Nr. 154. nbonnemcnts'ßedlngüngen: Wonnements• Prciz pränumerando: Nertcljährl. SL0 Wl.. monafl. 1,10 Mi.. wöcheulüch 28 PIg, frei inS HauS. Einzelne Ruinnier S Pfg, Sonntags- nummer mit illuitriertcr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- Wonnemcnt: l.'o Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaZ- Preislistc, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige«uSIand 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Porwgal, nänien. Schweden und die Schweiz. fittylnt»Sil*»uütt Dlontaas. 39. Jahrg. Die TntertlonS'GebQDr BfMgl für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versamintuugs-Slnzcigcn 30 Pfg, „Kleine Mnzeigen", das fettgedrulkte Wort 20 Pfg, izuläffig 2 fettgedrulkte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg lefi-�-—"~ . tellengefuche und Schlafstellenu». gbigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Bucl L V laben zählen für zwei Worte, Jnfcraie ür die nächste Nummer müsseti bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Vevlinev Volksblslk. Zcntfalorgan der fozialdemokrattfchen Partei Deutfchlande. Telegramm- Adresse: „5Kiäl(l«D!«!irat Rirlln". Demokratie und Sozialismus. Mit Recht hat man immer betont: Sozialismus ohne Demokratie ist ein Unding: Sozialismus setzt Demokratie voraus. Man kann den Ätz aber auch umdrehen, ohne datz er seine Gültigkeit verliert: Wahre Demokratie ohne Sozia- lismus ist eine Torheit: volle Demokratie setzt Sozialismus voraus. Auf den ersten Blick wird das vielleicht Widerspruch herausfordern. Aber was heißt Demokratie?„Volksherr- schaft" ist ja nur eine unzulängliche Wiedergabe dessen, was darin enthalten sein soll. Demokratie bedeutet die Beseiti- gung aller Privilegien, die sich auf Geburt und Besitz gründen: Gleiches Wahlrecht für alle: gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle: freier Zutritt aller zu den öffentlichen Aemtern und Stellen. Nicht Rang und Vermögen sollen ausschlaggebend sein, sondern innere Tüchtigkeit und ihre Anerkennung durch die Volksgemeinschaft. Nun muß zunächst schon die Frage auftauchen: Ist es überhaupt möglich. Privilegien und Vorrechte zu beseitigen, solange der Besitz selber erhalten bleibt? Das heißt, der Be sitz in seiner heutigen Gestalt, der sich so ungleich auf die ein zelnen Glieder der Gesellschaft verteilt und mit einem so gut wie unbegrenzten Versügungsrccht des Einzelnen über seinen Anteil verbunden ist? Theorie und Erfahrung antworten niit einem vernehmlichen„Nein!" Von einer staatsrechtlichen Gleichheit der Bürger kann solange nuraufdem Papier die Rede sein, als noch der eine durch seine Besitzmasse dem anderen um das Hundert-, ja das Tausendsache w i r t- schaftlich überlegen ist. Was nutzt das«gleiche Bürgerecht" jenem besitzlosen Arbeiter, der. um nicht zu ver- hungern, tagaus, tagein und Jahr für Jahr um dürftigen Lohn von früh bis spät in fremder Werkstatt sronden nmß? Sein Arbeitgeber kann ihn ja einfach hindern, von seinen Rechten Gebrauch zu machen. Wir wissen von Tausenden von Maßregelungen solcher Arbeiter, die anders wählten, als ihr Dienstgeber es wollte, oder die sich gegen seinen Willen einer Organisation anschlössen. Gewiß, es ist leicht, ein Gesetz zu erlassen, daß derartige Maßregelungen strafbar sein sollen. Aber schwer wird es, sein, ein solches Gesetz auch durchzu- führen. Wie, wenn ein Arbeitgeber in aller Form die Kün- digung ausspricht? Wer will beweisen, daß sie eine„Maß- rcgelung" ist?— Aber angenommen auch, ein Verbot von Maßregelungen würde erlassen und befolgt. Wäre damit schon die staatsbürgerliche Gleichheit hergestellt? Der Besitzende, der andere mit seinem Kapital arbeiten lassen kann, und seinen Profit, sein Einkommen erhält, auch ohne daß er selber einen Finger rührt,— der hat den ganzen Tag Zeit, sich politisch zu bilden, sich für seine Ueberzeugung zu be- mühen: er hat die Mittel, ihr große materielle Opfer zu bringen. Der arme Lohnsklave in der Fabrik aber hat weder Zeit noch Geld, im gleichen Maße seiner Sache zu dienen. Ihm fehlt auch die Möglichkeit, sich in ähnlicher Weise politisch zu bilden und zu bereichern, so daß er, vorausgesetzt, daß seine Fähigkeiten dazu reichen, auch einmal aus einem Geführten ein Führer, aus einem Wähler ein Gewählter werden kann. Wir wissen, daß die wunderbare Opferfreudigkeit, der glänzende Idealismus der unteren Klassen, verbunden mit einer guten Organisation, heute diesen Mangel vielfach ausgleichen: doch nicht überall und immer. Und es kann die Zeit kommen, da, schon im eigensten Geldbeutelinteresse, auch die Besitzen- den sich weit eifriger politischen Betätigung widmen, als es heute der Fall ist. Je mehr die Demokratie marschiert, um so stärker wird das der Fall sein. Oder ein anderes Beispiel. Gut, die Demokratie schafft gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle. Die Einheitsschule als unterste Stufe des Bildungsweges wird durchgeführt. Aber glaubt einer wirklich, daß damit schon die Bildungs- Möglichkeiten für alle Kinder gleich sind? Wird deshalb wirk- lich schon Tüchtigkeit und Fähigkeit die Untüchtigkeit und Un- sähigkeit überflügeln können? Oder sollte das nicht am Ende durchkreuzt und immer wieder durchkreuzt werden dadurch, daß das eine Kind satt in die Schule kommt und das andere hungrig! Daß der eine Junge in Ruhe und Frieden daheim seine Arbeiten erledigen kann, während der andere in einem dumpfen Loch sitzt, umlärmt von den Spielen der Geschwister, gestört durch das Gehänimer in der Werkstatt nebenan, wenn nicht gar durch die Tätigkeit, die ihm selber zugemutet wird, damit er hilft, der Familie ein paar Groschen zu ver- dienen! Ach nein, die rechtliche Gleichheit allein macht es nicht. Sie muß, soll sie in volle Wirksamkeit treten, ergänzt werden durch die wirtschaftliche Gleichheit, durch die Identität der Existenzbedingungen. Wie staatsrechtlich keiner von vornherein mehr sein darf als der andere, so auch wirtschaftlich nicht: wie es rechtlich nicht Herren und Sklaven— oder auch Herren und Untertanen— geben darf, so muß auch das wirtschaftliche Herrschastsver- hältnis beseitigt werden. Dann e r st wird sich die staats- bürgerliche Gleichberechtigung aller wirklich entfalten können. Aufhebung der wirtschaftlichen Uebermacht des einen über den anderen bedeutet aber nichts anderes als Beseitigung des privaten Besitzes an den Produtiionsmitteln, bedeutet eben den Sozialismus. So wird er tatsächlich die Vor- aussetzung für die staatsrechtliche Nemo- kra He. Aber es kommt auch noch ein anderer Gesichtspunkt in Frage. Wenn Demokratie Herrschaft des Volkswillens bedeutet,— warum soll diese Herrschaft dann auf halbem Wege Halt machen und sich nicht voll entfalten dürfen? Warum soll etwa der Wille des Volkes noch entscheiden, ob Herr Meier als Besitzer einer Fabrik seine Arbeiter acht oder neun Stunden arbeiten lassen darf(solche Entscheidungen sind ja schon heute nichts Seltenes mehr!), nicht aber auch, wieviel Waren in der Fabrik des Herrn Meier im Jahre hergestellt werden dürfen? Das letztere gilt heute als absolut unzulässig, denn das wäre ja— Sozialismus. Allerdings: aber damit ist noch nichts erklärt. Warum soll dieses und ein Dutzend anderer Gebiete der Entscheidung des Volkswillens vorenthalten werden? Ist etwa das Volksganze weniger daran interessiert? Ist das etwa eine Sache, die einzig Herrn Meier angeht? Tatsache ist doch, daß die ungeregelte Produk- tion mit all ihren Begleiterscheinungen und Folgen, den schwankenden Konjunkturen und Krisen, der damit verbun- denen Arbeitslosigkeit und Existenzunsicherheit,— daß all das von allergrößter Bedeutung für die gesamte Volkswohlfahrt ist. Es kann deshalb, bei Lichte besehen, keinen Grund geben, Fragen von solcher Wichtigkeit der Entscheidung, der Ordnung und Regelung durch die Gesamtheit, beziehungsweise ihre Vertretung, vorzuenthalten. Solange der Wille des Volkes überall auf Grenzen stößt, haben wir eben keine Volksherrschaft, keine Demokratie. Volle Demokratie bedingt die Entscheidung des Volkes über alles, was für die Volkswohlfahrt in Frage kommt, über das Wirtschaftsleben nicht weniger wie über das, was zur Erhaltung von Ruhe und Frieden geschehen soll. Wahre Demokratie bedingt den Gemeinbesitz, der die Macht der Entscheidung gibt, auch an den Faktoren der Produktion, das heißt: den Sozia- lismus. Der Sozialismus ist nur die Konsequenz derwahrhaftenDemokratie.-- Es ist historisch zu verstehen, wenn diese Konsequenz nicht gleich erkannt und oft ausdrücklich zurückgewiesen wurde,— in jener Zeit, da die Besitzunterschicde noch nicht so gewaltig waren wie heute/da der gewerbliche Mittelstand noch blühte, und größere Unternehmungen mit einem Besitzer und Hun- derten von Arbeitnehmern eine Seltenheit waren. Damals war die wirtschaftliche Stellung des einzelnen noch nicht so entscheidend für das Maß seiner politischen Rechte und die Möglichkeit, sie auch auszuüben. Es war um so natürlicher, daß man die„Volksherrschaft" Halt machen lassen wollte vor allen Eingriffen in das Getriebe der Produktion, als diese Produktion sich im wesentlichen tatsächlich noch ohne schwere all- gemeine Krisen nach Angebot und Nachfrage regelte; es fehlte die Massenfabrikation, es fehlte die nationale und erst recht die internationale Konkurrenz, die heute treibt und treibt und der privaten Produktion das Milde, Gefährliche gibt. Solange der Kleinbetrieb herrschte, war es ja auch beinahe eine Utopie, von Versellschaftlichung und Verstaatlichung der Betriebe zu sprechen: der Großbetrieb erst macht sie möglich: — aber nicht nur das, er erfordert sie nun auch gebieterisch. So konnte die kleinbürgerliche Demokratie früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte o h n e die Konsequenz des Sozialismus auskommen. Doch inzwischen sind die Zeiten andere geworden. Eine Demokratie, die nicht auch den Sozialismus will, ist heute keine volle, keine ganze Demo- kratie mehr. Den Satten und Besitzenden mag das nicht so vor Augen treten: sie fühlen es nicht so, wie sehr die wirb schaftliche Ungleichheit die staatsbürgerlichen Rechte beeH flussen muß. Die Hungrigen, die Abhängigen, die in Wirt- schaftlicher Knechtschaft Lebenden, die fühlen es. Und darum fand bei ihnen auch von vornherein die sozialistische Demo- kratie das große Verständnis. Deshalb wurzelt sie bei ihnen fest und unausrottbar. Und wie bisher, so wird und muß ihr Kampf auch fortan gelten nicht bloß der halben, sondern der ganzen Demokratie. Das heißt aber der Demo- kratie und dem Sozialismus. lRooimlk Sonderftandidafur. Ncw fhorl, 23. Juni.(Eig. Ber.) DaZ erbitterte, auf der Seite Noosevelts mit maßloser Leiden- schaftlichkeit, von dem Präsidenten Tast mit tölpelhaftem Ungeschick geführte Ningen um die republikanische Präsidentschaftskandidatür hat mit einer Niederlage dcS früheren Präsidenten und mit der Sprengung der republikanischen Partei geendet. Gestern abend stellte der in Chicago abgehaltene Parteitag den jetzigen Präsidenten Taft mit ö61 Stimmen abermals als Kandidaten auf. Für die Auf- stellung RooseveltS sprachen sich 107 Delegierte aus, während sich 60 Stimmen zersplitterten. 3tb Anhänger Roosevclts enthielten sich der Stimme, weil sie deu Sieg TastS doch nicht zu verhindern ver» mochten. Noch war der repnblikanische Parteitag nicht geschlossen, als auch schon nahezu 400 Rooscveltianer zu einem Rumpfparteitage zusammen- traten, ihr Idol als Präsidentschaftskandidaten aufstellten und eine Partei, diejenige der„Progressiven" gründeten. So hat der Besiegte vom Parteitag an der siegreichen Mehrheit und an seinem erfolgreichen Nebenbuhler Taft mit der für seine impulsive Pcrsön- lichkeit charakteristischen Raschheit schwere Rache genommen. Des gegenwärtigen Präsidenten Niederlage bei den Novcmberwahlen ist besiegelt, die Zerbröckelung der„Alten großen Partei"(Republikaner) wahrscheinlich. Ob und welche Erfolge der Expräsident und Rauh- reiter Oberst„Teddy" Roosevelt bei den Herbftwahlen erzielt, hängt in großem Matze von dem Verlauf des morgen in Baltimore zu» sammentretenden demokratischen Parteitages ab. Einstweilen rechnet Teddy, dieser politische Bornum, darauf, mit seinen demagogischen Kniffen den liberalen Teil der demokratischen Gefolgschaft zu den Fahnen seiner neuen progressiven Partei zu locken und die Präsident- schaft zum dritten Male zu ergattern. Ein vom bürgerlichen Standpunkte aus beschämenderes Schau- spiel wie den gestern zu Ende gegangenen republikanischen Parteitag und die vorherige Agitation haben die Vereinigten Staaten nach dem übereinstimmenden Urteile der kapitalistischen Parteien und ihrer Presse noch niemals erlebt. Der Präsident, der offizielle Vertreter eine? Hundertmillionen- Volkes, und sein Vorgänger erschöpften in ihren gegenseitigen An- griffen nach Art der Gaffenhonoratioren die brutalsten Seiten des Schimpfwörterlexikons; nur daß der Rauhreiter. der mit den per- sönlichen Gehässigkeiten begonnen hatte, die größere Virtuosität im Schelten bewies. „Würdig" wie der Primärwahlkampf verlief auch der Parteitag. DaS Präludium spielte, am Dienstag in Chicago eingetroffen, Roosevelt, der in einer Ansprache von seinem„Kampfe gegen den Diebstahl" redele und hinzufügte, daß die„Diebe nicht gewinnen" würden. Achthundert Polizisten und eine kleine Armee freiwilliger Ordner waren aufgeboten. Störungen der Verhandlungen des Parteitages zu verhindern. Sie vermochten weder halbstundenlanges Brüllen, noch Prügeleien zu verhüten. Nicht um Prinzipien tobte dieser zügellose Kampf, sondern lediglich um die Personen Tafts und Noosevelts, wie um den Platz an der Krippe, auf den die Delegierten und ihre Hintermänner rechnen. Taft wie Roosevelt sind im Herzen gleich reaktionär, haben sich in ihrer öffentlichen Laufbahn als gleichverbissene Sachwalter groß- kapitalistischer Interessen erwiesen; allerdings mit dem einen Unter« schiede, daß der steifleinene juristische Bureaukrat Taft trotz seines heißen Bemühens aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen versteht, während Roosevelt, ein Meister in allen demagogischen Künsten, die erwachsenen politischen Kinder in seinen Bannkreis zwingt, wie der Nattenfänger von Hameln die Kleinen mit seiner Zauberflöte lockte. Als„eifriger" Reiter und Nimrod appelliert Roosevelt an die Instinkte der weilverbreiteten, mit Wettlust und Gewinnsucht durch- setzten, irregeleiteten Sportliebhaberei: als Rauhreiter-Oberst mit dem selbst erlogenen Heldenlorbeer kubanischen Angedenkens um die Stirne an den üppig gedeihenden Chauvinismus; durch seinen er- heuchelten, gegen Zopf und verknöcherte Rechtsprechung, gegen politische Unterdrückung und die wirtschaftliche Diktatur des„ver- brecherischen Großkapitals' wetternden Radikalismus an die im Busen breiter Massen noch im Halbschlummer liegende Unzufrieden- heit mit den herrschenden Zuständen. Dabei traf er noch je und je insgeheim im voraus mit den Trustmagnaten, den eigentlichen Ge- bietern des Landes, die diesen vorteilhaften Verabredungen, die er denn auch allezeit getreulich hielt, um sein vorher in die Oeffentlich- keit posauntes Programm der Wahrnehmung der Volksinteressen schamlos zu verraten. In einem unbewachten Augenblick verriet sich Roosevelt bor vierzehn Tagen. Die Primärwahlen waren abgeschlossen; die Wähler hatte» gesprochen: die Entscheidung des republikanischen Parteitages aber stand noch aus.„Nun kann ich ja wieder konservativ sein," äußerte Roosevelt in der Hoffnung, durch dieses offenherzige Ge- ständnis ParteitagSdelcgierte zu gewinnen. ES ist denn auch bezeichnend, daß Trustmagnaten wie George W. Perkins, der frühere Associs Pierpont I. Morgan?, ganz offen die Mittel für Teddys Primärwahlfeldzug hergaben und die für die Führung des kommenden eigentlichen Wahlkampfes erforderlichen Summen aufzubringen versprachen. Roosevelt, der sich bei jeder Gelegenheit als der Ritter St. Georg ausspielte, der dem Drachen der Trusts und Syndikate den tödlichen Speer ins Herz stoßen werde, untersagte während seiner Amtszeit direkt die Verfolgung ungcsetz- licher Ringe wie des Harvester(Erntemaschinen-) und des Stahl- trusts. Mit Recht schrieb er 1904 in einem an den inzwischen ver- storbenen Eisenbahnkönig Harriman gerichteten Schnorrerbrief:„Wir beide sind ja praktische Männer, die sich verstehen." Nun hat Taft den Trusts sicherlich auch noch nicht wehe getan. Er veranlaßte zwar die Auflösung des Petroleum- und des Tabak- trusts; auf sein Vorgehen hin erklärte sich der Fleischtrust freiwillig zur Auflösung bereit. Aber die Folgen? Die Aktien des Petroleum- und des Tabaktrusts stiegen sprunghast im Kurs und der wucherische Fleischtrust kündigte eine weitere Preistreiberei an. Aber die Trusts sind auch dieser unschädlichen Nadelstichpolitik müde. Zudem sehen sie in Noosevelts demagogischer Heuchelei ihre Interessen besser ge- wahrt, als in Tafts Neckereien. Vor allem aber besitzt ihr intimer Freund Roosevelt innerhalb der republikanischen Wählcrmassen den größeren Einfluß. In den- jenigen Staaten, in welchen die Delegierten zum republikaniseb-n Parteitag nicht von den als„Maschinen" berüchtigten Parteiorgcnn- sationen ernannt, sondern in den Primärwahlen erkoren wurden, erzielte der Rauhreiter viel größere Erfolge als der gegenwärtige Präsident, dessen Hauptstärke in den Süd- staaten liegt, in denen ausschließlich demokratische Wahlmänner durchdringen und die vom Präsidenten abhängigen Bundesbcamtcn den Kern und die Hauptmacht der dortigen republikanischen Partei bilden. Bekanntlich werden Präsident und Vizepräsident indirekt erwählt. Die 4000 republikanischen Wähler des bombensicher demokra« kratischen SüdstaateS Mississippi waren auf dem republikanischen Parteitage ebenso stark vertreten wie die 214 000 kalifornischen Republikaner, welche sicherlich 10 republikanische Wahlmänner durch- bringen. Mississippi steht auf Tafts Seite, Kalifornien erklärte sich für Roosevelt. Vielleicht Ware die Entscheidung deS republikanischen Parteitages doch anders ausgefallen, als es der Fall ist, wenn nicht der schon früher bestellte Parteivorstand, vielfach durchanS ungcrcchterlveise, 219 der angefochtenen 231 Delegiertenmandate den Anhängern Tafts zugesprochen hätte, eine Entscheidung, die vom Parteitage aufrecht- erhalten wurde. Wenn Kansas, Pennsylvanien, Ohio, Kalifornien, Minnesota, New Jerseh und West-Birginia, teilweise unbedingt, teilweise ziemlich� sicherer republikanischer Besitzstand, nicht vor den Wahlen von Roose- velt abfallen, hat dieser Aussichten, im Herbste mehr Wahlmänner dmchzusetzltn als Taft. Bis jetzt war noch jede Spaltung einer Parte! für diese der- hängniSvoll. Der ttntergaiig der Whig? war besiegelt, als sich von ihnen 1814 die Free SoilerS loslösten, deren Bewegung in ihrem weiteren Verlaufe 1869 zur Gründung der republikanischen Partei führten. 1881 und 1892 verdankte Cleveland, den die Demo- kraten aus eigener Kraft nicht hätten diirchbringen können, seine Siege über seinen republikanischen Gegenkandidaten dein Auftreten der MugwupS, die sich 1834 zum g ichigten Teil aus den Reihen der Republikaner organisiert hatte». Die republikanische Partei erholte sich wieder und gelangte 1896 infolge einer Absplitterung von der demokratischen Partei abermals zur Macht. Welche unmittelbare Folge wird nun die jüngste, gestern voll- zogene Parteispaltung haben? Falls die Demokraten keine glückliche Hand in der Auswahl ihres Kandidaten zeigen, erlangt keiner der Präsidentschaftskandidaten eine Mehrheit im Wahlmännerkollegium. Alsdann hätte das Repräsentantenhaus den Präsidenten in der Art zu erküren, daf; die Vertreter eines jeden Staates zusammen eine Stimme abgeben. Würde keine Partei für sich eine Mehrheit er- ringen, käme voraussichtlich auch keine Wahl zustande und der vom Senat zu erwählende Bizepräsident würde Präsident werden. Im Senat, dessen Mitglieder alle zwei Jahre zu einem Drittel erneuert werden, verfügen die Republikaner über die Majorität. Aber Taft hätte doch keine Aussicht geivählt zu werden, weil die republikanische Mehrheit auf dem sogenannten progressiven, fast durchgehends Roosevelt-freundlichen und durchweg Taft-feindlichen Flügel' der FittWon beruht. Taft kann als endgültig aUSgefchältet gelten. So hat Roosevelt, der wiederholt beteuert hatte, er' Ivcrde nicht' wieder uni das Amt deS Präsidenten kandidieren, denjenigen politisch abgeschlachtet! den er vor vier Jahren der republi- kanischen Partei als dm„denkbar besten Kandidaten" und den Ver- einigten Staaten als Präsidenten aufdrängte. Ob darüber die Partei, als deren berufensten und uneigennützigsten Wortführer er sich gericrte, in Trümmer geht, kümmert ihn nickst; In Wahrheit hat Roosevelt den Nnlergang der„Großen alten Partei" nnler keinen Untstanden verschuldet, sondern höchste»? beschleunigt. Die Massen sind im Flusse der Unrast; der vierte Stand sammelt sich in immer wachsendem Maße unter dem roten Banner der Sozialdemokratie- Wie lange noch, und der ganze bürgerliche Mischmasch muß sich zu- sammentun, um der jungen, aus der Tiefe aufstrebenden Ztraff eine geschlossene Front entgegenzustellen! Im Westeil sind Republikaner und Demokraten ja schon heute gleich. politische Qchevücht. Berlin, den 4. Juli 1912. Neichsgesetzliche Wahlurnen. ... Eine stehende Rubrik ist den Wqhlarifechtungcn bildet bekannt- lich die tilage über unzurcichenLe WiMurnen,' durch"' tue es Lei"'ßc- schicktcr Handhabung möglich ist, das geheime Wahlrecht- illusorisch zu machen. Der Reichstag hat oäher nahezu einstimmig die Ein- sührung von gesetzlich vorgeschriebenen Wahlrrriwn zur Sicherung des Wahlgeheimnisses verlangt. Wie jetzt gemeldet wird, will die Reichsregierung diesem Verlangen entsprechen und gewisse Min- dcstmaße für die Wahlurnen festlegen. Aach angestellten Versuchen ist eine ausreichende Größe der Wahlurne als genügendes Mittel zur Verhinderung der Schichtung der Wahlzettel anzusehen. Bis- her werden im Deutschen Reich nur in Elsaß-Lothringon gesetzlich vorgeschriebene Wahlurnen bei den Wahlen zur Zweiten Kammer verwendet. Für diese sind Mindestmaße von 89 Zentimeter Höhe und 3ä Zentimeter Breite vorgeschrieben; für kleinere Gemeinden mit nicht mehr als 499 Wählern ist eine Höhe von 49 Zentimeter zugelassen.'_ Die Kaiserbegegmmg in Valtischport. Wilhelm II. ist heute zur Begegnung mit dem Zaren Nikolaus II. in Ballischport eingetroffen. Sobald die„Hohenzollern" vor Anker gegangen war. fuhr Nikolaus II. mit einer Dampfpinasse nach der »Hohenzollern". Ueber die Vedeiitung und den Zweck der Zusammenkunft bringt die„Köln. Ztg." einen offenbar in Berlin fabrizierten offiziösen Artikel, in dein eS heißt: Wir haben schon darauf hingewiesen, wie außerordentlich un- wahrscheinlich es sei, daß man von deutscher Seite bei der Kaiser- bcgegnnng init Vorschlägen zur Beilegung des Türkisch- Italienischen Krieges kommen werde. Mehrfach ist nmi auch die Meinung ausgedrückt worden, als ob Deutschland den Versuch unternommen habe, Rußland von seinem Bündnis mit Frankreich und seinem Einvernehmen mit England abzubringen oder wenigstens eine Erkaltung in den Beziehungen dieser Staaten herbeizuführen. Auch diese Erzählung kann ruhig in den Bereich der Phantasie Verlviesen werden. Was wir von der Kaiserreise erwarten und hoffen, das ist durchaus nicht eine Aenderung in der aktuellen Politik Ruß- l a n d S, sondern nur die Herstellung' und Vefestignirg Vertrauens- voller Beziehungen zwischen Rußland und Dennchlnnd, wie sie zuerst in Potsdam so befriedigend angebahnt worden sind. Wenn es gelingen sollte, das in m a n ch e n K r e i s e n R n ß l a n d s ' noch vorherrschende Akißtrnuen gegen Deutsch- land zu beseitigen und an seine Stelle Perlranen zu setzen, so ist eigentlich alles erreicht, was wir nur erivarien können. Tchttiz der„nationalen Arbeit�. In Köln tverdcn Nene Festungswerke errichtet; mit den hierbei notwendigen Etö- und Betonm'beiteit sind Ann zahl- reiche ausländische Lohndrücker beschäftigt. Zwischen den Unternehmern und den organisierten Arbeitern herrschen fort- während Differenzen, weil erstere sich weigern, Tariflöhne zu zahlen. Obivohl die Arbeitgeber selbst ini Verbände deutscher Tiefbammternehmer organisiert sind, hat dieser Verband den Arbeitern mitgeteilt, die beteiligten Finnen hätten einstimntia beschlossen, jede Verhandlung mit den Arbeiterorganisation� abzulehnen. Ans diesen Protzen- und Scharsmacherstandpnnkt dürfen sich die Herren stellen, weil nian ihnen von fiskalischer Seite, statt ihnen die Zahlung tariflicher Löhne zur-Bedingung zu macheu, gestattet, fast ausschließlich ausländische Lohndrücker zu beschäftigen. Der Kölner„Lokal- Anzeiger", also ein bürgerliches Blatt, schrieb zu diesen Dingen:„Zunächst ist es unrecht, dah «rf deutschen FcstnngSbanten ausländische Arbeiter vor den einheimischen bevorzugt(!) iverden. Wo bleibt hier der Schutz der nationalen Arbeit? Ferner ist der jetzige Zustand aber auch im Hinblick auf die Ge- heimhaltnng des Festniigsplanes und was damit zu- samtnenhängt, äußerst bedenklich. Jeder deutsche Arbeiter, der auf Festtlngsiverken Arbeit erhält, wird an E i d c s st a t t und namenLunterschristlich mit dem Hinweis auf schwere Strafen zur strengsten Geheimhaltung verpslichlet. Ist diese Geheimhaltung denn auch garantiert, wenn ausländische Arbeiter aus aller Herren Länder auf diesen Festimgsanlagen beschäftigt werden? Man bedenke, daß unter den in Deuschland beschäftigten Ausländern häufig recht frag- würdige Elemente sind." Wie das Blatt weiter schreibt, haben ferner bei der im Auftrage der Stadt Köln ausgeführten Abträgung der alten Umwicklung an einem Tage zehn einheimische Arbeiter ver- gebens um Beschäftigung nachgefragt; es wurden aber zehn Kroaten eingestellt. Tags darauf fragten etwa zwanzig einheimische Arbeiter vergebens an; statt ihrer wurden weitere fünfzehn Kroaten eingestellt. Schutz der nationalen Arbeit I Der Spott des Llnoländes. Die„ K ö l n i s ch e Z e i t u n g" bringt � ein langes Zitat aus einer in Hongkong erscheinenden englischen Zeitung, der „China Mail", um zu beweisen, wie sich die„praklischen Eng- ländcr" über die Sozialdemokratie' lustig machen.