arbeiter nicht nur dem Klassenstaate für seine barbarischen und gcmeinschädlichen Rüstungsivcrke eine freiwillige Steuer, durch den Schnapsgenuß schanzen sie nicht nur den brutalsten und gefährlichsten Feinden ihrer Klasse, den ostelbischen Junkern, den Klassen- genossen der Kröchcr und Oldenburg, der Kreth und Westarp, nach wie vor„Liebesgaben" auf„Liebesgaben" zu, die diese nach des Grafen Posadolvsky bekanntem Worte dazu benötigen, um ihren Söhnen bei feudalen Reiterregimentern eine„standes- gemäße" Lebensführung zu ermöglichen— durch den Schnaps- geuuß schädigen die Arbeiter auch direkt sich selbst, ihre Ge- sundheit, ihr Familienglück, ihre Widerstandsfähigkeit gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung in der schiversten Weise! Deshalb war der Beschluß des Leipziger Parteitages von 1909, der den allgemeinen Branntweinboykott proklamierte, weit über seine nächsten politischen Zivecke hinaus eine kulturelle Tat ersten Ranges. Wie sehr in rückständigen Gegenden, in denen die Schnapspest bis dahin noch arg grassierte, die Durchführung des Branntiveinboykotts dazu beigetragen hat, der Arbeiter- beivegung die Bahnen zu rascherem Aufstieg zu ebnen, läßt sich kaum ermessen. - Aber so segensreich er auch gewirkt hat: völlig hat der Vranntwrinboykott seine Mission noch lange nicht erfüllt. Und gerade die gesetzgeberischen Taten des Reichstags vom Mai dieses JahreS, von denen ivir hier sprachen, müssen der Arbeiterschaft allerorts ein Ansporn sein, den Boykott des Branntiveins nicht nur mit aller Kraft weiterzuführen, i h n vielmehr auf der ganzen Linie entschieden zu verschärfen. Jene Beschlüsse des Reichstags bieten nicht den allermindestcn Anlaß, in der Durchführung des Boykotts lauer und lässiger zu werden. Ganz im Gegenteil: alle die Gründe, die im Jahre 1909 den Leipziger Parteitag zu seinem Beschluß bestimmten, bestehen heute in verdreifachter Geltung fort l Nur auf dem Wege des ver- schärften Branntiveinboykotts ist es möglich, die Roßtäuscher- tricks der neuesten Branntweingesetzgebung univirsam zu machen. Diese Erkenntnis muß in die weitesten Kreise des vom Junkertum, der Regierung und der Reichstagsmehrheit abermals geprellten deutschen Proletariats hinausgetragen werden. Jeder einzelne deutsche Arbeiter muß sich bewußt werden, daß er selbst durch Disziplin, durch ent- schiedenes Einsetzen seiner Person, durch ein ganz geringes persönliches Opfer, das in Wahrheit gar kein Opfer, sondern vielmehr einen beträchtlichen Gewinn für ihn bedeutet, dazu beitragen kann, die schlimmsten Feinde seiner Klasse und den Staat seiner Ausbeuter an der Stelle zu treffen, an der sie am empfindlichsten sind: am Geldbeutel! Und gerade dieses Moment der konsequenten Selbsterziehnng des einzelnen, der Gewöhnung des einzelnen daran, sich m i t seiner Person einzusetzen für den Kampf seiner Klasse, erscheint uns bei der Beurteilung der Boykottaktion ganz be- sonders bedeutungsvoll. So ist denn für alle unsere Genossen, für die Partei- presse und für die Organisationen der Partei die verschärfte Durchführung des von den Parteitagen in Magdeburg und Jena bestätigten Leipziger Boykottbeschlusses die Forde- rung des Tages! Alis der Praxis der fchwelzerlfchei) Meiterfchutzgeletzgebung. Die schweizerische Fabrikinspektion hat soeben ihre Amts- berichte sür die zweijährige Periode von 1910—11 veröffentlicht, die wie immer von großem sozialpolitischen Werte sind und die Lage der Judustrie wie speziell die der Arbeiter näher beleuchten. Die schweizerische Fabrikindustrie hat sich seit 1877, seitdem das Fabrikgesetz besteht, ununterbrochen weiter cntivickelt, wenn auch von Jahr zu Jahr in verschiedenem Tempo. Im Jahre 1911 hat die nur alle 10 Jahre erfolgende umfassende statistische Aufnahnie gegenüber 1901 eine' bedeutende in- dustriclle Weiterentwickelung ergeben. Es wurden nämlich gezählt in den Jahren: 1911 1901 Betriebe.......... 7 785' 6 030 Arbeiter.......... 323 841 242 531 Davon mämiliche...... 211077 150 203 Davon weibliche....... 117 764 02 321 Erwachsene von über 18 Jahren. 277 086 207 202 Jugendliche von 14 biS*18 Jahren 51 155 35 272 Pferdelräfle........ 712 622 820 432 Der Vergleich zeigt ein relativ gewaltiges Wachstum der schweizerischen Fabrikindustrie in allen ihren Verhältnissen. Die Betriebe haben sich um 23 Proz., die Arbeiter um 35 Proz. und die Pferdekräfte um 122 Proz. vermehrt. An dem starken Wachstum sind alle Industrien beteiligt. In der Textilindustrie ist mit 17,4 Proz. die geringste Vermehrung der Arbeiterzahl zu verzeichnen, in der chemischen Industrie mit 64,5 �proz. und in der Holzindustrie mit 64,1 Proz. die stärkste; in der Metall- und Maschinenindustrie beträgt sie 53,7 Proz., in der Industrie der Steine und Erden 49,2 Proz., in der Ilhrenindustrie 40,7 Proz., in der Lebens- und Genußmittelindustrie 41,5 Proz., in den graphischen Gewerben 31,7 Proz. Trotz des großen Aufschwunges der schweizerischen In« dustrie im verflossenen Jahrzehnt werden die Unternehmer nicht müde, über alle möglichen Nebel und Nöte zu klagen, über die soziale Gesetzgebung, die Steuern, die Arbeiter- bewegung usw.— ganz nach Schema der deutschen Kapitalisten. Diese tendenziösen und gewohnheitsmäßigen Klagen finden zuni Teil auch in den vorliegenden Fabrikinspektorenberichten ihr Echo, trotzdem z. B. in den letzten zwei Jahren auch der schweizerische Außenhandel erheblich gestiegen ist. Viel be- rechtigtcr ist jedenfalls die Klage der kleinen Unter- n eh m er in der Maschinenindustrie, daß„die großen- sie nicht mehr leben lassen". Das heißt, sie erhalten nicht mehr die Spezialarbeiten von jenen zur Ausführung, die diese vielmehr mit automatischen Maschinen, welche die„Hände" entbehrlich machen, viel billiger selbst herstellen.„So haben wir mit der Kon- zentrierung des Kapitals eine solche der Arbeit in großen Unternehmungen, neben denen Picle kleine kaum mehr das Leben fristen." Das ist die Entiuicklung, der sie zum Opfer fallen. Aber wenn die Großen gegen die Arbeiter den Krieg erklären, um deren berechtigte Forderungen zu unterdrücken, leisten ihnen die Kleü.en verächtliche Handlaugerdienste. Sollen wir trotzdem noch Mitleid mit ihnen haben wegen des Ziisainmenbmches ihrer selbständigen Existenz? Dazu fehlt den Arbeitern wirklich die Zeit. Ein Seidenindustriellcr hat den rettenden AnSweg ge- fluiden, daß er seine sämtlichen Maschinen nach Galizicn verkaufte, wo für 40 Pf. im Tag gearbeitet wird. Hoffentlich vernichtet der„gute Schiveizerpatriot" jeden Tag ein dutzendmal die„vaterlandslose Sozialdemokratie"! Unter diesen Umständen geht die HauSindustrie gewaltig zurück. So reduzierte eine Fabrik die Zahl ihrer Hausweber von'zirka 1000 im Jahre 1905 auf etwa 170, trotzdem dieselben heute für 32 Fr. einen„Zettel" machen, für den sie friiher 48 Fr. erhielten. In der Stickereiindustrie haben die einander jagenden Maschinen durch die umfassende Verdrängung der Handarbeit, insbesondere der Handstickcr und AuSschneiderinnen, eine solche Notlage verursacht, daß die Armenkommission der Stadt St. Gallen sich veranlagt sah zu einem Appell an die Fabri- kanten,„schonende Rücksicht walten zu lassen". In bezug auf die Gcstalhing der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter konstatiert der Fabrikinspektor Dr. Wegmann, „daß im großen und ganzen die Löhne anscheinend gleich ge- blieben, unter dem Druck der Teuerung aber etwas gesticgeil seien". Dabei sind ihm aber auch Lohuherabsetzungen bekannt geworden. Ganz richtig sagt er, daß die beste Wcrbekraft bei Arbeiterbedarf ein hoher Lohn hat. Er fand neben täglichen Durchschnittslöhnen von 8,21 Frank aller Sticker in einer Schifflistickerei solche von nur 3,70 Frank für Nachstickerinnen bei zehnstündiger Arbeitszeit; neben dem Wochenlohn von 30 Frank für Näherinnen bei neunstündiger Arbeitszeit in Geschäften der Stadt St. Gallen solche von nur 3.43 F�auk täglich in einer großen Wäscherei. Recht interessant ist daS Beispiel einer Baumwollspinnerei, die bei gleichbleibender Spindelzahl im Jahre 1872 105, in 1911 aber nur noch 40 Arbeiter bei 13- bczw. 11 ftündiger Arbeitszeit beschäftigte. Damals verdiente ein Arbeiter in 14 Tagen 25.50 Fr., ein Meister täglich 4 Fr., ein Spinner 3 Fr.; im Jahre 1911 dagegen 47,50 Fr., 8 und 5 Fr. Dazu bemerkt Dr. Wegmann:„Diese Zahlen scheinen eine gewaltige Besser- stellung des heutigen Arbeiters zu bedeuten. Klar liegt eine solche nur zutage in der um zwei Stunden kürzeren Arbeits- zeit; ziveifelhaft ist, ob auch der höhere Verdienst eine solche bedeutet. Denn wie hat seit 1872, wie hat namentlich in den letzten Jahren die Kaufkraft des Geldes abgenommen! Niemand kann bestreiten, daß fast alle Lebensbedürf- nisse ungleich teurer sind als früher." Und wir möchten dazu bemerken, daß der betreffende Spinnerei- besitzcr dabei ein sehr gutes Geschäft gemacht hat, denn er gab im Jahre 1911 den 40 Arbestern für zwei Arbeitswochen nur noch insgesamt 1900 Frank an Lohn gegen 2577,50 Frank im Jahre 1872 den 105 Arbeitern. Viel stärker als die Löhne ist die Leistungsfähigkeit der Arbeiter und der Profit des Unternehmers gestiegen. Als ein äußerst seltenes Vorkommnis darf daS von Dr. Wegmann erwähnte glänzende Zeugnis bezeichnet werden, das ein Großindustrieller den schweizerischen Arbeitern aus- stellte,„die beffer als der Amerikaner in Amerika und der Engländer in England die Interessen des Geschäftes wahr- nehmen". Und trotzdem wenden die schweizerischen Unter- nehmer gegen diese tüchtige Arbeiterschaft Maßregelungen, schwarze Listen, Polizei- und Militäraufgcbot an, sobald sie ihre Lage verbessem wollen! Ein großer Mafchinenfabrikant hat zahlenmäßig die Verkürzung der Arbeitszeit für das einzelne Arbeitsstück nachgewiesen. So erforderte früher eine bestimmte Arbeit 39'/« Stunden, heute nur noch 10'/-: eine andere früher 00, heute nur 48'/«; eine dritte früher 50, heute 45 Stunden und dabei wird heute die Arbeit„ausnahnrSlos besser gemacht". Und trotzdem sträuben sich die Unternehmer gegen jede Arbeitszeitverkürzung, die ihnen die organisierte Arbeiterschaft erst abtrotzen muß, was erfreulicherweise mit Erfolg geschieht. Besonders starke Verbreitung hat der freie So nn abcndnach mittag erfahren, der im ersten Jnspektionskreise, zu dem unter andern auch der Kanton Zürich gehört, in 209 Betrieben mit 51 022 Arbeitern besteht. In anderen Betrieben ist der freie Sonnabendnachmittag nur jede zweite Woche üblich; in einer dritten Gruppe von Be- trieben nur im Sommer und in einer vierten Gruppe nur bedingungsweise. Im dritten Kreise(Schaffhausen) hat eine chemische Fabrik mit bestem Erfolg den Achtstundentag eingeführt. Bemerkenswert ist, daß eine Schlauchwebcrct eine Kolonie o st Preußisch er Leineweber beschäftigt, deren Kinder von dem„glänzenden väterlichen Berufe" nichts mehr wissen wollen, so daß es keinen proletarischen Nachwuchs für den Fabrikanten gibt und er immer wieder einen neuen Nachschub aus Ostpreußen importieren muß. Groß ist wieder die Zahl der Unfälle, deren in den Jahren 1909/10 insgesanit 09039 vorgekommen sind, wofür 1 358 097 Fr. an Entschädigungen gezahlt wurden. Recht interessant ist die Feststellung, daß 6084 Betriebe nicht mehr die ungerechte Einrichtung der Bußen kennen und nur 1102 daran festhalten. Hosientlich verschwinden sie auch in diesen Betrieben noch. Die Mitteilungen über den Vollzug der Arbeiter- schutzgesetzc bieten manche interessante Einzelheiten, auf die wir aber, uni nicht zu weitläufig zu werden, hier nicht näher eingehen wollen. Es sei daher nur erwähnt, daß in 054 Fällen in den beiden Berichtsjahren Bußen im Gesamt- betrage von 15209 Fr. wegen Uebertretnng der gesetzlichen Arbeiterschutzvorschristen gegen Unternehmer verhängt wurden. Das Kapitel von den„Wohlfahrtseinrich- t u n g e n" hat eine angenehme Bereichennisi erfahren durch die eingehende Behandlung der imnicr mehr sich vermehrenden At! b e i t e r f e r i e n. Wir erfahren da, daß 100 Betriebe allen Arbeitern, 723 Betriebe einzelnen Arbeitern jährliche Ferien bewilligen, 53 nur gelegentliche und daß davon 20158 Arbeiter berührt werden, also schon eine ganz hübsche Zahl, die hoffentlich noch weiter wächst. Sie erhielten 782957 Fr. Ferienlöhne bezahlt. Da lassen wir uns das Wort„Wohl- fahrtseinrichtungen" gefallen, der bald alle Arbeiter teilhaftig werden sollten. Arbeiterheime wurden in 1911 57 mit 40 männ- lichen und 3450 Iveiblichen, zusammen 3502 Personen gezählt. wovon 1320«Schweizer und 2182 Ausländer waren. Die organisierte Arbeiterschaft lehnt diese kapitalistischen Zwangs- anslalten für freie Arbeiter ab und auch der Fabrikinspcktor Rauschcnbach steht ihnen sehr skeptisch gegenüber und verlangt ihre permanente behördliche Ucberwachung. So sind die neuen schweizerischen Fabrikinspektorenberichte ein wertvoller neuer Beitrag zur Kenntnis der Lage der arbeitenden Klaffen in der Schweiz. Der Krieg. Die Dcsertionöbewegung tu Albanien. Konstantinopcl, 20. Juni. Nach Informationen aus einge- toeihten junglürkischen Kreisen trägt die bisherige Defer- tionsbewegunginMonaftirden Charakter einer albanefi» scheu Verschwörung, weil alle desertierten Offiziere Mitglieder de» albanesischen KlubS Baschkin fem sollen. Die Desertionen durften daher nicht mit der eigentlichen, seit einiger Zeit zutage tretenden militärischen Bewegung in Zusammenhang gebracht werden, welche sich kürzlich zur Bildung der sogenannten Liga der militärischen Einheit verdichtet hat und die bereits in Monastir weit verzweigt sein und auch auf die anderen Armee-Einheiten übergreifen soll. Die Liga hat bereits den zuständigen Regierungsstellen ein Memo- randum unterbreitet, in dem zwölf Wünsche aufgestellt werden, darunter das Verbot an Offiziere und Beamte, sich mit der Politik zu befassen, die Einsetzung eines obersten Generalstabes unter Vorsitz deS Sultans, also einer Art Militärkanzlei des Sultans. die Absetzung einiger höherer militärischer Faktoren, die Abstellung der Unregelmäßigkeiten in der Beförderung und der Ungesetzlich- leiten bei den Wahlen. Die für heute anberaumte außerordent- liche Kammersitzung, in der die Regierung daS Gesetz über das Verbot an die Offiziere, sich mit Politik zu befassen, eingebracht hat, wird von jungtürkisch-r Seite mit dem Memorandum in Zu- saminenhang gebracht. Es wird vermutet, oaß die Regierung durch die Vorlegung dieses Gesetzes, welches den Wünschen der Offiziere zuvorkommt, zuglekh die Auflösung der Offiziersliga anstrebt. politilcbe(leberliebt. Berlin, den 29. Juni 1912. Das Stichwahlresultat ia Hagenow-Grevesmiihleu. Die gestrige Stichwahl in Hagenow-Grevesmühlen hat mit dem Sieg des fortschrittlichen Kandidaten, des Oberlehrers Siv- kovich, geendet. Er erhielt 9423 Stiiraneii, fein konservativer Gegner, der Tischlermeister Pauli 6970 Stimmen. Zwar fehlen nach einige kleinere Orte, aber sie vermögen an dem Resultat nichts mehr zu ändern. Daß Herr Sivkovich mit ansehnlicher Stimmenmehrheit ge- wählt werden würde, war vorauszusehen, nachdem der sozialdeino- kratische Landes- und Kreisvorstand trotz der skrupellosen, wüsten Agitation der fortschrittlichen Agitatoren aus politischen Gründen zur Unterstützung des fortschrittlichen Kandidaten ausgefordert hatten. Im konservativen Lager scheint man allerdings merkwürdiger- weise noch immer mit einem Sieg des„schlichten Mannes aus der B�rkstatt" gerechnet zu haben, denn sonst ist die Wut nicht zu verstehen, mit der die konservative Presse das Stichwahlergebnis aufnimmt. So schreibt beispielsweise die„Kreuzzeitung": Die Befürchtung, daß der bisherige konservative Reichstags- abgeordnete Pauli in der Stichwahl zu Hagenow-Grevesmühlen unterliegen werde, ist leider«ingetrosfen. Aber aus dem schweren Wahlkampse ist die konservative Partei mit allen Ehren hervorgegangen. Ob man daS von dem„Sieger" sagen kann, ist Ansichtssache. Wer es für eine Ehre hält, infolge sozial- demokratischcr Dämpfung und Abkommandierung in die Stich- wähl zu gelangen und durch schriftliche Verpflichtung auf sozial- demokratische Bedingungen sich bei der Stichwahl die Hilfe der „Genossen" zu sichern, der dürft« freilich in weiten bürgerlichen Kreisen auf Avrkennung nicht zu rechnen haben. Und weno da»„Berliner"Tageblatt" den mit solchen Mitteln gewählten Lehrer Sivkovich als„Helden" bezeichnet, so könnte diese Bezeichnung leicht zum Spottnamen werden. Auf den Wahl- sieg stolz zu sein, hat weder der Gewählte noch die Fortschrittliche Volkspartei, noch auch die Sozialdemokratie irgendwelchen Anlaß.-. �' Dagegen feiert die fortschrittliche Presse da» Stichwahl- ergebnis als einen großen, hochbedeutsamen Sieg— voran die „Voss. Ztg.", die sich folgende Ausführungen leistet: Di« Bedeutung des Sieges ist eine doppelte. Der mora- tische Eindruck, den er in ganz Deutschland erweckt, fällt bei kommenden Entscheidungen schwer ins Gewicht. Er gibt auch der Partei selbst die Bestätigung, daß sie mit ihrer parlamen- tarischen Arbeit auf dem rechten Wege ist, daß man draußen die klare Stellungnahme gegen konservative Reaktion und ultra- montan Herrschsucht als eine Forderung der Zeit begreift. Die praktische Folge aber ist eine Stärkung der Linken, für die bei den Mehrheitsvcrhältnissen im Reichstage jede Stimme be- deutungsvoll wird. Mit einer Stimm« Mehrheit wurde Kacmpf Präsident des Reichstags; jetzt wären es drei. Ruf das eine Mandat, das die konservative Partei mehr besaß als die natio- nalliberale, begründete sie einen Anspruch auf die Leitung der Präsidialgeschäfte. Der Unterschied ist ausgeglichen. Noch ein Sieg des Liberalismus über die Konser- vativen, dann treten diese auch hinter der Fort- schrittSpartei zurück. Es gilt eben auch hier das Wort der letzten Thronrede: Di e E n t w i ck- l u n g steht nicht st i l l. Wirtschaftliche Organisationen als„politische" Vereine. Sächsische Gerichte haben bekanntlich den Bauarbeiter-Verband und den Brauerei- und Mühlenarbeiter-Berband für politisch erklärt, weil VcrbandSbeamte aus ihren Lokalkassen der sozialdemokratischen Partei Beiträge für die ReichStagswahl zuwiesen, obgleich die Ver- bandsbeamten dabei im gewissen Sinne eigenmächtig handelten. Als sie nämlich die Genehmigung ihrer Zahlstellen zu der Geldspende einholeus wollten, wurde sie ihnen verweigert. Die Gelder niußten infolgedessen zurückgezahlt werden. Trotzdem haben alle Instanzen, vom Schöffengericht bis znm Oberlandesgericht, den Bauarbeiter- Verband für politisch erllärt und der Rückzahlung des Geldes keinen Wert beigemessen. Die Klage gegen den Brauerei« und Mühlenarbeiter-Verbaud. dessen Dresdener Zahlstelle ebenfalls, weil eS sich angeblich um einen politischen Verein handele, aufgefordert wurde, Satzungen und Verzeichnis der Vorstandsmitglieder einzu- reichen, schwebt noch vor dem Landgericht. Auch hier ist die Ge- werkschaft vom Schöffengericht wegen ihrer Weigerung, der Polizei« lichen Aufforderung nachzukommen, verurteilt worden mit der Be- gründung, daß e» sich um einen politischen Verein handele. Unsere Gerichtsbehörden find natürlich völlig objektiv und sie werden nun schleunigst auch sämtliche Unternehmerorganisationen für politisch erklären, die auf dem Aussall der Wahl durch Gewährung von Geldmitteln oder in anderer Werse einwirkten. Da ist� zunächst der Zentralverband deutscher Industrieller mit seinem großen Wahl- fonds und ferner die Unternehmerorganisation der Brauindustrie, der Schutzverband der norddeutschen Brausteuergcmeinschoft, von dem uns nachträglich ein Rundschreiben in die Hand fällt, das jeden Zweifel über feine„politische" Tätigkeit ausschließt: Schutzvcrband der Norddeutschen Bcanstenergememschaft und verwandter Gewerbe. Berlin, im Dezember 1911. Vertraulich! W. 9, Schellingstr. 