Kr. 158. RbonnementS'ßedlnsungen: Nbonncments- Prei-Z dränunieranio: Sierleljährl. S.M Mk.. nwnatl. l,10 Mü, wöcheiilllcki 28 Pfg> frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntage- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage..Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemark ' olland. Italien. Luxemburg. Portugal. länicn, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die TnfcrtionS'Gebüfjr beträgt für die sechsgespaltcnc Kolonel- zcile oder deren Raum 00 Pfg.. sür politische und gewerlschasUiche Vereins- und Vorsammlungs-Anzeigen Z0 Pia. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Worts Pfg. Worte über IS Buch- 1 laben zählcnFür zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben iv erden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. vlchiliit»Sgllib außer montags. Berliner Volklsblnlk. Zentralorgan der roztaldemokrati fchen Partei Deutfchlands. Telegramm- Adresse: .Sozialdcmohrat Berlin". Redaktion: SRI. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S83. Expedition: SM. 68, I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr» 1.98d* Nachklänge zur lüaiierbegegnung. Die rauschenden Feste von Baltischport, die für die Zu- sammenkunft Wilhelm II. und Nikolaus II. den Hintergrund abgaben, sind vorüber, und das kaiserliche Geschwader, das Wilhelm und sein Gefolge an die„gastlichen" Gestade des estnischen Hafenstädtchens trugen, haben ihren Kurs heimwärts gesteuert. Kaiser Wilhelm hat mit dem Zaren Brüder- küsse getauscht, und in angenehm-freundschaftlichen Gesprächen das„traditionelle" Freundschaftsbündnis zwischen den Herrschern Rußlands und Borussiens neu gefestigt. Auch der verantwortliche Leiter der Deutschen Politik, Herr v. Bethmann Hollwcg, nahm an den Festlichkeiten und den politischen Besprechungen teil und erhielt aus„Väterchens" Händen die höchste Auszeichnung, die der russische.Zar verleiht. Die durch die Marokkokrisis und den italienisch-türkischen Krieg geschaffene Weltlage brachte es mit sich, daß die ver- stärkte Aufmerksamkeit sämtlicher Staaten auf die Monarchen- zusanimenkunft in Baltischport gerichtet war. Kaiser Wilhelm und Zar Nikolaus sind nicht nur die einzigen europäischen Staatsoberhäupter, die' ihre absolutistischen Nei- gungen vor allem auf dem Gebiete der ausivärtigen Politik zum Ausdruck zu bringen suchen, sie sind auch als die Leiter der deutschen und der russischen Diplomatie in außerordent- lichem Maße an den auf der Tagesordnung stehenden Pro- blemen der internationalen Politik direkt interessiert. Deutsch- land hat die Folgen des vorjährigen„Panthersprungs" nach Agadir noch heute nicht verwunden, und die Beziehungen zu Frankreich und England sind durch seine neuen Heeres- und Flottcnrüstungen noch mehr verschärst worden. Zugleich hat es seine Stellung im Dreibund und der Türkei gegenüber verschlechtert, denn die von der Bagdadbahnpolitik diktierte Interessengemeinschaft mit der Türkei,, wie das Zu- sammengchen mit Oesterreich am Balkan gestatteten der deutschen Diplomatie nicht, über eine kühle Neutralität dem Verbündeten Italien gegenüber hinauszugehen. In dieser Situation war die verstärkte Aktivität der zarischen Diplomatie im fernen und nahen Osten für Deutsch land höchst ungelegen. Das räuberische Vorgehen Rußlands in Nordpersien, die Besetzung Urmias, der ständige Druck auf die Türkei, die fortwährenden Versuche der zarischen Diplomatie, die Dardanellenfrage auf zui-ollen, der Flirt mit Italien, die Intimitäten mit den Balkanfürsten, endlich die forziertcn Flottenrüstungen, die von der russischen Regierung in Angriff genommen wurden— alles dies waren Momente, die die Situation im nahen Osten außerordentlich verschärften. Hand in Hand damit ging die aggressive Politik Rußlands im fernen Osten, die heraus- fordernde Haltung in der mongolischen Politik und in der chinesischen Anlejhefrage— Momente, die auf das Bestreben der russischen Diplomatie hinwiesen, den Weststaaten gegen über noch einige Eisen im Feuer zu habeu. Die Monarchenbesprechungen in Baltischport waren das Ergebnis der oben skizzierten Situation. Höchst charakteristisch war es hierbei, daß die russische Regierung die größten An- strengungcn machte, die Flottenvorlage vor der angekündigten Monarchenzusammenkunft unter Dach und Fach zu bringen. Die Zustimmung der keineswegs flottenbcgeisterten Oktobristen- Partei wurde mit allen Mitteln der bureaukratisch-kapitalistischen Korruption erkauft, damit die russische Diplomatie bei der Auseinandersetzung mit der deutschen in verstärkter Rüstung auftreten und größere Zugeständnisse fordern konnte. Die deutsche imperialistische Presse zeigte deshalb den russischen Flottenrüstungen gegenüber eine Zurückhaltung, die von den bis- herigen Praktiken der Flottentreiber wohltuend abstach. Einer- seits wußte sie, daß das mit der Notwendigkeit einer Abwehr gegen Deutschland begründete russische Flotten- gesetz � unabhängig von dem problematischen Charakter seiner Verwirklichung— ein politisches Erpresser- Manöver war; andererseits bereitete sie den Boden für eine Gegenaktion der deutschen Diplomatie vor, die den Zweck verfolgte, die Unzufriedenheit Rußlands mit der Haltung Englands und Frankreichs in der Orientfrage für den deutschen Imperialismus auszuschlachten. E. v. Reventlow schrieb da- mals in der„Deutschen Tageszeitung":„Politische Be- Ziehungen und die Gruppierungen der Mächte wechseln, die politische und militärische Geographie bleibt, und nur im Sinne dieser betrachtet, hätte Rußland selbst im denkbar günstigsten Falle zur See nicht so viel von Deutschland zu gewinnen, ivie die Rentabilität der Aus- gäbe von Milliarden und aber Milliarden verlangte." Die russischen Expansionsbcstrcbungcn könnten eine ganz andere Richtung nehmen:„Der ferne Osten kann immer lieber- raschungen und Aenderungcn bringe», gar nicht zu reden vom nahen Osten. Um nur ein ganz beliebiges Beispiel herauszugreifen, so würde eine wirkliche und energische Auf- rollung der vielberufenen Dardanellenfrage für Ruß- land nur dann das Maximum des Nutzens bringen können, wenn es nicht nur innerhalb, sondern besonders auch außerhalb d e r D a r d a n e l le n über starke Seestreitkräfte verfügte. Damit war in recht deutlicher Form die Gegenleistung angedeutet. mit welcher die deutsche Diplomatie die Freundschaft Ruß- lands zu erkaufen bereit wäre. Andererseits konnte man schon hier die Hoffnung heraushören, daß das stärker ge rüstete, von Deutschland unterstützte Rußland in einen schärferen Gegensatz zu England geraten und mit dem deutschen Imperialismus zusammengehen könnte- Die Ergebnisse der Beratungen in Baltischport recht fertigen diese Hoffnung. Zwar sucht eine offiziöse Presse den wahren Kern der Besprechungen durch das stereotype un- sägliche'heuchlerische Phrasengewäsch von der„Festigung des europäischen Friedens" zu verhüllen, während der nichts- sagende Inhalt der Regierungskundgebung die„Kreuz- Zeitung" zu einem begeisterten Hymnus auf das diplomatische „Geheimnis" von Baltischport veranlaßt.„Die Ereignisse einer künftigen politischen Entwicklung— schreibt das Junker blatt— werden die Welt erst die ganze Tragweite des politi schen Spieles(I) erkennen lassen, dessen Karten bei Baltisch- Port von den Staatsmännern der beiden nordischen Kaiser- reiche mit Geschick und klugem Vorbedacht gemischt worden sind." Indessen sind genügend Angaben vorhanden, die in Verbindung mit der Kenntnis der Triebkräfte der deutschen und der russischen Auslandspolitik das sorgsam gehütete diplomatische„Geheimnis" preisgeben, und das unverant- wortliche„Spiel" der deutschen und russischen„Staatsmänner" wenigstens zu einein Teil erkennen lassen. In erster Linie ist es hier wiederum die Verschiedenheit der Auffassungen, die in der Kundgebung der deutschen und der russischen Regierung zum Ausdruck gelangen. Ebenso wie die Auslegung der Potsdamer Abmachungen in Berlin und Petersburg wesentlich voneinander abwichen, zeigt sich in den neulichen Kundgebungen eine ganz verschiedene Auf- fassung der in Baltischport beschlossenen Stellungnahme Teutschlands und Rußlands zur T ü r k e i. Während aus den deutschen offiziösen Erklärungen lediglich hervorgeht, daß die deutsche und die russische Politik sich auch über die Stellung zur Türkei und Italien einig sind, spricht die Petersburger Kundgebung bereits von eineni gemeinsamen Eingriff Teutschlands und Rußlands in die türkische Frage. Allerdings stammt diese Mitteilung aus Rom, wo natur- gemäß die Neigung besteht, die fiir Italien günstige Seite der deutsck)-russischen Besprechungen zu unterstreichen. Sie scheint aber der Wirklichkeit zu entsprechen und den Kern der Vor- Handlungen in Baltischport gebildet zu haben. Es versteht sich von selbst, daß ein solcher Schritt nicht iso- liert aufgefaßt werden kann. Das Zusammengehen mitRußland (und Italien) in der türkischen Frage bedeutet eine Abkehr von der bisherigen Orientpolitik Deutschlands, bedeutet die Förderung der italienischen und russischen Raubpolitik, die die Zerstückelung der Türkei und die Aufrollung des Orient- Problems im Gefolg>e haben muß. Es ist klar, daß die deutsche Diplomatie diesen Schritt nur gemacht hat, um eine Neu- orientierung der gesamten russischen Poli- t i k in die Wege zu leiten. Die Offiziösen heben mit besonde- rer Befriedigung hervor, daß die Aussprache in Baltischport auf beiden Seiten den Willen befestigt hat, dauernde Fühlung zwischen Deutschland und Rußland in den großen Tagesfragen zu unterhalten. Die„Franks. Ztg." berichtet so- gar, man sei auf beiden Seiten übereingekommen,„d a ß d i e bewährte Uebung regelmäßiger Zusammen- künfte der Monarchen und ihrer Ratgeber auch ferner fe st zu halten fei, und daß man diese Begegnungen gewissermaßen zu einer festen Institution wer'den lassen könnt c." Es ist also nicht allein ein praktisches Zusammenarbeiten von Fall zu Fall, sondern der Beginn einer deutsch- russischen Annäherung, der als das Ergebnis der Monarchenzusammenkunft in Baltischport bezeichnet werden muß. Die reaktionäre Presse verzeichnet diese Tatsache mit Genugtuung und bemerkt, daß sie über die urspriinglichen Erwartungen weit hinausgehe. In der Tat hat das Pots- damer Uebereinkommen jetzt eine enorme Erweiterung er- fahren, die für die deutsche wie für die internationale Politik die nachhaltigsten Folgen nach sich ziehen kann. Bedeutete Potsdam die- Auslieferung P e r s i e n s an den russischen Henker, so kennzeichnet Baltischport den Beginn einer Neu- orientierung Deutschlands und Rußlands im nahen Osten, für die die T ü r k e i die Zeche wird bezahlen müssen. Unmittelbar vor dem Eintreffen Wilhelms II. in Baltisch- Port sprach die offiziöse„Rossija" in einem viel beachteten Artikel von der„Umwertung alter politischer Werte" und der„ZerstörungjenerGrundlagen, die in den Augen früherer Generationen unerschütterlich schienen." Zu gleicher Zeit schrieb Menschikow in der„Nowojc Wremja", wenn die heutigen Formeln des Dreibundes und der Tripel-Entente der deutsch-russischen Freundschaft nicht entsprächen,«so inüsse nicht die Freundschaft geändert werden, sondern diese Formeln." Es scheint in der Tat, daß diese Aeußerungen einen realen Hintergrund haben, und daß die deutsche Diplomatie im Begriff steht, den Boden vorzubereiten für die heilige Allianz der osteuropäischen Reaktion. Durch Öcberlchuß zur Schulden- wirtichaft. Nicht wenige: als eine runde Vicrtclmilliarde beträgt nach dem „Reichsanzeiger" der Ueberschuß des Reichsetats für das Etats- jähr 1911, nämlich 249 131 174 M. Das sind sogar noch etliche Millionen m-hr als selbst Herr Erzberger, der Ruhmesposaunist unserer Finanzverhältnisse, angekündigt hatte. Wie wird der Mann jetzt erst die Backen voll nehmen, um den„glänzenden Erfolg" der Finanzreform des Schnapsblocks und die„über alles Erwarten günstige Finanzlage" des Deutschen Reiches zu verherrlichen. Schade nur, daß ein Tropfen Mermuth in den Freudenbecher unserer blauschwarzen Volksauswucherer gefallen ist. Kein anderer als der ehemalige Reichsschatzsekretär Mermuth selb st ist es ja gewesen, der kürzlich in der„Deutschen Revue" zwei Artikel veröffentlicht hat. in denen er den Erzbergerschen Schwindel von der glorreichen Schuldentilgung und der glänzenden Finanzlage un- barmherzig zerstörte. Denn nach seiner Demission hat ja Herr Mermuth den Mut gefunden, jene Kritik an der mehr als seltamen Etataufstellung wörtlich zu bestätigen, die seinerzeit von der sozialdemokratischen Presse, insbesondere vom„Vor- w ä r t s" und der„Leipziger Volkszeitung" geübt worden ist. Mit dem Viertelmilliardenüberschuß für 1911 hat cS nämlich folgende Bewandtnis: Durch das Gesetz vom Jahre 1999 war ein bestimmtes Maß der Schuldentilgung vorgeschrieben. Diese Summe wurde denn auch als„Schulden- tilgung" im ordentlichen Etat für 1911 in Höhe von 89,7 Millionen angesetzt. Statt aber zur Schuldentilgung verwendet zu werden, mußte sie dann im außerordentlichen Etat zur Deckung der Ausgaben verwendet werden, obwohl auch dann noch ein Betrag von 97, ö Millionen durch Anleihe zu decken war. Erfolgte also eine wirkliche Schuldentilgung, so erhöhte sich die Anleihe auf 187,2 Millionen Mark. Nun sind die Einnahmen des Jahres 1911 um 249 Millionen Mark höher gewesen, als der Etat annahm. Es könnte deshalb also nicht nur auf die beabsichtigte Anleihe verzichtet, sondern auch die vorgesehene Schuldentilgung vorgenommen werden und darüber hinaus noch ein Restbetrag von 62 Millionen zur Verfügung bleiben, der nach den„Absichten" Mermuths einer weiteren Schulden- tilgung zugute gekommen wäre, wenn nicht-- inzwischen ohne Deckung die neuen Heeres- und Marine- forderungen angenommen worden wären I Von dem Ueber- schuß des Jahres 1911 werden aber für das Jahr 1912 nicht weniger als 138 Millionen für diese neuen Militär« ausgaben in Anspruch genommen werden, so daß nur III Millionen übrig bleiben. Auch dieser Betrag reichte wenigstens aus, die Schuldentilgung für 1911 vor- zunehmen und auch noch einen Teil der außerordentlichen Ausgaben zu decken, für die der Anleihebetrag von 97.6 Millionen Mark vorgesehen war. Aber an eine solche Verwendung der III Millionen denkt der neue Reichsschatzsekretär nicht, sondern er will die Summe disponibel erhalten, um etwaige spätere Defizits zu decken. Folglich kann im Jahre 1911 nicht nur kein Pfennig Schulden reell getilgt werden, sondern es wird bei einer anderweiten Verausgabung der disponiblen 111 Millionen sogar für das Jahr 1911 noch eine erhebliche Anleihe notwendig sein. Herr Mermuth drückt das so aus: „Daß die Entnahme aus den Ueberschüssen gleich- bedeutend ist mit der nachträglichen Verwertung des unbenutzt gebliebenen Anleihekredits für 1911 oder mit der Neubegebung bereits getilgter Schulden, und daß man mithin ebensogut 1, eue An- leihen sür 1913 bis 1917 aufnehmen könnte, will ich nicht nochmals schildern." Daß die Finanzlage aber für das Jahr 1912 bei weitem nicht so günstig sein wird, wie für das Jahr 1911, setzt Herr Mermuth folgendermaßen auseinander: „Für 1912 konnte die Schuldentilgung nur vollführt werden, wenn wir den Bestand des außerordentlichen Etats mit über 199 Millionen Mark durch Ueberschüsse in gleicher Höhe auf- zuwiegcn vermöchten. Nach der früheren Veranschlagung wäre das nicht ausgeschlossen gewesen; aber da jetzt die Schätzungen uin 79 Millionen Mark optimisti- scher gestaltet sind, fällt die Möglichkeit wohl aus. Im Jahre 1913 wird nach den neuesten amtlichen Berechnungen die Schuldentilgungssunrme nur als G e g e n g e>v i ch t gegen den An leihebedarf von Flotte und Heer dienen; und erst in den darauffolgenden Jahren tvürde die reelle Schuldentilgung allmählich einsetzen, wenn bis dahin nicht ein neues Hindernis emporsteigt." Für 1912 waren— genau nach dem famosen Schema wie für das Jahr 14)11— 61 Millionen Schuldentilgung und 44 Millionen Anleihe vorgesehen, so daß schon ei» Ueberschpß von 196 Millionen eintreten müßte, nm den Etat in Einnahmen und Ausgaben zu balanzicren. Erst wenn mehr als 196 Millionen Mark Ueberschuß eintreten würden, was aber aus dem von Mermuth angeführten Grunde ganz ausgeschlossen ist, wäre an eine wirkliche Schulden- tilgung zu denken I Man sieht also, daß es mit der berühmten Schuldentilgung des Herrn Erzberger nichts als blau-schwarzer Dunst ist. Denn selbst wenn sich nicht, wie vorauszusehen, infolge einer eintretenden Ver- schlechterung der Konjunktur die Reichseinnahmen wieder erheblich ungünstiger gestalten sollten, wird schon unser Land-, Wasser- und Luftmilitarismus durch erneute Ansprüche dafür sorgen, daß nicht nur die berühmte Schuldentilgung, die das Gesetz von 1999 vorschrieb. aufdemPapier stehen bleibt, sondern daß wir auch immer tiefer in die Schuldenwirtschaft hinein- geraten!_ Der Kongreßbelcbluß über den Generalftreilt. Brüssel, den 4. Juli.(Eig. Ber.) Just vier Wochen auf den Tag nach jenem Wahlsonntag, der alle. die den KlerikaliSmuS niedergch�Ä zu sehen hofften, s» gründlich enttäusche» sollte, hat sich die velgische Arveiterpartei zur Kriegs- beratung versammelt. Während der Liberalismus über eine Taktik sinnt, wie die verlorenen Schäschen wieder zusammenzutreiben sind, die der viclgewandte Sänger Brogneville mit seinem konservativen Zaubergesang eingefongcn, ging das Proletariat auf seinemMonstre- kongresi von nahezu löW Delegierten daran, seine Feldzugspläne zu entwerfen, Vorbereitungen für Mnnitiousbeschaffung und Proviant zu treffen und seine Truppen zu konsignieren für den neuen, den nahen Kampf. Hatte der Kongreß durch die riesige Delegiertenmasse die gran- diose äußere Physiognomie einer passionierten Volksversammlung, so erhielt er Tempo, geistiges Gepräge, Gefllhlsrhhthmus von jener GemütSstimmung, die seit dem 2. Juni das belgische Proletariat unausgesetzt im Banne hält. Aber wie zwischen den Sturz- Wellen wallonischen Temperaments, die mutig sich' durch- ringende Stimme des Präsidenten immer wieder ihre siegende Autorität gewann, so mündete schließlich der leidenschaftliche Meinnngskainpf in eine einige Willenskundgebung, die ein überwältigendes Zeugnis der moralischen Kraft des organi- sierten belgischen Proletariats bleibt, dessen Wert um so höher an- zuschlagen ist, als die widerstrebenden Tendenzen nicht zuletzt in der Verschiedenheit der Temperaniente und Anschauungen der beiden Vvlksraffen ihre sachliche und psychologische Erklärung finden. Schopenhauer glaubte„etwan" Dummheiten gesagt zu haben, wenn er Beifall fand. Wenn die Sozialdemokratie von ihren Feinden Tadel erführt, kann das als unfehlbarer Beweis gelten, daß sie zum Wohle der Arbeiter gehandelt hat. Die Haltung der klerikalen Preffe, ihr Urteil über den Kongreß und seine Entscheidung ist kein übles Beispiel dafür. Die Vertreter von Tausenden von Proletariern, nicht nur solcher, die der Partei direkt angeschlossen sind, sondern auch jener Gruppen, die außerhalb deS Partcirahmens stehen, haben sich geeinigt, den Generalstreik zu vertagen bis zu dem politisch notivendigen und materiell möglichen Moment. Sie haben beschlossen, ihn vorzubereiten, methodisch zu o r g a n i s i e r e n, da- mit er um so sicherer friedlich und in legalen Grenzen bleibt. Sie haben sich geeinigt, ihm durch eine entsprechende Propaganda die größtmögliche Disziplin zu geben und durch eine systematische Vorbereitung der Massen ihn initwsant und un- widerstchlich zu machen. Die Zeit soll ausgenutzt werden, diegrößt- möglichste Zahl von Arbeitern für den Generalstreik mobjl zu machen. aber diese Propaganda will auch Vorsorgen, daß, wenn.diese letzte und furchtbarste Waffe des Proletariats" angewendet werden muß, sie nicht von bezahlten oder auf eigene Rechnung arbeitenden lumpigen Elementen dazu benutzt wird, wie De Broncköre in seiner mutigen Rede sagte, ein Ferment der Demoralisation in die Reihen der Arbeiter zu bringen. Diese Gedanken driickc die einmütig an« genommene Resolution auS, die die Unterschriften der Wortführer anch jener Provinz trägt, deren Arbeiterschaft Darauf drängte, daß der Generalstreik eventuell bereits ini Juli, wenn die'Regierung die Beratung der VerfassnngLrcvision verweigert, einsetzen soll.— Kurz nachdem Dcstrse in einer fulminanten Rede das Begehren der Ar- bester Charlerois verteidigt hatte, setzte er gleichwohl seinen Namen unter die Tagesordnung, die den Streik unter den angeführten Vor- aussetzungen vertagt. Die Unterschriften der beiden Vertreter deS Hcnnegau besagen nicht nur schlechthin, daß das Ivallonische Proletariat an dein Gc- danken der Einigkeit der Partei und der einigen Aktion festhält; sie drücken auch das Vertrauen des Proletariats in die Absichten ihrer Führer und Vertralleusitzänner auS�— aber ,äuch in diese: daß der Generalstreik gemacht wird, wenn alle anderen Mittel der Schlich« tung, der parlamentarischen Pression versagen, die Arbeiterschaft be» «st und der politische Moment gtiustig ist.