Ur. 161. HboBatmtnts-Bfdlnflongeo: tffionnomntf- fzM btämmtetaniol LterteyShrl. 8�0 Ml, tnonafl. UO MI, wöchemluch 28 Wg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. konntagZ- nununer mil illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue«Zelt* 10 Pstr Post- Wonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mari, für daS übrige Ausland 8 Mari pro Monat. PoftadonnementS nehmen am Belgien, DSnemarh Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. ■"'Ticn, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. CrfftlDt ttsDd) außer montast- Verlinev VolksblaK. Die Insertion!-eebllhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg, für politische und gewerlschastliche BcreinS- und Versammlungs-Anzeigen W Pfg. „Aleine Anreizen", das fettgedrucllc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settgedrncktc Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort S Pfg. Worte über löBuch- ftaben zählen für zwei Worte.. Inserate für die nächste Nummer müsseii bis S Uhr nachinittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm< Adresfet „Sozialddueltrat BerUfl"« Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfcblands. Redaktion: SW. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplay, Nr. 1S8Z. Sonnabend, den 13. Juli 1912. Expedition: SLl. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. ffiandatsljandel in Württemberg. Aus Württemberg wirb uns geschrieben: Durch die Bekanntgabe des zwischen der württembergischen Volkspartei, die jetzt bekanntlich ein Bestandteil der geeinigten Fortschrittlichen Volkßpartei ist, und den Nationalliberalen ge- troffenen Abkommens wird schon jetzt die Aufmerksamkeit auf den Wahlkampf in Württemberg gelenkt, von dessen Eni- scheidung uns noch fast 4 Monate trennen. Dieses Abkommen ist ein Dokument der Schwäche des Liberalismus. Sowohl der Links- als der NechtSliberalismus ist durch eine Politik, die auf die Be» zeichnung„liberal" keinen Anspruch erheben kann, so tief im Ver- trauen des Volkes gesunken, datz keine von beiden Parteien auch nur den Versuch machen kann, selbständig in den Wahlkampf ein- zutreten. Auch die Hoffnung, mit„vereinten Kräften" die bis- herigen Positionen verteidigen zu können, wird fehl schlagen. Der Vertrauensschwund zweier politischer Parteien wird dadurch, daß man ihn zusammenwirft, nicht kleiner, sondern größer. Und so kann denn schon jetzt vorausgesagt werden, datz trotz des Wahlab- kommen? die Volkspartei von ihren jetzigen 18 Bezirksmandaten keine 3, die Nationalliberalen von ihren 10 Bezirksmandaten kein einziges im ersten Wahlgang behaupten wird. Es müßte denn sein, daß die konservativen Bauernbündler in dem einen oder anderen Bezirk den Nationalliberalen gleich im ersten Wahlgang Hilfe leisten, um sich ein freundliches Verhältnis für den zweiten Wahlgang zu sichern. In manchen Kommentaren zu diesem Wahlvertrag, so in der „Köln. Ztg.", wird der Freude darüber Ausdruck gegeben, daß es auf diesem Wege gelungen sei, der Volkspartei„einen Riegel nach links vorzuschieben", andererseits wird in volksparteilichen Pro- dknzblättern, die begreiflicherweise wenig zufrieden sind über die Abmachungen, bedauert, daß die Volkspartei nicht mit der Sozial- demokrati« Hand in Hand in den Wahlkampf gezogen sei, was weiten Wählerlreisen viel lieber gewesen wäre. Dazu sei bemerkt, datz sowohl von der Sozialdemokratie wie von der Volkspartei nicht der leiseste Versuch gemacht worden ist, ein Abkommen zwischen diesen beiden Parteien zu treffen. Der Oeffcntlichkeit war von unserer württembergischen Parteileitung nicht der geringste Zweifel darüber gelassen worden, datz die Sozialdemokratie völlig s e l b st ä n d i g in den Kampf eintreten und in allen Wahl- kreisen durch eigene Kandidaten Anhänger für ihre Sache zu werben bestrebt sein werde. Das neue württembergische Wahlverfahren bietet nicht die geringste Veranlassung zur Preisgabe der Selbst- ständigkeit, denn es läßt nicht wie in Bayern die relative Mehrheit schon im ersten Wahlgang gelten, sondern gibt den Parteien, falls im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erlangt, für den zweiten Wahlgang wieder vollste Freiheit. Es können also alle Kandidaten aus dem ersten Wahlgang wieder präsentiert werden und weitere dazu, die Kandidaten können zurück- gezogen und durch andere ersetzt, kurz es können ganz neue Vor- bereitungen getroffen werden. Im zweiten Wahlgang ist sodann die einfache Mehrheit entscheidend. Auch die in der schwarz-blauen Presse verbreiteten Märchen von dem in Vorbereitung begriffenen Grotzblock können leicht ab- ''getan werden durch Feststellung der einfachen Tatsache, datz sich das liberale Wahlabkommen ja vorwiegend gegen die„gefährlicher denn je emporstrebende Sozialdemokratie"(so heißt es im offiziösen nationalliberalen Begleittext) richtet. In Württemberg ist für einen Grotzblock kein Boden vorhanden. Weder bei den Nationalliberalen, noch bei der Sozialdemokratie besteht irgendwelche Neigung zu einer dauernden Arbeitsgemeinschaft, für die es bei dem gegebenen Stärkcverhältnis der Parteien auch an jedem Anlaß fehlen würde. Neben der schwächlich-liberalen Politik der beiden„liberalen" Parteien hat die starte EntWickelung der Sozialdemokratie die Be- drängnis herbeigeführt, die jene Parteien veranlatzte, nach Hilfe Ausschau zu halten. Das Zentrum, das sein geographisch scharf abgegrenztes Gebiet beherrscht, in den anderen Landesteilen aber nicht oder meist nur mit unbedeutenden Stimmenzahlen in Betracht kommt, hatte schon aus diesem Grunde von vornherein auszuscheiden.\ Mit dem konservativen Bunde der Landwirte, der durch eine ge- j rissene Demagogie die demokratisch empfindenden Kleinbauern der, Volkspartei wegangelt, steht diese in einem so wenig günstigen Verhältnis, datz auch ein Bündnis zwischen diesen beiden Parteien ausgeschlossen war. Es kam also nur noch die nationalliberale! Partei in Betracht, die in Württemberg zwischen dem Jung- und dem Altliberalismus hin- und herpendelt. Die nationalliberalen Führer hatten bald nach den Rcichtstagswahlen offen ausgesprochen. datz sie bei den Landtagswahlen sich mit der Liebe der Volks- partei nicht begnügen, sondern sich auch bei den Bündlern prosti- tuiren wollten. Durch die von der volksparteilichen Presse, und besonders von Herrn Payer in einer Rede darauf gegebene Ant- wort wurde der Schein erweckt, als würde den Nationalliberalen die„r e i n l i ch e S ch e i d u n g" gegenüber der Rechten zur strikten Bedingung gemacht. So forsch sind nun aber die Volksparteiler nicht aufgetreten, sie haben vielmehr den Nationalliberalen per-' bluffend weitgehende Zugeständnisse gemacht und dabei doch die .reinliche Scheidung" nicht erreicht. Das ganze Wahlabkommen erweckt den Eindruck, als ob die Nationalliberalen bei jeder an die Volkspartei gerichteten Forde- rung erklärt hätten: entweder ihr bewilligt, oder wir gehen zum Bauernbund, und darauf haben die Volksparteiler bewilligt. So ist es den Nationalliberalen gelungen, von insgesamt 65 Bezirken, die aufgeteilt wurden, 31 zugewiesen zu bekommen, in denen sie die Kandidaten zu stellen haben, während die Volkspartei 34 Kan- didaten aufstellen darf. Dabei ist zu beachten, datz bei der letz- maligen Feststellung des Stärkeverhältnisses der beiden Parteien, nämlich bei der Landesproporzwahl im Jahre 1967 die Volkspartei in den 65 Bezirken mehr als doppelt so viel Stimmen aufbrachte, und datz. die Volkspartei zurzeit auch über doppelt soviel Mandate verfügt, wie die Nationalliberalen. In einer Reihe von Bezirken, welche die Volkspartei bei den letzten Wahlen verlor, darf sie keinen Kandidaten aufstellen, und einen jetzt von ihr vertretenen Bezirk (Besigheim) mutz sie den Nationalliberalen schenken. In etwa der Hälfte der mit nationalliberalen Kandidaten zu besetzenden Bezirken ist die volksparteiliche Stimmenzahl 6 bis 16 mal so groß als die nationalliberale. Damit noch nicht genug, mutz eS sich die Volkspartei auch noch bieten lassen, datz die Nationalliberalen im Bezirk Leonberg statt den volksparteilichen den bündlerischen Kandidaten unterstützen, dem sie bei der Reichstagswahl heimlich ein Versprechen in diesem Sinne gegeben haben, und datz sie in Tübingen-Amt, welcher Be- zirk neben Heidenheim und LudwigSburg-Stadt von dem Abkommen ausgenommen wurde, der Volkspartei einen Gegenkandidaten gegenüberstellen. Und endlich haben sie sich, für den zweiten Wahl- gang„freie Hand" ausbedungen, falls ein nach dem Abkommen aufgestellter Kandidat zurückgezogen werde. Die Rationalliberalen werden also Kandidaturen, die den Bündlern unbequem sipd, zu- rückziehen und dafür die bündlerische Unterstützung in nderen Bezirken einhandeln. Es heitzt, datz sogar im ersten W�hlgang die Bündler für den Leonberger Liebesdienst schon Gegenleistung in Besigheim gewähren werden. Nur in 3 Bezirken haben sich die Nationalliberalen in den Kampf gegen die Rechte drängen lassen, während in 7 bündlerisch vertretenen Bezirken die Volkspartei die Kandidaten zu stellen hat. Ein Kuhhandel nach allem herkömmlichen Ritus l Die Wähler werden verhandelt wie die Rinder. Prinzipien und Anschauungen sind gleichgültig, Mandate sind das allein Entschei- den de. Volksparteilicher Oberschmuser war der Abgeordnete Hautzmann, der sich jetzt von seiner Bezirkspresse sagen lassen mutz, das Abkommen habe„etwas Anrüchiges" an sich. Er habe die ihm übertragene Vollmacht mißbraucht, indem er über den Kopf der Organisation hinweg Wahlkreise an die Nationalliberalen auS- geliefert habe usw. Diese Proteste werden von den Oberkomman- deuren der„demokratischen" Volkspartei unterdrückt. Das Abkommen wird durchgeführt werden. Bereits ziehen sich volksparteiliche Kandidaten, die sich voreilig in solchen Bezirken hatten aufstellen lassen, die nun an die Nationalliberalen verhandelt sind, zurück und geben das Feld frei. Für unsere Parteigenossen ist diese Lage nicht ungünstig. Das Abkommen erleichtert ihnen den Beweis, datz die ehemals kleinbürgerlich-demokratische Volkspartei nationalliberal, das heitzt zur Vertretung der Interessen deS Großkapitals geworden ist. Zahlreichen Wählern, die sich seither im volkspartcilichen Schlepp- tau befanden, werden jetzt klar erkennen, wohin die Reise geht. Das Vertrauen dieser Kreise durch eine prinzipiell klare Propa- ganda zu erwerben, ist Aufgabe der Sozialdemokratie. Der Organilationszwang der kapitalütiicben Kartelle. II. Sehr häufig wird der Organisationszwang ausgedehnt durch die Vorschrift, der Abnehmer dürfe nur bei dem betr. Syndikat kaufen(Exklsiv-Klausel), sofern er Anspruch aus Vorzugsbedingungen haben wolle. Für den Fall, datz bei Un- organisierten(Außenseitern) gekauft wird, tritt eine hohe Kon- ventionalstrafe. evtl. sogar völlige Liefcrungssperre ein. Umgekehrt werden den ausschließlichen Shndikatskunden„Treu- rabatte" verschiedener Art gewährt. Auf diese Weise werden auch an den Organisationsstreitigkeiten unbeteiligte Dritte indirekt zu einem Druck auf die Außenseiter gebraucht. Das Mittel- deutsche Braunkohlcnsyndikat bindet seine Kunden bei einer Konventionalstrafe von 5 M. für je 146 Hektoliter Kohle und 1 Tonne Koks,„weder Briketts noch Natzprctzstcine,. noch Braunkohle autzenstchender Werke zu kaufen, zu vertreiben, über- Haupt deren Absatz weder mittelbar noch unmittelbar zu fördern". Die Vereinigung deutscher Gaswerke verpflichtet ihre weiterver- kaufenden Abnehmer, keinen Koks von nichtsyndizierten Gastverken abzusetzen. Das Rheinisch-Wcstfälische Zementsyndikat begünstigt die Mitglieder des Bauunternehmervcrbandes. die sich zum aus- schlietzlichen Bezug vom Syndikat verpflichten, mit Anrechnung von 16 M. Refaktion pro Waggon. Aehnliche Vorzugsbestimmungen enthalten die Lieferungsverträge des Druckpapiersyndikats, der Konvention photographischer Reproduktionsanstalten, des Verbandes j der Seidenfärbereien zu Krefeld usw. Auf diese Weise arbeitet ein Kartell dem anderen in die Hände; die organisationsunlustigen Fachgenossen werden förmlich in eine Zwickinühle genommen, bis sie sich, um den fortgesetzten systematischen Geschäftsschädigungen zu entgehen, dem Kartell anschließen. Zu den gegen die„arbeitswilligen" Fachgenossen seitens der kapitalistischen Kartelle ausgeübten Zwangsmitteln gehören auch die Ausfuhrvergütungen, die praktisch eine Prämiierung der kartellierten Unternehmungen bedeuten. Die 1962 in Düsseldorf eingesetzte„Abrechnungsstelle für die Ausfuhr" war vom Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat, dem Roheisensyndikat, dem Halbzeug- verband und dem Trägerverband organisiert. Seit 1965 deckt sich ihre Geschäftsleitung mit der des Stahlwerksverbandes. Die „Abrechnungsstelle" zahlt grundsätzlich nur syndizierten Werken Ausfuhrvergütungen, kann aber solche auch„für alles bei dem Kohlensyndikat und Stahlwerksverband unmittelbar gekaufte und von diesem bezogene Material gewähren, soweit derselbe zu aus- geführten Erzeugnissen Verwendung gefunden hat, welche z u einem billigeren al� den auf dem inländischen Markte herrschenden Preise ans Ausland ver- kauft worden sind"! Somit prämiieren die großen Roh- stoff- und Halbzeugsyndikate die Versorgung des Auslandes mit billigen deutschen Produkten, führen damit das„Schutzzollsystem" sä sdsuräum und verfügen darin über ein vorzügliches Organi- sationSzwangSmittel. Wenn auch die Prämienzahlung an nicht- syndizierte Exporteure vorgesehen ist, so läuft sie in der Praxis doch auf eine gegenseitige Unterstützung der syndizierten Rohstoff- und Halbzeugerzeuger und der kartellierten Weiterverarbeiter hin- aus. Ein nicht prämiierter Exporteur kann dann eben nur noch mit Verlust in daS von seinen Konkurrenten belegte Ausland aus- führen. Außerdem werden die Prämien, denen die jeweils erhöhten Rabatte in ihrer geschäftlichen Wirkung gleichkommen, je nach der „Widerstandsfähigleit der Abnehmer" bemessen. Wo es sich näm« lich um sehr kapitalkräftige, wenn auch organisationsunlustige Käufer handelt, da werden günstigere Rabatte bewilligt, während die kapipilschwachen, die das Syndikat„gerade unter seinen Wil- len beugen will", die härtesten Verkaufsbedingungen gleich Kampf- matzregeln diktiert werden. So geschehen von der Spirituszentrale, dem Zuckershndikat, auch vom Roheisensyndikat. Die Wirkung die- ses Organisationszwangcs ist, daß den so Vergewaltigten der ge- schäftliche„Wettbewerb unmöglich" gemacht wird. Sie müssen sich fügen oder fallieren. Wenn dies nicht anders zu erreichen ist, dann geschieht es durch planmäßige PreiSunterbie- tung. Sie ereignet sich am häufigsten zwecks Ruinierung neu- entstandener Werke oder doch, um diese einem Kartcllzwang zu unterwerfen. Ist dies Ziel erreicht, dann werden die vorherigen, oft viel höheren Kartellpreise wieder hergestellt. So dekretierte der Konzern der großen Elektrizitätsgesellschaften den mit der Ausarbeitung der Offerten beauftragten technischen Bureaus, die Außenseiter ohne Rücksicht auf die Selbstkosten zu unterbieten. Wo es sich um entsprechend große Objekte handelt, da zwingt man die Störrigen durch Entziehung des Bankkredi'ts in das Syndikat hinein, oder man kauft den betreffenden Außen- sciter auft Für die Ausübung des letztgenannten Zwangsmittels sammeln entweder die Kartellzentralen selbst, wie es beispielsweise beim Zuckersyndikat geschah, oder die einzelnen Syndikatswerke, beispielsweise die Weitzblechfabrikanten und die alten Kallwerke, Kampffonds auf. Typisch für das Vorgehen der Syndikatswerke gegen einen.arbeitswilligen" starken Außenseiter ist der Fall Stahlwerksverband kontra Phönix geworden. Ohne Phönix hätte der Stahlwerksverband keinen langen Bestand gehabt. Ihre Direktion weigerte sich mit Rücksicht auf die spezielle Situation des Werkes, dem Stahlwerksverband beizutreten. Darauf kauften die mit den koalitionslustigen Hüttenwerken verbündeten Groß- danken, insbesondere die Diskontogesellschaft, das Bankhaus Sal. Oppenheim jun. und der Schaaffhausensche Bankverein unter der Hand soviel Phönixaktwn, bis sie die Mehrheit hatten. Gleich-. zeitig drohte das Kohlensyndikat der Phönix-Gesellschaft mit der Entziehung der Ausfuhrvergütung, und die übrigen Hüttenwerke mit der Sperre des Halbzeugs(Phönix mutzte große Mengen Halb- zeug zukaufen). Nunmehr beschloß die Generalversammlung der Phönix gegen den Rat des Werksdirektors den Beitritt zum Stahl- Werksverband. Dem brüchig gewordenen Nordtvestdeutschen Zementsyndikat half die Dresdener Bank, indem sie den Außen- seitern die Kreditentziehung in Aussicht stellte. Von einer anderen Art des Zwanges zum Kartellbeitritt, der geschäftlichen und privaten Verächtlichmachung(Verrufs? erklärung) kommt verhältnismätzig wenig zur.öffentlichen Kenntnis, weil die Unternehmerkartelle infolge der meist relativ kleinen Zahl der Mitglieder ihre Dispositionen in der Regel streng vertraulich treffen. Sie brauchen nicht, wie die Lohnarbeiter und Angestellten öffentliche Wcrbeversammlungen abzuhalten; Zirkular- schreiben genügen zur Jnfamierung der Fachgenossen. Wenn Jnteressentenversammlungen stattfinden, dann sind sie meist ver- traulicher Natur, und die nicht selten scharfen persönlichen Aus- einandersetzungen gelangen sehr selten zur Kenntnis des breiten Publikums.. Bei den Arbeitergewerkschaften liegt das natürliche Bedürfnis vor, sich öffentlich an eine möglichst große Masse Be- rufskollegen zu wenden; darum finden auch die etwaigen Zusam- menstötze zwischen den Organisierten und den Organisationsun- luftigen hier unter der Kontrolle der Oeffentlichkeit statt. So sind die in Lohnstreik befindlichen Gewerkschaften auf die Kontrolle der „Arbeitswilligen" durch Streikposten angewiesen, während sich die weit schärfere Ucberwachung der„arbeitswilligen" Außenseiter im Untcrnehmerlager durchaus heimlich, oft nicht einmal dem Uebcr- wachten kenntlich vollzieht- Datz es aber an scharfen Verrufscr» Närungen, geschäftlicher und gesellschaftlicher Aechwng der Organi, sationsunlustigen seitens der kapitalistischen Kartellgenossen— selbst öffentlichen Beschimpfungen, wie die zitierte„Agrackorrespon. denz" beweist— nicht fehlt, belegt Kestner ebenfalls. Jedenfalls gehört ein hohes Mast von Ungerechtigkeit, ja H e u ch e l e i dazu, von dem Mangel an sozialpolitischer Ein- ficht ganz zu schweigen, wenn die kartellierten Unternehmer in einem fort nach„Schutz der Arbeitswilligen gegen den gewerk- schaftlichen Terrorismus" schreien, wo doch die von den Arbeiter» organisationen wirklich ausgeübten, durchaus gesetzlichen Organi- sationszwangsmittel nicht entfernt so drückend wirken können, wie die von den kapitalistischen Kartellen gegen die Außenseiter shste- matisch angewandten Zwangsmastrcgeln. Wenn irgendwo, dann trifft aus die nach Ausnahmegesetzen gegen die Arbeiterverbände rufenden kapitalistischen Syndikalisten die Warnung zu: Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen I Politische(leberficbt. Berlin, den 12. Juli 1912. Ablehnung des badischen Budgets durch die sozial- demokratische Kammerfraktion. Aus Karlsruhe wird telegraphisch gemeldet: In der heutigen Nachmittagssitzung der Zweiten Kammer gelangte das Finanzgesetz mit 53 gegen 19 Stimmen zur An- nähme. Gegen die Annahme haben alle Sozialdemokraten gestimmt mit der Erklärung, die Regierung habe von Anfang bis zu Ende der Tagung bewiesen, daß sie die Sozialdcmo- kraten nicht als gleichberechtigie Staatsbürger anerkenne. Es entspräche daher dem Gebote der Selbstachtung, das Budget abzulehnen._ Herr Erzberger als Kriegshetzer und Flottentreiber. Schon während der Marokkohetze im vorigen Jahre machte sich Herr Erzberger durch seine skrupellosen chauvinistischen Treibereien höchst unangenehm benierkbar. Jetzt setzt er sein sauberes