4. P. T. Im November 1910 wandte sich der unterzeichnete Verband mit einem vertraulichen Aufruf an das norddcntfche Braugewerbe zur Schaffung eines Wahlfonds. Der Appell hatte die Wir- kung, daß ein Betrag von rund 10 000 M. zusammenkam. Eine Reihe von Firmen hat dem damaligen Aufruf nicht Folge gegeben, teilwetse weil die Wahlen noch in ivcitcr Ferne lägen, dann vielleicht auch, weil die Ungewißheit über die Verwendung der gesammelten Gelder eine Zurückhaltung für geboten erscheinen ließe. Der vorstand unseres Verbände» hat n,m in seiner am 7. Dezember d. I. stattgehabten Sitzung über die Verwendungs- art der Gelder in einer die Jntereffen de» norddeutschen Brau- gewerbeS fördernden Weife Beschluß gefaßt; taktische Rücksichten verbieten eS natürlich, hierüber Einzelheiten bekanntzu- geben. Nach der nunmehr erfolgten Stellungnahme unseres Vor- standeS ist wohl anzunehmen, daß auch Ihre werte Firma, dem Beispiel anderer Mitglieder folgend, zur Zeichnung eines Beitrages bereit ist. Als ungefähren Anhalt für feine Hohe war in dem eingangs erwähnten Rundschreiben 1 Pf. pro Doppelzentner der im letzten Geschäftsjahr verbrauchten Malzmenge angegeben worden. jedoch bleibt selbstverständlich die Bemessung des Beitrages dem einzelnen ganz anheimgestellt. Indem wir Sie höflichst bitten, dem von Ihnen in Aussicht genommenen Beitrag mit Rücksicht auf die kurze Frist bis zu den Wahlen umgehend unter Benutzung des einliegenden Formulars an die Bank für Brauindustrie, Berlin IV. S6, Markgrafenstr. 53/54, auf Konto Wahlfonds des Schutzverbandes einzuzahlen, zeichnen wir Mit vorzüglicher Hochachtung Schutzverband der Brauereien der norddeutschen Brausteuer« gemeinschaft und verwandter Gewerbe. I. A.: Dr. Wallburg." ES wird natürlich kein Mensch der Unternehmerorgantsation der Brauindustrie verdenken, auf den Ausfall der Wahlen einzuwirken, denn von der Zufammenfetzimg des Reichstags hängt es ja ab, ob die Brausteuererhvhung von 1S0S und 1909 auch in Zukunft Wieder- holungen erfahren soll. Aber mit demselben Recht dürfen die Arbeiter auch ihr Interesse an dem Ausfall der Wahlen betätigew denn auS der Haut der Arbeiter werden dem kapitalistischen Staat die Riemen geschnitten, und sie würden ihr Klasseninteresse nicht verstehen, wollten sie nicht mit aller Kraft auf durchgreifende soziale Reformen hillwirken, um ihre und die Existenz ihrer Familien nach Möglichkeit zu sichern. Wenn daS schon„politische" Betätigung ist, dann dürfte es in Deutschland überhaupt keine unpolitischen Per- eine mehr gebe»._ Schwarze Agitatoren. Durch die Zcntrumspresse läuft zurzeit eine Notiz, in der allerlei tieffinnige Betrachtungen über das„Heer" der sozialistischen Agitatoren angestellt werden. AuS dem Geschäftsbericht der Unter- stützungsvereinigung deS Vereins Arbeiterpresse rechnen die kleri- kalen Blätter heraus, daß der Sozialdemokratie ein Beamtenstab von rund 3000 Mann zur Verfügung steht. Deshalb, so meinen sie, brauche man sich nicht zu wundern,„wenn deren Organisationsund Agitationsarbeit auch in den Wahlergebnissen der Sozialdemo- kratie zum Ausdruck kommt". Das Zentrum dürste mit den Agitatoren, die in Parteidiensten, in seiner Presse, in den christlichen Gewerkschaften usw. ihm zur Verfügung stehen, an Zahl sicher nicht hinter der Sozialdemokratie zurückbleiben. DaS Zentrum hat aber eins vor der Sozialdemokratie voraus: den Agitator im schwarzen Rock, den Zentrumskaplan. Schon 1907 gab es nach den Ergebnissen der Berufszählung in Deutschland 22 854 katholische Geistliche, Missionare und Anstalts- Vorsteher. In Preußen belief sich 1909 allein die Zahl der katholi- scheu Weltpriester auf 10 III, die Zahl der Ordenspriester auf 753. heute wird diese Zahl 12 000 erheblich überschritten baben. Weit über 20 000 wird die Präsenzstärke der Avantgarde der schwarzen Armee in Deutschland betragen. Denn sie alle, mit verschwindenden Ausnahmen, sind Zentrums- agitakoren, nur mit dem Unterschiede, daß nicht da» Zentrum sie bezahlt, sondern daß zu ihrer Löhnung auch die zioangSweife erhobenen Groschen der katholischen Zentrumsgegner verwandt werden!*'-;'•" Die„Wirtschaftsfriedlichen". Der Hauptausschuß der Gelben, der Prätorianergarde der Unternehmer, hält ani 29. und 30. Juni und am 1. Juli in Essen einen Verbandstag ab, an dem, wie die offiziöse „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, als Ehrengäste der Oberpräsident der Rheinprovinz, Freiherr v. Rheinbaben. sowie eine große Anzahl führender Persönlichkeiten aus der deutschen Industrie teilnehmen. In dem„Hanptausschuß für die nationale Arbeiterbewegung Deutschlands", für den die Regierung ein so hohes Interesse an den Tag legt, vereinigen sich u. a. der Bund deutscher Werkvereine, der Bund vater- ländischer Arbeitervereine, der Verband seemännischer Berufs- vereine und andere ähnliche Verbände. Ueber die Wirksam- keit dieser Verbände wird man also in diesen Tagen in Essen näheres hören. Das Kanzlerblatt gibt der Tagung bereits seinen Segen, che sie begonnen hat, indem es folgende Bemerkungen macht: „Die in dem Hauptausschuß zusammengeschlossenen Ver- bände sind in der deutschen Arbeiterbewegung eine neue Er- scheinung. Sie geben von der Ueberzeugung aus, daß die Interessen der Arbeitnehmer mit denjenigen der Arbeitgeber gleichlaufend sind, in der Hauptsache wenigstens, und daß die beiderseitigen Interessen am besten �elvahrt und gefördert werden durch eine friedliche Verständmung beider Parteien. Sie sieben also in einem bewußten und schärfen- Gegensatz zu den freien, den christlichen und den Hirfd�Dunckerfchen Gewerkschaften. Von den verschiedenen gelben Organisationen haben namentlich die Werkvercine in der letzten Zeit einen überraschenden Aufschwung genommen. Es bestehen heute in Deutschland, insbesondere in Rheinland und Westfalen, in Sachsen, Bayern, Berlin, Wasserkante niw., bereits nrehr als 100 Werkvereine mit etwa 100 000 Mitgliedern, und fast täglich treten neue Werkvereine hinzu. Die bevorstehende Ta- gung wird Aufschluß geben über den augenblicklichen Stand und die Aufgaben der wirtschaftsfriedluhen(gelben) Arbeiterbewegung." Daß vom Regierungsblatt die Christlick>en mit den freien Gewerkschaften und den Hirickr-Dunckerschen in einen Topf geworfen werden, wird den christlichen Arbeiterführern sehr unangenehm sein. Im übrigen ist's gut, wenn über die bis- her im Verborgenen blühenden gelben Verbände etwas mehr als bisher an die Oessentlichkeit dringt. Der beleidigte Militarismus. Wegen Beleidigung des Ofsizier- und llnteroffizierstandes der deutschen Armee hatte sich am Sounabead der veraMroortliche Redakteur der„Dresdener BoltSzeitnug", Genosse I in w o l d e, vor dem Schöffengericht in Dresden zu verantworten. Der Anklage lag et» Artikel in Nr. 73 der„Dresdener Boll tzeilung" zugrunde, der die bekannt« Osteroder Milltäraffäre behanddlte und die Erschießung eines Hauptmanns durch einen Rckrnte» zu erklären suchte. Das Gericht nahm an, daß mit dem Artikel alle militärischen Vorgesetzten als Soldateuschinder hingestellt und der Meuchelmord des Rekruten nach Möglichkeit in dem Artikel entschuldigt werden sollte. ES erkannte darum auf eine Gefängnisstrafe von vier Monaten._ Eine feine Nummer. Die Taten und Merkwürdigkeiten der BreSlauer Polizei hallen schon oft die Presse Deutschlands beschäftigt und daS Rätsel dcö un- aufgefundenen HandabhackerS ist bis ans den heutigen Tag nicht gelöst. Was aber am 28. Juni vor der zweiten BreSlauer Straf- kammer über ein Glied dieser Ordnungsbehörde offenbar wurde, ist doch geeignet, jede frühere Leisümg in den Schatten zu stellen. Es handelt sich um den mit Orden und Ehrenzeichen ge- schmückten Schutzmann Robert KiSzewSki. der seit zehn Jahren den Sicherheitsdienst der Stadt Breslau versieht. lieber ihn stellte der Staatsanwalt folgendes unter Beweis: Der Schutzmann hat seit fünf Jahren die Frau, die ihm H Kinder geboren, von denen neun am Leben sind, in unglaublich roher Weise geniitzhandelt. Die meisten seiner Gewaltakte weisen eine merkwürdige Achnlichkeit mit polizeilichen Kunstgriffen auf, wie sie gegenüber Schwerverbrechern, die sich widersetzen, üblich sind. Der Beamte ließ z- V. von seinem eigenen Sohne einen Strick holen, mit der er die schwangere Frau an H ü n d e n u n d Fügen f e s l t e; dann kniete er auf ihrem Leib und schlug sie. Als die schwächliche Frau ohnmächtig wurde, wurde ein Topf mit kaltem Wasser geholt, ihr über den Kopf gegossen und die wieder zu sich Ge- koinmene dann mit dem Säbel tralnert. Die Spnre» dicser Mißhandlungen am Geiäß und Beinen wurden durch das eidliche Zeugnis des Arztes Dr. Lomnitz bestätigt. Ebenso waren tagelang die Schwielen und Abschürfungen sichtbar, die von der Fesselung der Frau mit der Knebel kette, wie sie die Schutzleute im anitlichen Gebrauch haben, herrührten. Die geladene Hebamme bezeugte die Roheiten des Mannes aegcnübet feiner Frau, die ihm als Tochter eines oberschlesischen Bäckermeisters einige Tausend Mark in die Ehe gebracht halte, die ober anscheinend im Jahre 1307 zu Ende waren, denn um diese Zeit begannen die Mißhandlungen. Die Kinder, die zumeist bei dielen rohen Akten im Hause waren, wurden während der Exekutionen in der Küche eingeschlossen. Der Komnrandant der berittenen Schutzleute. Polizeikommiffar Thiele, über dessen Borgehen die Breslauer Arbeiter schon oft heftige Beschiverden erheben mußten, stellte da- gegen dem Rohling ein gutes dienstliches Zeugnis aus I Angeklagt war der Schutzmann wegen Körperletzung, Bedrohung, Freiheilsberaubung und Nöligung. Die beiden letzte» Delikt« hielt das Gericht für nicht erwiesen. Für die übrigen Straftaten hatte der Siaaisamvalt neun Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht billigte dem Schuymaun mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu!S0 Marl G e l d st r a f e. Die Sache sei nicht so schlimm, da doch nur die Spuren der Mißhandlung mit dem Polizeisäbel und die der Knebelung mit der Kette.wirklich gesehen" worden seien. Die Berurteilnng des Schutzmanns erfolgte von dem- selben Landaerichtsdireklor, der seinerzeit dem Genossen Lobe ein Jahr Gefängnis wegen Ausreizung zu Gewalt- t ä t i g k e i t e n zudiktierte, obwohl damals gegen keinen Menschen eine Gewalttätigkeit begangen worden ist. Die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter wurde dem Angellagteu auch nicht aberkannt. Er kann weiter»Schutzmann' bleiben I Soldatenmisthandluiitien und kein Ende. Bor dem Kriegsgericht der 13. Division lAltona) hatte sich der Unteroffizier der 1. Schwadron des Schleswig-Holsteinischen Husaren-Rgts. Nr. 13 zu Schleswig, Petersen mit Namen, wegen Mißhandlung Untergebener zu veranttvorien. Gleich bei Beginn der Verhandlung, als der Vertreter der Presse erschien, wurde auf Antrag des Anklagevertreters wegen Gefährdung der Disziplin die Lefsentlichkeit ausgeschlossen. Als bei Verkündung des Urteils der Vertreter der Presse wieder im Saal erschien, beantragte der Vertreter der Anklage abermals, die Oefsentlichkeit auszuschließen,(l) Diesmal lehnte aber das Gericht den Antrag ab. Wie aus dem Urteil hervorgeht, hat der Unteroffizier Husaren mit Putzkästen Kniebeuge inachen lassen, einen Husaren mit einem fflügckitmcn geprügelt, einen anderen mit einem Riemen über den Kopf geschlagen, einen dritten im Laufschritt hin und her gejagt uitd geduldet, daß alte Leute den Mann mit Kandare und Trense prügelten usw. usw. DaS Gericht iah die meisten Fälle recht mild« an. Strafmildernd wurde in Betracht gezogen, daß der Angeklagte ein tüchtiger Soldat war und bei einer Schwadron diente, bei der der- artige.Erziehungsmethoden' allgemein üblich waren. Das Urteil war denn auch danach. Der Unteroffizier erhielt 2 Monate IS Tage Gefängnis. Es ist ein ganz trauriger Zustand, daß bei solchen Schindereien die. Oefse»rtlichkeit ausgeschlossen wird. Wenn den betreffenden In- .stanzen wirklich daran liegt, daß die Mißhandlungen beim MUitär aufhören, müßten derartige Verhandlungen gerade in breitester Oqsentlichkeii stattfinden._ Der Streik im Londoner Daten. / Londo», 28. Juni.(Eig. Ber.) Die Lage der Dinge im Londoner Hafen hat sich feit einer Woche kaum verändert. Die Arbeit, die von Streikbrechern geleistet wird, kommt kaum vom Fleck, und während die kapitalistische Presse auf der einen Seite den Streik aus der Welt lügt, veröffentlicht sie auf der anderen Briefe von großen Handelsgeiellschaften, die sich über dieses Manöver, das sie in den Augen ihrer Knuden schädigt, beklagen und darauf hinweisen, daß sie selbst seit Wochen Hunderte von Tonnen Waren im Hafen liegen haben, die sie nicht entfernen können. Die Solidarität der Arbeiter ist ungebrochen: man kann aber nicht sagen, daß die Aussichten auf eine siegreiche Beendigung des Kampfes groß sind. Die Arbeitgeber scheinen fest entschlossen, die Arbeiter auf die Knie zu zwingen, und wenn die Regierung nicht ein- greift, um im Interesse der Allgemeinheit dieses Unglück zu verhindern, das nur zu einer maßlosen Erbitterung l�nd �ur Anarchie im Londoner Transportwesen führen kann, wird dieser Ausgang kaum zu vermeiden sein. Nächsten.Montag wird der Streik im Parlament diskutiert werden: man kann von dieser Debatte jedoch nicht viel erwarten. Herr A s q u i t h wird sich lvahrscheinlich auf den Standpunkt stellen, den er schon einer Deputation der vereinigten Handelskammern aus- cinandergelegt hat, daß die Ztegierung mit dem Schutz, den sie dem Lebcusmitteltransport hat angedeihen lassen, der All- gciüeiuhcil gegenüber ihre Pflicht getan habe und daß sie sich nicht weiter einmischen könne. Die Ereignisse der Woche sind für die Streikenden nicht sehr ermutigend geivesen. Die Unterstützungen laufen nicht in dem Maße ein, wie man erwarten sollte: handelt es sich doch um ein Komplott der Arbeitgeber gegen den Transport- arbciterverband. Das mag nicht in letzter Hinsicht daran liegen, daß die Kassen vieler Gewerkschaften nach den harten Kämpfen der letzten zwölf Monate erschöpft sind und daß eine allaeincine Streikmüdigkeit eingesetzt hat. Viele glaubten c.- aß die Ankunft T o m M a n n s, der wieder auf freiem Fuße das Kriegsglück ändern würde. T o m M a n n hält sich jed'» abseits: offenbar will er für ein mögliches Fiasko nicht die Verantwortung auf sich nehmen. Ein harter Schlag für Streikenden war die Haltung der Eisenbahner, von den..• man gehofft hatte, daß sie wenigstens im Hafengebiet in ven Streik treten würden. Eine Anzahl Eisenbahner in Lstlondon waren auch bereit, den streikenden Transport- arbeiten? zu Hilfe zu kommen. Letzten Mittwoch wollten sie in einer Massenversammlung in Stratford den Streik er- klären. Aber die Leitung de» Eisenbahnerverbandes sprach sich entschieden gegen diesen Schritt aus, und es kam zu nichts. Für einen Eiseilbahnerstreik ist die Zeit auch höchst ungünstig. Die in? letzten Jahre geschaffenen Einigungsämter sind ge- rade in Funktion getreten und eine bedeutende Anzahl Eisen- balmer hat schon eine beträchtliche Verbesserutig ihrer Lohnverhältnisse erfahren. Die Verhältnisse sind eben ganz anders wie im letzten Jähre zur Zeit der Massenbewegungen, als die Unzufriedenheit unter den Tra??sportarbeitern einen so hohen Grad erreicht hatte, daß sie sich spontan in Streiks Luft machte. Der Streik hat, wie schon berichtet, die Arbeiterpartei veranlaßt, eine Vorlage einzubringen, die den Zweck der« folgt, freiwillige Verträge zwischen Arbeiter- und Arbeit- geberorganisationen gesetzlich erzwingbar zu machen. Sie will keine obligatorischen Schiedsgerichte einführen, sondern nur die Konkurrenten der vertragschließenden Arbeitgeber ge- setzlich zwingen, wie diese ihren Arbeitern die abgemachten Löhne zu zahlen. Was die von den vertragschließenden Par- teien zu leistenden Garantien anlangt, so sollen diese auf frei- willigem Wege vereinbart tverden. Italien. Annahme der Wahlreform dnrch den Senat. Rom, 29. Juni. Der Senat hat den Gesetzentwurf über die Wahlreform in der Fassung der Deputiert enlammer endgültig mit 131 gegen 49 Stimmen angenommen. England. Militär und Streiks. London, 28. Juni.(Eig. Ber.) Gegen Ende des Berg- arbeiterstreiks tvurde das junge Mitglied der I. L. P. Genosse C r o w s l e y in Aidershot verhaftet, tveil er unter die Soldaten ein Flugblatt verteilt hatte, in dem er sie auf- forderte, nicht auf streikende Arbeiter zu schießen. Er ist jetzt wegen dieses Vergehens zu vier Monaten Gefängnis der- urteilt worden. Während der Gerichtsverhandlungen bot ihm der Kronanwalt die Freiheit an, wenn er versprechen wolle, seine Propaganda nicht fortzusetzen. C r o w s l e y schlug das Anerbieten jedoch mit den Worten aus:„Ich kann kein Heuchler oder Verräter an meiner Klasse sein." In seiner Rede an die Geschworenen sagte er:„Mein Herz blutet, wenn ich sehe, wie das Volk unterdrückt wird. Ich hoffe, die Zeit wird kommen, daß sich Polizisten wie Soldaten weigern wer- den. Verräter an der Klasse zu sein, zu der sie gehören. Die herrschenden Mächte treiben das Volk zur Revolte und dann schießen sie auf das Volk. Das ist unrricnschlich. Töten ist Mord. Wenn mich die Geschworenen schuldig sprechen, wird es ihnen eine ui?vergänaliche Schande bereiten." So der wackere Crowsley. Drei andere in Jlkeston, die wegen eines ähnlichen Vergehens angeklagt waren, sind freigelassen worden, nachdem sie versprochen, ihre Handlungslveise nicht zu wiederholen. Cörhei. Ein Gesetz gegen die politische Betätigung der Offiziere. Koustantinopel, 29. Juni. In der Kammer teilte der Prä- sident mit. der Ministerrat habe in seiner letzten Sitzu??g einen dringlichen Gesetzentwurf ausgearbeitet, durch den es den Ossizieren untersagt werde, sich mit Politikzu beschäftige:?. Ein Schrsttsührer verlas darauf den Gesetz- en?ivurf, der dem Militäkstrasgesetzbuch angegliedert werden soll. Mit Gefängnis von zwei bis vier Monate?? und init Ber- abschiedung werden Offiziere bestraft, die sich an politischen«er- sammlnngen beteiligen, ferner mir GeiängniS von vier bis sechs Monaten und mit Entlassung aus der Armee diejenigen Offiziere. die politischen Parteien angehören. In der Begründuug zum Gesetzentwurf legt der KriegSminüter dar, die Politik hindere die Offiziere daran, ernstlich ihren militärischen Pflichten obzuliegen und zeitige schlintme Folgen loie die Borfäll« von Monastir. Die Kam?ner be- schloß die Dringlichkeit deS Entwurfs, der alsdann einem Ausschuß nberiviesen wurde, der die Borlage am Montag der Ka???mer tvieder vorzulegen hat.' Hfrlha. Eine franzöfische Schlappe iu Westafrik«. Pari», 28. Juni. Der Generalgo??ver??eur von Französisch- Westafrika kabelt u??ter de??? 23. Juni, abend»; Leutnant Lelorrain und der Beamte Rossi, die mit einer Abteilung Schützen und Kamel- reitern in der Gegend von Timbuktu operierten, wurden von den, Stamm der Rezzn überrascht und getötet. Der Angriff fand in der Nähe der Brunnen von Ellgattara statt. Die Angreifer er- lütcn bedeutende Verluste. Amerika. Die Rauferei um die demokratische Kandidatur. Baltimore» 29. Juni. Im Laufe der heutigen Sitzung des demokratischen Nationalkonvents haben im ganzen zehn Abstimmungen stattgefunden, die sämtlich ergeb- n i S l o S verliefen. Bei der zehnten Abstimmung erlangte Clark zwar eine klare Mehrheit, vermochte aber die crsordcrliche Ztvei- drittclmajorilät nicht auf sich zu vereinigen. Für Clark wurden in diesem Wahlgange£>5(5 Stimmen abgegeben, auf Wilson ent- fielen 350, auf Undettvood 117, auf Ha r man 31 und auf Daldwin 3 Stimmen. Um 3 Uhr morgens wurde die'Sitzung auf 1 Uhr nachmittags vertagt. Wie bestimmt Verlan ict. wird dem Konvent heute oder morgen eine Plotsörm vorgelegt werden, in der die hohen Eingangs- zöllc als Hauptursachc der ungleichen Verteilung des Wohlstandes und der gegenwärtigen hohen Kosten deS Lebensunterhalts be- zeichnet werden. Die Platform tritt für eine sofortige Her- absetzung der Zölle, besonders derjenigen auf Lebensmittel ein. Diese Herabsetzung soll nach und nach(!) bewerkstelligt wer- den, damit nicht berechtigte Jnoustrien vernichtet werden. Die Platform spricht sich ferner für ein kräftige» straf- und zivilrechtliches Vorgehen gemäß dem Antrtrustgesetze und etwaigen Zusatzgesctzen aus, die notwendig seien, um die Privat- Monopole zu beseitigen und eine VerWässerung der Aktien zu ver- hindern. Sie verurteilt die republikanische Regierung wegen ihres Zusammengehens mit der Standard Oil Company und dem Tabaktrust. Die Platform erklärt sich für eine einmalige Präsident. schastSperiode sowie für eine wirksame Ueberwachung der Tarife der Eisenbahnen, der Paketpostgesellschaften und der Telegraphen- und Telephongescllschaften, für eine Abschätzung ihres Eigentum» durch die Interstate Commisfion und für eine Revision der Bank- gesehe, die bezwecken soll, in Zeiten finanzieller Knappheit zeit- weil ige Erleichterung zu schaffen.' Das Parteiprogranim tritt weiter für ein Studium des europäischen landwirtschaftlichen ZireditgenessenschaftSwesenS ein. um festzustellen, ob derartige Ae- nossenschaften auch für die amerikanischen Verhältnisse paffen, und empfiehlt schließlich den Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Rußland, der den Rechten amerikanischer Staatsbürger, die russisches Gebiet bereifen, vollen Schutz gewährt. Hua der Partei/ Der brandenburgische Provinzlalparteltag� In Brandenburg a. H. tritt heute zum ersten Male der branden« burgische Provinzialparteitag zusammen. Ihren besonderen Charakter erhalt diese Tagung durch das jetzige Verhältnis der Wahlkreis- organisation Groß-Berlin zu der Organisation der Provinz. Bis vor kurzem bildeten beide eine organisatorische Einheit. Die Generalversammlung der Wahlkreisorganisation Groß-BerlinS hat aber bekanntlich in diesem Jahre das Kartellverhältni» der beiden Organisationen gelöst. Die erste Folge hiervon war, daß der Zentralvorstand der Provinz beschloß, an die Stelle der bisher gemeinsam mit Groß-Berlin abgehaltenen Probinzial- konferenzen Provinzialparteitag« treten zu lassen; und zwar werden diese nur von den zur Provinzialorganisation ge« hörigen Wahlkreisorganisationen beschickt. An erster Stelle der Verhandlungen wird natürlich die Aus« spräche über die durch Iben Beschluß Groß-BerlinS notwendig ae« wordene Neuorganisation in der Provinz stehen. Aber auch die sonstigen Tagesordnungspunkte werden Arbeit in Hülle und Fülle bringen. Brandenburg« Arbeiterschaft empfängt die Delegierten auf eigenem Grund und Boden in dem stattlichen Bolkshause, im Herzen der Stadt gelegen. Wir wünschen dem Arbeiterparlament fruchtbare Arbeit zum Wohle der Gesamtpartei l_ An die vildnngSauSschüsse I Die BildungSauSschüsse werden hierdurch ersucht, die Frage» bogen über die örtliche BildungSarbeit umgehend an unS einzusenden. Bei den vielen Anmeldungen auf unsere Wissenschaft« lichen Wanderkurse können nur solche BildungSauSschüsse Berücksichtigung finden, die un« bis zum 16. Juli ihre Wünsche übermitteln. ES ist aber notwendig, daß die Anmeldungen durch die BezirlSbildungsauSschüsie erfolgen. Wo diese noch nicht bestehen, ist eS ratsam, daß sich drei oder sechs benachbarte Orte über ihre Kursuswünsche verständigen, bevor sie sich an unS wenden. Der Zentral-BildungSauSschuß. Heinrich Schulz, Berlin LW. 68, Lindenstr. 