N-. 163. Bbonncments-B�dingungcn: WonnementS< Preis pränumerando: Vierieljährl. ZL0 Mk, monatl. I.lo Ml, »rSchcnlllch 2S Pfg> frei WS HauS. Einzelne Swmmer 5 Pfg. Sonntags» nummer mit illufirierter Sonntags, Beilage.Die Neue Welt' lv Psg. Post. Wonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung», Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für daS übrige«uSland 8 Mark pro Monat, PoftadonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, ""1 und die Schweiz. 39. Jahrg. Die TnfcrfionS'Gcbflftr vetrlgt für dt« fechSgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum S0 Psg„ für politische und gewerlschaftliche BereinS- und BersammlungS-Anzeigen 80 Pfg. Stellengesuch« und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Buch- staben zählen für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Ervedllion ist biS 7 Uhr abend» geöffnet- krlchclnt täglich außer montags. Verlinev Volltsblcrkk. Zctitralorgan der roziatdemokratifeben Parte! Deutfcblands. Telegramm- Adresse: „Sozlaldeinoßrat Berlin". Redahtion: SRI. 68. Lindenatraaae 69. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 1V8S. Dienstag, de« 13. Juli 1913. Expedition» SRI. 68, lUndenstrasse 69» Fernsprecher! Amt Morihplatz, Nr. ISLA. Li« Nachsvort zum italienischen Parteitag. Rom, den 12. Juli. Vor 19 Jahren gab sich die damals noch junge italienische Partei in R e g g i 0 E m i l i a ihr erstes Orgauisationsstatut und ihr Programm: Am 19. Juli dieses Jahres wurde in derselben Stadt eine neue „ s 0 z i a l i st i s ch- r e f 0 r m i st i s ch e Partei Italiens" gegründet. Aus diesen beiden Tatsachen ergibt sich die geschichtliche Bedeutung des 13. Parteitages. Aber über der Trauer und der Bitterkeit, die die Parteispaltung in jedem Sozialisten erwecken muß, darf man nicht vergessen, daß das, was in Neggio Eniilia geschehen ist, eine Lebensnotwcndigkeit für den italienischen Sozialismus war. Die Folgen für die proletarische Bewegung werden schwerwiegend sein und sich über Jahre erstrecken, aber man vergesse nicht, daß auch die Folgen des Zusammenbleibens widerstrebender und einander paralysierender Kräfte schwerwiegend waren, und daß die italienische Partei seit Jahren an ihnen krankte, seit Jahren durch sie zerfleischt, bis in die eigene Orgaiw sation hinein gespalten und gehemmt wurde. Man denke an den beständigen inneren Zwist, der die Partei seit Jahren zerriß, man vergesse nicht, daß hervor- ragende Parteimitglieder. Männer wie Bissolati, C a b r i n i und B 0 n 0 m i. bereit waren, im Gegensatz zu dem Votuni der Parteitage und iin Widerspruch zu der Stimmung der organisierten Massen, ein Ministerportefcuille im Kabinett Giolitti anzilnehmen. Wer heute die un> vcrmeidbaren Schäden der Spaltung voraussieht, der halte sich auch die bereits erprobten Schäden des Beisammen� bleibens vor Augen, der gedenke der steten Angst und Besorgnis, mit der die Partei dem frondierenden Verhalten ihres rechten Flügels folgen mußte, der gedenke des Unwillens, den der berühmte Gang zun, Ouirinal, die im Gegensatz zuni ausdrücklichen Parteibeschluß fortdauemde Beteiligung an der Sammlung für die kämpfenden Truppen und andere nationalistische Kundgebungen, die von organisierten Partei genossen ausgingen, in der Masse der Partei hervorgerufen haben. Schon vor dem Votum war die Spaltung vollzogen und ausgereift. Zwei verschiedene Bewegungen waren da, die, vielleicht in einem hypothetischen Endziel einig, in allen absehbaren Zielen der Aktion der nächsten Tage. Jahre und Jahrzehnte voneinander abwichen, einander entgegen- arbeiteten, von denen die eine als Schwäche ansah, was der anderen Kraft war, von denen die eine verlachte, was der anderen heilig schien. Im Grunde hat der Parteitag nichts anderes getan, als die erfolgte Spaltung zur Kenntnis zu nehmest. Für beide Teile ist das Auseinandergehen eine Er lösung. Und die Verhandlungen von Reggio haben das mit großer Klarheit dargetan. Gerade die Worte, durch die Bissolati und B 0 n 0 m i das Bürgerrecht der Rechts- reformisten in der Partei zu vertreten glaubten, haben be- wiesen, wie unerreichbar fern beide dem stehen, was im inter- nationalen Sozialismus als Kern und Zentrum der proletari- schen Bewegung gilt. Es sei daran erinnert, daß Bononii von der Möglichkeit sprach, den Staat zu einem Element der proletarischen Befreiung zu machen. was eine ganz formalistische. der liberalen Philosophie entlehnte Auffassung deS Staates voraussetzt, die sich meilenweit von der Vorstellung entfernt, die daS sozialistische Denken von den sozialen Konflikten und von der Machtorganisation der die Produktionsmittel monopolisierenden Klasse hat, welche Machtorgnnisation in der jeweiligen Re- gierung ihr wirksamstes Werkzeug findet. Im tiefsten Gninde unsozialistisch wie diese Auffassung des Staates ist die von Bissolati vertretene über den Wert und Einfluß des in- dividuellen Wirkens. Wenn Bissolatt vor dem Parteitag sein Bedauern darüber aussprechen konnte, nicht das Ministerportefeuille angenommen zu haben und dieses Be- dauern damit begründete. daß es in diesem Falle vielleicht nicht zum Kriege gekommen wäre, so rechtfertigt er allerdings durch diese Auffassung moralisch jedwedes seiner früheren und seiner kommenden Zugestand- nisse; aber er stellt sich intellektuell völlig außerhalb des Rahniens des Sozialisnius. Weil und soweit wir So- zialisten sind, bekänipsen wir das System und nicht die Person. In deni Kriege sehen wir einen nottvendigen und normalen Ausdruck des privatkapitalistischen Regimes wie er durch das Spiel der Interessen der internationales und nationalen Hochfinanz zustande kommt. Für Bissolati dagegen war der Krieg etwas, das er vielleicht verhindern konnte l Wie können wir solchen Erklärungen gegenüber den Glauben Haben, daß Bissolati sich erst jetzt von der Partei losgelöst hat; zeigen sie doch, wie unerreichbar fern er ihr in seinem ganzen Denken stand. Das gleiche gilt von Bissolatis Bemerkungen'über die Notwendigkeit eines starken Heeres. Wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt, so läßt sich überhaupt keine Opposition gegen die Militärausgaben mehr denken. Man muß sich be- mühen, daimch zu streben, daß möglichst viel möglichst gut ausgegeben werde. Wer. wie Bissolati, überzeugt ist, daß feinem Lande eine die Mission aller anderen Länder über- ragende Kulturmission zukommt, der handelt durchaus logisch, wenn er ein starkes Heer fordert, aber er ist eben durch feine Voraussetzungen nicht Sozialist, sondern Nationalist. Die, die die italienische Partei heute von sich stößt, waren im Geiste längst von ihr gegangen. Während des ganzen Parteitags haben sie ihr Recht auf Verbleiben in der Partei dadurch vertreten, daß sie auf ihre innige Verwandtschaft mit den Linksreformisten und namentlich mit dem hinwiesen, was Turati vor einigen Jahren zu vertreten pflegte. Wir selbst halten dafür, daß in der Tat zwischen Links- und Rechts- reformisten nur gradweise Unterschiede bestehen, mit alleiniger Ausnahme der nationalistischen Tendenzen, die die Rechts- reformisten sich ausschließlich vorbehalten haben. Aber diese gradweisen Unterschiede haben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob eine sozia- listische Fraktion sagt: wir glauben, daß die Partei unter gewissen Umständen an der Regierung teilnehmen kann, schließen aber diese Möglichkeit für die nächsten Jahre völlig aus, oder ob man, wie Bissolati, entschlossen ist, bei der nächsten Gelegenheit einem Kabinett beizutreten, falls sich dadurch irgend ein augenblicklicher Vorteil für das Proletariat erzielen läßt. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man die Voraussetzung, daß sich der, Sozialismus durch Reformen verwirklicht, in dem Sinne deutet, daß die parlamentarische Tätigkeit das Wesent liche und Zentrale der ganzen Bewegung sei, der gegenüber die Aktion in den Massen bedeutungslos und nebensächlich ist, oder ob man diese Reformen von den Massen selbst verwirk licht sehen will und dem Wirken im Parlament nur eine er- gänzcnde Bedeutung zuschreibt. Es ist ein Unterschied, ob man um einen vermeintlichen materiellen Vorteil des Proletariats bereit ist, all das preiszugeben, was das Proletariat als die ideellen Werte seiner Klasse ansieht, ob man den Vorteil da nimmt, wo er sich bietet, auch zu Füßen eines Thrones und schließlich vielleicht gar im Schatten des Vatikans, oder ob man ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem Opfer und seinem Ergebnis ausrecht zu erhalten wünscht, wie dies die Linksreformisten tun. Es ist etwas anderes, ob man aus einer Theorie ihre letzten Konsequenzen zieht, wie die Bissolatiancr, oder bewußt und absichtlich vor ihnen Halt macht, wo diese Konsequenzen gegen das sozialistische Empfinden und die Klasjcitwürde des Proletariats anprallen. Deshalb sind Rechtsreformismus und Linksreformismus trotz ihrer gemeinsamen Vergangenheit und ihrer gemeinsamen theoretischen Abstammung heute verschiedene Dinge. Wie weit dies nur durch die mangelnde Konsequenz der Linksreformisten der Fall ist, darüber hat nicht der Parteitag, darüber haben die Linksreformisten selbst zu entscheiden. Die Wucht des Ein wandcs, daß sie Theorien verfechten, deren letzte Konsequenzen sie eingestandenermaßen im Rahmen der Parteiorganisation und auf dem Boden des Massenempfindens nicht zu ziehen wagen, hat die Linksreformisten in Reggio erbarmungslos getroffen, und diese Fraktion wird sich allezeit mit diesem ihrem inneren Widerspruch herumschlagen müssen. Der Ein- klang zwischen Theorie und Praxis wird dadurch erfolgen, daß die einen sich der neuen sozialistisch-reformistischen Partei zuwenden, und die anderen, unter Preisgabe ihrer Voraus setzungen, zum Sozialismus des Klassenkampfes, dem sie schon jetzt so viel praktische Zugeständnisse machen, zurück- kehren. Natürlich hat der Ausschluß der Rechtsreformisten keines- Wegs eine homogene Masse zurückgelassen. Im Gegenteil: die Opposition gegen die Nechtsreformisten war bisher und besonders in der Periode der Parteitagsvorbereitung ein einigendes Element. Nach ihrer Beseitigung werden die ver- schiedenen Schattierungen der Parteimasse wieder klarer als bisher zum Ausdruck kommen. Die oft wiederholte Be- Häuptling wird sich bestätigen, daß jede Bewegung einen ge- inäßigtcren und einon radikaleren Flügel hat. Die Bestätigung kann aber m keiner Weise ein Argument gegen den Ausschluß darstellen, wenn man, wie wir, die Ausgeschlossenen, trotzdem sich um sie die gemäßigten Elemente der Partei polarisierten, nicht als eine gemäßigte, sondern als eine dem Sozialismus entfremdete Gruppe ansieht. Die Linksreformisten, die nach langer Herrschaft in der Partei in die Minderheit verdrängt worden sind, bilden unter der Führung Modiglianis und Turatis einen radikaleren, unter der Führung Reinas und anderer Gewerkschaftler einen mehr gemäßigten Flügel. Auch die revolutionäre Fraktion, die geschlossen einen so großen und in der internationalen Partei bedeutungsvollen Sieg errungen hat, stellt ihrerseits eine Koalition von mehr und weniger radikalen Elementen dar. Die Fraktion Lerda, die den größeren Anhang hat, beschränkt die Ablehnung der Wahlbündnisse nur auf die Parlamentswahlen und läßt für die kommunalen Wahlen die Bündnispolitik zu. Ausjtchlag- gebend für diese Zulassung ist die Lage der kleinen Kom- munalverwaltungen, namentlich in Süditalicn, die vielfach seit Generationen von lokalen Familien und Cliquen mit Be- schlag belegt sind. In diesen kleinen Gemeinden hat die Arbeiterklasse bisher vor der Erweiterung des Wahlrechts kein Wort mitzureden gehabt. Das erweiterte Wahlrecht gibt dem Proletariat Wähler, aber es gibt ihm durchaus nicht überall die mit den nötigen technischen Fähigkeiten für die Verwaltung einer Gemeinde ausgestatteten Persönlichkeiten. In diesen Gemeinden, wo es sich zunächst darum handelt, ein- gesessene Parasiten der kommunalen Kaffen auszumerzen, müßte das Proletariat auch nach der Wahlrechtserweiterung darauf verzichten, irgendwelchen Einfluß auszuüben, wenn ihm die Partei verbietet, sein Votum rechtschaffenen Elementen zuzuwendsn, auch wenn diese nicht sozialistisch sind. Diese Auffassung hat innerhalb der revolutionären Fraktion den Sieg davongetragen, aber man darf sich nicht verhehlen, daß auch eine starke Strömung für die bedingungslose Ablehnung jeden Wahlkompromisses besteht. Diese Frage kann sich unter Umständen zu einem trennenden Element in der revolutio- nären Fraktion ausbilden.... Heute aber übernimmt diese Fraktion mit einer gewalti- gen Mehrheit, die sie sich in zwei Jahren unermüdlicher Arbeit errungen hat, die Leitung der Partei. Seit Mailand(1919) hat die revolutionäre Fraktion ihre Stimmenzahl mehr als verdoppelt. In Modena(1911) erzielte sie 8631 Stimmen. Die Reformisten aller Schattierungen brachten es in Mailand auf 12 991, in Modena auf 11 598 und in Reggio, einschließlich der ausscheidenden 2999 Rechtsreformisten, auf 19 975 Stimmen. Niemand kann verkennen, daß sie eine Niederlage von entscheidender Bedeutung erlitten haben. Es wäre ein Irrtum, in der Frage des Freimaurer« 0 r d e n s ein die revolutionäre Fraktion trennendes Element zu sehen. Die Art, wie die Tagesordnung gegen die Frei- maurer vom Parteitag angenommen wurde, nimmt ihr jede tiefere Bedeutung. Der Vorsitzende hatte sogar versäumt, diese Tagesordnung, die dem Genossen Andrea Costa noch im Grabe das Recht der Parteizugehörigkeit abspricht, vor der Abstimmung zur Verlesung zu bringen. Niemand ist in der Unruhe der letzten Stunde darauf aufmerksam geworden, daß die Einleitung der Resolution in unvereinbarem Widerspruch zu ihrem Schlüsse steht. Die Einleitung spricht von»offen- kundigen politischen und moralischen Gründen", die die Zu- geHörigkeit von Sozialisten zum Freimaurerorden verbieten, und der Schluß unterbreitet trotzdein die Frage der Urab- stimmung der Genossen I Wenn das einen Sinn haben soll, so liegt dgrin eine schwere Beleidigung der Gesamtpartei, der man die Möglichkeit zutraut, offenkundig politisch und mo- ralisch inkompatible Elemente, die ihr Parteitag selbst als solche qualifiziert hat, in ihren Reihen zu behalten. Eine derartige Geringschätzung ihrer eigenen Partei dürften die Unterzeichner der Tagesordnung ebensowenig beabsichtigt haben, wie der Parteitag. Symptomatisch ist allerdings die Art, wie am Schluß des Kongresses diese Frage verhandelt wurde. Nichts ist natürlicher, als daß die Linksreformisten Mazzoni, Modi- gliani und Zidordi danach strebten, einen Führer der siegenden revolutionären Fraktion zu disqualifizieren. Daß aber die Abneigung gegen eine unpolitische Vereinigung, der etwa ein Drittel der aus der Bourgeoisie stammenden italienischen Parteigenossen angehört, Mitglieder der revolutionären Fraktion so weit treiben konnten, den Genossen Lerda zu disqualifizieren, nachdem die Fraktion ihm noch vor wenigen Stunden die Chefredaktion des„Avanti" angeboten und ihn dann zum politischen Sekretär der Partei erwählt hatte, muß als politisch unklug bezeichnet werden. Wenn eine Fraktion einen Mann zuni Bannerträger wählt, so tut sie offenbar ihrer eigenen Würde Abbruch, wenn sie ihn gerade in dem Moment für unzuverlässig erklärt, wo dem gemeinsamen Banner der Sieg zugefallen ist. Nachdem der Parteitag die Austrittserklärung Lerdas als nicht erfolgt angesehen hat. hat auch der Parteivorstand ihn durch einen Brief aufgefordert. von seinem Entschluß zurückzutreten. Für uns bedeutet die Sache nichts anderes, als einen politischen Mißgriff, bei dent einige revolutionäre Genossen den Linksreformisten auf den Leim gegangen sind. An Stelle Lerdas wird unser alter und hochverdienter Genosse Constantino Lazzarj das politische Sekretariat übernehmen. Es ist zweifellos keine leichte Aufgabe, die deS neuen Parteivorstandes harrt, und es wird der ganzen Energie und Hingebung der revolutionären Massen bedürfen, um die erste der Parteispaltung folgende Periode ohne Schaden für unsere Partei zu überwiilden. Die neue reformistische Partei hat die ihr zugehörenden 13 Abgeordneten ausgefordert, ihr Mandat den Parteisektionen zurückzugeben. Desgleichen werden alle Rechtsreformisten aus den Stadtverwaltungen und Pro- vinzialausschüsscn zurücktreten, was in Mailand und Verona bereits geschehen ist und in R 0 m den Sturz der heutigen