- Kann die Sachlage unzweideutiger, klarer sein? Aber ein franzysisches Sprichwort sagt: Rieniand ist mit schlimmerer Taub- heit geschlagen, als der, der nicht hören will. Die Klerikalen haben keine Lust z»t höre», lind sie finden nun ihr höchstes Vergnüge» darin, die Arbeiter zu frozzeln, die sich von den Führern, den .Politikern",„hineinlegen" ließen I Der Tenor ihrer Artikel ist etwa: Ihr habt Euch damit drankriegen lasse», den Generalstreik zu vertagen. In Wahrheit werdet Ihr aber Euren Generalstreik gar nicht bekommen, weil ihn Eure Führer nicht wollen. Hatte die klerikale Presse nach dem Ausbruch des Massenstreiks in der ersten Juniwoche die Führer gehöhnt, daß sie die Proletarier nicht in ihrer Gewalt hätten, gilt nunmehr ihr Spott den Prolc- tarier», daß diese � sich übertölpeln lassen. Ueberflüssig zu sagen, daß nur der Schmerz der Enttäuschung aus diesem ebenso niederträchtigen wie blöden Gewäsch spricht. In Wahrheit geht es eben nie nach dem Willen der klerikalen Bande. Wie man nämlich während deS Massenstreiks im Hennegan, in Lattich usw. ein kleines Revolutiönchen gewünscht hätte, damit Herr von Broqueville mit seinen berühmten„Komplottauswüchseu" und einer staatSmännische Intervention zur Unterdrückung einer„In- surrektion" hätte inszenieren können, so wäre den Herrschaften statt des kaltblütigen Beschlusses, den Streik erst vorzubereiten und zu organisieren, ein frisch drauf losgehender, undisziplinierter, im falschen Moment einsetzender Generalstreik ach I so erwünscht gewesen. Die Klerikalen hatten mehr oder weniger gehofft, der Kongreß würde bei der starken Strömung im wallonischen Proletariat, den Generalstreik für den Zeitpunkt der Kammereröffnung zu fixieren, nicht zu einem einmütigen Beschluß kommen. Man hatte gehofft, daß sich die Temperamcntsgegensätze zwischen Blämen und Wallonen vielleicht im proletarischen Kampfe akzentuieren und zu einer Trennung innerhalb der Partei, führen würden. Kurz, man hatte Unbesonnenheiten, Unvorsichtigkeiten. Fehler. Uneinigkeit erhofft. Und siehe: der Kongreß hat das erhebendste Bild der Einigkeit ge- boten. Er hat Wallonen und Blämen, Heißblütige und nüchtern Wägende, Vorwärtsstürmende und zur Kaltblütigkeit Mahnende in einer höheren Synthese des gemeinsamen WollenS vereint. Der Kongreß erklärte: Die Partei will den Generalstreik, wenn die Negierung unnachgiebig bleibt. Aber sie will ihn von aller Hast der Ausführung fernhalten, ihre Entschlüsse in genauer Wägung und Wertung deS politischen, materiellen und psychologischen Moments fasten und alle menschlich erdenklichen Garantien schaffen für einen unblutigen, großartigen, siegreichen Streik.— Und nun sehe man sich daö Urteil der klerikalen Presse über die Kongreß« debatten, über die Führer, über die votierte Resolution an. Freut sie sich etwa der.Mäßigung" der Führer, die man sonst der Tendenz zur Ungesetzlichkeit. Revolution. Insurrektion beschuldigt? Ueberhäuft sie etwa Vandervelde mit Lob, der namens des Vor- standcs erklärte: wir sind fest entschlosten, der Arbeiterschaft ein blutiges Abenteuer, ein Massaker zuersparen? Freut- sie sich der Resolution, die diese These aufnahm und alle Maß. nahmen verlangt, ihr Kraft zu verleihen? Ach nein, lieber Leser. die Klerikalen find arg enttäuscht und ihre Enttäuschung setzt sich «ben in albernen Hohn gegen die Partei und ihre Beschlüsse um. Die liberale Presse hat natnrgemäß die Haltung der Delegierten Und den Beschluß der Vertagung sehr günstig aufgenommen, wenn auch ihr Lob über den politischen Blick der Führer und ihre Be- urteilung des Beschlusses nicht immer auf zutreffenden Schluß- folgerungen ruht. Interessanter als daö Urteil der liberalen Presse über den Kongreß ist die Stellung-d eS liberalen Bürgertums zum Generalstre»t felh.p- Ein Artikel in der heutigen„Etoile", die seit dem 2. Juni nicht genug gegen den Radikalismus loslegen kann, der im Liberalismus eingerissen und das ganze Wahlmalheur verschuldet habe, liefert zu der Auffassung inancher Sozialisten, die etwas optimistisch die mo- ralische und materielle Mitwirkung des liberalen Bürgertums bei einem Generalstreik vorwegnehmen, einen lehrreichen Kommentar. In einer liberalen Versammlung hatte ein Redner die Aeußerung getan, daß die demokratische Bourgeoisie es als eine Ehre betrachten müßte, im Falle des Ausbruchs des Generalstreiks an der Seite der Arbeiter zu sein. Wenn das Bürgertum in den Straßen sein würde, würde fichs die Regierung zweimal überlegen, auf das Volk zu schießen, wie dies in Lüttich geschehen ist.— Die gemäßigte „Etoile" findet diese Sprache tief bedauerlich. Sie meint. diese Rede entspreche nicht den Gefühlen der liberalen Bourgeoisie. Würde sie diese Sprache gutheißen, so wäre das dem Wahnsinn gleich. Die Arbeiterschaft zu einem verhängnisvollen Generalstreik hintreiben, sie zu Gewalttaten ermutigen, ihr Unterstützung und Mithilfe des Bürgertums versprechen, wäre eine halsbrecherische Politik, die die liberale Partei in Tod und Verderbnis brächte.— Diese Sprache unter- streicht in merkwürdiger Weise die Warnungsworte de BroucksreS auf dem Kongreß, sich keinen Illusionen über die liberale Bundes- genossenschaft im Falle eines Streiks— er nannte das analog dem Wahlkartell die Illusion des Generalstreikkartells— hinzugeben. Aber nicht nur die doktrinär-liberale„Etoile" führt diese Sprache. I» der erwähnten Versammlung haben auch zwei alte liberale Demokraten, der bekannte F e r o u und I a n s o n, in ihren nichts weniger als generalstreikfreundlichen Reden die Mit« Hilfe und Unterstützung der Bourgeoisie bei einem General« streik als eine durchaus nicht wünschenswerte Sache hingestellt. Mag immerhin bei einem Teile deS liberalen Bürgertums, das von Zweckgedanken nicht gänzlich zernagt ist, ein gewisser demokratischer Idealismus vorhanden fein, so war eS— die wenigen Beispiele zeigen das— nicht weniger angebracht, daß der Beschluß des Kongresses auch diese Betonung erhielt: die Arbeiter- schaft hat bei einem Generalstreik nur auf ihre eigene Kraft zu bauen. politilebe Qcberlicht. Berlin, den 9. Juli 1912. Der nationnllibernl-fortschrittliche Wahlschacher in Württemberg. Seit Monaten wird zwischen den württembergischen National- liberalen und der württembcvgischen Fortschrittlichen Volkspartei um die Verteilung der Wahlkreise bei der nächsten LandtagSwahl gefeilscht und geschachert. Ueber die sogenannte Notwendigkeit, bei der Wahl gemeinsam vorzugchen und Schulter an Schulter den „roten Feind" zu bekämpfen, waren sich die großen Strategen beider Parteien längst klar, und grundsätzlich haben denn auch die beiderseitigen Landesansschüsse sich schon im Juni mit dem Ab- schluß eines nationalliberal-fortschrittlichcn Wahlbündnisses einver» standen erklärt; aber über die Verteilung der erhofften Beute konnte man sich auf beiden Seiten nicht einigen. Zuletzt handelte es sich noch um drei Wahlkreis«, die sich in die Schachermachei nicht fügen wollten. Jetzt ist auch diese Schwierigkeit überwunden; der Kuhhandel ist abgeschlossen, und die Beauf. tragten beider Parteien haben bereits das Wahlabkommen unterzeichnet, durch den der„liberale Gedanke" zum ruhmvollen Siege geführt werden soll. N . Nach der„Köln. Ztg." hat man sich über folgende Verteilung der Mandate geeinigt: „Die Nationalliberalen erhalten ihre bisherigen neun Wahlkreise u n d 2 2 neue: die Volkspartei 16 bisherige und 18 neue. Vier Wahlkreise bleiben außer- halb des Abkommens: Tübingen-Ämt(bisher Vp.). Hcidenheim(Bb.) und Ludwigsburg-Stadt(wild), in denen sich die beiden Parteien im Kampfe messen werden, sowie Lconbcrg Sozialdemokratie gegenüber jedes Paktes zu enthalten. Es ist das ein Ver- dienst des Abkommens, das nicht gering einzu- schätzen ist und manchem die Zustimmung erleichtert hat. Günstig für die, nationalliberale Partei ist weiter die im Abkommen borgesehene Verbindung der Listen der beiden Parteien für die Proporzwahlen. Bei den letzten Landtagswahlen hatte sich die Bel»j»ärtet mit der SkMldkWkM« tür dm Prp�xg«iSiinfeu, Hier liegt also eine nicht iknfii e sen tli che Abkehr vom alten Wege vor, die alle Freunde einer Ver- ständignng des Bürgertums freudig begrüßen k ö n g e n,"_ Gegen die Gewerkschaften. Vor einigen Monaten erhielten sämtliche Vorstände der freien Gewerkschaften in Sagau i. Schl. einen Polizeiukas folgenden Inhalts: „Die Polizeiverwaltung. Stach einer Entscheidung des preußischen Oberverwaltungs- gerichts sind die Zahlstellen der freien Gewerk- schaften als„politische Vereine" anzusehen. Auf Grund des§ 3 II, III, 18 I des Vereinsgesctzes vom 19. April 1998 werden sie daher hiermit aufgefordert, binnen zwei Wochen: 1. Die Satzungen sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes nach Vor- und Zunamen, Stand und Wohnung hier- her einzureichen. 2. Jede Aenderung der Satzungen sowie jede Aenderung in der Zusammensetzung des Vorstandes binnen der gleichen Frist nach Eintritt der Aenderung anzuzeigen. Gleidjzcitig wird der Vorstand auf die Bestimmungen der§8 l7- 18, 5 des Gesetzes a. a. O. noch besonders aufmerksam gemacht, nach denen Per- sonen, die da» 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nicht Mitglied von politischen Vereinen sein dürfen, sofern es sich nicht um Veranstaltungen zu geselligen Zwecken handelt, noch in öffent, lichen politischen Versammlungen anwesend sein dürfen.- Achilles." Die Vorstände ließen sämtlich diese Aufforderung unbeachtet und verweigerten auch bei den Vernehmungen jede Aussage. Dar- auf wurde ein hochnotpeinliches Verfahren eingeleitet und Ver- Handlung für den Monsterprozeß auf den 12. Juli angesetzt. Am 8. Juli aber, vier Tage vor dem Prozeß, erhielten plötzlich die Delinquenten die Mitteilung, daß das ganze Verfahren eingestellt sei. Sang- und klanglos ging die Staatsaktion zu Ende.- Auf Herrn v. Sodens Spuren. Die badische Regierung scheint sich das klerikale Hertlingsche Regiment in Bayern als schönes Vorbild erwählt zu haben. Be- sonders gelüstet eS, wie es scheint, dem badischen Kultusminister Böhm nach dem hohen Ruhm des bayerischen Ministers des Innern, Herrn v. Soden, der bekanntlich in sich die Fähigkeit verspürt, die „bayerisch-monarchische Staatsordnung" vor der Unterspülung durch die rote Flut zu retten. Der badische KultuSetat verlangte 15 099 M. zur Unterstützung der dem patriotischen Jung-Deutschlandbunde angeschlossenen badischen Jugendvereine und weitere 1599 M. zur Ausbildung von Turnwarten. Unsere Genossen in der badischen Zweiten Kammer stellten darauf den Antrag, daß anch die Turnwarte der Arbeitervereine zu diesen Lehrkursen herangezogen würden. Obgleich dieser Antrag von libe« raler Seite unterstützt wurde, lehnte das der Kultusminister Böhm mit der Begründung ab, die Arbeiterturnvereine gehörten zur Sozial« demokratie, und so lange er aus seinem Platze stehe, werde er nie eine Organisation unterstützen, die, wie die Sozialdemokratie, gegen den Staat gerichtet sei. Die Folge war, daß gemeinsam von der Sozialdemokratie und den Liberalen die kleine Forderung von 1599 M. nicht genehmigt wurde.___ Im Zeichen des Sonnenstichs. In der Montagsbeilage der„Deutschen Tageszeitung" legt Herr Fritz Bleh an die Persönlichkeiten des Reichstages den Maß- stab des„PlastometerS". Dies Plastometcr, das ein Maler namens Burger als unfehlbaren Gradmesser geistiger und psychischer Eigen- schaften erfunden hat, ist in der Hand des Herrn Fritz Bleh ein geradezu vernichtendes Werkzeug, um die Minderwertigkeit der bösen Opposition und die intellektuelle und moralische Uebcrlegen» heit des blauschwarzen Blocks nachzuweisen. Das Plastometcr ist ein um so genialeres Hilfsmittel agrarischer Politik, als mit seiner Hilfe jeder Idiot jedem Genie das geistige Maß nehmen kann. Eine ganz bestimmte Art der Messungen liefert die unanfechtbarsten Er- gebnisse. Zum Beispiel: Ist die zwischen den beiden Augensternen gezogene Linie kürzer, als die Linie von der Nasenwurzel bis zum Mund, so besitzt das dergestalt gemessene Individuum„ideale" Eigenschaften, eine„aufbauende Seelenbeschaffenheit", während er im umgekehrten Fall zu dem geistigen Gesindel gehört, das mit einer vorwiegend„zerstörenden Willenskraft" ausgestattet ist. Aber freilich, wenn nun solch ein Sozi, wie z. B. Bebel, dessen Photo- graphiq Herr Fritz Bley dergestalt Maß genommen hat, auch wirk- lich einen„idealen",„aufbauenden" Augensternbefund aufzuweisen hat. so hat Herr Bley nach dem Rezept des Herrn Burger gleich noch eine ganze Handvoll plastometrischer Matzstäbe an der Hand, die an den Mund, die Stirne, die Nase, die Hand und wer weiß was sonst noch alles angelegt werden, um zu beweisen, daß die idealen Triebkräfte des verruchten Sozis von anderen psychischen Eigen- schaften gestört und durchkreuzt werden! Dabei ist daS Plaskmeter geradezu auf agrarische oder besser blauschwarze Physiognomien zugeschnitten, denn alle die von Herrn Bley physiognomisch untersuchten Mitglieder der konservativen, der Zentrums-, der freikonservativen und selbst der antisemitischen Partei weisen ganz überwiegend Merkmale für die„aufbauende Seelenbeschaffenheit", für„hohe ideale Begabung", die sich mit „leistungsfähiger Verwirklichungskraft paart", aus, während die Ge- sichter und Köpfe der Freisinnigen und Sozialdemokraten bei allen. schönen Einzelheiten doch schließlich nur Zeugnis für intellektuelle und moralische Minderwertigkeit ablegen. Wir haben von dem unsäglichen Geschwafel des Herrn Bley bisher noch keine Notiz genommen, weil wir glaubten, daß das Zeug nur infolge der sommerlichen Redaktions-Verwaisung in das Bündlerblatt geraten sei. Da nun aber trotz eines Hohnartikels der„Freisinnigen Ztg." Herr Bley in einem Feuilleton von mehr als zwei Spalten abermals seinen Blödsinn verzapft und sich oben- drein noch über die„Aufklärer" moquiert, die die„Wissenschaft- lichen" Forschungsergebnisse des Herrn Burger aus politischer Vor- eingenommenhcit mißachteten, müssen auch wir schon der Sache einige Zeilen widmen. Wenn Herr Bley so geschmackvoll ist. sich auf die Wissenschaft zu berufen, so mag das ja bei ihm noch hingehen, aber der Rcdak. tion der„Deutschen TageSztg." sollte doch wohl bekannt sein, daß die naiven Vorstellungen eines Gall und seiner Schüler von der Wissenschaft längst aufgegeben worden sind, und daß in den letzten Jahrzehnten die„Phrenologie" nur die Spielerei eines unwisscn. schaftlichen Dilettantismus gewesen ist. Die moderne Gehirn- Physiologie hat zivar experimentell nachgewiesen, daß die Reaktions. zentren für bestimmte Sinnescindrücke in bestimmten Gehirn. Partien zu suchen sind, allein die allzu primitwe Vorstellung, daß auch bestimmte intellektuelle oder moralische Eigen- schaften in bestimmten Gehirnpartien nachzuweisen seien, hat sie. als ebenso unpsychologisch, wie gehirnphysiologisch nnnachwcisbar, längst aufgegeben. Daß nun gar an Stelle der Gehirn- oder auch nur Schädelbildung die GcsichtSbildung einen absolut sicheren Schlüssel für das Seelenleben die geistige Kapazität oder den Charalter eines Menschen abgeben sollte, kann nur ein Mensch beWxtezi, pm vstssenschaftliKen Dingeg x�ensowcnig siiu Snjnun'g Hai, fine Eon den ElemenIarEegriffen der Psychologie. Denn daß Begriffe wie.aufbauende Seelentätigkeit" und.leistungS» fähige Verwirllichungskraft" absolut nichtssagend sind, kann nur einem Fritz Bley verborgen geblieben sein. Die„Deutsch- Tageszeitung" aber kann fortan den Ruhmestitel für sich in An- spruch nehmen, unfreiwillig jedem Witzblatt den Rang abgelaufen zu habclll Kriegsgerichtlich verurteilte Kapläne. Unser heutiger Militarismus duldet bei den Untergebenen lein Selbstbewußtsein. Eine Beschwerde, die von zuviel Selbst- bewußtsein getragen ist, kann für den Beschwerdeführer sehr leicht recht gefährlich werden. Das sollten einige lothringer Kapläne, vermutlich zu ihrer großen Ueberraschung, erfahren. Im gewöhn- lichen Leben nehmen die Kapläne für sich in Anspruch, komman- dierende Generale der gläubigen Schäfchen zu sein. Als nun jüngst die Kapläne Spacher, Hennquin, Adam und Mathieu in Dieden- Hofen zur Kontrollvcrsammlung waren, gerieten sie mit dem Be- zirksoffizier, Hauptmann Bode, in Konflikt. Der Hauptmann stellte sie zur Rede und das wollten sich die Herren Geistlichen nicht gefallen lasten. Sie beschwerten sich über den Hauptmann, hielten aber nicht den vorgeschriebenen Dienstweg ein. Außerdem drohten sie in der, christlichen Beschwerde, sie würden sich, falls ihnen die Militärbehörde nicht recht gäbe, an den Landtag wenden. Der Hauptmann sah in dieser Beschwerdeschrift eine Achtungsverletzung und Drohung und erstattete Anzeige. DaS Metzer Kriegsgericht verurteilte nun am Montag die Angeklagten wegen Achtungsver- lctzung, Widerstandes und Bedrohung zu je 6 Monaten Gefängnis. Ein fünfter Geistlicher, der die Beschwerde mit unterschrieben, sonst aber an dem Konflikt nicht beteiligt war, erhielt drei Tage Arrest. Die Verurteilten haben Berufung an das Oberkriegsgericht eingelegt. Die ärztlichen Scharfmacher. Die Beleidigungsklage des sogenannten Leipziger Aerzteber- bandes gegen den Redakteur Kempkens von der„Rheinischen Zeitung" und den Kölner Kassenarzt Dr. H. Baum beschäftigte dieser Tage wieder das Landgericht Leipzig, nachdem das Ober- landeSgericht in Dresden as erste Urteil, das gegen Kempkens auf ISO M., gegen Baum auf 200 M. lautete, wegen erheblicher Mängel aufgehoben hatte. Die Angeklagten wiesen nach, daß der Inhalt des betreffenden Artikels in seinem ganzen Umfange den Tatsachen entspreche: daß von feiten des Leipziger Verbandes die ärztlichen Ehren» g e r i ch t e gegen die kassentreuen Aerzte mißbraucht und offen beeinflußt worden seien, daß der Leipziger Verband unter Auf- Wendung vieler Tausende aus seiner Kasse systematisch Kassenärzte zum Kontraktbruch verleitet habe, daß im offiziellen Organ des Leipziger Verbandes der Beschluß veröffentlicht worden sei, nicht nur keine Kassenmitglieder zu behandeln, sondern„auch keinen von den nichtVersicherten Angehörigen(!) der Kassen- Mitglieder irgendwie(!) zu behandeln, auch nicht gegen Bar- Zahlung und auchnichtin Notfällen"(!). Selbst Herr von Bethmann Hollweg habe demgegenüber das Wort von dem „Boykott Kranker und Sterbender" gebraucht. In Köln verhindere der Leipziger Verband die Beteiligung der dortigen Aerzte an den Fortbildungskursen der Akademie für prak. tische Medizin, sogar der Schulärzte, so daß der Stadt Köln jährlich ein Defizit von 70 000 bis 80 000 M. aus den Kursen, die nun nur für auswärtige Aerzte stattfinden, entstehe. Das offizielle Organ des Leipziger Verbandes habe die Assistenzärzte der Kölner Krankenhäuser, weil dort Kassenkranke behandelt werden, aufge- fordert, die Tätigkeit mit sechswöchiger Kündigung einzustellen, wo- bei das Blatt auf die derzeit„günstige Konjunktur(!I) des überall herrschenden Assistentenmangels" hingewiesen habe. Die ganze KampfeSart deS Leipziger Verbandes sei ein Hohn auf jede Humanität, und sie offenbare eine Frivolität, der gegenüber die in dem Artikel gebrauchten Ausdrücke, wie„lichtscheues Treiben",„Er- niedrigung des ärztlichen Standes" usw. nicht zu scharf seien. Der Passus von dem„Verschwinden Hunderttausender" aus der Ver- bandskasse solle lediglich die Ausgaben ohne öffentliche Rechnungs- legung und die illoyale Verwendung großer Summen zur Verlei- tung von Kassenärzten zum Kontraktbruch treffen. Daß Gericht fand, daß trotzdem der letzterwähnte Passus den Vorwurf der Unredlichkeit enthalte und gegen die beiden Vertreter des Leipziger Verbandes gerichtet sei, wegen der anderen Beschuldi. gungen(Beeinflussung der Ehrengerichte. Verleitung zum Vertrags. brach, Vcrtveigerung ärztlichen Beistandes in Fällen dringender Gefahr) den Nachweis für erbracht; indes fei die Form beleidigend. Das frühere Urteil: ISO M. und 200 M. Geldstrafe, sei darum aufrechtzuerhalten._ Ocltemlcb-Cliigani. Die Militärdiktatur in Bosnien. Man schreibt uns aus S e r a j e w o: Der Parteitag der sozialdemokratischen Partei Bosniens und der Herzegowina, der am 30. Juni zu tagen begonnen hatte, ist bekanntlich von der Polizei verboten worden. Das Verbot ist nur eine Teilerscheinung der politischen Reaktion, die im ganzen Süden der österreichisch-ungarischen Monarchie herrscht. Sehr wichtige Aenderungen haben in letzter Zeit in der bosnischen Politik der habsburgischen Monarchie stattgefunden; Aenderungen, die sogar eine internationale Bedeutung haben können. Der neue Minister BilinSki. der nach dem Tode des Grafen Aehrenthal zum gemeinsamen Finanzminister und damit zum Verwalter der Reichsländer Bosnien und Herzegowina er- nanut wurde, brachte ein« Umwälzung in die bestehenden Ver- hältniffe. Die Rechtslage der Reichsländer ist unbestimmt. Sie gehören weder der einen noch der anderen Hälfte der Monarchie und haben keine Vertretung in den Delegationen. Zwischen den beiden Regierungen wird ein geheimer Krieg um die Vorherrschaft in den Reichsländern geführt. Konnte der neue Minister wegen des Widerstandes der ungarischen Regierung die Reichsländer nicht einfach Oesterreich angliedern, so.war es doch möglich, als Konzession für die Auslieferung Kroatiens an die Willkür der ungarischen Regierung, von dieser dafür die Einwilligung zu einer VerwalrungSreorganisation.der Reichsländer zu bekommen, die die unmittelbare Macht des Hofes und öcs Generalstabes in den Reichsländern beinahe absolut macht. Bilinski entließ die alte Landesregierung, hob die bestehende Selbständigkeit der Zivilverwaltung auf. erklärte den die Truppen kommandierenden General zum faktisckxn Chef des Landes, dem die ganze Verwaltung unterliegen solle und ohne dessen Ein- willigung keine Regierungsaktion unternommen werden könne. Seine Macht ist auch noch dadurch verstärkt worden, daß einige Funktionen der Landesregierung, die früher dem gemeinsamen Finanzministerium oblagen, jetzt auf die Landesregierung über- tragen worden sind. Diese wichtige Veränderung vollzog sich ohne Befragung deS bosnischen Landtages, als er sich in den Ferien befand. Die all- gemein« Unzufriedenheit, die jetzt in allen politischen Kreisen herrscht, ist leicht zu verstehen. Ter Landtag wird kaum einen Einfluß auf den vom Hofe und Generalstab abhängigen neuen Landeschef haben können, Die nächsten und die zukünftigen Militärzwecke, nicht aber die Bedürfnisse des Landes, werden daS einzig Maßgebenden für die Richtung der Landespolitik fein. Das hat sich eben beim ersten Schritt gezeigt. Nicht mit einer Verfassungsrevision, nicht mit der Abschaffung des das Wirtschaftsleben des Landes verderbenden Zinsbauertums kommt die neue Verwaltung, sondern mit dem neuen Bauplan der strategischen Eisenbahnen. Nach dem ersten Plan soll eine Anleihe von 182 Millionen, nnch verschiedenen Ansprachen BilinskiS in Serajewo zu schließen, sogar in Höhe von 200 Millionen auf- genommen werden, wovon drei Viertel zur Umbildung der be- stehenden schmalspurigen in breispurige und zum Bau neuer Bahnen verwendet werden sollen. Erwähnt sei, daß auch die be- stehenden Bahnen in den Reichsländern hauptsächlich zu militäri- schen Zwecken dienen. Jahraus, jahrein belasten sie das Budget des armen Landes mit 5 Millionen Defizit. Und was noch schlimmer ist: durch die sonderbare Tarifpolitik wird der inländische Warenverkehr unmöglich gemacht, da es billiger ist, über die Landesgrenzen aus- und einzuführen, als in den naheliegenden Handelszentren deS Landes selbst. Mit Recht ist man im Lande mit der ganzen Eisenbahnpolitik unzufrieden. Der Landtag verlangt die Uebertragung des Eigen- tumsrechts an den Bahnen auf die zivile Verwaltung und das Bestimmungsrecht in der Tarifpolitik. Er widersetzt sich dem Bau der rein militärischen Strecken auf Landeskosten. Um den Landtag zur Annahme seines Planes zu bewegen, weilte Bilinski zehn Tage in Serajewo, wobei er mit allen bürgerlichen Politikern konferierte und die Teilnahme der Monarchie an den Kosten der neuen Eisenbahnbauten versprach. Recht spärlich waren die ihm sich anschließenden Abgeordneten. Eine öffentliche ge- nügende sogenannte„Arbeitsmehrheit" konnte er nicht zustande bringen. Was im geheimen ausgemacht wurde, weiß man nicht. Sicher ist nur, daß im Falle des Widerstandes des Landtages gegenüber den Plänen der Militärverwaltung eine Auflösung zu erwarten ist. Man zeigt auch schon ganz offen, daß man mit einer gewaltsamen Unterdrückung des Volkswiderstandes rechnet. ES ist leicht einzusehen, daß die Knechtung der Völker im Süden der habsburgischen Monarchie, die Etablierung der Militär- diktatur und die neuen großen strategischen Eisenbahnbauten in unmittelbarem Zusammenhang stehen mit einem neuen im- perialistischen Vorgehen auf dem Balkan. Das ist es, was diesen Ereignissen internationale Bedeutung gibt und worauf wir die Augen unserer ausländischen Genossen hinlenken möchjen. frankmcb. Das Zehustundengesetz. Paris, 5. Juli.