3. Parteil itcratur. Im Berlage der Freiburger„BollSwacht* ist au» der Feder deS Genossen A. Weiß mann eine Broschüre unter dem Titel.Die sozialdemokratisch« Gefahr in Baden' erschienen. Die 64 Seiten stark« Schrift behandelt in Form einer Polemik gegen den Geistl. Rat Wacker die wirtschaftliche und politische Ent- Wickelung de» badischen Musterländlos in den letzten Jahrzehnten. Die Broschüre ist für den Preis von 25 Pf. durch die Parteibuch- Handlungen zu beziehen._ Hud Induftm und Kandel. Kritik der Spirituszentrale. Der Provinzialverband Westfalen der Brenner und Destilla- teure versenoet an feine Kundschaft ein Rundschreiben, das eine vernicktende Kritik der Schnapsbrennerzentrale enthält; es heißt da: „Die SpirituSzentrale hat sich unter dem Schutze des Brannt- Weinsteuergesetzes vom Jahre 1909 zu einem Privatmonopol ent- wickelt, welches in Berfolgung einseitiger Jnter- essen die spiritusverbrauchenden Gewerbe rück« sichtSlos ausbeutet. Die in genanntem Gesetz geschaffenen hohen Branntweinver- brauchsabgaben laste??— oüvcchl jene als Konsumsteuer gedacht trmren— zum größten Teile auf uuscrcn Schultern, weil die Ab- wälzung auf die Kousuaieuten nicht möglich war. Die Spirituspreise haben gegenwärtig eine— selbst in den schlechtesten Erntejahren niemals auch nur annähernd dagewesene— fabelhafte Höhe erreicht, und aller Voraussicht nach muß mit einer weitereu Steigerurig gerechnet werden, weil die SpirituSzentrale es nicht verstanden hat, Maßregeln zu treffen, um die Folgen äugen- biicklicher Warenknappheit unwirksam zu machen. Ein erheblicher Teil unserer letzten, selten schönen und reichen Roggenernte ist mit einer Aussuhrvergütung, welche unsere Zoll- gesetze vorsehen, als Viehfutter in das Ausland geschafft worden; nachdem auf diesem Wege Warenknappheit herbeigeführt war, stiegen die Kornpretse im Jnlande auf eine unerschivingliche Höhe. Infolge mehrmaliger geringer Erträge der Weinberge mußten für Trefter usw. ganz außergewöhnliche Preise angelegt werden; serner beeinflußte die anhaltende Dürre des letzten SommerS Obst- und Beerenfrüchte deraist ungünstig, daß die daraus erzeugten Brqnntiveine, besonders auch Fruchtsäfte, rar und ungewöhnlich teuer wurden.... An unsere dcrehrliche Kundschaft richten wir die dringende Bitte, diesen Umständen Rechnung tragend, die uns selbst aufge- zwungene, nicht zu umgehende Preiserhöhung willig aufzunehmen und ihrerseits darauf bedacht zu sein, daß in ihren Wieder- Verkaufspreisen diese Steigerung alsbald in Erscheinung tritt... Die Arbeiter haben ein sehr bequemes Mittel, sich vor der Be- lastung zu schützen und die Politik der Schnapsbrenner zunichte zu machen. Sie brauchen nur entsprechend dem Leipziger Parteitags- beschluß jeden SchnapSgcnuß streng zu meiden. Soziales» Mißbräuchliche Anwendung der K«»kiirrenzkla»sel. Der Wächter W. klagte beim Gewerbegericht gegen die Berliner Nachtwachgesellschaft Jul. Arn dt st ein u. C o. auf Zahlung von 21 Marl einbehaltcnen LohnS und Rück- Zahlung der Kaution von 30 Mark. Der Kläger hatte auf seinem Dienstgang wohl gesehen, daß in der Schaufensterscheibe cineS Abonnenten in der Münzstraße ein faustgroßes Loch war, dies aber nicht weiter brachtet und auch nicht gemeldet. Ein Wächter einer Konkurrenzgesellschaft hatte dann durch dieses Loch ein Stück Seidenstoff herausgezogen und eS zu de in Abonnenten gebracht, da??nt eS nicht gestohlen werden sollte. Der Abonnent hat daraufhin den Kläger zur Rede gestellt und ist dann von dem Vertrage mit der Beklagten zurückgetreten. Diese wollte sich für den entgangenen GeschäftSgewinn an de?ii Kläger sckiadloS halten und zo(j ihm 31 Mark von seinem Loh» ab. Der Kläger löste deshalb sein Arbeitsverhältnis bei der Beklagten und trat bei einer Konkurrenzgesellschaft ein. Da ihm durch Arbeits- vertrag mit der beklagten Gesellschaft verboten war, innerhalb eines Monats bei einer Konkurreuzgesellschast in Stellung zu treten, behielt die Beklagte auch die Kaution ein. Die K a in m e r 8 unter Vorsitz des M a g i st r a t s r a t s Schultz fällte ihren Spruch dahin, daß dem Kläger der Nestlohn auszuzahlen sei, ebenso die Kaution nach Abzug von 3 M. Strafe für die Verletzung der Dienstinstriiltlon. Vom Lohn dürfe nichts einbehalten werden, die Beklagte konnte sich nur an der Kaution schadlos halten. Für die Verletzung der Dicnstinstriikiio» konnte eine Strafe scstzesetzt werden. Die Einbehaltung der ganzen Kaution sei aber unverhältnismäßig hoch; das Gericht habe daher unter Anwendung des K 848 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Strafe auf 8 M. festgesetzt. Deswegen, daß der Kläger entgegen dem Vertrage zu einer Konknrrenzgeicllschnft gegangen sei, konnte die Kaution auch nickt einbehallen bleiben, denn das Gericht halt diese Bestiminung des Vertrages, wie es in einem anderen, ähnlich liegenden Falle bereits entschieden hat, für ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt und deshalb nichtig ist. Derartige Verträge verurteilt das Gericht auf das entschiedenste GewerklchaftUchea. Der Generalstreik der franzörifchen Seeleute. Paris, 28. Juni. Westpreußen 501, Schlesien 291, Posen 125. Unter den Mitgliedern befinden sich 1204 Einzelmitglieder. Die übrigen der- teilen sich auf 530 Ortsgruppen. Eine Reihe von Lohnbewegungen im vergangenen Jahre legt Zeugnis davon ab, daß auch die land- und forstwirtschaftlichen Ar- beiter sehr rasch die Organisationsmittel zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse gebrauchen lernen. Soweit Land- arbeiter und Knechte in Frage kommen, fanden die meisten Lohn- kämpfe in der Provinz Sachsen statt. Hier ist der Barlohn vor- herrschend und die SSewegungen hatten fast in allen Fällen den Er- folg, daß der Wochcnlohn um 1— 3 M. erhöht, die Arbeitszeit um 1—2 Stunden pro Tag verkürzt wurde. Die meisten Lohnbewe- gungen wurden im Gebiet der süddeutschen Waldarbeiter geführt. Aus zahlreichen Forstbezirken SSayerns und Württembergs wird berichtet, daß es gelang, die Forderungen um Erhöhung des Tage- lohns und Akkordlohns, teilweise in beträchtlicher Höhe, durchzu- setzen. Die abgeschlossenen Verträge wurden vielfach erheblich ver- bessert, zahlreiche seit langem eingerissene Mißstände beseitigt und durch Eingaben an Regierung und Landtag das politische Interesse an der Verbesserung der Lage der Fvrstarbeiter geweckt. In vielen Fällen sind für Landarbeiter und Knechte in dem Moment Ver- besserungen im Arbeitsverhältnis eingeführt worden, als die Or- ganisation im Dorf oder Gutshof Einzug hielt. SSestrafungen sind aus Anlaß von Lohnkämpfen nicht erfolgt. Di« Menge von SSer- besserungen im land- und forstwirtschaftlichen Arbeitsverhältnis, die mit und ohne Kämpfe erzielt wurde, läßt sich in ihrem Gesamt- csfekt nicht erfassen, zeigt jedoch den überaus großen Wert, den die Organisation der land. und forstwirtschaftlichen Arbeiter heute in ihren Anfängen bereits befitzt. Daneben wirken die Verbandsein- richtungen ebenfalls schon in einer für die Mitglieder finanziell fühlbaren SWeise. Bei einem Kassenbestand von 14 356 M. am Schlüsse des Jahres 1910 betragen die Einnahmen aus Beiträgen und Eintrittsgeldern zirka 62 500 M. Dazu kommen 6000 M. weitere Einnahmen Die Ausgaben weisen u. a. auf für Kranken- Unterstützung 7367 M., Maßregelungsunterstützung 1806 M.. für Rechtsschutz 2864 M., Lohnbewegungen 1185 M., Sterbegeld 245 M. In den Kassen der Ortsgruppen verblieben 20 Proz. der Einnahmen mit 10 934 M. Die Agitation kostete 17 900 M., die Zeitung, 8000 Mark. Neben einem Kassenbcstand von 16 089 M. ist der Nest für Vcrwaltungskostcn ausgegeben. Während demnach im verflossenen Jahre die Unterstützungen an die Mitglieder zirka 9400 M. betrugen, überschritt die im ersten Vierteljahr 1912 ausbezahlte Unter- stützungssumme bereits den Betrag von 5000 M. Der Rechtsschutz wurde in mehreren hundert Fällen von Mitgliedern in Anspruch genommen. In vielen Fällen genügte die Androhung der Klage, um einen Erfolg zu erzielen. Von den Prozessen waren 105 er- folgreich und brachten den vom Verband vertretenen Mitgliedern die Summe von nahezu 5000 M. in Form von.Restlohn, Entschädi- gung usw.; außerdem noch eine Menge Deputat, als Kartoffel, Korn, Feuerung, SWohnung usw. Dem Verhalten der Behörden gegen den Verband sind im Jahresbericht ebenfalls einige Seiten gewidmet. Am meisten tun sich bei den Verfolgungen die Amtsvorstchcr in Preußen hervor. Meist sind diese selbst Gutsbesitzer und vergessen in ihrem Haß gegen die organisierten Arbeiter, daß die Gesetze auch für sie be- Th. Glocke, SLerl'n. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanjlali stehen. Während im Vorjahre der Verband von drei Landgerichten als ein unpolitischer, rein gewerkschaftlichen Zielen dienender be- zeichnet wurde, hat es im SSerichtsjahr einem schlesischen Landgericht beliebt, ein gegenteiliges Urteil zu fällen, das auch vom Oberlandes- gericht bestätigt wurde. Allen Schikanen und Verfolgungen zum Trotz hat der Land- arbeiterverband seine Existenzberechtigung bewiesen und gedeiht prächtig zum Schrecken agrarischer und anderer Reaktionäre. Von einem angeblichen Rückgang des BergarbcitcrverbandcS ist wieder einmal in der Zentrums- und Unternehmerpresse die Rede. Da nun ein solcher tatsächlich nicht vorhanden ist, muß er künstlich konstruiert werden. SDas geschieht, indem aus ein- zelnen Zahlstellen und Bezirken die Einnahmen aus Beiträgen im Monat April denen im Monat März gegenübergestellt werden. Absichtlich erfaßt man nicht das ganze Verbandsgebiet, weil dann jeder Schwindel ausgeschlossen wäre. Die Monate März und April d. I. waren für den Bergarbeiterperband außergewöhnliche Monate, mit welchen überhaupt schlecht Vergleiche möglich sind. Will man aber schon Vergleiche anstellen, dann müssen die Einnahmen für März und April d. denen für März und April des vergangenen Jahres gegenübergestellt werden. Es betrugen dieselben: 1911 1912 Mebr März.. 194 367 M. 255 177 M. 60 810 M. April.. 194 653 M. 230 624 M. 35 966 M. Nur abgefeimte Schwindler können aus diesen Zahlen einen Mitgliederrückgang von 36 090 herausrcchnen. Die Methode, wie sie es beginnen, kennzeichnet sie. Der Bergarbeiterverband hat im Ruhrgebiet 330 Zahlstellen. Davon greift die„Saarpost" 40 her- aus, stellt die Abrechnungen nebeneinander, und der„SSeweis" ist erbracht, daß der Bergarbcitervcrband einen stärkeren Mitglieder- Verlust hat. Die übrige Presse greift von den 35 Verbandsbczirken 14 heraus, und der„Beweis" des starken Mitgliederverlustes ist wiederum erbracht. Vielleicht ist der christliche Gewerkverein so gütig und stellt seine Einnahme für März und April d. I. der für März und April v. I. nun auch gegenüber. Darauf wird man allerdings vergeblich warten. Ofensctzerstreik in Crimmitschau. S-bon seit sieben Wochen streiken die Ofensetzer der Firma H e z i n g e r in Crimmiti/Vau wegen Lohnreduzierung. Nach vier- wöchiger, fast unmenschlicher Anstrengung ist eS ver Firma gelungen, einige Arbeitswillige aus B e r t i n(!) zu erhalten. Doch aus wie lange? Schon vier Tage genügten den Leulen, um zu sehen, was bei der bestreikten Firma zu holen ist. Einer der daraufhin Abreisenden crklälte:„Wenn ich meinen Kollegen in den Rücken falle, will ich dabei etwas verdienen. Aber für so ein Lumpengcld arbeite ich nicht." Einer Abrechnung, die auf 9 Arbeitstage eines Arbeitswilligen lautet, ist folgendes zu entnehmen: Lohnzettel sür N. N., Ofensetzer. Vorschuß.......... 4.— M. 1 Ofen 2X3X9'/,. altdeutsch... 17,—. 1 Reformofen Nr. 4...... 2,25, 4 Neformösen Nr. 2, a 1,35 M... 5,40, 5 Prozent Zuschlag...... 1.23„ 25,88 M. Abschlag........... 6,— M. Vorschuß.......... 4,—, Kranken- u. Jnvalidcnbeitr., zweimal 1.28. 11,28 M. .-- T Bleibt Nettolohn 14,60 M. Diese Abrechnung spricht für sich selbst. Jeder Kommentar ist überflüssig. Uebrigens wissen die Arbeitswilligen von der Firma ein recht schönes Lied zu fingen. Der Inhaber hat sie bei jeder Kleinigkeit selbst„Streikbrecher" genannt. Wir ersuchen, den Zuzug von hier auch auf weiterhin fernzu- halten. Es gibt keinen Frieden sür die Firma Hezinger, bevor sie nicht den Tarif schriftlich anerkennt, den die Crimmrlschauer Meister bereits schon lange bezahlen._ Die Arbeiter der Kiftenfabrik von I. Brüning u. Sohn, A.-G. in Ragnit bei Tilsit, stehen in einer Lohnbewegung. Die Firma, deren Hauptbetrieb sich in Langendiebach bei Hanau befindet und die außer in Ragnit noch eine Filiale in Frankenberg in Sachsen besitzt, weigert sich, auch nur einigermaßen annehmbare Zugeständnisse zu machen, obwohl sie im vorigen Jahre 10 Proz. Dividende zahlte. Die Lebensmittel und Wohnungen sind hier ebenso teuer wie in den Großstädten. Die Firma bemüht sich, in den verschiedensten Gegenden Deutschlands Arbeitswillige zu werben. Zuzug ist streng fernzuhalten._ Letzte Nacbrkhten. Die Leiche eines Knaben wurde gestern im Landwehrkanal gefunden und von zwei Schutz- männern gelandet. Ob ein Unglück oder Selbstmord vorliegt, weiß man noch nicht, denn der Ertrunkene ist noch nicht bekannt. Er ist 12 bis 13 Jahre alt und trug einen blauen Sweater, blaue Knie- hosen und schwarze Strümpfe und Schnürschuhe. Der Knabe hat wohl erst drei bis vier Tage im Wasser gelegen. Diss Katzbalgerei im demokratischen Nationalkondent. Baltimore, 29. Juni.(W. T. B.) Bei der vierzehnten Ab- stimmung erklärte B r Y a n unter Beifallsgetöse und Zischen, er werde Clark seine Stimme vorenthalten, solange die Delegaten New Aorks für Clark stimmten, die ledig- lich di Wünsche von Tammanh Hall und ihres Führer MuapHy betrieben, der die gleichen Interessen vertrete, die den Chicagoer Konvent zu kontrollieren versucht hätten.(Siehe auch Amerika.) Unfälle der Wiener Flugwoche. Wien, 29. Juni.(P.-C.) Während der Veranstaltungen er- eigneten sich heute drei Unfälle, bei denen die Aviatiker selbst jedoch glücklicherweise ohne nennenswerte Verletzungen davon- kamen. Zuerst stürz:« der österreichische Pilot B c r g m a n n aus einer Höhe von 40 Metern ab. Seine Maschine überschlug sich im Fallen mehrcremal und wurde vollständig zertrüm- inert, Bergmann blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Das gleiche Schicksal ereilte den russischen Flieger Zlavarazov Zcmemenko. der nach zweistündigein guten Fluge ebenfalls a b st ü r z t c. Auch er trug lcincrlei Verletzungen davon, seine Maschine wurde dagegen schwer beschädigt. Der dritte Un- fall traf den französischen Flieger Moincau, der mit seiner Maschine bei SDeutsch-Wagram in ein Kornfeld geriet. Auch er bluch unverletzt, die Maschine wurde beschädigt. Erdbeben in Algier. Algier, 29. Juni.(P.-C.) Gestern nacht gegen 10% Uhr wurde in der Gegend von Tenict cl Haad und Vialad ein heftiges Erd- beben verspürt, das von Süden nach Norden verlief. Wie aus dem Innern des Landes gemeldet wird, haben in einzelnen Dör- fern die Behausungen der Eingeborenen große Risse erhalten. In einer Gemeinde stürzte eine Hütte ein und begrub eine Frau und zwei Kinder unter sich. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen. Nr. M. 29. Jahrgang. i. KeilM des.Amärts" Knlmr WsdlÄ. SsMaMMMZ. Der Nerbavdstag der Holzarbeiter. In der Abendsitzung am Freitag wird zunächst beschlossen, däS Referat Neumanns über die Regelung der Arbeits- z e t t. sowie das Referat L e i p a r t s über die A r b e i t s v e r- Mittelung im deutschen Holzgewerbe drucken zu lassen und als Broschüre herauszugeben. Sodann wird in die Statutenberatung Kingetreien. Su wird eine Ergänzung des Statuts beschlossen, die besagt, daß jugendliche Arbeiter bis zum vollendetem 17. Lebens- jähre dem Verbände mit dem Beitrage der weiblichen Mitglieder (25 Pf.) angehören können, wie es übrigens schon jetzt der Fall ist. Die unterstützungsberechtigten jugendlichen Mitglieder behalten, wenn sie als volljährige Mitglieder umgeschrieben werden, ihre bereits erworbenen Rechte, bis ihnen eine höhere Unterstützung zusteht. Es kommen dann verschiedene Anträge zur Beratung, die Ein Zführung eines ermäßigten Beitrages für alte, invalide und minder leistungsfähige Mitglieder zum Zjele haben. Diese Anträge wer den zwar alle abgelehnt, jedoch erteilt der Verbandstag dem Vor stand Auftrag, Erhebungen über die Zahl und die Lage solcher Mit glieder zu veranstalten. Der nachstehende Antrag Leipzig:„Der Werbandstag beauftragt den Vorstand, in Verfolg der von dem Selben veranstalteten Erhebungen über die bestehenden Unter tützungseinrichwngen der Lokalkassen geeignete Grundlagen für die Verwendung dieser Gelder aufzustellen", wird durch eine län- gere Erklärung des Verbandsvorstandes erledigt, die auf Herab- setzung übertrieben hoher Unterstützungen aus den Lokalkassen der Zahlstellen gerichtet ist. Einige Anträge auf Einführung von Tagegeldern statt der jetzt nach Kilometern berechneten Reise- unter st ützung werden dadurch erledigt, daß der Vorstaich Auftrag erhält, bis zum nächsten Vcrbandstage eine dement- jsprechende Vorlage auszuarbeiten. Am g e st r i g e n, dem letzten Verhandlungstage, Kurde in der Statutenberatung nicht sogleich fortgefahren, sondern erst der Punkt: Das Rekrutierungsgebiet des Deutschen HolzarbciterverbandeS behandelt. Folgende Resolution liegt hierzu vor: I. In der Holzindustrie ist neben dem Bestreben nach weiterer Spezialisierung der Arbeitsmethoden die Ansiedelung der Be- triebe in ländlichen Gegenden zu beobachten, in denen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sehr ungünstig sind und die Lebens- Haltung der Arbeiter auf äußerst niedrigem Niveau steht. Der Zustrom dieser rückständigen Bevölkerungsschichtcn zu der so gebotenen Erwerbsmöglichkeit ist jedoch stärker als der dauernde Bedarf an Arbeitskräften, was wiederum einen starken Zuzug von Arbeitern mit niedriger Lebenshaltung nach den Großstädten zur Folge hat. Die frühzeitige Erstarkung des gewerkschaftlichen Ge�mkens in den Großstädten und einzelnen Industriegebieten ermöglich es dem Verbände, dort für die Holzarbeiter wesentliche Verbeß rungen der Arbeitsverhältnisse durckföuführen und diese Verbesserungen durch