N-. 166. Hbonnementz-Kcälngungen: BJonnetnentS■ Preis ttinumctonSu; «ierleljährl. 3�0 SRI., monotl 1,10 SRt, wöchenUich 28 PIg. frei in« Hau«. einzelne Rümmer 6 Pfg, Sonntag«. nummer mit illusirierier Sonntag«- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Po». Zeitung«- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, sür da« übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnemeni« nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. Crfätlnt«glich»Bcr BlontagJ. Berliner Volksblnkk. Sie TnfertlonS'GebOfir Jehügl für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 60 Pfg., sür politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen W Pfg. „meine Hnzeigtn", das fettgedrmne Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche Und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi« 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SoblZlämslikSl Btrua". Zentralorgati der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlandg. Redahtiont 8M. 68, Llndcnetraaac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1883. Freitag, den 19. Juli 1913. 6xpedtttom SM. 68, Lindenstrasse 6g» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Des Teufels Paradies. London, 16. Juli 1912. Ein Blaubuch, das von„unsäglichen" Scheußlichkeiten berichtet, die von den Beamten der„Peruvian Amazon Company" an der indianischen Bevölkerung des Putumayo- gebiets begangen worden sind, ist eben von der englischen Negierung veröffentlicht worden. Die Greuel des Leopold- schen Regimes im Kongostaate, die Torturen des Mittel- alters verblassen gegenüber diesen wahnsinnigen Greueltaten, Morden und Folterqualen, von denen der Kommissar der eng- tischen Regierung, der Generalkonsul Sir Roger Case- m e n t, der vor zwei Jahren von seiner Regierung nach dem Putumayo geschickt wurde, in langen Seiten zu berichten weiß. Man wird sich erinnern, wie vor zwei Jahren der Amerikaner H a r d e n b u r g e r, der die Gegend bereist hatte, in der englischen Zeitschrift„Truth" furchtbare An- klagen gegen die Agenten der„Peruvian Amazon Company". eine Gesellschaft, die ihren Sitz in London hat, erhob. Die Verbrechen, deren Herr Hardenburger die Agenten dieser Gesellschaft anklagte, waren so gräßlicher Natur, daß manche geneigt waren, die Schilderungen als übertrieben zu betrachten. Aber Herr Hardenburger kam ausgerüstet mit beeideten und notarisch beglaubigten Zeugenaussagen. und an den Charakter und die Wahrhaftigkeit des Mannes ließ sich nicht rütteln. Der Sturm der Entrüstung, der sich ini Publikum erhob, veranlaßte die„Peruvian Amazon Company", eine Untersuchungskommission nach dem Putumayo zu schicken und dieser Kommission schloß sich der General- konsul an, der von der Regierung beauftragt wurde, zu untersuchen, ob die Berichte über die Verbrechen, die von den Agenten der Gesellschaft auch an englischen Untertanen, Neger von der englischen Kolonie Barbados, verübt worden sind, auf Wahrheit beruhten. Schon bei seinem ersten Besuch der Gegend fand der englische Generalkonsul, daß die Angaben Herrn Harden- burgers keineswegs übertrieben waren. Er schickte einen vor- läufigen Bericht an seine Regierung, der Sir Edward G'rVy im Januar 1911 veranlaßte, dem britischen Ver- treter in Lima(Peru) folgendes Telegramm zu schicken: „Viele der obersten Beamten der„Peruvian Amazon Company" haben sich zweifelsohne der empörendsten Grausam- leiten gegen die Indianer schuldig gemacht, worüber reich- liche und unwiderlegliche Beweise gesammelt wurden, die von Senor Tizon. dem Vertreter der Gesellschaft in La Chorrera, ohne Widerspruch als unwiderleglich anerkannt worden sind. Unter den Verbrechen, deren diese Leute be- schuldigt werden, sind Mord, Tortur, Schändung, beständiges Auspeitschen in einer barbarischen Art und andere Handlungen von unsäglicher Grau- s a m k e i t. Dies sind nicht isolierte Fälle, sondern der Teil eines S y st e m s." Wenn so der in der Wahl seiner Ausdrücke sonst vor- sichtige Diplomat spricht, wie muß dann erst das Tat- sochenmaterial beschaffen sein. dasSirRogerCasement gesammelt hat! Geben wir einige Auszüge aus dem Blaubuch: „In Matanzas erfuhr ich durch das Geständnis eines der Auspeitscher selbst, daß weniger als sechs Wochen vor meinem Besuch ein Häuptling der Eingeborenen zu Tode gepeitscht worden war und in der Gefangenschaft im Fußblock der Station zwischen seiner Frau und einem seiner Kinder gestorben sei. Das Aushauen war die geringste der Torturen, die diejenigen trifft, die nicht genug Gummi ein- sammeln, aber es ist die v e r b r e i t e t st e und die, die o h n e Auswahl angewendet wurde. Jede Sektion, die ich besuchte, hatte einen Fuß block und ihren offiziell er- nannten Auspeitscher. Ein Individuum, das oft an diesem Aushauen teilgenommen und sich selbst zweier an Indianern begangenen Mordtaten schuldig bekannte, hat von der Art, wie die Indianer an den Stationen, wo er diente, ausgepeitscht werden, folgende Beschreibung gegeben: Der Indianer ist so demütig, daß er sich, sobald er sieht, daß die Zunge der Wage nicht auf 19 Kilogramm zeigt, mit aus- gestreckten Händen auf den Boden wirft, um seine Strafe zu empfangen. Dann tritt der Sektionschef oder ein unter- geordneter Beamter vor, beugt sich nieder, ergreift den Indianer bei den Haaren, schlägt ihn, hebt den Kopf in die Höhe, läßt ihn niit dem Gesicht nach unten zu Boden fallen und nachdem das Gesicht des Indianers geschlagen und gr- treten worden und mit Blut bedeckt ist, wird dieser aus- gepeitscht. Tas ist ein w a h r e s Bild. Eingehende Beschreibungen des Auspcitschcns dieser Art wurden mir immerwieder von Leuten gegeben, die zu dieser Arbeit verwendet worden waren." Ueber einen Sektionschef der Gesellschaft namens Normand berichtet der britische Generalkonsul:„Die Ver- brechen, deren dieser Mensch angeklagt wurde und die vom Ende des Jahres 1994 bis zum Monat Oktober 1919, als ich ichii als Chef dieser Station Matanzas oder Andokes antraf, datieren, scheinen beinahe unglaublich zu sein. Es befinden sich darunter zahllose an wehrlosen Indianern begangene Mordtaten und Torturen wie folgende: Er übergoß Männer und Frauen mit Petroleum und steckte sie dann in Brand; er verbrannte Leute auf dem Scheiterhausen; er schlug Kindern das Hirn ein und hieb in zahlreichen Fällen Indianern Arme und Beine ab und überließ sie dann in dieser Qual einem schnellen Tode. Es wurde behauptet— und ich bin überzeugt, mit Recht behauptet—, daß Normand während des Zeitraumes von beinahe sechs Jahren, während dessen er den indianischen Stamm der Andokes beherrscht hatte, unmittelbar„viele Hunderte" dieser Jndiaiier getötet habe— Männer, Frauen und Kinder. Die mittelbaren Tötungen, die durch Ver- hungern. Auspeitschen, Aussetzung und Beschwerden ver- schiedener Art beim Einsammeln des Gummis oder dessen Transport von Andokes hinunter nach Chorrera verursacht wurden, müssen eine noch viel höhere Zahl ausmachen. Senor Tizon. der Hauptvertreter der Gesellschaft, sagte mir, daß „Hunderte" von Indianern bei dem erzwungenen Transport des Gummis von den entfernteren Stationen hinunter nach La Chorrera umkämen. Die Gesellschaft gibt diesen unglück- lichen Menschen keine Nahrung auf diesen Eilmärschen, die im Durchschnitt dreimal im Jahre stattfinden. . Indianer wurden häufig zu Tode gepeitscht. Es wurden mir Fälle berichtet, wo Männer und Frauen unter der Peitsche gestorben; aber gewöhnlich fanden die durch das Aus- peitschen verursachten Todesfälle einige Tage später statt. In vielen Fällen, wo Männer und Frauen so grausam gepeitscht worden waren, daß das Fleisch der Wunden in Fäulnis über- ging, wurden die Opfer von einem der„Racionales", der auf Befehl des Sektionschefs handelte, oder auch von diesem Individuum selbst erschossen. Manchmal wurden die Wunden mit Salz und Wasser behandelt, aber in vielen Fällen war ein gefährliches Auspeitschen nicht einmal von diesem arm- seligen Heilversuch begleitet; das Opfer wurde„mit Maden im Fleische" losgelassen, um im Walde zu sterben, oder wurde erschossen und die Leiche verbrannt oder begraben— oder oft genug in den„Busch" nahe beim Sektionsgebäude ge- worfen. Ein britischer Untertan, der selbst oft die Indianer aus- gepeitscht hatte, berichtete mir, daß er gesehen habe, wie Mütter gepeitscht wurden, weil ihre kleinen Söhne zu wenigGummi eingebracht hatten. Man hielt diese Knaben für zu klein, um sie zu ziichtigen, und so wurde dann, während der kleine Knabe entsetzt und schreiend dabei stand, die Mutter geschlagen—„nur ein paar Streiche", um ihn zu einem besseren Arbeiter zu machen. Männer und Frauen wurden an den Armen aufgehängt, die oft auf den Rücken herumgedreht und dort an den Hand- gelenken zusammengebunden wurden, und in dieser qual- vollen Stellung wurden die Menschen, mit den Füßen hoch über dem Erdboden, auf den unteren Gliedern und den unteren Rückenpartien gegeißelt." Seite auf Seite über diese und schlimmere Scheuß- lichkciten findet man in dem Blaubuch. Dies sind nicht etwa sensationelle Berichte eines hirnverbrannten Reisenden, sondern die nüchternen Ergebnisse unwidersprochener Zeugen- aussagen, die von einem Regierungskommissar gesammelt worden sind, der mit eigenen Augen die furchtbaren Merk- male, die die Tortur an den Opfern hinterlassen, in Augen- schein genommen hat. Sir Roger Casement hat mit den Scheusalen, deren Taten er beschreibt, am selben Tisch gesessen, während diese Verbrechen erörtert wurden, und durfte kein Zeichen des Unwillens oder des Entsetzens von sich geben aus Furcht, daß er dadurch die Mörder zu neuen Verbrechen gegen die Indianer reizen könnte. Ein unsäg- licher Jammer erfaßt einen beim Lesen dieses Berichtes, den die englische Regierung schließlich veröffentlichen mußte, da dir Rcgierung Peruö trotz häufiger Mahnungen noch nichts unternommen hat, um die Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen! In einem zweiten Artikel soll von der Gesellschaft die Rede sein, die die sanften, harmlosen und keineswegs unzivilisierten Nachkommen der Jnkas auf solche teuflische Weise ausbeutet. Schiitrwssnozeläe in der Bewertung vor einem Geschworenengericht. .�aMl'örn, die jüngste preußische Großstadt, ebenso„berüchtigt" durch ihre internationale Arbeiterbevöllerung, wie„berühmt" durch ihre schneidige Polizei, hat wieder mal eine Schutzmannssensation, diesmal auf dem Gebiete der Streikprozessierung. Daß sechs preußische Polizeieide in einem Prozesse vor der Prüfung der Geschworenen nicht bestehen, dürfte in der Geschichte der Streik- prozcssierung wie überhaupt in der Kriminalistik wohl kaum jemals dagewesen sein. Hamborn hat sich diesen„Ruhm" jetzt erworben. Gelegentlich der Unruhen in Hamborn-Bruckhausen am 11. März er., dem ersten Streiktage der Bergarbeiter, war die Hamborner Polizei recht nervös geworden. Namentlich abends nach Ist Uhr beim Schichtwechsel, als noch nicht so große Massen die Arbeit eingestellt hatten, gab es mehrfach recht turbulente Szenen auf der Straße, wobei die Revolver knallten und die Säbel blitzten, die Steine flogen und mancher mit blutigem Kopfe heimging, der um st Uhr noch an nichts Böses gedacht haben mochte. Gegen 11 Uhr war— im polizeitechnischen Sinne— die„Ordnung wieder hergestellt". Etwa ein Dutzend Polizeibeamte begaben sich dann in eine Wirtschaft und verweilten dort einige Zeit. Unterdes war die Straße fast menschenleer geworden. Gegenüber der Wirtschaft. wo eine Straßenbahnhaltestelle ist, warteten zwei Personen. Eine dritte Person, der 31 Jahre alte Bergmann Reißner, kam aus einer Bedürfnisanstalt in dem Augenblicke, als der größte Teil der Schutzleute wieder aus der Wirtschaft herauskam. Die Polizei- sergeanten B a r S und F I o s s e ck hatten nun nichts Eiligeres zu tun, als diese Personen beim Kragen zu nehmen und deren Taschen zu visitieren. Der Zufall wollte es, daß Reißner ein D o l ch m e s s e r bei sich führte. Das nahm ihm Bars ab. Dann gab eS blutige Köpfe. Der Bergmann wurde in den Hausflur der Wirtschaft gezerrt und als man ihn dann schließlich zur Wache brachte, floß ihm das Blut nur so am Kopfe herab. Der zweite, der dem Polizeisergcant Flosseck in die Hände fiel, ein Bergmann R a d e r, der nicht streikte, auch in der Menschen- menge nicht gewesen und zudem noch krank war, will seine Hiebe gleich auf dem Straßendamm erhalten haben. Auch auf der Wache will er noch durch Schläge ins Ge- ficht mißhandelt sein. Der dritte machte sich noch rechtzeitig aus dem Staube und behielt so seine Knochen heil. Während Rader nun mit einem Strafmandat über 39 M. bedacht wurde— angeblich wegen„groben Unfugs"—, kam Reißner in Untersuchungs- Haft. Und bereits am 20. März stand er vor der Duisburger Strafkammer, um sich wegen„Wider st andS, Be- drohung, tätlichen Angriffs und verbotenen WaffentragenS" zu verantworten. Der Strafkammer schien aber da? Vergehen des Reihner so arg, daß sie ihn vor das Schwurgericht verwies. So hatte sich denn dieses jetzt mit seinen Straftaten zu befassen. Nach den Aussagen der Polizeibeamten BarS, Flosseck, Frei st ein, Ronninger, Matza und Taubach ist weder Reißner noch Rader von einem der Beamten geschlagen worden. Die sehr erheblichen Kopfverletzungen soll Reißner schon vor seiner Festnahme gehabt haben. In den Hausflur der Wirtschaft habe man ihn nur hineingebracht, um die stark blutenden Wunden— zu untersuchen! Aber an Verb in- den der Wunden hat trotzdem niemand gedacht. Das ist erst ge- schehen. als man Reißner zur Wache geschleppt hatte. Demgegenüber bekundeten der Metzgermeister B o e r S, dessen Geselle Hahn und der Fabrikarbeiter Backes sowie der Zeuge Rader, daß Reißner v o n den Polizeibeaamten blu- t i g geschlagen i st. Es standen sich also zwei Gruppen von Zeugen gegenüber. Auf der einen Seite vier ganz unbeteiligte Zivilzcugen, auf der anderen Seite 6 am Ausgange des Prozesses interessierte Polizisten, die sich in Einzelheiten auch noch mehrfach widersprachen. Dann hatte die Staatsanwaltschaft noch zu guter Letzt den Gastwirt Rosenthal, vor und in dessen Räumen sich die Verprügelung des Reißner ab- gespielt hatte, als Belastungszeugen geladen, mutzte dann aber erleben, daß Rosenthal zu einem Entlastungszeugen für Reißner und Belastungszeuge für die Polizisten wurde. Als der Mctzgermeister B o e r s die Mitzhandlung de? Reißner bekundete, bemerkte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor I e u n- rich:„Nehmen Sie sich in acht, Sie setzen sich mit ihrer Aussage einem Meineidsverfahren aus. darauf können Sie Gift nehmen!" Desgleichen drohte der Staatsanwalt mit Verhaftung und beantragt die Pro- tokollierung der Aussage, so dah der bürgerliche Metzgermeister, der es weit von sich weist, etwa zu uns zu gehören, ganz blaß wird und zaghaften Tones meint:„aber ich muß doch unter Eid die Wahrheit sagen"! Und als der Metzgergeselle Hahn die Aussagen seines Meisters im vollen Umfange be- stätigt und betont, daß, als der Polizeisergeant BarS den Reißner mit dessen Dolchmcsser auf den Kopf grschlagen habe, das Rlut an die Wand gespritzt sei, bemerkt der Vorsitzende:«Das ist doch unrr» hört. Ist denn da kein Irrtum möglich?"— Nein, die Zivilzeugen waren sich ihrer bedenklichen Lage wohl bewußt, sie sind auch gegen ihren Willen als Zeugen benannt, aber sie konnten nicht zugeben, daß ihrerseits ein„Irrtum" vorlag. Rechtsanwalt Markwitz als Verteidiger des Angeklagten, drehte dann den Spieß um, bean- tragte die Protokollierung der Aussagen der Polizeibeamten und eine Ortsbcsichtigung, aber das Gericht lehnte beides ab. Als der Zeuge Backes aussagt, daß die auf der Straße stehenden Leute von den Polizeibeamten„überfallen" seien, bemerkt der ganz erregt gewordene Vorsitzende wieder:„Das i st doch unerhört, was der Zeuge sagt." Die Zeugen wurden auch nach ihrer etwaigen Zugehörigkeit zur Sozialdemo- kratie oder zum Bergarbciterverbande gefragt. Aber keiner der Zeugen, auch nicht der Angeklagte, hatte etwas mit der organi- sicrten Arbeiterschaft zu tun. Den Zeugen Rad er hielt der Staatsanwalt nicht für glaubwürdig, weil er nicht sofort gegen die Beamten den Beschwerdeweg eingeschlagen und gegen die 30 M. Polizeistrafe keinen Einspruch erhoben Habel Wenn der Staatsanwalt etwas tiefer solchen Erscheinungen nach- spüren würde, müßte er sich sagen, daß in dem Manne jedes Zutrauen zum preußischen Recht erloschen ist und daß er aus diesem Grunde nicht opponierte. Im übrigen plädierte der Staatsanwalt für das.. S ch u l d i g" in vollem Umfange, während der Verteidiger den Aussagen der Polizisten mißtrauisch gegenüber stand und betonte, daß seinen Klienten nichts weiter bewiesen sei wie das Tragen verbotener Waffen. Der Mahrspruch der Geschworenen lautete dahin, daß der Angeklagte des W i d e r st a n d e S und der Bedrohung mit dem Dolchmcsser„Nicht schuldig" sei. Damit hatten die Geschworenen die eidlichen Aussagen der ö Polizisten, soweit sie sich auf die Vorgänge vor und in der Wirtschaft sowieausderPolizei- wacke bezogen, preisgegeben. Aber der Angeklagte kam trotzdem noch hart unter die Räder. Die Polizeibeamten Bars, Frei st ein, Flosseck und Ronninger hatten auch be- schworen, daß sie den Angeklagten während deS Tumults in der mehr wie lOOOkijpfigen Menge„beobachtet" haben, wie er mit Steinen warf und den Zeugen Bars mit einem Stein auf die Nase traf. Der Beamte F l o s s e ck hat sogar den Flug des Steines aus der Hand des Reißner bis zur Nase des Zeugen Bars durch die Luft verfolgt. Dabei war es etwa 10 Uhr abends. Entlastungszeugen hatte der Ange- klagte hierfür nicht und da er zugeben mußte, in der Menschen- menge mit gewesen zu sein und Steine in der Tasche gehabt zu haben, so lautete der Wahrspruch der Geschworenen in bezug hierauf„Schuldig" des schweren Landfriedens- b r u ch s und tätlichen Angriffs durch Werfen mit Steinen, aber unter Zubilligung mildernder Umstände. 9 Monate Gefängnis beantragte der Staatsanwalt. Das G e- licht ging er heb! ich über den Antrag hinaus und erkannte auf 1 Jahr und 3 Monate. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die Geschworenen die 6Schutzmannseide wegen der Prügelszenen glatt unter den Tisch habe»fallenlassen.» Der Krieg. Die türkische Ministerkrise. Konstantinopel» 18. Juli. Ueber die Bedingungen, die Mah- m u d M u k t a r an die Uebernahme des Kriegsportefeuilles knüpfte, laufen verschiedene Gerüchte um. Nach einer glaub- würdigen Version verlangte Muktar die Aufhebung dcS Belagerungszustandes, eine allgemeine Amnestie, die sich auch auf die Al- banerchefs sowie auf die Würdenträger des alten Regimes erstrecken sollte, und die Zurückziehung der in Albanien befindlichen Expe- ditionstruppen. Dr Ministerrat soll den Bedingungen Muktars anfangs günstig gegenübergestanden haben; später entstanden je- doch im Schöße des Ministerrats Meinungsverschiedenheiten, die die Ernennung Muktars in Frage stellten. Schließlich mußte das Kabinett demissionieren. Die jungtürkische Partei nahm in einer Versamm- lung Kenntnis von dem Rücktritt des Kabinetts und drückte ihr Erstaunen darüber aus, daß er zwei Tage, nachdem die Kammer fast einstimmig dem Kabinett das Vertrauen ausgesprochen hatte, erfolgt sei. Zwischenfall an der türkisch-montenegrinischen Grenze. Wien, 18. Juli. Aus C e t i n j e wird gemeldet: Zwischen türkischen Truppen und montenegrinischen Grenzbewohnern kam es heute in der Nähe des Skutarisees zu blutigen Zusammenstößen. Zwei Montenegriner, die auf montenegrinischem Gebiet mit Feld- arbeiten beschäftigt waren, wurden plötzlich von türkilchen Soldaten beschossen und schwer verwundels. Als mehrere Mbntenegriner zur Hilfe herbeieilten, gaben die Türken Salven ab. Neun Man- tenegriner blieben auf der Stelle tot, fünf erlitten schwere Ver- letzungen. Als sich darauf die Montenegriner, die völlig unbe- Waffnet waren, zurückzogen, gingen die türkischen Soldaten über die Grenze und verstümmelten die Leichen der Montenegriner auf gräßliche Weise durch Bajonettstiche. Dieser Vorfall hat in der montenegrinischen Grenzbevöllerung große Erregung hervorgerufen. Politische CUberficbt. Berlin, den 18. Juli 1912. Christliche Gcwerkschaftstaktik. Der Jahresbericht über die christliche Gewerkschaftsbewegung für 1911, den die letzte Nummer des.Zentralblattes" ver- öffentlicht, kann insofern ganz besonderes Interesse be- anfpruchen, als er deutlich zeigte, wie die christliche Ge- Werkschaftsbewegung immer mehr unter den Einfluß der politischen Manager der bachemitischen Richtung gelangt und diese einfach der Gewerkschaftsleitung diktieren, wie sie sich zu verhalten und ihre Maßnahmen zu begründen hat. Je mehr sich die christliche Gewerkschaftsbewegung seit dem Mainzer Gewerk- schaftskongreh im Jahre 1899 den Unwillen der deutschen Bischöfe und der römischen Kurie zugezogen hat, je mehr versuchte die bachemitische Richtung, die katholischen Gewerkschaftler zu bestimmen, große Streiks und Lohnlämpfe zu vermeiden und dem Episkopat zu beweisen, daß sie noch nicht sozial- demokratisch infiziert, sondern treue, folgsame Söhne der katho- tischen Kirche seien. Das wollte zuerst nicht recht glücken. In der Erkenntnis des gemeinsamen wirtschaftlichen Interesses, das sie ver- band, gingen die christlichen Gewerkschaftler doch noch mehrmals bei Lohnkämpsen mit den freien Gewerkschaften zusammen und der Gewcrkverein christlicher Bergarbeiter schloß sich sogar 1993 noch dem großen Bergarbeiterstreik im Ruhrrevier an. Die heftigen Angriffe, die die„Christlichen" in den letzten Jahren von dem hohen und höheren Klerus erfahren haben, hat ihre Leiter jedoch mürbe gemacht. Sie haben, um nicht beim Episkopat anzustoßen, die Lohnkämpfe möglichst einzuschränken versucht und die Teil- nähme an großen Ausständen vermieden, ohne dadurch jedoch, wie die bekannten jüngsten Urteile deS Papstes beweisen, das Miß- trauen zu beseitigen, das der hohe Klerus gegen sie hegt. Die Folgerung, die daraus die Strategen der Kölner Richtung gezogen haben, besteht darin, daß, um ihre katholische Gesinnung zu be- weisen, die christlichen Gewerkschaftler sich noch viel schärfer als bisher gegen die sozialdemokratische„Streikmanie" wenden und jede Gemeinschaft mit den sogenannten sozialdemokratischen Ge- Werkschaften energisch ablehnen müssen. In diesem Sinne ist denn auch der christliche Jahresbericht für 1911 abgefaßt, dessen wichtigste Sätze schwerlich von den Gewerk- schaftsleitern selbst geschrieben, sondern ihnen, mögen sie das leugnen oder nicht, zweifellos von den bachemitischen Intriganten in die Feder diktiert sind; denn zu der jesuitischen Rabulistik, die einzelne Partien dieses Jahresberichts enthalten, bringt es kein Arbeiter, selbst wenn er in München-Gladbach dressiert worden ist. Dazu bedarf es einer langjährigen politisch-jesuitischen Schu- Jtong. Wörtlich heißt es z. B. in dem Bericht: Die Sozialdemokratie wird sich also in absehbarer Zeit mit der bürgerlichen Gesellschaft auseinandersetzen müssen. Da dies im Rahmen des Parlamentarismus kaum möglich ist, bleibt ihr letzten Endes kein anderes Mittel übrig als der politische Massen- streit, den sie schon 1903 in ihre Kampfmittel aufgenommen Hai, und der alsbalo in Belgien, wo die Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen nicht auf ihre Rechnung kam, verwirklicht werden soll. Solange in Deutschland eine starke christ» l i ch- na ti o na l e Gewerkschaftsbewegung vor. Händen