Nr. 133. flbonnementS'RedtngDftgfll: Abonnements■ Preis vrSnumeranda: Bierteljährl. Z,Zll Mk.. monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg, Sonntags- nummcr mit Mustricrter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Wonnemcnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Ccflcrteich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemarch Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Ruiiiänicn, Schweden und die Schweiz. ÖWKlnt täalld) außer lilcntags. T** Derlinev Volksblcrkk. 89. Jahtsg. Die Tnfertions'Gebflbr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. Kleine Hnxeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 16 Buch- itaben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdemohral RtrUD". Zentralorgan der rozialdcmokrati fehen parte! Dcutfchlands. Redaktion: SRI. 68. Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Donnerstag, den 4. Jnli 1918. Expedition: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. eine gerechtere Verteilung der Lasten auf die Schultern der Begüterten zugunsten der gering bemittelten Bevölkerung." Man begreift, daß die„Nordd. Allgem. Ztg." auf diese Stellen zweier Fachmänner nicht eingehen konnte. Sie der- schwieg diese gegen die geheiligten Interessen der all- mächtigen Agrarier verstoßenden ketzerischen Auslassungen. Aber der preußische Minister des Innern versandte an die Stadtverwaltungen diese Vorträge als Anregungen zu weiteren Nachforschungen über die Ursachen des Geburtenrückganges und über die eventuellen Maßnahmen dagegen. Damit hat die kleine Broschüre gewissermaßen einen amtlichen Aufdruck erhalten. Und in Preußen mag es schon ein gewisser Fort- schritt sein, wenn in einer amtlich gezeichneten und ministeriell verteilten Schrift den„unersättlichen und geldgierigen Agra- riern" wenigstens andeutungsweise ihre schweren Sünden gegen das Volk vorgehalten werden. Geburtenrückgang und Hgrar- Politik. Der durch die Statistik festgestellte Geburtenrückgang in Preußen hat auch in Parteikreisen ein derartiges Aufsehen erregt, daß uns außer dem Leitartikel in Nr. 148 noch einige weitere Zuschriften zu- gegangen sind. Sie sämtlich zu veröffentlichen, geht nicht an; nur dem nachfolgenden Artikel glaubten wir, da er neues Material bei- bringt, die Aufnahme nicht versagen zu sollen: Die feststehende Tatsache, daß auch in Deutschland die Zeit nicht mehr allzu fern ist, in der anstatt ein Bevölkerungs- zuwachs ein Stillstand und vielleicht schließlich ein Rückschritt in der Einwohnerzahl eintritt, hat in der letzten Zeit zu weit- ausholenden Erörterungen in den Kreisen ärztlicher, Volks- wirtschaftlicher und militärischer Sachverständiger geführt. Schließlich erging sogar ein Erlaß des preußischen Ministeriums des Innern an die Regierungspräsidenten, in dem diese an- gewiesen wurden, die ihnen geeignet erscheinenden Behörden, insbesondere die Verwaltungen der größeren Städte für diese Frage zu interessieren und sie zu Erhebungen über die Ur- fachen der seit dem Jahre 1876 ständig zurückgehenden Ge- burtenzahlcn zu veranlassen. Der Erlaß führte nun zu einer erneuten Erörterung dieser Frage in der Presse, wobei in den bürgerlichen Blättern teilweise recht kuriose Gründe für den Geburtenrückgang an- geführt und nicht minder sonderbare Hilfsmaßnahmen vor- geschlagen wurden. Allen Albernheiten darin schoß natürlich die„Post" wieder den Vogel ab, die nicht allein die moderne Frauenbewegung und die organisierte Mutterschutzbewegung für diese Erscheinungen verantwortlich machte, sondern die auch bei dieser ernsten Gelegenheit allerlei ungereimten Faseleien über die„freie Liebe" Raum gab. um dann schließlich den Haupt- arund für den Geburtenrückgang in der immer weiter im Volk überhand nehmenden Jrreligiösität und— in der steigenden Ausdehnung der Sozialdemokratie zu erkennen. Anderer Ansicht ist die„Rheinisch-Wcstf. Ztg.", die in dem Mangel einer genügenden Kolonialpolitik die Triebkräfte zur Einschränkung der Geburten erblickt.— Etwas ernster betrachten einige andere bürgerliche Blätter diese Frage. Sie weisen auf die Frauenarbeit, die Wohnungsverhältnisse für die ärmere Bevölkerung in den Städten hin, ferner auch auf die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, die sich in der Teuerung der notwendigsten Lebens- und Bedarfsmittel geltend machen, hin. Selbst die„Nordd. Allgem. Ztg." konnte sich der Nichtig- keit und Bedeutung dieser Schlußfolgerung, daß ungünstige Wirtschaftsverhältnisse auf die Geburtenzahlen unheüvoll ein- wirken müssen, nicht ganz entziehen. Aber in äußerst vor- sichtiger Weise deutet das Kanzlerblatt diesen Zusammenhang nur schüchtern an, indem es zugibt, daß das Problem des Geburtenrückganges in erster Linie ein solcher sozialer und nicht physiologischer Art sei. Damit soll dem deutschen Volk der Trost gespendet toerdcn, daß es nicht etiva auf den Gedanken komme, es würde mit ihm so werden wie mit dem französischen Volke, für das man den Bevölkerungsrückgang einsach auf das körpcr- liche Unvermögen der französischen Frauen und Männer zurückführt. Aber eigentümlicherweise geht die„Nordd. Allg. Ztg." auf die näheren sozialen Ursachen des Geburtcnrück- gangs nicht ein. Sie begnügt sich mit einigen Allgemein- bemerkungen, aus denen hervorgeht, daß nach dem offiziösen Regierungsblatt diese sozialen Ursachen weniger in einer wirt- schaftlichen Not des Volkes als in einer zu großen Wohl- habenhcit desselben zu suchen sind. Denn, so heißt es in dem Reichskauzlerblatt:„Man hat ein soziales Gesetz formuliert, wonach steigender Wohlstand von sinkenden Gcburtsziffern be- gleitet ist." Demnach wäre also die Unterbindung der Volks- Vermehrung kein Anzeichen von sozialen schlechten Verhältnissen, sondern von außerordentlich zufriedenstellenden Zuständen? Das möchte die„Nordd. Allg. Ztg." auch wiederum nicht zu- geben, und deswegen weist sie auf die Wohnungsnot, auf die Abwanderung der Bevölkerung vom Lande in die Stadt hin. Sie fordert zur Abhilfe, neben gesetzlichen Maßnahmen gegen die künstliche Einschränkung der Fortpflanzung, innere Kolonisation, Förderung der Gartenstadtbewegung, gemein- nützigcs Bauwesen, Ausbildung der Verkehrsmittel und an- deres mehr. Dinge, über die sich gewiß reden läßt, die aber doch die Sache im Grunde so wenig treffen, wie gesetzliche Bestimniungen gegen die Bemühungen, die Kinderzahl einzu- schränken, einen Erfolg haben werden. Darauf wurde von unserer Seite schon bei der Beratung des Kurpfuschergesetzes, das den vorigen Reichstag in erster Lesung und dann ein Paar Wochen hindurch in der Kommission beschäfttgte, hingewiesen. Will man den Geburten- rückgang aufhalten, dann muß man zu anderen Mitteln greifen. Und auf diese wurde in der sozialdemokrasischen Presse mit allem Nachdruck hingewiesen. Wir heben nur einige der wichtigsten davon hervor: Ausreichenden Schutz bei der Frauen- und Mädchenarbcit. überhaupt eine wirksame Arbeiter- schutzpolitik, ferner eine durchgreifende gesunde Wohnungs- reform? Und nicht zum mindesten: Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft: einmal durch die Erhöhung der Löhne, zum anderen durch eine V e r- billigung der Lebensmittel. Aber gerade gegen die letztere Forderung wird sich die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mit allem Nachdruck wenden. Sie muß das tun, um es mit den Agrariern nicht zu verderben. Und so lange das heutige agrarisch abgestimmte Regiment im Reich besteht, wird kaum an die Beschreitung dieses Weges zu denken sein, trotzdem Fachleute, vor allen Dingen auch medizinische Sachverständige, selbst solche, die von der preußischen Regierung auf dem Gebiete der Be- obachtung der Bevölkerungsbewegung als Autoritäten an- erkannt sind, diese Forderung stellen. Wir weisen dafür nur auf zwei Beispiele, die sehr interessant sind, hin. Am 25. Oktober 1911 tagte die erweiterte wissenschaftliche Deputation für das preußische Medizinalwesen. Unter Hinzu- ziehung von außerordentlich gewählten Vertretern der Aerzte- kammern beschäftigte sich die Deputation auch mit folgender Frage:„Sind Anzeichen dafür vorhanden, daß bei der ständigen Abnahme der Geburtenziffer in Preußen und Deutschland eine Verminderung der Fortpflanzungssähigkeit als Ursache mitwirkt? Welche Maßnahmen erscheinen im Falle der Be- jahung der Frage geeignet, diesem Uebelstand entgegen- zuwirken?" Als Referenten dafür waren berufen der Geh. Ober- medizinalrat a. D. Dr. Pistor und Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr: Dietrich. Beide wiesen auf den Ernst der Lage hin und empfahlen, da die Frage noch der wissenschaftlichen Klänmg bedarf, fortlaufende amtliche Erhebungen, so vor allen Dingen über die Geburtsverhältnisse der verschiedenen Schichten der Bevölkerung. Nun kann an dieser Stelle auf die Einzelheiten der beiden Vorträge nicht eingegangen oder hervorgehoben werden, welchen Umständen diese beiden Aerzte den Geburtenrückgang zuschreiben. Wer sich besonders dafür interessiert, mag die Referate, die im Druck erschienen sind*), durchlesen. Uns ge- nügt es, auf einen Punkt in den beiden Vorträgen hinzu- weisen, um damit die recht lückenhaften Andeutungen und Vermutungen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ein wenig zu ergänzen. Da weisen Dietrich wie auch Pister auf einige Ursachen für den Rückgang der Geburten hin, über die zu reden den Agrariern sicher nicht angenehm sein dürfte. Dietrich nimmt Bezug auf die in ländlichen Bezirken herrschende Unterernährung, die eintrete„infolge des Wegschaffens der guten Milch in die Molkereien, Käsereien und in die Groß- städte". Er beruft sich dabei auf Effler, Baden, Bach- mann und Kaup, von denen der letztere annimmt, daß durch die verringerte Eiweiß- und Fettnahrung bereits die schwangeren Frauen in ihrer Gesundheit geschädigt werden und hierdurch das Kind im Mutterleibe keine normale EntWickelung mehr nehmen könnte". Und Dietrich sagt dann weiter(Seite 55): „Für Preußen wurde das Vorhandensein der Unterernährung nur für einzelne Bezirke zugegeben. Trotzdem mehren sich die Stimmen, welche behaupten, daß auch in Preußen die Ernährung auf dem Lande infolge einer ungesunden Milchwirtschaft allgemein nicht mehr ausreiche." Dann Seite 57:„Eine wichtige Maßregel zur Bekämpfung des Geburtenrückganges ist die Bekämpfung der Landflucht. Gelingt es, das Land- leben den Bewohnern schmackhaft zu machen und schmack- Haft zu erhalten, so wird die Abwanderung vom Lande zur Stadt allmählich nachlassen und damit zugleich die Zunahme der Unfruchtbarkeit verlangsamt werden." Aber viel unverblümter als Dietrich spricht Pistor seine Meinung über die Folgen der Agrarpolitik aus. Er sagt, indem er eine Reihe von mutmaßlichen Ursachen für den Geburtenrückgang angeführt hat, auf Seite 25 wörtlich: „Diese Gründe wachsen mit der immer zunehmenden Ver- teuerung der Lebensführung, welche zum großen Teil durch die überwiegend im Interesse der unersättlichen und geldgierigen Agrarier ins Leben getretene Gesetzgebung unaushaltsam st eigen. Mit der Ver- teuerung der notwendigsten Lebensmittel, an der in g e- r i n g e m Matze auch der Zwischenhandel mitwirkt, steigen folge- richtig die Arbeitslöhne und damit die Preise der notwendigen Gebrauchsgegenstände, wie jeder einsichtsvolle Mensch bei ver- ständnisvoller Beobachtung des Lebens der Unbemittelten erkennen kann und mutz." In Konsequenz dieser Auffassung stellt Pistor dann auch an die Spitze seiner Forderungen in bezug auf staatliche Maßregeln gegen die Verminderung der Geburtenziffer fol- gendes Verlangen: „Derartige Matznahmen mützten in großzügigen Durch- führungen der Bodenreform, der Wohnungs- und Verkehrsver- hältuisse, in Herabsetzung der Zölle auf die wich- iigsten und unentbehrlichsten Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände(Zündhölzer), kurz in einer Aenderung der agrarischen Gesetzgebung zu- gunsten der Gesamtbevöllerung im allgemeinen bestehen."(Seite 28.) Und auf Seite 29 fordert Pistor noch etwas, was den Junkern und ihren Freunden, Handlangern und Beschützern gar nicht gefallen wird: „Die erste Aufgabe für den Staat, um auch der bei uns mehr und mehr Eingang findenden geivolltcn Kinderverminderung entgegenzuwirken, daS Cstorum conseo der StaatSweiSheit bleibt ") Sonderabdruck aus der VierteljahrSschnft für gerichtliche Medizin und öffentliches SanitätSwcsen, 3. Folge XI�UI. 1. Suppl. L. (Verl. Auaust Hirschwald, Berlin.) fltißeiwäeittllchei' Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Brüssel, 30. Juni.(Eig. Ber.) Nachmittagssitzung. Die Gcneralstreikdebatte. Der Deputierte H u b i n entwickelt folgenden Gedanken- gang in seiner Rede: Der Kampf für das Wahlrecht wird aller Voraussicht nach äußerst hart sein. Wird der Generalstreik zum Ziele führen? Er glaubt es nicht. Die These des Vorstandes leidet an einem Widerspruch. Ein Generalstreik von einigen Wochen hat keine Aussicht, friedlich zu bleiben, und darum mutz der Generalstreik in der vorgeschlagenen Form zu Unheil, zu Massakers führen. Alle Worte, den Frieden zu wahren, würden an den Tatsachen scheitern. Die Arbeiter aber zu einer Füsilade zu führen, wäre ein Verbrechen. Entweder verzichten wir auf die Insurrektion und bleiben auf gesetzlichem Wege für das Wahlrecht, oder wir verlassen die Gesetzlichkeit und gehen konsequenterweise dahin, die Arbeiter nicht wehrlos hinschlachten zu lassen. Hätten wir die Disziplin der Armeen, wäre vielleicht ein vollkommener friedlicher Generalstreik möglich. Der Generalstreik auf Wochen wäre sicheres Elend für die Arbeiterschaft. Denn die Regierung und die Kapitalisten können warten. Die letzteren würden sich nachher, zumal die Gewcrk- schaften geschwächt, widerstandslos wären, an den Löhnen der Ar- beiter schadlos halten. Beide aber, Regierung und Unternehmer- tum, werden vor dem gesetzlichen Generalstreik nicht zurückweichen. Aber es gibt bielleicht ein Drittes, meint Hubin, wenn der fried- liche und der ungesetzliche Streik zu verwerfen sind. Das wäre die Taktik der intermittierenden, periodischen Streiks, die man anfängt und beendet nach Gutdünken, und die trotz kurzer Dauer nichtsdestoweniger die Industrie mit argem Schrecken heimsuchen würden, die Produktion desorganisieren und in Verlegenheit brächten. Der grotze Generalstreik bis zur Erschöpfung, bis ans Ende geführt, würde nur bis zur Beratung der Verfassungs- rcvision führen. Und nachher müßte noch ein zweites-, vielleicht ein drittesmal der große' Generalstreik einsetzen, um bis zur Er- ringung des Wahlrechts zu führen. Es ist auch nicht auf die Hilfe der Bourgeoisie zu rechnen, so wenig wie auf die Demokratie in der Politik. Hubin kommt zu dem Schluß: Entweder den General- streik bis zu Ende, aber mit vollem Bewußtsein, wohin er führt, oder die intermittierenden Streiks, um auf diese Weise die kapitalisti- schen Interessen zu gefährden. Jedenfalls will Hubin nicht die Verantwortung für eine Taktik übernehmen: die nach ihm auf dem Widerspruch fußt: Bis zu Ende gehen und in der Gesetzlich- keit bleiben. Der Kongreß einigt sich, je zwei Generalrcdner für die zwei Haupttendenzen in der Generalstreikfrage, die in den Resolutionen von Charleroi und des Vorstandes niedergelegt sind, sprechen zu lassen, damit nicht durch ein in den späten Abend fallendes Votum ein Teil der Delegierten, der abreisen mutz, verhindert wird, am Votum teilzunehmen. Zu Generalrednern sind gewählt: Ernest und D e st r e e für die Resolution von Charleroi, de Brouckcre und A n s e e l e für die These des Vorstandes. E r n e st verteidigt die in der Resolution von Charleroi nieder» gelegte Auffassung, mit dem Streik im Juli einzusetzen. Er ver- wahrt sich dagegen, daß diese Taktik vom Vorstand als Wahnsinn bezeichnet jvird. Die Föderation von Charleroi hält dafür, daß allein der sofort einsetzende Generalstreik zum Ziel führen kann. Und nicht die Führer, sondern die Arbeiterklasse selbst ist es, die den Streik will. Er beruft sich auf eine Rede Vandcrvcldes, der gesagt haben soll: wenn das Kartell nicht den Sieg bezw. das Wahlrecht bringt, hat das Volk das Wort.(Vandervclde bestreitet in einem Zwischenruf, dergleichen gesagt zu haben.) Der Streik war am Tage nach dem Wahlresultat ausgebrochen— er war verfehlt, denn die Kammer tagte nicht. Aber das Proletariat von Charleroi ist nun bereit, zu marschieren an dem Tage, an dem die Regie- rung die Zulassung der Verfassungsrevision zur Tagesordnung ver- weigert. Und jetzt, in der fieberhaften Leidenschaft, will man den Arbeitern sagen: wartet... Ten Generalstreik vertagen, heißt ihn aufgeben. Ernest wendet sich gegen die Taktik des„Pcuple": für alle Fälle am friedlichen Streik festzuhalten. Aber wenn man das Volk zur Schlachtbank führt? Opfer wird es in jedem Fall geben; man kann Straßendemonstrationen in solchen Zeiten nicht vermeiden. Mögen sich die Opfer wenigstens verteidigen. Ernest tritt dann für den sogenannten administrativen Streik ein, den Streik der Gemeinde- und Provinzialräte, Streik der Parlamentarier,,, Ernest meint Mar. man könnte die„Garde Cibique"(die Bürger- wehr), wenn nicht gar das Militär, zum Streiken dringen... Ernest möchte schließlich warnen, den Enthusiasmus und den Schwung der Arbeiterbevölkerung von Charleroi. die stets ihre sozia- listische Pflicht getan habe, zu mißachten und ihren M!ut zu brechen. De Brouckere: Man wird nicht mehr vom Wahlkartell sprechen— verfallen wir aber nicht in die neue Illusion eines General st rei kkartells.— Kein schlimmerer Wahnsinn könnte uns passieren, als bei einem Generalstreik auf die Hilfe der liberalen Industriellen zu zählen. Helfen sie uns, gut. Aber es ist klüger, nicht damit zu rechnen.— Ebenfalls muß gesagt werden, daß die Regierung nicht so leicht nachgeben wird. Folgen wir aber der Parole des Vorstandes, o r g a n i- s i e r e n wir den Generalstreik, bereiten wir ihn vor. Machen wir ihn nicht zu früh!(Destree ruft: Nicht zu spät!)j Gewiß wird man nicht dahinkommen, durch gewerkschaftliche Einnahmen alle Streikenden zu unterstützen. In der Tat müßte man 18 Jahre jede Woche S0 Centimes einzahlen, um dahin zu ge- langen, 500 000 Streikende mit 2,50 Franks pro Woche zu ent- schädigen... Aber wenn diese Summen nicht zu beschaffen sind, muß vorgesorgt werden, daß die Unglücklichsten, Bedürftigsten ent- schädigt werden. Wenn in einer Werkstatt 10 Proz. dem Schlimmsten preisgegeben sind, ist der Streik verloren. Kann man diese 10 Proz. wenigstens vor Hunger schützen, ist der Streik gewonnen. Dennoch brauchen wir Geld, viel Geld... Auch gilt es die Geister zu bearbeiten, vorzubereiten und auch in diesem Sinne ist uns Zeit notwendig, damit wir durch sechs Wochen einen Generalstreik mit 500 000 Mann halten können. Dann ist das Wahlrecht ge- sichert.— Gegen Hubin polemisierend, repliziert de Brouckere. daß die Bourgeoisie, wenn es gelingt, ihr klar zu machen, daß sie keine Ruhe haben wird, ehe nicht das Wahlrecht triumphiert, einsehen wird, daß es profitabler ist, dem Volke sein Recht zu geben. Schon die Tatsache der Organisierung des Streiks nähert uns dem Ziel... Sie wird ihre Rückwirkung auf das Wirtschaft- liche Leben zuverlässig ausüben. l Daß die sozialistischen Parlamentarier nicht streiken können, wie von einer Seite vorgeschlagen wurde, ist klar. Wie sollten sie denn dann Obstruktion machen?— Was die Taktik der intermittierenden Streiks betrifft, so wende er sich nur an die Gewerkschaftssckretäre, die sagen werden, ob solche periodische Streiks möglich sind. Man weiß noch vom letzten Streik aus der ersten Juniwoche, was es heißt, die Streiken- den zur Arbeitsaufnahme zu veranlassen. Zum Punkt: der Streik muß friedlich sein, sagt der Red- ner folgendes: Wenn die Arbeiter waffenlos sind, kann es zum Ge- metzel kommen; bewaffnete Arbeiter führen zur Schlächterei.— Unsere Pflicht ist es, die Arbeiter vor einem Weg ohne Ausgang zu bewahren.— Sorgen wir auch, daß die Provokateure nicht unser Werk zu Schaden bringen und lassen wir mit ihnen nicht ein Ferment der Demoralisation in unsere Reihen dringen.— Was den Zeitpunkt zum Losgehen betrifft, äußert der Redner: Am 0. Juli beginnt die außerordentliche Session. Die Regierung kann sie schließen, wenn es ihr beliebt. Es wäre dieselbe Situation, wie am 2. Juni, wenn nicht schlimmer. Der � früheste Moment wäre die nachfolgende Session. Denn alle Welt ist sich darüber klar, daß der Generalstreik mit einer parlamentarischen Situation zusammentreffen muß. Die reine Vernunft zeigt demnach, daß die Bewegung logischerweise nicht vor November einsetzen kann. Aber wir dürfen sie erst zum Ausbruch bringen, wenn wir bereit sind, wenn der Moment uns gm günstigsten scheint. Indes mag die vom Erfolg trunkene Re- gierung neue Fehler häufen, Arbeiten wir an unserer antimilita- ristischen Propaganda zur Entwaffnung der Regierung. Benutzen wir den Winter zur Stärkung unserer gewerkschaftlichen Armee, zur Verbreitung des antimilitaristischen Geistes. Es gehört gewiß Mut dazu, der Ungeduld entgegenzutreten. Aber der wahre Wage- mut ist von Dauer und nicht durch einige Monate des Wartens zu brechen.— 1 1 Destree, Interpret der Föderation von Charleroi, erklärt bon vornherein seinen Gegensatz zur Taktik des Vorstandes und Vanderveldes. Niemals waren die Umstände günstiger, unfern Willen dem Lande aufzuzwingen. Man kann heute nicht, mehr, wie sonst immer in mißlichen Lagen, zum Volke sagen: Macht Wahl- Propaganda. Der Weg ist verrammelt durch die sophistische Ver- hältniswahl. Wir müssen daher die Ungeduld und die Volks- cmpörung ausnützen. Der glatte Weg des Gesetzes ist uns durch die offizielle Korruption verschlossen. Wir müssen uns mitten durch unseren Weg wählen. Der Masseninstinkt hat mit sicherem Gefühl den Generalstreik erwählt. Ich wiederhole, sagte Destree, machen wir ihn nicht zu spät. Diese allzu„wissenschaftliche" Vor- bereitung des Streiks könnte einem Furcht einjagem Die sogiali- stische Masse wird die übrigen Arbeiter zu sich hinüberziehen. Besser wäre, auf den Streik zu verzichten, wenn gewartet werden soll, bis wir so stark sind, daß der Erfolg sicher ish Denn dann wird er überflüssig sein. Nicht die wissenschaftliche Tiftelei, die Flamme der Begeisterung, die feurige Hingabe, der Wille an den Sieg allein entscheiden. Man sagt: Keinen Streik mit festem Datum. Wie soll man aber eine Bewegung ins Werk setzen, wenn man nicht, weiß, wann sie sich kundtun soll? Seien wir ausrichtig. Wenn wir den Generalstreik votieren mit der Absicht, ihn in einem Jahr oder noch später zu machen, votieren wir ihn lieber gar nicht. Charleroi ist bereit für Juli, es bleibt bereit für November. Aus Liebe zur Parteieinigkeit wollen wir, wenn nötig, sechs Monate warten.— Die Oeffenilichkcit aber möge zur Kenntnis nehmen, daß allen „Beruhigungen" hier zum Trotz die Massen mit unverminderter ' Energie und Begeisterung harren. A n s e e l e versichert, daß auch das vlämische Volk dem General- streik zustimmt und seine Vorbereitungen trifft. Alle Gewerkschaften und sonstigen sozialistischen Organisationen, Flanderns haben im Prinzip dem Generalstreik zugestimmt. Wir haben auch be- schlössen, daß kein organisierter vlämischer Arbeiter in den ersten 14 Tagen eine Unterstützung nehmen wird. Ist in den beiden flan- drischen Probinzen, wo die Unternehmer ausnahmslos gegen die Arbeiter sind, die Situation ungleich schlechter wie etwa im Henne- gau, so werden, die vlämischen Arbeiter nichtsdestoweniger mittun und' alle Opfer bringen. Aber man kann nicht glauben, daß man mit ein paar Tagen Streik das Wahlrecht heimtragen wird. Es war 1902 unmöglich und wird 1912 nicht möglicher sein. Um den Generalstreik siegreich zu machen, müssen wir 500 000 bis 600 000 Mann für einen mindestens sechswöchentlichen Streik haben. Es ist unrichtig zu sagen, den, Streik vertagen, heißt ihm entsagen. Hat man nicht oft genug wirtschaftliche Streiks vertagt, weil der SMment nicht günstig war? Wir verlangen bloß, daß gewartet wird, bis auch wir bereit sind, damit der Sieg desto sicherer ist. Und der Moment wird nicht zu spät sein, denn die Arbeiterschaft selbst wird dem Generalstreikkomitee die Zeit angeben und den � Kongreß verlangen, der den letzten Beschluß zu fassen hat. Möge jeder Vater und jede Mutter an ihren Sohn, der in der Kaserne ist, eine Weisung geben, die jede andere übertönt. Der Vorsitzende bringt sodann die Tagesordnung zur Ver- lesung, die zum Teil der Resolution der Föderation von Charle- «i esftWLMM ifc M Übrigen die von PMerpelde pertejtzigtxn Leitsätze des Vorstandes enthält. Wir haben ihren Jnhqlt Bereits in unserem tclegraphischcn Berichs mitgeteilt. . ES wird zuerst über die einzelnen Absätze abgestimmt, zum Schluß über die ganze Resolution. Alle Hände sind erhoben, die mit den roten Karten und die mit den grünen Karten. Man schwingt die Karten, akklainiert, die Begeisterung ist unbeschreiblich. Um 7 Uhr schließt W a ut er s den Kongreß, der den einheit- lichen Willen bon 1600 Vertrauensmännern des organisierten belgi- scheu Proletariats kundgegeben hat, wenn es sein muß, mit dem Generalstreik für das gleiche politische Recht einzutreten. lisch einmal Suffragettes und Arbeiter- Vertreter. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns, unter dem 1. Juli: ES ist zweifelsohne peinlich, von Blättern von dem Schlage der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und der „Deutschen Tageszeitung" gelobt zu werdem Aber die Pein ist nur von kurzer Dauer, wenet man bemerkt, daß das un- erwartete Lob auf einem scheinbar gewollten Mißverständnis be- ruht. Man muß wahrlich schon ein politischer Simpel sein, wenn man, wie diese beiden Zeitungen es tun, aus dem im„Vor- wärts" vom 28. Juni veröffentlichten Bericht über„Suffra- gettes und Arbeitervertreter" eine Kritik des allge- meinen Frauenstimmrechts herausliest. Besonders wohltuend klingt diesen reaktionären Organen der Satz:„Es war schlimm genug, daß sich Arbeitervertreter fanden, die die undemokratischen Forderungen der Frauenrechtlerinnen unterstützten." Aha, sagt sich die„Deutsche Tageszeitung", da haben wir's; das Fraucnstimmrccht ist undemokratisch. Und der Sinn des Geschriebenen ist doch jedem Menschen, der verstehen will, ganz klar. ES handelt sich um die Vergangenheit, als die Suffragettes ihre in der Conciliation Bill niedergelegten Forderungen, die niemand demokratisch nennen wird, verfochten und von einer An- zahl Arbeitervertreter dabei unterstützt wurden. Da» ist nicht eine Kritik, sondern eine Verteidigung des allgemeinen Frauen- ftimmrechtS und eine Kritik des beschränkten, des Damen- stimmrechts. Nur Einfältigkeit oder böser Wille kann dies miß- verstehen. Wenn eine schärfere Kritik der Suffragettes jetzt geboten ist, als wir sie bisher pflegten, so geschieht das deshalb, weil die Aufführung dieser bürgerlichen Damen die Aussichten deS all- gemeinen Frauenstimmrechts in England gefährden. Diese Damen, deren Weltunkenntnis fast komisch ist, wollen sich als die Vertreter deS weiblichen Geschlechts aufspielen. Das ist ungefähr so, als wenn die„Deutsche Tageszeitung" sich als die Vertreterin der deutschen Presse aufspielen wollte. In einer Londoner Ausstellung, die wir vor ein paar Tagen besuchten, hat sich ein bürgerlicher Frauenrechtlerinnenberein einen Laden gemietet, in dem prapa- gandistisch wirkende Plakate angebracht find. Auf einem der Plakate liest man, ob es denn nicht verächtlich sei, daß Frauen Gesetzen wie den Fabrikgesetzen gehorchten, die von Männern ge- macht worden: In den Parks und an den Straßenecken kann man Damen hören, die sich darüber ereifern, daß männliche Gesetz- geber den Frauen verbieten, so lange zu arbeiten wie sie wollen. Das sind die Art Geistesblitze der Frauen; die den Kreisen nahe- stehen, die Blätter wie die„Deutsche Tageszeitung" und die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" lesen. Gegen das Frauenftimm- recht beweisen diese Schnurren der Damen nichts, wohl aber gegen das beschränkte Frauenstimmrecht und für die geistige Minder- Wertigkeit der bürgerlichen Frauen. Einer Arbeiterin und einer Arbeiterfrau, die das Leben aus der Wirklichkeit kennen, könnten dergleichen Dinge nicht passieren. Es wäre kaum der Mühe wert gewesen, den Ausführungen der beiden reaktionären Organe, die unter der Maske der Einfalt ihren Mangel an Aufrichtigkeit zu verbergen suchen, entgcgenzu- treten; wenn es sich nicht um Versuche handelte, eine neue Lüge gegen die Sozialdemokratie zu erfinden. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" deutet schon darauf hin, daß sie den Bericht gelegentlich wieder zitieren wird. Hoffentlich wird sie dann nicht vergessen, zu bemerken, daß die Albernheiten der Suffragettes, ihrer Klassengenossen, von niemand mehr bedauert werden als von den aufrichtigen Freunden des als gemeinen Fraueystimmrechts._-' Oer Krieg. Bon! tripolitanischen Kriegsschanplatze. Rom, 3. Juli. Einer Meldung der Agenzia Stefani aus Tri- p o l i s zufolge wurden am Sonnabend von den Luftschiffen aus Bomben auf die feindlichen Lager bei Suani Ben Aden geschleu- dert und dadurch von den Mahallas des Dschebels neunzehn Be- waffnete getötet und fünf verletzt. In Buscheifa griffen zahlreiche feindliche Gruppen am Montagabend die italienische rechte Flanke an, wurden jedoch nach kurzem Kampf zum Rückzug gezwungen. Die italienischen Stellungen bei S i d i Said werden fort- gesetzt verstärkt. Bersaglieris und Radfahrer unternahmen weite Erkundungszüge, fanden jedoch bisher vom Feinde keine Spur. Die türkischen Massendescrtionen in Albanien. Monastir, 3. Juli. Wie verlautet, haben sich die Meuterer in Begleitung starker Arnautenscharen nach Delvino gewandt. Amt- lich wird versichert, daß Jssa Boletinatz, der sich in der Gegend bon Mitrovitza aufhalte, nur über dreihundert Anhänger verfüge. Konstantinopel, 3. Juli. Eine Versammlung von Offizieren der Garnison Monastir unter dem Vorsitze des Armeeinspekkors Zekki Pascha und dcS Korpskommandeurs Fethi Pascha beschloß, ein Telegramm des KriegsministerL, in dem dieser die Ueberzeu- gung ausgedrückt hat, daß sich die Offiziere der Garnison nicht mit den Deserteuren solidarisch erklären würden, dahin zu beantworten, daß sie selbst die Desertion nicht billigen, jedoch hoffen, daß die Deserteure, die aus patriotischen Gefühlen handeln, nicht bestraft werden, falls sie bald zurückkehren sollten. Die ersten Bataillone der aus den Dardanellen entsandten Division sind gestern in Monastir eingetroffen. Die Deserteure, deren Zahl nunmehr etwa 20 Offiziere, einen Polizeikommissär, einige Gendarmen und 375 Soldaten betragen soll, befinden sich bei Koritza. Es verlautet, daß einige albanesische Beys sich ihnen angeschlossen haben. Konstantinopel, 3. Juli. Nach Meldungen aus I a n i n a sind sieben Offiziere mit einer größeren Anzahl Soldaten in die Berge geflüchtet. Aus Janina ist ein Bataillon mit einem Maschinengewehr zur Verfolgung ent- sendet worden._ politifchc dcberficht» Berlin, den 3. Juli 1912. Die Verhandlung gegen die Genossen Borchardt und Leinert, für die der Termin vor der Berliner Strafkamnier auf den 3. Juli anberaumt war, ist auf den 23. September vertagt worden. Die Vertagung ersolgte, weil Genosse I Borchardt. der bereits vor seiner Wahl zum Abgeordneten sich wegen schwerer Rheumatismuserkranknng einer längeren Krankenhausbehandlung unterziehen mußte, sich auf ärztliche Anordnung erneut einer längeren Nachkur unterziehen mutz. Die„Germania" als Denunziantin. Ende Mai hielt der Lehrer Pautsch-Berlin, im Anschluß an den Deutschen Lehrertag, einen Vortrag, in dem er, wie er betonte. durchaus im Einklang mit den Bestrebungen der neueren Pädagogik, als Hauptziele der Schule„die Herausbildung reinen Men- schentums und eines gesunden Staatsbürger- bewußtseins" bezeichnete. Die Schule müsse eine„freie Institution" sein, die„der Kirche gleichberechtigt" gegenüberstehe: „Reines Menschentum bedingt soziale Gesinnung, die auch das religiöse Gebiet umschließt. Dabei wollen wir aber keine Bindung auf Konfessionen oder Dogmen, um den kon- fessionellen Frieden nicht zu gefährden." Da bei den letzten Reichs- tagswahlen die Konservativen und Ultramontanen nur ein Drittel aller abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinigen vermocht hätten, habe das Volk durch seine Abstimmung bewiesen, daß es eine freie Schule fordere. Man könne beanspruchen, daß auch die Be- Hörden dieser Anschauung Rechnung trügen. Die„Germania" denunziert diese Ansichten, die nur die des Liberalismus sind, als sozialistische Auffassung! Denn wenn Herr Pautsch die Festlegung aus Konfessionen und Dogmen ablehne und die Religion nur als„Anhängsel" der sozialen Gesinnung betrachte, so sei Herrn Pautsch die Religion der Zukunft der— Sozialismus. Herr Pautsch vertrete also sozia- l i st i s ch e Schulideale, statt nach der Programmrede des der- zeitigen Kultusministers Trott zu Solz auf dem Deutschen Lehrer- tag die Heranbildung eines„gottesfürchtigen, vaterlandsliebenden, an Leib und Seele gesunden, pflichttreuen Geschlechtes" als Schul- ideal hinzustellen. Es ist freilich eine ungeheuerliche Anmaßung von einem Schul- sklaven, in der Aera des blauschwarzen Blocks jene pädagogischen Ideale zu vertreten, für die nicht nur die Größen der g e s a m- ten Pädagogik, sondern auch die Mehrheit der Volks- schullehrer selbst eingenommen sind, statt sich vorschriftsmäßig für die unteroffiziermäßige Auffassung eines Mannes zu begei- stern, der nach seiner rasch vorübergehenden Ministerrolle der päda- gogischen Welt wie der Welt überhaupt ebenso gleichgültig sein wird, wie vor seiner befremdenden Berufung zum Kultusminister! Daß die«Germania" für die grotesk rückständigen Ansichten des ihr seelenverwandten Herrn Trott zu Solz schwärmt, würden wir ihr an sich nicht übelnehmen. Eine durch nichts zu enischuldi- gende ganz ordinäre Denunziation ist es dagegen, wenn die„Germania" wörtlich schreibt:„Aber es ist ein Volksschul- lehr er, der in einer öffentlichen Volksversammlung diesem in Wahrheit sozialdemokratischen Gedanken Ausdruck ge- geben hat." Diese Aufreizung der Behörden zu einem Disziplinar. verfahren gegen einen Lehrer, der nichts getan hat, als liberale Schulforderungen zu vertreten, kennzeichnet wieder einmal die infamen TerroriSmusgelüste des Zentrums! Auf die Lehrerschaft selbst können freilich solch niederträchtige Scharfmachereien der Zentrumspresse nur in höchstem Maße er- bitternd wirken l Prozeh gegen die Essener Polizei. Als bekannt wurde, daß Essener Polizeibeamte unter Miß- brauch ihres Amtes dem Unternehmertum Helfershelferdienste gegen die Arbeiterorganisationen geleistet hatten, fielen in der Presse scharfe Worte gegen diese Korruptionserscheinung. Die sonst so empfindliche Polizei hütete sich jedoch zu klagen. Sie wußte, daß beispielsweise der Transportarbeiterverband im Besitz von erdrückenden Beweismitteln ist. Hierher gehört die von der Polizei hergestellte Abschrift einer Mitgliederliste, die aus Versehen bei der Zurückgabe beschlagnahmter Sachen mit ausgehändigt wurde. Ein der Liste aufgedrückter amtlicher Stempel„Königliche Polizeidirektion" bezeugt obendrein die„Echtheit". Ferner gab das Essener Amtsgericht dem Rechtsbeistand des Transportarbeiter- Verbandes, Rechtsanwalt Dr. Levy, bekannt, daß die Beschlagnahme des Verbandsmaterials nicht auf Anordnung der Staatsanwalt- schaft in Duisburg, sondern auf einen von den Beamten der Essener politischen Polizei beim Gericht gestellten Antrag hin erfolgt sei. Endlich verfuhr die Essener Eisenbahndirektion sehr unüberlegt bei der Verwendung der ihr von der Polizei in die Hände gespielten Mitgliederliste. Es sind nämlich Beamte vorhanden, die bezeugen können, daß die Abschrift der Mitgliederliste zwischen Eisenbahn- direktion und-Inspektion zirkuliert hat. Herr Geheimrat Sommer- seid sagte zudem selbst zu dem wegen seiner Verbandszugehörigkeit zur Rechenschaft gezogenen Eisenbahnarbeiter Dimpel, er„stände in der Mitgliederlifte des Transportarbeiterverbande»". Die Prozeßscheu ist angesichts dieser Beweismittel erklärlich. Aber erspart bleibt ihr eine gerichtliche Erörterung ihrer Tätigkeit darum doch nicht. Der Steigerverband hat gegen die beteiligten Polizeibeamten eine Schadenersatzklage angestrengt, und der TranS- Portarbeiterverband erhob durch seinen Essener Geschäftsführer beim Regierungspräsidenten über das Vorgehen der Beamten Be- schwerde, worauf dieser nach vier Wochen dem Beschwerdesteller an- heimstellte, gegen die fraglichen Beamten, nämlich den Kriminal- kommiffar Holters und den Kriminalschutzmann Simons bei der Staatsanwaltschaft Strafanträge zu stellen, da sie bei der Be. schlagnahme als Hilfsorgane fungiert hätten. Das ist nun ge- schehen; gegen die beiden Beamten ist Strafantrag gestellt worden. Außerdem hat der Transportarbeiterverband den ihm durch Zah- lung von MahregelungSunterstützung entstandenen Schaden seinem Essener Bevollmächtigten, dem Genossen Kimmritz, zediert, dem auch der gemaßregelte Eisenbahner seine durch den erwachsenen Schaden entstandenen Ansprüche übertrug. Kimmritz hat darauf die Schadenersatzklage angestrengt. Vielleicht gelingt es in diesen Prozessen doch noch, die Auf. traggeber der Essener politischen Polizei ausfindig zu machen und die innigen Beziehungen zwischen Unternehmertum und Polizei aufzudecken. Das Ministerium Hertling und die Erbschaftssteuer. Auf Kommando Hertlings und des hinter ihm stehenden Zen- trums verzichtete Bethmann Hollloeg auf eine Besitzsteuer als Deckung für die neuen Rüstungsausgaben. Und als Mermuth, der damalige Schatzsekretär die Finanzkünstelcien des Zentrums nicht mitmachen wollte, mußte er über die Klinge springen. ErbschaftS- steuer gibts nicht, dekretierte die maßgebende Partei. Jetzt soll plötzlich eine Schwenkung— wenigstens soweit Hertling in Frage kommt— eingetreten sein. Die„Tägliche Rund- schau" meldet: „Wie wir von durchaus zuverlässiger Seite hören, ist von der bayerischen Regierung ein Widerstand gegen die Erbanfallstcuer nicht mehr zu erwarten. Es darf vielmehr nach Aeußerungcn des bayerischen Ministerpräsidenten Frei- Herrn v. Hertling angenommen werden, daß Bayern im Bundesrate für die Erbanfallsteuer stimmen wird, wenn der �-Reichskanzler sich entschließen sollte, einen Entwurf über die Erbanfallsteuer vorzulegen. Der Bundesrat wird bei seinem Wiederzusammentritt Ansang September den Entwurf deS Reichsschatzamtes vorfinden und sogleich in seine Beratung ein- trcleff. VSrauSsichtlich dürfte im Laufe dcZ ScpIem�erS eine Zu- sammenkunft der bundesstaatlichen Minister in Berlin statt- finden, um zu den Vorschlägen des Reichsschatzamtes Stellung zu nehmen." Sehr überzeugend klingt die Meldung nicht; selbst wenn Hert- ling versichert haben sollte, datz die bayerische Regierung für die Erbschaftssteuer stimme, läßt doch der Vorbehalt:„wenn der Reichskanzler sich entschließen sollte, einen Entwurf über die Erb- anfallsteuer vorzulegen," darauf schließen, daß Bethmann unter freundlicher Einwirkung des Zentrums eben nicht zu diesem ver» wcgenen Entschluß kommt. Jsts aber so, dann entpuppt sich die Hertlingsche Kundgebung zugunsten der Erbschaftssteuer als billiger demagogischer Kniff. Der Landwirtschaftsrat gegen Besitzstenern. Der ständige Ausschutz des Deutschen Landwirtschaftsrates, der in Baden-Baden seine diesjährige Tagung abhielt, hat nach einem Referate des Herrn v. Oldenburg-Januschau folgende Resolution zur Besitzsteuerfrage angenommen: „1. Nachdem die notwendige Deckung der Wehrvorlage aus- schließlich durch eine neue starke Belastung des landwirtschaft- tichen Brennercigewerbes erfolgt ist, erscheint es doppelt unbillig, die gesetzlich für den 1. April 1914 beschlossene Herabsetzung der Zuckersteucr von dem vorherigen Inkrafttreten einer neuen allge- meinen Besitzsteuer abhängig zu machen. Da der Zuckerverbrauch durch die Höhe der Zuckersteuer eine sehr bedeutende Einschrän- kung erfährt, wird eine Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 auf 19 M. pro Doppclzentner auf die Dauer überhaupt keine Minde- rung, sondern eher eine Steigerung der Reichseinnahmen bringen. Ein weiterer Aufschub der letzt 29 Jahre vom Reichstage gefor- derten und wiederholt gesetzlich beschlossenen Herabsetzung der Zuckersteuer erscheint daher nicht nur unwirtschaftlich, soitdern zugleich auch finanzpolitisch verfehlt. 2. Sollten die Ergebnisse des laufenden EtatSjahreS auch im kommenden Winter nach dem Wiederzusammentritt des Reichs- tageS überhaupt noch eine Besitzsteuer erfordern, f o würde eine mätzige und voraussichtlich bald wieder entbehrliche Erhöhung der Matrikularbei- träge, so bedauerlich diese auch an sich sein würde, doch jeder geuen Besitz st euer vorzuziehen fein." Konflikt im hessischen Landtag. In der Dienstagssitzung der hessischen Zweiten Kammer gab es eine Ueberraschung: Der Finanzminister Braun lehnte namens der Regierung den Vorschlag des Finanzausschusses der Kammer ab, die Kosten der Gehaltserhöhung für die Staatsbeamten und die Volks« fchullehrer nicht durch dauernde Einnahmen zu decken, sondern zu einem sehr erheblichen Teil durch Verminderung der Schuldentilgung. In den Ausschußverhandlungen hatte die Regierung ihre Stellung zu dieser Frage nicht klar erkennen lassen, doch glaubte jedermann, sie sei mit dem Finanzausschuß einverstanden. Die Führer der National- liberalen und des Zentrums forderten im Landtage nun eine Unter- brcchung der Verhandlungen, um zu der ganz überraschenden Haltung der Regierung Stellung zu nehmen. Nach Wiederaufnahme der Ver- Handlung protestierte der nationalliberale Führer Dr. Osann gegen die hier offenbar zutage tretende Absicht der Regierung, das Odium des Scheiterns dieser von den Beamten sehnlichst gewünschten Vor- läge dem Landtage zuzuwälzen. Ein Regierungsvertreter. Geheim- rat Becker, sprach dagegen Zweifel an dem guten Willen der Kammer, die Besoldungsreform durchzuführen, aus. Als er darauf vom „Präsidenten der Kammer gerügt wurde, bestritt Finanzminister Braun diesem das Recht, ein Mitglied der Regierüng zurechtzuweisen. Abg. Ulrich sSoz.) verteidigte scharf das Recht des Präsidiums, auch einem RegierungSvertreter gegenüber die Ordnung beS Hauses zu schützen. Die Verhandlungen wurden darauf vertagt. Ein Fähnrich als Soldatenschiuder. Dem„Berliner Tageblatt" wird aus Pfalzburg gemeldet: „Der Fähnrich Z e n z übte dort mit einer Abteilung auf dem Kasernenhofe, wobei sich der Infanterist L e ch n e r ungebührlich benommen haben soll. Der Fähnrich stellte an den Mann die Frage:„Was ist dir lieber, 21 Tage strengen Arrest oder eine Ohrfeige?" Der Mann erwiderte:.Eine Ohrfeige", worauf ihm der Fähnrich eine schallende Ohrfeige versetzte. Der Infanterist mußte sich sofort lrank melden und wurde in das Lazarett aufgenommen. Die Aerzte stellten einen Bruch des Trommelfells fest." Der Fähnrich kann es nach solchem Schneid sicher noch weit bringen I__ Ver Londoner Streik und die Regierung. London, 2. Juli.,(Eig. Ber.) Der Londonev Hafenarbeiter- streik ist nun in der sechsten Wvche und die Not im Osten hat einen erschreckenden Grad erreicht; manche Arbeiterfamilien laufen Ge- fahr, zu verhungern. Das große Elend, das die Arbeiterschaft zu ertragen bereit ist, lätzt einen nicht allein erkennen, wie überzeugt die streikenden Massen von der Gerechtigkeit ihrer Sache sind, son- dcrn gestatten einem auch einen Blick in die Lebensverhältnisse einer Volksschicht, der die Hungersnot selbst als keineswegs un- erträglich vorkommt. Wer geglaubt hat. datz sich die Scharfmacher durch einen Parlamentsbeschluß einschüchtern lassen würden und datz der Tragödie dadurch ein schnelles Ende bereitet werden würde, wird durch die gestrigen Verhandlungen im Parlament enttäuscht worden sein. Genosse O'G r a d y hatte folgende Resolution ein- gebracht:„Nach der Ansicht dieses Hauses ist es tunlich, daß die Vertreter der Arbeitgeber, und die der Arbeiterorganisationen, die in dem stattfindenden Streit im Londoner Hafen verwickelt sind, zusammenkommen, um eine Einigung herbeizuführen." Versöhn- lich wie die Resolution war auch die Rede O'GradyS. Er wies besonders darauf hin, datz in modernen wirtschaftlichen Kämpfen, in denen sich große Arbeitcrmassen und koalierte Unternehmer gegenüberstehen, ein Zeitpunkt kommen müsse, an dem die Jnter» essen der unbeteiligten Volksschichten so sehr gefährdet würden. daß eS die Pflicht der Regierung fei. einzuschreiten und die Kämpfenden aufzufordern, ihre Streitigkeiten zu regeln. Genosse Robert?, der Haupteinpeitschcr der Arbeiterpartei, der vor einigen Tagen als Mitglied der Streikleitung kooptiert worden ist. unterstützte die Resolution und bemerkte, datz man nicht glauben müsse, die Reihen der Streikenden wankten; aus persönlicher An- schauung könne er konstatieren, datz in den letzten Tagen die Eni- schlossenheit der Streikenden, gegen den Versuch der Arbeitgeber. ihre Organisation zu zertrümmern, bis zum Aeutzerstcn zu kämpfen, eher zugenommen als abgenommen habe. Genosse Mac- Donald erklärte im Namen der Streikenden, datz diese bereit seien, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn ihnen die Arbeitgeber die Garantie böten, nach der Wiederaufnahme der Arbeit mit ihnen auf Grundlage des Berichts der von der Regierung ernannten Untcrsuchungskommission zu verhandeln. Herr BonarLaw stellte sich ganz auf die Seite der Unternehmer, stellte ein Amendement, in dem erklärt wurde, datz die Einmischung des Parlaments in die Streitigkeit keinem guten Zweck dienen könne, und griff den Premierminister an. der sich weigere AU stimmen und doch der Deputation der vereinigten Handelskammern vor kurzem erklärt habe, daß cS höchst unwünschenswert sei, datz sich die Regierung als Regierung mit wirtschaftlichen Streitigkeiten befasse. Am wichtig. stev tpgx natürlich dje Rede Hern, Asgniths; icjiD von seiner Steftungtiahme hing cS ab, ov der ParlaiNenlsbeschlutz nut eine platonische Erklärung sein sollte oder eine Drohung gegen die hart- nackigen Unternehmer. Der Premierminister führte aus, datz die Regierung bei wirtschaftlichen Streitigkeiten nur eingreisen dürfe, wenn es das Interesse der Allgemeinheit verlange oder wenn die Einmischung guten Erfolg verspreche. Er sei der festen Ueber- zeugung, datz eine Einmischung zu dieser Zeit nicht tunlich sei. Die Regierung habe alles getan, was sie habe tun können, und es ständen ihr keine anderen Wege mehr offen, als bis der Industrie- rat, der sich auf Veranlassung der Regierung eben mit der Streit- frage befasse, Bericht erstattet habe. Er glaube jedoch, datz eine Zusammenkunst zwischen den streitenden Parteien wünschenswert fei, werde sich an der Abstimmung aber nicht beteiligen. Das Amendement der Konservativen wurde mit 269 gegen 21S Stimmen verworfen, die Resolution O'G r a d y s mit 2S4 gegen 188 Stimmen angenommen. Für die Resolution stimmten unter anderen auch die Minister Lloyd George und M c K e n n a. Nach den Aeutze- rungen der Reaktionäre zu schließen, werden die Unternehmer diese Resolution jedenfalls in den Papierkorb fallen lassen. Aus der ganzen Debatte ging nur das klar hervor, datz die liberale Regie- rung augenblicklich keine größere Sorge hat als die� bei den Unter- nohmern keinen Anstoß zu erregen. England. Die Arbeiterpartei gegen die Regierung. London, 3. Juli.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Der An- Sriff der Liberalen im Wahlkreise Hanley, der bisher von dem ver- orbene» Edwards vertreten wurde, hat die Arbeiterpartei zu einer energischen Gegenaktion veranlaßt und dadurch eine poli- tische Situation geschaffen, die sehr kritisch ist. Die Arbeiterpartei hat beschlossen, nicht nur Hanley zu verteidigen, fondern auch den Wahlkreis Crewe anzugreifen, dessen Vertreter, der Liberale Me Laren, vor einigen Tagen gestorben ist. Falls eS zu Kämpfen kommen sollte, an dem drei Parteien beteiligt, sollen die Arbeiter- Vertreter während der Wahldauer das Parlament verlassen, um am Wahlkampfe teilzunehmen. DaS würde die Regierung in große Verlegenheit bringen. DaS Vorgehen der Partei erregt bei allen energischeren Elementen große Befriedigung. Serbien. Eine sozialdemokratische Demoustration gegen den Militarismus i»t Parlament. Belgrad, 2. Juli.(Eig. Ber.) Erst nach heißem parlamentarischen Kampfe gelang eS der Regierung, die neuen Militärkredite bewilligt zu bekommen. Sie wurden angenommen mit 79 gegen 79 Stimmen, also mit einer Mehrheit von nur 9 Stimmen. Da die Sozialdemokratie nur die einzige Partei ist, die prin- zipiell gegen den Militarismus auftritt, so richtete sich natürlich der Zorn der Militaristen hauptsächlich gegen sie. Provozierend griff der KriegSmini st er unsere Partei als hochverräterisch an, und der Berichterstatter brachte es fertig, zu verlangen, datz wegen unseres Verhaltens gegen den Militarismus in Zukunft die Wahl sozial- demokratischer Abgeordneter mit allen Mitteln unmöglich gemacht werde. Diese provokatorischen Reden führten zu erregten Zusammen- stoßen. Vor der Abstimmung gaben unsere Abgeordneten folgende Er» klärung ab: .AlS die Vertreter der sozialdemokratischen Partei, die Gegnerin des Militarismus und Anhängerin des MilizsystemS ist, stimmen wir gegen diesen Kredit, weil er: für den Militarismus gebraucht werden soll, der durch die bisher schon verschlungenen ungeheuren Summen die Existenz der breiten Volksmassen in Frage gestellt hat; die neue Organisation der Armee ermöglicht, die neue, für Serbien ganz unerträgliche Lasten bringen muß; eine Vermehrung des ordentlichen Budgets verursacht. und dadurch die Notwendigkeit neuer Staatsanleihen und die Einführung neuer Steuern zur Folge haben wird � die Existenz des Landes bedroht, um derentwillen angeb- lich dieser Kredit verlangt wird. Statt der Zerrüttung Serbiens durch große und unerträgliche Lasten verlangen wir seine Kräftigung, und zwar durch EntWickelung seine« Wirtschaftslebens und durch Hebung der schwachen und ver- elendsten proletarischen und halbproletarischen Bolksschichten; statt des stehenden Heeres, das zwecklos die Lebenskräfte des Volkes aussaugt, verlangen wir die Organisation der Volksverteidigung; statt kriegerischer Herausforderungen verlangen wir die Bereinigung der Balkanvölker zu einer Föderation der balkanischen Republiken." LfirKeü Das Gesetz gegen die politische Betätigung der Offiziere. Konstantinopel, 3. Juli. Im weiteren Verlauf der Vcrhand- lung am Montag erklärte der Kriegsminister, die deser- tiertcn Offiziere in Monaftir würden streng bestraft werden, Die anderen Offiziere der Garnison Monastir hätten dem Kriegsministcr telcgraphisch den Dank für die Unterbreitung des Gesetzentwurfs gegen die Beteiligung der Offiziere an der Politik ausgesprochen. Die Fortsetzung der Spezialdebatte wurde hierauf vertagt.— Nach den von der Kommission der De- putiertenkammer angenommenen Abänderungen des betreffenden Gesetzentwurfs werden Militärpersonen, die politische Reden Hai- ten oder sich in Wahlhandlungen einmischen, mit Gefängnis von zwei bis vier Monaten und im Wiederholungsfälle mit Entlassung aus der Armee bestraft. Militärpersonen, die geheime Komitees gründen oder solchen angehören, werden mit Entlassung aus der Armee und mit Zwangsarbeit bestraft. Die Kammer nahm am Mittwoch jje« Gesetzentwurf endgültig an. Budgetsorgen. Konstantinopel, 3. Juli. Die Kammer begann die Beratung des Budgets. Der Minister der öffentlichen Arbeiten und provi- sorische Leiter des FinanzmisteriumS Dschavid Bei erstattete ein längeres Finanzexpose. Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, Europa werde der Türkei die Möglichkeit zur Einführung von Steuern in die Hand geben. Er stellte fest, datz es dank dem Saldo des Erlöses der in Deutschland durch Oesterreich-Ungarn auf- genommenen Anleihe und dem disponiblen Bank- Kontokorrent von 1)4 Millionen Pfund ermöglicht werde, im letzten Gebarungs- jähre ohne Anleihe auszukommen� In diesem Jahre sei eine An- leihe wegen des Krieges nicht möglich. Die Regierung könnte mit Hilfe von Vorschüssen gegen Schatzscheine, welche aber von der ab- geschlossenen Optionsanlcihe rückzahlbar sind, die Bedürfnisse be- streiten. Der Minister erklärte sodann, die öffentliche Staatsschuld von netto 115 Millionen Pfund sei nicht übermäßig groß und könnte zu Besorgnissen keinen Anlaß geben. Der Minister hofft, die Türkei werde in Europa eine günstige Aufnahme finden» wenn sie eine Anleihe von 2S oder 39 Millionen für öffentliche Arbeiten suchen werde. Der Umstand, daß der Kursstand der türkischen Rente wenig von dem Stande vor dem Kriege abweiche, beweise das Vertrauen der auswärtigen Kapitalisten. Der Minister kündigte die dem- nächst erfolgende Einbringring eines Gesetzentwurfs zum Zwecke der Regelung der schwebenden Schuld an, ferner die Untcrbreitung der Verträge betreffend die B-chnen des KKogrzey Meerbeckens» foteie des GesetzenWurfs betreffend Sä9 stckakliche Tabakmonopol. Gro� wesir Said Pascha sprach in gleichem Sinne und fl&jf xsW Genehmigung des Bndßtfs._ Hfrffau Die nstionülistische Bewegung in Aegypten. Kairo, 2. Juli. Hier sindi drei Nationalisten verhastet tssarden� weil sie gegen den Khedive, gegen Lord Kitchener und den Premierminister sich verschworen hatten. Amerika. Eine neue Wahlkomödie in Aussicht. New Uork, 2. Juli. Wie der Wahlkampfleiter Roose, Veit bekanntgibt, wird ein Nationalkonvent der neuen fort schrittlichen Kartei in Chicago gegen den 1, August abgehalten werden,. CWna. Ein Postgesetz. Peking, 2. Juli. Die gesetzgebende Versammlung beriet heute in erster Lesung über eine Gesetzvorlage, die die chinesische Kontrolle der Po st Verwaltung einführen will, und deren Annahme die Entlassung von 1S9 jetzt im Dienst befindlichen Ausländern zur Folge haben wird. Diese sollen dann in der Weise von der Zollverwaltung übernommen werden, datz ihre An- stellungs- und Beförderungsverhältnisse die gleichen bleiben«. Die Vorlage wird wahrscheinlich durchgehen, wenin nicht die Mächte intervenieren. Die Vertreter des auswärtigen Handels sind an dem Schicksal der Vorlage sehr interessiert, da sie die Leitung der Postverwaltung durch Ausländer für ihre Handelsinteressew für unbedingt erforderlich halten, und eS wird die Hoffnung ausge» drückt, datz ein enisprechender Druck ausgeübt werden mögc Eue der Partei. AuS den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für den Wahl- kreis Lübeck hielt am 1. Juli seine Generalversammlung ab. Dem Jahresbericht entnehmen wir folgende Angaben: Die Mit- gliederzahl betrug am 39. Juni 1911 4798; am 39. Juni 1912 waren 5446 Mitglieder vorhanden, so daß ein Zuwachs von 733 zu ver- zeichnen war. Unter den Mitgliedern waren 644 weibliche. Im Berichtsjahre wurden 32 öffentliche Volksversammlungen abge- halten, von denen sich 44 mit der Reichstagswahl und 16 mit den Bürgerschaftswahlen beschäftigten. Außerdem fanden 13 Partei- Versammlungen in Lübeck selbst statt. Es wurden eine ganze Reihe von Flugblättern und Flugschriften an die gesamte Einwohner- schaft de8 Freistaates verteilt, die, ebenso wie. die Versammlungen; ut gewirkt haben, wie die Reichstags- und Bürgerschaftswahlen cweisen. Schöne Fortschritte sind auf dem Gebiete der Jugend- bewegung zu verzeichnen. Die weiblichen Mitglieder der Par- tei. die in besonderen Zusammenkünften ftuchtbringcnde Anregung erhielten, können gleichfalls auf einen schönen Mitgliederzuwachs zurückblicken. Segensreich wirkte auch die Kinderschutzkom- Mission, die von der Partei und den Gewerkschaften gemeinsam eingesetzt ist, und die sich hauptsächlich mit Kindermitzhandlungen befassen mutzte. Beim Kassenbericht interessieren besonder? die Ausgaben, die sich im Berichtsjahre auf 28 974,74 M. belaufen. Einige der wichtigsten Ausgabeposten sind: für die Reichstagswahl 8996,23 M., Bürgerschaftswahl 1882,65 M., für die allmonatlich an die ländliche� Bevölkerung unentgeltlich-verteilte Zeitschrift'„Der Landarbeiter" 1761,65 M» für andere Agitation 1364,33 M., für die Jugendbewegung 319,97 M., an den Parteivorstand gesandt 4196,49 M. Am Schlüsse des Berichtsjahres war ein Kassenbestand von 8695,6 M. vorhanden._ Eine Gedenkfeier. Für ihren Vorkämpfer, August Godau, den ersten Königsberger Reichstagskandidaten, der in der schweren Zeit des Sozialistengesetzes die Anhänger der auch im Osten zerspreng- ten Partei um sich scharte, veranstalteten die Königsberger Genossen am Grabe des vor 25 Jahren Verstorbenen eine schlichte, aber ein- drucksvolle Gedenkfeier. Der Hügel des am 2. Juli 1387 der Pro- letarierkrankheit erlegenen, von den Organen des Staates gehetzten und verfolgten Kämpfers war in Weiße und rote Rosen gebettet. Ein EPiblem mit rotem Grunde trug aus weißen Nelken den Namen des Verblichenen, dessen von Weißen Blüten und schwarzem Flor umrahmtes Bild den Hügel schmückte. Ein herrlicher Kranz mit roter Schleife und entsprechender Widmung deckte als An- gebinde der Verehrung seinen Stein. Still defilierten die zahl- reichen Genossen am Grabe vorbei. Den Schluß der einfachen Feier bildeten die Klänge des Liedes„Ein Sohn des Volkes", vor- getragen vom Arbeitergesangvercin„Vorwärts",— Die Polizei hielt sich fern. Bildungsarbeit in der Schweiz. Die Bildungsarbeit in der schweizer Arbeiterbewegung war bis jetzt recht primitiv. Hindernisse bildeten einerseits die rück- ständige ökonomische EntWickelung, andererseits die mangelhafte Organisationsform der Partei wie der gewerkschaftlichen Landes- zentrale. Vor einigen Jahren ist dann die Landeszentrale reor- ganisiert und das Verhältnis der einzelnen Gewerkschaftsverbände zueinander neu geordnet worden. Letztes Jahr folgte die Reor- ganisation der Partei und nachdem inzwischen auch die ganze Be. wegung numerisch erstarkte, kam der Moment, wo sich die Reform auch über das Bildungswescn erstrecken konnte. Am letzten Sonn» tag tagte in Biel eine gut besuchte Konferenz der GewcrffchaftS. und Parteiorganisationen mit Vertretern der örtlichen Arbeiter- Unionen, die bis jetzt die BildungSkurse, so gut es eben ging, durch- führten. Die Konferenz nahm zwei Referate über die Bedeutung des Bildungswesens entgegen und sprach sich grundsätzlich für eine Zentralisation aus. Der Vertreter des Gewerkschafts- bundeS hatte eine Reihe von Thesen vorgelegt und ein vorläusigeS Programm ausgearbeitet, das sich speziell auf die Bildungsgelegen- heiten für die Gewerkschaften bezog. Er schlug die Errichtung von Spezialkursen für die gewerkschaftlichen Funktionäre vor und daneben soll dann ein zentraler Bildungsausschutz eingesetzt werden, der den lokalen Organisationen an die Hand gehen soll. Mit dieser Lösung war aber weder der Referent der Parteileitung noch die Konferenz selbst einverstanden. In erster Linie wurde betont, datz bei unseren kleinen Verhältnissen ein gemein- schaftliches Zusammenwirken der Partei und Ge» werk s ch a f t e n auch auf dem Gebiete des BildungSwesens daS Zweckmäßigste fei und nach dem speziellen Tätigkeitsgebiet ge- sonderte Kurse, besonders soweit es sich um die Vermitte- lung des allgemeinen sozialistischen Wissens handelt, vermieden werden sollten. Auch wurde die Herausgabe eines wissen- schaftlichen DiskussionSorgans als VerständigungS- mittel und die Anstellung von Wanderrednern als Kurslchrer an- geregt. DaS Endergebnis der Konferenz ist nun, datz zunächst eine neunglicdrige Kommission eingesetzt wird, der die Leitsätze und das Programm deS Referenten als Material überwiesen werden. Diese Kommission hat der Parteileitung und der gewerffchastlichen Lan- deszentrale beförderlichst Vorschläge und einen Programmentwurf zu unterbreiten, so datz, wenn immer möglich, die Bildungskurse auf einer neuen Grundlage bereits im nächsten Winter durchgeführt werden können. Berichtigung. In dem Bericht über den Brandenburgischcn Parteitag wird die Auflage des„Märkischen Landboten" mit 159 999 Exemplaren angegeben. Das ist ein Irrtum, der Kalender ist im letzten Jahre in einer Auflage von SS99v9 Exemplaren verbreitet worden, GcwcrkfchaftUches. Zur Aussperrung der Metallarbeiter in Dannover. Die Verhandlungen, die zwifäzen Unternehmern und Arbeiter- Vertretern stattgefunden, führten nach dreistündiger Verhandlung zu folgenden schriftlich fixierten Einigungsvorschlägen: 1. Die regelmäßige, wirkliche wöchentliche Arbeitszeit bc- trägt 57 Stunden. 2. Sämtliche Stundcnlohnarbeiter erhalten eine Stunden- lohnzulage von 3 Pf. In diesen 3 Pf. ist enthalten: der prozen- tuale Ausgleich für die Verkürzung der Arbeitszeit und eine all- gemeine Lohnerhöhung. 3. Ueber die Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit- Verkürzung soll eine Verständigung in den einzelnen Werken zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herbeigeführt werden. Mo es nicht zu einer Verständigung kommt, wird vorläufig die von dem Arbeitgeber gewünschte Verteilung vorgenommen. Drei Monate nach Wiederaufnahme der Arbeit soll jedoch durch eine Abstimmung der gesamten Belegschaft, zu der auch die von der Verkürzung betroffenen Werksbeamten zuzählen, der Wunsch der Majorität maßgebend sein. Ausschlaggebend sind drei Fünftel der abgegebenen Stimmen. Die Abstimmung erfolgt durch Stimmzettel. Zu diesen Vorschlägen der Unternehmer werden die streikenden und ausgesperrten Arbeiter in den nächsten Tagen Stellung nehmen. . Die Aussperrung ist von den Unternehmern keineswegs in dem vom Verbände der Metallindustriellen beschlosienen Umfange durch- geführt worden. Einzelne Betriebe haben überhaupt nicht aus- gesperrt und andere erheblich weniger als die vorgeschriebenen 60 Prozent der Arbeiter. So haben in Magdeburg vier von den 29 dem Verband der Metallindustriellen angeschlossenen Betrieben ihre Arbeiter nicht ausgesperrt; zwei weitere Betriebe haben die Aussperrung wieder rückgängig gemacht und sämtliche Arbeiter wieder eingestellt. Die Maschinenbauanstalt A.»@. in Aschersleben hatte zum 1. Juli die Aussperrung angekündigt, sie aber nicht vor- genommen; die Eisengießerei von Lüders in Wernigerode sperrte nur 39 Prozent der Arbeiter aus. Selbst das Krupp-Grusonwerk in Magedburg, dessen Direktor Sorge Vorsitzender im Magdeburger Verband ist, hat nicht annähernd 60 Prozent der Arbeiter aus- gesperrt. Aus diesen Tatsachen geht schon hervor, daß im Unternehmer- loger ziemlich große Verwirrung herrschen muß. In der Tat haben in den Versammlungen der Industriellen heftige Auseinander- setzungen stattgefunden. �Die Inhaber der kleinen und mittleren Betriebe sind bei der gegenwärtigen guten Konjunktur keineswegs 'ohne weiteres bereit gewesen, den Großbetrieben und ihrem Macht- Hunger zuliebe die Aussperrung mitzumachen. Infolge der Diffe- renzen soll der Direktor Sorge, wie bestimmt verlautet, bereits sein Amt als Vorsitzender niedergelegt haben. Lerlin und Umgegend. Herr Goldschmidt auf dem Mitgliederfang. Wir haben kürzlich an der Hand vom Jahresbericht der Hirsch-Dunckerschen Gcwerk vereine nachgewiesen, daß diese Organisationen immer mehr an Boden verlieren. Um den Mitgliederschwund etwas auszugleichen, versucht es Herr Gold- s ch m i d t, der Generalsekretär der Hirsche, die zahlreichen B c r- liner Kellner-Lokalvereinc eiuzufangen. Es haben kürzlich mehrere Sitzungen stattgefunden, zu denen die Vertreter dieser Vereine geladen waren. Nun sind diese Vereinchen, die meist nur einen Mitgliederbestand von kaum 66—86 zählen, lediglich auf der Arbeitsvermittelung aufgebaut. Für einen ge- werkschaftlichen Kampf sind sie gänzlich ungeeignet; sie Hilden für diesen nur einen Hemmschuh. Den rückständigen Ten- dengen dieser veralteten Gebilde Rechnung tragend, legte Herr Goldschmidt eine Reihe Leitsätze vor, wonach zu den schon be- stehenden zahlreichen Arbeitsnachweisen ein neuer„Zentral- arbeitsnachweis" treten soll.„Auf ungefähr 1666 Mitglieder soll ein„Zentralarbeitsnachweis" kommen. Für jede weiteren 566 Mit- alieder darf eine Arbeitsnachweisfiliale errichtet werden."— Bei oem Bestreben, seinen Organisationen, die bei den Industrie- arbeitern an Vertrauen immer mehr einbüßen, einige hundert Mitglieder zuzuführen, ging Herr Go l d s ch in i d t sogar so weit, gegen den kommenden öffentlichen p a r i t ä t i s ch e'n Arbeitsnachweis für das Gastwirtsgewerbc zu agitieren. Er sagte etwa: Es müsse doch möglich sein, einige tausend Mitglieder zu gewinnen und einen Zentralarbeits- Nachweis zu schaffen. Tann würde der paritätische Arbeitsnachweis gar nicht in Funktion treten oder er wäre zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Das sagt ein freisinniges Mitglied der Berliner Stadtverordneten- Versammlung, die bekanntlich erst kürzlich 25 666 M. als Garantie- summe(Zinsgarantie) für den zu erbauenden paritätischen Arbeits- Nachweis bewilligt hat. Die Vereinchen, die schließlich ihren Beitritt erklärten, zählen zusammen kaum 566 Mitglieder, und können die Kosten für eine solche Einrichtung auch gar nicht aufbringen. Der Verband der Gast Wirtsgehilfen zählt in Berlin jetzt 5566 Mit- Glieder. Anstatt weitere Zersplitterungsversuche zu machen, muß leder wahre Arbeiterfreund nur wünschen, daß diese Organisation weitere Ausdehnung und Macht gewinnt, um diese umzusetzen in Verbesserungen der erbärmlichen Lohn- und Arbeits- bedingungen, die im Gastwirisgewerbe noch immer bestehen. Achtung Schuhmacher! Wie der Schuhmachermeister I. B o ch y n s k i, Kommandantenstr. 62, einen Tarifvertrag be- wertet, mögen folgend« Tatsachen beleuchten: Am 26. Mai d. I. wurde mit der Firma ein gegenseitig unterzeichneter Lohntarif vereinbart, und zwar ist dies der Lohntarif 3. Klasse mit einigen kleinen Abänderungen. Der Kundschaft wird nun erstklassige Maßarbeit offeriert, die Arbeiter sollen auch solche liefern; trotz- dem glaubt Herr B o ch p n s k i, daß die getroffenen Vereinba- rungen für ihn nicht da sind. In einer Klage vor dem Jnnungsschiedsgericht, die fünf Ar- beiter angestrengt hatten, um zu ihrem Lohn zu kommen, glaubte dieser Herr sich damit reinzuwaschen, daß er den Organisations- Vertreter bezichtigte, den Tarif gefälscht(!) zu haben.— Der Termin wurde vertagt, und sollten zum zweiten Termin Zeugen geladen werden. Im zweiten Termin war Herr B o ch y n s k i nicht erschienen: den Arbeitern wurde durch' Versäumnisurteil der Lohn zugesprochen. Daß die Arbeiter auch noch häufig des Sonnabends bis um 9 und 16 Uhr abends auf Geld warten müssen, obgleich um 7 Uhr Feierabend ist, liegt daran, weil Herr Bochhnski, wie er in der Verhandlung beim Tarifabschluß erklärte, der Meinung ist, für den Arbeitslohn müsse das Geld, welches am Sonnabend eingenommer. würde, reichen; ein Standpunkt, den der Organisationsvertreter in das rechte Licht rückte, worauf Ab- stellung zugesagt wurde. Doch blieb auch di.es nur eine Zusage!— Polnische Kollegen, die bisher mit Vorliebe beschäftigt wurden, sind, weil sie ihr Recht forderten und sich nicht mehr wie Heloten behandeln lassen wollten, nach jahrelanger Beschäftigung auf die Smiße gesetzt worden. Der«chuhmachermeister M a r u n d e lBesohlanstalt), Vete- ranenstraße, zahlt nicht den vereinbarten Minimallohntarif. Kollegen, die diesen fordern, werden einfach entlassen; es ist Klage erfolgt. Herr Sommer, Schönhauser Allee 53, der verurteilt wurde, den vom Minimallohntarif abgezogenen Lohn nachzuzahlen, hat diesen bisher immer noch ni ch t anerkannt. Dasselbe gilt von Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil veraptly� Herrn Dettbarn, voktastr. V. der einen jungen Kollege» rn '/. Jahren zirka 266 Mark weniger bezahlte, als der Minimal. lohntarif besagt. Die getroffenen Vereinbarungen zu halten, haben sich die- jenigen Schuhmachermeister verpflichtet, die sich durch ein rotes, mit unserem Stempel versehenes Plakat Ausweisen mit der Auf- schrift: Hier sind die Forderungen der chchuhmachergehilfen bc- willigt. Das gilt auch kür die Vororte, also für Groß-Berlin. � Zentralverband der Schuhmacher, Ortsvcrwaltung Berlin. Etwa 30 russische Arbeiter, die von der Firma Riedel, Berlin-Moabit, beim Baynbau in N o w a w e s beschäftigt wurden, legten am Montag vormittag die Arbeil nieder, Sie verlangten Er- höhung ihres Stundenlohnes von 36 auf 46 Pf, wie er den übrigen Arbeitern gezahlt wird. Die Firma oder deren Beauftragter lehnte jedoch die Forderung ab, wohl auf Grund des Kontraktes, durch den sich die der deutschen Sprache nicht mächtigen Arbeiter der Firma bis Ende dieses Jahres verpflichtet haben. Durch die geringere Ent- lohnung will die Firma vermutlich die an die Agenten gezahlten Vermittelungsgebühren wieder einbringen. Da diesen Arbeitern bei der Lohnzahlung regelmäßig der Betrog für Logis und Beköstigung abgezogen wurde, so stehen die meisten von ihnen jetzt völlig mittellos da und werden daher entweder zu Kreuze kriechen müssen, oder wieder einem profitlüsternen Agenten als billige Ausbeutungs- objekte in die Hände fallen. veutkcbes l�elcl,. Glasarbeiter gemahregelt. In Schönborn bei Kirchhain-Dobrilugk(Provinz Brandenburg) hat die Firma Johannahütte, Inhaber Jähde. sämtlichen organi- sierten Glasmachern gekündigt. Einige sind sogar plötzlich ohne Kündigung entlassen worden. Die Unorganisierten haben einen Sparberein, eine gelbe Gewerkschaftsorganisation, gegründet, und werden von der Firma nach allen Richtungen bevorzugt; sie sind selbstverständlich nicht gekündigt worden- Die Firma sucht un- organisierte Beleuchtungsglasarbeiter. Es werden deshalb alle Glasarbeiter ersucht, Schönborn unter allen Umständen zu meiden. Ter Lederarbeiterverband im Jahre 1911. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist im Jahre 1911 fast stabil geblieben; 1916 stieg sie um rund 3666, 1911 nur von 14 859 auf 15 691. Von den Mitgliedern haben 14 187— 94 Proz. volle 52 Beiträge geleistet gegen 12 855 im Jahre 1916. Der Bericht nimmt an, daß an dem geringen Mitgliedergewinn weniger die Konjunktur schuld habe, als die uferlose Kritik an den Beschlüssen der Münchener Generalversammlung, die von einzelnen Mitgliedern und Mitgliedschaften geübt wurde. Dazu kamen noch Separations- bestrebungen eines Teiles der Handschuhbranche. Im Bericht wurden beide Erscheinungen scharf zurückgewiesen und von der nächsten Generalversammlung Beschlüsse gefordert, die den Miß- brauch des Rechts der Kritik verhüten. Die Einnahmen der Hauptkasse betrugen 496 855 M. gegen 386153 M. 1916. Von der Gesamteinnahme entfielen 424 666 M. auf direkte Beiträge. Die Ausgaben stiegen ebenfalls erheblich. Sie betrugen 667 732 M. gegen 353 846 M. 1916. Die große Er- höhung der Ausgaben ist die Folge einer Anzahl Streiks und Aus- iperrungen, die erhebliche Mittel erforderten. Für Streik- und Gemaßregeltenunterstützung wurden 257 666 M. verausgabt gegen 74 366 M. 1916. Die erhöhten Ausgaben wurden durch Extra- beitrüge der Mitglieder wieder ausgeglichen. Die Erwerbslosenunterstützung erforderte 176 496 M. gegen 128 618 M. im Jahre vorher. Von der Erwerbslosenunterstützung entfielen 93 385 M. auf die Orts-, Reise- und Familienuntcr- stützung. Die Krankenunterstützung erforderte 77 III M. Die anderen Unterstützungen, Umzugs-, Notstands-, Sterbeunter- stützung inkl. Rechtsschutz erforderten 16 726 M. Für die„Lederarbeiterzeitung" wurden 36 813 M. aufgewandt gegen 26 243 M. 1916. Alle sonstigen Ausgaben betrugen 132 699 M., darunter 56 888 M. für Verwaltungsausgaben der Zahlstellen, Agitation 25 599 M., Generalversammlungen und Konferenzen 12 714 M. Wenn die Mitglieder des Lederarbeiterverbandes im Jahre 1911 außer den regulären Beiträgen auch noch einige Extrabeiträge leisten mußten, so beweisen die vorstehenden Zahlen auch, daß der Verband für seine Mitglieder erhebliche finanzielle Aufwendungen gemacht hat. Ueber eine Viertelmillion Mark wurden bei 15 666 Mitgliedern allein für Streik- und Gemaßregeltenunterstützung ausgegeben, außerdem 187 217 M. für reine Unterstützungszwecke. Den Mitgliedern sind allein insgesamt 444 826 M. in Form von Streik-, Gemaßregelten-, Erwerbslosen- und anderen Unterstützungen zugefloffeir Erinnern wir daran, daß durch die Lohnbewegungen im Jahre 1911 für 1191 Personen eine Verkürzung der Arbeitszeit um 2567 Stunden oder um 2% Stunde pro Person und Woche er- zielt wurde, so kann man wohl sagen, daß der Verband zur Ver- besserung und Erhaltung der Lebenslage seiner Mitglieder Er- iprießlichcs geleistet hat. Die schweren Kämpfe des Jahres 1911 sollten für alle Mitglieder ein Ansporn sein, die Agitation rege zu betreiben, damit der Verband sich immer mehr ausbreitet und den Kämpfen der Zukunft ruhig entgegensehen kann. Der Metallarbeiterstreik in Thalc am Harz. Die bürgerliche Presse verbreitet über den Metallarbeiter- streik in dem Eisenhüttenwerk in Thale a. Harz alarmierende Nach- richten. Die Streikenden sollen sich schwerer Ausschreitungen schuldig gemacht haben und 15 Rädelsführer sollen verhaftet worden rin. In Wirklichkeit sind keinerlei Ausschreitungen vorgekommen, die Polizei hat zwar einige Male unnötigerweise Ansammlungen von Neugierigen mit blanker Waffe auseinandergetrieben und einige Sistierungen vorgenommen; jedoch haben die Streikenden ch trotz der schlimmsten Provokation zu unüberlegten Schritten nicht hinreißen lassen. Am Dienstag morgen haben weitere 666 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Durch die Arbeitsniederlegung von weiteren 666 Mann ist der Betrieb des Eisenhüttenwerkes nun so gut wie völlig stillgelegt. Mit 51 Arbeitswilligen, die von der Firma Ww. Müller in Hamburg geliefert wurden, kann die Betriebsleitung nicht viel anfangen, obwohl diese Hintzebrüder ihr sehr teuer werden, denn sie bekommen täglich 4,56 M. Lohn und völlig freie Beköstigung und sollen daneben noch allerlei Ansprüche in bezug auf Bier, Kognak. Zigarren usw. haben. Die Ausdehnung des Streiks ist darauf zurückzuführen, daß die Betriebsleitung von den Arbeitern der übrigen Abteilungen des Betriebes Streikarbeit für das Walz- werk verlangte. Etwa 166 Arbeiter, die diese Sfweikarbeit ablehn- ten, waren vorher schon ausgesperrt worden. Der Versuch des Verbandes der katholischen Arbeitervereine, seine Mitglieder zu Streikbrcchcrdiensten zu verleiten, ist völlig gescheitert. Die Betriebsleitung sitzt vorläufig noch auf hohem Pferde. Sie hat eine Erklärung veröffentlicht, daß sie. selbst wenn die Or- ganisation mit ihr verhandeln wolle, jede Verhandlung ablehnen würde. In der Fraiikfurter Metallindustrie drohen neue Differenzen auszubrechen wegen der brutalen Maßregelung eines Arbeiters bei der Firma Pokornh u. Wittekind, die auf Grund der Denunziation eines Gelben erfolgt ist. 136 Dreher haben die Kündigung ein- gereicht. Die Maschinisten und Heizer von sämtlichen Schneidemühlen Tilsits haben an die Unternehmer Forderungen eingereicht; hier sind noch die niedrigsten Löhne vorherrschend. Die Zlrbcits- Verhältnisse hinsichtlich der Ueberstundeu und Nebenarbeiten sind schlecht. Die Arbeiter allerorts, besonders in den Ostseeprovinzen, werden dringend ersucht, jeden Zuzug von Maschinisten und Heizern nach Tilsit fernzuhalten._ Zh- Glocke, Bevi'w. Druck u- Perlgg: Vorwärt- Buchdr. Perlagsanstast Husland* Erntearb eiterstreik in Ungar«. Im Komitat Hajdu ist ein Erntestreik ausgebrochen. Die Arbeiter fordern eine bedeutende Lohnerhöhung. Die Gendarmerie wurde verstärkt und Militär in Bereitschaft gestellt. Der Streik der französischen Seeleute. Die von der Regierung herbeigeführten Besprechungen der Arbeftgeber mit den Arbeitnehmern sind abgebrochen worden. Die Seeleifte und Dockarbeiter vereinigen sich jetzt, um gemeinsam den Kampf aufzunehmen. Die Lage gilt als außerordentlich ernst. In einer Versammlung der Dockarbeiter in Le Havre wurde beschlossen, den Generalstreik zu proklamieren. Auch in den anderen Häfen sollen die Arbeiterführer zum Generalstreik ge- raten haben, so in Nantes. Die Polizei hat umfangreiche Matz. nahmen getroffen. Die Seeleute weigerten sich, die ihnen von der Messagerie Maritime vorgeschlagenen Bedingungen anzunehmen, sie behalten sich jedoch vor, weitere Vorschläge einzufordern. Hus der frauenbewcöung� Wahlrecht der Frauen zur Handelskammer. Ueber das Wahlrecht der Frauen zur Handelskammer bestimmt das preußische Handelskammergesetz, daß Personen weiblichen Ge- schlechts als Inhaberinnen in das Handelsregister eingetragener Firmen zwar wahlberechtigt sind; aber diese Personen können ihr Wahlrecht nur durch Vermittelung eines im Handelsregister ein- getragenen Prokuristen oder, wenn sie einen solchen nicht haben. durch einen besonders bestellten Bevollmächtigten ausüben. Diese Regelung des Wahlrechts der Kauffrauen ist unzweckmäßig und unbillig. Sie bietet den Kauffrauen keine Sicherheit dafür, daß ihre Stimme dem Kandidaten zufällt, den sie zu wählen wünschen, da die Stimmabgabe geheim ist und so. mit keine Kontrolle möglich ist, ob der beauftragte Prokurist oder Bevollmächtigte im Sinne seiner Auftraggeberin handelt. Weiter steht diese Regelung mit der heuftgen Auffassung über die Stellung der Frau im öffentlichen Leben und ihrer Bedeutung im gewerb- l-chen Leben nicht im Einklang. Eine Handelskammer war au den Deutschen Handclstag mit der Bitte herangetreten, darauf hinzu. wirken, daß mit dieser Beschränkung des Wahlrechts der Frauen zur Handelskammer gebrochen und den Frauen dw unerngefchränkte Ausübung des Wahlrechts gewährleistet werde. Nachdem erne Reihe von Handelskammern diese Anregung befürwortet hatten, schloß sich auch der Ausschuß des Deutschen Handelstages dem au und sprach sich dafür aus/ daß denjenigen Personen weibliche» Ge- schlechts, welche Inhaber von im Handelsregister eingetragenen Firmen sind und im übrigen den Anforderungen bezüglich der Teil- nähme an den Handelskammerwahlen enffprechen. die Ausübung des Wahlrechts in eigener Person zugestanden werde, Leseabende. 