Tarifverträge festzulegen. Diesen Bestrebungen des Verbandes erwachsen große Gefahren dadurch, daß der Ar- beitsmarkt in den Gebietsteilen mit besseren Lohn- und Arbeits- bedingungen von Arbeitern aus rückständigen Gegenden, die außerdem den Gedanken der Organisation noch nicht erfaßt haben, in zunehmendem Matze belastet wird. Im Hinblick auf diese ungleiche EntWickelung und die daraus entstehenden Schwierigkeiten für das Bestreben des Verbandes, die geistigen und materiellen Interessen aller in der gesamten Holzindustrie und deren Nebenzweigen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen zu wahren und zu fördern� und im besonderen Hinblick auf die weiter zu erwartenden großen Kämpfe für kul- turellen Fortschritt, richtet der Verbandstag an alle Mitglieder die nachdrücklichste Aufforderung, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und eingedenk der in kommender Zeit zu erfüllenden Aufgaben, für die Ausbreitung des Verbandes nicht nur an den bisherigen Verbandsorten, sondern in allen, auch den entlegensten Gegenden Sorge zu tragen, in welchen die Holzindustrie Wurzel gesaßt- hat II. Der VerbandStag weist mit Entschiedenheit die fortgesetzte» Versuche einzelner anderer Verbände, in das Rekrutierungsgebiet des Deutschen Holzarbeiterverbandes einzudringen und dadurch Zersplitterungen in die Reihen solcher Arbeiterschichten hinein- zutragen, für welche nur der Deutsche Holzarbeiterverband die zuständige Organisation bildet und deren Interessenvertretung wie bislir so auch in Zukunft, die Aufgabe unseres Verbandes sein mutz, entschieden zurück und beaustragt den Vorstand, die Rechte und Interessen des Verbandes derartigen unberechtigten Ansprüchen gegenüber auch in Zukunft energisch zu wahren. Der Verbandstag spricht zugleich'sein Bedauern darüber aus, daß die Austragung der Grenzstreitigkeiten vielfach bereits der- ort häßliche Formen angenommen hat, daß die Interessen der Arbeiterbewegung dadurch geschädigt werden. Demgegenüber erklärt der Deutsche Holzarbeiterverband nach wie vor seine Bereitwilligkeit, eine friedliche Verständigung mit den beteiligten anderen Verbänden einzugehen. Eine solche Verständigung kann auf der Grundlage der Resolution des Ham- burger Gewerkschaftskongresses erfolgen, wenn sich die Verbände bereit finden, entsprechend Ziffer 2 dieser Resolution, die Grenz- streitigkeiten durch Vereinbarung von Kartellverträgen dauernd zu regeln. Gauvorsteher Raith- München referierte. Als der Deutsche Holzarbeiterverband zuxKassel im Jahre 1893 gegründet worden war, zählte er in 356 Zahlstellen LS 774 Mitglieder, 1904 weren es in 660 Zahlstellen 105 386 Mitglieder und Ende 1911 zählte der Verband 182 750 Mitglieder in 7172 Zahlstellen. Eo erfreulich diese Entwickclung auch ist, könne man keineswegs damit zufrieden sein, erklärt der Redner, und führt weiter aus, daß die Zahl der im Rekrutierungsgebiet des Holzarbeiterverbandes beschäftigten Ar- bester und Arbeiterinnen rund 610 000 beträgt. Im weiteren Ver- lauf seines Vortrages geht der Redner auch auf die Grenzstreitig- leiten ein, die mit dem Fabrikarbeiter-, dem Transportarbeiter-, dem Brauerei- und Mühlenarbeiterverband und dem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband bestehen. Es ist wiederholt zwischen den Verbandsvorständen über diese Grenzstreitigkeiten verhandelt worden, aber ohne zum Ziele zu kommen. Es müsse nach wie vor alles getan werden, um diese, die Arbeiterbewegung schädigenden Streitigkeiten zu beseitigen. Dem mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrage folgt eine Diskussion, die mit Rücksicht auf die knappe Zeit, die dem Verbands tag noch zur Verfügung steht, bald Lbgcbrochen wird. Die Res» lution wird hierauf einstimmig angWtommen. Außerdem finden zu diesem Punkt noch eine Anzahl von Anträgen die Zustimmung des Verbandstages, welche die Regelung der.Grenzstreitigkeiten betreffen. Nun wird die Sta tutender atu'ng fortgesetzt. Es liegen hierzu noch Anträge in großer Zahl vor-'wzovon jedoch nur ein kleiner Teil zu Beschlüssen führt, die für-Hie Allgemeinheit von Interesse sind. Beschlossen wird u. a., und zwar auf Antrag aus Nürnberg, daß den weiblichen Mitgliedern vom vollendeten 17. Lebensjahre zwei Drittel der Streikunterstützungssptze der männ- lichen Mitglieder zuteil werden soll, während sie bisher, wie es ja eigentlich ihr� Beitragsleistung ergibt, nur die Hälfte erhielten. Abgelehnt wird ein Antrag, der eine Beschränkung der Delegierten- zahl der künftigen Verbandstage vorsieht. Es bleibt dabei, daß auf 1000 Mitglieder ein Delegierter kommt. Dem Vorstand zur Erwägung überwiesen wird ein Antrag vom Gautag Hamburg: „Die bei der Hauptkasse zinstragend anzulegenden Gelder sind nur bsi dem Bankunternehmen der Großeinkaufsgcsellschaft deutscher /onsumvereine zu belegen, und hat die Organisation den privatkapitalistischen Banken alle zinstragend angelegten Gelder zu entziehen." v Des weiteren kommen verschiedene andere Anträge zum Ab- rechnungswesen, zur Agitation usw. zur Beratung. Der Vor- stand erhält u. a. Auftrag, in den östlichen Provinzen mehr Agi- tation zu entfalten. Zur Berücksichtigung überwiesen wird dem Vorstand u. a. ein Antrag, das Verbaattsstatut in französischer Sprache drucken zu lassen für die Mitglwoer, die das Deutsche nicht lesen können, und zwar mit der Erweiterung, daß dasselbe auch für die dänische und polnische Sprache gelten soll. Zur Frage der Verschmelzung benachbarter Zahl- stellen beschließt der Verbandstag auf Antrag Stuttgart: „Der Verbandsvorjtand wird beaustragt, den Beschlüssen der Verbandstage in Köln und München, die Vereinigung der in einem Lohngebiet liegenden Zahlstellen betreffend, in höherem Maße als bisher Rechnung zu trqgen. Wenn im einzelnen Falle die Notwendigkeit der Verschmelzung solcher Zahlstellen oder die Ueberweisung von Kollegen an die Zahlstelle des Arbeitsortes im Interesse der Aufrechterhaltung und Durchführung bestehender Tarifverträge nicht mehr zu umgehen ist, kann der Vorstand gegebenenfalls die Verschmelzung oder Ueberweisung beschließen." Von einigen Anträgen zum Tagungsort des nächsten Ver- bandstages wird der angenommen,'daß der Verbandstag das nächstemal in Dresden stattfinden soll, kleines feuilleton. Zum neuen 8pieljahr der freien Volhabühne. Erst wieder in diesen letzten Tagen haben wir ein possierliches Schauspiel erlebt. Ein Fürstensohn, der vor Jahresfrist als Sports- mann durch die Wäloer und Fluren Indiens streifte, um allda allerlei Getier, das in Europa dem Jäger unerreichbar bleibt, zu schießen, ist— unter die„Schriftsteller" gegangen. Warum nicht? Und wozu sind auch sonst die Hofräte da, als hohen und höchsten Herren beim Einbruch in literarische Regionen schöngeistige Hand- langerdienste zu leisten? Darob hat sich nun Herr Schmock vor Entzücken gebärdet, als wäre die Welt aus den Angeln gehoben— und doch galt es, gleichzeitig eines Jean Jacques Rousseau zu gedenken, der allerdings kein Jagdbuch mit Jägerlatein hinter. lassen hat. Wann tat das je ein großer Geist, der das Gewissen der Menschheit revolutionierte? Man nenne einen,'der»s für seine kulturelle Mission erachtet hätte, mit der Büchse auf den Knien der Natur, der göttlichen Allmacht sich nahe zu wähnen? Aber in diesem blasphemischen Bekenntnis offenbart sich wieder einmal der ungeheure Kontrast, der uns von der Moralanschauung der bevorrechteten Klasse trennt. Und Abkömmlinge jener Sippen, die, agrarisch zu reden, von Jugend auf dem Ochsen hinterm Schwanz gestanden, sind die Hüter deutscher Kultur und Volksbildung. Hiervon wüßte doch gerade unsere Freie Volksbühne ein Liedlein zu singen, dessen Text und Melodie den Nachtwächtern preußischer Frumbheit nur so um die tauben Öhren knallt. Irgendein Polizeigewaltiger, bestenfalls ein armes Menschlein, und immer nur ein subalterner Denker, vindiziert sich das Recht, allem Kulturfortschritt inS Gesicht zu lachen.„Mit der Flinte". richtiger mit dem Schutzmannssäbel,-„auf den Knien" diktiert er Verbote über Verbote, um als schwärmerischer Naturkneipant nach den Allüren erlauchter Nimrode seinem allerhöchsten Wesen nahe zu sein. Wolle ihn niemand des sauer verdienten Lor- beers berauben! Aber wenn so ein Polizeihirn sich erdreistet, dem rollenden Rade kunstkulwreller Bestrebungen in die Speichen zu niesen, dann ist der schärfste Protest eine bitter notwendige Angc- JegenHeit für die Volksmehrhcit. In diesem Falle handelt eS sich um die Berliner Freie Volksbühne und den V o l k s ch o r: zwei hochbedeutsame, dem Herzen der Arbeiterschaft entsprossene Institutionen, die kortgesetzv von gesetzwidrigen Zensurmaßnahmen in ihrer Entfaltung ge- hemmt werden. 1894 begann diese Schikane. Ffttnz Heids Re- volutionstragödie„Ein F e st a u f d e r B a st i l l e" sollte unseres Erinnerns das erste Stück sein, dessen Weitcraufsührung polizeilich verboten wurde. Emil R o s e n o w s Arbeiterdrama„Die i m Schatten leben", das Herr v. Jagow bereits vor seiner in Aussicht genommenen Aufführung vom Repertoire der Freien. Volksbühne zu streichen für weise erachtete, wird kaum der letzte Schildbürgerstreich des roten Hauses sein.... Zwar hält es un- gemein schwer, bureaukratische Eigenherrlichkeit eines Besseren zu belehren; denn sie blickt im Borussenstaat auf ein methusalemitisches Älter zurück. Doch am Anfang aller Dinge stand der Geist, der die Welt revolutioniert— und den keine Macht, wie kalmückenhaft sie sich auch gebärdet, ertöten kann. Es ist also überflüssig, dem Polizeipräsidenten zu sagen:„Auch du, auch du wirst schlafen gchn", gleich deinen Vorgangern, die sich am Granit: Bolksgeist ge- heißen, umsonst ihr Gebiß ruiniert haben! Immer noch lebt die Freie Volksbühne. Und mit 18 000 Mit- gliedern rückt helläugig und wohlgerüstet ins neue Spieljahr hinein! Wenn eine wie immer geartete Zensur noch menschliche Züge verriete, sie müßte rot werden vor Scham, durchblätterte sie das Werbe- und Propagändaheft eben isieses Vereins. Nimmer könnte sie über Alfred Kerrs flammcnd-markante Er- klärung himvsgsehen: „Den Emportrachtenden, den Geisthungrigen, den Namen- losen, den Tausenden einen Weg zu weisen in diesem wunder- samen Chaos; eine Sichtung, zu beginnen;... in den Reizen des Spiels Entwickelungslichter aufzustecken; nicht enge Ver- nunftkaffern zu züchten; aber auch njcht Leu�p, die Aestheten sind,— sondern die Kämpfer bleiben: darin ruht für mein Emp- finden die Sendung, der Wert und die große Betvandtnis der Freien Volksbühne." Aber nicht bloß für die regierenden Herren sind diese Worte gegeben. Sie sollen erst recht die Parole für unsere Arbeiter sein, um diese scharenweise in den Verein hineinzutreiben. Kein Pro- test, als wie solch Zuströmen allein, kann mächtiger wirken! Und so appelliert der kostbare Inhalt des Propagandaheftes an das Solidaritätsbewußtsein aller, die da schwielige Hände und ihre .Herzen voll Sehnsucht nach Kunstgenießen und Erkenntnis tragen. In Bezirkssitzungen, in Parteiversammlungen, auf der Arbeits- stätte oder wo immer gelte eS fortan Mitglieder zu werben. Großes muß sich für eine edle Sache erreichen lassen— und Großes wird erreicht werden, wenn jeder das Seine tut. Mit dem offenen Be- kennermute seiner sozialdemokratischen Parteizugehörigkeit ver- knüpfe jeder von nun an das Stolzgefühl: auch ein Mitglied der Freien Volksbühne zu heißen. � e. k. Humor und Satire. Anfeuerung beim Trabrennen in Daglfing: „Bränderl, den S ch i m m i wirst do net füri lass'n, der wo aus P r e i ß' n stammt." Auf der Landstraße:„Ede, ick warne vir vor Holmbrechtshausen. Da lassen se einem als Ortsgeschenk vom Bader'n hohlen Zahn reißen l"' Im Z eit alt er des Snob S:„Ja, wir wollen ein Neger- theater in Berlin gründen. ES fehlt uns nur noch ein Weißer, der den Orthello spielt I" Sur Alkoholfrage � wird auf Antrag von Hannover beschlossen: Ausgehend von der Tatsache, daß der Alkohol ein schwer/S Hindernis für die Arbeiterbewegung, im besonderen auch für die Gewerkschaftsbewegung bildet, verpflichtet der Verbagdstag die Delegierten und Berbandsfunktionäre, tatkräftig für Auf- klärung über die volkswirtschaftlichen, körperlichen und geistigen Schäden des Alkoholgenusses einzutreten, insbesondere aber für bessere Durchführung des Schnapsboykotts zu sorgen. Zur Frage des gesetzlichen Schutzes der Zelluloidarbeiter wird auf Antrag der Zentralkommission der Kamm», Schirm- und Stockindustreie beschlossen: Der Verbandstag protestiert nachdrücklichst gegen die Auf- fassung des Regierungsvertreters Ministerialdirektor Dr. Caspar, welcher derselbe in der Reichstagssitzung am 20. März 1912 Ausdruck gab, daß es schwer möglich sei, in der Frage des größeren Schutzes der Zelluloidarbeiter geeignete Arbeiter als Sachverständige zu finden, die bei der Beratung der preußischen Zelluloidverordnung hätten hinzugezogen werden können, und in einseitigster Weise nur Arbeitgeber herangezogen wurden. Der Verbandstag protestiert gegen dieses Vorgehen der preußi- schen Regierung, da dadurch einstitig nur das Unternehmer- interesse in der Verordnung wahrgenommen wurde. Der Verbandstag beauftragt den Vorstand, unter Einschal» tung des-meueren Materials die Petition betr. Schutz der Zellu» loidarbeiter gegen Brandgefahren an den Reichstag und Bundes» rat erneut einzureichen. Zum Unfallschutz in der Holzindustrie, namentlich in den Holzbcarbcitungsfabriken, Sägewerken und ähn- lichen Betrieben, beschließt der Verbandstag einstimmig, die von der Konferenz der Maschincnarbeitcr, Schneidemüller und Säger zu München im November 1911 aufgestellten Leitsätze und Forde- rungen gutzuheißen und sie den gesetzgebenden Körperschaften und den Behörden zu überweisen. Unter den Anträgen verschiedener Art ist noch zu erwähnen, daß dem Vorstand Auftrag erteilt wird, dem nächsten Verbands- tage eine Vorlage über Unfallversicherung der unbesoldeten Ver- bandsfunktionäre zu unterbreiten. Zum nun folgenden Punkt der Tagesordnung: Der internationale HolzarbeiterkoNlgreß im Jahre 1913 teilt Leipart mit, daß dieser Kongreß jedenfalls in Wien, dem Tagungsort des internationalen Arbeiterkongrcsses, stattfinden wird; ein definitiver Beschluß sei zwar nicht gefaßt, aber cs sei nicht daran zu zweifeln, daß Wien als Tagungsort ausersehen werde. Die Tagesordnung des Kongresses ist noch nicht auf- gestellt, Anträge liegen auch nicht vor.— Als Delegierte zu diesem Kongreß werden en bloc dieselben gewählt, Hie den Verbgnd auf dem vorigen internationalen Arbeiterkongreß in Kopenhagen ver- traten, nämlich: Leipart-, König-, Neu mann-, Kayser- und Glocke- Berlin sowie-st a i t h- München. Sodann gibt Rohert S ch m i d t- Berlin den Bericht der Revisionskommission, die die Geschäfts- und Kassenführung in bester Ordnung vorgefunden hat.— Der Verbandstag erteilt dem Kassierer wie dem ganzen Vorstand einstimmig Decharge. Ferner wird aus Antrag der Revisionskommission beschlossen, die Bei- träge zu der am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden gesetzlichen Privatbeamtenversicherung, die. für die Angestellten des Holz» arbeiterverbandes fast ohne Ausnahme in Betracht kommt, Volt auf die Hauptkasse zu übernehmen, und bis zum Ablauf der Karenzzeit dieser Versicherung auch die Hälfte der Bei» träge zur Unter st ützungsvereinigung zu zahlen. Diese Beiträge sollen die Angestellten jedoch allein zahlen, wenn die».Karenzzeit der gesetzlichen Versicherung abgelaufen ist. Ueber einige Anträge der Revisionskommission zur Regelung der Gehälter der Angestellten des Verbandes entspinnt sich eine längere Debatte, die mit Annahme der Anträge endet. Die darauf stattfindende Wahl der Vorstandsbeamten«nd der Gauvorsteher ergibt die einstitstmige Wiederwahl der Beamten des Vorstandes: Theodor Leipart, Wilhelm Schneegaß, Fritz König, Hermann Pappe, Adam Neumann, Gustav Gäbler, wie der 23 Gau. Vorsteher. Damit sind die Arbeiten des Verbandstages beendet. Lei- pari erinnert in seinem Schlußwort daran, daß unter den Dele- gierten zwei sind, We stph a l- Frankfurt a. M. und R a u b» Stuttgart, die bereits vor 27 Jahren an dem Verbandstage in Offenbach teilnahmen, gratuliert diese» Veteranen der Holzarbeiter. bewegung und spricht die Hoffnung aus, daß es ihnen auch Wenigstens etwas. Hofmarschall:„Also, wie ge- sagt mein lieber Herr Studienrat. die Hauptsache ist, daß dicher junge Doktor Müller, den Sie uns als Lehrer des kleinen Prinzen Euseb Kasimir empfohlen haben, das Englische vollkommen beherrscht. ES ist die Umgangs- und Unterrichtssprache. Die Nationalhymne allerdings muß Seiner Hoheit in deutscher Sprache beigebracht lverden." Teure Zeiten.»Waas? Fufzig Pfenning für den kloana Radi? Atzir ham doch a ganz guats Frühjahr g'habt Heuer??* „Dt)|ir hatS a SonnafinsterniS geb'n— da san dö Pflanzl'n viel z'mng im Schatt'n g'stand'n." Vorbereitung.„Dramatischen Unterricht soll Ihr Sohn nehmen? Will er Schauspieler werden?" „Nein, Rechtsanwalt!" SerenissisnjuS in derKunstauSstellung:„Baba, dies Jahr sinn ja blbß Landschaften ausgestelld I?'—„Ja. Die nackigen Bilder hat der gude Herr Ministerialdirekdor alle wegen Eich beunanständigt."(Jugend). Notizen. -—HundSmonatSphantasien. AuS— Kassel ertönt der Werveschrei nach einer„Deutschen Nationalbühne", womit der durch unsere Theater«befleckten, zerlöcherten, verkleinerter, herab» gezogenen, tausendfältig restvingierten, beschränkten, verklebten, zer» klaubten, verschacherten" Kunst auf die Beine geholfen werden soll. Und Herr Maximilian Moris, Direktor der selig entschlafenen Kur» fürstenoper, plant eine Ausführung des„Tannhäuser" auf einer Naturbühne in— Schlachtensee... — Die August Scherl-Gelehrten lassen im„roten Tag" Nr. 149 sowohl textlich als bildunterschriftlich Jean JacqueS Rousseau 1812, also genau 100 Jahre später geboren sein. — An Rousseau erinnert die gleichnamige Insel im Berliner Tiergarten. Sie wurde 1792 vollendet und am 28. Juni, als dem 80. Geburtstage des Philosophen auf seinen Namen gelauft. — Eugen d'Alberts neue Oper, Liebesketten' soll Mitte Oktober im Dresdener Hoftheater zur Uraufführung kommen. — Welches der echte Schädel Schillers fei, ist zurzeit die hitzige Streitfrage unter den Gelehrten. ES wäre wirk- lich gescheiter, wenn die Herren Stubenhocker lieber Schillers Schriften lesen möchten, als sich in tiefsinnigen Dedukttonen über seinen Schädelknochen KU ergehen. — Maurice Maeterlinck hat für seinen„Blauen Bogel" den dreijährigen Staatspreis für Dramatik, und zwar zum dritten Male erhalten. Ist dieser Preis bloß für Kapitalisten da? Hat Frankreich keine Dramatiker? — Konfiskation. Der„Semi- Gothaer", zu Deutsch: „Jüdischer Adelskalender" wurde auf Veranlassung der Staatsanwalt- schaft in Weimar beschlagnahmt. 