■ Räch, diesem Blatt ist„der Sozialdemokrat das hoffnungsloseste, unpraktischste Wesen der Welt, wenn es sich um gegenwärtige, politisch-ökononffsche Begriffe handelt". Namentlich sollen nach der„China Mail" die Vorstellungen der deutschen Sozialisten über China die„allernebclhaftesten Auffassungen" ver-- raten und ihre Ansichten über deutsche Bestrebungen und deutschen Handel in China bis zum äußersten Grade„albern" sein. So heißt es in dem englischen Blatte wörtlich: Bei der ersten Lesung des StaatshauSbaltungsgesetzeS gingen die Sozialdemokraten solveit, die unverzügliche Rückgabe des Schutzgebiets an China anzuregen oder sogar zu verlangen. Der deuljche Sozialdemokrat versteht nichts von der Frage, und es kümmert ihn nicht, wieviele Jahre mühsamer und ausdauernder Arbeit, wieviele Millionen Mark es seinen unternrymenden Lands- leuten in China gekostet hat, um aus der früheren Wüstenei das jetzige Schmuckkästchen Tsingtau zu schaffen � to oonvert Tsiugtau from the desort it was to tho„thing of boauty'- it is—, aus einem öden Fleck, einen Ort, der ein Genuß für das Auge und ein emporblühender, wahrscheinlich einer großen Zukunft entgegengehender Hafen ist, zu gestalten. ES ist schon sehr sonderbar, daß die imperialistische„Kölnische Zeitung" sich zum Beweis für die V o r t r e f f l i ch k e i t der deutschen Politik in Ostasien, namentlich den Wert KiautschouS für Deutschland, gerade auf ein englisches Blatt beruft. Demi die Urteile einer rivalisierenden Macht pflegen gerade unsere Nationalisten und Imperialisten doch sonst init einer gewissen Dosis von Skepsis aufzunehmen. Aber da es diesmal gegen die ver- haßten Sozialdemokraten geht, ist unseren Imperialisten auch das plumpste Lob der deutschen Weltpolitik gälizlich un- verdächtig. Dabei ist schon der Inhalt des von uns wiebergegebenen Zitats höchst charakteristisch. Denn daß Deutschland mit den mehr als h u n d ert Mi lli o n en, die uns Kiautschou bis jetzt gekostet hat. aus dein ehemaligen„Drecknest" tatsächlich ein„Schmuckkästchen" geschaffen hat, das zu bestreiten ist natürlich noch keinem Sozial- demokraten eingefallen! Bei solch splendider Geldvergeudung läßt sich natürlich auch die tristeste Gegend in ein kleines Paradies ver- ivandeln. Es fragt sich nur, wer'denn den Borteil von diesem Schmuckkästchen hat! Deutschland sicherlich nicht! Denn 'DeutschländS Handelsverkehr mit Kiautschou betrug un Jahre 1919 nach den«. Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich: also einer amtlichen Ouelle, 3 764 999 Mark, alio ganze 3�V Millionen. wobei aber der'lvai.'anö g röß te Teil der Ausfuhr Deulschlands nach China auf Metallen und Maschinen aller Art entfiel, die von der deutschen Koloniälverwaltung selbst für das Geld der deutschen Steuerzahler dorthin geschafft wurden. Und um für»och nicht 4 Millionen Mark Waren an dem„Sonnen- platze" und in seinem Hinterland absetzen zu können, ist eine Auf- Wendung von weit über hundert Millionen Mark, die sich noch jährlich um runde zehn Millionen steigert, denn doch wohl ein bißchen zu viel! Oder soll dies koschere Geld der deutschen Steuerzahler etwa zu d e in Zwecke ausgegeben worden sein, daß sich der Handelsverkehr anderer Staaten, nämlich Chinas, Japans und Amerikas mit Kiautschou und seinem Hinterlande so erheblich vermehrt hat? DaS wäre doch ein n o ch wunderbareres Geschäft I Daß England allerdings von der deutschen Kolonialgründung höchlichst entzückt ist, ist höchst verständlich. Betrachten doch die Europäer ganz Ostasiens, in erster Linie also die Engländer, Kiautschou mit seinem gemäßigten Klima und seinen von der deutschen Koloniälverwaltung angelegten schönen Wäldern als die v o r t r e f f« lichsta Erholungs station, die eS in ganz Ostasien gibt. Daher das Lob des deutschen Schmuckkästchens I Diese Motive des aus- läudischen, speziell deS englischen Lobes unserer ostasiatischen Welt- Politik können auch der„Köln. Ztg." nicht unbekannt sein. ES verrät also eine ganz besondere Naivität, nur um den Sozialdemokraten eins auszuwischen, so täppisch auf den englischen Köder anzubeißen I Der Spott des Auslandes ist damit den deutschen Jmperia- listen sicher!_ Kouservative Landtagsarbeit. Die Partei der echtprcußischen Leute macht jetzt ihren Anhängern durch die„Mitteilungen ans der Konservativen Partei", Zeniralorgan der konservativen Vereine Deutschlands, bekannt, was für tüchtige Kerle die edelsten Dreiklaffenhäusler Preußens- sind. In sage und schreibe siebzehn Spalten wird dem opferwütigen. Leser— es gehört viel Opfermut dazu, siebzehn Seiten konservativer Selbstberäuchcrimg und konservativer Wählerbeschwindelci durchzulesen � haarklein aufgezählt, welch fruchtbare Arbeit die Erffaleute vom lö. Januar bis zum 15.' Juni des Jahres 1912 geleistet haben. «sehen wir uns erst einmal an, was auch von den Konser- vativen nicht erledigt ivorden ist, schon daran kann man ja er- kennen, wie fürchterlich die Konservative»» die mit dem Zentrum die preußische Regierungsmajorilät bilden,„gearbeitet" haben. Vom Entwurs einer kleinen E i s e n b a h n v o r l a g e mußte ihr wichligstcr' Teil, die F r a g e der Elektrifizierung der B e r l i n e r S t a d t- und Ringbahnen abgetrennt werden. In der Kommission stecken noch die eigentlich großen Gesetzes- vorlagen, das W a s s e r g e f e tz und das Steuergesetz; dasselbe gilt vom S p a r k a j s e n g e s e tz, dem Moorschntzgesetz und dem Eniwurf, der die anderweitige Regelung der Jnter» essen der E is en b a h n a n l i e g e r behandelt. DaS ließen die Konservaiiveu alles liegen, zum Teil weil sie, wie in der Frage der zwangsweisen Belegung der Sparkassengelder mit Staalsanleihen, selbst gar nicht einig find. lind min die Federn, mit denen sich die konservative Fraktion des preußischen Landtages vor allen Parteivereinen des Deutschen Reiches schmückt. Das RcichSgesetz über den Unter- st ü tz u n g s w o h n s i tz respektive sein preußisches Aus- s ü h r u n g s g e s t tz ist reaklisnär und leichtfertig, der andere große preußisch-koiiservative Erfolg, das Gesetz über die Stärkung des Deutschtums in Ostpreußen, Pommern. Schlesien und Schkeswig-Holstein ist die gröblichst« Verletzung der preußischen Ver- fassung und der Neicbsgesctze. Was hat die konservative Fraktion des Landtages fönst noch Positives geleistet? Soll man das Wegereinigungsgesetz, das im wesentliche» nur schon geltende Verpflichtungen zusammen» I faßt, als positive Arbeit laufen lassen? Oder>st der preußisch- s ü d d'e u t s ch e L o t t e r i e v e r t r a g eine konservative Kulturtat? Und die konservative Arbeit bei den Etatsberatungen. Die Herren forderen größere Zuschüsse für das landwirtschaftliche Unter- richtswesen. im Sinne einer stärkeren Entlastung für die Provinzen. für die Förderung der Viehzucht, für die Weinbauern, resp. mehr Wanderlchrknrse der Landwirlschaftskammern fiir sie. cndl'ch größere Zuschüsse an staatlicher Beihilfe für Obst- und Gartenbau. Wo bleibt aber das: Wir zahlen» damit der Staat mehr leisten kann? Darüber war vom 15. Januar bis zum 15. Juni nichls zu hören. Dafür aber gab's konservativen Mittelstandsrummel, Zigeuncr- bekämpsumg und Krieg gegen die Automobile. Der Geistlichen der evangelischen Landeskirche wurde gedacht.ßihnen soll das Avancement erleichtert werden und die Gendarmen sollen nicht mehr— weiße Handschuhe tragen brauchen. Damit noch flicht genug. Die Konservattven verleumdeten die Bergarbeiter, schrien nach Ausnahmegesetzen und schimpften auf die Kulturforderung deS»ll- gemeinen Wahlrechts, das wichtigste Thema des JahrcS! Sie forderten stärkeren Schutz der Hintzeaardisten I Sie find eifrigst dabei, die Geschästsordnung zum Hanfstrick für die sozialdemokratische Kritik zu machen- ein seines Arbeitsprogramm. Und nun(das stolze Schlußwort: „Die konservative Frattion darf jedenfalls mit ihrer gesetz- geberischen Arbeit zum Wohle des Vaterlandes(?) zi!- frieden fein. Sie hat auch während dieser Session, und zum Teil an führender Stelle, mit Hingebung und Erfolg an dem Ausbau der Landesgesetzgebung mitgearbeitet. Allenthalben hat sie sich mit s e l b st l o s e m Eifer(??) beteiligt, um Brauchbares und Wertvolles zustande zu bringen". „Zum Wohle deS Vaterlandes" stimmten die Konser- vativen immer nur für das. was ihnen materiell und sachlich vor- teilhcest war, mit„Hingebung und selbstlosem Eifer" kämpften sie gegen all das, was aus Kulturinteresse heraus gefordert wurde. Da? Dreiklassenhaus und feine Konservativen find einander wert!_ Neues nationalliberales Blatt. Ein aus Nationalliberalen bestehendes Konsortium kaufte im Interesse einer nachdrücklichen Propaganda in der Altmark den in Stendal erscheinenden„Altmärker" für 699 999 M. Der„Alt- nuirfer" hatte bei der letzten Wahl den altnationalliberalen Herrn Fuhrmann unterstützt, trieb aber neuerdings, angesichts der Schwenkung Fuhrmanns nach rechts eine klare liberale Politik.—- Es wird veemutet, daß Re Käufer Herrn Fuhrmann nahestehen. Ten Altnationalliberalen wird übrigens nachgesagt, sie hätten Aeld wie Heu._ Die Hoffnung der Ausbeuter. Die„Berliner Neuesten Nachrichten" sind aleich den anderen Blättern des Scharfmachertums der frohen .Hoffnung» daß es in absehbarer Zukunft doch einmal gelingen werde, durch die„wirtschaftssriedlichen" Organisationen, die StreikbrLcherverbände der Gelben, eine weite Bresche in die Ll'lassenorgauisationen des Proletariats zu legen und die Ar- beitcrklasse damit den despotischen Ausbeutergelüsten des Ka- pitals wieder bedingungslos auszuliefern. Das Unter- nehmerorgan gÄt sich, dem Anschein nach wenigstens, wirklich der Hoffnung htm, daß durch die Tätigkeit der Gelben all- mählich eine„gesundere(I) Auffassung von der Stellung des Arbeiters im Wirtsck>astsleben um sich greise, nämlich eine „Etfichüttermig• dee• Älatf enrnoral". Als ungesunde K l a s s e n m o r a l«Her verfemt es das Sck)arfmaä>erblatt, wenn sich die Arbeitcrklfsse durch Schaffung kräftiger Organi- sätionen bemüht, einen größeren Teil dss Ertrages der P r o- duktion für die Arbeiterklasse zu erringen! Gar köstlich ist es. a.us dem Artikel des Scharfmacher- blattes zu ersehen, von welch unglaublichen Auffassungen die Gelben sich leiten lassen. Ist ihre programmatische Auf- fassung nach den„Berliner Neuesten Nachrichten" doch fol- gende: „Es scheint, dgß nicht theoretische Erwägungen, sondern die üblen Erfahrungen der Praxis diesem System d«n ersten Stoß versetzt haben. Man machte die Erfahrung, daß die systematische Kriegführung im Klassenkampfe nicht in das Land der Ver- hcißunn führe. Selbst wenn ein Streik von Erfolg war, so waren die Verluste, die man im Kampfe erlttken hatte, so groß, daß es zweifelhaft blirb, ob ste durch den erkämpften Gewinn ausgeglichen wurden. Man sah, daß die Gewinnmöglichkeiten beschränkt waren, an die Erträge des Unternehmens gebunden blieben, sah andererseits, daß eine Steigerung der Ertrags- fähigkeit von selber auch zu einer Besserung der Löhne führte. So wurde die Frage der Beteiligung des Ueber- schusses zwischen Unternehmer und Arbeiter zu einer solchen zweiten Grades. An erster Stelle stand die Ertragsfähigkeit deS Unternehmens und des ganzen Gewerbes." In der Tat, eine Sorte von Arbeitern, der die Frage der Verteilung des Ueberschusses_ zwischen Unternehmern und Arbeitern erst in z w e i t e r Linie steht, die sich zum Vor. teil des gewinnhäufenden Unternehmertums mit jedem Lohn zufrieden gibt, nur in der abgeschmackten Sorge, daß durch einen Kampf mit dem Unternebmertum das ganze Gewerbe selbst geschädigt werden könne, ist für das Unternehmertum einwahresGottesgeschenk! Denn wie unsäglich ver- blendet müssen solche Arbeiter sein, die nicht einmal die Frage aufwerfen, warum dann just immer die Arbeiter nach- geben sollen, warum denn nicht auch das an Kopfzahl doch so unendlich schwächere Unterne hmertum die Frage der Verteilung des Ueberschusses zwischen Unter- nehmern und Arbeitern als sekundäre betrachtet und aus einer solchen Anschauung heraus lieber den Arbeitern anständigere Löhne zahlt, als es auf einen K o n- f l i k t ankommen zu lassen, der angeblich die Ertragsfähigkeit des Unternehmens überhaupt in Frage stellt! Aber gelbe Arbeiter sind eben von dem Unternehmertum und seinen Handlangern in einer derartigen geistigen Rückständigkeit er» halten worden, daß das Denken für sie die s ch w e r st e Arbeit ist! Was die Scharfmacher von dem unergründlichen Stumpf- sinn ihrer lieben Gelben erwarten, beweist auch folgender Er- guß der„Berliner Neuesten Nachrichten": „Bismarck bezeichnet es einmal als einen Ausfluß des deutschen Wesenszuges der Treue, daß der Deutsche, wenn er sich einmal einer Richtung, einer Kör- perschaft angeschlossen habe, ihr mit solcher Beharrlich. k e i t zugehöre, daß er schließlich mit wahrem Feuereifer für sie fechte, ohne zu tvissen, warum und weshalb." Unsere Scharfmacher bilden sich also wirklich ein, daß nicht nur die Handvoll von Streikbrechern, die sie sich durch alle erdenklichen Mittel der Korruption heranzuzüchten ver- mochten, mit wahrem Feuereifer für die Geldsackintereften des Unternehmertums„fechten" werden,„ohne zu wissen warum und tveshalb", sondern ein erheblicherer Prozentsatz der Arbeiterklasse überhaupt! D i e Zeiten find denn aber doch Gottseidank vorüber, trotz aller Massenverdummungsbestrebungen, die zurzeit im Schwange sind! Streitjustiz. Vor der Streikkammer des Landgerichts Dortmund spielte sich kürzlich eine Weitere Geschichte all Eine Anzahl Streikender unter- hielt sich während des Streiks über die Aussichten der Bewegung. Ter Bergmann Herzog aus Dorstfeld meinte, daß am Ende Wohl wieder Maßregelungen erfolgen würden. Da warf ein Kamerad dazwischen:»Dann kannst Du ja Gemeindebulle werden!" Herzog gab zurück:„Was, Gemcindebulle?" In diesem Augenblick kamen einige' Streikbrecher vorbei, und einer dieser fand zwischen den Worten und feiner geschlechtlichen Vergangenheit gewisse Beziehun- gen heraus. Der Streikbrecher wollte gehört haben:„Du Ge- meindebullel", und er meinte, weil er von seiner ersten Frau ge- schieden sei und mit der zweiten eine Zeitlang in wilder Ehe gelebt hatte, könnte nur er derjenige sein, welcher usw. Gegen diesen Schluß versuchte der Streiksünder mit der spitzigen Frage anzukämpfen, warum sich denn ein anderer Streikbrecher nicht be- leidigt gefühlt habe, dem der Ausdruck„Gemeindebulle" von seiner militärischen Vergangenheit her geläufig sei! Das Gericht fand, es könne auch der andere Streikbrecher gemeint sein und sprach den Angeklagten frei. Der Staatsauwalt hatte 75 M. Geldstrafe beantragt. Am 20. März, also nach dem Streik, hatte der Bergmann Fiolka aus Kamen in einer Wirtschaft das bekannte Plakat des Regierungspräsidenten:„Mahnung an die Bevölkerung!" ab- gerissen, zusammengeknäult und zum„Abwischen" empfohlen. Auch dieser Sünder kam vor die Streikkammer. Er gab an, daß ihm ge- sagt worden sei, er dürfe das obrigkeitliche Papier nach Beendigung des Streiks abreißen. Nach gründlicher Beratung wurde der An- geklagte freigesprochen mit der Mahnung:„Tun Sie es aber nicht wieder!" Die Bekanntmachung, hieß es, habe nur Sinn und Zweck während des Streiks gehabt. Nach dem Streik habe sie nicht wirken wollen und sollen. Es wurde nicht angenommen, daß der An- geklagte„böswillig" gehandelt habe. Ein Arbeitswilliger als Streiksünder! Die Bergleute Huhn und Dubictzki aus Holthausen waren der Beleidigung, der ver-� suchten Nötigung und des Werfens von Steinen angeklagt. Du- bietzki wurde am stärksten belastet. Von ihm wurde als erwiesen angenommen, daß er aus einer Gruppe mit Steinen und Zaun- latten geworfen habe. Er erhielt 2 Monate Gefängnis. Gegen Huhn sagten mehrere Streikbrecher aus, daß er gerufen habe: „Schämt Ihr Euch nicht, daß Ihr jetzt von der Zeche kommt?" Huhn suchte sich mit dem Hinweis aus der Schlinge zu ziehen, daß er doch während der ganzen Zeit des Streiks gearbeitet habe! Es gelang ihm aber nicht. Er erhielt 2 Wochen Gefängnis! Eine sonderbare Nötigung. Vom Schöffengericht Rccklinghmisen war der Bergmann Weech wegen Nötigung<8 153) zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil er vor der Frau eines Arbeitswilligen ausgespuckt und da- durch deren Ehemann zur Einstellung der Arbeit veranlaßt haben sollte. In dem Urteil heißt es. daß es keinem Zweifel unterliegen könne, daß sich der Ehemann durch das Ausspucken des Angeklagten vor seiner Frau bedroht gefühlt habe. Die Strafkammer i» Bochum schloß sich diesem sonderbaren Urteil an und verwarf die Berufung. Eine schwarze Verleumdung. Bei den bayerischen Landtagswahlen im Februar d. I. wurde der Genosse Profit-Ludwigshaicn zum Abgeordneten für den Wahl- kreis Speyer gewählt. Einige Wochen spater brachte das Organ dcS ZeutrunrSabgeordueten Jäger, die„Pfälzer Zeitung", einen Artikel unter der Stichmärke:„Wie Profit Laiidtagsabgcorbneter wurde", in dem Genoffen Profit der ehrenrührige Vorwurf gemacht wurde, er habe sich die Kandidatur erschlichen. Zuerst sei ein anderer Genosse zu dieser Kandidatur ausersehen gewesen, Profit habe es aber fertig gebracht, daß er als Kandidat nominiert wurde. Am Schlüsse des Artikels hieß es:„Hätten die Speyerer Genossen diese neueste Heldentat des strebsamen Politikers Profit am 4. Februar gewußt, wir bezweifeln, ob derselbe die Stadl Speyer vertreten würde." Genosse Profit strengte Klage gegen den Redakteur der„Pfälzer Zeitung" an. In der Verhandlung vor dem Speyerer Schöffen- gerichte am Mittwoch konnte der Beklagte nicht den Schatten eines Beweise? erbringen, er mußte vielmehr einen Vergleich eingehen, in dem cS it. a. heißt: „Ich erkläre, daß der Privatkläger in der ganzen Angelegen- heit sich korrckr und den Satzungen seiner Partei entsprechend ver- halten hat. Ich nehme die weitere Behauptung des Artikels, das sei„die neueste Heldentat des strebsamen Politikers Profit" gleich- falls als unwahr mit Bedauern zurück, da ich zu dieser Bc- ho.uptung keine Veranlassung hatte." Die Kosten des Verfahrens einschließlich der sämtlichen Ans- lagen des PrivatklägerS hat der Beklagte zu tragen. Die Publi- kation des Vergleichs hat in fünf pfälzischen Tageszeitungen zu er- folgen._ 6ngland. Der Liberalismus und die Arbeiterpartei. London, 3. Juli.(Eig. Ber.) Der Tod Enoch Edwards, des Vorsitzenden der Bcrgarbeiterföderation, hat in unerwarteter Weise zu einer politischen Krise geführt. Edwards vertrat im Parlament den Wahlkreis Hanley, wo er im Jahre 1906 als liberaler Arbeitervcrtreter gewählt wurde. Als sich die Berg- arbeiterföderation drei Jahre darauf der Arbeiterpartei anschloß. gingen die Vergarbcitervertrcter im Parlament und mit ihnen natürlich auch Edwards notgedrungen zur Arbeiter- Partei über. Das hinderte aber die liberalen Wahlvereine der von Bergarbeitern vertretenen Kreise nicht, bei den nächsten zwei ParlamentSwahlen die Kandidaturen der Berg- arbcitervertreter zu betreiben, als seien diese ihre eigenen Kandidaten. Schon seit langem hat sich die Arbeiterpartei bemüht, die unerträglichen Zustände, die daraus resultieren, daß Mitglieder der Arbeiterpartei auf Betreiben der Organisation der liberalen Partei gewählt werden, aus der Welt zu schaffen, aber man" scheint keine großen Fortschritte gemacht zu haben. Der Tod des Parlaments- Mitglieds für Hanley hat die Arbeiterpartei mit einein Schlage vor die Notwendigkeit gestellt, die Frage zu lösen. Die Liberalen Hanleys beanspruchen den Wahlkreis für sich, indem sie darauf hinweisen, daß das verstorbene Parlaments- Mitglied durch die liberale Parteiorganisation und von liberalen Wählern gewählt worden sei. Sie haben auch schon einen Kandidaten aufgestellt, den LinkSliberalen O u t h w a i t e, der sich durch seine Schriften über die Landreform bekannt gemacht hat und wohl mit dein jetzt wieder ausgegrabenen liberalen Allheilmittel der Landreform operieren soll. Die Arbeiterpartei hat die Kriegserklärung der Liberalen zur Freude aller ihrer tätigsten und fortschrittlichsten 'Elemente prompt und energisch erwidert. Sie hat beschlossen, nicht allein den Wahlkreis Hanley mit einein Kandidaten zu verteidigen, der von dein Bergarbeitcrverband von Nord- staffordjhire gewählt werden wird, sondern auch die Liberalen in Crews anzugreifen. Ivo vor einigen Tagen das linksliberale k Parlamentsmitglied McLaren, der Hauptwortführer der Frauenrechtlerinnen im Parlament, gestorben ist. Der Beschlutz der Arbeiterpartei sagt ferner, daß die Arbcitervertreter im Parlament, falls es in den beiden Wahlkreisen zu dreiseitigen Wahlkämpsen kommen sollte, das Parlament während der Dauer der Nachwahlen verlassen sollten, damit die ganze Kraft der Partei für ihre Kandidaten in Hanley und Crewe eingesetzt werden könne. Dieser Beschlutz der Arbeiterpartei wird im Parlament eine eigentümliche Lage schaffen. Zwar ist die Arbeiterpartei numerisch nicht stark genug, um durch ihre Abwesenheit den Sturz der Regierung herbeizuführen. Die Abwesenheit von 42 Arbeitervertretern wird es indes den Konservativem die augenblicklich ihre Leute im Parlament straff zusammenhalten, viel leichter machen, der Regierung durch Ueberraschung eine Niederlage beizubringen. Zudem werden die knappen Mehr- heiten bei den kommenden Abstimmungen die Regierung moralisch schädigen. Daß die Liberalen ihren Kandidaten in Hanley zurückziehen werden, scheint ausgeschlossen; ihr Vorgehen hat die volle Unterstützung der liberalen Partei- leitung in London. Was nun auch in Hanley geschehen mag, in Crewe werden die Liberalen mit ziemlicher Sicherheit ver- lütten. Crewe ist einer der wichtigsten Eisenbahnknotcn- punkte Englands und die Eisenbahner haben der Regierung nicht vergeben, daß diese bei dem Streik im letzten Jahre Militär auftnarschieren ließ. Es waren auch die Eisen- b ahner, verbündet mit den Bergarbeitern, die vor einigen Tagen dem Obersten S e e l y, oer sich nach semer Ernennung zum Kriegsminister einer Neuwahl unterziehen mußte, fast eine Niederlage beibrachten, indem sie für den konservativen Gegenkandidaten stimmten. Allerdings mutz man bei dieser Aktion der Arbeiterpartei mit emcr Gegen- aktion der Regierung rechnen. Es kann sein, daß die Regie- rung während der Zeit der Nachwahlen die Beratung der Gewerkschaftsvorlage(Osbornevorlage) oder der Wahlreform ansetzen wird, um so die Arbeitervertreter ans Parlament zu fesseln. OeUtemich. Der Widcrspenstigeu Zähmung. Bei der Beratung des Budgetproviforiums kamen die tschechischen und flämischen Redner unter wüsten Ausfällen auf die Raufereien tschechischer Exzedenten mit deutschen Studenten in Prag zu sprechen. Zu anderen Zeiten hätte sich da das Abgeordnetenhaus sofort in eine Stätte des wildesten Radaus verwandelt— diesmal blieben die hundert Patentdeutschen still, sachlich, höflich— denn hoch über allen heiligsten Gütern steht dem deutschen Mann die Sicherheit der Regierung und die pünktliche Bewilligung ihrer Staats- Notwendigkeiten!