ist, sind die Pläne der Sozialdemokra. tie nicht realisierbar. Die christlichen Gewerkschaften betrachten den Streik ausschließlich als wirtschaftliches Kampf- mittel und müssen den politischen Massenstreik auch schon deshalb ablehnen, weil bei einer revolutionären Staatsumbildung nicht bloß soziale Werte auf dem Spiele stehen, sondern es sich dabei auch um ethische, nationale und kulturelle Fragen handelt, in denen zwischen christlich-nationaler Ar- beiterschaft und Sozialdemokratie eine unüberbrückbare Kluft besteht. Diese Zusammenhänge sind schon in letzter Zeit einige Rate in die Erscheinung getreten: gelegentlich der vorjährigen MarokkokrisiS, bei der weite Kreise innerhalb der Sozialdemo- kratie eine Zeitlang mit dem politischen Massenstreik gespielt rÜr?' ui� tDO0c9en die christlich-nationale Arbeiterschaft ge- ]a)Iof]en_ Stellung nahm und dann bei dem lehten Ruhrberg- arbciterstreik, der bei längerer Dauer lediglich zum Vorteil der englischen Kohlcnindustrie ausgeschlagen wäre. Gegenüber den politischen Massen st reikplänen der Sozial- demokratie bildet die christliche Gewerk- schaftsbewegung schon heute einen unüber- schreitbaren Damm. Ohne Stillegung des Verkehrsge- werbes und Bergbaues ist bei dem komplizierten Wirtschafts- organismus in Deutschland ein erfolgreicher politischer Massen- streik nicht möglich. In den beiden wichtigsten Gewerben der Volkswirtschaft, im Vertehrsgewerbe und im Bergbau, verfügen die christlichen Gewerkschaften aber schon heute über bedeutende Positionen mit mehr als 150 000 Mitgliedern." Eine recht geschickte Mache. Zunächst sucht sich die christliche Gewerkschaftsorganisation dadurch der Gunst aller Staatserhalten- den zu empfehlen, daß sie sich gegen den politischen Massenstreik wendet und sich als das festeste Bollwerk gegen die angeblichen Masscnstreikgelüste der Sozialdemokratie hinstellt?. Dann aber trägt sie recht geschickt den Einwänden Rechnung, die vom Klerus in Ucbereinstimmung mit der Enzyklika Rerum novarum gegen die Streiks erhoben werden. Nach diesen Einwänden ist nämlich die gemeinsame Arbeitseinstellung besonders deshalb verwerflich, weil sie Handel, Industrie und den sogenannten öffentlichen Wohlstand schädigt, zu Unruhen, Unfrieden und Gewalttätigkeit führt uno deshalb gegen die Kultur und vor allem die Moral verstößt. Die Hervorhebung, die christlichen Gewerkschaften lehnten Streiks ab, 'bei denen es sich„auch um ethische, nationale und kulturelle Fragen" handle, bedeutLt also ein niedliches Zugeständnis an den KlcruS. Sie soll dem Klerus zeigen, daß wenn er die christliche Gewerkschaftsbewegung toleriert, die Leiter dieser Bewegung versuchen werden, ihre Gefolgschaft künftig von jeden- in das öffentliche Leben tief eingreifenden Streik zurück- zuhalten._ Wie die Offizierspensionen gewachsen sind. Nichts charakterisiert die Art und Weise, in der der Moloch mit den Groschen der Steuerzahler umgeht, besser als ein Vergleich der Offizierspensionen von früher und jetzt. Nachstehende Tabelle gibt Man sieht, wie auch hier aus dem Vollen geschöpft wurde. Die größte Aufbesserung haben natürlich die Pensionisten erhalten, die überhaupt keine Erhöhung gebraucht hätten, nämlich die komman- dierenden Generale und Divisionskommandeure. Auch bei den Bri- gadekommandeuren war eine Aufbesserung vollkommen überflüssig. Ein Brigadekommandeur, der mit 30 Dienstjahren verabschiedet wird, ist erst 33—50 Jahre alt, steht also in einem Alter, in dem Zivilisten im allgemeinen noch lange nicht an das Privatisieren denken. Hier wäre eine Pension von 8176 M. gewiß genügend gewesen. Ein Regimentskommandeur mit 32 Dienstjahren ist 31—32 Jahre alt. Er hat jetzt eine Pension von 7200 M. Die Staatsbeamten, die in einem solchen Alter 7200 M. als Ruhegehalt beziehen, sind dünn gesät. Ein pensionierter Major mit 48—49 Jahren steckt jetzt ein Ruhegehalt von 3134 M. ein. Wird er 70 Jahre alt, so muß ihm das Volt die Pension 21 Jahre bezahlen. Ein Haupt- mann bezieht jetzt schon mit 43—46 Jahren eine Pension, die um nahezu 200 M. höher ist als die Pension eines im Jahre 1896 verabschiedeten Bataillonskommandeurs von48— 43Jahren. Er hat um 1300 M. mehr als ein gleichaltriger Hauptmann, der das Pech hatte, vor dem 1. April 1897 pensioniert zu werden. Ein Leutnant mit 10 Dienstjahren bezieht jetzt eine um 322 M. höhere Pension als ein im Jahre 1896 verabschiedeter Ober- l e u t n a n t mit 14 Dienstjahren. Trotz der bedeutenden Erhöhungen der OsfizierSpenfionen suchen die Bundesstaaten, voran natürlich Preußen, die pensionierten Offiziere in den Ortskrankenkassen, in den Versicherungsämtern und in anderen Sparten nach Kräften unterzubringen. Und die Zivilisten, die keine Pension beziehen, haben das Nachsehen. Durch die letzte Militärvorloge, die mehr als 1000 neue Ofsiziersstellen schuf, wird die Kalamität nur noch größer werden, denn die große Säge arbeitet natürlich gerade so weiter wie bisher. Vielleicht ichlägt sie sogar ein noch schnelleres Tempo ein. Aber trotzdem die Zivilisten von> Militarismus so schön in die Ecke gestellt werden, liegen sie, sosern sie nicht sozialdemokratisch»infiziert" sind, vor dem zweierlei Tuch auf dem Bauch. Scharfmachertrcibe«. Daß die angestellten Sekretäre der industriellen Scharfmacher- verbände die besondere Ausgabe haben, die Ocffentlichkeit im Sinne des arbeiterfeindlichen Scharsmachertums zu beeinflussen, ist bekannt. Wie dabei verfahre» wird, beweisen einige Scbriftstücke, die uns der bekannte günstige Wind auf den RedaklionStisch wehte Verband von Arbeitgebern im bergischen Jndustriebezirk. Sehr geehrter Herr Doktor I Im Anschluß an mein Schreibe» vom 7. d. M. sende ich Ihnen anliegend die Kopie des Schreibens der Barmer Handels- kammer betreffend Arbeitswilligenschutz. In derselben Angelegenheit hat die Elberfelder Handelskammer heute an uns geschrieben. Wenn Sie einverstanden sind, lasse ich die Sache bis zu Ihrer Rückkehr liegen, denn ich vermute, daß Sie noch mit dem einen oder anderen Herrn hierüber sprechen wollen. Wie ich Ihnen schon mitteilte, hat eS mit der Beanb Wartung Zeit... Die gestrige Versammlung in der Stadthalle, die von we,t über 2000 Personen besucht war, ist gut verlaufen, wenn auch zwei Arbeiter wegen ungehöriges Benehmen tZurufe) aus dem Saalentf'ernt tvcrdcn mutzten. Von den Arbeitgebern hat niemand gesprochen. Ueber die Ver- sammlung habe ich heute auf Wunsch Dr. W.s einen Be- richt an die„Kölnische Zeitung" geschickt, wovon ich Ihnen Abschrift beifüge. Hochachtungsvoll Ihr ergebener C. Kuckelhom." Elberfeld, den 11. Mai 1912. In einem weiteren Schreiben teilt Herr Kuckelhom mit. daß der von ihm verfaßte Bericht über die Versammlung der Gelben von der„Kölnischen Zeitung" und auf seine Veranlassung auch von den Lokalblättern abgedruckt worden sei. In den Berichten war natür- lich sorgfältig verschwiegen worden, datz� sie aus einem Scharf- macherbureau stammen. Die fragliche Versammlung selbst war eine Parade der„Gelben", die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tagte. Durch diese Vorgänge ist der innige Zusammenhang wieder einmal klargestellt, der zwischen den Scharfmachern und den»natio- nalen" Arbeitern besteht._ Scherl im Leide. Scherl wollte einmal— so erzählt die Fama— adelig werden, in Bayern, es gelang ihm nicht. August von Scherl, wie schön das gellungen hätte; sogar die„Allgemeine Zeitung" sollte dem bayerischen Vaterland erhalten bleiben, wenn die bayerische Regierung etwas mehr entgegenkommen wollte, als es die preußische und badische schon getan. Es klappte aber nicht, und Scherl drehte der„Allgemeinen Zeitung" den Hals um. Auch in Berlin, mit seinen Glcichgcwaltigen, den Ullstein und M o sse, ist ihm eine große Sache schief gegangen. Die edlen Drei haben sich schon vor Jahren zusammengefunden, einmal weil sie trotz heißesten Bemühens nicht übereinander hinweggekommen find, zum anderen— na, weil es rentabler ist I Kein Ullstein, Mosse oder Scherl sollte eine neue Berliner Zeitung gründen dürfen ohne die Zustimmung der anderen beiden Kon- trahenten. Trotzdem wandelte sich die Ullsteinsche»Ber- liner Zeitung" plötzlich in eine Mittagszeitung, die Berliner Zeitung am Mittag firmierte, kurz„B. Z.". Das war keine neue Zeitung, nur eine umgewandelte alte. Scherl lief zum Kadi und klagte gegen den ungetreuen Bundesbruder. Mosse— schwieg. Daraufhin erschien der Scherische„Lokal-Anzeiger" auch als Miltagsausgabe. Aber ach. das war eine neue Zeitung, und Ullstein klagte nunmehr I So kletterte man in aller„Freundschaft" — eS sei nur an den Maschincnmeisterkonflikt erinnert— von Instanz zu Instanz. Und das Reichsgericht urteilte vor acht Tagen: Die ,B. Z." ist keine neue Zeitung, aber die Mittags- ausgäbe des»Lokal-Anzeiger". Ergo: mach' die Bude zu, lieber Herr nicht„von" Scherl, zahle die Kosten, dazu eine Konventionalstrafe wie ausgemacht— wohl 300 Mark pro bis dato erschienene Nummer— und sei still. Solltest Du trotzdem Deinen mittäglichen„Lokalanzeiger' weiter erscheinen lassen, so kostet das pro Nummer 800 M. extra. Scherl im Leide packte seine Mittagsausgabe zusammen und legte sie ins Ressort: Abgelegtes, neben„Einschienenbahn" und„Empor- lesen". Der Oeffentlichkeit erzählte Scherl leider nichts. Er, der sonst doch alles berichtet, nicht zuletzt oft genug Sachen über die Arbeiterbewegung, die nicht einmal passiert sind, schweigt sich aus. Ullstein ist höflich. Warum auch nicht? Erstens ist die Konkurrenz weg, zum anderen ist die schöne Konventionalstrafe da— eS sollen rund 300 000 Märker sein. Und Mosse, warum soll er über den Streit seiner Freunde schreiben?— Also erfuhr die Berliner Leser- schaft aller Mosse-, Ullstein- und Scherlblätter nichts von der tragischen Geschichte._ Landtagöersatzwaljl in Schwarzvurg-Rudolstadt. Bei der am Mittwoch stattgefundenen Landtagsersatzwahl im höchstbesteuerten Wahlkreise Rudolstadt 1 wurde der vom„Vater- ländischen Wahlverein" empfohlene Dr. Fiuine mit 66 gegen 51 Stimmen gewählt. Mit Dr. Flume, der für Rudolstadt zur Reichstagswahl als Sammelkandidat auftrat, aber gegen unseren Genossen A. Hofmann unterlag, zieht ein rücksichtsloser Gegner unserer Partei in den Landtag ein. Eine wichtige vereinsgesetzliche Entscheidung fällte jüngst das Oberlandesgericht Celle in letzter Instanz. Es handelt sich um folgende Streitsache: In SieverShausen besteht ein Ortsvcrein des Kreisvereins für den 11. hannoverschen Wahlkreis. Der örtliche Vorstand hatte eine Aufforderung der Sievershauseuer Polizeiverwaltung, die Satzungen des Vereins und die Namen der Borstandsmitglieder einzureichen, unberücksichtigt gelassen, weil er der Meinung war, daß der Ortsverein kein selbständiger Verein sei, sondern eine Mitgliedschaft des Kreisvereins, dessen Satzungen und die Namen feiner Vorstandsmitglieder der zuständigen Polizeibehörde am Sitz des Vereins in Einbeck vorschriftsgemäß zugestellt worden waren. Das Schöffengericht in Einbeck stellte sich auf den Standpunkt unserer Genossen und sprach die Angeklagten frei; die Strafkammer in Göttingen jedoch trat der Auffassung der Staatsanwaltschaft bei und bestätigte den polizilichen Strafbefehl gegen die drei leitenden Genossen des Sievershauseuer Vereins. Das Oberlandesgericht in Celle, das nun als höchste Instanz von unseren Genossen in Anspruch genommen wurde, kam jedoch ebenfalls zu einem freisprechenden Er- kenntnis. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Entscheidung für unsere Ortsvereine auf dem Lande, sollen die wichtigsten Aus- fnhrungen des Urteils hier wiedergegeben werden. Nachdem das Gericht ansgesührt hat, daß nach dem neuen Reichsvereinsgesetz die Auffassung, daß ein Zweigverein ein be- sonderer, selbständiger Verein sei, nicht mehr als zutreffend erachtet werden könne, stellt es fest, daß der Zweigverein in allen seinen wesentlichen Anordnungen vom Kreisverein abhängig ist, und fähr" dann fort: »Daß unter diesen Umständen der OrtSverein einer weit- gehenden Beaufsichtigung durch den Kreisverein unterliegt, erkennt auch das Landgericht ausdrücklich am Es folgert jedoch die Eigen- schaft deS OrtsvereinS als eines besonderen Vereins daraus, daß er ein„eigenes selbständiges Leben unter der Leitung eben hier- für gewählter Vorsteher" sühre, indem er die Agitation in SieverS- Hausen und der näheren Umgebung im allgemeinen selbständig und»ach eigener Entschließung betreibe und sein inneres Leben ihm selbst überlassen sei, er insbesondere bestimmen könne, wann und wie oft er Mitgliederveriaminlungen veranstalten. in welcher Weise er in diesen und sonst seine Mit- glicder über Wesen, Ziel und Geschichte der sozial- demokratischen Partei aufklären und in der Anhänglichkeit an diese Partei befestigen sowie zum Willen für die Partei erweitern wolle, und indem zu diesem Zweck noch tat- säcblich regelmäßige Mitgliederversammlungen stattfänden. Mit diesen Tatlachen ist aber noch kein selbständiges Vereinsleben in dem oben erörterten Sinne gegeben, daß von dem Ortsverein in Sievershapien besondere, ört'lich begrenzte Zwecke verfolgt würden. Die von ihm verfolgten Zwecke find ledig- lich diejenigen des KreisvereinS, wie sich auch aus der dies- bezüglichen Feststellung im Eingang der Gründe dcS angefochtenen Urteils ergibt. Der Vorderrichter folgert daher die Eigenschaft des Ortsvereins in SieverShausen als eines besonderen Vereins rechtsirnümlich wesentlich aus dessen, von der �Tätigkeit des Kreisvereins getrennten örtlichen Tätigkeit, während sie nur aus einer materiell selbständigen Tätigkeit gefolgert werden durfte."___ Zu der Aktion gegen Borchardt und Lcinert geht uns folgende Erklärung zu:.. Nach mehrwöchentlicher Abwesenheit ms deutsche Vaterland zurückgekehrt, erfahre ich erst jetzt, daß in der Presse die Nachricht verbreitet worden ist, der gegen den Genossen Leinert und mich aus den 8. Juli anberaumt gewesene Termin sei wegen meiner „Erkrankung" vertagt worden,� und die Gegner haben daran aller- Hand hämische Bemerkungen über diese angeblich so plötzliche Er- krankung geknüpft. Ich bin aber keineswegs krank, habe auch nichts dergleichen bor Gericht angegeben, sondern ich ho?« auf Grund ärztlicher Atteste die Vertagung beantragt, um nicht e r st trank zu werden. Ich verspürte nämlich nicht die mindeste Lust, meine Nerven und meinen durch kürzlich überstandene Krank- heit geschwächten Körper der Gefahr einer neuen Erkrankung aus- zusetzen, nur weil es der Staatsanwaltschaft gefiel, die Sache noch vor den Gerichtsferien abzumachen. Nach meiner unmaggeblichen Meinung kommt der Termin auch nach den Gerichtsferien noch zeitig genug, wenn wir alle, auch die Herren Staatsanwälte. frische Kräfte gesammelt haben. War die Staatsanwaltschaft gar so tatendurstig, so konnte sie ja inzwischen immer gegen diejenigen vorgehen, die am 9. Mai im preußischen Abgeordnetenhause die Verbrechen gegen ßZ IVS und 106 des Strafgesetzbuches begangen haben. Bad Oeynhausen, 17. Juli 1912. Julian Borchardt. Soldatenmifthandlung. Vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt stand am Mittwoch der Unteroffizier Friedrich Hollmann von der 5. Batterie des Feldarti llerieregiments in Naumburg wegen Soldatenmisihandlung. Der Angeklagte behauptete, die Absicht einer Körperverletzung sei ibm nicht in den Sinn gekommen. Die Beweisausnahme aber ergab, dag als sich am 30. Mai d. I. auf dem Schießplatze zu Altengrabow in einem Pferdestall der Kanonier Franz mit einem Gefreiten unterhielt, der Unteroffizier hinzu trat und dem Franz einen so derben Schlag mit der Hand i n s Gesicht gab, daß die Mütze vom Kopfe flog und der Geschlagene einige Zeit Ohrensausen hatte. Das Urteil lautete auf 8— a ch t I— Tage M i t t e l a r r e st. Wie viel Jahre Gefängnis würde ein Kanonier bekommen, der einen Unteroffizier während des Dienstes eine so kräftige Ohrfeige geben würde! Amerika. Der Panamakanal. Washington, 18. Juli. Im Senat wurde die Beratung über die P a ii a m a k a n a l- B i l l fortgesetzt. Senator L o d g e sagte, er habe der Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten an- gehört, die über den Hay-Pauncefote-Vertrag Bericht erstattet hat. Er sei damals der Meinung gewesen, daß der Vertrag den Ver- einigten Staaten die Freiheit biete, ihren eigenen Handelsverkehr durch den Kanal zu regulieren, und er sei auch heute noch der An- ficht, daß die Vereinigten Staaten nicht»nter die Nationen einbe- griffen seien, die nach dem Vertrag gleichmäßig zu behandeln wären. Die Ueberweisung des Streitfalles an das H a a g e r Schiedsgericht könnte dadurch vermieden werden, daß die Re- gierung die Gebühren für die amerikanischen Schiffe zahle. Wie die Entscheidung im Haag ausfallen würde, sei kaum zweifelhaft. Auf die Zwischenfrage eines Senators, ob Amerika verlieren würde, antwortete Lodge: Ohne Frage. Einigung mit England? New Hork, 18. Juli. Nach Blättermeldunaen aus Washington werden die Vereinigten Staaten die britische Auslegung des Hay-Pauncefotc-Vertrages annehmen, wodurch amerikanische wie fremde Schiffe die gleichen Gebühren zu zahlen haben. Die gestrige Verhandlung im Senat habe bewiesen, daß dieser bald mit überwältigender Mehrheit für die strenge Beobachtung des Vertrages stimmen werde. Der demokratische Parteitag. New York, 3. Juli 1912.(Eig. Ber.) Noch weniger als andere Veranstaltungen seiner Art ließ der heute früh um 1 Uhr nach neuntägiger Dauer zu Ende gegangene, in Baltimore abgehaltene demokratische Parteitag einen Zweifel darüber aufkommen, daß die Berusspolitiker der bürgerlichen Parteien sich nur von Rück- sichten des persönlichen Vorteils, nicht aber von Grundsätzen leiten lassen. Aus den selbstsüchtigen Beweggründen erklären sich auch die persönlich gehässigen, mit leidenschaftlicher Erbitterung geführten Fehden, die zügellosen Radauszenen und die Massen- Prügeleien, welche den abgeschlossenen demokratischen Parteitag charakterisieren. Gleich zu Beginn der Verhandlungen wurde auf William Jennings VryanS Antrag beschlossen, zuerst die Kandidaten aufzustellen, also eine Personcnfrage zu erledigen und dann die Platt- form(Wahlaufruf und Programm) zu formulieren, die angeblich von prinzipieller Bedeutung ist. Weitaus den breitesten Raum nahm die Auswahl des Präsi- dentschiftskandidaten in Anspruch. Dieselbe konnte nur mit Zweidrittelmehrheit erfolgen; eine Bestimmung, welche die in> der einfachen Minderheit befindlichen Südstaaten unter Calhouns Führung vor einem halben Jahrhundert durchzusetzen wußten, um die Aufstellung eines Anhängers der damals in den Nordstaaten mächtigen Freilandbewcgung zu verhüten. Von vornherein kamen Heuer nur Champ Clark, Sprecher (Präsident) des Repräsentantenhauses und Woo'drow Wilson, Gouverneur des Staates Nctv Jersey, ernstlich als Kandidaten in Betracht. Underwood. der Führer der Demokraten im Rcprä- sentantenhause, sowie die Gouverneure Marshall von Indiana und Harmon von Ohio, entwickelten nur eine geringe Stärke. Der hiesige Mayor Gahnor, dessen Name in New Dorker, auf städtische Anzeigen reflektierenden Blätter genannt worden war, kam überhaupt nicht in Betracht. Auf ihn fiel zeitweilig eine einzige der mehr als 1000 abgegebenen Stimmen. Erst, der 46. Wahlgang brachte die Entscheidung über die Per- soncnfrage. Champ Clark stand bei dreißig Abstimmungen an erster Stelle. Bei neun Wahlgängen vereinigte er die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich, nachdem Charles F. Murphy, der Führer der berüchtigten hiesigen Rauborganisation Tammany Hall, die neunzig Stimmen des Gtaates Netv Jork dem Sprecher zugeführt hatte. Da sprach B r y a n unter tumultuarischen Auftritten in der- hüllter» aber nicht mißzuverstchcnder Weise die Drohung auS, er werde jeden Kandidaten bekämpfen, der seine Aufstellung der Unterstützung Tammany Halls oder der durch P. I. Morgan, F. Ryan und A. Bclmont vertretenen großkapitalistischen Interessen verdanke. Ryan und Bclmont wohnten dem Parteitage als Delegierte bei; Morgan bezeichnet sich als Republikaner. Bryan, der schon dreimal(1896 und 1900 durch McKinley, 1908 durch Taft) ge- schlagen worden war, hoffte im Stillen die Kandidatur zum vierten Male für sich selbst zu ergattern. Sein zur Schau getragener Ab- scheu gegen Murphy und Tammany Hall ist jedenfalls nicht echt. Denn als er 1908 als Präsidentschaftskandidat aufgestellt war, bat er den Tammanygcbictcr nach seinem Wohnsitz in Lincoln, Nebraska, zu Gast, bewirtete ihn glänzend und umschmeichelte ihn, um die Wahlhilfe von Tammany Hall zu erlangen. Von Bryan, dessen Anhang im Kleinbürgertum noch immer sehr groß ist, offen bekämpft, hätte Clark unter keinen Umständen zum Präsidenten gewählt werden können. In fortgesetzt steigender Zahl gingen die Delegierten ins Lager Wilsons über, der im 46. Wahlgang mit 990 Stimnien als Präsidentschaftskandidat auf- gestellt wurde. Now Dork stimmte für Wilson. Als Vizepräfidentschaftskandidat wurde der Gouverneur Mar- shall aufgestellt. Bryan. der vorher erklärt hatte, er werde jeden von Tammany Hall indossierten Bewerber bekämpfen, erteilte nichtsdestoweniger der Kanoidahir Wilson seinen Segen; nicht darum, weil der Gouverneur pon New Jersey ein Mann des Fortschritts wäre. Denn in der Tat unterscheiden sich Clark und Wilson nicht mehr als Taft und Noosevelt, das heißt gar nicht. Nur gebärdet sich Wilson radikaler. Da der demokratische„Bannerträger" sich in den Geruch fortschrittlicher Gesinnung zu setzen wußte, wird Roosevelt. der in derselben Richtung schauspielert, voraussichtlich in seiner Hoffnung, bei den Novemberwahlen starken Zuzug aus dem linken Flügel der demokratischen Wählermassen zu erhalten, bitter ent- täuscht werden. Marokko. Eine Tatarennachricht. Madrid, 17. Juli. Weder aus Ceuta noch auS einem anderen Orte sind Nachrichten über die von auswärtigen Blättern gemeldete Ermordung deutscher Untertanen eingegangen. Ossi- zielle Kreise versichern, sie hätten keinerlei Nachricht von diesem Morde, und der Minister des Aeußeren erklärte, die einzige Nachricht, die Anlaß zu der Meldung don der Ermordung hätte geben können, wäre die folgende: Kabylen von Gomara griffen in der Nähe von Tetuan den Mauren Mahomet Seret, der Ver- bindungen mit fremden Unternehmungen hat, an. Es gelang Seret zu entkommen und sich nach Tetuan zu flüchten. Mehrere Einge- borene, die ihn in dem Augenblick, als er anaegriffen wurde, be- gleiteten, wurden getötet. Die französische Regierung zur Ausweisung der Deutsche» aus Marrakesch. Berlin, 18. Juli. Zu den Ausweisungen Deutscher auS ma- roftanischem Gebiet ist von der französischen Regierung dem beut- schen Botschafter die Erklärung abgegeben worden, daß Frankreich Ausweisungen Deutscher durch marokkanische Lokalbehörden in keinem Falle billigt, und bereits Maßnahmen ergriffen hat, zur Wiederherstellung des früheren Rechtszustandes der Deutschen in Marokko. ?apan. Ein neues Abkommen mit Rußland? Berschiedene Blätter melden, daß Japan mit Rußland ein neues Abkommen abzuschließen im Begriffe sei. In diesem Vertrag werden Japans vorherrschende Stellung in der südlichen Mandschurei und Rußlands Interessen in der M o n g o l e i festgestellt. England sei schon in den Anfangsstadien der Unterhandlungen benachrichtigt worden und habe seine Genehmigung unter der Bedingung erteilt, daß ihm freie Hand in Tibet gelassen werde. Der Leid- tragende würde natürlich China sein. Bus der Partei. Totenliste der Partei. In Erfurt starb am Donnerstag früh nach längerem Krankenlager im 72. Lebensjahre der Geschäftsführer der „ T r i b ü n e Genosse Fritz Stegmann. Der Verstorbene gehörte zu den Veteranen der Erfurter und Thüringer Partei- bewegung. Schon früh nahm er tätigen Anteil an der Arbeiter- bewegung, was ihm auch eine Reihe beruflicher und gerichtlicher Verfolgungen eintrug. Während des Sozialistengesetzes hat er unerschrocken die Verbreitung der verbotenen sozialistischen Literatur besorgt, wie er bis in die letzten Jahre seines Lebens noch tätigen Anteil am Parteiloben und an fast allen Parteiarbeiten nahm. Im Jahre 1891 rief das Vertrauen der Erfuter Gen»sscn Fritz Stegmann an die Spitze des ParteiundernchmenS, dem er in dieser langen Zeit mit unermüdlichem Fleiß und Pflichteifer vor- stand. Die Erfurter Genossen konnten sich keinen treueren Sach- Walter ihres Unternehmens wünschen, das er aus kleinen Anfängen, in engen Mietsräumen untergebracht, zu großem Umfang im cige- ncn geräumigen Heim heranwachsen sah. Vor kurzem erst hatte Genosse Stegmann um seine Pensionierung nachgesucht, die ihm selbstverständlich gewährt worden war. Es war ihm nicht vergönnt, sich noch einige Jahre in stiller Zurückgezogenheit seines Werkes freuen zu können. Die Partei wird sein Andenken in Ehren halten. In Offenbach starb im Alter von 70 Jahren der Genosse Lorenz Berg, der nach dem Auftreten Lassalles in Frank- furt a. M. begeisterter Lassalleancr wurde, und seit jener Zeit in allen Nöten und Stürmen treu zur Partei gehalten hat. Lauge Jahre war Genosse Berg, der von Beruf Elfenbeinschnitzer war, Mitarbeiter des„Oftenbacher Abendblattes", dem er ernste und heitere Beiträge in Poesie und Prosa geschrieben hat. Aus de» Organisationen. Der 16. sächsische Reichstagswahlkreis hielt am Mittwoch in Chemnitz seine Generalversammlung ab, die 'außerordentlich stark besucht war. Der Geschäftsbericht weist ein« glänzend« Entwicklung der Organisation nach. Die Mit- gliederzahl stieg von 9062 auf 14 381, die Zahl der weiblichen Mit- glieder von 621 auf 1341, die Abonnentenzahl der Volksstimme von 20 458 auf 26 280._ polizetliches, Gerichtliches ufve. Ein netteS Polizeistiickche«. Erscheinen da kürzlich in Hemelingen bei Bremen zwei preußische Gendarmen mit dem Kreissekretär in der Wohnung eines Parteigenossen, und verlangen von diesem, daß er das Geld herausgebe, was er bei dem Nelkenverkauf auf dem Hemelinger Gewcrkschaftsseste vereinnahmte. Unser Genosse hatte sich zu dem Nelkenvertricb die schriftliche Genehmigung des Landratsamtes in Achim eingeholt; ihm war auch die Erlaubnis erteilt worden, bei dem Blumenverkauf Gehilfinnen zu beschäftigen. Insofern bc- rührt also das Vorgehen der Polizei eigentümlich; aber es ist doch erklärlich: Ter Nelkenverkauf war nämlich zugunsten des Wahl- fonds veranstaltet worden, und das ist bekanntlich ein Umstand, der die preußische Polizei verschnupfen kann. Der Ueberschuß vom Nelkenverkauf war beim Erscheinen der Polizei schon in den Wahl- fonds geflossen. Leider ließ sich unser Genosse durch eine Drohung des Kreissekretärs aber soweit einschüchtern, daß er 76 M. heraus- gab, die dazu bestimmt waren, Rechnungen für gelieferte Waren zu bezahlen. Gegen die Beschlagnahme wurde am folgenden Tage sofort Protest eingelegt. Eine Antwort ist bisher nicht erfolgt.