(Eig. Ber.) Die Deputiertenkammer hat gestern das Zehnstundengesetz angenommen. Mit einer ungeheuren Mehrheit— 49i gegen 51 Stimmen—, die allein schon die Halbschlächtigkeit der Reform beweist. Das Bemühen der Gcwerberetter der radikalen Partei, das Gesetz zugunsten der kleinen Unternehmer zu durchlöchern, hatte den Wert der ganzen Vorlage in Frage gestellt, indes gelang es den sozia- listischen Rednern, den Schaden einigermaßen einzudämmen. Der Artikel I des Gesetzes setzt die tägliche Arbeitszeit auf 10 Stunden fest, gestattet aber während einer Uebergangs- Periode von zwei Jahren für die erwachsenen Männer— Frauen und Kinder sind ja schon durch das Millerandsche Zehnstundengesetz geschützt— eine Maximal- arbeit von 12 Stunden in den Betrieben, die weniger als 20 Arbeiter beschäftigen, wofern sie keine Werkzeug- Maschinen und mechanische Motoren anwenden, sowie in allen Betrieben mit weniger als 10 Arbeitern. Auf Antrag des Radikalen P u e ch wurde im Artikel Hl diese Ausnahme dauernd allen Betrieben mit weniger als 5 Arbeitern bewilligt. Die Sozialisten haben für das Gesetz gestimmt. Vor der Abstimmung gab Genosse Bracke im Namen der Fraktion folgende Erklärung ab: „Wir stellen fest, daß die Reform in jedem Sinn, in ihrer Tragweite wie ihrer Wirksamkeit eingeschränkt ist. Das Staffel- system entzieht den Arbeitern die Vorteile, die sie aus einer un- mittelbaren Reform durch Einschränkung der Arbeitslosigkeit gezogen hätten. Das Gesetz ist in seiner Ausdehnung des- gleichen durch die Ablehnung unseres Vorschlags über die Ab- kürzung der Arbeitszeit in den kontinuierlichen Betrieben ein- geschränkt. Die Arbeiterklasse hat Ihre Debatten verfolgt. Sie hat die nötigen Lehren daraus gezogen, als sie Sie erst 86Proz. dann 54 Prozent dcrArbciter von den Wohltaten des Gesetzes aus- schließen sah. Endlich ist das Gesetz in seiner Anwendung durch die Einrichtung der 90 Ausnahmstage, die mehr als ein Drittel des Jahres darstellen, beeinträchtigt. Wenn Sie heute nicht einen bedeutenden Teil dieser Einschränkungen zeitlich beschränkt hätten, wäre es uns unmöglich gewesen, für das Gesetz zu stimmen. Wir stimmen dafür�weil wir es als ersten Versuch ansehen, eine ernsthafte Begrenzung der Arbeits- fron herbeizuführen. Und wir werden mit der ganzen Arbeiter- klaffe daran arbeiten, das Maß ihrer Ausbeutung zu ver- ringern. Wir sind überzeugt, daß binnen kurzem die Tat- fachen selbst Sie zur Verbesserung des Gesetzes zwingen werden." Die radikale Presse stimmt aus Anlaß der Annahme des Gesetzes Jubelhymnen an. Die„Lantcrne" sieht darin einen Beweis, daß der Parlamentarismus zur ernsten Reformarbcit nicht unfähig sei. Man sieht, die Linke ist in ihrem sozial- reformerischen Idealismus recht bescheiden geworden. Indes erregt das Gesetz auch in seiner den Kleinbürgerinteressen zurcchtgeschnittenen Gehalt den Unwillen der großen Unter- nehmerpresse. Der„Temps" läßt einen albernen Schimpf- artikel im ödesten Manchestcr-Jargon dagegen los und spricht die Hoffnung aus, daß der Senat, den Spuren des Herrn Puech folgend, es noch„weniger schädlich" machen werde. Belgien. Die Eröffnung der belgischen Kammer. Brüssel» 9. Juli. Heute nachmittag 2 Uhr erfolgte die Eroff- nung der außerordentlichen� Kammersitzung. Vor dem Parlamentsgebäude waren umfassende polizeiliche Maßregeln getroffen, um eventuelle Kundgebungen und Unruhen zu verhindern. Bis jetzt hat sich keine Störung ereignet. Die Eröffnung erfolgte unter Vorsitz des Alterspräsidenten Staats- Ministers Beernacrt. Vor Beginn der Sitzung hatten die Mitglieder der Linken der Kammer und des Senats eine Versammlung abge- halten, in der besonders die Frage der Wahlfälschungen zur Sprache gelangte. Portugal. Der monarchistische Putsch. Lissabon, 9. Juli. Die unter dem Befehl des Kapitäns Pa i va Conceiro stehenden Verschwörer waren durch Montalcgre mar- schiert und hatten sich gegen Chaves gewandt. Sic hatten sich mit der Kolonne Camachos verbunden und sich dann mit republikani- schen Truppen in einen Kampf eingelassen. Lissabon, 9. Juli. Die Rohalisten haken Mit zlvei Ge- schützen Chaves angegriffen, sind jedoch durch die Ar- tillerie der Republikaner unter Verlusten zurückgeworfen worden. während die Republikaner keine Verluste hatten. Der Kampf dauerte zwei Stunden. Madrid, 9. Juli. Wie aus Orense gemeldet wird, wurde in Chaves ein Offizier, als er seine Soldaten aufforderte, die Waffen gegen die Republikaner zu erheben, von diesen getötet.— Die Verluste der Kolonne Conceiro belausen sich auf 30 Tote und 100 Verwundete. Lissabon, 9. Juli. Wie verlautet, haben die Kammern gestern abend einstimmig und ohne Debatte die Regierung ermäch- tigt, die konstitutionellen Garantien in den Orten, wo es notwendig fein sollte, aufzuheben, Marokko. Ein spanisch-französischer Zwischenfall. Paris, 9. Juli. Aus Tanger wird gemeldet: Zwischen Ma- trosen des spanischen Kreuzers„Reina Regente" und Matrosen des französischen Kreuzers„Du Chayla" kam es auf der Straße zu einer großen Rauferei. Spanische Zivilisten ergriffen für ihre Landsleute Partei und die Franzosen mußten sich schließlich in die Nähe einer Kirche zurückziehen, von wo sie unter Führung eines Offiziers auf das Schiff zurückkehrten. Ein französischer Matrose wurde durch einen Messerstich schwer verletzt, Huö der Partei. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für den Reichstags« Wahlkreis Fürstentum Lippe hielt am Sonntag. 7. Juli, in Detmold feine Generalversammlung ab. Der Verein hatte weiter unter Lokalabtreibungen zu leiden, was sich namentlich bei der Reichstagswahl sehr bemerkbar machte. Die Wahl brachte der Partei eine Zunahme von 2058 Stimmen(7814) gegen 1907, während die Konservativen nur 1168 Stimmen mehr aufbrachten und die Fort- schriltler um 1648 Stimmen zurückgingen. Die Abrechnung der Reichstagswahl schließt mit 4683.84 M. ab. Die Jahreseinnahme des Vereins betrug 7219,20 M.. darunter 2705,55 M. an Beiträgen; die Ausgabe betrug 6903,38 M., so daß am 30. Juni ein Kassen- bestand von 315,82 M. vorhanden war. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1044(das sind 43 mehr gegen das Vorjahr), darunter 63 weibliche. Die Abonnentenzahl der„Volkswacht" ist um 167 ge- stiegen. Flugblätter und Broschüren wurden 200 000 verbreitet; 450 Versammlungen, davon 98 während der Reichstagswahl fanden statt. 39 Genossen sitzen in Gemeindevertretungen. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Debatte über die im Januar 1913 stattfindende LandtagSwahl ein.— Zum Parteitag in Chemnitz wurde Genosse Becker gewählt. Die Generalversammlung deS Sozialdemokratischen Verein? für Schwarzburg-Sondershausen wählte als Delegierten zum Parteitage in Chemnitz den Genossen Dr. Kurt Rosenfeld-Berlin. Sie erklärte sich gegen die Einsetzung eines Parteiausschusses und wünscht bei der Annahme einer Beitragserhöhung eine längere Ueber» gangszeit für die finanziell schwachen Kreisorganisationen. Die Mitgliederzahl ist im letzten Jahre von 985 auf 1447 ge- stiegen. Zur Förderung der Agitation soll ein Geschäftsführer an« gestellt werden.__ Bon der Partcipresse. Der württembergische Landesvorstand erläßt ei ne Bekanntmachung, wonach die Redaktion der„Schwäbischen Tagwacht" nunmehr folgendermaßen besetzt sei: C r i s p i e n: politischer Teil; P f l ü g e r: württembergische Politik; V e r l i ch: lokaler Teil; Sauerbeck: übriger Teil und Werke: Feuilleton. Ein sozialdemokratischer Wahlsieg w der Schweiz in zweiter Aiifiage. Bei den vor einigen Wochen in der zirka 40 000 Einwohner zählenden Uhrenarbeiterstadt Chaux-de-Fonds vorgenommenen Gemeindewahlen wurde» 20 Sozialdemokraten, 13 Radikale und 7 Liberale gewählt. Da sich bei dieser Stimmengleichheit unserer Genossen und der verbündeten Bürgerlichen die Stadtverordneten- Versammlung aus die Wahl deS kleinen Stadtrats(Magistrats) nicht einigen konnten, demissionierten alle Parteien, um eine Neuwahl und andere Zusammensetzung des Stadtparlaments herbeizuführen. In der neuen Waylbewegung übte die romanische Grlltlisektion Partei- verrat, indem sie eine eigene„sozialdemokratische Liste" mit OKandidaten ausstellte, um so den sicheren abermaligen Erfolg unserer Partei zu vereiteln und die Geschäfte der Gegner zu besorgen. Prompt wurden diese verräterischen Grütlianer vom Zentralvorstand aus dem Gesamt- verein ausgeschlossen und nun wurden 21 Sozialdemokraten!, 13 Radikale und 6 Liberale gewählt. Die 21 Sozialdemokraten werden nun gegen die 19 Bürgerlichen den Stadtrat wählen können. polueilickes, Omehttleheo ukw, Parteiehre und bürgerliche Justiz. Im Berufungsverfahren wurde am Montag, den 8. Juli, bor der Strafkammer in Stuttgart der BeleidigungSprozeß SkalSky-Westmeher verhandelt. In einer geschlossenen Mitgliederversammlung deS Sozialdemo- kratischen Vereins Stuttgart halte der Beamte auf dem Bureau des Metallarbeiterverbandes S k a l s k h einem alten Arteiter, nach vor- aufgegangenem Wortwechsel, in das Gesicht geschlagen. Auf Antrag deS Mißhandelten zu einer Sitzung der Parteileitung geladen, ant- wartete Skalsky: DaS fei seine Privatsache, die gehe die Partei nichts an. Eine von ungefähr 1099 Parteigenossen besuchte Mit- gliederversammlung deS Sozialdemokratischen BercinS Stuttgart beschloß daraufhin, gegen Skalsky das Ausschlußverfahren einzuleiten auf Gnmd deS§ 23 des Parteistatuts. Dieser Beschluß der Per- sammluna wurde in der„Schiv. Tagwacht" in einem kurzen Satze unter Zitierung der betr. Bestimmung des Statuts bekannt gegeben. Skalsky klagte daraufhin gegen den verantwortlichen Redakteur der„Tagwacht", Genossen West meyer, wegen Beleidigung. Das Schöffengericht Stuttgart verurteilte denn auch W. zu 39 M. Geldstrafe event. 6 Tagen Gefängnis sowie in die üblichen Neben- strafen. In der Begründung des Urteils wird gesagt, richtig sei, daß der Bericht nur den Wortlaut des VersammlungSbeschlusses wiedergebe. Trotzdem liege eine Beleidigung vor, da nach Ansicht deS Schöffengerichts zwar eine strafbare tätliche Beleidigung vor- liege, aber keine ehrlose Handlung, wie die Parteiversammlung an- genommen habe. In der Verhandlung bor der Strafkammer machte West meyer geltend, die Mißhandlung eine? alten Arbeiters in geschlossener Mit- gliederversammlung durch einen ihm an Kräften weit überlegenen Gegner, der sich obendrein»och in einer Vertrauensstellung in einer Arbeiterorganisation befinde, sei zweifellos eine ehrlose Handlung. Organisierte Arbeiter empfinden eS als Schmach, geschlagen zu werden. Daß er(Westmeher) sich mit der Bekanntgabe des Wortlautes deS Versainmlungsbeschlnsses begnügt und nicht noch einen Kommentar dazu geschrieben, sei wohl verständlich: habe es sich auch nicht um- gehen lassen, angesichts der tiefen Erregung in der Arbeiterschaft den Parteiversammlungsbeschluß bekannt zu geben, so habe man auch andererseits keinen Anlaß gehabt, eine so tief bedauerliche Handlung eines Parteigenossen in einer geschlossenen Mitglieder- versamnilmig der breiten Oeffentlichkcit bekannt zu geben. Pom Rechtsbeistand des Genosien Skalsky wurden demgegenüber im wesentlichen die Gründe des Schöffengerichts wiederholt. Die Strafkammer erkannte auf Verwerfmig der Berufung. Sie schloß sich fast wörtlich den AuSsührnngcn deS Schöffengerichts an. Die Mißhandlung des Arbeiters sei leine ehrlose Handlung, die Bekanntgabe des Beschlusses der Parteiversammlung in der„abrupten" Form(des Wortlautes deS Parteistatuts) fei beleidigend. DaS babe der Angeklagte gewußt und gewollt. GewerkfchaftUcbea« Gelbe und Keichsverband. Die Gelben hielten vor einiger Zeit eine Tagung in Essen ab. Man wollte dort unter den christlichen Arbeitern Reklame für die gelbe Sache machen. Dieser diente auch ein Festzug, zu dem mau alles was gelb ist aus den Gebieten von Düsseldorf, Krefeld. Recklinghausen, Dortmund, Hagen und Elberfeld zusammengetrommelt hatte. Das.Ergebnis war kläglich. An dem Zuge beteiligten sich etwa 4500 Mann, noch nicht einmal soviel, als der Kruppsche„Nationale Arbeiter verein" angeblich an Mitgliedern zählt. Der ganz Deutschland umfassende„Bund deutscher Werck vereine" zählt gegenwärtig 1 13 Vereine mit 88 tXX) Mitgliedern. Gegen das Vorjahr sollen es 30000 Mitglieder mehr geworden sein, doch sind diese im wesentlichen durch Anschluß bereits bestehender Vereine gewonnen, von denen heute noch 100 niit etwa 20 000 Mitgliedern„abseits stehen". Die G e- s a m t e i n n a h m e n der Bundcskasse betrugen 1911 gleich 8088,85 M., die Ausgaben 4133,05 M. Wahrlich, ein„beispielloser" Erfolg! Bei Betrachtung dieser Zahlen muß man immer in Rechnung stellen, daß viele Mitglieder der gelben „Werkvcreinc" denselben nur zwangsweise angehören. Sie würden ohne ihren Beitritt zu diesen Vereinen keine Arbeit erhalten oder die gefundene Arbeit verlieren, wenn sie es nicht ruhig mitansehen, daß man ihnen die Beiträge für den Werk- verein bei der Lohnzahlung von ihrem Arbeitslohn in Abzug bringt. Auf dieser Tagung der Gelben verlangte man ganz ungeniert nach� einem Zuchthausgesetz. Der Versitzende des gelben Bundes Schönknccht- Berlin begrüßte in seinem Jahresbericht den zu Anfang dieses Jahres im preußischen Landtage gestellten Antrag auf Einbringung eines Gesetz- entwurss„zum Schutze der Arbeitswilligen". Damit schien eine alte Forderung der Werkdereine ihrer Verwirklichung einen Schritt nähergekommen. Leider habe aber dieser Antrag einen praktischen Erfolg nicht gehabt. Nach dieser Leistung fand man den Mut, den Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie um gut Wetter zu bitten, damit die„gelbe" Bewegung von der„nationalen" Bewegung, die ebenso unbedeutend ist, nicht an die Wand gedrückt werde. Tic zwischen dem„Bund deutscher Werkvereine" und dem Hauptansschuß der„wirtschaftfriedlichen-nationalen Arbeiter- bewegung" bestehenden Differenzen sollen nach Möglichkeit beseitigt werden. Ter Reichsverband gegen die Sozialdemokratie ist nun nach geschlossener Tagung sofort an die Arbeit gegangen, diese Einigungsaktion in seinem Sinne zu betreiben. Vor uns liegt ein schreiben der Geschäftsstelle Breslau des Reichs- Verbandes an den Deutsch-nationalen Fleischergesellenbund in Berlin, in dem es heißt: „Im Anschluß an die Tagung der wirtschaftsfriedlichen nationalen Arbeiterbewegung in Essen, ersuche ich um gefällige Mitteilung, ob hier in Breslau eine Zweiggruppe Ihres Bundes �besteht, bezw. wer dessen(!) Vorsitzender ist, damit sich eventuell ein Zusammenschluß der hiesigen nationalen Arbeiterverein"!- gungen herbeiführen läßt. Mit deutschem Gruß usw." Tb der Reichsverbond in selbstloser Weise bei diesem Zusammenschluß auch an die„Gelben" denkt öder aber diese trotz der wirtschaftsfriedlichen-nationalen Einigung in Essen links liegen läßt, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Wir glauben aber stark, daß die„Gelben" an den„Nationalen" nach wie vor ihren schweren Aerger haben werden. Und das Schlimme ist, das müssen sie hinunterwürgen, während sie den gegen die moderne Arbeiterbewegun g in ungenierter Weise ausgeifern können!_ Berlin und CXmgegcnd. Deutscher Buchbinderverband. Die Urabstimmung am 6. Juli für die Wahl zweier Beisitzer zum Berbandsvorstand zeitigte folgendes Resultat: ES erhielten die Kollegin Krzymin 1467, Kollege Wienecke 1164, Kollege T e ii l s ch e r 376 und Kollege D ä h n e 317 Stimmen. Die ersten beiden sind somit gewählt. __ Die Ortsverwaltung. Eine„freigebige" Kirchengemeinde und ihre Arbeiter. „Eine Kirchengemeindc, der es sehr gut geht und die darum ge- nannt zu wvrden verdient, ist die hiesige Luisenstadtgemeinde. Di« Gemeinde hat durch umfangreiche Länderverkäufe in Neukölln große Summen erworben. Die neuen Gcmcindekörperschasten haben sich nun gleich von einer erfreulichen Freigebigkeit gezeigt. 200 000 Mark haben sie dem Kgl. Konsistorium für den Bau einer Kirch« in Charlottcnburg zur Verfügung gestellt, weiter haben sie Gelder bewilligt für das Gemeindehaus der Thomasgeweinde, ferner für einen Kirchenbau in Rahnsdorf. Für die Kirche in Swakopmund (Tcutsch-Südwestafrika) wurde Kanzel und Altar, für die Kirche in Lüdcritzbuchi(ebenfalls Südwestafrika> wurde ein Harmonium gestiftet. Diese Freigebigkeit der reichen Gemeinde wird' allgemeine Anerkennung finden." so konnten wir es vor einigen Tagen in bürgerlichen Blättern lesen. Und nun die Kehrseite der Medaille. Wie steht es mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der bei dieser Gemeinde tätigen �rledhofsarbcitcr? Alle fünf Jahre soll auf diesen Friedhöfen eine Zulage von 25 Pf. pro Tag gezahlt werden. Diese Zulage ist nun ä.m ö. I. nicht" zur Auszahlung gelangt. Es wurde darum eine Eingabe an den Gemeindekirchenrat gerichtet, in der die Aus- zahlung der Zulage verlangt wird. Ferner wird, in Anbetracht dpr verteuerten Lebenshaltung, eine allgemeine Lohnerhöhung für alle Arbeiter gefordert. Weitere in der Eingabe ausgesprochene Wünsche betreffen die Arbeitsruhe an den Feiertagen, die in die Woche fallen, wie Karfreitag usw. Dann wird verlangt, daß der Lohn wahrend der Arbeitszeit ausgezahlt wird, ferner, daß an Sonn- und Festtagen der Arbeitsbeginn auf 7 Uhr, statt wie jetzt auf 6 Uhr gelegt wird. Sänitliche Wünsche der Arbeiter, mit Ausnahme der Lohn- zahlung während der Arbeitszeit, haben die Gemeindekörperschaften abgelehnt. Während auf der einen Seite Hunderttausende von Mark an andere Gemeinden gespendet werden, ja selbst Summen für Afrika ausgeworfen werden, hat der Gemeindevorstand für seine Arbeiter nichts übrig. Diese können weiter darben. Und dabei sind es doch die Arbeiter, die auch jedes Jahr dazu beitragen, der Gemeinde neue Uebcrschüsse, besonders von den Gießgeldern,' zu- zuführen. Das Publikum würde staunen, wenn es mal eine Aus- stellung bekommen würde, was die Gemeinden an den Giehgeldern der Friedhöfe verdienen. Die Entlohnung der FriedhofSarbeiter ist aber auf fast sämt- lichen Berliner Friedhöfen eine sehr schlechte. Löhne von 3,50 M. bis 4 M. pro Tag bilden die Regel. Dabei ist der größte Teil der Arbeiter nur Saisonarbeiter, nur während der Sommermonate beschäftigt. Die Ursache der schlechten'Verhältnisse auf den Fried- Hofen liegt in den schlechten Organisationsverhältnissen. Erst in den letzten Jahren ist es gelungen, von den Friedhofsarbeiiern der Kirchengemeinden eine Anzahl in der Sektion der Fried- Hofsarveiter des Allgemeinen Deutschen Gärtner- v«reins(Adresse Berlin S. 42, Luis«n-Ufcr 1) zu organisieren. Der gewerkschaftlichen Organisation sollten sich alle Friedhofs- arbeiter anschließen, dann werden auch bessere Verhältnisse in diesen Betrieben einziehen._ Fleischerboykott Neukölln. Tic boykottierten Fleischermeister greifen jetzt zu sehr eigen- artigen Mitteln, um die verloren« Kundschaft wieder zu bekommen. In der Umgebung der b o h k�> t i i c r t c n Flcischermeister K ö p k e, Hermannstr. 150, und K a p l i k, Emser Str. 103, sind Zettel angeklebt, daß die Fleischermeistcr Gleich, Emser Str. 40, Stock, Emser Str. III, und Erste Neuköllner Engrosschlächterei, Hermannstr. 