_ Beibehaltung der Schuapsbrenuerprämie». Zur Deckung der Forderungen auf Besserstellung der Eisenbahner beantragten die sozialdemokratischen Abgeordneten die Aufhebung der Schnapsbrennerprämien, die jährlich 14 488 347 Kronen ausmacht. Sie schwanken zwischen 311 430 Kronen jährlich für den Fürsten Fürstenberg— den bekannten österreichisch-deutsch-badlschen Patrioten und Herren- Häusler— und 27 500 Kronen jährlich für den Deutscheu Ritter- vrden, der ebenso Schnaps brennt wie z. B. die katholische Kirche oder der kaiserliche Familienfonds, der sich jährlich über 200000 Kronen schenken läßt. Der Ministerpräsident in Ver- tretung, Herr Varon H e i n o l d, hat erklärt, auf eine Aushebung der Schnapsliebesgabcn aus Rücksicht auf die—„erworbenen Rechte" nicht einzugehen. Im übrigen kündigte er an, daß die Herren Schnapsbrenner im Herren- haus der Aufhebung nicht zustimmen würden. Aber die Ober- Patrioten brauchten gar nicht erst zur Rettung ihrer heiligsten Güter auszurücken— die deutschfrcihestlich-klcrikal-agrarische Mehrheit des„Volkshauses" ersparte ihnen das. Man lehnte die Besserstellung der Eisenbahner ebenso dreist ab. wie die Prämienkürzung der Fuselnüllionäre. £!us der Partei. Auflösung des bosnischen Parteitags. Am Sonntag mid Montag mar in Serajewo der Parteitag der bosiiiscfi- herzegowinischc» Sozialdemokratie versammelt. In mehreren Resolutionen wurde den ungarischen und kroatischen Ge- nosien die Sympathie ausgesprochen und die Demokratisierung des fast absolutistrsch regierten Reichslandes gefordert. Zun, Zweck der Förderung einer kulturellen Einigung der Südslawen wurde die Herausgabe einer Zeitschrist in lateinischer und zyrillischer (russischer) Schrift angeregt. In einer großen öffentliche» Versammlung sprachen als auswärtige Delegierte Abg. Skaret-Wien, K o r a t s ch- Kroatien, Dugmedziew- Bulgarien und T u tz o- witsch- Serbien. Montag nachts wurde der Parteitag Polizei- lich alifgelöst, weil er gegen die polizeilichen Ver- folgungen in Serajewo und dem Reichsland pro- testieren wollte._ potizeilicbes, Verlebt tick es uftp* Pressesünder. An, Mittwoch stand der Genosse P a b st von der„Nordhauser Bolls Zeitung" wegen„Verbreitnug unzüchtiger Schriften" vor der Straslamnrer. Er hatte aus der„Zeitschrift des Be r e i n s für Völkerkunde" einige Rätsel übernommen, die scheinbar geschlechtliche Vorgänge bebandeln, in ihrer Auflösung aber völlig hormlos sind und weit ab von jeder sexuellen Angelegenheit liegen. Wer besonders in ländlichen Kreisen verkehrt, weiß, wie häufig solche Rätsel den Unterhaltimgsstoff bilden. Das Gericht nahm aber an, daß eS dem Angeklagten bei der Veröffeullichung der Rätsel darauf ankam, geschlechtliche Erregung bei den Lesern hervorzurufen, und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 50 Mark.— Bemerkenswert ist, daß der Staatsanwalt erst durch die D e n n n z i a t i o n des Vereins zur Bekämpfung der Unsittlich- keit(Sitz Berlin) zur Klageerhebnng kam. DaS liberale Versammlungsrecht. Welche Schwierigkeiten Arbeitern in den Weg gelegt werden, wenn sie von ihrem Versammlungsrecht Gebrauch machen wollen, lehrt wieder einmal folgender Fall. Genosse Christange aus E i ö l e b e n beabsichtigte am 7. Juli auf dem Hofe der Witwe D i e tz in L a n g e n b o g e n ini Mansseldischen eine Versammlung abzuhalten. Der Veranstalter glaubte, trotzdem der AmtSvorsteher Koch bereits zweimal bei ähnlichen Anlässen Schwierigkeiten gemacht hatte, diesmal der Genehmigung sicher zu sein, da der Hof durch seine Lage sich besonders gut für Versammlungen eignet. Aber die Versammlung wurde wiederum verboten, weil in dem Hanse auch Mieter wohnen, deren Zugang zu ihren Wohnungen verhindert oder doch erschwert werde. Es besünden sich auch Ställe mit Böden auf dem Hofe. Darin sei Stroh, es sei also feuergefährlich und im Interesse der öffentlichen� Sicherheit sei die Versammlung zu verbieten, da bei dem zu erwartenden starken Besuch der Versammlung nicht alle in den Hof gingen, sondem auf der Straße stehen müßten, wo dann die Autos die Leute mausetot fahre» könnten.— Es wird natür- lich der Beschwerdeweg bis zur höchsten Instanz beschritten. Jugendbewegung. Nichts gelernt? Die Rufer nach einem Zwangsjugendpflege-Gesetz mehren sich. Vor einem Monat(in der Nunimer vom 6. Juni) konnten wir mitteilen, daß der Deutsche Jugendbund eine Bittschrift an „leitende Persönlichkeiten" gerichtet hat, wonach alle Jugendlichen unter 18 Jahren zur Teilnahme an der bürgerlichenIJugendbewegung gesetzlich gezwungen werden sollen, weil diese trotz eifriger Werbetätigkeit und starker finanzieller Unterstützung die arbeitende Jugend nicht zu ge- Winnen vermochte. Dieser die staatliche Jugendpflege diskreditierende Gedanke hat inzwischen neue Anhänger gesunden. Auf dem am letzten Sonntag in Heidelberg abgehaltenen Kongreß des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele ertönte ebenfalls der Schrei nach Ein- führrrng obligatorischen Spiel- und Turnunter- r i ch t s für Fortbildungsschüler. Und im Scherlschen„Tag"(Nr. 58) jammert Dr. Otto K n ö r k über den passiven Widerstand einzelner(?) Lehrlinge gegenüber der sogenannten Jugendpflege, der auf den Ein- fluß sozialdemokratischer Väter zurückzufuhren sei, Der Herr weiß zu prophezeien, daß die Ablehnung der Jugendpflege durch die Sozialdemokratie dieser nur wenig nützen werde. Denn„die Ge- setzgebung wird sich dieses wichtigen Zweiges der Jugenderziehung annehmen müssen". Damit arbeite der Staat(der Herr versteht unter dem Begriff„Staat" die herrschenden Klassen) der allgemeinen Wehrpflicht vor und erhöhe zugleich die wirtschaftliche LeistungS- fähigkeit des einzelnen, um das Bedürfnis der herrschenden Klassen nach willigen Soldaten und billigen Ausbeutungsobjekten zu be- friedigen. Daß eS den Herrschaften nicht auf die körperliche Aus- bildung der Arbeiterjugend schlechthin ankommt, daS beweist allein der unerhörte Kamps, der gegen die Arbeiterttirnvereine und die proletarische Jugendbewegung von den Innungen, Polizei und Staats- anwalt geführt worden ist. Schon dieser Kampf sollte den Rufern nach einem neuen Aus- nahmegesetz gegen die Bewegung des heranwachsenden Proletariats die Tatsache zmn Bewußtsein gebracht haben, daß diese in den Wirt- schaftlichen Verhältnissen wurzelnde und von der Macht der Arbeiter- organisattonen getmgene Bewegung nicht mit einem Stück Papier aus der Welt geschafft werden kann. An Versuchen dieser Art Hat'S wahrlich nicht gefehlt. Man erinnere sich nur der Besttmmungen in den Lehrverträgen, wonach den Lehrlingen die Teilnahme an Vereinen und Versammlungen verboten worden war. Trotz dieser allgemein ein- geführten Bestimmungen ist die proletarische Jugendbewegung groß und stark geworden, vielmehr gerade deswegen. Dagegen mußten die HandiverkSmeister es bald bereuen, ein solch zweischueidiges Schwert benutzt zu haben. Wie die„Arbeiter-Jugend" mitteilt, hat der JnnungSausschuß der Stadt Weimar, der 13 Innungen mit rund 430 Mitgliedern umfaßt, das Großherzogliche Staatsministerium ersucht, die Ge- nehmigung zu dem Beschluß der Handwerkskammer, nach dem den Lehrlingen„der Besuch politischer Versammlungen und solcher Vereinshäuser, die politischen Zwecken dienen", untersagt sein soll, zurückzuziehen. Die proletarische Jugendbewegung ist nämlich seit der Wirksamkeit jener Bestimmnng in Weimar um das Doppelte gewachsen I An diesem einen Falle könnten die Leute, die sich jetzt nach einem Zwangsjugendpflegegesetz die Kehlen heiser schreien, lernen, wie zwecklos ihr Geschrei selbst dann ist, wenn es erhört werden sollte._ Soziales. Ein Streit um die Auslegung des Buchbindertarifvertrages beschäftigt« gestern die Kammer 8 des Berliner Gewerbegerichts unter dem Vorsitz des Magistratsrats Schultz. Als Kläger traten «ine Reihe von Buchbindern auf, vertreten durch die Leiter der Zahlstelle Berlin des Deutschen Buchbindcrverbcmdes R. Würz» berger. Verklagt waren die Firmen Kaußmann U. Beck. Kirchner u. Schwedhelm und Block u. Co. Zwischen der Vereinigung der Berliner Lcderfabrikanten und dem Deutschen Buchbinderverband ist am 30. Juni 1011 ein Tarif- vertrag für die Berliner Album-, Mappen- und Galanteriewaren- industrie abgeschlossen worden, der in seinem§ 2 die Arbeitszeit an den Sonnabenden und den Vorabenden gesetzlicher Feiertage auf 7)4 Stunden festsetzt, während für die übrigen Tage der Woche die neunstündige Arbeitszeit gilt. In dem abgelaufenen Tarif- vertrage war noch ausdrücklich bemerkt worden, daß dieser frühere Arbeitsschluß ohne Lohnabzug zu gewähren sei, während der neu« Vertrag diese Klausel nicht enthält. Infolgedessen weigerten sich neben anderen Firmen auch die Beklagten, den Lohnausfall für diese Zeit, soweit es die Vorabende der in die Woche fallenden gesetzlichen Feiertage betraf, zu bezahlen. Die angerufene Schlicht ungskom Mission hat am 10. Januar 1012«nt- schieden, daß die wegfallenden Stunden nicht zu bezahlen sind. DaS als Berufungsinstanz angerufene Einigungsamt oes Berliner Gewerbegerichts hob am 13. März 1012 diesen Spruch wieder auf und entschied, daß die an Vorabenden gesetz- licher Feiertage wegfallenden Stunden zu bezahlen sind. In der Begründung wird gesagt, daß zwar der neue Tarifvertrag nichts über die Bezahlung sage, aber im alten Tarifvertrage sei sie vorgesehen gewesen. Aus den Protokollen über die neuen Tarif- Verhandlungen gehe auch nicht hervor, daß über diesen Punkt Er- örterungen gepflogen wurden. Deshalb sei anzunehmen, daß keine Partei eine Aenderung in dieser Beziehung erstrebt«. Der neue Tarif schreibe außerdem auch vor, daß bestehende bessere Arbeits- bedingungen nicht verschlechtert werden dürfen, ein« Nichtbezahlung der wegfallenden Stunden, die nach dem alten Tarife vorgeschrieben war, wäre aber eine Verschlechterung. Die Beklagten unterwarfen sich dem Spruche de» Einigungs- amtes nicht. Sie verweigerten nach wie vor die Zahlung und ließen es auf eine Entscheidung de» Gewerbegerichts ankommen- Nach ihrer Meinung sei die Entscheidung-des EinigungSamteS des- halb anfechtbar, weil dieses von falschen Voraussetzungen ausge- gangen ist. Es habe nicht berücksichtigt, daß die Beklagten auch unter dem alten Tarif dies« Zeit nicht bezahlt haben. Der Passus über Lohnabzug habe sich auch nur auf Wochenlöhner, nicht aber auf Stundenlöhner bezogen. Der Vorsitzende. Magistratsrat Schultz, sprach bor der Veratl«a seine Verwunderung darüber aus, daß gegen den Spruch des Eini- gungsamtes das Gewerbcgericht angerufen werde. Mit Recht fragte er, wozu denn die SchlichtungSkommifsion und daS Eini- gungsamt bestehen, wenn eine Partei, deren Erwartungen nicht eintrafen, den Spruch umzustoßen versucht. Eine derartige Auf» sassung sei sonderbar und gleiche derjenigen eines Prozeßführenden, der bis zum Reichsgericht klage und sich nachher doch weigere, zu bezahlen, weil nach seiner Ansicht das Reichsgericht falsch ge» urteilt habe. Nach längerer Beratung fällte Sd$ Gericht dann folgenden Spruch: Die drei verklagten Firmen werden verurteilt, die an den Borabenden gesetzlicher Feiertage wegfallenden Stunden dem Klageantrag gemäß zu bezahlen. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß es sich unstreitig um Firmen handele, die sich dem abgeschlossenen Tarife angeschlossen haben. Für diese Firmen ist bei der in Frage kommenden Streitfrage die Entschei- dung des Einigungsamts bindend. Dieses habe entschieden� daß! die an den Vorabenden der in die Woche fallenden gesetzlichen Feiertage wegfallenden Arbeitsstunden wie nach dem alten Tarif zu bezahlen sind. In der Begründung sei das Einigungsamt davon ausgegangen, daß diese Zeit früher bezahlt worden fei. Diese Auffassung hat da» Gewerbegericht nach sorgfältiger Prüfung für die richtige gehalten, 6ewerhrcbaftUcheö. Me die Arbeitgeber neuerdings die Chrifttichen einfchätzen! Einen feinen Plan hat die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" ausgeheckt. In ihrer Angst, daß die nunmehr endgültig de- schlossene getverkschaftlich-genossenschaftliche„Volksversicherung" zu einer neuen Stärkung und Kräftigung der verhaßten und gefürchteten freigenossenschaftlichen Arbeiterorganisationen führen wird, schlägt sie vor, eine Konkurrenz aufzumachen: Christliche und Gelbe sollen gemeinsam unter dem Patronat der Herren Arbeit- g e b e r ebenfalls eine Volksversicherung ins Leben rufen. Am liebsten möchte natürlich auch der Artikelschreiber in der„Arbeitgeber-Zeitung", daß das kaiserliche Aufsichtsamt für Privatversicherung dem Plan der freien Gewerkschaften und des Zentralverbandes der deutschen Genossenschaften einen Strich durch die Rechnung machte. Dann würde man die Kräftigung der gewerkschaftlichen Bewegung hintanhalten und könnte gleichzeitig den beiden großen Versicherungsgesellschaften, der„Viktoria" und der„Friedrich Wilhelm", die heute in „Volksversicherung" machen, ihre Millionenprofite sichern. Aber der Herr sieht doch ein, daß es auf diesem Wege nicht gehen wird; denn die„roten Genossen" werden schlau genug sein, sich keine„formalen Verstöße" zuschulden kommen zu lassen, die ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde angängig machen würden. S o geht es also nicht. Deshalb rückt er mit seinem entzückenden Plan der ch r i st l i ch- g e l b e n Konkurrenz heraus. Es gab eine Zeit— und sie ist noch gar nicht so ferne—, da warf das Scharfmachertum mit Vorliebe„freie" und „christliche" Gewerkschaften in einen Topf. Wir kennen zum Beispiel Dutzende von Fabrikerlassen, in denen die Maß- rcgelung aller organisierten Arbeiter angedroht wurde, ohne Rücksicht darauf, ob ihre Organisationen„frei" oder„christlich" hießen. Und sogar im schwarzen Münchcn-Gladbach schätzte man die Christen also ein. Inzwischen haben sich aber die Herren eines Besseren belehren lassen. Der Bergarbeiterstreik und die dabei bewiesenen treuen Streikbrecherdienste der Christ- lichen haben das übrige dazu getan, sie in der Achtung des Unternehmertums gewaltig steigen zu lassen. Nun trägt man schon kein Bedenken mehr, sie mit den Gelben auf eine Linie zu stellen. � Sie haben es verdient, die Giesberts, Behrens und Ge- nosse»! Wer weiß, ob sie nicht auch wirklich mit- machen? Der Haß gegen die„Freien" hat ja schon längst bei ihnen jede ruhige Ueberlegung verdrängt. Die Angst vor der„roten" Konkurrenz hat sie ja schon hundertfach zu Schritten veranlaßt, die alles, nur nicht im Interesse der Arbeiterbewegung waren. Wir halten es gar nicht für aus- geschlossen, daß sie den Rat der„Arbeitgeberzeitung" befolgen und mit den Gelben gemeinschaftlich eine besondere„Volks- Versicherung" gründen. U n s könnte es nebenbei nur recht sein. Die frei- gewerkschaftlich- genossenschaftliche Volksversichcrung würde deshalb doch blühen und gedeihen. Die Zusammenarbeit mit den Gelben und dem Scharsmachcrtum aber würde bei allen anständigen Arbciterelementen die Christlichen um d e n Rest ihres Kredits bringen. In jedem Falle darf man gespannt sein, wie sie auf den Vorschlag des Scharfmacherorgans reagieren werden. Wie schließlich die Reaktion auch ausfällt: Gezeichnet sind sie auf immer! Die Thyssen, Stinnes usw. kennen ihre Pappen- heimer. Wenn einer der ihrigen einen solchen Vorschlag machen kann, wie ihn in ihrer letzten Nummer die„Deutsche Arbeitgebcr-Ztg." gemacht hat. so genügt das für jeden Kundigen. Gelbe und Christliche Hand in Hand: das Bild von so kompetenter Seite einmal gezeichnet, wird so leicht nicht wieder den Augen der deutschen Zlrbeiter ent- schwinden. Serlin und Umgegend. Eine Lohnbewegung der Fleischer. Unter den Fleischern in Berlin ist seit einiger Zeit das Ver- langen nach einer allgemeinen Löhnbewegung laut geworden. Die schlechten Arbeitsverhältnisse, unter denen die Fleischer leiden müssen, haben die Unzufriedenheit weit verbreitet, und die im Jen- tralverbande organisierten Gesellen setzten große Hoffnungen auf eine allgemeine Lohnbewegung. In VertrauenSmännerversamm- lungen beschäftigte man sich vielfach mit der bestehenden Lage und wünschte ein energisches Vorgehen der VeröandSleitung, die solchen Wünschen gegenüber eine gewisse Zurückhaltung bewahrte, und zwar aus wohlerwogenen Gründen, wie Paul Bergmann in einer Mitgliederversammlung am Mittwochabend ausführlich darlegte. Tie Versammlung fand in den..Musikersälen" statt, war recht gut besucht und hörte zunächst einen Vortrag von Dr. Kurt Rosen- feld über„Das Koalitionsrecht und seine Gegner", der sehr bei- fällig aufgenommen wurde. Dann referierte Bergmann über die Stellungnahme des Vorstandes zu der angeregten Lohnbewegung. Er wies mit Nachdruck alle Vorwürfe gegen den Vorstand zurück und erklärte, daß die Leitung nur aus taktischen Gründen und nach sorgfältiger Erwägung aller einschlägigen Verhältnisse, sowie in dem Gefühl ihrer Verantwortlichkeit der Mitgliedschaft gegen- über den Vorschlag bekämpfen müsse, eine Lohnbewegung für ganz Berlin zu eröffnen. � Dagegen sei die Leitung zu einer teilweisen Bewegung gern bereit, wo immer die Verhältnisse einen baldigen Erfolg verheißen. Die innere Berechtigung für eine Lohnbewegung sei unverkennbar vorhanden; aber ein allgemeines Vorgehen se: zurzeit noch nicht geboten.— Noch einer längeren Diskussion über Bergmanns Referat beschloß die Versammlung, daß in Berlin mit einer Lohnbewegung bezirksweise vorgegangen werden solle. Die nötigen Vorbereitungen zu treffen, wird Aufgabe einer Kom- Mission von fünf Mitgliedern sein, die sofort von der Versammlung eingesetzt wurde, und die in der nächsten Versammlung schon einen Bericht über die unternommenen Schritte erstatten soll. Achtung. Friseurgehilfen! Wegen Tarifbruch für Verbands- Mitglieder gesperrt: OeHl, Sparrstr. 13, Naegelin. Lands- berger Wee 148. Die neue gültige Kontrollkarte ist weiß mit rotem Rand. Der Monat Juli muß gestempelt sein. Verband der Friseurgehilfen. Prügelszenen im Ausschank der Brauerei Friedrichshagen. Zwischen dem Oekonomen des BrauerciauSschankS Friedrichs- bogen und oem Verbände der GastwirtSgehilken bestehen Differenzen, über die wrr schon wiederholt berichtet haben. Die Zwistigkerten haben leider durch daS Verhalten der Arbeitswilligen und des Oeko- nomen eine unangenehme Zuspitzung erfahren. Als Angehörige �es Verbandes der GastwirtSgehilfen im Lokale aufklärende Flug. blätter über den Stand der Dinge verbreiteten, wuroen sie von den Arbeitswilligen in den Saal geschleift und dort mißhandelt. Weder verhinderte der Oekonom Herr Büttner dies, noch fanden die Mißhandelten Schutz bei einem anwesenden Gendarmen oder dem hinzugekommenen Schutzmann Nr. 6. Ob solche Dinge geeignet sind, das Publikum für Herrn Oekonomen Büttner und seine Ar- beitSwilligen zu begeistern, erscheint unS mindestens fraglich. Die Veranlw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.� Differenzen spitzen sich durch solche Vorkommnisse nur zu und' die GastwirtSgehilfen werden durch sie angespornt, den Kampf mit größerer Schärfe al» je zuvor zu führen. Deutfehes Reich. Der unrühmlich bekannte Heinrichbrief macht den christlichen Herrschaften viel Kopfzerbrechen. Der einst dazu ausersehen war, wie eine Bombe zu wirken, kehrt sich jetzt gegen seine Urheber. Als das Schöffengericht in Essen, das von Herrn Jmbusch selbst in Anspruch genommen war, gegen den Ge- nassen Pierenkämper wegen Beleidigung verhandeln sollte, lehnte er da? selbstangerufene Gericht als befangen ab. Das Gericht hatte sich in einem vorher gegen Jmbusch verhandelten BeleidigungS- Prozeß auf den Standpunkt gestellt, daß Herr Vogelsang, Mitglied des Vorstandes des Gewerkvereins, als Schreiber angesehen werden könne, es hatte fest- gestellt, daß dieser bei ver Abgabe von Schriftproben vor Gericht seine Handschrift verstellt habe. Das war eine bittere Pille! Die Beschlußkammer des Landgerichts Essen hat nunmehr den Ablehnungsantrag abgelehnt. Gegen das Koalitionsrecht der Strahenbahner. Der Lübecker Straßenbahnbehörde war eS stets ein großer Dorn im Auge, daß ein Teil der bei ihr beschäftigten Straßenbahnangestellten dem Deutschen Transportarbeitcrverband angehörte. Angesichts der niedrigen Gehälter, die im Betriebe bezahlt werden— 3,40 M. Tagelohn für die Führer, ohne Be- zahlung der freien Tage, 3,30 M. täglich für die Schaffner als Anfangsgehalt—, glaubte die Behörde wohl, Grund zu der An- nähme zu haben, daß eines Tages die Leute kommen würden und einen angemessenen Lohn fordern würden. Dem suchte sie zuvor- zukommen durch einen Erlaß, der die Organisation der Straßen- bahner zertrümmern soll: Bekanntmachung. In gegebener Veranlassung machen wir darauf aufmerksam, daß den Ange st eilten der Lübecker Straßen- bahn jede Zugehörigkeit zu einem Verbände, wie z. B. dem Transportarbeiterverband, der Straßenbahner- Organisation und ähnlichen Verbänden untersagt ist. Die Angestellten haben durch die Unterschrift des Anstellungsvertrages diese Verpflichtung ausdrücklich anerkannt. Ein Verstoß gegen dieses Verbot ist ein Vertragsbruch und wird als solcher behan- delt werden, d. h. eS wird sofortige Entlassung unter Verfall der Kaution erfolgen. Lübeck, den 26. Juni 1912. Lübecker StrahenbahnbetriebSvertvaltung. Jähnke. Auf diese Weise glaubt man. die Straßenbahner völlig wehrlos machen zu können. Nicht nur Entlassung, sondern auch der Verfall der mühsam zusammengebrachten Kaution in Höhe von 150 M. soll erfolgen, wenn ein Straßenbahner von dem ihm gesetz- lich zustehenden Koalitionsrecht Gebrauch macht. Gegen dieses un- geheuerliche Vorgehen einer Behörde wandte sich Genosse Stel. l i n g, der Vorsitzende der Lübecker Transportarbeiter, in der DienstagSsitzung der Lübecker Bürgerschaft in scharfer Weise. Ter Senat wußte auf die Angriffe Stellings nicht? zu er- widern, sondern behauptete nur, daß die Behörde zu ihrem Vor- gehen berechtigt sei. Interessant war auch die Tatsache, daß unser Genosse Stelling, der doch auch Bürger schafts- Mitglied ist, von den verschiedensten Seiten, u. a. auch von dem Polizeiinspektor Lippert, beobachtet wird, ob er sich gelegentlich mit Führern der Straßenbahn unterhält. Die ge- bührende Antwort auf ein derartiges Verhalten blieb selbstver- ständlich nicht au?. Nichtsdestoweniger ist diese Bespitzelung eines Mitgliedes der Lübecker Gesetzgebung geradezu beschämend für ihre Urheber. Bei der bürgerlichen Mehrheit der Lübecker Bürgerschaft, die zum großen Teil aus Liberale» besteht, fanden die Straßen- bahner natürlich keinerlei Unterstützung. Der Streik der Kellner im Cafe Bauer in Karlsruhe ist beendet. Nachdem eine Verständigung zwischen der Organisation und dem Unternehmer erzielt ist, sind sämtliche Kellner wieder ein- gestellt worden._ Die Tischlerinnuugsmeister und der Arbeitswilligenschutz. Der Bund deutscher Tischlerinnungen, der am Montag und DienStag in Kiel feinen 29. Tischlertag abhielt, Hot sich auch mit der Frage des ArbeilswilligenschutzeS beschäftigt. Er be- schloß nach einem Referat des in Hagenow durchgefallenen Tischlermeisters Pauli. den Gesamtausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands zu ersuchen, daß er den ibm vom Hansabunde übermittelten Entwurf zum Schutze der Arbeits- willigen dem Bundesrat als Matcriel überweise, mit der Maßgabe, daß das Streikvostenstehen und das Boykottieren Einzelner von ganze» Erwerbsständen gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt wird. Der Tischlertag fordert weiter, daß überall die Errichlimg von JnnungSkassen erstrebt werden müsse, weil die Ortskrankenkassen in sozialdemokratischen Händen seien. ZlusUnd. Der Streik in den französischen Häfen. In H a v r e beschlossen die Rollkutscher, Segler, Kohlender- lader, Dockarbeiter und Hilfsangestellten, insgesamt 2600 Mann, sich mit dem Streik der Seeleute solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen. Auch in Marseille erklärten die Docker den Generalstreik. Sie haben den eingeschriebenen Seeleuten ihre völlige Solidarität zugesichert und sich verpflichtet, die Arbeit erst wieder aufzunehmen, wenn die Dockarbeiter und die eingeschri«che- nen Seeleute Genugtuung erhalten. Die eingeschriebenen Seeleute verpflichteten sich gleichfalls, die Arbeit erst dann wieder aufzu- nehmen, wenn die Dockarbeiter und die eingeschriebenen Seeleute es auf Grund eines gemeinsamen Abkommens beschlossen haben werden. -Elus der Frauenbewegung. Säuglingspflege. Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und zur Heran- ziehung eines gesunden Nachwuchses gehört neben dem Verständnis der sozialen Hemmnisse auch die Kenntnis der individuellen Kinder- pflege. In den letzten Jahrzehnten hat die medizinische Wissen- schaft sich eingehend mit den Bedingungen der gesunden Entwicke- lung des Kindes beschäftigt. Mit manchem Schlendrian in der Kinderstube muß infolgedessen gebrochen werden. Das Kaiserin- Auguste-Viktona-HauS zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit hat nun den richtigen Gedanken verwirklicht, daß die Belehrung nicht erst bei der Mutter, sondern schon beim Kinde anfangen müsse. In seinem Auftrage hat Antonie Zerwer eine„Säug- l i n g SP f l e g e fib e l'*) versaßt. Der Direktor dcS Hauses, Professor Langstein, schreibt dazu im Vorwort:„Die Belehrung, die die Frau als Mutter empfängt, kommt meist zu spät; die Mutter, die für die Mutterschaft nicht festgefügtes Wissen über Kinder- pflege mitbringt, wird ein Spielball von Aberglauben, Ueber- lieferung unrichtiger und schädlicher Gebräuche, beeinflußbar von *) SäuglmgSpflegesibel von Schwester Antonie Zerwer. Mit einem Vorwort von Professor Dr. Leo Langstcin und 42 Abbildun- gen nach Photographien. Verlag von Julius Springer in Berlin. 172 Seiten.) Einzelpreis 90 Pf. v Bei Abnahme von mindestens 20 Exemplaren 80 Pf., von mindestens 60 Exemplaren 70 Pf., von mindestens 100 Exemplaren SO Pf._______ ktz. Glocke. Derl'i. Druck u. Vertag: VorwärtZDucbdr. u. Verlagsanstall' allem unverständigen Rat. Und so kommt eS, daß ein nicht kleiner Teil der Säuglinge an der Unwissenheit serner Mutter zugrunde geht, ein anderer krank wird und niemals volle körperliche und geistige Leistungsfähigkeit im Leben erreicht. Dem kann meines Erachtens nur gesteuert werden, wenn im Schulalter bereits dieser wichtige Zweig der Volksgesundheit gelehrt wird, dessen Vernach- lässigung das Deutsche Reich jährlich fast eine halbe Million Menschen kostet. Schon das Kind soll sich Kenntnisse von der Säuglingspflege erwerben, das herangewachsene Mädchen weiter- bauen aus dem, was es als Kind aus der Fibel gelernt hat." In kurzen Fragen und Antworten wird gelehrt, wie die älteren Kinder ihre kleinen Geschwister besorgen, sie kleiden, betten, halten, kurz ihnen Helsen sollen. Tie Sprache ist klar und leicht faßlich und wird außerdem durch eine Reihe guter, instrukttver Abbildun- gen erläutert. Das Buch ist auch für Mütter zur Lektüre sehr geeignet. Für Proletarierinnen störend wirkt die Verbeugung vor der„gütigen Landesmutter" im Varwort. Der einzige Fehler des empfehlenswerten Büchleins ist sein zu hoher Preis(90 Pfennig). Der weiten Verbreitung unter Kindern und Müttern, die wir ihm dringend wünschen, wird dadurch Abbruch getan werden. Die Landtagsabgeordnetin. Der böhmische Landesausschuß beschloß, die Wahl der in den Landtag gewählten Frau Vik-Kunedicky einer besonderen Landtags. kommisiion zuzuweisen, um die F�rge des passiven Frauenwahl- rechts prinzipiell zu lösen._ BersammlllNste«— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 8. Juli, abens 7 Uhr, Führung durch die Sezession, Kurfürsten. dämm 208/209. Billetts a 26 Pf. daselbst bei den Vorstands- Mitgliedern._ Letzte Kehrichten» Tic deutschen Kompensationen in Afrika. Paris, 4. Juli.(W. T. B.)„Siede" will mitteilen können, daß die in Bern tagende deutsch-sranzösische Kongo» Kamerun-Kommission die Grenzlinien zwischen Fran- zösisch- und Deutsch-Äongo festgesetzt habe, über die Arbeits- Methode der französisch-deutschen GoenzbestimmungSkommission einig geworden sei und beschlossen habe, daß die Gebietsübergabe ohne jede Zeremonie erfolgen werde. Die Deutschen würden ein- fach ihre Truppen oder ihre Kolonialbeamten in die neuerworbenen Gebiete schicken. Die Umgestaltung der französischen KonzessionS- gesellschaften in deutsche werde die Lösung von heiklen juristischen Fragen notwendig machen, doch glaube man, daß eS möglich sein werde, ein die beiderseitigen Interessen schonendes UebergangS- regime zu finden. Unter diesen Umständen sei eS möglich, daß man daS Vcrständigungsprotokoll bereits im Laufe der nächsten Woche werde unterzeichnen können. Aus dem österreichischen Parlament. Wien, 4. Juli.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus erledigte eine Reihe von Gesetzentwürfen und Anträgen. Am Schlüsse der Sitzung beantragte der Sozialdemokrat Adler, auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung unter anderem den Be- rich' des SanitätSausschusses über Epidemien zu stellen. Der An- trag wurde mit 74 gegen 70 Stimmen angenommen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Ruthenen stimmten gegen den Antrag. Der polnische Sozialdemokrat Reger machte in einem beleidigenden polnischen Zuruf den Ruthenen Vorwürfe wegen ihrer Haltung bei der Abstimmung, worauf der Authene P e t r i ck y mit erhobenen Fäusten auf Reger stürzen wollte. Er wurde von mehreren Abgeordneten mit Mühe zurückgehalten Der Vizepräsident Perner st orfer schloß die Sitzung unter großer Erregung und großem Lärm, der noch längere Zeit andauerte. Englands Verteidigungsmaßnahmen. London, 4. Juli.(W. T. B.) Das R e i ch S v e r t e i d i» gungskomitee hat heute eine bedeutsame Sitzung abgehalten. Das Komitee war zusammengesetzt aus einer Anzahl Minister ein- schließlich Lord Haldanes und einer Anzahl höherer Offiziere der Marine und der Armee. Die Sitzung dauerte fast den ganzen Tag. Die Verhandlungen werden geheim gehalten, aber ei wird angenommen, daß die Flottenpolitik, insbesondere im mittelländi» schen Meere, Gegenstand der Beratung war. Die Beschlüsse des Komitees müssen vom Kabinett ratifiziert werden. Der kanadische Premiermini st er Borden ist mit dem gesamten kanadischen Kabinett hier eingetroffen, um mit der Reichsregierung über die Reichsverteidigung zu beraten. Der marokkanische Gegensultan. Paris. 4. Juli.(W. T. B.) Aus Tanger wird ge« meldet: Der neue Roghi(Prätendent), der unter den llerga, Stämmen den heiligen Krieg predigt, hat sich bei dem Fichtala-Stamm, etwa 60 Kilometer nördlich von Fez, nieder- gelassen. Eine Anzahl Deserteure der scherifischen Armee haben sich ihm angeschlossen. Sein Einfluß nimmt unter den Stämmen in der Gegend von Fez und Tanger zu. Borussisches aus Frankreich. Paris, 4. Juli.(W. T. B.) DaS Polizeigericht von LenS ver- urteilte den Erzbischof Chesnelong wegdn„Schaustellung aufrührerischer Abzeichen" zu sechs Frank Geld. buhe, weil er aus Anlaß des Jeanne d Arc-FesteS sech» päpst« liche Fahnen gehißt hatte�_ Der endlose Bürgerkrieg in Mexiko. Mexiko, 4. Juli.(P. C.) Die Streitkräfte der Rebellen, die General H u e r t a bei Bachimba geschlagen hat, haben sich unter dem Befehl des Generals Del T o r r o nach Norden zurück- gezogen und dort neue, stark befestigte Stellungen ern- genommen. Ein neuer Zusammenstoß der Regierungstruppen mit den Rebellen wird schon in den nächsten Tagen erwartet, da General Huerta mit einem entscheidenden Schlage die Rebellion meder, zuwerfen hofft. Auf beiden Seiten herrscht gewaltige Erbitterung. Eisenbahnkatastrophe im Staate New York. New York, 4. Juli.(P. C.) Die Katastrophe bei Cor. n i n g ist noch umfangreicher als die ersten Nachrichten erkennen ließen. Der Lokalzug. in den der Schnellzug hmeln» fuhr, war vollgepfropft mit Ausslüglern, die anläßlich des heutigen Unabhängigkeitslages, des amerrkanlschen Nationalfeiertages, sich zu den Festplätzen in der Umgebung von Corning begeben wollten. Der Expreßzug fuhr etwa drei Kilometer vor der Station in der Lokalzug hinein. Es dauerte stundenlang, bis Hilfe am Platze war. Die meisten der Schwerverletzten, die zwischen den Trümmern festgeklemmt waren, starben, bevor ihnen Hilfe zuteil wurde. Die Gesamt- zahl der Getöteten belauft sich auf 87 Personen, unter denen sich auch zahlreiche Frauen und Kinder befanden. (Siehe auch unter«Aus aller Welt".)_ Paul Singer i Co.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltu»g»bl. Nr. 134. 29. Jahrgang. 1. Stilnjc des JoriüMs" ßttlinct ßilhblott. frtitas, 5.?«li 1912. ksrtelsuzichuk, Kontrollhommlilion und Frahtionsvertretung. Bon G. Ledebour. Während Partcivorstand und Reorganisaiionskommission eine Äendcrung in der Zusammensetzung des Parteivorstandcs fiir völlig überflüssig halten, glauben sie dem Bedürsnis nach Stärkung des politischen Elements in der Parteileitung dadurch Rechnung tragen zu können, daß sie die Einsetzung einer neuen Körperschaft, des Parte, ausschusses, vorgesehen haben. Der Parteiaüs schuh soll aus 32 Mitgliedern bestehen, die vom Parteitag gewählt werden, aber in Bestätigung der von den einzelnen Bezirken vorgeschlagc- nen Kandidaten. Tatsächlich tvürden also die Bezirke den Ausschuh wählen. Die Bestätigung durch den Parteitag würde immer nur eine rein formale Handlung bleiben. Der Parteiausschuh soll regel- mähig alle Vierteljahr zusammenkommen, nach Bedarf noch öfter. Er soll mit dem P a r t e i v o r sta n d gemeinsam ent- scheiden über wichtige, die Gesamtpartei berührende Fragen, über die Einrichtung zentraler Parteiinstitutionen. die die Partei finanziell dauernd erheblich belasten, sowie über die Feststellung der Tagesordnung des Parteitages und die Bestellung der Referenten. Um Platz zu schaffen für diese neue Körperschaft, soll im Statut der jetzige Wsatz 3 des§ lg in Wiegfall kommen, der lautet: Bei wichtigen, die Gesamtpartei berührenden Fragen hat der Parteivorstand die Vorstände der Bezirks- oder Landesorganisationen gutachtlich zu hören oder eine Konferenz ihrer Vertreter zu veranstalten. Zunächst hat es den Anschein, als ob durch diese neue Einrich-� tung die politische Aktionsfähigkeit des Parteivorstandes erhöht werden könnte. Das ist aber ein Trugschluh. Um politische Aktiv- nen im gegebenen Moment mit entschiedener Energie durchführen zu können, genügt es für eine Körperschaft nicht, dah sie in der Regel nur alle Vierteljahr einmal zusammentritt. Um so bester wird sie ihrer Aufgabe gewachsen sein, je öfter ihre Mitglieder zusammenarbeiten. Die vierteljährliche Berufung eines Aus- schusses könnte unmöglich das ersetzen, was durch die Erweiterung des Parteivorstandes selbst um eine Anzahl Beisitzer(7 bis 9), also regelmähige Mitglieder de» Vorstandes, erreicht werden kann. Vor- aussichtlich würde sich nach Annahme des Kommissionsvorschlages an der Art der Leitung gar nichts ändern. Die Vorstandsmitglie- der würden auf Grund ihrer intimeren Sachkenntnis und der Vertrautheit mit den laufenden Geschäften bereits mit vorgefahtcn Meinungen und Beschlüsten an den Ausschuh herantreten und fast durchweg eine Mehrheit für sich gewinnen. Der Ausschuh würde so zu einer spanischen Wand werden, hinter der der Vorstand mit seiner bureaukratischcn Mehrheit nach wie vor tatsächlich die Ge- schüft« führt. Er kommt dann aber in die angenehme Lage, alle Verantwortung auf den Ausschuh abwälzen zu können. Werden ihm Vorhaltungen gemacht, dah er nicht schnell oder richtig genug eingegriffen hat, so wird er stets erwidern können: Ja, seht, wir sind ja an den Ausschuh gebunden! Für die geschäftlichen Veran- staltungcn, über die der Ausschuh mitbestimmen soll, würde aber vollständig die gutachtliche Mitberatung der Bezirksvertreterkonfe- renzen genügen, wie sie jetzt im Statut vorgesehen ist. Aber pein- lich sollte die Partei sich davor hüten, den Parteivorstand von der Verantwortung für die politische Leitung der Partei zu entlasten. Bedenklich ist auch der für den Parteiausschuh geplante Wahl- modus» Er würde der landsmannschaftlichen Zersplitterung Vorschub leisten, die sowieso schon recht bedenkliche Erscheinungen zum Beispiel in den süddeutschen Staaten gezeitigt hat. wenn in die oberste Leitung der Partei die Mitglieder von landsmannschaft- lichen Organisationen hineingewählt würden. Obendrein sieht die vom Parteivorstand entworfene Bezirkseinteilung eine unverhält- nismähig' stärkere Vertretung der Landesteile mit schwachen Or- ganisationen. als der Landesteile mit starken Organisationen vor. Da ein solcher Vertretungsmodus aber erfahrungsgemäh der rc- visionistischen Richtung überall Vorschub leistet, ist es erklärlich. dah die Vertreter dieser Richtung mit Freuden nach diesem Vor- schlagjjegriffen haben, der ihnen wiederum eine über ihre wirk- liche Stärke in der Partei weit hinausgehende Machtposition ver- heihl. kleines feiiilleron Hebbel und die Wiener Zensur. Bon Hebbels Drama„Maria Magdalena" hat das Wiener Hofburg- Schauspiel eine bisher un- bekannte Theaterbearbeitung entdeckt, die Hebbel unternahm, um fein Stück den törichten Ansprüchen der Wiener Zensur anzupassen und ihm den Zutritt zum Burglheater zu ermöglichen. Wie Professor R. M. Werner, der Herausgeber der Hebbelschen Jubiläumsausgabe des näheren nachweist, hat Hebbel das schon an verschiedenen Bühnen aufgeführte Stück, um es dem Grafen v. Tielria-steiii zu hochgeneigter Berücksichtigung für daS Hosburg» thcatcr mundgerecht zu machen, unbarnrherzig verschnitten. Es sollte alles vermieden werden, was der unsinnigen Zensur zum Vorwand der Ablehnung dienen konnte. Er lieh darum den biblischen Titel fallen und nannte sei» Drama; Clara. Schwerer muh es ihm ge» fallen sein, de» ohnehin so knappen Dialog einzelner Wendungen wegen noch zu kürzen. Die Episode von Leonhard mit dem Knaben fiel ivcg, und gestrichen wurden auch die gelegentlichen Hin- weise auf Claras Schwangerschaft, hatten sie doch schon in Berlin bei Madame Stich-Crelinger Anstoh erregt. Auch sonstige Andeutungen auf die Natur des Verhältnisses Claras blieben fort. Mit besonderer Rücksicht für die Wiener aber wurde der Text von allen religiös etwa verfänglichen Stellen gereinigt. Kein Mchpfast durfte mehr finster dreinschauen, die Parodie der modernen Kirchen- beiucher wurde nicht mehr ausgeführt. Aber auch kein Gott im Himmel durste mehr ans Erbarmen gemahnt werden. Clara durste nicht ihr ergreifendes Vaterunser beten. Das Spiehrutenlaufen wurde nicht erwähnt, weil eS damals beim österreichischen Militär noch nicht abgeschafft war. Ganz verändert ist der Schlutz. Meister Anton fügt sich ohne Selbfimordgedanken ins Unabwendbare und enthüllt feine kindlich naive Natur. Dieser gemilderte Schluh sollte den Schwerhörigen im Publikum, deren Unverständnis Julian Schmidt in einem bos» haften„Grenzboten'-Aufsotz gezeigt hatte, entgegenkommen. Aber auch verstiimmelt kam das Drama nicht auf die Burg. Die Theater- beorbeltuug trägt auf dein Titelblatt die Bemerkung„Unbrauch- bar"! Das Martyrium, dah sich Hebbel auferlegt hatte, war umsonst gewesen. Im Lustschiff über de» Atlantischen Ozean? Die Katastrophe des LusisckiffeS„Akron" und dos Ende des Ingenieurs Vaniman baben die Frage nach der Möglichkeit der Kreuzung des Atlantischen Ozeans im lenkbaren Lustschiff um so mehr wieder in den Mittel- Punkt des Interesses gerückt, als bekanntlich von deutscher Seile ernst- hast der Versuch geplant ist. im Ballon von Teneriffa nach den west- indischen Inseln z» gelangen. Vaniman ist der zweite, der bei einem solchen Versuche Frasko erlitten hat, und sein unglückliches Geschick erinnert an den ersten Versuch seines Landmannes Wellman, dessen Begleiter Vaniman auf jener ein wenig dilettantenbaften Fahrt im Oktober des Jahres 1910 gewesen war, bei der die Fahrtteilnehiner gerade noch das nackte Leben retten konnten, während das Luftschiff den Stürmen und Fluten preisgegeben werden mußte. So mangelhaft vorbereitet wie diese beiden amerikanischen Versuche mit untauglichen Mitteln wird ja Sollte wirklich die Mehrheit des Parteitags sich für den Partei- ausschutz entscheiden, so mühte der Kommissionsentwurf mindestens dahin verbessert werden, daß die Vertretung darin nach der Zahl der organisierten Genossen geregelt wird, dah also auf etwa 20 000 oder 30 000 organisierte Parteimitglieder ein Ausschuhmitglied zu wählen wäre. Weil nun der Ausschuh an sich eine höchst anfechtbare Einrich» tung ist, nicht minder aber auch das vorgeschlagene Wahlverfahren Bedenken erweckt, muh entschieden Verwahrung dagegen eingelegt werden, dah der Versuch gemacht wird, auf Umwegen, che noch der Parteitag gesprochen hat, die Durchführung des Vorstandsplans sicherzustellen. In der Begründung, mit der der Vorstand die Ver- öffentlichung des Entwurfs begleitet hat, findet sich nämlich der erstaunliche Satz: Für den diesjährigen Parteitag sollen bereits Vorschläge ge- macht werden, damit die Wahl der Parteiausschuhmitglieder auf dem Parteitag erfolgen kann für den Fall, dah der Parteitag die vorgeschlagenen Aenderungen beschlieht: Sind einmal in den sämtlichen 29 Bezirken, in die der Partei- vorstand jetzt das Reich zerlegt hat, die 32 Kandidaten gewählt, so ist es natürlich so gut wie sicher, dah sich dann auch aus dem Par- teitag eine Mehrheit nicht nur für diese Bezirkseinteilung, sondern auch für das gesamte Wahlverfahren nach Landsmannschaften zu- sammenfindcn wird. Gegen das Argument:„Na, die Vorschläge sind doch nun schon einmal gemacht!" wird man dann nicht mehr aufkommen können. Dieser Vorschlag, der darauf hinausliefe, auf Umwegen dem Borstandsplan von vornherein die Durführung zu sichern, berührt aber um so unangenehmer, da es sich bei der Frage, ob Erweite- rung des Vorstandes oder Einsetzung des Parteiausschustes, u m den Kern der Meinungsverschiedenheiten inner- halb der Partei betreffs der Reorganisation des Vorstandes handelt. Auch die Neuregelung der Stellung der K o n t r o l I k o m- Mission fordert den Widerspruch heraus. Durch die vorge- schlagene Aenderung wird die Stellung der Kontrollkommission gegenüber dem Parteivorstand nicht gestärkt, sondern geschwächt. Denn während bisher die Kontrollkommission„zur Kontrollicrung des Parteivorstandcs sowie als Berufungsinstanz für Beschwerden über den Parteivorstand" zu wirken hat, will der Entlvurf dieses ganz allgemeine, also auch politische Kontrollrecht beschränken auf die Kontrolle der Verwaltungsbcfugnisse des Parteivorstandes sowie auf Beschwerden auf Grund des tz 17 oder§ 19 des Statuts. § 17 handelt von der Verfügung über die Partcigelder; 8 über- trägt dem Parteivorstand die Besorgung der Partcigeschäftc, die Kontrolle über die prinzipielle Haltung der Parteiorgane und die Entscheidung über Differenzen bei der Aufstellung der Reichstags- kandidaturen. Es gibt aber auch sonst politische Aktionen des Vor- standcs, die der Kontrolle der Kontrollkommission um so weniger entzogen werden sollten, da die Kommission sich als prinzipiell durchaus zuverlässig stets bewährt hat. In allen diesen Funktio- nen ist aber die Kontrollkommission schon deshalb als Instanz dem geplanten Parteiausschuh vorzuziehen, da sie auf den Parteitagen direkt insgesamt gewählt wird, natürlich unter möglichster Berück- sichtigung der einzelnen Landesteile. Nicht die Kontrollkommission zu schwächen, sondern sie zu stärken wäre Aufgabe des Partei- tags. Es ist deshalb dringend ratsam, ihr das Kontrollrecht un- geschstächt zu belassen. Man könnte ihr aber, um sie für ihre Aufgabe noch besser geeignet zu machen, noch einige Kräfte anglie- dern, indem die Zahl der Mitglieder von 9 auf 12 oder IS erhöht wird. Aus diesen Ausführungen geht wohl zur Genüge hervor, dah die Funktionen des Vorstandes, der Kontrollkommission und des neu geplanten Parteiausschusses in einem engen Zusammenhang miteinander stehen, sich gegenseitig bedingen und deshalb auch gegeneinander abgewogen werden müssen. Die Neuerungen, wie der Parteivorstand und die Reorganisationskommission sie vor- schlagen, würden nun in ihrer Gesamtwirkung darauf hinauskam- men: 1. dah der Partcivorstand in seiner Zusammensetzung unver- ändert bleibt, also eine bureaukratische Zweidrittelmehrheit behält, 2. dah durch die recht seltene iin der Regel auf viermal im Jahre beschränkte) Mitwirkung des Parteiausschusses die Aktionskraft des Vorstandes keineswegs verstärkt, sondern eher gelähmt wird, jeden- falls schiverfälliger in Beivegung zu setzen ist, 3. dah die Verant- wortlichkeit für die politischen Handlungen nicht einheitlich, sondern in unklarer Weise auf zwei Körperschaften verteilt sein wird, 4. dah nun die projektierte deutsche Ozeanfahrt des Ballons„Suchard" keineswegs angetreten werden. Ursprünglich für das Frühjahr 1912 geplant, ist die Expedition über das Weltmeer auf das Jahr 1913 verschoben worden, weil man nur unter den günstigsten aero- nautischen und meteorologischen Verhältnissen die Fahrt unter- nehmen will. Die Schwierigkeit bei einem solchen Unternehmen beruht einmal auf der Unmöglichkeit, während der Fahrt von guhen her Hilfe heran- zuholen, sofern sich an dem Luftfahrzeug aus irgendeinem Grunde ein Defekt cinstelli, dann in dem noch zu geringen Aktionsradius unserer lenkbare Lustschiffe. Das Wasser hat keine Landungsplätze und keine Luflswiffhallen, in die sich der Ozeanflieger im Falle einer Havarie zurückziehen kann-, befindet sich das Luftschiff einmal über dem Meere, so muh eS auch fähig sein, die weite Reise, wie man im Sportjargon sagen würde,„durchzustehen". Nun handelt eS sich aber um eine Distanz von mehreren tausend Kilometern, die selbst auf dem Lande und unter günstigsten Verhältnissen noch niemals von einem lenk- baren Lustschiff auch nur annähernd bezwungen worden ist. Freilich soll der Ballon„Suchard" allerdings für die transozeanische Fahrt in besonderer Weise ausgerüstet werden. Aber es handelt sich bei diesem Luftschiff wieder um ein Fahrzeug mit einer Fülle neuer und unerprobter konstruktiver Einzelheiten, die zwar vorher auf zahlreichen Landfahrten ausprobiert werden sollen, die aber trotzdem wohl kaum ein abschließendes Urteil über die völlige Eignung und die tatsächliche Verwendungsmöglichkeit des Luftschiffes für seinen besonderen Zweck gestatten werden. Man kann unter diesen Umständen nicht anders sagen, als daß auch die geplante Ozeanfabrt des„Suchard" ein Wagnis darstellt. Nun sind allerdings ohne Wagemut große Ziele nicht zu erreichen; es fragt sich nur, ob eine Ueberfliegung deS Atlantik im Luftschiff überhaupt als ein„großes Ziel" zu betrachten ist. Praktischen Wert kann auch dem gelungenen Unternehmen auf absehbare Zeit hinaus nicht zugesprochen iverden; es kommt hinzu, daß nach dem Urteil der bedeutendsten Meteorologen die Ueberfliegung des Atlantischen Ozeans nur dann Aussicht auf günstiges Gelingen versprilbt, wenn sie mit Hilfe des im Frühjahr im subtropischen Nordatlantik regel- mäßig webenden Nordoslpassats unternommen wird. Deshalb soll die Fahrt auch in der Pasfalregion zwischen Teneriffa und den west- indischen Inseln und zwar im März unternommen werden; den Ozean in höheren Breiten und zu anderer Jahreszeit zu kreuzen, mutz nach den ineteorologischen Verhältnissen als unmöglich angesehen werden. . Würde ein Luftschiff für die Ueberquerung des Ozeans genügend Betriebsstoff mitführen können, so wäre das Gelingen weit eher zu erwarten, als unter dem derzeitigen Aktionsradius, der immer noch viel zu gering für die weite Fahrt ist. So kann der Ballon „Snchard" nicht annähernd so viel Benzin an Bord nehmen, als für die Ueberquerung des Atlantik erforderlich ist. Aus diesem Grunde soll eben das Luftschiff ivie ein Freiballon vom Passatwind mit dessen sieben Meter betragender Seknndengeschwindigkeit getrieben werden. Die Mitnahme von 3000 Litern Benzin ist vorgesehen; mit diesem Quantum können aber die beiden Motoren keineswegs dauernd arbeiten. Geht alles gut. so mag, was gewiß zu wünschen wäre, der Erfolg nicht ausbleiben. Aber erst wenn es ein Lustschiff gibt, dessen Aktionsradius die Ueberquerung des Atlantik ohne Rücksicht auf die Windrichtung ermöglicht, wird man von einer befriedi- genden Lösung des Problems sprechen können. durch die Art und Weise, wie der Parteiausschuß gebildet werden soll, die landsmannschaftlichen Tendenzen in der Partei mehr noch, als es bishet schon der Fall ist, gefördert werden. S. daß die durchaus im Interesse einer prinzipiellen Führung der Partcigeschäfte wirkende Kontrollkommission im Einfluß und Geltungsberclch ge- schmälert würde. m Demgegenüber hätten die hier skizzierten Vorschlage den Vor- zug: 1. dem bureaukratischcn Element im Vorstand sein gegen- wärtigcs Zwcidrittelübcrgewicht zu nehmen und seinen Einfluß auf ein erträgliches Maß zu beschränken. 