— Man darf wohl darauf gespannt sein, wie die Polizei ihr Vor- gehen begründen wird._ Preßprozeß. Der frühere Verantwortlich« der Chemnitzer„Volks- stimme", Genosse Hermann Müller, stand am Mittwoch vor dem Stollberger Schöffengericht. Er sollte den Vorstand der Bc- zirksanstalt Stollbcrg beleidigt haben, in einer Notiz über die Zustände in dieser Anstalt. Vor allem wurde konstatiert, daß in der Anstalt geprügelt wird. Zu der Verhandlung waren gegen 16 Zeugen geladen, darunter der Inspektor der Anstalt und der Stollberger Bürgermeister. Beide gaben zu, daß die Prügelstrafe noch existiert. Trotzdem bekannte sich der Bürgermeister, der Leiter der Anstalt, als leidenschaftlicher Gegner der Prügelstrafe. Da die Beweisaufnahme für unseren Genossen günstig verlief, wurde die Verhandlung auf Veranlassung eines Schöffen abgebrochen, der einen Vergleich anregte, der denn auch Anstände kam. Die Kosten trägt die Staatskasse. In dem Vergleich wird ausdrücklich zuge- geben, daß die Anstalt zu wenig Pflegepersonal hat. Jugendbewegung. Ein Radikalmittel. DaS Kopfzerbrechen der Leiter der bürgerlichen Jugendbe- wegung, die beste und wirksamste Methode zur Gewinnung der Arbeiterjugend ausfindig zu machen, hat uns schon des öfteren heiter gestimmt. Mit diesem Problem befaßt sich auch der„Reichs- bete", der einer spaltcnlangcn Zuschrift eines alten Lesers namens Rumland die leitende Stelle seiner Dicnstagnummer ciiiräumt. Lustig ist cS, zu lesen, wie dieser vermutliche Pastor über die staatliche Jugendpflege zu spotten versteht.„Minister und Ge- Heimräte, Regierungspräsidenten und Landräte kennen kaum noch eine wichtigere Aufgabe als die Jugendpflege, und die Stadtver- waltungen werden von dorther mit diesbezüglichen(!) Per»' ! fugungen und Verordnungen derartig bombardiert, daF K« oft nkchs mehr ein noch aus wissen." Woher dieser Eifer? Nicht Liebe, sondern Furcht vor der arbeitenden Jugend ihn entwickelt. „Es hilft nichts, eS muß einmal ganz deutlich gesagt wer- den: die eigentliche Triebfeder der mit so gro» ßen Mitteln und so großem Eifer ins Werr ge- setzten modernen staatlichen Fugendpflege ist nichts anderes als die Angst, die Angst vor den Folgrn sozialdevur- kratischer Hetze." Dem entsprach auch die Art und Weise der staatlichen Jugend- pflege überhaupt. Der Herr ist empört darüber, daß hier diö Religion so gut wie ausgeschaltet ist. Er fragt entrüstet, ob denn mit Turnen und Radfahren, Fußball und Kriegsspielen, oder mit Belehrung über naturwissenschaftliche, wirtschaftliche und politische Fragen, Unterhaltung durch Theaterstücke und Musikaufführunge» die Jugend gepflegt und vor der Sozialdemokratie bewahrt wer- den könne. „Als wenn da? die Sozialdemokraten nicht auch könnten! Sie können es ebenso gut, oft vielleicht noch besser als wir; jedenfalls wissen sie es meisten» der Jugend viel interessanter zu machen, weil sie durch keinerlei Rücksichten eingeengt sind." Das versteht sich, denn die Sozialdemokratie treibt Jugend- pflege der Jugend zuliebe(„nicht aus Furcht vor ihr",) ohne jede Nebenabsichten. Der Herr hat ganz recht, wenn er meint, die staat- liche Jugendpfloge könne mit der von den Organisationen der Ar- beiterschast getragenen proletarischen Jugendbewegung nicht kon- kurriercn.„Es sei denn, daß man sich am Ende doch noch ent- schließt, den bis dahin so streng zurückgewiesenen Zwang anzu- wenden." Ueber die Anschauung des Herrn, daß ohne Zwang eine Erziehung unmöglich sei. wollen wir an dieser Stelle nicht streiten. In Konsequenz seiner, Auffassung macht der Lobpreise« des Zwangs folgende Vorschläge:_ „Verlängerung des allgemeinen Schul» zwangesum mindestens zwei Jahre, Verlegung der Konsirmatton vom 14. auf das 16. Lebensjahr und Ver» längerung der allgemeinen offiziellen Fort- bildungsschule bis zum Eintritt in S H e e r.' So radikal die Vorschläge auch sind, so gering ist die Aussicht auf ihre Durchführung, die die Sozialdemokratie wahrlich nicht zu fürchten hätte. Ja sie dürfte die erste und die einzige politische Partei sein, die bereit ist, für die Ausdehnung des Schulzwanges auf das 16. Lebensjahr einzutreten, wenn dadurch die heran- wachsende Jugend der Arbeiterschaft vor den Klauen des Kapi» talismuS für„wei Jahre bewahrt und diese Zeit für ihre körperliche und geisttge Ausbildung verwendet werden kann. Selbst die patriotische und religiöse Durchsetzung des Schulunterrichts hat die Sozialdemokratie nicht zu fürchten. Denn wirtschaftliche und soziale Faktoren sind es, die die politischen Anschauungen des Men- schen bestimmen. Dagegen werden gerade die eifrigsten Förderer der staatlichen Jugendpflege sich der Ausdehnung der Volksschulpflicht wider- setzen. Denn darunter müßte ihr Profit an der Ausbeutung der Arbeiterjugend leiden. Diesen aber zu steigern, da? ist letzten Endes der Zweck der staatlichen Jugendpfloge. DaS scheint Herr Rumland noch nicht begriffen zu haben. Die Wirkung seiner Vorschläge werden ihm die Augen bald öffnen. Soziales. Konservative und sozialdemokratische Kinder. In Hamburg besteht eine Bereinigung zur Vermittelung von unentgeltlichem Ferienaufcnhalt für Kinder, die dessen bedürftig sind. Sie erstreckt sich auch auf die Bezirke, in denen die Kinder untergebracht werden. Ihr Zweck ist: zur Zeit der Sommerferien erholungsbedürftigen Kindern der großstädtischen Arbeiterbevölke- rung den Aufenthalt in ländlichen Gegenden zu ermöglichen. Tausende von Hamburger Kindern sind auf diese Weise in'den letzten Jahren auf einige Wochen nach Westfalen und in die lippi- schen Fürstentümer geschickt worden, wo sie mit wenigen AusnahlNen gut ausgcnomliicn sino. In der Hamburger Vevcinigung tat sich anfangs ein Lehrer Fritz Ehlcrding besonders hervor, bis ihm vor clwa einem Jahre das„Hainburger Echo" wegen einev unbegreif- lichen Hartherzigkeit gegenüber einem Kinde, das bereits auf der Fahrt war, zart auf die Finger klopfte. Herr Ehlerbing trat dann etwas in den Hintergrund. Neuerdings wartet er aber mit einer unerhövten Anmaßung auf. Vor kurzem hat er an Arbeiter in der Herfocder Gegend Schreiben gerichtet, in denen eS u. a. wörtlich heißt: „Trotz überaus sorgfältiger Auswahl haben sich die Fälle von frechem, undankbarem Verhalten seitens der ausgesandten Kinder stark gemehrt. Entwendung von Geld und Nahrungs- Mitteln, Unbotmäßigkcit, sehr schlechtes Betragen, Klatschsucht, imverständige und übertriebene Forderungen hinsichtlich dev Kost, Undankbarkeit u. dergl. mehr sind mir im verflossenen Sommer leider sehr viel zu Ohren gekommen.... Ich habe oft die Ueber- zenguug gewonnen, daß seitens Eltern, Verwandten, ja auch Lehrern und Lehrerinnen die Kinder vor ihrer Ausreise direkt aufgefordert wurden,„die Zeit bei den Bauern auszunutzen". Die Eltern der Kinder sind durchweg Sozialdemokraten. ... Man muß sich doch fragen, ob man wirklich die Kinder von strammen Sozialdemokraten, von Leuten, die fast sämtlich ohne Gott dahinleben, aufnehmen soll, ob man christliche Nächsten- liebe nicht auch in anderer Weise betätigen soll, ob wohl umge- kehrt die Leute jener Partei Kinder konservativer, königstreuer Männer aufnehmen würden. Ich sehe mich gezwungen, Ihnen dringend eingehende Prüfung anzuraten, bevor Sie ein Kind während der Sommerfevicn ausnehmen. Ich muß eS ablehnen und bin nicht in der Lage, Sie in Schutz zu nehmen und zu decken, wenn ein sozialdemokrattsches Blatt in häßlichster, Hetze- rischster Weise Sie angreift, sobald nur die geringste Klcinig- keit passiert. Wie leicht passiert etwas, und wie leicht läßt sich etwas zu einem willkommenen Fall stempeln, daß man auf die verhaßte Landbevölkerung loshauen kann, auf die die Herrschaften doch nur mit Verachtung herabsehen! Ich fürchte, daß jene Leute gerade jetzt spüren und suchen werden, ob sich ihnen nicht Stoff bietet. So leid es mir tut, ich sehe mich gezwungen, nochmals dringend zu warnen und Ihnen die Aufnahme eines Kindes erst dann zu empfehlen, wenn Sie alle Folgen tragen und auch bittere Enttäuschungen mit in Kauf nehmen wollen." Tiefer kann ein Lehrer sich schwerlich selbst stellen. Selbst- verständlich werden bei den Tausenden von Kindern, die in West- falen und Lippe die Landluft genossen haben, einige sein, von denen ihre Gastgeber mit Recht einen zweifelhaften Eindruck be- halten haben. Aber im allgemeinen hat man bei den Leuten nur Gutes über die Kinder gehört, und im besonderen werden die Arbeiterfamilien, die Kinder aufgenommen haben, mit dem Be- tragen der Pfleglinge durchaus zufrieden gewesen sein. Einige unberechtigte Klagen sind gewiß mit darauf zurückzuführen, daß hier und da das aufgeweckte Wesen der Großstadtkinder mit dem Wesen der Landbewohner gar zu sehr kontrastierte. Die einzige Aufgabe der Kinder war es.„die Zeit auszunutzen", und eS war sehr gut, daß ihnen das ausdrücklich geraten worden ist. Wollte Herr Ehlerding aber bloß seiner Verärgerung und seiner Antt- pathie gegen die Sozialdemokratie Ausdruck geben, so wäre eS rich- tiger gewesen, eS in einer ander als in dieser unqualifizierbaren Weise zu tun, bei der ein Stück praktischer Sozialpolitik ohne jeden Grund aufs schwerste beeinträchtigt wird. Die Kinder, die von Herrn Ehlerding sich unterrichten lassen müssen, sind zu bedauern. Eine Submissionsblüte. Bei der Vergebung der Schlosscrarbeiten für die fünf Neu- bauten der Lanoesirrenanstalt bei Eberswalde haben neun Sub- iiiittcntcn ein Angebot abgegeben, bei denen die Höchstforderung die niedrigste Forderung um rund 166 Proz. übersteigt. Das Höchst- gebot der Firma Köppen-Berlin beträgt 9164,46 M., während das niedrigste Gebot mit 3691,20 M. die Firma Theodor Glienke-EberS- Walde abgegeben hat..(Siehe auch 1. Beilage.) GewerhfcbaftUcbes. Demohratie oder Bauernfang? Die Abstimmung im Schmiedeverband über den eben- Wellen Uebertritt in den Metallarbeiterverband veranlatzte die„Volkszeiwng" neuerdings zu einer Reihe von Artikeln und Notizen, die darauf berechnet sind, den Schmieden den Metallarbeiterverband zu„verekeln". Wenn man diesen Zweck der Uebung kennt, weiß man schon, woher die Besorgnis der «Volkszeitung" um die freien Gewerkschaften und speziell um die Metallarbeiter stammt, auch wenn nicht einer der Artikel ausdrücklich mit Karl W i e s e n t h a l gezeichnet wäre. Unter dem entrollten Banner der Demokratie— der Artikel trägt die Ueberschrift:„Bureaukratie oder Demokratie in den Ar- beiterorganisationen?"— zieht die„Volkszeitung" gegen die zentralverbändlerische Bureaukratie zu Felde. Speziell im Metallarbeiterverband würde jede berufliche Eigenart in das zentrale Schema gezwängt. Neben Grobschmieden organisiere man im Metallarbeiterverband Eisenarbeiter, Uhrmacher usw. Nur kn passant sei erwähnt, daß die Forderung, dem Branchenindividualismus unbeschränkten Spielraum� zu ge- währen, mehr anarchistische, denn demokratische Neigungen verrät. Auch weiß man, daß ein gewisses Vereinchen sehr gern den Zentralverbandsmantel tragen möchte. Nur weil das Können allzusehr mit dem Wollen kontrastiert, übt man die Tugend lokaler Begrenzung. Der Uebung Zweck bei der Kritik des Zentralverbandssystems zielt dahin, dieses als Ur° fache einer Ohnmacht der Arbeiter, einer Ueberlegenheit der Unternehmerorganisationen zu denunzieren. Nachdem der „Demokrat" die Ohnmacht der Mitglieder in den Zentralver- bänden mit gebührendem Augenaufschlag bedauert, über die Willkür der obersten Spitze sich genügend empört hat, legt er weiter los: „Es ist schon erwähnt worden, daß jeder Streik der Ge- nehmigung des Hauptvorstandes bedarf. Dadurch übernimmt der Hauptvorstand natürlich auch die Verantwortung für den Lohnkampf den Unternehmern gegenüber. Der Verband der Metallindustriellen schlägt nun gegenüber dieser zen- tralistischen Organisation folgende Taktik ein: Wenn die im Metallarbeiterverband organisierten Mitglieder einer Branche an einem Ort Forderungen stellen und sie durch einen Streik durchsetzen könnten, dann beschränkt der Arbeitgeberverband den Lohnkampf nicht auf die Branche und den Ort, wo die Arbeiter gute Aussichten auf den Sieg haben, sondern er kündigt eine Aussperrung in weiten Gebieten und anderen Branchen an, um so das Kampffeld auszudehnen und die Kasse des MetallärbeitervcrbandeS zu schwächen. Diese Taktik hat in den letzten sieben Fahren meist den Erfolg gehabt, daß der Haupt- Vorstand des Metallarbeiterverbandes eingriff und die B e e n- d i g u n g eines Streiks erzwang, den die Streikenden a u f sich allein gestell-t, wohl gewonnen hätten. Der un- günstige Friedensschluß mußte aber erfolgen, weil sonst Massen von unbeteiligten Arbeitern ausge- sperrt und die Verbandskasse um Summen geschwächt worden wäre, die zu den Vorteilen eines Sieges der einzelnen Branche in einem Orte in keinem Verhältnis standen. Wenn es bei einem Kampf sich um das vereinigte Kapital der organisi-rten Arbeiter und auf der anderen Seite um das vereinigte Kapital der Großindustriellen handelt, dann sind die Unternehmer fast immer die stärkeren. So schwächt der Zentralismus in der Gewerkschaft die einzelnen Mitglieder dadurch, daß dem organisierten Untcrnehmcrtunm eine zu " breite Angriffsfläche geboten wird. Außerdem ist auch das Wachstum der gelben„Gewerkschaften" gerade in der Metallindustrie zum großen Teil aus der Erbitterung der- jenigen Mitglicoer zu erklären, denen die Fortsetzung eines er- folgversprechenden Streiks durch den Zcntralvorstand unmöglich geniacht wurde." Das dumni-pfiffige Gerede ist darauf berechnet, Eigen brödlern, Stänkern und gekränkten Leberwürsten ein fach liches Argument für ihre Zersplitterungsversuche an die Hand zu geben. Wie liegen die Verhältnisse in Wirklichkeit? Aw genommen es bestünden nur lokalbegrenzte Branchcnorganisa� tionen, wie sie der Artikel weiter als gewerkschaftliches Heil herausstreicht, glaubt man allen Ernstes, die Unternehmer würden dann nicht aussperren? Nur Narren und Schwindler könnten mit Nein antworten! Allerdings läge dann für die lokalen Organisationen, die unfreiwillig in einen Konflikt hineingezogen würden, formell keine Unterstützungsverpflich tung vor: der— Demokrat will glauben machen, eine Unter stützungspflicht bestünde dann überhaupt nicht. Die Rechnung hat ein Loch!� Wenn auch nicht formell, moralisch müßten die lokalen Vereine in solchen Fällen Arbeitslosenunterstützung zahlen. Nehmen wir einmal an, sie verweigerten jede Unter- stützungsleistung. Wie würde dann der Volkszeitungsmann über mangelnden sozialen Geist, über Rücksichtslosigkeit und Brutalität der freien lokalen Organisationen ins Zeug gehen. Und wir sagen: Mit vollem Recht! Ganz gleich, nach welchem Schema die Organisation aufgebaut, bei einem Frontangriff der Unternehmer und bei der Abwehr, die Unbeteiligte in den Kampf hineinzieht, muß die Organisation auf jeden Fall für die betroffenen Mitglieder eintreten. Sich solcher Pflicht zu entziehen, wäre Lumperei! Die Gründung von Lokalver- bänden zu dem Zwecke, sich an der Unterstützung der Opfer kapitalistischer Willkür vorbeizudrücken, müßte man als ge� werkschaftliche Hochstapelei bezeichnen. Doch der Stürmer gegen die Zentralorganisation be- kündet schließlich noch mehr bösen Willen, als wie Kenntnis der tatsächlichen Wechselwirkungen. Gerade weil die Unter- nehmer mit ihren Aussperrungen Unbeteiligte das Wesen des Kapitals kosten lassen, sind mit Beginn der Aussperrungstaktik die Organisationen so riesenhaft gewachsen. Das muß jeder erkennen, der nicht gerade mit lokalistischen Scheuklappen be- haftet ist. In den meisten Fällen wäre heute übrigens die lokale Branchenorganisation ein kraft- und blutloser Schemen, für welchen die Unternehmer Prämien bezahlen könnten weil er die Arbeiter hübsch in Illusionen wiegt, dem Kapital die Ausbeutung erleichtere!— Man unterstelle einmal, es be- stünden nur lokale Branchenorganisationen. In Berlin for- dern die Werkzeugmacher in einem Betrieb der A. E.-G Lohn- erhöhung. Sie bekommen aber einen Fußtritt und streiken. Die A. E.-G. läßt nun in irgendeiner anderen Stadt, oder Von den Schlossern eines anderen Werkes Streikarbeit an- fertigen. Die Werkzeugmacher sind die Gelackmeierten— oder die lokale Organisation in dem anderen Ort. oder gar die in einem anderen Verbände organisierten Schlosser müßten den Streik mitmachen. Da wären zunächst erst Verhandlungen mit der Unzahl von Organisationen notwendig. Man denke sich das aus. wenn die eine Firma in Dutzenden von Stödten Unternehmen besäße, und auf alle den Konflikt aus- dehnte, oder das Eingreifen der Unternehmer vielleicht Hun- derte von Lokalorganisationen engagierte. Das gäbe ein nettes Durcheinander. Ehe die genialen Lokalverbandsdirek- toren sich selbst zurechtgefunden, hätten die Unternehmer drei- mal gesiegt.— Man braucht nur eine praktische Konsequenz �zu ziehen und sieht sofort, daß die antizentralverbändlerischen Argumente Scheineinwände geringster Qualität sind. Die industrielle Entwickelung weist den Gewerkschaften mit zwingender Gewalt ihren Weg. Es zeugt von einer recht unzulänglichen Auffassung, anzunehmen, die Formen des Wirtschaftlebens und der sozialen Organisationen würden von dem subjektiven Ermessen und dem taktischen Geschicke ein- zelner Staatsmännchen bestimmt. Die Gesetze des Kapitals und seines Erpansionsbedllrfnisses � sind die bestimmenden Faktoren, denen sich richtig anzupassen die Aufgabe der Ge- Werkschaftsleitung ist. Wer dem Rade der Entwickelung in die Speichen fällt, wird von ihm zermalmt. In der modernen Großindustrie verbindet die Produk- tionstechnik eine Reihe von Branchen zu einer Produktion-- einheit. Eine Branche ist auf die andere angewiesen. Das Versagen einer Berufsgruppe beeinflußt die andere mit un- vermeidlicher Sicherheit. Hier, wo der Produktionsprozeß die Angehörigen Dutzender verschiedener Branchen einer Kette gleich in Bewegung setzt, würde das Vorhandensein so vieler Organisationen wie Glieder in der Branchenkette die Arbeiter zur Ohnmacht verurteilen. Die Fortschritte in der Konstruk- tion von Arbeitsmaschinen zu minutiösen Teiloperationen macht den Unternehmer immer unabhängiger von einer mit umfassenden Fähigkeiten und Kenntnissen ausgestatteten Be- rufsgruppe. Im Falle eines Konfliktes könnte er immer bei dem' Vorhandensein diverser Branchenverbändchen aus den anderen Gruppen Ersatzkräfte heranziehen. Zu welchem Tohuwabohu sollte es führen, wenn dann Dutzende von Branchenorganisationen olme Rücksicht auf die Situation für die anderen und deren Schlagfertigkeit, über Kamps und Frieden beschließen wollten? Es gäbe zum Gaudi des Kavi« tals ein Zerfleischen der Arbeiter untereinander.