Ur. 1«S. HboniKmentS'Uedingimgen: SffionnementS> Preis vränumerandSZ Vierteljährig SM MIg. monath l.Iv Mt, wöchentlich 23 Pfgg frei ms HauS. Einzelne Nummer S Pfgg Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pwg Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen w die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesierrelch- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemari, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Cildjclnt»glich auBtr montags. Berliner Volksblntt. Die snkertlonZ'Lebllhr betrögt für die sechsgespaltene Kolon�- "eile oder deren Raum«o Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- Und Versanunlungs.Anzejgcn Lll Psg. ..Aleine Znr-ig-n", das fettgedruche Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort ö Psg, Worte über IS Buch- finden zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Erpeditton ist bis 7 Uhr abends geosstlet. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozi aldemohratt f eben Partei Deutfcblanda. Redaktion: SM. 68» Lindendtrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. 1983. Donnerstag, den 18. Jnli 1913. Expedition: SM. 68» Lindcnatraasc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Meinbäuerliche Haushaltsrechnungen. Die Landwirtschaftskammer für die R h e i n p r 0 v i n z hat vor einiger Zeit ein wirtschaftsstatistisches Werkchen der- öffcntlicht, das die aufmerksaniste Beachtung aller Sozial- Politiker verdient. Das Schristchen enthält die Jahres- Wirtschaftsrechnungen von dreißig Klein- dauern und Landarbeitern und bietet ein außer- ordentlich intercssautcs und reichhaltiges Material zur Beurteilung der sozialen Lage der kleinen Landleute. Bon den 30 untersuchten Wirtschaftsrechuuugen stammen 19 von selbständigen Landwirten. 7 von solchen Kleinbauern, die nebenbei Tagelöhnerarbeiten verrichten und 4 von Nur- Tagelöhnern. Die erste Gruppe bewirtschaftet 16—77 Morgen Land, im Durchschnitt 39'/t Morgen; davon beträgt die land- wirtschaftlich genutzte Fläche 28 Morgen. Die zweite Gruppe bewirtschaftet 7—46 Morgen oder durck'chuittlich 24'/z Btorgen. wovon 16�/4 Morgen landwirtschaftlich ausgenutzt werden. Die Fläche ist nicht so groß, daß ihre Erträgnisse zum Lebens- unterhalt der Familien dieser Landwirte ausreichen, weShalb die MäUner und teilweise auch die Frauen und Kinder noch nebenbei Lohnarbeit verrichten. Die Tagelöhner bebauen dlirchschuittlich noch 2tU Mvrgen Land. Es würde zu weit führen, auf alle Einzelheiten der Erhebung einzugehen; wir wollen nur an der Hand der Er- gebnisse der Einkommens- und der Verbrauchs- rechnungen zeigen, unter welchen Existenzbedingungen die Kleinbauern und Tagelöhner leben. Ueber die baren Einnahmen der untersuchten Gruppen gibt folgende Aufstellung Ausschluß: Es betrug: Zahl der Gesamt- Einnahme Einnahme Sonstige HauS- Bar- au» dem au» dem Ein- Haltungen einnahm, landw. Betr. Arbeilsoet dienst nahmen M. M. M. IS 1980,93 1791,08 108,89 80,36 Landwirte Landw. u. Tagelvhn. 7 1219,35 862,12 350,50 6,78 Tagelöhn. 4 1298,31 535.08 746,02 17,21 Hiernach haben also die selbständigen Landwirte die größte Bareiunahme; sie ziehen sie fast ausschließlich aus dem landwirtschaftlichen Betriebe. Die geringsten Einnahmen haben die Landwirte, die noch nebenbei Tagelöhneu,. Veiten verrichten; ihre Einnehmen stammen zu zwei Dritteln aus dem Wirtschaftsbetriebe und zu einem Drittel aus Lohnarbeit. Die Tagelöhner stehen hinsichtlich der Bareinnahme günstiger als die lagelöhneruden Landwirte; ihnen bringt die Lohnarbeit die Haupteinnshme. Von den baren Einnahmen verschieden ist das t a t s ä ch- li ch e Einkommen der Familien. Uni das zu erniitteln, müssen auch die Wirtschastsleistungen für den eigenen Verbrauch, nach Abzug der Wirtschasts- auiwendungen, in Rechnung gestellt werden. Als Wirtschasts- leistungcn wurden von der Landivirtschaflskaninier gerechnet: die baren Wirtschastseinnahmen, die ausstehenden Wirtschasts- forderungen. das Mehr des Jahresschlußbestandcs gegenüber dem Alifangsbestand an Vieh und Vorräten, der Wert der im Haushalt verbrauchten WirtschastSerzengnisse und der Mietswert der Wohnung, der schätzungsweise ermittelt wurde. Zu den Wirtschaftsaufwendimgen wurden gerechnet: die baren Wirtschastsausgabe», abzüglich der Erweiterungen an Gebäuden und Maschinen, die ausstehenden Wirtschaftsschulden, das Weniger des Jahresschlußbestandcs gegenüber dem Anfangsbestand an Vieh und Vorräten, die Abschreibungen auf Gebäude und Maschinen und die Beköstigung von Tagelöhnern und Hand- werkern, die für die Wirtschaft tätig waren. Bei der Feststellung des tatsächlichen Einkommens hat die Landwiitschaftskammer eine weitere Gruppierung der Wirt- schaftsrechnungen in der Weise vorgenoiunien, daß sie die Rechnungen der selbständigen Landwirte teilte in eine solche der größeren und der kleineren Kleinbauern. Dabei ergab sich dann, daß die 10 Familien der größeien Kleinbauern ein durchschnittliches Einkommen von 281 l, 9» M. hatten, die neun Familien der kleineren Klein- oder die Zivergbiiuern erzielten ein durchschnittliches Einkommen von 1227, 7l M.. die sieben Familien der tagelöhnernden Landwirte ein solches von 190 ,15 M. und die vier Familien der Landarbeiter ein solches von t 309.69 M. Die Zahlen lassen erkennen, daß die Einkommensverhält- nissc der� kleinen Landleute im allgemeinen wenig rosig sind. Abgesehen von der ersten Gruppe, die über ein einigermaßen ausreichendes Einkommen verfügt und daher zu», mittleren Bauerntum gerechnet iverden muß. ist das Einkommen der übrigen Gruppen mehr als bescheiden. Das der tagelöhnernden Landiuirte entspricht ungefähr dem Einkommen qualifizierter städtischer Arbeiter, wohingegen das der Nur-Tagelöhner und der Zmergbauern weit dahinter zurückbleibt und etwa auf der Höhe des Einkommens der städtischen ungelernten Ar- bester steht. Diese Tatsachen sind um so bedeutungsvoller, als es die große Masse der rheinischen ländlichen Bevölkerung ist, die unter solchen unzulänglichen Einkommensverhältnissen lebt. Einige Zahlen aus der landwirtschaftlichen Betriebsstatistik werden das illustrieren. Von den Landwirten, die nach der Erhebung das höchste Einkommen ausweisen, werden zwischen 5 und 20 Hektar Land bearbeitet. Die Zwergbauern und die Tagelöhner bewirtschaften meist unter 5 Hektar. Läßt man nun die Tagelöhner mit unter 1 Hektar Grundbesitz, deren proletarische Lebenshaltung außer allem Zweifel steht, un berück- sichtigt, und stellt man dann den 74 015 landwirtschaftlichen Be- trieben über 5 Hektar die 143209 Betriebe von 1—5 Hektar gegenüber, dann ergibt sich, daß rund zwei Drittel—' genau 66 Prozent— der rein oder doch vor- wiegend bäuerlichen Betriebe im Rheinland ihren Inhabern kein ausreichendes Ein- kommen gewähren. Man kann also mit Recht sagen, daß außer den Tagelöhnern auch die Klasse der kleinen Bauern in proletarischen Verhältnissen lebt. Dabei muß noch in Betracht gezogen werden, daß in den Einkommenszahlen der Arbeitslohn für die Tätigkeit des Mannes, der Frau und der Angehörigen im eigenen Betriebe sowie die Verzinsung des gesamten Gutskapitals enthalten ist. Der Bearbeiter der Erhebung sagt nicht mit Unrecht:„Würde man von dem Einkommen unserer Landwirte eine angemessene Nerzinsung der im landwirtschaftlichen Betriebe steckSnden Kapitalien in Abzug bringen, so würde für die Tätigkeit des Landwirts, seiner Frau, Kinder und Angehörigen ein ganz b e- scheidcncr Lohn verbleiben". Zeigen schon die Einkommensziffern, daß die Masse der ländlichen Bevölkerung nicht besser, teilweise sogar noch schlechter gestellt ist als das Gros der städtischen Arbeiter, so noch mehr die Angaben, die die Landwirtschaftskammer über den Nahrungsmittelaufwand der von ihr unter- suchten Familien macht. Hierbei stellt sie den Haushalts- aufwendungen der Bauenifamilien die Aufwendungen gegen- über, die vom Kaiserlich Statistischen Amt im Jahre 1907 und vom Metallarbeiterverband im Jahre 1908 bei einer Anzahl städtischer Arbeiter und Angestellten ermittelt worden sind. Hiernach betrugen die Ausgaben pro Haushalt: re-K-K Nach d. Erheb, d. Nach d. Erheb' w Snt«imti-s Melallarbeiter- der Landwirt- des«tat. Amtes Verbandes schaf.Skammer M. M. M. Nahrungsmittel... 936 21 955,22 1193,43 Kleidung..... 204,67 235,11 186,85 Wohnung..... 812,52 264,09 85.00 Heizung und Beleuchtung 77,99 77.73 48,63 Sonstiges..... 803,67 293,13 281,91 Die Landwirtschaftskammer rechnet durch diese Gegen- Überstellung einen Mehrverbranch an Nahrungsmitteln im Werte von rund 250 M. pro Bauernfamilie heraus. Die Rechnung ist aber irreführend. Ein solcher Mehrverbrauch konnte nur deshalb festgestellt werden, weil die Landwirt- schastskaminer die Rechnungen der mittelbäucrlichen Betriebe, deren Inhaber, wie oben dargelegt wurde, schon zu den wohl- habenden Landwirten gerechnet werden müssen, mit denen der Tagelöhner und Zwergbauern zusammenwirft. Es läßt sich aber nur Gleiches mit Gleichem gegeneinander abwerten, und so dursten in diesem Falle nur die Einkommen der wirk- lichen Kleinbauern und Landarbeiter mit denen der städtischen Arbeiter und kleinen Angestellten verglichen werden. Geschieht das, dann beträgt der Aufwand für Lebens- niittel in den kleinbäuerlichen Haushaltungen nur 1060 M.; er ist also im Durchschnitt nur wenig größer als in den städtischen Arbeiterfamilien. Damit ist die weit verbreitete Annahme, daß die Landbewohner im allgemeinen bedeutend billiger und besser leben als die städtischen Arbeiter, als unzutreffend erwiesen. Allein bei den Ausgaben für die Woh- nung steht sich der Landmann besser. Er leidet ja nicht unter dem Druck der städtischen Bodenspekulation! Dafür bezahlt er aber Schuldenzinsen an den Hypothekengläubiger. Im Durchschnitt sind in den untersuchten Wirtschaftsrechnungen 40,85 M. Zinsenausgaben angegeben, und ferner sind in den „sonstigen Ausgaben" 33,66 M. für Ersparnisse(?) und Schuldentilgung verzeichnet. Der Vorteil der billigen Woh- nung reicht jedenfalls lange nicht aus, um eine den An- forderungen nur einigermaßen genügende Ernährung zu er- möglichen. Hierfür erbringt die Erhebung über die Mengen des Nahrungsmittelverbrauchs in den bäuerlichen Familien selbst ein lehrreiches Tatsachenmaterial. Im Gesamtdurchschnitt aller Haushaltungen wurden von den wichtigsten Nahrungs- mittel» folgende Mengen verbraucht: pro Familie pro Kopf Fleisch und Speck.. 172,05 Kllogr. 29,9 Kilogr. Butler...... 70,65„ 11,75 E:er....... 558,6 Stück 93,3 Stück Kartoffeln..... 83,85 Zentner 5,46 Zentner Bollinilck..... 677 Liter 109,5 Liter Moger- und Btittermilch 523,9. 74,4„ Brot....... 967,6 Kilogr. 151,96 Kilogr. Mehl...... 249,8„ 42,1 Vor allem fällt der große Verbrauch der nährwertarmen Kartoffeln auf, die ein Hauptnahrungsmittel der min derbe nt titelten Bauernfa Milien sind. Die nährwertreichen Nahriiugsmittel ivcisen dagegen einen äußerst geringen Verbrauch ans; besonders der Fleisch- und tettkonsum ist minimal. Der Fleischkonsum erreicht kaum die älste des ollgemeinen Durchschnittsvcrbrauchs, der in Deutschland auf 53 Kilogramm pro Kopf berechnet ist. DaS würde indessen kein großer Nachteil sein, wenn die übrigen Lebensmittel in ausreichender Menge verzehrt würden. Das ist aber nicht der Fall. Einen zuverlässigen Maßstab zur Be- urteilung dieser Frage bietet das von der Wissenschaft aufgestellte Mindestkostmaß für die Ernährung eines erwachsenen Mannes auf dem Lande. Nach der von Dr. K a u p in seinem Werke „Ernährung und Lebenskraft der ländlichen Bevölkerung" ge- gebenen Zusammenstellung verbraucht eine erwachsene männ- tiche Person, wenn bei gewöhnlicher Arbeit die zum Körper- Haushalt erforderlichen Mengen von Eiweiß, Fett und Kohle- Hydraten sicher gestellt werden sollen: 275 Kilogramm Brot, 200 Kilogramm Kartoffeln, 40 Kilogramm Gemüse und Hülsen- früchte, 350 Liter Milch, 30 Kilogramm Fett und 60 Kilo- gramm Fleisch. Mit diesen Nahrnngsmittclmengen, die durchaus noch keine üppige Lebenshaltung gestatten, vergleiche man einmal die von den Bauern und Tagelöhnern verzehrten Lebensmittel! Allein die Kartoffeln werden in ausreichender Menge der- braucht, bei den übrigen Nahrungsmitteln erreicht der Konsum nur einen Bruchteil des wissenschaftlich geforderten Kostmaßes. Zwar läßt die Landwirtschaftskammer bei der Ermittelung des Verbrauchs pro Kopf den geringeren Verzehr der Kinder unberücksichtigt, der den erwachsenen Personen zugute kommt. aber dieser Mangel der Erhebung wird andererseits, soweit die Zwergbauern und Tagelöhner in Frage konunen, zum größten Teil dadurch aufgehoben, daß in den durchschnittlichen Verbrauchsmengen wieder die der wohlhabenden Bauern ein- bezogen worden sind. Scheidet man deren Wirtschasts- rechnungen aus, dann ergeben sich für die übrigen noch ungünstigere Resultate als die in der Tabelle dargestellten. Selbst wenn man die vom Kaiserlich Statisti- ichen Amt nach Alter und Geschlecht der Familienmitglieder beobachteten VcrbrauchseinheitSsätze zugrunde legt, wobei jede der untersuchten Familien eine Kop'fstärke von 3,9 zählt, er- reicht der Konsum nur bei Brot und Kartoffeln das notwendige Kostmaß. Im übrigen ist noch die außerordentlich wichtige Tatsache festzustellen, daß bei manchem Nahrungsmittel ein beträcht- licher Teil erst zugekauft werden mußte, bei Fleisch etiva 23 Proz., bei Butter und anderem Fett etwa 28 Proz. und bei Brot und Mehl rund 30 Proz. des gesamten Verbrauchs. Daß unzulängliche Ernährung die schädlichsten Folgen für die bäuerliche Bevölkerung mit sich bringt, liegt auf der Hand. Auch die Laudwirtschaftskammer kann die harten Tatsachen ihrer Erhebung nicht aus der Welt schaffen. Sie gibt zwar zu, daß„vereinzelt(I) auf dem Laiide eine Unter- ernährung oder eine unrationelle Ernährung beobachtet werden könne"; sie sucht aber die Ursachen in dem angeb- lichen„Mangel an dem nötigen Verständnis und der erforder- lichen Sorgfalt zur Zubereitung derNahrungsmittel". Vielfach ist, nach ihrer Meinung, eine Unterernährung auch darauf zurück- zuführen, daß der Mann viel Geld für alkoholische Getränke oder die Frau für Pittzartikel ausgebe und daß die Frau nicht zu wirtschaften verstehe. Das ist die bekannte bequeme Methode der bürgerlichen Lobredner, die die wirklichen Ur- fachen dieser Erscheinungen nicht zu erfassen vermögen. Immerhin gibt der Bearbeiter der Erhebung zu, daß eine oberflächliche Schätzung des Nährwertes der verbrauchten Nahrungsmittel vermutlich ergeben werde, daß„die unter- suchten Bauernfamilien die von der Wissenschaft berechnete Norm nicht erreichen". Alles in allem beweist die Erhebung der Rheinischen Landwirtschaftskammer, daß das Einkommen und damit die Ernährung der Mehrheit der ländlichen Bevölkerung viel zu wünschen übrig läßt. Es besteht auch keine Hoffnung, daß es in absehbarer Zeit besser wird, denn die Landleute sind den niederdrllckendsten Tendenzen der kapitalistischen Warenwirt- schaff bis jetzt noch wehrlos preisgegeben, während es dem industriellen Proletariat möglich gewesen ist, durch seine starken gewerkschaftlicheu und politischen Organisationen den Berelcndungstendenzen des Kapitalismus wenigstens teilweise mit Erfolg entgegenzuwirken. Simvatieii über die chinesische Revolution und ihre nächsten Aufgaben. Vor einiger Zeit hat Dr. Sunyatsen in Shanghai eine Rede gehalten, die für den europäischen Sozialisten interessant genug ist. Sie zeugt von einer für einen Chinesen schätzenswerten Klarheit über die vom Gange der Dinge dem neuen China ge- stellten Aufgaben und eine Sicherheit in der Wahl der Maß- nahmen, die notwendig sind, um die Entstehung öiner neuen Despotie, die viclmal schlimmer ist als die gestürzte, der des Kapitalismus, zu verhindern. Durch die Rede wird die Meinung nicht unwesentlich eingeschränkt, der Kapitalismus habe nun in China seine prächtigste Gelegenheit zur ungehemmten Verfolgung seiner Pläne und eine durch nichts gestörte Profitquelle erhalten. Gewiß, der Kapitalismus wird China heimsuchen wie jedes andere Mehrwert versprechende Land. Ihn auszuschließen, ist weder mög- lich noch liegt es im Interesse der Entwickelung der neuen Republik. Wohl aber kann kluge Voraussicht ihm in seinen Wiegen- jähren Fesseln anlegen, die seine Ueppigkeit auf Kosten des Volks- ganzen hintenanhält. Das Haupt der revolutionären Partei Chinas glaubt dies möglich durch eine Rcformierung der Grund- steuer. Doch lassen wir ihn selbst sprechen. Nach dem»Chinese Recorder" sagte Sunyatseni Die Republik ist in China nun etablierk. Wenn ich dctS Amt dlS provisorischer Präsident der Republik niedergelegt habe, so soll das nicht heilen, ich wolle aufhören für unsere.Sache zu streiten. Im Gegenteil. Durch die Niederlegung meiner Funktion habe ich Freiheit und Muße bekommen, meine Kräfte den viel größeren Aufgaben zuzuwenden. China stand 270 Jahre lang unter der Herrschaft der Mandschus. Während dieser Zeit ist wiederholt ver- sucht worden, die Unabhängigkeit zurück zu erobern. Die Taiping- Rebellion vor einem halben Jahrhundert war ein solcher Versuch. Jedoch war dies nur ein Nassen krieg. Selbst, wenn dieser Auß- stand erfolgreich gewesen wäre, das Land würde dennoch unter einem autokratischen Regime weiter zu leiden gehabt haben.... Vor einigen Jahren kamen einige unter uns in Japan zu- sammen und wir gründeten die Revolutionäre Partei. Drei große Grundsätze wurden aufgestellt: 1. Die Freiheit der chinesischen Rasse. 