2. den Vorstand durch die Vermehrung um eine größere Zahl vom Parteitag direkt zu wählen- der Beisitzer aus den in verschiedenartigen Wirkungskreisen tätigen Genossinnen und Genossen intellektuell und politisch zu bereichern und ihn aktionsfähigcr zu machen, 3. die Verantwortlichkeit des Vorstandes als einer einheitlichen Körperschaft ungeteilt zu erhalten und dadurch das Verantwortlichkeitsgefühl zu stärken, 4. die Kon- trollkoinmission als politische Aufsichtsinstanz zu erhalten und für ihre Tätigkeit zu stärken; schließlich S. den landsmannschaftlichcn Einflüssen in den Zusammenkünften der Bezirksvcrtrcter ein Völlig hinreichendes Betätigungsfeld zu sichern. Es bleibt nun noch die Frage der Fr a k t i o n s v e r t r e t u n g auf den Parteitagen zu erörtern. Gegenwärtig hat jedes Mitglied der Rcichstagsfraktio» wie jedes Mitglied des Vorstandes oder der Kontrollkommission das Recht, auf dem Parteitag zu erscheinen; sein Stimmrecht ruht nur bei der Abstimmung über Reichstags- angelegenheiten. Der Entwurf schlägt vor, die Vertretung der Fraktion auf e i n Drittel ihrer Mitgliederzahl zu beschränken. Der Grund ist der. daß die Zahl zu groß wird für die Parteitage. 110 Reichstagsabgeordiicte sind allerdings eine Zahl, die auf dem Parteitag stark ins Gewicht fällt, selbst wenn, was zu erwarten ist, sich die Zahl der Delegierten mit der wachsenden Zahl der organisierten Genossen gleichfalls stetig vermehrt. Nun ist indes von anderer Seite schon mit Recht darauf hinge- wiesen worden, daß der Reduktionsvorschlag übersieht, wie not- wendig andererseits das möglichst vollzählige Erscheinen der Irak- tionsmitglicder auf den Parteitagen ist. weil die Parteitage ja keineswegs etwa nur Zusammenkünfte zu geschäftlichen Zwecken sind, sondern in erster Linie und in der Hauptsache der Partei die politische Direktive geben sollen. Da müßten aber alle Reichs- tagsabgeordnete zur Stelle sein, da sie ja die politischen Aufträge der Partei auszuführen haben und über die Wahrnehmung ihrer Mandate nicht nur insgesamt, sondern auch jeder einzelne für sich, der Partei Rechenschaft schuldig sind. Das Band zwischen den Reichstagsabgcordneten und der Partei würde bedenklich gxlockcrt werden, wenn ein Teil von ihnen nicht zu erscheinen brauchte. Sie können sich zwar in ihren Kreisen um Mandate bewerben, berauben aber damit gerade in kleinen Kreisen andere Genossen der Möglich- keit. an den Parteitagen teilzunehmen. Auch die Notwendigkeit, innerhalb der Fraktion durch Wahl die Fraktionsvertreter zu be- stimmen, hat viel Mißliches; sie würde eine Quelle von Unannehm- lichkeiten werden. Nu» bietet sich aber ein Ausweg, der die Khppe des übermäßigen Einflusses der Fraktion bei den Abstimmungen umschifft. Es könnte den Reichstagsabgcordneten die Berechtigung zur Teil- nähme an den Parteitagen in vollem Umfange belassen werden. sie brauchten aber kein Stimmrecht zu haben. Natürlich müßte dann auch den Mitgliedern der übrigen Körperschaften, die jetzt zur vollen Teilnahme an den Parteitagen berechtigt sind, das Stimmrecht genommen werden, also dem Vorstand, der Kontrollkommission und eventuell dem Ausschuß, wenn der eingesetzt wer- den sollte. Beraten und Anträge zu stellen, stände nach wie vor jedem Teilnehmer frei, abzustimmen hätten jedoch nur die Dele- gierten. („Neue Zeit".) ver SchapIroproM. Darmstadt, 4. Juli.(Privattclegramm d.„Vorwärts".) In der heutigen Sitzung nahm zunächst der Vertreter der Nebenklägerin, Polizeiassistentin Schapiro, Rechtsanwalt Dr. Lö» wensberg das Wort, um nach einer Schilderung des Milieus, in dem sich die in den einzelnen Fällen vernommenen Mädchen beweg- ten, auf die Tätigkeit der Polizeiassistentin näher einzugehen. Nach ihm sprach der Vertreter deS Nebenklägers Beigeordneten Bcrndt, Humor und Satire. Lützow im Kientopp. Auf deni Dorfe Osdorf bei Lichlerselde wurde am Mittwoch eine tinematographische Ausnahme zu dem vaterländischen Film Theodor Körner gemacht. 450 Personen, Berlmer Schauspieler und Schauspielerinnen sowie einige Schwadronen Garde- dragoner, teils als Franzosen, teils als Lützower vcrlleidet, wirkten mit. Es wurde die Plünderung eines DorseS durch Franzosen und ein Angriss der Lützower markiert. WaS glänzt dort am Walde im Sonnenschein? Hör's näher und näher brausen. ES zieht sich hinunter in düsteren Reih» Und gellende Hörner erschallen darein.— Ach Leutchen, laßt euch nicht grausen! Denn wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:— Das ist fürs Kino'ne Komödienjagd. Als welsche Chasseurs und Husaren gar bunt Galoppieren Gardedragoner. Sie mimen den Erbfeind, den bösen Hund, Sie reiten die Bauern in Klump und in Grund— Vermummte Kulissenbewohner. Und wenn ihr der Komödie Sinn erfragt: DaS ist fürs Kino'ne patriotische Jagd. Und nun sprengen Lützowsche Jäger herbei— Verkleidete Gardereiter. Sie müssen dienen der Jahre drei; Da bleibt viel Zeit für die Mummerei Im Dienst patriotischer Streiter. Und wenn ihr den Kinofritzen fragt: Damit— macht man auf die Dummen Jagd. _ Ernst. Notizen. — Der dielumworbene junge Mann. Da» Jagdbuch des Kronprinzen hat einen seltsamen KronprinzenenthusiaSmu« aus- gelöst. Die bürgerlichen Blätter liegen sich bereits in den Haaren darüber, wer von ihnen den„Schriftsteller-Menschen" am besten versteht. Das„Berliner Tageblatt" ist hell entrüstet über die Kon- kurrenz, die die„Post" ihr macht. Mit Recht, denn das Blatt, daS bereits am Tage der Buchausgabe sich rühmen konnte, das epochemachende Opus 1 zu behandeln. hat natürlich den- Borrang. Außerdem sind nach der liberalen Legende Kronprinzen immer liberal, selbst wenn sie das Gegenteil davon beweisen. — Eine Daumier-AuSstellung ist im Kupferstich- kabinett eröffnet worden. — Kunstchronik. Aus dem Rachlaß Franz S k a r b i n a s hat die Stadt Charlottenburg durch ihre Kunstdeputation das große figurenreiche Gemälde»Kurpromenade in Karlsbad" an- gekauft. — Die Oper im Walde. Bei Z o p p o t finden seit einigen Jahren Opernaufführungen im Freien statt. Diesmal eröffnete man die Reihe der Darbietungen mit Smetaras„Verkaufter Braut", die am 2. Juli vor 4000 Personen gegeben wurde. RechtsaMalt Pagenstecher, der in seinen Ausführungen namentlich die gegen Berndt seitens des Angeklagten erhobenen Beschuldi- gungen zurückwies und zum Schluß beantragte, mit Rücksicht daraus, daß Berndt nach Berlin gehe, auch die Publikation in Berliner Blättern auszusprechen. Dann erging sich der Verteidi- ger des Angeklagten Hirsch, Justizrat Dr. Bernstein, in längeren Ausführungen, denen er vorausschickt, daß die Ehre der Neben- klüger, der Polizeiassistentin und des Beigeordneten Berndt, unan- tastbar aus der Verhandlung hervorgegangen ist. Sein Plädoyer konnte er heute noch nicht beenden und wird es an; Freitag fort- setzen. �_ vom Clteaterelend. Dieser Tgge druckten wir unter der Ueberschrif-t:„Vom Dhcaterelend" einen Engagementsvertrag, wie sie Direktor Fritz Steidl aus Berlin mit seinen Angestellten abzuschließen pflegt, ab und machten einige Glossen dazu. Herr Fritz Steidl, der mit seiner Gesellschaft Ende Juni in Nürnberg gastierte und zurzeit in Köln auftritt� wurde wegen der Veröffentlichung seines famosen Vertrages, die am letzten Sonnabend auch im Nürn- bcrgcr Parteiblatt erfolgte, offenbar sehr nervös. In diesem Zu- stand nahm Herr Steidl die Maske des gebildeten Mannes ab und gab sich ungeschminkt, so wie er wirklich ist, indem er im Nürnberger Apollotheater, wo er einige Wochen die Kunst seiner Untergebenen zeigte, folgenden Anschlag anheftete: „A n meine Mitglieder! Oeffentlicher Aushang im Apollotheatcr. Nürnberg 29. ö. 12. In einer geradezu schamlosen Weise ist das total irrige Urteil und die erschreckliche Unerfahrenheit im Bühnenbetriebe des Nürn- berger Gewerberichters von der sozialdemokratischen Presse in der üblichen, alles besudelnden Weise ausgebeutet worden zum Zwecke der Aufwiegelung. Die Bezahlung meiner Ballettdamen, welche größtenteils erst bei mir Tänzerinnen werden, ist anerkanntermaßen im Verhältnis zu anderen Unternehmen eine sehr gute! Daß sich unter der Flagge „Bühnenmitglieder" hin und wieder auch Dirnen eindrängen, ist eine ebenso bekannte Tatsache! Diese Elemente meinem Ensemble fernzuhalten, bin ich jederzeit bemüht und geschieht dies nicht zuletzt im Interesse der von mir engagierten anständigen Damen! In blöder Weise werden nun von der Zeitung der„Genossen" meine Mitglieder bejammert!! Ich fordere nun hiermit alle diejenigen, die sich bei mir gequält fühlen, auf, sich freiwillig sofort zu melden, und ich bin bereit, den Vertrag mit jedem, der bei mir nicht mit Lust und Liebe tätig ist, gerne zu lösen. Als ehrlos würde ich den- jenigen ansehen müssen, der sein Brot bei mir mit Unwillen ißt und von obigem Vorschlag keinen Gebrauch macht. Der Anlaß zu den famosen Prcsseartikeln war die Entlassung des Frl. X..., deren „Qualität" ja jedem hinreichend bekannt ist, so daß ich es unter meiner Würde halte, hierüber an dieser Stelle noch etwas zu sagen. Ich habe gegen den Redakteur Strafanzeige bei der Staatsanwalt- jchaft gestellt. Nürnberg, den 29. 6. 12, Fritz Steidl." Dieser Anschlag paßt stilistisch als auch inhaltlich ausgezeichnet gu Herrn Steidls famosem Engagementsvertrag. Es ist dieser An- schlag eine treffliche Ergänzung und Illustration dieser Verträge. In gespreizter Form teilt Herr Steidl mit, daß er gegen den Redak- teur des Nürnberger Parteiblattes Strafanzeige„beim Staats- anwalt" stellte. Der würdige Herr Direktor wird da eine kleine Enttäuschung erleben. Bayerische Staatsanwälte sind vorläufig noch nicht in dem Befehlsbereich des Herrn Fritz Steidl. Möglicherweise wird es umgekehrt und es hat sich vielleicht der Direktor seines so .hübsch stilisierten Anschlages wegen noch zu verantworten. Das Nürnberger Parteiblatt deutet dies bereits an. Das Versäumnisurteil des Nürnberger Gewerbegerichts be- zeichnet Herr Steidl als„total irrig" und den Nürnberger Gewerbe- richter taxiert der Theaterdirektor schnoddrig als„erschrecklich un- erfahren". Der Gewerberichter, ein Rechtsrat, hat nun zufällig mehrere bemerkenswerte Arbeiten über die Lage der Bühnenange- hörigen veröffentlicht; er wird Herrn Fritz Steidl aus Berlin W. jedenfalls noch einiges zu sagen haben. »» * Herr Direktor Fritz Steidl scheint noch nach weiteren Erfolgen in der Presse zu geizen. Die„Leipziger Volkszeitung", die eben- falls seinen Vertrag abgedruckt hatte, beglückt er mit folgendem Schreiben: Nürnberg, den 29. Juni 1912. Apollo-Thoater. An die„Leipziger Volkszeitung"!! Ihr schamloser Artikel betr. mein Ensemble ist mir nach hier ge- schickt worden. Derartige Besudelungen eines anständigen Unter- nchmens sind ja nichts unbekanntes bei Aufreizungsblättern Ihrer Sorte! Wenn der Geist vorhanden gewesen wäre bei dem Verfasser des Artikels und die dem Gewerberichter vollständig abgehende Kenntnis des Theaterlebcns, wo sich oft versuchen Dirnen einzu- schleichen und wo man Mittel haben muß ohne die Hilfe der Sittenpolizei diese los zu werden, so hätte man einen Vertrag wie den meinigen nicht so frivol blos um Stoff für die sonst öden Spalten in der Zeitung, durch falscheAuslegungen besudelt! Ich fordere Sie nun auf Grund des Preßgesetzes auf, sofort zu be- richtigen daß mein Ensemble nicht seinen Sitz im Meiropol-Theater in Berlin hat. Dieses ist nie und nirgends angegeben! Ferner, daß die Entlassene keinc�Künstlerin gewesen ist sondern eine, einen Mo- nat tätig gewesene Statistin, welche hoch vornehm mit 100 Mark monatlich bezahlt wurde. Bei dieser Gelegenheit vergessen Sie nicht Ihren Genossen zu enthüllen, welche Jammerlöhne Sie selbst in Ihrem Betriebe zahlen entgegen der täglich inklusive Proben nur östündigen Tätigkeit bei mir. Sie werden sich schlau hüten! Was muß im Geschäftslebcn eine Dame für 100 Mark monatlich alles können. Meine Choristinnen bekommen außer Schuh und fleischfarbige Trikots alles geliefert auch elegante Salon- Toiletten und die in dem Vertrage be- zeichnete moderne Garderobe bezieht sich lediglich auf das wenige, was die Betreffende am Tage auf dem Leibe trägt. Zum Beweise hierfür stehen alle meine Damen bereit, dies zu bestätigen. Gerade weil ich dem sozialen Standpunkt weiten Raum gebe, ist die absicht- liche Entstellung i>cs Sinnes meines Vertrages eine schamlose Ver- hetzung niedrigster Art. Eine unerhörte Dreistigkeit aber ist es, bei meinem Unternehmen die beliebten aufreizenden Schlagworte von „Sklaverei, jämmerlichen Gagen"(Ihr traurigen Berichterstatter verdient bestimmt nicht so viel.) anzuwenden. Aber man soll so raffinierte Entstellungen der Tatsachen, wie der aus totaler Ver- dummung geschriebene Bericht enthält, nicht unbeantwortet lassen. Sagen Sie bitte Ihrem Berichterstatter, daß wohl vielleicht in feinen Kreisen Leute wie„Verbrecher" photoaraphirt werden, die Bühnenleute indessen werden zum Zwecke der Veröffentlichung ihrer Künste und Kunstfertigkeiten photographiert. Als eine Miß- achtung kann die? demnach nur in Ihren Kreisen angesehen werden. Die Konventionalstrafe von 1200 Mark ist doch bei Be- trachtung des Falles und der Person für vernünftige Menschen, die noch etwas Grütze im Schädel haben, nur eine nie anzuwendende Farce. Was den Urlaub anbetrifft, so ist derselbe bisher nicht angewendet und wird speciell in diesem Jahr, wenn auch mit großen Opfern, durchgespielt, da die enormen Unkosten nicht im Sdinmer zu decken sind. Da wir schon von den Schweißgroschen der armen Arbeiter allerorts Gewerkschaftshäuser erstehen sehen, wird man auch wohl demnächst noch Theater aus den Parteikassen bauen. Dann wird der famose„Berichterstatter" wohl zum Theater- Direktor hinaufgeschoben? DaS Theater muß ja'ne tolle Nummer werden!! Muse, verhülle Dein Antlitz. Es wäre jedenfalls von Ayterefk zu Ächren« mas.Sie Jh«» Tippmamfevs, ÄiMiaianen usiv. An Gehalt zahlen, züiNal Kräften, die noch nichts l e i st e n können. Uebrigens: liefern Sie Ihren Angestellten Kleidungsstücke, wie Schuhe, Strümpfe. Kleider, Hüte usw.?> Unsre Damen geben für moderne Garderobe keinen Pfennig extra aus, der Paragraph bedeutet bielmehr soviel, daß bei Straßenszenen die Damen in ihren eigenen Kleidern zu erscheinen haben. Ferner: würden Sie es gerne sehen, wenn das bei Ihnen beschäftigte weibliche Personal vor Ihrem Geschäftshause Posto faßt, um Herrenbekanntschaften anzuknüpfen?— Ich glaube Ihrem Be- richterstatter gerne, daß er Frl. X. mehr wie 100 Mark Gage zahlen und ihr auch sämtliche Straßengarderobe kaufen würde! Er hat aber auch gar keine Ahnung vom Theaterfach und kann daher n i cht taxieren, was Frl. X.s Leistungen wert sind! Essen und trinken darf in den Garderoben niemand, weil sonst die prächtigen Kostüme Fettflecke be- kommen würden! Die Stadt verlassen darf ohne Erlaubnis kein Mitglied, weil es schon oft geschehen ist, daß die Rückkehr ver- säumt und so die Vorstellung in Frage g e st eil t wird. In erster Linie bezieht sich dieser Paragraph' gerade auf Solo- k r ä f t e! Selbstverständlich ist mit„Stadt verlassen" die Fahrt in einen Vorort oder nahe gelegenen und mit häufiger Verbindung versehenen Platz nicht gemeint! Aus Viesen kurzen Ausführungen muß es Ihnen schon klar sein, welche kolossalen Irrtümer Ihr Herr Berichterstatter begangen hat. Mit der Ihnen gebührenden Achtung Fritz S t e i d Wer jetzt nicht überzeugt ist, daß Herr Steidl aus Berlin das Muster eines Theaterleiters darstellt! Hirn Induftne und FtandeL Vom Geldtrust. Trust-Untersuchungen sind in Amerika geradezu epidemisch. Die Trusts und ihre Lakaien, die Behörden, lassen diese Erhebungen in der Regel mit ruhiger Gelassenheit über sich ergehen. Um so mehr mußte es auffallen, daß Geldtrust und Bundesregierung nervös wurden, als Lindbergh am 29. Januar d. I. im Repräsentantenhause iZweite Kammer des Bundesparlaments) auf eine gründliche Unter- suchung des Geldtrusts drang: ein Beschluß, der ausgangs März zum Beschluß erhoben wurde. Ganz offen bereiteten die Großbanken den eingeleiteten Er- Hebungen Schwierigkeiten aller Art und gestanden damit ein, daß sie mehr als die vorher untersuchten Trusts das Licht zu scheuen haben. Ihne» leistete der Bundes-Justizminister Wickersham, allezeit ein ge- treuer Knecht des Großkapitals, Vorspann. Wickersham suchte den New Orleanser Buudes-DistriktSanwalt Charlton R. Beattie aus dem Dienste zu drängen. In seiner Naivität hatte Beattie die ergangene Weisung, den Geldtrust scharf unter die Lupe zu nehmen, für bare Münze genommen und dem- entsprechend gehandelt. Was hat man uuter dem Geldtrust zu verstehen? Unmittelbarer Träger desselben ist das Clearing House, das seinerseits wieder von dem Stahltrust kontrolliert wird, bei dessen Gründung Morgan einen „Schnitt" von über 69 Millionen Dollars machte. Die 23 Direktoren(Mitglieder des Aufsichtsrats) des Stahltrusts (UnitoÄ Ltatos Ltoot Corporation) kontrollieren vermöge ihres Be- sitzes an Aktien und ihrer Eigenschaft als Direktoren anderer Gesell- schaften annähernd Sö Proz. der auf 18 Milliarden Dollars geschätzten Eisenbahnen des Landes, d. h. Eisenbahnen im Werte von 10 Milliarden Dollars. Außerdem üben Direktoren des Stahltrusts in den Ausfichts- räten von Banken. Treuhand-Gesellschaften, Versicherungs-Gesell- schaften, Expreß-Konipagnien und industriellen Korporationen mit einer Gesamtkapitalisierung von über 20 Milliarden Dollars den bestimmenden Einfluß aus. Rechnet man noch dazu, daß zwischen den Magnaten des Stahltrusts und den Gewaltigen des Petroleum- trusts ein inniges Kartellverhältnis besteht, so leuchtet ohne weiteres der gewaltige Einfluß ein, den der Geldtrust und dessen Gebieter Morgan auf das amerikanische Wirtschaftsleben ausübt. Vor dem parlamentarischen Untersuchungskomitee, nach seinem Vorsitzenden auch Pujo-Komiiee genannt, warf Morgan sich in die Brust und versicherte, er sei im Oktober 1908„dem Lande zu Hilfe gekommen", indem er einer Anzahl von Banken 25 Millionen Dollars vorgeschossen, eine Verschärfung des damaligen Bankkrachs wie eine iveitere Zuspitzung der Geldknappheit verhindert und ein Sinken des Zinsfußes für tägliches Geld von 100 Proz. auf 6 Proz. be- wirkt habe. Diese von Börsenblättern seit Jahren geflissentlich verbreitete Darstellung fand ziemlich allgemein Glauben. Wäre es Morgan doch ein leichtes gewesen, die damalige Geldknappheit in dem angegebenen und in noch viel größerem Umfang aus eigenen Mitteln zu be- seitigen I Lag es doch in dem Interesse der Bankwelt, die Katastrophe sich nicht noch weiter verschärfen zu lassen! Fallierten doch damals Banken, welche zwar unter dem Einflüsse der Geldknappheit zeit- weilig zahlungsunfähig, aber keineswegs bankerott waren! Im Lichte der jüngsten Enthüllungen kann es keinem Zweifel unterliegen, daß diese Banken auf Morgans Geheiß durch Entziehung der Clearing House(Abrechnungsstelle)- DarlehnSzertifikate abgeschlachtet wurden. Am Tage nach der Vernehmung Morgan? hatte Cortelyou, der unter Roosevelt Bundesfinanzminister war, vor dem PujoKomitee zu erscheinen. Er bekundete, daß das Bundesschatzamt im Oktober 1903 42 Millionen Dollar bereit stellte, um den bedrängten Banken Beistand zu leiste». Die Verteilung deS Geldes legte Cortelyou in die Hände Morgans,„weil dieser allgemein als der Führer der ganzen auf die Rettung der Situation gerichteten Be- wegung angesehen wurde. An wen und unter welchen Bedingungen Morgan das ihm zinsfrei überlasscne Geld weitergab, habe ich (Cortelyou) mich nicht gekümmert". Aber jedenfalls hat Morgan, wie weiter festgestellt wurde, von den ihm im Interesse bedrängter Banken zur Verfügung gestellten 42 Millionen Dollars nicht tveniger als l'/z Millionen sich selbst zugewiesen und das Geld drei Monate mit großem Gewinn für sich, den Milliardär, arbeiten lassen. Mit 2ö Millionen hat er anderen Banken ausgeholfen, aber wohlgcmerkt gegen sechs Prozent Zinsen, die er in die eigene Tasche steckte. Nun lieferte Francis Lyn de Stctson, in Firma Pierpont I. Morgan u. Co., ei» Verzeichnis der 14 von Morgan bedachten Banken. Den Löwenanteil erhielten neun zur sogenannten Morgan- Gruppe gehörige Finanzinsiitutc, deren Getvinne zu einem erheb- lichen, wenn nicht zum größte» Teil in Morgans Tasche fließen. Der Rest fand den Weg zu fünf anderen, gleichfalls zu dem Clearing House ivie zu dem Geldtrust zählenden Banken.� Pierpont I. Morgan, dem„uneigennützigsten, opferwilligen Netter der Situation" in der Finanzpanir vom Oktober 1903 wurde so in der vom Pujo-Komiiee geführten Untersuchung die selbst- gefällige Maske vom Gesicht gerissen. Durch niedrige Mauipulationen hat der KrvsuS sich bereichert, indem er die von, Bundcs-Finanz- ministerinin anläßlich des Debacle inr Herbste 1903 zinslos bereit gestellten Millionen teilweise zu seinem eigenen Vorteile wieder in der eigenen Bank„arbeiten" ließ, teilweise gegen Zins befreundeten, nnerschütterten Bankhäusern lieh. Seine mit dem Gelde der Steuer- zahler verstärkte Stellung mißbrauchte Morgan, unbequeme Banken zu ruinieren und damit die vorhandene Krise zu verschärfen. Gembts-Teitung. Die Direktion der Allgemeinen Berliner OmnibusgeseAfchaft» die zu einem im Februar auSgebrochenen Streik der Metallarbeiter ihres Depots Uscdomstraße ein Nachspiel veranstaltete und den „Vorwärts"-Redaktcur Genossen Wachs wegen vermeintlicher Nicht- aufnähme einer„Berichtigung" vor den Strafrichier zog, kann mit der Staatsanwaltschaft und den Gerichten zufrieden sein. Gegen das Urteil de? Amtsgerichts Berlin-Mitte, durch däS im Mai unserem Genossen Wachs eine Geldstrafe von 10 M. auf- erlöst mtiii iene«BexjKttgung" im„Vorwärts" Licht ümsfc halb der vorgeschriebenen Frist, sondern erst einige Tage später veröffentlicht worden sei, meinte die Staatsanwaltschaft noch Be- rufung einlegen zu sollen. Zwar schien ihr 10 M. Geldstrafe genug, aber sie forderte, daß durch Gerichtsurteil auch noch die nachträgliche Aufnahme der„Berichtigung" angeordnet werde, weil der„Vor- wärts" sie nicht vorschriftsmäßig wiedergegeben habe. Das Amts- geeicht hatte abgelehnt, nachträgliche Aufnahme anzuordnen, da ja die„Berichtigung" tatsächlich schon einmal, wenn auch zu spät, ver- öffentlicht worden sei. Auch Wachs legte Berufukg ein und for- derte Freisprechung, weil jene„Berichtigung" nicht den Vorschriften des Preßgesetzes entsprochen habe, so daß er gar nicht verpflichtet gewesen sei, sie aufzunehmen.. � � Vor dem Landgericht Berlin I, das durch Strafkammer 0 (unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Neuenfeldt) zu ent- scheiden hatte, erklärte gestern Wachs, daß jene Zuschrift der Omni- busgesellschaft nicht eine oorschriftsgemäße„Berichtigung" gewesen sei und auch in der Veröffentlichung durch den„Vorwärts" nicht als„Berichtigung" Hab- gelten sollen. Veröffentlicht habe er sie lediglich aus Loyalität, um auch den Gegner zum Worte kommen zu lassen. Allerdings seien ihr noch Erläuterungen angehängt worden, die sich auf inzwischen noch eingeholte Auskünfte des Mc- tallarbeiterverbandes stützten, und aus diesem Grunde habe die Veröffentlichung sich verzögert. Aber eine Frist habe ja nicht inne- gehalten zu werden brauchen, weil man es eben nicht mit einer vorschriftsgemäßen„Berichtigung" zu tun hatte. Zur Begründung der Berufung des Angeklagten führte bann sein Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld näher aus, warum jene Zuschrift der Direktion keine„Berichtigung" im Sinne des Preßgescves sei. Sie beschränke sich nicht auf Berichtigung tat- sächlicher Angaben durch andere tatsächliche Angaben. Sie mache an zwei Stellen den Versuch, die den Angaben des„Vorwärts" entgegengestellten, von ihr behaupteten Tatsachen durch weitere An- gaben zu begründen, von denen in dem zu„berichtigenden" Artikel des„Vorwärts" gar nicht die Rede gewesen sei. Gegen den Antrag des Staatsanwalls, die Verurteilung aufrechtzuerhalten und nach- trnglichc Aufnahme anzuordnen, machte der Verteidiger geltend, daß Freisprechung mindestens deshalb erfolgen müsse, weil Wachs in gutem Glauben die Zuschrift nicht als„Berichtigung" angesehen und daher nicht als solche behandelt habe. Sie sei aber veröffent- licht worden, darum liege kein Grund vor, nochmalige Ausnahme anzuordnen.„.„..'