Handwerk in einer Weise fort, daß jeder journalistische Kuli des Papzerplattenkapitals in ihni seinen Meister verehren könnte/ Offenbar geht ihm das deutsche Flottenrnsten, das in der Welt nicht seinesgleichen hat. noch zu langsam. Anders ist. lvenigstens der alarmierende Hinweis aus Englands ge- steigerte Flottenkonzentratiop im Kanal und in der Nordsee nicht zu verstehen. Herr Erzberger weist die— allbekannte— Verschiebung der Hauptmasse der englischen Flottenmacht nach dein Kanal und der Nordsee zahlenmäßig nach und fügt dann— im roten„Tag"— wörtlich hinzu: »Diese Verschiebung der Reservcformolionen sagt noch deut- licher, iv o h i u die Absichten Englands gehen. Gegen- über solchen Zahlen sollten endlich die Redensarten über die Verständigung aufhöre«: denn dieser Rahmen zeigt jedem Deutschen die iv i r k l i ch e n Absichten Englands. Mögen selbst englische Minister sich überbieten in Friedens- Versicherungen. Der kluge Mann schaut aus die Tat und»immr danach seine Stellung ein." Ob dieser infamen Hetze gegen England scheint selbst diesem abgebrühten Zentrumsdemagogen denn doch das Ge- wissen zu schlagen, denn er verwahrt sich gleich gegen die allerdings nur zu nahe liegende Gegenbemerkung, daß das deutsche Flottenrüsten ja für diese Verschiebung verant- wortlich sei. Und die Leute, die sich zu dieser zwingenden Logik bekennen, glaubt er dann durch die Grobheit abtun zu können, daß es„auch solche Käuze im Herrgottsgarten geben" müsse. Denn— Deutschland habe ja doch„vom An- fang an bis heute betont, daß es nur eine Abwehr- flotte" baue. Es gehört schon Erzbergers Intelligenz und Unverfrorenheit dazu, in demselben Atemzuge Eng- l a n d s Abwehrmaßregeln als ä r g st e Bedrohung Deutschlands anzuschlvärzen, wo er selbst die Friedens- beteuerungen des fabelhaft rüstenden Deutschland als etwas hinstellt, woran zu zweifeln verruchtester Frevel sei. Aber solche krampsigen Elownspäße ist man ja bei einem Erz- berger längst gewöhnt. So bescheiden sind selbst die Verstandesgaben des Hern? Erzberger nicht, daß er nicht kapieren müßte, daß das fort- gesetzte Flottenrüsten, für das auch das Zentnim wieder bei der neuesten Flottenvorlage eingetreten ist. zu einem unauf- hörlichen Rüstungswettkampf und selbstverständlich auch zur Konzentration der englischen Flottenmacht führen muß. Und ivenn Herr Erzberger wenigstens so konsequent wäre, beiden Nationen das Recht zun? Mißtrauen zuzugestehen. Aber während er es für Deutschland in Anspruch nimmt, unter- schiebt er England nach der Methode der frivolen Hetzapostel und Panzerplattenagenten die feindseligsten Absichten gegen Deutschland. Das Wettrüsten soll also weiter gehen, bis die wahnsinnige Ueberspannung wirklich zur Katastrophe führt, init der die Leute vom Schlage eines Erzberger ein so frivoles Spiel treiben I Ob den Leutchen denn gar nicht einmal der Gedanke aufdämmert, daß eine solche Katastrophe auch für unsere Kriegs- treiber selbst höchst verhängnisvoll werden könnte?! Nicht abfeilschen, sondern erkämpfen! In der Redaktion des»Berliner Tageblatt" sitzen drollige Mauze. Statt dagegen zu.protestieren, daß Genosse Eisner ein preußisches WahIbiindniS mit dem Fortschritt wegen der politischen Unzuverlässigkeit der Forischrittswähler für aussichtslos erklärt hatte, entrüsten sich diese unentwegt liberalen Männer darüber, daß der„Vorwärts" sich nicht einer politischen Illusion ldec.Schwächung" des blauschwarzen Blocks wegen) zuliebe zu der Taktik bekehren kann, dem Freisinn in einer Reihe von Wahlkreisen die sozial- demokratischen Urwähler zuzutreiben I Ja mehr noch: trotzdem der „Vorwärts" erklärte, daß es lediglich vom Freisinn abhänge, ob für die Abgeordneten wählen ein Abkommen zwischen Freisinn und Sozialdemokratie zustande komme, rät das»B. T." dem Frei- sinn, den Kampf»aus eigener Kraft" zu führen! Es geht nichts über freisinnige Selbstlosigkeit: die sozialdemokratische Unterstützung wollen sich die Herren in Preußen gnädigst gefallen lassen, aber über die Gegenleistungen schweigt man sich vornehm aus. Sollen wir uns gegen die kindliche Unterstellung, der„Vorwärts" glaube wohl gar durch die Eroberung von einem Dutzend sozial- demokratischer Mandate»die Junker- und Geldsackfeste brechen" zu können, im Ernste verwahren? Besitzen wir doch nicht einmal den Grad von Naivität. unS einzubilden, daß etwa durch die Verstärkung des Fortschritts um ein halbes Dutzend Mandate eine reaktionäre Wahlrechtsflickreform für das Proletariat a k z e p- t a b l e r werden könne. An solche.Wunder" glauben wir allerdings 'nicht, vielmehr sind wir der Ansicht, daß das Proletariat sich aus geologische Zeitperioden einrichten, und mit mehr als Engelsgeduld wappnen müßte, wenn eS darauf warten wollte, bis es psu k peu , durch Flickrcförmchen auf Grund der Zusammensetzung des Drei- klassenparlaments sukzessive ein demokratisches Wahlrecht erhielte! Aus dieser historisch-politischcn Betrachtungsweise heraus, die freilich selbst Fortschrittsmännern von der intensiveren Couleur des „Berliner Tageblatts" unverständlich sein mag, legen wir denn auch weniger Gewicht darauf, ob der Freisinn etliche Mandate mehr oder weniger erobert, als vielmehr darauf, auch die preußischen Abgeord- netenwahlen nach Möglichkeit dazu auszunutzen, die proletarischen Volksmassen zu politischen Kämpfern zu erziehen! Wenn die»Dresdener BolkSzeitung" unserer Auf« fassung nicht ohne weiteres zuzustimmen vermag, sondern vor allen Dingen ein«»gründliche Vertiefung in die preußische Wahlstatistik" empfiehlt, so haben wir gegen diesen Rat natürlich nicht das ge- ringste einzuwenden, höchstens daß auch ein gründliche» Mitzurate- ziehen der ReichStagswahlstatistik zu empfehlen wäre. Nach dem V o r- liegen der Ergebnisse solchen Studiums wollen wir gerne weiter diskutieren._ Besitzsteuern zur gefälligen Auswahl. Reichskanzler und Reichsschatzsekretär sind, um sich die Gunst des schwarzblauen Blocks und der Nationalliberalen nicht zu verscherzen, auf einen kuriosen Plan verfallen. Sie wollen dem Reichstag nicht einen bestimmten Besitzsteuer- Vorschlag zur Genehmigung vorlegen und sich für dessen An- nähme einsetzen, sondern sie gedenken das Prinzip des Waren- Handels aus die hohe Reichsfinanzkunst anzuwenden. Sie lassen eine ganze Reihe verschiedener Steuerentwürfe zur Deckung der neuen Heeres- und Marinelasten ausarbeiten, den einen Vorschlag etwas mehr kapitalistisch-liberal, den anderen etwas mehr aqrarisch-konservativ, um diese dann den„staats- erhaltenden" Parteien zur„gefälligen Auswahl" vorzulegen. Die betreffenden Parteien sollen sich dann aus dem Hausen heraussuchen, was ihrer Jnteressc-npolitik entspricht, und falls sie Aenderungen wünschen, diese näher bezeichnen. Eine hiesige halbosfiziöse Korrespondenz berichtet über den schönen Geschäftsplan: Ein Gesetzentwurf über eine Besitzsteuer wird dem Reichs- tage, wie wir aus bester Quelle hören. voraussichtlich erst im März 1S13 zugehen. Im Reichsschatzamt sind Vor- bereitungen für einen solchen Entwurf erst insofern gettoffen worden, al» eine Denkschrift ausgearbeitet wird, die sich mit dieser Materie eingehend besaßt und die verschiedenen Arten einer Besitzsteuer bespricht, ohne bestimmte Borschläge für die zulünstige Gesetzgebung zu machen. Diese Denkichrist wird .den Bundesstaalen zugehen und wird im Lause des nächsten Winters eine der Grundlagen bilden für die Verhandlungen zwischen den Finanzministern der Einzelstaaten. Bestimmte Pläne in irgendeiner Richtung sind bisher noch nicht gefaßt und werden auch erst in Monaten gefaßt werden können, da die neue Besitz- stcuer in Art und Höhe dcS Ertrages von den Einnahmen de? HaushaltSetatS abhängig gemacht werden soll. Tie Berhand- lungen über die Steuer werden kaum vor Dezember beginnen und eine endgültige Stellungnahme des Bundesrats ist kaum vor März 1013 zu erwarten, sodaß die Vorlage schließlich erst im April den Reichstag beschästigen wird, der eine frühere Vorlegung auch nicht gewünscht hatte. Bisher haben schon meist die Herren Minister im Reich und in Preußen ihre Stellung zu den Konservativen und ihren Äerbündeten.so aufgefaßt, wie die eines Handlungskommis zu seinem Prinzipal: aber vor der Oeffentlichkeit haben sie sich wenigstens als selbständige Männer aufgespielt— jetzt lassen sie auch diese Maske-fallen und gestehen offen zu:„Wir machen alles, was gewünscht und verlangt wird!" Solche Offenheit verdient alle Anerkennung: der Kammevlnkei soll nicht den Herrn spielen._ Das bayerische Zentrum und die Lehrer. Das bayerische Zentrum hat sich mit der Verweigerung der GebaltSaufbesserung für die Lehrer in eine recht be- denkliche Situation gebrockt, rebelliert dock sogar der Katholiscke Lehrerverein, den die Ultramontanen als Gegengewicht gegen de» liberalen Baycrtschen Lehrerverein ins Leben gerufen habe». Für nächsten Sonnabend ist eine große P r o t e st v e r s a m m l u n g der bayerischen Lehrerschaft nach München einberufen. DaS Zentrum steht zwar, wie feine Press« versichert, dieser Kundgebung»mit dem vollsten Gleichmut" entgegen, das hindert jedoch manche Zentrums- p s a r r e r nickt, durch U r la u b s v e rw e i g e ru n g und münd- liche Bearbeitung die Lehrer vom Besuche dieser Versammlung zurück- zuhalten. Grostmäuligkeit. Das Berliner Bündlerblatt gebärdet sich, als ob eS gar nickt den Termin der Verhandlung gegen die Genossen Borckardt und Leinert erwarten könnte. Man iollte glauben, die Blamage, die die Pappenheimer und ihre Helfershelfer bei der schmachvollen Affäre seinerzeit davongetragen haben, sollte sie gar. nicht so erpicht auf neue öffentliche Blamagen machen. Oder rechnen sie so bestimmt auf einen richterlichen Sullurs? Wenn ihnen der Prozeß nur nicht übel bekommt! Unvorsichtig im höchsten Maße— von Tattlofigkeit sprechen wir bei dem Bündlcrblatt absichtlich nicht— aber ist eS, daß es sich darüber zu verwundern wagt, daß sich Genosse Borchardt auf dring- lichste ärztliche Mahnung schleunigst einer Kur unterzogen hat. Ja, haben denn nach Ansicht der„Deutschen Tageszeitung nur Gent- lemen vom Schlage des Phili Eulcnburg das Recht, aus Gesund- heitsrücksichten die Vertagung eines prozessualen Verfahren» zu ver« langen? Zudem mag sich das Lertel-Blatt ge trösten: Früher wie die Eulenburg-Affäre wird die Affäre Borckardt schon zur Ver- Handlung kommen. Und sicherlich mcht zur Genugtuung der Scharf- niacher und Aufputscher des Herrn v. Erffa! Der Säugling im Gefängnis. Den Ruhm, Säuglinge ins Gefängnis gebracht zu haben, teilt mit der Justiz des Ruhrgebiets das heilige Köln. In einem Schöffengerichtssaal saß dieser Tage eine Frau mit einem dreizehn Monate alten Kindchen, mit dem sie schon zwei Wochen im Gefängnis zugebracht hatte. Sie war angeklagt, die Kölner Armenverwaltung und den katholischen Elisabethenverein. den letzteren um ü M.. die erstere in vier Fällen um je 3,ll M.»beschwindelt" zu haben. Um Brot und eine Strohunterlage für sich und ihren Säugling zu bekommen, hatte sie einen falschen Namen und Familienstand angegeben. Das Gericht sprach sie frei, da die Zeugen erklärten, daß die Frau die Beträge bei wahrheitsgemäßen Angaben auch bekommen hätte. Welche der„Wohlfahrtseinrichlungen" hat es auf dem Gewisse», die arme Frau von ihren drei anderen Kindern gerissen und sie mit dem Säugling ins Gefängnis gebracht zu haben? Glaubte man an— Fluchtverdacht bei der Mutter von vierKindern?_ Das bayerische Zentrum als Sachwalter des Kapitals. Die Abgeordnetenkammer verhandelte am Freitag über den Ausbau der Wasserlräfte, die Elektrisierung der Bahnen und die Versorgung des Landes mit Elektrizität. Die heutige Regierung verschleppt den bereits 1913 vom Landtag beschlossenen Ausbau des Walchcnsees und läßt so den Elektrizitätstrust immer mehr in Bayern eindringe». Im ReichSrat hat man die Regierung aufge- fordert, das ganze Projekt aufzugeben, und die Regierung hat auf diese Angriffe Erklärungen abgegeben, die nicht anders aufzufassen sind, als daß sie zwar die Pläne grundsätzlich festhält, ihre Aus- führung aber vorläufig zu verhindern gedenkt. Auch am Freitag kündigte der Minister des Innern langwierige Erwägungen an. Entschieden forderte der liberale Abgeordnete Hübsch, endlich mit dem staatlichen Ausbau zu beginnen. Er regte an, den staat- lichen Betrieben Auffichtsräte beizugeben, in denen auch Abgeord- nete vertreten seien. Herr O s e r, der Sprecher des Zentrums, riet dagegen der Regierung, sich nicht zu überstürzen. Die Unlust der heutigen Regierung und des Zentrums, eines der wichtigsten Kulturwerke in Angriff zu nehmen, wurde vom Genossen Sibolf Müller scharf kritisiert. Er erinnerte an die Begeisterung, die noch vor zwei Jahren für das Werk herrschte. Heute vertrete die Partei rein privatkapitalistische Interessen. Vom agitatorischen Standpunkt könne unsere Partei mit der Verschleu- derung der Wasserkräfte zufrieden sein. Wir haben aber noch stets den grundsätzlichen Standpunkt vertreten, daß die Wasserkräfte durch den Staat ausgebaut werden sollen. Das Land müsse un- bedingt Klarheit über die Verhältnisse haben, ob tatsächlich der Vorwurf gegen den früheren Verkehrsminister berechtigt ist, daß er leichtfertig oder absichtlich Arbeiten verhindert oder vernach- lässigt hätte, die jetzt neu gemacht werden müssen. Sei der Bor- wurf berechtigt, so ergäbe sich die Notwendigkeit, nachträglich dem früheren Verkehrsminister den Prozeß zu machen; sei er nicht berech- rigt, dann müsse er hervortreten und Stellung nehmen gegen die unkontrollierbaren Angriffe, die aus dem Dunkel gegen ihn erfolgt sind. Im Reichsrat. so fährt Müller fort, habe das Privatinteresse an der Ergatterung billiger Wasserkräfte einen Kampf gegen die staatlichen Pläne geführt. Wegen des Ausdrucks„Kammer der Ausstchtsräte" wird der Redner vom Vizepräsidenten Frank gerügt, der es auch für un- zulässig erklärt, ein Mitglied des RcichSrats als Interessenten zu bezeichnen. Genosse Müller wendet sich gegen die Unterbrechungen des Vizepräsidenten:„Sie können mir ja das Wort entziehen, wenn Ihnen meine durchaus sachlichen Ausführungen nicht passen." Redner schilderte dann die Ausbreitung des ElektrizitätskapitalS, gegen die es nur eine einzige Rettung gäbe, den staatlichen Ausbau der Wasserkräfte. Was man jetzt gegen die Elektrisierung der Bahn sage, ähnele dem. was man einst gegen den Bau von Eisen. bahnen gesagt habe. Wenn die Presse sich gegen das ElektrizitätS- kapital wende, so aus dem einfachen Grunde, weil bis in hohe Kreise die Interessenten des Elektrotrusts tätig sind. Zum Schluß verliest der Redner die Ausführungen des Ministerpräsidenten, die er als Professor in einem Buche nieder- zelegt hat, gegen die Macht des Kapitals, der gegenüber eS Pflicht �»es Staates sei, Unternehmungen, welche ihrer Natur nach dem Interesse aller dienen sollen, selbst zur Ausführung zu bringen, statt sie privaten Gesellschaften zu ihren eigenen Vorteilen zu überlassen. Ter Verkehrsminister v. S e i d l e i n antwortet, daß die Re- gierung an ihren Plänen festhalte, aber die Verhältnisse hätten sich geändert, die Dürre des vorigen Sommers hätte die Berech- nungen umgestoßen: jetzt brauche man noch zwei Jahre, um den Plan neu auszuarbeiten. Der Minister v. Soden beklagte sich, daß man seine Begeisterung für das Unternehmen bezweifle. Der Zentrumsabgeordnete Steininger stellt sich zu dieser Frage auf die Seite der Linken und protestierte energisch gegen die verdächtige Verschleppungspolitik. In einer persönlichen Be- merkung stellte Genosse Auer fest, daß Minister v. Soden eine von ihm im Ausschuß getane Aeußerung gefälscht habe. Der Polizcikampf um die roten Kranzschleifen 'N Breslau dauert ununterbrochen an. Ein besonders krasser Fall 'nni diese Woche vor Gericht zum Austtag. Die Polizei attackierte 'en Leichenzug der alten Genossin Weineck. der sich nur von der Leichenhalle des Friedhofes bis zum Grabe bewegte, um sich mit Lewalt der Kränze oder der Schleifen zu bemächtigen. Als die ßolizei die Kränze wegriß, trat der Sohn der Verstorbenen den, Wachtmeister entgegen, wehrte ihn ab und rief:»Der Kranz gehört meiner toten Mutter!" Der Wachtmeister riß trotzdem die Schleife nb, und der Sohn erhiet eine Anklage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Selbst der Staatsanwalt sah in Anbetracht der der Sachlage den Fall.milde" an und beantragte»nur" 19 Mark Geldstrafe. Das Gericht gab sich mit 5 Mark zufrieden, da daS Borgehen der Polizei aus den Friedhöfen geeignet gewesen sei,»doseS Blut" zu machen._ Vom hessischen Landtage. Endlich ist die Beratung der hessischen Beioldungsvorlage beendet. Zie hat zu guter Letzt noch zu einer ganz unwürdigen Demütigung ver Zweiten Kammer durch die Herrenlamnier geführt. Diese ver- kürzte die von der Zweiten Kammer beschlossene Besoldungs- Verbesserung um V,o und wollte den Lehrern nur 11 Proz. statt lf> Proz. Aufbesserung geben, wie die Zweite Kammer beschlossen > alle. Die Zweite Kammer nahm gehorsam die Verschlechterung für die Beamten an, beschloß aber, den Lehrern wenigsten Ill'/z Proz. Aufbesserung zu geben. Die Erste Kammer, die Donnerstag fort- lauernd neben der Zweiten tagte, blieb jedoch fest, bis sie die Mehrheit der Zweiten Kammer mürbe hatte. Nationalliberale, Zentrum und Bnndler fielen nach wiederholter Beratung um, nur die Sozialdemolraten blieben fest. Daraus wurde die tapfere Zweite Kammer bis zum Herbst vertagt. Ein neuer Chef des Generalstabes? Nack Mitteilung der»Tägl. Rundschau" soll noch in diesem Jahr«in Wechsel in der Person des EhefS des Großen Generalstab» erfolgen. Ein in ntilitärischen Äreisen umlaufendes Gerücht will wissen, daß der gegenwärtige Chef des Generalstab« General der Infanterie und Generaladjutant v. Mottle im Herbst diese» JahreS aus seiner Stellung scheiden und durch den Rangältesten Ober- quarliermeister v. Windheim ersetzt werden wird. frankrcicb. Wie eine sozialistische Gemeinde das Nationalfest feiert. Paris, 19. Juli.