— Unter sotanen Umständen Branchenorganisationen zu gründen, ist entweder gewerkschaftliche Kinderei, unbewußte Handlangerei für das Kapital oder Schlimmeres! Der von Wiesenthal gezeichnete Artikel ist übrigens ein gefundenes Fressen für das wütendste Scharfmachertum. W. behauptet nämlich, daß so ziemlich alle Streiks, an denen der Metallarbeiterverband in den letzten 1l) Iahren beteiligt war, von diesem nicht aus sachlichen Motiven, nicht im Interesse der Arbeiter, sondern lediglich in der Absicht, andere Organisa- tionen zu vernichten, inszeniert worden seien. Das geht ja noch über die frechsten Beschuldigungen von seiten der Christ- lichen und Tillemänner hinaus. Daß W. mit solch toller Be- hauptung sich selbst ins Gesicht schlägt, wird die Gewerkschafts- feinde nicht hindern, ihn zum Kronzeugen avancieren zu lassen. Jeder nur halbwegs Tenkfähige muß sich aber doch fragen: Wie ist es möglich, daß der Metallarbeiterverband große Kämpfe führt, nur um kleine Verbändchen zu ver- nichten, wenn er nach dem anderen Zeugnis des W. vollständig oMmächtig ist, gegen die Unternehmer zu kämpfen? Daß die „Volkszeitung" bei dieser Gelegenheit wieder einmal ordent- lich sich demaskierte, ist ebenso erfreulich, als wie das Heraus- wagen der Organisationszersplitterer. Man weiß nun, was hinter dieser Demokratie steckt— Bauernfängerei! Verlin und Qmqegrnd. Der Streik der Fuhrleute. Bis zum Donnerstagabend hatten 80 Firmen den Vertrag mit dem Deutschen TranSportarbeiterverbanoe unterzeichnet. Bei 31 Firmen, die zusammen 388 Mann beschäftigen, wird der Kampf weitergeführt. Wenn die Zahl der Streikenden sich vermehrt hat (gestern gaben wir die Zahl 350 an, obgleich mehr Betriebe in Be- tracht kamen als heute), so liegt dies daran, daß einige große Be- triebe, die zuerst für diese Bewegung nicht in Frage kamen, wo aber Streikarbeit übernommen wurde, hinzugekommen sind. Die Arbeiter dieser Betriebe wehrten sich gegen die Streikarbeit und nahmen die Gelegenheit wahr, eine Regelung ihrer Arbeits- bedingungen zu verlangen. Ueberhaupt hat die Bewegung weitere Kreise gezogen, und die unorganisierten Arbeiter vieler Betriebe wünschen jetzt, daß der Verband für sie die Kastanien aus dem Feuer hole. Für die Unorganisierten kann der Verband natür« lich nur in bedingter Weise etwas tun; jedenfalls können die Ar- beiter aber eine gute Lehre daraus ziehen, wie wertvoll für sie die Organisation ist. Die Firma Nicolai, die den Tarif anerkannt hat, soll Streikarbeit übernommen haben. Die Arbeiter dieser Firma haben beschlossen, Streikarbeit nicht zu verrichten und, falls die Firma darauf bcharrt, von neuem die Arbeit niederzulegen. Von der Firma T a b b e r t, Mühlenstraße, am Schlesischen Bahnhof, wurde gemeldet, daß städtische Stratzenreiniger abkom- mandiert sind, Streikarbeit zu verrichten. Die Nachricht hat viel Entrüstung hervorgerufen. Die Streikenden wünschen, daß die Bauarbeiter darauf achten, von welchen Kutschern und von welchen Firmen das Baumaterial herangeschafft wird, damit den Streikenden die Kontrolle erleichtert wird. Di« folgenden Firmen haben den Tarifvertrag am Donnerstag unterzeichnet: Kaczorowski, Reinickendorf-Ost. Malzahn, Lichten. berg, H o l z i n g e r, Tempelhof, Theuerkauf, Dahlke, Beatus, Berlin, P o l I a ck. Plötzensee, Trost. Charlotten- bürg, Sielaff, Charlottenburg. Finke, Reinickendorf-Ost, Karl B u r g h a s e, Kottbuser Ufer 12—15. Georg G e n s ch m e r. Alt-Stralau 32. Achtung, Dachdecker und BerufSgenoflenl Zur ArbeitSein- stellung von Dachdeckern und Berufsgenossen ist es auch bei der Eirma Ventz in Friedenau, Schmargendorfer Str. 18, gekommen. err Ventz zahlt jetzt den Arbeitern, die bei ihm neu in Arbeit getreten sind, nur 55 Pfennig. Er hat diesen Arbeitern also einen Abzug von 5 Pf. pro Stunde gemacht. Dies« Werkstelle ist von jedem Dachdecker und Berufsgenossen zu meiden! Zentralverband der Dachdecker. Deutteius Reich. Streik der Arbeiter am Nordostseekanal. Mittwoch ftüh legten sämtliche Arbeiter der Firma Philipp tolzmann, die am Schleuscnbau und am Verbreiterungsbau des aiser-Wilhelm-Kanals beschäftigt sind, die Arbeit infolge Lohn- difterenzen nieder. Die Arbeiter an den Maschinen und der Kabel. bahn erklärten sich solidarisch und hörten ebenfalls auf zu arbeiten. Metallarbeiterbewegung in Düsseldorf. In vier großen Werken der Düsseldorfer Metallindustrie, dem Stahlwerk Oecking A.-G., Gebr. Inden, FittingSwerk, Woeste u. Cie.. FittingSwerk. und dem Röhrenwerk I der Firma Phönix A.-G. sind Differenzen ausgebrochen, welche in allen vier Werken zur Nieder- lcgung eines Teiles der Belegschaft geführt haben. In den erstercn drei Werken handelt es sich um die Verkürzung der Arbeitszeit von öl) auf 57 Stunden die Woche, während auf dem Werk der Phönix A.-G. die Dreher sich in einem Abwehrstreik befinden, welcher die Firma veranlaßt hat, eine Aussperrung der übrigen Arbeiter anzu- drohen. 50 Proz. der im Werk beschäftigten Arbeiter haben die Kündigung schon erhalten. Die beteiligten Unternehmer machen zum Teil große Anstrengungen, Arbeitswillige in allen Teilen Deutschlands zu finden. Zuzug ist daher fernzuhalten. Kcllnerstreik in Frankfurt a. M. Am 17. Juli, mittags 1 Uhr, haben in dem der Stadt gehörenoen Etablissement Cafe Haupt- wache sämtliche 32 Zahlkellner und Zuträger die „__ �___.__ Arbeit niedergelegt. Erstrebt wird zunächst die Abschaffung der..________________.__ verantw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Inseratenteil verantw.! rh.Gl«ckr.Beri'N. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u öerlagsanstalt PauISing-räCo..B-rlin SW. Hierzu 2 BeilagenuAnterhchtunMll seitens der Z a h I k e l l n e r an den Pächter zu zahlendm Ab- gäbe von drei Prozent der Einnahme, sowie die Erringuna einer menschenwürdigen Behandlung. Ausland. Ter Generalstreik als„Anfrnhr". Aus Zürich wiro uns geschrieben: Das sinnlose Wüten herrscht in Zürich weiter. Nachdem sich die Arbeiter ruhig verhielten und sich nicht nach dem Wunsche des Scharfmachertum- auf die Schlachtbank führen fließen, vermehrt die Regierung ihre Ungesetzlichkciicn. Dem Streikpostenverbot, dem Verbot der Versammlungen im Freien und der Demonstra- tionszüge folgt eine Untersuchung gegen die„Urheber" des Gene- ralsireils wegen Aufruhrs. In aller Seelenruhe wird der Generalstreik als Aufruhr im Sinne der nachstehenden Paragraphen oes Strafgesetzbuches erklärt, um einen Vorwand für Massenverhaftungen und Massenausweisungen zu bekommen: „Wenn eine größere Anzahl von Personen sich öffentlich zusammenrottet und die Absicht an den Tag gelegt hat, eine gewaltsame Veränderung der Verfassung des Kantons Zürich herbeizuführen oder mit Gewalt die verfassungsmäßige Staats- gewalt aufzulösen, so machen sich die Personen des Aufruhrs schuldig. Ebenstj wird als Aufruhr bestraft, wenn solche Zusammen- rottungen die Absicht kundgegeben haben, sich den verfassungs- mäßig bestellten Behörden mit Gewalt zu widersetzen, um� ent- weder eine Verfügung oder die Zurücknahme einer getroffenen Verfügung zu erzwingen oder deren Vollzug zu hindern oder wegen einer Amtshandlung Rache zu nehmen." Die Strafe, die für den Tatbestand des Aufruhrs vorgesehen ist, lautet im Minimum auf zwei Jahre Gefängnis. Daß der Generalstreik im Ernst gesprochen nicht als Aufruhr im Sinne dieser Strafartikel eingeschätzt werden kann, geht auf den ersten Blick hervor. Einmal fehlt das Moment der öffentlichen Zusammenrottung und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und auf die Aenderung d�r Verfassung zielt der Generalstreik erst recht nicht ab. Auch handelt es sich keineslvegs darum, Rache wegen Vollzuges einer Amtshandlung zu nehmen. Die Verhaftungen, die in Anwendung der Aufruhrparagraphen vorgenommen wurden, sind daher ungesetzlich und die ganze Staatsaktion stellt eine jurististische Ungeheuerlichkeit dar, wie man sie so schnell nicht erlebt. Wäre die Anwendung der Aufruhrparagraphen zulässig, so brauchte es auch keiner Antistreikgesetze mehr, weil ja jeder Streik als„Aufruhr" bezeichnet und daher verboten werden könnte. Des weiteren müßte konsequenterwcise auch die Aus- sperrung der Unternehmer als Aufruhr unter das Strafgesetz ge- stellt und die Urheber der Aussperrung in VerHaft genommen und bestraft werden. Nur ein Gericht, das sich die schamloseste Rechts- beugung zum Prinzip gemacht hat, könnte es wagen, den Miß- brauch der politischen Gewalt durch die Regierung zu schützen. Soweit dürften aber vorläufig auch die Klassenrichter der Demo- kratie noch nicht sein. In Parteikrcisen besteht die Ansicht, daß die ganze Aufmachung nur zum Zwecke der Verhaftung mißliebiger Genossen stattfand und die Untersuchung, nachdem eine Reihe von Ausweisungen vollzogen wurden, eingestellt werden wird. Am Dienstag und Mittwoch wurden in allen Partei» und Gewerkschaftsbureaus die Haussuchungen fortgesetzt. Alles was ihr in die Hände fiel, schnappte die Polize, weg. Mitgliederlisten wurden konfisziert, Protokolle eingezogen und immer weitere Ber- Haftungen vorgenommen. Die Verhaftungen des Sekretärs des Malerverbandes bestätigt sich allerdings nicht, dagegen sind fast alle Mitglieder des Arbeiterunionsvorstandes sowie zwei Arbeiter- sekretäre in Untersuchungshaft gesetzt worden. Die Partei, die sich zuerst an der Aktion offiziell nicht beteiligte, hat sich nun der Sache angenommen und damit den bürgerlichen Soldschvcibern das Argument aus den Händen ent- wunden, als ob der Generalstreik nur von den Gewerkschaften und unter ausdrücklicher Mißbilligung der„Politiker" durchgeführt worden sei. Um die Matznahmen zur Verteidigung der Arbeiter- schaft einzuleiten, ist ein aus Schweizerbürgern bestehendes Aktionskomitee eingesetzt worden, dem unter anderem die Genossen Nationalrat Sigg, Bezirksanwalt Kaufmann, Bezirksrichter R i e d e r angehören. Das aufgebotene Militär, das sich übrigens viel korrefter verhielt als bei früheren Gelegenheiten, wird in den nächsten Tagen entlassen. Um seiner Aktion aber den nötigen Schliff zu geben, hat der Regierungsrat des Kantons Zürich zwei andere Bataillone auf Piket stellen lassen._ Letzte JHadmcbten. s�liegerabsturz in Johannisthal. Gestern abend rutschte auf dem Flugplatz der Flieger Stiefvater mit seinem Passagier namens Türk aus 25 bis 30 Meter Höhe in einer Kurve ab und stürzte zu Boden. Stiefvater brach die rechte Kniescheibe, während sein Passagier eine Gehirnerschütterung davontrug. Das Flugzeug wurde stark beschädigt. Die„Pazifizicrung" Marokkos. Pari», 18. Juli.(W. T. B.) Aus Rabat wird vom 17. Juli gemeldet: Das ganze Dukkalagebiet zwischen Marrakesch, Masagen und Asemmur und dem Umcrribia befindet sich im Aufruhr. Der Londoner Hafenarbeitcrstrcik. London, 18. Juli.(W. T. B.) Beiden Parteien angehörige Parlamentsmitglieder aus den Londoner Wahlkreisen haben Borschläge zur Beilegung des Streiks auf der Grundlage der unverzüglichen Rückkehr zur Arbeit, Berücksichtigung der Beschwerden und Wiedereinstellung der Streikenden ausge- arbeitet. DaS Streikkomitee hat sich in Erwiderung darauf entschieden dagegen verwahrt, daß sich irgendwelche Personen selbst dazu aufwerfen, den Arbeitnehmern, ohne mit ihnen beraten zu haben. Bedingungen zu stellen, die deren Interessen zuwiderliefen. Das Komitee erklärt die Vorschläge für einen hinterlistigen Versuch, die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit ohne Anerkennung der Transportarbeitervereinigung zu zwingen, und fügt hinzu, die Bedingungen der Arbeiter seien, daß die aus den früheren Streitigkeiten herrührenden Abmachungen innegehalten würden. Sie würden die Arbeit unter keinen anderen Bedin- gungen wiederaufnehmen._ Vom Schlachtfeld der Arbeit. Halle a. S., 18. Juli.(H. B.) Auf der Braunkohlen- grübe Oberbeuna der Beunaer Kohlenwerke bei Niederbeuna ereignete sich heute eine Explosion, bei der etwa 10 Arbeiter zum Teil sehr schwer verletzt wurden. Anscheinend infolge Selbst- «ntzündung explodierte im Kesselhause Kohlenstaub. Eine gewal- tige Flamme schlug auf und verbrannte die dort beschäftigten Ar- beiter in entsetzlicher Weise. Es gelang, die Verletzten aus dem Haufe ins Freie zu bringen. Ein Arzt war sogleich zur Stelle und veranlasste, daß die Verunglückten per Automobil ins„Berg- mannstrost" übergeführt wurden, aber bereits nach der Einliefe- rung starb einer von ihnen, der Schlosser P f a u t f ch aus Merse- bürg. Vater von drei Kindern. Hoffnungslos liegen darnieder die Heizer Strehle. Gliebing und Baumgarten. Die anderen hofft man am Leben zu erhalten. Der Brand selbst konnte gelöscht werden. Der Umfang des Schadens läßt sich noch nicht übersehen, doch kann der Betrieb aufrechterhalten werden. Preßburg, 18. Juli.(H. B.) In T u r k e v e e x p l o d i e r t c der Kessel einer Dreschmaschine, wodurch zwei Personen getötet, fünf schwer verletzt und zwei leichter verwundet purden. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht ermittelt. Nr. 166. 29. Iahrgeng. t Keilllge des Jormirtö" letliner UgllisdlM. fttitag, 19. luli 1912. Quittung. Im Monat Juni gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: I. Köln, Reg. W. 20.—. 8. Ottensen- Pinneberg 2. Ou. 8198,84. Osipriegnitz 19,44. 4. 20. sächs. Kr. 240,—. Zauch- Belzig 3. Ou. 686,60. 5. Falkenberg O.-S., A. L. 3.—. Leipzig 800,—. Parchim 200,—. H. E.. HildeSheim 3.0S. Schletlstadt- Barr. 2. u. 3. Ou. 43,35. 7. Reuh ä. L.. 1.. 2. 3. Ou. 677,24. 8. Bez. Görlitz f. 6 Kr. 3. Ou. lGörlitz-Lauban 619,72, Rothenburg. Hoyerswerda 107,36, Sagau« Sprottau 120,12, Löwenberg 10,—, Bunzlau- Lüben 99,30, Grünberg- Frcystadt 101,84) Sa. 958,34. Beckum- Lüdingh., 1., 2. 3. Ou. 261,65. Berlin W. 50 T. 30,—. 10. Berlin T. W. Ver. Parameter f. Bes. d. Druckerei 5,—. 11. Gotha Rest 1., 2. u. 3. Ou. 117,78. 12. Hamburg 1. Kr. 4. Ou. 4000,—. Hamburg 2. Kr. 4. Ou. 4000,—. Hamburg 3. Kr. 4. Ou. 17 000,-. Guben-Lübbcn 3. Ou. 340,40. 13. 4 sächs Kr. Rest pro 1911/12 2960,—. 14. Stuttgart 1. württenb. Kr. 3. Ou. 2414,91. IS. 12. sächs. Kr. a konto 700,—. Anhalt II 3. Ou. 572,53. Kasiel-Metiungen 2. Ou. 883,68. 10. Mülheim« Wipperfürth Rest pro 3. Ou. 369,06. Frankfurt-Lebus a konto pro 1. u. 2 Ou. 400,—. Stolp-Lauenburg 3, Ou. 80,86. Arnsberg-Olpe 2. u. 3. Ou. 28,96, Berlin P. D. SB. 11 K. G B. 3,05. 21. Gau Nordbayern f. 20. Kr. 3. Ou. r Form die Rechtsgarantien versagte, die er 1910 den übrigen Beamtinnen eingeräumt hatte. Wenn es in der abgelaufenen Landtagsperiode auch gelungen ist, da? württcmbcrgische Bcamtenrecht in einer Reihe anderer nicht unwesentlicher Punkte bester zu gestalten, so ist daS Recht der weiblichen Beamten, wie sich aus obiger Darstellung ergibt, doch noch sehr rückständig, und es wird die Ausgabe der sozialdemokratischen Vertretung im neu zu wählenden Landtage sein, das auf diesem Gebiet bisher Versäumte in Zukunft nachzuholen und bessere Ver- hältniste zu schaffen._' Em Induftne und Ftendel. Der schädigende Einfluß unserer Zollpolitik auf die Judustrie. In immer kürzeren Abständen laufen die'lachrichten ein, daß wiederum eine Fabrik auf ausländischem Boden dicht an oer deutschen Grenze angelegt worden ist Bald handelt es sich um Neuanlagen, bald um Uebersiedelungen schon bestehender Unternehmen. Und fast immer bezieht sich die Nachricht auf Industrien, die Fertig- f a b r i k a t e herstellen. Auch als Gründe dieser durchaus nicht vereinzelten Erscheinung kehren gleichlautende Antworten wieder: die größere Belastung durch Materialkosten zwinge die Unternehmer zu diesem Slandortswechscl. Die deutsche Zollpolitik veranlasse sie dazu, ms Ausland überzusiedeln. Gewöhnlich hat man unter dieser Belastung nur die verstanden, die durch unsere Hochschutzzölle auf den Rohmaterialien und Fertigfabrikaten der verschiedenen Jndustrieen ruht. Unsere agrarische Zollpolitik vert-uert aber vor allem die not- wendigen Z-'b-nsmittel; un>> obgleich dieser Wucher in erster Linie die Brbeiternasse trifft, schädigt er indirekt auch die Industrie, Diese wichtige Folge der deutschen Zollgesetzgebung in einem Einzelfall nachgewiesen zu haben, ist das Verdienst einer kürzlich erschienenen Schrift aus der Brentanoschen Schule.*) Obgleich der Rheinschiffbau im wesentlichen deutsche Rheinhäfen lwie DuiSburg-Ruhrort, Mannheim. Köln. Düsseldorf. Frankfurt, -Mainz und Straßburg) mit Fahrzeugen zu versehen hat. hat er doch seinen Hauptstandort in Holland. Ii, dem Rhein- und MaaSmün- •) Theodor Metz,„Der Rheinschiffbau am deutschen Rhein und tn den Niederlanden." Stuttgart 1912 be, Cotta. 191 Seiten. 6 Mark. dungSgebiet innerhalb Hollands finden sich allein 35 bis 40 Werften mit rund 4000 Arbeitern, die nur für deutsche Rechnung arbeiten. Im gesamten deutschen Rheingebiet dagegen bestehen etwa IIS Wersten mit nur 1300 Arbeitern. Gegenüber dem ganzen BinnenschiffahrtSbou Hollands ist der des deutschen Rheingebietes völlig unbedeutend. 73 Proz.(des Tonnengehalts) aller Schlepp kühne) für den deutschen Rhein werden in Holland hergestellt. Für Dampfschiffe sinkt dieser Anteil Hollands etwas. Von interessierter Seite hat man den Grund für die größere Wetlbewerbsfähigkeit Hollands in der schlechteren Oualv tat der holländischen Schiffe sehen wollen. Allein den Satz aussprechen, heißt seine Widersinnigkeit darlegen. Werden die Slinnes. Thyssen, Haniel sich auf das Risiko eines Kahnbruchs ein- lassen, um ein paar Hunderl Mark zu sparen? Auch die Zollpolitik scheidet als direkte liriache für die größere Rentabilität der Wersten in Holland zunächst aus. Deutschland erhebt für fertige Schiffe und sämtliche Schiffsbaumaterialien überhaupt keinen Zoll. Holland belegt gebrauchsfertige Schiffe mit 1 Proz. des Wertes und von Materialien nur einige wenige Eisenwaren sSchrauben usw.) mit b Proz. Zoll. Ein Vergleich in dieser Hinsicht fällt also sogar zu« gunsten Deutschlands aus. Dennoch stellen sich die M a t e r i a l« kosten in Holland billiger. In Deutschland find Slbiffsbau- Materialien nur zollfrei, soweit der Verbrauch für diesen be- stimmten Zweck nachgewiesen wird. Da aber Deutschland Eisen selbst produziert und der„normale" Zoll die Kartellieruug der Eisenpro- duzenien ermöglicht hat, müssen die Schiffsbauer die allgemeinen Preise zahlen. Der in Betracht kommende Grobblechverband wurde mit der ausdrücklichen Vereinbarung abgeschloffen, daß auch Flußschiffbleche kartelliert werden. Die Ausfuhrvergütungen des deutschen Kartells ermöglichen es, daß in Holland rund 15 Mark pro Tonne Schiffbaublech weniger gezahlt wird als in Deutschland. Bei einem Kahn im Werte von 90 000 M-"k können die holländischen Schiffsbauer dadurch etwa 4000 bis 4300 Mark an Materialkosten ersparen. Einer der beliebtesten Einwände unserer Industriellen gegen die soziale Gesetzgebung lautet, daß die„sozialen Lasten' die deutsche Industrie im Konkurenzkampfe gegen das Ausland schwäche. Obgleich die Arbeiterschutzgesetze in Holland der Aus« beuiung Jugendlicher mehr Spielraum lasten, obgleich die Kranken«. Invaliden« und Altersversicherung als staatlicher Zwang ganz fehlt, zahlen doch die holländischen Schiffsbauunternehmer allein siir die Unfallversicherung pro Arbeiter mehr als die deutschen für alle Vervcherungsarten zusaminen. Gerade die Betriebe mit hohem Unfallrisiko werücn in Holland stark herangezogen. So bleibt als letzter Grund für die geringere Wettbewerbs- fähigkeit des RheinlandeS nur noch der Unterschied der Lohn- höbe. Die hohen Lohnansprüche der deutschen Arbeiter müssen als Ursache herhalten. Und gewiß: die holländischen Werftarbeiter arbeiten nicht nur länger self Stunden gegen neun bis zehn in Deutschland), sie erhalten auch höhere Geldlöhne. Der Durcvschnittsminimallohn steht im deutschen Rheingebiet etwa um die Hälfte höher als in Holland; er zeigt auch eine viel stärkere Tendenz zum Steigen. Bei genauer Untersuchung der Kaufkraft der Löhne ist aber leicht der Nachweis zu führen, daß der holländische Arbeiter trotzdem weit besser lebt als der deutsche. Der rhein- ländische Arbeiter muß mehr Steuern zahlen. Er wohnt weit schlechter und zahlt doch weit mehr für die Miete. Am un- günstigsten aber liegen für den rheiiiilchen Werslarbeiter die Nah- rungsmittelaiisgaben. Im Durchschnitt gibt der Deutsche bei gleicher Nahrungsmenge ein Drittel mehr aus als der Holländer. Daher verschlingen auch die Nahrungskosteu vom Höberen Lohn des Demscheii einen weit größeren Prozentsatz als vom niedrigeren Lohn des Holländers. Lokale Unfruchlbarkeit swie z. B, im vergangenen Sommer) können für die teureren Preise des deutschen Nhetngebietes schon deshalb keine Rolle spielen, weil der leichte und billige Wasser- Iransport das Angebot sofort ausgleichen konnte. Nur die Zoll- b e I a st u n g wirkt verteuernd, und taisächlich stehen die Preise gerade um den Zollbelrag in Deutschland höher. Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Arbeiter stehen in Holtand viel bester und„so erklärt es sich auch, daß d>d rheinischen Unternehmer mir(dem Verfaster) allgemein ihre Unzufriedenheil, die niedcrlätidischen mir allgemein ihre Zufriedenheit mit den Leistungen ihrer Arbeiter ausdrückten". Auch die Arbeit von Frauen der holländischen Werftarbeiter ist so gut wie unbekannt. Die durch keinen Zoll belasteten Lebensmittel kommen aber nicht nur allen holländischen Werstarbeitern zugute; auch der holländische Unternehmer profitiert davon, weil er niedere Löhne zahlen kann. Bei einem Kahn im Werte von 90 000 Mark erspart er allein an Lohnzahlungen über 14 000 Mark. Mit der Er sparniS an Materialkosten von 4000 M. zusammen kann demnach der holländische Werftiintenuhmer um rund 18 000 Mark billiger arbeiten. In Einzelfällen stellt sich die Mehrbelastung für den deutschen beim Bau eines Kahns von 1700 Tonnen Tragfähigkeit sogar aus 27 400 M. Bcnierkcnswerterwcise fällt von den Mehrausgaben der größere Teil auf erhöhte Lohnzahlung infolge künstlich verteuerter Lebensmittel. Arbeiter, die in Emmerich auf deutschem Boden wohnen, erhalten von dem holländischen Unternehmer 10 Proz. deS Lohnes, mindestens aber 100 Gulden, mehr als Arbeiter, die inner- halb Hollands Grenzen leben. Und umgekehrt haben deutsche Unter nehmer ihre Arbeiter jenseits der Grenze angesiedelt, damit sie ihren Arbeitern niedrigere Geldlöhne zahlen lönnen. Die deutsche Handels- Politik schädigt nicht nur die Arbeiterklaffe, sondern auch die Ent- Wickelung eines Teils der Industrie! Die Bierproduktion der Welt stieg nach den Angaben der Firma Joh, Barth u. Sohn von 273 Millionen Hektoliter im Jahre 1910 um den enormen Betrag von 20 Millionen auf 293 Millionen Hello- Itter. Folgende Tabelle gibt einen Ueberblick über die Biererzeugung in 1910/11. Taus. Taus. KI ll Vereinigte Staaten.. 74 231 Bulgarien....... 220 Teutschland..... 69 709 Kuba........ 217 Großbritannien.... 58 777 Brit. Südafrika..... 200 Oesterreich-Ungarn.. 25 328 Indien........ 184 Frankreich...... 17 942 Serbien....... 148 Belgien...... 17 032 Türkei........ 134 Rußland...... 10 897 China........ 72 Schweiz...... 3 050 Uruguay....... 70 Dänemark...... 2 663 Peru........ 50 Schweden...... 2011 Aegypten....... 49 Australien...... 2 382 Philippinen...... 40 Niederlande..... 1 950 Algerien....... 35 Kanada....... 1 879 Venezuela....... 30 Argentinien..... 1 080 Portugal....... 28 Chile....... 800 Bolivien....... 27 Italien....... 598 Ecuador....... 22 Brasilien...... 590 Paraguay....... 18 Norwegen...... 450 Kolumbien...... 18 Neuseeland..... 440 Guatemala...... 18 Mexiko....... 320 Griechenland...... 16 Japan....... 319 Panama....... 15 Spanien.-..... 242 Deutsch-Südwest-Afrika.,'11 Rumänien...... 240 Statistik der Kleinhandelspreise für Fleisch. Wte bürgerliche Blätter mitteilen, besuchen gegenwärtig ein Ver- treter des Statistischen LandeSamts und ein Vertreter des Landes- Ockonomiekallegiums im Auftiage des Preußischen Landwirtschasts- Ministeriums eine größere Zahl von Städten, um an Ort und Stelle das bei der Ermittelung der Kleinhandelspreise für Fleisch geübte Verfahren zu prüfen. Diese Ermittelungen bezwecken, Material zu gewinnen für eine größere Einheitlichkeit in der Statistik der Kleinhandelspreise. Augenblicklich wird die Feststellung der Kleinhandelspreise für alle von der„Statistischen Korrespondenz" notierten Waren in sämtlichen 51 preußischen Orten Schutzleuten überlasten. Die Antwort auf die Preishöhe der be- zeichneten Waren wird je nachdem verschieden aussaflen, in welchen Stadtgegenden und bei welchen Kleinhändlern man kaust. Rieder« Polizeiorgane sind keinesfalls dazu geeignet, solche schwierige Er- Mittelungen zu leiten. Diese statistischen Feststellungen müssen, wo ein kommunales statistisches Amt besteht, statistisch gebildeten Be- amten dieses Amtes übertragen werden. Wo das bereits geschieht, zeichnen sich die Notierungen durch größere Brauchbarkeit und Sicherheit auS. Die geplante Verbesserung der Statistik wird hoffentlich auch darüber Klarheit bringen, ob tatsächlich eine erhebliche Spannung zwischen den Schweinepreisen und den Schweinefleischpreisen besteht. Von agrarischer Seite wird mit Vorliebe darauf hingewiesen, daß die Schweine von den Züchtern billig verkauft werden müßten, daß aber die Händler und Echlächier die Fleischpreise in die Höhe trieben. Die Fleischer sehen den Grund für die Spannung dagegen in der gegenwärtig angewandten, nicht zuverlässigen Methode zur Ermittelung der Kleinhandelspreise. Gerade auch mit Siückficht auf diese umstrittene Frage hat das LandeSökonomie-Kollegium die Ver- befferung der Statistik angeregt. Soziales. Die blaue B-lksversicheruns. Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine wollen bekanntlich für sich auch eine„Volksfürsorge" einrichten, nachdem sie öffenllich in ihrem Zentralorgan zugegeben haben, daß sie selbst dazu gar nicht in der Lage seien, das sreigewerkschaftliche und genossenschaftliche Beispiel nachzuahmen. Die Hirsche verfielen deswegen auf den mehr originellen als richtigen Weg, sich an die öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungsanstalten heranzumachen, die in Verbindung mit der Entschuldungsaktion für die östlichen Provinzen Preußens arbeiten. Wir nagelten das mit seinen Konsequenzen fest. Jetzt kommt endlich der„Gewerkverein", nachdem er sich bei seinem Jdeenfabrikanten für blaue Volksversicherung Rat und AuS- kunft geholt, um uns zu antworten. Er bestätigt in erster Linie, daß solch tiefeinschr.eidender Ausbau der gewerkschaftlichen Arbeiter- fürsorge bei den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen als Neben- beschäftigung einer Person überlassen wird— hoffentlich sitzt er nicht iin öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungsverband. Der„Gewerkverein" stellt ,.fcst\ daß wir das, was e r gedacht. nicht gesagt haben. Daß wir eine öffentlich-rechtliche Versicherung als besser bezeichnet haben wie Versicherungsgesellschaften gleich der „Victoria", erscheint dem schreibenden Gewerkvereinler erstaunlich. Erstaunlich ist dabei nur des Verfassers Naivität. Unsere wichtigsten Kriterien bezeichnet der„Gewerkverein" als „Ncbenpunkte"! Wie sieht es nun mit diesen»Nebenpunkten" nach der Antwort des„Gewerkoereins" aus? Der„Gewerkverein" schreibt:.Die Gründimg der öffentlichen Lebensversicherungsgesellschasten hängt allerdings, wie wohl zur Genüge bekannt war(vom„Gewerkverein" seinen Mitgliedern aber völlig verschwiegen worden rstl D. R.), mit der ländlichen Entschul- dung zusammen. Sie ist also mit dazu bestimmt, endlich einmal wieder die in Staatshilse erstickte Landwirtschaft zur Selbstbesin» nung und Schuldabbürdung aus eigener Kraft(mit dem Gelde ge- werkvereinlich organisierter Arbeiter? D. R.) anzuorgen." ES will der Gewerkverein also noch ein besonderes Lob dafür haben, daß er eine für die Entschuldung der Landwirtschaft geschaffene Institution durch seine Mitglieder unterstützen lassen will. ES kommt aber noch besser. Im ersten Reklameartikel für die noch zu schaffenden„Depen- dance" einer Volksversicherung im Anschluß an die öffentlich-recht- liche Lebensversicherung wird die Prämienreserve zur Finanzierung von Arbeiterwohnungsbau-Genossenschaften gemeinnützigen Cha- rakters verwendet. Da heißt es jammernd und klagend, aber es „kann" doch im Ernstfall gar nicht anders gemacht werden.„Warten wir doch erst die Veröffentlichung der SatzungSbestimmungen darauf- hin ab!" Also bis jetzt ist das, was der Aewerkverein seinen Mit- gliedern als Wirklichkeit und Selbstverständlichkeit hingestellt hat, noch nicht einmal beschlossen! Damit erledigt sich alles andere. Zum Schluß sei nur noch einiger d-unimer Schwatz richtig ge- stellt. Die Reklamemacher für die neuartige, noch wicht einmal in Satzungen existierende Hirsch-Dunckersche Volksversicherung erzählt da etwas von dem blauen Beweis der positiven Gegenwartsarbeit. Da liegt aber gerade der Unterschied. Die„Volksfürsorge" ist Tat- fache und Gegenwart, der Hirsch-Dunckersche Plan ist traurige Zu« kunftsmusik! Und im übrigen: der Verfasser schwätzt bon dem Rückgang der Landarbeiterbewegung. Wollen die Gewerkvereinler etwa ihre Organisation mit der freigewerkschaftlichen Landarbeiterbewegung vergleichen? Bei den Hirsch-Dunckerschen ein Bäckerdutzend und hier weit über 10 000! Der gewerivereiwliche Volksbeglücker tut sich noch darauf etwas zugute, daß seine Gewerkschaftssreunde für die Seßhastmachung der Landarbeiter mittels der Gelder der Lebensversicherung zu sorgen gedenken. Deswegen würden die Landarbeiter immer mehr zur Kerntruppe des— Liberalismus! Das kann ja eine gute VolkLversicherung werden. Vorläufig ist da nur das eine klar, daß die Gewerkvereinler ggmM goch nicht wissen, was sie wollen. Sericdts- Leitung. Klassenjustiz. Ein Gärtnergehilfe war bei dem Gärtnereibesitzer Savelberg in Brühl bei Köln in Arbeit getreten. Er wohnte in der Stadt, während mehrere seiner Mitarbeiter beim Meister Kost und Logis hatten. Der Unterkunfts» räum dieser Gehilfen befand sich in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottete. Der in der Stadt wohnende Gehilfe, der gewerkschaftlich organisiert ist. besuchte wiederholt seine Mitarbeiter in ihrem Logis. Weil dies als Schulbeispiel dafür gelten konnte, wie Gesellenlogis nicht beschaffen sein sollen, nahnl er eines Tages einen Photographen mit, der den„Aufgang" zu der Wohnung(der aufs Haar einer Hühnerleiter glich) und die komfortable Inneneinrichtung des „Logis" auf die lichtempfindliche Platte bannte. Bald daraus prangte das wohlgelungene Bild der Savelbergschen Arbeite»- „wohnung" auf einer Seite der„Deutschen Gärtnerzeitung". Herr Savelberg war von der Berühmtheit, zu der die Gärtner seiner Firma verholfcn hatten, sehr wenig erbaut. Als er den Urheber des illustrierten Artikels in dem Gesellen ermittelte, denunzierte er ihn der Staatsanwaltschaft— wegen Hausfriedensbruchs. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Das Schöffengericht verurteilte den Gehilfen zu einer Woche Gefängnis. Gegen das Urteil wurde Berufung hingelegt. In der jetzt stattgehabten Verhandlung vor der S t r a f k a m m e r in Köln gab der Gärtnerei- besitzer Savelberg zu, daß er dem Angeklagten das Betreten des Zimmers niemals verboten habe. Er habe aber früher allen Gehilfen, die nicht bei ihm gewohnt hätten, verboten, das Zimmer aufzusuchen. Daraus sei zu schließen, daß auch der Angeklagte gewußt habe, daß er das Zimmer nicht betreten dürfe. Der Staatsanwalt jtellte sich au? den Boden der Anklage. Der Angeklagte habe das Bewußtsein haben niüssen, daß ihn Savelberg hinausweisen würde, wenn er ihn träfe. Immerhin liege der Fall milde. Da nach der Novelle zum Strafgesetzbuch jetzt bei Hausfriedensbruch auch eine Geldstrafe ntöglich sei, beantrage er. an Stelle der Gefängnis- strafe auf drei Mark Geldstrafe zu erkennen. Die Strafkammer erkannte jedoch aus Verwerfung der Berufung. So soll durch Gefängnisstrafen gegen Personen, die sich durch wahrheitsgemäße Veröffentlichung des Wohnungselends verdient gemacht haben, daS WohnungSekend und daS zum Himmel schreiende Unwesen des LogiswesenS kuriert werden. Das Urteil stellt den Begriff des Hausfriedensbruchs auf den Kopf. Hausfriedensbruch kann nur vorliegen, wenn jemand in das befriedete Besitztum eines anderen„widerrechtlich ein- dringt" oder sich auf die Aufforderung des Berechtigten nicht entfernt. Hier handelt es sich nur um ein angeblich„Wider- rechtliches Eindringen". Widerrechtlich handelt, wer kein Recht zum Betreten des befriedeten Besitztums hat und überdies den Raum gegen den erklärten und deutlich erkennbaren Willen des Berechtigten betritt. Der Gehilfe war zum Betreten des Logis berechtigt, weil er im Einverständnis mit dem Logis- inhaber handelte, der scimn Besucher auch gegen den Willen des Logiseigentümers empsangen kann. Der Gehilfe handelte also nicht widerrechtlich. Er handelte aber auch deshalb nicht widerrechtlich, weil der Gärtnereibesitzer ihm das Betreten nicht verboten hatte. Was er getan haben würde, wenn er von dem Besuche Kenntnis gehabt hätte, ist völlig gleichgültig. Der Verurteilte handelte auch nicht im Bewußtsein der Rechtswidrigkcit, ist auch nicht„eingedrungen", sondern hat in gcmeinüblichcr Weise das Grundstück betreten. Glaubt aber das Gericht, es liege dennoch Hausfriedensbruch vor, so zeigt die von ihm angewendete Strafart und Straf- höhe, daß es auf eine den Umständen nach außerordentlich hohe Strafe erkannt hat. weil der Angeklagte zur Beseitigung des Logis- und Wohnungselends beigetragen und so die Interessen einer besonders schlecht gestellten Schicht der Minderbemittelten wahrgenommen hat. Ihm ist also zum Nachteil angerechnet, daß er sich ein Verdienst um die All- genieinheit erworben hat, das freilich Hausagrariern und un- sozial denkenden Arbeitgebern unangenehm ist. Was nutzt die Strqfgesetzbuchnovelle, so lange die Richter selbst von antisozialem Empfinden beherrscht sind? Anton, steck den Degen ei»! Die Ausschreitungen des Schuvmanns Six in der Neujahrsnacht. über die wir in Nr. 1S2 bereits berichteten, kamen gestern zur Aburteilung vor der 1t). Fericnstrafkammer unter Vorsitz des Landgcrichtsbirektors Weinmann. Der Hauptbelastungszcuge Hart- wig war nicht erschienen. Er ist unauffindbar und nach Angabe des Verteidigers ISmal vorbestraft. Trotzdem wurde auf Antrag des vom Amt suspendierten Angeklagten verhandelt. Eine Reihe Schutz- leute wurden vernommen. Nach der Verhandlung war der Sach- verhalt folgender: In der Neujahrsnacht gegen 2 Uhr suchte der Arbeiter Rudolf Hartwig das Schanklokal von Olscha an der Ecke der Palisaden- und Lichtenberger Straße auf. Nach kurzer Zeit wurde er durch einen furchtbaren Lärm aufmerksam, der von der Straße her in das Lokal drang. Als er hinausging, sah er eine große Menschenmenge, die hiner dem jetzigen Angeklagten, der, wie behauptet wird, stark angetrunken war, johlend und pfeifend herlief. Der Schubmann hatte seinen Säbel gezogen und fuchtelte damit in der Luft herüm. Hartwig rief ihm im Scherz die Worte zu:„Anton, steck den Degen ein!" Der Angeklagte stürzte, wie H. behauptet, sofort auf ihn los und schlug mit dem Säbel auf ihn ein. Hartwig wehrte sich nun- mehr seiner Haut und gab dem Schutzmann eine derartige Ohrfeige, daß dieser zu Boden fiel. Er wurde nunmehr von Six und dem inzwischen hinzugekommenen Schutzmann Grämlich nach dem nahe- gelegenen 23. Polizeirevier geschafft. Hier versetzte Six in Gegen- wart mehrerer Beamten ihm noch einen Stoß vor die Brust und einen Fußtritt vor den Unterleib. Vor weiteren Mißhandlungen schützte ihn das Eingreifen des Schutzmanns Neve. Der Angeklagte war zur Zeit der Tat angetrunken. Er hatte vor Antritt seines Dienstes mehrere Glas Grog getrunken, dann auf der Polizeiwache. wo er von 11 bis 3 Uhr Dienst hatte, noch mehrere Gläser Grog und Schnaps.— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Mcrschbcrgcr beantragte gegen Six eine Gefängnisstrasc von 2 Monaten Das Gericht er- kannte auf 75 M. Geldstrafe._ Ankündigungen gewerbsmäßiger Stellenvcrmittler. Der Stellenvermittler Zahn sollte durch marktschreierische An- swbcn in einer Zeitungsanzeige in Magdeburg die Ministerialvor- schriften übertreten haben, welche gemäß dem Stellenvcrmittler- gesetz für gewerbsmäßige Stellenvermittler ergangen sind. Solche Angaben sind nach§ 7, Absatz 2 der Vorschriften verboten. Die Strafkammer in Magdeburg, die Zahn verurteilte, sah das Markt- schreierische der Anzeige darin, daß Angeklagter der Ankündigung, er vermittele Kochmamsells, hinzugefügt habe:„3l)— 70 M. Monatsgehalt". Diese Angabe prahle damit, daß er Kochinamsells zu hohen Löhnen veriuittele.— Das Kammergericht verwarf dieser Tage die vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Be- gründung: Ohne Rechtsirrtum sei eine marktschreierische Angabe festgestellt. Aber auch, wenn das nicht der Fall wäre, hätte Zahn doch verurteilt werden müssen, da§ 7 Absatz 2 der ministeriellen Vorschriften an anderer Stelle vorschreibe, daß die Ankündigungen der gewerbsmäßigen Stcllenvermittlcr nur Angaben darüber ent- halten dürften, daß und für welche Berufe eine Vermittlung statt- finde. Schon deshalb hätten Löhne nicht in der öffentlichen An- kündigung angegeben werden dürfen. Die Strasvorschrift ist also auch gegen Streikbvccherannoncen anwendbckr. Versammlungen. Die Bildhauer der Modellbranche erörterten am Mittwoch in einer gutbcsuchtcn Versammlung im„ftönigshof" die Ta r i f- frage. Der Tarif läuft am 1. September d. I. ab. Er muß entweder sechs Wochen vorher gekündigt werden, also bis Ende dieser Woche, oder der Tarif läuft auf ein weiteres Jahr fort. D u p o n t referierte und unterbreitete den Versammelten die Vorschläge der Kommission. Unter anderem führte er aus: Es frage sich, ob eine Revision des Tarifes vorzunehmen ist. Die Konjunktur im Baugewerbe sei nicht durchgängig eine glänzende. In verschiedenen Städten sei sie ganz verschiedenartig. Aber wenn man sich den bestehenden Tarif der Modellbranche ansehe und ihn vergleiche mit dem Tarif in Haiuburg, sowie mit den Errungen- schaften der Stukkateure, dann müsse man doch sagen, daß der be- stehende Tarif bekämpft werden müsse, selbst bei der schlechtesten Konjunktur. Er könne so nicht bleiben. Den Stukkateuren seien infolge ihrer Betvegung wesentliche Zugeständnisse x�macht worden. Eine wesentliche Bestimmung sei dabei, daß während der Dauer des Tarifs, der allerdings auf vier Jahre festgelegt sei, Verbesseiuagen einzutreten hätten, ohne daß darum gekämpft zu werden brauche. Bei dem Vergleich ztvischen den Modelleuren und den Stukkateuren kämen besonders die Löhne der Stuk- katcure in Betracht. Die Bildhauer und besonders die Modellcure würden doch als qualifizierte Arbeiter angesehen, die Kenntnisse sammeln und sie ständig fortentwickeln müßten. Das sollte aber in anderer Weise in den Löhnen zum Ausdruck kommen als es der Fall sei. Man bca�te dabei die Tatsache, daß die Stukkateure höhere Löhne hätten als die Kollegen der Modellbranche. An der achtstündigen Arbeitszeit solle nach Meinung der Kommission nicht gerüttelt werden; aber eine Erhöhung der Löhne sei zu fordern. Die Stukkateure hätten bei einer SZ�stündigen Arbeitszeit, die in nächster Zeit eine S>/1 stündige werde, einen Minimallohn von 40,80 M.. der im Laufe ihres neuen Tarifs erif 43,86 M. steige, während zurzeit der Minimallohn für Gips« Ltldhauer und Modelleure nur 36 M. betrage. Das sei ein Lohn, Der in Anbetracht der Teuerungsverhältnisse und der Fähigkeiten ver Modelleure nicht mehr Geltung behalten dürfe. Die Kommission schlage vor, daß für Gipsbildhauer und Modelleure ein Minimal- lohn von 7,50 M, und für Anträger ein Minimallohn von 0,50 M. pro Dag geforderk iverde. DaS letztere decke sich mit dem, KaS in Hamburg tariflich festgelegt sei. In Hamburg habe man einen Unterschied zwischen Modelleuren und Gipsbildhauern gemacht. Die Kommission glaube es in Berlin vorderhand bei der Gleich- stellung zu belasien. Wenn sich bei den Verhandlungen, die not- wendig werden, in der Beziehung Differenzpunkte zeigen sollten, dann lasse sich vielleicht ein Ausweg finden. Vorläufig glaube die Kommission für Gipsbildhauer und Modelleure den gleichen Mi- nimallohn von 7,50 M. vorschlagen zu sollen. Weitere Vorschläge der Kommission seien: Die Lohnzahlung habe auf der jeweiligen Arbeitsstelle bis zur Beendigung der normalen Arbeitszeit statt- zufinden. In die jetzt geltenden Vorschriften für die Festsetzung von Akkordlöhnen, die in unvermeidlichen Fällen usw. zulässig ist, soll eingefügt werden, daß die Preise nicht nur vorher festgesetzt, sondern die betreffenden Lohnsätze auch garantiert werden sollen. Die Bestimmung über Zuschläge bei auswärtiger Arbeit soll bestehen bleiben mit einer Veränderung, indem die betreffende Stelle jetzt heißen soll:„Fahrzeit, welche in die normale Arbeitszeit fallen muß, und das Fahrgeld dritter Klasse sind zu vergüten." Auch bei den Zuschlägen für Ueberstunden soll es bleiben/ mit einer grundsätzlichen Aenderung, nach der ein Pasius in der neuen Fassung lauten würde:„Ueberstunden in der Werkstatt und auf dem Bau dürfen nur dann gemacht werden, wenn Arbeitslose in der Stellenvermittelung des Zentralvereins der Bildhauer nicht eingeschrieben sind." Neben weiteren, kleineren Aenderungen kommen unter anderem noch folgende Vorschläge zur Tarifrevision in Betracht:„Die Stellenvermittelung des Zentral- Vereins der Bildhauer ist bei Bedarf von Arbeitskräften in An- spruch zu nehmen." Die drei Arbeitgeber und die drei Arbeit- nehmer der Schlichtungskownnssion sollen sich in Zukunft gemein- sam einen unparteiischen Vorsitzenden wählen.(Bisher sollte die Leitung stets ein Gewerberichler haben.) Nach Meinung der Kom- Mission rechnet man mit einer Dauer von 2 Fahren für den neuen Tarif. Er würde danach am 1. September 1014 ablaufen. Sollten die Unternehmer auch für den Tarif der Modellbranche auf einen bierjährigen Vertrag bestehen, dann müßte natürlich auch, wie bei den Stukkateuren, eine Staffelung der Löhne eintreten, so daß innerhalb der Dauer des Tarifes weitere Erhöhungen der Löhne eintreten müßten. An der folgenden Diskussiow beteiligten sich M i e s b a ch, B l a s i g u. a. Es wurden aus der Versammlung einige Wünsche laut, die bei der Redaktion der Forderungen nach Möglichkeit be- rückstchtigt werden sollen. Die noch nicht organisierten Kollegen wurden an ihre Pflicht, dem Verband beizutreten, erinnert. Ein« stimmig hieß es die Versammlung gut, daß im Sinne der Vor- schlüge der Kommission bei den in Betracht kommenden Unter- nehmerorganisationen die Tarifrevision beantragt werde. Verband der Sattler und Portcfeuiller. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Mittwoch ihre Ouartalsversammlung ab. Die Abrechnung vom 2. Quartal 1012 erstattete W e h h e r, die folgen- des Bild ergab: a) Ortsverwaltung. Einnahmen und Aus- gaben bilanzieren mit 20 282,55 M.— b) Lokalkasse. Bestand und Einnahmen betragen 77 612,88 M., denen eine Ausgabe von 5145,87 M. gegenübersteht, so daß ein Bestand von 72 467,01 M. verbleibt.— c) Berliner Verwaltung. Sie hat eine Ge- samtcinnahme von 3163,73 M. und eine Ausgabe von 1709,37 M. auszuweisen, verbleibt ein Bestand von 1451.36 M.— d) Lehrlings- und Jugendabteilung. Einnahmen und Aus- gaben bilanzieren mit 184 M.— Mitgliederbewegung. Jugendliche: Bestand am 1. April 1012: 151. Davon sind Lehr- linge: 126, Hilfsarbeiter: 25. Mitgliederbestand am 30. Juni 1012: 156. Davon sind Lehrlinge: 129, Hilfsarbeiter: 27.— Erwachsene: Mitgliederbestand am 1. April 1012: 3553, darunter 226 weibliche Mitglieder. Mitgliederbestand am 30. Juni 1912: 3518, darunter 193 weibliche Mitglieder. Ueber die Benutzung deZ Arbeitsnachweises ist folgendes zu berichten: Eingeschriebene Arbeitslose: 723. Davon nicht organi- siert: 41. Verlangte Arbeitskräfte: 339. Besetzte Stellen: 262.— Die Konjunktur in der Reiseartikelindustrie war mit Ausnahme der KoffcrbOcinche nicht günstig.— Nach Erstattung des Abrcch- nungSberichts hielt Joh. Sassenbach, der frühere Zentral- Vorsitzende und Redakteur des Sattlerorgans, einen inter- essantcn Vortrag über:„1887 bis 1912, fünfundzwanzig Jahre gewerkschaftlicher Enlwickelung", wobei er aus seinem reichen Er« fahrungsschatze mancherlei wertvolle Episoden mit einflocht. Die Versammlung dankte für die fesselnden Ausführungen mit starkem Beifall. Die Neuwahl der Gauleitung wurde zurückgestellt wegen des schlechten Besuches der Versammlung. Klirschnervcrband. Die am Mittwoch abgehaltene General- bersammlung der Filiale Berlin nahm den Bericht für das zweite Quartal entgegen. Di« Lokalkasse hatte 5703 M. Einnahmen und 6125 M. Ausgaben, wodurch der Bestand von 1800 M. aus 1378 M. gesunken ist. Für Nnterstützungszwecke wurden 2965 M. ausge- geben, darunter 1581 M. Streikunterstützung. Der Mitglieder- bestand belief sich am Schluß des ersten Quartals auf 522 männ« liche und 758 weibliche. Ende des zweiten Quartals hatte die Filiale 466 männliche und 561 weibliche Mitglieder. Der Rück- gang der Mitgliederzahl ist in der Hauptsache durch Streichung von Restanten entstanden. Die außerordentlich zahlreichen Bei- tragsrückstände sind daravf zurückzuführen, daß zurzeit eine un- gewöhnlich schlechte Geschäftslage im KürschnergÄverbe herrscht. Ein Teil der Restanten hat die Weiterzahlung der Beiträge des- halb unterlassen, weil die Fabrikanten nach dem ungünstig ver- laufenen Streik in der Mützenbranche nur noch unorganisierte Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen wollen und Organisierte die rücksichtsloseste Entlassung zu fürchten haben. Der Tiefstand der Konjunktur erleichtert den Fabrikanten ihr terroristisches Vorgehen. Der Verband ist natürlich bemüht, trotz dieser Hinder- nisse seine frühere Position nicht nur zurückzuerobern, sondern die Organisation weiter auszubauen und zu festigen» um die In- teressen der Mitglieder wirksam zu vertreten. Hud aller Alelt. Der Polizeimord in New Dork. Ueber den ungeheuerlichen Polizciskandal schreibt heute die „New Jork World": „Die Ermordung des SpielbanlbesitzerS Rosenthal ist daS Ergebnis eines geheimen Abkommens zwischen der Polizei und dem New Uorker Verbrechertum. Durch dieses Uebereinkommen sind Leben und Gut von fünf Millionen Menschen der Polizei auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Die Polizei kauft und verkauft das Vorrecht, zu morden. Rosenthal ist ein Opfer dieser ver- brechcnsrtie» Geheimverbindung geworden, weil er dem Staats- anwalt Mitteilung von dem Tribut machte, den die Spieler an die Polizei zu zahlen hatten." Nicht nur die Presse zeiht die Polizei der Urheberschaft oder wenigstens Mittäterschaft der Ermordung des ihr so un- bequemen Nosenthal, sondern auch der Staatsanwalt W h i t m a n s e l b st. Er erließ nämlich eine öffentliche Erklärung, in der festgestellt wird, daß während des Mordes ein Polizcilcntnant nur 20 Schritte, weitere sechs Polizisten sich gleichfalls ganz in der Nähe befanden, ohne daß sie auch nur den Versuch unternommen hätten, der Mörder habhaft zu werden oder ihr flüchtendes Automobil zu verfolgen I Erst 10 Minuten später sei die Verfolgung aufgenommen worden, und auch die Feststellung der Nummer des' Automobils sei nur durch Private erfolgt. Weiter wird mitgeteilt: „Die behördliche Untersuchung ergab, daß der Führer der Bande, die Rosenthal ermordete, der berüchtigte Jack Rose war, der einen der schlimmsten„ganZs"(Bande) New Jorks befehligte. Rose, ein intimer Freund des Polizei« leutnants Becker, ist— verschwunden! Dieser Polizeileutnant Becker, der stille Teilhaber Rosen« thals an dessen Spielhölle und von dem Er- mordeten der Erpressung beschuldigt, wurde seines Amtes ent- setzt. Becker soll, wie in Polizeikreisen ausgesprengt wird, Selbstmord verübt haben, doch glaubt man diesem Gerücht nicht. Becker hat an Bestechungsgeldern allein monatlich 30—40000 M. bezogen. Er war Ursprung« lich ein einfacher Schutzmann gewesen, der sich durch zahl- reiche Rettungen bekannt machte und für diese auch die Rettungsmedaille erhielt. Es steht fest, daß der Plan der Ermordung Rosen- thals lange vor der Ausführung in Spieler- kreisen bekannt war. Dutzende dieser Ehrenmänner lungerten stundenlang in der Nähe des Metropolhotels herum, um der Mordszene beizuwohnen. Mehrere Zeitungsredak- t i o n e n erhielten eine halbe Stunde vor dem Mord telcphonische Anfragen, ob Rosenthal schon er- schössen sei."