.... Der Staatsanwalt, der die Zuschrift trotz den vom Verteidiger angeführten formalen Bedenken für eine vorschriftsgemätze„Be- richttgung" hielt, hielt die vom„Vorwärts" gewährte Veröffent- lichung der Zuschrift lediglich wegen formaler Bedenken nicht für eine oorschriftsgemäße Wiedergabe der„Berichtigung". Was hatte er daran auszusetzen? Der„Vorwärts" hatte die Direktionsunter- schrist weggelassen. Zwar hatte er dafür die Unterschrift sozusagen zur Ueberschrift gemacht, indem er an der Spitze die einleitenden Worte setzte:„Die Direktion der Allgemeinen Berliner Omnibus- gcsellschaft sendet unS folgende Zuschrift, die sie„Berichtigung" nennt." Aber da blieb freilich immer noch etwas, was dem Staats- anwalt Pein machte, nämlich das Wärtchen„nennt". DaS habe, meinte er, zwischen die von der Direktion herrührende Neberschrift „Berichtigung" und den darunter gesetzten Text der„Berichtigung" selber nicht eingeschoben werden dürfen, weil ja Einschiebsel in „Berichtigungen" den Zeitungen nicht gestattet seiead.Haarspalterei" nannte das der Verteidiger. Auch das Gericht sah keine formalen Bedenken gegen die Zu- schrift und erklärte sie für eine aufnahmepflichtigr„Berichtigung". Wenn der Angeklagte sie nicht als„Berichtigung" behandeln zu müssen gemeint habe, so habe er sich nicht in gutem Glauben, sondern in einem Rechtsirrtum über seine Befugnisse befunden. Daher sei die Geldstrafe von 19 M. aufrecht zu erhalten. Es sei aber auch nachträgliche Aufnahme anzuordnen, weil bd der bereits erfolgten Veröffentlichung, wenn auch der„Vorwärts" nicht den Sinn der„Berichtigung" geändert habe, durch Einschicbung des Wörtchens„nennt" und durch Weglassung der Unterschriften die Formvorschriften verletzt seien. Nebenbei bemerkt: am Sinn war nichts geändert worden, und sogar den Wortlaut" hatten wir völlig unverändert wiedergegeben. Aber das Gericht„seiht Mücken und schluckt Kamele," sieht keine Formverletzung der Direktion und stößt sich an Formverletzungcn des„Vorwärts". Und es erklärt, daß die von uns veröffentlichte „Berichtigung"— keine„Berichtigung" sei! Die Auffassung des Landgerichts ist unhaltbar: weder die Ueberschrift„Berichtigung", noch die Unterschrift de? Einsenders sind ein Bestandteil der Be- richtigung. Nimmt man aber das Gegenteil an, so brauchte der „Vorwärts" die so zu einer Berichtigung gestempelte nicht auf- zunehmen, weil diese Berichtigung mit Einschluß des Einsen- ders selbswerständlich nicht vom Einsender unterzeichnet war. Die „Berichtigung", nicht ein Teil derselben muß vom Einsender nach § 11 des Preßgesetzes unterzeichnet fein. Der Mann mit den vier„Bräuten". Ein gefährlicher Heiratsschwindler, der mehrere Dienstmädchen um ihre gesamten Ersparnisse gebracht hat, mußte sich in der' Person des Drogisten HanS Lehmann vor der 6. Strafkammer des Landgerichts III verantworten. Der Angeklagte hatte im Jahre 1910, während«r sich bei einem Rentier Friedländer als Diener in Stellung befand, die dort als Hausmädchen tätige Martha G. kennen gelernfl Nach kurzer Bekanntschast gab er der G. das Versprechen sie zu heiraten, und wußte sie auch zu überreden, ihm ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von 4000 M. zu übergeben. Lehmann richtete sich mit diesem Gelde in Steglitz ein Drogenaeschäft ein, welches jedoch nicht ging. Er verstand e? dann, die G. dazu zu bewegen, sich bei Verwandten 3000 M. zu borgen und ihm auszuhändigen. Mit diesem Gelde eröffnete L. ein neues Geschäft in der NichtHofen- straße, nachdem er das erste Geschäft in Steglitz aufgegeben hatte. Nachdem auch dieses Geld verbraucht war, sah sich der Augeklagte nach einer neuen Geldquelle um. Diese fand er in der Person des Dienstmädchens L., die er im Zoologischen Garten kennen ge- lernt hatte. Dieser erzählte er, daß ihm fein Chef das Geld zur Einrichtung eines Drogengeschäfts zur Verfügung gestellt habe, er brauche jetzt nur noch das Geld für die anzuschaffenden Waren. Die L. ließ sich ebenfalls verleiten, dem Schwindler ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von 1900 M. auszuhändigen. Ms die L, schließlich erfuhr, daß der Angeklagte auch noch mit zwei anderen Mädchen intime Beziehungen angeknüpft hate, stellte sie ihn hier- über zur Rede. Der Angeklagte erklärte ihr, höchst empört über diese„Verleumdungen", daß es auf der ganzen Welt keinen Men- schen gebe, der es so ehrlich mit ihr meine wie er.— Die be. trogenen Mädchen, von denen zwei außerdem noch ein schreiendes „Andenken" von dem Angeklagten erhalten hatten, erkannten schließlich, daß sie einem Schwindler zum Opfer gefallen waren und erstatteten Anzeige.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß der AngAlagte in höchst gemeingefährlicher Weise mit der Vertrauensseligkeit und teilweise auch Dummheit Heirats- lustiger Mädchen spekuliert habe, auf 2 Jahre Gefängnis. Außerdem wurde der Angeklagte wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Wann wird die Leichtgläubigkeit Heiratslustiger aufhören. Hus aller Melt. Blitzschlag in eine Militärabteilung. Aus Jnnichen(Tirol) wird uns gemeldet: Während der Gebirgsllbung der hiesigen Garnison in den Bergen des Unter- pnsterrales ging ein furchtbares Gewitter mit Hagelschlag nieder. Die Hebung wurde sofort eingestellt und der Rückmarsch ins Tal angetreten. Auf dem Rückmärsche schlug der Blitz in eine Kompagnie von Tiroler Kaiferschützen, wodurch ganze Reihen zu Boden geschleudert wurden. Leider hat der Blitz zwei Opfer gefordert. Einer der Kaiserschützen blieb sofort tot auf dein Platze, während ein zweiter mit schweren Brandwunden in d.>S Garnifoufpitgl tranZjzvrtiert wudm mußte. Die übrige Mam,fchnft wurde nur dsriibergehend betäubt und!am mit dem bloßen Schrecken davon._ Krieg im ffrlcbctt. Ueber das schwere Unglück bei den Schießübungen auf dem Truppenplatz Lockstedter Lager gibt das Generalkommando des neunten Armeekorps folgende Darstellung: Beim gefechtsmäßigen Schießen des Feldartillerie-Regiments Nr. 9 traf ein Feldhaubitzen- geschah durch seitliche Abweichung beim Zielen den steinernen Beobachtungsturm 5, in welchem außer einer Anzahl von Mann- schatten zwei Offiziere(Oberleutnant König vom Feld- artillerie-Regiment Nr. 4S und Leutnant v. B o e h m vom Fcldartillerie-Regiment Nr. 9), der Sergeant Wulf, Unter- offizier Schnabel, die Kanoniere H e n s e l und Schilling vom Feldartillerieregiment Nr. 9 sowie Unteroffizier der Reserve Freudenreich vom Feldartillerieregiment Nr. 46 sich zur Be- obachtung der Ziele befanden. Das Geschoß schlug ein Loch in den Turm. Durch die in den Turm hineingeworfeneu Steinmassen wurde» die Kanoniere H e n s e I und Schilling getütet. Der Oberleutnant König erlitt mehrere Quetschwunden am Kopf und linken Oberarm. Leutnant v. B o e h m wurde an der Nase leicht verletzt. Sergeant Wulf erlitt neben mehreren Quetsch- wunden eine schwere Verletzung der linken Unterrippen- gegend dicht über der Lende. Der Unteroffizier Schnabel erhielt eine leichte Quetschwunde an der Unterlippe, der Unteroffizier der Reserve Freudenreich neben mehreren Quetschwunden eine Gehirnerschütterung und einen komplizierten Bruch des rechten Oberarmes. Sämtliche Verletzte außer dem nur leicht verletzten Leutnant v. Boehm befinden sich im Lazarett des Truppen- Übungsplatzes. Die drei schwer Verletzten sind noch nicht außerLebenSgefahr; die eingeleitete Untersuchung wird das nähere ergeben._ Explosion im Steinbruch. Durch vorzeitige Explosion einer Mine hat sich am Mittwochabend in einem Steinbruch in der Nähe von Mar- s e i l l e ein schweres Unglück zugetragen, dem sechs Menschenleben zum Opfer fielen. Eine 15 Mann starke Arbeiterkolonne war in dem Steinbruch damit be- schäftigt, eine Mine zu legen. Die Mine, die 30 Kilo- gramm Spreng st off enthielt, kam zur Explosion, ehe sich die Arbeiter in Sicherheit bringen konnten. Die umher- fliegenden Felsstücke erschlugen sechs Arbeiter, während die übrigen neun schwere Verletzungen erlitten. Bei einigen von ihnen fürchtet man, daß auch sie dem Tode ver- fallen sind. Zur Katastrophe auf Zeche Osterfeld. Nach den Mitteilungen der Verwaltung der Zeche Osterfeld hat die Untersuchung über die Ursache der Schlagwetter- explosion folgendes ergeben: Der zum Schießen be- rechtigte Ortsälteste war in der Schicht nicht zu- gegen. Von den anderen beiden Gesteinhauern war keiner zum Schiehen berechtigt. Es ist deshalb der Schießmeister aus einer anderen Abteilung zum Abtun der Schüsse in den betreffenden Aufbruch gerufen worden. Aus den Ausgabebüchern für Sprengstoffe ist zu ersehen, daß der Schießmeister noch gegen Ende der Schicht Dynamit für den Aufbruch genommen hat. Es waren fünf Bohrlöcher angesetzt, die zunächst durch das Ge- stein, dann durch das 40 Zentimeter mächtige Flöz nach Matthias II gingen und 60 Zentimeter weiter in das Hangende weitergetrieben waren. Die Schüsse sind vom Schießmeister mit Zeitzündern ab- getan worden. Als Sprengmaterial ist Dynamit, nicht Sicher- heitssprengstoff verwandt worden. Das Unglück kann nur durch Schuld des Schießmeisters oder der an der Schießstelle beschäftigten zwei Bergleute entstanden sein. Da das Kohlenflöz durchbohrt war, so durfte nach den bergpolizeilichen Vor- schriften nicht mit Dynamit geschossen werden. Entweder haben die Leute dem Schießmeister nicht mitgeteilt, daß das Kohlenflöz bereits durchbohrt war, oder der'Schießmeister hat trotzdem Dynamit verwandt. Kohlenstaub hat bei der Explosion nicht mit- gewirkt. Diese einseitige Darstellung der interessierten Verwaltung läßt sich erst dann nachprüfen, wenn die Vernehmung der schwer- verwundeten Bergleute erfolgt ist. Ob außer dem entweder— oder nicht doch noch eine dritte Möglichkeit besteht? Eisenbahnkatastrophe im Staate New Aork. Ein schweres Eisenbahnunglück meldet der Telegraph aus der nordamerikanischen Stadt Corning. Ein Schnellzug stieß auf einen auf der Station stehenden Personenzug der Lackawanna-Eisenbahn, der von New Jork nach Buffalo be- stimmt war. Die beiden hintersten Wagen des Personenzuges wurden umgeworfen. Die meisten Insassen wurden tot daraus hervorgezogen. Es sollen dreißig Personen getötet und fünfzig verletzt sein. Nach einer weiteren Meldung sind aus den Trümmern des ver- unglückten Zuges der Lackawannabahn 34 Leichen geborgen worden, von denen die meisten Leichen von Kindern sind. Zahlreiche Schwerverletzte sind noch unter den Trümmern begraben. Die Zahl der Toten wird sich wohl auf 40 erhöhen. Die feindlichen Brüder. Der Streit zwischen der Berliner und Kölner Richtung des Zentrums treibt ergötzliche Blüten. Aus den Liebenswürdigkeiten, die sich die Frommen in den ZentrumSblättern der verschiedenen Richtungen au den Kopf werfen, könnte ein Kaschemmenbruder sein Schimpfwörterlexikon reichhaltig ausstatten. Aber nicht nur mit Knotigkeiten wird die„gerechte Sache" verteidigt, man regaliert sich auch mit pretzgesetzlichen Berichtigungen, unter denen die des ver- antwortlichen Redakteurs des päpstlichen Organ?„Das katholische Deutschland" eine Musterleistung darstellt. Er sendet an seine Brüder in Christo, die die„Schlesische Volkszeitung" redigieren, folgende famose Berichtigung: „Unter Berufung auf Z 11 des Preßgesetzes vom 7. Mai 1874 ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung: „In Nr. 288 der„Schlesischen Volkszeitung" vom 27. Juni 1912 befindet sich folgende Stelle: „Der als verantwortlich zeichnende Redakteur des„Katholischen Deutschland" heißt Alois Lamme!; er ist 22 Jahre alt." Diese Behauptung ist insofern unrichtig, als ich nicht22, sondern 21 Jahre alt bin. Ergebenst Alvhs Lammel." O Lamme! l ist Kleine Notizen. Arbeitcrrifiko. Auf der Hütte Phönix bei Duisburg Donnerstagvormittag bei der Mauerung eines Gewölbes ein G e- r ii st e i n g e st ü r z t. Ein Arbeiter wurde unter den Trümmern begraben und war sofort tot; einer ist schwerverletzt. Drei Leichtverletzte konnten sich ohne Hilfe nach Hause begeben. Schreckenstat eines Vaters. Der Arbeiter Wagner in Mühl- heim a. Rh. zerrte nach einem Streite seine Tochter auf d a S Fenster und stürzte sie auf die Straße, wo sie mit lebensgefährlichen Verletzungen liegen blieb. Schwerer Automodilunfall in Rumänien. In der vergangenen Nacht ist in B u k a r e st ein Automobil mit einem Eisen» bahnzug zusammengestoßen. Drei Personen wurden schwer verletzt und drei getötet, unter ihnen der ftan- zöfische Publizist Pierre C h i l o t. Eingegangene DrncfcrcbHften. Bon der„Neuen Zeit» ist soeben. daS 40. Hest des 30. Jahrganges erschienen. Au« dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Deich bricht I Von Th. Roihstein(London).— ParteiSovstaNd, Kontrollkommission und Fraktionsvertretung. Von G. Ledebour.— Der improvisierte Bruch. Von K. Kautskh.(Schluß.)— Arbeitsnachweis und Gewcrkschastskamps. Von Julius Deutsch.— Technisch-wirtschastliche Rundschau. Von R. Woldt. — Literarische Rundschau: Gewerkschaft und Volkswirtschaft. Von Th. Brauer.— Zcitschristcnschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Todes-Anzeigen ZlüWMMtiMrMMei'eiii des S. Eeri. Reichstags-Wahlkreises. Am 2. Juli verstarb unser Genosse, der Töpser Otto kriesemeister (Bornemannstr. S). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen| Sonnabend, nachmittag» 4 Uhr, s uvn der Halle des neuen Pauls- Kirchhofes, Scestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/5 Der Yorstand.] Zentralverband der Töpfer| u. Berufsgenossen Deutschi,| Filiale GroB-Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis, daß amDicnSiag, den L.Juli 1912 der Kollege Otto Onesemeister (Bezirk Wedding) im Alter von 37 Jahren an der Lungenschwindsucht verstorben ist. 192/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Juli, nach- mittags 4 Uhr. aus dem neuen Kirchhof der St. Paulsgcmeinde in der Scestraße stait. Um rege Bcleiligung ersucht Der Porstand. ÄZisIdmglfi'stizeh.MIvUW kreis Meiler-toM. Bezirk Pankow. In der Nacht vom Dienstag zumlNittwoch verstarb nach langen schweren Leiden unser Genosse, der Metalldrehcr Nermonn 8ksla im Alter von 28 Jahren an der Proietaricrkrankheit. Wir werden unserem dahin- aelchiedenen Genossen ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Pankower Kirchhofes(Schönholzer Heide) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 241/9 Die Bezirksleitung. Verband der Fabrikarbeiterl Deutschlands. Am 30. Juni verstarb unser I Mitglied frieärick Kopps. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 5. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Sophien- Friedhofs, Freienwalder Straße, aus statt. 57/18 Die Ortsverwaltung. Zentral-lfereifl der Biiauer Deutsehlands. Verwaltung Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, i daß am 1. Juli unser altes Mit- I gtied, der Slcinbiidhauer Richard Michel im Alter von 47 Jahren ver- storben ist. Die Beerdigung findet Freitag, den 5. Juli, nachmittags 5'/, Uhr, auf dem Nazareth- Friedhos in Reinickendors.Wcst(Verliner Str., Eingang Kög-lstr.) vom Buchow- Krantcnhausc aus statt. Um rege BcteUigung ersucht 20/6 Der- Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Keller- arbeiter Max Goetze am 2. d. Mts. im Alter von 26 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 5. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Nazareth-Kirchhoses in Reinickendorf aus statt, �raekruk. Den Mitgtiedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bierjahrcr Emil Will am 28. Juni im Alter von 27 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken 65/4 Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz» iicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Bruders und Schwagers üinll Broasclt sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekann- ten, sowie den Parteigenossen, den Kollege» und Kolleginnen im Trans. Portarbeiter- Verband, der Freien Volksbühne, des Slrbeiter-Stenogra» phenvereins Arends, den Sängern und besonders Herrn Melle für die trostreichen Worte unseren herzlichsten Dank. 1A Witwe Panllne Brozclt nebst Kindern. Wer von st. enkcn!| irwaltung.| lueimiianM Am 2. Juli, nachmittags 3 Uhr, enlschiiej nach langem, schwerem Leiden unsere inuiggeliebte Tochter und Schwester im Alter von 20 Jahren. Dies zeigen ticfbclrübt an DorOroId Cillgoncnj» nebst Frau und Töchtern. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 5. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Neu- töllner Friedhofes/ Maricndorser Weg, aus statt. 10A Hiermit sage ich allen Freunden und Bekannten sowie dem Gesang- verein der Putzer, dem Wahlverem des zweiten KreiscS und der dritten Männerabteilung des Turnvereins „Fichte" für die Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen besten Tank. Wwe. Auguste Kühn 10A nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise inniger Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Tochter, Schtvester, Schwägerin, Tante und Braut Martka Lehmann sagen wir alle» Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 2354b vis trauernde Mutter, Geschwister und Briutigam. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise inniger Teilnahme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines geliebten unvergeßlichen Mannes, des Bohrers iJaal Presser, sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kollegen der N. A. G., dem Sozialdemokratischen Wahlvercin, dem Gesangverein Bogtschcr Sänger und insbesondere Herrn Melle für seine trostreichen Worte meinen herz- lichsten Dank. Witwe Aisrxsl'ete Presser geb. Seidel, 61A Wrangelftraße 76. Up.SimmoI Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzenslr. 41,«'Ä 1 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4| H.& P. Uder, IS»1!: Tabak-Großhandlung und Tabakfabrik. DeporlF.J.BurrusSt.Kreuzi.L Größte Firma in Feinschnitt-Tabaken des Kontinents Shag Tabake n. Zigaretten. rvv Amt Horltzplatz SO 14. mwwww««« 'Jeder Hrbeiter, jeder fjandwerkeif sollte zur Hrbcit die Lederhos» Herkules tragen. S Unerreichte 8 Leistungsfähigkeit. AHein-Verkanf. Sehr starkes Ledor in granon abrannen Streifen, auch einfarbig. 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Pfd. 1.30 Bauernmettwurst, 100 Berliner Mettwurst.Pfund 70 Pf �Weiche Mettwurst.. pfd.jl.05 *Tcewurst.......?. pfd.1.10 LandschinKen �i1 PÄ 125 Westräl.Knochenschinkenrril.SO Mausschinken Mr.3.ppffdi 1.25 Schinkenspeck IvAm0™. 1.15 Delikatcss-Sülze____ v°°° 50 pr. Fleisch-Salat...... dos® 50 pt. Schweinskopf 55 pr. Kakao und Schokolade Deutsch. Kakao 65, 85 pf.. 1.40 Block-Schokolade.. Pfand 80 pt. Haushalt-Schokolade 70, 95 pf. Vanille-Schokolade 1.20, 1.30 „Trumpf Ständiger Verkauf: feine Speise-Schokolade Pfund 1.50 Obst und"Gemüse Pflaumen.... Pfand 15, 18 pf. Essbirnen........ Pfand 15 Pf. Kirschen..... Pfand 12, 18» Saure Kirschen____»und 18». Zitronen.... Dutzend 25, 35 Pf Grüne Bohnen....»and 10 Tomaten........ Pfand 17 p». �Räucherwaren Stralsunder Bücklinge, st. 20 p. Gerauch. Schellfische stok. 10 p. Kieler Flundern Pfand 50, 70 pi. Ahibecker Flundern s stuck 20 p.. Aale Pfd. 1.05, 1.60, Bund 38 Pf. NeuesaureGurkenst.8,10,15». Neue Matjesheringe a stuck 25 pr. Sardellen.... Pfand 75, 90 Pf. Lachsstör____ Pfand 58. 65». WcisskohkopfS, Wirsingkohl 7 pt. Mohrrüben.......« Bund 10». Salat-Gurken...stuckS, 15 pf. Wachsbohnen..... Pfand 16 pt. Blumenkohl... kop 20, 25». Kopfsalat....... s Kspte 10 pf Kohlrabi....... 2 Uaadel 10 Pf. *Wild u.*Geflägel Junge Gänse ptd. 65, 75. 85». Gänse-Rümpfe..... stuck 4.25 Junge Enten stuck 1.90 bis 3.50 Suppenhühner st 1.50 ms 2.50 Junge Hühner stcu. 55 pf. ms 1.50 Grosse Brathühner.. stuck 1.95 Wild scK wein Keule 9.� Bücke,, gg JQ � Rehwild * Fleisch Roastbeef 1.10, 1.50 Brust u. Fehlrippe Pfd. 85pf. Kamm u. Querrippe Pfd. 7 5 pf. Kalbskeule rSÄ 1.00 Kalbsbrust 75, Spitze 9 Opl Kalbskamm Bug 7 O.feüt? 5 pr. Hammelkeule i.ugaRnüz'kpeM. 90 pf. Dicke Rippe85,Dunnung75pf. Riickenfett und Uesen 65 pf Schweinebauch p�nd 70 pf. Schweinekamm u Scpfd! 90 pf. Schulterblatt s-�/pfd. 75pf. Pökelzunge Pfund 1.25 Fische Schellfische Pfund 8,10 pf. Seelachs fSlk& fu. 6«. Pfund 9 pf. Pfund 9 Pf. Bratschollen Rotzungen Kabeljau ganzeeRFfsfchn Pfd. 9 Pf. Limandeszungen p�nd 14pt. Steinbutten... Pfund 42 pf. Lebende Schleie Pfund 78pf. Lebende Karpfen Pfd. 77 pf Leb. Aale 65, 95p(. 1.10,1.35 Fruchtsäfte"lUK* Himbeersaft..>/,» 95 pf., 1.30 Kirschsaft n. 95», 1.30 Johannisbeersaft...«/, fl 95 pf. Erdbeersaft.... v, fl 1.25 Ananassaft........ v, n 1.30 Zitronensaft m- 95», 1.30 Zitronenmost mit zueter, v.». 1.15 Speisen-Fabrikate-«»>,, Pudding- u. Gries-Puddingpulver Kunst-Geleepulver mit verschiedenem Geschmack 9�. D, mit versoh. Geschmac Saucen 5 Pakete 24 Pt Rote Grütze-Pulver-n mit versoh. Geschmack, 5 Pak. Bf. Creme-Pulver SiVÄ pGaet 25». Eispulver giLÄie.d2enpea?cte 28». Geschmack. 2 Pakete PlllVCr � yaniUe- 35 k. Geschmack. 5 kleine'/, Ko. OA Pakete Paket Bf. Feinste Bourbon• Vanille Glas. 3 Stangen 40, 75», 1.15 Ständiger Verkauf: Pudding-PaWer""'A" 25*. Bowlen-Wein Borsdorfcr Apfelwein>/. fi. 34». 1910 Westhofener..>/. n 68». 1910 Obcrmoscler.>/. n 75». 1910 Wellensteiner. v. n 85 pf. 1909 Saint Mathicu r\ n. 66 pt 1 909 Saint Juan rot. v, fl 82 pt Braunschw. Scbiffsmumme Dose 1.15, doU 2.20 Butter und Käse Kochbuttcr.......»und 1.18 Tischbutter.......»und 1.24 Tafelbutter p�nd 1. Camembertkäse... stück 23». Briekäsepfd.65, Holländer 95». Limburger Käse...»und 55». Romatour-Käsc____ stock 32». Faust- u. Spitzkäse z stock 25». Bratenschmalz....»und 65». Marmelade iÄe&rbf�d. 33 28,.. i/j Pfund-Stück 64 Pf. Kuh- und Landkäse 2 stok. 35». Schweizer pfd. 92, Tilsiter 72» Stcinbuschcr Käse..»und 92 pt. Emmenthaier Käse..»d. 1.15 Speise- Yuark..... stock 10 pt. Ständiger Verkauf: Stadt-Küche Leipziger Strasse König- Strasse Arrangements Von Dejeuners, Diners, Soupers,"Büffets, Banketts für Berlin and Auswärts. 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Juli, vormittags 9'/, Uhr: Generalversammlung im Lokal Steinicke, Alt-Stralau 5. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Diskussion. 3. Neu wählen. 4. Vereinsangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Schcnkcndorf bei Königs-Wusterhausen. Sonnabend, den 6. Juli, abends 8 Uhr, bei Otto Pätsch: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktiönäre. 2. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. berliner Nachrichten. Tie soziale Lage der Stallschwrizer sMelker). Ucber die soziale Lage und die besonderen Arbeits- bedingungen der Stallschweizer ist bisher so gut wie nichts in die Ocffentlichk eit gedrungen. In dieser Hinsicht ist es bei dieser Kategorie von Arbeitern noch so— oder noch schlechter — bestellt, wie vor etwa 20 Jahren bei den Bäckern, bis dann Bebel mit seinen Erhebungen das ganze Elend dieser Arbeiter aufdeckte und damit den Stein ins Rollen brachte. Die Stallschweizer sind vorwiegend ländliche Arbeiter, sind aber auch in großer Anzahl in den Groß- ftädten vorhanden. Die EntWickelung des landwirtschaft- lichcn Großbetriebes mit seiner großen Viehzucht einerseits, und das schnelle Wachsen der Großstädte andererseits, in denen die Nachfrage nach Milch von Kühen, die unter„tierärztlicher Kontrolle" stehen, beständig steigt, haben diesen Beruf hervor- gebracht. Anfänglich rekrutierten sich die Schweizer besonders aus Süddeutschland(Bayern) und Sachsen, heute kommen sie aber aus allen Teilen des Reiches. Daß diese Leute unter den denkbar schlechtesten Bedingungen leben, oft noch schlechter als der schlechtestgestellte Landarbeiter, ist bei der Art dieses Berufes nicht weiter verwunderlich. Ist der Landarbeiter schon sehr schwer über seine schlechte Lage aufzuklären und der Organi- sation zuzuführen, so ist es bei dem Schweizer— auch dem städtischen— noch schwerer. Erstens mag das Herkommen dieser Leute aus den rückständigsten ländlichen Gegenden als Er- klärungsgrund dafür gelten, dann aber auch ihr völliges Ab- geschlossensein von jeder Oeffentlichkcit. Aus diesem Grunde ist es nur zu begrüßen und kann dem Verbände der Land- und Waldarbeiter nicht hoch genug angerechnet werden, daß er zum erstenmal über die Lage dieses Berufes in Groß-Berlin Erhebungen angestellt hat.