N- m BbonnementS'Bedlngüftgti»: Abonnements• Preis btämnntnmSa: «ierteljShrl. 8�0 TOt., monotl 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummei 5 Psg, Sonntags. nunnner mil Austriertcr Sonntags« Beilage„Die Neue«elf 10 Pw Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Ewgctragen w die Post. Zeitunas« BrelSIilte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Vitien, Schweden und die Schweiz. S9. Jahrg. vlchrtiii tilallch»ilSel insitiigs. Verlinev VolkSblcrkk. Zentmlorgan der fozialdcmokratifcheti Partei Deutfchlands, Ott TnftrflorW'StbOftr veträgt für die fechsgespaltene Kolonel- »elle oder deren Raum SO Pfg„ für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Berfamnuungs. Anzeigen 80 Pfg, „Kleine Bnzcigen", daS fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulSsflg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erst« Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg, Worte über löBuch- Naben zählen für zwei Worte, Inserate kür die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm- Adreffe: ,,Z»IsIi>tlB»Ilkilt BciUs" Redaktion; 8 Cd. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplay. Nr. 1S8Z. flottenriisten uncl Proletariat. Wir haben kürzlich die Flottenpropaganda, die in dem neuesten halbamtlichen Flottenhandbuch für 1912, dem be- kannten„Nautikus", geübt wird, in einem Leitartikel ein wenig unter die kritische Lupe genommen. Heute sei abermals eins jener Argumente ein wenig näher untersucht, das in dem dickleibigen offiziösen Werke eine hervorragende Rolle spielt und von der für Welt- und Flottenpolitik schwärmenden kapitalistischen Presse unbesehen übernommen worden ist. Es handelt sich freilich um kein neues Argument, vielmehr um die famose Beweisführung, daß die Arbeiterklasse doch schon deshalb nicht gegen die Flottenvermehrung eintreten dürfe, weil ja im den Ausgaben für Schiffsmaterial aller Art, für Panzerplatten, Geschütze, Munition usw. ein erheblicher Teil von Arbeiterlöhnen stecke. Das Flottenrüsten gewähre also vielen Tausenden von Arbeitern Arbeitsgelegenheit— deshalb liege schließlich das Wettrüsten im ureigensten Interesse der Arbeiterklasse selbst I Ä Es handelt sich hier um das�-alte Anekdötchen für Leute, die nicht denken können, und die man auch mit dem Argument zu ködern versucht hat: Ihr Arbeiter habt ein Interesse an einer Verstärkung des Militarismus, denn je mehr Soldaten ein- gestellt und auf Staatskosten gefüttert werden, desto geringer wird das Angebot auf dem Arbeitsmarkt, desto günstiger werden Eure Lohnchancen. Auf den Leim kriecht nun freilich schon längst kein normaler Arbeiter mehr. Weiß das Proletariat doch nur zu gut, daß für jeden deutschen Proletarier im „vornehmsten Rock" von den verschiedensten Unternehmer- organisationen, der„Feldarbeiterzentrale" usw., schleunigst ein rechtloser Ausländer nach Deutschland iinportiert wird. Sind doch allein von dieser Seite im letzten Jahre nicht weniger als 709 000 Ausländer nach Deutschland ein- geführt worden, nicht nur Landarbeiter, sondern auch niehrere hunderttausend Industriearbeiter. jdie ja. weil sie von den dem Ausbeutertum so willfährigen Behörden jederzeit wieder über die Grenze abgeschoben werden können, von den Unternehmern als Lohndrücker und Spreng- kolonnen gegen die Gewerkschaften ganz besonders geschätzt werden. Aber auch davon. abgesehen, schon der Gedanke: wer hak denn letzten Endes den Unterhalt der Soldaten zu bezahlen, liegt der Arbeiterklasse viel zu nahe, als daß sie noch auf den Gimpelfang unserer Militaristen herein- fallen könnte. Denn sie weiß, daß das Volk der Arbeit die Lasten für die Rüstungen zum allergrößten Teil zu tragen hat, da ja das System der volksausplündernden indirekten Steuern im Deutschen Reiche mit unvergleichbarer Virtuosität ausgebaut ist. Und schließlich, um noch ein Moment aus allerneuester Zeit hinzuzufügen: wönn wirklich eine U e b e r- Produktion an Menschen und Arbeitskräften vorhanden wäre, warum heulmeiert denn dann unsere Ordnungspresse so furchtbar über die Abnahme der Geburten? Wenn es daraus ankäme, die Armee der produktiv Schaffenden mög- lichst klein zu erhalten, so wäre doch die Abnahme der Volksvermehrung geradezu das soziale Allheilmittel! Wer aber auch nur in die Geheimnisse des Einmaleins eingedrungen ist. weiß nur zu gut, was von dem famoien Scheingrund zu halten ist, daß da» Flottenrüften im Interesse der Arbeiterklasse liege, weil ja ein Teil der maritimen Rüstungsausgaben schließlich wieder aus Arbeiterlöhnen be- stehe. Ja, wenn nun aber die Arbeiterklasse selbst nicht nur diese Arbeiterlöhne bezahlen, sondern obendrein auch noch für die Profite der Panzerplatten- und Kanonen- fabrikanten und all jene anderen ungeheueren Ausgaben auf- kommen muß. die bei dem Flottenrüsten einfach ins Wasser geworfen werden? Was würde wohl ein Kapitalist, etwa ein Kaufhausbesitzer, sagen, wenn man ihm als rationell und nutzbringend empfehlen wollte, tausend Proletariern ohne Gegenleistung die Unterhalt sko st en zu be- zahlen, damit diese tausend von ihm Unterhaltenen dann einen Teil der von ihm gezahlten Rente bei ihm wieder in Waren anlegen möchten! Er würde den Mann, der ihm etwas derartiges anpreisen wollte, für reif fürs Irrenhaus erklären! Schon P a r v u s hat in setner 1907 erschienenen Broschüre„Die Kolonialpolitik und der Zustimmenbruch" das Tollhäuslerische der Empfehlung der Rüstungen als eines Mittels zur Schaffung von Arbeitsgelegenheit trefflich gekenn- zeichnet. Er schrieb da: „Das gibt, erklären diese Arbeiterfreunde, Beschäftigung xur viele Arbeiter. Allerdings, jedoch Beschäftigung für Arbeiter geben ja auch die Ausgaben fürs Heer, überhaupt alle Aus- gaben, die vom Staat gemacht werden. Denn das Geld selbst vermag doch nichts hervorzuzaubern. Das Geld ist nur eine Anweisung auf Arbeit. Wenn man dem Staat soundso viel Steuern oder Anleihen bewilligt, so bedeutet das nichts anderes. als daß man ihn in den Stand setzt, für seine Zwecke soundso viel Waren zu kaufen oder Arbeiter zu beschäftigen. In solchem Sinne dienen auch die Kriegsausgaben dazu, um Arbeiter zu beschäftigen: indem für dieses Geld daS Getreide den Bauern abgekauft wird, alle anderen Lebensmittel den refp. Lieferanten. ferner Kleidung, Munition usw. Das Pulver, das man ver- schießt, sei es im Kriege oder bei Paraden oder in Feuerwerken !_ es gibt Arbeit, gibt Beschäftigung. So ist es aber nicht nur «it dem Staat, sondern mit jeder Geldausgabe, und wäre e» die tollste Verschwendung. Darin liegt ja die Macht und der Fluch des Geldes, daß, wer es hat. damit nach seiner Laune Ar- beiter„beschäftigt", indem er jene oder diese Warenbestellungen macht. Der reiche Protz vermag nicht nur seine eigene Zeit tot- zuschlagen, sondern auch die Arbeitszeit vieler rechtschaffener Menschen zu vergeuden. Wer Champagner säuft, bezahlt den Gastwirt, den Kellner, den Weinhändler, den Weinbauer, den Flaschenfabrikanten usw. Stets behaupteten deshalb die Reichen, es sei zum Wohle des Volkes, wenn sie sich den Bauch mit Lecke- reicn vollstopfen— wovon würden sonst die Kuchenbäcker leben? Aehnlich der Staat bei jeder Verschwendung von Geld und Arbeit des Volkes. Was man dabei nicht sehen will, jst. daß das Geld auch in den Händen des armen Mannes, des Steuer- z a h l e r s nicht v e r r 0 st e t. Der Arbeiter, der Bauer wüßten schon, was sie mit ihrem Geld anfangen sollten, wenn der Staat es ihnen nicht als Verbrauchssteuern und sonstigen Abgaben ab- genommen hätte. Den Massen des deutschen Volkes fehlt schon mancherlei, es ist mancherlei, was die deutsche Arbeiter-, Hand- werker- oder Bauernfamilie braucht und nicht hat! Hätte man nicht soviel Steuern an den Staat abzuliefern gehabt, so würde man sich öfter ein Kleidungsstück angeschafft haben, für das sich, wie man weiß, nur allzuleicht in jeder Familie ein Bedarf herausstellt, oder der Arbeiter und Handwerker sähen um ein paarmal im Monat öfter Fleisch auf dem Tisch, und auch der Bauer wäre eher imstande, ein Schwein aufzufüttern, und brauchte nicht die Ferkel im Sacke nach dem Markt zu tragen, um ein paar Mark herauszuschlagen, die er zur Steuer- oder Zinszahlung braucht. Erhält die Regierung die vielen Mil- lionen für Marinczwccke, so wandern diese Geldsummen in die Kruppschen Hütten, in die großen Schiffswerften usw., werden für dicke Stahlplatten, Kanonen, Dynamit, Kohle, Marine�wie- back, Werg, Talg. Teer, zur Bezahlung der Rechnungen der beut- schon Marineoffiziere in den chinesischen Teehäusern und der deutschen Marinesoldaten in den chinesischen Bordellen verwendet, — bleiben aber die Millionen in den Händen des deutschen Volkes, so bekommen die Konfektionsarbeiter, die Textil- arbeiter was zu tun, der Schneider, der Schuhmacher, der Bäcker, der Krämer, der Metzger! Ist es wichtiger, daß jedv im Volke einen Rock auf dem Leibe hat— oder daß die Schiffe dicke Panzerplatten erhalten?" Richt nur nicht„verrosten" würde, um den Ausdruck von Parvus zu gebrauchen, das Geld in den Händen der Volks- massen, das nicht bei dem uferlosen Wettrüsten milliardenweise für die kulturwidrigsten Zwecke vergeudet wird, sondern es würde sowohl zur Verbesserung der traurigen Lebenshaltung des darbenden, von Kultur- und Lebensgenuß ferngehaltenen Proletariates dienen, als auch, sofern es von Staats wegen zu Kulturzwecken ver- ausgabt würde, unendlichen wirtschaftlichen und kulturellen Segen verbreiten können. Was könnte— wenn nur SO, nur 30, ja 20 Prozent der unzähligen Millionen, die jährlich der Moloch des Wettrüstens auffrißt, für Kulturzwecke ver- ausgabt würden— für die Verbeffcrung des Ver- kehrs, für die Errichtung von Krankenhäusern und Erholungsheimen, von Schulen und Kindergärten, von Theatern. Kunst, und Bildungsstätten aller Art geleistet werdenjl Nicht also eine Erweiterung der Produktion für Kulturzwccke, sondern eine skandalöse E i n s ck n ü r u n g der Produktion bedeutet das Wettrüsten, das lediglich im Jiueresse des AusbeutertumS liegt, das ja das Pro- letariat durch hygienische und Kulturwohltaten und-Fort- schritte nicht allzusehr„verwöhnen" mag. Diese politischen und ökonomischen Zusammenhänge legt Genosse K a u t s k y in seiner Broschüre„Sozialismus und Kolonialpolitik" in vortrefflichster Weise klar, wenn er schreibt: „Die Einschnürung der Produktion ist aber nicht die einzige Methode, durch die sich die Kapitalistenklasse der unangenehmen Notwendigkeit zu entziehen sucht, die vermehrte Produktivität der Arbeit zur Vermehrung der Konsumgüter der Arbeiterklasse anzuwenden. Sie sucht auch die überschüssigen Produkte ihrer Betriebe los zu werden durch ihre Verschwendung. Eine sehr I wirksame Methode dafür ist das Wettrüsten zu Wasser und zu Lande, die Kombination von Militarismus und Marinismus, die seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu immer enormeren Dimensionen anschwillt. Das Genie der Erfinder wird dadurch immer mehr von dem Gebiet der Produktivkräfte auf das der Zerstörungskräfte gelenkt; dank dem wachsen immer mehr die Massen dieser Zerstörungskräfte, aber auch die Massen der Abwehrkräfte, die ihnen entgegengesetzt werden, verkürzt sich aber auch immer mehr der Zeitraum, innerhalb dessen die einzelnen Zerstörungs- und Abwehrmaschinen überholt und durch wirk- samere ersetzt werden, die nun aufs schleunigste massenhaft zu fabrizieren sind; es wachsen immer mehr die Menschenmassen, die durch die Produktion und Bedienung dieser Maschinen der Produktion für den Konsum der Arbeiterklasse enizogen werden. Es wachsen aber auch ins ungeheuerliche die Zerstörungen, die hereinbrechen, wenn einmal dieser riesenhafte Vernichtungs- Mechanismus zu wirklicher Anwendung kommt. Noch nie hat die Menschheit ein scheußlicheres und kolossa- leres System der Einengung der Produktivkräfte gesehen wie dieses. Keine frühere Produktionsweise hätte auch nur an- nähernd etwas ähnliches ausgehalten. Die kapitalistische Pro- duktionsweise aber ist so weit gediehen, daß sie dieses Wahnsinns bedarf, soll sie ihre Ausbeutung der arbeitenden Massen weiter fortführen können. Die Kapitalisten gedeihen dabei und fördern daher das Wettrüsten aus jede Weise, das nie solchen Umfang' Hütte annehmen können, wenn sie die Mittel dazu verweigerten."[ Expedition: 6M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. Igst. Nicht im Interesse des Proletariats liegt also das System des Wettrüstens, sondern in dem der aus» beutenden Klassen, denen die Rüstungspolitik nicht nur die Möglichkeit bietet, sich auf Kosten des arbeitenden Volkes zu bereichern, sondern auch das einzige noch tn Frage kommende Mittel, dem kapitalistischen AuSbeuwngs- system noch seine Sündenfrist zu verlängern! Der Organisationszwang der kapitalistischen Kartelle. I. Die Scharfmacher Eittern Morgenluft. Nachdem in Preußen in der Person des Herrn von Bethmann Hollweg ein auch mit den westdeutschen Jndustriefeudalen sich gut stehender Vertrauens- mann des Ostelbiertums eifrig dabei ist,„gottgewollte" Abhängig- leiten zu stabilisieren, und in Bayern die Partriregierung der schwarzen Blockbrüder der preußischen Junker etabliert wurde, halten die Beauftragten der Industrie-, Handels- und Bankherren die Zeit für die Auferstehung der 1899 verscharrten Zuchthaus- Vorlage gekommen. Es vergeht kaum noch die Tagung eines Un- ternehmerverbandes, einer Handelskammer oder ähnlicher privat- kapitalistischer Jnteressenvereinigung, wo nicht„bittere Klage" über den„unerträglich gewordenen Organisationszwang der Ge- Werkschäften", über den„mangelnden Schutz der Arbeitswilligen" usw. erhoben wird. Mindestens wird das Verbot des Streikposten- stehens gefordert; am erwünschtesten ist natürlich ein gesetzliches Verbot der Arbeiterkoalitionen. Zur rechten Zeit erscheint da auf dem deutschen Büchermarkt ein Werk, das den unglaublich hohen Grad der sozialpolitischen Heuchelei im deutschen Lande aufdeckt. Zwar, viel Neues bringt Dr. Fritz Kestner in seinem Buche:„Der Organisations- zwang. Eine Untersuchung über die Kämpfe zwischen Kar- tellen und Außenseitern"(Heymanns Verlag, Berlin) nicht. Aber wie er daö in zahllosen Zeitungen, Zeitschriften. Untersuchungs- Protokollen, Gerichtsurteilen, Parlamentsreden und Büchern ent- haltene einschlägige Material durcharbeitete, systematisch grup- pierte und analysierte, macht sein Buch zu einem vortrefflichen Leitfaden insbesondere für alle Personen, die in der Vertretung des wirtschaftlich Schwachen ihre Lebensaufgabe erblicken. Wenn auch nicht alle Argumente und Schlußfolgerungen Kestners unseren sozialpolitischen Ansichten entsprechen, sein Buch bleibt doch eine wertvolle Sammlung von Rüstzeug gegen die arbeiterfeindlichen Bestrebungen der Scharfmacherkoalition. Auf mancherlei Art wissen die Unternehmerkartelle ihre vrga- nisationSunlustigen Berufsgenossen gefügig zu machen. Da ist zu- nächst daS Mittel der Material sperre. Ist dem Organisa- tionsunlustigen der Bezug von Rohmaterial ganz unterbunden. oder auch nur unter schlechteren Bedingungen als den 5wrtellge- nossen möglich, dann muß er sich in den meisten Fällen dem Kartell unterwerfen oder er wird geschäftlich ruiniert. Die Satzungen der Spirituszentrale, deren Direktor der konservative Abgeordnete Kreth, ein Hauptschreier über„sozialdemokratischen Terrorismus" ist, bestimmen, daß die kartellierten Brenner ihren Rohspiritus nur durch die Zentrale„verwerten" lassen dürfen. Die Zentrale sorgt dann für die Abgabe von RohspirituS nur an solche Ver- braucher, die sich den Kartellbedingungen unterwerfen. Wer sich von den Brennern nicht fügen würde, hätte neben wirtschaftlicher Schädigung auch Verrusserklärung zu erwarten. Als rS sich 1899 um die Organisierung der Brenner handelte, da schrieb die«Agrar- Korrespondenz"(Nr. 8, 1899): „Der deutsche Brenner, der den Beitritt zur Gesellschaft ver- sagt, verwirktdenAnspruch aufberuflicheAchtung. Man sollte diese Herren für immer stigmati- sieren. Auch wäre solch ein seiner Herr, wenn man später seinen Geldbeutel recht derb angreift, fühlbarer gestraft, als durch das sowieso ihm gebührende Pfuil" Dieser flagrante Verstoß gegen den§ 153 der R.-G.-O. konnte geschehen, ohne daß die Behörde dagegen einschritt, während Ar- beiter für ein den„Arbeitswilligen" zugerufenes Pfuil wochenlang inS Gefängnis geworfen werden. Der Buchhändler-Börsen verein berbictet seinen Mitgliedern, an Buchhändler oder Wiederberkäufer, die sich den Kartellbestimmungen nicht unterwerfen,„gar nicht, oder nur mit ver- kürztem Rabatt zu liefern". Schon die Rabattklausel bedeutet für den wirtschaftlich schwach gestellten Sortimenter den geschäftlichen Ruin infolge der Lieferungssperre. Der Verband deutscher Stahlflaschenfabrikanten verpflichtet seine, Mitglieder, sofern sie nicht selber das zur Flaschenfabrikation benötigte Halb- zeug herstellten, es ausschließlich von den Verbandswerken zu be- ziehen und verbietet, solches Material an Nichtverbandsmitglieder zu liefern. Das Syndikat der Seifenfabriken zwang die organisaiionsunlustigen Fabrikanten durch Sperrung des Bezugs von Rohsiosten, Oel, Talg, Soda zum Anschluß an das Syndikat. Zwischen dem Salinenshndikat und dem Verband der Ber- liner Großhändler besteht ein Vertrag auf ausschließliche Salz- lieferung; desgleichen zwischen dem Kartell der Gummifa- b r i k en und den Großhändlern über die Preiserhöhungen für Lieferungen an NichtMitglieder, wenn diese überhaupt beliefert werden. Mehrfach bestehen zwischen Vereinigungen von Bau- Unternehmern und Baumaterialfabriken Verträge dahin- gehend, daß Nichtorganisierten Baumeistern kein Kalk, Holz, Eisen und Zement usw. geliefert wird, wohingegen sich die betreffenden Baumeisterkartelle verpflichten, nur von den orgnisierten Fabri- kanten zu kaufen. Diesen.ausjchließlichen Verbandsverkehr" habe» ferner PeremFari Sie Verbände 5er sächsisch-Mr!ngischen FärFe- reien mit den dito Webereien, der Barmer Fabrikantenverband mit der Wuppertaler Färbereibereinigung, der Verband deutscher Seidenstoffabrikanten mit dem der Damen- und Mädchenmäntel- fabriken, die kartellierten Drahtwalzwerke mit dem Drahtstift- syndikat usw. Ein anderes Mittel zur Vervollständigung der kapitalistischen Kartelle ist die Sperre der Zufuhr- und �/Absatzwege und dann die Sperre des Absatzes überhaupt. Durch seine Verbindung mit dem„Kohlenkontor" in Mühlheim a. d. R., das sich direkt und indirekt die Kohlenverschiffung auf dem Rhein unterstellt hat, ver- mochte das rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat auch den größten Teil seines Versands per Schiff zu monopolisieren..Dazu kommt noch, daß dieses Syndikat sich eine von ihm durchaus ab- hängige Händlerorganisation geschaffen hat. Diese„Kohlenhandels- gesellschaften, G. m. b. H." in Bremen, Hannover, Magdeburg, Kassel, Dortmund, Berlin, Hamburg, sind nichts weiter als Unter- kartelle des Kohlensyndikats. Es bestimmt sogar, welche Händler in die Verbände aufgenommen werden dürfen, übt also einen positiven und negativen Organisationszwang aus. Bekanntlich sind gerade die Zechensyndikatsherren die lautesten Rufer nach Aus- nahmegesetzen„für Freiheit de? Organisationsrechtes". Die Unternehmerkartelle in der Urproduktion, deren Organi- sationsbasis an sich schon am günstigsten ist, unterstützen dann noch die verwandten Kartelle in der HalbsabrikationSerzeugung beim Organisationszwang. So gewährte das rheinisch-westfälische Kolenfyndikat den Hüttenwerken, die sich mit dem„Kraftwerk" des Fürsten Henckel-Donnersmark um das Absatzgebiet stritten, eine Prämie von 3 bis 4 M. pro Tonne Roheisen, nur weil das„Kraft- werk" sich dem Roheisensyndikat nicht anschließen wollte. Der Siegerländer Verein für den Eisensteinverkauf unterstützte das Roheisensyndikat, indem er den Werken, die sich nicht syndizieren wollten, den Preis des Eisensteins um 10 M. pro Doppelzentner erhöhte.' 1 Andererseits ist es den Mitgliedern der Kartelle in der Eisen-, Textil-, Papier-, Glas- usw. Industrie streng verboten, ihre Roh- stoffe und Halbfabrikate von Nichtorganisierten Werken der unteren Produktionsstufen zu kaufen. Dadurch wird diesen vielfach der Ab- satz gesperrt und auf sie ein Zwang zur Organisation ausgeübt. Von der Spirituszentrale sind die Brenner gebunden, mit ring- freien Spritfabriken keine Geschäfte zu machen, und die Reinigungs- anstaltcn dürfen von unorganisierten Brauern nichts beziehen. Da- mit die Widerwilligen bei der Stange bleiben, wird ihnen für die strikte Befolgung des„ausschließlichen Verbandsverkehrs" ein höherer Rabatt gewährt. So gewährt die Spirituszentrale bei einer Abnahme von mindestens 7500 Litern den ausschließlichen Beziehern nach Ablauf von 2 Jahren einen dem Umsatz angepaßten steigenden Rabatt, während von den nicht regelmäßigen Käufern sogar ein Aufgeld erhoben wird. Um sich die Außenseiter vom Leibe zu halten, hat der Verein der deutschen Buchdruckereibesitzer mit dem Kartell der Schnellpressenfabrikanten und dem der Schrift- gießereien einen Vertrag abgeschlossen, wonach neu zu errichtende Druckereien die Maschinen nur gegen>/z Anzahlung vom verein- barten Kaufpr'.is und mit beschränktem Kredit geliefert werden, und die Schriftgießereien die Außenseiter nur unter denselben Bedingungen bedienen dürfen. Wollten Arbeiterorganisationen zureiscnden unorganisierten Berufsgenossen ähnliche Erschwerungen ihrer Berufstätigkeit in den Weg legen, dann hallte der ganze kapitalistische Blätterwald wieder von hochsittlicher Entrüstung über „Behinderung der Arbeitsfreiheit". Nun es sich aber'um kapi- talistische Kartelle handelt ja Bauer, das ist ganz was anderes! ver Krieg. Die Festsetzung der Italiener ins östlichen Teile der tripolitanischen Äüste. Rom, 10. Juli. Die„Agenzia Stefani" meldet aus Mesurata vom 9. Juli: Bei dem gestrigen Kampfe vor Mesurata verfügte der Feind über mehr als SOOV Gewehre. Die Flucht des Feindes erfolgte infolge einer ausgekrochenen Panik während der Nacht nach allen Richtungen. Ein Teil der Flüchtlinge konnte sich in der Richtung auf Gheran südlich von Eslitten vereinigen. Eine genaue Angabe her Verluste des Feindes ist wegen der Ausdehnung des Schlachtfeldes und der langen Dauer des Kampfes schwierig. Die Italiener beerdigten bislang allein vor Mesurata 399 ge- fallene Feinde. Außerdem wurden zu Beginn des Kampfes zahl- reiche Leichen vom Feinde selbst fortgetragen und bestattet. Viele weitere Leichen sind nvch nicht begraben. Einige Notabeln sind nach Mesurata zurückgekehrt. An die Bevölkerung ist ein Manifest erlassen worden. DaS Leben in Mesurata. das ein wichtiger handelspolitischer Stützpunkt ist, beginnt wieder. Der Gesundheitszustand der Truppen ist sehr gut.,. Die Gärirng in der türkischen Armee. Konstantinopel, 11. Ljuli. Nach einer amtlichen Meldung haben die Deserteure von Monastir ihre Rückkehr unter der Bedingung angeboten, daß sie Verzeihung erhalten; die Regierung verlangt jedoch, daß sie sich ergeben. Konstantinopel, 11. Juli. Ein Bataillon ist heute aus Monastir eingetroffen. Dschawid-Pascha ließ denjenigen Soldaten, die Löhnung aus der von den Meuterern mitgenommenen Regimentskasse zu fordern hatten, ihren Sold auszahlen, womit sich die Soldaten beruhigten. Fadil-Pascha ordnete an, daß die Mannschaft des Redifregiments von Jschtip, welche? sich in Mitrowitza befand und unter dem erregte Stimmung herrschte, die Waffen abliefere und beurlaubt werde. Zwei Bataillone Reservisten aus Anatolien, die sich bisher in Jlpck und Djakova befanden, sind gleichfalls entlassen worden, und werden in ihre Heimat zurückbefördert werden. Außerdem sind Maßnahmen getroffen worden, um die er- schüttelte Disziplin in den Gendarmeriebataillonen von Jpek und Djakova durch Zuweisung verläßlicher Offiziere wieder- herzustellen.