2. Die Regierung des Volkes durch daS Volk. 3. Ausschließliches Verfügungsrecht des Volkes über die Produkte des Landes und seiner Arbeit. Die beiden ersten Grundsätze sind durch die Abdankung der Mandschudynastie realisiert worden; die ökonomische Umwälzung zu realisieren, bleibt uns noch. Sie ist heute de» Gegenstand der allgemeinen Diskussion, nur versteht die Mehrheit des chinesischen Volkes nicht die ganze Tragweite dieser Frage. Sie nehmen an, der Zweck der politischen Wiedergeburt Chinas sei einzig und allein, aus ihm einen mächtigen, den großen Nationen des Westens ebenbürtigen(Militär-)Staat zu machen. Aber das ist nicht das Ziel unserer Anstrengungen. Es gibt heute keine Nationen, die reicher sind als England und Amerika, und keive, die aufgeklärter ist als Frankreich. England ist eine konstitutionelle Monarchie und Amerika und Frankreich sind Republiken. Dessenungeachtet ist in allen diesen Ländern die Kluft zwischen Armen und Neichen zu groß, unirtrie Idee der Revolution bewegt die Hirne ihrer Bürger. Wenn sich dort eine soziale Revolution nicht vollzieht, bleibt die Mehrheit des Volkes von dem Wohlstand und der Lebensfreude ausgeschlossen. Heute ist die Glückseligkeit nur auf eine kleine Zahl Kapitalisten beschränkt. Die Masie der Arbeiter leidet bitter weiter und kann keinen Frieden haben. Die Revolution einer Rasse, wie auch eine politische Umwäl- zung, sind leicht zu vollziehen, aber die Umwälzung der Gesellschaft ist schwieriger. Nur ein Volk von großer Vollkommenheit ist fähig. eine soziale Revolution durchzuführen. Einige sagen: Bis hierher war eure Revolution ein Erfolg, warum nun nicht zufrieden sein und abwarten? Warum versuchen zu vollenden, was England und Amerika mit ihrem Reichtum und ihrer Wissenschaft bis heute unterlassen haben zu versuchen? Den Ratschlag, der aus diesen Fragen spricht zu befolgen, wäre eine schlechte Politik, denn in Amerika und England sind Zivilisationen und Industrie entwickelt, eingewurzelt, und eine soziale Um- wälzung wird darum schwer sein. Wir in China sind noch nicht soweit. Eine soziale Revolution ist für uns verhältnismäßig leicht; wir sind in der Lage dem kapitalistischen Regime vorzubauen. In den kapitalistischen Ländern werden die bestehenden Interessen sehr wirksam verteidigt und es ist schwer, sie auf eine andere Basis zu bringen. In China gibt es bis heute weder befestigte Interessen noch Kapitalisten, aus diesem Grunde ist eine soziale Umwälzung relativ weniger schwierig. Man fragt mich oft, ob eine solche Um- wälzung die Anwendung von Waffengewalt notwendig mache. In Amerika und England ja, aber nicht in China. Der Streik der britischen Kolengräber bestätigt meine Worte, und doch war dieser keine Revolution, sondern nur einfach der vom Volke ausgedrückte Wunsch nach Besitz der Reichtumsquellen des Landes und es scheint, daß nur durch Gewalt dieses Verlangen erfüllt werden wird. Es mag freilich sein, daß(auch für uns) der Vollzug einer sozialen Umwälzung schwierig werden kann, aber wir vermögen doch im- merhin die Stunde zu sehen, wo sie zur vollendeten Tatsache wird. und haben nicht nötig, von verzweifelten Mitteln zu sprechen oder von einer Gefahr für den Staat, die ihre Realisierung erfordern oder mit sich bringt. Wenn wir am Anfang des Bestehens der chinesischen Republik unterlassen würden, uns gegen die in sehr naher Zukunft winkende Etablicrung beS kapitalistischen Regimes zur Mehr zu setzen, so würde uns ein neuer Despotismus erwarten, ein Despotismus zehnmal schrecklicher als der der Mandschus. und Ströme Blutes würden notwendig werden, uns wieder davon zu befreien. Welch traurige Perspektive! Eine Frage erheischt insonderheit unsere ganze Aufmerksam- keit: Sobald unsere neue Regierung befestigt ist, wird eS notwendig werden, die Frage des immobilen Eigentums zu regeln. Das ist die notwendige Folge der Revolution. Das Interesse des Fort- schritts gebietet es. Bis heute entrichten die Grundbesitzer eine Steuer für den Flächeninhalt ihros Bodens, der in drei Klassen eingeteilt worden war: in guten, mittelmäßigen und gewöhnlichen. In Zukunft wird die Basis der Steuer der Wert des Grundbesitzes zu bilden haben, denn die Qualität des Bodens variiert weniger gleichmäßig als in drei Klassen vorgesehen. Es ist schwer zu sagen, in welchem Maße der Wert des immobilen Eigentums in Nanking mit dem am Bund(die prächtige europäische Geschäftsstraße) in Shanghai variiert und mit der Anwendung der bisherigen Methode wäre nicht zu einer gerechten Steuereinschätzung zu kommen. Der hochwertige Grund und Boden gehört reichen Leuten. Diese mit einer höheren Steuer belegen, würde keine Unterdrückung bedeuten. Der minderwertige Boden gehört armen Leuten, die in weit ab- gelegenen Distrikten wohnen; diese sollten so gering wie nur möglich besteuert werden. Heute wird für den Grundbesitz am Bund und für den des Bauern der gleiche Steuersatz erhoben. Und der Wert des Baugrundes in Shanghai ist im letzten Jahrhundert zehntausendmal gestiegen. China ist am Vorabend einer gewaltigen industriellen Ent- fbickelung; der Handel wird sich in ungeheurer Weise ausdehnen, und in fünfzig Jahren werden wir viele Städte wie Shanghai haben. Wir brauchen nur die Klugheit zu besitzen, unsere Zukunft richtig zu deuten. Wir haben gleich jetzt festzulegen, daß der wachsende Wert des immobilen Besitzes dem Volk zugute kommt, das ihn allein geschaffen hat und nicht den privaten Kapitalisten, die nur durch Zufall zu Grundbesitzern wurden. Soweit Sunyatscn. Qb diese klugen und staatsmännischen Gedanken sich gegenüber den Ausbeutungstendenzen des in- und ausländischen Kapitals und den manigfaltigen kontcrrevolutio- nären Mächten zum Trotz werden durchgeführt werden können, ist «ine Frage, die sich erst im Laufe der Zeit beantworten läßt ver Krieg. Riicktritt des Ministeriums. Konstantinopel, 17. Juli. Das Kabinett ist zurückgetreten. Die Demission ist verursacht worden durch die Schwierigkeiten, die sich im letzten Augenblick für die lieber- nähme des Kriegsministeriums durch Mahmud Muktar erhoben, dessen Bedingungen, namentlich soweit sie Albamen betrafen, als unannehmbar angesehen wurden. Auch die gestern abend gegebene Demission des Marineministers hat zum ssf'Wntt des Kabinetts beigetragen. Die Offiziersbewegung. Konstantinopck, 17. Juli. Nach Informationen aus jungtürkischen Kreisen scheint die Bewegung unter den Offizieren, zum inindesten vorläufig, fehlgeschlagen zu sein. 80 Proz. der Offiziere seien dem Komitee treu geblieben. Ueberallhin werden Emissäre entsandt, um die Offiziere zugunsten des Komitees zu be- einflussen. Der Kampf mit de« Rebelle«. Konstantinopcl, 17. Juli. Wie aus UeSküb gemeldet wird, sind die militärischen Operationen gegen die Rebellen von Lab erfolgreich. Die Lage in der Gegend von Prischtina hat sich gebessert. Der Mali von Kossowo ist nach Uesküb zurückgekehrt. Kriegstate«. Konstantinopel, 17. Juli. Italienische Kriegsschiffe haben einen Dampfer der Khedivial Mail Line angehalten, der Post für Hodeida und Djeddah an Bord hatte, haben eine fünf- stündige Untersuchung vorgenommen und fünf Postsäcke mit Beschlag belegt. Italienische Transportschiffe haben auf der Insel Kos 400 italienische Verwundete auS Z a n z u r ausgeschifft. politiscbe(leberllckr. Berlin, den 17. Juli 1912. Betrübte Lohgerber. Die„Voss. Ztg." und das„Berk. Tagebl." sind tief be- trübt. In Italien ist ihres Herzens heißester Wunsch in Er- süllung gegangen, die Arbeiterpartei hat sich gespalten und die ausgeschlossenen„Neformisten" haben eine neue„sozial- reformerische" Partei gegründet. Könnte es nicht auch in Deutschland so schön werden? Und die liberalen Blätter reden der Regierung zu. sie möchte sich an Herrn Giolitti ein Beispiel nehmen, Sozialdemokraten ein Ministerportefeuille an- bieten und dann könne es nicht fehlen: Revisionisten und Radikale würden auseinander gehen und die deutsche Sozial- deniokratie würde aufhören, für das Bürgertum eine Gefahr zu sein. Nun wir denken, die Herren verstehen wirklich die Zeichen der Zeit falsch. Die„Parteispaltung" in Italien beweist wahrlich nicht, daß die refornnstische Taktik in irgend einen» Proletariat der Welt Zustimmung findet, sondern gerade das Gegenteil. Und das überraschend schnelle Erstarken der rcvolntionärcn Richtung in der italienischen Partei und dies noch dazu in der Zeit nationalistischer Berauschung— ist eine sichere Gewähr dafür, daß die ..Parteispaltung" nicht eine Schwächung. sondern eine Stärkung der Einigkeit des Proletariats, die Vorbedingung künftiger kraftvoller Aktionen sein wird. Die Sozialreforiner werden sehr rasch dasselbe Schicksal erleiden wie ihre Gesinnungsgenossen, die„Unabhängigen Sozialisten" in Frankreich, die heute ein bedeutungsloses Anhängsel der bürgerlichen Parteien geworden sind, bemitleidet oder ver- achtet von der geeinten Partei, die stark geworden ist, seitdem sie dein Ministerialisinus mitsamt seinen Anhängern den Ab- schied gegeben hat. Es zeigt sich eben überall, daß der Reformismus— je konsequenter, desto gründlicher— die Arbeiterbewegung zu führen völlig unfähig ist, daß er nach Bissolatis eigenein Wort, den grünenden Ziveig der proletarischen Politik zu einem dürren Ast verdorren läßt, daß er die Partei korrumpiert. anarchistische und syndikalistische Wirrungen hervorruft, bis schließlich das Proletariat sich der unverrückbaren Grundlage seiner Politik, des klaren und scharfen Klassen- kampfes bewußt wird und Ordnung schafft. In Deutschland aber sind solche Kreise und Umwege— und das sollten sich die Liberalen endlich gesagt sein lassen— wirklich überflüssig. Davor hat die deutsche Arbeiterschaft die klare marxisliche Erkenntnis vom Wesen der Klassenkämpfe und der bürgerlichen Gesellschaft bisher bewahrt und wird sie in Zukunft bewahren. Die deutsche Sozialdemokratie ist ihren Weg gegangen trotz aller Unterdrückungsversuche und sie würde ihren Weg gerade so unbeirrt und konsequent fortsetzen. wenn die liberalen Ratschläge befolgt und die Regierung versuchen würde. Zugeständnisse heute zu inachen, die wir uns ja doch morgen erobern, und erst recht, wenn sie ver- suchen wollte, einzelne Personen d»lrch Lockungen zu korruinpieren. Nein, die Liberalen irren wirklich, wenn sie meinen, daß die deutsche Arbeiterklasse ihr Erst- gcburtsrecht, das ihnen die Geschichte verliehen hat. verkaufen könnte, und wenn sie lernen könnten, könnten sie jetzt in England beobachten, wie selbst eine ungleich groß- zügigere Politik, als sie deutsche Liberale zu hoffen»vagen, die englische Arbeiterklasse nicht abhält, sich immer mehr von der bürgerlichen Führung zu emanzipieren und sich auch politisch jene Unabhängigkeit zu schaffen, die sie auf gewerkschaftlichem und genossenschaftlichem Gebiete längst besitzt. So bleibt von dem liberalen Gerede nur das eine be- merkenswert: der heiße Wunsch dieser treuen Ratgeber, die Immer vorgeben, viel besser als die Sozialdemokratie selbst zu »vissen, was uns frommt, nach Spaltung und Zersetzung der deutschen Arbeiterpartei. Und diese Selbstei»thüllung der schönen Seelen wird man sich zu merken haben. Evangelische Hetzkapläne Ostprenstens. Mit dieser liebenSwilrdiqen Titulatur bedenkt die„National- liberale Korrespondenz" 27 oslpreußische evangelische Pfarrer, die im Wahlkampf ein Flugblait zugunsten der Konservativen unterzeichnet haben, das den Nationallideraten den Gottesglauben absprach. Die kainpfesmutige»„Diener des Herrn" hatten die Religion und ihren Heiland angerufen, zur Rettung der arg bedrohten konservativen Mandate. Unter anderem hieß eS in der Schrift:„Und wir lassen uns nickt beirren durch die üblichen Phrasen vom„Christentum, das die Versöhnung predigt", von„Liebe" und„Frieden",„Duldung" und„Toleranz". Dann folgte umniiielbar die Anrufung des Heilands, der gesagt habe:„Ich bin nicht gekommen. Frieden zu senden, sondern das Schtvert I" Und den Schluß bildete die erneute Veisicherung. daß neben den Sozialdcniokralen auch die Nationalliberalen,„zumal in der neuesten Zeit", sich als„entschiedene Gegner des christlichen Glaubens, christlicher Staatsordnung und christlicher Sitte" gezeigt haben." Dieses schöne Dokument christlichen Geistes hat die National- liberalen tief in ihren religiösen Gefühlen verletzt. Sie haben sich deshalb an den Oberkirchenrat gewandt, und dieser hat, wie einige bürgerliche Blätter zu melden wissen, eine Untersuchung der Sache angeordnet. Irgend etwas von Belang wird ja kaum aus der Untersuchung herauskommen; aber das ist auch nebensächlich. Viel wichtiger dünkt uns. daß die.Diener des Herrn" von der sogen,.positiven' O Richtung selbst offen daS einfältige Geschwätz von Liebe, Frieden, Versöhnung uslv., daS die konservativen Blätter von der Qualität der.Deutschen Tageszeitung" regelmäßig vor den christlichen Festen ihren Lesern auftischen, als„übliche Phrasen" bezeichnen. Daß übrigens so manche der frommen Seelenhirten die „gute, alte Zeit" des Junkertums zurücksehnen, ist begreiflich, denn nicht wenige der Herren Pastoren sind damals zu fetten Pfründen gelangt, daß sie sich dazn zu entschließen vermochten, die abgelegten Maitresien der als Kirchenpatrone fungierenden adeligen Rittergutsbesitzer heiraten und den Bauern Gehorsam gegen den gnädigen Herren zu predigen. Auf Verstand wurde noch weit weniger gesehen als heute. Für Einfältige im Geiste eine prächtige Zeit l_ Die Psychologie der Nasenlöcher. Herr F r i tz B l e y hat den Mut, seine Plastometerscherze noch ernsthaft verteidigen zu wollen I Sogar der alte ehrliche Kant muß herhalten, um die Burger-Bleyschen Plastometerkindercien zu be- schönigen. Habe doch Kant der Burgerschen Entdeckung vörahnend dadurch seinen Segen gegeben, daß er für jede besondere Naturlehre die mathematische Grundlage für notwendig erklärt habe. Herr Bley sollte doch nicht so unvorsichtig sein, sich auf einen Philosophen zu berufen, aus dessen Text man ihm seine gröblichen Mß- Verständnisse jederzeit nachweisen kann. Hätte er sich noch auf Pythagoras bezogen! Der hat doch wenigstens nichts Schrift- liches hinterlassen und kann sich also nicht dagegen wehren, wenn die Burger-Bley sich zur Rechtfertigung ihres PlastometerunfugS auf ihn als Kronzeugen für den Satz berufen, daß Zahl und Maß alle .Dinge der Natur beherrschen! Aber Herr Bley hat leider seinen Meister Burger ja selbst nicht einmal verslanden. Denn lvenn er die naiven Borstcllnngen G a lls und seiner Schüler weit von sich iveist und sich auf Burger our als de» Entdecker der Gcsichts-Plastometrie beruft, so unterschlägt er der Menslbheit die Tatsache, daß Herr Burger auch die Schädelform als Gradmesser für den Intellekt heranzieht, also durchaus nichts anderes ist, als ein Phrenologe des alten Schlags, höchstens daß er noch viel schematischer und dilettantischer verfährt. Aber Herr Fritz Bley. der Leibfeuilletonist des Herrn Oertel, vergißt auch, uns in die letzten und tiefsten Lehren seines Meisters Burger einzuweihen, nämlich in d i e Erkenntnis voraussetzungsloser Wissenschaft, daß auch die Form der Nasenlöcher von erheblicher Bedeutung für die geistige und sittliche Wertung einer Persönlichleit ist. Hoffentlich holt Herr Bley das noch nach, indem er uns vom politischen Standpunkt aus eine Psychologie der Nasenlöcher schreibt von Arendt und Arnim-Züsedom bis zu Oertel und Zedlitz! Mehr Adel im Richterstand! Mehr Adelige im Richter st an dl Darauf laufen die Wünsche hinaus, die der Reichsrat Freiherr v. Thüngen am Montag in der bayerischen Ersten Kammer bei der Beratung des Finaiizetats vorbrachte. Der Herr Baron findet, daß der Richter der Anforderung, über den Parteien zu stehen, nur genügen kömte, so lange er gesellschaftlich und an Lebens» erfahrmigen ein höheres Niveau einnehme als der. den er zu verurteilen habe. Sei das nicht der Fall, dann sei der Richter sehr übel daran. Daher stamme der„alte deutsche Wunsch", von seinesgleichen gerichtet zu werden. Freiherr v. Thüngen sehnt sich also nach den alten StandeSgerichten zurück. Er war so bescheiden, zuzugeben, daß daS heute eine Utopie fei. Besonders ist er auf die Schöffengerichte schlecht zu sprechen: „So weniq ich mich für geeignet erachten köiinte, in einer großen Handelsstadt über Haitdelsfachei» zu befinden, die im Ge- fchäflsvcrlehr gellenden Usancen zu kennen, ebenso ivenig glaube ich. daß ein noch so ehrenwerter Getvürzkrömer sich in den Gedankengang hineinfinden könnte. in die Recht? inschauunge», in denen ich aufgewachsen b i n." Die Folgerung, die der Herr Baron auS seiner Auffaffung zieht. ist die, man solle bei der Auswahl deS Richterpersonals neben der Examensnote auch das Milieu in Betracht ziehen, a u S dem der Betreffende hervorgegangen ist, und es sei deshalb erwünscht, daß„auch unser Richter st and mit einem Tropfen aristokratischen OelS gesalbt würde." Ter Rudolstädter Landtag wird von der Regierung auf den 4. September einberufen werden. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß auch diesmal wieder die Wahlgesetzreform zugunsten der Höchstbesteuerten dem Landlage präsentiert werden wird, doch nimmt man an, daß die Regierung,«um da» Zustandekommen anderer wichtiger Gefetzesvorlogen nicht zu ver- hindern, die Wahlrechisänderung als eine Borlage für sich einreichen wird. Mag das Gesetz nun in dieser oder jener Form vorgelegt werden, aus leinen Fall wird ihm die fozialdemokransche Landtags- Majorität die Zustiiitmung geben. Die„Entschädigung" sozialdemokratischer Vertrauens- lente als Steuerobjekt. Aus Bommern im Kreise Hagen-Schwelm wurde dieser Tage berichtet, daß der Vertrauensmann des dortigen Sozialdemokratischen Vereins von der Steuerveraiilagungskommission aufgefordert worden war, sein„Einkonimen" auS seiner Tätigkeit als sozialdemokratischer Agitator und Vertrauensmann anzugeben. Der Fall steht nicht ver» einzelt da, so daß angenommen werden muß, die VeranlagungS- konimissionen arbeite» nach einem einheitlichen Plan.— In W u l f e r st e d t(Kreis Halberstadt-Wernigerodej hatte der sozial- demokratische Vertrauensmann gegen zu hohe Steuereinschätzung Einspruch erhoben. Bei der mündlichen Verhandlung vor dem Amtsselrelär wies dieser auf das Einkommen unseres Genosten aus seiner Tätigkeit für die Partei hin. Und zwar schätzte der Beamte dieses Einkonimen auf nicht weniger als 300 Mark jährlich! Man denke: in einem Orte, der knapp 1600 Einwohner zählt I Der Schutz des Unternehmerinteresses geht voran. Ein Gcwcrbeinspeltor, der für anständige Löhne eintritt, muß natürlich in Preußen vom Handelsminister rektifiziert werden. Eine Schokoladenfabrik in Liegnitz war vor Weihnachten wieder ei»mal um die Erlaubnis zur Verlängerung der Arbeitszeit ihrer Arbeiterinnen eingkeommen, und der Gewerbeinspektor erklärte sich auch zu der Befürwortung des Gesuches bereit, wenn— die Firma ihren Frauen und Mädchen 20 Proz. Lohnzuschlag für die Ueber- stundet» gewährte. Das paßte dem„geschädigten" Unternehmer nicht und spornstreichs lief er zur VreSlauer Handelskainmer, die dem seltcnci, Beamten eine Lektion über seine Pflichten erteilen sollte. Der Gcwerbeiiispektor, der die Bedingung offenbar nur gestellt hatte, um der Finna ein wenig mehr Regelmäßigkeit und Arbeits- cintelung anzugewöhnen, blieb jedoch auf seinem Standpunkt be- stchen. Da lief denn die Handelskammer zum Minister für Handel und Gewerbe. Dieser hat denn auch das Unteritehmerinteresie richtig erkannt und dem Gewerbeinspektor in Liegnitz bedeutet, daß er seine Befugnisse überschritten habe. Leere Gerüchte? Nach Meldungen, die über Paris und London kommen, will ein deutscher Kaufmann in Teiuan erfahren haben, daß fünf seiner An- gestellten, ebenfalls Deutsche, durch den Stamm Gomaras, in deren Gebiet er eine Faktorei hatte, ermordet worden seien. Der deutsche Konsul habe schon Beschwerde erhoben. Nach einem anderen Bericht soll einer der Brüder ManneS- mann(!) mit einer Gesellschaft vom Stamme der GomaraS an» gehalten und nach Zahlung eines Lösegeldes wegen unerlaubten Be- tretenS ihres Gebietes wieder freigelassen worden sein. In Tetuan erhielt dann diese Reisegesellschaft die Nachricht, daß fünf de� tn den Minen beschäftigten Deutschen von den Kabylen«rwordet worden seien. Sofort nach Empfang dieser Mitteili'-.,g begab sich Mannesmann nach Tanger, um den dortigen duschen Gesandten davon in Kenntnis zu setzen. t ,�ie klingt unwahrscheinlich. Schon einmal wurde eine ähnltche Geschichte, m der die Mannesmann eine Rolle spielten ,n die Welt gedrahtet. Nach den Berliner Abendblättern vom Mittwoch hatte das Auswärtige Amt von dem deutschen Gesandten in Tanger noch keine Meldung über den Vorfoss erhalten. AuS Remscheid wurde gemeldet daß dort bei d-em Marokko-Minensyndikat am Mittwoch ebenfalls noch kerne Bestätigung der Meldung ein- gegangen war. 8chweiz. Die neuen Bundesräte. Bern, 17. Juli. Die Bundesversammlung hat für den verstorbenen Bundesrat Marc Ruchet den Regierungsrat Ca- 111 i«? 6 JL0?u§ Susanne und für den verstorbenen Bundes- rat Dr. Deucher den Rechtsanwalt Edmund SchultHeft aus B�ugg, Jarßau, geiüä�lt. Beide Gewählte sind frei- sinnig, Schultheß gehört seit 1905 dem eidgenössischen Stände- . rat an. franhmcb. Hervss Begnadigung. Paris. 17. Juli. Die Begnadigung Herves wird von den Blättern im allgemeinen zustimmend erörtert. In der„Hu- manite" spricht Ja u res seine Freude darüber aus. daß Hecve der Demokratie und dem Sozialismus zurückgegeben sei. Er richtet an ihn die Bitte, seine Freiheit zu benutzen, um an der Einigung aller sozialistischen, syndikalistischen und revolutio» nären Kräfte mitzuarbeiten.