(Eig. Ber.) Der Tag des Bastillesturmes ist bekanntlich in Frankreich als„Nationalfest" zu einer banalen Kundgebung des Klimbim-Patriotismus geworden, mit offtziellem Zeremoniell, militärischem Spektakel und einträglicher Tanzmusik bei den Wcinmirten. Der ncugewählte sozialistische Gemeinoerat ton Brest hat gleichwohl beschlossen, den 14. Juli gleich seinen Borgängern zu feiern, aber in einem bemerkenswerten Manifest an die Bevölkerung legt er dar, in welchem Sinne er sich an der Feier beteiligt, im besonderen an der militärischen Revue, der er in corpore beiwohnen wivd. Die Erklärung sagt: „Wenn wir uns an dieser militärischen Feierlichkeit beteiligen, sind wir uns bewußt, von dem Gedanken des internationalen Sozialismus nicht das mindeste nachzulassen. Unser Antimili- tarismus besteht in Wirklichkeit keineswegs— wie man manchmal wähnt— in Beschimpft, ngen der Armee, ihrer Führer, ihrer Sol- daten und Seeleute. Sie beschimpfen? Wo doch die Armee und die Marine wir selbst sind, unsere Verwandten und Freunde und zu einem großen Teil unsere arbeitende Klasse. Wo doch in der Armee und in der Marine zahlreiche republikanische Offiziere, Unteroffiziere, Soldaten und Seeleute sind, die den Quälereien, den Verfolgungen oer erstarkenden Reaktion preisgegeben, sich in ihren legitimen Bestrebungen unserer Partei zuwenden und mit uns die Republik gegen die Versuche eines immer drohender auf- tretenden CäsariSmuS verteidigen würde», Der sozialistische Antimilitarismus ist in jedem Kalle ein Te. fühl höherer Art. Er ist der Protest der Arbeiter gegen das un. geheuerliche Regime des bewaffneten Friedens, daS in allen Na» tionen für Werkzeuge der Zerstörung und des Todes Milliarden vergeudet, die für Werke der Solidarität und des Lebens so nütz- lich wären. Er ist der Schrei des Zornes und der Schande, den die zivilisierte Menschheit gegen die abscheulichen Schlächtereien erhebt, die uns der Hochmut der Regierenden und die Habgier der Finanziers aller Länder vorbereiten. Heißt es unsere Brüder und unsere Freunde, die unter den Fahnen stehen, beschimpfen, wenn wir sie vor dem schrecklichen Tode auf dem Schlächtfelde bewahren wollen? Und unser Internationalismus, weit entfernt davon, die Unterwerfung Frankreichs unter eine fremde Macht zu wollen, be« reitet, gemeinsam mit den Sozialisten Deutschlands, Englands usw.. das Heraufkommen der Vereinigten Staaten Europas vor, wo alle Vaterländer von heute, unter der roten Fahne der Jnter» nationale vereinigt, endlich in voller Sicherheit, jedes seinem eigenen Genie folgend, ihren Traum von sozialer Gerechtigkeit verfolgen können werden. In keinem Falle sind wir es, bei denen die militärische Zere. monie Anstoß erregen kann, die die Erstürmung der Bastille und die Revolte der französischen Garden, welche an diesem Tage zum aufständischen Volke übergingen, feiert. Sie kann nur unsere unter den Fahnen stehenden Brüder an ihre Pflicht gegen das Volk, dem sie entstammen, erinnern— für den Fall, daß dieses einst angesichts der Ohnmacht der gesetzlichen Mittel gezwungen sein sollte, sich wie im Jahre 1789 zu erheben, um mehr Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit zu erringen. ES lebe die soziale Republik! ES lebe die Internationale der Arbeiter!" Die„Humanite" beglückwünscht die Genossen von Brest zu threr Proklamation. H e r v e feiert sie in der„Guerre Sociale" besonders auch als einen„eklatanten Bruch mit der alten Meta- physik", die den Massen die wahre militärische Idee deS internationalen Sozialismus verhüllt habe. An die Stelle deS alten rein negativen Antimilitarismus, der den Militarismus durch den An» griff von außen zerstören wollt«, setze das Manifest offiziell die für die kapitalistische Ordnung ganz anders gefährliche Taktik der Er» oberung der Armee. Herve übertreibt da wie so manchesmal. Die Gedankengänge der Proklamation sind nichts Neues, vielmehr geben sie zu einem guten Teil sogar. die Ideen der demokratischen Friedensfreunde aus einer Epoche wieder, wo die sozialistische Internationale in ihren allerersten Anfängen war. Manche ihrer Wendungen er. innern auch an die Illusionen des BlockrepublikaniSmuS, zu dessen letzten Getreuen ja Hervä zählt, und es ist einigermaßen auf- fallend, daß die Genossen von Brest von der geschichtlichen Rolle. die der Armee als Organ der Klassenherrschaft zuge- fallen ist, schweigen, vielmehr von einer„Eroberung der Armee" und nicht von ihrer Revolutionierung durch daS wachsende Bewußtsein ihrer proletarischen Elemente sprechen. Aber gerade in ihrer demokratischen Gläubigkeit ist die Proklamation ein ein- ucksvoller Protest gegen den politischen Verrat d-S bürgerlichen vublikanismuS an seinen alten Idealen von Freiheit, Frieden iO Völkerverbrüderung. Portugal. Die Monarchisten auf dem Rückzüge. Lissabon, 12. Juli. Die Monarchisten aus Cabeceiras de Basto haben sich in mehrere Gruppen geteilt und werden von den Republikamern verfolgt. Auf ihrer Seit« sind viele Leute kampfunfähig gemacht worden, während die Republikamer keine Aer- lusle hatten. Der Führer der monarchisiischeu Aufrührer Paiva Cou- c e i r o lagert mit 3b0 bewaffneten Leuten und vier Maschinen- gewehren auf spanischem Gebiete gegenüber von Montalegre. Amerika. Ein englisch-amerikanischer Konflikt wegen des Panamakanals. Der englische Geschäftsträger in Washington Mitchell-Jnnes hat dem Staatssekretär des Auswärtigen der Union Redt eine Note über- reicht, in der England erklärt, daß der Gesetzentwurf über die Schiffahrt im Panamakanal eine Verletzung des Hay'PauncefotevertrageS bedeuten ivürde. wenn die amerikanischen Schiffe den Kanal tatsächlich gebühren- frei passieren dürsten, während die Schiffe anderer Nationen Abgaben zahlen müßten. Ferner wird in der englische» Note Einspruch er« hoben gegen die Klausel deS Gesetzentwurfs, daß Schiffe, die sich im Besitz von Eisenbahngesellschaften befinden, von der Benutzung des Panamakanals ausgeschlossen werden sollen. Diese Bestimmung ivürde die Canadian Pacific-Eisenbahn und auch andere kanadische Eisenbahnen, die Schiffe besitzen, schädigen. Die englischen Bor- schlage smd dem Senator Brandegee überwiesen worden, der aber dem Staatsdepartement erklärte, daß es unmöglich sei, die parla- mentarische Erledigung der Bill aufzuschieben. ZZ.MernZtionslerKergai'beitei'lMiigi'eK. Amsterdam, 11. Juli. Der Antrag Belgien auf Prüfung der Mittel zur eventuellen Organisation eines internationale» Streiks wird von D e j a r d i n- Belgien begründet: Wir halten den General- streik nichl für das Allheilmittel! er kann für daS Prolewriat ebenso gefährlich sein, wie für das Kapital. Wir sehen uns aber genötigt, uns nickt aus die bisherige Art de« Einwirkcns auf die Gesetzgebung zu beschränken. Die Generalslreiksidee hat im Prolelariat große Forlichriite gemacht, so zur Zeil des großen britischen Streit«. Be- fasse» wir uns nickt mit der GenerolstreilSfrage, so werden vielleicht andere Kreise wilde Solidaritärsstreils inszenieren. Der Anfang 1912 war ein seilen günstiger Zeilpunkt für einen inlernationalen Sircit. Wir solllen vielleicht daran denken, nationale Bewegungen in den einzelnen Landern gleichzeitig einsetzen zu lassen, um den Druck auf das Kapilal und die Aussichten ihres Erfolges zu ver- größern. Jedenfalls handelt es sich um eine äußerst schwierige Frage. O u i n t i n- Franlreich begründet folgenden Antrag: „Wenn ein Generalstreit in einem Lande ausbricht, sollten die Vergarbeitervcrbände der benachbarten Länder die Förderung durch eine entschlossene Arbeitseinstellung einschränken." Es handelt sich zunächst darum, die Mittel zur Belätigung der internationalen Solidarität zu studieren. Sicher wären manche nationalen Kämpfe viel erfolgreicher gewesen, wenn fte durch internationale Streiks wären unterstützt worden. Es ist hier von der Verbinderung eines Weltkrieges durch uns gesprochen worden. Wenn wir diesen Ehrgeiz haben, müssen wir aber erst die Möglich- teil deS intemalionalen Streiks studieren. Dann würde schon die Drohung mit ihm den Ausbruch de« Krieges verhindern. Also, die Beratung dieses Problems ist unerläßlich. Eine E r kl ä cu n g H o l la n d s, die wegen zu später Ein- reichung nicht mehr als Antrag behandelt werden kann, besagt, daß diese Frage nicht zu diskutieren sei, weil beinahe in allen Ländern unsere Verbände noch nicht imstande sind, nationale Generalstreiks durchzusührcn. So lange die« der Fall ist, lönnen wir der Reso- lntion nicht zustimmen. Di- Frage wäre auch nicht allgemein zu regeln, sondern nur von Fall zu Fall. Endlich gehört dieses Problem wohl in eine vertrauliche Komiteesitzung, aber nicht vor die Oeffcntlichkeit. Wir beraten doch sogar jeden Einzelstreik vorher vertraulich, nicht aber vor unseren Gegnern. Deshalb meinen wir, daß diese Frage von der Tagesordnung abgesetzt werden sollte. sBeisall.) C a l 6v a ert- Belgien: Das Komitee sollte diese Sache' ge> meinsam mit der Regelung der Förderung beraten. H u e- Essen: Wir verwerfen selbstverständlich den Generalstreik, soweit er nach syndikallslisch-anarchistischer Auffassung das Allheil- mittel sein soll. Wir erkennen den Stteik nur al« ein Mittel an, da» nur im äußersten Fall angewendet werden darf, entweder, wenn alle Verhandlungen gescheitert sind, wie in diesem Jahre in England, oder wenn die Unternehmer alle Verhandlungen ablehnen, wie in Deutschland 1912. Selbstverständlich üben wir internationale Solidarität, darüber brauchen wir gax nicht mehr zu diskutieren. Darum gehörten diese Anträge gar nicht mehr auf die Tagesordnung. Sie konnten von vornherein dem Internationalen Komitee überwiesen werden. Wenn wir diskutieren wollen, ob. wann, in welchem Umfang und zu welchem Zweck ein internationaler Streik ausgeführt werden soll, so tun wir das nicht hier auf dem öffentlichen Kongreß, sondern wir beraten diese außer- ordentlich wichtige tattische Frage genau so vertraulich, wie das die Unternehmer machen und w»e es die Engländer voriges Jahr ebenso in Southport gemacht haben. Ich möchte dringend bitten, solche An« träge künftig nickt erst auf die Tagesordnung zu setzen, sondern vpn vornherein dem Internationalen Komitee zu überweisen. sLebhaster Beifall bei den Deutschen und Engländern.) Internationaler Sekretär A s h t o n beantragt, die Anträge nur dem Internationalen Komitee zur Aufstellung eines Planes und Berichterstattung an den Kongreß 1918 zu über- weisen, da die weitere Debatte wenig Zweck zu haben scheint.— S preaker- England wünscht die Worte„Plan aufstellen' zu streichen, da diese so gedeutet werden lönnten, als hätte sich der Kongreß bereit» für den internattonolen Stteik ausgesprochen. matengeschäften sind dienstfreie Sonntage sehr selten. So angenehm nun den Einkassierern das polizeiliche Rundschreiben war. so wütend waren die Unternehmer darüber. In ihrer Versammlung. die sie bald darauf abhielten, sprachen sie von einem„schweren Schlag", der sie getroffen und den sie abwehren müßten. Da sich aber viele und ungestraft nicht nach der Verfügung richten, hat «erantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw� die Branchenleitung der Einkassierer und Kassenboten beschlossen, eine Sonntagskontrolle einzurichten und diejenigen Unternehmer zur Anzeige zu bringen, die die Schutzvorschristen für die Sonn- tagsruhe fortgesetzt übertreten. Die Unterstützung der Ange- st e l l t e n ist für solche Bestrebungen natürlich in erster Linie notwendig. Nach kurzer Diskussion nahm die Versammlung die folgende Resolution einstimmig an: „Die in der Brauerei Pfcfferberg versammelten Einkassierer der Abzahlungs-, Nähmaschinen und Automaten-Geschäfte Groß- Berlins nehmen Kenntnis von der Verfügung des Polizeipräsi- diums betr. Verbot des Kassiercns an den Sonntagen. Die Ver- sammelten stellen fest, daß diese Verfügung von einem Teil der Unternehmer dieser Branchen nicht beachtet wird und erwarten infolgedessen von der Polizeibehörde, daß dieselbe von jetzt ab jeden Unternehmer zur Verantwortung zieht, der sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinweAetzt. Die Versammelten verpflichten sich, soweit sie noch nicht organisiert sind, Mann für Mann ihrer Berufsorganisation, dem Deutschen Transport- arbeiterverband, beizutreten, um mit dessen Hilfe die vollständige Sonntagsruhe zu erringen und die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Die organisierten Einkassierer rechnen bei ihrem Vorgehen auf die tatkräftige Unter st ützun� des auf Teilzahlung kaufenden Publikums, besonders der Berliner Arbeiterschaft, die aufgefordert wird, von jetzt ab die Ratenzahlungen nur-noch an Wochentagen zu leisten. Jeder organisierte Einkassierer ist im Besitz einer graugrünen Legitimationskarte. Täuschungsversuche sollte man energisch zurückweisen."_ Lohnkämpfe im Gastwirtsgewerbe. Zum Kellnerstreik im Braucrei-Ausschank der Ä i n d l- Brauerei zu Neukölln, Oekonom Herr Hartmann, ist zu be- richten, daß die Differenzen beigelegt sind. Im Ausschank der Genossenschafts-Brauerei Friedrichshagen war am letzten Sonntag auf Veranlassung des Oekonom Büttner eine fliegende Polizeiwache eingerichtet, die eine etwaige„Revolution" im Keime ersticken sollte. Beim Kellnerverein„Alt-Kölln am Wasser" bestellte Herr Büttner Aushilfskellner, und zwar verlangte er„extra kräftige Leute". Sollte da wieder eine Prügelei inszeniert werden? Der Paradiesgarten in Treptow wurde auch am letzter Sonntag wieder durch mehrere Geschäftsführer und Krimi- »albeamte bewacht. Sie wollten verhindern, daß Flugblätter im Garten verteilt wurden. Trotzdem wurde das ganze Lokal aber zweimal innerhalb zwei Stunden belegt. Die Gäste waren in ihrer Mehrzahl auf feiten der Streikenden, und soweit sie das Lokal nicht verließen, sorgten sie wenigstens dadurch, daß sie nichts verzehrten, dafür, daß Herr Hiller am Umsatz merkt, wie man über seinen scharfmacherischen Standpunkt denkt. Die zwei letzten Betriebe sind für organisierte Gastwirts- gehilfen gesperrt. Verband der GastwirtSgehilfcn, Ortsverwaltung Berlin I. Zur Zi.qarreuarbeiterbewegung. Von der Gauleitung des Tabakarbeiterverbandes wird uns mit- geteilt, daß die Zigarrcnarbeitcr der Firma Karl Kleist in Wusterhausen sowie der Filialfabrik in Holsen(Westfalen) in den Streit getreten sind. Die Arbeiter beider Fabriken hatten der Firma eine Lohnforderung von 1 M. pro Mille unterbreitet. Die. selbe ist seitens des Inhabers der Firma brüsk abgelehnt worden. Wenn man bedenkt, daß Herr K. Kleist seinen Arbeitern in Wuster- bausen einen Minimallohn von 7 M. pro Mille zahlt, so wird die Ablehnung um so unverständlicher, wenn man dabei in Betracht zieht, daß die bei diesen Arbeiten beschäftigten Tabakarbciter einen Wochenlohn von ganzen 14 M. erzielen. Ob Herr Kleist und Sohn damii wohl auskommen würden? Schwerlich. Da genannte Firma in Berlin und Umgegend einen Teil ihrer Produkte in den Handel bringt, so machen wir die Raucher hierdurch aufmerksam. Arbeiter, Parteigenossen! Unterstützt die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe und fragt beim Einkauf Eurer Zigarren immer nach dem grünen Plakat, unterzeichnet mit Alwin Schulze. OeutlcKes Reich. Lohnbewegung der Stcttincr Straftenbahner. Zu den Straßenbahnen, bei welchen die schlechtesten Dienst- und Lohnverhällnisie bestcben, gehört auch die Slettiner Straßen- eisenbabngcsellschaft. Neben einer ausgedehnten täglichen Dienstzeit von durchschnittlich losig Stunden für das Fahrpersonal, gibt eS die niedrigsten Löhne. Die Angestellten, die fast sämtlicki im Transport- arbeiterverband organisiert sind, haben der Direktion jetzt nach- stehende Forderungen unterbreitet: 1. Für die Handwerker und Arbeiter eine Arbeitszeit von ll'/z Stunden, für das Fahrpersonal einen täglichen Dienst von 9 Stunden durchschnittlich. 2. Für Handwerker einen Anfangslohn von 110 M., für die Arbeiter und das Fabrpersonal einen solchen von 95 M. monat« lich, steigend nach einein Jahre um 5 M. pro Monat, vom dritten bis siebenten Jahre steigend jedes Jahr pro Monat um 3 M., vom achten bis zwölften Jahre jedes Jahr pro Monat um 2 M. und sodann jedes Jahr pro Monat um 1 M. steigend. 3. Ueberstunden und Sonntagsarbcit sollen für Handwerker und Arbeiter mit 25 Proz., reip. 50 Proz. Ausschlag zum Lohn bezahlt werden. Das Fahrpersonal verlaugt für Ueberstunden 60 Pf. pro Stunde. 4. Wird um Gewährung von Ferien ersucht und zwar nach 1—5 jähriger Beschäftigung drei Tage, über 5 jährige Beschäfti- gung sechs Tage. 5. Wird verlangt, daß dem Fahrpersonal 52 freie Tage im Jahr gewährt werden, bisher wurde» 48 gewährt. In Anbetracht der ziemlich teuren Lebens- und WohnungSver- hältnisse in Stettin sind die Forderungen nicht zu hoch zu nennen. Hoffentlich zeigt die Direktion das nötige Entgegenkommen. Zu einer Arbeitseinstellung der Kellner kam es in Frankfurt a. M. in den Betrieben des Casöliers, W. Loebl(Cafe Astoria und Windsor) in der Kaiserstraße. Anlaß dazu bot eine Forderung der Kellner auf einen Monatslohn von 20 M. Bisher mußten die Kellner ohne jeden Lohn, Kost und Logis arbeiten, ja sogar von ihren Trink- geldern 50 Pf. pro Tag abgeben. Außerdem forderten die Kellner Abschaffung der unberechtigten Abgabe sowie eine menschenwürdige Behandlung. Eine gütliche Einigung war bei dem ablehnenden Standpunkt des Cafeliers Loebl nicht zu erzielen. Verband der GastwirtSgehilfen. Vo»n Hamburger Hafeu. Wider Erwarten stellen sich kurz vor Abschluß der Bewegung der Hafenarbeiter noch Schwierigkeiten ein, verursacht durch Unter- nehmer, die sich anscheinend noch nicht recht an eine friedliche Re- gelang der Differenzen gewöhnen können. Zunächst liegen die Ewer- führer der Kohlenbetriebe wegen der Auslegung des Tarifs mit ihren Unternehmern in Streit. Die Arbeiter haben einige Forderungen erhoben, von deren Behandlung durch die Baase es abhängen wird, ob endlich Ruhe eintritt. Noch kritischer hat sich die Sache bei den Speditionsarbeitern gestallet. Während es anfangs schien, als würde nach einer Ver- ständigung über die noch strittigen Punkte bald eine endgültige Ne- gelung eintreten, hat sich nun das Bild völlig verschoben. Der Hafen- betriebsverein hat zwar gegenüber den weiteren Forderungen der Arbeiter einiges Entgegenkommen gezeigt, aber daneben plötzlich eine Maßnahme getroffen, die helle Entrüstung der Arbeiter hervor- rufen mutzte. Er verlangt nämlich Unterstellung der Speditions- arbeiter unter den nicht paritätischen Arbeitsnachweis, der sich aus guten Gründen bei den Hafenarbeitern größter Unbeliebtheit erfreut. Gegen die verlangte Entnahme von Arbeitskarten haben nun die Speditionsarbeiter energisch Front gemacht und gleichzeitig über den Zh. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt Arbeitsnachweis, der kürzlich im Hafenhaus, Deichstraße, errichtet wurde, die Sperre verhängt. Wie sich die Dinge unter diesen lim« ständen gestalten werden, ist noch nicht abzusehen. Glasarbeiteraussperruug. Die Firma Johannahütte in S ch ö n b o r n hat am 6. Juli 40 organisierte Glasarbeiter ausgesperrt. Da die Firma keiner Unternehmerorganisation angehört, so dürfte die Aussperrung auf diesen Beirieb beschränkt bleiben. Die Sparvereinler, eine von der Firma gegründete Organisation, geben sich alle Mühe, unorgani- sierte Arbeitswillige zu erhalten. Wenn die Firma keine Arbeits- willigen erhält, dann kann die gelbe Garde den Betrieb nicht aufrecht- erhalten. Es werden deshalb alle Glasarbeiter ersucht, die Firma Johannahütte in Schönborn streng zu meiden. Hus der frauenbewegung» Bon der Frauenarbeit in Japan. Wirtschaftliche Ursachen ver- sckiedener Art treiben auch in Japan stets wachsende Sckaren von Frauen in Arbeitsgebiete, die bisher der Mann allein beherrschte. Die Gesamtzahl der weiblichen arbeitenden Bevölkerung beläuft sich auf 752 000, wovon 191 000 ihren Lebensunterhalt außerhalb des Familienkreises sucbcn. Die Zahl der Hausbediensteten beträgt 59 000. die der Näherinnen 26 000 und die der Verkäuferinnen 24 200. Schenlmädchen und Hotelbedienstete gibt es 20 000, Lehrerinnen und Frauen in höheren Berufen 14 500. 30 Proz. der arbeitenden Bevölkerung von Tokio sind Arbeiterinnen. Witwen und Unverheiratete von 15 bis 60 Jahren sind in der Mehrzahl vertreten. Mutterkuchen. In Paris hat man Mutterküchen eingerichtet. Sie find zwei- mal täglich zu bestimmten � Zeiten geöffnet. Hier sinden junge Mütter, die ihre Kinder selbst stillen und den Tag über arbeiten müssen, umsonst eine reichliche, ausgiebige Mittagskost. Tie Mutterküchc ist in irgendeinem bescheidenen Raum unter- gebracht, worin ein paar Tische und Bänke stehen, und das ganze Personal besteht aus einer Köchin und einer Aufwärterin. Die Frauen, die hier eine warme Mahlzeit suchen, werden mit keinerlei Fragen belästigt; nur ihren Namen brauchen sie anzugeben, Er- kundigungcn über die Zivilvcrhältnisse der jungen Mutter, über ihre Nationalität und ihre Religion sind streng verboten. Die einzige Bedingung ist, daß die junge Mutter nachweist, daß sie imstande ist. ihr Kind selbst zu nähren. Sie erhält dann zum Frühstück eine kräftige Suppe, zum Mittagessen Suppe, Fleisch. Gemüse, Brot, leider auch Bier; abends wieder Suppe und Ge- müse, Brot und Bier.