— In oppositionellen Kreisen geht das Gerücht, daß die Bewegung unter den Offizieren nünmehr auch auf das in Damaskus liegende Armeekorps übergreift. Politische(leberliebt. Berlin, den 11. Juli 1912. Unsere Abgeordneten auf der„schiefen Ebene". Wie wird man Sozialdemokrat? Diese Frage hat eine neue verblüffende Lösung erfahren; siehe„Kreuzzeitung" Nr. 320 vom 11. Juli 1912! Nur in den Spalten dieses edlen Organs konnte sie gefunden werden, und nur eine Frau und Aristokratin konnte sie entdecken. Diese drei Momente lassen ihre Ueberzeugungskraft über allem Zweifel erhaben erscheinen! Gräfin Cecile . Keyserling-Rautenberg,„geboren in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, also in der Zeit des alten Kurses"(die Gräfin bezeugt cS selbst, um jedem Zweifel zu begegnen), ist die großb Entdeckerin. Und hier ihre Lösung: Sozialdemokraten geraten auf die schiefe Ebene, weil sie„entschieden eine schlechte Klitter MaW HÄW". Wir tun der.Grälm Ppch Im Umechtj Kenn wir auf die Sozialdcmokralen schlechthin eriveikeW, Was sie nur von den 119 plus 6 geschrieben hat. Hier die ungekürzten Seufzer des unter tiefem Weh und heißer Empörung erzitternden Frauenherzens:~ „Unter tiefem Weh und heißer Empörung(eS ist hier gerade- zu schwer, im Rahmen der parlamentarisch gestatteten Ausdrücke bei der Kritik zu bleiben).erzittert auch das Frauenherz bei den das deutsche Volk in den Augen des Auslandes herabwürdigenden Vorgängen, die sich im Reichstag und im Abgeordnetenhause ab- gespielt haben, zum Gaudium Frankreichs, zur Freude Rußlands, zum ironischen Achselzucken Englands. Wie weit abwärts ist es doch schon mit uns im geliebten Vaterlande gekommen, daß solche antimonarchistischen Worte un- gestraft ausgesprochen werden durften, daß es noch keine Gesetze bei uns gibt, die die Immunität des Abgeordneten in Scherben schlagen, wenn er es wagt, an einem der heiligsten Güter des Volkes mit roher Hand zu rütteln. Manche unter den 119, vielleicht auch unter den 6, mögen vielleicht erst später auf die schiefe Ebene gezogen worden sejn, aber die meisten haben entschieden eine schlechte Mutter gehabt, eine Mutter, an die da? zersetzende Gift der Umsturzpartei auf irgndeiner Weise herangekommen ist und die es nicht verstanden hat, ihre Jungen zu guten, pflichttreuen Staatsbürgern zu er- ziehen. Die Verantwortung dafür, die Schuld fällt aber auf uns Frauen der gebildeten, der höheren Stände, die wir längst uns der Mühe hätten unterziehen sollen und müssen, alle diese irre- geleiteten Frauen eines Besseren zu belehren, wenigstens zu ver- suchen,' ihnen klar zu machen, daß nur durch einen geordneten. gesetzesstarken, monarchischen Staat ein sittlich feststehender, un- umstötzlicher Halt, eine Garantie des Friedens geboten wird und gleichen Emporblühens des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft, einen Staat, in dem ebenso dem reichen Manne die Gelegenheit geboten wird, aus freiem Willen seinen Reichtum zum Segen seiner Mitbürger zu verwenden, als dem kleinen Manne, sich emporzuarbeiten und seine Kinder zu tüchtigen Menschen und guten Christen zu erziehen." Es geht doch nichts über die heilige Einfalt! mag der verantwortlich zeichnende Chefredakteur Dr. E. Th. Müller-Furer gedacht haben, als er mit seinem Namen diese Zeilen deckte. Oder litt er in den Zeiten der Hundstagshitze an Stoffmangel und wollte er das Blehsche PlaStometer der„Deutschen Tageszeitung" zur Erkennung der zerstörenden Linksgesichter niederkonkurrieren? Seit HermerS gegang«, und kaufmännischer Geist in die Kreuzzeitungs- leitung eingezogen, war dies die beste Reklame! I, Keine badische Gesandtschaft in München. Die Zweite Kammer hat in ihrer heutigen VormittagSsitzung mit den Stimmen der Nationalliberalen, Fortschrittler und Sozial- demokraten gegen die Stimmen des Zentrums und der Konser- vativen die Forderung für die badische Kesandschast in München abgelehnt. Staatssekretär Freiherr ö. Dusch gab seinem lebhaften Be- dauern über diesen Beschluß Ausdruck, indem er betonte, daß es sich hier nicht um eine innerbadische Angelegenheit handle, sondern daß die Frage die Beziehungen zu den Nachbarstaateü berühre, und daß die Gesandschaft gerade in dieser Richtung GuteS gewirkt habe. „Germania" und„Reichsbote". Die ehrsame ultramontane„Germania" hak es schwer. Nicht nur wird sie von Blättern der eigenen Partei verächtlich behandelt; der fromme„Reichsbote" beschuldigt sie jetzt obendrein auch noch des literarischen Diebstahls. Er schreibt: «Die„Germania" ereifert sich über unseren Vorwurf, daß sie unsere auf unserer Redaktion entstandenen politischen Nach- richten, die uicht etwa. Korrespondenzen entstammen, ohne Quellenangabe abgedruckt hat. Sie sieht angeblich ünser Blatt. „nur zu dem Zweck durch, ob es sich nicht ungehörige Angriffe auf die katholische Kirche zuschulden kommen läßt, und ob sich in unseren Spalten vielleicht etwas findet, was auf die Zustände im Protestantismus einiges Licht verbreitet. Und solche Stellen druckt man ganz selbstverständlich nur mit Quellenangabe nach." — Wir stellen fest, daß die„Germania" eine glatte Unwahrheit hiermit sagt. Es ist einfach gegen die journalistische Anstands- Pflicht, redaktionelle Originalarbeiten aus der weltlichen Politik, wie es die„Germania" wiederholt tat, ohne Quellenangabe abzudrucken. Unsere Mahnung dazu erfolgte wiederholt. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die betreffenden Zentrumsmit- glieder, deren Urteil sich die Redaktion der„Germania" bekannt- lich stets unterwirft, sie darüber belehren würden, daß sie durch solches, sagen wir einmal milde Ab st reiten von Tatsachen, nicht das Ansehen des Blattes fördert. Sollen wir wirklich, liebe Kollegin, öffentlich noch einmal den Beweis für den Diebstahl führen? Mr sind dazu bereit, wenn es gewünscht wird! U. A. w. g.!/' AuchVolksvertreter. Die Konservatiben bezeichnen sich zur Zeit der Wahlen, um die Stimmen der Handwerker und Landarbeiter einzufangen, mit Vorliebe als die Vertreter des werktätigen Volkes in Land und Stadt. Wie ausschließlich sie aber die Interessen des großen länd- lichen Grundbesitzes, des ostelbischen Rittergutsbesitzertums, ver- treten, zeigt folgende Zusammensetzung der konservativen Reichs- tagSfraktion: Von den 45 Mitgliedern und Hospitanten der deutsch- konservativen Fraktion im Reichstag stammen nicht weniger als 37 aus preußischen Wahlkreisen, nur 8 sind außerhalb Preußens ' gewählt. Davon sind auch noch zwei mit mecklenburgischen Man- daten als Ofdelbier anzusprechen. In Preußen selbst sind die 37 Deutschkonservativen bis auf S der Provinz Sachsen samt und sonsters Ostelbier. Von den 37 Deutschfonscrvativen mit preußischen Reichstagsmandaten sind 9 in Ostpreußen, eins in Westpreußen, fünf in Brandenburg, zehn in Pommern, zwei in Posen, sieben in Schlesien und drei in der Provinz Sachsen ge- wählt. Die Hochburgen der Konservativen sind noch immer Ost- Preußen und Pommern. In diesen beiden Provinzen sind nicht weniger als 19, d. h. die volle Hälfte aller Konservativen, mit preußischen Reichstagsmandaten gewählt. Aus den Provinzen Ostpreußen, Pommern, Brandenburg und Schlesien stammen 31 von den 45 Deutschkonservativen, also volle zwei Drittel der ganzen Fraktion. Ferner von den gegenwärtigen 44 Mitgliedern und Hospi- tauten der deutschkonservativen Partei sind in der Fraktions- liste des Reichstags nicht weniger als 27 Rittergutsbe- sitzer, 3 als Majoratsvesitzer, 8 als GutSbe- sitzer, Landwirte und Oekonomen bezeichnet. Dazu kommt ein Direktor der Spirituszentrale und ein Chef- redakteur des Organs des Bundes der Landwirte. Kommunale Pnmpwirtschaft. Die„Deutsche Volkswirtschaftl. Korrespondenz" veröffentlicht einige recht interessante Mitteilungen über die Verschuldung ver- schiedener preußischer Großstädte: Den höchsten Prozentsatz an Schulden weist Frankfurt a. M. mit 656 M. auf, danach kommen Charlottenburg und Wiesbaden mit je 515 M. Schulden. Von anderen preußischen Großstädten sind verschuldet: Schöneberg mit 443, Dortmund mit 413, Düsseldorf mit 412, Teutsch-Wilmersdorf mit 491, Elber- fcld mit 396, Köln mit 375, Krefeld mit 367, Barmen mit 363, Kiel mit 336 M. In weiteren Abständen davon folgen Altona mit 299, Stettin mit 287, Erfurt mit 289, Posen mit 269, Königsberg, Neukölln und Kassel mit 256, Hannover mit 242, Mgdeburg und Duisburg mit LW, Aachen mit AI und Wül-. heiiffi 9. Ruhr mik 225 2*?. Kopfverschuld'uklss. Hinler Berlin bleiben zurück: Breslau mit 295, Essen mit 199, Danzig mit 189 und.Gelsenkirchen mit 148 M. Von den preußischen sGroßstädten weist Kiek mit 259 V. H. den größten Kommunalsteusrzuschlag zur Staatseinkommensteuer auf: ihm nahe kommen Danzig mit 231, Barmen mit 2 3 9,' sowie Königsberg und Gelsenkirchen mit 2 2 5 v. H. Mit 199 v. H. Zuschlag begnügten sich bisher Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Neukölln, Wilmersdorf und Wies- baden, mit. 193 v. H. Altona, mit 125 v. H. Hannover. Im übrigen gehören auch Großstädte mit etwa 299 b. H. Kommunal- steuerzuschlag durchaus nicht zu den Seltenheiten(Stettin, Posen, Dortmund, Krefeld U. a.), wozu alsdann noch beträchtliche Real- steuern(Grund- und Gcbäudesteuer, Gewerbesteuer, Betriebs- stur u. a.) kommen._ Zur Wirtschaftslage in Südwestafrika. Der Landesrat in Südwest beschäftigte sich jüngst mit einem abgelehnten Antrage, bei Farmverkäufen auf den Wohnzwang zu verzichten. Dabei machte Gcheimrat Hinträger, wie die„Rhein.- Westf.-Ztg." berichtet, bemerkenswerte Angaben über den ungewöhn- lich starken Wechsel der Farmerbcvölkerung, der nur dadurch be- kämpft werden könne, daß dem Farmer die Pflicht auferlegt wird, auf der Farm zu wohnen.„Wenn wir uns hier umsehen", so führte er aus,„so kommen wir zu dem niederdrückenden Ergebnis: hier will alles verkaufen." Er belegte das mit folgenden Angaben: Der Zuzug nach dem Schutzgebiet betrug im Jahre 1911 5952 Köpfe, der Wegzug aus dem Schutzgebiet 4313. Seit dem Jahre ICCJ haben von den 1141 Farmen, die wir insgesamt haben, 284 den Besitzer gewechselt und zwar einzelne mehrere Male. Im Distrikt Okahandja z. B. haben seit dem 1. Januar 1996 von 86 Farmen 38 ihren Besitzer gewechselt. Man erklärte diesen starken Besitz- Wechsel damit, daß es sich hier um Farme�c handele, die ohne hin- reichende Mittel angefangen und Ansiedelungsbeibilsen erhalten haben. �_ Der Einfluß der Hundstagshitze. Ein gewisser Dr. H. Elias versendet ein Flugblatt, in dem er folgenden Blödsinn verzapft: «Es bleibt nichts anderes übrig, das Militär muß, um die Industrie auf ihre volle kriegsmäßige Leistungsfähigkeit zu bringen, im Frieden bereits soviel Flugzeuge wie im Kriege verbrauchen. Es sollen Flugzeuge beim Militär zerschlagen werden; die Führer sollen in der Ausbildung soviel Bruch wie möglich machen, sie sollen auf teuerbezahlte Militärflugzeuge gesetzt werden, nicht auf die eine Schulmaschine der Fabrik, denn dadurch wird kein Verbrauch erzielt. Gewiß, es kostet Geld. Aber besser, wir bezahlen jetzt regelmäßig eine große Kriegsversicherungsprämie, als daß im Kriege nach Verlust aller unserer Flugzeuge der alles sehende Gegner unsere blind gemachten, oder zum mindesten stark geblendeten Heere über den Hauten Mut. Wenn unsere Industrie jetzt ein paar Jahre so aufgefüttcrkMt. dann ist sie so kräftig, daß sie auch technisch rapide vorwärts gehen kann." Die Idee des Dr. Elias, so meschugge sie guch ist, hat wenigstens den Vorzug originellfzu sein. Im eigenen Interesse dieses Herren aber dürfte eS liegen, sich unverzüglich mit einem kleinem Eisbeutel zu versehen. Solche Dinger sollen oft Wunder wirken. Einig in der Wahlrechtsfrage. In der Essener Stadtverordnetenversammlung beSnkva'gten unsere Genossen die Ausdehnung des Gcmeindcwahlrcchts für die Personen, die den Zensus von 6 M. an Staatsstcuern nicht er- reichen. In Betracht kommen etwa 2790 Bürger, die früher lange Jahre Steuern zahlten, jetzt aber wegen Invalidität dazu nicht mehr in der Lage sind, in der Hauptsache.Kruppsche Pensionäre, invalide Bergleute usw. Der Antrag wurde mik 27 gegen I4€lim- men abgelehnt. Das Zentrum hatte durch seinen Redner Dr. Bell er- klären lassen. lÄß eS dafür stimmen weide. Von feinen 22 Per- tretern fehlten aber 12 Mann, und einige andere stimmten trotz Bells Erklräung gegen den Antrag. Dieselbe praktische„Wahl- rechtsfreundlichkeit", wie im preußischen Landtag. Die Liberalen stimmten mit wenigen Ausnahmen geschlossen gegen die Wahlrechts- erweiterung., �_ Forstfrevel. Wegen welcher Lappalien die Gerichte in Aktion treten, zeigt der folgende Fall: In Böhlen(Schwarzburg-Rudolstadt) waren 4 Arbeiterkinder in den Wald gegangen.' um etwas Streu zu hole«. Obwohl nun der Fiskus durch eine geringfügige Streuentnahme keinen Sckaden erleidet, wird das Streuholen als Waldfrevel straf- rechtlich verfolgt. Die vier Schulkinder wurden gesehen, und nun begann die Aufbietung eines Apparates, als gelte es, ein schweres Verbrechen zu sühnen: Die Anzeige wird erstattet, die Sache geht an das Gericht, und die vier Delinquenten erhalten eine Bor- ladung vor das Amtsgericht Königsee, beschuldigt, Waldfrevel da- durch begangen zu haben, daß sie Streu im Werte von 19 Pfennig aus dem Walde geholt haben. Um die Größe der Missetat fühlbar zu machen, wird bei Nichterscheinen zum Termin Vorführung oder Verhaftung angedroht. Gleichzeitig werden die Eltern der Kinder benachrichtigt, daß sie als Betstand ihrer Kinder zum Termin erscheinen können.— Die Verhandlung fand auch statt, konnte aber nicht beendet werden, da sich zur weiteren Auf- klärung eine zweite Verhandlung notwendig macht. Und das alles wegen 19 Pf.! Als im letzten Rudolstädter Landtag unsere Genossen verlang- ten, beim Justizetat mehr zu sparen und die Zahl der Assessoren zu verringern, antwortete die Regierung, daß alle Beamten an- gestrengt zu tun hätten. Der vorstehende Fall zeigt, wie nötig ihre Arbeit ist._ ffanhrdcb. Annahme der Wahlreform. Am Mittwoch hat die Deputicrtenkammer m einer bis 11 Uhr nachts dauernden Sitzung die Wahlreform, die das Proportionalwahlrecht bringt, mit 339 gegen 217 Stimmen angenommen. Das Resultat der Abstimmung wurde unter lautem Tumult bekanntgegeben. Die Radikalen riefen Poincars unaufhörlich das Wort„Demission I" zu. Als die auf den Bänken der Radikalen ausgestoßenen Rufe immer lauter wurden, etzhob sich Ministerpräsident P o i n c a r 6 und rief den Radikalen� einige Worte zu, die jedoch durch den Tumult zumeist übertönt wurden. Poincar6 sagte: Die Re- gicrung hat die republikanische Mehrheit für sich. Wenn Sie� die Vertrauensfrage gestellt hätten, wäre diese Mehrheit noch größer. Hier ist die Rednertribüne. Haben Sie doch den Mut, mich über die allgemeine Politik der Regierung zu inter- pellieren. Die Radikalen riefen von neuem„Demission", während die Proportionalisten dem Ministerrpäsidentcn stür- mische Ovationen darbrachten. Poincarä verließ hierauf, von den meisten Ministern und einer großen Anzahl Vroportio- nalisten begleitet, den Saal. Die gesamte Presse erörtert lebhaft die Abstimmung über den Wahlreformentwurf. Jaures schreibt in der „H u m a n i t 6":„Handelt es sich um die letzten Zuckungen und Wutanfälle der Anhänger des Bezirkswahlsystems oder lverden diese gegen jcdck'Regierung. die sich ihnen nicht unter- werfen will, den Kampf bis aufs Messer führen? Da die Pro� portionalistcn nicht nachgeben werden, sq kann sich hwiwus eine g e s ä h r l i ch e K ri s e entwickeln."- Belgien« Die Vorbereitung beginnt. Brüssel, 8. Juli.(Eig. Ber.) Die Arbeiterschaft, lautet der Kongreßbeschluß, hat den Generalstreik unverzüglich vorzubereiten. Nächste Woche wird das große Generalstreiks- komitee zusammentreten, das aus dem Parteivorstand, der Gewerkschaftskommission, den Vorständen der Föderation der Genossenschaften und den Gewerkschaftszentralen gebildet wird. Aber noch ehe dieses Komitee zusammengetreten ist, um seine Direktiven, seine Detailpläne, seine Vorschläge an die Organi- satiönen ergehen zu lassen, beginnen diese schon aus eigener Initiative mit vorbereitenden Arbeiten. Die Mitglieder des Verbandes der Angestellten der Genossen- sch asten des Beckens von Charleroi haben einstimmig beschlossen, für den Fall des Generalstreiks während der ganzen Streikdauer die Hälfte ihres Lohnes dem Streikfonds zur Verfügung zu stellen. Der Zentralvorstand der Genter Föderation hat sich ebenfalls mit dem General- streik befaßt. Es wurde die Gründung eines Aktionskomitees für ganz Flandern und die Ausgabe einer Subskriptionsliste beschlossen, von deren Einnahme 75 Prozent für die Streikenden und 25 Prozent für die entsprechenden Propagandazwecke be- stimmt sind. Die Gewerkschaften der bctreffeni�n Föderationen haben beschlossen, während der ersten 14 Tage oes Streiks auf jede Unterstützung zu verzichten. Der„Vooruit" bereitet eine Unterstützungskombination vor. die wohl von allen sozialistischen Genossenschaften akzeptiert werden wird. Auch das Personal des„Vooruit" wird auf die Hälfte seines Lohnes zugunsten der Streikenden während der ganzen Streikzeit verzichten; ein Beispiel, das allenthalben nachgeahmt werden wird. Dem„Peuple" gehen bereits von allen Seiten Vorschläge zu, die zeigen, wie die Organisationen und die Einzelnen die Vorbereitung des Generalstreiks beschäftigt. Sie beziehen sich auf die Eröffnung einer nationalen bczw. internationalen Subskriptionsliste, auf die Organisierung der Beherbergung von Kindern, auf Spar- und UnterstützunZsvorsck>läge aller Art. Der„Peuple" selbst gibt Fingerzeige, über die Art der Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln in den Volks- Häusern, die naturgemäß im Mittelpunkt der ganzen syste- matischen Verteilungsaktion stehen würden. Genosse D e Broucköre wird nächstens nach Frankreich reisen, um dort über die Suppenausteilung Informationen einzuholen.— Der „Peuple" macht auch darauf aufmerksam, daß es zu den dringendsten Arbeiten deS Komitees gehören wird, die Listen jener Industrien aufzustellen, in denen die Arbeitseinstellung besonders wichtig ist. Für diese müßten dann die meisten Opfer gebracht werden, damit dort der Streik komplett wäre. — Wenn der Generalstreik unvermeidlich wird, dann wird er, das zeigt sich bereits heute, in den Bahnen verlaufen und in den Formen durchgeführt werden, die ihm der Kongreß ein- stigimig angewiesen._ Sturm in der Kammer. Brüssel, 11. Juli. In der belgischen Kammer, die seit ihrem Zusammentritt am Dienstag über die Taktik der Rcgierungs- parte? während der Wahlbewegumg verhandelte, kam«S heute nachmittag zu großen Lärmszenen, in deren Verlauf sich der Alterspräsident veranlaßt'sah, die Sitzung aips dreiviertel �Stunden zu unterbrechen.. Den Anlaß zu dem Tumult gab eine Aeußerung' deS neugewählten Abgeordneten Brrfaut von der katholischen. Partei, die dieser in einifr öffentlichen Versammlung am Sonntag in RdükrrS getan'höben Tön;„Wenn nicht oAe Antiklerikalen' Kanaillen find, so sind doch a 1 1 e K a n a i l l e n Antijleri- kalvf� Der Fühver-�der liberalen Partei, Abg.. HeimanL-, ver» langte eine Erklärung wegen dieser Aeußerüng. In diesem Augen- blick brach der Tumult loS, da anscheinend mehrete Mitglieder der kathplischen Partei ihren neugcwählten Kollegen in Schutz nehmen wollten. Man hörte Ausdrück«, wie. Schmutzfink, Elender, Feig- ling usw. Der Präsident rief zwei sozialistische Abgeordnete, die sich als Urheber der Zwischenrufe bekannten, zur Ordnung und unterbrach die Sitzung. Am Schluß der Sitzung suchte. B r i f a u t durch eine verklausulierte Erklärung den Zwischenfall mit Heimans zu erledigen; es wurden dadurch jedoch nur wiederum ungeheure Lärmszenen verursacht. Schließlich bezichtigten die Führer der liberalen und der sozialistischen Partei Brifaut der Feigheit und Taktlosigkeit. Unter großer Erregung wurde die Sitzung geschlossen. — Infolge dieses Zwischenfalls hat der liberale Deputierte D e l v a u x dem katholischen Deputierten Brifaut seine' Zeugen gesandt. Portugal. Der konterrevolutionäre Anschlag mißglückt. Lissabon, 11. Juli. Die Kolonne Paiiva ConceiroS hat sich in die Berge von Larouco geflüchtet. Wie eS scheint, wollen die Aufftändischen von CabeceiraS de Basto zu ihnen stoßen. Der Pfarrer hat 800 Männer mit sich genommen; in der Ortschaft verblieben nur Frauen, Kinder und Greise. Aus Chaves wird gemeldet: Den Republikanern fielen ein Maschinengewehr, Munition und die Korrespondenz der Royalisten in die Hände. Die Stadt ist ruhig. In. CabeceiraS do Porto wurde einem Offizier und einem Soldaten von einem monarchistisch gesinnten Kaufmann vergifteter Wein verabfolgt. Beide wurden durch rechtzeitiges ärztliches Eingreifen gerettet. Das empörte Volk steckte die Nieder- läge des Kaufmanns in Brand und verbrannte in Gegenwart der Truppen eine monarchistische Fahne. Das Parlament wurde Donnerstag vormittag, nachdem.die dringenden Vprlagen angenommen waren, unter Hochrufen auf das Vaterland und die Republik geschlossen. England. Greh über die internationale Lage. London» 11.