_ Luftreise mit Hindernissen. Der brillante Wrightpilot Abramowich war mit seinem Passagier, RcgierungSbaumeister Hächstedtcr, am Donnerstagabend glücklich in Königsberg eingetroffen. Er hoffte, am Freitag schon sehr zeitig seinen Flug nach der russischen Grenze— sein Ziel ist ja bekanntlich Petersburg— fortsetzen zu können. Aber er hatte dabei die Rechnung ohne die liebenswürdigen Militär- und Zivilbehörden gemacht. Zunächst verweigerte man Abramowich, seinem Flugapparat in der militärischen Luftschiffhalle Aufnahme zu gewähren, so daß das empfindliche Fahrzeug im Freien übernachten mußte. Als ob man den Apparat, wenn eS wirklich wichtige militärische Fluggeheimnisse zu wahren galt, nicht durch Soldaten hätte in den Schuppen schieben und wieder herausbefördern lassen können. Dann trommelte die Kriminalpolizei den Flieger, der sich frühzeitig zu Bett begeben hatte, um Ve2 Uhr nachts heraus, um— seine Legitimation zu prüfenl Und schließlich verweigerte ihm die Militärverwaltung die Abgabe von BenzNi und Oel, sodaß er seinen Bedarf erst in der Stadt einkaufen mußte und dadurch die günstige Zeit zum Weiterflug versäumte. Die Spionenriechcrei muß bei der vorweggenommenen HundstagShitze auch in Königsberg Unheil angerichtet haben. Oder wollte man dem russischen Flieger dadurch imponieren, daß man ihm veranschaulichte, daß die russische Grenze schon dieSseitS von Königsberg beginnt? I_ Tie Pest in Algier. Wie dem„Pariser Journal" aus Algier gemeldet wird, sind dort in den letzten Tagen vier Mitglieder einer Familie Mosti plötzlich unter mysteriösen Erscheinungen erkrankt nnd gestorben. Die Schwester der Frau Mosti ist jetzt ebenfalls der unheimlichen Krank- heit erlegen, ebenso eine Nichte, welche Frau Mosti pflegte. Die Behörden haben unverzüglich die Wohnräume und die Fabrikslokalitäten von Mosti räumen nnd eine allgemeine Desinfizierung vorgenommen. In der Mosti gehörigen Fabrik sind in einer Woche über 109 Ratten täglich zu chemischen Zwecken ge- tötet worden. Man glaubt daher, daß die Ratten die Ueberträger der so gefürchteten Pestkrankheit sind. Ein Telegramm aus Algier vom 18. Juli lautet: Die Pest greift hier immer weiter um sich. Gefßrn mußten wiederum sämtliche Arbeiter einer Maschinenfabrik entlassen werden, weil sich bei ihnen pe st verdächtige K r ckM- heitSsymptome zeigten. Die Behörden treffen umfassende sanitäre Maßnahmen, um einer Wciterverbrcitung der Seuche Einhalt zu tun. In mehreren hundert getöteten Ratten wurden P e st b a z i l I e n gefunden. Die Aerzte sind der Ansicht, daß es sich um Beulciipcst handelt._ Kleine Notizen. Todcssturz eines FliegeroffizicrS. Am Donnerstag früh der- unglückte auf dem Flugplätze Lindenthal der Flieger Leutnant Preußer vom 107. Infanterieregiment in Leipzig tödlich. Sein Apparat stieß beim Landen so heftig auf, daß er sich zweimal über« schlug. Leutnant Preußer erlitt einen Schädelbruch sowie andere schwere Verletzungen und starb nach wenigen Minuten. Badeunfälle in Pommern. Im östlichen Pommern sind im Laufe dieser Woche 13 Personen beim Baden ertrunken. Wieder ein schwerer BootSunfall. In der Nacht zum Donnerstag unternahmen fünf Arbeiter eine Kahnfahrt auf der Lippe. Auf der Rückfahrt badete einer der Arbeiter. Als er den Versuch machte, wieder in den Kahn zu kommen, kippte dieser um. Drei der Insassen ertranken, während die beiden anderen sich retten konnren. Die Leichen der Ertrunkenen sind noch nicht geborgen. Eine Gastwirtsfrau ermordet. Beiden(Bayern), 18. Juli. Gestern nachmittag%2 Uhr wurde die Gastwirtin Elise Hecht in der Nähe des Ortes Gebensbach von einem Handwerks« barschen ermordet und beraubt. Der Handwerksbursche hatte am Vormittag gesehen, daß die Frau einen Hundertmarkschein wechselte. Er verblieb in der Wirtschaft bis zum Nachmittag, zu welcher Zeit sich die älteren Leute zur Feldarbeit begaben, und er sich mit der Wirtin und ihrem sechsjährigen Sohne allein befand. Die Frau schickte den Knaben fort, um Brot zu holen und als dieser zurückkehrte, fand er seine Mutter im Blute schwimmend tot auf. Der Handtverksbursche hatte die Frau durch drei Messerstiche getötet, nahm das Geld an sich und ergriff die Flucht. Am Abend trafen Polizeibeamte und ein Polizeihund aus München ein, jedoch konnte man den Mörder bis zur Stunde noch nicht festnehmen. � Ungetreuer Beamter. Der Stadtkassenrendant Leuscher in Hattingen wurde wegen erheblicher Unterschlagungen verhaftet. Die Höhe der veruntreuten Summen ist noch nicht festgestellt. Eingegangene Drudkrekritten. Führer zum gründlichen und schnellen Erlernen der französische» Sprache(ohne Ucbersctzung) von N. Barouche(sranzösisch). Berlin S1V. 11(Selbstverlag). R evolutionäre Zlrbeiterbibliothek. Heft 1. Sozialistische Fibel- lprüchc. Eine Kritik des Kapitalismus von Karl Dannenberg. Preis 1s Pj. Vertag L. Ferna», Leipzig. SozialdcinokratiscIiefWalilYereiii des S. ßerl. Reichstags- Wahlkreises. Am 17. d. M. verstarb unser Genosse, der Zigarrcnhändler Louis Kellner Oderberger Str. 38(Bezirk 532): Ehre seinen! Nndeiiken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. d. M., nachm. 2 Uhr, von der Halle des B.irlho- lomäus-KirchhoseS in Weitzensee, Falkcnberger Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht »vi- Voratand. Harz, Riesengebirge, Sächsische Schweiz, Berlin, Dresden usw. Buchhandlung Vorwärts lilndenstraBc«9(Laden). ZI AAVeriheim W Leipziger Str. König. Str. Roscnthaler Strasse Oranien« Strasse Soweit Vorfanden �Zusendung aasgeschlossen G«»K» JZ» H« izhtvsinittd Versand-Abteilung: Berlin W. 66, Leipziger Strasse 132-137 Die Finna A WERTHEIM hat zu ähnlich lautenden Finnen keinerlei Beziehung *!' Fleisch Schmorfleisch...?». 1.00 Rinderkamm...?». 75pr. Ochsenschwanz.Pfd. SOpr. 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Kirschsaft I____ 1.30 Johannisbeersaft 95 pf Erdbeersaft..... 1.20 Ananassafl...... 1.30 Zitronensaft �»95 pf. Fl. 56 pf. 70 pf. 55 pt 70 pf. 55 pf. 65 pr 68 pf. 55 pf. Wein inKI. Flasche 'Räucherwaren Grosse Nordsee-Flundern 60 pt. : Ahlbcckerf lundem pfd 40. 60 pj. „.KlelneAhlbecK-Flundern& 20 pr Weser-Aale»urM.... prund 1.60 Geräuch. Aale 1.05, Bund 38 pt Schlei-Bücklinge.»s.o«» 15 pe Sardellen.... pfund 75» 90 pr. Matjes-Heringe..., stock 25 pr. Ständiger Verkauf: Trumpf-Schokolade pm. 1.50 Kaffee-.. Teegebäck o... 9 5 pr. Waffel-Mischung pfund90pr. Butter u. Käse Koch- u. Backbuttcr prund 1.18 Tischbuttcr....... Pfand 1.25 Tafelbutter prund 1.30 p»k,t 65 pr. Bratenscbmalz____ ptund 65 pt. Marmelade HRrM'fcd. 33 Pt Camembertkäse.... stock 23 Briekäse........?fu»d 63 pr. Romatour-Käse.... stock 28 pr. Limburger Käse... ptund 55 pl Bier-Käse........ prund 65 pr. Altgäuer Rahmkäse Pfund 68 pr. Emmenthaler Käse..pfd.1.15 Schweizer Käse____ p/und 90 pt Tilsiter Käse...... prund 68 pt Holländer Tciifctt.... prund 90 pt Französ. Spitzbrie> stock 35 pr. steinbuscher Käse.. Pfund 92 n Suppenhühner 1.35 u. 2.35 F.!»!-«. SplBMse. 25 Pt Elllei|..... 1.65 2.75 Gänseklein....... 68pr. Borsdorfer Apfelwein>/. n 34 pt 1 91 0 Westhofener.. n 68 pr. 1910 Obermoseler.«/■ n. 75 pr. 1910 Wellenstelncr. v. n 85 pr. 1 909 Saint Mathicu"h n 66 pt 1909 Saint Juan rot. n 72 pt SchoKoIade Block-Schokolade.. pru-d 80 pt Haushalt-Schokolade 70, 95 pt. Vanille-Schokolade 1.20, 1.30 'Geflügel Ganse. 55. 63. 75?r. Gänse-Rümpfe 2.65 d. 3.75 Gr. jge. Hähne 1.56 d 2.69 dnnge Hühner 45pr.h.l.56 Ständiger Verkauft Speisen- Fabrikate (g—färbt) Mändclch.-Pudding-Pulver�,, & Paket 26 Pt Kerst-Pudding-Pulver Paket 26 pt Eier-Pudding-Pulver mit Ter. schiedenem Geschmack. Paket � � Ff. Els-Pudding-Pulver mit TeT. schiedenem Geschmack Paket �4 Pf. Favorit-Pudding-Pulver Pak. 35 pt Maccdoinc-Speise einf#. machten Früchten... Paket l.UU Delicata Makkaronl-Speiae Dose 50 Pt Non Parcil ÄÄÄ 50 pf- Saucen-Tabletten �CVÄ o« p, 3 Beutel Pf- Vanille-Zucker s schachteln 28 pt Kuh- und Landkäse, stok. 35 pt Speise-Quark..... stock 1 Oft. Engl. Kom-Flour»ci,-Puder Vi Paket 50,>/, Paket 25 Pf. Engl. Patent-Hafermehl V, Dose 85, V, Dose 45 Pt Engl. Patent-Gerstenmehl V, Dose 80, V, Dose 45 Pf. Scotch Oatmeal... v. met 45 pr. 'Obst Zitronen... dcz. 30, 40, 50 pt Melonen......... pfund 16 i»t .Blaubeeren...... Pfund 26 pt Reineclauden..... Pfund 20 pt Weintrauben...... Pfund 35 pt Saure Kirschen.... Pfund 35 pr. Birnen.......... Pfund 22 pt Tomaten ausgewogen.. Pfund 10 Pf. 'Gemüse Weisskohl........ Kopf 6 pt Wirsingkohl....... Kopf 6 pt. Mohn üben....... Pfund 7 pt Gurken____ stock 6, 10, 12 pt Grüne Bohnen.... Pfund 10 pt 'Fische Kabeljan A-. 1 5 pr. Seelachs S�K�rd. 9 p,. Schellfische prund 16, 15 pr. Schollen... prund 8, 1 5 pr. Rotzungen... prund 14 p,. Tafellachs �Äenprd. 42 p,. Lebende Schleie prund 75 pr. Leblale 65, 95?,. 1.25, 1.35 Bach-Forellen.. prund 2.66 Leb. Krebse Mdi. 46„i. 2.56 Edel-Krebse 1.15 d 4.66 Solo-Krebse Stack 36, 46 p, Ständiger Verkauft Mineralwasser TafeiWaSSer...« Flaschen 1.80 SelterS....... SO Flaschen 2.00 Köhler• Sekt... 20 Flaschen 2.75 Harzer Sauerbrunnen« fl 2.00 Tafelgetränk 2.00 Bilzbrause, Fürstenbrunnen, Fachingen, Apollinaris, Biiiner Sauerbrunnen, sämtliche natürl. Mineralbrunnen Engl. Porter und Ale Baxters Double brown stout. Qn 10 Flaschen � Baxter» Imperial stout 10 n. 2.00 Baxters Palc-Ale____ um 2.00 Leere> orterflas�-hen werden mit 10 Pf. berechnet und ebenso zurückgenommen. Verkaufe. Zei'Pldie!(Ublerbnttel in allen ® rohen, lall für tut Hüllte de« Werie« TePt'ilbliigei Sninn Hacke>dit> Mnrfl Babnbo' Sbvle.(Leier de« »Pcrwürt«- erbnlten ö Prczeni Nahen> Lcnnmg« geöllnel!_' Gardinen! 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Wegen Streit oder Lohn- disierenzet, Nnd gesperrt: IIei.iirnvsi.e-li> itei- Berliner Parkctt|feHchaite. Char- lottenburg, Uhlardstraste. Srzgebtrgtsche Holzindustrie in Brand. Filiale DessauerStr. 3« Das Berliner ArbettSwiittgen- verinittelungodureau d. gelben »Haiidivcrterschuhverbandes*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- innnng nnd der Wagenfabri- kanten. Kail-r.Franz-Grenadier- Platz. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die OrtsvenraUung Berlin des r Deutseben Holzarbeiterverbandes. verantworlltcher Nedalteur: ttldrrt W»ch». Berlin. Für den Inseratenteil verantw. i TIi.GI-dr.>verlin. Drud u. Verlag: Vorwär» Lucborudmi u. Be clagSanslalt Paui Smger u. Co.. BerUn 5W. 8..t66. 29. 2. ötüllge in„Jotmörtö" Kelliltel Jlolliölilntt. M«-.19.W>SIZ. Partei- Hngelegcnbeiten. 6. Wahlkreis. Am Mittwoch, den 24. Juli, findet ein Extrazahlabeud statt zur Wahl der Delegierten für die Kreisgeneralver- sammlung._ Die Taubstummen-Sektion veranstaltet am Sonntag, den 21. Juli, wieder einen Ausflug nach Sadowa und Pferdebucht. Treffpunkt Schlesifcher Bahnbof vormittags 9 Uhr am Droschkenstandplatz des Fernbahnhofes. Abfahrt Punkt l/2\0 Uhr. 10-Pf.-Fahrt bis Sadowa. Die Mitglieder werden hierdurch zu zahlreicher Beteiligung ein» geladen. Da Badegelegenheit vorhanden ist, könnte das Badezeug mitgebracht werden. Gäste willkommen. Spandau. Die Partei- und Gewerkschaftsbibliothek ist von heute bis 15. August wegen der Jahresaufnahme geschlossen und können während dieser Zeil keine Bücher ausgegeben werden.— Die ent» liehenen Bücher müssen bis Montag, den 22. Juli, zurückgegeben Werden. Die Blblwthekskommljsioir. Berliner JVachncbten. „Gassenjitiigen". Wenn nach Friedrich Spielhagen die Vagabunden das Salz der Erde sind, so sind die Gassenjungen das böse Gewissen der Straße.„Frech wie ein Gassenjunge", sagt man. Der„Gerissenheit" dieser Spezies hält ihre inter- ndtionale Berühmtheit die Wage. Die Bäcker- und Schuster- buben haben jahrhundertelang ihr„Ansehen" zu wahren ge- wüßt. Zu was für losen Streichen sie alleweil aufgelegt waren, tritt uns ja in Wagners„Meistersingern" ergötzlich genug vor Augen. Vielleicht hieße es zu weit gehen, wollte man die Bewohnerschaft einer Stadt nach ihrer Straßenjugend einschätzen; aber der Wahrheit kommt man doch ziemlich nahe. In den Gassenbuben— schon der Name bezeugt ihr Woher und Wohin— verkörpert sich ein Stück des derbsten Volks- geistcs. Wie dieser niemals den Boden verleugnet, dem er entsprungen ist. nie und nirgends seines spezifischen Lokalkolorits entbehrt, so wird naturlich auch die„Berliner Range" wesentlich anders geartet sein, als der Londoner „Blaolrxuurdbo y", oder als der niederländische „ s t r u u t j o n x s n", der ja bereits als kleiner„Hosenmatz" altväterlich sein Tonpfeifchen schmaucht. Was die Pariser„�smins" oder„polissons" anlangt, so genügt es. auf das lobrednerische Lustspiel„Bs garnin de Paris" von Jean B a y a r d und E. Vanderburgh hinzuweisen. Darin spielt solch ein„Gassenjunge" die Haupt- rolle, und obendrein keine schlechte; denn er kämpft für die Ehre seiner verführten Sdiwester mit der gleichen Entschlossenheit, mit der er früher einmal ein Kind, das in den Kanal gefallen war. vom Tode des Ertrinkens errettet hat. Was ist nun ein„gamiu"? Ein Lehrbursche, der wie andere Jungens aus den Boulevards Stielkreisel oder am Ouai des Kanals Saint-Martin„Kopf oder Wappen" spielt und„die Straßen immer prügelnd oder geprügelt durchschlendert". Den Pariser gamins stehen die neapolitanischen Gassen- jungen an Witz schwerliäl nach— ist dies Volk selbst doch eins der witzigsten auf Erden I Als wilde Ranken durch- singen und durchwuchern die„vuagliune" das ganze Straßenlebcu Neapels mit seinen unzähligen originellen Typen. Ueberall trifft man den„Gua�Üune" und er ist alles und nichts, immer aber singend, lärmend und schlag- fertig mit dem Munde, gegen die Kameraden auch mit der Faust. Er handelt mit harten Eiern, Melonenschnittchen, mit Sdieren und Tragbändern— vor allen Dingen mit Streich- Hölzchen. Am Bahnhof und vor den Theatern öffnet er die Wagentüren: den Gemüsehändlern, die ihre Waren auf Eseln zu Markt bringen, den Lohnkutschern bei ihren Aus- fahrten in die Umgegend dient er als Groom. Wo es einen Auflauf gibt, wo daß Gewühl am größten ist. da ist er mitten drin. Man sieht ihn in don Körben am Kai sich sonnen und schlafen: er liegt mit dem Bauch aus- gestreckt auf dem Rücken der Esel die Dünger aus der Stadt schleppen; rauchend und mit schmutzigen Karten spielend hockt er mit seinen Kameraden in den Winkeln. Die meisten von ihnen kennen weder Vater noch Mutter: geboren in jenen gräßlichen, überwiegend finslern und nassen Kellern. Hofhöhlen und Gängen— Fondaci genannt— in denen tiefste Armut. Verwahrlosung und Verbrechen ihre Schlupfwinkel suchen. haben sie sich eines Tages auf der Straße gefunden. Und die Straße ist nun ihre Heimat geblieben... Selten, viel- leicht nie. erhebt sich ein„Guagliune" aus dem furchtbaren Elend, von dem gerade das süditalienische Volk beherrscht wird. Wenn wir heute in Deutschland und speziell auch in Berlin Zustände haben, die mit den italienischen nicht ver- glichen werden können, so hat die ständige Kulturarbeit der starken proletarischen Bewegung einen erheblichen Teil zu dieser Besserung beigetragen. „Nebenverdienst". Vor vier Wochen wiesen wir hin(in Nr. 137) auf die söge- nannte„Nebenverdien st- Zentrale" von Wilhelm Welskop(Berlin-Steglitz, Albrechtstr. 122), der durch Annonce in der..Morgenpost" lohnende Nebenbeschäftigung offeriert hatte. Meldungen, die bei ihm eingingen, beantwortete er durch Ueber- sendung eine« Zirkulars, das einen..neuen Weg. sich einen dauern. den. hochlohnenden Nebenverdienst oder eine neue Existenz zu ver, schaffen", anpries. Wenn man nach seinen Ratschlägen handein wolle, so könne man pro Tag„25 M. und mehr" durch schriftliche Arbeiten verdienen, für die weder Schönschrift noch besondere Vorkenntnisse nöttg seien und die man lediglich als Nebenbeschäftigung in seirken freien Stunden leisten könne, ohne seinen Beruf aufgeben zu müssen. Wer Nebenverdienst suchte, der brauchte nur an Personen, die gleichfalls Neben» verdienst haben wollten, eine Liste solcher Per» sonen zu versenden, die Nebenverdien st zu ver- geben hatten. DaS war das ganze Geheimnis! Erforderlich war allerdings, daß man sich bei Welskops„Nebenverdienst-Zen-' trale" eine genaue Anleitung samt notwendigem Anfangsmatcrial bestellte, natürlich gegen Vorausbezahlung. Welskop wollte dann eine Liste von Nebenverdienstsuchenden liefern und dazu ein Paket eines Prospektes, der eine Liste von Nebenverdienstvergebenden anbot Den Prospekt sollte der nach Welskops Rezept verfahrende Nebenvcrdienstsuchende zunächst mal den in der Liste verzeichneten anderen Nebenverdienstsuchenden zuschicken. Wenn dann einer eine Liste der Nebenverdienswcrgebenden fordern würde, dann sollte dem diese Liste, die Welskop billig liefern wollte, mit hohem Profit abgegeben werden. Dieses pfiffige Verfahren, bei dem nach Welskops Anleitung der Nebenverdienstsuchende aus der Nebenverdienstfuche anderer jdeute seinen Nutzen ziehen soll. Welskop aber als Lieferant von Prospekten und Listen zum Haupwerdienstfindenden werden kann, läßt sich auch von der anderen Seite anpacken. Wie manS machen muß, lehrt ein„Adressenverlag" von C. Schmedes, der durch Annoncen in der„Morgenpost" schriftliche Arbeiten ange- boten hatte. Er hat aus eingegangene Meldungen folgende Ant- wort geschickt: » Fichtenau, Datum des Poststempel?. P. P. In höflicher Erwiderung auf Ihre gefl. Offerte betr. der gewünschten schriftlichen Nebenbeschäftigung bringe ich Ihnen zwei Adresscnarbeiten in Vorschlag. Es sind zwei dauernde, für Damen und Herren paffende und im eigenen Heim zu betreibende Nebenbeschäftigungen, deren Details aus den Ihnen noch zu sendenden näheren Informationen ersichtlich sind, welche keine Kenntniffe, keine Schönschrift erfordern und allerorts ein dauernder und guter Nebenverdienst sind.(Bei 100» Adressen 8 M. bis 40 M. Verdienst.) Sollten Sie auf diese ganz neuartige Nebenbeschäftigung, welche nicht mit ähn- lichen, meist ungünstigen Angeboten zu vergleichen ist, reflek- tieren. so bitte ich um Einsendung von 1,40 M. per Post- anweisung für das erforderliche Anfangsmaterial— keine wertlosen KuvertS—. was ich Ihnen dann franko zusende. Nach Empfang des Materials kann mit der sehr angenehmen, durchaus selbständigen Tätigkeit sofort begonnen werden. Garantie: Den eingezahlten Betrag erstatte ich ohne jeven Abzug nach Lieferung der ersten 1000 Adreffen zurück, wozu ich mich unter gesetzlich bindender Garantie verpflichte. HIB. Adresse und Stand ist genau zu vermerken und bei Anfragen Rückporto beizufügen. Hochachtungsvoll Adressenverlag C. Schmedes. Fichtenau, Kr. Niederbarnim. Eine Frau, die durch dieses verlockende Angebot sich bewegen ließ, an C. Schmedes die geforderten 1,40 M. zu schicken, erhielt von ihm eine„Information" zugesandt. Sie müsse. so wurde sie darin belehrt, täglich in Zeitungen den Inseratenteil durchsehen und Adressen von Firmen herausschreiben, die„Per- treter. Agenturen, Hausierer, Leute zu hauslichen, schriftlichen oder gewerblichen Arbeiten oder Damen zu verschiedenen Handarbeiten" suchen. An diese Adressen solle sie einen Prospekt senden, den sie von Schmedes für 1, 2 5 M. pro 100 Stück beziehen, aber auch selber vervielfältigen könne. Durch den Prospekt werde sie den Firmen die Lieferung der Adressen von Erwerb und Nebenverdien st suchenden Personen offerieren, was jeder praktische Geschäftsmann wegen der Jnsertionskostenersparnis für„ein selten günstiges Angebot" halten werde Schmedes rechnete dann vor, wieviel sie dabei an jeder auf ein solches Angebot eingehenden Firma verdienen werde. Natürlich könne sie nicht Jahre lang dieselben Adressen— die er, nebenbei bemerkt, selber liefern will— benutzen, sondern müsse sie nach zirka zwei Monaten oder noch besser monatlich erneuern, da doch anzunehmen sei, daß in dieser Zeit verschiedene Personen ihre Wohnung wechseln oder schon genügend Nebenbeschäftigung finden. Die Information endete mit der Mahnung:„Auf keinen Fall dürfen Sie sofort verzagen, wenn auf Ihre ersten paar Prospekte nicht sofort Bestellungen einlaufen, sondern müssen an dem Grund- sah festhalten: Je mehr man offeriert, um so eher und mehr Bestellungen müssen eingehen." Hier spricht C. Schmedes offenbar aus Erfahrung. Sein Brief schließt in zuversichtlichem Ton:„Sie können nunmehr sofort mit der Arbeit beginnen und besten Erfolg wünschend, zeichne hochachtungs- voll Adressenverlag C. Schmedes, WilmerSdorf-Berlin." Wir wollen ausdrücklich hervorheben, daß als Sitz des Adressenverlages C. Schmedes in dem ersten Brief Fichtenau, in dem zweiten Brief Wilmersdorf bezeichnet ist, daß aber beide Briefe in Wilmersdorf zur Post gegeben worden sind. Es ist möglich, daß Schmedes das Feld seiner Tätigkeit von Fichtenau nach Wilmersdorf verlegt hat, aber noch alte, im voraus fertiggestellte Briefe aufbraucht. Höchst einfach ist, wie man sieht, auch das Verfahren dieses „Adressenverlag C. Schmedes". Er dreht aber die Sache um. indem er sich erbietet, durch den von ihm zu beziehenden Prospekt die Uebersendung der Adressen von erwerbsuchenden Personen an arbeitvergebende Firmen zu vermitteln. Der Hauptverdienst- findende kann auch hier wieder der Mann sein, der den Prospekt liefern will. Sicher sind ihm schon die 1,40 M., die er als Erstes einfordert, ehe er verrät, worin die„ganz neuartige Nebenbeschäfti- gung" besteht. Nebenverdien st suchende werden gut tun, sein Anerbieten ebenso zu behandeln, wie alle derartigen. Der beste Rat, den man dv geben kann, heißt:„Taschen zul" Eine neue dreistellige Straßenbahnnummer führt die Große Berliner Straßenbahn am 22. Juli ein. Die Hälfte der Wagen der Linie 38, die von der Pappelallce kommt, geht jetzt bis Witz- leben. Der andere Teil endigt an der Leibnizstratze. Dieser letztere Teil wird unter der neuen Nummer 133 durch die Kant- und Wilmersdorfer Straße sowie über den Stuttgarter Platz bis in die Kaiser-Friedrichstraße weitergeführt. Auch der Endpunkt der Linie Z wird vom Stuttgarter Platz nach der neuen Abfahrt- stelle in der Kaiser-Friedrichstraße verlegt. Der Betrieb von TVi Minuten auf der Linie 33 wird mit der Eröffnung der Linie 133 von der Leibniz- bis zur Wilmersdorfer Straße ausgedehnt. Auch die Fahrpläne der Linien 40, 54 und III werden dem der Linie 133 angepatzt. Die in Berlin zu Besuch weilenden englischen Studenten be- sichtigten am Mittwoch das Asyl für Obdachlose in der Wesen- straße mit großem Interesse. von einem„Klub der Erfolg-Erringer" erfahren wir durch ein paar merkwürdige Schriftstucke, die uns zur Verfügung gestellt worden sind.