__ Junggesclleustcuer in Amerika. Dem Senat des Staates Illinois liegt ein Gesetzentwurf vor, der sich die Einschränkung des Zölibats und die Förderung des Kinderreichtums zum Zwecke gesetzt hat. Nach dieser Gesctzesvorlage muß jeder Ledige, der das Alter von 35 Jahren überschritten hat, dem Staate überzeugende Gründe dafür beibringen, daß er in seiner Einsamkeit verharren muß. Fallen seine Erklärungen un- befriedigend aus, so wird er einer jährlichen Steuer von 40 M. unterworfen. Die Erträgnisse dieser Steuer werden einem Be- Völkerungsfonds überwiesen. Aus dieser Kasse sollen Mütter für jedes Kind, das nach dem zweiten Jahre ihrer Verheiratung ge- boren wird, eine Prämie von 400 M. erhalten. Aerztliche Untersuchung vor Eintritt in die Ehe. Die gesetzgebende Körperschafr des Staates Indiana in Nord- amerika hat eine Vorlage angenommen, nach der sich in Zukunft alle Männer, die eine Ehe eingehen wollen, durch das öffentliche Gesundheitsamt auf ihre körperliche Eignung zur Ehe untersuchen lassen müssen_ letzte Nachrichten. Der Schiffahrtsstreik in der französischen Kammer. Paris, 12. Juli.(W. T. B.) B o u i s s o n(Sozialist) bracht« einen Antrag ein, in welchem die st�gicrung aufgefordert wird, Schiffe, wenn erforderlich, für sich in Anspruch zu nehmen und die Schiffahrtsgesellfchaften zu zwingen, die Bedingungen der mit dem Staat abgeschlossenen Verträgen zu erfüllen. Der Handels- minister, der alsdapn das Wort ergriff, wies auf seine früheren Erklärungen hin und betonte, daß er völlige Neutralität in dem zwischen den Schiffahrtsgesellschaftcn und ihren Ange- stellten ausgekrochenen Konflikt bewahre, der lediglich den kon- kurrieren-den fremden Gesellschaften zugute komme. Auf Er- suchen des Handelsministers änderte Bouisson seinen Antrag dahin ab. daß die Regierung aufgefordert wird, bei Abfassung der künftigen Verträge der Festsetzung der Lohnbczüge ihre Aufmcrk- samkeit zu schenken und sie bei der Bewilligung der Subvention zu berücksichtigen. Der Antrag wurde angenommen. Die Feinde des Proporz. Paris, 12. Juli.(W. T. B.) Nachdem CombeS und Clemenceau den Vorsitz in dem gestern gebildeten Abwehr- komitee des allgemeinen Stimmrechts gegen das Proportionalstimm- recht abgelehnt hatten, ist der ehemalige Minister Raynaud zum Präsidenten gewählt worden Das Komitee wird heute abend ein von Clemenceau verfaßtes Manifest veröffent- lichen. Gegen die Brotwuchcrer. Marseille, 12. Juli.(W. T. B.) Zahlreiche eingeschriebene Seeleute, begleitet von ihren Frauen, veranstalteten heute nachmittag im Jolietteviertel eine Kundgebung gegen die Erhöhung deS Brotpreises. Polizeibeamte und Gendarmen wurden mit Steinwürfen empfangen und mehrere verletzt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Später erneuerten sich die Zusammenstöße. Spionagefurcht. Glasgow, 12. Juli.(W. T. B.) Vor dem Sheriffgcricht er- schien heute ein angeblich Deutscher Karl Graves, der vor drei Monaten hier wegen versuchter Spionage ver- haftet wurde. Der Angeklagte erklärte sich für unschuldig. Der Verhandlungstermin ist auf den 26. Juli festgesetzt. Brand einer Tcckenfabrik. Guben, 12. Juli.(W. T. B.) Die der Firma Müller u. Dorf- ling gehörige Dcckenfabrik mit Spinnerei und Rcißerei ist heute nachmittag niedergebrannt. Ricsenbrand in Worms. Worms, 12. Juli.(P.-C.) Die Kunst müHle von Baruch u. Schönfeld steht seit heute mittag"in Flammen. Alle Gebäude bis auf das Maschinenhaus sind bereits n i e d e r g e b r a n n t. Das Feuer bedroht auch die umliegenden Fabriken. Die anstoßende Mühlenbauanstalt von Horn ist bereits von den Flammen ergriffen und auch die Tremblcrsche S e e g r a s f a b r i k ist arg gefährdet. Auch in einer Entfernung von 250 Metern vom Brandherd liegende Kornäcker sind vernichtet worden. Bisher ist es nicht gelungen, an den Brandherd zu gelangen. Die gesamte städtische Feuerwehr sowie die Fabrikfeuerwehren aller Fabriken sind fieberhaft tätig, um dem wutcndtn Element Ein- halt zu tun. Zwei Bataillone Soldaten sind zur Hilfeleistung und Absperrung nach dem Brandort abkominandiert worden. Von der Kunstmühle dürfte nichts zu retten sein, auch die Mühlenbauanstalt von Horn dürfte teilweise ein Raub der Flammen werden.___ Paul Singer Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. 9,161. 291.� i. Aeilllge des Jaimirts" f erliner iolkslilatt. Der ItsIIenikche Parteitag. (Dritter Tag.) Reggio Emilia, den 9. Juli. Nach Verlesung eines Telegramms des Genossen Studer im Namen der sozialistischen Partei der Schweiz wird die Diskussion fortgesetzt über den Bericht der Parlamentsfraktion. Angelika B a l a b a n o f f. als erste Rednerin, bezeichnet die Frage der Ausstoßung der vier Genossen als eine Prinzipienfrage und bedauert die Sentimentalität, die sich gestern in dem Beifall äußerle, der den Schluß von Podreecas Rede krönte. Es steht keinem an, hier sein Wirken für die Partei, das Heiligste seines Innern bloßzustellen, slciner von uns hat ja den guten Willen der Genossen bezweifelt, zu deren Ausstoßung wir uns anschicken. Wir können uns den Luxus erlauben, uninteressierte und tüchtige Menschen weg- zuschicken, um die uns andere Parteien beneiden, nicht aus persön- lichen, nicht aus moralischen Gründen, sondern aus prinzipiellen. Gerade weil wir die geschichtlichen Ursachen verstehen, die diese vier Ab« geordneten von uns trennen, sehen wir auch ein, daß für jeden von uns Ueberläufern der Bourgeoisie der Tag kommen kann, an dem auch zu uns das Proletariat sagen kann:.Geht weg, Ihr seid nicht mehr der Ausdruck unserer Bedürfnisse und unserer Ideale." Des» halb können wir uns in den Seelenzustand derer hineinversetzen, die wir heute von uns weisen müssen.(Beifall.) Rednerin kritisiert dann die Rechtsreformisten, die sich im Besitze der letzten Weisheit glauben und alle Prinzipien verlachen. Sie haben die Frage des Sozialismus zu einer rein politischen zusammen» schrumpfen lasten. Sie haben den Idealismus aus unserer Be- wegung verbannt. Die in Frage stehenden Abgeordneten haben durch ihre monarchischen, durch ihre hofmännischen Kundgebungen das �Parteigefühl verletzt. Mit Cabrini, Bonomi und Podrecca haben Sie nicht zu polemisieren: diese haben durch ihre Reden gezeigt, wie fern sie uns sind. Weiter bestreitet Rednerin, daß die internationale Partei je Sympathie für die Kolonialpolitik gezeigt hat und kritisiert die Hai- tung der sozialistischen Abgeordneten gegenüber dem Kriege. Es wäre Pflicht gewesen, den durch den Krieg geschaffekken revolutionären Moment für die Agitation in den Massen auszunützen, den prole- tarischen Müttern zu sagen:.Man schickt Eure Söhne auf die Schlachtbank, weil dies das Interesse der Bourgeoisie fordert."(An- haltender Beifall.) Rednerin betont, daß sie heute eine Karte von Bebel erhalten hätte, in der dieser seine Verwunderung darüber ausspricht, daß in .Italien ihm ein Sozialist kolonialfreundliche Gesinnungen unter- schieben kann. Die Unterscheidung in zivilisierte und nicht zivilisierte Völker darf der Sozialist«ich, machen: Wir kennen nur solche mit ent- wickelter und rückständiger Produktion. Wenn wir aus der Unter- scheidung das Recht ableiten, die.unzivilifierten" Völker zu unter- werfen, so stellen wir uns in eine Linie mit der Bourgeoisie, die das Proletariat als minderwertige Klasse ansieht und unterwerfen will. Balabanost spricht ihre Genugtuung über die kriegsfeindliche Haltung des.Avanli" aus.(Beifall.) Hier haben Bonomi und Cabrini ihrem Schmerz Ausdruck ge- geben über ihre Trennung von der Partei. Warum haben sie sich aber dann in Widerspruch gesetzt zum Parteiempfinden? Ihr habt Euch angemaßt, das Proletariat gegen einen Verdacht zu schützen; Ihr seid aber nicht die Schützer dcS Proletariats. Das kann sich selber schützen. Wir brauchen nicht zu beweisen, daß wir keine Solidarität mit einem Verbrechen haben, daß für uns das Leben beilig ist. Wir vertreten mehr als eine andere Bewegung der Welt die Heiligkeit des Lebens.(Beifall.) Die, die heute von uns gehen, haben sich bis jetzt zu Schützern des Proletariats berufen gesuhlt. Sie sind Philanthropen, Menschen guten Willens, leine Sozialisten. Das Proletariat läßt sie stehen und geht allein seinen Weg zur Zukunft, den Weg des Klassenkampfes. (Lang andauernder Beifall.) Nach Annahme deS Schlusses der Rednerliste nimmt, mit eisigem Schweigen aufgenommen, Bissolati das Wort. Die Reden Cabrinis und Bonomis haben für seine Fraktion die Diskussion bereits erschöpft. Die von ihnen illustrierte Tendenz wird nicht sterben, auch wenn man sie aus der Partei jagt, wird nicht sterben, weil sie im tiefsten Wesen sozialistisch ist. Das Kriterium liegt nicht allein in dem Endziel, der Bergesell- schaftung der Produktionsmittel und der Aufhebung der Klassen. sondern auch in der Methode, nach der die Arbeiterklasse es ist, die die soziale Umgestaltung vollziehen muß. Wir halten am Endziel wie an der Methode fest. Alle, auch die Revolutionäre vertreten die Not- wendigkeit der Reformen. Ilm diese zu erreichen, muß der Prole- tarier sich auch des Staates bedienen. Der Proletarier kann nicht auf die Teilnahme an der Regierung verzichten. Das folgt allein aus der Beteiligung an der parlamentarischen Arbeit, die schon eine Teilnahme an der Regierung ist.(Beifall.) Ich möchte das Prole- tariat selbst befragen, ob es auf den Eintritt in das Ministerium verzichten will. Aber die Kollaboration, die ein solcher Eintritt ein- schließt, ist auch Kamps. Redner versteht sehr gut, daß die deutschen Genossen sich diese Frage nicht stellen. Weil daS Deutsche Reich ein konstitutioneller, aber kein parlamentarischer Staat ist. Sie haben erst noch eine politischen Revolution zu vollziehen, die Deutschland in der Ver- fastung auf das Niveau Italien» setzt.(Widerspruch, Beifall.) Redner erinnert daran, daß die Parlamentsfraktion ihn zu ihrem Redner über die Erklärungen der Regierung geivählt Hätz nachdem er bereits über das Minisierportcfeuille verhandelt hatte. Es sei logisch lind notwendig gewesen, daß Redner, bei seiner Auffassung der politischen Funktion des Proletariats, auch den Weg zum Quirinal nicht scheute. Er war sich damals bewußt, mit einem Vorurteil zu brechen, und daß er selbst den Preis zahlen würde. Was eben heute geschieht. Trotzdem ist seine Aktion nicht nur historisch, sondern logisch an die der Linksreformisten gebunden. Die Teilnahme an der Glückwunschdemonstration nach dem Attentat war nicht nur durch persönliche Menschlichkeit bestimmt. Wir mußten die Reaklion scheuen. Es war unsere Pflicht, die Gefahr vorauszusehen und abzuwenden. Der Weg, den Redner damals zum Quirinal machte, war die Konsequenz deS ersten WegeS zum Quirinal. Wenn man gewisse Kontakte hat, so muß man ihre Folgen tragen. Dadurch bestätigte ich die Gründe, die meinen ersten Gang zum Quirinal bestimmt halten. Was den Krieg betrifft, so habe ich die Auffassung vertreten, daß der Krieg ein schwerer Mißgriff war, auch weil er die inler- nationale Lage Italiens stark beeinträchtigte. In der Kammer hat Redner in diesem Sinne gesprochen, unter besonderer Betonung der Ablehnung des AnneklionsdekretS. Bissolati verteidigt seine Teilnahme an der Demonstration für Jean Carröre, der in einer Zeit, wo der ganze BankkapitaliSmuS von Europa die italienischen Truppen als grausame Mörder hinstellte, als einziger ausivärtiger Journalist diesen Beschimpfungen entgegen- trat. Ich kann nicht glauben, daß unsere Soldaten, unsere Arbeiter der Felder und Fabriken, in Tripolis zu Henkersknechten geworden sind.(Unruhe. Protest.) Darin habe ich dem Sympathie bezeigt, der sie gegen infame Verdächtigungen in Schutz nahm.(Unruhe. Tumult. Der Vorsitzende, Genosse Canepa, droht, die lärmenden Tribünen räumen zu lassen.) Bissolati(fortsahrend) will keineswegs seine Sympathien für die Tapferkeit der Soldaten verleugnen. Wir brauchen auch den Mut. die Disziplin, für eine Sache zu sterben, heute für die Jnter- essen anderer, morgen für ein Ideal. Wir können das Heer nicht abschaffen, wir wollen eS demokratisieren. Die großen inter- nationalen Fragen ivcrden nicht mit Tagesordnungen ausgetragen. So lange nicht die Kraft des Proletariats die Völker einander ge- nähert hat, brauchen wir die Heere. Italien hat, nach England, die freieste politische Verfassung; es kann wohl sein, daß es sich eines Tages im Bunde mit anderen deniokratischen Elementen Europas für den Fortschritt schlagen muß, und dann will ich wünschen, daß sich unsere Soldaten tapfer, noch tapferer halten werden, al» heute gegen die Araber. Unser Krieg darf nicht dem abcssinischen gleichgestellt werden. Wir durften dem Nationalismus nicht das Moiiopol des Nationalgefühls lassen; dieser Gedanke hat meine Haltung bestimmt. Wenn uns die Partei gefolgt wäre, hätten wir vielleicht schon Frieden. Oft habe ich cS bitter bereut, nicht in das Ministerium getreten zu sein. Wäre ich nicht von Eurer WillcnSlähmung angesteckt worden, so wäre eS vielleicht nicht zum Kriege gekommen.(Widerspruch.) Zu den LinkSreformislcn gewendet sagt er, daß ihre Haltung nicht heroisch gewesen wäre und kritisiert ihre Forderung einer Ainncstie. Ein Heer im Kampf fordert keine Ainneftie. Was die Haltung zum Fall de MariniS betrifft, so erklärt ihn Bissolati durch die veränderten Verhältnisse. Er sei stolz, den in- kriminierten Artikel geschrieben zu haben. Er, der dem konstitutionellen Monarchen seine Ehrerbietung gezeigt hat, sei weit entfernt, heute seinen Ruf in der Kammer, sein.Nieder der König l" in anderer Stunde zu verleugnen und zu widerrufen. .So bleibt mir nichts zu tun, als Euch die Mitgliedskarte der Partei zurückzugeben. Nicht ohne Schmerz, aber auch mit einem Gefühl des Mitleids für die Reformisten der Linken, des MltlcidS für da» nutzlose Opfer ihrer Folgerichtigkeit, politischen Würde und Logik, daS sie durch unferen Ausschluß auS der Partei brmgen. (Beifall.) � Fasulo(Rev.): Wenn man dem Mut»n zeder Form huldigen will, so müßte man auch der Beduinen gedenken, die, schlecht be- wasfnet und schlecht genährt, sich den italienischen Kugeln darbieten und ohne mit den Wimpern zu zucken, am Galgen sterben.(Beifall.) Er kritisiert die Parlamentsfraktion. Das letzte Budget wurde an- genommen, ohne daß ein Sozialist das Wort nahm. Redner führt weiter Fälle völligen Versagens der Fraktion an. C h i e s a(Linksreformist) spricht im allgemeinen über die Not- wendigkeit von Reformen und der Erziehung der Masten. Bestreitet, daß die Regierung immer das Exekutivkomitee der Bourgeoisie sei und will dies Beispiel aus der jüngsten italienischen Politik belegen. Ist für einen Tadel der Rechtsreformisten, aber gegen ihren Aus- schluß auS der Partei. NachmittagSsitzung. Die NachmittagSsitzung wird durch die Verlesung eines Sym« pathietelegranims der tchefchisch-slavischen Partei aus Prgg eröffnet, mit der Mitteilung, daß dem Kongreß zwei Parteigenossen aus Trieft, Sgabar und Tedeschi beiwohnen.(Beifall.) Darauf nimmt Genosse Turati, der Führer der Linksreformisten das Wort: Er hätte am liebsten gar nicht gesprochen und hätte gewünscht, daß al» Ankläger die jüngeren Elemente gesprochen Hütten, die nicht fo vieles mit den betreffenden Genosten gemeinsam gehabt haben. Und daS nicht aus ScntimentaliSmus, sondern weil er die AuS- stoßung für einen Irrtum hält. Warum sollen wir die ausstoßen, die sich selbst außerhalb der Partei gestellt haben? Und wo ist die Grenze? Cabrini hat in keiner Weise die Theorie deS Rechtsrefor- miSmus gemacht. Wenn wir wirklich Theorie entwickeln wollen, so fürchte ich, daß es sich für unö Linksreformisten darum handeln würde, ausgeschlossen zu werden, anstatt auszuschließen. Jeder von uns hat seine Tendenz nach rechtS und gleichzeitig eine solche nach links. Wir empfinden heute, daß wir Linksreformisten mit den Re- Volutionären mehr gemein haben als mit den Rechtsresornsjsten. Wir habe» den Glauben gemein. Vielleicht habe ich selbst in dieser Hinsicht früher gefehlt. Trotzdem möchte ich niemand ausschließen, auch, um keine neue Partei zu gründen, um eine Spaltung zu ver- hüten. Die eigentliche Ursache der Differenz ist nicht persönlich: darin brauchen wir keinen Sündenbock. Wir wollen eine scharfe Scheidung der Verantwortlichkeiten. Redner stellt in Abrede, daß die Bistolatianer die logischen Fortbildner des Reformismus seien, und weist die Schlußworte BissolatiS scharf zurück. Redner belächelt dann die Illusion der Rechtsreformisten, die Wahlreform durchgesetzt zu haben, und kriti- siert ihre wohlwollende Haltung der Jnfamre des afrikanischen Krieges gegenüber. Wenn die Partei stark genug wäre, um wirklich ihre Wesenheit zu behaupten, fo könnten wir auch an der Regierung teilnehmen. Heute würden wir aufgesogen, von den Gegnern assimUiert werden. Jene Verherrlichung unseres Volkes, die Bissolati versucht hat, verträgt sich nicht mit dem Internationalismus. Es mag schön sein, zu sagen, die Grausamkeiten der italienischen Soldaten sind nicht möglich— sie sind eine Tatsache, aber sie dürfen nicht möglich sein. Das heißt sich selbst belügen, daS ist noch schlimmer als die Grausamkeilen selbst.(Langandauernder Beifall deS ganzen Parteitages.) Bonomi will glauben machen, daß auf der einen Seite die Rechtsreformisten bleiben, auf der anderen die Revolutionäre— daß die Linksreformisten von der einen oder anderen Richtung auf- gesogen werden müssen. Redner leugnet dies auf das entschiedenste. Um die innere Wandlung im Reformismus zu erklären, erinnert er an JauröS. Es war mir ein Rätsel, wie ein Mann von der gewaltigen In- telligenz und Rednergabe Jaurss seine Stelbrng zum Reformismus ändern konnte. Die italienischen Ereignisse haben mich gelehrt, aurös zu verstehen. Er hat eingesehen, daß seine feine scharfe heorie des Reformismus ihm die Menge entfremdete, daß man, um bei der Menge zu bleiben, sich verkleinern, feine Ucberlegenheit ablegen muß, den Schritt verlangsamen, um sie nicht zurückzulassen. Auch für mich ist diese Stunde gekommen, mich unterzuordnen und zurückzuziehen, wie Jaurös. Tut Ihr daS nicht, so werdet Ihr dw Sozialismus verraten.