Verwaltung zur Folge haben wird, da nicht weniger als 19 Stadtverordnete, darunter zwei Stadträte, ihr Mandat niederlegen. Der neue Parteivorstand hat bereits beschlossen, den zurücktretenden Nechtsreformisten bei den Ersatzwahlen eigene Kandidaturen entgegenzustellen. Die reformistische Partei schickt sich an, eine eigene Tageszeitung zu erwerben und hat sich bis jetzt für die Propaganda der ersten Wochen eine monatliche Einnahme von 1999 Lire gesichert. Die Folgen dieses neuen Zustandes sind noch nicht zu übersehen, aber eines kann man, scheint uns, doch heute schon behaupten: nach der Spaltung werden die beiden Parteien ihre bisherige Trutzstellung im innerparteilichen Verkehr auf- geben und eine jede wird sich selbst wiederfinden. Die Rechts- reformisten werden nicht länger das Bedürfnis fühlen, die sozialistische Partei vor den Kopf zu stoßen, sondern sie werden vielmehr Wert darauf legen, das proletarische Empfinden, das etwa noch in ihren Reihen lebt, hervorzukehren und zu stärken. Die siegreiche revolutionäre Fraktion ist der mühseligen Auf- gäbe enthoben, auf Schritt und Tritt vor den rechtsreformisti- schen Entartungen zu warnen. Sie wird mehr als bisher sie selbst sein und ihrer Wirksamkeit in den proletarischen Massen leben können. Vielleicht fuhren später die Weg�e, die seit Jahren von- einander abwichen, wieder zusammen. Nicht der Nationalis- mus, nicht der Glanben an den Staat und nicht der Glauben an die Allmacht des Jndividuunis, die mit Sozialismus nichts mehr zu tun haben, tpohl aber die reformistische Kleinarbeit in den Massen können in der gemeinsamen Bewegung wieder Platz finden, wenn erst die Lehren der Spaltung zum Er- fahrungskapital des italienischen Proletariats geschlagen fern werden. Es gibt Umwege, die unvermeidlich sind, weil sie lehren, die Kraft zu erhöhen und sammeln�-um in der Folge den kürzesten Weg einzuhalten. Für uns ist die Partei- spaltung von Reggio ein solcher Umweg, und wir haben die frohe und sichere Zuversicht, daß die revolutionäre Fraktion ihn zum Besten des italienischen Proletariats, zur Stärkung und Vertiefung der soziahstischen Ideale nützen wird. eine prlnzenrecke. ES ist etwas Ungewohntes, datz Prinz Heinrich auch einmal eine politische Rede gehalten hat. Das letzte und wohl auch das erste Mal ist das ja wohl geschehen, alS vor einem Dutzend Jahren der seefahrende Prinz mit der Mission nach China geschickt wurde, dort den Boxern und eventuell noch andern obstinaten Weltmitbürgern die gepanzerte Faust zu zeigen. Denn die Reden des Prinzen auf seiner minder kriegerischen Amerikafahrt waren recht harmloser Natur. Als Politiker machte Prinz Heinrich also erfreulich wenig von sich reden, und was sonst von ihm bekannt wurde, ergab kein unsympathisches Charakterbild. Er betätigte sich— wie das ja für einen Mann aus seinen Kreisen nahe lag— als enragierter Sportsmann, huldigte leidenschaftlich dem Automobilsport und wurde dann, als der moderne Flugsport in Mode kam, der erste und bis jetzt einzige Prinz aus einer.regierenden Familie, der sein Piloten- examen ablegte. Ins Gebiet der peinlich wirkenden Byzantinereien fiel es zwar, was bei dem vorjährigen süddeutschen Zuverlässigkeits- flug die Bourgeoispresse über den Eifer erzählte, mit dem der Prinz selbst im Stratzenschmutz und im Schweiße seines Angesichts den be- schädigten Flugapparat seines Favoriten ausbessern half— allein das Faktum selbst machte dem prinzlichen Großadmiral keineswegs Unehre. Schade drum, daß nun auch dieser Hohenzoller unter die polltischen Redner gegangen ist. Denn wenn auch das Sprüchlein „ein häßlich Lied, pfui, ein politisch Lied" keine allgemeine Geltung hat, so doch leicht für Persönlichkeiten, die wegen ihrer Lebensstellung die Welt nur durch ein gefärbtes Glas zu sehen pflegen und deshalb meist von Dingen sprechen, die sie gar nicht kennen. Und da die Rednerlust ja sonst im Hohenzollernhause in ungewöhnlichem Maße entwickelt ist, berührte die gesunde Enthalt- samkeit dieses Gliedes besonders angenehm. Und nun hat sich Prinz Heinrich doch zu politischen An- spielungen verleiten lassen. Und obendrein in einer Situation, in der es ein paar der üblichen farblosen Festpbrasen doch auch getan hätten. Bei dem Festmabl des.17. deutichen Bundes- und Goldenen Jubiläums-Schießens 1Sl2" nämlich hielt Prinz Heinrich eine An- spräche, die er selbst als„ernstes Wort" deklarierte. In diesem ernsten Wort„appellierte" er an die„bürgerliche n Parteien" als die„Träger des nationalen Gedankens", dieweilen ja 1862 der deutsche Schiitzcnbund als„Träger des nationalen Gedankens" gegründet worden sei. Was aber der Prinz sich unter dem „nationalen Gedanken" vorstellte, verriet er dann unvorsichtig durch Sätze, wie die folgenden: „Wer heutzutage sich nicht zu Kaiser und Reich bekennen -lnwill, der gehört nicht unter uns." „Jeder deutsche Stamm sei treu seinem Herrn, und wir alle seien treu unserem Oberherr n, Seiner Majestät, dem deutschen Kaiser." „Treff ist Trumps für den Bürger. Trumpf für den Bürger ist aber auch der G e h o r s a m." DaS sind denn doch Redewendungen, die vielleicht hohen- zoller nschem Hausgebrauch entsprechen mögen, die sich aber in unserer Zeit ausnehmen, wie die urälteste Reichspost- schnecke eines Museums für Altertumskunde neben modernsten Typen unserer Automobile und Aeroplane l Ja, sie waren schon urväterlich und moderduftig, wenn man sie selbst vergleicht mit dem Jahre 1862, mit dem ersten Frank- surter Schützenfest vor fünfzig Jahren und mit den Reden, die damals den Geist des deutschen Bürgertums erkennen ließen! Damals bedeutete die Sammlung des Bürgertums in Turner- und Schützenvereinen und ihren Festen nicht den Kotau vor. den Fürsten, sondern die Bekundung des Restes von selbst- bewußtem Bürgerstolz, den sich daS Bürgertum noch aus seiner revolutionären Zeit gerettet hatte. Der Frankfurter„Volksfreund" — ein gut bürgerliches Blatt— rief 1862 den in Frankfurt zusammenströmenden Schützenbrüdern zu: „Der beste Schmuck des Festes ist die K u g e l i m Laufe, die Ihr mitbringt, und das Herz, das Ihr in der Brust tragt, das allein für Volv und Vaterland schlägt, und der Wille, diese Kugel jedem ins Herz zu jagen, der unser Land angreift. Wer hinfort Verrat an unserem Lande übt. sei er ein gekröntes Haupt oder ein anderer, mutz fallen!" Und Herr Schulze-Delitzsch, der gefeierte Fortschritts- Politiker, der es noch nach seinem Tode strotz oder auch wegen LassalleS vernichtender Abrechnung) zu einem öffentlichen Denkmal in Berlin gebracht hat, apostrophierte damals die Teilnehmer ai�. dem Frankfurter Bundesschießen mit den Worten: „Meine Herren! Sie mögen ermessen, mit welchen Gefühlen das Mitglied einer parlamentarischen Versammlung, welche in diesem Augenblick an einer Grundsrage alles parlamentarischen Lebens steht, indem sie über das Prinzip der stehenden Heere und mit diesem Prinzip über die Möglichkeit der dauernden Enlwicke- lung freiheitlicher, konstitutioneller Zustände zu entscheiden hat, Sie mögen ermessen, mit welchen Gefühlen ein solches Mitglied Ihre Bestrebungen entgegennimmt und von ihnen Zeuge ist. Diese Fpage, meine Herren. wird niemals den b e- stehenden Gewalten gegenüber eher gelöst werden, als bis das Bolksheer in dem bewaffneten Volke selbst schon hinter dem Parlamente steht. �Stürmischer Beifall.! Und dazu, meine Herren, haben Sie. hat der Bund der deutschen Turner einen so würdigen und so viel oersprechenden Anfang gemacht. lBeikall.)... Alle politische Wiedergeburt, sie muß aus dem Schöße des Volkes selb st hervorgehen. sJubeluder Beifall.) Der deutsche Schühenbund und der deutsche Turnerb, ind, sie sind das Bor- Parlament, welches uns wirklich zum deutschen Parlamente führt." Und solchem Selbstbewußtsein des Bürgertums gegenüber, wie eS sich vor einem halben Jahrhundert in der goldenen Mainstadt bekundete, weiß selbst der redekargste und schlichteste Hohenzollernprinz nichts Besseres zu sagen, als daß das Bürgertumsich zu„Kaiser und Reich", zu seinem»Ober- Herrn" in„Gehorsam" zu bekennen habe?!! Oder war diese unglückliche Prinzenrede nur eine rasch improvisierte wenig tiberlegte Antwort auf den Festgrußartikel der„Frankfurter Lolks stimme".-dessen interessanten historischen Remimszenzen wir die obigen Zitate entnommen haben? Wie dem auch sei: die Redeblllten deS Prinzen Heinrich sind weder für die Schützenbrüder, noch für den prinzlichen Festredner vorteilhaft. Denn sie helfen nur die unüberbrückbare Kluft erweitern, die zwischen der D y n a st i e und der Bour- geoisie einerseits und all' den Teilen des Volkes andererseits klafft, die sich den Männer st olz und Freiheitssinn ge- wahrt haben, der noch 1362 die Bundesschützen beseelte! Der Krieg. Vom tripolitanischen Kriegsschauplatze. Rom. 14. Juli.(Meldung der Agenzia Stestni.) Nach einem Telegramm aus�Ferua griff General Garioni heute früh vor Sonnenaufgang mit allen Truppen seiner Division S i d i Ali an. General Garioni ließ in Sidi Said, Buchamez und aus der Halb- insel Macabez die allernotwendigste Besatzung und begab sich mit allen Truppen seiner Division nach Sidi Said. Hier wurden die Truppen in ein Operationskorps unter dem General Leqjjio und in eine Reserve unter General Cavaciocchi geteilt. Um 314 Uhr rückten die Truppen-des Generals Lequio in zwei Kolonnen auf Sidi Ali vor. Eine dieser Kolonnen wurde bei Sidi Ali von den Vorposten des Feindes mit Gewehrfeuer empfangen. Sie warf jedoch alsbald den Feind zurück und pflanzte die Trikolore auf einem dort befind- lichen Marabut auf. Inzwischen wurde die andere Kolonne von sehr zahlreichen Streitkräften deS Feindes angegriffen. Die feind- liche Artillerie wurde durch das Feuer der italienischen Geschütze zum Schweigen gebracht. Der außerordentlich heftige Angriff des Feindes, dessen Kräfte durch Verstärkungen bis auf SOOO oder 6000 Mann anwuchsen, wurde schließlich durch mehrere Gegenangriffe mit dem Bajonett und mit Unterstützung der gesamten Artillerie des Korps Lequio, des verschanzten Lagers von Sidi Said sowie der Gebirgsartillerie der Reserve zurückgeschlagen. Auf der Flucht wurde der Feind dann durch das Kreuzfeuer der italienischen Batterien zerstreut. Die Italiener hasten 16 Take, darunter 4 Askaris, und 73 Verwundete, darunter 19 AskariS. Di« Stellung von Sidi Ali wurde von Truppen der Kolonne des Generals Lequio ausreichend verstärkt. Der Aufstand in Albanien. Konstantinopel, 14. Juli. Das Ministerium des Innern ver- öffentlicht Depeschen des Malis von Kossowo über die Vorfälle in Pristina, in denen militärische Maßnahmen als notwendig be- zeichnet werden, um das vor einigen Tagen durch die Rebellen in Lab eingeschlossene Bataillon zu befreien und Pristina vor lieber- fällen der Rebellen zu sichern, die sich der Stadt bis auf eine Ent- fernung von einer Stunde genähert haben. Von Pristina und Mutschiten abgegangene Truppen haben gestern die Rebellen, die den Engpaß von Kolina besetzten, zurückgeschlagen.— Einwohner von Pristina baten die Pforte telegraphisch, die militärischen Ope- rationen unverzüglich einzustellen und die Forderungen der Auf- ständischen zu bewilligen. Der Minister deS Innern erwiderte, die Forderungen der Rebellen seien unannehmbar. Die Regierung führe die Reformen durch, sei aber bereit, berechtigte Wünsche zu prüfen. Konstantinopel, 16. Juli. Zahlreiche Arnauten von Pristina haben bei dem Mutessarif gegen die Anwendung des Bandengesetzes gegen die Familien aufständischer Albaner Einspruch erhoben und eine dringende Eingabe an die Regierung gerichtet, in welcher sie darauf hingewiesen haben sollen, daß es an der Zeit sei, dem Blut- vergießen unter den Brüdern«in Ende zu machen und die Forde- rungen des albanischen Volkes anzunehmen. Die Lage hat sich weiter verschärft, weil die Führer der Albaner fortgesetzt versuchen, die Bevölkerung gegen die Regierung aufzuwiegeln. Bei Hasi haben neue Kämpfe stattgefunden, bei denen es Fadil Pascha ge- lungen sein soll, die Arnauten zu zersprengen. Die elfte Linien- brigarde ist mit der Eisenbahn nach Verisovic befördert worden. Die Regierung scheint entschlossen zu sein, den Widerstand der Arnauten auf jeden Fall zu brechen. Oolitilcke Cleberlickr. Berlin, den 15. Juli 1912. Das bayerische Zentrum und die bayerische Lehrerschaft. Aus München wird uns berichtet: Die von dem Zentrum und der Zentrumsregierung mißhan- Velten Landlehrer Bayerns waren von dem Bayerischen Lehrerver- band auf Sonnabend nachmittag zu einer Versammlung in dem ..Bürgerbräukeller" berufen. Es war eine Kundgebung von so ele- mentarer Massenwucht, solch hinreißender Leidenschaft, fester Soli. darität und zornigem Hohn gegen die schwarzen Lehrerfeinde. wie sie in dem politischen Leben Deutschlands bisher nur selten statt- gefunden haben. Es war die Stimmung wie vor einer großen Katastrophe. In dem glühend heißen Riesensaal war jeder Winkel eng besetzt von Lehrern und Lehrerinnen. Fast jeder Satz, den der Vorsitzende des Bayerischen Lehrerverbandes, der liberale Abgeord- nete Schubert, sprach, fand enthusiastische Zustimmung. Die An- kündigung der Namen der erschienenen- Abgeordneten(Liberale. Sozialdemokraten, Bauernbündler) rief lebhafte Kundgebungen her- vor, ebenso die Begrüßungsreden, insbesondere auch des sozialdemo- kratischen Redners, des ehemaligen VolksschullehrerS Hoffmann. und der bäuerlichen Vertreter. DaS Fehlen der Zentrumsfraktion wurde mit Hohngelächter begrüßt. Die leiseste Erwähnung eines Zentrumsblattes, eines Zentrumsabgeordneten, eines Zentrums- Ministers genügte, um Spott auszulösen. Jeder Appell an die Solidarität entfesselte minutenlange Demonstrationen. Auch in der Resolution, die angenommen wurde, zitterte die Erregung der Versammlung durch: Sie lautet: Die heute im Saale des„Bürgerbräukellers zu München nach mehreren Tausend aus allen Teilen Bayerns versammelten Lehrer und Lehrerinnen beschließen folgende öffentliche Kund- gebung: 1. Es ist Tatsache, daß die Gehaltsbezüge des Lehrpersonals auf dem Lande, in den Märkten und kleinen Städten durch- aus unzureichend sind, um auch bei den bescheidensten An- sprächen in halbwegs anständiger Weise sich und eine Fa- milie erhalten zu können. 2. Es ist Tatsache, daß ein großer Notstand vorhanden ist, der nur durch Entbehrung und Verschämung verhüllt wird. 3. Es ist Tatsache, daß Staatsregierung und Landtag diese Zu- Stände als vorhanden und Hilfe als geboten anerkannt haben. 4. Mit größtem Bedauern und im Gefühle höchster Enttäuschung und begreiflicher Entrüstung mußte die Lehrerschaft die Ver- kündigung entgegennehmen, daß trotz vermehrter Staats- einnahmen ihre materielle Lage auch in dieser Session nicht grundsätzlich verbessert werden soll. 5. Die bayerische Lehrerschaft hat nahezu den Glauben ver- loren, daß die unwürdigen und unhaltbaren Besoldungs- zustände in nächster Zeit entsprechend dem von der Staats- regierung 1908 aufgestellten Grundsatz:„Bei gleicher Vor- bildung. bei gleichwertiger Wichtigkeit und Verantwortlich. keit des Dienstes gleiche Besoldung"— geordnet werden. 6. Es ist festzustellen, daß die„ungünstige Finanzlage Bayerns" sich wiederholt dem Lehrpersonal gegenüber am stärksten fühlbar machte, wenn auch«merkaimt wird, daß bei ihm mehrmals, so 1908/09 Gehaltsverbesserungen eingetreten sind; aber niemals wurde das Uebel an der Wurzel gefaßt und eine grundsätzliche Regelung der Gehalts- und Pensionsver- Hältnisse in Angriff genommen. 