— Herve richtet in seinem Blatte„Guerre Sociale" ein offenes Schreiben an den Ministerpräsidenten Poincare und den Justiz- minister Briand, das aus dem Gefängnis datiert ist und in dem es heißt: „Bevor ich die Zelle verlasse, in der ich durch Ihre U n v e r» schämtheit und Dummheit und durch die Ihrer Vorgänger und des republikanischen Parlaments wegen eines Zeitungsartikels 26 Mo n a t e saß, und das im zwanzigsten Jahrhundert, suche ich die Worte, um Ihnen für Ihre Gnade zu danken. Ich finde nur ein Wort— das Wort Cambronnes. Ich richte dieses Wort an Sie als Zeichen meiner Dankbarkeit. Herve." Das Wort, das auch Götz von Berlichingen hätte gebrauchen können, rief der General Cambronne angeblich den stürmenden Feinden bei Waterloo entgegen. Rußland. Das Ende der sibirische» Arbeitertragödie. Das Mißtrauen, mit dem die Arbeiterpresse die Ernennung des Reichsratsmitgliedes Manuchin zum Revisor der Arbeiter- Metzelei in den Lenagoldbergwerken begleitete, hat sich vollauf ge- rechtfertigt. Die Revision im Lenarevier ist ausgegangen wie das Hornberger Schießen, das heißt, die furchtbaren Mißstände sind zwar festgestellt worden, aber in Wirklichkeit ist alles beim alten geblieben, und die Bedrücker und Mörder der Arbeiter gehen straf- los aus, wie sich das im heiligen Rußland so gehört. Unmittelbar bevor Senator Manuchin aus Petersburg abreiste, gab sich zwar die Direktion der Lenagesellschaft den Anschein, als wäre sie bereit. die Forderungen der Arbeiter anzunehmen. Gleichzeitig machten die örtlichen Behörden den Versuch, sich von den wichtigsten Zeugen der Arbeitermetzelei zu befreien, um den wahren Sachbestand zu verschleiern. Senator Manuchin selbst, der mit weitgehenden Voll- machten ausgerüstet wurde, setzte von Anfang an sein Hauptbe» mühen darin, die streikenden Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, als bestände der Hauptzweck seiner Reise nur darin, den Streik beizulegen und die Direktion aus der Patsche zu retten, in die sie sich durch eigene Profitsucht und ihren Blutdurst gestürzt hatte. Gleichzeitig versuchte er durch verschiedene demago- gische Mittelchen die öffentliche Meinung irre zu führen. Auf seine Veranlassung wurde ein treuuntertäniges Telegramm an den Zaren abgesandt, dem sämtliche Arbeiter angeblich ihre begeisterte Zu- stimmung gaben. Im übrigen blieb aber alles beim alten. Wie früher, stand an der Spitze der Verwalwng der Direktor B e l o- s e r o w, der die Arbeiter durch seine Roheit zum Streik getrieben hatte Wie früher, blieben sämtliche Regierungsbeamten, die Rich- ter, der Staatsanwalt, die Polizisten, sämtliche gehorsame Agenten der allmächtigen Goldgesellschaft, auf ihren Posten. Und wie früher ruhte die oberste Gewalt in den Händen des Gendarmerie- rittmeisters Treschtschenkow, des Urhebers de» Blutbades, der, wie es sich aus der Revision der Geschäftsbücher herausgestellt hat, ein festes Gehalt von IS Rubel täglich, oder ö400 Rubel im Hahr von der Lenagesellschaft bezog. Die Meldungen, die Senator Manuchin nach Petersburg er- stattete, stimmten vollkommen mit den sensationellen Mitteilungen überein, die der konservative Schriftsteller Fürst Meschtscherski kürzlich in seiner Wochenschrift veröffentlichte. Nach diesen Mit- teilungen unterlag es keinem Zweifel mehr, daß das Blutbad in den Lenagoldbergwerken von den Agenten der Gesellschaft und vor allem von dem Rittmeister Treschtschenkow bewußt provoziert, und daß kalten Blutes ganze Salven in die friedliche, unbewaffnete Arbeitermenge abgegeben wurden. Senator Manuchin stellte weiter fest, daß der Streik im Lenarevier ruhig verlief und zu keinen Be- fürchtungen berechtigte, daß die Verhaftung des Streikkomitees durch nichts hervorgerufen war, daß die entsetzliche Lage der Ar- heiter« ihre Forderungen an die Gesellschaft als vollkommen be- rechtigt erscheinen ließ. Ungeachtet aller dieser Feststellungen, deren Bedeutung hier besonders unterstrichen werden soll, ist dennoch alles beim alten geblieben. Die fortwährenden Versuche der Lena- gesellschaft und der hinter ihr stehenden mächtigen Bureaukraten, ihren Willen durchzusetzen, sind jetzt mit Erfolg gekrönt worden. Die langwierigen Verhandlungen, die in Gegenwart des Senators zwischen den Arbeitern und der Direktion geführt wurden, haben sich nun infolge der Machenschaften der letzteren zerschlagen. Die Arbeiter, die vier Monate im harten Kampfe standen, waren nicht geneigt, sich weiterhin narren zu lassen. Sie zogen auö der ganzen Sachlage die einzig richtige Konsequenz, indem sie, nachdem alle Mittel eines friedlichen Ausgleiches erschöpft waren, die Arbeit niederlegten und ihre Evaluation aus dem Lenarevier forderten. In einer Erklärung, die dem Senator Manuchin am 11. d. M. von den Arbeitern des Theodosiabergwerkes überreicht wurde, heißt es:„Auf der Versammlung der Arbeiter des Theodosiabergwerkes vom 16. Juli haben die Arbeiter nach eingehender Erörterung des Vertrages und der Lohnsätze festgestellt, daß der neue Vertrag besser ist als der alte, daß aber die wesentlichen Aenderungen nicht erfolgt sind, die uns Arbeitern so wichtig erscheinen: die Ordnungen sind dieselben geblieben, die Grubenverwaltung ist die- selbe, das harte Beloserowsche Regiment hat sich sogar in An- Wesenheit der Obrigkeit nicht geändert, die Schuld der Lenage- sellschaft ist nicht festgestellt, und ihr wurde nicht die Pflicht auferlegt, für alle unsere Qualen und alle Verletzungen des frühe- «n Vertrages eine Strafe zu zahlen. Die Senatorenrevision hat her Wahrheit bisher nicht zum Rechte verholfeNz sie hat die Schul» bigen an dsiü Gemetzel vom 17. April nicht zür Verantwortung gezogen, ppsere delegierten bögegen sthen noch heute unschuldig 'm Gefängnis. Unter diesen Umständen betrachten die Arbeiter es nicht als möglich, den Vertrag zu unterzeichnen und bei der Lenagesellschast in Arbeit zu bleiben. Nach Schluß der Debatte haben sich von den anwesenden 2065 Personen 1098 gegen 7 in geheimer Abstimmung gegen die neuen Bedingungen ausgesprochen und den Beschluß gefaßt, die Arbeit nicht mehr aufzunehmen, son- dern die Ausfuhr in bewohnte Gegenden zu fordern, wo sie neue Arbeit finden können." Ein ähnlicher Beschluß ist auf sämtlichen Goldbergwerken des Lenareviers angenommen worden. Drei Wochen haben die Ar- beiter auf die Ergebnisse der Revision gewartet. Nun, wo sich die Ergebnislosigkeit dieser bureaukratischen Maßnahme erwiesen hat, schleudern sie dem Vertreter der zarischen„Gerechtigkeit" ihr Miß- trauen und ihre Verachtung ins Gesicht und verlassen den Kampf- platz, auf dem sie zwar viele der ihrigen verloren, wo sie aber eines gewonnen haben: die Erkenntnis ihrer Klassenzusammen- geHörigkeit und die Sympathien der Arbeiterilasse der ganzen Welt, die ihren Mitkämpfern in der fernen sibirischen Taiga die wärmsten Sympathien zollt. > Amerika. Schandtaten gegen Sozialisten. � New Aork, 5. Juli.(Gig. Ber.) Die Kapitalisten in San Diego wollen, während in San Francisco die Welt- ausstellung stattfindet, eine besondere Ausstellung abhalten und dazu brauchen sie billige Arbeitskräfte, billigere Arbeiter als sie heute zu haben sind. Das Anlocken der Arbeiter wird mit Hilfe der kapitalistischen Presse planmäßig betrieben und es strömen die Arbeiter in Massen nach California, für die nun aber keine Beschäftigung vorhanden ist. Die Arbeiter- organisationen warnten vor Zuzug, worauf die Kapitalisten wütend wurden und eine Verfolgung der organisierten Arbeiter einleiteten. Der Stadtrat verbot die Straßenversammlungen und als die Jndustrial Workers of the World' trotzdem solche abhielten, wurden sie von der Polizei mit großer Brutalität auseinander getrieben. Der Gewerkschaftsbund und die Socialist Party traten in den Kampf ein und protestierten gegen das gesetz- lose Vorgehen der Kapitalisten. Nun verlor die herrschende Bande alle Ueberlegung und ging in sinnloser Wut gegen die Arbeiter vor. Die Bürger bildeten Uebcrwachungskomitees, drangen in die Gefängnisse ein, entführten die gefangenen Arbeitergewcrkschaftler, Sozialisten und Anarchisten, miß- handelten sie und brachten sie nach öden Steppen, 30 und 40 Meilen weit von der Stadt entfernt, wo sie auf barbarische Weise gefoltert und gepeinigt wurden. Meist wurden die Armen noch mit dem Tode bedroht, falls sie sich noch einmal tn San Diego sehen lassen würden. Mehrere ältere Leute wurden so brutal geschlagen, daß sie kurz darauf starben. Eine Buchdruckerei wurde zer- stört und das dort erscheinende Gewerkschaftsblatt am weiteren Erscheinen verhindert. Emma Goldmann und ihr Manager— hier haben sogar Anarchisten ihre„Manager"— Ben Reitmann, welche eine Vortragtour durch California unternahmen und in San Diego ebenfalls eine Vorlesung abhalten wollten, wurden besonders niederträchtig behandelt; die Frau konnte sich nur durch eine schnelle heimliche Flucht vor Mißhandlungen retten, während ihr Begleiter Reitmann auf einem Automobil nach der Steppe gebracht, nackend ausgezogen, gepeitscht und dann geteert und gefedert wurde. Diese barbarischen Roheiten und gesetzlosen Schandtaten wurden schließlich sogar dem Gouverneur von California zu arg, er ließ eine Untersuchung anstellen und führte einen vor läufigen Waffenstillstand zwischen den organisierten Arbeitern und den Behörden wie dem Bürgerkomitee herbei. Der in- zwischen erschienene Bericht des untersuchenden Kommissars spricht sich scharf gegen das„Ueberwachungskomitee" aus, von dem direkt behauptet wird, daß„Anarchie geübt wurde, wo die Arbeiter höchstens Anarchie predigten". Der Kampf hat zwar augenblicklich nachgelassen, beendet ist er sicherlich nicht; er wird bei der ersten Gelegenheit mit frischer Heftigkeit losbrechen. Aber auch anderswo tragen sich derlei Ungeheuerlichkeiten gegsp die organisierten Arbeiter, die noch Energie genug be sitzen, für bessere Lebenshaltung zu kämpfen, zu. In den Industriestädten New Jerseys, ganz im Osten der Vereinigten Staaten in Paterson, Passaic, Hoboken und anderen Städten, führten die Seiden- Woll- und Baumwollweber einen er- bitterten Kampf um menschenwürdigere Löhne und wurden in der niederträchtigsten Weise von den Behörden, die ganz und gar im Solde der reichen und mächtigen Fabrikanten stehen, behandelt. Streikposten wurden alltäglich verknüppelt und ein- gesperrt, Versammlungen verboten, Strcikabzeichen den Männern und Frauew vom Leibe gerissen, auswärtige Streikführer ausgewiesen usw. In Paterson wurde so- gar einer der Streikführer, der weiter nichts getan hatte, als Streikposten zu stehen, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt nnd die Strafe in der Revisionsinstanz aufrecht erhalten. Die Aufzählung der sich fast täglich hier ereignenden Schandtaten gegen organisierte und unorganisierte Arbeiter ist damit jedoch längst nicht beendet; es gibt einfach kein Ende dafür. Uebcrall und täglich ereigne» sich diese groben Aus- schreitungen, die immer neue Massen zur Erkenntnis ihrer Lage, zum Verstehen des Klassencharakters der Gesellschaft bringen. Und darum dürfen wir allerdings dem Tage der Abrechnung, dem Wahltage mit der Gewißheit entgegen gehen, daß die Kapitalisten bis dahin so gute Agitationsarbeit für uns geleistet haben werden, daß der Erfolg nicht aus- bleiben kann._ Neutralisierung des Panamakanals. Washington. 17. Juli. Im Repräsentantenhause wurde von Moore ein Gesetzentwurf eingebracht, durch den der Staatssekretär ermächtigt wird, mit Großbritannien und den an- deren Mächten Verhandlungen einzuleiten über die N e u t r a l i- fierung des Panamakanals und die Teilung der Bau- und Erhaltungskosten des Kanals zwischen den Mächten. Der Gesehentwurf erklärt, die Neutralisierung würde die Erhal- tungskosten des Kanals bedeutend vermindern und dem Handel wie dem Weltfrieden zugutekommen. Der neue Präsident von Paraguay. Asuncion. 17. Juli.(W. T. B.) Eduards S ch a e r e r wurde zum Präsidenten, Pedro B p b a d i l l e zum Vizepräsidenten der Republik Paraguay gewählt. Hus der Partei. Sparverci» zum Ausbau der Partcipresse. In Mülhausen i. Elsaß lvurde ein.Sparverein Soli» darität" gegründet, der den Ausbau der Parteipreffe zum Zweck hat. Jedem Arbeiter ist es ermöglicht, bei SO Pf. B-, tragen Mitglied de, genossenschaftlichen Unionsdruckerei zu«erden. Die Zuspitzung der Klassengegensätze bringt eine Verschärfung der Kampfe und bedingt den Ausbau der Parteipresse. Die Neugrundung zeigt, mit welcher Energie die Parteigenossen Mülhausens und Umgegend da- Ziel, ihr Kampforgan zu stärken, verfolgen. Der Erfolg wird nicht ausbleiben.__ Jugendbewegung. Deppchrn Goetz bedauert, die Wahrheit gesagt z« habeck. Dr. Ferdinand G o e tz. der Vorsitzende der Deutschen Turnev- schaft, hatte in der letzten Ausschutzsitzung der Deutschen Turnerschaft in Mel gar mutige Worte gegen den Jungdeutschlandbuno geschleudert, die wir in Nr. 149 vom 29. Juni des„Vorwärts zum Abdruck brachten. Die herbe aber zutreffende Kritik mußte um so eher Aufsehen erregen, als Dr. Goetz Mitglied der Bundes- leitung von Jungdeutschland ist. Diese Tatsache laßt eS auch begreiflich erscheinen, daß Dr. Goetz jetzt den Versuch unternimmt» seine Kritik abzuschwächen. Er sendet an die bürgerliche Presse folgende„Richtigstellung": � v „Zu den Berichten habe ich ergänzend und berichtigend zw bemerken, daß ich nicht behauptet habe, der Jungdeutsch- landbund gehe nicht die anfangs erhofften Wege,— ich habe nur die- zu h ä u f i g e B e r u fu n g früherer Offiziere als Leiter der Bezirke und Kreise als unpraktisch bezeichnet und allerdings ausgesprochen, daß in die mit Gehalt bedachten Stellungen des geschäftsführenden AuS» schusses auch drei Offiziere a. D. berufen seien, die aber, wie ich mich überzeugt habe, mit Treue und regem Eifer für die Sache arbeiten. Der Grundsatz des Jungdeutschlandbundes. keine Ortsgruppen neu zu gründen, wo Turnvereine oder Ver- eine mit ähnlichen Zielen bereits bestehen, ist vom Bund stets aufrechterhalten worden. Die deutsche Turnerschaft wird. nachdem sie ihre Ueberzeugung offen auSge» sprachen, Hand in Hand mit dem Jungdeutsch- land bundarbeiten." � Die von unS wiedergcgebenen Aeußerungen Dr. Goetz sind dem in Nr. 23 vom 6. Juni der„Deutschen Turnzeitung" abge- druckten offiziellen Bericht über die Sitzung entnommen. Falls Dr. Goetz das Bedürfnis fühlt, zu„berichtigen", mag er sich dorthin wenden. Uns will aber scheinen, daß Dr. Goetz nnt seiner„Richtigstellung" die von ihm geübte Kritik am Jungdeutsch. landbunde nur bekrGftigt. Denn sie bestätigt auKdrucklich, daß Dr. Goetz„die zu häufige Berufung früherer Offiziere als Leiter der Bezirke und Kreise" und die Anstellung dreier Offiziers bedauert habe. Daß die teutfchen Mannen den kräftigen Worten nicht die Tat folgen ließen, vielmehr, getreu ihrer Tradition, den von ihnen verdammten Jungdeutschlandbund baten,„Neugründungen nur da vornehmen zu lassen, wo andere Vereine für Jugendpflege nicht bestehen und ferner dafür zu sorgen, daß auch die Bezirksver- bände mehr Fühlung mit der Deutschen Turnerschaft nehmen» haben wir seinerzeit berichtet. Es fragt sich nur, ob die kernigen Naturen des Jungdeutschlandbundes durch die Bitten der teutfchen Turner sich von ihrem Wege abbringen lassen werden. Soziales. Statt erhöhter Rente 2 Jahre 2 Monate Gefingntß. Bor dem Kriegsgericht der 16. Division in Trier stand diese, Tage ein Landwehrmann, gegen den der Vertreter der Anklage obige Strafe beantragte. Der Mann hatte im vorigen Herbst beim 29. Jnfanterie-Regiment eine Hebung gemacht, am letzten Tage zog er sich eine schwere Verstauchung drs rechten Fußes zu. Er kam ins Lazarett und sollte am 31. Januar d. I. mit einer Monatsrente von 22, Sll M. entlassen werden. Da er noch nicht völlig geheilt war(was- selbst heute noch nicht der Fall ist, trotzdem er noch mehrere Monate in einem Kölner Krankenheim behandelt worden war), weigerte er sich, das Lazarett zu verlassen. Er hatte zu Hause Frau und drei kleine Kinder und die Rente reichte kaum für die Miete. In dieser verzweifelten Lage setzte er daher seiner Entlassung heftigen Widerstand entgegen, so daß er schließlich, nachdem man ihm u.«. auch die Zwangsjacke angelegt hatte, mit polizeilicher Hilfe aus dem Lazarett befördert wurde. Bei dieser Gelegenheit soll er nun gleich ein halbes Dutzend Straftaten begangen haben, für welche der Ver- treter der Anklage die Kleinigkeit von 2 Jahren und 3 Monaten beantragte, trotzdem er selbst zugeben mutzte, daß der Angeklagte das größte Mitleid verdiene. Das Gericht sprach jedoch verständiger» weise den Mann frei. Es hielt zwar die Straftaten für erwiesen, nahm jedoch an, daß dem Angeklagten das Bewußtsein dafür gefehlt habe, daß er noch unter militärischen Gesetzen gestanden habe und die Beweisaufnahme die Zweifel hierin nicht völlig ausgeräumt habe. Unterschlagung von Krankenkassenbeiträgen. Am Dienstag stand der Schachtmeister Johann StanNcck aus Hameln vor der Strafkammer in Hannover wegen Vergehens gegen das Kranken- und JnvaliditätsversicherungSgesetz. Der An- geklagte, der in Hessisch-Oldendorf einen Bau leitete, hat straf- fälligerweise insgesamt 40 M. Krankenkassen- und Jnvaliditäts- Versicherungsgeld, das er vorher bei der Lohnzahlung den Ar- beitern in Ak�ug gebracht hatte, nicht an die Kassen abgeliefert. Der Angeklagte erklärte aber, eine Absicht der Schädigung der Kassen habe ihm fern gelegen, er habe bei der Lohnzahlung nur genau so viel Geld gehabt, als die Arbeiter an Lohn zu fordern hatten. Um diese unter allen Umständen zu befriedigen, habe er die Kassengelder nicht bezahlt. Das Gericht betonte nun in Uebereinstimmung mit einer neuen Entscheidung des Reichsgerichts, der Angeklagte habe die Verpflichtung gehabt, zunächst die Vorschrift des Gesetzes zu erfüllen, danach hätte er den Arbeitern nuv soviel von dem bor- handenen Lohn bezahlen müssen, daß er für die Kassen noch das Geld übrig behielt. Es verurteilte den Angeklagten im Sinne der Anklage zu S0 M. Geldstrafe evtl. S Tagen Gefängnis, fltos der frauenbewegimg. Agrarische Ferienkolonien. Wie sich Agrarier die Erholung armer Frauen und Kinder vorstellen, entnehme man folgendem Inserat im„Hannoverschen Anzeiger": Erholungsaufenthalt auf dem Laude zirka 14 Tage, finden sofort IS bis 20 erholungS» bedürftige Frauen, junge Mädchen oder Kinder (Mädchen nicht unter 12 Jahren) aus rechtlichen Familien auf meinem Gute bei freier Station. Dieselben müssen da- für 8 bis 10 Stunden täglich Erbsen pflücken. Fleißigen Pflückerinnen wird außerdem noch Barverdienst gc» währt. Bewerberinnen wollen sich Mittwoch, abends IM Uhr, Bahnhof, Wartesaal 3. Klasse melden. Gut Holtau bei Celle. Eine 8 bis 10stiindige Arbeitszeit kann sicher nur die Kräfti» gung erholungsbedürftiger Kinder und Frauen fördern. Das geht schon daraus hervor, daß der menschenfreundliche Gutsbesitzer Sie Mädchen unter 12 Jahren nicht zumutet, dafür aber gern orperlich stärkere Knaben geiundheitlich entwickeln will. Dürfen wir uns vielleicht noch erkundigen, in welchen Räumen die Ar» beiter— pardon die Sommerfrischler— schlafen dürfen und CUÜ5 wieviel Gängen die Mahlzeiten bestehen werden.! GewerhrchaftUcbea. ßelagerungazurtand in Zürich. Man schreibt uns aus Zürich: Die zwei telegraphisch gemeldeten Verhaftungen bilden den Anfang der von Stckdtbehörden und Regierung eingeleiteten Re- Pressalien. S ch a f r o t h ist Sekretär des schweize- rischen Staats- und Gemeindearbeiterverbandes und leitete speziell die Bewegung der Straßenbahnangestellten. Er soll nun als an- geblicher Anstifter des Strahenbahnerausstandes vor�das Gericht geschleppt werden. Seine Verhaftung ist um so lächerlicher, als Schafroth Mitglied des Stadtrates ist und keinerlei Fluchtgesahr vorliegt. Platten ist seit mehreren Jahren Sekretär der Landesorganisation der deutschen und österreichischen Sozialdemo- kraten in der Schweiz. Ihm wird zur Last gelegt, daß er die Gaswerksarbeiter zum Anschluß an den Generalstreik veranlaßte. Bei diesen Verhaftungen dürfte es indes kaum bleiben. Die Be« Hörden sind vollständig in den Händen der Scharfmacher. Deren Wut wegen des glänzenden Gelingens des Generalstreiks kennt keine Grenzen. In der kapitalistischen Presse, die über eine „schwere Beleidigung der bürgerlichen Bevölkerung Zürichs" jammert, werden den Polizeiorganen direkte Anweisungen erteilt. Und die Korruption ist so groß, daß sich die Behörden nicht scheuen, die so erhaltenen Aufträge ohne weiteres auszuführen. So wuroe die Verhaftung Schafroths in der bürgerlichen Presse gefordert und wenige Stunden später prompt vorgenommen. Ebenso steht es mit der polizeilichen Besetzung des Volkshauses. Morgens ver- langt war sie abends vollzogen. Die Polizeiorgane versiegelten alle Räumlichkeiten ber Streikleitung und des Arbeitersekretarials, nachdem zuvor alles durcheinander geworfen und mitgenommen wurde, was den Bütteln paßte. Im Moment, da wir diese Zeilen schreiben, geht das Gerücht, daß auch die übrigen Mitglieder der Streikleitung verhaftet und wegen Aufreizung gegen die Staats- gewalr vor den Richter gestellt würden. Die Situation hat sich durch alle diese Kopflosigkeiten wesent- lich verschärft. Für Dienstag ist die Aushebung der Aussperrung angekündigt, aber es heißt, die Unternehmer gedächten zahlreiche Maßregelungen vorzunehmen. Bis jetzt hat sich die Arbciterschast zwar ruhig verhalten, Zusammenstöße kamen keine vor. Es genügt aber ein Funken, um das Pulverfaß zu entzünden und der Erbitterung der Arbeiterschaft über das sinnlose Wüten der Re- aktio» Luft zu machen. Heute wurden die Abgeordneten des Wahlkreises, die Genossen Greulich, Grimm, Pflllger und Sigg, die den Parlamentsverhandlungcn in Bern»beiwohnten, telegraphisch nach Zürich berufen. Der Vorstand der Arbeitcrunion hat heute morgen eine neue Proklamation an die Arbeiterschaft erlassen, diese zur Einhaltung strengster Disziplin, Vermeidung aller