(Beifall.) R e i n a, ein Linksreformist, aber Gegner der Ausschließung der Hörrohre im Theater. Das Londoner New Theatre wird binnen kuirzem seine Gäste mit einer neuen Bereicherung modernen Komforts im Theater überraschen: die Direktion hat beschlossen, jeden Sitz im Zuschauerraum mit einem Hörrohr auszurüsten, und die Handwerker sind bereits eifrig an der Arbeit, um die kleinen Apparate, denen nach Einwurf von ö Pence(bl> Pf.) außer einem Opernglas fortan auch ein Hörrohr entnommen werden kann, an den Rücklehnen der Sessel zu befestigen. Diese neue Einrichtung ist nicht nur im Interesse jener Theaterbesucher getroffen worden, die über keine besonders guten Hörorgane verfügen, sondern auch im Interesse der Inhaber der hintersten Plätze, die oft,- besonders bei der Aufführung moderner Stücke, einzelne Stellen der Schau, spielerdialoge nur schlecht oder mühsam hören und sich dann natür- lich den Kopf zerbrechen müssen, um zu raten, was der Intrigant wohl gesagt hpben könnj, um plötzlich die Salondame in einen fo furchtbaren Erregungszustand zu versetzen. Una auch die im Flüsterton gesprochenen Liebesszenen sollen auf dem Umweg über das Hörrohr künftig auch den Insassen des letzten Galerieplatzcs zugänglich sein, von den, ersten leicht hingehauchten Seufzer ver- haltener Leidenschaft bis zu der dem Liebhaber entgegengefchleu- derten Warnung, die Frisur der Angebeteten nicht in Unordnung zu bringen. Die Hörrohre können durch einen Druck auf einen Knopf auf scharfes und mittleres Hören eingestellt werde?. Nottzcn. — Die Kurfür st enoper hat so gründlich Pleite gemacht' daß nicht einmal der Konkurs eröffnet werden konnte. — In der Großen Berlin« r�Kuu stau» st«llung am Lehrter Bahnhof ist der 14. Juli ein sogenannter billiger Sonn- tag. Eintrittspreis von 2 Uhr nachmittags an 25 Pf. — K u n st ch r o n i k. In Düsseldorf wurde die der Stadt leih- und zeitweise überlassene Sammlung des ungarischen Sammlers R e m e S eröffnet. Sie umfaßt 120 Bilder; gut vertreten sind der neueste Modegötze alter Kunst Greco, ferner Goya und die neueren Franzosen. Die Ausstellung wird nächstes Jahr auch nach Berlin kommen. Das begrabene Kriegsbeil. Infolge eines Brief- Wechsels(in der Presse natürlich) scheint der Hader der Sezession mit Bürgermeister Reicke nun beendet werden zu sollen. Schon werden klassische Zitate ausgetauscht— und die bekannten Miß- Verständnisse verantwortlich gemacht. Die Stadt Berlin kann nun endlich ihren bekannten Kunsteifer betätigen und— einen echten Picasso(na, na l) kaufen. — Wenn der Riese ruht. Unter diesem Titel hat der Verlag der.Dortmunder Arbeiterzeitung" eine allegorische Zeichnung von A. M. Luyt herausgegeben(Preis 25 Pf.). Sie ist im An- schluß an den Kampf der englischen Grubenleute entstanden und stellt mit prägnanten künstlerischen Mitteln die Wirkung des Riesenftreils dar: der Riese ruht und Handel und Wandel liegt danieder. Die Berg- und Hüttenwerke, Schiffahrt und Eisenbahnverkehr— alles steht still. Ruhig liegt der Riese da, der dies alles vollbrachte, und läßt sich auch durch das anrückende Militär nicht aus der Ruhe bringen. Das Wort: All« Räder stellen still... ist hier kraftvoll und originell illustriert. kleines feuilleton. Die neueste Mode. Wie der Perpendikel schlägt die Mode- Narretei von der einen Seite nach der andere» Seite aus, in stän- diger Bewegung geholten von den kapitalistischen Modemachern. Der Hosenrock vermännlichte die Frauentracht, der Humpelrock ver« sklavle sie. Jetzt soll ein die letzten Jahre gänzlich unterdrückter Körperteil zu Ehren kommen: der Bauch. Der Pariser Plauderer Clöment Vautel verkündet die frohe Bolschaft(vielleicht lanziert er sie auch zu Reklainezlvecken) im„Matin": .Die Roben, die die Kleiderkönige gegenwärtig.kreieren", losten dem armen Bauch, der seit so vielen Jahren als Paria behandelt wurde, endlich wieder Gerechtigkeit angedeihen. Man munkelt, daß bei den großen Schneidern die„rnannsguiiis" bereits in der neuen Robe austreten und den vornehmen Kundinnen zeigen, wie man fortan wird gehen müssen. Bis jetzt mußte eine Frau, wenn sie für schick gelten ivollte, gewissermaßen eine geschweifte Haltung an- nehmen: die Büste nach vorn und die Hüften sozusagen nach hinten geworfen; von nun an wird sie, wenn sie modern sein will, genau daS Gegenteil tun müssen: der Unterleib, der sich schamhaft ver- steckte, wird zeigen, daß er auch noch da ist....Aber das wird ja scheußlich sein I" jammern Sie, meine Damen. Was wissen Sie davon?... Die schönsten BenuSbilder deS Altertums haben Bauch; die nioderne Sylphide iväre wahrscheinlich einem Phidias und einem Praxiteles sehr häßlich erschienen, und diese Herren hatten doch eine gewisse Kompetenz in puncto Fraucnschönheit. Im übrigen ist Schönheit ja wohl Modesache, ganz wie die Roben! Der Triumph des Bauches kann in nationaler Hiusicht wichtige Folgen haben.... AuS wird es sein mit der kieiiieii dünnen Frau, die. um nicht ihre kostbare Linie zu verlieren, keine Kinder haben oder wenigstens keine säugen wollte..Da die neue Schönheit sich an Rubens' und Jordacns' Frauen ei» Beispiel nehmen soll, wird bei der Sache wahrscheinlich auch die Wieder- bevölkerung Frankreichs ihre Rechnung finden. Wie dem aber auch sein mag. ich bin übcrzengt. daß viele unserer Zeitgenossinnen, die sich jetzt als Märtyrerinnen des Korseltzwanges fühlen, durchaus nicht böse sein iverden, wenn sie sich wieder ein bißchen aufschnüren können..." Das Kinderkriegen ist also Modesache I Eine Unterrock-Revolutio» in Ostafrika. Dem„Daily Tele- graph" berichtet man aus Lissabon: Die Stadt Jnhambane. Bezirks- Hauptstadt der Provinz Mozambique an der Küste von Portugie- sisch-Ostafrika. befindet sich in Heller Empörung gegen ein Dekret des Gouverneurs, der allen eingeborenen Frauen kund und zu wissen tat, daß sie fortan einen Rock zu tragen hätten. Zuerst empörten sich die indischct, Händlerinnen, die ganze Haufen von Schals und anderen Tüchern, wie sie bis jetzt die Frauenmode von Jnhambane darstellten, auf Lager haben und durch den Ukas des Gouverneurs ihren ganzen Handel ruiniert sähen. Zum Zeichen des Protestes schlössen sie ohne weiteres ihre Läden. Dann ließen die vielen Landfrauen, die sich jeden Morgen nach der Stadt zu begeben pflegen, um Eier und Gemüse zu verkaufen, dem Gouver- vcur mitteilen, daß sie, wenn das Tckrct nicht zurückgenommen werden sollte, die Stadt aushungern und keine Eier und keine Milch mehr bringen würden: sie hielten die Kleidervcrordnung des banausischen Europäers geradezu für einen Verstoß gegen Moral und Acsthctik und für einen blutigen Schimpf, der ihrer Frauen- ehre angetan würde. Schließlich drohten Tausende von Frauen. die in der Stadt und in der Umgegend wohnen, in Massen aus- zuwandern und sich einen Wohnsitz zu suchen, an welchem Frauen- rücke als etwas durchaus Uebcrflüssiges betrachtet werden. Die Opposition gegen die neue Mode gestaltete sich so bedrohliche daß der Gouverneur seine Verfügung vorläufig zurückgenommen Hai. Der drollige Vorfall hat in kolonialen Kreisen große Heiterkeit hervorgerufen. Die Silbcnschrcibmaschine. Von jeher ist es als ein Nachteil der Schreibmaschine empfunden worden, daß man mit ihr zwar schneller als mit der Hand, aber doch keine eigentliche Schnellschrist schreiben kann. Die Idee, Maschinen zu konstruieren, mit denen sich ganze Silben auf einmal schreiben lasten, lag daher sehr nahe. Aber bei der Unzahl der möglichen Silben war man gezwungen, sich daraus zu beschränken, nur für die gebräuchlichsten Silben und einsilbigen Wörter fertige Typen zu prägen, für die anderen aber das Schreiben mit der gewöhnlichen Einzeltypenschrift bestehen zu lassen. Auf diese Art konnte natürlich nur eine recht geringe Be- schleunigung herbeigeführt werden. Einen ganz neuen Weg hat nun, wie die„Welt der Technik" mittettt, ein in Brüssel lebender französischer Rechtsanwalt einge- schlagen. Er stellte nicht fertige Silbcntypen her, sondern er läßt jede Silbe aus den einzelnen Buchstaben zusanAnensetzen, die aber nicht nacheinander, sondern gleichzeitig wie die Töne eines Akkordes auf den, Klavier angeschlagen werden. Er faßt dabei jede Silbe als einen Vokal auf, dem ein oder mehrere Konsonanten oder auch andere Vokale vorangeben oder folgen. Die einzelnen Buchstaben werden verschiedenen Tastcngruppen entnommen und die Kon- struktion der Maschinen ist nun eine derartige, daß diese Buch- staben dann bei gleichzeitigem Anschlage nicht aufeinander, sondern nebeneinander auf das Papier treffen und daß dieses auch immer um die der betreffenden Zahl von Buchstaben entsprechenden Zwischenräume weiter geschoben wird. Die Maschine ist auch sonst noch mit einigen sinnreichen Ver- besscrungen ausgestattet. So wird, wenn nur noch 7 Buchstaben auf der Zeile offenstehen, eine Vorrichtung zum Zurückgehen auf den Anfang der nächsten Zeile ausgezogen und beim nächsten Auf- beben der Tasten ausgelöst. Dabei wird, wenn der Schreibende nicht auf die Zwischenraumtaste drückt(weil, das Wort gerade zu Ende ist), selbsttätig ein Teilstrich gesetzt.— DaS Erlernen der neuen Maschine soll nicht allzu schwer sein: junge Mädchen, die vorher nicht Schreibmaschine schreiben konnten, hatten nach dreNMonaten soviel Uebung, daß sie bereits in der Minute hundert Wörter schreiben konnten. Während sonst fünf Anschläge im Durchschnitt zur Bildung eines Wortes notwendig tvaren, find es bei dieser Maschine im Französischen nur noch 154. Das Deutsche, das ja längere Wörter hat. wird etwas mehr Anschläge bedürfen; das Ber- bältnis dürfte aber ebenso günstig sein. Seibstverständlich müßte die Maschine für alle Sprachen in bezug auf die Anordnung der Buchstabengruppen besonders konstruiert werden. Bissolatianer, bezeichnet die parlamentarische Aktion als ganz und gar nichtig und unzulänglich. Darum müsse sich die Partei durch eine Nückkehr zur intransigenten Taktik stählen und erneuern. Die Ausschließung bekämpft Redner, tveil er glaubt, daß alle, nicht nur die Rechtsreformisten, gefehlt haben. Wir würden die treffen, die den Mut haben, ihre Ueberzeugung offen zu sagen, ilicht jene, die schlau genug sind, ihre Ansicht zu der- schweigen. Reina betont auch in warmen Worten die Gefahr einer Parteispaltung und schließt mit der Aufforderung, daß der Parteitag die betreffenden Handlungen tadeln, aber die Abgeordneten nicht ausschließen möge. Er legt eine Tagesordnung in diesem Sinne vor. Als nächster Redner nimmt Francesco Ciccotti, Re- volutionär,'das Wort, um die Resolution Mussolini zugunsten der Ausstoßung zu vertreten. Er betont, im Gegensatz zu Turati, den hohen Wert der Disziplin. Wir wollen der Disziplinlosigkeit, nicht den Ideen den Prozeß machen. Die Handlungen haben die Un» Vereinbarkeit der Ideen der Reformisten und der Revolutionäre in ein und derselben Partei gezeigt. Die Trennung bedeutet für beide Teile eine Befreiung. Die Ausgestoßenen werden eine neue refor- mistische Partei gründen. Wir können nicht an einer Zusammen- arbeit der Klassen teilnehmen. Redner legt dann des längeren den Antagonismus zwischen Demokratie und Proletariat dar, um im Anschluß hieran die Differenz zwischen Linksreformisten und Revolutionäre hervorzuheben. Mit Biffolati polemi- sicrend hebt Ciccotti weiter hervor, daß der italienische Parlamentarismus in doe Praxis sehr der Diktatur gleicht, um die kein anderes Land Italien zu beneiden braucht. Redner schließt mit der Erklärung, daß die Liebe zur Partei es verbietet, milde zu den auszuschließenden Abgeordneten zu sein.(Beifall.) Z i b o r d i, Linksresormist, hebt unter anderem hervor, daß Ge- nosse Prampolini nach dem Attentat den Wunsch ausgesprochen hatte, auch zum König zu gehen, um gegen ein gemeines Verbrechen zu protestieren. Als die Revolutionäre protestieren, ruft der Redner ihnen zu:.Ihr habt Euch noch nicht zwischen Königsmord und der Zivilisation entschieden".(Gelächter. Protest.) Mit zum Teil schon gebrauchten Argumenten sucht er den Unterschied zwischen Links- und diechtsreformisten zu kennzeichnen: die Rechtsreformisten wollen zur Regel machen, was Ausnahme sein soll: Zusammenarbeit der Klassen. Bündnispolitik. B e r e n i n i, Rechtsreformist, Deputierter, wünscht kurz eine Er- klärung abzugeben. Er ist Referent über die Taktik, glaubt aber, daß er, nach dem heutigen Votum, morgen nicht mehr Referent sein wird. Das Urteil, das die vier Abgeordneten trifft, trifft alle Rechts- reformisten. Wer wird übrig bleiben, nachdem Ihr uns ausgemerzt haben werdet? Wer handelt, muß Reformist sein. Wenn unter re- volutionärer Leitung das Proletariat schneller seinen Ausstieg voll- ziehen sollte, so werden wir froh sein unserer heutigen Niederlage. (Beifall.) Er schließt mit einem Hinweis auf die unendliche Mannig- faltigkeit der sozialen Erscheinungen, denen eine Vielgestaltigkeit der Aktion entsprechen müsse. Wir werden, auch nach dem Ausschluß, immer an Eurer Seite sein. Es wird nunmehr über drei Tagesordnungen abgestimmt: 1. Resolution Mussolini für die Ausschließung; 2. Modigliani, die die Abgeordneten desavouiert, die sich durch monarchische und tripolisfreundliche Kundgebungen außerhalb der Partei gestellt haben; 3. Reina, die sich begnügt, die Abgeordneten zu tadeln. Natürlicherweise wird keine der drei Resolutionen von den Rechts- reformisten angenommen, die erklären, sich der Abstimmung zu ent- halten. Das Resultat der Annahme einer jeden der drei Reso- lutionen ist offenbar das des Austritts aller Rechtsreformisten aus der Partei, wodurch ungefähr zehn Parlamentsmandate vakant werden. Die Folgen des Votums werden in ruhigeren Augenblicken zu illustrieren sein. Heute sei nur gesagt, daß die meisten Abge- ordneten nach ihrer Mandatsniederlegung von den Wählern ihrer Wahlkreise wieder aufgestellt werden dürften, wodurch sich auch die Parteisektionen dieser Kreise, die den außerhalb der Partei stehen- den Kandidaten etwa unterstützten, außerhalb der Partei stsllen würden. Hierin liegt bereits der Kern der Parteispaltung. Die namentliche Abstimmung, die zwei volle Stunden währt, ergibt das folgende, den ganzen Kongreß entscheidene Resultat: Mussolini..... 12 556 Stimmen � Reina.»»»., 5 633 � Modigliani.... 3 250, Stimmen enthalten.. 2 072 Die Revolutionäre haben also die absolute Mehrheit. Gerichte-Zeitung. Wegen 10 Pfennige vor das Schwurgericht! Ein Vorfall, bei welchem es sich um ein Objekt von baren zehn deutschen Reichspfennigen handelte, setzte gestern ein ganzes Geschworenengericht mit dem üblichen Zeugenapparat in Tätigkeit. Unbefugtes Eich einsammeln im fiskalischen Walde bildete den Anfang zu einer Szene, welche die Arbeiter- frau Marie R i s k o w s k i und deren verheiratete Tochter Anna L e t t a u vor die Geschworenen führte. Beide Frauen hatten am 2. November v. I., um sich bei der damaligen großen Kälte etwas Brennmaterial zu verschaffen, im Walde der Oberförsterei Neuholland bei Oranienburg Eicheln und eine geringe Ouantiät Eichenreisig gesammelt. Als sie auf dem Rückwege an dem Forsthaus Fricdrichsthal vorüber- gingen, bemerkte sie der dort bedienstete Förster S ch u ch. Er setzte sofort den beiden Frauen nach, stellte sie und riß dem Schüler Willi Riskowski, dem Sohne der Erstangeklagten das Reisig, welches einen„Wert" von einigen Pfennigen hatte, aus der Hand. Hierüber kam es zu erregten Aus- einandersetzungen zwischen den beiden Frauen und dem Förster, in deren Verlauf letzterer den Frauen, wie die Beweisaufnahme ergab, die mit Eicheln und Reisig gefüllten Kiepen vom Rücken riß. Frau Ris- kowski versetzte nunmehr dem Förster mit einer Reisigrute einen leichten Schlag über den Arm. Außerdem sollen beide ihrem Aerger über das nach ihrer Meinung zu forsche Vorgehen des Försters in erregten Worten Luft gemacht haben. Aus diesem an sich so harmlosen Vorfall erwuchs gegen die beiden Frauen eine Schwur- gerichtsanklage. ß 117 St.-G.-B. bedroht nämlich mit Gefängnis von 11 Tagen bis zu 3 Jahren, wer einem Forst- beamten in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes durch Gewalt oder durch Bedrohung mit Gewalt Widerstand leistet oder sie während der Ausübung ihrer Amtes tätlich angreift. Solche Anklagen gehören zur Kompetenz der Strafkammer. Da aber der Schlag mit der Rute als Körperverletzung betrachtet wird, kamen die Frauen glücklicherweise vor die Geschworenen.§ 118 St.-G.-B. sagt nämlich:„Ist durch den Widerstand oder den Angriff eine Körperverletzung dessen, gegen welchen die Handlung begangen ist, verursacht worden, so ist auf Zuchthaus bis zu 10 Jahren zuerkennen. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnis st rase nicht unter drei Monaten ein." Das„Verbrechen" gegen §118 ist von Schwurgerichten abzuurteilen. Der Staatsanwalt beantragte, die Schuldsragen im Sinne der Anklage zu bejahen— weshalb sollen denn auch arme Frauen nicht auf wenigstens ein Jahr ins Zucht- haus oder auf drei Monate ins Gefängnis wandern, wenn sie empört über das Fortreißen der Kiepe dem Beamten einen Rutenschlag über den Arm versetzen. So muß es der Formal- jurist nach dem Gesetz wollen. Der Verteidiger der beiden Frauen, Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs, hielt aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen die Frei- sprechung für geboten.— Die Geschworenen verneinten auch nach kurzer Beratung sämtliche Schuldfragen, so daß die kostenlose Freisprechung der beiden An- geklagten erfolgte._ Ausdehnung de»§ 153 der Gewerbeordnung. Wegen Uebertretung des Z 153 der Gewerbeordnung war Frau Hänelt angeklagt worden, weil sie in Neukölln zur Zeit des Streiks in der Mäntelkonfektion einen„Andern", eine Näherin, „durch Ehrverletzung zu bestimmen versucht habe, sich einer Ver- abredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen anzuschließen". Mit dieser Verabredung war der Streik in der MSnlelkonfektio» gemeint. Die Andere war«un aber gar keine mit dem Streik in Verbindung stehende Person, etwa eine Arbeits- willig« der Mäntelkonfektion. Vielmehr war das Mädchen, deren Paket Frau H. anfaßte und das sie Streikbrecherin nannte, eine Unterrocknäherin. Frau H. hatte das Mädchen auf der Straße getroffen und angesprochen; aus der ausweichenden Antwort deS Mädchens hatte sie irrtümlich geglaubt entnehmen zu müssen, daß es eine Arbeitswillige der Mäntelkonfektion sei. Gleichwohl verurteilte das Landgericht als Berufungsinstanz die Angeklagte auf Grund des Z 153 der Gewerbeordnung, indem sie annahm, daß die Unterrocknäherin als„Andere" im Sinn« des § 163 der Gewerbeordnung anzusehen wäre. Es brauche keine Berufsgenossin zu sein. Unter dem„Andern" sei jeder Dritte zu verstehen. Die Angeklagte legte Revision ein und Rechtsanwalt Dr. Ruhm als ihr Vertreter rügte namentlich jene Deduktion des Landgerichts als verfehlt. Außerdem fand er in dem Urteil noch verfchiedene ändere Rechtsmängel. Das Kammergericht hob das laubgerichtliche Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Tntscheidung an die Vorinstanz zurück. Begründend wurde ausgeführt: Mit dem Reichsgericht sei allerdings anzunehmen, daß unter den Begriff„Andere" auch andere Personen als nur Berufsgenosse« des Angeklagten in Frage kommen könnten. Jedoch sei dafür in jedem einzelnen Falle die Boraussetzung, daß der„Andere" die Möglichkeit habe» sich an dem Streik zu beteiligen, sei eS nun direkt ober in Form eines Sympathiestreiks. Daß aber diese Mög- lichkeit bei der Unterrocknäherin bestand, sei nicht festgestellt. DieS müsse nachgeprüft werden.— Außerdem fehle in der Vorentschei- dung die Feststellung, daß der Streik eine Bewegung zur Erlau- gung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen gewesen sei. Ferner sei nachzuprüfen, ob nicht statt des Z 153 der Gewerbeordnung der Nötigungsparagraph des Strafgesetzbuches in Frage komme. Ein ungetreuer Bormund mutzte sich gestern in der Person des Schankwirts Robert Bendig vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I verantworten.— Der Angeklagte, welcher in der Weißenburger Straße eine Schankwirt- sckaft betrieb, war vom Amtsgericht Berlin-Mitte zum Vormund des unehelich geborenen zweijährigen Eugen M. bestellt worden. Von den: Vater, einem Schutzmann, war im Vergleichswege an die Mutter die Summe von 1300 M. als Abfindung gezahlt worden. Als der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Vormund diese Summe erhielt, kümmerte er sich nicht im geringsten um die vom Gericht erfolgte Aufforderung, das Geld in mündelsicheren Papieren anzulegen, sondern griff sofort den Betrag an, um sich und seiner Ehefrau damit einen vergnügten Tag zu machen. Der größere Teil des Geldes wurde verjubelt, während der Rest von dem An- geklagten dazu verwandt wurde, sich Einrichwngsgegenstände für sein jetziges Geschäft in der Brunnenstraße zu kaufen.— Diese Veruntreuung, durch welche die Mutter des Kindes, eine arme Arbeiterin in arge Bedrängnis geriet, kam bald zur Entdeckung und hatte die jetzige Anklage wegen Untreu« zur Folge.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte nicht aus Not, sondern aus niedriger Habsucht gehandelt habe, auf 3 Monate Gefängnis. WitterungsSberficht vom 12. Juli 1912. Swkemde. 7 KS! Still Hamburg 7K7DSO Berlin 768! SO Frankf.a M. 766!3JD München|76 Wien i 767|N Wetter heiter wollenl halb bd wolkenl Äwolkcnl woltenl issi 5« IS1 Stationen i* Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris 770 O 768, 756 759 S 762 Jl M ss| B s W SSO S Wetter 4 wölken! 1 wolkenl 5 Nebel Ziwolkig Swolkenl fJi ü 18 18 15 15 23 Wetterprognose für Sonnabend, de» 13. Juli 1912.. Borwiegend heiter, trocken und sehr warm bei mäßigen östlichen Winden. Sommerpreise. Gegr. 1893. Gegr. 1893. 