„12 Schweizer-(Melrer)Wohnungcn in Groß-Berlin. Ein Beitrag zum Kampf gegen das Kost- und LogiSwesen" betitelt sich die 20 Seiten starke Broschüre, die gleichzeitig mit dem Jahresbericht des genannten Ver- bandes erscheint. Die schriftlichen Darlegungen werden durch zwölf Photographien. welche die„Wohnungen" dieser Schweizer zeigen, wirksam unterstützt. Nur trifft es zu, was auch in dem Bericht gesagt wird, daß auf der Photographie solche Löcher, Wohnungen genannt, sich noch besser ausnehmen, als in natura. Welch grausames, düsteres Elend spricht aus diesen, fast im Telegrammstil gehaltenen Darlegungen l Das Vieh verfügt in diesen zwölf Molkereien zweifellos über bessere Räumlichkeiten, als die das Vieh wartenden Menschen. Die Kühe darf man nicht ständig in Räume sperren, die weder Licht- noch Luftzufuhr haben; sie würden über kurz oder lang zugrunde gehen. Aber die Menschen dürfen in solchen licht- und luftleeren, dumpfigen, verpesteten Löchern Hausen; sie kosten ja kein Geld. Die zwölf „Wohnungen" liegen teilweise im Keller, teilweise zu flacher Erde, in mehreren Fällen liegt die„Wohnung" auf dem Heuboden. Wirkliche Fenster befinden sich nur in den wenigste» dieser„Wohnungen". Der Fußboden besteht meist aus Lehm oder Zement, des öfteren zur Hälfte aus Zement und zur anderen Hälfte aus Brettern. Keines der„Zimmer" ist heizbar. Das„Bett" besteht meistens aus Strohsack, Unterbett, Kopflissen und Deckbett. Aus einer Molkerei in Lichtenberg wird aber gemeldet, daß das„Bett" sehr einem Haufen Lumpen ähnlich ist. Die Bettwäsche wird alle 6—12 Wochen gewechselt, was bei dem unsauberen Körpcrzustande der Schweizer und bei dem völligen Mangel einer Bade- oder Waschgelegenheit nur als eine Schweinerei bezeichnet werden kann. DaS Handtuch wird jede Woche erneuert. Oft dienen diese„Wohnungen" noch als Ausbewahrungsort für allerhand Futtermittel, wie Kartoffeln, Rüben usw. Die ohnehin schon stickige Luft wird hierdurch geradezu unerträglich. Die Arbeitszeit dieser armen Sklaven beträgt 76—90 Stunden pro Woche. An Lohn empfangen sie neben freier Kost, die oft noch sehr ungenügend ist, 40—36 M. monatlich. Mutet es da nicht wie ein Hohn an, wenn fünf von diesen zwölf Molkereibesitzern das berühmte Schild in der Haustüre haben:„Kühe unter tierärztlicher Kontrolle, M-.lchuntersuchnng im städtischen Nahrungsmittel- amt." Die Kühe stehen unter tierärztlicher Kontrolle, während die dienstbaren Geister des Kuhstalles im eigenen Schmutz er- sticken, in Löchern, Wohnungen genannt, kampieren, in denen sie den gefährlichsten Krankheiten ausgesetzt sind. Und diese im Schmutz erstarrten Leute drücken"den Kühen die Milch aus denr Euter I Ist das hygienisch? Pfui Teufel l Und da regt sich kein behördliches Organ, keine Gesundhcitspolizei. Nicht einmal die Berliner Bevölkerung ahnt, unter welchen unhygienischen Bedingungen die Milch gewonnen wird, die als reine Kindermilch angepriesen wird. Bis dann so eine vaterlandslose Arbeiterorganisation kommt und solche, alle Schichten der Bevölkerung schädigenden, miserablen Zustände aufdeckt. Hier kann nur, ebenso wie bei der Bäckerbewegung, Abhilfe geschaffen werden, indem die konsumierende Bevölkerung und die zuständige Arbeiterorganisation einen erbitterten Kampf gegen derartige, allem Fortschritt Hohn sprechende Zu- stände inszenieren, im Interesse der 600—700 Stallschweizer, die unter diesen Umständen ihr Leben fristen, und im Interesse der Volksgesundheit. Ferienarbeite«. Die großen Ferien stehen vor der Tür und werden von unsern Kindern mit Sehnsucht erwartet. Frei von jedem Schulzwang sollen sie fünf Wochen der Erholung und dem Kräftesammeln widmen. Vielen winkt eine Reife zu Ver wandten aufs Land oder eine Wanderung durch die Berge oder ein Aufenthalt an der See. Nach Schluß des Unterrichts am letzten Schultage werden die Bücher beiseite gepackt, um dort zu ruhen, bis die Vorbereitungen für den ersten Schultag auch sie wieder aus der ihnen so gern gegönnten Ruhe auf- scheuchen, wenn nicht ein gestrenger Lehrer seinen Schülern eine unwillkommene Zugabe in Form von Fericnaufgaben gemacht hat. Es kann nicht geleugnet werden, daß viel in den fünf Wochen der Ferien vergessen wird und daß eine Auffrischung der Wissensstoffe auch in den Ferien manchmal ganz an- gebracht wäre. Aber meistens verfehlen Ferienaufgaben ganz ihren Zweck. Sie drücken auf die Ferienfreude und werden von Tag zu Tag hinausgeschoben, bis sie schließlich am letzten Tage wie ein schreckliches Gespenst sich einstellen, das nicht eher weicht, als bis mit aller Energie und Eile die lästigen Arbeiten erledigt sind. Unter solchen Umständen sind sie ganz zwecklos, ja sogar schädlich, da sie dem ersten Schul- tage einen düsteren Stempel aufdrücken. Auf eine ökonomische Verteilung umfangreicher Schularbeiten während der Ferien braucht die Schule bei den Kindern nicht zu rechnen, denn Kinder handeln noch nicht ökonomisch. Sie lassen sich das Unangenehme bis zuletzt, was sogar bei Erwachsenen vor- komnien soll. Darum fort mit den Ferienaufgaben. Viele Lehrer haben aus dem angeführten Grunde mit dem Brauch der Ferienaufgaben schon gebrochen. Am Sonnabend, den K. Juli, fällt die Juristische Sprechstunde aus. Ferien-Sonderzüge kündigt die Eisenbahndirektion gegenwärtig für das reisende Publikum an. An den Plakatsäulen und auf den Bahnhöfen findet man die Bekanntmachungen mit den näheren An- gaben, den Abfahrtszeiten usw., angeschlagen. Nur die wichtigste Angabe, die Hauptsache für jeden, der einen Ertrazug benutzen will, fehlt, nämlich d e r P re i s für die Fahrt. Um den Preis zu er- fahren, mutz man erst nach einer besonderen Auskunftsstelle gehen Die grotze Masse der Reisenden, die einen Extrazug nach der Sächsi- schen Schweiz, dem Harz, dem Riesengebirgc oder noch der See be- nutzen, tun es der Billigkeit wegen, denn ein Vergnügen ist die Fahrt im Extrazuge gewöhnlich nicht. Der Preis für die Fahrt spielt für die grotze Mehrzahl die allererste Rolle. Die AbfahrtS- zeiten, die Vorschriften für Gepäck usw. werden viel später erwogen> Zuerst heitzt es: Wie weit reichen meine Mittel, was kostet die Fahrt nach hierhin, nach dorthin? Und da ärgert sich jedermann, der auf den Bekanntmachungen über Ferien-Sonderzüge diese wichtigste Frage nicht beantwortet findet. Die reichen Leute fahren lieber nicht mit dem Extrazuge, weil damit mancherlei Unbequemlichkeiten verbunden sind, und weil sie es nicht nötig haben, ängstlich auf den Preis zu sehen. Der kleine Mann aber, der über die Mittel ver- fügt und sich eine Ferienreise mit dem Extrazuge gönnen kann, stellt vor allen Dingen eine Kostenrechnung auf. Dasff-Kte auch die Eisenbahndirektion wissen und bei allen Bekanntmachungen über Ferien-Sonderzüge auch gründlichen Bescheid über die Preise der Fahrten geben, anstatt mitzuteilen, wo man sich Auskunft darüber holen kann, wie es heute geschieht. Warum so unpraktisch?— Der erste Ansturm der Ferienreisenden hat gestern begonnen. Obwohl die Schulen ihre Pforten noch nicht geschlossen hatten, sah man doch schon viele Elternpaare, die zusammen mit ihren Sprötz lingen der Reichshauptstadt den Rücken kehrten und vom Stettiner, Görlitzer und Anhalter Bahnhof aus die See oder das Gebirge auf- suchten. Schon um 7 Uhr morgens machte sich ein starker Andrang, namentlich auf dem Stcttiner Bahnhof bemerkbar, wo bereits einige Vor- und Sonderzüge nach den grossen Ostsecbädern abgelassen wurden. In langer Reihe fuhren Auto- und Pferdedroschken, Wagen der Berliner Paketfahrt und der Bz. Bg. vor dem riesigen Bahnhofsgebäude im Norden der Stadt vor und in dem weiten Vorraum, sowie auf dem Perron herrschte ein Gedränge, dah die wesentlich verstärkten Posten an den Billettschaltern kaum allen An- forderungen nachzukommen vermochten. Da natürlich die einzelnen Züge auch nicht im entferntesten die ungeheuren Gepäckmengen zu befördern vermocht hätten, hatte die Eisenbahnverwaltung eigene Gcpäckzüge eingelegt, die die zahllosen Koffer und Gepäckstücke der Reisenden an Ort und Stelle beförderten. Nicht ganz so gewaltig war der Verkehr auf dem Görlitzer Bahnhof, wo erfahrungsgemäß erst am 1. und 2. Ferientag der Hauptverkehr einsetzt, doch wurden auch hier bereits Sonderzüge abgelassen, da die fahrplanmäßigen v- und Personenzüge dem Andrang des Publikums unmöglich ge- recht geworden wären. Ter Anhalter Bahnhof, auch dem bereits seit mehreren Tagen lebhafter Verkehr herrscht, war auch gestern morgen das Ziel vieler und die schmale Zufahrtsstraße vom Askani- schen Platz und der Königgrätzer Straße vermochte kaum den rie- sigen Wagenpark zu fassen, der in langem Zuge heranrollte. Wie die Bahnhofsbcamten, die zu Beginn der Jerienzeit überbürdet sind und die sich vor Fragen seitens der Reifenden kaum zu retten wissen, behaupton, hat der Reiseverkehr diesmal gegen die Vorjahre einen erheblichen Aufschwung genommen und das Bahnhofspersonal ficht den nächsten Tagen mit gemischten Gefühlen entgegen, die eine noch ganz erhebliche Steigerung �>cs Reiseverkehrs bringen dürften. DaS Augusta-Hospital soll erweitert werden durch Neubauten in der Scharnhorststratze. Ter Vorstand des Augusta-HospitalS hat beschlossen, die seit über 42 Jahren schon bestehenden großen hölzernen Baracken durch den Neubau eines massiven KrankengebäudeS zu ersehen. Den Neubauten muß das bisherige LcichenhauS und die Begräbniskapelle weichen. Sie sind durch einen stattlichen Bau er- fetzt, der den erweiterten Bedürfnissen Rechnung trägt, denn auch das gegenüberliegende JnvalidenhauS macht bei Bestattungen viel- fach Gebrauch von, dieser Kapelle des Augusta-HospitalS. Diese Baulichkeiten werden jetzt abgebrochen und dann soll mit den Neu- bauten begonnen werden. Im Erdgeschoß soll die„innere Klinik" für Männer und im ersten Geschoß, außer der„äußeren Klinik", die Operationssäle, Röntgenräume usw. eingerichtet werden. Für Ver- waltungSzwecke und Aerztewobnungen sind weitere Räume be- stimmt, die im Spätsommer 1913 fertig sein sollen. Vom Waisenhaus Berlin erzählt eine dem Berliner Koinmunalfreisinn dienende ZeitungS- korrespondenz, daß cö schon wieder vergrößert werden soll. Die Notiz, die in galligem Ton sich über die Zunahme der Waisenhausfrequenz äußert, ist unter anderem von der „Deutschen Tageszeitung" veröffentlicht worden. Wir lesen da, daß die Frequenz von Jahr zu Jahr wächst und„schon auf rund 4000 Kinder gestiegen" ist. Die Angabe bezieht sich wohl auf das Verwaltirngsjahr 1910/11, das in der Zeitungsnotiz an einer anderen Stelle genannt wird. Von wo der Verfasser sich die„Frequenz" 4000 hergeholt hat, ist nicht recht klar. Was müssen die staunenden Leser des Agrarierblattes, die Berlin nicht kennen, sich dabei denken I Vielleicht werden sie gar auf den tollen Gedanken kommen, daß in unserem Waisenhaus 4000 Kinder gleichzeitig verpflegt werden. Nein, so groß ist die Anstalt wirklich nicht. Der Etat für das jetzt laufende Jahr 1911/12 nahm beim Waisenhaus Berlin im täglichen Durchschnitt eine Belegung mit nur 270 Kindern an, und uns etwa 273 hatte auch im vorhergehenden Jahr 1910/11 der tägliche Durchschnitt sich gestellt. Da aber dieses Waisenhaus für viele Kinder lediglich Durchgangsstation ist, in der sie nur kurze Zeit verweilen, so können selbst bei der täglichen Be- legungsziffer von 270 im Laufe eines Jahres Tausende auf- genommen und entlassen werden. Mit„rund 4000" ist anscheinend die Zahl der Kinder ge- meint, die im Jähre 1910/11 in Waiseivpflcge kamen; genauer waren es 4326. Jene Zeitungsnotiz habt hervor,„und etwa 3300" davon seien in Berlin geboren; genauer tvaren das 3215. Sie knüpft daran die folgerrdc Behauptung, die manchen nicht wenig überraschen lvird:„Aber auch d i e Mehrzahl dieser 3300 sind von Rechts wegen keine ge- borenen Berliner. Sie sind vielmehr von auswärtigen Müttern hier in Entbindungsheimen, dem Obdach, der Eharitö usw. geboren und dann verlassen worden." Also nicht die sündigen Berlinerinnen, sondern die Auswärtigen sind es, die ihre hier geborenen, vermutlich unehelichen Kinder einfach verlassen? Und solche von auswärtigen Müttern" verlassene Kinder, die dann der Waisenpflege anHeim fallen, sollen unter den Auf- genommenen eines einzigen Jahres in so großer Zahl gewesen sein, daß sie die„Mehrzahl" von 3800 waren? WaS werden die in den kleinen Städten und aus dem Lande wohnenden Leser und Leserinnen des Agrarieüblattes sagen, wenn sie hören, daß die Früchte der vielbeklagten Sittenlosigkeit unserer Reichshauptstadt zu einem so großen Teil gar nicht auf dem Berliner Sunipfbodon gewachsen, sondern aus den unverdorbenen Gefilden provinzialer Tugend importiert sein sollen! Die Tatsache steht aller- dings fest, daß eine nicht geringe Anzahl der unehelichen Ge- burten Berlins nicht den Berlinerinnen, sondern der Provinz- Unschuld zu danken ist. die in der Großstadt unbemerkt sich ihres„Mutterglückes" zu entledigen sucht. Aber der Verfasser jener Notiz hat in seiner Klage über die den Berliner Stadt- säckel belastende Zunahme der Waisenkinder sich im Eifer deS Schimpfens eine faustdicke Uebertreibung geleistet, auf die in ihrer Tolpatschigkeit die„Deutsche Tageszeitung" hinein- gefallen ist, weil ihre blinde Wut über die unaufhaltsame Abwanderung der Landbewohner nach den Großstädten sich wieder einmal Luft machen wollte. Aus dem Verwaltungsbericht der Waisenverwaltung teilt die Notiz auch Zahlen über die Gründe mit, aus denen die Kinder in Waisenpflege kamen. Der Bericht sagt z. B., daß im Jahre 1911/12 von überhaupt 4326 m Waisenpflege ge» kommenen Kindern 1291„wegen Armut der Eltern" aufgenommen wurden. Die Notiz gibt das so wieder:„1291 wurden aufgenommen wegen Armut der Eltern, die die Kind e r h n n g e r n l i e ß e n". Dieser aus Eigenem hinzu- gefügte Satz von den„Eltern, die die Kinder hungern ließen". war etwas für die„Deutsche Tageszeitung". Es verstand sich von selber, daß sie ihn begierig aufgriff und unverkürzt ab- druckte. Edle Seelen finden sich l Verbesserungen im Straßenbahnverkehr. Der bisher in der Leibnizstraße endigende Teil der Linie 83 wird über die Kant- und Wilmersdorfcr Straße bis zum Stuttgarter Platz mit der Endstation in der Kaiser-Friedrich-Straße verlängert, um später dem Zuge der letzteren weiter z» folgen. Zur Unterscheidung von den nach Witz- leben fahrenden Wagen der Linie 33 wird der in der Kaiser» Friedrich-Stratze endigende Teil die Liniennummer 133 führen.-» Die Linie Z wird vorläufig ihren Endpunkt an der neuen Abfahr» stelle in der Kaiser-Friedrich-Straße, Ecke Stuttgarter Platz, erhalten. Sobald die Linie U im Zuge des Kaiserdamms bis zum Reichs- kauzlerplatz verlängert wird, wird auch die Linie Z eine Verlängerung durch die Holtzendorffstraße, Joachim-Friedrich-Stratze und den Kurfürstendamm bis zum Ringbahnhof Halensee erhalten. Verzweiflungstat einer Mutter. Eine furchtbare Tragödie hat sich am gestrigen Morgen in dem Hause Mariendorfcr Straße 1/2 in Steglitz abgespielt. Dort ertränkte die 32jährige Portiersfrau Marie Friedrich ihre fünf Kinder in der Badewanne und versuchte sich dann selbst das Leben zu nehmen, wurde jedoch von hinzukommenden Hausbewohnern noch im letzten Augenblick gerettet. Ueber die Ursachen der furchtbaren Tat, die von der unglücklichen Mutter offenbar in einem Anfall von Geistes, störung verübt wurde, erfahren wir folgende nähere Einzelheiten: Vor etwa vier Monaten war von dem Hausbesitzer, Maurer» meister Beck, der Schuhmacher Friedrich als Portier deS erst vor einem Jahr erbauten Hauses Mariendorfer Straße 1/2 engagiert worden. F., der im 36. Lebensjahre steht, vernachlässigte seinen Dienst vom ersten Tage an und überließ, da er ständig trank. seiner Frau die gesamten Arbeiten. Diese war jedoch schon mit ihrer Wirtschaft und ihrer Sorge um sieben im Alter von einem halben Jahr bis zu sieben Jahr stehenden Kindern derartig über» lastet, daß sie kaum allen an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden vermochte. Hierzu kam, daß Frau F. seit mehrerent Jahren an einem Vrustleiden erkrankt war, das sie zeitweilig völlig arbeitsunfähig machte. Ihr Mann trug zum LebenSunter» halt der Familie sehr wenig bei, da er nur gelegentlich arbeitete und seiner Frau die ganze Sorge überließ. Er mißhandelte die Frau auch häufig, wenn sie ihm nicht genügend Geld von ihrem kargen Verdienst ablieferte und so waren eheliche Szenen zwischen dem Paare an der Tagesordnung. Die Frau verstand eS trotz alledem, ihren Kummer vor der Welt zu verbergen, doch nahmen die Roheiten ihres ManneS in letzter Zeit einen so bedrohlichen Charakter an, daß Frau F. einer in dem Hause wohnenden jungen Frau sich offenbarte und dieser mitteilte, daß sie ihren MKnn verlassen werde, wenn dieser sich nicht bald ändere. Am DienStag» abend war es zwischen den Friedrichschen Eheleute» wiederum einem heftigen Streit des Geldes wegen gekommen und der Schuh- macher mißhandelte seine Frau derartig, daß die Hilferufe der Unglücklichen durch das ganze Haus schallten. Friedrich drohte seiner Frau, daß es ihr noch viel schlimmer ergehen werde, wenn sie ihni nicht das Geld, das sie von dem Hauswirt am 1. des Mo» natS erhalten hatte, ausliefern werde. Daraufhin reifte der Eni« schluß in Frau F., zusammen mit ihren Kindern aus dem Leben zu scheiden. Am Mittwochabend teilte sie einem im Hause wohnen- den Dienstmädchen mit, daß sie mit ihren Kindern während der Nacht eine in der vierten Etage des Hinterhauses leerstehende Wohnung beziehen werde, um sich vor ihrem Mann zu retten. Sie bat auch das Mädchen, ihr mitzuteilen, wenn der Schuhmacher seine im Keller des Hauses gelegene Wohnung verlassen habe, damit sie dort das Mittagessen für sich und die Kleinen zubereiten könne. Als das Dienstmädchen dann am gestrigen Vormittag um 8� Uhr die von der Portiersfrau während der Nacht innegehabte Wohnung betrat, entdeckte sie niemand, doch drang ihr aus dem daneben gelegenen Badezimmer ein dumpfes Stöhnen entgegen. Auf dem Fußboden lagen nebeneinander die fünf Kinder ohne jede Bcwe- gung, doch konnte man an der Art der Stellung und den völlig durchnäßten Kleidern erkennen, daß sie nicht schliefen, sondern daß sie offenbar ertränkt worden waren. Die Frau selbst lag m' der Badewanne und gab nur noch schwache �Lebenszeichen von sich. Das Dienstmädchen benachrichtigte sofort mehrere Hausbewohner, die ihrerseits zwei Aerzte hinzuriefen. Auch das nächste Polizeirevier wurde umgehend verständigt. Die Untersuchung der Aerzte ergab, daß die fünf Kinder sämtlich den Tod durch Ersticken gefunden hatten. Die Mutter hat die Kleinen also offenbar sämtlich ertränkt. Frau F. wurhe sofort in das Krankenhaus Lichtcrfclde geschafft, wo sie nach ihrer Rückkehr ins Bewußtsein in Erkenntnis ihrer furchtbaren Tat in so schwere Krämpfe verfiel, daß bei dem völlig zerrütteten'Nervensystem der Frau an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Die Leichen wurden polizeilich beschlagnahmt. Aus Wuhlgarte», der Anstalt für Epileptische, wird berichtet: „In der Nacht vom 25. zum 26. Juni brach unter den Kranken— männlichen wie auch weiblichen— eine choleraartige Erkran- kung aus. Alle wurden von einem derartigen Durchfall befallen, daß die vorhandenen Klosetteinrichtungen und Nachtstühle bei weitem nicht ausreichten. In ihrer Angst machten die Kranken den Kot in die Ecken nnd. die bettlägerigen Blöden in die Betten und wälzten sich vor Schmerzen in ihrem Kot. Unter diesen Umständen waren in kurzer Zeit alle Abteilungen in einem Zustand, der jeder Beschreibung spottet. Das Pflegepersonal wurde zu der äußersten Anstrengung herangezogen. Die Arbeiten des Personals wurden noch dadurch außerordentlich erschwert, daß in vielen Abteilungen weder Lysollösung noch sonst ei» Desinfeklions- mittel vorhanden war, so daß für das W a r t e p e r s o n a l die große G.e fahr der A n st e ck u n g bestand. Die Ursache dieser Krankheitserscheinung wird in dem zum Mittagessen gereichten Dörr- gemüse(Mohrrüben) zu suchen sein. Die Kranken beklagten sich bereits während des Essens über den eigenartig sauren Geschmack und bereits wenige Zeit später über Leibschmerzen. Hier ist nun eins merk- würdig:„Es wird behauptet, daß das Effen vor der Ausgabe durch die Oberköchin, vom Oekonomieinspektor oder auch Direktor revidiert und gekostet wird." Trotz alledem ist am fraglicheu Tage nichts Anstößiges gefunden werden. Sollte es nun zutreffen, wie Frau Fama behauptet, daß für die Kostproben besonderes Effen gckochl wird?I Vom Pflegepersonal wird bereits seit längerer Zeit die Bildung einer M e n a g e k o m m i s s i o n gefordert. Das Bedürfnis nach einer solchen Kommission muß geradezu als dringend bezeichnel werden, da ähnliche Vorkoimnnisse, wie geschildert, wen» auch tu milderer Form, hier zur Tagesordnung gehören sollen. Auf einem Schulausflug ertrunken. Mittwoch nachmittag er- tränk der zwölfjährige Schüler Bruno Neubauer aus Berlin, Grau- denzer Straße S, beim Baden im Kalksee. Der Knabe befand sich mit seiner Schule und in der Begleitung seines Lehrers auf einem Ausflüge nach Kalkberge, und auf der Rückkehr badete er gemeinsam mit anderen Schüler» und ertrank, ehe ihm Hilfe geleistet werden konnte. Die Leiche eines Erhängten wurde gestern morgen in der Stadt- forst am Müggelsee, etwa 266 Meter vom Restaurant Rübezahl ent- fernt, von einer Kiefer abgeschnitten. Nach den vorgefundenen Pa- Pieren handelt es sich um einen Darmhändler aus Stettin, der durch geschäftliche Schwierigkeit zum Selbstmord getrieben wurde. Er hatte einen Brief an seine Frau und einen Zettel an seinen Haus- Wirt bei sich. Zwischen den Puffern zermalmt. Ein bedauerlicher Unglücks- fall hat sich gestern nachmittag auf dem Bahnhof Blankenburg bei Bernau ereignet. Auf dem Güterbahnhof waren die Kutscher einer Blankenburger Holzhaudlung damit beschäftigt, von einem Waggon Holz abzuladen. Dabei lösten sie versehentlich die Bremse des Güterwagens und der schwere Waggon rollte über das nach Bernau zu belegene Gefälle hinab. Nach etwa 166 Meter Fahrt prallte der Güterwagen auf einen anderen, der auf dem toten Gleis stand. Bei dem Zusammenstoß der beiden Wagen wurde der 13jährige Schüler Ernst Schade aus Berlin, der sich bei seinen Verwandten in Blanken- bürg aufhielt und auf den Gleisen vor dem zweiten Waggon spielte, dön den Puffern erfaßt und erlitt so furchtbare Verletzungen, daß er schon nach wenigen Augenblicken verstarb. Schwerer Unglücksfall auf der Museumsinsel. Bei den Mu- feumsbauten ans dem Jnselgelände hat sich ein verhängnisvoller ilnglücksfall zugetragen. Der Bauarbeiter Friedrich Wetzel, Weber- straße s6 wohnhaft, hatte über einem etwa 14 Meter tiefen Schacht gearbeitet. Als er in den Schacht hinuntersah, muß er wohl einen £ liumachtsanfafl erlitten haben, denn plötzlich kippte er um und fiel nach vorn i» de» Abgrund. Unten schlug der Berunglückte noch auf einen eisernen Träger auf. W. erlitt schwere innere Verletzungen sowie Beinbrüche, so daß er in recht bedenklichem Zustande nach der Charite gebracht werden mußte. Von einem Automobil überfahren und schwer verletzt wurde der achtjährige Schüler Fritz Ulrich, Neue Hochstraße 26, bei den Eltern wohnhaft. U. hatte mit anderen Knaben aus der Straße ge- spielt. Als er über den Fahrdamm rannte, beachtete er nicht das Herannahen eines Droschkenautomobils. Das Vorderrad des Kraft- Wagens riß den Knaben zur Erde und nun ging das Hinterrad des schweren Gefährts über Brust und Beine des Verunglückten fort. In besinnungslosem Zustand iourde U. nach dem Virchow-Kranken- haus gebracht, wo schwere Quetschungen und Brüche festgestellt wurden. Es ist leider wenig Hoffnung vorhanden, den Knaben am Leben zu erhalten. Spurlos verschwunden ist seit 1. Juli morgens 7'/z Uhr der elfjährige HanS Dietrich, Lietzenburgerstr. 7 bei den Ellern wohnhaft. Bei seinem Fortgang trug er einen weißen Strohhut mit blauem Band, weiß-blau geftmste Matrosenbluse, blaue Waschhosen, braune Wadenstrümpfe, Sandalen und einen grünen Lodenmantel. Der Knabe ist mittelgroß, hat blonde Haare, blaue Augen und als besonderes Erkennungszeichen auf jeder Backe einen erbscngloßeii braunen Leberfleck. Wer irgend welche Nachricht über seinen Aufenthalt geben kann, wird gebeten, diese nach Lietzenburgerstr. 7 oder ein Polizeirevier gelangen zu lassen.,_ Tovon-}Sad) nebten. Lichtenberg. Johann Jeppsso», ein alter Parteiveteran, wurde am Mittwoch auf dem Friedhofe in Marzahn im Alter von 65 Jahren zu Grabe getragen. Ein großer Teil Parteigenossen erwies ihm die letzte Ehre und Genosse Schütte gedachte in eindrucksvollen, zu Herzen gehenden Worten des Toten. Genosse Jeppsson, von Beruf Klavierbauer, ge- hörte schon in jungen Jahren dem„Allgemeinen deutscheu Arbeiter- verein' au und hat der Parts? bis zum Tode angehört. Weil er Schwede war, mußte er sich in unserem Polizeistaat Preußen sehr zurückhaltend bewegen! aber im engeren Kreise seiner Freunde und Bekannte» war er ein treuer Berater und Aufklärer. Im Alter von 62 Jahren hat man ihm noch einen Ausweisungsbefehl nberbracht, als er von Berlin nach Lichtenberg übersiedelte, um sich als Zigarren- vänd'er niederzulassen. Im„Vorwärts' wurden damals diese Pa'.izcischikancu gehörig gebraudmarkt und die Ausweisung schließlich w.'der aufgehoben. Somit hatte der Heimattose doch wieder eine H.imat gesunden. Alle, die ihn gekannt, werden ihm ein treues Andenken bewahren! Charlottenburg. r Die städtischen Arbeiter waren am Mittwoch zahlreich im Volks- hause versammelt, um zu einer Reihe wichtiger Fragen Stellung zu nehmen. Seit Juni 1969 bestehen in Charlottenburg in der Mehr zahl der städtischen Betriebe Arbeiterausschüsse. Nach dem Regulativ ist der Magistrat berechtigt, die gesamten Ausschüsse zu- sammenzuberufen, wenn Angelegenheiten von größerer Tragweite zu erledigen sind. Trotzdem dieser sogenannte„Allgemeine Arbeiter- auSschuß" seit über drei Jahren besteht, hat der Magistrat bisher noch keine Sitzung einberufen. Die Arbeiter haben nunmehr von ihrem Recht Gebrauch gemacht Und selbst die Sitzung beantragt. In der Versammlung wurden nach einem eingehenden Referat Polenskes die nachstehenden Anträge beschloffen und der«Allgemeine Arbeiter- auSschuß' mit ihrer Vertretung beauftragt: 1. Das Gewerbegencht für alle städlsicheu Betriebe als Schieds- gericht in Lohn- und Arbeitsstreitigkeiteu anzuerkennen. 