4900 Exemplare waren bereits an baronisierte Semiten verkauft, nur 100 fielen der Konfiskation j anHeim. fernStljirt noch auf lange Jahre bergonni sein woge, in Ittutt Arbeit für den Verband zu wirken. Der Verbandstag habe ein gutes Stück Arbeit geleistet, das fruchtbringend auf die Agi- lation wirken möge. Das Jahr 1S13 werde voraussichtlich ein Sturmjahr werden, und da gelte eS um so mehr in altbewährter Einmütigkeit zusammenzustehen. � Mit brausenden Hochrufen auf den Verband wurde der Ver- bandstag um 4s4 Uhr geschlossen. i 14 Ordevtlicher Uttbaudötilg der Schuhmacher. Dresden, 28. Juni. Die namentliche Abstimmung über die Erhöhung der Beiträge, die mit 38 gegen 37 Stimmen angenommen wurde, gab zu Beginn der Freitagssitzung Genossen Si m o n- Nürnberg Veranlassung, die Erklärung abzugeben, dah bedauerlicherweise gerade die Ver- trcter der großen Schuhzentren, wie Weißenfels, Pirmasens usw., den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben scheinen, denn gerade sie sind schuld, daß der Beschluß«ine so knappe Mehrheit fand. Doch ergebe sich nun für alle die Pflicht, für die Durchführung des Beschlusses zu sorgen. In einer längeren Diskussion wurde nunmehr darüber ent- schieden, wie die Verteilung der Mehreinnahmen zu geschehen hat. Bisher bekam die Zentrale 80, die Filiale 20 Prozent. Der Zen- tralvorstand schlägt vor. den Satz in der Weise zu ändern, daß von jeder verkauften Marke 1 Pf. mehr für die Filiale verbleibt. Ter LO-Prozent-Satz wird mit diesem Borschlag zuungunsten der Filialen durchbrochen und naturgemäß währte sich eine ganze Reihe dagegen. Bei der Abstimmung jedoch wurde der Vor- schlag des Hauptvorstandes mit sehr groger Mehrheit angenommen. Ein weiterer Antrag wurde zum Beschluß erhoben, der den Zentralvorstand verpflichtet, mehr wie bisher im Sinne von Tarif- Verträgen und Bezahlung von Mindcstlöhnen zu wirken. Einen breiten Raum nahm>dann die Aussprache über das „Genossenschaftswesen" ein. Hierzu lag folgende Resolution der Filiale Hamburg vor: „Die Mitgliederversammlung lehnt es ab, solchen Lohn- reduktionen, wie sie in der Genossenschast vorgenommen wurden, ihre Zustimmung zu geben. Sie betrachtet dies als eine Gefährdung der gesamten Lohn- frage hier am Orte. Sie verurteilt die Stellungnahme der im Betriebe beschäftigten Kollegen, indem sie der Aufforderung der Orts- resp. Gauverwaltung, eine Betriebsversammlung abzu- halten, nicht nachgekommen sind, und betrachtet die Versamm- lung dieses als ein Beiseiteschieben der Gewerkschaft. Um nun derartigen Vorkommnissen vorzubeugen, beantragt die Versammlung, daß auf der Generalversammlung beim dritten Punkt der Tagesordnung(Taktik) diese Frage endgültig geregelt werde." Die Diskussion über diese Resolution wurde zu einer Aus- spräche über die Vorschriften des Statuts in solchen Fällen, und die Vertreter der Hamburger Zahlstelle wünschen eine Reform deS Statuts in dem Sinne, daß ein einzelner Betrieb nicht in der Lage ist, selbständige Aenderungen vorzunehmen, sondern daß ein Einverständnis der Kollegenschaft am Orte erfolgen muß. Von einer Abstimmung über die Hamburger Resolution wurde indessen abgesehen, nachdem Genosse Simon- Nürnberg die Er- klärung abgegeben hatte, daß der Hauptvorstand in Kürze versuchen wird, die Differenzen in Hamburg zu schlichten. Dann folgte Punkt Sa der Tagesordnung: „Berichterstattung vom internationalen Schnhmacherkongreß in Kopenhagen." Referent W e i ck e r S- Nürnberg nahm hierbei Gelegenheit, die internationalen Beziehungen eingehend zu schildern und im Anschluß daran die Bedeutung der Kopenhagener Beschlüsse zu besprechen. In einer kurzen Aussprache über den mit großem Interesse aufgenommenen Bericht wurde auch die Frage des nächsten inter- nationalen Kongresses behandelt. Er soll wieder gemeinsam mit dem nächsten allgemeinen internationalen Arbeiterkongreß tagen, der 1913 in Wien stattfindet. Beschlossen wurde» sechs Delegierte zu entsenden. ES wurden gewählt die Kollegen Neubauer- München, Ha mach er-Berlin und W e i se-Dresden, je ein Vertreter deS Vorstandes, des Ausschusses und der Redaktion. Letztere drei Kollegen zu bestimmen bleibt dem Vorstand überlassen. Weiter wird beschlossen, daß der Vorstand aus diesen sechs Dele- gierten auch die Vertreter zum internationalen Arbesterkongretz zU bestimmen hat. Hierauf berichtete MichstagSabgeordneter Haupt-Magde- bürg, der als Vertreter der Organisation an dem„internationalen Arbeiterkongreß in Kopenhagen" teilgenommen hat, über diese Tagung. Er benutzte die Berichterstattung zu einer ausführlichen Schilderung der nationalen Verhältnisse der verschiedenen Länder und stellte sie in Vergleich zu den deutschen Verhältnissen, um so einen orientierenden Ueberblick zu gewinnen und die Wirkung guter Organisationen zu zeigen. Dringend bittet er zum Schluß, bei allen Maßnahmen die Beschlüsse des internationalen Kongresses zugrunde zu legen. Im Versauf der Nachmittagssitzung findet Statutenberatung statt........ Gcricbto-Zeitung. EntschiidigungSprozcß der Witwe Herrman«. Daß in, September 1910 bei den Polizciattacken in Moabit der Arbeiter Herrman» als unbeteiligter Passant niedergeschlagen wurde und an den Folgen der durch Säbelhiebe erlittenen Verwundungen starb, hat das Landgericht Berlin I(Strafkammer 38) für erwiesen gehalten. Gegen das LandgerichtSurteil, das in dem Prozeß der Witwe des Totgeschlagenen gegen den P-lizeifisku» ihren An« sprach auf eine dauernde Rente als dem Grunde nach für gerecht- fertigt anerkannte, hat für den PolizeifiSkuS der Polizeipräsident den weiteren Rechtsweg beschritten, und er wartet nun auf den Spruch des KammcrgcrichtS. Warten und noch immer warten muß wieder auch die ihres Ernährers beraubte Witwe, die es bitter empfindet, daß die rndgiiltige Zubilligung der Rente aufs neue verzögert wird. Auch die vom Landgericht einer besonderen Entscheidung vorbchaltene Feststellung der Höhe deS Renten- betrage» kann erst erfolgen, wenn über die grundsätzliche An- erkennung de» Rentenanspruches da» Kammergericht entschieden haben wird. Der Polizeipräsident hat sogar die von dem Prozeßvertreter der Klägerin erwirkte einstweilige Bcrfitgung de» Landgerichts, daß ihr schon jetzt ein Betrag von 10 M. pro Woche bis auf weiteres zu zahlen sei, durch Widerspruch angefochten. Zur Verhandlung hierüber war beim Landgericht l(Zivil- kaminer 18. unter Borsitz deS LandgerichtSdireltorS Geheimen Justizrat Berg), nachdem in der vorhergehenden Woche der Termin hatte vertagt werden müssen, für gestem ein neuer Termin angesetzt worden. Der Prozeßvertreter der Klägerin, Rechtsanwalt Kurt Roscnfeld, beantrangte, den Widerspruch deS ver- klagten und verurteilten PolizeifiSkuS zurückzuweisen und die einst- weilige Verfügung zu bestätigen. Die Klage richte sich auf 30 M. pro Woche, weil Herrmann in den letzten Jahren vor seinem Tode. wie seine Witwe versichere, soviel verdient habe. Durch die Zahlung von vorläufig 10 M. pro Woche werde dazu beigetragen, die von Not bedroht» Witwe vor dem Schlimmsten zu schützen. Der NechtSbeistand deS PolizeifiSkuS, Assessor Wilh. Kühne, bestritt, baß Herrmann so viel, wie angegeben werde, verdient habe. Nach den angestellten Ermittelungen werde sein Wochenlohn durchschnittlich etwa 12 Mark ausgemacht haben, so daß Herrmann nicht wöchentlich 10 Mark zum Lebensunterhalt feiner Ehefrau hergegeben haben könne. DaS Wesentlichste sei von erwachsenen Kindern beigetragen worden, die bei den Eltern wohnten und noch jetzt bei der Mutter wohnen. Der Vertreter der Klägerin wieS auf den eigenartig berührenden Eifer hin, mit dem der PolizeifiSkuS eine Zurückwcißmg des Anspruches der Witwe durchzusetzen sich bemühe. Er bemängelte die von einem Kriminalpolizisten aus- geführten Ermittelungen über die Einkommenshöhe und rügte den Versuch, auch durch Angaben über deS Verstorbenen Person auf das Gericht wirken zu wollen. Sogar da» werde gegen Herrinann an- geführt, daß er mit seiner Familie zeitweise keine feste Wohnung gehabt haben solle. Das MietsguittungKbuch zeige aber, daß die Familie ständig eine Wohnung hatte und die Miete pünktlich be- zahlte. Im Sommer habe Herrmann zeitweise auf seinem Lauben- land genächtigt, wie daS ja vielfach üblich sei, aber daneben sei die Wohnung stet» beibehalten worden. Zu der Frage nach der Höhe des von Herrmann zuletzt verdienten Wochenlohnes berief der Ber- treter de» Polizeifiskus sich noch auf eine Angabe der Frau Herr- mann selber, aus der geschlossen werden müsse, baß der bereits 53 jährige Mann nur noch beschränkt arbeitsfähig gewesen sei. DaS Gericht konnte sich nicht entschließen, auS solchen Gründen der Witwe die vorläufige Beihilfe zu versagen. Es wie» den Widerspruch des PolizeifiSkuS zurück und bestätigte die einst- weilige Verfügung auf Zahlung von 10 Mark pro Woche. Drangsalierung von Arbeiterturnvereinen. Der Turnverein„Fichte" soll durchaus ein politischer Verein sein. Der Berliner Polizeipräsident hatte durch Verfügung vom Vorstand dieses Berliner Vereins, der dem Deutschen Arbeiter- Turnerbund angehört, gemäß den Bestimmungen des Reichsvereins- gesetzeS die Einreichung der Statuten und eines Verzeichnisses der Mitglieder des Vorstandes verlangt, weil der Verein nach poli- zeilicher Behauptung aus politische Angelegenheiten einzuwirken bezwecken soll. Der Vorsitzende Gottschalk klagte nach vergeblicher Beschwerde(beim Oberpräsidenten) beim Oberverwaltungsgericht auf Aufhebung der Verfügung. Es wurde entschieden bestritten, daß der Turnverein„Fichte" bezwecke, auf politische Angelegen- heiten einzuwirken. Auch sei der Arbeiter-Turnerbund kein poli- tischer Verein, so daß aus der Zugehörigkeit zu diesem auch keine Schlüsse im Sinne der Behauptungen des Polizeipräsidenten und des Oberpräsidenten gezogen werden könnten. Der Obcrpräsident machte in seinen Schriftsätzen außer einer Reihe von Einzelheiten, die für den politischen Charakter des Turn- Vereins„Fichte" sprechen sollen, noch besonders geltend, daß. der Verein alles gegen sich gelten lassen müsse, was den Hauptverein, den Arbeiter-Turnerbund betreffe. Dieser sei aber noch im März 1910 für einen politischen Verein erklärt worden.(Sache Krüger- Königsberg.) Rechtsanwalt Wolfgang Heine legte am Freitag bor dem Ober- Verwaltungsgericht dar, daß die rechtlichen und tatsächlichen An- nahmen des Oberpräsidenten fehl gehen. In Anknüpfung an den Fall Krüger führte er aus: Frühere Entscheidungen aus der Zeit des preußischen Vereinsgesetzes kämen nicht in Betracht, da damals die Einreichung von Statuten usw. schon bei einer Einwirkung aus öffentliche Angelegenheiten, die keine politischen sein brauchten, erforderlich gewesen sei. Nun habe in dem Falle Krüger, für den schon das Reichsgesetz maßgebend gewesen sei, das Oberverwaltungs- gericht u. a. gesagt, daß eine ältere Entscheidung deS Gerichts, die auch schon den Arbeiter-Turnerbund für politisch erachtete, vorhanden sei, und daß im Falle Krüger keine neuen Tatsachen nachgewiesen seien, welche geeignet wären, das Gericht zur Aufgabe seines frühe- ren Standpunktes hinsichtlich des Gesamtbundes zu bewegen.— Nun wäre aber, so machte Heine geltend, gerade in letzter Zeit neues Material bekannt geworden, was ergebe, daß der Bund kxin politischer Verein sei. Das Polizeipräsidium in Leipzig, wo der Bund seinen Sitz habe, habe eingehende Ermittelungen über den Charakter des Arbeiter-Turnerbundes anstellen lassen und sei auf Grund des Ergebnisses zu der Meinung gelangt, daß der Bund mindestens seit dem Inkrafttreten des ReichsvcreinsgesetzeS keine politische Tätigkeit entwickelt habe. Die Leipziger Polizeiverwal- tung(Amtshauptmannschaft) behandele deshalb den Bund nicht als politischen Verein. Der Anwalt stellte deshalb den Antrag, daß zunächst, bevor auf Einzelheiten eingegangen werde, durch Einholung einer Auskunft der Leipziger Polizei und des Beamten. der die Ermittelungen angestellt habe, Beweis erhoben werden möge. So könnte vorweg einer der Hauptgründe, die gegen den Einzel- verein„Fichte" geltend gemacht wurden, beseitigt werden. Das Oberverwaltungsgericht beschloß nach längerer Verhand- lung, darüber Beweis zu erheben, ob der Arbeiterturnerbund. Sitz Leipzig, ein politischer Verein sei. Und zwar soll nach dem Autrage des Anwalts eine Auskunft des Polizeiamts Leipzig herbeigeführt werden. Dieses soll auch um diejenigen Verhandlungen ersucht werden, welch« zu seiner Feststellung führten» daß der Bund kein politischer Verein set» Der fragliche Beamte de» Polizeiamts Leipzig soll auch vernommen werden. Die Revilverschlacht auf dem Wedbing. Der Nachtwächter Schubrig teilt uns mit, daß keineswegs im Bvrprozeß festgestellt sei, daß er den Einbrechern die Tür öffnete. Beihilfe habe er keineswegs geleistet. Das Gerichtsurteil sei ein Fehlurteil. Es ist das Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet. Arzt und Pastor. In dem bekannten BeleidigungSprozeß gegen den Arzt Dr. Eckert wegen Beleidigung de» Rahnsdorfer Pastors L o t h e r bestätigte nach langer Verhandlung gestern die Straf- kammer des Potsdamer Landgerichts das freisprechende Urteil. In der Begründung wurde auSgesührt, daß eS nicht auf jede Einzelheit in den Erzählungen des Dr Eckert und des Zeugen v. Hake ankomme, sondern auf die Beschuldigungen im ganzen. DaS Gericht hat den Beweis der Wahrheit als geführt erachtet, daß der Pastor sich in der geschilderten Weise benommen habe. Die Bekundung des Nebenklägers ist nicht so positiv wie die der Ehestau Eckert. Man könne sich dem Eindruck nicht entziehen, daß der Neben- kläger die ganze Sache nicht hat in Abrede stellen wollen, sondern nur gesajjt hat: Nach meiner ganzen Ueberzeugnng kann ich diese Worte mcht gebraucht haben. Bon einer formalen Beleidigung kann keine Rede sein, denn eine sachlichere Form für die Beschuldigungen konnte der Angeklagte Dr. Eckert nicht wählen. Ein nettes Pfliinzchcn. Einen unerwarteten Ausgang nahm eine Anklage« fache, welche das Schöffengelicht Verlin-Miite beschäftigte. Wegen Diebstahls war die bisher unbescholtene Schneiderin Edith S ch. angeklagt.— Die Angeklagte war beschuldigt, einem Handlungsgehilfen Felix L.. angeblich nach einem zärtlichen tSW-a-tSts, ein Zivanziamarkstiick gestohlen zu haben. Das Verfahren hätte unzweifelhaft mit der Verurteilung der Sch. geendet, wenn nicht ein unerwarteter Zwischenfall ein- getreten wäre. ES meldete sich plötzlich der Rechtsanwalt Dr. Karl L ö w e n t h a l. der in einem anderen Sitzungszimmer zu tun hatte, und erklärte folgende«: Er habe zufällig auf dem Korridor den ihm bekannten Handlungsgehilfen Felix L. gesehen, der schon wiederholt in ganz ähnlichen Sachen al» Belastungszeuge aufgetreten sei. E« bestehe der Verdacht, daß L. ganz gewerbsmäßig jung« unbescholtene Mädchen, an die er sich herandränge, deS Dieb- stahlS beschuldige, um sie seinem Willen gefügig zu machen. Erst bor kurzer Zeit sei L. in einer Sache als Zeuge aufgetreten, in der er die Tochter hochanständiger Leute des Diebstahls beschuldigt habe. Das junge Mädchen, welches in der Verzweiflung dem Selüumord nahe gewesen sei, sei schließlich frei- gesprochen worden. Es sei ihm ferner bekannt, daß L. auch in mehreren anderen Fällen junge Mädchen des Diebstahls beschuldigt habe, die dann vielleicht unschuldig verurteilt worden seien. DaS zuständige Polizeirevier, bei welchem L. wiederholt derartige An« zeigen erstattete, habe sogar schon in einem Falle ein Einschreiten abgelehnt. Das Bericht beschloß unter diesen Umständen, doch erst weitere Ermittlungen bezüglich der Glaubwürdigkeit des L., der sich zurzeit in einem Sanatorium in Charlottenburg aufhält, an- stellen zu lassen._ Ein Revolveranschlag auf den Schwiegersohn führte den Kaufmann Rudolf F e l l m a n n aus Schöneberg unter der Anklage des versuchten Totschlages vor daS Schwurgericht de» Landgerichts II. Der Angeklagte lebte in ehelichem Zwist mit seiner Frau und hatte sich von ihr und feiner Familie getrennt. Seine Stieftochter war mit einem Gastwirt Schäfer verlobt, der in demselben Haus« wie die Familie Fellmann wohnte. Der Angeklagte hatte wiederholt Versuche und Anstrengungen gemacht, mit seiner Frau wieder zusammen leben zu können, er hatte damit aber kein Glück, denn seine Frau, die keine Sehnsucht hatte: ihn wieder aufzunehmen, wies ihn wiederholt ab. Der Angeklagte redete sich nun ein, daß seine Frau von der Tochter und' deren Bräutigam gegen ihn aufgestachelt werde und wurde daher von Haß gegen letzteren er- füllt. Am t. April d. I. gelang es ihm, in die Wohnung seiner Frau einzudringen, die vor ihm die Flucht ergriff und schleunigst ihren Schwiegersohn zu ihrem Beistand herbeiholte. Kaum erschien dieser auf der Bildfläche, va gab der Angeklagte einen Revolverschuß auf ihn ab, der dem Schwiegersohn eine leichte Verletzung an der Stirn beibrachte. Als der so Bedrohte auS dem Bereich deS Wüterichs zu entkommen sich beeilte,, lief der Angeklagte hinter ihm her und hatte nicht übel Lust, einen zweiten Schuß auf ihn abzu- feuern. Er kam aber nicht dazu, denn die herbeieilenden Haus- bewohner hinderten ihn daran, indem sie ihn ergriffen und ver- prügelten.— Die Geschworenen sprachen den Angeklagten nach dem Antrage deS Rechtsanwalts G u m p e r t nur der Körper- Verletzung schuldig und der Gerichtshof verurteilte ihn zu vier Monaten Gefängnis._ Apfelsine oder Alkohol? Vor dem Amtsgericht Charlottenburg hatten sich gestern die Arbeiterfrauen Gornaß, Ziesielska und Andrejewicz wegen angeblicher Beleidigung des Schutzmanns Kubieczeck zu verantworten. Der Anklage lag folgender Vorgang zugrunde: Am 8. März d. I. hatte der genannte Schutzmann, ocr in jener Zeit auShilsSwcise bei dem 3. Polizeirevier in der Jägerstr. 2 zu Charlottenburg bedienstet war, im Auftrage desselben amtliche Recherchen harmloser Natur über die angeklagte Frau Gornaß zu erledigen. Er soll hierbei die 70 Jahre alte Schwiegermutter der Frau Gornaß, Frau Zie- sielska, die allein in der Gornaß'schen Wohnung war und ihm öffnete, in allzuschneidiger Weise angefahren und bis zu Tränen gequält haben, weil sie ihn anfangs nicht öffnen wollte und schließ- lich die gewünschte Auskunft nicht aeben konnte, da sie nur polnisch versteht und spricht. Durch den Lärm aufmerksam gemacht, kam die angeklagte Frau Andrejewicz aus der benachbarten Wohnung der alten Frau zu Hilfe. Beide Frauen machten nach ihrer Ansicht die Wahrnehmung, daß der Beamte betrunken war. Als Frau Gornaß am Abend nachhause kam, und von den Borgängen erfuhr, erstattete sie gegen den Beamten A n. zeige bei dem 3. Polizeirevier und ersuchte dasselbe� sie und ihre Angehörigen in Zukunft mit betrunkenen Schutzleuten zu verschonen. Bei seiner verantwortlichen Vernehmung durch, seinen Rcviervorstand bestritt Kubieczeck, betrunkei? gewesen zu sein und die gegen ihn gerichtete Anzeige fand ihre Erledigung darin, daß der Spieß nunmehr umgedreht und gegen die drei Frauen ein Strafverfahren«ingeleitet wnvde. Auf die Frage des Borsitzenden, aus welchen Merkzeichen sie auf die Betrunkenheit des Beamten geschlossen hätten, erklärten sie übereinstimmend, daß er einen betäubenden Alkohol- g e r u ch ausgeströmt und in beängstigender Weise umhergctorkclt sei, daß er ferner seinen ihn mehrfach heruntergefallenen Bleistift nur schwer habe finden und aufheben können. Auch der als Zeuge Vernommene Polizeiwacht m ei ster C i« s« vom 3. Polizei- revier, der an dem betreffenden Vormittag mit Kubieczeck dienstlich in Berührung gekommen war, bekundete eidlich, daß der- elbe nach Alkohol gerochen hat. Trotzdem bestritt ubieczeck, betrunken gewesen zu sein, behauptete vielmehr, an dem fraglichen Morgen nur seinen Kaffee getrunken und eine Apfelsine genossen zu haben. Sowohl die Angeklagten, wie Polizerwachtmcister Ciese müssen irrtümlicherweise den Dunst der genossenen Apfelsine für Alkoholgeruch gehalten haben. DaS Ge- r i ch t sprach sämtliche Angeklagten auf Grund deS§ 193 tcS Strafgesetzbuches(Wahrnehmung berechtigter Interessen) frei. Ein starkes Stück ist, daß als Antwort auf eine Beschwerde Anklage gegen die Beschwerdeführer erfolgte. Das geht ja noch über die Mängel im militärischen Beschwerderecht hinaus. Versammlungen. Zentralverband ber Schmiede. Die Zahlstelle Berlin hielt am Donnerstag eine außerordentliche Generalversammlung ab. in der Fritze Bericht vom letzten BcrbandStag erstattete. Der„Vor- wärts" hat darüber berichtet. In der Diskussion kritisiert ein Redner, baß ausgerechnet drei bekannte Vertreter des Metallarbeiterverbandes als Delegierte ein- zelner Körperschaften dem Kongreß beigewohnt haben. Es sehe dies aus, als ob es absichtlich geschehen sei, um den kleinen Schmiede- verband totzureden. Daß die Abstimmung mit einfacher Majori- tät vor sich ging, bemängelt der nächste Redner. Ebenso, daß Schlicke, Cohen und Reichelt an dem Kongreß teilnahmen. Es sehe aus, als ob sich der Hauptvorstand Hilfe geholt habe. Im weiteren Verlauf der Debatte wird bedauert, daß an der Tätig. keit des Vorstandes nicht mehr Kritik geübt worden sei. In diesem Punkte hätten die Delegierten ihre Pflicht nicht getan. Der Auf- schwung der Organisation wäre besser vor sich gegangen, wenn d,e Verschmelzungsdebatten nicht gewesen wären. S i e r i n g griff auch in die Diskussion ein. ES stimme nicht. daß die Tätigkeit deS Vorstandes nicht der nötigen Kritik unter- zogen worden fei. Darin wäre jwnug geschehen. Für die Ur- abstimmung hätten alle gestimmt. Die Stimmung war so, daß auch ohne Urabstimmung die Verschmelzungsfrage vom Kongreß glatt erledigt worden wäre. Es fei im Interesse der Sache nötig ge- Wesen, daß die Delegierten einheitlich stimmten. Die einfache Majorität bei der Abstimmung sei eine Frage nebensächlicher Art. Es war nicht zu verhindern, daß ein Teil der Berufskollegen schon sowieso zu anderen Verbänden übergetreten sei. So wie die Dinge letzt liegen, sei es üötig, daß die gesamte Kollegenschaft Deutsch- lands für die Verschmelzung eintrete— im Interesse