3. KreiS. Heute Donnerstag im GewerkschastshauS, Zimmer stehe Tafel: Vortrag des Genoffen Gent über Heinrich Heine. Hetzte IHachriehten. Weitere Beratung der französischen Wahlrefornk. Paris, 3. Juli.(W.T.B.) Die Deputiertenkammer setzte heute die Beratung der Wahlreform fort. Der zweite Para» graph des Artikels 3, der je einen Deputierte» für 79 699 stau. zösischc Einwohner und für jeden die Zahl 29 999 überschreitende» Bruchteil zugesteht, und darauf ebenso Artikel 3 im ganzen wurden angenommen. Sodann begann die Kammer die Beratung der vereinigten Artikel 19 und 26, die den Wahlquotienten fesffetzen. Nachdem der Grundsatz des Wahlquotientcn angenommen worden war, wurde die Sitzung geschlossen. Der Belagerungszustand über Fez aufgehoben. Pari«, 3. Juli.(W.T.B.) We aus F e z gemeldet wird, hat General Lyautey infolge der guten Haltung der Bevölkerung in der letzten Zeit und angesichts der erfolgreichen militärischen Maßnahmen den über Fez verhängten Belagerung S. zu st and aufgehoben.— Nach einer weiteren Meldung aus Fez hat der im Ucrgatal aufgetauchte neue Prätendent, der über bedeutende Geldmittel zu verfügen scheint, berertS zahl- reiche Anhänger um sich geschart und den Kaid Wedba Mohamed Schergin, der sich ihm entgegenstellte, in die Flucht geschlagen. Wie es heißt, wird die Kolonne Gouraud gegen den Prätendenten marschieren und versuchen, ihn gefangen zu nehmen. Die Budgetdebatte i» der türkische» Kammer. Konstantinopel, 3. Juli.(W. T. B.) Ali Ghalib(libe- rale Entente) besprach die Ereignisse in Albanien und erklärte, die Regierung hätte sich nicht nur auf Gewaltmaßregeln beschränken dürfen, sondern auch ihren Willen zeigen müssen, alle Nationalitäten zufriedenzustellen und die Ord- nung zu sichern. Redner tadelte die äußere Politik der Regierung. welche es zugelassen habe, daß die Türkei isoliert bleibe, obwohl sie militärisch stark sei. Finanzminister Dschavid Beh erklärte, die Nation wünsche die Fortsetzung des Krieges bis zum äußersten. Er wisse, daß wenn der Großwesir jetzt antworten könnte, er nur sagen würde, der Wunsch der Nation sei der Wunsch der Regierung. Die Generaldebatte über das Budget wurde hierauf geschlossen.(Siehe auch Türkei.)_ Die internationalen Scharsmacher. Kopenhagen, 3. Juli.(P. C.) Die deutschen Tischler- meisterinnungen statten zurzeit Kopenhagen einen Besuch ab, der bisher außerordentlich wohlgelungen verlaufen ist. Im Laufe des heutigen Vormittags fanden Zusammenkünfte mit der dänischen Tischlerzunft und dem Arbeitgcberver- e i n statt, um über ein Zusammengehen bei Aussperrungen und Streiks zu beraten. Todesurteil. Elberfeld, 3. Juli,(W.T.B.) Das Schwurgericht ver- urteilte den Werkmeister Schoppenhaus aus Kronertberg, der am 26. März d. I. den 68jährigen Kohlenagenten Hengstenberg aus Remscheid ermordet hat, wegen Mordes und schweren Raubes zum Tode und wegen versuchten Raubes und Mein- eides zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus. Die Mitangeklagte� Frau Kerstan wurde wegen Begünstigung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Hochwafserkatastrophc in Mexiko. Mexiko, 3. Juli.(P. C.) Eine furchtbare Hochwasser- katastrophe hat im Norden des Staates Mexiko die größten Verwüstungen angerichtet. 20 000 Quadratmeilen stehe» unter Wasser. Der Rio de Lerna ist über feine Ufer ge- treten und der Chapala-See hat das ganze Südufer über- schwemmt. Die Städte S a l a m a n c a und Quere ta ro sind h a l b z e r st ö r t. In den trockenen Gegenden sind eine große Anzahl Wasserreservoire ausgelaufen. Dadurch ist die Ernte gefährdet. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über 1 0 Millionen Mark.__ Paul Singer& Eo., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. a.. 153. A.MW, i Kejlllge des.IllMlirts" Kellilltr KllisdlM. Zur Hendcrung des Organlialionsitatuts. � Unter dem Titel„Die Arbeitermasse und die Parteiorganisation" veröffentlicht die„Bremer Bürger-Zeitung" vier Artikel des Genossen Karl Rädel, die offenbar im Einverständnis mit der Redaktion geschrieben sind und deren Stellung zum Organisationsentwurf Rech- nung tragen. Im Gegensatz zu den von uns vor kurzem im Aus- zug wicdergegcbcnen Artikeln des Genossen Hönisch, gegen den die jetzt vcröffentliäiten Artikel des Genossen Rädel polemisieren, er- klärt sich Rädel für die Einschränkung des Vertretungsrechts der Reichstagsfraklion auf den Parteitagen. Es heißt darüber u. a.: „Per den Aenderungen in der Vertretung der Fraktion auf dem Parteitage und bei dem Vorschlage auf Bildung eines Partei- ciusschusses handelte es sich um nichts weniger als um die Stär- kung des Einflusses der Masse der Parteimitglieder auf die politische Leitung der Partei. Die Berechtigung der ganzen sozialdemokratischen Fraktion, an den Parteitagen teilzunehmen, ist eine Becinfluffung der Partei durch Parlamentarier in einem Maße, wie sie der gesunden Entwicklung der Partei nicht entspricht. Würden dazu die Argumente der Ver- fechler dieses Anrechtes der Reichstagsfraktion folgerichtig angewandt »verdcn, so würde der Parteitag sich überhaupt in eine' Zusammen- kunft der Parlamentarier und weiter folgerichtig gedacht in einen Vertretungstag der Parteibeamtenschaft verwandeln müssen. Denn wenn alle ReichstagSabgeordncten berechtigt sein sollen, auf dem Partei- tage zu erscheinen, weil hier an ihren Taten Kritik geübt werden kann,... dann soll man nicht bei den Reichstagsabgeordneten Halt machen. Die badischen oder württembergischen Landtagsabgeordneten rufen oft die Kritik der Gesamtpartei hervor, ihre Budgetabstimmungen haben schon oft zu schweren Konflikten mit der Gesamlpartei geführt, die betreffenden Landcsversammlungen bilden keinen gelreuen Spiegel der Stimmung in der Gesamtpariei, man müßte also auch den Landtagsfraktionen das Recht des Erscheinens auf dem Parteitage geben. Und unsere Parieipresse ist nicht minder ein nach außen wirkendes Organ der Partei, sie besitzt— wie der Parlamentarismus— ihre besonderen Gefahren, sie unterliegt der Kritik des Parteitages, die Redakteure könnten sehr viel lernen auS der Teil- nähme an den Parteitagen usw..." Rädel untersucht nun die Stellung der Parteibeamten zur Maffe der Mitglieder und gibt der Meinung Ausdruck, daß die Beamten- ftmfl sich zu einein besonderen Organismus ausgebildet habe, der nicht immer den politischen Zustand der Masse wider- spiegele. In der Parteibeamtcnschaft habe die parlamentarische Ver- tretung eine große Stütze. „Die Belassung des Rechtes der ReichStagsfraktion auf volle Vertretung auf den Parteitagen stärkt das bureaukratische Element in der Partei, mindert die Bedeutung der Parteitage als des Maß- stabS der Haltung und des Willens der Parteimitglieder selbst. Darum ist die Forderung, daß der Fraktion nur eine zahlenmäßig geringe Vertretung auf den Parteitagen zugebilligt wird, berechtigt. Nach unserem Dafürhalten sollte die Frakliou ein Recht haben, nur einige— sage» wir zehn— Delegierte zu entsenden, die der Zu- saminensetzung der Fraktion entsprechen würden." Ebenso kommt Rädel in seinem zweiten Artikel im Gegensatz zu Hönisch zur Forderung des Parteiausschusses, wenn auch in anderer Zusammensetzung, wie der Organisationsentwurf ihn vorsieht. „Die Partei hat sich zu einem kolossalen Organismus aus- gewachsen. Ihre Institutionen verlangen eine Unmasse von Ver- waltungSarbeit. Der Parteivorstand ist von dieser Verwaltungs- arbeit fast durchweg in Anspruch genommen. Seine Mitglieder sind, wenn man ihre Liste durchgeht, fast alle mit dieser Arbeit bcsckäfligt und sie haben sich auch größtenteils in dieser Arbeil ihre Sporen verdient. Politiker sind sie � mit geringen Ausnahmen— sozusagen im Nebenberuf. Die aber von ihnen, die Polisiker sind, sind alle Parlamentarier. Die parlamentarische Situation beherrscht sie. Die Lage in Deutschland macht aber allmählich nicht daS parlainentarische Parkett, sondern die Straßen zum auSichlaggebendcn Faktor. Für die Bedürfnisse der Massenaktion hat der Parteivorstand kein Gesühlsorgan. Und wenn es auch bei einzelnen seiner Genossen bestände— wie es verlautet—, so würde dies nicht viel helfen. Massenaktionen bürden eine ganz andere Verantwortung auf, als parlamentarische Aktionen.... ... Wie eS auch sei, wird der Entschluß über einzuleitende Aktionen— wie eine allgemeine VecsammlungS- und Demonstrations- aktion—, der leitenden Instanz nicht leicht: erstens, weil sie die Lage im ganzen Reiche nicht übersieht, zweitens� weil sie sich ver- antwortlich fühlt für das, was sich aus den von ihr eingeleiteten Aktionen entfalten kann. Es fehlt also dem Parteivorstand: 1. an politischem Ueberblicki 2. an der Initiative; und 3. an der Möglichkeit, die Verantwortung für die Massenaktionen, wie sie sich aus der poli- tischen Situation ergeben können, zu tragen. Die Institution, die diese Lücke ausfüllen soll, muß in erster Linie den politischen Ueberblick habe» über die gesamte Situation in Deutschland. Sie darf also keine Zusammenkunft der Bezirksleiter sein, die ebenso wie der Parteivorstand, mit Verwaltungsarbeit über- laden sind. Natürlich kann keine Rede von dem prinzipiellen Aus- schluß der Parteisekretäre usw. sein. Wenn ein solcher Parteibeamter sich durch die Schärfe des politischen Urteils, polittschen Weitblick auszeichnet, gehört er in den Parteiausschuß hinein. Dazu aber Partciredakteure, politisch tälige Gewerkschaftsbcamte. Par- lamcntarier, Theoretiker! Der Parteiausschuß muß sich aus den Vertretern aller Teile der Parteiarbeit zusammensetzen, wobei zwei Momente maßgebend für die Auswahl sein müssen: politischer Weitblick und st e t e Fühlungnahme ni i t der lebendigen Partei. Nichts wäre verhängnisvoller für die neue Parteiinstitution, als wenn sie die Partei um noch eine übliche Parteiinstanz bereichern würde, die zusainmentreten würde, um die Arbeit des Partei- Vorstandes zu„kontrollieren". Der Ausschuß soll dem Parteivorstand vorangehen mit politischem Rat, politischer Initiative. Darum soll er keine obligate regelmäüige Arbeit leisten. Er soll zusammen- treten, wenn ein Teil leiner Mitglieder— sagen wir ein Drittel— der Ansicht ist, daß seine Beratung nötig ist. Ein Ausschuß aber, der pedantisch auS den Vertretern aller Be- zirke gemacht wäre, müßte erstens eine zu schwere Maschine sein; dabei ist eine solche Zusammensetzung auS allen Bezirken gar nicht nötig. Zur Beurteilung der allgemeinen politischen Lage, der Be- dingungen einer politischen Aktion genügt eine Zusammsetzung des Ausschusses aus den Vertretern aller Großstädte— in denen schließlich die Geschichte gemacht wird— und der sozial ausschlaggebenden Bezirke(Rheinland-Westfalen zum Beispiel). Dadurch ist auch die Frage, wer die Mitglieder des Ausschusses wählen oder vorschlagen wird, entschieden. Nur der Parteitag ist dazu berufen, denn es handelt sich bei der Bildung des Ausschusses nicht um die Schaffung einer Parteiiustauz, die lokale Schmerzen lindern soll, sondern um eine politische Institution, die die politische Aktionsfähigkeit der Partei heben soll. In seinem dritten Artikel beschäftigt sich der Kritiker mit der politischen Bedeutung der Statutenänderung und schreibt:„Keine Statulenäuderung, keine neuen Jnstilutiouen werden die von der politischen Entwickelung an die Parteileitung gestellten Anforde- runge» erfüllen können, wenn die organisierten Arbcitcrmassen die an sie von der Zeit gestellten Anforderungen nicht erfüllen. Wir sprechen natürlich nicht von der Notwendigkeit, keine Opfer zu scheuen, wenn eö gilt zu kämpfen. Es ist selbstverständlich, daß da- bei niemand die Massen vertreten kann. Wir sprechen davon, daß die Massen auch die Funktion des Gehirns keinen„Instanzen" überlassen können. Sie müssen nicht nur das Heer der Kämpfer bilden, sondern auch selb st der immer wirkende General st ab sein. Je intensiver sich die Elite der Arbeiter- klaffe, die weiten Kreise der organisierten Parteigenossen, mit den taktischen Fragen, d. h. mit den Fragen von dem Weg, den ivir einschlagen sollen, und von den Kampfmitteln, die anzuwenden sind, beschäftigen, je bewußter und voraus- schauender sie Stellung zu ihnen nehmen, desto leichter werden den Parteiinstanzen die Entscheidungen fallen und desto sicherer werden diese durchgeführt werden. Nur wenn die organisierten Arbeiter trotz der Bürde ihrer Arbeitstage, trotz der Plackereien und Kleinlichkeiten, die auf ihrem Geiste lasten, sich den weiten Blick aneignen, nur dann wird das Parteischiff sicher seinen Weg gehen. Würden die Massen die taktischen Fragen den Führern überlassen, dann würde wirklich durch die Aenderungen im Parteistatut nur der Beamten- apparat der Partei vergrößert, aber nicht der Einfluß der Masse auf die Enlscheidungen der Partei verstärkt werden. Wer jedoch sieht wie die Selbständigkeit der Arbeiter wächst, und wie sie auch gegen die Parleilcitung einen richtigen Weg finden— siehe die Frage des Stichwahlabkommens—, der wird nicht nach dem Stein der Weisen. »ach solchen Institutionen forschen, die allein das Proletariat mit richtigen Entscheidungen beglücken könnten, sondern er wird in dem jetzt zu schaffenden ParteiauSschuß die Drähte sehen, durch welche kleines feuilleton. Der politische Knopf. Wer augenblicklich in New Dork spazieren geht und über einigermaßen scharfe Augen verfügt, kann es einem zeden Passanten auf den ersten Blick ansehen, welcher Präsidentschafts- tandidar der Erkorene seines Herzens ist. Das Wunder ist aber nicht so groß, wie es dem Unkundigen erscheinen könnte; es gehört kein Sherlock Holms dazu, um die polltischen Gedanken der Leute auf der Straße zu erraten, sondern nur einige Erfahrung in der Naturgeschichte des politischen Knopfes I Während einer Wahl- kampagne trägt nämlich jedermann in den Vereinigten Staaten am Rockausschlag einen Knopf mit dem Porträt oder dem Wahlspriich eines der Kandidaten. Es hat sich eine ganze Industrie gebildet, die solche Knöpfe herstellt. Besonders, nachdem die beiden Nationalkonvente ihre Kandidaten nominiert haben, beginnt eine Hochkonjunktur in solchen Knöpfen. Man hat berechnet, daß bis zum Wahltag im November mindestens zehn Millionen Knöpfe dieser Art abgesetzt sein werden. Die Aufschriften der politischen Knöpfe sind nicht ohne Interesse, da sie in knapper Form den charakteristischsten Zug der betreffenden Kandidaten wiedergeben. Von den Führern der Demokraten ist frei- sich der Knopf Wilsons, des fortschrittlichen Gouverneurs von New Aersey, sehr bescheiden. Er zeigt auf der Vorder- wie aus der Rückseite daS Bild und den Namen des Kandidaten»md außerdem die Worte President 1912", d. h.„Zum Präsidenten 1912." Desto kurioser ist das Emblem Cbamp C l a r k s. de« Sprechers des Repräsentantenhauses. Durch einen merkwürdigen Zufall kam ein populärer Gassenhauer in Beziehung zu der Kandidatur Clarks. Die Freunde Clarks erkannten, daß dieses Lied eine gute Propaganda für den Sprecher werden könnte; sie ließen Knöpfe herstellen, die vorn das Bild und den Namenszug Clarks trugen, und hinten einen Hund, den Helden des LiedcS, umrahmt von dem schönen Vers. Diese Embleme überschwemmten zu Tausenden das Land. Wenn wir unS nun den Republikanern zuwenden, so finden wir zu Ehren des Präsidenten Taft mehrere Knöpfe verbreitet. Der eine zeigt sein Bild mit dem behaglich fetten Schmunzeln und die Worte„Hello Bill", d. h.„Hallo Bill I" Ein anderes Taft-Emblem ist ernster gehalten: auf der Vorderseite in großen Lettern„Palt" und auf der Rückseite„Xo third term", d. h.„Keine dritte Amts- Periode". Dies ist das Hauptschlagwort der Taflpartei, daS sich gegen den Versuch Roosevelts richtet, zum drittenmal im Weißen. Hause einzuziehen.— Im letzten Februar gebrauchte R o o s e v e l t in einer großen Rede für seine neue Kandidatur das Wort: «My Hat's in the Ring",(„Mein Hut ist im Ring"). Der Ausdruck wurde auf verschiedene Weise erklärt. Der Ring ist wohl der BoSplatz, in den man seinen Hut zum Zeichen der Herausforderung wirft. Auf jeden Fall flog das Bild mit Blitzesschnelle durchs Land. So zeigen denn auch die Knöpfe „Teddys" einen Trapperhut mit den Buchstaben?. R. inmitten eines Ringes, auf dem jener Satz eitzgetragen ist. Auf anderen Roosevelt-Emblemen befindet sich vorn der Hut mit T. R. und hinten „Asquare Deal all around 1912", daS heißt„Ehrlichkeit überall ISIS". Die Sitte dieser Wahlkuöpfe läßt sich bis zu der großen Kam- pagne des Jahres 1881 zurück verfolgen. Damals trugen die De- mokraten zum ersten Male die Silberknöpfe mit den goldenen Buch- staben C.& H., den Initialen ihres Präsidenten Cleveland und ihres Vizepräsidenten Hendricks. Ihrem Beispiel folgten die Repu- blikaner mit Blaine und Logan, und seitdem gehören diese Knöpfe zu dem eisernen Bestände des amerikanischen Wahlrummels. Eine deutsche arktische Expedition beabsichtigt im nächsten Früh- jähr die Ausreise anzutreten, um die N o r d o st p a s s a g e imLause von vier bis fünf Jahren zu erforschen. Im Prospekt wird gesagt: Wenn wir von der nordasiatischen Küste genaue Karte» besitzen und uns über die Eisverhältnisse in den einzelnen Monaten sicher orien- tiert haben, können die in Nordsibirien lagernden Schätze auf dem billigen Wasserwege von dem einen Flußsystem zum anderen ge- schafft werden. Außerdem dürfte vielleicht wenn auch nur für wenige Wochen im Spätsommer der Schiffsverkehr vom Atlantischen zum Stillen Ozean möglich sein. Die Nordostpassage stellt einen Weg zum Stillen Ozean dar, der um 5699 Seemeilen kürzer als die Suezsahrt und auch noch erheblich kürzer als die Passage durch den Panamakanal, aber infolge der mangelhaften Kenntnis ihres Fahr- Wassers und ihrer Eisverhältnisse zurzeit noch unbenutzbar ist. Leiter der Expedition ist Herr Schröder- Stranz, ein reicher Privatmann, der das Expeditionsschiff, das Kapitän Berg, ein guter Kenner der nördlichen Gewässer, führen wird, wird ein kombiniertes Dampf- und Segelschiff mit EiSverstarkungen sein. Eine Reihe von Fachgelehrten wird während der Reise Beobachtungen auf verschiedenen Gebieten anstellen. Während der Ozeanograph im erste» Jahre westlich und im zweiten östlich vom Kap Tscheljuskin tälig ist, sollen Landexpeditionen den iVq Jahre währenden Aufenthalt deS Schiffes an den Küsten der Taimyr-Halbinsel benutzen, diesen wissenschaftlich wenig bekannten Teil Asien« auf den genannten Gebieten zu erforschen. Im dritten Jahre wird die Nordostpassage vollendet und die ozeanographische Forschung nimmt ihren Fortgang im Stillen Ozean, bis die Rück- reise entweder durch den Panamakanal oder durch die MagelhaeuS- straße nach Europa angetreten wird. Der Zielfilm, dieses neue schöne Wort dürfte bald amtliche» Gebrauch finden. Unsere Militärbehörden sind, wo eS sich um die Vervollkommnung der Mordtechnik handelt, unzweifelhaft sehr neuerungsfreundlich; sie werden sicher nicht ohne tiefes menschen« freundliches Interesse de» Artikel des bayerischen Oberleutnants v. Kramer im.Militärwochenblatt" über„Lebende Ziele" gelesen haben. Da wird eine neue Art des Schießunterrichts besprochen: Ein Film zeigt dem schußbereiten Soldaten plötzlich einige aus ihn anschlagende Feinde, eindringende Reiter usw. und nun heißt eS— treffen. Sofort nach dem Schuß bleibt der Film stehen und das Sckußloch wird einen Augenblick lang grell beleuchtet, so daß der Schütze vor dem nächsten Schuß den Erfolg des ersten sehen kann. Es wird wohl nicht lange dauern und der„Zielfilm" wird das alleinige Programm dienstlicher Kientoppvorführungen fein. Wenn aber schon die Vorrichtung angeschafft werden muß, so wäre sie vielleicht doch auch manchmal zur Vorführung des Erscheinens des „heiligen Geistes" im Lager vvn Döberitz sowie der anderen Er- die Impulse der geographisch zerstreuten Arbeiterschaft»n einen Punkt zusammenlaufen, um von dort als vereinheitlichter Wille zu dem ganzen Partei körper zurückzufließen.". In einem Schlußartikel legt Rädel dar, daß»n allen großen Parteigegensätzen, sowohl in dem Streit zwischen Eisenachern und Lassalleanern wie auch bei dem Aufkommen des Revisionismus, nicht die„Führer" es waren, die diese Gegensätze geschaffen haben, sondern daß„alle wichtigen Wendungen in der P a r l ei t a k t, I, alle auf sie gehenden Bestrebungen von den Massen selbst ausgehen, die unter demEinfluß der sich ändern- den Lebens- und Kampfesbedingungen ihre Stellung zu taktischen Fragen einnehme n. Von d;m Wissen, dem Willen usw. der Führer hängt es nur ab, wie schnell und auf welche Weise diese Aenderungen in der Auffassung der Massen ihren AuS- druck finden. Die Massen sind die Quelle der opportunistischen wie der revolutionären Taktik, und welche in einem gegebenen Moment Oberhand gewinnt, das hängt ab von der Kraft der auf sie wirkenden objektiven Momente, wie von der Größe der in der Masse ge- sammelten Erfahrung, d. h. ihrer theoretischen Aufklärung, die der Einwirkung momentaner Faktoren entgegenwirkt. Welche Schlüsse sind aus diesen allgemeinen Ausführungen aus die jetzige Situation und auf die Frage unserer Organisations- änderungen zu machen? Aus Gründen, die wir hier nicht aus- zuführen brauchen und die unsere Leser in der trefflichen Arbeit des Genossen Kautsky über den Weg zur Macht nachlesen können, steigt in den Arbeitermaffen der Wille zum Kampfe, der Wille zu emem Durchbrechen der Hindernisse, die die agrarische und industrielle Reaktion dem Aufstieg der Arbeiterklasse entgegenstellt. In einer solchen Situation ist es von der größten Wichtigkeit, daß die Partei, ihre leitenden Organe am besten mit der Arbeitermasse verbunden sind. Selbst wenn sie auf Grund ihres Urteils über die allgemeine Lage genötigt zu sein glauben würden oder wirklich genötigt wären„zu bremsen", ist eS absolut notwendig, daß sie die Möglichkeit haben, zu wissen, wie sich die Lage in den Köpfen der Massen spiegelt. Darum werden wir jede Aenderung in der Parteiverfassung be» grüßen, die den Willen der Arbeitermaffen möglichst klar zum Aus- druck bringen können. Wir tun es desto mehr, weil wir in Epochen des Aufschwunges der Arbeiterbewegung, in Epochen, wo sich Massen- aktionen zu entwickeln beginnen, wie wir sie jetzt erleben, viel mehr Vertrauen zu dem revolutionären Instinkt der Arbeitermasse haben, als zu den strategischen Talenten der Führer." ver Schaplroprozeß. Darmstadt, 3. Juli.