2, Me städtischen Arbeiter und Angestellten, insonderheit das Hans- und Pflegepersonal der Krankenhäuser und Pflegeanstalten der Krankenversicherung' zu unterstellen. 3. Allen städtischen Handwerkern, Arbeitern und Angestellten Dienst- bezw. Berufskleidung zu gewähren. 4.' Abänderung des Regulativs für die Arbeiterausschüffe. 5. Die Bestimmungen über die Famtlienzulageu in der Weise zu ändern, daß allen städtischen Arbeitern für jedes Kind unter 13 Jahren ein monatlicher Zuschuß von 5 M. gewährt wird. 6. Eine Arb eitsnachiv e isstelle für städtische Arbeiter zu schaffen. Die Betriebsleiter sollen gehalten sein, alle freien Stellen dort an- zumelden. Ebenso sollen die Betriebsleiter verpflichtet sein, etwaige Entlassungen ans Arbeitsmangel vorher dieser Stelle mitzuteilen, um zu ermöglichen, daß bei etwaigen Entlassungen die Arbeiternach anderen Betrieben überwiesen werden können. Steglitz. Ei» Schautiirnc» veranstaltet der hiesige Arbeiterturnverein Sonnabend, den 6. Juli, im Restaurant„Birkenwäldchen". Da dem Verein nach wie vor die Turnhallen verweigert werden und er sehr unter Drangsalierniigen der Behörden zu leiden hat, wird die Arbeiterschaft besonders auf die Veranstaltung hingewiesen. Zehlendorf(Wannseebahn). Die Leiche eines 16jährigen jungen Mannes fanden Strecken- Wärter auf der Wannseebahn zwischen den Stationen Schlachtensee und Nikolassee. Der Kopf war ihm völlig vom Rumpf abgetrennt. Nach den bei dem Toten vorgefundenen Papieren handelt eS sich um einen Georg Bartsch aus Schöneberg, dessen Eltern in der Goltzstr. 7 ein Näncherwarengeschäft betreiben. Nieder-Schönhause», Nordend. Die Generalversammlung des BezirkSwnhlvereins am Dienstag war iiifnlge des- walkenbruchartigen Regens nur schwach besucht. Der Vorfitzende, Genosse B u ch lv e i Y, berichtete über das letzte Halbjahr. In diesem fanden drei Mitglieder- und sechs öffentliche Versammlungen statt. Die Maifeier erfreute sich auch in diesem Jahre einer rege» Beteiligung. Die Mitgliederzahl beträgt 444(im Vorjahre 378) und zwar entfallen auf die Orte Nteder-Schönhausen 276(246) männliche und 66(48) lveibliche, Nordend 27(28) männliche und 4(0) weibliche, Vlankenselde 18(18), Schildow 16(8), Mühlenbeck 38(29) männliche, 1(0) weibliche, Schönfließ 3(1) und Summt 7(0) Mitglieder. Die Zahl der„Vorwärts'-Leser ist von 442 auf 524 gestiegen. Den Kassenbericht erstattete Genosse S ch a p e r. Bei einer Einnahme von 3664,87 M. und Aus- gäbe von 3617,76 M. verbleibt ein Bestand von 47,11 M. Die Bibliothek weist gegenwärtig 266 Bände auf und be- findet sich beim Genossen Ernst Hellrich, Waldowstr. 28d II. Bücher können dort wochentags von 6—9 Uhr entnommen werden. Von einer lebhaften Tätigkeil der Agitationskommission berichtete Genosse äse Hägen. Im letzten Halbjahr fanden drei Mitglieder- und zwei öffentliche Versammlungen statt. Die„Fackel' wurde in 5766 Exemplaren verbreitet, außerdem gelangten 3666 Flugblätter und Broschüren zur Verteilung. In die Bezirksleitung wurden als erster Borsitzender Genosse Buchlveitz, als erster Schriftführer Genoffe'Annuscheck und als erster Kassierer Genosse Reinhardt ge» wählt. Die Ansschnffe und Kommissionen wurden durch verschiedene Neuwahlen ergänzt. Das Sommerfest findet am Sonntag, den 14. Juli, bei Liedemit statt. Da im nächsten Jahre die Landtagswahl stattfindet, ist es nötig, daß jeder Genosse die preußische Staatsangehörigkeit besitzt. Ueber den Erwerb derselben erteilt Genosse Käsehagen, Treskowstraße 21, Auskunft. Bernau. Die nur schwach besuchte Generalversammlung des Wahl- Vereins nahm den Bericht des Borsitzenden. Genossen Schneider, über das abgelaufene Geschäftsjahr entgegen. An Arbeiten hat es im letzten Jahre nicht gemangelt und standen 223 Postictngängcn 441 Ausgänge gegenüber. Mitgliederversammlungen fanden 12 und öffentliche Versammlungen 16 statt. Die Maifeier hatte eine be- sonders starke Beteiligung aufzuweisen und konnten dem Bezirks- Maifonds 117 M. überwiesen werden,. Der Frauentag gestaltete sich ebenfalls zu einer imposanten Kundgebung. Dem Kassen- bericht, erstattet vom Genossen Kunze, ist zu entnehmen, daß die Einnahmen 3237,64 M. und die Ausgaben 3113,82 M. betragen. Dex Kaffenbestand beträgt 123,82 M. Lebhafte Klagen erhebt der Kassierer darüber, daß ein Teil der Mitglieder im Bezahlen der Beiträge sehr säumig ist, wodurch ihm die ordnungsgemäße Kassen- führung sehr erschwert wird. Der Mitgliederstand hat sich von 282 aus 356 erhöht, außerdem sind 3S Mitglieder von Ladeburg an Ober-Barnim abgetreten. Als Obmann der L a n da gi�a t i o n berichtet Genosse Maß, daß 1? Agitationstouren siattgesunden haben, wobei 23 666„Fackeln" und Flugblätter sowie 556 polnische Druckschriften verteilt wurden. Zut Reichs tagSwahl sind 45 666 Flugblätter verteilt wordene Bei den Reu wählen wurden die Genossen Bruno Schneider als 1. BezirkSkeiter, Franz Mäß als 2. Bczirksleiter. Max Roseuow als Kassierer und Ernst Freudenreich als Schriftführer gewählt. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten forderte der Vor- sitzende auf, die Mitgliederversammlungen besser und pünktlicher zu besuchen. Petershage» bei Fredersdorf. Der Bezirkswahlverein PeterSH'agcn-Fredersdorf hielt am Sonntag seine Halbjahrs-Generalversammlung ab. Den Tätigkeitsbericht der Bezirksleitung erstattete Genosse Hoselbarth. Aus ihm ging hervor, daß der Bezirk 64 Mitglieder(darunter 8 weibliche) und 216 Bor- wärtsabonnciiten zu verzeichnen hat.— Nach dem Kassenbericht be- trugen die Einnahme» 248,96 M. und die Ausgaben 224,75 M., der Kassenbestand 24,15 M. In die Bezirksleitung wurden gewählt die Genoffen Höselbarth(1. Bezirksleiter), H. Götlich(2. Bezirkslciter), P. Fitling(Kassierer), O. Bränililig(Schriftführer), G. Uffenwasser(ssn.) und Frau Claß(Beisitzer). Als Revisoren wurden die Genossen Ludwig, Znfelde und Nacks, als Bibliothekar Genosse Kramrtch ge- wählt. Potsdam. Uitvcrbcfferlich. Nach Unterschlagung von über 1666 M. und Fälschungen der Lohnzettel ist der Faktor Müller von hier flüchtig geworden.. Müller, der erst kürzlich aus dem Ziichthause ein lassen morden war, wurde auf Beranlassung einer christlichen Fürsorgestelle für entlassene Strafgefangene in der Potsdamer Vereinsdruckereß einer christlichen Offizin, untergebracht und verstand es, hier das Vertrauen seiner Vorgesetzten zu erwerben, das er dam» mißbrauchte. Nowawetz. Die Müllabfuhr, die vor etwa Jahresfrist von der Gemeinde wegen Unrentabilität aufgegeben wurde und seit dieser Zeit von einem Unternehmer im Austrage der eigens zu diesem Zweck ge- gründeten Wirtschaftsgenossenschaft der Haus- und� Grundbesitzer geübt wird, verspricht anscheind ein lukratives Geschäft zu werden. In der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung der Genoffenschaft wurde konstatiert, daß sich das Unternehmen nach Ueberwindung inancherlei Schwierigkeiten, die hauptsächlich in dem ungünstigen Kontrakt mit dem Fuhrunternehmer, der unregelmäßigen Müll- abfuhr, dem Mangel einer geordneten Abfuhrgebühr und dem un- geeigneten, der Gemeinde gehörigen Wagen ihre Ursache hatten, gegen Schluß des ersten Geschäftsjahres günstig entwickelt habe. Während die Gemeinde in den neun Monaten des Eigenbetriebes etwa 3006—3506 Mark zugesetzt hatte, konnte die Genossenschaft im ersten Vierteljahr 1912 bereits einen lleberschuß von 235 M. ver- zetckmen. So erfreulich dieser Erfolg auch für die Herren Genossen- ichastler sein mag, eines hat er mit Deutlichkeit gezeigt: daß die sozialdemokratischen Gemeindevertreter sich seiner- zeit mit vollem Recht gegen die Aufgabe der Gemeinderegie ge- ivandt hatten. Ihre Ansicht, daß sich nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten und zweckentiprechender Regelung der Abfuhrgebühre» kein Zuschuß mehr nötig machen würde, wird jetzt auf diese Weise ungewollt als richtig bestätigt. Spandau. Tödlich überfahren wurde in der Staakener Straße der Arbeiter BUrgenieister aus dem Feuerwerksläboratorinm. Er hatte zum Schutz gegen Regen seinen Schirm aufgespannt und war daher nicht gewähr geworden, daß ihm ein Zug der Bötzower Kleinbahn über- holte. Er wurde von der Lokomotive erfaßt und so schwer verletzt, daß er im Krankenhause gestorben ist. Jugendveranstaltuugea. Neukölln. Sonntag, den 7. Juli: Gruppenpartie nach„Karolinen- hos'. 1. Gruppe- Johannisthal, Grünau, Karolinenhos(16 Kilometer). Fabrgeld 30- Ps. Treffpunkt ll2l Uhr Richardplatz.— 2. Kruppe: Rahns. dorf, Müggelheim, Krampenburg, Karolinenhos(17 Kilometer). Fahrgeld mit Uebersetzen 70 Ps. Treffpunkt an den Rmgbahnhösen(L? Uhr.— 3. Gruppe: KönigS-Wusterhausen, Neue Mühle, Zicgenhals, Wernsdorf, Schmöckwitz, Karolinenhos(20 Kilometer), Fahrgeld 75 Ps. Treffpunkt 6 Uhr Rentcrplatz. Nachmittags gemeinsame Spiele. Mittwoch uns Freitags: Spiclabende ans dem Sportplatz Mttlistraße Ecke Pstügerstraße.__ Arbettertouristenverein„Die Naturfreunde', Ortsgruppe Berlin. Sonniag, den 7. Juli: Wanderung von Nikolassee nach Cladow, Jungseru- see. Römerschanze, Nedlitz. Potsdam. Sibsahrt nach Nikolassee vom Schlesi'chen«ahnhos srüh 6.06 Uhr; Friedrichslraße 6,17 Uhr; Charlottenburg 6.36 Uhr. Brbeiter-Wailderverein„Berlin'. Wanderfahrt am Sonntag, den 7. Juli, durch den nördlichen Gamengrund, Tte�ensee, Mittelste, Langer See, Leuenberg, Buchsee, Nen-Gersdorf, Käthen, Falkenberg. Wsahrt 5.30 Uhr Wriezener Bahnhos.— Sonntag, den 14. Juli: Spreewaldsahrt. ßrkfhaften der Redahtion. DI« iuNMche Eprcaftun», ftntxt amoeuRta»« 69, von, Mit Itewe» — Fahrstuhl—, wochentü glich von 7 bis 9H Uhr abends,«onuabenbS »o» iVi bis 6 Uhr abends statt. Jede, f», den vriest-ft-u defttmmtrn«»frage ist ein Buchstabe un»«tue Zahl als Merlzctchrn detzufstgen. Brieflich« Aniwor, wird nicht erteil,. Anfragen, denen«et«« AdouuementsquUtung beigefügt ist, werden nicht bcantwortrt. Eilige Fragen trage«an tu der«prechftunde vor. Am-Sounabeud, den 6. Juli, fällt die Juristische Sprechstunde aus. P. W. 36. 1. Ja. 2. Gibt es nicht.—«. L.«SS. Von dem an- gegebenen Lohn kann nichts beschlagnahmt werden.— F. L. 83. Be« schweren Sie sich beim Magistrat.— A. R. lä. 1. Ja. 2. 32 Pfennige. 3. Falls die Frau verheicaiet, wird ihr Verdienst dem Einkommen des Mannes bei der Peraniagung hinzugerechnet.— Ernst SS. Richten Sie einen Antrag aus Namensänderung an das Polizeipräsidium.— M. Z. 26. Das Mietsverhältnis dauert bis 1. April.— M, 166. Nein.— H. A. 160. Ja.— R. Z. 25. Wiederholen Sie Ihre Ansrage und geben Sie an, welcher Art die Dienste sind.— Z3st,. Unseres Erachtens nicht ausreichend. Wir raten zur Klage beim KaufmannSgencht-k— S. 87. Sie sowohl wie Ihre Braut bedürsen keiner Einwilligung.— A. 77. 1. Sosern Sie die DaüeHnsHingabe beweisen können: ja. 2. Die Klage ist bei de», Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner stinen Wohnfitz hat, zu erheben.— E. K. 16. 1. Sie können bei der Verheiratung dem Kinde Ihren Stamen geben. 2. Ja. 3. Nein. 4. Die Gründe erscheinen nicht aus« reichend. 5. An das Vormundschastsgericht. 6. Sie können einen Vorschlag mache». 7. Berheiratetsein nicht Bedingung. DaS Alter soll mindestens 30 Jahre betragen. 8. Nein.— Zl. M. 100. Die Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— M. N. 266. 1. Katholiken 12 M., Evangelische lg M. Slaatseinlommensteuer. 2. Amtsgericht Berlin-Tempel« hos, Berlin, Halleschcs User 29/31. 3. Geringsügig.— R. W. 166. Dem K., da dieser beim Erwerb in gutem Glauben war.— Zcitiingsontcl. Ihre Braut als Mieterin kann dem Sohne des Hauswirts den Zutritt untersagen. Leistet dieser nicht Folge, so kann Anzeige wegen Haussriedens- bruch erstattet werden. Zur Beseitigung des Ungeziesers ist der Ver« mieter verpflichtet. Kommt er einer dahingehenden Aufforderung nicht nach und kann bewiesen werden, daß die Ungezieserptaae er- heblich ist, so erscheint eine Klage aus BertragSlösung durchsuhrbar. Marktbericht von Berlin am 3. Juli ISIS, nach Ermittelung des königl. Polizeipräfidiums. Markthailenpreise. kKleinhandcl) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00— 50,00. Speisebohntm, weiße, 30,00—50,00. Linstu 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 9,00—15,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70— 2,40. Butler 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,20—4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,20. Aale 1,00—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80-2,40. Schleie 1,40-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,50—40,00._ Wittern ngsüberficht vom 4. Juli 1912. Stationen §2 LZ Swinemde. Hamburg Berlin Fra!iks.a.M. München Wien = 3 8f 765 NO 765® 763 N 764 SR 764133 7V4NW Setter 4 heiter 3 bedeckt 2j bedeckt 1 Reacu 2 halb bd. tzswolkig 3* S" na» i 16 18 14 13 12 15 Stationen 8 Ii Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen sZ 63« 762 SW 763,NRO 7650 770.NW 764NO heiter bedeckt wolkig bedeckt Nebel C 14 9 14 11 12 Wetterprognose für Freitag, den 5. J«li 1912. Etwas wärmer, vielfach heiter bei ziemlich irischen nordöstlichen Winden: kein« erheblichen Niederschlage. Berliner Wetterbur»«» Wafferstands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand Memei. Tilfit P r e g e l, Jnilerbmg Weichsel. Thom Oder, Rattbor , Krossen , Frnntiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lciüneritz , Dresden „ Barby » Magdeburg- ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. r«»»-« Arbeitsnachweis: H°t L Amt Norden, Nr. 123S. wUltirng�tellö Mfl Chnrit«;straf;e 3. Hauptbureau: Hos Hl. A�lt Norden, Nr. ISS? Sonntag, den 7. Jnli 1912, von 9 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags, findet die Wahl von einem Revisor in folgenden Lokalen statt: Kscioiwslkis Festsäle, itaTcostr.«. Werniekes Feslsäle, Ackerstr. xaa. Fraukes Feslsäle,»»».to. Cliesches Restaurant, Kopenhagener Straße 74. ObiglOS Festsäle, SehsvoStep Str. 83. Nebels Restaurant,-»ax«tr.»3h. Kronen-Brauerei, au Moawt 47/48. Gewerkschaftshaus, Engemfer»s. Fröhlichs Restaurant, unekancr str. i, Elckes Festsäle, Schonlelnstr. 6. Wiemers Restaurant,»mo�tr. ss. Comenius-Festsäle, Memcier str.«7. Boekers Festsäle, weberstr.»7. Rotts Restaurant, StraDmannstr. 80. Lichtenberg, Restaurant J. Erteil, Pfarrer. 74. Rummelsburg, Blumes Restaurant, AitBoxhagen ss. Neukölln, Hoppes Feslsäle, nermannatr. 4». do. Zibells Restaurant, Eibeatr.s. do. RUekhelms Restaurant, nergstr.es. dO. IdeUS ReSlaUrant, Harzer Straße 88. Tempelhof, Wilhelmsgarlen, Beniner str. o. Charlollenburg, Volkshaus, Boainen.tr. 3. Köpenick und Frledrlchshagen, Lehmanns Restaurant, Ba?n K�Tnick.44 Steglitz, Sehellhases Festsäle, Ahomatr.«. Ädlershof, Resteis Restaurant, Frieden.tr.»4. Ober-Schöneweide, ÄdÄh�fÄSS�s. Velkensee, Peukerts Restaurant, Aife1'" Sl». Pankow, Rozyckis Restaurant, Krenaatr. 8-4. Spandau, Metles Restaurant, oiamarckatr. e. Tegel, Rakies Restaurant, oeruner str. os. M Ohm Mitgliedsbuch Kanu memalld wöhten! Die Stimmzettel werden am Eingang zu de» Wahllokalen»erteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto Bnadke, Charittftr. 8. Montag, den 8. Juli 1912: ßczlrks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in solgenden Lokalen: Norden: Pharnaatue, MiiNerstr. 148. abend» 81/, Uhr. Norden' Festsä,e»®te*«ttafie 83. abend» Norden: Voigt-Theater, Badstr. 58. abend» 8'/, Uhr. Tegel: Trapp. FeataNle, Bahnhofstr. 1, abend» 0 Uhr. Westen und Schötieberj: OSten: comenlnaeaie, Memeler Strasse 67. abend» 81/, Uhr. Lichtenberg: SsS'Ä'■"■ Stralau und Rummelsburg: W LÄ.»» Bortrag des Kollege» Graeve. Sbdeubeilrbe:"""""*"mm Weiliensee: 5Ä""""" Neukölln: Paaaags rvatanio, Bergstr. 150. abend» 81/, Uhr. Charlollenburg: volkahana, mpslnen«*. 8. abend» 8'/. Uhr. viatintr* Sohellhaaea Featattlo, Ahorn strafte 15. diegillZ. abend» 81/, Uhr. Köpenick u. Frledriehshanen: fÄÄÄÄ Friedrich, irafte 79, abend» 8'/, Uhr. NKoP.�MinNOUlvilfo' Prot>horv«kl,.BereinSHanS«. Schiller. U»vl-0kUvIIV«VIVV. Promenade 13. abend» 6 Uhr. ?nsntlsn' P«-oUa Reatanrant, Pichelsdorser Strafte 5. SpallUaU. abends 8>/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der ordentlichen Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert.-Mg 120/6 Die Versammlungen werde» pünktlich eröffnet. Dienstag, den v. Juli, abends 8'/, Uhr: ßezIrltsveriaminlUDi) für Moabit im Lokal Kroncnhranorol, Alt-Moabit 47/49. Die Tagesordnung ist die gleiche wie iu de« oben angezeigten vetlrksversammluugen. g-chlreichen Besuch erwartet Vlv OrtaTerwaltnng, ÄrMtep-IMalirer- Biiod Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, den 7. Jnli. 1. Abt.: S UHr: Luckenwalde(Wald- idyll), 1 Uhr: Gr.-Beeren(Heinze). Start: Bülowftr. 58. 2. Abt.: 4 Uhr: Werbellinsee. lUhr: Bernau(Salzmann). Start: Schön- leinstratze 6. 3. Zibt.: 6 Uhr: Lanke(Deutsche? Haus, Badetour), 12 Uhr: Bernau (Salzmann). Start: Lausitzer Platz 11. 4. Abt.: 4 Uhr: Brandenburg, lUhr: Wannsee(Fitrstenhos). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 6 Uhr: RüderSdors(Zur Linde), 1 Uhr: Biesdors-Süd(Plug). Start: Eltzsium. 6. Abt.: 12 Uhr nachts: Frank- surt a. O.(Neaierkschastshaus), 1 Uhr: Jörsfelde(Gummlich). Start: Oder- berger Str. 28. 7. Abt.: 7 Uhr: Lanks(Stockmann), 1 Uhr: Schönwalde(Schulz). Start: Schulstr. 29. 8. Abt.: 6 Uhr: RitderSdors(Am Ketselsee, Schwedersch), 1 Uhr: Friedrichshagen(GesellschastshauS, Badetour). Start: Levetzowstr. 2t. .9. Abt: 7 Uhr: Erlner. VI, Uhr: tledrtchshagen(Badetour). Start: chillingstratze 22. Jugendliche Bundesgenossen: 6 Uhr: Streiszüge durch den Blumenthal. Start: Stralauer Brücke 3. Sonntag, de« 14. Juli 1912: Gau-Fest im Vergnügungspark»Nene Welt" und Rorsofahrt mit Jffusik. Sammelstart: VI, Uhr: Bergmann- stratze 5—7(Habels Brauerei). _ Näheres Inserat am Sonn« tag, den 7. Juli, im„Vorwärts".— Bundesgenossen! Schmückt die Fahrräder einheitlich mit einem Blumenstrauft an der Lenkstange. Die Festkommission. Reinickendorf. Vereinstour nach Waldkater. Start: 2 Uhr im VereinslokaL Sonnabend, 6 Juli. 8'/, Uhr: Generalversammlung bei Oördoa. Gr.-Lichterfelde. Sonntag. 7. Juli:«rovsa Sommerfeat im Birkenwäldchen. Um 2 Uhr: Korsofahrt« Start: Bälestr. 7. Bundesgenossen, die an der Korsosahrt teilnehmen, haben freien Eintritt. 12/1 l» Inf Verwaltung Berlin« Heute, Freitag, abends 8'/» Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- ufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal): Stt-ung dter Ortsverwaltunga Achtung! Die Bibliothek ist wegen Inventur geschlossen. Alle noch ausstehenden Bücher müssen umgehend ein- geliefert werden.__ Einsetzer. Wege« der Generalversammlung finden unsere Bezirköver- sammlnngen am Sonntag, den 7. d. M., vormittags 0 Uhr, in den bekannten Lokalen statt. Montag, den 8. Jnli: Dampferpartie mit Mufik nach Hankets Ablage. Billetts a 1 M. sind in den Bezirlslolalen zu haben. Kinder unter 14 Jahren frei. Abfahrt morgens?>/, Uhr von der Waisenbrücke. Um rege Beteiligung wird gebeten. 86/6 Norbhanser Kautabakarbeiter-Geuasseuschaft m. b. H., Dordhausen, empfiehlt ihre vorzüglichen Kautabake, stets frisch. Odo Stangenberg." Berlin SO.,lßpeiMer Straße 20a. Telephon: Amt Moritzplatz 9460.» Theaker und Vergnügungen Freitag. S. Juli 1912. Anfang 71/, Ubr. Prater. D diese Berliner. Antang 8 Mr. Urania. Der Grotzglockner, Gastein, Salzburg. Königgrätzer Strafte. Die sünj Frankfurter. Knrsürftruoper. Der Tanzanwalt. Sieue». Der liebe Augustin. Berliner. Grotze Rosinen. Schiller O. Geschlossen. Lcti ur,-(kharlotteudurg. Da» Konzert. Thalia. Autoliebchen. Metr»p»l. Schwindelmeier u. To. Apollo. Sdezialitäien. Pastage. Spezialitäten. Rcichshallen. Stettiner Sänger. Sanatorium Sonnenstich. Wintergarten. Spezialttäten. Anfang 8'/« Uhr. Lcsflng. Vergnügungsreise. Strue« LchauipielvauS. Silvester Schäsicr. 1. Klasse. Lustspielhaus. Än Königreich m. b. H. Neues Operetten. Parketifitz Nr. 10. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Rose. Die Tragödie einer Ehe. FotieS Caprice.Parisiana-Snsemble Anjang 8'/, Uhr. Kleines. Der Unverschämte. Der Arzt seiner Ehre. Der Herr mit der grünen Krawatte. Söutgstadt-Rasino. Spezialitäten. Ansang 10 Uhr. Ndmiralspalast.Eisballett-Dvomie. '.' Sternwart«. Jnvalidenftr. 67—62. Schiller- tlteater Eharlotteuburg. Das Konzert. Lustspiel m 3 Akten von Herm. Bahr. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/« Uhr. Morgen und folgende Taget aa Konzert. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augusti«. Operelte von Leo Fall. Jfa Schöneberg Sozialdemokratischer Wahlvereio. Sonntag, den 7. Juli 1912, in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8 23. Stiftungsfest Instrumentala und Vokalkonzert unter Mitwirkung der Hollfelder-Kapelle, Berliner Ülk-Trlo, Gesangverein Schönebcrgor Mttnnercnop(M. d. A.-S.-B.), Arbeiter- Rad* tahrervereln(M. d. A.-R.-B.) Anfang des Konzerts 4 Chr. Eintritt SO Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 PI. nach. 8 Uhr Kinder-Fackelzug. — Verlosung.— Die Kaffeekllche ist von 2 Uhr an geöffnet. 15/17 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand- I0SI1______ GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Hark, von abends 6 Uhr ab 60 Pf. Kinder unter 10 Jahren die HäUte. Metropol-leater. ier& Phantastisch musikalische Komödie tn 3 eckten aus dem Englischen völlig frei bearbeitet von I. Freund. Musil vonR. Nelson. U. a. Tanze o. W. Biihop. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. berliner Thester. Abends 8 Uhr: Grotze Rosinen. Abends 8 Uhr: vis 5 Frankfurter. OSE=THEATE Grotze Frantsuner Str. 132. Gastspiel Helene Sticwe die Trapie einer Ehe. Ansang 81/. Uhr. jgjr Aus der Gartcnbühne:~M0 Jnli»! ES ist erreicht! Gr. Revue. ifVeitcr er Ab 8 Uhr. 12 große Attraktionen. Clown Alf. Daniels mit seinen ZIrkusspätzen. Paul Beckers als Angler usw. Admiralspalast am Bahnhol Priedriohstraße, z. iE. einziger Elapalaat. Angenehm kühler Auienthalt AUnbendl.: Da® aensationeUe Eishallett„Yvonne". Fabelh. Auaatatt.! lOOMitwirk. Wiederauftr.der kleinen Charlotte. Bis 6 Uhr und von tO'/, Uhr abends halbe Kassenpreise. Reatanrant I. Ranges Wein- und Bier-Abteilung. Alle Delikatessen der Saison. Von der Oberbaumbrücke, Falckensteinstratze: Gr. Dampfer-Mosdscheinfchrt mit Musik nach Daselbst SommeruachtSball u. Ar hin u. zurück 59 Pf. Reederei«leck, Fälckensteinstr. 48' Amt Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze 68. Heute s.wle täglich: Die Tochter der Hexe Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue BeleuchtungseiseNe usw. usw. u. d. grotze Spezialitäten-Programm. Kasscnerösinung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Reichsludten-Theater. Stettlner Hilnger Zum Schluß neu: Sanat orlnm Sonnenstich. Burleske vonMeysel. Ansang Wochent. 8, Sonntags Uhr. Aönlgstsdt-Asstno. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstr. Täglich- VgiistS um! Theater. Pom 1.— 16. Juli: 8 Spezialitäten und„Alte Liebe", Lustspiel tn 1 Akt,„Das Mädchen aus der Fremde'', Posse mit Ges. in 1 Akt. LaP SäBSaiARK Blorgen Sonnabend: Blitetag. 3 Kapellen 8. 30 Attraktionen 80. 8 Ehr: Aufstieg der verwegenen Luftschiff erin Käte Paulus mit ihrem Ballon„Carola". »»/. Ehr: Pracht-Feuerwerk. (Deichmann& Gollwitz.) KNr den Inhalt der Intern»« «bcrnimmi die Redaktion Publikum gegenüber Berautwortung. dem keinerlei Kann man es den Frauen verdenKen, daß sie sich durch den„KornfrancK*9 bestimmen ließen, ihrem bisherigen KaffeegetränK untreu zu werden? Es gibt nur einen„KornfrancK"! 32 Den echten„Korofranck" gibt es nur in den grünen Paketen. CfOLIEI �rc* �rÄ's�a9en —"— SILBEN bllWERCh KUPFER Dm Grössen Alle drei Marken, gleich rein und nährkräffig.unlerschclden sich. wie die deuKschcn fdelweine, nur durch ihr Aroma. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte*Vort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.t das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ANZEIGEN fOr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Undenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. 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