Nr. 152. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis bränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter SonntagsBeilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für übrige Ausland 8 Mart pro Monas. Postabonnemeni nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 29. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1983. Die Lebenshaltung hoch. der arbeitenden Klaffen. II. Mittwoch, den 3. Juli 1912. der Nahrung aus. Der Verbrauch verteilte sich( für England gleich 100 gesetzt): Deutschland Frankreich Belgien Amerika Brot, Mehl 89 89 Fleisch, Fisch 90 98 131 106 Eier 90 8200 67 Milch 130 77 88 60 162 166 121 Käse 78 86 70 58 Butter, Fette Kartoffeln 115 97 125 118 148 41 91 212 136 36 25 98 . " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die Präsidententribüne ist diesmal besonders reich besetzt. Man sieht Vandervelde, Destrée, de Broudère, Ber trand, Delporte, Denis, die Senatoren Leken, Coppieters, Lafontaine, Ibers, die Barteisekretäre und noch biele Deputierte und alte Vertrauensmänner der Partei. Ferner haben am Präsidententisch noch zwei Vertreter der spanischen Partei und Rubanowitsch als Delegierter der russischen Genossen Plaz ge nommen. bieten. " Noch mehr als die Wohnungsmiete, erheischt die BeWauters bewillkommnet namens des Parteivorstandes die schaffung der ebensmittel den größten Anteil von den Einnahmen des Arbeiters. Will man die Ausgaben der ArKongreßteilnehmer, die den riesigen Festsaal des Maison du Peuple" Buder. beiter für Nahrungsmittel in den einzelnen Ländern miteinIn Belgien, England und Amerika nähren sich die Ar- füllen. Unser erster Gedanke, sagt der Vorsitzende, gehört den ander vergleichen, so sind hier die Verschiedenheiten in der Opfern, die in Lüttich, in Brügge und Verviers von den Gendarmen einer gewissenlosen Regierung niedergemacht wurden.( Die Ver Ernährungsweise von wesentlicher Bedeutung. Der amerika- beiter wesentlich besser, als in Deutschland und Frankreich. nische Arbeiter nährt sich anders als der deutsche, und dieser die Einnahmen eines Arbeiters find auf dem Kontinent ge- Bahlrechtstämpfen gefallen sind, den heutigen Kongreß ſehen, sie Versucht man das Gesamtfazit zu ziehen, so ergibt sich: fammlung erhebt sich von den Sizen.) Könnten alle, die in früheren wieder anders als der französische. Es genügt daher nicht allein, daß man die Marktpreise der einzelnen Baren für ver- ringer, seine Ausgaben dagegen höher als in England( mit würden erkennen, daß ihre Opfer nicht umsonst waren.- Der Borschiedene Staaten nebeneinander stellt, man muß auch die Ausnahme Belgiens). Die englischen Arbeiter können daher figende appelliert dann an die Teilnehmer, bei aller unvermeidlichen Zusammensetzung der Nahrung, die Speisekarte der Arbeiter eine bessere Lebenshaltung führen, als ihre französischen, Leidenschaft die Debatten würdig und tordial und des hohen Kampfzwedes eingebent zu führen. Der Kongreß muß der Deffentlichkeit jeder Nation berücksichtigen. Nach den absoluten Preisen für deutschen und belgischen Klaffengenoffen. Am ungünstigsten stehen sich die deutschen das Schauspiel der Kraft und der unzerstörbaren Einigkeit der Partei die wichtigsten Lebensmittel lebt man in Belgien und Eng Arbeiter. Der deutsche Arbeiterhaushalt land verhältnismäßig am billigsten; erheblich höher sind die Arbeiter. Der deutsche Arbeiterhaushalt Der Ausschluß der fleritalen Presse. Preise in Frankreich und Deutschland, am höchsten in Nord- trägt die weitaus größte Belastung." In NordDer Antrag eines Bergarbeiters aus Charleroi auf Ausschließung amerika. Fleisch und Fleischwaren müssen am teuersten in amerifa ist zwar das Einkommen erheblich höher als in Deutschland bezahlt werden; Hammel., Schweinefleisch und Europa, aber auch die Ausgaben übersteigen die in den alten ber tleritalen Preisevertreter führt zu einer langen Speck fosten in Deutschland mehr als in Amerika. In Ame- Kulturstaaten wesentlich. rifa stehen Mehl, Brot, Milch und Zucker im Preise besonders in dem Charakter Deutschlands als eines feudal- fapitalisti- diesmal das Publikum zu den Kongresverhandlungen keinen Die Ursachen für diese Unterschiede sieht Tyszka mit Recht auseinandersetzung über die Abgrenzung bezw. Ausschließung der Deffentlichkeit. Wir haben bereits darauf verwiesen, daß ( Der Saal war übrigens mit den Stellt man Haushaltsrechnungen für eine ganze fchen lassenstaats. Die geschriebenen wie ungeschriebenen Zutritt haben würde. Familie in einer Woche auf, so ergab sich übereinstimmend Privilegien der ländlichen und städtischen Grundbesizer Delegierten voll besetzt.) Der Generalrat hat indes der bürgerlichen für alle Länder, daß mit zunehmendem Einkommen zwar sichern ihnen eine Bodenrente, die die Arbeitswerte" der die absoluten Ausgaben für die Ernährung zunehmen, der Proletarier fast völlig aufzehrt, die jede Verbesserung in der Presse Einladungen geschickt und sie hat sich auch zahlreich einAnteil der Ausgaben für Nahrung an den Gesamtausgaben Lage der kapitalsloſen arbeitenden Massen, jede Lohn Ausschluß der ganzen bürgerlichen Bresse verlangte. Es handle aber fällt, d. h. der schlecht entlohnte Arbeiter muß einen er- erhöhung sogleich wieder verschlingen und zunichte machen." sich nicht darum, unsere Diskussion vor der Deffentlichkeit zu ver heblichen Teil seines Lohnes für Lebensmittelbeschaffung ver- Das Hausbesikerprivileg in den Stadtparlamenten, die Woh- bergen, aber es find innere Fragen zu erledigen. Wir wollen unter wenden. Bei höherem Einkommen gibt er awar absolut mehr nungspolitik der Städte, die Unterlassung von Maßnahmen uns selbst Klarheit schaffen und das erfordert eine unbehinderte für Nahrungsmittel aus, aber ihm bleibt auch noch ein wach zur Gesundung der Wohnungsverhältnisse fördern Ueber- Anssprache, die von den Gegnern gegebenenfalls zu Repressalien fend größerer Rest für andere Bedürfnisse. Das gleiche gilt spekulation, Ueberwertung des Grund und Bodens und führen für die Ausgaben für Miete, Heizung, Beleuchtung. Effen die hohen Mietsrenten herbei. Die ländliche Grundrente gegen einzelne mißbraucht werden könnte. und wohnen muß der Arbeiter. Will er diese beiden not wird in die Höhe geschroben, weil einige wenige oſtelbische noch nicht die Geheimhaltung verbürgt ist und die Rebner damit wendigsten Bedürfnisse auch nur einigermaßen, damit er Monopolbefizer ein Industrievolk von mehr als 60 Millionen auch keine volle Sicherheit hätten. Ein Kongreß mit 1500 Delegierten nicht gerade untergeht, befriedigen, so bleibt wenig für die daran hindern, sich die notwendigen Lebensmittel preiswert hat keine geheimen Beratungen. Die Regierung wird bei Ausschluß Kleidung, fast nichts für geistige Bedürfnisse übrig. In zu erkaufen.„ Ermöglicht wurde aber eine solche Monopolber Breſſe nicht weniger auf dem laufenden sein. – Slugers Deutschland z. B. gehen bei einem Einkommen bis 1200 M. und Klaſſenherrschaft in Deutschland durch die konsequente bem aber sei der Kampf für das Wahlrecht eine öffentliche allein 863 M. oder 80,6 Proz. der Einnahmen für Nahrung, und systematische Ausschaltung der Arbeiterschaft, wie überWohnung, Beleuchtung drauf.( Nach einer Berechnung des haupt aller nicht fapitalistischen Streise von Gesetzgebung und Bewegung-es handle fich nicht um ein„ Komplott", sondern Raiferl. Statist. Amts.) Für Kleidung blieben nur 98,76 M. Berwaltung. Hier liegen die Wurzeln, die Ursachen für die weite Deffentlichkeit intereffierende Attion. Auch der Getretär oder 9,2 Proz., für alle anderen Ausgaben nur 112,11 m. oder so erheblich ungünstigere Stellung des deutschen Arbeiters bes Generalrats verficht diesen Standpunkt. Auch möge, sagt er, 104 Broz. Unter den notwendigen Ausgaben für Nahrung dem englischen und amerikanischen gegenüber." und Wohnung leiden infolge des geringen Lohnes die für Kleidung, gesellige, ästhetische Genüſſe uſw. Mit höherem Außerordentlicher Kongreß Einkommen wird auch mehr für Ausgaben frei, die nicht bloß der notdürftigen Fristung der Eristenz dienen. So sinken in Amerika die Kosten für Wohnung und Nahrung von 70,9 Broz. bei einem Lohn von 2 Pfund Sterling auf nur 38,3 Broz. bei einem Einkommen von über 8 Pfund Sterling. gefunden. Der Antragsteller wurde von Destrée unterstützt, der De Broudère meint, daß mit dem Ausschluß der Presse um die Beratung eine der Kampfmittel für Außer große, die die Deffentlichkeit erfahren, daß es nicht die Führer sind, die den Streit wollen. Bei der Abstimmung ergaben sich indes 504 Stimmen für und 397 Stimmen gegen den Ausschluß. Demblon glaubt, daß dieses Votum auf ein Mißverständnis um den Ausschluß der tleritalen Presse. Er beantragt, sowohl Brüssel, 30. Juni.( Eig. Ber.) die oppositionelle inländische wie die ausländische Fünfzehnhundert und achtundfünfzig Bertrauensmänner des Presse zuzulassen. Es wäre lächerlich und ungeschickt, meint Demblon, belgischen Proletariats vereinigten sich heute im Festsaale des am Tage nach den Kartellwahlen mit den Liberalen ihre Presse Brüffeler Boltshauses zu einer Beratung über die politische Situation, heute auszuschließen, der Antrag vereinigt 449 Stimmen und Die flerifalen Journalisten sind die wesentlich der Entscheidung galt, unter welchen Formen und ist gegen 247- angenommen. Bedingungen und in welchem Zeitmoment der Generalstreit einzu- unterdessen schon abgezogen. Die beiden langen Pressetische bleiben fezen habe, wenn die Regierung sich der Volksforderung einer Ver- nicht weniger dicht besetzt. Immerhin war der Zwischenfall Denn die klerifalen Journalisten können sich darauf fassungsrevision zum Zwecke der Einführung des gleichen Stimme ärgerlich. berufen, daß sie eingeladen waren und dann nach Hause gerechts widersetzt. schickt wurden. der belgischen Arbeiterpartei. aurauführen ſei; viele Abstimmende glaubten, es handle fich nur Scheidet man die Ausgaben für die Ernährung nach den einzelnen Nahrungsmitteln, so ergeben sich wichtige Unterschiede für die einzelnen Staaten. In England wird von den Arbeitern mehr Brot und Fleisch konsumiert als in Deutsch land. Dennoch müssen die deutschen Prole tarier für die geringeren Mengen mehr Geld aufwenden, als die englischen. In Deutschland Von Anfang bis Ende, bis sich die Hände zur entscheidenden werden daher als Ersatz des teueren Fleisches erheblich( über 50 Proz.) mehr Kartoffeln verzehrt. Würde ein englischer Abstimmung erhoben, stand die Debatte unter dem Hochdruck der Arbeiter nach Deutschland übersiedeln und dort seine frühere Ereignisse der ersten Juniwoche. Die vorwärtsdrängende Leideneines was zu geschehen was = Das Abstimmungsrecht der Delegierten. Bei derselben Debatte wurde von Destrée auch das AbLebensweise beibehalten, so würden seine Ausgaben für Nah- schaft der einen und die zu nüchterner Abwartung mahnende Be- stimmungsrecht zur Diskussion gestellt. Destrée, ber Deputierter des rungsmittel um 18 Pro3. steigen. Rindfleisch, Hammel- sonnenheit der anderen führte schließlich nach heißem Streit zur Wahlkreises Charleroi ist, hatte von der dortigen Föderation den Kohle alles müßte er in Deutschland teurer bezahlen. Nur ohne dabei die Gebote wägender Verantwortung außer acht zu Auftrag, zu verlangen, daß die Delegierten aller Gruppen Stimmrecht erhalten. Zur Klarstellung sei folgendes geWer dem Kongreß beiwohnte, fonnte übrigens Milch, Käse, Kartoffeln erhielte er billiger. Würde der eng- lassen. Der Generalrat hatte Beschlossen, daß auch die an diesen Beratungen sehen, es mit der fagt: lische Arbeiter dagegen in Deutschland die Lebensweise der gerade der Partei nicht angeschlossenen Gruppen, die indes das Prinzip des auf sich hat, die die organisierten notgedrungen anspruchsloseren deutschen Proletarier an- albernen Legende Klassenkampfes anerkennen, delegieren können. Sie erhielten fein nehmen, so lebte er auch noch teurer, aber um einen gerin- Proletarier als eine Herde hinstellt, die sich von ihren" Führern" Stimmrecht zugesprochen, tönnen jedoch an der Debatte teilnehmen, seren Brozentjak. Ein deutscher Arbeiter in England da schieben und treiben läßt, wie es diesen beliebt. Sätten die Maſſen um ihre Meinung zu verteidigen.- Die Delegierten dieser Gruppen gegen würde bei unveränderter Lebensweise um 8 Proz. nicht ihren eigenen Willen, ihre eigenen Anschauungen, ihr eigenes erhielten grüne starten, b. h. Starten von anderer Farbe als die billiger einkaufen können. Die Lebenshaltung ist Kampfleben, dessen Forderungen sie Geltung schaffen wollen im also- infolge der weit höheren Preise gerade für die not- Barteiförper, dann hätte sich die Notwendigkeit einer solchen Be- abstimmungsberechtigten Delegierten. Dadurch war einerseits dem Mißbrauch vorgebeugt, andererseits wurde dadurch die Möglichkeit wendigsten Lebensmittel in Deutschland erheb- ratung, wie sie heute gepflogen würde, gar nicht ergeben lich teurer als in England: der sich besser ernäh- dann hätten eben die Führer", die„ Diktatoren" furzerhand gegeben, daß auch eine separate Abstimmung mit den grünen Karten und sich auf diese Weise die borgenommen werden hat. Die„ Geführten" rende englische Arbeiter findet sein Leben in Deutschland„ dekretiert", Meinung dieser Gruppen auch im Stimmenverhältnis zeigen kann. die Führer" wurden zu Geum 18 Proz. verteuert, und selbst für den in der Ernährung zeigten sich als Führer, Nach längerer Debatte, in der De Broudère warnt, durch die Die Vorwärtsdränger sind Arbeiter, anspruchsloseren deutschen Arbeiter ist das Leben in seinem führten... Heimatlande noch um 8 Proz. teurer als in England." die zum Warten, zur Durchforschung der Lage, zur nüchternen Verleihung des Stimmrechts an nicht ordnungsgemäß angeschloffene Auch in Frankreich, ebenfalls einem Hochschutzollande, Vorbereitung beschwören, sind die obersten Vertrauensmänner, die be- Drganisationen einen Präzedenzfall zu schaffen, und sich auch zeigt der Arbeiter einen geringeren Verbrauch, aber eine rühmten Verheger der Arbeiterschaft, die am grünen Tisch die De strée befriedigt erklärt, bleibt es bei dem vom Vorstand vorentwerfen, die geschlagenen Modus. das Proletariat ins Elend größere Geldausgabe für Nahrungsmittel. Der belgische Ar- Schlachtpläne fit Eurem Mahnen und Die insgesamt 1558 Delegierten bertreten 1248 Gruppen. Warnen und HerumDeiter dagegen lebt in seinem Lande billiger als selbst in stürzen. ertötet Ihr ja die Flamme 1800 Detegierte für 994 der Partei angeschlossene Gruppen der Begeisterung England. Der amerikanische Arbeiter wieder würde in a II en studieren anderen Ländern weniger für Ernährung ausgeben müssen, der Stämpfer, sagte der Wortführer der Ungeduldigen aus dem find stimmberechtigt. 258 Delegierte vertreten 259 nicht angeschlossene als in seiner Heimat. Der in das Ausland gehende englische Kohlenland von Charleroi. Es gibt keinen charakteristischeren Arbeiter verteuerte feinen Haushalt in bezug auf die Aus- Vorwurf. gaben für die notwendigsten Lebensmittel in jedem Lande: am meisten in Amerika( um 38 Broz.), demnächst in Deutsch- posten, deren einige man zu passieren hatte, walteten strenge ihres Der Kongreß lann nun endlich in die eigentliche Tagesordnung: land und Frankreich( um je 18 Broz.), am wenigsten in Bel- Amtes. 50 Ordner besorgen den Saaldienst. Die Anmeldungen Die Beratung der Kampfmittel für die Erreichung gien( nur um 2 Proz.)." zum Wort dürfen nur schriftlich geschehen, und streng wird diesmal des gleichen politischen Rechtes bezw. für die HerbeiDie Höhe des Einkommens und der Preise der einzelnen auch darauf geachtet, daß die Redner ausnahmslos von führung einer Verfassungsrevision, eingehen. Wir haben Waren drückt sich, wie schon erwähnt, in der Zusammensetzung der Tribüne sprechen( was hier sonst nicht Regel ist). im telegraphischen Bericht bereits die beiden Lendanzen in der Die Kongreßverhandlungen beganneu nach 10 Uhr. Die KontrollGruppen. Der Standpunkt des Vorstandes. Die Rebe Vanderveldes. Äenttalstreiksfrags chakäktttifiert. Die Auffassung des Parteivor« standrs vertritt., Vandervelde. Er spricht zunächst die Hoffnung aus, daß eine gründliche, auf- richtig geführte Diskussion die Einigung, die bereits über die prinzipielle Grundlage des zu fassenden Beschlusses existiert, auch in bezug auf das taktische Moment erzielt werden wird. Tatsächlich, sagt Vandervelde, haben sämtliche Tagesordnungen der großen Föderationen nicht nur des wallonischen Teils, sondern des ganzen Landes, die Tatsache registriert, daß nach dem Wahl- ausfall vom 2. Juni die Arbeiter der sozialistischen Gewerkschaften einnüitig in dem Gedanken waren: die Eroberung des gleichen politischen Rechtes ist zwingender als je und wir sind entschlossen, koste es, was immer, ivenn und sobald eS sein muß, den General« streik zu machen. In diesem Punkte hätte der Vorstand nur die einmütigen Be- schliisse zur Kenntnis zu nehmen, aber auch er hatte seine Ver- antwortung. Ich habe, sagt Vandervelde,.diesen Bericht nur unter der for» Mellen Bedingung übernommen, daß die Leitsätze, die ich hier zu entwickeln habe, einmütig von ihm geteilt sind. Sie gipfeln in folgenden Punkten: Wir wollen den Generalstreik. Er soll in grandioser unwiderstehlicher Weise vorbereitet werden, er soll un- beschadet aller Provokationen und unter allen Umständen f r i e d- l i ch bleiben. Er darf keinesfalls im Juli dekretiert werden. Es ist ein große? Komitee zu bilden, das die Delegierten sämtlicher großer wirtschaftlicher und politischer Organisationen vereinigt. Dieses Komitee hat unverzüglich zu handeln und mit allen nötigen Maß- nahmen den Streik vorzubereiten. Es wird ihn allsobald proklamieren, wenn es die Ueberzeugung haben wird, daß die Arbeiterschaft bereit und der Moment günstig ist. Diese Schlußfolgerungen in ihrer ouS der politischen Situation hervorgehenden Unwiderstehlichen Logik auf- zuzeigen, sei des Redners Aufgabe auf diesem Kongreß. Nach einer Charakterisierung des Wahlrcsultats konimt Vander« Velde zu dem Schluß, daß die Niederlage der Opposition natur- gemäß den Effekt gehabt hat, die Arbeiter zu überzeugen, baß sie vor allem auf ihre eigenen Kräfte, darunter den Generalstreik, zu rechnen haben, um mit den Ueberbleibseln des Zensuswahlrechts aufzuräumen und aufzuhören, ein halber oder ein drittel Bürger zu sein.— Ueber diesen Punkt, in der nächsten Zukunft mit Aufbietung der äußersten Kraft eine Wahlreform mit dem gleichen politischen Recht und einem ehrlichen Proporz zu erkämpfen, herrsche in allen Teilen des Landes volle Einigkeit. Beim Zusammentritt der Kammer wird ein mrf BerfassnngSrevifion abzielendes Projett vorgelegt werden, für dessen raschere Durchsetzung die sozialistische Fraktion alle Energie und alle Mittel parlamentarischer Betätigung einsetzen wird.— Diese Aufgabe wird alle Kräfte der sozialistischen Man- datare in Anspruch nehmen und sie zwingen, alle anderen Be- schäftigungen aufzugeben.— Die Arbeiter haben seit dem 2. Juni gezeigt, daß sie bereit find, mit der höchsten Energie, und wenn eS sein muß mit dem Generalstreik, die parlamentarische Aktion zu unterstützen und mit der Pluralschande ein Ende zu machen. Alle unsere Organisationen, alle unsere Föderationen erklären sich denn im Prinzip für den Generalstreik. Aber waim? Unter welchen Bedingungen? Der Vorstand ist über einen der wichtigsten Punkte der ein- mütigcn Meinung, daß wenn der Generalstreik ausbrechen sollte, er sriedlich sein und bleiben muß. Er muß friedlich sein, weil wir dem Proletariat neue Opfer, neue Massaker zn ersparen entschlossen sind. Er muß friedlich sein, weil ein blutige? Abenteuer eine der schlimmsten Katastrophen wäre, .das auf Jahre vielleicht den Aufschwung unserer Partei, unserer Organisationen aufhalten könnte. Wenn der Generalstreik friedlich bleiben soll, muß er, um von Wirkung zu sein, methodisch organisiert und im geeigneten Moment deklariert werden. Damit sei auch gleich gesagt, daß wir uns mit allen Kräften gegen jede Resolution wenden, die darauf hinzielt, daß der General- streik in der nächsten außerordentlichen Parlamentssession ausbrechen soll, falls die Regierung die Zulasiung der Proposition auf Ver- sasiungSrevision verweigert. ES kann nicht laut und klar genug gesagt werden, daß wir um keinen Preis einen Generalstreik mit fixem Datum wollen, keinen, der von irgend einer Haltung der Regierung abhängig gemacht wird, keinen impulsiven, keinen gewalttätigen, keinen, der unvorbereitet ausbräche und ohne von den verantwortlichen Mandataren unserer politischen, genoffenschaftlichen und gewerkschaftlichen Organisationen erklärt worden zu sein. Man spricht von einem Generalstreik während der außerordentlichen Session. Vergißt man, daß diese Session von einem Tag zum anderen geschlossen werden kann und daß die streikenden Pro- letarier, wenn einmal das Parlament nach Hause geschickt ist, nur mehr die Regierung und ihre Schergen sich gegenüber hätten? Man bildet sich ein, daß die infolge des Sieges jetzt aufgeblasene klerikale Partei unter der Drohung oder unter der Presston eine« Streik« von einigen Tagen in die Revision willigen und die soforttge Abschaffung de? Wahlprivilegs unterschreiben wird, die ihr soeben den Sieg ge- sichert hat? Vergißt man die böse Erfahrung von 1S02? Hat man nichts gelernt und alles vergessen? Gewahrt man nicht, daß wir uns einer Schlappe aussetzen, wenn man die Dinge mit Hast und Gewalt durchsetzen will? Nach unserer Anschauung kann demnach der Generalstreik nicht improvisiert werden, nicht sofort und nicht auf ein festes Datum hin deklariert werden: er muß mit Ruhe und Kaltblütigkeit beschlossen werden, wenn alle anderen Mittel der Propaganda der Schlichtung und selbst der parlamentarischen Pression erschöpft sind und die Arbeiter im entscheidenden Moment alle Chancen auf ihrer Seite und die moralische Gewißheit haben, zu triumphieren. Wer wird diesen Moment angeben? Wer wird im gegebenen Falle da? Signal zum Streik, zum Verlassen der Arbeit geben? Man hat von den Deputierten gesprochen, man hat an den Generalrat gedacht. Wir sind der Ansicht, daß dies nicht genügt und daß e« not- wendig ist, auf der breitesten Basis ein Wahlrechts- und General st reikskomitee. in dem alle politischen, gewerk- schaftlichen und genossenschaftlichen Kräfte der Arbeiterpartei vertreten sind, zu schaffen. Dieser große Beratungskörper hätte allein das Recht, den Streik zu beschließen. Zudem müßte dieses Komitee schon die Aufgabe übernehmen, den Streik vorzubereiten. Wenn man von einem.vorzubereitenden' Generalstreik spricht, ist noch ein Moment aufzuklären, über das Mißverständnisse mög> - Iltf) Manche Genossen scheinen zu glauben, es gäbe nur zwei mög. liebe Alternativen: entweder den undisziplinierten, ohne