114, den Tarif nicht anerkaiknt haben, was jedoch un- wahr ist. Wörtlich heißt es auf diesen Zetteln: ..Fleischermeister.......... weigert sich und hält den Tarif nicht ein, derselbe ist boykottiert." Wir bemerken, daß die drei Fleischermeister den Tarif gleich im Anfang anerkannt haben und daß es bis jetzt in diesen Be- trieben noch zu keinerlei Differenzen gekommen ist. Das Ganze ist ein grobes Täuschungsmanöver. Wir ersuchen die Partei- und Gewerkschaftsgenossen, darauf zu achten, daß ihre Frauen die Fleischwaren nur in solchen Geschäften kaufen, wo das Plakat, weiß mit rotem Rand, unterzeichnet Paul Bergmann, aus- hängt. Alle anderen Geschäfte sind streng zu meiden. Zentralverband der Fleischer. veutfches Reich. Zur Aussperrung der Metallarbeiter in Hannover. Die Einigungskommission verständigte sich Montag abend da- hin, den Mitgliedern neben den bisher gemachten Vorschlägen weiter zu empfehlen, die Arbeitszeit am l. Juli 1913 auf 5614 Stunde pro Woche zu reduzieren. Die Unternehmer beschlossen darauf gestern, den Arbeitern ein neues Angebot zu machen, nach dem die wöchentliche Arbeitszeit vom 1. Juli 1013 ab um eine weitere halbe Stunde verkürzt werden soll, ohne daß jedoch der hierdurch entstehende Lohnausfall vergütet werden soll. Die streikenden und ausgesperrten Arbeiter kommen nicht vor Mittwoch und Donnerstag zur Entscheidung. Beide Teile wünschen den Frieden. G12 581 Mark Streikentschädigung. Der Deutsche Jndustrieschutzverband in Dresden— eine Streik- Versicherung, die vom Verbände Sächsischer Industrieller 1906 ge- gründet wurde— versendet soeben ein Reklamezirkular, in dem er sich bemüht, die Konkurrenten, die«treikversicherung des Vereins Deutscher Arbeitgeberverbände und die Streilversicherung des Ar- beitgeberverbandes Unterclbc, nach Kräften schlecht zu machen. Uns berührt dieser Konkurrenzkampf natürlich nicht weiter, man erfährt nur aus dem Zirkular, wie es eigentlich mit der Streik- entschädigung der Unternehmer bestellt ist. Der Jndustrieschutzver- band erzählt in dem erwähnten Zirkular: „Der Deutsche Jndustrieschutzverband entschädigte die ange- meldeten 393 038 ausgefallenen Manntagc mit 261312 M., dem- nach den durch Streik oder Aussperrung ausgefallenen Manntag mit durchschnittlich 66,5 Pf. Di« Entschädigungsgesellschaft des Vereins deutscher Arbeitgcberverbände brachte für 1 596 924 ent- schädigungsberechtigte Manntagc die Summe von 252 879 M. zur Auszahlung, sodaß auf den Manntag im Durchschnitt nur 15,8 Pf. Entschädigung entfielen. Di« Gesellschaft des Arbeitgeberver- bandes Unterelbe hatte für 411 596 ausgefallene Manntage eine Entschädigungssumme von 98 390 M. zur Verfügung, konnte dem- nach denJPJanntag mit nur 23,3 Pf. durchschnittlich entschädigen." Die Streikentschädigungsvereine der Unternehmer umfassen einen guten Teil der Industrie: dem sächsischen Vereine gehören 3360 Betriebe mit 266 000 Arbeitern und einer Jahreslohnsumme von 260 Millionen Mark, der Unterstützungskasse des Vereins Deut- scher Arbeitgebervcrbände 13 Gesellschäften mit 303 000 Arbeitern und 370 Millionen Mark Jahreslohn an. Wenn die Streikversickie- rungen trotzdem nicht mehr als zirka% Million Mark Entschädigung zahlen konnten, dürften sie nicht allzu gefährlich werden. Em Induftric und FtendeL Die Preise steigen weiter. Die„Vossische Zeitung" veröffentlicht allmonatlich Preistabellen, in denen die gegenwärtigen Preise mit den Durchschnittspreisen der Jahre 1889 bis 1898 verglichen werden. Die Preise 1889 bis 1898 sind dabei gleich 100 gesetzt. Zahlte man z. B. für Roggen im Durchschnitt der genannten Jahre 100, so stellt sich der Roggenpreis im Mai d. I. auf 135. Im folgenden geben wir diese Relativzahley für einige der wichtigsten Waren: Mai 1911 Arpil 1912 Mai 1912 Roggen... 114 132 136 Weizen... 120 136 139 Rinder... 134 141 145 Schweine.. 196 138 136 Butter... 110 126 117 Heringe... 113 130 434 Wo«»... 129 136 136 Eisen... 97 108 108 Kohlen... 96 105 105 Petroleum.. 108 131 138 SB an den 39 aufgeführten Waren zeigen im Mai d. I. die Mehr- zahl einen höheren<20) oder den gleichen(11) Preis als im April d I Gegen den Mai vergangenen Jahres sind 32 von 39 Waren teurer geworden. Die Bedeutung dieser Preiserhöhungen zeigt sich auch recht deutlich, wenn man die einzelnen Waren zu Gruppen zu- sammenfaßt. Setzt man wiederum die Preise der Jahre 1889—1898 gleich 100, so zahlte man: X Mai 1911 April 1912 Mai 1912 Getreide........ 112,3 132,7 135,7 Sonstige inländische landwirt- schaflliche Produkte... 104,9 166 166,1 Ausländische landwirtschaft- liche Produkte..... 120,5 139,5 140,1 Tierische Produkte.... 132,3 148 149,5 Tertilprodukre...... 143,8 141,9 141,1 Mineralien....... 129,1 144,4 148,5 Mit Ausnahme der Textilgruppe, die eine geringe Preis- Minderung zeigte, sind sämtliche Gruppen gegen das Vorjahr ge- stiegen. Auch im Mai erfuhren die Preise gegen den April noch er- hebliche Erhöhungen._ Tarifermäßiguug für Bieh und Fleisch. Die Fleischpreise sind im letzten Jahre ganz außerordentlich ge- stiegen. So zahlt man im Kleinhandel für 1 Kilogramm Rindfleisch 1,77 M.(statt 1,65 M. im Vorjahre), für Kalbfleisch 1,97 M. (1,90 M.), für Hammelfleisch 1,85 M.(1,77 M.), für Schweinefleisch 1,60 M.(1,48 M.). Das sind Durchschnittszahlen, die für einzelne Fleischsorten und für einzelne Orte noch beträchtlich übertroffen werden. Damit diese Differenzen in den Angebots- und Nachfrage- Verhältnissen sich besser ausgleichen, haben nach dem„Börsen- Courier" die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft bei dem Eisen- bahnminister eine Herabsetzung der Tarife für den Dieh- und Fleisch- veckehr beantragt._ FiSkus und Kohlensyndikat. Auf eine Eingabe, welche die Handelskammer in Straß- bürg i. Elf. im März d. I. wegen der Ringbildung auf dem Kohlenmarkte an das kaiserl. Ministerium gerichtet hatte, ist dieser folgender Bescheid zugegangen: Der preußische Minister für Handel und Gewerbe, welchem von dem Inhalt der Eingabe Kenntnis ge- geben worden sei, habe mitgeteilt, der preußische BergfisiuS sei dem Kohlensyndikat nicht beigetreten, sondern habe die Produktion seiner we st lichen Gruben für das Jahr 19t2 dem Rheinisch-Westfälischen Kohlen'yndikat ver- kaust, welches die Kohlen in dem bisherigen Umfange durch die ffskalischen Kohlenhändler weiter vertreiben lasse. Die Ver- Handlungen des Kohlensyndikals mit dem Saarstskus schwebten now. Ein etwaiger Zusammenschluß der Saarkohlenproduzenten mit dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat würde übrigens keinesfalls zu Kohlenpreiserhöhungeu führen, die für die elsaß-Iothringische In- dustrie verhängnisvoll werden könnten. Die haarspaltende Unterscheidung zwischen einem Beitritt und einem Vertrag und Verkauf ändert nichts an der Tatsache, daß der Fiskus vor dem Syndikat die Waffen gestreckt hat und die Preis- bildung dem Syndikat allein überläßt. Auch die privaten Syndikats- Mitglieder verkaufen ihre Kohlen an das Syndikat.„Ver- hängnisvoll" wird der Zusammenschluß der Saarkohlenproduzenien mir dem Rheinisch-Westsälischen Syndikat, den der Fiskus durch seinen Anschluß an das Syndikat gefördert hat, natürlich nicht in dem Sinne werden, daß die Industrie zugrunde geht. Aber sie wird darunter leiden, wenn auch nicht in so starkem Matze, wie der Konsum der Maffen unter dem vom Fiskus gestärkten Monopol leidet._ Preiserhöhung in Feuerzeugen. Nachdem kürzlich die Zündholzfabrikanten eine Preiserhöhung beschlossen haben, ist auch von der Versammlung der Vereinigten Verbände Deutscher Feuerzeug- Fabrikanten ein Preisausschlag für Feuerzeuge angekündigt worden. � Hua der fraucnbewc�ung. Ter Einfluß der dänischen Dienstmädchenorganisation auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse. In den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der Dienstmädchen Kopenhagens und auch anderer Städte Dänemarks vollzieht sich seit einigen Jahren eine Wandlung. Die Dienstgeber und Haus- frauen gewöhnen sich immer mehr daran, ihre �Arbeitskräfte für den Haushalt vom Arbeitsnachweis der Dienstmädchenorganisation zu beziehen und einen Dienstvertrag zu unterzeichnen, über den sie sich in früheren Zeiten entrüsteten. Dieser Vertrag enthält neben der Festsetzung des Lohnes auch Bestimmungen über ausreichende Kost, über ein gutes Zimmer, über eine Ruhepause von 1 bis 114 Stun- den am Tage, einen freien Nachmittag von 2 Uhr ab an jedem zweiten Sonn- und Feiertag, zwei freie Abende in der Woche, von spätestens 7 Uhr ab, sowie eine Ferienzeit von 8 Tagen im Jahre. Außerdem ist die tägliche Arbeitszeit geregelt, und Ueberzeitarbeit wird mit 25 Oere(28 Pf.) die Stunde vergütet. Als Ueberzeit- arbeit gelten, abgesehen von den regelmäßigen Dienstleistungen, alle Arbeiten, die morgens vor 6 oder 7 Uhr und abends nach 6 oder 7 Uhr ausgeführt werden sollen. Der Vertrag wird mit monat- licher Kündigung abgeschlossen und die Stellung kann von beiden Seiten am 15. jeden Monats gekündigt werden. Daß ein solcher Dienstvertrag zur Geltung kommen konnte, so daß manche Hausfrauen die organisierten Dienstmädchen allen anderen vorziehen und ihnen auch gerne einen verhältnismäßig hohen Lohn zahlen, hat zum guten Teil seine Ursache darin, daß die Dienstmädchenorganisation die besten Arbeitskräfte für den Haushalt liefert und, ehe sie die Mädchen in den Dienst schickt, für eine tüchtige Ausbildung in allen für den Haushalt wichtigen Eächern sorgt. Die jungen Mädchen haben in der Fachschule der rganisation einen sechsmonatigen Kursus durchzumachen, der in seinem praktischen Teil Kochen, Backen, Hausarbeit, Tischdecken, Servieren, Nähen, Waschen, Plätten und Haushaltsbuchsührung umsaßt, wozu dann noch der theoretische Unterricht in Nahrungs- mittellehre, Gesundheitslehre sowie Kranken- und Kinderpflege kommt. Die mit solchen Fähigkeiten und Kenntnissen ausgerüsteten Hausangestellten lassen sich natürlich nicht mehr als Haussklaven behandeln, sondern verlangen als Menschen geachtet und ihren Leistungen entsprechend besoldet zu werden. Letzte flachriehten, Weitere Beratung der französischen Wahlreform. Paris, 9. Juli.(W. T. B.) Die D e p u t i e r t e n k a m m e r setzte heute die Beratung über die Wahlreform fort. Namenilich wurde eine Abstimmung angenommen, die jedem Wähler soviel Stimmen gewährt, als der Wahlkreis Deputierte entsendet. Eine italienische„Besetzung". Rom, 9. Juli.(P.-T.) Die o f f i z i�e l l e Meldung über die Besetzung von Misrata am 8. Juli gibt selbst zu, daß jene militärische Operation, die man vor drei Wochen als Besetzung von Misrata bezeichnet hatte, nichts weiter als eine Landung an einem ziemlich entfernten Punkte war. Die Besetzung hat weiter neun Tote und hundertdreiundvierzig Verwundete gekostet, von denen 60 tödliche Verletzungen erlitten haben. Gegen die politische Betätigung der türkischen Offiziere. Konstantinopel, 9. Juli.(W. T. B.) Der Senat hat heute endgültig den Gesetzentwurf angenommen, durch den Offi-i zieren v e rb o t e n wird, sich mit Politik zu befassen. Bon dem monarchistischen Putsch in Portugal, Lissabon, 9. Juli.(W. T. B.) Aus C h a v e s wird von gestern abend um 6 Uhr 15 Minuten gemeldet: Die Rohalisten ver- wendeten bei ihrem Angriff auf Chaves Schnellfeuergeschütze. Sie verwundeten vier Offiziere und töteten sechs Soldaten, während sie selbst zahlreiche Tote und Verwundete hatten. Die republikanischen Truppen wurden bei ihrer Rückkehr von der Verfolgung des Feindes mit F r e u n d e n tu n d g eb ung e u empfangen.__ Gerüsteinsturz. Aachen, 9. Juli.(H. B.) Das Baugerüst zu einem Gay-Lussac- Turm für die Schwefelsäure-Fabrik der Stolberger Zinkhütte in Münsterbusch ist eingestürzt. Zwei Arbeiter wurden getötet, einer schwer verletzt._ Fleischvergiftung. Brüssel, 9. Juli.'(H. B.) In C o in i n e s erkrankten 29 Per- sonen nach dem Genüsse von Fleisch eines verendeten Kalbes. Der Zustand der Kranken ist sehr ernst. Mehrere schwebeil in T od e s- gefahr. Das Fleisch des Kalbes war keiner tierarztlichen Unter- suchung unterzogen worden. Das Gericht hat eine Untersuchung eingeleitet."_ Unwetter auf der Halbinsel Krim. Kertsch, 9. Juli.(W. T. B.) Durch einen Wolkenbruch ist der'dritte Teil der Stadt überschwemmt. Das Postgebäude und die Kanzlei des Stadthauptmanns stehen unter Wasser. Dank der rechtzeitig ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen sind keine Opfer an Menschenleben zu beklagen, doch ist der Sachschaden erheblich. besonders in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben. Ein Hilfskomitee hat sich organisiert. Bei einem heftigen Sturm auf See sind drei Barkassen gesunken, sechs Mann ertranken. Aus S i m f e r o p o t wird berichtet, daß die letzte Ueberschwem- mung auf der Krim einen Schaden von 114 Millionen Rubel verursachte. »erantw. Redakteur: Albert Wach». Berlin. Inseratenteil verantw7: ZCH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. Berlagsanstalz'Häül Singer öd Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen ü. Nnterhaltungsbl. Nr. 158. 29. Iahrgaag. I Ktilme des JotniWs" Srrlitift WÄM UR«-ch> 10. Inli 1912. Der Scljapiroprozcß. Nach vierzehntägiger Verhandlung ist gestern in Darm- stadt das Urteil gefällt, das wix nachfolgend wiedergeben. Der Angeklagte ist trotz der Nachtragsanklage gelinder fort- gekommen als in der Verhandlung in Mainz im September. Anerkennenswert ist, daß das Gericht dem Angeklagten die Wahrnehmung berechtigter Interessen rücksichtlich der Nach- tragsanklage in vollem Umfange und auch wegen der ersten Artikel in weiterem Maße als das Mainzer Gericht zugebilligt hat. Dennoch hat es eine Freiheitsstrafe ausgeworfen. Die Beteiligten hätten es bei der Feststellung des Tatbestandes bewenden lassen sollen. Diese sollte wertvoller sein als eine Bestrafung des falsch informierten und nach völlig falscher Richtung in seinen Artikeln steuernden Angeklagten. Falsch informiert— welcher aufrichtige Richter wird nicht zugeben, daß auch er selbst auf Grund eidlicher Aussagen recht häufig falsch informiert wurde und dann ein unzutreffendes Urteil ge- fällt hat? Aber der Presse wird zum Vorwurf gemacht, wenn sie, der nicht entfernt die Mittel zur Aufklärung zur Verfügung stehen, wie einem Gericht, sich durch falsche Mitteilungen irre führen läßt. Die Angriffe des verurteilten Redakteurs gipfelten in den Behauptungen, der Beigeordnete Berndt sei heimlich ein Don Juan, öffentlich ein Alba, die Polizeiassistentin Frau Dr. Schapiro handele aus sexuell-pathologischen Gründen, sei übereifrig und verwende auch Mädchen zu Spitzelzwecken. Seine Angriffe machten den Eindruck, als ob sich sich wendeten gegen die auf Besserung der Lage der Prostituierten gerichteten Bestrebungen, gegen die aufopfernde Tätigkeit, die die Polizei- assistenttn aufwendete, um Mädchen vor einem Verfall zur Prostitution zu schützen und gegen die Einengung der Jagd- gründe jener Herren, die Notlage, Unerfahrenheit und Leicht- sinn junger Mädchen in egoistischer, gewissenloser Weise sich zu- nutze machen. Nichts weniger als sympathisch kann sozial Empfindenden die Richtung solcher Artikel sein. Der Ver- leidiger des Angeklagten hat loyal anerkannt, daß die Ehre der beiden Nebenkläger völlig unverletzt aus den Verhandlungen hervorgegangen ist. Er hat die persönlich-gehässigen Angriffe in Angriffe gegen das System einer Vcrquickung der Polizei- lichen mit der Fürsorgetätigkeit umgewandelt. Mit Recht und wie die Urteilsgründe zeigen, nicht ohne Eindruck auf das Gericht, hat er dies gegeißelt. Der Polizeiassistentin lag ob: 1. Mitwirkung in sittenpolizeilichen und kriminellen Dingen. 2. öffentliche Fürsorge und Wohlfahrtspflege und 3. Ge- fangenenfürsorge. In warmherziger, opferbereiter, unermüd- licher Tätigkeit widmete sich die Polizeiassistentin ihrer Auf- gäbe. So sehr wir ihre Tätigkeit anerkennen, so wenig an- genehm berühren die beiden Fälle von Lockspitzelei, wenngleich sich diese gegen Verschleiße! untauglicher, teurer Mittel zur Abtteibung richteten. Die Polizeiassistcntin handelte hier im Auftrage ihres Vorgesetzten und im Rahmen des durchaus verwerflichen herrschenden Polizeisystems. Keineswegs ver- mögen wir deshalb über die warmherzige Frau den Stab zu brechen, wie es zu unserer Verwunderung auch ein Parteiblatt tut. Was anzugreifen ist, ist das Polizeisystem, nicht seine Milderung in taufenden von Fällen durch Frau Dr. Schapiro. Eine Verquickung von Fürsorgetätigkeit mit polizeilicher Tätigkeit ist vom Uebcl. Von noch größerem Uebel ist das System unserer Sittenpolizei überhaupt. In dem Darmstädtcr Prozeß sind die unheilvollen Folgen des gegen die Prostitution heute herrschenden Polizeisystems wieder klar zutage getreten. Dies wächst aus der Unmöglichkeit der heutigen Gcsellschafts- ordnung heraus, die Prostitution, die sie selbst täglich, ja stündlich nährt und vermehrt, zu beseitigen oder auch nur er- hcblich einzudämmen. Der Versuch des Gesetzgebers, durch seine strafrechtlichen und polizeilichen Mittel die gewerbsmäßige Unzucht zu verschleiern, statt ihre wirtschaftlichen Wurzeln abzugraben, muß mit Notwendigkeit zu dem heutigen Polizeisystem und seinen be- klagenswerten Folgen führen. Unsere bürgerliche kapitalistische I Wirtschaftsordnung gibt statt wirtschaftlicher Reformen zur � Bekämpfung der Prostitution— polizeiärztliche K o n t r o I l e n zur bequemen Benutzung der der Prostitution verfallenew Opfer. Statt Sozialpolitik gibt sie Sittenpolizei. Die Industrialisierung der Frau, die Wohlfeilheit der weiblichen Arbeit zeigt uns den Grund für die moderne Prostitution. Statt das Uebel an der Wurzel zu packen, kräftigen Arbeiterinnenschutz zu schaffen, die Organi- sationen der Arbeiter zu stärken und dadurch der Prostitution das Feld abzugraben, wird die Ausübung der Unzucht Polizei- lich konzessioniert, kontrolliert, reglementiert und bordelliert. Mittel, die keineswegs die Ausübung der Prostitution zu be- seitigen, höchstens zu verdecken vermögen. Die Prostitution als gesellschaftliche Institution ist durch das heutige System zu einer polizeilich sorgsam behüteten und gepflegten Säule der bestehenden Gesellschaftsordnung gemacht. Nicht naiv offen, wie im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein die Dirnenzunft mit ihrer Dirnenkönigin, die zum Empfang hoher Herrschaften sich bereit hielten, soll die Prostitution auf- treten, sondern heuchlerisch versteckt, hohem polizei-abrigkeit- lichem„Schutz" übergeben. Da kommt zunächst Z 361, Ziffer 6 des Reichs- strafgesetzbuchs in Betracht. Danach wird eine„Weibs- Person" mit Strafe bedroht, wenn sie gewerbsmäßig Unzucht treibt, ohne polizeilicher Aufsicht(der sog. Sittenpolizei) unterstellt zu sein oder welche nach Unterstellung unter poli- zeiliche Aufsicht den von der Sittenpolizei erlassenen Anord- nungen i zuwider handelt. Diese Sittenpolizei erschwert natur- und erfahrungsgemäß in unendlich häufigen Fällen Mädchen, die Not oder Verführung oder beides zusammen vorübergehend den Armen der Prostitution zugetrieben hat, einen anderen Lebenswandel zu beginnen. Wenn die Mainzer Polizeiassistentin sich endlich und nicht ohne Erfolg bemühte, den aus dem Sumpf Herausstrebenden hilfreiche Hand zu reichen, so ist das eine erfreuliche anerkennenswerte Einzelerscheinung. Aber es gleicht dies Wirken doch sehr dem Wasserschöpfen mit einem Faß ohne Bqden. Die Sitten- Polizei in ihrer Gesamtheit betrachtet, wirkt dahin: in den Sumpf hinein die Gestrauchelten und unter drückendster Polizei- und Ludenfuchtel die Unglücklichen, die im letzten Grunde ihre Lage dem Elend der heutigen Gesellschasts- ordnung zu verdanken haben! Das immer tiefere Sinken dieser armen Opfer ist eine Folge des iin Interesse der „Sicherung der öffentlichen Ordnung und ides öffentlichen Anstands" geschaffenen 8 361. Ziffer 6 des Strafgesetzbuchs. Das Zuhältertum erwächst aus derselben Wurzel: es entspringt dem Schutzbedürfnis der Prostituierten gegen polizeilich-strafrechtliche und andere Vexationen. Als besonderes Pflänzchen dieser Sittenpolizei präsen- tierte sich in Darmstadt der Polizeiaspirant Bru- der, der seine Stellung zur Nutznießung und Denunziation von Mädchen mißbrauchte. Und geschieht derartiges nur in Mainz? Ist das in Berlin unmöglich? Vor einem Jahre hat die Tatsache, dsß S i t t e n p o l i z i st e n s e l b st Zu- hälterei ausübten und ihre Opfer sogar zu Kuppeleien und L o ck s P i tz e le i e n anhielten, zur Verhaftung eines halben Dutzend Sitten„schutz"leuten geführt. Tie Voruntersuchung muß nach der Länge der Untersuchungshaft recht mannigfaltiges Material zutage ge- fördert haben. Eine tatsächliche, freilich nicht absolut notwendige Folge des Systems des§ 361, Ziffer 6 ist, insbesondere wenn mit Handhabung der Sittenpolizei heuchlerische Schnüffler be- traut werden, die gröbliche Beleidigung und Freiheitsberaubung unschuldiger, unter den Ver- dacht unzüchtigen Betriebes gebrachter Personen. Hat die Polizei das Recht und die Pflicht, gewerbsmäßige Unzuchts- treiberinnen unter Sitte zu stellen und die ihrer Aufsicht sich Entziehenden zur Bestrafung zu bringen, so hat sie— so deduzierte die herrschende Polizeilogik— auch die Pflicht nachzuspüren, ob solche polizxilichen Eingriffs reife Elemente kleines Feuilleton. Die Undankbaren. Kaffeekränzchen bei Frau Rat. Die Gnädige hatte beim Kuchenbacken am Tage vorher selbst mit Hand angelegt. Nicht, um die Dienstboten zu entlasten, sondern um der Kritik der lieben Freundinnen nicht durch.sitzengebliebenen" Kuchen Stoff zu erbaulichen Betrachtungen zu liefern. Das Backwerk war denn auch prächtig geraten, und der reich- gedeckte Kaffeetisch sah mit dem schneeigen Tischtuch, den blinkenden Tassen und Tellerchen und der Fülle knusprigbraunen, zuckerbestäubten Kuchen aus wie ein Bild der Behaglichkeit. Der Kaffee dampfte und duftete in den feinen Tassen, und die Damen plauderten lebhaft und angeregt über Abwesende und Moden. Wie nun der Blick der Frau Rätin über die stattlichen gut ge- nährten Damen glitt, dachte sie, einer sonderbaren Jdeenverbindung folgend, an ihre stille, blasse Putzfrau, diese nimmermüde, ab- gemagerte und sorgenvolle Familienmutter, und in einer Anwandlung von selbstloser Güte, und weil doch zu viel Kuchen auf dem Tische war, beschloß die Dame, ein Stückchen für die acht Kinder der Putzfrau einzupacken, und sprach auch mit ihren Gästen über diesen Enlschluß., ,, .Ach, beste Frau Rat, Sie sind die Güte selbst", beteuerte die Frau Fabrikdireklor mit verzücktem Augcnaufschlag,„aber glauben Sie mir— diese Leute sind zu undankbar." „Sehen Sie, neulich wollte ich meiner Waschfrau einen ab- gelegten Zylinder meine« Gatten für ihren Mann zum Geschenk machen. Der Hut war noch fast wie neu und hatte vor zwanzig Jahren zirka vier Taler gekostet." „Was meinen Sie. meine Teure, was mir diese ungebildete Person zur Antwort gibt?