55 i B. KOCH 55 Kohlen- und Brikett-Großhandlung flaupikoDtop: Beplin 0. 34, Petersburger Straße 1. Telephon: Amt Königstadt, 3040 und 3096. Lagerplatz 1: O. 34, Rlidorsdorfer Str. 71(Küstriner Platz, alLOstb.). Lagerplatz 2: 0. 17, FruchtslraBe 13(Ostbahn-Gütorbahnhof) Preise für la Marken ab meinen Lagerplätzen von 10 Zentnern an; pr. Ztr. 0.90 m. 0.95 m. 1.00 m. pr. Ztr. Krone Halhsteine... 0.95 m. Ilse, Kaiser u.Äkw. Halbst. 0.90 m. 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Zementbranche Den Kollegen zur Nachricht, ! daß unser Mitglied, der Rabitz. ! spanner 140/18 Gustav Seide! I am 10. Juli im Alter von 59 Jahren s an Blutvergifiung gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Juli, nach. l mittags 3 Uhr, auf dem �ricdhvs der Zionsgemetndc in Nordend, I Blanlcnsclder Straße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Srkttonsvorstaud. oeulscilep üoiisi'beiter-Vek'dAlll! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klavier- arbeiter AuglKt Sehneider Elbinger Str. 8, im Alter von öl Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: ?Die Beerdigung smdet heute Sonnabend, den 13. Juli, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle des Auserslchungs-KirchhoseS, Weißen- sce, aus statt. Den Mitgliedern serner zur I Nachricht, daß unser Kollege, der I Klavicrarbcitcr Wilhelm Scbluvieke Lber-schöneweide, Nalepastr. 9, am 11. Juli im ÜUtei' von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet aui Sonntag, den 14. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Ober. Schöncwcidcr Gemeinde- sriedhoseS aus statt. 86/11 Oie Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Grob Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Biersahrer Wilhelm Naumann am 9. d. Mts. im Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. d. M., nach. mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus- Kirch. hofeS in Weißens« aus statt. 65/7 Die Bezirksverwaltung. 3fntrnh|)frbanb der Zlhmitde. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Kollege Cavwg Sims» am Sonntag, den 7. Juli, an den Verletzungen, die er am Vormittag durch Ucbersahren erlitten hatte, gestorben ist. Ehre leine« Andenken! � Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Pauls. zxirchhoieS in Plötzensee (Seeliraße) aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 176/20 Die Ortsverwaltung ZentrafrerbaDdiierMeiter u.-irbeiteriiifleii Deutseblanils. Ortsverwaltung Berlin. Am Mittwoch, den 10. Juli, verschied unser langjähriges Mit- glied, der Polierer WHKsIm Hahn. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 13. Juli, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen. balle der Oelberg- Gemeinde, EmmauS-Kirchhos, in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. 71i3_ DI« OrtsverwaltuHg. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Am Montag, den 8. Juli, ver< starb insolge eines Unglllikssalles unser Mitglied ]£»rl Hirsch. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Tegeler Fried- hoses, ZernSdorser Straße, aus statt. Rege Betelligung erwartet 57/19 Die Ortsverwaltung. Verband der Buch- und Steindruckerei-Rillsarbeiter u. IrbeiteriimeD Deiitseblands. Ort. Verwaltung Berlin. Am 11. Juli starb nach kurzem Kranlentagcr unser Mitglied Karl Watmcr im Alter von 30 Jahren. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Juli, nachm. 'LS Uhr, aus dem Matthias- Kirchhos in Südende statt. 28/2 Oie Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden I und Bekannten zur Nachricht, dag l am 10. Juli meine liebe Frau, I unsere gute Mutter. Anna Schulz K,L6Pei nach längerem Leiden ent. ichlasen ist. 55» Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, 1 von der Leickcnhallc in Marzahn | aus statt. Die Hinterbliebenen. Zentral-Kraukkn- und SterdtkassederZimmerer. Berlin-Uchtenberg.* Hiermit den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 10. Juli unser Mitglied, Frau �nna Schulz nach längeren Leiden verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn au» statt. 253/5 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine innigaeliebte Frau, unsere Herzens- gut- Mutter Elise Buchbolz geb. ZtthJko am 11. Jult verstorben ist. Die trauernde» Hinterbliebenen. Otto Buchholz nebst Kindern. Rathenow er«tr. 36. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Juli, nachm. 3 Uhr, vom Krankenhause Moabit, Birtenstr. 62/63, au» nach dem neuen St. Jvhannis-Kirchhos in Plötzenlee statt._ 41A Nach langem schwe.en Klanken- lager entschlies am Mittwochabend 7>i4Ihr meine liebe Frau, Schwester, Schwägerin und Tante Uiise Wegner geb. I-ane im 58. Lebensjahre. 2441b Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Zl»» Weener Lichtenberg. Kronprinzenstr. 3. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Zentralsried. fies in FriedrichSselde au» statt. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben, ewzlgen Tochter I-ottchen, sagen wir allen Beteiligten sowie dem Personal der 18. Revier-Jnspektio« unseren herz- lichsten Dank. ggU Ernwt Kielst nebst Frau. Bcreinen. Gewerkschaften und Schulen empfiehlt sich das Restaurant Wald'SdyU Berliner Sebneiderei-ßenossensehaft(E.Gj.bl) gegründet von organisierten Sohneidergehillen Berlin AT. Briienstr, 18! Ii RnUer Tor|. Großes Lager fertiger Anzüge and Sommerpaletots, Sport-Anzüge, Loden-Pelerinen Wt Arbeiter-Berufskleidung. Lieferant der Konsumgenossensehaft und des Arbeiterradfahrerbundes. Sonntag von 8-10 Uhr geöffnet. y liii iii iiiiii ii in Iii ii iiiii in iniiiiiiiiiiiiiiB , �_■■_________ m. Josern «••••••••••••• JUM© CS6.ÄÄEXTSM iiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimniiiimmmima Schmöckwitz I. d. Mark. er»«.— Auer Jnh.: Ernst Sloack. Ausschank bon Schnltheist- viere«.—«»erkannt ante Küche. --—— xelephon Zeuthen 31. 1 SIN ANN Mohrenstr. 37§ RS Cr.franh/urterstr. lis.oaj Sehen Sie sieh ohn« Kaufzwang meinen| MM-klIMlW! Uli! Oae Beste u Arbelt, Stell nad Fessoast Jetzt IB. Z». S». 45,«S bl« 150 Msrk Sonst TO. 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Nestes Theater. AbendS 8 Uhr: Der liebe Augusti«. Operette von Leo Fall. i DSE=THEATE1 Gräfte Franvurter Str. 132. Gastspiel Helene Stiewe: Nu Gastspiel Helene Stiewe: II vie umk einer Ehe. im Ansang 81/, Uhr._ Aus der Gartenbühne:_ 1 CS ist erreicht! Gr. Revue. Metropol-Theater, Phantastisch musikalische Komodie m 3 Akten aus dem Englischen völlig srei bearbeitet von I. Freund. Musil von R. Nelson. U. a.Tänze v. W.Bishop. In Szene gesetzt vom Dir. Zi. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. MMM« Großes Sommerfest am Sonntag, den 14. Juli 1912, in den Lokalen„Vereinsbrauerei", „Hoppes Festsäle", Neukölln ::: GROSSES DOPPEL-KONZERT;:: ausgeführt vom„Neuen Tonkünstler-Orchester*(Dirigent Fr. Hollfelder):; --------- Turnerische Aufführungen:: Artistenverein„Berolina'::-------- i___. T A M 7 Herren, welche hieran teil In beiden Sälen. I A IN A* nelimen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang des Konzerts 4 Uhr. ELNXASS KARTE 25 PFENNIG. Im hinteren Teile des Gartens Kinderspiele, politisches Ballwerfen:: Bei eintretender Dunkelheit GR. FACKELZUG, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält;; Programme an der Kasse gratis:: Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet DAS, KOMITEE. m m m LOGISCHER GARTEN Großes Militär- Doppel-Konzert Heute: Große Festbeleuebtnog. Eintritt 1 Mark, Kinder unter 10 Jahren die Hallte. Ab 8 Uhr. Sensationeller Lacherfolg! Clown Alf. Danlei» mit seinen ZirkuSspäßen. Ada Pagflnl Kgl. KammervirtuosiN, und 10 weitere grofte Attraktionen. UP ■■■■Bark Heqte Sonnabend: K Eiitetag. K 81/, Chr: Auftreten des verwegensten überlebenden Matrosen der „Titanic* Bertram Klein in seinen waghalsigen Produktionen am 80 Fuß hohen Sohifismast.— O1/, Uhr: JPracht-FenerwerU. (Deichmann& Gollwitz.) 8 Kapellen. Entree 1 Mark, bis 6 Uhr 50 Pf. Kinder und Zwergstadt bis 6 Uhr frei._ FREIER RUDER-BUND BERLIN. Sonntag, den 14. Jnll 1912, mittag» 12 Uhr: :: RUDER-REGATTA:: der dem Bund angeschlossenen Arbeiter-Rudervereine„Coilegia", =„Freiheit4' und„Vorwärts'4 auf der Treptower Spree.--------- Start: An der Treptower Eisenbahnbrücke. 2365b* Ziel: Restaurant„Schwanenberg", Stralau, Tunnelßtr. 20. Während der Regatta: �Promenaden-KonBert. Im Anschluß an die Regatta: Gartenfest im Restaurant„Schwanenberg" Konzert des Berliner Sinfonie-Orchesters(Dirigent: M. Fischer). Im Saale: BAUE.— Bücherverlosung, Motorboot-Rundfahrten. ------- Kinder-Fackelzug. Anfang des Konzerts 4 Uhr.— Kinder frei. »MMMMMMWWMMWMWWU-- Eintritt 20 Pf.— mwmmmmwmmm ivvmmmmmww*• Hagenbedc's Indien — Tempelholer Feld.— Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Sonntas, 14. Jnll, vormittags ll'/j Uhr: Große Matinee! Ab 3 Uhr nachmittags ununterbrochen die»ensatio- nellen Vorstellnngen. Unbeschrankter zwangloser Anf enthalt! Doppel-Xonzerte, ausgeführt von der Kapelle des KgL Obennusikmeistere a. D. Gustav OlTeney und der eigenen Hauskapelle. 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Hin und znrück so Pf. §ll8r~ Ab Weldendanunerbrflcke:"VES Am Donnerstag, durch die herrlichen Havesteen. den 18. Juli, nach Abs. L'/, vorm. Hin u. zurück 1 M. Achtung! Am Sonntag, den 21. Juli, nach Krampenhnrg. Abfahrt 9 und 2 Uhr. Hin und zurück 1 M. Ablahrtstelle (am Schiefische» Bahnhos.) Morgen Sonntag von mittags 2 Uhr ab ca.'/.stündlich nach Restaurant „Kylthünser". Daselbst groftes Garteukonzert und Ball. Einfache sZahrt wochentags 20, Sonntags 30 Ps. Fahrgäste zahle« kein Entree. Heute Sonoabeiid große ßampler-Proinenadenlaliil. Mnnnnn Snnntsn W?,8 6iäS, HtaBO�uriid initt.2Uhr nach Von der Michaelbrncke an der Michaelkirchstrafte. Morgen Sonntag 9'/« u. 2'/. Uhr Extrasahrt nach Rauch- fangswerder, Krampenburg u. Schmöckwitz. Preis hin imd zurück 90 Pf., Kinder 4S Pf. Llufterdem mit Musik am Montag Abs. 10 Uhr»ach Heue Mühle. Mittwoch Abf. 10 Uhr nach RQders- dort n. Woltersdorf. Donnerstag Abf. 9 u. 2J/( Uhr nach Zwiebusch(Berl. Schweiz), Krampenburg u. Schmöckwitz. 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Bewerber, die mindesten« fünf Jahre Mit- glied deS Verbandes sein müssen, werden ersucht, ihr BewerbungS- schreiben spätestens bis zum 31. Juli mit der Aufschrift„Bewerbung" bei der Ortsberwaltung Berlin, Charitsstr. 3, einzureichen. 120/16_ Ple Ortaverwaltnng, Für unsere GeschästSstelle ln Gelfeulircheu suchm wir zum 1. September einen zweite»» Beamte»,, welcher in der Berichterstattung für die Partelpreffe und in der Annoncen-Akailifitton tattg sein muß. Ver- langt wird erste Krast, die druckreise Berichte licsert. Bewerbungen mil Angabe der bisherigen Tätiglelt und Nachweis der politischen OrganisationSzugehörtg. keit bis spätestens 1. August erbeten an Heinr. Lölller, Bochum, Wiemelhauserstr. 42. 293/10 Verlag Volksblatt. (ieHverKsckatts-SeKrvtsr. Für das DewerlschastSkartell«retclch wird zum sofortigen Antritt ein«eliretUv gesucht. Derselbe muß rednerisch und schrtstftellertsch besähigt sein und genaue Kenntnis des Partei, und GewerkschastSIeben« besitzen. 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Druck u.«erlag:«orwärt» Buchdruckerei u.«erlag»anftalt Paul Singer u. So.. Berlin SÄ. Nr. M?9. Jahrgang. Z. Cfiliip Ks.lotronrlfj" Mm WsM Ssuvllbtlld, 13. Juli 1913. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Berliner Rcichstagswahlkreis. Sonmaa, den 14. Juli: Großes Sommerfe st in den Gesamträumen der Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Konzert, Gesang, Kine- matograph, Ball sHerren zahlen 50 Pf. nach). Jedes Kind erhält einen Bon zur Stocklalerne gratis. Die Kaffeeküche ist von 2—6 geöffnet. Vorverkauf: Billett 20 Pf., an der Kasse 30 Pf. Der Vorstand. Charlottcnburg. Tie Genossen und Genossinnen der 7. Gruppe veranstalten am Sonntag, den 14. Juli, einen Ausflug nach Pichelsbergs und treffen sich um 2 Uhr nachmittags im Restaurant Freund. Johannisthal. In den Monaten Juli und August werden die sonntäglichen Bibliotheksstunden nur alle 14 Tage abgehalten und ist die Bibliothek am Sonniag, den 14. und 28. Juli sowie am 11. und 26. August geschlossen. Reiilickcndorf-West. Dienstag, den 16. Juli, abends pünktlich 8'/z Ubr, finde: in den Cickbornsälen/a Jahren eröffnet worden sei. Anfangs zählte die Heilstätte 600 Betten. Seit Ende 1907 ist die Zahl der Betten auf über 1200 gestiegen. Mit dieser großen Zahl der Betten sei allmählich die Zahl der Besucher gestiegen, die zurzeit an einem Sonntag auf 1200 geschätzt wurden. Durch diese Zuschrift wird lediglich dargetan, daß unser gestriger Hinweis auf die Zeit der Eröffnung des zweiten Teiles der Heilstätten einer Korrektur bedarf, mehr auch nicht. Die Patienten wie deren Angehörigen können aber doch nicht verantwortlich gemacht werden dafür, daß die Beelitzer Heilstätten so umfangreich sind, daß sie über 1200 Patienten beherbergen können. Man kann doch nicht in Rücksicht auf die Größe einer Anstalt Patienten wie deren Angehörigen die Besuchserlaubnis beschränken. Der Besuch ist sehr oft geeignet, einen kranken Menschen wieder Lebensfreude und Erheiterung zu bringen und somit auf das körperliche Wohlbefinden günstig einzuwirken. Und deshalb bleibt die Maßnahme des Vorstandes schikanös und kleinlich._ Professor Dr. Hugo Neumann ist gestern im Alter von 55 Jahren gestorben. Mit dem Verstorbenen ist ein Mann dahingeschieden, dessen Haupttätigkeit der Sorge um Mutter und Kind galt. Von Haus aus vermögend, widmete sich Neumann in besonders hervorragendem Maße der Fürsorge der Säuglinge und des unehelichen Kindes in der uneigennützigsten Weise. Mit großen Mitteln rief Neumann das Kinderhaus in der Blumenstraße ins Leben und arbeitete hier mit großer Opferfreudigkeit an seiner Lebensaufgabe. Zu der Einrichtung der Säuglingsfürsorgestelle in Berlin hat Neumann viel beigetragen. In seinem Kinderhaus wurde die erste Fürsorgestelle errichtet. Die verschiedensten Abteilungen im Kinder- hause, die Kinderpoliklinik, das Wöchnerinnenheim, die Abteilung für kranke Säuglinge zeugen von der außerordentlichen Tätigkeit Hugo Neumanns. Daneben unternahm der Verstorbene eine Reihe Unter- suchungen der Berliner Schulkinder und Veröffentlichungen über die in Berlin geborenen unehelichen Kinder. Professor Neumann war ein prächtiger Mensch, dem ein tst'-s soziales Empfinden eigen war. Drei Schulkinder ertrunken. In der Nähe der Stadt C a m b u r g an der Saale hat sich Donnerstag gegen abend ein schrecklicher Vorgang abge- spielt. In der Ortschaft Neuengönna verbringen seit An- fang dieses Monats etwa vierzig Berliner Schulkinder unter Aus ficht ihres Lehrers ihren Ferienurlaub. Die Kinder gingen wie alle Tage in die Saale baden. Der Fluß ist an dieser Stelle ziemlich seicht, und das Waffer fließt nur. sehr langsam dahin, da sich unmittelbar daneben eine Landzunge befindet, die fast, bis in die Mitte des Fluffes hineinragt. Ueber Nacht müssen sich im Fluß bett tiefe Löcher gebildet haben, von denen niemand etwas wußte. Dies sollte den Kindern zum Verhängnis werden. Als die Knaben ins Wasser stiegen, ließ sie der die Aufficht führende Lehrer sich gegenseitig die Hände reichen, so daß eine lange Kette gebildet wurde. Kaum waren die Kinder ein Stück in den Fluß hinein- gegangen, als sich plötzlich ein lautes Geschrei erhob. Der vorderste Teil der Kette war in einen Strudel geraten und riß die anderen Kinder hinter sich her. In den nächsten Augen- blicken verschwanden einige der Kinder unter der Oberfläche. Der Lehrer, der am Ufer stand, sprang sofort ins Wasser und konnte zwei der Knaben retten. Außer ihm waren auch noch einige andere Erwachsene in das Wasser gesprungen, sie mußten sich aber darauf beschränken, die in großer Auftegung befindlichen Kinder an das Land zu führen. Man glaubte jetzt allgemein, daß sämtliche Kinder geborgen seien. Als man aber die Kinder abzählte, stellte es sich heraus, daß drei fehlten. Sofort stiegen der Lehrer und einige andere hilfsbereite Personen wieder ins Wasser hinein und suchten die ganze Strecke ab. Sie fanden aber keinen der ertrunkenen Knaben. Erst in den späten Abendstunden konnten Fischer ein Stück weiter flußabwärts die Leichen der beiden Schüler Erich Borsdorf und Otto Rückert ans Land bringen. Der dritte ertrunkene Schüler, Otto Kublank, ist noch nicht geborgen. Geständnis des Kassenboten Haase. Der Kassenbote Max Haase hat gestern nachmittag seinem Vefteidiger, dem Rechtsanwalt Paul Bvedereck auf längeres, ein- dringliches Zureden hin, das Geständnis abgelegt, daß seine erste Angabe, daß ihm das Geld von einem Straßenmädchen in dem Hotel am Anhalter Bahnhof gestohlen worden sei, nichtzutreffe. Er habe vielmehr das Geld an einer bestimmten Stelle auf dem Tempelhofer Felde vergraben. Weil Haase bei seiner Vernehmung durch den Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Gaze, seine Be- hauptung aufrecht erhielt und er sich bereit erklärte, die Stelle genau zu bezeichnen, ging man der Sache gleich auf den Grund. Gegen 4 Uhr fuhren in zwei Kraftdroschken der Kassenbote Haase in Begleitung mehrerer Kriminalbeamter, der Untcrsuchungsrich- tcr, Landgerichtsrat Gaze, Kriminalkommissar Fritsch und zwei Chefs der Amerian Expreß Co., der bekanntlich Haase die Summe unterschlug, nach dem Tempelhofer Felde. Nicht weit vom Bahnhof Tempelhof in der Richtung nach Neukölln zu entfernt, bezeichnete Haase dicht neben dem Bahnzaune zwei Stellen, wo er das Geld vergraben haben wollte. Kaum hatte man den ersten Spatenstich getan, da stieß man, ungefähr 30 Zentimeter tief, auf einen harten Gegenstand, eine eiserne Kasette, die bare 85 000 M. in Tausendmarkscheinen barg. Einige Fuß weiter fand man, eben- falls nur etwa 30 Zentimeter tief vergraben, einen Wachsleine- Wandbeutel, der das übrige Geld in Hundertmarkscheinen und Gold- rollen enthielt. Die 94 000 M. konnten sogleich der American Expreß Co. zurückerstattet werden. Sonderbar ist es. wie unvor- sichtig Haase bei seinem Versteck war. Er hatte das Gras zwar vorsichtig abgestochen und wieder heraufgelegt, so daß man eine frische Stelle nicht sah, doch hätte der Schatz sehr leicht von spielen- den Kindern gehoben werden können, da diese doch an allen Stellen des Tempelhofer Feldes, und gerade am liebsten an den Zäunen „buddeln". Ein Falschmünzer verhaftet. Durch die Kriminalpolizei wurde Tonnerstag abend in Tempelhof der am 8. März 1890 in Oberhausen geborene Techniker Albert H a v e n i t h wegen Falschmünzerei verhaftet. Die Polizei hatte vor einigen! des Mannes verließ, mit der Drohung, Frau.Gärjke wgd ; Tagen schon dir«) Arbeiter Wilhelm Z. bd der Verausgabung eines falschen AvtWzigmarkstückcs abgefaßt. Weitere Falschstücke wurden bei ihm niht vorgefunden. In Begleitung des Verhafteten wurde ein änderet Mann gesehen, der später in einer Herberge ' in der Koppenstrasie ermittelt wurde. In seinem Besitz wurden noch mehrere gefälschte Goldstücke vorgefunden. Als Falschmünzer kam aber auch dieser Verhaftete nicht in Betracht. Dagegen fand man bei ihm dnen Zettel, der die Adresse des Technikers H a v e n i t h trug. Dieser wurde jetzt längere Zeit beobachtet, und schließlich wurde zu einer Haussuchung geschritten. In Ler Woh- uung des Verdächtigen in der Strausberger Str. 19 fand man ein vorzügliches, zur Herstellung von falschen Zwanzignrarkstücken dieziendes Handwerkszeug, außerdem noch zahlreiche aus Kupfer hergdtellte Falschstücke, die den alten Zwanzigmarkstücken täuschend ähnlich�sehen. Wie festgestellt wurde, sind eine Anzahl dieser ge- fälschten Zwanzigmarkstücke von Havenith nach dem Rheinland geschickt worden. Das ganze Werkzeug und die Falschstücke hatte Havenith schon in einen Koffer gepackt, um damit abzureisen. Er war erst zwei Monate