jede Vorbereitung oder den solchermaßen organisierten General- streik, daß die Gewerkschaftstassen auf Wochen in der Lage wären. eventuell alle Streikenden genügend zu entschädigen. Diese falsche Alternative hat manchen dazu verführt zu sagen: wenn man so lange warten will mit dem Streik, bis die Gewerkschaften die große Mehrheit der Arbeiter vereinigen und bl> Millionen in der Kaste haben, dann kann«s passieren, daß wir alle gestorben sind, ehe der Generalstreik erklärt wird. Das wäre in der Tat richtig und die Vorbereitung in diesem Sinne auffassen, hieße allerdings den General- streik auf den Nimmermehrstag vertagen. Die letzten Streiks, insbesondere der heroische Streik der Berg- arbeiter des Borinage, haben gezeigt, baß die Arbeiter auch bei beschränkten Mitteln, mit einem Kassenbestand, der nur für wenige Tage Entschädigungnen' reicht, durch Wochen hindurch aus- kommen, wenn ihnen Geld- und Lebensmittel geliehen werden, die eS ihnen ermöglichen, den Bedürftigsten zu helfen. Diese Arbeit vorzubereiten, wäre eine der Aufgaben deS großen Streikkomitees. ebenso wie im ganzen Land eine systematische Propaganda zu entfalten und der Gewerkschaftskommission in ihrem OrganisationS- werk zur Seite zu stehen." Als persönlichen Wunsch möchte Bandervelde noch aussprechen, daß die belgische Arbeiterschaft, die schon so viele Opfer für die Er- oberung ihrer elementaren Rechte gebracht, und so viele Kräfte daran gesetzt hat, nicht noch einmal zu diesem furchtbaren Entschluß eines Generalstreiks hingetrteben werde. Er appelliere, sagt Bander- Velde zum Schluß, nicht an die Energie und den Opfermut der Vertreter, deren man sicher sein kann, sondern an die Kalt- blütigkeit, an die Disziplin, an die Beharrlichkeit. Mögen die Kämpfe von 1893 und 1902 nicht nur ein Beispiel, sonder» auch eine Lehre sein. Die Rede erweckte tiefen Eindruck durch den Geist der Verant- Wartung wie nicht minder durch die verhaltene Leidenschast. die sie atmete. Mit der Rede Vanderbeldes war die Vormittagssitzung zu Ende. ito Erwartung des Parteitages von Keggio Ctnllia. AuS Rom wird uns geschrieben: Der Anfang Juli in Reggio Emilia zusammentretende iia- lien i sche Parte itag ist bekanntlich verfrüht einberufen worden, weil die Haltung der sozialistischen Fraktion gegenüber dem türkisch-italienischen Kriege zu einer Spaltung in der Fraktion selbst geführt hatte. Es handelte sich dabei nicht darum, daß etwa«in Teil der Fraktion sich offen zugunsten des Krieges ausgesprochen hätte— die Fraktion stimmt« geschlosten gegen daS Annektionßdekret— fondern lediglich um die Beteiligung an der Demonstration zur Ehrung der im Kriege Gefallenen. Diese bot die Gelegenheitsursache für da« Auseinanderklaffen der großen reformistischen Mehrheit der Parlamentsfraktion, deren rechter Flügel mit immer größerer Ostentation jede Partei- disziplin hintansetzte. Die ganze Sache endete dann damit, daß die Rechtsreformisten Bissolati, Bomomi und C a b r i n i au? der Parlamentsfraktion austraten, die sich dann auf der Grundlage der Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit neu konstituierte. Wie am Vorabend des Parteitages von Modena der Fall Bissolati, der den Anlaß zu jenem außerordentlichen Parteitag gab, schon fast vergessen war, so ist auch diesmal die Auseinander- setzung mit den Rechtsreformisten schon ziemlich in den Hinter- grund geschoben worden. Man weiß genau, daß die von Bissolati geführte Richtung in Reggio nur eine kleine Minderheit bilden wird. Soll man sie weiter in der Partei dulden? Soll man sie dulden, obwohl sie seit jener kleinen Krise in der Fraktion keine Gelegenheit versäumt hat, um sich in schroffen Kontrast zum Empfinden dar Parteimehrheit zu setzen? Man denke daran, daß drei reformistische Abgeordnete eS für nötig befunden haben, seiner- zeit dem König persönlich ihre Genugtuung über da« mißglückte Attentat auszusprechen! Die Frag« läßt eine sensationelle und eine taktische, gleichsam organisatorische, Lösung zu. Wer sie als Gefühlsfrage lösen will, wozu die Mehrheit der Partei Lust zu haben scheint, der sagt sich entweder, wie Turati, daß die Rechtsreformisten doch ihre Verdienste um die Arbeiterbewegung haben und e» ein« hätzliche und antipathische Sache ist, sie auszuschließen, oder aber, er stellt sich auf den Standpunkt, daß die kränkende Nichtachtung des Partei- empfinden» ihre Strafe verdient, und fordert so nicht ohne Zorn und Eifer, die Ausschließung der Bissolattaner, wie da? dir Mehr« heit der Linksreforomsten und ein Teil der Revolutionäre tun. Immer handelt es sich hier um«in Gericht über einzelne Akte einzelner Personen, wobei die einen freisprechen, die anderen ver- urteilen möchten. Man kann aber die Frage auch ganz unper- sönlich losem indem man ihre tattischen und organisatorischen Voraussetzungen herausschält und diese zum Gegenstand deS Diskussion macht., Dann handelt eS sich nicht mehr darum, ob eS ein Kapitalverbrechen ist, bei der Ehrung gefallener Soldaten von den Sitzen aufzustehen oder einem Könige, der im übrigen ein rechtschaffener Mensch ist, zum harmlosen Ausgang eines Atten- tatS zu gratulieren. Die Frage wird dann �auf ein« viel einfachere und allgemeinere Formel gebracht, nämlich auf die der Verbindlichkeit der Parteidisziplin für alle Parteigenossen und die der Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit. In diesem Sinne wird die Frage von der Mehrheit der revolutionären Fraktion gestellt. Sie wird somit zu einer Frage des Organisa- tionsstatutS. Denn sobald dieses festsetzt, daß die Fraktion in der Kammer einheitlich vorzugehen hat und die Minderheit sich fügen muß, sobald weiter festgesetzt wird, daß grobe Verfehlungen gegen die Disziplin zum Ausschluß aus der Partei führen, so werden die Rechtsreformisten automatisch ausgeschaltet. Die Dringlichkeit de» bevorstehenden Kongresse« wurde also seinerzeit durch einen Zwischenfall bedingt, dessen Wiederholung einzig und allein durch eine Aenderung deS Organisationsstatuts vorzubeugen ist. Der Parteivorstand sah sich der Krise in der Parlamentsfraktion gegenüber jeden Einflusses beraubt und be- schloß, dieser Lage durch einen Kongreß ein Ende zu machen. Unter diesen Umständen ist es ganz besonder? merkwürdig, daß der Parieivorstand, der einer Kommission den Auftrag zur Aus- arbeitung eines neuen Organisationsstatutes gegeben hat, es bis zur Stunde nicht für nötig fand, den Entwurf den Parteiscktionen zur Diskusston zu unterbreiten. In Sachen deS Organisations. siatuts sind übrigens die Auffassungen ziemlich geklärt: die volle Autonomie der Parlamentsfraktion und das Recht jedes einzelnen Abgeordneten, nach seinem eigenen Dafürhalten zu stimmen, wird nur von den Rechtsreformisten vertreten. Di« Linisreformisten fordern eine Beschränkung, die Revolutionäre die Aufhebung der heutigen Autonomie der Fraktion. Trotz ihrer großen praktischen Bedeutung wird aber diese Frage nicht im Vordergrund der DiSkuffion stehen. Wie auf allen früheren Parteitagen wird die Hauptdebatte auf eine AuSein- andersetzung zwischen den verschiedenen Strömungen in der Partei hinauslaufen, und diese Auseinandersetzung wird wahrscheinlich, der Tagesordnung des Kongresses zum Trotz, alle die Partei be wegenden Fragen— Ministerialismus, Wahltaktik, Ausschluß der Rechtsreformisten, Organisation— in eine einzige Diskussion einbeziehen. Was den Ausgang dieser Diskussion betrifft, so kann über ihn nicht der mindeste Zweifel bestehen. Die übergroße Mehrheit der Partei ist heute antiministeriell und verwirft die Wahlbünd nisse; fraglich kgtzn höchsten? die Entscheidung über bje AuSstoßyng der Rechtsreformisten und über die Autonomie der Fraktion fein. Wenn trotzdem die Partei mit so großem Eifer und so großer Erregung sich zum Parteitage rüstet, so liegt der Grund darin, daß zwei annähernd gleich starke Richtungen, die der Linksrcfor- misten und die der Revolutionären, um die Herrschaft, in der Partei ringen. Beide sind antiministeriell, beide Gegner der Wahlbündnisse; was sie voneinander scheidet, das ist die verschiedene Begründung ihrer Taktik und die verschiedene Bedeutung, die dieselben Begriffe nun einmal annehmen, wenn sie von verschiedenen Personen mit ganz und gar abweichender Vergangenheit und abweichendem Tem- perament gebraucht werden. Die Linksreformisten nehmen heute in allen taktischen Dingen den Standpunkt der Revolutionären ein, ohne dennoch aufhören zu wollen, Reformisten zu sein. Sie sagen, daß die heutige po- litische Lage die Klassengegensätze geschärft habe, und daß außer- dem durch den Krieg jede Möglichkeit einer fruchtbaren Reform- taktik von selbst wegfällt. Der Krieg verschlingt alle Mittel, auf die man sonst zugunsten proletarischer Reformen, namentlich zu- gunsten der Arbeiterversicherung, Beschlag nehmen könnte. Die Situation am Vorabend des Parteitages ist also die, daß zwei annähernd gleich starke Fraktionen mit zwei sich in allen praktischen Forderungen deckenden Tagesordnungen sich die Vorherrschaft in der Partei streitig machen. Die große Gefahr, die eine solche Lage für die Klarheit und Aufrichtigkeit einschließt, leuchtet ohne weiteres ein. Wir können uns auf einen Parteitag gefaßt machen, bei dem beständig hinter den Kulissen gezählt und gerechnet wird. ES scheint nicht, daß die Linksreformisten allein die Mehrheit behaupten können. Es dürften daher vier Lösungen möglich sein. Die Linksreformistcn können sich in zwölfter Stunde mit den ihnen theoretisch verwandten und taktisch verfeindeten Rechtsreformisten verbünden und somit eine Mehrheit bilden, die sich ganz genau mit der heutigen deckt und alles ungefähr so lassen wird, wie es vor dem Parteitage char. Weiter können die Links- reformisten Zuzug vom revolutionären Flügel erhalten. Als dritte Lösung bliebe die eines Uebereinkommens zwischen Linksreformisten und Revolutionären, deren Grund die Gemeinsamkeit der Taktik abgeben würde. Zu dieser Lösung würden sich die Linksrefor- misten wohl nur verstehen, wenn sie durch keine andere den Sieg der Revolutionären verhüten könnten. Als letzte Möglichkeit bleibt die eines Siege» der revolutionären Fraktion; man müßte sie auf Grund der bis jetzt erfolgten vorbereitenden Kongresse als die allcrwahrscheinlichste bezeichnen, wenn man der Geschlossenheit der revolutionären Fraktion ganz sicher sein könnte. Eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit, die die Sieges- chancen der Revolutionären herabsetzt, wird diesmal durch die eigenartige Stellung dcS„Avant i" gegenüber der Partei dar- gestellt. Der„Avanti" ist das Zentralorgan der ttalienischen Partei, ist aber trotzdem nicht ihr Eigentum. Finanzielle Rück- sichten haben den Parteivorstand veranlaßt, da» Blatt einer M- tiengesellschaft zu übergeben, in der der jeweilige Parteivorstand immer über mehr als die Hälfte der Aktien verfugt. Der Chef- redakteur des Blattes wird vom Parteitag gewählt, und der Par» teworstand ist zu einem jährlichen Zuschuß von 29900 Lire verpflichtet. Ueber die finanziellen Verhältnisse de»©Wies ist die Partei nur gerüchtweise informiert. Sollten diese Verhältnisse schlecht sein, so würde offenbar die Uebernahm« durch die revolutionäre Fraktion unter diesen Um- ständen der llebernahme von Verantwortlichkeiten gleichkommen, die von Recht» wegen nicht dieser Frattion, sondern jenen zu- kommen, die die heutig« Situation de» Parteiorgan» herbeigeführt haben. Man muß sich fragen, ob denn unter diesen Umständen die Uebernahme de» ZentralorganS durch die revolutionäre Frack- tion richtig und zweckmäßig wäre. Setzen wir andererseits voraus, daß die finanzielle Lage des Blatte» zufriedenstellend fei. so bliebe zu untersuchen, ob man eS dem rein reformistischen Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft zu» trauen kann, daß er für die finanzielle Blüte des Blattes weiter in derselben Weise Sorge trägt, auch wenn der„Aventi" durch Uebergang in die Hände der Revolutionären ganz und gar nicht mehr den Anforderungen der Reformisten endspricht. Es braucht sich hierbei durchaus nicht um eine bewußte Beeinträchtigung des Blattes zu handeln. E» genügt vollkommen, daß sich die Admi- nistratoren der Ueberzeugung hingeben, das Zentralorgan müsse unter revolutionärer Leitung an finanzieller Leistungsfähigkeit verlieren, um einen Rückgang herbeizuführen. Man braucht kein großer Psychologe zu sein und auch keine machiavellistischen Neben- absichten bei den Refotmistcn vorauszusetzen, um einzusehen, daß es menschlich ist, mit geringerer Liebe für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Richtung man mißbilligt. Diese in keiner anderen Partei wiederkehrende Situation macht es möglich, daß auch im Falle eine« Sieges die revolutionäre Fraitton das Zentralorgan in Händen der Linksreformisten läßt, fei eS auf Grund«ine» Kompromisses, fei cS unter Ablehnung jeder Verantwortlichkeit. Uns scheint es. als ob die internationale Partei über den Ausgang de« Parteitage» beruhigt sein könnte. Die Lektion der Tatsachen hat in Italien gefruchtet. Die Rechtsreformisten werden zwar nicht anstehen, eS al» einen Beweis der furchtbarsten Un- klugheid und der Undankbarkeit zu bezeichnen, daß die italienische Partei sich gerade heute vom Reformismus lossagt, nachdem dieser nach Ansicht seiner Vorfechter dem Volke die Wahlreform ver- schafft hat. Wer aber die italienischen Verhältnisse verfolgt hat. weiß, daß Giolitti die Wahlreform wollte. Keineswegs haben die Sozialisten ihm diesen Willen suggeriert. Noch weniger war ihre Mitwirkung zur Annahme des Entwurfs, die fast einstimmig er- folgt«, nötig. Gewiß wäre«» absurd gewesen, wenn die Sozia- listen gegen eine Wahlreform gestimmt hätten, die rund b Millionen Proletarier mit dem Wahlrecht ausstattet. Aber darum zu sagen, daß die Wahlreform die Frucht der reformistischen Taktik sei, das erinnert doch etwas an die Fabel von der Fliege. die sich einredet, durch ihr Fortfliegen den Lastwagen das Weiter- kommen zu erleichtern. Die Bourgeoisie aller Länder gewährt Nc- formen, wobei sie teils augenblicklichen Situationen Rechnung trägt, teils auch eine weitschauend« Politik treiben kann. Es mag bequem sein, diese Reformen al» Früchte der reformistischen Taktik hinzustellen, aber unter Verhältnissen wie den heutigen in Italien besteht zwischen Reformismus und Wahlreform lediglich ein ver- baier Zusammenhang: der Gleichklang des Wortes. Deshalb kann die italienische Partei, ohne sich deS Undanks schuldig zu machen, mit dem Reformismus heute ebensogut brechen, wie sie es nach einer Niederlage der Wahlreform gekonnt hätte,__ Der Krieg. Zur Lage w Albanien. Saloniki, 2. Juli. Die von Konstantinopel und von den Dar- danellen hier eingetroffenen Truppen werden nach dem Süden des Wilajets Skutari und gegen Elbassan gesandt, da sich unter den Mirditen Anzeichen von Erregung zeigen. Nach amtlichen Mit« teilungen trifft es nicht zu, daß diese Truppen auch gegen die Meuterer in Monastir Verwendung finden sollen. politische deberficbt. Berlin, den 2. Juli 1912. Ein Mhler t In Mülheim am Nhein hat am Sonnabend der bekannte rheinische Zentrumsführer Oberlandesgerichtsrat Marx eine Rede gehalten, die insofern besonderes Interesse beanspruchen kann, als der Redner bestätigte, datz zwischen dem Zentrum und den Konservativen zurzeit eine gewisse Spannung besteht und deshalb die Zentrumsleitung nicht abgeneigt ist, mit den Nationalliberalen eine Verständigung zu suchen. Nachdem Herr Marx seine Rede nach altem Rezept mit allerlei ein- fältigen Anrempelungen der Sozialdemokratie eingeleitet hatte, leistete er sich nach dem Bericht-der„Köln. Ztg." folgende Ausführungen: Mit auffallender Schärfe stellt der Redner dann fest, daß sich das Verhältnis zu den Konservativen der- schlechtert habe. Es seien Fragen der gemeinsamen Welt-� anschauung, die beide Parteien seinerzeit zusammengeführt hätten. ES habe sich jetzt aber immer mehr der gewallige Einfluß gezeigt, den die Hetze in konfessionellen Fragen bei den Konservativen hervor» gerufen habe. Die Konservativen hätten eS anscheinend direkt darauf abgesehen, das Zentrum zu ver- letzen. Bei der Debatte über die Zulassung der Ehen zwischen Weißen und Schwarzen hätten sich die Sozialdemokraten christlicher gezeigt als die Konservativen; durch das Verhalten der Konservativen in der Ansiedelungspolitik seien konservative Grundsätze gefährdet. Die Nattonalliberalen, mit denen in früheren Jahren segensreich zusammengearbeitet wurde, hätte» bei de» letzten Wahlen eine„Beklommenheit" gezeigt, durch die das Gefechtsfeld gegenüber den Sozialdemokraten ver- dunkelt fei. Und dabei habe doch gerade das Zentrum in Duisburg den Nationalliberalen herausgehauen. DasZentrum sei jeder- zeit bereit, wieder mit den Nationalliberalen zum Wohle des Staates und der G e sell s ch a ft z u- s a m m e n z u a r b e i t e n, unter der Voraussetzung, daß erstens die Zentrumspartei bei wichtigen Beschlüssen nicht ausgeschaltet lvcrde, wie eS zur Zeit der Blockbildung geschehen sei, und daß ziveitenS ihre Weltanschauung und ihre religiösen Gefühle unberührt blieben und die Nattonalliberalen.unmoderne' Bestrebungen, wie sie früher in diesen Dingen dort vorgekommen seien, ausschieden. Das Schönste aber ist, die im ganzen zu den Bassel- männern haltende„Köln. Ztg." weist dieses eigenartige Liebes- werben des Herrn OberlandeSgerichtsrats Marx keineswegs zurück, sondern findet eS ganz nett und rührend. Wörtlich meint sie: „Die vorstehenden Ausführungen bestätigen, wa» man allerdings schon seit einiger Zeit weiß, daß der Draht zwischen dem Zentrum und den Konservativen endgültig zerrissen ist. Und sie bestätigen ferner, daß auch die alte Verbindung mit der roten Partei sich bei der heutigen Konstruktion deS gentrums nicht wiederherstellen läßt. ES bleiben also, wenn daS Zentrum praktisch mitarbeiten will, nur dje Nationalliberalen übrig. AuS diesem Grunde sind die„De- diugungen, die Herr Marx für ein Zusammengehen mit der nationalen Msttelpartei formuliert, von hohem Interesse. D i e Nattonalliberalen ihrerseits haben natürlich keinen Anlaß, die Mitarbeit des Zentrum« da abzulehnen, wo nationale und liberale Ziele dadurch gefördert werden. DaS ist aber auch die Grund- bedingung, die sie ihrerseits stellen müssen. Und wir glauben, es genügt, diese Grundbedingung zu nennen, um zu zeigen, daß der Spielraum für ein Zusammengehen nicht gerade allzu groß sein wird." Die Anttvort zeigt, wie sich die polltische Situation seit den Reichstagswahlen im Januar geklärt hat. Mag heute auch noch der„Spielraum für ein Zusammengehen" nicht gerade groß sein, so werden sich doch voraussichtlich die Klerikalen, Konservativen und Nationalliberalen bald wieder zum schönen politischen Jnteressenbund zusammen finden. Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Lande— besonders aber leicht in der Gosse. Liebet euch untereinander t Das Schtveigegcbot des PapstcS hat zwar die klerikale Presse dazu veranlaßt, vorläufig ihre vom Geist christlicher Liebe getragenen Erörterungen über die Frage der christlichen Gewcrkschastsorganisation einzustellen; aber die katholisch-kirch- liche Gesinnung hat allzu tief das innerste Wesen der klerikalen Blätter erfaßt, als daß sie ganz ohne gegenseitige Befeindung und Verdächtigung zu existieren vermöchten. Wütender als jemals dreschen die Blätter und Blättchcn der Bachem- schen und der Oppersdorffschen Richtung aufeinander los und sagen sich die schönsten Schmeicheleien in ihre Dnldergcsichter. Nachdem jüngst erst Herr Geheimrat Dr. Porsch den Grafen v. Oppersdorfs als Krakeler be- handelt hat, kommt nun Graf v. Oppersdorfs und charakterisiert voller christlicher Liebe den Vorsitzenden des Zentrums als einen an Größenwahn krankenden eitlen Gerne- groß. Nachdem der Herr Graf in seiner Wochenschrift „Wahrheit und Klarheit" dem Gcheimrat Porsch vor- geworfen hat. daß ihn erst„vor noch gar nicht langer Zeit ein früher hochangesehenes katholisches Blatt vom Heiligen Stuhl öffentlich wegen ehrabschnetderischen Treibens gegen einen hohen kirchlichen Würdenträger" in die Schranken weisen mußte, entwirft er von den: Oberleiter der Zentrums- Partei folgendes schöne Charakterbild: „Wir sind im katholischen Lager nachgerade zu Sitten gediehen. die man im deutschen Parteileben zum zweiten Male vergeblich sucht. Wir haben einen PcrsonenkultuS großgezogen, und die Großgezogenen treiben mit sich selber einen Kultus, daß im Interesse sachlicher Arbeit endlich dagegen Ein- spruch erhoben werden muß. Seit über einem Jahre hören wir jetzt, so oft Herr Porsch vor die Oeffentlichkeit tritt, ein Stöhne» und Jammern über die Schwere deS Loses, daß heutzutage einem Parteiführer beschieden sei. AIS ob wir an der Spitze keine Männer mehr hätten! Wir hören ein ewiges Reden von Amtsmüdigkeit, hören, daß man lieber heute wie morgen die so schrecklich schwere Führerpsiicht abgeben möchte, und daß nur daS Bewußtsein der Un e r s e tz Ii ch keit einem auf so ange- fochtenem Posten noch halte. Diese Tonart ist ein Novnm und nicht einmal ein schönes. Die anderen Parteien, die ja schließlich auch ihre Führer und, wie wir, auch ihre Gegensätze und„Richtungen" haben, kennen diesen neuesten Typus der sentimentalen Gewalt« naturrn jedenfalls nicht. Die Herren Hehdebrand und Zedlitz, Baffcrmann und Bebel Pflegen ihren innerparteilichen Kummer jedenfalls nicht auf offenem Markte bloßzustellen oder bei jeder Gelegenheit an da» Mitgefühl ihrer engeren Parteigeiloffenschaft zu appelliere». Und doch hatten sie, wenn mir schon von der Sozialdemokratie absehen, alle mindestens ebenso viel Grund. Vielleicht noch mehr. Denn bei keiner Partei herrschen so wie im gegen- wältigen Zentrum dt«.Maschinenpolitiker'; funktioniert so prompt, was man in Amerika die „Dampfwalze" nennt. Was gar Herrn Porsch anbelangt, so wüßte ich im ganzen Deutschen Reich keinen Parlamentarier oder Parteiführer, der so viel Weihrauch und Lob gespendet bekäme; der von hundert Zeitungen Tag für Tag so unermüdlich seine Eminenz bescheinigt erhielte. Und da Herr Porsch noch nie ein ihm gespendetes Lob, mag es auch noch so unberechtigt sein, mag es auch aus noch so trüber Quelle kommen, abgelehnt hat, so wäre es vielleicht nicht aus dem Rahmen der Konsequenz fallend, wenn er die ihm so oft, von Berufenen und Unberufenen, attestierte Größe auch in der Hinnahme von Tadel(und namentlich von berechtigtem Tadel) dokumentiert hätte. Ueberall in der Welt, ausgenommen allein vielleicht die orientalischen Machthaberstaaten, unterliegen heute die Führer dem öffentlichen Urteil. Und nicht nur dem Urteil der Gegner. Nur bei uns ist eS anders, anders geworden. Da wird jeder, der sich eine, und fei es auch noch so höfliche, kritische Bemerkung gestattet, gefemt und geächtet und aus hundert Blättern, Blättchen, Korrespondenzen, unter dem wohlmeinenden Schweigen der Eidgenvffen, mit mehr oder weniger massiven Beleidigungen traktiert." Das Konterfei ist sicherlich im ganzen gut getroffen; aber um so weniger wird von solcher Leistung auf dem Gebiete der Porträtkunst Herr Porsch in seinem wundekl Herzen ge- rührt sein. Gleichzeitig mit der Oppersdorffschen Wochenschrift schießt auch die„Köln. Korrespondenz" los. Unter der Ueberschrift „Die Infamie" schreibt sie: „Unter den Organen der Kölner Richtung steht neben der „Neisser Zeitung" das Jnseratenblatt„Essener Volks- zeitung'auf niedrigster Stufe. Aus dem Musterländle Baden, wo das Zentrum einen päpstlichen Erlaß öffentlich„be- dauerte", bringt das Blatt am SS. Juni 1912 eine längere Zuschrift, worin die deutschen Bischöfe aufgefordert werden, Herrn Dr. Kaufmann aus ihren Diözesen zu vertreiben, Wir halten zum Zentrum, aber wir stehen nicht an zu erklären, daß keine andere Partei eine solche Infamie jemals erlebt hat! Ist denn der Mensch, der das geschrieben hat und ist das Blatt, das sich zur Verbreitung seiner Infamie hergibt, wirklich nicht im stände einen sachlichen Kampf zu führen? Sie wehren sich mit Händen und Füßen gegen die von uns vertretene Behauptung, daß das Zentrum„im Einklang mit den katholischen Grundsätzen" bleiben muß, und da sie sich anders nicht helfen können, kora mieren sie den deutschen Episkopat, den hohen Vertreter der katholischen Weltanschauung, und verlangen von ihm die Ver- nichtung eine» Gegners, der den katholischen Standpunkt vertritt I Sie sind immerfort daran, die wichtigsten Weltanschauung?