„Behalten Se den man, Madam; vom Staat kriegt mer nix i»'» Magen: unsereens muß erst sehen, bat er wat zu futtern kriegt; und schenken braucht uns ooch keener nix".— Die Rätin nickte zustimmend mit dem Kopf und legte das Stückchen Kuchen wieder zu den übrigen.—„Ich muß Ihnen wirk- lich beipflichten, Frau Direktor, Sie haben vollkomnren recht. Wenn man diesen Leuten auch noch so viel schenkt— sie haben in ihrer Undankbarkeit absolut lein Verständnis für unsere Mildherzigleit. B. M. Unsere Sommerhitze. Es hat in diesem Jahre lange gedauert, hiö sich im ganzen Lande der unverfälschte Sommer eingestellt hat. Im Gegensatz zu dem vergangenen heißen Sommer verliefen dies- mal Frühling und Borsommer unter andauernder Veränderlichkeit. Wenn es aber erst jetzt, zu Beginn deS Monats Juli, wirklich heiß geworden ist, so bildet diese Erscheinung keineswegs eine Abnormität. Wie sick, die eigentliche Winterkälte mit Frost und Schnee gewöhnlich erst nach der Wintersonnenwende, vorwiegend ,m Januar, einzustellen pflegt, so»st es auch durchaus in der Ordnung, daß die großen Hitzeperioden in den sogen. Hochsommer fallen. Allerdings waren gerade im letzten Jahrfünft die Sommer häufig, die ihre höchsten Temperaturen bereils vor dem Solstitium hatten. Man braucht als Beispiel dafür nur auf den berüchtigten Sommer von ISO? hinzu- weisen, den miserabelsten, den wir seit Jahrzehnten hatten. In jenem Jahre herrschte während der Tage vom 6. bis IS. Mai bereilS hochsommerliches Wetter; der 13. Mai war in weiten Teilen Mitteleuropas überhaupt der wärmste Tag des ganzen JahreS. Norddeutschland sah 1307 überhaupt keinen Sommer, wurde dafür allerdings durch einen ungemein warmen und beständigen Herbst entschädigt. Es ist eine häufig auftretende Eigentümlichkeit warmer Sommer, daß sie in ihrem ersten Teile oft durchaus nicht ihren eigentlichen Charakter erkennen lassen. Das Jahr 1911 machte in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Das Jahr 1910 ähnelte dagegen durchaus in seinem Sommer dem von 1907: denn die eigentlichen Sommer- monote waren andauernd kühl und regnerisch, und sommerliches Wetter mit hohen Temperaturen hatte sich auf die Zeit vom 10. Mai bis Mitte Juni beschränkt. Auch vor zwei Jahren wareu nachher die Höchsttemperaturen deS Frühlings und Borsommers nicht wieder erreicht worden. Weniger kraß wie 1907, aber im Grunde ebenso unfreundlich zeigte sich der kühle und veränderliche Sommer von 1909. Auch 1908 gab es einen eigentlichen Hochsommer und keine tundstage: der Vorsommer dagegen war trocken und warm. inigermaßen normal, wenn auch zeitweilig recht veränderlich, waren die Sommer von 1903 und 190S. Diese Beispiele auS den letzten Jahren zeigen deutlich, daß vor- läufig durchaus noch kein Anlaß vorliegt, von einem unerfreulichen Sommer zu sprechen. Die bisherigen Monate waren keineswegs so schlecht, wie sie hier und da schon gemacht worden sind. Wenn die jetzt eingetretene Hitzeperiode sich als von Dauer erweisen sollte, wo- für gegenwärtig die Aussichten durchaus günstig sind, so kann der Sommer 1912 unter Umständen wärmer wie sein Vorgänger werden, wobei es keineswegs so trocken wie vor Jahresfrist zu sein braucht. Ueberdies begann damals die Hitze, wie eriimerlich, erst am 22. Juli. während sie diesmal schon in der erstKi Woche dieses Monats ein« gesetzt hat. Zudem ist während der letzten Tage in Südeuropa das Thermometer schon außerordentlich hoch emporgestiegen, in Süd- und Mittelitalien bis auf 41 Grad Celsius im Schatten. Sobald der Luftdruck sich so verlagert, daß die Winde aus Südeuropa zu uns ge- langen, dürfte auch die Sommerhitze eine hohe Intensität erreichen. Tempcraturwette wie im Süden Europas kommen allerdings in den zentralen Gebieten des Kontinents nicht: 40 Grad Wärme im Schatten bilden für Deutschland, Oesterreich und die Schweiz die äußerste Grenze, die nur in vereinzelten Gegenden und in sehr seltenen Fällen erreicht wird. Nur ein einziges Mal, am 13. August 1892, wurde innerhalb Deutschlands, und zwar zu Reichenhall in Oberbayern, eine noch höhere Temperatur, und zwar 41-/2 Grad Celsius registriert. Am 19. August 1SW war auch in Norddeutschland, und zwar zu Liegnitz und Grünberg die höchste, zu finden sind. Dieser auch in Berlin nqch immer herrschen- den Ansicht ist das Reichsgericht in seinem das Mainzer Urteil gegen den jetzt in Darmstadt abgeurteilten Angeklagten auf- hebenden Urteil entgegengetreten. Es heißt in den Urteils- gründen wörtlich: „Eine körperliche Untersuchung darf nur dann angekündigt oder angeordnet werden, wenn ein auS bestimm- ten Tatsachen abgeleiteter Beweis für die gewerbs- mäßige Begehung der Unzucht erbracht ist. Voraus- s e tz u n g ist also, daß der zuständige Polizeibeamte nach seiner pflichtgemäßen Ueberzeugung eine Frau der gewerbs- mäßigen Unzucht, somit der fortgesetzten Hingabe ihres Körpers an mehrere Männer gegen Entgelt für über- führt erachtet. Mangelnde sittliche Führung, das Unterhalten von Liebesverhältnissen, anstößiges Benehmen geben dazu an sich keine Berechtigung, solange nicht Tatsachen vorliegen, die dringend auf die Gewerbsunzucht hinweisen. Völlig un- zulässig aber ist es, die körperliche Unter- suchung lediglich zu dem Zwecke anzuwenden, um die Untersuchten des Geschlechtsverkehrs zu überführen; damit hat diese im Interesse der öfsent- lichen Gesundheit gegen Dirnen zugelassene Maßnahme nicht das geringste zu tun. Androhung oder Ankündigung der Unter- suchung ist ein Mittel, das die Polizei als Nötigungsmittel überhaupt nicht, sonst aber jedenfalls nur gegenüber den alS Dirnen erkannten Frauen anzuwenden befugt ist." Wohltuend stehen die hier aufgestellten Grundsätze von der in Preußen noch immer befolgten, empörenden Praxis ab, ohne jeglichen Ailhalt Mädchen auf die Polizeiwache zu schleppen, um sie zu untersuchen. Wir erinnern, wie im Jahre 1898 der preußische Polizeiminister dioser dem Gesetz, dem Anstand und dem Ehrempfinden aller gerecht Denkender ins Gesicht schlagenden Praxis im preußischen Abgeordnetenhause bescheinigte, ja unter dem wollüstig viehischen Gebrüll der Sittenheuchler im Abgeordnetenhaus erzählte, bei der Unter- suchung eines Fräulein Köppen, die ohne jede Veranlassung, als sie auf die Straßenbahn wartete,„sittenpolizeilich" gepackt und auf der Polizei einer körperlichen Untersuchung unter- warfen wurde, habe sich herausgestellt, daß das Mädchen nicht mehr Jungfer sei. Wird der heutige Polizeiminister aus dein Reichsgerichtsurteil die Folgerung ziehen, die abscheuliche, heuchlerische, brutale, beleidigende und, wie das Reichsgericht festgestellt hat, gesetzwidrige Praxis der Sittenpolizei zu be- seitigen? Aber mit einer Aendcrung der Praxis allein ist es nicht getan. Es muß die Beseitigung des§ 361 Ziffer 6 des Strafgesetzbuches, den der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch aufrecht erhalten will, verlangt werden. Dänemark ist mit Beseitigung der Sittenpolizei und Be- strafung der Gewcrbeunzucht im Oktober 1996 vorgegangen. Aus Kopenhagen liegen genauere Berichte über die Wirkung dioser Maßregel vor, die mit Einführung unentgelt» licher Behandlung geschlechU icher Krankheiten unter Mitwirkung von A e r z t i n n e n verbunden ist. Die Erfolge sind in hygienischer Hinsicht vortreffliche. Der 8 361 Ziffer 6 des Strafgesetzbuches mit seinen für die ihm Unterstellten, unwürdigen, nutzlosen und entmenschen- den Folgen, mit seiner Großziehung des Zuhältertums und mit der durch ihn geschaffenen täglichen Bedrohung anstän-' diger Frauen und Mädchen mit niedrigen Beleidigungen muß fallen, wenn man die Prostitution wirklich bekämpfen und sie nicht nur verhüllen oder gar zur leichteren Befriedi- gung der Gelüste von Ordnungsheuchlern mehren und für ihre Nutznießer minder gefahrvoll gestalten will. Daneben kann eine Fürsorgerin mit warmem, sozialem Empfinden reichlich viel Gutes, insbesondere auf dem mit der Prosti- tution nicht im Zusammenhang stehenden Elendsgebiet leisten. Auf strafrechtlichem Gebiete dringend erforderlich ist neben der Beseitigung des§ 361 Ziffer 6 Strafgesetzbuches die Anwendung der Kuppelei- und Wucherstrafen gegen Bordellwirtschaften und ihre Begünstiger. Viel wichtiger aber sind die sozialen Schritte zur Eindämmung der Prosti- tution. Statt Sittenpolizei Sozialpolitik. Statt Ver- hüllung des Elends durch Sittenpolizei oder polizeilich be- bis dahin je erreichte Temperatur von 89 Grad CelsiuS zu ver- zeichnen. Erst am 23. Juli 1911 wurde auch in Norddeutschland, und zwar zu Chemnitz, der Temperaturwert von 40 Grad CelsiuS erreicht. Im allgemeinen muß man in unseren Breiten ein TageS- maximum von mehr als 30 Grad CelsiuS schon als Ausnahme be- zeichnen, wenn es auch fast in jedem Sommer und von jedem Ort einmal erreicht wird. Ein Freiluftmnseum auf der Insel Gotland'. Durch einen Lehrer an der Schule des kleinen Dorfes Bunge im nötblichen Teil der Insel Gotland ist dort ein eigenartiges Museum eröffnet worden. Sein Hauptreiz besteht darin, daß die Sehenswürdig- leiten sämtlich im Freien aufgestellt sind. Das Hauptstück ist ein Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert, das mitten auf einer Wiese errichtet worden ist. Auf dem Hof sind allerhand primitive Acker- baugeräte zu sehen, und in den anschließenden kleineren Baulich- leiten werden örtliche Handfertigkeiten vorgeführt, die jetzt längst ausgestorben sind. Die größte Beachtung verdient ein Platz, auf dem an Modellen die verschiedenen Formen des Begräbniffes ver- anschaulicht worden sind, wie sie auf der Insel Gotland nach den dort gemachten Funden in der Zeit zwischen dem ersten Jahr» hundert vor Christi und dem vierten bis fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Ausübung gewesen sind. Daneben steht das Modell eines alten Steindenkmals, das die Form eine? Wikingcrschiffs besitzt. Damit sind die Schätze dieses Freiluft- museums noch nicht erschöpft, vielmehr zeigen weitere bedeutsame Aufstellungen die Anlagen, die zur Abhaltung von Volks- und Gerichtsversammlungen in jener entlegenen Zeit üblich waren. Der Gerichtskreis besteht aus 8 großen Steinen, die Stätte für den Thing, die Volksversammlung, aus einem Kreis kleinerer Steine mit einvm besonderen Hügel für den Wortführer. Der unbekannte Schulmeister in jenem kleinen Dorf hat mit dieser Anlage eine kulturhistorische Tat von großer Tragweite vollbracht- Notizen. — Eine neue Sternwarte wurde am Gosenberg bei Bergedorf eingeweiht. Siechient statt der alten Hamburger Stern- warte, die mitten in der Stadt gelegen, ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen war. — Die Münchener Volksfe st spiele, die früher im Ausstellungspark stattfanden, werden ins Hoftheater verlegt werden. allwo im Herbst Calderons„Standhafter Prinz" aufgeführt werden wird. Dies Stück ist ja wohl gerade kein Volksfestspiel, aber die Absicht an sich ist löblich, zunial schon Plätze von 50 Pf. an aus- gegeben werden. Man vergleiche damit z. B. die Preife der Berliner Hofthcater, die das Volk unterhalten muß. — E i n R i e s e n z a h n. In einer Sandgrube bei Ober- b i l l ig wurde ein Mammutzahn bloßgelegt, der eine Länge von 2.70 Meter und ein Gewicht von 110 Pstmtl iti ejnCBT größte» Umfang von 60 Zentupejzr hat.'*■ S'ufsichtigte Bordelle wirtschoftlichs RöfokMStt. Statt Dr'attg- salierung der Arbeiter- und Arbeiterinnenorganisationen Aufhebung aller gegen sie und gegen Betätigung ihres Koalitionsrechts gerichteten Bestrebungen. Die Prostitution ist eine Konsequenz der Verelendung der Massen. Fort mit dem pharisäischen Verhüllen,„aus dem Auge, aus dem Sinn!" Man packe die Prostitution an ihrer Wurzel, be- seitige ihre wirtschaftlichen Ursachen. Möge zur Erkenntnis der Notwendigkeiten, so vorzu- gehen, der Schapiroprozeß beigetragen haben, *• CTrtcU im Scbapiroprozcß. Darmstadt, 9. Juli.(Privattelegr. des„Vorwärts".) dem Prozeß gegen den Redakteur und Zcitungsderleger Hirsch in Mainz wegen Beleidigung erging heute das Urteil. Die hiesige Strafkammer erkannte den Angeklagten der fortgesetzten Beleidigung der Polizeiassistentin Frau Schapiro und des Beigeordneten Berndt schuldig und verurteilte ihn wegen Beleidigung des Beigeordneten Berndt zu drei Monaten Gefängnis, wegen Be- leidigung der Frau Schapiro zu sechs Wochen Gefängnis. Wegen der neuen Nachtragsanklage erfolgte Freisprechung, da hier in allen Fällen der§ 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zugebilligt tvurde. Beide Strafen wurden in eine Gesamtgefängnis- strafe von vier Monaten zusammengefaßt. Der Verurteilte hat sämtliche Kosten mit Ausnahme der der Nachtragsanklage zu tragen. Außerdem wird den Beleidigten Publikationsbefugnis in sämtlichen Mainzer Blättern sowie in Frankfurter, Wiesbadener Und Berliner Zeitungen zugesprochen. Das Urteil stellt zunächst fest, daß die Assistentin viel Lob ge- funoen hat und daß ihrer aufopfernden Tätigkeit die Rettung einer großen Zahl von Frauen und Mädchen zu danken ist, daß sie viel Elend gemildert hat, daß sie mit Mütterlichkeit, Darm- -Herzigkeit, Liebe und mit großem Geschick vorgegangen ist, was auch von einem Teil der Betroffenen selbst anerkannt wurde. Natürlich seien unterlaufene Fehlgriffe nicht zu leugnen. Diese seien aber auch menschlich begreiflich. Es werden dann die ein. zelnen Fälle, welche Gegenstand der Beweisaufnahme waren, ge- würdigt. In einer ganzen Reihe von Fällen sei nichts zu be- anstanden gewesen. Zum Fall G. wäre es zweckmäßiger gewesen, als einem Fürsorgcfall. nicht von Untersuchung zu sprechen. Im Fall„Fraucntropfen" und P.-W.(Abtreibungsgeschichte) wäre die Mitwirkung der Assistentin bester unterblieben. Was die so- genannten Razzien anlangt, so hat das Gericht an ihrer Aus- führung und Ausdehnung nichts zu beanstanden. Im Fall W.-F. war kein genügender Grund zum Einschreiten, vorerst wäre eine Mitteilung an die Familie angängiger gewesen. Ziehe man die Schlußfolgerung aus allen Füllen, so ergebe sich bis auf einzelne Verstöße doch das beste Zeugnis für die Polizciassistentin, die weit entfernt war von Schnüffeleien auch in geschlechtlichen Dingen. Auch der Angeklagte mutz anfangs die Auffassung gehabt haben. Er hat auch selbst gesagt, daß seine Mitbürger zu Uebertreibungen und Klatsch neigen. Er hätte sich bei seinen Verbindungen ganz gut unterrichten können, was von den Dingen, die ihm zugetragen wurden, zutraf. Er konnte sich auch sagen, daß derartige Vor- cänge von den Betroffenen stets so hingestellt werden, als ob sie Märtyrer der Polizei seien. In Berücksichtigung dieser Umstände fällt dem Gericht die Meinung schwer, daß der Angeklagte an die Richtigkeit des Mate/ials in vollem Umfange geglaubt hat. Der obwaltende Zweifel müsse zugunsten des Angeklagten ausgelegt werden. Seine Artikel enthalten indessen fraglos eine große Reihe Beleidigungen, in einem Falle auch eine wörtliche: Schapirograph. Wo nicht schon die Form die Absicht der Beleidigung zeigte, mutzte ihm der§ 193 zugebilligt werden, so besonders in allen Fällen der Nachtragsanklage. Es sei dem Angeklagten auch der Satz zugute zu halten: Wer die Laterne trägt, stolpert leichter, als wer ihr folgt. Das Gericht übt dann eingehend Kritik an der Verbindung der Assistentin mit der Polizei. Diese Verbindung erscheine dem Gericht ungeeignet, weil die Assistentin sehr leicht in Gewissens- konflikte kommen könne. Auch für das Publikum sei eine Trennung vorteilhafter. Ein Hand-in-Hand-Arbeiten mit der Polizei sei bei der Trennung sehr wohl denkbar. Die Fürsorgetätigkeit selbst ist ei» gesetzlich geregeltes Gebiet nicht. Gegen den ausgesprochenen Willen der Familie wird die Fürsorge nicht zulässig sein, es sei denn in Notstandsfällen. Es war auch nicht gutzuheißen, daß ein so junger und im Charakter noch so unentwickelter Mann wie der Polizeiaspirant Bruder hier Verwendung finden konnte. Das Gericht hat zwei fortgesetzte Delikte der Beleidigung gegen Frau Schapiro und den Beigeordneten Berndt angenommen. Die Art, in welcher die Beleidigungen erfolgt sind, insbesondere das Herein« ziehen der Privatverhältnisse Berndts und der Vorwurf der Sexualpathologie(Ausübung der Tätigkeit aus krankhaften ge- schlechtlich-sinnlichen Motiven heraus) gegen Frau Schapiro sei ein I so ungeheuerlicher, daß das Gericht nicht in der Lage war, auf Geldstrafe z» erkennen.____ iJJntcrnationalerBergarbeitcrkcngreö. Amsterdam, 8. Juli. In dem schönen Saal des„ConcertgebauS" der eigentlichen Metropole Hollands begann heute vormittags der 23. Internationale Bergarbeiterkongreß. Etwa 160 Delegierte aller von der modernen Arbeiterbewegung erfaßten Bergbauländer vertraten die Bergleute, monwaimräs, inmors und Mijnwerkers: 61 Delegierte auS England. 8 aus Frankreich. S aus Deutschland(Sachse. Hue und Witt« Bochum vom Deutschen Bergarbeiterverband, Jalubowicz und G r z e S k e w i a k von der Polnischen Berufs- Vereinigung), 2 aus Holland und 3 aus Amerika. Vertreter der Organisationen Belgiens, Oesterreichs und deS H i r s ch> D unck e r- s ch e n GewerkvercinS der Bergleute werden noch erwartet. Die Eröffnungssitzung des Weltparlaments der Grubenproletarier stand unter dem Zeichen der Trauer um den vor wenigen Tagen hingegangenen englischen Bergarbeiterführer Enoch Edwards; er hat nicht nur erfolgreich und unermüdlich für den Zusammen- schlutz der britischen MinerS gewirkt, er war vielmehr auch als Prä- sident der Internationalen Bergarbeiterföderation und der Jnter- nationalen Kongresse oft der Vermittler zwischen den Nationen und Meinungen. Die Sprecher aller vertretenen Nationen sprachen ihre Traner um Edwards au«. Gemäß dem Beschluß des Internationalen Komitees hatte sich der nunmehr den Vorsitz führende Kamerad S mi lli e- England mit der von Frankreich und England angeregten Beschlußfassung über die Frage von D Krieg und Frieden ... h.fassen In temperamentvoller und oft durch Beifallsstürme imterbrochenen Rede verkündete der neue Präsident die Tnischlossen- beit der Bergarbeiter aller Länder, den Wahnsinn eine» internationalen «rieaes nicht ausbrechen zu lassen. Nicht vom Haager Schiedsgericht. von der Bourgeoisie wird der Frieden gesichert, sondern nur von den Arbestern. Man wirst uns vor. daß wir streiken, statt uns friedlich ,u vergleichen. Wenn wir verhandeln, gibt man uns immer estien Vorsitzmden, der der Arbeiterwelt fremd ist l(Sehr richtig I> S wenn aber die Streiks ver.oerflich find- w.ev.el mehr ist es erst der Krieg!(Stürmische Zustimmung.) Niemand wünscht den Streik weniger als die„Agitatoren", d.e G-werk,chaftSbean,t-n. sur die ist ein Streik nie erfreulich.(Zustimmung.) Man schaffe aber endlich den Krieg ab. dessen ganze Lasten die Arbeiter zu tragen haben, die nicht nur Soldaten sind, sondern auf die auch die tmrt« schaftlichen Lasten fallen. Die Provokateure und Profitanten der Kriege, das sind die Intriganten der Regierungen, die Finanzleute, die internationalen Diebe, die die Länder der schwächeren Völker rauben.(Lebhafte Zustimmung.) Zwischen den Ar- heitern der verschiedenen Völker existiert keine Spur von Bitterkeit. Von diesem Kongreß aus soll die Stimme deS Friedens ertönen und wenn die Gefahr eines internationalen Krieges hervortritt, wird eS die Pflicht der Bergarbeiter sein, ihr mutig entgegenzutreten. Dann wird das Internationale Komitee zusammentreten und zu beraten haben. wie die Kriegsgefahr beseitigt werden kann. (Stürmischer Beifall.) Der Kongreß wird wohl mit mir überein- stinrmen, wenn ich erkläre, daß die hier versammelten Vertreter des Internationalen Grubeilproletariats mit ganzem Herzen den Frieden lvünschen und erhalten wollen und dabei sein werden, wenn es gilt, die Möglichkeit eines Krieges aus der Welt zu schaffen.(Stürmischer, anhaliender Beifall.) Reichslagsabgeordneter Sachse- Bochum, mit Beifall begrüßt, schließt sich der Trauer um Edwards herzlich an, wir haben ihm viel zu danken. Mit den Worten des Präsidenten über den Völker- frieden stimmen wir Deutsche vollkomme» überein.(Bravo I) Die Arbeiter aller Länder wollen nicht den Krieg, sondern nur die kleine Minderheit der Scharfmacher. Bei uns in Deutschland blasen gerade die größten Arbeiterfeinde die KriegStrompete. Gegen die Kriegs- gefahr im vorigen Sommer demonstrierten die sozialistischen deutschen Arbeiter und der Regierung war das, wie sie im Reichs- tag schweigend zugab, gar nicht unlieb.(HörtI hört!) Wir deutschen Arbeiter werden nach wie vor mit aller Energie für den Weltfrieden eintreten.(Lebhafter Beifall.) Sachse wendet sich nun gegen die elende scharfmacherische christliche Ver- leumdung, als ob der Ruhrgebietstreik etwa den Interessen der Engländer hätte dienen sollen. Es war doch allgemein bekannt, daß wir schon ein Jahr zuvor eine internationale Konferenz ab- gehalten hatten. Erst sagte man un? nach, wir wollten die Reichs- tagswahlen ausnutzen, dann wieder log man, daß wir den Engländern Vorspanndienste leisteten. Leider ist aber wahr, daß unsere C h r i st- l i ch e n sich dazu gebrauchen ließen, den Unternehmern Vorspanndienste zu leisten.(Hört I hört I> Wir begrüßen es, daß die amerikanischen Kameraden wieder einmal gekommen sind und hoffen, daß durch einen einheitlich gefaßten Beschluß, den Kon- gretz nur alle zwei Jahre abzuhalten, allen Nationen die Teilnahme erleichtert und dadurch die ganze Bewegung gefördert wird.