(Privattelegramm Jis§„Vorwärts".) In der heutigen Sitzung beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten Redakteur Hirsch sieben Monate Gefängnis. Die Plädoyers der Verteidiger dürften den morgigen Tag ausfüllen. Das Urteil wird voraussichflich erst am Freitag gefällt werden. Eue InduTtrie und ftandel. Der Schiffahrtsvcrkchr in den wichtigsten Welthäfen. Die wirtschaftsgeographische Betrachtung der Zentralpunkie des modernen Wasserverkehrs zeigt deutlich die Aenderung. die in der Neuzeit in der handelspolitischen Bedeutung der einzelnen Länder vor sich gegangen ist. Die alten Welthäfen am Mittelmeer sind von den großen Stapelplätzen Deutschlands, Englands und Nordamerikas weit überflügelt worden, und nur Marseille hat sich einigermaßen in der Reihe der bedeutendsten Hafenorte zu halten vermocht. In welchem Maße der Austauschverkehr zwischen West- «uropa und Amerika einerseits und Ostasien andrerseits zunimmt und im Weltverkehr stärker zur Geltung kommt, ist eine der wichtigsten weltwirtschaftlichen Fragen der Zukunft und zwingt zu eingehender Verfolgung des internationalen Warenverkehrs. Sicht man von den ein- und ausgeführten Werten ab und richtet sich nur nach dem Wasserverdrängungsraum der einzelnen Fahrzeuge, so stand nach den vorliegenden Ermittlungen im Jahre 1919 New-Uork obenan. Die im genannten Zeitraum dort ein- und auslaufenden Schiffe hatten einen gesamten Rauminhalt von 25, S8 Millionen Registertonnen. Es liefen nämlich 13,94 Millionen Registertonnen auf der Reede von New-Dork an und 12, S4 Millionen Registertonnen lichteten von dort ihre Anker. Da für die ameri- ziehungSmethoden fruchtbringend anzuwenden. Ist es besser auf Films statt auf Scheiben zu schießen, so dürften bildliche Soldaten- schindereien ebenfalls wirklichen vorzuziehen sein! Eine sonderbare Schlafkrankheit. Die Schlafkrankheit als an- steckendes Leiden ist erst durch den schwarzen Erdteil bekannt ge- worden und bisher auch nur selten auf Europäer oder gar auf Europa selbst übertragen worden. Es kann aber auch zu ähnlichen Krankheitszuständen aus anderer Ursache kommen, und einen der- artigen Fall beschrieb Dr. Pappenhcim in dem Wiener Verein für Psychiatrie. Es handelte sich um eine unverheiratete Frau von 24 Jahren, die erblich nicht belastet war, aber nach einem Sturz den sie als sechsjähriges Kind erlitten hatte, über häufige Kopfschmerzen klagte. Ungefähr mit dem Beginn des erwachsenen Alters stellten sich bei dem Mädchen Schlafanfälle ein, die zunächst nicht durch ihre Dauer, aber durch die Zeit ihres Eintritts und durch die Tiefe des Schlafes auffielen. Ein Erwecken war über- Haupt nicht möglich. Bald darauf kam es aber auch dazu, daß der Schlaf ganz plötzlich während des Sitzens oder gar während des Gehens kam. In letzterem Fall blieb das Mädchen dann Plötz- lich wie von einer Starre ergriffen stehen und wurde in einem solchen Zustande schon nach kurzer Zeit einmal von einer Straßen- bahn Übersahren, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Die Schlaf- anfülle wurden aber nun immer häufiger und länger, zuweilen währten sie ohne Unterbrechung 48 Stunden. Die Krankheit wurde um so bedenklicher, als mit dem scheinbaren Schlaf oft eine große Unruhe verbunden war. Eine Besserung durch hypnotischen Ein- fluß konnte nur vorübergehend erzielt werden, und überhaupt er» wiesen sich alle Versuche einer Hebung des Leidens als wirkungs- los, und sie konnte überhaupt nicht aus dem Krankenhause ent- lassen werden. Die eigentliche Ursache der Krankheit ist schwer zu erkennen. Aehnliche Folgen sind bei Vergiftungen, bei Zucker- krankheiten, bei Gehirnerkrankungen, Hysterie und Epilepsie und auch bei großer Erschöpfung nach anderen Krankheiten beobachtet worden. Notizen. — Eine Gesellschaft für positivi st ische Philo- s o p h i e hat sich in Berlin gebildet. Man will eine Zeitschrift herausgeben und alle Monat eine Sitzung abhalten, eine Bibliothek gründen und Zweigscktionen gründen. Im Ausruf dv» neuen Ge- sellschast heißt es u. a.:„Eine umfassende Weltanschauung auf Grund des TatsachenstoffeS vorzubereiten, den die Einzelwissenschaften auf- gehäuft haben, und die Ansätze dazu zunächst unter den Forschern selbst zu bereiten, ist ein immer dringenderes Bedürfnis vor allem für die Wissenschaft geworden, dann aber auch für unsere Zeit über- Haupt, die dadurch erst erwerben wird, was wir besitzen. Doch nur durch gemeinsame Arbeit vieler kann das erreicht werden. Die Ge- sellschast soll den Zweck haben, alle Wissenschaften untereinander in Verbindung zu setzen, überall die vereinheitlichenden Begriffe zu entwickeln und so zu einer widerspruchsfreien Gesamtauffassung vor» zudringen." Nähere Auskunft durch M. H. Baege, Friedrichshagen bei Berlin. Waldowstr. LS. frtmfdjcti Häfttt Bslfeifl Sie Zahlest Eän iöll EdctÜni siüS, so ISP sich feststellen, ba& der New-Dorker Hafenverkehr im letzten Jahr auf 2 Durch die Rücknahme wurde der erstinstanzliche Freispruch rechtskräftig. »* • Empörend ist es, daß in diesem Falle nicht die durch un« parteiische Zeugen schweren Mißbrauchs überführten Schutzleute. sondern der völlig schuldlose feig und brutal Mißhandelte auf die Anklagebank kam. Schade, daß der Staatsanwalt, der diese An- klage baute, sich nicht in der Rolle des Zimmerers befunden hat. Er würde durch die Hiebe und Brutalitäten von feiner weltfremden Polizeihochachtung wohl kuriert worden fein. Werden nun endlich die drei Schutzleute wegen schweren Amtsmißbrauchs angeklagt werden? Dem Zimmerer möchten wir dringend raten, nunmehr mit einer Schadenersatzklage gegen die. Schutzleute und gegen den Fiskus vorzugehen._ Ein frommer Kinderschänder. Am Dienstag hat die Strafkammer in Gotha nach stunden- langer nichtöffentlicher Verhandlung den Hausvater Otto Schmidt vom Soldatcnhcim in Ohrdruf(Truppenübungsplatz) zu sechs Mo- natrn Gefängnisstrafe verurteilt, weil er unzüchrige.Handlungen an jungen Burschen vorgenommen hat. Schmidt leugnete, wurde jedoch der der Anklage zugrunde liegenden Tatsache für überführt erachtet und unter Annahme mildernder Umstände verurteilt. Schmidt war als sehr frommer Mann bekannt. Der Verhandlung wohnte als Zuhörer der gothaische Hofprediger bei, v Hilfslohn bei der Rettung aus Seenot. In Anschluß an die Erörterungen über die„Titanic"-Kata- strophe interessiert auch die rechtliche Stellung deS helfenden Schiffes, das einem in Seenot befindlichen Schiffe erfolgreich Hilfe leistet oder verlassene Güter birgt. Die deutsche Gesetzgebung kennt ein Recht auf Bergungs« und Hilfslohn. Wird nämlich ein in Seenot von der Besatzung verlassenes Schiff oder desien Ladung von anderen Personen an sich genommen und in Sicherheit ge- bracht, so haben diese Personen nach§ 749 des Handelsgesetzbuchs Anspruch auf Bergelohn. Leisten die fremden Personen bei der Rettueig eines in Seenot befindlichen Schiffes nur Hilfe, so ist ihnen ein Hilfslohn zuzubilligen. Der Berge- oder Hilfslohn ist nach Maßgabe der persönlichen oder fachlichen Hilfeleistungen unter die einzelnen Retter zu teilen, im Zweifel nach der Kopfzahl. Zu- ständig ist zunächst das Seeamt. Ter Anspruch begründet aber auch ein klagbares Recht. Ein solcher HilfSlohnanspruch hat am Mitt- woch daS Reichsgericht aus Slnlaß einer Klage des Nordischen Bcrgungsvcreinv gegen den Norddeutschen Lloyd beschäftigt. Der Doppelfchrauben-Postdninpfcr„Derffliuger" deS Nord- deutschen Lloyd strandete am 29. Juli 1909, mittags gegen 1 Uhr. kurz nachdem er den Hafen von Southampton verlassen hatte. Ter seit zwei Stunden abfließende starke Ebbestrom hatte das 41 Meter länge und 17 Meter breite Schiff am Backbordbug gefaßt und die Veranlassung dazu gegeben, daß es aus dem Steuer lief und auf einer Sandbank sitzen blieb. Alle Maschinenmanöver blieben er- folglos. Mehrere aus Southampton herbeigekommene Schlepper machten am Abend und in der Nacht vergebliche Abschleppungs» versuche. An den Bergungsversuchen beteiligten sich am anderen Tage im Auftrage des Nordischen BergungsvereinS die Dampfer „Seeadler" und„Valkyrien". Der„Seeadler" war in elfslündiger Fahrt herbeigeeilt. Den Hauptdienst aber leistete die„Valkyrien". die in Dover stationiert und zu BergungSziwecken ausgerüstet ist. Mit Hilfe dieser beiden Schiffe ist der„Terfflinger", dessen Ladung zum großen Teil gelöscht worden war, endlich nach sünfstündiger Arbeit abgeschleppt worden.„Derfflinger" war nicht lreschädigt; er konnte nach einer Untersuchung in Southampton die Reise fort- setzen. Für die Mühewaltung macht der Nordische Bergungsverein einen Hilfslohn von 85 999 M. geltend. Das Strandamt billigte dem Bergungsverein 39 999 M. zu. Dieser gab sich damit nicht zw- frieden. Als der Norddeutsche Lloyd 19 990 M. freiwillig gezahlt hatte, erhob der Nordische Bergungsverein Klage aus) Zahlung weiterer 75 999 M. Hilfslohn. Das Landgericht Hamburg billigte dem klagenden BergungH- verein 39 099 M. zu; das Oberlandesgericht Hamburg gewährte ihm weitere 29 999 M., also im ganzen 59 999 M. Hilfslohn. DaS Ober- landesgericht führt in seinen Entscheidungsgründcn au� daß die beiden vom Nordischen Bergungsvcrcin beauftragten Dampfer „Seeadler" und„Valkyrier" nicht vergebliche Dienste bei der Bergung geleistet haben. Der„Seeadler" fei auch benutzt worden, zwei Leichter mit den gelöschten Waren nach Southampton zu trans- Portieren. UnzweifeUjaft ist auch, wie daS Obcrlandesgericht weiter darlegt, die Strandung an einer für die Schisfahrt sehr ge- fährlichen Stelle passiert.' da die meisten dort strandenden Schiffe verlorengehen, Bei der höhen Gefahr des DurchhreKens war als- Laldige Hilfö dringend nötig, da ein Schiff nn Mrle von sieden Millionen Mark hätte verlorengehen können. Bei der herrschenden Windstärk« von 6 bis 7 aber waren die helfenden Schiffe sellbst einer erheblichen Kollisionsgefahr ausgesetzt. Allerdings sind die von dem„Seeadler" geleisteten Dienste nicht so groß, wie die Dienste der„Volkyrien", deren Eingreifen wegen der besonderen Einrich- tung besonders werwoll war. Beim„Seeadler" kommt aber in Betracht, daß er in elfstündiger Fahrt herbeigekommen ist und daß sein Reeder während langer Zeit seiner Dienste entbehren muhte. In der Hauptsache führt das Oberlandesgericht die Rettung auf die erfolgreiche Methode der„Balkyrien" zurück. Dabei erwähnt es, daß bei der Bemessung des Bergungslohnes auf den gesamten Wert und die Vorteile der Rettung Gewicht zu legen und alle verloren gegangene Zeit zu berücksichtigen ist. Das Oberlandesgericht hat deshalb für beide Schiffe zusammen eine Summe von 50 000 M. als Hilfslohn angenommen. Das Reichsgericht hat das Urteil des Oberlandesgerichts Ham- bürg bestätigt und die Revision des Norddeutschen Lloyd zurück- gewiesen. Anfechtbarkeit einer Ehe wegen Irrtums. Die Anfechtbarkeit einer Ehe wegen Irrtums eines Ehegatten bildet ein interessantes Rechtsthema, das hier allerdings nicht er- schöpfend behandelt werden soll. Biel Beachtung aber verdient in dieser Richtung eine am Donnerstag ergangene neue Reichsgerichts- entscheidung, die wir mit den dazu nötigen Erläuterungen mit- teilen. Nach§ 1333 d«S Bürgerlichen Gesetzbuchs kann eine Ehe von dem Ehegatten angefochten werden, der sich bei der Eheschließung in der Person oder über solch« persönliche Eigenschaften des anderen Ehegatten geirrt hat, die ihn bei Kenntnis der Sachlage von der Eingehung der Ehe abgehalten haben würden. Ein Irrtum in der Person liegt zum Beispiel dann vor, wenn jemand die seiner Braut ähnliche Zwillingsschwestcr heiratet. Als persönliche Eigen- schaftcn sind die Umstände anzusehen, welche eine Person, losgelöst von ihren Beziehungen zur Außenwelt, in ihrem Wesen bestimmen. Hierher gehören sowohl körperliche, als auch geistige und sittliche Eigenschaften. Gebrechlichkeit, dauernde Unmöglichkeit des ehe- liehen Verkehrs(Urteil des Reichsgerichts vom ö. Februar 1906), Mangel der Virginität der Frau(Reichsgerichtsurtcil vom 9. Mai 1361), ansteckende Krankheiten(Urteil des Reichsgerichts vom 2. Februar 1905), Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunksucht, Jähzorn, Arbeitsscheu sind fast immer berechtigte Gründe zur An- fechtung der Ehe wegen Irrtums. Zu untersuchen ist,, ob der andere Ehegatte unter Berücksichtigung seiner eigenen persönlichen Eigenschaften bei Kenntnis des wahren Sachverhalts die Ehe ein- gegangen wäre. Ist diese Frage zu verneinen, so liegt Anfechtbar- keit vor. Die Anflchtungsklage kann nur innerhalb sechs Monaten nach Kenntnis des wahren Sachverhalts erhoben werden. Ueber die vermögensrechtlichen Folgen der Nichtigkeitserklärung enthalten die 1345 und 1346 B. G.-B. Vorschriften, die bei rein wörtlicher Auslegung zu Unbilligkeiten führen würden. Dieser Auslegung ist das Reichsgericht jetzt entgegengetreten. Nach§ 1345 B. G.-B. steht nämlich dem Ehegatten, dem bei der Eheschließung die Nichtigkeit nicht bekannt war, gegen den Ehegatten, dem sie bekannt war. das Recht auf Unterhalt in demselben Umfang zu, als wenn der zu Verklagende bei der Ehescheidung als schuldiger Teil erklärt wäre. Dieses Recht auf Entschädigung sagt aber§ 1346 B. G.-B., Satz 2, steht in dem Falle, wo die Auflösung wegen Irrtums er- folgt, dem zur Anfechtung nicht berechtigten Ehegatten zu. es sei denn, daß er den Irrtum bei der Eingehung der Ehe gekannt hat oder kennen mußte. Der Fall, der das Reichsgericht beschäftigte, lag folgender- maßen: Eine Frau hatte die Ehe wegen Irrtums über die Gesundheit des grschlechtskrankcn MnnneS angefochten. Die Ehe wurde für nichtig erklärt. Als die Frau Unterhaltsansprüche erhob, wurde sie vom Landgericht und vom Kammcrgericht zu Berlin mit ihrer Klage unter Hinweis auf§ 1346 B. G.-B. abgewiesen, da die An- sprüche dem zur Anfechtung nicht berechtigten Ehegatten zustünden. Das Reichsgericht hat das Urteil aufgehoben und ausgeführt: Es handelt sich hier nicht um Ansprüche„des zur Anfechtung nicht be- rcchtigten Ehegatten", sondern umgekehrt um den Unterhalts- anspruch der zur Anfechtung berechtigten Frau. Der Unterhalts- anipruch der Frau kann mithin, was der Berufungsrichter zu ver- kennen scheint, von vornherein nicht auf§ 1346 Satz 2, sondern nur auf 8 1345 Abs. 1 B. G.-B. gestützt werden. Nun wird allerdings in der Rechtslehre die Meinung vertreten,§ 1346 Satz 2 enthalte für den Fall, daß eine wegen Irrtums anfechtbare Ehe für nichtig erklärt ist, eine erschöpfende Regelung. Das Reichsgericht vermag sich dieser Meinung nicht anzuschlichen. Schon die äußere An- ordnung des Gesetzes deutet darauf hin, daß§ 1345 den allgemeinen Grundsatz enthält, nachdem die nichtige Ehe auch nach der Nichtig- keitserklärung gewisse vermögensrechtliche Wirkungen äußern soll. Dagegen tritt nirgends hervor, daß der Grundsatz der besonderen Schutzbedürftigkeit des einseitig gutgläubigen Ehegatten verlassen werden sollte, der in§ 1345 seinen Ausdruck gefunden hat und in allen Abschnitten der Gesetzbcratung gebilligt worden ist. Die Klägerin kann also zur Begründung ihres Unterhaltsanspruchs bc- weisen, daß dem Beklagten die Nichtigkeit oder doch die Anfechtbar- keit der Ehe bei der Eheschließung bekannt war.— Die Sache ist zur weiteren Beweiserhebung an das Kammcrgericht zurückvcr- wiesen worden. Versammlungen. Der sozialdemokratische Wahlverei» für den vierten Berliner Reichstags-Wahlkreis hatte Dienstag wieder in den Konkordia-Fcst- sälen eine außerordentliche Generalversammlung, um die Erledigung der Tagesordnung der Versammlung vom 25. Juni fortzusetzen. Es handelte sich zunächst um die Aus- sührungsbestimmungen zum Statut. Wie wir bereits berichteten, hat jene Versammlung die Einführung des Vertretersystems für die Zusammensetzung der Kreis-Generalversammlung(8 16) beschlossen, sowie die§8 1 und 2, betreffend die Einteilung des Vereins und die ' �abeu der Viertel und der Biertelsversammlungen, erledigt. 'emtmi zur Verhandlung 8 3, der namentlich die A b t e i l u n- gen der Bezirke betrifft. Nach Annahme einiger Unteranträge wird der 8 3 beschlossen. Er bestimmt: «Jede Abteilung wählt zwei Abteilungsführer. Als Ab- teilungsführer kann nur gewählt werden, wer bereits Bezirks- führer war und mindestens zwei Jahre politisch und gcwerkschaft- lich organisiert ist, letzteres, soweit für ihn eine gewerkschaftliche Organisation besteht. Zu den Aufgaben der Abteilungsführer ge- hören: a) Vertrieb des Materials an ihre Bezirksführer: Beitrags- marken, Bons, Literatur usw. Die Abrechnung der Abtcilungs- führer mit dem Kassierer hat spätestens am zweiten Freitag nach dem Zahlabend stattzufinden. b) Uebernahme der Leitung bei Reichstags-, Landtags- und Stadtverordnetenwahlen der ihnen unterstellten Bezirke. c) Eine der wichtigsten Aufgaben der Abteilungsft'ihrcr ist jedoch der ständige Verkehr mit ihren BezirkSführcrn und tätigen Genossen. Sie sollen gemeinsam die Maßnahmen beraten und treffen, die erforderlich sind, um in den Zahlabenden im Geiste des Sozialismus bildend auf die Genossen zu wirken. Sie sollen alles daran setzen, um die Verhandlungen interessant zu ge- stalten. d) Für die Genossinnen in den einzelnen Abteilungen findet in jedem Monat einmal ein besonderer Lese- oder Vortrags- abend statt. Die Leiterinnen und Stellvertreterinnen der Lese- abende werden in dem Leseabend gewählt und in der Abteilungs- Versammlung bestätigt. Ausgabe der Leiterinnen ist es, agitato- risch, aufklärend und werbend unter den Frauen und Mädchen zu wirken. In allen Bezirks-, Abteilungs-, Viertels- und Kreis- konferenzen haben die Leiterinnen und oie Kontrolleurinnen der Kinderschutzkommission Sitz und Stimme." Der 8 4 erhält laut Beschlutz folgende Fassung: „Jeder Bezirk wählt zu seiner Leitung zwei Bezirksführer. Als Bezirksführer kann nur gewählt werden, wer mindestens ein Jahr politisch und gewerkschaftlich organisiert ist, letzteres, sofern eine gewerkschaftliche Organisation für ihn besteht. Zu den Auf- gaben der Bezirkssührer gehören: Der erste Bezirkssührcr trifft die notwendigen Vorbereitungen zum Zahlabend. Maßnahmen für guten Besuch, erstattet Bericht über die Fragen, die die Orga- nisation betreffen, stellt politische Tagesfragen oder belehrende Abhandlungen zur Diskussion, also sorgt dafür, daß der Zahl- abend zu einer bildenden Stätte wird. Ferner hat der Bezirks- führer die Meinung und die Anträge seiner Bezirksgcnosscn in der Kreiskonferenz zum Ausdruck zu bringen. Der zweite Be- zirksführcr nimmt im Zahlabend die Beiträge in Empfang". Der 8 3, der in der Fassung der Vorlage angenommen wird, regelt die Geschäfte der Beschwcrdekommission. Der 8 7 handelt von der Zusammensetzung des Vorstandes. Eine lebhafte Diskussion ruft ein Antrag hervor, der die Kreis- angestellten nicht als direkt zum Vorstand gehörig betrachten und ihnen im Vorstand nur beratende Stimme zugesteben will. Der Antrag wird abgelehnt.—§ 7 erhält schließlich folgenden Wortlaut: „Der Vorstand besteht auS zwei Vorsitzenden, zwei Kassierern, zwei Schriftführern, sechs Viertelsführern, die als Beisitzer fungieren, und einer Vertreterin der Franen.--- Zur Kontrolle oer Kassenführung sind sechs Revisoren zu wählen. Zwei Revi- soren, die Mitglieder des Zentralvorstandes und der Vorsitzende oer Beschwerdekommission haben im Vorstand Sitz und Stimme. — Für die Viertelsführer und die Vertreterin der Frauen ist im Behinderungs-fall Stellvertretung zulässig." Die Aufgaben des Vorstands regelt 8 3 nach den Beschlüssen der Versammlung in folgender Weise: „Außer den engeren Vorstandssitzungen sind in der Regel allmonatlich Sitzungen einzuberufen, in denen Bericht zu er- statten ist und an denen teilnehmen: der engere Vorstand, die Viertelsleitung, Abteilun�sführer, die Revisoren, die Mitglieder des Zentralvorstands, je ein Vertreter der ständigen Kommissionen und aus jedem Viertel eine Leiterin der Leseabende.— Nach Bedarf, aber mindestens vierteljährlich, hat der Vorstand eine Kreis- konferenz einzuberufen, an der die Funktionäre des Kreises teil- nehmen und Bericht zu erstatten ist. Eine Beschlußfassung unter- liegt endgültig der Kreis-Generalversammlung.— Jeder Bezirk mutz durch einen Bezirkssührer vertreten sein." Ueber den Vollzug der Wahlen besagt der dann mit einem Zusatzantrag angenommene 8 9: „Die Wahlen zum Vorstand, der Revisoren, der Zentral- Vorstandsmitglieder für Groß-Berlin und der Beschwerde- konnnission, sowie die Wahlen der Delegierten zu Parteitagen und Kongressen werden nach den Bestimmungen des Regulativs durch U r w a h I e n vollzogen. Ausgenommen hiervon sind die Viertelsführer und die Mitglieder des Aktionsausschusses. Die Viertelsführer werden in einer Viertelsversammlung durch ein- fache Mehrheit gewählt und in der Kreis-Generalversammlung bestätigt.— Die Wahl der Mitglieder in den Aktionsausschuß erfolgt in der Kreis-Generalversammlung.— Wird ein K t e i s» a n g e st e l l t e r bei der Vorswndswahl nicht wiedergewählt, so gilt die Nichtwiederwahl als Kündigung für den nächst- möglichen Termin.(Sechs Wochen vor Ouartalsersten zu diesem.)� — Die Vorschläge bezw. Bewerbungen zu den Kreisangestellten werden einer Kommission überwiesen. Diese entscheidet, wer von den Bewerbern bezw. Vorgeschlagenen auf die Kandidatenliste ge-, setzt wird. Die Kommission besteht aus 21 Personen. Drei be-. stimmt der engere Vorstand und je drei sind aus den Vierteln, die sie in Viertelsversammlungen zu wählen haben, zu ent, nehmen. Die Wahl erfolgi im Juli.", Dann wurden die Aussührungsbestimmungen als Ganzes be-, schlössen, vorbehaltlich redaktioneller Aenderungen durch den: Vorstand. Der Antrag, einen dritten Beamten anzustellen, kam darauf zur Verhandlung. Genosse G e r n d t als Revisor begründete den Antrag mit der Zunahme der Arbeiten, die sich aus der Zunahme der Mitglieder ergeben. Ter Verein, der 1667 einen Mitglieder- bestand von etwa 13 666 hatte, hat zurzeit 25 566 Mitglieder. Es entspann sich eine lebhafte Debatte. Wegen vorgerückter Zeit mußte aber bald Vertagung beschlossen werden. Sechster Wahlkreis. Der Sozialdemokratische Wahlverein diese? Kreises hielt am Dienstag in den„Germaniasälen" eine außer- ordentliche Generalversammlung ab, in der der Rcorganisationsentwurf der Ausführungsbestimmungen zur Debatte stand und zur Abstimmung kommen sollte. Der Eni« wurf samt den Abänderungsanträgen aus den verschiedenen Be- zirken lag den Mitgliedern gedruckt vor. Der' Vorsitzende, Genosse Henschel, gab nun zunächst eine Uebersicht über die Gründe, die für die Ausarbeitung des Entwurfes maßgebend waren. Die wichtigste Neuerung, die der Eni- Wurf vorsieht, ist die, daß die Generalversammlungen in Zukunft aus Delegierten zusammengesetzt sein sollen, die in den Abteilungsversammlungen durch Stimmzettel allemal auf ein halbes Jahr zu wählen sind, und zwar so. daß auf je 46 Mitglieder ein Delegierter kommt. Außer den Dele« gierten sollen Sitz und Stimme in der Generalversammlung haben: der Vorstand sowie alle zur Teilnahme an den Vorstands- sitzungen Verpflichteten, die Stadtverordneten, Landtagsabgeordneten und der Reichstagsabgcordnete des Kreises. Schon vor zwei Jahren hat sich der Wahlverein einmal mit einer Vorlage zur Einführung des Delegiertensystems befaßt, und sie wurde dann der Urabstimmung unterbreitet. Das Ergebnis war, daß von 16 919 Abstimmenden sich nur rund 2866 gegen das Dclegierlensystem erklärten, die außer- ordentlild starke Mehrheit also für die Einführung dieses Systems war.(Widerspruch aus der Versammlung.) Wenn die Vorlage dann doch nicht durchgeführt wurde, so lag das daran, daß über die einzelnen Bestimmungen keine Einigkeit erzielt werden konnte. Es war damals starker Widerspruch dagegen laut geworden, daß die BezirkSfiihrer ohne weiteres Sitz und Stimme in der Generalver- sammlung erhalten sollten. Auf diese Bedenken, die ja jetzt, wo der Wahlkreis fast 566, statt damals 336 Bezirkssührer hat, mit noch größerem Recht geltend gemacht werden könnten, ist in der neuen Vorlage Rücksicht genommen, da hiernach die Bezirkssührer nicht zur Generalversammlung gehören sollen. eZ sei denn,, daß sie als Delegierte gewählt iverden.— Der Redner ging dann noch näher auf die verichicdenen Bestimmungen der Vorlage ein und empfahl sie zur Amiahme, wobei er auch namentlich daraus hinwies, daß der Wahlverein vor zwei Jahren 23 666 Mitglieder halte, während er jetzt über 36 666 zählt, Ivas um so mehr Grund sein sollte, durch Einführung des Delegiertensystems dafür zu sorgen, daß der Wille der Mitglieder in der Generalversammlung auch wirklich zum Aus- druck kommt. Den Mitgliedern selbst aber werde in den nach der Vorlage einzuführenden Adteilungsversammlungen Gelegenheit geboten werden, sich gründlich über alle Fragen und Vorlagen zu äußern und dann durch ihre Delegierten in der Generalversammlung ihre 1 Meinung zur Geltung zu bringen. An das Referat schloß sich eine sehr rege Debatte. ES lagen Anträge der Bezirke 661, 691»., 715 und 779 vor, die alle in der einen oder anderen Form Ablehnung des Delegierten- s y st e m S verlangten. Im Sinne dieser Anträge sprach Genosse S ch i e m a n n, der in der Einführung des Delegiertensystems eine Einschränkung der Rechte der Mitglieder erblickte, zumal ja jeden- falls die Bezirlsführer größtenteils als Delegierte zu den General- Versammlungen gewählt iverden würden. Ebenso wandte Genosse Menz sich in längeren Ausführungen gegen die Vorlage, für die dann die Genossen Laukant, Siefs l er, Schröder und Leid ein- traten. Gegen>M2 Uhr wurde ein Antrag auf Debattenschluß an« genommen und über die Abänderungsanträge zur Verwerfung des Delegiertensystems abgestimmt Sie wurden abgelehnt mit 182 gegen 296 Stimmen, so daß also dse Versammlung, die infolge des Ge- wittcrregcn» schwächer als sonst besucht war, sich mit starker Mehr- heit für das Delegiertensystem ausgesprochen und dessen Einführung beschlossen hatte. Wegen der vorgerückten Zeit wurde die Ver« sammlung vertagt. Die Fortsetzung findet am tommenden Dienstag, und zwar wiederum in den„Germaniasälen" statt. Es sollen dann die übrigen Bestimmungen der Borlage zur Erledigung kommen. für dm Ocblr�e Damen- u. Herren-Schnürstiefel prima-i /-c M Boxcalf m. echt. Doppels, a. Rand gedoppelt M. 1U.50 � Dieselben in Goodyear- Ausführ., schwan•« r» M und braun Boxcalf, echte Doppelsohle M. lau.50 M ü Dieselben in Extra- Ausführung, echte-t c„ A Doppelsohle ,»«»»«»»»»- M. A O-50 Dieselben in Chromsportleder, garantiert-j � m wasserdicht, in fachgemässer Ausführung M. 10 50 M Braune Rindleder- Sandalen auf Rand M 18/24 25/2« 27/80 81/35 88/88 89/42 48/47 M Thumtzicnsfr 20 Köni'cJjfrabscSff Lopzi�crsfnöS Oranicnbfrrk.Za Oranicnsfn 51». Miillcrstrawc 3d NcjjKollnJicröjfr% Friedenau JShcirislEU Die neuen rassigen Formen unserer 2.25 2.65 2.95 3.50 3.90 4.25 4.90 Kinder- Stiefel Unsere Kinderstiefel auch doppelsohlig, Kinder• Halbschuhe und Leinenschuhe sind auffallend billig und haben rationelle Naturfonnen. Preislage sind ein Triumpf der deutschen Schuh-Industrie Unser neuer Haupt« Katalog wird auf Wunsch portofrei asugeeandt ür den s/rand Weiss Leinen-Pumps dä Dieselbenin weiss, beigen. grau, hoher Absati Schnürschuh, weiss, grau und braun Leinen, amerikanischer Absatz............ M. Derselbe in weiss, grau und beige, Leinen mit modernem Lederabsatz......... M. Knöpfschuh in weiss, beige u. braun Leinen, spitz, amerikanische Form......... M. Knopf- u. Schnürschuh in weiss Leinen, Goodyear-Welt................ M. Schnürstiefel, weiss u. beige, Leinen mit modernem Lederabsatz........... M. Herren grauSegelt.-Strandsch.m.Lederabs. M. Herren weiss Segelt.-Schnürst, m. Lederabs. M. Weissu. grau Segeltuch-Strandschuhe 36/42, mit Chromsohle............ M. Weiss u. grau Segeltuch-Strandschuhe 43/46, mit Chromsohle............ M. Weiss u. grau Segeltuch-Straudstiefel 36/42, mit Chromsohle........... M. Weiss u. giau Segeltuch-Straudstiefel 43/46, mit Chromsohle Alleinverkauf für Berlin: Puma-Stiefel lO5«0 für Damen und Herren, Jn neuesten Formen, auch mit Doppelsohlen........ Ä.Jandorf&e Belle-Alliancestrasse Gr. Frankfurierstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm ßmser übmadttel-Verkmf Trl$cbw fleisch äs-'Obst und Gemüse'Geflügel Soweit Vorrat Die mit B bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen. B Schweineschinken 75� BaUCh............................ Pfand 70 pf. RUckenfett.................... Pfand 65 pt Schmorfleisch mit Enoehen.. Pfand 90 Pt Brust od. Querrippe....... Pfand 75pt Goulasch....................... Pfand 80 p� Kalbskeule im Qsnzen......... Pfand 83 Pf- Kalbsbrust.................... Pfand 85� Kassler........................ Pfand 88 pt Olurstwareu Cervelat- od. Salamiwurst..... Pfand 1.30 Schinkenwurst............. Pfand 1 ,30 Teewurst.................... p�» 1.10 ff. Leberwurst.............. Pfand 98? Landieberwurst........... Pfand 85?