„Segno-Succeß-Club, G. m. b. H." ist der offizielle Titel dieser sonderbaren Vereinigung, von der wir einstweilen nicht mehr wissen als das. was auf dem Papier steht. Ein Werbebrief, der dem Empfänger ohne sein Zutun übersandt wurde, trägt am Kops die Angabe, daß der „Segno-Succeß-Club" sein„Stammhaus" in Los Angeles habe und auch Bureaus in Moskau und in Berlin(Dessauer Straße 28/29) unterhalte. Als„Direktor" ist A. Victor Segno angegeben und unterzeichnet. Folgendermaßen lautet der Brief, den mancher auf den ersten Blick nur amüsant finden wird: „Sehr geehrter Herr! Sie sind uns von befreundeter Seite, einem Mitglied unseres Clubs, als rechffchaffen. ehrgeizig, energisch und dahin strebend, geistige und finanzielle Erfolge zu erlangen, empfohlen worden. Seinem Wunsche gemäß ge- statten wir unS, auch Ihnen unser Interesse zuzuwenden. Wenn Sic Erfolge zu erzielen wünschen, können wir Ihnen die Wege zeigen. Möchten Sie Ihre Stellung verbessern. Ihre Geschäfte günstiger gestalten, Ihre Talente entwickeln oder einen höheren gesellschaftlichen Rang einnehmen wollen, so können die Mit- glirder unseres Clubs ihren vereinten, geistigen Einfluß zu Ihren Gunsten ausüben und Ihnen zur Erfüllung Ihrer Wünsche verhelfen. Lesen Sie die beifolgende Broschüre„Der Weg zum Erfolg" aufmerksam durch, denn sie erklärt, worin der Wer! des Zusammenwirkens der Clubmitglieder zum Besten der Menschheit besteht. Wir wünschen, daß sich strebsame Menschen, die der Hilfe bedürfen, unseren taufenden erfolgreichen Mit- gliedern anschließen, um an dem großen Unternehmen— den Mißerfolg in Erfolg umzuwandeln— teilzunehmen. Haben wir die richtige Auskunft erhalten, so sind auch Sie, auch wenn Sie der Hilfe dieses Clubs selbst bedürftig sind, dazu geeignet, an- deren denselben geistigen Einfluß, die gleiche Hilfe zuzuwenden, die Sie selbst von den anderen Mitgliedern empfangen. Damit Sie sich von der Fähigkeit der Mitglieder unseres Clubs über- zeugen können und Gelegenheit haben, die Kraft Ihrer eigenen geistigen Macht zu prüfen, machen wir Ihnen das besondere Anerbieten, eine Mitgliedschaft für zwei Monate gegen einen Beitrag von 5 M. oder für ein Jahr bei 25 M. Bertrag zu er- werben. In beiden Fällen erhalten Sie alle Belehrungen sowie die Vorschriften für die täglichen Erfolgsübungen mitgeliefert. Wenn Sie von diesem Sonderangebot Gebrauch machen wollen, so müßten Sie sich sofort dazu entschließen. Wir möchten gleich hier betonen, daß die Auskünfte, die wir Ihnen geben, und die Vorteile, die Sie während der zwei Monate erzielen werden, für Sie von weit größerem Wert sein dürften, als der Betrag, den Sie als Beitrag zu zahlen haben. In der Hoffnung, Sie bald zum Nutzen Ihres eigenen Erfolges und Glückes zu unseren Clubmitgliedcrn zählen zu dürfen, zeichnen wir hochachtungsvoll Segno-Succeß-Club, G. m. b. H.. A. Victor Segno, Direktor.— PS. Wir haben Mitglieder in allen Ländern der Wvlt. Sie bilden einen Kreis um die ganze Erde. Unsere Belehrungen und Korrespondenzen geben wir auf Wunfch auch in englischer, fran- zösischer, spanischer, russischer und italienischer Sprache." Die erwähnte Broschüre„Der Weg zum Glück" ist uns nicht vorgelegt worden, so daß wir uns nicht darüber belehren können, wie die Klubmitglieder ihren„vereinten geistigen Einfluß" aus- üben und„zum Besten der Menschheit" zusammenwirken. Auf „Exklusivität" scheint der„Segno-Succeß-Club" nicht zu halten, vielmehr scheint ihm sehr daran zu liegen, daß recht viele„an dem großen U n te r n eh m e n, de n M i ß er fo l g in Er- folg umzuwandeln, teilnehmen". Das schließen wir aus einem Zirkular, das durch ein besonderes Lockmittel zur Be- teiligung und Mitgliedschaftsanmeldung zu animieren sucht. An- gekündigt wird darin, daß jedes 25. Mitglied— jeder Beitretende, dessen Beitrittsnummer auf 25, 50, 75 oder 00 endet— eine Gratismitgliedschaft erhalten soll. Das Zirkular sagt: „Benutzen Sie die Gelegenheit, einem Club beizutreten, der Sie glücklich machen und Ihnen helfen wird, Erfolge zu erzielen. Um einer größeren Anzahl des geschätzten deutschen Publikums die wunderbaren Kräfte dieses Clubs bekannt zu machen, wollen wir— aber nur für beschränkte Zeit— eine Mitgliedschaft jeder 25. Person, die dem Club beitritt, vollständig kostenlos überlassen. Wenn Sie Glück haben, so werden Sie eine solche Mitgliedschaft gewinnen und noch glücklicher und erfolgreicher werden. Ist Ihnen das Glück jetzt nicht hold, so sollten Sie um so mehr ein Mitglied dieses Clubs der Erfolg-Erringer werden, denn dadurch können Sie eine Stütze finden, um glücklich zu werden und Ihre Herzenswünsche erfüllt zu sehen. Mehr als 100 000 Mitglieder in allen Ländern der Welt können seine wunderbaren Kräfte be- stätigen." Es folgt dann eine lange Auseinandersetzung darüber, was' man tun muß, um„für eine Gratismitgliedschaft in Frage zu kommen". Zunächst muß man zahlendes Mitglied wer- den und Geld schicken, entweder 5 M. für zwei Monate oder 25 M. für ein volles Jahr. Das Zirkular bezeichnet es als „ratsam", womöglich„gleich den Betrag für ein volles Jahr" ein- zusenden. Jedem 2 5. Mitglied werde das Geld„sofort zurückgeschickt" werden. Das Gratismitglied habe aber die- selben Rechte, wie die zahlenden Mitglieder. Es erhalte ebenso wie diese z. B. die„täglichen Verhaltungsmaßregeln zur Erlau- gung von Erfolgen". Das Zirkulär schließt: „Machen Sie sich über Ihr Glück keine Kopfschmerzen, son- dern senden Sie uns Ihre Bewerbung noch heute ein, damit unser Club damit beginnen kann, Sie erfolgreich und glücklich zu machen. Sie könnten gewinnen, wenn Sie den Versuch machen. Wollen Sie versuchen?" Na, wer willsl? Zur Ermutigung der Mutlosen sind in einer Liste einige Personen aufgezählt, denen in letzter Zeit eine Gratismitgliedschaft gewährt worden sei. Genannt werden aus Deutschland: Artur Zemisch, Braunschweig, Elms- straße 42; Karl Nehring, Glogau, Kasernenstr. 8; K. Rolle" jr., Dresden 24, Postlagcrkarte 13; A. Krzisa, Förster, Großgartach bei Heilbronn a. N.; Joh. Swart, Zimmermeister, Fort Schaar bei Rüstringen in Oldenburg: Eduard Wuttig, Licgnit�Jauer Straße 88: Rudolf Schriever, Weyer(Rheinland) 63: M. Schumacher, Lehrer, Siegburg(Rheinland), Jakobftr. 0; Max Gerstenberg, Schwelm i. W., Prinzenstr. 22; H. Hubert, Dampfdrescherei, Haus. sömmern bei Tennstedt i. Th.; Jos. Mengerath, Aachen, Jülicher Straße 226 p: Fritz Ulbrich, Torgau a. E., Wittenberger Straße 12; f ermann Fischer, Eichberg b. Schildau a. Bober: Carl Augstein, rankfurt a. M.-Bockenheim, Kaufungerstr. 13; Franz Meißner, Rittergut Adendorf b. Friedeburg a. S. Kennt einer einen dieser Namen? Man möchte doch sehen, wem die„wunderbaren Kräfte" des„Segno-Succeß-Club" schon Erfolg und Erfüllung seiner Wünsche gebracht haben. Schon während der ersten zwei Monate soll?]a mehr als für 5 M. sein. Schade, daß aus Berlin und Umgegend kein einziger Erfolgsucher in der Liste steht! Wir hätten ihn unS gern aus der Nähe besehen. Haben die Groß-Berliner bei dem Rennen um die Gratismitgliedschaft so wenig Glück gehabt? Oder hat ihnen zur Riskierung der 5 M. von vornherein der Mut gefehlt?_ Die Gedenktafel an falscher Stelle. Im April dieses Jahre? war zu Ehren des Schrifistellers Berlhold Auerbach eine Gedenktafel an dem Haufe Hohenzollernftr. 18 angebracht worden. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß infolge irriümlicher Angaben die Tafel nicht an dem richtigen Haute angebracht worden ist. Auerbach hat bei seinem Tode Hoheuzollcrnstr. 10 gewohnt. Dieses HauS trägt jetzt die Nummer 15. Es find Verhandlungen eingeleitet, um die Ge« denktafel an die richtige Stelle zu setzen. Bon den städtischen Wasserwerken wurden nach Berlin und den an das städtische Rohrnetz angeschlossenen Vororten(Treptow, Stralau. Nieder-Schöneweide, und Weißensee) in der Woche vom 8. bis 14. Juli d. I. 1 748 657 Kubikmeter Wasser gegen 1 672 949 Kubikmeter in der gleichen Zeit des Vorjahres geliefert. Am Sonnabend voriger Woche(13. Juli) war der höchste Tages- verbrauch mit 296 881 Kubikmeter zu verzeichnen. Im Jahre 1911 entfiel der größte Wochenkonsum nicht auf den Juli, sondern auf die Zeit vom 7. bis 13. August fmit 1986 444 Kubikmeter, wovon 308 422 Kubikmeter am 12. August verbraucht wurden. Die Höchst- Produktion des Vorjahres fand jedoch am 31. Juli statt mit 308 773 Kubikmeter. Selbstmord im Grunewald. In der Nähe des ForsthauseS Eichkamp fanden spielende Kinder die Leiche eines unbekannten jungen Mannes im Grase liegend auf. Sie benachrichtigten sofort das zuständige Polizeirevier, welches durch einen dorthin ge- sandten Beamten feststellen ließ, daß der etwa 23 Jahre alte Mann durch Selbstmord seinem Leben ein Ende gemacht hatte. Er hatte sich mit einem Revolver einen tödlichen Schuß in die rechte Schläfe gejagt. Der Unbekannte ist etwa 1,65 Meter groß, mit grauem Jackett, schwarz-weiß gestreifter Hose und Weste, blauer Krawatte und Lackstiefeln bekleidet. Ein bei dem Toten vorge- fundenes Taschentuch zeigte die Buchstaben C. M. Neben ihm lag ein weißer Strohhut und ein glatter Spazierstock mit Messing- griff. Die Leiche wurde nach der Friedhofshalle in Schildhorn geschafft. Wegen Berlibung eines Sittlichkeitsattentats gegen ein drei- zehnjähriges Schulmädchen wurde von der Schöneberger Kriminal- Polizei der in der Bahnstraße zu Schöneberg ein Geschäftslokal be- sitzende Kaufmann D.. der italienischer Nationalität ist, festge- nommen. Nach Aussage Oes Mädchens hat der Kaufmann sie unter dem Versprechen, ihr Naschwerk zu schenken, in das hinter dem Laden befindliche Wohnzimmer gelockt und sie hier vergewaltigt. Infolge der Hilfeschreie der Kleiner, eilten Nachbarsleute herbei und sorgten für die Festnahme des Täters. Dieser bestreitet, daß er irgendwelche Gewalt angewendet habe; das Mädchen fei im Gegenteil aus eigenem Antriebe, ganz freiwillig zu ihm in de» Hinteren Raum gegangen, um bork, Jme in früheren Fällen, die von ihr gewünschten Süßigkeiten zu empfangen. Der Italiener wurde in Haft genommen und-dem Untersuchungsgefängnis in Moabit zugeführt. In Postdeamtenuniform tritt ein Spitzbube auf, der sich dadurch Eingang in die Wohnungen verschafft, daß er angibt, das Telephon nachsehen zu müssen. Er„arbeitet" dann so lange an dem Telephon- apparat und den Leitungen herum, bis er Gelegenheit hat, irgend etwas unter seiner Pelerine, die er trotz der großen Hitze trägt, verschwinden zu lassen. Zuletzt ist diwch ihn ein Schneidermeister in der Oranien- burger Straße empfindlich bestohlen worden. Der Gauner, der durch seine Pelerine aufsallen müßte, ist ungefähr 30 Jahre alt und 1.70 Meter groß und hat dunlelblondes Haar und einen eben solchen Schnurrbart. Selbstmord einer Fünfzehnjährigen. Mittwochabend vergiftete sich die IS Jahre alte Tochter Elisabeth des Schmieds Alaubitz vom Weidenweg 80 mit Leuchtgas. Wiederbelebungsversuche, die ein Arzt und Samariter der Feuevwehr anstellten, waren ohne Erfolg. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Gründe zu dem Schritt sind unbekannt. Der Brand der Wigankowfchcn Dachpappenfabrik in d�r Chaussccstraße 75 hat der Feuerwehr viel Arbeit verursacht. Erst um 12 Uhr konnte sie abrücken. Eine Brandwache blieb während der Nacht auf der Brandstätte zurück. Gestern früh rückten aufs neue drei Züge zur Aufräumung auf. Die vielen Ballen Lumpen— etwa 1500 Zentner— mußten auseinandergerifsen und bann gründlich abgelöscht werden. Der erste zweistöckige Speicher ist total ausgebrannt. Das unmittelbar angrenzende Fabrikgebäude ist unversehrt geblieben, so daß eine Betriebseinstellung vermieden wird. Der beträchtliche Schaden ist durch Versicherung voll gedeckt. Bei dem Brande ist es abends zu Sistierungen gekommen. Eine große Menschenmenge sammelte sich während des Brandes in der Schulzendorfer und Chausseestraße an. Beim Sommerfcst des K. Wahlkreises im Schloß Weißensee sind folgende Sache» verloren: 1 Brosche, 2 Portemonnaies mit Jnbolt, 1 Verlobungßring. 1 Schirm; gefunden: 1 Spazierstock, 1 Paar Manschetten, 1 Gürtel, 1 Handschuh. Die Gegenstände sind abzugeben resp. abzuholen im Bureau Neue Hochstraße 23. Verschwunden ist seit dem 1. Juli der Ibjäbrige Schuhmacher- lebrling Hubert Schneider(gebürtig aus Hammer. Mark), der bei einen, Meister in L i e b e n w a l d e in der Lehre war. Er ist am 1. Juli mit seinem Fahrrad fortgefahren und nicht wieder ge- scben worden. Bekleide, war er mit blauem Cbeviolanzug, schwarzem steifen Hut mit schwarzem Futter und neuen Schnürschuhen. Seine Größe ist etwa 1,60 Meier, er hat ein gesundes Aussehen, schwarzes Haar. Die besorgten Eltern bitten, irgendwelche Nachricht über den Verbleib des jungen Mannes sofort an Wilhelm Schneider, Hammer (Kr. N.-B.). gelangen zu lassen. Auf dem�Familicnaiisflug der Genossen des ersten Wahlkreises am vorigen Sonntag nach Kiekemal ist ein Spazierstock aus Ma- lakkarohr mit silbernem Geflecht irrtümlich mitgenommen worden. Es wird gebeten, denselben dem Eigentümer Staude, Friedrich- slraße 112b, Gartenhaus III, zuzustellen. Vorort-f�admedten. Eharlottenburg., Der Wahlvcrrin Charlotteiidiirg hielt am Dienstag seine General- Versammlung ab. Zun, ersten Male war den Mitgliedern ein ge- druckter Bericht überniiitelt worden, den Genosse Bade in einem ein- leitenden Referate erläuterte. Die EntWickelung unserer Organisation im verflossenen Jahre kann als befriedigend bezeichnet werden. Die Zahl der Mitglieder ist von 3043 aus 4082 gestiegen. Prozentual am stärksten sind die Frauen an der Miigliederzunahme beteiligt. Auch die Wahlen zun, Stadtparlament und zum Reichstag baben «inen befriedigenden Berlauf genommen. Wir haben jetzt 14 Stadt- verordnete gegen 11 im Vorjahre. Am erfreulichsten sind die Reichstagswahlcn für uns verlausen: 32 720 Stimmen wurden für unseren Kandidaten abgegeben. Zum ersten Male erlangten wir die absolute Mehrheit gegenüber den bürgerlichen Parteien. Trotzdem werden uns die Erfolge des letzten Jahres nicht einschläfern. Unser Bestreben wird sein, die Organisation zu stärken. Den Kassen- b e r i ch t gab Genosse Seifert. Danach balancieren die Einnahmen und Ausgaben mit 12 183,41 M.; 9570,18 M. wurden an die Kreis- lasse abgeführt. Bei der V o r st a n d S w a h l wurden folgende Genossen ge- wählt: Hermann Bade 1., Emil Stulz 2. Vorsitzender, R. Seifert 1., Otto Harnisch 2. Kassierer, L. Zempclburg 1., Braum 2. Schrift- sührer, Genosse Finger und Genossin Kuobbe als Beisitzer. Zun, Parteitag wurde Genosse Bade delegiert. Eine lebhafte Debatte entfesselte der Antrag der ersten Gruppe, den Parteitag zu Chemnitz aufzufordern, den bestichenden Brannt» weinboylott zu erneuern und zu bekräftigen. Der Antrag wurde schließlich dem Kreis überwiesen: falls dieser sich nicht anschließt, soll er direkt an den Parteitag gerichtet werden. Wege» vorgerückter Zeit wurde beschlossen, daß Referat über die geplanten Statutenänderungen der Organisationen aus die am 30. Juli einzuberufende Versammlung zu vertagen. Die hiesige Feuerwehr hatte am Mittwochabend einen großen Dachstuhlbrand an, Kaiserdamm 115 zu löschen. Die Südwache hatte mit vier Schlauchleitungen von Dampfspritzen mehrere Stunden mit der Ablöschung zu tun. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist niedergebrannt. Die Entstehung wird wieder auf Brandstiftung zurückgeführt. Gestern nachmittag 2 Uhr kam ein gefährlicher Brand in der Straße 33, nahe dem Tegeler Weg zum Ausbruch. Dort stand ein Holzlager- und Zimmkrplatz der Firma Sommerguth u. Aschner neben dem Bahnhos Jungfernheide in Flamme». Diese hatten be- sonder» an Kanthölzern und anderen Nutzhölzern schnell reiche Nahrung gefunden, so daß die Feuerwehr mit Schlauchleitungen stärkste» Kalibers Wasser geben mußte, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Den Bemühungen der Wehr gelang es nach l'/e Stunden die übrigen Holzvorräte zu schütze».— Um 6 Uhr stand das Vorderhaus Danckelmannstr. 44 mit dem Seiienflügel in ganzer Ausdehnung der Böden und Dach- konstrultion in Flammen. Als der Brand bemerkt wurde, schlugen diese bereits an verschiedenen Stellen aus den Luken und Fenstern, vermischt mit starkem Qualm, empor. Die Südwache aus der Rankestraße und die Hauplwache waren schnell zur Stelle. lieber die schon total verqualmten Treppen, die von flüchtenden Hausbewohnern— das Haus ist eine große Mietskaserne— besetzt waren, sowie über zwei mechanische Leitern wurde zunächst mit a ch t Schlauchleitungen kräftig gegen das entfesselte Element vor- gegangen. Trotz der großen Wassermengeu, die in die Gluten ge- spritzt wurden, dauerte es läiiAere Zeit, bis die Wehr an Terrain gewann. Langsam ging dann der Brand zurück. Es konnte indes nicht mebr verhindert werden, daß beide Dachstühle niederbrannten und Wasser in die oberen Etagen sickerte. Ueber die Entstehung konnte bei der Ausdehnung des Brandes nichts mehr ermittelt werden. Die Mieter, von denen mehrere verreist sind, sollen großen Schaden erleiden. Groß-Lichterfelde. Seit über zwei Monaten befindet sich die hiesige Bahnstraße, eine verhältnismäßig recht kurze Straße, infolge der Umpflastcrung in ei»em wüsten Zustand. Dabei läßt die Gemeindeverwaltung gegenüber den kleinen Geschäftsleuten auch die geringste Rücksicht vermissen. Der Inhaber eines kleinen Kohlengeschästs kann seit 13. Mai d. I. mit dem Fuhrwerk weder von noch zu seinem Grund- stück. Auf ein Schreiben an den Gemeindevorstand um Abstellung dieses ihn schwer schädigenden ZustandeS erhielt der Geschäfts- manu den tröstlichen'Bescheid, daß der die Pflasterung ausführenden Unternehmer Schivierigkeiten wegen der Beschaffung einer Straßenwalze(1) hatte und dieser Umstand den Fortgang der Pflasterarbeiten in der Bahnstraße der- schuldete. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer ein Platz in der Pfleidererstraße für seinen Geschäftsbetrieb offeriert, der ihm jedoch nichs nützen kann. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Gemeinde- Verwaltung auf die kleinen Geschäftsleute dieselbe Rücksicht nehmen wollte, wie auf den Unternehmer der Straßenbauten mit der fehlenden Straßenwalze. Durchaus nicht ansgefchlossen ist es, daß die Gemeinde für den Schaden, den die Geschäftsleute durch' einen solchen den Verkehr in unmotivierter Weife beeinträchtigenden Zustand der Straße erleiden, ersatzpflichtig gemacht werden kann. Erst jüngst ist die Stadt Berlin aus einem ganz ähnlichen Anlaß zu einer Schadcnersatzsuinme von 75 000 M. verurteilt worden. Also auch die Gemeinde hat ein erhebliches Interesse daran, daß der unhaltbare Zustand in der Bahnstraße endlich beseitigt wird. Lichtenberg. Der Bezirkswahlverein Boxhagen-Ruwmelsiurg hielt am Dienstag seine letzte Jahresgcneralversammlung ab, in der die Bezirksleitung den Jahresbericht gab. Der Jahresbericht lag gedruckt vor und legt Zeugnis ab von der immensen Arbeit, die die Mitglieder zu leisten hatten. Mitten in der Berichtszeit liegt die Reichstagswahl, deren Ergebnis ja zur Genüge bekannt ist. Am 10. und 11. März folgten die Ersatzwahlen zur Gemeindevertretung, wo der alte Besitz behauptet wurde. Elf öffentliche, zwei General- und zwei Frauenversammlungen iowie dreizehn Flugblatlverbreitungen, bei denen 183 000 Flugblätter verteilt wurden, fanden statt. Bei der„Vor- Wärls"-Agitalion wurden insgesamt 720 Abonnenten gewonnen. Die Zahl der Mitglieder betrug am 1. Juli 1011 2101, im Laufe des Geschästsjahres wurden 806 neue Mitglieder gewonnen, von denen aber der größte Teil durch Tod, Streichung. Verzug oder Austritt verloren ging, so daß am Schlüsse des Geschäftsjahres 2272 Mitglieder, darunter 452 weibliche, zu verzeichnen waren. Die Zahl der Mitglieder muß noch tüchtig gesteigert werden, sind doch am Orte 3402„Vorwärts"-Abonneiiten zu verzeichnen. Diese gilt es restlos der politischen Organisation zuzusühren. Aus dem Bericht der Bibliotheklommiision ist zu ersehen, daß auch dort er- freuliche Fortschritte zu verzeichnen sind; die Zahl der Bücher- entleihnngen betrug im Berichtsjahr 006. Am 1. Juli wurden in den Orten Nüdersdorf-Kolkberge und Alt-Landsberg Ausgabestellen errichtet. Die Kinderschutzkommission kontrollierte am 0. Mai vormittags von 5—7 Uhr die erwerbsfähigen Kinder, bei dieser Kontrolle wurden 32 Kinder im Alter von 7—13 Jahren an- getroffen. In den 18 abgehaltenen Leieabenden wurden belehrende Vorträge gehalten. In den zum Landagitationsbezirke gebärenden Orlen wurde ebenfalls tüchtig„gewüblt" und ist es den Genossen in Alt-Landsberg nach längeren Bemühungen gelungen, einen Saal zur freien Verfügung zu bekommen. Der Kassierer Genosse Lengner gab den Kassenbericht, der mit einer Einnahme von 13 342,60 M. und einer Ausgabe von 13 342,69 M.— darunter 1555,42 M. für die Reichstagswahl— abschließt. Der Kassenbeslaud betrug am 1. Juli 483,31 M. In die Zeitungskommifsion wurden die Genossen Otto Stein, Wilh. Großkopf und Michlenz gewählt. An den Bericht schloß sich eine lebhafte, zum Teil stürmische Debatte, in der es leider nicht ohne persönlichen Streit abging. Mit dieser Versammlung Hai sich der seit 22 Jahren bestehende selbständige Bezirk aufgelöst, ein Bezirk, der in der Sturm- und Drongperiode noch dem Fall des Schandgesetzes in allen Phasen des Kompfes zur Befreiung der Arbeiterklasse viel geleistet hat. Der Zusannnenschlnß mit Lichtenberg mußte jedoch sein, um die Schlag- sertigkeit der Organisation zu erhöhen. Die ehemalige Bezirksleitung von Boxhagen-Rummelsburg ruft den Genoistnnrn und Genossen zu. mit vc»stärkter Kraft und Freude für den neuen Bezirlswahlverein Groß-Lichienberg zu agitieren und zu organisieren. Die Stadtvcrordnetenwahlen stehen vor der Tür, es gilt, einen Sturm auf das Lichtenberger Rathaus zu entfesseln. Frisch an die Arbeit! Neuenhagen(Ostbahn). Bei der Ersatzwahl zur Gemeindevertretung am Mittwoch fehlten unseren Kandidaten nur einige Stinntien am endgültigen Siege. Bei der ungünstigen Mahlzeit(11— 4 Uhr) konnten eben verschiedene, sonst für uns sichere Wähler nicht das Opfer eines halben Tage- lohns bringen und blieben der Wahl fern. Genosse M ö s e r erhielt 76 und Genosse Reinhardt 60 Stimmen; von den bürgerlichen Kandidaten erhielten die Herren Lenz 66, Grotzkopf 50, Goitschalk 32 und Butterweck 23 Stimmen. Da keiner der Kandidaten die zum Siege nötige Stimmenzahl von 80 erreicht hat und nur zwei Ge- meindevertreter zu wählen sind, stehen Genossen Reinhardt und Moser gegen Lenz und Großkopf zur Stichwahl. Diese Stichwahl findet am Sonntag, de» 28. Juli, nachmittags von 2—5 Uhr, wieder bei Fagerstern statt. Hoffentlich gelingt es dann, unsere Kandidaten als Sieger zu proklamieren. Weiheilsee. AuS der Gemeindevertretung. Zu den Gepflogenheiten gehört es, daß fast in jeder Sitzung erst eine kleine Preßdedotte gehalten wird. Diesmal war es Herr Feckner, der sich beschwert fühlte über eine Auslassung der Weißenseer Zeitung". Wen» so der Kübel von Spott auf die einzelnen Gemeindcvertreter entleert wird, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Ruhe in der „Bürgerschaft" nicht eintritt, sagte er unter anderem. Eine Stunde später hatte Herr Fechner das RuhededürfniS der„Bürgerschaft" wieder vergessen, denn als man seine vielen, aber immer gleichen Reden über einen Grnndstücksverkaus nicht beliebte niehr anzuhören, rief er zornentbrannt, daß er sich nun- mehr an die Oeffcntlichkeit wenden werde, um natürlich die„Bürgerschaft" wieder zu beunruhigen. Wohlgemerlt unter Bürgerschaft versteht der Herr nur den Grundbesitzerverein 1884 und dessen Anhängsel. Der Gemeindevertretung lag wiederum der ge« samte Fluchtlinienplan des Ortes vor, um eine Unmenge Aenderungen seitens der Regierung anzuerkennen. Danach sollen verschiedene Straßen verbreitert und geschmälert werden. Ohne große Debatte wurde den Vorschlägen zugestimmt. Die Große Berliner Straßen- bahn, die ein größeres Gelände zum Bau eines Straßenbahnhofes geschenkt erhalten hat, will nun die auf 27 000 M. geschätzten Anlieger- beiträge aus 25 000 M. ermäßigt haben. Die Vertretung ließ sich vernüustigcrweise auf dieses Schachergeschäst gar nicht erst ein, sondern blieb beim ersten Beschluß. Bom Kreise Niederbarnim wurde der Gemeinde eine Baracke zum Geschenk angeboten, das angenommen wurde. Diese Baracke findet zur Vergrößerung der Ferienkolonie in Birkholz Verwendung. Wildau-Hoherlehme. Gcmrindevcrtrctersitzung. Die von der Kommission mit der Gemeinde Königs-Wuslerhausen gepflogenen Verhandlungen, die Benderung des Gaslieferungsvertrages' sowie die Verlegung der Gasrohrslräuge in Wildau betreffend, wurden von der Vertretung gutgeheißen und die Verlegung der Rohrstränge dem Gemeinde- Gaswerk Königs-Wusterhausen übertragen. Die Kosten hierfür betragen rund 18 000 M., wovon uiisere Gemeinde etwa 14 000, Königs-Wusterhausen rund 4000 M. zu zahlen hat. Das am 14. Mai d. I. von der Vertretung beschlossene Ortsstatut, betreffend die Erhebung von Beiträgen zu den Kosten für den Ausbau und die Unterhaltung des Straßennetzes, hatte die Genehmigung der Auf- sichisbehörde nicht gefunden. Die von der Aufsichtsbehörde ge- forderten Zusätze wurden von der Vertretung genehmigt. Hiernach können die Anlieger bis zu 6/a zu den Straßenbau» und Unter- Haltungskosten � herangezogen werden. Die Festsetzung von An- erkennnngsgebühren für unterirdische Rohrdurchführungen sowie Gleisverlegungen aus den Straßen wurde der Straßenbau- koinntisfion übertragen. Das Schulgeld für auswärtige Schüler wurde für die Geiueindeschule für dieses Jahr auf 85 M. pro Schüler festgesetzt gegen 72 M. im Vorjahr.