der Organisation. Basner nahm ebenfalls das Wort und zwar, wie er sagte, nicht deshalb, weil er ein übergroßer Freund der Verschmelzung ist, sondern um ein klares Bild von den Vorgängen zu geben. Samt- liche Gegner der Verschmelzung hätten ihren Standpunkt geändert und f ü r den Zusammenschluß gesprochen. Den Berliner Tele- gierten sti kein Vorwurf zu machen; sie hätten vollauf ihre Pflicht getan. Man werde ihm, der den Verband mit habe gründen helfen. nicht zutrauen, daß er mit Freuden auf die Verschmelzung eingehe. Nachdem aber der Kongreß gesprochen, werde er nicht starrköpfig eigene Wege gehen. Die Einigkeit in der Arbeiterbewegung sei nötig, und wenn jeder seine Pflicht tue, dann werde die Gruppe der Schmiede im Metallarbeiterverband eine Kerntruppe darstellen. Ein weiterer Redner tritt sehr warm und wirkungsvoll für die Verschmelzung ein, während der nächste Redner prophezeit, die Schmiede wnrdeo im Metallarbeiterderbande nur zahlende Mit- glieder sein. l?s sei unverständlich, wie Basner, der bisher der schärfste Gegner einer Verschmelzung gewesen sei, jetzt mit solchem Feuer dafür eintreten könne. Die großen Verbände seien auch nicht leistungsfähiger wie die kleinen. In seinem Schlußwort ging Fritze auf die verschiedenen Ein wände ein und rechtfertigte die Haltung der Delegierten. Prin zipiclle Gegner der Verschmelzungsfrage waren auf dem Kongreß nicht vorhanden. Die Tagung habe zur Evidenz bewiesen, daß die Verschmelzung gewünscht wurde. Daß die Koryphäen des Metall- arbeiterverbandes anwesend waren, sei nicht absichtlich geschehen. Wären an ihrer Stelle andere Gewerkschaftler hingekommen, so wäre das Ergebnis nicht anders gewesen. Es wäre bedauerlich, wenn die Berliner Mitglieder sich in einen Gegensatz zu den Kol- legen im Reiche setzen würden, die fast geschlossen für die Ver- schmclzung seien. Diese werde an der Frage der Beamten nicht scheitern. Die Befürchtungen, daß die schmiede in der neuen Organisation minderen Rechts seien werden, seien vollkommen halt los. Die Schmiede werden als vollberechtigte Mitglieder über, treten. Jeder einzelne müsse deshalb in der Urabstimmung für den Zusammenschluß stimmen, wenn nicht unberechenbarer Schaden ent- stehen solle. So einstimmig wie die Abstimmung auf dem Kongreß erfolgt sei. müsse auch die Abstimmung für die Verschmelzung bei der Urabstimmung erfolgen. Nachstehende Resolution wurde mit 422 gegen 89 Stimmen angenommen: Die am 27. Juni tagende Mitgliederversammlung der Zahl- stelle Bersin erklärt sich mit der Haltung der Delegierten und den Beschlüssen der 13. Generalversammlung einverstanden. Die Versammlung erwartet von den Kollegen, nachdem die General- Versammlung sich einstimmig für den Anschluß an den Deutschen Mctallarbeiterverband erAärt hat, daß sie ihre ganze Kraft ein- setzen, um am Tage der Urabstimmung ein einheitliches Ergeb- niS im Sinne der Generalversammlungsbeschlüsse zu erzielen. Eue der frauenbewegung. Leseabende. Alt-Glienicke. Dienstag, den 2. Juli, abends S'/s Uhr, im Lokale des Genosse Dürre, Köpenicker Str. 6. Lankwiv. Montag, den 1. Juli, abends 8'/z Uhr bei Schulz, Mühlen- straße 21: Vortrag über Hausarbeit des weiblichen Geschlechts. )Zus aller Älelt. Treckfiukcn. In Spanien scheint man den Dreck noch für heilig zu halten, und jeder, der sich den Leib mit Wasser und Seife gründlich wäscht, kommt leicht in den Geruch, ein modernistischer Ketzer zu sein. Der Geist Philipps des Zweiten, der 1566 gegen den Gebrauch der Bäder mit schweren Geld- und Kettenstrafen einschritt, scheint noch auf diesem unglücklichen Lande zu liegen. Trug sich doch noch jüngst dort folgende Begebenheit zu, die Dr. Ernst Schultz« im Juni- Heft des«März" in dem Aufsatz:«Vom Baden in Spanien" berichtet. Einer Volksschulleheerin Maria Maeztu wurde in Bilbao von einer aufstrebenden Gruppe«El Sitio" ein Geschenk als Anerkennung für einen anregenden Vortrag über ihre englischen Schulstudienreisen überreicht.«Die so Geehrte bat indessen," so berichtet Dr. E. Schultze,«man möge den Betrag der ihr zugedachten Gabe lieber dazu verwenden, in der Volksschule, die sie leitete, ein Badezimmer für Schulkinder einzurichten. Der Vorstand von«El Sitio" war mit Freuden dazu bereit. Er richtete daher an den Gemeinderat ein Gesuch, sein Vorhaben zu genehmigen. Die Frage wurde darauf der Stadtverordneten- sitzunts zur Beratung überwiesen. Der Sozialist Carretero trat warm für die Genehmigung de« Gesuches ein; er bean- tragte außerdem, daß die Stadtverwaltung das Badewasser umsonst liefere. Die klerikalen Mitglieder sedoch erhoben lebhaften Protest. Der Karlist A c e b a l rief wütend:„Was ist das wieder für ein Unsinn, eine Schule in eine Badeanstalt verwandeln zu wollen!" Ein ultramontaner Stadtverordneter, T o r r e, hielt eine wütende Rede gegen den sozialistischen Antrag, gegen die übergeschnappte Senorita Maeztu, gegen den Fortschritts verein„El Sitio" und endlich vor allem auch gegen die kultur- widrige Leidenschaft, sich zu baden. Denn„das Baden ist ein Luxus und dient, wie jeder Luxus, dazu, die Menschen zu'ver derben". Als darauf der stellvertretende Bürgermeister Elgueze bal das Wort ergriff, wurden seine beiden Vorredner noch übertroffen. Elguezebal ist Advokat, hervorgegangen aus der Jesuitenschule von Densto. So suchte er zu beweisen, daß das Baden«mit der Moral unvereinbar" sein I Menschen, die in ihrem Raffinement so weit gehen, sich mehr als das Gesicht und die Hände zu waschen, lästern damit Gott und prostituieren sich selb st. Ich habe in meinem Leben noch kein Bad genonimen und ich bin überzeugt, daß die M e h r z a h l in dieser ehrenwerten Versammlung dasselbe von sich sagen kann!"— Wahre Musterchristen I Todessturz eines deutschen Fliegers. Am Sonnabend früh um 6 Uhr stürzte der Flieger Schabt bei Napoleonsmsel nahe Mülhausen i. Elf. mit seinem Flugzeug ab und war sofort tot. Der Pilot war mit einem zur Ablieferung an die Militärverwallung fertigen Flugzeug zur vorschriftsmäßigen Proberunde auf dem Flugplatz Habsheim aufgestiegen. Bei Napoleons- inselsoller, wie Augenzeugen berichten, eine Kurve zu kurz genommen haben, wobei er aus einer Höhe von 260 Meter in den Wald abstürzte,_ Unwetter iu Italien. Wie uns aus R o m gemeldet wird, hat ein schwerer Sturm in der letzten Nacht verschiedene Dörfer in der Nähe des Vesuvs verwüstet. Große Schlamm- und Lava- maffen sind aus dem Krater herausgeschleudert worden. Am meisten mitgenommen wurde R e s i n a, aber auch in den Ort- schaften Rovella, Cupa, Patacia und Casacampo ist der Schaden außerordentlich groß. Zahlreiche Personen sind verletzt worden. Der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen. Von Neapel find verschiedene Hilfszüge abgegangen. Räuberische Zigeuner. Die drei Brüder Zigeuner Eben der, die vor kurzer Zeit den königlichen Förster Romanus erschossen und einen Gendarmen und zwei Bauern angeschossen haben, sollen sich, wie der Gendarmerie gemeldet wurde, im Landkreise Celle aufhalten. Trotz aller erdenklichen Maßnahmen ist es bisher nicht ge« lungen, der Mörder habhaft zu werden. Di« Gendarmerie rm Kreise Celle erhielt amtlich die Nachricht, daß ein angeblicher Zigeuner Laubinger in Bröckel, Kreis Celle, Postsachen post- lagernd erwartet und daß der Betreffende einer der Gesuchten sein müsse. Die Gendarmerie stellte fest, daß der Zigeuner die Post- fachen bereits abgeholt hat. Der Verdächtigte ist auch mit einem anderen Zigeuner in einer Wirtschaft gesehen worden, wo die beiden zusammen kneipten. Sie verübten später in der Wirtschaft einen Einbruch und schlugen den Nachtwächter, der sich ihnen entgegenstellen wollte, nieder. Das Dolchmesser und der Hut des einen der beiden Einbrech»r ist am Tatorte aufgefunden worden. Ein gewaltiges Gcndarmerieaufgebot hat die Verfolgung der Ver- brecher aufgenommen._ Meine Notizen. Die Gefahren der Arbeit. Auf der Gewerkschaft Deutscher Kaiser in H a m b o r n ereignete sich am Sonnabend eine Teer- explosion, wobei ein Ingenieur und ein Arbeiter sschwerr Verletzungen erlitten. Der Arbeiter ist bereits an den erlittenen Verletzungen im Krankenhaus gestorben. Ein Gcndarmeriewachimrifier totgefahren. Auf der Straße don Kranichfeld nach Dinstedt wurde Freitag abend, wie die.Weimarische Zeitung" meldet, der Grotzherzoglich-Sächsische Gendarmeriewacht- meister Z u ck e l o h r von einem Automobil überfahren und z u Tode geschleift. Die Insassen des Automobils legten den Toten am Straßenrand nieder. Die Staatsanwaltschaft fahndet eifrig nach den Tätern. Ungarisch Blut. Wie aus der ungarischen Ortschaft MunkäcS gemeldet wird, bewahrheitet es sich, daß die Tochter des Oberst- leutnant H i r s ch l den Korpskommandanten Feldzeugmeister v. Beerewicz öffentlich im Hotel„Stern" geohr- f e i g t hat, weil derselbe ihren Vater beleidigt und den- selben zwingen wollte, sein Demissionsgesuch einzu- reichen. erschossen. Baron v. Brinke». in Warschau, wurde von seinem der in nervöser Aufregung handelte, Kopfe schwer verletzt. Tor- kazonoff richtete darauf die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich gleichfalls schwer. Er wurde in besorgniserregendem Zustande ms Hospital gebracht._ Durch seiue« Adjutanten Kommandant der Kaisergarde Adjutanten Torkazonoff, durch einen Schuß am Arbeiter-Tamariterbund,«reis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche: Neukölln. Freitag: Jdealpassage, Weichselstraße 8, abend» 8',, Uhr. Spandau. Am Mittwoch bei PecztlcS, PichelSdorfer Straße 5, abend» 8 Uhr. N o w a w e S. Am Freitag in der Fortbildungsschule, abend» 3 Uhr. Mariendors. Montag bei Löwenhagen, Chausseestr. 27, abend» 8-/, Uhr. FrtedrichShagen. Am Donnerstag, Friedrichftr. SO, 2. Hos, abends 8 Uhr. Die Kreisleitung. Cranz' Fest-Säle Kösliner Strafte 8. Empfehle den verehrten Vereinen und Gewerkschaslen meinen gr. Saal mit Bühne(KXIO Pers.) sowie gr. Garten m. Bühne llüOÜ Pers.) zur Abhaltung von Sommersesten, Bällen, Versammlungen usw. zu kulanten Bedingungen. 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Im Apollotheater zu Nürnberg, diesem.ersten Etablissement am Orte", wie es sich nennt, gastiert zurzeit das Fritz S t e i d l- Ensemble unter der Direktion des Herrn Fritz Steidl. Berlin W. 30. ES ist dies eine Varietegesellschaft, die ihren ständigen Eitz in Berlin hat. In Nürnberg wird zurzeit für diese Gesellschaft große und aufdringliche Reklame gemacht. Am Nürnberger Gewerbegericht aber wurde dieser Tage in recht drastischer Weise bekannt, wie eS um die Engagementver- Hältnisse der bei diesem Ensemble angestellten Künstlerinnen steht. ES wurde eine Künstlerin sofort entlassen, weil sie angeblich gegen den Anstellungsvertrag gesündigt habe. Die entlassene Künstlerin, die mittellos war, klagte am Gewerbegericht Nürnberg auf Bezah. lung von LS M. Entschädigung. In der Verhandlung wurde der Engagementsvertrag der Künstlerin verlesen, über dessen Inhalt selbst der Gerichtsvorsitzende in Entrüstung geriet. Hier der Wort- laut de» Vertrages: .Fritz Steidl. Ensemble' Berlin W. 30. Bertrag. Zwischen Herrn Fritz Steidl-Franke, Direktor des Fritz Steidl- Ensemble und Fräulein X. ist heute folgender Engagementvertrag geschlossen worden: Z 1, Herr Direktor Fritz Steidl engagiert bei seinem Unter- nehmen zu Vorstellungen oder Konzerten im In» und Auslande, auch wann, wo und wie er dieselben zu geben gedenkt, Fräulein X. vom 7. April 1912 bis 30. April 1911 Es steht jedoch Herrn Direktor Steidl jederzeit das Recht zu, diesen Vertrag durch eine vorhergehende vierwöchentliche Kündigung einseitig zu losen. 8 2. Fräulein X. verpflichtet sich zur Uebcrnahme aller ihr von der Direktion übertragenen Rollen im Fache, als Chor und Ballett. § 3. Fräulein X. verpflichtet sich bei Vermeidung einer Kon- ventionalstrafe in Höhe einer JahreSgage von... M. vor und während der in§ 1 gedachten Dauer dieses Engagements in keinem anderen Lokal als in dem von der Direktion bezeichneten Gebäude oder Garten(Theater oder Konzertsaal) zu singen, zu spielen oder bei irgendwelcher Aufführung mitzuwirken, sei die Veranstaltung öffentlich oder privatim; es muß hierzu die schriftliche Genehmigung von der Direktion eingeholt werden. Z 4. Fräulein£. unterwirst sich den bestehenden allgemeinen Bestimmungen inbetreff der HauS- und Geschäftsordnung. Zu- Widerhandlungen gegen die Anordnungen der Direktion oder öffentliche Auflehnung gegen dieselben können von der Direktion mit Geldstrafe bis zu 50 M. geahndet werden, eventuell kann sofortige Entlassung unh Auflösung de» Vertrages eintreten. § 5. Für pünktliche und richtige Erfüllung der übernommenetk Pflichten zahlt Herr Direktor Fritz Steidl an Fräulein T. eine monatliche Gage von 100 M.(buchstäblich hundert M.). Forner Diäten auf Reisen im In- und Ausland« monatlich... M. zahl- bar am 1. und 16. jeden Monats postnumerando; fällt der Zahltag auf einen Sonntag oder einen Reisetag, so wird die Boge am darauffolgenden Tage bezahlt. Reisegeld 3. Klasse. z 6. Fräulein 3L stellt für sich selbst die erforderlichen Schuhe und fleischfarbenen Trikot», welche sich stets in ordentlichem Zustand befinden müssen, wie überhaupt sämtlich« für ihre Person bei de« B-rstellungen benötigte moderne Garderobe(modern« ist im Vertrag fett gedruckt). § 7. Tritt Brand de» Lokals, Krieg, Epidemie, Landestrauer, polizeiliches Verbot, politische Umwälzung oder sonstige Kalamität ein, so ist die Direktion berechtigt, diesen Bertrag sofort und ohne jede Kündigung zu lösen, dasselbe Recht steht der Direktion gegen ein Mitglied zu, welches sich für etwas hat engagieren lassen, was es nicht zu leisten imstande ist, oder dessen privater Lebenswandel zu öffentlichem Aergernis Veranlassung gibt. Z 8. Sollte Fräulein X. diesen Vertrag brechen oder früher, als derselbe beendet ist, das Engagement verlassen, so verfällt die- selbe in eine sofort nach Wechselrecht(II) zu zahlende Konventional- strafe von 12 0 0 Mark, jedoch hebt die Zahlung der Konventional- strafe die Rechtsbeständigkeit dieses Vertrages nicht auf und behält sich die Direktion jede Ansprüche auf Schadenersatz vor. § 9. Es steht der Direktion das Recht zu, während der Sommermonate auf längstens 30 Tage das Unternehmen zu schließen. Während dieser Pause(Urlaub) fallen alle Bezüge an Gage und Diäten fort, ebenso, wenn ein Mitglied durch ein von ihm selbst ausgehendes Hinoernis nicht zum Auftreten gelangt, oder bei polizeilichem Verbot. § 10. Den weiblichen Mitgliedern ist der Besuch von Nacht- lokalen(BarS, CafeS, CabaretS usw.) ohne Herrenbegleitung bei sofortiger Entlassung verboten. Vorstehender Vertrag ist in Duplo ausgefertigt, selbst gelesen und eigenhändig vollzogen. Die Stempelkosten dieses Vertrage« tragen Kontrahenten' zu beiden Teilen. OrduungSbestimmungcn für die Tournee. 8 1. Streitigkeiten unter den Mitgliedern sind strengstens zu vermeiden, dieselben werden nach Recht und Gewissen von der Direktion geschlichtet. Den Anor! 8 2. Anordnungen des Direktors, Regisseur», Kapell- meisters, Ballettmeisters und Inspizienten ist während der Proben und Vorstellungen unbedingte Folge zu leisten. 8 3. Beschwerden müssen schriftlich bei der Direktion vor- gebracht werden. 8 4. Mit Disziplinarstrafe« wird belegt: a) Zuspätkommen zu den Proben und Vorstellungen mit je SO Pf. für jede angefangenen fünf Minuten; Versäumnis einer ganzen Chorprobe ohne Entschuldigung S M. b) Lautes, störendes Schimpfen auf der Bühne oder in den Garderoben. c) Das Mitbringen von Hunden. d) Esse« und Trinken in den Garberoben(fett gedruckt). e) Die Verwendung von offenem Licht in der Garderobe. t) Das Tabakrauchen auf der Bühne und in den Garderoben. g) Widersetzlichkeit gegen die Anordnungen der in 8 2 genann- ten Personen. 8 S. Den nicht beschäftigten Mitgliedern ist der Aufenthalt auf der Bühne während der Proben und Vorstellungen untersagt. 8 6. KrankheitSmeldungen sind mit der Aufschrift Krank- Meldung sofort an die Direktion zu senden unter Beifügung eine» ärztlichen Attestes. 8 7. Das Mitglied muß sofort seine Adresse dem Inspizienten mitteilen und darf die Stadt nicht ohne Genehmigung der Direktion verlassen. 8 8. Das Mitglied ist verpflichtet, sich auf Kosten der Direktion photographieren'zu lassen. 8 9. Auch außerhalb des Theater» ist das Mitglied verpflichtet. durch sein Benehmen die Würde deS Unternehmens zu repräsen« tieren. 8 10. Eine Stunde vor Anfang der Borstellung muß da» Mitglied im Theater sein. § 11. Die Requisiten und Kostüme find auf das penibelste zu behandeln und ist den diesbezüglichen Anordnungen der Gardero- biere Folge zu leisten. Berlin, den... 1912. Fritz Steidl. Ueberaus bezeichnend ist, was Herr Fritz Steidl durch seinen Vertreter als sofortigen Entlassungsgrund angeben ließ. Der Herr Direktor, der für eine Monatsgage von 100 M.(wir sahen Ver- träge, in denen Herr Steidl noch viel geringere Gagen festgesetzt hat) verlangt, daß die Künstlerin für sich selbst die erforderlichen Schuhe und fleischfarbigen Trikots, welche sich stets in ordentlichem Zustand befinden müssen, wie überhaupt sämtliche für ihre Person bei den Vorstellungen benötigte moderne Garderobe für eine Monats» gage von 100 M. verlangt, machte nämlich in moralischer Eni- rüstung. Und zwar deswegen, weil die Künstlerin angeblich nach einer Vorstellung sich an den Ausgang gestellt und so„Herren Gelegenheit gegeben habe, sie anzusprechen'..Zuwiderhandlungen gegen die Anordnungen der Direktion" oder„öffentliche Aufleh- nung" gegen diese kann aber nach dem„moralischen" Vertrage mit Geldstrafe bis zu 50 M. belegt werden. Und der Herr Direktor sieht auf„Ordnung". In der Rubrik Diäten ist im Vertrag keine Zahl eingetragen. die klagende Künstlerin gab an, sie habe keine Diäten bekommen. Die Konventionalstrafe von 1200 M.(die Festsetzung dieser Strafe verstößt� sicherlich gegen die gnten Sitten) soll von der Künstlerin „nach Wechselrecht" sofort bezahlt werden. Dies ist zwar ungesetz- lich. aber die moralische Direktion macht sich nichts daraus.„Essen und Trinken ist in der Garderobe verboten". Dieses Verbot dürfte mit Rücksicht auf die jämmerlichen Gagen sicherlich überflüssig sein. Es gibt in Deutschland keine Sklaverei mehr, aber die Künstle- rinnen des Herrn Fritz Steidl dürfen„die Stadt ohne Erlaubnis des Herrn Direktors nicht verlassen'. Gleich Verbrechern„müssen" sich die Künstlerinnen, wenn es Herr Steidl wünscht, photogra- phieren lassen.„Widersetzlichkeit" wird mit„Disziplinarstrafen" belegt. Klingt das nicht ganz militärisch? Herr Direktor Fritz Steidl weiß auch sonst, was sich geziemt, denn er verpflichtet seine mit 100 M. und weniger bezahlten Künstlerinnen, durch ihr Be- nehmen die„Würde des Unternehmens" zu repräsentieren. Die Direktion versteht eS auch, die flaue Zeit zu bestehen, ohne sich be- züglich deS Personals in Kosten zu stürzen. Herr Steidl gewährt „Urlaub", jedoch Bezüge und Gagen fallen in dieser Zeit weg. Es ist schade, daß Herr Fritz Steidl nicht selbst am Gewerbcgericht erschien, um über„die Würde des Unternehmens" selbst Aufklärung zu geben. Da Herr Steidl nicht erschienen war, konnte lediglich ein Versäumnisurteil erfolgen. Wenn der Herr Direktor indessen Einspruch erhebt, was zu erwarten ist, kann die mittellose Künstlerin bis zum nächsten Termin hungern oder sie kann sehen, wie sie sich anderweitig durchschlägt. Hoffentlich vergißt die Künstlerin dabei nicht, die Würde deS Steidl-EnfembleS zu wahren. Witternngtübersscht vom LS. Juni ISIS. kt-twnm Swinemd« 76-2 761 761 762 SD 759IDSD SD SW Still 2 wölken! 1 bedeckt iioolfig 2 wölken! Ihalbdd. irlin FnmksnM Wien ett 7620 Wetterproanos« für Sonntag, den SO. Juni ISIS. 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Siegel8 MlAe Theaterbühne fif, FfllllkflirtSr Stf. 80. 2 Kegelbahnen Empsehle den Gewerkschaften sowie Vereinen meme Verelna< zimmor sowie Säle(30 bis 360 Personen sassend) zur Abi Haltung von Sitzungen, Bcrsammlurgeu sowie Festlichkeiten zu den kulantesten Bedingungen. 3432L' KB. Sonnabende U.Sonntage im August, September, Oktober noch frei. Moabiter Schtitzenhano Plötzcnsee. Konzert— Theater— Kabarett. Austreten Mr. KaB> Todessturz mit dem Zweirad und Automobil. (MOOOOOOOOOMMOSOSOOf••••••••••••OOOO Restaurant Neu-Seeland, Stralau am Rummelsburger See. loh. Wwe. Schonert Jeden Sonntag Spezialitäten-Vorstellung u. Konzert. Im Vergnügungspark: 3212L* Großes Volksfest ä la Stralauer Fischzug. Im Saal: Gr. Ball. Jeden Mittwoch: Gr. Kinderfest. Abends; Spree-Athener, Dir. M. Zerner. eOOOOOOOOOOOOOOOSOOOOOOOOOOOMSOOOOOW Exeelsior-Liehtspieiliaus Neukölln gar5«-?! Passage Die Vom 29. Juni bis 5. Juli inkl. Sehlangenbändlgerm] Fortsetzung des„Fliegende» Zlrkn».' 