Unbedachtsamkeiten und Unterlassung jeglichen Alkoholgenusses auffordernd. Eben läuft die Meldung ein, daß auch der Sekretär des schweizerischen Maler- und Gipscrverbandes, Genosse B. Staude, verhärtet wurde, trotzdem er an der Streikleitung gar nicht beteiligt war. Berlin und dmgegcnd. Tic Gelben und die finita A. Locwe. Anfang dieses Jahres brach bei der Firma A. Loewe ein Streik aus, weil die Arbeiter ihr Koalitionsrccht bedroht sahen. Die Betriebsleitung wollte durchaus den gelben Wcrkvcrein in die Höhe bringen, und die Mitglieder der freien Gewerkschaften wurden drangsaliert, wenn sie sich weigerten, den Gelben beizutreten. Die Arbeiter antworteten mit einem Streik, der erst beendet wurde, nachdem die Firma in einer Versammlung sich verpflichtet hatte, daß bei der Einstellung von Arbeitern die Zugehörigkeit zu einer Organisation weder geprüft, noch zu einer Bedingung gemacht werden sollte. Ebensowenig sollte die Agitation zum Beitritt in ' eine Organisation innerhalb des Betriebes gestattet sein. Die Arbeiter waren damit eine Zeitlang von dem Druck befreit. Mit- ' glied des gelben Vereins zu werden oder in schweren Nachteil zu geraten. Seit einigen Wochen aber wird die getroffene Verein- barung /nicht mehr so eingehalten, wie es verlangt und erwartet werden kann. Es ist sogar wieder vorgekommen, daß von einem Arbeiter bei seiner Einstellung die Zugehörigkeit zu den Gelben verlangt wurde, in direktem Gegensatz zu der übernommenen Verpflichtung. Die Arbeiter sind aber nicht gesonnen, die gelbe Plage von neuem aufkommen zu lassen. In einer Betriebsver- sammlung, die am Dienstagabend in der Kronenbrauerei, Moabit, stattfand, kam diese Angelegenheit zur Besprechung. Otto Handle vom Deutschen Metallarbeiterverband referierte. Unter dem Beifall der Versammelten protestierte er gegen jede Verletzung der Vereinbarung, der der Direktor Wallschmidt selbst zugestimmt hat. Handle gab seiner Genugtuung darüber Aus- druck, daß die Arbeiter so wachsam sind und die heimlich erwachende Liebe für die Gelben sofort übel vermerkt haben. Er hatte den Beweis dafür in Händen, daß man bei der Einstellung von Ar- beitern wieder auf die Eigenschaft als Gelbe achtet. Was die Agi- tation im Betriebe anbetrifft, so führte er unter anderem an, daß in der Abteilung Lukas das Organ der Gelben,„Der Bund", während der Arbeit verbreitet wird. Als ein Meister darauf auf- merksam gemacht wurde, erklärte dieser, dagegen nichts tun zu können. Die Betriebsleitung ist gezwungen, vorsichtig auf- zutreten, denn die wirklich tüchtigen Arbeiter im Betriebe sind freiorganisiert, und unter den Gelben ist die Zahl der unfähigen Arbeiter sehr groß. Von den tüchtigen Arbeitern wurden vor einiger Zeit Ueberstunden verlangt, die aber rundweg verweigert wurden, und die Meister mußten sich mit der Weigerung abfinden. Die Arbeiter sind erbittert, sobald sie merken, daß man ihnen wieder den gelben Wcrkverein aufzwingen möchte. In der Versammlung waren Vertreter der Gelben anwesend; aber niemand von diesen fand den Mut, in der Diskussion aus Handkes Angriff zu antworten. Die Versammelten verlangten von der Betriebsleitung die strikte Einhaltung detz getroffenen Vereinbarung und begrüßten mit Beifall den an sie gerichteten Appell, die freie Organisation der Arbeiter unter allen Um- ständen hochzuhalten. Der Streik der Fuhrleute hat weitere Fortschritte zu verzeichnen. Die Zahl der Streikenden ist aus 3S0 zusammengeschmolzen. Am Mittwoch haben die folgen- den Firmen noch unterzeichnet: Pachale, Neukölln, S. Schöneberg. Berlin, Arndt. Lichtenberg. Bade, Neu- kölln, Fiedler, Pankau, Treptow, R. H o f f m a n n, Neu- kölln, P i e r s i g. Pankow, Riedel. Berlin, P r i m k e. Lichten- berg, Deterra, Klatt, M. Steffen. Charlottenburg. Pau- nach, Baer, Berlin, M e t t e, Neukölln, K nobel, Reinickcn- dorf-Ost, Meynkowiak, Charlottenburg. S t e i n i ck e. Ret- nickcndorf-Ost, R o s e m a n»„Meukölln, Anna Libau, Müller- straßc 133a. Emil Schönfeld, Boxhagener Straße 30. G e o r a W o z i g n o y, Waldstr. 53. Einige Unternehmer stellen unkundige Leute als Fahrer an. bei anderen helfen die Söhne und Verwandten mit aus, auch die Hintzegarde ist in Aktion getreten, wie von den Firmen Schmie- decke und zuerst auch von T e u e r k a u f gemeldet wurde. Bei dem letzteren soll die Hintzegarde aber bereits wieder abgezogen sein, da sie der Arbeit nicht gewachsen war. Herr Altendorf, der in der Verhandlungskommission saß und mit dem Tarifvertrag im ganzen einverstanden war, leistet jetzt eifrig Dienste zur Heran- schaffung von Arbeitswilligen. In der Müllerstraßc, bei den Müllbergen, kam es Mittwoch- nachmittag zu einem Zusammenstoß mit den Arbeitswilligen. Manche Firmen versuchen, ihre Arbeiten von Firmen, die den Tarif bewilligt haben, herstellen zu lassen. Solche Arbeit wird aber als Streikarbeit angesehen und zurückgewiesen._ Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.; Achtung, Dachbecker und Berufsgenossen! Die Dachdecker und Berufsgenossen der Firma A. Barenthien. Reinickendorf-Ost. Hansastr. 3, haben die Arbeit eingestellt. In Betracht kommt hauptsächlich der Neubau des Reichs-Marineamts in der Königin- Augusta-Straße bezw. Bendlerstraße. Auf diesem Bau wurden die Arbeitsverhältnisse für die Dachdecker geradezu unerträglich. Der Dachdeckerpolier der Firma, Gustav Eckert, hielt besonders darauf, daß die Hilfsarbeiter zur Verrichtung von Dachdecker- arbeiten verwendet werden. Fortgesetzt wurden die Hilfsarbeiter mit dem Hängen der Steine auf dem Dache beschäftigt. Auch selbst zum Latten wurden sie mitherangezogen. Als die Dachdecker dieserhalb vorstellig wurden und um Abhilfe ersuchten, wurden sie einfach abgewiesen. Es blieb demnach nichts weiter übrig, als zur Selbsthilfe zu schreiten. Diese Werkstelle ist von jedem Dachdecker und Berufsgenosscn zu meiden. Verband der Dachdecker. Achtung, Töpfer! Wegen Abzug von 3 Proz. vom Lohntarif verhängen wir hiermit über die Firma Hermann Franke die Sperre. In Frage kommt zurzeit der Bau Cubitzstr., Bauherr Otto Zibell, Charlottcnburg, Roscherstr. 4. Desgleichen verhängen wir auch über die Firma Fritz Trei- fert, Pankow, Borkumstr. 22, die Sperre. Die Firma zieht ebenfalls 5 Proz. vom Tarif ab. Hier handelt es sich um den Bau Kissingen, Straße in Pankow. Die Verbandsleitung. OeittTcKes Reich. Der Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter im Jahre In organisatorischer Beziehung wie auch in der Interessen- Vertretung der Berufsarbeiter hat der Verband ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Die Miigliedcrzahl stieg von 41303 auf 47 634; die Zahl der weiblichen Mitglieder erhöhte sich von 889 auf 1249. Die Fluktuation hat gegen früher erheblich nachgelassen; bei über 13 000 Neuaufnahmen sind dem Verbände rund 40 Proz. der auf- genommenen Mitglieder verblieben, was immerhin als ein günsti- gcs Resultat zu bezeichnen ist. Zum erstenmal überstiegen die Einnahmen des Verbandes eine Million; insgesamt betrugen sie 1 104 982 M. Demgegenüber steht eine Ausgabe von 942 623 M. Als außerordentlich große Posten stehe» in den Ausgaben die Summen für Unterstützungen. Die den Mitgliedern gezahlten direkten Unterstützungen haben sich in dem Berichtsjahre außerordentlich erhöht, besonders infolge der vom letzten Verbandstag beschlossenen Verkürzung der Karenzzeit bei Bezug von Erwerbslosenunterstützung; es wurden 463,637— 44,2 Prozent der eingezahlten Beiträge verausgabt, das sind rund 118 000 M. mebr als im Vorjahre.— Die Lokalkassen zahlten außerdem noch Unterstützungen in Höhe von 46 304 M. Außerordentlich groß war im Berichtsjahr die Zahl der Lohn- bewcgungen. Neben den Angriffsbewegungen �um Zwecke der Ver- besscrung der Lohn- und Arbeitsbedingungen lief eine noch größere Zahl Abwehrbcwcgungen. Die Angriffsbcwegungen erreichten die stattlich? Zahl von 418, die sich auf 713 Betriebe mit 17 027 be- teiligten Personen erstreckten; mit vollem Erfolg endeten 265, mit teilwcikem Erfolg 136 Bewcgungen, nur 17 endeten erfolglos� Ab- wehrbewcgnngen wurden nicht weniger als 334 geführt, in 383 Be- trieben bei 3411 beteiligten Personen. Hiervon hatten vollen Erfolg 397, teilwciscn Erfolg 77. Die weitaus größte Zahl der gesamten Bewcgungen: von den Angrisfsbewegnngen 330 und von den Abwchrbcwcgnngen 326, wurden im Wege der Vcrbandlungen erledigt. Eine solche große Zahl ohne Kampf erfolgreick erledigter Bewegungen ist immer ein Beweis, daß sich die Organisation Anerkennung und Respekt bei den Unternehmern verschafft hat. Aber auch die Zahl der Streiks und Aussperrungen ist da- neben noch erheblich: 68 Angriffsstreiks, 28 Abwehrstreiks und 7 Aussperrungen in 130 Betrieben mit 3319 beteiligten Personen waren �auszuscchten; davon waren erfolgreich 60, teilweise erfolg- reich 13� Die hartnäckigsten Kämpfe entfallen auf die Mühlen- industrie. dort prangt das Scharfmachertum noch in seinem ganzen unangekränkelten Hcrrenstolz. Durch die Lohnbewegungen wurde für 13 343 Personen eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,12 M. pro Person und Woche erzielt; eine Arbeitszeitverkürzung wurde für 10 134 Personen mit durchschnittlich 3,8 Stunden pro Person und Woche erreicht. Ferner sind an besserer Bezahlung der Ueber- ftundcn 11 836, der Sonntagsarbeit 12 661 Personen beteiligt, an sonstigen Verbesserungen 12 152. Erklärlicherweise waren an den Lohnbewegungen die Arbeiter in den Brauereibetriebcn in größter Zahl beteiligt, in weiterem Abstand kommen dann die Arbeiter in den Mühlen, Malzfabriken, Bierniederlagen, Selterfabriken und Brennereien. Sind so die agitatorischen Erfolge und die Ergebnisse auf dem Gebiete der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen er- freulich, so kann dies auch von der Finanzlage der Organisation gcsag' werden. Das Vermögen der Hauptkasse vermebrte sich um 162 337 M. und stieg auf 1 168 690 M., oder auf pro Mitglied im Jahresdurchschnitt von 24,90 M. auf 23,80 M.; unter Hinzurech- nung der Lokalkassenbestände erhöht sich dieser Betrag auf 31,02 M. Die Organisation war also recht rührig und steht finanziell zufriedenstellend da, so daß ihr auch in Zukunft weitere Erfolge nicht versagt bleiben dürften. Organisationszersplitterer unter de» Straßenbahnern in Rheinland-Westfalcn. Unter der Führung eines früheren�Angestellten des christlichen Transportarbeiterverbandcs namens Zander aus Köln hat sich in einigen Orten Rheinland-Westfalens eine neue Straßenbahner- „organisation" gebildet. Wie bei solchen Sonderorganisationen üblich, dient als Lockmittel ein möglichst niedriger Beitrag. Er beträgt im Monat 30 Pf. Für diefew Beitrag wird den Straßen- bahnern nichts weniger als: Kranken- und Arbeitslosenunter- stützung, Sterbegeld und Rechtsschutz versprochen.?Iuch die Kosten einer Zeitung, Bcamtengehälter und sonstige Verwaltungsausgaben sollen davon bestritten werden. Also bis auf Streik- und Gemäß- regelrenunterstützung, di? im Statut nicht vorgesehen ist, wird so ziemlich alles versprochen, was unsere Gewerkschaften ge- währen. Schon in den konstituierenden Versammlungen machten mehrere Straßenbahner auf die Unmöglichkeit der Einlösung dieser Versprechungen aufmerksam. Allein der Appell an das„Standes- bewußtsein" der Straßcnbahn„bcamten", die mit den übrigen Transportarbeitern, wie den Fuhrleuten usw., nichts gemein hätten, verfehlte bei vielen seine Wirkung nicht. In Duisburg, Ober» Hausen, Köln und Essen schlössen sich einige hundert Straßen- bahner dem neuen Organisationsgchilde an. Um diese nun zu halten und um neue Mitglieder zu bekommen, werden von den Machern, die sehr gut wissen, daß die wirtschaftliche Lage der Straßenbahner in Rheinland und Westfalen eine äußerst schlecht- ist, und eine lebhafte Stimmung unter den Angestellten für eine Aufbesserung der Dienstverhältnisse besteht, noch alle möglichen anderen Versprechungen gemacht. In den Versammlungen werden die radikalsten Reden geschwungen. Kommt es aber darauf an. die Interessen der Angestellten tatkräftig zu unterstützen, dann ver- sagt diese AuchorgaAisation vollständig. Vor kurzem maßregelte die Duisburger Straßenbahndircktion einen Funktionär des neuen Verbandes. Notgedrungen mußte eine Zurücknahme der Maßregelung gefordert werden. Da die Direktion diese aber kurz ablehnte, streikten die Mitglieder des Verbandes 24 Stunden; der Streik endete mit einer vollständigen Niederlage der Angestellten. Unter anderem mußten sich die Wiedereingestell- ten verpflichten, aus dem Verbände auszutreten. Später wurden in Essen kurz hintereinander drei Vorstandsmitglieder dieses Ver- bandes gcmaßregclt; aber von einem Eintreten für diese hat nie- mand etwas bemerkt. Diese gänzliche Ohnmacht versuchen nun die Macher durch neue bombastische Versprechungen zu verbergen. Die Essener Straßenbahner werden nämlich auf den 8. August ver- tröstet. An diesem Tage soll der Kaiser nach Essen kommen, um an der Hundertjahrfeier der Firma Krupp teilzunehmen.__ Tb Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt 1 Alle Straßenbahnerorganisationen in der letzten Zeit haben be- wissen, daß diese nur von einer leistungsfähigen, starken Organisation geführt werden können und daß Organisationsgebilde wie der neue „Allgemeine Straßenbahnerverband" im Ernstsalle an der Macht der Unternehmerorganisationen zerschellen müssen. Die Organi- sation, die heute bereits die weitaus größte Zahl der Straßen- hahner in Deutschland vereinigt, ist der„Deutsche Straßenbahner- Verband", der eine Reichssektion des„Deutschen Transportarbeiter- Verbandes" ist. Nur in dieser finden die Straßenbahner eine wirk- liche Vertretung ihrer Interessen. Die Sattler in der Nutofabrik„Mathis" in Straßburg im Elsaß haben nach zweiwöchigem Streik eine erfolgreiche Lohn- bewegung durchgeführt. Die zehnstündige Arbeitszeit wurde auf gt/� Stunden pro Tag reduziert, die Stundenlöhne um 3—5 Pf. erhöht.. Als Einstellungslöhne gelten: Für gelernte Wagensattler im ersten Jahre nach der Lehre 45 Pf., nachher 30 Pf. pro Stunde. Selbständige Garnierer erhalten 60— 65 Pf. Den Akkordarbeitern sind diese Löhne als Mindestsätze garantiert. Die ersten zwei Ueber- stunden werden mit 23 Proz., alle andere Ueberarbeit mit 30 Proz. Zuschlag vergüte!. Tie Akkordsätze wurden um durchschnittlich 10 Proz. erhöht. Bei Neuansetzung von Akkordlöhnen wird den Arbeitern ein Mitbestimmungsrech: zugesichert, auch werden Differenzen im Betriebe mit dem Werkstattausschuß, im besonderen Falle unter Hinzuziehung des Verbandsvertreters geregelt.— In der Nürnberger Reiseartikel- industrie haben die im Verbände der Sattler und Portefeuiller organisierten Arbeiter den Unlernebmern einen Tarifvertrag über- reicht, der eine Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden pro Tag, Erhöbung der Löhne und Fcriengewährung vorsieht.— In den Hansa-Automobilwerken in Varel lOldenburgj stehen die Sattler in einer Tarifbewegung.— In der Aachener Treibriemenindustrie ist es zum Streik gekommen. Hier wird der Kampf gemeinsam mit den Christlichen geführt.— Tie Sattelmacher und Geschirrsattler der Firma H. V. Swütze-Hannover sieben noch im Streik. Die Militäreffektenfabrik von Moury in Lffenbach ist für Sattler gesperrt.— Zuzug nach all diesen Orten ist streng fernzuhalten. UusUmck. Ter Kampf der Seeleute in Antwerpen. Brüssel, 16. Juli.(Eig. Ber.) Die Leitung der Gewerkschaft der Seeleute ist immer noch in Haft. Gestern ist neuerdings ein Streikender inhaftiert worden unier der Beschuldigung, die Herren Gelben bedroht zu haben, die jetzt in Antwerpen die zarteste gericht- liche und— selbstverständlich— Unlernehmerfürsorge genießen. Vielen Arbeitern ist das Mitgliedsbuch ihrer Gewerkschaft vom Untersuchungsrichter zurückbehalten worden. Die Beschlagnahme der Mitgliedsbückier wie der Kontrollkarlen der Streikenden soll praktisch die' Auszahlung der Entschädigung der Streikenden unmöglich machen. Das Streikkomitee wird aber den Streikenden einfach auf Ehrenwort auszahlen und den Gewerkichaslsfeinden damit beweisen, daß die Solidarität der Arbeiter noch immer stärker ist als die Böswilligkeit und List jener. Die Kleri- kalen, die die ganze Aktion gegen den„ZeemanSbond" auf dem Gewissen haben. Heyen und verleumden weiter. Die Frau des verhafteten SctrclärS wird auch die Verleunider verklagen. Aber auch die liberale Presse benimmt sich nichl besser. Ihre.anti- klerikale" Gesinnung macht Halt, wenn es sich, wie in diesem Fall, um Arbeiter handelt, die Opfer des KlerikalismuS find. Kein anklagendes Wort gegen das Gericht, gegen die schuldige Regierung, gegen den ß 310, in dessen Namen man die angeblich bedrohte Freiheil der Arbeit schützt und die Kämpfer des Proletariats hinter Schloß und Riegel steckt. Donnerstag findet eine große Protest- Manifestation in Antwerpen statt. Die Kanipfstimmung unter den sozialistischen Seeleuten ist durch die Vorgänge nur erhöht. Die Solidarität der Arbeiter erlaubt den Streikenden sogar Ausflüge auf der Scheide und demnächst wird eine Gruppe von Streikenden eine Exkursion ins Museum machen, um die Bilder ihrer großen ttandsmäimer, der Rübens. Jordaens, Matsys usw. zu be- trachten... So ein Streik hat entschieden seine gute Seilen. Letzte Nachrichten» Ein österreichisch-russischer Grenzvorfall. Krakau, 17. Juli.(P.-C.) An der österreichisch-russischen Grenze versuchte gestern ein russischer Grenzsoldat mehrere Per- sonen gegen eine Gratifikation über die Grenze zu führen. Als dies der österreichische Grenzsoldat bemerkte, gab er einen Schuß auf den Kameraden ab, der jedoch sein Ziel verfehlte. Da sich nunmehr der erste Grenzsoldat entdeckt sah, gab er ebenfalls einen Schuß auf seinen Kameraden ab, der diesen tödlich ver» letzte, worauf er sich durch einen Schuh aus seinem Dienstgewehr entleibte._ Die Kriegsgefangenen Italiens. Rom, 17. Juli. sW. T. B.) Das Kriegsministerium hat eine Liste der Namen der ottomanischen Kriegsgefangenen, die seit Beginn der Feindseligkeiten gemacht worden sind, veröffentlicht. Es wurden insgesamt 88 Offiziere, von denen 24 ausgeliefert worden sind, 57 Unteroffiziere, 160 Korporale und 1435 Soldaten, von denen 2 ausgeliefert worden sind, gefangen genommen. Drei Korpcrale und 19 Soldaten sind während der Gefangenschaft ge- storben. Die Gesamtzahl der Kriegsgefangenen, einschließlich der Ausgelieferten und Gestorbenen, beträgt 1741 Mann. Im Solde Rußlands. Cettinje, 17. Juli.(W. T. B.) In russischen Blättern wird behauptet, Ruhland habe dem Fürsten und nachmaligen König Nikolaus von Montenegro seit 1873 eine Militärsubvention von 1 606 000 Rubel gezahlt, welche nicht den beabsichtigten Zwecken zu- geführt worden sei. Von hiesigen maßgebenden Kreisen werden dem Korrespondenten der„Neuen Freien Presse" diese Behaup- tungen als der Wahrheit absolut nicht entsprechend bezeichnet und folgende Aufklärung gegeben: Die russische Militärsubvention wurde Montenegro erst von 1893' an gewährt und seitdem regel- mäßig und präzise im Einvernehmen mit dem hiesigen russischen Militäragenten zur modernen Ausbildung des Heeres verwendet. Die früher gegebene kleinere russische Subvention wurde für wirt- schaftliche und kulturelle Zwecke ihrer Bestimmung entsprechend verwendet, immer aber im Einvernehmen mit den hiesigen russischen Vertretern. Folgen der Unternehmerhartnäckigkeit. New Kork, 17. Juli.(P. E.) Infolge des gegenwärtigen Barmwollarbeiter st reiks haben zwölf Baumwoll. spinnereien in New Bedford, Massachusetts, ihre Bettiebe geschlossen. Durch diese Maßnahme sind 13 000 Arbeiter brotlos geworden. Einführung ausländischen Fleisches. Saarbrücken, 17. Juli.(H. 58.) Die von der Stadtverwaltung Saarbrücken nachgesuchte Genehmigung zur Einführung auslän. bischer. Fleisches in Saarbrücken ist vom Landwirtschaftsminister erteilt worden. Die Stadt hat für das ausländische einzufüh- rende Fleisch einen besonderen 53au errichtet und hofft, eine wesent. liche Berbilligung auf dem Fleischmarktc herbeizuführen. Neues Todesopfer der Berge. Innsbruck, 17. Juli.(P.-C.) Rektor Professor Dr. O l b r i ch t aus Chemnitz ist am Großgrottenkopf tödlich verunglückt. !aulSingerziCo.,BerlinLW. Hierzu 2 Beilage�mUnterhaltungsbl. Nr. 165. 