- organisationen der deutschen Katholiken zu entklerikalifieren und die kirchliche Autorität daraus zu vertreiben, tritt ihnen aber ein Geist- licher entgegen, so verlangen sie von denselben kirchlichen Autoritäten die Vertreibung dieses Geistlichen an? seinem Vaterlande I" Man sieht die reine klerikale Ethik zettigt ganz niedliche Blüten! Deutschlands KulturanSgaben. Der freifinnige Landtagsabgeordnete Schepp hat in der „Voss. Ztg." eine Berechnung darüber aufgemacht, was Deutschland jährlich an„KulturanSgaben" ausgibt. Die Ausgaben des Deutschen Reiches für Kulturzwccke im engeren Sinne— nämlich für BildungSzwecke— sind außerordentlich gering. Sie belaufen sich insgesamt auf noch nicht 20 Millionen Mark, wobei aber nicht nur die Ausgaben für die Kunst und für Schulen, sonderen auch die für die M i l i t ä r- geistlichkeit und die Kirche mitgerechnet werden, also di- verse Millionen von Ausgaben, die eher gegen als für Kulturzwccke verausgabt werden. Dann rechnet Herr Schepp zusammen, was an BildungSauS- gaben in sämtlichen deutschen Bundes st aaten zusammen im Jahre 1908 verausgabt wurde. Das waren zusammen itO'A Millionen Mark. Auch darunter aber befand sich ein ganz erheb- licher Prozentsatz von Ausgaben für die Kirche; Ausgaben, die allein für Preußen die Höhe von mehreren Dutzend Millionen erreicht haben.' Die Ausgaben der Kommunen endlich für das BildungS- Wesen variieren nach Herrn Schepp außerordentlich. Sie schwanken zwischen 2,3 M. pro Kopf der Bevölkerung und 3S Ml. Demgegenüber stellt Herr Schepp die Ausgaben für da» Heer, die. außer- ordentliche und ordentliche Ausgaben zusammengerechnet, 1907 10,3 M. betragen hätten. Nach der Aufstellung, die der neueste halbamtliche„NautikuS" veröffentlicht, betragen die Ausgaben für Heer und Marine pro Kopf 21,17 Mark. Wvllte umn dazu auch die Kosten für die Kolonien, den Militärinvalidenfonds, den PcnsionsfondS und die für militärische Zwecke gemachten Schulden hinzuzählen, so käme man auf mindestens 2S Mark pro Kopf. Und ver- gleicht man die Summen, die insgesamt von Staat und 5wm- mnne für alle wirklichen BildungSzwecke, für Volksschulen, höhere Schulen, Universitäten, sowie für Kunst und Wissenschaft aus- gegeben werden, mit den Ausgaben für den Militarismus, so ergibt sich, daß unser Mlitarismus mindestens das Dreifache alle» dessen verschlingt, was im ganzen Deutschen Reiche für Bil- dungSzwecke aller Art ausgegeben wird! So stellten wir bereits im Januar d. I. fest, daß die gesamten(auch kommunalen usw.) Aufwendungen für die Volksschule, einschließlich der Bau- kosten, in Preußen sich 1905 auf 328 Millionen, also pro Schüler auf 08 M. bcliefen; während an Rüstungsausgaben von insgesamt 960 Millionen(durch die neuen Flotten- und Heeres- vorlagen ist inzwischen die Ausgabe für den Militarismus noch wesentlich gewachsen) auf den Kopf der 420 000 preußischen Soldaten eine jährliche Ausgabe von 2300 M. entfiel. Diese sehr interessanten Gegenüberstellungen vorzunehmen, hat leider der freisinnige Landtagsabgeordnete Schepp unterlassen. Wie er denn überhaupt seine Darlegungen keineswegs in jene ernst- hafte Kritik unserer traurigen BildungSzustände ausklingen läßt, die man bei ihm wegen seiner Doppeleigenschaft als Lehrer und Freisinnsmann hätte erwarten sollend Der Kampf der Mittelstandsvereinigung gegen die Konsumvereinsbewegnng kommt in einer Petition an den preußischen Landtag zum Aus- druck, worin daS Verbot des Handels der Beamten sowie der Be- schäftigung in Konsumvereinen und die Unterlassung jeder be- hördlichcn Unterstützung der Beamtenkonsumvereine und der Be- amtenbaugenossenschaften gefordert wird. Die Kommission für Handel und Gewerbe hat über diese Petition einen ausführlichen schriftlichen Bericht erstattet. Die gleiche Petition ist von der Kom- Mission bereits im vorigen Jahre beraten, aber infolge Schlusses der Session vom Plenum nicht mehr erledigt worden. Es handelt sick im ganzen um sechs Wünsche der Mittelstand- ler. Zustächst verlangen sie ein gesetzliche» Verbot für Beamte aller Kategorien und deren Familienangehörige, den gemeinschaft- lichen Einkauf von Waren im großen und Ablaß im kleinen zu betreiben. Ueber diesen Wunsch ist die Kommission zur Tages- ordpung übepgegangen, weil ein gesetzliches Verbot picht zu recht- fertigen fcv da dfn Beamtin nicht vkWehrk r deren gemeinschaftliche Einkäufe zu machen. Der zweite Wunsch betrifft ein gesetzliches M/, irgendwelche Nebenbeschäftigung während des Du bcn, sowie die kostenlose Benutzung staatlicher Räu � richtungen für außerdienstliche Zwecke. Soweit die P>.. gesetzliche Regelung fordern, hat die Kommission Ueber� Tagesordnung, im übrigen aber Ueberweisung zur Berückst� beschlossen. Drittens wird ein gesetzliches Verbot der Betätigung von tv amten in Konsumvereinen gegen irgendwelche Entschädigung ver- langt. In der Debatte hierüber machten die Vertreter des Hau- delsministers, des Ministers des Innern, des Finnnzministers und des Ministers der öffentlichen Arbeiten Mitteilung von einer Reihe von Erlassen, di« sich auf die Beteiligung von Beamten an der Ver- waltung von sogenannten Werkskonsumvereinen und dergleichen beziehen. Der wesentliche Inhalt dieser Erlasse ist der, daß füo die Konsumvereine durch den Einfluß der Werksverwaltungen dahin Vorsorge getroffen werden solle, daß nur Waren zum Ver« kauf freigehalten werden, die für den Haushalt und die Bedürf« nisse des Arbeiters und der gering besoldeten Beamten von Wert sind. Eine materielle behördliche Unterstützung der Vereine soll) unterbleiben.„Die zuständigen Bergverwaltungsbehörden haben ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß jede Geschäftsverbin« dun» der Werkkonsumvereine mit der unter sozialdemskrattschcm Einfluß stehenden GrotzeinkaufSgesellschaft in Hamburg oder ähn« lichen derartigen Vereinigungen unterbleibt." Eo heißt es wärt« lich in einem Erlasse des Handelsministers vom 7. November 1911/ In der gleichen Richtung bewegen sich Erlasse der übrigen beteilig« ten Minister. Ein Teil der Kommissionsmitglieder wollten noch darüber hinausgehen, sie klagten darüber, daß die Beamten so taktlos seien, in Konsumvereinen zu kaufen, und wünschten, daß auf die Beamten in dieser Beziehung eine gewisse Einwirkung auS- geübt werde. Die Vertreter der Regierung erklärten, daß sie nicht in der Lage seien, eine bestimmte Zusage zu geben, inwieweit eine Einwirkung auf die Beamten ausgeübt werden könne. Die Kom- Mission beschloß schließlich, auch über diesen Punkt der Petition, insoweit eine gesetzliche Regelung verlangt wird, zur Tagesordnung überzugehen, im übrigen aber ihn zur Berücksichtigung zu über- weisen, unter speziellem Ausdruck des Wunsches, daß die„dankenS- werten" Erlasse m der Praxis durchgeführt werden. Punkt 4 der Petition:„Unterlassung jeder behördlichen Untek« stützung der Beamtenkonsumvereine, NichtÜberlassung von Lager- räumen usw." wurde durch diese Beschlußfassung für erledigt er« klärt. Ueber den fünften Punkt:„Gesetzliches Verbot der gewinn- bringenden Nebenbeschäftigung der Baubeamten, Bautechniker und Lehrer an Baugewerks-, Kunstgewerbeschulen usw." ging die Kom- Mission, soweit es sich um ein gesetzliches Verbot handelt, zur Tages- ordnung über, im übrigen überwies sie den Punkt als Material, mit dem Wunsche, daß die nötigen Rücksichten auf die gewerblichen Stänoe innegehalten werden. i i« Der sechste und letzte Punkt fordert die Unterlassung jeder be« hördlichcn Unterstützung der Beamtenbaugenossenschaften, falls nicht ein Wohnungsmangel tatsächlich festgestellt wird. Nachdem die Regierungsvertreter erklärt hatten, daß die Petenten offene Türen einrennen, weil in jedem Falle der staatlichen Unterstützung einer Baugenossenschaft die Bedürsnisftage geprüft werde, ging die Kommission über diesen Punkt zur Tagesordnung über. Das Plenum des Abgeordnetenhauses wird im Herbst zu dett Wünschen der Rittelständler Stellung nehmen. Das Kommunalwahlrccht iu SchleSwig-Holstein. Den Bürgervcreinlern, die vor einigen Wochen auf ihrem Ver« dandStage in Glückstadt die Frage der Aenderung deS schleSwig« holsteinischen Kommunalwahlrechts berieten, sind jetzt die schleSwig« holsteinischen HauS- und Grundbesitzer gefolgt. Auf ihrem Verbands« tage, der am letzten Sonntage in Schleswig stattfand, waren aber di« Meinungen über das Wie dxr Aenderung genau so geteilt, wie auf dem Verbandstags ihrer Klassengelwssen in Glückstadt. Die einzige Möglichkeit, den Vormarsch der Sozialdemokratie auf die Dauer zu hemmen, liegt nur in der Einführung der Klassenwahl. Alle anderen Vorschläge: Zensuserhöhung, wo er noch nicht den höchsten Satz erreicht hat, Einführung der Bezirkswahlen uslv., sind Dämme, die nur auf gewisse Zeit die steigende rote Flut aufhalten können. Aber mit der Dreiklassenwahl werden den Bürgern auch wichttge Rechte genommen und deshalb schreckt man noch vor der Forderung zurück. Herr Köster« Altona machte auch hie? Propa« ganda für sein reaktionäres Dreiklassenprojekt mit ungleicher Ver« treterzahl in den einzelnen Klassen, aber er fand nicht die nötige Gegenliebe. Der Herr hat übrigens neben der sozialdemokratischen Gefahr noch eine zweite entdeckt, und die droht von der Beamten- und Lehrerschaft, die zur Vertretung ihrer Interessen oft geneigt seien, Sonderkandidaturen aufzustellen und dadurch die Einigkeit deS Bürgertums gegenüber der Sozialdemokratie zu gefährden. Natürlich erscheint den Herren die Gefahr einer sozialbemo« kratischen Mehrheit in den Großstädten Kiel und Altona größer, als in den Mittel« und Kleinstädten. Darum ist auch die Zahl der DreiklassenwahlrechtSfreunde in den beiden Großstädten am stärksten. Ein ganz Schlauer machte sogar den Vorschlag, eS müsse eine besondere Städteverfassung für die Großstädte und eine für die Mittel« und Kleinstädte geschaffen werden. Zu einem bestimmten Vorschlage kam der Verbandttag jedoch nicht. Er wählte eine fünf- gliedrige Kommission, die gemeinsam mit dem Verband der Bürger« vereine weiter darüber beraten soll, wie das schleSwig-holsteinsche Wahlrecht mit möglichst wenig Schaden für das Bürgertum ver» schandelt werden kann.— Beachtung verdient eine Mitteilung des Wandsbeker Stadtverordnetenvorstehers Sproessel, daß amtlicher« seits bereits Erhebungen über eine eventl. Aenderung deS Wahlrechts in SchleSwig-Holstein angestellt worden seien. Ende der Extra-Ttreikjustiz. Am 13. Juli werden die am Landgericht Bochum eingerichteten Gonderkammern zur Aburteilung von Streikvergehen und die damit verbundenen Kommissarien, die zur Herstellung von Maffenanklagen cingerichtet waren, aufgelöst werden. Was bis dahin noch ansteht, wird vor den gewöhnlich tagenden Strafkammern verhandelt. Rußland. Wie die Geheimpolizei politische Propaganda treibt! Wie der sozialdemolratische Dumaabgeordnete Genosse Ge« getschkori in einer seiner jüngsten Reden mitteilt, wurden in sämtlichen Arbeitervierteln Petersburgs Zehntausende von Flug« blättern verbreitet, die die Arbeiter aufforderten, gegen die sozial« demokratischen Abgeordneten zu protestieren, die dem Marineressort die„für die Arbeiter so nützlichen' Flottenkredite verweigerten. Di« Flugblätter trugen die Unterschrift einer geheimen revolutionären Organisation. In Wirklichkeit aber waren sie— wie Genosse Gegetschkori mitzuteilen in der Lage war— in der Petersburger „Ochrana" hergestellt! Amerika. Schluß der Wahlkomödie in Baltimore. Baltimore, 2. Juli. Auf dem demokratischen Konvent ist Wilson zum Präsidentschaftskandidaten nomt» niert worden. m sta Sewerkfckaftlickes. ötcigervcvband und cbriftUche Bergarbeiter. Bekannt ist die wüste Hetze gegen den Steigerverband. Mit Schikanen und Maßregelungen aller Art hofften die rheinisch-westfälischen Scharfmacher die junge Organisation wieder zu beseitige». Und als das nicht gelang, setzte man sich mit der politischen Polizei in Verbindung. Ein Polizeispitzel scheute nicht vor Verbrechen zurück und setzte sich durch einen schweren Einbruchsdiebstahl in den Besitz der Mitgliederliste des Steigerverbandes. Weitere Maßregelungen an Steigern waren die Folgen. Daß die so hart geprüfte Organisation Schaden erleiden mußte, ist sonnenklar. Der brutalen Ge- walt mit Verbrechen gepaart hat der Steigerverband nicht Stand halten können: er hat viele Mitglieder verloren. Zu jenen, die mit großer Schadenfreude diesen Nieder- gang beobachten, gehört auch der Gewerkverein christ- licher Bergarbeiter. Er hatte bei Gründung des Steigerverbandes geglaubt, dieser würde sich deni GeWerk- verein an die Fersen heften und ins ultramontane Lager hinüberschwenken. Das ist nicht geschehen. Der Steigerver- band blieb neutral, sorgte aufs beste für die Standesinter- essen der Steiger. Das hat den christlichen Gewerkverein wütend gemacht. Und da er sachlich gegen den Verband nichts vorzubringen hatte, griff er zu den Waffen der persönlichen Verdächtigung— wie gewöhnlich! Vornehmlich mußte der Vorsitzende des Steigerverbandes Werner herhalten, den man fortgesetzt angriff und in Mißkredit zu bringen suchte. Hätte Werner körperliche Gebrechen an sich, auch diese hätte man ihm vorgeworfen. So weit geht der christliche Haß gegen den Mann. Ihm wirft man auch vor, daß er den Steigerverband nicht„richtig" leite, seine Taktik eine falsche sei usw. Der Steigerverband muß sich zuni Zentrum bekennen, dann ist alles gut. Nun, uin den fortgesetzten Anpöbelungen der schwarzen Hinzegardisten zu begegnen, hat Werner in der letzten Nummer der„Steigerzeitung" dem Gewerkverein einige klatschende Maulschellen appliziert. Er schreibt: „Ueber die Taktik, die von mir eingeschlagen ist, läßt sich streiten. Aber sie hat'den«inen Vorzug, daß sie konsequent ist und nicht Veranlassung gibt, bald rechts, bald links, bald Hü, bald Hott zu sprechen und zu schreiben, wie es bei der Taktik not- wendig ist, die die Herren vom christlichen Gcwerkverein für die allein richtige halten. Gerade deren Taktik im Verdrehen, im An-die-Brust-Klopfen und Sagen:„Herr Gott, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie andere Leute," und dabei die Heuchelei von Moral und guter Sitte, das Heranziehen des Persönlichen statt sachlicher AuS- cinandersetzungen, das sind die Ursachen, warum ich diese Ge- Werkschaftsrichtung, die das Wort christlich als falsches Firmen- schild heraushängt, willens nicht unterstützen kann. Ganz ab- gesehen von sachlichen Differenzpunkten, die sich im Laufe der Zeit in verschiedenen Fragen' ergeben haben. Und dann das Wort„national". Die Herren vom Gewerk- verein sagen ja:„Einem Steigerverband im Geiste Werners brauchen sie als christlichnationale Arbeiterbewegung keine Träne nachzuweinen." Wir waren früher in unserem Verband nach der Meinung des Gewerkvereins„national". Da warfen die Grubenbesitzer 1907' und 1908 unsere Mitglieder, die Vertrauens- männer in den nattonalliberalen Vereinen, Vorstandsmitglieder von Kriegervereinen, Mitglieder der Presbhterien usw. waren, ohne weiteres auf die Straße. Und welche politische Partei har energisch protestiert und wie hat sich die nationale Presse dazu verhalten? Und das haben die„nationalen" Grubenbesitzer getan, von denen wir Grubenbeamten das„nationale" Empfinden durch eine Behandlung, deren sich oft ein Hund schämen müßte, eingeprägt erhalten.-Die Grubenbesitzer, die zum großen Teile international sindl Seitdem sind wir zu der Ueberzeugung ge- langt, daß das Wort„national" mit dem wirtschaftlichen Kampfe nichts zu tun hat. Unsere Taktik wird nur noch nach den Gesichtspunkten ein- gestellt, die eine Verbesserung der Lage der Steiger bezwecken. Und das ist nicht durch bitten und betteln zu erreichen, sondern durch rücksichtslose Aufklärung." Wie wir sehen, kennt Werner die Christen ebenso genau, wie!�e Scharsmacher. Was er schreibt, trifft das richtige. Verlin imck Umgegend. Achtung, Töpfer! Wegen mehrmaligen Lohnausfalles sperren wir hiermit das Ofenbaugeschäft Hermann Koschan. Wo der Sitz des Geschäfts ist, konnte nicht genau festgestellt werden. Der Inhaber ist in Neukölln, Berliner Str. 70, beim Restaurateur H. Schönfisch als Schlafbursche gemeldet, und soll wohnen bei seiner Frau in Adlershof..yelbigstr. 10. In Frage kommen die Bauten Berliner Str. 03—04, Niederschöneweide. Bauherr Alfred Müller. Niederschöneweide, Berliner Str. 107, und der Bau Emser Str. 14, Neukölln, Bauherr Hermann P e p e r, Lichten- berg, Gürtelstr. 8. Zentralverband der Töpfer. Oeutkcben Reich. Zur Regelung der Aussperrung der Metallarbeiter in Hannover traten am Donnerstag, den 27. Juni, die Verhandlungskom- Missionen erneut zusammen und stellten fest, daß bei der Sach- läge die Verhandlung, vertagt werden mußte, weil keine Partei neue Vorschläge machen konnte. Am Montag, den 1. Juli, haben die weiteren Verhandlungen begonnen. Es steht zu erwarten, daß, wenn die Unternehmer annehmbare Vorschläge zur Festsetzung der Arbeitszeit machen und dabei Entgegenkommen zeigen, baldige Einigung erzielt wird. Schutz vor den Arbeitswilligen. In einer Reihe von bürgerlichen Zeitungen wird die Notiz verbreitet, daß bei dem Streit der Mühlenarbeiter in Bissingen a. Enz zwischen den aus Hamburg hergeholten Arbeitswilligen und den streikenden Arbeitern ein Renkontre stattgefunden habe, bei welchem ein Teil der Beteiligten erhebliche Verletzungen er- litten habe. Diese Notiz ist unrichtig! Tatsache ist, daß die im Betrieb internierte Hintzegarde sich gegenseitig derartig ver- möbelte, daß Polizei und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Tatsache ist ferner, daß die Arbeitswilligen wieder- holt die friedlich ihrer Pflicht obliegenden Streikposten zu provo- zieren versuchten und mit blauen Bohnen drohten. Gegen den Zwangsarbeitsnachweis. Im Kreise Hagen-Schwelm haben die Metallarbeiter über den Unternehmernachweis die Sperre verhängt, um den Auswüchsen dieser Unternehmereinrichtung entgegenzutreten. Während der Aussperrung im Jahre 1910 führten die Scharfmacher obigen Kreises den Unternehmernachweis ein, um die Arbeiterschaft zu Paaren zu treiben. Damals setzte die Arbeiterschaft im erbitter- ten mehrwöchigen Kampfe durch, daß über den Arbeitsnachweis eine Beschwerdekommission eingesetzt wurde, an deren Spitze ein un- parteiischer Vorsitzender stand. Im Laufe der Zeit stellte sich aber heraus, daß die Äeschwerdekommission nur auf dem Papier stand, daß in Wirklichkeit die Unternehmer den Nachweis als Kampf- mittel benutzten und in der rücksichtslosesten Weise vorgingen. Während der Aussperrung im Jahre 1910 schrieben die Arbeit- geber in einem Flugblatt folgendes: 1. Es steht nirgends in den Satzungen und ist auch nicht be- absichtigt, daß ein Arbeiter eine ihm vom Arbeitsnachweis nach- gewiesene Stelle annehmen muh. Vielmehr bleibt dies nach wie vor sein durchaus freier Wille. Im Gegenteil steht ausdrück- lich im§ 0 der Satzungen, daß ihm der Arbeitsnachweis behilflich Äerantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Jnjeratenlei l verantw.i I sein will, ihm eine nach seinen Wünschen und Fähigkeiten zu- sagende Stelle zu vermitteln. 2. Der Nachweis weist die Stelle überhaupt nicht an, sondern er weist sie nach, d. h. er weist dem anfragenden Arbeiter nach, wo er Ardeit finden kann. Er braucht diese durchaus nicht anzu- nehmen. 3. Paßt dem Arbeiter die ihm angewiesene Stelle, nachdem er sie gesehen hat, nicht, so bekommt er vom Arbeitsnachweis eine andere nachgewiesen. 