7. Die Lehrerschaft erwartet, daß noch in der laufenden Landtagssession mit Hilfe eines Nachtragspostulats wenigstens die größte Not der Lehrerschaft einschließlich des unständigen und des pensionierten Lehrpersonals auf dem Lande, in den Märkten und kleinen Städten behoben, daß im nächsten Budget die grundsätzliche Ordnung der Gehalts-, Pensions- und anderer damit zusammenhängender Verhältnisse der Lehrerschaft Bayerns nach der Denkschrift des Bayerischen Volisschullehrervereins vom 12. März 1909 durchgeführt uno hierfür die Zusicherung im Landtagsabschiede gegeben werde. Nicht„Wohltaten" erbitten wir— für Leistung eine Gegen, leistung—, wir fordern vor Gott und aller Welt Gerechsigkeitf München, den 13. Juli 1912. Die außerordentliche Versammlung des Bayerischen Volksschullehrervereins. Zur Ausnutzung der Wasserkräfte in Bayern. In der bayerischen Abgeordnetenkammer wurde am Sonnabend die Diskussion über die Ausnutzung der Wasserkräfte, Elektrisierung der Bahnen und die Elektrizitätsversorgung des Landes beendigt. Die Minister beharrten darauf, daß man sich nicht überstürzen dürfe. Genosse Adolf Müller wies darauf hin, daß der bisherige Dezernent der Regierung in diesen Fragen. Herr Hülß, aus dem Staatsdienst in die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft über- getreten sei. Müller, der gegen die„negattven Minister" ernst und' witzig polemisierte, bemerkte zu diesem Skandal:„Die Privatindustrie und der Elektrotrust haben sich eine Zeitlang sogar innerhalb der bayerischen Regierung einen vom Volke bezahlten Agenten gehalten. der heute die Interessen des bayerischen Staates verrät. Man glaube nur ja nicht, daß Herr Hülß nicht in der Lage wäre, dem Elektro- trust wertvolle Mitteilungen zu machen. Denn die Herren sind bei der Auswahl ihrer Agenten sehr geschickt, und so weiß Hülß sicher mehr von dem, was in den Büchern der Regierung und in den Köpfen manches ihrer Vertreter steht, als man sich träumen läßt I" Ein ungenügendes Dementi. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt folgende amt- liche Note: „Die in Hamburg-Berlin erscheinende Halbmonatsschrift„Die Zeitschrift" veröffentlicht in Heft 20 vom 6. d. M. einen Artikel zur Emdener Hafenfrage unter der Ueberschrift„Kaiser und Hamburg gegen Preußen". In diesem Aufsatz wird auf Seite 617 an- geführt: Seine Majestät der Kaiser habe einen Teil seiner Kapitalien in Hapag- und Lloyd-Aktien angelegt. Weiter wird behauptet, der Besitz des Kaisers an Aktien der Hamburg-Amerika- Linie betrage 10—12 Millionen Mark. Diese Angaben find unbegründet. Wir stellen fest, daß sich im Vermögen Seiner Majestät keine Aktien der Hamburg-Amerika- Linie und des Norddeutschen Lloyd befinden. Die aus der Ueber» schrift des Artikels zu entnehmende bösartige Insinuation, als ob der Kaiser hamburgische Interessen gegen Preußen begünstige, weisen wir aufs schärfste zurück." Die Hamburger„Zeitschrist" hat sich bisher als gut unterrichtet über die Geschäftspraktiken und internen Verhältnisse der Hamburg. Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd erwiesen, es muß des- halb abgewartet werden, was sie zur Begründung ihrer Angaben vorzubringen weiß._ Fleischnot. Während die vegetabilischen Nahrungsmittel im Monat Juni geringe Preisermäßigungen gegen den Vormonat Mai aufweisen, sind die Fleischpreise weiter erheblich gestiegen. Auch die amtliche „Statistische Korrespondenz", deren Notierungen für Kleinhandels- preise allerdings nur mit Vorsicht zu gebrauchen sind, gibt diese Tat- fache in folgenden Worten zu: „In den vergangenen drei Monaten sind die Kleinhandelspreise sämtlicher Fleischgattungen ohne Unterbrechung weiter gestiegen und haben fast durchweg den höchsten Stand erreicht. den die amtliche Statistik bisher zu verzeichnen hatte... Die starke Steigerung im Berichtsvierteljahr verbeut. lichen die Unterschiede zwischen den März- und Junipreisen; diese Erhöhung betrug im Gesamtdurchschnitt beim Rindfleisch 3'/» beim Kalbfleisch rund 10, beim Hammelfleisch annähernd 16. beim Schweinefleisch fast 14 und beim Roßfleisch mehr als 2 Pf. auf das Kilogramm. Wird die Regierung nun endlich Maßnahmen ergreifen, die von ihr selbst zugestandene außerordentliche Fleischteuerung zu be- seifigen? Verbilligung der Frachttarife für Vieh und Fleisch, Auf- Hebung der schikanösen polizeihygieniscken Grenzsperre und Beseiti- gung der Einfuhrzölle heißen unsere Forderungen im Interesse der Volksgejundheit. Was ist Terrorismus? Wenn in der Arbeiterpresse ermahnt wird, bei Einkäufen in erster Linie solche Geschäftsleute zu unterstützen, die der Arbeiter- schaft nahestehen, so heulmeiert die reaktionäre Presse über_ sozialdemokratischen Terrorismus. Zwischen dem Hansabund und dem Bund der Landwirte ist nun ein lebhafter Streit darüber ent- standen, wer von den beiden Organisationen durch Anwendung des geschäftlichen Boykotts Terrorismus treibt. Die Presse deS Hansabundes war in der Lage, den Agrariern eine ganze Anzahl Fälle vorzuführen, wo Mitglieder des Bundes der Landwirte Anders- gesinnte mit dem wirtschaftlichen Boykott bedroht haben. Darauf erklärt nun die„Deutsche Tageszeitung": „Die Agrarier sind eben unverbesserlich« Gemütsmenschen. die es sich sogar anmaßen. Leute, die mit ihnen auf dasselbe politische und wirtschaftliche Glaubensbekenntnis schwören, auch im privaten Leben lieber zu unterstützen als diejenigen, die ihnen den politischen und wirtschaftlichen Kampf bis aufs Messer an- sagen. Wer das Boykott nennen will, der kann das ja gerne tun." Ganz unsere Meinung! Dann darf aber auch die agrar- konservative Presse nicht mehr über Boykott und Terrorismus zetern, wenn die Arbeiterschaft es ablehnt, einen Scharfmacher oder Sozialistenfreffer geschäftlich zu unterstützen. Demonstrationszug in Breslau. Zu einer gewalMen Demonstration gegen die Breslauer Recht- sprechung in Gewerkschafts- und Streikfragen gestaltete sich der Umzug durch die Stadt, den am Sonntag die dortigen freien Gewerkschaften veranstalteten. Bei herrlichem Welter zogen 22 000 Gewerkschaftler mit 23 Festwagen durch die Straßen der Stadt. An der Spitze des Zuges erschien eine Allegorie: „Die Arbeit als die Siegerin der Kultur"; dann folgten 46 Gewerk- schaffen, zum großen Teil in Berufstrachten und mit Fahnen, auf Wagen auch Sinnbilder ihres Berufes mitführend. Die Metall- arbeiter waren 6000, Holzarbeiter 2000 Mann stark. Bauarbeiter und Fabrikarbeiter in ähnlicher Stärke erschienen. Die verurteilten Wölf Glaser waren in einem besonderen„Verbrecherwagen" ver- ammelt, der überall mit Zurufe» begrüßt wurde. Hinter dem Zug drängte eine nach Zehntausenden zählende Menge nach dem Festplatz. Aus den Fenstern der Häufer, auch in gut bürgerlichen Stadtteilen, erfolgten Sympathiekundgebungen. Der Vorbeimarsch dauerte zwex Stunden; die Zugteilnehmer sangen während des Marsches Arbeiterlieder. Hobrechts Nachfolger. Nach einer Mitteilung der„Danziger Zeitung" soll als ge- weinsamer deutscher Kandidat im Landtagswahlkreise Bereut- Pr.-Stargard Konteradmiral a. D. Kalau vom Hose aufgestellt wer- den. Nach dem bestehenden Kompronzitz haben die Liberalen diese Kandidatur vorgeschlagen. Der Herr Konteradmiral zählt zu den Nationalliberalen mit ganz mattem Liberalismus. Zur Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Pfarrkirchen. Eine Vertrauensmännerversammlung des Bayerischen Bauern- bundes stellte am Sonntag für die Reichstagsersatzwahl den Oeko- nomen Josef Bauer aus Matzöd(also nicht den Landtags- abgeordneten Eisenberger) als Kandidaten auf. Das Zentrum, das immer noch keinen Kandidaten hat, war nach' einer Meldung des„Berl. Tagebl." ebenfalls an Bauer herangetreten, um ihm die Kandidatur anzubieten. Bauer lehnte jedoch die Zentrums- kandidatur ab._ Portugal. Verhaftung von Monarchisten. Lissabon, 14. Juli. In Cabeceiras do Basto sind zehn «eitere Aufständische getötet worden. Fünfzehn Priester sind ver- haftet worden.— In C o i m b r a wurde aus dem Hause eines Royalisten eine Bombe geworfen, die jedoch nur Sachschaden an- richtete.— In Evora ist ein Stiefbruder des Erzbischofs ver- haftet worden.— Auch in B e l l o s wurden nach Vornahme von Haussuchungen mehrere Angehörige der hohen Gesellschaft verhaftet. Lissabon, 15. Juli. In Loures, Bucells und zwei anderen in der Nähe von Lissabon gelegenen Gemeinden haben die Republi- kaner die Ortsgeistlichen vertrieben. Zahlreiche Einwohner ver» folgten die Geistlichen bis vor die Tore von Lissabon.— Der Pfarrer in Bellas ist verhaftet worden. Die Blätter melden außer- dem noch weitere Verhaftungen, die damit begründet werden, daß in Bellas eine Empörung angezettelt werden sollte. Der Konflikt mit der spanischen Regierung. Madrid, 15. Juli. Der Minister des Innern Barroso teilte mehreren Berichterstattern mit, daß die Note der portugiesischen Gesandtschaft mit der von der portugiesischen Regierung über- reichten Note gleichlautend sei. Es sei dies ein ungewöhnliches Vorgehen. Der Minister fügte hinzu, daß die Schwierigkeiten zum Teil auf die von dem portugiesischen Konsul begangenen Fehler zurückzuführen seien. Die spanischen Blätter sprechen sich im all- gemeinen über das Vorgehen der portugiesischen Regierung ab- fällig aus. Die republikanischen Mitgl�der des Madrider Gemeinderats haben an die p o r t u g i e- fische Regierung eine Sympathieadresse gerichtet. Spanische Karlisten gegen die Republik Portugal. Madrid, 14. Juli. In Granollers bei Barcelona drangen heute K a r l i st e n in eine republikanische Versammlung ein und feuer- ten mit Revolvern aus das Publikum. Ein Mann wurde getötet, drei verletzt.— In Barcelona veranstalteten die Ka�isten Kundgebungen, bei denen gerufen wurde:„Nieder mit der Repu- blik Portugal! Es lebe das Haus Braganza." Zehn Leute wurden verhaftet. Marokko. Die Unruhen in Marrakesch. Paris, 15. Juli. Aus Marrakesch wird unter dem 9. Juli gemeldet: Der Konflikt zwischen El Glaui und Mtugi dauert an. In der Bevölkerung wird schon davon gesprochen, daß Hriba, der Prätendent des Susgebicts. als Sultan anerkannt wird. General Lyautcy hat dem französischen diplomatischen Agenten Anweisungen gegeben für den Fall, daß eine Räumung der Stadt not- wendig werden sollte. Die Eisenbahn Tanger— Fez. Madrid, 14. Juli. Gestern nachmittag ist in Gegenwart des Ministers des Aeußeren Garcia Prieto von der französisch-spani- schon Kommission der Bericht über den Bau der Eisenbahn Tanger— Fez unterzeichnet worden. Cktna. Ministcrdemissionen. Peking, 14. Juli. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Präsi- beut die Rücktrittsgesuche von vier Mitgliedern des Kabinetts, die von ihren politischen Anhängern zum Rücktrftt gezwungen waren, angenommen. Auch der Finanz- minister Hsiunghsiling ist zurückgetreten, um sich gänzlich dem Studium der Finanzlage des Landes widmen zu können. Der Premierminister, der Finanzminister und der ehemalige Finanz. minister Chowtszchi werden ein Komitee bilden, das sich mit der 'Frage der fremden Anleihen beschäftigen soll. Der Minister des Innern Chaopingchun wird das Finanzministerium interimistisch verwalten, bis die finanzelle Lage sich gebessert hat. Alsdann wird das Finanzministerium der frühere Finanzminister Chowtszchi Übernehmen._ Russische Intrigen in der Mongolei und in Turkcstan. Petersburg, 14. Juli. Wie offiziell mitgeteilt wird, umringten im Dorfe Tschira bei Chotan in Chinesisch-Turkestan chinesische Soldaten und Ortsbewohner, an dei�n Spitze der aus Kaschgar nach Tschira entsandte chinesische Revier Siun stand, das Haus des russischen Untertans Said Effendi. Ein chinesischer Be- amter forderte Said Effendi widerrechtlich auf. vor dem Revisor zu erscheinen. Said Effendi weigerte sich und suchte die Menge zuerst mit Worten und darauf mit Schüssen auseinander zu treiben. Dabei wurden zwei Angreifer getötet. Nunmehr befahl Siun den Soldaten, zu schießen und das Haus Saids anzuzünden. In dem Hause befanden sich etwa hundert russisch e Untertanen s?), von denen viele erschossen wurden und viele in den Flammen umkamen. Der Generalkonsul von Kaschgar erstattete Meldung über den Vorfall. Die russische Regierung hat ihren Gesandten in Peking aufgefordert, die ernstesten Vor- stellungen zu erheben und volle Genugtuung zu fordern. Tschugutschak, 15. Juli. Der interimistische Generalgouver- neur der Provinz Jli Delehung ist heimlich über Rußland nach Peking abgereist. Delegierte aus Urumtschi und Kuldscha haben in dem russischen' Konsulat(!) einen Vertrag über die gemeinsame Verwaltung der Provinzen Jli. Altai. Tarbagatai und Kaschgar durch den Gcneralgouverneur der Provinz Sin Tsiang unterschrieben. Zur Wiederherstellung der Ruhe in Kaschgar »Verden chinesische Truppen aus Jli und Uru-mtschi dorthin entsandt. Klus der Partei. Aus den Organisationen. Von der Generalversammlung des 21. sä chsi sch e n R e ichS- tagSwahlkreifes ist mitzuteilen, daß die Orgamjwtwn»m letzten Jahre 599 neue Mitglieder, die Chemnitzer„Volks- stimm e" 1200 neue Abonnenten gewonnen hat. Ueber den Partei- tag referierte Genosse Grenz, der sich auf den Standpunkt stellte. daß der Vorschlag der Reorganisationskommission, einen Beirat zu wählen, nicht zu empfehlen ist, sondern lieber eine Verstärkung der Kontrollkommission und Erweiterung deren Rechte im Parteiinter- esse. Diese Stellung wurde von der Parteiversammlung einstim- mig gutgeheißen. Als Delegierte für den Parteitag wurden Partei- sekretär Jung nicke! und Genosse Felisch gewählt. Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Kreisver- eins für den ersten weimarischen Wahlkreis nahm am Sonntag in Weimar Stellung zum Parteitage in Chemnitz. Sie erklärte sich für die Erhöhung des Mindestbeitrages mit Berücksich- tigung einer Uebergangszeit für die finanzschwachen ländlichen Wahlkreise; dagegen empfiehlt sie die Ablehnung der Vorschläge über eine Teildelegation der Reichstagsfraktion und über Einsetzung eines Parteiausschusses. Als Delegierter wurde Genosse Beck- Weimar gewählt. Die Mitgliederzahl ist im letzten Jahre von 1689 auf 1924 gestiegen. Die Partei in Schwarzburg-Rndolstadk. Am Sonntag trat in Blankenburg i. Th. der aus 42 Orten beschickte Parteitag von Schwarzburg-Rudolstadt zusammen. Der Bericht des Landesvorstandes zeigt, daß das verflossene Berichtsjahr, das so reich an Kämpfen und Erfolgen war. auch in organisato- rischer Beziehung sehr gute Resultate zu verzeichnen hat. Die Zahl der Ortsgruppen stieg von 34 auf 42, die Mitgliederzahl auf 2336, davon sircd l09 weibliche. Sozialdemokratische Gemeinderatsmit- glieder haben wir in 27 Orten 53, Stadtverordnete in 6 Städten 14. Es wurden 237 Volksversammlungen abgehalten, 14 000 Kalender, 133 000 Exemplare Flugblätter verteilt. Die„Gleichheit" wird in 140, die„Arbeiter-Jugend" in 55 Exemplaren gehalten. Der Kassenbericht war ebenfalls ein erfreulicher. Außer einem Beitrag von 2000 M. aus der Parteikasse in Berlin hat die Landes- kasse alle Unkosten der im Berichtsjahr stattgefundenen 2 Landtags- Wahlen und der Reichstagswahl selbst zu tragen vermocht. Die Einnahmen und Ausgaben balanzieren in Höhe von 10 922,30 M., der Vermögensbestand beträgt 1759,22 M. Bezüglich der Bildungs- bestrcbungen ist zu berichten, daß man mehr als bisher bestrebt sein wird, Fortschritte zu erzielen. An 10 Orten ist es gelungen, ge- meinsam mit den Gewerkschaften Bildungsausschüsse zu gründen. In der Frage der Jugenderziehung liegen die Dinge in Schwarz- burg-Rudolstadt noch sehr schwierig. Arbeitersekretär Genosse Otto empfahl, um in dieser Beziehung vorwärts zu kommen, an allen' Orten mit den Arbeiterturnvereincn in Verbindung zu treten, um endlich etwas Positives zu erzielen. Bezüglich der Schaffung einer gemeinsamen Parteiprcsse mit Schwarzburg-Sondershausen ver- tritt der Vorstand den Standpunkt, daß nach Lage der Sache an eine solche Gründung vorläufig nicht zu denken sei. Nach dem ein- stimmig genehmigten Vorstandsbericht hielt der Reichstagsabge- ordnete des Kreises, Genosse Artur Hofmann, einen instruktiven Vortrag über die verflossene Rcichstagswahl. Eine ausgedehnte Debatte rief der Punkt„Presse" hervor. Das in Saalfeld erschei- nende„Volksblatt" hat zurzeit 7000 Abonnenten, davon 3250 in Schwarzburg-Rudolstadt. Ein Wunder Punkt ist das Porto an die kleineren Filialen, das im letzten Jahr über 5000 M. betrug und den Etat des Blattes sehr belastet. Ueber den deutschen Parteitag referierte Genosse Sartmann. Besondere Bedenken bestehen hin- sichtlich des einheitlichen Monatsbeitrages von 40 Pf., da für Schwarzburg Rudolstadt noch ein Monatsbeitrag von 20 Pf. be- steht. Als Delegierter zum deutschen Parteitag wurde Genosse Söhle-Frankenhausen gewählt._ Bor den Gemeindewahlen in Olöppingen, die am 11. Dezember vorigen Jahres stattfanden, waren Stimm- zettel verbreitet worden, die eine andere Stimmenhäufung vor- sahen, als in der Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins beschlossen worden war. Bei dem Proportionalwahlverfahren in Württemberg hat der Wähler das Recht, innerhalb eiues Wahlvor- schlages dem zur Wahl Vorgeschlagenen mehrere Stimmen, und zwar bis zu drei, zuzuführen. Die Parteiversammlung hatte be- schloffen, daß die Kandidaten Schiriner und Frank je 2 