29. Iahrgaug. L Stilnjc des Jomittf Kerlim UsIdsdlR Aonverstag, 18. Isk KlS. )Zus Incluftne und DandeU Politik uud Waffenhandel. Der Aubenhandel mit Feuerwaffen hat in den gegenwärtigen unruhigen Zeiten verstärkte Bedeutung erlangt. Die deutschen Waffenfabriken haben nach dem„Börsen-Courier" in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 10 066 Doppelzentner Feuerwaffen gegen 4029 Doppelzentner in der vorjährigen Korrespondenzzeit exportiert. Die Ausfuhr ist also um fast das 2'/, fache gestiegen I Der Wert der Aussuhr stieg im Vergleich der genannten Zeiten von 5.87 auf 6,69 Millionen Mark. Von der Gesamtmenge des Exports entfielen 9669 Doppelzentner auf Handfeuerwaffen. Von letzteren wurde der gröfiere Teil, 5819 Doppelzenwer, an China geliefert. Die nord» amerikanische Union empfing 1238 Doppelzentner gegen nur 43 Doppelzenwer in den enffprechenden Vorjahrsmonaten. Nach Brasilien wurden 983 Doppelzentner exportiert.— Der Export von Bügeln. Federn. Hähnen usw. belief sich auf 397 Doppelzentner, die in erster Linie in der Türkei und Belgien abgesetzt wurden. Seit dem Jahre 1907 entwickelte sich das Ausfuhrgeschäft mit Feuerwaffen sin Doppelzentnern) wie folgt: Januar-Mai 1907 1908 1909 1910 1911 1912 Ausfuhr.. 4901 3187 2364 5336 4029 10 066 In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres wurden 5165 Doppelzenwer deutsche Feuerwaffen mehr als in der Parallelperiode von 1907 an den Weltmarkt gebracht. Die Waffenproduzenten können mit den.nationalen Schutzbestrebungen" zufrieden fein. Bergmann. Als im Frühjahr die Bergmann-Elektrizitätswerke vor dem SiemenS-Schuckertkonzern kapitulieren muffte, wurde von dieser Gruppe behauptet, es handle fich nur um eine finanzielle Hilfe» leistung durch die Siemens-Sch ickert, die Bergmann-Geiellichast solle ein durchaus selbständiges Unternehmen bleiben. Was es mit dieser Selbständigkeit auf fich hat, geht jetzt offiziell aus einer Nach- richt über die Neubesetzung in der Leitung der Bergmannwerkc hervor. Herr Theodor Berliner, der dem Vorstand der Siemens- Schuckertwerle angehört, wird in die Direktion der Bergmann- werke eintreten und dem bisherigen Generaldirektor vollkommen koordiniert sein._ Gerichts- Zeitung Lumpe» und Schweinehunde. Mit diesen und ähnlichen Schimpfworten belegte der konservative Gutsbesitzer und Gemeinde- vor st eher Froebrich aus Dunkendorf, Kreis Schweidnitz, die Lehrer und Beamten, die nach seiner Meinung an dem Durchfall des konservativen Freiherrn v. RichiHofen die Schuld haben sollten. Nach der Stichwahl im Wahlkreise Schweidnitz-Striegau, die bekanntlich mit dein Siege unseres Genossen F e l d m a n n endete, war der Gc- meindevorsteher Froebrich in einem Schweidnitzer Gasthof und gab dort seinem Unwillen über den Ausgang der Wahl in drastischen Schimpfworten Ausdruck. In Gegenwart eines Gendarmerieoberwachtmeisters sagte er unter anderem:„daß der Sozialdemokrat durchgekomnien ist. daran sind nur die Beamten und Lehrer schuld, die in der Stichwahl für Feldmann eingetreten sind." Als der Gendarmerie- o.berwachtmeister fich das verbat, machte der Agrarier sofort einen Zurückzieher, begann aber auf die Lehrer- fchaift' des Wahlkreises in der unflätigsten W e i s e' z u schimpfen:„Was sind die Lehrer? Lumpen sind sie. Schweinehunde und Galgen st ricke sind sie." Wegen dieser Beleidigungen hatten die Lehrer Strafantrag gestellt. Vor dem Schöffengericht zu Schweidnitz gab der konservative Schimpfapostel zwar die Beleidigungen zu, versuchte sich aber mit dem reichlich genossenen Alkohol herauszureden. Damit hatte er zwar kein Glück, aber trotzdem erkannte das Gericht auf nur 300 M. Geldstrafe. Der Prozeß ist ein kleiner Beweis dafür, wie Kon- servative die Lehrer einschätzen und be- handeln, wenn sie gegen den konservativen Stachel löken. War der Polizeileutnant betrunken? Diese Frage spielte eine nicht unwesentliche Rolle in einem Prozeff, der gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhau- kleines feuilleton. Gin geflügeltes Automobil. Ein neues BcwegungSmittel für den Betrieb von Kraftwagen hat Bertrand de Leffeps in diesen Tagen auf einer Probefahrt mit einem durch einen Flügel be- triebenen Automobil erprobt. Seine Versuche, das Prinzip des Vogclfluges dem Mechanismus des Automobils dienstbar zu machen begegneten sich mit den Gedanken eines Herrn Filippi. Er konstruierte nach dem Prinzip des Vogelfluges einen Propeller, der die Wirkung nachahmen sollte, den der Flügelschlag des Vogels auf die Luft ausübt. Dieser Propeller ersetzt die Flügelschraube durch eine Holzschaufel, die in der Mitte breiter und dicker ist als an den Enden, von denen das eine in eine Spitze ausläuft. während das andere verhältnismäßig breiter gehalten und einem Vogclflügel ähnlich ist. Beide Enden sind rückwärts gebogen und bilden so einen stumpfen Winkel. DaS ganze wird von einem Mantel umschlossen, hat einen Durchmesser von nur 130 Zenti- meiern und macht nicht die geringste Ueberschreiwng des bisher üblichen Wagenmaffes erforderlich Die Höchstzahl der Um- drchungen beläuft sich auf 2200 in der Minute. Dieses System gestattet seinem Erbauer, sich gerade um den kompliziertesten Teilen der heute gebräuchlichen Maschinerie unabhängig zu machen. Zudem ist die Relbung auf ein Minimum verringert. Der Wagen scheint kaum den Boden zu berühren, die Stauberzeugung ist stark vermindert, die Pneumatiks werden geschont/ und die Behaglich kcit des Reisenden wird ersichtlich erhöht. Aeufferlich glich der auf der Probefahrt benutzte Wagen dem gewöhnlichen Torpedo- typ, nur der Hintere Teil bildet eine Art Bug. aus dem die Um- laufachse des Flügels hervorspringt. Ter 40 Pferdekräfte starke Motor liegt vorn und steht durch Ketten mit dem Flügel in Ver- bindung. Darauf beschränkt sich der ganze Mechanismus. Der Wagen, der 1320 Pfund und mit drei Passagieren und in voller Ausrüstung 2000 Pfund wiegt, trat vor einigen Tagen in Paris seine auf über 300 Meilen berechnete Reise an. Nach den Tele- grammen, die fortgesetzt eingingen, nahm die Fahrt einen raschen und glatten Verlauf und führte die Reifenden glücklich ans Ziel in Lyon. Für die Zukunft der Automobilindustrie hat diese Ver- suchSfahrt des geflügelten AutoS eine ausserordentliche Bedeutung. Uebrigens ist sein Flügel der beim Aeroplan benutzten Schraube erheblich überlegen. Entwickelt doch da? Filippifche Flügelmodell bei der Probefahrt 70 Prozertt der Antriebskraft, eine Leistung. die um. mehr als 10 Prozent die der besten im Gebrauch befind- stchen Schraubenpropeller des landläufigen Typs übertrifft. Wer kauft Bilder? Welche Kreise des Publikum? fich für die Malerei lebhaft interessieren, geht auS einer kleinen lehrreichen «rivatstatistik hervor, die von einer bekannten Berliner jluust- Handlung aufgestellt worden ist. Das„Börsenblatt f. d. deutschen delt wurde. Der Angeklagte, Kaufmann Karl Grunewald, hat Einspruch erhoben gegen eine polizeiliche Strafverfügung, welche ihm 6 M. Strafe zudiktiert, weil er den Polizeileutnant Degener in der Ausübung seiner Amtshandlung belästigt und die Straßen- ordnung übertreten haben soll. Der Angeklagte schildert den Vorgang, der den Anlaß zu dem Strafverfahren bot. so: Er stand mit einem Freunde nachts nach 2 Uhr auf dem Platz am Rosenthaler Tor. Da sah er einen Polizeileutnant in Uniform nebst zwei Damen und einem Herrn in Zivil über den Platz kommen. Gang und Haltung des Polizei- leutnants machten auf den Angeklagten und seinem Freund, den Eindruck eines Angetrunkenen. Einige Strassenpassanten, die der- selben Ansicht zu sein schienen, machten kritische Bemerkungen über den Polizeileutnant. Da drehte sich dieser um, ging auf den An- geklagten zu, der ruhig neben seinem Freunde stand und forderte ihn auf, mit zur Wache zu kommen. Der Angeklagte machte Ein- Wendungen dagegen und bot Legitimation an. Das half ihm aber nichts. Er mutzte dem Leutnant zur Wache folgen. Auf dem Wege dorthin versuchte der Angeklagte wiederholt dem Polizei- leutnant klar zu machen, daß er ohne jeden Grund sistiert werde. Aber der Polizeileutnant habe alle diese Einwendungen mit Schimpfworten wie„Rotznase",„Lausejunge" und ähnlichen Be- Zeichnungen beantwortet. Das ist die Angabe des Angeklagten, die auch von seinem Freunde, dem Zeugen Gebhardt, bestätigt wurde. Dieser Zeuge gab zunächst mit voller Bestimmtheit an, der Polizeileutnant— Degner ist sein Name— sei stark angetrunken gewesen und habe statt eines ManneS, der eine abfällige Bemerkung über den Leut- nant machte, den Angeklagten, der sich an diesen Bemerkungen gar nicht beteiligte, sistiert. Bei der Behauptung, seiner Meinung nach sei Polizeileutnant Degner betrunken gewesen, blieb der Zeuge, auch nachdem Polizeihauptmann Scholber, der sich in Zivil in der Begleitung des Polizeileutnants Degner befand, sowie dieser selbst und die beiden Damen ihrer Gesellschaft das Gegenteil be- hauplct hatten. Hinsichtlich des Tatbestandes selbst schränkte der Zeuge Gebhardt später— augenscheinlich durch die Aussagen der anderen Zeugen und die wiederholten Befragungen unsicher ge- mach:— seine erste Aussage so ein, daß sie für den Angeklagten nicht mehr erheblich ins Gewicht fallen konnte. Polizeihauptmann Scholber wußte von dem ganzen Vorgang nichts weiter, als was ihm Polizeileutnant Degner erzählt hat. Die Sistierung des Angeklagten durch den Polizeileutnant Degner hat sich nach dem Zeugnis des Polizeihauptmanns Scholber so ruhig und unauffällig vollzogen, dah er, obgleich er unmittelbar neben dem Leutnant ging, nichts davon bemerkt hat.„Plötzlich— so sagte Polizeihauptmann Scholber— war Leutnant Degner von meiner Seite verschwunden und erst als er zurückkam, erfuhr ich, daß er inzwischen eine Sistierung vorgenommen hatte. Die Sistierung mutz also ganz friedlich vor sich gegangen sein." Folgt man der Zeugenaussage des Polizeileutnants Degner, dann war die Sistierung keineswegs so friedlich und unauffällig. Hiernach hat sich der Vorgang so abgespielt: Hinter den beiden nobeneinandergchenden Polizeiofsizieren folgten die Tochter des Hauptmanns und die Schwester des Leutnants. Polizeileutnant Degner bemerkte, daß die beiden Damen einem Manne, der sie belästigte, auswichen. Er pellte den Mann zur Rede, der sich dann ruhig entfernte. Nun mischte sich, der Angeklagte ein, indem er dem PolizÄktutnant Degner Vorwürfe. wegen,.seines Vorgehens gegen den unbekannten Mann machte. Polizeileutnant Degner verbat sich die Einmischung des Angeklagten, er forderte ihn auf, ruhig zu sein und sistierte ihn schliesslich, weil der Angeklagte weiter räsonnierte. Das war die ftiedliche und unauffällige Sistierung, von der Polizeihauptmann Scholber nichts bemerkt hat. Die beiden Damen wußten von dem Vorgang auch nichts weiter, als daß sie von einem Manne belästigt wurden und Polizeileutnant Degner darauf einen Mann sistiert hat. Uebereinstimmend bestritten die beiden Polizeioffiziere und ihre Damen, daß Herr Degner betrunken war. Das Gericht hielt, gestützt auf die Aussage des Polizeileutnants Degner, für erwiesen, daß der Angeklagte denselben an einer Amtshandlung gehindert habe. Der Angeklagte wurde deshalb zu 6 M. Geldstrafe verurteilt, aber von der weiteren Beschuldigung, die Strassenordnung übertreten zu haben, freigesprochen. Buchhandel" berichtet darüber: Sieht man von den Backfischen ab, deren Kunstinteresse sich im �wesentlichen nur auf— Schauspicler- bildcr erstreckte, so stehen die Rechtsanwälte, Kaufleute, Schrift- steller und Musiker in dieser Tabelle in bezug auf Kunstinteresse mit an der Spitze, währeno Schauspieler und Maler mit 0,30 und 0,20 Prozent recht wenig erfreuliche Zahlen liefern. Immerhin können diese Berufe aber noch auf ein wesentlich grösseres Kunst- interesse Anspruch machen als Geistlich«, Offiziere und Staatsan- wälte. Interessant ist nebenbei, daß der Gegensatz zwischen Staats- und Rechtsanwalt, der sich im Gerichtssaal oft genug geltend macht, auch hier zum stärksten Ausdruck rommt. Denn während die Rechtsanwälte mit 22 Prozent vertreten sind, stehen die Staats- anwälte mit 0,00 Prozent an letzter Stelle. Arbeiter sind in dieser Statistik nicht vertreten, da sie kaum in diesem Laden kaufen. Unsere Ausstellungen im Gewerkschafts- Hause beweisen indes, daß, soweit es die Mittel erlauben, die Arbeiterschaft gute Bilder wohl zu schätzen weiss. Ein neues Riescnfcrnrohr. Der Kongreß der Republik Argentinien hat auf Empfeblung des Unterrichtsininisieriums die Kosten für ein grosses Spiegelfernrohr bewilligt, das in der Rational-Siernwarte zu Cordoba Aufstellung finden soll. Der Spiegel soll den ausser- ordentlichen Durchmesser von 1'/, Metern erhalten. Die astrono- mische Wissenschaft wird diesen Beschluß in doppelter Hinsicht mit Freude begrüßen. Einmal ist jeder Zuwachs der Sternwarten auf der südlichen Halbkugel wegen ihrer geringen Zahl ein grosser Vor- teil für die Himmelskunde. Ferner aber ist auch der Platz, den das neue Riesenfernrohr erhalten soll, besonders günstig gewählt. Die Stadt Cordoba liegt im Innern von Argentinien, ungefähr gleich weit vom Atlantischen und Stillen Ozean entfernt. Unmittelbar westlich von ibr steigt ein bedeniender Gebirgszug auf, der mehrere Gipfel von 2350 Meter Höhe besitzt.«In diesen Bergen soll das neue Riesenfernrohr aufgestellt werden, da hier die Lust von UN- gewöhnlicher Reinheit und auch das Klima überaus günstig ist. Humor und Satire. Die Stimme des BluteS. Auf dem Frankfurter Bundesschicssen, allwo sie ihre Gewehre knallen lietzen, senkte Prinz Heinrich den rauchenden Lauf und sagte folgende Rede auf: .Untertanen I Stammesbrüder und Träger des nationalen Gedankens— ihr seid die Jäger, ihr seid die Schützen eichenumlaubt, vaterländiich. gehorsam und überhaupt. .Wer uns im Geldverdienen will stören, der tut ja woll nicht zu uns gehören I— Darum rufen Sie Hurra— ich bitte Sie—- für Kaiser, Reich und Kornpagniel—* Plackereien mit dem Plakatgesetz. 1.„Wählt Haberland l» Der Angeklagte Remest war am Stichwahltage bis gegen 7 Uhr abends auf seinem Rade in Ratingen umhergefahren. Während dieser Fahrt hatte er vor dem Scheinwerfer der Rad- laterne einen Zettel mit den Worten:„Wählt Haberland I" so an- ?«bracht, daß die Worte auch während der Dunkelheit vom Publi- um gelesen werden konnten. Die Strafkammer in Düsseldorf ver- urteilte ihn zu einer Geldstrafe wegen Uebertretung des ß 9 des preutzischen Pressgesetzes vom 12. Mai 1851, der noch zurecht be- stehe und welcher bestimme:„Anschlagzettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich ausgestellt werden." Ein Inhalt, wie er durch diese Bestimmung! allein zugelassen sei, habe die vom Angeklagten vor dem Scheinwerfer seines Rades angebrachte Druckschrift nicht gehabt. Die Druckschrift stelle aber ein Plakat dar, das er durch die Art, wie er es zur Schau stellte, öffentlich ausgestellt habe. Es sei gleichgültig, ob die Aus» stellung durch Aufhängen, Aufstellen, Herumtragen oder Herumfahren erfolge. Der Inhalt sei auch ohne weiteres für das Publi- kum verständlich gewesen. Soweit sei Angeklagter zu verurteilen, weil er ein Plakat mit unzulässigem Inhalt öffentlich ausgestellt Das Kammergericht bestätigte dieser Tage das Urteil als gutreffend. 2.„Wählt Fritz Kunert!" Ein weiterer Prozeß wegen Uebertretung des preußischen Preßgesetzes, der das in Halle a. S. herumgetragene Wahlplakat für Fritz jÄinert betraf, hatte dadurch noch ein Spezialinteresse, daß der sozialdemokratische Parteisekretär Reiwand, der kein Plakat getragen hatte, wegen Anstiftung zum öffentlichen Ans- stellen eines unzulässigen Plakats mit angeklagt worden war und auch von der. Strafkammer in Halle a. S. verurteilt wurde, neben dem Drehorgelspieler Vogt, der ein solches Plakat in den Strassen getragen hatte. Vogt erhielt 10 M. Strafe, die Anstiftung durch Reiwand wurde dagegen mit 20 M. bewertet. Das Gericht hielt für erwiesen, daß Reiwand den Drehorgelspieler durch Zusicherung einer Entschädigung zu dem Herumtragen des Plakats veran- laßt habe. Das Kammergcricht verwarf am Montag die Revision der beiden Angeklagten und führte aus: Die Bestimmungen des§ 43 Absatz 4 und 5 der Gewerbeordnung, welche Ausnahmen für die Wahlzeit hinsichtlich des Verteil«»? von Druckschriften zu Wahl- zwecken zuliehcn, könnten den Angeklagten nicht zugute kommen, denn da? Verteilen sei etwa? ganz anderes wie das Aufhängen und Ausstellen. Das Aufhängen und Aufstellen von Druckschriften zu Wahlzwecken, die Plakate mit unzulässigem Inhalt gemäss Z 9 des preußischen Preßgesetzes seien, bleibe mangels einer Aus- nahmebestimmung auch für die Wahlzeit verboten. Die Ver- urteilung der beiden Angeklagten sei gerechtfertigt. Warum werden, wenn das Plakatgesetz zu Recht besteht, nur Sozialdemokraten und nicht Angehörige anderer Parteien, die ebenso gehandelt haben und täglich handeln, angeklagt? Sehen die Polizei und der Staatsanwalt solche Fälle nicht? Würden, wie cS das Gesetz erheischt, alle Vergehen gegen das Plakatgesetz verfolgt, so würde bald das völlig zwecklose, Nur Plackereien dienende veraltete Gesetz verschwinden. ..........-.. i<4*u.■i-o»in Ein Prozeß wegen Bekanntgabe des WahlresultatcS. Der Geschäftsführer der„Fränkischen Tagespost", in Nürn« berg Genosse Fentz hatte einen Strafbefehl über 3 M. erhalten, weil er ohne Erlaubnis der Polizei Lichtbilder erzeugt und dadurch die Stratzen-Polizeiverordnung übertreten habe. Geschäftsführer Gen. Fentz hatte am Tage, resp. am Abend der letzten bayerischen Landtagswahl— nach alter Gepflogenheit das Wvhlresultat dadurch bekannt gegeben, daß er die Namen der Kandidaten sowie die Zahlen die das Wahlergebnis darstellten in Holzbrettchen ausschneiden ließ, diese zusammenstellte und an einem Fenster des Geschäftshauses der„Fränkischen Tagespost" in der Weise anbrachte, dah Namen und Zahlen, die durch elek- irische Glühlampen beleuchtet waren, ans der Strasse sichtbar waren. Er wendete also ein ähnliches verständiges Verfahren an, das die Berliner Polizei am Wahltage verhindert hatte. DaS Schöffengericht Nürnberg erkannte auf Freisprechung. Die Strafkammer Nürnberg hat das freisprechende Erkennt- nis jetzt mit der Begründung bestätigt, daß es sich hier nicht um die Erzeugung von Lichtbildern handle. Der Ausdruck„Lichtbilder" sei keineswegs identisch mit beleuchteten Bildcrm_ Wer wird nur so mit dem Feuer spielen Hoheit blieben besser bei Ihren Automobilen, denn ersten«mal: dort bewundert man Sie, nnd zweitens: wir kennen die Melodie I— Gewiss: Sie sind schuldlos wie eine Lilie, das liekjt nun einmal so in der Familie..» Aber wir wünschen durchaus keinen Chor t das Solo kommt uns genügend bor.