in Berlin, und da er mehrere Sprachen beherrscht, war es ihm ein leichtes, sich überall durchzufinden. Die Falschmünzerd muß er auch schon außerhalb Berlins betrieben haben. Hier hatte er, um keinen Verdacht zu erregen, die Stelle eines Monteurs bei der Privattelephongesellschaft angenom- men. Als er für diese in Tempelhof tätig war, wurde er von der Kriminalpolizei verhaftet. Havenith war bei der Brüsseler Weltausstellung als Polizeibeamter tätig. Angesichts des schwerwiegenden Belastungsmaterials konnte er bei seinem Verhör die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nicht bestreiten. Gestern nachmittag wurde Havenith dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Bei seiner eingehenden Vernehmung gab der junge Mann an, daß er lediglich das Opfer seiner Wißbegierde geworden sei. Schon in seiner frühesten Jugend habe er mit großem Inte» esse Bücher über chemische und galvanische Experimente gelesen. Zuerst sei er auf den Gedanken gekommen, sich einen Anhängsel für die Uhrkette in der Form eines Zehnmarkstückes herzustellen. Dies sei ihm auch zu seiner Zufriedenheit gelungen. Nach und nach habe er es so weit gebracht, daß seine Medaillons von echten Gold- stücken nicht zu unterscheiden gewesen seien. Daraufhin habe er das Strafrecht studiert und darin gelesen, daß das Anfertigen dieser Nachahmungen nicht strafbar sei, wenn sie nicht in den Ver- kehr gebracht würden. Er sucht sich damit herauszureden, daß er dies auch nicht gemacht habe, vielmehr nur seinen Freunden Wilms und Zittlau die von ihm angefertigten Zwanzigmarkstücke zur Ansicht übergeben habe. Wenn diese nun gegen sein Wissen die nachgemachten Goldstücke in den Verkehr gebracht hätten, so sei das nicht seine Schuld. Zwei tödliche Strassenunfälle erdgneten sich gestern nachmittag. Gegen 5 Uhr wurde der 16 Jahre alte Straßenreiniger Bernhard Zander aus der Straße 16b Nr. 19, als er mit seinem Karren vom Spittelmarkt kommend in die Grünstraße einbiegen wollte, an der Ecke der Gertraudtenstraße von einem Kraftomnibus der Linie 53 erfaßt und umgerissen. Er geriet hierbei unter das linke Hinterrad, das ihm den Brustkasten völlig eindrückte. Auf' dem Transport nach der nächsten Unfallstation verschied der Un- glückliche. Beim Spielen verunglückt ist die 5 Jahre alte Tochter Wally deS Arbeiters Wunderlich aus der Aörlitzer Str. 66. Das Kind spielte gegen 3 Uhr vor dem elterlichen Hause. Dabei kam es unter einen mit zwei Pferden bespannten Bierwagen der Berliner Bock- brauerei. Ehe der Kutscher, der nur im Schritt fuhr, das Fuhr- werk zum Stehen bringen konnte, war das rechte Hinterrad des schweren Wagens über den Kopf der Kleinen gefahren, so daß sie auf der Stelle verschied. Tödlichr Unfall einer Greisin. Als die 72 Jahre alte Frau Wilhelmine Naujoks, geborene Koch, ihre im Hause Falckenstcin- straße 9 belegene Wohnung aufsuchen wollte, glitt sie auf der untersten Stufe der Treppe zum 1. Stock aus und fiel so unglück- lich hin, daß sie dabei einen Schädelbruch erlitt. Ein sofort be- nachrichtigter Arzt konnte nur noch den Tod der alten Frau fest- stellen. Ein schwerer Strahenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Freitag um 10 Uhr an der Marschallbrücke. Dort sprang eine Frau Pauline Kümmert, Alt Moabit 55 wohnhaft, trotz der Warnung des Schaffners während der Fahrt vom Hinterperron des Motor- Wagens 2395 der Linie 14 ab, kam zu Fall und erlitt einen Bruch des linken Oberschenkels. Die Verunglückte wurde nach der Charit« übergeführt. Beim Tanz gestorben. Einen traurigen Abschluß nahm eine Kremserpartie, welche mehrere im Prenzlauer Stadtviertel wohnende Familien nach dem Müggelsee unternommen hatten. Auf dem Rückwege kehrte man abends in einem Tanzlokal in Hirschgarten bei Köpenick ein, um noch ein wenig zu tanzen. Unter den Teilnehmern befand sich auch der 36 jährige Pferde- Händler Isidor Katz aus Berlin, der diesem Vergnügen lebhaft huldigte. Plötzlich, in den Armen seiner Tänzerin brach K. leblos zusammen. Ein sofort aus Köpenick hinzugcrufener Arzt konnte nur noch den infolge Herzschlag eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche des K., der schon seit längerer Zeit leidend gewesen sein soll, wurde nach der Friedrichshagener Leichenhalle übergeführt. Schwere Brandwunden im Gesicht erlitt bei der Arbeit der 30 Jahre alte Rohrleger Joseph R. aus der Teltower Straße 28. Als er in einem Neubau in der Düsseldorfer Straße in Berlin- Wilmersdorf die Gasröhren prüfte, schlug aus der Gasleitung eine große Stichflamme heraus, durch die der Rohrleger im Gesicht ver- brannt wurde. Der Bedauernswerte erhielt auf der Unfallstation am Olivaer Platz die erste Hilfe und wurde von dort mittels Krankenwagen dem Neuköllner Krankenhause zugeführt. Zu dein Mordversuch in der Fehrbcllincr Straße wird mitge» teilt, daß die Frau sich soweit erholt hat, um eingehend vernommen werden zu können. Ihre Aussage bestätigte die Ermittelungen, die die Kriminalpolizei inzwischen gemacht hatte. Der Täter ist danach der am 28. August 1878 zu Berlin geborene Maler Willy R e i n e l t, der zuletzt in der Wcißenburger Straße 82 wohnte. Reinelt war mit den Eheleuten Gärtke bereits seit zwei Jahren bekannt. Er erregte, da er angab, Witwer und Vater von sieben Kindern zu sein, das Mitleid der Familie. Es wurden ihm des- halb Gelegenheitsarbeiten überwiesen, für die er Entschädigung erhielt. Das Verhältnis zwischen Rcinelt und der Familie Gärtke gestaltete sich mit der Zeit immer freundlicher. In letzter Zeit wurden ihm auch Darlehen gewährt. Diese freundschaftlichen Be- Ziehungen der Familie Gärtke bedankte er damit, daß er vor sechs Monaten die Frau mit Liebesanträgen verfolgte. Verschiedenlich versuchte er Frau Gärtke zu veranlassen, das Geld aus ihrem Ge- schäfte herauszuziehen und mit ihm zusammen nach einer Pro- vinzstadt zu ziehen und dort gemeinschaftlich zu leben. Frau Gärtke nahm den Vorschlag Rcinelts aber nicht ernst, weil dieser im Einverständnis mit ihrem Manne ganz zu ihnen gezogen war. Vor acht Tagen unterschrieb Frau Gärtke dem Maler einen Zettel, indem sie sich damit einverstanden erklärte, daß sie mit ihm aus dem Leben scheiden wolle, ohne aber auch diesen ernst zu nehmen. Die Nachstellungen Rcinelts nach der Frau Gärtke waren in der letzten Zeit so arg geworden, daß diese am Tage der Tat ihrem Manne in Gegenwart des Malers von dessen Aufdringlichkeit Mit- teilung machte. Es kam hier zu einem Austritt, der damit endete.. daß Neinelt die Wohnung der Eheleute Gärtke auf Vcranlasstm� cm----.—---—..... 1 er- schießen zu wollen. Beide Ehcleuie legten der Drohung aber keinen Wert bei und gingen ruhig ihrer Arbeit nach. Gegen Mittag erschien der Maler, als er wußte, daß der Mann auf seiner Ar- beitsstelle war, bei der Frau und versuchte, dies« zu veranlassen, das ihr Mann ihn wiedr aufnehme. Frau Gärtke wies ihn aber zurück. Darauf zog Reinelt einen Revolver, feuerte drei Schuß auf sie ab, von denen, wie wir mitteilten, der eine traf, die beiden anderen gegen die Wand schlugen. Reinelt ist l,70 Meter groß, hat blondes Haar, einen blonden, starken Schnurrbart, ein blasses, dickes Gesicht, eine dicke Nase und dicke Lippen, vollständige Zähne und einen schlottrigen Gang und spricht Berliner Mundart. Be- kleidet w«r tr mit einem hellen Malerkittes, einer hellgrau--»-. Hose mit hellen Streifen und einem schwarz-weitz gestreiften Schlips. Besondere Kennzeichen sind noch, daß er infolge von Karbunkeln im Genick geschnitten worden ist, und die Narben noch ziemlich frisch sind. Die Polizei ersucht alle Personen, die über den jetzige» Aufenthalt Reinelts etwas mitteilen können, unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung von 600 M. dies umgehend zu tun. Wer find die Toten? Aus dem Landwehrkanal wurde vSr- gestern abend vor dem Hause Salzuser 3 die Leiche eines, unbekannten, ungfähr 18 bis 20 Jahre alten Mädchens gelandet, dessen Persönlichkeit sich nicht feststellen ließ. Die Tote kann erst ganz kurze Zeit im Wasser gelegen haben. Sie war bekleidet mit einer rosa Bluse, einem blauen Rock mit gelben Blumen, einer blauen Umhänacschürze und weih-schwarz-rot gestreiften Strümpfen. An der linken Hand hatte sie einen Ring mit einem roten Stein. Ihr Taschentuch ist F. gezeichnet.— Aus dem Tegeler See gelandet wurde ein unbekannter, ungefähr 60 Jahre alter Mann, der 1,70 Meter groß und kräftig ist. blondes, meliertes Haar, einen blonden Schnurrbart und ein volles, rotes Gesicht hat. Er trug eindn braunkaricrien Anzug, ein Trikothemd, ein weißes Chemisett und eine bunte Krawatte. Die Leiche des Mannes wurde nach der Friedhofshall« in Tegel, die des Mädchens nach dem Schauhausc in Berlin gebracht. Korbmöbel im Werte von etwa 300 M. sowie ein neuer Anzug wurden gestern früh gegen 7 Uhr aus dem Koibmöbelgeschäst von Johann Lorenz. Kalckreulhstr. 1. gestohlen. Ter Täler bemitzlc zun, Transport der gestohlenen Gegenstände den Geschnfiswagen der Firma, der jedoch auf dem Wege zusammenbrach. Wo die Sachen hingeschafft wurden, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Oeffcntliche Bibliothek und' Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werktäglich von 6'/3~10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 0—1 Uhr. In dem Lesesaal liegen z. Z. 641 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Erben gesucht. Im Jahre 1011 ist in Chorleston S. C. in Amerika ein gewisser Louis Friedrich Meyer gestorben. I» seinem Testamente hat er zu Miterben die Kinder seines Bruders Heinrich Weyer in Berlin eingesetzt. Letzterer soll vor zirka S0 Jahren von Münstedt fkreiö Peine, Hannover) nach Berlin gekommen sein und bis vor zirka 40 Jahren in der Belle-Alliancestraße ein großes Tischlereigeschäft betrieben haben. Er soll mehrere Kinder gehabt haben, von dessen eine Tvekter einen gewissen Engel gc- heiratet haben soll. Als weitere Miterben nach dem verstorbenen Louis Friedrich Meyer sind in jenem Testamente die Kinder von Christian Meyer und Frau Minna Cramme in Münstedt, Kreis Peine, Hannover, eingesetzt. Personen, welche über die Familie des Heinrich Meyer oder seiner Abkömmlinge Auskunft geben können, oder mit denselben verwandt sind, wollen sich bei dein kaiserliche deutsche Konsulat in Charleston S. C. U. S. A. schrist- lich melden. Personen, welche im Landespolizeibezirk Berlin wohnen und Anspruch an den Nachlaß erheben, können ihre Mel- düngen unter Darlegung ihrer verwandtschaftlichen Bcrhältnissc zu dem Erblasser auch bei dem königlichen Polizeipräsidium Berlin zum Aktenzeichen Ys. 370 IL R. 12, einreichen. Die erforderlichen Urkunden, die das Verwandtschaftsverhältnis nachweisen, müssen beigefügt werden_ Vorort- Nachricbten. Neukölln."'~ De» Tob auf den Schienen suchte in der Nacht zum Freitag die 66jährige Rentiere Klara K o l l e t t i s, Stuttgarter Straße 40 wohnhaft. Gegen 2 Uhr nachts warf sie sich guf dem hiesigen Bahnhof auf die Schienen und wurde von einem einfahrenden Zuge schwer verletzt. Die 66jährige Frau, die Witwe eines Lehrers, wohys schon seit längerer Zeit in dem obenbezeichneten Hause. Bis vor kurzein wohnte ihr Sohn, ein Handwerker, dort, an dem die Mytier mit zärtlicher Liebe hing. Vor einiger Zeit teilte der junge Mann seiner Mutter mit, daß er sich zu verheiraten gedenke und deutete an, daß sie in Zukunft allein werde leben müssen, da er mit seiner jungen Frau eine in der Nähe belegene Wohnung beziehen werde. Daraufhin kam es zwischen der Mutter und ihrem Sohne zu heftigen Zwistigkeiten, da die alte Frau sich nicht damit einverstanden erklären wollte, ohne ihren Sohn zu leben. Vor einigen Wochen heiratete der junge K. und seitdem zeigte Frau K. ei» verschlösse- „es, erbittertes Wesen. Sie schloß sich zuweilen in ihre Wohnung ein und verlehrte mit leinem der Hausbewohner mehr. Donnerstag nachmittag verließ die Frau das Haus und irrte bis nachts gegen 1 Uhr in den Straßen umher. Dan» begab sie sich»ach dem Riug- bahnhof, wo sie ihr Vorhaben ausführte. Ein Bahnbeamter ent- deckte gegen 2 Uhr nachts Frau K. zwischen den Schienen, bewußtlos liegend. Ein lsinzugerufener Arzt stellte einen schweren Schädel- bruch� eine tiefe Wunde am Hinterkopf und eine schwere Gehirn- erschütterung fest. Die schwerverletzte Frau wurde nach dem Krankenhaus in Buckow übergeführt, wo sie in hoffnungslosem Zu- stände daniederliegt. Johannisthal. Sonutiig, de» 14. Juli, veranstaltet der Gesangverein„Lieder- freunde-Johannisthal" gegenüber dem Parkrestaurant, Stubenrauch- siraße ein große« W a l d f e st. Für Musik und Unterhaltung ist bestens gesorgt. Neben Spielen für Jung und Alt werden aesang- liche Darbietungen und turnerische Aufführungen da« Fest verickmicn. Da der Gesangverein„Liederfreunde" bei allen Arbeiterfestlichleiten bereitwilligst mitwirkt, machen wir die Parteigenossen mit ihren Familien besonders auf daS Waldfest aufmerksam. Karlshorst. Sonutagnachmittag begeht derArbeiteroesangverein.BorwärtSlll" sein Waldfest an der Waldowallee. Da der Verein sich stets zu den Veranstaltungen der oraanifierten Arbeiterschaft unsere« OrteS bereit- willigst zur Verfügung stellt, werden die Parteigenossen um zahl- reiche Beteiligung ersucht. Reinickendorf. Die Gcmeindevertreter-Ersatzwahl für den verzogenen De- noffen Domnick findet am kommenden Sonntag, den 14. Juli, nachmittags von 1 bis 6 Uhr in der Aula der 4. Ge- meindeschule, Hoppestr. 7, statt. Gewählt wird im 3.(äst- lichen) Bezirk, umfassend: Seestr. 18 bis 46 von der Justusstratze bis zur Benkestrahe, Justusstr. 6 bis 63. Gefellschgkts-. Aegi». Neptun, und Benkestrahe, Pankower Allee 26 bis 60, Albert. Freitagstraße, Epensteinstraße, Schwartz-, Provinz-, Holz- und Papierstraße, Grüner Weg, ausschließlich 2 und 11, Granaten- straße, Hausotterstr. 20 bis 87, Jsarstraße, verlängerte Kolonie- stratze, Bürger-, Winter- und Hoppestraße, Hausotterplatz, Kamele-, Herbst- und Sommerstraße, verlängerte Sommerstraße, Nordbahn-, Secbeck- und Frühlingstraße. Schönholzer Weg 20 bis 31, Wille- straße 11 bis 50. Raschdorfsstr. 16 bis 08 und Amendestr. 16 bis 04. Kandidat des Wahlvereins ist der Genosse Spediteur Paul Gursch, Granatenstr. 34. Parteigenossen und.geiwssinnen! Eure Pflicht ist es. dafür zu sorgen, daß am Wahltage jeder seine Schuldigkeit tut. Nützt die kurze Frist bis zum Sonntag, alle Säumigen aufzurütteln, damit unser Kandidat. Genosse Gursch. mit imposanter Stim- menzahl gewählt wird. Versäume niemand, seine Legitimation m i t z,u b r i n g e n. Als solche dient die den Wählern zugesandte amtliche Legitimationskarte, der letzte Steuerzettel, Militärpapiere usw. Auf zur Wahl! Der sozialdemokratische Wahlverein. Könisss-Wusterhausen und Wildau. Fericnspicle für Kinder veranstaltet der hiesige Arbeiter- Turn- verein in seinem Vereinslokal sWitwe Wedhorn). Die Spiele finden Sonnlag?, nachmitkagS von 2—6 Uhr. statt. Treffpunkt der Kinder von Königs-Wusterhausen am Marktplatz, stir Wildau beim Turn« genossen Kadaneck,„Wildauer Hos". Ivo die Kinder um 2 Uhr von Turngenossen abgeholt und abends wieder zurückgcbrachr werden. Kalkbergc- Rüdersdorf. In der RüderSdsrfcr Gemcindevcrtretcrsiyung wurde zunächst die Wahl der Voreinschqtzungstomniijsion für die Anitsperiode 1012/1016 vorgenomnien.— Danach teilte der Vorsitzende, Gemeindevorsteher Clemens, mit, daß die Gasausialt, die bisher von der Firma Hcnipel verwallet ivurde. laut Gemeindebeschluß vom 1. Juh.d- I. ab in eigene Regie übernommen worden sei. Die Administration des Werke« liegt in den Händen deS GaSmeisters Franke, der auch schon früher die Gasanstalt leitete.— U- a. wurde»och der Vorsitzende beauslragt, in der Angelegenheit betr. Reallastenablösung von Rüdersdorf und Zusammenlegung dos Roten Luchs und Königsbruchs dje Vertretung der Gemeinde zu übernehmeil. Mit dem Bahnbmi Knlkbcrge— Schinelche— FricdrichShagcn geht cS jetzl erfreulickeriveise flott vorwärts. Die Gleisanlage ist bereits zum größle» Teil fertiggestellt. Es stebr zu hoffen, daß der Betrieb wenigstens zu Beginn des nächsten Jahres eröffnet werden kann. Ursprünglich sollte die Eröffnung bereits Mitte Mai dieses Jahres erfolge». Huq aller CKelt. Sieben. Lpfer einer Mehlstaubexploston. Die von. uns, bereits gemeldete Explosion in dem Hildebrandtschen Mühlenwert in Magdeburg hat verheerendere Folgen gehabt, als zunächst angenommen wurde. Gegen 1.20 Uhr nachts wurde in Buckau, Fermersleben, Cracau und eineni großen Teile der Altstadt eine gewaltige Detonation gehört, die von einem starken Lustdruck begleitet war. Der Änall rührte von der Explosion der ini Mittelpunkt der Hildebrandtschen Schältverke befindlichen Graupen- inühle her. von der nichts weiter übrig geblieben ist, als einige Mauerreste. Gleich darauf schoß eine turmhohe Flamme gen Himmel, die den vielen Tausenden von Menschen, die durch die Explosion aufmerksam gemacht worden waren, den Weg zur Brandstätte wies. Durch die mit enormer Gewalt auSeinandergesprengtea Mauern der Graupen- miihle wurden auch die m.lsslgen Mauern der übrigen Fabrikgebäude ebenso wie die desKontors eingedrückt und augenblicklich stand die große, teilweise aus siebenstöckigen Gebäuden be- stehende Fabritanlage in Flammen. DaS Dunkel der fliacht weithin erleuchtend, schössen furchtbare Feuergarben aus den Gebäuden des Werkes zum Himmel empor. DaS Stöhnen der Schwerverletzten ertönte aus den Trümmern der vom Erdboden wie weggefegten Graupenmühle. ES galt vor allen Dingen, diese Unglücklichen zu bergen. Durch Krankenwagen, Privatautomobile und andere Fahrzeuge wurden zehn Schwerverletzte m das Sudenbnrger Krankenhaus übergeführt. Einige von diesen waren halbnackt nach der nahen Feuerwache Buckau gelaufen, wo ihnen von einenr zufällig anwesenden Arzte Notverbände angelegt wurden. Vier von ihnen erlagen den Verletzungen, s Drei von- de» im Nachtdienst beschäftigten Arbeitern wurden nicht ausgefunden, so daß leider angenommen werden muß, daß diese Unglücklichen Opfer der K a t a st r o p h e w u r d e n. An eine Rettung der brennenden Gebäude war nicht mehr zu denken, vielmehr hatte die Feuerwehr vollauf zu tun, um die benachbarten Speicher, Gebäude und Lager vor den Flammen zu schützen.. Besonders stark gefährdet war ein Gasometer der Maschineufabrik Buckau, jedoch gelang es, ein Explodieren des- selben zu verhüten. Vier Dampfspritzen, ivelche tt) Stahlrohre speisten, innren die ganze Nacht hinourch in Tätigkeit. Erst nach 6 Uhr. früh war die Gefahr als beseitigt anzusehen, so daß einige Löschzüge die Brandstelle verlassen konnten. Ein Löschzug war jedoch noch den ganzen Tag beschäftigt. Die Ursache der furchtbaren Katastrophe wird sich wohl nie genau feststellen lassen, höchstwahrscheinlich kommt eine Mehlstaubexplosion in Frage. Mit welch ungeheurer Kraft die Explosion erfolgte, ist daraus zu ersehen, daß im großen Umkreis der Fabrik sänrtliche Fensterscheiben ein- gedrückt wurden._ Die sozialdemokratische Badeanstalt. Sie sollen ihn nicht haben, den freien und— waS in diesen Tagen der Julihitze noch wichtiger ist— kühlen deutschen Rhein! entschied die Stadtvertretung des rheinischen Städtchens G o d e s- b e r g. Die wackeren Väter dieses Städtchens hatten sich mit einer Eingabe de» Godesberg« Gewerkschaftskartells und des dortigen sozialdemokratischen Vereins zu beschäftigen, die ersuchten, man möge während der Sommermonate zu bestimmten Tagesstunden svorgeschlagen war von 6— 9 Uhr abends) die st ä d t i s ch e Bade- anstalt am Rhein unentgeltlich offen halten. Die Eingabe führte begründend aus, ein tägliches Bad sei in diesen heißen Tagen auch sür die ärmeren Bevölkerungsschichten ein Bedürfnis. Der hohe Eintrittspreis von 60 und 30 Pf. hindert aber den weitaus größten Teil der Einwohnerschaft, dieser