4. Auf Wunsch oder wenn beim Arbeitsnachweis gerade keine Stellen als frei gemeldet sind, erhält der Arbeiter einen offenen Arbeitsnachweisschein, mit dem er selbst eine Stelle ebenfalls vollständig frei aufsuchen kann. Nach Ahlauf des Scheines kann er, falls erforderlich, anstandslos einen neuen erhalten, auch kann die Gültigkeitsdauer nach Z 7 Absatz 3 in besonderen Fällen bis zu einer Woche verlängert werden. Bei den Friedensverhandlungen im Jahre 1910, die im Rat- Haus zu Hagen unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten von Bake stattfanden, erklärten die Vertreter des Arbeitgeberver- eins ausdrücklich, daß sie den Arbeitsnachweis genau nach vor- stehenden Erklärungen und Erläuterungen handhaben wollten. Aber schon einige Wochen nach Beendigung der Aussperrung trat es klar zutage, daß der Arbeitgeberverein sein gegebenes Versprechen bewußt brach. Beim Streik der Arbeiter der Firma Pettinghaus in Alten- Voerde wurden Arheiter, die nie in dem Betrieb gearbeitet hatten, gezwungen, nach Altenvoerde in Arbeit zu gehen. Das beschränkte sich aber nicht auf die Nachweisstelle in Altenvoerde, sondern sämt- jiche Nachweisstellen des Kreises Hagen-Schwelm, wie Hagen, Ge- velsberg, Schwelm, Haspe, vermittelten nur Arbeiter nach der be- streikten Firma. Wehe dem Arbeiter, der es ablehnte, Streik- brecher zu werden, ohne Gnade wurde der Mann gesperrt und hekam überhaupt keine Arbeit mehr. Aber nicht genug damit. Man verstand es auch, einzelne mißliebige Arbeiter solange durch den Nachweis zu sperren und dem Hunger zu überliefern, bis sie des Kampfes müde wurden und Hagen-Schwelm verließen. So konnte häufig festgestellt werden, daß Arbeiter, die sich erlaubten, mal mit ihrem Unternehmer ans Gewerbegericht zu gehen, um dort ihr Recht zu suchen, einfach von der Arbeitsvermittelung ausgeschlossen wur- den. Erlaubt sich ein Arbeiter mal, über die ungerechte Behand- lung aufzubegehren, stugs wird er gesperrt. Von feiten des Metallarbeiterverbandes wurde versucht, dem Vorgehen des Nachweises durch ein Gerichtsurteil einen Riegel vorzuschieben, da doch die Handhabung des Nachweises offenbar gegen die guten Sitten verstößt. Zwei Arbeiter, die unter einer derartigen willkürlichen Sperre zu leiden hatten seiner war über ein Vierteljahr gesperrt), verklagten den Leiter des Nachweises auf Schadenersatz. Das Gericht erklärte aber das Vorgehen des Nachweises als nicht gegen die guten Sitten verstoßend, die Unter- nehmer hätten das Recht, so zu handeln. Aber einen Erfolg hatten die Klagen denn doch. An Gerichtsstelle gaben die Unter- nehmer unumwunden zu, daß sie bei der Aussperrung die Oefsent- lichkeit düpierten und während der Friedensverhandlungen, den Ar- heitervertretern gegenüber mit der Wahrheit zurückhielten. Der Prozeßbevollmächtigte der Arbeitgeber sagte folgendes: Der Arbeits- Nachweis suche, wenn bei einem seiner Mitglieder ein Streik aus- breche, dieses dadurch zu unterstützen, daß er zunächst nur ihm die sich meldenden Arbeitswilligen solange zuweise, bis sein Bedarf an Arbeitern gedeckt sei. Der Arbeitsnachsweis habe nur nach seinem Prinzip gehandelt, wenn er die Ausstellung des Ar- beitsnachweisscheins auf eine nicht bestreikte Firma ver- weigere. Diese Ausführungen besagen genau das Gegenteil von dem, was die Unternehmer im Jahre 1910 versprochen haben. Durch alle diese Vorkommnisse haben sich im Kreise Hagen-Schwelm uner- trägliche Zustände herausgebildet und beschlossen die in Frage kommenden Organisationen den Kampf gegen den Arbeitsnach- weis aufzunehmen. In einer Eingabe, in denen vorstehend ge- schilderte Zustände angeführt wurden, versuchten die Arbeiterorgani- fationen mit dem Arbeitgeberverein über den Nachweis in Verhand- lungen zu treten, um auf friedlichem Wege die Mißstände zu be- fettigen. Allerdings ohne Erfolg. Wenn es nun durch das Vorgehen der Unternehmer im Kreise Hagen-Schwelm wieder zu erbitterten Kämpfen kommt, müssen die Arbeiterorganisationen die Verantwortung dafür ablehnen. Auf alle Fälle lassen sich die Arheiter nicht die Freizügigkeit rauben. Die Arbeiterschaft Deutschlands kann aber die Hagen-Schwelmer Arbeiter dadurch unterstützen, indem sie dafür sorgt, daß der Zuzug von Gießereiarbeitern nach Hagen-Schwelm streng ferngehalten wird, damit die Unternehmer keinen Ersatz von auswärts be- kommen._ Der Streik der Maschinisten, Heizer und Erdarbeiter bei Held u. Franke A.-G. in Minden a. W. dauert fort. Am 29. Juni fanden erneut Verhandlungen statt, die leider ergebnislos verliefen. Die Firma erklärte, einer be- stimmten Regelung der Arbeitszeit nicht zustimmen zu können, ebenso wenig könne sie eine Löhnerhöhung auf sich nehmen, da die betreffenden Arbeiten so billig übernommen seien, daß ein Ge- winn kaum herausspringe. Die Firma sei bereit, mit den Ar- beitcrorganisationen einen Tarifvertrag abzuschließen; wenn diese den Streik auf der ganzen Kanalbaustrecke proklamieren würden, dann ließe sich vielleicht die Regierung zu einer Nachbewilligung bereit finden. Selbstverständlich sind die Arbeiter der Meinung, daß sie nicht für die Berechnungsfehler der Firma zu büßen haben. Ebenso wenig wird man Held u. Franke zu Gefallen bei anderen Firmen streiken, wenn die sonstigen Anlässe dafür nicht gegeben sind. Bezeichnend ist die Aeußerung des Direktors Brüning: Wir werden lieber das Geld, was uns die Lohnerhöhung event. kostete, für die Herbeischaffung ausländischer Arbeitskräfte in Anspruch nehmen, als den deutschen Arbeitern etwas bewilligen. Tatsächlich haben denn auch Agenten der Firma in Holland Arbeiter ange- warben, denen pro Stunde 43 bis 43 Pf. versprochen wurden und freie Station, während die Streikenden 43 Pf. fordern. Die Ver- treter der Arbeiter erklärten sich zu dem weitgehendsten Entgegen- kommen sowohl hinsichtlich der Arbeitszeit wie des Lohnes bereit. — Gerüchtweise verlautet, daß der Verband der Tiefbaugeschäfte der Firma Held u. Franke mit einer allgemeinen Aussperrung bei- springen wolle._ Kellnerstreik. Die Kellner des Cafe Bauer in Karlsruhe stehen im Streik. Zuzug nach Karlsruhe ist deshalb streng fernzuhalten. iTuslsmd. Generalstreik in den französischen Häfen. „Echo de Paris" berichtet, daß die eingeschriebenen Seeleute, nachdem sie im Ministerium des Innern empfangen worden waren und Mitteilung der Note erhalten hatten, die von den Delegierten der Schiffahrtsgesellschaften eingereicht war und worin die Be- dingungen festgelegt wurden, unter� denen das Schiedsverfahren akzeptiert werde, sich nach der Arbeitsbörse begaben, von wo der Generalsekretär Rivelli ein Telegramm an sänitliche Häfen sandte, in dem die Seeleute aufgefordert werden, von heute ab den Kampf auf das Aeußerste aufzunehmen, da die Unterhandlungen mit den Reedern abgebrochen seien. Das Berbandskomitee der Docker hielt daraufhin eine Versammlung ab, von deren Resultat der Presse keine Mitteilung gemacht wurde. Wie das„Echo de Paris" er- fahren haben will, wird der Verband nach Prüfung der Lage den Generalausstand verfügen._ Hub Induftne und Handel. Berliner Gaskoksmarkt. In Berlin ist vor einiger Zeit eine Gaskoks-Vertriebsgesell- schaft gegründet worden, die unter Leitung der„Wirtschaftlichen Vereinigung deutscher Gaswerke" steht. Ueber ihre Tätigkeit machen i sie selbst folgende Mitteilungen:„Die Gesellschaft ist keine Er- ! wcrbsgesellschaft und nicht die Vertretung der Großhändler, sondern 1 aüi Zusammenschluß der deutschen Gaswerke selbst zur Wahrneh- LH�Glocke.Berl'N. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt mung deren wirtschaftlicher Interessen. Von den derselben angee hörenden(308) Werken sind mindestens zwei Drittel solche, die ,m Besitz von Kommunalverwaltungen sind. Der Gegenstand des Un- ternehmens ist nach den Statuten die bestmögliche Verwertung von Gaskoks und sonstigen Nebenerzeugnissen der beteiligten Werke. Um diese bestmögliche Verwertung erreichen zu können, ist die Vereinigung auf die Großhändlerschaft angewiesen, und um die gegenseitige Konkurrenz dieser Großhändlerschaft untereinander auszuschalten, ist unter Mitwirkung der Wirtschaftlichen Verein!- gung die Gaskoks-Vertriebsgesell schaft m. b. H. in Berlin gegründet worden. Der zweite Hauptzweck der Wirtschaft- lichen Vereinigung besteht darin, die Abnehmer auf Grund ihrer Lieferungsbedingungen dazu anzuhalten, den gekauften Gaskoks entsprechend der Erzeugung der Gaswerke abzunehmen und nicht lediglich, wie es bisher der Fall war, in den Wintermonaten, wenn der Bedarf groß ist, Ansprüche an die Gaswerke zu stellen und in den Sommermonaten diese als ihre unentgeltlichen Lagerplätze zu betrachten. Ein weiterer Zweck ist die wirtschaftliche Verteilung des Gaskoks der angehörenden Werke, entsprechend der Frachten- läge zu den Verbrauchsstellen mit dem Endziel, die dadurch er- sparten Frachten gleichmäßig den Gaswerken und Käufern zu- kommen zu lassen. Die Preise, die den der Vereinigung angehören« den Gaswerken von der Vereinigung gezahlt werden, werden jähr- lich nur durch die Organe der Vereinigung, dem Beirat und Auf- sichtsrat, bestimmt. Wenn die Wirtschaftliche Vereinigung auch selbst keine Er- werbsgesellschaft ist. so dient sie doch dem Erwerb der beteiligten Gaswerke. Sie benutzt ihre Macht, um die Händler zusammenzu« schließen und ihnen Preise und Lieferungsbedingungen zu diktie- ren. Die kommunalen Gaswerke machten bisher wenigstens auf beschränktem Gebiet den Privatsyndikaten Konkurrenz. Mit der Organisierung ihres Absatzes werden die städtischen Gaswerke jetzt wahrscheinlich auch ihre Preise erhöhen. Berjins städtische Gas- werke gehören der„Vereinigung" nicht an. Sollten sie beitreten, so würden auch die Preise in Berlin anziehen. Hub der frauenbewegung. Die sparsame» Zechenherren. Die Bergarbeiterlöhne sind gestiegen! So künde» lärmend journalistische Reklams�ommeln. Man weiß, wer sie rührt und man kennt den Zweck der lRbung. Die Großmut der Unternehmer stellt sich zur Schau, damit man das Glück der Bergarbeiter erkenne, vor allem aber auch die Bosheit und Gemeingefährlichkeit der— Streikvereine, wie die Scharfmacherfedern schreiben, verabscheuen lerne. Das fördert die koalitionsfeindlichen Treibereien. Daß mit der glänzenden Lage der Industrie und den wahnsinnig steigenden Lebensmittelpreisen auch die Löhne anziehen, sollte man eigentlich als eine Selbstverständlichkeit betrachten. Anders bei den Gruben- kapitalisten I Sie glauben Dankbarkeit erheischende Wohltaten zu spenden. Ueberdies hat es mit den Lohnsteigerungen einen bösen Haken, Gewiß, im 1. Quartal 1912 waren die Schichtenverdienste im Durchschnitt um einen Pfennig höher als im Jahresmittel 1911, Die jetzigen Löhne bleiben trotzdem aber doch noch hinter denen der gleichen Periode des Jahres 1907 zurück. Gegenüber damals sind zudem heute die Lebensmittelpreise erheblich höher und die Erlöse der Unternehmer größer. Doch noch etwas anderes, den Sparsinn der Zechenherren prächtig illustrierendes, ist zu erwähnen: ein Rückgang der Frauenlöhne im Bergbau I Die Entlohnung der weiblichen Arbeitskraft war im ersten Vierteljahr 1912 niedriger als wie im Jahresdurchschnitt 1911. Nur in einigen kleinen Bezirken, im Erz- bergbaubetriebe und im bayerischen Kohlenbergbau, sind die Löhne der Frauen etwas gestiegen. Die unterschiedliche Bewegung ver- anschaulicht die folgende Zusammenstellung: Es stiegen(st-) und sanken(—) die Löhne um Pfennige: für Männer für Frauen. Oberschlesien... 4- ,5— 1 Niederschlesien...--0— 1 Halle(Braunkohlen).+0.— 8 ES fehlt nur noch, die absolute„Höhe" der Frauenlöhne heraus- zustellen, um die Großmut des Kohlenkapitals in voller bengalischer Beleuchtung zu zeigen. Es betrugen die Tageslöhne in Mark: im Gesamt- für durchschnitt Frauen Oberschlesien..... 3,53 1,24 Niederschlesien.... 3,50 1,59. Frauenarbeit auf Gruben kennt man hauptsächlich �nur im katholischen Oberschlesien, wo fromme Magnaten als Industrie- gewaltige regieren. Man merkt, ihre besondere Liebhaberer für Frauenarbeit wurzelt in einem starken Sparsinn. Ueber den Ruck- gang der Frauenlöhne wissen die Werksjournalisten selbstverstandllch nichts zu melden.__ Hetzte ffoebriebten. Die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl. Frankfurt a. M., 2. Juli.(W. T. B.) In der heutigen geheimen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde e i n st i m m i g beschlossen, den Oberbürgermeister Voigt- Barmen an erster Stelle, den Stadtverordnetenvorsteher Justiz- rat F r i e d l e b e n an zweiter und den stellvertretenden Stadt- verordnetenvorsteher Kommerzienrat Ladenburg an dritter Stelle dem Könige für den Posten des Oberbürgermeisters vorzuschlagen. In derselben Sitzung wurde beschlossen, dem scheiden-, den Oberbürgermeister Dr. A d i ck e s das Ehrenbürger« recht zu verleihen. Zum französischen Scemannsstreik. Dünkirchen, 2. Juli.(W. T. B.) Die Hafenarbeiter haben beschlossen, die Arbeit auf französischen Schiffen nieder- zulegen, um dadurch gegen die heute nachmittag mit behörd- licher Hilfe erfolgte Abfahrt eines Dampfers zu protestieren. Der Sekretär des Gencralkomitees der eingeschriebenen See- leute hat an den Minister des Inneren einen Brief gerichtet, in dem er die Bedingungen erörtert, welche den Seeleuten durch die Messa- gerie maritimes im Falle der Annahme eines Schiedsgerichtes auf. erlegt worden sind. Rivelli kommt zu der Ansicht, daß die kurze Frist für die Wiederaufnahme, der Arbeit nur darauf abzielt, der Messageries maritimes zu gestatten, ihre Annahme zurückzuziehen und mit den anderen Gesellschaften sich solidarisch zu erklären. In de- Kammer erklärte der Handelsminister David bei Besprechung des Streiks der eingeschriebenen See- leute. er werde sein möglichstes tun, um den Streik sobald wie möglich zum Ende zu bringen und bitte die Kammer, ihm Vertrauen zu schenken. Tarauf wurde die einfache von der Regierung ge- billigte Tagesordnung mit 394 gegen 113 Stimmen angenom. men und die Sitzung aufgehoben. Brand einer Teerfabrik. Wien, 2. Juli.(P. C.) Ein furchtbarer Brand be- droht die den R ü t t g e r s- W er k e n in Berlin gehörende große Teerfabrik in Angern mit völliger Vernichhing. Die Fabrik steht seit heute morgen in hellen Flammen und die Feuer- wehren der benachbarten Dörfer sind bisher machtlos gewesen. Am Nachmittag ist aus Wien ein Löschzug der Wiener Feuerwehr zur Unterstützung nach Angern abgegangen. Man hofft, daß es den vereinigten Bemühungen der Wehren gelingen wird, wenigstens einen Teil der Fabrik zu retten.______ Paul Singer ä: Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen n. Unterhaltungsbl. Nr. 152. 29. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Die Unfallgefahren in der Holzinduftrie. allen Sektionen der Maschinenarbeiter zu konstatieren, die in den = Mittwoch, 3. Juli 1912. Sie sind überzeugt, daß Tausende ihrer Berufskollegen nur des= wegen verstümmelt und verkrüppelt wurden und durch Erwerbsunfähigkeit mit ihren Familienangehörigen dem Elend und der Not anheimfielen, weil bisher die notwendigsten Sicherheitsmaßnahmen zum Schuße der Maschinenarbeiter gar nicht oder ungenügend getroffen wurden. Die Versammlung unterstützt nachdrücklich diejenigen Forderungen, die von der Münchener Maschinenarbeiter- Konferenz an die Berufsgenossenschaften, die Gewerbeinspektion und die Gesetzgebung erhoben wurden und erwartet ihre baldige Durchführung. Die versammelten Maschinenarbeiter erwarten, daß ihre Forderungen aus Gründen der Menschlichkeit und der allgemeinen Volkswohlfahrt von der breitesten Oeffentlichkeit unterstützt werden. Der Schapiroprozeß. Darmstadt, 2. Juli.( Privattelegramm des Vorwärts".) Elfter Verhandlungstag. und 50,6 Proz. einen leichten Unfall. Dieselben Ziffern sind in letzten Jahren Statistiken aufgenommen haben. Es gibt auch Im Gewerkschaftshaus hat der Deutsche Holzarbeiterverband taum einen Waschinenarbeiter, der nicht schon eine Verlegung ereine Ausstellung veranstaltet, welche unseren Lesern schon durch litten hat; man gewöhnt sich schon daran, daß diese Arbeiter einen eine Besprechung in Nr. 145 des Vorwärts" bekannt geworden ist. oder zwei Finger weniger haben als andere Menschen. Es ist Diese Ausstellung repräsentiert nicht die Leistungen des Gewerbe- nicht länger gelitten werden, daß an diesen mit scharfen Schneiddaher berechtigt, mehr Schutz für die Arbeiter zu fordern. Es darf fleißes und der Industrie, sondern zeigt nur die Schäden, welche werkzeugen ausgerüsteten Maschinen Frauen und jugendliche Ardie maschinellen Einrichtungen anrichten. Am Montag tagte in den Andreas- Festfälen" auch eine Versammlung der Berliner beiter beschäftigt werden. Auch die Arbeitszeit bedarf noch sehr Maschinenarbeiter, welche sich mit den Mißständen und den Unfall- bracht werden; denn die besten Schuhvorrichtungen schließen die der Verkürzung und der Lohn muß auf eine ausfömmliche Höhe gegefahren in den Holzbearbeitungsbetrieben beschäftigte. Zu dieser Unfälle nicht aus, wenn der Körper müde und erschlafft ist. Ferner Versammlung waren sowohl die Vertreter der Berufsgenossen- find die Arbeiter aufzuklären über die sie umgebenden Gefahren. schaften, als auch die Gewerbeinspektoren und die Senatsvorsißen- Angesichts der Tatsache, daß viele tausend Arbeiter aus den entden des Reichsversicherungsamtes eingeladen, jedoch war feiner der Herren erschienen. Von den Gewerbeinspektoren für Wilmers- legensten Gegenden Deutschlands tommen, wo sie nicht gelernt dorf und Schöneberg lagen Antwortschreiben vor, in denen sie für haben, ihr Leben und ihre Gesundheit zu achten, um dann in die die Einladung dankten und ihr Bedauern aussprachen, daß sie aus tige Verbesserung ihrer Lebenslage darbieten, muß gefordert wergefährlichen Betriebe einzutreten, die ihnen eine hundertprozenMangel an Zeit der Versammlung nicht beiwohnen konnten. Als einziger Gast erschien neben einigen Arbeitnehmerbeifibern des arbeiter teilnehmen muß, bevor er an die Maschine gestellt wird. den, daß Kurse eingerichtet werden, an denen jeder MaschinenSchiedsgerichts für Arbeiterversicherung nur Herr Professor Dr. Die Verhütung der Unfälle ist der wichtigste Zweig des Arbeiter- Teilen als unwesentlich bezeichnete Schwäßereien füllten zunächst Die Beweisaufnahme erreichte heute ihr Ende. Von allen Sommerfeld, der Leiter des Museums für Arbeiterwohlfahrt schutzes. Pflicht der Gesetzgebung ist es, ihm ihre Aufmerksamkeit einen Teil der Sizung aus. Dann wurde über ein angeblich un in Charlottenburg. Dem ausführlichen Referat des Gauvorstehers Anton zuzuwenden. Ohne Rücksicht auf den Unternehmergewinn müssen Raith- München entnehmen wir folgendes: Von den technischen der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter gewährleisten. Dies über unter Ausschluß der Deffentlichkeit verhandelt. Die Polizeivom Staat Maßnahmen getroffen werden, die einen besseren Schutz berechtigtes Vorgehen der Polizeiassistentin einem Mädchen gegenUmwälzungen, welche sich überall bemerkbar machen, ist aud, die Holzindustrie nicht verschont geblieben. Solange die Dampfmaschine ist um so leichter, als die Technik so weit vorgeschritten ist, daß es assistentin hatte dieses Mädchen, das sie auf den gleichen Nachdie einzige Antriebskraft war, waren der Einführung der Ma- Schutzvorrichtungen gibt, wodurch die meisten Unfälle verhütet wer- mittag zu sich geladen hatte, am Morgen in Begleitung des schine gewisse Schranken gezogen, da diese nicht überall rationell find Vertreter der Arbeiter unbedingt mit heranzuziehen; die Auf den Polizeiarzt auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen. Das den können. Bei der Beratung der Unfallverhütungsvorschriften Kriminalschußmanns Pelzer aus ihrer Wohnung sistiert und durch ausgenutzt werden konnten und nur in Großbetrieben rentabel fichtsbeamten sind mit mehr Machtbefugnissen auszustatten. Eine waren. Mit der Erfindung der Motoren und besonders der Elektro- Vermehrung dieser Beamten ist eine absolute Notwendigkeit, find Borgehen der Aſſiſtentin beruhte auf dem Auftrage ihres Bormotoren, änderte sich aber das Bild. Die Maschinen gelangten von doch von der Norddeutschen Berufsgenossenschaft, welcher 45 623 geschten Dr. Obstfelder, weil der Verdacht der Gewerbsunzucht be= der Zeit an immer mehr und mehr zur Einführung, selbst die Betriebe mit 262 267 Arbeitern unterstehen, nur sechs Aufsichts- standen und das Mädchen auf Ladungen nicht gekommen war. Das Kleinbetriebe auf dem Lande sind jetzt in der Lage, mittels der beamte angestellt, die nur 11,52 Proz. der Betriebe revidieren Mädchen hatte drei uneheliche Kinder, war als Zeugin in ein elektrischen Ueberlandzentralen ihre Betriebe mit von Motoren fonnten. Die Berufsgenossenschaften tun ernstlich nichts, um die schwebendes Kuppeleiverfahren verwickelt. Auch hatte man der angetriebenen Maschinen auszurüsten. Die Motorenkräfte haben Unfälle zu vermindern; sie vermehren nicht die Aufsichtsorgane, Assistentin mitgeteilt, das Haus, in dem das Mädchen wohne, sci sich in den Jahren von 1895 bis 1907 folgendermaßen vermehrt: und die Strafen, die sie über die Unternehmer verhängen, fönnen feit deffen Zuzug Hurenhaus benannt. Das Mädchen mußte zu Wassermotoren von 75996 auf 105 993 Pferdekräfte, Dampfmotoren eher als ein Anreiz zur Uebertretung der Vorschriften angesehen geben, Beziehungen zu einem Manne zu haben, den sie hier und von 119 971 auf 264 363, Gasmotoren von 5742 auf 17 170, Spiri- werden. Die Unternehmer verstehen es auch sehr gut, die Auf- da fortschickte, um inzwischen mit anderen Männern in nähere tus-, Petroleum- und Benzinmotoren von 1739 auf 13 089, und die elektrischen Motoren, welche im Jahre 1895 noch nicht von der Sta- sichtsbeamten hinters Licht zu führen; es muß deshalb auch vertistik erfaßt werden konnten, weisen im Jahre 1907 63 898 Pferde- langt werden, daß Kontrolleure aus den Reihen der Arbeiter her- Beziehungen zu treten. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit wurde der Polizei. Träfte auf. Insgesamt waren in der Industrie der Holz- und angezogen werden, welche die Schliche kennen, die zur Irreführung Schnitzstoffe im Jahre 1895 18 914 Motorenbetriebe mit 203 235 angewandt werden. Solange aber der Staat noch nicht die Ver- aspirant Bruder aufgerufen, der auf Vorhalt der Verteidigung vers Pferdekräften vorhanden, die sich bis zum Jahre 1907 auf 36 800 pflichtung anerkennt, für den Schutz des Arbeiters in weitestem schiedene schwer bedenkliche Manipulationen zugeben mußte. VerMotorenbetriebe mit 408 000 Pferdekräften vermehrten. Diese beruht auf der Organisation, welche anerkanntermaßen schon viel Freundeskreisen über bestimmte Mädchen amtlich gegen diese Maße zu sorgen, muß zur Selbsthilfe gegriffen werden. Diese teidiger Justizrat Bernstein: Haben Sie Mitteilungen aus Entwickelung förderte ganz gewaltig den Großbetrieb und führte bazu beigetragen hat, daß Aufklärung in die Reihen der Maschinen- Mädchen verwendet? Zeuge Bruder: Es handelt sich nur um zwei zur Einführung der Teilarbeit. An Stelle des gelernten Gesellen trat der ungelernte Maschinenarbeiter. Für den letzteren hat diese Entwickelung aber auch große Gefahren mit sich gebracht. Die Redner Profeffor Dr. Sommerfeld ein. Er erklärte sich mit schon verschiedene Personen angeſtedt. In die Diskussion über diesen Vortrag griff gleich als erster Fälle, in denen beide Mädchen geschlechtskrank waren; sie hatten Verteidiger Bernstein: Maaschinen werden, abgesehen von einzelnen einwandfrei eingeben vom Referenten aufgestellten Forderungen einverstanden, da Sind Sie auch gegen solche Mädchen amtlich eingeschritten, mit richteten Betrieben, allzu oft noch in beengten Räumen unterge- ihm die Gefahren an den Holzbearbeitungsmaschinen bekannt seien. denen Sie selbst intim verkehrten? Vorsitzender: Sie können die bracht, die ohne Licht und Luft sind, und wo zugleich die Abfälle Es sei wirklich Zeit, daß diesem Elend eine Ende bereitet werde; Aussage darauf verweigern. Zeuge Bruder: Ich habe nicht mehr und das zu verarbeitende Material abgelagert werden. Die Maschinen haben aber zum Teil eine Umdrehungsgeschwindigkeit bis auch sei es möglich, den geforderten Schuß durchzuführen. Die und nicht weniger poussiert als irgend ein anderer junger Mann. zu 6000 Touren in der Minute. Zeigt der Arbeiter nur einen wichtigste Aufgabe sei es, die Arbeiter selber und auch die öffent- Verteidiger Bernstein: Weshalb sind Sie denn versekt worden? liche Meinung aufzuklären. Denn die Arbeitskraft sei für den Augenblick nicht die nötige Aufmerksamkeit oder ist er ermüdet, so Arbeiter das höchste Gut; er müsse wissen, es zu schüßen und zu Beuge Bruder: Nur wegen eines Geredes über mich im ZusammenLiegen die Finger mit einem Rud zwischen den Säge- und Hobel- erhalten. Die Zahl der Aufsichtsbeamten müsse vermehrt werden; hange mit einem Fräulein E. Verteidiger Bernstein: Hatte das ſpänen. Die geistige Anspannung ist deshalb bei den Maschinen- die Regierung selbst sei überzeugt, daß die jeßige Zahl nicht reiche, Mädchen nicht Briefe von Ihnen im Besize? Zeuge Bruder: Muß arbeitern eine derartig große, daß die Nervosität bei ihnen eine es fehlen ihr aber die Geldmittel. Zum Schluß forderte Redner die ich darauf antworten? Verteidiger Bernstein: Ich bestehe auf der begreifliche Erscheinung ist. Die Ausnutzung der Maschinen geht Maschinenarbeiter auf, immer wieder ihre Stimme zu erheben; Frage. Es ist versucht worden, Mädchen hier als unglaubwürdig den Unternehmern über alles; es wird mit der Minute gerechnet, und wenn dazu noch die wilde Affordarbeit tritt, dann sind die sie würden damit auch Anklang und Beifall bei den Männern fin- hinzustellen. Ich will das mit dem Zeugen machen. Staatsanwalt: Unfälle nicht verwunderlich. Die Unfallhäufigkeit ist trotz der Be- den, die nicht ihrem Berufe angehören. Die Frage ist unerheblich. Ob Bruder glaubwürdig ist oder nicht, Im ferneren Verlauf der Diskussion, an der sich noch Thiele- bas tönnen wir selbst entscheiden. Verteidiger Bernstein: Ich will strebungen der Arbeiter selbst und trop der gefeßlichen Maßnahmen immer noch gestiegen. Im Jahre 1909 entfielen auf 65 066 Be- mann, Sauerzapf, Windmüller und Piehl beteiligten, die Unzulänglichkeit der Mainzer Polizei auf diesem Gebiete bewurden die Ausführungen des Referenten voll und ganz gutgetriebe mit 427244 Arbeitern 19 497 Unfälle, davon 152 mit töd- heißen und in einzelnen Dingen noch erweitert. So wurde auch die weisen und in dieser Polizei spielt der Zeuge Bruder eine wesentlichem Ausgang. 