-Juli. Bonär Lap?.. führt« in der gestrigen Sitzung des Unterhauses aus: Mit Bezug auf Deut.sch. l a n d kann ich nichts sagen, was ich nicht schon früher gesagt habe. Wir haben keinen Streit mit Deutschland und wir suchen k.einenStreit. Hier ist niemand, der nicht mit absolutem Widerwillen an einen Krieg mit Deutschland dächte, selbst. wenn wir wüßten, daß wir in einem. solchen Kriege siegreich sein würden. Jeder wünscht das beste Einvernehmen mit Deutschland. Das haben in der ausdrücklichsten und aufrichtigsten Weise Männer gesagt, die in verantwortlicher Stellung englische Parteien vertreten. Aber ich glaube nicht, daß etwa? da- mit gewonnen ist, wenn man beständig von der Notwendigkeit eines guten Einvernehmens spricht.' Die beste Art, sich auf den möglichst besten Fuß mit Deutschland zu stellen, ist, bereit zu sein, jedesmal, wenn ein bestimmter' Anlaß für Friktiotien oder eine Meinungs- Verschiedenheit auftaucht, mit voller Billigkeit an sie heranzutreten und im übrigen Geduld zu habeG. Ich bin sicher, daß e i n K r i e g auch nicht im deutschen Interesse liegt. Deutschland kann sagen, was wir hier gesagt haben, daß das größte deutsche Interesse der Frieden ist. ES ist.sürjniK undenkbar, daß ein Krieg unker den gegenwärtigen Bedingungen ausbrechen könnke, SN deS Deutschland beteiligt wäre und in den nicht auch ganz Europa ver- wickelt würde. Und niemand könnte ohne die größte Besorgnis an eine solche Möglichkeit denken. Aber wenn niemand Krieg wünscht oder erwartet, so. ist es doch die Pflicht jeder Regierung, sich gegen einen möglichen Krieg zu rüsten.(?). Die zweitgrößte Seemacht steht uns gegenüber, wenige Stunden von unseren Küsten. Ich glaube nicht, daß das, was ich sage, provozierend ist. Die Deutschen können mit gleicher Berechtigung sagen, daß unsere Flotte eine geladene Kanone ist, die auf sie gerichtet ist. Es ist eine Tatsache. daß ein Angriff auf uns stets möglich ist. Ich sage nicht, daß wir uns in Gefahr befinden. Unsere Lage hat sich verändert, und deshalb ist unsere auswärtige Politik von außerordentlicher Be- deutung.' Staatssekretär Greh besprach in ausführlicher Weise. die persischen Angelegenheiten, ging sodann auf die Mittelmeerfrage über und wandte sich hierauf den eng- lisch-deutschen Beziehungen zu. Dabei sagte er, die Beziehungen Englands zu Deutschland seien gegenwärtig ausgezeichn.et und absolut frei von irgend- einer Frage, durch die die beiderseitigen Interessen berührt würden. Er glaube, falls solche Fragen sich erheben würden, ob dies nun im Zusammenhang mit den wechselseitigen Interessen in Südafrika oder eventuell in Verbindung mit der Bagdadbahn geschehe, so würden beide Regierungen die Ueberzeugung hegen, daß ihre gegen- seitigen Interessen ehrlich ausgeglichen werden könnten. Greh besprach sodann die M i t t e l m e e r f r a g e, die von der größten Bedeutung sei und tatsächlich die auswärtigen Beziehungen ebenso wie die Flottenstrategie auf die Tagesordnung setze. Uns droht augenblicklich keine Gefahr, aber wir sind im Begriff,' das Mittelländische Meer aufzugeben und uns selbst in eine Lage zu' versetzen, in der wir unsere Interessen im Mittelländischen Meere nicht schützen können. Ich gebe zu, daß wir eine ausreichende See- streitmacht im Mittelmeer unterhalten müssen, um uns zu den See- mächten des Mittelmeeres zurechnen zu können. Die Frage des Stärkestandards kann ich nicht erörtern, aber um als eine der See- mächte des Mittelmeeres angesehen zu werden, müssen wir dort eine ansehnliche Flotte verfügbar haben. Greh schloß: Unsere auswärtige Politik bleibt unverändert. Der Ausgangspunkt jeder Entwickelung in unserer europäischen auswärtigen Politik ist die Erhaltung freundschaftlicher Beziehungen mit Frankreich und Rußland. Nehmen wir das als Ausgangspunkt an, dann lassen Sie uns die bestmöglichen Beziehungen mit anderen Ländern haben. Wenn wir Frankreich oder Rußland im Einklang mit einer anderen großen europäischen Macht und in gutem Verhältnis mit ihr sehen, wie eS durch das Zusammentreffen des deutschen und des russischen Kaisers geschehen tst, so haben wir allen Grund, uns selbst zu beglückwünschen. Grey sprach sodann auch über die englisch-türkischen Verhandlungen betreffend die Bagdad-Basra-Eisen- bahn. Die Türkei stehe in Unterhandlungen mit England über eine Anlahe für eine Eisenbahn unterhalb Bagdad, die auch Gegen- stand eines Abkommen? der Türkei mit Deutschland sei, durch welihes die Türkei die AktionSfreiheit in bezug auf die Eisenbahn- bauten unterhalb Bagdads wiedererlangt habe. Die deutsche Re- gierung sei vollkommen davon in Kenntnis gesetzt, daß jene Ver- Handlungen Fortschritte machten. Grey fuhr fort: Wenn durch diese Verhandlungen deutsche Interessen berührt werden, dann sind wir natürlich vollkommen bereit, die Angelegenheit mit der beut- schen Regierung zu erörtern. Nachdem Grey seine Rede geschlossen hatte, gab Bonar Law seiner allgeineinen Billigung für die Erklärungen des Staatssekre- tärs Ausdruck. Er kritisierte jcdoch�lr�hs'Hölwsig'ssi�der Mittel-' meerfrage und erklärte, Englands Mittelmeerflotte müsse stark ge- nug sein, um jeder wahrscheinlichen AngviffskombinatiaN überlegen zu sein. Marokko. Die Unabhängigkeitsbewegung im Süden. Paris, 11. Juli. Der„TempS" ethält auö Mogador eine De- pesche, derzufolge der Prätendent Achmed el Hiba im SuSgebiet die Herrschaft beinahe vollständig an sich gerissen hat. Der Kaid von Tarudant habe sich ihm angeschlossen und in dem ihm unterstehenden Gebiet den Prätendenten zum Sultan ausrufen lassen. Der„Temps" berichtet weiter über einen Zwischenfall zwischen dem Prätendenten und den Mannes- manns. Der Prätendent habe einen Gesandten nach Tarudant geschickt und die dort ansässigen Deutschen auffordern lassen, inner- halb 12 Stunden die Stadt zu verlassen. Er habe ihnen angeboten, sich von einer Eskorte von 15 Reitern begleiten zu lassen, unter deren Schutz sie sich jetzt auf der Reise nach Agadir befinden. Ekina. Kämpfe zwischen Chinesen und Tibetanern. Schanghai, 11. Juli. Wie aus Tschoeng-tu gemeldet wird, wurde die Stadt Litang(Szetschwan) am 15. Juni von den Tibe- tanern eingenommen. Die Garnison entkam nach stundenlangen Kämpfen unter Verlust von 7l> Toten. Die Stadt wurde geplün- dert, Frauen und Kinder niedergemacht oder lebendig verbrannt. Nach einer späteren chinesischen Meldung wurde Litang wieder ein- genommen. Auch Bazang(Szetschwan) ist am 15. Juni von den Tibetanern erobert worden. Einem Telegramm de? Tutu von Szetschwan zufolge sind 2500 Mann nach dem Tibet unterwegs; insgesamt wurden bis jetzt 5000 Mann hingeschickt. Hrnerika. Die Eröffnung der sozialistischen Präsidentenwahlkampagne. Während. man sich in den alten Parteien um die Kandidaten raufte und nun mit reaktionärer oder.volksfreundlicher" Dema- gogie die Massen für die verschiedenen Sachwalter der herrschenden! Klassenintercssen einzufangen sucht, haben unsere Genossen nach der würdig verlaufenen Kandidatenaufstellung und der Annahme eines großzügigen, wissenschaftlich begründeten Programms die Wahl- bewegung mit einer riesigen Volkskundgebung in Chi'cago mit den beiden Kandidaten D e b S und Seidel als Rednern einge- leitet. Ueber 100 000 Menschen füllten einen Platz von 10 Hektaren, und Zehntausende standen außerhalb. � Beide Redner entwickelten in der schärfsten grundsätzlichen Weise, die sozialistische Auffassung der/bestehenden Gesellschaft und das sozialistische Programm. Sic zeigten, wie. die Riesenmacht des Kapitalismus allen öffentlichen Besitz und das wirtschaftliche Leben des Volkes unterjocht hat, wie die herrschenden' Pärieien und ihre Beljorden nur Werkzeuge d.ieser Macht und demgemäß durch und durch korrupt sind, wie jeder Ver- such� die Gewalt der Kapitalsmächte zu brechen(Gouverneur Alt« geld von Illinois, die Ritter der Arbeit, die Populistenpartei, jetzt die republikanischen Insurgenten), zunichte gemacht wird. Sie zeigten, wie die Abhängigkeit der Arbeiterklasse zur vollen Sklaverei geworden ist, wie Kinderarbeit, Prostitution, Arbditslosigkeit den Volkskörper zerstören, wie in 15 Jahren die Löhne- um 20, aber die Preise der Lebensbedürfnisse um 00 Proz. gestiegen sind, die Kauffrast des Lohnes also um- 25 Proz. gesalle-n ist..... All diesen Schrecknissen gegenüber zeigten sie den Sozialis- mus: die revolutionäre Vereinigung der Arbeiter zur Erorberung der politischen und wirtschaftlichen Macht mittels ihrer eigenen, nach eigenem Willen von unten her geleiteten Partei und der Zu- sammenfassung der Arbeitex in Jndustrieverbänden als das einzige Mittel der Rettung. Die Unterschiede zwischen den bürgerlichen Parteien schwinden. Sie erscheinen immer deutlicher als die be- zahlten Söldlinge der kapitalistischen Machthaber. Ihnen gegenüber steht die Socialist Party, fest entschlossen, die Macht der Arbeiter zusammenzufassen, um den Kapitalisten die Herrschaft zu entreißen und durch Herstellung des Gemeinbesitzes an Land und Industrie die Wirtschaft zum Gesamtwohl zu leiten. Vor 4 Jahren kaum 40 000, sind nun rund 150 000 zahlende Mitglieder in der Partei vereint. Wie Seidel berichtet, bietet jede Versammlung das gleiche Bild stürmischer, leidenschaftlicher.Begeisterung. Nie- mals'sei Aehnliches im Lande erlebt worden. Es ist ein entschei- dendes Jahr für die Union und der Wendepunkt für viele Wähler. /Zus der Partei. Von ber Parteipresse. Zum politischen Redakteur d«»„Frän- kischen Volksfreundes" in Würzburg wurde Genosse M. Seit« mann, bisher in der Redaktion der„Rheinischen Zeitung" in. Köln gewählt. In Nr. 158 des„Vorwärts" berichteten wir über die Zusammen- setzung der Rodaktion der„Schwäbischen Tagwacht" in Stuttgart. In dieser Notiz ist richtig zu stellen, daß der Redakteur des Feuilletons Genosse H ö r n l e(nicht Werle) ist. Em Induftrie und Kandel. Nebenbedingungen von Anleihen. Wenn unsere modernen Kulturstaaten an weniger finanzkräftige Geld leihen, so genügt es ihnen nicht, Zinsen zu genießen; sie suchen auch sonst den geldbedürfligen Staat in ihre Abhängigkeit zu bringen. Meist sind es politische Zugeständnisse, die der Geldsuchende Machen muß; mitunter liegen sie»ur auf privatwirtschaftlichem Ge« biet. Einen interessanten Beitrag zu diesem allgemeinen Brauch -dringt das„Berliner Tageblatt" in einem Schreiben, das der Präsident einer französischen Interessengemeinschaft(Union des Industries rnötallurgiques et tniniferes) an das französische Mi- nisterium gerichtet hat. Es lautet: „Gestalten Sie mir, Ihre wohlwollende Aufmerksamkeit auf die Verhandlungen zu lenken, die sich gegenwärtig zwischen der königlich bulgarischen Regierung und den französischen Banken vollziehen bezüglich einer Anleihe, die sich auf inS- gesamt etwa 180 Mill. Ft. wird beziffern sollen. Wir wissen im voraus, daß unler den politischen Verhältnissen der Balkanstaaten das Königreich Bulgarien nicht daran denken darf, sein KriegSrüslzeug weiter zu entwickeln und infolgedessen auf unsere französische In- dustrie für den Bau von Kriegsmaterial zurückzugreifen, wie es ge« legcntlich vorangegangener Anleihen geschehen ist. Aber unsere anderen konstruierenden Industrien sind reichlich in der Lage, die Aufträge auszuführen, die Bulgarien erteilen könnte im Hinblick darauf, sein wirtschaftliches Rüstzeug und speziell seirt Eisenbahn- Material sowie die Ausstaitung seiner Häfen und seiner Handelsflotte zu vervollständigen, und weiterzuentwickeln. Wir möchten Sie deshalb bitten, Instruktionen erteilen zu wollen, damit die gegenwärtige Anleihe auf Grund der Bulgarien zugestandenen außerordentlich günstigen Spezialbedingungen des französischen Marktes nicht definitiv abgeschlossen werde, b e« vor der französischen Industrie nicht positive Vorteile zugestanden seien für die Hilfe, die die bulga» rische Regierung von neuem bei den ftanzösischen Sparern findet. Als felbstvetftändliche Regel wird rn diesem Schreiben auf« aestellt.�djyß der., vumpcpjii. tztopt die Kriegsmaterialien von. seinem Gläubiger bezieht. Da ja aoe'r leider Bülgärien nicht an weitere KriegSriistung. denken darf— wie dezent sich dies Bedauern an« .hört!—, soll das französische Ministerium wenigstens sonstige in- dustrielle Bestellungen erzwingen. Das internationale Kapital. Kürzlich ist in Berlin ein„Comptoir Foncier, Aktiengesellschaft für Grundbesitz" gegründet worden. Die Gesellschaft ist ein Tochter« institut einer französischen Gruppe. Aufgabe der Gelellschaft wird eS sein, in Deütschland Grundstücke zu beleihen und zwar erst« als auch zweite Hypotheken zu gewähren. Die dazu notwendigen Mittel werden in Frankreich aufgebracht, wofür die französische Gruppe in Frankreich Obligationen ausgibt. Da Hypotheken in Deutschland sehr gesucht sind und hoch verzinst werden, stellt sich ftanzöstsches Kapital für diesen„nationalen Zweck" zur Verfügung. Vorläufig ist das Kapital der deulschen Gesellschaft, der auch die Darmstädter Bank nahesteht, auf eine Million Mark bemessen worden. Die französische Muttergesellschaft arbeitet mit 10 Millionen Frank Aktien und 46 Millionen Frank Obligationen außer in Frankreich bereit? in Rußland und England. Die Aktien der deutschen Gesell- schaft übernimmt die französische: auch die erworbenen deutschen Hypotheken werden ihr weiter verpfändet. RiesenelektuzitStszentrale«. Die Elektro zu Dresden, eine zum EiemenS-Schuckert« Konzern gehörige Aktiengesellschaft, veröffentlicht in ihrem Jahres« bericht für 1911 eine llebersicht über ihren Wirkungskreis. Das Arbeitsgebiet umfaßt das Königreich Sachsen, die thüringischen Stachen- upd den größten Teil der Provinz Schlefien. Das Haupt« feld ihrer Tätigkeit liegt in Sachsen. Im letzten Jahre sind eine Reihe von neuen KonzessionSverträgen mit Gemeinden abgeschlossen und mehrere Beteiligungen an bestehenden Gesellschaften durchgeführt worden. Nach Ausbau aller Projekte wird die Elektro 5 2 Städte und Gemeinden mit rund 75000 Einwohnern mit Strom versorgen._ Die Trusts als Hemmnisse technischer Entwickelnng. Eine Neuregelung der Patentgesetzgebung wird m einer Botschaft des Präsidenten � der Vereinigten Staaten empfohlen. Darin wird angeführt, daß in der nun vierzigjährigen Geltungsdauer der bestehenden. Gesetze sich Mißstände heraus- gebildet haben, die auch wieder auf die Entwicklung de» Trust- wesenS zurückzuführen sind. So hätten manche Konzerne durch Er» Werbung von Patenten hie Herrschaft über ganze Industriezweige gewonnen und zwänge», ibpe Abnehmer auch zum Ankauf aiiderer Artikel. Auch hätten sie Patente von Verbesserungen an- gekauft, aber nicht ausgenutzt und so das Publikum zur Benutzung der uuverbesserten. Maschinen gezwungen. Zur Beseitigung dieser Nebelstände, die wieder deutlich zeigen, wie sehr der als Segen deS Kapitalismus gepriesene technische Fortschritt gerade durch die moderne großkapitalistische Monopolisierung ge- hemmt und ins Gegenteil verkehrt wird, schlägt der Präsident die Einsetzung einer Sachverständigenkommission vor. die Vorschläge zur Reform machen solle. Ob diese imstande sein wird, da« WirtschastS« leben aus diesem Gebiete von der Umklammerung der Riesenschlange zu befreien, darf bezweifelt werden. Die Monopolisten sind mächtig und gerieben genug, um sich iuch geänderte Gesetzesbestimmungen mit Hilfe verständnisvoller Behörden untertänig zu machen. Der IV. Allgemeine deutsche Bankiertag findet vom 18. bis 19. September d. I. in München statt. Auf dem Programm steht u. a. die Behandlung zweier allgemein interesfierender Fragen: Geeignete und ungeeignete Mittel zur Hebung de? Kurses der Staat-L Papiere(Referent: Max Warburg-Hamburg) und: Die zeitweise übermäßige Jiiaiisvruchnahme der Reichs dank. ihre Ursachen und die Mittel zur Abhilfe.(Referent: Prof. Karl Helfferich, Direktor der Deutschen Bank.) Gewerkfcbaftlicbeö. Die Solinger©ewerkrd�aftsftrcitighdten haben sich seit mehreren Monaten wieder in bedauerlicher Weise zugespitzt. Schließlich hatte sich die„Arbeiterstimme", die lange Zeit hindurch bemüht war, strikte Neutralität zu üben, gezwungen gesehen, Stellung zu nehmen gegen die Führer des Jndustriearoeiter-Verbandes. Das sahen diese als schweren Neutralitätsbruch an und erhoben bei der Preß- kommission Beschwerde. Die Preßkommission stellte sich in- dessen auf die Seite der„Arbeiterstimme". Auch die Partei sah sich genötigt, zu dem Zwist Stellung zu nehmen; sie billigte das Verhalten der Parteipresse. Daraufhin forderten die Führer des Jndustriearbeiter-Verbandes ihre Mitglieder auf, die„Arbeiterstimme" abzubestellen, gleichzeitig ventilierten sie den Plan, den von ihr wöchentlich einmal herausgegebenen „Stahlwarenarbeiter" mehrmals erscheinen zu lassen. Außer- dem wandten sie sich beschwerdeführend an den Parteivorstand, weil nach ihrer Meinung die„Arbeiterstimme" unter Billi- gung der Solinger Parteiinstanzen einen Parteitags- beschluß gebrochen hätte. Sie stützten sich auf folgende Tatsache: In dem Bericht des Parteworstandes an den Leip- izger Parteitag war von resultatlos verlaufenen VerHand- lungen in Solingen Mitteilung gemacht worden: „Die Differenzen wurzeln in den gang eigenartigen und sehr komplizierten Verhältnissen der Solinger Stahlwarenindu- strie und drehen sich fast ausschließlich um die Frage der zweck- mäßigsten Form der gewerkschaftlichen Organisation." Es war dann weiter erwähnt worden, daß innerhalb der Partei beide Teile doch„im großen und ganzen verträglich nebeneinander arbeiten." Und nun folgte der Satz, auf den sich jetzt die Führer des Jndustriearbeiter-Verbandes stützen: „Der Parteivorstand empfiehlt daher, die Entscheidung in dieser Streitfrage der weiteren EntWickelung zu überlassen." In diesem Satze wollten sie einen Parteitagsbeschluß sehen, der die„Arbeiterstimme" zur Neutralität verpflichte, aber mißachtet worden sei. Der Parteivorstand schickte zu- nächst den Genossen E b e r t nach Solingen, damit er mit den in Betracht kommenden Vorständen aller Organisationen be- spreche, was am zweckmäßigsten zu tun sei. um die hochgehen- den Wogen wieder zu glätten. Die Folge der Aussprache war eine neue Konferenz in Solingen, an der die Vorstände der Partei, des Metallarbeiter-Verbandes und des Industrie- arbeiter-Verbandes, die Genossen Braun und Müller vom Parteivorstand, Genosse Silberschmidt als Ver- treter der Generalkommission der Gewerkschaften, sowie Gs- nosse Haberland- Elknwfeld als Mitglied des nieder- rheinischen Agitationskomitees teilnahmen. Die Verhand- lungen führten nicht zu einer Einigung, konnten vielmehr dem Parteivorstand nur zur Information dienen in bezug auf die Beantwortung der vorerwähnten Beschwerde des In- dustriearbeiter-Verbandes. Diese Antwort lautet in ihren wichtigsten Partien wie folgt: „Gegen die Redaktion der„Bergischen Arbeiter- st i m m e" kann der Vorwurf, einen Parteitagsbeschluß ubertreten zu haben, und gegen die Preßkommission und den Sozialdemokratischen Verein zu Solingen kann der Vorwurf, einen solchen Disziplinbruch ae- billigt zu haben, nicht zu Recht erhoben werden. Dem im Bericht des Parteivorsiandes an den Leipziger Parteitag 190g sSeite 18 des Protokolls) wiedergegebenen Satz: „Der Parteivorstand empfiehlt daher, die Entschei- ' dung in dieser Frage lder Solinger GewerkschaftSdifserenzen) der weiteren Entwickelun-g zu überlassen", wurde vom Parteitage nicht widersprochen, und er dürste damit für die weitere Behandlung der Solinger GewerkschaftSverhält- nisse als Richtlinie angesehen werden. Ein Abweichen von dieser Richtlinie kann aber nicht dem Bruch eines ausdrücklichen Par- teitagsbeschluffes gleichgestellt und deshalb nicht als Disziplin- bruch angesprochen werden. Die Solinger Parteiinstanzen haben sich jahrelang be� müht, in Anerkennung der in dem Vorstandsbericht an den Leipziger Parteitag gegebenen Richtlinien die Erörterung der Gewerkschafts st reitigkeiten aus ihrem Parteiblatte fernzuhalten. Die Praxis hat jedoch ergeben, daß das Parteiblatt diese Differenzen nicht vollständigignorieren konnte, nachdem dieselben eige EntWickelung genommen hatten, die jeder klassenbewußte Arbeiter aufrichtig bedauern mutz.... Es ist tief bedauerlich, daß aus der Stellungnahme der„Bergischen Arbeiterstimme" zu diesen Auseinandersetzungen sich eine unerquicklich«, die Gesamt- arbeiterbewegung schädigende Diskussion zchiischen dem„Stahl- Warenarbeiter" und der„Bergischen Arbeiterstimme" entwickelt hat. In dieser Diskussion sind auf beiden Seiten Fehler gemacht worden, wenn auch die schwere Entgleisung in Nr. 88 der„Bergischen Arbeiter st imme" in keiner Weise die fortdauernd persönlich gehässige Schreibweise rechtfertigen kann, deren sich der „Stahlwarenarbeiter" �seit April d. I. bis jetzt bediente. Der Parteivorstand macht allen Parteigenossen zur Pflicht, diese Art der Polemik zu unterlassen. Es mutz der„Bergischen Arbeiterstimme" selbstverständlich frei stehen, durch sachliche Artikel aufklärend im Sinne der Zentralisationsbestrebungen der Gewerk- s ch a f t e n zu wirken. Zur Erörterung der Streitigkeiten zwi- schen dem Metallarbeiterverband und dem Industriearbeiter- verband sind in er st er Linie die Organe der beiden Gewerkschaften berufen. Nehmen die Differenzen zwischen dem Metallarbeiterverband und dem Jndustriearbeiterverband einen solchen Charakter an, daß ihre Erörterung in der„Arbeiter- stimme" sich als notwendig erweist, so hat aus den Artikeln und den Berichten der.Bergischen Arbeiterstimme" a I l e S herauszubleiben, das geeignet ist, persönlich her- absetzend zu wirken. Derselbe Grundsatz mutz selbstverständlich auch für den.Stahlwaren- a r b e i t e r" g e l t.e n. Bei den komplizierten Verhältnissen in der Solinger In» dustrie müssen alle Parteigenossen, soviel in ihren Kräften steht, dazu beitragen, datz der im Interesse der Arbeiter dringend wünschenswerten Annäherung der beiden Verbände keine künstlichen Schwierigkeiten gemacht werden." Dieser Solinger Zwist ist um so bedauerlicher, weil in beiden Lagern tüchtige und bewährte Genossen stehen. Was könnte für die Partei und für die Arbeiter gerade in Solingen erreicht werden, wenn die Genossen ihre Kräfte nicht vergeuden wollten im Bruderkanipfe! Je schneller sie zu einer Einigung kommen, um so besser für alle Teile. Detitfches Reich. Friede in der Hannoverschen Metallindustrie. In der Hannoverschen Metallindustrie ist gestern nach beinahe dreinwnatigem Kampfe wieder Frieden eingetreten. Nachdem be- «etK vorgestern die in christlichen Gewerkschaften organisierten Ar- deiter die neuen Vorschläge der Unternehmer angenommen und vorgestern die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine die Arbeit wieder aufgenommen hatten, haben auch die im Deutschen Metallarbeiter- verband organisierter Arbeiter in zehn Versammlungen in geheim« verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw�" toftömmteg mit 8798 gegen 9888 Stimm«« bte Bedingungen der Unternehmer angenommen. Die EinigungSkommissio» tritt heute früh nochmal» zusammen, um über die Wiederaufnahme der Arbeit die letzte» Vereinbarungen zu treffen. Da» Angebot der Unter- nehmer besteht in S7stündiger Arbeitszeit, die vom 1. Juli 1913 auf SS� Stunden herabgesetzt werden soll, und in einer Lohn- erhöhung von drei Pfennig pro Stunde. Fabrikarbeiterstreik. Bei der Weltfirma Joh. Gottl. HauSwaldt in Magde- bürg sind die Arbeiter der Zichorienfabriken in den Ausstand ge- treten. SS streiken 272 Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Arbeiter forderten eine Lohnerhöhung und andere Verbesserungen der Ar- beitSbedingungen; dio� Firma verhielt sich jedoch ablehnend und stellte nur für den 1. Januar 1913 eine Lohnzulage in Aussicht. deren Höhe sie aber nicht einmal angab. In der vergangenen Woche legte schon eine Anzahl jugendlicher Arbeiter die Arbeit nieder, was die Firma veranlasste, den Jugendlichen geringe Zu- gcsiändnisse zu machen. Als dessen ungeachtet die Jugendlichen die Arbeit nicht wieder aufnahmen, drohte die Firma damit, die Zu- geständnisse wieder rückgängig machen zu wollen. Dies und der Umstand, datz sie der übrigen Arbeiterschaft keine Geneigtheit zu einem Entgegenkommen zeigte, gab den äusseren Anlatz zu dem allgemeinen Streik in den Zichorienfabriken. Die übrigen Be- triebszweige der weltbekannten Firma sind von dem Streik vorder- Hand nicht berührt,_ HueUnck. Generalstreik in Zürich. Berlin, 11. Juli.