Wohltat teil- hastig zu werden. AlS der Antrag verlesen wurde, ging ein Raunen des Unwillens durch die versammelte, aus kerndeutschen Patrioten bestehende Körperschaft. Der freie deutsche Rhein war zum zweitenmale zu verteidigen,— diesmal gegen den bösartigen inneren Feind. Und der gefährliche Augenblick fand ein großes unerschrockenes Ge- schlecht. Die Philister formierten sich in Schlachtordnung und brachten den andringenden Feind zur Raison. Gegen die Stimme eines Schmiedemeisters wurde der Antrag abgelehnt. Unter den Gegnern de« Antrages befanden sich nicht weniger als drei Männer. die der Herr in seinem Zorne zu— A e r z t e n gemacht hat. Einer der würdigen Stadtverlreter glaubte noch ein übriges tun zu müssen und er tat den denkwürdigen Ausspruch:„Wir wollen keine sozialdemokratische Badeanstalt!" Damit war die Gefahr beseitigt, daß durch den Ansturm der roten Rotten der deutsche Rhein eines schönen Tages sich den Sommerbummlern, die jetzt seine Ufer unsicher machen, etwa in roter Färbung hätte präsentteren können. Wenn so ein Roter in die heiligen Fluten des teueren Stromes untertauchen will, möge er vorher seinen Fünfziger entrichten I So wollen es die Gerechtigkeit und die Vater der Stadt Godesberg am freien deutschen Rhein I Ter Apotheker als wezse Frau. Ein neuer S i t t e n s k a n d a l, durch den auch mehrere Damen der Pariser Gesellschaft stark kompromittiert erscheinen, beschäftigt augenblicklich, wie aus Provins gemeldet wird, die dortige Polizeibehörde. In Provins verhaftete gestern die Kriminalpolizei den Apotheker Bonnefou, der angeklagt wird, sich in zahlreichen Fällen des Verbrechens gegen das keimende Leben schuldig gemacht zu haben. Die ganze Angelegenheit kam durch einen Wirtshausstrcit zu Ohren der Polizei. Vor einigen Tagen geriet in einer Schänke der Apotheker mit einem Arbeiter, dessen Braut sich von dem Verhafteten hatte behandeln lassen und an den Folgen der Behandlung gestorben war, in Streit, in dessen Verlauf der Arbeiter auf den Apotheker niehrere Revolvcrschüsse abfeuerte. Die Polizei stellte nun umfassende Ermittelungen an, die zu dem Ergebnis fiiyrten, daß zahlreiche Frauen und Mädchen, selbst.aus den„ b e st e n" Gesellschaftskreisen, zu den Patientinnen deS Apothekers gehörten. Kleine Notizen. Eine Flimilicntragödic. Aus Mainz wird vom Freitag ge- meldet: Schriftsetzer Geist, der von seiner Frau geschieden ist, drang in die Wohnung seiner Schwiegermuticr ein und gab auf sie und seine geschiedene Frau verschiedene Schüsse ab. Während seine frühere Frau unverletzt blieb, wurde die Schwiegermutler durch drei Schüsse, schwer verwundet. Der Täter, der sich hierauf die Pulsader durchichnitl, wurde verhaftet. Geheimnisvoller Lcicheusund. Anscheinend um eine Mordtat handelr es sich bei einem Lerchenfund, der heute morgen bei der Schleuse aus der Veddel in Hamburg gemacht wurde. Man zog dort aus dem Kaiial die Leiche eines unbekannten Mannes. denen Hals mit einem Strick zugeschnürt war, an dem sich ein Taschentuch mit einem Mauerstcrn befand. Das Gesicht wies starte Verletzungen aus. lieber die Persönlichkeit de« Unbekannten fehlt jeder Anhalt. Kamps zwischen Schmugglern und Zollwächtcrii. Bei L e T o u- quer bei Lille kam es zwischen Schmugglern, die in einem Auto- mobil Tgbak über die Grenze zu bringen suchten und mehreren Zollwachtern zu einem regelrechten Kampf. Die Schmuggler teuerlen ihre Revolver auf die Zollwächter ab ohne zu treffen und ließen schließlich ihr Antomobil im Stich, in»|ci.i 1600 Pakete Tabak vorgefunden lvurden. Die drohende Hitzewelle. Aus New Jork wird vom 12. ge- meldet: Die Hitze nimmt von Tag zu Tag unerträglichere Formen an. Gestern waren hier 1 1 n e u e T oi> e s s ä ll e an Hitzschlag zu verzeichnen. Die Zahl der durch die Einwirkung der Glut wahnsinnig Gewordenen nimmt ständig zu. Die Hitze war gestern noch furchtbarer als am vorhergehenden Tage, die Luft ist außerordentlich trocken. Nach den Ansichten verschiedener Meteorologen soll leider die Gefahr bestehen, daß sich auch in diesem Jahre die amerikanische Hitzewelle bis nach Europa fortpflanzt und uns einen ähnlichen tro- pljchen Sommer beschert wie Anno 1011 schweißtriefenden An- gedenienS!_ Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter zu Hamburg.(E H. 29.) Filiale Baunischultnweg. Den Mit- gliedern, die in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 13. Juli, abend« von 8'/,— lv Uhr. im Lokale von Jul. Schmidt. Kiesholz. straße 22 kassiert wird.— Filiale Pankow. Sonnabend, den 13. Juli, abend«»>/, Uhr: Versammlung bei Schröter, Florastr S— S. »SelbstRostenpreis + 10 0|o Wissentliche Täuschung!! Die Art und We�e, das Publikum durch„Ausnahme-Tage" und„billige Sonder- Angebote" oder dergl anzulocken, während die Preise genau dieselben sind wie an anderen Tagen, 'betrachten wii ais eine wissemlicheTäuScnang!— Erst kurzlich ist es uns gelungen, bei einer grösseren Firma zwei derartige Fälle festzustellen.— Nach unserem System Selbstkostenpreis+ 10 0/o ist jede unlautere Manipulation ausgeschlossen, da alte Waren, auch Gelegenheitskäufe, jederzeit zum Selbstkostenpreis abgegeben werden, und als einzigster Nutzen nur 10%Umsatzprovi8ion erhoben wird. Herren-Kleider-Vertriebs-Ges. m. b. H. Nur Neue Schönhauser Strasse I 5S5wiÄn«-,8tiV.M Spezlal-Haua gröaat, Stils für fertige Herren« u, Knaben-BeKleidung Ir.161. 29. laljrg. |til«9f te Awilrls"■ änifijtii fät Sritannii Wk«. 13.|«li 1912. Vorort- JSacbricbten. Schöneberg. Selbstmord an der„Blanken Hölle". An der.Blanken Hölle" hat sich gestern früh der 56 Jahre alle Schuhmachermeister Emil Erbe erhängt. E. der feit mehreren Jahren nervenleidend war, wurde von einem Schutzmann und einem Friedhofswärter aufgefunden. Die angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg und so wurde denn die Leiche nach der städtischen Leichenhalle in Schöneberg übergeführt. Das Stiftungsfest des Arbeiterturnvereins findet heute Sonn- abend im Garten des„Schwarzen Adler" statt. Ein reichhaltiges Programm verspricht gute Unterhaltung. Eintritt 36 Pf. Kinder frei. Da dem Verein, weil er dem Arbeiierturnerbunde angehört, noch immer die Benutzung der städtischen Turnhallen nicht gestaltet ivird, wird um rege Unterstützung ersucht. Der Ueberschusz dient zur Anschaffung von Turngeräten. Tempelhof. Aus der Gemeindevertretung. Aus der Feststellung des Jahres- berichts 1616 ist zu entnehmen, dag die direkten wie indirekten Ge- mcindesteuern mehr gebracht haben, wie veranschlagt war. Die Gewerbesteuer hingegen brachte einen Ausfall von 26 666 M. Die Volksschulen erforderten 15 666, die Straffenreinigung 6666 und die Armenvcrwaltung 6166 M. mehr. Die Jahrcsrechnung für 1316 schliefst mit einem Uebcrschug von 66 724 M. ab. Dazu kommen noch 24 666 M. aus der Wcrtzuwachsstcuer, welches Kapital zur Verbesserung der Ortsstrasicn besonders verwaltet wird.— Von den auf dem neuen Ortsteil„Tempelhofer Feld" zum 1. Oktober beziehbaren 126 Wohnungen sind bis jetzt 46 vermietet. Wo aber preußische Untertanen ihre Wohnungen ausschlagen, darf Polizei nicht fehlen. Trotzdem nun in Tcmpclhof bereits 8 Polizeifcrge- antcn, 1 Wachtmeister, 2 Nachtwächter, 3 Kriminalbeamte und 4 Gendarmen(evtl. noch 2 Polizeihunde) in den öffentlichen Sicherheitsdienst gestellt werden, soll diese Zahl nicht ausreichen. Erst in diesem Jähre war die merkwürdige Tatsache zu vebzcich- neu, dag die Vertretung einen Polizisten mehr bewilligte, als die Verwaltung haben wollte. Und schon werden wiederum drei neue Polizciscrgeantenstcllcn verlangt! Eine Wache, bestehend aus vier Zimmern zum Preise von 1666 M. wird auf der Straße 1, der Parallclstraße der Chaussee, eingerichtet. Gewiß ist ein größerer öffentlicher Sicherheitsdienst notwendig. Die Beamten sollen aber nicht zu allen möglichen Botengängen benutzt und nur zweckmäßig verwendet werden. Bei Aussperrungen und Streiks sieht man, wie Genosse Schmidt zutreffend betonte, die Beamten sofort herum- stehen. Ten Seitenhicbcn, die Herr Trcnnert den sozialdcmv- kralischen Vertretern anläßNch der damaligen Vermehrung der Polizeibeamten erteilen wollte, trat Genosse F r a n tz entgegen.— Einige Verbesserungen des neuen Schulhausprojcktcs(Alarichplatz) in bczug aus Anordnung der Trcppp und Vergrößerung der Turn- Halle wurden gutgeheißen. Durch die Verbesserungen soll eine Er- sparnis von 36 666 M. erzielt werden. Die Turnhalle wird eine Größe von 13x26 Meter haben.— Nachdem die Schwierigkeiten behoben sind, die sich dem Ausbau der Schöneberger Straße cnt- gcgcnstcllten, soll nunmehr mit dem Ausbau dieser Straße bis zur Borussiastraße begonnen werden. Die Lehneschen Erben treten das gesamte Straßenland kostenlos ab. Die Straße wird eine Breite von 12 Meter und Steinpflaster dritter Klasse erhalten. Die Kosten werden von den Anliegern erhoben.— Ebenso wurde dem Industrie- gelände Schöneberg die Ermächtigung erteilt, auf eigene Kosten und Uebcrnahme lies Risikos der späteren bebauungsplanmäßigcn Festlegung, die Durchgangsstraße 12e anzulegen. Die Beantwortung einer Anfrage des Genossen Schmidt über Sommcrurlaub der Gcmeindcarbcitcr lehnte der Syndikus Wicsner rundweg ab.— Nur im Prozesnvcgc ist vom Mplitärfiskus etwas zu erreichen. Auch wenn er Steuern bezahlen soll. Als die Gemeinde Tempel- Hof den Fiskus wegen eines fiskalischen Grundstücks, auf dem später eine Kaserne erbaut wird, jetzt aber zu landwirtschaftlichen Zwecken verpachtet ist, zur Steuer heranzog, lehnte der Militär- fiskus die Zahlung dieser Summe ab. Der Kreisausschuß vcrur- teilte jüngst den Fiskus zur Zahlung der für die letzten vier Jahre angesetzten Grundsteuer von 18 168 M. Trcptotv-Baumschulenwcg. In der Badovaime crtruilkctt ist gestern mittag die 56 jährige in der Kiefholzstr. 252 wohnende Frau Alwine Finck. Die Frau nahm um diese Zeit ihr tägliches Bad: als sie aber außergewöhnlich lange im Badezimmer verblieb, wurden die Angehörigen ängstlich und öffneten gewaltsam bi« Tür. Zu ihrem Entsetzen fanden sie Frau F. tot im Badcwasscr liegen. Allem Anschein nach ist die Badende von einem Hcrzkrampf befallen Ivorden und hat nicht mehr vermocht, aus der Badewanne zu steigen. Frau F. ist dann in das Wasser zurückgesunken und ertrunken, ohne daß sie vermocht hätte, Hilfe zu rufen. Lichtenrade. Die Stichwahl zur Gemeindevertretung endete mit einem Siege unserer Gegner. Für den Kandidaten des Ortsvereins in der Er- gänzungswahl wurden 161 Stimmen abgegeben, während auf unsc- ren Kandidaten Genossen L i c r nur 66 Stimmen fielen. Bei der Verstärkungswahl erhielt der Gegenkandidat 155 und unser Genosse Nowigklll Stimmen. Natürlich fehlte es auch diesmal nicht an den nötigen Papierstimmen und waren es über 16 Proz. der für die Gegner abgcgcbci�n Stimmen. Die Wahlbeteiligung selbst war bedeutend geringer als bei den vorhergehenden Wahlen und ist man am Orte etwas wahlmüde ge- worden, denn seit März d. I. fand hier die vierte Wahlhandlung statt. Jerotzdem darf es an Aufklärung von unserer Seite für die, die ein minderes Interesse dafür an den Tag legen, nicht fehlen, und muß die Notwendigkeit einer regen Wahlbeteiligung in weite Lkrcise getragen lverdcn. Tie Arbeiterschaft hat außerdem die Ver- pflichtung, die Handlungen der Gewählten aufs regste zu verfolgen und auf ihren Wert für die breite Masse zu prüfen, um die Herren dann gegebenenfalls an ihre vor der Wahl gegebenen Versprechen zu erinnern. Nowawes. Die Gciieralvcrsaminlung fand am Mittwoch im Schmidtschcn Saale statt. Im geschäftlichen Teil machte der Vorsitzende zunächst die Genossen, die mit Rücksicht auf die nächstjährigen Landtags- wählen ihre Aufnahme in den preußischen Staatsverband nach- suchen wollen, darauf aufmerksam, daß sie die hierzu nötigen Formulare unentgeltlich bei den Genossen Gomoll, Grotzbccrcn- üraß? 56, und Karl Gruhl, Priesterstr. 68, erhalten können; die Genannten seien auch gern bereit, bei Erledigung, der damit ver- knüpften Formalitäten behilflich zu sein. Zum Parteitagsdelc- gierten soll Genosse Gomoll vorgeschlagen werden. Neu aufgc- uommen wurden 13 Mitglieder, darunter 2 Frauen; abgemeldet haben sich 8, abgereist sind gleichfalls 8 Mitglieder.— Aus dem Jahresbericht ist folgendes hervorzuheben: Es fanden 11 Mitglieder- (davon 6 mit belehrenden Vorträgen), sowie 14 öffentliche Versammlungen statt. Der Mitglicderstand hat sich gegen das Bor- jähr nicht wesentlich verändert; bei einer Gesamtzahl von 638 am Schluß des Berichtsjahres, betrug die Zunahme 64 Mitglieder. Die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg von 86 auf 178, also um 62, die der männlichen von 813 auf 826, also um 2. Nach dem Bericht des Kassierers betrug die gesamte Jahrescinnahme der Kasse 4268,15 M., dke Ausgabe 4218,42 M. An den Kreis wurden 2777,55 M. abgeführt. Am Schluß des letzten Quartals betrug der Kassenbestand 46 M. Der Abonnentenstand der Parteipresse war Ende Juni folgender:„Vorwärts" 424,„Brandenhurger Zeitung" 536. Während sich die Leserzahl der letzteren um 163 gegen das Vorjahr hob, verringerte sich die des„Vorwärts" um 18. Anfang September soll eine kräftige Agitation einsetzen, um neue Leser zu gewinnen.— Nach Erledigung der Kommissionsbcrichte fand ein: längere Debatte statt, in der mit wenigen Ausnahmen die Tätig- keit des Vorstandes und der Funktionäre allgemeine Anerkennung fand. Bemängelt wurde von einigen Rednern außer dem lang- kamen Anstieg der Mitglieder--und der Abonnentenzahl vor allem der geringe Umsatz an Maifonds marken.— Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Krähnberg, Kassierer Adolf Richter, Karl Gruhl, stellvertretender Vorsitzender, Schlickcr, Schriftführer, Otto Richter und Frau Gesing, Beisitzer. Die bisherigen Mitglieder der Kinderschutz-, Bibliotheks- und Lokal- kommission sowie die Revisoren wurden wiedergewählt.— Unter „Verkchiedenes" gab Genossin Bathe bekannt, daß die weiblichen Mitglieder am Sonntag, den 23. Juli, nachmittags, einen Ausflug nach Bornstedt machen werden. Nach einem Hinweis auf das am kommenden Sönntag im Schmidtschen Lokal stattfindende Sommer- fest des Vereins schloß Genosse Heidenrcich die gutbesuchte Ver- sammlung. Der Konsumverein hatte zum Montagabend nach dem„Volks- garten" eine außerordcnlliche Generalversammlung einberufen, um über die Abtretung des Bäckereigrundstücks an die Potsdamer Kon- suingenossenschaft„Hoffnung" und die durch den Zusammenschluß notwendig gewordene Liquidation Beschluß zu fassen sowie die Wahl von Liquidatoren vorzunehmen. Während der erste Punkt zur Zu« friedenhcit erledigt werden konnte, mußten die beiden anderen Punkte für eine nochmalige Versammlung zurückgestellt werden, weil die zur Beschlußfassung erforderliche Zahl von Mitgliedern(ein Drittel gleich etwa 466) nicht anwesend tvar. Bei der Wichtigkeit der Sache ist zu crivarten, daß die am Montag, den 22. Juli, im gleichen Lokale statifiiidcnde Versammlung, die über die Liquidation endgültig be- schließen soll, von den Mitgliedern besser besucht sein wird. Potsdam. Beim Baden ertrunken. Hinter dem Grundstück Neue König- straße 28 badete gestern abend der Bootsmann Ernst Brennicke von hier. B. wagte sich wohl zu weit hinaus und ehe ihm Hilfe zuteil werden konnte, ging er unter. Seine Leiche ist bisher noch nicht ge- borgen worden. Der geplante Ziathausncubau hat den städtischen Körper- schaftcn schon manchen Kopfschmerz gemacht. Zuerst handelte es sich um die Platzfrage. Es kamen hier drei Plätze in Betracht: der jetzige Rathausplatz, der B a s s i n p l a tz und der Platz am Brandenburger Tor. wo zurzeit die Kaserne der Leibgendarmerie steht. Ter letztere Platz schied bald aus, weil er unverkäuflich tvar und die beiden anderen Plätze bildeten schon manche Streit- frage im Rathaus. Ter Magistrat war anfangs für den Bassin- platz, scheint sich aber doch nach uiid nach den Stadtverordneten zu fügen, die in übergroßer Mehrheit das neue Rathaus auf dem jetzigen Platz erbaut wissen wollen, schon weil dieser Platz zu historisch sein soll und am Historischen halten nun einmal die Pots- damcr„Patrioten" mit allen Fasern fest und wehe dem, der es wagt, nicht mitzumachen. Da man mit dem Bau nun gar nicht von der Stelle kam, hat man zunächst die Platzfrage erwogen und der Magistrat hat ein Raumprogramm aufgestellt, das allerdings, wäre es angenommen worden, den jetzigen Rathausplatz von vorn- herein ausgeschlossen hätte. Dies durfte aber nicht sein und die Stadtverordneten setzten einen Ausschuß ein, der kräftig an dem Raumprogrmnm streichen und es dem Rathausplatz anpassen mußte. Zurzeit stehen dem Magistrat sowohl innerhalb als außer- halb des Rathauses für Dienstzwcckc 2666 Quadratmeter zur Ver- fügung. Das vom Magistrat entworfene Raumprogramm steht 5212 Quadratmeter vor, wurde jedoch von dem Stadtverordneten. ausschuß auf 4353 Quadratmeter reduziert, womit sich der Ma- gistrat schließlich auch einverstanden erklärte. Trotz dieser Redu- zierung reicht der Platz noch nicht zu und es müssen, soll der Rathausplatz beibehalten werden, nochmals Streichungen vorgenommen werden, oder man kann irgendeine Abteilung in dem zukünftigen Rathaus nicht unterbringen. Für die Räume des Magistrats sind 815 Quadratmeter gefordert, vom Ausschuß jedoch auf 666 Quadratmeter gestrichen worden. Der Stadtver- ordnetensitzungssaal, der eine Größe von 226 Quadratmeter er- halten sollte, ist auf 266 Quadratmeter gekürzt und eine Garde- robe von 25 Quadratmeter ganz gestrichen worden. Gegenwärtig ist der Sitzungssaal 63 Quadratmeter groß und nimmt auf die Oeffentlichkeit fast gar keine Rücksicht, denn von einem Zuhörer. räum kann man bald gar nicht sprechen. Für die Stadthauptkasse waren 235 Quadratmeter vorgesehen, bewilligt wurden 135, die Sparkasse erhält statt 286 nur 136, das Schulbureau statt 126 nur 115, das Gewerbebureau statt 156 nur 145, das Standesamt statt 146 nur 115, das Steuerbureau statt 326 nur 176, das Stadchau. amt statt 365 nur 866, die Armendirektion und Krankenhaus- Verwaltung statt 336 nur 246, die Stadtbücherei statt 166 nuw 136 Quadratmeter usw. Der Gang der Verhandlungen war bis. her ein recht langsamer und wenn nicht bald ein schnelleres Tempo angeschlagen wird, werden noch Jahre vergehen, bis man zum Schluß kommt._ Eingegangene Druckfchnften. Reichsvcrficherungsordnung nebft Einführungsgefetz mit Er- läuteruiigen von Dr. L. v. Köhler, I. Bicsenberger, H. Schäffcr, Dr. 33. Schall. 8. Licserunq. Vorwort. Inhaltsverzeichnis, Sachregister nebst An- bang zur dritten Liescrung, Preis 1,36 M. SB. Kohlhammcr, Verlag in Swttgart. Die englische Invasion in Teutschland. Kon einem sranzösischen Generalstabsossizier. 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Geheftet 1,56 M., geb. 256 M.— Dr. Max Kemmerich, Aus der Geschichte der menschlichen Dummheit. Geheftet 3,56 M., geb. 5 M.— Aisred Polgar, Hiob. Ein Novellenband. Geheftet 2 M., geb. 3 M. Verlag von Albert Langen in München. Siniplicissimus-Kalender 1613. Preis 1 M. Verlag von Awert Langen, München. Der Naturarzt. 46. Jahrgang, Nr. 7. Red.! Dr. med. Schönen- berger und W. Siegcrt. Preis jahrl. 3 M., Probenummer frei. Exped.: Berlin SW. 11. Berwaltungsbericht für das Rechnungsjahr 1911. Vereinigte Ortskrankenkasse Darmstadt. Neue Männerkleidung. 35 Seiten. Preis 75 Pf. Verlag von Felix Dietrich, Gautzsch bei Leipzig. Ideales Wahlrecht. Ein Appell an das denkende Deutschland von K. Junger. Preis 1 M. Carl Gcorgi, llniversitäts-Buchdruckerei und Verlag, Bonn. s IQ Mark Monatszablung oder 25.— M. vierteljährlich liefere elegante Herrengarderobe nach Maß unter Garantie für tadellosen Sitz. Goldstein Seit 1892: Aorck. Str. 51. Maßschneiderei- gr.Stofslager. 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