(Großer Beifall.) Elfers- Holland begründet in der Nachmittagssitzung folgende Resolution über die Frage der Arbeiterinspektorcn. Dieser Kongreß ist der Ansicht, daß die möglichst größte Sicherheit in den Gruben nur herbeigeführt werden kann durch von den Arbeitern gewählte und vom Staat besoldete Gruben- kontrolleure. Diese müssen das Recht haben, so oft wie sie wollen, oder die Arbeiter es verlangen, die Gruben zu inspizieren. Der Redner bespricht namentlich auch das so unzureichende Institut der preußischen Sicherheitsmänner.(Hue ruft: UnsicherheitS- Männer I—(Zustimmung.) Es ist eins der wichtigsten Interessen der Bergarbeiter, daß für ihr Leben und ihre Gesundheit ausreichend gesorgt wird. Die deutsche Knappschaftsstatistik zeigt, welche Menschen- opfer dem Grubenkapitalismus gebracht werden. I» Belgien, wo die Arbeiterkontrolle besteht, ist die Zahl der Unfälle am lleinsten. Das Unglück auf Osterfeld hat den Wert der Unsicherheitsmänner gezeigt. DaS rheinisch-westsälische Kohlenkapital, das die Kontrolleure terrorisiert, trägt die Verantlvortung für diese Folgen. Wir be- kommen in Holland das Grubenmon'opol; von unserer christlichen Regierung fordern wir Vorkehrungen, daß nicht weiter ein Viertel aller Grubenarbeiter von Betriebsunfällen betroffen wird. Wir fordern unabhängige staatlich besoldete Arbeiterkoiitrolleure I(Leb- haster Beifall.) Robertson- England schließt sich diesen Ausführungen an. In Großbritaiiiiien werden jeden Tag vier Bergleute getötet und 600 verwundet.(Hört I hört!) Die Berginspeltion ist noch recht verbesserungsbedürftig. Die Steiger usw. sollten Staatsbeamte statt Privatbeamte der Gruben sein! Gerade zur Verhinderung der täglichen kleinen Unfälle, wie des Herabfallens des Hangenden usw. ist genaueste ständige Inspektion nötig. Ganz gefahrlos wird der Bergbau freilich nie werden, aber die Ausführung der Resolution wäre ein großer Fortschritt. W i t i- Bochum: Wir unterstützen die Resolution auf das kräftigste, denn wir haben gesehen, daß unter dem Sicherheitsmänner- shstein die Zahl der Unfälle absolut wie relativ gestiegen ist. 1909 geschahen im Riihrgcbict 153,35 Unfälle auf 1000 beschäftigte Ar- beiter, 1910 schon 155,67 und 1911 153,17! Das ist die natürliche Folge der allbekannten Behandlung der Sicherheitsmännerl Des- halb wollen die organisierten Kameraden dieses Amt gar nicht mehr annehmen, ja manche Arbeiter wollen mit Sicherheitsmännern gar nicht mehr arbeiten, denn mit einem solchen wird die ganze Kamerad- schaft gedrückt. Und die Christlichen haben die Einführung dieses Systems entgegen ihrer früheren Ansicht mit Freuden begrüßt! (Hört! hört!) Der Grubenbetrieb wird aber auch an sich immer gefährlicher. Daran ist das Wühlen und Schuften in der Grube schuld. Die Behörden glauben durch immer neue Verordnungen Wandel zu schaffen, den wir aber nur von der Erfüllung der Reso- lution erwarten können.(Beifall.) Dienstag Fortsetzung._ Soziales. Schub gegen Berufskrankheiten. Der Handelsminister und der Minister des Innern hat unter dem 21. Juni an die Regierungspräsidenten und den Berliner Polizeipräsidenten einen Erlaß gerichtet, der in dem soeben auSge- gebcncn Ministerialblatt der Handels- und Gewerbe-Verwaltung vom 8. Juli veröffentlicht wird. Sein Wortlaut geht dahin: „Der weitere Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung und auch das Maß des Schutzes, der den Arbeitern in den einzelnen Be- trieben zuteil wird, hängen zum großen Teile davon ab, daß es ge- lingt, zuverlässige Angaben über die Art und den Umfang der aus Vergiftungen beruhenden gewerblichen Erkrankungen zu erhalten. Infolgedessen ist von verschiedenen Seiten, unter anderem auch von der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz, die Einfuhrung der ärztlichen Anzeigepflicht für alle gewerblichen Ver- giftungen angeregt worden. Dieser Maßregel stehen aber be- trächtliche Schwierigkeiten entgegen. Dagegen erscheint es empfehlenswert, zu versuchen, ob es möglich ist, gemäß§ 343 der Rerchsversicherungsordnung von den Krankenkassen brauchbare An- gaben über die gewerblichen Erkrankungen, die auf Vergiftungen zurückzuführen sind, zu erhalten. In diesem Paragraphen, der allerdings noch nicht in Kraft getreten ist, werden die Kranken- kassen verpflichtet, den Gewerbeaussichtsbeamten auf Verlangen Auskunft über die Zahl und Art der Erkrankungen zu geben. Diese Bestimmung soll— wie in den Reichstagsverhandlungen zum Aus- druck gebracht ist— es ermöglichen, die Berufskrankheiten wirksam zu erfassen und ihrer Ausbreitung vorzubeugen. Dazu wird es indessen nicht genügen, lediglich die Zahl der unter den Mitgliedern einer Krankenkasse vorgekommenen Erkrankungsfälle kennen zu lernen: vielmehr wird es nötig sein, zu erfahren, in welchem Be- triebe die Erkrankungen vorgekommen sind und welche Personen erkrankt sind. Denn nur mit Hilfe dieser Angaben werden sich die Ursachen der Erkrankung und die Mittel zu ihrer Bekämpfung fest- stellen lassen. Die Krankenkassen besitzen meistens diese Angaben. Sie werden auch nach den bisherigen Erfahrungen in der Regel durchaus bereit sein, sie den Gewerbeaufsichtsbcamtcn zur Ver- fügung zu stellen. Ich ersuche Sie daher, die Ihnen unterstellten Gewerbeinspek- toren anzuweisen, daß sie sich unter Beziehung auf Z 343 der Reichsversicheruugsordnung mit den Vorständen derjenigen Krankenkassen ihres Bezirks, unter deren Mitgliedern vermutlich Blei-, Phosphor-, Arsen- oder Quccksilberver- giftungen nicht nur ganz ausnahmsweise vorkommen werden, in geeigneter Weise ip Verbindung setzen und sie, soweit dikS erreichbar ist, veranlassett, ihnen öoki jed'er Erkrankung eines Mit- gliedes, die durch Blei, Quecksilber, Arsen oder Phosphor hervor- gerufen ist, tunlichst bald Kenntnis zu geben. Dabei ist alles, was als eine zwecklose Belästigung der Kassen aufgefaßt werden könnte, also namentlich entbehrliches Schreibwerk und jede Ausdehnung des Ersuchens über die bezeichneten Fragen hinaus, unbedingt zu vermeiden. Auf Grund der eingegangenen Mitteilungen haben die Ge- werbeaufsichtsbeamten die Ursachen der Vergiftungen tunlichst aus- zuklären und, soweit dies möglich erscheint, auf dem durch§ 1200 der Gewerbeordnung und Z 8 der Dienstanweisung vom 23. März 1892 bezeichneten Wege ihrer Wiederholung entgegenzuwirken. Von jeder eingegangenen Mitteilung haben sie alsbald dem Kreisarzte Kenntnis zu geben, damit dieser sie in medizinischer Hinsicht recht- zeitig prüfen kann; geeignetenfalls haben sie sich der Mitwirkung des Kreisarztes bei den Nachforschungen nach den Ursachen der Ver- giftungen zu versichern. Späterer Entschließung muß es vorbehalten bleiben, ob etwa das gewonnene Material in ähnlicher Weise, wie es bei den An- zeigen über Milzbranderkrankungen durch das Statistische Amt ge- schieht, einheitlich zu bearbeiten ist. Zunächst wird das Ergebnis der Mitteilungen im Abschnitt II B der Jahresberichte der Regie- rungs- und Gewerberäte zu berücksichtigen sein. Außerdem wollen Sie selbst uns bis zum 1. April nächsten Jahres berichten, ob sich der bezeichnete Weg als gangbar erwiesen hat. und ob etwa inzwischen Erfahrungen gemacht sind, welche anderweitige Maßnahmen erwünscht erscheinen lassen." Der Erlaß klingt vielleicht für den ganz sozial, der von ge- werblichen Berufskrankheiten nichts oder wenig gehört hat. Gegen eine möglichst genaue statistische Erfassung der Krankheiten und ihrer Ursachen als Grundlagen für eine Bekämpfung der auf Ver- giftung beruhenden Gewerbekrankheiten ist auch an sich nichts ein- zuwenden. Aber: steht es denn so, daß die Ursachen der Gesundheit und Lebensglück untergrabenden Vergiftungen noch unbekannt sind? Mit nichten. Wissenschaftliche und gewerkschaftliche Untersuchungen haben längst den Erlaß überholt. In den erschütternden Dar- legungen zum Beispiel, die Schneider über die Gefahren in der chemischen Industrie im Auftrage des Fabrik- arbeiterverbandes veröffentlicht hat, sind die grauenhaften Verheerungen, die die mit Millionen Profit arbeitende Industrie den Schaffern der Profite beibringt, dargelegt und eine Reihe von AbHilfsmitteln gegen diese Verheerungen angegeben. Jahraus jähr- ein haben sozialdemokratische Abgeordnete von der Tribüne des Reichstags die furchtbaren Opfer geschildert, die auf dem Schlacht- feld der chemischen Industrie von den Arbeitern gefordert werden. Hygieniker, wie Professor Sommerfeld, haben dies Gebiet durch- forscht. ES ist an der Zeit und möglich, hier Maßnahmen zu treffen. Hygienische Einrichtungen, Verkürzung der Arbeitszeit, auf Grund des Z 120 f zu treffende Bundesratsverordnungen könn- ten den unheilvollen, zum Siechtum und Tod führenden Wirkungen der Art der Beschäftigung mit Giften Einhalt tun. Warum erst dilatorische, hinzögernde Erhebungen? Der Erlaß weist auf§ 120ck der Gewerbeordnung hin, der polizeiliches Vorgehen gegen einzelne Anlagen gestattet, die die Vorschriften des Arbeiterschutzes ver- letzen. Das ist völlig ungenügend. Ganz abgesehen davon, daß die Polizei gegen die Jndustriegcwaltigen machtlos ist, kann nur ein einheitlicher, genereller Schutz, wie ihn der Bundesrat auf Grund des 120 k der Gewerbeordnung treffen kann, nutzen. Der Erlaß zeigt, daß der Bundesrat vor Beschreitung dieses allein zweckdien» lichen Weges, wie der Staatssekretär Delbrück bei der letzten Etats. beratung auch andeutete, zurückscheut. Hinzu kommt, daß die Krankenkassen der großen chemischen Betriebe leider Fabrik- krankenkassen sind, die naturgemäß mehr auf Vertuschung als auf Beseitigung des UcbelS hinwirken. Wer im Betrieb erkrankt, wird entlassen— das ist das Heilrezept der antisozial geleiteten Kassen. Die VersicherungSgesctzgebung hat die sozialdemokratischen Anträge auf Beseitigung der Fnbrikkrankenkasscn und auf Anerkennung der Berufskrankheiten als Betriebsunfälle leider abgelehnt. Dadurch sind die Opfer der durch den Betrieb Vergifteten größer, die Aus- ficht, die Ursachen der VergiftungSgefahren zu mindern, geringer geworden. Der Erlaß verlangt überflüssige Erhebungen. Indes, wenn diese Erhebungen allseitig und mit dem Willen zu helfen vorgenommen und gesichtet werden, wird der Bundesrat zu dem von unS angegebenen Weg gelangen müssen. Je schneller das ge- schieht, desto mehr Tausende von Arbeitern würden vor lang. dauerndem Siechtum und qualvollem Tode bewahrt bleiben, Serickts-�eitung. Ein Zuhälter. Eine exemplarische Strafe verhängte gestern die 4. Straf. kämmet deS Landgerichts I gegen den aus der Untersuchungshast vorgeführten angeblichen Kaufmann Adolf Mascheck, welcher sich unter der Anklage der Zuhälterei zu verantworten hatte. Der aus Oesterreich stammende Angeklagte ist der Polizei schon seit längerer Zeit als einer der gefährlichsten Zuhälter Berlins bekannt. Er gehörte jedoch nicht zu denjenigen dieser Sorte von Menschen, die mit Knüpftuch und Mütze umherlaufen, sondern er war stets elegant gekleidet, bezog seine Anzüge von erstklassigen Schneidern und gab monatlich mehrere hundert Mark für seine Toilette aus. Diese« Luxus konnte er sich auch leisten, denn er erhielt von den armen Mädchen, die sich seinem„Schutz" anvertraut hatten, täglich Beträge von 50 bis 100 M. Mit ihnen unternahm er auch große Reisen in die Modcbäder, wo er selbst unter falschem Namen den eleganten Kavalier spielte, während seine Begleiterinnen sich auf den Kurpromenaden ihre Opfer suchten. Trotzdem diese Tatsachen der Kriminalpolizei längst bekannt waren, gelang es nicht, seiner habhaft zu werden, da er immer noch rechtzeitig zu entwischen ver- stand. Endlich gelang es dem Kriminalschutzmann Wildt nach einer mehrtägigen Beobachtung ihn in einem Hause in der Markgrafen- straße festzunehmen. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit des Angeklagten auf 1 Jahr Gefängnis. Außerdem erkannte das Gericht auf die von derartigen arbeits- scheuen Subjekten am meisten gefürchtete Strafe, nämlich auf Ueberweisung an das Arbeitshaus. Amtsunterschlagung? Gegen einen schweren Verdacht hatte sich gestern der Eisenbahn- nnterasfistent August Thiele vor dem Schwurgericht des Landgerichts III zu verantworten. Der Angeklagte, dem allseitig ein gutes Zeugnis ausgestellt wird, befindet sich seit dem Jahre 1893 im Eisenbahndienst. Zuletzt war er seit mehreren Jahren als Dienststellenleiter auf dem Bahnhof Mahlsdorf an der Ostbahn tätig. Eines Tages wurde bei einer Revision da» Fehlen von 1800 Fahrkarten zum Verkaufspreise von 540 M. entdeckt. Der Verdacht, diese Fahrkarten veruntreut zu haben, lenkte sich auf den Ange- klagten, der an jenem Schalter den Dienst versehen mußte. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß die fehlenden Fahrkarten schon verausgabt waren. Dies ließ sich dadurch sehr leicht feststellen, da sämtliche Fahrkarten mit fortlaufenden Nummern versehen sind und bereits eine Tausendserie verausgabt worden war, die erst viel später zur Verausgabung hätte kommen dürfen.— Der An- geklagte bestritt von Anfang an mit aller Entschiedenheit jede Schuld und behauptete, daß ihm die fehlenden Fahrkarten offenbar nur von einem anderen Kollegen entwendet worden seien. Rechts- anwalt Dr. Davidsohn wies in seinem Plaidoyer darauf hin, daß mehrere derartige Fälle, die in letzter Zeit die Oeffentlichkeit be- schäftigt hatten, den klaren Beweis dafür geliefert hätten, daß das ganze Fahrkartenwesen, wie es heute vorhanden sei, dringend einer Reform bedürfe. Jedenfalls könne man auf einen so vagen Ber- dacht hin nicht einen unbescholtenen Menschen verurteilen. Die Geschworenen verneinten auch die Schuldfragen, so daß dex Ange- klagte aus Kosten der Staatskasse freigesprochen wurde. Berliner Credit-Haus UV Kommandantenstr. 67."99 (Alkoholfreie Setrfinke� Franz Abraham Hamb. Messina-u-ESmertrank-Kell. N �BarieUtr. 8a, Fernsp. KgBt.13703 ÜOtSCtl I-iinona�*"fabrik __ j Thaerstr. 44. T. A. 7, 8176. S cd Otze, EM Webe rg tr. 1 5 1, T. 7, 11 1 2 5. STIi Lette» alkobol freite««tränk. Berlin O.S»inlf6.4 { Arbelter-Bekleldunn} KT«« 1 Irf /oäseaerJU. 32 *•* BerpuüMtSS Bambarger Laden, Charl.,WtIljt.69 J.KastnergÄ«! 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Metropol-Theater, MdeliDW! Phantastisch musikalische Komödie in 3.ükten aus dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musik vonR. Nelson. U. a. Tänze v. W. Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. SR. Schultz. Ansang 8 Ubr. Rauchen gestaltet. Heich5hAllen-T!iester. Stettiner Siinger Zum Schluß neu: Sanat orlnm Sonnenstich. Burleske vonMeysel. Ansang Wocheni. 8, Sonntags VI, Uhr. ssra C ARTEN Täglich: Großes Militar- _ Doppel-Konzert. l] Eintritt 1 Mark, |S von abends 6 Uhr ab ■ 50 Pf. Kinder nnter 10 Jahren die Hälfte- Hakenbecks Indien — Tcmpelhofer Feld.— Täglich geöffnet von 11 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends. 150 Imller. Macri Soliothi's Ohne Extra- Entrec! in i IV. Sonntag, den 14, Juli 1912: Grolles Sommer-Test in den Lokalen: Mentes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstraße; Ludwigs Viktoriagarten, Am Treptower Park; Brauerei Prledrichshain, Am Friedrichshain 16—23; Caf� Bellevue, Rummelsburg, Hauptstr. 2. In allen Lokalen Mitwirkung von Vereinen des Oeutschen Arbeiter-Singer-Bundes. Konzert X Spezialitäten X Preiskegelschieben X Tanz Aultreten von Arbeiter- Athleten-Terelnen. X Reaktionäre Affenkomödie. Jedes Kind erhält am Eingang in allen Lokalen 1 Bon f. Stocklateruo u. Karussell gratis. in allen Lokalen. Kassenöffnnng ti Uhr. Kaffeekoohen Billett 20 Pf. 217/18* m H Ii Li A Intern. KongreB Lebender Abnormitäten. Die grSBte Ausstellung lebender Naturwunder von 10 bis 10 Uhr (n den Gesamträumen des Passage-Panoptikums. Eintritt, alles Inkl. cn n< 1 Kinder, Sold. 25 Pf."u Tl. LaR Hüb Hark 1 30 Weltattraktionen 30 1 Saisonkarten 3 Mark. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstratze S8. Heute sowie täglich: Die Tochter der heze Gr. rom. Ausstattungsstück m. Tanz und Gesang in S Bildern. Neue Beleuchtungsessefle usw. usw. u. d. grotze Spezialitäten-Programm. Kassencröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. AmerlUanlscher VergnüsniiKspark. mit FoslumzDgen, Vorträgen, Bonbonregen, Kasperletheater, Fackelzug und bengalischer Beleuchtung, Verlosung wertvoller Geschenke, Hauptgewinne 2 goldene Uhren. SW Eintritt 15 PI.'©Q Donnerstag Elitetag mit Gala-Parade-Feuorwerk. Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße, z. Z. einziger Eispalast. Angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich;„Yvonne". Eisballett in 3 Bildern. 100 Mitwirk. Fabelh. Ausstatt. Der unvergleichl. jugendliche Kunstläufer Willy. Bis 6 Uhr und von 103/i Uhr abends halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Ranges! Wein- und Bier-Abteilung. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstr Täglich: Variete und Tiieater, Vom 1.— 16. Juli: 8 Spezialitäten und„Alte Liebe", Lustspiel in 1 Akt,„Das Mädchen aus der Fremde", Posse mit Ges. in 1 Alt ■ Ausstoß heute, 10. Juli |0� Riebeck-Brauerel, Berlin Schlesische Strasse 20 Telephon: Amt Moritzplatz 4785. LerankworUicher Nedakteur; 816111 Wach». Berlin. Für de» Jnjeratikltktl vecautw.: Th.Vlvckk, Berlin. Druck».Verlas: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsquitglt jgoul Singer». gp., Berlin SW. Kr. 158. 29. Jahrgang. 2. Ütilngt i>cs Jonuirts" Knlim InlMIntt Uittmk 10. Jiili 1913. Heute filittivocl): Zablabend für Groß-Berlin. Partei- Hnöfclcgenbeitem Zweiter Wahlkreis, Fricdrichstadt. Mittwoch, den 10. Juli, oiknds l/z12 Uhr, bei Julius Meyer, Oranienstraße 103: Zahlnacht für Buchdrucker, Stereotlipeure, Kinooperateure. Donnerstag, den 11. Juli, früh 6 Uhr: Zahlmorgen für Zeitungsdruckereinachtpersonal. Wilmcrsdorf-Halensee. Die Mitglieder des Wahlvereins werden ersucht, zum heutigen Zahlaicnd die Mitgliedsbücher der Gewcrkschafts- organisation mitzubringen. Der Vorstand. Wannsee. Donnerstag, den 11. Juli er., abends'/»9 Uhr, im »Fürstenhof"(O. Ackermann): V e r s a m m l u n g des Wahlvereins, Treptow- Baumschulenwcg. Für den Ortsteil Baumschulenweg, Bezirke 1—4, findet heute abend bei Serpentin, Baumschulenstr. 78, ein gemeinsamer Zahlabend statt. Kaulsdorf. Mittwoch, den 10. Juli, fällt der Zahlabend aus. Eichwalde. Heute Mittwoch, abends 8� Uhr, bei Witte t autzeror--enltlcyeMilgliederversammlung. TageS- ordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Zeuthen- Miersdorf. Die Generalversammlung findet heute Mittwoch bei Roberl Barnack in Zeuthen statt. Neueuhagen. Auf der Tagesordnung des heutigen Zahlabends steht die Gemeindevertreterwahl und ist das Erscheinen oller Genossen unbedingt erforderlich. Die Bezirksleitung. Bernau. Donnerstag, den 11. Juli findet der Zahlabend für den 1. und 2. Bezirk bei Hermann, Bürgermeisterstrabe, und für den 3. und 4. Bezirk bei Temmler, Wallstrabe statt. __ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Bis einschließlich Sonnabend, den Ä7. Juli, findet die juristische Sprechstunde wochentäglich von 7 bis il'/z Uhr abends, Sonnabends nur von sl'/o bis 6 Uhr statt. v_ Die Ferienspielc, die die Stadt Berlin in diesen Soinmerferien wieder für die Gemeindafchulkinder veranstaltet, haben am Montag b e- gönne ii. Im„Vorwärts" ist bereits vor einigen Wochen ausführlich mitgeteilt worden, wo und wann die Spiele statt- finden, unter welchen Bedingungen die Kinder daran teil- nehmen können usw. Wir wollen heute noch einmal aus das Nötige hinweisen. Für diese Ferienspiele, die vom 8. Juli bis zum 10. August an allen Wochentagen abgehalten werden, sind folgende Spielplätze in der Umgebung B e r l i n s zur Ver- sügung gestellt worden: 1. im Grunewald der Platz der Äerlin-Charlottenburger Turngaue in der Nähe des Bahnhofes „Eichkamp", 2. im Plänterwald der große Platz in der Nähe des„Alten Eierhäuschen", 3. im Walde bei Buch, ein Platz nahe der Försterei, 4. bei Wartenberg, ein Platz auf dem Gutsgelände, 5, und 6. bei Blankenfelde, zwei Plätze hinter den Schulgärten der Stadt Berlin. Welchem dieser Spiel- Plätze ein Kind besuchen soll, darüber bestimmen die Eltern selber. Da die Kinder jeden Morgen gemeinsam mit Straßen- bahn oder Eisenbahn nach den Spielplätzen fahren und ge° meinsam unter Leitung von Lehrern und Lehrerinnen um 8 Uhr früh nach den Abfahrtstcllen marschieren sollen, so müssen � sie sich um V>8 Uhr auf den Gemeindeschulhöfen versammeln. Folgende Schulhöfe sind S a m m e l st c l l e n: 1. für Grüne- Wald: Quitzowstr. 115, Bremer Straße 13/17, Rostocker Straße 35. Levetzowstr. 26. Derfflingerstr. 18a, Culmstr. 15, Gneisenaustr. 7: 2. für Plänterwald: Alte Jakobstr. 127, Schmidstr. 38, Britzer Straße 17/18, Reichenberger Straße 131/132, Wrangelstr. 128, Schlesische Straße 4, Naglerstr. 6: 3. für Buch: Albrcchtstr. 20, Kesselstr. 3, Mllllerstr. 158/159, Ravensstr. 12, Schulstr. 99/100, Ackerstr. 67, Putbuser Straße 23; 4. für Wartenberg: Markusstr. 49, Strausberger Straße 8/9, Rüdersdorfer Straße 4/5, Litauer Straße 18, Rigaer Straße 81/82. Straßmannstr. 6, Olivaer Straße 19; 5. für Blankenfelde I: Keibelstr. 31/32, Prenzlauer Allee 227/228. Ehristburger' Straße 14, Scnefelderstr. 6/7. Greifenhagener Straße 26 Sonnenburger Straße 21. Briesener Straße 22; 6. für Blankenfelde ll: Gipsstr. 23a. Zehdenicker Straße 17/18, Kastanienalle 82. Stralsunder Straße 54, Garten- straßc 107a, Pranzenallce 8, Christianiastr. 