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Als Protest gegen fortgesetzte Ausweisung streikender Maler und Schlosser und gegen die Provokationen durch Streik- breche?, Polizei und Regierung beschloß die Arbeiterschaft Zürichs, für Freitag einen vierundzwanzigstündige» General- streik zu proklamieren._ Zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten in Norwegen. Dem norwegischen Storthing liegt gegenwärtig ein von der Regierung eingebrachter Gesetzentwurf vor, der zur Einführung eines SchlichtunaS- und Schiedsgerichtsverfahrens bei Streitig- leiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern dienen soll. Zur Behandlung von Konflikten über die Auslegung und Anwendung geltender Tarifvertrage soll ein besonderer Gerichtshof, das Arbeitsgericht, geschaffen werden, zusammengesetzt aus einem Vorsitzenden, der die Qualitäten eines Richters am Höchsten Gericht haben mutz, und vier Beisitzern, die je zwei von der Landesorganisation der Gewerkschaften und von der Norwegischen Arbeitgebervereinigung ausersehen werden. Das Arbeitsgericht soll die Kompetenzen der ordentlichen Gerichte erhalten, kann also Zeugen vernehmen und rechtsgültige Urteile sprechen. Seine Eni- scheioungen sind in der Regel endgültig, jedoch ist bei Abweisung einer Klage Berufung an das Höchste Gericht zulässig. Bei Konflikten über die Neuregelung von Lohn, und Arbeits- Verhältnissen sollen die Parteien die Sache einem Schlichtung»- rat überweisen, der sich aus einem fest anzustellenden Schlichtung»- mann und zwei Beisitzern zusammensetzt, die vom Vorsitzenden auf Vorschlag der Parteien ernannt werden. Das Lcnid soll in fünf Schlichtungskreise geteilt werden mit je einem SchlichtungS- mann. Der Schlichtungsrat hat sorgfältig alle Auskünfte einzu- holen, die für die zweckmäßige Lösung der Streitsragen erforder- lich sind. Wird innerhalb 14 Tagen eine Einigung nicht erzielt, so können die Parteien die Einstellung deS Schlichtungsverfahrens verlangen. Versäumen die Parteien es, einen Konflikt dem SchlichtungSrat zu überweisen, so kann dies durch das Ministerium des Innern geschehen." Außerdem ist in dem Entwurf noch die Errichtung eine? Schiedsgerichts vorgesehen, bestehend aus dem Vorsitzenden deS Arbeitsgerichtes und vier Beisitzern, und zwar zwei von jeder Partei ausersehene. Die Urteile dieses Schiedsgerichts dürfen nicht länger gelten als drei Jahre, es sei denn, datz die Parteien sich mit einer längeren Gültigkeit einverstanden erklären. Ein Konflikt über die Auslegung oder Anwendung eines Tarii. Vertrages darf nach dem Gesetzentwurf überhaupt nicht zum Streik oder zur Aussperrung führen, und ein Konflikt über Neuregelung von Lohn- und Arbeitsverhältnissen mutz immer erst daS Schlich- tungsverfahren durchgemacht haben, ehe es zum Streik oder zur Aussperrung kommen darf. Für die Uebertretung dieser Bestim- mungen sind Geldstrafen vorgesehen, die für die Arbeitgeber im Wiederholungsfalle bis zu 50 000 Kronen betragen können. Bruch eines Tarifvertrages kann nach deni Entwurf mit bis zu 30 Kronen pro Mitglied der Arbeiterorganisationen, und bis zu 39 999 Kronen pro Mitglieder der Arbeitgeberorganisationen bestraft werden. Die Organisationen beider Parteien werden haftbar gemacht für die Geldstrafen, die ihre Mitglieder sich zuziehen. Auf die im Dienste des Staates oder der Kommunen fest an- gestellten Arbeiter soll das Gesetz keine Anwendung finden. Der Gesetzentwurf hat in der Arbeiterschaft starken Wider- spruch hervorgerufen. Die Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften hielt kürzlich in Kristiania eine Repräsentant- schastsversammlung ab, um Stellung zu der Angelegenheit zu nehmen, und hat nun an das Storthing das Ersuchen gerichtet, die Behandlung des Gesetzentwurses auf jeden Fall um ein Jahr hinauszuschieben, damit die Arbeiterorganisationen im ganzen Lande erst gründlich darüber beraten und ihr Gutachten dazu ab- geben können. Die Landesorganisation ist der Meinung, datz es mit einer solchen Gesetzgebung nicht so grosse Eile hat, da in den letzten Jahren in Norwegen kein Kampf zwischen den organisierten Arbeitern und Arbeitgebern ausgebrochen ist, ohne datz nicht vor- her Verhandlungen stattgefunden bätten. Wenn es dennoch zu grossen Kämpfen kam, so war der Grund der, datz die Interessen- gegensätze sich nicht auf friedlichem Wege aus der Welt schaffen ließen. Es ist anzunehmen, datz man auch in Zukunft immer erst verhandeln wird, auch ohne datz ein Gesetz es vorschreibt. Gleich- zeitig macht die Landesorganisation darauf aufmerksam, datz, wenn der Staat in solcher Weise in die Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingreifen wolle, auch die Frage der Ver- einigungsfreiheit mit behandelt, also ein gesetzlicher Schutz des Koalitionsrechtes geschaffen werden müsse. Im allgemeinen sei der Gesetzentwurf nicht zufriedenstellend, und man könne dasselbe Re- sultat durch einfachere Institutionen erzielen, wie sie zum Beispiel in Dänemark und in Schweden bestehen, wo der Schlichtungsbeamte nur bei umfassenden Konflikten eingreift. Ob der Entwurf noch in dieser Storthingssession zur VerHand. lung kommen wird, ist noch zweifelhaft. Das Sozialkomitee hat einen Antrag auf Vertagung der Angelegenheit vorläufig abgelehnt, jedoch erklärte der Komiteevorsitzende, der den Ausschlag gab, datz er nur dann für die Behandlung des Entwurfs sei, wenn die Storthingssession dadurch nicht verlängert werde. Der Scemannsstreik greift über nach Algier. Nach einer stürmischen Versammlung beschlossen die Seeleute in Algier, sich mit den ausständigen Besatzungsmannschaften der Hafenschlepper solidarisch zu erklären. Nach der Versammlung be- gaben sich die Seeleute auf die Kais und veranlassten dort die Ar- beitswilligen, sich ihnen anzuschließen. Die Lage wird hier als sehr ernst angesehen. )Zus cler frauenbeweAimg. Der freie Sonnabendnachmittag für die Textilindustrie. Die von den Unternehmern der Textilindustrie während der Krise der letzten Jahre den Arbeitern aufgezwungene Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit hat namentlich den Arbeiterinnen LH. Glocke. Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u VerlagSanstalt� de» Wert de» freie» Sannadeudimissmltiag» ftrm Bewntztfein gebracht. ES ist m verschiedene» Orte» schon üblich geworden, daß die verheirateten Arbeiterinnen am Sonnabend nach der Mittags- pause nicht mehr in die Betriebe gehen. Die Unternehmer, ver- mutlich in der Erkenntnis, dagegen machtlos zu sein, lassen die Arbeiterinnen gewähren. So hat sich bei vielen Arbeiterinnen der freie Sonnabendnachmittag durch Selbsthilfe eingeführt, die dadurch erst zu einer wirklichen Sonntagsruhe kommen, datz sie den größten Teil ihrer notwendigen Hausarbeiten bereits am Sonnabend erledigen können. Datz die Arbeiterschaft der Frei- gäbe des Sonnabendnachmittags das regste Interesse entgegenbringt. geht daraus hervor, datz die Forderung bei den Lohnbewegungen der letzten Zeit immer häufiger erhoben wurde. Die Freigabe des Sonnabendnachmittags wäre auch ohne nennenswerte Schwierigkeiten für die Industrie einzuführen, sofern die Unternehmer den Wünschen der Arbeiterschaft und den Bedürf- nissen der Arbeiterinnen nur einiges Verständnis entgegenbringen würden. Denn die Produktivität der Betriebe würde keine Ein- büße, sondern eine Steigerung erfahren. Die für die Arbeiter- schast sich ergebenden Vorteile wären eine Herabminderung der Unfallgefahren, eine längere Erhaltung der Arbeitskrast, Zeit- gewinn für daS Familienleben und für die Betätigung in der Arbeiterbewegung, die auch für die Arbeiterinnen immer not- wendiger wird, wenn sie sich mit Erfolg gegen die kapitalistische Ausbeutung wehren wollen, wenn sie nicht nur Arbeiterinnen, sondern auch Frauen und Mütter sein wollen. Der letzte Verbandstag der Textilarbeiter forderte deshalb für die gesamte�trbeiterschast der Textilindustrie den freien Sonn- abend nach m ittckgi Der Arbeitsschlutz soll in allen Betrieben ein- heitlich am Sonnabendmittag um 12 Uhr, die Lohnzahlung am Freitag erfolgen. Für die Arbeiterinnen soll die Freigabe des Sonnabendnachmittags von der Gesetzgebung gefordert werden. Das Interesse der Arbeiterinnen an dieser Forderung ist ein so großes, datz jede Arbeiterin zur Agitatorin für diese Forderung werden mutz. Der Textilarbeiterverband, der mit seiner größten Zahl weiblicher Mitglieder die Forderungen nach kürzerer Arbeits- zeit immer energisch vertreten hat, wird auch die Freigabe des Sonnabendnachmittags erreichen. Und nicht an der Arbeiterschaft wird es liegen, wenn diese für ste so wichtige Forderung nicht friedlich erfüllt werden sollte. Sache der Textilarbeiterinnen ist es, nun alles daranzusetzen, die Zahl der weiblichen Mitglieder im Verband noch mehr als bisher zu stärken, um eventuellen Kämpfen für diese Forderung gewachsen zu sein. Die Erhaltung der Ge, sundheit und Arbeitskraft der Arbeiterschaft, besonder» der über- bürdeten Arbeiterfrauen, das durch die Arbeit von Mann und Frau zerrüttete Familienleben der Textilarbeiter erheischt gebieterisch die Freigabe des Sonnabendnachmittags. Datz durch die Freigabe des Sonnabendnachmittags die Forde- rung nach weiterer Verkürzung der täglichen Arbeitszeit nicht zurückgedrängt werden darf, ist selbstverständlich. Der freie Sonn- abendnachmittag nur als nächste erreichbare Etappe zur weitereu Verkürzung der Arbeitszeit betrachtet, ist geeignet, bei den Ar- beiterinnen den Wunsch nach einer weiteren Verkürzung der täg. lichcn Arbeitszeit rege werden zu lassen. Ueber den jetzigen Umfang des freien Sonnabendnachmittagd berichtete Martha Hoppe auf dem genannten Kongretz:£ine_ftch auf 6451 Betriebe mit 529 045 Personen erstreckende Umfragt über den Schluß der Betriebe an Sonnabenden ergab, datz, wenn der Betriebsschluß am Sonnabend um 2 Uhr nachmittags al»»freier Nachmittag" bezeichnet wird, in 48 Orten 58 999 Personen in 393 Betrieben den freien Sonnabendnachmittag schon haben. Da Arbeiterinnen an den Sonnabenden nicht langer als bis 5 Uhr im Betriebe verbleiben dürfen, ist es bemerkenswert, datz nur in 498 Betrieben mit 52 435 Personen noch bis um 5 Uhr gearbeitet wird, in 2533 Betrieben mit 259 395 Personen aber schon früher als 5 Uhr Arbeitsschlutz ist. In 225 Betrieben haben 35 999 Per- sonen Sonnabends um 12. 12J4 und 1 Uhr Feierabend. Ueber 24 999 Arbeiterinnen wurde berichtet, datz sie eine halbe bis 2 Stunden früher aufhören als die Männer. Nach der letzten Be- triebSzählung von 1997 umfaßt die Textilindustrie 161 218 Betriebe mit 1 988 289 beschäftigten Personen, darunter 52 Proz. weibliche. ES ist also nur ein kleiner Teil der Betriebe und etwa die Hälfte der beschäftigten Personen durch die Umfrage erfaßt. Versammlungen— Veranstaltungen. Friedenau. Der von den Genossinnen im Frauenleseabenb be» schlossene Ausflug nach Zehlendorf fällt auS. ES wird gebeten, sich dem FomilienauSfluge des BildungS- und Jugendausschusses (Steglitz-Friedenau) nach Schildhorn anzuschließen. Treffpunlt: Sonntag, den 14. Juli, vormittags'/tiO Uhr, Steglitz, Ecke der Grunewald- und Kleiststraße. Lichtenderg. Der Leseabend fällt diesen Monat au«.— Sonn- tag, den 14. Juli, findet ein Ausflug nach Bamnschulenweg (Königsheide) statt. Treffpunkt bis 4 Uhr in Speers Festsälen, Baumschulenstraße. Daselbst Kaffeelochen. Fahrgeld hin und zurück 29 Pf. Berern für Frauen und Mädchen der Urteiterklasse. Mittwoch, den 17. d. Mt«.. Dampferpartie nach Krampenburg. Abfahrt Punkt 2 Uhr: Waisenbrncke(Kahnt u. Hertzer). Letzt* Nachrichten. Annahme des Protektoratsvertrages im französischen Senat. Paris, 11. Juli.(W. T. B.) Im Laufe der Debatte über den Protektoratsvertrag über Marokko erklärte Mi- nisterpräsident P o i n c a r e, jeder begreife, datz eS unmöglich sei, eine andere Nation in Marokko sich festsetzen zu lassen. Die Lösung der Frage der Schutzgenossen hänge von den internationalen Ad- machungen ab, es müsse also die Konvention von Madrid sobald als möglich einer Revision unterzogen werden. Der Minister- Präsident fugte hinzu, die Verhandlungen mit Spanien seien erheblich vorwärtsgekommen und nähmen einen zufrieden- stellenden Fortgang. Im Falle Muley Hafid abdanke, fei sein Sohn und Nachfolger verpflichtet, den Vertrag durchzu- führe n. Ministerpräsident Poincare lobte_ sodann General Lyautey und erinnerte an die glückliche Aktion des Generals G o u r a u d. Die Regierung habe Lyautey nichts verweigert und werde ihm auch nichts verweigern, was er fordere: je mehr Frank- reich zum Frieden entschlossen sei, desto mehr müsse eS eifersüchtig seine militärische Kraft erhalten.(Beifall.) In Marrakesch und im Süden sei man noch nicht mit alles zu Ende. Er verhehle sich nicht, datz das Unternehmen lange dauern werde, aber er rechne auf die Vaterlandsliebe deS Senats.(Beifall.) Nachdem noch einige Redner erklärt hatten, für den Vertrag zu stimmen, wurde die allgemeine Beratung geschlossen und der Protektoratsvertrag angenommen. Der Senat hat den Gesetzentwurf betreffend da» deutsch. französische Abkommen über die Staatsangehörigkeit der Europaer und Eingeborenen in den im Kongo ausgetauschten Ge, bieten angenommen. Aufstand in Portugiesisch-Jndien. Lissabon, 11. Juli.(P. T.) Der Gouverneur von Portugie- sisch-Jndien berichtet über schwere Unruhen in Goa. In der Stadt Satary stürmte die Bevölkerung die Post- und Tele, graphenämter und versuchte, die eingeborenen Truppen zur Re» volle aufzustacheln, was ihnen auch teilweise gelang. Die weißen Truppen blieben treu und lieferten den Rebellen bereits mehrere blutige Schlachten, im Verlaufe deren es auf beiden Seiten zahlreiche Tote und Verwundete gab. Die Kämpfe dauern an. 700 Schafe verbrannt. Schwerin i. Meckl., 11. Juli.(H. B.) Wie jetzt bekannt wird, sind am Dienstag durch Blitzgchlag bei einem heftigen Ge- witter in Wietstock bei Löwitz und beim Rittergut Griebow 799 Schafe umgekommen, da der Blitz in den Ställen gezündet hatte. saulSingerz-Co.,BerlinL>V. Hierzu 2 Beilagen mUnterhaltungSbl� St. 160. 29. Zahrgaag. L Sfilaje itts Jotiöirts" Sttlintt WsM bt\H 12. Infi 1912. Der Itslienilche Parteitag. (Zweiter Tag.) Reggio Emilia, den S. Juli. Nach Verlesung eines TelegrammeS der englischen Partei. deren Sekretär Lee dem Kongretz gedeihliche Arbeit wünscht, nimmt der Parteitag die Diskussion über den Bericht des Parteivorstandes Wieder auf. L a z z a r i kritisiert eS, daß an Stelle eines Flugblattes gegen den Krieg eine Broschüre herausgegeben wurde, die viel weniger zur Massenverbreitung geeignet sein mußte. Er bemängelte auch den Ton des Maiaufrufs. Modigliani. Linksreformist und Mitglied des Partei borflandes, meint, daß die italienische Partei durch Proklamierung der Proteststreiks gegen den Krieg das Ihre getan hätte und keine Beranlassung hatte, sich an der Kundgebung vom b. November zu beteiligen. Wenn man damals Protestversammlungen gegen den Krieg einberufen hätte, so hätte das geheißen, blutige Konflikte pro dozieren. Aus die übrigen Kritiken macht er geltend, daß der Partei vorstand zu zahlreich ist, zu schwer zusammenzurufen ist, um funktionieren zu können. Nach weiteren Bemerkungen deS Genossen S e r r a t i und einem Schlußwort Ciottis geht der Parteitag über den Bericht deS Borstandes zur Tagesordnung über. Die Revolutionäre haben ihre ursprüngliche Absicht, ein Mißtrauensvotum vorzu schlagen, aufgegeben, stimmen für den Uebergang zur Tagest ordnung und sparen ihren Angriff für den nächsten Punkt, den Bericht der Parlamentssraktion auf. Bor Entgegennahme dieses Berichts erfährt der Parteitag, daß seinen Arbeilen der ungarische Genosse Czismadia, Sekretär des Zentralverbandes der Landarbeiter Ungarns, bei- wohnt. Bon einer wahren Ovation begrüßt, hält der auswärtige Genosse eine kurze Ausprache, die von der Genossin Balabanofs ins Italienische übersetzt wird. Der Abgeordnete Montemartini fügt dann einige kurze Worte dem ebenfalls sehr kurzen Fraktionsbericht hinzu, der im Druck vorliegt. Dieser gedruckte Bericht läßt fast jede Aufzählung der Totsachen vermissen. In ihm heißt es unter anderem:.Die Krankheil der Fraktion war nichts als die Krankheit der ganzen Partei, ihre Unsicherheit war die Unsicherheit oller." Ferner wird kurz gegen den Ausschluß einzelner Abgeordneter aus der Partei Stellung genommen. In einer langen und ausführlichen Rede bemängelt Lazzari die Haltung der Fraktion und führt Fälle an, in denen die Fraktion nicht nur in der Abstimmung, sondern auch in den Reden ihrer Mit glieder zwei entgegengesetzte Meinungen vertrat. Genosse Mussolini(Rev.) führt an, daß der Sozialist G r a z i a d e i in der Kammer gegen dre Abschaffung des Treueides, den die Abgeordneten der Monarchie leisten müssen, gestimmt hat, daß die Fraktion abwesend war, als SV Millionen neuer Militär- ausgaben bewilligt wurwin, daß sie nicht das Wüten der Reaktion im Parlament zur Sprache gebracht hat— mit olleiniger Ausnahme des Genossen Turati—, daß sie den Entwurf für das Kolonial- Ministerium nicht bekämpft hat u. a. m..Unsere Masse." sagt der Redner,.liebt die Idee durch die Personen ihrer Vertreter: wo sie diese versagen sieht, wird sie an der Idee irre."(Lebhafter Beifall.) Redner legt daraus eine Tagesordnung vor, die die Ausschließung der Abgeordneten Bisiolati, Bonomi und Cabrini wegen ihrer Be- glückwnnichung deS Königs nach dem Attentat dAIbas fordert und die Ausschließung deS Abgeordneten Podrecca, wegen seiner Halwng zugunsten des heutigen Kolonialkrieges. Mussolini kommentiert die Haltung der drei Abgeordneten nach dem Attentat d'AlbaS. Die Attentate find die Berufsunfälle der Könige, wie der Sturz vom Gerüst für den Maurer. Wenn wir weinen wollen, so weinen wir für den Maurer. Der König ist für uns der unnütze Bürger der Definition nach. Andere Völler haben den ihren auf die Guillotine geschickt und sind dabei besser gefahren, als das italienische Volk.