1910 tamen in rund 66 000 Betrieben mit 452 570 Rechtsprechung in den Schiedsgerichten einer Kritik unterzogen, da liche Rolle. Ueber ihn soll folgendes bewiesen werden: Er hatte Arbeitern 20 549 Unfälle vor, wovon 154 tödlich verliefen. Auf bei der Rentenfestsehung ohne Kenntnis der wahren Verhältnisse mit Fräulein E. Beziehungen. Eines Tages erschien in der Woh1000 versicherte Personen kamen bei der Sächsischen Holzberufs- vielfach der Zustand der Gewöhnung angenommen und ein Unter- nung des Mädchens ein Schuhmann und nahm ihr die Briefschaften genossenschaft im Jahre 1886 24,6, 1909 38,29, 1910 39,26 Unfall- schied zwischen gelernten und ungelernten Maschinenarbeitern ge- weg. Bruder hatte es so eingerichtet, daß das Mädchen zur gleichen berletzte. Bei der Südwestdeutschen Berufsgenossenschaft stiegen diese Ziffern von 30 89 auf 35,72 und 35,39, bei der Norddeutschen Berufsgenossenschaft von 34,55 auf 47,09 und 46,92, bei der Bayerischen Berufsgenossenschaft von 37,85 auf 52,4 und 53,14. Diese Zahlen umfassen aber die gesamten in der Holzindustrie beschäftigten Arbeiter und ergeben einen Durchschnitt von 4-5 Proz. Würde eine Statistit nur für die Maschinenarbeiter aufgestellt werden, dann kämen geradezu grausame Zahlen heraus. Eine im Jahre 1904/05 aufgestellte Statistik ergab, daß in diesem Zeitraum 57,24 Prozent der Berliner Maschinenarbeiter verunglückten. Von den Berletzten erlitten 49,4 Bros., also fast die Hälfte, einen schweren, . Kleines feuilleton. arbeiter eindringt. macht werde. nahme: Zeit zu Frau Schapiro geladen und dort vernommen wurde, die Folgende Resolution gelangte dann zur einstimmigen An- felbstverständlich von der ganzen Machination nichts wußte. Der Schußmann hat dem Mädchen dann die Briefe wiedergebracht, mit Die am 1. Juli 1912 in den Andreas- Festsälen" tagende, Ausnahm derjenigen, die von Bruder stammten. Staatsanwalt: Es zahlreich besuchte Versammlung der Berliner Maschinenarbeiter handelt sich in diesem Prozeß nicht um amtswidrige Handlungen erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten über„ Unfall- handelt erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten über„ Unfall: des Bruder, sondern um Beschuldigungen gegen Frau Schapiro und gefahren in der Holzindustrie" einverstanden. Die Versammelten protestieren gegen das leichtfertige Spiel, das mit ihrer Ge- den Beigeordneten Berndt. Wir schweifen zu weit ab. Verteidiger sundheit und mit ihrem Leben von vielen Unternehmern durch Bernstein: Der Bruder hat Frau Schapiro erst auf verschiedene Nichtbeschaffung geeigneter Schuhvorrichtungen getrieben wird. Mädchen aufmerksam gemacht, deshalb wollen wir über ihn volle Quadratmeter. 0 e. k. liegt nahe, daß er sich heute noch im Privatbesig eines Rousseau- an. Nachdem das einzige Kanönchen fräftig gebumst hat, kann er berehrers jenseits des Kanals befindet. rubig die Heimfahrt antreten; denn nunmehr nimmt er doch einen Die größten Bahnhöfe und die schnellsten Züge. Der größte richtig depoffebierten König als Eidam mit. Die Groteste ermangelt weder der Anspielung auf die jüngsten Umwälzungen in Portugal, Wie Reliquien entstehen. Im Berner„ Bund" erzählt Dr. Ernst Bahnhof der Welt ist einstweilen noch der vor kurzem eröffnete noch drastischer satirischer Bezüge auf das Geschäft des Königtums Grob anläßlich der Rousseau- Feste eine hübsche Geschichte: In den Leipziger Hauptbahnhof, mit seinen 85 550 Quadratmetern Grundfünfziger Jahren hatte der Wirtschaftspächter auf der Petersinsel eine sein nächster Rivale, der Hauptbahnhof in St. Louis, also er ist" Simplicissimus"-Wize entschädigen nicht für die ziemlich plump fläche. Denn noch nicht einmal ganz 40 000 Quadratmeter bedeckt bon Geldsacks Gnaden überhaupt. Doch ein paar gut verwertete junge Verwandte, die ebenso wizig als hübsch war, zu sich ge- noch nicht halb so groß. Aber schon sind die Amerikaner wieder an gezimmerte Mache des Ganzen. Für ein Beilchen wird sie ja naive nommen. Jedermann hatte seine helle Freude an Fräulein Joséphine. der Arbeit, der im Bau befindliche New Yorker Bahnhof der Seelen lachen machen um dann auf Nimmerwiedersehen zu ver Bu jener Zeit stand der Rousseau- Stultus in hoher Blüte, und aus der ganzen Welt tamen die Verehrer Rousseaus nach dem gaftlichen Bariser Bahnhof St. Lazare hat über 33, der Londoner St. Pancras Bennsylvania- Eisenbahn foll 110 000 Quadratmeter bededen. Der schwinden. Eilande, um die Spuren des großen Naturphilosophen zu verfolgen. Notizen. Besonders zahlreich stellten sich die Engländer und Holländer ein. land mit großen Zentralbahnhöfen versehen: in Frankfurt a. M. bringen einen Beethoven Byllus, u. a. alle neun Symphonien. nur über 15, Tausend Quradratmeter. Recht reichlich ist DeutschDie Weingartner Konzerte in Fürstenwalde Alles, was in irgendwelche Beziehung zu dem Verfasser des„ Emile" 311, in Dresden 25 in Stöln 22 in München 21 Tausend Es wirken mit: das Blüthner Orchester, der Mittelsche Chor und 25, 22% gebracht werden konnte, erregte ihre Aufmerksamkeit. Die trafts vollen Eichen, unter denen Rousseau gelustwandelt, die lauschigen Von den Bahnhöfen in Berlin, das ja keinen Plätzchen am sandigen Strande, wo er über das Evangelium Zentralbahnhof hat, nimmt der größte, der Schlesische, etwa ein hervorragende Solisten. Die Eisenbahndirektion Berlin hat Vorfehrungen getroffen, daß an den Konzertabenden je drei Sonderzüge von der Rüdkehr zu den einfachen natürlichen Verhältnissen Fünftel des Leipziger Bahnhofes in Anspruch. Unter den internationalen Expreßzügen fährt der Nordsüd- bon Charlottenburg über alle Stadtbahnstationen nach dem Schle über die ursprüngliche Gleichheit aller Menschen nach Expreßzug in 3634 Stunden bei einer mittleren Stundengeschwindig- fischen Bahnhof und von da nach Fürstenwalde, und in gleicher Weise gedacht, und vor allem die düstere Kammer, die dem Verfolgten feit von 53 Kilometern von Berlin über Hof, München, Innsbruck, nach den Konzerten zurück verkehren. für furze Zeit eine Ruhestätte geboten hatte, wurden zu geweihten Verona, Rom nach Neapel. Die höchste mittlere Geschwindigkeit von Sonnabend eröffnet. In fünf Gruppen find zusammengefaßt: der Die Städteausstellung Düsseldorf wurde Stätten. Die ungeteilte Bewunderung für den Weisen hinderte in 59 Kilometern erreicht der Simplon- Expreßzug, der in 19 Stunden Städtebau, sanitäre und soziale Einrichtungen, Hochbauten, Industrie. des die Besucher keineswegs, sich ungefragt in den Besitz von Gegen 5 Minuten von Calais über Paris, Genf, Mailand nach Neapel fährt. Die letzte Gruppe leidet durch die Firmenausstellung unter Systemständen zu sehen, die in irgendeinem vermeintlichen oder wirklichen Eine fast ebenso große Mittelgeschwindigkeit( 58,9) hat der Berlin- und Uebersichtslosigkeit, während die Abteilungen, die die Städte Zusammenhange mit Rousseau standen. Die Engländer besonders Riviera- Expreßzug auf seiner 1845 Kilometer langen Strede von und Uebersichtslosigkeit, während die Abteilungen, die die Städte mit ihrer angeborenen Unverfrorenheit taten es den anderen zuvor. Berlin über Frankfurt/ M., Lyon, Marseille nach Ventimiglia. Der selbst veranstaltet haben, trotz des reichen Materials eher ein Bild War es nun etwas vom Verpuze der weißgetünchten Kammer, ein Tauern- Expreßaug fährt in 27 bezw. 22 Stunden von Paris bezw. Splitter vom Getafel oder ein Stück Rinde gleichviel, etwas Berlin über München, Salzburg nach Triest. Die längste Fahrtbauer, ruf", in dem der bekannte Forschungsreisende Europa auf die russische -Wissenschaft und Politit. Sven Hedins Warnungsmußte als Andenken mit, zum großen Werger der blonden Wirtin, 9 Tage 10 Stunden, hat der Sibirische Expreßzug, der die undie für solche Menschenberherrlichung kein Verständnis hatte. und Theater. geben. Eines Tages brachte ein Arbeiter einen alten, im Uferschlamme gebeure Strede von 8889 Kilometer zu durchmessen hat und es nur Gefahr hinwies, bat jezt seinen Ausschluß aus der russischen Geoaufgefundenen Holzschuh in die Einnehmerei; beim Anblick dieses auf eine mittlere Geschwindigkeit von 37 Kilometern bringt. Danach graphischen Gesellschaft zur Folge gehabt. Sie begründet das fo: Schuhs durchblizte das Gehirn von Joséphine ein schalthafter Ge- folgen, mit rund 3100 Kilometern, der Orient- Expreßzug, der in Die fais. ruff. geograph. Gesellschaft hat festgestellt, daß die Schrift Schuhs durchblizte das Gehirn von Joséphine ein schalthafter Ge- 61 Stunden von Baris aus sein Biel Konstantinopel erreicht, und bewußte Lügen und Beleidigungen gegen Rußland enthält. Sie es triumphierend als wertvollste Reliquie auf der wurmstichigen welcher Berührung zu bleiben, und sie hat befchloffen, Sven Hedin danke. Sie erstand das wertlose Ding um einen Rognak und stellte der Petersburger- Canneres Expreßzu, dessen Fahrtdauer fast findet es daher unter ihrer Würde, mit dem Verfasser in irgend 66 Stunden beträgt. Kommode im Rousseauzimmer auf. Wenn nun die Besucher, die wegen seiner unfairen Handlungsweise für unwürdig zu erklären, immer mehr sehen wollten, als man zu zeigen imstande war, der Gesellschaft noch fernerhin anzugehören." von Joséphine in die Kammer geführt wurden, wies die Lustspielhaus. Franz Wagenhoffs Groteske, Ein Unabhängige Gelehrte follten es sich überlegen, ob sie einer Führerin mit einem schelmischen Lächeln auf den alten Königreich m. b..", auf deutsch: mit betrippten Hühnern", solchen Gesellschaft angehören können. Holzschuh hin, indem sie sagte:„ Der Holzschuh Rousseaus." vermochte feine volle Befriedigung aufkommen zu lassen. In- Die Ausstellung eines Bifingerschiffs. Das Und boll heiliger Scheu nahten die Fremden dem Sahelien" wird ein Königreich auf Attien gegründet. Es geht Bleite, historische Museum in Kristiania hat dieser Tage eine einzigartige denkwürdigen Inventarstück, das einstmals die edlen Formen des weil nirgends ein Staatspump gelingt. Das junge, bis ans wadelige Bereicherung seiner Schäße erhalten: das berühmte Dfeberg- Schiff, Rousseaufuges umschlossen hatte, und betrachteten und betasteten es Thrönchen von Gerichtsvollziehern verfolgte Himmelsinstrument" das vor einigen Jahren aufgefunden wurde. Seine besondere Be von allen Seiten. Wohl mochte es bisweilen vorkommen, daß eine dankt deshalb ab. Hiermit ist aber ein hamburgisch- amerikanischer deutung erhält dieses alte Wikingerschiff durch seinen zahlreichen und schwärmerische Seele den unförmlichen Schuh an die Lippen drückte Milliardär, der den König“ längst im stillen zum Mann wertvollen Inhalt, denn es fanden sich darin die Toilettengegenstände und sogar zu Bestechungsversuchen griff, um die Reliquie zu erwerben. feiner Tochter ausersehen, nicht zufrieden. Einen gewalt- und Küchenutensilien einer Wikingerkönigin, interessante Korbgeflechte, Aber dafür war die treuherzige Schweizerin nicht zu haben; sie fam Entthronten will er haben, um drüben" die Millionär- Reste eines reichgeschmückten Wagens, zwei Schlitten, verschiedene hatte ohnehin Mühe genug, das Lachen zu verbeißen. Der Holz- fippe gelb bor Neid werden zu lassen. Deshalb opfert er einige Schmudgegenstände von hohem fünstlerischen Wert und eine Anzahl schuh ist eines Tages spurlos verschwunden, und die Vermutung Milliönchen und zettelt ein regelrechtes Revolutiönchen in Sahelien Knochen von Pferden und anderen Haustieren. " Klarheit haben. DaI Gericht läßt die Frage zu. Zeuge Bruder: Es ist richtig, daß ich Beziehungen zu der E. hatte. Sie behauptete, schwanger zu sein. Nun hörte ich, daß sie mit der gleichen Be- gründung von einem Offizier einige tausend Mark herauszuholen verstanden hatte. Da sie nun verschiedene Namen führte, keine Wohnung hatte und nicht gemeldet war, teilte ich gelegentlich dem Kriminalkommissar KindShäuser die Tatsachen mit. Auf Befragen des Verteidigers sagt dcr� Zeuge noch, dah er dem Mädchen Post- lagernd geschrieben hat. Es habe täglich etwa SOO Briefe bekommen. Verteidiger: Woher wissen Sie das? Zeuge Bruder: Von dem Postbeamten. Verteidiger: Haben Sie ihn zu diesem Bruch des Dienstgeheimnisses veranlaßt? Zeuge Bruder: Das weiß ich nicht mehr. lieber die E. läßt sich ein ganzer Roman erzählen. Sie hatte immer viel Geld, ritt aus, fuhr Zluto und niemand wußte woher. Sie gab sich als Grnfiu aus und behauptete, gräflicher Abstammung zu sein. Frau Schnpiro: Ich wurde dazugerufen, als die E.. in Tränen aufgelöst, vom Kriminalkommissar Kinds- Häuser vernommen wurde. Sie sagte mir. sie sei in anderen Um- ständen; ich möchte dafür sorgen, daß sie nach der Schweiz könne. Ich erwiderte, sie erst einmal kennen lernen zu wollen; sie müsse in mein Heim kommen. Sie kam indessen nicht und ich hörte nichts mehr von ihr, bis mir ein Sittenschuhmann eines Tages sagte, sie sei unter falschem Namen in einem Mainzer Hotel aufgegriffen worden. Sie klagte wiederum, schwanger zu sein, und benannte als Vater den Bruder. Es wurde festgestellt, daß sie inzwischen gewerbsmäßig der Unzucht nachgegangen und aus einem Hotel verschwunden war unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast. In einem anderen Hotel hatte sie einen Vertrag mit einem Haus- barschen abgeschlossen, der ihr Herren zuführen sollte. Sie fuhr nun nach Zürich, wurde aber bald darauf bei einer Razzia in Mainz von Pelzcr und mir gestellt. Es war die Zeit, wo sie hätte nieder- kommen müssen, aber von dem Zustande war nichts zu merken. Sie bat Pclzer, sie nicht festzustellen, sie werde sofort abreisen; das hat sie auch getan. Zeuge Bruder bekundet noch, daß er zwar nicht zuerst, aber mindestens später Mitteilungen über seine Beziehun- gen zu der E. gemacht hat. Die E. sc! später unter Kontrolle ge- stellt worden. Seinerzeit habe sie sich nicht gegen Entgelt preis- gegeben. Am Mitiwochnachmittag soll mit ß>en Plädoyers begonnen werden, Em der Partei. Auf eine 35jShrige Nedaktiottstätigkeit konnten am 1. Juli die Genossen O t t o S t o l t e n und G U st a V Stengele vom„Hamburger Echo" zurückblicken. Beide waren noch unter der letzten Heil des Sozialistengesetzes in Hamburg an der„Bllrgerzeitung" als Betichterstatter bezw. Korrektor be- schäftigt und beide sind sodann,»ach dem Fall des Ausnahmegesetzes auch in die Redaktion des damals gegründeten„Hamburger Echo" eingetreten. Ihre gemeinsame redaklionelle Tätigkeit in diesen 2ö Jahren ist aufs innigste verwachsen mit der Eutwickeliing, die in diesem Zeitraum unser Haniburger Parteiblatt und mit ihm die esamte Arbeitcrbeivegnng seines Verbreitungsgebietes durchgemacht aben. Wir wünschen den beiden Jubilaren— jedenfalls die ersten, die auf eine LSjährige Tätigkeit an einem Parteiblatt zurückblicken können— eine noch recht lange Tätigkeit in ihrer Redaktion und in der Partei. Berichtigung. Int ersten Absatz der Ausführungen unseres schwedischen Mitarbeiters zu der Einsendung deS schwedischen Jugend- Verbandsvorstandes über die„Gegensätze in der schwedischen Partei" <„VorwärtS" vom 2. Juli, erste Beilage) ist ein siiinentstelleuder Druckfehler enthalten. Der Satz muß lauten:„Und daß der Jugend- verband aus den Kämpfen zwischen Anarchismus und Sozialismus in Schweden hervorging, ist doch kein Beweis dafür, daß bei ein- zeluen Wortführern die Phraseologie ihrer anarchistischen Herkunft nicht(statt„noch") kräftig nachwirkt." polizelUchco,£}crlchtllchc9 uk», Der typische Polizclprozeß. Am Abend deS lS. Januar d. I. kam eS in einem Parteilokal oeS Zentrums zu C a t e r n b e r g, Kr. Essen, zu einer blutigen Schlägerei unter ZcntruNiSanhängcrit, die dermaßen ausartete, daß der Wirt telephonisch Hilfe der Polizei erbat. ES erschienen drei Polizei- beamte, die nach ihrer Angabe erst mit Hilfe deS Säbels der Prügelnden Herr werden konnten; auch auf der Straße setzte sich die polizeiliche Säbelarbeit fort. Dabei wurde nach der Behauptung von Augen- cugen der Bergmann Gerhards von dem Schutzmann Jürgen? ver« olgt und mit dem Säbel bearbeitet, bis er gusammenbrach.— Tie„Essener A r b e i t e r ze t t u n a" brachte einen Bericht über den blutigen Vorfall, in dem es hieß, der Schutzmann habe den Bergmann iiiedergeschlagen. Dadurch fühlte sich der Beamte beleidigt und die Staatsanwaltschaft erhob Klage gegeit den Rcdalteur Genosse» Neu m a„ n.— IN der Verhandlung vor der Straslammcr beschtvoren drei Unbeteiligte Augeiizeugen, daß der Borfall sich genau so zugetragen habe, wie die„Arbeiterzeitung" ihn schilderte. Der Schutzmann hingegen gab wohl zu, daß er mit der flachen Klinge geschlagen habe, von Niederschlagen des Gerhard könne aber nicht die Rede sein. Die bedeutenden Kopfverletzungen habe sich dieser schon bei der Prügelei geholt. Die Kollegen des SchutzmniiilS tvollen vo» der Sache nichts gesehen haben.— Das Gericht ließ die ganz bestimmten Aussagen der drei Zivilzeugen unbeachtet und verurteilte unseren Genossen zu fünfzig Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte ihm drei Wochen Gefängnis zugedacht. Jugendbewegung. Heldrutiiteii einer Jiigendtvchr. In Bar m e n, dem Sitz der ZentralleitUng der evangelischen Jlinglingsvereine, ist, wie in vieleit anderen Orten, durch bürgerliche „JngcndfreNNde" eine sogenannte Jugendwcht gegründet worden, d. h. rine Nach militärischem Muster ausstaffierte und gedrillte Schar von jiingen Burschen, die unter der Leitung aktiver oder inaktiver KäserNengrötzen die militärischen Felddienstübungen nachäffen und „Krieg" spielen. Diese Jtigeüdwehr war vor kurzem nach RonSdorf bei Barmen ausgerückt, um dort eine„Uebung" vorzunehmen. Man marschierte mit einem Hauptmann zu Pferde an der Spitze dort- hin,„übte", trat dann zur„Kritik" zusammen und hielt schließlich auch einen„Feldgottesdienst" ab, zu dem sich sogar ein echter Geistlicher mit Talar und B ä f f cli e n bemüht hatte. Als man aber mitten drin war, trat plötzlich ei» Hindernis ein: der Jagdpächter deS„bekriegten" und besetzt gehaltenen Gebiets, ein Fabrikant aus Barmen, trat im Jagdkostüm' in den Kreis hinein und rief mit lauter Stimme: „Hören Sie aiif, Herr P a st o r I" Dieser ließ sich dadurch noch nicht stören. Der NitNrod wiederholte seinen Ruf. Dann eilt- wickölte siäi folgendes Zwiegespräch: Der Pastor:„Stören Sie mich Nicht in meinem Amte." Der Jäger:„O, hier ist keine Kirche; ich bin Pächter der JcW in diciem Revier und verbiete Ihnen das hier." Der Pastor:„Wenden Sie sich an andere Herren." Der Jäger:„Wo ist der Führer dieser Veranstaltung?" So ging eS fort. Dabei stimmten die jungen Heldeti ein wahres I n d i a>i e r g e h e U l an. Die n n f t n t i g st e n Reden wurden lnbeliveise über den Jaadpächtcr auSnecjosseN.„Watt well de olle K S h l I", schrie man.„Schlont dat Oos doch doat, trampelt em doch endeFottl" usw. Wären nicht einige Führer besonnen gewesen und dazwischen getreten, so wäre eS dem Herrn wohl übel ergangen. Man denke, die Gesellschaft hatte soben „Feldgottesdienst" abgehalten I— Diese Sache kam bald in die bürgerliche Presse. Während dabei die Jugendwehr ganz mörderisch auf den Jagdpächier schimpfte, gab dieser vo» dem Treiben der Wehr ein Bild, das sich diese sicher auch nicht hinter den Spiegel stecken wird. Er schrieb da unter anderem in direkter Anrede dem Führer der Wehr gegenüber: „Es treiben sich stets ganze Trupps junger Leute herum, die in meiner Jagd Indianer spielen, und diese Sorte geniert sich nicht, auf Menschen zu schießen.(Verschiedene Bauern sind schon vorsätzlich angeschossen war« d e n.) Dann werden Kavalkaden und Wettrennen von ganzen Gesellschaften abgehalten, die mir das Wild vertreiben I Ihre Vetansialtung setzt niiii aber allem die Krone aus! Sie machen mit Ihren' Schützenkeiten und mit Ihrem Schießen ja das reinste Kesseltreiben, daS mir ausdrücklich im Pacht- vertrage untetsagt ist. Wenn ein einzelner Mann mir Gewehr und ohne Jagdschein in einer Jagd angetroffen wird, so wird er als Wilddieb verhaftet; ein Komplott ist noch schlimmer!... Augenblicklich können die Junghasen und Rehe noch nicht ordent- lich lausen, und so kam es, daß gestern eine ganze Anzahl Jung- Hasen, die von Ihrer Schützenketie aiifgetrieben wurden, von Hunden ergriffen und getötet wurden.