— _ Kurt. Notizen. — I m Friedrich-Wilhelm städtischen Echan» spielhause gedenkt Direktor Willi Nordau die Berliner Posse älterer Zeit in ihrem ganzen Werdegang in der neuen Spielzeit in Zyklen vorzuführen. Der Rahmen dieser Aufführungen soll historisch gestaltet werden. — Herr Bode, der Generalgewaltige unserer kgl. Museen und gleichzeitig Direktor des Kaiser-Friedrich-MusemnS, gedenkt nach seinem Leibblatt, dem„Lokal-Anz.". von der letzteren Stellung zurückzutreten, um sich ganz seinen sonstigen Aufgaben zu widmen. Die Flora, die am 1. April gestohlen sein und damit den auSschlag- gebenden Beweis ihrer Echtheit erbracht haben sollte, bleibt uns aber erhalten. Als Nachfolger Bodes ist sein Intimus, Prof. Friedländer, der bisherige Direktor des Kupferstichkabinetts, auSersehen. — Ein Naturschutzpark im Harz. DaS Bestreben mehrt sich, der Natur, die man als Ganzes vor der Ausbreitung der kapitalistischen Zivilisation nicht retten kann, wenigstens in kleinen Teilen ursprünglicheren Charakter zu bewahren. Auch im Harz soll jetzt ein 2000 Morgen umfassendes Gebiet in der Nähe von Harz» bürg geschützt werden. Man will Pflanzenknltttren hegen, im Ans- sterben begriffene Tiere erhalten und früher im Harz ansässige Tiere wie Luchs und Bär wieder ansiedeln. Daß mitten drin ein Hotel erbaut werden soll, scheint uns aber gar nicht zum Nainr- schntzpark zu passen. Oder benutzt die Hotelindustrie diesen Gedanken jetzt schon für ihre Zwecke? — Eil. Ordensmann als unsittlicher Maler. Zu welchen grotesken Szenen die UllsittlichkeitLschnüffelei bis- weilen führen kann, zeigt ein Vorfall, der sich an der Münchener Akademie der Künste abspielte. Unter den Schülerarbeiten, die wie alljährlich ausgestellt werden sollten, wurde ein weiblicher Akt konfisziert. Der Urheber des Bildes aber ist— Schmerz laß nach — ein malendes Mitglied des BcncdiktincrordcnS und die Ursache war die Furcht vor einem ZentrumSabgeordneten, dessen Besuch drohte. —'Henri Poincars, wohl der bedeutendste französische Mathematiker von heute, ist im Alter von 58 Jahren in Pari« gc- storben. Seine Verdienste liege» besonders aui den Gcbtz'trn der mathematischen Physik und der Himmelsmechanik. Eitt»Bßelteuet Vormund'. Der Schan�virt Robert Bendig ersucht unZ unter Bezugnahme auf den Gerichtsbericht in Nr. 161 des„Vorwärts" mitzuteilen. daß er gegen das ihn verurteilende Erkenntnis Revision eingelegt hat. Er spricht die Ucberzeugung aus, daß er freigesprochen wäre. wenn er einen Verteidiger gehabt hätte. Durch das Geld habe er niemals sich oder seiner Frau einen vergnügten Tag gemacht, noch sei das Schankgcschäft mit Hilfe des Mündelgeldes ein- gerichtet, vielmehr von der Brauerei. Die Mündelmutter sei durch ihn nicht in Bedrängnis geraten, habe vielmehr statt 15 M., 20 M. monatliche Unterhaltsgclder erhalten; 50 M. habe er für Kleidung verauslagt, 260 M. an den neuen Vormund abgeführt und eine Versicherungspolize über 1290 M. bei dem Prozetzvertreter des Mündels hinterlegt. Das Gericht ist anderer Ansicht als der Angeklagte gewesen und hat auf Grund der Beweisaufnahme Untreue für vorliegend erachtet. Da immerhin die Möglichkeit eines Irrtums des Ge- richts in diesem Fall nicht ganz ausgeschlossen ist, haben wir der Darstellung des Angeklagten, aus der die Hinterlegung der Polize nicht für ihn spricht, Raum gegeben. Hus aller(ftelt. New Borker Polizisten als Mörder? Auf die New I orker Gesellschafts- und Polizeizustände Wirft eine Affäre grelles Licht, die sich in der Nacht zum Mittwoch in New fjoxt abgespielt hat. Dort wurde der wichtigste Zeuge in einem Spielhöllenprozeß, der Spielhöllen- besitzer Hermann Rosenthal, unter einem Vorwand aus dem Hotel Metropole gelockt. Als er vor die Haustür trat, wurde aus einem dort haltenden Automobil von vier Männern eine ganze Salve von Revolverschüssen auf ihn abgegeben, die ihn tot niederstreckte. Das Automobil entführte darauf die Mörder. Doch soll eS inzwischen gelungen sein, den Chauffeur des Automobils sowie zwei Verdächtige zu verhaften. Das Tolle an der Sache aber ist, daß sich unter der Mörderbande mehrere Polizisten befunden haben sollen I Der Distriktsanwalt erklärte nämlich, daß Rosenthal um Schutz gebeten habe, da er befürchtete, von Polizei- beamten ermordet zu werden. Und in der Tat lagen für den Ermordeten die triftigsten Gründe zu dieser Befürchtung vor. Hatte doch Rosenthal dem Staatsanwalt Mitteilungen gemacht, die nicht nur andere Spielhöllen- besitzer, sondern auch höhere Polizeibeamten in das Zuchthaus zu bringen drohten. Er hat Polizeibeamte ge- nannt, denen von Zeit zu Zeit von den Spielhöllenbesitzern Bcstechnngsgelder von Ä00 Mark gezahlt wurden, damit sie zwei Augen zudrückten. Rosenthal selbst hatte solche Be- stechungsgelder an die Polizei entrichtet! Da man ihn trotz- dem herausgriff, um vor der zu täuschenden Oeffentlichkeit ein „Exempel zu statuieren", machte er aus Rache dem Staats- anwalt seine die Polizei so schwer kompromittierenden Ent- hüllungen. Ob man nun die Mörder entdecken wird? Oder ob man, um noch ärgeren Skandal zu vermeiden, die Sache nicht am Ende ausgehen lassen wird, wie das Hornberger Schießen. Seit den Tagen der Tammany-Society, die, wie Ein- geweihte behaupten, noch immer e x i st i e r t. ist man ja in New Aork an das Ungeheuerlichste gewöhnt. Wird doch auch der..Voss. Ztg." über den Zusammenhang zwischen Ber- brechertum und Polizei geschrieben: „Die Polizei kennt sie genau, kennt auch ihre Methoden. Aber fie r ä u m t n i ch t aus mit ihnen. Aus tausend verschiedenen Gründen. Ein Grund— und den scheint der Fall Rosenthal wieder einmal scharf beleuchten zu wollen— liegt in der Tat« fache, daß gewisse Polizeielemente selbst, wie der Amerikaner sich ausdrückt,„a finger in the pie"— einen Finger im Kuchen— stecken haben. Ein ganz kleines Weilchen war das„unmodern" geworden; als Roosevelt Polizeikommissar von New Dork war und Recorder Goff auf dem Richterstuhl saß. WaS in dieser Beziehung damals zu Tage gefördert wurde, war haarsträubend. Fast die ganze Polizei, vom höchsten bis zum niedrig st en, schien belastet, Abgaben und Teil- haberschaften von Bordellen, Spielhöllen, ge- fährlichen Nachtkneipen, � ich erinnere nur an McGowan in der Bowery— waren an der Tagesordnung. Es stellte sich ein regelrechtes System heraus. Der Schutzmann„arrangierte",— der Kapitän„kolleklierte", der Inspektor erhielt„Prozente". Wer regel- mäßig jeden Monat seine„Schutzsteuer" zahlte, konnte tun und lassen was er wollte. Die Polizei war blind. Wer nicht zahlte. wurde unbedingt„ausgehoben". Da war die Polizei nicht nur sehend, sondern direkt vorahnend. Eine Weile hindurch wurde es besser. Aber das ist lange her; Roosevelt ging, Goff ging, Tanimany kam wieder und bald war alles iin alten Fahrwasser. Nun gibt es natürlich auch andere Elemente in der New Dorker Polizei; man darf ruhig annehmen, in der weit überwiegenden Mehrzahl. Männer, die nur zu gern ihre Pflicht erfüllen würden. Aber— sie können eS nicht. Geht solch ein Mann wirklich einmal gegen einen der politischen Apachen vor. so nimmt die Sache etwa folgenden Gang: Verhaftung des Verbrechers.„Bail" sKaution), die der Magistrat sicherlich auf der Stelle zuläßt. Der Verbrecher verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Das heißt, er bleibt in New Uork; ist aber„nicht zu finden". Dem pflichtgetreuen Beamten wird nahe gelegt,„daß, wenn er auf Beförderung hofft—" Der gesetzte Fall muß dabei schon ein recht schwieriger sein. Sonst wird der Verbrecher glatt freigesprochen. Der betreffende Magistrat kann sich eine Verurteilung nämlich„nicht leisten". Wenigstens nicht, wenn er noch gern länger Magistrat bleiben möchte. Denn er wird vom„steten Volke" gewählt. Und ist er ein„Tammany-Mann"— und das ist er wohl immer— so sind eS gerade die Elemente, die er aburteilen soll, die für seine Wiederwahl fast unbedingt ausschlaggebend sind. Ergo— bereits bielfach vorbestraft ist. auf den gerade des Weges kommenden Aviatiker Henri Jourdan und verletzte ihn durch mehrere Messer- stich« so schwer/ daß er bereits wenige Minuten darauf starb. Inzwischen hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, die sich auf den Attentäter stürzte und ihn schwer mißhandelte. Nur durch daS Eingreifen der Polizei konnte verhindert werden, daß die wütende Menge den Mörder lynchte. Die Typhusepidemien. TyphuSepidemie in Witten hat an Umfang in er« schreckendem Maße zugenommen. In den Wittener Hospitälern liegen ungefähr 280 Erkrankte. Täglich werden neue TyphuSfälle festgestellt. Die Anzahl der Todesopfer, die die Epidemie bisher gefordert hat, beträgt fast 50. In der Nähe deS Diakonisienbauses sind vier Baracken errichtet worden, da weder im Marienhospital noch im Diakonissenhouse Platz für Neuerkrankto vorhanden ist. In Bommern scheint die TyphuSepidemie im Abnehmen begriffen zu sein, Hingegew sind in Langendreer in der letzten Woche 50 Erkrankungen mit schweren typhösen Er« scheinungen festgestellt worden. Die Schulen sind behördlicher« seits geschlossen worden. Auch in Dresden und Umgegend find bereits 70 Typhus« erstankungen festgestellt worden. Ein französischer Flieger ermordet. MS ob nicht die Aviatik selbst genug der Opfer forderte, raffen jetzt auch seltsame Unglücksfälle die tüchtigsten der französischen Aviatiker hinweg. Kaum hat der Telegraph die Nachricht von dem tragischen Ende Lathams verkündet, so trifft jetzt die Hiobspost ein, daß auch ein zweiter ausgezeichneter Flieger, Jourdan, das Opfer eines eigenartigen Mißgeschicks geworden ist. Aus Cor- b e i l l e wird unterm 17. Juli gemeldet: Durch die Wahnsinnstat eines Trunkenboldes ist die stanzöfische Aviatik eines ihrer besten Flieger beraubt worden. Gestern abend stürzte sich auf offener Straße der Trunkenbold Henri Bidh. der Millionars-Aberwitz. Zum Kapitel von dem geradezu verbrecherischen LuxuS, ber von amerikanischen Millionären getrieben wird, wird ein neuer Beitrag beigesteuert. In San Francisco wurde kürzlich die Hochzeit von Miß Jennre Crockers mit Malcolm Whitman gefeiert, welche von den Zeitungen als das„glänzendste und berückendste Ereignis" bezeichnet wird, das Kalifornien je gekannt hat. Nach den aus San Francisco ein- getroffenen Telegrammen wurden für die Ausschmückung deS Balles 20000 Dollar ausgegeben. Um auf der Fest- lichkeit den Diebstahl von Edelsteinen zu verhindern, waren Geheimdetektivs in.tadellos» Gesellschaftskleidung" an- wesend, die sich unauffällig unter die Gäste mischten. Das Brapt» k l e i d von Miß CrockerS hat einen Kostenaufwand von 50000 Dollar verschlungen und ist dicht mit Perlen besetzt. Die kleine Kirche von San Mateo, wo der Trauungsakt stattfand, war mit kostbaren Blumen geschmückt. Die gesamte Deko» ratio» in dem„Gotteshaus" kostete den Brautleuten 25 000 Dollar. So werden Hunderttausende in sinnloser Ueppigkeit vergeudet, während eS auch in den Vereinigten Staaten Millionen von Menschen gibt, die dem nackten Elend preisgegeben find! Kleine Notizen. BootSunglück auf der Mosel. Am Dienstag abend sank auf der Mosel bei Mertert in Luxemburg ein mit zehn Trierer Bäcker« meistern und dem Fährmann besetzter Kahn, der� infolge der Hitze undicht geworden war. Der 79jährige Fährmann und zwei Insassen ertranken, mehrere andere konnten erst nach stundenlangen Bemühungen der herbeigerufenen Trierer SanitätS- kolonne ins Leben zurückgerufen werden. Unglücksfälle in Bayern. Bei M ü h l d o r f ertrank der Bürger- meistersohn Amann beim Baden. In Neustadt sOberpfolz) kam der Glasschleifer Lohr beim Baden ums Leben. Seit einer Woche ertranken in Bayern 16 Personen beim Baden. In Wasserburg wurde der Arbeiter Baumann von einem um« stürzenden Flaggenmast erschlagen. In Alt-Oetting wurde ein Schmiedelehrling von einem Stück Eisen, das von einem Schmiede- Hammer abflog, getroffen und getötet. In Bruckmittags Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS-kkirchhoseS in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Soziatookrat. Watilvereio WilmeFSdorf. Den Parteigenossen zur Kennt- nis. daß unser Mitglied, der Schneider Paul Fiedler 41 Jahre alt, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt Freitag- nachmiitag 4 Uhr von der Leichenhalle des ilädttichen FriedhojeS in der Berliner Straße aus. Wir bilicn um zahlreiche Bc- teiligung. 202/11 vei- H'onstl»»«!. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hennsnn Radicke gestorben ist. Ehre seinem Zlndcnre»! 121/3 vis Ortsverwaltuitg Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meiner luden Frau, insbesondere Herrn B ax vehrcndt sür die trostreichen Worte am Grabe, sage im Namen aller Hinterbliebenen meinen ausrichtigsten Wank. 2498b Max Wegener, Lichtenberg, Kronprinzenstraße 3. Allen Bekannten die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann, unser herzensguter Vater und einziger Bruder, der Fleischbeschau- arbciier 72A Faul FiedBer im 40. Lebensjahr am 15. Juli, abends S'/t Uhr, im Briher Kreis. Krankenhaus saust enlschlasen ist Dies zeigen mit der Bilte um stille Teilnahme an Fiedler geb. Welklsch nebst Kindern, Reinh. Fiedler als Bruder. Die Beeedigung findet akn Frei- tag, den 19. Juli, nachmittags 4 Uhr, aus dem Wilmcrsdorscr Friedhof statt. Verband der Kemeinde- it. Stastsarbeiter. Filiale Groß-Rcrlin. Durch den Tod ist uns eines unserer Mitglieder, der Kollege pauk Fiedler welcher im Betriebe des Vieh- und SchlachihoseS beschäjiigt war, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Freitag, den 19. Juii, nach- mittags 4 Uhr, auf dem Wilmers- dorser Gemcinde-Friedhof statt. 34/20 Die Ortsverwaltung. der Masebinisten und Heizer sowie ßerufsgenossen Deutsch). Verwaltungsstella GroB-Berlin. Am 16. d. ms. verstarb unser Mitglied, Kollege Diener. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli, nachmlltagS bll, Uhr, von der Leichenhalle des Weißensecr Gemeinde-Friedhoses, Rölckcstraße, aus statt. Roge Beteiligung erwartet 145/20 Die Ortsverwaltung. Of. Simmel für Spezial-Arzt Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄpZz 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Am 15. Juli verstarb uncr- wa> tet mein inniggcliebter, Herzens- guter Manu und Vater Ednsrd Sctiwesinger Tischlermeister. Dies zeigen tiesbetrübt an .Anna Sclisveslngcr geb. Blascke. Panl Schwcisinger, Sohn. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 18. Juli, nachmittags '/,5 Uhr, von der Halle dc§ Meorgcnllrchhofes, Landsberger Allee, aus(lall. m/3 ZeRtral-Hranken- kasseliieiitseMaphauer Ortsverw. Berlin 8, Gesundbrunnen. Xaclirnf. Den Mitglieder» hiermit zur K-nnwis, daß unser Mitglied, der Sattler Otto Wolff am Sonntag, den 14. Just, ver- sterben ist. Die Beerdigung fand Mittwoch, den 17. Juli, aus dem PauIS-Kirchhos, Plötzenlee. statt. Ehre seinein Andenken k 2574U����9i��rlsv�nwa!Um� Deutscher Bauarbeiter-Verband Zweigverein Uorlln. Am 15. Juli starb unser Mit- glied, der Bauarbeiter Sermann Beniner (Bezirk Südost). Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli, nachmittags- 3 Uhr, von der Halle der Michael- gemeinde in Neukölln, Marien- dorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersuch? 140/19 Der Borftaud. Danksagung. Für die überaus zahlreiche Bs- teiligung und schönen Kranzscnden bei der Beerdigung meines leider so früh dahingeschiedenen ManneS Amandus Drefke sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Belanuten meinen innigsten Dank. 2495b Witwe K. Drefke, Woldenbcrger Str. 14 Zentralverband der Dachdecker ===== Verwallnngsstclle Berlin.- Heute Donnerstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshause, Engelufer 15(Saal I): Versammlung der Dachdecker und Hilfsarbeiter. Tagesordnung:„Unsere Tarifbewegung." DaS Verbandsbuch legitimiert; ohne dasselbe kein Zutritt. 51/17 Der Forsitand. Nrrlialidd-'Mlilcr,5iiil!imr,Alijtrkilhcr-c. Filiale Berlin. Bureau: Mclchiorstraße 28, pari. Fernsprecher: Amt Moritzplatz 4787. .Arbeitsnachweis: Rückerftraße 9. Fernsprecher: Amt Norden L703. Heute Donnerstag, den 18. Juli 1012, abends 8'/, Uhr i == Versammlung im»Volkshaus-, Charlottenburg, Rosiuenstrafte 3. Tagesordnung: 1. Die Jnnungskrankenkaffen in der Retchsversicherungsordnnng und die Verhältnisse tu der Jnnungskraukenkasse der Maler- Innung zu Charlotteuburg. Referent: Kolleg- Gustav Link. 2. Diskussion, 129/18 Kollegen»nd Mitglieder der Jnnuugskrankenkasse Charlotten- bnrgSk Bekundet durch zahlreichen Bersammlungsbesuch Euer Interesse an der Bcrbesserung der Verhältnisse i» der Krankenkasse. Blv Ortuversvattnng. Stkrbeknssethtln.WMer Arbriter chetztlsche Kaffe). Sonntag, de» 38. Juli 1912, vormittags 9'/, Uhr pünlilich: Venerai-Versammlung im BereiushausBerliner Musiker Kaiser-Wilhelm-Straße 13m (unlerer Saal). Tagesordnung: 1. Kassenbericht(Januar bis Juni 1912). 2. Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der Publikations- organe sür das Jahr 1912/13. 4. Kasscnangelegenheitcn. — Kilglieäsbueh legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 2424b Der Verstand. I. A.: G. W e g n e r, Vorsitzender. Meiner werlen Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß me>n Geschalt wegen zu hober Viehpreije bis zum 1. August geschlossen bleibt.* Hochachtungsvoll Dito Müller, Schtöchtermstr,, Andreunntr. 16. £}pezisilarzt f. Haut- und Harnleiden, nerv. Schwäche,„Ehrlich 605'' usw. LÜr.Homeyer�? Untersuchung., Fäden l Harn usw. Friedrichstr. 81, Spr. 10—2, 5— 8, Sonnt. 11—2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Heinrich Pranck Tel.: Amt Ndn 4352. BfUnnenslraßc 22. 8 bis 7 Uhr geoflnet. Neuer Einkaufs Mexiko-Decke. Jfo. 1801. Vollblatt 1. LUngo, nngcnUhnllch«art u. breltblattig. Jlatte, dnnkle n. nebwarze Farben. Infolge kolossaler Deckfähigkeit günstigste Preis-Kallrulation. Schnceweiiicr Brand, verzollt nur.... IB. 5.85. Den„Vorwärts"-[,caern gewähre Rabatt. Riesenlaser äüiä PerserTeppicbe Sntil Lestvre Berlin, Oranienslr. 158 Abgepaßte Fenster, weiß und crime p. Fenster 235, 3, 4-60 m. (mit. Point-Iaee-Kflnstler* jcts Gardinen, p. Fenster M." Elegante Sezosslons-TOII- Stores...... M. Gestickte echte Spachtel- Stores M. Goldfarbige reiehgestlckte Band-Stores... M. TDIIbettdecken, Größe 160/220 cm... M. 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Filiale Deffauer Str. 3« Das Berliner Arbettswiiligeti- vermittelungsbureau d. gelben „Handwerkerschutzverdandc»'. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innnng und der Wagenfabri- kante». Kaiser-Franz-Grenadier- Zuzug ist streng fernzubalten. Die Ortsverwaltong Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Verantwortlicher Redakteur: vibert WachS. Berlin. Für de» AnseratenteU verantw-: Th-Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Porwärtg Buchdrucker« u. Beriagsanjtoit PalllSmger u.Eo.,«vertinbisA, lt. 165. 39. Iahtgaug. 2. Deilage des Jntiiiiitlo" Ittlintt Partei- Hn�elegenbeiten. Groß-Lichterfelde. Das Volksfest deS Wahlvereins findet Sonntag, den 21. Juli, in Wahrcndorfs Gesellschaftshaus, Bäkestr. 7, statt. Von 8 Uhr ab grobes Gartenkonzert unter Mit- Wirkung des Gesangvereins.Männerchor" und des Radfnhrervereins .Konkordia", Spezialitätenvorstellung, Volksbelustigungen aller Art. Kinderspiele unter Leitung des.Onkel Pelle". Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Von 4 Uhr ab Tanz. Das Komitee. Zehlendorf Wonnseebahn). Sonntag, den 21. Juli, findet ein Famitienausflug nach Wannsee statt.(Besuch des Sommcrfestes des Wanniecr Wahlvereins.j Treffpunkt 2 Uhr bei Mickley, Pols- damer Straffe. Abmarsch pünktlich>/z3 Uhr. Der Vorstand. Alt-Glicnicke. Sonnabend, den 20. Juli, abends 8 Uhr, findet die Fortsetzung der Generalversammlung.des Wahlvereins im Lokale des Herrn Vigansly, Nudower Straffe, statt. Tagesordnung: Erledigung der zurückgesetzten Punkte, Verschiedenes. Der Borstand. Rosenthol(Wilhelmsruh). Sonntag, den 21. Juli, nachmittags L Uhr. wird in Rosenthal auf dem Grundstück des Herrn Kabelitz an der Windmühle, Hauptstr. 84. eine öffeutlicke Versammlung unter freiem Himmel abgehallen. Tagesordnung: 1..Preuffen-Deutich- land in der Welt voran." Referent: Dr. Moses-Berlin. 2. Dis- kufston. Hierzu werden am Freitag, den IS. Juli, von 7 Uhr abends an H a n d z e t t e l von den bekannten Lokalen aus verbreitet. Die Bezirksleitung. Dabendorf bei Zoffen. Sonnabend, den 20. Juli, abends v'/, Uhr, bei Wiese: Mitgliederversammlung. Der Vorstand. Trebbin. Sonnabend, den 20. Juli, abends 8'/g Uhr, im Gast- fiofe„Zum giüncn Baum"(Gleicbe): Wahlvereins- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom 4. Quartal 1öll/12. 