Stimmen, die Kandidaten Kienle und Ehrhardt je eine Stimme erhalten soll- ten. Nach den geänderten Zetteln sollten Schirmer eine weitere. Stimme, Ehrhardt aber zwei weitere Stimmen erhalten, so daß die Genossen'Frank und Kienle ausschieden. Die Herausgabe geän- derter Stimmzettel führte zur Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen vier Genossen, welche an der Verteilung der Stimmzettel be- teiligt gewesen sein sollten. Der Herausgeber der Stimmzettel ist bis heute noch nicht ermittelt. Das Schiedsgericht, das am 12. Juli unter dem Vorsitz des Genossen Müller- Berlin in Göppingen tagte, stellte einstimmig fest, daß zwei der angeschuldigten Ge- Nossen eine Verbreitung der abgeänderten Stimmzettel nicht nach- gewiesen werden konnte. Die Genossen Huttelmayer und Weber gaben zu, geänderte Stimmzettel verteilt zu haben. Beide er- klärten, daß sie glaubten, dazu berechtigt gewesen zu sein, und daß sie ihr Verhalten auch nicht bedauerten, trotzdem am Tage der Wahl vor Abgabe geänderter Stimmzettel gewarnt worden war. Das Schiedsgericht erblickte in dem Vorgehen der Genossen Huttel- mayer und Weber keine ehrlose Handlung, aber es entschied mit vier gegen drei Stimmen, daß ein beharrliches Zuwiderhandeln gegen den Beschluß der Parteiorganisation vorliege, durch das das Jnter- esse der Partei geschädigt wurde. Nachdem ein Antrag auf Aus- schluß aus der Partei abgelehnt worden war, erkannte das Schieds- gericht gegen beide Genossen auf Ausschließung von Vertrauens- ämtern für die Dauer von zwei Jahren. Die steuerpflichtige„Vergütung" des Vertrauensmannes. Im Landkreise Hagen liegt ein Ort von ungefähr 3000 Ein- wohnern— Bommern. Natürlich hat auch der sozialdeino- kratische Verein Hagen-Schwelm dort eine Mitgliedschaft(130 Mit- glieder). Der Vertrauensmann des Vereins von Bommern erhob gegen seine Steuerveranlagung Einspruch, weil er als B e r g m a n n zu hoch eingeschätzt war. Er reklamierte nun beim Vorsitzenden der neuen staatlichen Einkommensteuerkommission und erhielt darauf folgendes einzig da- stehende Schreiben: H a g e n» den 6. Juli 1912. Der Vorsitzende der Veranlagungskon» Mission. Bei Erörterilng Ihres Einspruches gegen die Veranlagung für 1912 ist festgestellt, daß Sie als sozialdemo- kratischer Agitator und Vertrauens in ann für den Wahlverein Hagen-Schwelm tätig sind. Nach dem Umfange der Tätigkeit muß an- genommen werden, daß Sie hierfür eine Ver- gütung erhalten. Unter Hinweis auf die Strafbestimmung—§ 72 deS Tin- kommensteuergesetzes— fordere ich Sie hiermit auf, binnen acht Tagen hier durch schriftliche Bescheinigungen nachzuweisen, wie hoch diese« Einkommen iin Kalenderjahr 1911 war bezw. daß Sie kein Einkommen für diese Tätigkeit hatten. Sollten Sie diese Bescheinigung nicht vorlegen oder eine un- zureichende Auskunft geben, so würde ich nötigenfalls die gericht- liehe weitere Verfolgung in Frage ziehen müssen. Dr....... (Name unleserlich) Regierungsassestor. WaS allgemein bekannt ist, braucht eine Behörde nicht zu wissen — daß die Vertrauensleute der sozialdemokratischen Partei ehren- amtlich tätig find und dadurch persönlich noch große Opfer bringen. Da im Wahlkreise annähernd 200 Vertrauensleute in den 37 Orten tätig sind, kann ja jedermann selbst ungefähr einen Etat der Partei aufitellen— wenn diese alle besoldet werden. Der Vertrauensmann von Bommern hat denn auch umgehend geantwortet: An die SteuerveranlagungSkommission. Auf Ihre Anfrage, ob ich als Vertrauensmann der sozial- demokratischen Partei eine Vergütung erhalte, teile ich mit, daß dies nicht der Fall ist. Wohl entstehen mir dadurch solch große persönliche Opfer, daß ich gern bereit bin, diese einzeln anzugeben, falls die Kam- Mission diesen Betrag in Anrechnung bringen will.(Rame.) Bin der Parteipresse. Zum politischen Redakteur des„Fränkischen Volksfteund" in Würzburg wurde Genosse W. S o l l m a n n, nicht wie es in Nr. 160 hieß Genosse Seltmann, gewählt. In der vor einigen Tagen veröffentlichen Notiz über die Zu- sammensetzung der Redaktion der„Schwäbischen Tagwacht" ist noch richtig zu stellen, daß der Redakteur des lokalen Teils der Genosse H e r p i ch(nicht Verlich) ist. Hua Induftrie und Handel Die Handelsintereffen in der Orientfrage. Genosse P a r v u s schreibt miS autz Konstantinopel: Es ist längst bekannt, daß die Orientfrage, im GrundeqUe- nomnien, eine europäische Frage ist, d. h. eine Auseinandersetzung zivischen den Großstaaten Europas um den Einfluß im Orient. Verschiedene Momente spielen da mit, darunter auch solche, die von der Geschichte überliefert worden sind und jetzt noch, obwohl dem Wesensinhalt unserer Zeit ganz entftemdet, noch immer Unheil stiften. Am meisten aber treten in den Bordergrund die wirtschaftlichen kapitalistischen Interessen der europäischen Staaten. Hier ist aber wieder eine Wandlung wahrzunehmen. Gegenwärtig spitzt sich die kapitalistische Auseinandersetzung um den Orient immer mehr auf einen Konflikt zwischen den Mächtendes Dreibundes und den Mächten der Triple-Entente zu. Aber noch während des K r i m k r i e g e s gab es nur zwei Mächte, die w i r t- s ch a f t l i ch am Orient interessiert waren, nämlich England und Frankreich. Oesterreich und Rußland waren nur politisch interessiert, Deutschland gar nicht. Nicht anders war die Situation beim ruisisch-türkischen Krieg 1878. Das hat sich aber seitdem geändert. Die EntWickelung der kapitalistischen Industrie hat ein Export- bedürfnis geschaffen, das Deutschland sowohl wie Oesterreich in immer nähere Handelsbeziehungen zum Orient brachte und so ein Konkurrenzinteresse gegenüber England und Frankreich erzeugte. Es liegt mir eine Statistik vor, die diese Wandlung zahlen- mäßig klarlegt. Die englische Handelskammer in Konstantinopel hat nämlich soeben eine Uebersicht der Einfuhr der Türkei aus den wichtigsten Ländern seit 1887 verössentlicht. Der Vergleich ergibt folgendes Bild: Im Jahre 1887 betrug die gesamte Wareneinfuhr der Türkei rund 10 Millionen Pfd. Sterl. Davon kamen etwa 6,2 Millionen, also über 60 Proz. aus England. Frankreich lieferte 1,9 Millionen. Der kleine Rest der Einfuhr verteilte sich auf Oesterreich, Deutsch- land, Italien. Im Jahre 1910 betrug die türkische Wareneinfuhr bereits 25 Millionen Pfd. Sterl., sie stieg also um 150 Proz. An dieser Steigerung nahm aber England nur wenig Anteil. Seine Ausfuhr nach der Türlei stieg während dieses Zeitraums von 6,2 auf 8,3 Millionen, also um nicht ganz 40 Proz. Frankreich erreichte 2,9 Millionen, also eine Vermehrung um die Hälfte. Dagegen stieg während des gleichen Zeitraums die Wareneinfuhr aus Oesterreich von 1,35 auf 5,36 Millionen Pfund— das bedeutet eine Ver- vierfachung. Die Einfuhr aus Deutschland stieg von 0,6 auf 5,2 Millionen, also fast auf das Zehnfache. Die Einfuhr aus Italien stieg auf daS Achtfache. Im Jahre 1887 betrug die Einfuhr aus Deutschland nicht einmal den dritten Teil der Einfuhr auS Frank- reich, jetzt ist sie fast doppelt io groß. Ebenso ist Frankreich von Oesterreich überflügelt worden, schließlich selbst von Italien. Den, im Jahre 1910 betrug die Einfuhr der. Türkei auS Frankreich 2 916 800 Pfund, jene aus Italien 2 924 0001 Die gewaltige Steigerung der italienischen Wareneinfuhr nach der Türkei zeigt uns, beiläufig, welche Torheit Italien beging, indem es sich in das Tripolisabenteuer stürzte. Es hat dadurch auf Jahre hinaus seinen Handelsverkehr mit der Türkei verdorben und wird sicherlich in Tripolitanien niemals«wen Ersatz für diesen Verlust finden können. Diese steigende Konkurrenz mußte offenbar zu einer Ver- schärfung der politischen Spannung zwischen den Großstaaten führen. Doch damit ist das kapitalistische Interesse an der Türkei noch lange nicht erschöpft. Neben dem Handelsintereste und mit diesem eng zusammenhängend gibt es einen Kampf um Konzessionen— in erster Linie beim Eisenbahnbau, aber auch auf anderen Gebieten. Es sind Eisen- und Kohlenbergwerke, Kupferminen und Petroleum- quellen zu vergeben. Es sind Wälder do. die man abtragen kann, gewaltiger städtischer Besitz— ganz Konstantinopel— und immense Ländereien, die man aufkaufen oder hypothekarisch verpflichten kann. ES werden Trusts gebildet, wie z. B. der gewaltige Teppichtrust, und Staatsmonopole si»»d da, um deren Pachtung man sich streitet. Dieser Wirrwarr miteinander konkurrierender kapitalistischer Interessen ist weit schlimmer, als der nationale Hader, der die Türkei zersetzt. Es ist eine Art kapitalistischer Vivisektion, der dieses arme Land unterworfen wird, oder in einfacheren Worteq: eS wird bei lebendigem Leibe geschunden I Versammlungen. Die Filiale Berlin deS Textilarbeiterverbandes hielt am Donnerstag bei Nowottnick in der Langestraße eine zahlreich be» suchte Generalversammlung ab, in der zunächst der Kassen- b e r i ch t für das erste und zweite Quartal vorgelegt wurde Im ersten Quartal betrugen die Einnahmen 19 922,68 M., die AuS- gaben 15 662,77 M. Unter den Ausgaben sind 2134,30 M. für Krankenunterstützung, 2946,05 M. für Arbeitslosen-, 187,11 M. für Streikunterstützung, und 4990,47 M. wurden in bar an die Haupt- kasse abgeliefert. Der Kassenbestand war im Laufe des Quartals von 3353,68 M. auf 4259,91 M. gestiegen. Im zweiten Quartal waren die Einnahmen 20 876,21 M., die Ausgaben, darunter 2002.15 M. für Kranken-, 1808,20 M. für Arbeitslosen-, 3542,01 M. für Streikunterstützung, 15 989,43 M. Der Kassenbestand ist im Laufe dieses Quartals auf 4686,78 M. gestiegen.— Die Versammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge. Der zweite Punkt der Tagesordnung war die Berichterstattung vom Stutt. garter Verbandstag. Von den drei Delegierten der Filiale berichtete zunächst Gruhl über die Verhandlungen, soweit sie den Vorstands- und Kassenbericht sowie die übrigen allgemeinen Punkte der Tagesordnung betrafen. Darauf gab Simon Unger eine ausführliche Uebersicht über die Erledigung der verschiedenen An- träge, die den Verbandstag beschäftigt hatten, und schließlich schilderte Fräulein T i e S l e r in kurzen, anregenden Worten die Bedeutung der Forderung des freien Sonnabendnach. mittags und gab den Hauptinhalt des Vortrages wieder, den Martha Hoppe über diese Frage auf dein Verbandstage ge- halten hat. An die Referate schloß sich eine lebhafte Debatte, in der namentlich einige besondere Fragen der Organisation in Verbin- dung mit der Taktik bei Lohniämpfen besprochen wurden. Die Debatte wurde schließlich auf die nächste Versammlung vertagt. Hierauf wurden die Neuwahlen der unbesoldeten Mtalieder des Zentralvorstandes und des Gauvorstandes vollzogen. Sie hatten folgendes Ergebnis: In den Zentralvorstand wurden gewählt: Äiebing, Kutzleb, Schüler, Bröcker» Zernicke, Trump er und Massuthe; als Ersatzleute: Voigt und Granowskh; als Revisoren: Degenhardt. Schädlich, Niemetz, Amhaus und K u n e r t; in den Gauvorstand� Baasch. Saufit&of« FrÄckü» Tisülfis und AliÄvev» Gcvwitfcbaftlicbeo. ßcneralftmk und Husfperrung in Zünch. Aus Zürich wird uns geschrieben: Der Generalstreik ist gelungen, planmäßig und diszipliniert durchgeführt worden. Das müssen auch seine Gegner in- und außerhalb der Partei anerkennen. Spontan aus der Masse heraus entstanden, von ihr selbst gewollt, in demokratischer Weise vor- bereitet und beschlossen, entwickelte sich der vierundzwanzigstündige Proteststreik zu einer glänzenden Aktion der zürcherischen Arbeiter- schaft. Man war anfänglich im Zweifel, ob der Generalstreik, der erste seiner Art in der Schweiz, gelingen würde. Zwar hatten die Gewerkschaften in ihren Separatversammlungen den Streik mit erdrückender Mehrheit beschlossen und nur die Buchdrucker waren ausgesprochene Gegner. Dann hatte noch eine Delegiertenvev sammlung der Arbeiterunion zu entscheiden. Die führenden Ge- nassen der politischen Organisationen waren samt und son ders gegen den Streik und suchten die Gewerkschafter zu becin flussen. Aber die Erbitterung war zu groß, als daß sich die Ar beiter noch einmal begnügt hätten, die Faust im Sack zu machen. So brach denn der Streik am Freitag früh aus. Die Vor beteitungen wurden noch während der Nacht zuvor getroffen. Mit Spannung sah man den Dingen im Transport- und Verkehrs gewerbe entgegen. Der Stadtrat hatte schon am Donnerstag auf die Strafbestimmungen hingewiesen und den städtischen und Straßcnbahnangestellten für den Fall der Teilnahme am Streik die Entlassung und richterliche Bestrafung in Aussicht gestellt. Formell stimmten denn auch in ihren Versammlungen weder die Straßenbahner noch die übrigen städtischen Arbeiter xfür den Streik; die Straßenbahner liehen aber erklären, daß sie sich selbst- verständlich dem Streik anschließen würden, wenn ihnen der Zu- tritt zu den Tramdepots unmöglich gemacht oder die Ausfahrt der- hindert würde. Morgens um fünf Uhr waren denn auch sämtliche Depot» von Streikenden besetzt; kein Wagen konnte ausfahren. Die Stillegung des TramverkehrS übte eine suggestive Wirkung aus. Wer zur Arbeiterschaft gehörte und von dem Generalstreik- beschluß noch keine Kenntnis hatte, wußte, als er zur Arbeit gehen wollte, daß es Ernst galt und kehrte sofort um. Diese Stimmung teilte sich allmählich allen Kreisen mit. Um die ganze Stadt herum war ein Kordon von Streikposten gezogen� Die Fuhrwerke wurden zur Umkehr veranlaßt. Da gerade Marktag war und die Bauern vom Lande in die Stadt wollten, bewirkte dies, daß der sonst lebhafte Freitagsmarkt vollständig verödet dalag. Die Auto- mobilführer hatten sich von vornherein dem Streik angeschlossen, die Straßenkehrer, Laternenanzünder, die Arbeiter des Abfuhr- Wesens ebenso. Die Italiener verließen die Baustellen, alle in- dustriellen Großbetriebe standen still und nun galt es noch die Wirtschaften und Verkaufsmagazine zum Schließen zu beran- lassen. Eine Ordnerkolonne ergoß sich über die Stadt. In die Wirtschaften wurden Flugblätter getragen, der Streikbeschluß be» kanntgegeben und jeder Wirt, der während deS Streiks Alkohol ausschcnkte, als Feind der Arbeiter erklärt. DaS wirkte. Die Rolladen fausten herunter, die Wirtschaften wurden geschlossen. Die VerkaufSläden und sämtliche Warenhäuser, auch die in den „Aristokratenvierteln" machten ebenfalls mit, wielleicht mehr aus Furcht als aus Sympathie. Die vornehmsten Quartiere und die Geschäftsviertel der Stadt lagen schon in den ersten Vormittags- stunde» in jener müden Stimmung, die ein heißer Augustsonntag erzeugt. Dazu gings um so lebhafter zu in den Arbeiterquartieren. Vor dem Volkshaus in Auhersiehl sammelten sich gegen ö Uhr Tausende und Abertausende. In einer Ansprache konstatierte Ge- nosse S'i g g das Gelingen des Streiks und kündigte auf 2 Uhr einen Demonstrationszug an. Dieser bewegte sich durch die Haupt- straßen der Stadt. Man hörte nur den Massenschritt der Demon- prierenden, sonst herrschte lautlose Stille. Einmal aller- dings wurde sie freudig unterbrochen, als man an der Kaserne vorbeikam. Dort wurden die ersten Truppen eingezogen und eben aufgestellt. Spontan erschollen den Streikenden aus den Reihen des M'i l i t ä r s l a u t e, a nha l t e n d e Bravorufe entgegen, die freudig erwidert wurden. Auch unter dem bunten Tuch schlug das Herz des Arbeiters und darum wurden diese Truppen in der Kaserne konsigniert und nicht zur „Wiederherstellung der Ordnung" verwendet, die übrigens nirgends ernstlich gefährdet war. Im Anschluß an den Demonstrationszug fand im Sihlhölzli eine Riesenversammlung statt, zu der Genosse G m m aus Bern sprach. Den ganzen Tag über enthielten sich die Arbeiter jedes Alkoholkonsums. Von der Streikleitung wurde das absolute Alkoholverbot erlassen und streng durchgeführt. Bis abends blieben die Arbeiter ruhig und ohne sonderliche Erregung. Jetzt aber änderte sich das Bild. War die städtische Polizei den ganzen Tag über zurückgezogen und auch die Mann- schaft nicht aufgeboten,.die sonst den Sicherheitsdienst besorgt, so rückte jetzt die im Lauf deS Tages zusammengezogene Kantons- Polizei heran und p r'o p o z i e r t e die Streikenden. In Viedikon kam eS zu kleinen Zusammenstößen, die indes von den Ordnern geschlichtet werden konnten. Dann ging daS Gerücht, daß die Unternehmer aussperren würden und in den Landgemeinden Generalmarsch geschlagen worden sei. Nun kamen die Arbeiter, die schon nach Hause gegangen waren, wieder aus ihren Wohnun- gen hervor. Eine nach vielen