— Die Mitglieder der VoreinschntzungSkommilfion wurden wiedergewählt; für den nicht mehr im Orte wohnenden Genossen Schumann, der jedoch der Ber- tretung noch als Grundbesitzer angehört, wurde Genosse Kodanek, zum Stellvertreter Genosse Taenzer gewählt. Die in der hiesigen Schule erforderlichen Reparaturen wurden dem Mindestfordernden, Malermeister Heiland, Königs-Wusterhausen, für 1437 M. übertragen. Die höchste Forderung betrug 2236 M. Nach Erledigung verschiedener Anfragen und Mitteilungen fand geheime Sitzung statt. Bohnsdorf. In der Generalversammlung des WahlvereiuS erstattete zunächst der Vorsitzende Genosse Krecksch den Jahresbericht des Vorstaildes. Danach hat die Partei im verflossenen Geschäftsjahre sowohl bei der Reichstagswahl wie auch bei der Gemeindevertrelerwahl schöne Er- folge erzielt. Am 12. Januar hat sich die Zahl der sozialdemo- kratischen Stimmen um 60 vermehrt und bei der Gemeindevcrtreter- wähl eroberten wir zwei Mandate. Im Agitationsbezirk siebt das Bild nicht so erfreulich aus, dies erklärt sich jedoch aus dem Mangel einer starken Organisation. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins betrug am 30. Juni III männliche und 51 weibliche; aufgenommen wurden im Berichtsjahre 81, gestrichen 31 Mitglieder. Die Abon« nentenmhl des„Vorwärts" beträgt 168, die der„Gleichheit" 17. Die Bibliothek umfaßt 04 Bücher und 61 Broschüren. An den Frauenleseabenden beteiligen sich 23 Frauen. Den Kassenbericht, den Genosse Paul für das vierte Quartal vorlegte, wies eine Einnahme von 138.00 M. und eine Ausgabe von 145,04 M. auf. Die Mai- feier brachte leider ein Defizit von 15,45 M. In den Vorstand wurden gewählt: Oswald Krecksch als erster, Wilhelm Weißensee als zweiter Vorsitzender, Tilgner als Schriftführer und Franz als Kassierer. Als Beisitzer Jasgolski und als Vertreterin der Frauen Genossin Mohr. Die Lokalkommiision besteht aus den Genossen Wille, Schönfeld und Eggelmann; die Agitationskommission aus den Genossen Otto Oppenborn und Wilhelm Weißensee. Bibliothekar wurde Genosse Salzmann; Spediteur Alois Lauf. Mühlenbeck. Zu dem Bericht über die letzte Gemeindevertretersttzung ist mit» zuteilen, daß die erwähnten 1200 M. nicht dem Gemeindevorsteher als Entschädigung zufallen, sondern diese Summe von unserer Ge- meinde an den Amtsbezirk Franz. Buchholz zu zahlen ist. Würde die hiesige Gemeinde in einen Amisbezirk umgewandelt, so würden diese 1200 M. nicht mehr zu zahlen sein und könnten zur Besoldung des Amtsvorstehers mit Verwendung finden. I» die VoreinschStzungSkommission wurden in der letzten Ge- meindevertrelersitzuug die Herren Albert Neuendorf, Otto Nichter, Aug. Genz und Karl Grothe gewählt. Potsdam. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich auf der Schwimmanstalt des Leib-Garde-Husaren-Regiments. Dort badete der Gardejäger Tackenberg von der 1. Kompagnie, der im zweiten Jahre dient und aus Wilhelmshaven stammt. T. machte einen Kopfsprung ins Bassin für Nichtichivimmer; da der Wasserstand sehr niedrig ist, schlug T. auf den Grund auf und erlitt eine schwere Rückgralverletzung. Man brachte den Verunglückten, der vollständig gelähmt war, nach dein Garnisonlazarett; trotz ärztlicher Bemühungen war es nicht mehr möglich, ihn am Leben zu erhalten. Gestern vormittag starb T. an seinen Verletzungen. .Spandau. Der bei der Arbeit an der Michaelbrücke in Berlin am Donners- tag, den 11. Juli, ertrunkene Maurer ist der Genosse Paul Haenisch, Spandau, Gartenstr. 8. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft freigegeben worden und wird heute Frei- tag, nachmittags ll'/z Uhr, auf den Kirchhof in den Kisseln aus beerdigt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich bei der Be« erdignng des so tragisch ums Leben gekommenen Genossen zahlreich zu beteiligen._ Jngendveranstaltungeu. Tempclljof-Mariendorf. Für den Massenausflug am Sonntag, den 2l. Juli, nach Picheiswerder ist der Treffpunkt sür Mariendors'/47 Uhr Kanalbrücke, Cbausscestraße, sür Tempelhos �8 Uhr Ringbahnhos. Abfahrt 7.38 Uhr nach Grunewald. Fahrgeld hin und zurück 40 Ps. Proviant ist mitzubringen,— Die Arbeiterschast der beiden Orte wird ersucht, ihre ichulentlaffenen Söhne und Töchter zur Teilnahme an diesem Ausflug zu veranlassen._ Slrbeitertouristenvercin„Tie Naturfreunde», Ortsgruppe Berlin. Sonniag, den 21. Juli, Familientour: Erkner— Fangschleuse— Werlsee; für Nachzügler Treffpunkt Werlsce(Badestelle). Abfahrt von Charlottenburg früh 7,02; Schlcsischcr Bahnhos 7,33 nach Erkner, Arbeiter-Svaiidervcrei»„Berlin". Wanderfahrten am Sonntag, den 21. Juli: I. Schmöckwitz-Eichmolde— Gosen— Hohenbinde, Tresspunkt: Bahnhof Schmöckwitz, 8'/.— 9 Uhr, II. Wilhelmshagcn— WolterSdorser Schleule— Hohenbinde. Abfahrt: Schlelischer Bahnhos. 7.53. III. Erkner— Karutzsee— Hohenbinde. Treffpunkt: Schleffscher Bahnhof, S'l,— 8';, Uhr. IV. Treffpunkt für Nachzügler: Bahnhos Erkner, 1—3 Uhr, Auf das Inserat in heutiger Nummer wird besonders hingewiesen. Hus der frauenbeweefung. Muttcrschutzgcsctz in Colorado. Im November d. I. wird, der „Franks. Ztg." zufolge, den Wählern des jätaates Colorado(Vereinigte Staaten von Nordamerika) im Wege der Volksabstimmung ein Mutterschntzgesetz unterbreitet werden. Es sieht u. a. regel- mäßige Bar-Untersiiitznngen für Witwen mit Kindern oder andere in Not geratene Mütter vor._ Versammlungen— Beranstaltnngea. Tegel. Die Genossinnen veranstalten am Montag, den 22. Juli, einen Ausflug nach Papenberge. Treffpunkt: Dampferhaltestelle. Abfahrt 98/4 Uhr.— Fahrpreis hin und zurück 60 Pf. Eingsegsngene vruckfcki'itten. Von der„Neuen Zeit" ist soeben das 42. Heft des 30. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Gegenwarls- forderungen. Von Gustav Eckstein.— Die sozialdemokratische Fraktion in der dritten Duma. Von Georg Etiekloff.— Mosseuaklion und Revolution. Von A. Panneloek. lFortsctzung.)— Die Situation im Baugewerbe. Von August Wiirnig.— Literarische Rundschau: Ludwig Kulczyci, Geschichte der russischen Revolution. Dr. Sophie Klärmann, Die freien Gewerl- schasten in Gesetzgebung und Politik. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. bandlungen, Postnnstalteii und Kolporlcure zum Preise von 3,!45 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest lostet 25 Pf. Bnefharten der Redaktion.- Die juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres von 7 bis 9'/z Uhr abends— Sonnabends von 4>/z— 6 Uhr— Lindcnstr. 69, lV.'Etage(Fahrstuhl) statt. P. O. Ilv. 1. Gesetzlich hat der Velmietcr durch dritte zertrümmerte Fenstctlchciben wieder herzustellen. Was steht aber darüber im Vertrage? 2. Bei einem Umbau des Grundstücks kann die Polizei oerlangen, daß der Bürgcrsteig nach den neuesten baupolizeilichen Vorschtisten hergestellt wird. — Sa midt. Falls die Gebäude nicht lliimittelbar verbunden sind, müssen, soweit die gegenüber liegenden Wände keine Oeffnungen haben, mindestens 2,50 in, wenn Oeffnungen vorhanden sind, mindestens 5 m Raum da- zwischen liegen.— H.®. 17. Nur die Diplomen- Ingenieure.— H. L. 150. 1. Wenn sür eine Einkommensquelle ein Jahresergebnis nicht vorliegt(das ist, da Sie im vorigen Jahre längere Zeit krank waren der Fall) erfolgt die Veranlagung in diesem Jahre nach dem mulmassllchen Jahreseinkommen. 2. Eharlottenburg bestimmt jetzt. 3. Für vier unter- slützuugsbedürstige Familienangehörige tritt eine Stufe Ermäßigung ein.— F. R. 19. Wenden Sie sich an den Direktor der städtischen Fachschule, Herrn Krabolvski, O. 34, Warschauer Str. 50 II.— K. B. Privatinstitute können wir nicht empfehlen. Wenden Sie sich an den Verband der Schneider, Sebastianjlr. 37/38.— P. Zl. Ballin.— I. H. 308. Auskünfte über Privatunternehmungen lehnen.wir grundsätzlich ab.— M. F. 88. Der- artige ilsstrSg« lehvev wir danierch ab.— ll. H. KV. 1. Ersehe» Sie auS einem Kochbuch-. 2. New, dient nur zu statistischen Zwecken. B. S. 20. Durch Ablegung der Doktordrüsung, was allerdmgs mit Geldiosten verwüpft ist.— Campfer Schweiz SS. Diesbezügliche Aus- lunst erhalten Sie durch den Dransportarbeiterverband, Engeluser IS, Berlin.— St. I. Deputation sür die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege, Ratbaus, Zimmer 1U|116.— H. B. 1871 und E. M. 187». An die Waisendeputation.— F. F. 28. In Nr. 139 unseres Blattes haben wir statistische Angaben über die Bierprodultion der verschiedenen Länder gebracht. Auch das von Ihne» näher bezeichnete Ge- biet der Biergewinnung haben wir schon behandelt.— M. F. 100. Der« artiges uns nicht erinnerlich.— A. K. 40. Wenden Sie sich an ewen Kammerjäger, Adreßbuch, 2. Band, Teil 4, Seite 213/219.— K. M. 14. Wenn ersorderlich, ja. Allerdings geht Berlin vor.— O. T. 85. In neuer Bearbeitung von Reinhardt im Deutschen Theater ausgesührt.— F. S« 4». Königliche Eilenbahndirektwn Berlin, Schönebergcr User 1—4. — Le. 3. Am besten wenden Sie sich an die Bühnengenossenschast. Gc< nannte Schule uns nicht bekannt. Privatinstitute nachzuweisen, müssen wir ablehnen.— Meier III und L. 103 Fragen Sie bei der Zentral- kommission der Krankenkassen an, Alerandeifftr. 39/40 ll.— O. N. 181. Gras Tauentzin.— T. H. 88. 1. Nein, soscrn das Kind nach dem 31. De- zember 1L99 geboren ist. 2. Für den Fall der Psändung kann Ihre Frau intervenieren. 3. AuSIünste über Privatinslitute müssen wir ablehnen. 4. Die Auslieserung Navoleons an Großbritannien. S. Der Kinderhandel. V. Zurück aus der Schlucht. 7. Die Rückkehr von unserer Rotlüste. »vafferstandO-Stachrlchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berlwer Wetterbureau. -j- bedeutet Wuchs,— Fall.—'s Nnterpegel. Wetterprognose für Freitag, de» 1». Juli 1018. Kühler, vorherrschend wolkig mit Regensällen, mäßigen nordwestlichen Winden und fortdauernder Gewitterneigung. WitteruugSüberstcht vo« 18. Jult 1918. Marktbericht von Berlin am 17. Juli 1S18, nach Ernnttelung d eS lönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise. Mewhandel) Ivo 5Mogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34, 00— MM Speis ebohnen, weiße, 30,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 10,00—16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,60—1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch I.SO— 2,40. Hammelfleisch 1,70—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3,40-5,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,20. Aale 1,20-3,20. Zander 1,60-3,60 Hecht« 1L0-2.80. Barsche 1,00—2,40. Schleie 1,20-3,20. Bleie 0,30-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—40,00. Verstsmclijfl�eit ist die Freundin alles Guten! Die verständige Hausfrau verwendet infolgedessen„KornfrancK". 36 Den echten„Kornfranck" gibt es nur in den grünen Paketen. | Todes-Anzeigen SozialiieinflkraL Mlmeiv Spandau. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß der Genosse Paul Haenisch in Icincni Berufe tödlich ver- unglückt ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fludel heute Freitag, nachmittags 31;, Ubr vom Friedhos in den Kisscln aus üatt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 293/15 Ter Borstand. Msgl-VöM der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 18. Den Berussgcnossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Leo§Caysep am Dienstag, den 16. Juli, ver- starben ist. Ehre seinem Andenken k _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. Juli, nach» mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Pius-Kirchhoses in Wil» helmsberg auS statt.> Um rege Beteiligung ersucht 254/16 Der Borstand. Deutscher lahalrarheiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zigarettenarbeiterin Pfau KoustaDtinoir am 17. Juli Im blühenden Aller von 25 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung erfolgt Sonn- abend, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoss w Friedrichsfelde aus. Rege Betelligung erwartet 187/15 Die Ortsverwaltuog. Deutscher Iransportarheiter- Verband. Bezirk GroB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Ariur Baldauf (HandtuchsaHrer) am 12. Juli im Alter von 33 Jahren den Tod durch Ertrinken jand. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgesunden. 65/10 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Rudolf Rittner Pankstrage 59, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 20. Juli, nachmittags 4>/i Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/5 Die Ortsverwaltung. Hern ksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und der zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines leider zu srüh dahingeschiedenen lieben Mannes, Sohnes, Schwiegersohnes, Bruders und Schagers, sagen wir auf diesem Wege allen Verwandten, insbesondere dem Transportarbetter- Verband, Settion der Wäschesahrer, den Parteigenossen des 6. Berliner Reichstags-Wahlkreises sowie den Kollegen der Firma Bach unseren besten Dank. 25A Im Namen der Hinterbliebenen Witt»« Baldanl. Meal-Gartenstadt-SjeiiliiDg Britz noch drei Einzimmerwohnungen srei- bändig zu vermieten. Ferner Ideal- Passage, Maresch- und Brusendorser Straße sam neuen Ringbabnhof Kaiser- Friedrich-Straße) noch einige Ein- und Zweizimmerwohnungen mit allem Komfort, auch zwei Stuben U.Kammer und eine Dreizimmerwohnung. 105/17 Stach kurzen aber schweren Leiden verstarb injolge eines Un- glückssalles am Montag unser guter Bater, Bruder und Schwa- ger, der Former Rudolf Rittner im 44. Lebensjahr. Um stille Teilnahu/e bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittog ll,b Uhr von der Leichenhalle des städti- scheu Friedhofs in griedrichsselde aus statt.__ 2506b Danksagung. Für die rege Teilnahme und die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Unna Schröder unserer herzensguten, unvergeßlichen Mutter. Schwester, Schwieger- und Großmutter, sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein, den Kollegen von Rohrbach u. Co. unseren verbind- lichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Ott« Sofrrttdvw nebst Kindern 21a Bergstr. 52. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung memer lieben unvergeß- lichen Frau 48A �Ibertine Rendel sage ich allen Teilnehmern, WS- besondere den Genoffen Obst sür seine trostreichen Worte am Grabe sowie dem Schöneberger Männerchor, dep Mitgliedern des Wahloereins, den Genossen des 6. Frauenbezirks, und den Mitgliedern der 56. Verkaufsstelle der Konsumgenoffenschast meine» tief- gesühlteslen Dank. Der trauernde Gatte Ernst Rendel. Vsrw»!ti»iig Berlin. Heute, Freitag, abends 8l/g Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- ufer 14/15, Saal 4(ArbeitSlosensaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Branche der ¥ergolder. Montag, den 88. Juli, abends 8'/« Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 1: 86/15 Irsneden'Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenkommission. 2. Bericht vom Verbandstag. Möbelpolierer. Zu der am Sonntag, den 81. Juli 1318, stattfindenden Dampferpartie find noch Billetts im Bureau, Engelufer 14 Part., zu haben. Billetts werden nicht mehr zurückgenommen. Das Komitee. H.& P. Uder, Itcrlin SO, 16, Sngd-Ufer 5. Tabak-GroUhandlang und Xabakfabrik. d:;"3!: FJ.Burrus St. Kreuz LL. Größte Firma in Feinschnitt-Tabaken des Kontinents WM Shag Tabake u. Zigaretten. Amt moritssplatz 3014. Fünf Mn- eine AnM! = i _ Dl -Q— « 3 — Ol Lm O £ r � Einzig- und allein in Berlin Norden dnsHßbel- IlMii üifliSfil Hunnen- Magazin UIID FflElll Str. 120 Arbeitsnachweis: Hos I. Amt Norden, Nr. 1239. EharitEftraste 3. Hauptbsrean: Hos m. Amt Norden, Nr. 1937 Sonntag, den»1. Jnli 191», vormittags Uhr: = Versammlung= sämtlicher Konteure und Reifer der Koustmktious- betriebe Rrofi-Berlins im Lokale von Wollschläger, Adalbertstraße 21. Tagesordnung: 1. Unsere Vereinbarung von 1912. 2. Verschiedenes. DM- Da in dieser Versammlung die Vereinbarung gründlich be« sprocheit werden soll, ist das Erscheinen aller dringend notwendig. 121/4_ Die OrtaTerwaltam;. II-B. Sonntag, den 21. Juli 1912, vormittags 10 Uhr: Ritterstraße 75. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1912. 2. Bericht der Revisoren. 3. VereinSangelegenheiten undBer- schiedenes. 37/4 Arbeiter jeden Berufes, welche das 16. Jahr erreicht und daS 50. nicht überschritten haben, werden in der Versammlung ausgenommen. Im Auftrage des Verstandes: Badegast, Soldiner St raße 75 Part. Nathan Mand 18» Skaliffer Str. 18». Die schänsten Smoldiig-, Jackett-, Rock- und Gehrockanzüge erstklalsige, aus Seide gearbeitete Garderobe, von 342L Kavalieren setragen, fast neu, sür jede Figur paffend, speziell Bauch anzüge sind in großer Auswahl stets z» staunend � billigen Preisen zu haben. Nstkan Wand 1 Klilmtn- und Krantlitudert! von Robert Mever.* Jnh.: P. Coli et« u u r MllttlUtttttt-Straße 2. Telephon: Bioriyplan 34k. üiuld Solidarität Ortsgruppe Berlin. Tonren zum Sonntag, den 21. Jnli: 1. Slbt.: 3 Uhr: Wörlitz(per Rad), per Bahn 5 Uhr Anhatter Bahnhcg. 1 Uhr-Tour wird am Start, BÜIow- straße 53, bekannt gegeben. 2. Abt.: 4 Uhr: Scharmützelsee. lUhr: Zeuthen(AlbrcchtShos). Start: Schönleinstraße 6. 3. Abt.: 5 Uhr: Teuditz(Tor- now- Idyll). 12 Uhr: Rahnsdorf (Paradiesgarten). Start: Laufitzer Platz. 11. 4. Abt.: 5 Uhr: Blumenthal. 11 Uhr: Hungriger Wols. Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 6 Uhr: Wandlitz(See- terrasle(Badetour). 1 Uhr: Gorin- see. Start: Elhfium. 6. Abt.: 6 Uhr: KorbiSkrug (vadetour). 12'/, Uhr: Eichwalde (Witte). Start: Oderberaer Str. 28. 7. Abt.: 4 Uhr: Streiszüge durch den vlumenthal. 10 UhWr�straus- berg(Hungriger Wols). Stört: Schulstr. 29. 8 Abt.: 2 Ubr natt»: Nru- Ruppin(Schäler). 1 Uhr: Birken- werder. Start: Levetzowftr. 21. 9. Abt.: 18»/, Uhr: KintgS-Wuster. hausen. Start: Schtllwgstraße 22. Jugendliche Bundesgenossen: 7 Uhr: Finkenkrug bei Spandau. Start: Stralauer Brücke 3. Bon 1 bis 1»/, Uhr: Sammelstart: Reichs- kanzlerplatz zur Beteiligung beim Massenausflug der Arbeiterjugend (Alter Freund). ftahfungl Die Generalversammlung findet statt am 8K. Juli, aveud» 8»/, Uhr, in de« Sophien-Sälen, Sophieuftr. 17—18, am Hacke» scheu Markt. Die ausserordentliche Zentral. vorftandsfissung am Montag, den 88. Jnli. abends 8»/, Uhr, Stralauer Brücke 3. 12/6 Der Zeutralvorftand. Jeder Ardeiter. 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Die Musik wird von zwei Kapellen Leitung des Musikdirektors Herrn H o 1 1 1 e 1 d e r ausgeführt. Massengesang x Einzelchöre x Ulk-Trio Beacnders Belustigungen und Ueberraachungen fllr Jung und all. Dar Gesang wird auagefDhrt vom X Köjicntcber IKiinnci chor X Cburlotlenburger Elcdcrtafel X Frledricbbhagen. n Ann crcbor X Schttncbcrgcr Tliinnergouangvereln X WilmcrBdorler Sliinnerchor X Eintritt 25 Pf., Kinder frei. Tanz lür Herren SO PI. Jede« Kind erhalt L Bona gratis. Die Festteilnehmer können am Sonntag, den 21. Juli 1912, in der Zeit von 7—11 Uhr vorm. mit den Dampfern der Dampfergesellacbaft-Stern" ab Jannowitz- brücka nach dem Festplatz fahren. Der ermäßigte Fahrpreis beträgt 40 Pf. pro Person gegen Vorzeigung der Eintrittskarte.*— Die KalfeekUche Ist von 2 Uhr ab gefitfnet. 202/10__ Das VolkttfoHt-Komitcc. «n? I-t?.) LewandowSky- Sänger, Ouitzow« strasie 105. �73 tibeilei-WsiillmelM„Oeilin" Verein zur FSrdernng des Wandersports unter den organisierten Parteigenossen Qroß-Bcrlins. Am Tonntag, den 21. Juli, feiern wir im Lokal zum „KutvnbvFxz" In Noliöoblnlls bei Erkner unser 4» Stiftungsfest und laden fifermit alle Freunde unseres Percin««in, fich an nach. sotqenden Touren zu beteiligen: t. Treffpunkt 8';,— 9 Uhr Bahnhos Schmöckwttz- Etchwalde nach(Hosen 2. Absabrt 7.53 S.utcsischer Bahnhos bis Wilhelms. Hägen WolterSdorfer Schleuse 3. T> cssvuiitt 8 30— 8.45 Schlc'ischcr Bahnhot btS Erfner-Karntzsce 4. TrestpunN sür Nachzügler 1—3 Uhr Bahnhas Erkner. Dabewst sind bei unseren Führern(grüne Armbinde) BtlletlS zum er» mäßigten Preise von 20 Ps. für die Molorbootsahrt Erkner. Hohenbinde zu haben. In Hohenblnde: Handallnankanzart— Freibad— lau,— Preltkegeln. ———- Eintritt frei. Am Sonntag, den 15. September, findet unsere Hohenbinde. tonzelge! dritte eintägige Spreewaldsahrt statt. Teilnehmer. karten a 5,75 M, sind zu haben beim Führer der Tour Gaerg Weihnacht, Grünstr, 21, und m unserer Gcschäjtsstelle Prilz Kruse, Mariannenstr. 11. 1/6 Großes Sommerfest - der Arbeiter>Vereine- (Wahlverein, Gesangverein, Kadfahrerverein, Turnverein, Sohwunmklub) 241/10 Reinickendorf«Ost in am Sonntag, den 21. Juli 101» sonon fassenden, herrlich am„Schäferaea" gelegenen Restaurants„Seebad''(Kaiaer-Friedrlch-Garten), Ro in dem über 6000 Per- Garten des Residenzstr. 49. OroBea Gartenkoncert X Ocwang X Tan» Vorführungen der Arbeiterturner, Radfahrer und Schwimmer Anfang nachmittags» Uhr.— Entree»0 Pf.— Kinder frei. Von 5 Uhr ab Kinderspiele und Belustigungen, abends Fackelzug. Jedes Kind erhält I Bon für Stocklaterne u. Karustel od. Schaukel gratis. Die KaffcekUebe ist von»—6 Ihr geöffnet. Um zahlreichen Besuch bitten 01» veranstaltenden Vereine. Admiralspalast am Bahnhof Friodrichstraßo. ». Z. elnulgcr Hlnpalaut. Angenehm kühler Aufenthalt Heute» groSe Vorstellungen». Nachmittags und abends: Das sensationelle Ei»ballett „Yvonne". Willi Frlck, der kleinste Eislanfkünstler. Bis 6 Uhr und von 10'/� Uhr abends halbe Kassonpreise. Restanpant 1. Rängest Wein- und Bier-Abteilung. »WWWWWWWWWWg-WWWWWWl I Poigt-THcatcr. (Heiundbruiinen Badstratze 58. Heule sowie täglich: Nie Tochtrr der$tit Gr. rom. AusstattungSstült m. Tanz und Gesang in 5 Bildern. Neue BctcuchlungSestctle uiw. usw. u. d. grosie Spezialstäten-Progranim Kasscncröftiiung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. ues in errrnnri �ir.Ncoue._---------»—>——»»— Perantwortlicher Redalteur; Vlbtrt Wachs. Berlin. Für dm KnseralenleU veranlw-: Th- Glocke. Berlin. Druck u. Berlag: Louoärt» Luchdruckeret u. BerlagSansloU Paul Singer u. Co.. Berlin SVA «SmgzliuIl.üszlM. Ecke Holzmarll« u. Alexander str. hin. Aug?! 8 GlaozBiiiDinero und„Die weiße Dame*' Schwank mit Gesang. Ab 8 Uhr. 8ö08ZiioliöIIös Lacherfolg I Clown Alt. nuniela mit seluen Zlrkusspätze» Ada Pagini Kgl. 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