- Rotwurst...................... Pfand 85?'- Zwiebel- od. Rotwurst....Pfand 48 pt Schinkenspeck............. ptandl. 10 pt pt Blumenkohl.............. x>», 12, 15, 19 Chtrken......................................... 55 � Pfefferlingre........................... 39 Wirsing'kohl............................. 8 Erdbeeren.....«~.35, 45 Kirschen...............� 10, 25 Biaubeeren..............»-.35 Grüne Bohnen.......................->«.». 15 x Schoten.......................................... k-r... 15 pc Mohrrühen............................. s°... 19 Neue Kartoffeln............. 0�.-39«. j /feite MM-M/W?....................... s.M87| pt pt pt Junge Gänse......... Pfand 65, 73?� Junge Enten... stack 2.00, 2.50 Junge Hühner...... stack 60, 75� Suppenhühner stack 1.85. 2.40 Tauben................ stack 45, 60 pt •Räucherwaren Bücklinge.................. 5 stack 18? Aale gefächert................. Pfand 1,10 Aale gertacbert.................. Band 42 Pf- Flundern geraaobett... Pfand 40, 50 Pf- Räucherherlnge.......... 2 stack 15pt 'Butter und Käse Tischbutter in Pakoun......»/, Pfand 62 Pf- Allerfeiuste Tafelbutter ln 66? Schweizer Käse........... Pfand 90?- Tilsiter Käse...... Pfand 58, 80 pf- Limburger Käse............ Pfand 55 pt ApfeKdem .. 3 Flaschen 9 5 Pf. a Ä2Z- Theater und Vergnügungen mu □OD Donnerstag, t. Juli 1312. Anfang 7'/, Uhr. P rater. O diese Berliner. Aniang 8 Ubr. Urania. Jn den Dolomiten. Königgrätzer Strafte. Die slins Frankfurter. Kurfürsteiioper. Der Tanzanwalt. Neues. Der liebe Augustin. Berliner. Groge Rosinen. Schiller O. Geschlossen. Sri,>:.>> Gsia-rlottenburg. DaS Konzert. Thalia. Autoliebchen. M«tro>>oi. Schwindelmeier u. Co. Rose. Die Tragödie einer Ehe. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Reichshallen. Stetliner Sänger. Sanatorium Sonnenstich. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8'f, Uhr. Lessing. Vergnügungsreise. Neues SchauipielhauS. Silvester Schäsier. 1. Klasse. LnstsPielhauS. Ein Königreich m. b. 6. Neues Operetten. Parkettsitz Nr. 10. Friede.. Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. FolieSEapriee.Parisiana-Ensembl« Ansang�/�Uchr. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Köuigstadt-Kasino. Spezialitäten. Anfang 10 Ubr. Rdmiralspalast. EiSballett:Joonne. »« m Sternwarte. Invalid enstr. 67—62. Schillef-rhestef Charlottenburg. Das Konzert. Lustspiel m 3 Akten von Herm. Bahr Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr Morgen und folgende Tage: Das Konzert. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Der liebe Augustin. Operette von Leo Fall. Berliner Tkenter. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. Abends 8 Uhr: Die S Frankfurter. 0SE=THEATE Gräfte Frankfurter Str. l32. Gastspiel Helene Stiewe:|' J Die Tragödie einer Ehe. Li1 _ Ansang 81/. Uhr. gWf- Aus der Gartenbühne:"MS Juhu! ES ist erreicht! Gr. Revue. 8 Uhr. iL groke Attraktionen. Clown Alf. Daniels mit seinen Zirkusspäften. �PfraA Beckers alS Aneler usw. üi« W I Haöenbeck's Indien — Tempelhofer Feld.— Täglich geöflnet von 11 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends. 150 lud i er. Maeri Sollothi's Ohne Exlra-Entreet DieUnfallgefahren in derHolzindustrie IIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIHIIII Wander-Ausstellung des Deutschen Holzarbeiterverbandes vom 23. Juni bis 21. Juli 1912 im Berliner Gewerkschaftshaus, Saal III Engelufer 14-15 Geöffnet v. 9-1 u. 4-9 Uhr Sonntags von 9-1 Uhr::: Deutscher Holzarbeiter-Verband Täglich: K. Voigts Kvampenburg vis-a-vis Schmöckwitz. Extra-Dampferfahrten: vormittags 0 und nachmittags Ä(Ihr, von der Jannowltz- und Waisenbrücke. 37922* Hente Elitetag mit groß. Oala-Parade-Htthen-» Fronten- Feuerwerk. Konzerte und Spezlalitüten- vorstellnng. Vollständig neues Programm Hervorragende Künstler. Sensationelle Attraktionen. Volksbelustigungen aller Art. gpF* Eintritt 50 Pf. Jeden Mittwoch Kinderfest nrnFestumzügen, Verlosung von Geschenken. Hauptgewinne goldene Uhren. LOCJSCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- ,, Doppel-Konzert. Ui Eintritt 1 IHark. von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. im Intern. KongreS Lebender Abnormitäten. Die größte Ausstellung lebender Naturwunder von 10 bis 10 Uhr in den Gesamträumen des Eintritt, alles inkl. Cfl pf 1 Kinder, Sold. 25 Pf. 3"'u\ Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badftrafte 58. Heute sowie täglich: Die Tochter der here Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue Beleuchtungseffelte usw. usw. u. d. grofte Spezialiiäten-Programm. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Oiugstsln-Kazmo. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstr. Täglich: ibealer und Variete. Ansang wochentags 8, Sonntags 5 Uhr. Erstklass. Spezialitäten it. „Rosen ans dem Müden** grofte OperettenburleSke._ Metropol-11)63161. Phantastisch musikalische Komödie in 3 eilten auS dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musik vonR. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. Jn Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Reiehshsllen-Thealer'. Stettiner Hänger Zum Schlug neu: Bannt orlum Sonnenstich. Burleske vonMeysel. Ansang Wochen!. 8, Sonntags ?'/, Uhr. Kongo, �rvergstadt. Die alte Mühle, Johnstowns Untergang usw. Entree 50 PI. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei. Für den Inhalt der Inserate nberniiuinr die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verautworrung. Verantwortlicher Redakteur� Albert Wachs, sLerlin. Für d«, Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag: Vorwärts Kuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Nr. 153. 29. Jahrgang. 2. Keilage des.AmSrls" Kcrlim KMIM. Donnerstag, L Juli 1912. Partei- Angelegenheiten. K. Wahlkreis. Die Fortsetzung der außerordentlichen Generalversammlung findet am Dienstag, den 9. Juli, abends S'/z Uhr, in den Germania-Sälen, Chausseestr. 119, statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung und Beschlußfassung über den Ent- ivurf der Ausführungsbestimmungen sowie der nicht erledigten Anträge._ Der Vorstand. Niederschonhausen-Nordcnd. Freitag, den S.Juli, abends 7 Uhr, findet von den Zahlstellen aus eine wichtige Handzettel- Verbreitung statt._ Die Bezirksleitung. Berliner IVacbricbten. „Hilfe für das deutsche Baterland!" Für die Nationalflugspende wird, wie nicht anders zu erwarten war. auch in Schulen gesammelt. Wenn die geldheischenden Retter des Vaterlandes sich daran genügen ließen, nur dem in höheren Schulen sitzenden Nachwuchs der Wohl- habenden das Taschengeld abzuknöpfen, so möchte uns das am Ende gleichgültig sein. Und wenn die für die Sammelei tätigen Pädagogen sich darauf beschränkten, von der Möglichkeit eines das Deutsche Reich bedrohenden Luftkrieges nur älteren Jungen und Mädeln etivas zu erzählen, so könnte man das lächelnd hin- nehmen. Indes, es wird auch in Volksschulen den Kindern der Unbemittelten zugemutet, für die Flugspcnde ihre Groschen und Sechser herzugeben. Und vor törichten Kindern wird, um sie von der Notwendigkeit der Spende zu überzeugen, das Bild eines Luftkrieges ausgemalt und nach„Hilfe für das deutsche Vaterland" gerufen. In den Gemcindeschulen Berlins ist es, soviel wir wissen, schon vor längerer Zeit verboten worden, Geld zu irgendwelchen Zwecken unter den Kindern zu sammeln. Wir hoffen, daß diese Anordnung noch besteht, und daß sie auch gegenüber der National- flugspende streng durchgeführt werden wird. Es gibt aber Orte, in denen man ein solches Verbot nicht kennt und es auch gegen- über der Nationalflugspende nicht für. nötig hält. In Neukölln hat vor einigen Tagen, wie wir hören, in der 10. Gemeinde- schule(Kaiser-Friedrich-Straße) der Rektor Schnell die Kinder zu Beiträgen für die FIugspciAe aufgefordert. Mitteilungen hierüber sind uns aus einer ersten und einer zweiten Klasse ge- macht worden, doch scheint es, daß der Rektor auch in anderen Klassen für die Flugspcnde zu werben sich bemüht hat. Kinder haben zu Hause den Eltern berichtet, der Rektor sei in die Klasse gekommen und habe ihnen erzählt, daß mal wieder ein Krieg ausbrechen uird der Feind über Deutschland herfallen könnte. Da dann auch eine Luftflotte gebraucht würde, so sollten die Kinder dazu beitragen, die Kosten der Anschaffung von Flugzeugen und der Ausbildung von Fliegern zusammenzubringen. 10 Pf. könnten sie zahlen oder 25 Pf., auch 50 Pf. oder 1 Mk.— je mehr, desto besser. Es ist möglich, daß Reiwr Schnell„berichtigen" wird, er habe sich nicht so, sondern anders geäußert. Gewiß, in der Regel bleiben Mißverständnisse nicht aus. wenn Pädagogen der Schule vor versammelter Klasse den Kindern schwungvolle Reden übev solche ihrem Verständnis fernliegende Fragen halten. Aber gerade die Mißverständnisse zeigen, wie gefährlich es ist, Schulkindern mit diesen Dingen zu kommen. Daß man in Volksschulen auch den Eltern nicht mit der Flugspcndensammelei kommen darf, darüber hat den Rektor Schnell der Ersolg seiner Werbetätigkeit — oder vielmehr der Mißerfolg— belehrt. In den beiden Klassen sollen zusammen nur drei oder vier Kinder ihre Sechser und Groschen gespendet haben, so daß hier die Sammelei einen Ertrag von zusammen etwa 30 Pf. gebracht hätte. Es kann sein, daß es auch ein oder zwei Groschen mehr waren; wir legen kein Gewicht auf die Genauigkeit der Zahl. Doch sicher ist, daß der Herr Rektor mit seinen Luftkriegphantasien hier nur ganz wenigen Eltern die Hände zu öfsnen vermocht hat. Etwas anderes aber hat et, ohne es zu wollen, zuwege ge- bracht— und dafür muß man ihm schließlich danken. Er hat Eltern genötigt, ihren um einen Beitrag zur Flugfpende bittenden Kindern auseinanderzusetzen, warum in Arbeiterfami- lien die Groschen nicht so locken sitzen und warum Arbeiterfamilien für diesen Zweck keinen Groschen drüber haben. Co kann die Sammelei für die Flugspende schließlich der Auf- klärung dienen. Hoffentlich hat sie diesen Erfolg überall in Ar- beiterfamilien._ Das Schicksal der Grunewaldsecn. Die Grunewaldsecn beschäftigen jetzt seit mehr als einem Jahre die Oeffentlichkeit. Seitdem die Charlottenburger Wasser- werke Besitz von den Seen ergriffen haben, ist ein ständiges allmähliches Sinken des Wasserspiegels zu verzeichnen gewesen. So zeigen auch die Messungen vom 1. Juli wieder einen geringeren Stand an als am 1. Juni, obgleich der Monat ein regenreicher war. Nach der Tabelle des Zehlendorfer Gcmcindevorstandes weisen die Gruncwaldseen zurzeit folgende Wasserhöhe auf: Wannsee 29,27 Meter(am 1. Juni 29,30), Schlachtensee 30,11 (30,20), Krumme Lanke 31,42(31,47), Riemeistersee 32,24( 32,30), Weitzsee 35,33( 3S,41). Zu diesem ständigen Fallen des Wasser- spicgcls kommt noch eine nun vom Gruncwaldsreund unliebsam empfundene Maßnahme der Charlottenburger Wasserwerke, das ist„Verschönerung" der Seeufer durch Abperren mit Stach eldrabtzäunen. Die Zehlendorfer Gemeindever- trctung beschäftigte sich am Dienstag in geheimer Sitzung mit dem Zustand der Grunewaldseen. Ter Schöffe, Assessor Dr. Rohde erstattete dort Bericht über den Stand der Seenfrage. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Charlottenburger Wasserwerke, die bisher sich entgegenkommend gezeigt haben, auch ferner in wohlwollender Weise diese Ange- legenheit behandeln, an der ganz Groß-Berlin ein Interesse hat. Was die Einzäunungen mit Siacheldraht anbetrifft, so handelt es sich um folgendes: Am Ostende des Schlachtensees befindet sich ein Stück Sumpf, das durch das Sinken des Wasserspiegels frei- gelegt wurde. Aus sicherheits- und gesundheitspolizeilichen Gründen hat der Amtsvorsteher die Einzäunung dieses Terrains gutgeheißen. Ferner ist an der Alsenstraße, an dem Südwesten der Krummen Lanke ein Privatgrundstück der Wasserwerke eing«. zäunt worden, wodurch auch der Uferweg, der um die Krumme Lanke geht gesperrt ist. Diese Maßnahme hat der AmtSvorsteher teilweise rückgängig gemacht und ferner die Forderung gestellt, daß der Zaun Lücken zum Durchgehen für das Publikum enthalte. Die Wasserwerke wollten Türen anbringen, was aber der Amtsvor- stand mit Recht nicht für genügend erachtet. Die Frage, ob hier ein össentlichcr Weg vorliegt oder nicht, unterliegt gegenwärtig der Prüfung. Unter Umständen wird es hierbei zu einem Prozeß kommen, dessen Ausgang ungewiß ist. So ist zurzeit ein Prozeß der Gemeinde Zehlendorf um die Oeffentlichkeit der Wege um den Schlachtcnsee gewonnen worden, ein anderer Wegeprozeß, der den Ariebnitzs«? bei Neubgbelsberg betraf, aber ging verloren. Eine dritte Einzäunung geht um die Wiese am Riemeistersee, die eben- falls durch das Sinken des Wasserspiegels entstanden ist, aber feit einiger Zeit als Uebergang benutzt werden konnte. Da diese Wiese landwirtschaftlich genutzt wird und die Wasserwerke die Be- fürchtung hegen, es könne ein öffentlicher Weg entstehen, so ist der Durchgang gesperrt worden. Auch hiergegen kann von Amts wegen nicht eingeschritten werden. Im übrigen ist an die Charlotten- burger Wasserwerke eine Anfrage gerichtet worden, ob sie mit der Gemeinde Zehlendorf einen Vertrag abschließen wollen, der die Ufer- und Seenfrage rechtlich bindend löst. Was nun die An- Wendung des Ortsstatuts gegen landschaftliche Verunstaltung an- belangt, so ist diese leider nur an bestimmte Straßen gebunden und kommt z. B. für die Alsenstraße in Betracht; für die anderen Stellen aber läßt sich das Ortsstatut nicht anwenden.— Entgegen der optimistischen Ansicht des Schössen Assessor Dr. Rohde, der aus das Entgegenkommen der Wasserwerke hofft, wurden aus der Ge- meindevertretung Zweifel an einer friedlichen Lösung der Ange- legenheit laut. Man will daher einen Bertrag herbeizuführen suchen._ Die Verheerungen, die durch das Unwetter am Dienstagabend im Norden der Stadt angerichtet worden sind, sind noch größer, als es zuerst erschien. An vielen Stellen haben die Erdmassen nachgegeben und sich gesackt, besonders Neu- und Umbauten sind dadurch an verschiedenen Stellen in Mitleidenschaft gezogen, so auch der Neubau der Charite. In zahlreichen Kellern, die mit mit Wasser angefüllt waren, war man noch gestern vormittag mit dem Ausschöpfen des Wassers beschäftigt. In vielen anderen, aus denen die Wassermassen schon entfernt worden sind, sind die Hand- werker mit den dadurch nötig gewordenen Ausbesserungen beschäf- tigt. Der Blitz hat in zahlreichen Straßenbahnmasten eingeschlagen. Ein kalter Schlag fuhr auch in einen fahrenden Straßenbahn- wagen und rief eine große Aufregung unter den Frauen und Kindern hervor. In der Danziger Straße hatte sich, da die Wagen nicht mehr weiter fahren konnten, eine Wagenburg von ungefähr 50 Stück gebildet. Weil die Linien in der Richtung nach Pankow nicht mehr aufrechterhalten werden konnten, wurden die zahlreichen Fahrgäste, die in den Wagen geblieben waren, aufgefordert, diese zu verlassen. Es gelang den Beamten aber erst nach längerer Zeit, die Wagen zu leeren und nach ihren Ausgangspunkten zurückzu- fahren. Menschenleben sind bis auf den einen Fall in der Kös- liner Straße nicht zu beklagen. Hier wurde der Arbeiter Barteleit, als er hinter seinem Grundstück stand, von der reißenden Panke erfaßt und weggerissen. Trotz eifrigen Nachsuchens gelang es bis jetzt noch nicht, feine Leiche zu finden.— Vom Blitzschlag getroffen und schwer verletzt wurde während des Gewitters der in der Müllerstraße 172 wohnende 39 jährige Chemiker Meißner. Er war gegen 8 Uhr abends auf dem Heimweg ibe- griffen und befand sich in der Gerichtsstraße, als während des Gewitters ein heftiger Platzregen«insetze. M. blieb vor der Tür eines Restaurants stehen, um in dem Vorbau Schutz vor dem Un- weiter zu suchen. In demselben Augenblick zuckte ein Blitzstrahl nieder und M. wurde von der elektrischen Entladung getroffen. Hausbewohner schafften den Bewußtlosen nach der Unfallstation in der Lindower Straße, wo der Arzt eine Lähmung der linken Seite kostatiert. Der Chemiker wurde dann mittels Krankenwagens nach dem Elisabethkrankenhaus geschafft. Eine Lebensgefahr liegt, wie wir hören, nicht vor. In der Säuglingsfürsorgestelle findet im Juli wieder unent- geltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt mit praktischen Uebungen, wöchentlich einmal. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2 bis 4 Uhr im Bureau des Kinderhauses, Blumenstr. 97. Zu der Verhaftung der beiden Inhaber der Bankfirma Leopold Peiser u. Co., der Bonkiere Leopold Peiser und Mar Hirschberg, wird uns noch mitgeteilt, daß die Festnahme der Geschäftsinhaber auf zahlreiche bei der Kriminalpolizei eingelaufene Anzeigen hin erfolgt ist. Bei der gestrigen Vernehmung bestritten beide nach wie vor, daß ihnen das Geld nur zur Aufbewahrung von den Gläubigern in' Depot gegeben worden ist, behaupteten vielmehr, daß ihnen die freie Verfügung darüber gegeben worden wäre. Das wird jedoch von verschiedenen Zeugen in Abrede gestellt. Das Kommanditistcnkapital von 650 000 M., das ganz verloren ist, fit ihnen unter der Bedingung übergeben worden, daß sie nur Makler- geschäfte betreiben sollen. Die Verhafteten geben an, daß alleinige Maklergeschäfte überhaupt ausgeschlossen seien, sondern mit diesen immer Spekulationsgeschäfte verbunden wären. Die ganzen De- poteinlagen waren schon im September v. I. durch Spekulationen verbraucht worden. Einem Herrn, dessen große Einlage ohne dessen Wissen ebenfalls verspekuliert worden war, schrieben die Inhaber, daß er, um den durch rapides Fallen von Papieren au der Londoner Börse entstandenen Verlust decken zu können, um- gehend 60 000 M. schicken müsse. Dies tat der Mann auch. Wie die Nachforschungen ergeben haben, waren die Verhafteten zu der Zeit aber kein« Verbindlichkeiten in London eingegangen, hatten also auch keinen Verlust erlitten. Senkung des Grundwassers infolge des Untergrundbahnbancs. Durch den Bau der Untergrundbahn Schöneberg und infolge der dabei bewirkten Senkung des Grundwassers durch Auspumpen waren eine Menge Hofbrunnen vollständig eingegangen, so daß zum Tränken von Tieren, Waschen von Wagen, Automobilen usw. Leitungswasser benutzt werden muß. Die den Bau ausführende Gesellschaft hat seinerzeit das Recht der Grundbesitzer auf den Grundwasserspiegel bestritten und erklärt, daß nach Fertigstellung des Baues das Grundwasser die Brunnen wieder sättigen würde. Dies ist bis jetzt aber nicht geschehen. Die geschädigten Grund- besitzcr in der Nürnberger Straße und in den anderen Straßen wollen nun den Klagcweg beschreiten. Tödlich verunglückt ist gestern nachmittag der Klempnermeister Emil F r i ck e, wohnhaft Arndtstraße 18. F. war mit einem Ge- Hilfen auf dem Dache des Hauses Urbanstraße 25 mit Reparatur- arbeiten beschäftigt, glitt auS und stürzte vom Dache herunter. Der Portier sowie einige Gäste aus der sich im selben Hause befindlichen Restauration bemühten sich um den Verunglückten und veranlassten seine Ueberführung nach dem Krankenhause. Fricke ist jedoch, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, schon auf dem Transport seinen schweren Verletzungen erlegen. Eine überraschende Aufklärung hat ein„Raubanfall" ge- funden, der am 4. Februar d. I. in der Landsberger Strasse 93 sich ereignet haben sollte. Damals wurde in dem Eckhause der Landsberger- und Wcberstrasse, im Hausflur des Ausganges nach der Weberstraße zu, die erste Verkäuferin deS in diesem Hause befind- lichen Zweiggeschäftes der Butterhandlung von R. Schröter aus der Adalbcrtstraße. eine 28 Jahre alte ledige Auguste Ellert,„de- wußtloS" und mit Würgemalen und Kratzwunden am Halse auf- gefunden. Als daS Mädchen wieder zu sich kam, gab cS an, daß es in dem engen Ausgang von einem ihm unbekannten Manne, der schweigend die Treppe heruntergekommen sei, gepackt und, ohne «in Wort zu sagen, plötzlich am Halse gewürgt worden sei, bis eS die Besinnung verloren habe. Als ein Verkäufer des Ncbeuge- schäfts sie ausfand, fehlten ihr 1570 M.. die sie in eine» grauen Leinenbcutel verpackt, nach dem Hauptgeschäft bringen wollte. Bei ihrer späteren Vernehmung gab' sie eine ungenaue Beschreibung des Täters. Der Kriminalpolizei fiel es auf. daß die Verkäuferin, als sie„besinnungslos" in dem Hausflur lag, ihre Arme anzog, als man über sie hinwegschritt, um sie auszurichten, verdächtig wurde die Sache noch dadurch, daß man in der Behausung deS Mädchens 990 M. fand, die aus denselben Geldsorten bestanden, wie die dem Mädchen angeblich geraubten. Bei ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter beschwor die Verkäuferin, daß die 900 M. ihr erspartes Geld sei und sie tatsächlich von dem unbc- kannten Manne überfallen und beraubt worden sei. Die trotzdem von der Kriminalpolizei weitergeführten Ermittelungen haben jetzt ergeben, daß der Raubanfall doch fingiert war. Die Verkäuferin hatte zu der fraglichen Zeit ein Verhältnis mit einem Schlosser Bartschak, mit dem sie jetzt verheiratet ist und in Neukölln wohnt. Dieser hatte mit ihr geplant, eine Beraubung vorzutäuschen und sich so in den Besitz des Geldes zu setzen. Weil er aber in dem Geschäft des Mädchens bekannt war, hatte er einen anderen Mann namens Reelif geworben, der dann auch das Geld von dem Mäw chen in Empfang nahm und eiligst damit verschwano. Die Vers käuferin brachte sich dann selbst die Kratzwunden und Würgemale am Halse bei und stellte sich besinnungslos. Reelif bekam für seine Mithilfe 600 M., die übrigen 900 M. die„Beraubte" bezw. deren Gelioibter. Reelif beabsichtigte mit den 600 M. auf seine Art große„Geschäfte" zu machen. Er tat sich mit einem gewissen Herrmann zusammen, um mit dem Geld« Möbel auf Abzahlung zu kaufen und diese dann weiter zu veräußern. Zu diesem Zwecke gab Reelif seinem Spießgesellen 400 M. Dieser zog es aber vor, damit das Weite zu suchen. Reelif konnte es nicht überwinden, den Betrüger bei der Kriminalpolizei anzuzeigen. Bei seinen Vernehmungen ergab sich nun, wie er selbst zu dem Gelde ge» kommen war. Er war auch, als er sich überführt sah, geständig. Daraufhin erfolgte gestern die Verhaftung des Ehepaares Bart» schak. Bartschak ist ebenfalls geständig und gibt an, daß er seine Frau dazu angestiftet habe. Reelif hatte ihm das Geld nach der Empfangnahme mit einem Kraftwagen nach seiner Wohnung ge« bracht, wo es dann geteilt wurde. Selbstmordversuch eines Berliners im BceSkotver Irrgarten« Durch einen Schuß in die Brust versuchte sich gestern der Schmiede« geselle Rudolf Schröder aus der Elsasserstraße das Leben zu nehmen. Sch. war vor wenigen Tagen von Berlin fort gegangen, um sich auf die Wanderschaft zu begeben. Er kam dabei auch nach Beeskow, wo er im Irrgarten auf einer Ruhebank sitzend die Schußwaffe gegen sich richtete. Spaziergänger fanden den Lebens- müden kurz danach mit durchschossener Brust auf.und schafften ihn nach dem Krankenhause. Eine Schwindlerin, die es versteht, alte alleinstehende Frauen zu bestehlen, treibt im Zentrum Berlins ihr Unwesen. Gestern vor» mittag erschien sie u. a. in der Sophienstraße bei einer Armen- Unterstützung beziehenden Frau und ersuchte diese, zum Armen« Vorsteher zu kommen. Dabei erzählte sie, daß sie schon viel gelaufen sei und sich erst etwas ausruhen müsse; sie bat um ein Glas Wasser und fragte, ob ihr die Frau nicht fünf Mark wechseln könnte. Ahnungslos holte die Frau ihr Portemonnaie unter dem Kopf« kissen ihres Bettes hervor. wechselte und legte es wieder in das Versteck. Nachdem sich die liebenswürdige Dame noch an einer Tasse Zichorienbcühe„gelabt" hatte, empfahl sie sich mit dem Bemerken, die alte Frau beim Armenvorsteher zu erwarten. Mit ihr verschwand auch das Portemonnaie, enthaltend 7,47 Mark, das gesamte Vermögen der alten Frau. Alle Recherchen nach der Schwindlerin blieben bisher ohne Erfolg. Bekleidet war sie mit dunkelblauem Kostüm, schwarzen durchbrochenen Handschuhen und einem Strohhut mit Federn; ihr Alter ist etwa 30 Jahre. Ein mutmasslicher Kindesmord beschäftigt wieder die hiesige Kriminalpolizei. Bor dem Hause Kottbufer Ufer 8 wurde gestern mittag die Leiche eines neugeborenen Mädchens aus dem Land- wehrkanal gelandet, die nach ihrem Aussehen, mindestens schon drei Wochen im Wasser gelegen haben muß. Es ließ sich infolge- dessen auch nicht mit Bestimmtheit feststellen, ob das Kind umge» bracht worden ist. Die Leiche wurde deshalb beschlagnahmt und zur Feststellung der Todesursache nach dem Schauhanse gebracht. Die Nachforschungen nach der Mutter sind in die Wege geleitet worden. Zu dem Bauunfall, der sich Dienstagfrüh auf der Baustelle der Untergrundbahn am Alexanderplatz ereignete, wird uns mit« geteilt, daß der Arbeiter Kußerow(nicht Kosera) nicht ae- st o r b e n ist. Die Verletzungen sind zwar schwerer Natur, doch hoffen die Acrzte, ihn am Leben zu erhalten. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag am Tegeler Weg zu Charlottenburg. Beim Aufbauen einer ameri- kanischen Luftschaukel hinter dem Restaurant Waldkater am Te- geler Weg löste sich plötzlich ein schwerer Balken und fiel dem 18 Jahre alten Sohn Karl der Besitzerin Lenz, der bei dem Auf- bau behilflich war, auf den Hinterkops. Der Unglückliche blieb auf der Stelle tot liegen. Seine Leiche wurde von der Polizei be- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Wem die Schuld trifft, bedarf noch der Untersuchung. Das Apollothcatcr sorgt wie immer, so auch in seinem Juli- Programm, für eine gute und artistisch wertvolle Unterhaltung seiner Besucher. Paul Beckers prächtige Komik steht wieder obenan; sein drolliger Anglervortrag läßt die Zuschauer nicht aus dem Lachen herauskommen. Staunenswert sind die Leistungen des Verwandlungsiünstlers Willi M a r g w i l l in der Szene „Der Amerikaner"; in wenigen Sekunden wechselt dieser Virtuose, der in vier verschiedenen Rollen auftritt, Aussehen und Auftreten. Scotts Bros variieren in anerkennenswerter Vollendung die von geschickten Radlern und Autlern her bekannten Leistungen des „Looping the Loop". Die italienische Geigenkünstlerin Ada Pagini repräsentiert mit ihren prächtigen Vorträgen die höhere Kunst in dem neuen Programm. Schließlich sind im übrigen Tanz, Gesang, Akrobatik und Exzentrik in einzelnen recht oriaincllen Darbietungen reich und anerkennenswert vertreten. ArbeiterbildungSschule Berlin. Sonntag, den 7. Juli, F a« milienauöflug nach Friedrichshagen— Mahlsdorf-Süd, ver- Kunden mit einer Besichtigung der städtischen Wasserwerke am Müggelsee. Abfahrt des Zuges nach Friedrichshagen: Alexander» platz 8,06, Jannowitzbrücke 8,08, Schlesischcr Bahnhof 8,13. Die Besichtigung der Wasserwerke beginnt präzise 10 Uhr. Treffpunkt für Nachzügler bis 9!h Uhr im Restaurant„Lindengarten"(In- Haber G. Papenfoth), Friedrichstr. 