(Folgen Zeugen- angaben.) Sie wären übrigens im Irrtum, wenn Sie behaupteten, es sei in meiner Jagd nicht geschossen worden. ES ist ganz wüst geknallt worden, und dann noch gerade während der Kirchzeit J/i vor 10 Uhr! Ferner nenne ich Ihnen den Land- Wirt Hölschen von der Erbslöher Straße, der bekunden wird, daß Ihre Schützen vor vierzehn Tagen Jungpflanzen in der Schonung der Ro n Sdorfer Anlagen ausgerissen haben! Bei diesen Leuten können Sie auch erfahren, Wie die Bauern übet solche Veranstaltungen denken. Was»un die Religion mit solchem, nach meiner Anficht un- erlaubten Unfugzu tun hat, ist mir unerfindlich,— oder sollte der Feld- gottesdieust ein„Ts dsum laxidamus"(„Herr Gott, Dich loben wir!") für die vielen vernichteten Waldbewohner vor- stellen? Selbsttedend habe ich nicht daran gedacht, einen wirklichen Gottesdienst zu stören, sondern habe nur den Veranstalter der Zusamnieiiroitung vieler hundert Menschen gesucht, um der Sache bald ei» Ende zu machen.— Den Prediger habe ich selbstredend auch nicht für einen echten Pastor gehalten, sondern wie seine Soldaten sür eine Nachahmung. Ihre freundliche Mitteilung, daß eS sich bei diesen Ver- anstaltungen um eins Veredelung der Jugend handelt, war mir wirklich sympathisch, aber es dünkt mich, daß Ihre Soldaten doch gesitteter waren, als wenigstens einer Ihrer Führer, ich meine den Herrn Hauptmann zu Pferde, der sich durch niedrige Schimpfereien und direkte Beleidigungen gegen mich hervortat!" Schließlich schreibt der Jagdpächter dem Führer der Jugenbwehr noch folgendes ins Stammbuch: «Ich bin überzeugt, verehrtester Herr Vorsitzender, daß Sie eS ehrlich mit den jungen Leuten meinen, und da will ich nicht versäumen, Ihnen einen Fingerzeig zu geben, wie Sie rascher zum Ziele kommen, ohne in das Eigentum Dritter einzugreifen: Fragen Sie die jungen Leute, ob sie die Namen der gewöhnlichen einheimischen Waldbäume und Sträucher, der Vögel, Schmetterlinge, Fische, Wassertiere, der giftigen und eßbaren Pilze usw. lenuen?! Ich wette, Sie finden eine pyramidale Unwissenheit. Hier setzen Sie einmal ein, führen Sie die Jugend in Ab- teilungen in die herrliche GotteSnatur, mache» Sie dieselbe auf alles Schöne, Gute und Interessante aufmerksam,— dabei braucht man den Schöpfer des Alls doch nicht zu vergessen. Sie werden sehen, das llappt dann doch ganz anders." Soweit der Herr Fabrikant.— ES ist überfliisstg, seiner Kenn- zeichnung deS Treibens noch ein Wort der Kritik hinzuzufügen. Daß es ausgerechnet ein angesehener bürgerlicher Herr war, dem dieses Abenteuer passieren mußte, gibt der Sache ihren besonderen Reiz. Ob diesen Herrschaften jetzt nicht endlich die Augen aufgehen über den Unfug, an dem sie durch ihre Begönnerung des empörenden Treibens mitschuldig sind? Man stelle sich aber einmal das Geschrei vor. daS in der bürgerlichen Welt losgelassen worden wäre, wenn eine Gruppe der freien Jugendbewegung auch nur de» hundertsten Teil diese? Skandals verübt hätte I Soziales. Neutralität der Genossenschaften. Die Nr. 20 der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" tzeht auf iinseten Artikel in Är. 142 des„Vorwärts":„Zum Genossen- schaftslag" ein. Es ntlßfällt der„Ruiidschau" unsere Darlegung, daß„die Vorstände trotz aller politischen Bedenken, von denen sie gar zu sehr erfüllt sind, die Initiative beim Kampfe gegen die Teuerung hätten ergreifen müssen". Die„Konsumgenossenschaft- liche Rundschau" und das„Konsumgenossenschastliche Volksblatt" hätten doch eine große Reihe Artikel gegen die Teuerung enthalten. Die Artikel der beiden genossenschaftlichen Organe reichen keines- wegs zur Entkräftung unseres Vorivurfs aus. Nicht die Ouanti- tät, sondern die Oualltät macht eS. Durchgängig fehlt den Ar- tileln infolge der Ueberspannung deS Neutralitätsgedankens tzin Eingehen auf die tieferliegenden wirtschaftlichen und politischen Gründe der Teuerung. Ein einfacher Marktbericht spricht auch von der Teuerung; er berührt aber die Gründe der Teuerung nicht. Gerade so steht es mit den Artikeln der Genossenschaftsblätter. Der Aufklärungsarbeit entziehen sie sich. Welche Aktionen hat die Genossenschaft gegen die Teuerung ünternommen? Von Protest- Versammlungen gegen die durch die Zoll- und Steuerpolitik ver- mehrte Teuerung, niit dem Ziel der Aufklärung über die tiefer- liegenden Gründe dieser Politik war im Genossenschaftslager mit ihren 1313 422 Mitgliedern nichts zu spüren. Freilich läßt sich diese Aufklärungsarbeit ohne Darlegung und Bekämpfung der Klassenkampfpolitik nicht verrichten. Da hilft kein Mundspitzen, da müß gepfiffen sein! Die Genossenschaftsbewegung seit Kreuz- nach vetdankt der intensivtüi politischen und gewerkschaftlichen Ar- beit den Haüpterfolg, fürchtet sich aber vor dem Aussprechen dessen, was ist, wie eine alte Jungfer vor den natürlichsten Dingen. Die Gründe, weshalb die Propagandakommission nicht ein- geladen war, wohl aber der konservative Professor Dr. Dade, lauten in dem Artikel der„Rundschau" anders als in der von uns ver- öffentlichten Zuschrift der Berliner Genossenschaftsteitung. Tie Propagandakommission war nach der„Rundschau" nicht eingeladen, weil sonst— alle Propaganbakommissionen Deutschlands hätten eingeladen werden müssen; das verbiete aber die große Zahl ihrer Mitglieder. Ein eigenartiges Argument— fand denn der Kon- sumgcnossenschaftstag in Berlin oder in ganz Teutschland statt? Professor Dt. Tabe sei aus folgendem Grunde eingeladen: Pro- fessor Dr. Tönnics habe auf dem internationalen Genossenschafts- tag in Hamburg die Anregung gegeben, zu Genosscnschaftstagcn vor allen Dingen auch die Nationalökonomen einzuladen. Pro- fessor Dr. Tade sei Professor der Nationalökonomie Und zugleich Generalsekretär de» Deutschen Landwirtschaftsrats, mit dem die Gcilössenschaftsleitung im SchriftenauStausch stehe. Deshalb sei er eingcläbcn. Die Berdiwilligkeit, mit der Herr Professor Dade sein Erscheinen zusagte, lasse auch erkennen, daß er persönlich die tum uns niedriger geyäiigtetl konsümpereiNsfcindlichen Waßnähiiien in Mecklenburg nicht billige, und daß er sicher alles ihm mögliche tun werde,„um seine mecklenburgischen Parteifreunde eines Besse- rcn zu belehren und sie zu einer wenigen unfreundlichen Haltung gegen die Konsuingenpssenschaftsbewegung zu veranlassen." So die „Rundschau". Ihre Darlegungen bezeugen einen unverbesserlichen Illusionismus, der der Genossenschaftsbcwegung nur schädlich sein kann. Weshalb übrigens wurden linlsstehende Nationalökonomen nicht eingeladen?■„ t' „Neutral", wird im Artikel nochmals betont, sc, die Genossen. schaftsbewegung und werde sie bleiben. Diese„Neutralität" ist, so wie sie jetzt von der Genosscn.schastslcltung betätigt wird, im letzten Grunde eine Neutralität gegen links, eine sozialistenfeindliche Neutralität. Dieser Geist macht sich z. B. auch in dem von dem Generalsekretär Kaufmann herausgegebenen„Genossenschaftlichen Liederbuch" breit. Tort finden wir kein einziges Lied, das des Klassenkampfes oder des Arbeiter? als Klassenkämpfers gedenkt, wohl aber unter Nr. 70 folgenden Sang: Schulze-Delitzsch zum GcdächiuiS. Mel.: O Tannenbaum. Der erste Sang, der erste Sang Ertöne laut dein Meister, Der uns gelehrt die rechte Art, Wie im Verein man schafft und spart) Der erste Sang, der erste Sang Ertöne unserm Meister. Er— Schulze-Delitzsch- sprach:„Mein Volk, Du bist auf falschem Wege, So lange Raum du gibst dem Wahn, Daß nur der Staat dir helfen kann, O deutsches Volk, o deutsches Volk, O lern' dich selber regen I Wer dir verspricht, wer dir verspricht Berbesi'rung deiner Lage, Auch ohne, daß du s ch a f f st u n d s p a r st Und sittlich deine Würde wahrst: Der lügt, der Wicht— der lügt, der Wicht. Und mehrt nur Not und Plage. Nein, deutsches Volk, hilf selber dir. Werd' tüchtig, schaff' und spare. Und wo nicht reicht die Einzelkraft, Da schar dich zur Genossenschaft. O deutsches Bolk, hilf selber dir. Werd' tüchtig, schaff' und spare!" So lehrtest, Meister, du dein Volk Den Weg zur Wahrheit finden; So setztest du dein ganzes Sein Für's Wahre, Gute, Schöne ein, Dem Vaterland, dem deutschen Volk Die Wohlfahrt zu begründen. Nun. Brüder, laßt in seinem Geist Nach gleichem Ziel uns streben, Und was man uns auch sonst verspricht, Verlassen nie den Pfad der Pflicht! Des Meisters Geist, des Meisters Geist! Soll in uns weiter leben! ' In der nächsten Auflage wird wohl die„SparagneS" und die „Strampelaiini" in ähnlicher Weise angehimmelt werden. Diese Anführungen genügen wohl, um unsere Genossen zu ver« anlassen, mehr als bisher die Generalversammlungen der Konsum- vereine zu besuchen und dahin zu wirken, daß statt einer ver- schwommenen, irreführenden nnd überhebenden Harmonieduselei sozialistischer Geist die GenossenschaftSbewegung durchwehe. Sericbts- Leitung. Tat im Affekt. Die Verzweiflungstat eines in semen Hoffnuttgen bektSgessen Mannes hatte gestern bor dem Schwurgericht de? Landgerichts b ein Nachspiel. Wegen versuchten Totschlags, Widerstands gegen di« Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung war der B4zährige Nabitzputzer Hermann Ncubert angeklagt. Der Angeklagte, welcher von allen Seiten als ein ordentlicher. fleißiger und solider Mann geschildert wird, hatte im Jahre 1M7 nach übet 20jährigcr Ehe seine Frau verloren. Im Januar v. I. machte er durch ein Heiratsinserat die Bekanntschaft der Händlerin Frau Alwine Gohlke geb. Lamprecht. Ohne zu wissen, daß diese wegen Ehebruchs mit einem Buchhalter Anton Stinn erst kurze Zeit vorher geschieden worden war, ging der Angeklagte mit ihr ein Verlöbnis ein. Nach kurzer Bekanntschaft erzählte die H. ihrem Verlobten, daß sie in der Lage sei, sich durch Ankauf eines Grün» kramgeschüftS in der Linienstraße eine Existenz zu verichaffen. Der Angeklagte ließ sich verleiten, der G. nicht nur seine eigenen Er- sparnisse. sondern auch noch einen Teil der Ersparnisse seiner Kinder zu opfern und der G. insgesamt 2400 Ml. auszuhandigen. Wie sich später ergab, hatte die G. für das Geschäft nicht, wie sie dem Angeklagten angegeben hatte, 2400 M., sondern nur 1300 M. bezahlt. Nachdem der Geschäftskauf perfekt geworden war. trat in den Gefühlen der Frau G. eine merkliche Abkühlung ein. Der Angeklagte erfuhr schließlich noch, wie er vor Gericht bekundete. daß die G. eine sehr zweifelhafte Vergangenheit hat und u. a. wegen Diebstahls zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden war. In einen richtigen Verzweiflungszustand geriet der Angeklagte, als er ferner erfuhr, daß die G. auch während deS Verlöbnisses das Verhältnis mit dem Buchhalter Stinn fortgesetzt hatte. Er wurde hauptsächlich desbalb von Gewissensbissen geplagt, weil er nach seiner Meinung auch das Geld seiner Kinder leichtsinnig aufs Spiel gesetzt hatte. Er trug sich ständig mit Selbstmordgedanken und kaufte sich eine Browningpistole. Eines Tages, nachdem er die G. auf Rückzahlung der geliehenen 2400 M. verklagt hatte. befand er sich in einem dem Gohlkcschen Geschäft gegenüberliegen- den Laden, wo er mit dessen Inhaberin über seine traurigen Er- fahrungen sprach. Als die G, plötzlich in der Tür ihres Ladens erschien, verzerrte sich das Gesicht des Angeklagten, seine Angcn nahmen einen stieren Ausdruck an und plötzlich stürzte er mit dem Revolver in der Hand über die Strasse hinweg in das Geschäft der G. Hier gab er auf die G. zwei Schüsse ab, welche am Unterarm und am Kopf leichtere Verletzungen verursachten. Durch die Schüsse wurde der in der Nähe befindliche Schutzmann Dicball aufmerksam. Als er hinzueiltc, gab Neubert auch auf ihn einen Schuss«b. der ebenfalls nur eine leichtere Verletzung des Beamten zur Folge hatte. Der Schutzmann selbst gab nun aus seiner Dienstpistole auf N. einen Schuß ab. der aber fehl ging. Der Angeklagte wurde schließlich nach heftigem Widerstande überwältigt. Vor Gericht beschränkte Rechtsanwalt Dr. Viktor FrünN die Verteidigung des Angeklagten darauf, nachzuweisen, daß eS sich um eine im Affekt begangene Tat handele, für welche er nicht ver- antwortlich zu machen sei. Die Geschworenen verneinten nach kurzer Beratung sämtliche Echuldfragen, worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Der Spielwarenhändler Ernst Laustbter ist am 14. Oktober vorigen JahreS von der 2. Strafkammer des Göttinger Landgerichts wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an zwei noch nicht schul- Pflichtigen kleine» Mädchen zu 1 Jahre Gefäiiznis verurteilt wor- den. Seine gegen das Urteil eingelegte Revision ist vom Reichs- gericht verworfen worden. Inzwischen gelalig es jedoch dem Ver. urteilten, neues BeweiSmnterial zu erbringen und dadurch Straf- aufschub zu erreichen. Infolge der neuen Ermittelungen ordnete dann die Strafkammer die WIebrrnnfnahmc des Verfahrens an. L. sollte sich gegen die Töchter zweier Familien, die sich einander gar nicht kannten, vergangen haben. Das war von den Kindern bezeugt, der L.sche Laden als Tatort und L. ganz bestimmt al» der Wer bezeichnet worden, der dein einen Kigde ei» Püppchen. dem anderen Kullern geschenkt haben sollte. Nun ist aber inzwi-] Die Zahl der Opfer dürfte auf über 1000 Personen zu schen ein anderer Spielwarenhändler( Nolte) wegen Sittlichkeits- schäßen sein. Der Schaden ist gar nicht abzuschätzen. Die Canada vergehen gegen Kinder ins Ausland geflohen, und das kleine Bacific- Eisenbahn hat den Verkehr eingestellt. den, wie es mit der Puppe im Arm aus dem Nolteschen Laden fommen. Von Spitzbuben erschossen. Gastwirk Kohn in Königshütte ( Oberschlesien), der mit seiner Frau in seiner Gaststube Montag nacht zwei Einbrecher überraschte, ist von einem der Mädchen, das die Puppe geschenkt bekommen hatte, ist gesehen wor- Die letzten, aus Winnipeg eingetroffenen Depeschen be- felben erschossen worden. Der Täter ist unerkannt ent Unwetter in Südyngarn. In Sübungarn richten heftige Una N.schen zu unterscheiden; ja, es hielt sogar den Gerichtsdiener, der große Anzahl der Holzhäuser, die längs der Straßen standen, find wetter neuerdings großen Schaden an. In Verbesa find fast alle heraustam. Jeht weiß das Kind den L.schen Laden nicht von dem siffern den Schaden auf etwa 10 millionen Dollar. Eine große Aehnlichkeit mit dem flüchtigen Spielwarenhändler hat, für einfach weggeblasen worden. An vielen Stellen brach Feuer Stadtteile durch die starken Regengüsse der letzten Tage überden Täter. In dem anderen Falle war die Mutter erregt und aus. Die Hilfsmannschaften sind damit beschäftigt, die Brände zu schwemmt. Durch Blikschlag wurde die Beleuchtungsbesorgt wegen des langen Ausbleibens des Kindes; als es dann löschen und die Trümmer wegzuräumen. Zahlreiche Tote wurden anlage zerstört. In ferbenta find 500 Wohnhäuser durch die geschenkten Kullern zeigte und erzählte, der Ontel" habe es bereits geborgen. Die Hospitäler sind überfüllt. Die Stadt selbst Wassereinbruch unwohnbar geworden. Der Schaden beläuft sich gefüßt, wird wohl dann die Mutter das aus dem Kinde heraus- bietet ein fürchterliches Bild der Verwüstung. Die auf mehrere Millionen. gefragt haben, was vielleicht weiter geschehen sein könnte, und so Telegraphenlinien sind unterbrochen. fam die belastende Aussage des Kindes zustande. Für 2.3 Unschuld sprechend hielt das Gericht, daß er von den Eltern der Kinder zur Rede gestellt, diesen die Tür wies und sagte, er lasse den Verdacht nicht auf sich fiben, und daß er dann voller Entrüstung die Sache unbeteiligten Dritten erzählte. Aus allen diesen Gründen heb das Gericht sein erstes Urteil auf und sprach Laufköter kostenlos frei. Bon neuem beweist dieser Fall die Notwendigkeit der Vorsicht Kinderaussagen gegenüber. Aus aller Welt. Wirbelfturmverbeerungen in Kanada. Hunderte von Toten. Die Auslieferung Stallmanns. Das Londoner Gericht hat Montag die Auslieferung Rudolf Stallmanns, alias Baron b. Korff- König, beschlossen, der beschuldigt wird, in Deutschland beim Rouge et Noir- Spiel betrogen und ferner Wechselbriefe sich in Ein Lenkballon in 800 Meter Höhe explodiert. stimmte Luftschiff Akron" ist am Dienstagmorgen bei ereignete sich Montag auf der Strede Lüttich- Longers. Dort stießen Das zur Ueberfahrt über den Atlantischen Ozean be- betrügerischer Weise verschafft zu haben. Bugzusammenstoß. Ein schweres Eisenbahnunglüc einem Probefluge nahe der Stadt Atlantic City( New awei Büge zusammen, wodurch der eine zur Entgleisung ge Jersey) in einer Höhe von 800 Metern explodiert. Der bracht wurde. 20 Personen wurden teils schwer, teils Ingenieur animan und drei Mann der Be- leichter verlegt. Der Materialschaden ist sehr bedeutend, sagung sind getötet worden. Es wird vermutet, daß die Katastrophe ihre Ursache in der schnellen Ausdehnung des Gases, hervorgerufen durch die Sonnenhite, hat. Das Luftschiff ging in Flammen auf und die Gondel fiel etwa einen Kilometer vom Ufer entfernt wie ein Steinins Wasser. Bisher ist noch keine Leiche aufgefunden worden. Die Explosion war fürchterlich, die Ballonhülle wurde in Feßen gerissen. Dreitausend am Ufer versammelte Personen waren Zeugen der schrecklichen Katastrophe. Zum Eisenbahnunglück in Schleften. *** Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet 2indenstraße 69, vorn vier reppen Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7½ Uhr abends, Sonnabends, bon 4½ bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wits nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsquittung beigefügt t*, werden nicht beantwortet. Ellige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 2. D. 34. Ja. H. 3. Die Sachlage ist recht zweifelhaft. Wir fönnen nicht raten, Klage zu erheben. Unfall. Zum Zwecke der Be schleunigung schreiben Sie an die Berufsgenossenschaft oder sprechen Sie dort vor. O. B. 19. 1. Der 181. bis 302. Tag vor der Geburt des Kindes. 2. Nein. M. 100. Sie können bei dem aufsichtsführenden Richter des Amtsgerichts Beschwerde führen. R. D. 1. Alltäglich bis zur Vermietung, sobald Mietsluftige erscheinen. Joh. Sch. 126. Ja. G. G. 24. Sie haben Anspruch auf Erlaß der Steuer. Der Antrag -wly Die Stadt Regina in Kanada ist am Sonntagnachmittag von einem furchtbaren Unwetter betroffen worden. Ein Wirbelsturm hat den größten Teil der Stadt zerstört. Durch den Einsturz der Häuser wurden Hunderte von Menschen verfchüttet, 3000 Personen wurden obdachlos gemacht. Ueber die Katastrophe werden aus Ottawa folgende Einzelheiten telegraphiert: Es war 4 Uhr nachmittags, als große schwarze Wolken am Himmel heraufgezogen waren. Die Stadt selbst trug ein fest= liches Kleid, denn man feierte gerade den Dominicustag. Um 6 Uhr setzte der Sturm ein und der Zyklon suchte zuerst die Hamiltonstreet und im Osten und Westen die Albertstreet, das Viertel der Banken und Geschäfte, heim. Das Parlamentsgebäude, das im Süden des Wasenasees liegt, wurde fast vollständig niedergerissen. Zahlreiche Personen, die sich auf dem See befanden, ertranten. Kleine Boote, die sich auf dem See bewegten, wurden vom Sturm fortgetragen und in einer Entfernung von einer Meile vom See auf dem Victoriaplah wiedergefunden. Der Zyklon verfolgte dann eine nördliche Richtung und zerstörte das Viertel Aus Boston wird gemeldet: Die Aviatikerin Harriett der Reichen, die 13., 14., 15. und 16. Avenue. Die Verwaltungsgebäude und die großen Kirchen dieser Gegend wurden fast sämt- Quimsby, die an dem hiesigen Flugmeeting teilnahm, stürzte Tich bernichtet, die Schienenstränge der Canada- Pacific- Eisen- mit ihrem Bassagier, einem Herrn Willard, aus 300 Meter bahn aufgerissen. Zwölf große Getreidespeicher stürzten Höhe in die Dorchesterbay. Die Aviatikerin wollte gerade ein und die auf die Bahngleise fallenden Trümmer hemmten den im Gleitfluge landen, als ein heftiger Windsturz den Apparat packte der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Verkehr vollständig. Die Kirchen der Methodisten, Baptisten und und umstürzte. Sowohl Fräulein Quim 36h als auch ihr Presbyterianer, prachtbolle Gebäude, wurden vollständig ger Passagier waren sofort tot. stört. Die Methodistenkirche stürzte mit großem Krach ein. Das Brüllen des Sturms übertönte das Krachen der einstürzenden Gebäude. Das Haus des Vereins christlicher junger Männer und die neue Stadtbibliothet bilden gleichfalls nur noch Trümmerhaufen. Einige fleinere Gebäude wurden vom Sturm bollständig hinweggetragen und die Trümmer in großer Entfernung wiedergefunden. Auch vom Klubhause der Freimaurer ist nichts mehr zu sehen. Wie aus Breslau gemeldet wird, ist das Befinden der bei dem Schmiedefelder Eisenbahnunglück schwer Verletzten den Umständen nach gut, so daß sie mit dem Leben davonkommen dürften. ift att den Vorsitzenden der Veranlagungskommission au richten. Nur bei der Schneiderin Meyer und dem Bureaugehilfen Krause C. 2. 138. Nichten Sie eine Eingabe an die Charlottenburger SteuerM. 73. Ja. P. 2. Ja. 2. S. 23. 1. Ja. 2. An besteht noch Lebensgefahr. Bahnwärter Stante, der das behörde. das Regimentskommando. F. S. 7. 1. Bis zum 21. Lebensjahr, sounglück verschuldete, befindet sich noch auf freiem Fuß. Wie jest weit die Kinder ihren Unterhalt nicht selber verdienen. 2. Ja. 3. Der festgestellt ist, flief Stante, als der Zug mit 75 Kilometer Antrag, für den das Vormundschaftsgericht zuständig ist, erscheint ausGeschwindigkeit Heranbrauste. Er hatte die Schranke überhaupt nicht fichtslos. 4. Es bleibt nur die Stlage übrig. 5. 10 Monate. Steglit 11. Nach der herrschenden Rechtsprechung leider fein ausreichender Grund zur geschlossen.. Lösung, so daß Ihre Schwester verpflichtet erscheint, zurückzukehren. Baterlandslosen Gesellen. Ihr Einkomunen unterliegt nicht der Beschlagnahme. In Haft tönnten Sie bis zur Dauer von 6 Monaten gehalten werden. Die übliche Gidesformel gilt leider auch für Freidenter 2. 9. 88. Die„ Bittoria" hat das formale Recht auf ihrer Seite.- S. G. 195. Nein. Todessturz bei einem Paffagierfluge. Kleine Notizen. Bafferstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Krossen Frankfurt Bom Spiel in den Tod. Montag nachmittag wurden fünf Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren, die im Walde bei Remscheid spielten, von einem Wolfenbruch überrascht und, als sie sich unter eine Brücke flüchteten, von dem anschwellen- warthe, Schrimm Landsberg den Wasser fortgeriffen. Während brei ältere Kinder sich zu retten vermochten, ertranten ein fünfjähriger und ein sechs. Nee, Bordamm Elbe, Leitmerik Dresdent Die ersten Rettungsarbeiten wurden von der berittenen Boliget, lähriger nabe. Arbeiterlos. Auf dem Blechtvalztvert Schulz- Anaubt in deren Kaserne sich zwei Meilen westlich von der Stadt befindet, Hudingen bei Duisburg ereignete fich gestern eine schwere Gas unternommen. Bis jest find 35 Zeichen geborgen worden, doch explosion, wobei ein Arbeiter getötet, einer schwer und liegen unter den Trümmern noch hunderte von Menschen. einer leicht verletzt wurde. Barby Magdeburg Wafferstands- Nachrichten + bedeutet Wuchs, am feit 1. 7. 80. 6. cm cm³) 122+1 -51+4 Wafferstand Saale, Grochlig am feit 1.7. 