3. Partei» angelegenhelten._ Berliner JVachncbten. Von Erkner zum Stahlberg und Uklei-See. In der Nähe von Berlin gibt es kaum ein landschaftlich schöneres und interessanteres Gebiet wie die Gegend um Erkner. Gcnuhreiche Ausflüge bieten sich dort mancherlei, einmal über die Kranichsberge nach Rüdersdorf und Straus- berg, dann an der Löcknitz hin der Sunkette folgend, die sich nordöstlich bis nach Kagel und Kienbaum erstreckt oder auch nach Westen zum Dämcritz-See und den Gosener Bergen. Einsamer und weniger bekannt ist der südöstliche Winkel am Laufe der Spree mit den herrlichen Forsten, die sich West- lich bis zur Dahme hinziehen. Ein Ausflug dorthin ist für den, der gern aus stillen Wegen wandelt äuszerst lohnend. Frühmorgens fahren wir mit einem der halbstündlich der- kehrenden Vorortzüge nach Erkner hinaus, durchwandern das Städtchen und folgen dann einem Wege, der an der Bahn hin in der Richtung nach Fangschleuse führt. Bald öffnet sich vor unS ein lieblicher von dunklem Kiefernhochwald gc- säumter Wirsengrund, in dem sich wie ein silberblinkendes Band die Löcknitz hinivindet. Bis nach Gottesbrück geben wir ihr das Geleit und dann folgen wir in südlicher Richtung einem Wege, der uns durch hübschen Kiefernwald nach dem idyllischen Dörfchen Freienbrink führt. Wieder blicken wir in ein freies Wiesenland, das von dem vielfach gelvundenen Lauf der Spree durchzogen wird. Einer der gebräunten, muntern Dorfjungcn pudert uns für einen Nickel zum jenseitigen Ufer hinüber nach Steinfurth. Von hier geht nun ein gerader'Fahrweg zum Stahlberge hin. Anfangs durch niedere Kiefernschonung, wandern wir später durch herrlichen Kiefernhochwald mit buschigem Unter- holz dahin. Stolz recken sich mäcktige Kiefernstämme empor und wölben hoch oben ihr lichtdurchbrochenes Nadeldach. Weithin leuchtet der Waldboden von dem dunkele» Grün der Heidelbeersträucher, deren reife, blauschwarze Beeren jetzt zu leckerem Schmause einladen. Steil strebt nun ein schmaler Pfad zur Kuppe des Slahlberges hinan. Völlig bewaldet, bietet sie doch an der Westseite einen herrlichen Ausblick über die dunkelen bläulich überhauchten Wäldermassen, hinter denen fern die Türme und Dächer von Zeuthen und Königswustcr- Hausen hervorragen. An der Westseite abwärts kommen wir unten bald an den breiten Spree-Oder-Kanal. Von der Brücke schauen wir eine Weile dem Verkehr zu. Flink zieht ein kleiner Schleppdampfer mit einigen Lastkähnen dahin. Mühsamer kommt dort eine einzelne schwerbeladene Zille vorwärts. Vorn übergebeugt, schweißtriefend ziehen sie Männer vom Land aus an langen Tauen vorwärts. Hinten am Steuer lehnt ein junges Weib, ihr Jüngstes im Arm. wie eine Bronze- statue von der grellen Sommersonne umflirrt. So lenkt sie den Kahn, indes die Männer keuchend Schritt für Schritt, wie Lasttiere ziehend am Ufer Iveiter stapfen. Ein niüh- seliges Geschäft. Bedauernd wenden wir uns ab und tuenden von der Straße rechts abbiegend auf geradem Gestellwege dem Uklei-See zu. Stach einem halben Stündchen stehen wir an einer Waldlichtung und sind überrascht von dem lieb- lichen Bilde träumerischer Schönheit, das uns hier emp- fängt. Von grünen Wiesenrändern und dahinter sanft auf- strebendem Hochwald malerisch umsäumt, schaut der kleine See mit seiner dunkelgrünen Wasserfläche ivie ein blinkendes Alige vor uns auf. In einem Waldiviukel still und versteckt liegt das einsame Forsthaus, wo wir freundlichst einen er- frischenden Trunk gereicht bekommen. Und dann ivandcrn wir an dem abfließenden Wasserarme, der über und über von weißen Blütenkronen der Seerosen bedeckt ist, weiterhin nach der reizend gelegenen Gablower Ziegelei. Hier holen wir uns Erlauvnis zum Betreten des Uferpsades. auf dem wir dann an dem schmalen flußarmähnlichen Lanten-See bald nach Zernsdorf gelangen. Schon von hier haben wir Gelegenheit, niit der Beeskoiver Bahn die Rückfahrt anzutreten. Doch in einem knappen Stündchen führt uns von Zernsdorf ein ab- wcchselungsreicher Weg am Krüpel-See hin über Neue-Mühle nach Köuigs-Wusterhansen, von wo aus wir bequenier und rascher iviedcr Berlin erreichen. Der Schillerpark hat sich seit Jahresfrist ganz gewaltig heraus- gemustert. Muff man oft bei kleineren Parkanlagen, beispielsweise hei dem anscheinend in diesem Jahrhundert nicht mehr fertig tverdenden Fallplatz an der Gleimstraffe, die auffallende Langsam- keit des Fortschritts beklagen, so ist hier drauffen im hohen Norden mit Volldampf gearbeitet worden, um aus einer Sandwüste eine Großstadtoase von eigenartiger Schönheit hervorzuzaubern. Bis auf den Hauptteil, die im Bau befindliche Terraffe, ist jetzt der gesamte Schillerpark dem Publikum geöffnet. Es ist erfreulich, daß man die südliche Parkhälfte schon in diesem Sommer frei- gegeben hat, obwohl hier die Wege noch nicht ganz in Ordnung und vorerst nur wenige Ruhebänke aufgestellt sind. Die fleißige Be- Nutzung gerade jetzt während der Ferien zeigt deutlich, wie bei- fällig die Anordnung aufgenommen worden ist. Betritt man den Park von der Ungarnstraße aus, so hat man über die große für Schulen und Vereine bestimmte Spielwiese gegenüber der Feuer- wache den besten Ausblick auf die Terrasse, die in ihrer Eigenart bald eine gartendautechnische Berliner Sehenswürdigkeit aller- ersten Ranges sein wird. Wie ein Festungswall ragen die fünf Meter hoch aufgemauerten, zu einer mächtigen Ellipse gerundeten Steinwände aus der höchsten Kuppe der ehemaligen„Rehberge". Die auf der Höhe, hinter der niedrigen Umwehrung angepflanzten Kastanien sehen zwar noch recht dürftig aus, aber wohl schon nach einem Jahrzehnt wird man hier oben im Schatten träumen können. Den Zugang vermitteln zwei große Freitreppen. Die vordere zeigt in der Mitte nebeneinander zehn Tore, die zu den Aborten und den Garderoben für die Spielenden führen. Auf der Zwesten, höher gelegenen Terrasse ist zu beiden Seiten je ein runder Tmjn als Zufluchtshalle bei plötzlichem Unwetter angeordnet. Die mit offenen Fenstern versehenen Türme, welche noch eingedeckt werden, vervollständigen den Eindruck des Festungsartigen. Scharf hebt sich das Gelbwciß der Steine von dem umgebenden grünen Teppich ab. Später soll das gemildert werden durch Berankung der Terrassenwände. Zur Bequemlichkeit wurde auch an der Nordseite der Ellipse eine kleine Treppe errichtet. Noch in diesem Jahre, vielleicht schon anfangs September, dürfte die öffentliche Benutzung der Terrasse möglich sein. In der schon im vorigen Jahre er- öffneten nördlichen Parkhälfte ist jetzt die zweite große Spielwiese zur allgemeinen Benutzung anr Mittwoch und Sonntag freigegeben. Die in unregelmäßigen Linien in diese geradezu ideale, wellen- förmige Spielwiese hineinragenden, noch in der EntWickelung be- griffencn Baumgruppen hat man zum Schutze gegen Beschädi. gungcn beim Spielen mit eisernen Schranken umgeben. Ist das Erdreich erst fester und der Rasen widerstandsfähiger geworden, so wird voraussichtlich diese Wiese auch an einem zweiten Wochen- tage fteigegeben werden. Wo die..Plantschwiese" hinkommt, ist dagegen noch nicht entschieden. Sie wird auf unsere Kinderweli des Nordens wohl die meiste Anziehungskraft ausüben. Recht be- scheiden sieht noch immer die Schillerciche aus. die seinerzeit Herr Reicke gepflanzt hat. Sie muß noch viele Jahre wachsen, um ihrem Namengeber Ehre zu machen, und ist nur kenntlich an der sie umgebenden Rundbank. An den Eingangsholzschildern mit der hübschen Mahnung:„Bürger Berlins, schützt eure Parkanlagen" fällt die fernere Inschrift:„Bis 11 istsr abends geöffnet" auf. Hiernach zu schließen, ist der Aufenthalt im Schillerpark nach dieser Zeit nicht erlaubt. Die Liste der stimmfähigen Bürger Berlins wird in der Zeit vom bis einschließlich SO. Jul» d. I. an den Wochentagen von vormittags 9 bis nachmittags 3 Uhr, an den Sonntagen von vormittags 9 bis nachmittags 1 Uhr, im Wahlbnrean Poststraße 16 II Zimmer 57— zur Einsicht öffentlich ausliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadt- gemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Eimvendungen schrift- lich oder zu Protokoll bei dem in der Aüslegestelle anwesenden Beamten erheben; später eingehende Einwendungen werden nicht berücksichtigt. Wenn in Berlin in diesem Herbst auch keine allgemeinen Stadtverordnetenwahlen stattfinden, so dürfte die Einsicht- nähme in die Wählerliste dennoch nützlich sein. Polizeifallen am Sebdinsee. Uns wird geschrieben: Berliner Ausflüglern wird die Be- wegung im Freien doch recht schwer gemacht. Daß Spaziergänger wegen Gehens auf„Verbotenen Wegen" von Forstbeamtcn aufge- schrieben, Badende von Gendarmen festgestellt werden, ist nichts Ungewöhnliches mehr, darüber wunocrt sich heut« fast niemand mehr. Wenn der verbotene Weg, der See oder Fluß mit einer Verbotstafel gekennzeichnet ist, daß sie auch gesehen werden, so muß man sich mit einer Anzeige wegen Uebertretung abfinden. Anders ist es jedoch, wenn von Verbotstafeln nirgends etwas zu sehen ist und die Polizei sich so unauffällig wie möglich heran- schleicht, die Ueberraschten feststellt und mit Strafmandaten be- denkt. Das sind Polizeifallen und gegen diese muß Front«emacht werden. Oestlich von Michendorf, abseits vom Verkehr, liegt das Dorf- chen Wildenbruch, unmittelbar am Großen Seddinsee. Die S Mlo- meter lange Chaussee vom Bahnhof Michendorf bis Wildenbruch wandert sich in den Morgen» und Abendstunden vorzüglich. Vom R<«herberg, 20 Minuten von Wildenbruch, genießt man eine Aus- ficht auf Wiesen und Seen von einzigartiger Schönheit. Am Ab- hang des Rauherberges liegt der Kleine Seddinsee und an seinen Ufern läßt sich gut ruhen.„Alt-Wanoervogel", der Wanderbund für Schüler höherer Lehranstalten, hat hier sein Klubhaus auf einer Anhöhe erbaut, ein Zeichen, daß die Gegend es wert ist sich niederzulassen. Hier ist auch der Treffpunkt aller derer, die abseits vom Wege wandern und Erholung in der Natur suchen. Ruhe und Frieden herrscht hier und nirgends, von Michendorf an über Wtldenbruch bis zum Alt-WandervogelhauS, stört der Anblick von Schildern, die das Betreten der Wege, des Waldes oder das Baden in den Seen verbieten. Ist es da ein Wunder, daß an den letzten warmen Sonntagen viele ein kühles Bad nahmen oder sich im Badekostüm am Ufer tummelten? Die schönste Harmonie herrschte hier und erholt und neu gestärkt kehrten die der frischen Luft Be- dürftigen in ihre Fron zurück. So hatten sich auch am Sonntag einige 20 Personen am Kleinen Scddinsce eingefunden. Schon vom frühen Morgen an tummelten sie sich hier. Sie aßen, tranken und dachten sich nichts Böses. Da. in der fünften Stunde, naht auf dem Uferwcge ein mit Krimstechcr bewaffneter junger Mann. Lebhaft sucht er mit seinem Glas den See ab. Ein Mädel ist am Ufer u.id spült sich die Füße ab. Da ihr das Benehmen des Jünglings mit dem Krimstechcr nicht angenehm ist, geht sie weiter in den See hinein. Da naht im scharfen Trapp ein Kremser. Zwei Mann in Zivil auf dem Bock, während das Innere des Wagens durch Gardinen dicht verhüllt ist. Der Wagen hält und zur allgemeinen Ueber- raschung entsteigen ihm drei Beelitzer Stadtpolizisten in Uniform. „Kommen Sie aus dem Wasser!"„Wie heißen Sie?" Der Name wird festgestellt. Da Niemand sonst beim Baden betroffen war, wurde versucht herauszubekommen, wer sonst noch gebadet habe. Einem Fräulein wurde auf den Kopf zugesagt sie hätte gebadet und verblüfft antwortete sie:„Ja, aber die anderen waren auch drin." So wurden denn noch drei Feststellungen vorgenommen. Wer sich nicht legitimieren konnte oder von einem anderen ausgewiesen wurde, sollte in den Kremser steigen und die Fahrt' nach Stadt Beelitz mitmachen. Aus Vorhaltungen, daß doch nir- gends ein Schild angebracht sei, welches das Baden untersage, erteilte der Kommandierende die Antwort, daß doch ein solches liÜÜÜUI. Dsvmstag, 18. luli 1912. vorwanden wäre und dies auf der anderen Seite bei Kähnsdorf stehe. Der Besitzer des Sees, der in Seddin wohne, habe nicht nötig ein Schild, das doch 6 M. koste, anbringen zu lassen. Hier- auf ging es mit verdecktem Wagen zum Großen Seddiir-See. Aus gutversteckter Stellung wurde derselbe beobachtet, um auch dort eventuelle Uebeltäter zu erwischen, was den Spähern hoffentlich nicht gelungen ist. Der Besitzer der Seen wohnt in Seddin, der See liegt auf Kähnsdorfer Gebiet und die Jagd auf Erholungssuchende wird sechs Mann hoch von der Beelitzer Stadtpolizei betrieben. Drei Mann in Uniform, zwei Kutscher und ein Lkrimstecherträger durch- ziehen in holder Eintracht das Gebiet zwei Meilen von der Stadt Beelitz entfernt, um das Seerecht eines einzelne» zu schützen, der nicht nötig hat Schilder anzubringen, weil sie 6 M. kosten. Jnter- cssant wäre es zu erfahren, wer die Kosten der Expedition trägt. Tie Stadtpolizisten werden aus der Stadtkasse bezahlt und sind unseres ErachtcnL nach zum Schutze der Beelitzer Bürger da. Was haben sie auf Kähnsdorfer Gebiet zu suchen? Haben sie in Beelitz nichts zu tun, so soll man ihnen Urlaub geber>, damit sie sich erholen können. Wer bezahlt den Wagen? Jedenfalls ist es sehr eigenartig, wie hier Jagd auf erholungsuchende Menschen be- trieben wird. Die Beelitzer Stadtpolizei notiert die Badenden und dann stellt der Seebesitzer Antrag auf Strafverfolgung. Gönnt der Seebesitzer den Erholungsbedürftigen das harmlose Vergnügen nicht, so soll er dies an den Zugangswcgen zur Kenntnis bringen. Dann weiß es jeder und kann sich danach richten. Wird dann da- gegen verstoßen, so soll man offen dagegen vorgehen. Aber gegen diese bersteckten Jagden muß protestiert werden. Sie sind nicht einmal der Polizei würdig._ Auslobung. Die eigenartige Annahme desRechtSanpaltSBredereck ihm stehe von Rechtswegen„zweifellos" ein Recht auf die zur Wiederbesckaffung der unterschlagenen Summe ausgelobte Belohnung von 4000 M. zu, er habe sie aber der Mutter seines Klienten über- lassen, hat vielfach die Frage angeregt, ob und wann man denn eine auf Ergreifung eines Delinquenten oder auf Herbeischaffung einer unterschlagenen Summe, auf Niederringen eines anderen oder auf Vornahme irgend einer anderen Handlung ausgesetzte Belohnung zu beanspruchen habe. Der Z 657 B. G.-B, sagt hierüber kurz:„Wer durch öffentliche Beknnnlniachiing eine Belohnung für die Vornahme einer Handlung, insbesondere für die Herbeiführung eines Erfolges, aussetzt, ist verpflichtet, die Belohnung demjenigen zu entrichten, welcher die Handlung vorgenommen hat, auch wenn dieser nicht mit Rücksicht auf die Auslobung gehandelt hat." Den Wortlaut kann danach der Nschtsaiiwalt Bredereck für seine„ziveifellose" Ansicht in Anspruch nehmen, nicht minder aber sein Klient, der Defraudant. Schon das hätte den Anwalt stutzig machen sollen. Und in der Tat ist die„zweifellose" Ansicht des Verteidigers ganz„unzweifelhaft" völlig falsch. Für den AuS- lobungsvertrag gelten dieselben Grundsätze wie für alle anderen Verträge, so der, daß ein Vertrag nichtig ist, der und soweit er gegen das Gesetz oder gegen die guten Sitten verstößt. Gegen beides verstößt es, dem, der eine Unterschlagung begangen hat, für die Rückgabe der unterschlagenen Summe eine Belohnung zu ver- sprechen. Denn solches Versprechen wäre eine strafbare Begünstigung der UnterschlogMg selbst, also eine gegen das Gesetz verstoßende Handlung, und ein Verstoß gegen die guten Sitten. West solcher Bertrag dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden wider- spricht. Die Auslobung hat also trotz des Wortlautes keine Güllig« keit dem Unterschlagenden gegenüber, ebensowenig seinem Verteidiger, der in diesem Falle nur als Beauftragter des Täters handelt. ES gehört schon mehr als ein Dnrchschiiittsformaljuristentum dazu, aus dein Z 657 ein Recht auf die Auslobungssumme für den Täler oder seinen Verteidiger abzuleiten. Wie mit dem Verleidiger und Täter steht eS afrch mit dem Staatsanwalt, dem Richter oder dem Polizei« deamten, durch dessen pflichtmäffiges Vorgehen etwa eine unter« schlagene Summe herbeigeschafft ist. Denn auch hier würde in dem Ansinnen der Annahme der ausgelobten Belohnung ein gröblicher Verstoff gegen die guten Sitten' und gegen das Strafgesetz liegen, da Beamte, die für eine nicht pflichtwidrige Handlung Geschenke an« nehmen, strafbar sind. Solche Belohnungen für Poltzeibeamte sind allerdings schon gezahlt. Wir erinnern an die 8000 M., die die Kühncmänner wegen der besonderen Anstrengung der Schutzleute aus Anlaß deS 1. Mai 1890 zahlten und die der Polizeipräsident verteilen ließ. Das war. wie auch in der Presse und im Reichstage seinerzeit dargelegt wurde, eine objektiv strafbare Handlung des Polizeipräsidenten. Wenn er auch aus unbekannt gebliebenen Gründen nicht angeklagt wurde, so wird dadurch die strafrechtliche Oualifikation jeuer Tat nicht beseitigt. Genau so steht eS, wenn Polizeibeamte ausgelobte Geschenke für Ergreifung von Dieben an« nehmen. Solche Verstöße kommen freilich vor. Zurzeit schwebt in Helgoland ein Streit über eine Auslobungssumme, die teilweise an Polizeibeamte ausgezahlt ist. TaS RcichSpoftamt über die Desinfektion der Fernsprcchapparate. Ueber die Desinfektion der Fernsprcchapparate sind geänderte Be- stimmungen in die Dienstanweisung aufgenommen worden. Bei den Vermittelungsstellen und öffentlichen Sprechstellen sind die Fernhörer und Mikrophone täglich mit einem Mittel zu desinfizieren, das vom Reichspvstamt besonders vorgeschrieben ist. Zuerst ist der Staub zu entfernen. Dann wird der Schalltrichter deS Mikrophons, die Hör« mnschel und der Handgriff des Hörers mit einem Lappen, Schwämmchen oder einem Stück Fließpapier abgerieben, diemitdem Des- infeltioiismittel angefeuchtet sind. Diese Desinfektion kann bei den Ver» mittelungsstellen auf die Apparate beschränkt bleiben, die von ver« schieden«» Personen benutz! werden. Aber auch die Apparate, die be« stimmten Veamteii zum persönlichen Geboauch übergeben sind, müssen von Zeit zu Zeit desinfiziert werden. Insbesondere soll dies dann gc- schehen, wenn die Jnbaber wechseln. Die Fernsprechapparate, die aus dem Betriebe zurückgezogen werden, sind möglichst bald nach Abnahme zu desinfizieren. Auf alle Fälle hat dies vor der Weiter- gäbe oder vor der Aufnahme in das Lager zu geschehen. Die Personen, die rnit der Reinigung und Desinfektion der Apparate bei den öffentlichen Sprcchstellen beauftragt sind, haben darauf zu achten, daß pie Sprechstellen auch in allen übrigen Teilen den Anforde- rungcn der Reinlichkeit genügen. Im Interesse der Wirtschaftlichkeit werden diese Verrichtungen nach Möglichkeit mit dem Austauschen der Gcldbehälier verbunden. Englische Studenten besichtigten gestern verschiedene städtische Einrichlnngen, so das Märkische Museum, das RathauS, wo ihnen ein Imbiß gereicht wurde, und das städtische Obdach. Vom Bräutigam ermordet. AuS Alt-LandSberg wird gemeldet: Auf seinem zwiichen Eiche und Hellcrsdorf befindlichen Roggenfelde 'fand der Gutsbesitzer Paul Lindemann uugcsähr 50 Meter vom Wege entfernt beim Roggeninähen eine stark in Verwesung über- gegangene Leiche einer crwackiscnen Frau. Durch die an der Fund- stelle vorgefundene Handtasche mit Portemonnaie und Taschentuch wurde die Tote als das seit Pfingsten vermißte Diensk» mädchen Anna Zimmermann festgestellt. Dienstagnachmittag traf die Leichenschau« Kommission auS Alt« Landsberg an der Stelle ein und nahm den Tatbestand auf. Das Mädchen trug leichte Kleidung und eine gestickte Weiße Bluse. wahrscheinlich die Kleidung, mit der sie zu Pfingsten ein Tanz- vergnügen besuchte. Um den Hals war der eigene Gürtel dcS Mädchens geschlungen und so fest mit Doppcllnotcn zusamnlcn- geschnürt, daß unzweifelhaft der Tod durch Erdrosseln von fremder Hand herheigeführt erschien. Die Zimmermann hatte nun einen Bräutigam, den 24 Jahre alten Arbeiter und Kutscher Wilhelm Brust ouS Hellersdorf, der früher geäußert haben soll, daß er sie gern los wäre. Er leugnet zwar, die Tat begangen zu haben, doch ergaben sich so viele Verdachtsgründe, daß er verhaftet und in das Alt Landsberger Gefängnis eingeliefert wurde. Ein neues Genesungsheim. Die Allgemeine Ortskrankenkasse von Charlottenburg hat in Klosterheide bei Lindow in der Mark ein neues Ge- «esungsheim errichtet, das am Sonntag mit einer kleinen Feier «ingeweiht wurde. Es hatten sich zahlreiche Vertreter von Kranken- lassen aus verschiedenem Städten sowie sonstige Interessenten dazu eingefunden.