Tausenden zählende Menge hatte sich auf den Straßen gesammelt und zog vor das Volkshaus. Unter der Menge sah man auch Soldaten, die den Einrückungsbefehl erhalten hatten, sich nun aber doch erst den Generalstreik„ansehen" wollten. Für die Streikleitung entstand die Frage, ob man die Stadt beleuchten oder den Latern'enanzündern, den Gas- Werkarbeitern und den Angestellten des E l e k t r i zi t ä t S- Werkes Anweisung geben wolle, den Streik bis 12 Uhr durch- zuführen. In Berücksichtigung der gegebenen Situation und der gereizten Stimmung wurde das elftere beschlossen. So verlief der ganze Tag in vollkommenstor Ordnung. Nirgends kamen größere Ausschreitungen vor. überall wurden die Anweisungen der Streikleitung befolgt und eine Disziplin geübt, die Bewunderung und Achtung verdient. Gerade diese Ruhe und Planmäßigkeit in der ganzen Durch- führung des Streiks aber brachte die Bourgeoisie außer Fassung. Glaubte sie zuerst überhaupt nicht an den Generalstreik, war sie am Freitagmorgen verblüfft und geängstigt, so konnte sie erst recht nicht begreifen, daß sich die ganze Aktion auf dem Boden der Gesetzlichkeit vollzog. Durch den spontanen Ausbruch des Streike unvorbereitet— man hatte seitens der OrganisationS- leitung den Streik absichtlich erst für D i e n S't a g oder M i t t- woch angekündigt—, war für den Anfang weder genügend Polizei noch Militär auf dem Platze, um das von den Seqarf- machern bei der Generalstreikberatung angedrohte Blutbad aus- zikführcn. Die ganze Bourgeoisie war überrascht und mutzte sich in Heller Verzweiflung der Diktatur der Arbeiterklasse fügen. Um so sinnloser die Wut, die gegen den Abend hin die Gegner erfaßte. Die Behörden verloren vollständig den Kopf. Vor allein der Stadtrat und der Regierungsrat. Der Stadtrdt ersuchte die Regierung um ein Militäraufgebot. Diese hatte aber kme Truppen zur Verfügung und telegraphierte um militärische Hilfe an den schweizer Bundesrat, der die Verwendung von Festungsartillerie und Genietruppen zusagte. In- zwischen wurden in den Bauerngegenden drei Bataillone Infanterie und eine Schwadron Dragoner aufgeboten. Die Truppen rückten am Sonnabend vormittags ein, erhielten aber nirgends Gelegenheit zum Einschreiten. Nachdem der Tramverkehr schon am frühen Morgen ein- gestellt wurde, kündigte der Stadtrat am Mittag an, daß der Straßenbahnbetrieb eingestellt sei und erließ gegen Abend das absolute Streikpostenverbot, das die Aeiterführung des Schlosser- und Malerstreiks verhindern soll. Die Unternehmer waren noch im Laufe des Freitags zusammengetreten. Sie beschlossen die Aussperrung bis DienStag. Die Klempnermeister verklagen den Metallarbeiterver- band, mit dem sie einen Landesvertrag abgeschlossen haben, wegen Vertragsbruches und in der bürgerlichen Presse wird verlangt, daß die Geschäftsinhaber gegen die Leitung der Arbeiterunion auf Schadenersatz klagen sollen, da sie ihre Verkaufsläden schließen mutzten. Der Bürgerverband kündigt eine Versammlung an und will eine Verlängerung der Aussperrung herbeiführen. So herrscht zurzeit die wildeste Reaktion, die noch leiden- schaftlicher wird, da die Truppen und die Polizei nichts zu hm bekommen und Maulaffen feilhalten müssen. Aus dieser Stim- mung heraus ist auch der neueste UkaS der Regierung zu vcr- stehen, der soeben fü r den ganzen Kanton das Stre'ik- Posten st ehen. Versammlungen im Freien und Demon st rationszüge verboten hat. Die Arbeiterschaft läßt sich durch alle diese Maßnahmen, die offen provokatorischen Charakter tragen, nicht aus der Ruhe bringen. Von den 20 000 Teilnehmern am Generalstreik sind etwa 10000 ausgesperrt worden. Die Arbeiterunion hat sofort eine Proklamation erlassen, die Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit, soweit dies möglich ist, aufgefordert, das Alkoholverbot be- stätigt und zur Ruhe gemahnt. In dem Aufruf heißt es: „Die Aussperrung ist mit Hilfe des Militäraufgebots zu- stände gekommen. Die Scharfmacher lechzen nach Blut. Sie möchten die Streik? der Schlosser und Maler mit einem Massaker niederringen. Das darf und soll ihnen nicht gelingen! Nicht die Unternehmer, sondern wir, die Arbeiter selb st, wollen bestimmen, wann wir unsere Haut zu Markte tragen. Der Erfolg deS Generalstreiks darf nicht in Frage gestellt werden durch Unbedachtsamkeiten." Jubelnd nahm eine Versammlung der Ausgesperrten am Sonn- abend diese Parole auf. Das ganze Verhalten der Streikenden ist ein glänzendes Zeugnis ihrer Organisationstätigkeit und Disziplin. Es ist die erste planmäßige Bewegung größeren Stils der Schweiz und schon jetzt darf gesagt werden, daß die Wirkung eine wuchtige Stärkung des Klassenbewußtsein? und der Organisationen sein wird. »• » Bern, 15. Juli.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die Polizei hat soeben das Bolkshaus in Zürich besetzt. Es wurden eine Anzahl von Verhaftungen vorgenommen. Auch Platten, Sc- kretür der deutschen Landesorganisation, wurde verhaftet. Die A.rbeiterunion fordert den Rückzug des Militärs. Die Behörden in Zürich ergreifen weitere Repressalien. Der Sekretär des Gcmeindcarbeiterverbandes ist verhaftet worden. — Dir Arbeit wird morgen wieder aufgenommen. Berlin und llmgegend. Die Urabstimmung im Schmiedeverband. Bei der Urabstimmung über die Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeiterverband wurden am Sonntag in der Zählstelle Berlin des Schmiedeverbandes 1188 Stimmen(zirka 44 Proz. der Mitglieder) abgegeben, davon waren 17 ungültig. Für die Verschmelzung haben 773 Kollegen, g« g e n die Verschmelzung haben 333 Kollegen gestimmt. Verband der Schmiede. Die Ortsverwaltung. Tarifbewegnng der Arbeiter in den Fabriken für Bnchdruckereimaschinen. Die Arbeiter in den Fabriken für Buchdruckereimaschinen, die Dreher, Monteure, Schlosser, Maschinen- und Hilfsarbeiter sind in eine Tarifbewegung eingetreten; sie erstreben eine Verbesserung und eine Regelung der jetzigen, sehr ungleich gearteten Arbeitsverhält- nisse. In einer Versammlung, die am Sonntag vormittag in den „Musiker-Festsälen" stattfand, einberufen vom Deutschen Metall- arbeiterverband, referierte«H a n d k e über die Nützlichkeit und Not- wendigkeit eines Tarifvertrages in dieser Branche, der hier um so mehr zu empfehlen sei, als die Arbeiter trotz der größeren An- sprüche an ihre Tüchtigkeit vielfach schlechter gestellt sind als in anderen Betrieben. Dringend notwendig sei eine einheitliche Rege- lung in den Lohnberhältnissen geworden. Die Angelegenheit war bereits in Werkstattversammlungen be- sprochen worden, und eine Kommission hatte die Aufgabe über- nommen, eine Tarifvorlage auszuarbeiten, die Handle jetzt zur Be- ratung vorlegte, nachdem sich die Versammlung einstimmig im Prinzip dafür erklärt hatte, in eine Tarifbewegung einzutreten. Die Vorlage wurde eifrig diskutiert und mit geringen Aende- rungen angenommen; die wesentlichsten Forderungen der Arbeiter lauten danach: Eine neunstündige Arbeitszeit. Als Min best löhne fiir Schlosser und Dreher 70 Pf. pro Stunde, im ersten Jahre nach der Lehrzeit 60 Pf., für Monteure 75 Pf., Hilfsarbeiter 55 Pf., Maschinenarbeiter 60 Pf., Schmiede als Schirrmeister 70 Pf., als Stockgeselle 60 Pf., Tischler 75 Pf. Für Ueberstunden sind in den ersten zwei Stunden 25 Proz., in den weiteren und an Sonn- und Feiertagen 50 Proz. Zuschlag zu bezahlen. Für Arbeiten außerhalb der Werkstatt wird Fahrgeld und Fahrzeit und innerhalb der Stadt- und Ringbahn ein Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde, darüber hinaus bis zu 25 Kilo- meiern im Umkreise 25 Pf. Zuschlag pro Stunde bezahlt. Für auswärtige Montage ist außer dem Lohn und der Fahr- karte 3. Klasse ein Tagegeld von 4,50 M. zu zahlen für alle Reise-, Arbeits-, Sonn- und Festtage; dasselbe gilt auch für die Hilfs- arbeiter. Nach dem Auslande und für besonders teure Orte ist eine besondere Vereinbarung zu treffen. Wer die Tariflöhne oder höhere Löhne bereits erhält, hat eine Zulage von 5 Pf. pro Stunde zu beanspruchen. Di� Dauer des Tarifs ist auf 2 Jahre vom I. August ab fest- gesetzt. Wo bessere Arbeitsverhältnisse bestehen, dürfen dieselben natür- lich durch den Tarif nicht verschlechtert werden. Die Versammlung beauftragte die Verwaltung deS Verbandes, mit den Unternehmern über die aufgestellten Forderungen zu der- handeln. Man hofft auf keine besonderen Schwierigkeiten zu stoßen und zu einem Tarifabschluß in der Branche zu gelangen. Streik der Arbeiter und Kutscher der Schwerfuhrwerksbetriebe Groß-Bcrlins. Nachdem die Verhandlungen an der Forderung der Unternehmer, bezüglich vermögensrechtlicher Haftung des Deut- schon Transportarbeiter-Verbandes, gescheitert waren, hat am Donnerstag, den 11. Juli, eine Vertrauensmännerkonferenz statt- gefunden, die den Beschluß faßte, am Sonnabend, den 13. Juli, Verantw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Inseratenteil verantwlj Tb- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt eine Versammlung der beteiligten Arbeitnehmer abzuhalten. Diese Versammlung, welche sich eines außerordentlich zahlreichen Be- suches zu erfreuen hatte, faßte den einstimmigen Beschluß, am Sonntag, den 14. Juli, die Forderung in Gestalt eines Tarifver- träges den in Betracht kommenden Unternehmern noch einmal zur Unterschrift vorzulegen, mit der Maßgabe, daß überall da, wo die Unterschrift nicht gegeben wird, am Montag die Arbeit zu ruhen hat. Die Arbeitsniederlegung ist nunmehr gestern bei den in Be- tracht kommenden Unternehmern einmütig erfolgt.— Die Situation war gestern abend die folgende: Es haben bewilligt 44 Firmen mit 615 Arbeitern und Kut- schcrn. Im Streik stehen zurzeit noch 752 Mann von 43 Sv- trieben. Verschiedene Firmen gaben sich außerordentliche Mühe Arbeitswillige anzuloerben, jedoch mit recht wenig Erfolg. Bei einigen bestreikten Firmen fahren die Söhne und sonstigen Ver- wandten, und hier und da ist es den Firmen gelungen, auch noch ein paar„PeNner" anzuwerben. Im allgemeinen steht die Sache gut. Die Streikenden halten fest zusammen und steht zu erwarten, daß im Laufe des Dienstags weitere Unterschriften eingehen wer- den. Mit oem Fuhrherrnvcrein iu Charlottenburg haben am Montag nachmittag unter Hinzuziehung von Verbandsvertretern Verhandlungen stattgefunden, die den Erfolg zeitigten, daß die größeren Firmen mit zusammen 186 Arbeitern und Kutschern den Tarif unterzeichneten. Acht kleine Fuhrunternehmer, die Herren Hanisch, Warnicke, Klatt, Steffen, Marx, Peterer, Pätsch und Sie- laff, welche zusammen 45 Mann beschäftigen, verhielten sich ab- lehnend. Bei diesen wird der Streik weitergeführt. Die Arbeiter und Kutscher Berlins werden ersucht, strengste Solidarität zu üben, und die im Streik Stehenden dadurch zu unterstützen, daß keiner sich dazu hergibt, bei irgendeiner bestreikten Firma Arbeit an- zunehmen. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe hat auch nach den beiden letzten, vom Bauarbeiterverband vorgenommenen Zählungen noch etwas abgenommen. Während im März von den befragten Mit- gliedern noch 11,2 Proz. arbeitslos waren, waren es im April nur noch 8,3 und im Mai nur noch 7,3 Proz. Im Mai wurden ins- gesamt 234 111 Mitglieder befragt, von denen 14 884 wegen Ar- beitsmangels, 128 wegen schlechter Witterung und 6576 wegen Krankheit feierten. Die Arbeitslosigkeit war also selbst im Mai, einem der besten Baumonate, noch außergewöhnlich stark. Am besten beschäftigt waren die Maurer, bei denen auf 100 Berufs- angehörige 5,6 Arbeitslose kommen; bei den Stukkateuren waren es 6,6, bei den Betonarbeitern, Bauhilfsarbeitern und Erd- arbeitern 10 und bei den Isolierern 11,3 Proz.. Ocutkches Reich. Tarif- und Lohnbewegungen im Lithographie» und Steindruikgewerbe. Mehr und mehr scheint sich bei den Unternehmern de? Siein- druckgewerbes die Ueberzeugung Bahn zu brechen, daß es auch für sie zweckmäßig ist, wenn sie sich mit den Gehilfen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen friedlich verständigen und feste Tarifver- träge abschließen. So wiG> aus D a n z i g berichtet, daß mit den am Orte be- stehenden vier Firmen und dem Gehilfenverbande ein Tarif, gültig bis zum 31. Dezember 1314, abgeschlossen wurde. Vereinbart ist eine Arbeitszeit für Lithographen von 48 Stunden, für Steindrucker von 53 Stunden wöchentlich; Mindestlohn im ersten Gehilfenjahre 20 M., im zweiten 22 M.; Ueberstundenzuschlag für die ersten zwei Stunden 25, für die dritte 33% und Sonntags 50 Proz. Bezahlung der gesetzlichen Feiertage. Entschädigung nach Z 616 B. G.-B.; auf je 1 bis 5 Lithographen und Steindrucker kann ein Lehrling ge- halten werden. Die Steindrucker erhielten durch den Tarifabschluß eine Arbeitszeitverkürzung um eine Stunde, die Lithographen um drei Stunden wöchentlich. Außerdem erhielten 26 Gehilfen zu- sammen 43,50 M. Lohnzulagen pro Woche. In Iserlohn wurde mit den drei Firmen Fr. Doßmann» Wallraff und Bongartz u. Rollmann ebenfalls ein Tarifvertrag ab- geschlossen, gültig bis zum 1. April 1315. Dieser enthält ungefähr die gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen wie der in Danzig ab- geschlossene Tarif. Die in Weimar vorhandenen Firmen schlössen gleichfalls mit dem Gehilfenverbande einen Tarifvertrag ab, gültig bis 30.� April 1315. Auch hier sind die festgelegten Lohn- und Arbeitsbedingungen ungefähr die gleichen, wie beim Danziger Tarif. Allen Gehilfen wurde eine Lohnzulage von 2 M. pro Woche bewilligt. ZZuslanck. Ter zweite Streik der Arbeiter im Hauensteintunnel(Schweiz Die Bcrliiirr Baufirma B e r g e r u. K o. hat durch Tarifbruch den abermaligen Streik von zirka 250 Tunnelarbeitern provoziert. Beim ersten, vor mehreren Monaten und zwar gleich in der ersten Zeit des Tunnelbaues staltgefundenen Streik war ein Tarifvertrag zur Regelung der Arbeitszeit und Arbeitslöhne abgeschlossen worden, nach dem die Mineure bei Achtstundenschicht 6 Frank, die Schlepper 5 Frank und dazu die üblichen Vortriebsprämien erhalten sollten, Maurer 70 Cts., Handlanger und Erdarbeiter 46 bis 57 Cts., Pflasterbuben 35 bis 45 Cls. und Zimmerleute 76 Cts. bei zehn- stllndiger Arbeitszeit. Diese Vereinbarungen wurden nun insofern verletzt, als die Firma den neueingestellten Arbeitern niedrigere Löhne als die vorstehenden Minimallöhne zahlte, dadurch den Tarif- verlrag illusorisch machte und überdies Maßregelungen unser den organisierten Arbeitern vornahm. Da die Reklamationen nichts nützten, stellten die Arbeiter die Arbeit ein und das Verlangen der Firma, erst wieder die Arbeit aufzunehmen, ehe unterhandelt werde, wurde mit 251 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Bei loyalem Ver- halten hätte die Berliner Firma diesen Streik vermeiden können. Aber es war wohl die ungebändigte Profilsucht, die den Tarifbruch verursachte und auch den Streik herbeiführte. Organisierte Arbeiter lassen eben mit sich nicht Schindluderei treiben. Letzte Nachrichten. Die türkische Ministerkrise. Konstantinopel, 15. Juli.(P. C.) Der„Tanin" weist die von gewissen Kreisen und Blättern verbreitete Idee der Bildung eine» Koalitions- oder»Konzentrationskabinetts zurück. Viel bemerkt wird die Einberufung einer VersammlungderArbeiter- verbände für heute durch den Stambuler Zentralllub de? jung- türkischen Komitees. Konstantinopel, 15. Juli.(W. T. B.) Die Kammer hat mit 134 gegen 4 Stimmen dem Kabinett ihr Vertrauen ausgesprochen. Durch Grubenbrand getötet. Breslau, 15. Juli.Viltielm Müller gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des HimmelfahrtS-KirchhoseS inNieder- schönhausen-Nordend auS statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtSvcrwaltnng. Verband der Derneinde- u. Staatsarbeiter, Filiale Grofi-Berlln. Durch den Tod ist unS eines unserer Mitglieder, der Kollege �uxust Bürxer welcher im Betriebe der Zentrale Buch beschästtgt war, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 31/18 Die Ortsverwaltung. SozialdeinokratisehJahlvereiB im 6. Berl. Reiehstags-Wahikreis. Todesanzeige. Am 12. d. MtS. verstarb unser Genosse, der Schlosser Hermann Radicke Rostocker Straße 42(Bez. 690 b). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. d. MtS., nach- mittags 6 Uhr, aus dem Friebhoje in StahnSdors statt. Um rege Beteiligung ersucht Her Vorstand. Meiner werten Kundschaft zur gefl. Nachricht, dag mein Gcschäst wegen zu hoher Biebpreise biS zum 1. August geschlossen bleibt.