(Beifall.) Und in Italien schickt der Sozialist Bisiolati dem König nach einem mißlungenen Attentat ein Glück- wunsch-Telegramm I Redner bringt dann ein scharfe« Urteil zur Verlesung, das Bisiolati im Jahre 1800 gegen den sozialistischen Deputierten de Marinis veröffentlicht hat. Dieser wurde damals aus der Porlei ausgeschlossen, weil er in seiner Eigenschaft als Sekretär der italienischen Kammer an dem Leichenbegängnis Humbert I. teil- genommen hatte. Damals vertrat Bisiolati den Ausschluß und schrieb, daß die Stärke eines Heeres durch seine Disziplin dargestellt werde. Die Ausgeschlossenen würden den Ausschluß als eine Erlösung be- grüßen., die ihnen den Weg zur Regierung öffnet. Bisiolatt, Bonomi kleines fcirillcton, Ein technisch-wissenschaftliches Institut im Industriegebiet. Offiziös wird gemeldet: Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur För- derung der Wissenschaften in Berlin beabsichtigt, innerhalb de§ rheinisch westfälischen Jndustriebezirks ein wissenschaftliches Jnsti. tut ins Leben zu rufen, das sich insbesondere der Erforschung der Kohle und ihrer Derivate(der daraus gewonnenen Produkte) widmen soll. Wie von zuständiger Seite hervorgehoben wird, er- öffnet sich der Anstalt ein Arbeitsgebiet, das nicht nur ein hohes wissenschaftliches Interesse beansprucht, sondern auch für den ge- nannten Bezirk und seine� Industrie, insbesondere für die Kohlen- und Hüttenindustrie und ihre verwandten Betriebsarten von her- vorragender praktischer Bedeutung ist. Epochemachende ForschungS- Ergebnisse dürfen auf dem erwähnten Gebiet nur bei einer plan- mäßigen und mehrjährigen Bearbeitung des Stoffes erwartet werden. Eine solche ist nur in einem rein wissenschaftlichen, mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik ausgestatteten Institut ausführbar. Nur eine solche Anstalt kann sich mit Aussicht auf Er- folg der Bearbeitung eines Problems zuwenden, dessen Lösung die Gewinnung reicher Schätze für die Kulturmenschheit bedeuten würde. Das weitgehende Interesse unserer Industrie an der hier in Rede stehenden Angelegenheit läßt sich aus dem Umstände er- kennen, daß eine Reihe größerer Werke der Kohlen- und Hütten- industrie und verwandter Betriebsarten des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks Jahresbeiträge zur Bestreitung der laufenden Unterhaltung und Verwaltungskosten der geplanten Anstalt auf eine lange Reihe von Jahren hinaus zugesichert haben. Diesen Werken soll eine Mitwirkung bei der Verwaltung des Instituts ein- geräumt werden. Als Sitz der Anstalt ist M ü h l h e i m a. d. Ruhr in Aussicht genommen. Diese Stadt hat sich neben anderen Städten des Jndustrlebezirks bereit erklärt, mit Zuhilfenahme einer großen Stiftung die Baw- und Einrichwngskosten zu übernehmen und ein Gebäude kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Höhe der bisher zugesicherten und mit Bestimmtheit noch zu erwartenden Beiträge lassen, in Verbindung mit der erfolgten Bereitstellung des Ge- bäudcs, eine baldige Verwirklichung des Planes als gesichert er- scheinen. Das Neon-Röhrcnlicht. Der französische Physiker G. Claude ist der Erfinder einer neuen Belcuchtungchrrt, die dem Moore- licht ähnlich ist, vor diesem aber mancherlei Vorzüge besitzt. Die Leuchtröhre ist hierbei mit Neon gefüllt, einem Gase, das in der Luft in sehr geringer Menge enthalten ist und nur aus flüssiger Lust gewonnen werden'kann. Die Intensität des neuen Lichtes ist wesentlich höher als beim Moorelicht. Denn während bei diesem ein Rohr von 1 Meter Länge eine Lichtmenge von 50 Normalkerzen aussendet, beträgt die Emission bei Neonlicht 200 Normal- kerzen, also das Viersache. Das Licht ist goldgelb und nimmt bei sinkender Stromstärke eine etwas rötliche Färbung an. Der Strom- und Cabrini könnten ruhig in den Ouirinal gehen, seinetwegen auch in den Vatikan, nur die sozialistische Partei könnte ihnen nun und nimmer folgen.(Andauernder Beifall.) Cabrini, Rechtsreformist, nimmt als erster der mit der Aus- schließung Bedrohten das Wort. Er hege nicht die Illusion, durch seine Rede irgend etwas an der schon geschriebenen Verurteilung zu ändern. Als Verurteilter beanspruche er aber, mit Ruhe angehört zu werden.(Unruhe.) Er betont daS Recht fkiner Richtung, weiter der Partei anzugehören, weil er und die Seinen an dem sozialistischen Endziel und an der sozialistischen Methode fest- halten. Bewiesen hätte er dies durch seine unausgesetzte Arbeit für die Massen. Allerdings wollten die Rechts- reformisten revidieren. Vieles, was vor 50 Jahren wahr schien, ist nicht wahr geworden. Er verstünde es. wenn die Revolutionäre ihm seine Kleinarbeit zum Vorwurf machten, verstehe es aber nicht von Turati. Cabrini bringt Worte Turatis ans früheren Jahren zur Verlesung, in denen die Propaganda sozialistischer Ideen als eine Art Aberglaube verlacht wird und die winzigste Reform als nützlicher gepriesen als jede Propaganda der Ideen. Auf den Vorwurf, zu wenig das Proletariat und zu sehr das Volk zu vertreten, antwortet Cabrini durch den Hinweis, daß gerade Turati diese Erweiterung des Wirkungskreises der Partei jahrelang gefordert hätte. Freilich wollen wir uns außer um dos Proletariat um die Handwerker, die Kleinbesitzer und auch um die Beamten kümmern, genau wie die Linksrcsormisten bis vor kurzem wollten. Redner verteidigt die Bündnispolitik und bestreitet das Recht, wegen taktischer Differenzen Genossen auszuschließen. Was die dynastischen Kundgebungen betrifft(Unruhe), so wolle Redner ihren politischen Charakter keineswegs leugnen.(Unruhe.) .Laßt mich reden, ich spreche das letzte Mal zu Euch." Er sei nach dem Attentat in den Ouirinal gegangen, um dadurch den Reaktionären die Waffen in der Hand zu zerbrechen, die sie schon gegen unsere Partei wetzten.(Lebhafter Widerspruch.) Zur Frage der Disziplin bemerkt Cabrini, daß er den Beweis der Diszipliniertheit gegeben hätte, indem er gegen das Annektions- dekret stimmte. Redner betont, daß die Aktion der Rechtsreformisten nichts anderes sei als das, was Turati selbst jahrelang verfochten. Darum auszuschließen, sei eine Ungerechtigkeit. Freiwillig gehen wir nicht. Die Partei, der wir zwanzig Jahre unseres Lebens gegeben haben, ist für uns kein Hotel, aus dem man weggeht, ohjpe etwas zurückzulassen. Schickt uns weg, stoßt uns aus. Wir gehen ohne Trotz, aber auch ohne Mutlosigkeit. Auch ohne Mitgliedskarte können wir der Sache dienen, der wir gedient haben. Für alle Genossen, der einen wie der auderen Richtung, soweit sie es ehrlich meinen, wird der Tag nicht fern sein, wo sie ihr heutiges Votum nicht in Einklang setzen können mit ihrem besseren Selbst. Ich brauche nicht zum Proletariat zurückzukehren: ich war ihm nie fern und habe die Ueberzeugung, ihm stets gedient zu haben. (Beifall.) Genossin Altobelli, Mitglied des Parteivorstande«, betont die Notwendigkeit, streng gegen die Sozialisten zusein, die ein großes Ansehen in der Partei besitzen. Sie gesteht Cabrini ohne Einschrän- kung eine hingebende Wirksamkeit für die Arbeiterschaft zu. Als die Abgeordneten in den Ouirinal gingen, warfen sie der Partei den Fehdehandschuh hin: sie taten dadurch der Partei mehr Schaden, als jeder mögliche Schutz gegen die Reaktion gut machen konnte. Bonomi. der zweite der mit der Ausstoßung aus der Partei bedrohten Abgeordneten, bestreitet in einer langen Rede, von dem wahre« Reformismus abgewichen zu sein. Die heutige Krise sei eine Folge der Polarisation der beiden Flügel: die Rechtsreformisten find der reiffte Ausdruck des Reformismus, während die Revo lutionäre sich dem Standpunkt der reinen Verneinung und des be- ständigen Proteste» zuwenden. Er und die Seinen seien dem Re- formismu» treu geblieben und hätten die polittsche Situation, un- geachtet de» Kriege», aufrecht zu erhalten gesucht, die sie, die Re- sormisten, selbst geschaffen haben. Wer, wie Redner, auf dem Standpunkt steht, daß der Staat nicht der Feind der Arbeiter- klaffe zu sein braucht, sondern Mittel zur Befreiung sein kann, dürfte ihn nicht in einer so schweren Gefahr verlassen. Was seinen Glückwunsch nach dem Attentat betrifft, so meint Bonomi, daß sein Besuch im Ouirinal die logische Folge der Evolution sei, die die Partei unter dem Einfluß des Reformismus erfahren hat.— Die Ausschließung der Reformisten sei keine Disziplinarmaßregel, sondern die Trennung zweier Methoden: Ihr habt eine formalistische, wir eine eklektische und realistische Auf« fasfung des sozialistischen Werdens. Für uns ist eine Genossenschaft mehr als 10 Parteiseklionen. Redner fragt zum Schluß, ob die Partei nach Ausstoßung der Rechtsreformisten daS Monopol für sich in Anspruch nehmen wolle, die Srbeiterinteressen zu vertreten. Heute könne man den Rechts- reformiSmuS verbannen, er würde aber immer wieder erstehen und verbrauch läßt sich bei Verwendung von genügend langen Röhren und bei der direkten Speisung mit Strom von hoher Spannung bis auf 0,5 Watt für die Normalkerze herabdrückcn. Wie wir in „DinglerS Polytechnischem Journal" lesen, empfiehlt es sich, drei Röhren von je 5 Meter Länge zu verwenden, wobei die Sekundär- spannung etwa 3— 4000 Volt betragen soll. Die Lebensdauer der Neonröhren, die zum erstenmal im vorigen Jahr auf einer Pariser Automobilausstellung gezeigt wurden, konnte nach Vornahme einiger Verbesserungen auf 800 bis 1000 Stunden erhöht werden. Der Engel auf dem MarkuSturm in Venedig. Am 14. Juli wird es zehn Jahre, seit der berühmte Glockenturm(Campanile) der Markuskirche in Venedig in sich zusammenstürzte. Sofort nach der Katastrophe wurde sein Wiederaufbau beschlossen—„wo es war und wie er war"—, und im April dieses Jahres stand der Turm, einem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich, fertig, da. Aber nicht mehr aufgebaut nach der alten Baumethode der Venezianer von 1329, sondern unter Würdigung aller Fortschritte der Technik und Baukunst. Wo angängig, kam Eisenbeton für die Konstruktion in Anwendung. Elektrische Aufzüge bringen den Besucher bequem und in kürzester Zeit in die schwindelnde Höhe. Ganz besondere Auf- merksamkeit wurde dem Aufbau des Glockenstuhles gewidmet, um die beim Läuten der Glocken auftretenden Schwingungen möglichst wenig auf den Turm zu übertragen. Auch die Ausstellung des in 88 Meter Höhe thronenden Markusengels fand unter Anwendung aller Finessen der Technik statt. Dieser Engel konnte mit einigen anderen Teilen beim Zu- ämmensturz des alten Turmes gerettet und beim Wiederaufbau verwendet werden. Er besteht aus vergoldetem Kupferblech und wiegt 1200 Kilogramm. In Brusthöhe ist ein Stützkugellager ein- gebaut, an dem an einer Stange ein Gegengewicht von 1300 Kilo- gramm hängt, das unterhalb der Standfläche des Engels sich be- indet. Dieser steht ebenfalls auf einem Kugellager, das in Form einer Schüssel ausgeführt ist und 64 Kugeln enthält. Diese Lage- rungsweise gestlittet vor allem eine Drehung des Engels um die cnkrechte Achse, damit der Wind immer die kleinste Angriffsfläche, >. h. den geringsten Widerstand findet. Das Kugellager erleichtert diese Drehung sehr, so daß schon ein ganz leichter Wind genügt, um den Engel in die Windrichtung einzustellen. Das schüsselförmige Standkugellager ermöglicht, daß die Windstöße federnd aufge- nommen werden, weil der Engel sich in eine etwas schiefe Lage einstellen kann, so daß die Stöße nicht auf den Turm übertragen werden. Wenn durch die Einwirkung des Windes, durch das Läuten der GlqM>n oder durch ein Erdbeben der Turm in Schwingungen versetzt wird, behält der Engel mit dem Gegengewicht doch seine entrechte Lage, die Gefahr des Herabstürzens der Turmkrönung infolge der Schwingungen ist also behoben. Nachdem der Markusengel einmal aufgestellt ist, bleibt der Zu- tritt zu den Kugellagern verschlossen. Sie müssen jahrhunderte- lang den Einflüssen der Natur widerstehen und wurden deshalb am Ende ihres zwecklosen Kampfe» würden die, die heute Richter sind, einsehen, daß ihr Weg der längere war. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommission, aus dem hervorgeht, daß 760 Sekttonen vertreten sind, die insgesamt 24 596 Stimmen repräsentieren, nimmt Genosse Modigliani das Wort und sucht in zweistündiger Rede zu beweisen, daß eine Ver- wandtschaft zwischen Links- und Rechtsreformisten nicht besteht. Er erkläre die Ausschließung der vier Abgeordneten für Me schmerzliche Notwendigkeit.(Beifall.) Als letzter Redner des Tage« spricht der Abgeordnete Podrecca, Chefredakteur des antiklerikalen Witzblattes„Asino", der ebenfalls mit vom Ausschluß bedroht ist. Ihm wird nicht der Vorwurf monarchischer Huldigung gemacht, sondern der, die Tripolisexpedition verteidigt zu haben. Redner ist sehr bewegt und spricht mit zitternder Stimme. Im Gegensatz zu den Vorrednern seiner Richtung stellt er die ihm zur Last gelegten Kundgebungen in Ab- rede. Er glaube wohl an die Notwendigkeit, daß Europa Aftika besetzen müsse, um es zu kolonisieren, habe aber weder in der Kammer noch außerhalb für diese seine Idee Propaganda gemacht. Den Vorwurf. Nationalist zu sein, weist er zurück. betont seinen Abscheu gegen den Krieg und hebt seine durch 19 Jahre bewährte Hingebung an die Sache des Proletariat» her- vor. Der Schluß seiner Rede, in dem Podrecca sagt, daß man ihn aus iwr Partei jagen, aber nicht verhindern könne, weiter für die Sache des Proletariats zu wirken, wurde mit lebhaftem Beifall auf- genommen, der wohl der ehrlichen Ueberzeugung des Redners, nicht aber seinen Argumenten galt. Die Nachtsitzungen der beiden Fraktionen dauern auch heute bis nach zwei Uhr. Im linksreformistischen Lager hat sich eine Spaltung geltend gemacht. Eine Minderheit will die Ausstoßung der rechtsreformistischen Abgeordneten nicht mehr vertreten. Hierbei mag auch daS Gerücht mitgespielt haben über die vermeintliche Solidaritätserklärung der Abgeordneten Bertosi, Badaloni, Berenini und anderer mit den Ausgeschlossenen. ai.fnternationalerBergarbelterhongreß. Amsterdam, 12. Juli. Zu Beginn der Sitzung nimmt der Kongreß mit Schmerz die Nachricht zur Kenntnis, daß bei den gestrigen Grubenexplostonen in Cadebtz, Aorkshire, England über 70 Kameraden getötet und viele verwundet wurden. Die Regelung der Löhne. C a d e a u- Frankreich begründet unter Hinweis auf den Erfolg der britischen Kameraden, und indem er bemerkt, daß die Franzosen die Achtstundenschicht schon großenteils erreicht haben, folgenden Antrag: ES soll durch Gesetz das Prinzip eines MinimaNohne» fest- gelegt werden. Der Lohnsatz muß zwischen der Gewerkschaft der Arbeiter und dem Unternehmer vereinbart werden. Es ist uns gelungen, die Löhne zu steigern— aber die Preise steigen ebenso. S i e t h- Holland tritt für folgende Resolution ein: ES soll ein Gesetz geschaffen werden, da» den Grundsatz eines Mindestlohnes festlegt und vorschreibt, daß der Lohnsatz durch Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern festgesetzt werden sollte. Redner erklärt, daß da» jetzige Gedingelohnsystem in jeder Form Mordsystem ist, daS antreiberisch und darum gefahrbringend ist. Der gefährlichste Beruf hat da» schlechteste, unsicherste Lohnsystem, man vergleiche damit die Riesengewinne der Zechenbesitzer, die die schlagendste Widerlegung der Behauptung sind, als könnten die Zechen Mindestlöhne nicht zahlen. Schmidt- Oberhausen(Hirsch-Duncker): In England und Australien ist das Prinzip des Mindestlohnes gesetzlich anerkannt, das deutsche Kaligesetz bestimmt, daß die Löhne bei sonstiger Konttngentskürzung nicht unter den Durchschnitt von 1907/1909 sinken darf. Es ist also gesetzestechnisch durchführbar. Trotzdem sagen unsere Unternehmer immer noch, so zum Beispiel im Braun- kohlenstreik, daß Mindestlohn bedeute:„Schone Dich, mein Sohn I" (Heiterkeit.) So hat denn die Bergarbeiterorganisation alle Hände voll zu tun, um den Arbeitern den gebührenden Anteil am Ertrag ihrer Arbeit zu sichern. Die Unternehmerstatistik über die Löhne beim letzten Ruhrstreik erweckte durch Zurückgehen bis auf die 80er Jahren ein ganz falsches Bild. Die amtliche Lohnnachweisung zeigt aber, daß die Durchschnittslöhne gegen das letzte Quartal 1907 um 16— 40 Pf. pro Schicht zurückstehen.(Hört I hörtl) Und dabei die gewaltige Lebensmittelteuerung seit 1907 l Wie in aus Spezialbronze hergestellt, mit besonderer Sorgfalt bearbeitet und mit Schutzvorrichtungen gegen Staub und Unreinigkeiten ver- sehen,, Humor und Satire. Neue Bücher(mit Waschzetteln). Jfa g o w S Erlasse. Auswahl in 23 Bänden. Der liebenswürdige Humorist parodiert hier auf da» glücklichste den Uebereifer unserer Beamten. Kein Auge bleibt bei diesen köst- lichen Einfällen trocken. Das Buch ist unserem Dallwitz gewidmet. E» sei jedem Griesgram empfohlen I— Wegweiser für Nationalliberale.. schon längst erheischt. Wie sollte er sich sonst zurechtfinden?— Hier findet er An- Weisung und Führung. Wie benehme ich mich auf der Polizeiwaches � Mit vielen Bildern über daS Boxen im allgemeinen. ... dann zieht der deutsche Untertan einfach das Buch aus der Tasche, schlägt auf: S. 67.„Anschnauzen und Zurusen des Wortes: Paß uff, du Zylinderotto I"— und reagiert dementsprechend. Un- entbehrlich für Arbeiter.(Für Studenten existiert eine Sonder- auSgabe.) Der kleineSoldatenschinder... bis zur Perfektion— Schon nach kurzer Zeit habe überraschende Wirkungen erzielt. Wachmeister R. in B." Hunderte von Anerkennungsschreiben. Auf allen Kriegsgerichten in Gebrauch! Kurt Notizen. — Heinz Monnard, seit 1908 Mitglied des Lessing-TheaterS, ist einem Kehlkopskrebs erlegen. Der Künstler hat nur ein Alter von 39 Jahren erreicht. Seiner Berliner Tätigkeit ging ein längeres Engagement am Mlluchener Hoflheater voraus, wo er als jugend- licher Liebhaber eine gute Figur gemacht hatte. In Berlin sollte er als Charakteristiker zum Teil Bassermanns Erbschaft antreten. Die tückische Krankheit hat seiner Entwickelnng frühzeitig ein Ende gesetzt. — Ein Institut für experimentelle Therapie will die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung de Wissenschaften in Berlin errichten. Die Leitung wird voraussichtlich Professor August Wassermann übernehmen. — Die Memoiren Karl M a h S. Die Memoiren Karl MahS, herausgegeben von seiner Gattin, werden demnächst erscheinen. Die Memoiren enthalten eine von Karl May selbst geschriebene Biographie, in der er selbst die Irrfahrten seiner Jugend schildert. (Dieses psychologische Rätsel dürfte also demnächst gelöst werden.) — Der er st e eugenische Kongreß. Zum ersten Male werden Ende dieses Monats in der britischen Hauptstadt die Bor- kämpfer der eugenischen Lehre, die Anhänger der Idee einer mensch- lichen Rassenverbesserung, zu ein«« internationalen Kongreß zu» sammentrete». den anderen Berufen, muß auch in dem unberechenbaren Bergbau der Mindestlohn möglich sein. Der Bergmann hat sogar höheres Anrecht darauf. Die GesteinSlagerung kann die Arbeit jeden Tag verändern. Es ist himmelschreiend, den Bergmann allein für die Lagerungsverhältnisse bähen zu lassen. Einen Teil davon wollen wir tragen— aber die Brotherren wollen das ganz und gar nicht. Es handelt sich hier um die Kardinalfrage, denn wenn der Berg- maim sein Auskommen hat, wird er nicht seine Gesundheit durch Verfahren von Ueberschichten schädigen. Alle Bergmannsfragen kul« minieren hier, wir stimmen deshalb den Resolutionen zu.(Lebhafter Beifall.) Leunebard- Belgien berichtet äber den Mißerfolg der bei- gischen Minimallohnbewegung. Wenn wir streikten, räumten die Bergbarone ihre Vorräte. War daS geschehen, so erhöhten sie aller- die Löhne etwaS, aber vorher hatten sie die Kohlenpreise tüchtig hinaufgetrieben. Minimallöhne gibt eS bei uns schon— aber nur für die Direktoren, VcrwaltnngSräte und Aktionäre. Nehmen wir uns doch überall die Engländer in ihrem unermüdlichen, erfolg- gekrönten Kampf zum Muster I(Beifall.) S m i l l i e- Großbritannien führt aus, daß er über die Durch- siihrung deS englischen MindestlohngesetzcS nicht sprechen will, da die Engländer alle Distriktsabmachungen den kontinentalen Kameraden sobald wie möglich zusenden wollen. Unter Kampf hat unS die Notwendigkeit der starken, geschlossenen Organisation gelehrt, denn nur die Macht der Arbeiterklasse auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiet kann der Negierung etwas abringen. Nur auS Furcht vor der Arbeiterklasse, auS Angst vor der Revolution hat die englische Parlamentsmehrheit das Mindestlohngesetz angenommen, das übrigens in den ausländischen Zeitungen tendenziös verkleinert wird.(Hört I hört I) Haben doch erst gestern die s ü d w a l i s i s ch e n Bergorbeiter erfahren, daß ihre DistriktSabmachungcn ihnen L? h n- erhöhungen um acht Millionen Mark pro Jahr, Lohnerhöhungen bis zu 2'/z Schilling(Mark) pro Tag ge- bracht haben. Und in Schottland sind ähnliche Erfolge er- zielt. Unser Ziel bleibt die Festlegung des Existenz- minimumS.— Wenn das Parlament wirklich das Volk verträte, wären wir bereit, ihm auch die Festsetzung des Mindestlohnes anzuvertrauen, aber eS hat sich gezeigt, daß nur die Arbeitcrvertreter die Arbeitersache um ihrer selbst willen ver- treten haben. Das lehrt unS, daß eine starke Vertretung deS Proletariats im Parlament nicht minder notwendig ist als die starke Gewerkschaft.(Allgemeiner stürmischer Beifall.) Walker- Nordamerika kann die Befürchtung nicht unterdrücken, daß die Festsetzung von Jnvalidenpensionen die Löhne drücken könnte, weil solche PensionSemvsänger für geringen Lohn arbeiten würden. Die Anträge werden einstimmig angenommen. Die Achtstundcnschicht. Es liegen folgende Anträge vor: Antrag Belgien: Der Kongreß diskutiere den Achtstunden- tag und die in den verschiedenen angeschlossenen Ländern bestehende Regelung der Arbeitszeit. Antrag Frankreich: Wir sind der Ansicht, daß die Zeit gekommen ist, um die Einführung deS Achtstundentages, ein- schließlich Ein- und Ausfahrt, für alle unter oder über Tage be- fchäftigten Bergarbeiter bei einer Maximalarbeitswoche von 43 Stunden zu beschleunigen. B a r t h u e l- Frankreich spricht für diesen Antrag. DaS von unS erkämpfte Achtstunbentagsgesetz von 1905 rechnet die 1 bis IVj Stunden beanspruchende Ein- und Ausfahrt nicht in die Arbeits- zeil ein und das Akkordshstem und der Terror der Unternehmer verlängern die Arbeitszeit so, daß Doppelschichten, ja sogar drei« fache Schichten vorkommen.(Lebhaftes Erstaunen vieler Dele- gierter.) Es bestehe dann nur eine Pause zum Nachhauskommen und zum Ordnen eiliger Angelegenheiten.(Hört l hört l) Abg. Sachse« Bochum: Der belgische Antrag ist bei dem Alter dieser Forderung überflüssig. Die althergebrachte«chtstunden- schicht im deutschen Erzbergbau wurde � durch den Kohlenbergbau verdrängt. In bezug auf gesetzgeberische Regelung der Schichtdauer müssen wir Deutsche uns vor England, Oesterreich und Frankreich schämen! In Preußen sind aufeinanderfolgende Doppelschichten zwar verboten, aber da läßt der Unternehmer einfach 84-7 Stunden arbeiten I In Westsaleu ist die llchteinhalbstundenschicht samt Seilfahrt nur durch Arbeitsordnung festgesetzt, in Niederschlesien die !)Vz— 10 stündig«, in Oberschlesien 9—12 Stunden, ebenso im Königreich Sachsewi In Oberschlesien arbeiten Sö Prozent der Untertagarbeiter noch 12 Stunden. In Mitteldeutschland wird ebenfalls noch 9—12 Stunden gearbeitet. In der Frage der Schicht- dauer und der Lohnzahlungsperiode ist Deutschland in der Welt hinten nach.