— Das Heim ist für Genesende männlichen Ge- f ch l e ch t s bestimmt, die nach überstandener Krankheit in länd- licher Umgebung und Stille sich noch einige Zeit ercholen sollen. Ein hierfür geeignetes Terrain war nicht leicht zu finden. Es sollte ein Waldterrain sein und möglichst in der Nähe eines großen fiskalischen oder kommunalem Waldgebiets liegen, das den Pfleglingen Gelegen- heit zu weiten schattigen Spaziergängen bietet. Das Grundstück ssolltc abseits vom Berkehr gelegen sein, aber auch wieder in der Nähe einer kleinen Stadt, um eventuell eine ärztliche Hilfe erreichen zu können. Es sollte ferner in kurzer Entfernung von einem Bahn- hos liegen und eine schnelle Fahrverbindung mit Berlin gestatten. Dann wurde noch Wert darauf gelegt, daß das zu erwerbende Ge- lände mit dem Bahnhof durch eine Zufahrtsstraße bereits ver- bunden ist, daß es an einen größeren befahrbaren See mit. sandigem Strand angrenzt und eine Höhenlage von mehreren Metern über dem Seespiegel besitzt. Eine weitere Vorbedingung war selbst- verständlich noch ein mäßiger Kaufpreis. Diese Reihe von Wünschen wurde befriedigt durch ein 8,72 Hektar oder 34 preußische Morgen großes Grundstück an dem mehrere Quadratmeilen großen Gudeläcksee, für das 3S0 M. pro Morgen, also noch nicht ganz 12 000 Mark, gezahlt wurden. Schon vor dem Erwerb des Grundstückes war ein Baufonds in Höhe von 300 000 M. zusammengebracht worden. Die Gesamtkßstem des Heims belaufen sich auf rund 3 6 00 0 0 M., so daß auf das Bett— das Heim ist mit 60 Betten be- legt— 6000 M. entfallen. Das Heim ist in der Weise gebaut, daß die Wirtschafträume von dem eigentlichen Heim getrennt sind, so daß das Grundstück mit zwei wesentlich verschiedenen Gebäude gruppen bebaut ist, einmal den Wirtschäftsräumen, an die sich u. a. auch ein Schweinestall anschließt, weil die Wirtschaftsabfälle noch zur Schweinefütterung verwertet werden sollen, und dann die Gruppe von Baulichkeiten zur Unterbringung der Genesenden. Diese sollen sich hier möglichst wohl, möglichst zu Hause fühlen; die einzelnen Zimmer sind deshalb meist mit drei Betten belegt, einige wenige auch mit vier, daneben finden sich auch einzelne Zimmer mit nur einem Bett. Lesesaal, an den sich eine Liegehalle anschließt, Billardzimmer, Turnsaal anit mediko-mechanischen Apparaten sind vorhanden. Außer den genannten Gebäuden befindet sich auf dem Terrain noch, anschließend an das Wirtschaftsgebäude, das Ma- schinenhaus(elektrische Kraft und Licht werden in der Anstalt selbst erzeugt), ferner das Pumpenhaus und die Brunnenanlage sowie eine Badeanstalt am See und eine Rieselfeldanlage zur Auf- nähme der Fäkalien und sonstigen Abgangsstoffe. Die praktische Anordnung fand durchweg den Beifall der Besucher. Die Gäste wurden von einem von dem Buchdruckergesangverein Typographia ausgeführten Gesangsvortrag empsaimen; dann wurden die gesamten Baulichkeiten sowie die innerD Einrichtung in verschiedenen Gruppen eingehend besichtigt, worauf noch einige Stunden in geselligem Beisammensein verbracht wurden. Erst gegen 8 Uhr wurde die Heimfahrt nach Berlin angetreten mit dem Wunsche, daß auch die Patienten in dem Heim sich so wohl fühlen möchten, wie es die Gäste getan. Im Hospiz am Brandenburger Tor, der Berliner Ssadtmission gekörig, mußten aus eine Eingabe des Verbandes der Gastwirts- gehilfen an die Gewerbeinspektion hin die Schlafräume der Kellner und Kochlehrlinge zum Teil ganz kassiert werden, zum Teil dürfen in den benutzten Räumen jetzt nur noch zwei Betten stehen, während vorher bis zu fünf darin untergebracht waren. DaS kommt davon, schreibt der„GastwirtSgehilse", wenn man sick> nur um das Seelenheil der Mitmensche» kümmert; da mutz schließlich die irdische Obrigkeit dafür sorgen, daß die Angestellten aus diesem Jammertal nicht so rasch in die ewige Seligkeit ein- zugehen brauchen, wie es bei den ungeeigneten Schlafräumen sonst hätte der Fall sein können. Ei» tödlicher Absturz ereignete sich gestern nachmittag auf dem Neubau der A. E.-G. in der Hussitenstr. 31. Der 68 Jahre alte verheiratete Arbeiter Wilhelm Lorenscheid auS der Mirbachstr. 59 stürzte durch einen Fehltritt aus beträchtlicher Höhe ab und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er im Lazarus-Krankenhause, wohin man ihn sofort brachte, schon kurze Zeit nach der Aufnahme starb. Ein Erpresser ertappt. Die Frau eines Kommerzienrates im Tiergartenviertel erhielt vor einiger Zeit einen Brief, in dem sie ersucht wurde, in einem Kuvert 10 000 M. bei dem Portier ihres HanscS zu deponieren. Würde die Hinterlegung des Geldes nicht erfolgen, so werde der Briesschreiber, der sich„Andre" nannte, ihren Galten und ihre Angehörigen von ihrem. Tun und Treiben benach- richtigen. Das Kuvert sollte drei Monate hindurch zur Abholung bei dein Portier bereit liegen. Für den Fall, daß die Frau Konunerzien- rätin geneigt sei, auf den Borschlag einzugehen, solle in einer Ver- liner Zeitung ein Inserat mit einem bestimmten Text erscheinen. Das Inserat erschlen, außerdem wurde auch dem Portier ein Brief übergebet«, der jedoch nicht 10 000 M.. sondern nur Papierschnitzel enthielt. Dienstagabend beauftragte ein Herr einen Messenger Boy. von dem Portier des Hauses den Brief abzuholen. Er selbst wartete am Schönebergcr User. Dem Boy wurde der Brief ausgehändigt, und er begab sich nichisahnend an den Ort, an den sein Auftraggeber ihn bestellt hatte. Gleichzeitig trat ein Ijriniiiialbeanitcr, der sich in der Nähe aufhielt, in Aktion. Er folgte dem Messenger Boy und beobachtete, wie er dem Herrn den Brief übergab. Ter Herr sprang sofort in ein bereit- stehendes Automobil und fuhr in schnellem Tempo davon. Der Kriminalbeamte folgte dem Automobil und ersuchte den Chauffeur, als er ihn erreicht hatte, zu halten. Der Herr wurde aus dem Automobil heraus verhaftet und auf daS Polizeipräsidium gebracht Dort stellte es sich heraus, daß es sich um einen Kandidaten der Medizin handelte, der bei seiner Vernehmung aiigab. den Erpressungsversuch zur Begleichung seiner Schulden unternommen zu haben. Grostfeuer kam gestern abend um 8 Uhr aus bisher noch nicht ermittelter Ursache auf dem Hofe Chausseestraße 75. Ecke der Müllerstraße zum Ausbruch. Unmittelbar an der Panke stand bei Ankunft der Berliner Feuerwehr die Dachpappenfabrik von R. Wigankow in großer Ausdehnung in Flammen. Die Qualm- �ntwickelung war enorm und erschwerte die Löschung ungemein. Längere Zeit konnte man#:uf der Brandstelle keine Hand vor Augen sehen. Von. den Fabrikgebäuden und den großen Vorräten war wenig zu retten. Die Feuerwehr mußte sich schließlich auf den Schutz der Gebäude beschränken� Dies gelang mit vieler Mühe nach enormer Wassergabe. Verloren wurde am Sonntagnachmittag bei einen, Ausflug in «eu-Heringsdorf ein graues Damenjacketb mit schlvarzen Knöpfen und schwarzem Samtkrage., und ein Regenschirm. Der Finder wird um Abgabe dieser Gegenstände bei H. Neuniann, Muskaner Str. 4, Seitenflügel 4 Tr., gebeten. Vorort- JSacbncbten« Tempelhof. Die Rechtsauskunftsstelle für das hiesige Gewerbegericht be findet sich beim Genossen K. Graul, Germaniastr. 163 I. Sprech stunden Montag, Mittwoch und Freitag von i/26 bis Va8 Uhr abends. Stralau. Die hiesige Polizei hat in dem bekannten„Amtseifer' dieser Tage den Versuch unternommen, offene Türen einzurennen. Zu dem nächsten Sonntag stattfindenden Volksfest des hiesigen Wahl- Vereins waren wie immer mit dem Programm und einer Einladung versehene Plakate ausgehängt. Dies schien der hochwohllöblichen Polizei nicht zu passen und auf ihre Anordnung mutzten die Plakate aus den Fenster» entfernt werden. Einige Gastwirte beschwerten sich sofort gegen diese ganz unberechtigte Maßnahme und erwirkten die Zurücknahme der„Anordnung".— Hat die Polizei wirklich nichts anderes zu tun, als die Einwohner ohne jeden Grund zu schikanieren und zu belästigen? Die organisierte Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß sich das Volksfest am Sonntag in der„Alten Taverne", Alt-Stralau 25/27, zu einer imposanten Kundgebung gegen die polizeilichen Maßnahmen gestallet. Obcr-Schöneweide. .. Ein elfjähriger Junge ertrunken. Die Frau des Arbeiters Erwin Jahn aus Neukölln machte gestern mit ihrem einzigen elf Jahre flirren Sohn einen Ausflug nach der Oberspree. Angelockt durch das Baden zahlreicher Kinder ging der Junge in der Nähe von TabbertS Waldschlößchen ebenfalls inS Wasser. Da er mit den Tiefenverhälv nissen nicht vertraut war, ging er geradeaus ins Wasser und ver- schwand etwa acht Meter vom Ufer entfernt vor den Augen seiner Mutter. Ein in der Nähe badender Arbeiter bemühte sich sofort um die Rettung des Jungen, konnte ihn jedoch nur noch als Leiche zu Tage bringen. Alle angestellten Belebungsversuche blieben erfolglos. Die Generalversammlung des WahlvereinS tagte am 10. Juli im Restaurant Blumengarten. Aus dem Jahresbericht ist. zu ent- nehmen, daß sich die M i t g l i e d e r z a h l von 897 auf 972 erhöht hat(einschließlich 18 Mitgliedern vom Landagitationsbezirk).. Die Zahl der V o r w ä r t s l e s e r ist von 1121 auf 1430 gestiegen. Die neben den Zahlabenden vorgenommene quartalsweise Haus kassierung hat sich recht gut bewährt. Gerügt wurde die schwache Beteiligung an den G.emeindevertreterwahlen, trotzdeni diese an Sonntagen stattfanden. Die Versammlung stimmte der Anregung des Genossen P e s s ie r zu, in Zukunft eine Kontrolle und Maßnahmen gegen die Säumigen vorzu- nehmen. Die öffentliche Agitation fand ihren Ausdruck in 5 Mit- glieder- und 16 öffentlichen Versammlungen. Nach dem Bericht des Kassierers betrug bei einem vorhandenen Kassenbestand von 374,82 Mark die Jahreseinnahme 5726,89 Mark, der eine Aus- gäbe von 5502,68 Mark und ein Kassenbestand von 224,21 Mark gegenübersteht. An den Kreis sind 3617,72 Mark abgeführt worden. Die EntWickelung der Bibliothek sowie der Fortgang der Agitation im Landbezirk wurden von den Funktionären als erfreulich bezeichnet. Bekanntgegeben wurde, daß das dies- jährige Volksfest am 18. August im„Wilhelminenhof" statt- findet und im Septemberzahlabend-eine Kontrolle über die entnommenen M a i m a r k e n vor sich geht.»Als Delegierter zum Parteitage wurde Schwarzburger vorgeschlagen, als Mit- glied des Kreisbildungsausschusses Jacobsen und als Mitglied für den Gemeindevertreterausschuß G r u n o w gewählt. Die Wahl der Ortsfunktionäre ergab folgendes Re- sultat: 1. Vorsitzender: Schwarzburger. Kassierer: Biedermann, Schriftführer: Hubert, Revisoren: Grunow, Jacobsen, Muth, Bei- sitzer: Liesegang, Krüger und Genossin Freidank, Speditions- kommission: Brey und Höhne, Lokalkommission: Krüger, Funke und Förster, BibliothekSkommiffion: Grunow und Jacobsen, Biblis- thekar: Herm. Götze, Kinderschutzkommission: Genossin Muche, Ob- mann zur Landagitation: Krüger. Köpenick. Einen Arbciter-Schwimmverein will der Kreis l de? Arbeiter- Schwimmerbundeö am kiesigen Ort gründen. Interessenten sind auf die beute abend 8 Uhr im kleinen Saal des Köpenicker Stadt- theaters stattfindende Agitationsversammlung ganz besonders auf- merksam gemacht. Bohnsdorf. Auf dein Stiftungsfeste des Wahlvereins am 13. Juli sind bei der Verlosung die Nummern 14. 204, 261 gezogen und die darauf fallenden Gewinne nickt abgeholt worden. Diese können bei der Genossin Frau Weißensee, Straße 21, Aufgang 7 I in Empfang ge- nommen werden. Bernau. Die Liste deik' stimmfähige« Bürger hiesiger Stadt liegt vom 15. bis 30. Juli im Bureau des Magistrats— Zimmer Nr. 2— während der Dienststunden öffentlich aus. Die Eutsicht ist jedermann gestattet. Unsere Genossen werden ersucht\Einsicht in die Liste zu nehmen und sich ihr Wahlrecht zu sichern. Versammlungen. Die Packer, Lager-, Hilfs- und Transportarbeiter der Alfge- meinen Elektrizitatögesellschaft Brunnenstraßc und Voltastraße nahmen in einer starkbesuchten Versammlung im Swinemünder Gesellschaftshaus zu ihren Lohn- und Arbeitsverhältnissen Stellung. F r o m k e vom Transportarbeiterverbande referierte über das Thema:„Ist von dem Wohlwollen der Direktion eine Hebung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erwarten?" Er wies in seinen Ausführungen auf die immer noch bestehenden schlechten Lohnver- Hältnisse und der überlangen Arbeitszeit hin und zeigte an der Hand von Beispielen, daß trotz der alljährlich sich ergebenden Millionen Reingewinne die Firma noch niemals aus sich selbst eine Verbesserung habe eintreten lassen, sondern alles, was bisher an Verbesserungen auf dem Gebiete der Lohn- und Arbeitsverhältnisse erreicht, sei dem ernsten Ringen der gewerkschaftlichen Organisation zu verdanken. Die Anfangslöhne, die gegenwärtig bei Neuein- stellungen 42 Pf. pro Stunde betragen, seien viel zu niedrig. In einer großen Anzahl Betrieben erfolge schon die Neueinstellung mit weit höheren Löhnen. Die A. E. G.' steht trotz ihrer günstigen finanziellen Verhältnisse in der Lohnzahlung weit hinter anderen und weit weniger leistungsfähigeren Betrieben zurück. Um Lohn- forderungen für die Zukunft zu crschtveren, habe die Firma gelbe Fabrikvercine gegründet. In diesen Fabrikvereinen befinden sich die unlautersten Elemente. Eine Anzahl Spitzel, Denunzianten und sonstiges Gesindel der anrüchigsten Art betreiben ihr unsauberes Handwerk, unter welchem die Beschäftigten schwer leid-m Der Boden, auf dem diese Elemente gedeihen, muß ihnen ent- zogen werden. Je mehr Einfluß die aewerlschastliche Bewegung erlangt, um so weniger Spielraum bleibt für diese Giftpflanzen dann übriq. Eine Schande für die A. E. G.-Direktion sei es, daß sie jetzt anfange, die Versammlungen der Arbeiter durch diese Ele- mente überwachen zu lassen. Es wurde festgestellt, daß der Weg von der Fabrik bis zum Versammlungslokal mit mindestens 30 bis 40 Spitzeln besetzt war. Der Zweck, den ei» wlches Vorgehen haben soll, ist ersichtlich und daher ist der Ausbau der Organisation mit allem Nachdruck zu betreiben. In einer von der Versammlung einstimmig angenommenen Resolution heißt es: Die Versammelten erklären an einer weiteren Entwicklung der Anfangslöhne festzuhalten und sind de: Ansicht, daß diese Nle Höhe von 48 bis 50 Pf. pro Stunde zu erreicksen haben unter gleichzeitiger Erhöhung der Höchstlöhne auf 65 Pf. Da die Direktion au? sich selbst den berechtigten Wünschen der Arbeiter keine Rechnung zu tragen geneigt ist, so bleibt die Erringung dieser Lohnsätze dem wirtschaftlichen Kampfe vorbe- halten... � Um einen solchen Kampf mit Erfolg und Nachdruck führen zu können, geloben sich die Versammelten, ihre Organisation zu stärken und jeden Berusskollegen aufzufordern, Mitglied des Per- bandes zu werden. Sie(die Versammelten) geloben, nach diesen Grundsätzen ständig zu arbeiten und nicht eher zu ruhen, als bis das gesteckte Ziel erreicht ist. In der Gründung gelber Fabrikvereine durch die Unter- nehmer erblicken die Versammelten eine Schädigung der Arbeiter- interessen und fordern die Kollegen auf, sich diesen Gebilden nicht anzuschließen und in Fällen, wo bereits geschehen, ist der sofortige Austritt zu erklären. Den Spitzeln und Denunzianten spricht die Versammlung die größte Mißachtung aus und stellt diese Elemente aus den Reihen der Arbeitergemeinschaft. Es wird erwartet, daß mit diesen Subjekten kein ehrlicher Arbeiter in freundschaftlichem Sinne verkehrt, noch z,� verkehren bestrebt ist. Deutscher Ardeiter- Abstinentenbund. BezirkSversammlungen Neukölln, Donnerstag, den 18 Juli, abends 8'/, Uhr, im Jdeal-Kasmo Weichjelstr. 8.— Berltn-Nord. Freitag, den 19. Juli, abends 8'/, Uhr Danziger Straße 93. Vortrag über Militarismus.— Berlin-Ost, Freitag, den 19. Juli, abends 8-/, Uhr, in den Andreas-Festsälen. Andreasstr. 21. Vortrag. 0_. � �. Arbeiter-Wanderbund„Die Naturfreunde". Wandersahrten am Sonnlag, den 21. Julie I. Chorinchen— Paarsteiner See— Liepe— Nieder- finow. Abfahrt: Stettiner Fernbahnhos, Sonnabend, abends 11.30 Uhr. II. Löcknitz-Wanderung. Abfahrt: Schiefischer Bahnhof, vormittags 7.23 Uhr bis Erkner. III. Oranienburg— Grabowsec— Li ebenwalder Forst— Fichten- rund. Abiahrt: Stettiner Vorortbahnhos, vormittags 6.45 Uhr. IV. Rahns- ors—Stiemtzsec— Strausberg. Abfahrt: Schlesischer Bahnhos, vormittags 5.33 Uhr. V. Grunewald— Wannsee— Neubabclsberg. Abfahrt: Bahnhos Friedrich stratze, vormittags 6.17 Uhr. VI. Dallgow-Döberitz— Dorfruine Döberitz— Krampnitz— Potsdam. Abfahrt: Lehrter Hauptbahnhos, vormittags 6.47 Uhr. VII. Hcrmsdorj— Tegel. Treffpunkt: nachmittags 2 Uhr. Bahn- hos HermSdors./z Uhr abends— Sonnabends von 4'/z— 6 Uhr— Lindenstr. 69. fV.' Etage(Fahrstuhl) statt. M. R. 1k. Sie müssen innerhalb Jahrcssrist gegen das Kind An- fechlungsklage erbeben.§§ 1593—1600 Bürgerl. Gesetzbuch. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt.— M. K. 3. 1. und 2. Ja. 3. Der Vormund kann ohne das Gericht zu befragen, auszahlen. 4. Wenden Sie sich eventuell zunächst an das Vormundschastsgericht.— A. G. 305. Sie er- halten nur»Rente, wenn Sie selbst dauernd invalide oder während 26 Wochen ununterbrochen invalide gewesen sind. Kommen Sie eventuell in die Sprechstunde.— G. S. 14. Spätestens am 15. zum Schluß des Monats.— B. P. 36. Sie können nur Ihren Schaden geltend machen. Ob sie im vorliegenden Falle das Mietverbältnis kündigen können, ist zweiselhast.(§§ 538— 542 Bürgert. Gesetzbuch.) Sosort räumen dürfen Sie nicht.— F. I. 43. Wenn das Testament nicht ordnungsgemäß er- richtet ist, ist das Gericht im Recht, eventuell müssen Sie sich an die gesetz- lichen Erben wenden. Ob Sie miterben, können wir, da wir daS Testament nicht gesehen haben, nicht beurteilen.— Wenn Geschwister nicht vwhandcn ind, bqfrägt der Pflichtteil der Mutter die Hülste des Nachlasses. — L. 200. 1. Der Uebernahme der Vormundschaft durch Sie steht nichts entgegen. Wenden Sie sich an das Vormundschastsgericht. 2. Sie Können dem Kinde Ihren Namen geben.— 100 D. Strafbar machen Sie sich nicht. ES kann Ihnen aber die Unicrstützung entzogen werden.— F. 11. Wenn der Sohn die Erbichast angenommen hat. ist er berechtigt, zu dein nächsten gesetzlichen Kündigungstermin das Mielvcrbältnis zu kündigen. Sind mehrere Erbe» vorhanden, müssen alle gemeinschasllich kündigen. Bei Minderjährigen geschieht die Erklärung durch den gesetzlichen Vertreter. Unterbleibt die Kündigung, muß gezahlt werden.— H. B. 10. Sie müssen zunächst Pfändung oersuchen, sälll dieselbe fruchtlos aus, müssen Sic den Ihrmacher über den Verbleib der Uhr zur Leistung des Ossenbaruugseides laden lassen. Erst danach können Sie event. Stiasantrag stellen.— G. 8. Nein.— H. Kr. 132. Wir empfehlen, das Testament dem Gericht zu überreichen. Das Testament in dem uns mitgeteilten Sinne kann seitens der übrigen Erben angefochten werden.— R. Z. 35. Wenn Sie nicht lediglich vorübergehend als Werkmeister bcschästtgt werden und nichts anderes verabredet ist, sechs Wochen vor Ablauf eines Kalendervierteljahrs. — A. H. 48. Wenden Sie sich unier Ueberreichung Ihrer Ouittungskarien und eines ärztlichen Attestes an das Versichcrungs- amt, hier, Köllnischen Park.— Werk 10. 1. Ja. 2. An die Handwerkskammer. 3. und 4. Nein. 5. Kommt nicht in Frage. 6. Praktisch und theoretisch(auch Buch- und Rechnungssührung). — E. L. 75. AuS der Keimzelle Die genannten Stoffe dienen beide derselben als Nahrung für ihre Entwickelyng.— A. 3. 4. und D. ffi. 57. Am besten sitzen Sie sich in dieser Angelegenheit mit dem Lehrer Ihre» Kindes in Verbindung.— A.«. 404. Nachweis solcher Institut- lehne» wir ab, da diele fast durchweg reeller Grundlage entbehren.— Nt. P. 5. 1. La, setzen allerdings eine gewisse Bildung voraus. 2. Durch jede Buch» Handlung.— R. F., Nieder- Schönhausen. UnS nicht bekannt.— F. kontra V. Das Komma ist in den angegebenen Fällen uiicrlaßiich. Empsehlcn Sie dem belreffcndcn Herrn den Anschluß an seine Spezial- organisätton, wo er sich die nötige Jnsonnation leicht verschaffen kann. Marktbericht von Berlin am 16. Juli 1912. nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speijcbohncn, weiße. 30.00—50.00. Linsen 40.00—80.00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 10,00—16.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1,50— 2,40. Hammelfleisch 1,70— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40— 5,20. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,20—3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00-40,00._ Witterungsübersicht vom 17. Juli IglS. ktationen winemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien . ll A « B, sl SZ 76 530 765OSO 765SO 764i«D 764'O 764 NNO Wetter heiter wölken! heiter Izwolkcnl 3wolkcnl 2woikcnl äH i? 21 21 21 19 17 17 Etattonen Haparanda Petersburg 76-1SW cilly Aberdeen Paris Wetterprognose für Donnerstag, den 18. Juli 1912. ' Vielfach heiler, sehr warm und schwül bei meist schwachen, verändcr- lichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner W e t t e r b u r e a u. WasscrstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterdureau. Waffcrstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnlterburg Weichsel, Thoru Oder, Ralibor , Krossen Frankfurt Warthe, Schlimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden . Barby . Magdeburg Wasserstand Saale. Krochlitz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg») , Beestow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Hcilbroim Main, Hanau Mosel, Trier am 16. 7. cm 50 27 23 66 77 88 168 492 249 229 40 405 —3 seit 15.7. cm1) +15 —1 +3 —6 +3 —9 —5 +2 —9 —7 —1 — 6 — 4 _____ i|________________.______')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel._____ ~ Verantwortlicher Redakteur: Albert KachS« Berlin. Aür d» Lnseratemei! veraniw.: Zf). Glucke, Berlin. Druck n.«eriag: Vorwa«» VuSdruckere, u. PeciagSanstaU Laut Smger u.Eo� Berlin 5.W.