30.6. cm cm 70+5 Habel, Spandau) 38 +4 78+4 Rathenow) 8 113 118 146 Spree, Spremberg*) 96 Beeskow 78 21 efer, Münden 112 10 8 4 Minden 212 10 Rhein, Marimiliansau 532 5 Kaub 299 14 82 Köln 278 -74 20 Nedar, Heilbrom 47 239 Main, Hanatt 140 190+2 Mosel, Trier Fall.- Unterbegel. poooooOOOOOOOOOOOO COOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO Enorm billige Reise- Kleidung Für Sport, See und Gebirge Reise- Anzug grau, oliv oder bräunlicher Cheviot, 27 hochmodern verarbeitet Reise- Anzug Chevlots oder Kammgarnarten in den 36neuesten Mustern, sehr strapazierfähig Falten- Joppe mit kurzer oder langer Reise- Anzug Hose, oliv oder bräunlicher Cheviot Reise- Anzug Fan- Joppé mit kurzer oder langer Hose, echt engl. Cheviot. Reise- Ulster gestreifte Cheviots in den neuesten Farben, englisch verarbeitet... Ersatz für Maß M. M. 24- M. 45. 27M. 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Frankfurter Straße 20 BERLIN Gegründet 1891 ㅁㅁ 11 Brückenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Bololololololo Der Haupt- Katalog Nr. 44( Neueste Moden) auf Wunsch kostenfrei an 198 TASTIT= 322 Jeglicher Nachdruck verboten. 16 T Bonoloooooooooooooood lood Todes- Anzeigen Sozialdemokratisch. Wahlverein Kreis Niederbarnim Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Johann Jeppsson Scheffelstr. 8 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/13 Die Bezirksleitung. Zentral- Krankenund Sterbekasse der Tischler ( E. H. 3). Zahlstelle Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Johann Jeppsson ( Lichtenberg, Scheffelstr. 8) am 30. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, bon der Halle des Friedhofes der Stadt Lichtenberg in Marzahn aus statt. 184/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschäfts. futscher Ernst Dätweiler am 27. Juni im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofs in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, ber Droschtenführer am Alois Winkler 28. Juni im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 4. Juli, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral- Friedhofes in Friedrichs: felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 65/3 Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Paul König sage ich allen Freunden und Bekannten herzlichen Dank. 23365 Deutscher Bauarbeiter- Verband Zweigverein Berlin. Am 29. Juni starb unser Mitglied, der Maurer Hermann Wolff. am ( Bezirk Süden.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. 140/15 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verivaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Max Honold Neukölln, Emser Str. 112, durch Ertrinken gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. Juli, nachmittags 5%, Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, aus statt. 120/4 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Verband der Buch- und Steindruckerei- Hilfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 30. Juni verstarb nach furzemStrantenlager unser Mitglied Hermann Talman im Alter von 48 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. Juli, nachmittags 5 Uhr, auf dem Französischen Kirchhof, Wollantstraße, statt. 28/1 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Solarbeiterverband, Metallarbeiterverband, Vereinigung der des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Maler u. Lackierer, Verband d. Sattler u. Verband d. Schmiede Am 30. Juni verstarb unser Genosse, der Werkzeugmacher Otto Georgi Guineastr. 35. Ehre seinem Andenken! Donnerstag, den 4. Juli 1912, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17: Große Versammlung Die Beerdigung findet heute aller Arbeiter der Wagen- n. Karosseriefabriken. Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, auf dem städtischen Friedhof, Seestraße Ecke Müllerstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Neukölln. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Max Honold Emfer Straße 112( 15. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Weittwoch, nachmittags 52 Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen Gemeinde Friedhofes, Bappelallee 15/16, aus statt. Rege Beteiligung erspartet Der Vorstand. + Westmanns Trauermagazin Extra- Abteilung 1. Gesch.: Berlin W., MohrenStraße 37a( 2. Haus von der Jerusalemer Straße). II. Gesch.: Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 115( 2. Haus von der Andreasstraße). Sehr gr.Ausw.fert. Kleider, Hüte, Handschuhe, Schleier etc. v. einfachsten bis zum hochelegant. Genre z. äußerst niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: Maßanfertigung in 10 bis 12 Stunden. Schon manche Mutter hat darüber geflagt, daß ihr blutarmes, bleichsüchtiges Kind aus Appetitmangel die kräftigenden Speisen zurückwieś. 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Diskussion. Die Kollegen aller Branchen werden gebeten, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Ferner bitten wir zu be achten, daß in dieser Versammlung die neuen Tarife ausgeben werden, aber nur an die Erschienenen. Rege Beteiligung erwartet Kartell der Organisationen der Wagen- u. Karosseriefabriken Berlins u. Umg. J. 2. W. Siering. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Zwei außerordentliche Mitglieder- Versammlungen mit Frauen Heute Mittwoch, den 3. Juli, abends 8 Uhr, in Süßmilchs Konzertsälen", Berlin N., Bornholmer Str. 7( großer Saal). Tagesordnung: Arbeitskämpfe und Arbeiterbewegung in der Gegenwart." Referent: Gewerkschaftssekretär Genosse Adolf Waschick. 254/14 Morgen, Donnerstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr, in Wolfs Gesellschaftss haus, Neukölln, Kirchhofstraße, Ecke Wipperstraße. Tagesordnung: „ Die Aufgaben der Gewerkschaftsmitglieder in der heutigen Zeit." Referent: Stadtverordneter Genoffe Adolf Ritter. Wir ersuchen unsere Mitglieder, in diesen Versammlungen vollzählig mit ihren Frauen zu erscheinen! Der Vorstand. 1274 WESTMANN Nunbera mohenstr37Gfrankfurterste 115 Venedig Theater und Vergnügungen Schiller- Theater 0.200 Wallner- Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr: Letzte Borstellung vor den Ferien: Hohe Politik. Schwant in 3 Att. v. N. Skowronnet. Ende 10%, Uhr. Anjang 8 Uhr. Wiedereröffnung am 15. Auguft. Schiller- Cheater Charlottenburg. Das Konzert. Lustspiel in 3 Aften von Herm. Bahr. Anfang 8 Uhr. Ende 10% Uhr. Morgen und folgende Tage: Das Konzert. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Friedr. Wilh. Schauspielhaus. Theater in der Königgrätzer Straße Die fer he Susanne. Folies Caprice. Parisiana- Ensemble Anfang 8, Uhr. Abends 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Kleines. Der Unperfhämte. Der DOSE THEATED mit der grünen Krawatte. Königstadt- Kasino, Spezialitäten. Anfang 10 Uhr. Admiralspalast. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW Nr.lZZ. 39. Jahrgang. 2. KnlNe des, Wniirls* Scrlim WksM Mittlvoch. 3. Juli 1912. Partei- Angelegenheiten. Potsdam. Heute Mittwoch, abends 3 Uhr, bei Glaser: Generalversammlung deS WahlvereinS. Abrechnung und Vorstandswahl._ berliner Nachrichten. Für die in Familienpflege untergebrachten Waisenkinder wird die Stadt Berlin fortan ein Höheres Pflegegeld zahlen. Die Pflcgegeldsätze, die bis jetzt galten, waren teils bei der letzten, im Jahre 1002 bewilligten Erhöhung festgesetzt worden, teils stammten sie noch aus einer erheblich früheren Zeit. Die Waisendeputation und der Magistrat sind zu der Ansicht gelangt, daß die meisten der damals festgesetzten Be- träge nicht mehr den heutigen Verhältnissen entsprechen und einer Erhöhung bedürfen. Die dies- bezügliche Vorlage des Magistrats, die von den Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung genehmigt wurde, sagt ausdrücklich, daß den Pflegeeltern durch die Erhöhung kein besonderer Vorteil zugewandt werde. Durch diese Maßregel solle jetzt ebenso wie vor zehn Jahren nur die Preissteigerung ausgeglichen werden, die auf allen Gebieten des Wirt- schaftslebeus eingetreten sei. Wir finden, daß hier die Stadt Berlin der allgemeinen Preissteigerung sehr nachhinkt und erst spät den Pflegeeltern samt Waisenkindern zubilligt, was ihnen längst gebührte. Bei den bisherigen Pflegegeldsätzen bestand zum Teil noch der alte Unterschied zwischen Berlin und seinen Vororten. Nur für Waisenkinder, die die Stadt Berlin in Charlottenburg oder in Köpenick unterbrachte, zahlte sie die gleichen Beträge wie bei Unterbringung in Berlin selber. An Pflegeeltern, die in einem der anderen Vororte wohnten, wurde für Kinder von 3—6 Jahren ein geringerer Betrag als an Einwohner Berlins gezahlt. Eine dritte Gruppe, die eine noch geringere Vergütung erhielt, bildeten die Bewohner der Provinzorte. Für Kinder von 2—3 Jahren und von 6—14 Jahren zahlte ihnen Berlin weniger als den Bewohnern der Vororte. Bei den neuen Pflegegeldsätzen wird zwischen Berlin und seinen Vororten kein Unterschied mehr gemacht, und auch die Provinzorte sind jetzt den Vor- orten fast in allem gleichgestellt.mit Ausnahme nur der Pslegegelder für Mädchen von 3—6 Jahren. Er- höhungen sind nicht für nötig gehalten worden bei den ge- nesenden Säuglingen und bei den gesunden Kindern des ersten Lebensjahres, weil für diese beiden Gruppen schon bisher ein als hoch geltendes Pflegegeld gezahlt wurde. Für alle anderen Altersklassen(mit Ausnahme nur der in Provinz- orten untergebrachten Mädchen von 3—6 Jahren) sind Er- höhungen bewilligt worden, eine besonders große für die Kinder von 1— Istz Jahren, die künftig den Kindern des ersten Lebensjahres völlig gleichgestellt werden, weil sie fast durchweg eine ebenso umständliche Pflege und Wartung erfordern. Die Pflegegeldsätze pro Monat sind nunmehr bei Unter- briugung in Berlin oder in den Vororten oder in der Provinz übereinstimmend die folgenden: für genesende Säuglinge 30 M., im übrigen für Kinder von 0— l'/z Jahren 21 M., von Istz— 2 Jahren 18 M., von 2—3 Jahren 13 M., für Knaben von 3—14 Jahren durchweg 13,30 M., für Mädchen von 3—6 Jahren 12 M.(hier bei Unterbringung in Provinz- orten nur 10,50 M.), von 6—14 Jahren 10,50 M., (in Berlin bis zu 15 Jahren). Es kann auffallen, daß vom dritten Jahre an für Mädchen weniger als für Knaben gezahlt wird und vom sechsten Jahre an die Mädchen in diesem Punkt noch weiter hinter den Knaben zurückstehen müssen. Das erklärt sich ivohl daraus, daß Mädchen in diesen Altersklassen auch für ein geringeres Pflegegeld inimer noch lieber als Knaben in Pflege genommen werden. Die Mädchen brauchen in der Regel weniger Nahrung und können mehr als die Knaben sich den Pflegeeltern schon nützlich machen. In diesen Umständen kommt die Tatsache zum Ausdruck, daß manche Pflegeeltern hauptsächlich deshalb ein Waisenkind nehmen, weil sie es zu allerlei Hilfe- leistungen gebrauchen wollen. Der Magistrat weist in seiner Vorlage darauf hin, daß mit den neuen Pflegcgeldsätzen die Stadt Berlin sich im großen und ganzen denen anschließt, die für Waisenkinder von den Vororten und von dem Landesdirektor der Provinz Brandenburg gezahlt werden. Die Erhöhung ist bei manchen Pflegegeldsätzen, die bisher als besonders dürftig bemängelt werden mußten, verhältnismäßig recht beträchtlich. Beispiels- weise steigt jetzt das Pflegegeld für 6— 14jährige Mädchen, die in der Provinz untergebracht lvcrden, von 7.50 M. auf 10,50 M., für die in der Provinz untergebrachten 2— 3jährigen Kinder von 10,50 M. auf 15 M.. für die 1— Istzjährigen Kinder überall von 15 M. auf 21 M. Nachdem die Stadt- verordnetenversammlung in der vorigen Woche den bean- tragten Erhöhungen zugestimmt hat. gelten sie bereits vom 1. Juli ab._ Die stimmfähigen Bürger Berlins haben im letzten Etatsjahr, vom 1. April 1911 bis zum 31. März 1912, sich ungefähr um ebenso viel wie im vorher- gehenden Etatsjahr vermehrt. Wahrend damals 1 1 899 Stimmfähige hinzukamen, wird diesmal der Zugang mit 11 512 angegeben. Aus dem letzten Jahr hat das Wahlburcau des Magistrats über die regelmäßige Fortschrcibung der Liste stimmfähiger Bürger wieder den üblichen Bericht erstattet, den der Magistrat jetzt bekannt gibt. Dem Bericht entnehmen ivir, daß diesmal durch Erlangung des Stimnisähigkeitsalters sowie durch Zuzug schon Stimmfähiger nach Berlin zusanimen 94 235 Personen hinzukamen und andererseits durch Wegzug oder Tod zusammen 82723 Stimmfähige ausschieden. Der Zugang und auch der Abgang waren geringer als im vorhergehenden Jahr, wo 97 425 Stimmfähige hinzugekommen und 85 526 ans- geschieden waren. Aus den sonstigen Angaben des Berichts ist noch von Interesse, daß im letzten Jahre dem Wahlbureau 67 176 Meldungen über Unterstützte zugingen. Im vorigen Jahre hatte es 69 860 solche Meldungen erhalten, hier ist also endlich mal wieder eine kleine Minderung eingetreten. Wie groß bei Schluß des letzten Etatsjahrcs, am 31. März 1912, die Gesamtzahl der in der Liste stehenden Stimnifähigen war, ist ans dem Bericht, wie üblich, nicht zu ersehen. Die Liste der stimmfähigen Bürger dient als Grundlage für die K 0 m- m u n a l w ä h l e r l i st e. die alljährlich in der zweiten Hälfte des Juli öffentlich zur Prüfung und eventuellen Berichtigung ausgelegt wird. Im vorigen Jahre waren überhaupt 388 123 Personen in die Kommunalwühlerliste gelangt, wovon nach dem Geldsacks-Dreiklassensystem unseres Kom- munalwahlrechts zur ersten Klasse 832 Wähler, zur zweiten Klasse 32 080 Wähler, zur dritten Klasse 355 215 Wähler gehörten._ „Die Großstadtjugend kennt den Wald gar nicht!" Also sprach Generalfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz, der Protektor der natio- nalen Jugendpflege und Begründer des Jungdeutschlandbundes, am Sonntag in Heidelberg auf dem Kongreß des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele. So ganz unrecht hat der Feldmarschall leider nicht. An diesen Verhältnissen wird aber die nationale Jugend- pflege wenig oder nichts ändern. Hat sich Freiherr v. d. Goltz schon mal ernstlich überlegt, weshalb wohl die Großstadtjugend den Wald noch nicht so kennt, wie auch wir eS ans vollstem Herzen wünschen und durch unsere eigene Fugendpflegeaktion erstreben? Die Gründe sind stark sozialer Natur. Sie liegen darin, daß trotz aller gesetz- lichen und sonstigen Bestimmungen über den Kinderschutz immer noch viele Tausende von Großstadtkindern gar nicht die rechte Zeit habe», den Wald zu genießen, weil sie gezwungen sind, zum Unterhalt der Familie mit ihren schwachen und doch noch nicht entbehrlichen Kräften beizutragen. Oder es fehlt an den paar Groschen, um die Kinder in die Wälder zu schicken. Der Feldmarschall wirft eben die gesamte Großstadtjugend in einen Tops und macht keinen Unterschied zwischen der Proletarierjugend und der Jugend aus bürgerlichen Kreisen. Und hat er wirklich einiges Verständnis für die Not der unteren Klasse», so ist er trotz seiner hohen Stellung gar nicht in der Lage, hier grundlegende Aenderungen herbeizuführen. Soweit Arbeiterkinder noch Zeit haben, sich an Waldausflügen zu beteiligen, stehen ihnen unsere Jugendorganisationen zur Verfügung, die die andere Jugend- pflege vollkommen ersetzen. Wir buhlen nicht um die bürgerlichen Kreise, man soll also auch unsere Kreise nicht stören. Bei uns stimmt man im Walde freilich kein theatermäßiges Kriegsgeschrei an, sondern sucht Erholung und Zerstreuung und singt begeistert Volks- und Freiheitslieder, was der„Ertüchtigung" nicht den geringsten Abbruch tut. Recht zeitgemäß ist aber der Hinweis des Feldmarschalls doch. Er bedauert es, daß die Kinder den Wald gar nicht kennen lernen, und muß es miterleben, wie der Großstadtjugend durch die Geld- gelüste des Fiskus ein Stück Wald nach dem andern vor der Nase fortgenommen wird. Freilich hat Herr v. d. Goltz gegen die Waldschlächterei, die seinem Jungdeutschlandbund so gar nicht in den Kram paßt, lebhaft protestiert, aber gegen den geldlüsternen Fiskus ist wohl auch er ohnmächtig. Bemerkenswert ist ferner, daß nach der Erklärung des Generalfeldmarschalls die finanzielle Existenz des Bundes'auf zehn Jahre hinaus gesichert sein soll. Damit scheint die kürzlich genehmigte Jungdeutschland- Lotterie gemeint zu sein. Des aus- drücklichen Hinweises, daß ein gesunder„Patriotismus" entwickelt werden soll, der sich„umsetzt in Liebe zum Landesherrn und in Treue zu Kaiser und Reich", hätte es nicht erst bedurft. Man weiß auch ohnedies, daß die Jungdeutschlandbewegung weiter nichts ist, als unter der Maske der körperlichen Ertüchtigung mit militärischem Vorexerzieren ein großes politisches Wurstschnappen. Rentenempfäugcr unter Polizeiaufsicht. Wegen der beschränkten Räumlichkeiten des Postamts 58 in der Danziger Straße werden die in diesem Bezirk fälligen Invaliden- und Unfallrenten am Monats« ersten in einem Nestaurationssaal von Puhlmanns Theater in der Schönhauser Allee ausgezahlt. Obwohl hierbei alles höchst ruhig und solide zugeht, steht regelmäßig während der Auszahlungsstunden vor der Tür ein Schutzmann. Die verkrüppelten Opfer der Arbeit werden doch nicht etwa revolutionieren? Geht es auf dem Postamt ohne Schutzmann, so ist der Behelmte hier bei Puhlmann auch sehr überflüssig._ An der Erfüllung der Schulpflicht gehindert! In Berlin geht die Sage, daß hier kein Kind auf längere Zeit der Schulpflicht entzogen werden könne. Wir haben einmal einen zu unserer Kenntnis gelangten Fall mitgeteilt, der diesen schönen Glauben bitter zerstörte. Ein schulpflichtiges Kind, das man wegen Epilepsie vom Schulunterricht befreit hatte, war während der Unter- richtszeit in einem fremden Geschäft erwerbstätig. Jetzt erfahren wir einen Fall, der anders liegt, aber uns eigentlich noch wunder- licher dünkt. Diesmal ist es die Schulverwoltung selber, die Anlaß dazu gegeben hat, daß ein noch schulpflichtiges Kind nun schon seit mehreren Monaten keinen Unter- richt mehr genießt. Ein Mädchen, das im August 1899 geboren wurde, also jetzt noch keine 18 Jahre alt ist, besuchte im vergangenen Winter eine Gemeindeschule der Rosenthaler Vorstadt. Gegen das sittliche Ver halten dieser Schülerin scheint das Bedenken sich geregt zu haben, daß sie andere Kinder ungünstig beeinflussen könnte. Uns wird gesagt, das Mädchen habe gegenüber der Großmutter und auch in einer anderen Familie sich Unredlichkeiten zuschulden kommen lassen, die der Schule bekannt wurden. So etwas„passiert in den besten Familien", aber wenn es bei einem Arbciterkinde passiert, dann gilt das als ein Zeichen schlimmer Verwahrlosung. Es wird zu den Akten genommen, und wenn später wieder mal etwas Ungehöriges vorkommt und nun gegen das Kind eingeschritten werden soll, dann spielt auch die frühere Verfehlung noch als„Beweismaterial" ihre Rolle. Ob gegen das Mädchen, um das eS sich hier handelt, noch anderes vor- liegt, entzieht sich unserer Kenntnis. Im übrigen ist diese Frage von geringerer Wichtigkeit gegenüber dem, was allein an der ganzen Angelegenheit die Oeffentlichkeit interessiert. Die Schulverwaltung muß allerdings wohl geglaubt, haben, daß ihr Bedenken gegen das sittliche Verhalten des Mädchens schwerwiegend genug sei. Sie hielt es für nötig, das Kind mitten im Winterhalbjahr aus der Schule zu entfernen. Ende Februar ordnete der Schulinspektor Todenhagen an, daß die damals erst 12(-'zjährige Schülerin entlassen werden solle. Vor versammelter Klasse sagte ihr der Rektor, sie könne nach Hause gehen und dürfe die Schule nicht mehr betreten. Der Schuldiener führte sie der Großmutter zu, bei der sie als elternlose Waise wohnte, und überbrachte den Bescheid, das Kind sei entlassen. Als am anderen Tage die Großmutter— vermutlich in einiger Aufregung, die ja begreiflich wäre— zur Schule ging und um Auskunft ersuchte, wies die Klassenlehrerin sie ab:„Gehen Sie, ich habe mit Ihnen nichts zu tun— ich bin nervös!" Der Rektor- erklärte der Großmutter, daS Kind verderbe ihm die anderen. Die Angehörigen versichern uns, daß niemand ihnen eine Belehrung darüber habe zuteil werden lassen, was sie nun mit dem noch schulpflichtigen Mädchen anfang.en sollten. Wir können nicht wissen, ob das zutrifft oder ob Mitzverständnisfe vorliegen. Tatsache ist aber, daß das Kind, das weiter bei der Großmutter blieb, seitdem keiner anderen Schule zugeführt worden ist und bis auf den heutigen Tag keinen anderen Unterricht erhalten hat. In- zwischen soll zweimal durch Angehörige, wie sie selber aussagen, die Schuldeputation schriftlich gebeten worden sein, diesem Zustand ein Ende zu machen. Sie versichern auf daS bestimmteste, daß niemals eine Antwort gekommen sei. Wenn etwa die Schuldeputation ans den Zuschriften nicht klar ersah, um was es sich handelte, so konnte sie durch Nachfrage sich informieren. Schließlich ging die Großmutter selber nach dem Rathaus, um der Schul- deputation ihre Bitte vorzutragen. Dort wurde in irgend- einem Bureau— sie weiß nicht, ob wirklich bei der Schuldeputation— ihr gesagt, sie müsse doch Bescheid er- halten haben. Sie behauptet, noch bis auf den heutigen Tag habe sie nichts von einem Bescheid gesehen. Das eine steht fest, daß nicht nur von Ende Februar bis zum Schluß des Winterhalbjahres, sondern dann auch vom Beginn des Sommerhalbjahres bis nun in den Juli hinein das Kind jedes Unterrichts entbehrt hat. Dabei ist es ein Kind, das ohnedies in der Schule wenig Erfolg gehabt hat und Ende Februar mit 12t/z Jahren noch in Klasse V saß. Auch das blieb dem aus der Schule ausgeschlossenen Kind ver- sagt, daß es als Ersatz einen Privatunterricht im Hause erhalten hätte, der auf Kosten der Stadt von einem besonderen Lehrer zu er- teilen gewesen wäre. Man versteht nicht, wie so etwas möglich ist! Die Großmutter, die dem Kind die Pflegemutter sein muß, ist jedenfalls ohne Schuld, da sie als einfache Frau sich auf die höhere Einsicht der Schnlverwaltung verlassen zu sollen geglaubt hat. Hatte nicht die Schillverwaltung dafür zu sorgen, daß dem Kind, wenn es aus der Schule ausgeschlossen werden mußte und auch nicht in eine andere Schule aufgenommen werden sollte, in Erfüllung der gesetz- lichen Schulpflicht irgend ein Ersatzunterricht zuteil wurde? Für Kinder, die man wegen Verdachts der Verwahrlosung nicht" in der Schule dulden zu dürfen meinte, ist doch hiermit nicht die Schulpflicht überhaupt aufgehoben! Gerade solche Kinder sollten nicht sich selber überlassen bleiben, sondern um so sorgfältiger vor den Gefahren des Müßigganges bewahrt werden. Ob übrigens gegen das Kind ein Verfahren aus Ueberweisung zur Fürsorgeerziehung beabsichtigt wurde und in- zwischen etwa eingeleitet worden ist, das ist nicht recht klar. Die Großmutter klagt, vor Jahren habe kein Mensch ihr das früh ver- waiste Kind abnehmen wollen. Jetzt aber, wo es ihr bald eine Stütze sein könne, solle es ihr genommen werden. Es scheint aller- dings, daß so etwas im Gange ist,— und das Ende vom Liebe wird ja