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Passepartouts n.Vorzugsk. gültig. Einige Sonnabende unt kuL Bedingungen an Vereine zu vergeh. Am KönigStor Am Friedrichshain Täglich: t, piaun liehtsplele n, Tanz. Ansang: Wochentags 51/, Uhr, Sonntags 4 Uhr. Alhambra Lallner-Theaterstratze 16. .r,:,- Großer Ball Großes Orchester. Ansang Sonntag» Uhr. A. Zameltat. Markgrafen-Säle 34, Slarkgrafen-Damm 34. —— An der Stralauer Allee.------- Täglich: Grobe Kine-Verstelluvg. Im Restaurant täglich mufikaltsche Unterhalmug. Vorzügliche Küche, ff.Biere u. Weine, Billard u. Kegelbahn Slysium Enadsh erger Allee 40-41. Heute Sonntag: Kollzert □ Theater □ Spezialitäten □ Oroßer Bali. FamUten-Kaffeckochen. Ansaüg 31/, Uhr. Entree 10 Ps. Büß' 8alon Juh.: F. Tauer «roste Frankfurter Strafte 8S. Heute: Gr. Extr�-Onll. Saie für Bereine, 350— 400 Per» sonen, für September frei. 35302 Für den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktton de» Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Sozialdemokrattseher Wablverein des h. Berliner fteiehsiags- Wahlkreises. Dieustag, dea 2. Inli, abends pünktlich 8 Uhr, in den„Konkordia-Salen" Andreasstr. 64: Außerordentliche General- Uers ammlnng. Tagesordnung: t Fortsetzung der Beratung und veschlutzsassung über den Entwurs der LuSführun�Sbestdnmungen dcZ WahlregulattvS und Anträge. 2. Beratung und Beschlubsassung über Anstellung emeS dritten Angestellten und Anträge 3� Beremsangelegenheiten. 217/13* Mitgliedsbuch legitimiert Der Torstand. Sozialdemokratischer Wahtoerein für den 6. Seriiner aeiehstagswahikreis. Dienstag, den S. Juli ISIS, abends 8l/, Uhr, in de«„Germania-Prachtsälen", Chansseestr. IIS: AnHerordentlicheGeneralversammlung Tagesordnung: Beratung deS Entwurfs der AuSsührungSbestimmungen und der dazu gestellten Anträge. - Mitgliedsbuch legitimiert.- 230/1* Der Vorstand. ÄchiltUg! Unser diesjähriges Sommerfeft findet am Sonntag, de« lt. Juli, im Schloß Wetsteusee statt. Veibk>nllliss8Mssmii?l»1eskliiIIös. DrtsverHvaltnnzx DerUn. Di« nächsten Br anch en-V ers ammlungen finden an nachsolgenden Tagen statt: Geschirr-Uranche: Donnerstag, den t. Juli, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. P-rt-stui«» md Nrise-rtiteldr-uche:"»ZA. bei Graumanu, Naunynstraße 27. MilitSr-Kraache: 3-«°us. Kuoltllmlkgkr u. Teppichllühn: uhr,�"' bei Wcilmacht, Grünstr. 21. Magen-Kraucht: Mittwoch, den 3. Juli, abends 8'/, Uhr. im Gewerkschaftshause, Engeluser 15. SfnmSbtl- u. jrdechihlp-lßmr:' im Graphischen Nereinshause, Stlexandrinenstr. 44. Zahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungen erwarten 157/13 Die Branchenleltancen, im 8011 Verwaltung Berlin. Die Vertrauensmänner-Versammlungen der Bezirke und Branchen fallen im Juli aus. Tonnerstag, de« II. Juli, abends 8 Uhr: Außcnirdtlltlilhc Gcnerlil-Nns«mmliliiz in den Coneordia-Jestsale«, Andreasstrahe 64. Tagesordnung: L Berichterstattung vom VerbandStag. 2. Wahl der nichtbefoldeten Rttglieder im Hauptvorstand. 3. Wahl der Revisoren. 4. Wahl der Preß- tommisfion. 5. ZLahl deS GauvorstandeS. Maschinellarbeiter. Montag, den I. Juli er., abends 8 Uhr: /taltenoniteirtlickv Brancben-Vcrfammtuiig in de«„Andreas- Festsaien", Andreasstr. 21: Tagesordnung: BV„Die Unfallgefahren in der Holzindustrie*."WA Referent: Kollege A. Kalth-HMünchen. Verbands- und Branchenangelegenheite«. Bgf Da zu dieser Versammlung die Vertreter der Berufs- genofienschaften und Gewerbeinspektionen eingeladen find, erwarten wir von den Kollegen, daß Mann für Manu erscheint. SS/13*_ Die Kommission. gar- Die Wander-Ansstelinng':.Die Uufallgefahreu in der Holziudnftrir« im.GewerkschaftshanS*(Saal 3) ist t ä g l i ch geSffnet von 3— 1 und 4—9 Uhr. Sonntags von 3—1 Uhr. TM Modell- und Fabriktisehler. Montag, den 1. Juli er., abends punktlich 8 Uhr, im„Kosentkaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12: Branchen-Verfallt tnlutig. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Dtttl» über: „Die Krankenkassen in der Reichsverfichernngsordnnng". 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Die Aiodclldrechfler find zu dieser Versammlung hierdurch besonders eingeladen.________ Einsetzer. Montag, den 1. Juli lt»lS. abends S llhr/, Uhr von der Waisenbrücke. Um rege Beteiligung wird gebeten. Orts-Krankenkass e Berlin-Britz. Freitag, den S. Juli ISIS, abends 8'/, Uhr, bei Raddatz, Chauficestr. 33: Außerordentliche General-Uersammlllug der Herren Vertreter der Arbeit- geber und Arbeitnehmer. Tagesordnung: 1. Abänderungen der§§ 1, 14 und 41 deS Statuts. 8. Vortrag über die Borteile eines Anschlusses an die Zenttallonunission der Krankenkassen Berlins und der Vororte. 276/13 3. Verschiedenes. Der Torstand. Laugguth, 2. Borfitzender. 1 srfon 2 Stuben, Nebengel., mit Lall Cll, u. ohne Lagerkeller z. 1. 10. zu vermieten Narkgrasenstt. 74.* Orts-Krankenkasse ft*te11, "'6. Königstr. 33 am Bhf. Alexanderplatz Berlin töW. \!en*TMon/arf �®n �&'S Sonnafcenci den 6— Jufi zu enorm herabgesetzten Preisen Ein Posten . ZUN KostMcke Voile-Röcke 16.5« ca, 2300 EinPosten Batist-, Stickerei- u. 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Im Sommer 19 l0 trat eine kurze Unterbrechung ein, weil die bei der Grundwassersenkung für den Pfeiler nördlich der Ouitzowstraße zu pumpenden Wassermengen entgegen allen vorherigen Schätzungen auch durch unbeteiligte Sachverständige so groß waren, daß die Kanalisationsanlage» sie nicht ausnehmen konnten und daß zu ihrer Abführung erst eine Rohrleitung über die Bahnanlagen hinweg bis zum Spandauer SwiffahrtSkanal gebaut werden mußte. Anfang 1911 wurde die Aufstellung der Eisenkonstruktiou begonnen, die im Januar 1912 beendet wurde. Mitte 1911 bereits wurden die Eisen« betonarbeiten in Angriff genommen, dann folgten die Verlegung der Gas-, Waffer- und Kabelrohre, die Herstellung der Isolierung, die Verlegung der GesimSplattcn, die Aufstellung der Geländer und Kandelaber usw. und schließlich die Herstellung der Fahr- und Gehbahnbefestignug. Die Gesamtkosten betragen etwa 1 800 000 Mark, davon entfallen auf die Putlitzbrücke 1 41b 000 M. und der Rest au" die Föhrerbrücke._ Hitzefcrien gab es gestern in sämtlichen Schulen. Der Zoologische Garten hielt am Dienstag feine General- Versammlung ab. Der Geschäftsbericht für 1911 ergibt folgendes: .,,' 1911 Annähernd B/t Millionen Mark brachten die Eintrittsgelder. Zu diesem starken Beiuch trug die ungewöhnliche Gunst der Witterung bei. Die Abonnements zeigten«inen kleinen Rückgang<9401b M. gegen 99 242 M. im Jahre 1910). Die Gesanileinnahnie ergab 1 103 664 M.(gegen 1 004 383 M. im Jahre 1910). Abschreibungen werden im Gesamtbetrage von 123 670 M. vorgeschlagen, so daß ein Gewinn von 6699 M. verbleibt. DaS Aktienkapital beträgt 3 300 000 M.(1000 Stammaktien zu 300 M., 3000 Stammaktien zu 1000 M.). Wie groß der Tierbestand ist, geht schon daraus hervor, daß man für Fütterung im letzten Jahre 142 403 M. verbraucht hat. Für das Eintrittsrecht zum Aquarium sind bis jetzt 199 060 M. von Aktionären(je 100 bezw. 110 M.) gezahlt worden. Das Aquarium wird am 1. Juni 1913 eröffnet werden. Man kann den Bau und namentlich die inner« Einrichtung nicht überhasten, da aus Zuführung von Luft, Waffer usw. mit Rücksicht auf manche sehr empfindliche Tiere besonderer Wert gelegt werden muß. Ein schwerer Unfall beim Bau der Untergrundbahn ereignete sich am Freitagabend in der Stralauer Straße. Dort wurde bei den Arbeiten an dem neuen Fangdamm ein Dampframmer verwandt, der die 1V Meier langen Pfähle in das Spreebett hineintreibt. Der Arbeiter Grzenda aus der Wiener Straße, der neben dem Rammer stand und die Richtung des eingetriebenen Pfahls kontrollierte, beugte sich gerade in dem Augenblick, al» der acht Zentner schwere Eisen haiinner herabgesaust kam. zu weit vor, so daß er von dem Rammer getroffen wurde. Blulllberströmt brach der Verletzte zusammen und wurde von seinen Kameraden nach der Unfallstation am Grünen Weg gebracht, wo der Arzt einen Schädelbruch und schwere Gehirn erschütterung feststellte. G. wurde nach dem Rudolf- Virchow- Krankenhause geschafft, wo er im bedenklichen Zustande daniederliegt. Der Mctzer Frauenmörder in Borsigwalde verhaftet. Wie bereits gestern unter»Letzte Nachrichten" mitgeteilt, wurde in der Nacht zum Freitag in Arnaville bei Metz die 24jährige Mo- distin Emilie Stein aus Metz ermordet aufgefunden. Als Täter kam der 45jährige Mctalldrcher Paul Stein aus Borsigwalde bei Berlin, ein Onkel der Ermordeten, in Frage, der sich seit einigen Tagen in Metz aufgehalten hatte. Am gestrigen Vormittag um 1 0 Z4 Uhr gelang es einem Borsigwalde r Kriminalbeamten. den Mörder in einer Gastwirtschaft in Borsigtvalve zu verhaften und nach der Tegeler Polizeiwache zu bringen. St. hat bereits ein volles Geständnis abgelegt. Ueber den Mord, dessen wirkliche Ursache bis zur Stunde noch völlig in Dunkelheit gehüllt ist. und die Verhaftung des Täters erfahren wir folgende Einzel- heilen: Der 4Sjährige Metalldreher Paul Stein, der in der Rausch- straße 61 in Borsigwalde wohnt, war seit einigen Tagen verschwun- den, um, wie er seiner Wirtin und einigen Freunden mitteilte, seiner in Metz wohnenden Schwägerin einen Besuch abzustatten. Inzwischen war die Nachricht von der Ermordung des jungen Mäd- chens in Metz durch die Berliner Zeitungen bekanntgegeben und Stein der Tat bezichtigt worden. Gegen 10 Uhr morgens bemerkte nun ein Postbeamter in einer Schanklvirtschaft von Strauß, Rausch- Ecke Ernststraße in Borfigwalde den Stein mit seinen ebenfalls dort wohnenden Schwägern bei einem Glase Bier sitzen. Der Beamte lief auf die Straße und traf dort einen Kriminalschutzmann, den er darauf aufmerksam machte, daß der gesuchte Mörder sich in dem Lokal befände. Der Kriminalbeamte begab sich sofort in daS Lokal und verhaftete Stein, der seiner Festnahme keinen Widerstand ent- gegensetzte. St. wurde nach der Polizeiwache in Tegel übergeführt, wo er bei seiner Vernehmung folgendes Geständnis ablegte: Im vorigen Jahre erhielt St. den Besuch seiner Nichte, eines bildhübschen Mädchens von 24 Jahren, das mit ihrer Mutter in Metz lebt. Stein knüpfte mit seiner Nichte während ihres Auf- entHaltes ein Liebesverhältnis an und versprach dem jungen Mäd- chen, sie bald einmal in Metz zu besuchen. Gestern vor acht Tagen. am 22. d. M., fuhr er nach Metz und hielt sich dort bei seinen Ver- wandten auf. Nach seiner Angabe erzählte ihm das junge Mädchen. daß es überaus unglücklich sei, und aus dem Leben zu scheiden wünsche. Der Grund hierzu bilde ein Verhältnis mit einem Ossi- zier, das'dt-fer jedoch zu lhien beabsichtige. Außerdem sei sie mit einem jungen Kaufmannssohn aus wohlhabender Familie verlobt, doch wolle die Mutter des Bräutigams nicht in eine Heirat des Paares einwilligen. Nach Angabc SteinS habe das junge Mädchen ihren Onkel dann wiederholt gebeten, sie zv töten, da sie von dem einen Liebhaber nicht lassen könne, und aus der Verbindung mir dem zweiten doch nichts werden könne. Stein erzählte lvciter, daß er das Mädchen so geliebt habe, daß er ihr, trotz seiner anfänglichen Weigerung, den Wunsch nicht habe abschlagen können. Am 27. Juni begaben sich beide in ein Weinlokal in Metz, wo sie mehrere Flaschen Sekt und Rotwein tranken. Um 10�4 Uhr abends fuhr er dann mit seiner Nichte nach Arnaville, wo er in einem Walde das Mäd- chen erstochen habe. Er selbst will dann versucht haben, sich eben- falls durch Messerstiche zu töten, doch weist der Hals, wo er sich an- geblich Stiche beigebracht haben will, keine Wunde auf. Dagegen dürfte seine Behauptung, daß er sich dann in einem Teiche zu er- tränken versucht hat, den Tatsachen entsprechen, da sowohl seine Ober- wie Unterkleidung mit Schlamm bedeckt war. Noch in der- selben 97.:cht fuhr Stei< Cvn Metz nack' lTDIu weiter, w- Zl sich der Polizei stellen wollte. Angeblich entsank ihm hierzu jedoch im letzten Augenblick der Mut und er fuhr nach Berlin weiter, wo er gestern morgen um 8(4 Uhr eintraf. Um 8% Uhr erreichte er Borsigwalde, wo er seine Schwäger aufsuchte, um mit diesen zu beraten, was zu tun sei. Dabei wurde er von dem Kriminalbeamten verhaftet. Die Polizei steht den Angaben Steins, der die Tat als Doppelselbst- mord hinzustellen und sich dadurch zu entlasten sucht, sehr skeptisch gegenüber. Die Behörde nimmt vielmehr an, daß Stein von den beiden Verhältnissen seiner Geliebten Kenntnis bekommen und das Mädchen aus Eifersucht ermordet hat. Stein wurde, nachdem seine Aussage zu Protokoll genommen worden war, mittags nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis geschafft._ Die Nachforschungen nach de» bekannten Defraudanten sind innner noch erfolglos geblieben. Eine Spur Brünings glaubte man in Königswusterhausen gefunden zu haben. Sorgfältige Nachforschungen ergaben jedoch, daß der verdächtige Mann dort in der Gegend nicht mehr ist. Auch größere Streifen, die gestern und in der vergangeneu Nacht in Berlin noch gemacht wurden, u. a. von dem Groß« Revier 13, hatten nicht den gewünschten Erfolg. Ausgehoben wurden u. a. ein Cafü in der Friedrichstraße, gegenüber der Oranienburger Straße, das besonders frühmorgens stark besucht wird, und ein Lokal in der Elsasser Straße. Zugleich wurde auch der internationalen Taschendiebe wegen be« sonders die Umgebung des Scheunenvicrtels mit seinen verdächtigen Fremdenquartieren abgebucht. Die, aus die eS besonders abgesehen war, fand man nicht, wohl aber eine Anzahl anderer Personen, die schon länger gesucht wurden, weil sie dieses oder jenes auf dem Kerbholz haben. Die Fahndung nach den Defraudanten Brüning, Zebell und Haase wird jetzt im größten Umfange betrieben. Alle deutschen Generalkonsulate und Konsulate erhalten einen Sonderabdruck des deutschen Fadndungsblattes mit den Bildnissen der drei Gesuchten und einer Beschreibung ihrer Streiche. So wird den Durchgängern dann auf der ganzen Erde nachgespürt. Auf diese Weise wurde vor Jahren auch der Doppelmördcr Goenczy in Südamerika ermittelt und festgenommen. Zu der Liebestragödie in der Kaiserstraße wird mitgeteilt, daß der Händler Kobelt, der die Frau Schöueburg erschoß, jetzt auch gestorben ist. Er hatte sich, als er sich an der Flucht verhindert sah, zwei Kugeln in den Kops geschossen. Kobelt war früher Droschken- lutscher und zuletzt Handelsmann und H�sierer. Tödlicher Straßenunfall. Durch einen Schwindelanfall um daS Leben gekommen ist gestern nachmittag der 24 Jahre alte Arbeiter Willy Eckert aus der Danziger Str. 86. Der junge Mann wurde, während er vor dem Hause Münzstr. 8 dicht am Fahrdamm auf dem Bürgersteige stand, vom Schwindel befallen und stürzte so unglücklich auf den Damm, daß er gerade vor einen Kraftomnibus zu. liegen kam, der aus der Richtung vom Stettiner Bahnhof her durch die Münzstraße gefahren kam. Es gelang dem Führer nicht mehr, den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Er warf ihn noch etwas herum, aber ein Hinterrad ging dem Unglücklichen doch über den Leib und verletzte ihn so schwer, daß er auf der Stelle verschied. Ein Wagen der Feuerwehr brachte den Verunglückten nach dem Schau» hause. Eckert war der einzige Sohn und die Stütze seiner alten Mutter, bei der er Ivohnte. Bier Tage tot in der Wohnung gelegen hat der 59 Jahre alte Arbeiter Olto Schultz« aus der Buttmannstr. 5. Schultze war starler Trinker. Nachdem man ihn lange nicht mehr gesehen hatte, öffnete man gestern seine Behausung und fand ihn tot auf dem Fußboden liegen. Ein Arzt stellte fest, daß er schon mehrere Tage tot war. Vermutlich ist er einem Herzschlage erlegen. Aus dem Fenster gestürzt. Uui wird geschrieben: Am Mittwoch, ruh Vzö Uhr, wurden wir durch einen klatschenden Fall aus dem Schlaf geweckt. Wir standen auf und sahen durch unser Fenster. welches nach dem Hof de? W ö ch n e r i nn e n h e i m S in der M ü l l e n h o f st r a ß e hinausgeht, daß eine Frau, nur mit einem Hemd und einer Nachtjacke bekleidet, auf dem Hofe lag. Wie wir nachher erfuhren, ist dieselbe aus dem zweiten Stockwerk des Wöchnerinnenheims heraus- esprungen. Erst durch Zurufen eines Anwohners wurde eine (chwester und der Maschinist herbeigeholt, welche die Wöchnerin nach oben schafften. Um 7 Uhr wurde dieselbe per Krankenwagen ortgeschafft. Ob dieselbe im Fieber die Tat getan hat? Eigentlich müßte doch eine Nachtwache dort sein. Vielleicht wird die Sache durch diese Veröffentlichung geklärt. Selbstmordversuch eineS GemeindeschülerS. In der Gemeinde- chule in der Friedenstraße am Landsberger Platz spielte sich gestern vormittag ein aufregender Vorgang ab. Aus Furcht vor Strafe "türzto sich ein zwölfjähriger Knabe, Kurt Woisch. dessen Eltern in >er Friedrichsberger Str. 24 toohnen, aus einem Fenster des dritten Stocks auf den Hof hinab. Er blieb schwerverletzt liegen und wurde nach der Unfallstation in der Koppenstraße gebracht. Von dort mußte er nach dem Krankenhaus am Friedrichshain transportiert loerden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Knabe hatte die Schule wiederholt geschwänzt und ivar gestern von einem Schutz- mann nach der Schule gebracht worden. Räuberischer Ucbrrfall auf einen Geschäftslehrling. Im Hause Köiiigstraße 43 wurde gestern vormittag der vierzehn Jahre alte Lehrling Hermann R a s e n a ck, der in dem Samt- und Seiden» Warengeschäft von S. Bärwald Nachfolger beschäftigt ist, von einem ;ungen Mann überfallen und durch vier Messerstiche erheblich verletzt. Der Lehrling war von seiner Firma beauftragt worden. 1500 Marl nach der Depositenkasse einer Bank zu bringen. Kaum hatte er den Hausflur erreicht, als sich der Räuber über ihn her» türzte, ihm einige Messerstiche versetzte und den Versuch machte, ihm die Tasche mit dem Geld zu entreißen. Der Lehrling hatte aber so» viel Geistesgegenwart, die Tasche festzuhalten und laut um Hilfe zu rufen. Dies zwang den Räuber, von seinem Opfer zu lassen und die Flucht zu ergreifen. Obgleich die Verfolgung sofort aufgenommen wurde, gelang es ihm, im Strome des Verkehrs zu entfommen. ES bandelt sich um einen etwa siebzehn Jahre alten Burschen, der einen blauen Jackeltauzug trug. Der verletzte Lehrling fand auf der Un- 'allstation am Spittelmarlt die erste Hilfe. W-« ist die Tote? Aus dem Zeutbener See bei �auchfangS- werder wurde die Leiche einer Frau gelandet, die ivahrscy-inlich frei- willig ins Wasser gegangen ist. Ihre Persönlichkeit konnte noch nicht "estgcstellt werden. Die Tote ist etwa 42—45 Jahre alt, hat grau lemijchteS Haar und trug einen schwarzen, griingefiittcrten Hut, ein 'chwarzcS Jackett, einen grün-rot-gestreiftc» Rock, einen violetten Unterrock, schwarze Stoffschuhe mit Lackspitzen und ein weißes Hemd ohne Zeichen. Ihre Handtasche enthielt fünf Schlüssel. Sie >esaß außerdem eine goldene Brille und mehrere goldene Schmuck- "achen, darunter ein Medaillon mit einem FrauenbildniS. Das weiße Taschentuch der Ertrunkenen ist M. gezeichnet. Bcrmißt wird feit dem 17. JPIai d. I. der oimcl. phiL Alßrecht Hehiler, am 30. Janilar 1SW zu Roda in S.-A. geboren, zuletzt in GreilZwald wohnhast gclvesen. Hcyner hat am genannten Tage Greifswald verlajj» um sich über Berlin nach Wachwitz bei Dresden zu seine» dort wohnhaften Elter» zu begeben. Er ist bis heute in Wachwitz nicht eingetroffen. Signalement: Hehner ist 1,65 bis 1,70 Meter groh, Hai blondes Haar und ebensolchen Schnurrbart, graublaue Äugen und frisches, ovales Gesicht. Er war bekleidet mit eiilem dunklen Jakettanzug und trug eine braune, rindledernde Hand- tasche bei sich. An Wertsachen besag er eine goldene Savonetteuhr „Uiitoii Glashütte" mit goldener Kette. In der Handtasche befand sich unter anderen Sachen ein Rasierapparat, Marke„Nanu". Es imis} mit einem Iliigliilksfall, Selbstmord oder Verbrechen gerechnet werden. Nachrichten werden an das Königliche Polizeipräsidium Berlin zum Aktenzeichen 2218/IV. 19. 12. erbeten. Am Freitagnachmittag zwischen 6 und Dampswascherei„Exakt", Em schwerer Bcrliist._____ 6 Uhr hat ein Kutscher der Dampswascherei„Exakt", Tempelhof, Ringbahnstr. 