36/39. Es empfiehlt sich, daß möglichst die der Wohnung nächstgelegene Eammelstelle gewählt wird. Auf den Spielplätzen wird den Kindern abwechselnd Ge- legenheit zu gemeinsamen Spielen und zu freien Spielen nach eigenem Belieben gegeben. Für etwa vorkommende Unfälle sind alle notwendigen Vor- kehrungen getroffen. Bei plötzlichen Regengüssen bieten große Unterkunftshallen genügenden Schutz. Die Be° köstigung wird teils von den Kindern mitgebracht, teils auf dem Spielplatz verabreicht. Mittags gibt es eine Suppe (z. B. Erbssuppe und Aehnliches). die in den auf den Spiel- Plätzen eingerichteten Küchen bereitet wird. Zu dem mitge- brachten Frühstück erhält jedes Kind 1/2 Liter Milch, um die Vesperzeit wird Kaffee und Gebäck ausgeteilt. Zu empfehlen ist, daß die Kinder Trinkgefäß und Eßnapf(beides möglichst aus Emaille) sowie Eßlöffel mitbingen. Gegen 6 Uhr rüstet die ganze Schar zur Heimfahrt, die wieder gemeinsam ausgeführt wird. In Berlin werden die Kinder zu ihren Sammelstellen zurückgeleitet und erst hier aus der Obbut der Lehrer und Lehrerinnen entlassen. Späte- slens um 8 Uhr kann jedes Kind in der elterlichen Wohnung eingetroffen sein. �,...... Zur Teilnahme an diesen Spielen sind schul- Pflichtige Knaben und Mädchen ohne weiteres berechtigt. Jüngere Geschwister dürfen mitgebracht werden, wenn am Tage vorher dem Oberleiter Mitteilung gemacht worden ist. Leider wird die Beteiligung noch nicht allgemein un° entgeltlich gewährt. Die Kinder haben täglich 20 Pf. zu zahlen(für Spielplatz Buch 30 Pf.), wofür die Hin- und Rückfahrt, sowie Speise und Trank gegeben wird. Frei- k a r t e 11. die für die ganze Ferienzeit von jeder Zahlung be- freien, werden verteilt an Waisen. Halbwaisen. Pflegekinder. an Kinder, die in der Schule Speisemarken erhalten, an mit- kommende vierte, fünfte usw. Kinder derselben Fanulie. Für »Spielplatz Buch zahlt aus der-selben Familie ein Kind 30 Pf., ein zweites 20 Pf., ein drittes 10 Pf., ein viertes, fünftes usw. ' nichts. Freikarten sind von den Rdktoren ausgegeben worden, man kann sie aber auch noch während der Ferien auf den Spielplätzen von den Oberleitern bekommen. Für Kinder, die an diesen Ausflügen nach den außerhalb Berlins gelegenen Spielplätzen nicht teilnehmen, wollen, sind im Innern der Stadt eine Anzahl Spielstätten(meist auf Gemeindeschulhöfen) zur Verfügung gestellt worden: 1. Krautstr. 43, 2. Ehristburger Straße 14, 3. Danziger Straße 23, 4. Ruppiner Straße 47/48, 5. Zehdenicker Straße 17/18, 6. Auguststr. 67/68, 7. Turmstr. 75. 8. Köpenickec Straßc 125, 9. Gubener Straße 53, 10. Reichenberger Straße 131/132, 11. Skalitzer Straße 55/56, 12. Samariterstr. 19/20, 13. Petersburger Straße 4, 14. Spielplatz am Urban, 15. Spielplatz in der Bremer Straße. Die Kinder können werktäglich in den Stunden von 9— 12 Uhr und von 3— 7 Uhr unter der Obhut eines Lehrers nach eigenem Belieben spielen. Sämtliche Spielplätze sind für das Publikum ge- sperrt. Das mag aus niancheii Gründen nötig erscheinen, aber von vielen Erwachsenen, die diesen Spielen ein Interesse entgegenbringen, wird es bedauert. Besonders Eltern, die selber ihre Kinder mitspielen lassen, müssen den Wunsch haben, sich mal darum zu kümmern, was die Kinder dort treiben. Von den Außcnspielplätzen ist derjenige im Plänterwald der nächste, und hier ist daher wohl am meisten darauf zu rechnen, daß Eltern sich als Zuschauer einfinden. Am Montag sollen solche Eltern von dem Spielplatz, den sie betreten zu dürfen meinten, weggewiesen worden sein. An den gosperrten Wegen, die zuni Spielplatz führen, standen Gruppen von Eltern in lebhafter Unterhaltung über die strenge Durchführung der Sperre. Uns scheint, daß gerade bei diesem Platz es sehr wohl möglich wäre, Eltern als Zuschauer zuzulassen. Die Fernsprechschule, lieber das Telegraphenschulamt in Berlin macht jetzt Tclegrapheningenieur Arnholz interessante Mitteilungen an amtlicher Stelle. Das Amt ist 1S07 für die Ausbildung der Fernsprechgehilfinnen im Berliner Dezirk gegründet worden. Später wurde dort der gesamte Unterricht für den Telegraphen- und Fernsprechdienft vereinigt. Seit 1911 ist dem Amte auch das Ferusprcchlontrollamt zugeteilt. Für die Gehilfinnen desteht eine Schulfernsprecheinrichtung. Besondere Uebungsräume sind einge- richtet für den Morsetclegraphen, die Summerausbildung, den Ferndrucker und den Hughes. Die Tätigkeit d«S Tclegraphenschul» amls fällt meist in die Wintermonatc. Die Hugheskurse bestehen von September bis April. Die Anwärterinnenkurse beginnen An- fang Januar und dauern bis Juni oder Juli. In den Sommer- monaten werden nur die Anfänger für den Telegraphendienst unter- wiesen. Schlutzprüfungen werden praktisch, schriftlich und münd- lich abgehalten. Dos Zeugnis wird in die Personalakten aufge- nommen. Das Amt befindet sich in dem früheren Vermittlungs- amt 9 in der Lützowstraße und zwei anderen Stellen, soll aber ist der Magazinstraße vereinigt werden. Eine Aenderung der Droschkenordnung hal dex Polizeipräsident erlassen. Die wesentlichsten Bestimmungen sind folgende: Die Wagen müssen von gefälliger Form, auch sonst von gutem und ge- schmackv ollem Aussehen, dauerhaft und bequem gebaut, sauber lackiert, anständig ausgeschlagen, gut gepolstert sein und stets in einem vorschriftsmäßigen und unbeschädigten, wie auch reinlichen Zustande erhalten werden. Sie müssen auf Federn ruhen und mit einem Verdeck versehen sein. Pferdedroschken müssen einen dunklen, Kraftdroschken mit Verbrennungsmaschine einen marstallbraauen, dunkelblauen oder dunkelgrünen, mit schmalen roten Streifen ab- gesetzten, Kraftdroschken mit elektrischem Antrieb einen elfenbein- farbigen mit schmalen, schwarzen Streifen abgesetzten Anstrich nach den beim Verkehrskommissariat ausgelegten Mustern tragen. Räder aus Holz müssen in derselben Farbe uiid Absetzung wie die Wagen gehalten sein. Die Kraftdroschken müssen außen unterhalb des Verdecks mit einem um den hinteren Teil des Wagens ohne Unterbrechung herumgehenden goldenen FrieSstreifen versehen sein, der bei den elektrischen Kraftdroschken 4—5 Zentimeter, bei den übrigen Kraft- droschkcn 7—9 Zentimeter breit sein soll. Weitere Verzierungen, sowie Ausschristen. Namenszüge und dergleichen, soweit sie nicht besonders vorgeschrieben oder zugelassen sind, sind verboten. Türen, Fenster und Verdeck müssen dicht und sicher schließen. Zu den Scheiben darf nur glattes Spiegelglas ohne Vstrzicrung verwendet werden. Wagen ohne Türen und solche, welche durch Niederschlagen des Verdecks ganz oder teilweise geöffnet werden können/ müssen über den Vorder- und Hinterrädern, sestgeschlossene Wagen, deren Türen nach vorn aufschlagen, wenigstens über den Hinterrädern mit Kot- flügeln versehen sein. Ueber die Kopfbedeckung der Kutscher besagt 8 22 Abs. g: schwarz lackierten Hut in Zylinderform von Leder, Filz oder dergl. mit weißem Kopfbande und preußischer Kokarde. tz 84 erhält folgende Fassung: Der Führer ist verpflichtet, auf Verlangen der Fahrgäste«ine Person mit auf den Führersitz zu nehmen, sobald auf demselben hierzu. ausreichend Platz vor- handen ist. Im 7. Absatz des 8 85 wird bestimmt: Der Führer einer Kraft- droschke dars keine Fahrt mehr annehmen, wenn seit seinem Dienst- antritt 12 Stunden verflossen sind. 8 88 erhält folgend« Fassung: Wird von dem Fahrgast aus- drücklich ein bestimmter Weg bezeichnet, den der Führer fahren soll, so hat der Führer diesen Weg, soweit er fahrbar ist. zu fahren. Gibt der Fahrgast nur das Ziel der Fahrt an, so hat der Führer den zum Ziel führenden kürzesten fahrbaren Weg einzuschlagen; er ist jedoch berechtigt, die Friedrich-, Leipziger- und Königstraße zu vermeiden, sowie bei Fahrten zwischen dem Brandenburger Tor und dem Kreuzungspunkte zwischen Tiergartenstraße, Hofjäger Allee und Friedrich-Wilhelm-Stratze in beiden Richtungen den Weg über den Großen Stern zu wählen, falls nicht das Ziel der Fahrt in den drei erstgenannten Straßen liegt oder der Fahrgast nicht da- gegen Einspruch erhebt. Auf unbefestigten Wegen braucht der Führer iu keinem Falle zu fahren; tut er es dennoch, so braucht er nur mit einer solchen Geschwindigkeit zu fahren, wie die Beschaffen- hcit des Weges sie zuläßt. Die Abänderungsbestimmungen über die Wagengestaltung und Ausstattung treten mit Beginn des JahreS 1913 mit der Matzgabe in Kraft, daß bei der gemäß 8 25 Abs. 2 der Droschkenordnung in der Zeit vom I. Januar bis 30. Juni 1913 erfolgenden Prüfung die Droschken der neuen Vorschrift entsprechend hergerichtet sein müssen. Im übrigen tritt diese Polizeiverordnung am 1. August 1912 in Kraft. Warnung vor Taschendieben und Fledderern. Die Gilde der Langsinger und Fledderer ist, wie aus zahlreichen Anzeigen und Verhaftungen hervorgeht, jetzt besonders eifrig an der„Arbeit". Nachdem der größte Andrang aus den Bahnhöfen vorbei ist, haben die Taschendiebe das Feld ihrer Tätigkeit verlegt. Sie suchen ihre Opfer jetzt wieder hauptsächlich an den Haltestellen der Straßen- bahnen in der näheren Umgebung Berlins. Wenn an Sonntag Abenden in Tegel, Treptow und anderen Vororten die gvoße Schar der Ausflügler die Straßenbahnwagen stürmen, drängen sich die Spitzbuben dazwischen und leeren dabei mitunter mehr wie eine Tasche. Die Kriminalbeamten fassen daher diese Plätze besonders ins Auge. Es gelang ihnen auch schon, eine Reihe der gefährlichen Burschen aus frischer Tat zu überraschen und festzunehmen, unter ihnen einen erst 19 Jahre alten jungen Mann namens Karl Schie- mann, der schon oft dieserhalb vorbestraft ist. Der Bursche hatte als Spießgesellen einen noch schulpflichtigen Knaben. Auch im Zoologischen Garten machen sich die Langfinger in der letzten Zeit wieder unangenehm bemerkbar. Auch dort wird deshalb eifrig aus sie gefahndet. Reiche Beute machen jetzt ebenfalls die Fledderer. Dckren beliebtesten Stätten sind die öffentlichen Anlagen, besonders der Friedrichshain und der Tiergarten. Mancher, der der großen Hitze wegen seinen Durst etwas reichlich gestillt hat, nickt beim Aus- ruhen auf einer Bank wohl etwas ein. Diese Gelegenheit wird in vielen Fällen von den Fledderern benutzt, um den Schlafendeu die Taschen aufzuschneiden und zu entleeren. Einem Handwerksnueistcr stahl einer dieser Burschen im Friedrichshain nicht nur die goldene Uhr mit Kette, sondern auch noch sein Portemonnaie, in dem sich ungefähr 199 M. befanden. Auch in den Anlagen an den Wahn- Höfen lungern die Strolche umher. Durchreisende, die mit dem letzten Zug hier angekommen sind und erst am anderen Morgen wieder weiterfahren, ziehen es vor, den Ausenthalt anstatt in den Wartesälen in den nahegelegenen Anlagen zu verbringen. Nicken sie dann, müde von der Reise, etwas ein., so plündern sie die Fledderer gänzlich aus. Es hält sehr schwer, diese Spitzbuben aus frischer Tat zu ertappen und zu überführen. Ein tödlicher Straßeikbahnuufall trug sich am gestrigen Dienstag- nachmittag gegen 2'/« Uhr in der Landsberger Allee zn. Dort wollte vor dem Hause Nr. 44 das vierjährige Töchterchcn Elsbeth des in der Ebertystr. 4 wohnenden Fleischers Werth vor dem Motor- wagen 2879 der Linie 164 die Gleise überschreiten, wurde jedoch vom Borderperron erfaßt und geriet mit dem Körper unter den Schutzrahmen. Mittels mitgeführter Winden wurde der Waggon angehoben und das Kind aus seiner entsetzlichen Lage befreit. Die kleine W. wurde von Samaritern der Feuerwehr nach dem Kranken- Haus am Friedrichshain geschafft, wo sie bald nach ihrer Eiolieferung verstarb.— Die von Passanten herbeigerufene Feuerwehr trat bei den Rettungsarbeiten nicht mehr in Tätigkeit. Vom Dach gestürzt ist gestern nachmittag kurz nach V/z Uhr der Zimmermann Karl Schüler aus der Lehderstr. 112 zu Weißensee. Schüler war auf dem Neubau des Bauunternehmers Kühle in der Prinzenstr. 49 mit Abrichten beschäftigt, als er fehltrat und hinab- stürzte. Er fiel vom Dach auf das Gerüst im vierten Stock, wo gerade ein eiserner Träger lag. Hier schlug er so unglücklich mit dem Kopfe auf, daß ihm das ganze Gesicht entstellt wurde. Die Nase wurde ihm ganz abgerissen. Außerdem erlitt er noch schwere innere Verletzungen, sodaß an seinem Aufkommen gezweifelt werden muß. Der Verunglückte wurde, nachdem ihm auf der nächsten Hilfswache ein Notverband angelegt worden war. nach der Charits gebracht. Als- Leiche gelandet wurde gestern aus dem Verbindmigskanal in Charlottenburg der 46 Jahre alte Zettelverteiler Paul Rubach vom Ostbahnhos 19. Der Mann, der unverheiratet war und in Schlafstelle wohnte, litt seit Jahren an Krampfanfällen. Am ver- gangenen Mittwoch entfernte er sich von seinen Wintsleuten mit dem Bemerken, er könne es nicht mehr aushalten, er werde ins Wasser gehen. Dies hat er, wie sich jetzt herausstellt, auch getan. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Auf dem Exerzierplatz erschossen hat sich in der vergangenen Nacht der 46 Jahre alte Wächter Friedrich Tarne aus iter Elsenstraße 1 zu Treptow. Der Mann war als Wächter des noch auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee stähende» Zeltes des Zirkus Sarrasani angestellt. Gestern morgen zwischen 5 und 6 Uhr fanden ihn Borübergehende mit seiner Dienstpistole erschossen auf. Wag den Mann in den Tod getrieben hat, ist unbekannt. Einen sehr schmerzhaften Verlust erlitt der Gergenkünstleo Bergewitz aus Friedenau. Dieser ließ vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr, als er mit der Stadtbahn in einem Abteil 2. Klasse von Westend nach Halens« gefahren war, seine wertvolle Stradivari» geige, die aus dem Jahre 1713 stammt und einen hohen Wert haben soll, liegen. Als er sich des Verlustes erinnerte und den Zug von der Eisenbahn durchsuchen ließ, war die Geige verschwunden. Diese befand sich in einem viereckigen Ledcrkosfer, der mit einem Segeltuch umgeben war. In diesem Koffer lagen außerdem noch 1990 M. in barem Gelde und«ine kostbare Krawattennadel mit Brillanten, die in Platin gefaßt ist. Auf die Wiederherbeischaffung dieses Kosfers mit Inhalt, besonders der wertvollen Geige, hat der Geschädigte eine hohe Belohnung ausgesetzt. Radfahrcrunfall. Am Sonntag früh 5Vi Uhr passierten B Radfahrer die Danziger Straße, 4 Herren, 1 Dame. Das Ziel der Partie war Rüdersdorf. An der Ecke der Treskowstraße fuhr links ein Milchwagen, die Radfahrer fuhren rechts, als zu gleicher Zeit ein Autoomnibus von hinten zwischen Radfahrer und Milchwagen sich drängte. Die Radfahrer vermochten nicht mehr auszuweichen und so wurde der Schmied Georg Sims aus der Schwedcnstr. 18 vom rechten Vorderrad angefahren, das Fahrrad wurde zur Seite geschleudert. S. kam vor das Hinlerrad zu liegen und wurde töd- lich verletzt. Während der Chauffeur das Weite suchte, wurde!der Verletzte vo» seinen Kollegen aufgehoben und sofort per Droschke nach der Unfallstation in der Gaudystraße und von hier vermittelst eines Krankenautomobils nach dem Virchowkrankenhaus gebracht, wo er am gleichen Abend unter den größten Qualen verstorben ist. S. ist 27 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit 2 kleinen Kindern von 2 und 5 Jahren. Etwaige Zeugen dieses Vorfalles, besonders die beiden Milchfahrer, werden gebeten, ihre Adresse an A. Haase, Bornemannstraße 12, gelangen zu lassen. Der Arbeiter-Schwimmer-Bund teilt uns mit, daß die Ver- liner Schwimmvereine sich zu einem Verein zusammengeschlossen haben, um die Agitation für diesen gesunden Sport besser betreiben zu können. Der Verein nennt sich Arbeiter-Schwimmverein Berlin. Anfragen richte man an Georgs Lücke, Berlin-Reinickendorf, Residenzstraße 109. Für den Stadtteil Moabit findet an, Freitag eine Agitationsversammlung statt zwecks Gründung euzer Abtei-, lung. Näheres siehe Inserat. Vorort- l�acdrickten. Einquartierung in den Berliner Vororten. Mehrere Berliner Vororte werden Ende August und Anfang September mit Einquartierungen größeren Umfanges bedacht, da außer dem Gardekorpö das gesamte 8. Armeekorps an dem Parade- rummel am 2. September auf dem Tempelhofer Felde und an dem Kaisermanöver teilnimmt. Die Gemeindeverwaltungen sind schon vielfach mit der Verteilung der Einquartierungen auf hie einzelnen Gebäude und Gehöfte beschäftigt, wobei zum ersten Male die in den ffiütotie« im Früdjahr eingeführten neuen Ortsstatute betreffend die Natural- und Onarticrleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden angewandt werden. In der näheren Umgegend von Berlin werden die Einquartierungen vom 3t. August bis 3. September dauern und werden u. a. nach Lichtenberg 13 Generäle und Stabsoffiziere, 114 Hauptlente, 3709 Mann und 2SS Pferde kommen. In Weifjeiisee sollen 6 Generäle und Stabsoffiziere. 98 Haupt- leute und Leutnants, sowie 650 Mannschaften untergebracht werden. — Die vom Kaisermanöver betroffenen Ortschaften werden vom 3. bis 10. September mit gröberen Einquartierungen zu rechnen haben. Charlotte» bürg. Das Resultat der Veranlagung zur StaatSeinkommen« und Er- gänzungsfleuer für das Jahr 1912 veröffentlicht soeben das Statistische Amt: Einschlicblich der Forensen wurden 103 344 Personen mit einem Einkommen von mehr als 900 M. veranlagt. Entsprechend der Steigerung der Einwohnerzahl ist auch die Zahl der Zensiten von Jahr zu Jahr gestiegen. Die Steigerung beträgt seit 1909 23,3 Proz. Mit den zu. den Zensiten gehörenden Haushalwngs- Mitgliedern unrfabte die steuernde Bevölkerung bei der letzten Ber. anlagung 223 087 oder 73.01 Proz. der durch die Personenstands- aufnähme ermittelte» Einwohner. 1911 waren es 217 843 oder 73 Proz., 1910 203 897 oder 72,4 Proz., 1909 194 672 oder 72,2 Prozent. 1908 betrug der Prozentsatz 03,5. Diese Zahlen zeigen, daß der Anteil der Nichtsteuerzahler in der Bevölkerung ständig, in den letzten Jahren aber nur minimal zurückgegangen ist. Der Wert 0er veranlagten Steuer beläuft sich für 1912 auf 11810 019 M. 1911 betrug dieselbe 10 775 317, 1910; 9 857 838, 1909: 9 127 948 M., was einer Steigerung von 26,9 Proz. seit dem Jahre 1909 gleichkommt. Außerdem wurden an Zuschlägen 2 092 801 M. veranlagt, so daß durchschnittlich auf den Zensiten 131,7 M. gegen 130 M. im Borjahre entfallen. Der Ausfall an Einkommensteuer infolge Ermäßigungen nach ZZ 19 und 20 des Einkommensteuergesetzes belief sich nach Ausstellung der letzten Steuer- listen auf 186 713 M., 23 886 M. mehr■ als 1911. Nichtphysische Personen(Aktiengesellschaften, eingetragene Genossenschaften usw.) wurde» 207 mit einem Steuersoll von 279 H25 M. veranlagt. Die Zahl derselben hat sich seit1909um 127,die Steuerlumme um 18298M. erhöht. Beachtenswert sind die Einkommensverhältnisse der Zensiten: Die Zahl derjenigen, die ein Einkommen' unter 900 M. hatten und infolgedessen„frei veranlagt" wurden, ist relativ immer noch gestiegen, prozentual aber etwas geringer geworden. Für 1912 ist die Zahl noch nicht festgestellt; 1911 betrug sie 58 515, 1910 53 867, 1909 52 470. Nach einem Einkommen von über 900—3000 M. wurden bei der letzten Beranlagung 79 880 physische Personen veranlagt. Ueber 3000-6800 M. 12 887, über 6500-9800 M. 8375, über 9800 bis 30 500 M. 5145, über 30 500—100 000 M. 1705 und über 100 000 M. 852.. Im Stadium der Veranlagung betrug die Zahl der Einwohner rund 320 000. Ans der dritten Etage gestürzt. Ein bedauernswerter Unfall hat sich gestern morgen gegen 7ZH Uhr in dem Hause Cauerstr. 25 abgespielt. Die Frau des Arbeiters Hildebrandt hatte morgens gegen 6 Uhr die Wohnung verlassen, um Zeitungen auszutragen und die Tür hinter sich abgeschlossen. Das dreijährige Töchterchen Agnes der Eheleute blieb allein zurück. Offenbar wurde es der Kleinen in der Abwesenheit ihrer Mutter in der Stube zu lang- weilig und so rückte sie einen Stuhl an das Fenster, um auf die Straße hinabzuschauen. Dabei lehnte sich die Kleine zu weit aus dem Fenster heraus, verlor das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf die Straße hinab, wo sie schwer verletzt liegen blieb. Nachbarn, die den Vorfall entsetzt beobachtet hatten, schafften das Kind nach der Unfallstation in der Berliner Straße, wo der Arzt schwere innere Verletzungen feststellte und die Ueberführung des Mädchens nach dem Krankenhaus Weitend veranlaßtc. wo eS sterbend eingeliefert wurde. Das Arbcitcrjugeiidhrim befindet sich R o s i n e n st r a ß e 3' Seitenflügel parterre, und ist an allen Tagen außer Montags und Freitags von 7—>/z10 Uhr geöffnet(Sonntags 4 bis �/z10 Uhr). Fleitags 7—'/zlO Uhr: Mädchenabend. Alle jugendltzhen Arbeiter und Arbeiterinnen(von 14—18 Jahren) sind freundlichst eingeladen. Der Besuch ist unentgeltlich. Maricudorf. DaS Einwohnermeldeamt befindet sich feit Montag, den 3. Juli 1912, im Hanfe der Amtsverwaltnng hier, T e m p e l h o f e r Straße 68. Lichtenberg. Die Handwerker und Arbeiter der städtischen Betriebe nahmen am Montag in einer öffentlichen Versammlung Stellung zu der Behandlung ihrer Anträge vor dem Stadtparlament. Stadt- verordneter Genosse Brühl beleuchtete in einem längeren Referat die ganze Art und Weise, wie in unserem Orte Arbeiterfragen von dem Magistrat und den bürgerlichen Stadtverordneten behandelt werden. Trotzdem selbst von dieser Seite die Anträge der städtischen Arbeiter als maßvoll nnd gerechtfertigt anerkannt worden seien, habe die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, nachdem bereits dreiviertel Jahr darüber in Konnnissionen, in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat hin und her beraten wurde, beschlossen. Die Anträge einer anderen Kommission zur erneuten Beratung zu überweisen. Im Frühjahr war erklärt worden, daß sofort nach der Vereinigung von Lichten- berg und Runimelsbnrg diese Anträge zur Erledigung gebracht werden sollen. Diese Versprechungen sind nun, wie man sieht, g e- brachen worden. Die Magistratsvorlage, die der Kommission überwiesen worden ist, bringt aber in ihren Einzelheiten ganz be- deutende Verschlechterungen. An Stelle des bisherigen Aus- schlageS von 80 Prozent für Uebcrstunden die nach 8 Uhr abends soll es in Zukunft nur noch 25 Prozent geben; bis 8 Uhr abends soll eS überhaupt keinen Ueberstundenaufschlag geben. Die in Woche stallenden Feiertage, die bisher»wenigstens den städtischen Arbeilern RummelsburgS bezahlt wurden, sollen in Zu- kunst nicht mehr bezahlt werden. Auch in der Urlaubsfrage behauptet der Magistrat seinen alten rückständigen Standpunkt, was ebenfalls für die Rummelsburger Arbeiter eine Verschlechterung be- deutet. Demgegenüber müsse betont werden, daß die Anträge der städtischen Arbeiter durchaus nicht übertrieben und wohl durchführbar seien. Bei einem Etat von über 8 Millionen Mark, wie ihn Lichten- berg und Rummelsburg zusammen im letzten Jahre aufzuweisen halten, könne nicht gesagt werden, daß diese Forderungen nicht verwirklicht werden können. Man fordere nur das, was andere Gemeinden Groß-Berlins mit der gleichen wirtschaftlichen Struktur wie Lichlenberg-Rummelsburg schon längst zur Einführung gebracht habeu, in erster Linie die n e u n st ü n d i g e Arbeitszeit für alle städtischen Betriebe und die Festsetzung des M i n d e st t a g e l o h n e s auf 4,25 M., steigend nach einem Jahr auf 4,80 M. Ferner soll im Krankheitsfalle die Differenz zwischen Krankengeld und Lohn gezahlt werden, ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage deS betroffenen Arbeiters. Des weiteren wird ein Ueberstundenaufschlag von 28 Proz. bis 8 Uhr abends gefordert, für Nachtarbeit nach 8 Uhr abends, sowie für Sonntags- und Feiertags- arbeit ein Aufschlag von 50 Proz. Sämtliche in die Woche fallenden Feiertage sollen bezahlt werden. Dann wird eine Erweiterung des Urlaubs angestrebt, wonach den Arbeitern nach ein- jähriger Tätigkeit 7 Tage, nach fünfjähriger Tätigkeit 14 Tage Ur- laub zu gewähren find. Bescheidener konnten die Forderungen der Arbeiter gar nicht sein. Wenn die bürgerliche Mehrheit und der Magistrat fortfahren, diese Anträge weiter zu verschleppen, dann müßte die soziale Rückständigkeit der städtischen Körperschaften ein- mal der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. In der Diskussion wurde dem Referenten vollständig bei- gepflichtet. Genosse Polenske vom Staats- und Gemeinde« arbeiterverband hob noch besonders hervor, daß man es bisher ver- mieden habe, eine schärfere Tonart anzuschlagen, da die städttschen Arbeiter sich bewußt sind, daß sie auch auf das Allgemeinwohl der Stadt Rücksicht zu nehmen haben. Dieses werde aber durch die vorliegenden Anträge in keiner Weise geschädigt, und deshalb werden sich die städtischen Arbeiter nicht länger an der Nase herumführen lassen, sondern schlimmstenfalls auch eine stärkere Waffe in Anwen- dung bringen, wofür die Verantwortung die herrschende Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat zu über- nehmen hätten.