* Hochachtungsvoll Otto Müller, Schiächternistr., Andreasstr. 16. Danksagung. rr die liebevolle Teilnahme die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Kollegen sowie dem Herrn Direktor der Braueret FriedrichShain meinen herzlichsten Dank. 2485B Frau Emilie Naumann nebst�Kindern. Special Hell ltaEUaHBT «itcuiHÖl Flasche 10 PL Erstklassiges Spezial- Bräu nach Pilsner Art Uberall Käuflich verlangt vor der Patentanmeldnaj� gratis die Sohrift;„Wie mut eine Erfindung für die Verwertung beschaffen sein?" Ziv.-Ing. langer, Dr. Breslauer, Berlin 8W. 61._ 208/8* Heinrich Pranck Tel.: Amt Ndn 4352. BrunneOStraße 22. 8 bis 7 Uhr geöffnet Neuer Einkauf: Mexiko-Decke. Wo. 1801. Vollblatt 1. I-Ange, nngewöhnllch sart u. breltblattlg. Matte, dunkle n. schwaree Farben. Infolge kolossaler Deckfähigkeit günstigste Prei s-KaDcnlation M. 5,£5. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄSTtz 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 £tpezialarzt in f. Haut- und Harnleiden, nerv.Schwäche,„Ehrlich 606" usw. u. Co. konz. 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Mitgliedsbuch legitimiert.===== 218/1 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Q«i- Vorstanck. Zentralverband der Dachdecker - Verwaltungsstelle Berlin.= Donnerstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15(Saal I): ÜSF" Versammlung Tagesordnung:„Uufcce Tarifbewegttttg." 51/16 Das Bcrbandsbuch legitimiert: ohne dassewe lein Zutritt »er Vorstand. Zentral Krankenkasse derlapezierer Filialen Berlin Freitag, den 19. Juli 1912, abends SVa Uhr: Quartals- Versammlungen. Filiale 1 bei lödrig, Marlgrasenstr 88. Filiale II bei llö«or, Elisabethkirchstr. 14. Filiale III im Gewertscdsttadaii,, Engeluser 15, Aufgang B, Saal 4. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal 1912. 2. Bericht von der General- Versammlung. 3. Verschiedenes. 178/10 . Recht zahlreichen Besuch erwarten_ Die Ortsverwaltungen. » Ml» Arbeitsnachweis; H-s 1. Amt Norden, Nr. 1239. Iferwaltungssteile Berlin EcharitSftrafte 3. Hauptburean; H°s III. Amt Norden. Nr. 198? Mittwoch, den 17. Juli 1912. abends S'/, Uhr: Kranchen-Versammlung sämtlicher in der Mktallindiistne des Westens beschäftigten Mllschintiillrlitlttr nnd-arbeiterinnen =: im Restaurant„Königshof", Bülowstr. 97.=: Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in unserer Branche und welche Aufgaben haben in Kollege« und Kolleginnen zu erfüllen? Resercnt: Kollege FrleL. 2. Dislussion. 8. B�inchenaligcliaenhcitnn und Verschiedenes. 120/9 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Verband der Hausarzt- Vereine. Vorsitzender u. Geschäftsstelle G. Jacob, Berlin NW. 21, Emdenerstr. 45, v. IV. _ Tel. Amt Moabit 1,34._ Mittwoch, den 17. Juli, abends 8 Uhr: Volks-Versammlung im Lokale von Nistle, Denncwitzstr. 19. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Br. Kloses: Wie schützt der Arbeiter Lebe« und Gesundheit seiner Familie? 2. Diskussion. in: Mitglieder-Versammlung für Westen und Schöneberg. Tagesordnung: 1. Gründung eines Hansarzt-Vereins„Westen". 2. Wahl deS Borstandes. Rege Beteiligung erwartet 293/14 Der Zentralstorstand. I. A.:«. Faeol». Neukölln! FedttllrbelttMlltll! Heilnarbtllemntn! Am Dienstag, den 1«. Juli, abends 8 Nhr, findet in ReuWI», bei Hoppe, Hermannftr. 48/49, eine WF Versammlung"UW statt. Es ist Pflicht einer jeden Federarbeiterin zu erscheinen. Für regen Besuch muß agitiert werden._ Die Agitatlonskommlssion. ir it Verwaltung Berlin. söffeutliche Versammlung aller Kollegen der Modellbranche. Tagesordnung:_ Stellungnahme zum Ablauf des Tarifvertrages.'MG Wegen der Wichtigleit dieses Punktes ist das Erscheinen aller Kollegen notwendig. Die Kommission. Mittwoch, den 17. Juli, abends 8 Uhr» im Lokal„Königshol", Bülowstrasie: VerbandnerHut-n. Filzwarenarbeiter und Arbeiterinnen Deutsciilands. Ortsverwaltung Berlin. Am Mittwoch, den 17. Juli, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschastshause, Engeluser 15, Saal I: Ausserordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal. 2. Bericht deS Vorstandes. «W- Die Tagesordnung ist äußerst wichtig, darum ist daS Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. 76/11 Der Vorstand. Mitteilung:!! Unsere Kunden schreiben!! Bitte senden Sie gefl. zur Probe Ihre berühmte Vorwärts-Zigarette usw. 2481b J. Soh., Einswarden(Oldenburg), 10. Juli 1912. Versuchen Sie jetzt unsere Qualitäten, in der Preislage 2 Pf, bieten wir unseren verehrten Rauchern das Bestell Ms-Zipii, s. allen Klarken ml! Mandl Cigareiie« Jpecialmarken Abbas Dandy Gibson Gill © ............ -».>>»' � ,tt. I'"..... V""-;..... ..imck"..»,,.1..»7.,«yfiml..................."..r,,k».,,.�,,.�,,..1.,!,. i»,,.„I.. I Tlolle kür elegante MaBanrllge, Paletot*, Ulster etc., Mtr. 4.—, 6.—. 8.— dt Damen- KostUmstoffe, Damentuche -Neuheiten" Mtr. 2.—, S.—, 4.— M- Loden f. Pelerinen Mtr. 1.60, 2.50 M. Schneidermeister, welche unsere Stoffe tadellos verarbeiten, weisen wir nach. Arbeitslohn nebst Zutaten ca. 20 bis 30 M. Tuchlager Koch& Seeland G. m. b. H. 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Jahrgang. 2. ßfilnjf des Lmiirls" Strlintt loMlatt Kieustag, 16. Infi 1912. parte!- Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Heute. Dienstag, abends 8 Uhr. finden sechs Viertelsversammlungen statt. Lokale und Tages- ordnung werden im Inseratenteil der heutigen Nummer des „Vorwärts" bekannt gegeben und die Genossinnen und Ge- nassen noch besonders darauf aufmerksam gemacht. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Dritter Kreis, 3. Abteilung. Heute, abends SV, Uhr. findet für die Bezirke 21S— g20ir ein Exlrazahlabend in den RittersSlen, Ritter- straße 7ö, Natt. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zu er- scheinen. Mirglicdsbuch legitimiert. Nur Mitglieder der 3. Abteilung haben Zutritt. Der Vorstand. Charlottcnburg. Heute. Dienstag, abends»/gS Uhr. im Volks- hause, Rosinenstr. 3, Generalversammlung des WahlvereinS mit äußerst wichtiger Tagesordnung. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Mariendorf. Morgen Mittwoch, abend» pünktlich S>/, Uhr. bei Preuß. Kurfürstenstraize 44: Generalversammlung. Neben Geschäftsbericht und Neuwahlen stehen wichtige Punkte auf der Tagesordnung. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute Dienstag, den 16. Juli, abends 8� Uhr. Generalversammlung bei Arnhald, Frankfurter Chaussee 6. Tagesordnung: Bericht der Bezirksleitung und der Kommissionen. Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Wer mit seinen Beiträgen länger als drei Monate im Rückstände ist. hat keinen Zutritt. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Das Schenkcnläudchcn. In diesen Tagen hat eine der ältesten und kleinsten niärklschen Städte, TeupiH am gleichnamigen See. ein Jubiläum gefeiert, die 450 jährige Zugehörigkeit zur Mark Brandenburg. Das Alter des Städtchens ist viel höher, denn schon 1807 wird es in einer Urkunde als wendische Gründung niit dem Namen„to dem Tuptzet" erwähnt. In der Trutz- bürg am Seenfer saßen viele Jahrhunderte die Schenken von Lmidsberg, die dem nur vier Ouadratmcilen großen „Schenken ländchen" den Namen gaben. Erhebliche Neste der einstmals überaus gefürchteten Zwingburg derer von Landsberg sind in der Nähe der Stadt noch vorhanden. Neuere Häuser stehen auf starken, unter- irdischen Gewölben, deren Gänge freilich längst zugeschüttet sind. Aus der Halbinsel vor dem Schloß erhebt sich zehn Meter hoch noch ein Turm, der letzte von mehreren, in deren Verließen sich furchtbare Dramen abgespielt haben sollen. Waren doch die Schenken verschwägert mit dem Straßen- räubergeschlecht der Ouitzows, die auch der Stadt Berlin so viel Schaden zufügten. Der Dreißigjährige Krieg richtete die reichen und verschwenderischen Schenken völlig zugrunde. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I.. der ein paar Meilen entfernt in Wusterhausen sein Leben in eitel Freude genoß. brachte die verwüstete Herrschaft für den Spottpreis von sünfzigtausend Talern an sich. Anfangs des vorigen Jahrhunderts ging das Teupitzer Schloß als Erbpachtgut wieder in Privatbesitz über, selbstverständlich mit fettem Profit der Krone. Von den Teupitzer Weinbergen kam jahrhundertelang ein besonders guter Rebensaft. Die Chronik besagt daher auch, daß die Schenken von Landsberg öfter betrunken als nüchtern waren und gerade in der Trunkenheit sich die gewalttätigstell Uebergriffe erfrechten. In kiassem Gegensatz zu dem Wald- und Wasserreichtum des Schenkenländcheris und zu dem Reichtum der„Herren" stand die Armut der Landbewohner. Es wird wohl stimmen. wenn man erzählt, wie die„Schenken" das Land der- ort ausplünderten, daß es sich in Jahrhunderten nicht erholen konnte. Von dieser heute allerdings nicht mehr so wortlich zu nehmeilden, aber noch immer spürbaren Armut erzählen zahlreiche Anekdoten. Typisch ist der Ausdruck„arm wie ein Teupitzer Kind". In neuerer Zeit hat der Verkehr auf der die Stadt Tcupitz berührenden Görlitzer Bahn, die neue Proviuzial- Irrenanstalt direkt am See und vor allem ein starker Ausflüglerzuwachs, auch auf dem Wasser- Wege, dem Schenkeuländchen den nach harten Zerten wohlverdienten Ausschwung gebracht. Die etwa drei Stunden in Anspruch nehmende Wanderung um den See enthüllt reizende Naturbilder. Inseln, Dörfer, Wiesen wechseln mit zerklüfteten Uferabhängen und steilen Kuppen. Von den Jeesenbergcn, berühmt wegen ihres dreifachen Echos, genießt man eine großartige Aussicht über das ganze Schenkeuländchen und bei klarem Wetter weit darüber hin- aus. Aeußerst wirkungsvoll ist auch eine Motorbootfahrt um den eine Meile langen und eine Viertelmeile breiten Teupitzsee._ Ertrunken. Auf dem Zeuthener See wurden Sonntag abend durch «inen Wirbelwind mehrer« Bootsunfälle hervorgerufen, wobei nicht weniger als 15 Personen in der größten Lebensgefahr schwebten. Zwei der Verunglückten sollten den Tod in den Fluten finden. Hinter Rauchfangwerder, etwa 360 Meter von der Fischer- Niederlassung entfernt, herrschte am Sonntag«in ungewöhnlicher Ruder- und Seglerverkehr auf dem Zeuthener See. In der sechsten Abendstunde erhob sich plötzlich ein starker Wirbelwind, der von den verhängnisvollsten Folgen begleitet sein sollte. Mehrere der Fahr- zeuge, die auf den hochgehenden Wellen hin und her geschleudert wurden, kamen zum Kentern. In einem der Boote hatte«ine aus sechs Mitgliedern bestehende Familie gesessen. Sie stürzten samt- lich in die Fluten und konnten im Augenblick der höchsten Gefahr von hinzukommenden Ruderern gerettet werden. Wenige Sekunden später schlug ein zweites Boot, ein Segler, um. Vier Personen, zwei Herren und zwei Damen, wurden hierbei ins Wasser ge- schleudert, doch konnten auch sie glücklicherweise geborgen werden. Mehrere Kolonisten, die am Ufer deS Sees ihre Niederlassung haben, eilten sofort hilfsbereit herbei, um den Verunglückten bei- zustehen. Verhängnisvoll sollte leider ein Bootsunfall verlaufen, der an der Einmündung des sog. Großen Grabens erfolgte. Der Sohn des Glasermeisters Knobel, Reichenberger Straße 136, hatte mit zwei Freunden und einem jungen Mädchen eine Bootsfahrt unternommen. Bei dem Wirbelwind wurde da» Fahrzeug umgc- schlagen. Alle Insassen stürzten in die Fluten. Während sich K. mit einem seiner Freunde an dem umgeschlagenen Kahn festklammerte, versuchte der andere Freund die junge Dame durch Schwimmer anS Kand zu bringen, DMi versagten v&m jedoch die 1 ! Kräfte, und beide gingen nun unter. Man unternahm noch schleu» junge Mensch ist der 27jährige Korrespondent Paul Storkow aus der Jnselstraße, während es sich bei der jungen Dame um«ine Ver« wandte des Hausbesitzers Schmidt aus der Waldemarstraße handelt. Durch Fischer wurde gestern morgen die Unfallstelle nach den Leichen abgesucht, doch konnten sie bisher nicht geborgen werden.— Ein zweiter folgenschwerer Bootsunfall kostete auf dem Buckower See zwei jungen Kaufleuten das Leben. Eine Ge- sellschast von acht jungen Leuten im Alter von 17 bis 23 Jahren unternahm gestern von Lichterfelde bei EberSwalde einen Aus- flug nach dem Buckower See. Am Ufer dieses Sees lag ein Kahn, der sonst gewöhnlich an einer Kette festgelegt ist, gestern jedoch von anderen Personen losgemacht worden war. Sieben von den jungen Leuten bestiegen den Kahn, um eine Fahrt auf dem See zu machen, während der achte, namens Buchholz, den Kahn schwimmend be- gleitete. Er schwamm meist hinter dem Boot her und hielt sich ab und zu am Heck des Kahnes fest. Plötzlich tauchte das Hinterteil des Bootes ins Wasser und die Insassen mußten herausspringen, da der Kahn sank. Vier von ihnen konnten nicht schwimmen, von denen denn auch zwei ertranken. Di« Namen der Ertrunkenen sind die Kaufleute Otto W« tz e l und Otto Weber aus Lichterfelde. Die Leichen wurden nach dreistündigem Suchen geborgen. Vor dem Lokal Neptunshain an der Oberspree ertrank Sonntag abend der 21jährige Student Otto H ü b k e aus Adlershof, Bis- marckstraß« 6. Hübke hatte mit seinen Eltern und seinem fünfzehn- jährigen Bruder das Konzert im Neptunshain besucht. Die Brüder gingen später an die Spree. Der ältere Bruder Otto entkleidete sich, um zu baden, während der jüngere die Kleider beaufsichtigen sollte. Als Otto Hübke länger« Zeit geschwommen, rief er dem Brüder zu, er möge mal aufpassen, wie er tauchen könne. Otto Hübke taucht« auch unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Der Bruder saß indessen ungeduldig und wartete drei Stunden auf das Wiedererscheinen, dann erst benachrichtigte er die Eltern. Alle Berguvgsversuche der Leiche waren bisher vergeblich. Am Chorin see ist Sonnwg nachmittag der 24 Jahre alte Schlosser August Bürger ertrunken. B. nahm mit m-hreren Kollegen ein Bad, wobei er plötzlich von einem Herzschlag befallen wurde und den Tod fand._ Selbst gestellt hat si-b der Maler Willi Reinelt. der am Donners- tag auf die Frau Ennna Gärlke in der Fehrbelliner Straße mehrere Slviisie abfeuerte und dann da« Weite suchte. Reinelt war in ver« schiedencn Vororlen umhergeirrt, zuletzt in Marienseide. Seinen Malerkiitel Halle er fortgeworfen und lief deshalb nur mit Hemd und Hose bekleider umher. In dieser Kleidung erregte R. Aufsehen. Man glaubte, es mit einem Geisteskranken zu tun zu haben und zahlreiche Leute folgten ibm. Einer der Spaziergänger, der nach Marienfelde einen Ausflug gemacht hatte, glaubte in dem Manne den gcstichtcn Maler Willi Reinrlt erkannt zu haben. und machte der Behörde Mitteilung von seiner Vermutung. Bald darauf stellte llleinelt, der wohl gemerkt hatte, daß er erkannt sei, sich selbst der Behörde. Er war. wie er dem AmlSvorsteher Bürger- meister Dr. Klompfuß angab, tagelang ohne alle Geldmittel in den Vororlen umhergeirrt und hatte i» Laubenkolonien übernachtet. An« sangs glaubte man nicht recht an seine Identität. Schließlich konnte aber durch Papiere und Brtesschaften, die der Mann bei sich trug, einwandfrei festgestellt werden, daß er der Maler Willi -Reinelt sei. Er halte einen Landsturmschein, einen Brief der Frau Gärlke und ein Bild von ihr bei sich. An der Stirn hatte er eine Narbe, die von einem Streifschuß herrührte, den er sich tn selbstmörderischer Absicht beigebracht hatte. Er legte ein volles Ge- sländnis ab. gab als Beweggrund für seine Tat Eiferiucht an und wurde>» das Moabiler Untersuchungsgefängnis eingeliefert. N. scheint nicht ganz zurechnungsfähig zu sein. Die verletzte Frau konilte aus dem Krankenhause entlassen werden. Ueber einen Dampferunfall wird uns geschrieben: Die„Freie Säugerichast Tempelhof" unternahm am Sonntag vom Tempeldoser Hafen aus eine Dampferfahrt nach Caputh. Für die Rückfahrt ivnrden vom Tellower Kreis für einen im Laufe de» Tages defekt gewordenen Dampfer ein Motorboot und Ersatzdampfer bereitgestellt. Kurz bevor das Motorboot zum Einsteigen anlegte, erfolgte eine Explosion und im nächsten Augenblick stand das ganze Fahrzeug in Flammen. Wäre die Explosion einige Zeit später erfolgt, dann hätte es zu einer große» Katastrophe führen können. Unter den Frauen und Kindern, die sich in unmittelbarer Nähe aufbielten. ent- iland eine Panik. Nachdem sich die Aufregung etwa» gelegt hatte. fuhren die übrigen Dampfer ab und langten morgens um 2'/, Uhr tn Tempelhof an. Unglücksfall im Lunapark. Sonntag abend ereignete sich in Gegenwart Tausender von Zuschauern im Lunapark ein schwerer Unfall. Seit einiger Zeit produziert sich der Matrose Bertram Klein, angeblich einer der Ueberlebenden von der„Titanic". Er turnt an einem von ihm selbst mitgebrachten 18 Meter hohen, frei- stehenden Mast, der unmittelbar vor der Rodelbahn errichtet ist. Als er Sonntag gegen 9 Uhr abends sein« Evolutionen wieder begann, stürzte er plötzlich vom Mast herunter und schlug auf den Zement auf. Er mußte schwerverletzt fortgeschafft werden. Ein zweiter Unfall passierte an der über den Halensee führenden Schwebebahn. Als«ine Gondel mit zwei Damen und zwei Herren emporgehoben werden sollte, hakte die Lenkstange aus und die Gondel überschlug sich. Die vier Insassen erlitten sämtlich Verletzungen und wurden nach der Unfallstation gebracht. Bater, Mutter und Kind ertrunken. Ein schweres Unglück hat sich in Oranienburg ereignet. Dort sind im Finowkanal bei der Startbrllcke der Heizer August Köhler, seine Frau Hermine und sein zwölfjähriger Sohn Paul ertrunken. Der kleine Köhler, der geistig nicht ganz normal war, badete, während die Eltern und noch eine Tochter— zwei weitere Kinder waren in der benachbarten Wohnung geblieben— am Ufer lagen und zuschauten, wie sich die Kinder in dem Wasser tummelten. Auf einmal sah man, wie der kleine Köhler plötzlich ermattete, den Halt verlor und unterging. Die Mutter sprang entsetzt auf und stürzte sich, ehe sie jemand daran hindern konnte, dem Jungen nach. Doch auch sie, des SchwimmenS unkundig, versank, ehe sie den Knaben erreichte. In demselben Augenblick sprang nun der Mann in den Kanal, um Frau und Kind zu retten, aber da auch er nicht schwimmen konnte, versank Köhler ebenfasjS lautlos in den Fluten. Von den Zeugen des Vorfalles hatte niemand die Geistesgegenwart, den Ertrinkenden durch Stangen oder Leinen Hilfe zu bringen. Mann und Frau wären sonst aller Wahrscheinlichkeit nach zu retten gewesen. Köhler war in Berlin beschäftigt und lebte mit seiner Frau in glücklichster Ehe. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Sonnabend nachmittag gegen 945 Uhr auf dem Rangierbahnhof in Rummelsburg. Dort war der 42jährige Monteur Leo PolczynSli, Reinickendorf. Hansa- straße 11, wohnhaft, damit beschäftigt, auf dem Bahnhof einen neuen Signalmast aufzustellen. Dabei kam er einem Gleis zu nahe, wurde von einem vorüberfahrenden Güterwagen erfaßt und kam so unglücklich zu Fall, daß er mit beiden Händen unter die Räder geriet. Der bedauernswerte Monteur, dem die Hände voll- ständig abgefahren worden waren, wurde nach dem Augusta- Viktoria-Krankenhaus übergeführt— Das Opfer eines aufregenden Unfalles wurde in der Nacht zum Sonntag der 50jährige Mechaniker Paul Richard, Paulstr, SS. K. Hatte feine Arbeitsstätte in Wittenau verlassen, um nach Berlin zu fahren. AIS er auf dem Bahnhof den Vorortzug besteigen wollte, glitt er auf dem Trtttbrett aus. Da sich in diesem Augenblick der Zug in Bewegung setzte, stürzte R. zwischen den Wagen und den Bahnsteig. Der Unglückliche wurde ein Stück mitgeschleift, ehe der Zug zum Halten gebracht werden konnte. Mit schweren Schenkelbrüchen und inneren Per« letzungen wurde er ins Krankenhaus Moabit gebracht. I» Grünau brannten am Sonntag die Laboratoriumsräume und das Naphthalinlager der chemischen Fabrik von Landshof u. Meyer. Große Vorräte sind den Flammen zum Opfer gefallen. Fast gleichzeitig kam in A d l e r s h o f ein Dachstuhlbrand zum Ausbruch. Er brannte da» Dachgeschoß des Hauses Posadowsky- straße 1. in dem sich ein Bureau der Gemeinde befindet. Der Dach- stuhl brannte total nieder. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht ermittelt werden. Ueber eine Rcvslvcrschicßcrei wird au« Schöneverg berichtet. Dort gab die Modistin Feitelsohn aus der Motzstraße 29 mehrere RevolverschNsse auf den daS Haus fluchtartig verlassenden, 23 Jahre alten Kapellmeister MajowSki ab, verletzte ihn aber unerheblich. Die F. hatte den M. in einem Cafä kennen gelernt und hatte ihn mit m ihre Wohnung genommen. M. behauptet, dl« F. sei in einem hysterischen Anfall auf ihn mit dem Revolver losgegangen, worauf er schleunigst die Flucht ergriffen habe. Die Modistin ist mit schweren Verletzungen, die von Stichen herrühren, ins Krankenhaus gebracht worden. Der Kapellmeister kann sich die Verletzungen der F. nicht erklären, er wurde aber in Haft behalten, da man ihn im Verdacht hat, aus perversen Neigungen dem Mädchen die Stichverletzungen beigebracht zu haben. Ein entsetzlicher Vorfall spielte sich am Sonntagvormittag gegen 10 Uhr vor dem Hause Andreasstraße 58 ab. Dort wohnt in der dritten Etage die 62 jährige Witwe Pauline Tabert, welche schon seit längerer Zeit mfolge eines inneren Leidens in ärztlicher Be- Handlung sich befand. Bor einigen Woche hatte ihr der Arzt mit- geteilt, daß sie in ein Krankenhaus gehen müßte und eine Operation wahrscheinlich sein werde. Seilher war die Witwe schwermütig ge- worden und sie trug sich ständig mit Selbstmordgedanken. In einem unbewachten Augenblick stieg Frau T. auf das Fensterbrett und stürzte sich vor den Augen zahlreicher Passanten auf die Straße hinab. wo sie mit zerschmettertem Schädel liegen blieb. Die Unglückliche verstarb bereits auf dem Wege nach der Unfallstation. Die Leiche wurde in das Schauhans geschafft.— Ein schwerer Unfall ereignetelsich am Sonntag morgen gegen 2 Uhr in dem Hause Pappelallee 76. Dort wohnt im Ouer- gebäude in der eisten Etage der 44 jährige Arbeiter Martin KulaS mit seiner Familie. Während die«einigen schliefe», setzte sich K., um bei der Hitze frische Luft zu schöpfe», auf das Fcnsterdrett und schlief dabei ein. Er verlor da§ Gleichgewicht und stürzte rücklings auf den gepflasterten Hof, wo er bewußtlos liegen blieb. Durch das Aufschlagen des schweren Körpers wurden Hausbewohner aufmerk- sam und fanden aus dem Hof den Unglücklichen im Blute schwimmend auf. Außer einer klaffenden Kopfwunde hatte der Arbeiter schwere innere Verletzungen und einen Bruch der Wirbel- säule erlitten; er wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause gebracht. Auf einen Kindesmord läßt ein Fund schließen, den Spazier- gänger gestern im Tiergarten machten. Sie fanden gegenüber der Hohenzollernstrahe im Gebüsch versteckt ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen Mädchens enthielt. Diese war in der Morgen- ausgäbe des„Berliner Lokalanzeigers" vom 24. Juni und einer blauen Arbeitsschürze eingewickelt. Zur Feststellung der Todes- Ursache wunde die kleine Leiche dem Schauhause überwiesen..->» Wegen seine? Nervenleidens ist Sonntag vormittag der 46 Jahre alte Tischlermeister Eduard Schwesinger, Mitinhaber der Möbelfabrik Siebert u. Schwesinger, deren Arbeitsräume im zweiten Ouergcbäude des Hauses Warschauer Straße 61 liegen, in den Tod gegangen. Er ging nach seiner Werkstatt, trank oben im vierten Stock eine Flasche Lysol aus und stürzte sich dann auf den asphaltierten Hos hinab. Er geriet beim Fallen mit den Beinen in die Fenster des zweiten Stockwerkes, blieb aber nicht hängen, sondern schlug mit dem Kopfe auf den Boden auf. Er zog sich außer einem Schadelbruch einen Arm- und Beinbruch zu und verstarb auf der Stelle. Seine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ei» Doppelselbstmord beschäftigt die hiesige Kriminalpolizei. Am Sonnabendabend erschienen in einem Hotel in der Bahnhof- straße gwei ganz schwarz gekleidete Damen von ungefähr 56 Jahren und mieteten ein gemeinsames Zimmer, dessen Preis sie im vor- aus entrichteten. In das Fremdenbuch trugen sie sich als Paula Schulz und Anna Wagner, beide aus Köslin stammend, ein. Sie gingen gleich auf ihr Zimmer und ließen sich an dem Abend nicht mehr sehen. Sonntag morgen gegen 8 Uhr klingelte es aus ihrem Zimmer. Das Mädchen nahm an, daß die Damen Kaffee wünschten und brachte sogleich zwei Porttonen herauf. Als sie anklopfte, öffnete eine der Frauen und sagte zu dem Mädchen, es möge sich ruhig verhalten, weil die eine Dame noch schlafe. Sie nahm dem Mädchen vor der Tür den Kaffee ab und übergab ihm einen Brief an die Wirtin. Hierin schrieb sie, daß sie beide nicht ausgehen würden. Sie wünschten ferner, daß um 5 Uhr ein bestimmtes Mittagessen auf ihrem Zimmer serviert werden soll. Man kümmerte sich daraufhin auch nicht weiter um die Damen. Als das Mädchen gegen 5 Uhr das Essen bringen wollte, wurde ihm auf sein Klopfen nicht geantwortet. Sie teilte dies dem Hotelier mit, der, als sich immer noch niemand meldete und die Tür verschlossen blieb, diese, nachdem er«inen Schutzmann benachrichtigt hatte, durch einen Schlosser öffnen ließ. Man fand jetzt beide Damen nebeneinander an zwei Haken hinter der Tür erhängt auf. Ein Arzt konnte bei beiden nur noch den Tod feststellen. Ihre Leichen wurden darauf beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Wer die Toten sind, ließ sich noch nicht feststellen. In ihren Taschen fand man nur noch zusammen 56 Pf. Selbstmord der flüchtigen Putzmacherin Jeannette Litoy. In einem Hotel in der Bahnhofstraße zu Schöneberg wurden am Sonntagmorgen die Leichen zweier unbekannten Damen in einem Zimmer aufgefunden. Wie die Schöncberger Kriminalpolizei festgestellt hat, handelt es sich um die 58 jährige flüchtige Putz- machcrin Jeannette Lövy aus Schöneberg, die etwa 156 666 Mark erschwindelt hat, und um deren 64 jährig« Schwester Ida. Ueber den Selbstmord der beiden Frauen wird noch gemeldet: Vor einigen Tagen erhielt die Schöneberger Kriminalpolizei von der Ida L. ein Schreiben, das in Hermsdorf an der Nordbahn auf- gegeben war und in dem die Putzmacherin der Behörde mitteilte, daß sie zusammen mit ihrer Schwester aus dem Leben scheiden wolle. Am Sonnabendabend stiegen in dem oben erwähnten Hotel zwei ältere Damen ab, die sich als Paula Schultz und Anna Wagner aus Küstrin ins Fremdenbuch eintrugen. Am Sonntagmorgen brachte das Zimmermädchen Kaffee auf das Zimmer; die jüngere der beiden Fremden öffnete auf das Klopfen der Bediensteten und bat das Mädchen, sich ruhig zu verhalten, da die eine Dame noch schliefe. Um Uhr würden beide zum Essen erscheinen, sie bäten zedoch, daß der Zimmerkellner vorher noch mitteile, wann serviert sei. Als der letztere gegen W Uhr nachmittags anklopfte, wurde nicht geantwortet. Alsbald ließ man die Polizei und einen Schlosser holen und die Tür wurde gewaltsam geöffnet. Man fand beide Damen hinter der Tür nebeneinander am Haken hängend als Leichen vor. Unter den Zug gestoßen. Ein schwerer Unfall ereignete sich am gestrigen Montagmittag gegen 1 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof. Als der fahrplanmäßige Hamburger v-Zug in die Halle einrollte, herrschte auf d'cn Bahnsteigen ein ungeivöhnlich starkes Gedränge> Die in den vorderen Reihen Stehenden hatten grotze Mühe dem Ansturm der von hinten nachdrängenden Passagiere stand zu halten, um nicht auf die Schienen hinabgestosten zu werden. Die 14 jährige Schülerin Johanna Lehmann aus Niemcgk bei Potsdam, die sich zu Besuch bei ihrem Onkel, dem Rechtsanwalt Dr, H. am Lützow- plah aufgehalten hatte, und die nach Hamburg reisen wollte, stand in der vordersten Reihe. Der Ansturm aus die Coupes begann bereits, noch che der Zug zum Halten gebracht worden war, und so wurde das junge Mädchen durch einige rücksichtslose Passagiere gegen die Waggons gedrückt. Das junge Mädchen kam zu Fall und stürzte zwischen zwei Wagen auf den Bahnkörper hinab. Un glücklicherweise geriet das Mädchen mit der rechten Hand unter die Räder, so dah das Glied unterhalb des Gelenkes vom Arm abge- trennt wurde. Man schaffte die Verunglückte nach der Charite, wo eine Amputation der Sand notwendig wurde. Leider gelang es nicht die Fahrgäste, die durch ihr unvernünftiges und rücksichts loses Nachdrängen den Unfall verschuldet haben, festzustellen. Im Berufe verunglückt ist am Sonnabend der 68 Jahre alte Kunstformer Theodor W a s ch e r aus der Kaiser-Friedrich-Str. 40 zu Charlottenburg. Wascher war mit dem Abnehmen eines Gipsreliefs von denr Rauchmuseum, wo er ständig tätig ist, in einer Höhe von ungefähr 6 Meter beschäftigt. Er stand dabei auf einer Leiter, die von einem Manne unten gehalten wurde. Als er das Gipsrelief gerade abgenommen hatte, kam die Leiter ins Rutschen. Es gelang dem untenstehenden Arbeiter trotz aller Mühe nicht, sie festzuhalten. Der Former fiel infolgedessen mit der Leiter zu Boden. Durch den Sturz erlitt er einen Schädelbruch. Die Gipsmasse drückte ihm außerdem noch die Brust ein, sodaß er auf der Stelle verschied. Seine Leiche wurde gleich nach dem Schauhause gebracht.— Der 22 Jahre alte Maurer Paul Hänisch aus der Joachimstraße 8 zu Spandau wurde hinter dem Grundstück Holzmarktstraße 16—18 als Leiche aus der Spree gelandet. Hänisch fiel am vergangenen Donnerstag bei Ausbesserungsarbeiten an der Stadtbahn durch einen Fehltritt ins Wasser und kam nicht wieder zum Vorschein. Die Geliebte in den Landwehrkanal gestoßen. Ein aufregender Vorfall ereignete sich heffsc früh am Landwehrkanal. Der 21 Jahre alte Schlosser Walter Besemer aus der Schöneberger Straße stieß dort seine Geliebte, die 3ü Jahre alte Näherin und Artistin Amanda König nach einem kurzen Wortwechsel in den Landwehrkanal, weil sich das Mädchen von ihm trennen wollte. Mehrere Passanten, die den Vorfall beobachtet hatten, zwangen Besemer, einen Kahn zu besteigen und das Mädchen, das zu ertrinken drohte, wieder aus dem Wasser zu ziehen. Nachdem er gegen seinen Willen das Rettungswerk vollendet hatte, wurde Besemer verhaftet und der Kriminalpolizei zugeführt. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend nimmt bekannt- lich von ihren Mitgliedern Spargelder entgegen, die entsprechend verzinst werden. Zurzeit betragen diese Spargelder die Summe voi� zirka zwei Millionen Mark. Um die vielen an sie herantretenden Aufragen zu beantworten, bittet uns die Genossenschaft mitzuteilen, daß im Lause des Monats September wieder eine all- gemeine Besichtigung ihrer Anlagen in Lichten- b e r g in der Rittergutstraße geplant ist.— Der genaue Tag steht noch nicht fest, wird aber seinerzeit durch Annonce bekannt gegeben werden. Das Modell von den Anlagen, das auf der genossenschaftlichen Ausstellung bereits das Lob aller Besucher erfahren hat, steht zur- zeit im Restaurant des Gewerkschaftshauses zur kostenlosen Besichtigung. Verloren hat am Freitag, den 12. Juli, abends, ein Arbeiter sein Portemonnaie, enthaltend zirka 40 Mark und einen Trauring gezeichnet J. B. 24. 12. 07, in der Müllerstraße oder vom Bahnhos Wedding bis Savigny-Platz. Der Finder wird um Abgabe auf dem Polizeirevier 36 gebeten. Verloren gegangen ist am Sonntag beim Sommerfest im Bellevue, Lichtenberg, eine Taschenuhr mit Kette. Abzugeben im Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 1/2. Kreisturnfest in Fürstenwalde. Der erste 5treis des Arbeiterturnerbundes begeht am 2V., 21. und 22. Juli sein zehntes Kreisturnfest in Fürstenwalde a. d. Spree. Die durch behördliche Maßnahmen gehetzten und drangsalierten Arbeiter- turner stehen trotz aller Widerwärtigkeiten treu zur Sache der organisierten Arbeiterschaft und verschönen manches Fest durch allerlei Darbietungen. Die Arbeiterschaft wird besonders auf das Kreisturnfest aufmerksam gemacht und um recht rege Beteiligung ersucht. Radrennen in Zehlendorf. Sonntag, 14. Juli.