(Sehr wahr I bei den Deutschen.) Dagegen ist in Oesterreich jetzt bestimmt worden, daß alle 14 Tage reiner Lohn- zahlungStag ist I Die Erkrankungsziffer der Knappschaftskassen von 60—120 Proz. zeigt die Folgen dieser deutschen Zustände, zu denen auch eine der französischen entsprechende Ueberschichtentreibere, kommt. wofür sogar der Redakteur des christlichen.Bergknappen" eingetreten ist.(H ue: Die christlichen Arbeiter haben dagegen protestiert!) Jawohl, aber der Redakteur des christlichen Blattes ist dabei ge- blieben. Man bringt(kein Reichsberggesetz ein, weil man die Fest- legung der Schichtdauer durch den Reichstag fürchtet. Freilich haben bisher nur kleinere Parteien diese unsere Forderung unterstützt. Wir wollen aber unablässig für sie kämpfen, um die ganze Oeffentlichkeit dafür zu gewinnen I(Beifall.) B r a c tz- England: Wir wollen die achtstündige Arbeitszeit .von der.Schachtsohle bis zur Schachtsohle", also mit Einschluß der Seilfahrt. Wir arbeiten zum größten Teil acht Stunden, das Gesetz gestattet zwar sechzig Ueberstnnden im Jahr unter gewissen Kontroll- maßregeln, aber die englische Föderation hat beschlossen, dies nickt zuzulassen und die Unternehmer habeu es auch noch nicht versucht. Die 48 stündige Arbeitswoche widerspricht unserer Forderung nach dem Achtstunden-Tag. Die Obertagarbeiter sind lange nicht so ge- fährdet wie die Untertag-Arbeiter. Da die Gefahr zu langer Arbeits- zeit das stärkste Argument für den Achtstundentag ist, würde die Verquickung dieser Forderung mit der für die Unter- tagarbeiter ihr Gewicht schwächen. Mit diesen Reservatronen sind wir einverstanden, das Internationale Komitee mit der Einleitung einer Achtstundenaktion zu betrauen. Germer- Nordamerika: Wo bei uns infolge starker Organi- sationen schon die Achtstundenschicht erreicht ist. wird darunter nur die wirkliche Arbeitszeit vor der Kohle verstanden. Sonst wird neun Stunden und noch länger gesördert. Ueberstunden sind höchst selten, dre Gewerkschaften gestatten sie bei Gefahr oder Unglücksfällen. ,yiit den von uns programmatisch geforderten Siebenstundentag besteht keine Kanrpfstimmung, aber die Produktionsverhältnisse selbst bringen uns Arbeitszeitverkürzung. Hue- Esten schlagt im Jntereste der Klarheit den Franzosen vor, in ihrem Antrage die Worte.bei einer Maximalarbeitswoche von 48 Skunden" zu streichen.— Die Achitundensorderung ist eine der G e s a m t a r b e i t er s ch a f t, wir müssen sie deshalb auch für die Obcrtagarbeiter erheben, womit übrigens auf dem vorigen Kon- greß auch die Engländer einverstanden waren, da sie-eS selbst beantragten.(Heiterkeit.) Vors. La m endin- Frankreich motiviert die beanstandeten Worte dam't, daß in den Parlamentsverhandlungen erklärt wurde, daß manche Arbeiter am Sonnabend nach Hause gehen, sich bloß waschen und wieder einfahren. Das soll eben verhindert werden. Hue: In der französischen Fassung heißt es„souo stipulation", unter Festsetzung" der 48stündigen Arbeitswoche. Das ist viel klarer. Es handelt sich um einen alten sozialpolitischen Streit: wir haben uns aus guten Gründen stets gegen die Festsetzung einer Arbeits- w l? cü e ausgesprochen. Die Franzosen ändern ihre Resolution dahin, daß der Acht- stundentag gefordert wird, daß aber die Arbeitszeit 43 Stunden pro Woche nicht überschreiten dürfe. Eö wird aber aufmerkiam gemacht, das, gestern die Forderung der Fünftage-Arbeitswoche beschlossen wurde, so daß nur von der Vierzigstundenwoche gesprochen werden �""Pelissier- Belgien spricht nun noch die Zustimmung der Belgier zu der Achtstundenforderung aus, da das dortige Gesetz nur die Neunstundenschicht festsetzt, was für die Arbeiter, außer den Hauern, einen Fortschritt bedeutete,«ir können nur völlig Emillie» Betonung der Gleichzeitigkeit gewerkschaftlicher und politischer Aktion zustimmen. DaS Internationale Komitee wird mit der Redaktion der Reso> lution betraut.— S m i l l i e« England beantragt, die Sympathie des Kongresses zur Aufstellung einer selbständigen Kandidatur der Arbeiterpartei(Gcnosie Sam Finney) in dem Wahlkreis des ver- storbenen Kameraden Edwards, Mitglied des englischen Unterhauses für Hanley, telegraphisch zu übermitteln.(Angenommen.) 7. Vkrbllvdstag der fteiea Gastwirte. F r a n I f u r t a. M., 10. Jylt. In der heutigen Sitzung stand der Punkt: Einkaufs- und Produktivgenossenschaftswesen im Verband zur Beratung. Der Referent vonderHehden» Köln empfiehlt, überall Einkaufsvereinigungen zu errichten und zwar am besten in loser Form. Auch an der Gründung von Genostenschaftsbraue» reien sollten sich die Kollegen beteiligen. Der Referent präzisierte dann die Stellung der Gastwirte zu den Konsumvereinen. Von der Heyden erklärte dazu, die Konsumvereine kämen hauptsächlich nur beim Einkauf von kleineren Artikeln, besonder? solcher für den Haushalt in Betracht. Der Redner begründete dann Vor- schlüge für die weitere Zusammensetzung und Tätigkeit der all- gemeinen Einkaufskommission deS Verbandes, die in nachfolgender Resolution niedergelegt sind: 1. Der Verbandstag ersucht alle Mitglieder, sich den be« stehenden Einkaufsvereinigungen am Orte anzuschließen und möglichst alle Waren von dieser zu beziehen. 2. Er ersucht ferner, unter vorsichtiger Berücksichtigung aller bestehenden Verhältnisse, Einckaufsvereinigungen zu er- richten. Die Einkaufskom Mission des Verbände? der freien Gast. und Schankwirte Deutschlands besteht auS fünf Kollegen und hat ihren Sitz in Berlin. Sie wird gewählt aus Mitgliedern der Einkaufsvereinigung von Groß-Bckrlin. Die nächste Aufgabe der Kommission muß sein, mit Liefe- ranten von verschiedenen Spezialartikeln und Zigarettenfabriken für den Verband Abschlüsse zu vereinbaren. Sie hat ferner die Verpflichtung, über noch andere vorzunehmende Abschlüsse den einzelnen Einkaufsvereinigungen Mitteilung zu machen. Die Einkaufsvereinigungen sind verpflichtet, ihre Abrechnung der EinkaufSkommiPgn mitzuteilen, ebenso alle für unseren gemeinschaftlichen Ernrauf wichtigen Angelegenheiten. Der Verbandstag empfiehlt und macht eS allen unabhängigen Kollegen zur Pflicht, sich den am Orte befindlichen Genossen- fchaftsbrauereien anzuschließen. F In der Debatte über diesen Punkt wiesen die Redner auf die Notwendigkeit hin, daß sich alle Kollegen den EinkaufSver- einigungen anschließen, waS za nur zu ihrem Vorteile fei. Ein Redner betonte, daß eine ganze Reihe Artikel tzujA hjp Groß- cinkgufsgeMschaft bezogen werden könnten. Soziales. Ziegelciarbriter. Die Ziegeleiarbeiter gehören den Berufe« an, die sehr schwer zu organisieren sind. Kein WundSr, wenn man die soziale Lage dieser armen Leute näher betrachtet. Alljährlich erscheint nun ein knapper Bericht der Unternehmer und ihrer Organe, welcher auch einen Einblick in die Verhältnisse dieser Arbeiterschar ge- stattet. Wie groß die Zahl der beschäftigten Ziegeleiarbeiter tn Deutsch- land ist, ergibt sich auS der Tabelle des Bericht». Versichert waren im Jahre 1911 insgesamt 10 7S7 Betriebe(10 876 im Jahre 1919) mit 287 999 Arbeiter(288 348). Die Zahl der Betriebe ist also um 198, die der Arbeiter um 347 wieder zurückgegangen. Die VerufSgenossenschaft hatte an Beitragsverlusten die Summe von 15 900 M. zu beklagen. Der Bericht bemerkt hierzu: .ES ist dies wohl zum Teil darauf zurückzuführen, daß manche Firmen auf ungesunder. Grundlage errichtet werden, die dann unter der Ungunst der Verhältnisse schon von Anfang an mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. So verlor die Genossenschaft allein bei einer einzigen Firma, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, einen Betrag von 2882,8? M. Alle Versuche, diese Summe einzuziehen, waren erfolglos. Auch die Zahl der bekannt gewordenen Konkurse ist auj 7g ge- stiegen, gegen 70 im Jahre 1910." Wie viele Arbeiter mögen da ihren Lohn verloren haben? Der Bericht weist nach, daß die Summe von 208 943 040 M. a« Löhnen nachgewiesen worden sind. Auf den ersten Blick ist dies ja eine sehr hohe Summe. Teilt man aber die große Zahl von 287 999 Arbeiter in diese Summe hinein, so ergibt sich, daß auf den Kopf eines Ziegeleiarbeiters pro Jahr nur eine Lohnsumme von 773 M. entfällt. DaS sind die Hungerlöhne de» Ziegelei- arbeiter. Dabei ist die Unfallgefahr an sich sehr hoch. Im Berichtsjahre wurden 6799 Unfälle gegen 6650 im Vorjahre gemeldet. Nach Wochentagen verteilt, entfallen auf den Sonntag 96 Unfälle, auf den Montag 1291, auf den Dienstag 1074, Mittwoch 1121, Donnerstag 1016, Freitag 1045 und Sonnabend 1068. Bei 102 Fällen ist der Tag nicht zu ermitteln gewesen. Bon den«erletzten standen 1327 tm Alter unter 20 Jahren. 3091 im Alter vo« 20—40 Jahren. 2011 im Alter von 40—80 Jahren. 286 über 60 Jahren und in 86 Fällen wurde daS Alter nicht angegeben. Dem Bericht ist wieder ein Sonderbcricht de? technischen Auf. sichtsdeamtcn beigegeben, welcher erwähnt, daß auch schriftliche Be- schwarden der Versicherten eingegangen seien, die geprüft worden wären..Eingegangene anonyme Beschwerden rührten wohl von unzufriedenen Meistern oder entlassenen Arbeitern her." Wie kann ein Meister und Arbeiter da.zufrieden" sein? Der Bericht selbst gibt uns Material genug. Da heißt es z. B.: .Während z. B. in den meisten Bezirken die Aufenthalts- räume für die Brenner bei Ringöfen nxgen der ErstickungS- und VergiftungSgcfahr mindestens einen Meter vom oberen Rande des Ringofens entfernt liegen sollen, wurden im AuffichtSbezirk der Gcwerbeinspektion Lünrburg zwei Betriebe angetroffen, in denen oben geschlossene» dicht verschalte NnterkunftSräume unmittelbar über der Ringmauer deS Ofens errichtet waren. Nach Angabe der Unternehmer sind diese Räume auf besondere Anordnung der Ge- Werbeinspektion erst kürzlich eingerichtet worden. Derselbe technische Aufsichtsbeamte hatte im Berichtsjahre Ge- legenheit. mit den Dampfkesselüberwachungsvereincn in Magdeburg und Altona über Sicherheitsvorrichtungen an Dampsfässern zu ver- handeln. Der technische Aufsichtsbeamte des Bezirks I war genötigt, tn einem Falle die zuständige Polizeibehörde in Anspouch zu nehmen, weil in dem Ncbenbetrieb einer Ziegelei, in einem Kalksteinbruch, vorschriftswidrige Zustände herrschten und der als Betriebsleiter angestellte Ziegelmrister sich weigerte, die vorgefundenen Mängel abzustellen." .Der technische Aufsichisbeamte des 1. Bezirks war in einer Strafsache wegen fahrlässiger Körperverletzung als Sachverständiger tätig. ES handelte sich um einen Unfall an einer ungeschützten Strangpresse mit aufmontiertem Walzwerk. Einem Arbeiter wurde die Hand zwischen den Walzen vollständig ahMuetscht. Erst nach dem Unfall hatte der Betriebsunternehmer oie un- geschützten Maschinenteile ordnungsmäßig hergerichtet, und doch behauptete er, es sei alles auch schon bei dem Anfall in bester Ordnung gewesen. Der technische Aufsichtsbeamte hatte jedoch am Tage nach dem Unfall festgestellt, daß nicht eine einzige Schutz. Vorrichtung an irgendeinem Maschinenteil angebracht war. Luj GrunS dieser Tatsachen finlrbeft Unternehmer rntS Ziegelmeister zu Geldstrafen verurteilt. Wegen der Verstöße gegen die Unfall- Verhütungsvorschriften verhängte auch der GenossenschaftSvorstand gegen den Unternehmer eine Geldstrafe." „In zahlreichen größeren Betrieben zeigte sich das ernste Be- streben der Betriebsleitung, durch sachgemäße Schutzvorrichtungen die Unfallgefahren zu vermindern. In Betrieben, in denen nur Akkordmcister beschäftigt wurden, sind derartig« Wahrnehmungen nicht immer gemacht worden." „Jugendliche Arbeiter wurden auch im Berichtsjahre mehrfach bei Bedienung der gefährlichen Revolverpressen angetroffen. Da die Verwendung derartiger Personen andauernd schwere Unfälle im Gefolge hat, so wird bei der zu erwartenden Neuaufstellung der Unfallverhütungsvorschriften ein entsprechend« Verbot ins Auge zu fassen sein." „In einem Betriebe wurde eine Frau angetroffen, die auf einem Ringofen Brenncrarbeit versah. In einem anderen Be- triebe führte ein läjährigcr Junge die Lokomobile. An anderer Stelle schaufelten Mädchen den Ton in den Kollergang." „Andererseits mehren sich die Klagen der Unternehmer, baß die Arbeiter allen Ermahnungen unzugänglich sind. Wenn die Arbeiter z. B. in den Gräbereien nur auf kurze Zeit ohne Aufsicht gelassen würden, begännen sie alsbald unvorschriftsmäßig zu arbeiten. Einen besonderen Zlufseher� ftir die Gräberei anzustellen, in der manchmal nur 2— 3 Arbeiter beschäftigt würden, gestatte aber die Rentabilität des Betriebes nicht." „Bei den Nachrevisionen wurde u. a. festgestellt, daß in manchen Betrieben die früher gerügten Mängel nur zum Teil oder auch gar nicht beseitigt waren, obgleich die Unternehmer eine Erlrdigungs- anzeige eingesandt hatten. Durch höhere Strafen wurden die Säumigen vom Genossenschaftsvorstand alsdann zur Erfüllung ihrer Pflichten angehalten." „Wenn auch von einigen größeren Betrieben berichtet werden kann, daß sie über Personen verfügen, die im Samariterdienst aus» gebildet sind, so ist doch in anderen Betrieben für Vorbereitung der ersten Hilfe noch wenig geschehen. Zuweilen, fehlte jegliches Verbandmaterial, und mancher Unternehmer und Meister mußte darauf hingewiesen werden, daß einige leinene Tücher, in einer Zigarrenkiste aufbewahrt. alS ordnungsmäßiges Verbandmaterial nicht angesehen werden können." In den 1601 besichtigten Betrieben fehlten allein in 1083 Betrieben die Schutzvorrichtungen— 70 Proz.—, in 678 Betrieben fehlten die Vorschriften, in 272 Betrieben Verbandzeug usw. Die Berufsgenossenschaft ging dazu über, belehrende Vorträge halten zu lassen und berichtet darüber, wie folgt: „Im Januar des Berichtsjahre? unternahmen der Geschäfts- führer der Genossenschaft und ein technischer Aufsichtsbeamter eine Vortragsreise nach Lippe zur Belehrung von Meistern und Ar- beitern auf dem Gebiete der Unfallverhütung. Dieser Bezirk war deshalb gewählt worden, weil alljährlich im Herbst Taufende von Zieglern und Ziegelmeistern dort bei ihrer Familie oder in eigener kleiner Häuslerei den Winter verbringen. Für die Zwecke des Vortrages waren ein Projektionsapparat mit Zubehör sowie 100 Diapositive mit Darstellungen aus dem gesamten Gebiete der Unfallverhütungstechnik der Ziegelei-Berufsgenossenschaft beschaff worden. Die Bortrage fanden in den Orten Detmold. Lage. Lemgo. Schötmar und Barntrup statt. Um eine recht zahlreiche Beteiligung aller Ziegler zu erreichen, hatte der Vorstand sich mit den großen Zieglervereinigungen im Fürstentum in Verbindung gesetzt, die in ihren Versammlungen und durch die TogeSpresse auch auf die Vorträg« aufmerksam machten. Die Beteiligung an den Vorträgen hätte reger fein können, immerhin dar! ih» Erfolg im ganze» als befriedigend bezeichnet werden." Delegativnskvstea für einen Kassenkingrey. Der Vorstand der Kaufmännischen Krankenkasse„Merkur" fn Breslau hatte zu dem im Jahre 1910 in' Barmen stattgefundenen Kongreß des verbände» kaufmännischer Krankenkassen Deutsch- land» den Vorsitzenden Karl Theunert als Delegierten entsandt und ihn 128 M. Reifekoften bewilligt. Nach einer polizeilichen Re- Vision der Kasse hatte der Polizeipräsident von Breslau diese Aus. gäbe beanstandet und dem Kassenvorswnd aufgegeben, den Betrag der Kasse wieder zuzuführen. Diese Verfügung focht der Kassen- vorstand bei dem Bezirksausschuß an. wurde aber abgewiesen. Dagegen le 95 pf, 1.30 Kirschsaft...>/. n 95 pt. 1.30 Johannisbeersaft... v, n. 95 pc Erdbeersaft.......>/.nl.20 Ananassaft......../. pl 1.10 Olympia-Silber) out. Iv.nl. 45 Olympia-Gold lSck,'"wei,knl.80 "Fische Schellfische.......... prnad 12 pf- Seelachs Ohne üopf ia gsaz. Pisehca prd. 12 Pf. Goldharsch............ prd. I2pf. Limandeszungen....... pm. 25 pr Makrelen............ stock Spt. Tafellachs In ganzen Fischen... Pfd. 42 Pf. Frische Schleie......... Pfd. 42 pf. Lebende Aalepfd.65, 95 pf, 1.25. 1.35 Lebende Schleie....... Pfd. 78 pf. Lebende Karpfen...... pfd. 75 pr. Krebse....... Mandel 35 pr. ua 2.50 Edel-Krebse.... Mandel 1.15 bis 4.00 Solo-Krebse...... stock 30 u. 40 pr. Borsdorfer Apfelwein/. n 72 pc 1 909 Almando rot..>/, n 82 pr. Butter und Käse Nordsee-Flundern Pfd. 60 ps. Ahlbecker Flundern 30,40 pe. Aale. Pfd. 1.05, Bund 38 Pf. Engl. Bücklinge 3 Stack 25 pc Forellenstör... ph. 60 pc Matjes-Heringe z stock 25 pc Sardellen... Pfd. 75, 90 pc Nene saure Gurken Sl?k.15 pr. y":Z" Mineralwasser Harzer Sauerbrunnen» fl 2.00 Tafelwasser....... so fl 1.80 Tafelgetränk � A 2.00 Köhler-Sekt.......« Fi 2.75 Koch- n. Backhntterpfd. 1.18 Tiscbbntter..... Pfd. 1.24 Hoikereibolterl.28 st(k.64n. Steinbnscher Käse ptd. 92 pc Allgäner Rahmkäse pfd.68 pc Camembert-Käse stsok 23 pc Brie-Käse..... ptd. 65 pc Holländer Käse. prd. 90 pc Limbnrger Käse. pfd. 55 pc Romatonr-Käse. sta«k 28 rt Tilsit er Käse... ptd. 68 pt. Schweizer Käse. ptd. 90 pr. EmmenthaierKäse ptd. 1.15 Knh- n Landkäse stJek 35 pr. Faust- n. Spitzkäse 8�25 pc Speise-Quark.. staek 10 pt. Bratenschmalz.. Pfd. 65 pt. Manni>lail#»aruntiert raarmeiaoe#twM Pfd." nuohref&rbt Pf. Bilzbrause, Fürstenbrunnen, Apollinaris, BilinerSauerbrunnen, Königl. Fachingen. GiesshQbler, Sämtl. natüri. Mineralbrunnen, "Geflügel ige. Ganse prd. 63, 70, 80 pc Grosse junge Hähne Gänse-Rümpfe 2.65 b» 3.90 1.65 m. 2.15 Suppenhühner 1.35 bu 2.50 Junge Enten 1.70 m, 2.75 Brathühner 45 pc bi< 1.50 Junge Tanken 45, 60, 70 pr. In dieser Woche: grosser Sai�m�edtaaf 'Besonders billige Preise 2. Ziehung 1. Kl. 1. Preuss-Süddeutsche (227. Königlich Preuss.) Kiassen-Lotterie Ziohunn rem n. J.ull 18H Tormlimg«. Auf jud.(»loattue Nnmm.r»lud>w«l rletrh höh» 6«. wliiB. gufmllen, und«wir Ja alnar auf dl. Laaa glalchar Kummer In dau baldan ibtallanrau I und II Nur die Gawinue Uber 60 Mark sind den betreffenden ... Nummern In Klammern beigelütft. (Ohne GewShr.)(Nachdruck verboten.) ... 38 128 269 388 472 690 1876 2218 327 95 437 831 3093 94 flool 131(100) 39(200) 488 869 963 4238 417 47 98 609 68[100] 780 849 914 5157 230 87 373 738 934 6058 292 520 666 962 7331 679(100) 008 8427 38 768 63 884 9234 617 702 40 10111 61 63 231 73 312 64 949 73 11027 165 673 84» 960 95 12090 811 30 61 430 33 61 70 601 13147 207 93 633 609 11 69 749 980 15143 462 833 70 990 16120 273[600] 303 67 420 770 17083 18238 60 663 728 865 19019 95 404 730 31 20157 325 404 651 21092 349 510(100) 628 952 22078 263 412 860 911 43 63 67 2 3023[100] 28 134 457 80 686 24151 84 381 411 674 804 69 25669[100] 680 26030 263 366 67 454 882 27003 104 44 282 383 28240 354 604 2 9066 618 805 993 30188 431 5? 67 690 695 742 62 838[200] 31427 963 3 2394 499 699 988 3 3217[1001 309 491 993 34100 267[100] 404 558[100] 69 64 695 910[100] 35067 207 468 535 838 66 981 36017 36 211 366 430 39 839 37057 64 108 29 308 498 667 791 820 38118 641 44 88 732 835 39467 817 91 783»17 40149 07[100] 374 41069 297 99 688«77 762 42179 84 333 451[100] 692 731 63 62 43178 270 79 [109] 432[100] 606 662 718 865 79 44041 249 318 410 663 615 736 48 854 71 955 45140 99 712 876 80 937 40 4 6293 382 737 871 47153 99 312 81 448 547 600 32 4 8012 341 436 598 4 9261 609 922 71 79 6O190 464 73 617 99 51081 142 213 36 325 29 71 423 725 5 2082 83[100] 99 457 647 677 53286 441 674 681 54278 385 463 683 908 SS031 56 148 452 760 941 66049 337 426 47 739 67084 133 376 76 443 640 662 68155 203 414 69 79 92 690 874 59085 417 697 640 82 980 60090 290 647 612 741 808 1«[400] 70 6 1309 611 721 851 62099 246 738 825 63029 407 681 694 769 841 991[1000] 64114 60 302 36 468 62 836 996 6 5052 175 219 466 66104 11 443 732 870[100] 67045 322 67 978 68166 383 693 716 69895__ 70023 168 72 207 647 820 918 71108[300] 289 821 62 401 917 43 71 72155 487 853 960 73105 386 «05 36 74063 319 874 978 75239 325 672 86 707[100] 964 76014 160 301 77098 316 47 638 90 630 798 970 78243[100] 382 96 482 87 514 644 843 7 9073 134 278 395 441 75 601 80661 809 81124 502 12 891 82033 57 325 446 8» 607 692 94 09 8 3635 77 8 4466 686 934 85126 787 30463 614 39 72 8 7040 290 447 662 85 8 8002 307 423 61 747 826 932 6 9242 837 806 28 44 90064 337 882 9 1 247 391 430 848 821 82 9212« •M 405 794 es; 93271 662 658. 80 880 94053 390..4M 603 810 83 95138 82 201 28 342 423 80 661[200] 627 778 83 828 96052 279 387 711[100] 882 987 9 8085 205 393«32 89 798 872 99244 333 413 702 927 64 90 . 100051 216 32 51 328 628 726 101032 187 419 [100] 662 878 78 102028 108 66 327 493 765 103031 51 335 645 81 766 809 962 94 104165 246 611 647 73« 68 983 1 05262 422 38 63 694 79? 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Klein findet em K unch 10. Augun Wi Kr. 160. LS. ZahrMK. 2. Keilme ilks.Awiirls" Knlim AldsdlU ftritu, 12. Jld ffllJ. partci- Hngelegcnbcitcn. Zur Lokalliste! Reinickendorf- Schönholz. Der gelbe„Arbeiterverein der A. E-G-Fabriken Brunnenstrahe'. feiert am Sonnabend, den IS. Juli, ein Sommerfest im„Schiost Schönholz". Dieses Lokal gehört der Berliner Schützengilde! seine Säle werden der organisierten Arbeiterschaft zur Abhaltung von Versammlungen verweigert. Es wird versucht, in den Reihen der Arbeiter für die genannte Veranstaltung Billetts abzusetzen. Wir bitten diese energisch abzulehnen und die Werktreuen Gelben mit ihren Be- schützern im gesperrten„Schlost Schönholz" unter sich zu lassen. Reinickcudorf-Wcst. Sonntag, den 14. Juli feiert der B e- zirkswahlverein in Beyers Festsälen sHartmanns Brauerei), Scharnweberstr. 101/104, sein Sommerfest. Das Programm besteht aus Konzert, Spezialitäten, Kinderbelustigungen und Tanz. Einlatzkarte 2a Pf. Anfang nachmittags 4 Uhr. Das Komitee. . tLilmcrsdorf- Halensee. Der Sozialdemokratische Wahlverein hält Sonnabend, den 13. Juli, im Viktoria- garten, Wilhelmsaue IIS, sein S o m m e r f e st ab. DaS aus Konzert usw. bestehende Vergnügen ist auf das beste arrangiert; es wirken u. a. mit, das Berliner Ulk-Trio, der Wilmersdorfer Männer- chor, der Arbeiter- Nadfahrerverein Vorwärts und Mitglieder der freien Tnrnerschast. Weiter sind Kinderbelustigungen unter Leitung von Kindergärtnerinnen vorgesehen. Groß-Schönebeck-Zerpenschleuse(Bezirk Lichtenberg). Die im Monat Juni wegen ungünstiger Witterung vertagte öffentliche Volksversammlung findet Sonntag, den 14. Juli, nachmittags 3 Uhr. auf dem Grundstück des Herrn Oskar Stein(Berlin-Prenz- lauer Chaussee) statt. Arbeitersekretär Hildebrand-Berlin spricht über »Die preustische Wahlrechtsfrage". Alt-Glienicke. Sonnabend, den 13. Juli, findet für den Bezirk Ortöieil Falkenberg Zahlabend beim Genossen Sckäfer am Wasserturm statt. Der Borstand. Lichtenrade. Sonnabend, den 13. Juli, abends 8'/z Uhr: Mit- gliederversammlung im Wirtshaus Lichtenrade am Bahnhof. Nicdcrlehme. Sonnabend, den 13. Juli: Generalver- s a m m l u n g. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl des Vorstandes. Parteiangelegenheiten. Die Parteigenossen werden ersucht, die Mit- gliedsbücher ihrer Gewerkschaft mitzubringen. Storkow. Der Wahlverein Storkow feiert am Sonnta g den 14. Juli bei Helling in Kummersdorf sein Sommerfest. Da die organisierte Arbeiterschaft von Storkow seit Jahren einen hartnäckigen Kampf um ein freies Lokal führt, werden die Genossen aus der Umgegend gebeten, sich recht zahlreich zu beteiligen. Verlmer I�acbrickren. Der Darlchnsschlvindel steht gegenwärtig wieder in höchster Blüte. Die Ferienzeit und die damit verbundene Reisesaison dient den Geldvermitt lern als Aushängeschild, weshalb in den Inseraten und Pro spekten in allen Variationen das Hohe Lied von der Nerven auffrischung in Wald- und Seekurorten und auf dem Lande gesungen wird. Beim Studium der Angebote von Geld muß man staunen, daß man bisher von so edler Menschenhilfe noch nichts gehört hat. Summen bis zu 20 000 Mark und darüber werden zur Verfügung gestellt, teilweise sogar ohne Zinsen, auch Vermittlergebühren werden vielfach nicht verlangt. Nur 'eine geringe Gebühr für die Einholung einer Auskunst über die Würdigkeit der Geldbedllrftigen ist zu zahlen. Ist diese Gebühr mit 3 bis 20 Mark erlegt worden, dann läßt in 99 von 100 F"llen der Darlehnsvermittler nichts mehr von sich hören. Der Zweck ist erreicht, höchstens gibt eine Postkarte oder sonstige gedruckt vorrätig gehaltene Benachrichtigung darüber Mitteilung, daß die Auskunftei die Gewährung eines Darlehens nicht empfohlen habe, weshalb das Gesuch abge- lehnt werde. Als Deckmantel, der gerichtliche Schritte wirkungslos machen soll, dient meist der Hinweis, daß das Eigentum des Darlehnssuchers— die Möbelausstattung— dem Hauswirt für die noch zu entrichtende Wohnungsmiete haftet. Die Zentrale der Darlehnsschwindler, denen es nur um die Ergatterung der Auskunftsgebühren zu tun ist, ist Berlin. Durch Zeitungsinsßrate werden in der Provinz die Dummen gesucht und in großen Massen gefunden. Das Ge- schüft geht nicht schlecht. In mehreren größeren Provinz- städten sind Filialen errichtet. Tageseinnahmen an Aus- kunftsgebühren von 1000 bis 3000 Mark sind keine Seltenheit, und der Herr Direktor kann es sich leisten, im August oder September auf mehrere Wochen die teuersten Kurorte und Erholungsstätten aufzusuchen. Beelitz. Der Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt Berlin sendet uns folgendes Schreiben: Die heutige Nummer des„Vorwärts" bringt einen Artikel über die vom Vorstande erlassenen Bestimmungen betreffend die Zulassung von Besuchern in den Heilstätten Beelitz.- Zu diesen Nusführungen wird folgendes bemerkt: 1. Die fraglichen„Bestimmungen" sind vom Gesamtvor- stände, d. h. von den Beamten, den Vertretern der Arbeitgeber und den Vertretern der Arbeiter gemeinschaftlich beschlossen worden. 2. Die Bestimmungen sind nicht lediglich veranlaßt worden durch„gewisse unliebsame Vorkommnisse", sondern haben allge- mein den Zweck, die Zahl der Besucher einzuschrän- k e n. Der„Vorwärts" selbst gibt von den bisherigen Zuständen eine durchaus richtige Darstellung, indem er zugibt:„Die An- gehörigen der Patienten kamen bisher bereits am Vormittag nach Beelitz, um sich auch selbst in den herrlichen Anlagen der Anstalt zu ergehen." Die Heilstätten Beelitz sind kein Aus- flugsort für die Berlinert Arbeiterschaft und dürfen es auch nicht werden, wenn anders nicht die Zwecke der Heilstätten ernst- lich gefährdet werden sollen. Ein HauptcrforderniS für die Kuren in allen Sanatorien ist die möglichste Loslösung der Pfleg- linge aus ihrer bisherigen Umgebung. Keines der bekannten teuren Privatsanatorien, welche von dem reichsten Teil der Be- völkerung frequentiert werden, würde einen derartigen Massen- besuch von Angehörigen dulden, wie er in den Heilstätten Beelitz zugelassen wird. Es kann mithin keine Rede davon sein, daß die Pfleglinge in unzulässiger Weise beschränkt werden, sondern es handelt sich um Verordnungen im Interesse der Gesamtheit der Pfleglinge insbesondere auch derer, welche keinen Besuch erhalten und die durch den Massenbesuch gestört werden. 3. Jede Härte ist dadurch vollkommen ausgeschaltet, daß die ärztlichen Direktoren ermächtigt sind, Ausnahmen zuzulassen. Wir ersuchen ergebenst, die vorstehenden Ausführungen in Ihrem Blatt zu veröffentlichen. Dr. Freund. Zu den Darlegungen des Vorstandes der Landes-Ver- stcherungsanstalt haben wir folgendes zu bemerken: Die Be- gründung, die im Vorstehenden für die Maßnahme gegeben wird, ist wenig haltbar und sehr gesucht. Es sind dieser Tage 10 Jahre her, daß die zweite Hälfte der Beelitzer Heil- stätten eröffnet worden ist. Und in diesen langen Jahren ist der Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt noch nicht auf den Gedanken gekommen, die Heilstätten von Besuchern zu reinigen durch einschränkende Bestimmungen. In mehr als 10 Jahren hat man noch nie Anstoß genommen, daß die An- gehörigen von Patienten bei ihren Besuchen etwas länger in den Anlagen der Heilstätten verweilten als das sonst in Krankenhäusern üblich ist. Und mehr denn 10 Jahre hat der Vorstand gebraucht, glücklich dahinter zu kommen, daß der Massenbesuch Pfleglinge stören könnte. Dieser Hinweis allein dürfte genügen, um die Maßnahme des Vorstandes als unbe gründet erscheinen zu lassen. Was den Einwand betrifft, daß die Verfügung vom Gesamtvorstande beschlossen sei, so sei be merkt, daß wir in unserem Artikel von der e r st e n Verfügung sprachen, die von Herrn Dr. Freund und Dr. Sträter gezeichnet war, während die jetzt erlassene neue Verfügung gemildert ist. Gerechtfertigt wird dieselbe aber damit keineswegs. Die Zellerhaus- Kurrende. DaS ZellerhauS, Rettungsheim für Trinkerkinder, hat schon recht oft von sich reden gemacht. Der stark reklamehafie Zug seines Geschäftsbetriebes wollte nicht passen zu dem, was man von einer rein idealen Liebesarbeit an Kindern zu verlangen hat. Nachdem das ZellerhauS in das einem Schwager des Reichskanzlers gehörige Schlost Buckow durch Pachtvertrag über gesiedelt ist, kommt von hier eine neue verstimmende Kunde. Um diesem Heim neue Einnahmequellen zu erschließen, soll jetzt der Ge> sangschor des Zellerhauses, dem die meisten der etwa 70 Zöglinge angehören, unter Leitung einer Schwester aus die Bettelfahrt nach den verschiedensten Städten ge- schickt werden. DaS mutz höchstes Befremden erregen. Wer die Idee ausheckte, ist ein ganz tüchtiger Geschäftsmann, aber ein herz- lich schlechter Erzieher. Er hat wohl kaum daran gedacht, datz der- artige„Konzertreisen", die an das bekannte bettelhofte Treiben der Berliner Kurrende erinnern, mit den so oft betonten„vorbildlichen" Erziehungsmethoden deS ZellerhaufeS nicht in Einklang zu bringen sind. Diese auS unglücklichsten Familienverhällnisien heraus» genommenen Kinder sollen doch nicht dazu da sein, um dem Mitleid öffentlich auf den Präsentierteller gelegt zu werden. Man hat schon«in Auge zugedrückt, wenn sie bei ganz gelegentlichen Festveranstaltungen ihre gesanglichen Leistungen zeigten. Was aber jetzt beabsichtigt wird, geht zu weit. DaS ZellerhauS hat heute glänzende Namen in seinem Kuratorium, und doch ist es nicht möglich, ihm die nötigen Existenzmittel zu sichern. Auch hier, wo die allgemeine Fürsorge ein- treten müßte, versagt also, wie immer, die private Wohltätigkeit. Uebrigens sollte die Schulaufsichtsbehörde ein Wörtchen mitzureden haben, wenn die großen Ferien benutzt werden, um die Zellerkinder öffentlich gegen Entgelt singen zu lassen. Wie verlautet, will man auch Badeorte heimsuchen. Schlecht ist die Spekulation auf den Geld- beute! also nicht. Arbeitergroschen für den Luftfiottenrummel? Zu unserer Mitteilung(in Nr. 153), daß in Neukölln in der 10. Gemeindeschule(Kaiser-Friedrich-Straste) der Rektor Schnell die Kinder einer ersten und einer zweiten Klaffe zu Beiträgen für die, Nationalflugspende" aufgefordert hat, erfahren wir nachträglich, dast auch in einer zu dieser Schule gehörenden vierten Klasse(die wegen Raummangels in der Berliner Siraste unter- gebracht ist) unter den Kindern solche Beiträge gesammelt worden sind. Hier war es eine Lehrerin Fr äu lern Salt h, die die Erfüllung der„patriotischen Pflicht" übernommen hatte, Arbeiter- lindern ihre Sechser und Groschen abzufordern damit auch ihnen die Gelegenheit geboten würde, zu dem Bau einer Luftflotte ihr„Scherflein" beizusteuern. Da die Kinder einer vierten Klasse meist dem zehnten oder elften Lebensjahr angehören, so kann man sich denken, welches Ver-, ständnis diese Kleinen für die Belehrungen gehabt haben werden, mit denen die Lehrerin ihnen den Zweck der Sammelei klar zu machen suchte. Nach den Angaben, die ein schon ältere« Mädchen darüber gemacht hat, hätte Fräulein Solty den allerneuesten Luftschiffunfall, die Zerstörung des Zeppelin-LuftschiffeS„Schwaben", in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen, obwohl dieses Ereignis gar nichts mit der Flugspende zu tun hat. Auch habe fie gesagt, derKaiser gebe doch uns allen daSGeld. damit wir leben können, infolgedeflen müßten auch wir bei solch einem Unglück etwas geben. DaS sei ein Mißverständnis, wird wahrscheinlich Fräulein Solth einwenden, aber wenn— wie wir ohne weiteres glauben wollen— ein solches vorliegt, so sollten aus ihm aufs neue die Pädagogen der Schule erkennen, wie bedenklich es ist, über derartige Dinge vor Kindern zu sprechen. Eltern siud nicht immer bereit, so etwas für ein Mißverständnis zu halten, sondern trauen manchmal einer Lehrerin oder einem Lehrer zu, daß sie in der Tat von„patriotischem Uebereifer" sich dazu hin- reißen lassen, den Kaiser als den Spender alles Segens hinzustellen. Daß die Eltern dann pflichtgemäß den Kindern die ihnen notwendig scheinende Belehrung zuteil werden lassen, das könnte jeder Lehrer und jede Lehrerin sich selber sagen. ~räulein Solth soll mit ihrer Klage über die Zerstörung des LuftichiffeS wie mit der ganz überflüssigen Hineinziehung deS Kaisers zunächst keinen anderen Erfolg gehabt haben als den, daß am nächsten Tage ganze zwei Kiader ihren Nickel mitbrachten. Sie habe dann aber, so wird uns erzählt, am folgenden Tage nochmals zu Spenden aufgefordert und Bank für Bank die Kinder gefragt, ob sie nicht etwas hergeben wollten. Daraufhin habe ein Kind sich entschlossen, der Lehrerin da« Geld zu über- reichen, das die Mutter dem Kinde zum Kauf einer Er- frischung mitgegeben hatte. Erst als das Kind hinterher zu weinen begann, habe die Lehrerin das erfahren und nun- mehr das Geld zurückgegeben. Andere Kinder sollen ihr sofort ganz offen erklärt haben, zu derartigen Sammlungen gebe der Vater oder die Mutter kein Geld mit. Im ganzen sollen aber in dieser Klasse schließlich doch S0 Pfennig als Ergebnis der wiederholten Mahnungen des Frl. Solth zusammen- gekommen sein. Es ist dringend zu wünschen, datz in den Schulen solchen Geld- sammeleien durch ein grundsätzliches Verbot ein Riegel vorgeschoben wird. Wo die Schulbchörden sich nicht dazu entschließen wollen, da sollten die Eltern einmütig sich zur Wehr setzen und ein- mütig jeden Beitrag verweigern. Das wird ja immer toller, daß man für die„Nationalflugspende" die Arbeitergroschen durch Vermittelung der Kinder einsammelt. Drei Personen beim Baden ertrunken. Zu tem bereits gemeldete» Unfall bei Konradshöhe, bei welchem drei blühende Menschenleben vernichtet wurden, erfahren wir noch folgendes: Der Monteur Otto Polster, der mit seiner Frau im Restaurant „Zur Waldburg" in Konradshöhe wohnte, war von dem Inhaber des Etablissements ausdrücklich gewarnt worden, an der söge- nannten Badeecke zu baden, da an dieser Stelle die Havel unweit des Ufers stellenweise ungewöhnlich tief abfällt und der Wasser- stand nahe dem Ufer etwa b bis 7 Meter beträgt. Infolgedessen hatte Polster seine Frau gewarnt, niemals an dieser Stelle zu baden, wenn er nicht selbst dabei wäre. Am Mittwochnachmittag hatte Frau Polster die Bekanntschaft des Buchhalters Paul Ur- banzhk, Berlin, Danzigerftr. 30 wohnhaft, seiner Gattin und deren Schwester, eines Fräulein Toni Katzka aus Beuthen in Ober- schlesien gemacht, die sich besuchsweise bei ihren Verwandten auf- hielten. Der Buchhalter, der mit seiner Familie einen Ausflug nach Heiligensee gemacht hatte, schlug bor, bei der Hitze ein Bad zu nehmen und die kleine Gesellschaft begab sich gemeinsam nach der„Badeecke", einer etwa 10 Meter vom Restaurant entfernten Waldlichtung, wo zahlreiche Ausflügler zu baden pflegen. Während U. sich im Walde auszog, waren die beiden Frauen be- reits ins Wasser hineingegangen und tummelten sich unweit des Ufers. Plötzlich hörte der Buchhalter einen lauten Hilfeschrei.. Er eilte an den Strand und sah, datz seine Schwägerin in eine tiefe Stelle geraten war und verzweifelt mit den Wellen kämpfte.. Frau Polster suchte die Ertrinkende, obwohl sie selbst nicht schwimmen konnte, zu retten, geriet jedoch dabei selbst in tieferes Wasser und versank. Der Buchhalter schwamm, so schnell eS ihm möglich war, auf die Unfallstelle zu und tauchte nach den bereits unter der Ober- fläche verschwundenen Frauen. Es gelang ihm, auch beide zu er- greifen, doch klammerten sich beide in ihrer Todesangst so eng an ihren Retter, datz dieser in die Tiefe gezogen wurde und gleich den beiden Frauen den Tod durch Ertrinken fand. Die entsetzten Zu- schauer, darunter die Gattin des U., die den Unfall in allen Ein- zelheiten beobachtet hatten, eilten mit Rettungsbooten an die Un- fallstelle, konnten jedoch nur noch die drei Leichen ans Land bringen. Frau U. begab sich mit ihren beiden im Alter von 4 und 6 Jahren stehenden Kindern mit dem nächsten Dampfer nach Berlin zurück. während die Leichen einstweilen nach der Leichenhalle deS Heiligen- seer Friedhofes gebracht wurden. Vom Zuge zermalmt aufgefunden wurde gestern auf dem Bahngleise zwischen Lichtenberg und Kaulsdorf die Leiche eines unbekannten Mannes. Der Kleidung nach scheint der Tote dem Arbeiterstande angehört zu haben. Er trug ein grünes Jackett und eine blaue Hose. Papiere zur Feststellung seiner Persönlichkeit führte er nicht bei sich. Der Tote, der nach der Leichenhalle in Kaulsdorf gebracht wurde, ist ungefähr 40 Jahre alt. mittelgroß und schwächlich und hat einen Anflug von Vollbart und schwaches Kopfhaar. Allem Anschein nach liegt Selbstmord vor, da an der Stelle, wo man die Leiche fand, kein Bahnübergang ist. Die Nachforschungen nach dem Desraudanten Brüning, die die Kriminalpolizei auf die jetzt eingelaufene Anzeige eines süddeutschen Rechtskonsulenten angestellt hat, sind bis jetzt noch ohne Erfolg gewesen. Es haben sich zahlreiche Personen gemeldet, die eine Dame, die bei dem Rechtskonsulenten vorsprach, kennen wollen. Alle diese Mitteilungen werden nachgeprüft werden. Es scheinen jedoch für die Kriminalpolizei wertvolle Nachrichten nicht darunter zu sein. Selbstmord verübt haben gestern zwei Personen, der 20 Jahre alte Schankwirt Amandus Dreske aus der Woldenberger Straße 14 und der 72 Jahre alte frühere Tischlergeselle und jetzige Renten- empfänger Gvtthold- Dunsing von deri Fischerbrücke 4. Dreske begab sich, als seine Gäste um 2 Uhr in der vergangenen Nacht das Lokal verlassen hatten, in die Küche, öffnete den Gashahn und steckte den Schlauch des Gaskochers in den'Mund. Als seine Frau ihn gegen 5 Uhr vermißte und nach ihm sah, fand sie ihn tot daliegen.— Der Rentenempfänger Dunsing erhängte sich auf dem Boden des Vorderhauses. Beide Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. 150 000 Marl erschwindelt. Dem ungeheuren Schwindel, den die b8jährige Putzmacherin Jeannette L ö v y auS Schöneberg, Grunewaldstr. 00, sett Jabren betrieben und mit dem sie Kaufleute sowie Berliner Notare erheblich geschädigt hat, ist die Schöneberger Kriminalpolizei auf die Spur gekommen und eS ist ihr gelungen, die Betrügereien der L. in vollem Umfange aufzudecken. Man kann allerdings annehmen, datz der größte Teil der Geschädigten sich freiwillig kaum melden wird, da die Betreffenden von der L. Zinsen von 20- 30 Proz. er« halten haben. Die Lövy wird ebenso wie ihre 64jährige Schwester Ida von der Schöneberger Kriminalpolizei steckbrieflich verfolgt und hält sich zweifelsohne gegenwärtig in Berlin auf, da sie noch am Dienstagnachmittag von einem ihrer Opfer Unter den Linden gesehen worden ist. Ueber das Treiben der Putz» machen» wird uns folgendes berichtet: Die 58jährige Jeanette Lövy, die aus Landeck stammt, betrieb in der Grunewaldstr. 90 ein sehr gut gehendes Putzmachergeschaft, das sie zusammen mit ihrer Schwester leitete. Die Lövy begnügte sich jedoch nicht mit dem Ge- winn aus dem Geschäft, sondern begann Finanzgeschäft« auf be» trügerischer Basis zu beweiben. Unter ihrer Kundschaft be- fanden sich zahlreiche wohlhabende Kundinnen, denen sie größere Beträge abzunehmen verstand unter der Bor« ipiegelung, daß Bekannte von ihr Patente auszunutzen be- absichtigen, die hohen Nutzen abwerfen würden. Zunächst er- hielt sie von ihren Opfern kleinere Bewäge von wenigen hundert Mark, die sie mit 10- bis 20prozentigen Zinsen an den Fälligkeits- terminen prompt zurückzahlte. Wenn sie ihren Kundinnen das Geld auszahlte, ließ sie stets zahlreiche Tausendmarkjcheine in einem großen auf ihrem Schreibtische stehenden Korbe sehen. Dadurch sicher gemacht, ließen sich die Betrogenen zur Hergabe größerer Mittel bewegen und erhielten auch dafür prompt die vereinbarten Zinssätze. Aller- dings hatten die Geschädigten keine Ahnung, daß sie zum Teil mit ihrem eigenen Gelde, zum Teil mit dem anderer Opfer bezahlt wurden. AlS dann die Kriminalpolizei hinter das Treiben der Schwindlerin kam und»ach einer Haussuchung, die allerdings ergebnislos verlief, weil die L. alle sie etwa belastenden Schriftstücke sorgfältig ver- nichtet hatte, die Wohnung abschloß und versiegelte, verließ die Lövy nicht etwa den Schauplatz ihrer Tätigkeit, sondern blieb ruhig in Berlin. Im Interesse der Allgemeinheit wird ersucht, den Ausenthalt der Schwindlerin der Swöneberger Kriminalpolizei mit- zuteilen, resp. von dem nächsten Slraßenbeamten festnehmen zu lassen. Die L. ist 1,58 Meter groß, blaß, hat falsche dunkle Haar- frisur und falsches Gebiß. Ihre Begleiterin ist 1,60 Meter groß, schlank und hat grauen Haarwuchs. Verbotenes Freibaden bei PichelSwerder. Am Stößensee bei Picheiswerder war im Vorjahr von dem zuständigen Amtsvorsteher das Fxcibaden gestattet worden, so daß an manchen Sonntagen Hunderte von Ausflüglern sich dort am Strande tummelten. Für dieses Jahr ist aber die Erlaubnis zum freien Baden am Stößensee bisher nicht erteilt worden. Die Gendarmen haben deshalb in den letzten Wochen eine stattliche Anzahl von Badenden zum Zwecke der Bestrafung notiert. Das Baden im Stößensee ist für ungeübte Säiwimmer oder gar Niclitschwimmer gefährlich. DaS beweisen die alljährlichen vielen Unglücksfälle gerade am PichelSwerder. Bei der Arbeit ciMnkc» ist gestern nachmittag gegen 4 Uhr ein Maurer an der Michaelbrücke. Der Mann war an einem Bogen der Stadtbahn mit Reparaturarbeitcn beschäftigt, glitt ab und stürzte in die Spree, wo er ertrank. Di« Leiche konnte trotz eifriger Bemühungen noch nicht geborgen werden, auch find die Personalien deS Ertrunkenen noch unbekannt. Sin Mordversuch in der Fehrbelliner Straße. In der Fehrbelliner Straße 24. an der Ecke der Veteranenstraße, betreibt eine Frau Emma Gärtke ein gutgehendes Räucherwaren- geschäft. Hinter dem Laden befindet sich noch ein Zimmer. Die Wohnung der Familie befindet sich in der Linienstraße 47. Die Frau steht allein dem Geschäft vor, während ihr Mann in einer Beleuchtungsfabrik in der Französischen Straße beschäftigt ist. Gestern miügg, kurz nach 1 Uhr, als die Frau in dem Zimmer hinter dem«,»oen mit der Zubereitung des vnttagessenS beschäftigt war und die neun Jahre alte Tochter Lucie in einem Liegestuhl eingenickt war, öffnete sich plötzlich die vom Laden nack dem Zimmer führende Tür und herein trat ein Mann, der im selben Augenblick drei Schüsse auf die über ihre Arbeit gebückt stehende Frau abgab. Zwei Kugeln trafen die Frau und streckten sie zu Boden. Eine drang ihr in die linke Kopfseite, die andere in den HalS, Durch die Schüsse wurde die Kleine, die den Mann gar nicht hatte kommen hören, aufgeweckt. Sie sah gerade noch, wie dieser wieder durch den Laden auf die Straße floh und die Veteranen- straße hinunterlief. Sie eilte zu einem Schutzmann, der, als er am Tatort erschien, schon Hausbewohner bei der ohnmächtig am Boden liegenden Frau vorsand. Diese waren ebenfalls durch die Schüffe aufmerksam geworden und- durch eine Hostür in das Hinterzimmer gegangen. Sie fanden hier die Frau in ihrem Blute liegen, stark röchelnd auf und benachrichtigten den Arzt der nächsten Unfallstation. Dieser leistete der schwerverletzten Frau die erste Hilfe und ließ fie dann nach dem Krankenhaus bringen. Wie die genauen Feststellungen er- gaben, ist die Frau nur von einer Kugel in den Kopf getroffen worden. Die beiden anderen Geschosse schlugen dicht neben ihr gegen die Wand und prallten dort ab. Die plattgedrückten Kugeln fand man später auf. Frau G. liegt noch besinnungslos im Kranken- haus und konnte bis zur Stunde noch nicht vernommen werden. Bei der Suche nach dem Täter verfolgt die Kriminalpolizei eine be- stimmte Spur. MO M. Belohnung hat der Polizeipräsident auf die Ergreifung des Täters gesetzt, der gestern mittag den Mordanschlag auf die Frau Gärtke verübte. Nach verschiedenen Zeugenaussagen handelt es sich um einen Mann im Alter von ungefähr 36 Jahren, der etwa 1,70 Meter groß und kräftig ist, blondes Haar, einen blonden starken Schnurrbart, ein dickes Gesicht, eine dicke Stumpfnase, dicke Lippen, vollständige starke Zähne und eine schlottrige Haltung hat und mit einem graugrünen kleinen Jagdhut, einem Malerkittel, einer ge- streiften, blaugraucn Hose, einem weißen Kragen und einer schwarz- weißgestreiften Krawatte bekleidet war. Unter dem Malcrkittel trug der Täter noch eine schwarze Samtjacke. Allem Anschein nach hat der Mann früher schon Zutritt in die Behausung der Gärtke- scheu Eheleute gehabt. Wer ist der Tote? Zlus der Spree gelandet wurde gestern die Leiche eines unbekannten Mannes. Vorübergehende sahen die Leiche in der Nähe des Zirkus Busch auf dem Waffer treiben und landeten sie. Der Tote, der nach dem Schauhause gebracht wurde, ist ungefähr 55 bis 60 Jahre alt, 1,73 Meter groß und kräftig, � hat einen rötlich-blonden Schnurrbart und trug ein dunkles Jackett, eine schwarze Weste und eine graugcstreifte Hose. Ein.mutliiafjlicher Kindesmord beschäftigt die Kriminalpolizei. Hinter einer Toilette der Markthalle 3 in der Andrcasstraße fand man«inen in Packpapier eingewickelten neugeborenen Knaben, der allem Anschein nach sofort nach der Geburt getötet worden ist. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei nach der Mutter des Kindes waren bisher ohne Erfolg. Geschäftöcinbrccher waren in der vergangenen Nacht an zwei Stellen mit Erfolg tätig. Zlls Schlangenmensch produzierte sich ein Einbrecher, der dem Herrenartikelgeschäst von E. Bohrend in der Friedrichstr. 64 einen Besuch abstattete. Der Dieb hat sich durch ein Fenstergitter, dessen eiserne Stäbe nur 16 Zentimeter von- .einander getrennt sind, gezwängt, die Scheibe eingedrückt und sich dann durch eine Bretterwand Eingang in die Abteilung der Pa- namahüte verschafft. Hier stahl er für ungefähr 1566 M. Herren- und Tamenpanamas sowie verschiedene andere Herrcnartikelgcgen- stände. Vor 14 Tagen gingen Einbrecher auf dieselbe Weise in dem Geschäft vor und erbeuteten damals für 6000 M. Waren.— Der zweite Einbruch geschah in der Filiale der chemischen Wasch- anstalt von Kalläne u. Meiling am Kurfürstendamm 50. Hier öffneten die Diebe die Ladentür an der Straße mit einem Nach- schlüffel und stahlen für 2000 M. Kleidungsstücke und Schmuck- sächen. Am schwersten betroffen wurde die Filialleiterin Fraulein Karsten, der ihre ganzen Kleidungsstücke und Schmucksachen ge- stöhlen worden sind. Das Fräulein ist nicht versichert. « Aus Gram über den Tod der Mutter hat sich am Mittwoch- nachmittag die 29 jährige Luise Müller aus der Damcrowsträße in Heinersdorf vergiftet. Vor einiger Zeit war die Mutter des Mädchens, die Rentiere M. verstorben und die Tochter, die ohne Verwandte zurückgeblieben war, verfiel in eine schwere Melancholie, von der sie sich nicht zu befreien vermochte. Am gestrigen Nach- mittag besuchte Fräulein M. das Grab ihrer Mutter und vergiftete sich dann bei ihrer Heimkehr mit Lysol. Wenige Stunden später wurde die Lebensmüde von Nachbarn aufgefunden und nach dem . Hcincrsdorfer Krankenhaus übergeführt, doch erlag sie bald darauf den Einwirkungen des GifteS. Der Arbeiter-Nadfahrerbund„Solidarität", Gau 9, veranstaltet am Sonnlag, den 14. Juli, im Vergnügungspark.Neue Welt" sein diesjähriges(Saufest bestehend aus Konzert, Spezialitäten- Vor« führungen, Kunst- und Reigenfahrrn, Tanz tn beiden Sälen und Volksbelustigungen aller Art.— Um 2 Uhr findet ein Radfahrer� korso mit Musik vom Marheineckeplatz zum Festlokal statt. � Vereins- 'billetks zu 25 Pf. sind nur im Vorverkauf zu haben in den Restaurants A, Mietzner, Jahnstraße 12 und Max Krüger, Hafen- Heide 11.__ Vorort- JNacbncbtcn. Eharlottenburg. In der Wohnung deS Geliebte« vergiftet. Ein tragischer Bor« fall hat sich in dem Hause Spandauer Straße 24 abgeipielt. Der dort wohnende Dentist K. unterhielt seit längerer Zerr ein LiebeS- Verhältnis wit der.23 jährigen Schneiderin Emmi Lehmann, die bei ihren Eltern in der Malmöer Straße zu Berlin wohnt. Zwischen dem Paar hatten sich in letzter Zeit Meinungsverschiedenheiten ge- bildet, die zu einem Abbruch des Verhältnisses durch K. führten. Er schrieb dem- Mädchen einen Brief, daß er da» Verhältnis zu lösen wünsche, da er sich demnächst, zu verheiraten gedenke. Daraufbin erschien das Mädchen gestern in der Wohnung ihres Geliebten und hatte noch eine Sussprache mit ihm. Als der Dentist sich in sein OperationSzimmer begab, zog die Schneiderin eine Flasche Karbol- säure aus der Tasche und trank deren Inhalt bis zum letzten Tropfen. Die Unglückliche wurde in» Krankenhaus Westend ge- schafft, wo sie jedoch bald nach ihrer Einlieferung verstarb. Steglitz-Friedenau. Der Bildungbausschuh hat gemeinsam mit den Vorständen der Wahlvereine und der Gowerkschafts-Unterkommission den Ar- b e i t S p l a n für das neue Geschäftsjahr aufgestellt und wird ihn am Sonntag den Genossen durch eine gedruckte Beilage im „Vorwärts" zur Kenntnisnahme zugehen lassen. Wir bitten die Genossen darauf zu achten und den Arbeitsplan, der in festem Karton und handlichem Format hergestellt ist, aufzubewahren. Die Vereinsvorstände bitten wir, bei der Festlegung ihrer ge- planten Veranstaltungen auf die vom Bildungsausschuß festge- setzten Tage Rücksicht zu nehmen. An die Arbeiterschaft richten wir das Ersuchen, sich im kommenden Jahr mehr als bisher an den Veranstaltungen de? BildungSauSschuffes zu beteiligen. Der nächste FamilienauSflug findet am Sonntag, den 14. Juli, nach Schildhorn statt. Abmarsch 10 Uhr vormittags in Steglitz, von Ecke Grunewald» und Kleiststrahe, in der Nähe deS Botanischen Garten». Lankwitz. Der MSnnrrchvr Lankwih-Südenbe, der jederzeit bereit ist, die Feste der organisierten Arbeiterschaft zu verschönern, veranstaltet am Sonntag im Restaurant Prochatzka, Viktoriastraße, ein Sängers« st. Die Arbeiterschaft wird besonders auf diese Ber- anstaltung aufmerksam gemacht. Weihensee. Die llebernahme der Birkholz« Milch in eigene Regie ist in der geheimen Sitzung der letzten Gemeindevertretersitzung gegen die Stimme deS Herrn Teichert(alte Fraktion) angenommen. Trotz Protestversammlungen, trotz allem Geschrei einer gewissen Presse auf Gemeindevorstand und unsere Vertreter über die Ver- nichter des Mittelstandes haben sich die bürgerlichen Herren auf einen Antrag geeinigt, der in der Hauptsache dasselbe bedeutet, was überhaupt bezweckt war. Die Hauptschrei« d« Aktion, die Herren Fechner und Schwarz haben sich überzeugen lassen, daß mit folgendem Antrage da? Richtige getroffen wurde:„Die Milch- kuranftalt schließt mit der GutSvcvwaltung Birkholz einen Vertrag auf zehn Jahre, wonach Birkholz der Milchkuranstalt alle Milch, die gebraucht wird, liefert. Die Gutsverwaltung Birlholz schließt ihrerseits einen Vertrag mit der Interessengemeinschaft Mär- kischer Milchproduzenten, wonach diese Firma jedes Quantum Milch, das nach Abzug der Bedürfnisse der Milchkuranstalt übrig bleibt, übernimmt und zwar zum Preise von 14� Pf.; gegen den bisherigen Preis von 14 H Pf. Die Milchkuranstalt ist jedoch an den zehnjährigen Vertrag nicht gebunden, sondern hat die Möglich- keit. in jedem Jahr« nach vierteljähriger Kündigung das Vertrags- Verhältnis zu lösen."— Wenn der Kundenkreis der Milchkuranstalt sich so hebt, wie berechnet wurde, dann ist mit diesem Antrage die Frage" so gelöst, daß mit dem 1. Oktober die gesamte Milch. zirka 1500 Lit« pro Tag. von dem Rieselgut Birkholz durch die Gemeinde betrieben wird. In Abwesenheit des Bürgermeisters hat man di« Sache zwei- mal energisch bekämpft, das dritte Mal unter Leitung des Bürg«- meisters klappte alles, nur Herr Teichert hielt fest und treu an seinem krämerischen Standpunkt. Wilhelmsruh. Der Arbeiterturnverein veranstaltet bis auf weiteres jeden Sonntag von 9 bis 12 Uhr auf dem Spielplatz des Arbciterturn- Vereins, Kopenhagener Straße(am Kleinbahnhof), Kinder- spiele. Die Eltern werden ersucht, für rege Beteiligung zu sorgen. Klein-Schönebeik-Fichtenau. Der Umfall des BürgervereiiiSvorsitzcnden B e t a e und Schul- vorstandsmirgliedes Schöffen Förster in der Scbulftage— worüber wir bereiiS berichtet haben— wird für die Genannten immer blamabler. Wie aus dem Inhalt des hiesigen Bürgervereins- blättchens hervorgeht, legte sich der Vorsitzende des BllrgervereinS gleiwzeitig für eine höhere Schule ins Zeug, als er für die Vollsicdule das Bierklaffensystem erhalten half. Während er mehreren hundert Kindern durch seine Hallung eiy vollständig un- genügendes Schulsystem aufzwang, will er ganzen neun Kindern (mehr kommen nach den Feststellungen des Biirgervereins zurzeit nicht in Frage) eine bequem erreichbare höhere Privatschlzle ver- schaffen. Im Biirgerverein soll nun Herr Betac— so berichtet das Publikationsorgan— nachdem auch von dieier Seite seine wie die Haltung des Schöffen Förster in der Gemeindevertretung einer vernichtenden Kritik unterzogen worden war. allerdings behauptet haben, daß ihm noch nie eine Klage über unsere bisherige Dreillqssenschule zu Ohren gekommen sei, während Herr Förster mitteilte, daß wir hier eine vernünftige S»ule de- sitzen. Neber den Begriff Vernunft wollen wir mit dem Schöffen Föister nach alledem nicht streiten, aber so viel geht aus der Recht- sertigung beider Herren hervor: ihre Position ist entweder eine der- artig schlechte, daß fie zu so lächerlichen Ausreden und Behauptungen greisen müssen, oder aber sie haben von den � Vorgängen innerhalb der Gemeinde wenig oder gar keine Ahnung. Danach wird man auch bei Uebung größter Nachsicht nicht behaupten können, daß die Geschäfte der Gemeindevertretung wie des Schulvorstandes bei beiden Herren in guten Händen liegen. Neuenhagen(Ostbahn). In d« nach langer Pause am Montag abgehaltenen G e- meindevertretersitzung wurden die Herren Dr, Leubuscher und Bürger in ihr Amt eingeführt und die einzelnen VerwaltungS« kommiffionen wiedergewählt resp. ergänzt. Die Einkommensteuer- voreiuichStzungskommlssion besteht aus den Herren Friedrich, O..Schmücke, Landwirt, und dem Genoffen Köseling i dte Stell- Vertreter wurden wiedergewählt.— Zur Begründung eines sozial- demokratischen Antrages wurden bekanntlich 218 Unterschriften von wahlberechtigten Semeindemitgliedern zu einer Petition ge- sammelt und darin die Vornahme der Gemeinde- Vertreterwahlen an gesetzlichen Ruhetagen ge- fordert. Mit 9 gegen 2 Stimmen lehnte man dieses gerechte Ver- langen ab. Der Gemeindevorsteher erklärte,„durch die Sonntags- wähl würden die beim Nennsport Beschäftigten rechtlos gemacht werden, desgleichen die wegen stärkeren Bahnverkchrs an Renntagen unabkömmlichen Bahnbeamten'; auch hätten bei der Stichwahl am Sonntag weniger gewählt als bei der Hauptwahl an einem Werktag, wo» gegen die Sonntagswahl spreche, Herr Riffel gefiel sich in dem Vorwurf, die Sozialdemokratie könne bei d« SonntagSwahl die Wähler beffer.gewaltmäßig an den Wahltisch schleppen", darum sei er Gegner der Sonntagswahl. Genosse Köseling wie» diesen Vorwurf energisch zurück und kennzeichnete den Ausspruch de? Vor- stehers als leere Ausrede, denn die Renntage find im voraus für das ganze Jahr festgelegt und man brauchte doch einen Rennsonntag nicht als Wahltag anzusetzen. Genosse G ö I l e r drehte den Spieß des Herrn Nisiel um und hielt ihm den Terrorismus der bürgerlichen Herren vor Augen, wie man z. B. die Bahn- und Post- beamten truppweise kommandiert und die Arbeiter sogar mit Wagen von der Arbeitsstelle holen läßt, um fie unter Kontrolle ihr Wahl- recht, vielfach gegen ihre eigene Ueberzcugung, ausüben zu lassen. Unser Genosse appellierte an das Ehrgefühl der Gegner. Umsonst I Die Neuwahl wurde auf Mittwoch, den 17. Juli, vor- mittags von 11 bis 4 Uhr nachmittags festgesetzt; doch nur, um einen Sieg der Sozialdemokratie zu Verbindern. Auf unseren Anrrag wurde der Montag nach de« 15. eines j e d en M o n a tS a ls r e g e l m ä tz l g e r S i tz u n g S t a g der Gemeindevertretung bestimmt. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde die Anstellung d«S Ge- meindesekretärs beschlossen. Spandau. In der Generalversammlung deS WahlvereinS erstattete der erste Vorfitzende Genosse Scior den Bericht vom verflossenen Geschäfts- jähre und gedachte in seinen Ausführungen der vier verstorbenen Genossen. An Arbeiten hat es in diesem Jahre nicht gefehlt; es fand nicht nur die ReichstagSwahl, sondern auch die Stadtverord- neten« und Gemeindevertreterwahlen für Tiefwcrder und Eladow. die Spandau unterstellt sind, statt. Bei allen Wahlen hotten wir große Erfolge zu verzeichnen. Bei der ReichStagswahl hatte Spandau einen Zuwachs von über 3000 Stimmen, bei der Stadtverordneten- Wahl wurde ein Mandat, bei den Gemeindevertreterwahlen in Tief- Werder und Cladow ebenfalls je ein Mandat erobert. Im Berichtsjahr fanden unter anderem 10 Generalversamm- lungen. 12 Zahlabende, 10 Frauen-Leseabende und 32 Bolls- Versammlungen statt. Flugblattverbreitungen fanden 18 mit einer Gesamtauflage von 414 000 Exemplaren statt. Den Kasienbericht gab Genosse Köppen. Die Einnahmen und Ausgaben balancierten mit 7931.62 M.: an die Kreiskasie wurden 4992,87 M. abgeliefert. Der lokale Pressefonds beträgt 300,90 M. Der Mitgliederstand ist um 426 auf 1177 gestiegen. Lebhafte Diskussion rief die in der vorletzten Generalversamm- lung angenommene Resolution hervor; nach langem Für und Wider erklärte sich die Versammlung mit der Annahme des Antrages der Vorständekonferenz einverstanden und hob die Resolution gegen ein« starke Minorität auf.— Bei den Wahlen wurde Trompler als erster und Völker als zweiter Vorsitzender, Köppen al« Kassierer, Max Jahnke II als erster und Karl Vöhl als zweiter Schriftführer, Hornig. Portzig und Piek als Revisoren gewählt. Die.übrigen Punkle wurden wegen vorgerückter Zeit von der Tagesordnung ab- gesetzt. Die nächste außerordentliche Generalversammlung findet am 29.. Juli bei Köpnick statt. Jugendveranstalwngea. Arbeiterjugend Pankow-Tchönhausen. Sonnabend, den 18. JuN: Nachlwandersadri nach Birlenwerder. Treffpunkt:'/jlO Uhr abend» Bahnhof Pankow(Nordb.j. Proviant, Kocher und Liederbücher stnd mitzu- bringen. Auch verlebe stch jeder Teilnehmer mit Plaid oder Decke. Mittwochs und Frcilag» abend« 7 Uhr: Spiele auf der Schönholzer Pankwicse. Auch Schüler und Schülerinnen der oberen BolkSIchulklassen können daran teilnehmen. Brnfkaftcn der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis aus weiteres von 7 bis 9'/. Uhr abends— Sonnabends»»» 4�/z— 6 Uhr— Lindcnstr. 69, IV. Etage(Fahrstuhl) statt. (?. F. 28. Sie behalten Ihre Rechte.— Signum Badeort 8S7. Zeilschrisl„Gewerbe- und KausmnnnSgericht-. lö. Jahrg. Seile 31f>.— — F. G. Neue Königstr. 36.— 31. M. 42. Fragen sie direkt an bei her Eisenbahndirettion Berlin.— P. 1 3. Derartige private Institute gibt eS vielfach, doch ist ihre Benutzung sehr teuer.— H. E., Zelterstr. 3. 1. Ein ausreichendes Bindemittel ist nicht vorhanden. 2. Diese beiden Eigenichaslen sind bei Leinwand nicht zu erzielen und Präparate solcher Art nicht zu haben_ Marktbericht von Berlin am 10. Jnlt 1912, nach Ermittelung des tönigl. Polizeipräsidiums. Marllhallenprets«.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speyebohncn, weitze, 30,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 9,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfletsch 1,40—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch l.70— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,20— 4,30. l Kilogramm Karpten 1,00—2,20. Aal- 1,00—3.20. Zander 1,60—8,60. Hechte l.LO— L.SO. Barsch- 0,70—2,40. Schiele 1,20—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00._ WitterungSüdersicht rfbrn 11. Jnli 1912. Stationen Swtnemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien !=E«ü II gl Wetter 7661ND 765!OSO 766- SO 765IND 78510 765191910 »I 1 heiter Lwottenl 1 wolkig Dunst wölken! halb bd. w« c% I* biua EtaNonen .ä ii li s= a§ 1*3* Saparanda eierSburg Scilly Aberdeen Paris 765 765 N SO 760 SSO 758 764 -W K Bettet LNebei wölken! Nebel bedeckt wolkenl tt t* 14 17 15 13 13 Wetterprognose für Freitag, den 12. Juli 1912. Vorwiegend heiter und sehr warm bei meist schwachen südöstlichen Winden i Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterbureau. WafierstandS-Rachrichte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Kemel, Tilsit P r e g e l, Jnfterburg W e i ch s e t, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Rehe, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbh . Magdeburg >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Nnterpegel. r Zweigverein Berlin. Sektion Her Gips- um Zementbranehe. Montag, de« 15. Juli 1912, abends 8'l, Uhr, in den Armtuhalleu. Kommandanten str. 58/59: General-Versammlung. Tagesordnung! 1. Geschäftsbericht vom 2. Quartal. 2. Sektionsangelege«. heite«. 140/17» Zahlreichen Besuch aller im Gips- und Betonbaugewerbe b«. | chästigten Mitglieder erwartet__ Per Sekttonavoratond. 1» Arbeitsnachweis: d-I I. Amt Norden. Nr. 1239. Verwaltungsstelle Berlin EharitSstrafte 3. Hauptbureau: Hos UL Amt Norden. Nr. 1987 Sonntag» den 14. Juli 1912, vormittags 10 Uhr: ssü Versammlung= aller in den Knchdrnckerei-Maschinenfabriken beschäftigten Arbeiter(Dreher, Monteure, Schlosser, Maschinenardtiter und Hilfsarbeiter) in den Mufiker-Feftsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m. Tagesordnun 1. Könne« die in den Buchdruckerei-Maschinenfabrike« de- schäftlgtcn Kollege« dnrch eine« Tarii ihre gegenwärtige« Lohn. und Arbeitsbedingungen verbeffern? Rescrent Kollege Hssixllte. 2. Diskussion. 120/15 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet.~M0I Sonntag» den 14. Juli 1912, vormittags 10 Uhr: Verfammlung der Zaunauffteller im Lokale von Merkowski, Andreasstraße 26. T age.ordnunq: 1. Vortrag. 2. Tiskussion. 3. Berschiedenes. •——— Agitiere jeder für guten Besuch der Versammlung. Sonntag, den 14. Juli 1912, vormittags 10 Uhr: Kra»che«'Nersaunnlmig der Emaillierer Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshause, Engelufor 15, Saal 4(Aufgang L). Tagesordnung: 1. Vortrag de« Aallegen chetoit Wu«cblck. 2. Disknsflon. 3. BranchenangelegciUieiten. 4. verschiedenes. —— Ohne HlteltedMbiich kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet__ Die LriSverwaltuug. isftr U Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8>, Uhr, im GewerkschaftShaufe, Engel- ufrr 14/ l 5, Saal 4(Arbeitslosensaals: Sitzung der Ortsverwaltung. Die Zahlstelle 59 ist verlegt von Liebigstr. 14 nach Schreinerstr. 5 bei Hyronimns Manegold. ?tls)tung! Die Bibliothek ist wegen Inventur geschlossen. Alle noch ausstehenden Bücher müssen umgehend ein- geliefert werden._ 86/10 Für Kinder ist Fruchtsast � da«(Betfinbcfle und Beliebteste zur Herstell«ng* • eines ErsrischungSgetrankeS. Da ab r da« Aus- ♦ • pressen der Frucht immerhin umständlich und kost. r. V spiclig ist. wird diesem aus leichte Art mil den beliebten und bereit« millionenfach gebrauchlen Reichel« Limo- na den-Strup. Extrakten abgeholten. Dieselben enthalten da« volle edle Fruchtaroma und ergibt ein« Flasche 5Psd.haltbarenLimo adenfirup von stau»enSwertkrOuaIi> tät und reinem F nicht, leschmack in Himbeer.Kirich, Erdbeer, Zitronen, Grenndine.Limetia utw.— Originalst. 7b Pf. Zur Probe Flasche 40 Ps.— Jede ölouomische Frau wird von der Einsachhett der B-reiwna und der grohen Billigkeit üderroicht lein, denn 1 Pfd. stellt sich str und fertig auf nur /Cw köstliche Li- 25 Pf., wo, Monaden, durch«» jeder Pudding», Familie Flamme.. \ möglich VJÄ ri«jc.ju V � 1 MC . \ /- KrhSHHch in den bekannten Drorerlen, die„Original- Refohel-Esseazen" führen, wenn ausnahmsweise nicht, wende man sich an die Fabnk Otto Reichel» Berlin SO., Eisenbahnstr. 4, Femspr. IV, 4751, 4762, 4763. Vor untauglichen Naehahmungen wird dringend gewarnt I Man nehme nur die echte Marke„Lichtherz, denn diese ist einzig und altbewShxt. 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Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom H Quartal 1912. 2. NeschäftlicheS. Der Torstand. 14306 I. A.: Gustav Busse. ÜMMSMUIillMM — 13« G. nt. b. II«— Montag, den 22. Juli, abend« 8 Uhr, in Singers Voiksgartcn, Priesterstr. 31: AnBerordentllche General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Beschlußsassung über die Liqui- dation des Vereins. 2. Wahl der Liquidatoren. 3. Genostenschastlich-S. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches oder Karte.(105/1 Dar Aufsichtsrat F. IL: SB. Schulz. Bekanntmachung. Orts- Krankenkasse des JUanrer-Gewerlies zu zu Berlin. V. �Zbäncierung dem Statut vom 24. No- vember 1903. Artikel I. Durch Beschluß de>»rbentlichen Generalversammlung der Kassen- Mitglieder und der Arbeitgeber vom 22. April 1912 sind ihrem Inhalt nach folgende wesentliche Abänderungen de« KassenstatutS vorgenommen, welche durch Beschluß de« Bezirksausschusses vom 25. Juni 1912 die Genehmigung erhalten haben. S 13 ist bezüglich der Karenztage geändert worden und zwar dahin, daß bei Mitgliedern, welche länger wie drei Wochen arbeitsunfähig krank sind, die beiden letzten Karenzlagc wegfallen. J42. Es ist die Entichädigung Vorsitzenden und SchnitführerS für Amtsführung erhöht worden. § 58. Die für die Anstellung bczw. Wahl eines Rendantcn maßgebenden Bestimmungen sind geändert worden. Artikel II. Dir vorstehende Abänderung tritt nach erfolgter Genehmigung mit dem Montage nach erfolgter Bekannt- machung in Kraft. 277/3 Berltn, den 27. April 1912. Der vorstand der OrtSkrankenkasie d. Maurer- gewcrbes zu Berlin. V. Lehnig, A. Oaohne, SchristtüHrer. Vorsitzender. Genehmigt durch Beschluß vom £5. Juni 191«. Oer Bezirksau.schuB zu Bertta. Abteilung II, IL 0. 62. 12. /T„, — j—(L. 8.) gez. Wagner, ad.«928.«ew. n./ia. Wer-Stoff-selbst licsert, Auzug ober Paletot nach Maß inll. Zutaten, aus Roßhaar von «5 M. an. Wenn Ich Stoff zugebe, von 45 M. an. Met» Zutehnelde- u. 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