wohl wieder das sein. Aber auch dann durfte selbstver» ständlich das aus der Schule gewiesene Mädchen nicht ohne Unterricht bleiben, bis es in eine Anstalt gesteckt wird. Die Vermächtnisse des Geheimen Rcgiernngsrats v. Gronow. Wir berichteten kürzlich von dem sonderbaren Testament des vor zwei Jahren in Köslin verstorbenen Verwaltungsdirektors, Ge- Heimen Regierungsrats I. v. Gronow, der der Stadt Berlin letzt- willig 2009 Mark mit der Bestimmung vermacht hat, daß dieses Geld zinsbar anzulegen und die Zinsen so lange zum Kapital zu schlagen seien, bis dieses die Höhe des Betrages der städtischen Schulden erreicht habe. Wie bekannt, hat die Stadt das sonderbare Vermächtnis angenommen. Wie jetzt dazu mitgeteilt wird, hat der- selbe Erblasser auch dem Deutschen Reiche und der Monarchie Preußen je 19 000 M. unter denselben Bedingungen hinterlassen. Auch hier sollen die Zinsen so lange zum Kapital zu schlagen sein, bis dieses den Betrag der Staatsschulden erreicht habe. In seiner Begründung dieser seltsamen Vermächtnisse führt der Testator u. a. aus. daß die Kapitalien von 10 000 M. zu vier Prozent verzinst. zum Beispiel im Laufe von övv Jahren auf mehr als je dreitausend Milliarden anwachsen würden. Uebrigens hat Herr v. Gronow auch dem ersten Garderegiment z. F. in Potsdam, mehreren Städten und der Posener Genossenschaft des Johanniterordens ähnliche Summen vermacht. Gegen das städtische Krematorium an der Gerichts- und Adolf- straße, dessen Pläne im Polizeipräsidium öffentlich ausgelegt Ivaren, sind von mehreren Seiten Einsprüche erhoben worden, welche der Polizeipräsident als unbegründet zurückgewiesen hat. Die Ge- nehmigung zum Weiterbau des Krematoriums konnte trotzdem noch nicht erteilt werden, weil den Beschwerdeführern noch das Recht der Berufung zusteht, über welche der Minister deS Innern zu entscheiden hat. Wie die„Flamme" mitteilt, sind inzwischen die Vor- arbeiten so gefördert worden, daß binnen drei Monaten nach end- gültig erteilter Genehmigung das Berliner Krematorium mit zwei Oefen betriebsfertig dastehen werde. Millionenunterschlagungen werden den Bankiers Leopold Peiser und Max Hirschberg zur Last gelegt, welche die Kommanditgesellschaft Peiser u. Ko. in der Mohrenstratze leiteten. Die beiden Bankiers wurden in Haft genommen. Außer dem verlorenen Kommandit- kapital von 650000 M. sind Passiva in gleicher Höhe vorhanden, denen 2— 300 000 M. Aktiva gegenüberstehen, die aber uneinbringlich sein sollen. � Eine Kindesaussetzung beschäftigt die hiesige Kriminalpolizei. Spielende Kinder fanden gestern nachmittag um 4'/� Uhr auf der ersten Treppenstufe des Haufes Frankfurter Allee 82 ein kleines, un- gefähr 3—4 Wochen altes Mädchen, das jämmerlich schrie. Die Kinder brachten die Kleine zu einer Geschäftsfrau im Hause, die sie an sich nahm und später durch die Revterpolizei nach dem Waisen- hause bringem ließ. Dieselben Kinder, die das Mädchen fanden, sahen kurze Zeit vorher, wie eine ungefähr 20—23 Jahre alte Frau, die sehr mager war, ein mit Sommersprossen bedecktes, eingefallenes Gesicht halte, an dem Kinde sich zu schaffen machte. Später fanden sie dann das Kind allein daliegen. Die Kleine ist bekleidet mit eincin weihen Wickeltuch, einem weißen gestrickten Jäckchen mit roten Bändern, einer weißen Mütze mit ebenfalls roten Bändchen und einem schwarzgrauen Umhang. Die sehr dürftig aussehende Frau hat allem Anschein nach aus Not das Kind ausgesetzt. Bisher gelang es noch nicht, sie zu ermitteln. Ein Muttermörder wurde, wie wir gestern schon kurz unter „Letzte Nachrichten" mitteilten, Montagabend von der Berliner Kri- minalpolizei festgenommen. In der Nacht zum 1. d. M. erschlug der 18 Jahre alte Malergehilfe Josef Dewald seine in Brätz bei Schivicbus wohnende b6 Jahre alte Mutter, raubte 1900 M. und flüchtete zuerst nach Schwiebus und von dort nach Berlin, wo er bei dem Schwager seiner Braut in der Landsberger Allee Unter- schlupf fand. Hier wurde er von der benachrichtigten Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen. Zuerst wurde er nach dem 51. Polizei- revier und dann später nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hier ist der jugendliche Mörder geständig. Mit unglaublicher Kalt- blütigkeit, keinerlei Spuren von Reue zeigend, erzählte er hier die rohen Einzelheiten des schrecklichen Mordes. Dewald hatte erst am 29. v. Mts. in Schwiebus, wo er das Malerhandwerk erlernte, seine Lehrzeit beendet. Er fuhr jetzt nach Brätz wo seine Mutter mit einem älteren Bruder ein Fleischergeschäft betrieb. Nach seiner An- gäbe hat er von der Mutter Geld verlangt, um es einem Freunde zu leihen. Weil diese ihm den verlangten Betrag nicht geben wollte, habe er beschlossen, sie zu ermorden und dann zu berauben. Er ivartete die Zeit ab, bis sein Bruder sich aus der Wohnung cnt- sernt hatte, und schlug nun mit einem Fleischerbeil in bestialischer Weise auf die Frau ein, so daß nicht nur das ganze Bett, sondern auch das Zimmer ganz mit Blut bespritzt war. Ein kleiner Neffe des Mörders schlief während der Tat im Nebenzimmer. AIS der Bursche sein verbrecherisches Werk vollendet hatte, stahl er auS einer Kommode 1900 M. und machte sich damit auf den Weg nach Schwiebus. Hier traf er mit seiner Braut zusammen, die er während feiner Lehrzeit kennen gelernt hatte, und die auch ein Kind von ihm besitzt. Er fühlte sich jedoch hier nicht sicher genug und fuhr mit dem ersten Frühzug nach Berlin. Zncrst kleidete er sich hier vollständig neu ein, kaufte sich auch einige Schmucksachen und suchte dann den Schwager seiner Braut auf. Hier wurde er dann im Laufe des Abends festgenommen. In seinen» Besitze be- fanden sich noch 170S M., den Rest hatte er für die Neuanschaffungen und Schmucksachen ausgegeben. Nach seiner heutigen Bernehmung Groß- Lichterfelde. richter vorgeführt. 8700 und 4700 M. aur Annahme. In geheimer Sigung wurden tommen. Lese: und Diskutiertlub„ Paul Singer". Sihung jeden 1. und 3. Freitag im Monat, abends 8 Uhr, im Lokal des Genossen Karl Bed, Nächste Sigung: Freitag, den 5. Juli. Vortrag. Samariterftraße 17. Lese- und Diskutierklub„ Baumschulenweg". Heute Mittwoch, Gäste willkommen. Baumschulenstr. 14: den 3. Juni, abends 9 Uhr, im Rokal von Erbe, Bortrag. Gäste willkommen. Stationen Barometer Juft 1912. Witterungsübersicht vom 2. Juli 1912. ftand mm ind richtung Windstärke Better Temp. n. T. 5° C.= 4º R. Stationen Barometer stand mm Wind Bunz Windstärke Better Temp. n. T. auf dem Polizeipräsidium wurde der Mörder dem Untersuchungs- Die letzte Gemeindevertretersitung vor den Sommerferien hatte für das Lehrpersonal an der höheren Schule Gehaltszulagen in Höhe fich nur mit wenigen Beratungsgegenständen von größerem Intereffe von 50, 100 und 200 m. bewilligt. Das gestrige Gewitter. Während des gestrigen Gewitters für die Deffentlichkeit zu befassen. Genehmigt wurde der Erlaß Lese- und Diskutierklub„ Südost". Heute Mittwoch, abends hatten die Feuerwehren von Groß- Berlin viel Arbeit zu verrichten. einer Verordnung der Baupolizei, wonach für das an der BietenDie Berliner Feuerwehr allein wurde 25mal burch öffentlichen straße, nahe der Dahlemer Grenze gelegene Gelände der Gruppen 8, Uhr, bei Neidhardt, Görliger Str. 58: Sigung. Bortrag. Gäste will Feuermelder alarmiert, und daneben liefen noch weit über hundert hausbau zugelassen wird. telephonische Meldungen von Ueberschwemmungen ein. Die teleFür die Erweiterung der Gemeindeschule III phonischen Meldungen wurden größtenteils unberücksichtigt gelassen,( Rastanienstraße) wird der erforderliche Betrag von 79 000 m. be denn die Feuerwehr leistet nur dort Hilfe, wo wirkliche Gefahr willigt. Auf die Anfrage des Gemeindevertreters Born, ob auch borliegt. Die Alarme durch Feuermelder erfolgten nach Lychener- ein Aufenthaltsraum für die Kinder während der Pausen vorgesehen straße 26, Usedomstr. 9, Stargarder Str. 17, Schönhauser Allee 126, fei, damit sie in der kalten Jahreszeit sich nicht im Freien aufzu Fröbelstr. 18, Reinickendorfer Str. 36, Dangiger Str. 61, Belforter balten brauchten, erfolgte vom Gemeindebauamt eine nichts weniger Straße 19, Wörther Str. 12, Winsstr. 65, Wilsnader Str. 57, als flare Antwort, aus der nur mit Bestimmtheit zu entnehmen Friedrichstr. 107, Schönhauser Allee 181, Choriner Str. 66, Born- war, daß ein Aeratezimmer vorhanden sei. Ein AufenthaltsHolmer Str. 48, Reinickendorfer Str. 67, Wingstr. 14, nach dem raum für die Kinder erscheint mindestens ebenso notwendig. Bahnhof Weißensee und nach dem Arkonaplah 4. Fast überall waren Keller überschwemmt. An einzelnen Orten stand das Wasser über einen Meter hoch. Am tollsten sah es in der Schönhauser Allee aus. Dort bildete sich bald ein tiefer Fluß, so daß die Straßenbahn den Betrieb einstellen mußte. Die Wagen der Linien 33, 47, 48, 49, 51, 54, 57 mußten über zwei Stunden still liegen bleiben. Die Pferde der Fuhrwerke wateten bis zu den Knien im Wasser. In der Stralsunder Str. 53 war eine Wohnung durch Regenwasser überschwemmt. An der Ede der Friedrich und Karl ftraße war Sturzschluß in einem Straßenbahnmast entstanden. Nach der Gerichtstraße wurde die Wehr gerufen, weil dort ein Mann in die Banke gestürzt war. Die Charlottenburger Feuerwehr wurde nach der Untergrundbahn am Kurfürstendamm Ede Joachimsthaler Straße gerufen, wo der Blib eingeschlagen hatte und infolgebeffen Kurzschluß entstanden war. Die Stichflamme hatte einen Teil der Holzberschalung in Brand gefeßt. Die Gefahr wurde mit dem fleinen Löschgerät beseitigt. In der Kantstr. 109 mußte ein überSchwemmter Steller ausgepumpt werden. Die Schöneberger Feuerwehr wurde nur ein einziges Mal alarmiert, und zwar nach der Wartburgstr. 6, wo vom Dach des Hauses eine Kuppel infolge des Sturmes abgestürzt war. Personen sind hierbei nicht verunglückt. Für den Umbau des Schiller Gymnasiums wurden 12700 M. gefordert und für den Bau einer neuen Kirche an der Friedrichstraße bis zu 200 000 Mart; beide Beträge wurden ohne Debatte bewilligt. Außerhalb der Tagesordnung famen noch zwei dringliche Anträge des Gemeindevertreters Geldermann Der eine verlangt die Bewilligung von Swinemde. 758 Still aur Beratung. Gemeindemitteln zur Veranstaltung von Pro- Hamburg 75862bebedt h enaben Konzerten in ben Bartanlagen am Teltow Berlin fanal. Der Antragsteller machte sich die Begründung seines An- Frantj.a. M. 759 München 760 trages sehr leicht. Wien 758 NW 14 halb bd. 17 paparanda 763 D Betersburg 756 NR 1 moltig 17 Scilly 763 NN 3wolfig 14 Aberdeen 761 M 2 bedeckt 13 Baris 6 heiter 1wollen! 13 5 wollig 13 9 15 6 bededt 11 760282bededt 75929 4 bedeckt 16 Wetterprognose für Mittwoch, den 3. Juli 1912. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit einzelnen Berliner Betterbureau. Regenschauern und meist schwachen südwestlichen Winden. Regenschauern und meist schwachen füdwestlichen Winden. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Bureau: Melchiorftr. 28, part. Engelufer 15: Fernspr.: Ami Norden, 6708. Sektions- Versammlung der Lackierer. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Gustav Lint: Klaffengebilde in der heutigen Gesellschaft. 2. Diskussion. 3. Der Abschluß der Tarifbewegung in den Wagenladierereien der Innungs- und Kleinmeister. 4. Verbandsangelegenheiten. Irgend welch fünstlerisches Interesse machte er nicht geltend. Diese Promenadenkonzerte sollten lediglich stattfinden, um den Zuzug von wohlhabenden Steuerzahlern zu fördern; sie sollen also mit Bauten und Trompeten eingefangen werden. Die Kosten diefes musikalischen Fangversuches werden auf 700 m. veranschlagt. Die Gemeindevertretung berwies die Angelegenheit an eine Kommiffion, die gleichzeitig über die Frage der Erbauung eines Musitpavillons beraten foll. Vielleicht befaßt sich die Kommiffion auch mit dem Bau eines neuen Armenhauses an Stelle des jeßigen, das allen hygienischen Anforderungen Sohn spricht und geradezu eine Schande für den vornehmen Billenort ist. Der zweite Antrag betraf die Stellungnahme der GemeindeEin schwerer Bauunfall, bei dem ein Arbeiter seinen Tod fand, vertretung zu dem neuen Erlaß des Regierungspräfidenten, der fast Fernspr.: Amt Moribble Filiale Berlin Arbeitsnachweis: Rüderstr. 9. ein zweiter lebensgefährlich und mehrere andere leichter verlegt ausnahmslos die Anlegung und ordnungsmäßige Unterhaltung von wurden, ereignete sich gestern früh auf der Baustelle der Untergrund- Borgärten fordert. Dadurch fühlen sich die Hausbesiger in den Donnerstag, 4. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, bahn am Alexanderplatz. Kurz vor dem Schichtwechsel, gegen Geschäftsstraßen in ihren Intereffen gefchädigt und berlangen AB5 Uhr, löfte sich plötzlich auf noch nicht aufgeklärte Weise ein änderung des Erlaffes. Es wurde befchloffen, borerst die Angelegenfchwerer Eisenträger und begrub alvei Arbeiter unter sich. Einer beit in einer gemeinsamen Sigung des Gemeindevorstandes mit dem von ihnen, ein 21 Jahre alter unverheirateter Arbeiter Stojera, erlitt Amtsborsteher zu beraten. fo schwere Verlegungen, daß er im Krankenhause am Friedrichshain, Friedrichsfelde. wohin er sofort gebracht wurde, gleich nach der Aufnahme verschied. Aus der Gemeindevertretung. Die Lorbeeren", die man in Ihm war der Brustkasten völlig eingedrückt. Der ebenfalls anderen Gemeinden auf dem Gebiete der Jugendpflege an 21 Jahre alte ledige Arbeiter Rudolf Krapkat aus der Hagenauer geblich gesammelt hat, haben wohl manchem strebfamem Mitgliede der Straße erlitt einen Bruch des linten Oberschenkels und bedenkliche Gemeindeverwaltung und einigen patriotisch angehauchten EinBrustquetschungen. Der Verlegte wurde zuerst auf der Hilfswache wohnern unseres Ortes die Rube geraubt, bis sie es nun doch erin der Keibelstraße berbunden und dann auch nach dem Krankenhause reicht haben, daß auch hier ein Orisausschus für Jugend- Freitag, den 5. Juli, abends 6%, Uhr, im Englischen Garten, In großzügigen Ausführungen legte am Friedrichshain gebracht. Die anderen Arbeiter fonnten noch Pflege gebildet wurde. rechtzeitig beiseite springen und famen so nur mit geringfügigen Genoffe infetler dar, wie eine Jugendpflege gestaltet sein müsse, wenn sie unsere rückhaltlose Unterstützung finden solle. Hautabschürfungen babon. Sie konnten, als sie um 6 Uhr abgelöst nicht erst nach erfolgter Schulentlassung dürfe unsere Fürsorge wurden, ihre Wohnungen aufsuchen. Wie das Unglück geschehen für das heranwachsende Geschlecht beginnen, sondern müsse bereits aller in der Küchenmöbelbranche beschäftigten beim Säugling anheben. Säuglingsheime, Kindergärten, Ferientolonien feien ein zwingendes Erfordernis unserer Zeit. Alsdann serpflückte er all die schönen Rebensarten über das, was auf diesem Gebiete angeblich bereits geleistet sei. Jugendpflege in unserem inne wolle man eben nicht, sonst wäre das Verhalten der Gemeindeverwaltung unerklärlich, die nicht allein dem Arbeiter die Benutzung der Schulturnhallen verweigere turnverein erschwere, sondern auch der Arbeiterjugend die Veranstaltung ihm auch sonst durch allerlei Schikanen die Existenz eines Goethe- bends und anderer künstlerischer Abende durch eingetragene Genossenschaft mit be- Heideschloß Hohenbinde polizeiliche Eingriffe vereitele. Aus diesem Verhalten gehe flipp und lar hervor, daß es sich im vorliegenden Falle gar nicht um Jugendpflege, sondern vielmehr um die Bekämpfung der pro letarischen Jugendbewegung handle; b. 5. es sollen aus den Steuergroschen der vorwiegend proletarischen Gesamtheit unferes Drtes Mittel für die politischen Bestrebungen einer fleinen Clique aufgewendet werden. Dies aber lehnen wir ganz entschieden ab. Die Vorlage gelangte trotzdem mit großer Mehrheit aur Annahme. konnte, Bedarf noch der Aufklärung. Vom Baugerüft geftürst und schwer verunglückt ist gestern nachmittag gegen 6 Uhr ein 28 Jahre alter Arbeiter Gustab Sellwig. Der Mann war auf dem Neubau der Tierärztlichen Hochschule in der Luisenstraße beschäftigt. Infolge eines Wensehens trat er fehl und fiel von einer Höhe von 6 Meter herab. Hellwig fiel dabei fo unglüdlich, daß er sich einen Oberschenkelbruch und einen Bruch bes rechten Armes sugog. Er wurde sofort nach der gegenüber liegenden Charité gebracht. Auf einer Promenadenbank vergiftet hat sich in der Großen Frankfurter Straße gestern früh ber 81 Jahre alte Kellner Hermann Block, ber bei seiner Mutter, einer Beamtenwitwe in der Großen Frankfurter Straße 127 wohnte. und Alexanderstr. 27e: Kombinierte Versammlung Maler, Auftreicher, Tischler, Maschinenarbeiter usw. Tagesordnung: 1. Die Krankenkaffen in der Reichsversicherungsordnung. Ref.: Arbeiterfekretär Genoffe Ad. Ritter. 2. Branchenangelegenheiten. Bahlreiche Beteiligung erwarten Möbelfabrik ,, Stern" Die Branchenleitungen. schränkter Haftpflicht. Zum Gutenberg". Nachtrag Stadtbahnstation Ertner. Fernruf 293. aur Bilanz ber 31. Dezember 1911. Das Geschäftsguthaben und ebenso Jbyllisch an Wald und Spree gelegen. die Saftſumme 9.55L. verringert. Für Vereine ze. der schönfte Ausflugs. Nahrungsforgen haben bie 18 Jahre alte, aus Lauchstädt gebe affumine haben sich um 60 M. BBL Sommerwohnungen u. Bimmer. Der Vorstand. 23396 ort. Prachtsaal und Halle. Kegel bürtige Arbeiterin Hedwig Martins, die gulegt in ber Dragoner Krüger. Kornetty. bahnen 2c. A. Lehmann. straße 44 wohnte, in den Tod getrieben. Das Mädchen hatte feit wegen Achtung! anderen unternehmens bill. Haben Sie Stoff? einiger Zeit feine Arbeit und konnte daher auch die Miete nicht beIch fertige davon Anzug od. Paletot zahlen. Vor dem Hause Burgstr. 21 sprang das Mädchen in die Spree. Für den schon längst als notwendig erkannten Erweite zu bertaufen. 8u erft. Dber Schöne nach Mass, schick, dauerh. Zutaten Rettungsversuche blieben ohne Erfolg. Bis jetzt gelang es noch nicht, rungsbau der ersten Boitsfhule wurden 190000 Mart weide, Mathildenftr. 9, bei Stegner. von 25 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade 8, 11.( Stadtb. Börs.) gefordert und bewilligt. Es sollen zunächst 18 Klaffen, 1 Zeichen Einen schweren Berlust hat eine angestellte erlitten, der am faal und eine Turnhalle und durch späteren Aufbau eines Dritten Dr. Simmel Sonntag, den 30, Juni, abends 10 Uhr, auf der Städtischen Obergeschoffes weitere sechs lassen geschaffen werden. Das KellerStraßenbahn Warschauer Straße- Danziger Straße, Ecke Schön- geschoß wird ein Brausebab erhalten. Wie ein grausamer Hohn aber Spezial- Arzt hauser Allee ihr gesamtes in einem Rubert eingefchloffenes Monats- mutete es an, daß in der nächsten Vorlage nicht weniger als für Haut- und Harnleiden. gehalt von 120. abbanden tam. Es ist der einzige Befit der 1102000 Mart verlangt und auch bewilligt wurden allerdings Angestellten und wird der eventuelle Finder um Abgabe an M. Holz- aum Bau einer höheren Schule. Greller fann der Klaffenunter Prinzenstr. 41, Moritzat hüter, Gotlandstr. 7, gebeten. fchied wohl faum beleuchtet werden. die Leiche der Ertrunkenen zu finden. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Unsere Genossen hatten seinerzeit beantragt, daß auch Frauen auf dem Gebiete der gemeindlichen Armen- und Waisenpflege hinzugezogen werden möchten. Dem Antrage hat man jezt zwar stattgegeben und für den Ortsteil Friedrichsfelde zwei Frauen und für den Ortsteil Karlshorst eine Frau zugelaffen; aber anstatt unfere Großfeuer. Gestern abend furg nach 6 the fam bier ein neues Vorschläge zu berüdsichtigen und Frauen aus dem Kreise der Großfeuer zum Ausbruch. Es brannte diesmal der Dachstuhl Winderbemittelten zu wählen, hat man dies unter nichtigen Borbes Echaufes Meinetestr. 18-2iegenburgerstraße in wänden abgelehnt. Unferer Armenverwaltung scheint bavot zu grauen, daß einmal von bestorientierter Seite das Elend in boller erheblicher Ausdehnung. Die Feuerwehr rückte mit den 2öschgülgen Größe aufgedeckt wird. aus der Ost- und Südwache an und außerdem erschien ein Löschzug Nachdem die Prinzen- Allee mit Ausnahme der Grundstüde ber Wilmersdorfer Feuerwehr auf der Brandstelle. Der Löschangriff einiger besonders hartnädiger Anlieger verbreitert und auch die etfolgte mit fechs Schlauchleitungen, und von allen Seiten brangen Friedrichstraße dnech bas Zurüdrüden und Aufrichten neuer Zäune Mannschaften gegen den Brandherb vor. Nach kurzer Zeit stürzte ein borteilhafteres Aussehen erhalten hat, wird nun auch die Sturzeder turmartige Aufbau des Daches in sich zufammen, doch konnten Straße eine dem Gesamtbild angepaßte Breite bekommen. Besonders fich die Feuerwehrleute noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der beachtenswert ist dabei, daß sich bie latholische Kirchen Dachstuhl wurde größtenteils ein Staub ber Flammen. Erst nach gemeinde allein weigert, bas erforderliche Straßenland abeinstündiger Löschtätigkeit war die Gefahr beseitigt. Die Hausbewohner vermuten Brandstiftung. Steglih- Friedenan. gutre ten. Einige die Allgemeinheit sicher start intereffierende Punkte wurden leider in geheimer Sigung verhandelt, so bie Gasfrage, der Vergleichsvorschlag mit der Firma Bruch und schließlich auch wieder ein paar Gesuche um Beihilfen an Be Die Gewerkschafts- Unterkommission nahm in ihrer Tegen Sigung amte. Die häufige Wiederkehr berartiger Gesuche erregt wohl allben Bericht des Ausschusses entgegen. Die Tätigkeit der Unter- gemein Befremden, denn sie stellen neben die wiederholten Ge tommission erstreckte sich, wie der Borsigende Genoffe Sagen herbor- haltsaufbefferungen gehalten in der Tat eine recht eigenartige hob, in der Hauptsache auf die Vorbereitung der Wahlen zu den Erscheinung dar. Die Deffentlichkeit wird sich damit noch einfozialpolitischen Institutionen. Die Beteiligung an den Wahlen gehender zu beschäftigen haben. fei für beibe Drte trog eifrigster Propaganda( mit Ausnahme Bernau. ber Friedenauer Gewerbegerichtswahl) eine sehr geringe geDie Stadtverordnetenversammlung gab ihre Zustimmung zu bem wesen. Zur Verschmelzungsfrage der westlichen Krankenkassen finden in den nächsten Tagen Verhandlungen mit den Unterkommissionen mit dem Kommerzienrat b. Friedländer Fuld in Berlin abgeschlossenen ber umliegenden Vororte statt. Bei den Neuwahlen zum Ausschuß Jagdpachtvertrag. Die Pachtsumme beträgt 5550 m. gegen 7000 M. wurde als Vorfißender Genosse Paul Seeliger, als Staffierer im Vorjahre. Der Errichtung einer neuen Lehrerstelle an der Voltswürfe au Verträgen für Kanalisationsprojekte au den Preisen von Die Adresse des Genoffen Seeliger ist Steglig, Alsenstr. 6 IV. dicht am 10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4 Zigarren- W. Herbst Fabriken gegr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. BERLINSW., Ritterstr. 83 Erstklassige Ware. 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