— Von einem anderen Redner wurden dann noch einige Mißstände in der Parkverwaltung bekannt gegeben. So soll es in dem neu angelegten städtischen Park an geeigneten UnterkunftS- und Umkleideräume» für die Arbeiter mangeln. Auch rügte der Redner, daß der Friedhofsinspektor deS Morgens in der Umgebung des Park« Schießübungen veranstaltet, so daß die sich zur Arbeit begebenden Parkarbeiter in Gefahr geraten, durch umher- fliegende Schrvtkörner verletzt zu werden. Hierauf gelangte nach- stehende Resolution zur einstimmigen Annahme: Die am 3. Juli 1912 im.Kronprinzengarten, Frankfurter Chaussee 128, versammelten Handwerker und Arbeiter aller städtische» Betriebe von Lichtenberg-Rummelsburg erheben schärf- sten Protest gegen die Verschleppung ihrer Anträge zum Etat 1912. Sie bedauern diese Verschleppung umsomehr, als die gestellten Anträge in ihren Hauptpunkten nur eine gleiche Entlohnung und gleiche Arbeitszeit für alle städtischen Arbeiter forderten. Die Versammelte» bedauern ferner, daß die städtischen Körperschaften das Versprechen, die beantragte Neuregelung sofort nach der Eingemeindung vornehinen zu wollen, nicht ein- gelöst haben. Die Versammelten ersuchen die städtischen Körperschaften, unter Ablehnung der Magistratsvorlage, deren Annahme eine direkte Verschlechterung der gegenwärtigen Arbeits- bedingungen bedeuten würde, den Beschlüssen der Petitionskommission zuzustimmen, und zwar mit rückwirkender Kraft ab 1. April 1912, Sie beauftragen die Leitung deS Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, diese Resolution den städtischen Körperschaften zu übermitteln. Köpenick. Selbstmord im Krankcuhause. Der 71jährige Arbeiter Gottlieb Kelch hat im städtischen Krankenhause seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Der bedauernswerte Mann war schon seit langer Zeit arbeitsunfähig und konnte sich nur noch an Krücken fortbewegen. Er dürfte die. Tal aus Neberdrnß am Leben begangen haben. äliis aller Melt. Toilettenwahnfinn. Aus Paris wird der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" ge- schrieben: Der Schneiderkünstler Poiret hat vor einigen Tagen ein Hochzeitskleid einer französischen Gräfin ausgestellt, das die Kleinigkeit von 78 000 Frank gekostet hatte. Die Frau des amerikanischen Silberkönigs, Frau M a ck i e, bezahlte für ihr letztes FrühjahrsNeid, das sie auf einer Gartenpartie trug, die Kleinigkeit von 300 000 Mark, und die Spitzen, die sie auf einen Abendmantel nähen ließ, kaufte sie für 123 000 Mari. Die Damen geben aber nicht ihrer Eitelkeit, sondern den Männern schuld, daß der Toilettenluxus solche Auswüchse zeitigt.„Was wollen Sie," sagte jüngst eine Rednerin in einer Versammlung arbeitender Frauen,„unsere Männer sind doch selbst daran schuld, daß wir zu Luxusgeschöpfen werden. Unsere Männer verlangen von uns, wenn wir ihre Frauen sind, einen Aufwand in der Toilette, im Schmuck, einen Putz in den Hüten, der weit über die Verhält- nisse geht. Nätürlich sagt kein Mann: kleide dich über deine Ver- hältnisse, aber jede Frau, die einige Zeit verheiratet war, wird wiffen, daß die zarte Aufmerksamkeit des Mannes nur oder doch zu einem großen Teil von der Toilette der Frau abhängt. Ist die Frau nicht elegant, verzichtet sie zugunsten dieser oder jener Be- strebung oder des eigenen Budgets auf eine und die andere Ausgabe, kleidet sich einfacher, dann wird der Mann aus den sogenannten besseren Kreisen sehr bald seine Zerstreuung nicht bei seiner Frau. sondern ganz wo anders suchen, und die Ersparnisse wandern an einen Ort, an eine Stelle, für die die sparsame Hausfrau sicher nicht gespart hätte." Wo der Mann seine Zerstreuungen sucht, zeigen folgende Angaben: Für eine der luxuriösesten Schauspiele- rinnen der heutigen Zeit gilt die Engländerin Frau L a n g t r y, deren Toiletten, die sie in ihrem Glanzstück„Da? Halsband der Königin" trug, den Wert von 100 000 Mark betrugen. Di» Jacht, auf der sie ihre Reisen im Sommer unternimmt, ihr Rennstall haben einen W>ert von Millionen. Eine Schauspielerin, von der man in Paris sehr viel spricht, Mademoiselle Delhsia, hat auf ihrem Kleide einen Opalschmuck, dessen Wert die bescheidene Höhe von 1)4 Millionen Mark beträgt. Von ihren Gagen können diese Theaterdamen einen solchen Luxus natürlich nicht be- zahlen. Sie erhalten das Geld von glücklichen Ausbeutern der Arbeitskraft anderer.— Grubenkatastrophe in England. In dem Kohlenbergwerk von Denaby in der Grafschaft Jork fand am Dienstag früh eine furchtbare Grubenexplosion statt, durch die viele Arbeiter verschüttet wurden. Zahlreiche andere Bergarbeiter haben lebensgefährliche Brandwunden. davongetragen. Auf dem Zechenplatz, zu dem auf die Nach- richt von der Katastrophe hin die Angehörigen herbeieilten, kam es zu erschütternden Szenen. Nach einer amtlichen Meldung ist bis jetzt der Tod von 30 Arbeitern festgestellt worden, zwei andere sollen verletzt worden sein. Ob diese Meldung die volle Wahrheit enthält, bleibt abzuwarten. Eine weitere Meldung besagt, daß seit der ersten Ex- plosion vier weitere Explosionen stattgefunden hätten, wodurch neue Gesteineinbrüche entstanden. Eine Rettungsabteilung soll verschüttet worden sein. Nach den letzten Berichten sind bei dem Grubenunglück bei Denaby mindestens 65 Personen ums Leben ge° kommen, darunter drei Regierungsinspektoren, die sich bei einer Rettungsabteilung befanden. Bisher sind 31 Leichen geborgen worden, doch wird befürchtet, daß ihre Zahl 80 er- reichen wird._ Kleine Notizen. Eine verhängnisvolle Spiritusexplofion. Infolge der alten Un- fitte deS NachgießenS von Spiritus auf glühende Kohlen hat sich in M ü n ch e n ein schweres Brandunglück ereignet. Die 30jährige Ehefrau des Metzgers Judenmann goß aus einer Kanne Spiritus auf glimmende Kohlen nach. Die Kanne explodierte. Der brennende Spiritus ergoß sich auf den Boden, wo sich die zwei Kinder der Familie im Alter von 1'/« und 3 Jahren befanden. Die beiden Kleinen erlitten ebenfalls wie ihre Mutter entsetzliche Brand- wunden. DaS jüngere Kind ist im Kinderhospital bereits ge- starben. Da« Ableben der Mutter wird stündlich erwartet. DaS zweite Kind befindet sich ebenfalls in höchster Lebensgefahr. Schwarz-wcifie Zwillinge. Von einem, allerdings recht unwahr- fcheinlichen Naturwunder wird aus München berichtet. Eine Frau soll in der dortigen Frauenklinik ein strammes Zwillingspaar geboren haben. Das eine Mädchen ist weiß, das andere schwarz. Der Vater ist ein Neger, der in die Vaterschaft des einen Mädchens Zweifel setzt. Natürlich erregt dieser ungewöhnliche Vorfall nicht nur bei der Münchener Bevölkerung, sondern auch in Aerztekreisen großes Interesse, besonder« wegen der Frage, ob es sich hier um einen normalen oder anormalen Fall handelt. Nach dem Gesetz der Vererbung müßten nämlich beide Mädchen schwarz sein. ES kann aber auch sein, daß das eine Kind feine Hautfarbe der Mutter und das andere dem Vater verdankt. FliegerloS. Der bekannte französische Flieger Bebel, der noch bei dem letzten großen Wettbewerb um den Grand Prix hervor- ragende Leistungen vollbrachte, ist am DienStag früh bei einem Flug tödlich abgestürzt. Infolge starken Nebels flog er gegen einen Baum und zertrümmerte seinen Apparat vollständig. Als man ihn aus den Trümmern befreit hatte, war er bereits eine Leiche. Hitzschläge in Amerika. Infolge der großen Hitze find in New Dork 6, in Philadelphia 14, in Boston 3 und in Pittsburg 6 Per- jonen gestorben._ Berliner Slrbettcr-Schachklub. Osten 1: jeden Donnerstag'/,g Uhr bei Hosfmann, Königsberg«: Str. 28, , II: jeden Donnerstag Uhr bei Rohde, Gr. Frankfurter Skr. 82. Siide«: jeden Donnerstag fl.g Uhr im Gewcckjchaftshaus(Restaur. Große). Westen: jeden Freitag Uhr bei Päßler, Karlsbad 17, Ecke Flottwellstr. Norden 1: jeden Freitag i/.g Uhr bei Nebel, Marstr. 13d. , II: jeden DienStag y,9 Uhr bei Fritjch, Drontheimer Str. 4. m III: jeden Donnerstag'/,9 Uhr bei Stoll, Nordnser 8, Ecke Torsstraße. IV: jeden Donnerstag>/.9 Uhr bei Mahnkopf, Grelsenhagener Str. 34. Boxhagen: jeden Freitag>/,9 Uhr bei Mov, Sonntagsw. 32. Lichtenberg: jeden Donnerstag'/,S Uhr bei Simon, Wilhclmftr. 89. Charlottenbnra: jeden Freitag'/,9 Uhr bei Wcrnicke, BiSmarckftr. 38. Nordwest I: jeden Freitag, abends y,9 Uhr bei Lamprecht, Putlitzsw. 10. „ II: zeden Donnerstag'/,9Uhr bei Schulz, Oldenburger Ew. 19. Ober-Schönewcide: jeden Sonntagoormittag 9 Uhr bei ProchowSkit. Rathausstr. 10. Tempelhof: jeden Freitag'/,» Uhr bei Hennig, Friedrich-Wilhelmstr. 7. Neukölln I: jeden Freitag'/,9 Uhr bei Brandt, Pslügerstr. 19. , II: jeden Donnerstag l/,9 Uhr bei Kremp, Hermannstr. 174. . III: jeden Freitag'/,g Uhr bei Matulak, Wildenbruchstr. 80. Abteilung jür Borgeschriltene, Anmeldungen bei M. Katzorke, L0. 30. Wiener SNaße 81 IL WasserstandS-Rachrichten der Landesanjtalt jür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, 2. Horn Oder, NaNbor . Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmcritz „ Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochkitz Havel, Spandaus . Rathenow') Spree, Spremberg') « Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaxwiilianSau , Kaub , Köln Neckar, HeiwrotM Main, Hanau Mosel, Tri« ')-p bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. KavowSeife qanz� ohne 6oda!! eine neuartige ftaudbaltfeife von fabelhafter Maschbrast. Stück SV Pf. Die Reinigungswirkung ist einfach fabelhaft. Selbst durch und durch verschmutzte Wäsche wird mit Kavon-Seife bei spielend leichter Arbeit wie neu. Empfindliche Stoffe wie Seide, Wolle, Spitzen, Gardinen usw. bleiben vollständig unverändert. Kein Einlausen! Kein Farbenverblassen! Dabei billig: Bei richtiger An- Wendung braucht man von Kavon-Seife halb so viel Seife wie sonst. Die Kavon-Seife ist nach Zusammensetzung nnd Waschkrast die reinste nnd vpllkymmenste Hansfeife, die die Seifen-Jndnstrie je hervorgebracht hat. ßnefhaften der Redaktion. auf weiteres von 7 bis K Uhr— Lilldcnstr. 69, Die juristische Sprcchstuude findet bis S'/2 Uhr abends— Sonnabends von t'/z- IV. Etage(Fahrstuhl) statt. H. W. IS. Sie können über den Ihnen später zufallenden Erbteil, wo der Erblasser noch lebt, nicht verfügen, höchstens mit Ihren künftigen gesetzlichen Mitcrben über Ihren gesetzlichen Erbteil oder den Pflichtteil einen Vertrag schliefjem Ein solcher Vertrag mutz vor Gericht oder einem Notar gemacht werden. Eine Pfändung eines Erbteils ist. so lange der Erblasser noch lebt, ebenfalls unzulässig.— P. D. 10«. Falls nicht etwa beim Einzug in die neue Wohnung vereinbart worden ist(mündlich genügt), daß im übrigen die alten Vertragsbestimmungen bestehen bleiben sollten, |o_ müssen Sie, wenn der Mietszins nach Monaten bemessen ist, spätestens am 15. für den Schlug des Kalendermonats kündigen.— M 35. Eine Beantwortung Ihrer elf, zum Teil unverständlichen Fragen im Briefkasten ist nicht möglich. Kommen Sie in die Sprechstunde.— I. W. 21. ES kommt daraus an, wodurch die Fehler entstanden sind. Ist Ihnen beim Kauf infolge grober Fahrlässigkeit der Fehler unbekannt geblieben, so hastet die Firma nur, werm sie die Fehler arglistig ver- schwiegen hat. Eine unerhebliche Minderung der Tauglichkeit kommt nicht in Betracht. Ihre Ansprüche verjähren sechs Monate nach Lieferung. Ist Garantie zugesagt?— O. G. I«5. Bleibt das Lehrverhältnis bestehen, muh der Arbeitgeber für die zwei Wochen zahlen. Erreicht das Lehr- Verhältnis sein Ende, hat Ihre Tochter keinen Anspruch, da der Lehrvertrag nicht schriftlich geschlossen ist.— L. M. IV««. Sie haben nicht richtig gelesen. Es Hietz„böswillige Verlassung"(nicht Veranlassung) und Ehe- bruch.— R. X. Der von Ihnen angegebene Grund berechtigt nicht zum Rücktritt.— S. 75. 1. und 3. Ja. 2, New.—®. S. 1821. Ihr Erbteil beträgt zwei Neunzehntel.— Erich. Sie müssen 1« Prozent des Ererbten Erbschaftssteuer zahlen.— A. K. 1VV. Der Ucbelstand, datz beim Auswechseln der falsch gesetzten Zeilen eine verkehrte gesastt und die schlcrhaste dem wohlgeneigten Leser zur Erprobung seiner Kombinations- gäbe vorgelegt wird, ist bei allen Zeitungen mit Setzmaschinendetrieb bis- her unausrottbar, da der hastige Betrieb eine nochmalige Revifion nicht zuläßt. WitterungSübersicht vom S. Juli ISIS. Stationen Swinemde. Eamburg erlin Frankf.a.M. München Wien || -§ c r: 3 I 763 WNW 764;Nffi 765' SO 765!SW 7K3WNW Wetter Dunst wolkig bedeckt Dunst bedeckt 3 wolkig »St �11 ß» Stationen So Haparanda Petersburg Scilly Aberdcen Paris 761 761 764 762 767 II Bf S W SO SSW O Wetter llhalb bd. Iwolkenl 3Dunst 2. heiter 1 heiter vis» c* «jo 17 14 13 13 17 Wetterprognose für Mittwoch, den 1«. Juli ISIS. Ein wenig kühler bei mäßigen westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wettevbureau. Kraft-Rotwein l.so. 2.oo Kachuhniangcn bitte znrückznwelsen. Käuflich in Apotheken, Drogerien und Delikatessen- Geschäften. Um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen, trinken die Völker des Südens Wasser nicht ohne Zusatz von Wein. Daß das Volksbewnßtsein richtig ist, haben unsere Gelehrten durch Versuche bestätigt. Durch Vermischen gleicher Teile gewöhnlichen Trinkwassers mit Wein wurde die Zahl der Infektionskeime zu*/< vernichtet, nach kurzer Zeit sogar vollständig, so daß nach dem Dencht des Dr. Mfg. Wasser durch Weinzusatz absolut keimfrei wurde. Sei Dartnhalarrh, Magmersiimmiina Santa Sucia | Todes-Anzeigen| Am Sonnabend, den 6. Juli, abends 6'/, Uhr, verschied im 43. Lebensjahre mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Brauerei- besitzer 3dA Gustav Hoffmann Kochhannstraße 39. Die» zeigt tiesbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Emma Hoffmann geb. Fischer. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nachm. 5 Uhr, von der Halle des Auf- erstehungS-KirchboseSbiWeißensee, Lichtenberger Straße aus statt. für den 4. Berliner Reiehstags-Wahlkreis. Landsberger Viertel. Bez. 395. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Brauerei- besitzer Gustav Kochhannftr. 39, gestorben ist. Ehre seinem Audenfen! Die Beerdigung findet am DonnerStagnachmittag 5 Uhr aus dem Kirchhof der AuserstehungS- gemeinde in Weißens«, Lichten- ocrger Str. 109, statt. 217/19_ Der Norftand. Hoffmann SozialdemokradseberWniilvereln des E. Berl. Reichstags-WaliMses. Todesanzeige. Hm 2. Juli verstarb unser Gc- nosse, der Bohrer Ernst Barteleit, CöSllner Str. 5. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nach» mittags 6 Uhr, von der Halle des Dankes-Kirchhoses in Neinicken- dors-West, Blankestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Kerband der Schneider vnd Schneiderinueu. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Johann Quasehewski am 7. Juli 1912 im Alter von 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners- tag, den 11. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des St. Mathias-Kirchhoses, Marienhöhe- Südende, aus statt. 164/11 vis Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß| unser Mitglied, der Schlosser Karl Schwertfeger am 2. d. MtZ. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den l«. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth-Kirchhoses in Neinicken. dors-West aus statt. Rege Beteiligung erwartet 120/13 Die OrtSberwaltung. Danksagung. Für die erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters tZeoi-g Onsten- gerdes sagen wir hierdurch allen Verwandten und Bekannten, sowie den Kollegen und Kolleginnen der A. E.-A. Lrunciistraße unseren herzlichsten Dank. 2131 Luise Castengerdes und Sohn. Verband der freien Gast- und 9 Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Tchöncbcrg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau unseres Kollegen Martha Bagowski geb. mende am 7, Juli verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des zweiten Städtischen Friedhofes in Schöneberg, Blanke Hölle, aus statt. Rege Beteiligung wünscht Der- Toestund. 73/15 I. A.: K n o b l o ch. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme, sowie alle Zeichen der Liebe und Verehrung, ebenso die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Tochter, unserer lieben Schwester, sowie Schwägerin und Tante 109/7 Klara TEiieie l sagen wir hiermit unseren ausrichtigsteu Dank. Insbesondere! danken wir noch sür freundliche Beteiligung dem Herrn Chcs und Personal der Firma Rieß, sowie dem Verbände der Wäsche- und| Kravattcnarbeitcr Deutschlands zu Berlin. Im Namen der Hinterbliebenen Frau Nitwe Ida Thiele. G. Krause u. Frau. G. Hühner u. Frau. Schöneberg, Leuthenstr. 10, den 9. Juli 1912. Littauer Nähmaschinen ohne An- Zahlung, gebrauchte spottbillig, Skaiitzerstraße 99, Warschauerstr. 67.* Zinkwaschfässer, Zober, Sitz- wannen, Badewannen,«peztalsabrik Reich enbergerstraße 47. Lesern 5 Proz. ERiA. Mohrenstrasse 37a Gr. Frankfurter Str. 115 Ungefähr 5000... der feinsten Modelle und Copien aus meinen regulären OesSänden (also keinen Ramsch) in Kostümen, Seiden- Mänteln, Ulstern, Kleidern, Rücken. Blusen etc. gebe ich nunmehr ab so billig wie nur irgend möglich! Preislftge; 6, 8. 10, 15 18.<4.»0. 3«, 39 VI» 1?0 Mark. Kur noch ganz kurze Zeit: Pilisch- u. Pelz- Konfektion zu Danksagung. Für die vielen Kranzspenden und herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes AngOHt Tesch besonders den Meistern und Kollegen der Kammerichswerke sage meinen herzlichsten Dank. 31a Die trauernde Witwe nebst Tochter. Danksagung. Für die herzliche Tefinahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Deutschen Bauarbeiter- verband, Zweigverein Berlin, meinen besten Dank. Anna �st 2418b nebst Kindern. iMmüBZffMitipli Extru-Abtcilimg| 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 StraBe37a(2. Haus von der| Jerusalemer StraSe). | II. Gesch.: Berlin NO.,GreBe| Frankfurt. Str. 1 1 5(2. Haus| von der AndreasstraBe). 1 Sehr gr. Ausw. fert. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Sohleier I leto. v. einfachsten bis zum I | hochelegant. Genre z. äußerst| niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: HaBanrertlgangr in 10 bis 12 Stunden. >tt nltttt machen wir unsere Landpartie lUlMjlU biefen Sommer? Nach dem Trcbbiner Gesellschaftsbaus. Vereine bitte um vorherige Anmeldg. Jnhab. Knill Sehnige, Trebbin. Haben Sie Sloft? /dl fertigt davon Anzug od. Palltot nadt Mass, tdück, datier h. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Labend, Neae Promenade S, //.(Stadtb. BrSre.) 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Berichterstattung vom Verbandstag. 2. Wahl der nichtbesoldeten Mitglieder im Hauptvorstand. 3, Wahl der Revisoren. 4. Wahl der Preß- kommisfion. 5. Wahl des Gauvorstandes. Achtung! Die Bibliothek ist wegen Inventur geschlossen. Alle noch ausstehende« Bücher müsse» umgehend ein- geliefert werden._ 86/9 Schönelberg/. Den geehrten Partei- und Gewerkschastsgenossen empsehle mewen große» und zwei kleine Säle zu Festlichkeiten, zu Sommer- und Wintervergnllgungen. Festsäle bis 1000 Personen lassend, Naturgarten bis 800 Personen mit Kassccküche., ZM- Noch alle Sonnabende und Sonntage frei."WS DmU Erbrecht, Schöneberg, Martin-Luther-Straße 69 und Meininger Straße 8. Steinarbeiter. Freitag, den 12. Jnli, abends 8 Uhr, in den»Rrminhallcn«, Kommandanteuftraste 58/5« t Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal. 2. Bericht der De- legierten vom Verbandstage. 3. Diskussion. 4. VerschiedmeS. NV In dieser Versammlung müssen die Kollegen aller Branchen verfreten sein. 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