„Die Hundert' betitelte sich die Hauptnummer des sehr reichhaltigen Programms. Das Rennen zerfiel in drei Läufe über je 60 Kilometer und sollte acht Fahrer am Start sehen; vier Deutsche und vier Ausländer, die je ein Nennen unter sich bestritten und deren Sieger und Zweite in den Endlauf kamen. Der„Jnländer-Preis"(400, 300, 160 M) vereinigte Demke, Ebert und Riesner. Hier war D e m k e Sieger; RieSner hielt sich wacker und Ebert fuhr fast daS ganze Nennen ohne Motor. Im„Ausländer-Preis"(400, 300, 150 M.) starteten Hall, Rhser und L. Vanderstuyft. Hall belegte den ersten Platz vor Vanderstuyft und Ryscr, welch letzterer gegen den Schluß sehr achtbar fuhr. Der End lauf<1000, 800, 600, 400 M.j gab Demke Gelegenheit, sein Können zu zeigeu; Hall endete 210 Meter zurück. Riesner fuhr ein schönes Rennen; erst beim 40. Kilometer büßt er nach langem Kampfe die erste Runde ein und endet mit nur 760 Meter zurück als Dritter. L. Vanderstuyft fuhr vom 20. Kilo- meter ab ohne Motor. Waren diese Dauerrennen ohne besonderes Interesse, so entschädigte dafür ein auserlesenes Fliegerqnartett. Das Internationale Hauptfahren(600, 300, 200, 100 M.) bot schöne sportliche Leistungen in bezug auf Taktik und Ueberlegenheit der einzelnen Fahrer. Den Deutschen Stabe und Wegner standen der Franzose Perchicot und der Italiener Mosetti gegenüber, während Arend und Schwab ausgeschieden waren. Den ersten Lauf gewann Perchicot mit'/e' Länge vor Stabe, während Wegener zurückblieb und Mosetti Reifenschaden hatte. Im zweiten Lauf endeten alle vier dicht auf und war die Reihenfolge Moretti, Perchicot, Stabe. Wegener. Der dritte Lauf sollte die Entscheidung bringen. Jetzt konnte Stabe einen knappen Sieg landen vor Moretti, Perchicot und Wegener. Die Punktzahl ergab Perchicot und Stabe je 6. Moretti 7, Wegener 11. Die Folge war ein spannend verlaufenes Match Stabe-Perchicot. Unter ständigen Stillstandsversuchen geht eS zwei Runden lang, als Stabe einen junerlaubten Kunstgriff macht, der einen neuen Start zur Folge hat. Wieder geht es langsam zum Ziel. Bei der letzten Runde tritt Stabe an u»d kann einen glänzenden Sieg feiern. Auch die weiteren Fliegerrennen waren gut besetzt. Das Haupt- fahren gewann Teckimer vor Schwab und Packebusch. In Handicap siegte Müller vor Senneke und Techmer, während im Tandemfahre» das Paar Techmer-Wegener vor Packebusch-Schwab und Tetzlass- Schnittchen den ersten Platz belegte. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am Freitag, den 12. April, früh 5% Uhr, auf dem Bahnhof Stralau-Rummels- bürg ein Passagier mit einem höheren Beamten in Wortwechsel geriet, und nachdem aus dem nach Grünau fahrenden Zuge ge- zogen wurde, wollen ihre Adresse an Herrn Krause. Gäudystr. 6 parterre, gelangen lassen. Bei dein Sommerfest in der Bockbrauerei ist ein Portemonnaie gefunden worden. Abzuholen bei Gustav Schmidt, Kirchbach- . straße 14.__ Vorort- IVacbricbten. Di- Verschmelzung der westlichen B-r-rtkrankcnkassen wurde in einer vom Vorstand der Ortkkrankenkasse Friedenau nach dem dortigen„Kaiser-Wilhelm-Garten" cinberufcnen Vorstände- konserenz beraten. Vertreten waren die Ortskrankenkassen C h a r lottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz» Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach». Berlin. Für den Teiirpelhof, Marrendorf, Groß-Lichterfelde und Zehlendorf. Der Geschäftsführer der Ortskrankenhaufe Friedenau. Herr Bredes, wies einleitend darauf hin, daß nach dem bekannten Ministerialerlaß vom 8. Mai d. I. eine Verschmelzung der ge- ladenen Kassen möglich sei und läge es nun an den Kassen, dem so oft geäußerten Wunsch nach Zentralisation zu verwirklichen. AlS unbedingte Anhänger des Verschmelzungsgedankens be- kannten sich die Vertreter von Schöneberg, Mariendorf, Wilmcrs- dors und Friedenau. Die beiden letzteren sowie Steglitz haben sich schon in ihren Generalversammlungen mit dieser Angelegenheit befaßt, und wurde dort überall fast einstimmig beschlossen, der Verschmelzung zuzustimmen. Der Vertreter Charlotten� burgs erklärte, daß nach Ansicht der Mehrheit des Vorstandes seiner Kasse eine Verschmelzung derjenigen Orte, für die bereits ein eigenes Versicherungsamt errichtet ist, nicht mehr in Frage komme. Man habe deshalb beschlossen, der Frage gar nicht erst näher zu treten. Für die Landgemeinden jedoch, für die außer in Steglitz kein Ver- sicherungSamt errichtet worden ist, fei die Verschmelzung ohne weiteres möglich. Die Vertreter von Tempelhof und Zehlcndorf lehnten ohne irgend welche Begründung eine Verschmelzung ab während man sich in Lichterfelde für die Versicherten keinen Vorteil davon versprach. Nach längerer Diskussion, in der man den Standpunkt der ablehnenden Kassen als nicht im Interesse der Arbeiterschaft liegend, fast allgemein bedauerte, wurde eine Kommission gebildet, die beim Regierungspräsidenten resp. bei dem Vorsitzenden des Oberversiche- rungsamtes die einleitenden Schritte für die Ver-schmelzung unter- nehmen soll. Scharf verurteilt wurde das Vorgehen der Ortskranken- lasse Steglitz, die in einem Anschreiben an Lankwitzer Unter- nehmer dafür Stimmung zu machen suchte, daß die daselbst ver- sicherungSpflichtig Beschäftigten, die der Ortskrankenkasse Mariendorf angehören, sich daselbst absplittern und an Steglitz anschließen. Das Schreiben, aus dem noch hervorgeht, daß von Steglitz aus. hinter dem Rücken der Mariendorfer Kasse, Versuche zur Ab- splitterung bei den Aussichtsbehörden gemacht worden sind, wurde von Seidel-Mariendorf zur Verlesung gebracht. Treptotv-Baumschulenweg. Bon einem Pferde in die Spree gerissen und ertrunken. Ein schrecklicher Vorgang hat sich an der Oberspree abgespielt. Der Kutscher Albrechr hatte hinter dem Plänterwald ein Pferd zur Tränke geführt. Er hielt das Tier an einer Halfrerleine fest und ließ es ein Stück ins Wasser hineingehen. Durch die Pfeifsignale eines vorübersahrenden Dampfers wurde es plötzlich unruhig und raste lief ins Wasser hinein. Albrecht, der befürchtete, das Pferd könne aus die andere Uferseite schwimmen und dann durchgehen, hielt sich krampfhaft an der Leine fest und wurde mit in den Fluß gezogen. Da er des Schwimmens nicht kundig war, wurde er förmlich durchs Wasser geschleift. Schließlich verlor er die Leine und ging unter. Rettungsversuche, die kurz darauf unternommen wurden, waren er- s o l g I o s. Das Pferd, das den verhängnisvollen Unfall verursacht hatte, schwamm schließlich wieder ans Ufer zurück und rannte davon. ES konnte ober bald wieder zum Stehen gebracht werden. Die Leiche des Kutschers vermochte man bisher noch nicht zu bergen. Mariendorf. Kinderferienspiele werden außer Sonntagvormittag(�10 bis 12 Uhr) jetzt auch Dienstags in der Zeit von 5 bis 3 Uhr nach- mittag auf dem Gemeindespielplatz, Ringstraße, abgehalten. Außer- dem findet an jedem Freitag ein.Ausflug mit den Kindern statt. Der nächste erfolgt am kommenden Freitag nach Lichtenrade; Sammelpunkt: Spielplatz Ringstraße, 1 Uhr. Für Beaufsichtigung durch Leiterinnen und Leiter ist bestens gesorgt. Beteiligung an den Ausflügen auch durch die Eltern wäre erwünscht. Grost-Lichterfelde. Die Kinderferienspiele haben sich eines guten Besuches erfreut und ist eine stetige Zunahme zu verzeichnen. Für die nächsten Wochen sind an jedem Mittwoch kleinere Ausflüge geplant und werden die Genossen ersucht, ihre Kinder zur festgesetzten Zeit zur Sammelstelle zu schicken. Diese befindet sich bei Wahrendorf. Von dort ersolgt der Abmarsch nach 3 Uhr nachmittags. Etwas Proviant und ein Trinkbecher(nicht Glas) ist mitzubringen. Die Rückkehr erfolgt spälestens 8 Uhr abends. Die Teilnahme von Erwachsenen ist erwünscht. Reinickendorf-Ost. Bei der Gemeindevcrtreterersatzwahl am Sonntag wurde der Kandidat der Sozialdemokratie, Genosse Paul G u r s ch, mit 460 Stimmen gewählt. Die Gegner rechneten schon von vornherein mit einem Reinfall und verzichteten auf die Aufstellung eines Kan- didaten. Köpenick. Die Liste der stimmfähigen Bürger für das Jahr 1912 liegt vom 15. bis einschließlich 30. Juli im Rathause, 2 Treppen, Zimmer 28, und zwar an den Wochentagen während der Dienststunden, vormittags von 9— 12 Uhr, nachmittags von 2'/z— 4'/z Uhr, zu jedermanns Einsicht öffentlich aus. Außerdem Sonntags von 9—12 Uhr vormittags. Für diejenigen, welche verhindert sind, selbst die Liste ein- zusehen, haben sich folgende Genossen bereit erklärt, dies zu tun: E. Wißler, Kietzerstr. 6. G. Müller, Alter Markt 8. O. Fiebach, Müggelheimer Str. 2. K. Ehrenberg, Elisabeth- straße 2. E. Becher, Grünauer Str. 1. A. Stippekohl, Schönerlinder Str, 5. F. Weber, Bahnhofstr. 15. M. Golze, Kaiserin- Augusta- Vittoria- Str. 15. R. Finger, Parisius- straße 15. X In der Liste muß jeder Bürger eingetragen sein, der bis zum 15. Juli d. I. 24 Jahre alt ist, ein Jahr in Köpenick wohnt und seine Steuern bezahlt hat. Da in diesem Jahre, außer den Ersatzwahlen, auch noch sechs neue Stadtverordnete gewählt werden, ist es Pflicht aller Berechtigtest, nachzusehen, ob sie in der Liste eingetragen sind. Auch achte ein jeder darauf, daß er mit der Steuer- summe in der Liste eingetragen ist, zu der er veranlagt ist, da diejenigen, die wegen zahlreicher Kinder eine oder mehrere Stufen weniger zahlen, doch mit der Summe in der Liste ein- getragen sein müssen, zu der sie veranlagt sind. Neuenhagen(Ostbahn). Auf zur Gemeiiidcvcrtreterersatzwahl! Morgen, MititSvch, den 17. Juli, von 11— 4 Nhr» findet die Ersatzwahl zur Gemeinde- Vertretung statt und geben sich die Gegner die größte Mühe, einen Sieg der Sozialdemokratie zu verhindern. Zum ausgesprochenen Zweck, auf kommunalpolitischem Gebiet tätig zu sein, hat sich ein Verein der Fortschrittlichen Volkspartei gegründet und unter strengster Ausschließung der Oeffentlichkeit zur Wahl Stellung ge- nommen; auch der Grundbesitzevverein hat eigene Kandidaten auf- gestellt und wahrscheinlich Herrn Gottschalt auf den Schild erhoben. Nun, uns kann's recht sein! Wenn alle Parteigenossen auf dem Posten sind und Mann für Mann an den Wahltisch treten, haben wir bei der Uneinigkeit der Gegner trotz der äußerst ungünstigen Wahlzeit die besten Aussichten auf einen Sieg. Darum, Parteigenossen, ermuntert alle gleichgültigen und säumigen Wähl«, ihrer Wahlpflicht zu genügen; wirke jeder auf seine Bekannten ünd Freunde eiff. Die Kandidaken bei Sozial« demokratie sind Maurer Friedrich Reinhardt und Arbeiter Wilhelm Moser. Wer mit Neuenhagenern zusammenarbeitet, erinnere diese an ihre Pflicht, am Mittwoch, den 17. Juli, von 11— 4 Uhr, im Saals des Herrn Fagerstern(im Dorf) zur Gemeindevertreterwahl zu erscheinen. Die Parteigenossen treffen sich schon um s-hll Uhr im ge- nannten Lokal. Auf zur Wahl! Die dritte Klasse muß der Sozial- demokratie gehören. Potsdam. Auf der Wachstube in Streit geraten. Vorgestern nachmittag gerieten zwei Jäger auf der Wachstube der Kaserne des Garde- Jäger-Bataillons in Streit. Im Jähzorn stach der Gardejäger B. seinen Kameraden B. mit einer Papierschere in die Brust und der- letzte ihn sehr schwer. B. wurde sofort in das Garnisonlazarett geschafft und V. sofort in Untersuchungshaft genommen, Spandau. Tödlicher Unglücksfall. Am hiesigen Wasserwerk werden gegen- wärtig drei neue Bassins gebaut und sind die Zcmentdecken ziemlich fertiggestellt. Als gestern nachmittag gegen 6 Uhr einige Arbeiter mit ihren Handkarren über ein Bassin fuhren, stürzte die Decke zum Teil ein und die Schuttmasseu begruben drei der im Innern beschäftigten Arbeiter unter sich. Als man die Verschütteten aus ihrer Lage befreite, hatte einer bereits das Bewußtsein verloren und alle unter- uommenen Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, so daß die Ueberführung nach der Leichenhalle erfolgte. Die beiden anderen kamen mit dem Schrecken und kleineren Verletzungen davon. Eue der frauenbcweefimg* Agitationsliteratur für die proletarische Frau. Seitdem im Jahre 1307 das jetzige Reichsvereinsgesetz in Kraft getreten, haben auch die Frauen die Möglichkeit, sich politisch zu organisieren. Seither wird von der sozialdemokratischen Partei eine lebhafte Agitation, besonders unter den proletarischen Frauen, ent- fallet. Man benötigt dazu vieler Kräfte zur mündlichen Werbung von Mitgliedern; es bedarf dazu aber auch einer besonderen Agi« tationsliterarur. Auch dafür hat die sozialdemokratische Partei besonders in letzter Zeit in erfreulicher Weife Sorge getragen. Man denke nur an die Millionen Flugblätter, die zu den verschiedensten Anlässen für die Frauen herausgegeben und verbreitet worden find und deren Inhalt es wert ist, daß sie aufbewahrt und bei den verschiedensten Anlässen wiederum agitatorisch verwendet werden. Wir haben aber besonders die B r o f ch ü r e n l i t e r a t u r für die Frauen im Auge. Da wurden zu den Frauentagen zwei mit Illustrationen ver- fehene Wahlrechtszeitungen von der Redaktion der„Gleich- heil" herausgegeben, die wertvolles Material zur Frage des Frauen- Wahlrechts enthalten und die auch nach dem Frauentag den Genossinnen angelegentlichst empfohlen werden können. Als eine Einführung in daS ganze Problem des Frauenwahl- rechtes und den Gegensatz der sozialdemokratischen zu der bürger- lichen Frauenbewegung ist die von der Genossin Zetkin geschriebene Broschüre„Zur Frage des Fraue»Wahlrechts' zu be- zeichnen. Bei den letzten Reichstagswahlen hat unseren Agitato- rinnen eine von der Genossin Z i e tz verfaßte Broschüre„Die Frauen und der politische Kampf' gute Dienste geleistet Sie ist auch heute noch zur Agitation unter den Frauen bestens zu empfehlen. DaS gleiche ist zu sagen von einer kürzlich erschienenen kleinen Schrift von derselben Verfasserin:„Bist Du eine der Unsrigen die sich im Tone der persönlichen Anrede an die Arbeite- rinnen und Frauen des Volkes wendet. Mit besonderer Freude ist in den Kreisen der Genossinnen be- grüßt worden, daß der Borwärtsverlag zukünftig eine Serie Broschüren unter dem Titel„Sozialdemokratische Frauen- bibliothek' erscheinen läßt. Als Nr. 1 dieser Bibliothek ist die bereits genannte und in zweiter verbesserter Auflage erschienene Schrift der Genossin Zietz:„Die Frauen und die Reichstagswahlen' erschienen. Als Nr. 2 wird der von der Genossin Wehl vor einem Jahre auf der sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Jena ge» haktene Vortrag:.Die Frauen und die Gemeinde» Politik' erscheinen. ES wird darin die segensreiche Tätigkei�nach- gewiesen, welche die Frauen in den einzelnen kommunalen Aemtern entfalten können, und die Notwendigkeit des kommunalen Frauen- Wahlrechts in überzeugender Weise begründet. Unsere Parteibewegung wird größer und größer, die Kämpfe und Arbeiten, die ihrer harren, werden umfangreicher und schärfer, die Heranziehung auch aller weiblichen Kräfte zu den Parteiausgaben wird daher um so notwendiger. Wir wissen, daß der Sieg unserer Partei und damit unserer Frauenbewegung eine Machtfrage ist, aber die Erringung dieser Macht ist mit in hohem Grade eine Bildungsfrage. Wenn die Frauen und die ganzen Arbeitermassen heute noch nicht die Macht besitzen, die sie ihrer Zahl und Bedeutung nach talsächlich ausüben könnte», so ist das auf das mangelnde Klassen- bewußlfein, also auf einen Mangel an Bildung, an Wissen, an Er- kenntnis der wirklichen Verhältnisse zurückzuführen. Dieses Wissen und diese Erkenntnis in volkstümlickier Literatur niederzulegen, läßt sich die Partei angelegen fein, die Verbreitung und Nutzbarmachung dieser Literatur ist Sache der örtlichen Parteiorganisationen und der in ihr tätigen Genossinnen. Aber nicht nur der Broschüren- literatur, sondern vor allem auch unserer. G l e i ch h e i t' und unserer Arbeiterpresse._ Bersammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Wegen der Beerdigung unseres alten Mitgliedes, Genossin Sprung, findet die Dampferpartie am Mittwoch nicht statt. Dafür am Mittwoch, den 24. Juli, früh v Uhr pünktlich ab Schillingsbrücke nach WolterSdorfer Schleuse. Lese- und Ttökutterklub„Wilhelm Liebknecht'. Heute Dienstag, den IS. Juli, abends 9 Uhr: Sitzung bei Eichhorn, Danziger Straße 93. Vortrag.— Gäste willlommen. Marktbericht von Berlin am 13. Juli 1912. nach Ermittelung de» königl. PolizetprästdiumS. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Speisebohnen, weiße. 30,00—65,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(KIcinhdl) 8,00—14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50—1,80. Schwcincflcilch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40-3,00. SO Stück Eier 3,20—5.20. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,50- 3,60. Hechte 1.20—2.80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1.20—3.20. Biete 0,80—1.60. SO Stück Krebse 2,00—40,00. WasserstandS-Rachrichte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verllner Vetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Krossen _. Franksurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden » Barbh » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Spremberg») . BeeSIow Weser, Münden „»Minden Rhein, MaximüianSau » Kaub » Köln Neckar.Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier am 14. 7. om 54 28 19 76 72 94 183 245 40 117 4 seit 13.7. cm1) —4 —5 —1 —2 —2 -12 —1 —10 -3 +2 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,-r-») Unterpeael. Inseratenteil verantw.: Tb- Glocke, Bertin. Druck u. Vertag: vorwärt» Buchdruckerei u. VertagSanstal» Paul Singe» u. Io., Perlin SW.