42, auf dem Wege von Tempelhof, Werderstrage, nach Südende, vermntlich auf der Chanffce. einen groben Sack mit(je- brauchler Wäsche verloren. Da der Kutscher ersatzpflichtig ist. wird gebeten, Nachricht an obige Firma oder an die zuständige Polizei- behörde gelangen zu lasten. Wegen einer Explosion wurde am Sonnabendnachmittag um s'/z Uhr der 17. Löschzug nach der Barnimstrabe 44 alarmiert. Dort war angeblich aus Unvorsichtigkeit eine Kanne mit Spiritus explodiert. Die brennende Mäste übergab die Kleider der Ehefrau Schelzer und ihrer kleinen Tochter. Beide erlitten schwere Brand- wunden und liefen aus der Wohnung im ersten Stock ans den Hof, wo sie zusammenbrachen und von Hausbewohnern mit Decken um- ivickelt wurden. Die alarmierte Wehr verband die Frau, die be« fonders an den Armen Brandwunden erhalten hatte und löschte den Küchenbrand. Das Mädchen wurde zu einein Arzt gebracht und von diesem behandelt. Arbcitcr-Bildungsschule. Wir erinnern, daß heute(Sonn- tag) noch eine Zusammenkunft des nationalökonomischen Kursus des Genossen Grunwald im Grunewald statt- findet, an der gleichen Stelle und um dieselbe Zeit wie vor drei Wochen. Arbciter-BildnngSschnle. Während der Ferienzeit bis zun, Wiederbeginn der Schule im Oktober ist die Bibliothek jeden Donnerstagabend von S-V llhr geöffnet, wo auch Mitgliedcrbeiträge bezahlt werden können._ Vorort- Nachricbtcne Steglitz. Die gestrige Gemeindevertretersitzung, die letzte vor den Ferien. hatte in der Hauptsache nur da? lebhafte Geldbedürfnis unserer Geineindeverloaltung zu befriedigen. Nachdem ein mit Neukölln ab- zuschliebeiider Vertrag über die Aenderung der Vorflut unsere« RicselguieS Klein-ZietHen genehmigt war, wurden zur Er- Weiterung der Pumpstation 147 000 Mark bc- willigt. Zu diesem Punkt wurde die intercffante Mitteilung ge- macht, daß die mit elektrisch betriebenen Pumpen gemachten Versuche ergeben hätten, Vost trotzdem die Gemeinde ei» eigene« Eleklrizitätöwerk besitzt, der Dampfbetrieb de» Vorzug verdiene. Bei der Vergröberuug wird deshalb auch wieder eine Dainpfpunstie zur Aufstellung gelange». Zur Herstellung eines Klär- b e ck e n s für die Siegenwasterleitung im sogenannten Bäkepar! wurden 38 000 Mark bewilligt und für die Vor- bcrcilung neuer Schulbauten 2000 M. Auch fiir Kanalisation«- arbeiten wurden noch kleinere Summen benötigt und schließlich»och 10000 M. fiir die Foriführnng der Arbeiten im S t a d t p a r k bereit- gestellt. Als stellvertretende Vorfitzende des»euerrichteten Vcrfichc- rmigsamtes Berlin-Steglitz(Vorfitzender ist Bürgermeister Buhrow) wurden Kämmerer I o ch e m und Asseffor Brauer gewählt. Eine Polizeiverordnung, die für ein bestimmtes Gebiet der Bauktaste A Re, he n Hausbau vorschreibt, fand einmütige Zustimmung. Dabei wurde von verschiedenen Seiten der Wunsch geäußert, der Amtsvorsteher möge eine gleiche Verordnung auch für andere Ortsteile derselben Bmiklasse vorbereiten, um die unschöne und nnhligiemiche Bauweis« mit Banivich, wie sie der Schöneberger Ortsteil ausweist, zu beseitigen. Ein Driiiglichkeilsantrag unseres Vertreters Aßmann, der 60 M. Bei- Hilfe für Ferienspiele forderte, bildete den Schluß der Sitzung. Nach- dem die Dringlichkeit anerkannt war, führte Aßmann auS, daß sich aus den Kreisen der Arbeiterfrauen ein Komitee gebildet habe mit der Aufgabe, während der Schulserieu an drei Tagen der Woche diejenigen Schüler und Schülerinnen, die ihre Ferien nicht außerhalb verleben können, zum Spiel in« Freie ß»-führen und z» überwachen. Die von privater Seite zur Verfügung gestellten Mittel seien jedoch be- schränkt und deshalb beantrage er im Auftrage der Kommission aus Gemeindemitteln 60 M. zu bewilligen. Ohne Debatte wurde der Anirag mit 12 Stimmen, bei 12 Stimmenthaltungen an- g e n u in m e». Auch einige neng-wählte Herren der„Linlen" brachte» nicht so viel Courage ans. für den Antrag zu stimmen. Schöneberg. In der letzten Sitmng der Gewerkschaftikommisfion berichtete Genosse Krukow über die Zentralisation der Ortskrankcnkassen für Groß-Berlin. Da einer Zentralisation der Berliner mit den Vor- ortkranlenkaffen erhebliche Schwierigkeiten gegenüber ständen, er- örterte er hierbei die Frage einer Zentralisation der Kasten der westlichen Vororte. Es gelangte hierauf folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:„Die Delegierten der Schöneberger Ge- Werkschaftskommission erblicken in der Zentralisation der OrtS- krantenkassen der westlichen Vororte einen sozialen Fortschritt, der für die Versicherten dieser Kassen erhebliche Vorteile mit sich bringt; deshalb verpflichten sich die Delegierten, in ihren GewerkschaftS- Versammlungen und unter den �Arbeitern in den Betrieben in diesem Sinne wirken zu wollen." Sodann erstattete Genosse Henkel Bericht über den zu bik- drnden Kreis- und VezirkSjugendmisschuß. Für den KrciSjugend- cuSschusz sollen die Genossen Peiri und Henkel, für den Bezirks- jugendaussthusi der Genosse Henkel in Vorschlag gebracht werden. Genosse Herker teilte aus der Sitzung der Arbeitsnachweis- deputation mit» daß sie beschlossen habe, die weibliche Abtchlung deS städtischen Arbeitsamtes, die bisher Sonnabends bis 7 Uhr abends geöffnet ivar. an diesen Tagen mittag« 12 Uhr zu schließen. Eine Beschwerde des Zentraiv-rbande« der Maschinisten und Heizer über die Handhabung des Geschäftsbetriebe« bei der Einstellung von Arbeitern in das städtische Pumpwerk ist dem Magistrat zur An- stellung weiterer Ermittelungen überwiesen worden. Es lagen dann noch Anträge aus Aenderung ewzelner Bestimmungen der ArbcitLlosenversichcrungsordnung vor. Diese Anträge wurden zurückgestellt, weil mit dem 31. März 1913 die Frist für die Ar- bcitslosenvcrsicherung abläuft. Die Deputation beschloß beim Ma- gistrat zu beantragen, die Frist diö 31. März 1016 zu verlängern. Solnld Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hierzu Stellung genommen hätten, sollen dann die zurückgeftcllien Anträge verhandelt wevden. Genosse Henkel wies darauf hin, daß. wie der Fall der Mai- chinisten und Heizer zeige, immer wieder einzelne Dezernate der- uchcn, den Arbeitsnachweis zu umgehen. Auch er habe eine Be- chwerde über die Kirchhofsverwaltuna in der letzten Sitzung der Deputation zur Sprach« bringen müssen. Unter Umgehung de» städtischen Arbeitsnachweises sollen dort 10—15 Arbeiter eingestellt worden sein. Eine Untersuchung in dieser Angelegenheit sei juge- sagt worden. Ein Genosse wie« daraus hin, däß auf Beschluß der Deputation im Arbeitsnachweis sämtliche Grotz-Berliner Tage». zcilungen anSliegen sollen. Er habe eS recht sonderbar empfinden müssen, daß wohl politische Tageszeitungen aller Schattierungen zu finden sind, nach dem„Vorwärts" suche man jedoch ver- g e b e n s. Es müsse erwartet werden, daß das Versäumte schleu- nigst nachgeholt werde, denn die Besucher des Nachweises seien in der Mehrzahl Arbeiker, die«inen Anspruch darauf haben, daß auch ihr Organ bei der Auslegung berücksichtigt werde. Charlottenburg. Als Nachfolger des Bürgermeisters Mattiug soll, wie einige Blätter zu melden wisse», der Vorsitzende der liberalen Fraktion der Stadtverordnetenversammlung. Herr Otto, ausersehen sein. Herr Otlo ist Lehrer au derAuguste-Viltoria-Schule in der Nürnberger Straße und müßte, wenn er als Kandidat für diesen Posten überhaupt in Frage käme, vorher sein Amt niederlegeu, um gewählt werden zu können. Friedenau. Die Kiudrr-Fcrienausflüge werden wie im vergangenen Jahre, auch jetzt wieder, von einigen Frauen aus Arbeiterkreisen ver- anstallet. Eltern, welche ihre Kinder daran teilnehmen lassen wollen, tun gut, dies bei folgenden Frauen anzumelden: Frau Grünberg, Abbestr. 26. rechter Seitenflügel I, Frau Budraß, Handjerhstr. 58, Ouergebäude II, Frau Tölle, Handjerhstr. 60/61, linker Seitenflügel, 2. Aufgang I. Der erst» Ausflug findet am Montag, den 1. Juli, mittags pünktlich 1 Uhr statt, Treffpunkt am Wilmersdorfer und Schiller- Platz. Groh-Lichterfelde. Neber„Dir Demokratie auf dem Bormarsch" referierte in einer bei Richter tagenden stark besuchten Versammlung Gen. Dr. Karl Liebknecht. In großen Zügen veranschaulichte der Redner den Versammelten, wie das Proletariat sich die politische Macht wahren und dadurch die Ziele der Sozialdemokratie verwirklichen könne. Die Hauptsache sei, daß die Zahl der politisch und gvwerk- schaftlich organisierten Arbeiter vevdrei- und vervierfacht würde, dann könne die Arbeiterklasse gegen den Willen der heute noch Mächtigen spielend den ihrigen durchsetzen. Die Ausführungen des Ztedners wurden mit brausendem Beifall aufgenommen. Nach- dem der Vorsitzende noch zu reger Agitation für die Organisation aufgefordert, fand die imposante Versammlung ihr Ende. Der Gesangverein Mänurrchor feiert heute bei Fr. Wahrendorf sein drittes Siistungesest. Da der Gesangverein die Veranstaltungen der Partei und der Gewerkschaften bisher stet« verschönern half, wird die Arbeiterschaft ersucht, da« Fest zu besuchen. Friedrichsfclde-Nnmmelsburg-Lichtenberg. Heute Sonntag, den 80. Juni, von nachmittag« 2 Uhr ab, findet auf dem Turnplatz in Friedrichsfelde. Hohenlohestraße, ein Schau- turnen, veranstaltet von den drei Vereinen genannter Orte, statt. Die Arbeiterschaft der Orte, ganz besonders die Jugend, wird ersucht, der Veranstaltung beizuwohnen. Karlshorst. Die Generalversammlung de« Wahlvereins nahm zunächst den Vorstandsbericht de« Genosse» Küter entgegen. Redner betonte, daß die Reichstags« wie die Gemeindewahl alle Kräfte in Anspruch genommen hat. Verbreitet wurden über 41000 Flugblätter. Statt- gefunden haben 8 Mitgliederversammlungen sowie 9 öffentliche Versammlungen(einschließlich Biesdorf). In der Lokalfrage sei kein Fortschritt zu verzeichnen; das Lokal von König an der Bahn sei streng zu meiden.„Borwärts'leser find in KarlShorft 286, in Biesdorf 78. An Stelle deS bisherigen einen Zahlabends sind drei eingerichtet. Als Lokale kommen Sabrowskt, Poser, Dönhoffstratze und Bartels in Frage. Den Kassenbericht erstattete Genosse Förster. Die Gesamtjahreseinnahme betrug 1843,15 M., die Ausgabe 1810,02 M. Die Gemeindewahl erforderte«ine Ausgabe von 671,15 M. Die Zahl der Mitglieder beträgt inkl. Biesdorf 292, davon find 70 Frauen.— Der Bibliothel wurden 98 Bände entliehen, meist Ilitterhaltungs- liternwr. Die Zahl der vorhandenen Werke beträgt 108. Ein An« trag de« Genossen Zimmermann, Leseabend« der Frauen einzuführen, wurde angenommen. Der Ablehnung verfiel ein Antrag, welcher vom Parteitag Beschlüsse verlangt, wodurch einzelne Abgeordnete sich den Fraktionöbeschlüffen zu fügen haben. In die Bezirksleitung wurden folgende Genossen gewählt: als Vorsitzender: R. Küier, Kassierer: Förster, Schriftführer: Fahl. Die Wahl der Beisitzerin wurde vertagt. Weistensee. Tumultszenen in der Gemeindevertretung. Die ehrabschnei- denden und gehässigen Artikel des G. m. b. H.-Organs gegen unsere Genossen aus der Gemeindevertretung gaben dem Genossen Fuhr- mann in der letzten Sitzung Gelogen-heit, dem Organ selbst und seinen Preßkosaken die nötige Abfuhr zu erteilen. Daß das den Herren der alten Fraktion, den Stützen dieses Organ?, Nicht an- genehm war, bewiesen die fortwährenden Unterbrechungen des Redners, insbesondere tat sich hierin Herr Fechner hervor; sekun- diert wurde dieser Herr von seinem Kollegen Herrn Schwarz aus dem alten Torf. Durch fortwährendes Tazwischenbrüllen„Zur Geschäftsordnung" wollte Herr Fechner sich da» Wort erzwingen. Sogar mit dem Verlassen des Saale« drohte er, wenn dem Ge- nassen Fuhrmann nicht das Wort entzogen würde. Zeitweise ent- stand ein solcher Tumult, daß der Vorsitzend« die Sitzung vertagen wollte. Mit stoischer Ruhe trug Fuhrmann seine Anschuldigungen gegen das Matt und seine Helfershelfer vor, nm dann auf da« Schema der Milchübernahme in eigene Regie überzugehen, wobei er nochmals au Hand eines ausreichenden Zahlenmaterials die Vorteile für die Gemeinde herausrcchnete. Durch den vollständigen Umfall der alten Fraktion mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Schössen Mcwes, kam die Vorlage zu Fall. Die fortwährenden Angriffe des ortsfeindlichen Organs, das de» Gemcindevorstand beschul- drgte, in Verbindung mit den sozialdemokratischen Vertretern auf den Ruin deS Mittelstandes hinzuarbeiten, haben die fortschrittlichen Herren so in Angst und Schrecken versetzt, daß sie ihre frühere Ab- ficht fallen liehen und«ine totsichere Einnahmequelle für die Ge- meinde ablehnten. Bei der nach stundenlangem Debattieren er- folgten Abstimmung waren nur die acht Sozialdemokraten fiir die Vorlage. Al« Herr Fechner zum Wort kam, war sein erste« Ver- langen, daß er in Zukunft solche Debatten über sein Leibblatt nicht mehr hören wollte; weiter beklagte er sich, daß ihm der Gc- nosse Taubmann eine Maulschelle angeboten habe. In seiner Auf» regung scheint der Herr ganz überhört zu haben, daß der Zwischen- ruf de? Olenossen Taubmann den Preßkosaken galt, die für ihre verleumderischen Artikel Maulschellen verdienten. Ueberhaupt bilden die Herren sich im Anschwärzen unserer Genossen aus, jedes Wort wird falsch ausgelegt und hinterher soll der Vorsitzende Rügen erteilen. Alsdann stand der Lehrer Fromont als Schiedsmann zur Neuwahl. Genosse Fuhrmann sprach sich gegen die Wieder- wähl aus, solange sich Herr Fromont nicht gegen den Verdacht, daß er als Verfasser der gehässigen Artikel in Frage käme, gereinigt habe; als Schiedsmann müsse ein unparteiischer Mann fungieren. Herr Sönitz stellte anfänglich positiv fest, daß der brireffendc Lehrer keine Artikel für das G. m. b. H.-Organ schreibe, nachher revidierte er seine Ansicht dahin, daß derselbe, soviel cr unterrichtet sei, noch keine Leitartikel für das Blatt geschrieben habe. Als Herr Kunitz auf seinen Widerspruch hingewiesen wurde, erwiderte er: „Ick bin doch nich doof!" Solche Aussprüche sind bei dem Herrn Direktor einer Baugesellschaft nichts Seltenes, hat er doch auch das Wort„Bulldogge" für den Beigeordneten geprägt. Nach dieser recht stürmisch verlaufenen Sitzung hielt die alte Fraktion noch «ine Sitzung ab, jedenfalls, um die Angriffe unserer Genossen zu parieren; es stehen daher noch weitere„große Tage" bevor, auch sollen nach Andeutungen noch die Gerichte sich mit dieser delikaten Angelegenheit beschäftigen. Diese Vorgänge werden aber auch in der am 8. Juli stattfindenden Generalversammlung des Wahlvereins Gegenstand der Verhandlung sein. Kalkberge« Rüdersdorf. In der letzten«emeiudcvcrtrctcrsiyung wurde an Stelle des bisherigen Schiedsmanns Erteld der Glasermeister E. A. Klinger als solcher gewählt.— Sodann wurde beschlösse», die für den alten Friedhof gellenden Verordnungen auch für den neuen Friedhof als gültig anzuerkennen.— Das rubestörende Treiben durch Konisiells, Schaubuden u. dgl. soll, da es sich nach der Meinung des Bürger- Vereins„für einen Ausflugsort wie Kalkberge nicht geziemt", so weit wie möglich cingcschränki werden.— Fiir einige Klaffen der Volksschule sollen neue Schulbänke beschafft und dieserhalb mit der Firma Zelder u. Platen, Berlin, in Verbindung getreten werden.— 11. a. wurde auch die Wasierwerksaiigelegcnheir erörtert. Die bereits zur Er- bauung desselben unternommenen Schritte und die damit verbundenen enormen Ausgaben werden wohl vollständig zwecklos sein, da wahr- scheinlich die Konzcssion hierzu nicht erteilt werden wird; der Land- rat hat sich zu einer Besprechung in dieser Angelegenheit bisher noch nicht eingelassen. Anscheinend will der Landrat von seinem Plan, ein Zeittralwasserwerk für erwa 15 beteiligte Gemeinden des Kreise« Niederbarnim zu errichten, nicht ablassen.— Die Vorarbeiten zwecks Erweiterung des hiesigen Amtsgerichts sind bereits in die Wege ge- leitet worden._ Jugcudvcranstaltnnge». Charlotteiiburg. Heute Sonntag, vormittags S'/, Uhr, finden auf dem StSdtlfchen Spielplatz in der Kocthestr. 10t It einige Wettspiele(Faust- ball usw.) zwiichcn der„Arbeiterjugend Cbarloitcnburg»' und dem„Verein der cbcmaligcn Schüler der Vtl. Gemeindeschule Charlottenburgs' statt. Zum Besuch dieser Veranstattuiig ist die hiesige Arbeiterschaft sreundlichst eingeladen.______ CCtocben-öpielplan der Berliner Cbeater. Kainiiieripiclc. Mein Freund Teddy.(Ansang 8'/, Uhr.) Bon Man- tag ab geschlossen. Lcsstug-Tbcater. Allabendlich: Vergnügunasreise.(Ansang 81/. Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Große Roluieii.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Täglich: Sylvester Schäffer. I. Klasse. (Anfang 8'/, Uhr.) Komische Oper. Heiligenwald.(Anfang 8 Uhr.) Bon Montag ab geschlossen. Knrfiirsteu-Oper. Allabendlich: Der Tanzanwalt.(Aul an« 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Der liebe Äugustin.(Anjang 8 Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich: Der Unveischämlc. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte.(Ansang 8'/, Uhr.) Friedrich- Wtlhelmststdtischeö Tchauspielhau«. Allabendlich: Die keusche Susann«.(Anfang 8'/, Uhr.) Stcfideuz- Theater. Alle» jür die Firma.(Ansang S Uhr.) Von Montag ab geschlossen. SchiUcr-Thcater, vorn vir» Zrrvpt» — S u tz r ft» tz l—, wochrntaglich von»Vi dts 7 Vd liste astend», Soiiuabelids, »an»Vi VIS 6 Uhr abrnds statt. Jcdcr für drn Vrlrslaftea»esttinmlra Anfrage ist et« Buchstabe und eine Zahl als Mertzrlchra»ctznsstgen. vrtcsltch» Annvort wir»«Ich, erteilt,«niragen, ocnc» leine Astanneairntttqutttung»cigefstg» ist, «erde»»ich« beantivortct. Eilige Vragen trage man tu der Svrcchftundc vor. G. M. Sl. Voltsheilstättcn zum roten Kreuz, Charlotteiiburg, Berliner Str. 137.— B. A. 8. Königliche Eiscnbahnzcntrale Berlin, Luiienstr. 31.— G. W. 17. Berlin NW, Lessingstr. 23.- 81. Z. 47. 1. Den Beitrag zur Krankenkasse hat die Herrfchast in vollem Uinsange zu tragen. Die Hälfte der Beiträge zur Fnvalidriiverstchelung für die letzten beiden Monate kann die Herrschast vom Lohn kürze». 2. Durch die Expcdiiion des„Vorwärts".— E. W. 37. Die Miticl Helsen sicher den Verkäusern zu Geld I Sie aber sollten eine» Arzt befragen.— Lerchen- dorn. Wenden Sie sich an die Korporatto» der Kanileute In Berlin, Dtrcttor Dr. Knörk, Burgstr. 25, von 12'/.— S Uhr.— W. P. 28. An die Fürsorgestelle Reuenburgerstr. 23, Mtttwoch und Sonnabend 4— S Uhr. — Schrrpper. Neukölln Nr. 100. Nach dem Gesetz 15 Kilometer, der Polizeipräfident hat aber sür den Landcspolizcibezirk Berlin 25 Kilometer aenehmigl.—®. B. 6. Verband der Schneider und Schneiderinnen, F. Kunz-, Berlin, Sebastianslr. 87/38.—®. K. 1. bis 3. Rein. 4. Technische Hochschule in Chariottcnburg.— K. R. 800. Die angegebene Adresse ist ausreichend. Schreiben Sie nach Revpcn.— Grüna, l. Nach Austunft des Sohnes ist Genosse G. am 15. Iiili IS05 gestorben und ruht aus dem Friedhofe in Miiggeiiieim.—■ A. F. Eine Priualkasse, daher Vorsicht! — Nerkanfcrin 340. GchaltSanlprnch besteht nicht. Wegen Nichtub- licfcrung der Beiträge machen Sie der Krankenkasse Mitteilung.— H.(8. 40. Ja, sofern Sie da» Verlöbnis ohne gesetzlichen Grund gelöst haben oder, falls Ihre Braut das Verlöbnis gelöst hat. ihr ein Grund zur Seite stand; andenlsullS nein.— B e r?i n und B r a n d e n b« r g: k�r. Behrensen, Herlin N., KopenHagencr Straste IS. Z378L* ch 4 fernsieht hat man mit unserem Fernrohr„planet". Planet ist kein Spielzeug, sondern ein wirk lich brauchb. Instrument m. 4 schars. Linsen mit ca. lvx Vergrößerg. und 3 Aus zügen. Planet leistet auch auf weite Entsernunaen vorzüglicheDienste, daher für Reise, Jagd, Aus- Gm Versuch ist für Sie völlig kostenlos. 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Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80.' Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,20— 4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,20-2,20. Aale 1,00—3,20, Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,20—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Srcbse 4,00-30,00. Zentrale und Versand: Andreasstr. 59 Verkaulsstellen: Andreasstr. 59 Turinstr. 59 Frankfurt.Chaussee3 Königsberger Str. 8 Joachimsthal. Str. 6 Wilmersdorf. Str. 57 Unsere Schlag;er! Für Damen und Herren ITSJ M. I080 Diese Stieiel werden in Rahmen genähter(Goodyear Welt) Ware oder auf Rand gedoppelt angefertigt. Sie behalten beim Besohlen ihre ursprüngliche Form und repräsentieren einen erheblichen Mehrwert gegen- über der durchgenähten Ware mit imitiertem Rand. 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