74, in Friedrichshagen. Von 121* Uhr mittags ab: Restaurant„Heidelrug"(Inhaber Gustav Dräger) in Mahlsdorf-Süd. Am besten vom Bahnhof Hirschgarten (Waldwege) oder Köpenick durch Straßenbahn zu erreichen. Auf dem Spielplatz„Hbmboldthain" sind bei den Spielen der Arbeiterjugend folgende Gegenstände gefunden worden: 3 Schlüssel, 1 Werkzeugschlüssel, 1 Patronenschachtel, 2 Hutnadeln, 1 Haarspange, 1 Kamm, 1 Krawattennadel, 1 Reiszeugziehfcder. und Geld. Abzuholen beim Spielleiter Erich Habcrsaath, Berlin N, 28, Graunstr. 40, im Zigarrenladen. Vorort- JVacbncbtcih Charlottenburg. Durch dreifachen Alarm wurden gestern abend 7llt Uhr zwei Löschzüge der Feuerwehr nach der Pestalozzistrasse 92. Ecke Leibuizstrahe, gerufen, Ivo wieder ein D a ch st u h l in Fla m m o n stand. Dass Feuer hatte schon einen großen Teil deS Dachgebälks erfaßt und wurde von der Feuerwehr sofort mit drei Schlauch- leitungen bekämpft. Durch unausgesetztes Wassergeben gelang ei nach halbstündiger Tätigkeit, den Brand auf den einen Dachstuhl zu beschränken. Die Nachlösch- und Anfräumungsarbeiten zogen sich bis In die späten Abendstunden hin. Auch In diesem Falle neigt man zu der Annahme, daß das Feuer böswillig angelegt worden ist Die Ermittelungen In dieser Richtung sind eingeleitet. Neukölln. Weil sie keine Miete zahlen konnte. In dem Hause Jägerstr. K3 Veivohnt die 37 Jahre alte Witwe Marie Kuhnert eine kleine Keller Wohnung. Die Frau, die Ihren Lebensunterhalt durch Aufwarle- arbeiten erwirbt, hatte in der letzten Zeit keine Beschäftigung und konnte infolgedessen auch keine Miete mehr bezahlen. Die HauS- eiäentiimerln sirengte deshalb Klage an und bewirkte, das} sie die Mieterin exmitiereu konnte. Weil Frau Kuhnert die Wohnung nicht gutwillig verlassen wollte. benutzte die Eigentümerin am Dienstag, als die Frau ausgegangen war, die Gelegenheit, deren Wohnung zu verschlieben Als diese bei ihrer Rückkehr die Wohnung verschlosien fand, bekam sie einen Tobsuchtsanfall. Sie lärmte und schlug Tür- und Fenster. scheiden ein. Dabei geriet sie mit dem rechten Fuß in einen Glas. scherben und zerschnitt sich die Schlagader. Ihr Blutverlust war so stark, datz sie In kurzer Zeit besinnungslos wurde. Nachbarn brachten die Schwerverletzte zur nächsten Unfallstation, wo ihr noch rechtzeitig die Wunde verbunden werden konnte.* Die Kinder-Ferienspiele, die der Jugendausschuß der Arbeiter. schaft Neuköllns auch in diesem Jahre wieder veranstaltet, werden am kommenden Sonntag durch ein S p 1 e l f e st eröffnet. Alle Kinder find mit ihren Eltern dazu willkommen. Die Teil. nehmer versammeln sich in der Neckarstraße, von wo um 1 Uhr mittags der Ausmarsch mit Musik nach dem Spielplatz in der Grenz- Allee erfolgt. Bor Beginn der Spiele: Kaffeekochen. Die Ferienspiele finden täglich nachmittags auf vier Spielplätzen in verschiedenen Stadtteilen statt. Jedem dieser Plätze werden die Kinder bestimmter Stadtbezirke zugeführt, wo sie unter Leitung einer größeren Anzahl Helferinnen, nach Altersstufen ein« geteilt, spielen. Die Kinder müssen sich pünktlich um 2 Uhr täglich an folgenden Sammelstellen einfinden: 1., 2. und 3. Stadtbezirk am Reuterplatz; 4. Bezirk in der Rütlistraße; 6. Bezirk Ecke Fulda- und Kaiser- Friedrichstroße; 6. und 7. Bezirk Ecke Weser« und Elbestraße; 8. Bezirk Ecke Hertzberg- und Kaiser- Friedrichstroße; S. Bezirk Ecke BerthelSdorfer und Richardstraße; 10. und 11. Bezirk am Richardplatz; 12. Bezirk Ecke Saale- und Elster- straße; 13. u. 14. Bez. am Kranoldplatz; IS. Bez. am Stubenrauch- platz z 16. Bez. Ecke Schillerpromenade und Okerstraße; 16a u. 17. Bez. Ecke Hermann- und Warthestraße; 18., 19. u. 20. Bez. Ecke Falk- und Jägerstraße; 21. Bez. Ecke Schillerpromenade und Allerstraße; 22. Bez. Ecke Selchower und Fontanestraße; 23. Bez. am Boddin- platz; 24. Bez. am Karlsgarten. Nach den Spielen kehren die Kinder jedesmal zu denselben Stellen unter Führung der Leiterinnen zurück, und zwar spätestens 7 Uhr abends. Die Eltern werden gebeten, die Kinder mit Mundvorrat zu ver- sehen, auch mit Getränken, damit das übermäßige Wassertrinken vermieden werden kann. Als Behälter sind besonders Blechflaschen oder ähnliches zu empfehlen, da Glasflaschen leicht brechen und so Gefahr für Verletzungen bieten. Für Leitung und Aufsicht ist bestens gesorgt; etwa 200 Helferinnen haben sich zur Verfügung gestellt, deren Spitze ein Komitee von sechs Frauen bildet, welch letzteres die Gesamtleitung in der Hand hat. Das vorgesteckte Programm sieht neben den Spielnachmittagen noch größere Ausflüge und beim Ablauf der Ferien wiederum ein abschließendes Spielfest vor. Jugendausschuß und Spiel- komitee haben den lebhaften Wunsch, recht viele Kinder sich zu den Spielen zusammenscharen zu sehen und diesen angenehme Ferien« tage bei fröhlichem Spiel und Gesang zu bereiten. Man kann den Arbeitereltern nur dringend raten, diese? Streben zu unterstützen und ihre Sprößlinge den geplanten Veranstaltungen zuzuführen. Mariendorf. Die Ziisaiiimcilleaung der AmtS- und Gemeindeverwaltung ist mit dem 1. Juli offiziell erfolgt. Nach dem Erlaß des Ministers des Innern ist der bisherige Gemeindevorsteher Dr. Prühß gleich- zeitig zum Amtsvorsteher ernannt worden. Die AmtSverwaltung des benachbarten Marienfelde, die bisher zusammen mit Mariendorf geführt wurde, ist als selbständige Amts- Verwaltung abgelöst worden. Leider ist aus der amtlichen Be- kanntmachuiig noch nicht ersichtlich, ob die Bureaus der Amts- verwoltuug weiter in der abgelegenen Tempelhof er Straße bleiben oder im Rathaus untergebracht werden. Friedenau., Der erste FerienauSflug für Kinder findet erst am Monbag, den 8. I u l, statt. Treffpunkt mittags 1 Uhr am Wilmersdorfer und Echillerplatze Ober-Schöneweide. Gcmeindevertretersihung. Der am Dienstag tagenden Sitzung gingen die Wahlen des besoldeten und zweier unbesoldeter Schöffen voran, die das sonderbare Bild zeigten, daß sämtliche Wahlen nach zweimaligem Wahlgang, der jedesmal Stimmengleichheit ergab, durch das Los vollzogen werden mußten. Als besoldeter Schöffe wurde der Magistratsassessor Dr. Kühn aus Rendsburg gewählt; von der 2. und 3. Klaffe war für den Sladtfyndikus Dr. Kunow Sky aus Fürsteuwalde gestimmt worden. Als unbesoldete Schöffen wurden die Gemeiudevertreter K a b e l t i tz und Müller gewählt, die Kandidaten Benz und Nollenberg fielen aus. Unsere Ge- nossen hatten von einer Kandidatur abgesehen, um eine Zersplitterung zu vermeiden. In Verfolg dieses Ausganges müssen nun in der zweiten Klasse zwei Ersatzwahlen stattfinden. In der sich anschließenden Vertretersitzung war auch über die Gültigkeit der Be r m e h r u n g S w a h l e n zu beschließen. Vom Gemeindevorsteher wurde gegen die Wahl des Genossen Wesen« bürg Einspruch erhoben mit der Begründung, daß zur Zeit der Wahl ein Steuerrückstand zu verzeichnen war; die Wahl wurde nach kurzer Debatte für ungültig erklärt, so daß auch in der dritten Klasse eine Neuwahl stattfindet. Der Vertreter der ersten Klaffe, Direktor Weber, ersucht, aus Gesundheitsrücksichten die Ablehnung der Wahl zu gestatten, dem zugestimmt wurde. Da der Herr Baron von der Ropp, dessen Wahl schon in der letzten Sitzung für ungültig erklärt wurde, gegen den Beschluß keine Klage erhoben hat, ist dieser rechtskräftig geworden und muß auch in der 1. Klasse eine Neuwahl stattfinden. Der Verein gegen den Mißbrauch gel st iger Getränke beabsichtigt am Orte eine acht- bis zehntägige Ausstellung zu veranstalten, zu der ein Eintrittsgeld nicht erhoben wird; es wird beschlossen, hierzu einen Beitrag von 200 M. zu stiften und einen geeigneten Raum zur Verfügung zu stellen.— Für die Errichtung einer zweiten F l u ß b a d e a n st a I t im OrtSteil Ostend liegt ein Projekt vor, das einen Kostenaufwand von 4000 Mark vorsieht; gleichzeitig liegt der Antrag vor, keine Anstalt zu bauen, sondern einen privaten Unternehmer mit 300 M. pro Jahr zu subventionieren. Die Beratung wird wegen Grnndstückserwerbsfragen in die geheime Sitzung verlegt, deren Beschluß dann dahin erging, in diesem Jahre die Angelegenheit fallen zu lassen. • Der Vertrag mit der Postbehörde betreffs des Na cht fern- sprechbetriebes soll verlängert werden und soll die Eni- schließung der übrigen dabei beteiligten Gemeinden über die Dauer der Vertragszeit beigetreten werden. Die Errichtung zweier Oberlehrerstellen am Gymnasium zum 1. April 1913 wird beschlossen. Köpenick. Bus der Stadtverordnetenversammlung. Am Bericht der Schulärzte, dex der Versammlung gedruckt vorlag, wurde von unseren Genossen verschiedentlich Kritik geübt. Auffällig ist die in fast allen Schulen ungemein hohe Zahl der Kinder mit schlechten Zähnen, weshalb cs dringend notwendig ist, daß mit der Gröffnung der beschlossenen Schulzahnklinik nicht länger gewartet wird. Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß die häusliche körperliche Reinigung der Kinder der Hilfsschule viel zu wünschen übrig lästt und empfahl unser Redner, den Kindern der Hilfsschule die Bade- einrichtung der 8. Gemeindeschule zur Verfügung zu stellen. Ferner sei zu bemängeln, daß Kinder, die nachweislich schon längst der Hilfsschule hätten überwiesen werden müssen, wegen Raummangels nicht untergebracht werden konnten, und müsse daher sofort eine neue Klasse errichtet werden. Weiter ersuchte Redner um Aus- kunft darüber, ob es wahr sei, daß in der 3. Gemeindeschule wegen Ueberfüllung Kinder keinen Sitzplatz hätten, sondern dem Unterricht stehend beiwohnen müssen. Bürger- meister Prümers als Schuldezernent erklärte, über den angeführten Fall nicht unterrichtet zu sein, er werde aber umgehend das weitere veranlassen. Die Badeeinrichtung der 8. Gemeindeschule sei den Kindern der Hilfsschule schon zur Verfügung gestellt. Was die Nichtaufnahme von Kindern in die Hilfsschule betreffe, so hänge die Aufnahme von dem Gutachten des Stadtarztes uno des Schul- leiters ab, er gebe aber zu, daß die jetzt zur Verfügung stehenden Räume sehr beschränkt seien und nur für etwa 64 Kinder Platz ge- währen. Zum 1. Oktober werde eine neue Klasse eingerichtet. Dem Antrage des Magistrats um Bewilligung von 240 000 M. zur Neupflasterung der Langen und der Tammbrücke und zur Ver- breiterung und Neupflasterung der Zusahrtsrampen dieser Brücken wird debattelos zugestimmt. Als Vertreter der Stadt Köpenick zum Brandenburgischen Städtetag zu Fürstenwalde wurde uebst zwei bürgerlichen Stadtverordneten auch der Genosse Nieke delegiert. Den Antrag des Magistrats um Bewilligung von 100 M. zur Beschaffung eines Wanderpreises für Schwimnileistungen an den Schwimmklub.,Neptun"-Spindlersseld ersuchten unsere Ge- nossen abzulehnen, da gar nicht abzusehen sei, wieviel von den sehr zahlreich vorhandenen Vereinen und Vereinchen mit demselben Er- suchen an die Stadt herantreten werden, und auch den Arbeiter- vereinen jedwede Unterstützring verweigert wird. Nach diesen Aus- führungen schnellten sofort fünf bürgerliche Stadtverordnete in die Höhe und plädierten für Annahme des Magistratsantrages, was gegen die Stimmen unserer Genossen auch geschah. Zum Schluß lag der Versammlung auch ein Dringlichkeitsautrag unserer Ge- nossen auf Einsetzung einer gemischten Kommission zur Vorbc- ratung der Frage über Errichtung eines Gemeinde- frieohofes zur Beschlußfassung vor. Nachdem die Dringlichkeit anerkannt und der erste Bürgermeister Dr. Langerhans auch die Bereitwilligkeit des Magistrats, diese wichtige Frage in einer ge- mischten Kommission vorzuberaten, erklärt hatte, wurde eine sechs- gliedrige Kommission, zu der zwei Genossen gehören, gewählt. Hoffen wir, daß nun endlich dem dringenden Wunsche der über- großen Mehrheit der Einwohner Rechnung getragen wird und nicht wieder die Kirchturmsinteressen den Sieg davon tragen. Während der Monate Juli und. August finden Stadtverordnetensitzungen nicht statt. Hohen- Schönhause»». Den Bericht des Vorstandes über das letzte Halbjahr gab Genosse Kintze in gut besuchter Versammlung ves Wahlvereins. Die Organisation hat gute Fortschritte zu verzeichnen und ist der Mit- gliederverlust, der durch die Abtrennung von Wilhelmsberg und des Buggenhagenviertels entstand, durch Neuaufnahmen wieder weltgemacht. Bei den Gemeindevertreterwahlen eroberten wir zwei neue Mandate.— Die BorstandSwahl ergab die ein- stimmige Wiederwahl der bisherigen Funktionäre, soweit sie wieder kandidierten. Neugewählt wurde ein JugendauSschuß. Dem vom Genossen Herschleb erstatteten Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Wahlen 289 M. kosteten; 130 M. wurden für die Bibliothek ausgegeben. Rosenthal-WilhelniSruh. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Hecht den Bericht vom letzten Halbjahr, der von emsiger im Dienste der Partei geleisteter Arbeit zeugt. Die Zahl der Mitglieder stieg auf 348 männliche und 45 weibliche. Den Kassenbericht gab Genosse Grell.— Die Neuwahl deS Borstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Bezirksleiter Paul Hecht, 1. Kassierer Wilh. Grell, 1. Schriftführer Max Kretke, Beisitzerin Genossin HäSke, Kinderschutzkommisfion Genosfin G. Kretke. Heinersdorf. In der letzte« Gemeindevertreterfitzimg wurde der Fabrikant TiniuS als Schöffe eingeführt. Dem Bäckermeister Engel wurde die Erlaubnis zur Errichtung eines Fabrikgebäudes nebst Wohnungen auf der unbaufähigen Prenzlauer Promenade erteilt, nachdem er sich verpflichtet hat, Straßenland abzutreten und die etwa 6000 M. betragenden Pflasterkosten zu hinterlegen. Vom Vorsitzenden wurde mitgeteilt, daß in Sachen der Wahl der in der dritten Klasse gewählten Herren Witte und Haenel, die von der Gemeindevertretung als un- gültig erklär» wurde, der Klageweg beschritten ist. Die Einführung des NachttelephondiensteS für die Orte Heinersdorf. Pankow und Rieder-Schönhausen hat im ersten Jahre die festgesetzte Garantie- summe von 2750 M. nicht erreicht. Von dem 1902 M. betragenden Defizit zahlt Heinersdorf 66 M. Dabendorf bei Zossen. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung, die Regulierung und Anlegung des neuen Friedhofsgeländes ,m Herbst dieses JahreS in Angriff zu nehmen sowie eine Leichenhalle z» bauen. Wegen der Straßenbeleuchtung schweben Verhandlungen mit fdem Elektrizitätswerk, die demnächst zum Abschluß kommen dürften. Neben der Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlage» wurde der Bau eines neuen Spritzenhauses beschlossen. Zum Schluß der Sitzung ersuchte Genosse Lau den Gemeindevorsteher, die Aus- führung der von der Vertretung gefaßten Beschlüsse zu beschleunigen. aller Alelt. öcblagwctterexplofion auf Zecbe OPterfeld. 16 Tote, 6 Verwundete. Eine schwere Grubenkatastrophe hat sich am Mittwoch- mittag auf der Zeche Osterfeld der Gute Hoffnungs- Hütte bei Oberhausen zugetragen. In einem Aufbruch zwischen zwei Flözen erfolgte beim Sprengen des Gesteins eine Schlagwetterexplosion. Bis sechs Uhr abends waren 16 Tote und 6 Verwundete geborgen. Von den Verwundeten sind zwei schwer verletzt. Der übrige Teil der Belegschaft der Zeche ist in Sicherheit. Ueber die Katastrophe erhalten wir folgendes Privat- telegramm: Das Unglück ereignete sich kurz vor dem Schichtwechsel auf der dritten Sohle des Schacht I in einem Aufbruch zum Flöz Mathilde, das sehr w e t t e r r e i ch ist. Es wird dort Raubbau getrieben, wodurch sogenannte Raub- löcher entstehen, die nicht immer genügend versetzt werden, so daß die berüchtigten Vorräume entstehen. Eine Kamerad- schaft, die in einem Aufbruch beschäftigt war. hatte kurz vor dem Schichtwechsel einige Schüsse abgetan, worauf die massenhaft vorhandenen Wetter zur Entzündung gelangten. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß in 20 Meter Entfernung den Arbeitern die Sicherheitslampen ausgeschlagen wurden. Es müssen sich demnach gewaltige Schlagwettermengen und Kohlen- staub angesammelt haben, die zur Entzündung gelangten. In einem Ouerschlage waren die schweren T-Eisen wie Streichhölzer geknickt. Die beladenen Kohlenwagen waren von der Wucht der Explostosi tff 8t e teefen Mag e ff geschleudert worden. Ein Glück, daß das Hängende aus bestem Sandstein besteht, sonst wäre die ganze Strecke zusammengestürzt und die Toten wären unter den Gebirgs- massen begraben gewesen. Der Sicherheitsmann des Reviers ist ein christlicher Knappschaftsältester. Die Gute Hoffnungs- Hütte gehört zu den Werken, die gegen die Organi- satiou der Steiger und technischen Auge stell- ten in der rücksichtslosesten Weise vor- gehen, von den Arbeitern gar nicht zu reden. Es haben denn auch 500 Mann gekündigt. Während die Toten zutage gefördert wurden, nahm auf dem nebenliegenden Schacht die Kohlenförderung ihres» ununterbrochenen Fortgang. Nur in den Revieren, durch die der Wetterstrom zog, wurde gefeiert, sonst war der Betrieb nicht gestört. Die Zechenverwaltung teilt über das Unglück mit, daß es sich um eine reine Schlagwetterexplosion handelt, eine Kohlenstaubexplosion liege nicht vor. Die berg- behördliche Untersuchung ist eingeleitet. Vertreter der Zechen- behörde und der Bergverwaltung trafen unmittelbar nach dem Unglück auf der Zeche ein. Ein zweites schweres Unglück hat sich im Betriebe der Zeche Victoria Matthias bei Essen a. Ruhr er- eignet. In der Benzolfabrik des Werkes wurde durch mis- strömende Gase eine Explosion hervorgerufen, die das Gebäude zerstörte. Bei dem Unglück wurde ein Arbeiter getötet, drei schwer und vier leichter verletzt. ftrieg im Friede«. Ans dem Truppenübungsplatz Lockstedter Lager wurden durch einen fehlgegangenen Schuß, der in den Beobachtungsturm drang, die Kanoniere Schilling und H e n s e l vom Feldartilleric- Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee(Schlcswigsches) Nr. 9 getötet. Unteroffizier der Reserve Freudenreich wurde schwer, Leutnant Böhm, beide von demselben Regiment, leicht verletzt. Schwerverletzt wurden ferner Oberleutnant König vom Lauenburgischen Feldartillerie-Regiment Nr. 46, Sergeant Wulf und Unteroffizier Schnabel. Die Typhusepidemie im Ruhrgebiet. Die Typhusepidemie, über die wir wiederholt berichtet haben, greift trotz aller Maßregeln der Behörden immer weiter um sich. Die Epidemie streckt sich nicht nur auf Bommern, den Jnfektions- Herd, und Witten aus, sondern greift auch nach entfernter liegenden Orten über. In W u l I o n und Wannen sind verschiedene typhusverdächtige Krankheitsfälle festgestellt worden. Im Wittener Diakonisseiihause und im Marienhospital liegen insgesamt 150 Per- sonen an schweren typhösen Erscheinungen danieder. Bis jetzt hat die Krankheit 10 Todesfälle zur Folge gehabt. Die Kirchenaustrittsbewegung. Wie das von Wilhelm O st w a l d herausgegebene„Monistische Jahrhundert" in Nr. 6 meldet, sind in Jena seit dem halbjährigen Bestehen des Komitees.Konfessionslos"(Sitz in Schmargendorf« Berlin) 300 Kirchenaustritte durch das Jenaer Zweiglomitee erzielt worden. Unter den Jenaer Konfessionslosen befindet sich Hofrat Knopf, Professor an der Universität Jena, der bemüht ist, den konfessionslosen Moralunterricht«inzuführen und seine Geltung als Ersatz deS Religionsunterrichtes durchzusetzen. Denn auch im Großherzogtum Sachsen-Weimar, in dem einst Goethe Staats- minister war, besteht der Zwang für Dissidentenkinder, am kon- fessionellen ReligionSunterncht teilzunehmen, während in Baden, Hessen und selbst in Bayern dieser Zwang nicht besteht. In Bayern können konfessionell- Eltern dahin notariell übereinkommen, ihr Kind am freireligiösen Unterricht teilnehmen zu lassen. Ein Mord auf Bestellung. Um von ihrem Manne befreit zu werden, hat in Paris die Frau eines Zeichners einen Mann gedungen, der ihren Gatten auS dem Hinterhalt erschießen sollte. Als der Zeichner und Inhaber eines Pensionates Clerc in SivreS bei Paris mit seiner Frau auS dem Theater heimkehrte, wurde er durch eine auS dem Hinter« halt abgefeuerte Kugel tödlich verwundet. Die Untersuchung ergab schwere Verdachtsmomente gegen Frau Clerc, die auch nach langem Leugnen gestand, daß sie ihren Gatten, der sie seit vielen Jahren schlecht behandelt habe, durch einen gewissen Rabatt habe erschießen lassen wollen, dem sie für die Ausführung des Mordes 600 Frank gegeben habe. Rabatt, der sich für einen ehemaligen Eisenbahnbeamten und Journalisten ausgab und der vor kurzem aus einer Irrenanstalt entlassen worden war, hat die Flucht ergriffen._ Kleine Notizen. Schwerer Verkehrs uufall in Spanien. Auf der Linie G rar— Valencia stieß ein aus drei Wagen bestehender Zug der elektrischen Straßenbahn mit einem Eisenbahnzuge zusammen. Von den Insassen des Straßenbahnzuges wurden fünf Personen getötet und 25 zum Teil schwer verletzt. Schlechte Patrioten. Der Graf von Turin, ein Vetter des König« von Italien, hat auf der Fahrt nach dem Logo Maggiore auf der Chaussee einen Landwagen umgefahren. Im Nu hatten sich etwa hundert aufs äußerste erregte Bauern um das Auto versammelt und versuchten, e S umzustürzen. Zu Hilst gerufene Gen- bannen befreiten den Grafen schließlich aus seiner äußerst gefahr- vollen Lage. Da? Auto wurde jedoch von den Bauern, die mit ihren Forken und H e u g a b e l n auf dasselbe einHieben, schwer beschädigt.__ Slrbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde«. Wanderfahrten am Sonnlag, den 7. Juli: In. LudwigSselde— Mauer Berge(Zeltlager)— Blankeniee— Kl. Seddiner See(Badcrast)— Michendorf. Abs.: Sonnabend- nachmittag 4.55 Uhr vom Anhalter Bahnhof Id Rchbrücke— Saannund— Kl. Seddtner See. Abs. Sonnabendabend 11 Zg Uhr Bahnh. griedrichslraße. II. Niederfinow— Liepe— Piinpincllcnberg— Paarsteiner See(Baderast)— Brodowtn— Chorin. Abs.! Stcttiuer Fernbabnbos Sonnabendabend 11.30. III. Buch— Blumberg— KauISdors. Abs i Stettiner Vorortbahnh. 6.40 vorm. IV. Motivtour der photographischen Abt- Tegeler Forst. Tressp. Tegel, Endstation der Straßenbahn, g Uhr vorm. V. Erkner— KI.'Werbellinsee— Erkner. Abs.: Schlcs. Bahnh. 5.53 Uhr vorm. VI. Chorinchen— FH..Senften. berg— EberSwalde. Abs.: Stett. Fernbabnh. 5.59 Uhr vorm. VII. dauer Stadtsorst. Abs.: Lehrler Fernbahnh. 146 Uhr nachm. Span- ßfiefbatten der Kedahtfon. 9lt tmlstlschi Sprechstunde ftnnet a t n o t n n t u ß c 69, von, vir, Zttfvcn — N a h r st» d l—,«ochentSglich von*14 bis»Vi Uhr abends, SonnadendS, von 4�»l» 6 Uhr abends ftntt. Jede» fstr den vrteslafteu beftlmmteu«nsrage ts, ein Buchsiade aud eine Zahl»IS«icekzetchea betzusügea. vrtefllche«ntwor» wird nicht erteilt. Anfragca. denen«eine«bonuemratSautttna, betgeMg««ft, werdeu nicht beauttoortet. Eilige vragra trage«an in de» Sprechftu»»«»or. M. 35. Wiederholen Sie dl- Ansingen und geben Sie noch an, wo Jhve Eltern nach erfolgter Eheschließung den ersten Wohnsitz gehabt baben. — Britz 101. Die Polizei ist mit ihrem Verlangen im Recht.—«. M. 4. Beantragen Sie beim Amlsgcricht, in dessen Bezirk die Multcr gestorben ist, die gerichtliche AuSeiiiaudersetzuiig.— K. P. Erkner. 1. Leider ja. 2. Erscheint aussichtslos. 3. Bezügliche Bestimmungen sind in der Gewerbe. ordnung—§ 120— und in einer Reihe von Ministerialversügungcn ent. halten. Setzen Sie sich mit der Buchhandlung Vorwärts in Verbindung. — BS. K. 100. Spiegelspind, Küchenrahmen, Fahrrad.«- M. R. 15. Dürste auireichm. Sie find jedoch beweispflichtig.— H-®« l. Em Jahr seit Rechtskraft. L. Zandgericht, das erkannt bat. 3. Nein. DaS Aktenzeichen mutz angegeben werden. 4. Gleichgültig.— W. lt. 100. Ja.— I» S. 011. 1. und 2. Aus Befragen ja. 3. Alsdann nicht, sofern die Auskunst wahr. heitsgemätz ist.— G. B. 1893. Wiederholungen könnten dem Vcnnieter einen Grund zur VertragSlöfung geben.- P. D. S. Nein. Beantragen Sie bei der Steuerbehörde das VerteilungSverfabren.— A. B. 100. Ver. suchen Sie es mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft: dadurch cnl- sieben Jbnen keine Kosten. Zu einer Privatliage können wir nicht raten. — Sirukölln Nr. 100. Ja. Marktbericht von Berlin am S. Juli 1912, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthatlenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50.00. Speis ebohnen, wettze, 30,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartosseln(Kleinhdl.) 9,00—16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40— 1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,20— 4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,50—40,00._ Wetterprognose für Donnerstag, den 4. Juli 1912. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber noch sehr veränderlich mit etwa» Regen, meist schwachen südwestlichen Winden und sorldauernder Gewitterneigung. Berliner Wettervurea». Witterungsübersicht vom S. Juli 1912. Stationen Swinemde. Samburg erlin ftranks.a.M. München Wien Ölj 8}— c S 769 WNW 760 N 759 2 SB 761SW 762® 762.» Wetter 1 wolkig 2.wolfig Iwolkig IjDunst 2 halb bd chbedcckt ti* 4 11 t? hS> Stationen »= Haparanda Petersburg Scillh Aberdee» Paris v? K 765 N 761N 762N 766«» 760® tili Detter Lhalb bd. l wolstg 4 wolkig 3,bedeckt halb bd. Kraft-Rotvem-r l.eo 2.oo Hacbahmancen bitte znrttcbzawcluen. Käuflich in Apotheken, Drogerien und Delikatessen• Geschälten. Um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen, trinken die Völker des Südens Wasser nicht ohne Znsatz von Wein. Daß das Volksbewußtsein richtig ist, haben unsere Gelehrten durch Versuche bestätiet. Durch Vermischen eleioher Teile gewöhnlichen Trinkwassers mit Wein wurde die Zahl der Infektionskeime zu■/, vernichtet, nach kurzer Zeit sogar vollständig, so daß nach dem Bericht s s-- des Dr. Mfg. Wasser durch Weinzusatz absolut keimfrei wurde._. Sei Dantikstarrh, Magenverstimmung Satlta Silßla | Todes-Anzeigen I Sozialdemokrnt VablirereiD für den 4. Herl Reiehstagswalilkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 333. J�achruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse Lenusim Talmann Cadiner Str. 9 gestorben ist Ehre seinem Zlndenke« k Die Beerdigung Hai gestern aus dem Französischen Kirchhos,»ol- lankstratze, bereits stattgesunden. 217/15_ Der Borstand. Sozialdemokrat Wahlyerein Wilmersdorf. Am 29. Juni ist unser Mitglied Faul Kohl, Halensee, Joachim> Friedrich- stratze 40, gestorben. Wir werden unserem dahin- geschiedenen Parteigenossen ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung erfolgt am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, vom Gemeinde-Friedhos an der Berliner Stratze in Wilmersdors aus. Wir bitten um rege Beteiligimg. 202/9 Vvi- VoiMstamk. Deutseber Bauarbeiter-Verband Xwciffvcrcin Berlin. Am 1. Juli starb unser Mit- glied, der Maurer (aosKsir Rest (Bezirk Norden I.) Ehre seinem Nndenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle der Zionsgemeinde in Nord- end aus statt. 140/16 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. IDeuiseber ßuehbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser langjähriges Mitglied, der Kollege Hemrick Schaner plötzlich verstorben ist Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet w Frankenberg(H. N.) statt 24/18 Vis Ortsverwaliung. Allen Verwandten, Bekannten und Freunden die traurige Nach. richt, datz mein lieber Mann, der Droschkensührer Aloys Winkler am Freitag, den 28. j„solge Unfalles im Urban-Kranlenhausc verstorben ist Um stille Teilnahme bittet Wive. Winkler geb. Eckel«. Die Beerdigung findet am DoimcrStag, den 4. Juli, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle beS Zeiilral-FricdhoscS, Friedriche selbe, auS Natt. Tanksagimg. Fllr die zahlreichen Beweise inniger Teilnahme und die Kranzspenden bei bei Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS, Sohnes, BnideiS und Schwagers Hermann Bode mgea wir allen Teilnehmern sowie den Kollegen der Firma Bechstein, dem Holzarbeiteroerband, dem Wahlverein, dem Gesangverein Männerchor Ober- Iv1" unseren berzliibslen Dank. Wwe..Ann» Bode nebst Kindern. Dmiksagnng. �ür bie herzliche Teilnahme und die ausergewohnlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer herzensguten Mutter sagen «vir allen Bekannten und Becwandlen, insbesondere unserer werte» Kund- schast unseren besten Dank. 61A W. Klotz nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beeidigung unseres lieben Sohnes und Bruders Hermaim Kümpel sagen wir allen Verwandten, Freunden, Bekannten und Kollegen unseren herz. lichsten Dank. 21A Familie Klimpe!. Bon der Reise zurück: Dr. Bax ti o idschmldt, • Warschauer Str. 15. Or. Simmel Spezlal-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Äwz 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Harn-, spez.chron. Haut- n. Frauenleiden voraeit. nervöse Scswäche usw. SEhrlWata-KiirEii�S slle, gründL spezialärztl. Beb. mögt o. Berufsstörg. in Dr.BoffleverLaboÄi?� untersuch. Fäden im Harn etc. Friedrichstr.81, Sprechst. 10-2, 6-8, Sonnt. 11-2. Honorar mäß. Teilzahl, gestatt. Orts-Krankenkasse für den Amts- und Gkinkindtbezirk Kochageu-Rummelsburg. Außerordentliche General-Utrsmmlung am IX. Juli lOlSi. abendS 8 Uhr, im Lokal von Tempel, Hanptstr. 2. Tagesordnung: Vereinigung mit der OrtSlrankcnkasse Lichtenberg und Festsetzung der Bc- dingungen. 277/2 Gcmätz F 66 deS KaflenstatuIS werden zu dieser autzcrordentlichen Generalversammlung die sür 1912 ge. wählten Vertreter hiermit eingeladen. Ber Vorstand. G. Budde, Vorsitzender._ Den„Torwarts"-I-eaern Cewtthre Rabatt. Riesenlager säis PerserTeppiche Stnil Lesövre Berlin, Oranlenslr. 158 AbgepaUte Fenater, weiß und erftme p. Fenster 235, 8, 4-60m. Imlt. Point-lace-KOnsller- /v75 Gardinen, p. Fenster K. � Elegante Sezessione-TBII- 9 36 Store»...... M.* Gestickte echte Spachtel- �75 Stores..... M.* Goldfarbige reichgestickte D35 Band-Stores... M. � Tfillbettdccken, Größe T69 160/220 cm... M. � Reichgest Erbstüll-Bett- �78 decken..... m. W Elegante TBII-BetlrBek. ÄTS wände...... u U Brite-Bise(Scheibenschleier) 25, 35, 40, 60 Pfennig. Nach auswärts p. Nachnahme. Spezial-Katalog Abbildungen M BDlI -n. Kasse der Slhuhmalher und Berufsgenossen Berlins (E. H. Nr. 27.) Aslontag, den Iii. Juli, abendS 8 Uhr, bei Tetzvrutela, Alte Jalobstr. 7ö: CeneralTersammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal. 2. Borberatungen über die neuen Satzungen unserer Kasse. 3. Innere Kassenangelegenhellm. 2346b Der Borstand. Möbelfabrik„Forluna" Eingetragene Genossenschaft mit betchrSnkler Haftpflicht Beritbkkauna der Bilanz vom 31. Dezbr. 1911. Die Hastsumm« beträgt pro Genosse 600 M., mithin 4500 M/ 166/9 Bor Torstand. Gustav Berger. Fritz Wolff. Otto Schroepp. Peutscber Sanarbeiter- Verband. -------------- Zweigverein Serlin.----------------- Freitag, den 5. Juli, abends 7 Uhr(gleich nach Feierabend) bei Jaunaschk, Jnselstr. tv, an der Jannowitzbrücke: Baudeputierten-Versammlung für alle Sektionen, Gruppen und Branchen des Baugewerbes. Wtr Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanstt gegeben."WN Pflicht aller auf den Baustellen beschäftigten Kollegen der verschiedenen Branchen ist es, zu dieser Versammlung Stellung zu nehmen und dafür einzutreten, daß von jeder Branche auf den einzelnen«rbeitsstellen ein Vertreter gewählt und delegiert wird. Der Zweigverewsvorstand. 140/14« tMls�Ü-'sSwSS zu verkaufen. Zu ersr. Ober-Schöne- weide, MathUdenstr. 9, bei Ketzner.~ Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Bureau: Melchiorstr. 28, pari. Ci|i.ln Onpsin Arbeitsnachweis: Rückerstr. 9. Fernspr.: Amt Morttzplatz, 4737. lllilUI! llvl IIII. Fernspr.: Amt Norde», 6708. Freitag, den 5. Juli, abends 6'/, Uhr, im Englischen Garten, Sllexanderstr. 87«: Kombinierte Versammlung aller in der Knchenmöbelbranche beschäftigten Maler, Anstreicher» Tischler, Maschinenarbeiter«sw. TageSordnungi 1. Die Kraukenkafien i» der ReichSverficherungSorbNüNg. Ref.: Arbeitersekretär Genosse Ad. Ritter, 8. Branchenangelegenheiten. Zahlreiche Beieiligung erwarten Die vraachenleitnngen. l? diesem Schild sind die Laden erkennbar, "B in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Ilaaterirfiltlc In Konstruktion and Anattthrang, gleich vorntiellch tttr Haaagebraach a. Indaatrle. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BEBI.IT, liotpalgor StraOo 98. LSdee in den verschiedenen Stadtteilen. IL E r Neu«ingefBhrt: � Fehlfarben-Sortimente in besonders preiswerten Mischungen Fortuna 10 St 60 Pf. Hansa 10 St. 75 Pf. �xcelsior 10 St. 1,00 M. Ci�arren.-> Fabriken | Ueber 200 Hiederlagen In Deutschland!| Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlatclle Berlin. Freitag, den 5. Juli 1912, abendS 6 Uhr: Sranehen-Versammlting ttllft in deu Ktrlintt Geschastsbchftbnlie« btschöstigten Arbeiter und Arbelterinveil im Etablissement Mnsikersäle, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m. Parterre-Saal. Tagesordnung: 1. Gewerkschasts- und GenossenschastSbewegung. Referent: Kollege Karl Michneltö. 2. Wie halten die Arveltgever den Tarts ein? 3. Branchenangelegenheiten. 24/17 HÜT* Mitgliedsbuch legitimiert."W Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Branchcnleltimg. Zentral-Verband der Topfer und Serufsgetiossen Deutschlands. Filiale GroU-Berlln. Freitag, deu 5. Juli, abends«'/, Uhr, in Schulz' Jestsälen, Am Königsgraben Ua.(Nähe Alexanderplatz. hinter dem Warenhause Tietz): AuuutllllmkilSNüiliikk- Dechmuluug. Tagesordnung: 1. Die Situation im Gewerbe.— 2. Verschiedenes. Da sehr wichtige Dinge zur Besprechung kommen, ist eS notwendig, "ib. Aufl datz alle Bauten vertreten sind. Anfang ganz 192/17 präzise. Bei er Toretand. tseher Arbeitsnachweis: Amt Nörten, Nr. 1239. Vervaltuiiptelle Berlin CharitEftraste 3. Hauptbureau: Hofin. Amt Norden, Nr. 1937 Sonnabend, den 0. Juli 1912, abends IS Uhr: MtgUedei'- Versammlung der Killo-OMltlire Groß-Kcrlius in JulinS Meyers Festsälen, Oranienstraste 19Z. Tagesordnung: 1. VlerteljahrSbericht.— 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten.— 3. Verschiedene». —■ IHtgllcdsbnch legitimiert.■ Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.— Zahlreicher Besuch wird erwartet._ Sonntag, de« 7. Juli 1012, vormittags O1/« Uhr: Große Persamminng sämtlicher Monteure u. Helfer der Eisen- konstruktionsbetriebe im Lokal von Wollschläger, Adalbertstraße 21. Tagesordnung: 1. Nnfere Vereinbarung, und wie wird dieselbe eingehalten.-- 2. Diskussion.— 8. Verschiedenes. ES ist unbedingt nötig, datz jeder Kollege in der Versammlung erscheint. 120/5___ Die Ortgverwaltnng. Warnung vor Haehabninng des echten gesotsl. geach. Kapitän- Kautabaks dringend geboten. Jedes einzelne Stück wird nur verpackt und mit Aufschrift: ,„Kapitün-Kantabnk" geliefert. Carl ROcker, Berlin, Grüner Weg 119. jy- Herren-, Jünglings- 107« D. Perleberg W u. Knaben-Garderobe Rabatt« i Damen-Stiefel 1 ■ K ■■ohwar* Im. Ohevroaiiz mit Lackkappe, moderne JL(XV% EH rasaons...... jetzt nur MW sohwarz Clievraanz mit Lackkappe. HB ■ schlanke und breite R QR Fassons...... jetzt nur wewü Mg ■ eiegr. Laokstlelel M» mit Wildleder- Einsätzen, ß TR 1 schwarz und grau, jetzt nur 1 O hihbbhbbh| 1 Halbschuhe 1 Damen, schwarz Chevrett mit Lackkappe, jetzt nur braun Ohevreanz Dorby-Lackkappe, jetzt nur JSvinsohn ■■■ mm - Sensotionell billiser I ScImliNoren- I Saison-Ausverkauf A 4,25 1 ErSS Iii■ Rosenthaler Straße 40»41 mit Lackkappe, jetzt nur awaiw mss 5.95 1 Herren-Stiefel sohwarz Blndboz- Sohnürstlofel, breite Fassons, kräftiger Straßen- stiefel, auch Zug und g Q- Schnalle.. jetzt nur sohwarz Chovroauz-Sohnüratlefol mit LaokkM schlanke und ß QR breite Fassons, jetzt nur wswO sohwarz Laokstlofel mit Wildloder- Einsätzen, oi ig. amerikan. ß Q r Fassons...... jetzt nur aasuü Laok-Halbsohnho, amerikanische Fassons..» Prompter Versand I Hackescher Markt-Z Bahnhof Börse nach auOerhalb A Sandalen und Turnschuhe spottbillig Kinder-Stiefel sohwarz, mit und ohne Lackkapps kräftige Strapazierstiefel 20—24 26-26 27-30 31-38 1.55 2.95 3.25 3.75 braun, mit Lackte.. Normalfa.aon. 21— 24 SS— 26 27- 30 31— SS 2.95 3.45 3.75 4.25 Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Worl20 Pfg.(zulassig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN fflr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. ik Verkäufe. TevPtche(Farbenfehler), StePP. beden, Gardinen. Jnventurveriaus, 10 Prozent Rabatt. Mauerbofs. Grotze Frantsurterltraße Z, parterre. Lorjahrtge etcganle.Herrenanzüge und Paletots aus seinstcn Wautloffen SO— 40 Mark, Hosen 6— 14 Aiark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 128851' (sehlerbane) ir die Halste d' m allen eS Wertes Tcoptdie Grötzcn, sast für die Hälste Tepvichlager Brünn. Harkescher Markt 4, Bahnbos Börse.(Leser dcS .Vorwärts' erhalten ü Prozent Rabatt.) Sonntag« geössnet l Herniannvtau 6. Pjandteihhaus. Extrabillige Iackcttanzüge. Gebrod- anzöge. Sommerpatetots. Herren- bösen. Damcnmäntel. Zlllerbilligster Bettenverkaus. Vermietungsbett. Aussleucrbctten. Aussteuerwäsche. Reichhaltige Gardinenauswahl.� Tep- pichanswahl. Blüschtischdeden. stepp- beden. Goidsachcu. Tajchenubren. Wanduhren. Wandbilder. Waren- verlaus ebensalls Sonntags.' Gardinen J Steppdecken 1 Portieren I Tischdecken I außergewöhnlich billig I Porwärtsleser ö Prozent Rabatt extra l Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher llllartt 4(Bahnhos Börse). Sonntags geöffnet.» Littauer Nähmaschinen ohne An- zahlung, gebrauchte spottbillig, Skalitzerstrabe 9g, Warschauerstr. 65.* Pluschttschbccken mit wunder« vollen Pressung- oder Stickereimustern 5,75, 6,85 bis 18,—, Filztuchdecken 1,50, 2,25 ujw. Echtsarbige Kaffeedecken 0,95. WotsS TcppichhauS, Dresdenerstraße 8(Kottbusertor). Abonnenten 10 Prozent Rabatt.' Gebrauchte Nähmaschinen billig Bellmann, Gollnowstraßc 26. 2058K' Betten, Stand 9,—. Brumien- strage 70, im Keller. 120055* Zinfwaschfässer, Zober, sitz- wannen, Badewannen. Spezialsabrik Reichenbergerstrahe 17. Lesern 5 Proz. MonatS-Gurderoben-HauS ver« kaust spottbillig wenig getragene Iackcttanzüge, Gehrockanzüge, Smo- kinganzüge, Frackanzüge, Beinkleider. Prinzenslraße 28, eine Treppe.-Bitte aus Hausnummer zu achten. 1580K* Dlimenkostnme. einige englische, lottbillig. Herrenmodenhaus Frte- drichstraße 71. II.. 106/1� spottbillig. Geld! Geld! Sparen Sie, wenn Sie im Leihhaus„Rosenthaler Tor', Linlcnstraßc 203/4, Ecke Nosenthnler- straffe lausen. Anzüge von 9,00 Mark an: Paletots von 5,00 an; Tamcngarderobc, Betten, Wäsche, Gardinen, Portieren, Frcischwinger, Bilder, Uhren, Gold-, Silberwaren, Fahrräder. Alles spottbillig. Anzüge werden verliehen. Sonntags geöffnet. Hohe Beleihung. 156151' Nadfahrerkarten. Wir empsehlen id- und Aulo-Fahrcrn Straubes irtc 1200 Quadrat- Mellen um >rlin. 2 Teile a 1,50 Mark. Nörd- he Hülste der Provinz Branden- irg reicht bis stctttii-Ucckcrmüiidc, dliche Hälste bis Halle-Leipzig- rcsden- Görlitz. Buchhandlung orwärls. Lindenstraffe 69(Laden).* Zehn Prozent Rabatt Vorwärts- lesern. Tcppiche, Farbensehler, jetzt fabelhaft billig. Große Franlsurter- straffe 125, im Hause der Möbel- sabrik. Gardinen, 1.65, 2.35, 2.85, Zabrifreste, Fenster 3.50, 4.50, 6.25 usw. Tofalansverkani von ange. schmutzten Gardinen, StoreS, Bett- decken, staunend billig. Große Frank- surtcrstraße 125._ Klinstlergardinen, Garnitur 3.85, 4.75, 5.95, 6.65 usw.__ L einen, Tuchportieren, Garnitur 2.85, 3.65, 4.95, 5.50, 6.75, 7.85 usw. Ptuschporfieren, 5.65, 6.75, 7.85, 9.85 bis 30 Mark. Fabriktager Große Franksitrterstraße 125, im Hause der Möbelfabrik. Steppdecken, Purpur 2.85, 3,75, 4.25, Simili, Seide 3.75, 4.25, 5.65, 7.50, 8.35, 9.75, 11.50. Schlafdecken 0.95. 1.26, 1.65, 2.25, 2.85 bis 35 Mark. Steppdecken 3.75, 4.25, 5.65, 7.50, 8.35, 9.75 usw. Mödel-Gelcgenheits-Käuse spott. billig, neue gediegene Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, Schlaf- zimmer(eiche) 288,—, komplette Wohnzimmer 132,— bis 240,—, Chaiselongue 24,—, Sofa 38.—, Truineau 33,—, Schreibtische 40,—, Bettstellen 25,—. Riescnauswahl. Möbelspcicher Neue Königstraße 5/6, 4 Etagen. Teilzahlung gestattet. Auch Sonn- tags. 249/1* Möbel ohne Geld! Bei kleiner Anzahlung geben Wirttchasten und einzelne Stücke aus Kredit unter äußerster Preisnylierung, auch Waren aller Art. Der ganze Osten laust bei uns. Krctschmann u. Co.. Koppen- straßc 4.(schlesischer Bahnhof.)' Tuch- und Plüschdecken mit kleinen Fehlern, in allen Farben,»nglaublich unter Preis. Dtwandecken 3.75,4.50,5.46,6.85, 8.50 bis 30 Mark. Möbelstoff, Läuser, Linoleumrcste fabelhaft billig. E. Weißenbergs Gar- dinen- und Teppichhaus, Große Franksurterstraße 125, im Hause der Möbelfabril. 1751K' Kinderkleider in Mousselin, Leinen und anderen Waschstoffen, 60 bis 100 lang, von 2,75 an, Russenkittel 95 und 75 Ps., Waschanzügc in großer Auswahl von 90 Psennig an. Schulz Aachs., Neukölln, Berlinerstraße 41, 1 Treppe. 1673K Blusen aus gcslrcistcni stoff, nett garniert, alle Größen, 90 Pf. Reinwollene Mousselinblusen, gesüttert, neueste Fassons, 4,50, 3,50 Mark. Tüllblusen 2,95. Seiden- blusen, hell und dunkel 4,95. Schultz Aachs., Neukölln, Berlinerstraße 41, 1 Treppe. 1674K Pfandleihhaus Küstrinerplatz 7 spottbilliger Bettenverkaus, Gardinen- verkauf, Dcckenvcrkaus, Wäschcverkaus. Große Auswahl in Uhren, Ketten, Schmucksachen. 1705K' Uescdäftsverlciiiife. ein Zigarren. Wollen Sie Zigarrengeschäst errichten und reell bedient werden, so wenden Sic sich in Ihrem eigenen Interesse an Georg Rokahr, Klosterstraße 63, Spezial- geschäst sür Neueinrichtungen. 1513K' Gutgehendes Seisengeschäst krankheitshalber verkäustich. Neukölln, Lichtenraderftratze 12. f28' In unseren Speicherräumen Massen lagernder Schlafzimmer, Speise- zimmer, Herrenzimmer. Wohnzimmer, Küchcncinrichtung, Einzel- Möbel, gelangen zum spottbilligen Ver- tauj. Keiner darf solche günstige Kaufgelegenheit versäumen. Kamcr- ling, Kastanien-Allee 56, Ecke Wein- bergsweg und Brückenslraße 6 (Jnnnowitzbrücke), Laden. 2220b' Schleunigster Verlaus einer neuen Nußbaumwirtschast mit hochmodernen Küchenmöbeln, sämtliche Wirtschasts- artikel, Tcppich, 195,00. Händler zwecklos. Neue Königslrahe 66 I.' 100 Küchen, nur moderne Aus- sllhrungen, wegen Platzmangel zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Möbelhaus M. Hirschowitz, Skalitzer- straffe 25. an der Hochbahn. 1666K Nach schlusi der Saison finden Sie In».einen drei Spczialgeschästen sür bürgerliche Wohnungs- Ein- richtungen reiche Auswahl in Muster- zimmern jeder Art zu enorm herab- gesetzten Preisen. Sehenswert sür Brautleute und Pensionsinbaber. Herrenzimmer, Eiche, schwer, Cvaisc- longuc, Ledexstühle 231,—, Schlas- zimmer 246,—, moderne Wohn- zimmer, echt Nußbaum furniert 192,—, modernd Küchen, achtteilig 55,—, Bettstelle mit Patemboden 27,—, Kleiderschrank 24,—. Keine so- genannten Gelegenheitskäufe, nur streng reguläre Ware in erstklassiger Verarbeitung. Langjährige Garantie. Möbelbaus Ostrowski, Schönebcrg, Hauptstraße 50, Moabit, Turmstraß c 73, Große Franksurterstraße 1, am Franksurtcr Tor._ 1508K Kaufen Sie direkt beim Tischler» meister. Komplette Wobnungs-Ein- richtungen in allen Preislagen. Be- sichtigen Sie meine Ausstellung. Harnack, Stallschreiberstr. 57(Moritz- platz). Verlaus nur im Fabrikgebäude. ZablungScrleichtcrung.' Nustbaummöbel, ganze Wirt. schaft spottbillig verkäustich. Chaise- longue 14,00, Rohrstühle 2,00, Schreibtisch, Zimmcrtcppich 6,00. Waldemarstraß c 76, Vorderhaus I links.' Plüschsofa 40,00, Chaiselongue 18,00, Kleiderschrank, Ausziehtisch, Trumcau, englische Bettstellen 20,00. Tapezierer Walter, Stargarderslr. 18. 000 komplette Zimmer, welche 50 Prozent ermäßigt. Für Braut- paare Kleiderschränke, SosaS, Um- baue, MahagonibüsettS, Schreibtische, Bettstellen, Kommoden. TrumeauS, schlaszimmer, hübsche Küchen. Andreasstratzc 30, geradeüber Markt- Halle, auch Grünerweg 85, Dwinatzki.' Musikinstrumente. Pianinos, Harmoniums, Flügel jeder Preislage, gebrauchte 120,00 an. Teilzahlung. Scherer, Ch-mssce- straße 105._ 534K*. Zahngebisse, Zahn bis 1.00, Pia- ttnabsälle, Goldantaus, höchstzahlend, „Geldkontor', Hollmannstraße 30.' Platinabfälle, Gramm5.65, Gold, Silber, Zahngebisse, Stanniol, Queck- silber kaust Blümcl, Auguststraße 19. Bäckerei-Niederlage Nonnen- dämm, Siemensflraße 26, empstehlt den werten Vorwärtslesern Früb- stück und Brot. 1714® Zahngebiffe, Zahn bis 1,25, Platinabfälle 5,30, Goldsachen. Silbersachen, Stanniolpapier, Quecksilber, Zinn, Kupfer, Blattgold. Goldwattcn. Gummiabsälle höchstzahlend Edel metall-Einkaussbureau Weberstr. 31. Kaufe Frauenhaare, auSgc kämmte. Zahle höchste Preise. Kaska, Zöpsesabrik, Rixdors, Erksiratzc 3. Zahngebiffe in Kautschuk, Gold, Silber und Platina kaust pro Zahn bis 50 Pfennig und für Platin zahlt (den höchsten Preis Blumenreich Brunnenstraße 3, amRosenthaler Tor (Telephon.) 763K' Höchstzahlend Altertümer, Por- zellan, Bilder, Zinn, Möbel, Gold- fachen. Stankicwicz, Kirchslraße 14, Moabit. 106/13 Zahngebiffe, Goldsachen, Silber absalle. Platinabfälle, Stanniol, Zinn, Quecksilber höchstzahlend Schmelzerei Friedrichstraße 139(Beidendamm- brücke). Nuffdanmpiantno, 1,45 boch, guterhalten, 175,—. Konetzny. Alexanderftraße 37(Alexanderplatz). Pianino, kreuzsaitig, verkaust Stankiewiez, Kirchstraße 14, Moabit. Bilder. Sie kaufen Bilder nirgends billiger als direkt Fabrik bei Bilder-Bogdan. Weinmeisterstraße 2. 1005K' Fahrräder. Herrenfahrrad, Damenladrrad, wie neu. 35,—. Holz, Blumen- straße 44. 1093K' Restauration billig verkäuslh Auslunst Spedition Nazarethkir straße 49. sPs Zigarrenecke billig zu verlausen. Lichlenberg, Rupprecht- Ecke Maxi- milianstraß«. f60 Möbel. Schlafzimmer 135,—, Eiche 288,—, Satin, Birken. Mahagoni, große Ge- legenheit. Möbelspeicher Neue König- straße 5—6. 249/2' Möbel- Lechner, Brunnentlr.?, am Rosenthaler Tor, Spezial-Möbel- hauS aus Kredit und gehen bar. Anzahlungen aus Stube» und Küchen 20,—, 35,—, 50,—, 75.—. 100,— Mark usw. Einzelne Möbelstücke von 5 Marl Anzahlung an. Bequeme Abzahlung. Kunden, die ihr Konto beglichen haben, eventuell ohne Anzahlung. Ferner Herrenzimmer, Speisezimmer, Schlafzimmer, bunte Küchen in großer Auswahl. Vorzeiger dieses Inserats erhält beim Kaus von 50 Mark an 5 Mark gutgeschrieben. Auf Wunsch Vertreter. Sonntags von 8—10 ge- öffnet._ 1559K' Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleinster Anzablung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deuiliwer Preis. llebervorteilung daher ausgeschlossen. Bei Krankbeits- fällen und Arbeitslosigkeit anerkannt größte Rücksicht. Möbelgeschäft M. Goldstaub. Zossenerstraße 38. Ecke Gneisenausttaße. 2901K' Geschäftsdreirad, äußerst stabil 50,00 an. Holz, Blumenstraße 44.* Erftklasstge Fahrräder, MonatS- rate 10 Mark. Louis Barth, Brücken- straße 10a. Kein Laden. 1629K' Damenfahrrad billig. Frau Kraus. Andreasstraße 54. 106/5' Fahrräder, Teilzahlungen, größte Auswahl, billigste Preise. Lothringer« straße 40. Filialen: Steglitz, Schloß- slraße 116. Wilmersdors, Uhland- straße 100. Charlottenburg, Kant- straße 57. 1 2035t* Herrenfahrrad 30,00, fast neues, spottbillig. Grosser, Frankfurter Allee 104. 106/11 Herrenfahrrad, Freilaus, 35,00, cvfrtitff r? eft!**»,•»♦*.5 ft WcilfnlTtt Wilderibruchplatz 4. 23506' Kaufgesuche. Piatina, alte Goldsachen, Silber, Gebisse, alte Uhren, Kebrgold, Gold- watten, Tressen, Oueckfilber, sowie sämtliche gold-, silber-, plalinhaltigen Rückstände kauft Edelmetallschmelze Broh, Köpenickerftraße 29. Televbon Moritzplatz 6958.�___ 165911* , Zahn bis 1,25 Mark Unterricht. Unterricht in der englischen Sprache. Für Ansänger und Fort- geschrittene, einzeln oder im Zirkel, wird englischer Unterricht ertelll. Auch werden Uebersetzungen an- geserligt. G. Swienty- Liebknecht Charlottenburg. Stuttgarterplatz 9 Gartenbaus III. 44K' Gratis-Unterricht in Steno- graphie und Maschmenschreiben wird Damen und Herren erteilt gegen Er- slatlung der Selbstkosten, welche sich bis zum 15. Juli dieses Jahres melden. Nach Ausbildung kostenlose Stellenvermittelung.„Regina'- Maschinen- schreibschule, Charlottenstraße 6.' Verschiedeues. Vermietungen. Wohnungen. Sommerwohnung, Wendenschloß, Kleislstraße 7 II, Aussicht nach der Spree, 2 Zimmer, halb möbliert, Juli, August, September, 150 Mark. Zu erstagen Donnerstag von 3 bis 8 daselbst. 2337b* Mietsgesuehe. Saubere Schlasstelle gesucht. Nähe Gesundbrunnen. Offerten O. H., BorwärtS-SPedition, Nazarethkirch- straße. j-49 Mädchen sucht sofort freundliche Schlafstelle möglichst allein, Nähe Prinzenallee. Offerten M. G., Spedition Basttanstraße 6. t49 Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Blockmesstng-Schmelzer, geübt am Tiegelzugosen, verlangt Edmund Fränkel, Britz, Chausseestraße 68/70. Schloffer aus Möbelschloß verlangt Groh, Fruchtftratze 57._+38 Zeitungsfrauen verlangt Kronen- ftraffe 2 L 23496* Achtung! Maler, Lackierer, Anstreicher! Die Firma Eckert, Lichtenberg, ranksurter Chaussee, ist wegen Streik— hervorgerufen durch Lohn- redultionen— gesperrt. 129/15 Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw., . Melchiorstr. 28 pari.__ Patentanwalt Wessel, Gitfchiner- straße 94a. Patentanwalt Müller, Gitschmer- straße 81. 2439K* Runstftopferet von FrauKokosly Schlachtenice. Zkurstraße 8 III._ Pfandleihe Heinersdorscrstraße 13, Ecke Greisswalderstraße._ 101/12* Jede Uhr zu reparieren 1,25 (außer Bruch), kleinere Reparaturen billiger. Karicl, Uhrmacher und Juwelier, Brunnenstraßc 118, Ecke Uscdomstraße._ 1026A* «uiiftftopferei Große Franlsurter- straße 67. 239gK* Milch Nowald, Neukölln, Waß- mannsdorscrstratze 3.+28 Goldfachen, Stanniol, höchstzahlend. Kohn. Neue Königstraße 76. 2-25115' Wäsche wird sauber gewaschen. Laken, Leibwäsche, vier Taschentücher 0,10. Abholung Sonnabends. Frau Berta Schulz. Köpenick, Friedrichs- hagencrstraße l. 2351b Waschanstalt FrauWaske, Adlers- hos, Friedenstraße 20, wäscht sauber, schonendst, chlorsrci, Laken, Leib- Wäsche, drei Handtücher 0,10. Ab- holung täglich. 2352b ZeMeH der Ster. Gesperrt werden die„Werkstätten Groß-Bcrlin'(Marke Altendorf) in Erledenau, Parziner Str. 6, ferner Max von Ottowiez, Sachsen- dämm 46. 70/2' Hie Tarltkommlsslon. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streik oder Lohn, differeuzen stnb gesperrt: Bornfttvereln der Berliner ParkcttgeMchtilte, Charlottenburg, Uhlandstraste. Für Hartgummi- Arbeiter die Firma älatthaey, Schlesische Strafte 33. Erzgebtrgische Holzindustrie in Brand, Filiale Defsauer Str. 3K DaS Berliner Arbeitswilligen- vermittelungsbureau d. gelben .Handwerkerschutzverbandes". Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innung und der Wagenfabri- kanten, Kaiscr-Franz-Grenadier» Platz. Zuzug ist streng lernzuhatten. Die Orisvenvaltung Berlin des Uentscben Holzarbeiterverbandes. Berantwortlicher Nkdasteuri Älhert SLochs, iLerliist Für den Lnieratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei Verlagsanstalt Paul Singer».Co., Berlin SVV.